20 705 2 wDSSSSSRSRRRSSFRRNRNRRRNRCSNN V 11 14 „ 2 2 8 — —4 Senn zum attesdienstlichen Gebrauche für protestantisch⸗evaygelische Ehy Speyer, 1901. Verlag der allgem. protest. Pfarrwitwenkasse der Pfalz. — — C — — 4. — O — — — 1.— 8 — E 5 — 2 — 2 5.— — 6 Privilegium. Wir Waximilian Ioseph, von Gottes Gnaden Rönig von Bayern etr. Mir haben Uns bewogen gefunden, der Versorgungs⸗ Anstalt für geistliche Witwen und Waisen im Rheinkreise zu ihrer besseren Begründung ein Privilegium auf den Druck und Verlag des neuen Gesangbuches für die dor tige vereinigte evangelische Kirchengemeinde sowohl, als auf alle für den Rheinkreis erscheinenden protestantischen liturgischen Schrif— ten und die in den Schulen einzuführenden Religionsbücher zu verleihen. Wir erteilen daher gedachter Pfarr-Witwen- und Waisen⸗Pensions⸗Anstalt das Recht, zur Erzielung möglichst wohlfeiler Preise und der nötigen Gleichförmigkeit oben— genannte Bücher ganz allein zu verlegen, zu drucken, aus⸗ zugeben und feilzuhalten, und dieselben durch aufgestellte arien im ganzen Rheinkreise vertunsen zu lassen. Demzufolge verbieten Wir allen Unseren Unter⸗ thanen, insonderheit aber allen in Unseren Staaten an⸗ gesessenen Buchdruckern und Buchhändlern, bei Vermeidung Unserer ailerhwehsten Ungnade und einer Strafe von einhundert Dukaten, wovon jedesmal die eine Hälfte Unserer Staatskass„die andere Hälfte aber besagter Ansealt zufallen soll, sich unter keinerlei Form und Vor⸗ wand, weder mittel- noch unmittelbar, einen Nachdruck oder Debit gemeldeter Bücher und Schriften zu erlauben. Zugleich ermächtigen Wir Unser protestantisches Konsistorium zu Speyer, als Aufsichtsbehörde jener Anstalt, zur Sicherung dieses Privilegiums, bei verspürten Eingriffen mit Hilfe Unserer Obrigkeiten gegen die Beeinträchtigenden ehzushneiden die unrechtmäßigen Auflagen wegnehmen zu lassen und nach den darüber erhaltenen Weisungen damit zu schalten,‚ weshalb zu jedermanns Kenntnis und Warnung die in dem Verlage gemeldeter Anstalt erscheinenden Schrif— ten mit einem besonderen Stempel vor der Abgabe zu be⸗ zeichnen sind. Zu dessen Urkunde haben Wir diesen Brief allerhöchst eigenhändig unterschrieben, U user Königliches geheimes Insiegel vordrucken lassen und die eemrs desselben durch das allgemeine Regierungs- und Intelligenz-Blatt befohlen. Gegeben T egernsee, den fünfzehnten September im Jahre ein tausend achthundert zweiundzwanzig, Unseres Reiches im siehtehnten Max Avseph. (. S. Graf von Thürheim. Auf Königlichen allerhöchsten Befehl Der General-Sekretär. Statt dessen: Staudacher, geheimer Sekretär. Porrede. —— Nach dem einmütigen Beschlusse der vom zweiten bis zum sechzehnten August 1818 in Kaiserslautern ge⸗ haltenen Generalsynode, auf deren Verhandlungen sich die am neunundzwanzigsten November desselben Jahres gefeierte kirchliche Vereinigung der protestantischen Christen in dem Königlich bayerischen Rheinkreise gründet, erscheint gegenwärtige Sammlung geistlicher Lieder, welche von der Generalsynode des Jahres 1821 geprüft und angenommen, sich auch der allerhöchsten Genehmigung und eines von der Gnade Seiner Majestät des Königs ihr huld⸗ vollst erteilten Privilegiums zu erfreuen hat. Daß weder Ueberladung noch Mangelhaftigkeit diesem Buche möchte zur Last gelegt werden können; daß bei Ausfüllung der verschiedenen Rubriken sich allenthalben mit der gebührenden Achtung für beliebte ältere Lieder eine gerechte Rücksicht auf das verbände, was wir den neueren Dichtern geistlicher Gesänge Gutes und Schönes verdanken; daß, so viel es nur immer geschehen konnte, in den vorhandenen Liedern jede Härte des Ausdrucks verschwände und doch dem Geiste derselben keine Gewalt angethan würde; daß die Auswahl der Melodien sich möglichst auf die bisher bekannten beschränkte und überall eine ungekünstelte, edle Einfachheit zu erstreben suchte; VI daß endlich, unbeschadet der Vollständigkeit, der Inhalt sich nicht zu einem Umfange ausdehnte, welcher den An⸗ kauf des Buches erschwerte: das waren die wesentlichsten Forderungen, denen bei diesem wichtigen Unternehmen Genüge gethan werden sollte. Möchte diese, mitunter höchst schwierige Aufgabe zur allgemeinen Zufriedenheit glücklich gelöst worden sein! Derselbe fromme Sinn, welchem gegenwärtige Samm— lung geistlicher Lieder ihr Dasein verdankt, begleitet nun— mehr ihr öffentliches Erscheinen mit dem innigen Wunsche, daß dieses Buch, als rühmliches Denkmal der christlichen Eintracht, welche Gemeinden und Lehrer beseelt, eine recht freudige Aufnahme finde und bleibenden Segen stifte. Mit immer neu belebender Kraft komme es der öffentlichen und häuslichen Andacht zu Hilfe; es wecke und nähre Gefühle des Dankes und der heiligen Freude vor dem Allgütigen; es lasse keinen Tugendhaften ohne Ermunterung, keinen Leidenden ohne Trost: es werde ein Antrieb für Kinder und Enkel, nach der Väter Weise immer mehr fortzuschreiten in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, und zu wachsen in allen Stücken an ihm, der das Haupt ist! Speyer, im Monate Jänner 1823. Inhalt. Einleitung. Bestimmung des Menschen, Religion, Bibel Glaubenslehre. J. Von Gott und seiner Schöpfung II. Von der Erhaltung und Regierung der Welt oder von der göttlichen Vorsehung III. Von Gottes Wesen und Eigenschaften 1. Ewigkeit und Unveränderlichkeit 2. Allmacht 3. Allwissenheit und Allgegenwart 4. Weisheit ů ö 5. Liebe, Güte, Barmherzigkeit, Gnade, Ge⸗ duld und Langmut 6. Heiligkeit und Gerechtigkeit 7. Treue und Wahrhaftigkeit 8. Höchste Seligkeit Nro. 113 14—19 20—35 36—39 40— 41 42—44 45—48 49—50 51—56 57—60 61—62 63—64 VIII Inhalt. Nro. IV. Von der Sünde und ihrem Elende 65— 09 V. Von der Erlösung der— Ad⸗ ventlieder 70— 7 1. Menschwerdung, Geburt und Cigen schaften des Erlösers.— Weih⸗ nachtslieder. ů 74— 81 2. Von den Lehren und dem Eeben Jesu 82— 86 3. Von dem Leiden und Sterben Jesu. — Passionslieder ö 87—103 + 4. Von der Auferstehung Jesu.— Oter⸗ eder 6104—112 5. Rückkehr Jesu in die Hern Uchteit. 4 Himmelfahrtslieder ö ů 113—117 4 6. Wiederkunft Jesu ö 118—120 7. Christus als Haupt seiner Geuenide 121—124 8. Wirkung Christi auf seine Gemeinde N. durch das Lehr⸗ und Predigtamt 12⁵ 9. Verhalten gegen Jesum: a. Glaube an Jesum. ů 126—130 b. Dankbarkeit und Verehrung. 131—135 C. Liebe und Treue gegen ihn. 136—140 d. Gehorsam gegen Jesum und Nachahmung seines Beispiels 141—143 Freimütigkeit im Bekenntnisse seiner Religion: 14 * DDDDE Inhalt. VI. Von der Heiligung des Menschen.— Pfingstlieder. 1. Von dem heiligen Geiste Von der geliums ö 3. Von der Gründung und Erweiterung der christlichen Kirche ů Von der christlichen Besserung.— Vorbereitungslieder; sowie auch am jährlichen Buß- und Bettage. Verbreitung des Evan⸗ * 37 a. Erkenntnis der Sünde und Bitte um Vergebung derselben b. Scham und Reue C. Fortgang und Wachstum in der christlichen Besserung d. Warnung vor dem Ausschub der Besserung VII. Von den Mitteln zu unserer Heiliguns und Seligkeit. 1. Von dem Worte Gottes. 2. Gebet 3. Von den heiligen Suträmenten und der Konfirmation. a. Taufe b. „Das heilige Abendmahl IX Nro. 145—155 156—157 158—160 161—168 169— 170 171—173 174—1760 17717 180—186 187—189 190— 196 197— 208 DRRRNRNRNRNRRRNNNRNRNRNRREEDEN— 4 5 — 1 4 N 1. * N. X In halt. Die Sitten⸗ und Tugendlehre. J. Tugend, Pflicht, christliches Hauptgebot II. Einzelne Pflichten. 2 Pflichten gegen Gott. a. Erkenntnis und Verehrung Dankbarkeit Freude an Gott, Liebe zu ihm und Streben nach Gottähnlichkeit Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen Willen ů ů Ehrfurcht gegen Gott, Heilighaltung des Eides. Bei öffentlichen Katechisationen Beim Anfange und Schlusse des Schul⸗ 4. D. unterrichts Pflichten gegen uns selbst. Christliche Selbstliebe Sorge für die leibliche Wohlfahrt: Gesundheit, Ehre, Eigentum ꝛc. „Sorge für die Wohlfahrt der Seele: Weisheit(Erkenntnis), Tugend und Seelenruhe, himmlischer Sinn Nro. 209— 212 230— 232 233— 248 24925⁵ 256—257 260 261—279 280— 300 Ꝙ Inhalt. 3. Pflichten gegen den Nächsten. a. Allgemeine Pflichten. Ad. b. mm. un. Achtung und Liebe Teilnahme an anderer Schicksalen und Fürbitte für sie. Wider den Neid Gerechtigkeit und Billigkeit dd. Güte, Wohlthätigkeit und Barm⸗ herzigkeit 2. Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit (Treue, Redlichkeit) und Vorsich⸗ tigkeit im Reden Leutseligkeit und Dienstfertigkeit. Dankbarkeit Demut und Bescheidenheit „Sanftmut und Friedfertigkeit g. Geduld und Nachsicht Versöhnlichkeit und Feindesliebe Sorge für des Nächsten Leben, Gesundheit, Ehre, Eigentum, Wiedererstattung Sorge für des Nächsten Weis⸗ heit(Erkenntnis), Tugend und Seelenruhe Nro. 301—307 308—314 315—317 318—321 327328 329—330 331 334—335 336—340 341—345 346—352 XII 0O0. Inhalt. Sorge für das Wohl der Nach⸗ welt b. Besondere Pflichten in gewissen Ständen und Verhältnissen. aa. bb. L. dd. EC. fl. gg. Hh. Ehegatten.— Bei Trauungen. Eltern, Vormünder und Er⸗ zieher ö Kinder und Verwaiste(Mündeh Geschwister und Blutsverwandte Dienstherren und Dienstboten Freunde ö Vaterland und Wohnort Obrigkeit und Unterthanen. digung ů Am Geburts⸗ und Namensfef te der Hul⸗ des Landesvaters oder Landesmutter Trauer des Vaterlandes Verteidiger des Vaterlandes Nachbarn Alter und Jugend Arme und Reiche Fremde und Reisende Kirchengesellschaften. 356—358 359—361 362—363 364—365 366—367 368—-370 371—373 374—378 379—384 385—386 387 388 389—- 390 391—393 394— 395 396—397 V R — W— Inhalt. XIII pp. Prediger und Gemeinden.— Nro. Ordination und Einführung 398—401 gq. Schul- und Jugendlehrer. In Schulen und bei Schulprüfungen 402—406 rr. Landleute, Künstler und Hand⸗ werker 407— 409 Ss. Verhalten gegen die tierische 935 leblose Schöpfung 410—411 Zukunft. J. Kürze des Lebens und weiser Gebrauch desselben 412—416 II. Von dem Tode. 1. Vorbereitung auf denselben 417—421 2. Wider die Todesfurcht 42²—428 III. Auferstehung der Toten und Wieder⸗ 429—432 sehen IV. Allgemeines Weltgericht V. Von der Ewigkeit. 433—436 1. Ueberhaupt—437—441 2. Von den verschiedenen Schickgalen der Frommen und Gottlosen in der Ewigkeit 442—446 Besondere Umstände, Vorfälle und Zeiten. J. Besondere Umstände und Vorfälle. Nro. 1. Einweihung einer Kirche und Orgel 447—449 XIV — Inhalt. Im Kriege Am Friedensfeste Bei und nach allgemeiner Not Bei und nach Mißwachs und Teuerung ö Bei und nach Krankheiten und an⸗ steckenden Seuchen „Bei und nach anhaltender Mise Bei und nach anhaltender Dürre „Bei und nach einem Gewitter In und nach Wassersgefahr Bei strenger Kälte Nach einer Feuersbrunst Bei Begräbnissen a. Bei dem Tode eines Gatten, einer Gattin b. Bei dem Tode der Eltern C. Bei dem Tode eines Kindes d. Bei dem Tode junger Personen E. Bei dem Tode alter Personen f. Bei dem Tode eines Religions⸗ lehrers ö g. Bei dem Tode eines Verun⸗ glückten h. Beruhigung und Trost i. Andenken an die Vollendeten. — Besonders am Schlusse des Jahres Nro. 450 451—453 4⁵54—457 458—459 460—464 465—466 467—- 469 470— 471 472— 473 474 47⁵ 476—484 485—486 487—488 489— 490 491 492 493 494 495—497 498— 499 –—— 77—————e ⏑⏑. Inhalt. II. Besondere Zeiten. 9 d — 6. —4 Jahreswechsel ů Schluß und Anfang des Kirchemahres Beim Anfange und Schlusse der Woche. Sonntag Tageszeiten. a. Morgenzeit b. Mittagszeit.— Ti C. Abendzeit Wechsel der Jahreszeiten a. Frühling b. Sommer C. Herbst d. Winter Saatzeit, Erntezeit. Ernte und Herbst schlieder Dankfest für Reformationsfest Amts⸗- und Ehe⸗Jubelfeier. a. Amts-Jubelfeier b. Ehe⸗Jubelfeier XV Nro. 500— 510 5112513 514—516 517—523 524— 526 527— 536 537 538—540 541—542 543—544 1 24. Melodien-Perzeichnis. Ach Gott und Herr 12. Ach Jesu, meiner Seelen Freude 427. Ach, was soll ich Sünder machen 168. 305. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig 412. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' 229. 109. 116. 191. 293. 447. 550. Alle Menschen müssen sterben 442. 25. 33. 162. 231. 316. 324. 346. 350. 361. 431. 505. 510. Allmächtiger, wir singen dir 27. 54. 117. 155. 354. 372. 538. 554. An Wasserflüssen Babylon 56. 128. 213. 280. 352. 464. 544. Aufersteh'n, ja aufersteh'n 430. 306. 432. 476. Auf meinen lieben Gott 245. 65. 454. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir 235. 47. 103. 174. 307. 353. 375. 424. 446. 459. 460. 474. 486. Begleite mich, o Christ, wir gehen 91. 199. 559. Christ, unser Herr, zum Jordan kam 36. 284. 557. + Dir, dir, Jehovah, will ich singen 216. 62. 187. 262. 294. 331. 349. 394. 451. 469. 471. Du, o schönes Weltgebäude 194. 225. 495. Durch Adams Fall ist ganz verderbt 390. Ein' feste Burg ist unser Gott 121. 21. 512. Eltern, weinet auf das Grab 490. Ermunt're dich, mein schwacher Geist. 78. 341. Erschienen ist der herrlich' Tag 186. Er starb, der größte Held 181. 9. 179. 182. 217. 218. 250. 254. 330. 365. 416. 438. 444. 488. Es ist das Heil uns kommen her 215. 2. 40. 57. 122. 126. 156. 177. 211. 297. 360. 399. 507. 548. 558. Es ist gewißlich an der Zeit 435. 1. 28. 59. 118. 265. 269. 271. 272. 288. 325. 332. 347. 369. 371. 492. Es ist nicht mehr, für mich nicht mehr 489. XVIII Melodien⸗Verzeichnis. 25.7 Freu' dich sehr, o meine Seele 58. 6. 96. 145. 148. 207. 286. 461. 530. ö 26.4+ Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen 82. 171. 209. 264. 285. 327. 357. 373. 396. 511. 549. 27.+ Gott des Himmels und der Erden 519. 10. 50. 149. 158. 297. 320. 335. 342. 100. 467. 28.+ Gott ist mein Lied 43. 296. 29.7 Gott sei Dank in aller Welt 73. 163. 377. 425. 30. Herr, ich habe mißgeh. 337. 69. 166. 321. 364. 496. 31. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend' 151. 287. 312. 368. 409. 482. 515. 526. 546. 32. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht 63. 18. 322. 345. 359. 408. 543. 33. Herr Jesu, Gnadensonne 283. 34.+ Herzlich thut mich verlangen 89. 7. 31. 34. 143. 164. 190. 201. 240. 292. 313. 323. 386. 417. 433. 498. 35.+ Herzliebster Jesu, was hast du verbr. 87.410. 472. 536. 36. Ich dank' dir schon durch deinen Sohn 518. 19. 407. 37.4+ Ich hab' genug 61. 38. Ich hab' mein Sach' Gott heimgestellt 415. 39. Ich ruf' zu dir, Herr Jesu Christ 5. 40.+ Jehovah, Jehovah 226. 41.7 Jesu, meine Freude 132. 72. 157. 42.+ Jesus, meine Zuv. 110. 105. 111. 119. 268. 302. 362. 43. In dich hab' ich gehoffet, Herr 263. 463. 547. 44. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn 15. 133. 282. 299. 315. 338. 392. 441. 45. Laßt mich weinen, ach! sie haben 485. 46. Liebster Jesu, wir sind hier 214. 11. 41. 84. 170. 189. 222. 493. 47.+ Lobe den Herren, den mächtigen König 227. 76. 452. 48.+ Mache dich, mein Geist, bereit 175. 71. 219. 300. 344. 465. 513. 49.+ Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' 141. 44. 45. — 98. 314. 18. 09. 50.+ 51.4 52. Melodien⸗Verzeichnis. XIX 129. 183. 192. 274. 277. 301. 303. 326. 336. 340. 351. 366. 483. 545. Meinen Jesum laß ich nicht 138. 68. 127. 144. 188. 196. 204. 246. 252. 414. 419. 434. 448. 560. Mein's Herzens Jesu, meine Lust 17. 39. 329. 411. 502. 506. 516. Mein Jesus ist mein Leben 426. 100. 135. 160. 206. 259. 333. 403. 456. 494. 497. Mein Leben ist ein Pilgrimstand 420. 528. Nie will ich dem zu schaden suchen 339. Nun danket alle Gott 223. 380. 462. 473. 524. Nun lob', mein' Seel', den Herren 123. 3. 468. Nun ruhet in den Wäldern 527. 29. 95. 97. 180. 202. 258. 242. 243. 256. 261. 270. 310. 317. 356. 367. 385. 389. 480. 534. Nun sich der Tag geendet hat 532. 8. 150. 167. 172. 255. 457. 470. 508. 525. 537. 551. O Ewigkeit, du Donnerwort 120. 4. 248. 251. 395. O Gott, du frommer Gott 165. 13. 24. 32. 48. 195. 249. 260. 279. 304. 383. 393. 509. O Traurigkeit, o Herzeleid 99. 102. 487. Preis dem Todesüberwinder 107. + Schmücke dich, o liebe Seele 86. 200. 203. 220. Schwing' dich auf zu deinem Gott 161. 75. 90. 142. 230. 319. 479. 503. Schwingt, heilige Gedanken 37. 49. 60. 146. 247. 290. 378. 423. 458. Sieh', hie bin ich, Ehrenkönig 134. 318. 500. Sollt' ich meinem Gott nicht singen 228. 131. 253. 334. 370. 540. Trockne deines Jammers Thränen 499. Tugend, o wie schön bist du 210. Valet will ich dir geben 81. 130. 539. 542. Vater unser im Himmelreich 125. 22. 67. 278. 348. XX Melodien⸗Verzeichnis. 72.½ Vom Himmel hoch, da komm' ich her 80. 151. 555. 73. Von Furcht dahin gerissen 93. 94. 74.½. Wach' auf, mein Herz, und singe 520. 466. 501. 75.½ Wachet auf! so ruft die Stimme 429. 16. 42. 70. 104. 112. 115. 197. 198. 382 401. 440. 443. 556. 76.½ Warum sollt' ich mich denn grämen? 152. 77. 139. 244. 276. 77.½ Was Gott thut, das ist wohlgethan 236. 26. 30. 137. 184. 193. 233. 239. 258. 281. 363. 374. 384. 388. 428. 478. 514. 552. 78. Was mein Gott will, gescheh' 124. 23. 53. 212. 234. 79. Welt, ade, ich bin dein müde 491. 298. 80. Wenn du, mein Gott, verlangst 173. 35. 176. 185. 273. 328. 343. 531. 81.½ Wenn wir in höchsten Nöten 237. 92. 376. 387. 391. 398. 413. 418. 455. 475. 477. 481. 484. 535. 82. Werde munter, mein Gemüte 517. 266. 308. 311. 529. 83.+ Wer ist gut wie du 140. 84.½ Wer nur den lieben Gott 241. 83. 101. 169. 178. 205. 291. 295. 355. 402. 421. 436. 437. 450. 523. 85. Wie groß ist des 51. 66. 208. 267. 504. 533. 86.½ Wie leuchtet uns der Morgenstern 74. 20. 38. 55. 79. 106. 113. 147. 153. 159. 358. 379. 397. 400. 405. 422. 439. 445. 521. 553. 87.7 Wie selig bin ich, wenn mein Geist 64. 14. 108. 114. 154. 224. 381. 404. 449. 453. 522. 88. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen 136. 309. 541. 89. Wir Christenleut' 221. 90. Wo sind die Weisen, die 46. 85. 88. 232. 275. 289. 91. Wunderbarer König 52. Anmerkung. Bei den über halben oder punktierten halben Noten stehenden Fermaten(] wird nicht, wie bei den über Vierteln stehenden, länger ausgehalten, sondern genau im Takte fortgesungen. Da nach den mit bezeichneten Melodien die besten und meisten Lieder des Gesangbuches gesungen werden, so muß auf die Einübung dieser Melodien in den Schulen zunächst gesehen werden. Einleitung. Bestimmung des Menschen, Religion, Bibel. Mel. 435. Es ist gewißlich an von dir, auf deiner Erde der Zeit ꝛe. wohnen. Was jenen fehlt, 1. Laß mich des Menschen verliehst du mir, Vernunft wahren Wert, mein Gott, zu und Freiheit, und mit ihr Ge⸗ Herzen nehmen und dessen, fühl von Recht und Unrecht. was mich selbst entehrt, mich 4. Du schufst mich zur Ge⸗ allzeit innigst schämen! Nie selligkeit und für der Freund⸗ komm' es mir aus meinem schaft Freuden; gabst mir ein Sinn, was alles ich vermag Herz voll Fühlbarkeit für und bin durch deine weise andrer Glück und Leiden; Güte! noch mehr, ein Herz, das 2. Du schufst mich nicht fähig ist, sich dein, der du bloß Fleisch und Bein zu mein Vater bist, zu freu'n diesem Erdenleben; du ließest und dich zu lieben. mich ein Wesen sein, das 5. In stiller Andacht kann nach Vernunft soll leben. Ich mein Geist sich bis zu dir kann mehr, als die Sinne rührt erheben, dir, den die ganze und durch sie Schmerz und Schöpfung preist, auch Preis Lust gebiert, umfassen und und Ehre geben. Auch ich erwagen. kann thun, was dir gefällt, 3. Gott, diesen Vorzug und um mich her in deiner gabst du mir vor so viel Mil⸗Welt, was nützlich ist, ver⸗ lionen, die, auch belebt, genährt breiten. 1 2 Bestimmung des Menschen, 6. Nicht bloß für diese kurze Zeit riefst du mich in dies Leben, zu Freuden einer Ewigkeit soll sich mein Geist erheben; und wird auch gleich der Leib zu Staub, so bleibt er nicht des Grabes Raub; du wirst ihn auferwecken. 7. Vom Himmel kam, ge⸗ sandt von dir, dein Sohn zu uns auf Erden; er kam und ward ein Mensch wie wir, der Menschen Heil zu werden. Wie hoch sind wir durch ihn geehrt, wie ernstlich durch ihn selbst belehrt, der Menschheit Wert zu schätzen! 8. Und diese Würde zu entweih'n, sollt' ich gleich Tieren handeln, der Sinn⸗ lichkeit ergeben sein, nicht rein und heilig wandeln? Fern sei ein solcher Sinn von mir! Bewahre mich, mein Gott, dafür, daß ich mich so nicht schände! 9. Gib, Vater, daß ich allezeit auf mein Gewissen achte, nach Weisheit und nach Frömmigkeit mit allem Eifer trachte, dich liebe und mich deiner freu' und so des Vor⸗ zugs würdig sei, den du mir hast verliehen! 10. Stets will ich nach Voll⸗ kommenheit mit allem Eifer trachten und mich, weil Sünde mich entweiht, zu hoch für Sünden achten. Nur wer nach diesem Adel strebt und seines Vorzugs würdig lebt, kann sich der Menschheit freuen. Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 2. Wie wichtig ist doch der Beruf, den du mir, Gott, gegeben! Als einst mich deine Liebe schuf, da schuf sie mich zum Leben; zum Leben, welches ewig währt, wo uns kein Leiden mehr beschwert, willst du mich hier erziehen. 2. Nicht hier ist unser Vaterland, es kommt ein höh'res Leben, wo du uns wirst mit milder Hand des Himmels Glück einst geben, das uns nicht Zeit, nicht Zufall nimmt; hier sind wir nur von dir bestimmt, uns dessen wert zu machen. ö 3. O, laß mir doch dies große Ziel durch nichts ver⸗ rücket werden! Was hilft's, wenn ich auch noch so viel von Gütern dieser Erden, von Ehre, Geld und Lust gewinn, 1 —— TVHa——— IKTNYTIAAüö———.—.——— Voll⸗ Vifer ünde für nach eines kann en. 793. uns der zott, eine mich eben, uns wert, ehen. unser ein uns des eben, nicht d wir uns dies ver⸗ ilft's, )viel „ von winn, Religion, Bibel. 3 und doch dabei nicht fähig bin der höhern Geistesfreuden? 4. Auf kurze Zeit bin ich nur hier; dies laß mich nie vergessen! Nur wenig' Tage hast du mir zur Uebung zu⸗ gemessen; schnell, wie ein Traum, sind sie vollbracht und dieser schönen Erde Pracht wird dann auch mir vergehen. 5. Drum laß mich jene Herrlichkeit, Gott, stets vor Augen haben und hier in uns'rer Prüfungszeit um jene bessern Gaben, die mir im Tode nicht entflieh'n, vor allen Dingen mich bemüh'n, und so zur Ernte reifen! 6. Ein Herz, das dich, o Vater, liebt und deines Sohn's sich freuet, das so wie er die Tugend übt und sich vor Sünden scheuet, ein solches Herz, das wird allein sich ewig deiner Güte freu'n in jenem höhern Leben. 7. Zu diesem Sinne wollst du mir, Gott, Mut und Kräfte geben, damit ich immer möge hier nach den Gesetzen leben, die selbstim Himmel giltig sind, bis ich, als dein geprüftes Kind, zu jener Freude gehe! Ernst Gottl. Woltersdorf, 1725—1761. Mel. 123. Nun lob', mein Seel', den Herren ꝛc. 3. Lobsinge, Mensch, lob⸗ singe dem Gott, dem Preis und Ruhm gebührt, dem Schöpfer aller Dinge, dem Herrn, der weislich sie regiert! Er rief auch dich ins Leben und lehrte deinen Geist mit Mut nach allem streben, was groß und edel heißt; verlieh dir hoher Gaben und reger Kräfte viel'; denn glänzend und erhaben ist, Sterblicher, dein Ziel. 2. Was sind die Seelen⸗ kräfte des Tiers, das nicht vernünftig denkt? Auf tie⸗ rische Geschäfte sind sie vom Schöpfer eingeschränkt. Es kann bei blinden Trieben, die es befolgen muß, nichts suchen und nichts lieben, als sinn⸗ lichen Genuß, steht auf der Schöpfung Leiter, o Mensch, tief unter dir und steiget hier nicht weiter; du bleibst sein Herrscher hier. 3. Mit edlern Fähigkeiten, die ewig wachsen, prangest du, und an Vollkommenheiten nimmst du durch Fleiß und Uebung zu. Du mehrst der Weisheit Schätze, indem du täglich lernst, vollbringst des 1* Herrn Gesetze stets leichter, ist dir's Ernst. Du darfst nur standhaft ringen, so stärkt sich deine Kraft, dich selber zu bezwingen, und du wirst tugendhaft. 4. Ja, legst du deine Mängel bei steter Selbstver— edlung ab, so prangst du dort als Engel, umfaßt gleich deinen Staub ein Grab. Dort sieht dein Geist stets heller, was er hier dunkel sah, und wächst im Guten schneller, als es einst hier geschah. Hier wandelst du auf Erden als Kind an Gottes Hand, um dort ein Mann zu werden an Kraft und an Verstand. 5. Groß ist dein Seelen⸗ adel; dein Ziel ist die Voll⸗ kommenheit. Ein Leben ohne Tadel führt dich, o Mensch, zur Seligkeit. Heil ewiglich dem Frommen! Er folget immer⸗ dar dem Jesu, der vollkommen wie Gott, sein Vater, war. Drum wird er einst, erhoben hoch über Tod und Grab, den Gott vollkommen loben, der Menschenwert ihm gab. 6. Lobsinge, Mensch, lob— singe dem Herrn, denn ewig ist dein Los! Sei thätig, strebe, Bestimmung des Menschen, ringe, so wirst du edel, gut und groß. O, trag' der Leiden Bürde getrost als Christ und Mann, weil sie des Geistes Würde erhöhen soll und kann! Stets vorwärts, nie zurücke! Dies muß dein Wahlspruch sein; so bleibt am Himmels⸗ glücke der schönste Anteil dein. Friedrich Mohn, 1762—1821. Mel. 120. O, Ewigkeit, du Donnerwort ꝛc. 4. Gedanke voller Seligkeit, Gedanke der Unsterblichkeit, du stärkster Trost im Leben! Was wär' mein Dasein ohne dich? Mit welchem Schauder würde mich die Zukunft oft durchbeben! Umsonst erhöbe sich mein Herz zum Himmel bei so manchem Schmerz. 2. Ich irrt' ein dunkles Thal hinab bis an mein schreckenvolles Grab, das Ziel von meinen Thränen. Was wäre meines Lebens Glück mehr als ein flücht'ger Augen⸗ blick, mehr als ein banges Sehnen? Was sind die Freu⸗ den dieser Welt, wenn ew'ge Nacht uns einst befällt? ö 3. Und ist der Leiden große Zahl in diesem dunkeln Pilger⸗ thal nicht oft das Los des und eiden und eistes ann! ücke! pruch nels⸗ dein. 1821. du gkeit, hkeit, eben! ohne auder ft oft rhöbe el bei inkles mein 5 Ziel Was Glück ugen⸗ anges Freu⸗ ew'ge große ilger⸗ des Religion, Bibel. 5 Lebens? Ist nicht das Laster oft beglückt, und seufzt nicht, tief in Staub gebückt, die Tugend oft vergebens? Wird nicht der Wahrheit hoher Wert oft von des Irrtums Nacht entehrt? 4. Heil mir, daß mich mein Gott erschuf! Die Ewigkeit ist mein Beruf, und hier das erste Leben. Zwar diese Hülle fällt einst ab, und Asch' und Moder füllt mein Grab: doch wird Mel. Ich ruf' zu dir, mein Geist sich heben, erheben über Grab und Staub, unsterb⸗ lich, keines Grabes Raub. 5. Heil mir, mein frohes Aug' erblickt die Brüder, die, der Erd' entrückt, vor mir den Sieg erstritten! Nach über⸗ rahanalle mach. 5. ütdn folgen alle nach. Es ist nun ausgelitten, und meinem Blick enthüllt sich dann der Gottheit großer, weiser Plan. Joh. Benj. Koppe, 1750—1791. Herr Jesu Christ ꝛc. Aus Er-de ward mein Leib er-baut und wird auch wie⸗der Doch weiß mein Geist, der Gott vertraut, daß er nicht ster-ben — II—.— 1.—.— 5—— D—4 2 +——.———— D E————— 8——— Er⸗de.———— 5 900 5. Er, mehr als Staub, er, Got- tes Hauch, wird 2 +— +————— ————2——..———— Eeee Lue e Ee,—— . n n...——..—*.—1.——— nach dem Tod auch le- ben: schwe-ben, schwe-ben wird —.————— erexer, —————3.————— ..———..—— er zu Gott und auch Gott Mein Leib denkt nicht, mein in Geist allein kann denken,‚ außerm Lei ⸗-be le ⸗ kann begehren, des, was nicht sichtbar ist, sich freu'n, Gott 6 Bestimmung des Menschen, kennen und verehren, in dem, was er durch ihn empfand, dich, o mein Schöpfer, finden, dich empfinden und durch der Liebe Band sich selbst mit dir verbinden. 3. Du bautest eine Hütte mir, Gedanken da zu sammeln, und da zuerst, mein Gott, von dir und deiner Huld zu stam⸗ meln und, immer mehr veredelt, mich in deinem Lob zu üben und, getrieben von deinem Geiste, 312 stets inniger zu lieben. 4. Ach, viele Heiden wuß— ten's nicht, weil sie, verhüllt in Schatten, nicht deiner Wahr⸗ heit Sonnenlicht, dein Wort, o Gott, nicht hatten; ich aber weiß es. Welch ein Heil! Mag doch, was Staub ist, sterben und verderben; mein bes⸗ rer, höh'rer Teil, die Seele, kann nicht sterben. 5. Nicht sterben, ja nicht sterben! Gott, des bessern Lebens Glauben soll keines Lästrers Wahn uid Spott aus meinem Herzen rauben! Ich werde sterben; aber dann Wird Gott zu sich mich führen, triumphieren und meine Seel' und kann im Tode nicht ver— lieren. 6. Soll nicht verlieren; mehr dereinst, als ich mit allen Sinnen genieße, wann du, Gott, erscheinst, durch meinen Tod D Ich jauchze, daß ich ewig bin; denn nur mein Leib wird sterben. Gottes Erben ist dieser Tod Gewinn; die Seele kann nicht sterben. Joh. Andr. Cramer, 1723-1788. Mel. 58. Freu' dich sehr, o meine Seele ꝛe. 6. Schuf mich Gott für Augenblicke? bloß für diesen Traum der Zeit? nur zu ihrem eiteln Glücke, aber nicht zur Seligkeit? Ish was in mir denkt, ein Hauch? Schwindet es wie Dunst und Rauch, wann des Todes letzten Siegen alle Kräfte nun erliegen? 2. Bin ich, wann ich sterben werde, völlig der Ver⸗ wesung Raub? Dieser Leib, ich seh's, wird Erde, ach⸗ ein bald verwester Staub! O, erreich' ich hier mein Ziel, hätt' ich alles Selbstgefühl, alles Leben dann verloren, lieber wär' ich nicht geboren! 3. Ist dies Leben nicht zum Leben einer bessern Welt der Pfad,‚ f sagt, warum mir's Gott gegeben, mir Vernunft gegeben Religion hat? Glücklich wär' ich, nähm er mir's, gäbe mir die Lust des Tiers, das in Freuden hüpft und spielet und den Tod nie voraus fühlet. 4. Sein und dann ver⸗ nichtet werden: Mitternacht⸗ gedanke, fleuch! Oder, ihr Gewürm auf Erden, neidisch seh' ich hin auf euch. Denn was hülfe mir der Flug, der so oft zu Gott mich trug, wenn ich ganz im Tode stürbe, ganz, des Todes Raub, verdürbe? 5. Nein, Verächter, meinen Glauben, daß ich nicht ganz sterblich sei, soll kein Blend⸗ werk je mir rauben, keines Gewifss „Bibel. 4 Augenblick; schuf sie nicht, um sie zu quälen; schuf sie für ein ewig Glück. Nur für dieses schuf er sie; Seelen, Seelen sterben nie; selig machen oder richten wird er sie, und nicht vernichten. 8. Dieser heiße Durst im Herzen nach der Unvergäng⸗ lichkeit, dieser Drang in Leid und Schmerzen nach der Hei⸗ mat aus der Zeit— Zeugen, Bürgen sind sie mir, daß ich mich, mein Gott, zu dir, daß ich einst, wohin ich strebe, mich erheb' und ewig lebe. 9. Du, o Schrecken im ssen der Verbrecher, du, Leichtsinns Spötterei! Meine o Ruh' und, was Fromme Seele ist kein Rauch, ist ein Funken, ist ein Hauch, den ich von dem Schöpfer habe; ihn verweht kein Sturm im Grabe. 6. Geist! das ist mein hoher Name. Dieser Leib ist Hülle nur, einst des edlern Leibes Same auf der Auferstehung Flur. Wie ein Samenkorn verdirbt, Frucht zu tragen, also stirbt auch mein Leib, ein höh'res Leben einem edlern Keim zu geben. 7. Nein, Gott schuf nicht unsre Seelen bloß für einen nur genießen, hoher Friede Gottes du— Zeugen, Bürgen seid auch ihr, wann der Tod mich schrecket, mir, daß mein Geist nicht sterben werde, wann der Leib zerstäubt zur Erde. 10. Dankt es Jesu, Gottes Kinder, daß euch keine Zukunft schreckt, daß des Todes Ueber⸗ winder einst die Schlummern⸗ den erweckt! Euch empfängt, seid ihr ihm gleich, wann ihr sterbt, ein himmlisch Reich, wo zu einem bessern Leben Gott die Seinen wird erheben. 8 Bestimmung des Menschen, 11. Ewig, ewig werd' ich dies süße Vorgefühl. Er gab leben; sicher der Unsterblichkeit, mir's nicht vergebens; ich streb' ich, mich empor zu heben seh' mein höh'res Ziel. über jeden Traum der Zeit. 3. Vernichtet wird auf Erden Wandeln will ich fest und still auch nicht der kleinste Staub. jeden Pfad des Rechts und Thor! und des Menschen will unverrückt zum Ziele Seele wär' der Vernichtung streben, hier schon für den Raub? Der uns das Sein ge⸗ Himmel leben. geben, erhält, was er uns gab, 12. Aber, daß mein Flug schafft aus Verwesung Leben, nicht wanke, stärke mich, o lockt Keime aus dem Grab. Gott, dein Wort und der 4. Nach einem höhern Ziele selige Gedanke: dort ist meine strebt hier mein Geist schon Heimat, dort! Dort ist weder früh; doch ach, so sehr ich Schmerz noch Leid, Wonne nur ringe, erreich' ich es doch nie. und Herrlichkeit! Dort, oGott, Wozu der Mut, dies Streben, vor deinem Throne meines der Keim von hoher Kraft? Kampfes Preis und Krone! Für diese Spanne Leben? Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Wie klein, wie rätselhaft! Mel. 89. Herzlich thut mich 5. Der Geist des Menschen verlangen ꝛc. strebet nach Wahrheit und 7. Unsterblichkeit! Gedanke, nach Licht; doch ach, er strebt der meinen Geist belebt und vergebens, hier findet er sie in der Trübsal Stunden ihn nicht. O, dieser Durst nach zu den Sternen hebt! Du Wahrheit wird dort, nur dort strahlst mehr, als die Sonne, gestillt, wo einst in größ'rer mir Licht und Wärme zu; Klarheit der Born der Wahr⸗ mein Glück und meine Wonne, heit quillt. mein höchster Stolz bist du. 6. Hier weinet oft die 2. Ich sterbe nicht auf Tugend, verkannt, verfolgt, ewig, sonst wäre Leben Qual. geschmäht, indes des Lasters Ich komme nach dem Tode Sklave sich stolz im Glücke zu Freuden ohne Zahl. Es bläht. Dort über Sternen stammt vom Herrn des Lebens, thronet er, der Gericht einst hält. lohnet in einer bessern Welt. 7. Des freut sich meine Seele, die vor Erwartung glüht. Hoch tönet noch am Grabe der Sieger Jubellied. Ich weiß, an wen ich glaube, weiß, was mir Gott verheißt: der Leib nur wird zu Staube, unsterblich ist mein Geist. 8. So sterben Wald und Fluren im Winterschlaf dahin; die Frühlingssonne lächelt, und Wald und Fluren blüh'n. O Bild vom bessern Leben, du Flur im Frühlingskleid! Mein Haupt werd' ich erheben im Lenz der Ewigkeit. Nach Jak. Friedr. Schmidt, 1730— 1796. Mel. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛe. 8. Heil dem, der dich, Re⸗ ligion, durch Wort und That bekennt! Denn ihm gewährst du Seligkeit, die keine Sprache nennt. 2. Doch dem nur, der von Herzen dich bekennt, dem Frömmigkeit, dem wahre Tugend heilig ist, der ihr sein Leben weiht; 3. Der nicht nach leerem Schatten greift, vom Glauben nicht bloß spricht; nein, auch Die Tugend wird be⸗ Religion, Bibel. 9 des Glaubens Früchte bringt, das Gute thut aus Pflicht; 4. Den, göttliche Religion, führst du mit Mutterhand durchs Pilgerleben hin und bringst ihn einst ins Vaterland. 5. Schon hier wird jede Freude ihm verschönert, jedes Glück erhöht; denn inn're See⸗ lenruh' erheitert seinen Blick. 6. Und trübt sein Himmel sich, verbirgt die Sonne sich, so hellt ein Strahl von Gottes Licht ihm auf die schön're, bess're Welt. 7. Mit Mut gestählet, wird er selbst dem Tod ent⸗ gegenseh'n; er weiß: durch Gräber werden wir zum höhern Leben geh'n. 8. Gott, laß uns die Religion stets teu'r und heilig sein, und laß bei wahrer Frömmigkeit uns ihres Se⸗ gens freu'n! Herm. Christ. Gottfr. Demme, 1760—-1822. Mel. 181. Er starb, der größte Freund der Tugend ꝛe. „Religion, von Gott ge⸗ geben, wie bist du unserm Herzen wert! Ach! traurig ist das Erdenleben für den, der deinen Trost entbehrt: du gibst uns Trost in jeder Not, 10 besiegst die Furcht vor Grab und Tod. 2. Du bist es, die uns Gott erkennen, uns unsern Schöpfer lieben lehrt; wir dürfen ihn nun Vater nennen und hoffen, daß er uns er⸗ hört, uns Mut und Kraft zur Tugend schenkt und unser aller Schicksal lenkt. 3. Du lehrest unsern Geist fest glauben, er lebe fort in Ewigkeit; uns niemand rauben, Hoffnung der Unsterblichkeit. Und wo uns nichts mehr trösten kann, da fängt dein rechter Trost erst an. 4. Religion, des Lebens Wonne, begleite du uns bis ans Grab; einst strahle du, des Lebens Sonne, vor uns ins Todesthal hinab! Du ziehst um uns der Hoffnung Band, wir geh'n getrost an deiner Hand. Johann Otto Thieß, 1762—1810. Mel. 519. Gott des Himmels und der Erden ꝛe. 10. Teures Wort aus Gottes Munde, das so edle Früchte trägt, dich allein hab' ich zum Grunde meiner Seligkeit ge⸗ legt. In dir treff' ich alles an, Abgrund hin! was zu Gott mich führen kann. die Hoffnung soll die Bestimmung des Menschen, 2. Mich ergreifet jenes Le⸗ bens Freude, süßes Vorge⸗ fühl meines Denkens, meines Strebens, dort an meines Laufes Ziel, wann mein Blick, durch deine Macht, dringet durch des Todes Nacht. 3. Du, mein höchstes Gut auf Erden, FührerzurVollkommen⸗ heit, möcht' ich durch dich weiser werden hier in dieserPrüfungs⸗ zeit! Heil mir! deiner Weisheit Sinn führt zu hoher Würde hin. 4. Geist vom Vater und vom Sohne, du, o meines Gottes Geist! fordern könnt' ich's nicht zum Lohne, was du durch dein 13480 mir reichst; freie Güte war's, daß du dieses Licht mir sandtest zu. 5. Möcht' ich nun auch recht erkennen deiner Gabe hohen Wert und von frommem Eifer brennen, auf das, was dein Wort mich lehrt, voll von heil'gem Andachtssinn meinen Geist zu richten hin! 6. Möcht' auf seine Tugend— lehren, Lehren derUnsterb⸗ lichkeit, allezeit ich achtsam hören, daß nicht Welt, nicht Eitelkeit mich von Gottes Wegen zieh'n an des Lasters es Le⸗ zorge⸗ neines neines Blick, ringet ut auf nmen⸗ weiser ungs⸗ isheit de hin. rund Eifer geben, Religion, Bibel. 11 7. Was ich lese, möcht' ich's merken, was du sagst, möcht' ich es thun! Wird dein Wort den Glauben stärken, möcht' es dabei nicht beruh'n! Soll es wahr und lauter sein, sei auch Herz und Wandel rein! 8. Möchten alle meine Wege nur nach dieser Richtschnur geh'n! Wort, das ich zum Grunde lege, fest wie Felsen sollst du steh'n, daß mein Herz auch Trost und Rat in den Leidenstagen hat. 9. Jesu, dein so edles Leben,— deine Tugend, deine Treu'— möchten sie mir b0 auch ich mit heil'ger Scheu hier stets fest im Glauben steh', bis ich dort zum Schauen geh'! Benj. Schmolck, 1672—- 1737. Mel. 214. Liebster Jesu, wir sind hier ꝛe. 1I. Teuer sei mir allezeit, Herr meinHeiland deineLehrel Gib, daß ich mit Folgsamkeit treulich ihre Vorschrift ehre, dem, was sie Derhpißer traue, fest mein Hoffen darauf baue! 2. Nur bei deiner Wahr⸗ heit Licht lernen wir Gott recht erkennen, ihn mit froher Zuversicht unsern Gott und Vater nennen und nach seinem heil'gen Willen unsre Pflichten treu erfüllen. 3. Was die Weisen dieser Welt vor dir nicht erforschet haben, das hast du ins Licht gestellt, und durch deines Geistes Gaben bringst du es in unsre Seelen, daß wir Heil und Leben wählen. 4. Du entdeckst uns unsre Schuld und der Sünden großen Schaden, doch auch deines Vaters Huld und den Reich⸗ tum seiner Gnaden, lehrst uns aller unsrer Sünden gnädige Vergebung finden. 5. Huldreich rufest du uns zu:„Kommt zu mir, beschwerte Seelen! Es soll euch, zu eurer Ruh', nicht am Troste bei mir fehlen, wollt ihr anders von mir lernen, euch von Sünden zu Herr, dein Evangelium —56 viel' tausend, tausend Zeugen, die zu deines Namens Ruhm dankbar ihre Kniee beugen, daß du noch dein Wort erfüllest und der Seele Kummer stillest. 7. O, nimm gnädig an den Dank, den ich dir voll Ehrfurcht bringel Höremeinen 12 Bestimmung des Menschen, Lobgesang, den ich hocherfreut einst zu dir 515 will ich dir singe! Du, du heilst auch r dich loben. mich aus Gnaden von der 9. Stets, so lang' ich hier Sünde großem Schaden. noch bin, will ich dir zur Ehre 8. Köstlicher als Gold sei wandeln, täglich mit erneutem mir, was dein göttlich Wort Sinn nur nach deinem Worte mich lehret! Dank, ja ewig in. Uimmst du mich Dank sei dir für den Trost, einst im Scheiden auf zu den du gewähret! Werd' ich deinen höhern Freuden. Heinr. Erh. Heeren, 1728—1811. 12. Mel. Ach, Gott und Herr, ꝛe. 1655. x—— 2—.—— +....... ee,=. — Gott ist mein Hort, und auf sein Wort soll mei- ne See⸗le U D 5——— 6—— SSSIIIII.... DĩDĩDĩDDRRDRDRDRDRRDRRRRDRDRRRRRRR 660 en. Ich wand⸗le 4— mein Gott, vor dir, im — exx—. E.——— Glau-ben, nicht im Schau⸗en. 2. Dein Wort ist wahr; Seele Wert, Unsterblichkeit und laß ünwerdar mich seineräste Leben. Zur Ewigkeit ist diese schmecken; laß keinen Spott, Zeit von dir mir übergeben. o Herr, mein Gott, mich von 5. Dein ew'ger Rat, die dem Glauben schrecken! Missethat der Sünder zu 3. Wo hätt' ich Licht, versühnen, den kennt' ich nicht, wofern mich nicht dein Wort wär' mir dies Licht nicht die Wahrheit lehrte? Gott, durch dein Wort erschienen. ohne sie verstünd' ich nie, wie 6. Nun darf mein Herz ich dich würdig ehrte. in Reu' und Schmerz der 4. Dein Wort erklärt der Sünden nicht verzagen. Nein, M 6 vill ich h hier r Ehre ieutem Worte u mich uf zu eit und t diese geben. t, die er zu nicht, nicht ienen. Herz z der Nein, Religion, Bibel. du verzeihst, lehrst meinen Geist ein gläubig Abba! sagen. 7. Mich zu erneu'n, mich dir zu weih'n, ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh' vermag ich's nie, dein Wort gibt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, laß uns dies Wort! denn du hast's uns gegeben. Es sei mein Teil, es sei mein Heil und Kraft zum ew'gen Leben! Chr. F. Gellert, 1715-1769. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛc. 13. Soll dein verderbtes Herz zur Heiligung genesen, Christ, so versäume nicht, das Wort des Herrn zu lesen; bedenke, daß dies Wort, zum Heil der ganzen Welt, von Gott gegeben ist und seinen Rat enthält! 2. Merk' auf, als ob dir Gott, dein Gott, gerufen hätte; merk' auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel red'te! So lies, mit Ehrfurcht lies, mit Lust und mit Vertrau'n und mit dem frommen Ernst, in ihm dich zu erbau'n! 3. Sprich fromm: O Gott, vor dem ich meine Hände falte, gib, daß ich dein Gebot 13 für dein Wort ewig halte und laß mich deinen Rat empfin⸗ dungsvoll versteh'n, auch stets das Göttliche in deiner Lehre seh'n! 4. Er, aller Weisheit Gott, kann dich nicht irren lassen. Lies, Christ, sein heilig Buch, lies oft, du wirst es fassen, so viel dein Heil verlangt! Gott ist's, der Weisheit gibt, wenn man sie redlich sucht, gewissenhaft sie liebt. 5. Lies, frei von Leidenschaft und ledig von Geschäften, und sammle deinen Geist mit allen seinen Kräften! Des Abends stille Ruhe, des Morgens Heiterkeit und dann der Tag des Herrn, der sei der Schrift geweiht! 6. Rührt dich ein starker Spruch, so ruf' ihn, dir zum Glücke, des Tags oft in dein Herz, im stillen oft zurücke; empfinde seinen Geist und stärke dich durch ihn zum wahren Edelmut, das Gute zu vollzieh'n! 7. Um tugendhaft zu sein, dazu sind wir auf Erden. Thu', was die Schrift gebeut, dann wirst du inne werden, die Lehre sei von Gott, die 14 Bestimmung des Menschen, Religion, Bibel. dir verkündigt ist, und dann das Wort versteh'n, dem du gehorsam bist. 8. Spricht sie geheimnis⸗ voll, so laß dich dies nicht schrecken! Ein endlicher Ver⸗ stand kann Gott nie ganz ent⸗ decken; Gott bleibt unendlich hoch. Wenn er sich dir erklärt, so glaube, was er spricht, nicht, was dein Witz begehrt! 9. Auch seines schwachen Licht's nicht stolz sich über— heben, fern von Vernünftelei, Gott dann die Ehre geben, wenn er sich offenbart, ist der Geschöpfe Pflicht, und weise Demut ist's, das glauben, was Gott spricht. 10. Drum Kind, doch dort wird Gott mehr Licht dir schenken. Dort wächst mit deinem Glück dein Licht in Ewigkeit; dort ist die Zeit des Schau'ns und hier des Glaubens Zeit. ö 11. Verehre stets die Schrift, und siehst du Dunkelheiten, so laß dich deinen Freund, der mehr als du sieht, leiten! Ein forschender Verstand, der sich der Schrift geweiht, ein heilverlangend Herz hebt manche Dunkelheit. 12. Halt' fest an Gottes Wort! Es ist dein Glück auf Erden, und wird, so wahr Gott ist, dein Glück im Himmel werden. Verachte, christlich laß dich, groß, des Bibelfeindes Spott! frommer Christ, durch keine Die Lehre, die er schmäht, Zweifel kränken! Hier bist du bleibt doch das Wort aus Gott. Chr. F. Gellert, 1715-1769. Gott Dort dein st die hier hrift, eiten, »und, iten! „der „ein hebt ottes k auf Gott mmel istlich pott! näht, ott. 1769. Glaubenslehre. I. Voyn Gott und seiner Schöpfung. Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛc. 14. Ein Gott ist! ruft mir alles zu, laut sagt es mir mein Herz. Wo fänd' ich ohne ihn wohl Ruh', wo Trost bei Leid und Schmerz? 2. Zwar fassen kann ihn nicht mein Geist, wie er sich auch bestrebt, ihn, den das Heer der Sterne preist, vor dem die Erde bebt; 3. Ihn, der mit unbe⸗ grenzter Macht mich in das Dasein rief, und der schon da für mich gewacht, als ich im Dunkeln schlief. 15. 4. Und wenn ihn nicht erreicht mein Flug, mein Geist ihn nicht ermißt, so ist's dem Herzen schon genug, daß er mein Vater ist. 5. Dies trocknet mir die Thränen ab, erhellt das Dunkel hier und gibt mir Mut, wenn nun das Grab sich öffnet unter mir. 6. Ein Gott ist! Wohl mir, daß mein Herz dies innig fühlt und glaubt! Es wäre mir bei Leid und Schmerz sonst jeder Trost geraubt. Unbekannter Verfasser. Mel. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn ꝛe. 1530. 6— D e— Hm.—— aun mur..—4. .. Ln E— ar lrn n n uen, iren min *——.——.————— Wie könnt' ich zweifeln, daß du bist? O Gott, der ganze 2—— 21*+ IPP.IPI—— n ö 2 2—..——. — EEE 7— Von Gott und seiner Schöpfung. + 4 4 4 —————II SSSSSSEEEE.— sicht⸗bar ist's, daß Güt' und Macht mit Weis⸗heit ihn her⸗ ö 14—6—5 ů E ů2 iPDRD vor- ge-bracht. Nichts, nichts ist hier ver- ge-bens. 2. Wohin auch nur mein nach fseinem Rat auch uns Auge blickt, da seh' ich Ord⸗ nung, die entzückt, im großen und im kleinen; ich sehe, ganz erstaunt seh' ich, wie der Geschöpfe Heere sich zu einem Ziel vereinen. 3. Eins muß dem andern nützlich sein, da alle sich des Daseins freu'n, die sich em⸗ pfinden können. Und wie? doch wäre die Natur und ihre weise Ordnung nur des Zufalls Werk zu nennen? 4. Nein, wahrlich! nicht von ungefähr entstanden Himmel, Erd' und Meer; so konnte nichts wi n Du sprachst ein Wort, da ward, was ist, und einzig darum, weil du bist, ist alles, was wir sehen. 5. Du bist's, der die ge⸗ schaff'ne Welt in ihrer Ord⸗ nung noch erhält, mit Weisheit sie regieret. Du bist es, der auf unsers Lebens Pfad mit weiser Gnade führet. 6. O wohl mir, daß du bist, und diese Welt gewiß mein Leben nicht eines blinden Zufalls Spiel; ich darf nach meiner Wünsche Ziel 7. Mein Sehnen nach Zu⸗ friedenheit, mein Durst nach ew'ger Seligkeit wird sicher nun gestillet, wenn nur zu dir mein Geist sich hält und nicht die schnöde Lust der Welt hier mein Gemüt erfüllet. 8. Drum soll es stets mein ganzes Herz zu weih'n, zur Ehre dir zu leben. geben. Joh. Sam. Dietrich, 1721—1797. Höchster, nur dein Werk ist! Nun ist nun nicht vergeblich streben. mir Freude sein, dir, Gott, Du wirst mir dann in jeder Not hier reichen Trost und nach dem Tod des Himmels Wonne ö m ist eines Hich eZiel eben. Von Gott und seiner Schöpfung. 17 Mel. 429. die Stimme ꝛc. 16. Betet an, laßt uns lob⸗ singen und Ruhm und Dank dem Schöpfer bringen, dem Allerhöchsten Ehr' und Macht! Betet an! Er hat erschaffen. Frohlockt, frohlockt! Er hat erschaffen. Ihm werde Lob und Preis gebracht! Die Engel sind durch ihn; die Menschen sind durch ihn; Preis dem Schöpfer! Er schuf die Welt, die er erhält; es rühm', es preis' ihn seine Welt! 2. Er verließ die erste Stille, die Welt zu schaffen; was sein Wille aus freier Huld beschloß, geschah. Als er schaffend rief:„Es werde!“ da ward der Himmel, stand die Erde zum Preise seiner Güte da. Der Allmacht erster Sohn, der Engel, jauchzte schon:„Preis dem Schöpfer!“ Doch schien noch nicht der Welt sein Licht; er sprach: „Es sei!“ da ward es Licht. 3. Oben wölbt er seinen Himmel; aus Wassern unter seinem Himmel wird jede Wolk ein hangend Meer. Wasser deckt der Erde Höhen; es flieht auf sein allmächtig Wehen und Wachet auf! so ruft überströmet sie nicht mehr. Er hemmt der Fluten Lauf; ent⸗ hüllet steigt herauf Gottes Erde, sein Eigentum, sein Preis und Ruhm und seines Sohnes Eigentum. 4. Er gebeut der Erde; Felder und Hügel, Thäler, Berg' und Wälder blüh'n fruchtbar durch sein Wort voll Macht. Seine Sonn' in hoher Ferne regiert den Tag, und Mond und Sterne regieren still die ernste Nacht. Er spricht: da lebt im Meer ein tausendfältig Heer. Preis dem Schöpfer! Auch singt und ruft das Volk der Luft zum Schöpfer, der's zum Leben ruft. 5. Sagt, wer schuf auf dem Gefilde das Tier? Wer war es, der dem Wilde die Fesseln aufgelöset hat? Sagt, wer gab den Wüsteneien zum Herrn, der Tiere Furcht, den Leuen? Der Ew'ge, groß von Rat und That. Das kühne Roß, der Stier dankt, Herr, sein Dasein dir. Alles jauchze: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Er ist der Schöpfer, er ist Gott. 6. Tiefer betet an und 2 18 bringet der Lobgesänge mehr und singet gewaltigern, er⸗ hab'nern Dank! Ich will, sprach er, Menschen schaffen, nach meinem Bilde sie er⸗ schaffen! Und Adam ward erstaunt und sang: Gott ist mein Schöpfer, Gott, ich ward auf sein Gebot. Preis dem Schöpfer! Der Herr ist Gott! Der Herr ist Gott! Es ist nur er, kein andrer Gott. 7. Ewig wollen wir lob— Mel. ———— Wenn ich, o Schöpfer, dei die Lie-be, die für al⸗ Von Gott und seiner Schöpfung. 5 singen und Preis und Dant dem Schöpfer bringen, den Allerhöchsten Ehr' und Macht, Denn er hat auch uns er—⸗ schaffen, zu seinem Ruhm auch uns erschaffen. Ihm werde Lob und Preis gebracht! Wir sind, o Gott, von dir. Froh⸗ lockend jauchzen wir: Preiz dem Schöpfer! Er schuf dit Welt, die er erhält; es rühm' es preis' ihn seine Welt! Joh. Andr. Cramer,‚, 1723—1788. Mein's Herzens Jesu, meine Lust ꝛc. Peter Sohren, 1668. ne Macht, die Weisheit dei=ner le wacht, an-be⸗-tend ü-ber⸗ ** SEE ; d. L L.Hnin E PPP.— e ge/ so weiß ich, von Bewund'rung voll, nicht, e ge, ö — e ů— 2.—.— LrzL- IEDD wie ich dich er ⸗ he⸗ben soll, mein Gott, mein Herr und 2———.— IN— 90——+ —2—2——— 1——— Va ⸗ter! Dank „ dem Nacht. ns er⸗ m auch werde Wir Preis uf dit rühm', Von Gott und seiner Schöpfung. 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf, wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schoß der Erde auf, mit Vorrat uns zu segnen? O Gott voll Macht und Herrlichkeit! Gott, deine Güte reicht so weit, so weit der Himmel reichet! 4. Dich predigt Sonnen⸗ schein und Sturm, dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet; der Mensch, ein Geist, den sein Verstand dich zu er⸗ kennen leitet; der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt' und Größe. 19 6. Erheb' ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sei gepreist, und alle Welt sag': Amen! Ja, alle Welt ehr' Gott, den Herrn, und hoff auf ihn und dien' ihm gern! Wer wollte S nicht dienen? Chr. F. Gellert, 1715—-1769. Mel. 63. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht ꝛc. 18. Wer mißt und zählt der Wesen Reih'n, die sich, o Schöpfer, deiner freu'n, zu dir hinauf als Vater seh'n, zu dir 1 allen Welten fleh'n? 2. Unzählbar ist der Seelen Schar, die einst an Staub gefesselt war, und die, schon selig, unsere Welt nicht mehr in ihren Schranken hält. 3. So 1—88 durch deiner Allmacht Kraft, die immer neues Leben schafft, noch manch Geschlecht die Erde seh'n und dur 0 D. Tod zum Leben geh'n. 4. Doch hier auf Erden nicht allein sind Wesen, die sich deiner freu'n, die auf zu dir, dem Vater, seh'n und Glück und Heil von dir erfleh'n. 5. Zu deines großen Na⸗ mens Ehr' schufst du der Geister zahllos Heer; durch —* 2 20 deine Huld sind sie geweiht zu unnennbarer Seligkeit. 6. Wann einst auf deinen Wink mein Geist sich seinen Fesseln hier entreißt, dann werd' ich unter ihren Reih'n auch ihnen gleich und selig sein. 7. Preis dir, o Vater, dessen Ruf mit ihnen mich ver— schwistert schuf und nur dem Leibe hier ein Grab, Unsterb⸗ lichkeit dem Geiste gab! Aug. Herm. Niemeyer, 1754-1828. Mel. 518. Ich dank' dir schon ꝛe. 19. Mit heil'gem Schauer blick' ich, Herr, zu deines Himmels Höhen, wo Sonn' auf Sonne, Welt auf Welt von dir geordnet stehen. 2. Wie schön, wie herrlich leuchtet mir aus unermess'ner Ferne des Mondes sanfter Silberglanz, das milde Licht Von der Erhaltung und Regierung der Welt, x 3. Vom Staube wag' ich's hinzuschauen, wo deine Sonnen glänzen, und forschend sucht mein Auge dort, Herr, deines Reiches Grenzen. 4. Umsonst! den grenzen⸗ losen Raum der fernsten Sonnenheere mißt kein Er⸗ schaff'ner; ihre Zahl gleicht der des Sands am Meere. 5. Nur du, o Unermeß⸗ licher, zählst ihre Millionen; du segnest hier, du segnest dort, wo frohe Leben wohnen. 6. Auch dort ist deines Reichs Gebiet erfüllt mit höhern Wesen, und sie wie ich sind, Herr, durch dich zur Ewigkeit erlesen. 7. Frei werd' ich einst mit ihnen mich von Sonn' zu Sonne schwingen; mit ihnen, Weltenschöpfer, dir Dank, Preis und Ehre singen. der Sterne! II. Bon der Erhaltung und Regierung der Welt, Christoph Christian Sturm, 1740—1786. oder von der göttlichen Porlehung. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛc. 20. Fleug auf, mein Psalm, mein Lobgesang, Anbetung Gott und Ruhm und Dank vor seinen Thron zu bringen! Er hört auch Menschenlieder gern, wenn gleich die Engel ihre men mit ehre Thr 2 Her Hin Erd stan vor Ma Erd bege erhe von 3 so erhi sen Dat san Ach schr ver: Ru 2 ichs nnen sucht eines Throns auch dich gerufen. nzen⸗ nsten Er⸗ leicht deere. meß⸗ onen; gnest hnen. eines mit wie h zur t mit zu hnen, Dank, Sturm, Ruhms mich schämen! velt Dank ngen! lieder Engel ů oder von der göttlichen Vorsehung. ihrem Herrn viel höh're Psal⸗ men singen. Darum hat er mit den Heeren, die ihn ehren, zu den Stufen seines 2. Wie groß ist Gottes Herrlichkeit! Ersprachzus einen Himmeln:„Seid!“ und zu dem Erdkreis:„Werde!“ Gleich standen da voll Reiz und Pracht vor ihm, zum Preise seiner Macht, die Himmel und die Erde. Wie er's ausrief, da begannen tausend Sonnen und erhellten ein unzählbar Heer von Welten. 3. Wie sie so herrlich sind, so schön, einmütig alle Gott erhöh'n und seine Größe prei⸗ sen! Wie alle Jubel sind und Dank, ein hoher, lauter Lobge⸗ sang dem Gütigen und Weisen! Ach, wie könnt' ich fühllos schweigen, solcher Zeugen Lob vernehmen und doch seines 4. Für wen hat Gott, gleich einem Zelt, die Himmel über seine Welt so künstlich aus⸗ gebreitet? Wer nützt die Erde mehr, als ich? Hat sie mein Vater nicht für mich gegründet und bereitet? Lächeln mir nicht alle Wälder, alle Felder 21 froh entgegen, reich für mich von seinem Segen? 5. Wem blüht das Thal? Für wen erhebt sich das Ge⸗ birg? Wem tönt und schwebt der Sänger in den Lüften? Für wen bevölkert sich das Meer? Wem lebt der Tiere zahllos Heer auf blumenreichen Triften? Ouellen rieseln, Winde wehen, Flüss' und Seen werden Meere mir zum Segen, ihm zur Ehre. 6. Noch strahlt mir unge⸗ schwächt sein Licht nochweigert die Natur sich nicht, die Welt für mich zu schmücken. Noch hat sie Freuden g'nug für mich, bleibt immer schön und jugend⸗ lich, mein Auge zu entzücken. Eher werden auch die Werke seiner Stärke nicht veralten, bis er kommt, Gerichtzu halten. 7. So hat mein Gott an mich gedacht, hat über sie durch seine Macht zum Herrscher mich erhoben. Mir, mir gab seine Schöpferhand Gefühl, Bewußtsein und Ver⸗ stand, ihn würdiger zu loben. Rühm' ihn, Seele! Jauchzend halle von dem Schalle deiner Lieder Gottes Erd' und Himmel wieder! 22 8. Das Kind, der Jüngling und der Mann, die ganze Schöpfung bet' ihn an und seiner Wunder Mengel Strömt hin aus meiner vollen Brust, strömt hin, Empfindungen voll Lust, in hohe Dankgesänge! Schöpfer, Vater, dich erhebe, weil ich lebe, meine Seele, meine tiefgerührte Seele! Joh. Andr. Cramer, 1723- 1788. Mel. 121. Ein' feste Burg ist unser Gott ꝛe. 2I. Durch dich, o Sc höpfer, kann die Welt, allein durch dich bestehen. So lange sie dein Arm erhält, wird sie auch nicht vergehen. Du Ur⸗ quell aller Kraft, du bist's, der alles schafft; von dir, von dir allein kommt Leben und Gedeih'n; dich preisen unsere Lieder. 2. Noch strahlt der Sonne mildes Licht herab aus hoher Ferne; noch weicht aus seinen öiereer nicht das Heer zahl— loser Sterne. Noch wird zu rech— ter Zeit des Mondes Licht er— neut; noch wechseln Tag und Nacht, wie, Herr, es deine Macht von Anbeginn geordnet. 3. Noch bringen Frost und Schnee und Wind und Reif Von der Erhaltung und Regierung der Welt, ö und Tau und Regen, die deiner Güte Boten sind, den Ländern Heil und Segen. Noch strömet auf dein Wort des Lebens Quelle fort, und wenn die Ernte naht, rauscht noch die reife Saat des Schnitters Arm entgegen. 4. Noch immer muß auf dein Geheiß der Herbst sein Füllhorn leeren und nach— Winters Sturm und Eis der Frühling wiederkehren; noch immer würzt die Luft der Blumen süßer Duft; noch stellt in jedem Jahr verjüngt sich wieder dar, was unser Aug entzücket. Kein Same, Gott, kein Kraut vergeht und kein Ge⸗ schlecht von Tieren. So lange. noch die Erde steht, soll keines sich verlieren. Du bist's, der in der Welt die Wesen all' erhält. Es pflanzet auf dein Wort sich jedes Würmchen fort in ungezählten Scharen. 6. Die Tiere Todes Raub, um nie zurück⸗ zukehren; auch ö werden Staub, die Zeit wird sie zerstören; und dennoch fehlen sie durch dich der Erde nie; es wordeh wenn der Tod sind des unsre Leiber noch jüngt unser kein Ge⸗ lange. eines „ der. nall' dein nchen. aren. des lrück eiber wird nicht auf, zu geben, was unsern auch gleich Entvölk'rungdroht, lichkeit, rechter Zeit. Kein Vater sorgt so väterlich für seinen Sohn, t, als als du für mich. sich Mensch und Tier doch mehren. chi 7. Ja, Gott, du sorgf Herr der Welt, auch für des oder von der göttlichen Vorsehung. 23 so lang' ich bin, zu 4. Ich bin's gewiß, du kannst Menschen Leben. Du bist es, mich nicht verlassen, meine Zu⸗ der es uns erhält, du hörst Leib ernährt und unsre Kräfte mehrt. allte freu'n, nicht dir sein Leben weih'n? Wer sollte dich nicht das Land, doch nährt ihn deine milde Hand. Du schmückst die preisen? Joach. Christ. Grot, 1733.—1801. Mel. 125. Vater unser im Himmelreich ꝛc. 22. Gott, deine weise Macht erhält die ganze lebensvolle Welt, und aller Augen freuen sich und warten hoffnungsvoll auf dich, auf dich, der du sie alle liebst und allen ihre Speise gibst. 2. Kaum öffnest du die Hand, so fließt herab, was ihnen nötig ist; mit Wohl⸗ gefallen sättigt sie dein Auf⸗ seh'n und versäumt sie nie. Nie sind Geschöpfe deiner Hand dir unwert oder unbekannt. 3. Auch mir gabst du, mein Herr und Gott, Gesundheit, Kräfte, täglich Brot; gabst mir's mit Huld und Freund⸗ Wer sollte sich—3 versicht! Ich bin's gewiß, du thust mir wohl, so lang ich hier noch leben soll. Nicht Ueber⸗ fluß bitt' ich von dir; was ich bedarf, das gibst du mir. 5. Der Vogel bauet nicht Blume königlich, die nicht zur Arbeit eilt, wie ich. Vergiß es, meine Seele, nie; weit mehr bin ich vor Gott als sie! 6. Du schufst mich nicht für diese Zeit; mein Ziel, Herr, ist die Ewigkeit. Vernunft und Freiheit gab mir Gott; für mich ging Jesus in den Tod; nichts, was die Erde zeugt und nährt, gleicht mir an Hoheit und an Wert. 1 7. Von dir, der das an mir ge⸗ than, werd' ich auch Speis' und Trank empfah'n. Dem Sünder selbst, der dich verschmäht, gibst du sie ohne sein Gebet. Wie solltest du mein kindlich Fleh'n um Kleidung, Speis' und Trank verschmäh'n? 24 8. Laß du mich nur genüg⸗ sam sein und deiner Gaben mich erfreu'n, doch mehr noch deiner, der du dich so freundlich zeigest gegen mich und selbst die reiche Quelle bist, aus welcher jede Wohlthat fließt! 9. Bei deiner Gaben Ueber⸗ fluß erhalt' mich mäßig im Genuß; bewahre mich in Dürftigkeit vor Schmach und Unzufriedenheit! Du nährst mich immer; Preis und Dank bring' ich dir, Gott, mein Leben lang. Balth. Münter, 17351793. Mel. 124. Was mein Gott will, gescheh' allzeit ꝛc. 23. Preist, Menschen, preist den Herrn der Welt! Seht seiner Vorsicht Spuren in Berg und Thal, in Wald und Feld, in Wiesen und auf Fluren! Durch seine Kraft, die nichts erschafft, was er nicht auch regieret, steht alles da, wird fern und nah sein Ratschluß ausgeführet. 2. Nichts läßt er durch ein Hechehen nichts ohne Zweck geschehen. Sein Wink ruft die Geschöpfe her, sein Wink läßt sie vergehen, und was er thut, ist immer gut, kann nie Von der Erhaltung und Regierung der Welt, des Zwecks verfehlen. Ihm mangelt's nicht an Macht und Licht, das Beste zu er⸗ wählen. 3. Nur er verteilt der Kräfte Gang; in Menschen, Tieren, Pflanzen herrscht Ordnung und Zusammenhang zum sichern Wohl des Ganzen. Der Bäume Laub, der Staub und Wasser, Luft und Erde zeugt, daß die Welt, die er erhält, nie leer an Segen werde. 4. Die dürren Felder tränket er mit Tau und mildem Regen; der Donner kracht und rollt daher und bringt den Völkern Segen. Wir seh'n erfreut den Reiz erneut, der unsre Erde schmücket, und daß die Saat Gedeihen glücket. 5. Der Herr, der Welten Herr allein, läßt unsern Plan gelingen, gibt Kraft, der Tugend treu zu sein und Gutes zu vollbringen. Was uns gebricht, versagt er nicht; er will uns stets erfreuen, wenn wir nur gern ihm, unserm Herrn, hier Leben weihen. feinste hat, wirkt er, der gern be⸗ ———————— unser M/ ser oder von der göttlichen Vorsehung. 25 6. Gott, was dein Rat mir nützlich fand, mag immer mir begegnen! Mein Schicksal steht in deiner Hand; ich weiß, du willst mich segnen. Ja, selbst im Schmerz soll nie mein Herz an deiner Huld verzagen. Ich kenne dich, du kennest mich, wie könnt' ich jemals klagen? Joach. Christ. Grot, 1733—1801. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛe. 24. Der du mit starker Hand der Welten All regierest und aller Sterne Heer in seinen Kreisen führest, du blickst mit Vaterhuld auch auf den Staub herab, dem deine Allmacht einst Gefühl und Leben gab. 2. So viel der Wesen sich auf deiner Erde regen, mit Vater⸗ güte kommst du jeglichem ent⸗ gegen; doch hast du, Preis sei dir, der selbst den Wurm er⸗ quickt! vor allen das Geschlecht der Sterblichen beglückt. 3. Ein Funke deines Lichts glüht auch in unsern Seelen; frei können wir, wie du, was recht und gut ist, wählen; das Ziel, nach dem dein Wort zu streben uns gebeut, wir fühlen's tief entzückt, es heißt Unend⸗ lichkeit. 4. Du hast uns deinen Sohn zu unserm Heil ge⸗ geben; die Menschheit soll durch ihn stets höher sich er⸗ heben; durch Thaten groß und gut, durch Wahrheit und durch Recht, in Zeit und Ewigkeit ein glückliches Geschlecht. 5. Zwar sank sie oft herab von ihrer hohen Würde; sie trug des Lasters Joch, sie trug der Thorheit Bürde; durch Vorurteile blind, getäuscht durch eiteln Wahn, entfernte sie sich oft, o Gott, von deiner Bahn. 6. Und ach, wie oft hat sie des Elends Druck empfunden, vor manchem Wüterich im Staube sich gewunden! Wie oft verströmte sie, gereizt durch eigne Wut, in wildem Schlacht⸗ getös' für einen Wahn ihr Blut! 7. Doch immer väterlich hast du sie, Herr, geleitet, in trüber Nächte Sturm ihr Licht und Trost bereitet, und wenn sie sich gedrängt von allen Seiten sah, warst du, der Rettende, mit deiner Hilf' ihr nah'. 8. O, leit' auch ferner sie durch deine Huld und Gnade der Tugend sich're Bahn, der Von der Erhaltung und Regierung der Welt, Weisheit lichte Pfade, daß sie, 3. Ewig weis' und ewig milde von dir geführt, beseliget durch waltest du, Allmächtiger, deckest dich, mit kühnem, freiem Ilng wie 90 einem Schilde deine stets höher schwinge sich! Kinder um dich her, wenn sie 9. Laß, wo noch Irrtum mit entschloss' senem Mute für herrscht, die Wal hrhett mächtig das Wahrr für das Gute fest siegen und Recht und Tugend und treu im Kampfe steh'n und nie auf Erden unterliegen; von auf dich voll Hoffnung seh'n. jedem harten Druck, von jeder 4. Siegen muß die gute Tyrannei mach', o Allgütiger, Sache, unter deinem Schutz ist mach' uns auf ewig frei! sie. Mag des Frevlers wilde Joh. Wöchter, 1767—1827. Rache schnauben, er vertilgt sie nie. In den grauenvollsten Stürmen kannst du Licht und 77 Tugend schirmen. Frevler, 25. Gott, von Frohgefühl 15 Macht ist Spott! Eine gehoben, denken wir der alten feste Burg ist Gott! Zeit, denken wir so mancher 5. Stirbt die Wahrheit in Proben deiner Huld und den Flammen? Sinkt die Freundlichkeit. Deine Weis⸗ Tugend in der Flut? O, ihr heit, deine Stärke strahlt aus önnt nur den verdammen, jedem deiner Werke, lehrt voll der die Wahrheit liebt und Hoffnung und Vertrau'n thut. Aber wird sein Blut auf die Zukunft hin uns euch nützen? vor der Wahr⸗ schau'n. heit Macht euch schützen, die, 2. Rettung hat dein Arm je mehr ihr sie entehrt, sich bereitet uns am Tage der Ge- nur herrlicher verklärt? fahr, hat zum Lichte die ge⸗ 6. Aus des Kampfes heißer leitet, deren Pfad umnachtet Gärung tritt sie rein und war. Aus dem Dunkel schufst ungetrübt wie des reinen du Klarheit, zogst hervor aus Goldes Währung in der Wahn die Wahrheit, und der Flamme sich ergibt. Fruchtlos Väter Thränenblick gründete strebet ihr, Tyrannen, Licht der Kinder Glück.— und Wahrheit zu verbannen; Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. IDBDDPDDD‚D‚‚DR‚D‚EDCDCCö M&Æ oder von der göttlichen Vorsehung. 27 was den Geistern angehört, wird nichtmit dem Leib zerstört. 7. Drohet ihr mit Sklaven⸗ ketten, selbst in Fesseln bleibt sie frei, und es eilet, sie zu retten, ihr Befreier bald herbei. Und er hat mit euren Waffen, Schwert und Feuer, nichts zu schaffen; Wahrheit siegt durch innre Kraft; Gott ist's, der ihr Sieg verschafft. 8. Ja, du hilfst ihr kämpfen, siegen. Mag des Frevlers Trug und List, mag der Irrtum sie bekriegen; der du selbst die Wahrheit bist, du läßt sie nicht untergehen, ewig wird ihr Reich bestehen. Immerfort hat deine Macht sie im schwersten Kampf bewacht. 9. Auf denn, huldiget dem Wahren, huldiget dem Guten gern! In den drohendsten Gefahren ist des Schützers Arm nicht fern. Liebt im Pilgerlauf hinieden nur die Wahrheit und den Frieden, bis euch in der bessern Welt, ihre Sonne ganz erhellt! Gerh. Ad. Neuhofer, 1773—1816. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛc. 2 Was Gott erschuf, was er erhält im Himmel und auf Erden, dies alles kann in seiner Welt und soll voll⸗ kommen werden. Zum Bessern hin treibt Gottes Sinn; drum lasset mit Entzücken uns in die Zukunft blicken. 2. Einst strahlt der Wahr⸗ heit reines Licht den Menschen⸗ seelen heller; dann täuscht sie Wahn und Irrtum nicht, des Geistes Blick sieht schneller. Nach Gottes Rat muß jede Saat der Wahrheit einst ge⸗ deihen und ihrer Frucht sich freuen. 3. Und glänzt nun erst dies hell're Licht, dann werden Menschen leben, die, ganz erwärmt für ihre Pflicht, nach reiner Tugend streben. Von Zeit zu Zeit wird Sittlichkeit in Gottes Welt sich heben, Vernunft den Sieg erstreben. 4». Wir denken dieser frohen Zeit und seh'n im Geist auf Erden die Menschen rein'rer Seligkeit durch Tugend würdig werden. Ja, unser Blick sieht Menschenglück in Zukunft schöner blühen und Not und Elend fliehen. 5. O' dieser sel'gen Hoffnung voll laßt uns hier Saaten streuen für Wahrheit und für Menschenwohl und ihrer Frucht uns freuen! In einer Welt, die Gott er⸗ hält, da müssen Tugendsaaten blüh'n, reifen und geraten. 6. Deckt uns des Grabes Hügel schon, noch leben unsre Von der Erhaltung und Regierung der Welt, Brüder; der Tugend und Religion erschallen ihre Lieder. Auch unser Geist im Himmel preist mit unsern Erden⸗ brüdern dich, Gott, in höhern Liedern. Unbekannter Verfasser. Mel. Allmächtiger, wir singen dir ꝛe. 178⁵. .— ö— 4— n. r. ö————— Er 13—— LAINU——— E 2 ½ar nn +.—— ———— E———— Es strömt, o Gott, aus dei⸗ner Hand den Völkern Heil ent⸗ Durch dich er- hebt sich Meer 33— Land zu Fruchtbarkeit und ö— IIIIII... 9— 1.— DDDD * 2—1— 0 EE ge ⸗ gen. 1 ser Gü⸗ 3 Se⸗ gen. Mit wei⸗ser Gü⸗te tei ⸗lest du, was l + N ——I4 N RSSN ——— die⸗sem schlt den ardern zu, um 5.3 zu be⸗glü⸗cken. Von dir kommt Weis⸗ ben und Verstand, wodurch die Reiche blühen; du weckst die Weisen in dem Land und segnest ihr Bemühen; du gibst dem Geiste Thätigkeit, du bist's, der jedem Kraft ver⸗ leiht, um nützlich hier zu werden. 3. Als milder Geber zeigst du dich den Völkern aller Lande, und du verknüpst sie unter sich durch deines Segens Bande. Von Land zu Land, von Ort zu Ort strömt deines Segens Quelle fort, die Völker zu beglücken. 4. Du gibst den Schiffen ihren Lauf auf Strömen und auf Meeren, und hilfst dem Flor der Handlung auf, viel' Tausende zu nähren; zeigst ser. oder von der göttlichen Vorsehung. 29 überall und allezeit zur Not⸗ nützen deine Sorgen? Und durft, zur Bequemlichkeit dem Fleiße sich're Wege. 5. Du zeichnest ihren Wirk⸗ ungskreis den Bürgern dieser Erde, daß jeglicher durch seinen Fleiß dem andern nützlich werde: der Landmann hier durch Müh' und Schweiß, der Künstler dort durch seinen Fleiß, der Weise durch Be⸗ lehrung. 6. Herr, unser Gott, wir preisen dich mit kindlichem Hochgezelt, den Himmel, aus⸗ gebreitet? Hast du mit ihm den Kreis der Welt und Licht und Luft bereitet? Gabst du mit ihm der Sonne Macht, zu leuchten, und den Mond der Nacht? Schufst du mit ihm die Sterne? Gemüte. Du herrschest un⸗ veränderlich mit Weisheit und mit Güte. Beglücke unser Vaterland durch deine milde Segenshand mit Wohlstand, Fried' und Ruhe! 7. Gib uns, daß wir mit Redlichkeit in des Berufs Ge⸗ schäften benutzen uns're Lebens⸗ gebar, dein Leben dir ver⸗ borgen, verborgen dir dein Anfang war, wo waren deine Sorgen? Beistand und durch Rat schon da dein Heil bedacht? Wer zeit nach unsern besten Kräften! Mit Lust, o Vater, wendest du dem Lande deinen Segen zu, das solch ein Volk bewohnet. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 28. Du bist ein Mensch, seine Macht zu immer gleichen Schlägen? Wer allen deinen Gliedern Pracht und Kraft, und Gott hat dir, was künftig ist, verborgen; dein Herr und Schöpfer sorgt dafür, was doch irrst du mit bangem Sinn durch tausend trübe Sorgen hin und denkst: Wie will es werden? 2. Was quälst du dich und willst in Schmerz und Kummer dich verlieren? Ist Gott nicht weiser, als dein Herz? Laß ihn allein regieren! Befiehl dein Leben, deinen Stand und was du thust, in seine Hand, er wird, was gut ist, schicken. 3. Hast du mit ihm sein 4. Eh' deine Mutter dich Wer hat durch hat dich wunderbar bereitet? 5. Wer gab dem Herzen 30 Von der Erhaltung und Regierung der Welt, sich zu bewegen? Wer leden Sinn, wer Aug' und Ohr? Werrichtete dein Hauptempor, zum Himmel aufzublicken? 6. Wer gab dir Speise, Kleid und Dach? Wer trug dich voll Erbarmen, als dir's an allem noch gebrach, auf väterlichen Armen? Wer gab dir deiner Mutter Brust, dir, daß du lächeln konntest, Lust? Wer sorgte für dein Leben? 7. Und doch willst du nicht ruhig sein und Gott nicht walten lassen, als säh'st du seine Weisheit ein, die Men⸗ schen doch nicht fassen? Wenn du nicht siehst, wie er regiert, wenn er nicht deinen Weg dich führt, so willst du ihm nicht trauen? 8. Wo du ihn nicht zum Helfer nahmst, was ist dir da gelungen? Und wenn du auch zum Ziele kamst, was hast du dann errungen? Ach, Lust auf einen Augenblick und Kummer für ein wahres Glück,— das war's, was du erwähltest! 9. Durch Eigenwillen kamst du oft in schreckliche Gefahren; doch Gott erschien dann un⸗ verhofft, dich gnädig zu be⸗ wahren. Er, der nicht, was du wolltest, that, er führte auf, macht gut, was dich durch seinen Rat vom Fluche weg zum Segen. 10. Er richtet die Betrübten wir verwirren, und lenket liebreich unsern Lauf zum Guten, wenn wir irren; nur, uns und hilft und schützt, eh' wir um Hilfe flehen. 11. Hält Gott dem Mens schen oft sein Licht, weil er's 3 nicht sucht, verborgen: wie grämt, wie ängstigt er sich nicht mit lauter eiteln Sorgen; sucht hie und da und findet nichts, will gibt immer das was uns nützt, errettet seh'n und mangelt doch des Lichts, kann keinen Ausgang finden! 12. Gott kennet ihn, und eilt er dann, sein Herz ihm auszuschütten, so nimmt er seiner treu sich an, läßt nicht umsonst ihn bitten. Geh' nur zu ihm! Uns wohlzuthun ist seine Lust, er kann nicht ruh'n, dein Bestes wahrzunehmen. 13. Solch einem Vater wollten wir nicht unser Heil vertrauen und nicht auf diesen Felsen hier, wo sonst kein Fels ist, bauen? Nein, o mein Herz, sei ruhig, sei, auch ihrte vom bten wir reich venn das ettet „eh' schen nicht ämt, mit t hie will des gang und ihm Haer nicht nur i ist uh'n, men. zater Heil iesen kein u, 10 auch herrscht Freud' und Wohlsein wenn es stürmet, Gott getreu! Dein Gott kann dich nicht hassen. 14. So wirf denn nur, voll Glaubens dich in deines Gottes Arme und sei gewiß, daß väter⸗ lich er sich auch dein erbarme! So vieler schon erbarmt' er sich; drum zweiflenicht, er wirdauch dich aus allem Kummer reißen. Nach Paul Gerhardt, 1607—676. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 29. Gesund, mit frohem Mute genießen wir das Gute, das unser Gott uns schenkt. O, preist ihn, Christen, preiset den Vater, der uns speiset und unser Herz mit Freude tränkt! 2. Er ruft herab:„Es werde!“ und Segen schwellt die Erde, verjüngt steh'n Wald und Flur. Es lebt und schwebt auf Triften, im Wasser und in Lüften erfreut sich jede Kreatur. 3. Dann sammeln seinen Segen, so viel'sich lebend regen, Geschöpfe sonder Zahl. Vom Menschen bis zum Wurme, im Sonnenschein und Sturme überall. 4. Gott aber schaut vom oder von der göttlichen Vorsehung. Himmel das freudige Ge⸗ 31 tümmel vom Auf-und Nieder⸗ gang, sieht seine Kinder sammeln, und ihr vereintes Stammeln tönt ihm in tausend Sprachen Dank. 5. Lobsinget seinem Namen und strebt, ihn nachzuahmen, des Huld ihr nie ermeßt, der alle Welten segnet, auf Gut' und Böse regnet und seine Sonne scheinen läßt. 6. Mit herzlichem Erbarmen reicht eure Hand den Armen, wes Volks sie immer sei'n! Wir sind nicht mehr, nicht minder, sind alle Gottes Kinder und sollen uns wie Brüder freu'n. Joh. Heinr. Voß, 1751—1826. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 30. Ein Gott regiert, was zagen wir? Ein Gott erzieht durch Freuden und durch des Schmerzes Druck uns hier. Was ist des Lebens Leiden? Ein ernster Streit um Selig⸗ keit. Es mag uns übel gehen, wir werden's überstehen. 2. Wir werden, was am Herzen nagt, o Christen, über⸗ leben, uns über alles, was uns plagt, uns siegend einst erheben. Die Welt vergeht; der Geist besteht. O, laß den Schöpfer 32 Von der Erhaltung un walten! Er will den Geist erhalten. 3. Der Geist erforschet die Na⸗ tur; hier sieht er Gottes Milde, siehtringsumherderLiebe Spur in Wäldern, im Gefilde, imWin⸗ tersturm, im kleinsten Wurm, im Frühlingsschmuck, im Regen und in des Herbstes Segen. 4. Der Gott, durch welchen alles lebt, durch welchen das Gewimmel der Tiere wandelt, schwimmt und schwebt, der un⸗ ter seinem Himmel die Vögel speist, wird unsern Geist für Licht und Glück erhalten. O, laß den Schöpfer walten! 5. So mag denn, was die Welt uns gab, zerfallen und zerstäuben; es nah' sich Schmerz und Tod und Grab, des Schöpfers Huld wird bleiben. Er segnet gern und ist nicht fern von allen, die ihn lieben und sich im Dulden üben. 6. Wir zagen nicht, du, Gott, regierst, und wenn du Menschenherzen durch Leiden hin zum Guten führst, so segnen wir die Schmerzen. Wir haben Mut; sind wir nur gut, so mag's uns übel gehen, d Regierung der Welt, Miel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛe. Tagen geheimer drückt, und unter stillen Klagen wenn dann kein Licht hernieder regiert die Welt. 2. Er hat auch deinen Leiden ein weises Ziel bestimmt; sie er dich zu sich nimmt. Dann lernst du heller sehen, was hier dem Blick entschwand, schaust dieses Prüfungsland. streut; die Weisheit seiner Schlüsse entdeckt die Ewigkeit; dann fließt die Freudenzähre, die Klage Lobgesang. Preise, dein kurzer Leidens⸗ lauf; du wurdest gut und weise, drum nahm der Herr dich auf. Nun schwinden dir die Freuden bewährter Tugend nie. Gott prüfte sie durch wir werden's überstehen. G. W. Chr. Starke, 1762 830. 31. Wenn dich in dunkeln Kummer dein Auge aufwärts blickt; in deine Seele fällt, so zage nicht, du Müder! dein Gott wandeln sich in Freuden, wenn von entwölkten Höhen auf 3. Dann sind die Finster⸗ nisse durch Gottes Licht zer⸗ dann tönt dein froher Dank; der Erde Schmach wird Ehre, 4. Vollbracht ist, Gott zum Leiden, und nun belohnt er sie. nich nkeln mer lagen ieder zage Gott eiden sie venn Dann hier haust auf nster⸗ zer⸗ einer keit; ähre, ank; Shre, 5. Dies hemme deine Sor⸗ gen, erleuchte deine Nacht und zeige dir den Morgen, der einst dich fröhlich macht; dies lehre mit Vertrauen auf Gott, den Herrn der Welt, dich dann noch aufwärts schauen, wenn ganz dein Glück zerfällt. 6. So sammle denn im stillen den Trost der Vorsicht ein! Ihr Rat wird sich ent⸗ hüllen, ihr Licht wird dich erfreu'n. Du segnest einst die Pfade, auf denen Gott dich führt, und dankest seiner Gnade, die deinen Lauf regiert. Chr. G. L. Meister, 1738—1811. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛc. 32. Nichts ist von ungefähr! Ein großer Gott regieret, ein Gott, der seine Welt mit reichem Segen zieret. Auch was uns Zufall heißt, ist, eh' es noch geschieht, in seinem Plan bestimmt und einer Kette Glied. 2. Er sah vor aller Zeit, was künftig werden sollte, und nichts ist, nichts wird sein, als was und wie er's wollte; und alles, was er will, ist weise, recht und gut. oder von der göttlichen Vorsehung. 33 O, wohl mir, daß mein Glück in seinen Händen ruht! 3. Wie dürft' ich miß⸗ vergnügt in meinem Stande leben? Kann jemals böse sein, was mir mein Gott gegeben? Der Thor nur klagt und murrt und lästert Gottes Rat; er hat nicht, was er will, und will nicht, was er hat. 4. Wer wahre Weisheit liebt, der liebt auch den Gedanken: Mein Heil, mein Fels ist Gott, und wenn auch Welten wanken. Ich sollte, was ich bin, nicht etwas andres sein, und mein be⸗ sondres Los stimmt mit dem Ganzen ein. 5. Mein Unmut ändert nie die Ordnung aller Dinge. Ich quäle nur mich selbst, wenn ich die Hände ringe. Doch folg' ich meinem Gott, so lindert sich mein Schmerz; denn was mich elend macht, ist immer nur mein Herz. 6. Wie thöricht würd' ich sein, wenn ich hegehren wollte, daß alles Ungemach nur mich verschonen sollte! Mein Vater liebt auch mich und mischt mit Freundlichkeit in seinen 2 — 34⁴4 Von der Erhaltung und Regierung der Welt, Segens⸗Kelch des Leidens Bitterkeit. 7. Im Leiden lern' ich mich und meinen Gott erkennen und mich mit edlem Sinn von fal⸗ schen Freunden trennen. Wie kann mir schrecklich sein, was mich vollkomm'ner macht? Die Tugend ist mir mehr als eines Königs Pracht. 8. Ja, Tugend wird bald schwach im Schoße niedrer Freuden, und stark erscheinet sie umringt von herben Leiden. Sie strahlt am göttlichsten aus tiefer Dunkelheit; da leuchtet sie der Welt und überlebt die Zeit. 9. Hinweg mit blöder Furcht! Der Herr will mich regieren und auch auf rauher Bahn zu meinem Ziele führen. Hier bin ich, Herr, mein Gott; o stehe du mir bei, daß selbst in Not und Tod mein Herz dir folgsam sei! Joh. Peter Uz, 1720—1796. Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. 33. Bester, weisester Regierer aller Welten, Preis sei dir! Dir, du meines Lebens Führer, sei auch ewig Preis von mir! Unter allen Millionen, die Und wer zählt die Freuden ö dein weites Reich bewohnen, all siehst du huldreich auch auf we mich, sorgest für mich väterlich. He 2. Dankvoll will ich dich erheben. Du, der alles werden mi heißt, gabst mir mit des Leibes ge Leben auch die Seele, die dich we preist. Ich, ein Wunder deiner od Güte, seh' mit staunendem G.— Gemüte, das sich selbst nicht du fassen kann, als dein Ebenbild Fr mich an. ni 3. Auf der Menschheit hohe Stufe stellte, Herr, mich deine Hand, wo den Schall von deinem Rufe früh ich hörte, früh verstand. Aus unendlichem Erbarmen zogst du mich mit Vaterarmen in der Kindheit schon zu dir. O, wie preis' ich dich dafür! 4. Täglich warest du mir nahe; deine Weisheit lehrte mich; was ich hörte, was ich sahe, zeigte mir, mein Vater, dich. Du, du kamst mit neuem Segen jeden Morgen mir ent⸗ gegen; was nur je mir heilsam war reichte deine Huld mir dar. 5. Wie so viele frohe Tage schenkte deine Güte mir! Schicktest du auch eine Plage, o, so kam auch Trost mit ihr. oder von der göttlichen Vorsehung. alle, die mir, seit ich hier schon walle, deineVaterhuld verlieh? Herr, zu zählen sind sie nie! 6. Sollt' ich dir denn nicht mit Freuden dankbar und er⸗ geben sein? Sollt' ich zagen, wenn mir Leiden widerfahren oder dräu'n? Nein, ich lasse, Gott, dich walten; stets wirst du mich aufrecht halten. Sende Freude sende Schmerz,dankvoll nimmt's von dir mein Herz. 35 täglich mir! Mache du mich immer reiner, daß mein Herz dereinst auch deiner sich im höhern Leben freu' und in dir ganz selig sei! Joh. Casp. Lavater, 1741—-1801. Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. 34. Entehre nicht durch Klagen die Vorsicht, die dich deckt, wenn dich an manchen Tagen ein trüber Morgen 7. Flöh'n mich auch die weckt! Das ist das Los der besten Freunde, fehlte manche Erden; nur dort ist heitrer Tag. Freude mir, wären viel' auch meiner Feinde, doch bleib' ich ergeben dir. Nimmer will ich Dort folgen nach Beschwerden dir Ruh' und Wonne nach. 2. Jetzt hüllen Finsternisse ängstlich zagen, will aufs Ziel den Plan der Vorsicht ein; von meinen Tagen, in die höh're Zukunft schau'n und oft müssen ihre Schlüsse hier unerforschlich sein. Einst mit Freuden dir vertrau'n. wird der Nebel fallen; dann 8. Nie verlassen in dem Leben wird mich, Vater, deine Huld; was mir nützt, wird sie mir geben und mich tragen Laß mich nur, den Höchsten, der regiert und mit Geduld. betest du sie an. Froh wird dein Lied erschallen: Wie wohl hat Gott gethan! 3. Erkenne voll Vertrauen du Allerbester, immer inniger die, die auf ihn schauen, mit und fester dir vertrau'n, ge- weiser Liebe führt! Ist gleich horsam sein, stets mich deiner sein Rat verborgen, führt Gnade freu'n! gleich sein Weg durch Nacht, 9. O der seligen Ver⸗- so darfst du doch nicht sorgen, bindung, Gott, Allgütigster, weil stets der Vater wacht. mit dir! Deiner Vaterhuld 4. Sein Rat ist immer Empfindung gib, o Vater, Gnade, voll Weisheit bleibt 35 36 Von der Erhaltung und Regierung der Welt ꝛc. sein Plan; er führt auf dunkelm Pfade doch immer himmelan. Von ihm fließt Segen nieder auf unser Erdenland; er hält der Kette Glieder mit unsicht⸗ barer Hand. 5. Nur er durchschaut das Ganze, nur er umfaßt die Welt. Ihm ist im Sonnen⸗ glanze stets alles aufgehellt. Vor dir verhüllen Nächte den wunderbaren Rat, nach welchem der Gerechte dich oft geführet hat. 6. So ehre denn hienieden die Vorsicht, die dich schützt; sie wirkt zu deinem Frieden und gibt dir, was dir nützt. Ergib dich ihr gelassen, weil sie die Welt regiert! Bist du von ihr verlassen, wenn sie dich weise führt? 7. Sie ist an deiner Seite, du wirst von ihr gedeckt, wenn morgen oder heute ein Unfall dich erschreckt; geführt von ihren Händen verlierst du nie den Pfad, den Gott, ihn zu voll⸗ enden, dir vorgezeichnet hat. 8. Auch in den bängsten Leiden wird Gott dir nahe sein, dir Mut in Dunkelheiten, selbst wenn du zaͤgst, n n. Wird einst dein Lauf sich schließen,‚ der wunderbar begann, dann wirst du sagen müssen: Wie wohl hat Gott gethan! Unbekannter Verfasser. Mel. 173. Wenn du, mein Gott, verlangst ꝛc. 35. Oft blüht ein Frevler auf, und Gottes Fromme leiden. O, möchten sie doch nie des Sünders Glück b8 neiden! Es währt ja doch nicht lang, nur einen Augen⸗ blick. Wie leicht verwelkend Gras verwelkt dies eitle Glück. wildem Frevel Er Herr zu schweigen. 2. Nicht immer kann der kommt, der Richter kommt, sich herrlich zu erzeigen. Zürnt, Fromme, nicht auf den, dem seine Bosheit sie in seinem Netz verstrickt. 3. Wer seinem Schöpfer trotzt,—.— sich sein Ver⸗ derben. Sei er auch noch so stolz, bald wird er Pnch sterben. Wo ist die Stätte dann, da er zuvor noch stand? Man findet ihn nicht mehr, der Herr hat ihn verbannt. 4». Ihr, die ihr Gott ver⸗ ehrt, o, traut nur seiner Güte! Er sorgt für euer Wohl wie sehr die Not auch wüte! Hofft! glückt; denn erwird selbst durch Von Gottes Wesen und Eigenschaften. 37 Eure Tugend strahlt, der hohen der Herr ist eure Stärke. Sonne gleich, einst durch die Das Elend, das euch drückt, Wolken hin; erst aber prüft das Uebel, das euch droht, er euch. verwandelt er in Heil. O 5. Wann sah wohl je ein Christen, hofft auf Gott! Mensch den Frommen ganz 7. Ein Richter naht sich verlassen? Ihn könnte nur einst, in Macht und Huld die Welt, doch nie sein Vater gekleidet; dann bebt, wer hassen. Und leidet er auch Unrecht thut, dann jauchzt, viel; wie lange währt sein wer Unrecht leidet. Groß ist Leid? Er steht einst da vor der Tugend Lohn; Gefahr Gott in voller Herrlichkeit. und Elend flieh'n. Der Herr 6. O Christen, übet nur, ist Gott und hilft; ihr Frommen selbst leidend, edle Werke! hofft auf ihn! Seid mutig, wanket nicht! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. III. Von Gottes Welen und Eigenlchaften. 36. Mel. Christ, unser Herr, zum Jordan kam ꝛe. 7—— 4———2 DPDPDDDEE. 13—— en n re,xee, Wer ist, du Ein⸗zi⸗ger, dir gleich? Wer thut, Gott, dei⸗ne Wer ist so groß und wer so reich, wie du, ein Gott der PꝑPꝑ........ I SSDSDSPSPSSPSPSSI P I Wer⸗=ke5 Stär fed Du warst, und dei⸗ner All-macht Ruf be⸗ 27— ¹ 2 + ů— 7— 2 2—— j—— iiSSEEE—— fahl der Welt, zu wer ⸗ den. Be⸗ tennt es, Völ,- ker, Von Gottes Wesen und Eigenschaften. — U U 2 ö . i. die er schuf: Im Him ⸗ mel und auf Er ⸗ den ist * 1 9 2—. H 1——— — I II kei„ ner sei ⸗ nes glei ⸗ chen. 2. Fragt mein erstaunter Geist die Welt, wer sie am ersten Tage allmächtig schuf, fragt er die Welt, wer sie noch täglich trage, so nennt sie ihm, du Erster, dich du Wesen aller Wesen! Gott, deinen Namen nur kann ich auf allen Dingen lesen und keines andern Namen. 3. Der Sterne unzählbares Heer, das frei im Weltraum schwebet, die Erd', o Gott! die Luft, das Meer und was in ihnen lebet, wie preiset ihre Harmonie dich, o du Geist der Geister! Mit welcher Ein— tracht rufen sie: Der Schöpfung Herr und Meister ist einer, Gott, der Höchste! Eigene Melodie. 4. Sinkt in den Staub hin, betet an! Gott, Gott nur ist der Höchste. und keiner kann ihm gleich sein, ihm der aales Er spricht: Ich, allein der Heus ich bin, ich war, ich werde sein, der ich bin. Kein anderer im Himmel, auf der Erde hat meinen Ruhm und Namen. 5. Ja, ewig bleibst du mir allein der Gott, an dem ich hange, und ewig soll's kein andrer sein, von dem ich Heil verlange. Mein ganzes Leben weih' ich dir, mein Gott, auf den ich traue, bis ich dich einst noch mehr als hier in deiner Größe schaue und selig durch dich lebe Balth. Münter, 1735—1793. 178⁵. — 2 Schwingt, hei⸗li⸗ge Gott, frei von al- len Schranken, ist Ge- dan⸗ken, euch von der Er- de un⸗aus⸗sprechlich Er ist's allein, H selbst Von Gottes Wesen und Eigenschaften. 39 + N 4 ..—— PSISISSSSISSSee.e.. ee N— 1— 2 I 4.———— + —— —.— 2 2.—— + un r ö— 2 7———.—— D——— sich te! Gott wohnt in ei⸗- nem Lich ⸗ te, zu e ..— ö———.——.— dem kein Au=ge dringt. 2. Kein Sinn kann ihn ganz selig einst zu leben. erreichen, kein endlicher Ver⸗Mein Herz sei dir ergeben, stand. Wer darf sich ihm ver⸗ mein Leben preise dich! gleichen? Wer hat ihn ganz 5. Im Geiste bet' ihn, erkannt? Macht euch von ihm Seele, und in der Wahrheit kein Bild! Wer kann den an! Lieb' ich des Herrn Be⸗ Höchsten sehen, ob er gleich alle Höhen und jede Tief' erfüllt? 3. Die Sonn', in hoher Ferne, mag strahlenreicher glüh'n; glänzt heller noch, ihr Sterne, was seid ihr gegen ihn? Mit aller eurer Pracht seid ihr im schönsten Lichte vor seinem Angesichte noch dunkler als die Nacht. 4. Du bist des Weltbau's Meister, der deinen Ruhm er⸗ höht; der Vater aller Geister, voll Macht und Majestät. Du schufest, Gott, auch mich, fehle, wie selig bin ich dann! Er hat Unsterblichkeit und Seligkeit und Leben; das alles wird er geben dem, der sich ganz ihm weiht. Joh. Andr. Cramer, 1723— 1788. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛc. 38. Lobsinget Gott! Dank, Preis und Ehr' sei unserm Gott je mehr und mehr für alle seine Werke! Von Ewig⸗ keit zu Ewigkeit lebt er und herrschet weit und breit mit SSSSS — . 1 I + „ 1 I + ö 779 + 40 Von Gottes Wesen und Eigenschaften. Weisheit, Huld und Stärke. Singet, bringet frohe Lieder: Fallet nieder! Gott ist herrlich, unaussprechlich groß und selig. 2. Lobsinget Gott! Dank, Preis und Ruhm sei von uns, deinem Eigentum, Herr Jesu, dir gesungen! Du Mittler zwischen uns und Gott hast durch Gehorsam bis zum Tod das Leben uns errungen. Heilig, selig ist die Freund⸗ schaft und Gemeinschaft aller Frommen, die durch dich zum Vater kommen. 3. Lobsinget Gott! Du Geist des Herrn, sei nie von unserm Geiste fern, mit Kraft ihn auszurüsten! Du machst uns gläubig, weise, rein, hilfst uns getrost und siegreich sein im Streit mit unsern Lüsten. Leit' uns, stärk' uns in der Freude wie im Leide, Gott ergeben und der Tugend treu zu leben! Wilh. Albr. Teller, 1734— 1804. meine Lust ꝛc. 39. Der Herr ist Gott und keiner mehr; frohlockt ihm, alle groß, sein Nam' ist groß. Er ist unendlich, grenzenlos in seinem ganzen Wesen. 2. Er ist und bleibet, wie er ist; wer strebet nicht ver⸗ gebens, ihn auszusprechen? Wer ermißt die Dauer seines Lebens? Wir Menschen sind von gestern her; doch vor der Erde schon war er, noch eher als die Himmel. 3. Des Höchsten Thron umstrahlt ein Licht, das ihn vor uns verhüllet. Ihn fassen alle Himmel nicht, die seine Kraft erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, verborgen und auch offenbar in seiner Werke Wundern. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, kennet, fui er schafft, der Wesen anze Kette; bei ihm ist Weis⸗ heit und Verstand und Kraft und Stärke, seine Hand um⸗ spannet Erd' und Himmel. Mel. 17. Meines Herzens Jesu, 5. Ist er nicht nah'? Ist er nicht fern? Weiß er nicht aller Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn Frommen! Wer ist ihm gleich? ein Mensch verbergen möge? Wer ist wie er, so herrlich, so vollkommen? Umsonst hüllt ihr in Finster⸗ Der Herr ist nis, was ihr beginnt; er sieht's gewiß, er sieht es schon von ferne. 6. Wer schützt den Welt⸗ bau ohne dich, o Herr, vor seinem Falle? Allgegenwärtig breitet sich dein Fittich über alle. Du bist voll Freundlich— keit, voll Huld, barmherzig, gnädig, voll Geduld, ein Vater, ein Verschoner. 7. Unsträflich bist du, heilig, gut und reiner als die Sonne. Wohl dem, der deinen Willen thut! denn du vergiltst mit Wonne. Du hast Unsterblich⸗ keit allein, bist selig, wirst es ewig sein, hast Freuden, Gott, die Fülle. 8. Dir nur gebühret Lob und Dank, Anbetung, Preis und Ehre. Kommt, werdet Gottes Lobgesang, ihr alle seine Heere! Der Herr ist Gott und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? Wer ist wie er, so herrlich, so vollkommen? Joh. Andr. Cramer, 1723- 1788. Ewigkeit und Unveränderlichkeit. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 40. Unendlicher, den keine Zeit umschließt mit ihren Ewigkeit und Unveränderlichkeit. 41 Schranken, beim Denken deiner Ewigkeit vergeh'n mir die Ge⸗ danken. Ich sinne nach be⸗ wund'rungsvoll und weiß nicht, wie ich's fassen soll: du bist und bleibest ewig! 2. Noch ward von keiner Sonne Licht durch unsre Welt verbreitet; die Himmel jauchz⸗ ten dir noch nicht, durch deine Macht bereitet; noch war kein Land, noch floß kein Meer an hoher Berge Gründen her, du warst schon ewig. 3. Von Ewigkeit her sahest du die künft' ge Welt entstehen; du maßest ihre Zeit ihr zu und sahst sie untergehen. Vom Engel bis zum Wurm herab wogst jedem du sein Schick⸗ sal ab und nanntest ihn mit Namen. 4. Kein Zeitenwechsel ist bei dir, kein Anfang und kein Ende. Kaum Augenbicke leben wir, die Werke deiner Hände. Nie nehmen deine Jahre zu, in alle Ewigkeit wirst du derselbe sein und bleiben. 5. Ja, du bist ewig, du stirbst nie, bleibst ewig meiner Seele der Fels, den sterbend ich für sie zur sichern Zuflucht wähle; denn deine Gnad' 42 Von Gottes und Wahrheit ist so ewig, als du selber bist. Heil mir, daß ich dir traue! 6. Mein Leib ist sterblich, nicht mein Geist; den will ich dir vertrauen. Er soll, wie mir dein Wort verheißt, er soll dein Antlitz schauen. Mein Leib ruht auch nur kurze Zeit; am Erntetag der Ewigkeit wirst du ihn auf⸗ erwecken. 7. Ob alles um mich her vergeht, soll ich nicht mit ver⸗ gehen; vor deinem Thron, der ewig steht, soll ich einst ewig stehen. Ou gibst an allem deinem Heil, Gott, deinen Auserwählten teil; auch mir, auch mir mit ihnen. 8. Einst fallen Erd' und Himmel hin an deinem Welt⸗ gerichte; dann dank' ich's dir, daß ich auch bin und wohn' in deinem Lichte. Dann werd' ich ewig, ewig sein, mich ewig deiner Gnade freu'n und dich ohn' Ende preisen. 9. Der seligen Unsterblich⸗ keit, die du mir dort willst schenken, lehr' mich in dieser kurzen Zeit, o Gott, mit Ernst gedenken! Sie sei mein Trost, sie stärke mein höchstes Gut, Wesen und Eigenschaften. mich mit Kraft und Mut, gerecht vor dir zu leben! Balth. Münter, 1735—1798. Mel. 214. Liebster Jesu, wir sind hier ꝛc. I. Gott, du bist von Ewig⸗ keit, und dein herrlich großes Wesen ändert sich zu keiner Zeit; duhleibststets⸗was dugewesen. Laß dies meinen Geist beleben, ehrfurchtsvoll dich zu erheben! 2. Ewig und unwandelbar ist dein grenzenloses Wissen; was dir einmal Wahrheit war, wird es ewig bleiben müssen. Nie kann's deiner Weisheit fehlen, stets das Beste zu erwählen. 3. Du bist nicht, wie Menschen sind, daß dich etwas reuen sollte, bleibest immer gleichgesinnt, und was je dein Ratschluß wollte, weiß dein mächtiges Regieren herrlich auch hinauszuführen. ö 4. Sünden bist du ewig feind; wehe denen, die sie lieben! Ewig bleibst du derer Freund, die, was recht und gut ist, üben. Lehre mich in allen Dingen deinen Willen treu vollbringen! 5. Stets ist wohlthun deine Lust, ewig währet deine Liebe. Wohl mir, wenn auch ich mit Lust mich in guten Werken übe, daß es dann auch meiner Seele nie an wahren Freuden fehle! 6. Deine Worte trügen nicht, denn du bist der Ewig⸗ treue, der das hält, was er verspricht; gib, daß ich mich dessen freue und mich, bis ich einst erkalte, fest an deine Wahrheit halte! 7. Mag dann auch die Welt vergeh'n, mag auch alles mich verlassen: ewig bleibest du mir steh'n, deine Huld wird mich umfassen, wann ich einst von hinnen scheide. Ewig bist du meine Freude. 8. Laß mir doch zu jeder Zeit, Herr des Himmels und der Erden, diese deine Ewig⸗ keit einen starken Antrieb werden, dich zu lieben, dir zu trauen und mein Glück auf dich zu bauen! Joh. Wilh. Grötzsch, 1688—1752. Allmacht. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛe. 42. Unser Gott ist groß und mächtig, sehr herrlich, schön geschmückt und prächtig, Kraft, Weisheit und Voll⸗ Allmacht. kommenheit. O ihr, seiner Allmacht Heere, rühmt mit den Himmeln Gottes Ehre, verkündet seine Herrlichkeit! Sein Kleid ist reines Licht. Er hält im Gleichgewicht ganze Welten. Der Wesen Heer, das weite Meer, den Engel und den Wurm schafft er. 2. Allmacht sprach zum Nichts:„Es werde!“ Da trat die anmutsvolle Erde vor ihren Schöpfer, aufzublüh'n. Allmacht spricht, so stürzen Welten, die Berge flieh'n vor ihrem Schelten und fahren vor dem Donner hin. Er hat wie ein Gewand die Himmel ausgespannt. Durch ihn gehet, so wie ein Held aus dem Gezelt, die Sonne und erfreut die Welt. 3. Er, der auf den Winden schwebet, die Erde schaut er an, sie bebet; er rührt den Sandberg an, er raucht; speist den Vogel, nährt die Herde, erneuert die Gestalt der Erde, erfreut, was durch ihn Leben haucht. Mit milder Freund⸗ lichkeit gibt er zu seiner Zeit allen Speise, liebt und erhält die schöne Welt. Sein Segen kleidet Wald und Feld. Von Gottes Wesen 4. Kräuter schuf er, uns zu heilen, den Mond, das Jahr darnach zu teilen, der Sonne Licht zur Fruchtbar⸗ keit. Gott ist gnädig, Gott regieret, wenn er den Lenz mit Blumen zieret, im Sommer seine Saaten streut. Der Walfisch und der Wurm, des Frühlings Weh'n, der Sturm rauscht sein Loblied: der Tag, die Nacht rühmt seine Macht, rühmt, daß er stets allmächtig wacht. 5. Dir gebühret Preis und Stärke. Wie groß und viel sind deine Werke, wie voll von Gütern ist das Land! Schiffe geh'n in weiten Meeren, da wimmelt's von den frohen Heeren der Tiere, zahllos wie der Sand. In Mannig⸗ faltigkeit und Regelmäßigkeit prangt die Erde, mit Reiz geschmückt, wohin entzückt mein Aug' auf deine Wunder blickt. 6. Er herrscht in des Welt⸗ raums Weiten, läßt Wonne sich auf uns verbreiten und sorgt mit weisheitsvollem Rat. Menschen muß der Wein er⸗ quicken, für sie muß sich die Blume schmücken, vor ihren und Eigenschaften. Augen reift die Saat; Hain, Garten, lur und Vieh ver⸗ Er, ö gnügt und nähret sie. vor dem sich die Zeder neigt, wenn Sturm sie beugt, Gott ließ sich uns nicht unbezeugt. 7. Der vergänglich Gras bekleidet, die Fische nährt, die Lämmer weidet, Gott sorgt als Vater, sorgt für mich. Für das Glück von fernen Tagen sollt' ich, wie Heiden, traurig zagen? Nein, meine Seele, tröste dich: sorgen, der mein Gebet, eh' ich gefleht, weit ich selbst versteht. 8. Dank und Ehre Gott zu bringen, mein Leben lang dem Herrn zu singen, soll meine höchste Freude sein. Laut soll ihm mein Lob er⸗ schallen; mein Opfer wird ihm wohlgefallen; gerührt will ich mich seiner freu'n. Sein Lob ist Seligkeit! Zu Himmels⸗ glück erneut, werd' ich dereinst bei Engeln steh'n, entzückt ihn seh'n, dann ewig seinen Ruhm erhöh'n. Fr. Wilh. Loder, 1757— 1823. Trau deinem Gott! Auf ihn wirf alle Sorgen hin: Gott wird besser als Allmacht. ö 4⁵ Eigene Melodie. 1804. ——ꝛ—— ͤ— +— ——— n d..— —————— V SSPPPt......TS... Gott ist mein Lied. Er ist der Gott der Stärke. Groß , erenv Ei;nnr,, n d. E + V.———— —————— 1 ist sein Nam' und groß sind sei ne Wer ⸗ ke und ——— ꝑ — 2 2—.— ů——— —— DDDDDDDDDRRRr— Him⸗-mel 2. Er will und spricht's, so sind und leben Welten, und er gebeut, so fallen durch sein Schelten die Himmel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten; ohn' Anfang Gott und Gott in ew'gen Zeiten; Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war im Himmel, Erd' und Meere, das kennet Gott, und seiner Werke Heere sind ewig vor ihm offenbar. sein Ge-biet. 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe; er schafft, was ich vor⸗oder nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah', du sitzest oder gehest; ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest, so ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Fleh'n, und allen Rat der Seele. Er weiß, wie oft ich Gutes thu' und fehle, und eilt, mir gnädig beizusteh'n. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte; schrieb auf sein Buch, wie lang' ich leben sollte, da ich noch un⸗ bereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, das Gott nicht angehöre. Herr, 46 immerdar soll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde sein. 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, verkündigt seines Schöpfers Macht.“ 12. Der kleinste Halm ist deiner Weisheit Spiegel. Die Luft, das Meer, die Auen, Thal und Hügel, sie sind dein Loblied und dein Psalm. 13. Du tränkst das Land, führst uns auf grüne Weiden, und Nacht und Tag und Korn und Wein und Freuden em⸗ pfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen. Sollt' ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, daß deine Hand mein Leben hält? 15. Ist Gott mein Schutz, will Gott mein Retter werden, und nach Erden und biete selbst der Hölle Trutz. Chr. Fr. Gellert, 1715—1769. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛe 44. Herr, deine Allmacht reicht so weit, als je dein Wollen reichet. Nichts ist, das Von Gottes Wesen und Eigenschaften. deiner Herrlichkeit und deinen Thaten gleichet. Was ist zu groß, was ist zu schwer, das dir zu thun nicht möglich wär?? 2. Du hast dein großes Schöpfungswerk allmächtig ausgeführet. Es bleibet stets dein Augenmerk und wird durch dich regieret. Noch im⸗ merfort besteht die Welt, weil deine Allmacht sie erhält. 3. Die Größe deiner Thaten zeigt, daß, Schöpfer, dein Vermögen weit über alle Kräfte steigt, die die Natur bewegen. deiner Hand bleibt alles, was durch dich entstand. Du lenkest sie, in 4. Was für ein Wunder deiner Macht wird unser Aug' dann sehen, wann wir einst nach der Todesnacht zum Leben auferstehen, wann un⸗ sern Staub du neu belebst wosva ich mehts worh Hinmel Alechtiaen ersang 5. Allmächtiger, erstaunt fall' ich vor dir anbetend nieder; mein Geist verliert bewundernd sich und singt nur schwache Lieder, erreicht nicht dich und deine Kraft, die Toten neues Leben schafft. 6. O, schenke mir die Zuversicht, die deiner Macht 2 + h“N Allwissenheit und Allgegenwart. 47 vertrauet, der Macht, die Hilf' und Trost verspricht, wenn man auf dich nur bauet, auf dich und deiner Allmacht Kraft, die alles kann und alles schafft. Joh. Jak. Rambach, 1693—1735. Allwissenheit und Allgegenwart. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. 45. Du bist, o Unermeß⸗ licher, und wirkst an allen Enden. Ich bin, wo ich auch bin, o Herr, in deinen Vater⸗ händen. Ich leb' und atme nur durch dich; du trägst und unterstützest mich. 2. Was je mein Herz em⸗ pfunden hat, was ich verwerf' und wähle, der erste Trieb zu jeder That, der stille Wunsch der Seele, der leiseste Gedank' in mir, Gott, alles liegt enthüllt vor dir! 3. Wohl mir, wann ich durch deine Kraft mein Herz zu dir erhebe und redlich und gewissenhaft nach deinem Willen lebe! Du siehst es, Herr, und stehst mir bei, damit ich immer treuer sei. 4. Vor dir ist sicher und gewiß, was ich der Welt verhehle; auch in der tiefsten Finsternis siehst du es, wenn ich fehle; du zeigst es mir und züchtigst mich zu meiner Bess'rung väterlich. 5. Du hörst auch meinen Seufzern zu, schaffst, daß mir Hilf' erscheine; voll Mitleid, Vater, zählest du die Thränen, die ich weine; dein Trost erquicket mein Gemüt, und jeder Schmerz und Kummer flieht. 6. O, drück', Allgegen⸗ wärtiger, dies tief in meine Seele, daß, wo ich bin, nur dich, o Herr, ich mir zur Zuflucht wähle, daß ich dein heilig Auge scheu' und dir zu dienen eifrig sei! 7. Laß ohne Falsch und Heuchelei mich alle Sünden meiden, daß ich vor dir un⸗ sträflich sei im Glück und auch im Leiden, weil deine Huld so mächtig ist, weil du allgegenwärtig bist! Christoph Christ. Sturm, 1740—1786. Von Gottes Wesen und Eigenschaften. Eigene Melodie. Just. Heinr. Knecht, 1793. —*— E* 1˙ 2— 1———— 12 SDSDPDPSPPIPPPIIIIIIIII Wo sind die Wei⸗sen, die mich leh-ren, wie was wer⸗den wird? Wer kann er-klä⸗ren, was 0 1 +——.—*.‚‚. ö CV.II C*— Lute R‚.‚‚.. RREREEEE 11 Gott er-kennt, was war, was ist, Wer ken ⸗net sein Ver⸗stand durch-schaut und mißt? 4— ö E————— ů I— + 2 5——. 1— + 2 7 1 1* ihn von An⸗ge-sich- teꝰ Und ob er sich zum * 1 e e unn 14 11 1. 2 2 I C=* O O Him⸗mel schwingt, er sieht ihn nicht; er wohnt im *. —— 1——*—— H —.....5J 2—.— A — EEE 7 1* T—( Lich-te, zu dem kein sterb-lich Au-ge dringt. 2. Könnt' ich die Sterne Gottes zählen, der Erde Staub, den Sand am Meer, und die Gedanken aller Seelen von seiner ersten Schöpfung her, so wär' ich weiser, als auf Erden ein Mensch ist, als am Strom des Lichts vielleicht auch selbst nicht Engel werden; doch wüßt' ich gegen Gott noch nichts. 3. Nichts gegen ihn, der sie durchschauet, die Tiefe der Unendlichkeit und jede Welt, die er gebauet, und jeden Punkt der Ewigkeit. O du, der alles weiß und nennet, was ist, was werden soll und war, wie bist du jedem, der dich kennet, unendlich groß und wunderbar! 4. Ja, dich bewundern, dir vertrauen, ist meines Geistes „erfste Pflicht. Mit Ehrfurcht darf ich nach dir schauen, be⸗ greifen gleich dich Engel nicht. Ich seh', ich fühle meine Schranken; doch du vergiltst mein Forschen mir mit immer würdigern Gedanken, o Un⸗ erforschlicher, von dir. 5. Du schaust in Nächte, kannst ergründen, was noch so tief verborgen ist. Dies warne mich vor allen Sünden, vor Heuchelei, Betrug und List! Nichts kann vor deinem Blick mich decken, kein falscher Schein betrügetihn; dein Dasein würde stets mich schrecken, könnt' ich auch aus der Welt entflieh'n. 6. Wer kennet seines Her⸗ zens Tiefen? Wer darf, o Gott, sich selber trau'n? Hilf mir, Allwissender, mich prüfen und meines Herzens Grund durchschau'n! Ach, siehst du mich auf bösen Wegen, so führe mich auf deine Bahn! Dann werd' ich hier schon deinen Segen und dort dein ewig Heil empfah'n. 131 Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir ꝛe. 47. Umsonst, umsonst ver⸗ Gott nur voll, Gedanken Allwissenheit und Allgegenwart. 49 hüllst du dich, mein Herz, in Finsternisse; was kann ich Gott verbergen, ich, das er nicht alles wisse? Sei, kannst du, dunkler als das Grab, das Auge Gottes schaut hinab und kennet deine Tiefen. 2. Wo ist die Nacht der Einsamkeit, die mich vor ihm verhehle? Er sieht euch schon, eh' ihr noch seid, Gedanken meiner Seele; eh' ich euch selbst empfinden kann, von eurer ersten Bildung an, bis ihr euch ganz entfaltet. 3. Er kennet und durch⸗ schauet euch, wenn ihr euch gleich entziehet; bemerkt euch, wenn ihr Strahlen gleich schnell werdet, schnell ent⸗ fliehet. Vergebens wünsch' ich: Sterbt! vergeht! ich haß euch! Aufgezeichnet steht ihr all' in seinem Buche. 4. Der Herr gedenket ihrer noch, Jahrhunderte verschwin⸗ den; sie bleiben, und ich träume doch, Gedanken sei'n nicht Sünden! Nein, alle müssen an das Licht, wann Gott kommt, daß er im Ge⸗ richt der Herzen Rat enthülle. 5. Seid heilig, seid von I 50 meiner Seele, daß, wann ge⸗ richtet werden soll, kein ein⸗ ziger mich quäle! Seid heilig, und dann fürchtet nichts! Gott wird am Tage des Gerichts gleich Thaten euch belohnen. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛc. 48. Herr, du erforschest mich, dir bin ich unverborgen; du kennst mein ganzes Thun, du kennest meine Sorgen. Was meine Seele denkt, war dir, o Gott, bekannt, eh' der Gedanke noch in meiner Seel' entstand. 2. Nie spricht mein Mund ein Wort, das du, o Herr, nicht wissest. Du schaffest, was ich thu', du ordnest du be⸗d schließest, was mir begegnen soll. Erstaunend bet' ich an dich, dessen Weisheit selbst kein Engel fassen kann. 3. Wohin, wohin soll ich vor deinem Geiste fliehen? Mich kann die tiefste Nacht nicht deinem Blick entziehen. Führ' ich zum Himmel auf, so bist du, Höchster, da; führ' ich zur Tief' hinab, auch hier bist du mir nah'. 4. Eilt' ich, dir zu ent⸗ flieh'n, vom Abend bis zum Von Gottes Wesen und Eigenschaften. Morgen, selbst an dem fernsten Meer blieb ich dir nicht ver⸗ borgen; auch da umschlösse mich doch deine Allmachtshand. denn du bist überall, und dein ist jedes Land. 5. Rief' ich der Finsternis, vor dir mich zu bedecken, es würde selbst die Nacht vor dir mich nicht verstecken. Du winkst, die Dunkelheit ver⸗ wandelt sich in Licht; die Nacht glänzt wie der Tag vor deinem Angesicht. 6. Du wähltest schon mein Los, eh' ich mich selber kannte; du bildetest mein Herz, eh' ich dich Vater nannte. Geschaffen, Gott, von dir, ein Wunder deiner Macht, fühl' ich's, wie väterlich du meiner stets gedacht. 7. Du zähltest, eh' ich war, schon jeden meiner Tage, bestimmtest weisheitsvoll sein Glück und seine Plage; was ich nur denk' d thu', das, o mein Schöpfer, war von Anbeginn der Welt dir alles offenbar. 8. Unendlicher, wer kann, was du erkennst, erreichen, sich dir, der alles sieht und alles kann, vergleichen? Mit Ehrfurcht will ich stets auf und durch Gehorsam dich und deine Größ' erhöh'n. 9. Erforsche, lehre mich und prüfe, wie ich's meine, ob ich unsträflich bin, wenn ich mir heilig scheine! Und wenn mein Fuß vielleicht sich einem Irrweg naht, so leite mich zu⸗ rück auf eb'nen, bessern Pfad! Joh. Andr. Cramer, 1723— 1788. Weisheit. Mel. 37. Schwingt, heilige Gedanken ꝛe. 49. Ich lobe dich und preise dich, o mein Gott, allein. Wer ist, wie du, so weise? Verstand und Rat ist dein. Erwecke meinen Geist, in allen deinen Werken die Weisheit zu be⸗ merken, die Erd' und Himmel preist! 2. Wohin mein Auge blicket, seh' ich, wie deine Hand ver⸗ bindet, ordnet, schmücket, was erst durch sie entstand. Sie schaffet, sie erhält, zu segnen, zu ergötzen, nach herrlichen Ge⸗ setzen den weiten Bau der Welt. 3. Du hingst in lichten Fernen hoch über uns hinauf die Sonne mit den Sternen, uns zu erleuchten, auf. Da Weisheit. dich, mein Schöpfer, seh'n hangen sie an nichts, in uner⸗ 51 mess'nen Weiten, ihr Wohl⸗ thun zu verbreiten, ein Schatten deines Lichts. 4. Wer hält im Gleich⸗ gewichte so großer Körper Last? Wie schwimmt die Welt im Lichte, das du geschaffen hast? Wer zeigt die rechte Bahn so vielen Himmels⸗ heeren, zum Wohl, nicht zum Zerstören, in sich'rer Ord⸗ nung an? 5. Wer rief, uns zu um⸗ geben, die Luft, die alles trägt? Durch sie hat alles Leben und alles wird bewegt. Da sammeln Dünste sich und werden Tau und Regen und Fruchtbarkeit und Segen für Pflanzen, Tier' und mich. 6. Wer hat sie so bereitet, daß sie den Blitz gebiert, daß sie den Wind verbreitet, den Schall zum Ohre führt, den leichten Vogel hebt, den schnellen Fisch zum Schwimmen und unsers Mundes Stimmen zu deinem Ruhm belebt? 7. Wer hob, o Gott, die Erde aus deinem Meer heraus; teilt, daß sie fruchtbar werde, so gleich die Wasser aus? Wer sammelt sie, wer bricht 4* die Flüsse, wenn sie schwellen, ich seinen spricht zu der Meere Wellen: Hierher und weiter nicht? 8. Wer rief den grünen Wäldern? Wer lockt das Gras hervor, schafft Korn und Most den Feldern und türmt Ge⸗ birg' empor? Wer schmückt sie überall? Wer gräbt dem Feuer Schlünde, legt in der Tiefen Gründe den Marmor, das Metall? 9. Herr, deine Weisheit schmücket, verbindet und er— hält, nährt, segnet und beglücket die lebensvolle Welt. Sie rühme mein Gesang! Ich singe dir, ich preise dich, Gott, ich Lob und Dank. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. 519. Gott des Himmels und der Erden ꝛc. 50. Unerforschlich sei mir immer meines Gottes Weg und Rat, und die Nacht sei ohne Schimmer, die mich hier umschattet hat; doch ist alles, was er thut, scheine, weis' und gut. 2. Sollt' ich da nur Gott erheben, wo ich Licht und Weisheit seh'?? Ward mir's nicht von ihm gegeben, wenn Mel. thun, was mir gefällt? Wohl . aise dich, Gott, gehrt! denn du bist weise; dir bring' stande sei so klage wie's auch was hier Nacht ist, wird 2 Von Gottes Wesen und Eigenschaften. Weg Frevelt der nicht, welcher klagt, daß ihm Gott mehr Licht versagt? ö 3. Sollt' ein Vater unter⸗ lassen, was dem Kinde Thorheit ist? Kühner Tadler! Engel fassen das, wo du im Dunkeln bif Hier sollst du dem Herrn vertrau'n, glauben, noch nicht völlig schau'n. 4. Sollt' er zu Regiererinnen seine Werke, seiner Welt meine Lüste setzen? sinnen, ordnen, H eRer uns, wenn er nie gewährt, was ein thöricht Herz be— 5. Hier in meinem Pilger⸗ mein Teil Zu⸗ friedenheit! Dort in meinem Vaterlande wohnt die wahre Seligkeit. Führt mein Gang zum Himmel ein, mag er immer dunkler sein. 6. Wenn du rauhen Wegen wandelst, ach, nicht! Was hier schmerzet, wird dort Segen, dort Licht; dann erst faß ich Gottes Sinn, wann ich ganz vollendet bin. Joh. Andr. Cramer, 17238-1788. versteh'? auch auf eHFRRH Liebe, Güte, Barmherzigkeit, Gnade, Geduld ꝛc. 53 Liebe, Güte, Barmherzigkeit, Gnade, Geduld und Langmut. — ö 51. Eigene Melodie. 1704. 2* 4 2—. —*———„—. 4 Wie groß ist des All-mächt'⸗ gen Gü« te! Ist der mit ver⸗ här⸗ te⸗ tem Ge ⸗ mü ⸗ te den — 4 4 — 2³—— II N—— ́SPSISSPSPIPIPSPIPIPISPISPIIIIPII ———— H. der ein Mensch, den sie nicht rührt?; WI sch 0 Nein, sei ne Dank er-stickt, der ihm bührt? 4.—— 1—— EEI , dne Hnn,*—.—: Lie ⸗ be zu er ⸗ mes: sen, sei e⸗ wig mei ne ö + .. 6—. E 0— S— 2— größ ⸗te Pflicht! Der Herr hat mein noch nie ver⸗ 22 D .——I mein ge* sen;, ver⸗ giß, 2. Wer hat mich wunder⸗ bar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmut mich geleitet? Er, dessen Rat ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich Herz, auch fei ner nicht! so viel Glück genießen? Ist's nicht der Herr, der alles schafft? 3. Blick', o mein Geist, in jenes Leben, für welches du erschaffen bist, wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig seh'n wirst, wie er ist! Du hast ein Recht zu diesen 54 Freuden; durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren und seine Güte nicht versteh'n? Er sollte rufen, ich nicht hören, den Weg, den er mir zeigt, nicht geh'n? Sein Will' ist mir ins Herz geschrieben, sein Wort bestärkt ihn ewig⸗ lich: Gott soll ich über alles lieben und meinen Rächsten so wie mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: Ich soll ganz Liebe sein wie er. Sb lang ich dies Gebot erfülle, Von Gottes Wesen und Eigenschaften. stell' ich sein Bildnis in mir her. Lebt seine Lieb' in meiner Seele, so treibt sie mich zu jeder Pflicht, und ob ich schon aus Schwachheit fehle, herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. O Gott, laß deine Güt' und Liebe mir immer⸗ dar vor Augen sein! Sie stärk' in mir die guten Triebe‚ mein ganzes Leben dir zu weih'n! Sie tröste mich in Not und Schmerzen, sie leite mich zur Zeit des Glücks, und sie besieg' in meinem Herzen die Furcht des letzten Augenblicks! Chr. Fr. Gellert, 1715—1769. Mel. Wunderbarer König ꝛc. Joach. Neander, 1680. —.—— E SS—— —— ö ö ö ——— SEII II . Al-ler Wel-ten Herr⸗scher! Groß ist dei ne Gü⸗te Sie ver-herr⸗licht täg-lich sich auch an uns al-⸗len, 0——— —.— SSS x SSSISSSSISIIII......—— I——* I— 23. umn in in dem ganzen Welt-ge⸗ bie ⸗ te.— die wir hier auf Er-den wal-⸗len. Ja, sie pflegt, Liebe, Güte, Barmherzigkeit, Gnade, Geduld ꝛc. 55⁵ U .—.——————63.——— —.IE.— ö —.———————— nährt und trägt nicht nur dei⸗ ne Kin-⸗der, nein, auch selbst die Sün ⸗der. 2. Dieser Langmut Größe 5. Dank sei dir, o Vater, daß läßt sich zwar empfinden, aber du unser schontest und nicht nach niemals ganz ergründen. Frev⸗ Verdienst uns lohntest! Nötig ler so verschonen, Millionen ist uns Schwachen deine Huld Schulden mit so vieler Nach- und Gnade auch noch auf dem sicht dulden und dabei doch Tugendpfade. Leit' uns doch so treu warnen, die dich hassen, ferner noch, bis wir dich einst Herr, wer kann dies fassen! droben ohne Sünde loben! 3. Ach, du bist barmherzig, Unbekannter Verfasser. hörst der Sünder Flehen, wenn Mel. 124. Was mein Gott will, sie weinend vor dir stehen; gescheh' allzeit ꝛe. linderst ihren Kummer, fristest 5. Ach, wäre nicht, o Herr, oft ihr Leben, daß auch sie bei dir Vergebung unsrer nach Tugend streben. Reich an Sünden, wer hälf' uns dann, Huld und Geduld, lockst du wo würden wir Gewissens⸗ ihre Seelen, deinen Weg zu ruhe finden? Wie leicht ver⸗ wählen. führt, wie ungerührt vom 4. O, daß dieser Reichtum Rufe deiner Gnade, verlieren deiner Vaterliebe uns zur win uns, Gott, von dir und Sinnesänd'rung triebe! O, geh'n des Irrtums Pfade! daß wir voll Reue unsre 2. Nicht dort erst in der Schuld bedächten und dir Ewigkeit, schon in der Zeit willig folgen möchten! Unser auf Erden soll jeder, wie dein Schmerz rührt dein Herz; Wort gebeut, gut, weis und sollten wir noch weilen, zu heilig werden, sich immer dein dir hinzueilen? in Unschuld freu'n, wie sich 56 Von Gottes Wesen und Eigenschaften. den Nächsten lieben; und ach, voll Sinnlichkeit, gehorcht er niedern Trieben. 3. Und dennoch, Höchster, schonest du und willst nur unser Leben; siehst uns mit bist willig zum Vergeben; tilgst zerstreut, großer Langmut zu, uns're Schuld mit Vaterhuld, wenn wir uns bessern lassen, und gibst uns teil an deinem Heil, wenn wir die Sünde hassen. 4. Der du in Jesu uns erschienst, dich uns zu offen⸗ baren als Vater, der nicht nach Verdienst mit uns pflegt zu verfahren: Preis dir, daß du mit Trost und Ruh' Ver⸗ schuldeten begegnest und, macht die Reu' sie dir getreu, sie ewig, ewig segnest! 5. Wer sollte denn sich dir nicht gern, Allgütiger, ergeben? Wer nicht, von Sündenliebe fern, dir zu gefallen streben? Wir wollen dein nun immer sein, dich, Vater, kindlich lieben und dein Gebot bis in den Tod nach allen Kräften üben. Chr. Jak. Pauli, 1722—1795. Mel. 27. Allmächtiger, wir singen dir ꝛe. Vater! 2. Noch nie vergaß der Höchste dein, er war dein Schutz, dein Retter; er gab dir milden Sonnenschein nach manchem Unglückswetter. Drum heb' zum Himmel deinen Mißgeschick: Gott lieber Vater! der Deinen; gab ihnen Mit⸗ leid und Gefühl, bei deinem dir, o fühl' es, Mensch, bewegt: Gott ist ein lieber Vater! 4. Wenn Gott dir Kraft und Mut verleiht, viel Gutes zu vollenden; wenn du der Hilf' und Freude spenden: so schau', von Fried' und 54. Erhebe deinen Blick zum Herrn bei dieser Erde Freuden; er segnet seine Kinder gern und prüft sie nur durch Leiden. Die Erd' im schönen Lenz⸗ gewand macht jedem Erdensohn bekannt: Gott ist ein lieber Blick und sprich getrost im ist ein 3. Er schenkte dir der Freuden viel' im frohen Kreis Schmerz zu weinen. Ein jedes Herz, das für dich schlägt, sagt Not und Dürftigkeit kannst Ruh beglückt, zum Himmel 8———— ⏑e—— auf und sag' entzückt: Gott ist mein lieber Vater! 5. Und wenn dir näher rückt der Tod, wenn deine Freunde weinen, so wird Gott selbst in dieser Not als Vater dir erscheinen. Vollendet ist dein Kampf, dein Lauf, zu hohen Freuden nimmt dich auf dein liebevoller Vater. Unbekannter Verfasser. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 55. Gott, dessen große Macht die Welt erschaffen hat und noch erhält, ich sehe deine Güte; ich sehe sie und werd' entzückt, wohin auch nur mein Auge blickt. Sobald ich mein Gemüte auf dich, Schöpfer, achtsam lenke und dich denke, find' ich Armer dich als Vater und Erbarmer. 2. Seh' ich, so weit mein Auge reicht, gen Himmel, so entdeck ich leicht die Spuren deiner Güte. Der Sonne und des Mondes Sternenheer, das du gemacht, erwecket mein Gemüte, großer Schöpfer, zu besingen deine Groß sind deiner Allmacht Werke! Güte, deine Stärke. Pracht, dein Liebe, Güte, Barmherzigkeit, Gnade, Geduld ꝛc. 57 3. In Ungewittern, Sturm und Wind, die deiner Allmacht Diener sind, entdeck' ich deine Güte. Das Feuer wie der Wasser Grund macht deine große Liebe kund. Mit fröh⸗ lichem Gemüte will ich täglich darauf achten und betrachten deine Werke, rühmen deine Huld und Stärke. 4. Dein Erdreich, Gott, das jedermann gibt Brot und Kleider, seh' ich an, empfinde deine Güte. Ich spüre, fühl' und höre sie in Feld und Wald, ich sehe sie in aller Fluren Blüte. Von dir zeugen alle Dinge, so geringe sie mir scheinen, wie im großen, so im kleinen. ö 5. O, leite mich durch Welt und Zeit zu dir, o Herr der Herrlichkeit, mit väterlicher Liebe! Auf dich laß mich in allem seh'n, für jedes Gute dich erhöh'n! Belebe meine Triebe, o mein Vater, dir in allem zu gefallen; dir zu leben, sei mein einziges Be⸗ streben! Christoph Christian Sturm, 1740—1786. Mel. An Wasserflüssen Babylon ꝛe. Von Gottes Wesen und Eigenschaften. 1525. —— L— 122 —..— +*— T— ——————— ö 2. — 1+.———— Mit welcher Langmut und Geduld trägst du, Gott, Menschen⸗ Wie trägst du bei ge-häufter Schuld auch selbst die größ⸗ten — D— 2——— .... I..I..——— i 2 207— L· San der Sie na⸗ hen dem Ver-der-ben sich; du 4630 * V —.—.—.—.—.—.— ö ——..— siehst es, und es jam⸗=mert dich des E⸗ lends die ⸗ser 2——— e,v,xxxxre. — 25 25 n mus.———— Ar-men. Daß sie dem⸗sel-ben noch entflieh'n, suchst , denr——————— ——.—.———.—.— ——.55—— 3——.— HrE du ihr Herz zu dir zu zieh'n aus in-ni⸗ gem Er⸗ 27 II —— e ae — bar ⸗- men. 2. Du gönnest ihnen Zeit und Raum, noch in ihr Herz zu gehen. Auch selbst den un⸗ fruchtbaren Baum läßt du noch länger stehen. Du wartest ihn; umsonst, und doch pflegst du des Baumes immer noch, ver⸗ ziehst, ihn abzuhauen. O, was für Langmut und Geduld! Wer faßt die Größe deiner Huld? Wer kann sie ganz durchschauen? FWeS 8 ————— IISISIIRREEE..ceDa Heiligkeit und 3. So gnädig, Herr, er⸗ barmst du dich selbst unbieg⸗ samer Sünder. Doch mehr noch schonst du väterlich der Frommen, deiner Kinder. Läßt ihrer Tugend Eifer nach, und werden sie im Glauben schwach und träg in guten Werken, so jammert's dich, du denkst daran, wie leicht ihr Herz sie täuschen kann, und eilest, sie zu stärken. 4. Du warnst sie vor des Falls Gefahr, noch eh' sie irre gehen; Gefall'nen reichst du Stärke dar, bald wieder auf⸗ zustehen. Du rufest sie voll Lieb' und Huld, verheißest, ihnen ihre Schuld durch Christum zu vergeben, und steh'n sie auf, wie feuert dann dein Trost sie zu dem Eifer an, unsträflicher zu leben. 5. Wenn sie oft furchtsam und mit Angst den Weg des Glaubens wallen, nicht freudig, nicht, wie du verlangst, mit vollem Wohlgefallen; wenn sie, obgleich mit Mühe, sich entschließen, recht zu thun, für dich und ihre Pflicht zu leiden: wie nachsichtsvoll gewöhnst du sie zum Tugendkampf und dessen Müh' und an des Gerechtigkeit. 59 6. O Gott, des Huld nichts gleichen kann, gedenke stets der Sünder; nimm mit Geduld dich ihrer an, wie deiner schwachen Kinder! Ach, keiner häufe Schuld auf Schuld durch kühnen Mißbrauch deiner Huld! Hilf uns das Böse hassen, daß alle sich, durch dich erneut, den Reichtum deiner Gütigkeit zur Buße leiten lassen! J. Chr. Zimmermann, 1702—1783. Heiligkeit und Gerechtigkeit. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 57. Du bist, o Gott, gerecht, du gibst uns heilige Gesetze und willst, weil du das Gute liebst, daß keiner sie verletze. Dein Wort und unser Wohl erklärt uns deiner Rechte hohen Wert. Sei, Herr, dafür gepriesen! 2. Was du befiehlst, machst du auch leicht durch Antrieb, durch Vermögen. Wer nicht von deinem Rechte weicht, den krönet Heil und Segen. Wir rühmen dich, daß du verdammst, was bös' ist, daß du uns entflammst, was un⸗ Kampfes Freuden! recht ist, zu hassen. 60 3. Was lobenswürdig ist und nützt, gebeutst du deinen Knechten, und deine Huld belohnt und schützt die Thaten der Gerechten. Ein Segen, den kein Sünder hat, entsprießt durch dich aus ihrer Saat, die Ruhe des Gewissens. 4. Die Frommen werden immerdar in deinem Schatten grünen, und kommen sie auch in Gefahr, so bleibest du bei ihnen. Du schützest; ernten sie nicht gleich, wie fruchtbar werden dann, wie reich die spätern Ernten werden! 5. Denn du bist ihre Zuversicht, du wirst gerecht vergelten. Sie finden auf dem Weg der Pflicht den Lohn in bessern Welten. In deinem Lichte, wo du wohnst, entdeckst du künftig und belohnst und krönest, was sie thaten. ö 6. Oft prangt der Sünder wie ein Baum voll grüner, frischer Blätter, beschattet einen weiten Raum und trotzt dem fernen Wetter; doch plötzlich 58. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele ꝛc. Von Gottes Wesen und Eigenschaften. braust der Sturm daher, zerbricht den stolzen Baum, und er behält nicht Stamm noch Wurzel. 7. In Frieden scheinet er vielleicht und selig auch zu sterben; weh' aber ihm! denn bald erreicht ein Sturm des Fluches Erben. Dein heiliges Gericht erfüllt, was du ge— droht hast, und vergilt ihm nun nach seinem Frevel. 8. Und ich, ich sollte un⸗ recht thun, weil desVerbrechens Strafen hier oft wie ferne Stürme ruh'n, nicht hier sein Haupt schon trafen? Ach, immer bleibest du gerecht! Daran erinn're deinen Knecht, daß er sich immer fürchte! 9. Herr, diese Furcht er⸗ greife mich, wenn mich die Sünde locket, eh' meine Seele sorglos sich verschlimmert und verstocket! Der Tugend Lohn und Ruhm vor dir erhalte Trieb und Kraft in mir, dir fröhlich zu gehorchen! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. 1551. 15 ge⸗ sich te nur ein reiner ew'-ges Licht, aus des-⸗ sen Lich-te stets die reinste 4 4 4 ö——— in wirmenran Fv v Hvierir. 2 I—2.——.— Gott, vor des-sen An⸗ 441— SI9 — — 2 o ——— 1.— — — äs ö =del ilt; 4.— 38 Hlar⸗heit uilit; Höch⸗-ster, dei ne Hei ⸗ lig- keit ——, S P P..P.P.P.PIPIP.......TTIFIFIFIIIII... ———— 44———— ö— wer ⸗-de stets von uns ge-scheut; laß sie uns doch —— 2 —————.—— +—* ö— —————— —.— kräf⸗tig dring en, nach der Hei ⸗li-gung zu ring ⸗en! 2. Heilig ist dein ganzes Gott, reine Herzen, töt in Wesen, und kein Böses ist uns der Sünden Macht! Wie an dir. Ewig bist du so so manche böse Lust wohnet gewesen, und so bleibst du noch in unsrer Brust! Ach, für und für. Was dein Wille wer kann sie alle zählen, die wählt und thut, ist unsträflich, Gebrechen unsrer Seelen? recht und gut; ja unsträflich, 5. Uns von Sünden zu sind die Werke deiner Weis⸗ erlösen, gabst du deinen Sohn heit, deiner Stärke. dahin. O, so reinige vom 3. Herr, du willst, daß Bösen durch ihn unsern ganzen deine Kinder deinem Bilde Sinn! Gib uns, wie du selbst ähnlich sei'n. Nie besteht vor verheißt, gib uns deinen dir der Sünder; denn du bist guten Geist, daß er unsern vollkommen rein. Du bist Geist regiere und zu allem nur der Frommen Freund; Guten führe! Uebelthätern bist du feind. 6. Nie von sündlicher Be⸗ Wer beharrt in seinen gierde werde unser Herz ent⸗ Sünden, kann vor dir nicht weiht; unsers Wandels größte Gnade finden. Zierde sei bewährte Heilig⸗ 4. O, so laß uns nicht keit! Mach' uns deinem Bilde verscherzen, was dein Rat gleich; denn zu deinem uns zugedacht! Schaff in uns, Himmelreich wirst du, Herr, 6² nur die erheben, dieim Glauben heilig leben. Joh. Chr. Zimmermann, 1702—1783. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 59. Gott, du bist heilig und gerecht in allen deinen Wegen; du krönst das menschliche Ge⸗ schlecht zwar gern mit deinem Segen, doch dringst du auch auf Frömmigkeit, weil diese zu Zufriedenheit und wahrem Wohl uns leitet. 2. Drum willst du auch, Von Gottes Wesen und Eigenschaften. die Ruh' aus unsrer Brust, folgt eine bitt're Reue. und Not geraten. Hat er die Sünde nicht gescheut, hat ihn ihr falscher Reiz erfreut, so fühlt er ihre Leiden. 6. Doch bloß zu ihrer Besserung strafst du, o Gott, die Sünder und züchtigst nur 5. Du strafst oft hier den Sünder schon für seine bösen Thaten und lässest ihn in Schimpf und Hohn, in Angst daß in der Welt ein jeder zur Heiligung oft deine trägen die Gesetze, die deine Weisheit Kinder. Wohl dem, der sich festgestellt, verehre stets und noch bessern lernt, sich von dem schätze. Wer davon weicht, Sündenpfad entfernt und der weicht zugleich von seinem deiner Zucht gehorchet! Wohl; in deinem Reich ist nur der Fromme selig. der Zeit nicht deine Warnung 3. Ja, Herr, dein heiliges höret, dein ernstes Strafgericht Gericht zeigt sich uns schon nicht scheut und nicht zu dir auf Erden; du lässest, fürchten sich kehret! Wie schrecklich ist wir dich nicht, uns hier schon dereinst sein Teil, wenn du inne werden, daß du auf unsre den Frommen volles Heil in Thaten siehst und ein gerechter jener Welt wirst geben! Richter bist zur Ahndung alles 8. Herr, dies bezeugt dein Bösen. wahres Wort. Du kannst 4. Es klagt uns das Ge⸗ umsonst nicht dräuen. O hilf wissen an, wenn wir dir uns, daß wir immerfort den widerstreben; straft uns, daß Weg der Sünde scheuen! wir nicht recht gethan, straft Nimm unser dich erbarmend unser böses Leben. Da und auf die süße Sündenlust 7. Weh' aber dem, der in flieht an und leit' uns auf der 2...*³ RN„ — SSStf 63 Treue und Wahrhaftigkeit. ist, Tugendbahn, daß jeder selig. nach dieses Lebens Leiden ihr ust werde! ewig sichres Teil. ö Heinr. Erh. Heeren, 1728.1811 4. Dem Sünder droht den Mel. 37. Schwingt, heilige Verderben, ihm drohet dein sen Gericht; er kann nicht ruhig in 60. Wie bebt vor dir der sterben, erbt deinen Himmel gst Sünder, o Gott voll Ernst und nicht. Bei der gehäuftenSchuld, er. Macht! Wie freu'n sich deine bei immer neuen Sünden, jat Kinder der Huld, die für sie wird er nicht Gnade finden, ut, wacht! Ihr dir ergeb'nes Herz verliert er deine Huld. wird keinen Trost vermissen, 5. Du kannst ihn nicht er ihr ruhiges Gewissen schützt verschonen, wirst mitGGerechtig⸗ tt, sie vor innerm Schmerz. keit, wie er's verdient, ihm ur 2. Sie freu'n sich ihres lohnen, der kein Verbrechen ö**9— ö en Lebens, der kleinsten guten scheut; wenn er gleich immer ich That und gehen nichtvergebens noch sein Glück hier wachsen m der reinen Tugend Pfad. Ihr siehet, im Wohlstand lange blü⸗ nd Eifer, der nie ruht, lehrt sie het, strafst du ihn künftig doch. stets wachen, kämpfen, die 6. Laß mich nach deinen in Macht der Lüste dämpfen und Lehren, Gott, alles Böse g stärket ihren Mut. scheu'n, dich treu und fromm ht 3. Du willst sie, Gott, verehren und mich des Glau⸗ beglücken, erfreust auch hier sie bens freu'n, so werd' ich sicher st schon und zeigest ihren Blicken nicht vor deinen Strafen von fern der Zukunft Lohn; beben, bei dir einst selig leben, W„ 411 0— 7 in dort wird ein größ'res Heil, bewährt in dem Gericht. dort werden bess're Freuden Unbekannter Verfasser. Treue und Wahrhaftigkeit. If 61. Mel. Ich hab' genug ꝛc. J. R. Ahle, 1662. * D——— —— 2...—2———— 34 SSSSIII.. + 1———— d Gott ist ge⸗treu! Sein Herz, sein Va⸗ter=herz, ver⸗ LVL Gott ist ge⸗treu! In Wohl⸗sein und in Schmerz er⸗ Von Gottes Wesen und Eigenschaften. D Kin. e nrr, ů. — läßt die Seinen nie. Mich de⸗cket sei- ner Allmacht freut und trägt er sie. r,— nn ern., Lntde, re, Hum ni uu. .——. Flü⸗ gel. Stürzt ein, ihr Ber-ge! fallt ihy Hü⸗ gel! 02 4W —*VD— I— S SIRIITRTTRRRRR—— ö ———— Gott ist ge ⸗ treu! 2. Gott ist getreu! Er ist mein treu'ster Freund. Dies weiß, dies hoff' ich fest; ich bin gewiß, daß er mich keinen Feind zu hart versuchen läßt. Er stärket mich nach seinem Bunde in meiner Prüfung bängsten Stunde. Gott ist getreu! 3. Gott ist getreu! Er thut, was er verheißt; er hält, was er verspricht. Wenn mir sein Wort den Weg zum Leben weist, so irr' und gleit' ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht lügen; das Wort der Wahrheit kann nicht trügen. Gott ist getreu! 4. Gott ist getreu! Er handelt väterlich, und was er thut, ist gut. Die Trübsal auch; mein Vater bessert mich durch alles, was er thut. Die Trübsal gibt Geduld und Stärke zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getreu! 5. Gott ist getreu! hat uns selbst befreit von unsrer Sündennot durch seinen Er Sohn, durch seine Heilig⸗ keit, durch seinen Kreuzestod. Damit wir Sünder nicht verderben, ließ er den Ein⸗ gebornen sterben. getreu! 6. Gott ist getreu! Mein Vater will er sein, sorgt für mein ewig Wohl; er rufet mich zu seinem Himmel ein, will, daß ich leben soll. Er reinigt mich von allen Gott ist Sünden und läßt mich Trost —2— E— 334ZII.cF‚FJ...——2—2——..—2— Treue und Wahrhaftigkeit. durch Christum finden. Gott ist getreu! 7. Gott ist getreu! Stets hat sein Vaterblick auf seine Kinder acht. Ersieht's mit Lust, wenn schon ein irdisch Glück sie froh und dankbar macht. Was uns zu schwer wird, hilft er tragen, und endlich stillt er alle Klagen. Gott ist getreu! 8. Gott ist getreu! Mein Herz, was fehlt dir noch, dich Gottes stets zu freu'n? Sei Gott getreu und fürchte nichts; mag doch die Welt voll Falschheit sein! Selbst falscher Menschen Neid und Tücke gereichen endlich mir zum Glücke. Gott ist getreu! 9. Gott ist getreu! Vergiß, o Seele, nicht, wie zärtlich treu er ist! Gott treu zu sein, sei deine größte Pflicht, so lang' du denkst und bist! Halt' fest an Gott, sei treu im Glauben! Laß nichts den starken Trost dir rauben: Gott ist getreu! Ehrenfried Liebich, 17131780. Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛc. 62. Noch uie hast du dein Wort gebrochen, nie deinen Bund, o Gott, verletzt; du 6⁵ hältst getreu, was du ver⸗ sprochen, vollführst, was du dir vorgesetzt. Wenn Erd' und Himmel auch vergeh'n, wird ewig doch dein Wort besteh'n. 2. Du bist kein Mensch, daß dich gereue, was uns dein Wort verheißen hat; nach deiner Macht, nach deiner Treue bringst du, was du versprichst, zur That. Scheint die Erfüllung gleich noch weit, so kommt sie doch zur rechten Zeit. 3. Wie du unfehlbar das verleihest, was deine Liebe uns verhieß, so trifft auch Strafe, die du dräuest, den, welcher frevelnd dich verließ. Die deine Langmut, Gott, verschmäh'n, wie wollen die vor dir besteh'n? 4. O pflanze, Herr, in mein Gemüte die Ehrfurcht, die dich kindlich scheut! Gib, daß ich mich vor Leichtsinn hüte, vor aller Ungerechtigkeit! Nie werde das von mir gewagt, was dein Gesetz mir untersagt! 5. Doch laß mich auch mit festem Glauben dem Worte deiner Gnade trau'n! Wer kann den Trost uns jemals rauben, den wir auf dein — 66 Versprechen bau'n? Dein Wort ist wahr, dein Bund steht fest. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! 6. Gib, Herr, daß ich die Wahrheit liebe und, allen meinen Pflichten treu, was Von Gottes Wesen und Eigenschaften. recht und gut ist, redlich übe, entferntvon List und Heucheleil Dann zeig' ich mich als Gottes Kind, dem Treu' und Wahrheit heilig sind. Joh. Jak. Rambach, 1693—1735. Höchste Seligkeit. Mel. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht ꝛc. 1625⁵ 2.7 ö— Krrin hut mnre m— ö ISI — tt i— 6 2— — ö Aus dei⸗ ner Quel-le, Schöp⸗fer, nimmt der * 2——— —.— 56 E— e vLee,., + 1..—— Mensch, zur— · lig ⸗keit bestimmt, zahl-lo-se Freu-den; 2 22— x—— ID—— täg⸗ lich fließt ihr Strom, der un- er-schöpf⸗-lich ist. 2. Er fließt durch deine Schöpfung hin und hat für einen jeden Sinn, für jeden heiligen Genuß Befriedigung und Ueberfluß. 3. Vom Himmel strömt dein Segen her, strömt durch Gebirg und Thal und Meer. Wie schön ist deine Welt, wie reich! Herr, was ist deinen Schätzen gleich? 4. Noch größ're Freuden sendest du uns, wenn wir dich nur lieben, zu; du beutst uns Seligkeiten an, womit kein Mensch uns segnen kann. 5. Wenn wir dich kennen, wie entzückt ist, ihrer Finster⸗ nis entrückt, die Seele, die sich deiner freut; was fühlt sie dann für Seligkeit! 6. Welch eine Wonne, wenn sie nun, was du befiehlst, beginnt zu thun; selbst fühlet, wie der Tugend Wert erhebt, beglücket und verklärt! 7. Fließt so viel hohe Lust von dir schon hier auf uns: kannst du schon hier mit solchen Gütern uns erfreu'n: wie selig mußt du selbst nicht sein! 8. Unendlich selig! denn du bist unendlich; unermeßlich ist, o Fülle der Vollkommen⸗ heit, der Reichtum deiner Herrlichkeit! Höchste Seligkeit. 6² 9. Der Mensch, wie hoch er strebt, umfaßt er nimmer, was du bist und hast. Nur du durchschaust dich ganz allein; wie selig, selig mußt du sein! 10. Und das auf ewig! Keine Zeit umgrenzet deine Seligkeit; aus dir, Gott, aller Wonne Meer, strömt ewig Heil und Freude her. 11. Preist ihn, den Gott der Seligkeit, der hier und dort uns hoch erfreut! Der Herr ist selig nicht allein; auch wir, wir sollen's ewig sein. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Eigene Melodie. 1823. ö— 5——. ö— 2S——— e—5— 2 —**..— 2—1.— 2.—— Wie se⸗lig bin ich, wenn mein Geist em-por zu Gott sich 6——.——— * 77—.——.— 9 t Hn. 2 2— —— 2—— I— —— 2 2—— hebt und, weil er ei ⸗ nen Schö ⸗pfer preist, des —5— ö *— II DD— ————— Eng ⸗ els Le⸗ben lebt! 2. Wer ist so reich ge- ist sein Kleid, der Sterne schmückt wie er mit Herr⸗Heer ist seines Thrones lichkeit und Glanz? Licht Kranz. ⁵ 68 3. Ein Strom von Selig⸗ keiten quillt aus seiner Liebe Kraft; denn er ist selig und erfüllt mit Freuden, was er der Herr will in der Zeit und Ewigkeit auch uns erfreu'n durch seine Seligkeit. 5. Er wollt's und schuf, und nun umringt den Seligen ein Heer, das selig ist und IV. Von der Hünde Mel. 245. Auf meinen lieben 40 Gott ꝛc. 65. Du, der kein Böses thut, du schufst den Menschen gut; du gabst ihm Licht und Kräfte zum seligen Geschäfte, in Heiligkeit zu wandeln, stets recht vor dir zu handeln. 2. Wo ist der Unschuld Ruhm? Ach, wir, dein Eigen⸗ tum, wie tief sind wir gefallen! Wo ist jetzt unter allen ein Mensch ganz rein von Sünden vor dir, o Gott, zu finden? 3. Hier ist kein Unterschied; — dein helles Auge sieht auf Von der Sünde und ihrem Elende. ihm lobsingt, das niemand zählt, als er. 6. Auch ich, und das ist mein Beruf, auch ich soll ewig sein. Heil, Seele, dir, die Gott er⸗ schuf, um seiner dich zu freu'n!“ Leiden, die wir auf Ewig⸗ 7. Schon siehst du durch ein dämmernd Licht, was Engel mehr versteh'n. Dort wirst du ihn von Angesicht zu Angesichte seh'n. Joh. Andr. Cramer, 17231788. und ihrem Elende. alle Menschenkinder und sieht sie, alle Sünder; da ist vor dir, Herr, keiner unschuldig, auch nicht einer. 4. Verderbt ist unser Sinn; die Weisheit ist dahin, die uns regieren sollte, nur was der Vater wollte, mit freuden⸗ vollen Trieben zu wählen und zu üben. 5. Der Sinne Lust und Schmerz rührt leider unser Herz mehr als die höhern Freuden, mehr als die größern keiten selbst unserm Geist be⸗ reiten. E Se S Vae GRSS—..—..S.te ind Von der Sünde und ihrem Elende. 60 6. Dir folgen, dünkt uns Fleisch verführt den Willen, Zwang; des Herzens böser macht ihn den Sinnen unter⸗ Hang reißt uns mit starkem than, strebt ihre Lüsternheit Triebezuschnöder Sündenliebe, zu stillen, schmiegt sich den und wer vermag's zu zählen, Leidenschaften an. wie oft wir vor dir fehlen? 2. Der gute Vorsatz, den 7. O Herr, gib uns dein ich fasse, entweicht oft wie ein Licht, daß wir, was uns ge⸗Traumgesicht; das Böse thu' bricht, beschämt vordir erkennen ich, das ich hasse, das Gute, und dann vonErnstentbrennen, das ich liebe, nicht. Getrieben, der Sünde zu entsagen, der wie ein Schiff vom Winde, Bess'rung nachzujagen! dem Mast und Steuerruder 8. Wohl dem, der sie brach, reißt sie mich hin, die gewinnt! Gott, so verderbt Macht der Sünde: zu späte wir sind, so willst du doch Thränen folgen nach. uns heilen und neue Kraft 3. Wer löst mich von den erteilen, durch Christum schon Sklavenketten? Wer schafft auf Erden von Sünden frei in meinem Innern Ruh'? zu werden. Wer kann mich von der Sünde 9. Ach laß durch unsre retten? Nur du, Allgütiger, Schuld uns diese deine Huld nur du! Ein Strahl von nicht freventlich verscherzen; deiner Gnade g'nüget zur erwecke unsre Herzen, dir seligsten Genesung mir; o nicht zu widerstreben, damit send' ihn, daß mein Glaube wir ewig leben! sieget! und ewig, ewig dank' Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. ich dir. Mel. 51. Wie groß ist des Joh. Andr. Cramer,‚ 1723—1788. Allmächt gen Güte ꝛe. Mel. 125. Vater unser im 2 6. Gott, welch ein Kampf in meiner Seele, welch steter Widerspruch in mir! Mein Geist gebeut, daß ich dich wähle, er sehnt, o Tugend, sich nach dir; allein das Himmelreich ꝛe. 67. Der Hang zum Bösen wohnt in mir; auch wenn ich schon, mein Gott, von dir geheiligt bin, versucht er mich zu Sünden doch und stärket 70 sich durch Lüste meiner Sinn⸗ lichkeit, zu thun, was dein Gesetz verbeut. 2. Ich seh's, die Tugend, Gott, ist schön; auch ihre Bahn nur will ich geh'n, be⸗ treten sie voll Lust und Mut, gewiß, daß, wer nicht Sünde thut und seine Pflichten nie vergißt, hier ruhig und einst selig ist. 3. Doch bald erwacht in meiner Brust die unterdrückte böse Lust und locket mich zur Sicherheit, zu eitler Selbst⸗ gefälligkeit. Gelingt ihr's, ach! so glaub' ich dann auch leicht, daß ich nicht fallen kann. 4. Dann bin ich bald verführt; denn ach! wer stolz und sicher wird, ist schwach; zu reich an Kräften träumt er sich, verläßt sich mehr auf sie, als dich, verschmäht die Feinde‚ die ihm dräu'n, wird träg' und laß und schlummert ein. 5. Und ach! wie nah' ist dann sein Fall, wenn er, ver⸗ suchet überall, von außen, durch sein eignes Herz, durch Lust, Gewinn und Furcht und Schmerz, nun kämpfen soll; wie leicht, wie leicht ver— liert er alle Kraft und weicht! Von der Sünde und ihrem Elende. 6. Ich fühle meine Schwach⸗ heit, Gott! Mich schrecken leicht Gefahr und Spott. Zer⸗ streuung und Vermessenheit, des Beispiels Reiz, die Weich⸗ lichkeit, ein stark Gefühl für Lust und Schmerz, wie leicht verderben die das Herz!; 7. Wer kann mir bei⸗ steh'n? Du allein sollst meine Hilf' und Stärke sein. Laß meine Schwachheit immer mir vor Augen sein, daß ich von dir nicht weiche, daß ich standhaft sei, dir bis zum Tode selbst getreu! 8. Dann kommt die Zeit, wo, Herr, von dir der Hang zum Bösen ganz in mir ver⸗ tilgt und ausgerottet wird, wo nie Verstand und Herz mehr irrt. Wie heilig werd ich dann, wie rein, wie herr⸗ lich, Gott, wie selig sein! Joh. Andr. Cramer,‚, 1723- 1788. Mel. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛce. 68. O, wie sanft ist, Herr, dein Joch! o, wie leicht dein Vaterwille! Oft gedenkt die Seele noch jener Ruhe, jener Stille, die in reinen Herzen wohnt und den Fleiß der Tugend lohnt. * 2. Aber ach! ist er ent⸗ floh'n, des Gewissens sanfter Friede, dann wird Qual der Sünde Lohn, und ihr Dienst macht krank und müde. Keine, keine Freude blüht, wo des Herzens Unschuld flieht. 3. Drückend ist des Lasters Joch, schwer der Sünde harte Bande, und ihr Sklave wählt sie doch, taumelt an des Abgrunds Rande, dünkt sich glücklich, groß und frei bei der tiefsten Sklaverei. 4. In der ungestümen Brust weilet keine Freude lange; Unmut folgt auf Taumellust, angstvoll bebt sein Herz und bange, sucht ver⸗ gebens Fried' und Ruh' und eilt neuen Lastern zu. 5. Unter schuldlos frohen Reih'n wandelt er mit trübem Blicke, will, und kann nicht fröhlich sein, sehnt vergang'ne Zeit zurücke, wird, das Herz voll Groll und Neid, Störer ihrer Fröhlichkeit. 6. Gottes schön geschmückte Welt ist umsonst für ihn geschmücket; Blumenau' und Saatenfeld, was den Tugend⸗ freund entzücket, dem sein Von der Sünde und ihrem Elende. 71 Herz entgegenwallt, läßt die stumpfe Seele kalt. 7. Niedre Lust und eitles Spiel locken ihn zu wilden Scherzen; edler Freundschaft sanft Gefühl bannt er weg aus seinem Herzen, übt in dunkler Einsamkeit, was der Unschuld Auge scheut. 8. Herr, dein heiliges Gericht strafet, welche Tugend hassen, die Verächter ihrer Pflicht. Gott ich will dich nie verlassen; steh' mir in Versuchung bei und erhalte selbst mich treu! Aug. H. Niemeyer, 1754—1828. Mel. 337. Herr, ich habe mißgehandelt ꝛc. 9. Seinem eignen Herzen heucheln, Sünde thun und sicher sein; sich mit falscher Tugend schmeicheln und dann sagen, ich bin rein; selbst sein Elend nicht empfinden: welche gift'ge Frucht der Sünden! 2. Wer so schläft ohn' allen Kummer für der Seele Selig⸗ keit, eingewiegt in tiefen Schlummer einer trägen Sicherheit: ach, wie fürchter⸗ liche Schrecken werden endlich den erwecken! 3. Bin ich, wenn ich das nur hasse, was schon Menschen 72 hassen, rein? wenn ich das nur unterlasse, was auch Heiden nicht verzeih'n? Ist's genug schon, nichts verbrechen, was der Menschen Strafen rächen? 4. Bin ich darum fromm und besser, darum Gottes Kind und Freund, weil des Nächsten Schuld weit größer, als die meinige mir scheint? weil von eines andern Sünde ich mich rein und schuldlos findes 5. Oder, weil durch äußre Werke und oft bloß durch ihren Schein ich mich in dem müssen streben, Wahne stärke, wohlgefällig Gott zu sein? oder weil ge⸗ heime Sünden Menschenblicke den L nicht ergründen? 6. Darum, darum sollt' ich wähnen, ich bedürf' der Bess'rung nicht, keiner Reue, keiner Thränen, keiner festen Zuversicht? darum mich zu V. Pyn der Erlösung der Menschen. Adventlieder. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛe. 70. Herr, wir Sicherheit, mutig mich zum Kampfe rüsten, aber frei von Eitelkeit, daß ich nicht ver— gebens ringe und gewiß zum Ziele dringe! erhöre, nimm gnädig unser Loblied an! Herr, wir danken singen deiner voll Entzücken! Ehre, erbarm' dich unser und Gott, der so Von der Erlösung der Menschen. Gottes Kindern zählen und nicht zu den Sündern? 7. Nein, dies Blendwerk eitlerLügen täusche meine Seele nie, müsse nie mein Herz be⸗ trügen! Heil'ger, dir miß⸗ fallen sie, weil sie mir den wahren Glauben, deine Huld und Tugend rauben. 8. Rein in allen meinen Trieben, frei von falscher Zu⸗ versicht, müss' ich keine Sünde lieben, auch den Wunsch der Sünde nicht! Deine Kinder heilig und gerecht zu leben. 9. Laß mich streiten mit üsten, fliehen Stolz und Joh. Andr. Cramer, 1723-1788. Wo ist ein beglücken, so S ———— ⏑ 2 Slo ee-w Von der Erlösung der Menschen. 73 lieben und so segnen kann? und starb der Sünder Tod. Du, der du gnädig bist, wie Christus hat den Tod be⸗ niemand gnädig ist, bist die zwungen; ein neues Lied werd' Liebe. Schon vor der Zeit, ihm gesungen! Er hört uns, von Ewigkeit warst du die er ist unser Gott. Wir sind Liebe, die du bist. mit ihm versöhnt; ihr Lob⸗ 2. Um zu dir uns zu er⸗ gesänge, tönt! Tönt zum heben, hauchst du in unsre Himmel! Erschallt schon hier! Brust das Leben und schenkest Einst kommen wir an seinen uns der Erde Glück. Um zu Thron und beten an. dir uns zu erheben, entziehst Joh. Joach. Eschenburg, 1743—1820. inst uns dieses Leben ö du einst nns dieser Leben Mel. 175. Mache dich, mein — und schenkest uns des Himmels Geift. ereit er. Glück. Du gibst das Leben, 71. Was Gott, und füͤhrst auch durch. d der große Vater den Tod uns zum Leben. thut, dem wir angehören, ist Du willst allein, daß wir uns und bleibet immer gut und freu'n; daß wir verderben, muß Heil gewähren. Ihm willst du nicht. gebricht Weisheit nicht, ihm, 3. Als wir von der Sünde Ralschl ule 0d sein Plagen gequält in unserm aih zi⸗ wwähten Elend lagen und Furcht und 2. Jesus ward zum Heil Schrecken uns umfing, jam⸗ der Welt einer unsrer Brüder; merte dich unser Schade; da er, der Helden größter Held, war es, Gott, als deine Gnade kam zu uns hernieder. Brüder⸗ gerührt bei uns vorüberging. lich wollt er sich und sein teures Da rief der Liebe Blick e hin für Sünder geben. Leben uns zurück von der 3. Seiner Ankunft frohe Sünde; aus ihrer Nacht sind Zeit ließ Gott offenbaren wir erwacht, dein Licht, dein und der Ankunft Wichtigkeit Antlitz, Gott, zu seh'n. esc die Welt erfahren. Was 4. Preist ihn, unsres Jubels geschah, fern und nah, wußte Lieder! Zur Erde stieg sein Gott zu lenken, um uns ihn Sohn hernieder, ward Mensch zu schenken. 7⁴ Von der Erlösung der Menschen. 4. Heil uns, daß der Herr uns erlösen; hier steht er uns erschien! Heil uns schon auf bei. Unser Freund, mit Gott Erden! Hier schon können wir vereint, kann nicht seine durch ihn froh und heiter Brüder hassen, noch sie hilf⸗ —— werden. Und wie viel wird los lassen. am Ziel dieser Bahn durch's 4 Leben er den Frommen geben! Joach. Christ. Grot, 1733—1801. Wann wir einst er⸗ müden, führt er uns im Frieden in des Grabes Nacht. Unsre toten Glieder gibt die Mel. 132. Jesu, meine Erde wieder dem, der sie 897 Freude ꝛc. bewacht. Jesus ruft uns aus 72. Jesus ist gekommen! der Gruft, er, der selbst den Dankt ihm, seine Frommen, Tod einst schmeckte, den das dankt ihm, daß er kam, daß Grab auch deckte. er hier auf Erden, unser Heil 5. Auf dem Richterthrone zu werden, seine Wohnung werden wir im Sohne unsern nahm! Mensch, wie wir, er⸗Retter schau'n. Heil und schien er hier, der zur ewig Leben wird er allen Schöpfungsprach:„Entstehe!“ geben, die ihm hier vertrau'n. der einst spricht:„Vergehe!“ Er ward hier versucht, wie 2. Laßt uns niederfallen, wir; überschwenglich wird er danken, daß er allen Freund lohnen und der Schwachheit und Bruder ist! Gott auf schonen. seinem Throne liebt uns in 6. Eilet, eilt, ihr Sünder, dem Sohne, hilft durch Jesum werdet Gottes Kinder, werdet Christ. Welch ein Heil, am Sohne teil, teil an seiner ö mer Frommen, seid wie er voll— Sendung Gaben, an Gott kommen, bleibet seiner wert! selbst zu haben! Preiset ihn, daß er erschien 3. Keine Macht der Leiden und sich für euch hingegeben, kann von ihm uns scheiden; durch ein göttlich Leben! er bleibt ewig treu. Dort wird er vom Bösen gänzlich Balth. Münter, 1735—1793. seiner wert! Eilet, eilt, ihr IIAIIII 6 AA MM Von der Erlösung der Menschen. Eigene Melodie. 5— Gott 5 Dank in al ⸗ ler Welt, der sein Wort l be⸗ 6560 i,——— 34 33 stän-dig 51— und der Sünder Trost und Rat in die Welt ge⸗ 5—4 sen-det hat! 2. Was der alten Väter war Hilf' und Rettung aus Schar Wunsch und Trost und Hoffnung war, was sie fern im Dunkeln sah, Heil uns! ist im Lichte da. 3. Hier ist mehr, als Davids Sohn, keines ird'schen Reiches Thron. Licht der Seelen, ew'ges Heil, ward durch Jesum unser Teil. 4. Menschenfreund, wie dank' ich's dir! Schenke dieses Heil auch mir, das du unter vieler Last für die Welt be⸗ reitet hast! 5. Deiner Hilfe mich zu freu'n, laß mein Herz dein eigen sein; mach' es von der Sklaverei jeder Sünde völlig frei! 6. Und wie deine Ankunft Gefahr, so erscheine stets auch mir Hilf' und Rettung, Herr, von dir! 7. Deine Wahrheit leuchte mir, Herr, bei allem, was ich hier zur Beförd'rung meiner Ruh' denke, wünsche, wähle, thu'! 8. Trifft mich Traurigkeit und Schmerz, tröste dann mein zagend Herz, hilf zum treuen Tugendlauf meiner Schwach⸗ heit mächtig auf! 9. Daß ich, wann du, Lebensfürst, herrlich wieder kommen wirst, froh dir mög' entgegenseh'n und gerecht vor dir besteh'n! Heinr. Held, gest. um 1660. ** 76 Von der Erlösung der Menschen. Menschwerdung, Geburt und Eigenschaften des Erlösers.— Weihnachtslieder. Wie leuchtet 118 de Morgenstern voll Gnad' u. Wahrheit O Sohn, von deinem An-ge-sicht um-strah-let mich ein ö 74. Eigene Melodie. Phil. Nicolai? 1599. —— F SSES e, d ——..——.— ö— —6— ö——— e, ᷑e ertt. *— ö———.—— von dem Herrn, der Aufgang aus der Hö-he! gött⸗lich 19000 daß den Tod nicht Zwar ich wer-⸗de wie-der Er⸗de; — ö ö 252. ö 2.—— 2222½— —— L. muir—üñDI‚ a-ber den-noch le-ben werd' ich, e⸗wig Ule-ben. 2. O, mach' dich auf und Gottes Kindern, Kronen, werde Licht, mein Geist! denn hier schon kommt dein Licht zu dir vom ew'gen Throne. Ganz geht dort, nach vollbrach⸗ tem Lauf, die Herrlichkeit des Herrn dir auf: der Vater mit dem Sohne. Jesus Christus, ew'ges Leben wirst du geben Herr, den Ueberwindern. 3. Du bist, Versöhner, mein, ich dein. Geuß sie auch meinem Herzen ein, die Flamme deiner Liebe! Wer wär' ich, wenn durch Heilig⸗ keit ich nicht der Prüfung kurze Zeit dir treu, Versöhner, b 0 — — — 2— ⏑ ⏑&-&& D Menschwerdung, Geburt ꝛc. des Erlösers. 77 bliebe? Treu dich lieben Heilig, gnädig bist du! Singet hilf mir Schwachen! Hilf Christo! Bringet Preis dem mir wachen, kämpfen, ringen, Sohne! Bald kommt er mit stark in dir zu Gott mich seinem Lohne. schwingen! 7. Wie freu' ich dein mich, 4. Des Vaters Klarheit Jesu Christ, daß du der Erst' schauen wir in Christi An⸗ und Letzte bist, der Anfang gesicht schon hier, des ew'gen und das Ende! Einst, wann Vaters Klarheit. O süßer er dich im Tode preist, und Blick in jene Ruh', voll wun⸗ jetzt befehl' ich meinen Geist, derbaren Heils bist du, siehst Herr, Herr, in deine Hände! wunderbare Wahrheit! Jesus Amen! Amen! Du Gott, zeigt uns ohne Hülle Gottes Amen! Deinem Namen sei'n Fülle. Gnade, Gnade schau'n gesungen Dank und Preis und wir, nehmen Gnad' um Gnade. Anbetungen! 5. O du, der schuf und Nach Ph. Nicolat, 1556—1608. der erhält, du hast mich ewig Mel. 161. Schwing' dich auf vor der Welt, in deinem zu deinem Gott zr. Sohn erkoren. Du hast n 5. Von des Vaters ew' gem Bund: durch Christi Blut Thron kam zu uns auf Erden seist du auch mir das höchste Jesus Christus, Gottes Sohn, Gut, Herr, bei dir—. 97 Heil zu werden. Ja, beschworen. Preis dir, Gott, er ward ein Mensch, wie wir; dem ich lobsinge; sieh', ich daß wir selig würden, über⸗ bringe Dank im Staube, weiß nahm er willig hier schwerer und fühl', an wen ich glaube! Leiden Bürden. 6. Mein Psalter, meine 2. Nun herrscht er voll Harf', erwacht! Noch ruf' Majestät nach ertrag nem Lei⸗ ich aus der Tiefe Nacht und den, als der Herr von Gott kann sein Lob nur stammeln; erhöht, und regiert mit Freuden doch er, der alles wohl ge⸗ weisheitsvoll das große Reich, macht, will mich, wenn ein zurihnulgeedro. mein Lauf vollbracht, zu sollen, Engeln gleich, ewig höhern Geistern sammeln. mit ihm leben. 78 Von der Erlösung der Menschen. 3. Ehrfurcht und Gehorsam soll ihm der Mensch bezeugen, aller Knie' sich demutsvoll vor dem Mittler beugen, freudig jede Nation es mit Dank be⸗ kennen, er sei Gottes höchster Sohn, unser Herr zu nennen. 4. Wer den Sohn ehrt, ehrt zugleich Gott, durch den wir leben. Ist des Vaters Macht und Reich ihm nicht übergeben? Wer zu Jesu „Herr, Herr!“ spricht und doch Böses übet, kennt ihn und den Vater nicht, der nur Fromme liebet. 5. Ewig liebe dich mein Herz, göttlicher Erbarmer! denn durchdeinenTodesschmerz leb' und sieg' ich Armer. Du, du kennst, o Menschenfreund, uns're Leidensstunden, und wie ein Bedrängter weint, hast du selbst empfunden. 6. Du, den in der Niedrig⸗ keit Not und Angst umgaben, kannst nun in der Herrlichkeit Mitleid mit uns haben. Wenn Gebet und Angstgeschrei nun zum Himmel dringen, stehst du mitleidsvoll uns bei, hilfst den Sieg erringen. 7. Weich', Erbarmer, nicht von mir einst an meinem Liebe die Gottheit zu ehren, Ende, daß auch ich den Weg zu dir freudig dann vollende! Laß, weil ich auf Erden bin und mit Not umgeben, deinen liebevollen Sinn meinen Geist ö beleben! 8. Lehr' einst in des Todes Nacht, wann die Augen brechen, mich dein Wort:„Es ist voll⸗ bracht!“ auch mit Freuden sprechen. Hilf, daß ich mein Heimatland dann im Geist erblicke, und mich durch des Vaters Hand ew'ge Wonn' erquicke! Joh. Chr. Wagner, 1747—1825. Mel. 227. Lobe den Herren ꝛe. 76. Ehre sei Gott in der Höhe! Der Herr ist geboren! Laßt uns ihm singen, o Christen! Auch wir sind erkoren, sein uns zu freu'n und durch ihn selig zu sein. Christen, wir sind nicht verloren! 2. Schatten und Dunkel bedeckte den Erdkreis; es irrten Völker umher, wie die Herden, verlassen von Hirten. Jesus erschien; Nächte verschwanden durch ihn, die auch den Weisen verwirrten. 3. Menschen, berufen, durch 2—.— rnrr r e Menschwerdung, Geburt ꝛc. des Erlösers. 79 folgten der Zwietracht und haßten sich vor den Altären. Jesus erschien, und es ward Friede durch ihn. Friede! Singt's laut, ihm zu Ehren! 4. Unschuld und Tugend entkeimten des Göttlichen Tritten; Trost und Erquickung trug er in der Weinenden Hütten. Wo ist ein Freund, der je so treu es gemeint, selber so schmerzlich gelitten? 5. Ehre sei Gott in der Höhe! Ein ewiges Leben hat er durch ihn, den Geliebten, uns allen gegeben. Bis in das Grab stieg er vom Himmel herab, einst uns zum Himmel zu heben. 6. Selige Aussicht! Wie werd' ich im Lichte der Höhe, Retter, dich preisen, wenn dort ich verherrlicht dich sehe! Danket schon hier, Christen, o dankt ihm mit mir! Ehre sei Gott in der Höhe! Aug. Herm. Niemeyer, 1754—1828. Mel. 152. Warum sollt' ich mich denn grämen ꝛe. 7„Laßt uns unserm Gott lobsingen! Hocherfreut laßt uns heut' ihm Verehrung bringen! In des Himmels hohe Chöre stimmet ein: Gott allein, unserm Gott sei Ehre! 2. Jeder, der sich fühlt verloren, freue sich inniglich! Christus ist geboren! Er, der König aller Wesen, steigt herab bis ins Grab, Sünder zu erlösen. 3. Wer kann Gottes Rat⸗ schluß fassen? Aber dies ist gewiß: Wir sind nicht ver⸗ lassen! Kommt sein Sohn aus freien Trieben zu uns her, so mußer wahrlichuns auchlieben. 4. Wenn er uns verworfen hätte, nähm' er dann Mensch⸗ heit an, daß er uns errette? Nein, der Erdkreis soll sich freuen; zum Gericht kommt er nicht, sondern zum Verzeihen. 5. Wenn euch nun die Sünden kränken, eilt herzu! Suchet Ruh'! Er will Ruhe schenken. Schau't auf ihn mit Glaubensblicken! Zittert nicht! denn er spricht:„Ich will euch erquicken.“ 6. Er, er will für eure Schulden Armut, Not, Schmach und Tod göttlich groß er⸗ dulden. Lernt den Menschen⸗ freund erkennen! Gnadenreich will er euch seine Brüder nennen. 7. Eures Herzens banges Sehnen siehet er. Kommt 80 nun her! Opfert Freuden⸗ thränen! Gnade tönet euch entgegen. Welch ein Freund! Er erscheint Feinden selbst zum Segen. 8. Drückt euch hier des Lebens Plage, euren Schmerz fühlt sein Herz. Kein Erlöster zage! Bringet ihm an seinem Feste Ruhm und Preis! denn er weiß und verschafft das Beste. 9. Er verläßt euch nicht, ihr Schwachen; mehr, als ihr, litt er hier, um euch stark zu machen. Diese kurze Zeit der Leiden und der Müh', was ist sie gegen ew'ge Freuden? Von der Erlösung der Menschen. 10. Herr du nahmst auch meine Bürde gern auf dich, 78. daß auch ich frei und selig würde. Wer kann deine Lieb' ergründen? Ewig soll freuden⸗ voll sie mein Herz empfinden. 11. treuer. Keine Weltlust und kein Leiden, keine Not und kein Tod soll von dir mich scheiden. 12. Einst erscheinst du zum Gerichte; dann werd' ich, Richter, dich schau'n von Angesichte; und wenn dann die Frevler beben, werd' ich dein stets mich freu'n, mit dir ewig leben. Nach Paul Gerhardt, 1607—1676. Mel. Ermunt're dich, mein schwacher Geist ꝛe. Joh. Schop, 1641 D — 5—— 9—.—.—.. SDSDSI— — 0— ö——.— — 223 2—— Ge⸗ lobt seist du, Herr Je-⸗ su Christ, von Von je ⸗ dem, der noch sterb-lich ist, sei — ö rreer e. *— n dan al ⸗ ler Men⸗schen Zungen!— Oung Ge⸗ lo=bet seist du froh dir Lob ge- sung ⸗en! Dir, mein göttlicher Befreier, folg' ich nach, ob⸗ gleich schwach, dennoch immer HN eR & 4—0 ——P8 Geburt ꝛc. des Erlösers. 81 aree. 144 von der Schar, die einst, wie wir, auch sterblich war und + 2.—.— — +*—..— nun, der Last ent bun ⸗-den, hat e⸗ wig ü⸗ber⸗ 2— —— + wun ⸗den! 2. In dieser höhern Brüder Dank soll unserLoblied schallen. Auch schwacher Menschen Lob⸗ gesang läßt du dirwohlgefallen. Noch schauen wir, doch nur von fern, die hohe Seligkeit des Herrn, wozu nach diesem Leben du dort uns wirst erheben. 3. Doch bald, bald sind wir auch, wie sie, zum Leben durchgedrungen; bald ist, nach kurzer Tage Müh', das Kleinod uns errungen; dann singen wir, Herr Jesu Christ, dir, daß du Mensch geboren bist, in deiner Engel Chöre An⸗ betung, Preis und Ehre. 4. Hier soll, so lang noch Sterblichkeit 118 Leiden uns beschweren, durch unsre ganze Pilgerzeit dich unser Dank verehren. Es preise Herz und Zunge dich, und unser Geist bestrebe sich, stets durch ein heil'ges Leben dich, Heiland, zu erheben! 5. Schon hier, erhab'ner Gottes⸗Sohn, sind wir in Reiuns selig; die Freuden, die uns dort am Thron er⸗ warten, sind unzählig. Dir, der sie huldvoll uns erwarb, für uns ein Mensch ward, für uns starb, sei mit der Engel Heere auf ewig Dank und Ehre! Chr. Chr. Sturm, 1740— 1786. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛc. 79. O, stimm' auch du mit frohem Dank, mein Geist, in jenen Lobgesang, davon der Himmel tönte, als der zur Welt hernieder kam und unsre Menschheit an sich nahm, der uns mit Gott versöhnte. Freu' dich innig! Er, dein Führer und 6 82 Von der Erlösung der Menschen. Regierer, kam zur Erden, Licht 4. O gib, daß ich an diesem und Heil auch dir zu werden. Heil nun auch von ganzem 2. Ja, Preis und Ehre, Herzen teil in wahrem Glau⸗ Gott, sei dir! Wie gnaden⸗ ben nehme; daß ich hinweg voll bist du auch mir in deinem vom Eiteln seh', die Wege Sohn erschienen! Du sandtest deiner Wahrheit geh' und aus Erbarmen ihn, um die dem deiner nie mich schäme, bis ich Elend zu entzieh'n, die schnö- durch dich, wenn ich sterbe, zu den Lüsten dienen. Preis dir, dem Erbe deiner Frommen einst daß mir neue Pfade zu der auch mich seh' aufgenommen! Gnade offen stehen, mich der. 5. Dir bring' ich, Herr, Sünd' entrückt zu sehen! ein dankbar Herz, bereit, in 3. Und wie vergelt' ich,‚ Freuden und im Schmerz, Heiland, dir die große Treue, wie dir's gefällt, zu wandeln. die du mir, schon eh' ich war, Verleihe du mir selbst die bewiesen? Du bahntest unter Kraft, nach deinem Wort bitterm Leid auch mir den Weg gewissenhaft zu denken und zur Seligkeit. Sei hoch dafür zu handeln! Fröhlich will ich gepriesen! Durch dich kann ich hier im Leben dich erheben nun hienieden Gottes Frieden und einst droben wonnevoll schon empfangen und einst dich ewig loben. 18 Sr erlangen. Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. 80. Mel. Vom Himmel hoch, da komm' ich her ꝛe. 1539. ö —5—.——.——— er..—.—.——— *. ö—— Dies 17. der Tag, den Gott i. sein werd' in al- ler 2 I D 44;.: I— E—— Welt ge⸗—2— Ihn prei⸗, was durch Jesum Christ im —— Pn IL 8. +2 ID — datun.* Him⸗mel und auf Er⸗ den ist. 2. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb' unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad' erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. Menschwerdung, Geburt ꝛc. des Erlösers. 8³ 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Gedanke voller Majestät! du bist es, der das Herz erhöht. Gedanke voller Seligkeit! du bist es, der das Herz erfreut. 9. Durch Eines Sünde fiel die Welt; ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, der zu des Vaters Rechten sitzt? 10. Jauchzt, Himmel, die 5. Dein König Zion, kommt ihr ihn erfuhrt, den Tag der zu dir.„Ich komm', im Buche steht von mir: Gott, deinen Willen thu' ich gern.“ Gelobt sei, der da kommt vom Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, auf den die Väter hoffend sah'n, dich, Welt⸗ erlöser, bet' ich an. 8l. — 5 heiligsten Geburt! Und Erde, die ihn heute sieht, sing' ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 11. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; sein werd' in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist! Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. Valet will ich dir geben ꝛe. Melch. Teschner, 1613. 3— SSSPP——— en Ln * +7 — Wie soll ich dich em-pfang⸗en, Heil al-ler Sterb⸗li⸗ Du Freu⸗de, du Ver⸗ lang⸗en der Trost-be-dürf⸗ti⸗ 6*² Von der Erlösung der Menschen. 7 5 Du woll'st mich selbst be ⸗ leh ⸗ ren, wie, 460—98 E ö* —, w a— —0——— 2 2 —.— 2———.w— 5 ISISDSDDRSRSREIIe——2— dei⸗ ner Gü⸗te voll, dich mei- ne See⸗le eh- ren, dich A D .——— —— ů en. — 2— 45— 1 wür-dig prei-sen soll. 2. Mit Zweigen grüner machst mich groß. Du hebst Palmen holt dort dein Volk mich hoch zu Ehren, gibst mir dich ein; ich will in Freuden- ein ewig Heil; was kann ich psalmen dirmeineLiebe weih'n Dich, dich will ich erheben, so gut ich Schwacher kann; mein Herz will ich dir geben⸗ o nimm es gnädig an! 3. Damit du mich be—⸗ freitest, gabst du dich selbst für mich. Zu meiner Rettung weihtest du, Herr, als Opfer dich. Uns war das Reich ge⸗ nommen, wo Tugend herrscht und Glück; du, Retter, bist gekommen und bringst es uns zurück. 4. Mich hielten schwere Bande; du eilst und kaufst mich los. Ich war bedeckt mit Schande; du kommst und mehr begehren? Der Himmel ist mein Teil. 5. O du, an den ich glaube, was war's, das dich bewog? Was war's, das dich zum Staube, zu mir hernieder zog? Dein göttliches Erbarmen. Ja du, o Jesu, hast mit mitleids⸗ vollen Armen die ganze Welt umfaßt. 6. Das schreibt in eure Herzen, Betrübte, klagt nicht mehr; zagt nicht in euren Schmerzen, als ob kein Helfer wär'! O, sehet auf! Ihr habet den besten Helfer nah'; der eure Seele labet, der treue Freund ist da. S S Von den Lehren und dem Leben Jesu. 85 7. Die ihr mit ernster Leiden zu trösten stets ge— Reue still eure Schuld beweint, wußt? Erfreu'n ist seine wißt, daß er euch verzeihe; er Freude und Wohlthun seine selbst, der Menschenfreund, ruft Lust. reuevollen Sündern der Gnade 9. Er kommt zum Welt⸗ Trostwort zu, macht sie zu gerichte; der Bösewicht vergeht, Gotteskindern, schafft ihren wann da im hellen Lichte Seelen Ruh'. vor ihm sein Freund besteht. 8. Ja, er verläßt hier Wohl ewig allen denen, die keinen und weiß, was jedem seine Wege geh'n und einst nützt. Hat er nicht stets die nach Leid und Thränen mit Seinen von Anbeginn be- Freuden vor ihm steh'n! schützt? nicht sie in ihren Paul Gerhardt, 1607—1676. Von den Lehren und dem Leben Jesu. Mel. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛe. 178⁵. — * dr v d Eura rr. i FSRTSSS.. —* 7 2——1— 1 Auf Er-den Wahr⸗-heit aus-zu-brei- ten, die und uns zum ew'-⸗ gen Glück zu lei-ten, das FA 25.—— N PPIIIIIIIIIIIIITTTTTTTTI.I —— ö ö— Wahrheit, die vom Him-mel stammt, 4 zit. er⸗ Herz zu Got- tes Lieb' ent-flammt: — b4 VFf— pe—.— ät., . *——————.—— schienst du, Je-su, hier, von Gott ge-sandt, zum 2*— — —2—4 +I — J IDII I Heil auch mir. 86 2. Dies war das tägliche Geschäfte, darin dein Geist Vergnügen fand. Wie emsig hast du Zeit und Kräfte, beseelt von Liebe, angewandt, durch deiner Lehren hellen Schein der Menschenseelen Licht zu sein! 3. Ihr Licht, den Weg zu Gottes Gnade und ihrem Heil recht einzuseh'n; ihr Licht, auf diesem sel'gen Pfade mitsicherm Schritt einher zu geh'n; ihr Licht, mit freudigem Vertrau'n bis in die Ewigkeit zu schau'n. 4. Und, um der Welt dies Licht zu werden, wie willig übernahmst du nicht auch selbst die größesten Beschwerden! Und drückte dich gleich ihr Gewicht, so trugst du doch, voll Güt' und Huld, sie gern mit himmlischer Geduld! 5. Was konnte deinen Eifer stören, das Glück, das Gott uns zugedacht, den Weg, der dahin führt, zu lehren? Du scheutest keines Menschen Macht; kein Undank, den dein Volk dir gab, hielt dich von diesem Eifer ab. 6. Dein Licht ist auch zu uns gedrungen; du bist noch jetzt das Licht der Welt. Auf ewig sei dir Lob gesungen, Von der Erlösung der Menschen. dir, der das Dunkel aufgehellt, das einst auf ganzen Völkern lag! Die Nacht entfloh, es kam der Tag. 7. Wir sehen nun in größ'rer Klarheit, als es vor dir die Völker sah'n, erleuchtet nur durch deine Wahrheit, zur Seligkeit die sichre Bahn. Der du auch uns zum Licht erschienst, wie groß ist um uns dein Verdienst! 8. Und, Herr, noch immer ist das Leben, das du auf Erden hast geführt, ein Segen, den uns Gott gegeben, dafür ihm ew'ger Dank gebührt; ein Segen, dessen auch mein Geist sich freut und dich, Erlöser, preist. 9. Ja, Preis sei dir, du bester Lehrer, auch mir zum Heil von Gott gesandt! O, würde jeder dein Verehrer, der deinen Wert noch nicht erkannt! Gib, daß ich deiner Wahrheit treu und ewig durch dich selig sei! Joh. Benj. Koppe, 1750—1791. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. Der du dein Wort mir hast gegeben, wie preis' ich⸗ würdig dich dafür! Aus Jesu S — 8 — 5.2.—— Von den Lehren und Unterricht quillt Leben für meinen Geist und Weisheit mir. Kennt' ich ihn, meinen Lehrer, nicht: wer gäbe mir dann Trost und Licht? 2. Auf ungewissem, finsterm Pfade würd' ich ein Raub des Irrtums sein und, unbekannt mit Gottes Gnade, ihn nur als strengen Richter scheu'n. Bang' sucht ich Hilfe in der Not, und schrecklich wäre mir der Tod. 3. Doch diesen trüben Finsternissen des Irrtums und der Sünde Macht hat Jesu Lehre mich entrissen; ihr Licht zerstreut des Zweifels Nacht, lehrt mich, wie viel Gott für mich that, und ebnet selbst den rauhsten Pfad. 4. Ich weiß, wozu mich Gott erschaffen, ich kenne besser meine Pflicht. Erlieg' ich gleich des Todes Waffen, so stirbt mein ew'ger Geist doch nicht. Der Werke Lohn folgt dort ihm nach, und Gott erfüllt, was er versprach. 5. O, laß mich dieser guten Lehre gehorchen stets mit größ'rer Lust, und keines Zweiflers Spott zerstöre ihr Trostgefühl in meiner Brust! dem Leben Jesu. 87 Er erntet doch nur Reu' und Schmerz, und hohen Frieden fühlt mein Herz. G. J. Zollikofer, 1730—-1788. Mel. 214. Liebster Jesu, wir sind hier ꝛe. 84. Führer zurVollkommen⸗ heit, Lehrer, Muster uns zu werden hoher, reiner Sittlich⸗ keit, wurdest du ein Mensch auf Erden. Dir schlägt unser Herz entgegen, Jesu, dir, der Menschheit Segen! 2. Du gabst unserm Geiste Licht, lehrtest uns Gott näher kennen und mit froher Zu⸗ versicht unsern Schöpfer Vater nennen, der uns liebt, ver⸗ sorgt, beschützet und uns gibt, was wahrhaft nützet. 3. Du hast uns der Mensch⸗ heit Wert durch dein Leben und die Lehre, die von Gott kommt, aufgeklärt, uns ge⸗ lehrt, des Geistes Ehre nur auf wahre Tugend gründen und das Laster überwinden. 4. Dann auch, wann das Auge bricht, Todesschrecken uns umgeben, blickt, erhellt von deinem Licht, unser Geist in jenes Leben, in das Land vollkommner Freuden, um mit frohem Mut zu scheiden. 88 Von der Erlösung der Menschen. 5. Danket, Christen, betet an! Laßt uns Christum herz⸗ lich ehren, wandeln auf der Tugend Bahn, willig folgen seinen Lehren, treu durch Not und Leiden gehen, um sein ew'ges Licht zu sehen! H. Chr. G. Demme, 1760—1822. Mel. 46. Wo sind die Weisen, die mich lehren ꝛc. „Gedenk' ich, Heiland, an das Leben, das du auf Erden hast geführt: wie innig fühlt, dich zu erheben, sich dann mein ganzer Geist gerührt! Ich seh', wie deiner Tugend Größe durch all dein Thun sich mir verklärt, und, Herr, je mehr ich sie ermesse, empfind' ich deinen hohen Wert. 2. Nur wohlzuthun war deine Freude, Erbarmen deine Seligkeit. Du wehrtest gern dem Menschenleide und warst zum Helfen stets bereit, nahmst von den Menschen ihre Sünden, brachst freudig Hungrigen dein Brot, verschafftest das Gesicht den Blinden und halfst von Krankheit, halfst vom Tod. 3. Zum Heil der Welt gabst du in Schmerzen dich hin und fühltest ihr Gewicht. Herzen entwich Vertrau'n zum Vater nicht.„Laß diesen Kelch vorüber gehen!“ riefst du in deiner Seelenpein;„jedoch dein Wille soll geschehen, der meine nicht! Ganz bin ich dein.“ 4. Mit sanftem, schonen⸗ dem Gemüte trugst du die Schwachen in Geduld, ver⸗ ziehst mit namenloser Güte den Sündern auch die schwerste Schuld. Selbst unter deiner Mörder Händen riefst du für sie voll Mitleid noch, von ihnen Elend abzuwenden:„Vergib es ihnen, Vater, doch!“ 5. O, laß es uns doch recht erkennen, wie wert du unsrer Ehrfurcht bist, daß wir mit Dankgefühl dich nennen und dir lobsingen, Jesu Christ! Doch, Herr, dein tugendvolles Leben soll nicht bloß unser Loblied sein; es soll uns auch ein Beispiel geben, wie du, der Tugend uns zu weih'n. 6. Verleih' mir selbst, dir nachzuahmen, Erlöser, Stärke, Mut und Treu', damit ich nicht bloß nach dem Namen ein Christ, nein, auch durch Thaten sei! Nie laß mich von der Zwar klagtest du, doch deinem HE eHRr eH S S& K. N V Von den Lehren und dem Leben Jesu. 89 Tugend weichen, auch auf des so weit es meine Schwachheit Lebens rauhster Bahn; hilf kann! mir dein hohes Bild erreichen, Elise v. d. Recte, 1754. 1833. 0 del. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc. 86 Mel. Schmücke dich,‚ o liebe Seel Joh. Crüger, 1649. Dii 4—— ͤ—————— Vor-bild wah⸗rer Men⸗schen-lie-be, Je-su, zo ⸗ gen dich her-ab auf Er-den, der Ver⸗ . 3————— V r r ———3.T.—,— 2— dei ⸗- nes Mit-leids Trie-be lor'- nen Heil zu wer-den, 5 D —2—, Mi d, x DDD——2— ———————.— e e n L und für sie so⸗ gar dein Le-ben in den Tod da-hin zu ge-ben. VD 2—,.........—— ——— 2———— Wé̃ o ist, Hei-land, dei nes- glei-chen, wer kann 5 —— 1 II e, er, vLeuer, P Ketnnri — ü‚‚‚IHH———————— dein Ver-dienst er- rei-chen? 2. Ohne Vorteil zu be- wie voll von solcher Güte war, gehren, sich in andrer Dienst Erlöser, dein Gemüte! verzehren, Gutes jedem gern 3. Du warst Zuflucht allen erzeigen, zu Beleidigungen Armen, jeder fand bei dir schweigen, auch an Feinden Erbarmen, jeder hat auf sein Wohlthun üben, das heißt Verlangen Hilfe, Ruh' und Menschen göttlich lieben. Und Trost empfangen. O, wie 9⁰ Von der Erlösung der Menschen. pflegtest du zu eilen, das Erbet'ne zu erteilen! Freude war dir's, Seligkeiten schon auf Erden auszubreiten. 4. Menschenseelen zu be— glücken, Reuerfüllte zu er⸗ quicken, Unverständ'ge zu be⸗ lehren, Abgewich'ne zu be— kehren, Sünder, die die Tugend fliehen, liebreich zu dir hinzu⸗ ziehen, nur für Menschen⸗ wohl zu leben, war dein täg⸗ liches Bestreben. 5. Und wie hoch stieg dein Erbarmen, da du, Mittler, von allen freundlich zu begegnen, die dich lästerten, zu segnen, deine Mörder zu vertreten und für sie zu Gott zu beten. 7. Demut war, bei Spott und Hohne, deiner Tugend du nach Ruhm getrachtet, noch auf Menschenlob geachtet. Dei⸗ nes Vaters heil'gen Willen mit Gehorsam zu erfüllen, uns zum Himmel zu erheben, war der Zweck von deinem Leben. Schmäher nicht zu schelten, Schmuck und Krone; nie hast uns Armen Gottes Strafen 8. Laß mich, Herr, zu abzuwenden, unter frecher meinem Segen deinen Wandel Mörder Händen Angst und oft erwägen! Laß mich in unerhörte Schmerzen littest der Angst der Sünden Trost mit gelass'nem Herzen, als ein und Hilfe bei dir finden! Gib Missethäter starbest und uns zur wahren Menschenliebe ew'ges Heil erwarbest. Kraft und immer rege Triebe! 6. Deine Huld hat dich Laß mich immer mehr auf getrieben, Sanftmut und Ge⸗ Erden deinem Bilde ähnlich duld zu üben, Haß mit Haß werden! nicht 3u vergelten, deine J. J. Rambach, 1693— 1735. Von dem Leiden und Sterben Jesu.— Passionslieder. Mel. Herzliebster Jesu ꝛe. 8²⁷ Joh. Crüger, 1640. 12—1 2— 4 + 1.———— 2— 22⁴ — Aner in ai 23.. . ** Herr, stär-ke mich, dein Lei-den zu be- den-ken, mich Von dem Leiden und Sterben Jesu. 9¹ Z ——— in das Meer ber We be zu ver sen ⸗ ken, die —.——. ů—.———.—— SPI— +——. dich be-wog, von al-ler Schuld des Bö- sen uns D —.— . 7— II 4.— 7 7 5 zu er ⸗ lö ⸗ sen! 2. Du wolltest, Herr, ein Mensch gleich uns auf Erden und bis zum Tod am Kreuz Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. O Herr, mein Heil, an gehorsam werden, an unsrer dessen Tod ich glaube, ich liege Statt gemartert und zer— schlagen, die Sünde tragen. 3. Welch wundervoll, hoch⸗ heiliges Geschäfte! Sinn' ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, mein Herz erbebt; ich seh' und ich empfinde den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Richter alles Bösen; Gott ist die Lieb' und läßt die Welt erlösen. Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. 5. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder; es stürzt mich tief und es erhebt mich wieder, lehrt mich mein hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüte in deine Güte. 7. Sie übersteigt die mensch⸗ lichen Gedanken. Allein sollt' ich darum im Glauben wanken? Ich bin ein Mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? 8. Das Größt' in Gott ist, Gnad' und Lieb' erweisen; uns kommt es zu, sie demutsvoll zu preisen, zu seh'n, wie hoch, wenn Gott uns Gnad' er⸗ zeiget, die Gnade steiget. 9. Laß deinen Geist mich, o mein Heiland, lehren, stets deinen Tod im Glauben zu 9² Von der Erlösung der Menschen. verehren, daß ich, getreu in dem Beruf der Liebe, mich christlich übe! 10. Das Gute thun, das Böse flieh'n und meiden, Herr,‚ diese Pflicht lehrt mich dein schweres Leiden. Kann ich zu⸗ gleich das Böse mir erlauben und an dich glauben? 11. Da du dich selbst für mich dahin gegeben, wie könnt' ich jetzt noch meinen Lüsten leben? und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, zu deiner Ehre? 12. Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, wenn Kreuz mich trifft, gelass'nen Herzens werden, da du so viel für uns, die wir's ver⸗ schuldet, liebreich erduldet? 13. Wie könnt' ich jemals meine Brüder hassen, für welche du dein Leben selbst gelassen, und nicht wie du, wenn sie mich untertreten, für sie noch beten? 14. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten, wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten. Du trugst ja selbst den Haß verirrter Brüder und schaltst nicht wieder. 15. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, dies ist der Dank für deine Todes⸗ schmerzen, und Gott gibt uns die Kraft, in deinem Namen dir nachzuahmen. von mir gepriesen für das Er⸗ barmen, das du mir erwiesen, da du, mein Heiland, auch für mich dein Leben dahingegeben! 17. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben und stets mit Freuden deinen Willen üben. O, gib zu diesem seligen Geschäfte, Herr, selbst mir Kräfte! Chr. Fr. Gellert, 1715—1769. Mel. 46. Wo sind die Weisen, die mich lehren ꝛe. 8 Laß mir die Feier deiner Leiden, ogroßer Dulder, heilig sein, um jede Sünde gern zu meiden und dir mein Leben ganz zu weih'n; dir, dessen Blut für mich geflossen, des Herz für mich im Tode schlug, der ruhig, heiter und entschlossen zu meinem Heil den Tod ertrug! 2. Ach! in der stillsten meiner Stunden will ich nach deinem Kreuze seh'n und dich für deine Pein und Wunden mit thät'gem Danke, Herr, 16. So sei denn ewig auch eeeern H411 Von dem Leiden und Sterben Jesu. 93 erhöh'n, gerührt die große dir voll Dank entgegen, weil Lieb' ermessen, die noch kein ich durch dich erlöset bin. Sterblicher gefaßt, und nie es 4. O, bleibet meinem undankbar vergessen, was du Herzen teuer, Gethsemane und für mich gelitten hast. Golgatha, ihr Oerter, wo die 3. Mir sollen diese Feier⸗ Welt die Feier der aller⸗ zeiten der größten Liebe heilig größten Liebe sah! Nach euch sein; was mich entehret, will will ich voll Andacht schauen, ich meiden, was dir mißfällt, wo mein Erlöser litt und das will ich scheu'n. Dein starb, und hoffnungsvoll auf Leiden sei auch mir zum den vertrauen, der mir die Segen, dein Tod mein seligster Seligkeit erwarb. Gewinn; mein Herz schlägt Chr. G. L. Meister, 1738—1811. 89. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛe. Hans Leo Haßler, 1601. V ———— ö Y DDDDII——————— —,.„—.—.—— Der du voll Schmach und Wun-den für uns am Kreu-ze und un⸗sern letz- ten Stun-den den höchsten Trost er⸗ W ——————— . qDiDi DDDʒiTiüeiTiS.—— ——————— starbst der du dein teu ⸗-res Le⸗ ben, noch warbst; ö ine Lam nin —. ——— 0 Heil, wie dank' ich dir! 2 I 9⁴4 Von der Erlösung der Menschen. 2. Wie viel hast du er⸗ duldet, erhab'ner Menschen⸗ sohn, als du, der nichts ver⸗ schuldet, empfingst der Sünder Lohn! Da folgte Schmerz auf Schmerzen, da traf dich Schmach auf Schmach, da lag auf deinem Herzen Angst, die das Herz dir brach. 3. Wer kann dir nach⸗ empfinden den Schmerz, die Todesangst, mit welcher du, von Sünden uns zu erlösen, rangst? Die Last gehäufter Plagen fiel da so schwer auf dich, daß sie dich drang zu klagen:„Gott, wie verläßt du mich!“ 4. Ach, was du, Herr, erduldet, das ist auch meine Last; ich habe das verschuldet, was du getragen hast. O, sieh', hier steh' ich Armer, um Huld fleh' ich zu dir. Du neigst dein Haupt, Erbarmer, o neig' es auch zu mir! 5. Du hast mir durch dein Leiden zur Tugend Mut und Kraft, in Trübsal Trost und Freuden, die ewig sind, ver⸗ schafft. Nun hab' an deiner Gnade auch ich, mein Retter, teil und, wann des Lebens Pfade sich enden, ew'ges Heil. deine Todesschmerzen, für deine treue Huld; dir will ich mich ergeben, um, mein Erlöser, dein im Tode, wie im Leben, um ewig dein zu sein. 7. Wann ich einmal soll scheiden, ach, so verlaß mich nicht! Sei auch im Todesleiden mein Trost, mein Heil, mein Licht! Wird mir's am aller⸗ bängsten an meinem Ende sein, so reiß' mich aus den Aengsten und lind're meine Pein! 8. Belebe dann mein Hoffen, zur bessern Welt zu geh'n, und laß im Geist mich offen, Herr, deinen Himmel seh'n; laß mich dann mit Entzücken und heil'ger Sehn⸗ sucht voll nach dir, Vollender, blicken! Wer so stirbt, der stirbt wohl. Nach Paul Gerhardt, 1607— 1676. Mel. 161. Schwing' dich auf zu deinem Gott ꝛe. 90. Jesu, meiner Seele Licht, Ursprung meiner Freu⸗ den, wie viel Trost und Zu⸗ versicht fließt aus deinem Leiden! Nimm den Dank in Gnaden an, den ich dir jetzt 6. Ich danke dir von Herzen, Versöhner meiner Schuld, für ö singe; des, was du an mir gethan, bin ich zu geringe. 2. Ich erwäg' es immer mehr, was dich angetrieben, eine Sünderwelt so sehr, wie du thatst, zu lieben. Uns Verlor'ne zu befrei'n, hast du Angst und Banden, Geißeln, Schmach und Todespein willig ausgestanden. 3. War es unsre Würdig⸗ keit? Nein, des Vaters Güte, deines Herzens Freundlichkeit und dein treu Gemüte; dies hat dich ans Kreuz gebracht, daß kein Mensch verzagte, wenn der Sünden Meng' und Macht das Gewissen nagte. 4. Unerforschlich ist der Rat, heilig, nie ergründet; ohnegleichen ist die That, uns vom Herrn verkündet. An sich selbst läßt Gottes Sohn streng die Sünden rächen, deren, ihrem Gott zum Hohn, Menschen sich erfrechen. 5. Meine schwere Sünden⸗ schuld traf den treuen Bürgen; er ließ sich aus großer Huld mir zu gut erwürgen. So hat er uns Heil gebracht. Sollt' uns nicht geziemen, Von dem Leiden und Sterben Jesu. 9⁵ 6. Herr, dein Friede sei mit mir! dann wird mein Gewissen nie verzagen, nie bei dir Trost und Freude missen. Trost ergißt in jedes Herz sich aus deinem Herzen; auch den bängsten, herbsten Schmerz heilen deine Schmerzen. 7. Laß, sobald mein Herz erschrickt über seine Sünden, wenn auf dich mein Glaube blickt, mich, Herr, Gnade fin⸗ den! Sieh', ich fall', zerknirscht vonReu', mitwahrhafter Buße und dem Vorsatz größ'rer Treu', Jesu, dir zu Fuße. 8. Nun, ich weiß, worauf ich bau' und bei wem ich bleibe, wessen Huld ich mich vertrau' und an wen ich gläube. Jesu, du nur bist's allein, der mich freundlich schirmet, wenn der Sünde Schmach und Pein meinen Geist bestürmet. 9. Hier bin ich dein Eigen⸗ tum, soll dort mit dir erben. Drum will ich zu deinem Ruhm leben und auch sterben, daß auch ich einst ühmen mag, aus dem Grab erstanden: Meines Jesu großer Tag, seiner Liebe starke Macht ewig⸗ lich zu rühmen? 3177 mir! ist vorhanden. Nach Hch. Held, gest. um 1659. Von der Erlösung der Menschen. 91. Eigene Melodie. Justus Heinrich Knecht, 1793. 4 E ů ů—.—.— 5„—— As i:II:. — 2—.—— Be ⸗ glei ⸗te mich, o Christ, wir ge: hen auf dese⸗ sen fürch-ter- li chen Hö- hen, ö —.— ———— J 7.—— G *———.————..— * zum schmerzens⸗vol len Gol- ga⸗tha, 6 was nie ein Eng-el faßt, ge-schah! — e, ee * 6— p—f—.. wäg' an die-sem heil'⸗gen Or-te des ster-ben⸗ — 2 5— 1—*. +4 * 7 + I 25 53 den Er⸗-lö⸗-sers Wor⸗te und ru ⸗fe Gott um 0 HD , ů e H.,. Bn. IꝗIꝗIꝗꝗI““““ Glauben an! Sie kön⸗nen dir den Trost im Le-⸗ben U e—— ů———— VIIIes J J 1*.— .. J——— 2——— —2——— 2 4*—— 435 und einst den Trost im To- de ge⸗ ben, wenn 2. Schon zeigt der Blut⸗Sieh' deinen Retter, sieh' ihn E EE S O berg sich von weitem; erschrick streiten und werde ganz Ge⸗ und zitt're, frommes Herz! fühl, ganz Schmerz! Hier — E.S ISII II V Mö Von dem Leiden und Sterben Jesu. 9⁷ hing, den Mördern übergeben, nicht ins Gericht. Hört, was am Holze Gottes Sohn, dein zu dem gebeugten Schächer Leben; hier trug er unsrer Sün⸗ der Mund der Liebe sterbend den Schuld, empfand in jenen spricht:„Du wirst“, so ruft bangen Stunden, was nie ein er ihm entgegen,„nach heute Sterblicher empfunden, und deines Glaubens wegen mit mir bracht' uns wiederGottesHuld. im Paradiese sein!“ O Herr, 3. Geduldig bei den größten laß an des Todes Pforte einst Schmerzen, nimmt er sich seiner diese trostesvollen Worte auch Feinde an; er ruft mit sanft⸗ meiner Seele Trost verleih'n! mutsvollem Herzen:„Sie 6. Wer kann die großen wissen nicht, was sie gethan!“ Leiden fassen, als Christus an Der göttliche, der größte Beter dem Kreuze rief:„Mein Gott, fleht liebreich noch für Misse⸗Uwie hast du mich verlassen!“ thäter, Werkzeuge seiner Pein Wie beuget ihn die Last so und Schmach! O Mensch, den tief, die unsre Sünden auf Rach' und Zorn verführen, laß ihn brachten! Vor Angst und dich durch dieses Beispiel rühren Pein müßt' er verschmachten, und bete dem Versöhner nach! wär' Gott nicht seine Zuver⸗ 4. Welch' Beispiel kindlich sicht. Herr, der für mich zum frommer Triebe, als unter Tod gegangen, für mich ver⸗ Leiden ohne Zahl der Herr lassen da gehangen, mein Herr dem Jünger seiner Liebe die und Gott, verlaß mich nicht! Mutter sterbend anbefahl! 7. Der Fürst des Himmels Ach, wird mein Aug' einst um und der Erde, von allem, die Meinen in meines Todes was erquickt, entblößt, wünscht, Stunde weinen, so soll dies daß sein Durst gestillet werde. Wort mir Trost verleih'n! O Mensch, der dich so teu'r Der, als der Tod schon um erlöst, der Heiland rufet dir ihn schwebte, die Seinen noch noch heute aus tausend Armen zu schützen strebte, wird auch die zur Seite, die Hunger, der Meinen Pfleger sein. Durst und Mangel drückt. 5. Frohlockt, bußfertige Ver⸗ O selig, wer den Ruf erfüllet! brecher! Wer glaubet, kommt Denn wer den Durst des 7 9 Von der Erlösung der Menschen. Armen stillet, der hat den der wird als Held nach dreien Tagen vom Grabe siegreich Heiland selbst erquickt. 8. Nun enden sich die schweren Leiden; der Heiland spricht:„Es ist vollbracht!“ O Wort des Sieges! Wort der Freuden! Du nimmst dem Tode seine Macht. Heil uns! Wer darf es jetzt noch wagen, uns, die Erlösten, zu ver⸗ klagen, da er für uns genug gethan? Gib, daß am Ende meiner Tage auch ich, o Herr, mit Freuden sage: Geendet ist des Leidens Bahn! 9. Das letzte Wort aus deinem Munde, Versöhner Gottes, sei auch mein! Laß es in meiner Todesstunde mir Mut und Zuversicht verleih'n! aufersteh'n. Den freche Rotten hier entehrten, den wirst du dort, bei den Verklärten, zur Rechten seines Vaters seh'n. L. H. Bachoft v. Echt, 17251792. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛe. 92. Du denkest in der tiefsten Not, ergriffen, Herr von Qual und Tod, an deiner Freunde Gram und Schmerz und flößest ihnen Trost ins Herz. 2. Du siehst die Mutter, siehst den Freund und sprichst zu ihr, die trostlos weint: „Sieh', Mutter, dieser Sohn ist dein; was ich dir war, Du rufest:„Vater, ich befehle wird er dir sein!“ in deine Hände meine Seele,“ die allen Menschen Heil erwarb. Nun war das große Werk 3. So innig bis zum Tod, so treu sei meine Zärtlichkeit; ich sei so willig, andern bei⸗ vollendet, wozu der Vater ihn zusteh'n und ihnen Beistand gesendet; da neigt' er sanft sein Haupt und starb. zu erfleh'n! 4. Wenn euch, die hier mein 10. Bewein' ihn fromm Herz geliebt ihr Freunde, einst mit stillen Zähren, o Christ, mein Tod betrübt, dann über⸗ du hast ihn sterben seh'n! Bald wirst du ihn durch Freuden ehren und jauchzend seinen Ruhm erhöh'n. Den deine Seufzer jetzt beklagen, eb' ich euch dem Herrn; er hört, er hilft, er segnet gern. 5. Froh geh' ich, wann es ihm gefällt, den Weg zu jener bessern Welt; euch sag' ich, die HE R HE H — ihr um mich weint: Getrost, Himmel mir. heißen: ich bin, sollt ihr ewig sein!“ bald werden wir vereint. 6. Den Trost, o Jesu, dank' ich dir, du brachtest ihn vom 93. Von dem Leiden und Sterben Jesu. 99 Du hast ver⸗ „Ihr seid mein; wo Joh. Chr. Heckel, 1757—1798. Eigene Melodie. 1804. + —————.—. Von Furcht da⸗ hin⸗ge⸗ sein Ge-wis⸗ 10 straft ihn ris ⸗ sen, ver⸗leu⸗ gnet Pe⸗ trus sen, da weint er bit⸗ter⸗ 4—— ů— e EDPSSiE— 0. Dein Blick, o Je⸗ su, rührt sein Herz; er ich. — ——— 0.— 2—+ E + 4—2.—..—. — feht zu dir um Gna- de, und du stillst sei-⸗ nen —23.— + I S— —3 I— — Schmerz 2. Wie wuchs nun deinem Zeugen Beständigkeit und Mut! Furcht konnt' ihn nicht mehr beugen; für dich floß selbst sein Blut. Dich, seinen errn und seinen Gott, ver⸗ errlichte sein Leben, ver⸗ errlichte sein Tod. 3. Betrübt ist meine Seele, erfüllt mit Reu' und Schmerz. Was hilft's, daß ich's ver⸗ hehle, durchschaust du doch mein Herz! Bekennen will ich's, Jesu, dir, oft hab' ich dich verleugnet; vergib, vergib es mir! 7 100 Von der Erlösung der Menschen. 4. Wenn deines Namens schmäh'n: sie werden mich mit Spötter dich schmähten, wenn ihr Spott dich höhnte, Welt⸗ erretter, dich, ihren Herrn und Gott: dann schwieg ich zaghaft, schämte mich, ein Christ zu sein, und scheute mehr ihren Spott, als dich. 5. Du hast, o Herr, dein Leben für meine Seligkeit so willig hingegeben, zum Segnen so bereit. Wie undankbar, wie schwach war ich, daß ich den Haß der Sünder mehr fürch— tete, denn dich! 6. Ich seh' jetzt, ich em⸗ pfinde die Größe dieser Schuld. Vergib auch diese Sünde nach deiner großen Huld! Erbar⸗ mend sahst du Petrum an; laß eine gleiche Gnade mich, o mein Heil, empfah'n! 7. Laß mich bei meiner Reue den Bund mit dir erneu'n, Standhaftigkeit und Treue dir, mein Versöhner, weih'n! Dich zu verleugnen, Herr, mein Gott, das fürchte meine Seele weit mehr, als Qual und Tod. 8. Bewahr' ich deine Gnade, folg' ich dir standhaft nach, wer ist dann, der mir schade? was fürcht' ich Hohn und Schmach? Die Spötter mögen mich ver⸗ Ehre von dir verherrlicht seh'n. 9. Nichts soll von dir mich trennen; dich will ich frei und gern vor aller Welt bekennen, dich, meinen Gott und Herrn. Denn vor dem Vater im Ge⸗ richt verleugnest du, o Richter, den, der dir treu ist, nicht. Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 93. Von Furcht dahin⸗ gerissen ꝛe. 94. Hin an dein Kreuz zu treten, in deinem Leiden dich voll Glauben anzubeten, Ver⸗ söhner, stärke mich! Laß mich mit Wehmut und Vertraun, wie du einst für die Sünder den Tod erduldet, schau'n! 2. Wie ist des Herrn Gemüte bis in den Tod be⸗ trübt! So brünstig, so voll Güte hat Jesus uns geliebt! Er leidet unsres Todes Pein, fühlt unerhörte Qualen, uns Menschen zu befrei'n. ö 3. Hört's, die ihr eure Herzen dem Sündendienst ergebt: Der Preis so vieler Schmerzen ist, daß ihr ewig lebt! Onehmt an seiner Gnade teil; erkennet seine Liebe, ver⸗ werft nicht euer Heil! 4. Vernehmt's auch ihr, o Spötter, die ihr den Mittler schmäht! Er ist auch euer Retter; auch euch nennt sein Gebet: „Sie wissen nicht, was sie be⸗ geh'n; vergib, o Vater, ihnen, wenn sie zu dir einst fleh'n!“ 5. Ihr, eurer Brüder Feinde, o, schlagt an eure Brust! Seid aller Menschen Freunde! Verdammt der Rache Lust! Vergeltet euren Feinden nie, und allen, die euch fluchen, vergebt und segnet sie. 6. Noch hat er keinen Frieden, noch steiget seine Not. Seht, es ergreift den Müden der fürchterlichste Tod! Nun sinkt er in die Todesnacht. Erbarm', o Gott, dich unser! Er stirbt; es ist vollbracht. G. B. Funk, 1734—1814. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 95. O Welt, sieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben, dein Heil sinkt in den Tod! Der große Herr der Ehren läßt willig sich be⸗ schweren mit Banden, Schlä⸗ gen, Hohn und Spott. 2. Noch ist der Heil'ge Gottes ein Ziel des frechsten Von dem Leiden und Sterben Jesu. 10¹ Spottes und unnennbarer Qual. Doch sorgt er für die Freunde, doch fleht er für die Feinde noch an dem blut'gen Marterpfahl. 3. Er hatte nichts verschul⸗ det, der alle Schmach erduldet, ach, alle Not und Pein! Nein, er war nicht ein Sünder, wie andre Menschenkinder. Wer kann ihn einer Sünde zeih'n? 4. Drum hält er voll Ver⸗ trauen sich noch an Gott im Grauen der bängsten Todes⸗ nacht, befiehlt am Leidensende den Geist in seine Hände und ruft:„Mein Werk, es ist vollbracht!“ 5. Vollbracht ist's für uns alle, und Lob und Dankerschalle ihm nun für unser Heil! Er starb, uns zu erretten, damit wir Frieden hätten. Sein Segen wird auch mir zu teil. 6. Mich dankbar zu er⸗ weisen, will ich gerührt dich preisen, Herr, ich, dein Eigen⸗ tum. Dein Beispiel soll mich lehren, des Höchsten Rat ver⸗ ehren, und dir gehorchen sei mein Ruhm! 7. Ich will des Lebens Plagen getrost und willig tragen, so lang' es Gott ge⸗ 102 fällt, will alles Unrecht hassen, das Böse flieh'n und lassen, gefiel' es auch der ganzen Welt. 8. Nur Gutes will ich üben, treu meine Freunde lieben, auch meinen Feind erfreu'n. Nie will ich wieder schelten, nie Spott mit Spott vergelten, wie du dem Lästerer verzeih'n. 9. So will ich leben, ringen, mein Werk hier zu vollbringen, und dann, getrost wie du, be⸗ fehl' ich einst am Ende den Geist in Gottes Hände— er führet ihn dem Himmel zu. Nach Paul Gerhardt, 1607—1676. Mel. 58. Freu' dich sehr, o meine Seele ꝛe. 96.„Heute wahrlichl ja noch heute“, sprach der Herr, am Kreuz erhöht, als ein Sünder ihm zur Seite sterbend noch um Gnade fleht,„heute, das beteur' ich dir, heute noch sollst du mit mir, in die bess're Welt erhaben, teil an ew'gen Freuden haben!“ 2. Teures Wort aus Jesu Munde, fest versiegelt durch sein Blut, in der düstern Todesstunde gibst du Freudig⸗ keit und Mut. Wann der Christ Von der Erlösung der Menschen. nun scheiden soll, bleibt er froher Hoffnung voll, sieht die Nacht in Licht verwandelt, weiß gewiß, wohin er wandelt. 3. Ohne Zagen kann er sterben; seine Seele stirbt ja nie. Ihr droht nicht nur kein Verderben, auch kein Schlaf betäubet sie, wo sie erst aus langer Nacht nach Jahrtausenden erwacht. Nein! sie soll zum bessern Leben durch den Tod sich bald erheben. 4. Teures Wort des ew'gen Lebens, tröste du mein brechend Herz! O, dann ängstiget pvergebens meinen Geist der Trennung Schmerz. Er sinkt nicht in Finsternis; denn wahr⸗ haftig und gewiß ist das Wort des treuen Zeugen; hier muß jeder Zweifel schweigen. 5. Herr, nun fühl' ich abzuscheiden eine heil'ge Lust in mir. Dort sind unbefleckte Freuden, aber Müh' und Sün⸗ den hier. Kein auch noch so frühes Grab kürzt des Geistes Leben ab. Er soll nur, frei von Beschwerden, zeitiger ver⸗ edelt werden. 6. Furchtlos, reich beglückt im Herzen, ja, von nun an selig ist, frei von Erdenharm und Schmerzen, der im Herrn entschlaf'ne Christ. Was er Gutes je gethan, jede edle That folgt dann seiner Seele von der Erde, daß von Gott belohnt sie werde. 7. Nun, auch ich, o Herr, befehle, wann ich kaum noch sprechen kann, die durch dich erlöste Seele deiner treuen Sorgfalt an. Und du, Hei⸗ land, stärkest mich, rufest mir auch zu, daß ich schon am Von dem Leiden und Sterben Jesu. 2 103 mut fromme Zähre, die heiß auf meiner Wange glüht! 4. Was hat dein Herz empfunden! O trauervolle Stunden, seid meinem Geiste nah'! Ich stehe hier und bete an der geweihten Stätte, auf deiner Höhe, Golgatha! 5. Hier seh' ich dich gelassen zu meinem Heil erblassen und neigen sanft dein Haupt. Wohl mir in Todesleiden, bei meinem Tage, da ich sterbe, mit dir Seligkeit ererbe. Joh. Adolf Schlegel, 1721—1793. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 97. Nach tausend Todesleiden am Kreuze dich verscheiden, für mich verscheiden seh'n, was könnte meinem Herzen bei deinen Todesschmerzen mehr deiner Liebe Wert erhöh'n? 2. Dir folgen meine Thränen mit meiner Liebe Sehnen und fallen auf dein Grab. Hier will ich, dich zu ehren, dir neue Treue schwören; hier sterb'' ich allen Sünden ab. letzten Scheiden, daß meine Seele an dich glaubt! 6. Die Augen sind ge⸗ schlossen, aus denen Thränen flossen, zum Heil der Welt geweint; verblichen deine Wangen, und deine Hände hangen erstarrt am Kreuz, erblaßter Freund! 7. Mit Ernst will ich hier ler⸗ nen, von Sünden mich entfer⸗ nen und sterben, wie du starbst. Bis zu der letzten Stunde bleib' ich mit dir im Bunde, der du mir Seligkeit erwarbst. 8. Nun darf ich nicht ver⸗ zagen, wenn in den bängsten Tagen der Tod mir näher 3. An deinem Sterbetage rückt. Ich weiß, auch wenn mischt in der Deinen Klage ich sterbe, daß ich ein Glück sich auch mein Trauerlied. Es ererbe, das ewig meinen Geist fließe dir zur Ehre der Weh⸗ entzückt. 10⁴ 9. O Todestag voll Segen, sollt' ich dich nicht erwägen? An dir starb einst mein Freund. Dich will ich stets erneuern, dich bis ans Ende feiern mit Thränen, die die Liebe weint. Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 415. Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt ꝛe. „Nun ist es alles wohl gemacht. Mein Jesus ruft: „Es ist vollbracht!“ Der neigt sein Haupt, o Mensch, und stirbt, der dir erwirbt das Erbe, welches nie verdirbt. 2. Der, dem an Hoheit keiner gleicht, der Herr der Herrlichkeit erbleicht. Seht Gottes Wink: die Erde kracht, und dicke Nacht verhüllt der Sonne Glanz und Pracht. 3. Das Heiligtum steht aufgedeckt; die Felsen bersten, Dunkel schreckt, der Toten Gräber öffnen sich. Wie sicht⸗ 99. Von der Erlösung der Menschen. barlich zeigt Finger sich! 4. Weil furchtbar die Natur sich regt, so werd' auch du, mein Herz, bewegt! Empfinde reu'voll deine Schuld! Aus Gottes Huld starb Jesus auch für deine Schuld. 5. Sein Tod— o nimm es wohl in acht— hat Trost und Heil auch dir gebracht. Verehre den, der bis ins Grab sich für dich gab, und stirb dem Sündenleben ab. 6. Ja, Vater, unter Pein und Hohn erblaßt am Kreuz dein einz'ger Sohn. Nun ist's versiegelt: deine Huld tilgt meine Schuld und trägt fort⸗ hin mich mit Geduld. 7. Hin auf sein Kreuz will ich stets seh'n und dankbar seine Treu' erhöh'n; Trost soll er mir im Sterben sein, mich dann erfreu'n; so schlaf' ich sanft und selig ein. Laur. Laurenti, 1660—- 1722. hier der Gottheit ö Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid ꝛc. 1628. ——— H—4— 4 HWDE ö—.— 2 d 1. + I 1 J—— ——— 2— 1— 2 4— schlum-merst dWu in stil-ler Ruh', der Von dem Leiden und Sterben Jesu. 10⁵ .—— DD r r. 6531 dn für us ge ⸗ stor ⸗ben, uns am Rreuz in 5 25— ů ů. — 855. 18 schwe rer Müh ew' ⸗ ges Heil er wor ⸗ ben. 2. Du bist erblaßt, o Herr, Mel. 426. Mein Jesus ist mein m und hast doch in dir selbst das Leben ꝛe. st Leben. Gleichals Sterbliche hat 100. Die Sonne stand ver⸗ t dich nun ein Grab umgeben. finstert, am Tage ward es 5 3. Doch Heil seimir! Herr, du Nacht; nun hatt' er über⸗ willst hier nicht die Verwesung wunden und rief:„Es ist 0 sehen, sondern bald aus eigner vollbracht!“ ö Kraft aus dem Grabe gehen. 2. Der Erde furchtbar Beben In 4. Durch dich belebt, oHerr, hob das Gebirg empor, und 13 erhebt mein Leib sich aus dem Gottes Tote gingen aus ihrer 5 Staube. Selbst auf Grabes⸗Gruft hervor. zt hügeln blüht froher Christen⸗ 3. Den Todesüberwinder t⸗ glaube. umgab des Grabes Nacht, und 5. Hier werd' ich einst, bis du Gottes Engel jauchzten:„Heil erscheinst, in stiler Ruhe liegen: ihm, er hat's vollbracht!“ 1 denn durch deinen Tod kann 4. Das Opfer für die l ich Tod und Grab besiegen. Sünder war dargebracht vor h 6.Nein!nichts verdirbt; selbst Gott; er starb, und Heil und h das, was stirbt, der Leib wird Leben erwarb uns Christi Tod. auferstehen und mit jugendlicherr 5. Nun wird kein Opfer Kraft aus dem Grabe gehen. wieder in Ewigkeit gebracht; 7. So sint; ins Grab mein der, den sein Volk erwürgte, Leib hinab! Ich will mich drum der hat es ganz vollbracht. nicht kränken; Jesu, an dein 6. O du, der mich ver⸗ ö Grab will ich mir zum Trost, Vint dem Richter aller Welt, gedenken. u hast das Heil der Erde Nach Salom. Frant, 1659—1725. alnuchig hergestellt! 106 7. Nun wohnt in ew'gem Frieden das menschliche Ge⸗ schlecht, und du regierst die Völker mit Wahrheit und mit Recht. 8. Du kommst und führst die Deinen in deines Vaters Reich; du machst an Heil und Würde sie deinen Engeln gleich. 9. Wie herrlich ist dein Name, wie groß ist deine Macht! Preis dir und Dank und Ehre! Du hast dein Werk vollbracht. 10. Dein Beispiel soll mich stärken, daß ich im Glauben treu und standhaft in der Liebe bis an mein Ende sei. 11. Darf ich den Tod noch fürchten, der mich von hinnen rafft? Wohl mir, ich über⸗ winde durch deines Todes Kraft! 12. Du führst mich hin zum Ziele, vollbracht ist dann mein Lauf; dann nimmt in seine Hände auch mich mein Vater auf. Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. Von der Erlösung der Menschen. 101. O Golgatha! zu deinen Höhen erhebt jetzt dankend sich mein Herz. Im Geiste will ich Jesum sehen, ihn seh'n in seines Todes Schmerz; ich will mich seiner Liebe freu'n und will ihm Herz und Leben weih'n. 2. Wie rührend scheidet der Gerechte, des Unschuld selbst der Tod bewährt! Zwar leidet er den Tod der Knechte, von Frevlern noch am Kreuz entehrt; doch seines Herzens Reinigkeit gibt ihm im Tode Freudigkeit. 3. Er stirbt, die hohen Himmelslehren von Tugend und Unsterblichkeit der Welt als göttlich zu bewähren; mein Lehrer, dir sei Dank geweiht! Nun kenn ich meiner Seele Wert, den du, Erlöser, mir erklärt. 4. Er stirbt, der Wohlthun ausgebreitet, oft Nächte im Gebet durchwacht, die Sünder hin zu Gott geleitet und treu sein Tagewerk vollbracht. Wie freudenvoll stirbt nun der Christ, der Jesu Beispiel nie vergißt. 5. Froh feiert er die große Stunde, da er zu seinem Vater geht und noch mit halbgebroch'nem Munde voll Großmut selbst für Feinde fleht; den sterbend segnet, der ihn schalt und Wohlthun ihm mit Haß vergalt. 6. Auf die, die weinend um ihn stehen, gießt er der FreundschaftSegen aus, spricht hoffnungsvoll vom Wieder⸗ sehen im Himmel, in des Vaters Haus, und strömt ge⸗ trosten Mut und Ruh' den kummervollen Herzen zu. 7. Er sieht auf die voll⸗ brachten Thaten als Aussaat für die Ewigkeit; dankt Gott, durch den sein Werk geraten, und freut sich der Unsterb⸗ lichkeit; die Demut auf dem Angesicht freut er sich der vollbrachten Pflicht. 8. Er, halb der Ewigkeit schon eigen, beschäftigt mit dem großen Ziel, nun auch sein müdes Haupt zu neigen, erhebt das Herz mit Dank⸗ gefühl, empfiehlt den Geist in Gottes Hand und geht getrost in's Vaterland. 9. Erlöser!l Tausend Fromme schieden auf dein Verdienst mit Freudigkeit, empfanden sterbend Seelenfrieden, den Trost, den uns dein Tod ver⸗ leiht. O, laß mich dir mein Von dem Leiden und Sterben Jesu. 107 Leben weih'n, dir auch noch sterbend dankbar sein. Fr. Wilh. Loder, 1757—1823. Mel. 99. O Traurigkeit, o Herze⸗ leid ꝛc. 102. Grab meines Herrn, ich weile gern in deinem heil' gen Schauer. Sanfter, stiller wird in dir meiner Seele Trauer. 2. Ihn, den empört sein Volk entehrt, daß ihm kein Nachruhm bliebe, den Ge⸗ kreuzigten begrub hier die Hand der Liebe. 3. Indes nun schon sein Geist den Lohn empfing vom Freudengeber, heiligte sein Leib in dir unsre stillen Gräber. 4. Welch Heiligtum! Um mich herum herrscht feierliches Schweigen. Selig, die getrost ihr Haupt zu dem Grabe neigen! 5. Hier weicht der Schmerz, das matte Herz ruht sanft von seinen Leiden, und des Schattenlandes Traum wird zu Himmelsfreuden. 6. So ruhte sie von Schmerz und Müh' hier aus, die blut'ge Hülle, und verklärt entschwebte sie dieser heil' gen Stille. ö 108 der Mutter Schoße. Kummers Nacht, erduldet jede Plage, unddie Nachtdes Grabes wird bald zum ew'gen Tage. Joh. G. Schubert, 1650—1710. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir ꝛc. Seelenruh' gehst du dem Tod entgegen! Voll Zärtlichkeit und an sen Edelmut warst du bereit, nur sieh' ihn duldend sterben! uns zu gut des Kreuzes Zweck zurück, der ihn hierher Schmach zu tragen. 2. Die Menschen für die Ewigkeit mit Weisheit zu er⸗ Le und Seelenruh' voll Groß⸗ mut noch erwerben. 3. Drum stiegst du auf der Leidensbahn voll Heldenmut, mit Freuden zur Stätte Gol⸗ gatha hinan, den Kreuzestod zu leiden. Hier zeigest du dich, Gottes Sohn, gequält von Von der Erlösung der Menschen. 7. Einst sinkst auch du, mein Leib, zur Ruh', schläfst unter kühlem Moose sicher, wie der Säugling ruht in Schmerzen, sprichst Trost be⸗ 8. Dann ist vollbracht des mit edlem Herzen selbst in der letzten Todesnot für deine Mörder noch zu Gott; du stirbst als Menschenretter. Martern, Spott uno Hohn, in deiner wahren Größe. 4. Mit hoher Würde duldest du des Kreuzes Schmach und trübten Seelen zu und flehst 5. Ach, sieh' ihn hier, er⸗ löster Christ, schuldlos zum 103. Wie groß, o Herr, er⸗ scheinest du auf deinen Leidens⸗ wegen! Mit welcher hohen den, seinen Schmerz! Denk' Kreuze bringen; sieh' ihn, der dir gekreuzigt ist, jetzt mit dem Tode ringen! Sieh' seine Wun⸗ an sein liebevolles Herz! Ach, 6. Hier denk' an jenen getrieben! Nun sag' bei diesem Trauerblick: Willst du noch Leben⸗ war stets bei deiner enszeit dein ernstliches Be⸗ mühen, und selbst im Tode wolltest du Heil, Trost für sie Sünden lieben? Nein! hier, o Christ, entschließe dich bei seinem Tode feierlich, dein Leben ihm zu weihen! 7. Entsag' den Sünden dieser Welt und sündenvollen Freuden; flieh Menschenhaß, der ihm mißfällt; such' alles zu vermeiden, was dich zur Sünde reizen kann! Mit froher Hoffnung gehst du dann der bessern Welt entgegen. 8. Herr Jesu, der du für uns starbst zur Rettung vom Verderben, uns so viel Heil und Trost erwarbst durch Lehren, Leiden, Sterben, steh' uns mit deiner Hilfe bei, daß wir, stets unsrer Pflicht getreu, nach deinem Vorbild leben! auch bei unsrer Sündenschuld und bei dem Druck der Leiden woll'st du 9. Doch uns Trost, Mut und Geduld durch deinen Tod bereiten! Naht dann auch unser Ziel heran, so laß uns diese Pilgerbahn im Glauben sanft beschließen! G. B. Funk, 1734—1814. Von der Auferstehung Jesu.— Osterlieder. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛc. 104. Lobt den Höchsten! Jesus lebet! Erlöste Menschen,‚ kommt, erhebet des Welt⸗ erlösers Majestät! Hört's, betrübte Sünder, gebet der Freude Raum! denn Jesus lebet; Gott hat ihn aus dem Staub erhöht. O Seele, dein Gesang erschall' auch ihm zum Von der Auferstehung Jesu. 109 Dank, ihm zur Ehre! Dich, großer Held, erhebt die Welt, weil deine Hand den Sieg behält. 2. Jesu Jünger, wehrt dem Leide! Lobsinget ihm und nehmt voll Freude am Siege teil, den er erstritt! Seid ihr gleich des Grabes Kinder, er ist des Todes Ueberwinder; er herrscht, der für euch starb und litt. Was wollt ihr traurig sein? Ge⸗ trost könnt ihr euch freu'n. Jesus lebet in Ewigkeit! Zu aller Zeit ist er zur Hilfe uns bereit. 3. Nun verzagt auch nicht, Verbrecher! Gott ist euch nun kein strenger Rächer, wenn ihr die Schuld mit Ernst bereut. Durch des Todes Ueberwinder ist er dem reu⸗ erfüllten Sünder ein Vater der Barmherzigkeit. Er nimmt ihn liebreich auf, mit Kraft zum Tugendlauf ihn zu segnen. Preist seine Huld! Er tilgt die Schuld und trägt uns liebreich mit Geduld. 4. Tod, wo sind nun deine Schrecken? Nicht ewig wird das Grab uns decken, verwest der Leib gleich in der Gruft. 11⁰ Einst wird er zum bessern Leben sich von der Erde Staub erheben, wann Jesus den Ent⸗ schlaf'nen ruft. Dann wird des Todes Feld zu einer regen Welt. Alles lebet, so wie erneut zur Frühlingszeit die junge Schöpfung sich erfreut. 5. Auferstand'ner, welch' ein Segen erwartet uns, wenn wir auf Wegen einhergeh'n, die dein Fuß betrat! Nie gefühlte Seligkeiten, die ewig währen, sind die Beuten, die uns dein Sieg errungen hat. Einst sind sie unser Teil; einst krönet uns das Heil deines Lebens. Halle⸗ luja! Der Herr ist nah'! Bald ist der Tag des Sieges da! Chr. Chr. Sturm,‚, 1740—1786. Mel. 110. Jesus, meine Zuversicht ꝛe. 105. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er ver⸗ klärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd' auch ich zugleich einst auf ewig selig leben. Von der Erlösung der Menschen. Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt! Wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein; sein sei auch mein ganzes Leben! Reines Herzens will ich sein und den Lüsten widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt! Ich bin gewiß, nichts soll mich von Jesu schei⸗ den, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben, wenn sie glaubig zu ihm spricht:„Herr, Herr, meine Zuversicht!“ Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 106. Triumph, Triumph und Lobgesang dem, der des Todes Macht bezwang und uns vom Staub erhöhte! Der hohe Sieger überwand. Nacht war um ihn, und sie verschwand in helle Morgenröthe. Bebet! Gebet, stolze Spötter, unserm Retter Preis und Ehre; glaubt an ihn und seine Lehre. Von der Auferstehung Jesu. 111 grüßt, mein künftig Grab, du Wohnsitz ernster Stille! Nur wenig' Tage werden's sein, o so empfängst du mein Gebein in deiner Schatten Hülle. Ewig selig werden wieder diese Glieder auf⸗ erstehen, werden die Ver⸗ 2. Leer ist die Gruft, die klärung sehen. ihn umgab. Sei mir ge⸗ Dan. Schiebeler, 1741—1771. Eigene Melodie. Fr. Balth. Glaser, 1804. D 7 an... ö— H-4 ö—. ————— Preis dem To ⸗ des ⸗ ü ⸗ ber ⸗ win ⸗der! Preis dem Hei ⸗ li ⸗ ger der Sün ⸗ der! D 55„5* anr SE.. · ———: äB Sieh, er starb auf Gol ⸗ ga⸗ tha!l tarb auf *—— H Preis ihm und Hal ⸗le⸗ lu⸗ ja! Aeh er sturhenz —1* D 2.———.—=— 5*W— 0—.— 60 0 . Gol ⸗-ga-tha! Singt, des neu en Bun⸗ des Kin⸗ D 555 33 win SDD der! Aus dem Grab eilt er em-por. Sing-et 112 2. Laßt des Bundes Harfe klingen, daß die Seele freudig bebt! Laßt uns, laßt uns mächtig singen dem, der starb und ewig lebt, daß das Herz voll Wonne bebt! Preis und Ehre laßt uns bringen dem, der starb und ewig lebt! dem, der starb und ewig lebt! 3. Du, der uns nun nicht verdammet, wie erhebt dein Lob den Geist! Durch die Ewig⸗ keit entflammet, rühmt er, dankt er, jauchzt, entreißt dieser Welt sich; denn er preist dich, der ihn nun nicht verdammet, weil du starbst und auferstandst; Gott⸗ mensch, weil du überwandst. 4. Da in Morgendämmer⸗ ungen noch gehüllt die Erde schwieg; da zu tiefen An⸗ betungen Gottes Engel nieder⸗ stieg, aber jetzt noch bebend schwieg, da erstandst du, und gesungen wurden Himmels⸗ chöredir, Todesüberwinder dir. 5. Da die Freundin, ihn zu finden, zu der Gruft ging, wo er schlief, ach, was mochte sie empfinden, als er sanft: „Maria!“ rief, und als sie: „Rabbuni!“ rief. Herr, einst werd' auch ich dich finden, wo dein Gott ist und mein Von der Erlösung der Menschen. Gott, ruft mich nun zu dir der Tod. 6. Wann ich aus dem Grabe gehe und mein Leib nicht Staub mehr ist; wann dich, mein Mittler, Jesu Christ, dich, Verklärter, wie du bist: o dann, wann ich auferstehe, hab' ich, du, der Sünder Heil, ganz an deinem Leben teil. 7. Jetzt, da ich an dich nur glaube, seh' ich dunkel nur und fern, ich, der Wanderer im Staube, dich, die Herrlichkeit des Herrn; dich, die Herr⸗ lichkeit des Herrn. Dennoch, wenn ich innig glaube, wenn ich dürste, strömet Ruh' mir dein Tod und Leben zu. 8. Gerne will ich hier noch wallen, Herr, so lange du es willst. Knieen will ich, nieder⸗ fallen, fleh'n, daß du dich mir enthüllst und mein Herz mit Kraft erfüllst. Dann soll dir mein Lob erschallen. Seligwar stets, wen dein Lob, Ewiger, zu dir erhob! 9. Da hinauf die Engel wallten, in den mächtigern Gesang lauter ihre Harfen schallten, da ihr Lob zum Throne drang, daß davon der &—* ich, Herr, dein Antlitz sehe, r? ec Es 5. — ————— 08083—2— —4 Thron erklang, daß die Him⸗ mel widerhallten: da warst du vom Tod erwacht und dein großes Werk vollbracht. 10. Singt dem Herrn, singt ihm nun Psalmen! Jesus Christus hat gesiegt. Streut dem Ueberwinder Palmen, die ihr bang und weinend schwiegt, als er starb; er hat gesiegt. Zu der Himmel höhern Psalmen, zu der Ueberwinder Chor steig', o Lied des Lamms, empor! 11. Ueberwunden, über⸗ wunden hat der Herr der Herrlichkeit! Sieh', er schlum⸗ merte nur Stunden in des Grabes Dunkelheit, und da überwand er weit, und da glänzten seine Wunden, blu⸗ teten, Halleluja! nun nicht mehr auf Golgatha. 12. Hügel um den Toten Gottes, warum zittert ihr, zu flieh'n? Felsen um den Toten Gottes, warum bebet ihr um ihn? warum stürzt ihr donnernd hin? Hüter um den Toten Gottes, warum sankt ihr, als ihr floht, warum sankt ihr hin wie tot? 13. Diesen deinen ersten Zeugen folgten andre Zeugen nach. Konnten deine Boten Von der Auferstehung Jesu. 113 schweigen, da der Feinde Fluch und Schmach, da der Felsen Donner sprach? Nichts ver⸗ mochte sie zu beugen, nichts der Boten Heldenmut; starben sie, so sprach ihr Blut. F. Gottlieb Klopstock, 1724— 1808. Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛe. 108. Vom Todesthal hinauf zu Gott erhebt sich mein Gesang; dem Sieger über Grab und Tod erschallet laut mein Dank. 2. Die Sonn' in ihrer Majestät erhellet kaum die Nacht, als Jesus Christus auf⸗ ersteht und herrlicher erwacht. 3. Die Erde bebte, als der Held aus seinem Grabe stieg; hinauf bis zu dem Sternen⸗ zelt erschallte froh sein Sieg. 4. Fallt nieder vor ihm in den Staub! Der sich dem Grab entschwang, er ist nicht mehr des Todes Raub; Er⸗ löste, singt ihm Dank. 5. Sein großes Werk ist nun vollbracht, errungen ist sein Sieg, weil er aus seiner Todes⸗ nacht empor zum Leben stieg. 6. Heil, Leben und Un⸗ sterblichkeit, im Tode Trost ö 8 114 und Ruh' und Hoffnungen der Seligkeit ruft uns sein Grabmal zu. 7. Gedanke, der das Herz erhöht: wir werden aufersteh'n, auf Hoffnung in das Grab gesä't, um schöner aufzugeh'n! 8. Heil dir, wenn dieser Hoffnung Licht dein Herz für ihn durchglüht, dich stärkt zu jeder Christenpflicht und ganz zu ihm dich zieht! 9. Dann wird dein Grab nicht fürchterlich; du gehst daraus hervor und schwingst verklärt vom Staube dich zur bessern Welt empor. 10. O Auferstehungsfest, du bist des bessern Lebens Pfand! Dich fei're dankbar jederChrist, der deinen Trost empfand! Chr. G. L. Meister, 1738—1811. Mel. 229. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' ꝛe. 109. Bringt Preis und Ruhm dem Heiland dar, froh⸗ lockt ihm, alle Frommen! Er, der für uns getötet war, ist aus der Gruft gekommen. Sei hochgelobt, Herr Jesu Christ, daß du für uns ge⸗ storben bist und siegreich auferstanden! ist die Macht, Verstorb'ne zu Von der Erlösung der Menschen. 2. Dein Leben in der Majestät befestigt unsern Glauben. Wer kann, da dich dein Gott erhöht, den großen Trost uns rauben, daß du hast von der Sünde Macht Be⸗ freiung an das Licht gebracht, den Himmel uns geöffnet? 3. Gott selbst, der dich dem Grab entrückt, hat dem, was du gelehret, der Wahr⸗ heit Siegel aufgedrückt und dich als Sohn geehret; denn deines Todes hohen Wert hat er auf's herrlichste bewährt, da er dich auferwecket. 4. Erstand'ner, ich froh⸗ locke dir, mein ist dein Sieg und Leben. Du lebst und herrschest, um auch mir dein ew'ges Heil zu geben, auch meiner Seele Trost zu sein, zur Tugend Kraft mir zu verleih'n und mich zu Gott zu führen. 5. Mein Herr, mein Gott, hilf mir dazu, hilf, daß ich, frei von Sünden, in Gottes Gnade möge Ruh' für meine Seele finden! Erhalte deinen Sinn in mir, damit ich Gott ergeben hier als dein Erlöster wandle! 6. Dein ist das Reich, dein VFH— H- 8⁰ DZ2&—& 4 — S1 erwecken. Du rufst einst, und der Gräber Nacht wird uns nicht ewig decken. Denn wie du auferstanden bist, so werd' auch ich, Herr Jesu Christ, durch dich einst auferstehen. 7. O laß mich, weil ich hier noch bin, im Glauben an dich wandeln und jeder⸗ zeit nach deinem Sinn recht⸗ schaffen sein und handeln, daß ich, wann ich einst auf⸗ 110. Von der Auferstehung Jesu. 11⁵ ersteh' und dich, des Todes Sieger, seh', vor dir dann nicht erschrecke! 8. Wo du, Herr, bist, soll auch dein Freund, mit Herr⸗ lichkeit umgeben und ewiglich mit dir vereint, wie du ver⸗ heißest, leben. Laß einst dies Glück mein Erbteil sein, so werd ich dein mich ewig freu'n, du Todesüberwinder! Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Eigene Melodie. Joh. Crüger, 1656. 9— ö ... — I— N Je· sus, mei⸗ ne Zu ⸗ ver schr lebt, und Die ⸗ses weiß ich; soll ⸗ te nicht sich mein 9— 3 er 8 ar. ,, * ¶ b. be———— F ich soll mit ihm le⸗ ben. wie das Grab, das Herz zu⸗ 99430„den ge⸗ben, D d,e,, einst mich deckt, mein zu swd⸗ ches Herz auch schreckt? 2. Jesus, mein Erlöser, Nun erwart' ich mit Vertrauen, daß er mich zu lebt! Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch des Glau⸗ sich erhebt; warum sollte mir bens Band zu genau mit ihm denn grauen? Lässet auch ein verbunden; er, der auch den 8* 116 Tod empfand, hat ihn mächtig seine Glieder. Christen, wehrt überwunden. Er erstand, und einst erwacht mein Leib auch durch seine Macht. 4. Staub bin ich und weiß daher, daß zu Staub ich ein⸗ stens werde; doch ich bleib' es nicht, denn er weckt mich wieder aus der Erde, daß ich in der Herrlichkeit bei ihm sei in Ewigkeit. 5. Dann wird mich statt dieser Haut ein verklärter Leib umgeben, für die neue Welt gebaut und geschickt zum bessern Leben, und in diesem Leib' werd' ich Jesum sehen ewiglich. 6. Dann werd' ich im hellern Licht seine große Lieb' erkennen, und wie freudig werd' ich nicht dann ihn meinen Retter nennen! Dank ihm! Von der Sterblichkeit bin ich ewig dann befreit. 7. Mich, der hier noch seufzt und fleht, wird er herrlich dort erhöhen; irdisch werd' ich ausgesä't, himmlisch werd' ich auferstehen. Zum Verwesen sink' ich ein; einst werd' ich unsterblich sein. 8. Seid getrost und hoch⸗ erfreut! Jesus kennt euch, Von der Erlösung der Menschen. der Traurigkeit! Jesus weckt vom Tod euch wieder, wann sein mächt'ger Ruf erschallt, der durch alle Gräber hallt. 9. Zagt nicht vor der finstern Kluft! Blickt hinauf ins bess're Leben! Dorthin wird euch aus der Gruft eures Jesu Macht erheben. Sieg⸗ reich schaut ihr dann umher, weinet keine Thräne mehr. 10. Auf denn, Christen! auf, erhebt euren Geist von dieser Erden; lebt schon hier dem Heiland, lebt ihm, dem ihr sollt ähnlich werden! Wollt ihr seines Heils euch freu'n, müßt ihr rein und heilig sein. Luise Henr. v. Brandenburg, 1627—1667. Mel. 110. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. 111. Siegreich stand mein Heiland auf! Friede ruht auf meinem Grabe. Mir auch geht ein Morgen auf, wann ich ausgeschlummert habe. Mich erschreckt der Tod nicht mehr. Heil mir! Jesu Grab ist leer. 2. Froh besieg' ich nun das Grau'n, das die Totenhügel decket. Meinen Heiland werd erwecket, der durch seines Grabes Nacht meine Gruft mir heller macht. 3. Wohlthat wird das Sterben mir. Jesus kennt und liebt die Seinen; ewig nicht läßt er sie hier kämpfen, dulden, klagen, weinen. Nein, der Abend eilt herzu; einst gelangen sie zur Ruh'. 4. Schwing' dich denn, mein Geist, empor! Lerne nach dem Himmel streben! Jesus ging den Weg dir vor; Jesus lebt, auch du sollst leben. Auf⸗ erstand'ner, lebenslang weiht mein Herz dir Lobgesang! Reinh. Gottl. Reiber, 1744—1819. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛe. 112. Ihm, dem Todesüber⸗ winder, der Menschen Heil, dem Heil der Sünder, sei ewig Ehre, ewig Dank! Singet ihm mit lautem Schalle, ihr, o Erlöste, singt ihm alle! Der ganze Erdkreis sei Gesang! Er hat sein Werk vollbracht, besiegt des Todes Macht und lebt wieder. Dank' ihm erfreut, o Christenheit! Sein Leben ist uns Seligkeit. Von der Auferstehung Jesu. ich schau'n, den der Vater auf⸗ 117 2. Was kann dich nun⸗ mehr erschüttern? Der Sünde Sklaven mögen zittern vor ihm, der ewig glorreich lebt. Wir, des Auferstand'nen Brüder, wir Christen, seines Leibes Glieder, wir freu'n uns, daß er ewig lebt. Für uns litt er den Tod; für uns entrückte Gott ihn dem Grabe. Ihr Spötter, bebt! Der Sieger lebt! Er lebt und stirbt hinfort nicht mehr. 3. Unser Herz darf nun nicht wanken; die bangen, zweifelnden Gedanken besiegt des Glaubens Zuversicht. Wie ein Fels im weiten Meere steht unerschüttert Jesu Lehre und breitet um sich Trost und Licht. Was irdisch ist, zerfällt; die Herrlichkeit der Welt mag verschwinden; doch Jesu Wort steht immerfort, bleibt Trost und Heil in Ewigkeit. 4. Ja, auch wir, wir werden bleiben, mag immerhin der Leib zerstäuben, verzehren Moder mein Gebein! Jesus lebt, und meine Glieder be⸗ lebt einst Gottes Allmacht wieder; wie er, werd' ich unsterblich sein. In der 118 Verwesung Grab dringt dann sein Ruf hinab, und ich lebe und werde sein mich ewig freu'n. Gott, welche Wonne ist dann mein! Christoph Chr. Sturm, 1740—1786. Rückkehr Jesu in die Herrlichkeit. Himmelfahrtslieder. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 113. Wie herrlich. Jesu, starker Held, du Retter einer Sünderwelt, hat sich dein Lauf geendet! Du siegtest über Schmerz und Tod, gingst triumphierend hin zu Gott, der dich zu uns gesendet. Ewig trifft dich nun kein Leiden; voller Freuden lebst du droben, über alles hoch erhoben. 2. Ja, du bist unser Haupt, und wir sind deine Glieder. Nur von dir kommt auf uns Heil und Leben. Was unsern Seelen Nutzen schafft, Licht, Friede, Freude, Tugendkraft, wird uns von dir gegeben. Laß doch dein Joch gern uns tragen und entsagen allen Von der Erlösung der Menschen. Sünden, daß wir hier schon Ruhe finden! 3. Zieh' unsre Herzen ganz zu dir; hilf, daß vor allen Dingen wir nach deinem Reiche trachten! Laß uns im Wandel heilig, rein, voll Sanftmut und voll Demut sein und eitle Lust verachten! Jede Sünde lehr' uns meiden und mit Freuden unser Leben deinem Dienste ganz ergeben! 4. Leit' uns zum Heile hier und dort und tröst' uns durch dein göttlich Wort, wenn hier uns Trübsal dränget! Ja, Seligkeit ist nur bei dir, des Lebens kurze Freuden hier sind noch mit Leid ver— menget. Von dir kommt hier Trost im Herzen; laß in Schmerzen uns schon offen dei⸗ nen Himmel seh'n und hoffen! 5. Als hier vergossen war dein Blut, bist du, uns Sterb⸗ lichen zu gut, zum Himmel eingegangen. Schenk' uns des Glaubens Festigkeit und laß uns nach der Uebungszeit zum ew'gen Heil gelangen! Dafür soll dir von uns allen Dank erschallen; ewig währen soll die Wonne, dich zu ehren. Ernst Chr. Homburg, 1605—1681. 4 — 5—4.— 23 Er der den Weg zu Gott dir Rückkehr Jesu in die Herrlichkeit.—. 119 Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛe. 114. Der Herr schwingt sich mit Glanz und Pracht zu fernen Welten hin; zum größern Schauplatz seiner Macht ruft nun der Vater ihn. 2. Er, den man hier ver⸗ kannt, verschmäht, herrscht, weil ihn Gott erhob, mit göttlich großer Majestät; ihm jauchzt der Engel Lob. 3. Verehre ihn auch du, mein Geist, und bet' ihn dankbar an! weist, ging selbst den Weg voran. 4. Auch dich will er zu sich erhöh'n, bleibt ihm dein Herz geweiht; du sollst ihn dir zur Wonne seh'n in seiner Herrlichkeit. 5. Welch hohes Glück, mir viel mehr wert, als alles Erdenglück! Nun zag' ich, was mich auch beschwert, nicht einen Augenblick. 6. Einst öffnet mir sein Himmel sich; dann ist mein Leid entfloh'n, und ew'ge Wonne strömt auf mich von meines Jesu Thron. 7. Erlöser, dir sei Preis und Dank für dieser Hoffnung Wert! Dir weih' ich höhern Lobgesang, wann mich dein Wink verklärt. Joach. Christ. Grot, 1733—1801. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛc. 115. Ueber aller Himmel Heere erhobst du dich zum Thron der Ehre, du Mittler unsrer Seligkeit! Hin zu dem, der dich gesendet, gingst du, da hier dein Werk vollendet, mit göttlicher Zufriedenheit. Du hast die Sündenwelt mit deinem Licht erhellt. Preis und Ehre sei, Jesu, dir! Froh sehen wir dir nach in deine Herrlichkeit. 2. Deine trauernden Er⸗ lösten, o Herr, zu stärken und zu trösten, kam über sie von dir dein Geist. Er ist's, der auch uns im Leiden mit Trost erfüllt und zu den Freuden der bessern Welt den Weg uns weist. Er leitet uns die Bahn, auf der dich wandeln sah'n deine Freunde. Auch wir em⸗ pfah'n auf dieser Bahn dereinst, wie du, die Kron' am Ziel. 3 Uns die Stätte zu be⸗ reiten, um die wir Pilger hier noch streiten, gingst du voran ins Vaterland. Herrlich wirst du wiederkommen und zu dir 120⁰ Von der Erlösung der Menschen. alle deine Frommen versam⸗ meln in dies Vaterland. Ge⸗ weiht hast du uns Gott und dir durch deinen Tod. Wo du lebest und Gott mit dir, da sollen wir auch mit dir leben ewiglich. 4. Welch ein Jubel wird es werden, wann wir, befreit von den Beschwerden, dich einst erblicken, unsern Herrn! Wann wir uns zu dir erheben, wie wird das Herz vor Freude beben! Dann schau'n wir dich nicht mehr von fern. Dann seh'n wir hocherfreut ganz deine Herrlichkeit, Welterlöser! Dann führest du der Wonn' uns zu, die bei dir ist in Ewigkeit. Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 229. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' ꝛc. 116. Laßt das Vollendungs⸗ fest uns heut' in heil'gen Freuden feiern, froh schauen über Welt und Zeit und das Gelübd' erneuern: Gott und der Tugend treu zu sein, treu auch in Trübsal, Schmach und Pein, wie Jesus, zu vollenden! 2. Er kam zu uns, von Gott gesandt, und heiligte die Erde, daß sie der Eintracht stilles Land, ein Sitz der Tugend werde. Nach seinem Beispiel sollen wir uns alle bilden, alle hier, daß wir zum Vater kommen. 3. Zum Vater! O wir kennen ihn; um ähnlich ihm zu werden, folgt Jesu! denn in ihm erschien sein Ebenbild auf Erden. Sein Gruß war Friede, sein Gebot nur Lieb' und Tugend; bis zum Tod war That auch seine Lehre. 4. Wie groß, wie edel durch sein Herz, wie treu der hohen Sendung, wie herrlich unter Spott und Schmerz erkämpft' er die Vollendung! Die Krone ward ihm dargereicht. Nun wird derKampfuns Schwachen leicht, der Zukunft Dunkel schwindet. 5. Er schwang zum Himmel sich hinauf, die Stätt' uns zu bereiten. Zum Himmel geht nun unser Lauf, zu ew'gen Seligkeiten. So hoch, so hoch steht unser Ziel! Der schönen Wohnungen sind viel' in seines Vaters Hause. 6. Was seid ihr, Freuden dieser Zeit? Wer kann nach euch noch streben? wer ruh'n im Schoß der Sinnlichkeit? — 2—25—2 —————252 ———22 Rückkehr Jesu in die Herrlichkeit. 121 dem Laster sich ergeben? Die Gott zu leben. Was Gott Zeit ist kurz und steil die Bahn; auf Erden ihm vergab, bleibt auf, Christen, strebt zum Ziel ewig ihm vergeben. Ihn macht hinan und eilet, zu vollenden! der Glaube, den die Welt 7. Ein Himmel wird schon verachtet und für Thorheit unsre Welt, wenn wir einander hält, gerecht und ewig selig. lieben, mit Freuden thun, was 4. Die stillste That, dem Gott gefällt, treu unsre Kräfte Herrn geweiht, will Jesus üben. Dann führ' ans Grab offenbaren. Lob wird der uns die Natur; aus einem wahren Frömmigkeit vor allen Himmel geh'n wir nur in einen schönern Himmel. Joh. Ehr. Wagner, 1747- 1825. Mel. 27. Allmächtiger, wir — singen dir ꝛe. 11⁷„Vollendet freudig euern Lauf; bleibt, Christen, Gott ergeben! einst weckt der Sohn die Toten auf und rufet sie zum Leben. Geht mutig seinen Pfad einher! Er fuhr zum Himmel, einst wird er in Herrlichkeit erscheinen. 2. Er kommt und führet euch ans Licht, doch nicht, daß er euch richte. Getrost seid ihr und zaget nicht vor seinem Angesichte. Der Fromme harret wonnevoll des Richters; denn wer glaubt, der soll in sein Gericht nicht kommen. 3. Der Fromme dringet durch das Grab, um ewig widerfahren. O welch ein Ruhm, den sie gewinnt! Selbst heilige Gedanken sind gezählt, belohnt zu werden. 5. Wer Leidenschaften über⸗ wand, um seines Gottes Willen, obgleich die Welt ihm widerstand, doch standhaft zu erfüllen; wer heilig blieb, obgleich der Spott der Welt ihn traf, den wird sein Gott als Ueberwinder krönen. 6. Wen keine Wollust, wen kein Geiz, kein eitles Lob be⸗ thörte; wer wider aller Lüste Reiz auf seinen Gott nur hörte; wer strebte, mäßig, keusch und rein, demütig, sanft und mild zu sein, der wird dann Gottes Erbe. 7. Wer eines der Ge⸗ ringsten sich erbarmet, was ihn drückte, ihm tragen half und brüderlich die Leidenden 12² Von der Erlösung der Menschen. erquickte, den sieht der Völker⸗ richter an, als hätt' er solches ihm gethan, vergilt's ihm überschwenglich. 8. So glaubet denn und übet nur, was Gott gefällt, ihr Brüder! Denn, der für uns zum Himmel fuhr, kommt zum Gerichte wieder. Wohl euch alsdann! dann führt er euch, euch zu belohnen, in sein Reich, zu seines Himmels Wonne. Joh. Andr. Cramer, 1723—-1788. Wiederkunft Jesu. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 118. Er kommt, er kommt zum Weltgericht, der Heiland, den wir ehren. O, weigert euch, Erlöste, nicht, jetzt auf sein Wort zu hören! Wer hier nicht seine Stimme hört und sie nicht mit Gehorsam ehrt, wird nicht vor ihm bestehen. 2. Herr, laß mich deiner Majestät mit wahrer Freude dienen! Wie herrlich dich dein Gott erhöht, ist zwar noch nicht erschienen; doch was uns hier verborgen war, macht jener Tag uns offenbar, an welchem du erscheinest. 3. Da, wann vor dir die Erde bebt und unter deinen Füßen sich alles, was dir widerstrebt, wird völlig beugen müssen; wann alle Engel vor dir steh'n: da wird auch jedes Auge seh'n, wie hoch dich Gott erhoben. 4. Da werden, Herr, auf dein Geheiß die Toten wieder leben, dein Feind mit Furcht, dein Freund mit Preis sich aus dem Grab erheben; und wer wird da, Herr Jesu Christ, daß du der Herr des Lebens bist, noch ferner leug⸗ nen können? 5. Wer spottet dann noch deiner Kraft, wann du, die hier dich fliehen, mit heil'gem Ernst zur Rechenschaft für ihre Schuld wirst ziehen? Wie muß den Spöttern, die dich schau'n dann vor dem Strafgerichte grau'n, wie wer⸗ den sie verstummen! 6. Und wann du die Ge⸗ treuen nun mit Preis und Ehre zierest, sie, ewig ihnen wohlzuthun, zu deinem Him⸗ mel führest: wie völlig wird's dann offenbar, daß es des Vaters Ratschluß war, durch dich sie zu beglücken! v *FrrnDY 7. Gib, daß ich einst, Herr Jesu Christ, mit Freuden vor dir stehe und dir, der mein Erlöser ist, getrost entgegen⸗ sehe! Wann deiner Feinde Rotte zagt, von Reu' und Angst und Furcht geplagt, sei ruhig meine Seele! 8. Daß ich dies Glück erlangen mag, laß hier in diesem Leben, o Heiland, dei⸗ nen großen Tag mir stets vor Augen schweben! Gemahnt durch ihn, mich dir zu weih'n, soll meines Herzens Freude sein, mir ewig Heil verbürgen. Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Mel. 110. Jesus, meine Zuversicht ꝛe. 119. Den nach seiner Niedrig⸗ keit alle HEimmel aufgenommen, Jesus wird voll Herrlichkeit einst als Richter wieder kom⸗ men; ihm, der hier sein Werk vollbracht, gibt der Vater diese Macht. 2. Zahllos, wie der Sand am Meer, sammeln dann sich Millionen. Alle sieht und kennet er, allen kommt sein Tag, zu lohnen; alles schweiget, er nur spricht; jeder fühlt: Gott hält Gericht. Wiederkunft Jesu. 123 3. Nicht bloß Thaten gehen dort dem verdienten Lohn ent⸗ gegen; jeden Wunsch und jedes Wort wird der ernste Richter wägen; alles, was verborgen war, ist vor ihm dann offenbar. 4. Auch die Sünder werden dann zitternd ihren Herrn ihn nennen; doch der Richter spricht:„Ich kann euch jetzt nicht mehr anerkennen! Weichet nur, ihr könnt nicht mein, nicht des Himmels Erben sein!“ 5. Aber in des Vaters Reich, um zu leuchten wie die Sonne, geht der Fromme, geht sogleich vom Gericht zur Freud' und Wonne, hört ent⸗ zückt den Zuruf an:„Komm, Gesegneter, heran!“ 6.„Richtet eure Brüder nicht, ob sie fallen oder stehen, sonst wird dort ein streng Ge⸗ richtwiederüber euch ergehen!“ Unvergeßlich sei doch mir, Jesu, dieses Wort von dir! 7. Ein Geringes soll mir's sein, wenn ein Sterblicher mich richtet! O, gefiel ich Gott allein, der zur Treue mich verpflichtet! Was ist Beifall dieser Welt, wenn mein Leben Gott mißfällt? 12⁴ 8. Laß mich stets gewissen⸗ haft, unbefleckt in Frieden wandeln, eingedenk der Rechen⸗ schaft fromm auch im Ver⸗ borg'nen handeln, nie mich eines Unrechts freu'n, selbst die kleinste Sünde scheu'n! 120. Von der Erlösung der Menschen. 9. Der du schonend im Ge⸗ richtüber mich das Urteilfällest, dort mich in ein bess'res Licht, unbefleckt, mit Freuden stellest, Mittler, dir sei Herrlichkeit, Fr. Wilh. Loder, 1757—1823. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort ꝛe. Joh. Crüger, 1653. V — 4— + 5 2 ISIIIIIIIßę TR 4535—59—— + Er ⸗ höh-ter Je ⸗ su, Got-tes Sohn, der du wirst der- einst zur rech ⸗ ten Zeit, in — ——2————— SDSDS.iISSSS‚‚‚‚...——— —7— 155 I—— 2—— du schon längst der Himmel Thron als Herrscher ein ⸗ge⸗ gro⸗-ßer Kraft und Herr-lich-keit, vom Himmel wieder⸗ VD —— x— qAI..I‚IETIT.‚m ² r—— EDID‚TI— nome men, Gib, daß dann froh und mit Vertrau'n dich, kom-men. *——5 *2 2 2 35—.— I EEEEEI iie ————— RRAEEE Herr, auch mei ⸗ne Au⸗gen schau'n! 2. Wer faßt, o Heiland, wann du auf lichten Wolken Preis und Dank in Ewigkeit! jetzt die Pracht, die deinen einst mit deiner Engel Heer Tag einst herrlich macht? Wie erscheinst, die, Herr, vor dir groß wirst du dich zeigen, sich beugen! Dann sehen wir Christus als Haupt auf Gottes Thron in Majestät des Höchsten Sohn. 3. Dann tönt dein Ruf in jedes Grab mit allmachts⸗ voller Kraft hinab und schafft ein neues Leben. Auf deinen Wink muß Erd' und Meer das unzählbare, große Heer der Toten wiedergeben. Sie geh'n durch dich, Herr, neu beseelt vom Grab hervor, und keiner fehlt. 4. Du sammelst sie vor deinem Thron, um jedem den bestimmten Lohn nach seiner That zu geben. Dann trifft den Bösen Schmach und Pein; den Frommen aber führst du ein in das verheiß'ne Leben. Wer leugnet dann noch, Jesu Christ, daß du der Erde Richter bist? seiner Gemeinde. 12⁵ 5. O gib, wann dieser Tag erscheint, daß ich in dir dann noch den Freund und Heiland wieder finde, daß ich mit Freuden vor dir steh' und mit dir in den Himmel geh', ganz frei von Schuld und Sünde! Laß mich im Glauben standhaft sein und auch die kleinste Sünde scheu'n! 6. Dein Name sei mir ewig wert, und was dein Wort von mir begehrt, das laß mich treulich üben! Niemals ermüde hier mein Geist, dich, den schon jetzt der Himmel preist, aus aller Kraft zu lieben: so hab' ich in der Ewigkeit auch teil an deiner Herrlichkeit. Chr. Sam. Ulber, 1715—1776. Christus als Haupt der Gemeinde. Mel. Ein' feste Burg ist unser Gott ꝛc. Or. Martin Luther, 1529. I + ——* 1** 1* ͤ— —.— 1. +— + 2 1— 1 X +. E 1 2. 1 +—E 1— Wenn Christus sei ⸗ ne Kir⸗che schützt, so Er, der zur Rech⸗ten Got ⸗ tes sitzt, hat Von der Erlösung der Menschen. mag die Höl⸗le wü ⸗ ten! 2 ö t 2 Macht, ihr zu ge ⸗ bie⸗-ten. Er ist mit Hil⸗-fe 2 2 ů —— + i er——— SSI ETT* 2. .I— nah'; was er ge⸗ beut, steht da. Er schützt zu sei⸗nem ö N — 2———— 4 + S AAAIcIr —— I— 7—. 1.———— Ruhm mit Macht das Christentum; mag doch die Höl⸗le — E IL. 22—— N A H ....... wün⸗ ten! 2. Und wenn auch Mächt'ge auf dem Thron sich wider ihn empören und den Gesalbten, Gottes Sohn, den Herrn der Welt, nicht ehren und schämen sich des Worts des Heilands, unsers Horts; ist selbst sein Kreuz ihr Spott: nur Staub sind sie vor Gott, wie sehr sie sich empören. 3. Der Frevler mag die Wahrheit schmäh'n, uns kann er sie nicht rauben. Der Unchrist mag ihr widersteh'n, wir halten fest am Glauben. Gelobt sei Jesus Christ! Wer hier sein Jünger ist, sein Wort von Herzen hält, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, laßt euch kein Droh'n erschrecken! Der Gott, der von dem Himmel schaut, wird uns gewiß bedecken. Der Herr, Herr, unser Gott, hält über sein Gebot, gibt uns Geduld in Not und Kraft und Mut im Tod; wer will uns denn erschrecken? Chr. Fr. Gellert, 1715—1769. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 122. Die Feinde deines Kreuzes droh'n, dein Reich, V lt 5 „ Herr, zu verwüsten; du aber, Mittler, Gottes Sohn, be⸗ schützest deine Christen. Dein Thron bestehet ewiglich; ver— geblich wird sich wider dich die ganze Hölle waffnen. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, kein Werk von Menschenkindern; drum konnt' auch keine Macht der Welt, Herr, seinen Fortgang hindern. Dir können deine Hasser nie dein Erbe rauben; selbst durch sie wird es ver— größert werden. 3. Weit woll'st du deine Herrschaft noch in deiner Welt verbreiten und unter deinem sanften Joch die Völker alle leiten! Vom Aufgang bis zum Niedergang bring' alle Welt dir Lob⸗ gesang und glaub' an deinen Namen! 4. Auch deine Feinde, die dich schmäh'n, die frevelnd sich empören, laß deiner Gnade Wunder seh'n, daß sie sich noch bekehren! Lehr' sie, mit uns gen Himmel schau'n und unerschüttert im Vertrau'n auf deine Zukunft warten! 5. Uns, deine Christen, wollest du fest in der Wahr⸗ Christus als Haupt seiner Gemeinde. 127 heit gründen, daß wir für unsre Seelen Ruh' in deiner Gnade finden! Mach' unsres Glaubens uns gewiß; vor Irrtum und vor Finsternis bewahr' uns, weil wir leben! 6. Ein reines Herz schaff in uns, Herr, ein Herz nach deinem Willen, und lehre täglich fertiger uns dein Gesetz erfüllen! Uns dir gehorsam zu erneu'n und deiner Huld uns dann zu freu'n, sei unser Heil auf Erden! 7. So wird dein Volk dir unterthan und lernt die Sünde meiden, und du führst es auf eb'ner Bahn zu deines Reiches Freuden. Und herrlich wird in dieser Zeit, noch herrlicher in Ewigkeit, dein großer Name werden. 8. Voll Zuversicht erwarten dich, Beherrscher, deine From⸗ men; der Tag ist nah', des wieder kommen. Den Sündern kommst du zum Gericht; uns segnet dann dein Angesicht mit Wonne der Gerechten. 9. Ja, komm, o Jesu, komme bald zu deinem Volke wieder; befrei' durch deines freu'n sie sich, wo du wirst 128 Von der Erlösung der Menschen. Arm's Gewalt uns, deines Ewigkeit zu Ewigkeit wird's Reiches Glieder! Dein Him⸗ unser Erbteil bleiben. melreich ist uns bereit; von Balth. Münter, 1735—1793. 123. Mel. Nun lob', mein' Seel', den Herren ꝛe 15⁴⁰ — 2 12 ö 1— 4 722— + 1 I J** 4 .* +*+—. ̃——.—— 4 — ni 0 9*——— Gott ist ein Schutz in Nö ⸗ ten und wenn wir um Hil ⸗fe be ⸗ ten, ver⸗ 2 ———— vinnnint zin wurn——3— *—.——— e e E.——— sei⸗ ner Kir⸗ che Zu-ver⸗ sicht; sagt er sei ⸗ne Hilf' ihr nicht. Mag ihr ent- ge⸗gen —3 ö— —— 53. , DDI——— käm ⸗ pfen die Macht der Fin⸗-ster ⸗ nis; der 9⁰ ů ——. 1— e re Bent nr ——— T. Geist läßt sich nicht däm-⸗ pfen, die Kir ⸗che siegt ge⸗ 80 4— —.2— I. 1 — 1* 2 1— 4 I—2 1—— 1—* *—— wiß. Laßt ih ⸗ re La⸗ ser to ⸗- ben! Sie 94 . 35——— „————— ů— —2——.—— C—— ——‚ 6 7 stür ⸗-zen sie doch nie; Gott hat die Kirch' er⸗ 63—2— 255— —— +—— ———— .—1 ho ⸗ ben, und er be⸗schir- met sie. jIISIII. ˖eeMM eEnnn d's Christus als Haupt seiner Gemeinde. 129 2. Sie ist ein Fels im Meere; es stürme wilder Wogen Flut,— bald bricht zu Gottes Ehre an diesem Felsen ihre Wut. Ob auch schon oft auf Erden, in Nacht verhüllt, ihr Licht schien aus⸗ gelöscht zu werden, verlosch es dennoch nicht. Es strahlt aus allen Nächten nur mäch⸗ tiger hervor, weil er, zu Gottes Rechten, zum Tempel sie erkor. 3. Gott ist in ihren Mauern, und sie, erbaut auf Golgatha, die den sie dort bluten sah. Die Erde wird vergehen, der Himmel nicht besteh'n; die Kirche wird es sehen und nicht mit ihm vergeh'n. Daß sie ganz herrlich werde, wird ihr zur Seligkeit der Himmel und die Erde verjünget und erneut. 124. Stadt des Breit' aus sein Reich und Herrn, wird dauern, wie der, 4. Sie hat schon viele Sünder, wiewohl bedrängt durch Macht und Spott, zu dir bekehrt, viel' Kinder zum Himmel dir geboren, Gott! Noch spotten ihrer viele, sie aber achtet's nicht; sie schauet dort am Ziele die Kron' und das Gericht. Schmäht immer, schmäht, ihr Spötter! denn furchtbar ist sie noch. Der Herr ist ihr Erretter, sie triumphieret doch. 5. Frohlocke, Kirche, singe, erhebe deines Königs Ruhm! bringe der Sünder viel' ins Heiligtum, daß sie gereinigt werden, daß sie, von dir erhellt, ihm dienen und auf Erden gern thun, was ihm gefällt, bis alle deine Scheuern der Garben voll, und wir, der Ernte Fest zu feiern, vereinigt sind in dir! Joh. Andr. Cramer, 1723—-1788. Mel. Was mein Gott will, gescheh' allzeit ꝛc. Wir sa⸗ hen nicht — +7 Herr, un⸗-ser Hort, dein gött-lich Wort blieb der Gna⸗ de Licht, bis 9 130 Von der Erlösung der Menschen. * 9 ů 6—— 23 SISIRIRSIEIIIet......· ö——. lang e Zeit ver-⸗ bor ⸗gen. der Mor- gen neu wie-der kam, dann .,e..— erst ver⸗ nahm dein Volk das—0 der Wahrheit. Die Ee Erarkine Hnkrkren. —— Nacht— wich, du zeig-test dich der Welt in Himmels⸗ 3 1 1 L —— ö 2— 1 klar-heit. 2. Vergebung, Heil, am Himmel Teil gibt, Herr, allein der Glaube. Er führt zu dir, sonst würden wir dem Fluch und Tod zum Raube. Er zieht das Herz auch himmel⸗ wärts und füllt's mit heil' gen Trieben; er lehret mich vor allem dich und meinen Nächsten lieben. 3. Von nah' und fern dankt dir, dem Herrn, dein Volk für diese Lehren. Doch viele sind auch stolz und blind und wollen sie nicht hören. Zertrümm're doch des Irrtums Joch, daß alles eine Herde, durch dich gerührt, von dir geführt, in Geistes⸗ einheit werde! 4. Laß, Heiland, uns von Herzen dir für diesen Segen danken! Entzieh' uns nicht der Wahrheit Licht, laß uns nicht ferner wanken von einem Sinn zum andern hin; gib Hoffnung, Glauben, Liebe, ein Herz, das treu und christlich frei sich stets im Guten übe! 5. Wir können's nicht, die Kraft gebricht, uns stärkt nur deine Gnade. Doch wissen wir, vertrau'n wir dir, daß uns kein Unfall schade. Be⸗ — S hrt, tes⸗ von gen icht uns lem gib ein lich be! die iur sen aß Ze⸗ stürmen gleich dein Königreich der Feinde große Heere; mag's immer sein! Der Sieg bleibt dein, und dein bleibt auch die Ehre. 6. Vergebens ist der Feinde List, des Spottes Hohnge⸗ lächter. Der Spott vergeht, dein Reich besteht, und Schmach trifft die Verächter. Doch bitten wir, o Herr, von dir, zum Haufen deiner Zeugen bekehr' auch sie; laß jedes Knie sich deinem Zepter beugen! 7. Auf Felsengrund steht Gottes Bund, sein heiliges Versprechen:„Wenn auch die Welt in Trümmer fällt, soll doch mein Bund nicht brechen.“ Empören sich gleich wider dich der Völker große Scharen, du Christus als Haupt seiner Gemeinde. 131 kannst und wirst, o Friedens⸗ fürst, die Kirche doch bewahren. 8. Dein Schirm verleiht ihr Sicherheit. Du hast, als du gestorben, zum Eigentum, zum ew'gen Ruhm sie teuer dir erworben. Sie bleibt in dir und du in ihr; nichts kann sie dir entreißen; was ihr Gebet von dir erfleht, giebst du, wie du verheißen. 9. Dir traut, o Gott, in jeder Not die Kirche deines Sohnes. Noch harret sie in Kampf und Müh', o Jesu, deines Lohnes. Doch wird sie einst, wann du erscheinst zum letzten deiner Siege, sich freu'n mit dir, daß ewig ihr der Feind zu Füßen liege. Nach Rn 218 2— A. Schlegel, 1793. Wirkung Christi auf seine Gemeinde durch das Lehr⸗ und Predigtamt. Mel. Vater unser im Himmelreich ꝛc. 1539. — 1 1—— Eu mentn 2———*— ——— 7 2—. 7—— Kein Leh ⸗-rer ist dir, Je⸗-su, gleich. An 132 Von der Erlösung der Menschen. V 9 2—— 2— SSSSSIEIIIIIIIxI —*— 2 uren.— Weis-heit—0 an Lie⸗be reich, bist d 1o⸗wohl durch 5ĩ e er. — Wort als That der schwachen Menschen sich— Rat. Es —8 ———.—— freut mein Geist im Glauben sich, Herr Je-su, dein und A *. II — II E.2 1 II 430—⁵——* II —— lo ⸗ bet dich 2. Du kamst zu uns, von Gott gesandt, und machtest uns den Weg bekannt, wie wir, befreit von Sündenschuld, teilhaftig würden seiner Huld. Auf ewig sei dir Dank und Ruhm, Herr, für dein 53 b Du sahest in der Gott⸗ heit Licht mit aufgeklärtem Angesicht, was nach des Höchsten weisem Rat die Welt noch zu erwarten hat, und machtest auch durch deinen Mund die Zukunft selbst den Menschen kund. 4. Dies und die Wunder deiner Hand sind uns ein göttlich Unterpfand, was man aus deinem Mund gehört, gelehrt. Nie schwäche mir der Frevler Spott den Glauben an dies Wort von Gott! 5. Du lehrtest uns durch Wort und That den Weg zu Gott, der Tugend Pfad. Du gingst als Führer selbst voran; gib, Herr, daß ich auf gleicher Bahn, gestärkt von dir, mit steter Treu' dir nachzufolgen eifrig sei! 6. Du bist es, Herr, von dem das Amt, das die Ver⸗ söhnung predigt, stammt. Du machst durch treuer Lehrer sei Wahrheit, die uns Gott 9 1 0 Verhalten gegen Jesum. 133 Mund noch jetzt dein Heil den mein Erbteil raubt? Es ruht Menschen kund. Begleite stets in Jesu Händen. mit deiner Kraft ihr Amt, 2. Mein Leben ist ein damit es Nutzen schafft! kurzer Streit, und herrlich 7. Noch immer hilfst du ist die Krone. Das Glück der deinem Wort in seinen Siegen ganzen Ewigkeit wird mir mächtig fort. Du sendest, zum reichen Lohne. Der du wie dies Wort verheißt, noch für mich den Tod geschmeckt, immer deinen guten Geist, der durch deinen Schild werd' Licht und Kraft zum Glauben ich bedeckt; was kann mir giebt, wenn man die Wahr⸗ denn nun schaden? heit sucht und liebt. 3. O Herr, du bist mein 8. Mein Heiland, sieh, ich ganzer Ruhm, mein bester fleh' zu dir, den Geist der Trost auf Erden, in jener Wahrheit send' auch mir, daß Welt mein Eigentum, was ich, von Eigendünkel frei, nur kann mir Größ'res werden? dir allein gehorsam sei, bis Von fern glänzt mir mein mich dereinst in Ewigkeit ein Kleinod zu; du schaffst mir hell'res Licht bei dir erfreut! nach dem Streite Ruh' und S. J. Rambach, 1693—1735. reichst mir meine Krone. 48. Herr, lenke meines Geistes Blick von diesem Welt⸗ getümmel auf dich, auf meiner Seele Glück, auf Ewigkeit und Himmel! Die Welt mit ihrer Mel. 215. Es ist das Heil uns Herrlichkeit vergeht und währt Verhalten gegen Jesum. Glaube an Jesum. kommen her ꝛe. 126. Ich weiß, an wen mein Glaub' sich hält, kein Feind soll mir ihn rauben. Als Bürger einer bessern Welt leb' ich hier nur im Glauben. Dort schau' ich, was ich hier geglaubt. Wer ist, der mir nur kurze Zeit. Im Himmel sei mein Wandel! 5. Jetzt, da mich dieser Leib beschwert, ist mir noch nicht erschienen, was jene bess're Welt gewährt, wo wir Gott heilig dienen. Dann, wann mein Auge nicht mehr 134 weint und mein Erlösungs⸗ tag erscheint, dann werd' ich's froh empfinden. 6. Im Dunkeln seh' ich hier mein Heil, dort seh' ich's klar und heiter. Hier ist die Schwachheit noch mein Teil, dort dringt mein Geist stets weiter. In dein Bild werd' ich dort verklärt, und dann erst fühl' ich meinen Wert, den ich hier nicht erkannte. 7. Zu diesem Glück bin ich erkauft, o Herr, durch deine Leiden; auf deinen Tod bin ich getauft, wer will von dir mich scheiden? Du zeich⸗ nest mich in deine Hand; ich bin, Herr, dir, du mir bekannt. Mein sind des Himmels Freuden. 8. Wie groß ist meine Herrlichkeit! Empfinde sie, o Seele! Vom Tand der Erde unentweiht, erhebe Gott, o Seele! Der Erde glänzend Nichts vergeht, nur des Ge⸗ rechten Glück besteht durch alle Ewigkeiten. Chr. Chr. Sturm, 1740— 1786. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛe. 127. Ferne sei der Irrtum, fern', daß auch diese Christen Mel. Von der Erlösung der Menschen. wären, welche zwar als ihren Herrn mit dem Munde Jesum ehren, aber ihm nicht gleich gesinnt, nicht der Tugend Freunde sind! 2. Ferne von uns sei der Wahn, sich mit dem allein zu trösten, was einst Jesus hat gethan, und mit Stolz des Herrn Erlösten sich zu nennen, wenn man nicht treu erfüllt des Christen Pflicht! 3. Schände nie, wer Jesum nennt, Jesum durch sein Thun und Leben! lichen bekennt, müsse sich auch ernst bestreben, stets zu wan⸗ deln auf der Bahn, die uns Jesus ging voran. 4. Gott, erleuchte meinen Geist, daß kein unfruchtbarer Glaube, der dich bloß mit Worten preist, mir auch meinen Eifer raube, wahrhaft christlich gut zu sein, jedes Unrecht stets zu scheu'n! 5. Was wir säen, ernten wir. Reicher Segen wird ge⸗ geben dem, der treulich sä'te hier für das künft'ge bess're Leben. Laß mich reichlich Samen streu'n und mich dort der Ernte freu'n! Herm. Ch. Gottfr. Demme,‚ 1760—- 1822. Wer den Gött⸗ ......—tRů 7 wandle! sein Vorbild hier nicht zur Mel. 56. An Wasserflüssen Babylon ꝛc. 128. Was hilft es mir, ein Christ zu sein, wenn ich nicht christlich lebe, nicht heilig, fromm, gerecht und rein zu wandeln mich bestrebe? wenn ich dem seligen Beruf, zu welchem mich mein Gott er⸗ schuf, mich nicht getreu beweise und den, der mich erlöset hat, in Worten bloß, nicht durch die That und gute Werke preise? 2. Was hilft der Glaube, wenn er nicht sich auch in Früchten zeiget? wenn ihm mein Herz noch widerspricht und sich zum Bösen neiget? wenn mich die Eitelkeit der Welt in ihrem Netz gefangen hält, ich ihre Fesseln liebe, geblendet von der Sünde Reiz, Zorn, Hoffahrt, Fleischeslüste, Geiz in Wort und Thaten übe? 3. Ach, weit mehr Schuld belastet dann mich, der ich Christum kenne und sein Ver⸗ dienst nicht leugnen kann, ihn Herrn und Heiland nenne, als den, der noch in Finster⸗ nis und Irrtum strauchelt, ungewiß, ob er auch richtig Verhalten gegen Jesum. 13⁵ Ermunterung auch mir, da⸗ mit ich danach handle? 4. Wenn Gram an meiner Seele nagt, der bittre Sold der Sünden; wenn mein Gewissen mich verklagt: wo soll ich Ruhe finden? Wer beut mir Trost in meiner Not, wenn mich der schaudervolle Tod mit seinen Qualen schrecket; wenn brechen will das bange Herz und nur der Reue tiefer Schmerz noch mein Bewußtsein wecket? 5. Weh' mir, was hilft es mir einst dort, erwacht aus meinem Grabe, daß ich an Christum und sein Wort zum Schein geglaubet habe, wenn keine gute, fromme That mein Leben hier bezeichnet hat, den Glauben zu bewähren? Nur Glaube schaffet Seligkeit; doch muß er sich durch Freudigkeit in frommer That verklären. 6. Gott, deiner Gnade wert zu sein, hilf, daß ich christlich lebe, daß ich gerecht und fromm und rein zu wan⸗ deln mich bestrebe! Gib mir Er⸗ kenntnis, Kraft und Mut und laß mich Sünde, Fleisch und Blut im Glauben überwinden! Ließ Jesus denn Dann werd'ich nach demKampf der Zeit den Lohn in jener 136 Von der Erlösung der Menschen. Ewigkeit für meine Treue finden. Nach Weisse von G. F. W. Schultz, 177⁴4 1842. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. 129. Wer Gottes Wort nicht hält und spricht: Ich kenne Gott! der lüget. In solchem ist die Wahrheit nicht, die durch den Glauben sieget. Wer aber sein Wort glaubt und hält, der ist von Gott, nicht von der Welt. 2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, soll sich in Werken zeigen. Je höher die Erkenntnis steigt, muß auch die Liebe steigen. Der Glaub' erleuchtet nicht allein; er stärkt das Herz und macht es rein. 3. Durch Jesum frei von Missethat, sind wir nun Gottes Kinder. Wer solche Hoffnung zu ihm hat, der flieht den Rat der Sünder, folgt Christi Beispiel als ein Christ und wird so rein, als er es ist. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, wenn ich Gehorsam übe. Wer die Gebote hält, in dem ist wahrlich Gottes Liebe. Ein immer thätig Christentum, das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott und Gott in dem, der in der Liebe bleibet, in ihr, die uns ihm angenehm und fromm zu werden treibet. Gott ist die Lieb'; an seinem Heil hat ohne Liebe niemand teil. Chr. F. Gellert, 1715-1769. Mel. 81. Valet will ich dir geben ꝛc. 130. Ich weiß, an wen ich glaube; denn ich vertraue Gott. Dies teure Kleinod raube mir keines Lästrers Spott! Es gibt mir Trost im Leiden, Vergebung im Gericht, ein Paradies voll Freuden, wann Herz und Auge bricht. 2. Ich weiß, an wen ich glaube; mein Heiland überläßt nicht meinen Leib dem Staube, das weiß und hoff' ich fest. Er wird auch ihn verklären, und wann der Sünder bebt, dann wein' ich Freudenzähren; denn mein Erlöser lebt. 3. Ich weiß, an wen ich glaube; mein Glaube täuscht mich nicht. O teurer, hoher Glaube, verlaß mich Schwa⸗ chen nicht, damit ich heilig Llrnress—— —7 SSSSSeeteIR“bEEeKAK werde und, von der Sünde frei, schon fröhlich auf der Erde, dort ewig selig sei! Unbekannter Verfasser. Dankbarkeit und Verehrung. Mel. 228. Sollt ich meinem Gott nicht singen ꝛe. 131. Mit des Herzens rein⸗ sten Trieben, bis das Aug' im Tode bricht, Welterlöser, dich zu lieben, ist uns teure, heil'ge Pflicht. Von der Liebe Glut durchdrungen, kamst du aus des Himmels Reich, wurdest schwachen Menschen gleich, hast mit Not und Tod gerungen. Froher Herzen Preisgesang sagt nun deiner Liebe Dank. 2. Keine lockende Begierde drängte dich zum Eiteln hin; Heiligkeit war deine Zierde, Menschenrettung dein Gewinn. Willig trugst du deine Bürde, tratest sanft und still hervor, hobst die Welt zu Gott empor, daß sie ewig selig würde. Niedrigkeit war, Herr, dein Los und doch dein Verdienst so groß. 3. Mächtig, selbst im tiefsten Verhalten gegen Jesum. 137 Glück. Zweifelsucht und Aber⸗ glaube schwanden in die Nacht zurück. Hin zum Heiligtum der Wahrheit führtest du der Deinen Schar, und wer dir nur folgsam war, sah sein Heil in voller Klarheit. O, wer bebt vor Freude nicht? Uns, auch uns umglänzt dein Licht. 4. Nun muß alle Furcht verschwinden vor dem großen Weltenherrn. Freudig seh'n wir und empfinden: er ist nimmer von uns fern. Seine Liebe, nichts als Liebe, predigt uns die schöne Welt, die er täglich noch erhält, daß sie uns im Lieben übe, Menschen⸗ freund, seit du erschienst, ist die Liebe Gottesdienst. 5. Selbst der Sünder darf nicht beben, eilt er nur zu dir zurück. Deine Stimme: Du sollst leben! heitert seinen Thränenblick. Ach, du blutetest am Kreuze, trugest Schmach und Angst und Not, starbst für ihn, damit dein Tod ihn zum frömmern Leben reize. Folgt er dir, o welche Huld; ausgetilgt ist seine Schuld. 6. Heil uns, wenn wir treu dir dienen! Wonne strömt Staube, schufest du der Seelen durch unsern Geist. Noch ist 138 Von der Erlösung der Menschen. es uns nicht erschienen, was sei dir geweiht! Herr, durch die Zukunft uns verheißt. dich ist Heil gekommen in Dich hat Gott uns selbst das Land der Sterblichkeit. gegeben; o, zu welcher Herr⸗Wer gleich dir durchs Leben lichkeit wird er nach durch- gehet, schmeckt schon hier des kämpfter Zeit uns, dein treues Himmels Lust; Friede wohnt Volk, erheben! Herr, durch in seiner Brust. Wird er diesen Hoffnungsstrahl wird einst zu Gott erhöhet, dann uns hell das Todesthal. mischt sich der Liebe Dank 7. Dank sei dir von allen in der Engel Preisgesang. Frommen, Preis und Dank Joh. Wilh. Reche, 1763—1835. 132. Eigene Melodie. Joh. Crüger, 1656. 1—9 2.—— —————8—— .— —64— + Je ⸗ su, mei ⸗ ne Freu⸗ 18 ser Trost im Dei ⸗ ne Lieb' und Treu ⸗-e mah daß ich mich 9———— urn inn n mnene r e n: ö— 1.— N Lei ⸗ de, mei ⸗ nes Her ⸗ zens Teil freu⸗ e dei ner, Herr, mein Heil! — ö 2. 2 Hab 2 2— — 233— 355 ren=.——— Hab' ich dich, 19— reich bin ich! Oh-ne dich kann + I e. ‚DDDHJ—— ——— 2 2——— — ich auf Er ⸗ den nie zu ⸗ frie ⸗den wer ⸗den. 2. Unter deinem Schirme Felsen splittern! Laßt den können keine Stürme für mich Erdkreis zittern! Dennoch schreckend sein. Laßt auch bleib ich dein. Wenn auch Not mir furchtbar droht, nichts zerstört der Seele Frieden, den mir du beschieden. 3. Nicht des Grabes Höhle ängstet meine Seele, ruhig bleibet sie. Mag der Tod sich nahen, mich das Grab umfahen: Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht das Weltgericht; denn ich soll beim Auferstehen meinen Mittler sehen. 4. Wer ist, der den Glauben meinem Herzen rauben, ihn er⸗ schüttern kann? Bei der Feinde Toben stimm' ich, Gott zu loben, Freudenlieder an. Mich Verhalten gegen Jesum. 139 flieht! durch euch wird dem Gewissen seine Ruh' entrissen. 7. Weichet, Sorg' und Zagen! Schweiget, bange Klagen! Jesus ist ja mein. Jedem, den er liebet, muß, was jetzt betrübet, einst noch Freude sein. Quält mein Herz auch bittrer Schmerz, selbst im allerbängsten Leide bleibst du meine Freude. Joh. Frank, 1618—1677. Mel. 15. Kommt her, spricht Christus ꝛe. 133. Singt, Menschen, ihm bewacht des Höchsten Macht; denLobgesang bringt, Christen, er wird, wenn auch Feinde ihm mit Freuden Dank, preist hassen, niemals mich verlassen. ihn, den Herrn des Lebens! 5. Locket, Gold und Wür⸗ den! Oft seid ihr nur Bürden der betrog'nen Welt. Mich sollt' ihr nicht blenden, nicht von dem mich wenden, der sein Wort mir hält. Elend, Not und Schmach und Tod soll mich, ob ich viel muß leiden, nicht von Jesu scheiden. 6. Weicht, ihr Eitelkeiten, die zum Bösen leiten! Thoren täuschet ihr. Sünder, eure Freuden will ich ewig meiden; fliehet fern von mir! Ueppig⸗ keit, Stolz, Schmähsucht, Neid, Von Gottes Thron kam er herab, der euch das bess're Leben gab. Die Freud' ist nicht vergebens. 2. O, welche segensvolle Nacht! Sie hat der Welt das Licht gebracht. Das Licht des höhern Lebens, der Wahrheit und Gerechtigkeit erhellt des Irrtums finst're Zeit. Die Freud' ist nicht vergebens. 3. Der Völker Sehnsucht ist gestillt, der reichste Strom von Segen quillt aus diesem Quell des Lebens. Er strömt 14⁰ Von der Erlösung der Menschen. nicht bloß für diese Zeit, er strömet für die Ewigkeit. Die Freud ist nicht vergebens. 4. Erhöhet hat nun Jesus Christ, der selbst auch Mensch geworden ist, den Wert des Menschenlebens. O, welches Glück, ein Mensch zu sein und seiner Würde sich zu freu'n! Die Freud' ist nicht vergebens. ö 5. Das Bild der Gottheit 134. Mel. sah sie aufgestellt des göttlich schönen Lebens. Gegründet ist der Tugend Reich auf ew'gem Grunde. Freuet euch! Die Freud' ist nicht vergebens. 6. Gelobt seist du! Wir folgen dir. Mit neuem Mute ringen wir zum Ziel des edlern Lebens. So tönt dir unser Lobgesang, so fließt der Freudenthränen Dank dir, Jesu, nicht vergebens. sah die Welt, ein Muster Th. Gottl. Hippel, 1741—1796. Sieh', hie bin ich, Ehrenkönig ꝛe. 1776. Hnt——.—— . d. r ö 07 9— — PPIIIIII..— SSSD.... *—————— Je⸗sum e⸗wig zu ver⸗-eh-ren, ist mir sü-ße, sei⸗ne weis⸗heits⸗-vol⸗len Leh-ren ge-ben mei⸗nem W 1 . ů—.— .— j; + IN . II —.— ⁵⁷⁴—4 1 II II heil'⸗-ge Pflicht; ——..— ö ⸗dem gu⸗ten Wer⸗ke Gei ⸗ste Licht, und zu je⸗dem g Wer 2 1 *— SN V. +2—. J J I I. 2———— 2 2 I 9„ 1 I 2. Sollt' ich ihn nicht dankbar preisen, der das Heil der Menschheit ist? Nennt den Edlen, nennt den Weisen, der, wie er, Christ, reine Tugend, die er lehrte, durch ein göttlich Leben ehrte; gibt sein Bei⸗spiel Kraft und Stär⸗ke. wie Jesus ..—6„„„n. rnn-N.. em 1e Vir ute es dir eßt dir, 3. Der mit liebvollem Herzen hohen, festen Mut verband; der selbst bei des Todes Schmerzen Mitleid gegen die empfand, die mit Grausamkeit ihm fluchten, seine Qual zu mehren suchten; 4. Der auf Erden hat gewandelt, wie die Gottheit tadellos, immer edel hat ge⸗ handelt, göttlich edel, göttlich groß, willig, freudig Glück und Leben für die Menschheit hat gegeben! 5. Gern weil' ich an deinem Bilde, o erhab'ner Menschenfreund, wo mit so viel sanfter Milde Tugend⸗ würde sich vereint, und zu jedem guten Werke schöpfe ich hier Mut und Stärke. 6. Durch mein Leben dich zu preisen, ist mir süße, heil' ge Pflicht, dich, den liebevollen Weisen, dich, der Menschheit Heil und Licht. Aehnlich, Jesu, dir zu werden, ist mein höchstes Ziel auf Erden. H. Chr. G. Demme, 1760—1822. Mel. 426. Mein Jesus ist mein Leben ꝛe. 135. Gelobt sei unser Mitt⸗ ler mit frommem Lobgesang! Verhalten gegen Jesum. 141¹ Wir denken sein mit Freuden und tiefgefühltem Dank. 2. O, betet an den Vater, der seinen Sohn uns gab! Mit ihm kam Fried' und Segen auf unsre Welt herab. 3. Er kam, uns ein Erlöser, um Retter uns zu sein, uns von den Sklavenbanden des Irrtums zu befrei'n; 4. Durch Wahrheit uns zur Tugend und auf der Tugend Bahn zur wahren Geistes⸗ würde zu leiten himmelan. 5. Für uns hat er gelebet und hat in dieser Welt das Muster reiner Güte vollendet dargestellt. 6. Dem göttlichen Gesetze hat er genug gethan, zur steilsten Tugendhöhe stieg er mit Mut hinan. 7. Mit Gott ergeb'nem Herzen ertrug er Schmach und Not, ertrug er alle Leiden und selbst den Kreuzestod. 8. Die Gottheit hat auf Erden sich offenbart, uns ist das Muster reiner Güte er⸗ schienen, Jesus Christ. 9. Blickt nur mit wahrem Glauben im Geist auf Jesum hin und stärket euch zum Guten, veredelt Herz und Sinn! 14² 10. Dank dir, der Menschen Vater, du gabst uns Zuver⸗ sicht zu deinem Vaterherzen und unserm Geiste Licht! 11. Wir seh'n das Ziel im Glauben und kämpfen für das Gut, das Jesus hat errungen, gestärkt mit neuem Mut. 12. Und müßten wir auch dulden: für Leiden dieser Zeit Von der Erlösung der Menschen. wird uns der reichste Segen in jener Ewigkeit. 13. Heil uns, wir sind un⸗ sterblich! Durch Jesum hoffen wir ein höh'res, bess'res Leben. Dank sei, o Vater, dir! 14. Gelobt sei unser Mittler mit frommem Lobgesang! Wir denken sein mit Freuden und tiefgefühltem Dank. H. Chr. G. Demme, 1760—1822. Liebe und Treue gegen ihn. Eigene Melodie oder: Mel. 91. Begleite mich ꝛc. 1785. 9 ö ——— +— + R—1——4 ä H— LAaEUU +——.2— ‚I J 27—.—— 1 ̃—Z Wie wohl ist mir, o Freund der See-len, wenn Ich trau'⸗re nicht, was kann mich quä ⸗-len? Mein 9 h ——..— E— Fidni: dürtni wun dn E 2— — rw der ner 3 i 65 6 ich in dei ⸗ ner Lie ⸗be ruh'! Bei dir ver⸗ Trost, mein Licht, mein Heil bist du. ich geß' IIXIXXNNI II Verhalten gegen Jesum. — —.— +—. — NEI.—— J———— 2 —.—.—.—IIII. n⸗—.—, en vie⸗le ho- he Freu⸗-den ge⸗ nieß' ich nicht, ver⸗ + ů 6———. —.———.— 2— —.—..—.— D ler eint mit dir! Hier ist mein Him-mel schon auf Pir— nd ri Ehntr nin d. 2 —.e.—— 5 5— ———— 4 2 5 2 Er ⸗ den; wie könnt' ich je-mals mut⸗los j— e, ——0—* ꝗ —*—— U. wer ⸗ den? Bist du doch ü- ber⸗ all mit mir. 2. Hab' ich, Erlöser, dich zum Freunde, was fehlt mir dann? Du sorgst für mich. Hätt' ich auch eine Welt voll . Feinde; ich bin getrost, ich trau' auf dich. Auch wenn die Sünden mich verklagen, darf ich nicht rettungslos verzagen; ich weiß, was du für mich gethan. Trät' alles wider mich zusammen, ich bebe nicht; wer will ver⸗ dammen? Gott nimmt sich meiner gnädig an. l dunkeln Nächten strahlt dein Licht. Nur Sünder zittern vor dem Grabe; ich, der ich dich zum Freunde habe, kann über Tod und Grab mich freu'n; denn ich gehöre zu den Deinen. Bald wird nicht mehr mein Auge weinen; bald werd' ich ewig selig sein. 4. Gelobet seist du, Freund der Seelen! In deiner Huld, wie wohl ist mir! Du liebest mich, was kann mir fehlen? Ich finde jedes Heil bei dir. 3. Hier wall' ich zwar auf In noch so drückenden Be⸗ rauhen Wegen, doch du bist schwerden hab' ich den Himmel meine Zuversicht. Auch Leiden schon auf Erden; denn du werden mir einst Segen; aus bist durch den Glauben mein. 144 Von der Erlösung der Menschen. Weg, Welt, mit deinen Schmeicheleien! Du hast nichts mehr, mich zu erfreuen. Mein Freund ist mein, und ich bin sein. Nach Wolfg. Dreßler, 1660— 1722. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 137. Dich Jesum laß ich ewig nicht; dir bleibt mein Herz ergeben. Du kennst dies Herz, das redlich spricht: Nur einem will ich leben. Nur du allein, du sollst es sein; du sollst mein Trost auf Erden, mein Glück im Him⸗ mel werden. 2. Dich Jesum laß ich ewig nicht; ich halte dich im Glauben. Nichts kann mir meine Zuversicht und meinen Glauben rauben. Der Glau⸗ bensbund hat festen Grund; du lässest dir nicht nehmen, die deiner sich nicht schämen. 3. Dich Jesum laß ich ewig nicht; aus göttlichem Erbarmen gingst du für Sünder ins Gericht und büßtest für mich Armen. Mit Dankbarkeit will allezeit ich deines Leidens Segen und deine Huld erwägen. 4. Dich Jesum laß ich ewig nicht; du stärkest mich von oben. Auf dich steht meine Zuversicht, wenn meine Feinde toben. dir; du bist bei mir. Wenn mich die Feinde hassen, wirst du mich nicht verlassen. 5. Dich Jesum laß ich ewig nicht, dich, Gottes größte Gabe. Ich weiß, daß mir kein Gut gebricht, Herr, wenn ich dich nur habe. Es soll kein Gold, das mir als Sold die Welt auch mag versprechen, je meine Treue brechen. 6. Dich Jesum laß ich ewig nicht; von dir soll nichts mich scheiden. Dem Christen ist es süße Pflicht, mit seinem Herrn zu leiden. Denn all' mein Leid währt kurze Zeit; bald ist es überstanden, und Ruh' ist dann vorhanden. 7. Dich Jesum laß ich ewig nicht; nie soll mein Glaube wanken; und wann des Leibes Hütte bricht, sterb' ich mit dem Gedanken: Mein Freund ist mein, und ich bin sein; er ist mein Schutz, mein Tröster, und ich bin sein Erlöster. Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Ich halt' an n n 9 n n „ n 138. Verhalten gegen Jesum. 14⁵ Eigene Melodie. 1668. 4 — I 4 ,t mirrintirninr riirrn e drr. SISRPSPSPI——————— Mei⸗nen Je⸗sum laß ich nicht; er hat sich für —— +2— äꝑPcæcéEéæAEAAcstsestissa!˖˖ e ——————— mich ge ⸗ ge- ben. For-dert es nicht Dank und V *—— .../—. H SSSS D Pflicht, ihn zu lie ben, ihm zu le ⸗ ben? .SPSPSPSPSPSPSPSSSSSI * Er ist mei-nes Le-bens Licht; mei- nen Je⸗ sum * aee enen D ö 10 4½ 2 2*. IL . laß ich nicht. 2. Er, in diese Welt ge⸗ sandt, uns zu lehren, uns zu retten, gab sein Leben uns zum Pfand, daß wir Gottes Gnade hätten. Nun erschreckt mich kein Gericht; denn ich lasse Jesum nicht. 3. Durch ein Herz voll Dankbarkeit, durch Gehorsam, den ich übe gegen das, was er gebeut, halt' ich fest an seiner Liebe, traue dem, was er verspricht, und so laß ich Jesum nicht. 4. So ist er mein Teil und Ruhm bis an meines Lebens Ende: ihm geb' ich zum Eigentum ganz mich hin in seine Hände. Er ist meine Zuversicht; meinen Jesum laß ich nicht. 5. Wann mein Auge schon erlischt, Wang' und Lippen sich entfärben, mich kein Labsal 10 146 mehr erfrischt, alle Sinne mir ersterben und das matte Herz nun bricht, laß ich meinen Jesum nicht. 6. Dort auch laß ich Jesum nie, hange stets an seinen Blicken; denn nach dieses Lebens Müh' will er ewig mich erquicken. Ewig strahlt mir dort sein Licht; meinen Jesum laß ich nicht. 7. Nichts auf diesem Erd⸗ kreis ist's, was des Herzens Wünsche stillet. Du, o Jesu, du nur bist's, du nur, der sie ganz erfüllet. Dich, mein Reichtum, Ruhm und Licht, dich, mein Jesu, laß ich nicht! 8. Dich, mein Jesu, halt' ich fest, lasse nichts von dir mich scheiden. Weh' euch, die ihr ihn vergeßt! ihr beraubt euch ew'ger Freuden. Selig, wer in Wahrheit spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Christian Keymann, 1607—1662. Mel. 152. Warum sollt' ich mich denn grämen ꝛe. 139. Meines Herzens reinste Freude ist nur die, daß ich nie mich von Jesu scheide, Von der Erlösung der Menschen. daß ich ihn durch Glauben ehre, jederzeit hocherfreut seine Stimme höre. 2. Freundlich ruft er alle Müden, und sein Bild, sanft und mild, gibt dem Geiste Frieden. Seine Last ist leicht zu tragen. Er macht Bahn, geht voran, tröstet, wann wir zagen. 3. Ja, er kennt die Leidens⸗ stunden; empfunden. Darum blickt, wenn seiner Brüder weint, unser Freund mitleids⸗ voll hernieder. 4. Will das Herz der Not erliegen, dann hilft er, kämpfen uns unser Herr, und siegen. Selig, wer in bösen Zeiten, in Gefahr, immerdar sich von ihm läßt leiten! 5. Jesu, treuster Freund von allen, mit dir will, froh und still, ich durchs Leben wallen. Auch der Tod kann mich nicht schrecken; denn du wirst, Lebensfürst, einst wih auferwecken. Gottl. Sam. Bürde, 1753— 1831. größern Schmerz hat kein Herz, als sein Herz einer Verhalten gegen Jesum. 14⁷ Eigene Melodie. Ad. Drese, um 1690. ö Hüüüi —+ 1 1 ᷓAIAIIIIII ee 2——— 2——— Wer ist gut wie du, Stif ⸗ ter 3*=rer Ruh'? E 0————— . Je ⸗ su, Freund der Men⸗schen ⸗ kin ⸗ der, Ret ⸗ ter 9 ö— E. 4— 1 — ö ö——— ů =., der ver⸗ lor-nen Sün⸗ der, Licht und See⸗len⸗ — 1—.—.— —2 + 1— — J J I ůV.—* 122—.— E. 49—r— III II + ruh' fließct von dir uns zu. 2. Herr der Herrlichkeit, zur bestimmten Zeit kamst du uns zum Heil auf Erden, warst zur Duldung der Beschwerden uns'rer Niedrigkeit liebevoll bereit. 3. Du hast Schmerz und Not, selbst den Kreuzestod, von der Sünde schweren Banden uns zu lösen, aus⸗ gestanden; hast durch deinen Tod uns versöhnt mit Gott. 4. Deine Majestät, König und Prophet, will ich demuts⸗ voll verehren und auf deine Stimme hören; denn dein Reich besteht, wann die Welt vergeht. 5. Zeuch zu dir mein Herz; laß in Freud' und Schmerz mich an deine Treue denken, und wann Not und Furcht mich kränken, o, so gib im Schmerz Mut und Trost ins Herz! 6. Bilde mich nach dir, daß ich eifrig hier mich in wahrer Sanftmut übe und wie du die Demut liebe; Stolz und Rachbegier herrsche nie in mir! 7. Neiget sich mein Sinn zu dem Eiteln hin, o dann 10*² 148 warne meine Seele daß sie nicht ihr Ziel verfehle! Lenke meinen Sinn auf das Ew'ge hin! 8. Wecke stets mich auf, daß in meinem Lauf nichts von dir zurück mich halte und mein Eifer nicht erkalte! Auf der Tugend⸗ bahn führ' mich himmelan! 9. In Versuchungszeit stärke mich zum Streit; laß mich wachen und mit Beten kindlich vor den Vater treten, bis nach Kampf und Streit mich der Sieg erfreut! 10. Will der Trübsal Nacht und der Bösen Macht meine Von der Erlösung der Menschen. mich dein Schild bedecken. Hab' in solcher Nacht huld⸗ reich auf mich acht! 11. Einen edlen Mut, jedes Erdengut, alles, selbst mein zeitlich Leben, dir zu liebe gib mir, höchstes Gut! freue, um zu dir zu geh'n und dein Heil zu seh'n! Joh. A. Freylinghausen, 1670—1739. Gehorsam gegen Jesum und Nachahmung seines Beispiels. 141. Mel. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. Joh. Herm. Schein, 1628. — I . Kee,— ö——— ——— ‚II Mir nach! spricht Chri-stus, un-ser Held, folgt Ver⸗leug ⸗ net euch, be- siegt die Welt mit 5— e. rn n,,.. i⸗ bi i⸗— mei⸗ nem Vor bild, Chri sten! Gebt ih⸗ ren Reiz-ung⸗ ih ⸗ren schnö-den Lü⸗sten! 6—— V. 1 4 ͤzZx 7———— SIIIↄ ꝓ 2— 2————— Ee 2 7 2 en nicht nach, er-dul- det lie ber Un ⸗ ge⸗mach! bange Seele schrecken, müsse hinzugeben, diesen Heldenmut 12. Soll's zum Sterben geh'n, laß auf dich mich seh'n und auf deine Lieb' und Treue, daß ich mich im Glauben Verhalten gegen Jesum. 149 2. Ja, Herr, dein Vorbild dich gewinnen. Wer dich als leuchtet mir zu einem heil'gen seinen Herrn verehrt und dir Leben. Wem soll ich auch wohl nicht folgt, ist dein nicht wert. sonst, als dir, zu folgen mich 7. Drum will ich treu dir, bestreben? Du zeigst den meinem Herrn, nach deinem Weg zum wahren Wohl und Vorbild wandeln, wie du im wie ich richtig wandeln soll. Kampf der Tugend gern mit 3. Dein Herz voll Gott⸗ festem Mute handeln. Denn ergebenheit war auch voll wer nicht kämpft, trägt auch Menschenliebe, voll Demut, die Kron' des ew'gen Lebens Sanftmut, Freundlichkeit und nicht davon. 5. edler Mitleidstriebe; selbst deinen Feinden wandtest du Schwing' dich auf großmütig Hilf' und Wohl⸗ zu deinem Gott ꝛc. that zu. 14„Sollt' ich jetzt noch, da 4. Dein Beispiel lehrt, was mir schon deine Güt erschienen, schädlich ist, mit weiser Vorsicht dich verlassen, Gottes Sohn, fliehen; es lehret mich, mein und der Sünde dienen? mit Herz der List und Heuchelei den Lüsten dieser Zeit wieder entziehen. O, wohl mir, wenn mich beflecken und nicht mehr ich deinem Sinn stets und die Seligkeit deiner Liebe Mel. 161. in Wahrheit ähnlich bin! 5. Du gingst als Führer einst voran, stehst auch noch mir zur Seite; du kämpftest selbst und brachst die Bahn, stärkst nun auch mich im Streite. Wie könnt' ich denn noch zaghaft sein und mich dir nachzufolgen scheu'n? 6. Wer mehr als dich sein Leben liebt, kann nicht dem Tod entrinnen; doch wer's um deinetwillen gibt, wird es durch schmecken? 2. Hab' ich doch allein bei dir meine Ruh' gefunden! Du, o Mittler, heiltest mir allemeine Wunden; und ich sollte dein Gebot wie die Sünder hassen und mein Heil aus deinem Tod mir entreißen lassen? 3. Nein, ich bin und bleib' ein Christ, folge deinen Lehren, lasse keine Macht noch List mir den Glauben wehren. Wankten Tausende, nicht mich 150 kann die Welt erschüttern. Fest steht mein Vertrau'n auf dich, warum sollt' ich zittern? 4. Zeigt die Welt ein Heil wie du? Bringt sie Kraft den Müden? Den Bedrängten Trost und Ruh'? Sündern Gottes Frieden? Gibt sie mir die Zuversicht, daß ich trotz dem Grabe deiner Ewigkeiten Licht zu erwarten habe? 5. Rettet sie mich, wann vor Gott einst die Völker stehen und das Leben und den Tod ihm zur Seite sehen? wann der Sich're nun zu spät aus dem Schlaf erwachet, und der Spötter, der hier schmäht, glaubt und nicht mehr lachet? 6. O, wie thöricht, wenn ich mich noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße; da ich weiß, auf wessen Wort ich die Hoffnung gründe, daß auch ich unfehlbar dort Gnad' und Leben finde! 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, weder Leid noch Freuden sollen, o mein Herr und Gott, je von dir mich scheiden! Sünde, Welt und Eitelkeit und des Fleisches Triebe, alles überwind' ich weit, Herr, durch deine Liebe. Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛce. 143. Du, dessen ganzes Leben das größte Beispiel ist, das jemals ward gegeben der Erde, Jesu Christ, o du, dem nach⸗ zustreben, zur höchsten Höhe weist, zu der empor erheben sich kann des Menschen Geist; 2. Mit Lieb' und Ehrfurchts⸗ thränen blickt dir mein Auge nach; unwiderstehlich' Seh⸗ nen, dir, so viel ich's vermag, zu gleichen, nachzuklimmen, schwellt meine Brust empor; mir rufen tausend Stimmen: Von der Erlösung der Menschen. „O, streb' ihm nach!“ ins Ohr. 3. Wie du in Licht und Klarheit uns Gottes Rat enthüllt; wie du im Geist der Wahrheit, was du gelehrt, er⸗ füllt; wie du mit edlem Triebe nur Wohlthun ausgeübt, mit reiner Bruderliebe die Men⸗ schen all' geliebt; 4. Wie du treu deinen Freunden in Not bliebst, in Gefahr, und dir selbst zu den Feinden noch Lieb' im Herzen war; wie sanft, Herr, dein Gemüte Beleidigung ertrug; SIFIbnn‚‚‚‚“ Verhalten gegen Jesum. mit welcher Seelengüte du Segen gabst für Fluch; 5. Wie dich durchs ganze Leben der Menschheit Glück beseelt', dem großen Zweck ergeben, wozu dich Gott er⸗ wählt'; stets eifrig zu erfüllen, was dein Beruf gebot, des Vaters heil'gem Willen ge⸗ horsam bis zum Tod; 6. Wie du von Schmerz zu Schmerzen, wie du von Schmach zu Schmach mit hohem Mut im Herzen be⸗ harrtest, bis es brach; wie du in Schmerz und Freuden fest an der Wahrheit hingst und freudig auch durch Leiden zu der Vollendung gingst: 7. So sei's, dir nachzustreben, mir Freude, Seligkeit, o Jesu, Trost und Leben, Weg zur Unsterblichkeit! Durch deine reine Lehre, durch deines Wan⸗ dels Licht ein Leben dir zur Ehre sei meine höchste Pflicht! Zweibr. Gesangbuch, 1804. Freimütigkeit im Bekennt⸗ nisse seiner Religion. Mel. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛe. 144. Hoch begnadigt von dem Herrn und von seinem 151 Sohne, bleibet Gott getreu, bekennet gern seinen Sohn, an den ihr gläubet! Eifer und Beständigkeit übe, wer sich Christi freut! 2. Sanft und leicht ist Jesu Joch; denn was kann bei ihm euch fehlen? O, wie selig seid ihr doch durch den Retter eurer Seelen! Welche Wonn' und Herrlichkeit wartet euer nach der Zeit! 3. Freue deines Glaubens dich, deines Gottes, seines Sohnes! Deine Seele rühme sich ihrer Hoffnung, ihres Lohnes, frei, voll Mut und unverstellt, freudig vor der ganzen Welt! 4. Hat gleich sein Bekennt⸗ nis hier seine Leiden und Beschwerden, dennoch seid ge⸗ treu, denn ihr sollet ewig selig werden. Was ist gegen solch ein Glück dieses Lebens Augenblick? 5. Schämt euch seiner Lehre nie vor den Frevlern, vor den Spöttern, wenn sie ihn ver⸗ schmäh'n, wenn sie sich und ihren Witz vergöttern! Was vermag der Lästrer Spott wider Jesum, wider Gott? 152 6. Was vermag er wider euch? Welche Macht kann euern Glauben, Gottes Bei⸗ fall, Gottes Reich und des Himmels Wonn' euch rauben? Haltet eure Kronen fest! Wehe dem, der Gott verläßt! 7. Welchen Kampf hat euer Herr hier für euer Heil ge— stritten! Jene Schar der Märtyrer, was hat sie für ihn gelitten! Schmach und Marter, selbst den Tod litten sie getrost für Gott. Von der Heiligung des Menschen. S8. Und der Spötter Witz und Hohn könnten euer Herz verführen, euern Anteil an dem Sohn, an dem Himmel zu verlieren? Wanket, Christen, he wanket nie; fleht um Rettung auch für sie! 9. Seid getreu bis in den Tod! denn ihr glaubet nicht ver⸗ gebens. Nach dem Tode führt euch Gott zu der Wonne jenes Lebens, und nach einem kurzen Streit krönt euch seine Herrlich⸗ keit. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. VI. Pon der Heiligung des Menschen. Pfingstlieder. Von dem heiligen Geiste. Mel. 58. Freu' dich sehr, o meine Seele ꝛc. 145. Geist des Herrn, der von dem Throne einst auf jene Boten kam und,‚, ver⸗ heißen von dem Sohne, sie zu seiner Wohnung nahm, ihrer Sehnsucht Fleh'n gestillt, sie mit neuer Kraft erfüllt, komm zu mir herab, ich flehe, komm aus deiner sel'gen Höhe! 2. Ganz von deiner Kraft durchdrungen, wie erhellt ward ihr Verstand! Dank und Preis ward dem gesungen, der dich, Geist des Herrn, gesandt. Ach, erleuchte meinen Geist, daß er sich der Nacht ent⸗ reißt! Laß dein Licht auch mich empfinden, mich bei dir Belehrung finden! 3. Ach, erwärme, Geist der Liebe, mein erstorb'nes, träges Herz für der Tugend fromme ft d 8 „ t. , r V 0 Triebe; richte du es himmel⸗ wärts, fern von diesem Pilger⸗ land hin ins bess're Vaterland! O wie glücklich wird auf Erden dann schon meine Seele werden! 4. Sei du mir ein Geist der Gnade und hilf meiner Schwachheit auf! Führe mich Nauf deinem Pfade und be⸗ förd're meinen Lauf! Reize, wecke, rühre mich, daß, der dich einst sandte, sich über den Gehorsam freue, den ich deiner Lehre weihe! 5. Heil'ge mich zu jedem Werke christlicher Rechtschaffen— heit! Sei mir Antrieb, Kraft und Stärke, treu zu nützen meine Zeit; laß mich auf der Tugend Bahn immer mehr dem Ziele nah'n und durch dich schon hier auf Erden heilig und dir ähnlich werden! 6. Laß in trüben Augen⸗ blicken deinen Trost mir nahe sein! laß ihn dann mein Herz erquicken, wann mich sonst nichts kann erfreu'n! Sei mir hier im Pilgerland meiner Kindschaft Unterpfand, bis ich zum Genuß gelange und das Erbteil selbst empfange! Chr. G. L. Meister, 1788—1811. Von dem heiligen Geiste. 153. Mel. 37. Schwingt, heilige Gedanken ꝛe. 146 O Geist, den Jesu Liebe auch mir verheißt, auch mir, ich fühle deine Triebe und danke dir dafür. Dein Tempel sei mein Herz! Lehr' mich die Wege wallen, die meinem Gott gefallen, und führ' mich himmelwärts! 2. O, laß mich tief empfinden des neuen Geistes Kraft, die Kraft, die mir von Sünden Hilf' und Errettung schafft! Erhebe meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste dich ehr' und alles leiste, was ich Gott schuldig bin! 3. Mit allen andern Reben genieß' und fühl' auch ich des rechten Weinstocks Leben, in ihn versetzt durch dich. Gib, was mein Vater sucht, daß ich zum Erntetage die Frucht des Glaubens trage, der guten Werke Frucht! 4. Du lehrest beten; lehre, wie ich mich glaubensvoll, daß mich der Vater höre, ihm kindlich nahen soll! Durch dich wird mein Gebet des Himmels beste Gaben von dem zu hoffen haben, der Seufzer auch versteht. 154 5. Du bist ein Geist der Freuden; wertrauert, kenntdich nicht; so leuchte mir im Leiden auch deines Trostes Licht! Ach, nimm dich meiner an! Du hast in deinem Worte mir selbst des Himmels Pforte so liebreich aufgethan. 6. Du bist ein Geist der Lie⸗ be, willst nicht, daß Haß und Neid der Christen Herz betrübe, liebst Fried' und Einigkeit. Laß allen Streit uns flieh'n, uns Rach' und Zorn verdam⸗ men; von deiner Liebe Flam⸗ men laß aller Herzen glüh'n! 7. Erhebe dich und steu're den Kriegen, und dein Blick, dein Blick voll Huld erneu're verheerter Länder Glück! Friedsame Bürger laß in sichern Hütten wohnen, ent⸗ ferne von den Thronen List, Schmeichelei und Haß! 8. Hilf allen Obrigkeiten; bau' unsres Fürsten Thron! Beglücke seine Zeiten! Sei du sein Schild und Lohn! Den Alten gib Verstand, Gelehrig⸗ keit der Jugend, und Gottes⸗ furcht und Tugend schmück' unser ganzes Land! 9. Gib zweifelnden Ge⸗ mütern den Glauben, der Von der Heiligung des Menschen. erfreut, mit allen wahren Gütern auch wahre Dank⸗ barkeit! Vertreib' den bösen Geist, der dir sich widersetzet und das, was dich ergötzet, aus unsern Herzen reißt! 10. Gib Freudigkeit und Stärke zum Kampf im Glau⸗ ben; gib, der Sünde Reich und Werke zu hindern, Mut und Trieb! Hilf streiten ritterlich! Laß jeden überwinden und keinen mehr den Sünden zum Dienst ergeben sich! I1. Richt' unser ganzes Leben nach deinem Willen ein, damit wir Gott ergeben selbst auf den Tod uns freu'n! Kommt dann der letzte Streit, so hilf getrost uns sterben und nach dem Tod ererben des Himmels Seligkeit! Nach Paul Gerhard, 1607—1676. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 147. O heil'ger Geist, kehr! bei uns ein und laß uns deine Wohnungsein; komm, Beistand uns'rer Seelen! Erleucht' uns durch dein göttlich Licht, entzieh' uns deine Hilfe nicht und rat' uns, wenn wir fehlen! Reine Freuden, göttlich Leben willst du geben, wenn wir beten; sieh uns glaubig zu dir treten! die Weisheit fließt, die sich in fromme Seelen gießt, ergieß dich in uns alle, daß dir die ganze Christenheit in wahrer Glaubenseinigkeit und Heilig⸗ keit gefalle! Laß uns alle deiner Wahrheit Himmelsklar⸗ heit froh erkennen, Jesum unsern Heiland nennen! 3. Gib Kraft und Nachdruck deinem Wort; laß es wie Feuer immerfort in unsern Seelen brennen! Hilf, Jesum uns von Herzensgrund, mit Thaten mehr, als mit dem Mund, vor aller Welt bekennen! Neue Treue gib uns Schwachen! Lehr' uns wachen, stärk' den Glauben; laß uns nichts die Krone rauben! 4. Gib allen Weisheit und Verstand, den rechten Weg ins Vaterland, den Glaubensweg zu wandeln! Laß Sünd' und Ungerechtigkeit uns standhaft flieh'n und jederzeit gerecht und redlich handeln! Jesus Christus, hilf uns allen, die hier wallen, schon auf Erden Bür⸗ ger deines Himmels werden! 5. Im Leiden schenk' uns Mut und Kraft! Laß uns in uns'rer Pilgerschaft nie träg und zag⸗ Von dem heiligen Geiste. 2. Du Quell, aus dem haft werden! 15⁵ Von dir ver⸗ lassen, sinken wir; wenn du uns stärkst, so siegen wir in jedem Kampf auf Erden. Endlich, endlich wird doch Friede ew'ger Friede und die Krone deinen Siegern dort zum Lohne. 6. Uns Kindern eines Vaters sei die Eintracht heilig, daß wir treu die Pflicht der Liebe üben und in der kurzen Lebenszeit durch Neid und Haß und Bitter⸗ keit einander nicht betrüben! Immer müssen Liebe, Güte, Treue, Friede bei uns wohnen und des Lebens Mühe lohnen! 7. Dein Ruf: Ihr sollet heilig x ein! Idringt tief in unsre Herzen ein; sei du nur unsre Stärke! Bild' uns zum Volke, das dich ehrt, Gott angenehm, den Menschen wert durch wahre gute Werke! Endlich laß uns überwinden, frei von Sünden dort empfahen, was wir hier im Glauben sahen! Mich. Schirmer, 1606—1673. Mel. 58. Freu' dich sehr, o meine Seele ꝛe. 14„Der du uns als Vater liebest, treuer Gott, und deinen Geist denen, die dich bitten, ibest, ja uns um ihn flehen heißt; demutsvoll bet' ich 156 Von der Heiligung des Menschen. zu dir: Vater, send ihn auch zu mir, daß er meinen Geist erneue und ihn dir zum Tempel weihe! 2. Ohne ihn fehlt meinem Wissen Leben, Kraft und Fruchtbarkeit; denn mein Herz bleibt dir entrissen und dem Dienst der Welt geweiht, wenn er nicht durch seine Kraft die Gesinnung in mir schafft, daß ich mich ganz dir ergebe und zu deiner Ehre lebe. 3. Dich auch kann ich nicht erkennen, Jesu, noch mit echter Treu' meinen Gott und Herrn dich nennen, stehet mir dein Geist nicht bei. O, so laß ihn denn auf mich künftig wirken, daß ich dich glaubensvoll als Mittler ehre und auf deine Stimme höre! 4. Ew'ge Quelle wahrer Güter, hochgelobter Gottes⸗ geist, derdumenschliche Gemüter besserst und mit Trost erfreust, nach dir, Herr, verlangt auch mich; ich ergebe mich an dich. Mache mich, zu Gottes Preise, heilig und zum Himmel weise! 5. Fülle mich mit heil'gen Trieben, daß ich Gott, mein höchstes Gut, über alles möge Mut seiner Vaterhuld mich freu' und mit wahrer Kindes⸗ treu' stets vor seinen Augen wandle und rechtschaffen denk' und handle! 6. Geist des Friedens und der Liebe, bilde mich nach deinem Sinn, daß ich Lieb' und Sanft⸗ mut übe und mir's rechne zum Gewinn, wenn ich je ein Frie⸗ densband knüpfen kann, wenn meine Hand zur Erleicht'rung der Beschwerden kann dem Nächsten nützlich werden! 7. Lehre mich, mich selbst er⸗ kennen, die verborg'nen Fehler seh'n, sie voll Demut Gott be— kennen und ihn um Vergebung fleh'n; mache täglich Ernst und Treu', sie zu bessern, in mir neu! Zu dem Heiligungsgeschäfte gib mir immer neue Kräfte! 8. Wann der Anblick meiner Sünden mein Gewissen nieder⸗ schlägt; wann sich in mir Zweifel finden, die mein Herz mit Zittern hegt; wann mein Aug' in Nöten weint, und Gott nicht zu hören scheint: gib dann, daß es meiner Seele nicht an Trost und Stärkung fehle! 9. Was sich Gutes in mir lieben, daß ich mit getrostem findet, ist dein Gnadenwerk in mir; selbst den Trieb hast du entzündet, daß mich, Herr, verlangt nach dir. O, so setze durch dein Wort deine Gnaden⸗ wirkung fort, bis sie durch ein selig Ende herrlich sich an mir vollende! David Bruhn, 1727—1782. Mel. 519. Gott des Himmels und der Erden ꝛc. 149. Komm, o komm, du Geist des Lebens, hilf uns Schwachen mächtig auf! Wir bemüh'n uns sonst vergebens hier in unserm Pilgerlauf um das Heil, das Gottes Rat für uns ausersehen hat. 2. Gib in unser aller Seelen Weisheit und Ent⸗ schlossenheit, daß wir anders nichts erwählen, als was uns dein Wort gebeut! Steh' mit deinem Licht uns bei und mach uns von Irrtum frei! 3. Zeig' uns selbst die rechten Stege zu der wahren Wohl⸗ fahrt an; räume alles aus dem Wege, was daran uns hindern kann;z wirke Reue nach der That, wenn der Fuß gestrauchelt hat! 4. Wenn Gefahr und Not am größten, steh' mit deiner Kraft uns bei, und dein Von dem heiligen Geiste. 15⁷ Gott unser Vater sei, daß des treuen Vaters Zucht nur der Kinder bestes sucht! 5. Treib' uns, daß wir zu ihm treten kindlich und mit Freudigkeit, nur nach seinem Willen beten, und vertritt uns allezeit! Dann erhört Gott unser Fleh'n, daß wir seine Hilfe seh'n. 6. Wird uns auch um Trost oft bange, seufzt das Herz voll Traurigkeit: Ach, mein Gott, mein Gott, wie lange? o, so wende unser Leid; sprich der Seele liebreich zu, gib ihr Mut, Geduld und Ruh'! 7. O du Geist der Kraft und Stärke, der in uns das Gute schafft, förd're in uns deine Werke und im Kampfe gib uns Kraft, wenn Ver⸗ suchung auf uns dringt, daß uns dann der Sieg gelingt! 8. Ja, bewahr' uns unsern Glauben, daß Verfolgung, Schmach und Spott ihn uns niemals möge rauben! Du bist unser Schutz, o Gott! Sagt das Herz gleich zwei⸗ felnd: Nein! dein Wort laß gewisser sein! 9. Wann wir endlich sollen Zeugnis soll uns trösten, daß sterben, o so steh' mit Trost 158 Von der Heiligung des Menschen. uns bei; gib, daß uns, als Gotteserben, jene Herrlichkeit erfreu', die der Vater uns bestimmt und die nie ein Ende nimmt! Heinr. Held, gest. um 1660. Mel. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛc. 150. Nicht um ein flüchtig Gut der Zeit, ich fleh' um deinen Geist, Gott, den zu meiner Seligkeit dein teures Wort verheißt. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, o Vater, lehr' er mich; die Weisheit, die das Herz entflammt zur Liebe gegen dich! 3. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit; gern thun, was Mel. Herr Jesu Christ, 151. (oder: Mel. 80. Vom Himmel hoch, da komm' ich her.) 16 dir gefällt, wirkt edlere Zu⸗ friedenheit, als alles Glück der Welt. ä 4. Alsdann hab' ich Ver⸗ trau'n zu dir; dann schenket selbst dein Geist das freudige Bewußtsein mir, daß du mir gnädig sei'st. 5. Er leite mich zur Wahr⸗ heit hin; zur Tugend stärk' er mich; beweise, wann ich traurig bin, auch mir als Tröster sich! 6. Er schaff' in mir ein reines Herz, versiegle deine Huld und er bewaffne mich in Schmerz mit Mut und mit Geduld! Chr. Fr. Neander, 1724—1802. dich zu uns wend' ꝛc. 51. — 5.— —.— 2—4 —— J* +— IAI—..;.2 2.—— 1. 2——— An ⸗be⸗ tung sei dir, Gott, ge-bracht! Du 0— ö ——.— + SSE. — n, n. ann—.—— hast uns die ⸗sen Tag gemacht. Dich prei⸗ se, wer durch — +4 + ———.——— IS —— 1— Z 7 2——— Je⸗ sum Christ er⸗leuch⸗ tet und ge= hei ligt ist! 2. Der Erdreis lag in Nacht verhüllt, mit Wahn und Götzendienst erfüllt; da strahlte, Herr, der Wahrheit Licht von deinem Vater⸗ angesicht. 3. Auf Jesu Boten kam die Kraft des Geist's, der alles Gute schafft. In fremden Sprachen that ihr Mund, Gott, deine großen Thaten kund. 4. Vom Geist ermutigt geh'n sie gern und sammeln Jünger ihrem Herrn. Vom Aufgang bis zum Nieder⸗ gang wird alles Licht und Lobgesang. 5. Umsonst bestürmt sie Grimm und Spott; sie s senen stark durch ihn, o Gott! Ihr Schutz ist Jesus und ihr Ruhm sein teures Evangelium. Von dem heiligen Geiste. 159 6. Und ihrer Predigt froher Schall erfüllt den Erdkreis überall, und selbst die fernste Nation kennt dich und Jesum, deinen Sohn. 7. Noch dauert dieser Segen fort; noch siegt, o Ewiger, dein Wort, und daß wir glauben, danken wir dem Glanze jenes Lichts von dir. 8. Erhalt' uns deiner Wahrheit treu, mach' uns von Sünd' und Irrtum frei; dein Geist treib'ꝰ uns zum Guten an und leit' uns auf der Tugendbahn; 9. Bis wir dereinst im hellern Licht von Angesicht zu Angesicht dich schau'n und in des Himmels Höh'n durch dich auch uns verherrlicht seh'n! Chr. Chr. Sturm, 1740— 1786. Mel. Warum sollt' ich mich denn grämen ꝛe. 178⁵. 25— — ö—.— 7 2— —.. 2.—. 12.—— 1 1———— Höch ⸗ster Trö ⸗ ster, komm her ⸗ nie ⸗ der! — uere Fntmn naut vidrrar.uss᷑ E ,un,,——*—— —2——.—— 1 Geist des Herrn, sei nicht fern, stär ⸗-ke Chri⸗- sti 160 Von der Heiligung des Menschen. — 2—1— 9 17 nnn.—.— ů 12————— 5 EESEEEEEE— — +I 1.. + I— H— 1 47 5.*—— Glie-der! Er, der nie sein Wort ge ⸗ bro ⸗chen, ö—— ů —E——— I—— +.—— 1— LNI— 1 2 2— 2351 1. 2 —703 245— +———.—— Je⸗ sus hat dei⸗ nen Rat ei ⸗ nem Volk ver⸗ V 2— — II i—II E 2. Lehr' auf Jesum uns vertrauen, in der Not und im Tod glaubig auf ihn schauen! Wann das Auge reu'voll thränet, rufe du dann uns zu: Ihr seid Gott ver⸗ söhnet! 3. Geist der Weisheit, gib uns allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott ge⸗ fallen! Lehr' uns kindlich vor ihn treten, sei nicht fern, Geist des Herrn, lehr' uns glaubig beten! 4. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen! Gib uns Mut, Fleisch und Blut, Sünd' und Welt zu dämpfen! Laß uns Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Not, Schmerz und Tod nicht von Jesu scheiden! 5. Hilf uns nach dem Höchsten streben, schenk' uns Kraft, tugendhaft und gerecht zu leben! Gib, daß wir nie stille stehen; treib' uns an, froh die Bahn unsers Heils zu gehen! 6. Sei in Schwachheit unsre Stärke; steh' uns bei, mach' uns treu in der Tugend Werke! Führ', wann Gott uns nach dem Leide sterben heißt, unsern Geist zu des Himmels Freude! Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 153. Bringt diesem Tage Ruhm und Preis; er sei in frommer Christen Kreis ein Tag der Freud' und Wonne! Von ihm ging aus in alle Welt das Licht, das unsern —28 2.———+ 760 770 7— 2——————— ⏑ Von dem heiligen Geiste. 161 Geist erhellt, der ew'gen Wahr⸗ kehrte wieder, daß die Erde heit Sonne. Mächtig, kräftig sich bewährend, allverklärend, — Preis ihm, Ehre!— siegte durch ihn Christi Lehre. 2. Mit Kraft des Himmels wunderbar erhob er der Apostel Scharzur höhern, hellern Wahr⸗ heit. Nicht mehr der Furcht, der Zweifel Spiel, sah'n ihrer Sendung hohes Ziel sie nun in voller Klarheit. Hoher Auf⸗ schwung, Geist und Leben ward dem Streben, rings auf Erden Boten ihres Herrn zu werden. 3. Und nicht Verfolgung, Schmach und Spott schied sie von dem erkannten Gott, von dem durch ihn Gesandten, nicht der Gewalt, der Macht Gebot. Sie achteten nicht Schmerz und Tod, und ihre Herzen brannten; unbeweglich ihm ergeben, ward sein Leben ihnen Spiegel und ihr Tod der Wahrheit Siegel. 4. Da wurden Hörer ohne Zahl von ihres Wortes Himmelsstrahl erleuchtet und entzündet; bis zu den fernsten Völkern hin— der Mensch⸗— heit Segen und Gewinn!— ward Christi Reich gegründet. Gottes Friede kam hernieder, seiner Liebe Schauplatz werde. 5. Wert ist der Tag, daß ihr ihn preist; der Geist des Herrn, des Lichtes Geist, ist von ihm ausgegangen. Ein und dasselbe Kindesrecht winkt jetzt dem menschlichen Ge⸗ schlecht, sich liebend zu um⸗ fangen. Deine Schrecken, Grab, verschwanden, es entwanden sich dem Staube glorreich Christi Lehr' und Glaube. 6. Sei, Tag des Heils, gebenedeit, du bist ein Tag, von Gott geweiht, zu heil' gen Christi Namen. Verbreiten mög' er mehr und mehr des hohen Namens Ruhm und Ehr', und alle Welt sprech': Amen! Immer weiter mög' auf Erden herrschend werden Licht und Klarheit und das Reich des Rechts, der Wahrheit! Joh. Friedr. Schink, 1755—1835. Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛc. 154. Preist, Völker, die ihr Christen seid, durch Gottes Geist belehrt; ein Herz voll Dank sei ihm geweiht, der Jesu Ruhm verklärt! 2. Er kommt mit seiner Wunderkraft, mitseinem Trost, 11 162 der Geist, der Jesu Lehre Sieg verschafft, des Sieges Kraft beweist. 3. Sie, die Verzagten, werden kühn, ihr sprachen⸗ reicher Mund macht den, der uns zum Heil erschien, auch fernen Völkern kund. 4. Der Tempel der Ab⸗ götterei wird Gottes Heilig⸗ tum, die Welt vom Aber⸗ glauben frei, der Götzen Ausspruch stumm. 5. Zerstreuet wird des Irr⸗ tums Nacht, die ganze Völker deckt; besiegt des Aber⸗ glaubens Macht, womit er droht und schreckt. 6. Der Geist des Herrn erhebt das Herz, das Jesu Dienst sich weiht, und bei des Lebens größtem Schmerz wird es durch ihn erfreut. 7. Sein Beistand treibt mit Gottes Kraft zu großen Thaten an, bezwingt die Macht der Leidenschaft, daß sie nicht siegen kann. 8. O, sei auch uns Licht, Trost und Kraft, die wir uns deiner freu'n, du Geist, der alles Gute schafft, laß uns dein Tempel sein! Joach. Christ. Grot, 1733—1801. Von der Heiligung des Menschen. Mel. 27. Allmächtiger, dir singen wir ꝛe. 155. Dem Gott der Wahr⸗ heit Preis und Dank! Er läßt die Wahrheit siegen; vergebens schreckt Gewalt und Zwang, sie kann nicht unterliegen. Menschen, Gottes Ebenbild er⸗ hebt und heiligt, stark und mild, der Geist des guten Gottes. 2. Die Lehre Jesu, fest und klar, gewähret Licht und Frie⸗ Den den; doch als sie neue Lehre war, wie kämpfte sie hienieden! Wie drohte Dürftigkeit und Not, Verfolgung, Schmach und Schmerz und Tod den Jüngern des Erlösers! 3. Sie harrten aus mit frohem Mut, von Gottes Geist durchdrungen; vergossen ward der Lehrer Blut, 15 Lehre nicht bezwungen; wandten Völker sich vom Wahn und beteten den Höchsten an im Geist und in der Wahrheit. 4. Das Heil, in Wahrheit und im Geist den Höchsten anzuflehen, den alles, was da lebet, preist, den reine Herzen sehen, dem wir uns 191 der ebnen Bahn der Pflicht und Tugend selig nah'n, bleibt fest auch uns bewahret. 5. Umsonst erhob sich Droh'n und Zwang, die Wahr⸗ heit wird erhalten; dir, Gott der Wahrheit, Preis und Dank! du wirst auch ferner walten. Wir wollen deine Wege geh'n und mit Ver⸗ trau'n gen Himmel seh'n: das Gute bleibet ewig. G. W. Ch. Starke, 1762—1830. Von der Verbreitung des Evangeliums. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 156. Dem finstern Erdkreis ist vom Herrn ein helles Licht erschienen. Es leuchtet nah', es leuchtetfern. Zahllose Völker dienen den toten Göttern nun nicht mehr; sie kennen ihn, den Herrn, und er läßt sie im Lichte wandeln. 2. Kaum sandte Gott durch seinen Sohn der Erde große Freuden, so sammelt er sich selber schon die Erstlinge der Heiden. Der Wahrheit Bild, ein schöner Stern, führt sie zu ihrem neuen Herrn; sie kommen, anzubeten. 3. O wär' uns nicht dein Licht, o Gott, so hell und rein erschienen: wir würden der Vernunft zum Spott noch Von der Verbreitung des Evangeliums. 163 jetzt den Götzen dienen. Nicht sie, nicht eigne Würdigkeit, nur deine Huld hat uns befreit von jenen Finsternissen. 4. Drum laß mit froher Dankbarkeit uns nun im Lichte wandeln und in der gnaden⸗ reichen Zeit stets fromm und weise handeln, auf dich, bei treu erfüllter Pflicht, zufrieden und voll Zuversicht in Not und Tod vertrauen! 5. Wer noch sein Thun vom Wissen trennt, nicht ehret deinen Willen, der müsse, weil er dich erkennt, auch seine Pflicht erfüllen! Nichts helfen Opfer des Gebets dem, der da glaubet und noch stets der Sünde sklavisch dienet. 6. Und wo noch bange Dunkelheit und falsche Schat⸗ ten liegen, wo Irrtum, Wahn und Sinnlichkeit noch Sterb⸗ liche betrügen, auch da geh' nun im Siegeslauf das schöne Licht der Wahrheit auf, daß alle Welt dir diene! Joh. Adolf Schlegel, 1721—1793. Mel. 132. Jesu, meine Freude ꝛe. 157. Wort von Gott ge⸗ geben, Wort voll Heil und Leben, Evangelium! du ver⸗ 11⁷ 164 Von der Heiligung des Menschen. kündigst Freude uns im tiefsten Leide zu des Höchsten Ruhm. Seinen Bund machst du uns kund; seinen Frieden, ew'gen Segen bringst du uns entgegen. 2. Was den Menschen allen Gottes Wohlgefallen auser⸗ sehen hat; was sonst dunkle Schatten vorgebildet hatten, das vollführt sein Rat. Nun ist klar, was dunkel war, daß sich seiner Gnad' und Treue stets die Menschheit freue. 3. Alles ist vollendet, Gott hat den gesendet, der verheißen war. Jesus hat sein Leben für uns dargegeben auf dem Blutaltar. Er, erhöht zur Majestät, hat bestätigt seine Lehre von dem Thron der Ehre. 4. Alle, die sie hören, sich zu Gott bekehren, finden Trost und Heil. Immer höh're Freuden werden, wann sie scheiden, dort ihr ew'ges Teil. Gott vergibt uns, die er liebt, wenn wir von der Sünde lassen, Mut zur Tugend fassen. 5. Ich will mein Vertrauen auf dies Trostwort bauen, Jesu, dir mich weih'n. Fromm, wie du zu leben, soll hier mein Bestreben, meine Freude sein! So werd' ich auch einst durch dich, o mein Heiland, selig sterben und den Himmel erben. Nach Heinr. Cornel. Hecker, 1699—1743. Von der Gründung und Er⸗ weiterung der christlichen Kirche. Mel. 219. Gott des Himmels und der Erden ꝛe. 158. Herrlich ist's in deinem der erlösten Schar! Jede Sinnenlust ent⸗ Reiche, König weiche; dennoch beutst du Wonne dar, Wonne, die den Geist erhöht und dem Strom der Zeit entgeht. 2. Was sind Rang und eitle Schätze? Was sind Kronen dieser Welt? Freunde deiner Reichsgesetze sind einst Engeln zugesellt. Edel handeln ist ihr Ruhm, deine Huld ihr Eigen⸗ tum. 3. Hier ist Weisheit, hier ist Tugend, wo dein großer Geist regiert, wo das Alter, wo die Jugend sich mit deinem Sinne ziert. Selbst der Sün⸗ der preist sein Glück, eilet er zu dir zurück. 4. Ja, du herrschest nicht mit Strenge, nur von Liebe wallt dein Herz, und du lockst der Menschen Menge nur hin⸗ weg von Angst und Schmerz. Selig, wer dir seine Zeit, seine Kraft, sein Leben weiht! 5. Mag der Krieg die Welt zerrütten,— Friedeschwebtum deinen Thron. In Palästen, in den Hütten, groß ist überall dein Lohn. Jeder, jeder, der dich ehrt, ist und bleibt dir ewig wert. Frevler alle, rüstet sich der Spötter Heer; ach, sie nahen sich dem Falle, und dann toben sie nicht mehr. Ewig wird dein Reich besteh'n; Wahrheit kann nicht untergeh'n. 7. Reiche dieser Welt ver⸗ schwanden, Kronen sanken in den Staub; aber seit dein Reich entstanden, ward es nie der Zeiten Raub. Jetzt noch blickt dein Unterthan hoch entzückt zu dir hinan. 8. In den fernsten Himmels⸗ strichen glänzt, o Herr, dein mildes Licht. Thoren nur, die dir entwichen, sehen seine Strahlen nicht; doch der Weise bleibt dir treu, und du machst ihn groß und frei. 9. Mehre selbst die Zahl der Weisen, Herr, erweit're dein Gebiet und laß einst auch Von der Gründung und Erweiterung der christlichen Kirche. 165 den dich preisen, der noch blind vor Götzen kniet! Zeig' uns allen nach der Zeit deines Reiches Herrlichkeit! Joh. Wilh. Reche, 1763—1835. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 159. Noch siehst du nicht, umhüllt von Nacht, o Mensch, 6. Droh'n dir gleich—— Gottes Huld und Macht im stillen vorbereitet. Voll heil'ger Größe ist sein Gang. Zwar dünket dir der Weg zu lang, auf dem das Gute schreitet; aber mutvoll kannst du trauen, Gott wird bauen seinen Garten und den Keim des Guten warten. 2. Umwölkt ist noch die Zu⸗ kunft mir; doch fleh' ich schweigend auf zu dir: Laß, Gott, dein Reich uns kommen! Ja, Herr, es kommt gewiß dein Reich. Schon ist es da, mit ihm zugleich das Heil für alle Frommen. Dein Sohn hat schon es gegründet; fest verbindet, o ihr Brüder, uns die Tugend einst als Glieder. 3. Die Morgensonne kommt gewiß, muß gleich erst Licht und Finsternis in kurzem Kampfe liegen. Ist nur die Dämmerung vorbei, dann wird, von düstern 166 Nebeln frei, der Glanz der Wahrheit siegen. Herrlich hebt sich dann die Sonne, und mit Wonne preisen alle deine Kinder einst dich, alle! J. Z. H. Hahn, 1768-1826. Mel. 426. Mein Jesus ist mein Leben ꝛe. 160. Ach, bleib' mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, damit kein Feind uns schademitseiner Macht undList! 2. Entzieh' uns deine Lehre, das Wort der Wahrheit, nicht; durch ihre Kraft gewähre uns immer Trost und Licht! 161. Von der Heiligung des Menschen. 3. Laß deinen Geist uns treiben, daß wir, von Irrtum frei, bei deiner Wahrheit bleiben, dir folgsam, dir getreu! 4. Hilf uns die Lüste dämpfen, hilf uns den Reiz der Welt und ihre Macht bekäm⸗ pfen, du sieggewohnter Held! 5. Komm uns mit Kraft ent⸗ gegen, hilf unsrer Schwachheit auf und stärke das Vermögen zum sichern Tugendlauf! 6. Ja, bleib' mit deiner Treue bei uns, Herr unser Gott! Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not! Josua Stegmann, 1588—1632. Von der christlichen Besserung. Vorbereitungs⸗Lieder, sowie am jährlichen Buß⸗und Bettage. Erkenntnis der Sünde und Bitte um Vergebung derselben. Mel. Schwing' dich auf zu deinem Gott ꝛe. Joh. Crüger, 1658. du nimmst die 7„ V.2—— 1 WSSSSS x I —5 +*—, Du, den mei ⸗ ne See⸗ le liebt, Va⸗ter al⸗ ler sieh', zu dir, der gern ver⸗gibt, komm' ich schuld⸗be⸗ 6—5* —.2——.——— — II +1 4 +2 1— ———————— 2——.— 4 1 E———— 2.—— Gna ⸗- den, Sün ⸗der an, ———————— HAl err — 2oHes H ISEKA 167 Von der christlichen Besserung. .— 4 ⁵ S.SSSISSSISSSI.. — wenn sie mit den 0 ren wah ⸗ rer Reu*Ee 9—— —..—2 I II dir sich nah'n und zu Weil ich nicht den Weg gwahl, den dein Sohn ge⸗ wandelt, hab' ich oft und viel gefehlt, nicht wie er gehandelt. Ich erkenne meine Schuld; voll der tiefsten Reue fleh' ich auf zu deiner Huld: Vater, ach, verzeihe! 3. Leite mich nach deinem Rat; laß mich deinen Willen so, wie unser Heiland that, treu und froh erfüllen! Regt sich Schwachheit noch in mir, stärke meine Seele, daß sie, Höchster! fest an dir, nicht ihr Heil verfehle. 4. Was kann ich doch ohne dich auch beim besten Willen? Ach, du weißt's, zu schwach bin ich, ganz ihn zu erfüllen. Drum laß deines Geistes Kraft stets mein Herz regieren, und er, der den Willen schafft, helf' ihn auch vollführen! ö 1— ö 4—.* —————— 2—.—3 11— ö 655— Zweibr. Gesangbuch, 1804. dir be ⸗ keh ⸗« ren. Mel. 422. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. 162. Ach. wann werdẽ ich von der Sünde, Gott, mein Vater, völlig frei, daß ich ganz sie über⸗ winde, ganz dir wohlgefällig sei? Noch nicht kann ich mich entwöhnen, ihren Lockungen zu fröhnen; ach, zu oft ereiltsiemich und verführt mich wider dich. 2. Wenn mein Geist in sel'gen Stunden mit der Wahr⸗ heit sich genährt, hab' ich oft das Glück empfunden, das die Frömmigkeit gewährt, habe nichts so sehr hienieden mir gewünscht als innern Frieden, als ein Herz, ganz dir geweiht und der Tugend Seligkeit. 3. Voll von heiligen Ent⸗ schlüssen, schwur ich dann, dir treu zu sein und mit wachen⸗ dem Gewissen reiner Tugend mich zu weih'n; willig wollt' ich da mein Leben dir, mein Gott, zum Dienst ergeben, 168 aller Sünde widersteh'n, stand⸗ haft deine Wege geh'n. 4. Aber ach, zu schnell empöret sich der Leidenschaften Macht; sie verdunkelt, schwächt und störet, was ich sonst so gut bedacht. Plötzliche Ver⸗ suchungszeiten, Beispiel, Reiz der Eitelkeiten, deren Menge mich umringt, das ist's, was zum Fall mich bringt. 5. O ich Armer, dem zur Treue feste Seelenstärke fehlt, den so oft aufrichtge Reue und so oft doch fruchtlos quält! Ach, wer wird von allem Bösen, allen Mängeln mich erlösen, und wann bin ich ganz befreit von dem Joch der Sinnlichkeit? 6. Du verzeihst, Gott, die Gebrechen meiner sündigen Natur; nicht die Schwachheit wirst du rächen, bösen Vorsatz strafst du nur. Hätt' den Trost ich nicht, ich würde unter meiner Fehler Bürde ganz erliegen und mich dein, höchstes Gut, nie können freu'n. leben, daß ich doch von Heuchelei und von Bosheit ferne sei! 8. Wenn ich wanke, laß mich's merken, laß mich streben, fest zu steh'n; eile, mich, dein Kind, zu stärken, lehre selbst mich, sich rer geh'n; warne mich, sei mein Begleiter; täglich führe, Gott, mich weiter, bis ich in der Ewigkeit dringe zur Vollkommenheit! Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 73. Gott sei Dank in aller Welt ꝛe. 163. Täglich naht Versuchung mir; darum fleh' ich, Herr, zu dir: Stehe du mir schützend bei, daß ich fest im Guten sei! 2. Willig ist der Geist, doch ach! gegen Sinnenreiz so schwach. Schnell bethört sich oft das Herz, aufgeregt durch Lust und Schmerz. 3. Von dem Ziel entfernt mich weit Menschenfurcht und Eitelkeit. Treu zu bleiben meiner Pflicht, strebt' ich, 7. Stellet mir denn hier auf doch vermocht' ich's nicht. Erden lebenslang die Sünde nach; kann ich nichtvollkommen werden, bin und bleib' ich immer schwach: o, so segne mein Be⸗ streben, so gerecht ich kann, zu 4. Was an Tugend mir noch fehlt, hab' ich oft mir selbst verhehlt, wenn ich in Verblendung mich stolz mit Frevlern nur verglich. Von der Heiligung des Menschen. 2———5947—87 —2..KTLenn. ETr 5. Der du Reuigen ver⸗ zeihst und den Schwachen Kraft verleihst, Gott, entziehe du mir nicht deines Geistes Trost und Licht! 6. Laß auf prüfungsvoller Von der christlichen Besserung. 169 3. Von des Gewissens Drange, von meinem tiefen Schmerz glüht heißer mir die Wange, schlägt banger mir das Herz. Wer kann vor dir bestehen, vor deiner Wahrheit Bahn täglich mich dem Ziele Licht? Geh' Vater, auf mein nah'n! Schütze mich vor Sicherheit auf dem Pfad zur Ewigkeit! 7. Meinem Jesu nur allein streb' ich ähnlich stets zu sein. Denn ich weiß und glaub' als Christ, daß du stark in Schwachen bist. Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛe. 16„Erbarmer, sieh her⸗ nieder von deinem Gnaden⸗ thron; es kehrt ein Sünder wieder durch Christum, deinen Sohn. Mit tief gefühlter Reue wirft er vor dir sich hin, gelobt dir stete Treue und reinen Tugendsinn. 2. Ach, hättest du gerichtet, so wie ich es verbrach, ich wäre längst vernichtet durch jammervolle Schmach. Die Menge meiner Schulden be⸗ lastete mich schwer; an meines Heilands Dulden gedacht' ich gar nicht mehr. Flehen mit mir nicht ins Gericht! 4. Um meines Heilands willen vergib die Missethat der Bahn, die ich im stillen und vor der Welt betrat! Ich kenne dein Erbarmen und kehre nun zurück; ich find' in Vaterarmen J. P. Hundeiker, 1752— 1836. Vergebung, Trost und Glück. 5. Er, der am Kreuz ge⸗ litten, starb auch für meine Schuld; auch er hört jetzt mein Bitten und trägt mich mit Geduld. Wie kann ich dies erwidern, wie thätig dankbar sein? Ich will, wie meinen Brüdern, auch Fein⸗ den gern verzeih'n. 6. Ja, Gott, mit Herz und Leben will ich dir dankbar sein, will deine Huld erheben und meines Heils mich freu'n. Vergebung darf ich hoffen, mich täuscht die Hoffnung nicht; der Himmel steht mir offen, Gott, meine Zuversicht! J. P. Hundeiker, 1752—-1836. 165. Mel. O Gott, du Von der Heiligung des Menschen. frommer Gott ꝛe. 1693. ů 2 ö— 4 SSSSSEE —— +.——— —* Vernimm, ich möch ⸗te o Gott, mein Fleh'n! Ich, Pil-ger noch auf je ⸗ den Tag gern wei⸗ser, bes⸗ser +4 * 10. I—..— — 2—⁵.——.——— .———.——.—— wer⸗den; Den den Weg zum ew'⸗ gen Heil, den +* oft mein Fuß ver-liert, 1.——5— WMWDDDe. . ihn möcht' ich stand-haft ans Ziel. In dir geweihten Stunden wie oft hat nicht mein Herz es inniger empfunden, daß dein Gesetz, mein Gott, mir nichts als Segen ist, daß der sein Heil verkennt, der dein Gebot vergißt! 3. Doch ach! ich wanke noch. Die Macht betrog'ner Sinne zerstöret noch so oft, was ich mit Lust beginne. Gewohnheit böser Lust kämpft mit der Bess'rung noch; das 6. D IIIIIIIII——— n Ered enn. SSISSSIIIIII......... geh'n, von dei ner Hand ge-führt! 2. Nur du bringst 23. 4. Gib, daß, von dir gestärkt, mein Wille nicht mehr wanke! Rein sei das Herz vor dir und heilig der Ge⸗ danke; gelehrig sei mein Ohr der Weisheit treuem Rat, rechtschaffen, ohne Falsch mein Wort, wie meine That! 5. Fest stehe mein Ent⸗ schluß, wie Gottes Felsen stehen, nicht einen Schritt von dir, selbst unbemerkt, zu gehen! Auch wo kein Mensch mich sieht, auch wo kein Ohr mich Rechte kenn' ich wohl, das hört, sei Tugend heilig mir, Schlimm're wähl' ich doch. sei meine Pflicht mir wert! /7 Ae XN————— 6. Laß mich, irrt je mein Fuß, die Bahn bald wieder finden! Naht sich Versuchung mir, hilf du sie überwinden! Wer standhaft kämpft und ringt, dem wird vor Gottes Thron, im heiligsten Gericht, der Treue Preis zum Lohn. Aug. Herm. Niemeyer, 1754—1828. Mel. 337. Herr, ich habe mißgehandelt ꝛc. 16„Gott, wer kann es je ergründen, wer hat nie mit Grau'n durchdacht, welche Not der Menschen Sünden über unsre Welt gebracht, alle seit dem ersten Falle, jedes Men⸗ schen Sünden, alle! 2. Ach, wer auch nur ein⸗ mal gleitet auf dem Wege seiner Pflicht, wie viel Herze⸗ leid bereitet ihm der einz'ge Fehltritt nicht, und was müssen wir oft leiden bloß für einer Thorheit Freuden! 3. Starke, Gott, ver⸗ folgen Schwache; Schwache Schwäch're; Geiz und Neid, Menschenhaß und Durst nach Rache, Wollust, Stolz und Ueppigkeit, wie erfüllen sie mit Plagen deine Welt, mit welchen Klagen! Von der christlichen Besserung. 17¹ 4. Wie die Arglist Frevel brütet! Wie Gewalt und Tyrannei, gleich der Pest im Mittag, wütet! Wie im Finstern Heuchelei trachtet, über alle Zeiten Fluch und Jammer zu verbreiten! 5. Und wir Sünder könnten wähnen, Gottes heiliges Gericht räche keines Elends Thränen, acht' auf unsre Laster nicht? der Gerechte, der Verbrecher gelt' ihm gleich, es sei kein Rächer? 6. Wären wir nur gut und weise, deinem Willen unterthan, gingen Jünglinge und Greise immer äuf der Tugend Bahn: o, wie strömte Heil und Segen jeglichem von dir entgegen! 7. Würde nicht, wenn schon auf Erden keiner ganz der Not ent⸗ geht jede Last erleichtert werden, jede wahre Lust erhöht, wenn den Täuschungen der Sünde unser Herz stets widerstünde? 8. Aber schrecklich sind Ver⸗ brechen, weil sie, kaum vollen⸗ det, sich selbst verfolgen, furcht⸗ bar rächen, Richter, dein Gesetz und dich. Ja, dem Laster folgt Verderben, Armut, Schmach und frühes Sterben. 9. Und wie quält den sein Ge⸗ wissen, welcher böseThaten übt! 172 Von der Heiligung des Menschen. Bleibt ihm nicht der Trost ent⸗ rissen, den nur reine Tugend gibt? Kann er, ohne zu erbeben, denken an ein künftig Leben? 10. Ich erschrecke, Herr, ich bebe, wie so oft mein Herz ver⸗ gißt, daß, wenn ich nicht heilig lebe, eitel meine Hoffnung ist: selig dort und schon auf Erden ruhig und getrost zu werden. 11. Laß der Sünde bittre Früchte mir stets in Gedanken sein, mich nie zweifeln am Gerichte, auch den kleinsten Fehltritt scheu'n, daß ich glaubig jede Sünde, stark durch dich, ganz überwinde! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛc. 167. Nimm, Höchster, als Ge⸗ schenk von mir mein kindlich Herz allein! Kein bessres Opfer kann ich dir, o treuer Vater, weih'n. 2. Wem sonst als dir gehört es zu, dir, meinem Gott und Herrn? Bei dir nur winkt ihm wahre Ruh', und du erquickst es gern. 3. So sei es denn dein Eigen⸗ tum und müss' es ewig sein! Schaff' aber, Vater, schaff' es um und mach' es gut und rein! 4. Gebeugt vor dir, fühlt's seine Schuld und seine Sünd⸗ lichkeit; es fleht zu dir um Gnad' und Huld, um Kraft und Heiligkeit. 5. Verwirf, o Gott, dies Flehen nicht, sei mir mit Gnade nah'! Auf dich steht meine Zuversicht; mein Vater bist du ja. 6. Drum stärke meinen Mut, o Gott, mit freudigem Vertrau'n, auf dich und meines Heilands Tod mein ganzes Heil zu bau'n! 7. Laß deinen Geist zur Besserung mir seinen Beistand leih'n; bald wird dann meine Heiligung durch seine Kraft gedeih'en. 8. Hilf, daß ich dir, mein Herr und Gott, im Glauben stets getreu, im Kampf mit List, Gewalt und Spott des Sieges mich erfreu'! 9. Hilf, daß ich sei im Leiden fest durch Hoffnung und Geduld! Mein Trost, wenn alles mich verläßt, sei deine Vaterhuld! 10. Hilf, daß ich gegen jeder⸗ mann, von Stolz und Neide frei,‚ aufrichtig und, so viel ich kann, zu dienen willig sei! SSAnnn FPFFFFII S r* 11. Hilf, daß ich wohl⸗ zuthun mich freu' und, rein von Rachbegier, selbst meinem Feinde gern verzeih'! denn du verzeihst auch mir. 12. Ein frommes Herz, das sei mein Ruhm, doch fern von Heuchelei, damit mein ganzes Christentum dir wohl⸗ gefällig sei! 168. Von der christlichen Besserung. 173 13. Nimm denn, o Gott, zum Tempel ein mein Herz hier in der Zeit und laß es deine Woh⸗ nung sein auch in der Ewigkeit! 14. Weg, Welt und Sünd'! Euch dien' ich nicht. Nur Gott kann mich allein— dies bleibet meine Zuversicht— auch nach dem Tod erfreu'n. Joh. Kasp. Schade, 1666—1698. Eigene Melodie. 1653. — 1 ...— Ach, 9905 soll ich Sün⸗der machen? Mein Ge⸗-wis⸗sen 9* + 2.——— ——.—— ö—.————ᷓj—— + klagt mich an; ich ver⸗ ließ der Tu⸗ gend Bahn, „nunn. 4— ö— dx. —————— und statt ü⸗ ber mich zu wa ⸗chen, gab ich in U 81 . eit lem Sinn selbst in 2. Jesu sollt' ich mich ergeben und, von schnöder Weltlust fern, ihm nur folgen, meinem Herrn. Ihn zu lieben, ihm zu leben, war für mich die höchste Pflicht, und ich achtete sie nicht. mein Ver ⸗der⸗-ben hür. 3. Leerer Tand der Eitel⸗ keiten, du, der Sinne flücht' ge Lust, du ersticktest in der Brust das Gefühl der reinen Freu⸗ den, das den Freund der Tugend lohnt, wenn sie in dem Herzen wohnt. 17⁴4 4. Gleich dem Traum der Morgenstunden, der so leicht uns Menschen trügt, uns be⸗ zaubert und entfliegt, sind sie plötzlich nun verschwunden, jene Lüste; der Genuß, der mir bleibet, ist Verdruß. 5. Ueber die begang'nen Sünden quälet Reue jetzt mein Herz; ihren Stachel, ihren Schmerz geben sie mir zu empfinden; tief gesunken seh' ich mich, und ich weine bitterlich. 6. Doch, ich will nicht immer zagen, drückt mich gleich des Elends Joch; Jesus ist mein Heiland doch. Auch der Sün⸗ der darf es wagen, glaubig zu ihm hinzugeh'n, darf bei ihm um Hilfe fleh'n. 7. Sieh, ich komme: hilf mir Armen! Reuevoll blick' ich nach dir; ein Erlöser bist du mir. Schenke, Herr, mir dein Erbarmen; sei mein Führer, sei mein Licht, meiner Seele Zuversicht! 8. Ich gelobe dir aufs neue, dem mein Herz sich heute weiht, kindliche Ergebenheit; unver⸗ brüchlich sei die Treue, die, o Heiland, dir gebührt, mich zu wahrem Glücke führt! Von der Heiligung des Menschen. 9. Ja, ich will der Sünde Wegeliehen und gewissenhaft, unterstützt durch deine Kraft, wandeln nur der Tugend Stege; selig wird für mich die Zeit, seliger die Ewigkeit. Joh. Flittner, 1618- 1678. Scham und Reue. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. „Vor dir verklagt uns das Gewissen und zeuget laut von unsrer Schuld, daß reue⸗ voll wir flehen müssen: Du Gott der Langmut und Ge⸗ duld, sei gnädig uns und im Gericht verwirf uns, o Er⸗ barmer, nicht! 2. Ach, wolltest du, Herr, mit uns rechten, vor Scham verstummen müßten wir. Wo ist von allen deinen Knechten auch einer nur gerecht vor dir? Ja, Heiligster, vor deinem Blick tritt auch der Reinste noch zurück. 3. Drum, Herr, bekennen wir im Staube dir unsrer Uebertretung Schuld. Du bist gerecht, doch unser Glaube ver⸗ traut auf deine Vaterhuld, die Trost und Gnade dem gewährt, der reuig zu dir widerkehrt. III AE x 22— 4. Auch uns hast du in deinem Sohne den Seelen⸗ retter dargestellt. Eröffnet ist zum Gnadenthrone der Weg für eine Sünderwelt. Voll Hoffnung nahen wir hinzu und finden für die Seele Ruh'. 5. Für uns ist ja sein Blut vergossen; es war zum Opfer dir geweiht. Dies teure Blut, für uns geflossen, verkündigt uns Barmherzigkeit. Wir sind versöhnt, du willst verzeih'n und liebreich unser Vater sein. 6. Ja, gnädig bist du! Zum Verzeihen, zum Wohl⸗ thun bist du stets bereit, und wenn wir unsre Schuld be— reuen, beweisest du Barm⸗ herzigkeit. Vom Tod erlöst, beglückt sind wir, o Preis, Erbarmer, Preis sei dir! 7. Es zeuge künftig unser Leben, o Gott, von deiner Gütigkeit! Mit Ernst nach wahrer Bess'rung streben, nur thun, was uns dein Wort gebeut, dies soll des Dankes Opfer sein, das wir für deine Huld dir weih'n! Chr. Chr. Sturm, 1740— 1786. Mel. 214. Liebster Jesu, wir sind hier ꝛe. 170. Vater, der so gern Von der christlichen Besserung. 17⁵ verzeiht, gern uns seine Liebe schenket, und, wenn uns die Sünde reut, mit Erbarmen an uns denket, laß auch mich im Schmerz der Sünden Trost und Gnade bei dir finden! 2. Oft versäumt' ich meine Pflicht, fing schon oft an, sie zu lieben, und ermannte mich doch nicht, sie mit Eifer aus⸗ zuüben, war verdrossen, schwach und träge und ging dann verkehrte Wege. 3. Oft der Leidenschaften Spiel, that ich das, was ich nicht wollte; wankte, strauchelte und fiel, liebte, was ich hassen sollte, und befleckte mein Ge⸗ wissen, von Verblendung hin⸗ gerissen. 4. Allzu oft, ach! ward dies Herz der Verführung sichre Beute, fühlte zwar der Reue Schmerz, doch nach kurzem Gegenstreite ließ es sich zu neuen Sünden gar zu leicht nur willig finden. 5. Ja, ich will nun, wie ich soll, alles Böse flieh'n und hassen, heiliger Entschließung voll, mich durch nichts mehr irren lassen, will mein Herz ganz dir ergeben und nach deiner Vorschrift leben. 176 6. Gib mir Weisheit, gib mir Kraft, diesen Vorsatz auszuführen; laß im Kampf der Leidenschaft mich doch nie das Ziel verlieren! Lehre mich das Gute lieben, stärke mich, es auszuüben! Joach. Chr. Grot, 1733—1801. Fortgang und Wachstum in der christlichen Besserung. Mel. 82. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛc. 171.„Herr, dir gelob' ich neue Treue und neuen Fleiß im Christentum. Dir, Jesu, geb' ich heut' aufs neue mich ganz zu deinem Eigentum. Von deinem guten Geist allein will ich hinfort geleitet sein. 2. O Vater, nimm von deinem Kinde den teuern Eid der Treue hin! Versucht in Zu⸗ kunft mich die Sünde, so will ich ihre Netze flieh'n und immer mich der Tugend weih'n. Sieh, dieser Tag soll Zeuge sein! 3. Nein, niemals will ich treulos werden, nie deine guten Wege flieh'n. Kein Schein⸗ gut, keine Lust der Erden, kein Leiden soll mich dir ent⸗ zieh'n. Weich', Eitelkeit, o Von der Heiligung des Menschen. Sünde, weich'! Gott hört es: Jetzt entsag' ich euch. 4. Ja, Gott, du hörest mein Versprechen; tief siehst du in mein Herz hinein. Sollt' ich den Eid auf's neue brechen, so wirst du einst mein Richter sein. Hilf nur, daß nie mein Herz vergißt, wie schwer ein solcher Meineid ist! 5. O Gott, regiere du mein Leben und mache selbst mein Herz dir treu, daß ich, der Guten standhaft sei; dann winkt mir einst an deinem Thron des Sieges Kranz, der Treue Lohn. Chr. Chr. Sturm, 1740— 1786. Mel. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛc. 172. Kehr', Sünder, um! Der Heil'ge schuf dein Wesen rein und gut. O, höre deines Gottes Ruf und faß zur Bess'rung Mut. 2. Blick' um dich her in der Natur! Folgt sie dem Schöpfer nicht? Du, der Vernunft⸗ geschmückte, nur verletzest deine Pflicht. 3. Wie sich zur Tugend Lust gesellt, so wohnt beim Frömmigkeit ergeben, in allem .—— errn AIINl nicht, was Gott gefällt, und rührt es nicht dein Herz? 4. Reißt nicht des Tugend⸗ freundes Bild den nachtum⸗ wölkten Sinn mit Allgewalt, und dennoch mild, zur Tugend⸗ liebe hin? 5. Spricht nicht in dei⸗ nem Innern Gott so deutlich 173. Von der christlichen Besserung. Laster Schmerz; siehst du da 177 und so laut? Hat er sein heiliges Gebot nicht deiner Brust vertraut? 6. Hör' Gottes Stimme überall! Sie ruft zur Besser⸗ ung. Steh' auf von deiner Schwachheit Fall und hoff' Begnadigung! J. P. Hundeiker, 1752- 1836. Eigene Melodie. 1648. ——— Es. SSS —2——— RR Wenn du, mein Gott, ver-langst, ich soll nach Tu⸗gend stets weit⸗ ter, Schritt vor Schritt, zum Zie⸗ le vorwärts ——6* V II E—. =— ö—————— 4.— 2—— IHñ‚‚‚‚‚‚‚‚‚‚‚ 0eid was suchst du sonst da- bei, als dring ⸗ en, *„ +.——. ———.— 2—— .2.2...11 D mich be⸗ glückt zu seh'n? Denn dei ⸗ ne Se⸗ lig⸗ ..I——— SSS. keit kann ich durch nichts er-höh'n. 2. O Gott, wie gut bist du! Vergäß' ich deinen Willen, der mir zum Heile dient, aufrichtig zu erfüllen, wie treulos wär ich dann, wie feindlich gegen mich, und o wie undankbar, mein Schöpfer, gegen dich! 3.„Du hast nicht recht gethan!“ So spräche mein Gewissen früh oder später 12 178 dann, und seinen Trost ver⸗ missen ist, wenn uns Unglück trifft, des Leidens größte Pein; denn auch den herbsten Schmerz versüßt nur er allein. 4. Gott, darum laß mich stets die inn're Mahnung ehren, nie des Gewissens Ruf mit Leichtsinn überhören! Es warnet mich vor nichts, als was mein Elend mehrt; es billigt keine That, die mich vor dir entehrt. 5. Doch wann ich seinen Wink fromm als den deinen achte und, was er mir gebeut, stets zu erfüllen trachte, dann baut in meiner Brust Zu⸗ friedenheit sich an, und mit getrostem Mut geh' ich die rauhste Bahn. 6. Weit höher schätz' ich dann die Gaben deiner Güte; mein offner, reiner Sinn, mein ruhiges Gemüte schaut traulich auf zu dir, du schaust auf mich herab, und doppelt freut mich dann, was mir dein Beifall gab. 7. Ja, drohte selbst der Tod, mich plötzlich zu entrücken, so wird ein ruhig Herz beim Abschied mich erquicken. Voll⸗ endet ist alsdann des müden Von der Heiligung des Menschen. Pilgers Lauf, und du, 0 Herr, nimmst mich zu ew'gen Freuden auf. Zweibr. Gesangbuch, 1804. Warnung vor dem Aufschub der Besserung. Aus tiefer Not schrei! ich zu dir ꝛe. 174. Vor Gott sind keine Sünden klein, wie sehr sie es auch scheinen. Nur wenn wir ganz das Herz ihm weihn', nur dann sind wir die Seinen und Mel. 235. preisen ihn durch Wort und That, daß uns sein Sohn erlöset hat, damit wir selig würden. 2. Wer nur der kleinsten Pflicht entweicht, kann großes Heil verlieren; der kleinste Fehltritt kann uns leicht zum größten Laster führen, und wer nur eine Sünde liebt und ihrer Herrschaft sich ergibt, verscherzet Gottes Gnade. 3. Gerecht, o Gott, ist dein Gericht, ihm eilet er entgegen. Durch Sündenschuld erlangt er nicht den ihm verheiß'nen Segen. Sein Frevel bringt ihn um sein Heil; er hat am Himmel keinen Teil,— das laß mich wohl bedenken! R F 4 ö Von der christlichen Besserung. 179 4. Hilf, daß ich stets mit ich deiner Huld mich freu'n, stillem Schmerz den kleinsten so werd' ich stets bemühet Fehl bereue, mit heil'gem sein, an Heiligkeit zu wachsen. Ernst mein ganzes Herz nur deinem Dienste weihe: so kann Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. 175. Eigene Melodie. Joh. Rosenmüller, 1655(2) 1694. 7*—— + 67— SEDEe——*——. 2 en L. 27—— e.— 2—4 Ma che dich, mein Geist, be ⸗ reit, daß dir Gott Be ⸗ stän ⸗ dig ⸗ keit 8— e, Lne Beesises, a Ene—.—,. ——. ,-, 2 5 f. 2—— wa che, 415 und stre be, Denn wie leicht in der Tu ⸗ gend ge? be! N U 2—.———.——.— n Lreern mm e ene,„, DIDD irrt und weicht, wer sich si ⸗cher träu ⸗ met — 2*2*— II ⸗ —0 und zu strei⸗ ten säu ⸗ met! 2. Sage nicht: Noch hab' Schlingen! Bald kann, wenn ich Zeit, jetzt darf ich noch der Geist nicht wacht, dich das schlafen! Denk' an Tod und Fleisch bezwingen. Der fällt Ewigkeit, denk' an ihre Stra-leicht, dem es deucht, daß er fen; sieh, der Tod, der dir sicher stehe auf der Tugend droht, kann dich leicht in Höhe. Sünden unbereitet finden! 4. Wache, daß der Wahr⸗ 3. Auf und nimm dich heit Licht dich erleuchten möge! wohl in acht vor des Lasters Wer nicht seh'n will, findet 18⁰ nicht Gottes Ziel und Wege. Hin und her wanket er, träumt und wähnt, in Sünden Ruh' und Glück zu finden. 5. Wache, daß dich nicht die Welt durch Gewalt be⸗ zwinge, oder, wenn sie sich verstellt, listig an sich bringe! Wach' und sieh, daß dich nie die Verführer fällen, die dir Netze stellen! 6. Trau' dem Herzen nie zu viel, denn es trotzt und zaget; plötzlich wird der Sünde Spiel, wer zu spielen waget. Leicht betrügt sie und siegt, wenn wir selbst uns heucheln, fest zu sein uns schmeicheln. 7. Aber bet' auch stets dabei, bete bei dem Wachen! Das wird dich von Trägheit frei und behutsam machen. Gott verleiht Festigkeit auf dem Tugendpfade und ge⸗ währt dir Gnade. 8. Die Erhörung des Ge⸗ bets wird uns nicht entgehen. Darum, Christen, laßt uns stets wachen, kämpfen, flehen! Euch ist schon euer Lohn bei dem Herrn bereitet; wacht nur, betet, streitet! Joh. Burkh. Freystein, gest. 1720. Von der Heiligung des Menschen. Mel. 173. Wenn du, mein Gott, verlangst ꝛc. 176. Willst du die Buße noch, die Gott gebeut, ver⸗ schieben, so schändest du sein Wort und kannst dich selbst nicht lieben. Ist denn die Besserung nicht deiner Seele Glück? und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick? 2. Allein wie schwer ist's nicht, sein eigen Herz be⸗ kämpfen, Begierden wider⸗ steh'n und seine Lüste dämpfen! Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh' ist dies der einz'ge Weg, und dem entsagest du! 3. Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie ver⸗ gessen? Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen. Was weigerst du dich noch? Hat er, den du verklagst, wohl mehr von dir verlangt, als du zu thun vermagst? 4. Sprich selbst: Gewinnet Gott, wenn du ihm kindlich dienest und, seiner wert zu sein, im Glauben dich erkühnest? Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr, gebeut, wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit? 5. Was zögerst du denn noch, das Laster zu verlassen? Weil es dein Unglück ist, sollst du es flieh'n und hassen. Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu sein? Weil sie dich glücklich macht, befiehlt sie Gott allein. 6. Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen; soll er durch. Allmacht dich, ihm zu gehorchen, zwingen? Er gab dir die Vernunft, und du ver⸗ leugnest sie! Er sendet dir sein Wort, und du gehorchst ihm niel 7. Sprich nicht:„Gott kennt mein Herz; ich hab' es ihm verheißen, mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszu⸗ reißen; jetzt ist dies Werk zu schwer!“ Doch diese Schwierig⸗ keit, die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit? 8. Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen, wird stärker auch der Hang, die That zu wiederholen; scheust du dich heute nicht, des Guten Feind zu sein, um wie viel weniger wirst H du dich morgen scheu'n? 9 Ist Bess'rung denn ein Werkvon wenig Augenblicken? Kann dich kein schneller Tod Von der christlichen Besserung. 181 der Welt noch heut' entrücken? Ist ein Geschrei zu Gott, ein Wunsch nach Besserung und Angst, durch Schuld erzeugt, die wahre Heiligung? 10. Genügt's zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten, wann uns der Tod ergreift, uns sicher zu getrösten; reicht das Bekenntnis hin, daß uns die Sünde reut: so ist kein leichter Werk, als uns're Seligkeit. 11. Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen. Ist noch das Herz nicht rein, dem Glaub' und Liebe fehlen, und ist es dein Beruf, Gott dienen, den du liebst: so zitt' re vor dir selbst, wenn du dies Werk verschiebst! 12. Suchst du den Weg zu Gott, so muß sein Geist dich rühren und dieses Geistes Kraft dein Herz zum Glauben führen. Der Glaube heiligt dich; durch Heiligung allein wirst du mit Gott verwandt und gehst zur Kindschaft ein. 13. Erlöst hat dich der err, nicht daß du Sünder bliebest und sich'rer als zuvor des Lasters Werke triebest. Geböt' dir Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht, so 182 wär Gott widerspricht sich nicht. 14. Noch heute, weil du lebst und Gottes Stimme hörest, noch heute schicke dich, daß du vom Bösen kehrest! Gehorche deinem Gott, willst du, zu deiner Pein, nicht ewig dich mit ihm und mit dir selbst entzwei'n! 15. Entschließe dich beherzt, dich selber zu besiegen! Der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen. Was zagst du? Wär' der Kampf auch anfangs noch so heiß: Gott hilft, und herrlich ist des Ueberwinders Preis. 16. Ruf' Gott in Demut an, er tilget deine Sünden. Läßt der Gerechte dich, daß du gefehlt, empfinden, so wider⸗ streb' ihm nicht; denn alle Traurigkeit wirkt, wenn sie göttlich ist, zu deiner Seligkeit. es nicht von Gott; Von den Mitteln zu unserer Heiligung ꝛc. 17. Wie süß das Laster sei, es gibt doch keinen Frieden. Der Tugend nur allein ist er von Gott beschieden. Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Teil; ein Mensch, der Gott verläßt, zerstört sein eignes Heil. 18. Begreifst du Gottes Huld, ist dein Vertrau'n be⸗ scheiden, dann trägst du mit Geduld auch selbst die schwer⸗ sten Leiden; die Buße hebt das Herz zu deinem Gott empor, und aus der Trübsal Nacht gehst du verklärt hervor. 19. O, Heil dir, wenn alsdann des Lebens Tag sich neiget und deiner Laufbahn Ziel sich in der Nähe zeiget! Du fürchtest nicht den Tod; als Sieger in dem Streit verbürgt dein Glaube dir des Himmels Seligkeit. Chr. F. Gellert, 1715—-1769. VII. Bon den Mitteln zu unserer Beiligung und Heligkheit. Von dem Worte Gottes. des Herrn; er hat es uns Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 177. Wir haben das Gesetz gegeben. Wir— er ist Herr — wir sollen gern nach seinem Willen leben. Gott, mache dich e 39— Von dem Worte Gottes. 183 uns selbst bekannt und gib der Lüste Tyrannei, das ist uns Weisheit und Verstand, was du befiehlst, zu fassen! 2. Du, Gott, willst mehr, als daß ich mir nicht List noch Trug erlaube, daß ich aus Sklavenfurcht vor dir kein Mör⸗ der sei, noch raube. Was hilft's daß weder Hand noch Fuß noch Auge sündigt? Gott, es muß mein ganzes Herz dir folgen. 3. Es läst're, Gott, dein Mensch dich nicht, sei keiner Ehe Schänder, kein Frevler, welcher Eide bricht, kein Schlemmer kein Verschwender, kein Freund von üppigem Geschwätz! Das willst du, Gott; doch dein Gesetz ge— beut noch höh're Pflichten. 4. Wir sollen uns ge⸗ wissenhaft in allem Guten üben und dich mit aller unsrer Kraft von ganzem Herzen lieben. Nicht jede Handlung nur soll rein, selbst jede Neigung soll es sein, der stillste Wunsch unsträflich. 5. Das forderst du; doch, Gott, wer hat die Kräfte, deinen Willen stets durch Ge⸗ danken, Wort und That mit Treue zu erfüllen? Wie kraft⸗ los unser Wille sei, wie groß dir nicht verborgen. 6. Drum gib du selbst uns Mut und Kraft, der Tugend Weg zu wandeln und immer⸗ dar gewissenhaft zu denken und zu handeln; denn nur wer reines Herzens ist und seiner Pflichten nie vergißt, darf einst dein Antlitz schauen. Joh. Jak. Rambach, 1693—1735. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. 78. Wann heiße Thränen mir entfließen, mein Herz in Angst und Schmerzen ringt, dann sink' ich, Herr, zu deinen Füßen und finde, was mir Tröstung bringt; dann wird der Glaube mir ein Licht, das meines Kummers Nacht durchbricht. 2. Du. Heiland. bietest jedem Müden Erquickung, Mut und Hoffnung an und gibst ihm jenen innern Frieden, den ihm die Welt nicht geben kann. Durch dieses Friedens Kraft erfreut, wird ihm der Glaube Seligkeit. 3. Auch wenn wir zweifelnd oft uns grämen, wenn Klein⸗ mut unsern Geist verstimmt, willst du uns Schwache nicht be⸗ schämen, so lang ein Glaubens⸗ 184 Von den Mitteln zu unserer Heiligung ꝛc. * funke glimmt; du fachst ihn an, du nährest ihn, und bald wird er von neuem glüh'n. 4. Du stärkst die schon gesunk'nen Hände, stellst fest des matten Kämpfers Fuß, gibst der Versuchung solch ein Ende, daß unser Dank dich preisen muß, und führst auch durch die Prüfungszeit uns nur zu größ'rer Herrlichkeit. 5. Wir würden immer unter⸗ liegen im Kampfe mit der Lei⸗ denschaft; wir könnten keinen Feind besiegen, erfüllt'unsnicht des Glaubens Kraft; doch wenn dein Geist nur auf uns ruht, so siegen wir mit Heldenmut. 6. Der Glaube, Herr, ist unsre Stärke; er überwindet alle Welt und wirket in uns Gottes Werke und Tugend, die dir wohlgefällt, und jeder Sieg, den er verschafft, be⸗ lebet uns mit neuer Kraft. 7. Verleih', o Herr, mir diesen Glauben, der mehr ist, als bloß frommer Schein! Laß nichts mir seine Freuden rauben; laß ihn durch Liebe thätig sein; dann werd' auch ich in jener Welt den Aus⸗ erwählten zugesellt. Sam. Gottl. Bürde, 1753—1881. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛc. 179. Dein Wort, o Höchster, ist vollkommen, es lehrt uns ganz des Menschen Pflicht, es gibt dem Sünder und dem Frommen zum Leben sichern Unterricht. O selig, wer es achtsam hört, bewahrt und mit Gehorsam ehrt! 2. Es leuchtet uns auf unsern Wegen, zerstreut des Irrtums Finsternis, verkündigt Gnade, Heil und Segen und machet unser Herz gewiß. Es lehrt uns, Höchster, wer du bist und was dir wohlgefällig ist. 3. Dein Wort erwecktuns, dich zu lieben, zeigt, wie du denen Gutes gibst, die dein Gebot mit Freuden üben, und wie du väterlich uns liebst. Und was es uns, o Herr, verspricht, bleibt ewig wahr und trüget nicht. 4. Gott, dies dein Wort kann mehr beglücken, als alle Schätze dieser Welt; dem, der dich liebet, ist's Entzücken, nur das zu thun, was dir gefällt, und bleibt er treu hier in der Zeit, so lohnt ihn dort die Seligkeit. 5. So laß mich denn mit Lust betrachten die Wahrheit, I die dein Wort mich lehrt! Laß folgsam mich auf alles achten, was dein Befehl von mir begehrt! Dann fließen Trost und Seelenruh' auch mir aus deinem Worte zu. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Gebet. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 180. und Nöten nicht Gott ver⸗ trau'n, nicht beten: wie elend Gebet. Könnt' ich in Angst 18⁵ Gebete den Trost, um den ich flehte, den Trost, den, Gott, dein Wort verheißt. 4. Fleht' ich zu dir am Morgen, so schwiegen meine Sorgen, den ganzen Tag in mir; mit ruhigem Gemüte vertraut' ich deiner Güte und überließ mein Schicksal dir. 5. Und ruhig war mein Schlummer, so oft ich meinen Kummer, Gott, dir zuvor ge⸗ klagt; du, Herr, wachst für mein wär' ich dann! Wo Trost und Leben; von diesem Trost umge⸗ Hoffnung weichen, wer wird ben, warmeine Seeleunverzagt. mir Hilfe reichen, wenn ich zu Gott nicht flehen kann? 2. Oft raubten bange Schmerzen den Frieden mei⸗ nem Herzen und störten meine Ruh'; doch wann mich Kummer quälte, dann fleht' ich, dann beseelte mich Trost; er floß von Gott mir zu. 3. Dann trug ich meine Leiden mit größ'rem Mut, ja, Freuden und Ruh' empfand mein Geist; ich fand dann im 181. Wel 6. Noch werden viele Tage mir traurig unter Plage und Gram vielleicht vergeh'n; laß, Herr, in meinem Leiden nichts vom Gebet mich scheiden, mich immer freudig zu dir fleh'n! 7. O, laß mich stets em⸗ pfinden, daß die Erhörung fin⸗ den, die glaubig dir vertrau'n! Mit ruhevollem Herzen will ich in meinen Schmerzen auf dich nur meine Hoffnung bau'n. Joh. Dan. Dilthei, 1752—1795. Er starb, der größte Held ꝛc. 1804. +7 +4 ee. 1153 Dein Heil, Ein Fleh'n aus o Christ, nicht zu ver⸗-scher-zen, sei rei ⸗ nem, gu⸗ tem Her⸗ zen hat wach⸗-sam, wil- lig zum Ge⸗-bet! Er ist die Gott, dein Va⸗ter, nie ver-schmäht. —— E—— ..—————— ĩ———————— Lie-be selbst und hört, was sei-⸗- ner Kin-der E ee HN spii ———————— Herz be-gehrt. 2. Erhebe dich zu seinen Höhen mit Dank und Flehen oft und gern! Er lässet, was dir nützt, geschehen, ist dir zu helfen niemals fern und thut, wenn du recht ernstlich flehst, mehr, als du bittest und verstehst. 3. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden und im Gebet vor Gott zu steh'n! Der Herr des Himmels und dies erhab'ne Glück mutwillig selbst von sich zurück. 5. Von Gott nur unser Wohl begehren, ist wahrlich keine schwere Pflicht, und was wir wünschen, ihm erklären, erhebt dies unsre Seele nicht? Es gibt uns Mut und stärkt die Kraft zur Dämpfung jeder Leidenschaft. 6. Dich in der Furcht des der Erden, bedarf er eines Höchsten stärken, in dem Ver⸗ Menschen Fleh'n? Er will trau'n, daß Gott uns liebt, im bloß deine Seligkeit, wenn er Fleiß zu allen guten Werken, zu beten dir gebeut. ist diese Pflicht für dich be⸗ 4. Sagt Gott nicht:„Bittet, trübt? Dann triffst du nichts daß ihr nehmet!“? Ist des auf Erden an, das deinen Gebetes Frucht nicht dein? Geist erfreuen kann. Wer sich der Pflicht zu beten 7. Gott, laß uns nicht dies schämet, der schämt sich, Gottes Heil verscherzen! Gib Kraft Freund zu sein, und stößet und Lust uns zum Gebet! ö Und wenn der Mund mit frommem Herzen zu dir um Vaterliebe fleht: so höre mich, gib meinem Geist das Glück, das mir dein Wort verheißt! Chr. F. Gellert, 1715-1769. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛe. 182. Komm betend oft und mit Vergnügen, o Christ, vor Gottes Angesicht; laß keine Trägheit dich besiegen in der Erfüllung dieser Pflicht! Nein, übe sie, zu Gottes Preis und deinem Heil, mit treuem Fleiß! 2. Sei immer redlich, zu begehren nur, was dein Herz dich bitten heißt! Wie kann ein leeres Wort ihn ehren? Er sieht dein Herz; Gott ist ein Geist. Nur Glaube, nicht der Worte Pracht ist's, was dein Fleh'n erhörbar macht. 3. Doch darfst du betend nicht beginnen, wie dich der Herr erhören soll; will gleich dein Wunsch dir nicht ge⸗ lingen, sein Rat bleibt den⸗ noch liebevoll, und sagst du ihm Vertrauen zu, so wanke nicht, sonst spottest du. 4. Bet' oft zu Gott und sieh in Freuden, wie freundlich er, dein Vater, ist! Bet' oft Gebet. 187 zu Gott und fühl' im Leiden, daß du ein Kind der Vorsicht bist! Gott hört's, Gott ist's, der Hilfe schafft; er gibt den Müden Trost und Kraft. 5. Erwäg' mit dankendem Gemüte, wie viel er für dein Bestes that; schau' auf den Ernst und auf die Güte, wo⸗ mit er dich geleitet hat! Oft irrtest du, er trug Geduld; erkenn' und preise seine Huld! 6. Bet' oft, durchschau' mit frohem Mute die göttliche Barmherzigkeit des Mittlers, der mit seinem Blute uns vom Verderben hat befreit, und eigne dir, zu deiner Ruh' und Heiligung, sein Opfer zu! 7. Bet' oft! Gott wohnt an jeder Stätte, wo nichts dich, ihm zu nahen, stört. Denk' nicht: Wenn ich mit vielen bete, wird eher, was ich bat, erhört. Ist nur dein Wunsch gerecht und gut, so sei gewiß, daß Gott ihn thut. 8. Doch säume nicht, in den Gemeinen auch öffentlich Gott anzufleh'n, des HöchstenNamen mit den Seinen, mit deinen Brüdern zu erhöh'n! Fühl' der vereinten Andacht Wert, die deine eigne stärkt und nährt! Von den Mitteln zu 18 9. Bet' oft zu Gott für deine Brüder, für alle Men⸗ schen als ihr Freund! denn wir sind eines Leibes Glieder, wär' auch ein Glied davon dein Feind. Solch Bitten, das aus Liebe fließt, hört Gott, der selbst die Liebe ist. 10. Bet' oft, so wirst du Glauben halten, dich prüfen und das Böse scheu'n, in Lieb' und Eifer nicht erkalten und reich an guten Werken sein. Denn Mut und Kraft und Seelenruh' sagt Gott dir, wenn du betest, zu. 11. Bist du ein Herr, dem andre dienen, so schäme dich der Andacht nicht! Wie schön, wenn auch im Beten ihnen oft leuchtet deines Beispiels Licht! Dann sind durch dich auch die erbaut, die Gott, der Herr, dir anvertrant. 12. Gott, stärke mich, vor dich zu treten mit Lob und Dank, mit Bitt' und Fleh'n! Doch meine Fehler bei dem Beten wirst du, o Vater, überseh'n, weil mich, der dir zur Rechten sitzt, durch seine Fürsprach' unterstützt. Chr. F. Gellert, 17151769. unserer Heiligung ꝛc. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. 183. In Glück und Ungläck bist du mir der seligste Ge⸗ danke. Ich finde, Höchster, Licht bei dir und Stärkung, wenn ich wanke. Du bist's, von dem mir Freude quillt, und du, der meine Klagen stillt. 2. Seh' ich des Guten schöne Saat von edlen Men⸗ schen streuen, so fühl' ich: jede gute That wird, Gott, durch dich gedeihen, und dir ver⸗ trauend streu' ich dann selbst guten Samen, wo ich kann. 3. Seh' ich den Reiz der Frühlingsflur, sich um mich her entfalten und deiner herr⸗ lichen Natur stets wechselnde Gestalten: so blickt mein Geist zu dir empor; nur du riefst diese Pracht hervor. 4. Seh' ich im weiten Korngefild' die goldnen Aehren wallen, so fühl' ich, wie du gut und mild uns nährst mit Wohlgefallen, mit Liebe deiner Kinder Schar stets reichtest, was ihr nötig war. 5. Wenn mich der Liebe Glück erfreut, und treuer Freundschaft Segen mir rings der Freude Blüten streut auf +—‚ Gebet. 189 meines Lebens Wegen: dank' ich, Gott der Liebe, dir; denn du gabst diesen Segen mir. 6. Und wollen Welt und Sinnlichkeit mein Herz fürs Eitle rühren, vom Streben zur Vollkommenheit, zur Sünde mich verführen: du Heiligster, dann denk ich dein, um in Versuchung stark zu sein. 7. Wenn auf des Leidens Dornenbahn der Thränen fallen, so blick' ich hoffnungsvoll hinan zu deines Himmels Hallen. Dann wird des Kummers dunkle Nacht durch deinen Trost mir hell gemacht. 8. Und winket mir des Todes Hand, mir graut nicht vor dem Tode. Er naht sich nur von dir gesandt und kommt als Friedensbote, der mich von aller Not befreit und mich zum Himmelsbürger weiht. 9. Ja, freudig blick' ich auf zu dir mit kindlich frommem Danke. In Glück und Un⸗ glück bist du mir der seligste Gedanke. Heil mir, daß einst ein Tag erscheint, der näher mich mit dir vereint! Gerh. Ad. Neuhofer, 1773—1816. Wehmut so Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 18„Welch hohes Vorrecht schenkst du mir! Dein Lob, Herr, zu verkünden, darf, Asche nur und Staub vor dir, auch ich mich unterwin⸗ den. Es kann mein Geist, wie schwach er heißt, empor vom Staube dringen, zu dir sich betend schwingen. 2. Ich darf mit froher Zuversicht vor deinem Thron erscheinen, und du, mein Gott, verwirfst mich nicht, du zählst mich zu den Deinen. Du zeigest dich mir väterlich, so oft ich zu dir trete und kind⸗ lich vor dir bete. 3. Erstickt die Sinnlichkeit in mir des Herzens fromme Triebe, so stärkt mich das Gebet zu dir in neuer Tugend⸗ liebe. Was sündlich ist, kann ich als Christ durch eigne Kraft bezwingen und so den Sieg erringen. 4. Gebricht's an sanftem Sinne mir, an Liebe gegen Brüder; so flieh' ich betend hin zu dir und hasse nun nicht wieder. Mein Herz verzeiht mit Freundlichkeit und sucht 190⁰ Von den Mitteln zu der Feinde Schelten mit Großmut zu vergelten. 5. Betracht' ich im Gebet mit Schmerz mein fehlervolles Leben, so wird und kann sich nie mein Herz von Stolz ge⸗ reizt erheben. Ich fleh' zu dir:„Verzeihe mir!“ und du willst gern verzeihen und mich mit Trost erfreuen. 6. Wenn Kummer mich zur Erde zieht und wenn mich Sorgen quälen; wenn mir des Lebens Glück entflieht und edle Freunde fehlen: so wend' ich mich getrost an dich; du lehrst mich mit Entzücken im Elend Heil erblicken. 7. In stillen Stunden denk' ich oft: Was seid ihr, eitle Freuden? Ach, wie geschwind, wie unverhofft verkehrt ihr euch in Leiden! Und denk' ich dies, so fühlt gewiß mein Herz sich angetrieben, nur dich, Herr, stets zu lieben. 8. O, welchen Mut gibt das Gebet mir in Berufs⸗ geschäften! Du lohnest dem, der zu dir fleht, mit Weisheit und mit Kräften. Wer dir vertraut, auf dich nur baut, den krönest du mit Segen auf allen seinen Wegen. unserer Heiligung ꝛc. 9. Du Geist der Kraft und des Gebets, o stärke mein Ver⸗ trauen und laß mich nur recht kindlich stets empor zum Him⸗ mel schauen! Und kann ich nicht mit Zuversicht zu meinem Vater treten, so lehre du mich beten! Joh. Andr. Val. Weigel, 1740-1806. Mel. 173. Wenn du, mein Gott, verlangst ꝛc. 185. Herr, höre mein Gebet und laß es dir gefallen! Es ist mein ganzer Ernst, auf deiner Bahn zu wallen. Ergreife leite mich, flöß' Kraftmir Schwachen ein, laß nicht umsonst mein Fleh'n um deine Gnade sein! 2. Du willst, daß ich mich treu in jeder Tugend übe. Der Glaube, sagt dein Wort, soll fruchtbar durch die Liebe, in wahrer Heiligkeit, in guten Werken sein; dir soll ich, Herr, mein Gott, mein ganzes Leben weih'n. 3. Dies will ich, und doch macht die Schwäche meiner Seele und der Versuchung Reiz, daß ich so oft noch fehle. Ich seh' der Tugend Glück, ich wünsche gut zu sein, und immer hab' ich doch so viel noch zu bereu'n. 4. Das siehst du, Herr, mein Gott; o sieh' es mit Er⸗ barmen und reiche deine Hand voll Vaterhuld mir Armen! Gib meinem Geiste Licht, gib meinem Vorsatz Kraft: so kämpf' ich nicht umsonst mit Welt und Leidenschaft. 5. Ich bin ein Pilger hier, umringt von vielen Sündern; ihr Beispiel könnte leicht der Tugend Eifer hindern. Wenn 186. Mel. Erschienen ist Gebet. 191 der Verführung Gift, des Leichtsinns frecher Spott dem Geist gefährlich wird, dann steh' mir bei, mein Gott! 6. So werd' ich deinem Dienst vergebens mich nicht weihen; der Schwachheit Fehler wirst du gnadenvoll verzeihen. Hab' ich dann, dir getreu, vollendet meinen Lauf, so nimm, Herr meinen Geist in deinen Himmel auf! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. der herrlich' Tag ꝛc. + Nik. Hermann, 1560. EE= ů— ö 45—.—.— 40—.— 0 Du, des sich al⸗le Himmel freu'n, auch unsre See⸗le V D Q V ————— 2 d, e, e,, n e.„ E EEE——— 8 8 4**.— freut sich dein, daß du, des Macht un- end=lich ist, daß 9 ů 4•5— —— wn Mmier nier miur Bin Hn.— SSSISIIIIITTT——————————— du, Gott, un ⸗- ser Va⸗ter bist in E⸗ wig⸗⸗keit. 2. Weit, über unser Denken weit, geht deines Namens Herrlichkeit. Dich ehre, wer dich, Vater, kennt, so oft er deinen Namen nennt, Unend⸗ licher! 3. Verbreite deiner Gnade Ruhm durch Jesu Evangelium! Mach' unser Herz ihm unter⸗ than, so beten wir dich freudig an, Allgütiger! 4. Der du in deiner Wahl nie irrst und wohlzuthun nie müde wirst, dein Wille, Weisester, gescheh' auf Erden so, wie in der Höh', mit Freudigkeit! 5. Was unser Leben hier erhält, gib'ꝰ uns, so lang es dir 192 Von den Mitteln zu gefällt; doch schenk' uns auch ein Herz dabei, das dankbar und genügsam sei und dir vertrau'! 6. Vergib uns, Vater, unsre Schuld, trag' unsre Schwachheit mit Geduld! Wir wollen auch, von Rachsucht rein, des Bruders Fehler gern verzeih'n. Hilf du uns, Herr! 7. Zu heiß sei die Ver⸗ suchung nicht, stärk' uns, wenn uns Kraft gebricht; steh' uns zum Siege mächtig bei, mach' uns im Guten fest und treu, Erbarmender! 8. Erlöse du uns, treuer Gott, nach deinem Rat aus aller Not! Nimm nach voll⸗ brachtem Prüfungslauf uns zu dem bessern Leben auf, du, dem wir trau'n! 9. Dich preist des Himmels Heiligtum, die Erde feiert dei⸗ nen Ruhm. Dein ist die Macht, die Herrlichkeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gelobt seist du! F. Gottlieb Klopstock, 1724 1803. Von den heiligen Sakramenten und der Kon⸗ firmation.— Taufe. Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛc. 187⁷. Ich bin getauft nach Jesu Lehren, dich, Vater, deinen unserer Heiligung ꝛc. Sohn und Geist so zu be⸗ kennen und zu ehren, daß Herz und Mund und That dich preist; o, welch ein Glück ward dadurch mein! Laß, Herr, mich dessen würdig sein! 2. Durch diese Stiftung deiner Gnade ward jedes Recht der Christen mein. Du weih⸗ test mich im heil'gen Bade zum Bürger deines Reiches ein und thatest in der Folge⸗ zeit an mir noch mehr Barm⸗ herzigkeit. 3. Du öffnetest mir das Ver⸗ ständnis durch deines Sohnes Lehr' und Geist; sie leiteten mich zur Erkennmuis wie man dich würdig ehrt und preist, und welches Heil dein gnäd'ger Rat dem, der dich ehrt, be⸗ reitet hat. 4. Daß nicht, vom Leicht⸗ sinn hingerissen, mein Herz dich undankbar vergaß, er⸗ innertest du mein Gewissen an seine Pflicht ohn' Unterlaß —05 wecktest mich zum Tugend⸗ lauf durch deine Wahrheit mächtig auf. 5. Gelobt, mein Gott, sei deine Liebe, die mir, noch eh' ich dich gekannt, aus freiem, väterlichen Triebe schon so viel Gutes zugewandt. Wie huldreich hast du mein gedacht und für mein wahres Wohl gewacht! 6. Wie sollt' ich dich denn nicht verehren und dir ein Herz voll Liebe weih'n? nicht gern auf deine Stimme hören und kindlich dir gehorsam sein? Was dir mißfällt, sei fern von mir! Geheiligt sei mein Leben dir! 7. O, stehe nur mit deinem Geiste, wie du verheißen hast, mir bei, daß ich, was ich versprach, auch leiste und treu⸗ lich dir ergeben sei; und fehl ich auch, darf ich doch nicht, mein Gott, einst fürchten dein Gericht. 8. Erwecke mich durch deine Gnade zum steten Ernst der Besserung und leite mich auf sicherm Pfade des Glaubens und der Heiligung! Der Tugend, Vater, mich zu freu'n, dies laß mein stetes Streben sein! 9. Gib mir Beständig⸗ keit im Glauben, laß meine Liebe thätig sein! Laß nichts mir meine Würde rauben, flöß' in Versuchung Mut mir ein! Mit dieser Von den heiligen Sakramenten ꝛc. 193 Kraft in meiner Brust besieg' ich jede böse Lust. 10. Bewahr' in mir ein gut Gewissen, ein Herz zu dir voll Freudigkeit, ein Herz, aufs Gute stets beflissen, das jedes Böse ernstlich scheut; ein Herz voll Zuversicht zu dir und voll Geduld verleihe mir! 11. Soll ich auf Erden länger leben, so gib, daß dir ich leben mag! Laß mir den Tod vorAugenschweben, und kommt dereinst mein Sterbetag, so sei mein Ausgang aus der Zeit ein froher Gang zur Ewigkeit! Joh. Jak. Rambach, 1693—1735. Mel. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛe. 188. Betend nahen wir uns dir, bringen dir auf unsern Armen dieses Kind, dich flehen wir, großer Vater, um Erbar⸗ men! Es ist dein, es lebt durch dich, schütze du es väterlich! 2. Schwach und hilflos liegt es da, ohne Kraft, zu dir zu flehen. Aber du bist ihm doch nah', sorgest mehr, als wir verstehen, führst es aus der Nacht zum Licht einst durch deinen Unterricht. 3. Sieh, wir weihen dir dies Pfand deiner väterlichen 133 19⁴ Von den Mitteln zu Güte, daß es deine Vaterhand leite, segne und behüte: mehr als unsre Liebe kann, nimmst, Herr, du dich seiner an. 4. Zu der Christen hohem Glück ward es hier von dir er⸗ koren. Ach, es weiche nie zurück, sei vergebens nicht geboren, förd're, seinem Heiland gleich, unermüdet Gottes Reich! 5. Liebend, wie ein gutes Kind, müss' es dich als Vater ehren, deinem Sohne gleich esinnt, nur auf deine Stimme hören! Gottes Geist, erfülle du sein Gemüt mit Licht und Ruh'! ů 6. Laß es unter Schmerz und Lust treu an seinen Pflichten hangen; ach, es nähre seine Brust nie ein unerlaubt Verlangen! Wenn sein Aug' im Tode bricht, Gott, o dann verlaß es nicht! Aug. Herm. Niemeyer, 1754— 1828. Mel. 214. Liebster Jesu, wir sind hier ꝛc. 189. Herr, dies Kind ist dir geweiht, deiner Führung übergeben. Hilf ihm nun, mit Folgsamkeit deinem Wort ge⸗ mäß zu leben! Laß es hier beglückt auf Erden, dort des Himmels Erbe werden! unserer Heiligung ꝛc. 2. Hilf uns allen, da auch wir gleichen Bund mit dir errichtet und zum Tugendfleiße hier durch die Taufe uns ver⸗ pflichtet, daß wir uns dir treu ergeben und als Christen christlich leben! 3. Sieh, wir alle sind bereit, uns von neuem dir zu weihen; gib dem Vorsatz Festigkeit und zum Guten dein Gedeihen! Leite uns auf deinen Wegen unserm großen Ziel entgegen. Joh. Jakob Mayer, 1769—1852. Konfirmation. Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛe. 190. Erhöre, Gott, erhöre der Flehenden Gebet, das heißer jetzt und frömmer zu dir, o Vater, fleht! Vernimm den Schwur der Treue, den sie dir kindlich weih'n; daß er sie nie gereue, woll'st du ihr Beistand sein! 2. Die Lust der Welt verschwindet, nur Wahrheit, Tugend nicht; wer sie verläßt, der zaget und fürchtet das Gericht. Heil dem, der wider⸗ stehet, wenn Sünde lockt und Welt! Die Lust der Welt vergehet, nicht bleibt, was Gott mißfällt. 3. Dir, ewiger Erbarmer, weih'n ihre Herzen sich. Sie wählen, Sohn des Höchsten, zum einz'gen Vorbild dich. Ach, möchten sie sich halten zu dir in Freud' und Not und nimmer von dir weichen im Leben und im Tod. G. Jak. Pauli, 1722—-1795. Mel. 229. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' ꝛe. 191. Lobt Gott in seinem Heiligtum, die ihr den Höchsten kennet, der uns sein Evan⸗ gelium von Jugend auf ver⸗ gönnet, der uns den Weg zur Wahrheit zeigt und unser Herz zum Guten neigt; gebt unserm Gott die Ehre! 2. Dein sind wir, Vater, Sohn und Geist; dich wollen wir bekennen. Von dem, was uns dein Wort verheißt, soll ewig nichts uns trennen! Nicht Ruhm der Menschen, nicht ihr Spott, nicht Trübsal, nicht der Martertod, nichts soll von dir uns trennen! 3. Den Weg der Wahrheit wählen wir und wissen deinen Willen; gib uns die Kraft, Von den heiligen Sakramenten ꝛc. 19⁵ — sie kommt von dir— ihn immer zu erfüllen! Erhalt' in deiner Lieb' das Herz, daß es im Glücke wie im Schmerz sich kindlich dir ergebe! 4. Herr, wir sind dein; verlaß uns nicht! Nichts soll von dir uns scheiden! Du bleibest unsre Zuversicht in Freude wie im Leiden. Getreu bist du; auch uns mach' treu, daß unser Bund beständig sei! Preis dir und Dank und Ehre! Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. (Die Konfirmanden.) 192. Heil diesem Tag, an welchem wir, o Vater, vor dir stehen und uns voll Inbrunst Heil von dir und deinem Geist erflehen! O Geist der Gnade, Geist des Herrn, sei heut' und nimmer von uns fern! 2. Mit Ernst geloben wir aufs neu', dir, Heiland, treu zu leben, aufrichtig, ohne Heuchelei, uns dir nur zu ergeben. Hört das Gelübd', das wir gethan! Wir rufen Gott zum Zeugen an. 3. Die Tugend, die uns Jesus lehrt, sei unser Schmuck im Leben; sie soll, wenn uns 13* 196 Von den Mitteln zu die Welt bethört, Kraft in Versuchung geben; sie soll auch unter Schmach und Not sich nicht verleugnen bis zum Tod. 4. Nicht eitle Lust, nicht irdisch Gut vermög' uns ab⸗ zulenken! Der Tugend wollen wir mit Mut stets unsre Herzen schenken. Ihr wißt den Schwur, den wir gethan; wir rufen euch zum Zeugen an. 5. Des Ewigen Allwissenheit soll warnend uns umschweben, das Bild von seiner Heiligkeit in unsern Herzen leben, damit wir ernstlich uns bemüh'n, was ihm entgegen ist, zu flieh'n. (Die Gemeinde.) 6. Du gabst sie uns, blick segnend hier auf unsre Kinder nieder! Was du uns leihst, gehöret dir; gern bringen wir dir's wieder. O Geist der Gnade, Geist des Herrn, sei Vor unserer Heiligung ꝛc. du von ihnen nimmer fern! Pet. Flor. Weddigen, 1759—1809. Vor der Prüfung. (Die Konfirmanden.) Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 19 Wie pocht das Herz vor Angst und Lust, den ersten Schritt zu wagen, der Wahr⸗ heit Schatz in uns'rer Brust ans Tageslicht zu tragen, mit Glaubenskraft zur Rechen⸗ schaft uns dem Altar zu nahen und Segen zu empfahen! 2. Es bangt uns, doch wir zagen nicht. Du, Vater, stehst zur Seite, daß deines Geistes Kraft und Licht uns würdig vorbereite. O, hör' uns an: Es soll fortan von dem, was wir bekennen, kein Glück noch Leid uns trennen! G. Fr. Wilh. Schultz, 1774—1842. der Einsegnung. (Die Eltern.) Mel. Du, oder: Mel. 442. Q o schönes Weltgebäude ꝛe. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. Joh. Crüger,‚ 1649. *+△ — 2 — 2 —— rerr, t r —— E— Komm, o schmerz⸗ Kin ⸗ Uns⸗ re Stun Bun de, lich sü⸗ße de der, einst zum WSIA Von den heiligen Saͤkramenten ꝛc. 197 lang ge- hofft und teu'r mit der Chri⸗-sten-heit V II H— *— 2 4. 27 kauft! daß sie, Va⸗ter, ge⸗tauft, , — 1 2 —— ö 2 dir ge⸗ hö-⸗ ren, —+—— D‚D‚‚—.— wol ⸗len sie nun selbst be⸗ schwö-ren. Was wir E ————.—, — ö j— Saidi dre, ö 22— ————.———=...—— + 7 7— 0 lie ben, kommt von dir; V e, rnumen wn n mummn., nin, n —— + I +. für die Dei⸗-nen be⸗ ten wir. 2. Ach, in frommem Dank zerfließet tief gerührt das Elternherz; dieser Augenblick versüßet alle Sorgen, jeden Schmerz. Dir, der uns der Kinder Leben heut' zum zweitenmal gegeben, sie mit Vaterhuld bewacht, dir sei Lob und Preis gebracht! G. Fr. Wilh. Schultz, 1774 1842. Schlußgesang nach der Einsegnung. (Die Gemeinde.) Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛe. 195. Der Höchste sei mit euch, ihr neuen Mitgenossen an Jesu Christi Reich! Ihm, der sein Blut vergossen für eurer Menschheit Wert, für eures Daseins Glück, ihm gebt, was er begehrt, ein frommes Herz zurück! 2. Mit Freuden nehmen wir euch auf in unsre Mitte. Seid unsrer Kirche Zier und denkt der ernsten Bitte: Ver⸗ lasset Jesum nicht, bleibt ihm allein geweiht! Nur seiner Wahrheit Licht führt euch zur Seligkeit. G. Fr. Wilh. Schultz, 177⁴—842. Von den Mitteln zu 198 Mel. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛe. (Die Gemeinde.) 196. Gottes Gnade sei mit euch, stärke euch mit Kraft und Segen! Wallet standhaft, Engeln gleich, euerm hohen Ziel entgegen! Dort am Ziele winkt euch schon eurer Treue ew'ger Lohn. 2. Heilig sei euch dieser Tag, heilig, was ihr jetzt ver⸗ sprochen! Was heut' euer Mund versprach, werde nie von euch gebrochen! Bleibt auch in Gefahr und Not standhaft treu bis in den Tod! 3. Kämpfet, um den Sieg im Streit mit der Sünde zu erringen! Wisset, Welt und Sinnlichkeit legt, euch zu ver⸗ derben, Schlingen. Doch bleibt treu und wanket nicht, bis das Herz im Tode bricht! (Die Konfirmierten.) 4. Gott, zur treuen Folg⸗ samkeit haben wir uns dir verpflichtet und der Taufe Bund erneut, den wir einst mit dir errichtet; hilf uns du nun, daß wir nicht brechen die gelobte Pflicht! 5. Stärke uns mit deiner Kraft, schütz' uns vor Gefahr unserer Heiligung ꝛc. der Sünden! Gib, daß wir gewissenhaft ihre Lockungüber⸗ winden! Hilf, daß unser Herz dir treu, standhaft unsere Tugend sei! (Die Gemeinde.) 6. Ja, o Vater, stärke sie, diese dir geweihten Seelen! Sei ihr Beistand, daß sie nie ihren großen Zweck verfehlen! Gib, daß ihre Lebenszeit ganz der Tugend sei geweiht! Benj. Fr. Köhler, 1730—1796. Das heilige Abendmahl. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛc. 197. Nun, so naht dem Mahle, Brüder, Erlöste Gottes, Christi Glieder— den besten Segen euerm Bund! Wir auch, alle eure Brüder, wie ihr Erlöste, Christi Glieder, wir weihen uns der Liebe Bund; er sei uns heilig; wir geloben es vor dir, treuer Vater! Ach, schenke du uns Kraft dazu und deiner Liebe Seligkeit! Ph. Dav. Müller, 1773-1848. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛe. 198. Herr, du wollest uns bereiten zu deines Mahles uns, o Gott! Heil und Leben Herz sich nahen, durch dich Von den heiligen Seligkeiten; sei mitten unter zu empfahen, laß würdig unser vergessen Sünd' und Tod! Denn nur von Sünde rein, sind wir, o Jesu, dein, deine Freunde. O laß uns seh'n in jenen Höh'n von fern der Ueberwinder Lohn! 2. Einst in der Verfolgung Tagen ging, wer dein Kreuz trug, ohne Zagen vom Bun⸗ desmahl zum Bluͤtgericht. Treu im Kampfe zu bestehen, mit dir, Herr, in den Tod zu gehen, ist auch noch jetzt des Christen Pflicht. O gib Beständigkeit auch uns! Nicht Lust noch Leid laß uns scheiden, o Freund, von dir; denn dein sind wir, im Tode wie im Leben dein! Fr. Gottl. Klopstock, 1724—1803. Mel. 91. Begleite mich, o Christ ꝛc. oder: Mel. 136. Wie wohl ist mir ꝛe. 199. Ich will zu dir mein Herz erheben, du Heil' ger, der am Kreuze starb, durch seine Lehre, durch sein Leben uns Glauben an uns selbst er⸗ warb; der auf der Wahrheit Sakramenten ꝛc. 199 lichten Bahnen beflügelte des Geistes Ahnen von einer un⸗ sichtbaren Welt, für die zu wirken und zu streben, sein Dasein in dem Erdenleben der Mensch als Bildungszeit erhält. 2. In dieser Bildungsschule ringen um jeder Tugend Siegeskranz, uns immer höher aufzuschwingen zu der Vol⸗ lendung reinem Glanz, zum Reiche, welches du verkündet, auf Herzensreinigkeit gegrün⸗ det, zum Reich der Wahrheit und des Lichts, dazu berief uns deine Lehre; der Erde Schmuck, der Menschheit Ehre entstieg durch sie der Mensch dem Nichts. 3. Dahin uns mächt'ger zu erheben, in uns des Willens Festigkeit nach diesem Ziele zu beleben auch für die spätste Folgezeit, hast du als heiliges Vermächtnis, zur Feier uns und zum Gedächtnis, dein letztes Abendmahl geweiht; erneuen soll es uns die Lehre: des Menschen höchste Würd' und Ehre sei Streben nach Vollkommenheit. 4. So nah' ich heute dem Altare zur Feier deines Todes mich, daß ich des 200 Von den Mitteln zu Glaubens Kraft erfahre in dem, der einst verherrlicht dich. O gib, daß dieser Himmels⸗ glaube entreiße mich dem Erdenstaube, mir heilige die Spanne Zeit; daß er zur Treue bis ans Ende beseele mich und mich vollende zum Bürger der Unsterblichkeit! Joh. Friedr. Schink, 1755—1835. Mel. 86. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc. 200. Von der Erd' emporge⸗ schwungen, von der Wahrheit Licht durchdrungen, die hienie⸗ den du verkündet und durch Wort und That begründet, sieh, Erlöser, Weltbefreier, uns vereint in stiller Feier, zu geloben dir aufs neue in erkannter Wahrheit Treue! 2. Nieder kamst du auf die Erde, daß sie neu geschaffen werde; aus des Aberglaubens Ketten unsre Seelen zu er⸗ retten; zu der Freiheit Licht und Leben siegend uns empor zu heben und zum göttlichen Geschlechte durch der Mensch⸗— heit heil'ge Rechte. 3. Frei sind wir hervor⸗ gegangen aus der Nacht, die unserer Heiligung ꝛc. sanken nieder, wir sind deiner Kirche Glieder; zu dem Un⸗ sichtbaren droben, Erben seines Lichts, erhoben, durch das Reich, das du begründet, mit der Geisterwelt verbündet. 4 Dieses Reich für alle Zeiten auf der Erde zu ver⸗ breiten, hast du, Göttlicher, dein Leben willig in den Tod gegeben, trotz Verfolgung, Schmach und Banden glor⸗ reich deinen Kampf bestanden, von des Sieges Kranz um⸗ schlungen ausgekämpft und ausgerungen. 5. Hohes Vorbild unsres Strebens, eines Gott geweihten Lebens, in Erkenntnis, Licht und Klarheit, wirkend in und durch die Wahrheit, laß in deines Lichtes Strahle nah'n uns deines Bundes Mahle; stärk' und heil'ge unser Stre⸗ ben, rein und fromm wie du zu leben! 6. Wahrheit ist des Men⸗ schen Leben; nach ihr ringen, nach ihr streben, für sie wirken, für sie handeln, in ihr atmen, in ihr wandeln, für sie Müh' und Kampf er⸗ neuen, selbst den Tod für sie uns umfangen; unsre Fesseln nicht scheuen, ist des Erden⸗ Von den heiligen daseins Weihe; nur durch Wahrheit sind wir Freie. 7. Sei uns nahe, Gott⸗ geweihter, Heiliger, Gebene⸗ deiter! Gib dem ernsten Willen Schwingen, zu vollenden, zu vollbringen! Uns zu diesem edlern Leben, nie ermüdend, zu erheben, laß nach deinem Bild auf Erden frei uns durch die Wahrheit werden! Joh. Friedr. Schink, 1755—1835. Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. 201. O du, der bis zum Tode am Kreuz auch uns geliebt, o du, in jeder Tugend, zu jedem Schmerz geübt: in stiller Andacht nahen wir deinem heil'gen Mahl, ge⸗ denken deiner Liebe, gedenken deiner Qual. 2. Da weih'n wir uns aufs neue zu deinem Eigentum, hin⸗ fort nur dir zu leben, zu unsres Glaubens Ruhm. Es war auf Erden keiner, der besser wär' als du; es findet unsre Seele in dir allein die Ruh'. 3. Von Eitelkeit umgeben, von ihrem Reiz umstrickt, wie oft ward schon dem Auge das höh're Ziel entrückt! Des Vor⸗ — Sakramenten ꝛc. 201 bilds deiner Tugend vergaß das schwache Herz, verwarf die bessern Freuden und wählte Reu' und Schmerz. 4. Doch heut', o Jesu, fühlen wir deine Lieb' aufs neu'; empfinden tief, wie selig dein treuer Jünger sei. Das Bild von deinem Leben er⸗ neut sich unserm Blick; wir seh'n auf uns're Schwächen mit Reu' und Scham zurück. 5. O laß, wenn wir das Denkmal der höchsten Lieb' empfah'n, mit sündenreinem Herzen uns freudig zu dir nah'n! Der naht sich doch vergebens, der dir nicht, Heil'ger, gleich, nach Gottes Reiche trachtet, der Tugend ew'gem Reich. 6. Mit fest'rer Treue hange das Herz an seiner Pflicht; auf Freuden und auf Schmerzen acht' es im Kampfe nicht! So standhaft, wie du kämpftest, sei unsrer Tugend Streit; so herrlich, wie du siegtest, der Sieg, der uns erfreut! 7. Sei es auch Last und Mühe, getreu der Pflicht zu sein; führ' es zu Spott und Schande, uns Gottes Dienst zu weih'n:— was sind der 202 Erde Freuden? Wie schnell sind sie entfloh'n! Was sind der Erde Leiden? Wie bald erscheint ihr Lohn! 8. Des Pilgers wartet droben das rechte Heimatland. Wohlan, ihr Mitgenossen, reicht freundlich euch die Hand in reiner Lieb' und Treue, im süßen Vorgefühl des Lohns bewährter Treue, des Wiedersehn's am Ziel! 9. Ihn, der für uns im Staube den Kampf des Todes rang, den Sieger, den Voll⸗ ender, erhebe Lobgesang! Hier schau'n wir ihn im Bilde und dort von Angesicht; wir wan⸗ deln hier im Dunkeln, doch einst wird alles Licht. Aug. Herm. Niemeyer, 1754-1828. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛc. 202. Warm schlägt mein Herz und freier bei deiner Todesfeier in mir, Herr Jesu Christ! Sieh, wie ich heut' aufs neue an dem Altar mich freue, daß du mein Freund und Retter bist! 2. Du kamst mit Huld und Segen uns liebevoll ent⸗ gegen und hast uns Heil ge⸗ Von den Mitteln zu unserer Heiligung ꝛc. bracht. Du hast für uns gelitten, den Todeskampf gestritten in jener grauenvollen Nacht. 3. Für uns hast du dein Leben am Kreuze hingegeben in namenloser Pein, um unser Glück zu gründen und uns vom Dienst der Sünden und ihren Strafen zu befrei'n. 4. Drum will ich ohne Zagen mich immer so betragen, wie es dein Wort mich lehrt. Die Sünde will ich hassen und alles unterlassen, was meinen Menschenwert entehrt. 5. Dein Beispiel, deine Lehren will ich durch Thaten ehren und dadurch preisen dich; will, durch dein Wort getrieben, Gott über alles lieben und meinen Nächsten so wie mich. 6. Bei deiner Todesfeier gelob' ich hoch und teuer, dem Vorsatz treu zu sein. Um die gelobten Pflichten mit Treue auszurichten, will. ich der Tugend ganz mich weih'n. 7. Du wollest mich bewahren vor Reizung und Gefahren der Sünden dieser Welt, daß ich nie mein Versprechen aus Leichtsinn möge brechen und immer thu', was dir gefällt! 8. Ach, leite mich voll Gnade, o Herr, auf ebnem Pfade zu diesem Ziele hin, daß ich, wenn ich am Ende hier meinen Lauf vollende, des bessern Lebens würdig bin! Joh. Peter Hundeiker, 1752—1836. Mel. 86. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc. 203. Aus dem eiteln Sinnen⸗ leben soll mein Geist heut“ aufwärts streben, auf zu dir,‚ der du mich schufest, mich zu deinem Kind berufest und durch Proben deiner Treue täglich mich erquickst aufs neue. Gott, dir will ich betend nahen, laß mich Seelenruh' empfahen! 2. Uns zu retten vom Ver⸗ derben, ließest du den Mittler sterben, der uns deine Huld verbürgte, als ihn Undank frevelnd würgte; ihn, von dir zum Herrn erhoben, will ich laut bewundernd loben, will sein Segensmahl erneuen, um durch ihn mich dein zu freuen. 3. Harte, tief empfund'ne Leiden konnten ihn von dir nicht scheiden; er blieb stand⸗ haft. zu erfüllen, deinen heil'gen Vaterwillen. Also führest du die Deinen anders zwar, als wir es meinen, aber heilsam Von den heiligen Sakramenten ꝛc. 203³3 stets und weise, bis ans Ziel der Himmelsreise. 4. Banger Wehmut Zähren flossen jenes Bundesmahls Genossen; doch mit liebevollem Munde gibt der Herr zur Abschiedsstunde seinen Segen den Getreuen, daß sie sich des Lebens freuen und getrost in weiten Fernen deinen Rat verkünden lernen. 5. Nun, mein Vater, mir im Staube ziemt der kind⸗ lich fromme Glaube, der in Millionen Herzen still besiegt hat Lust und Schmerzen. Viel hast du mir schon verliehen, mich zum Himmel zu erziehen; du wirst ferner mich erheben aus dem eiteln Sinnenleben. 6. Aehnlich meinem Muster⸗ bilde lehre mich durch Ernst und Milde gegen alle, die hier wandeln, christlich denken, christlich handeln! Was ich tief gerührt empfinde, wenn ich vor dir Gnade finde, Gott, dies wecke stets mein Streben, kindlich treu ganz dir zu leben! Joh. Peter Hundeiker, 1752—- 1836. Mel. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛc. 204. Naht mit Andacht im Gemüt, Brüder, Schwestern, 20⁴ Von den Mitteln zu dem Altare! Wer von Jugend⸗ feuer glüht und der Greis im Silberhaare, hoch und niedrig, arm und reich, alle sind vor Gott sich gleich. 2. Auf, mein Blick, zur höhern Welt! Fließt, der Freude Thränen, fließet! Wer mit mir vom Brot erhält, wer vom Weine jetzt genießet, fühle, seiner Würde voll, was er ist und werden soll. 3. Laßt uns alle rein und gut, laßt uns edel wandeln, Brüder! Denket: Jesu Christi Blut floß für uns am Kreuze nieder; Menschenwürd' und Brudersinn uns zu lehren, floß es hin. 4. Der uns mahnet, Welt und Zeit für das Gute hin⸗ zugeben, gab für Recht und Heiligkeit, gab für Wahrheit Blut und Leben; ihm, der euch den Sieg errang, weihet Dank und Lobgesang! 5. Denkt des Lehrers! Thränen, fließt strömend von den Wangen nieder! Wer das Abendmahl genießt, meine Schwestern, meine Brüder, durch der Tugend Band ver⸗ eint, denke an den Menschen⸗ freund! unserer Heiligung ꝛc. 6. Alle geh'n wir eine Bahn, alle geh'n wir zu dem Ziele der Vollkommenheit hinan; reicht voll menschlicher Gefühle, durch der Menschheit Wert verwandt, eurer Bahn die Hand! 7. Wer des Lebens Glück genießt, wen des Lebens Sorge drücket, wem der Reue Thräne fließt, wen ein reines Herz beglücket; allen bin ich Bruder, Freund, nirgends hab' ich einen Feind. 8. Nein, ich habe keinen Feind, fließt, der Liebe Thrä⸗ nen, nieder! Wo des Höchsten Sonne scheint, sind die Men⸗ schen meine Brüder, wer den Namen Jesu nennt, und wer jetzt noch nicht ihn. kennt. 9. Fließt, der Liebe Thrä⸗ nen, fließt! Vorgefühl der Himmelsfreuden fühle, wer das Mahl genießt, Kraft zum Guten, Trost im Leiden! Fühlt als Himmelsbürger euch und als Menschen alle gleich! 10. Jesus Christus hat sein Blut für der Menschen Wohl gegeben; laßt uns Kräfte, Geist und Gut Brüdern widmen, für sie leben! Laßt uns zu des Himmels Höh'n euch auf b&.EeE x auf der Bahn der Liebe geh'n! G. W. Th. Starke, 1768-1830. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. 205. Hier bin ich, Jesu, zu erfüllen, was du in deiner Leidensnacht nach deinem gnadenvollen Willen zur Pflicht und Wohlthat mir gemacht. Verleih' zur Uebung dieser Pflicht mir deines Geistes Kraft und Licht! 2. Es werde mir für mein Gewissen dein Mahl ein tröst⸗ lich Unterpfand, daß ich, der Sündenschuld entrissen, durch dich bei Gott Vergebung fand; so freuet meine Seele sich in deinem Heil und lobet dich. 3. Bewundernd denk' ich an die Liebe, womit du unser Heil bedacht. Wie stark sind deine Mitleidstriebe, die dich bis an das Kreuz gebracht! Ja, deines Todes bitt'rer Schmerz macht tiefen Ein⸗ druck auf mein Herz. 4. Laß mich mit Ernst die Sünde scheuen, für welche du dich opfernd starbst; durch schnöden Mißbrauch nie ent⸗ weihen, was du so teuer mir erwarbst! Nie führe mich zur Von den heiligen Sakramenten ꝛc. 20⁵ Sicherheit der Trost, den mir dein Tod verleiht! 5. Ich übergebe mich aufs neue, o du, mein Herr und Gott, an dich; ich schwöre dir beständ'ge Treue an deinem Tische feierlich. Dein eigen will ich ewig sein. Du starbst für mich; drum bin ich dein. 6. Nie will ich mich vor Spöttern schämen des Dienstes, den man dir erweist; nie mich zu einem Schritt bequemen, den mein Gewissen sündlich heißt. O, flöße mir den Eifer ein, wie du, o Herr, gesinnt zu sein! 7. Laß mich mit Ernst den Nächsten lieben und, wenn er strauchelnd sich versieht, Versöhnlichkeit und Sanftmut üben; nie komm' es mir aus dem Gemüt, welch eine schwere Sündenlast du mir aus Huld erlassen hast! 8. Es stärke sich in mir der Glaube, daß meine Seele ewig lebt, und daß einst aus des Grabes Staube mich dein all⸗ mächt'ger Ruf erhebt, wenn du dich, großer Lebensfürst, den Völkern herrlich zeigen wirst. 9. Gebeugt lieg' ich zu deinen Füßen, mit Dank und 206 Lob, Gebet und Fleh'n. Laß neue Gnade auf mich fließen, mein Heiland, laß es doch ge⸗ scheh'n, daß mir zur Stärkung meiner Treu' dein Liebesmahl gesegnet sei! Dav. Bruhn, 1727—1782. Mel. 426. Mein Jesus ist mein Leben ꝛe. 206. Dein Mahl, das Mahl der Liebe, hat meine Seel' er⸗ quickt; du, den ich oft betrübe, wie hast du mich beglückt! 2. Den Himmel sah ich offen und seine Herrlichkeit, im wundersel'gen Hoffen, auch schon für mich bereit. 3. Das Opfer für die Sünde, du hast es darge⸗ bracht, und daß ich Gnade finde, sinkst du in Grabesnacht. 4. Herr Jesu, Retter, Tröster, dir treu sein leben⸗ lang bringt freudig dein Er⸗ löster dir seines Herzens Dank. 5. Dir hab' ich mich ergeben, dir ist mein Herz geweiht. Dich dankbar zu erheben, ist hohe Seligkeit. J. P. Hundeiker, 1752—1836. Mel. 58. Freu' dich sehr, o meine Seele ꝛe. 207. Oeffentlich in der Ge⸗ meine hab' ich, Mittler, dich Von den Mitteln zu unserer Heiligung ꝛc. bekannt. Ich empfing im Brot und Weine deiner Liebe teures Pfand. Feierlich war da mein Eid ewiger Beständigkeit. Du, mit dem ich mich vereinte, Herr, du weißt, wie ich es meinte. 2. O, wie war da deine Güte, Menschenfreund, von mir verehrt! Mit dem dank⸗ barsten Gemüte fühlt' ich ihren hohen Wert, als im Geist auf Golgatha ich dein bittres Leiden sah und dich an dem Kreuz erblickte, wo dein Tod auch mich beglückte. 3. Laut in mir rief mein Gewissen:„Bist du würdig dieser Huld? Ach, das Blut, das du siehst fließen, fließet auch für deine Schuld!“ Scham und Reu' erfüllten mich, glau⸗ bensvoll blick' ich auf dich; „Sünder“, sprichst du,„du sollst leben, alle Schuld ist dir vergeben!“ 4. Und ich weiß nun, ich soll leben, soll einst ewig selig sein; alle Schuld ist mir vergeben, bleib' ich nur von Sünde rein. O, dann fürcht' ich kein Gericht; Tod und Zu⸗ kunft schreckt mich nicht, wenn ich redlich und aus Liebe eifrig deinen Willen übe. 5. Herr, ich will dich nicht verlassen, nicht des Lasters Wege geh'n; jede Sünde will ich hassen und den Lüsten widersteh'n. Mein Erretter, o, gib du Kraft und Freudigkeit dazu, daß ich standhaft dich bekenne und mich nimmer von dir trenne! 6. Laß mir's mein Ge⸗ wissen sagen, wie so schmerz⸗ haft inn're Pein, wie so schwer der Sünde Plage und der Zukunft Strafe sei'n! Es erinn're mich daran, wie viel du an mir gethan und wie unwert deiner Liebe ich durch schnöden Undank bliebe! 7. Auch zur Liebe meiner Brüder treibe mich die Dank⸗ barkeit! Sie sind alle deine Glieder Erben einer Seligkeit. Selbst, der mich jetzt hasset, ist dein Erlöster, Jesu Christ; einst wird er mich nicht be⸗ trüben, mich als seinen Bruder lieben. 8. Herr, zu dem ich kind⸗ lich trete, blicke liebevoll auf mich; höre huldreich, was ich Von den heiligen Sakramenten ꝛc. 20⁷ bete, ganz verlass' ich mich auf dich. Volle Frucht der Besserung, Wachstum in der Heiligung, Hoffnung auf das ew'ge Leben laß dein Liebes⸗ mahl mir geben! Balth. Münter, 1735- 1798. Mel. 51. Wie groß ist des All⸗ mächt'gen Güte ꝛc. 208. Preis dir! Du hast aus deiner Fülle, Herr, unser schmachtend Herz erquickt. In welches Licht, in welche Stille ward betend unser Herz ent⸗ rückt! In uns erwachten höh're Triebe, als sich die Welt um uns verlor. Um uns war Himmel; Gottesliebe hob uns vom Irdischen empor. 2. Vollbracht ist sie, die heil'ge Feier; verkündigt ward von uns dein Tod. Dein Abendmahl sei stets uns teuer und unvergeßlich dein Gebot! Laß nie des Himmels Vor⸗ gefühle in uns erkalten und vergeh'n und würdig einst an jenem Ziele uns, Herr, den Preis der Tugend seh'n! Joh. Christ. Wagner, 1747— I825. — Die Sitten⸗ oder Cugendlehre. I. Tugend, Pflicht, christliches Bauptgebot. Mel. 82. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛc. 2009. Schön ist die Tugend, mein Verlangen und meiner ganzen Liebe wert. Mit aller Kraft ihr anzuhangen, hat auch mein Herz schon oft begehrt. Ach, könnt' ich mich doch ganz ihr weih'n, wie selig würd' ich dann nicht sein! 2. Gott ist der Seligkeiten Fülle von Ewigkeit zu Ewig⸗ keit. Denn sein Verstand ist Licht, sein Wille ist Ordnung und Vollkommenheit. Von Ewigkeit her war er gut, und recht ist immer, was er thut. 3. Wie schnell umhüllen Finsternisse mich, wenn ich auch erleuchtet bin; dann flieh'n die heiligsten Entschlüsse, den Morgennebeln gleich, dahin. Bald wähl' ich, was dem Herrn gefällt, bald wieder deinen Dienst, o Welt! 4. Ich Armer! darum kehrt kein Friede in meinem bangen Herzen ein. Wie bin ich dieses Wechsels müde! Wann werd' ich fest im Guten sein? wann nicht mehr straucheln, allezeit nur deinem Dienste, Gott, geweiht? 5. Unwandelbar ist deine Wahrheit, Herr, aller guten Gaben Quell! Sie leuchte mir in voller Klarheit beständig unbefleckt und hell, daß nie der Sünde Täuscherei gefährlich deinem Kinde sei! Tugend, Pflicht, christliches Hauptgebot. 209 6. O bilde, Vater, meine veränderlich; denn bin ich erst Seele; in deiner Liebe mache dein Eigentum, so bin ich ewig mich, daß ich kein anderes Gut auch dein Ruhm. mir wähle, gewiß und un⸗ Joh. Andr. Eramer, 1723—1788. 210. Eigene Melodie. 1785. * 1.— AiDDD‚H‚e‚e‚‚..... .PP.. IIIIII..... Tu⸗gend, o wie schön bist du! Nur durch dich ver⸗ 7.— 17 5 S SSPSPSPSPSSPSPSPI....— klärt, findꝰ ich je ⸗ ne wah ⸗- re Ruh', ———— 2———— 7—— SS.... —*— 4—— die mein Herz be⸗gehrt. 2. Oft sehnt sich dies Herz zwei'n; eher wollt' ich selbst nach dir, haßt den Trug der den Tod, als dir untreu sein. Welt, und dann wähl' ich Beröndert T doch, was ihr, nicht was ö Gott gefällt. Mel. 215. Es ist das Heil uns 3. Diese Schwachheit duld' kommen her ꝛe. ich nicht, die mich täglich 2Il. Erkenn' ich Gottes plagt, nimmer hält, was sie Wahrheit nicht, wie kann ich verspricht, und bald trotzt, weise handeln? Und fehlet bald zagt. meinem Geiste Licht, wie werd' 4. Vater, gib mir du ich richtig wandeln? Doch ist Bestand, meinem Herzen Licht; das Dunkel aufgeklärt, dann sicher leite deine Hand mich den fühl' ich meiner Menschheit Weg der Pflicht! Wert, erkenne meine Würde. 5. Ja, es soll nicht Lust, 2. Der Mensch, durch Wahr⸗ nicht Not mich mit dir ent⸗ heit aufgeklärt, lernt Pflicht 14 210 Tugend, Pflicht, und Tugend lieben und strebet, durch Vernunft gelehrt, getreu sie auszuüben. Der Gottheit fühlt er sich verwandt; er hat ihr Bild in sich erkannt und freut sich seiner Würde. 3. In jedem Menschen nah' und fern will er den Bruder ehren und allem Menschen— elend gern mit Wort und Thaten wehren; wo Not ihn ruft, da säumt er nicht, be⸗ geistert von dem Wink der Pflicht, als Mensch, als Christ und Bürger. 4. Ihn treibet nicht ver⸗ heiß'ner Lohn zu edeln, schönen Thaten; doch lehrt ihn die Religion, daß echter Tugend Saaten hier reifen für die Ewigkeit; sein Geist verlangt Unsterblichkeit, um stets sich zu veredeln. 5. Hilf uns, o Gott, zu jeder Zeit nach Licht und Wahrheit streben, damit wir uns zur Aehnlichkeit mit dir stets mehr erheben; dann seh'n wir einst im hellen Licht, was Wahrheit ist und Recht und Pflicht, und lieben nur die Tugend. Unbekannter Verfasser. christliches Hauptgebot. Mel. 124. Was mein Gott will, gescheh' allzeit ꝛe. 22. Oft klagt mein Herz, wie schwer es sei, den Weg des Herrn zu wandeln, von Irrtum und von Sünde frei zu denken und zu handeln. Müh', sie ist ein Kampf mit Lüsten, doch nicht mehr Tu⸗ gend wäre sie, wenn wir nicht kämpfen müßten. Lasters weih'n, trifft die kein Schmerz hienieden? Sie schaffen selbst sich Not und Pein und haben keinen Frie⸗ den. Der Fromme, der die Lüste dämpft, hat auch oft seine Leiden; allein der Schmerz, mit dem er kämpft, verwandelt sich in Freuden. 3. Des Lasters Bahn ist anfangs zwar ein breiter Weg durch Auen; allein sein Fort⸗ gang wird Gefahr, sein Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist anfangs steil, doch weiter fort führt er zum Heil und endlich zum Entzücken. 4. Gott, hättest du es uns vergönnt, nach unsers Fleisches Willen, wenn Wollust, Neid Wahr ist's, die Tugend kostet 2. Die sich dem Dienst des läßt nichts als Mühe blicken, F— ——23————————9——ß;7V ———54 2—— 4229 mir gelingen. und Zorn entbrennt, die Lüste frei zu stillen, und dürft' im Aufruhr wider dich der Men⸗ schen Bosheit schalten: ge⸗ rechter Gott, wie würde si dann deine Welt gestalten! 5. Du willst, der Mensch soll glücklich sein, drum gabst du ihm Gesetze. Sein Wohl kann nur durch sie gedeih'n; sie sind des Lebens Schätze. Du sprichst zu uns durch den Verstand und lehrst durch das Gewissen, was wir, Geschöpfe deiner Hand, bald flieh'n, bald wählen müssen. 6. Nur seinen Trieben folgt das Tier, der Mensch dem Licht der Seele. Vernunft erhielt er, Gott, von dir und Freiheit, daß er wähle. Was ist des Geistes Eigentum, was sein Beruf auf Erden? die Tugend; was ihr Lohn, ihr Ruhm? Dir, Heil'ger, ähnlich werden! 7. Ich streite nicht durch eigne Kraft; drum muß es, Gott ist es, welcher beides schafft, das Wollen und Vollbringen. Er kennet mich! nur er allein kann, stören, mein Rat, mein Trost — wenn mich Zweifel Tugend, Pflicht, christliches Hauptgebot. 211 und Beistand sein und mein Gebet erhören. 8. Mich stärket auf der Tugend Pfad das Beispiel ch sel'ger Geister. Ihn zeigte mir und ihn betrat einst selbst mein Herr und Meister. Nie müsse mich des Frechen Spott auf diesem Pfade hindern; der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott und nicht bei Menschenkindern. 9. Drum will ich jetzt und allezeit an meinen Tod ge⸗ denken, auf Rechenschaft und Ewigkeit oft meine Blicke lenken. Das Kleinod, das am Ziel mir winkt, soll mir vor Augen schweben und, wenn mein Mut im Kampfe sinkt, mit Kraft mich neu beleben. 10. Gott ist barmherzig! freue dich des Trostes, meine Seele! Er schonet meiner väterlich, wenn ich aus Schwachheit fehle. Versöhnt mit sich hat seine Huld die Welt in seinem Sohne; Ver⸗ gebung der bereuten Schuld find' ich an seinem Throne. Nach Gellert von G. F. W. Schultz, 1774—1842. 14*⁵ 212 Einzelne Pflichten. II. Einzelne Pflichten. Pflichten gegen Gott. Erkenntnis und Verehrung. Mel. 56. An Wasserflüssen ö Babylon ꝛc. 213. Dich kennen, Gott, ist Seligkeit, und sich zu dir er⸗ heben, ist Wonne, die mein Herz erfreut, wirkt eifriges Bestreben, dir und der Tugend mich zu weih'n, lehrt mich das Glück, ein Mensch zu sein und froh es zu empfinden, daß du mein Herr und Vater bist, daß es dein heil'ger Ratschluß ist, schon hier mein Wohl zu gründen. 2. Leicht kann ich deiner Größe Spur bei jedem Blick entdecken; ich sehe sie in der Natur. in allen deinen Zwecken; seh' Ordnung und Zusammen⸗ hang in aller deiner Werke Gang, vom Staube bis zur Sonne, und alles, was ich seh' und hör', zeigt deine Größe immer mehr, führt mich zu neuer Wonne. 3. Je mehr ich lerne, was du bist, je mehr ich deine Wege und was mit mir dein End⸗ zweck ist, nachdenkend über⸗ lege: Herr, desto mehr führt jeder Blick auf das für mich bestimmte Glück mich auf ein bess'res Leben; ich weiß, der mir geschenkte Geist, der sich dem Erdenstaub entreißt, wird sich zu dir erheben. 4. O, laß mich, deiner wert zu sein, stets mehr von dir ent⸗ decken und, kann ich es, mich dankbar freu'n und meinen Geist erwecken, daß, wenn er sich im Forschen übt, er nur die Wahrheit sucht und liebt; laß ihn bei Dunkel⸗ heiten, wo er, von Täuschung leicht verführt, sich oft zu weit von dir verliert, nie Eigendünkel leiten! 5. Ganz kann hier meine Fassungskraft nicht deine Größe sehen, nicht alles, was dein Ratschluß schafft, nach meinem Wunsch verstehen; und wagt mein Forschen dann zu viel, will es das ihm ge⸗ setzte Ziel aus Vorwitz über⸗ schreiten: so laß mich diesen Vorwitz scheu'n! Du willst ja —71 —7————4628— Pflichten gegen Gott. 213 mehr Licht mir verleih'n nach manches offenbar, was mir dieses Lebens Zeiten. hienieden dunkel war in deiner 6. Dann werd' ich, was Weisheit Wegen. Erhaben ich hier nicht weiß, erfahren über Welt und Zeit eil ich und verstehen; dann läßt des mit größ rer Sicherheit stets Geistes reger Fleiß mich immer hellerm Licht entgegen. weiter sehen; dann wird mir Joach. Christ. Gror, 17383—1801. 214. Eigene Melodie. Joh. Rud. Ahle, 1664. —4 + ..— 7——— SSSSeeeeeee‚ieee. L Lieb ⸗ster Je ⸗ su, wir sind hier, um dein Kei ne. ir ⸗ di ⸗ sche Be: dier soll jebt ö— Er— ‚ ö II— En E—— 1—— + SF E ren. ren, gött-lich Wort zu hö d das H uns ⸗ re An dacht stö 95 u Q N— I‚i‚.I r. von der Er-⸗de nur zu dir ge⸗ zo ⸗ gen wer ⸗de. 2. Unser Wissen und Ver⸗ 3. Deiner Weisheit reines stand ist mit Finsternis um⸗ Licht leuchte jetzt auch unsern geben. Mache du uns das Seelen, daß wir ihrem Unter⸗ bekannt, was uns dient zun eicht folgen und das Gute frommen Leben! Laß uns wählen! Lenke du Gebet und deines Wortes Lehren glaubig Lehre uns zum Heil und dir zur durch Gehorsam ehren! Ehre! Tob. Clausnitzer. 1618—1684. 214 Einzelne Pflichten. 25. Mel. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 1524. 2— Lob', Ehr⸗ und Preis dem höch⸗ sten Gut, dem Dankt ihm, der so viel Wun- der thut, mit — de, ů—— R— ,. —7.— Va ter al? ler Gu ⸗ te! Sei Sein fröh⸗ li⸗ chem Ge⸗ mit 2 te! ——.— 966 65 40 Trost — er ⸗ fül ⸗ let un ⸗ ser Herz, er heilt und lin⸗ dert V 5 V* 4 „ DDxi je ⸗den Schmerz. Gebt un⸗serm Gott die 2. Der Himmel Heere danken dir, Beherrscher aller Welten! Wer kann, o Gott der Liebe, dir, was du gethan, vergelten! Wir preisen alle deine Macht, die uns erschuf, die uns bewacht. Gebt unserm Gott die Ehre! Eh ⸗re! 4. Ich rief zum Herrn in meiner Not: Vernimm, o Gott, mein Flehen! Da half mein Retter mir vom Tod und ließ sein Heil mich sehen. Drum Drirn ich Dank, o Vater, dir. Ach, danket alle Gott mit mir; gebt unserm Gott 3. Was unser Gott ge⸗ die Ehre! schaffen hat, das will er auch erhalten; darüber will sein weiser Rat mit steter Gnade walten. In seinem ganzen Königreich herrscht Licht und Recht und Huld zugleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Er ist uns nah', Gott ist noch nicht von seinem Volk geschieden, bleibt seiner Frommen Zuversicht, gibt ihnen Heil und Frieden. Mit Vaterhänden führt er die, die ihm vertrau'n, und segnet ———* sie. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Menschenmacht nicht helfen kann, hört er noch unsre Klagen, nimmt unser sich als Vater an und läßt uns nicht verzagen. Wo Mut und Ruhe von uns weicht, ist er es, der uns Hilfe reicht. Gebt unserm Gott die Ehre! 7. So viel ich kann, will ich schon hier, o Herr, dir Opfer bringen. In höhern Welten einst wird mir dein Lob noch mehr gelingen. Mein Geist, o Gott, erhebe dich, mein ganzes Herz erfreue sich! Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Die ihr euch Gottes Kinder nennt, gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr seinen Sohn bekennt, gebt unserm Pflichten gegen Gott. recht und gut gemacht. Gott die Ehre! Vergebens trotzt der Sünder Spott; der Welten Herrscher bleibet Gott. Gebt unserm Gott die Ehre! 9. Wer seiner weisen Führung traut, darf vor dem Tod nicht beben; der Herr, der Nacht und Grab durchschaut, weckt ihn zu neuem Leben, wann einst sein Donner aus der Gruft zum Weltgericht die Toten ruft. Gebt unserm Gott die Ehre! 10. So kommet denn! Sein Angesicht schaut gnädig auf uns nieder; bezahlt des Dankes süße Pflicht und singt ihm Jubellieder! Der Herr hat stets an uns gedacht und alles Gebt unserm Gott die Ehre! Joh. Jak. Schütz, 1640 1690. Mel. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛe. 1690, —— 1—— + 4 3 1 5—————5 1—— 43— IDEESSS Noch sing' ich hier Wann einst, weit ü⸗ d. aus dunk⸗ ler ber al ⸗le Fer ⸗-ne, Ster=ne, 2 Gott mei- nes dich mein ver- klär-tes Ve ⸗bens, dir mein Lied. dann Au ⸗ge sieht, Einzelne Pflichten. —.— 2——— n Ln—— ———— ů— ö— .„ U schal-let dir, im Ju ⸗bel-klang der Ue-ber⸗ win⸗der, +*+ 35 9 —.—..————— B...... * mein Ge⸗sang. 2. Wohl mir indes! Du schaust hernieder auf mich, dein Kind, du hörst mein Fleh'n und kannst den Dank der schwachen Lieder, eh' ich sie dachte, schon versteh'n; sie geben meinem Geiste Schwung und fördern meine Besserung. 3. Froh wall' ich hin mit meinen Brüdern zu deines Tempels Heiligtum. Da schallt in dir geweihten Liedern, o Höchster, deines Namens Ruhm, und dann erweitert sich die Brust, im Hochgefühle heil'ger Lust. 4. Die Kraft von deinen Himmelslehren erhebt und adelt dessen Geist, der fromm vereint mit heil'gen Chören, Gott, deinen großen Namen preist, Anbetung dir und Ehre bringt und aus gerührtem Herzen singt. 5. Oft hab' ich auch in stillen Stunden, wann ich dir meine Freuden sang, der An⸗ dacht reine Glut empfunden, die da durch meine Seele drang. Mein Herz, wann dir mein Lied erscholl, ward seliger Empfindung voll. 6. Ich habe mir die Last der Leiden oft durch ein Trost⸗ lied leicht gemacht und statt des Kummers Ruh' und Freu⸗ den in mein beklomm'nes Herz gebracht. Die Hoffnung lebte wieder auf, sang ich zu dir, mein Gott, hinauf. 7. Doch sang ich noch aus dunkler Ferne. O, welche Wonne wird es sein, wann einst weit über alle Sterne, Gott, mich dein Antlitz wird erfreu'n! Da bin ich dir ganz Lobgesang in aller Himmel Jubelklang. Heinr. Erh. Heeren, 1728— 1811. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛe. 217. Wie lieblich ist, o Herr, die Stätte, wo deines Namens Pflichten gegen Gott. 217 Ehre wohnt! O gib, daß ich verschließe ja sein Herz ihm sie gern betrete, weil da dein Segen die belohnt, die deines Wortes sich erfreu'n und dir ein Herz voll Andacht weih'n! 2. Wohl dem, der dich in deinem Tempel, Gott, zu ver⸗ ehren Ernst beweist! Du hörst sein Lob und sein Exempel stärkt auch des Neben⸗ menschen Geist, daß er auf deiner Wahrheit Bahn recht⸗ schaffen vor dir wandeln kann. 3. Dein Wort bleibt nie⸗ mals ohne Segen, wenn man's nur recht zu Herzen nimmt; es gibt uns Trost auf Trüb⸗ salswegen, die du zu unserm Heil bestimmt; verleiht im Kampf uns Mut und Kraft und ist ein Schwert, das Sieg verschafft. 4. So werd' es denn mit Ernst verkündigt, dem From⸗ men, der die Tugend liebt, dem Wankenden, der oft noch sündigt, dem Frevler, der noch Laster übt, dem Heuchler, der sich schwer bekehrt, dem Zweif⸗ ler, der noch Wahrheit ehrt! 5. Gib deinem Diener, der uns lehret, des Eifers Kraft, der Wahrheit Licht, und wer das Wort der Wahrheit höret, Gottes geh'n. Wie manche nicht! O send' uns allen deinen Geist, der uns den Weg des Lebens weist! Joh. Andr. Cramer, 1723— 1788. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛc. 2¹8. Den Höchsten öffentlich verehren und in sein Haus mit Freuden geh'n, um an⸗ dachtsvoll sein Wort zu hören und ihn lobpreisend zu er⸗ höh'n, wie heilig ist nicht diese Pflicht und welchen Segen bringt sie nicht! 2. Wenn du nur in der Still' ihn ehrest, zwar Jesum deinen Heiland nennst, doch ihn nicht öffentlich verehrest, ihn nicht auch vor der Welt bekennst: bist du dann sein? Bist du ein Christ, der seinem Heiland dankbar ist? 3. Wer sich dem Gottes⸗ dienst entziehet, nicht achtet auf den Ruhetag, aus Trägheit die Versammlung fliehet und nicht mit andern beten mag, entzieht sich einer heil' gen Pflicht und gibt, was Gottes ist, ihm nicht. 4. Auch deinen Nächsten zu erbauen, mußt du zum Hause 2¹18 Einzelne sind, die auf dich schauen, die bloß auf andrer Vorbild seh'n! O denk' daran, daß du als Christ ein gutes Beispiel schuldig bist! 5. Doch selber dich von deinen Pflichten und von der Bahnzur Seligkeit noch immer mehr zu unterrichten in dieser deiner Prüfungszeit, wie nötig ist dies nicht, o Christ, der du geneigt zu Fehlern bist! 6. Wie schwach sind uns're eignen Kräfte! wie schwach Erkenntnis und Verstand! Der Gottesdienst ist ein Ge⸗ schäfte, wozu Gott gütig uns verband; ein Mittel, das uns neue Kraft zum Glauben und zur Tugend schafft. 7. Wie manchen Trost hab' ich empfunden, wenn ich das Wort des Herrn gehört! Wie lieb' ich euch, ihr frohen Stun⸗ den, da man anbetend Gott ver⸗ ehrtund, um das Ewige bemüht, sich aller Erdensorg' entzieht! 8. Nichts gleicht dem himm⸗ lischen Entzücken, das hier ein frommes Herz belebt, wenn es in sel'gen Augenblicken sich im Gebet zu Gott erhebt und voll des Glücks, das es genießt, von Dank und Freuden überfließt. Pflichten. 9. Wie nichtig sind der Erde Freuden dem, der des Himmels Freuden schmeckt! Wie süß der Trost, wenn man im Leiden sein Herz dem besten Freund entdeckt! Wie nichts ist alles Glück der Welt dem, dermitGott sich unterhält! 10. Kommt, fromme Christen, teure Brüder, vereint im Geist vor Gott zu steh'n; kommt, wir sind eines Leibes Glieder, kommt, unsern Schöpfer zu erhöh'n! Frohlockend preiset Jesum Christ, der unser Haupt und Mittler ist! 11. O, laßt uns schmecken und empfinden, wie freundlich Gott den Seinen ist— er, der so gnädig unsrer Sünden, sobald wir Buße thun, ver⸗ gißt, von neuem uns als Kinder liebt und liebreich Gnad' um Gnade gibt! 12. Erleuchte selbst, Herr, unsre Seelen; vertreib' aus uns des Irrtums Nacht; laß uns die Wahrheit nicht verfehlen, die uns dein Rat⸗ schluß kund gemacht, damit dein großer Ruhetag uns ewig dort beglücken mag! E. G. Küster, 17382— 1799. Mel. 175. Mache dich, mein Geist, bereit ꝛc. 29. Sammelt euch, o Christen, gern hier an heil' ger Stätte! Singt und danket euerm Herrn! Preist ihn im Gebete! Hört und ehrt, was er lehrt, und erwägt im stillen seinen Vaterwillen! 2. Sieh', o Gott, hier kommen wir mit der Schar der Deinen. O, wer wollte nicht vor dir andachtsvoll er⸗ scheinen? Du erfreust jeden Geist, der nach Weisheit ringet und zu dir sich schwinget. 3. Groß ist überall dein Ruhm, wo nur Wesen denken. Dieses Tempels Heiligtum kann dich nicht beschränken; doch auch hier strömt von dir Licht und Trost und Segen deinem Volk entgegen. 4. Von dem Weltgeräusch entfernt, das uns oft zerstreuet, fühlt hier unser Geist und lernt, was ihn stets erfreuet. Eitles Glück weicht zurück vor den höhern Gaben, die hier Fromme laben. 5. Unser Herz erweitert sich, wenn wir Menschen sehen, die hier still und feier⸗ Pflichten gegen Gott. lich mit uns vor dir stehen. 219 Jeder nennt und bekennt, trotz dem Wahn der Spötter, dich, den Gott der Götter. 6. Jeden zieht ein sanftes Band hin zu seinen Brüdern; alle fühlen sich verwandt, Hohe mit den Niedern; Freund und Feind sind vereint, dich, durch den sie leben, friedlich zu erheben. 7. Hier wird frommer Sinn geweckt, Licht und Trost ver⸗ breitet, mancher Sünder auf⸗ geschreckt und zu dir geleitet, und die Not, die uns droht, lernt in bösen Tagen unser Herz ertragen. 8. Ja, dein Wort, das hier ertönt, ist das Wort des Lebens. Er, der uns mit dir versöhnt, lehrt es nicht ver⸗ gebens. Selig ist jeder Christ, der es achtsam höret und durch Tugend ehret. 9. Gott, wir wollen oft und gern dich im Tempel preisen und hier Jesu, unserm Herrn, dankbar uns beweisen. Er allein soll es sein, den sich unsre Seelen stets zum Führer wählen. 10. Heil uns allen, wenn wir hier nie dein Wort ver⸗ achten und, den Engeln gleich, 220 vor dir zu erscheinen trachten! Schön und groß ist das Los aller, die sich üben, dich, o Herr, zu lieben. Joh. Wilh. Reche, 1764- 1835. Mel. 86. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛe. 220. Zeige dich uns ohne Hülle, ström' auf uns der Gnaden Fülle, daß, o Herr, an deinem Tage unser Herz der Welt entsage; daß, erlöst durch deine Leiden zu der Tugend reinen Freuden, deine glaubige Gemeine mit dem Vater sich vereinen 221. Mel. Wir Christenleut' ꝛc. Einzelne Pflichten. 2. O, daß frei von Erden⸗ bürden, von der Sünden Lasten würden unsre Seelen, unser Wille sanft wie diese Sabbat⸗ stille; daß von fern aus deinen Höhen wir des Lichtes Auf⸗ gang sähen, das uns alle dann verkläret, wann der Sabbat ewig währet! 3. Was ich strahlen seh' am Throne, ist es nicht der Sieger Krone? Sind die Lieder, die ich höre, nicht der Ueberwinder Chöre? Feiernd tragen sie die Palmen, ihr Triumph ertönt in Psalmen. Herr, du wollest selbst mich weihen diesem Sabbat deiner Treuen! F. G. Klopstock. 17241808. 1589. 72 n— 2—.— xiD‚iꝑiieieEieiieiRRiieEe e ————————— Nun geh'n wir hin im from-men Sinn, dein 6—* 2——— aereer.——— 2..— + 1—.— Werk, o Gott, auf Er ⸗ den hier zu trei ⸗ben. Wer * 4 — *.— — 1 4— +„ V I— — ID.— +— Wel ⸗-ten einst zer T ————————————— inin Pflichten gegen Gott. 221 2. Drum wollen wir auf Erden hier nach deines Sohnes heil'ger Vorschrift leben und, kommt der Tod auf dein Gebot, uns auf zu dir ins Vaterland erheben. Phil. David Müller, 1773—1848. Mel. 214. Liebster Jesu, wir sind hier ꝛe. 222. Güt'ger Gott, wir danken dir, daß du uns dein Wort gegeben. Gib uns Eifer, daß wir hier treu nach diesem Worte leben! Gib, o Herr, dem Glauben Stärke, daß er thätig sei durch Werke! 2. Uns, o Vater, lehrest du, was wir thun und glauben sollen. Schenk' uns deine Kraft dazu; gib zum Wissen auch das Wollen und zum Wollen das Vollbringen, so wird alles wohl gelingen! Joh. Adam Haßlocher, 1645- 1726. Dankbarkeit. 223. Eigene Melodie. Joh. Crüger, 1648. · Lneer L.. 2—— SSqjñ‚ 1 ID F —— — Nun dan⸗ket al ⸗le der gro⸗ße Ding⸗e 9— Gott mit Her⸗-zen, That und thut an uns und al ⸗len SE . 1ꝙD—— 4— SISIPIPIPIITITITITITITtTt.?'æxæÿG RCTRCTCT H 4—— Wor ⸗ ten, der mäch ⸗-tig uns er ⸗ hält und Or ⸗ten; — 2— —————.— ö ö—— uns von Kind-heit an bis die⸗ sen Au⸗ gen⸗ — blic nur Gu ⸗ tes hat ge ⸗ than! 222 Einzelne Pflichten. 2. Der ewig reiche Gott und unsern Seelen auch schon woll' uns, so laͤng' wir leben, ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben; woll' uns in seiner Gnad'erhaltenimmer⸗ fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort! 3. Lob, Ehr' und Dank sei Gott dem Vater und dem Sohne; Preis sei dem heil' gen Geist! Gott, dervom Himmels⸗ throne wohl an uns allen thut, bleibt, wie er ewig war, unendlich groß und gut. Lob sei ihm immerdar! Mart. Rinkart, 1586—1649. Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛe. 224. Nun danket alle, bringet Ehr' dem großen Herrn der Welt, der Himmel, Erde, Luft und Meer und jeden Staub erhält! 2. Besingtmitfrohem Jubel⸗ schall Gott, unser höchstes Gut, der große Wunder überall, auch an uns Menschen thut! 3. Von unsrer zarten Kind⸗ heit an hat er uns unterstützt; er, der allein uns helfen kann und gern uns hilft und schützt. 4. Aus seiner Fülle nehmen wir noch immer, was uns nährt hier Zufriedenheit gewährt. 5. Er streut auf dieses Lebens Pfad viel' Freuden um uns her. Die Not, womit sein weiser Rat uns prüft, erleichtert er. 6. Er trägt nach güt'ger Väter Art uns Schwache mit Geduld; er züchtigt wohl, doch nie zu hart, und schenkt uns gern die Schuld. 7. Er weckt uns das Ge⸗ wissen auf, ruft uns zur Besserung und stärkt uns, achten wir darauf, mit Kraft zur Heiligung. 8. Er bleibt uns treu; sein Wort steht fest. Wer hier sich zu ihm hält, kommt, wann er diese Welt verläßt, zum Glück der bessern Welt. 9. Er trag' uns ferner mit Geduld und helf' uns heilig sein und seiner väterlichen Huld uns allezeit erfreu'n! 10. Er geb' uns stets ein fröhlich Herz und einen from⸗ men Sinn, und selbst des Lebens bittrer Schmerz sei uns durch ihn Gewinn! 11. Er lasse seinen Segen ruh'n auf uns und jedem Land! Er gebe Glück zu unserm Pflichten gegen Gott. 223 Thun und Heil für jeden Stand! 12. Singt, Christen, singt ihm Preis und Dank für seine Gütigkeit! Einst weiht ihr höhern Lobgesang ihm in der Ewigkeit. Paul Gerhardt, 1607— 1676. Mel. 194. Du, o schönes Welt⸗ Wüder ꝛc. Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. 225. Halte dich nicht länger, fließe, stille Zähre meines Danks! Meine volle Seel' ergieße sich in Ströme des Gesangs! Daß ich gut und selig werde, schuf mich Gott; schon auf der Erde seh' und fühl' ich wonnevoll, was ich künftig werden soll. 2. Jeder Tag gebiert mir Freude, Freude jeder Augen⸗ blick; selbst die Schmerzen, die ich leide, segnen mich und werden Glück. Rieseln nicht im Pilgerlande Quellen auch aus dürrem Sande? Immer strahlt die Sonne nicht; aber auch die Nacht hat Licht. 3. Strömen nicht durch alle Sinne neue Freuden stets mir zu? Jedes Glück, das ich gewinne, wer gewährt es mir, als du? Ist es, Gott, nicht deine Gabe, daß ich diese Sinne habe und zum täg⸗ lichen Genuß Notdurft, ja. selbst Ueberfluß? 4. Gott, wie viele frohe Tage flossen, weil mir nichts gebrach, ruhig hin und frei von Klage, frei von Not und Ungemach! Bracht' auch einer Müh' und Sorgen: sie ent⸗ floh'n, und jeden Morgen, wann ich deine Sonne sah, waren neue Freuden da. 5. Hab' ich nicht aus deiner Fülle, was mein Herz nur wünschen mag: Speis' und Trank und Dach und Hülle, Schutz und Hilfe jeden Tag? Immer kam und kommt dein Segen unerwartet mir ent⸗ gegen und wo mir ein Uebel droht, Rettung oder Trost in Not. 6. Aus den Tiefen, von den Höhen, in den Thälern, vom Gefild', aus den Flüssen, aus den Seen segnest du mich, Herr, somild. Jahre, Wochen, Tage, Stunden, haben wir ge⸗ nug empfunden deiner Vater⸗ güte Macht, aber nie genug bedacht. 22⁴4 Einzelne 7. Oft im reichen Ueber⸗ flusse quält uns Unzufrieden⸗ heit, fehlt uns Weisheit im Genusse und ein Herz voll Freundlichkeit. Deines Segens Quellen flossen uns vorüber ungenossen, wir vergaßen unsre Pflicht; doch versiegten sie uns nicht. 8. Sicherheit in unserm Lande, Ordnung und Gesetz und Recht, diese starken, festen Bande für das menschliche Geschlecht, auch des Umgangs süße Freuden und der Freund⸗ schaft Trost im Leiden, Rat und Hilfe haben wir, milder Vater, nur von dir. 226. VD Pflichten. 9. Dies gewährst du diesem Leben, dieser kurzen Pilger⸗ zeit; was wirst du uns einst nicht geben, Höchster, in der Ewigkeit, wann wir unsern Lauf vollenden und aus deinen Vaterhänden nach voll⸗ brachter Tugendbahn unsers Sieges Preis empfah'n! 10. Fließet stärker und ergießet in die Jubel des Ge⸗ sangs euch in vollen Strömen, fließet, Freudenthränen meines Danks! Gut und selig einst zu werden, schuf mich Gott; und schon auf Erden seh' ich's, fühl' ich's wonnevoll, was ich künftig werden soll. Joh. Andr. Cramer, 1728—1788. Eigene Melodie. Joh. Karl Gerold, um 1800. . SSD . hoꝛa vah, Je— dah; Je 2 9 2—92 Deinem . Na⸗ men sei E re, Macht und Ruhm! ee,. — — — A ⸗ men! A⸗ men! Bis einst der Tem⸗— —— —2 ii x——— e en en e en ne i. —32————— 1.. 2 die ⸗ser Welt auf dein Wort in Staub zer=fällt, 11 ———— Pflichten gegen Gott. 22⁵ 21 en—.——— WEiDe. —— 0——— 0—— soll in un⸗ sern Hal ⸗ len das Hei ⸗ lig, — .— He. 2—. 2. 12— 2 4— SSSS—— Hei ⸗lig, Hei ⸗ lig er ⸗ schal ⸗ len. Hal⸗ —. ů— .........— H———56—4 4 12—.— II le⸗ lu⸗ jah! Hal ⸗le⸗lu ⸗ jah! 2. Sohn Gottes!, 3. Geist Gottes! e. Deinen Namen preist unser Deinen Namen erhebet unser Lobgesang. Amen! Amen! Lied. Amen! Amen! Durch Die Liebe hat dich uns ge⸗ dich kam Wahrheit, Licht und sandt; du machst ihren Rat Recht zu dem sterblichen Ge⸗ bekannt, willst uns von dem schlecht. Deiner die Erlösten, Bösen, o Heiland, er⸗ du Heil' ger, 1 sich trösten. lösen. Sei hochgelobt!„. Hallelujah! Vers 1 von Gottl. Konr. Pfeffel, 1786—1809. Vers 2 und 3 von G. F. W. Schultz, 1774— 1842. 2²⁷. Eigene Melodie. 1665. 2— 2— 1 N +— SPSPSISPSPSISISISISPSIPISEIPIPIPIEIESIEII....... D +7 L Lo ⸗be den Her-„ren, den mäch⸗ti⸗ gen Stim⸗-me froh⸗ lo-ckend mit ein in die *——.—— EE SISIS.ISI..... I..II.IIII IIIAI.... +——..————— H—— Kö ⸗nig der Eh ⸗ re! See ⸗le, dein Dank himm⸗li ⸗ schen Chö- re! 3 15 D3I...‚‚‚‚‚‚‚‚‚‚‚‚‚‚‚e‚‚‚e‚ee‚e‚eeee‚eeeee‚ee‚‚ee———————————— 226 Einzelne Pflichten. — VE* , *— schal le mit fro-hem Ge⸗ sang dei- nem Er⸗ 4—— V F— ꝓ N II 7— ů 2—— A.. van SISISISISISISIIIIIFI.F * hal⸗ ter zur Ch⸗ re! 2. Lobe den Herren, der 4. Lobe den Herren, der stets alles auf's beste regieret, der dich beschützet und segnet, ihn, dich mit Weisheit und Güte dessen Himmel dir Ströme der bis hieher geführet, der dir Liebe geregnet! Denke daran, gewährt, was dich erfreuet was der Allmächtige kann, wie und nährt! Dank' es ihm er dir huldreich begegnet! innigst gerühret! 5. Lobe den Herren! Wie 3. Lobe den Herren, der selig ist's, seiner sich freuen und ünstlich und fein dich bereitet, das Gelübde der Frömmigkeit der dir Gesundheit verliehen, stets ihm erneuen! Er ist dein dich freundlich geleitet! In Licht. Seele, vergiß seiner wie viel Not hat nicht der nicht; eil', ihm ein Danklied gnädige Gott Schutz dir und zu weihen! Rettung bereitet! Idach. Neander, 1610—1680. 228. Eigene Melodie. 1785.(1804.) 9⁰— *— 3— ö 2—..—— — 2 +—. 0 Sollt' ich mei- nem Gott nicht sing en? ihm nicht Preis und +„re bring⸗ en? Sollt' ich ihm nicht dank⸗ bar sein? mich nicht sei ⸗ner Lie-be freu'n? MAt 0 — Pflichten gegen Gott. 227⁷ N II .. EEEEE I.—*2 2—1 •. 275 67 —=— LII —2. 1 nichts als Lie ⸗be, was 12 sein Va⸗ter⸗ herz be⸗ wegt, *** ö—— —————— ———— *—— — —— was mich mit Er⸗bar-men trägt, wenn ich sei ⸗nen ———————— iSiSSiEEEEEx Wil⸗len ü⸗ be. Al⸗les wäh⸗ ret sei ne Zeit, V ——.— 8 —— D REIIE —— 78. Got ⸗tes Lieb' in E-⸗wig ⸗keit. 2. Wie ein Adler sein am Kreuze mir zu gut, daß Gefieder über seine Jungen streckt, so hat mich und meine Brüder Gottes treuer Schutz bedeckt. Er, der über mich schon wachte, als ich kaum zu sein begann, sah mit Vater⸗ huld mich an, eh' ich noch empfand und dachte. Alles währet seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 3. Für mich Armen, mich Verlornen, mich, der ich ein Sünder bin, gab er seinen Eingebornen, Jesum, in den Tod dahin. Mir zum Heil kam er auf Erden, lehrte, lit, vergoß sein Blut, starb ich möchte selig werden. Alles währet seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 4. Mir zum Lehrer, mir zum Führer sandt' er seines Sohnes Geist, zum Beschützer, zum Regierer, der mir gibt, was er verheißt. Er beruhigt meine Seele, schenkt mir Mut und Zuversicht, Licht und Stärke, daß ich nicht meines Daseins Ziel verfehle. Alles währet seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 5. Ewig soll ich selig werden. Welche Zukunft wartet mein! Doch, ich soll auch 15* 2²⁸ Einzelne schon auf Erden täglich seiner Huld mich freu'n. Was be⸗ darf ich, welche Gabe fehlt mir zur Zufriedenheit, wenn ich, was er mir gebeut, wenn ich ihn vor Augen habe? Alles währet seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 6. Himmel, Luft und Erde dienen mir zum Segen, und durch ihn müssen mir die Berge grünen, müssen mir die Thäler blüh'n. Tier' und Kräuter und Getreide, in den Gründen, in der Höh', in den Büschen, in der See, sind mir Nahrung, sind mir Freude. Alles währet seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 7. Wie so manche schwere Plage hat mein Gott schon abgewandt! Wie so viele heitre Tage hat er mir schon zugesandt! Blieb mir auch sein Rat verborgen, dennoch war er Heil für mich. Gott entriß mich väterlich jeder Angst und allen Sorgen. Alles währet seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 8. Wie ein Vater seinem Kinde nie sein liebreich Herz entzieht, wenn es gleich, ver⸗ Pflichten. führt zur Sünde, von dem rechten Wege flieht: also schont Gott seine Kinder, straft und züchtigt sie, doch nie straft er und verwirft er sie wie verstockte, freche Sünder. Alles währet seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewig⸗ keit. 9. Ja, Gott segnet auch durch Leiden, auch auf rauhen Wegen führt seine Hand zu höhern Freuden, und wer treu war, triumphiert. Die, so hier mit Thränen säen, ernten jenseits hoch erfreut Himmels⸗ lust und Seligkeit, wann sie vor dem Throne stehen. Alles währet seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 10. O, der du so reich an Liebe, Gott, so sehr mein Vater bist, hilf, daß ich mich täglich übe, dein zu sein als wahrer Christ! Leib und Seele mag verschmachten, wenn du mein bist. Laß denn mich jedes Scheinglück gern um dich und um deine Huld ver⸗ achten; denn es währt nur kurze Zeit, deine Lieb' in Ewigkeit! Paul Gerhardt, 1607—1676. Pflichten gegen Gott. 229 Eigene Melodie. 1539. +2 E .— 2 +— L—. lein Gott in der Höh' Dank für sei ⸗ ne Gna ⸗ de! Uns fahr und Un ⸗fall scha. de: wohl-zu⸗ thun ist er be V reit, sein Rat ist uns⸗ re ö 2. Ja, Vater, wir erheben dich mit freudigem Gemüte. Du herrschest unveränderlich mit Weisheit und mit Güte. Unendlich groß ist deine Macht, und stets geschieht, was du bedacht. Wohl uns, daß du regierest! 3. O Jesu Christ, des Höchsten Sohn, dich, seinen Eingebornen, dich sandte Gott vom Himmelsthron zur Ret⸗ tung der Verlornen. Du Mittler zwischen uns und Gott, hilf uns im Leben und im Tod, erbarm' dich unser aller! Se ⸗ lig ⸗ keit. Er⸗-he⸗ bet 5 2— EE =n EADDEEE— ———————.———44 ihn mit Freu ⸗den! 4. O heil'ger Geist, du Geist von Gott, erleuchte, heil'ge, tröste, die Jesus Christ durch seinen Tod zum Dienst des Herrn erlöste! Auf deinen Beistand hoffen wir; verlaß uns nicht, so sind wir hier und auch einst ewig selig! Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Freude an Gott, Liebe zu ihm und Streben nach Gottähnlichkeit. Mel. 161. Schwing' dich auf zu deinem Gott ꝛe. 3„Deines Gottes freue dich, dank' ihm, meine Seele! 230 Sorget er nicht väterlich, daß kein Gut dir fehle? Schützt dich seine Vorsicht nicht, wenn Gefahren dräuen? Ist's nicht Wonne, ist's nicht Pflicht, seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Gott, ich hab' an dir, was mein Herz begehret, einen Vater, welcher mir, was mir nützt, gewähret; der mich durch sein göttlich Wort hier zum Guten lenket und mit Himmelswonne dort meine Seele tränket. 3. Wenn ich ernstlich dein Gebot und mit Freuden übe; wenn ich kindlich dich, mein Gott, fürcht' und ehr' und liebe: o, wie ist mir dann so wohl, wie ist mein Gemüte seliger Empfindung voll, reich in deiner Güte! 4. Dann darf ich mit Zuversicht nach dem Himmel blicken. Meine Leiden fühl' ich nicht, wie sie mich auch drücken. Hoffnung und Zufriedenheit wohnen mir im Herzen, trösten und erhöh'n mich weit über alle Schmerzen. 5. Du bist mein! so sag' ich dann; wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ich's rühmen kann: Mir ist deine Gnade, Einzelne Pflichten. dir ist meine Wohlfahrt wert; der du mir das Leben schenktest, wirst auch, was mich nährt und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem Rat in die Welt gekommen; alle meine Missethat hat er weggenommen. Ihm vertrau', ihn bet' ich an, glaub' an seine Leiden, und die Macht der Sünde kann mich von dir nicht scheiden. 7. Dich, du Trost der Sterb⸗ lichkeit, Heil des bessernLebens, himmlische Vollkommenheit, such' ich nicht vergebens. Wenn mein Lauf vollendet ist und vollbracht mein Leiden, ruft mein Mittler, Jesus Christ, mich zu deinen Freuden. 8. Meine Freud' in dir, mein Gott, wird dann ewig währen. Noch so furchtbar sei der Tod, er kann sie nicht stören. Willig werd' ich mein Gebein der Verwesung geben; bald bricht, Herr, dein Tag herein, mit ihm neues Leben. 9. Gib mir, Gott, so lang ich hier in der Fremde walle, das Bewußtsein, daß ich dir als dein Kind gefalle! Diese sanfte Freudigkeit, die zu dir ich habe, sei mein Heil in Pflichten gegen Gott. 231 dieser Zeit und mein Trost dein Wille; daß ich noch bin, am Grabe! 10. Laß die Lust der Sünde nie dieses Heil mir rauben! Rüste selbst mich wider sie mit Vernunft und Glauben! Gib mir deinen Geist, der mich und mein Thun regiere, daß ich mein Vertrau'n auf dich ewig nicht verliere! Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛc. 231. Quelle der Vollkommen⸗ heiten, Gott, mein Gott, wie lieb' ich dich, und mit welchen Seligkeiten sättigt deine Liebe mich! Wie viel Trost gibt sie im Leiden, wie erhöht sie meine Freuden! Deine Liebe soll allein Antrieb mir zur Tugend sein. 2. Denk' ich deiner, wie erhebet meine Seele sich in mir! Wie getröstet, wie be⸗ lebet fühl' ich mich, o Gott, von dir! Jeder Blick auf deine Werke, deine Weisheit, Huld und Stärke, wie ent⸗ lastet er mein Herz von Be⸗ kümmernis und Schmerz! 3. Floß aus deiner Segens⸗ fülle mir nicht stündlich Gutes zu? Daß ich ward, das war wirkest du. Daß ich denke, daß ich wähle, dankt dir, Vater, meine Seele; dankt dir, daß sie dich erkennt und dich ihren Vater nennt. 4. Du erlösest vom Ver⸗ derben mich durch deinen Sohn, o Gott; ließest den Gerechten sterben; mir zum Leben ward sein Tod. Ewig dort mit ihm zu leben, hast du mir durch ihn gegeben, ewig deiner mich zu freu'n und von dir geliebt zu sein. 5. Sollt' ich dir, du Herr der Welten, der so väterlich mich liebt, nur mit Undank das vergelten, was mir deine Liebe gibt? Könnt' ich ruhig hier auf Erden ohne deine Liebe werden, ohne sie nach dieser Zeit würdig sein der Seligkeit? 6. Heil mir, wenn ich es empfinde, daß du, Gott, die Liebe bist, und aus Liebe jede Sünde ernstlich meide als ein Christ! Wenn auf dein Gebot ich achte und es zu erfüllen trachte, dann, o Vater, fehlt mir nicht Seelen⸗ ruh' und Zuversicht. 7. Noch ehr' ich dich un⸗ vollkommen, ist mein Herz 232 Einzelne gleich liebevoll. Dort, im Vaterland der Frommen, lieb' ich dich, Herr, wieich soll. Ganz werd' ich dort deinen Willen kennen, freudig ihn erfüllen und empfah'n an deinem Thron der vollkomm'nen Liebe Lohn. Joh. Christ. Wagner, 1747— 1825. Mel. 46. Wo sind die Weisen, die mich lehren ꝛe. 232. Dir, Höchster, soll ich ähnlich werden, vollkommen soll ich sein, wie du, Gott, Schöpfer Himmels und der Erden! Dies ruft mir Jesus Christus zu. Mit Furcht und bebendem Entzücken, doch neu⸗ belebt an Herz und Geist, wag' ich's, in jenes Licht zu blicken, das dich, Unendlicher, umfleußt. 2. Ich, so gering, ein Mensch, ein Sünder, der, Gott, dein Ebenbild verlor, ich schwinge mit dem Ueberwinder des Todes mich zu dir empor. Weicht hinter mich, du Sonn' und Erde! Ein Strahl der Gottheit wohnt in mir; wenn ich dem Schöpfer ähnlich werde, so bin ich größer noch als ihr. 3. Das Ziel, zu dem nur Geister fliegen, dies hohe Ziel erwartet mich. Im Schoße meines Herzens wiegen schon Pflichten. Ahnungen und Kräfte sich. Ich bin bereit, den Weg zu wallen, der mich in jene Höhen führt und, wo der Engel Psalmen hallen, am Throne Gottes sich verliert. 4. Von jeder bösen Lust geläutert, mit frommem, hei⸗ ligem Gefühl, durch Liebe und Gebet erheitert, erring' ich das erhab'ne Ziel. Kein täuschend Irrlicht soll mich blenden, kein Wahn verdunkeln meine Bahn; ich werde siegen und vollenden; schon weht mich Gottes Friede an. 5. Nie will ich, Lob nur zu erschmeicheln, dem Ruf der Pflichten folgsam sein; nie Tugend und Bewund'rung heucheln und meinen Geist durch Stolz entweih'n. Nie will ich selber mich erheben, von meiner Thaten Glanz bethört; wie könnt' ich denn das Ziel erstreben, wenn Hoch⸗ mut meine Seel' entehrt? 6. Wenn mir kein Ruhm zu wünschen bliebe, wie klein wär' ich doch noch vor dir! Du, Gott, willst nur ein Herz voll Liebe, nicht eitler Thaten Schein von mir. Aus Liebe riefest du den Welten, 4 aus Liebe gabst du deinen Sohn. Wer kann dir, Höchster, dies vergelten? Wo reifet, Ew'ger, dir ein Lohn? 7. Wie oft, wie oft vergaß ich Armer, ich Frevler, treu⸗ los meine Pflicht, und doch, unendlicher Erbarmer! ver⸗ schonte mich noch dein Gericht. Auf Flügeln deiner Huld ge⸗ tragen, wag' ich es noch, mein Gott, zu dir die kühnen Augen aufzuschlagen, und du ver⸗ gibst die Sünde mir. 8. Laß mir dies Bild im Herzen leben, daß ich, von Leidenschaften frei, selbst mei⸗ nem Feinde zu vergeben stets willig und entschlossen sei! Vielleicht eh' noch der Morgen grauet, verschlang uns beide schon das Grab, und ach! ein heil'ger Richter schauet dann auf den Schuldigen herab. 9. Durch Großmut, Herr, will ich mich rächen, wenn mich ein Feind zu Boden drückt, und seinen Zorn durch Liebe schwä— chen, wenn er verderbend auf mich blickt; will keinen Dienst ihm je versagen, erschien' er auch mit Trotz vor mir; ge⸗ duldig will ich alles tragen, als eine Prüfung, Gott, von dir. Pflichten gegen Gott. 23² 10. Du sendest Sonnen⸗ schein und Regen des Guten und des Bösen Feld, du schüttest deinen vollen Segen gleich gütig auf die ganze Welt. Lieb' ich nur, die mich wieder lieben, und schließe sanft an sie mich an und hasse die, so mich betrüben, was hab' ich Großes dann gethan? 11. Nein, segnen will ich, die mir fluchen, will des Ver⸗ folgers Ungestüm durch Wohl⸗ thun zu entkräften suchen, durch Liebe mildern seinen Grimm. Durch Liebe nur kann ich er⸗ ringen das hohe Ziel, schon winkt es mir; nur Liebe trägt auf kühnen Schwingen mich über Zeit und Grab zu dir. Chr. Ludw. Neuffer, 1769—1839. Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen Willen. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 23 Der Herr ist meine Zuversicht, mein einz'ger Trost im Leben. Dem fehlt es nie an Trost und Licht, der sich dem Herrn ergeben. Gott ist mein Gott; auf sein Gebot 23⁴ Einzelne wird meine Seele stille, mir g'nügt des Vaters Wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertrau'n? Du bist des Schwachen Stärke! Zu dir em⸗ por gerichtet, schau'n wir nichts als Wunderwerke. Herr, groß von Rat und stark von That, mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk vollenden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, verlassen sehen müssen. Er kann, wenn ihn auch Not umgibt, doch deinen Trost genießen. Des Frommen Herz wird frei von Schmerz. Der Sünder eitles Dichten pflegst du, Herr, zu vernichten. 4. Drum hoff', o Seele, hoff' auf Gott! Des Thoren Trost verschwindet, wenn der Ge⸗ rechte in der Not das Herz des Schöpfers findet. Wenn jener fällt, ist er ein Held; er steht, wenn Sünder zittern, als Fels in Ungewittern. 5. Wirf nicht die große Hoffnung hin, die dir dein Glaube reichet! Weh' denen, die zu Menschen flieh'n; weh' dem, der Gott entweichet! Der Treue Lohn hat Gottes Sohn, der einst am Kreuz gestorben, als Mittler dir erworben. Pflichten. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her auch Ungewitter stürmen! Flieh' nur zu Gott, dann wird dich er mit starkem Arm beschirmen. Des Herzens Qual, der Thränen Zahl kennt er; mit Vaterhänden will er dein Leiden enden. 7. Herr, du bist meine Zuversicht. Auf dich hofft meine Seele. Du weißt es ja, was mir gebricht, wenn ich mich sorgend quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlassen und sich in Kummer fassen? 8. Ja, dir nur, meinem Gott und Herrn, will ich mich ganz ergeben. Nur dir allein befehl' ich gern mein Wohlsein und mein Leben. Sei du mein Gott und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlitz schaue! Chr. Chr. Sturm, 1740-— 1786. Mel. 124. Was mein Gott will, gescheh' allzeit ꝛe. 234. Vertrauen ist des Christen Pflicht, ein kindliches Vertrauen. Er soll, wenn's ihm an Trost gebricht, o Herr, auf dich nur schauen, und nie bist dꝓu dem Frommen fern; du kannst ihn nie ver⸗ schmähen; du segnest und er⸗ rettest gern und hörest auf sein Flehen. 2. Doch soll kein Thor mit Zuversicht die stolze Hoffnung wagen, du, Vater, werdest ihm auch nicht, was er begehrt, versagen. Wenn gleich bei aller unsrer Schuld dein Herz noch liebreich denket, so wird doch deine Vaterhuld von Weisheit nur gelenket. 3. Wie leicht, o Gott, kann deine Macht des Menschen Wunsch erfüllen! Wie leicht, noch eh' er es gedacht, des Herzens Klagen stillen! Doch wer in Not durch Wunder nur sich will geholfen sehen, der schmäht die Ordnung der Natur und sündigt durch sein Flehen. 4. Wer deiner Huld ver⸗ sichert ist, darf deinen Segen hoffen. Es steht, weil du sein Vater bist, ihm selbst der Himmel offen. Wer nicht in dir den Vater liebt und auf der Bahn des Lebens nicht dir sein ganzes Herz ergibt, der sucht sein Glück vergebens. 5. Ja, wenn er auch mit Sicherheit sich seiner Andacht freuet, doch fern von wahrer Pflichten gegen Gott. 235⁵5 Frömmigkeit nicht vor der Sünde scheuet, so mag sein heuchlerisches Herz nur immer Hoffnung fassen; es fühlt bei des Gewissens Schmerz sich endlich doch verlassen. 6. Wie mancher, der noch wirken kann, bleibt müßig oder träge, verfolget blind der Thorheit Plan, geht ungerechte Wege. Er schmeichelt sich, du werdest ihn den Uebeln doch entziehen. Umsonst! Will er sie selbst nicht flieh'n, sie werden ihn nicht fliehen. 7. Du, weiser Gott, ent⸗ fernst uns nicht von drohenden Gefahren, die ohne Nachteil unsrer Pflicht leicht zu ver⸗ meiden waren. Wir sollen mit Besonnenheit auch Rat und Warnung nützen; denn nie wird deine Heiligkeit uns auch beim Leichtsinn schützen. 8. Gott, laß verweg'ne Zuversicht doch nie mein Herz verführen! Sie schafft mir deinen Beifall nicht, sie läßt mich ihn verlieren. Nur kind⸗ lich soll ich dir vertrau'n, nie thöricht, nie vermessen, soll, um getrost auf dich zu schau'n, nie meiner Pflicht vergessen. Joach. Christ. Grot, 1783-1801. Einzelne Pflichten. Mel. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir ꝛe 15²⁵ ⁴ ů +* *V.— 1 I + 2—— +F I J 2 en en e, eeren der⸗=eereed.,. +; ö + Wie Gott mich füh-ret, will ich geh'n; er 9005 de ⸗ nen, die 155 ihn nur seh'n, an + + kann nichts ses wäh 4 len, Wie er mich führt, folg' kei ⸗- nem Gut es feh⸗ len. D 1 I I...I.....T..... ,.—.—.—.—.. ich ihm nach durch Bren den und 433 Un⸗ge-mach voll ̃—— ———I —5 +2—— EN I 2. 2 2——— II 25— kind ⸗li ⸗ chen Ver⸗ trau-ens. 2. Wie Gott mich führet, will ich gern von ihm mich leiten lassen, kann ich gleich oft den Weg des Herrn und seinen Rat nicht fass en. Mein Eigenwille weig're sich, in Gottes Hand ergeb' ch mich mit kindlichem Gemüte. 3. Wie Gott mich führet, folg' ich treu im Glauben, Hoffen, Leiden. Steht er mit seiner Kraft mir bei, was kann von ihm mich scheiden? Auf Gott steht meine Hoff⸗ nung fest; was er mir wider⸗ fahren läßt, muß mir zum besten dienen. 4. Wie Gott mich führet, wird er mich auch in den größten Stürmen, wenn ich ihm folge, väterlich mit seiner Huld beschirmen. Wenn er nur meine Seel' erhält, so laß er, wie's ihm wohlgefällt, mich leben oder sterben. 5. Wie Gott mich führet, will ich geh'n durch Freuden oder Leiden. Hier kann ich Pflichten gegen Gott. 237 nicht sein Antlitz seh'n; dort mich treu und wohl geführet chau' ich's einst voll Freuden. hat; wohl mir, wenn ich ihm Dort seh' ich, daß sein Vaterrat folge! Lambert Gedicke, 1683— 1735. Eigene Melodie. 1690. —. + 1 1 I. I 25—— 2 I— dine enr. + 2 50 Was Gott thut, das ist wohl- ge-⸗ than; gut Er nimmt sich stets der Sei ⸗ nen an, drum . 1 4 4 IL 1 4— er, Ki. * ö——...————— ist ö und bleibt sein Wil le. Er ist mein Gott, der halt' auch ich ihm stil-le. 2 7——+.— + . I 2 232—4—— +2 1 .—3 W— ů. IX +— —2.— 2— I D +— + 4— in der Not mich wohl weiß zu er⸗ hal⸗ ten; drum N ———— 4— —— 2— EHAN ö— s—— 2 laß ich ihn nur wal 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; wie sollt' ich ängstlich klagen? Führt er mich gleich auf rauher Bahn, so will ich doch nicht zagen. Hab' ich Geduld, wird seine Huld zum besten alles wenden. Es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er ist mein Licht, =ten. mein Leben, von dem nichts Böses kommen kann; ich will mich ihm ergeben. Ja, seine Treu' ist täglich neu; drum will auf ihn ich bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Muß ich den Kelch gleich trinken, der bitter ist nach meinem Wahn, soll 238 doch mein Mut nicht sinken. Sein Trost ergötzt mich doch zuletzt, gibt Freudigkeit dem Herzen; dann weichen alle Schmerzen. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; dies bleibt mein Einzelne Pflichten. Trost im Glauben. Ihn soll, wenn Not und Tod sich nah'n, nichts meinem Herzen rauben. Mein Gott hat mich so väter⸗ lich bis diesen Tag erhalten; drum laß ich ihn nur walten. Sam. Rodigast, 1649—1708. 237. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛe. 15⁴7. 0 ö———— ————— SSSSSSEE ——.— 2— Wenn Men⸗schen-hil-fe dir ge⸗bricht, so — ö ———— 11— +—.— SSSSSSSSSeEEEEE *— 2...———... hoff' auf Gott und za- ge nicht! Wenn nie-mand hilft, so 4— ö A, E———— ———————2——.—5 ů—2 —*—.—.—— 2 SS—— I———— hilft doch er; mit ihm ist kei ⸗ ne Last schwer 2. Laß nie der Menschen Gunst allein dein einziges Vertrauen sein! Wer weiß, ob, wer ein Freund dir scheint, es immer treu und redlich meint? 3. Ist seine Lieb' auch kein Betrug, hat er auch Licht und Macht genug? Entreißt nicht oft ein Augenblick ihm, deinem Freunde, selbst sein Glück? 4. Nur Gott ist's, dessen Schild dich deckt, wenn Not und Elend dich erschreckt. Dein wahrer Freund bleibt er allein und wird es bis zum Grabe sein. 5. Schützt er dich, o dann ist dein Feind nicht furchtbar mehr, wenn er's auch scheint. Es muß vor seiner Allmacht Dräu'n sich selbst des Meeres Sturm zerstreu'n. und wacht? 6. Was sich ihm auch ent⸗ gegenstellt, es geht doch, wie es ihm gefällt. Laß ihn be⸗ schließen, was er will, und hoff' auf ihn und halt' ihm still! Nach Anton Ulrich, 3—1710 4 Braunschweig, 1633— Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 238.5 In allen meinen Thaten laß—9 den Höchsten raten, der alles kann und hat. Er muß in allen Dingen, damit sie uns gelingen, mit Hilfe segnen Rat und That. 2. Sorg' ich auch spät und frühe, was helfen Sorg' und Mühe, wenn er nicht sorgt Er mag's mit meinen Sachen nach seinem Willen machen; er hat noch alles wohl gemacht. 3. Es kann mir nichts ge⸗ schehen, er hat's vorher gesehen und selber mir bestimmt. Nie will ich mehr begehren, will gern auch das entbehren, was er aus Vaterhuld mir nimmt. 4. Wohl mir, daß seine Gnade auf jedem rauhen Pfade mich leitet und beschützt! Wall' ich auf seinen Wegen, so wird durch seinen Segen mir nichts Herz begehrt, und hätte, was gebrechen, was mir nützt. Pflichten gegen Gott. 239 5. Ihm will ich selbst mein Leben getrost und willig geben, sobald er mir's gebeut. Es sei heut' oder morgen, dafür laß ich ihn sorgen; er weiß allein die rechte Zeit. 6. Sei denn im Tod und Leben ihm, meine Seel', er⸗ geben voll froher Zuversicht! Es gehe, wie es gehe; dein Vater in der Höhe versäumet und verläßt dich nicht. Paul Fleming, 1609—1640. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 239. Auf Gott und nicht auf meinen Rat will ich mein Wohlsein bauen und dem, der mich erschaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewig⸗ keit, wie viel mir nützen würde; bestimmte meines Le⸗ bens Zeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein 2⁴40 ich bitte, mir gnädig, eh' ich's bat, gewährt, wenn's seine Weisheit litte. Er sorgt für mich stets väterlich. Nicht das, was ich ersehe,— was Gott beschließt, geschehe! 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbst das widrige Geschick, bei dessen Last wir klagen? Die größte Not hebt doch der Tod; der Erde Ruhm und Habe verläßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, läßt Gott es keinem fehlen. Gesundheit, Reichtum, Glanz und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rat vor Augen hat, dem ist sein gut Gewissen ein Licht in Finsternissen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's überwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern. Seid fröhlich, ihr Ge⸗ rechten! Der Herr hilft seinen Knechten. Chr. F. Gellert, 1715—-1769. gedacht, wer kann sein Werk Einzelne Pflichten. Mel. 789. Herzlich thur mich verlangen ꝛc. 240. Befiehl du deine Wege und alles, was dich kränkt, der treuen Vaterpflege des, der das Weltall lenkt! Den Sternen, Wolken, Winden bezeichnet er die Bahn; auch du wirst Wege finden nach seiner Weisheit Plan. 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, wenn dir's soll wohlergeh'n; auf ihn nur mußt du schauen, wenn dein Werk soll besteh'n. Gott läßt durch Sorg' und Grämen und selbstgemachte Pein sich keine Wohlthat nehmen. Drum hoff' auf ihn allein. 3. Er ist voll Treu' und Gnade und sorgt mit weiser Huld, daß dir kein Unfall schade; nur leide mit Geduld! Er wird dich schon beschützen; auch Leiden müssen dir durch seine Weisheit nützen; erwarte dies von ihr. 4. Gott irrt in seinen Wegen, in seiner Wahl sich nicht. Sein Thun ist lauter Segen, sein Gang ist Recht und Licht. Und wenn er seinen Kindern ein Glück hat zu⸗ Pflichten gegen Gott. dann hindern? Er spricht, so 2 ist's vollbracht. 5. Und brausten alle Stürme und Wetter her auf sie, nein, unter Gottes Schirme erlägen sie doch nie! Im Himmel und auf Erden kann ihm nichts widersteh'n. Was er beschließt, muß werden, was er gebeut, gescheh'n. 6. Vertrau' ihm, meine Seele! er weiß, was dir gebricht. Daß er dein Bestes wähle, das glaub' und zweifle nicht! Er führt zu einer Wonne, die, wenn dein Gram entfleucht, dem Glanze seiner Sonne nach trüben Tagen gleicht. 7. Entreiß' dich allen Sorgen, geh' treu der Tugend Bahn! Es bricht vielleicht schon morgen ein schönrer Tag dir an. Dann siehst du mit Entzücken.die dunkle Nacht entflieh'n, die deinen schwachen Blicken so undurchdringlich schien. 8. Laß ihn nur thun und walten; er wird als weiser Fürst dein Schicksal so ge⸗ stalten, daß du ihn preisen 241 wirst, wenn er, wie's ihm gebühret, mit wunderbarem Rat sein großes Werk voll⸗ — das dich bekümmert at. 9. Zuweilen mag's wohl scheinen, als ob er von dir wich, als hört' er dich nicht weinen und übersähe dich; doch hat in trüben Stunden dein Herz sich heilig, rein und ihm getreu erfunden, wie wird er dich erfreu'n! 10. O, wohl dir, dem Getreuen! du trägst den Sieg davon. Laß dich den Kampf nicht reuen; dir winkt des Himmels Lohn. Hier sollst du überwinden das Leiden dieser Zeit; dort wirst du Ruhe finden und ew'ge Seligkeit. 11. So höre, was ich flehe: Verlaß mich, Vater, nicht! Sei du in meiner Nähe, wann einst mein Auge bricht! Laß allen, die dann weinen an meines Grabes Rand, das Licht der Hoffnung scheinen dort aus dem Heimat⸗ land! Nach Paul Gerhardt, 1607—1676. 16 242 Einzelne Pflichten. 241. Eigene Melodie. Georg Neumark, 1657. * dn nin ar. n ni nn—— Wer nur den lie-ben Gott läßt wal-ten und den wird er wun⸗der⸗bar er-⸗ hal⸗ ten in e, R. . 2 0 0—— hof ⸗fet auf ihn al ⸗ le ⸗ zeit, al ⸗ler Not und Trau⸗rig- keit. i RE——5—— — 2— 12— 10..— Al ⸗ler-höch- sten, traut, der hat auf kei- nen Wer Gott, dem Q 272— — EE ..*.——II —.—4 Sand ge⸗-baut. 2. Was hilft's, wenn der dich liebt, dir alles, was unter Gram und Sorgen dein dir nützet, gibt. banges Herz zwar Trost be⸗ 4. Der weise Vater kennt 315 und doch vom Abend die Stunden, wo Trübsal oder is zum Morgen die unzu⸗Freude nützt; hat er dich nur fried'ne Klage währt? Ver⸗ getreu befunden, so glaube fest, mehrest du nicht selbst dein daß er dich schützt! Er trocknet Leid durch Ungeduld und dir, eh' du es meinst, die Traurigkeit? Thränen ab, die du noch weinst. 3. Zu Gott sei deine 5. Denk' nicht, wen Lust Seele stille, fromm in Ver⸗ und Glück umfassen, daß der leugnung und Geduld; was ein Liebling Gottes sei, du dich betrübt, ist nie sein aber seist von ihm verlassen, Wille, doch oftmals ist es hört er nicht gleich dein Angst⸗ deine Schuld. Er ist ja Vater, geschrei. Die Zukunft klärt den dunklen Lauf der weisen Führung Gottes auf. 6. Noch danken wirst du ihm, nur glaube, was Gott thut, das sei wohl bedacht; er hebt den Niedern aus dem Staube und stürzt des stolzen Sünders Macht. Wohl dem, der mit Ergebung schweigt, wo sich ihm selbst kein Aus⸗ weg zeigt! 7. So wandle denn auf Gottes Wegen, bet' und sei deiner Pflicht getreu; denk' nicht, daß Gott dir seinen Segen auch ohne Arbeit schuldig sei! Es ist sein eigenes Geheiß: Verbind', o Christ, Gebet und Fleiß! 8. Mein Gott, du bist's, auf den ich traue, mein Helfer, meine Zuversicht, auf den ich Glück und Hoffnung baue. Erbarmer, ach, verlaß mich nicht! Führst du mich, Gott, gleich wunderlich, zu dir nur, Vater, führe mich! Georg Neumark, 1621—1681. Mel 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 242. Was soll ich ängstlich klagen und ohne Hoffnung zagen? Der Höchste sorgt Pflichten gegen Gott. 2⁴43 für mich; er sorgt, daß meiner Seele kein wahres Wohlsein fehle. Genug zum Trost, mein Herz, für dich! 2. Was nützt es, heidnisch sorgen und jeden neuen Morgen mit neuem Kummer sehin? Du, Vater meiner Tage, kennst, eh' ich dir's noch klage, mein Leid, so wie mein Wohlergeh'n. 3. Auf deine Hand zu schauen, dir kindlich zu ver⸗ trauen, das, Herr, ist meine Pflicht. Ich will sie treulich üben und dich, mein Vater, lieben; denn du versäumst die Deinen nicht. 4. Der du die Blumen kleidest und alle Tiere weidest, du Schöpfer der Natur, siehst alles, was mir fehlet; drum, Seele, was dich quälet, befiehl dem Herrn und glaube nur! 5. Herr, alle meine Sorgen, die Not, die oft verborgen an meinem Herzen nagt, werf' ich auf dich, den Treuen; du weißt den zu erfreuen, der fromm nach deiner Hilfe fragt. 6. Ja, wenn mein Auge thränet und sich nach Hilfe sehnet, so klag' ich's dir, dem Herrn. Dir, Vater, dir be⸗ fehle ich jeden Wunsch der 810 244 Seele; du hörst, du hilfst, du segnest gern. 7. Du hast mir hier im Leben schon größ'res Heil gegeben und deinen Sohn geschenkt; du wirst mir alles schenken und mir zum Besten lenken, was mich zu Sorgen reizt und kränkt. 8. Du leitest, Herr, die Deinen nicht immer, wie sie's meinen, doch stets nach deinem Rat. Ob ich mich auch be⸗ trübe, bleibt doch dein Rat voll Liebe; das zeigt der Ausgang und die That. 9. Wenn ich hier Tiefen sehe und es nicht ganz verstehe, was du mit mir gethan, kann ich doch des mich trösten: mein Gott nimmt mich Erlösten gewiß dereinst zu Ehren an. 10. Dort, bei der Frommen Scharen, dort werd' ich es erfahren, wie gut dein Rat uns führt; nach überstand'nem Leiden sing' ich dir dann mit Freuden den Dank, der deiner Huld gebührt. Chr. Chr. Sturm, 1740—1786. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 243. Gott hab' ich mich ergeben in diesem Pilgerleben, Einzelne Pflichten. im Unglück und im Glück. Ihm dank ich meine Freuden, ihn preis' ich auch im Leiden, bis zu dem letzten Augenblick 2. Gott war's, der für mich wachte, noch eh' ich war und dachte. Des Ew'gen treue Hand hat gnädig mich geleitet, auch da mein Glück bereitet, wo ich nur Schmerz und Leiden fand. ö 3. Was helfen meine Sor⸗ gen? Mein Glück ist mir ver⸗ borgen, mein Unglück kenn' ich nicht. Du, dem ich mich befehle, du weißt, was meiner Seele zu ihrem wahren Glück gebricht. 4. Warum ich heute flehe, das möchte, wenn's geschähe, schon morgen mich gereu'n. Nur einen Wunsch vor allen laß, Herr, dir wohlgefallen, den Wunsch, zufrieden stets zu sein! 5. Sich groß und kindlich zeigen, heißt tief im Staube schweigen und nehmen, was Gott gibt. Er kann uns nicht verlassen, die ihm vertrau'n, nicht hassen; er züchtigt nur, weil er uns liebt. 6. Wenn ich verlassen scheine und trostlos bin und weine, was will mein banges Herz! Herr, hilf es mir besiegen! nicht au'n, nur, heine eine, erz? gen! Es sehnt sich nach Vergnügen, doch was es wünscht, wird oft sein Schmerz. 7. Nicht das, warum ich flehe, dein Wille nur geschehe und was mir heilsam ist. Ich will dir, Herr, ergeben getrost und ruhig leben, bis einst der Tod mein Auge schließt. Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 152. Warum sollt' ich mich denn grämen ꝛe. 244. Warum willst du doch für morgen, banges Herz, dir zum Schmerz, immer ängst⸗ lich sorgen? Wozu dient dein täglich Grämen? Nur dazu, dir die Ruh' ohne Not zu nehmen. 2. Wer, als Gott, gab mir das Leben? Wer, als er, hat bisher alles mir gegeben, was mein Leben zu erhalten nötig war? Immerdar laß ich dich, Gott, walten. 3. Der das Größ're uns gegeben, einen Geist, der ihn preist, diesen Leib, dies Leben, wird uns auch das Klein're schenken. Sein bin ich; auch an mich wird er liebreich denken. 4. Was auf meiner Pilger⸗ reise mir gebricht, kennt er's Pflichten gegen Gott. 245⁵ nicht, er, der ewig Weise? Sollt' er meiner je vergessen? Er, mein Heil, hat mein Teil längst mir zugemessen. 5. Nährt den Vogel in den Lüften nicht der Herr? Weidet er nicht das Tier auf Triften? Kleidet er des Grases Blume nicht mit Pracht, seiner Macht, seiner Huld zum Ruhme? 6. Nur auf mich sollt' er nicht achten? In der Not ließe Gott hilflos mich ver⸗ schmachten? Ich bin sein; mir soll nicht grauen. Väter⸗ lich liebt Gott mich. Ihm will ich vertrauen. 7. Nütz' ich meine Zeit und Kräfte widme sie spät und früh' nützlichem Geschäfte: o dann kommt sein reicher Segen— ganz gewiß glaub' ich dies — meinem Thun entgegen. 8. Ich will nur vor allen Dingen suchen, mir Weisheit hier, Tugend zu erringen, was mir sonst noch nützt hienieden, das wird mir, Herr, von dir ja gewiß beschieden. 9. Vor der fernen Zukunft zagen will ich nicht; es ge⸗ bricht keinem Tag an Plagen. 2⁴46 Einzelne Pflichten. Heute leb' ich; bin ich morgen soll, dir, Herr, Leib und Seele. nicht vielleicht schon erbleicht? Sorge du! Dir halt' ich stille; Warum will ich sorgen? ich soll dein ewig sin Es 10. Sorge du nur! Ich gescheh' dein Wille! befehle glaubensvoll, wie ich Laur. Laurenti, 1666—1722. Eigene Melodie. — G.— —2 Auf mei ⸗ nen lie-ben Gott trau' ich in A U 2 ..— Not. Die ihn um— hug fleh ⸗ 60 ver⸗ 4—. ———.—.—.—.——— Nön⸗ ten. Er wird mein Un⸗glück Jak. litütii⸗ 2 1574. al⸗ler 2 +. D. 4 5——— I —. E — 1 2 1———340 wen⸗ den, es steht in sei ⸗- nen Hän ⸗den. 2. Auch beim Gewissens- erkalten; den Geist wird Gott schmerz verzaget nicht mein erhalten. Herz. Auf Christum will ich 4. Mein Heiland, Jesu bauen und fest auf ihn ver⸗Christ, der du aus Liebe bist trauen; ihm will ich mich er⸗ für mich am Kreuz gestorben; geben im Tode wie im Leben. du hast mir Heil erworben; du 3. Und nimmt der Tod schaffst auf, kurze Leiden den mich hin, ist's dennoch mein Deinen ew'ge Freuden. Gewinn. Ich weiß, an wen 5. Ich harr' und traue dir; ich glaube; er läßt mich nicht einst schenkst du sie auch mir. im Staube. Es mag der Leib Ich habe dein Versprechen, Pflichten gegen Gott. 24⁷ das wirst du nimmer brechen. 5. Liebe ist es, welche Auch ich bin, wann ich sterbe, dir Lebensglück und Freuden des ew'gen Lebens Erbe. schenket; Liebe fügt es, wenn Sigism. Weingärtner, um 1600. dich hier Angst und Schmerz und Kummer kränket. Gott Mel. 138. Meinen Jesum laß ist Vater, mild und gut; Lieb' ich nicht ꝛe. ist alles, was er thut. 246. Säe deine Thränen⸗ 6. Lerne denn Gelassenheit, saat, frommer Dulder, hier Unterwerfung und Vertrauen! im Glauben; auch der aller- an dem Schluß der Prüfungs⸗ rauhste Pfad müsse dir den zeit wirst du froh zurücke Trost nicht rauben, daß einst schauen auf den Weg, der nach der Dunkelheit dich ein durch die Nacht dich ins Land hell'res Licht erfreut. des Lichts gebracht. 2. Ausgerungen haben schon 7. O, dann fließet ihr nicht viele, die hier glaͤubend litten, mehr, Thränen, die dem Aug' beten an vor Gottes Thron; entflossen! Wie ein Strom ihre Krone ist erstritten. Du, von oben her wird der Trost auch du wirst Sieger sein und ins Herz gegossen, Trost vom dich bald der Krone freu'n. Quell der Seligkeit, über⸗ 3. Denk', daß Gottes Vater⸗Hwiegend alles Leid. hand weisheitsvoll die Leiden 8. Harre, Dulder, unverzagt, wäget und dich in der Thränen harre in der Nächte Grauen! Land immer mit Erbarmen Wann der große Morgen tagt, träget! Väterlich ist sein Be⸗ wirst du die Gefilde schauen, müh'n, dich zum Himmel zu die dem Sieger offen steh'n, erzieh'n. wirst die Krone winken seh'n. 4. Hier ist dein Erziehungs⸗ 9. O, dann schwindet alles land, hier sollst du durch Leid, wie der Nebel vor der Prüfung lernen; dort ist das Sonne. Vor dir liegt die vollkomm'ne Land, dort in Ewigkeit dieses heitre Land der unbekannten Fernen winkt dir Wonne. Ohne Thränen gehst unvermischtes Glück; dorthin du ein, ewig selig da zu sein. wende deinen Blick! ö Chr. G. L. Meister, 1738—1811. 248⁸ Mel. 37. Schwingt, heilige Gedanken ꝛe. 247. Von Gott will ich nicht lassen; denn er verläßt mich nicht. Im Kummer mich zu fassen, gibt er mir Kraft und Licht. Er steht mir hilf⸗ reich bei; mit jedem neuen Morgen weiß er mich zu ver⸗ sorgen, ich sei auch, wo ich sei. 2. Der Menschen Gunst und Liebe wankt oft und ändert sich; doch Gottes Vatertriebe sind unveränderlich. Er weiß aus jeder Not, eh' wir's ver⸗ mutet hätten, uns wunderbar zu retten und hilft uns selbst vom Tod. 3. Nur ihm will ich ver⸗ trauen, auch in der schwersten Zeit auf seine Hilfe bauen; er segnet selbst durch Leid. Gott sei es heimgestellt! Ihm will ich übergeben Leib, Seele, Gut und Leben. Er mach's, wie's ihm gefällt! 4. Nur das kann ihm gefallen, was gut ist; gab er doch selbst seinen Sohn uns allen, beglückt und liebt uns noch. Hat Gott so viel gethan, wird er auch das gewähren, was unsern Leib ernähren, den Geist erfreuen kann. Einzelne Pflichten. 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, lobt ihn, der alles schenkt! Wie selig ist die Stunde, darin man sein ge⸗ So nützt man recht denkt! die Zeit. Wir sollen ja auf Erden durch ihn schon selig werden, noch mehr in Ewigkeit. 6. Mag doch die Welt ver⸗ gehen mit aller ihrer Pracht; das Heil bleibt ewig stehen, das Gott mir zugedacht. Zwar schließ' ich hier den Lauf; doch wach' ich, wann im Grabe ich ausgeschlummert habe, zum höhern Leben auf. 7. Mein Geist wird ewig leben, und dort soll ihn ver⸗ klärt ein neuer Leib umgeben, des höhern Daseins wert. Wie werd'ich dann mich freu'n, wie fröhlich Gott erheben, in jenem neuen Leben wie rein, wie selig sein! 8. Vergilt, was ich hier dulde, die Leiden dieser Zeit, wenn ich sie nicht verschulde, nicht Gottes Ewigkeit? Sie ist von Freude voll, die den, der Christum liebet und sich im Guten übet, auch ewig lohnen soll. 9. Das ist des Höchsten Wille, das meines Vaters Rat; drum geh' ich fromm und stille des Lebens dunkeln Pfad. Sein Geist bleibt mir nicht fern. Er ist es, der mich leitet, zJum Himmel mich be⸗ reitet; wenn er winkt, folg' ich gern. Lud. Helmbold, 1532—1598. Mel. 120. O Ewigkeit, du Donnerwort ꝛc. 248. Mein Glaub' ist meines Lebens Ruh'; er führt mich deinem Himmel zu, o du, an den ich glaube! Verleih' auch mir Beständigkeit, daß diesen Trost der Sterblichkeit nichts meiner Seeleraube! Tief präg' es meinem Herzen ein, welch Glück es sei, ein Christ zu sein! 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht zu deiner Ewigkeit ein Recht durch deinen Tod erworben. Nun wird mein Leib zwar Asch' und Staub, doch nicht des Todes ew'ger Raub; du bist für mich ge⸗ storben. Mir, der ich dein Erlöster bin, ist auch das Sterben selbst Gewinn. 3. Ich bin erlöst und bin ein Christ; mein Herz ist ruhig und vergißt die Schmerzen dieses Lebens. Ich dulde, was ich dulden soll, und bin des Pflichten gegen Gott. 249 hohen Trostes voll: ich leide nicht vergebens! Gott selber mißt mein Teil mir zu, hier kur⸗ zen Schmerz, dort ew'ge Ruh'. 4. Was seid ihr Leiden dieser Zeit mir, der ich jener Herr⸗ lichkeit mit Ruh' entgegen⸗ schaue? Bald ruft mich Gott, und ewiglich belohnet und er⸗ quickt er mich, weil ich ihm hier vertraue. Ach, bald ver⸗ schwindet aller Schmerz, und Himmelsfreuden schmeckt mein Herz! 5. Bin ich gleich schwach, so trag ich doch nicht mehr der Sünde schändlich Joch in meinem Lauf auf Erden. Die Tugend ist mir süße Pflicht, und kann ich gleich auch jetzt noch nicht ganz frei von Fehlern werden, so ist mein Trost: Gott hat Geduld und straft mich nicht nach meiner Schuld. 6. Der du den Tod für mich bezwangst, du Mittler hast mich aus der Angst, die mich umfing, gerissen. Nur dir verdank' ich meine Ruh'; du heilest meine Wunden zu und stillest mein Gewissen, und fall' ich noch in meinem Lauf, so richtest du mich wieder auf. 250 Einzelne 7. Gelobt sei Gott! ich bin ein Christ, und seine Gnad' und Wahrheit ist an mir auch nicht vergebens. Ich wachs' in meiner Heiligung, ich fühle täglich Besserung des Herzens und des Lebens, bin stets getrost und tugendhaft, o Herr, durch deines Geistes Kraft. 8. Dank sei dir, Vater, Dank und Ruhm! Mich lehrt dein Evangelium fest glauben, Liebe üben. Es gibt mir Ruh' und Heiterkeit, führt mich zu wahrer Seligkeit; wie sollt' ich es nicht lieben? Es sei mein Trost, es sei mein Licht, bis mir das Herz im Tode bricht! Balth. Münter,‚, 1735-1793. Ehrfurcht gegen Gott. Heilighaltung des Eides. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛe. 249. Herr, aller Weisheit Quell, o laß mich recht er— kennen, daß nur die Frömmig⸗ keit auch Weisheit sei zu nennen; doch gib mir auch dabei ein Herz, das so dich ehrt, wie dir es wohlgefällt und uns dein Sohn gelehrt! 2. Ich nenne mich nach ihm. Beförd're mein Bestreben, auch stets nach seinem Sinn zu Pflichten. denken und zu leben! Ich bin getauft auf ihn. Dies sei zur Heiligung, wozu sein Geist mich ruft, mir stets Ermunterung! 3. Auch mir gabst du dein Wort; dies leite meine Seele, daß sie den sichern Weg der wahren Tugend wähle! Was nützt der Glaube mir, was der Erkenntnis Licht, wenn es zum Guten mir an Lust und Kraft gebricht? 4. Laß mich gewissenhaft in allen Stücken wandeln und überall von dir so denken, reden, handeln, daß ich, im Herzen rein, dir, Gott, vertrauen kann und froh versichert sei: Du nimmst dich meiner an! ö 5. Doch, wenn ich Schwacher noch aus Uebereilung fehle, Herr, so verwirf mich nicht! Erwecke meine Seele, daß sie den Fehltritt gern erkenne, bald bereu' und ihn aufs künftige zu meiden wachsam sei! 6. Ich übergebe mich bis an mein Lebensende mit allem, was ich bin, in deine Vater⸗ hände. O, mache du, mein Gott, den Vorsatz fest in mir, ein wahrer Christ zu sein, so leb' und sterb' ich dir. Chr. Knorr v. Rosenroth, 1636—1689. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛe. 250. Dich, Höchster, ehr⸗ erbietig scheuen, sei meine Lust und Seligkeit; denn niemand kann sich deiner freuen, der nicht dein heilig Auge scheut. Erfülle denn, o Vater, mich mitKindesehrfurchtgegen dich! 2. Sie sei ein Licht auf allen Wegen für meinen irren⸗ den Verstand; sie treibe mich, das abzulegen, was ich als Unrecht hab'erkannt! EinHerz, von jeder Sünde rein, will ich,‚ Herr, dir zum Opfer weih'n. 3. Laß mich, o Vater, stets erwägen, daß du allgegen⸗ wärtig bist, und keine Neigung in mir hegen, die dir, mein Gott, zuwider ist! Was hilft der Beifall aller Welt, wenn dir mein Leben nicht gefällt? 4. Nie laß mich dein Gericht vergessen, damit ich, deinem Rufe treu, in meinem Glücke nie vermessen, in Not nicht wankelmütig sei; daß ich nicht frevle, weil du schonst, nicht gleich nach unserm Thun uns lohnst! 5. Laß mich mit weiser Vor⸗ sicht fliehen, was mich zu Sünden reizen kann; mich um Pflichten gegen Gott. 251 ein reines Herz bemühen und nimm dich meiner hilfreich an: so leg' ich schon in dieser Zeit den Grund zu meiner Seligkeit. 6. Erhalt' in mir ein gut Gewissen, das weder Spott noch Trübsal scheu', und mache von den Hindernissen der wahren Tugend selbst mich frei! Nie störe Furcht noch Lust der Welt mich, das zu thun, was dir gefällt! 7. Mit Ehrfurcht laß vor dir mich wandeln und stets, ich sei auch, wo ich sei, nach deiner Vorschrift redlich handeln, ent⸗ fernt von aller Heuchelei! Wer dich von Herzen liebt und ehrt, nur der ist dir, o Vater, wert. 8. Mit dieser Ehrfurcht will ich sterben; dann schrecken Tod und Grab mich nicht; dann werd' ich jenes Leben erben, das mein Erlöser mir verspricht. Zum Vaterhause geh' ich ein, um ewig selig dort zu sein. Benj. Schmolck, 1672— 1737. Mel. 120. O Ewigkeit, du Donnerwort ꝛc. 251. Gott, der du Herzens⸗ kenner bist, Herr, dem die Falschheit Greuel ist und jeder Trug Verbrechen: kein Wort 25²2 spricht je ein falscher Mund, Allwissender, dir ist es kund; du Heiliger wirst's rächen. Laß jederzeit mein Ja und Nein aufrichtig und voll Wahrheit sein! 2. Und wann ich schwörend vor dir steh', hinauf zu deinem Himmel seh' und meine Hand erhebe; wann ich dich, Gott, zum Zeugen ruf', zum Rächer dich, der mich erschuf, durch den ich bin und lebe; dann sei von Lüg' und Heuchelei mein Herz und meine Zunge frei! 3. Wenn Frevler auch noch da dich schmäh'n und frech vor dir mit Lügen steh'n, dann laß mein Herz erschrecken! Weh' dem, der seinen Gott verlacht, ihn zu der Bosheit Siegel macht, sie vor der Welt zu decken! Mit Zittern denk' ich deiner dann, der Leib und Seel' verderben kann. 4. O Seele, wenn du dich noch liebst, erwäg', was du zum Pfande gibst, dein Glück, dein ewig Leben! Verlier' nicht mit Verwegenheit dein Teil an Gott und Seligkeit; wer kann dir's wiedergeben? Gewännst du auch die ganze Welt, ist sie es, die dich schadlos hält? Einzelne Pflichten. 5. Gott, wenn du nicht mein Gott mehr bist, dein Sohn nicht mehr mein Heiland ist, dein Himmel nicht mein Erbe; wenn mich beim Leiden dieser Zeit kein Trost vom Him⸗ mel mehr erfreut, kein Trost mehr, wenn ich sterbe; ist Gott und Jesus nicht mehr mein, dann besser nie geboren sein! 6. Wie thöricht, wer noch denkt und spricht:„Gott sieht es nicht, Gott achtet's nicht!“ So lästern Spötter⸗Rotten. Ja, Gottes Langmut ist be⸗ kannt; er lähmt nicht jede falsche Hand; doch Gott läßt sich nicht spotten. Er kann dich strafen in der Zeit und strafen noch in Ewigkeit! 7. Nein, Ehre nicht, kein Gut noch Geld und keine Herrlichkeit der Welt soll mich so weit verführen. Und drohten mir auch Schmerz und Leid, ich will doch Gott und Seligkeit mutwillig nicht verlieren. Was immerhin mein Los hier sei, nur reines Herz und Gott dabei! 8. Gott, lehre mich bei jedem Eid aus Scheu vor deiner Heiligkeit die Wahrheit redlich sprechen! Beschwör' ich heilig Amt und Pflich, so laß mich auch im kleinsten nicht, was ich gelobte, brechen! Auch dir, Gott, schwur ich, treu zu sein; erhalt' mich ewig, ewig dein! 9. Gott, der du selbst die Wahrheit bist, mein Trost auch noch im Tode ist, was mir dein Wort verheißen. So wahr du Gott bist, sagst du's zu, ich hör's mit heit'rer Seelenruh': Nichts soll mich dir entreißen! Ich halte, Vater, meinen Eid und fürchte nicht die Ewigkeit. Joh. Dan. Karl Bickel, 1737—1809. Mel. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛe. 252. Heilig, heilig sei der Eid euch, ihr Christen, die ihr schwöret! Fühlt mit Ernst die Heiligkeit eures Richters, der euch höret; wißt, er ist der Lügen Feind hier und wann er einst erscheint! 2. Er, der Wahrheit Gott, begehrt, wenn wir ihm gefallen wollen, daß wir ihren hohen Wert fühlen und auch ehren sollen; denken, wie wir reden, sie nie verstellen, leugnen nie. 3. Wann ihr eure Hand erhebt, dann ergreif' euch heil ger Schrecken! Denkt: Gott ist uns nah', er lebt, er wird Pflichten gegen Gott. 253 alles doch entdecken, was. Betrug und List verstellt, er, der Richter aller Welt! 4. Gott, den keine Finsternis euch verhüllet, wann ihr lüget, hört und strafet den gewiß, der durch falschen Schwur betrüget. Was für Menschen täuschend war, ist vor Gott doch offenbar. 5. Wenn ihr freveln wolltet, achl eures eignen Herzens Klage folgt auf jedem Tritt euch nach, quält bei Nacht euch und am Tage; dieses innere Gericht, o wie furchtbar ist es nicht! 6. Pein und Elend würde dann alles um euch her auf Erden; alles, was sonst segnen kann, müßte dann zum Fluch euch werden, und Verzweiflung käm' zugleich ohne Rettung über euch. 7. Sagt: Für aller Welt Gewinn geb' ich nicht des Herzens Ruhe, nicht die Ueber⸗ zeugung hin, daß das recht ist, was ich thue; daß mich, wo der Heil'ge spricht, keine Neigung mehr besticht. 8. Dann dürft ihr zu Gott hinan voll Vertrau'n und Hoff⸗ nung sehen, könnt auch selbst die rauhste Bahn mutig und 254 mit Ruhe gehen. Jedem, der es redlich meint, ist Gott Vater, ist Gott Freund. Gottfr. Arnold, 1666—1714. Mel. 228. Sollt' ich meinem Gott nicht singen ꝛe. 253. Gut und heilig ist dein Wille, wie du selbst es bist, o Gott! Du gebeutst; in tiefer Stille hört die Schöpfung dein Gebot. Die im Himmel dir lobsingen, steh'n um deinen Thron bereit, freuen sich der Seligkeit, deinen Willen zu vollbringen; nur der Mensch erkennt's oft nicht für sein Glück und seine Pflicht. 2. Dir gehorcht mit sanfter Wonne deiner Engel zahllos Heer. Deine Feste, deine Sonne, Sturm und Donner, Erd' und Meer, alles dienet deinem Willen, alles, Höchster, was du schufst, eilt und drängt sich, wann du rufst, dein Gebot stets zu erfüllen; nur der Mensch erkennt's oft nicht für sein Glück und seine Pflicht. 3. Stolz empört sich meine Seele, Herr und Schöpfer, wider dich. Deine göttlichen Befehle wirft sie thöricht hinter sich, läßt sie nicht von dir regieren; glücklicher nach ihrem weihrn. Dein Wille ist gerecht Einzelne Pflichten. Wahn wählt sie eine andre Bahn, die sie soll zum Himmel führen, gehet mit bethörtem Sinn aufverkehrtenWegen hin. 4. Laß es doch uns tief empfinden, daß uns unser Herz verführt, daß die eitle Lust der Sünden uns zuletzt den Tod gebiert! Mach' uns deinen Willen wichtig, führ' auf deine Bahn uns hin, lehr' uns jeden Irrtum flieh'n! denn dein Weg allein ist richtig. Mach' uns unsern Pflichten treu, daß der Wandel heilig sei! 5. So wird auch bei uns auf Erden, wie im Himmel, dein Gebot dankbar ausgerichtet werden, heiliger und großer Gott!Alle Werke deiner Hände werden unterthan dir sein, alle deiner Huld sich freu'n bis an deiner Schöpfung Ende. Denn wer deinen Willen thut, hat allein es ewig gut. Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛe. 254. Gott, deinen heiligen Befehlen will ich, dein Kind, gehorsam sein, meiner Richtschnur wählen und dir mein ganzes Leben nur sie zu Hörer nur allein, und gut; wohl dem, der ihn mit Freuden thuut. 2. Gehorsam forderst du von allen, die dich zu kennen fähig sind. Auch ich kann dir nur dann gefallen, wenn ich dir folgsam als dein Kind thu', was du willst, aus Lieb' und Dank, und nicht aus Sklavenfurcht und Zwang. 3. Dein Sohn gehorchte dir so gerne; o hilf mir, daß ich immerdar dir, Vater, so gehorchen lerne, wie Jesus dir gehorsam war! Er war's auch unter Schmach und Not, er war's selbst bis zum Kreuzestod. 4. Laß deine heiligen Ge⸗ setze mir immer gegenwärtig sein; laß mich, daß ich sie nie Iet 1 dich, den Allwissenden, stets scheu'n! Dein Joch ist sanft, leicht ist die Laft, die du uns auferleget hast. 5. Sobald ich deine Stimme höre, so mache du mich auch bereit, daß ich mit Folgsam⸗ keit sie ehre und thue, was Ich soll nicht ich soll zugleich auch Thäter sein. 6. Beut mir die Welt auch tausend Freuden auf ihren sie mir gebeut! Pflichten gegen Gott. 25⁵ Lasterwegen an, so laß mich alles flieh'n und meiden, was mich von dir entfernen kann! Der Sünder Lohn ist endlich Schmerz und quält mit Reue unser Herz. 7. Doch wenn ich mich im Guten übe, mit Eifer deinen Willen thu', dann schenkst du, Gott, mir deine Liebe, mit ihr zugleich Gewissensruh'; dann fühl' ich hier schon Seligkeit und bleibe dein in Ewigkeit. Benj. Schmolck, 1672—1737. Mel. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛe. 25„Gott will ich dienen, ihm allein; ich bin sein Eigen⸗ tum. Nur ihm will ich mein Leben weih'n; Gehorsam sei mein Ruhm! 2. Wie heilig, wie gerecht und gut ist, was mir Gott gebeut! Wohl dem, der seinen Willen 225 und gut zu sein sich freut. Weh' dem, der seine Pficht vergißt! Er bringt was bös und schädlich ist, verbeut uns aser Gott. 4. Gott ist, wenn er Gesetze gibt, ein Vater, kein Tyrann; er treibt uns bloß, weil er uns liebt, ihm zu gehorchen an. sich selbst in Not; denn nur Einzelne 5. Leicht ist die Last und sanft sein Joch; er stärkt uns selbst zum Lauf, und strau⸗ cheln, fallen wir dann noch, so hilft er selbst uns auf. 6. Er warnet, drohet und verheißt, legt Heil und Tod uns vor, und ich, erhellt durch seinen Geist verschlöß' ihm Herz und Ohr? 7. Wie könnte der, der ihn nicht ehrt, sich seiner Kind⸗ schaft freu'n? Nur die sind dieser Würde werth, die seinem Dienst sich weih'n! 8. Gott, dir sei denn mein Herz geweiht; ich bin dein Eigentum. Gib meinem Willen Festigkeit! Gehorsam sei mein Ruhm! G. Joach. Zollikofer, 1780—1788. Bei öffentlichen Katechisationen. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 256. Ihr Kinder laßt uns beten und froh zum Vater treten, der aller Vater heißt! O laßt uns ihn verehren nach seines Sohnes Lehren! Er schenk' uns seinen guten Geist! 2. Herr, präge jede Wahr⸗ heit mit Rührung und mit Pflichten. Klarheit in unsre Herzen ein! Gib, daß wir sie zum Segen behalten und erwägen! Laß uns des Wortes Thäter sein! 3. Verstärk' in uns die Triebe zur Andacht und zur Liebe, zu wahrer Frömmigkeit! O mach' uns alle Laster mit jedem Tag verhaßter, und heilig, was dein Wort gebeut! 4. Ja, lehre deinen Willen uns immer treu erfüllen und deines Worts uns freu'n! Dem Alter wie der Jugend gib Reiz zu jeder Tugend! O, lehr' uns, Jesu folgsam sein! Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. 519. Gott des Himmels und der Erden ꝛe. 257. Quell der Weisheit und der Tugend, selig, wer dich sucht und liebt und bei dir schon in der Jugend seinem Geiste Nahrung gibt! Ja, wer diese Pflicht erfüllt, hat ein Gut, das ewig gilt. 2. Nichts soll dieses Gut uns rauben. Dir, Erlöser, uns zu weih'n, dich zu lieben, dir zu glauben, das soll unfre Freude sein. O, wie ruhig wandeln wir dann durchs Gräberthal zu dir! Joh. Wilh. Reche, 1768 1835. ein! gen Laß ein! die zur keit! mit und eutl illen und u'n! gib —Dj„ + sein! 780. els und dich dir inem Ja, hat Gut öser, eben, Insre ũuhig Urchs 1835. Beim Anfange und Schlusse des Schulunterrichts. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 258. Gott, laß den Unter⸗ richt gedeih'n zu reinen Geistes⸗ freuden! Laß, deines Beifalls wert zu sein, uns immer Trägheit meiden! Lenk unsern Sinn zur Weisheit hin; ver⸗ leih' uns Lust und Kräfte zum nützlichen Geschäfte. 2. Gib, daß von eitelm Leichtsinn frei wir treulich unsere Pflichten, wie mühsam uns auch manche sei, doch immer gern verrichten! Was böse heißt, was unsern Geist entweiht, soll uns nicht trügen mit sündlichem Vergnügen. 3. Die Blume, die der Morgen fand im bunten Farbenschimmer, verblich oft plötzlich und verschwand am Mittag schon auf immer. So sind auch wir vergänglich hier. Gott, laß uns früh auf Erden reif für den Himmel werden! A. L. G. Krehl, 1784— 1855. Mel. 426. Mein Jesus ist mein Leben ꝛc. 259. O Geber guter Gaben, nur dir lobsingen wir; denn Pflichten gegen uns selbst. 257 was wir Gutes haben, das kommt allein von dir. 2. Auch jetzt gabst du uns wieder zum Fleiße Munterkeit. Dir tönen unsre Lieder aus froher Dankbarkeit. 3. Laß unser ganzes Leben dir, Vater, heilig sein! Du wirst uns Kräfte geben, dir unser Herz zu weih'n. Joh. Wilh. Reche, 1763— 1835. Pflichten gegen uns selbst. Cgristliche Selbstliebe. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛc. 260. Du willst es, Herr, mein Gott, daß ich mich selbst auch liebe. Hilf, daß ich diese Pflicht nach deiner Vorschrift übe! Ich sehne mich nach Glück; laß dies Verlangen rein, laß, Schöpfer, diesen Trieb nie mein Verderben sein! 2. Gib, daß mein ganzes Herz sich deiner Liebe weihe, das Gute willig thu', das Böse ernstlich scheue! Wer als ein Christ sich liebt, der fühlt auch als ein Christ, was seines Nächsten Wohl und dir entgegen ist. 3. Nicht Neid, nicht Eigen⸗ nutz beherrsche meine Seele! 258 Laß mich bei dem, was ich zu meinem Glücke wähle, auf Wahrheit, Billigkeit und Recht und Treue schau'n und nie mein Wohlergeh'n auf andrer Elend bau'n! 4. Kein Segen wohnt bei dem, der nicht das Unrecht meidet; mein Glück kann das nicht sein, wodurch mein Nächster leidet. Der Selbst⸗ sucht neidisch Fleh'n erhörst du, Vater, nicht; nur das gefällt dir wohl, was Liebe betend spricht. 5. Nie blende mein Gemüt der Eitelkeiten Schimmer! Der Erde Reiz entflieht ja doch im Tod auf immer. Was hilft uns kurze Lust? Was nützet eitle Pracht? Nicht ein vergänglich Gut ist's, was uns selig macht. 6. Ein gottergeb'nes Herz, ein unverletzt Gewissen, nur das allein kann uns des Lebens Müh versüßen; das raubet uns kein Tod; es folgt uns aus der Zeit und schenkt uns Ruh' und Trost auch in der Ewigkeit. 7. O selig, wer darnach mit heil'gem Eifer trachtet und Einzelne Pflichten. der Zeit schon wahre Ruh' und einst vollkomm'ne Seligkeit. 8. Dies sei mein Ziel, mein Fleiß! O segne mein Bestreben! dann werd' ich wahrhaft froh schon hier auf Erden leben; nur dann lieb' ich mich so, wie dir es wohl⸗ gefällt, lieb' über alles dich, mein Gott, und nicht die Welt. Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Sorge für die leibliche Wohlfahrt.— Gesundheit, Ehre, Eigentum. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 261. Was ist mein zeitlich Leben, das du mir, Gott, gegeben? Ein unschätzbares Gut. Du gabst mir's, hier auf Erden zum Himmel reif zu werden, worauf mein wahres Glück beruht. 2. Hier wird die Saat ge⸗ streuet, dort erntetman erfreuet der Tugend Früchte ein. Je länger ich hier lebe und gut zu handeln strebe, je größer wird mein Glück dort sein. 3. Sollt' ich dies Glück mir für sein größtes Glück, Gott, rauben? O Herr, laß mir im deinen Beifall achtet! Der liebt Glauben der künft'gen Ernte⸗ allein sich recht, der findet in zeit mein Leben hier auf Erden t ge⸗ reuet Je gut rößer sein. k mir ir im rnte⸗ irden Pflichten gegen uns selbst. so wert und wichtig werden, als es dein heilig Wort gebeut. 4. Mir selbst es zu ver⸗ kürzen, mich in den Tod zu stürzen, ist wider meine Pflicht. Von dir hab' ich dies Leben, soll dir es wiedergeben, wann du es willst, doch früher nicht. 5. Wie könnt' ich so mich hassen und diese Weltverlassen, eh' du, mein Gott, mich rufst? Der Feige nur wird fliehen und Pflichten sich entziehen, zu welchen du, o Herr, ihn schufst. 6. Was leicht in Krankheit stürzet, des Lebens Zeit ver⸗ kürzet, laß mich mit Sorgfalt flieh'n; doch auch nicht ängstlich zagen, es aus Beruf zu wagen! Auch dazu hast du mir's verlieh'n. 7. In deine Vaterhände befehl' ich, Herr, mein Ende und meiner Tage Lauf. Stets sei mein ganzes Leben der Tugend nur ergeben! Hilf du, Gott, meiner Schwachheit auf! 8. Was nützt ein langesLeben, wenn man nicht, dir ergeben, nach wahrer Tugend strebt? Wer Gott und Menschen liebet und sich im Guten übet, nur der hat lang und wohl gelebt. Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. 259 Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛc. 262. Des Leibes warten und ihn nähren, dies ist, o Schöpfer, meine Pflicht; was er bedarf, ihm zu gewähren, gebietet mir dein Unterricht. O stehe mir mit Weisheit bei, daß diese Pflicht mir heilig sei! 2. Sollt' ich, o Herr, nicht teuer schätzen, was deine Hand mir anvertraut? den wunder⸗ vollen Bau verletzen, den du, mein Schöpfer, selbst erbaut? Wes ist mein Leib? Er ist ja dein; wie dürft' ich sein Zerstörer sein? 3. Ihn zu erhalten, zu beschützen, gibst du mit milder Vaterhand die Mittel uns, daß wir sie nützen, und zum Ge⸗ brauch gibst du Verstand. Ist dir die Sorge nicht zu klein, wie sollte sie es mir denn sein? 4. Gesunde Glieder, muntre Kräfte sind mehr als alle Schätze wert. Wie leiden des Berufs Geschäfte, wenn Krank⸗ heit unsern Leib beschwert! Nächst Tugend ist das höchste Gut Gesundheit und ein froher Mut. 5. So gib, daß ich mit Sorgfalt meide, was meines 17²⁰ 260 Körpers Wohlsein stört; daß nicht, wenn ich je Schmerzen leide, mein Geist den innern Vorwurf hört: Du selbst bist Störer deiner Ruh', du selbst zogst dir dein Uebel zu! 6. Laß jeden Sinn und alle Glieder mich zu bewahren achtsam sein! Drückt mich die Last der Krankheit nieder, so flöße du Geduld mir ein! Gib guten Mut und dann verleih', daß auch des Arztes Rat gedeih'! 7. Doch will ich auch nie Einzelne Pflichten. Leibes Pflege zielt, und stets in jenen Schranken bleiben, die dein Gesetz mir anbefiehlt. Des Leibes Wohl soll nie allein mein Zweck a meine Sorge sein. 8. Nein, meinem bessern Teil, der Seele, sei stets der größte Fleiß geweiht, daß sie des Himmels nicht verfehle und nütze diese Prü⸗ fungszeit. Raub. übertreiben, was auf des Zoh. Sam. Diterich, 1721.—1797. 263. Mel. In dich hab' ich gehoffet, Herr ꝛe. 1536. 0— —.— +— E 4.— J ̃—— S— ů—— 4— — izrn. Wem Gott Ge⸗sund⸗-heit hier ver-leiht, der 0— 2 5 0 47 2——— n n. 2——.. kinn..——.—. hat von Gü ⸗tern die ⸗ser Zeit ge⸗ wiß die größ ⸗te 9 35——— *IIIE Gau⸗ be. All- gü⸗ti⸗ ger, wie froh bin ich, daß H — 2— IL —— Iũ 5——— —2——+——.—— 2. + 2— ich Ge⸗sund- heit ha⸗be! Vergänglich ist der Leib von Staub; mein Geist wird nicht des Todes ö III 84 IX 1 2. Daß ich sie habe, dank' ich dir; nur du, mein Vater, hast sie mir aus großer Huld geschenket. Du machst, daß ich noch heiter bin und mich kein Uebel kränket. 3. Erhalte, Gott, auch fernerhin Gesundheit mir und jeden Sinn, so lang ich leb' auf Erden, daß ich der Welt, wie du gebeutst, stets möge nützlich werden! 4. Der Sünde folgt Ver⸗ derben nach; sie bringt nur Angst und Ungemach, an Leib und Seele Schmerzen. Fern sei'ss von mir, durch eigne Schuld Gesundheit zu ver⸗ scherzen! 5. Ein gleicher Mut in Freud' und Leid, zufried'ner Sinn und Mäßigkeit und Ordnung in Geschäften, dies sei mein Ruhm; so wird ge⸗ wiß kein Laster mich ent⸗ kräften. 6. Gib, daß ich meines Lebens Kraft, die deine Güte mir verschafft, aufs nützlichste verwende und meinen Lauf zu deinem Preis und andrer Glück verwende! 7. Doch schickst du, Herr, mir Krankheit zu, so gib Pflichten gegen uns selbst. 261 Geduld und Seelenruh', das Leid mir zu versüßen! Mein Trost im Schmerz sei deine Huld, ein ruhiges Gewissen! 8. Und bringt die Krank⸗ heit mir den Tod, so soll noch in der letzten Not der Trost mein Herz erheben: Nicht Tod, nicht Krankheit trifft mich mehr in jenem bessern Leben. E. G. Küster, 1732— 1799. Mel. 82. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛe. 264. Wie mannigfaltig sind die Gaben, mit welchen uns die Erde nährt; wie viel, o Gott, hat, uns zu laben, uns deine milde Hand gewährt! Ja, alles, was der Mensch genießt, ist Segen, welcher ihr entfließt. 2. Du gibst uns Brot, damit wir leben; es spenden Heiterkeit und Kraft der Hü⸗ gel reich belad'ne Reben uns mit der Trauben edlem Saft. An Allmacht und an Güte reich, ernährst du und erfreust zugleich. 3. Du segnest Auen und Ge⸗ filde mit unerschöpfter Frucht⸗ barkeit, die, Gott, durch deine Vatermilde in jedem Jahre 26² sich erneut, damit der Mensch, von Sorgen frei, gesättigt und erquicket sei. 4. Du streust, daß wir nicht Mangel leiden, uns deine Gaben reichlich hin, gibst zum Bedürfnis auch noch Freuden und tränkst mit Wonne jeden Sinn. Wie ist, zum Wechsel im Genuß, so reich, so groß dein Ueberfluß! 5. So will ich denn mit Freuden essen, was deine Vaterhuld mir schenkt, doch nie dabei, o Herr, vergessen, daß sie mich speist, daß sie mich tränkt und mir nur solche Lust verwehrt, die mich be— schädigt und zerstört. 6. Drum will ich mäßig im Genusse der Gaben deiner Güte sein und nichts von deinem Ueberflusse, o Gott, durch Schwelgerei entweih'n. Genuß mit froher Mäßigkeit, dies ist die beste Dankbarkeit. 7. Mit Speis' und Trank den Leib beschweren, ist straf⸗ bar, ziemt dem Christen nicht. Du gibst sie uns, daß sie uns nähren und stärken zu Beruf und Pflicht. Was ist, das mehr den Geist entweiht und schwächt, als rohe Sinnlichkeit? Einzelne Pflichten. 8. Die Schwelgerei lähmt unsre Kräfte, bringt Krank⸗ heit, Armut, Zank und Streit, macht träg' zu jeglichem Ge⸗ schäfte und hemmt des Geistes Thätigkeit, erniedrigt unters Tier hinab und stürzet vor der Zeit ins Grab. ö 9. Gott, mit Vernunft will ich genießen, was du mir gabst als Speis' und Trank, und den Genuß mir zu versüßen, schau' ich auf dich mit frohem Dank. Nur der ist deiner Güte wert, der dich, den Geber, fromm verehrt. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 265. Mein Leib soll, Gott. dein Tempel sein mit allen seinen Gliedern. Ich soll ihn dir zum Dienste weih'n, zum Dienst' auch meinen Brüdern. O gib, daß ich dein Heilig⸗ tum für sie und, Herr, für deinen Ruhm stets unbefleckt bewahre! 2. Gib eine keusche Seele mir, daß ich mit meinem Leibe nie frevle, daß er immer dir, o Gott, geheiligt bleibe; kein Blick verbot'ner Lust entweih; ähmt rank⸗ treit, Ge⸗ eistes nters vor t will gabst und üßen, ohem Heiner den 1788. h an Gott, allen ll ihn zum dern. eilig⸗ „für efleckt Seele Leibe r dir, kein weih Pflichten gegen uns selbst. 263 mein Auge, daß ich's immer 7. In seinem Taumel, Gott, frei zu dir erheben könne! vergißt der trunkene Ver⸗ 3. Auch meine Zunge rede brecher, daß du allgegenwärtig nie, was schändlich ist zu bist, ein Eiferer, ein Rächer; hören; nie soll der Unschuld verstockt sich und verfolgt mit Rechte sie durch frechen Scherz Spott die Tugend, höhnt dein entehren! Bestimmt zum Opfer Wort, o Gott, und Jesum, des Gebets und deines Lobes, den Erlöser. ö rede stets mein Mund, was 8. Ach, dieser Leib, den er nützt und bessert! entweiht, wie wird er auf⸗ 4. Mein Ohr laß dir nur erstehen? Reift wohl auch das offen sein, taub, wenn es Herrlichkeit, was wir in Wollust schmeichelt; sie ladet Schande säen? Wie wird dann, zum Verbrechen ein, wo sie wer durch Wort und That die mir Freuden heuchelt. Durch Unschuld hier gemordet hat, ihre Lockungen bethört, verliert, vor seinem Richter stehen? wer deinen Ruf nicht hört, der 9. Heil dem, der deiner Unschuld Trost und Würde. nie vergißt, Gott, dein Werk 5. Da, wo sie wandelt, nie zerstöret; der immer reines haucht sie Gift. Welch Elend, Herzens ist und deinen Tempel das die Sklaven unheiliger ehret! Schon hier wird es Begierden trifft in tausend⸗ ihm wohlergeh'n; dort soll er fachen Strafen! In welcher dich und Jesum seh'n und Schande Tiefe sinkt, wer ihren ewig selig werden. Zauberbecher trinkt, verstrickt Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. in ihren Netzen! 1——— 6. Ach, wo die Unschuld Mel. 517. Gemi munter, mein fleucht, da flieht der Tugend ae Ruh' und Stille; da, wo der 266. Eifrig sei und fest mein Wollust Flamme glüht, fehlt Wille, reines Herzens, Gott, selbst der gute Wille. Sie zu sein; in der Unschuld wütet, tötet und verheert mehr heitrer Stille deiner Güte Segen, als das Schwertzerstört, mich zu freu'n! Keine Freude als Pest und Glut verwüsten. dieser Welt, wenn sie noch so 26⁴4 sehr gefällt, soll zur Sünde mich bethören, des Gewissens Frieden stören. 2. Alles, was du vor⸗ geschrieben, dienet nur zu unserm Heil. Segen wird, wenn wir dich lieben, dir gehorchen, uns zu teil. Uns zum besten nur gebeut dein Gesetz Enthaltsamkeit, Zucht und Ordnung im Genusse, Mäßigung im Ueberflusse. 3. Unsre Kindheit, unsre Jugend, unser Alter darf sich freu'n. Auch die Freude, Gott, ist Tugend, aber heilig muß sie sein; nicht ein Taumel, der bethört, der Gefühl und Kraft zerstört, der im Sturme wilder Lüste Paradiese macht zur Wüste. 4. Nur in unbefleckten Herzen, nur in einer keuschen Brust toben nie der Reue Schmerzen, wohnen wahre Ruh' und Lust. Unbeherrschte Sinnlichkeit tötet die Zufrieden— heit; sie vergiftet alle Freuden und verwandelt sie in Leiden. Einzelue Pflichten. fließt der Quell jeder Wonne rein und hell; denn sie hoffen voll Vertrauen, Gott dereinst im Licht zu schauen. 6. Daß er keusch und züchtig lebe, unbefleckt an Geist und Leib, ringe, wer dich ehret, strebe Jungfrau, Jüngling, Mann und Weib! Vor Ver⸗ führung schütze sie, und ihr Herz gehorche nie keit sei ihre Zierde! 7. Laß sie fröhlich und gesellig, sanft und willig zu erfreu'n, liebenswürdig und gefällig, aber nur durch Tu⸗ gend sein; hold und ohne Schmeichelei, stets bescheiden und doch frei, ohne Frechheit stets bedächtig, immer ihrer selber mächtig! 8. Laß die Frechheit wilder Sitten nimmer unser Herz ent⸗ weih'n; laß Paläst' und niedre ö Hütten jeder Tugend Wohnung sein! Ja, er strebe, wer ein Christ, wessen Wunsch der Himmel ist, daß sein Haus, 5. Sittsamkeit und Unschuld daß, Gott, die Erde deines schmücket mehr als Schönheit; Himmels Vorhof werde. sie vermehrt jede Lust, die uns Reinen Herzen entzücket, jedes Glückes Reiz und Wert. 9. Dann umfah'n uns Heil und Segen; göttliche Zufrie⸗ denheit leitet uns auf unsern einer schändlichen Begierde; Heilig⸗ onne offen einst chtig und hret, ling, Ver⸗ ihr iner Wegen zu noch größrer Selig⸗ keit, bis zum Heiligtum auch wir aus dem Vorhof dringen, dir reiner Herzen Opfer bringen, ewig dir, o Gott, lobsingen. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 51. Wie groß ist des All⸗ mächt'gen Güte ꝛe. 267. Gott will, wir sollen uns der Jugend und jeder Zeit des Lebens freu'n; denn selbst die Fröhlichkeit ist Tugend, nur, o mein Herz, genieße rein! Genieß' der Freuden dieser Erde, Gott will's; doch hüte dich, mein Herz, daß keine Lust dir Un⸗ lust werde und deine Freude niemals Schmerz. 2. Brich jede Blume, die des Lebens verschlung'ne Pfade für dich schmückt! Sie blüht und duftet nicht vergebens; nur der ist weise, der sie pflückt. Umsonst blüht nicht die Rosen⸗ laube, der Gärten Schönheit jedes Jahr, und nicht umsonst färbt sich die Traube; sie beut dir ihre Freuden dar. 3. Gott füllet seine schöne Erde mit neuem Segen jedes Jahr, daß sie der Freude Schauplatz werde für seine Pflichten gegen uns selbst. 265 Menschen immerdar. Thal, Hain und Flur ruft uns ent⸗ gegen: Gott liebt die Men⸗ schen, die er schuf! Genieß', ge⸗ nieß' von seinem Segen! tönt überall der Schöpfung Ruf. 4. Folg' diesem Ruf' und nimm die Freuden mit frohem Sinn, die Gott dir beut; freu' dich, so oft im Blumenkleide sich rings um dich die Flur erneut, so oft der Schimmer reicher Aehren im Sommer dir entgegen blinkt, so oft im Herbst mit vollen Beeren ge⸗ schmückt, die süße Traubewinktl 5. Freu' dich der Welt, doch nie genieße die Freude ganz allein für dich! Geteilte Lust ist doppelt süße, und höh're Wonn' erfüllet dich, wenn deine Hand des Kum⸗ mers Thränen von deiner Brüder Auge wischt und, die sich nach Erquickung sehnen, durch einen Labetrunk erfrischt. 6. Wie blühet dann, dich zu beglücken, rings um dich her der Schöpfung Pracht! Es bringt dir jeder Tag Ent⸗ zücken und jede sternenhelle Nacht; wohlthätiger gießt dann die Sonne ihr Licht auf deinen Lebenspfad, und reiner wird Einzelne dir jede Wonne durch das Bewußtsein guter That. 7. Genieße, was dir Gott beschieden, sei froh, doch denke stets dabei, daß nicht dein Vaterland hienieden, daß hier nicht deine Heimat sei, daß nicht allein für diese Erde, was in dir denkt, geschaffen ist; genieße mäßig stets und werde der höhern Freuden wert als Christ! Joh. Friedr. Schink, 1755-1835. Mel. 110. Jesus, meine Zuversicht ꝛe. 268. Gott gab mir von meiner Zeit keinen Augenblick vergebens, gab mir für die Ewigkeit den Gebrauch des Erdenlebens; seines Wertes mich zu freu'n, soll ich thätig, fleißig sein. 2. Nie soll ich im Müßig⸗ gang meine Lebenszeit ver⸗ träumen; soll bei meiner Pflichten Drang keine unacht⸗ sam vers froh vollzieh'n und den klein⸗ sten Aufschub flieh'n. 3. Jeden Tag soll ich mit äumen; soll sie immer das wahre Glück besitzen, daß Pflichten. zu lange ruh'n; was ich kann, nicht träge thun. 4. Keine Arbeit soll ich scheu'n, nie soll ein Berufs⸗ geschäfte mich verdrießen, noch gereu'n; nützen soll ich meine Kräfte, daß kein Augenblick entweicht, der zum Vorwurf mir gereicht. 5. Nie soll Hang zur Weich— lichkeit und zu sinnlichem Vergnügen meinen Trieb zur Thätigkeit unterdrücken und besiegen; leicht mich ihnen zu entzieh'n, will ich ihre Lockung flieh'n. 6. Auch Gesellschaft, Um— gang, Scherz, selbst die rei— zendste der Freuden soll mein leicht verführbar Herz, wenn's die Pflicht gebeut, vermeiden bloß um thätiger zu sein, darf ich meinen Geist zerstreu'n. 7. Laß o Gott, mich eifervol jede meiner Stunden nützen, ö —* sie gebrauchen, wie ich soll, und dereinst am Schluß der Zeit ihr Genuß mich nicht gereut Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 269. Zur Arbeit, nicht zun Müßiggang bin ich bestimmt Fleiß des Berufes Pflicht voll⸗ bringen und in meinem Wir⸗ kungskreis immer weiter vor⸗ wärts dringen; nicht zu früh, auf Erden. Drum will ich jetzt und lebenslang kein Knecht der Trägheit werden; will gern mit aller meiner Kraft so eifrig, als gewissenhaft, was mir gebührt, verrichten. 2. Hast du ein Amt, so warte sein! Das ist, o Herr, dein Wille. Gib du zu meinem Thun Gedeih'n, daß ich ihn treu erfülle, und laß mich an Vollkommenheit, an Einsicht und an Tüchtigkeit zu meinen Pflichten wachsen! 3. Stets will vor träger Pflichten gegen uns selbst. 267 mir alles leicht gelingen. Ein Herz, das sich des Guten freut, gibt beim Geschäfte Heiterkeit, versüßet jede Mühe. 6. Nicht Stolz noch Geiz verführe mich, gewissenlos zu handeln. Laß mich, o Gott, regiert durch dich, mit reinem Herzen wandeln! Mein Leben deinem Dienst zu weih'n, so nützlich, als ich kann, zu sein, das sei mir Ehr' und Reichtum! 7. Dein Wohlgefallen sei mein Ziel bei allem, was ich thue! Wie hätte, wenn ich dir Weichlichkeit ich standhaft mich mißfiel, dann mein Gewissen bewahren; wo mein Beruf Ruhe? Und ach, wenn dieses mir Müh' gebeut, nie meine mich verklagt, wie schüchtern * 0——4 ö wacher⸗ ann wilah Lnrchsich den 9. Aurs elen reine stille Freuden mich zu 8. Hilf, daß mein Fleiß in her Wda Luneln 230 Crde bri Wone: 130 Bedachtsam laß mich der Erde dein weiser Rat, sein und nicht in Eitelkeit und o Gott, erschuf, mir Vor⸗ Träumen die Zeit zur Uebung bereitung werde, damit ich meiner Pflicht verschwenden hier schon in der Zeit zur und versäumen! Nur dieser höhern Kraft und Thätigkeit Pflicht mich ganz zu weih'n, das des bessern Lebens reife! müsse meine Sorge sein, mein Ernst Sami Jaf Poorchwardt. Ruhm und mein Vergnügen! 257 5. Ein heil'ger Trieb belehre Mel. 527. Nun ruhet in den mich, was dm willst, zu voll⸗ Wäde bringen. Dann wird— denn 270. Zum Fleiße ward das du, Herr, stärkest mich— Leben vom Schöpfer mir ge⸗ 268 Einzelne geben und nicht zu träger Ruh'. Wie Fruchtbarkeit dem Regen, so folgt dem Fleiße Segen; er strömt uns Glück und Freuden zu. 2. Er stärkt des Leibes Kräfte, er fördert die Ge⸗ schäfte, gibt uns ein fröhlich Herz; er schafft uns süßen Vermögen schafft, das Gute zu vollbringen; gibt er zur Arbeit ö Mut und Kraft und läßt sie Er hilft den Hang Schlummer, erleichtert Gram und Kummer und lindert oft den herbsten Schmerz. 3. besiegen zu sündlichem Ver⸗ gnügen. Nur das, was stets erfreut— der Unsern Wohl⸗ fahrt schützen, der Welt und Nachwelt nützen— das ist das Glück der Thätigkeit. 4. Drum laß uns, Gott, auf Erden nie träg' im Guten wer⸗ den; du gabst der Kraft uns viel. Dich, unsern Herrn, zu ehren und Menschenglück zu mehren, sei immer unser höchstes Ziel. 5. Wann andre trostlos klagen, dann werden wir nicht zagen und keinen Tag bereu'n. Wann Träge trauern müssen, dann spricht ein gut Gewissen uns Mut und frohe Hoff—⸗ nung ein. 6. Wann einst viel' edle Thaten um uns, gleich reifen Pflichten. Saaten, mit reichem Segen steh'n; wann Tausende sich freuen und heißen Dank uns weihen: wie ist dann unser Lohn so schön! Gottl. Dav. Hartmann, 1752—1775. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 271. Ist's Gott, der das uns gelingen, dann wird mein Thun, ich zweifle nicht, wenn es nur ihm nie widerspricht, auch stets sein Segen krönen. 2. Nie müßig sein soll meine Hand, das freudig zu verrichten, wozu mich mein Beruf und Stand, die Gott mir gab, verpflichten. Dann wird mir seine Gütigkeit auch von den Gütern dieser Zeit, so viel mir nützet, geben. ö 3. Bist du der Frommen Schild und Lohn, und schützt sie deine Gnade, daß nicht des Fein⸗ des Spott und Hohn aus Miß⸗ gunst ihnen schade, dann stört sie seine Scheelsucht nicht; sie geh'n getrost die Bahn der Pflicht und bleiben unverdrossen. ö 48. Drum gib, daß ich, o Gott, auf dich bei meiner Weisheit segne mich, da *— **— Pflichten gegen uns selbst. Arbeit sehe! Mit Licht und deinen Weg ich gehe! Nach deines Reichs Gerechtigkeit, nach Tugend und Vollkommen⸗ heit will ich vor allem trachten. 5. Laß Müßiggang und Trägheit mich mit allem Ernste meiden und hilf, daß ich, ge⸗ stärkt durch dich, voll Mut, mit Lust und Freuden in meinem Stande thätig sei! Dein Segen, Vater, steh' mir bei, daß ich auch andern nütze! 6. Sei überall, o Gott, mit mir! Die Werke meiner Hände befehl' ich, Allerhöchster, dir; hilf, daß ich sie vollende zu deines großen Namens Preis, und daß die Frucht von meinem Fleiß in jene Welt mir folge! Sal. Liscow, 1640—1689. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 2⁴½. Laß mich, o Gott, ge⸗ wissenhaftmein irdisch Gut ver⸗ walten! Gewähre mir Verstand und Kraft, um weislich hauszu⸗ halten, wie mir es nützt und dir gefällt, daß ich die Güter jener Welt darüber nicht verliere! 2. Was ich besitze, kommt von dir und deinem milden Segen. Nicht zum Verderben 5ß Vermögen, 269 gabst du mir mein irdisches und nicht zu meinem Wohl allein; auch andern soll ich nützlich sein und gern ihr Bestes fördern. 3. Gib, daß ich nicht zum Uebermut dadurch verleitet wer⸗ de! Denn nur gelieh'n ist jedes Gut und aller Glanz der Erde. Nie reiß' ein zeitlicher Gewinn mein Herz so sehr zum Eiteln hin, daß ich mein Heil vergesse! 4. Was nützte mir die ganze Welt mit allen ihren Schätzen, verblendete mich Gut und Geld, die Pflichten zu verletzen, die mich dein heilig Wort gelehrt? Die Tugend nur hat wahren Wert, nach ihr nur will ich trachten. 5. O schenke, Gott, mein Vater, mir nur deines Geistes Gaben, dann werd' ich, froh und reich in dir, die besten Güter haben; dann bin ich sicher deiner Huld, voll Frieden, Hoffnung und Geduld; nichts fehlt dann meiner Seele. 6. Den Geiz laß ferne von mir sein, die Wurzel alles Bösen! Von Unruh', von Gewissenspein kann Reichtum nicht erlösen! Er hilft in Todesstunden nichts und wird 27⁰ Einzelne am Tage des Gerichts den Sünder nicht erretten. 7. Laß mich die Güter dieser Zeit nicht schwelgerisch ver⸗ schwenden! Hilf du mir, sie mit Sparsamkeit stets nützlich an⸗ zuwenden! Gib, daß durch sie aus Dankbegier ich auch dem Nächsten, nicht bloß mir, des Lebens Müh' erleicht're! 8. Es kommt ein Tag der Rechenschaft; dies laß mich stets erwägen! Dann brauch' ich, Gott, gewissenhaft den mir vertrauten Segen. Wer andern wohlzuthun sich freut, der hat sich eine Saat gestreut zu ew'ger Freudenernte. Joh. Heinr. Häveker, 4640—1722. Mel. 173. Wenn du, mein Gott, verlaͤngst ꝛc. 273. Laß mich doch nicht, o Gott, dem Reichtum dieser Erde so meine Neigung weih'n, daß er mein Abgott werde! Oft fehlt beim Ueberfluß doch die Zufriedenheit, und was ist ohne sie des Lebens Herrlichkeit? 2. Ach, kein vergänglich Gut kann alle Wünsche stillen! Auch steht ja sein Besitz nicht bloß in unserm Willen; nicht stets wird's dem zu teil, der ängstlich darnach ringt, und Pflichten. schnell verliert's oft der, dem sein Bemüh'n gelingt. 3. Ein Gut, das unsern Geist wahrhaftig soll beglücken, das darf kein Unfall ihm, selbst nicht der Tod entrücken. Der Thor hat Geld und Gut, er hat's und wünscht noch mehr; doch immer bleibt sein Herz von Ruh'und Freude leer. 4. O Gott, so wehre doch der Habsucht niedern Trieben und heilige mein Herz, nie sklavisch das zu lieben, was man mit Müh' gewinnt, bald schwelgerisch verzehrt, bald sorgenvoll bewacht und bald mit Fluch vermehrt! 5. Ein weises, frommes Herz, das sei mein Schatz auf Erden! Sonst alles, nur nicht dies, kann mir entrissen werden; dies bleibt im Tod auch mein und folgt mir aus der Zeit zum seligsten Gewinn einst in die Ewigkeit. 6. Wo dieses fehlt, da sind Pracht, Reichtum und Ver⸗ gnügen nur eiteln Träumen gleich, die unsern Geist be⸗ trügen. Drum lenke, Gott, den Wunsch vom irdischen Gewinn durch deines Geistes Kraft zu ew'gen Gütern hin! Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. 27⁴. Wohl dem, der bess're Schätze liebt, als Schätze dieser Erden! Wohl dem, der sich mit Eifer übt, an Tugend reich zu werden, und in dem Glauben, des er lebt, sich über diese Welt erhebt! 2. Wahr ist es, Gott ver⸗ wehrt uns nicht, hier Güter zu besitzen. Er gab sie uns, doch auch die Pflicht, mit Weis⸗ heit sie zu nützen. Sie sollen unser Herz erfreu'n und unsres Fleißes Antrieb sein. 3. Doch nach den Gütern dieser Zeit mit ganzer Seele schmach⸗ ten, nichterstnach der Gerechtig— keit und Gottes Reiche trachten, ist dieses eines Menschen Ruf, den Gott zur Ewigkeit erschuf? 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, erstickt die edlern Triebe. Die Liebe für ein schimmernd Erz verdrängt der Tugend Liebe und machet, der Vernunft zum Spott, ein elend Gold zu deinem Gott. 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, läßt dich kein Gut genießen; er quält durch Hab⸗ sucht deinen Geist, er tötet dein Gewissen und zieht durch Pflichten gegen uns selbst. 271 schmeichelnden Gewinn dich blind zu jedem Frevel hin. 6. Um wenig Vorteil wird dann schon der Meineid aus dir sprechen; dein karger Sinn sucht an dem Lohn der Arbeit abzubrechen; aus Geiz wirst du der Witwen Fleh'n, der Waisen Thränen widersteh'n. 7. Wie könnt' ein Herz, vom Geize hart, des Wohlthuns Freuden schmecken und in des Unglücks Gegenwart den Ruf zur Hilf' entdecken? Und wo ist eines Standes Pflicht, die nicht der Geiz entehrt und bricht? S8. Du bist ein Vater, und aus Geiz entziehst du dich den Kindern und lässest dich des Goldes Reiz ihr Herz zu bilden hindern und glaubst, du hast sie wohl bedacht, wenn du sie reich, wie dich, gemacht. 9. Hast du ein richterliches Amt, so wirst du dich erfrechen, der Sache, die das Recht ver⸗ dammt, aus Habsucht Recht zu sprechen, und selbst der Tugend größter Feind erkauft an dir sich einen Freund. 10. Gewinnsucht raubt dir Mut und Geist, die Wahr⸗ heit frei zu lehren; du schweigst, wenn sie dich reden heißt, ehrst, 272 Einzelne wo du nicht sollst ehren, und wirst um ein verächtlich Geld ein Schmeichler und die Pest der Welt. 11. Erhalte mich, o Gott, dabei, daß ich genügsam bleibe und nimmermehr Abgötterei als Knecht des Geizes treibe! Ein weises Herz und guter Mut sei meines Lebens größtes Gut! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 46. Wo sind die Weisen, die mich lehren ꝛe. 27⁵. Du klagst und fühlest die Beschwerden des Stands, in dem du dürftig lebst; du strebest glücklicher zu werden und siehst, daß du vergeblich strebst. Ja, klage, Gott erlaubt die Zähren; doch denk' im Klagen auch zurück: Ist denn das Glück, das wir begehren, für uns auch stets ein wahres Glück? 2. Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter dem Menschen die Zufriedenheit; die wahre Ruhe der Gemüter ist Tugend und Genügsamkeit. Genieße, was dir Gott beschieden, ent⸗ behre gern, was du nicht hast! Ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Stand hat seine Last. Pflichten. seinen Segen verteilt er stets mit weiser Hand, nicht so, wie wir's zu wünschen pflegen, doch so, wie er's uns heilsam fand. Willst du zu denken dich vergißt? Er gibt uns mehr, als wir verdienen, und 4. Verzehre nicht des Lebens heit; besorge deines Stands Geschäfte und nütze deines Lebens Zeit! Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, ein ewig Glück in Hoffnung seh'n: dies ist der Weg zu Ruh und Leben. Herr, lehre diesen Weg mich geh'n! Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. 152. Warum sollt' ich mich denn grämen ꝛc. 276. Sei zufrieden, mein Gemüte! Gott ist gut; was Sachen, groß an Rat, wie von That, alles wohl zu machen. 2. Beides Erd' und Himmel, 3. Gott ist der Herr, und dich erkühnen, daß seine Liebe niemals, was uns schädlich ist. Kräfte in träger Unzufrieden⸗ er thut, ist voll Lieb'ꝰ und Güte. Er nur weiß in allen preisen seine Macht; Tag und Nacht müssen sie beweisen. Sonn' und Mond, das Heer der Sterne, was sich regt und bewegt, ferne. 3. Schau' die Werke seiner Hände! Mensch und Tier zeigen dir seinen Ruhm ohn' Ende. Was wir noch so Kleines nennen, Gras und Laub, selbst der Staub gibt ihn zu erkennen. 4. Was auf Bergen und in Gründen, in der Höh', in der See oder sonst zu finden, rühmt die Weisheit seiner Werke; jeder Wurm, Blitz und Sturm preisen seine Stärke. 5. Sollt' ich ihn denn nicht erheben? Wie so gar wunder⸗ bar gab er mir mein Leben! Leib und Seel'ist sein Geschenke. Wird mir nicht Dank zur Pflicht, wenn ich dies bedenke? 6. Wie sein väterliches Sor⸗ gen Tag und Nacht für mich wacht, das zeigt jeder Morgen. Ja, kein Augenblick verschwin⸗ det, der mir nicht, Gott, mein Licht, deine Huld verkündet. 7. Drückte mich der Erden⸗ plagen finstres Heer noch so schwer, du, Gott, halfst sie tragen. War nicht mehr Ge⸗ duld vorhanden, deine Kraft hat geschafft, daß ich's über⸗ standen. Pflichten gegen uns selbst. lobt ihn nah und 273 8. Nun, mein Herz, das hat schon lange Gott gethan; denk' daran, wird dir jemals bange, als wollt' er dich ganz verlassen. Trau' dem Herrn! er hilft gern und kann dich nicht hassen. 9. Er wird deine Wünsche stillen; heiße gut, was er thut, ehreseinen Willen! Väterlich in allen Dingen ist sein Rat, jede That muß ihm wohlgelingen. Benj. Schmolck, 1672—1737. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. 27 1. Weit werter noch, als Hoheit, Ruhm und Schätze dieser Erden soll dir, o Christ, das Eigentum des guten Namens werden. Du wirkst mit jedem Augenblick durch ihn auf deines Nächsten Glück. 2. Gott wird ihn dir, wenn deine Pflicht dir heilig ist, verleihen, und ohne diese wirst du nicht dich seines Segens sreuen. Wann längst vermodert dein Gebein, ziert er noch deines Grabes Stein. 3. Wer überall die Mensch⸗ heit ehrt, den Nächsten weiß zu schätzen, der wird auch dadurch seinem Wert ein bleibend Denkmal setzen. Dem 18 274 folget Schande vor der Welt, der andrer Wert in Schatten stellt. 4. Des guten Namens Eigen⸗ tum wird segnend dich begleiten, wird deines Herzens edlen Ruhm als Beispiel weit ver⸗ breiten. Es schreckt, wenn er nur für dich spricht, auch der Verleumdung Gift dich nicht. 5. Willst du dich seines Segens freu'n, laß Gottes Wort dir raten! Sei wachsam! Fliehe nicht allein des Lasters Frevelthaten; du mußt dich alles Ernst's bemüh'n, auch selbst den bösen Schein zu flieh'n! Pet. Flor. Weddigen, 1759—1809. Mel. 125. Vater unser im Himmelreich ꝛc. 278. Das Glück der Ehre, wie so groß scheint's Tausen⸗ den! Wie atemlos jagt alle Welt derselben nach, trägt gern unzählig Ungemach, will selbst nicht eiteln Schein ver⸗ schmäh'n, nur um sich recht verehrt zu seh'n. 2. Auch Frommen ist der Beifall wert, womit der Tugendfreund sie ehrt. Von Hütten bis zum Thron empor leiht jeder gern dem Lob sein Ohr. Das Kind, den Jüng⸗ Einzeln e Pflichten. ling und den Mann spricht andrer Beifall freundlich an. 3. Allgütiger, das kommt von dir; du liebst mich, darum hast du mir den Ehrtrieb, der so stark sich regt, in meine Brust tief eingeprägt. Er soll mir Sporn zur Tugend sein, mich deines Beifalls stets zu freu'n. 4. Ach, nur zu oft ließ ich durch ihn mich auf verkehrte Wege zieh'n; das Lob des Un⸗ verstands galt mir weit mehr, als Ruhm, o Herr, vor dir. Das war nur meiner Blind⸗ heit Schuld, du aber trugst mich mit Geduld. ö 5. Von nun an sei mein höchster Ruhm, hier als dein Bild und Eigentum, mit höchstem Ernst zu aller Zeit zu streben nach Vollkommen⸗ heit, durch Wohlthun Brüder zu erfreu'n und meiner Pflicht stets treu zu sein! 6. Gib, daß mein Herz es nicht vergißt, wie eitel Ruhm bei Menschen ist, wie sehr oft Menschenlob sich irrt, wie leicht es uns entrissen wird und doch gewissenlos oft macht, wenn die Vernunft nicht in uns wacht! 7. Wann Ruhmsucht mich be⸗ thören will, so laß von Leiden⸗ schaften still, Gott, dann auf dein Gericht mich seh'n, wo denen, die vor dir besteh'n, einst so gerecht als gnadenvoll dein Lob und Beifall werden soll! Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛe. 279. Herr, der du alles gibst, von dem ich alles habe, was ist mein Stand, mein Glück und jede gute Gabe? Es ist nicht mein, es ist ein unver⸗ dientes Gut. Darum bewahre mich vor Stolz und Uebermut! 2. Wenn ich vielleicht der Welt mehr als mein Nächster nütze; wenn ich Verstand und Kraft weit mehr als er be⸗ sitze; bin ich dann besser schon? O, beides kommt von dir, Verstand und Tüchtigkeit, und du erhältst es mir. 3. Wenn mir ein größ'res Glück nach deinem Rat be⸗ gegnet und deine Gütigkeit mich mehr als andere segnet: berechtigt dein Geschenk mich dann zum Uebermut? Thu' ich mir nicht zu viel auf deine Huld zu gut? 4. Wenn ich geehrt und groß in hohen Würden stehe und andre unter mir auf Pflichten gegen uns selbst. 27⁵ niedrer Stufe sehe, wer machte sie gering und wer erhöhte mich? Ist nicht mein Nächster oft viel würdiger als ich? 5. Wie könnt' ich mich, o Gott, des Guten überheben? Was ich besitz', ist dein; von dir hab' ich mein Leben; zum Guten, das ich thu', gibst du nur das Gedeih'n. Drum laß mich ewig fern von Stolz und Hochmut sein! Chr. Fr. Gellert, 1715—-1769. Sorge für die Wohlfahrt der Seele; Weisheit(Erkenntnis), Tugend und Seelenruhe.— Himmlischer Sinn. Mel. 56. An Wasserflüssen Babylon ꝛce. 280. Der Schwachheit Kin⸗ der wallen wir durch dieses Erdenleben; beschränkt ist unser Wissen hier mit allem Ringen, Streben nach höh'rer Wahr⸗ heit, höherm Licht; die volle Wahrheit wird uns nicht. In einen dunkeln Spiegel seh'n unsre schwachen Augen nur; wie viele Wunder der Natur sind uns verschloss'ne Siegel! 2. Schwingt forschend gleich des Menschen Geist zum Licht 18* 276 Einzelne Pflichten. sich auf durch Ahnen, durch⸗ 5. Und Menschentugend, späht der Sterne Pfad und wenn sie gleich den schönsten weist dem Blitze seine Bahnen; Sieg erränge, an Edelthaten erringen wir, des Irrtums groß und reich, zum höchsten Spiel, auch hier schon manches Ziele dränge; was ist sie in Strebens Ziel und mancher der Wahrheit Licht, als die Wahrheit Kränze: wie oft Erfüllung unsrer Pflicht, der steh'n mit gesenktem Haupt, Zweck des Erdenlebens? Wer des Lichtes, das uns schien, nicht nach diesem Ziele strebt, beraubt, wir an des Forschens der darf nicht sagen, daß er Grenze! lebt, heißt Mensch und Christ 3. Weiß unser sterblich Auge vergebens. gleich durch selbst erfund'ne 6. So laßt uns unser An⸗ Waffen auch in der Wesen gesicht demütig niederbeugen! fernstes Reich sich Zugang zu Sind unsre Tage stündlich verschaffen und dringt vom nicht von unsrer Ohnmacht Tropfen Tau empor bis zu Zeugen? Ist alles, was der des Ostens gold'nem Thor Mensch erstrebt, sein Herz und auf der Geschöpfe Leiter: wie seinen Geist erhebt, nicht oft hält nicht des Forschers Gottes Gnad' und Gabe? In Lauf der ernste Zuruf warnend ihm nur atmen, leben wir, auf:„Bis hieher und nicht des Lichts, der Wahrheit weiter!“ Quell strömt hier durch ihn 4. Ein endlicher Verstand uns schon am Grabe. ermißt doch nie das ewig 7. Nie wollen wir erfüllter Wahre, kennt vieles nicht, was Pflicht uns prahlend über⸗ sichtbar ist, und nie das Un⸗ heben. Wie nach der Wahrheit sichtbare; sein höchstes Ringen höherm Licht, laß uns nach bleibt Versuch, und ein geheim Demut streben! Dem, der er⸗ nisvolles Buch sein eig'nes kennt, es bleibe viel ihm noch Sein und Wesen; durchspäht zu thun, wird nichts das Ziel, auch ein Jahrhundert er das nach dem er strebt, entrücken; Buch der Wunder um sich her, der Stolze, der's erreicht schon es blieb' unausgelesen. glaubt, verliert die Kronen, Pflichten gegen uns selbst. 277 die das Haupt der Demut sehnten Klarheit. So manches jenseits schmücken. Joh. Friedr. Schink, 1755—1835. Mel. 236. ist wohlgethan ꝛe. 1. Dir, Quell des Lichts, der Seligkeit, dankt unser Geist das Ringen nach Wahr⸗ heit und Vollkommenheit. Zu dir sich aufzuschwingen, das sollt' allein sein Streben sein; drum gab ihm deine Liebe Verstand und edle Triebe. 2. Der Wahrheit unermeß⸗ lich Meer kann nur dein Blick umfassen; von dir strömt sie zu denen her, die sie nicht flieh'n, nicht hassen. Auch nach der Zeit, in Ewigkeit wird jedem Menschenleben sie stets zu forschen geben. 3. Dein Ebenbild, den Menschen, weckt vor allen Kreaturen ein Drang zu forschen und entdeckt ihm deiner Weisheit Spuren. Er ist beglückt und hoch entzückt, wenn's ihm gelingt, auf Erden an Kenntnis reich zu werden. 4. Wahr ist's, es kostet uns viel Müh', in's Heiligtum der Wahrheit hineinzuschau'n; wir seh'n es nie in der er⸗ Was Gott thut, das noch bleibt für uns doch ver⸗ hüllt, beim besten Willen, uns alles zu enthüllen. 5. Oft zieht den Geist in seinem Flug der Leib zum Staube nieder; auch Leiden⸗ schaft und Sinnentrug er⸗ innern uns bald wieder, auf Erden sei nichts mängelfrei, und das Vollkomm'ne wohne, Herr, nur an deinem Throne. 6. Gott, ohne dich wie mancher Wahn wird uns in Fesseln halten! O leit' uns selbst auf rechter Bahn, und wenn wir je erkalten im mut'gen Lauf, so hilf uns auf, mit immer neuem Ringen zur Wahrheit durchzudringen! 7. Sie ist es wert, daß wir nach ihr mit heißem Durst uns sehnen. O, welches Opfer könnten wir für sie zu groß doch wähnen? Licht bleibet Licht, und der wird nicht sich wahren Heils erfreuen, der noch das Licht mag scheuen. 8. Doch hier ist Morgen⸗ dämm'rung nur; dort werden wir's ergründen, frohlockend aller Wahrheit Spur im voll⸗ sten Lichte finden. Auf dieses Glück leit' unsern Blick, daß 278 wir dazu auf Erden recht vorbereitet werden! Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 15. Kommt her, spricht Christus ꝛc. 282. Was in mir forscht, H was in mir denkt, hast du, mein Schöpfer, mir geschenkt; gib, daß ich's dir auch weihe; Von dir kommt Wissen und Verstand; hilf, daß der Gaben deiner Hand ich mich mit Demut freue! 2. Ich ward durch deiner Allmacht Ruf das, was ich bin. Nicht ich erschuf mir meiner Seele Kräfte. Sie auszubilden, wer verleiht, als du, mir die Gelegenheit und Segen zum Geschäfte? 3. Wenn schnell und leicht und ohne Müh' mein Geist die Wahrheit faßt, laß nie mich x‚ Glücklichen vergessen: Gott schuf den Geist, Gott 283. Einzelne Pflichten. gab die Kraft; am Tage jener Rechenschaft wird er darnach mich messen! 4. Wer viel empfing, soll reiche Saat des Guten auf dem Lebenspfad mit vollen änden streuen. Wer sicher schlummert, kärglich sät, der wird dereinstens, ach, zu spät, was er versäumt, bereuen. 5. Gott ist gerecht. Wer ohne Schuld mit Schwachheit kämpft und in Geduld der Tugend Früchte bringet, den wird— er war im kleinen treu— einst Gott erhöh'n, wenn fesselfrei sein Geist zum Himmel dringet. 6. Viel oder wenig sei mein Teil; nur laß durch Trägheit mich mein Heil, durch Stolz es nie verscherzen; laß mich nicht Arbeit scheu'n und Müh', und ach, Vermessenheit sei nie im leicht bethörten Herzen! Aug. Herm. Niemeyer, 1754— 1828. Mel. Herr Jesu, Gnadensonne ꝛc. 15²4. 4 —.......—.——. SI— Laß mich den A⸗ber ⸗ glau-ben, 0 ihn mir das Glück nicht rau-ben, dein Pflichten gegen uns selbst. treu ⸗es Kind zu sein. ö + Va ⸗ ter, ernst=lich scheu'n, Dich, Gott, und dei⸗ne * — 4* ur —— 2——.—5 ö— — 2——. ů—.— 12..— 3— Leh ⸗- ren von Her⸗-zen zu ver W eh ⸗ren, sei — E— —— 12 HN 2. Du hast des Lichts hienieden, weil du mein Vater bist, mir so viel nur beschieden, als mir nicht schädlich ist. Das thatest du aus Güte; mit kindlichem Gemüte dank' ich dir, Gott, dafür. 3. Gern will ich dem entsagen, was der Verstand nicht lehrt, auf's Ungefähr nicht wagen, was die Ver⸗ nunft empört; so werd' ich weise handeln, mit kluger Vorsicht wandeln, kein Spiel des Zufalls sein. 4. Ich darf nicht alles wissen, was deiner Weisheit Rat nach heilighohen Schlüssen gewählt, geordnet hat; du läßt von deinen Zwecken durch Mittel nichts entdecken, die Unvernunft erdacht. mei ne höch⸗ste Pflicht! 5. Doch Wunder zu be⸗ gehren aus thöricht falschem Wahn, die mir Gott nicht gewähren, ich nicht ver⸗ langen kann, das heißet zu vermessen, mißkennen und vergessen, du sei'st ein weiser Gott. 6. Im kleinsten deiner Werke, o Vater der Natur, entdeck', ich Huld und Stärke und deiner Weisheit Spur; du, der die Welt regieret und mich als Vater führet, lenkst aller Kräfte Gang. 7. Auf dich nur laß mich bauen und frei von eitlem Wahn dir, Gott, allein vertrauen, treu geh'n der Tugend Bahn; dann bebt in dunkeln Nächten vor unsichtbaren Mächten mein kindlich Herz nicht mehr. 280 Einzelne 8. Ja, laß den Aberglauben mich, Vater, ernstlich flieh'n, ihn meine Ruh' nicht rauben, noch dir mein Herz entzieh'n! Du, der mich stets beschützet, du weißt auch, was mir nützet, dir unterwerf' ich mich. Joach. Christ. Grot, 1733—1801. Mel. 36. Christ, unser Herr, zum Jordan kam ꝛc. 284. Wenn jemals Zweifel auch in mir sich wider deine Lehren und ihren Ursprung, Gott, von dir und ihren Wert empören, dann hilf, damit mir nicht dein Licht leicht⸗ sinnige Gedanken verdunkeln, daß ich ihnen nicht nachhängen mög' und wanken und, Herr, dein Wort verachten! 2. Wenn Stolz und Lust zu Sünd' und Spott mit Zweifeln mich umstricken, dann stehe du mir bei, o Gott, daß sie mich nicht berücken! Ich will, so bald sie mir sich nah'n, schon darum alle hassen, weil sie mich reizen, deine Bahn abtrünnig zu verlassen; will schnell sie unterdrücken. 3. Dann zeige mir die Tugend sich in ihrer ganzen Würde; dann laß mich seh'n, daß sie für mich kein Joch Pflichten. sei, keine Bürde! Und würde sie's, wird sie doch leicht, wenn mich die Hoffnung stützet, daß der Getreue, der nicht weicht, durch deine Macht beschützet, glückselig werden müsse. 4. Und zweifl' ich aus Un⸗ wissenheit, aus Mißverstand der Lehren, so laß mich, Gott, mit Redlichkeit mehr Licht von dir begehren! Ich müsse dann mit Ernst und Fleiß nach mehr Erkenntnis streben, erweitern meiner Einsicht Kreis und gern nach dem auch leben, was ich mehr einseh'n lerne. 5. So werd' ich, Gott, mehr Wissenschaft, mehr Licht von dir empfangen, mehr Eifer auch, mehr Mut und Kraft, dem Guten anzuhangen, bis du, der du so gern mich hier vor Trug und Wahn be⸗ wahrest, in einem hellern Lichte mir dich völlig offenbarest, dich näher zu erkennen. Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 82. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛe. 285. Wer bin ich? Welche wicht'ge Frage! Gott, lehre sie mich recht versteh'n; gib, daß ich mir die Wahrheit sage, um mich, so wie ich bin, zu seh'n l. Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, bleibt von der Weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Händen, du schufst mich, Gott, zu deinem Preis; mein Leben nützlich anzuwen⸗ den, das ist dein väterlich Geheiß. Doch leb' ich als dein Eigentum auch, wie ich soll, zu deinem Ruhm? 3. Ich bin ein Christ nach dem Bekenntnis; beweist es aber auch die That? Herr, öffne du mir das Verständ⸗ nis, recht einzuseh'n, ob ich den Pfad, den Jesus mir gewiesen, geh' und ob ich fest im Glauben steh'! 4. Du kennest unsres Herzens Tiefen, die noch mir selbst verborgen sind; drum laß mich oft mein Innres prüfen, mich fragen: Bin ich Gottes Kind? Gib, daß kein falscher Wahn mich trügt, wo⸗ mit sich mancher selbst belügt! 5. Kann der, der bei dem hellsten Wissen des Herzens Zustand sich verhehlt, auf wahre Bess'rung sein beflissen, er, der nicht weiß, wie viel ihm fehlt? Sich selbst recht kennen, ist Verstand. Drum Pflichten gegen uns selbst. 281 mache mich mit mir bekannt! 6. Den wahren Weg zu meinem Heile entdeckest du, o Vater, mir; doch, daß ich ihn zu wandeln eile, bedarf ich Mut und Kraft von dir. Erleuchte mich mit deinem Licht, so täuschen mich Ver⸗ führer nicht. 7. Geh' ich noch strauchelnd auf dem Pfade, der mich zum wahren Leben führt, so hilf mir, Gott, daß deine Gnade mein Herz zu frommem Ernste rührt; gib mir zur Bess'rung Lust und Kraft! Du bist's, der beides in uns schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, was ich hier war und hier gethan. O, laß mich's nicht bis dahin sparen, wo Reue nichts mehr helfen kann! Hier mache mich zum Himmel klug und frei vom schnöden Selbstbetrug! Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Mel. 58. Freu' dich sehr, o meine Seele ꝛe. 286. Gott, ich will mich ernstlich prüfen, ob ich red⸗ lich bin vor dir. Du kennst meines Herzens Tiefen, ach, entdecke sie auch mir; laß mich sehen, ob ich treu dir in 282 Einzelne Pflichten. meinem Wandel sei; ob ich Ruhm der Frömmigkeit. Wenn recht zu thun mich übe, weil ihr Beifall mich erhob, o wie ich dich von Herzen liebe! süß war mir dies Lob! Nur 2. Eitelkeit und Eigenliebe von ihm ließ ich mich treiben, i sind die Götzen dieser Welt; meiner Tugend treu zu bleiben. aber nie sind sie die Triebe, 6. Ach, wie konnt' ich dich deren Wirkung dir gefällt. vergessen, dir, mein Gott, nicht Wer das Gute, das er übt, dankbar sein, deine Liebe nicht nicht mit reiner Seele liebt‚ ermessen, mich nicht deines Richter, dem gibst du die Beifalls freu'n? Und was Krone der Gerechten nicht war denn mein Gewinn? zum Lohne. Eiteln Ruhm nahm ich dahin, 3. Die um deiner Liebe statt zu dir mich aufzu⸗ willen wandeln, wie dein Wort schwingen, ew'ges Lob mir gebeut, diese nur allein er⸗ zu erringen. füllen das Gesetz der Frön 7. Sieh, Allwissender die migkeit. Nicht bloß das, was Reue, die mein banges Herz ö wir gethan, auch die Quelle betrübt; sei mir gnädig und siehst du an. Deine Liebe verzeihe, daß ich dich nicht soll uns dringen, jedes Gute mehr geliebt! Mache reiner u vollbringen. ö meinen Sinn, lenk' ihn zu 4. Wie ein leichter Nebel dem Einen hin, dich zu lieben schwinden meine Tugenden vor und vor allem dir, o Höchster, dir; ach, noch trennen Lieb⸗ zu gefallen! lingssünden mich, o Heiligster, 8. Laß, Herr, alle meine IIEEEEEA von dir. Deine Liebe trieb Werke Früchte deiner Liebe mich nicht zur Erfüllung sein! Sie erfülle mich mit meiner Pflicht. Ohne, Gott, Stärke, ganz mein Leben dir an dich zu denken, ließ ich zu weih'n! Herr, ich bin din mich von Selbstsucht lenken. Eigentum, und es sei mein 5. Ich gehorchte deinem höchster Ruhm, daß ich hier Rechte, daß mir diese Folg⸗schon auf der Erde deiner samkeit Huld und Gunst bei Liebe würdig werde! »Menschen brächte und den Balth. Münter, 1735—1798. ö nn vie tur en/ en 0 icht icht nes vas in? in, zu⸗ mir die erz und licht iner zu ben ster, eine iebe mit dir dein nein hier iner Mel. 151. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend' ꝛc. 287. Gott, der auch uns ins Leben rief, wie gut hast du in uns, wie tief den Grund zum höchsten Glück gelegt und Drang darnach in uns erregt! 2. Groß ist die Würde, heilig, rein und ganz dir ähn⸗ lich, Herr, zu sein; schön ist das Ziel, auf heil'gerBahnmich der Vollkommenheit zu nah'n. 3. Doch seine Kraft, die Gott verlieh, kennt selbst der Mensch im Anfang nie, be⸗ tritt ganz hilflos dieses Feld der Bildung für die künft'ge Welt. 4. Wenn den Geschöpfen niedrer Art die Fähigkeit ge⸗ geben ward, was sie sein können, bald zu sein und sich der vollsten Kraft zu freu'n: 5. Da steht er mitleidswert und schwach selbst noch dem niedern Tiere nach, und spät und langsam zeigt sich nur des Geistes höhere Natur. 6. Der Macht der Sinn⸗ lichkeit entreißt sich erst nach langem Kampf der Geist. Nur stufenweise klimmen wir zum hohen Ziel hinan zu dir. 7. Im Wahrheitsforschen hält den Blickso mancher Wahn Pflichten gegen uns selbst. 283 und Schein zurück; das Herz lernt erst durch Irregeh'n und Fallen fest im Guten steh'n. 8. Doch, o wie hoch kann es erfreu'n, des Wachstums sich bewußt zu sein! Auf diesem Wege, Gott, führst du uns täglich neue Freuden zu. 9. Vergib, o Vater, wenn wir noch, gefesselt an der Schwachheit Joch, des Fort⸗ schritts Freuden überseh'n und zagend oft noch stille steh'n! 10. Stärk'unsern Mut, wenn langsam gleich der gute Vorsatz siegt, und zeig' dann, wann er sinken will, uns schon der Treue, des Beharrens Lohn! 11. Einst sollen wir in Ewigkeit zu höherer Voll⸗ kommenheit uns schneller schwingen; mache du uns täglich tüchtiger dazu! Unbekannter Verfasser. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 288. Nach meiner Seele Seligkeit laß, Herr, mich eifrig ringen und in der Gnade kurzer Zeit, was du befiehlst, vollbringen! Wie würd' ich sonst vor dir besteh'n? Wer in dein Reich wünscht einzu⸗ 28⁴4 Einzelne Pflichten. geh'n, muß reinen Herzens 6. Nach diesem Kleinod, werden. Herr, laß mich vor allen 2. Erst wann die letzten Dingen trachten und, was mir Stunden nah'n, erst wann wir daran hinderlich, mit edlem sterben sollen, zu dir sich Mut verachten! Daß ich auf wenden, deine Bahn erst dann deinen Wegen geh' und im betreten wollen: das ist der Gericht dereinst besteh', sei Weg zum Leben nicht, den uns, meine größte Sorge! o Gott, dein Unterricht in 7. Doch was vermag ich, deinem Wort bezeichnet. wenn du nicht vor Trägheit 3. Du rufst uns hier zur mich beschützest und mich zur Heiligung. So laß denn auch Treu in dieser Pflicht mit auf Erden des Geistes wahre Kräften unterstützest? O stärke Besserungmein Hauptgeschäfte mich, mein Gott, dazu, so findẽ werden! Gib dazu Weisheit, ich hier schon wahre Ruh Lust und Trieb; kein Gut und dort das ew'ge Leben. der Welt sei mir so lieb, 0 Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Gott, als deine Gnade! Miel. 46. Wo sind die Weisen, 4. Gewänn' ich auch die die mich lehren ꝛe. ganze Welt mit allen ihren 289. Ernst ist der Strei Freuden, und sollte das, was Durch Kampf errungen will dir gefällt, o Gott, darüber jeder Preis der Tugend sein; meiden; was hälfe mir's? nur wer zum Ziele hinge⸗ Nie kann die Welt mit allem, drungen, kann sich der Sieges⸗ was sie in sich hält, mir krone freu'n. Hier ist dei deine Huld ersetzen. Kampfplatz jeder Tugend, das 5. Was führt mich zur angewies nellebungsfeld hi Zufriedenheit schon hier in wo das Alter wie die Jugend diesem Leben? Was kann mir wankt, strauchelt und gar of Trost und Freudigkeit auch noch auch fällt. im Tode geben? Nicht Men⸗ 2. Schwer ist es, Lüste zu schengunst, nicht irdisch Glück, besiegen, die gern das schwache nur Seelenfriede und ein Blick Herz genießt, das listig, den auf jenes Lebens Freuden. Verstand zu trügen,schonwähll l ö ö ——————66— ———— 22————— 4—— IIEREE Pflichten gegen uns selbst. eh' sich der Geist entschließt. Es dein Haupt sich neiget, dich zu strömt die Lust durch alle Sinne, des Himmels Freuden ein. sie überrascht und siegt ge⸗ 6. O folg' ihm nach, dem schwind. Schwer ist's, daß ich Sieger, streite, damit auch du den Sieg gewinne, wo in mir den Preis erringst und an des selbst die Feinde sind. Ueberwinders Seite Triumph⸗ 3. Hier locken Beispiel, gesänge feiernd singst! Dort Reiz und Triebe, die ganze wehen nur der Sieger Palmen; schmeichlerische Weltzparteiisch hier übt die Tugend sich im wählt die Sinnenliebe nur Streit, dort tönt dein Lied das, was ihrem Hang ge- in ihre Psalmen von Ewig⸗ fällt. Die Tugend soll den keit zu Ewigkeit. mächt' gen Sinnen, dem Spott Chr. G. L. Meister, 1738-1811. der Welt, der Eitelkeit der Mel. 37. Schwingt, heilige Siege schwersten abgewinnen; Gedanken ꝛc. ein großer, aber edler Streit! 290. Mich selbst muß ich 4. Sie soll die feinsten Lieb⸗ bezwingen, um dir, Gott, treu lingssünden, erregter Leiden⸗ zu sein; das Gute zu voll⸗ schaften Macht und böse bringen, die Sündenlust zu Wünsche überwinden, schon scheu'n, muß ich mit edlem früh im Herzen angefacht. Mut mich auf den Kampfplatz Wahr ist es, ach! nicht leicht wagen, mir manchen Wunsch errungen wird hier der Kranz versagen und jedes falsche Gut. des Sieges sein, und doch 2.Ich soll kein Uebel fliehen, ist's Tausenden gelungen, die wenn mir's die Pflicht gebeut, sich nun ihres Sieges freu'n. mich ihm zu unterziehen; soll 285 5. Verzage nicht, du edler Streiter, schwer ist dein Kampf, doch groß dein Lohn! Ermanne dich und dringe weiter bis zu des großen Siegers Thron! Er, aller Kämpfer Vorbild, zeiget, wie schön es ist, getreu zu sein, und ladet, wann mit Entschlossenheit, auch wo Gefahren sind, selbst die Ge⸗ fahr nicht scheuen, um mich des Lohns zu freuen, den Treu' im Kampf gewinnt. 3. Wie schwer ist dies Ge⸗ schäfte der Selbstbeherrschung mir! Wie schwach sind meine Einzelne 286 Kräfte! Wer unterstützt mich hier? Du, Vaͤter, kannst allein zum eifrigen Bestreben mir Mut und Kräfte geben und mir den Sieg verleih'n. 4. Laß mich aus Pflicht verachten strafbare Sinnlich⸗ keit, für's höchste Gut nicht achten die Güter dieser Zeit; hilf jede Leidenschaft in ihrem Anfang dämpfen; als Christ sie zu bekämpfen, stärk' mich durch deine Kraft! Pflichten. ich meine Seele rette, jag' ich dem Kleinod eifrig nach. Denn Tugend ohne Wachsamkeit ver⸗ liert sich bald in Sicherheit. 2. So lang ich hier im das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, der, wann sein Nächster fällt, noch steht! Auch die bekämpfte böse unsrer Brust. 5. Mit Weisheit mich zu lieben, will ich stets wachsam sein, mich vor den mächt'gen Trieben des Eigennutzes scheu'n. Wenn Wollust, Zorn und Geiz mein schwaches Herz berücken, so hilf sie unter⸗ drücken, besiegen ihren Reiz! 6. Auf dich will ich stets sehen, will in dem ernsten 3. Nicht jede Besserung ist Tugend, oft ist sie nur das Werk der Zeit. Die wilde Hitze roher Jugend wird mit den Jahren Sittsamkeit, und was Natur und Zeit gethan, sieht unser Herz für Tugend an. 4. Oft ist die Aend'rungunsrer Seelen ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie bleibt noch schwach; doch, daß Leibe walle, bin ich ein Kind, Lust stirbt niemals ganz in Streit mich selbst nicht hinter⸗ Stolz und Ruhmsucht quälen, gehen; gib mir Entschlossen⸗ und dämpfst sie, doch du heit und unterstütze mich, daß wechselst nur; dein Herz fühlt ich mein Herz bekämpfe, die einen andern Reiz, du dienst Macht der Lüste dämpfe: so der Wollust fröhnst dem Geiz sieg' ich, Gott, durch dich. 5. Oft ist es Kunst und Zoach. Ehrist. Grot, 17331501. Eigenliebe, was andern strenge Tugend scheint. Der Trieb des Neids der Schmähsucht Triebe erwecken dir so manchen Feind; du wirst behutsam, schränkstdich Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛc. 291. Nicht, daß ich's schon er⸗ rungen hätte; die beste Tugend ein, fliehst nicht die Schmäh⸗ sucht, nur den Schein. 6. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, durch die der andern Tugend fällt, so werde dein Herz nichts verführen; doch jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen Stand und Gold nicht rührt, hat oft ein Blick, ein Wort verführt. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen. Von Rachsucht scheinst du dir befreit; jetzt sollst du eine Schmach ver⸗ schmerzen, und sieh, dein Herz wallt auf und dräut und schilt so lieblos und so hart, als es vorher gescholten ward. 8. Oft denkt, wann wir der Stille pflegen, das Herz im stillen tugendhaft. Kaum lachet uns die Welt entgegen, so regt sich unsre Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichtern Triebe durch einen strengen Lebenslauf; doch opferst du, will's seine Liebe, ihm auch die liebste Neigung auf? Dies ist das Auge, dies der Fuß, die sich der Christ entreißen muß. Pflichten gegen uns selbst. Grab, führt mich vom rechten 287 10. Du fliehst, geneigt zur Ruh' und Stille, die Welt und liebst die Einsamkeit; doch bist du, fordert's Gottes Wille, auch dieser zu entflieh'n bereit? Du hast zur Eifersucht nicht Hang; fliehst du auch Unmut, Müßiggang? 11. Du bist gerecht; wie? auch bescheiden? Liebst Mäßig⸗ keit; wie? auch Geduld? Du dienest gern, wenn andre leiden; vergibst du Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, zu aller Tugend willig sein. 12. Sei nie vermessen! Wach' und streite, denk' nicht, daß du genug gethan! Dein Herz hat seine schwache Seite, die greift der Feind der Wohl⸗ fahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall; drum wache stets, wach' überall! Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. 89. verlangen ꝛc. 292. Wie schwach ist meine Tugend, wie leicht verirr' ich mich! Seit meiner frühen Jugend wie oftmals fehlte ich! Zum Guten meist zu träge und sinnlich bis ins Herzlich thut mich . 288 Einzelne Pflichten. ö Wege gar leicht Verblen⸗ 6. Mein Herz kann bald dung ab. verzagen, bald wieder trotzig 2. Oft fehlt es mir am sein; hier, was ich nicht solf Mute, zu thun nach meiner wagen, dort, was mir Pflicht Pflicht; ich kenne wohl das ist, scheu'n. Von Eitelkeit be⸗ Gute, doch leider thu' ich's fangen, traut es sich selbst zu nicht. Leicht laß ich mich ver⸗ viel; bald bin ich hintergangen leiten, das Böse zu vollzieh'n, und seiner Lüste Spiel. scheu' mich, es zu bestreiten, 7. Gib, Gott, auch hier versäum', es klug zu flieh'n. ihn Schwachen Mut und Ent⸗ 3. Gott, laß mich eifrig schlossenheit, zu beten und zu streben, der Tugend treu 1 gereut hih, mich kein Schritt sein, aus Pflicht nur für sie gereut; hilf, daß ich bald be⸗ leben, mich jedes Guten freu'n; merke, wann sich mein Herz ver⸗ laß mich es nie vergessen, daß irrt und stolz auf seine Stärke auch der Fromme fällt, wenn selhf sein Verräter wird! er sich zu vermessen für völlig, 8. Dann werd' ich nicht sicher hält! erliegen; durch ernste Wach⸗ 4. Um auch die kleinsten samkeit werd' ich doch endlich Sünden und ihren Reiz zu siegen, auch in dem schwersten flieh'n, laß lebhaft mich em⸗ Streit nie von dem Kampf⸗ pfinden, daß sie zu größern platz weichen, so sehr Gefahren zieh'n; laß über meine Triebe droh'n, des Glaubens Ziel er⸗ mich immer wachsam sein, er⸗ reichen, mit ihm des Kampfes halt' von Sündenliebe, Herr, Lohn. meine Seele rein! 5. Hilf mir, bei den Ge⸗ ö fahren der Welt und Eitelkeit, Mel. 220. Allein Gott in der mein schwaches Herz bewahren, Höh' sei Ehr' ꝛe. daß es sie weise scheut! Nie 293. O, welch ein unschäß⸗ will ich Schmeichler hören, die bares Gut ist doch ein gut in ihr Netz mich zieh'n, zur Gewissen! Besitz' ich das, so Sünde mich bethören, dann hab' ich Mut, wenn andre schadenfroh entflieh'n. zagen müssen. Dann zittert Joach. Chr. Grot, 1733—1801. 3 meine Seele nicht, mich schreckt kein Tod und kein Gericht; ich habe Gott zum Freunde. 2. Gott, deines Beifalls mir bewußt, freu' ich mich deiner Gnade; dein Friede wohnt in meiner Brust, wer ist's, der mir dann schade? Ich seh' auf dich in aller Not, womit die Zukunft mich bedroht; mich tröstet deine Pflichten gegen uns selbst. 289 nie zu entweih'n, sei meine größte Sorge! 6. Laß mich, was mein Gewissen spricht, als deine Stimme ehren und ohne frommen Vorsatz nicht auf seine Warnung hören! Und mahnt es mich an meine Schuld, so laß mich, Vater, deine Huld voll Reu' und Glauben suchen! Liebe. 7. Durch deine Gnade stärke 3. Und ob ich auch oft mich und waffne meine Seele, Lästerung und Schmach hie- daß sie vor Sünden hüte sich nieden dulde, so ist's mir doch und nie mit Absicht fehle! Denn Beruhigung, daß ich sie nicht nur, wer reinen Herzens ist, hat verschulde. Weiß sich nur immer dich durch Jesum Christ, mein Gewissen rein, und meid' Allwissender, zum Troste. ich auch den bösen Schein wirst Joh. Sam. Diterich, 1721— 1797. du mich, Herr, beschützen. Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, 4. Ich sehe mit Zufrieden⸗ will ich singen ꝛe. heit der künft'gen Welt ent⸗ 294. Wenn ich ein gut Ge⸗ gegen; sie gibt mir Mut und wissen habe, wie groß ist meine Freudigkeit auf allen meinen Seligkeit! Es ist des Himmels Wegen. Wird gleich mein Wert beste Gabe, das höchste Glück oft hier verkannt, dort in dem schon in der Zeit. In Freud' bessern Vaterland wird einst und Leiden gibt es hier die die Wahrheit siegen. wahre Seelenruhe mir. 5. Ja, meines Lebens 2. Ich bebe nicht, wann schönste Zier sei stets ein gut Sünder beben, daß Gott ge⸗ Gewissen; es werde dieses recht und heilig ist; mein Herz Kleinod mir durch keine Sünd' gibt Zeugnis meinem Leben, entrissen! Gott, deiner Huld daß ich gewandelt als ein gewiß zu sein, dein heilig Recht Christ, des göttlichen Berufes 19 290 Einzelne wert, der mich im Himmel wandeln lehrt. 3. Getrost bin ich, vor Gott zu treten und als sein Kind voll Freudigkeit ihn, meinen Vater. anzubeten, der Schwach⸗ heit liebevoll verzeiht und täg⸗ lich neue Kräfte gibt dem, welcher ihn von Herzen liebt. 4. Mit Mut trag' ich des Lebens Leiden, Verfolgung, Läst'rung, Schmach und Hohn; denn des Gewissens inn're Freuden sind süßer, als der Menschen Lohn. Und was kann höhern Trost verleih'n, als ohne Schuld im Leiden sein? 5. So eil' ich denn mit festem Schritte dem letzten meiner Tage zu, und fällt des Lebens morsche Hütte, so geh' ich ein zu wahrer Ruh', weil dann mein Geist, der Gott gelebt, zum höhern Leben sich erhebt. 6. O Seele, darum sei be⸗ flissen, daß bei unwandelbarer Treu' ein immer freudiges Gewissen dein Trost in diesem Leben sei! Und du, mein Gott, regiere mich; denn was ver⸗ mag ich ohne dich? Chr. F. Weisse, 1726—1804. Pflichten. Mel 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. Zum Trost in allen Kümmernissen, zum Licht auf unbekannter Bahn gab mir der Schöpfer das Gewissen; es zeigt mir jeden Irrweg an; es ist ein heiliges Gericht, durch das die Stimme Gottes spricht. 2. Hätt' ich ein Paradies auf Erden und wäre Frevels mir bewußt, es würde mir zur Hölle werden; denn Hölle wär in meiner Brust. Ach, jedes Kleinod gäb' ich hin, dem innern Vorwurf zu entflieh'n! 3. Ob ich auch über Meere ginge und eine grause Wüste mich als meine Wohnung dort empfinge, mein bös' Gewissen ließe sich doch nie und nirgends überschrei'n, stets würd' es mein Verfolger sein. 4. Wohl dem, der in sich selber findet, was ihm die Welt nicht geben kann; sein Glüch auf das Bewußtsein gründet, treu hab' er seine Pflicht gethan; der höher, als den Ruhm der Welt, ein freudiges Gewissen hält! 5. Es lehrt mich, wenn ich schuldlos leide, Geduld auch in der größten Pein; ein Pflichten gegen uns selbst. 291 dürftig Glück, die kleinste geben? Dies lasse Gottes Freude wird mir mit ihm Geist nicht zu! Entzücken sein. Der Friede 5. Mag auch die Pflicht, auf wohnt in meiner Brust, bin sich selber zu besiegen, die mir ich mir Böses nicht bewußt. schwerste sein. Sie ist's; doch 5s 6. Und einst, wann ich welch Vergnügen gewährt die es vollendet habe, wann Todes⸗Ueberwindung nicht! urch nacht mein Auge deckt, wohl 6. Welch Glück, zu sich icht. meinem Herzen dann am mit Wahrheit sagen können: dies Grabe, daß es kein innrer Ich fühlt' in mir des Bösen vels Richter schreckt! Dann, Trost Lust entbrennen; doch Dank zur der Unschuld, führest du mich sei Gott! ich schützte mich. vär einem ew'gen Frieden zu. 7. Und welch Gericht, mir edes Joh. G. Pfranger, 1735—1790. selbst es sagen müssen: Ich dem 140⁵⁴ konnte mir den Weg zum 9en! Mel. 43. Gott ist mein Lied ꝛe. Fall verschließen, und doch rer 296. Besitz' ich nur ein verschloß ich mir ihn nicht! züste ruhiges Gewissen, so ist ür 8. Was kann im Glück den dort mich, wenn andre zagen Wert des Glücks erhöhen? issen müssen, nichts Schreckliches Ein ruhig Herz versüßt im nds in der Natur. Wohlergehen dir jeden frohen es 2. Dies sei mein Teil! Augenblick. Dies soll mir niemand rauben. 9. Was kann im Schmerz sich Ein reines Herz mit unge- die Pein der Leiden stillen, im Welt färbtem Glauben, der Friede schwersten Kreuz mit Freuden zlück Gottes nur ist Heil. dich erfüllen? Ein in dem idet, 3. Welch ein Gewinn, wenn Herrn zufried'nes Herz. lict meine Sünde schweiget, wenn 10. Was gibt mir Mut, den Gottes Geist es meinem Geist die Güter zu verachten, wo⸗ iges bezeuget, daß ich sein Kind nach mit Angst die niedern und Erbe bin! Seelen trachten? Ein ruhig 4. Und diese Ruh', den Herz, dies größre Gut. höchsten Trost im Leben, sollt'“ 11. Was ist der Spott, ich für eitle Lust der Sinne den ein Gerechter leidet? Sein 19* 292 wahrer Ruhm. Denn wer das Böse meidet, das Gute thut, hat Ruhm bei Gott. 12. Im Herzen rein hinauf gen Himmel schauen und sagen: Gott, du, Gott, bist mein Vertrauen! welch Glück, o Mensch, kann größer sein? 13. Sieh, alles weicht, und du wirst sterben müssen. Was wird alsdann dir deinen Tod versüßen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht. 14. Heil dir, o Christ, der diese Ruh' empfindet und der sein Glück auf das Bewußt⸗ sein gründet, daß nichts Ver⸗ dammlich's an ihm ist! 15. Laß Erd' und Welt, so kann der Fromme sprechen, laß unter mir den Bau der Erde brechen: Gott ist es, dessen Hand mich hält! Chr. F. Gellert, 1715-I769. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her. 297. Wie mancher lebt, als wär' ihm hier sein ew'ges Heil beschieden! Er sinnt und sorget für und für und fühlt sich nie zufrieden. Glanz, Macht und ird'scher Güter viel' und eitle Freuden sind das Ziel, wo⸗ nach er einzig trachtet. Einzelne Pflichten. 2. Des Lebens tägliches Gewühl beschäftigt all sein Denken, raubt ihm die Frei⸗ heit, sein Gefühl zur bessern Welt zu lenken. Sein Herz und Thun wird nicht bewacht; denn daß nur Tugend selig macht, hat er nicht recht erwogen. 3. Pflicht und Gewissen wird verletzt, wenn böse Lust gebietet. Bald wird, wer seinen Gott nicht schätzt, sich nicht vor Leichtsinn hütet, ein Sklave seiner Leidenschaft, schwächt und verliert zuletzt die Kraft zu allem wahren Guten. 4. Zwar hört er oft: „Glanz, Macht und Gut und Freude wird vergehen. Nur wer den Willen Gottes thut, wird einst vor ihm bestehen.“ Doch hat er nie geleg'ne Zeit zur Sorge für die Ewigkeit. Die Welt hält ihn gefesselt. 5. Auch denkt er wohl: Wer überall sich kein Ver⸗ geh'n erlaubet, von fremdem Gut in keinem Fall nur das Geringste raubet, der bringt es in der Welt nicht weit und hätte doch Gelegenheit, reich und geehrt zu werden. 6. Ist's Wollust oder Schwelgerei, die ihn zum r. —— s& 7˙— Bösen dringet, so gibt er vor, Naturtrieb sei, was ihn zur Sünde zwinget. Das lügt er; denn Vernunft ist nur der Trieb der edleren Natur, und die soll uns beherrschen. 7. Und schändlich ist, darauf zu bau'n, bei Gott sei viel Verschonen; er werd' ein glaubiges Vertrau'n gern mit Vergebung lohnen. So wird der Heiligste verlacht, als hätt' er ein Gesetz gemacht, um nicht darauf zu halten. 8. Drum weh' dem, der 208. heiße Sehnen nach stets höherm Glück in mir und entlockt mir so viel Thränen immer unbe⸗ friedigt hier? Warum ring' ich so vergebens nach voll⸗ komm'nem Glück des Lebens? auf Christi Tod Vertrau'n und Hoffnung setzet, wenn er des Heiligsten Gebot ver⸗ säumet und verletzet! Denn er verspottet Gottes Rat, der uns durch ihn berufen hat, den Sünden abzusterben. 9. Vergeblich ist sein äußres Thun im Lesen, Beten, Singen. Denn dabei läßt er es beruh'n, will nicht nach Gaben, Gott, auf Erden aus⸗ Tugend ringen, die wahr und ungeheuchelt sei. Sein Gottes⸗ dienst ist Gleißnerei, die nie der Höchste billigt. 10. So lebet, wer sein höchstes Gut in ird'schen Dingen findet. Doch Reichtum, Macht und hoher Mut und alle Pflichten gegen uns selbst. 293 Freude schwindet; dann hat er hier sein ganzes Teil und erbet nicht das ew'ge Heil, das Gott nur Frommen schenket. 11. Schaff' in mir, Gott, ein reines Herz und ruhiges Gewissen; dann wird Ent⸗ behrung und selbst Schmerz zum Heil mir dienen müssen. Erhebst du mich zur Ewigkeit, so bin ich, Vater, dann bereit zu höhern Geistesfreuden. Unbekannter Verfasser. Mel. 491. Welt, ade, ich bin dein müde ꝛe. Warum wohnt dies Solldie Hoffnungmir zur Pein, im Genuß nur Täuschung sein? 2. Zahllos hast du deine gestreut. Sie sind, Leib und Geist zu laben, reich an Man⸗ nigfaltigkeit. Süße Freuden soll dem Leben deine ganze Schöpfung geben, wirksam soll, uns zu erfreu'n, Kunstfleiß und Gesellschaft sein. 294 Einzelne 3. Warum wird nun im Ge⸗ nusse dieses Herz doch nimmer satt, wenn's auch bis zum Ueber⸗ flusse Freuden dieses Lebens hat? Warum müssen deine Gaben Reiz nur in der Ferne haben? Warum sink' im vollsten Glück ich zum Miß⸗ mut oft zurück? 4. Doch, was klag' ich? Vatergütewinkt mir, Sinnenlust zu flieh'n, mein leicht irrendes Gemüte nüchtern davon abzu⸗ zieh'n, meinem Geiste Seligkei⸗ ten durch die Tugend zu bereiten, deren Reiz und höchsten Wert Reu' und Ekel nie verzehrt. 5. Ist mir's nicht, Gott, dir zum Preise, unaussprech⸗ licher Gewinn, daß ich in dem Tugendfleiße steten Wachs⸗ tums fähig bin? Rastlos diesem nachzustreben, für die Tugend nur zu leben, ihrem Dienst mich ganz zu weih'n, das soll meine Freude sein. 6. Ewig wohnst du in der reinen, namenlosen Selig⸗ keit; einst wird sie auch uns erscheinen nach vollbrachter Pilgerzeit. Unermüdet Gutes üben, unaufhörlich Menschen lieben, dies ist deine Seligkeit; mach' auch uns dazu bereit! Pflichten. 7. Laß mich froh und standhaft wandeln, wie es dir, o Gott, gefällt; nur wie du gebeutst, zu handeln, sei mein Ziel in dieser Welt! Folg' ich kindlich deinem Willen, wirst du all mein Sehnen stillen; alle, welche dir vertrau'n, sollen, was sie hoffen, schau'n. Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 15. Kommt her, spricht Christus, Gottes Sohn ꝛe. 299. Von dir, o Höchster, kommt die Lust, der rege Trieb in meiner Brust, beglückt und froh zu leben. Um Licht und Weisheit bitt' ich dich; o lehre du, mein Vater, mich, nach wahrem Wohl zu streben! 2. Stets heilig sei mir dieser Trieb, doch dein Gebot auch stets so lieb, daß ich mein Wohlergehen nur such' auf jenem sichern Pfad, den mir dazu dein weiser Rat von Ewigkeit ersehen! 3. Untrüglich ist nur dein Verstand, und dir ist ganz genau bekannt, was Not, was Heil gebieret; mich aber täuschet falscher Wahn, ich seh' noch oft als nützlich an, was mich zum Elend führet. —SEE& 3 — 88—2————2 —Eer. Pflichten gegen uns selbst. 4. Drum laß mich nicht dem Scheine trau'n und niemals um mein Glück zu bau'n, bloß was mir gut dünkt, wählen! Herr, dein Wort sei auch hier mein Licht; denn folg' ich dem, so werd' ich nicht mein wah— res Wohl verfehlen. 5. Hilf mir, den so ver⸗ schied'nen Wert der Güter, die der Mensch begehrt, recht ein⸗ seh'n und bedenken und meine größte Emsigkeit auf das, was ewig mich erfreut, mit weiser Sorgfalt lenken! 6. Verleihst du diese Weis⸗ heit mir, so werd' ich auch vorzüglich hier nach deinem Beifall streben, mich um ein reines Herz bemüh'n, die schnöde Lust der Sünde flieh'n und nur der Tugend leben. 7. Dann wird mich wahres Glück erfreu'n, beruhigt wird mein Geist dann sein in meinen Pilgertagen. Und was sonst meinem Wohl gebricht, das wird mir deine Liebe nicht, Allgütiger, versagen. 8. Ich gehe dann den ebnen Pfad, auf welchem mich dein weiser Rat zum höhern Leben führet, wo mich vollkomm'nes Glück erfreut und mich in 295⁵ alle Ewigkeit kein Unfall mehr berühret. Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Mel. 175. Mache dich, mein Geist, bereit ꝛc. 300.Wie des Lebens Freuden flieh'n schnell, auf Sturmes Flügeln; jetzt in Jugendschöne blüh'n, bald von Totenhügeln überdeckt, nichts sie weckt; denn der Sehnsucht Flehen schafft kein Wiedersehen! 2. Winkt der Freude Voll⸗ genuß dem entzückten Herzen, ach! dann nahet schon Verdruß und es drängen Schmerzen sie zurück; unser Blick sieht des Glückes Sterne kaum noch in der Ferne. 3. Wie der Ehre Ruf ertönt; wie der Hoheit Schimmer jetzt so mancher knechtisch fröhnt; wie des Goldes Flimmer, Sinnen⸗ lust in der Brust alles hier be⸗ wegen und zum Kampferregen! 4. Doch, des Todes Stunde hallt, und des Leibes Glieder neigen fühllos, starr und kalt sich zum Grabe nieder; in der Gruft Moderduft sie in Nacht verhüllet und den Sargerfüllet. 5. Nackt, wie deiner Mutter Schoß du dich einst entwun⸗ den, gehst du wieder arm und — — 296 bloß; dann ist hingeschwunden alles Glück deinem Blick; Sinnenlust und Freuden müs⸗ sen von dir scheiden. 6. Hier, wo die Vergäng⸗ lichkeit über Gräbern stehet, wo so schnell ein Hauch der Zeit jedes Glück verwehet, hier ist Not, Schmerz und Tod, hier noch nicht das Leben, das mir Gott will geben. 7. Nur was göttlich ist, besteht, sinket nicht zum Grabe, ewig ist es und vergeht nicht wie Erdenhabe; göttlich heißt auch mein Geist, lebt für Ewig⸗ keiten, nicht für Erdenzeiten 8. Dieser reine Gottessinn, der mich hier beglücket, alles folget mir dahin, was den Geist entzücket; Wahrheit, Licht sterben nicht und die heil' gen Triebe frommer Menschenliebe. 9. Sie, die mir so teuer war, jeder Tugend Freude, ruht nicht auf der Totenbahr, nicht im Sterbekleide, bleibet mir, wird von hier auf des Geistes Schwingen hin zum Vater dringen. 10. Wo in ewig hellem Licht der Gerechte wohnet und ein heiliges Gericht gute Thaten lohnet, müssen Not, Schmerz Einzelne Pflichten. und Tod, Angst und Klage fliehen, Siegeskränze blühen. 11. Das nur soll mir heilig sein, was mir ewig bleibet; Erdengüter sind nicht mein; was im Grab zerstäubet, folgt mir nicht; Tugend, Licht, sie allein nur gelten dort in schönern Welten. Phil. David Müller, 1778—1848. Pflichten gegen den Nächsten. Allgemeine Pflichten. Achtung und Liebe. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. 301. Im Menschen, welchem Volk und Land er möge an⸗ gehören, sollst, weil er dir als Mensch verwandt, du deinen Nächsten ehren. Er ist es nicht als Christ allein, nein, auch der Nichtchrist soll dir's sein. 2. Nicht höhnen ihn, wenn falsch auch ist das, was er glaubt; ihn lieben, trotz seinem Irrtum, das, o Christ, ist Pflicht. Laß frei ihn üben, wovon er überzeugt sich hält, und wär' es auch durch Wahn entstellt! 3. Frag' nicht erst kalt: Was glaubst du? wie? um sein dich zu erbarmen! Den schwachen Bruder ärg're nie, noch spott' des geistig Armen, wie sehr er auch verblendet sei; bist du denn ganz von Irrtum frei? 4. Doch ward dir der Erkenntnis mehr, so such' sie zu verbreiten und deine Brüder um dich her zur Wahrheit hinzuleiten! Die Wahrheit siegt durch eignes Licht; drum überliste, zwinge nicht! 5. Hast du ein rein'res Licht, so sei beflissen, vor Pflichten gegen den Nächsten. 297 vom Sieg, den sie erstritt, auch andern gern die Früchte mit. S8. So schütze denn vor Trug und List die anerkannte Wahr⸗ heit! Sei nicht dem Namen nach bloß Christ, sei's wirklich; streb' nach Klarheit und übe, was dir Wahrheit ist! Erst dann bist du ein echter Christ. Unbekannter Verfasser. Mel. 110. Jesus meine Zuversicht ꝛe. 302. Allen Menschen und auch mir hat der Herr dies vor⸗ geschrieben: Euern Nächsten sollet ihr, als euch selbst, von Herzen lieben! Christen, was Gefahren des Irrtums und hier Gott gebeut, sei uns der Täuscherei es sorgsam zu heilig allezeit! bewahren! Du sollst den Irr⸗ wahn prüfend flieh'n; doch 2. Wir sind Bürger einer Welt, sind nur eines Leibes sei auch duldsam gegen ihn! Glieder, welchen Gottes Macht 6. Dir ward Vernunft, das höchste Glück, das größte Gut des Lebens, und deines Geistes hellen Blick schärft Gott dir 3. erhält, Kinder eines Vaters, Brüder, die der ew'gen Liebe Ruf alle, sich zu dienen, schuf. Eine sterbliche Natur nicht vergebens; du sollst dem hat er allen gleich gegeben Irrtum widersteh'n, nur vor⸗ und auch eine Hoffnung nur, wärts, nie zurücke gehs. 7. Doch müsse nie dein hell'res Licht zum Stolze dich bethören! Die wahre Weis⸗ heit bläht sich nicht, will an⸗ spruchslos belehren und teilt Hoffnung auf ein bessres Leben, wenn wir schon in dieser Welt redlich thun, was ihm gefällt. 4. Und wir sollten uns ent⸗ zwei'n? lieblos uns einander hassen und zu unsrer eignen 298 Einzelne Pein uns von Groll beherr⸗ schen lassen? Wer kein Freund des Nächsten ist, ist fürwahr kein Mensch, kein Christ. 5. Was wir auch aus Gottes Hand zum voraus vor andern haben, Anseh'n, Reich⸗ tum, hoher Stand, Leibes⸗ kräfte, Geistesgaben: alles dies befreit uns nicht von der Menschenliebe Pflicht. 6. Nein, die Mannigfaltigkeit unsrer Gaben soll uns lehren, hilfreich in Geselligkeit eins des andern Wohl zu mehren. Jeder soll nicht sich allein, auch den Brüdern nützlich sein. 7. Nach dem dir vertrauten Pfand messen sich auch deine Pflichten; gab Gott viel in deine Hand, hast du viel auch zu entrichten; doch nicht bloß was du gethan, auch den Willen sieht er an. 8. Dein Erlöser sagt es dir:„Wer hier der Geringsten einen pflegt, der thut es selber mir; denn ihr alle seid die Meinen. Mancher, den die Welt nicht ehrt, ist vor Gottes Auge wert.“ 9. Darum gib uns, Gott, ein Herz voll von wahrer Menschenliebe, das an andrer Pflichten. Freud' und Schmerz Anteil nehme, freudig übe, was der Liebe Pflicht begehrt, wie sie Christus uns erklärt! 10. Ihm, dem Heiland, deinem Sohn, der für uns sogar sein Leben unter Leiden, Schmach und Hohn willig einst hat hingegeben, Jesu laß uns ähnlich sein, uns, wie er, der Liebe weih'n! Chr. F. Weisse, 1726—1804. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛe. 303. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und tritt sie frevelnd nieder. Gott ist die Lieb' und will, daß ich den Nächsten liebe gleich als mich. 2. Wer dieser Erde Güter hat, und sieht die Brüder leiden und macht den Hungrigen nicht satt, läßt Nackende nicht kleiden, der sündigt an der ersten Pflicht und liebt dich, Gott der Liebe, nicht. 3. Wer seines Nächsten Ehre schmäht und gern sie schmähen höret, sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, und nichts zum besten kehret, nicht dem Verläumder wider⸗ Pflichten gegen den Nächsten. 299 spricht, der liebt auch seinen Bruder nicht. 4. Wer zwar mit Rat, mit Trost und Schutz den Nächsten unterstützet, doch nur aus Stolz, aus Eigennutz und Weichlich—⸗ keit ihm nützet, nicht aus Ge⸗ horsam, nicht aus Pflicht, auch der liebt seinen Nächsten nicht. 5. Wer harret, bis ihn anzufleh'n ein Dürft'ger erst erscheinet; nicht eilt, dem Armen beizusteh'n, der im Ver⸗ borg'nen weinet; nicht gütig forscht, was ihm gebricht, auch der liebt seinen Nächsten nicht. 6. Wer Niedre, wenn er sie beschirmt, mit Härt' und Vor⸗ wurf quälet und ohne Nachsicht straft und stürmt, sobald sein Nächster fehlet: wie bleibt bei seinem Ungestüm, Gott, deine Liebe wohl in ihm? 7. Wer für der Armen Heil und Zucht mit Rat und That nicht wachet; dem Uebel nicht zu wehren sucht, das oft sie dürftig machet; nur sorglos ihnen Gaben gibt, der hat sie wenig noch geliebt. 8. Wahr ist es, du ver⸗ magst es nicht, stets durch die That zu lieben; doch bist du nur geneigt, die Pflicht getreu⸗ lich auszuüben, und wünschest dir die Kraft dazu und sorgst dafür, so liebest du. 9. Vermindert diese Neigung sich und droht sie zu er⸗ schlaffen, dann sprich: Die Liebe selbst hat mich zu ihrem Bild erschaffen! Denk' oft: Gott, was ich bin, ist dein, und dir gleich soll ich gütig sein! 10. Wir haben einen Gott und Herrn, sind eines Leibes Glieder; drum diene deinem Nächsten gern; denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich; mein Nächster ist sein Kind wie ich. 11. Wie mein Heil, soll der Brüder Heil mir stets vor Au⸗ gen schweben. Durch Jesum ist uns allen teil an Gottes Huld gegeben. Wer Mensch heißt, ist auch Gottes Kind; bin ich denn mehr, als andre sind? 12. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen; ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen? dem nicht verzeih'n, dem du vergibst, und den nicht lieben, den du liebst? 13. Was wir den Brüdern hier gethan, auch niedern und 300 Einzelne Pflichten. geringen, sieht Jesus als ein Opfer an, das wir ihm selber bringen. Wie könnt' ich sein Verehrer sein und ihn in Brüdern nicht erfreu'n? 14. Ein strenges, doch ge⸗ recht Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht eilt, Brüdern bei⸗ zustehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist! Chr. F. Gellert, 1715-1769. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛe. 304. Gib mir, o Gott, ein Herz, das jeden Menschen liebet, bei andrer Wohl sich freut, bei andrer Not betrübet; ein Herz, das Eigennutz und Neid und Härte flieht und sich um andrer Glück wie um sein Glück bemüht! 2. Erblick' ich Dürftige, so laß mich liebreich eilen, von dem, was du mir gibst, gern ihnen mitzutheilen; nicht aus dem eiteln Trieb, nur ange⸗ staunt zu sein und mich ver⸗ ehrt zu seh'n, nein, Menschen zu erfreu'n! 3. Dies sei mir Gottes⸗ dienst: auch unbemerkt von ihnen den Nebenmenschen gern mit Rat und That zu dienen! Mich treibe nicht erst Dank zu milder Wohlthat an; nein, was ich Brüdern thu', das sei, Gott, dir gethan! 4. Ein Trunk, mit dem mein Dienst dem Durstigen begegnet; ein Blick voll Trost, mit dem mein Aug' Bedrängte segnet; ein Rat, mit dem mein Mund im Kummer andre stärkt, nichts bleibt, so klein es ist, von dir, Gott, unbemerkt. 5. Sucht Bosheit irgendwo den Frieden zu vernichten, so laß mich sorgsam sein, der Brüder Zwist zu schlichten; aus Schmähsucht störe nie mein Mund des Nächsten Ruh'; er rühme sein Verdienst und decke Fehler zu! 6. Laß, Gott, das Böse mich mit Bösem nie vergelten! Still, duldsam will ich sein, wenn andre dräu'n und schelten. Gib, daß ich dem verzeih', der mir zu schaͤden sucht, den liebe, der mich haßt, den segne, der mir flucht! 7. Doch laß mich nicht allein auf zeitlich Wohlergehen mit eingeschränktem Blick bei meinem Nächsten sehen! Noch inniger soll mich sein ewig Glück erfreu'n, noch mehr sein Seelenheil mir angelegen sein. 8. Den, der im Guten wankt, zu leiten und zu stärken; den, der noch sicher ist bei seinen bösen Werken, von der ver⸗ kehrten Bahn des Lasters abzu⸗ zieh'n, dazu verleih' mir Kraft und segne mein Bemüh'n! 9. Ja, heilige du selbst, o Herr, mein ganzes Leben, der Menschenliebe mich von Herzen zu ergeben! Wen nicht des Nächsten Wohl, wen nicht sein Kummer rührt, der ist nicht wert, daß er den Christen⸗ namen führt. Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. 168. Ach, was soll ich Sünder machen ꝛc. 305. Sollten Menschen, meine Brüder, mir, o Gott, nicht teuer sein; sollt' ich sie nicht gern erfreu'n? Sind nicht alle Christen Glieder dessen, der für alle starb, allen Selig⸗ keit erwarb? 2. Eines Vaters Kinder alle; alle schwach schon von Natur, durch Verbindung glücklich nur und bestimmt zur Tugend alle, die zu einer Pflichten gegen den Nächsten. 301¹ Seligkeit schuf des Vaters Gütigkeit? 3. Meine Brüder sollt' ich hassen, lieblos, unbarmherzig sein? meinem Feinde nicht ver⸗ zeih'n? keine Schulden ihm erlassen?— und der Herr erläßt mir doch meine Schuld und trägt mich noch! 4. Ja, du, der für Uebel⸗ thäter um Vergebung bat, die Last, welche du getragen hast, war die Schuld der Uebertreter; doch warst du von Rache fern, duldetest, vergabest gern. 5. Wenn mein Herz, vom Hang zur Sünde hingerissen, dich verkennt und zu Haß und Rach' entbrennt, hilf dann, daß ich überwinde meinen Haß und laß mich seh'n in den Tod für uns dich geh'n; 6. Wie dir deine Thränen flossen, als dein Aug' um mich geweint; wie du, großer Menschenfreund,‚ auch für mich dein Blut vergossen; wie du in der Todesangst im Gebet für Mörder rangst! 7. Dringe dann zu meinen Ohren, Wort des Herrn:„Ich liebte dich; wer den Bruder liebt, liebt mich; wer nicht liebt, der ist verloren. Gott 30² Einzelne Pflichten. ist Liebe, Gotttes Kind wird dem Vater gleich gesinnt.“ 8. O, so hilf mir, daß ich übe, was dein Wille mir gebeut, Nachsicht, Sanftmut, Gütig⸗ keit, daß ich, wie du liebtest, liebe, daßich lauter, redlich, treu, mild und gern versöhnlich sei! 9. Ja, euch alle, Christi Glieder, unsers Haupt's, der für uns starb, allen Gnad' und Huld erwarb, lieben will ich euch, ihr Brüder, für euch beten, euch erfreu'n, wohlthun, dulden und verzeih'n. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 430. Aufersteh'n, ja auf⸗ ersteh'n ꝛe. 306. Lieblich ist es, wenn der Eintracht Band hier in dem Prüfungsland uns all' umschlinget, die Jesus Christ einst bringet ins Vaterland. 2. Wie der Tau ein dürres Land erquickt, wenn Sonnen⸗ glut es drückt, so spendet Segen auf allen unsern Wegen die Liebe uns. 3. Drum, so falle denn des Hasses Wand, die hier und da noch stand und Brüder trennte; du, Gott und Vater, sende uns Jesu Sinn! 4. So wie er zu uns, den Seinen, sprach:„Ihr Lieben, folgt mir nach, seid eins gesinnet und liebt euch, ihr gewinnet das Himmelreich!“ 5. So sei es bei uns in Wort und That, daß auf des Lebens Pfad er uns zur Seite als Führer uns geleite zur Seligkeit! 6. Und das Reich der Him⸗ mel wird sich nah'n, das wir nur hoffend sah'n in höhern Welten, ach! weil uns hier so selten sein Geist erfüllt. 7. Nur wenn seiner Wahr⸗ heit Licht uns scheint und Liebe uns vereint, blüh'n hier uns Freuden und jenseits Seligkeiten im Vaterland. 8. Drum soll uns vereinen Christi Sinn; belebe, stärke ihn, daß er nicht weiche aus deines Sohnes Reiche, du Herr und Gott! Phil. Dav. Müller, 1773-1848. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei!' ich zu dir ꝛe. 307. Säh' ich der Dinge tiefsten Grund und spräch' mit Engelzungen; macht' ich der Zukunft Thaten kund, ver⸗ setzte, ganz durchdrungen von Glaubenskraft, auch Berg' ins Meer, und käm' das nicht aus 55= Ec= 2& . Liebe her, so wär's für mich vergebens. 2. Gäb' ich mein ganz Vermögen hin zum Opfer für die Armen, ich hätte dessen nicht Gewinn, thät' ich's nicht aus Erbarmen. Ja, stürzt' ich mich mit Heldenmut, gleich Märtyrern, in Feuersglut, umsonst wär's ohne Liebe. 3. Die wahre Lieb' ist sanft⸗ mutsvoll, ist schonend und gelinde; sie meidet Bitterkeit und Groll und deckt des Nächsten Sünde. Von Neid und Mißgunst ist sie fern und rühmt die guten Thaten gern, die sie am Nächsten findet. 4. Auch guten Willen sieht sie an, beschämet nicht den Schwachen. Die Hoffnung eig⸗ nen Vorteils kann sie niemals wankend machen. Sie zürnet nicht; auch selbst im Scherz betrübt sie nicht des Nächsten Herz; zum besten kehrt sie alles. 5. Wo Laster stolz das Haupt erhebt, da trauert still die Liebe; sie freut sich des, der eifrig strebt, daß er die Tugend übe. Nur bei der Wahrheit wohnet sie, des Nächsten Schaden sucht sie nie, sitzt nie im Rat der Spötter. Pflichten gegen den Nächsten. 303 6. Die Liebe trägt den Schwachen gern, glaubt willig alles Gute; scheint oft die Hilfe noch so gern, sie hofft mit starkem Mute. Droht ihr ein Leiden ohne Schuld, auch das erträgt sie mit Geduld und niemals wird sie müde. 7. Wann endlich jede Wissenschaft, wann alles hier vergehet; wann dort, wo Gott ein Neues schafft, kein Stückwerk mehr bestehet, währt Liebe doch nach dieser Zeit und bleibt in alle Ewigkeit des Himmels größte Tugend. 8. So gib denn Kraft zu lieben inir, du, Schöpfer guter Triebe! Mein ganzes Herz gehört nur dir; erfüll' es ganz mit Liebe, daß ich, Gott, über alles dich und meinen Nächsten gleich als mich, nach Jesu Vorbild, liebe! Joh. Andr. Cramer,‚, 1723—1788. Teilnahme an anderer Schicksalen und Fürbitte für sie. (Wider den Neid.) Mel. 517. Werde munter, mein Gemüte ꝛe. 308. Ach, dem wurden nie die Augen bei des Bruders 30⁴4 Einzelne Leiden naß, der sein Leben läßt verrauchen unter Groll und Menschenhaß. Steinern ist sein kaltes Herz; niemals sah er himmelswärts; nie hat er in frohen Stunden guter Menschen Glück empfunden. 2. Liebe soll uns alle binden, denn ein Vater schuf uns ja, und in jedem Menschen finden wir uns selber, fern und nah. Alle haben unser Blut; allen ist der Schöpfer gut; allen gibt er seine Gaben; alle will er selig haben. 3. Sollen wir die Bande lösen, die der Herr uns halten hieß? Nein, dies wagen nur die Bösen, nur Verruchte können dies. Uns vereine immerhin feste Treu' und Brudersinn, daß nur Segen auf uns walte und ein Arm den andern halte! 4. Aller Menschen Vater, höre, wenn wir dich um Bei⸗ stand fleh'n, nach der liebe⸗ vollen Lehre deines Sohns einherzugeh'n! Sie ist mächtig und gebeut Sanftmut, Dul⸗ dung, Einigkeit, ruft uns auf zu edlen Thaten, heißt uns retten, trösten, raten. 5. Und was dein Gesandter lehrte, that er auch zu aller Pflichten. Glück. Keiner seiner Brüder kehrte ohne Trost von ihm zurück. Ja, es liebte niemand mehr, half so gern, so schnell wie er. Liebe drang ihn, selbst das Leben ohne Murren hinzugeben. 6. Seinem Beispiel nach⸗ zukommen, Christen, das sei unsre Pflicht! Wer es nie in acht genommen, kennt der Menschen Vater nicht. Lauter, thätig, allgemein, stark muß unsre Liebe sein; dann nur können wir auf Erden Gottes echte Kinder werden. 7. O, du Gott der Liebe, leite uns, zu thun, was dir gefällt! Wohlthun sei des Menschen Freude; Liebe sei das Band der Welt!l Jeder wende, wo er kann, willig seine Gaben an, daß nicht jemand Mangel habe, niemand karg sein Pfund vergrabe. 8. Send' uns Kraft und Mut und Willen, Segen um uns auszustreu'n, Armen ihre Not zu stillen, der Verfolgten Schutz zu sein! Laß uns gern zu jeder Zeit, ohne Stolz und Eitelkeit, unsrer Brüder Glück erhöhen und nicht kalt vorübergehen! 9. Aller Wohlfahrt laß uns wollen, selbst dem Fremdling der Pflichten gegen den Nächsten. beizusteh'n, uns mit einem liebe⸗ vollen Herzen hilfreich ihm ent⸗ gegen geh'n; auch dem Bruder, welcher hier anders denkt und glaubt, als wir, freundlich unsere Hände reichen, dir, o Gott der Liebe, gleichen! 10. Einst, wann diese Welt uns schwindet, Vater, bleibt die Liebe doch. Sie beseligt, sie verbindet uns in deinem Himmel noch. Wer in ihrem Dienst besteht, erntet dort, was er gesä't, ist von aller Not entladen, und ihm folgen seine Thaten. J. K. D. P. Reimold, 1757—1840. Mel. 136. Wie wohl ist mir ꝛe. 309. Wie wohl ist mir, wenn mit Erbarmen ich meiner Brüder Elend seh'! Wie wohl ist mir, wenn ich dem Armen mit Hilf' und Rat entgegen geh', wenn seiner Freude stille Zähre dem, der durch mich ihm half, zur Ehre von seiner bleichen Wange fließt; wenn dann mein Herz die süßen Freuden beim Anblick wegge⸗ schwund'ner Leiden, des Wohl⸗ thuns Freuden auch genießt! 2. Wie wohl ist mir, wenn ich erquicken und Menschen 30⁵ fröhlich machen kann; wenn der, den schwere Lasten drücken, durch mich Erleichterung ge⸗ wann; wenn mit der Sanft⸗ mut Sinn und Mienen ich armen Brüdern, die mir die⸗ nen, das Los versüße, das sie traf; in ihnen nie mich selbst verkenne, Erholung ihren Kräften gönne und nach der Arbeit süßen Schlaf! 3. Wie wohl ist mir, wenn ich dem Kranken, der unter Angst und Schmerzen ringt, wo sein Vertrau'n beginnt zu wanken, ob sein Gebet zu Gott auch dringt; wenn ich ihm treu entgegen eile, sein Elend willig mit ihm teile, ihn tröst' in seiner Einsamkeit; ihm seiner Armut Jammer mind're, ihm seiner Wunden Schmerzen lind're— sein Händedruck ist Seligkeit! 4. Wie wohl mir, wenn verwaisten Kindern ich Vater werde, wenn ich sie der Not entreißen, wenn ich mindern ihr Elend kann, sie weis' er⸗ zieh'; wenn ihrem Geist ich Güter schenke, die mehr als Gold sind, ihrer denke, wenn ihrer auch die Welt vergißt; wenn ohne Lohn, selbst ohne Bitte, der Frühverlass'ne in 20 306 der Hütte so wert mir als der Reiche ist! 5. Du schufst zum Menschen mich; erhalte, mein Schöpfer, stets den Sinn in mir, daß meine Liebe nicht erkalte; durch Lieb' und Güte gleich' ich dir. Nichts laß mir die Empfin⸗ dung nehmen für Menschen⸗ wohl und nie mich schämen des Mitgefühls bei fremder Not! Dein Beistand sei, wie ich den Armen mit Hilf' erfreue, voll Erbarmen mit mir auch, wenn mir Elend droht! Aug. Herm. Niemeyer, 1754— 1828. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 310. Gib, Gott voll Lieb und Güte, den Trieb in mein Gemüte, mich fremden Glücks zu freu'n! Bei meines Nächsten Schmerzen laß fern von meinem Herzen der Bosheit wilde Freude sein! 2. Auf andrer Wohlergehen mit Wohlgefallen sehen, gefällt ja dir, mein Gott! Durch scha⸗ denfrohes Lachen dem Nächsten Kränkung machen, ist teuflisch böser Hohn und Spott. 3. Wer überall der Gaben, die andre von dir haben, mit Einzelne Pflichten. gleicher Lust sich freut, der ist nach deinem Bilde barmherzig, gütig, milde, fühlt hier schon Himmelsseligkeit. 4. Der Stolz, die Eigenliebe sind freilich mächt'ge Triebe, des andern Wohlergeh'n und was du ihm hienieden des Guten mehr beschieden, mit scheelen Augen anzuseh'n. 5. Jedoch du hilfst mir kämpfen, hilfst Neid und Miß⸗ gunst dämpfen, wenn ich nur wachsam bin. Wenn ich auf Jesum sehe, um deinen Bei⸗ stand flehe, lenkst du mein Herz zum bessern Sinn. 6. Dein sind, o Gott, die Gaben, die ich und andre haben; mit Weisheit hältst du haus und teilst uns Menschen allen nach freiem Wohlgefallen mit Weisheit deine Güter aus. 7. Ein neidisches Gemüte greift dich und deine Güte mit Unmut tadelnd an. Gott, welche schwere Sünde, wenn ich mich unterwinde, zu meistern das, was du gethan! 8. Mich selbst nur würde quälen, mir meine Ruhe stehlen der Neid in meiner Brust. Herr, mache mir dies Laster je mehr und mehr E e — —— S.—— DSHS * si Pflichten gegen den Nächsten. 307 verhaßter! Auch andrer Glück sei meine Lust! Heinr. Erh. Heeren, 1728— 1811. Mel. 517. Werde munter, mein Gemüte ꝛe. 311. Sollt' ich den beneiden können, den Gott mehr als mich beglückt? oder ihm die Leiden gönnen, die der Herr ihm zugeschickt? Sollt' ich je so grausam sein, fremden Un⸗ glücks mich zu freu'n? hämisch andrer Not vermehren und ihr Glück aus Mißgunst stören? 2. Nein, so würd' ich ein Empörer in dem Reiche Gottes sein, stürzte als ein Ruhe⸗ störer mich in eigne Not und Pein, wäre nicht des Glückes wert, das der Herr auch mir beschert; ja, ich würde selbst mich hassen und den Weg zum Heil verlassen. 3. Drum will ich mit Ernst erwägen, daß wir alle Brüder sind; auch mein Nächster fleht um Segen, und auch er ist Gottes Kind; ja, wie sehr sich der entehrt, der, von niederm Neid empört, seinen eignen Wert verkennet und kein Glück dem Nächsten gönnet. 4. Wollt' ich je die kleinsten Freuden, die er mehr als ich erfährt, lieblos ihm auch nur beneiden, würde schon mein Geist entehrt. Wenn ich sein geringstes Weh nur mit Scha⸗ denfreude säh', würd' ich schon mein Herz entweihen, mich des Höchsten Huld nicht freuen. 5. Nein, mit Sorgfalt will ich wehren jedem Drang der Leidenschaft; nimmermehr soll sie verzehren meines Lebens Lust und Kraft. Treulich will ich mich bemüh'n, Neid und Miß⸗ gunst stets zu flieh'n; will mit Fröhlichen mich freuen, Trau⸗ rigen mein Mitleid weihen. 6. Schenke du mir, Gott der Liebe, Mitgefühl für jeder⸗ mann, daß ich mich aus reinem Triebe andrer Glückes freuen kann! Hilf mir, daß ich liebe⸗ voll andrer Not, so wie ich soll, thätig mir zu Herzen ziehe und zu lindern mich bemühe! Chr. L. Funk, 1751—1834. Mel. 151. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend' ꝛe. 312. Für unsre Brüder beten wir, o Vater, wie für uns zu dir; gib, der du aller Vater bist, gib jedem, was ihm heilsam ist! 2. Dir bringen wir, Herr, Lobgesang, Anbetung, Ehre, 20³ 308 Einzelne Preis und Dank, der du auch unsre Brüder liebst und ihnen so viel Gutes gibst. 3. Dank, daß du ihrer auch gedenkst, durch Jesum ihnen Hoffnung schenkst, zu deinem Himmel sie auch schufst, zum Glauben sie, zur Tugend rufst! 4. Des freu'n wir uns und danken dir und beten innig, Gott, zu dir: Laß stets sie deine Kinder sein und ewig deiner Huld sich freu'n! 5. Nimm ihrer väterlich dich an und leite sie auf ebner Bahn zur Weisheit und zum Tugendsinn, dem größten, seligsten Gewinn! 6. Verirrte führe, Herr, zurück zu dir, zu ihrem wahren Glück! Im Glauben werde treu und fest, wer, Gott, von dir sich führen läßt! 7. Entreiß' des Lasters Tyrannei die Sünder, Gott, damit sie frei nur deine heil'gen Pfade geh'n und einst in dem Gericht besteh'n! 8. Gib allen einen frohen Mut, bewahr ihr Leben und ihr Gut, erhalt' ihr bestes Eigentum, des guten Namens Glück und Ruhm! Pflichten. 9. In ihrer Not verlaß sie nie, und sind sie traurig, tröste sie! Gib ihnen hier Zufrieden⸗ heit, dort deines Himmels Seligkeit! Joh. Andr. Cramer, 17238—-1788. Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. 313. Barmherziger, erhöre der Liebe heißes Fleh'n! Laß, den[die! wir innig lieben, doch deine Hilfe seh'n! Er [Sie! liegt und ringt und duldet, gequält von Angst und Schmerz. Wir seh'n ihn ssiel an und weinen. Wie blutet unser Herz! 2. Du pflanztest ja dem Menschen den Trieb des Mit⸗ leids ein; wie solltest du nicht Helfer, du nicht Erbarmer sein! Gern würden wir ihn ssie retten; doch wir sind viel zu schwach. Nur du kannst ihn ssie erlösen von allem Ungemach. 3. Des Leidens schwere Stunden laß bald vorüber⸗ geh'n! Doch, Herr, nicht unser Wille, der deine soll gescheh'n! Wir fleh'n zu dir, wir hoffen, Allmächtiger, auf dich. Er⸗ barme dich des Kranken Ider Kranken) und hilf ihm sihr väterlich! .— ⏑—— — e—D G& * Pflichten gegen den Nächsten. 309 4. Reichst du den Kelch des Todes vielleicht ihm ihr heute schon, und rufst aus unsrer Mitte du ihn ssie] vor deinen Thron: dann steh' ihm lihr bei und führe ihn ssie! hin durchs dunkle Thal; dann lind're ihm sihrl, Erbarmer, des Todes letzte Qual! Aug. Herm. Niemeyer, 1754- 1828. Mel. 415. Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt ꝛe. 314. Vernimm, o Gott, das heiße Fleh'n der Kranken, die zum Tode geh'n! Ach, sei in ihrer letzten Not ihr Freund, ihr Gott! Ein Schlummer sei für sie der Tod! 2. Erschüttert sie noch banger Schmerz, so stärke das be⸗ klomm'ne Herz, daß es den Gram, der an ihm nagt, dir, Vater, klagt und nicht an deiner Huld verzagt! 3. Ach, ihren Seelen führe du, Geist Gottes, Trost und Hoffnung zu und lehre du sie, voll Vertrau'n und ohne Grau'n, hin in die Nacht des Grabes schau'n! 4. Zeig' ihnen dann den Lohn von fern und hilf den Schwachen, Geist des Herrn, daß, wenn sie um Erbarmung fleh'n, sie freudig seh'n, wie der uns liebt, zu dem sie geh'n! 5. Nimm nach vollbrachtem Lebenslauf sie zu des Himmels Freuden auf! Verwirf, wenn nun ihr Auge bricht, verwirf sie nicht, o Herr, von deinem Angesicht! 6. Ach, Gnad' ergehe dann für Recht! Denn von dem menschlichen Geschlecht ist auch der Beste nicht ganz rein. Wer könnte dein, Gott, ohne deine Gnade sein? 7. Sei ihnen doch nicht fürchterlich- Erbarm',oRichter, ihrer dich, daß, für die bess're Welt erneut, in Ewigkeit ihr Herz sich deiner Liebe freut! Fr. Gottl. Klopstock, 1724- 1803. Gerechtigkeit und Billigkeit. Mel. 15. Kommt her, spricht Christus, Gottes Sohn ꝛc. 315. Du liebst, o Gott, Ge⸗ rechtigkeit; wer diese heil' ge Pflicht entweiht, kann nie dir wohlgefallen. Ohn' alles An⸗ seh'n der Person wirst du einst jedem seinen Lohn, wie er's verdiente, geben. 2. Gerechter Gott, laß deinen Geist zu dem, was recht 310 ö Einzelne und billig heißt, stets meine Seele lenken! Nie reiße mich die Habsucht hin, um einen kleinlichen Gewinn des Näch⸗ sten Recht zu kränken! 3. Pflanz' Redlichkeit in meine Brust und laß mich stets mit wahrer Lust der Liebe Pflichten üben! Ein Herz, das nur auf Unrecht denkt, zu schaden suchtund Brüderkränkt, wie könntest du es lieben? 4. Nie seufze jemand über mich! Mein ganzes Herz be⸗ strebe sich, dem Nächsten gern zu geben, was er mit Recht verlangen kann, auch billig gegen jedermann, wie du gebeutst, zu leben? 5. Laß mich beständig dahin seh'n, mit jeglichem so umzugeh'n, wie ich's von ihm begehre, damit ich keines Menschen Herz durch meine Härte je mit Schmerz und Kümmernis beschwere! 6. Herr, mit dem Maß, damit ich hier dem Nächsten messe, wirst du mir dereinst auch wieder messen. Dies reize mich zur Billigkeit und lasse mich zu keiner Zeit der Liebe Pflicht vergessen! N. D. Giesecke, 1724- 1765. Pflichten. Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛc. 316. Aller meiner Brüder Rechte sollen, Gott, mir heilig sein. Wenn ich sie zu kränken dächte, ihres Kummers mich zu freu'n, über sie mich zu erheben oder mir allein zu leben: dann verletzt' ich meine Pflicht, ehrte deinen Willen nicht. 2. Könnt' ich, taub bei ihren Klagen, ihnen das aus Eigensinn oder Neid und Geiz versagen, was ich ihnen schuldig bin; könnt' ich ohne Treu' und Glauben andern Gut und Ehre rauben: träfe dann mit Recht mich nicht einst ein schreckliches Gericht? 3. Nein, ich will das Unrecht hassen, billig gegen jedermann jedem geben, jedem lassen, was er hat und fordern kann. Lieber will ich Unrecht leiden, als begehen; will mit Freuden lieber niedrig sein und und groß. 4. Sollt' ich, Gott, bei dei⸗ nem Segen und bei größerem Gewinn andern ungerecht be⸗ gegnen, weil ich reich und mächtig bin? Sollt' ich, weil so oft Verbrecher und erkaufte bloß, als durch Unrecht reich S ⏑ S 70 8 V S SE S68E — Pflichten gegen den Nächsten. 311 Urteilssprecher sich im Glück und Wohlstand seh'n, Unrecht auch wie sie begeh'n? 5. Würden der Bedrängten Zähren, würden ihre Seufzer nicht Rettung, Gott, von dir begehren und erschweren mein Gericht? Würd' ich nicht stets zittern müssen? Würde nicht schon mein Gewissen mir mit Angst und Schrecken dräu'n und ihr erster Rächer sein? 6. Eines Unterdrückten Thränen, o wie furchtbar sind nicht die! Eh' es Ungerechte wähnen, trifft, Herr, deine Strafe sie. Wolltest du auch mein Verbrechen langmutsvoll nicht hier schon rächen, harrt denn mein am Grabe nicht ein noch schrecklicher Gericht? 7. Nein, ich will gerecht und billig selbst auch gegen Feinde sein, niemand drücken, lieber willig jedem, der mich kränkt, verzeih'n. Hab' ich Macht, ich will sie nützen, die Bedrängtenzubeschützen; eilen, wo Verlass'ne fleh'n, ihnen liebreich beizusteh'n. 8. Sichern darf ich meine Rechte, aber sanft und mit Geduld. Wir sind alle deine Knechte; Gott, wie groß ist deine Huld! Du vergibst mir meine Schulden; sollt' ich denn kein Unrecht dulden, nicht ge⸗ lind sein, mich nicht freu'n, so wie du, Herr, zu verzeih'n? 9. Hilf mir immer richtig wandeln und, von allem Un⸗ recht fern, billig, schonend liebreich handeln, ähnlich Jesu, meinem Herrn! Er, der Richter aller Welten, wird mir alles einst vergelten. Dort ist Ernte, hier die Saat; wohl mir, wenn ich Gutes that! Joh. Andr. Cramer, 1723— 1788. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 317⁷. Mein Gott, nach deinen Lehren darf ich nicht stets begehren, was streng vor Menschen gilt; nicht hart mein Recht erzwingen und den ins Unglück bringen, der meine Ford'rung nicht erfüllt. 2. Mißlingen der Geschäfte und Mangel seiner Kräfte befiehlt mir Billigkeit. Auch bei dem besten Willen kann er oft nicht erfüllen, was ihm Gesetz und Pflicht gebeut. 3. Und ich, Herr, sollt' es wagen, ihm Nachsicht zu ver⸗ sagen, sollt' unerbittlich sein? Ich sollt' ihn gar nicht hören, 312 Einzelne sein Elend noch vermehren, Verhaft und Untergang ihm dräu'n? 4. Gern will ich etwas leiden, sein Unglück zu ver⸗ meiden, wenn dieses für ihn spricht; auch bei erwies'nen Klagen ihm Mitleid nicht ver⸗ sagen und nicht der Menschen⸗ liebe Pflicht. 5. Hab' ich ihm das ent⸗ rissen, was er durchaus nicht missen und ich entbehren kann; muß er zu grunde gehen und ich sein Elend sehen— was ist der Sieg, den ich gewann? 6. Wohl ist vielleicht im Streite das Recht auf meiner Seite; ist's auch die Mensch⸗ lichkeit? Nein, müßte sie den Siegen des Rechtes unter⸗ liegen, dann wär' ich mit mir selbst entzweit. 7. Nur auf sein Recht zu dringen und, um es zu er⸗ zwingen, den härt'sten Schritt nicht scheu'n,— das heißt nicht sich des Armen in seiner Not erbarmen und als ein Christ gesinnet sein. 8. Sein Elend zu ver⸗ mindern und seinen Schmerz zu lindern, laß, Gott, mir Freude sein! Stets will ich Pflichten. billig bleiben, mein Recht nie übertreiben und jede Art der Härte scheu'n. Joach. Chr. Grot, 1733- 1801. Güte, Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit. Mel. 134. Sieh', hier bin ich, Ehrenkönig ꝛe. 318. Wohlzuthun und mit⸗ zuteilen, Christen, das ver⸗ gesset nicht! Den Bedrängten zuzueilen. Armen beizusteh'n, ist Pflicht, die Vernunft und Schrift uns lehren, und wo⸗ durch wir Gott verehren. 2. Speiset den, der Hunger leidet, und die durstig sind, die tränkt; eilt, daß ihr die Nackten kleidet; tröstet die, die Kummer kränkt; Schwache sucht zu unterstützen, Unter⸗ drückte zu beschützen! 3. Nicht nur denen, die euch lieben und zu euch um Hilfe fleh'n, nein, von Mitgefühl ge⸗ trieben, eilet allen beizusteh'n; die auch, die im stillen leiden, führt zu unverhofften Freuden. 4. Denkt, es träfen euch die Schmerzen, euch des Dul⸗ ders herbe Pein; würden nicht auch euern Herzen Hilf' und Trost willkommen sein? Und ihr wolletinicht des Armen euch in seiner Not erbarmen? 5. Liebe sei dir keine Bürde, keine Last, beglückter Christ! Hoheit istes Ruhmund Würde, wenn du mild und hilfreich bist. Unsrer Brüder Elend wehren, heißt den Unsichtbaren ehren. 6. Ja, es lohnt mit sanften Freuden, der Verlass'nen Hel⸗ fer sein, seh'n, wie sie in ihrem Leiden sich, durch uns ge⸗ stärkt, erfreu'n. Ein betrübtes Herz erquicken, welch ein himm⸗ lisches Entzücken! 7. Heil und Glück auf unsern Wegen, innige Zufrie⸗ denheit, Huld bei Menschen, Gottes Segen folgen auf Barmherzigkeit. Was sind Mühen, was Beschwerden, wenn sie so belohnet werden? 8. Laßt uns eilen, unsre Gaben, weil es Zeit ist, aus⸗ zustreu'n! Was wir hier ge⸗ säet haben, ernten wir einst reichlich ein. Seid barmherzig! Helft den Armen! Gott wird euer sich erbarmen! Joh. L. Paulmann, 1728-1807. Mel. 161. Schwing' dich auf zu deinem Gott ꝛc. 319. Wer der Erde Güter hat und nicht dem, der Pflichten gegen den Nächsten. 31³ schmachtet, liebreich hilft mit Rat und That, seines Grams nicht achtet, fühllos treibet seinen Spott mit der Not des. Armen, o, wie dürfte der zu Gott flehen um Erbarmen? 2. Nicht durch üppigen Ge⸗ nuß und durch Schwelgereien darf er seinen Ueberfluß frevel⸗ haft entweihen. Soll er Gott nicht ähnlich sein? Hat er seine Gaben nicht, um Brüder zu erfreu'n, welche Mangel haben? 3. Von dem Himmel schaut der Herr auf der Armen Plagen; ihre Thränen zählet er, höret ihre Klagen; sieht auch, wenn das harte Herz kummerfreier Reichen keine Thränen und kein Schmerz rühren und erweichen. J. Ach, das Urteil ist ge⸗ fällt: Jammer und Verderben sollen sie in jener Welt, nicht den Himmel erben. Liebe nur schafft Seligkeit, sie nur kann beglücken; ihre Saaten, hier gestreut, bringen dort Entzücken. 5. Reiche, hört's! Erbarmet euch, fleht zu euch der Arme, daß sein Gott auch über euch sich dereinst erbarme, weil ihr, 314 als der Dürft'ge schrie, was er bat, gewährtet, den Be⸗ drängten halft und sie klei⸗ detet und nährtet. 6. Mitleidsvoll und hilf⸗ reich sein, seiner Miterlösten Retter werden und sich freu'n, Traurige zu trösten, Dank in ihrem Angesicht und in ihren Blicken Wonne seh'n, gewährt dies nicht himmlisches Ent⸗ zücken? 7. Doch es wird der Gaben Wert, die der Reiche spendet, nur durch Freundlichkeit ver⸗ mehrt, und sich selber schändet, wer nicht ohne Murren gibt, und bevor er schenket, erst den Dürftigen betrübt und durch Härte kränket. 8. Wohl euch, wenn ihr in der Zeit, mild, wie Gott, gesinnet, Schätze für die Ewig⸗ keit sammelt und gewinnet! Was ihr habt, laßt ihr einst hier; was ihr thut den Brüdern ohne Ruhm und Lohnbegier, wird euch Gott erwidern. 9. Jesus sagt dann auch zu euch als getreuen Knechten: Einzelne Pflichten. „Erbet meines Vaters Reich; erbt es, ihr Gerechten! Was ihr meinen Brüdern gabt in dieses alles habt ihr auch mir gegeben.“ J. Z. Leonh. Junkheim, 1729—1790. Mel. 519. Gott des Himmels und der Erden ꝛe. 320. Gdel ist es, Freunde lieben; aber gegen jedermann Bruderliebe, Wohlthun üben, auch dem Feinde, wo man kann, helfen ohne Selbstgewinn, das ist wahrer Christensinn. 2. Wer sich zögernd erst bedenket und den Armen in der Not, statt zu helfen, höhnisch kränket, ehret nicht des Herrn Gebot. Sage der nicht, daß er liebt, der mit Spott und Vorwurf gibt! 3. Nur um Menschen⸗ beifalls willen milde Gaben auszustreu'n und nicht lieber auch im stillen uns des Wohl⸗ thuns zu erfreu'n, ist Verrat an unsrer Pflicht und geziemt dem Christen nicht. 4. Doch nicht alle, welche leiden, sind auch gleicher Hilfe wert. Weise Vorsicht muß entscheiden, wer mit größerm Recht begehrt; ob nicht das, was dieser fleht, einem Wür⸗ digern entgeht. 5. Wer träg' im sich dem ersten Leben, wahrlich, Müßigleben nur auf andrer Mitleid stützt und, der Weich⸗ lichkeit ergeben, seine Kräfte nicht benützt, sich nicht selbst als Menschen ehrt, ist nicht unsrer Hilfe wert. 6. Aber sich des frommen Armen, den Entkräftung nie⸗ derdrückt, der im stillen seufzt, erbarmen, das ist weise, das beglückt, gibt des Himmels Vorschmack schon hier auf Erden uns zum Lohn. 7. Glaube, Hoffnung, Liebe währen. Dir, o Höchster, ähn⸗ lich sein, dich am würdigsten verehren kann die Liebe nur allein; von der Saat, die sie gestreut, reifet ew'ge Seligkeit. Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 337. Herr, ich habe mißgehandelt ꝛc. 321. Seid barmherzig! Menschen, höret dieses heilige Gebot, das uns Jesus Christus lehret: Seid barmherzig, so wie Gott; gebt, so wird auch euch gegeben, Freude hier und dort das Leben! 2. So viel' Menschen, so viel' Brüder! Ein Gott ist's, der uns erschuf. Wir sind alle Christi Glieder; allgemein ist Gottes Ruf. So den Bösen, Pflichten gegen den Nächsten.— 31⁵ wie den Seinen läßt der Herr die Sonne scheinen. 3. Gleicht dem Vater im Erbarmen, seid barmherzig, so wie er! Gebt den Dürftigen und Armen! Was ihr gebt, empfängt der Herr. Helft und eilt, auch ungeseh'n, euern Brüdern beizusteh'n! 4. Hilfreich zu Bedrängten eilen, ihnen Schutz und Retter sein; Kummer lindern, Wunden heilen, wohlthun, trösten und verzeih'n; Gram und Not in Lust verwandeln, das heißt menschlich, göttlich handeln. 5. Herr, es ist ja von dem Deinen, was wir geben; laß uns nie fühllos sein, wo Brüder weinen; unser Mitleid tröste sie, daß, wenn wir zu dir uns nahen, wir auch Trost und Hilf' empfahen! Th. Gottl. Hippel, 1741—1796. Aufrichtigkeit, Wahrhaftig⸗ keit(Treue, Redlichkeit) und Vorsichtigkeit im Reden. Mel. 63. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht ꝛc. 322. Gib, Gott, daß ich der Wahrheit treu und redlich 316 Einzelne stets im Umgang sei, entfernt von der Verstellung List, die keines Christen würdig ist! 2. Verhaßt sei mir die Schmeicheleiundglatter Worte Täuscherei, und was ich denke, streite nicht mit dem, was meine Zunge spricht! 3. Hilf mir auch des Be⸗ truges Schein mit Vorsicht flieh'n und klug zwar sein, doch ohne Falsch nach Jesu Rat, in Worten so wie mit der That! 4. Nicht Offenherzigkeit allein soll eine heil'ge Pflicht mir sein; es sei mir's au Verschwiegenheit, wo es des Nächsten Wohl gebeut! 5. Nie wandle Menschen⸗ furcht mich an, wenn ich die Unschuld retten kann! Nie will ich mich vor stolzem Dräu'n, nie vor der Macht der Bösen scheu'n. 6. Wer Wahrheit über alles schätzt und nicht mit Vorsatz sie verletzt, ist, Gott, dein Freund und wird be⸗ steh'n, wenn alle Falschen untergeh'n. 7. Du bist sein Schirm und Schild, o Gott! Ver⸗ folgten ihn auch Hohn und Spott, träf' ihn auch Haß Pflichten. der ganzen Welt; sein Trost bleibt, daß er dir gefällt. 8. Er wird vor deinem Angesicht einst strahlen wie der Sonne Licht, die früh in voller Herrlichkeit hervor⸗ glänzt und die Nacht zerstreut. 9. Daß einst dies Heil auch mich erfreu', erhalte mich der Wahrheit treu; laß, wohl⸗ gefällig dir zu sein, mich ihr mein ganzes Leben weih'n! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. ch 323. Wohl dem, der richtig wandelt, der als ein Wahr⸗ heitsfreund in Wort und Werken handelt, ganz das ist, was er scheint, nie, wohl⸗ zudienen, schmeichelt, nicht doppelzüngig spricht, nie Red⸗ lichkeit bloß heuchelt, nie Treu und Glauben bricht! 2. Wohl dem, der streng sich hütet, mit Falschheit um⸗ zugeh'n, der keine Lügen brütet, die Wahrheit zu verdreh'n! er stets auf rechter Bahn, und wo er spricht und handelt, klagt nie sein Herz ihn an. 3. Wohl dem, der Gut Vor Gottes Augen wandelt und Leben, droht ihm Gewalt Pflichten gegen den Nächsten. 317 und List, für Wahrheit hin⸗ zugeben, bereit und willig ist! Mit hohem Seelenfrieden blickt er zum Himmel auf, wo ihm sein Lohn beschieden nach treu vollbrachtem Lauf. 4. So laß denn alles Lügen, Gott, ferne von mir sein! Nie soll die Lippe trügen, nie sei die Tugend Schein! Es warne mein Gewissen mich vor der Heuche⸗ lei, damit ich stets beflissen der Treu' und Wahrheit sei! 5. Nie laß mich das ver⸗ sprechen, was ich nicht wohl bedacht; auch dann mein Wort nicht brechen, wann mir's Beschwerde macht; nie soll mich Stolz verleiten, auch nie des Beispiels Macht, als Wahrheit zu verbreiten, was Schmähsucht ausgedacht! stärke meine Seele, daß sie nicht unterlieg' und alles dir empfehle; du gibst der Un⸗ schuld Sieg. 8. Ein Herz voll Treu' und Glauben, das, Gott, zu dir sich hält, das soll mir niemand rauben; so scheid' ich aus der Welt mit freudigem Vertrauen, dort werd' ich als dein Kind dichmit den Frommen schauen, die ewig selig sind. Dav. Bruhn, 1727— 1782. Mel. 442. Alle Menschen müssen ö sterben ꝛc. 324. Laß, o Gott, mich eifrig streben, stets der Wahrheit Freund zu sein! Zu des Him⸗ mels sel gem Leben gehen keine Lügner ein, und vor deinem Angesichte werden sie beschämt zu nichte. Deinem Blicksind im⸗ 6. Auch da die Wahrheit merdar aller Herzen offenbar. sagen, wo sie Gefahr mir 2. Mich in andrer Gunst bringt, dies laß beherzt mich zu lügen, leerer Schwätzerei zu wagen, wenn Pflichtgefühl mich freu'n, heuchelnd Brüder zu dringt! Gib Klugheit, daß ich betrügen, Herr, dies laß mit wisse, wo ich, ganz ohne Scheu, freimütig reden müsse, wo Schweigen besser sei! 7. Wenn jemals, mich zu drücken, des Feindes Rat ge⸗ lingt; wenn er mit bösen Tücken in Kümmernis mich bringt: so Ernst mich scheu'n! Wahrheit leit' an allen Orten mich in Werken und in Worten; redlich sei des Herzens Grund; redlich sprech' auch stets der Mund! 3. Die der Falschheit sich ergeben, sind vor dir, o Gott, 318 ein Greu'l, und ein unglück⸗ sel'ges Leben ist gewiß ihr künft'ges Teil. Hier schon trifft verdiente Schande sie bei Redlichen im Lande; jeder rechte Menschenfreund ist der Falschheit Ränken feind. 4. Schmäht mich ohne mein Verschulden der Verleumder Lästermund, o so laß mich's still erdulden! Einst wird doch die Wahrheit kund. Darf ich Ja nicht länger schweigen, meine Unschuld zu bezeugen, so ver⸗ leihe, daß dabei Herz und Mund voll Sanftmut sei! 5. Daß du, Herr, an jedem Orte Zeuge meines Wandels bist, daß kein einz'ges meiner Worte, Gott, vor dir ver⸗ borgen ist, dies erwecke mein Gemüte daß ich mich vor Lügen hüte! Wenn die Falschen untergeh'n, wird der Wahr⸗ heit Freund besteh'n. G. M. Weiler,‚, 2 Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 325. Die Zunge, die ver⸗ ständlich spricht, hat dir dein Gott gegeben. Welch ein Ge⸗ schenk! Mißbrauch' es nicht! Sie bringet Tod und Leben; sie fluchet und sie lobet Gott; Einzelne Pflichten. sie segnet und sie treibet Spott; so gut ist sie, so böse. 2. Laß, Herr, mich stets von Herzensgrund mit Ehr⸗ furcht dein gedenken; dann wird gewiß auch nie mein Mund der Wahrheit Rechte kränken. Ich thue dann, von Schmeichelei, List, Lästersucht, Verstellung frei, auch redend keine Sünde. 3. Auf deinen Ruhm und andrer Wohl soll stets mein Thun sich lenken. Laß dann auch, wann ich reden soll, mich dies mit Ernst bedenken! Dein Lob, des Nächsten Ehr' und Nutz, der Unschuld und der Tugend Schutz beschäft'ge meine Zunge! 4. Schandbare Worte, frecher Scherz, unheil'ge Spöttereien verraten ein verderbtes Herz. Daß sie mich nicht entweihen, hilf du mir, Gott, durch deinen Geist, daß Herz und Mund dich kindlich preist, wie es dem Christen ziemet! 5. Was züchtig, keusch und ehrbar ist, was wohl und lieb⸗ lich klinget, das redet überall der Christ, spricht, wenn es Nutzen bringet, und scheut den Zorn der Menschen nicht; doch wird auch Schweigen ihm zur D Pflicht, wenn es die Liebe erzählen. fordert. Vertrauens wert, mit welchem 6. Weh' aber dem verweg'nen mich mein Freund beehrt. Mund,‚ der Schwur und Fluch trotzt der Gnade Gottes. S verraten, was ich weiß! 7. Nie will ich, um zu 4. Wär'auch mein Freund mir hintergeh'n, auf Lügen listig ungetreu und hielt' nicht sein sinnen, will gern die Wahrheit Versprechen, will ich doch durch eingesteh'n, durch Ränke nichts Verräterei nie meine Treue gewinnen. Vor Gott ist nur die brechen; will dann auch noch Wahrheit groß, und Schande verschwiegen sein und nie der wird des Feigen Los, der Freundschaft Recht entweih'n. frevelnd sie verleugnet. 66.ͥ0Nie soll er ohne Sicherheit Joh. Heinr. Häveker, 1640—1722. mir seine Sorgen klagen; ich will sie mit Verschlossenheit Mel. 141. Mach's mit mir, Gort, in meinem Herzen tragen. Es nach deiner Güt' ꝛc. 326. Sei heilig mir, Ver⸗ mir doch das schwiegenheit, du schöne Pflicht heil'ge Pflicht! Schweigen Pflichten gegen den Nächsten. 319 So bleib' ich des 3. Wenn höh're Pflicht mir nicht scheuet! Wie wird des nicht verbeut, es treulich zu Herzens Leichtsinn kund undoft bewahren, so will ich mit zu spät bereuet! Wer frevelnd Bedachtsamkeit es niemand flucht, thut selbst Verzicht auf offenbaren. Mich kaufe nicht ein barmherziges Gericht und der höchste Preis, das zu sei, begehrte er's auch nicht, Neugier plagt, es ihnen zu der Freunde! Wer nicht aus 6. Leichtsinn dich entweiht, der macht sich selten Feinde. Er schadet andern, wenn er spricht, aus Mißverstand und Vorsatz nicht. 2. Was man mir als Ge⸗ heimnis sagt, das will ich treu verhehlen, wie sehr auch andrer thu' ich doch aus redlich gutem Willen, um selbst auch un⸗ geheißen noch des Freundes Wunsch zu stillen. Der beste Zweck wird oft verfehlt, wenn. man ihn nicht der Welt ver⸗ hehlt. 7. Auch sollen meine Lippen nicht des Nächsten Ruf be⸗ Was er nicht fordert, 320⁰ flecken, nie Fehler, die der Liebe Pflicht mich bergen heißt, entdecken. Ob man von mir auch Böses spricht, sag' ich es doch von andern nicht. 8. So will ich andrer mit Bedacht auch stets im Reden schonen, durch nichts, was ihnen Kummer macht, je ihr Vertrauen lohnen. Verbergen laß mich das mit Fleiß, was außer mir mein Freund nur weiß! 9. Gib, daß ich stets durch wahre Treu' mir sein Vertrau'n verdiene, kein Schwätzer, kein Verräter sei, daß ich mich nie erkühne, aus Haß, aus Rach⸗ sucht oder Groll zu reden, wann ich schweigen soll! Joach. Chr. Grot, 1733—1801. Leutseligkeit und Dienstfertigkeit. Mel. 82. Führwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛc. 32⁷. Nicht mürrisch, finster, ungesellig ist, wer ein Christ zu sein sich freut, ist ohne Schmeichelei gefällig, vereinigt Ernst mit Freundlichkeit. Voll Mitgefühl nimmt stets sein Herz an Freuden teil und teil am Schmerz. Einzelne Pflichten. 2. Es liegt in keinem seiner Blicke, gleich wie in einem Hinterhalt auflauernd, scha⸗ denfrohe Tücke und Haß in lächelnder Gestalt; sein Blick, kein Blick der Heuchelei, ist liebreich, offen, gut und frei. 3. Sein Antlitz, heiter wie der Morgen, wird trüb', und seine Freud' entflieht, wenn er Bekümmernis und Sorgen in seines Bruders Auge sieht, und strahlt in neuer Heiterkeit, wenn ein Getrösteter sich freut. 4. Bescheiden, sittsam, ehr⸗ erbietig zeigt immer sich der wahre Christ, nie sklavisch, auch nicht übermütig, wenn er vor andern glücklich ist, weil er wie sein Erlöser liebt und freudig jede Tugend übt. 5. Er schleicht, für fromm erklärtzu werden, nicht traurig, Heuchlern gleich, einher. Doch freche, lüsterne Gebärden, die Gott mißfallen, haßt auch er; auch selbst in Blicken will errein, stets froh, nie ausgelassen sein. 6. Durch freundliches Ge⸗ spräch erheitert er auch des Blöden Angesicht, und jedes Herz fühlt sich erweitert und freudenvoller, wenn er spricht; denn was er sagt und was —— er thut, ist anmutsvoll, ist wahr und gut. 7. Er wird gefallen, er gebiete, er warne, strafe; er gebeut, er warnt und straft voll Lieb' und Güte, mit Ernst und doch mit Freundlichkeit, und tröstet er, wie bald ver⸗ gißt der Dulder, was ihm schmerzlich ist! 8. Nicht rauh, noch hart, noch menschenfeindlich; nein, eifrig jeden zu erfreu'n, und sanft und liebevoll und freund⸗ lich soll jeder Schüler Jesu sein. Ach, wären wir's! Ach, glichen wir, o Vorbild aller Liebe, dir! 9. In allen Worten und Ge⸗ bärden, in allen Thaten wollen wir in Wahrheit Menschen⸗ freunde werden, stets ähnlicher, o Jesu, dir; so werden wir uns ewig freu'n und Gottes wahre Kinder sein. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 173. Wenn du, mein Gott, verlangst ꝛc. 328. Wie selig lebt ein Mensch, der Dienstbegierde kennet und seine Pflicht zu thun aus Menschenliebe bren⸗ net; der, wenn ihn auch kein ö zu dienen dringt, das, was sein Herz That mit Hilfe zu Eid der Welt Pflichten gegen den Nächsten. 321 ihm sagt, aus freiem Trieb vollbringt. 2. Dir, Höchster, ahmt er nach, dir, als dein Bild, zu gleichen; aus Dienstbeflissen⸗ heit sucht er dies zu erreichen; er hält für eignes Wohl sich nicht allein gemacht, er fühlt sich für die Welt von dir hervorgebracht. 3. Die Welt, so denkt er sich, hat Recht auf meine Kräfte; ihr nützen ist für mich ein seliges Geschäfte. Als Glieder schuf uns Gott, als Bürger einer Welt, in der des einen Hand die Hand des andern hält. 4. So denkt der Menschen⸗ freund, und das ist sein Be⸗ streben, so treu, wie eignem Wohl, zum Wohl der Welt zu leben; ihm wird des Nächsten Glück sein eigener Gewinn, er fühlet fremde Not, als träfe sie auch ihn. 5. Er eilt, dem, der's bedarf, nach Kräften bei⸗ zustehen; sein Anseh'n und sein Freund, sein Stand, sein Wohlergehen sind Mittel, die er nützt, des Nächsten Trost zu sein und ihn durch Rat und erfreu'n. 21 Einzelne 6. Was andrer Notdurft heischt, das reizet seine Triebe auch ohne Ruhm und Lohn zur wahren Menschenliebe; kein Stolz, kein Eigennutz treibt ihn zur Gütigkeit. Ge⸗ nug, daß Gottes Wort zu zu neuen Freunden! Wenn der lieben ihm gebeut. 7. Laß mich auch so gesinnt, mein Gott, durch Christum werden! Voll regen Eifers sei mein Leben hier auf Erden, so nützlich, als ich kann, dem Nächsten stets zu sein; dann führst du einst auch mich ins Reich der Liebe ein. Chr. F. Gellert, 1715—-1769. Dankbarkeit. Mein's Herzens Jesu, meine Lust ꝛe. 329. Wenn jemand Gutes dir erwies, sollst du ihn herz⸗ lich lieben, vergelten ihm; es ist so süß, des Dankes Pflicht zu üben! Wohlthätig wärmt sie unsfre Brust, und nah an jenes Lebens Lust grenzt dankende Ergießung. 2. Ward Hilfe dir zur Zeit der Not von einem deiner Brüder, vergilt ihm! Teilt er dir sein Brot, teil' du mit ihm es wieder! O, strebe nach Mel. 17. Pflichten. Gelegenheit, ihm Gegenlieb' und Dankbarkeit recht innig zu beweisen! 3. Wird er verfolgt, steh' du ihm bei, rett' ihn von alles, bleib' ihm treu, hilf ihm Verleumdung tötend Gift die Ehre seines Namens trifft, sei du der Unschuld Retter! 4. Mach' seines Herzens sein Leben! Sei, ihm zu helfen, stets bereit, das Liebste hinzugeben! Ihm nütze gern dein Fleiß, dein Rat, und deine Dankbarkeit sei That, nicht bloßes Wortgepränge! 5. Das schwärzeste der Laster ist der Undank; nimmer schände er dein Herz! Du bist Mensch und Christ, und ach! des Un⸗ danks Ende ist, daß der Red⸗ liche dich flieht, Vertrau'n und Liebe dir entzieht und alles dich verachtet. 6. Gott ist es, o, vergiß es nie, der Freunde dir erwecket, und jeder Undank gegen sie, der deine Seel' beflecket, ist wahrer mit Gottes Güte Spott, ver⸗ kennst du Menschengüte. seinen Feinden! Verläßt ihn Redlichkeit bekannt; versüß' Undank gegen Gott; du treibst VSEEre Pflichten gegen den Nächsten. 323 7. Benutz' auch nie für dich zu sehr des Wohlthuns milde Gaben! Bedenk', es gibt der Menschen mehr, die Hilfe nötig haben! Fühl' ihre Not auch! Du allein kannst nicht des Trost's bedürftig sein, und sie, wie du, sind Brüder. 8. Drum suche freudig auch für sie Wohlthäter zu erwecken und lasse Neid und Mißgunst nie, o Christ, dein Herz be⸗ flecken! Das ist die wahre Dankbarkeit, die Gott gefällt, das Herz erfreut und reichen Segen bringet. Joh. Friedr. Schink, 1755—1835. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛc. 330. Wenn Menschenstreben, dir an Güte und Wohlthun, Vater, gleich zu sein, und mich mit willigem Gemüte durch ihren Rat und Trost erfreu'n: mit reichem Segen segne dann, die ich nicht wieder segnen kann! 2. Es zeuge meiner Freude Zähre von meines Herzens Dankbarkeit, wie eifrig ich für sie begehre, was sie beglücket und erfreut; mit welchem Ernste mein Gebet für sie zu dir, mein Vater, fleht! 3. Ich will mich aller ihrer Freuden und ihres Glücks von Herzen freu'n; voll Kummer über ihre Leiden gern, wo ich kann, ihr Tröster sein. Wie sehr fühl' ich mich selbst beglückt, wenn ich erleicht're, was sie drückt! 4. Ich will sie lieben, will sie ehren, will über mein Be⸗ dürfnis sie mit meinen Klagen nicht beschweren, bescheidensein, zudringlich nie, und wenn ihr Herz auch andre liebt, nie mürrisch, neidisch und betrübt. 5. Kann ich, was ihnen schadet, hindern; befördern, was ihr Wunsch begehrt; er⸗ leichtern, was sie drückt, und lindern, was sie bekümmert und beschwert; frohlocken will ich, Vater, dann, wenn ich's durch deinen Beistand kann. 6. Und kann ich's nicht, o Gott, so dringe mein eifriges Gebet zu dir, und was sie wünschen, das gelinge! Denn, Herr, sie thaten wohl an mir. Auf jeden, der mit Freuden gab, komm' Freude auch von dir herab! 7. Erfreue sie mit deiner Güte und deine Huld ver⸗ 21* 32⁴4 Einzelne laß sie nie! Sei stets ihr Helfer und behüte vor Widerwärtig⸗ keiten sie! Trifft dennoch sie Gefahr und Schmerz, o dann gib Ruhe in ihr Herz! 8. Nimm sie, o Vater, mit Erbarmen, wann sie hinüber⸗ schlummern, an! Sie haben, weil sie lebten, Armen mit deinen Gaben wohlgethan. Belohne sie in Ewigkeit mit deines Himmels Seligkeit! Joh. Andr. Cramer, 1723—- 1788. Demut und Bescheidenheit. Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛc. 331. Von dir auf diese Welt gerufen, steh'n, Vater, alle Menschen hier auf höhern und auf niedern Stufen der Kräfte, die du gabst, vor dir. Du machest arm, du machest reich; doch sind vor dir wir alle gleich. 2. Nicht jeder hat, was andre haben, und das ist Güte; denn du gibst dem diese, jenem andre Gaben, weil du uns, Vater, alle liebst; denn alle sollen glücklich sein und einer sich des andern freu'n. 3. Beglücken und auch glück⸗ lich werden, ist aller Ruf, Pflichten. ist aller Los. Nur darum ist der hier auf Erden ge⸗ ring und arm, der reich und groß; der hat mehr Kraft, der mehr Verstand, denn jener braucht, was er erfand. 4. Wer hat mich andern vor⸗ gezogen? wer wieder andre Menschen mir? Nur du, durch freie Huld bewogen; denn alles Gute kommt von dir. Ich gab dir nichts zuvor, und ich bin alles, was ich bin, durch dich. 5. Und wie, ich sollte nicht bescheiden, ich stolz und über⸗ mütig sein? ich den nicht achten? den beneiden? mich, weil er mehr empfing, nicht freu'n? Erhebt mich das denn über ihn, wenn Gott mir mehr als ihm verlieh'n? 6. O, laß in meinem ganzen Leben mich meines größten Glückes nicht zu andrer Kränkung überheben, verkennen nie der Demut Pflicht, nicht andrer Gaben stolz verschmäh'n und bloß auf meinen Vorzug seh'n! 7. Ja, meine Brüder will ich ehren, wie arm, wie nied⸗ rig sie auch sei'n. Sie können meiner nicht entbehren, ich ⁰—————L— DD 4 +T„—— ů x Pflichten gegen den Nächsten. 32⁵ kann nicht ohne sie mich Blicken gebieterisch und stolz freu'n. Nimmt keiner meines nicht sein und keinen unter⸗ Glücks sich an, ach, wie ver⸗ drücken, den Haß, den Zorn, lassen bin ich dann! 8. Wer eitler Ehre gern entbehret und Tugend an Ge⸗ ringen gern erkennt und schätzt und liebt, der ehret der Nie⸗ drigkeit und Hoheit Herrn. O, wohl ihm! denn Bescheidenheit allein gibt Liebenswürdigkeit. 9. Sie schmückt das Alter, gibt der Jugend den größten Reiz, den Gaben Wert; leiht Glanz und Hoheit jeder Tugend, die eiteln Schimmer gern entbehrt. Nur Demut und Bescheidenheit ist unsre wahre Herrlichkeit. 10. Gib, Herr, zu allen deinen Gaben auch diese: Laß vom Stolze rein uns alles nützen, was wir haben, uns gegenseitig zu erfreu'n! Dann werden einst in deinem Reich an Seligkeit wir alle gleich. Joh. Andr. Cramer, 1723—-1788. Sanftmut und Friedfertigkeit. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛc. 332. Laß mich, Gott, Brüder zu erfreu'n, in Mienen und in die Rache flieh'n und mich durch Freundlichkeit bemüh'n, auch Niedre zu gewinnen! 2. Voll Sanftmut, Nach⸗ sicht und Geduld laß mich des Schwachen schonen, ge⸗ fällig und voll Menschenhuld die Dienstbegier belohnen, durch die man meinen Wunsch erfüllt und meines Herzens Sorgen stillt, mich tröstet, warnt und bessert! 3. Der fromme Dulder, der sich scheut, mir seines Kummers Klagen, aus blöder, banger Schüchternheit, so wahr sie sind, zu sagen, der seh' in meinem Blick mein Herz, seh' Mitgefühl bei seinem Schmerz und Eifer, ihn zu lindern! 4. Laß mich mir nie aus Bitterkeit der Spottsucht Lust erlauben und nie durch Un⸗ bescheidenheit mir Gunst und Achtung rauben; nie schrecke der Verachtung Blick den, der mir Zutrau'n gönnt, zurück, sein Herz mir zu eröffnen! 5. Darf ich bei fremden Fehlern nicht, so gern' ich möchte, schweigen; muß ich, 326 nach des Berufes Pflicht, der Fehler Größe zeigen: so laß, wenn andre sich vergeh'n, sie doch bei jedem Vorwurf seh'n, daß ich sie liebreich tadle! 6. Muß den, der mir gehorchen soll, ich zum Ge⸗ horsam bringen, so laß mich, Gott, nicht unmutsvoll, was ich befehl', erzwingen, im Warnen auch noch freundlich sein, bei Strafe jede Härte scheu'n, den Jähzorn unterdrücken! Joach. Christ. Grot, 1783—1801. Mel. 426. Mein Jesus ist mein Leben ꝛe. 333. Nach Ruh' und Ein⸗ tracht streben und, fern von allem Zwist, mit andern friedlich leben als Menschen⸗ freund und Christ; 2. Dies kann nur dem gelingen, der ihre Wohlfahrt liebt, sich selbst weiß zu be⸗ zwingen, Beleidigung vergibt. 3. Nachgebend und gefällig und aller Streitsucht Feind, zeigt er sich stets gesellig und schonet seinen Freund. 4. Er sucht das zu ver⸗ meiden, was andrer Rechte kränkt, weil er von sich be—⸗ scheiden, von andern edel denkt. Einzelne Pflichten. 5. Wo sich ein Zwist will regen, da sucht er jeden Streit mit Klugheit beizulegen, ist voll Gelassenheit. 6. Der Uebereilung Sünden entrüsten nie sein Herz; er läßt sie Nachsicht finden, besiegt des Unmuts Schmerz. 7. Durch Spott und Witze⸗ leien kränkt er den Nächsten nicht; ist willig zu verzeihen, was nur der Jähzorn spricht. 8. Er weiß sich zu be⸗ scheiden, wird nicht erbittert, kann auch Widersprüche leiden und nimmt Belehrung an. 9. Um stets sich gleich zu bleiben, wird er aus Billigkeit sein Recht nie übertreiben, weil's ihm sein Herz gebeut. 10. So Fried' und Ein⸗ tracht lieben, streng meiden jeden Streit, die Brüder nicht betrüben, ist Pflicht, die Gott gebeut. 11. Sie, Herr, stets hoch zu schätzen, ihr ganz mein Herz zu weih'n und nie sie zu verletzen, laß mein Be⸗ streben sein! 12. Mich selbst zu über⸗ winden, gib Eifer, Mut und Kraft! Dann werd' ich froh 1 x‚ V — ———————p——————7— Eintracht schafft. Joach. Christ. Grot, 1733-1801. Geduld und Nachsicht. Mel. 228. Sollt' ich meinem Gott nicht singen ꝛc. Gott, der du die Menschen liebest, Gnade nur, nicht strenges Recht huldvoll und erbarmend übest an dem sündlichen Geschlecht, laß mich deinen Geist beleben, daß ich, Vater, als dein Kind liebreich sei wie du gesinnt! Herr, du woll'st den Sinn mir geben, der bei Fehlern Nachsicht zeigt und mit Sanftmut spricht und schweigt! 2. Laß mich meines Nächsten schonen, willig tragen seine Last, und so lang ich hier soll wohnen, bleibe Zanksucht mir verhaßt! So verlangt es, Gott, dein Wille, und die Eintracht liebest du; Vater, hilf auch mir dazu! Gib ein Herz mir, das die Stille und den Frieden sucht und liebt, das statt Rache Sanftmut übt! 3. Was kann mehr das Herz beschweren, als die Wut Pflichten gegen den Nächsten. empfinden, welch Glück die 327 der Leidenschaft? Zanksucht, Groll und Haß verzehren nach und nach des Lebens Kraft, machen alt uns vor den Jahren und zum Himmel un⸗ geschickt. Herr, der auf mich Schwachen blickt, ach, du wollest mich bewahren, daß des Zornes Raserei nie des Herzens Meister sei! 4. Wer mir flucht, den will ich segnen, so wie mein Erlöser that, und mit Gleich⸗ mut dem begegnen, der zum Zanken Neigung hat; für die Feinde will ich beten und vor dich, du Friedensfürst, der du uns einst richten wirst, aus⸗ gesöhnt mit ihnen treten. Gott des Friedens, stärke du mich mit deiner Kraft dazu! 5. Ja, mit ew'gem Heil erfreuet uns der Eintracht frommer Sinn; unser Herz, durch ihn erneuet, lohnt ein göttlicher Gewinn. Sende, Gott, uns deinen Frieden, dann entflieht die Leidenschaft, und durch deines Geistes Kraft sind wir selig schon hienieden, bis einst in der Herrlichkeit ew'ger Friede uns erfreut. Ph. Friedr. Hiller, 1699—1769. 328 Mel. 519. Gott des Himmels und der Erden ꝛe. 335. Richte nicht mit Hohn und Strenge, wenn du andre fehlen siehst! Groß ist auch der Fehler Menge, die du selber noch nicht fliehst. Sei bedacht⸗ sam, richte nicht! Schonung ist des Christen Pflicht. 2. Siehst du stets die tiefsten Gründe von des Näch⸗ sten Handlung ein? Ist auch, was du tadelst, Sünde? oder trügt dich nicht der Schein? Urteilst du gewissenhaft? oder reizt die Leidenschaft? 3. Hast du auch in seiner Jugend stets den Blick ihm zugewandt? und die Feinde seiner Tugend, sind sie alle dir bekannt? Wie, du rechnest das ihm zu, daß er Mensch ist, so wie du? 4. Oft vollbringt er nur im stillen, was vor Gott ihm rühmlich bleibt; fehlt auch ohne seinen Willen oft nur, weil ihn Irrtum treibt; möchte klug sein bei der Pflicht, aber Bosheit übt er nicht. 5. Christ, vergiß nicht zu bedenken, was dein Nächster fordern kann! Ach, wie würd' Einzelne Pflichten. deine Ehre an! Vergehen meide mit Be⸗ scheidenheit alles unbefugte Schmähen, Härte, Spott und Bitterkeit! Menschenfreund⸗ lich decke du deines Nächsten Fehler zu! 7. Mit dem reinsten Herzen biete ihm die Hand zu seinem Glück; bringe, wenn du kannst, voll Güte von dem Irrweg ihn zurück! Ist, wie jetzt dein Nächster fällt, nicht auch dir manch Netz gestellt? 8. Sieh nicht deines Nächsten Leiden schnell als Strafe Gottes an; gönne dem erlaubte Freuden, der sie noch genießen kann; nie gib seinen frohen Sinn scheinbar frommer Schmähsucht hin! 9. Laß die Liebe dich be⸗ seelen, die nur ungern Arg⸗ wohn hegt und, wenn andre wirklich fehlen, ihre Fehler sanft erträgt! Mehre niemals ihren Schmerz; rühre, bessꝰre nur ihr Herz! 10. Nur der Richter aller Welten richtet mit Gerechtig⸗ es dich nicht kränken, griff er keit. Jedem wird er einst ver⸗ Du willst ů Schonung von dem Herrn; übe du auch Nachsicht gern! 6. Selbst bei wirklichem gelten, wie er lebt in dieser Zeit. Er, der Ew'ge, hält Gericht; richte du den Nächsten nicht! G. B. Funk, 1734—1814. Versöhnlichkeit und Feindesliebe. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛe. 336. Herr, der du sterbend noch für die, die dich er⸗ würgten, batest; der du vor deinem Vater sie so liebevoll vertratest: wann werd' auch ich dir ähnlich sein und meinem Feinde gern verzeih'n? 2. Ein Sünder, dem noch Rache glüht im aufgebrachten Herzen, der noch mit Wohl⸗ gefallen sieht auf seiner Feinde Schmerzen, besteht vor deinem Angesicht, du Gott der Huld und Langmut, nicht. 3. O Stimme Jesu, dringe mir recht tief in meine Seele: „Wie du vergibst, vergibt Gott dir. Erwäg' es und dann wähle! Der wählt den Segen, der vergibt, und der den Fluch, der Rache übt.“ 4. Sei, Seele, wert der Seligkeit, dich selbst zu über⸗ winden! Duld' und vergib; Pflichten gegen den Nächsten. 329 auch Gott verzeiht und straft nicht deine Sünden. Nicht Rache— Segen rufe du, Gott ähnlich, deinem Feinde zu! 5. Auch mein Beleidiger hat teil am Heiland aller Sünder; mit Blut erwarb auch ihm das Heil der Todesüberwinder. An mich und ihn ergeht der Ruf des Gottes, der uns beide schuf. 6. O, könnt' ihn meine Sanftmut noch zu besserm Sinn bekehren; ihn, der mich haßt, das sanfte Joch der Liebe tragen lehren! Wie göttlich würd' ich mich erfreu'n, könnt' ich des Feindes Herz erneu'n! 7. Wie würd' er mich am Weltgericht dann seinen Bruder nennen, sich als ein Freund auf ewig nicht von meiner Seite trennen und Gott erheben, dessen Hand uns für die Ewigkeit verband! ½8. Ja, gern“ will ich, Gott, auf dein Wort Haß und Verfolgung leiden; will gern verzeih'n, da du mir's dort vergiltst mit ew'gen. Freuden, wenn mir im Himmel einst mein Feind dankbare Freudenthränen weint. Balth. Münter, 1735—1798. Einzelne Pflichten. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt ꝛe. Joh. Crüger, 1649. —— +— 1— 2 + 1 J— —. ö 6 +— ———6 +—.—..— Al-=len,= che nicht ver ⸗ ge ⸗ ben, trost⸗los wer ⸗ den 0. im Le ⸗ ben, ᷓ́ᷓꝑꝑ . wirst auch du, Herr, nicht ver-zeih'n; im To ⸗ de trost⸗los einst sein; un⸗ent⸗-la⸗den IDEEEE ih⸗ rer Sün ⸗ 2. Ob sie reuig zu dir flehten, hörst du doch ihr Flehen nicht und verbirgst, wie oft sie beten, dein er⸗ barmend Angesicht. Sündern, welche Brüder hassen, willst du keine Schuld erlassen. 3. Wie dein Herz mit jedem Sünder väterliches Mitleid hat; wie der Todesüberwinder selbst für seine Mörder bat: so soll auch der Christ verzeihen und sich nicht der Rache freuen. 4. Ach, wir alle sind Ber⸗ brecher, häufen alle Schuld auf Schuld. Du, der Sünden s den auch vor ernster Rächer, habe noch mit dir nicht Gnade fin-den. uns Geduld! Sei uns gnädig, daß wir leben, und vergib, wie wir vergeben! 5. Wir geloben dir's mit Freuden: Willig wollen wir nie uns rächen, wenn wir leiden, nie zu dir um Rache schrei'n, täglich vor verzeih'n, dein Antlitz treten und auch für die Feinde beten. 6. Stärk' uns, Vater, deine Frommen, treu zu bleiben dieser Pflicht! Wenn wir in Versuchung kommen, so besiege sie uns nicht; daß wir schnell sie überwinden, soll sie uns gewaffnet finden. E ..E. — 7. Du, der einst sein Blut vergossen, laß uns dir doch ähnlich sein! Nicht umsonst ist es geflossen, wenn wir uns der Liebe weih'n. Es verbürgt uns ewig Leben, wenn wir, so wie du, vergeben. 8. Heil uns! Gott verzeiht uns Sündern, geht mit uns immer wert, wie er auch deine nicht ins Gericht, nimmt uns auf zu seinen Kindern, zürnet mit uns ewig nicht. Laßt uns beten, laßt uns kämpfen, alle Rach' in uns zu dämpfen! Balth. Münter, 1735-1793. Mel. 15. Kommt her, spricht Christus, Gottes Sohn ꝛe. 338. Gott, deines Beifalls mich zu freu'n, in Wort und That ein Christ zu sein, der Tugend nur zu leben, will ich dem Feinde, der mich kränkt und mich zu unterdrücken denkt, voll Sanftmut gern vergeben. 2. So sehr mich auch sein Haß betrübt, wenn ich ihn sonst als Freund geliebt und immer lieben wollte: so wenig, Gott, erlaubst du mir, daß ich voll Zorn und Rachbegier ihn wieder kränken sollte. 3. Als Mensch sei er mir Pflichten gegen den Nächsten. 331 Huld erfährt; ich darf ihn nicht betrüben; sein Haß berechtiget mich nicht zur Uebertretung meiner Pflicht; den Feind auch soll ich lieben. 4. Du, Gott, voll Nachsicht und Geduld, erzeigst uns allen deine Huld; dein Sonnenschein und Regen erquickt nicht Fromme nur allein, auch Böse suchst du zu erfreu'n, auch sie beglückt dein Segen. 5. Unddennoch sollt'ich nicht, wie du voll Huld, zu meiner eignen Ruh' auch meinen Feind noch segnen? nicht dem Be⸗ leidiger verzeih'n? aus Rach⸗ sucht unversöhnlich sein? ihm nicht als Christ begegnen? 6. Nicht würdig wär' ich deiner Huld, nicht wert, o Vater, der Geduld, nach der du mich verschonest; verdiente nicht, daß du verzeihst, mit so viel Segen mich erfreust und ewig einst belohnest. 7. O, laß mich Haß und Rachgier scheu'n, durch Wohlthun auch den Feind erfreu'n und zu gewinnen suchen; aus roher Unversöhn⸗ lichkeit, die nur erbittert, nicht verzeiht, nie meinem Hasser fluchen! II WANT 0 A. 332 Einzelne 8. Empfänd' ich noch so List und von Verstellung frei, tiefen Schmerz, laß mich sein unversöhnlich Herz sanft zu gewinnen trachten, weil ich, entfernt von Haß und Groll, sein Glück so wie das meine soll stets zu befördern trachten. 9. Und wenn er sein Ver⸗ geh'n bereut, mir seine Hand zum Frieden beut, sich mit mir zu vergleichen: so laß Eigene Pflichten. mich fern von Heuchelei, von ihm treu die meine reichen! 10. So fürcht' ich nicht, Gott, dein Gericht; ich kann mit froher Zuversicht mich deiner Liebe freuen, und üb' ich hier Versöhnlichkeit, so darf ich meine Uebungszeit einst sterbend nicht bereuen. Joach. Chr. Grot, 1738—1801. Melodie. — I ——— + 2—I — Nie will ich dem Nie will zu scha⸗ den su⸗ ich mei ⸗ nem chen, der Fein⸗de flu⸗chen, wenn 1 7 den mir scha⸗ Haß sucht. flucht. Mit Gü⸗ te 2—— ů— ů 23,„ vdr ar I ich ihm be geg nen, nicht dro ⸗-hen, wenn er ——.—.— SII droht. 9 *V Wenn er mich schilt, will ich ihn seg⸗nen; dies =SS8 — ist des Herrn Ge⸗ bot. 2. Er, der von keiner Sünde wußte, vergalt die Schmach mit Huld und litt, so viel er leiden mußte, mit Sanftmut und Geduld. Will ich, sein Jünger, wieder schelten, da er nicht wieder schalt? mit Liebe nicht den Haß vergelten, wie er den Haß vergalt? 3. Wahr ist's, Verleum⸗ dung dulden müssen, ist eine schwere Pflicht. Doch selig, wenn ein gut Gewissen zu unsrer Ehre spricht! Dies will ich desto mehr bewahren; so bessert mich mein Feind und lehrt mich weiser zu ver⸗ fahren, indem er's böse meint. 4. Ich will mich vor den 2. Fehlern hüten, die er von mir ersann, und auch die Fehler mir verbieten, die er nicht wissen kann. So will ich mich durch Sanftmut rächen, an ihm das Gute seh'n und dieses Gute von ihm sprechen; wie könnt' er länger schmäh'n? ermüden, will ich ihm gern verzeih'n und als ein Christ bereit zum Frieden, bereit zu Diensten sein. Und wird er, Pflichten gegen den Nächsten. 5. In seinem Haß ihn zu 333 mich zu untertreten, durch Güte mehr erhitzt, will ich im stillen für ihn beten und Gott vertrau'n; Gott schützt. Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. 340. Verbitt're dir dein Leben nicht, o Christ, durch eigne Rache! Vergeben ist des Menschen Pflicht, Vergelten Gottes Sache. Die Sanftmut, die sein Wort gebeut, liebt Feinde, segnet und verzeiht. 2. Sei dir empfindlich auch der Schmerz, von Menschen Unrecht leiden; doch soll, bist du ein Christ, dein Herz sich nicht am Zorne weiden, soll alles Unrecht gern verzeih'n, nicht eigenmächtig Richter sein. 3. So schwer auch diese Pflicht dir scheint, du sollst sie dennoch üben, sonst bist du nicht des Heilands Freund, der sie dir vorgeschrieben. Empöret auch dein Unmut sich, sieh Jesum an, besiege dich! 4. Wer hat je größern Widerspruch von Sündern hier erduldet, als er, der Herr, der Schmach und Fluch von andern nie verschuldet? 334 Und dennoch will er liebevoll, daß jeder selig werden soll. 5. Ihm folgen, ist dein wahrer Ruhm; Beleidigern verzeihen, bringt Ehre deinem Christentum; sich ihres Falls nicht freuen, nicht den, der dich schmäht, wieder schmäh'n, gereicht dir selbst zum Wohl⸗ ergeh'n. 6. Im Zorn denkt niemand ernstlich nach, was Gott ge⸗ fallen sollte; die Rache selbst vermehrt die Schmach, die man bestrafen wollte. Was recht ist, das wird nicht be⸗ dacht, wenn deine Rachgier wild erwacht. 7. Die Rachgier reißt Ge⸗ rechtigkeit und Glauben aus dem Herzen, stört des Ge⸗ müts Zufriedenheit und straft mit bittern Schmerzen. Sie hindert Dank, Gebet, Ver⸗ trau'n und raubt den Mut, auf Gott zu bau'n. 8. Was dir von Menschen widerfährt, quillt oft aus deinen Sünden; du handelst thöricht und verkehrt,— wie kannst du Achtung finden? Reiz' nicht des Feindes Ueber⸗ mut; sei heiter, weise, sanft und gut! Einzelne Pflichten. 9. Durch Sanftmut— übe nur die Pflicht!— wirst du den Feind besiegen; o, raube deiner Seele nicht dies gött⸗ liche Vergnügen! Dann wird der Herr auch dir verzeih'n, dein Vater und Vergelter sein. 10. Herr, aus Gehorsam gegen dich will ich mich selbst nicht rächen. Verzeih' ich gern, so wird für mich die gute Sache sprechen. Dein Wort empfiehlt der Sanftmut Sinn, gibt ihm den Himmel zum Gewinn. Joh. Fr. Mudre, 1736—18ʃ10. Sorge für des Nächsten Leben, Gesundheit, Ehre, Eigentum. (Wiedererstattung.) Mel. 78. Ermunt're dich, mein schwacher Geist ꝛc. 341. Mein eignes Leben nicht allein, auch meiner Brüder Leben soll mir, o Vater, heilig sein und deinen Ruhm erheben. Nach Kräften will ich ihnen gern, von Kalt⸗ sinn, Neid und Rachsucht fern, ihr Leben zu beschützen, durch Rat und Hilfe nützen. mir nicht hier allein, auch 2. Mit Ernst ermahnen will ich sie, mit Freundlich⸗ keit sie bitten, den Segen der Gesundheit nie durch Leicht⸗ sinn zu zerrütten. Was ihres Lebens Frieden stört was ihrer Sorgen Bürden mehrt, das will ich stets mit Freuden entfernen und vermeiden. 3. Es müsse, wer mir dienst⸗ bar ist, nie über Härte klagen. Wie dürft' ich je als Mensch und Christ die Schonung ihm versagen, die mir, o Herr, dein Wort gebeut? Wie dürft' ich, fern von Menschlichkeit, mein eignes Wohl zu mehren, der Brüder Last erschweren? 4. Des Schwachen Führer will ich sein, den Kranken will ich pflegen, den Traurigen mit Trost erfreu'n auf seinen Leidenswegen, will eilen, bei⸗ zusteh'n in Not, will retten aus Gefahr und Tod,‚ will Schmachtende erquicken, will helfen und beglücken. 5. Mein Herz, zur Ret⸗ tung stets bereit, soll sich auch in Gefahren vor Härte, Unempfindlichkeitund Feigheit streng bewahren. Der Retter eines Lebens sein, ist Wonne Pflichten gegen den Nächsten. 335 noch in bessern Welten willst du es, Herr, vergelten. 6. So laß mich denn des Lebens Gut als dein Geschenk verehren und mit der Liebe frohem Mut auch andrer Elend wehren! Wenn dann der Tod sie scheiden heißt, so quält kein Vorwurf meinen Geist, und ich kann ohne Grauen auf ihre Gräber schauen. Joh. Wilh. Reche, 1764— 1835. 519. Mel. Gott des Himmels und der Erden ꝛe. 34„»Teuer wie mein eignes Leben, wie mein Ruf und Eigentum, sei mir, Menschen, euer Leben, euer Eigentum und Ruhm, alles, was euch Gottes Rat gab und noch bestimmet hat. 2. Strebt schon in der Zeit der Jugend nach Verdiensten, werbt, gewinnt durch Ge⸗ schäftigkeit und Tugend, die die besten Schätze sind; werdet angeseh'n und reich; o wie gerne gönn' ich's euch! 3. Immer will ich, frei vom Neide und vom Eigen⸗ nutze rein, eures Segens, eurer Freude, eures Glücks und Ruhms mich freu'n, froh, daß 336 Einzelne unser Gott euch liebt, euch so mild und reichlich gibt; 4. Allen helfen, eifrig ihnen wohlthun, wie mein Heiland that, Schaden wehren, allen dienen, dem mit Hilfe, dem mit Rat, willig jedes Unrechts Feind, aller Menschen wahrer Freund. 5. Lasset uns einander lieben, gern einander glücklich seh'n, keinen kränken und be⸗ trüben, keinen drücken, keinen schmäh'n, christlich, wie uns Gott gebeut, meiden auch den kleinsten Streit! 6. Laßt uns halten Treu' und Glauben, flieh'n, was andern schädlich ist, Arme, Schwache nicht berauben durch Betrug, Gewalt und List! Sieht und straft der Höchste nicht falsches Maß und falsch' Gewicht? 7. Ja, es sei, was wir versprechen, auch zu halten uns nicht leid. Unser Wort laßt uns nicht brechen, nie ent⸗ weih'n durch falschen Eid; von Betrug und Ränken rein, lieber arm als treulos sein! 8. Hassen laßt uns alle Lügen. alle Schmähsucht; jeder sei offenherzig und verschwiegen, Pflichten. in der Freundschaft fest und treu; jeder nehme, wo er kann, der Verleumdeten sich an. 9. Laßt uns Gutes gern belohnen, wie es unser Gott belohnt, und der Brüder Fehler schonen, wie der Herr auch unser schont! Ach, er schont mit welcher Huld, welcher Langmut und Geduld! 10. Also laßt, von Gott, getrieben, uns einander gern und treu und als seine Kinder lieben, ohne Zwang und Heu⸗ chelei! O wie selig werden wir dann nicht werden dort und hier! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 173. Wenn du, mein Gott, verlangst ꝛe. 343. Wenn du des Nächsten Ehr' und Achtung suchst zu schmälern und von nichts lieber sprichst, als von des Bruders Fehlern, aus Ehrsucht oder Neid verkleinerst seinen Ruhm, deckst seine Schwachheit auf, wo bleibt dein Christentum? 2. Wenn du aus Argwohn bloß von ihm nur Böses denkest und durch ein falsch Gerücht ihm schadest und ihn kränkest; wenn deine Eifersucht, — Pflichten gegen den Nächsten. wenn ihn dein Spott entehrt, sprich selbst, bist du dann noch des Christennamens wert? 3. Wenn du den Läst'rer hörst und unter Spöttern sitzest und bloß aus Menschenfurcht nicht andrer Unschuld schützest; wenn aus Gefälligkeit du selbst Verleumder bist und nichts zum besten kehrst, bist du dann noch ein Christ? 4. O Mensch, bedenke doch, Gott hört an jedem Orte, wo du nur immer bist, ein jedes deiner Worte! Und er, der alles sieht, er sollte dich nicht seh'n, wenn du di frech erkühnst, die Unschuld selbst zu schmäh'n? 5. Wenn du der Frommen lachst, wenn du die Tugend schändest, dem Würdigern das Lob, das er verdient, entwen⸗ dest: Verleumder, sieht's nicht Gott, wie zügellos dann du ihn in den Seinen schmähst? Dein Richter hört dir zu. 6. Die Thränen zählt der Herr, die von gekränkten Frommen, die du entehret hast, mit Seufzern vor ihn kommen. Es kommt gewiß ein Tag, wo Gott einst vor —.— 337 Gericht, im Angesicht der Welt, auch dir dein Urteil spricht. 7. Und dennoch wolltest du des Nächsten Ehr' verletzen? und wenn du sie verletzt, nicht schleunig sie ersetzen? Nein, künftig sei sie dir so wert, als eigner Ruhm! Beschütz' und rette sie stets als ein Heiligtum! 8. Wie hoch verbeut uns Gott den Mißbrauch unsrer Zungen! Drum hüte dich, o Christ, vor allen Lästerungen! Wer in dem Nächsten gern den Menschen liebt und ehrt, den ehrt auch Gott, der bleibt ch des Höchsten Beifalls wert. J. L. Paulmann, 17281807. Mel. 175. Mache dich, mein Geist, bereit ꝛc. 344. Gott, dem Eigennutze will ich mich nicht ergeben. Nie wird sein Begehren still, er vergällt mein Leben. Es entflieh'n mir durch ihn tau⸗ send edle Freuden, wandeln sich in Leiden. 2. Durch sein niedriges Gewühl wird das Herz ver⸗ ödet, jedes edlere Gefühl in der Brust ertötet. Sein Ge⸗ heiß gibt mich preis jeder 22 338 Einzelne Sünd' und Schande, löst der Menschheit Bande. 3. Geldgier, die mir Tag und Nacht keinen Frieden schenket, quälet mich, wenn seine Macht all mein Wollen lenket; denn er hat nimmer satt, jeden neuen Morgen immer neue Sorgen. 4. Dein Bild, Vater, wird in mir frech durch ihn zer⸗ störet. Der erkennt nicht, daß er dir, Heil'ger, angehöret, der nicht dich, auch nicht sich, noch die Brüder ehret, nicht der Habsucht wehret. 5. Als des Eigennutzes Knecht scheut er keine Sün⸗ den, und kein Weg ist ihm zu schlecht, was er sucht, zu finden. Ach, er lügt und be⸗ trügt, kriecht vor seinem Feinde und mißhandelt Freunde. 6. Er, der fremden Elends lacht, hat durch seine Tücke manch Verbrechen schon voll⸗ bracht, und mit scheelem Blicke freut er sich inniglich, wenn sein Nächster leidet, dessen Glück er neidet. 7. Nichts erweicht sein hartes Herz; mit der Not des Armen, mit des kranken Dulders Schmerz fühlt er kein Er⸗ barmen. Ja, er schmäht den, thue du auch andern Pflichten. der fleht, nur um sein Be⸗ gehren schleunig abzuwehren. 8. Gott, laß solche Leiden⸗ schaft mich doch nie berücken; gib mir Wachsamkeit und Kraft, daß ich ihren Stricken mich entzieh', damit nie Eigennutz mich schände, dir mein Herz entwende! 9. Jesus sei ein Vorbild mir, er, der selbst sein Leben für der Brüder Wohlfahrt hier willig hingegeben. Ich bin sein, er sei mein; nicht Gewinn noch Leiden soll von ihm mich scheiden. Phil. David Müller, 1773—1848. Mel. 63. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht ꝛc. 345. Fern sei mein Leben jederzeit von aller Ungerechtig⸗ keit! Wie könnte sonst dein Freund ich sein und deines Beifalls, Gott, mich freu'n? 2. Wer seines Nächsten Rechte kränkt, auf andrer Schaden boshaft denkt, verletzet des Gewissens Pflicht und ehret dich, Gerechter, nicht. 3. Du schreibst in jedes Herz, o Gott, tief ein das mensch⸗ liche Gebot: Was du nicht willst, daß dir geschicht, das nicht! 4. Verletz' ich nun, o heil ger Gott, durch unrecht Handeln dies Gebot, Allwissender, bin ich es nicht, der dann sich selbst sein Urteil spricht? 5. Ich soll— dies sagt, Herr, dein Gebot, das jedem Sünder Strafe droht,— nie ungerechten Guts mich freu'n, ja selbst nicht danach lüstern sein. Betrug und Dieberei'n an Brüdern boshaft Schaden thut. Pflichten gegen den Nächsten. 6. Dein Segen kann mit dem nicht sein, der durch Mel. 442. Alle Menschen müssen ihrer Habe, ihrem Gut—10 346. Laß, o Jesu, mich 7. Wohlan, mein Gott, 339 Nicht Habgier, ja selbst Armut nicht verleite mich von meiner Pflicht! 11. Drum laß mich fern sein jederzeit von aller Un⸗ gerechtigkeit! Du bist gerecht, dies sei auch ich! In diesem Sinne stärke mich! Heinr. Erh. Heeren, 1728—-1811. Sorge für des Nächsten Weisheit(Erkenntnis), Tugend und Seelenruhe. sterben ꝛc. empfinden, welche Seligkeit es bewahre mich vor allem Unrecht ist, daß du, mich von Wahn und väterlich! so sei mir's leid und zum Ersatz mein Herz bereit! 8. Wer andern Schaden je gethan und, wenn er ihn erstatten kann, sich dessen weigert, findet nicht vor dir Erbarmen im Gericht. 9. Auf Buße, die er meint zu thun, kann nie dein Wohl⸗ gefallen ruh'n, wenn er das Unrecht, das er that, nach Kräften nicht ersetzet hat. 10. Gib, Herr, daß ich dies wohl bedenk' und nie durch Unrecht andre kränk'! Beging' ich's je, Sünden zu befrei'n, erschienen bist; daß ich Gottes Wege walle, daß du liebreich, eh' ich falle, die Gefahr mir offenbarst, mich noch warnest, mich bewahrst; 2. Daß, durch deinen Geist getrieben und durch seine Kraft erneut, ich den Höchsten möge lieben, freudig thun, was er gebeut; daß ich willig unterlasse das, was ihm mißfällt, und hasse als ein dir getreuer Christ, was vor Gott ein Greuel ist! 3. Ach, wie könnt' ich dies empfinden und doch fühllos Menschen seh'n in der Sklaverei 22* 340 Einzelne der Sünden Wege des Ver⸗ derbens geh'n und nicht rufen, daß sie's hören: Eilt, ihr Brüder, umzukehren, wenn ihr selig werden wollt, wie ihr's werden könnt und sollt! 4. Auch für meiner Brüder Seelen, nicht für mein Heil nur allein soll ich sorgen, wenn sie fehlen, soll ich gern ihr Führer sein. Wenn siesündigen und ster⸗ ben und ich rief' nicht vom Ver⸗ derben, wo ich könnte, sie zu dir, forderst du ihr Blut von mir. 5. Von des Irrtums Finster⸗ nissen selbst errettet, soll auch ich unterweisen des Gewissen, der von deinem Wege wich; soll ihm zeigen, was ihn blende und, daß er zu dir sich wende, vor dem Fall ihn warnen, ihn bitten, weil er kann, zu flieh'n. 6. Hilf du selbst mir ihn erweichen, und wenn meine Bitten nicht bis zu seinem Herzen reichen, sei mein Bei⸗ spiel ihm ein Licht, daß an mir er sehen möge, wie nur der, der deine Wege hier voll Mut und Eifer geht, bis ans Ende wohl besteht! 7. Laß ihn seh'n an meinen Freuden, wie beglückt der Fromme ist, wie du selbst Pflichten. im schwersten Leiden ihm noch Freund und Vater bist, daß auch er der Lust der Erde sich entreiße, heilig werde, ganz sich deinem Dienst zu weih'n, selig so wie ich zu sein! Joh. Andr. Cramer, 1728—1788. Mel. 435. Es ist gewißlich an * der Zeit ꝛc. 347. Gott, meines Nächsten bestes Teil laß mich stets teuer achten und auch nach seiner Seele Heil mit Lieb' und Sorg⸗ falt trachten! Du schufst sie zur Unsterblichkeit und hast sie selbst zur Seligkeit durch deinen Sohn berufen. 2. Den Nächsten zur Ver⸗ schlimmerung, zur Thorheit, Eitelkeiten, zum Irrtum, zur Versündigung durch List und Zwang verleiten, durch That und böses Beispiel ihn in Laster und Verderben zieh'n, o Gott, welch ein Verbrechen! 3. Laß mich nach seiner Besserung im Glauben und im Leben durch Rat und durch Er⸗ innerung, durch gutes Beispiel streben; ihm Achtung für Re⸗ ligion und Liebe gegen deinen Sohn fest suchen einzuprägen! 4. Je mehr du mir Ge⸗ legenheit und Fähigkeit ver⸗ Redlichkeit die Seelen, die dich unverdrossen! Du gabst sie liehen, jemehr laß mich mit fliehen, zu retten noch beflissen sein und nicht Verdruß, nicht Arbeit scheu'n, dir, Gott, sie zuzuführen! 5. Gibst du mir Kinder, Herr, mein Gott, gibst du mir Hausgenossen, laß mich dein heiliges Gebot sie lehren mir, und deine Hand wird Pflichten gegen den Nächsten. 34¹ empfinden! Führ' ihn zurück zur Heiligung; laß mich durch eigne Besserung ihn stärken und erbauen! C. G. Küster, 1732—1799. Mel. 125. Vater unser im 367. Himmelreich ꝛc. 348. Von dir, der meine Freuden schuf, ist auch mein heiliger Beruf, im Herzen und im Wandel rein und nützlich in der Welt zu sein. Wer diese dies mir anvertraute Pfand große Pflicht nicht ehrt, der von mir einst wieder fordern. ist auch keiner Freude wert. 6. Kann ich nicht zeitlich 2. Es war, o Vater, deine Gut und Glück den Meinigen Hand, die mit den Menschen erwerben, das reichste Gut mich verband. Ich sollte red⸗ laß ich zurück, wenn sie nur lich mich bemüh'n, auch sie Tugend erben. Hilf, Gott, zum Guten hinzuzieh'n; und daß ich ihr Vorbild sei, von leuchtet ihnen stets mein Licht, Sünden und von Lastern frei, so fehlt mir deine Liebe nicht. sie fromm für dich erziehe! 7. O wohl mir, wenn ich andre nie geärgert und ver⸗ blendet, durch Leichtsinn oder Bosheit sie von dir, Gott, 3. Wie viel wird durch des Beispiels Macht in deine Menschenwelt gebracht! Es wirkt im Stillen um sich her, und andre fühlen immer mehr, abgewendet! Ward irgendwo wie leicht, von seinem Reiz durch meine Schuld ein Mensch belebt, ihr Herz ihm nach⸗ verlustig deiner Huld, so gib, zuahmen strebt. daß ich ihn bess're! 4. O, wehe dem, der 8. Laß jeden, den sein Un⸗ sorglos bleibt und kühn des recht reut, vor dir Vergebung Lasters Werke treibt, den nie finden, den Tugend, die das der Blick der Unschuld rührt Herz erfreut, erhab'ne Lust und nie zur Lebensweisheit 342 führt, der selbst die Schwachen gern berückt und listig in sein Netz verstrickt! 5. Wie trostlos wird er einst sich seh'n, wann die Verführten um ihn steh'n, und wenn alsdann auch ihre Qual noch mehret seiner Leiden Zahl; wie ist sein frecher Geist verzagt, weil sie ihn, Herr, vor dir verklagt! 6. Ich flehe, Gott, empor zu dir: Ach, fern sei dieses Los von mir! Mein Beispiel leite jederzeit auch andre hin zur Frömmigkeit! Die schönste Lehre fruchtet nicht, wenn ihr mein Leben widerspricht. 7. Verleihe selbst mir Trieb und Kraft, zu thun, was Heil und Segen schafft, und jede meiner Reden sei von allem Reiz zur Sünde frei! In meinem Kreise herrsche nur der Sinn für Unschuld und Natur! 8. Wer hier durch Beispiel, Rat und That den Christen⸗ geist verbreitet hat, der sieht sich einst mit Ruhm gekrönt, wann seiner Brüder Dank ertönt und er, von Seligen umringt, das hohe Lied des Himmels singt. Joh. Wilh. Reche, 1764—1835. Einzelne Pflichten. Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛc. 349. Wer ärgert der Ge⸗ ringsten einen, nicht, was er spricht und thut, bewacht und böses Beispiel gibt den Kleinen mit schonungslosem Unbedacht; er sei auch, was er sei, er ist kein edler Mensch, kein wahrer Christ. 2. Die Liebe sorgt, daß sie nicht schade; sie treibt nicht Mutwill, stellet nicht sich un⸗ gebärdig; auf dem Pfade der Tugend, auf der Bahn der Pflicht geht sie auch andern leuchtend vor und ziehet sie zu sich empor. 3. Ein frecher Blick kann Böses stiften, den Kinder, uns belauschend, seh'n; ein schlüpf⸗ rig Wort ihr Herz vergiften, noch ehe sie es ganz versteh'n. Baldist die schnöde Lust erweckt, das Kind vom Laster angesteckt. 4. Die Unart der Gewohn⸗ heitssünde, die böse Lust bei uns gebar, lebt bald als Abdruck auch im Kinde, das erst noch rein und schuldlos war; denn mehr als der Ermahnung Wort reißt Beispiel junge Herzen fort. 5. Die Wahrheit selbst kann sie gefährden, des losen Irr⸗ — ——— ——— 2 ——.———————— 6n— —— tums Quelle sein; das Beste kann verfänglich werden; den Reinen nur ist alles rein. Dem jugendlichen Unverstand beut täuschend Phantasie die Hand. 6. Der Kinder Trieb, uns nachzustreben, sei denn ein rühmlich Ziel gesteckt, und ihre Schule sei das Leben der Eltern, daß sie unbefleckt und schuldlos sich des Daseins freu'n und künft'ger Wohl⸗ fahrt Samen streu'n! 7. Dann wirkt das redliche Bemühen, zu wachen für der Unschuld Glück, um sie zum Himmel zu erziehen, veredelnd auch auf uns zurück; es wird der Sünde Hindernis und macht uns unser selbst gewiß. G. Fr. Wilh. Schultz, 1774.1842. Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. 350. Dir zu leben, dir zu sterben, ewig, Vater, dein zu sein und mit deines Himmels Erben deiner Wonne mich zu freu'n, wann des Abschieds Thränen fließen, meine Augen sanft sich schließen: diese Gnade wünsch' ich mir, die erbitt' ich mir von dir. 2. Daß ich's könne, laß mich streben, frei von Sünde, Pflichten gegen den Nächsten. 343 glaubensvoll und gerecht vor dir zu leben, auszurichten, was ich soll! Dies zu thun, gib Licht und Stärke, daß im Fleiße guter Werke ich, von allen Fehlern frei, jeder Tu⸗ gend Vorbild sei! 3. Allen will ich nützlich werden, ungehorsam keiner Pflicht, nie ein Aergernis auf Erden, auch nach meinem Tode nicht. Seelen, lange nach dem Sterben durch sein Beispiel zu verderben, daß sie dich, o Heil'ger, flieh'n: welch ein Fluch, wie fürcht' ich ihn! 4». Aber welch' ein hoher Segen, o wie sehnlich wünsch' ich den! ist es auf der Tugend Wegen seinem Tod entgegen geh'n, auch nach ihm noch Brüdern dienen, ein Beweis, ein Denkmal ihnen, wie es ewig uns erfreu', Gott zu folgen gern und treu! 5. Dies begehr' ich, will auf Erden reichlich guten Samen streu'n, solch ein Denk⸗ mal einst zu werden, des sich die Gerechten freu'n. Dir auch Sünder zuzuführen, soll sie, Herr, mein Beispiel rühren, daß sie, einst bei dir zu sein, stand⸗ haft sich der Tugend weih'n. 3⁴4⁴ Einzelne Pflichten. 6. Daß auch das, was ich und Streit reizen möge, nicht in Werken, daß andre sich zu zum Hasse, noch zur Unge⸗ frommer Pflicht auch durch rechtigkeit, will ich, weil ich mein Beispiel stärken, und Tu⸗ lebe, sorgen; denn mein Tod gend, die an mir sich zeigt, der ist mir verborgen. Hab' ich Brüder Herzzur Tugend neigt! so mein Haus bestellt, scheid''-²e 4. Weh' mir, wenn auf des ich freudig von der Welt. Lasters Bahn mein Beispiel 7. In den letzten Augen⸗ andre führte, sie das, was ich blicken nichtmehrsorgen dürfen. gesagt, gethan, zur Sünde dann sagen können voll Ent⸗ reizen würde! Weh' mir, wenn zücken: Vater, Vater nimmmich je, durch mich verführt, ein an, der ich dir nun meine Seele Mensch den Pfad des Heils 3. Es leucht' auch meines verlasse, Erben nicht zu Zwist Glaubens Licht in Worten und und die Meinigen befehle! Hab' ich dieses Ziel erreicht, wiewird dann mein Sterben leicht! Joh. Andr. Cramer, 1723—-1788. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛc. 351. Daß ich das Böse nie, bethört durch böses Beispiel, wähle; nicht, wo man Böses sieht und hört, nachahmend mich verfehle: o Gott, der alles Gute schafft, gib dazu Weisheit mir und Kraft! 2. Gib Kraft und Weisheit, daß ich nur auf gutes Beispiel achte, mich freue jedes Edeln Spur und gleich zu werden trachte den Frommen, die, treu jeder Pflicht, froh wandeln, Gott, in deinem Licht! verliert! 5. Bewahremich, oHerr, mein Gott, daß nie mein Thun und Leben durch Leichtsinn, frechen Scherz und Spott mög' andern Anstoß geben! Mein Herz und Wandel müsse rein, und Wort und That stets nützlich sein! F. L. Krauß, 1757—185ʃ. Mel. 56. An Wasserflüssen ö Babylon ꝛe. 352. Gott will, ich soll nicht mir allein, ich soll auch andern leben, mein ganzes Herz der Tugend weih'n, ein gutes Beispiel geben. Durch die Er⸗ füllung dieser Pflicht, durch Sitten, Lehren, Unterricht soll ich den Brüdern nützen an jedem Ort, zu jeder Zeit, in —— & —— 2 — 2 2828 8& K R M&. + dem, was sie erbaut, erfreut, und sie vor Uebel schützen. 2. Kein Stand, so niedrig er auch sei, kein Glück, das mich erhebet, macht je von dieser Pflicht mich frei; von Tugend⸗ fleiß belebet, fehlt mir's nie an Gelegenheit, bald Demut, bald Pflichten gegen den Nächsten. 34⁵ meinen Rat zu leih'n, die Unschuld zu beschützen. 5. Als Gatte, Vater, Herr und Freund soll ich stets christ⸗ lich handeln, so reden, wie mein Herz es meint, und stets mit Vorsicht wandeln; soll nie mich meiner Pflicht entzieh'n, Barmherzigkeit, bald Sanft⸗ soll ernstlich jede Sünde flieh'n mut auszuüben, mich meiner und ihrem Hang entsagen, daß Brüder Wohl zu weih'n, stets die auch, die, Gott, deine Hand —* redlich gegen sie zu sein, sie mit mir zu ihrem Glück ver⸗ treu wie mich zu lieben. band, nie eine Sünde wagen. 3. Im Glück soll ich mich 6. Die wahren Freunde liebt mäßig freu'n, im Unglück nicht mein Herz, ich kann sie nicht verzagen, vor allem Uebermut entbehren, sie lindern meines mich scheu'n und still das Lei⸗ den tragen; o welch ein seliger Gewinn, wenn ich nicht stolz, nicht mutlos bin, damit auch andre lernen, durch Demut und Bescheidenheit von Stolz und feiger Schüchternheit sich weise zu entfernen! 4. In einem jeden Wirkungs⸗ kreis, den Gott für mich beschie⸗ den, als Kind, als Jüngling, Mann und Greis, darf nie mein Herz ermüden, durch Unter⸗ werfung, Lernbegier, durch Kummers Schmerz, sie stillen meine Zähren. Doch bin ich nicht so tugendhaft, so fromm und so gewissenhaft, als meine Freunde glauben: würd' ich, so untreu meiner Pflicht, durch ein verwerflich Beispiel nicht mir ihre Achtung rauben? 7. Oft darf mein Herz auf immer sich des, was ich that, erfreuen; oft schäm' ich meiner Handlung mich und kann sie nur bereuen. Wohl mir, wenn ich das Böse flieh' und stets zu sein, der Jugend Ernst und Klugheit nicht bloß ernstlich sorge, daß ich nie der mir, nein, andern auch zu Pflicht zuwider handle, daß nützen; den Eltern dankbar keiner, den mein Vorbild rührt, durch dieses Vorbilds 346 Einzelne Reiz verführt, auf bösen Wegen wandle! 8. Gott, gib mir Beistand, gib mir Kraft, mich eifrig zu bestreben, für andrer Wohl ge⸗ wissenhaft und christlich fromm zu leben! Laß mich nicht nur, sie zu erfreu'n, kein Opfer, keine Mühe scheu'n, ihr wahres Glück zu gründen; laß du sie, Vater, auch schon hier bei jeder Christenpflicht in mir das beste Beispiel finden! Unbekannter Verfasser. Sorge für das Wohl der Nachwelt. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir ꝛe. 3 3. Wer weiß, wann wir im Grabe ruh'n? Dir, Gott, sind wir ergeben. Uns folget, was wir Gutes thun, dereinst ins bessre Leben. Wir werden ewig selig sein und uns noch dort des Guten freu'n, das hier durch uns entstanden. 2. Der Sämann sä't, und was er streut, verhüllt der Schoß der Erde; er sieht nicht gleich, wie viel gedeiht und was er ernten werde. Der Same keimt, die Wolke träuft, die Pflichten. Sonne wärmt, und was ihm reift, das muß sich endlich zeigen. 3. So seh'n wir nach des Lebens Müh', o Gott, in deinem Lichte, was in der Welt durch uns gedieh, des Fleißes edle Früchte. Dem Säen folgt der Erntetag mit seiner Garben Fülle nach. O, möchten wir einst ernten! 4. Wohlan, laßt uns nicht träge ruh'n, o laßt uns wirken, handeln und Edles stiften, fördern, thun für die, die nach uns wandeln! Was längst für unser Wohl geschah, eh' unser Aug' die Welt noch sah, das laßt uns oft erwägen! 5. Durch unsrer Väter Kraft und Mut ist Heil uns zugeflossen, und manches Edeln Schweiß und Blut ward auch für uns vergossen. Was Jesus der am Kreuze starb, vorlängst zu unserm Heil erwarb, des freu'n wir uns noch heute. 6. Für Söhn' und Enkel Bäume zieh'n, damit sie Labung finden; mit menschen⸗ freundlichem Bemüh'n das Wohl der Nachwelt gründen und für das kommende Ge⸗ schlecht bewahren Wohlfahrt, Licht und Recht, o das gibt ew'ge Wonne. 7. Mag einst der Leib im Grabe ruh'n, du willst den Geist erheben und lässest, was wir Gutes thun, uns, Vater, überleben; dann wirken wir herrud fort und freu'n uns ier und steigen dort, von dir gesegnet, höher. G. W. Chr. Starke, 1762—1830. Mel. 27. Allmächtiger, wir singen dir ꝛe. 354. Allwirkender, stets reger Geist im Himmel und auf Erden, du bist es, der entstehen heißt, was ist und noch wird werden. Durch dich, durch deine Vaterhand sind um uns Luft und Meer und Land, des Segens reiche Quellen. 2. Von dir kommt Einsicht und Verstand, du machst die Staaten blühen; du weckst die Weisen in dem Land und segnest ihr Bemühen. Du gibst dem Geiste Thätigkeit, du bist's, der ihm die Kraft verleiht, der Wahrheit Reich zu fördern. 3. Der Künste sanftes Band knüpfst du um ferne Nationen; durch sie strömt uns erfreuend zu der Segen aller Zonen, daß auf der Pflichten gegen den Nächsten. 347 Erde weit und breit zur Tugend der Geselligkeit der Mensch erzogen werde. 4. Lehr' uns des flücht'gen Lebens Zeit, o Vater, weise nützen und uns durch Arbeit, Thätigkeit vor ihrem Miß⸗ brauch schützen! Laß nie er⸗ müden uns im Fleiß und jedes guten Kron' und Preis uns zu erringen streben! 5. Laß für der Menschheit Wohl uns glüh'n, es fördern, uns erfreuen und unerschrocken, mutvoll, kühn nicht Müh' und Undank scheuen! Wes Volks und Glaubens er auch sei, von Vorurteil und Selbstsucht frei sei jeder Mensch uns Bruder! 6. Uns alle wärmt dein Sonnenschein, uns allen strömt dein Regen. So laß uns dir denn ähnlich sein in einer Liebe Segen! Wie du die Güt' und Liebe bist, so sei es jeder, der als Christ, Herr, deinen Sohn bekennet! Joh. Friedr. Schink, 1755—-1835. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. 355. Wo eilt ihr hin, ihr Lebensstunden? Zeit, edle Zeit, wo fliehst du hin? Wie mancher 348 Tag ist schon entschwunden, seitdem ich auf der Erde bin! Ein großer Teil von meiner Zeit ist schon ins Meer der Ewigkeit. 2. Ermunt're dich aus deinem Schlummer; auf. Seele, auf, ermunt're dich! Dies sei dein Gram, dies sei dein Kummer, daß mancher Tag umsonst verstrich. Der unge⸗ nützte Augenblick bringtStrafe dir, kommt nie zurück. 3. Die ganze Schöpfung ist geschäftig; der Stern durch⸗ wallet seine Bahn; das kleinste Würmchen wirkt so kräftig, als es nach seinen Kräften kann. Eh' noch die Sonne für uns glüht, tönt schon der Lerche frohes Lied. 4. Und du, o Mensch, der Schöpfung Zierde, am Geiste hoch, am Körper schön, zeigst oft so wenige Begierde, den weisen Schöpfer zu erhöh'n. Ja, du nennst Trägheit süße Ruh' und bringst dein Leben träumend zu. 5. Der Thor durchlebet seine Jahre, eh' er des Lebens Wert versteht; er naht sich früher noch der Bahre, als er den Weg der Tugend geht. Was Einzelne Pflichten. ist ein Menschenleben wert, das ungenützt vorüberfährt? 6. Mensch, sei ein Mensch! Fang' an zu leben und nützlich für die Welt zu sein! Fang' an dem Guten nachzustreben, bring' das Versäumte doppelt ein, daß, wenn man deinen Leib begräbt, dein Werk und dein Gedächtnis lebt! 7. Sei nicht den kleinsten Zeitpunkt müßig, da du nicht deine Pflicht erfüllst; du hast den Tag nicht überflüssig, den du so frech verschwenden willst. Dies ist der wichtigste Ver⸗ lust, wenn du die Zeit bedauern mußt. 8. Gib dir von einem jeden Tage, den Gott dir schenket, Rechenschaft; durchdenk' ihn, leg' ihn auf die Wage: voll⸗ brachtest du ihn tugendhaft? Hast du nach Möglichkeit ge— than, was Gott von dir einst fordern kann? 9. Herr meiner Tage schenk auch künftig mir stets zu solchem Leben Kraft, so leb' ich als ein Mensch vernünftig und als ein Christ gewissenhaft; so dank' ich dir in Ewigkeit noch für die mir geschenkte Zeit. ö Ehrenfried Liebich, 1713—1780. BesonderePflichtenin gewissen Ständen und Verhältnissen. Ehegatten. (Bei Trauungen.) Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 356. Du, Gott, schufst selbst die Triebe der reinen, keuschen Liebe, thust mehr, als wir ver⸗ steh'n. Die sich heut wir uns Treue schwören, woll'st du, o Gott, erhören und segnend auf sie uns] niederseh'n! 2. Wirst du, o Gott, sie suns leiten, so werden sie wir nie gleiten; sie[wir! wollen dir vertrau'n, im Wohlsein nie vermessen des Gebers Huld vergessen, in Not auf deine Hilfe bau'n. 3. Getrost! des Höchsten Gnade bahnt euch suns!] die neuen Pfade; getrost! mit euch suns] ist Gott. Schlagt ein die treuen Wir geben uns die Hände, und du, Allgüt'ger, sende herab den Segen, sei ihr lunser! Gott! Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 82. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛe. 357. Von dir, Gott, sind der Ehe Freuden. Du, der Pflichten gegen den Nächsten. 349 du Mann und Weib erschufst und sie im Glück so wie im Leiden zur Uebung großer Pflichten rufst, laß sie[uns o Vater, dir sich uns! weih'n und reich in deiner Liebe sein! 2. Erhalte sie suns] auf deinen Wegen; nimm ihres sunsres ganzen Thuns dich an und laß sie suns! jedes Glückes Segen mit Dank von deiner Huld empfah'n, wann mit vereinigtem Gebet das Herz zu dir um Hilfe fleht! 3. Der reinen Tugend edlem Triebe sei heilig stets ihr unser] Geist und Leib! Gib, daß mit immer gleicher Liebe sich beider unser] Herz ergeben bleib', daß jedes sich voll Zärtlichkeit stets gern dem Dienst des andern weiht! 4. Kein Teil verbitt're seine Tage dem andern je durch Ungestüm, und trifft den einen Last und Plage, so mild're sie der and're ihm; das Glück, des sich der eine freut, schaff' auch dem andern Freudigkeit! 5. Laß sie suns] auch da sich uns], wo sie wir] fehlen, sanftmütig nachseh'n und ver⸗ zeih'n und stets, mit dir ge⸗ 350 Einzelue Pflichten. weihten Seelen, im Guten sich suns] zu wachsen freu'n! Wie wächst dann jeden Augenblick mit ihrer sunsrer! Tugend auch ihr sunser] Glück! 6. Und gönnst du ihnen, Gott, uns, o Gott, die Freude, aus ihrer slunsrer! Ehe Frucht zu seh'n: wie fröhlich werden sie(wollen wir] dann beide, Allgütiger, dein Lob erhöh'n und eifervoll sich uns! auch bemüh'n, dem Himmel Bürger zu erzieh'n! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛc. 358. Von dir, du Gott der Einigkeit, ward selbst der Ehe⸗ bund geweiht, o weih' auch sie uns zum Segen, die hier swir! vor deinem Angesicht bereit steh'n, dir den Schwur der Pflicht und Eintracht ab⸗ zulegen! Laß sie unsl, Vater, dir ergeben, einig leben, treu sich luns] lieben, fromm der Christen Pflichten üben! 2. Du, Vater, knüpftest selbst das Band; laß sie uns] durch Eintracht Hand in Hand der Ehe Glück vermehren! Laß ihre unsre] Liebe lauter sein; laß Untreu' nie den Bund entweih'n, den sie(wir] dir heute schwören! Immer laß sie uns] dir ergeben friedlich leben, einig handeln, fromm und heilig vor dir wandeln! 3. O, segne sie uns], der gern beglückt und Segen uns von oben schickt, auf allen ihren unsern Wegen! Laß sie uns in Kindern sich uns erfreu'n; gib zur Erziehung dein Gedeih'n, zu ihrer sunsrer Sorgfalt Segen! Laß sie uns!, Höchster, dir ergeben glücklich leben, freudig sterben und dann deinen Himmel erben! Joh. Joach. Eschenburg, 1743—1820. Eltern, Vormünder und Erzieher. Mel. 63. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht ꝛc. 359. Groß ist, ihr Eltern, eure Pflicht. Verderbet eure Kinder nicht, gewöhnt sie in der frühsten Zeit zu nützlicher Geschäftigkeit! 2. Lehrt sie, wann ihr Ver⸗ stand erwacht, Gott kennen, seine Güt' und Macht; lehrt sie, auf seine Werke seh'n und was sie lernen, auch versteh'n! 3. Sorgt, daß sie recht zu thun sich freu'n und sich vor Gott stets kindlich scheu'n! Zur Weisheit führt die Furcht des Herrn und hält das Böse von uns fern. 4. Besorgt für ihren Leib, doch mehr für ihren Geist, schaut stets umher, was ihrer Unschuld schaden kann, und führt sie früh zur Tugend an! 5. Erstickt durch Unterricht und Zucht der ersten Sünde Keim und Frucht, damit sie Gottes Ebenbild früh werden, liebreich, sanft und mild! 6. Bedenkt, daß Kinder leicht versteh'n, wenn sie auf euern Wandel seh'n, was gut, was bös ist, leicht gerührt von dem, wozu ihr sie verführt! 7. Rühmt— denn ihr Herz ist schwach und weich— rühmt doch vor ihren Ohren euch der Uebertretung eurer Pflicht aus eurer frühen Jugend nicht! 8. Mutwillen nennt nie Witz; nie preist des Kindes schaden⸗ frohen Geist als Munterkeit, ein trüglich Herz und Lügen nie als Spiel und Scherz! 9. Erweckt zum Guten ihr !. Gefühl in zarter Kindheit; Pflichten gegen den Nächsten. 351 euer Ziel sei nicht bloß Anstand vor der Welt, sei Liebe des, was Gott gefällt! 10. Gewöhnt sie an der Tugend Müh', an Ernst, an Fleiß und lehret sie, daß Arbeit keine Sklaverei, daß sie das Glück des Menschen sei! 11. So nehmt euch ihrer herzlich an! Gott richtet einst und fordert dann, wenn ihr nicht eure Pflichten thut, von eurer Hand der Kinder Blut. 12. Für Gott sucht sie hier zu erzieh'n; denn sie sind euch von ihm gelieh'n. Dort freut euch auf ihr Wiederseh'n, wann sie am Thron des Höchsten steh'n! Joh. Andr. Cramer, 1723— 1788. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 360. Zur Bildung hat uns deine Hand, Gott, Kinder über⸗ geben, bestimmt, der Welt, dem Vaterland zu nützen, fromm zu leben. O möchten sie doch wohl gedeih'n, ganz der Be⸗ stimmung würdig sein, zu der du sie erschufest! 2. Doch, was, o Herr, dein Sohn gelehrt, laß ihnen treu verkünden und sie des Christen⸗ tumes Wert im Herzen tief 35² empfinden! Gib, daß sie stets vor aller Welt die Wahrheit, wie es dir gefällt, durch Wort und That bekennen! 3. Gib Kraft uns, auf der Tugend Bahn sie treulich hin zu leiten; sie reize Wort und Beispiel an, des Lasters Weg zu meiden; hilf, daß nicht Thaten, frecher Scherz der Kinder unverdorb'nes Herz duvch unsre Schuld entweihen! 4.»O, laß sie gut und weise sein und ernstlich sich bestreben, dem Tugendfleiße nur allein und ihrer Pflicht zu leben! Nie schleiche sich in ihre Brust das Gift der niedern Sinnenlust durch schmeichelnde Verführer! 5. Gott, lehre sie, dich kindlich scheu'n, die Obern folg⸗ sam ehren, die Brüder lieben, hilfreich sein, gewissenhaft sich nähren, getrost im Leid, gesetzt im Glück, das Christentum in jedem Stück durch ihren Wandel zieren! 6. Erhöre, Vater, unser Fleh'n, laß nichts von dir sie scheiden und standhaft deine Wege geh'n in Freude wie im Leiden! Sie sind, wie wir, Einzelne Pflichten. o Vater, dein; laß uns auch dort vereinigt sein und ew'ges Heil genießen! Fr. Wilh. Loder, 1757—1823. Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. 361. Wach in nige 501. Welch ein wichtiges Bemühen, welch ein seliger Beruf, Menschen weise zu erziehen, die sich Gott zum Bilde schuf! Ihm zum Ruhm, der Welt zum Segen treu der Kinder Wohl zu pflegen, Eltern, welche heil'ge Pflicht, und wie herrlich lohnt sie nicht! 2. Wächst der Mensch von früher Jugend ohne Zucht und Bildung auf, fehlt Erkenntnis ihm und Tugend, o wie traurig ist sein Lauf! Unbekannt mit seiner Würde, ist er sich und andern Bürde, kann nicht edlen Samen streu'n, kann nicht deiner, Gott, sich freu'n. 3. Jeder, dem du hier auf Erden Kinder liebreich anvertraut, sorge, daß sie weise werden, daß er ihre Wohl⸗ fahrt baut; lehre früh sie Tugend lieben und das Gute willig üben! Diese Pflicht ist ernst und groß, und von ihr spricht nichts uns los. & SSS H 4.8. Menschenschöpfer und Ernährer, laß, zu fördern Menschlichkeit, Väter, Mütter, Pfleger, Lehrer, Fürsten und die Obrigkeit mit vereinter Sorgfaltwachen, unsre Jugend fromm zu machen, sie durch Wort und Beispiel zieh'n, selber Sünd' und Laster flieh'n. 5. Früh schon werde ihrem Herzen jede Tugend zum Ge⸗ winn; daß sie nicht ihr Wohl verscherzen, laß sie Trägheit, Eigensinn, Aergernis und Leichtsinn fliehen und um Un⸗ schuld sich bemühen! Führe sie auf ebner Bahn zu der Mienschheit Ziel hinan! 6. Dort, vor deinem An⸗ esichte werden die Erzieher ö sehu, selig, wenn sie im Gerichte ihre Kinder vor dir seh'n und dir können sagen: Keinen, Herr, verlor ich von den Meinen! und dann Kinder fleh'n für sie: Gott, vergilt nun ihre Müh'! 7. Gib, daß jeder, der mit Treue sich dem Wohl der Jugend weiht, des Gelingens sich erfreue; segne seine Thätig⸗ keit! Laß sie, Vater, wohl⸗ geraten, seiner Liebe reiche Saaten; zeitlich Glück und Pflichten gegen den Nächsten. 353 ewig Heil sei des Menschen⸗ freundes Tei!l E. G. Küster, 1732—1799. Kinder und Verwaiste. (Mündel.) Mel 110. Jesus, meine Zuversicht ꝛe. 302. Gott, dir sei mein Dank geweiht, heilig dir mein ganzes Leben! Denn aus freier Mildigkeit hast du selbst es mir gegeben, es durch Eltern mir verlieh'n, die zum Guten mich erzieh'n. 2. Hilf, daß gegen sie mein Herz kindlich sei und nicht bloß scheine; daß ich, trifft sie wo ein Schmerz, fromme Thränen zu dir weine, für ihr Glück dir dankbar sei und mich ihrer Freuden freu'! 3. Laß auf ihre Winke doch mich mitzarter Sorgfaltachten, ja selbst ihren Wünschen noch stets zuvorzukommen trachten, gern, was sie vergnügt, voll⸗ zieh'n, stets, was sie betrübet, flieh'n! 4. Mir zum Muster dien' auch hier Jesus Christ, das Heil der Sünder! Er, so hoch geehrt von dir, war ein Bei⸗ spiel frommer Kinder, war von 23 Mel. 236. 35⁴4 Einzelne seiner Kindheit an seinen El⸗ tern unterthan. 5. Freude sei mir's, ihm auch hier nachzuahmen! O, wie billig, wie gefällig ist's, Gott, dir! Mache du mich dazu willig! Wohl mir dann! Es wird auch mein dein ver⸗ heiß'ner Segen sein. 4 J. A. Schlegel, 1721—1798. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 363. Schon frühe sind wir elternlos,— doch Gott blieb mit uns Armen; tief war das Leid, der Schmerz war groß, noch größer sein Erbarmen. Vom Vaterhaus führt er uns aus, doch gab er auf dem Wege uns Schutz und treue Pflege. 2. Ein frommes Mitgefühl verband der bittern Trennung Wunden; eh' wir noch den Verlust gekannt, war der Er⸗ satz gefunden. An Leib und Geist genährt, gespeist, geh'n mit der Liebe Segen der Zu⸗ kunft wir entgegen. 3. Der dunklen Zukunft? Nein, vor dir, o Gott, ist Licht und Helle; du bist und bleibest für und für des reichsten Segens Quelle. Vertrauen wir und folgen dir, so wird Pflichten. dein heilig Walten uns schützen und erhalten. 4. Belohne du mit Heil und Glück die Pfleger unsrer Jugend; es ruh' auf uns ihr Freudenblick, wenn Frömmig⸗ keit und Tugend als Saat gedeiht, die sie gestreut, wenn unser Wohlgeraten bekrönt der Liebe Thaten! G. Fr. W. Schultz, 1774—1842. Geschwister und Blutsverwandte. Mel. 337. Herr, ich habe mißgehandelt ꝛc. 364. Wenn Geschwisterfromm und weise, nachsichtsvoll und gütig sind; wenn in ihrem frommen Kreise stets des Frie⸗ dens Quelle rinnt: o, dann ruht auf ihnen allen Gottes Blick mit Wohlgefallen. 2. Durch das Band des Bluts verbunden, sollten sie durchs Leben geh'n und den Reiz der schnellen Stunden freundlich mehren und erhöh'n, sollten Haß und Neid entfernen und auch andre lieben lernen. 3. Mit entschloss'nem frohem Herzen üben sie, was Gott gebot, teilen Freude, Gram und Schmerzen, mindern jedes tzßen Heil srer ihr mig⸗ Saat Hdenn der 3⁴2. 2 omm und rem Frie⸗ hann ttes des sie den nden öh'n, rnen nen. ‚hem Gott vram jsedes Tages Not, warnen sich, so oft sie fehlen, und veredeln ihre Seelen. 4. O, wer wollt' in früher Jugend nicht schon sanft und friedlich sein? Aus den Häusern dringt die Tugend in die große Welt hinein. Wer die Seinen kann betrüben, wird auch fremdes Wohl nicht lieben. 5. Nur das Haus, wo Liebe wohnet, wird gesegnet und er⸗ freut. Eltern seh'n sich dort belohnet, Kindern ist ihr Glück bereit; alle Hausgenossen streben, sich mit Freunden zu umgeben. 6. Liebe, komme du vom Himmel, komm in unser Herz herab! Leite durch das Weltgetümmel auch die Unsern bis ins Grab; laß durch deine Macht auf Erden jedes Haus regieret werden! Joh. Wilh. Reche, 1763—1835. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛe. 365. Im stillen wollen wir dich ehren, dich, Gott, der frommen Wandel liebt und Frommen das, was sie be⸗ gehren, was ihnen nützt und wohlthut, gibt; schon oft hat Pflichten gegen den Nüchsten. 35⁵ uns auch unbemerkt Gebet zum Tugendfleiß gestärkt. 2. Uns alle, die wir fleh'n, verbindet des Blutes und der Freundschaft Band, und unser Dank, o Gott, empfindet die milde Leitung deiner Hand und preist dich, ew'ger Men⸗ schenfreund, der uns durch dieses Band vereint. 3. Wohl dem, der in dem Ehebunde in fester Lieb' und Eintracht lebt! Ihm wird so manche Lebensstunde mit Seligkeit und Lust durch⸗ webt; er blickt mit Ruh' und heiterm Sinn auf Pfad und Ziel der Wahrheit hin. 4. Wohl dem, dem frommer Kindersegen den Ehebund noch schöner macht, wenn sie im Herzen Tugend hegen, wenn in den Blicken Unschuld lacht, wenn sie der Eltern Beispiel rührt und auf den Weg zum Himmel führt! 5. Wohl denen, deren Haus⸗ genossen die Furcht des Herrn vor Augen schwebt, wenn jeder treu und unverdrossen nach seiner Pflichterfüllung strebt, wenn Eintracht und Zufrieden⸗ heit ein Haus zum Sitz des Segens weiht! 2³* 356 6. Wohl uns, wenn auch bei unsern Freuden sich freut der Nachbar und der Freund, wenn er beim Anblick unsrer Leiden des Mitleids stille Thräne weint, die Bruderhand uns willig reicht und Hilf' und Beistand gern erzeigt! 7. Ja, denen, die dich kind⸗ lich ehren, o Vater, strömt dein Segen zu; sie wandeln folgsam deinen Lehren, vertrau'n auf dich und finden Ruh' und finden Freude, deren Wert und Dauer keine Zeit zerstört. 8. Zwar wird auch oft der Kelch der Leiden den Deinen, Herr, von dir gesandt. Oft muß die Tod und Trennungscheiden, die Blut und Treue fest ver⸗ band. Oft stört des Grams, des Unfalls Wut, oft Krank⸗ heit ihren heitern Mut. 9. Doch trinken sie den Kelch gelassen, den du, ihr Vater, eingeschenkt; du wirst, du kannst sie nicht verlassen, du, Gott, der seiner Kinder denkt, der, wenn ihr Glaube standhaft ringt, durch Leiden sie zur Wonne bringt. 10. Mag auch des Todes Arm uns trennen, wir werden einst uns wiederseh'n, in jener Einzelue Pflichten. Welt die Unsern kennen, vor Gott mit ihnen dankend steh'n; da, wo kein Tod mehr trennen kann, steh'n wir vereint und beten an; ö 11. Und preisen ewig Gottes Güte, die unaussprechlich uns geliebt und dem ihm heiligen Gemüte schon hier des Him⸗ mels Vorschmack gibt, durch Freundschaft uns zur Ewig⸗ keit, zur Wonne der Ver⸗ klärten weiht. Joh. Joach. Eschenburg, 1743—1820. Dienstherren und Dienstboten. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt ꝛc. 366. Durch dich, Gott, bin ich, was ich bin, und es ist deine Gabe, daß ich als Herr Dienst und Gewinn von meinen Brüdern habe. Von mancher Arbeit, mancher Müh' befreit mich deine Huld durch sie. 2. Gib, daß ich ihnen jeder⸗ zeit mit Freundlichkeit begegne nie hart sei, ihre Thätigkeit mit meinem Beispiel segne und unter falschem Vorwand nieihr den verdienten Lohn entzieh'! 3. Erfüllen sie mit Red⸗ lichkeit, mit Aufwand ihrer gebeut, im häuslichen Ge⸗ schäfte: so gib, daß ich dann, ihre Treu' mit Dank zu lohnen, mich erfreu'! 4. Hilf, daß ich jedem seine Pflicht nach Möglichkeit ver⸗ süße, daß er, wenn Hilfe ihm gebricht, sie auch von mir genieße; daß ich ihm, fehlt er, gern verzeih', in Krankheit auch sein Pfleger sei! 5. Auch der geringste Die⸗ ner ist bestimmt zum höhern Leben; für ihn und mich hat Jesus Christ sich in den Tod egeben. Vor dir, o Richter, hat mein Knecht mit mir der⸗ einst ein gleiches Recht. 6. O präg' aufs tiefste dies mir ein! Nie müss' ich mich erkühnen, tyrannisch gegen die zu sein, die meinem Hause dienen! Auch wer mir dient, ist Mensch, wie ich. Ihn lieben soll ich gleich wie mich. Joh. Fr. Feddersen, 1786—1788. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 367. Gott, deinen weisen Willen soll jeder hier erfüllen; laß ihn mir teuer sein und Pflichten gegen den Nächsten. 357 Kräfte, was ihnen ihre Pflicht dem Geschäfte, zu dem du mich beriefest, weih'n! 2. Ich soll hier andern dienen, und dien' ich redlich ihnen, so folg' ich dir, mein Gott! Drum laß der Herr⸗ schaft Willen mich gern und treu erfüllen! So heischt es, Vater, dein Gebot. 3. Laß ohne bittre Klagen des Lebens Last mich tragen und fromm auf dich stets seh'n, im Reden und im Schweigen mich immer so bezeigen, wie ich vor dir, Herr, kann be⸗ steh'n! 4. Vor frechem Stolz und Neide, vor List und Schaden⸗ freude bewahre, Gott, mein Herz! Was meine Herrschaft kränket, in Unmut sie versenket, dies sei zugleich mein eigner Schmerz! 5. Nein, ich will sie er⸗ freuen, gern mein Vergeh'n bereuen und willig folgsam sein; ich will sie redlich lieben, treu meine Pflichten üben und Müßiggang und Träg⸗ heit scheu'n. 6. Du, Gott, bist der Ge⸗ rechte, der Herr der Herrn und Knechte, der alle gern alle meine Kräfte von Herzen erfreut; der Niedrigste auf — ————————— 2—— —— ————— 358 Erden kann groß im Himmel werden, hat, wie sein Herr, einst Seligkeit. 7. Laß mich dies stets ermessen, nie meine Pflicht ver⸗ gessen undjedes Unrechtscheu'n; so wirst du, Herr der Welten, es reichlich mir vergelten, mit ew'ger Wonne mich erfreu'n. Joh. Kasp. Lavater, 1741—1801. Freunde. Mel. 151. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend' ꝛc. 368. O welch ein Segen ist ein Freund, der, Gott, durch dich mit mir vereint, Vertrau'n mir schenkt, mich herzlich liebt, mit mir sich freuet und betrübt; 2. Der, fest vereinigt erst mit dir, in einem Geiste dann mit mir für Wahrheit nur und Tugend lebt, mit mir nach einem Ziele strebt! 3. Gedanke, Neigung, Will' und That sind eins in uns, den heil'gen Pfad, den wir, von dir erleuchtet, seh'n, getreu und Hand in Hand zu geh'n. 4. Der Herzen Heil und Besserung, nicht eitler Lüste Sättigung, der wahren Liebe Hochgefühl ist unsre Sehn⸗ sucht, unser Ziel. ö Einzelne Pflichten. 5. Wir teilen brüderlich dein Licht, erleichtern gern uns jede Pflicht und bitten dich vereint um Kraft, gleich fromm zu sein, gleich tugendhaft. 6. Vom Irren hält er mich zurück durch weisen Rat, mit sanftem Blick, und da, wo er zu irren scheint, warn' ich auch ihn als treuer Freund. 7. Und wenn ich strauchle (denn wie leicht fällt nicht der schwache Mensch!), so reicht er seine Bruderhand auch mir und führet mich zurück zu dir. 8. Wir öffnen uns die Herzen gern, daß jeder stets von Täuschung fern nur auf des Freundes Stimme hört, und nie ein Schmeichler uns bethört. 9. Nicht Argwohn, Miß⸗ trau'n oder Streit, nicht Freude und nicht Traurigkeit, auch nicht des Glückes Un⸗ bestand trennt unsrer Freund⸗ schaft festes Band. 10. Wir teilen alles, Lust und Leid, in inniger Vertrau⸗ lichkeit, und zartes Mitgefühl versüßt uns alles, was uns schmerzlich ist. 11. Und trennst du, Gott, auch Freund und Freund, die — EEE e 8 SE Pflichten gegen den Nächsten. 359 Herzen bleiben doch vereint Der Tugend nur reicht sie die durch Liebe, durch Gebet, durch Hand; denn jedes lasterhafte Rat und, wo wir können, durch Band entehrt der Freund⸗ die That. schaft Würde. 12. Vollenden wir einst 4. Ein solcher Freund war unsern Lauf, so nimmt uns Jesus Christ, der selbst uns eine Heimat auf. Unendlich Sünder liebte und nur, was ist die Seligkeit, die ewig uns groß und edel ist, uns hier vereint, erfreut. zum Beispiel übte, aus bloßer Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Liebe für uns starb und Gottes Freundschaft uns erwarb, uns ö Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 369. Wie segensvoll ist Freundschaft hier in diesem Pilgerleben! Sie kann im Glück und Unglück mir des Herzens Frieden geben. Sie ist der Tugend festes Band; wir nah'n getrost an ihrer Hand uns hin zu unserm Ziele. 2. Der Freundschaft Pflicht und schönstes Ziel ist Treu' und reine Freude bei unserm Glück und Mitgefühl bei allem unserm Leide. Aufrichtig ist sie stets bereit, schon hier und für die Ewigkeit des Freun⸗ des Wohl zu gründen. 3. Sie flieht vor Falsch⸗ heit, Hinterlist, vor Selbstsucht und dem Neide, haßt Arg⸗ wohn, Wankelmut und ist entfernt von Schadenfreude. ewig zu beglücken. 5. Gib du mir, Höchster, einen Freund— nur du kannst ihn mir geben,— der stets es redlich mit mir meint, der mir in meinem Leben ein wahres Tugendvorbild sei und sich mir standhaft und getreu in Glück und Unglück zeige; 6. Der meine Unvollkommen⸗ heit mit sanfter Schonung trage, mir Fehler ohne Bitter⸗ keit, nur mich zu bessern, sage; der mich vor Sünden immerdar, vor Irrtum, Schaden und Gefahr an Leib und Seele warne! 3 7. Doch laß mich ohne Klugheit nicht mit jedem Freundschaft machen! Wer frechen Hohn dem Heil' gen spricht, die Tugend kann ver⸗ lachen, ein Wollüstling, ein 360 stolzes Herz, wer fühllos ist bei andrer Schmerz, sei nie⸗ mals mein Vertrauter! 8. Ein Mensch, vom Laster angesteckt, wird leicht auch mich verführen; daß mich sein Um⸗ gang nicht befleckt, soll er mich nie regieren. Ach, wie kann der, der ohne Scheu dich, Gott, verleugnet, Menschen treu und redlich sein und bleiben? 9. Doch hab' ich einen Freund von dir, der mich be⸗ glückt, erhalten, dann soll die Freundschaft auch in mir nie gegen ihn erkalten. Laß mich verschwiegen, redlich sein, Neid, Falschheit, Argwohn, Schmeichelei'n und Eigennutz stets fliehen! 10. Gott, präge du der Liebe Sinn recht tief in meine Seele, daß ich auch Freunde mir gewinn' und nicht ihr Herz verfehle! Schon hier beglückt die Einigkeit, und auch des Himmels Seligkeit ist wahre Lieb' und Freundschaft. Ed. Gottl. Küster, 1732- 1799. Mel. 228. Sollt' ich meinem Gott nicht singen ꝛc. 370. Auf, erwachet, meine Lieder, singt mit frohem Dank dem Herrn! Gott sieht auf Einzelne Pflichten. den Staub hernieder, hört der Menschen Flehen gern. Sollt' ich ihn nicht froh erheben? Floß aus seiner Vaterhand, eh' ihn noch mein Mund ge⸗ nannt, mir nicht Freude schon und Leben? Alles, alles, was ich bin, werd' und bin ich nur durch ihn. 2. Doch, was wären Freu⸗ dentage, teilte sie kein Freund mit mir? Ach, sie endeten in Klage, irrt' ich öd' und ein⸗ sam hier, wär' ich wie in Wüsteneien auf die Erde hin⸗ gebannt, lebt' allein und un⸗ bekanntund müßt'ohne Freund mich freuen. Froher soll mein Loblied sein! Stimmt, ihr Brüder, mit mir ein! 3. Dank dir, Gott, mit Herz und Munde, daß an treuer Freunde Hand mir schon manche frohe Stunde wie ein Augenblick entschwand! Dank für alle reine Freuden, die mir derer Liebe gab, welche treu bis an das Grab mit mir danken, mit mir leiden, mir durch Mitgefühl verwandt und von dir mir zugesandt! 4. Dank, daß du auf meinem Wege manchen Freund mir beigesellt, der mich, werd' ich matt und träge, auf der Tugend Bahn erhält, der die Freuden mit mir teilet, die mir deine Güte schenkt, und, wenn mich ein Kummer kränkt, liebreich mich zu trösten eilet, wenn ich sinke, mich erhebt und mit mir stets weiter strebt! 5. Dir geheiligt sei die Wonne, die mir echte Freund⸗ schaft beut und erwärmend, wie die Sonne, mich erquicket und erfreut! Ach, an frommer Freunde Händen werd' ich meinen Pilgerlauf, der mich führt zu dir hinauf, froher, glücklicher vollenden und der⸗ einst vor deinem Thron ernten wahrer Freundschaft Lohn. 6. Alle, die mich nah' und ferne lieben, Vater, segne sie! Odu segnest ja so gerne, Herr, mein Gott, verlaß sie nie! Ihres Herzens stilles Sehnen, ihr Bedürfnis, ihr Gebet, das vielleicht für mich jetzt fleht, ihre Freuden, ihre Thränen, alles dies ist nahe mir, alles, Herr, empfehl' ich dir! 7. Hebe, wann der Tod die Bande, die uns binden, einst zerreißt, zu der Freund⸗ schaft Vaterlande, zu dem Himmel unsern Geist, daß Pflichten gegen den Nächsten. 361 wir dort uns wieder finden, wo, von Mängeln ganz befreit, zum Genuß der Seligkeit wir uns inniger verbinden, wo nicht Trennung mehr noch Tod unsrer Freundschaft Bund bedroht! Aug. Herm. Niemeyer, 1754—1828. Vaterland und Wohnort. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛc. 371. Groß ist um uns der Pflichten Kreis als Bürger dieser Erde, daß, hier zu wirken, unser Fleiß doch nim⸗ mer lässig werde! Laß jede, Gott, uns heilig sein, ihr redlich unsre Kraft zu weih'n, uns keiner zu entziehen! 2. Vor allem treu dem Vaterland und seinem Dienste leben, in jeder Lage, jedem Stand nach Bürgertugend streben, das ist's, was mächtig unsern Geist der thatenlosen Ruh' entreißt, ist reine Tu⸗ gendliebe. 3. Dem Volke Heil, dem, angestammt von ehrenvollen Ahnen, den Geist sie regt, die Brust entflammt! es geht der Ehre Bahnen; nie wankt 362² in ihm die Kraft, der Mut, sich zu erhalten Recht und Gut und seiner Freiheit Würde. 4. An seines Vaterlandes Heil und was ihm frommt und nützet, nimmt es mit Blut und Leben teil, hält aufrecht, was es schützet. Es strebt und ringt und sorgt und wacht für der Gesetze Kraft und Macht, auf die sein Wohl sich gründet. 5. Für seinen Fürsten, sein Geschlecht, des Vaterlandes Ehre, des freien Glaubens heil'ges Recht in Wort und That und Lehre, für seiner Sprache Kraft und Geist steht es, wenn Not, Gefahr es heißt, dem Felsen gleich im Meere. 6. Und sinkt das Vaterland dahin, der Zeiten Sturm zum Raube, bewahrt es sich den freien Sinn, bleibt noch ein Volk im Staube. Was das Verhängnis auch entreißt, den freigesinnten, festen Geist kann keine Zeit erdrücken. 7. Wann Liebe für das Vaterland des Menschen Brust beweget, gibt es für ihn kein Sklavenband, selbst wenn er Fesseln träget; in Fesseln noch bleibt er ihm treu, still wirkend Einzelne Pflichten. schafft er's täglich neu, vom Zeitsturm unerschüttert. 8. O, daß in unsrer Pflichten Kreis als Bürger dieser Erde sie, jeder Bürgertugend Preis, uns allen Kleinod werde, daß, was auch raubt des Schicksals Hand, nie Liebe für das Vater⸗ land aus unserm Herzen weichel Joh. Friedr. Schink, 1755—1835. Mel. 27. Allmächtiger, wir singen dir ꝛe. 372. MeinVaterland dasmir mein Gott zur Wohnung an⸗ gewiesen, läßt in Bedrückungen und Not mich seinen Schutz genießen; es gibt mir Brot und Sicherheit, schafft Recht mir und Gerechtigkeit und schützt mein Gut und Leben. 2 Es knüpfet mit der Liebe Band mich fest an meine Brüder, daß jedes Glied und jeder Stand treu, liebevoll und bieder im allgemeinen Wohl und Weh' auch jederzeit sein eignes seh', nur jenes mehr, dies minder. 3. Drum will ich stets bemühet sein, durch nützliche Geschäfte dem Dienst des Staates mich zu weih'n und Zeit, Beruf und Kräfte; dem S SS E( Vaterlande, das mich schützt und mir und meinen Brüdern nützt, mit treuem Eifer dienen. 4. Nie will ich Ruh' und Sicherheit durch kühnen Frevel stören; will meines Landes Obrigkeit als Gottes Ordnung ehren und ihren Willen jeder⸗ zeit mit treuer Unterwürfigkeit, so viel ich kann, befolgen. 5. Auch will ich meiner Brüder Glück durch meine Schuld nie hindern und stets ihr widriges Geschick nach Möglichkeit vermindern; will erne dienen jedermann und helsen wo ich helfen kann, zum allgemeinen Besten. 6. Auf, Brüder, die ihr's redlich meint, nützt euerm Va⸗ terlande, das euch zu gleichem Zweck vereint in jedem Amt und Stande! Ein jeder leiste was er soll, gewissenhaft und liebevoll, wie Bürgerpflicht es heischet! 7. Gott, steh' uns gnädig bei, daß wir nach dieser Pflicht stets leben, als treue Bürger auch schon hier nach jenem Reiche streben, in das nur fromme Knechte geh'n, die hier im Dienste treu besteh'n, zu dem du sie berufen! Chr. L. Funk, 1751—1834. Pflichten gegen den Nächsten. 363 Mel. 82. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛe. 373. Ihr, Bürger eines Staates, Brüder, vereinigt euch zum Lobgesang! Bringt unserm Vater frohe Lieder, sagt ihm für seine Gnade Dank, ihm, welcher uns mit weiser Hand vereinigt hat im Vaterland! 2. Der Mensch kann nicht allein sich bilden, nur Menschen⸗ umgang bildet ihn; vergebens irrt er auf Gefilden, die ihm allein entgegen blüh'n; nur Menschen lindern seinen Schmerz und gießen Freuden in sein Herz. 3. Ach, hilflos tritt er in das Leben, sich seiner selbst noch unbewußt; noch kennt er selbst nicht sein Bestreben, und schon ist er der andern Lust; denn schon empfängt mit treuer Hand den Ankömmling das Vaterland. 4. Er wächst gleich einem jungen Baume, vom Vater⸗ land gepfleget, auf. Erwacht er aus dem Jugendtraume zu einem thät'gen Lebenslauf, so schafft es ihm zur Tugend Kraft im Kampf mit Sünd und Leidenschaft. 364 Einzelne Pflichten. 5. Ja, ihm kommt dann Bemüh'n seh'n wir des Landes auf seinen Wegen die göttliche Religion mit ihrem Heile früh entgegen, zeigt ihm des Glau⸗ bens Wert und Lohn, und dem Beruf, ein Christ zu sein, kann er mit Tausenden sich weih'n. 6. Beginnt er endlich das Geschäfte, für das die Vorsicht ihn erkor, so streben alle seine Kräfte zum allgemeinen Wohl empor, und Ordnung und Zusammenhang vermehrt und stärkt der Thaten Drang. 7. Vereint zu einem gleichen Ziele, wird jeder dann des andern Glück, und jeder sieht mit Frohgefühle auf das ge⸗ meine Wohl zurück, und was nicht ein Mensch wirken kann, das fangen sie vereinigt an. 8. Nicht alle haben gleiche Kräfte; hier nützet Einsicht und Verstand, dort Körperkraft bei dem Geschäfte, bei andern Kunst dem Vaterland; doch eng verbunden wirken sie mit dem, was jedem Gott verlieh. 9. Und von der Obrigkeit des Landes strömt Schutz und Sicherheit uns zu; sie schützt die Menschen jedes Standes und sichert uns des Friedens Ruh'. Ja, durch ihr väterlich 7 Wohlfahrt blüh'n. 10. O, danket Gott, der uns verbunden durch der Ge⸗ sellschaft enges Band! Wir haben Glück und Ruh' ge⸗ funden in unserm teuern Vater⸗ land; hier, wo als Bürger und als Christ ein jeder Freund des andern ist. 11. So laßt uns denn einander nützen auf der uns angewies'nen Bahn, das allge⸗ meine Wohl beschützen, so viel ein jeder Kraft empfah'n! Nur wer sein Vaterland verehrt, ist auch des Christennamens wert. Zweibr. Gesangbuch, 1804. Obrigkeit und Unterthanen. (Huldigung.) Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 374. Laß, Höchster, unsre Obrigkeit sich deines Segens freuen! Dann wird ihr Rat zu aller Zeit, und was sie thut, gedeihen, weil Menschenrat und Menschenthat, Gott, ohne deinen Segen auf Erden nichts vermögen. 2. Du, Herr, gibst Weisheit und Verstand den Richtern auf der Erde; du machst, daß selbst des Schwachen Hand mit Kraft gerüstet werde. Sie irren sich, die freventlich da, wo sie herrschen sollen, nicht dir gehorchen wollen. 3. Gib, Gott, daß unsre Obrigkeit ihr Amt mit Weis⸗ heit führe, daß sie mit Mut und Sorgsamkeit der Bürger Wohl regiere! Gib, daß sie nie des Amtes Müh' und seine Lasten scheue, nein, ihrer Pflicht sich freue! 4. Wenn sie das Wohl der Bürgerschaft zu fördern sich bestreben, so wollst du Weisheit, Mut und Kraft den biedern Obern geben, damit ihr Rat, als gute Saat, durch dich, o Gott, gedeihe und jedes Herz erfreue! 5. Nie müsse Widerspenstig⸗ keit die gute Absicht stören, noch bittre Unzufriedenheit die edle That erschweren! Mit Willigkeit und Dankbarkeit soll jeder, den sie schützen, das Gute unterstützen. 6. Die ihnen anvertraute Macht sei Stütze der Gesetze, daß sie der Frevler nicht ver⸗ lacht, der Bess're höher schätze; daß seine Pflicht aus Vorsatz Pflichten gegen den Nächsten. 36⁵ nicht der Bürger unterlasse, mit Unrecht sich befasse; 7. Daß Tugend nur und Frömmigkeit bei uns, o Gott, bestehen, und Ordnung und Gerechtigkeit der Bürger Wohl erhöhen; daß folgsam wir durch Eintracht hier beglückt und sicher leben, der Tugend stets ergeben! Zweibr. Gesangbuch, 1804. Aus tiefer Not schrei ich zu dir ꝛe. 375. Erhalt' uns, Herr, die Obrigkeit, die du uns gabst auf Erden, mit Wohlstand und mit Sicherheit durch sie beglückt zu werden! Verleih'ihr Weisheit, Lust und Kraft, was wahres Wohl dem Lande schafft, mit Sorgfalt wahrzunehmen! 2. Gib, daß sie, deinem Vorbild gleich, sich selbst durch Weisheit ehre und stets an edeln Thaten reich das Wohl des Landes mehre; Bedrängten ihren Beistand leih'n laß sie, der Unschuld Zuflucht sein, dem Unrecht kräftig steuern! 3. Laß uns, von ihrem Schutz bewacht, des Friedens Glück genießen und ruhig unter ihrer Macht das Leben uns verfließen! Hilf, daß wir Mel. 235. 366 stets durch Frömmigkeit dich ehren und schon in der Zeit den Segen davon ernten! 4. Wer mag, wenn dein Arm sie bewacht, die Herrschaft ihr mißgönnen? Wird dann der Feinde List und Macht ihr jemals schaden können? Wird jede gute, weise That, die sie sich vorgenommen hat, nicht auch dein Segen krönen? 5. Gib denen Treu' und Willigkeit, die ihr sind unter⸗ geben, daß sie, zu folgen stets bereit, streng ihren Pflichten leben! Erleicht're ihr des Lebens Müh', mit deiner Huld begleite sie und sei ihr Lohn auf ewig! 6. Laß sie mit uns beflissen sein, in Frömmigkeit zu leben, mit uns sich deinem Dienst zu weih'n und dein Lob zu er⸗ heben, daß so vor deiner Maje⸗ stät, die über alle Hoheit geht, Regent und Volk sich beuge! Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛe. 376. Wer herrschet und ein Richter ist, der wisse, daß auch du es bist; wer Macht hat, fühle, sein Beruf sei von der Macht, die alles schuf. Einzelne Pflichten. 2. Er, wie der Unterthan, dein Knecht, sei dein Bild, Gott, und sei gerecht, sei menschen⸗ freundlich, herrsch' allein, der Segen seines Volks zu sein! 3. Nie such' er seine Größ' und Macht in Ueppigkeit und eitler Pracht, nie in des Armen Druck und Last, den du, wie ihn erschaffen hast! 4. Es flamme nie in seiner Hand das Schwert durch ein verödet Land! Er suche seinen Ruhm als Held nicht im zer⸗ störten Glück der Welt! 5. Es zeige seiner Macht Gewicht sich andrer Thron verderblich nicht; doch, heischt das Wohl der Seinen Krieg, dann folg' ihm Mut zur Schlacht, zum Sieg! 6. Für Menschenelend voll Gefühl sei er auch selbst im Schlachtgewühl; er lind're hilf⸗ reich Schmerz und Not und ehre der Gefall'nen Tod! 7. Nie sei ihm, als der Lüste Spiel, sie zu befriedigen sein Ziel, nie der Begierden Sättigung und sklavische Ver⸗ götterung! 8. Der Unschuld Rechte beug' er nicht! Gerecht, o Herr, wie dein Gericht, so müss' er richten, nur allein des Trugs und Frevels Schrecken sein! 9. Verhaßt sei ihm die Schmeichelei! Wer redlich, unerschrocken, frei die Wahr⸗ heit spricht, den hör' er an, nicht den, der heuchelnd kriechen kann! 10. Auch ihm, dem Herr⸗ scher auf dem Thron, sei heilig die Religion; doch zwing' er die Gewissen nicht! Auch duld⸗ sam sein ist Fürstenpflicht. 11. Verdienste heb' er gern empor, sei überall selbst Aug' und Ohr, und sehe, nicht getäuscht durch List und Wahn, was allen nützlich ist! 12. Sein eignes Beispiel wirke mehr als sein Gesetz; weit um sich her verbreit' es Lust zu dem, was gut und recht ist, geb'ꝰ zur Tugend Mut! 13. Er, ganz von Vor⸗ urteilen frei, stets der Ver⸗ lass'nen Zuflucht sei, der Armen Reichtum in der Not, womit sie Uebermut bedroht! 14. Verloren rechn' er jede Zeit, wo er nicht wohlthut und erfreut; doch heilt er Wehmut, Gram und Schmerz, so werd' es Wonne für sein Herz! Pflichten gegen den Nächsten. 367 15. So herrsch' er, und ihm opf're dann mit Freuden Gut und Blut, wer Mann, wer treu und mutvoll als ein Christ solch eines Herrschers würdig ist! Joh. Andr. Cramer, 1728— 1788. Mel. 73. Gott sei Dank in aller Welt ꝛe. 377. Wer gehorcht, der thu's mit Lust, bleibe stets sich wohl bewußt, daß nicht jeder herrschen kann, sei ein guter Unterthan! 2. Wer sich selbst gern überhebt und nach hohen Dingen strebt, fühle, daß kein Rang ihn ziert, der ihm nicht mit Recht gebührt! 3. Ungleich ist der Menschen Los; der ist niedrig, jener groß; jeder Stand ist ehrenvoll, wenn er leistet, was er soll. 4. Schön ist's, gut zu herrschen, schön, jeden guten Weg zu geh'n, den ein guter Führer weist, den dein Gott dich wandeln heißt. 5. Zur gemeinen Wohlfahrt sei dem Gesetze stets getreu! Wer ihm gern gehorchen kann, der nur ist ein freier Mann. 368 6. Schaue Jesum Christum an! Er, wie du ein Unterthan, zum Gehorsam stets bereit, ehrte seine Obrigkeit. 7. Selbstbeherrschung ist so schwer. Irrt dein Herrscher, strauchelt er, so verdamm' ihn nicht und sprich: Er ist auch ein Mensch wie ich! 8. Ach, wie oft verführt ihn nicht zur Vergessenheit der Pflicht schmeichelnd oder ränke⸗ voll der, den er beglücken soll! 9. Ruhm, dem Lob und Ruhm gebührt! Schoß und Zoll dem, der regiert! Gib, als gäbst du's Gott, dem Herrn, was dir auferlegt wird, gern! 10. Wohl dem, der die Obern ehrt! Nur durch sie ist uns gewährt Ordnung und Gerechtigkeit, Friede, Schutz und Sicherheit. 11. Lebe selbst gewissenhaft; ihres Wandels Rechenschaft laß dem Herrn; gib wohl bedacht nur auf dein Ver⸗ halten acht! 12. Obrigkeit und Unterthan, betet Gott, den Höchsten, an! Fürchtet ihn, denn sein Gericht wird gerecht sein; sündigtnicht! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Einzelne Pflichten. Mel. 37. Gedanken ꝛc. 378. Jehova, dir, dem König der Könige und Herrn, ist alles unterthänig; du herrschest nah und fern, du, Gott, Herr Zebaoth, an Ehren groß und prächtig, zum Schutze stark und mächtig, ein Helfer in der Not! 2. Nach deines Wortes Lehre ist keine Obrigkeit, die, Herr, von dir nicht wäre; ihr Schwert, das Frevlern dräut, empfing sie nur von dir. Wer ihr zuwider lebet, weh' ihm! er widerstrebet dir selbst so⸗ wohl als ihr. Schwingt, heilige 3. Ach, großer Herrscher, lehre mich doch durch deinen Geist, daß ich die Obern ehre, wie es dein Wort mich heißt! Du selbst hast sie bestellt, und daß wir ihren Willen in Furcht und Lieb' er⸗ füllen, ist, was auch dir gefällt. 4. Laß deines Geistes Gaben auf ihnen reichlich ruh'n! Nur das macht sie erhaben, daß sie, was du willst, thun. Du herrschest selbst im Land. Das Herz der Obrig⸗ keiten kannst du wie Bäche leiten, es steht in deiner Hand. 5. Gib, daß sie ihre Würde durch Unrecht nie entweih'n, und ihre höchste Zierde laß Licht und Weisheit sein! Gib, daß durch ihr Bemüh'n die Frommen sicher wohnen; nie laß sie Frevler schonen, stets selbst das Unrecht flieh'n! 6. Gib, daß durch ihr Regieren wir mit Zufrieden⸗ heit ein ruhig Leben führen in wahrer Frömmigkeit! Herr Gott, du segnest gern; so gib uns denn hienieden stets Segen, Heil und Frieden durch Jesum, unsern Herrn! ö ö Ph. Fr. Hiller, 1699—1769. Am Geburts⸗ oder Namens⸗ feste des Landesvaters oder der Landesmutter. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛc. 379. Herr, unser Gott, dich loben wir, Allgütiger, wir danken dir und preisen deine Gnade. Von deinem Vater⸗ angesicht entstrahlt der Liebe mildes Licht und leuchtet unserm Pfade. Heilig, heilig, heilig Wesen aller Wesen, aus dem Staube hebet uns zu dir der Glaube! Pflichten gegen den Nächsten. 369 2. Heil uns, Herr! deine Vatertreu' und Huld ist alle Morgen neu und krönt, die dir vertrauen. O, laß uns stets mit frommem Sinn auf deinen heil'gen Willen hin voll froher Hoffnung schauen! Weisheit, Allmacht heißt, o Führer und Regierer, dein Vermögen, und dein Thun ist nichts als Segen. 3. Beschirm', o Gott, mit starker Hand auch künftig unser Vaterland; Gerechtigkeit und Frieden, aus Bürgertreu' und Biedersinn, sei uns zum bleibenden Gewinn von deiner Huld beschieden! Wenn wir fromm hier als die Deinen uns vereinen, strömt dein Segen tausendfältig uns entgegen. 4. Für unsern König beten wir; durch Fürsten kommt uns Heil von dir, wenn sie, Herr, deinen Willen, zum Glück des Volks, zum Wohl der Zeit im Hinblick auf die Ewigkeit mit frommer Treu' erfüllen. Schonend, lohnend, ihr Ge⸗ müte reich an Güte, weis' und milde herrschen sie nach deinem Bilde. 5. Gib, daß auch unsre Königin mit dir geweihtem 24 370 frommen Sinn sich deines Segens freue! Was sie, o Herr, von dir begehrt, sei ihr durch deine Huld gewährt, und jeden Gram zerstreue! Höre, Vater, laß geschehen, was wir flehen! Deinen Namen preisen wir lobsingend. Amen. G. F. W. Schultz, 1774— 1842. Nun danket alle Gott ꝛc. 380. Versammelt, Brüder, euch an Gottes Dankaltären, in seinen Tempeln bringt ihm dar der Freude Zähren! Das ganze Land erheb in feierlichem Chor anbetend Aug' und Herz zu Gott, dem Herrn, empor! 2. Es jauchze jeder Mund dem frohen Tag entgegen, der auf uns niedersinkt mit neuem Lebenssegen, der uns den Für⸗ sten gab, des Volkes Stolz und Glück! Der reinsten Freude Fest, Heil uns! es kehrt zurück. 3. Noch unser nennen wir den Vater auf dem Throne; mild ist sein Fürstenkleid und Weisheit seine Krone, Ge⸗ rechtigkeit sein Schild, sein Zepter Hirtenstab. Dank dir, Allmächtiger, der ihn zum Herrn uns gab! Mel. 223. Einzelne Pflichten. 4. So lang in uns'rer Brust des Lebens Pulse gehen, soll es ein Fest uns sein, den frohen Tag zu sehen, der ihn ins Leben rief, der ihn uns werden hieß, mit ihm der Freude Born uns allen strömen ließ! 5. Fürwahr! ihn gab uns Gott. Fürwahr! er trägt die Krone als ein verdientes Erb', ein Mensch auf seinem Throne. Sein Will' ist unser Glück und Liebe sein Gebot. Gelob ihm unser Herz denn Treu' bis in den Tod! 6. Dies, Gott, sei unser Dank! Ein jedes Herz er⸗ neue den Eid der Huldigung, den Schwur der Lieb' und Treue! Gehorsam, Kindessinn, wo Pflicht und Recht gebeut, mach' uns des Segens wert, der uns durch ihn erfreut! Joh. Friedr. Schink, 1755—1835. Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛc. 381. In deiner Stärke freue sich, Gott, unser Fürst und sei, geheiligt und regiert durc dich, dir, seinem Herrn, getreu! 2. Begnadigt, Herr, mit deiner Kraft und deines Geistes voll, gedenk' er stets der Rechen⸗ schaft, die er dir geben soll! 3. Er förd're willig deinen Ruhm, er denke gern daran, sein Reich sei auch dein Eigen⸗ tum und er dein Unterthan! 4. Der über Christen, Gott, von dir zum Herrn verordnet ist, sei deiner Kirche Schutz und Zier, der beste Mensch und Christ! 5. Groß und voll Müh' Pflichten gegen den Nächsten. 371 10. Um seinen Thron sei immerdar Recht und Gerech⸗ tigkeit! Sei sein Beschützer in Gefahr, wenn ihn ein Feind bedräut! 11. Er wünsche nie des Helden Ruhm, doch zeucht er in den Krieg, zu schützen Recht und Eigentum, so folg' ihm Mut und Sieg! 12. Sein werd' in jedem Fleh'n zu dir mit Lieb' und ist seine Pflicht und er ein Dank gedacht! Erhör' es, Mensch wie wir; ach, er be⸗ darf vor andern Licht und Rat und Kraft von dir. 6. Er suche dich! Wenn er begehrt, dir ähnlich, Gott, zu sein, so müss' er, in dein Bild verklärt, sein Volk wie du erfreu'n! 7. Er lieb' auf seinem Throne dich als ein getreuer Sohn! Er sei dem Laster fürchterlich, der Tugend Schutz und Lohn! 8. Beglückter Völker Liebe sei sein edelster Gewinn, und keiner ihrer Seufzer schrei' um Rache wider ihn! 9. Noch fern sei ihm das hohe Ziel, nach dem er wallen soll; Gott mache seiner Tage vie' und jeden segensvoll! Gott, dann preisen wir mit Ehrfurcht deine Macht. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛe. 382. Herrscher, dir, der mächtig waltet und überall mit Weisheit schaltet, der Herrschaft gibt und Herrschaft nimmt, dir, der bösen An⸗ schlag wendet und Heil der Erde Völkern spendet, in Ein⸗ klang jeden Mißlaut stimmt, dir, Gott, tönt unser Dank, dich preist der Lobgesang, Hocherhab'ner! Allwaltender, der Welten Herr, sei unsres Königs Schirm und Schild! 2. Licht, Gerechtigkeit und Wahrheit umleucht' mit nie getrübter Klarheit des Königs 372 Herz, des Königs Thron! Keinen Tag müss' er verlieren! Du, höchster Herr, hilf ihm regieren; gib du ihm Kraft, sei du ihm Lohn! Sein milder Herrscherblick seh' auf des Volkes Glück! Wohlfahrt ströme im ganzen Land auf jeden Stand durch seine weise Menschlichkeit! 3. Für des Herrschens Müh' erquicke, o Gott, ihn mit des Landes Glücke, mit seines Volkes treuem Sinn, und gedrückt von Fürstensorgen nehm' er am Abend und am Morgen im Landeswohl den Lohn sich hin! Durch treue Herzlichkeit sei sein Gemüt er⸗ freut! Herr, versüß' ihm des Lebens Müh', verlaß ihn nie und stärk' ihn stets auf seiner Bahn! Einzelne Pflichten. sein eigen Teil, ist Christen⸗ pflicht, sei Bürgerruhm! 5. Redlichkeit und lautre Tugend zier' unsre Männer, unsre Jugend und Wahrheit jegliches Gemüt! Ernste Zucht und fromme Sitte sei überall in unsrer Mitte, von Andacht sei das Herz durchglüht! Des Glaubens helles Licht entzeuch uns, Vater, nicht! Denn es leuchtet durch Erdennot, durch Schmerz und Tod hinauf ins bessre Vaterland. 6. Herr, erhalt' dem König Frieden! Ihm sei das schöne Los beschieden, der Trost von Tausenden zu sein! Schütt' auf seine Lebenspfade die Segens⸗ ströme deiner Gnade! Nur du kannst dauernd uns erfreu'n. Wer allen Bösen feind, es wohl mit allen meint, den be⸗ 4. Weisheit wollst du, Herr, gewähren des Fürsten Räten und sie lehren, was recht, was wahr ist, was beglückt! Jeder acht' nur das für's Größte, und jedem' sei nur das das Beste, was unser ganzes Land erquickt! Der Eintracht holdes Band ver⸗ binde Stand mit Stand! Aufzuopfern gemeinem Heil glücke! Herr, unser Hort, sei hier, sei dort des Königs Wonne, Trost und Teil! Ludw. Theob. Kosegarten, 1758 1818. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛe. 383. Vor dir, der Welten trägt, der über Kronen waltet und ihre Zeiten wägt, vor dir, o Gott, entfaltet in reger ten⸗ utre ner, heit ucht rall acht Des uch' es urch ins önig höne von auf zens⸗ r du eu'n. 5 ube⸗ „ sei nigs 1818. mmer elten altet vor reger ö Pflichten gegen den Nächsten. 373 Andacht sich das Herz für Werke in unserm Wohl und ihn gerührt, der uns, durch Frieden blüh'n, so ist es deine deine Macht berufen, mild Stärke, auf die wir schau'n und hoffend trau'n; du hältst 2. Will deine Vaterhand, des Fürsten Leben mit deinem Allgütiger, den Segen der Schutz umgeben. regiert. Liebe auf ein Land, das seiner wert ist, legen, so hast du ihm zum Heil als Herrscher den bestellt, der tugendhaft, ge⸗ recht dir, Vater, wohgefällt. G. Fr. Wilh. Schultz, 17741842. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 38 Im Herrscher, der, o Gott, dich ehrt, ist seines Volkes Frieden und seinem Heil dein Schutz gewährt. Des Macht zerfällt hienieden, der groß sich nennt und dich nicht kennt; ihm fehlt auf seinen Wegen, Allmächtiger, dein Segen. 2. Der Fürst, des Geist von dir erfüllt, empfängt aus deinen Händen das Gute, das ö ö von dir entquillt, dem Volk es auszuspenden. Glückselig⸗ keit, Gerechtigkeit im Lande zu erhalten, läßt du Regenten walten. 3. Wenn dann nach deinem Vatersinn des Herrschers edle ö G. Fr. Wilh. Schultz, 17741842. Trauer des Vaterlandes. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 385. Ihr Thränen, fließet nieder, ertönt, des Schmerzes Lieder, und werdet Grab— gesang! Es weh'n des Todes Schauer, und allgemeine Trauer seufzt in der Glocken Feierklang. 2. Gerechter Schmerz! Es raubte der Tod von unserm Haupte der Hoheit Schmuck und Zier; sie sank herab vom Throne, dahin ist unsre Krone, und tief erschüttert jammern wir. 3. Er, der uns mit dem Schilde der Liebe, Güt' und Milde, so lang er herrscht', umgab, sein Reich auf Weis⸗ heit stützte, das Recht, die Wahrheit schützte, des Landes Vater sank ins Grab. 37⁴4 Einzelne 4. Ein Mensch auf seinem Throne, trug er die Fürsten⸗ krone als wohlverdienten Lohn; sein Herz war wie sein Leben der Menschheit Dienst ergeben, ein Spiegel der Religion. 5. Und ach! von uns ge⸗ schieden, schläft er in stillem Frieden nun in des Grabes Schoß. Zwar schmückt die schönre Krone ihn zum ge⸗ rechten Lohne, doch thränen⸗ wert ist unser Los. 6. Es sind der Kinder Zäh⸗ ren; wer mag dem Schmerze wehren? Ihr Herz war sein Altar. Zu früh hat er geendet. Dank dir, der ihn vollendet, Dank dir, daß er einst unserwar! 7. Zur Mild'rung unsrer Trauer gib jedem Guten Dauer und segne sein Gedeih'n! Ja, laß nach deinem Bilde den Geist der Kraft und Milde jetzt mit des Thrones Erben sein! Joh. Friedr. Schink. 1755—1835. Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. 386. Ein Pilgergang durchs Pflichten. wie sich die Pfade winden, ins Grab nur leiten sie, und stete Heimat finden wir auf der Erde nie. 2. Sei mit uns Kraft und Fülle, blüh' uns der Jugend Rot,— in dunkler Nebelhülle schwebt über uns der Tod; auf Hütten wie auf Throne sinkt nächtlich er herab und schüttelt selbst die Krone von Fürstenhäuptern ab. 3. Zu modernden Gebeinen versammelt er, was lebt; ver⸗ waiste Kinder weinen, wenn er den Arm erhebt. Auch unsres Glückes Tagen sank nächtlich er herab; gebeugt steh'n wir und klagen um unsrer Fürstin Grab. 4. Sie, die mit Himmels⸗ frieden ihr Volk, ihr Land umfing, die unter uns hie⸗ nieden ein Engel Gottes ging, sie, ihres Fürstenlandes Stolz, Zierde, Schmuck und Ehr', die Mutter ihres Landes und Volkes ist nicht mehr. 5. Uns blieb vom holden Bilde schön menschlicher Natur, von ihrer Güt' und Milde das Angedenken nur; wehmütig Leben ist unser Basein hier, uns umgebend besänftigt's un⸗ ein Traum, ein Schatten- sern Schmerz, und unvergeßlich schweben; zu sterben, leben wir; lebend bewahrt es unser Herz. nieden so freundlich zugesellt, der Erdenkrone entschwund'ne Pflichten gegen den Nächsten. 6. Du, der sie uns hie⸗ o gib ihr deinen Frieden in der Vollendung Welt! Gib für Herrlichkeit ihr, Höchster, dort zum Lohne des Himmels Seligkeit! Joh. Friedr. Schink, 1755— 1835. Verteidiger des Vaterlandes. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛe. 387. Wir sind, wenn es die Pflicht gebeut, zum Kampf für's Vaterland bereit; des Thrones Schutz, des Reiches Wehr, steht stark und mutig unser Heer. 2. Mit uns ist Gott! mit uns ist Gott! Wir scheuen nicht Gefahr noch Tod. Wir alle steh'n in Gottes Hand und sterben gern für's Vater⸗ land. 3. Umgib uns, Gott, du Herr der Macht! Dein ist der Sieg, das Glück der Schlacht. O, führ' durch uns des Friedens Glück, führ' uns gekrönt mit Sieg zurück! 4. Wir gehen mutig in die Schlacht; du bist es, Gott, der 37⁵5 für uns wacht. Wir fürchten dich, nur das gibt Mut; wir fürchten keiner Feinde Wut. 5. Und heilig ist uns unsre Pflicht; wir lassen unsre Fahnen nicht. Wir trachten nicht nach Raub und Gold und sind vergnügt mit unserm Sold. 6. Dem stolzen Feinde furchtbar, sind wir schonend gegen Weib und Kind und Greis und Säugling und den Mann, der uns nicht wider⸗ stehen kann. 7. Der Arm des frommen Kriegers hebt den liebreich auf, der vor ihm bebt, wird nie an denen sich vergeh'n, die wehrlos ihn um Schonung fleh'n. 8. Er übet gern nach heißem Streit die schöne Pflicht der Menschlichkeit. Dem Vaterland, dem Fürsten wert, wird er von Freund un Feind geehrt. 4 9. Mit uns ist Gott, der uns bewacht! Und fällt auch einer in der Schlacht, die Himmelskron' ihm der erwarb, der für uns all' am Kreuze starb. Joh. Andr. Cramer, 1723— 1788. Nachbarn. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛc. 388. Gib, Höchster, daß ich fromm und treu auch meine Nachbarn liebe; daß ihre Wohlfahrt mich erfreu', ihr Unglück mich betrübe! Sei in der Not ihr Freund und Gott; befrei' an jedem Morgen ihr Herz von bangen Sorgen! 2. Doch laß auch mich ihr Beistand sein in Krankheit und Gefahren! Laß Rat und Trost mich ihnen weih'n und sie vor Gram bewahren! Ich bin ja hier, o Gott, von dir bestimmt und ausersehen, dem K8 beizustehen. 3. O, laß durch mein Benehmen nie mich ihnen Kummer machen! Mein Herz sei willig, auch für sie zu beten und zu wachen! Er⸗ munt're mich, stets nachbarlich das Gut, das sie besitzen, nach Möglichkeit zu schützen! 4. Gib, daß ich gern verschwiegen sei, daß ich den Frieden suche und nie aus Neid und Heuchelei im stillen ihnen fluche! Und thun sie mir auch Unrecht hier, hab' Einzelne Pflichten. ich's nur nicht verschuldet, so wird es leicht erduldet. 5. Was hilft der Feind⸗ schaft finstrer Sinn? Er führt nur ins Verderben. Wie schnell eilt unsre Zeit dahin! Wer weiß, wie bald wir sterben! O Freunde, seid entfernt vom Streit! Denkt, daß ich euch im Grabe zu stillen Nachbarn habe! 6. Herr, präge mir den Gleichmut ein, der mich vor Haß behütet, und laß mich auch als Nachbar sein, was mir dein Wort gebietet! Wer liebreich ist, wie du es bist, wird einst, wann Feinde beben, in deiner Nähe leben. Joh. Gottfr. Heym, 1788- 1788. Alter und Jugend. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 389. Auch noch im späten Alter erhebt, o Welterhalter, der Mensch zu dir den Blick. Der fromme Greis am Stabe, bald reif zur Ruh' im Grabe, erfleht von dir des Lebens Glück. 2. Wann rief er je ver⸗ gebens am Abend seines Lebens dich, o Erbarmer, an? 377 Pflichten gegen den Nächsten. so Du tröstest ihn im Leiden, schützen und, wo ich kann schenkst ihm noch manche ihm Gutes thun. nd⸗ Freuden und führst ihn sanft! 6. Wenn Mißmut ihn Er auf öder Bahn. beseelet und Freundlichkeit ihm Hen. 3. Des frommen Alters fehlet und Schwachheit ihn Zeit Bürde erhöhet seine Würde verstimmt, so will ich duldend ald und macht auch dir ihn wert. schweigen und ihm durch seid Weh' dem, der ihn verachtet, Schonung zeigen, daß Liebe kt, nicht gern und willig trachtet, mir im Herzen glimmt. zu zu thun, was seine Freuden 7. Ja, liebreich will ich mehrt! streben, die nah am Ziele den 4. Wie viel hat er er⸗ leben, wie du, Gott, zu er⸗ vor fahren, wie viel in frühern freu'n. Ich will die Alten nich Jahren gewirkt, geseh'n, ge⸗ ehren, will ihrem Kummer vas hört! Nun will ich von wehren und stets ihr Freund Ver ihm lernen, mit Sorgfalt zu und Helfer sein. bist, entfernen, was meines Lebens 8. Dies ist, o Gott, dein Hden, Frieden stört. Wille, und wenn ich ihn erfülle, 5. Gelähmt sind seine so lohnt mir Seelenruh'; und . Kräfte; von jeglichem Ge- komm' auch ich zum Alter, schäfte heißt ihn das Alter so bist du mein Erhalter und ruh'n, Ich will ihn unter⸗ führst auch mir dann Helfer zu. 32 stützen, ihn in Gefahr be⸗ Joh. Chr. Dolz, 1769—1843. ier 390. Mel. Durch Adams Fall ist ganz verderbt ꝛc. 1535. 1 4———.——— b. EE E abe, Ich will in stil ⸗- ler Ein ⸗ sam-keit zu ens Dir sei mein gan⸗ zes Herz ge⸗- weiht, ge⸗ — ö E PP F— ver;.. ines dir, Gott, mich er ⸗ he ⸗ben.**— an? weiht zum frommen Le ⸗ben. Gib du mir Kraft, sie 378 Einzelne Pflichten. *+ 5 n ö 1— ö 2 2——3—.2 4 —7— 1——— kommt von dir, und stär ⸗ke den Entschluß in mir, stets H —— id rr, errin ru— WDDDqiiiiEE .————12..—1 er⸗fül⸗len! dei⸗ nen heil ⸗ gen Wil ⸗len mit Treue zu 2. Du bist mein Vater, bescheiden in Zucht und Demut ich dein Kind. Wohl mir, kleiden. wenn ich dich liebe! O mache 5. Wenn Umgang mir mich dir gleich gesinnt wi droht, so lehre heil'ge meine Triebe! Laß mich ihn meiden und lenke meine Seele keusch und rein, stets mein Herz, o Gott, zu unsträflich meinen Wandel reinen, edlen Freuden! Die sein, um, Vater, dir vor Unschuld sei mein liebster allen durch Unschuld zu ge⸗ Ruhm, ein guter Ruf mein fallen! Eigentum, den jeder gern mir gönne, den niemand lästern könne! 6. Laß edle Freunde stets in mir ein Herz, wie ihres, finden, damit in frommer Eintracht wir der Freundschaft Glück empfinden! Laß unsre Liebe sanft und rein, laß herzlich unsern Umgang sein, daß nie sich unsre Seelen durch Neid und Argwohn quälen! 7. Der du mich selbst durch dein Gebot den Weg zum Heile lehrest, ich will ihn wandeln, Herr, mein 3. Vor stolzer Selbstge⸗ fälligkeit bewahre mich die Tugend! Wie kurz, wie flüch⸗ tig ist die Zeit der Schönheit und der Jugend! Was nützen ohne Tugend sie? Drum sollen, Gott, an ihnen nie mit thöricht eiteln Freuden sich meine Blicke weiden. 4. Sucht zu gefallen müsse nicht mein schwaches Herz bethören; sie würde mein Gefühl für Pflicht und meine Ruh' zerstören. Gesuchte Zier und Pracht der Welt ist nicht der Schmuck, der dir gefällt; drum will ich mich Gott, damit du mich er⸗ Sonne Licht, ihm lacht der Pflichten gegen den Nächsten. 379 hörest. Ich opfere dir lebens⸗ schöne Erdkreis nicht; ihm ist lang der Unschuld und der die Welt in aller Pracht so Tugend Dank, bis du zum öde wie die Mitternacht. höhern Leben dereinst mich 6. Was soll er dann be⸗ wirst erheben. ginnen, Gott? Verzagen, dich Balth. Münter, 1735—1793. in dieser Not verleugnen? ö Und soll er allein nur leiden? Arme und Reiche. er nicht glücklich sein? Mel. 237. Wenn wir in höchsten 7. Willst du ihn nie be⸗ Nöten ꝛc. glücken? Ja, du willst es, 391. Wer arm und dürftig Herr; dein Auge sah vor der ist, o Herr, ach, welche Leiden Geburt der Welten schon sein duldet er, wenn ihn des Leiden und auch seinen Lohn. Reichen Ueberfluß nicht sättigt, 8. Er schau' in deine Zu⸗ wo er darben muß! kunft hin und sage zu sich 2. Wie elend ist, wer alt selbst: Ich bin ein Wand'rer und schwach umher irrt ohne nicht auf lange Zeit; wohin? Hüll' und Dach und bei der Zu Gottes Seligkeit. Krankheit Qual und Not um 9. Er trag' und strenge sonst sich sehnt nach seinem wie ein Mann die ganze Tod! Kraft des Fleißes an, zu 3. Wie elend erst, wenn schaffen, daß er rein und um ihn her viel' Kinder frei von aller Schuld der rufen: Brot! und er tief Trägheit sei! aufseufzt und bei Müh' und 10. Dann klag' er Menschen, Fleiß doch weder Rat noch was ihn quält, und wenn Hilfe weiß! ihm ihre Hilfe fehlt, sei nicht 4. Wenn ihn, der sich so sogleich sein Herz empört; er mühsam nährt, ein inn'rer wisse, daß sein Gott ihn hört. tiefer Gram verzehrt und seine 11. Noch gibt es Ehristen, stille Thräne rinnt, weil er die sich freu'n, wie Gott der nicht weiß, was Freuden sind! Armen Trost zu sein; von 5. Ihm strahlet nicht der diesen nehm' er dankbar an, was ihre Huld ihm geben kann! 380 Einzelne 12. Und unter Arbeit und Geduld vertrau' er Gottes Vaterhuld; sie wird ihm Trost und Hilfe sein und ihn von aller Not befrei'n. 13. Einst sieht er, nach der Thränensaat, daß ihm auch f selbst der rauhste Pfad ein Weg zu Gott war, aus der Zeit ein sich'rer Weg zur Seligkeit. Joh. Andr. Cramer, 1723— 1788. Mel. 15. Kommt her, spricht Christus, Gottes Sohn ꝛc. 392. Wer sich mit Ernst der Tugend weiht, ist auch ein Freund der Sparsamkeit, er scheut sich, zu verschwenden. Du, Vater, du beglücktest ihn; nun sorgt er, was du ihm verlieh'n, stets weislich an⸗ zuwenden. 2. Dies Gut ist nicht sein Eigentum; er soll es nur zu deinem Ruhm mit Redlichkeit verwalten. Er weiß es, und voll Dankbarkeit sorgt, strebt er, wie dein Wort gebeut, damit wohl hauszuhalten. 3. Er schwelget nie beim Ueberfluß, ist immer mäßig im Genuß erlaubter Sinnen⸗ freuden. Er thut, was Wohl⸗ Pflichten. stand ihm gebeut; doch trügend Spiel und Ueppigkeit heißt ihn die Klugheit meiden. 4. Er suchet, was sein Fleiß gewinnt und was oft leicht und schnell zerrinnt, mit Sorg⸗ alt zu bewahren; er weiß, der Wechsellauf der Zeit bringt Mangel oft und Dürftigkeit und mancherlei Gefahren. 5. Doch nie verletzt er seine Pflicht. Aus Geiz und Habsucht spart er nicht; er spart mit mildem Herzen. Gerührt von seiner Brüder Not, teilt er mit Hungrigen sein Brot und lindert Gram und Schmerzen. 6. Er hilft im stillen, wo er kann; was er durch Spar⸗ samkeit gewann, wird zu der Menschheit Segen. Ihm strö⸗ met Dank und Freude zu, und froh kann er sich einst zur Ruh' des Grabes niederlegen. 7. Sollt' ich, o Gott, nicht sparsam sein, nicht weislich die Verschwendung scheu'n, den Mißbrauch deiner Gaben? Ja, heilig sei mir diese Pflicht! Ich kann zu dir dann Zu⸗ versicht auch selbst im Mangel haben. Joach. Christ. Grot, 17383—1801. ö· dir seine Vaterhand. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛe. 393. Aus Gottes milder Hand kommt jede deiner Freu⸗ den. O Mensch, bestrebe dich, den Undank zu vermeiden! Mißbrauche nie das Gut, das dir dein Gott gewährt! Du bist und bleibest arm, wenn ihn dein Herz nicht ehrt. 2. Was du dein eigen nennst, hat er dir nur geliehen, um dich zur Thätigkeit und Treue zu erziehen. Du raubst dir seine Huld, wenn du Verschwendung liebst und dich mit stolzem Sinn der Ueppigkeit ergibst. 3. Wie kann erborgter Glanz dir eigne Würde geben und deinen wahren Ruhm, den Ruhm vor Gott, erheben? Nein, was nicht in dir ist, steht nicht in deiner Macht. Nur Tugend und Verstand gilt mehr als Fürstenpracht. 4. Dein Gott ist selbst ein Geist, den keine Pracht ver⸗ blendet. Er liebet nur das Herz, das gern zu ihm sich wendet. Sei immerhin ver⸗ hüllt in dürftiges Gewand, er reicht, wenn du ihm folgst, Pflichten gegen den Nächsten. 381 5. Wozu verlieh er dir die krafterfüllte Seele? Er wollte, daß sie stets das wahre Gute wähle. Ach, du betrügst dich selbst, wenn du das Ziel verrückst und deine Hülle nur, nicht deine Seele schmückst. 6. Kein Edler ffesselt sich an leere Kleinigkeiten. Sein Geist ist gut und groß und weiß sich selbst zu leiten. Was Wohlstand ihm gebeut, das ehret er als Pflicht; doch folget er dem Strom der eiteln Thoren nicht. 7. Wie köstlich ist die Zeit! Wer wollte sie verschwenden und nur auf Tand und Spiel und Schwelgerei verwenden? Wer wollte so sein Glück und seine Kraft zerstreu'n und nicht durch treuen Fleiß den Men⸗ schen nützlich sein? 8. Die große Stunde naht, wo dir dein Richter winket. Dann flieht der Prunk der Welt und deine Hülle sinket. O Mensch, entferne dich von aller Ueppigkeit! Sonst hat die Zukunft nichts, was deinen Geist erfreut. Bearbeitet von Joh. Wilh. Reche, 1763—-1835. x Einzelne Fremde und Reisende. Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛe. 394. Der edle Geist hebt sich vom Staube hoch über Zeit, Geburt und Stand; ihn fesselt weder Volk noch Glaube, nicht sein Geschlecht und Vater⸗ land. Der Menschheit Würde ist ihm Stand, die ganze Welt sein Vaterland. 2. Doch liebt er auch in seiner Hülle den engen Raum, der ihn umschließt, und freuet sich der Segensfülle, die sich zunächst um ihn ergießt. Er liebt den Ort, der ihn gebar, der Nachbarn und der Freunde Schar. 3. Reißt ihn das Schicksal von den Seinen, wie einsam wird ihm die Natur im un⸗ bekannten Land erscheinen, und wär' es auch die schönste Flur! Er fühlt sich aus der Welt verbannt, fühlt sich verlassen und verkannt. 4. Doch kehrt er in die Heimat wieder nach langer Trennung einst zurück, dann sinket aller Kummer nieder, ihm lacht von neuem Freud' und Glück, und bei zufried'nem, Pflichten. heiterm Sinn fließt seine Lebenszeit dahin. 5. Da lebt er mitten unter denen, die ihn versteh'n, die er versteht, die seines Herzens heißes Sehnen schon lange sich herbeigefleht; da drückt ihm einst zu sanfter Ruh' des Freundes Hand die Augen zu. 6. O du, mir selbst von Gott gegeben, sei mir will⸗ kommen, Vaterland! Mit dir verknüpfe mich im Leben ein unauflöslich heil'ges Band; dir weih' ich Kräfte, Fleiß und Mut und, forderst du's, selbst Gut und Blut! Joh. Heinr. Voß, 1751—1826. Mel. 120. O Ewigkeit, du Donnerwort ꝛe. 395. Du, welchen keine Welt ermißt, der du allgegenwärtig bist mit allem deinem Segen; wo meine Lieben sind, auch da bist du, mein Gott, bist ihnen nah auf allen ihren Wegen. Du übersiehst, o Gott, sie nie; ach segne, Vater, segne sie! 2. Du selber trenntest sie von mir; da seufzte laut mein Herz zu dir, da flossen meine Thränen; ich suchte sie und fand sie nicht, ach, da verfiel Pflichten gegen den Nächsten. 383 mein Angesicht von langem, heißem Sehnen; doch du gabst mir auch Trost und Ruh: Ich will ihr Gott sein, sagtest du. 3. Ja, Herr, in Not und in Gefahr sei du ihr Retter immerdar, der Schutz, auf den sie bauen! Laß sie der Tugend Wege geh'n, auf dich und deine Hilfe seh'n mit kind⸗ lichem Vertrauen und gib zu ihrer Pilgrimschaft bei jedem Schritte neue Kraft! 4. Erleicht're ihres Lebens Müh'; dein Segen, Gott, be⸗ gleite sie, wo sie auch immer wallen! Gesegnet sei durch sie das Land, in welches sie dein Wink gesandt hilf ihnen, Vater, allen! Laß sie in Fried' und Wohlergeh'n noch Kind und Kindeskinder seh'n! 5. Gib, daß sie ihrer Werke Ruhm, ihr unverletzlich Eigen⸗ tum, einst über's Grab be⸗ gleite! Ihr Tod müss' wie ihr Leben sein! Sanft ruh' ihr heiliges Gebein(ach, nicht an meiner Seite!), bis einst dein Erntetag erscheint, der wieder sie und mich vereint. 6. O, wie gedenk' ich dein so gern, du Tag des Lebens, Tag des Herrn! Wann wird dein Licht erscheinen? Tag, der auch die mir wieder gibt, die ewig meine Seele liebt, die Seligen, die Meinen! Wie wird sich unser Herz dann freu'n! Gott, welch ein An⸗ blick wird es sein! Balth. Münter, 17835— 1793. Kirchengesellschaften. Mel. 82. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛc. 396. Wohl dem, der Christo angehöret! Auch er hat Freunde; denn sein Freund ist Christus, und wer Christum ehret, durch einen Sinn mit ihm vereint, nicht einsam wandelt er den Pfad, auf den ihn Gott gerufen hat. 2. Er sei auch unbekannt; ihn lieben und achten alle, welche sich im Glauben, in der Tugend üben, aufrichtig, treu und brüderlich, sobald sie seh'n, daß er ein Christ, ein wahrer Jünger Jesu ist. 3. Kein Eigennutz, kein Stolz, kein Leiden, kein Wechsel ihres Glücks, kein Schmerz entzieht ihm ihrer Treue Freuden, ihr fest mit ihm verbund'nes Herz. Sie haben an einander teil durch 38⁴ einen Trost, ein Glück, ein Heil. 4. Ja, alle Christen auf der Erde, wie weit sie auch getrennet sind, sie bilden doch nur eine Herde, in Liebe Jesu gleich gesinnt, durch Glauben, Hoffnung, Liebe gleich, an Früchten guter Werke reich. 5. Und welche Freunde, welche Brüder hat nicht im Himmel dort der Christ, wo Jesus seines Leibes Glieder versammelt, wo er sichtbar ist! Da soll sein Diener nicht allein, mit allen soll er selig sein. 6. Er sprach ja selbst: „Sie sollen leben; wo ich bin, sollen die auch sein, die, Vater, mir von dir gegeben, sich kindlich dir im Glauben weih'n; vereint, so wie im Glauben hier, dort in der Herrlichkeit mit mir.“ 7. O Trost, zu Jesu Aus⸗ erkornen zu kommen, zu der Väter Schar, zu unsres Gottes Erstgebornen, zu jedem, der hier heilig war; mit ihnen dort am Thron zu steh'n und Gott mit ihnen zu erhöh'n! 8. Mach' uns, o Jesu, dazu tüchtig, dein würdig Eigentum zu sein! Stets sei das Christen⸗ Einzelne Pflichten. tum uns wichtig; denn was kann uns so sehr erfreu'n, wie hier in dieser Pilgerzeit, so dort einst in der Ewigkeit? 9. Schenk' uns den Geist der Bruderliebe, der Nachsicht und der Einigkeit! Gib, daß sich jeder eifrig übe in edler Dienstbeflissenheit, daß alles, unserm Bunde treu, ein Herz und eine Seele sei! Joh. Andr. Cramer, 1723— 1788. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 397. Schon weicht die finstre Mitternachtdes Aberglaubens, und die Macht der Vorurteile schwindet; schon leuchtet uns der Morgenstern, und jener Tag ist nicht mehr fern, da ein Band uns verbindet. Uebe Liebe, Christ, und höre Jesu Lehre! Lieben sollen, die nach ihm sich nennen wollen. 2. In allem Volk wird von dem Herrn nur der geliebt, der immer gern die Bahn der Tugend wandelt. Wer recht thut, Gott durch Tugend ehrt, der hat vor ihm den größten Wert, weil er vernünftig handelt. Darum übet Tugend, Brüder! Gott sieht nieder auf uns alle, Tugend ihm gefalle. bestreben, daß die Erde rei NMel. 237. immer treue Lehrer gibst. und Stand! Herr, von dir gesandt, von Zeit auf Zeit dein heilig Bort und Licht mit ihm und Lugend fort. Lehrer sich, wenn er, erleuchtet, Gott, durch dich, den Schülern wer durch 3. Nur auf Gesinnung und auf That sieht er, der aller Herzen Rat mit einem Blick durchschauet. Wem reiner Tugendsinn gebricht, dem hilft sein leerer Glaube nicht, wie sehr er darauf bauet. Darum laßt uns so zu leben uns an Lieb' und Eintracht werde! Joh. Otto Thieß, 1762—1810. Prediger und Gemeinden. OrdinationundEinführung.) Wenn wir in höchsten Nöten ꝛc. 308. Das Amt der Lehrer, Herr, ist dein, und dein soll Dank und Ehre sein, daß du der Kirche, die du liebst, noch 2. Gesegnet sei ihr Amt Sie pflanzen, 3. Wie freut ein guter Pflichten gegen den Nächsten. 385 Jesu gleich gesinnt, viel' Seelen für dein Reich gewinnt! 4. Wohl uns, wenn du auch uns so liebst, daß du uns treue Führer gibst, die weise sind und tugendhaft, in Lehr' und That voll Geist und Kraft! 5. Laß ihres Unterrichts uns freu'n, gewissenhafte ch Hörer sein und forschen, ob auch dein Wort lehrt, was uns ihr Unterricht erklärt! 6. Ist ihr Wort dein Wort auch zugleich, dann laß uns, Herr, an Weisheit reich, des Guten edlen Samen streu'n, um dich und sie auch zu erfreu'n! 7. Durch solchen Lohn be⸗ glückt schon hier, frohlocken sie:„Gott ist mit mir! Die, mir nach, Gottes Wege geh'n, werd' ich im Himmel wieder⸗ seh'n!“ 8. Ermahnen, bitten, warnen sie, so weig're, wer sie hört, sich nie, zu hassen, was du uns verbeutst, zu thun, was du durch sie gebeutst! 9. Laß, Vater, ihren Unterricht, wenn sie wie wir auch straucheln, nicht verachtet werden! Nimm dich dann auch ihrer Schwachheit gnädig an! 25 386 7 Einzelne Pflichten. 10. Fern sei von uns der Trost und Unterricht von ihm Frevel, Gott, durch Undank sie, durch Haß und Spott zu kränken, daß sie ihre Pflicht mit Seufzen thun, mit Freuden nicht! 11. Nein, Gott, wir wollen sie erfreu'n, dankbare, fromme Hörer sein! So führst du einst auch uns zugleich mit ihnen in dein ewig Reich. Joh. Andr. Cramer, 1728— 1788. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 3909. Dein ist das Licht, das uns erhellt, Gott, dein das Amt der Lehrer. Welch ein Geschenk für deine Welt, für deines Worts Verehrer! Dies lehr' uns deiner Boten Mund; so wird dein Reich uns allen kund, bekannt der Weg zum Leben. 2. Welch hoher Ruf, des Irrtums Wahn und Laster zu bestreiten und Menschen auf der Wahrheit Bahn zur Tugend hinzuleiten! Wie edel, aber auch wie schwer! Laß unsern Lehrer täglich mehr des Rufes Würde fühlen! 3. O, gib ihm deiner Weisheit Licht und deines Geistes Gaben, durch die wir zu hoffen haben! Laß seine Lehren wahr und rein, fest seinen eignen Glauben sein, sein Leben fromm und heilig! 4. An Sanftmut und an Nachsicht reich, laß ihn die Schwachen tragen, und keimt der Same nicht sogleich, nie an der Frucht verzagen! Gib, daß er stets mit Freundlichkeit, entfernt von Haß und Bitter⸗ keit, vor jeder Sünde warne! 5. Gib, daß mit Rührung und mit Lust er stets uns unterweise, des Werts der Tugend sich bewußt, uns ihren Segen preise, daß nicht allein sein Unterricht, daß uns auch seines Beispiels Licht auf deine Wege leite! 6. Laß ihn die Irrenden zurück zu deiner Wahrheit führen, sie eifrig für ihr wahres Glückbelehren, warnen, rühren; laß ihn geduldig sein, gelind, nicht stolz noch hart, stets so gesinnt, wie Christi Dienern ziemet! 7. Trifft ihn Verfolgung oder Spott, so laß ihn dann mit Freuden, mit unerschrock. nem Mut, o Gott, für deine Wahrheit leiden! Sie kommt seine sein, ilig! die eimt nie Gib, keit, tter⸗ rne! rung uns der uns nicht uns Licht nden rheit ihr rnen, uldig noch wie gung dann hrock⸗ deine du uns liebst, nach deinem Immt (00. Pflichten gegen den Nächsten. von dir und ehret dich; um⸗ sonst empören Frevler sich, dein Licht, Herr, zu verdrängen. 8. Belohne, Vater, ihn schon hier mit deinem reichsten Segen; doch dien' er redlich, Herr, nur dir und nicht des Lohnes wegen! Mit Vorsatz laß ihn nie betrübt, von allen Redlichen geliebt, geehrt von allen werden! 9. Und war er seinem Rufe treu, bezeugt ihm sein Gewissen, daß er der Sünde Sklaverei der Seelen viel' ent⸗ rissen, so laß ihn, Herr, an deinem Thron der Tugend und der Treue Lohn in ew'ger Wonne finden! Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛc. Beherrscher deiner Christenheit, o Jesu, Herr der Herrlichkeit, du Führer deiner Herde! erlöste Welt, regierst sie, wie es dir gefällt, sorgst, daß sie selig werde. Trostvoll, göttlich sind die Lehren, die wir hören; Beil und Leben willst du deinen Du siehst auf die Freunden geben. 2. O, wohl uns, Herr, daß 387 Sinn uns Lehrer gibst, die uns zum Himmel führen und, voll von hoher Wissenschaft, von Tugendliebe, Geist und Kraft, auch Sünderherzen rühren! Treue Hirten laß den Seelen niemals fehlen und die Herden mit den Hirten frömmer werden! 3. Wir nehmen hier von deiner Hand den Lehrer, uns von dir gesandt; Herr, segne sein Geschäfte! Die Seelen, die sich ihm vertrau'n, durch Lehr' und Leben zu erbau'n, gib Weisheit ihm und Kräfte! Mächtig steh' ihm stets zur Seite, daß er streite, betꝰ und wache, sich und and're selig mache! 4. Herr, deinen Geist laß auf ihm ruh'n! Lehr' ihn, sein Amt mit Freuden thun! Entfern', was ihn betrübet! Gib, wenn er deine Wahrheit lehrt, uns stets ein Herz, das folgsam hört und sich im Guten übet! Stärke Lehrer und Gemeine! Laß sie deine Treue sehen und auf deinen Wegen gehen! 5. Wann einst dein großer Tag erscheint, laß unsern Lehrer, unsern Freund, uns 25⁷ 388 dir entgegen führen! Die Seelen sind ihm zugezählt; o gib, daß dort ihm keine fehlt, laß keine ihn verlieren! Vor dir, Richter, wird der Lehrer und der Hörer dann sich freuen und dir Jubellieder weihen. 6. Sei uns gesegnet, Knecht des Herrn! Dein Herz sei nimmer von uns fern; du kamst in Jesu Namen. O, reich' uns deine Freundeshand! Mit dir geh'n wir ins Vaterland und du mit uns auch, Amen. Heilig sei uns diese Stunde! Treu dem Bunde, den wir schließen, werden wir des Heils genießen. Joh. Dan. Karl Bickel, 1787—1809. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛe. 401. Heilig sei uns diese Stunde, schönsten Bunde dir, Lehrer, dir und uns erscheint! Er, der über uns regieret, hat dich in unsern Kreis geführet. Gott ist's, der dich mit uns vereint. Frohlockend preisen wir den Heiligen mit dir. Seiner Wahrheit, die in der Zeit die Nacht zerstreut, sei die feierlich zum P ewig unser Herz geweiht! Einzelne Pflichten. 2. Uns von Gott und unsern Pflichten mit Fleiß und Treu zu unterrichten, von Wahn und Sünd' uns zu befrei'n, zu ver⸗ edeln unsre Freuden, zu stärken uns in bangen Leiden, im Tode Tröster uns zu sein, ja, dies gelobst du hier, und gern ge⸗ loben wir, dir zu folgen und jederzeit mit Freudigkeit zu thun, was Gottes Wort gebeut. (Nach der Handlung.) 3. Nun gelobt mit Herz und Munde ist das Gelübd'. Zum schönsten Bunde sind unsere Seelen nun vereint. Richten wird der Heil'ge, richten ge⸗ recht und nach des Wortes Pflichten, wenn sein Ver⸗ geltungstag erscheint. Heil uns, wenn alle wir dann im Triumph mit dir geh'n zum Throne! Dort danken wir die alme dir, und ewig lohnt dich Gott dafür. Aug. Herm. Niemeyer, 17⁵5⁴4—1828. Schul⸗ und Jugendlehrer.— In Schulen und bei Schul⸗ prüfungen. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛc. „Gib, Gott, dem Lehrer Glück und Kräfte zu seinem sern reu' und ver⸗ rken Tode dies ge⸗ und t zu heut. und Zum nsere chten ge⸗ Hrtes Ver⸗ Heil im Pflichten gegen den Nächsten. zum Heiligungsgeschäfte du uns als Beistand zugesandt! Hilf du ihm, Vater; seine Treu' sei jeden Morgen an uns neu! 2. Laß dir auf allen seinen Wegen, den du uns gabst, empfohlen sein; beglücke, was er thut, mit Segen und jede Aussaat mit Gedeih'n! Für unser Wohl schlag' ihm das Herz; was ihn betrübt, sei uns auch Schmerz! 3. Knüpf' zwischen ihm und uns der Liebe und des Ver⸗ trauens festes Band; es reiche mit aufricht'gem Triebe ein jeder dankvoll ihm die Hand! Wer Gott und sein Wort liebt und ehrt, der hält auch seine Lehrer wert. 4. Einst laß uns freudig ihm begegnen, der Gottes Weg uns gehen hieß, ihn mit ent⸗ zückter Rührung segnen, daß er ihn uns so treulich wies! Er find' im höhern Vaterland uns wieder, wie er hier uns fand! 5. Dort rufen(möge Gott es geben!) mit höherm Danke wir ihm zu: Heil sei dir, denn du hast das Leben, die Seele uns gerettet, du! O Gott, laß ihn dies Glück 389 segensreichen Stand, ihm, den erfreu'n und vieler Seelen Retter sein! Dav. Sam. Georgi, 1697—1756. Mel. 426. Mein Jesus ist mein Leben ꝛc. x 403. Dir Menschen zu er⸗ ziehen, bringt Heil für Welt und Staat. Gott segne das Bemühen, laß reifen unsre Saat! 2. Ja, Nacht und Irrtum fliehet da, wo dein Licht er⸗ hellt. Auch unsre Schule blühet durch dich, o Herr der Welt! 3. Mit kindlichem Gemüte singt jeder dir heut' Preis; denn deine Vatergüte beglückte unsern Fleiß. ö Unbekannter Verfasser. Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛe. 404. Mit kindlich frommer Dankbegier schau'n wir zu dir hinauf; Herr Gott, dein Lob verkünden wir, o nimm es liebreich auf! 2. Auch heute ward von dir beglückt durch Wahrheit unser Geist. Wie fühlet sich das Herz entzückt, das dich voll Andacht preist! 390 3. Gib, treuer Vater, daß wir dir das ganze Leben weih'n! Wie glücklich werden wir schon hier und dort wie selig sein! Unbekannter Verfasser. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 405. eErfreulich sei und feierlich der Prüfung Tag, an welchem mich so viele Zeugen hören! Er kommt, mit ihm kommt Freud' und Schmerz, hier freut sich hoch, dort bebt ein Herz, wenn sich die Zeugen mehren; Beifall, Ehre, Lob und Liebe krönet heute Fleiß und Tugend. Heil dir, wohl⸗ durchlebte Jugend! 2. Wenn ich bisher ge⸗ wissenhaft und treu gebrauchte meine Kraft, nach meiner Pflicht stets lebte, und wenn an treuer Lehrer Hand mein Eifer immer unverwandt dem Ziel entgegen strebte, werd' ich da wohl stumm errötend, ängstlich stammelnd heute beben, da ich Rechenschaft soll geben? 3. Dem Trägen klopft die bange Brust, er fühlet Wehmut statt der Lust, muß Thorheit Einzelne Pflichten. nun bereuen. Der aber, der im regen Fleiß die Zeit durch⸗ lebte, erntet Preis und kann sich heute freuen. Alles Gute wird belohnet von dem Vater unsres Lebens. Nur der Träge hofft vergebens. Aug. Herm. Niemeyer, 1754—1828. Mel. 519. Gott des Himmels und der Erden ꝛe. 406. Unsre ganze Seele fühle sich zu neuer Lust erhöht; immer mehr nah'n wir dem Ziele, wo der Lohn des Fleißes steht. Laß den Vorsatz, gut zu sein, heute wieder uns erneu'n! 2. Ewig dauern jene Freuden, die uns Fleiß und Tugend gibt; Müßiggang bedroht mit Leiden den, der trägen Schlummer liebt; o, laßt uns nie stille steh'n, nein, im Guten weiter geh'n! 3. Wer durch Nichtsthun sie entweihte, seine edle Ju⸗ gendzeit, o, der kehre reuvoll heute wieder zu der Thätig⸗ keit! Laßt uns nützen jede Kraft, eingedenk der Rechen⸗ schaft! Unbekannter Verfasser. E. * %½ 8 66 668650 2 S e & Pflichten gegen den Nächsten. ö 391 Landleute, Künstler und Handwerker. Mel. 518. Ich dank' dir schon ꝛc. 407. Wie reich, o Schöpfer der Natur, bist du an Macht und Güte! Du schmückest jedes Jahr die Flur mit Blumen, Gras und Blüte. 2. Du gibst uns warmen Sonnenschein und Tau und milden Regen. Vaß Saat und Pflanzen wohl gedeih'n, bringt selbst dein Donner Segen. 3. Durch dich wächst Frucht auf Baum und Strauch, durch dich reift das Getreide, und mildiglich versorgst du auch das Vieh mit fetter Weide. 4. Wie fröhlich machst du meinen Stand! Du gibst mir Kraft und Stärke, mit regem Fleiß zu bau'n das Land, und segnest meine Werke. 5. So viele klagen über Not; ich darf nie Mangel leiden. Mich lohnt der Fleiß, ich bau' mein Brot; der Arbeit folgen Freuden. 6. Und ward auch andern Menschen gleich mehr Geld und Gut beschieden, nur die Genügsamkeit macht reich, und ich bin wohl zufrieden. 7. Es fehlt mir an Gesund⸗ heit nicht, mich quälen keine Sorgen, und freundlich weckt zu meiner Pflicht mich jeder neue Morgen. 8. Vorüber geht mir schnell die Zeit bei meinem Tags⸗ geschäfte. Die Sonne lacht mir Heiterkeit, der Wiesen Duft gibt Kräfte. 9. Und o wie süß die Ruhe lohnt, bin ich nun abends müde! Denn unter meinem Dache wohnt der Eintracht holder Friede. 10. Das ist doch je gewiß⸗ lich wahr: Wer auf der Tugend Wegen einhergeht, findet immerdar Zufriedenheit und Segen. 11. Drum will ich stets von Falschheit rein, recht⸗ schaffen, treu und bieder und gern des Armen Helfer sein und Bruder meiner Brüder; 12. Will immer freudig dir vertrau'n, du Gott im Him⸗ mel oben, auf deine Macht und Güte schau'n und dich von Herzen loben. Joh. Christ. Wagner, 1747— 1825. 392 Einzelne Mel. 63. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht ꝛc. 408. Ich dank dir, Gott, für meinen Stand; du gibst dem Fleiße meiner Hand Ge⸗ deihen, lohnst ihn mit Ge⸗ winn und machst, daß ich zu⸗ frieden bin. 2. Wenn gleich von dir Pflichten. Ich schlaf' und werde satt wie er. 7. Umringt die Großen auch mehr Pracht, nicht sie ist's, die uns glücklich macht. Wie man⸗ cher grämt im Prunke sich und hat der Sorgen mehr als ich! 8. Nur wer das Seine redlich thut, ist glücklich, hat nicht hoch gestellt, nütz' ich stets frohen Mut. Die Zeit doch auch der Bruderwelt; ich der Müh' rollt schnell dahin,‚ schaff' durch Fleiß von Zeit und einst lohnt mehr noch Bequemlichkeit. 3. Wie ist ein Land so segensvoll, wo jeder wirket, was er soll, wo überall der zu Zeit ihr Notdurfty und Fleiß regiert und Redlichkeit sich nie verliert! 4. Wie viele Kräfte regen sich, wie viele Hände auch für mich! Und ich doch wollte müßig ruh'n und nicht mein Werk mit Freuden thun? 5. Leicht wird mir jede Tagesmüh', bet' ich zu Gott des Morgens früh, und ist mein Tagwert gut vollbracht, lohnt mich mit süßer Ruh' die Nacht. 6. Und Gottes Segen folgt mir nach. Schon hab' ich Hülle, Brot und Dach. Was hat vor mir der Reiche mehr? ihr Gewinn. 9. Wer viel empfangen hat, von dem wird viel gefordert; angenehm ist auch, wer treu im kleinen ist, dir, der du aller Vater bist. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Mel. 151. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend' ꝛc. 409. Nach Gottes weis⸗ heitsvollem Rat, der alles an⸗ geordnet hat, wird Völkern dauerhaftes Heil durch der Gesellschaft Band zu teil. 2. Durch gegenseitiges Be⸗ müh'n sieht man der Bürger Wohlfahrt blüh'n und durch vereinte Thätigkeit, die sich dem Dienst des Staates weiht. 3. Ein Bürger ist des andern Freund; sie, die ein der, den Not und Mangel Hand erquickt. verteilst durch deiner Weisheit Wahl des Fleißes Gang, der Gabe frevelnd zu vernichten; denn du wirst's richten. gleicher Zweck vereint, seh'n durch des eignen Vorteils Wert das allgemeine Glückvermehrt. 4. Bedürfnis und des Fleißes Gang wirkt Ordnung und Zusammenhang; der eine nützt durch Geisteskraft, durch Einsicht und durch Wissen⸗ shaft; imi 5. Der durch die Arbeit seiner Hand, durch Kunst⸗ gewinn dem Vaterland, und drückt, wird durch des Reichen 6. So knüpfst du, Gott, durch jeden Stand der all⸗ gemeinen Wohlfahrt Band, Kräfte Zahl. Joach. Christ. Grot, 1733—1801. Verhalten gegen die tierische und leblose Schöpfung. Mel. 87. Herzliebster Jesu ꝛc. 41 Herr, laß mich stets die große Pflicht bedenken, das, was du schufst, aus Leicht⸗ sinn nie zu kränken, nie deine Pflichten gegen den Nächsten. 393 2. Wie groß und schön sind alle deine Werke! Dich rühmt die Flur, der Baum in seiner Stärke, der Tiere Menge, die auf Erden leben, in Lüften schweben. 3. Dein Will' ist zwar, mit Weisheit sie zu nützen, sogar als Eigentum sie zu besitzen; doch sollen wir nie, was du schufst, verheeren, zur Lust zerstören. 4. Ein solcher Frevler ist, Herr, dir entgegen; er achtet nicht den übergroßen Segen, den du voll Huld, nicht daß man ihn verschwendet, uns zugewendet. 5. Mit Schadenfreude stört er Baum und Pflanze im schönsten Wuchs; Natur in ihrem Glanze kann ihn nicht rühren, nicht mit allem Segen sein Herz bewegen. 6. Dem zarten Bäumchen raubt er seine Säfte; er stört der wirkenden Natur Geschäfte und macht der künft'gen Welt gehoffte Früchte boshaft zu nichte. 7. Nur ein gefühllos Herz kann an den Leiden der Tiere sich in Gottes Schöpfung weiden, sie zwecklos quälen und 394 mit ihren Schmerzen leicht⸗ sinnig scherzen. 8. Wohl mir, wenn ich mir's zum Gewissen mache, wie auch das Heer der Spötter mich verlache, was Gott er⸗ schuf— nichts soll mich künftig blenden— recht an⸗ zuwenden. 9. Um mich soll alles, was da lebt, sich freuen. Kein Tier soll über mich um Rache schreien. Ich darf es nützen, seinen Tod befehlen, doch nie es quälen. 10. Mit milder Schonung will ich ihre Freuden durch Grausamkeiten ihnen nie ver⸗ leiden. Erhalte, Gott, mir der Erbarmung Triebe und diese Liebe! Unbekannter Verfasser. Mel. 17. Mein's Herzens Jesu, meine Lust ꝛe. 411. Der weise Schöpfer, dessen Ruf einst mächtig scholl: Es werde! und aller Welt Bewohner schuf, bestimmte diese Erde nicht für die Menschen nur allein, auch Tiere schuf er groß und klein, des Lebens sich zu freuen. Einzelne Pflichten. 2. Sein Wille war, daß ihre Zahl sich allenthalben mehre; sie füllten Wälder, Berg und Thal und Seen, Flüss' und Meere, belebten hier die hohe Luft und dort der Erde tiefste Kluft und freuten sich des Lebens. 3. Nie kann des weisen Forschers Sinn der Arten Anzahl wissen; doch sänk' auch nur die kleinste hin, so wär' das Band zerrissen, das in der weiten Gotteswelt die Wesen an einander hält zu einem großen Ganzen. 4. Das kleinste Tier be⸗ tritt die Welt wie ich auf seine Weise; es fühlt sein Dasein und erhält sich auch mit Trank und Speise, hat so wie ich auch Sinneskraft, fühlt, was ihm Lust und Schmerzen schafft, verläßt wie ich das Leben. 5. Dem, der für alles Sorge trägt, dem Vater aller Dinge, ist nichts, was auf der Welt sich regt, zu klein Er, dessen Huld kein Engel mißt, er, der und zu geringe. des Menschen nie vergißt, ist auch des Wurmes Schöpfer⸗ ö 6. Und er, der alle Wesen liebt, er sollte mir erlauben, dem Tiere das, was er ihm gibt, gedankenlos zu rauben? Was gäbe mir wohl den Beruf, ein Leben, das die Allmacht schuf, mit Leichtsinn zu zerstören? 7. Nein! kein Geschöpf, das mit mir lebt, darf ich aus Frevel quälen, mag auch, was mich zur Menschheit hebt, mag die Vernunft ihm Ier z Durch sie trag' ich er Gottheit Bild; doch lehrt sie mich auch göttlich mild Glück um mich her verbreiten. 8. Vernunft, erhabne Seelen⸗ kraft, Geschenk aus Gottes Händen! ich müsse nie dur Leidenschaft selbst deine Würde Pflichten gegen den Nächsten. 395⁵ schänden. Wer den erhabnen Zweck vergißt, wozu du ihm gegeben bist, der schändet deine Würde. 9. Vernunft! du sollst mich immer mehr die wahre Weis⸗ heit lehren, in der Geschöpfe großem Heer den Schöpfer zu verehren. Wer stolz ein Mit⸗ geschöpf verschmäht, das unter Gottes Aufsicht steht, entehrt auch seinen Schöpfer. 10. Wen eines Tieres Qual erfreut, der wird, das kann nicht fehlen, kalt und gefühl⸗ los mit der Zeit gewiß auch Menschen quälen. Wer frech ein Mitgeschöpf betrübt und Härt' und Grausamkeit verübt, der ch kann auch Gott nicht lieben. Fürchtegott Chr. Fulda, 1768—1854. & 2 Zukunft. 5 R I. Rünze des Lebens und weiler Gebrauch deslelben. 41². Eigene Melodie. Mich. Frank, 1652. ö E 2— IIII— 2—— F——* A— ————— 7 2——2 2—— ö Ach, wie nich ⸗tig, ach, wie flüch⸗tig E:— ,en, een, En ndnem ene en enen nrnen L. ———=E EE ist der Men⸗—— Le ⸗ ben! Ei⸗lend flie-hen 4 + SDSPSPSPSPITTTTT TTTTTT... uns ⸗ re Stun-den; kaum ge- nos⸗sen, kaum em⸗pfun⸗den, E— II — + 124—— ——— EEII ——1 I 2—63 HWHW——— sind sie uns auch schon ver⸗-schwun⸗den. Kürze des Lebens und weiser Gebrauch desselben. 397 2. Ach, wie nichtig, ach, Gott gesessen, seiner wird im Stärke! Morgen ist des Todes Beute, wer gesund und froh noch heute mit den Seinen sich erfreute. 3. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Schöne! Seht die Rose, wie sie glühet! Morgen ist sie schon verblühet. Soder Jugend Reiz entfliehet. 4. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Ehre! Wer nach Beifall sehnlich schauet und auf Menschen⸗ gunst vertrauet, hat sein Glück auf Sand gebauet. 5. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig sind der Menschen Schätze! Reichtum ist des Himmels Gabe, aber alle deine Habe rettet dich doch nicht vom Grabe. 6. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Herrschen! Der durch Macht ist hoch gestiegen, muß, trotz Herrscherstab und Siegen, doch zuletzt dem Tod erliegen. wie flüchtig ist der Menschen T od vergessen. 8. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist die Lust der Erde! Oft verwandeln unsre Freuden sich schon hier in bittre Leiden, und einst müssen wir doch scheiden. 9. Eins nur bleibet! Gott, dies Eine sei uns teu'r und heilig! Tugend, Tugend wird bestehen! Laßt der Erde Staub verwehen! Tugend kann nie untergehen. Michael Frank, 1609— 1667. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛc. 413. Wie sicher lebt der Mensch, der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub, und dennoch schmeichelt er sich gern, der Tag des Todes sei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, der Mann noch seiner Jahre viel', der Greis zu vielen noch ein Jahr, und keiner nimmt den Irrtum wahr. 3. Sprich nicht: Ich denkẽ in Glück und Not im Herzen oft an meinen Tod. Der, den der 7. Ach, wie nichtig, ach, Tod nicht weise macht, hat nie Prangen! Der im Purpur hhoch vermessen ist gleich einem Ewigkeit, zu thun, was uns wie flüchtig ist der Menschen mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur 398 der Herr gebeut, und unsers Lebens kleinster Teil ist eine Frist zu unserm Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vor Gericht; da bringt Gott alles an das Licht und macht, was hier verborgen war, den Rat der Herzen offenbar. 6. Drum, da der Tod dir täglich dräut, so sei stets wacker und bereit; prüf' deinen Glauben als ein Christ, ob er durch Liebe thätig ist! 7. Ein Seufzer in der letzten Not, ein Wunsch, durch des Er⸗ lösers Tod vor Gottes Thron gerecht zu sein, dies macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, ihr folgt und sich vom Bösen kehrt, ein glaubig Herz, von Lieb' er⸗ füllt, dies ist es, was in Christo gilt. 9. Die Heiligung erfordert Müh'; du wirkst sie nicht, Gott wirket sie. Du aber ringe stets nach ihr, als wäre sie ein Werk von dir! 10. Der Ruf des Lebens, das du lebst, dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, und was dir ewig Glück verschafft, ist Kürze des Lebens und weiser Gebrauch desselben. Tugend in des Glaubens Kraft. 11. Ihr alle seine Tage weih'n, heißt eingedenk des Todes sein, und wachsen in der Heiligung ist wahre Tod's⸗ erinnerung. 12. Wie oft vergess' ich diese Pflicht! Herr, geh' mit mir nicht ins Gericht! Des Todes Bild erinn're mich, vor dir zu wandeln würdiglich; 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag vor dir, o Gott, erforschen mag, ob Liebe, Demut, Fried' und Treu' die Frucht des Geistes in ihm sei; 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh', stets meiner Schwachheit widersteh' und einstens in des Glaubens Macht mit Freuden ruf':„Es ist vollbracht!“ Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛc. 414. Schön ist Gottes Erde zwar, doch es kann auf ihr nichts dauern; jeder Schönheit droht Gefahr von des Todes kalten Schauern; denn durch ihn herrscht in der Zeit überall Vergänglichkeit. ö 2. Ach, kaum drängt mit süßem Duft aus der Knospe E œn c6c% —. — eH 2— Kürze des Lebens und weiser Gebrauch desselben. 399 sich die Rose, öffnet sich ihr gehen! Bloß zum Sammeln schon die Gruft in der Erde pfleget man Erntefelder ab⸗ kühlem Schoße, und es flieht zumähen. Um der Blume sich des Lenzes Pracht, wenn sie zu freu'n, muß man erst den kaum uns angelacht. Samen streu'n. 3. So des Frühlings Blüten 7. Auch der Leib, den wir gleich kann auch mich ein hier sä'n, muß verwesen in der Sturm verwehen. Manche, Erde, daß, zum Himmel ein⸗ die an Hoffnung reich in die zugeh'n, er verklärt und geistig fernste Zukunft sehen, über⸗ werde. Durch des Schöpfers rascht im Morgenrot ihrer Kraft erneut, reift er zur Jugend schon der Tod. Vollkommenheit. 4. Ach, so schläft wohlh 8. Nun, so will ich mit mancher schon, den ich weinend Vertrau'n, ohne Furcht den Freund noch nenne; viele sind Tod begrüßen, ihm getrost der Erd' entfloh'n, deren ins Auge schau'n, durch die Namen nur ich kenne, und Hoffnungihn versüßen: Dieses wie vieler Herrlichkeit ruht Leibes Sterblichkeit führt mich schon in Vergessenheit! zur Vollkommenheit. 5. Gott, auch mir fiel dieses 9. Meine höchste Sorge sei Los, ich auch werde einst gesäet. im Erziehungsstand der Erde, Dieses Eine weiß ich bloß, daß mein Geist von Mängeln nicht, wann mich der Schnitter frei, heilig und vollkommen mähet; eher, denn ich's ahnen werde! Du, o Gott voll Lieb' kann, legt er seine Sichel an. und Macht, rufst mich aus des 6. Doch in deinem Reiche Grabes Nacht. kann, soll auch nichts verloren Unbekannter Verfasser. 115. Mel. Ich hab' mein Sach' Gott heimgestellt ꝛe. 1589. 4 1 1 4 . 12— Wie fleucht da hin der Menschen Zeit! wie 40⁰ Kürze des Lebens und weiser Gebrauch desselben. 0— V.— 2——'—* 7— q——.— 0. ö EE 1—— ,. ä ei⸗ len wir zur E⸗ wig⸗keit! Wie man⸗cher sinkt, eh' ö V2 ö + 3 16— 1—— 2 . er's ge-dacht, in To-des-nacht! O See⸗le, nimm dies 0* V II 2—— I E 2 E. HN 2 +— I wohl in acht! 2. Dies Leben ist gleich einem Traum; gleich einem leichten Wasserschaum ist alle seine Herrlichkeit. Der Strom der Zeit reißt schnell uns fort zur Ewigkeit. du dem Schatten zu? Kein irdisch Glück gibt wahre Ruh'. 6. Weg, Eitelkeit, der Thoren Lust! mir ist ein bess'res Gut bewußt; nur dieses Eine such ich hier, es bleibet mir. Herr 3. Nur du, mein Gott, Jesu, mich verlangt nach dir! du bleibest mir das, was du bist; ich traue dir. Es falle Berg und Hügel hin; mir bleibt's Gewinn, wenn dein ich tot und lebend bin. 4. So lang ich noch auf Erden wohn;, erwecke mich, o Gottes Sohn! Zu wachen sei mir heil'ge Pflicht; ich weiß ja nicht, wie bald mein sterbend Auge bricht. 5. Was hilft die Welt in Todesnot? was Ehr' und Reichtum nach dem Tod? Be⸗ denk's, o Mensch, was eilest 7. Wie wird mir sein, wenn ich dich seh' und froh zu deiner Rechten steh'! O mein Erlöser, stärke mich, daß standhaft ich bis an mein Ende liebe dich! Joach. Neander, 1650—1680. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛc. 416. Es eilt der letzte von den Tagen, die du hier lebst, o Mensch, herbei. Erkauf' die Zeit und statt zu klagen, sie sei zu kurz, gebrauch' sie treu! Kürze des Lebens und weiser Gebrauch desselben. Nimm mit erkenntlichem Gemüt der nahen Stunde wahr! sie flieht. 2. Getäuscht von eitlen Kleinigkeiten, verlierst du deines Lebens Ziel, verschiebst dein Heil auf ferne Zeiten und träumst dir noch der Jahre viel'. Wie viele Stunden sind noch dein? Kann diese nicht die letzte sein? 3. Ein ewig Glück einst zu besitzen, sollst du des kurzen Lebens Zeit als deine Saat⸗ zeit weislich nützen und thun, was dir der Herr gebeut. Er ruft dir menschenfreund⸗ lich zu:„Sieh, Eins ist not! Was säumest du?“ 4. Drum eile, rette deine Seele und denke nicht: Ein andermal! Sei wachsam, bet' und überzähle der Menschen⸗ tage kleine Zahl! Wär' auch dein Ende noch so fern, sei fromm und wandle vor dem Herrn! ö 5. Mit jedem neu geschenkten Morgen erwecke dich zu dieser Pflicht! Sprich: Dir, o Gott, 401¹ ist nichts verborgen, stets siehst du mich im hellsten Licht; ich will, mich deiner Huld zu freu'n, mein Leben gern der Tugend weih'n. 6. Erleucht' und stärke meine Seele, weil ohne dich sie nichts vermag! Du gönnst, daß ich mein Heil erwähle, so huld⸗ voll mir noch diesen Tag. Was ist nicht eine Stunde wert, die deine Güte mir gewährt! 7. Wohl mir, wenn ich aus allen Kräften nach wahrer Weisheit hier gestrebt, in Gott gefälligen Geschäften die Pilgertage durchgelebt und einst voll Glaubens sagen kann: Du, Gott, nimmst mich zu Ehren an! 8. Mein sprachlos Fleh'n bei meinem Ende hörst du, Herr, der mich scheiden heißt. In deine treuen Vaterhände befehl' ich, Höchster, meinen Geist. Er schwingt sich über Grab und Welt zu dir, wann seine Hülle fällt. Christ. Friedr. Neander, 1724—1802. 26 40² Von dem Tode. II. Von dem CTode. Vorbereitung auf denselben. Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛe. 41⁷. Die auf der Erde wallen, die Sterblichen, sind Staub. Sie blühen auf und fallen, des Todes sich rer Raub. Verborgen ist die Stunde, da Gottes Stimme ruft; doch jede bringt uns Kunde, daß näher sei die Gruft. 2. Getrost geh'n Gottes Kinder die finstre Todesbahn, zu der verstockte Sünder ver⸗ zweiflungsvoll sich nah'n, wo selbst der freche Spötter nicht mehr zu spotten wagt und vor dem Gott der Götter erzittert und verzagt. 3. Wenn diese Bahn zu gehen dein Will' einst mir gebeut; wenn nahe vor mir stehen Gericht und Ewigkeit; wenn unter Angst und Beben mein Herz im Kampfe bricht: Herr über Tod und Leben, o dann verlaß mich nicht! 4. Der du zum Heil der Sünder selbst mit dem Tode ö Eigentum, doch trachten wir rangst, hilf, Todesüberwinder, hilf mir aus solcher Angst! Und wenn des Kampfes Ende gewaltiger mich faßt, nimm mich in deine Hände, den du erlöset hast! 5. Heil denen, die auf Erden sich schon dem Himmel weih'n, die aufgelöst zu werden in Heiligkeit sich freu'n! Sie sä'ten hier im Leben für die Unsterblichkeit und sind, es stets bereit. 6. Des Himmels Wonn und Herz. O Trost für kurze Leiden, für kurzen Todesschmerz! Dem Todesüberwinder sei ewig uns, die Sünder, den Kelch des Todes trank! G. L. Funk, 1734—1814. Nöten ꝛe. Menschen Glück? Es währt nur einen Augenblick. Wir eilen schnell durch Zeit und Welt, wo 2. Hier haben wir kein Gott zu geben, wann er will, Freuden ermißt kein sterblich Preis und Dank, daß er für Mel. 237. Wenn wir in höchsten 418. Ach Gott, was ist dr uns ein Traum gefesselt hält. nach Ehr' und Ruhm, und kaum ist unser Wunsch erhört, so ngst! seh'n wir unsre Qual vermehrt. Ende 3. Der Kummer dringt bis imm auf den Thron, und Sorgen n du sind des Reichtums Lohn. Wer in der Würde glänzend auf prangt, hat noch kein wahres nmel Gut erlangt. rden 4. Von allem, was die Sie Welt erhebt, was ist es, das r die uns überlebt? Was folgt uns „es in die Ewigkeit, wenn über will, uns der Herr gebeut? 5. Auch selbst des Purpurs und schonet nicht der Tod, der in rblich die Hütten bricht. Nicht Reich⸗ iden, tum, Hoheit, Ehr' und Macht Dem befrei'n uns von des Grabes ewig Nacht. r für 6. Von aller Pracht und Kelch Herrlichkeit bleibt uns zuletzt ein Sterbekleid. Nach kurzer 1814. Zeit ist dies auch Staub und so wie wir der Erde Raub. öchsten 7. So flieht ein Rauch im Sturm und Wind, so fällt ein st der Blatt und so geschwind sinkt rrnur eine Blume welkend hin. Was eilen ist's, daß ich noch eitel bin? t, wo 8. Was streb' ich hier nach hält. Ruhm und Ehr'? In kurzem kein bin auch ich nicht mehr. Viel⸗ leicht ist schon mein Abschied Vorbereitung auf denselben. 40³ nah; man sucht mich, ich bin nicht mehr da. 9. Die Tugend, die wir ausgeübt, bleibt, wenn der Erde Glanz zerstiebt. Wer als ein wahrer Christ gelebt, stirbt nicht, wenn man ihn gleich begräbt. 10. Er lebte seinem Gott und Herrn; nun ruft ihn Gott, und er stirbt gern. Hier geht das rechte Leben an, das ihm kein Tod mehr rauben kann. 11. Gott, dessen weiser Rat bestimmt, daß es mit mir ein Ende nimmt, entreiße, weil's noch heute heißt, der Welt und Sünde meinen Geist! 12. Der Erde Reichtum folgt mir nicht, wenn dies mein irdisch Haus zerbricht; nur aus dem Born des Glau⸗ bens quillt ein Trost, der mich mit Mut erfüllt. 13. In Jesu schlaf' ich freu⸗ dig ein; einst werd' auch ich ihm 0 ähnlich sein. Wie herrlich geh' ich aus der Gruft, wenn mich sein Wort zum Leben ruft! 14. Ihm folg' ich treu durch Tod und Grab. Er ist's, der mir die Hoffnung gab, daß ich verklärt—08 4⁰0⁴ freudenvoll sein Angesicht einst schauen soll. Zweibr. Gesangbuch, 1804. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛe. 419. Meine Lebenszeit ver⸗ streicht, stündlich eil ich zu dem Grabe, und wie wenig ist's vielleicht, das ich noch zu leben habe! Denk', o Mensch, an deinen Tod; säume nicht, denn Eins ist not! 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben! Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, nichts wird dich im Tod erfreu'n; diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Gutes liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das vor Gott dir Zeugnis gibt, wird dir deinen Tod ver⸗ süßen. Dieses Herz, von Gott erneut, gibt im Tode Freudig⸗ keit. 4. Wenn in deiner letzten Not Freunde hilflos um dich Mel. Von dem Tode. beben, dann wird über Welt und Tod dich dies reine Herz erheben, dann erschreckt dich kein Gericht, Gott ist deine Zuversicht. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott und bet' und wache! Sorge nicht, wie früh du stirbst; deine Zeit ist Gottes Sache. Statt den Tod mit Angst zu scheu'n, lerne seiner dich zu freu'n! 6. Ueberwind' ihn durch Vertrau'n! Sprich: Ich weiß, an wen ich glaube; selig soll ich, ihn zu schau'n, mich er⸗ heben aus dem Staube. Er, der rief:„Es ist vollbracht!“ nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, siehe dein Ge⸗ bein versenken; sprich:„Herr, daß ich sterblich bin, lehre du mich selbst bedenken! Lehre du mich's jeden Tag, daß ich weiser werden mag!“ Chr. F. Gellert, 1715—1769. Eigene Melodie. 1562. FA 1— —+.— 1——— ———2————— 4 E2——* 67— 7* — EE 3..—..—— 7 ein Pil⸗grim-stand, der Vorbereitung auf denselben. 405 — 2 2—.——.—. 4 ————0 ‚ ö‚— EE Him⸗-mel ist mein Va⸗ter⸗land; ich fin-de kei⸗ne H„„—— WOWR n Heu. 2 6. 2— 8———8 2———— * +*„ Ruh' auf Er ⸗den. su ⸗che mei-nes 2.——— 805 2—— 1 2 ————————— P* Got⸗tes Stadt, die er mir dort er-bau ⸗et hat; da 2.—5—ẽf³4 DDDDEDEEEE 1 I 1 19.—— ů werd' ich e ⸗ wig se⸗ lig wer-den. Mein 2—5— —2— . Le- ben ist ein Pil-grim⸗stand, der Him-mel ist mein V 0 2 I 5— 1 I FV. 2 ⁊ * +—— Va⸗ter ⸗land. 2. Wie Schatten vor der und Spott muß hier so oft, Sonne flieh'n, so schwindet wer fromm ist, leiden. Sein meine Zeit dahin. Hier ist der Weg ist schmal und weit sein Ort nicht, den ich wähle; ich eile Ziel, und doch sind seiner nach der Ewigkeit. Ach, mache Feinde viel' und wenig' oft der mich dazu bereit; bewahre, Tugend Freuden; und dennoch Vater, meine Seele! Gib, daß soll's ihn nie gereu'n, dein ich als ein frommer Christ stets Pilger hier, o Gott, zu sein. suche, was im Himmel ist! 4. Hilf darum mir, o 3. Der Tugend Hindernisse, Jesu Christ, der du mein Heil Gott, sind viele; Trübsal, Not geworden bist, hilf mir, du 406 Von dem Tode. Führer aller Frommen! Mit Selbstverleugnung, Herr, will ich, ermuntert und gestärkt durch dich, stets näher zu dem Ziele kommen. Streit' ich wie du nur standhaft hier, so erb' ich ewig auch mit dir. 5. Verleihe mir Beständig⸗ keit; laß mich mit Un⸗ erschrockenheit, mit Mut auf deinen Wegen gehen! Fall' ich, mein Gott, so hilf mir auf; laß mich vollenden meinen Lauf und in der Not mich fest bestehen, getrost auf deinen Schutz vertrau'n und selig einst dein Antlitz schau'n! Fr. Adolf Lampe, 1683-1729. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. 421. Mein Gott, ich weiß wohl, daß ich sterbe; was irdisch ist, kann nicht besteh'n; drum gib, daß ich mich nicht entfärbe, wenn Grabeslüfte mich umweh'n! Die wahre Heimat ist bei dir, mein bleibend Vaterland nicht hier. 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich sterbe, kein Augenblick geht sicher hin. Zerbrechlich bin ich gleich der Scherbe, kann wie die Blume schnell verblüh'n. Drum mache mich nur stets bereit hier in der Zeit zur Ewigkeit! 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich sterbe, und welcher Tod das Herz mir bricht; dem einen wird das Scheiden herbe, der andre stirbt und ahnt es nicht. Wie du, Herr, willst; gib nur dabei, daß einst mein Ende selig sei! 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich sterbe, und welcher Staub mein Grab bedeckt; doch, daß ich nimmermehr verderbe, daß deine Hand mich auferweckt, mit dieser Hoffnung schlaf' ich ein; die Erd' ist allenthalben dein. 5. Dein Wort verbürgt mir's: wenn ich sterbe, nimmst du, Herr, meinen Geist zu dir. Bin ich nur dein und Christi Erbe, und hab' ich dich am Grabe hier, so bleib' ich sel ger Hoffnung voll, wann, wie und wo ich sterben soll. Benj. Schmolck, 1672— 1787. Wider die Todesfurcht. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 42²2. Wie wird mir dann, o dann mir sein, wann ich, entbunden von der Sterblich⸗ keit, nicht mehr der Mensch von Erde! Freu' dich, Seele! Stärke, tröste dich, Erlöste, mit dem Leben, das dir dann dein Gott wird geben! 2. Ich freue mich und bebe doch. Es drückt des Sünden⸗ elends Joch mich in den Staub darnieder. Nur Jesu Beistand stärket mich; an ihn, den Mittler, halt' ich mich, und er erhebt mich wieder. Jesus Christus, laß mich streben, Ddir zu leben, dir zu sterben, deines Vaters Reich zu erben! 3. Besiege dann des Todes Grau'n, mein Geist! er ist der Weg zum Schau'n in jenem bessern Leben. Er sei dir nicht mehr fürchterlich; zur höchsten Seligkeit wird dich der Herr durch ihn er⸗ heben. Gottes Huld ist un⸗ vergänglich, überschwenglich; die Erlösten wird sie unaus⸗ sprechlich trösten. 4. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, die mich, wenn dies mein Auge bricht, zu deinen Toten sammelt. Wider die Todesfurcht. 40⁷ mich ganz des Herrn zu freu'n, Vielleicht umgibt mich ihre in ihm entschlafen werde, von keiner Sünde mehr entweiht, Nacht, eh' ich dies Flehen noch vollbracht, mein Lob dir aus⸗ gestammelt. Vater, Vater, ich befehle meine Seele deinen Händen; laß getrost den Lauf mich enden! 5. Sind meiner Tage hier noch viel', bin ich vielleicht noch fern vom Ziel, an dem die Krone schimmert, geht meine Laufbahn hier noch weit, die Hülle meiner Sterblichkeit, wird sie erst spät zertrümmert: durch dich hoff' ich reiche Saaten guter Thaten auszustreuen, dort der Ernte mich zu freuen. 6. Wie wird mir dann, Erlöser, sein, wann ich, mich deiner ganz zu freu'n, dich dort anbeten werde, von keiner Sünde mehr entweiht, ein Erbe deiner Seligkeit, nicht mehr der Mensch von Erde! Preis dir, daß mir durch dein Leiden jene Freuden offen stehen! Ewig will ich dich erhöhen. Fr. Gottl. Klopstock, 1724-1803. Mel. 37. Schwingt, heilige Gedanken ꝛe. 423. Der letzte meiner Tage ist mir vielleicht nicht fern. O, dann wird meine Klage 408 ein Lobgesang dem Herrn. Vollbracht ist ganz mein Lauf; ich trete hin zum Throne, und Gott setzt mir die Krone der Ueberwinder auf. 2. Für seines Reiches Erben hat Jesus mich erklärt. Was fürcht' ich mich zu sterben, wie er mich sterben lehrt? Mir ist der Tod Gewinn; damit ich seligwerde, entschwing' ich mich der Erde zu bessern Welten hin. 3. Nur meines Leibes Bürde, nicht mich verschließt die Gruft; mich hebt zu höh'rer Würde mein Vater, der mich ruft. Sein Bote heißet Tod! Er furchtbar nur den Sündern, willkommen Gottes Kindern, erlöst sie aus der Not. 4. Ich, der Gefahr ent⸗ ronnen, geh' aus dem Kampf hervor; hoch über alle Sonnen hebt mich mein Glaub' empor. Da tret' ich in die Reih'n der Engel, meiner Brüder; in ihre hohen Lieder stimmt mein Triumphlied ein. 5. Gott schaut von seinem Throne mit Huld auf mich herab, dem er in seinem Sohne Von dem Tode. von ihm gekrönt zu werden, das Kleinod zu empfah'n. 6. Die Leiber wahrer Frommen sind Saat, von Gott gesä't. Der Erntetag wird kommen, wo Gottes Odem weht, wo sie, durch ihn ver⸗ klärt, empor vom Grabe schweben zu einem neuen Leben, des Wonne ewig währt. 7. Dir bleib' ich, Herr, ergeben, dir, meines Lebens Fürst, der du mich einst zum Leben, zum Himmel führen wirst. Ich harre dieser Zeit getreu in deinem Bunde; ich freue mich der Stunde, die ewig mich befreit. 8. So geh' ich, frei von Kummer, des Todes dunkle Bahn; mir bricht nach kurzem Schlummer ein neuer Morgen an. Heil mir! er ist nicht fern, der letzte meiner Tage, er kommt und meine Klage wird Lobgesang dem Herrn. Balth. Münter, 1735—1798. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei! ich zu dir ꝛce. 424. Wann einst mein ster⸗ bend Auge bricht, mein letzter das Recht der Kindschaft gab. Hauch verschwindet, mein Leib Ich darf zu ihm mich nah'n, erstarrt und selbst es nicht, für meinen Kampf auf Erden daß er entschläft, empfindet; Wider die Todesfurcht. 409 rden, wann meine Freunde um mich der Vollendung trachten; will n. steh'n und mich in dir ent⸗ mich dem Ziele freudig nah'n, ührer schlummern seh'n und meinen mein himmlisch Kleinod zu Gott Tod beweinen: empfah'n, das Jesus mir wird 2. Dann, Vater, nimm ihn bewahret. Odem auf, den Geist, der freudig zu Balh. Münter, 1735—1793. ver⸗ dir fliehet, der dankbar deine Mel. 73. Gott sei Dank in zrabe Güte preist, daß er den Tod aller Welt ꝛc. eben, nicht siehet; dann tröste, die 425. Christ, gedenk' an betrübt um mich mit Thränen deinen Tod, eh' er in der derr, klagen; laß sie sich mehr Nähe droht, daß von ihm bens meiner Wonne freuen! du weisen Ernst, früh dein zum 3. Mein hingefall'ner Leib Heil zu schaffen, lernst; ihren bleibt hier; ihn wird das Grab 2. Daß du, wenn er nun Zeit verschließen. Heil mir! das erscheint, nicht ihn fliehst als ich Grab wird dennoch dir ihn einen Feind, dich von deiner die wiedergeben müssen. Du Furcht ermannst, gern die kommst, o Schöpfer; deine Hand ihm bieten kannst! von Macht, die ihn aus nichts 3. Kennst du ihn, so zagst unkle hervorgebracht, kann ihn aus du nicht, blickst ihm heiter ins rzdem Staub erneuern. Gesicht. Er führt Gottes rgen 4. Ich traure nicht, sinkt sel'ger Ruh', deinem großen nicht auch hinab mein Leib zur Ziel dich zu. age, Gruft und modert. Ich weiß 4. Ueberfiel' er dich auch tlage ja, daß ihn von dem Grab früh': wohl dir! Dieses Lebens errn. mein Gott einst wieder fordert. Müh' endet er, und du kommst 1500%% Hoffnung, daß nach kurzer dann an dem Ziele früher an. schreit Ruh' mein Leib erwacht, wie 5. Da, Beglückter, findest du groß bist du und welch ein nach der Arbeit deine Ruh'; da ster⸗ Trost im Tode! reicht Gott von seinem Thron etzter 5. Des Todes Schrecken, ewig dir der Tugend Lohn. Leib Gott, will ich, wenn er nun 6. Streue sorgsam in der nicht, kommt, nicht achten, mit glau⸗ Zeit Saaten für die Ewigkeit; ndet: bensvollem Blick auf dich nach laß, des Guten viel zu thun, Von dem Tode. Geist und Kräfte niemals dort deine Saat. Wirke treu, ruh'n! dann lebst du viel, käm' auch 7. Wenn dann früh dein früh dein Lebensziel. Tod sich naht, reift auch früh Joh. Adolf Schlegel, 1721—1793. Eigene Melodie. Melch. Vulpius,? 1609. 7 U—— S........ EIIIIII **— 2—————— 2—— Mein Je⸗ sus ist mein Le ⸗ ben, reißt ů* ..SSPSI.II....... I..... schon der Tod mich hin; was sollt' ich ängst⸗ lich 8—— ů— SEE—.—— I GDE—, Lirnr r. Ere 55———— W II be⸗ ben? Der Tod ist mir Ge- winn! 2. Durch Jesum werd' ich selig! Dies Wort steht ewig fest; die Freuden sind un⸗ zählig, die es mich hoffen läßt. 3. Bald hab' ich über⸗ wunden des letzten Kampfes Pein; durch Jesu Blut und Wunden geh' ich zum Himmel ein. 4. Wenn mir die Augen brechen, ich kaum mehr atmen kann, nicht hören, nicht mehr sprechen, dann nimm dich meiner an! 5. Wenn Sinne, wenn Ge⸗ danken wieeinverlöschendLicht, noch hin und wieder wanken, Gott, dann verlaß mich nicht! 6. Nimm von mir Furcht und Kummer, o Jesu, stärke mich! Leicht, wie des Müden Schlummer, sanft sei mein Tod durch dich! 7. Laß fest an dir mich hangen, mein Licht und mein Vertrau'n, und stille mein Verlangen, dich ewig dort zu schau'n. Wider die Todesfurcht. 411 treu, 8. Dann sing' ich mit gesänge, Gott, Vater, Sohn auch der Menge, die dich im und Geist! Himmel preist, dir ewig Lob⸗ 2 Simon Graf, 1603.—1659. 1793. ö 427. Mel. Ach, Jesu, meiner Seelen Freude ꝛe. 1738. 3— WxDPRPDPDPDP‚P‚PDP‚PIPIPIEIEIIII.III I I I—— 1609.——.—. 2— Was sorgst du ängst-⸗lich um dein Le⸗ ben? — 9— * 1 N— eißt.—.. TT RDDEEEE— — Es Gott ge-⸗ las⸗sen ü⸗ber⸗ge⸗ben, ist — lich.—————— C·—.———— —————————— —— wah⸗ re Ruh' und dei- ne Pflicht. Du sollst es ——— Ie= —— lie ⸗ben, weis-lich nü⸗tzen, es dank-bar als ein n Ge⸗ Licht ꝗDDDD— ů ö ů— i * nicht! Glück be⸗ si⸗-tzen, ver=lie ren, als ver-lörst du's Furcht= 30 stärke—.. Rüden nicht. mein 2. Der Tod soll dich nicht Pflicht nicht hindern, vielmehr mich traurig schrecken; doch, dich dir Kraft dazu verleih'n. mein zur Weisheit zu erwecken, soll 3. Ermattest du in deinen mein er dir stets vor Augen sein. Pflichten, so laß den Tod Er soll den Wunsch zu leben dich unterrichten, wie wenig mmindern, doch dich in deiner deiner Tage sind! Sprich: 412 Soll ich Gutes wohl ver⸗ schieben? Nein, meine Zeit, es auszuüben, ist kurz und sie verfliegt geschwind. 4. Denk' an den Tod, wenn böse Triebe, wenn Lust der Welt und ihre Liebe dich reizen, und ersticke sie! Sprich: Kann ich nicht noch heute sterben? VBon dem Tode. in Christo sterbe, dann ist ein unbeflecktes Erbe, dann ist des Himmels Reichtum mein! 8. Denk' an den Tod, wenn Leiden kommen! Sprich: Alle Trübsal eines Frommen ist zeitlich und im Glauben leicht! Ich leide, doch von allem Bösen wird mich ja Und könnt' ich auch die Welt bald der Tod erlösen; er ist's, erwerben, beging' ich doch solch Uebel nie. 5. Denk' an den Tod, wenn der mir die Krone reicht. 9. Denk' an den Tod, wenn freche Rotten des Glaubens Ruhm und Ehren, wenn deine und der Tugend spotten, und Schätze sich vermehren, daß Laster stolz ihr Haupt erhöh'nl du sie nicht so heftig liebst! Sprich bei dir selbst: Gott Denk' an die Eitelkeit der trägt die Frechen; doch Unheil Erden, daß, wenn sie dir folget dem Verbrechen, und entrissen werden, du dann dich plötzlich werden sie vergeh'n! nicht so sehr betrübst! 10. Denk an den Tod 6. Denk' an den Tod bei in bangen Stunden, wo alle frohen Tagen! Kann deine Hoffnung dir entschwunden Lust sein Bild vertragen, so und Gott dich nicht zu hören ist sie gut und unschuldsvoll. scheint! Sprich: Vater, es Sprich, dein Vergnügen zu gescheh' dein Wille! Dann versüßen: Welch Glück werd' macht er deine Seele stille, ich erst dort genießen, wo ich geschieht auch nicht, was du unendlich leben soll! gemeint. 7. Denk' an den Tod, wenn 11. So suche dir in allen deinem Leben das fehlt, wonach Fällen den Tod recht lebhaft die Reichen streben! Sprich: vorzustellen, dann wirst du Bin ich hier, um reich zu ihn nicht zitternd scheu'n, sein? Heil mir, wenn ich dann wird er dir ein Trost in ist ein ist des in! bleiben. Wider die Todesfurcht. 413 Klagen, ein weiser Freund zeigte, und, wie die Blum' in guten Tagen, ein Schild im dürren Sand, sein Haupt in der Versuchung sein. doch plötzlich neigte! Wie Chr. F. Gellert, 1715—1769. manchen barg uns schon der Sarg, gesund noch gestern, MWel. 236. Was Gott thut, das heute schon der Verwesung ist wohlgethan ꝛc. Beute! 42 Zu Gott schwingt 5. Wie manchen Vater unser Geist sich auf, wir sah'n wir flieh'n und Kinder falten fromm die Hände; einst um ihn zagen; wie manche endet sich des Lebens Lauf, Jungfrau sah'n wir blüh'n doch segnen wir das Ende. und früh zum Grabe tragen; Nicht furchtbar droht uns wie mancher weint um einen unser Tod; die Leiber nur zer⸗ Freund; wie mancher schleicht stäuben; gottlob! die Seelen am Stabe zu seiner Enkel Grabe! ö ö 2. Drum laßt von Sünden 6. Wir gleichen wohl der unentweiht uns nach dem Feldessaat, die reif und golden Himmel streben, wo wir einst wehet; sie weiß nicht, wann zur Unsterblichkeit veredelt der Schnitter naht und wann ewig leben! Das Leben flieht; die Sense mähet. Auch uns wie oft verblüht im Morgen⸗ruft oft ganz unverhofft der rot der Knabe und ist nicht Tod aus diesem Leben, zu fern vom Grabe! 3. Wer zählt die Tausende, die schon vor uns dahin⸗ geschieden? Sie floh'n, wie ihre Jahre floh'n, und ruhen nun in Frieden. Wohin wir seh'n, wo Menschen geh'n, sind sie umweht von Lüften aus ihrer Brüder Grüften. 4. Wie manchen haben wir gekannt, der muntres Leben Gott uns zu erheben. 7. Ja, dorthin führt des Lebens Lauf, drum segnen wir sein Ende. Entzückt schwingt unser Geist sich auf; wir falten froh die Hände. Un⸗ sterblichkeit folgt dieser Zeit; was lebt, kann nicht vergehen; wir werden auferstehen. 8. Wohlan! mit Eifer wollen wir die Bahn der 4¹4 Auferstehung der Toten Tugend gehen. Wer weiß, ob mag das Grab uns decken, ö wir uns alle hier noch einmal das Grab soll uns nicht wieder sehen? Wir seh'n uns schrecken! doch im Himmel noch; drum G. W. Chr. Starke, 17621830. HEFFR III. Auferstehung der Toten und Wiederlehen. Dt 429. Eigene Melodie. 1399 n F.N 8+8.——— I — 4———.—— EE 17 9401 095 un „Wa ⸗ chet auf!“ so ruft die Stim ⸗me, Wa⸗chet auf, er ⸗lö ⸗ ste Sün ⸗ der!— 9— is 7—— 2 2 E 2 2.. Le , wi di so ru ⸗ fet einst des Rich-ters Stim-me, di Ver⸗sam ⸗ melt euch, ihr Got-tes ⸗kin ⸗ der! V Q ö 1 2 .*X +. + ILI — 2 L 4—. +II enrntrtnir i w.. + ö 2 2———. ver⸗laßt, ihr To⸗ ten, eu⸗ re Gruft! Des ö Der Wel⸗ten Herr ist's, der euch ruft. F —— *=.——.——— ED 2 7—— nn.. — 4 0 E S. To ⸗ des stil ⸗ le Nacht ist nun vor-bei; er⸗ und Wiedersehen. 415 ——— *— +— .ñ‚‚ E‚ e.—.— ö——1.——— ö wacht! Lobt den Höch-sten! Macht euch be⸗ 1830. D N . 122 7—— ——..———* 2 H— 2 ö——— reit zur E⸗ wig ⸗ keit! Sein Tag, sein ... II— 4— 63— gro ⸗-ßer Tag ist da! ehen. 2. Erd' und Meer und 3. Ewig sei dir Lob ge⸗ Felsen beben; die Frommen sungen! Wir sind zum Leben. stehen auf zum Leben, zum durchgedrungen, genießen nun 0naeuen Leben steh'n sie auf. der Tugend Lohn. Christus — Ir Erlöser kommt voll Klar⸗ strömt der Freuden Fülle auf aa. heit, vor ihm ist Güte, rnend Halt wir schau'n ihn ohne me und Wahrheit, der Tugend Hülle, ihn, unsern Freund und der! Lohn krönt ihren Lauf. Licht Gottes Sohn. Noch sah kein 5553 ist um deinen Thron und Auge sie, noch scholl dem Ohre — Leben, Gottes Sohn! Preis nie diese Wonne. In Ewigkeit — me, dir, Heiland! Erlöser, dir, sei dir geweiht, Herr, unser dir folgen wir zu deines Dank und Ehr' und Preis! 2•1 Vaters Herrlichkeit. Nach Ph. Nicolat, 1556—1608. Des 130. Eigene Melodie. Joh. Balth. Glaser. 1804. é ö — RIII b.=...... er⸗ Auf⸗er⸗steh'n, ja auf⸗ er⸗-steh'n wirst du, mein 51—3 0 416 Auferstehung der Toten —— —L +. 1* 1— DPDD‚D‚EIED‚IEEIE EE ⁴— 2 +— 1— T—— Staub, nach kur ⸗ zer Ruh'; un ⸗sterb-lich — XLEE 1* 1— V, hiih J 1— X ael. 1— 2.—. +*— 1——— 2—— Le ⸗ ben wird, der dich schuf, dir ge-ben. Ge⸗ — — H —2———. 4— I LAEI + I —— j II 359— lobt sei Gott! 2. Wieder aufzublüh'n, werd' ich gesä't. Der Herr der Ernte geht und sammelt Garben, uns ein, uns die hier starben. Gelobt sei Gott! 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag; du mei⸗ nes Gottes Tag! Wenn ich im Grabe genug geschlummert habe, erweckst du mich. 4. Wie den Träumenden wird dann uns sein. Mit Jesu geh'n wir ein zu seinen Freuden. Der müden Pilger Leiden sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich mein Mittler dann, lebt' ich im Heiligtume zu seines Namens Ruhme! Ihn schau' ich dann. Fr. Gottl. Klopstock, 17241808. Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. erbeben, Tod, du Schrecken der Natur! Alles reift zu neuem Leben; blieb' denn ich im Tode nur? Nein, ent⸗ fliehet, bange Schrecken! Stets wird nicht das Grab mich decken. Zu der sel'gen Geister Chor schwingt sich frei mein Geist empor. 2. Wieder aufblüh'n, Sohn der Erde, wirst du aus des Grabes Nacht; schweigen wird dann die Beschwerde, kleiden wird dich größre Pracht. Wann der Lenz die Erd' erneuet, wann sich alles um mich freuet, ruft mir jedes Blümchen zu: Wieder aufblüh'n wirst auch du! 431. Ich will nicht vor dir 4 und Wiedersehen. 3. Heil mir! schöner werd' ich blühen, mir auch bricht ein Frühling ein. Aller Kummer wird entfliehen, Trennung nicht mehr sein. Ja, mit jedem Augenblicke eil ich dann zu höherm Glücke, eile zu der Wahrheit Quell: was hier dunkel war, wird hell. 4. Dann, o Wonn'! auf höhern Sphären fühl' ich ganz der Tugend Glück; mir ent⸗ fließen keine Zähren, und mich trübt kein Mißgeschick. Dort, vor des Allmächt gen Throne, schmücket mich die Siegeskrone; dort durchdringet meine Brust klärt zum Licht erwacht des nie gefühlte Wonn' und Lust. 5. Drum erhebe dich vom Staube, o mein Geist, in jene Welt! Der Vernichtung nicht zum Raube wirst du, wenn dein Leib zerfällt. Trage still der Erde Mängel! Bald im frohen Kreis der Engel denkest du der Prüfungszeit dann mit d hoher Freudigkeit. Unbekannter Verfasser. Aufersteh'n, ja auf⸗ ersteh'n ꝛe. 432. Wiederseh'n!— Wenn aus des Grabes Nacht ver⸗ Mel. 430. Tod und 417 Geistes Hülle, o, welcher Freu⸗ den Fülle erscheint mit dir! 2. Wiederseh'n!— Er, der den Tod bezwang, dem Leben Sieg errang, er hat's ver⸗ heißen. Wer kann uns ihm entreißen? Ihm sterben wir. 3. Wiederseh'n!— Der Wonne Zähren, fließt! Wie sie der Herr begrüßt, alle die Seinen, will er auch uns erscheinen; ihm leben wir. 4. Wiederseh'n!— Nicht hier der Leichenstein schließt unsre Trauten ein. Hinauf vom Staube führt sie empor der Glaube an Jesum Christ. 5. Wiederseh'n!— Der Geister sel'ge Schar, die hier einst unser war, harrt auf die Lieben, die noch zurück⸗ geblieben im Thränenthal. 6. Wiederseh'n im bessern Heimatland! Der Liebe heilig Band knüpft dort sich wieder; ann tönen Jubellieder im Vaterhaus. 7. Wiederseh'n!— Ja hier auf Erden schon reift uns der Treue Lohn. Der Freude Thränen vergießt nach bangem Sehnen, wer glaubt und hofft. Nach Gellert von G. W. Schultz, 1774—1842. 27 418 Allgemeines Weltgericht. IV. Allgemeines Wellgericht. Mel. 89. Herzlich thut mich entronnen, zagt ihre Seele verlangen ꝛc. nicht. Nun triumphiert ihr 433. Wenn trotzend dem Hoffen; erlöst von aller Müh' Gerichte der freche Thor sich seh'n sie den Himmel offen, lügt, daß ihn der Tod ver⸗ und du, Herr, segnest sie. nichte, ach, seine Hoffnung 5. Wie angstvoll aber trügt! Mich soll sein Wahn beben, die hier dein Wort nicht stören, weil mich ein verhöhnt und durch ein sinn⸗ göttlich Licht und mein Ge⸗ lich Leben das eitle Herz wissen lehren: Der Herr hält verwöhnt! Du gibst den einst Gericht. Sündenknechten ihr Teil in 2. Ich seh' die Erde jener Pein und führest die Ge⸗ beben, geöffnet jede Gruft rechten zu deinen Freuden ein. die Toten wiedergeben, wann 6. Drum laß mit Ernst Gottes Stimme ruft. Dem mich schauen, o Herr, auf kommt der Treue Segen, dem dein Gericht; doch wanke mein seiner Bosheit Lohn, wie er's Vertrauen auf deine Liebenicht verdient, entgegen an Gottes Vor dir laß fromm mich wan⸗ Richterthron. 3. Umsonst sucht da der Sünder vor Gottes Macht zu flieh'n. Herr, alle Menschen⸗ kinder wirst du zur Rechnung zieh'n. Du rufst, und sie erscheinen, und keiner bleibt zurück; doch, Vater, nur den Deinen winkt dann der Gnade Blick. 4. Frohlockend seh'n die Frommen dein göttlich An⸗ gesicht; schon hier dem Fluch deln und hier zu aller Zeit so wie ein Weiser handeln, der seinen Richter scheut! 7. Ist dann dein Tag vorhanden, wird diese Welt vergeh'n, so fürcht' ich nicht, mit Schanden vor deinem Thron zu steh'n. Du stellst mich dann zur Rechten von aller Schuld befreit, führst mich mit deinen Knechten in deine Herrlichkeit. Benj. Schmolck, 1672—1787. 134. Schon seh' was ich gethan, Rechenschaft nicht verhehlen. Alles, alles folgt mir nach, Wort und ich Samen hier gestreut, ernt' ich in der Ewigkeit. baren; jedem wird für jede Allgemeines 138. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛc. ich den Tag sich nah'n, stündlich eil' ich ihm entgegen, wo von dem, dir abzulegen, Herr, mich deine Stimme ruft, aufzu⸗ steh'n aus meiner Gruft. 2. Was ich dachte, was ich sprach, kann ich dir dann Thaten wirst du zählen; wie 3. Selbst der Herzen stillen Rat wird der Richter offen⸗ That Lohn auf ewig wider⸗ fahren. Jener Tag macht alles klar, was ich that und wer ich war. 435. Mel. Weltgericht. 419 4. Sieh, wir streuen mit Vertrau'n unser Saatkorn auf die Erde, hoffen in Geduld zu schau'n, daß es bald ein Fruchthalm werde; sei auch du geduldig, Christ, da nicht fern der Richter ist! 5. Richte, Mensch, nicht vor der Zeit, bis der Tag des Herrn erscheinet! Fromme, blickt zur Ewigkeit, wenn ihr unter Thränen weinet! Bald geht ihr zum Himmel ein, ewig selig dort zu sein. 6. O, laßt uns gewissenhaft nur nach Gottes Willen wan⸗ deln, eingedenk der Rechen⸗ schaft fromm auch im Ver⸗ borg'nen handeln, selbst die kleinste Sünde scheu'n, Herz und Leben Jesu weih'n! Fr. Wilh. Loder, 1757—1823. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛc. 1585. ——.— e e * D——— Schon ist der Tag von Gott be⸗stimmt, da, sein den nimmt, nach Los aus Got⸗ tes Hän⸗ 2.— I 2*—— 4—. —— 2 2—— —— 1— ö wer auf Er⸗den wan⸗delt dem er hier ge⸗ han ⸗delt Er kommt, er kommt, des 27* 4²⁰ Allgemeines Weltgericht. 0 1 + 4— — 2—5———————— —.— 6—.————— ö—.— Menschen Sohn, er kommt, und Wol⸗-ken sind sein Thron, der 9⁰ 4—— u *..—..— 4—.—— L— 5— 1. II 476 +— II Er ⸗de Kreis zu 2. Hier, an dem Rand der Ewigkeit, hier steh'n die Millionen, die seit dem ersten Tag der Zeit auf dieser Erde wohnen, nur dem Allwissenden bekannt, unzählbar, wie am Meer der Sand; hier steh'n sie vor dem Richter. 3. Hier muß der falsche Wahn der Welt der Wahrheit unterliegen; hier, wo das Recht die Wage hält, wird keine Bosheit siegen; hier ist zur Buße nicht mehr Frist; hier gilt nicht mehr Betrug und List; hier gilt kein falscher Zeuge. 4. Der Richter spricht; der Himmel schweigt, und alle Völker hören erwartungsvoll und tief gebeugt. Kommt, erbt das Reich der Ehren! so spricht er zu der Frommen Schar; doch die, die widerspenstig war, heißt er nun von sich weichen. 5. Dann wirst du uns mit Majestät dein Urteil, Herr, rich ⸗ten. verkünden. Den Frevler, der dich hier verschmäht, ver⸗ dammen seine Sünden. Wie wird ihn dann sein Unrecht reu'n! Er kann sich nicht des Himmels freu'n, er selbst hat sich verbannet. 6. Doch die Gerechten leuchten dann so wie der Glanz der Sonne. Du, Herr, nimmst sie zu Ehren an; o welche hohe Wonne! Sie schauen mit er⸗ stauntem Blick des Glaubens und der Liebe Glück, das dort der Frommen wartet. 7. Sie geh'n nun in das sel'ge Reich, das du für sie bereitet, und seh'n auf ewig, Engeln gleich, ihr Wohlsein ausgebreitet. Das Stückwerk wird Vollkommenheit; kein Kummer, keine Traurigkeit stört forthin ihre Freude. 8. Mein Heiland, laß mich dein Gericht oft und mit Ernst bedenken! Es stärke meine ö Stimme hören:„Der du zu Allgemeines Weltgericht. 421 Zuversicht, wenn mich hier meiner Rechten bist, du warst Leiden kränken; es reize mich, gehorsam meinen Lehren, nimm gewissenhaft und eingedenk der hin, was dir bereitet ist! Du Rechenschaft nach deinem Wort Treuer, sei den Engeln gleich; zu wandeln! komm', erbe meines Vaters Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Reich* 5. Solch eine Wonne wartet Mel. 241. Wer nur den lieben meiner, wenn ich mit brüder⸗ Gott läßt walten ꝛe. lichem Sinn den Nächsten lieb' 436. Wenn ich auf Gottes und gern mich seiner erbarm' Wegen wanke und straucheln und Jesu ähnlich bin. Gott, will, so schrecke mich der herz⸗ wer kann hart und lieblos erschütternde Gedanke: Gott sein, Betrübte seh'n und nicht richtet einst die Welt und dich! erfreu'n? ö Er hat's verkündigt; sein 6. Ach, dort trifft den, der Gericht ist unausbleiblich; ohn' Erbarmen nie menschen⸗ strauchle nicht! freundlich sich erweist, der, 2. Der Weg der Tugend, fühllos bei der Not der Armen, den ich walle, sei rauh und Bedrängte nie erquickt noch steil; wo führt er hin? Zum speist, den Hungrigen sein Himmel, wenn ich Gott gefalle, Brot nicht bricht, auch ohne weil ich getreu und standhaft Gnade das Gericht. bin, gestärkt, o Gott, durch 7.„Fühllose!“ wird derRRich⸗ deine Huld zur Selbstver⸗ ter sagen,„verschlossen habt leugnung, zur Geduld. ihr eure Hand, verachtet eurer 3. Bedächt' ich oft in meinen Brüder Klagen; entweicht! ich Tagen: Die Welt vergeht mit hab' euch nie erkannt. Für den, ihrer Lust! Wohl mir, wenn der Brüder nicht erfreut, ist ich bei allen Plagen mir keines freudenlos die Ewigkeit!“ Frevels bin bewußt! Es kommt 8. So wirst du jede Sünde gewiß die Ewigkeit, die mich richten, gerechter Richter, wenn aus jeder Not befreit. du einst den Uebertretern ihrer 4. Dann werd' ich Jesu Pflichten in deiner Majestät erscheinst. Dann wird der 42² Von der Fromme sich erfreu'n, dem Bösen alles schrecklich sein. 9. Gib mir, o Vater, Mut und Stärke, damit mein Glaube dir getreu, geübt in Ewigkeit. jedem guten Werke, bewährt und dir gefällig sei! So werd' ich ewig selig sein, mich ewig deiner Liebe freu'n. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. V. Von der Ewigneit. Ueberhaupt. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. 437. Wenn oft in feierlicher Stille, vom Todesgrau'n der Welt entführt, mein Herz in tiefer Wehmutsfülle sich über Zeit und Grab verliert, dann hör' ich, daß es in mir spricht: „Ich bin, und drum vergeh' ich nicht.“ 2. Wenn tief gebeuget von Beschwerde des Lebens Freude mir entflieht, und nirgends auf der weiten Erde mein Herz sich Rat und Trost ersieht, dann tönet mir ein Engel⸗ wort:„Hier ist die Saat, die Ernte dort!“ 3. Wenn in der Nacht, beim Glanz der Sterne, mein Aug' am Grab der Teuern weint, und Tröstung bietend aus der Ferne der Geist der Liebe mir erscheint, dann steht es hell vor meinem Blick: „Auch was beweint ward, kommt zurück.“ lächle immer, wenn Freud', wenn Leid das Herz bewegt! Umglänze mich wie Morgen⸗ schimmer, wenn Nacht auf meinen Pfad sich legt, und drück' es tief dem Schwachen ein:„Was göttlich ist, muß ewig sein!“ Unbekannte Verfasserin. Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛc. 438. Nach einer Prüfung kurzer Tage erwartet uns die Ewigkeit. Dort, dort ver⸗ 4. O Himmelshoffnung, wandelt sich die Klage in tend der steht lick: ard, ung, ud', egt! gen⸗ auf und chen muß rin. ößte fung die ver⸗ in göttliche Zufriedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß, und jene Welt reicht ihr den Preis. 2. Wahr ist's, der Fromme schmeckt auf Erden schon man⸗ chen sel'gen Augenblick; doch alle Freuden, die ihm werden, sind ihm ein unvollkomm'nes Glück; er bleibt ein Mensch, und seine Ruh' nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, bald das Geräusche dieser Welt; bald kämpft in seinem eignen Herzen ein Feind, der öfter siegt, als fällt; bald sinkt er durch des Nächsten Schuld in Kummer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugendöfters leidet, das Laster öfters glücklich ist, wo man den Glücklichen beneidet und des Bekümmerten vergißt, hier kann der Mensch nie frei von Pein, nie frei von eigner Schwachheit sein. 5. Hier such' ich's nur, dort werd' ich's finden; dort werd' ich heilig und verklärt der Tugend ganzen Wert empfinden, den unaussprechlich großen Wert; den Gott der Liebe werd' ich seh'n, ihn lieben, ewig ihn erhöh'n. Ueberhaupt. 42³3 6. Da wird der Vorsicht heil'ger Wille mein Will' und meine Wohlfahrt sein, und lieblich Wesen, Heil die Fülle am Throne Gottes mich er⸗ freu'n. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd' ich das im Licht erkennen, was ich auf Erden dunkel sah, das wunderbar und heilig nennen, was unerforsch⸗ lich hier geschah; da denkt mein Geist mit Preis und Dank die Schickung im Zusammenhang. 8. Da werd' ich in der Engel Scharen mich ihnen gleich und heilig sehn', das nie gestörte Glück erfahren, mit Frommen stets fromm umzugeh'n. Da wird durch jeden Augenblick ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 9. Da werd' ich dem den Dank bezahlen, der Gottes Weg mich gehen hieß, und ihn zu millionenmalen noch segnen, daß er mir ihn wies; da find' ich in des Höchsten Hand den Freund, den ich auf Erden fand. 10. Da ruft— o möchte Gott es geben!— vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: 42⁴ Von der „Heil sei dir, denn du hast das Leben, die Seele mir ge⸗ rettet, du!“ O Gott, wie muß dies Glück erfreu'n, der Retter einer Seele sein! 11. Was seid ihr Leiden dieser Erden doch gegen jene Herrlichkeit, die offenbart an uns soll werden von Ewig⸗ keit zu Ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie ist doch ein Augenblick voll Müh'! Chr. F. Gellert, 1715—1769. Ewigkeit. geben; dort nur ist voll⸗ komm'nes Leben. 3. Kein Tod ist da mehr und kein Grab. Dort trocknest du die Thränen ab von deiner Kinder Wangen. Da ist kein Leid mehr, kein Geschrei; denn du, o Herr, machst alles neu, das Alte ist vergangen. Hinfort sind dort für Gerechte, deine Knechte, keine Plagen mehr zur Prüfung zu ertragen. 4. In deinem höhern Heilig⸗ tum erschallet mächtig, Herr, Mel. 74. Wie leuchtet uns der dein Ruhm von lauter frohen Morgenstern ꝛc. Zungen. Da strahlt die Herr⸗ 439. Mein Geist, o Gott, lichkeit des Herrn; da sicht wird ganz entzückt, wenn er man sie nicht mehr von fern; da nach jenem Himmel blickt, da⸗ wird sie neu besungen. Heller, hin dein Wort uns leitet, wo schneller als hienieden, ohn Er⸗ deine milde Vaterhand aus müden seh'n wir droben, Gott, neuen Wundern wird erkannt, wie hoch du bist zu loben. die du da hast verbreitet. Mäch⸗ tig fühl' ich mich getrieben, dich zu lieben, der zum Leben jener Welt mich will erheben. 2. Was sind die Freudendieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlich⸗ keit, die wir dereinst dort finden! Du stellst uns hier auf Erden zwar viel' Wunder deiner Güte dar, daß wir sie froh empfinden; doch hier sind wir bei den Freu⸗ den noch mit Leiden stets um⸗ 5. Voll größrer Ehrfurcht lieben wir dich, Vater, dann, lobsingen dir mit fröhlichem Gemüte. Nichts stört den Frieden unsrer Brust und unsre tausendfache Lust an deiner großen Güte. Kein Neid, kein Streit hemmt die Triebe reiner Liebe unter Seelen, die dann weiter nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche Schar ist dort vereint! Die Frommen, N Ueberhaupt. die ich hier beweint, die find' ich einst dort wieder. sammelt deine Vaterhand sie, die ein Sinn schon hier ver⸗ band, Herr, alle deine Glieder. d Da Ewig werd' ich, frei von Mängeln, selbst mit Engeln, mir zum Segen, da die reinste Freundschaft pflegen. 7. Wie selig werd' ich dann ö erst sein, wie sicher werd' ich dann mich freu'n, dir ewiglich lobsingen! O Jesu, Herr der Herrlichkeit, auch mir ist dieses Heil bereit; hilf mir es auch erringen! Laß mich eifrig darnach streben und mein Leben so hier führen, daß ich dort kann triumphieren! Nach A. Fritzsch von Diterich, 1721—1797. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛc. 440. Jesus kommt, von allem Bösen uns,seine Christen, zuerlösen; er kommt mit Macht und Herrlichkeit. Dann, an sei⸗ sind wir, nem großen Tage, verwandelt Freuden 42⁵ ein Morgentraum, auf ihn folgt ewig, ewig Heil. 2. Augenblicke dieser Leiden, was seid ihr gegen jene Freuden er unbegrenzten Ewigkeit! Seht die Kron' am Ziele prangen und kämpft und ringt sie zu erlangen, die ihr so hoch begnadigt seid! Euch hält in euerm Lauf kein Schmerz des Lebens auf, Ueberwinder! Das Ziel ist nah'! Bald seid ihr da, und eure Leiden sind nicht mehr. 3. Der sich euch zum Volk erwählet, der eure Thränen alle zählet, stritt auch mit unge⸗ beugtem Mut. Wie hat Jesus einst gerungen! Wie tief war er von Angst durchdrungen! Wie seufzt' er laut, wie floß sein Blut! Doch sah'n die Feinde nicht auf seinem An⸗ gesicht bange Schrecken; ein Held in Not, litt er den Tod; da jauchzten alle Himmel ihm. 4. Mitgenossen seiner Leiden einst ernten wir auch mit ihm, dem Ueber⸗ sich der Frommen Klage in winder, ein. Laßt uns kämpfen, ewige Zufriedenheit. Seifröh⸗ lich, Volk des Herrn! Er kommt, er ist nicht fern, laßt uns ringen, mit unserm Haupt hindurch zu dringen dein und Erretter. Dein Leid ist kaum sein! seines Himmels wert zu Der Hilf' uns schafft, 4² ist er! Sein großer Nam' ist: Herr, unsre Stärke! Die ihm vertrau'n, die werden schau'n, wie herrlich er den Seinen lohnt. 5. Ja, du kommst, von allem Bösen uns, deine Christen, zu erlösen; des sind wir froh und danken dir. Herr, auch in den bängsten Tagen soll unser Herz doch nicht verzagen; auf deine Zukunft hoffen wir. Wir wissen, wer du bist, wer unser Retter ist, und sind stille; wenn Gott uns hält, vergeh', o Welt; stürz' ein auf uns, wir zagen nicht! Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 15. Kommt her, spricht Christus, Gottes Sohn ꝛe. 441. Einst sinkt der Leib ins kühle Grab, der Staub zu anderm Staub hinab, nicht sterblich mehr zu leben. Mit freiem Flug und frohem Blick kehrt der entbund'ne Geist zurück zu dem, der ihn gegeben. 2. Wohl ihm, wenn Thaten, fromm und gut, zum Grab, in dem die Hülle ruht, als Engel ihn begleiten; ähnlich dir, o Jesu Christ, er heilig war, Von der Ewigkeit. 3. O hohes Glück, vor Gott zu steh'n! O Freude, Jesu, dich zu seh'n und deines Reiches Glieder; zu sehen dich in deinem Licht von Angesicht zu Angesicht, dich ersten aller Brüder! 4. Wie wird mir dann zu Mute sein, wann der Erwachten große Reih'n vor dir ver⸗ sammelt stehen; wann du mich dann beim Namen nennst und vor den Engeln mich bekennst, die dich mit mir erhöhen! 5. Ach, ich, der jetzt noch Thränen weint, ich werde, wenn dein Glanz erscheint, dann leuchten wie die Sonne, ich Sündiger von Sünden rein, ich Sterblicher unsterblich sein, voll Dank's, o Gott, voll Wonne! 6. Wenn ich, befreit von aller Qual, getränkt mit Freu⸗ den ohne Zahl, nicht mehr in Thränen säe, wie steigt dann jeden Augenblick der Seele namenloses Glück in meines Gottes Nähe! 7. Und aller höhern Geister wenn Schar, und wer auf Erden sind alle meine heilig, rein und fähig ist Brüder, sind alle nah ver⸗ zum Glück der Ewigkeiten! wandt mit mir und singen vor ude, ines dich esicht aller n zu chten ver⸗ mich und nnst, hen! noch erde, jeint, )nne, rein, sein, voll von Freu⸗ hr in dann Seele eines eister orden neine ver⸗ ingen seets, Erlöser, dir aus einem Munde Lieder. 8. Der Seligkeiten, Gott, wie viel'“ O Freuden ohne Maß und Ziel, hoch über alles Sehnen! O Ewigkeit! O Seligkeit! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie nichts sind alle Thränen! Von den verschiedenen Schicksalen der Frommen ꝛc. 42⁷ 9. Sei stark, sei freuden⸗ voll, mein Geist! Gott lebt, Gott hält, was er verheißt. Er ist der Gott der Frommen. Kein Heil ist je für dich zu groß. Ist doch zu dir, aus Gottes Schoß, sein eigner Sohn gekommen. Joh. Kasp. Lavater, 1741— 1801. Von den verschiedenen Schicksalen der Frommen und Gottlosen in der Ewigkeit. Mel. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. 1687. ——— — 2* 2—— O wie un⸗ aus⸗sprech-lich se ⸗ lig Ja, dort ern⸗ ten wir un ⸗zäh⸗ lig —— o ni— SSISSISIIIIEIII.... I— A wer⸗den wir im Him⸗ mel sein! irnd uns⸗ res Glau⸗bens Früch⸗ te ein. Kni ne *.—— ö— II—— IEEEEEEEEEE Leid und Zäh⸗ren un⸗ ser Le-ben e⸗ wig wäh⸗ ren. 1. 4 + +4 ——— 2. L— ö—— 0 ö ........ ĩJI————— Di Gott, zu wel⸗cher Se- lig-keit führst du uns durch V I ———.—— .—ä—1 die ⸗se Zeit! 4² 2. Hier ist zwar, was du den Frommen dort für Glück bereitet hast, noch in niemands Herz gekommen. Welcher Mensch auf Erden faßt deines Himmels große Freuden? Doch nach dieses Lebens Leiden wer⸗ den alle, die dir trau'n, mehr noch, als sie hoffen, schau'n. 3. Neue Wunder deiner Güte werden dort ihr Glück erhöh'n. Mit erstaunendem Gemüte soll dann unser Auge seh'n, deine Huld sei über⸗ schwenglich und die Wohlfahrt unvergänglich, die dem Treuen, der dich liebt, deine Vaterhuld dort gibt. 4. Dann wirst du dich unsern Seelen offenbaren, wie du bist. Keine Wonne wird uns fehlen da, wo alles Wonne ist. Zu vollkommnen Selig⸗ keiten wird uns dort der Mittler leiten, der uns dieses Glück erwarb, als am Kreuz er für uns starb. 5. Da wird deiner Frommen Menge ein Herz, eine Seele sein, Dienst und Dank und Lobgesänge dir, erhabner Gott! zu weih'n; dir und dem, der selbst sein Leben willig für uns hingegeben. Ja, mit dir, Von der Ewigkeit. o Menschenfreund, sind wir x ewig dann vereint! 6. O, wer sollte sich nicht sehnen, aufgelöst und da zu sein, wo nach ausgeweinten Thränen ew'ge Güter uns erfreu'n; wo sich unser Kampf in Palmen, unser Klagelied in Psalmen, unsre Angst in Lust verkehrt, die forthin kein Kummer stört! 7. Was ist unser Los auf Erden? Ob es noch so köstlich sei, ist's doch nie ganz von Beschwerden, Sorgen, Furcht und Kummer frei. Schnell folgt hier auf Lust oft Weinen; dort nur wird die Zeit er⸗ scheinen, wo kein Wechsel mehr uns drückt, Wonn' auf Wonne uns beglückt. 8. Sei, o Seele, hoch er⸗ freuet über das erhabne Glück, das dir einst dein Gott ver⸗ leihet! Richte deines Glaubens Blick oft nach jener Stadt der Frommen; mit dem Ernst, dahin zu kommen, trachte, weil du hier noch bist, nur nach dem, was droben ist! 9. Ohne Heiligung wird keiner, Herr, in deinen Himmel geh'n. O, so mache immer reiner hier mein Herz, wir nicht zu nten uns impf elied t in kein auf stlich von urcht nell nen; er⸗ ehr onne er⸗ lück, ver⸗ bens t der rnst, ö chte, nur ist! wird rinen ache ö selber meiner Seele, daß sie nicht den Weg verfehle, der mich sicher dahin bringt, wo man ewig dir lobsingt! Benj. Schmolck, 1672—1737. dich einst zu seh'n! Hilf du Mel. 429. Wachet auf! die Stimme ꝛe. 443. Selig sind des Himmels so ruft Erben, die Toten, die im ung eingeweiht! Herren sterben, zur Aufersteh⸗ Nach den letzten Augenblicken des Todes⸗ schlummers folgt Entzücken, folgt Wonne der Unsterblich⸗ keit. Im Frieden ruhen sie, los von der Erde Müh'. Lobt den Vater! Vor Gottes Thron, zu seinem Sohn be⸗ gleiten ihre Werke sie. 2. Dank, Anbetung, Preis und Ehre, Macht, Weisheit, Herrlichkeit verkläre den Welt⸗ versöhner, unsern Herrn! Siegreich sind sie eingegangen zum Heil, nach dem sie kämpfend rangen; nun seh'n sie es nicht mehr von fern. Nun weinen sie nicht mehr; ihr Loblied, rein und hehr, preiset Jesum. Er sank hinab wie wir ins Grab. Er ging 585 zu Gott, wir folgen nach. Friedr. Gottl. Klopstock, 1724-1803. Von den verschiedenen Schicksalen der Frommen ꝛc. 429 Mel. 181. Er starb, der größte Held ꝛce. 444. Es ist noch eine Ruh' vorhanden für jeden Gott ergeb'nen Geist, wann er sich dieses Leibes Banden nach Gottes Willen einst entreißt und dann nicht mehr so ein⸗ geschränkt, als hier auf Erden, lebt und denkt. 2. Zu dieser Ruhe werd' ich kommen, und, Gott, wie selig bin ich dann! In deinen Himmel aufgenommen, fang' ich das bessre Leben an, wo nach der Last, die hier mich drückt, der Freuden Fülle mich erquickt. 3. Da schweigen alle meine Klagen, da bringt mein from⸗ mer Lobgesang dir selbst für dieses Lebens Plagen mit nie gefühlter Rührung Dank. Froh jauchz' ich dann:„Es ist voll⸗ bracht; der Herr hat alles wohlgemacht!“ 4. Auf ewig trifft mich dann kein Leiden, kein Schmerz und keine Schwachheit mehr; ich fühle dann die reinsten Freuden, gekrönt von dir mit Preis und Ehr'; mein Glück wird fest, und volles Heil bleibt dann in Ewigkeit mein Teil. 43⁰ 5. Gott, laß mich dies zu Herzen fassen, daß jeden, der dich redlich liebt, du nicht im Kampfe willst verlassen, der dieses Leben noch umgibt! Das flöße Mut und Kraft mir ein, dir auch in Leiden treu zu sein! 6. Mein Heiland, der du selbst auf Erden der Leiden viel' erduldet hast, will ich des Lebens müde werden und fühl' ich dieser Tage Last, so stärke mächtig meinen Geist, daß er dem Unmut sich entreißt! 7. Gib, daß in Hoffnung jener Ruhe, die einst der Lohn der Frommen ist, ich gern des Vaters Willen thue, wie du, o Herr, mein Vorbild bist! So folgt auf meinellebungszeit gewiß vollkommne Seligkeit. J. S. Kunth, 1700—1779. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 445. Hoch über Erd' und Erdenzeit, hoch über Tod und Sterblichkeit schwing' dich, o meine Seelel Schau' über Sarg und Leichengruft und Moder⸗ staub und Moderduft und düstre Grabeshöhle!— Schau', o Seele, heil'gen Bebens, Von der Ewigkeit. deines Lebens Morgenröte in der Gräber Schaueröde! 2. Was du hier siehst, ist welkes Laub; was hier ver⸗ stirbt, ist Staub von Staub, war Hülle deiner Brüder. Nur sie wird morsch, nur sie zerbricht; der Leib nur modert, Geister nicht. Sinkt sie zur Erde nieder, wirst du wieder dich zum Leben neu erheben. ö Ew'ge Freuden warten dein nach kurzen Leiden. 3. Ja, ewig, ewig wirst du sein, dich ewig deines Gottes freu'n und— selige Gedanken in dieser Weisheit Dämmer⸗ licht, wo statt der Wahrheit Trug oft spricht!— frei von der Sinne Schranken, nimmer wanken. Dunkelheiten werden Freuden einst dir geben, wirst im hellern Licht du leben. 4. Der Vorsicht Wege wirst du seh'n und besser dort ihr Werk versteh'n, in Kenntnis weiter rücken, des Monds, der Sonn' und Sterne Bahn, der großen Schöpfung weisen Plan mit himmlischem Ent⸗ zücken überblicken. Und es werden neue Erden, neue Himmel glänzen dir im Stern⸗ gewimmel. e in ö Hand in Hand, durch Para⸗ diese wallen. 5. Dort wirst du ohne Un⸗ bestand, mit bessern Menschen Nichts störet deinen Frieden dann, und keine Thräne, die hier rann, wird mehr dem Aug' entfallen. Allen, allen strömt gleich helle jene Quelle hoher Freuden aus dem Meer der Ewigkeiten. 6. Dort reift zur Frucht die Erdensaat; dort lohnt dir jede gute That dein Vater überschwenglich und macht dich unnennbarer Lust, hier Sterb⸗ lichen noch unbewußt, der Seligkeit empfänglich. Unver⸗ gänglich, frei von Mängeln, gleich den Engeln wirst du droben reiner deinen Schöpfer loben. 7. Nicht herrscht der Sinne niedre Lust, die hier die Ruh' in deiner Brust oft unbezwing⸗ lich störet; nicht herrscht dort Erdenlaster mehr, das hier, oft ohne Wiederkehr, dich, Sinn⸗ licher, bethöret; dann, bekehret, aufgenommen zu den From⸗ men, rein im Herzen, wird kein neu Vergeh'n dich schmerzen. 8. Drum schwing' dich über Erd' und Zeit, hoch über Tod und Sterblichkeit frohlockend, Von den verschiedenen Schicksalen der Frommen ꝛc. 431 meine Seele! Blick' über Sarg und Leichengruft und Moder⸗ staub und Moderduft und düst're Grabeshöhle! Laß, o Seele, wird Gott winken, sie nur sinken, diese Hülle! Dein harrt ew'ger Wonne Fülle. Bearbeitet von Joh. Reisig, geb. 1749. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir ꝛc. 446. Ach, schrecklich wird die Strafe sein, die Sünder leiden sollen, wenn sie nicht hier ge⸗ recht und rein durch Christum werden wollen! Sie treiben, höhnend dich, o Gott, mit Jesu Wahrheit ihren Spott und trotzen deiner Gnade. 2. Der Gott, der uns verschont und liebt, wenn wir die Laster hassen, der gnädig jede Schuld vergibt, wenn wir uns bessern lassen, er hat's verkündigt; er, der gut, gerecht in allem, was er thut, wahrhaftig ist und heilig. 3. Auch Christus, der uns Heil erwarb, der, von der Sünden Bürden uns zu er⸗ retten, litt und starb, damit wir selig würden, auch er ist's, der uns warnt und mahnt und uns den Weg zum Leben bahnt. Weh dem der ihn nicht achtet! 432 Von der Ewigkeit. 4. Sein Wort ist wahr! Da, wo er nicht gesäet hat, Ihr zweifelt noch, daß er euch will beglücken? Laßt von der Leidenschaften Joch euch schmählich niederdrücken? Die ihr so leicht euch täuschen laßt, könnt ihr durchschau'n, was er umfaßt, der Zukunft Tief' ergründen? 5. Träumt ihr, barmherz⸗ iger als er zu sein? Glaubt ihr, gerechter zu richten, weiser als der Herr, den frevelnden Verächter? Hat er euch seiner Strafen Art mit ihren Folgen offenbart, daß ihr ihn meistern wollet? 6. Gerecht ist, gut, was er gebeut, und wert, daß er's gebiete, und nicht zuwider, was er dräut, der Heiligkeit und Güte. Laßt ihm die Wage! Sein Gewicht verfälschen Trug und Willkür nicht; er wägt nach Recht und Wahrheit. 7. Nicht jedes Volk em⸗ pfängt das Licht, das seine Christen haben; verschieden wird auch sein Gericht und Lohn sein, wie die Gaben. wird er, wie er schon hier nie that, auch dort nicht ernten wollen. 8. Du zitterst vor der Ewigkeit? Ach, zitt're dir zum Heile, daß, eh' du's glaubst, nicht, was er dräut, dich Sichern übereile! Zu deinem Heil enthüllt er dir die Schrecken des Gerichts, daß hier du nicht der Sünde dienest. 9. Zerbrich nur selbst der Sünde Joch, entreiß' dich ihren Ketten; dann such' auch deine Brüder noch von Sünden zu erretten! Doch Furcht soll nicht der Antrieb sein, dem Dienst der Tugend dich zu weih'n; er bringt dir Ruhm und Freude. 10. O, wann du einst vollendet bist, dann wirst du ganz verstehen, wie der Ge⸗ rechte gnädig ist; frohlockend wirst du's sehen. Dann ist, was dich hier zittern macht, enthüllt von jedes Schattens Nacht, ganz Herrlichkeit und Wonne. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. hat, nie nten der zum ubst, dich inem die daß nest. der hren deine n zu nicht hienst Besondere Umstände, Horfälle und Zeiten. I. Besondere Umstände und Porfälle. Einweihung einer Kirche und Orgel. Mel. 229. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' ꝛe. 447. Dank und Anbetung bringen wir mit freudigem Gemüte in dieser Feierstunde dir, dem Urquell aller Güte. Viel hast du, Herr, an uns gethan; du hörtest unser Flehen an und sprachst ein mächtig Werde! 2. Da ward dies Haus, dein Heiligtum, ein Denkmal deiner Ehre, ein dir geweihtes Eigentum, ein Tempel deiner Lehre. Du hast uns bis hieher geführt, und dir, o Vater, dir gebührt Anbetung, Preis und Ehre. 3. Hier, wo wir alle freudig ruh'n an unsrer Wünsche Ziele, hier opfern wir dir alle nun mitregem Dankgefühle Gebete, wie dein Geist sie lehrt, Ge⸗ lübde, unsers Glaubens wert, und stille Freudenthränen. 4. O sieh mit gnadenvollem Blick auf dieses Opfer nieder! Vereine uns zu höherm Glück als eines Leibes Glieder! O breit' auch über dieses Haus stets deine Vateraufsicht aus, daß ihm kein Unfall schade! 5. So oft wir dann in Zukunft hier mit Andacht vor 28 434 dich treten und, frommer Rührung voll, zu dir für unsern Fürsten beten, so hör' uns, Gott, und segne ihn und förd're, lohne sein Bemüh'n um seiner Länder Wohlstand! Besondere Umstände und Vorfälle. fahren! Wenn der Herr nicht ö bei uns wär', ach! wer wollt' uns offenbaren, welcher Weg zum Himmel führt, und was uns zu thun gebührt? 3. O, wie lieblich, o, wie 6. Stets müss', Allgütiger, schön sind der Christen Gottes⸗ uns hier das Licht der Wahr⸗ dienste! Laßt uns eilen, hin⸗ heit scheinen und immer inniger mit dir im Glauben uns ver⸗ einen; hier müss' es uns mit Heiterkeit, mit Trost im Un⸗ glück, Mut im Streit und Jesu Sinn erfüllen! 7. Einst seh'n wir dich in hellerm Licht, das du uns wirst gewähren. Dann, Vater, preisen wir dich nicht an irdischen Altären; wir preisen dich vor deinem Thron und ernten dort den höhern Lohn, der deiner Treuen harret. Unbekannter Verfasser. Mel. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛe. 448. Ach, wie heilig ist es hier und wie selig diese Stätte! Ja, hier ist des Himmels Thür, hier erhöret Gott Gebete; hier erschallet Gottes Wort; ach, wie heilig ist der Ort! 2. Was für Heil ist bis hierher diesem Hause wider⸗ zugeh'n; hier erlangt man zum Gewinnste einen Schatz, kein Wurm verzehrt. 4. Kommt, ihr Sünder, nun herzu, fallt vor euerm Vater nieder! Suchet die Ge⸗ wissensruh', gebt, was ihr entwendet, wieder, teilt den kommt in dieses Haus! 5. Bleibe bei uns, lieber Gott, bleib' bei uns mit deinem Worte; steure selbst der Läst'rer Spott und laß, Herr, an diesem Orte deine Kirche fest besteh'n, bis die Welt wird untergeh'n! 6. Stell' uns solche Lehrer dar, die mit Lehr' und Leben bauen, die uns weiden immer⸗ dar auf den rechten Lebens⸗ auen, daß der falschen Lehrer Gift keines deiner Kinder trifftl 7. Laß dein Antlitz auf der ewig währt, den kein Rost, Armen reichlich aus und dann uns seh'n! Herr, erhöre hier Einweihung einer Kirche und Orgel. Gebete, höre, wenn wir zu Dir fleh'n; auch bewahre diese Stätte, daß ihr weder Raub noch Glut, noch Verfolgung Schaden thut! 8. So wird unser Herz schon hier deines Himmels Vor⸗ schmack haben, bis wir alle dort bei dir uns im Friedenstempel laben; dort vereint sich unser Dankmit der Engel Lobgesang. Benj. Schmolck, 1672—1737. Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛc. 449. Wie rauscht in unsern Lobgesang der Orgelprächt'ger Ton! Erhebe dich mit Preis und Dank, o Lied, zu Gottes Thron! 2. Wer gab die Kunst und Wissenschaft, die solch ein Werk erfand? Wer legte so viel Schöpferkraft in eines Menschen Hand? 3. Wer lehrte so, aus Schwung und Fall der Luft, Gesang ihn zieh'n? Wer gab dem schweigenden Metall die hohen Melodien? 4. Du, Ewiger, sei hoch⸗ gepreist, du schärfst des Men⸗ schen Sinn und lenkest weis⸗ lich seinen Geist auf Kunst⸗ erfindung hin. 43⁵ 5. Es zeigt, was Menschen⸗ mühe kann, auch dieses Werk für sich; doch alles, was der Mensch ersann, gelingt ihm nur durch dich. 6. Wie würden sie in heil' ger Scheu, die frommen Väter, steh'n, säh'n sie der Orgel Kunstgebäu' und hörten ihr Getön'! 7. Ihr frommes Lied drang himmelwärts aus kind⸗ lichem Gemüt; o wäre doch auch unser Herz von Andacht tief durchglüht! 8. Dem Sange gebe Kraft und Schwung dies Werk, das wir dir weih'n, und Flügel der Begeisterung soll es der Andacht leih'n! 9. Mit heil'ger Inbrunst hebe sich der Geist zu dir empor, so oft die Orgel feier⸗ lich begleitet unsern Chor! 10. Einst wird mit einem höhern Ton dies schwache Lied vertauscht, wo, Herr, um deinen Strahlenthron der Engel Harfe rauscht. I1. Dort schweigt die Saite, schweigt das Rohr, und jeder Mißton flieht; gelobt sei Gott! der Welten Chor stimmt dort in unser Lied. 28² 436 12. Vernimm indes der Klage Schrei, sieh unsres Dankes Drang, und unser ganzes Leben sei dir, Herr, ein Lobgesang! Unbekannter Verfasser. Im Kriege. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛe. 450. O Gott, ein banges Kriegeswetter zieht über unser Haupt einher! Doch du bist unser Schutz und Retter; drum beben wir vor keinem Heer, wie sehr es auch Gefahr und Not den Völkern und den Ländern droht. 2. Gib, daß in diesen trüben Tagen wir nur auf dich, o Vater, seh'n und da, wo andre trostlos zagen, mit Zuversicht zu dir nur fleh'n, weil Menschenhilfe wenig nützt, wenn deine Macht uns nicht beschützt! 3. Kein blinder Zufall herrscht auf Erden; du bist es, der die Welt regiert. Laß jetzt die Menschen inne wer⸗ den, daß dir allein die Macht gebührt! Herr, du bist uns're Zuversicht! Wir bitten dich, verlaß uns nicht! ö F Besondere Umstände und Vorfälle. 4. Je weniger sich oftmals zeiget, woher uns Hilfe noch entspringt, je mehr oft Not und Plage steiget und alles in Zerrüttung bringt, um so viel mehr laß voll Vertrau'n uns, Gott, auf deine Vor⸗ sicht schau'n! 5. Dem Feinde hilft nicht große Menge! dem Mächt'gen hilft nicht seine Kraft. Der Roß und Wagen stark Ge⸗ dränge ist's nicht, was Völ⸗ kern Sieg verschafft. Auf sie hofft zwar der Stolze gern; allein der Sieg kommt nur vom Herrn. 6. Gott, fände je dein weiser Wille für uns selbst Züchtigungen gut, so fassen wir in frommer Stille zu dir, o Herr, den frohen Mut, daß du gewiß zur rechten Zeit uns zu erretten sei'st bereit. 7. Froh werden wir dich rühmen müssen, wie du uns wieder wohlgethan. Gott ist gerecht in seinen Schlüssen; ihn bete dankbar alles an! Er hilft und er errettet gern; lobsinget ihm, lobsingt dem Herrn! Ernst Sam. Jak. Borchwardt, 17171776. Am Friedensfeste. Am Friedensfeste. Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛe. 451. Willkommen, holdes Kind des Himmels, o Friede, der du uns beglückst, den wilden Lärm des Kriegs⸗ getümmels und aller Feinde Mut erstickst! Dich sandte Gott, der uns erhört und Wonne nach dem Leid ge⸗ währt. ö 2. Er ist ein Herr der Kriegesscharen; er beugt der Stolzen Uebermut; er ist ein Retter aus Gefahren und dämpft des heißen Kampfes Wut. O Christen, preiset seine Macht! sie hat uns Ruh' zurückgebracht. 3. Wer ist wie Gott? Was er behütet, dem darf sich kein Zerstörer nah'n. Wenn er den Streitenden gebietet, so wandeln sie des Friedens Bahn; Verwüstung, Angst und Raubsucht flieh'n, und Sicher⸗ heit und Segen blüh'n. 4. Nun weiht ihm Dank und Preisgesänge; erkennet seine Freundlichkeit! Nun ruft in festlichem Gedränge: Der Arm des Herrn hat uns be⸗ freit! Er sandte Frieden uns 437 zurück, und Friede, Friede, welch ein Glück! 5. Erhebet ihn, der mit Er⸗ barmen, obgleich oft hart, die Sünder schlägt und immer, wie auf Vaterarmen, sein Volt durch Schreckensnächte trägt! Er⸗ hebetihn mit frohem Sinn! Die Schreckensnächte sind dahin. 6. Aus Liebe lernt ihm ferner trauen, wenn Unglück auf euch niederstürzt! Ihr werdet seine Hilfe schauen, denn seine Hand ist nie verkürzt. Wo wir auch keine Rettung seh'n, heißt er die Not vorübergeh'n. 7. Lobsingt ihm durch ein frommes Leben! Ihn ehrt Gehorsam nur allein; mit Ernst der Tugend sich ergeben, das heißt den besten Dank ihm weih'n. So heiligt ihm denn euer Herz und dann vergeßt Gefahr und Schmerz! 8. Doch preiset ihn auch durch Erbarmen, wo ihr der Brüder Not erblickt! Bedenkt's, wie viele sind der Armen! Gott will, daß ihr sie gern erquickt, damit von Kummer alles frei und durch den Frieden glücklich sei. 9. Vernimm, o Gott, die Friedenslieder, die unserfrohes 438 Herz dir weiht! Wie schallen unsre Tempel wieder vondeiner Macht und Freundlichkeit! Herr, unser Gott, dich loben wir! Herr, unser Gott, wir danken dir! Konr. Fr. Stresow, 1705—1788. Mel. 227. 452. Nahet anbetend dem Gnädigen, nahet, Beglückte! Singt ihm! Er ist's, der den Frieden vom Himmel uns schickte. Preiset ihn hoch! Er hat zertrümmert das Joch, das unser Vaterland drückte. 2. Vater, du weißt es, was wir, deine Kinder, erfuhren. Grause Verheerungen sindnoch die traurigen Spuren. Aber wie hell rinnt nun der Seg⸗ nungen Quell durch die ver⸗ wüsteten Fluren! 3. Sieh, Vater, gnädig herab auf die Freude der Deinen! Höre, du Liebe, den Jubel der Großen undKleinen! Frieden gabst du, Frieden und sichere Ruh', Freuden nach Klagen und Weinen. 4. Dank dir, Allgütiger, Ehre und PreisdeinemNamen! Fern ist das Elend, in das deine Kinder einst kamen; von Lobe den Herren ꝛe. Besondere Umstände und Vorfälle. Druck und Not sind wir jetzt nicht mehr bedroht. Lob sei dir, Ewiger! Amen. Joh. Jak. Mayer, 1769—1852. Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛc. 453. Bringt Ehre Gott, bringt Preis und Dank dem treuen Vater dar, ihm, der, als Mut und Hoffnung sank, uns Schutz und Retter war! 2. Kein Blut fließt mehr, das Land ist frei von jedem Greu'l des Kriegs, von der gedrohten Sklaverei, vom Jammer selbst des Siegs. 3. Der Friede kehrt von Gott zurück, der Freude Ruf voran, mit ihm der Völker Lust und Glück. Das hat der Herr gethan! 4. Der Herr hat sich zu uns geneigt. Wir waren's zwar nicht wert; doch ruht der Sturm, der Donner schweigt; zur Pflugschar wird das Schwert. ö 5. Mit Feierkleidern ange⸗ than, bringt Ruhm und Preis ihm her! Kniet hin vor ihm und betet an! Wo ist ein Gott wie er? 6. Wie er ein Vater, dessen Hand des Kummers Nacht nner wird inge⸗ Sreis ein essen stacht Bei und nach allgemeiner Not. 439 zerstreut und hilfreich unser Vaterland durch seine Huld erfreut? 7. Des Kinds Gewimmer drang vor ihn, der Mutter Angstgeschrei, und seht, des Krieges Wetter flieh'n, sie flieh'n, und wir sind frei! 8. Die Jungfrau singt, von Angst befreit, dir, Höchster, Lob und Preis; vergnügt in sanfter Freude weiht dir frommen Dank der Greis. 9. Er danktdir, daß er Vater ist, daß dein Schutz in Gefahr der Unschuld gegen Macht und List ein treuer Beistand war; 10. Daß du das Glück der Menschen liebst und Fröh⸗ lichkeit für Schmerz, und friedliche Gedanken gibst den Fürsten in das Herz. 11. Die Nationen sind ver⸗ söhnt; des Friedens Sonne scheint; kein Bruder haßt, ver⸗ folgt und höhnt den andern mehr als Feind. 12. Nun, weil denn alle Stürme ruh'n, laß uns aus Dankbarkeit mit Eifer, Gott, und freudig thun, was dein Ge gebeut! So viel hast du an 15 Gethad denn du beglückst so gern! Dich bete froh der Erdkreis an und jauchze dir, dem Herrn! Joh. Karl Friedr. Brause, gest. 1792. Bei und nach ö allgemeiner Not. Mel. 245. Auf meinen lieben Gott ꝛe. 454. Es züchtigt deine Hand, o Höchster, jetzt das Land. Zu deinem Vaterherzen erhebt in Furcht und Schmerzen sich das Geschrei der Armen; er⸗ hör' es mit Erbarmen! 2. Du siehst des Landes Not; sie kam auf dein Gebot. Du kannst mit starken Händen sie lindern und auch enden; ein Wort aus deinem Munde verändert Zeit und Stunde. 3. O Herr! wir murren nicht. Gerecht ist dein Gericht bei allem, was wir dulden; denn groß sind unsre Schul⸗ den; du züchtigst doch noch minder, als wir's verdient, wir Sünder. 4. Ja, Vater, deine Huld ist größer als die Schuld. Gedenke denn der Deinen, die reuig vor dir weinen! Laß tief⸗ gebeugten Seelen nicht Trost und Hoffnung fehlen! 44⁰ 5. Verkürze, Herr, die Not, die uns so furchtbar droht, und die voll Kummers flehen, laß bald Erleicht'rung sehen; verwandle du ihr Leiden in neue Lebensfreuden! 6. Doch wenn, o Herr der Welt, es dir noch nicht gefällt, die Trübsal zu entfernen, so stärk' uns, daß wir lernen, mit ehrfurchtsvollem Schweigen vor dir uns kindlich beugen! 7. Ja, deine Züchtigung leit' uns zur Besserung! Laß sie die Sichern schrecken, die Schläfrigen erwecken und red⸗ lich Fromme stärken, auf dein Gebot zu merken! 8. Wenn unser Herz dich liebt, so wird, was uns betrübt, uns doch zum Heil gedeihen und uns zuletzt erfreuen; es wird uns deine Gnade ein Licht auf dunkelm Pfade. 9. So stärke denn das Herz, daß auch im größten Schmerz es nie an Mut ihm fehle! O, sprich zu unsrer Seele: Getrost, dich soll kein Leiden von meiner Liebe scheiden! 10. Am Schluß von unserm Lauf klärt einst sich alles auf; dann wird die Besondere Umstände und Vorfälle. Aussicht heiter, dann thränt kein Auge weiter, dann finden unsre Herzen nur Wonne nach den Schmerzen. Dav. Bruhn, 1727—1782. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛe. 455. Seh'n wir nur Trüb⸗ sal um uns her und wissen keinen Ausgang mehr und finden weder Schutz noch Rat, ob wir auch sorgen früh und spat: 2. Ist dies dann unser Trost allein, daß wir uns deiner noch erfreu'n, daß, wenn die Plage furchtbar droht, du unser Helfer bist in Not. 3. Wir heben unser Aug' und Herz hinauf zu dir in unserm Schmerz und fleh'n dich um Begnadigung und aller Leiden Linderung. 4. Nach deiner Gnade sagtest du dies allen, die dir trauen, zu durch den, der uns Beglücker ist, durch unsern Heiland, Jesum Christ. 5. Ja, mit Vertrauen klagen wir all' unsre Not, o Höchster, dir! Ach, deine Vateraugen seh'n auch uns, wenn wir verlassen steh'n. ö Bei und nach allgemeiner Not. 44¹1 änt 6. Nur du bist unsre Zu⸗ beste Teil zu wählen, das nie den versicht. Vergilt nach unsrer vergehen kann. iach Schuld uns nicht! Steh' uns 6. Er steht auf dunklem durch Jesum Christum bei, Pfade oft unbemerkt uns bei, 2. mach' uns von allen Plagen daß seine Macht und Gnade frei! zuletzt uns lichtvoll sei. sten 7. Nach überstand nem Leid 7. Wer wollt' ihm nicht ver⸗ und Schmerz lobsing dir trauen und seine Wege geh'n, üb⸗ freudig unser Herz! Gehor⸗nicht selbst im Todesgrauen ssen sam deinem teuern Wort, Herr, durch Hoffnung ihn erhöh'n? und preisen wir dich hier und dort. 8. Nein, unser ganzes Leben tat, 21 sei dir, 9 Gott, geweiht; denn und du nur kannst uns geben, Mel. 426. Lehen 90 ist mein was unser Herz erfreut. nser 456 Erbebt d 9. Nur du kannst uns umd 90. Erhebt den Herrn mit heschirmen, wenn Wasserflut enn Freuden, o Christen, betet an! sich hebt, wenn Flammen uns du Er liebt nicht unsre Leiden; é +* ee hat uns wohlgethan umstürmen und wenn die Erde 2. Schon drohten uns bebt. Gefahren, schon riß uns 5 ug u 10. O Herrscher, dich zu preisen, selbst wenn die Welt h'n Kleinmut fort; da sprach, per—5 vergeht, dies ist der Ruhm und sen All wuctemen der Herr der Weisen, und dieser Ruhm e.. besteht. ade 3. Vor seinem Winke 11. Drum lassen wir dich 110 Ihhmn, und AnaseeneWerden m l undfolgen t erlaler sern fanden ihn reich an Vatersinn. ist deiner Lieb 77 435. H 4. Er lenkt mit weiser Liebe ie wollen gen uns alle durch die Welt, daß. 12. Wir wollen's treu ver⸗ ter, jeder gern sich übe, zu thun, wenden und stets barmherzig gen was ihm gefällt. sein, bis wir den Lauf vollenden 5 LHarr —17 5. Er reizet unsre Seelen und iimmun n dar i. n. auch durch Gefahren an, das eurhentet 10 Iia5. 5. Reche, 442 Besondere Umstände und Vorfälle. Mel. 532. Nun sich der Tag Gefahr bedroht, unddir durch geender Fätze deinen Sohn vertrau'n, auch 457. Du liebest nicht der selbst in Todesnot. Menschen Leid; dich, Vater, Zweibr. Gesangbuch, 1804. bet' ich an; du hilfst 18 mit Barmherzigkeit, sobald ö die Weisheit kann. u 11 Nn 2. Du richtest nicht nach Mißwachs und Teuerung. unsrer Schuld und leitest unser Mel. 37. Schwingt, heilige Herz zur Unterwerfung und Gedanken ꝛc. Geduld durch Furcht, Gefahr 458. Du bist der Trost der und Schmerz. Armen, Gott, Herr der ganzen 3. Lob, Preis und Dank, Welt, du, Vater voll Er⸗ du endigst sie, und oftmals barmen, der das, was lebt, wunderbar! Herr, deiner Hilf erhält, du, unsre Zuversicht, vergess'ich nie, Gelübde bring' auf den wir alle sehen, zu ich dar. ö dem wir alle flehen, verlaß 4. Ja, dir gehorchet die uns, Vater, nicht! Natur, und dein ist ihre 2. Alliebender, ach, wende Kraft; du sendest auf ver⸗ der schweren Zeiten Lauf; thu borg ner Spur das, was deine milden Hände, uns zu uns Hilfe schafft. versorgen, auf! Was irgend 5. Ich will, wie, Gott, Leben hat, nährst du mit Wohl⸗ dein Wort befiehlt, der Liebe gefallen; nähr' uns auch, Saaten streu'n, mit dem, was schaff' uns allen bei unserm dein Schutz mir erhielt, auch Mangel Rat! Brüder gern erfreu'n. 3. Bisher war jeden Morgen 6. Vor Mißbrauch, Herr, dein Vatersegen neu; jetzt bewahre mich durch deines bleibt von Nahrungssorgen Wortes Licht! Mein eitles kaum noch der Reichste frei. Herz vermesse sich, wenn du Uns helfen kannst du leicht. mich segnest, nicht! Du kannst dem Mangel wehren, 7. Auf dich, Herr, will ich in Ueberfluß ihn kehren, kindlich schauin, wenn mich wann's uns unmöglich deucht. urch u 04. Bei und nach Mißwachs und Teuerung. 443 4. Dem Reichen gib Er⸗ doch standest du uns bei. Du barmen, Gefühl für andrer hilfst, du rettest gern; so sei Schmerz und, zu erfreu'n die Armen, ein mitleidsvolles Herz, damit er mild sein Brot bedrängten Brüdernbreche und nicht gefühllos spreche: Helf' Gott euch aus der Not! 5. Laß jeden liebreich eilen, mit milder Freundlichkeit den Armen auszuteilen, was deine Huld ihm leiht! Einst sieht das Jesus an, wenn wir die Brüder retten und sättigen, als hätten wir das ihm selbst gethan. 6. Laß jede Frucht geraten, uns wieder zu erfreu'n, und allen unsern Saatengib Wachs⸗ tum und Gedeih'n! Mit milder Vaterhand gib Wärme, Tau und Regen, so kehrt dein reicher Segen zurück in unser Land. 7. Erhör' uns, Vater, kröne das Jahr mit deinem Gut, daß sich das Herz gewöhne, zum stillgelass'nen Mut! Lehr' es, sich deiner freu'n, zu dir Vertrauen haben und deine Segensgaben durch Miß⸗ brauch nie entweih'n! 8. Allgütiger, wir hoffen auf dich und deine Treu'! Oft hat uns Not betroffen, denn unser Leben vertrauens⸗ voll ergeben dir, unserm Gott und Herrn! Ph. Fr. Hiller, 1699— 1769. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei! ich zu dir ꝛe. 459. Als bittrer Hunger uns bedroht, hast du uns, Gott, ernähret, zur Zeit der Teu'rung und der Not uns Sättigung gewähret, und nun hat deine Segenshand von uns und unserm Vaterland den Mangel abgewendet. 2. Du lindertest, Herr, unser Leid, warst Retter allen Armen, du, Vater voll Barm⸗ herzigkeit, halfst ihnen mit Erbarmen. Groß war die Not, groß unsre Schuld, noch größer war, Gott, deine Huld und deiner Allmacht Stärke. 3. O, bester Vater, Preis sei dir, Anbetung, Ruhm und Ehre! Von Dank erfüllt lobsingen wir, und Erd' und Himmel höre: Der Höchste hält, was er verspricht; so lang die Erde steht, soll's nicht an Saat und Ernte fehlen! 4⁴⁴ 4. Wir lieben auch im Unglück dich; denn du bleibst uns gewogen. Laß uns, da du uns väterlich jetzt hin zu dir gezogen, die Sünden künftig ernstlich flieh'n und dir, der gnädig uns verzieh'n, ganz unser Leben weihen! 5. Ach, nur die Not und Trübsal lehrt uns unser Nichts erkennen, daß wir, o Gott, zu dir bekehrt, dich unsern Retter nennen. In allem laß auf dich uns Besondere Umstände und Vorfälle. Bei und nach Krankheiten und ansteckenden Seuchen. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir ꝛe. 460. Dein Wille, Vater, sendet mir die Schmerzen, die ich leide; doch, Helfer, ich vertraue dir, du kehrst sie gern in Freude. Du bist es, der mein Leiden wägt; was deine Hand mir auferlegt, wird sie auch tragen helfen. 2. Voll Hoffnung wend' schau'n, dich kindlich ehren, ich mich zu dir, ich bleibe dir vertrau'n und deine Gaben dir ergeben. willst, so schick's mit mir zum schätzen. 6. Daß wir, schenkst du uns Ueberfluß, uns nie durch Stolz erheben, stets mäßig bleiben im Genuß, der Wollust widerstreben, von dem, was deine Vatergnad' uns mild⸗ reich gab, durch Liebesthat den Armen gern erfreuen! 7. Ach, möchtest du uns väterlich vor Mangel stets bewahren! Wir hoffen, Herr, getrost auf dich; du hilfst auch in Gefahren. Ja, gern, o Vater, wendest du dem Lande deinen Segen zu, wo man die Tugend ehret. Ed. Gottl. Küster, 1732—1799. Herr, wie du Sterben oder Leben! Bei dir allein steht meine Zeit; nur mache mich der Seligkeit durch deine Gnade würdig! 3. Ach, guter Gott, ich bitte dich: Hilf mir und allen Kranken! Erwecke jeden doch, wie mich, zu heiligen Gedanken! Gib uns Gelassen⸗ eit und Ruh', und unser bester Arzt sei du, in Schmerzen unser Tröster! 4. Erquicke, Gott, und stärke die, die liebreich meiner pflegen; für ihre Treu' be⸗ lohne sie mit deinem reichen Segen! Gib gegen sie mir Bei und nach Krankheiten Freundlichkeit; gib ihnen, Herr, Gelassenheit, Geduld mit meiner Schwäche! 5. Soll diese Krankheit töd⸗ lich sein und ich die Welt ver⸗ lassen, so will ich, Herr, von Sünden rein, im Glauben dich umfassen. Des letzten Kampfes Angst und Schmerz erleicht're mir und laß mein Herz noch sterbend dir vertrauen! + 6. Doch willst du neue Kräfte mir zu längerm Leben schenken, dann laß, so lang ich lebe hier, mich dankbar dein gedenken, damit ich künftig jederzeit mit aller Treu' und Redlichkeit der Tugend Wege wandlel Joh. Kasp. Lavater, 1741—1801. Mel. 58. Freu' dich sehr, o meine Seele ꝛe. 461. Gott, du läßt die Seuche wüten, ihrem Hauch folgt Gift und Tod; du allein kannst uns behüten, wenn sie noch so furcht⸗ bar droht. Und wenn es dein Wink gebeut, naht sich uns der Rettung Zeit, sind die kummer⸗ vollen Stunden unsres Schre⸗ ckens schnell verschwunden. 2. O, wie viele wirft sie nieder, sie, des Todes Die⸗ nerin; Väter, Mütter, Kinder, und ansteckenden Seuchen. 445 Brüder reißt sie schnell zum Grabe hin, schont nicht Alter, Stand, Geschlecht; auch der Herr muß, wie der Knecht, bei dem tödlichen Verderben hilf⸗ los, ohne Rettung sterben. 3. Nicht der Arzt, nicht das Bemühen seines Eifers, seiner Pflicht kann uns der Gefahr entziehen, ihn auch schont die Seuche nicht; immer schleicht sie weiter fort, tötet hier und tötet dort, häuft durch ihre Niederlage der Verwüstung bange Tage. 4. Wo man ihre Spur entdecket, wo sie nur zu wüten scheint, siehet, weil die Furcht schon schrecket, auch der Freund nicht seinen Freund, und man scheuet, weil ihr Gift unver⸗ merkt so viele trifft, selbst des Umgangs süße Freuden, sucht auch diese zu vermeiden. 5. Gott, erhöre unser Flehen, Vater, ach erbarme dich; laß uns Trost und Ret⸗ tung sehen, hilf uns Armen väterlich; doch wenn deiner Weisheit Rat unsern Tod be⸗ schlossen hat, o, dann führ' uns nach dem Leiden zum Genuß der Himmelsfreuden! Bearb. v. G. Fr. W. Schultz, 1774—1842. 446 Mel. 223. Nun danket alle „ Gott ꝛe. 462. Mit welchem Dank, o Gott, soll dich mein Lied erheben? Nur deine Vaterhuld erhielt mir noch das Leben; du standst mit deiner Kraft mir in der Schwachheit bei, und von Gefahr und Schmerz bin ich nun wieder frei. 2. Dem Tode war ich nah; schon sah ich für mein Leben um meine Lagerstatt so manche Freunde beben; doch ich erbebte nicht; mich schreckte nicht das Grab; gestärkt durch deinen Geist, sah ich getrost hinab. 3. Ich sah das Todesthal zwar finster vor mir liegen, doch lichtvoll hinter ihm ein himmlisches Vergnügen; es winkte meinem Leib hier Ruh' und Sicherheit und meiner Seele dort Heil und Unsterb⸗ lichkeit. 4. Indessen stärktest du die halberstorb'nen Glieder; dem Geiste gabst du Mut, dem Kör⸗ per Kräfte wieder; und so gibst du mich, Gott, den Meinigen zurück, und dafür dank' ich dir; auch Leben ist ja Glück! Besondere Umstände und Vorfälle. weisen, durch fromme Thätig⸗ keit stets deine Liebe preisen, treu meiner Pflicht die Kraft, die du mir schenktest, weih'n, um ewig einst bei dir des Lebens wert zu sein. Elise v. d. Recke, 1754—1833. In dich hab' ich gehoffet, Herr ꝛc. 463. Preist, Völker, unsern Mel. 263. Gott und Herrn, er ist ein Helfer nah und fern; wer sollt' ihn nicht erheben! Beim Elend auch verschont er gern und rettet vieler Leben. 2. Wie furchtbar drohte sein Gericht, wie wütete die Seuche nicht! Wer konnte ihr gebieten? Er nur allein. Sein Wille spricht, und sie hört auf zu wüten. 3. Wir sah'n die tödliche Gefahr, die Unruh', Angst und Schmerz gebar, auch uns Ver⸗ derben drohen, und nun ist sie, so nah sie war, durch seinen Schutz entflohen. 4. O, laßt uns froh und dankbar sein, dem Höchsten Lobgesänge weih'n, mit eif⸗ rigem Bestreben die Reizung jeder Sünde scheu'n, ganz für 5. Nun, durch dies Leben selbst will ich dir Dank be⸗ die Tugend leben! Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 56. An Wasserflüssen Babylon ꝛe. 464. Wir kommen, Helfer, dir Gesang und Ruhm und Preis zu bringen. Dir, Retter, laß uns lebenslang mit from⸗ mem Dank lobsingen! Wir sahen überall nur Tod und Untergang uns drohen. Nun wütet böser Seuchen Heer durch unser Vaterland nicht mehr; sie sind vor dir entflohen. 2. Wir sahen dort, wir sahen hier so viele Brüder sterben, und allenthalben wa⸗ ren wir umfangen vom Ver⸗ derben. Da war kein Schonen; stündlich war furchtbarer, näher die Gefahr und alle Kunst vergebens. Den Wür⸗ ger trieb kein Arzt zurück; auch ihm schien jeder Augen⸗ blick der letzte seines Lebens. 3. Zu dir, du Menschen⸗ retter, schrie'n der Deinen bange Herzen. Du hörtest uns, die Seuchen flieh'n, du heilest unsre Schmerzen. O du Erbarmer, voll Geduld, nach unsrer Ueber⸗ tretung Schuld hast du uns nicht gelohnet. Gezüchtigt, o wir preisen dich, gezüchtigt Bei und nach anhaltender Nässe. Du warst mit uns in unsrer Not. 4⁴⁷ hast du väterlich und väter⸗ lich geschonet. 4. Wir wollen, der du uns befreist, o Gott, dich ewig loben. Sei ewig, Vater, Sohn und Geist, von deinem Volk erhoben! Es bete dich, Er⸗ retter an und jauchze, wer nur denken kann, und diene deinem Namen und rühme kindlich dich, den Herrn! Frohlockt: Gott hilft und rettet gern! Frohlockt ihm! Amen, Amen! Chr. Gensch v. Breitenau, 1638—1732. Bei und nach anhaltender Nässe. Mel. 175. Mache dich, mein Geist, bereit ꝛe. 465. Schmerz und Klage füllt das Land, traurig steh'n die Früchte. Hilft uns, Gott, nicht deine Hand, sind sie bald zunichte. Zeig' uns doch Gnade noch! Vater voll Erbarmen, hilf, ach hilf uns Armen! 2. Du regierst der Wolken Lauf und befiehlst dem Regen; sprich ein Wort, so hört er auf, und uns bleibt dein Segen. Steh' uns bei und zerstreu', Herr, mit starker Rechte unsers Kummers Nächte! 448⁸ 3. Sende warmen Sonnen⸗ schein, der die Frucht erquicke! Gott, wir schau'n auf dich allein mit des Glaubens Blicke. Wehr' der Not, gib uns Brot und nach mancher Plage wieder Freudentage! 4. Preis und Ruhm sei dir geweiht, Vater aller Gnade! Hilf, daß uns die schwere Zeit nicht am Herzen schade! Dir, nur dir wollen wir gern zur Ehre leben und uns ganz ergeben. Joh. Leonh. Bäßler, 1745—1811. Mel. 520. Wach' auf, mein Herz, und singe ꝛc. 466. Ertönt, ihr Freuden⸗ lieder! Sie scheint, sie strahlet wieder! Wir seh'n sie, welche Wonne, die lang verhüllte Sonne! 2. Uns drückten bange Sor⸗ gen an jedem neuen Morgen, so oft sich Wolken türmten und Regenwetter stürmten. 3. Des Feldes Früchten sahen wir das Verderben nahen; was Tier' und Menschen nähret, schien ganz durch Flut verheeret. 4. Da drang zu deinen Höhen, Gott, unsers Herzens Besondere Umstände und Vorfälle. Flehen; du hörtest, was wir baten, und schütztest unsre Saaten. 5. Schon senkten sie sich nieder; doch du erhobst sie wieder. O Herr der milden Sonne, du segnest uns mit Wonne! 6. Wir preisen deine Güte mit fröhlichem Gemüte. Ja, unser ganzes Leben sei ewig dir ergeben! Joh. Fr. Mudre. 1736—1810. Bei und nach anhaltender Dürre. Mel. 519. Gott des Himmels und der Erden ꝛc. 467. Gott von großer Macht und Güte, deine Hilfe suchen wir. Mit geängstetem Gemüte schauen wir empor zu dir; du nur weißt, was uns gebricht; guter Gott, verlaß uns nicht! 2. Längst schon lechzt am Sonnenlichte unser Erdreich, dürr, wie Sand. Ach, es schmachten alle Früchte in dem säfteleeren Land. Schrecklich droht uns hier Verlust, Sorge für die bange Brust. 3. Ach, erhalt' uns deinen Segen, den der Untergang Bei und nach anhaltender Dürre. Regen und verkürze Gram und Not! Doch wir trauen dir es zu: was uns gut ist, fügest du. 4. Stärk' uns, Herr, in dem Vertrauen: Unser Wohl versäumst du nicht! Nur auf deine Liebe bauen wir die feste Zuversicht: Du, der helfen will und kann, nimmst dich unser gnädig an. Henriette Kath. v. Gersdorf, 1648—1726. Mel. 123. Nun lob', mein' Seel', den Herren ꝛe. 468. Mit mildem Regen sinket Erquickung auf die dürre Flur. Wie labt sie sich, wie trinket ihn die verschmachtete Natur! Die sanften Ströme kühlen der Lüfte weites Meer, und die Geschöpfe fühlen sich nicht mehr träg und schwer. Gott spricht, und Seufzer schweigen, und Hitz' und Dürre flieh'n, und fromme Lieder steigen empor und preisen ihn. 2. Mit Mut im Angesichte beschaut der Landmann nun sein Feld. Erquickt hat Gott die Früchte, er ist Versorger seiner Welt. Wie wallen nun die Aehren, vom Mark der 449 bedroht; gib uns einen milden Erde voll, das seine Menschen nähren und sie erfreuen soll! Auf, preiset Gottes Milde! Er ist's, der Regen schickt und lechzendes Gefilde mit Vaterhuld erquickt. 3. Erhalter unsers Lebens, Herr, dem wir jetzt uns dank⸗ bar nah'n, o laß uns nicht vergebens die Gaben deiner Hand empfah'n! Du sendest Tau und Regen, gibst milden Sonnenschein und eilst, mit deinem Segen uns alle zu erfreu'n. O lehr' uns, dich erheben, dir kindlich fromm vertrau'n und menschenfreund⸗ lich leben, bis wir dich ewig schau'n! Balth. Münter, 1735—1793. Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛc. 469. Dank, Dank dem Herrn! Denn seine Milde ist heut' und jeden Morgen neu. Ihr ausgedorreten Gefilde schmeckt wieder seine Huld und Treu'; auch du, erquickter Grashalm, bist ein Zeuge, daß Gott gütig ist. 2. Dank, Dank dem Herrn! Sein milder Regen gab neue Kräfte der Natur, die schon erstarb; sein reicher Segen 29 4⁵⁰ ward Balsam für die dürre Flur. Im Jubelchor ruft sie ihm zu: Wie groß, o Gott, wie gut bist du! 3. Dank, Dank dem Herrn! Der Herr regieret mit Weis⸗ heit und Barmherzigkeit. Er, der uns Dürre zugeführet, hat nun durch Regen uns erfreut. Er ist's, der freundlich zu uns spricht: Auf mich setzt eure Zuversicht! Pet. Flor. Weddingen, 1759—1808. Bei und nach einem Gewitter. Mel. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛe. 470. In Dunkel hüllt der Himmel sich, ein schweres Wetter dräut. Ich bebe nicht, ich freue mich, Gott, deiner Herrlichkeit. 2. Auch wenn du donnerst, zürnst du nicht, bist Vater uns und Freund; bist's, wenn der Blitz sich Bahnen bricht und flammend uns erscheint. 3. Dem Sünder nur, der dich nicht kennt, bist du dann fürchterlich; dem aber, der Besondere Umstände und Vorfälle. 4. Du reinigst durch den ö Blitz die Luft! dein Regen tränkt die Saat; es stärkt ein balsamvoller Duft, was erst geschmachtet hat. 5. Du kannst auch töten; doch es scheut der Christ nicht dein Gericht. Wer deiner Gnade sich erfreut, bebt vor dem Tode nicht. ruhig sein, auch wenn dein Donner droht. Weg, bange Furcht! Ich bin ja dein, und du bist mein, o Gott! Joh. Kasp. Lavater, 1741—1801. Mel. 216. Dir, dir, Jehovah, will ich singen ꝛe. 71. Wie gnädig ist des Höchsten Wille! Der Donner schweigt, die Blitze flieh n. Nun schmückt in angenehmer Stille der Sonne Glanz das feuchte Grün. Mein Herz, das kaum mit Angst noch rang, dankt jetzt dem Herrn mit Lobgesang. 2. Es preiset freudig den Erretter, der seine große Kraft bewies; den Weltenherrn, der sich im Wetter so majestätisch hören ließ, der selbst des Blitzes Strahlen lenkt und dich Vater nennt, zeigst du als Vater dich. gnädig seines Volks gedenkt. 6. Drum will ich still und Bei und nach einem Gewitter. 4⁵1 3. Bewundernd nehm' ich nächsten schrecklichsten Ge⸗ seine Güte auch selbst im fahren kann er bewahren. Ungewitter wahr; denn jedem 2. Ich will ihm trauen auch forschenden Gemüte stellt sich in Ungewittern, vor denen selbst auch hier ihr Schauplatz dar. der Erde Säulen zittern, und Zum besten jeder Kreatur da, wo Bergen gleich empörte bemerkt man ihres Segens Spur. 4. Wie lieblich hebt sich das Getreide, getränket durch den Regenguß, und wie ver⸗ gnügt betritt die Weide des neubelebten Tieres Fuß! Wie atmen wir so sanft und leicht, wenn schwüle Luft dem Donner weicht! 5. Herr, deine Güte sei erhoben im Wetter wie im Sonnenschein! Wer wollte dich nicht ewig loben? Du kannst und willst uns stets erfreu'n. Mich schrecken deine Donner nicht; denn du bist meine Zuversicht. Konr. Fr. Stresow, 1705—1788. In und nach Wassers⸗ gefahren. Mel. 87. Herzliebster Jesu ꝛe. Ich will dem Herrn zu jeder Zeit vertrauen und tets mein Heil auf diesen Jelsen bauen. Auch in den Wellen zum Himmel schwellen. 3. Sei alles Sturm und Aufruhr und Getümmel, er schuf das Meer, den Erdkreis und den Himmel. Was er gebeut im Himmel und auf Erden, nur das muß werden. 4. Zum wilden Strome spricht er: Fleuß mit Stille! und allgewaltig ist sein Herr⸗ scherwille. Der Strom ge⸗ horcht, die Wogen sinken nieder und ruhen wieder. 5. Wer händeringend sein Geschick beklagte, den Abgrund offen sah und schon verzagte, frohlocket dann und rufet: Gott ist Retter im Sturm, im Wetter! 6. So mögen denn Ge⸗ fahren mich umschweben und Eisgebirge sich im Strome heben und furchtbar drohend jeden Damm erschüttern; ich will nicht zittern. 7. Zu dir empor will ich am Strome schauen und ruhig deiner Macht und Liebe trauen. Du, Herr, kannst leicht uns, 29⁷ 45⁵² wenn du willst, bewahren, auch in Gefahren. Joh. Andr. Cramer, 1723— 788. Mel. 223. Nun danket alle Gort ꝛc. 473. Erhabner Herr der Welt, dir werde Dank ge⸗ sungen! Du hast durch deine Macht die Wut des Stroms bezwungen. Schon riß er Häuser fort, und schon ver⸗ zagten wir.„Nicht weiter!“ sagtest du, und er gehorchte dir. 2. Du, Höchster, wolltest dich und deine Huld verklären, auch in der tiefsten Angst uns dir vertrauen lehren; du zeigtest, daß du nie von Herzen uns betrübst, uns nie verlassen kannst, uns auch im Leiden liebst. 3. Wie hebt sich unser Geist noch jetzt bei dem Gedanken: Es bricht mit Ungestüm der Strom aus seinen Schranken; jedoch, wie sehr er tobt, er tobt auf dein Gebot und zieht sich schnell zurück, sobald dein Wink ihm droht. 4. Wer ist, o Herr, wie du? Wer denkt an deine Größe und fühlt nicht, tiefgebeugt, sich selbst in seiner Blöße? Du bändigst die Natur, und Besondere Umstände und Vorfälle. was vermögen wir? Ach, wir sind schwach und arm, wir sind wie nichts vor dir! 5. Durch dich nur wird uns wohl, der du dem Eis gebieten und Fluten zähmen kannst, wie furchtbar sie auch wüten. Nur du bestimmst das Maß des Glückes und der Not; in deinen Händen ruht das Leben und der Tod. 6. Wir preisen dich, o Gott, mit dankerfülltem Triebe; wir freu'n uns deiner Macht, sie wird gelenkt durch Liebe. Auch aus den Fluten strahlt uns deine Herrlichkeit. O, nimm das Opfer an, das unser Herz dir weiht! 7. Wer wollte dir, o Herr, durch Sünden widerstreben und nicht in Heiligkeit zu deiner Ehre leben? Gehorcht dir selbst der Strom, gehorcht dir jede Welt; wie frech, wenn wir allein nicht thun, was dir gefällt! Bearbeitet von Joh. Wilh. Reche, 1763— 1835. Bei strenger Kälte. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir ꝛe. „Von Frost und Kälte starrt das Land, und Vieh und Nach einer Feuersbrunst. Menschen schauern. Ach! hilf uns, Gott, mit starker Hand, daß wir nicht furchtsam trau⸗ ern! In tiefer Demut flehen wir, um Jesu willen laß vor dir uns Hilf' und Rettung finden! 2. Gefesselt sind mit Schnee und Eis die Felder, Bäch' und Flüsse. O, schmelze sie durch dein Geheiß, daß niemand darben müsse! Laß bald ge⸗ linde Winde weh'n und keine Flur mehr öde steh'n! Ver⸗ sorg' uns, deine Kinder! 3. Gib, daß nicht Menschen, Vieh und Frucht vom Frost beschädigt werden! Dem Dürf⸗ tigen, der Hilfe sucht, er⸗ leicht're die Beschwerden! Ach, rühre jedes Reichern Herz, daß er der Armen Not und Schmerz voll sanften Mitleids lind're! 4. Der du dem Vieh sein Futter gibst, die jungen Raben speisest und uns, die du in Christo liebst, als Vater dich beweisest; erhöre deiner Kinder Fleh'n! O, laß die Kälte bald vergeh'n vor milder Sonnenwärme! Joh. Fr. Danneil, 1719—1772. Nach einer Feuersbrunst. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛe. 475. Gott, dessen Macht des Feuers Kraft zum Segen und Verderben schafft, mit welcher schrecklichen Gewalt verwüstet es, wie leicht, wie bald! 2. Ach, manche Häuser hat's verzehrt und mancher Armen deine Hand gethan; wir weinen, Herr, und beten an. 3. Wir weinen; doch ver⸗ ehren wir auch deine Huld, sie half auch hier und hielt der Flammen schnellen Lauf, der Uebrigen zu schonen, auf. 4. Mit unsern Brüdern seufzen wir in ihrem Jammer, Gott, zu dir. Laß sie nicht hilflos, tröste die, die du gebeugt hast, segne sie! 5. O gib, daß, wer ver⸗ schont ward, nicht vergesse seiner schönsten Pflicht, der Pflicht, Betrübte zu erfreu'n, barmherzig, Gott, wie du zu sein! 6. Du kannst, wenn Jammer uns bedroht, ihm mächtig wehren, jede Not in Heil ver⸗ Glück zerstört! Auch dies hat wandeln; weis' und gut ist alles, was dein Wille thut. 7. Gib Unterwerfung und Geduld und laß uns deiner Vaterhuld mit frommer Zu⸗ versicht vertrau'n und stets auf deine Hilfe bau'n! 8. Schütz' unser ganzes Vaterland vor Mangel, Seu⸗ chen, Krieg und Brand! Gib, weil du unser Vater bist, uns allen, was uns heilsam ist! Joh. Andr. Cramer, 1723-1788. Bei Begrüähnissen. Mel. 430. Aufersteh'n, ja auf⸗ ersteh'n ꝛe. 476. Anvertraut der Erde Schoß zur Ruh', Entschlum⸗ merter, bist du! Des Lebens Klänge, des Weltgewühls Ge⸗ dränge verstummten dir. 2. Ausgekämpft hast du der Sterblichkeit beschwerde⸗ vollen Streit, hast über⸗ wunden, des Lebens Müh' entbunden; wohl dir, du ruhst! 3. Sanft schläfst du, der Erde Not entrückt. Wir preisen dich beglückt; dankbar erheben den, der dir Rast gegeben, Erlöster, wir. 4. Fließet gleich des Schmerzes Thrän' herab, Besondere Umstände und Vorfälle. Entschlaf'ner, auf dein Grab: Trost ist der Glaube, wir werden überm Staube dich widerseh'n! 5. Wort des Segens, du, des Lebens Wort: Wir seh'n uns wieder dort! Du bist dem Herzen Strahl in der Trennung Schmerzen von oben her. Joh. Friedr. Schink, 1755—1835. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛe. 477. Begrabt den Leib in seine Gruft, bis ihn des Rich⸗ ters Stimme ruft! Wir säen ihn, einst blüht er auf und steigt verklärt zu Gott hinauf. 2. Aus Staub erschuf der Vater ihn, zum Staube zieht der Tod ihn hin. Er schläft, verwest, doch einst erwacht er wieder aus des Grabes Nacht. 3. Wie selig wird der Fromme sein! Er geht zum ew'gen Leben ein. Das Vater⸗ haus ist aufgethan, ihn, den Getreuen, zu empfah'n. 4. Hier hat ihn Trübsal oft gedrückt; nun wird er, Gott, von dir erquickt. Des reinsten Friedens Palme weht ihm, der auf seinen Geist gesält. ö Fuß des Pilgers weilt, er Bei Begräbnissen. 5. Gott, dem er treu blieb bis zum Grab, wischt dort des Dulders Thränen ab. Was sind die Leiden dieser Zeit, Gott, gegen deine Herrlichkeit? 6. Nun, du Erlöster, schlaf' in Ruh'! Wir gehen unsern Hütten zu und machen zu der Ewigkeit durch Glaub' und Tugend uns bereit. 7. Laß, Weltversöhner, deinen Tod uns stärken in der letzten Not! Laß unsre ganze Seele dein und selig unser Ende sein! Nach Böhm. Brüder, 1531, von Klopstock. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. 478. Das Leben flieht, die Zeit enteilt, sie flieht auf schnellen Flügeln, und wo der steht an Todeshügeln. Ver⸗ gänglichkeit ist Los der Zeit, und dieses Lebens Gabe nur ein Geschenk zum Grabe. 2. Auch du, im Leben uns so wert, von uns'rer Lieb' umfangen, bist von dem heimatlichen Herd, o Freund, dahingegangen; dein Angesicht, es lächelt nicht mehr freund⸗ lich auf uns nieder und 45⁵ 3. Ach! deiner Stimme holder Klang wird nicht mehr um uns tönen, nicht mehr des Lebens Pilgergang dein Geist, dein Herz verschönen. Ach! bald nun Staub, dein Ohr ist taub der Freunde Schmerz und Klagen, die dich zu Grabe tragen. 4. Du ruhst im stillen Schlafgemach aus von des Lebens Kummer; es weint dir stille Wehmut nach, wünscht Frieden deinem Schlummer. Du warest gut, mit festem Mut gingst du dem Tod entgegen; dir folgt der Deinen Segen. 5. Wer seines Daseins Zweck erfüllt, darf nicht im Tode zagen; er sieht des Grabes Nacht, enthüllt, zum schönen Morgen tagen; der Schatten Thal umglänzt der Strahl des Glaubens; Lebensfülle quillt aus des Grabes Hülle. 6. Du gingst, Entschlaf'ner, uns voran in dieses neue Leben; nicht Wunsch, nicht Schmerz, nicht Klage kann dich hier zurück uns geben. Vom Grabe dann den Blick hinan zu jenen Welten oben, nimmer hier mehr wieder. wohin du dich erhoben! 7. Dort wandelst du auf lichter Bahn; fließt leiser denn, ihr Thränen! Was Gott thut, das ist wohlgethan, weit über unser Wähnen; sein Will' ist Kraft, gebeut und schafft, was wechselnd auch zerstäubet, ein Ew'ges, das da bleibet. Joh. Friedr. Schink, 1755—1835. Mel. 161. Schwing' dich auf zu deinem Gott ꝛc. 47„Gebt dem Tode seinen Raub, Würmern ihre Habe! Seelen werden nicht zu Staub, schlummern nicht im Grabe. Senkt den Leichnam immer ein! Laßt die Erde rollen! Furchtbar darf es uns nicht sein, daß wir sterben sollen. 2. Laßt als Schreckgestalt den Tod niemals uns erblicken! Freudenruf sei sein Gebot. Ruf, uns zu beglücken! Seine Bot⸗ schaft heißt uns ja, zu den sel'gen Frommen, unserm großen Ziele nah, immer näher kommen. 3. Erntefeld! Hier ruhen sie, Christen, unsre Brüder; kämpften, aber kämpfen nie nun auf Erden wieder. Heil dem Guten, der hier fand sanfte Ruh' der Müden! Für das bessre Vaterland schlum⸗ mert er hienieden. Besondere Umstände und Vorfälle. 4. Saaten der Unsterblich⸗ keit! Heilige Gebeine! Bald verfließt auch unsre Zeit, ruft der Tod: Erscheine! Ruf' er dann! wir sind bereit; wer des Lebens Gabe nützet für die Ewigkeit, zittert nicht am Grabe. Joh. G. Pfranger, 1735—1790. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛe. 480. Da stehen wir, die Deinen, Unendlicher, und weinen ein Grablied an der Gruft. Wir singen auf vom Staube; uns stärkt der Christen Glaube, daß Gott uns einst zum Leben ruft. 2. Fließt nur, ihr Thränen, fließet! Ein Sterblicher be⸗ schließet des Lebens kurzen Lauf. Nimm, mütterliche Erde, dein Kind, frei von Beschwerde, in deine milden Arme auf! 3. Sei ihm ein Ruhebette, nachtvolle Grabesstätte, und deck' ihn kühlend zu! Er schlafe hier in Frieden den stillen Schlaf der Müden, des Dulders lang erseufzte Ruh'! 4. Senkt nun den Leich⸗ nam nieder zum Staube seiner Brüder, die längst die Erde deckt! Im Grab ist sanfter Bei Begrühnissen. 45⁷ Schlummer; ihn stört kein ward durch süßen Schlaf er⸗ Erdenkummer; Gott ist es, quickt, den manche schwere der ihn einst erweckt. Last gedrückt. 5. Zum Leben ohne Sorgen 4. Hier weicht die Hoheit weckt ihn der frohe Morgen, mit dem Glück, der bloße wo alle Welt erwacht. Heil Mensch bleibt nur zurück; ein diesem toten Staube! so singt enger Sarg, ein Leichenkleid der Christen Glaube; auch er sind seine ganze Herrlichkeit. erwacht aus Todesnacht. 6. Zum Himmel blickt, Betrübte! Dort wandelt der Geliebte nach Finsternis im Schlummernden kein Schmerz, kein Erdenkummer mehr das Druck und Plage ruht; hier Licht. Vergönnet ihm die Freude und wehret eurem Leide und wischt die Zähren vom Gesicht!l Chr. Fr. D. Schubart, 1739— 1791. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛc. 481. So gib denn, fromme Christenschar, der Erde das, was Erde war; sie beut dem Müden hier im Sand die Ruhe, die er sonst nicht fand. 2. Ja, hier, wo keine Thräne rinnt, gestillt des Leidens Klagen sind, hier bricht dem Herz. 3. Hier endigt der Ver⸗ folgung Wut, hier ist's, wo 5. Hier hört der Kampf des Christen auf; vollendet hat er seinen Lauf. Der Geist eilt in das Vaterland und ist beglückt in Gottes Hand. 6. Nimm den entseelten Leib, o Gruft, bis Jesus ihn einst wieder ruft und das, was hier der Tod zerstört, einst neu belebet und verklärt! 7. Du aber lerne, was du bist, o Mensch, und was dein Leben ist! Nach Sorg' und Furcht und mancher Not er⸗ eilet dich zuletzt der Tod. 8. Schnell schwindet deine Lebenszeit, schnell nähert sich die Ewigkeit; wie wir die Zeit hier angewandt, so reicht den Lohn des Richters Hand. 9. Drum, sichrer Mensch, besinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich; auch dir sind sie vielleicht nicht fern. Sei fromm und wandle vor dem Herrn! 4⁵ 10. Hier, wo wir an den Gräbern steh'n, laßt, Christen, uns zum Vater fleh'n: Er⸗ inn're uns zu aller Zeit, o Gott, an Tod und Ewigkeit! Nach Heinr. Jul. Tode, 1733—-1797. Mel. 151. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend' ꝛc. 482. Des Todes Grau'n, des Grabes Nacht flieht, Herr, vor deiner Wahrheit Macht. Mein Geist, erhellt von deinem Licht, erbebt vor der Ver⸗ wesung nicht. 2. Es falle nur die Hülle hin, mit der ich hier umgeben bin; ich selber, lebend wie zu⸗ vor, schwing' aus den Trüm⸗ mern mich empor. 3. Ein innres, mächtiges Gefühl verkündet mir mein höh'res Ziel; dies Streben nach der Ewigkeit erhebt mich über Erd' und Zeit. 4. Dich, Höchster, hab' ich hier erkannt, voll Liebe Vater dich genannt; in dieser Seelen⸗ würde liegt ein Hoffnungs⸗ quell, der nie versiegt. 5. Dein Sohn zeigt mir die bess're Welt, an die mein Herz. sich gläubig hält; wie herrlich wirdder Menschheit Wertdurch Besondere Umstände und Vorfälle. 6. O sel'ge Aussicht auch für mich! Entzückt hebt meine Seele sich; ich seh' im Geist des Christen Lohn, ich sehe meinen Himmel schon. 7. Da find' ich, was dein guter Rat zu meinem Wohl geordnet hat, genieße deines Gnadenblicks und der Voll⸗ endung meines Glücks. 8. Viel Gutes gabst dü mir schon hier; Alliebender, wie dank' ich's dir? Kaum quäl⸗ ten bange Sorgen mich, so kehrten sie in Freuden sich. 9. So hat schon dieser Kindheitsstand der höhern Hoffnung Unterpfand; die Huld, die segnend hier erfreut, bleibt und beglückt in Ewigkeit. 10. Des freudigen Ver⸗ trauens voll erwart' ich, was mir werden soll, wann einst von Sünd' und Not befreit, ich reife zur Vollkommenheit. 11. Der Tod darf mir nicht schreckend sein; er führt zum wahren Leben ein. Durch Gottes Kraft besiegt mein Herz der Krankheit Last, der Trennung Schmerz. 12. Wann hier von uns, die Gott vereint, der letzte Jesu Wort mir aufgeklärt! auch hat ausgeweint, dann Bei Begrübnissen. wird ein frohes Wiederseh'n auf ewig unser Glück erhöh'n. 13. Herr unsrer Tage, führe du uns alle diesem Ziele zu, daß uns bei standhaft frommer Treu' des Lebens End' erfreulich sei! Joh. Joach. Spalding, 1714—1804. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛe. 483. Geweihter Ort, wo Saat, von Gott gesä't, dem großen Tage der Ernte reift! Sei mir gegrüßt, du Ort, wo jede Klage verstummt, wo mancher Ruhe fand, der sie auf Erden nie gekannt! 2. Zwar flossen hier der Thränen viel', wenn von des Freundes Herzen den treusten Freund das Schicksal riß;— mit tiefgefühlten Schmerzen, hab' ich auch selbst, ach! man⸗ chem Freund die Abschieds⸗ thräne schon geweint. 3. Doch Schlaf ist ja des Menschen Tod; er schaffet Ruh' den Müden, nimmt Leidenden die Bürde ab und bringt zum ew'gen Frieden. Weint, Freun⸗ de, nicht; denkt: Wiederseh'n! die Toten werden aufersteh'n! 4. Belebend sinkt ein Son⸗ nenstrahl einst auf die Gräber 45⁵9 nieder, und was hier schläft, erwachet dann zum schönern Leben wieder. Im Herbste starb die Rose; seht! sie blüht, vom Frühlingshauch umweht. 5. Und was man hier der Erde gibt, ist nur des Geistes Hülle! Unsterblich ist des Menschen Geist! Vernunft und edler Wille erhebt uns über Welt und Zeit, die Tugend führt zur Seligkeit. 6. Drum kann mein Blick em Leichenfeld zum Himmel sich erheben, und winkt auch mir das kühle Grab, werd' ich nicht ängstlich beben. Ich pflücke in der Blütezeit die Blume der Unsterblichkeit. 7. Was ihr einst war't, das bin ich jetzt, ein Pilger hier auf Erden; was ihr, entschlaf'ne Brüder, seid, werd' ich vielleicht bald werden. Nun, dann durchs Todesthal eilst du, mein Geist, dem Vaterlande zu. 8. Doch dem nur wird der Uebergang zu jenem Vater⸗ lande der Weg zum Heil, der edel hier des Lasters Sklaven⸗ bande zerriß, der in der Prü⸗ fungszeit sein Herz der Tugend treu geweiht. 460 9. Auf Gräbern der Ent⸗ schlaf nen sei der Tugendbund auf's neue versiegelt! Ich ge⸗ lobe hier der Tugend ew'ge Treue. Und heilig ist mir jede Pflicht, bis einst mein Auge sterbend bricht. Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛc. 484. Dem Staube geben wir den Staub; was Fleisch ist, wird des Todes Raub, und eilend flieht der Menschen Zeit gleich einem Pfeil zur Ewigkeit. 2. Kaum hat die Welt uns angelacht, so deckt uns schon des Grabes Nacht; verschont bleibt keiner, groß und reich, der Bettler wird dem König gleich. 3. So ist des Leibes Hülle bald zerstört und leblos, starr und kalt. Allein der Geist, den Gott uns gab, ist frei vom Tod,‚, sinkt nicht ins Grab. 4. Sei's, daß der From⸗ men Leib zerfällt; sie harren einer bessern Welt und geben an des Lebens Rand die Seelen gern in Gottes Hand. Besondere Umstände und Vorfälle. 5. Dort rührt sie keine Not mehr an, die uns auf Erden schrecken kann; dort ernten sie, verklärt und rein, den großen Lohn der Tugend ein. 6. Und Jesus, der vom Tod erstand und Schrecken überwand, versam⸗ melt sie von Zeit zu Zeit zu Erben seiner Herrlichkeit. 7. So zitt're denn, wer Laster übt, wann ihn des Todes Macht umgibt! Dem Frommen ist er nur Gewinn; getrost geht er zum Grabe hin. 8. Herr, lehr' uns, eh' die Zeit verrinnt, bedenken, daß wir sterblich sind, damit wir klug und tugendhaft vollenden unsre Wanderschaft! 9. Einst bricht für uns und jedermann der große letzte Tag heran, da jeden, den ein Grab bedeckt, der Weltenrichter auferweckt. 10. O Mittler, deine Knechte freu'n sich dieses Tags und harren dein! Laß uns dann mutig aufersteh'n und ein zu deiner Wonne geh'n! J. K D. P. Reinold, 1757—1840. seine 485. 2 Bei dem Tode eines Gatten, einer Gattin. Bei Begräbnissen. Eigene Melodie. 1710. 0 — — — — .— E——— 4 — SSISISISIIIIIIIIIIIIIFIII— — ů Laßt mich wei-nen! Ach! sie ha- ben mei⸗nen be⸗sten 2* ———— E—— 7—— IJ.*— —— + 1 EII——i. 1 —— 2— 1..———.—— + Freund be⸗- gra-ben. Er ging hin, ließ mich zu⸗ rück, 9 A H I 2 IL II und mit ihm 2. Er, der zärtlichste der Gatten, ruht schon in des Grabes Schatten, und die weite Welt umher ist für mich nun öd und leer. 3. Wie so schön war mir das Leben, seit ich ihm mein Herz gegeben! Was war Mühe, Sorg' und Schmerz? Alles teilte ja sein Herz. 4. Froh und glücklich mich zu sehen, meine Freuden zu erhöhen, sorgt' er immer. Unsre Zeit war voll stiller Seligkeit. 5. Nun zerstört vom Sturm der Leiden sind die Blüten meiner Freuden, und voll ent ⸗floh mein Glück. Dornen ist der Pfad, den der Witwe Fuß betrat. 6. Ach! ich rang und rang vergebens um die Seele meines Lebens; du, o Gott, riefst sie von mir. Doch ich had're nicht mit dir. 7. Nein, auch bei des Kummers Zähren will ich deinen Rat verehren. Höre nur in deinen Höh'n der verlass'nen Witwe Fleh'n! 8. Hilf, daß ich den Gram bezwinge, wann ich bang die Hände ringe, wann die Welt zu eng mir scheint, wann mein Aug' in Nächten weint! 462 9. Hör' auf meines Glückes Trümmern die verlass'nen Waisen wimmern; sorge du, daß sie gedeih'n, und laß nie uns hilflos sein! 10. Gib, daß ich in frommer Stille jede Pflicht getrost erfülle, bis einst das zerriss'ne Band wieder knüpft des Todes Hand! Joh. Chr. Wagner, 1747—1825. Mel. 235. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir ꝛe. 486. Sie starb, ach! starb mir viel zu früh, zu früh auch für die Meinen, die alle wehmutsvoll um sie mit mir, dem Vater, weinen. Gott, wel⸗ ches Leiden, welcher Schmerz! Mir blutet immer mehr das Herz bei meiner Kinder Thränen. 2. Du weißt, was ich in ihr verlor, um die so tief ich leide. Sie, die mein liebend Herz er⸗ kor, war meines Lebens Freude, vergalt mir liebreich jede Müh' und sorgte treulich spät und früh für mich und unsre Lieben. 3. Du gabst sie mir; wie dankt' ich dir für diese schöne Gabe! Sie ward dann immer teurer mir; nun ruht sie schon Besondere Umstände und Vorfälle. im Grabe. Still sehnend blick ich um mich her, und ach! ich finde sie nicht mehr, die Freundin meines Lebens. 4. O du, des Rat mir heilig ist, blick' tröstend auf mich nieder! Ich weiß, daß du voll Liebe bist, und du nahmst mir sie wieder. Doch bleib' ich nicht getrennt von ihr; du nahmst sie früher nur zu dir, um früher ihr zu lohnen. 5. Ja, dort werd' ich sie wiederseh'n in deinem bessern Leben. Als Engel wird aus deinen Höh'n sie mir entgegen schweben. Wie wird mir dann, o Vater, sein, wann sie mich durch verklärte Reih'n zu deinem Throne führet! Joach. Christ. Grot, 2733—-1801. Bei dem Tode der Eltern. Mel. 99. O Traurigkeit, o Herzeleid ꝛc. 487. Gott, welch ein Schmerz zernagt mein Herz, welch frühes, bittres Leiden! Ach! ich sah den guten Mann, meinen Vater, scheiden. 2. Er ging von mir nach⸗ haus zu dir; nun hab' ich keinen Vater, keinen mehr, gens Heiterkeit schweres Leiden. Bei Begräbnissen. der Schutz mir ist, Pfleger und Berater. 3. Wer wird für mich nun väterlich hier in der Fremde sorgen? O wie fröhlich war durch ihn meines Lebens Morgen! 4. Sie sind entfloh'n, ent⸗ floh'n mir schon die jugend⸗ lichen Freuden; meines Mor⸗ trübt ein 5. Ach, ließ kein Glück er mir zurück beim frühen Schlafenlegen? Ja, was Kindern Häuser baut, seinen Vatersegen. 6. Und lehrte nicht sein Unterricht, zu dir mich Hoff⸗ nung fassen? Keinen, sprach er freudig oft, hat noch Gott verlassen. 7. Drum halt' ich mich, Herr, Mel. 181. fest an dich, will deine Wege gehen. In der Heimat werd' ich dann ihn einst wiedersehen. J. G. Oehler,? Er starb, der größte Held ꝛce. 188. Die ich so heiß geliebet habe, ach! meine Mutter ist nicht mehr. Sie ruht, die Gute, schon im Grabe, und jammervoll irr' ich umher. 463 Ach! überall vermiß ich sie; in meinem Herzen stirbt sie nie. 2. Sie war so sorgsam, mich zu pflegen, zu bilden mir Verstand und Herz, bracht' immer Freuden mir entgegen und linderte mir jeden Schmerz. Aus Liebe war sie Tag und Nacht auf mich und auf mein Wohl bedacht. 3. Drum wollt' ich niemals sie betrüben, nein, immer dankbar sie erfreu'n, ihr bei⸗ zusteh'n mich fleißig üben und ihres Alters Stütze sein, stets wohlthun ihr nach Kindes⸗ pflicht, und ach! nun kann, nun kann ich's nicht. 4. O, der du lohnst in bessern Welten, was jeder Gutes hier begann, du, Vater, wirst nun ihr vergelten, was ich ihr nicht vergelten kann. Sie war so fromm, so herzlich gut, und du bist's, der nun wohl ihr thut. 5. Gleich gut zu werden, will ich streben; ihr Bild soll stets mein Führer sein! Dann wird sie sich im höhern Leben vor dir, o Gott, noch meiner freu'n, und einst ruf' ich bei ihr entzückt:„Gott hat mich auch durch Schmerz beglückt!“ Unbekannter Verfasser. Besondere Umstände und Vorfälle. Bei dem Tode eines Kindes. Eigene Melodie. 1823. — * n 2 ů ů 22— e, nirrn. r, nt Bias rer dir E,, E. . Es ist nicht mehr, für mich nicht mehr, das Wie ei⸗ ne Ro ⸗se sah ich's blüh'n, und ...— lie be Kind! Wie freu⸗den⸗leer ist nun mein Er- den⸗ weis' und fromm es zu er-zieh'n, war im⸗mer mein Be⸗ —— —* I 3.4.—411. 0 le ⸗ ben! stre ⸗ben. —8 +1 ö—.—.—.— E —*— Ach, mei-ne Hoff-nung sank ins Grab und 5 —— u 50— S.S.S=SSISSI‚ 4——— ERRNEN Freud' und Lust mit ihr 2. Gott, wie verwundet ist mein Herz! Der Morgen findet mich voll Schmerz, die Nacht in heißen Zähren. Doch wider dich, Herr, klag' ich nicht; nein, heilig sei mir stets die Pflicht, dich auch im Schmerz zu ehren! Auch weinend will ich dankbar sein; du gabst, du nahmst, es war ja dein! hin ⸗ab. 3. Wohl ihm! In Unschuld brach sein Herz; gesichert nun vor Not und Schmerz genießt es höh're Freuden. Vielleicht war es zu schwach zum Streit mit Sünde, Welt und Eitelkeit, zu schwach für schwere Leiden. Gerettet ist's in deiner Hand, ging mir voran ins Vater⸗ land. Balth. Münter, 1735—1793. Bei Begräbnissen. Eigene Melodie. Just. Heinr. Knecht, 1815. DD i‚ii. —— DiS‚SSI— El⸗tern, wei⸗ net auf das Grab eu⸗res Kin⸗des ö. 56.. —.— 2 2— ö hin; a⸗ ber trock-net sie auch ab, 5 ————— denn sein Tod ist ihm Ge⸗-winn. 2. Gott entriß es der beweint; sollt mit ihm am und Gefahr, die uns noch auf Throne steh'n, wo euch Gottes — Erden droht. Uebergang zur Huld vereint. — Engelschar sanfter Schlummer — ward sein Tod. 6. Schaut denn weg von jener Gruft, die nun euern 3. Prüfen will Gott euer Liebling delt! Wißt, daß Herz, prüfen eures Glaubens Gott auch euch einst ruft huld Wert. Zeigt ihm, daß ihr auch und auch euch einst auf⸗ nun im Schmerz kindlich seinen erweckt! ießt Willen ehrt! icht 7. Blick igkei den dn e denen n r Herd h de keit, eutriß, was ihr jetzt noch freu'n! Was sich hier in den. weinend liebt, er ist's, der es Nacht verlor, wird euch dort and, mich gemiß einst vollkomm'ner einst lichtvoll sein. Uer⸗ wiedergibt. Chr. G. L. Meister, 1788—1811. 5. Ja, ihr sollt es wieder⸗ 3. seh'n, euer Kind, das ihr 30 466 Besondere Umstände und Vorfälle. Bei dem Tode junger Personen. 491. Mel. Welt, ade, ich bin dein müde ꝛe. Joh. Rosenmüller,? 1649. 9 2 —2.— 1+..— 1 3 ...... ———— Er⸗ den-töch⸗ter, Er ⸗ den ⸗ söh ⸗ ne, E ————.——— — 7 3— DI—3 ————ß 3— 1—— schnell eilt eu ⸗ re Zeit da ⸗ hin! Seid nicht stolz auf 9— ö — 1—.— +—— 2— 4— —...—.———.— ——— ö eu⸗re Schö- ne; denn wie bald kann sie ver-blüh'n! N ———— SSSESSSII.I.........—..— S ́— Eu⸗ res Mun⸗des Hauch ver⸗flie⸗get; eu⸗res Le⸗ bens 9.— ů——— 25 ö*— 2——— SP........ E Quell ver⸗sie ⸗get; tro⸗-tzet nicht auf eu⸗re Kraft, H I 5— J an„ DEI +——* DI=I .——— II auch des Star⸗ken Arm er ⸗schlafft. 2. Doch, ihr Christen, seid liebevoller, liebenswerter hebt nicht traurig, wenn nach zu höh' rer Geister Chor sich Gottes Rat zur Gruft, ach! der freie Geist empor. so früh, so dumpf, so schaurig 3. O, was ist des Grabes euch die Sterbeglocke ruft! Höhle? O, was ist des Edler, kräftiger, verklärter, Grabes Nacht? Menschen Ueber Grab und geboren! schönres Los. starb, ruht unverloren in des ew'gen Vaters Schoß. Süße Bei Begräbnissen. mit gebeugter Seele fürchten nicht des Todes Macht. Grabes⸗ trümmer wird der Geist im Sonnenschimmer himmlischer Erkenntnis steh'n und zu höhern Freuden geh'n. 4. Nein, umsonst ist nichts Unser harrt ein Was hier Hoffnung, schöner Glaube! Alles schwinget einst vom Staube, nach vollbrachtem Pilgerlauf, herrlicher zu Gott sich auf. 5. Leibesschönheit mag ver⸗ blühen, ihren Glanz zerstört die Zeit; Seelenreiz kann nie entfliehen, er ist für die Ewig⸗ keit. Edler Sinn und reine Tugend lohnt mit ewig heitrer Jugend, und nach einem kurzen Streit krönet uns Unsterb⸗ lichkeit. 6. Laßt der Erde Glück vergehen; Gott ist's, der den Geist erhält! Tugend, Tugend wird bestehen, wenn die äußre Hülle fällt! Wie die Gott⸗ heit unvergänglich, wie die Tugend überschwenglich, ist 467 des Christen wahres Glück; nur das Eitle bleibt zurück. Ludw. Theob. Kosegarten, 1758—1818. Bei dem Tode alter Personen. Mel. 435. Es ist gewißlich an der Zeit ꝛe. 492. Erwäge deine Sterb⸗ lichkeit und eile, fromm zu leben! Wie schnell, o Christ, entrinnt die Zeit, die dir dein Gott gegeben! Und würdest du auch noch so alt, die Jahre flieh'n, und einst erschallt auch dir des Todes Stimme. 2. Und wie kann jemals sich dein Herz nach hohem Alter sehnen? Du sehnest oft dich nur nach Schmerz, nach Schwachheit, Not und Thrä⸗ nen. Das Alter ist nicht stets ein Glück; o hebe himmelan den Blick! nur da ist wahres Leben. 3. Wie mancher Alte wankt gebeugt, mit kindischem Ver⸗ stande und allem Frohsinn abgeneigt an seines Grabes Rande! Den Seinigen kein Helfer mehr, selbst hilfs⸗ bedürftig seufzet er nach Ruh' und nach Erlösung. 30* 468 4. Schau' auf das Grab und siehe hier das Ende aller Thränen! Was hilft's, mit ängstlicher Begier nach Erden⸗ glück sich sehnen? Wie lange währet der Genuß? Dein Sinn wird stumpf, und Ueber⸗ druß ergreifet deine Seele. 5. O, wohl dir, wenn dich edler Mut zum höhern Ziele leitet, und auch ins Alter dich ein Gut, das ewig ist, begleitet! Dann senke sich dein mattes Haupt, dann werde jeder Kraft beraubt; du hast noch Kraft zu hoffen. 6. Ja, Hoffnung stärkt des Frommen Sinn am Ende seiner Tage. Sie schwanden wie ein Traum dahin mit ihrer Lust und Plage; doch seine Hoff⸗ nung schwindet nie, und Gott, sein Freund, erfüllet sie, und gibt ihm neues Leben. 7. So schlumm're denn in Frieden ein, wenn dich das Alter drücket! O Christ, wie wohl wird dir da sein, wo Jesus dich erquicket! Wie freudevoll, wie jugendlich wird deine freie Seele sich im Vater⸗ lande fühlen! Besondere Umstände und Vorfälle. Bei dem Tode eines Religionslehrers. Mel. 214. Liebster Jesu, wir sind hier ꝛc. 493. Fromm, wie er gewan⸗ delt hat, endet sich zum Trost der Seinen unsers Lehrers Ehrenpfad, und wir schau'n ihm nach und weinen. Ach, er hat uns treu belehret und zum Guten hingekehret. 2. Was dein Wort uns lieben heißt, Vater, das hat er verkündet und, gestärkt durch deinen Geist, vieler Seelen Heil gegründet. Uns zu Jesu zu erheben, war sein eifrigstes Bestreben. 3. Treulich ging er selbst den Pfad reiner Tugend bis ans Ende und gab nun nach deinem Rat seinen Geist in deine Hände. Nur die Kraft von seiner Lehre trocknet unsre Wehmutszähre. 4. In der Nähe seiner Gruft, die nur seine Hülle raubet, hören wir, wie Jesus ruft:„Selig ist, wer an mich glaubet!“ Ja, des Himmels Heil und Frieden ist dem Bearbeitet von Joh. Wilh. R ö earbeitet 3 J2933„ 964, Redlichen beschieden. S se Bei Begräbnissen. 469 5. Laß, o Herr, die edle Angst umgeben, wird er oft Saat, ausgestreut von unserm Lehrer, fruchtbar sein in Wort 3. und That und uns würdige Verehrer wahrer Frömmigkeit auf Erden und des Himmels Erben werden! 6. Wenn wir dann einst um ihn steh'n und mit ihm zum Throne dringen, mit ihm den Erlöser seh'n, dem wir Preis und Ehre bringen, ach, wer nennt die Seligkeiten, die dann ewig uns begleiten! 7. Gott, er ruhe sanft und mild, er, der uns dir näher führte! Unvergeßlich sei sein Bild jedem Herzen, das er rührte! Seine schönen Tugend⸗ lehren wollen wir durch Thaten ehren. Friederike Bruhn, geb. 1765. Bei dem Tode eines Ver⸗ unglückten. Mel. 426. Mein Jesus ist mein Leben ꝛe. 494. O Gott, welch tiefe Trauer hat unsern Blick um⸗ hüllt! Es ist des Schreckens Schauer, der unser Herz erfüllt. 2. Was ist des Menschen Leben? Was ist des Men⸗ schen Kraft? Von Not und hingerafft. Gesund und mutig schreitet er durch die Welt einher. Ein Unglück wird bereitet, und ach! er ist nicht mehr. 4. Wer zählet die Gefahren, die uns auf Erden droh'n? Willst du uns nicht be⸗ wahren, so stürzen sie uns schon. 5. Auf allen unsern Wegen umhüllt uns Dunkelheit, und oft ist Not zugegen, wo unser Herz sich freut. 6. Doch alles, was ge⸗ schiehet, erfolgt auf dein Gebot. Du willst: der Tod entfliehet! Du willst: so kommt der Tod! 7. Ach, dies nur macht uns stille: wir sind in deiner Hand, und gnädig ist dein Wille, allweise dein Verstand. 8. Wo wir oft ängstlich zagen, erhöhst du unser Glück und lenkst von trübern Tagen uns wunderbar zurück. 9. Auch wenn des Todes Grauen uns plötzlich nieder⸗ reißt, darf unser Geist dir trauen; du liebest unsern Geist. 10. Er kann und wird nicht sterben; er eilet nur 470 5 hervor, entreißt sich dem Ver⸗ derben und schwebt zu dir empor. 11. O lehr' uns wachen, beten und stets besonnen sein, daß, wenn wir vor dich treten, wir deines Heils uns freu'n! 12. Der Erde Schrecken schwinden auf ewig vor uns hin; wir seh'n dann und empfinden: der Tod war nur Gewinn! Bearbeitet von Joh. Wilh. Reche, 1763—-1835. Beruhigung und Trost. Mel. 194. Du, o schönes Welt⸗ gebäude ꝛe. 495. Trocknet eures Jam⸗ mers Thränen, heitert euren trüben Blick; denn es bringt kein banges Sehnen die Ent⸗ schlafenen zurück! Ach, die holde Stimm' und Rede und der Lieblichkeiten jede und das freundliche Gesicht ruht im Grab und kehret nicht! 2. Gleich des Feldes Blu⸗ men schwindet, was da lebet rings umher. Trauernd sucht der Freund und findet den geliebten Freund nicht mehr. Wie der welke Greis am Stabe sinkt der Jüngling und Besondere Umstände und Vorfälle. der Knabe, und das schauer⸗ volle Grab zieht zuletzt auch uns hinab. 3. Gleich des Feldes Blu⸗ men werde, was geboren war, zerstäubt! Nur der Erdenleib wird Erde, aber sein Be⸗ wohner bleibt. Ja, ihr lebt, Geliebte, lebet über Sternen oder schwebet mitleidsvoll um jeden Freund, der an euerm Grabe weint. 4. Dieses Streben, dieses Trachten aufwärts zur Voll⸗ kommenheit, dieses Vorgefühl, dies Schmachten, Brüder, nach Unsterblichkeit, dieser Geist, der Welten denket, würde mit ins Grab gesenket? Und ge⸗ schaffen hätte Gott dieses alles nur zum Spott? 5. Nein, dem Tod wird nicht zum Raube, Gott, dein Bild,— des Menschen Geist kann nicht untergeh'n im Staube, wenn dein Wink uns scheiden heißt. Nur die Hülle wird versenket, doch die freie Seele lenket zu der höhern Geister Chor freudig ihren Flug empor! 6. Auf! Von Moder und Berwesung blicke dort hinauf, mein Geist, wo im Friedens⸗ thal Genesung alles Erden⸗ jammers fleußt; wo nichtKrieg, Erdbeben, Fluten, Hunger Pest und wilde Gluten, wo nicht Trennung mehr, noch Tod liebenden Geliebten droht. 7. Ach, des Wonnetags, der wieder, was am Grabe hier geweint, Eltern, Kinder, Schwestern, Brüder, Freund und Gatten fest vereint; wann, gelehrt von Himmelsweisen, wir des Vaters Liebe preisen, der aus Irrtum, Schmach und Gram uns in seine Ruhe nahm! 8. Bald vielleicht, ach, bald verschwunden ist auch unsre Lebenszeit, und, wer weiß? von meinen Stunden ist die letzte nicht mehr weit! O, laßt Gottes Weg uns wandeln, immer gut und redlich handeln, daß wir, wenn der Vater ruft, freudig sinken in die Gruft! Joh. Heinrich Voß, 1751—1826. Mel. 337. Herr, ich habe mißgehandelt ꝛe. 496. Löst der Tod die sanften Bande treu vereinter Lieben auf; enden Freunde und Verwandte ihres Erden⸗ Bei Begräbnissen. 471 lebens Lauf: ach, dann fühlen unsre Herzen unaussprechlich tiefe Schmerzen. 2. Wenn der Säugling, kaum geboren, gleich der Blume schnell verblüht, und die Mutter nun verloren ihre ganze Hoff⸗ nung sieht: ach, dann will ihr Herz verzagen, dieser Trenn⸗ ung Schmerz zu tragen! 3. Wenn der Tod im edlen Sohne seine Lust dem Vater raubt, wenn des Hauses Stütz' und Krone sinket mit des Vaters Haupt, Mütter von den Kindern scheiden: Gott, was gleichet diesen Leiden? 4. Ach, es müßte unter⸗ liegen dieses arme schwache Herz, hälfest du uns, Herr, nicht siegen über Tod und Trennungsschmerz! Schlägt uns gleich das Leiden nieder: Vater, du erhebst uns wieder. 5. Ja, Herr, deines Trostes Quelle trocknet auch am Grabe nicht. Selbst des Todes Nacht wird helle durch des Glaubens mildes Licht. Alles, was wir hier beweinen, wird uns dort als Glück erscheinen. 6. Wandeln nicht in hohen Freuden unsre Lieben dort 472 Besondere Umstände und Vorfälle. am Thron? und wir sollten Mel. 426. Mein Jesus ist mein sie beneiden um den früh errung'nen Lohn? Wirst du nicht im bessern Leben die Verlor'nen wiedergeben? 7. Ach, warum wird uns entrissen, was uns doch so teuer war? Hier nicht sollen wir es wissen, dort erst wird es offenbar. Rätsel, die wir hier beweinen, werden dort im Licht erscheinen. 8. Welche drohenden Ge⸗ fahren harrten noch der Teuern hier! Gott, du wolltest sie bewahren, darum nahmst du sie zu dir. Manchen schweren Kümmernissen hast du sie vielleicht entrissen. 9. Beugt ihr Tod auch unsre Herzen, führt er auch in dunkle Nacht harter Prüfungen und Schmerzen: Vater, deine Huld und Macht führt die Deinen auch durch Leiden zum Genusse bess'rer Freuden. 1I0. Der Entschlafenen ge⸗ denken, ihrer Liebe, sei uns Pflicht! Freudig laßt den Blick uns lenken aufwärts hin zu jenem Licht, wo sich alle wiedersehen, die hier Gottes Wege gehen! Gotth. Friedr. Stäudlin, 1758— 1795. Leben ꝛe. 497. Das Grab ist tief und stille, und schauderhaft sein Rand; es deckt mit schwarzer Hülle ein unbekanntes Land. 2. Das Lied der Nachtigallen tönt nicht in seinen Schoß; der Freundschaft Thränen fallen nur auf des Hügels Moos. 3. Verlass'ne Bräute ringen umsonst die Hände wund; der Waisen Klagen dringen nicht in der Tiefe Grund. 4. Doch sonst an keinem Orte wohnt die ersehnte Ruh', nur durch die dunkle Pforte geht man der Heimat zu. 5. Das arme Herz hienieden, von manchem Sturm bewegt, erlangt den wahren Frieden erst, wann es nicht mehr schlägt. Joh. Gaud. v. Salis, 1762—1834. Andenken an die Vollendeten.(Besonders am Schlusse des Jahres). Mel. 89. Herzlich thut mich verlangen ꝛe. 498. Wir denken, Gott, der Lieben, die nun im Grabe ruh'n; wir sind zurückge⸗ dachte in manchem lieben Jahr, brachte sein Herz dem andern dar. Sie sahen unsre Wunden, —.—— blieben, sie sind befriedigt Wo nun die Lieben wallen, Wie wir in frühern ist Friede, Recht und Licht. Vani wollen würdig handeln, nun. Jahren, vereint durch Herz und Haus, so froh beisammen waren, das preßt uns Thränen aus. 2. Was einer fühlt' und das sprach sein Mund, das Bei Begräbnissen. sie kannten unser Leid; sie haben froher Stunden mit uns sich oft gefreut. 3. O Gott, das ist ver⸗ gangen; was irdisch ist, ver⸗ geht; doch inniges Verlangen nach ihrem Glück besteht. Gib ihnen Wohlergehen in deiner bessern Welt; laß uns sie wiedersehen, wann unser Leib zerfällt! 4. Sie fehlten oft, doch dessen gedenken wir nicht mehr; vergessen sei's, ver⸗ gessen! Nicht fehlen ist so schwer. Doch alles Gute bleibe, das wir an ihnen sah'n; ihr edles Vorbild treibe auch uns zur Tugend an! 5. Die Hüllen sind ge⸗ fallen, die Fehler blieben nicht. 473 nicht lang ist unsre Bahn; zu dir, o Vater, wandeln wir, ihnen gleich, hinan. 6. Noch manche sind ge⸗ blieben; wir wollen fromm und rein und lebenslang sie lieben und ihrer Lieb' uns freu'n. Die Lebenden und Toten bewachst du, Herr der Herrn; was dein Gesetz ge⸗ boten, vollbringe jeder gern! 7. Es ist des Geistes Hülle, was sich zum Grabe neigt, wann zu der Wonne Fülle der Geist befriedigt steigt. Ja, hofft nur, Schwestern, Brüder! wir seh'n in reinem Licht all' unsre Lieben wieder und trennen uns dann nicht. 8. Laß trocknen unsre Thränen, sie lindern unser Leid, und stille, Herr, das Sehnen nach lautrer Selig⸗ keit! Wir wollen dir auf Erden mit fester Hoffnung trau'n und reinen Herzens werden, damit wir einst dich schau'n. G. W. Chr. Starke, 1762—1830. Besondere Umstände und Vorfälle. 499. Mel. Trockne deines Jammers Thräne ꝛe. Just. Heinr. Knecht, 1797. 2 +.— ö ö—.—.——— ——. — 3 1.— +15 6. ö ů— Dumpf und ernst, wie Grab⸗ ge⸗ läu ⸗te, —— 2———— 7— W Ee..... — 8——————— schallt der Glo-cken Ton, mahnt uns an die * = DDD‚. —— Lie„ben heu ⸗ te, die da ⸗ hin ⸗ ge⸗ floh'n. . 1 e—..— DDEDEITEDESITSI... —— — — C. —4 —.0 From⸗mer Chri⸗ sten Scha⸗ ren wal⸗len zu den Gott ge⸗ 9— +7.,-. RDDDDDDRR————————— weih ⸗ten Hal-len, weg vom nie⸗dern Er ⸗ den=tand, V 5.— 9—— SS— 2.II———— 1 him„mel⸗ auf den Blick ge⸗ wandt. 2. Männer, Jünglinge und der Christen fromme Schar Greise blicken ernst empor; ihrer Andacht Opfer dar! aus den Gräbern tönet leise 3. Sei gegrüßt uns, heil'ge Geisterlaut hervor:„Sterb⸗Stätte, zu der Sterblichkeit liche, denkt an das Ende!“ ernster Feier im Gebete und und gefaltet ihre Hände, bringt Gesang geweiht! Unsern Bei Begräbnissen. Brüdern, abgeschieden zu der Heimat stillem Frieden, bringen, im entfloh'nen Jahr, wir der Wehmut Thränen dar. 4. Ach, wie mancher unsrer Lieben sank vor uns hinab! Nichts ist uns zurückgeblieben als ihr dunkles Grab. Sprach' und Laut sind uns verklungen, und nur in Erinnerungen, hörbar nur des Geistes Ohr, Schar ar! jeil'ge ichkeit und Insern tönen sie zu uns empor. 5. Aber selig sind, die schlafen, allen Leiden, die in der Prüfung Thal sie trafen, sind entronnen sie. Fried' um⸗ fängt sie, Ruh' und Kühle nach des Erdenlebens Schwüle; keine Sorge drückt sie mehr, und ihr Aug' ist thränenleer. 6. Uns voran sind sie ge⸗ gangen in der Heimat Land; nur die Hüllen hat empfangen der Verwesung Hand. Zu den Sternen aufgehoben wohnet bei dem Vater oben, was nicht Tod, nicht Grab entreißt, und was ewig lebt, der Geist. 7. Weint den Sel' gen Freu⸗ denthränen! Auf zum Himmel blickt! Ueber Hoffen, über Wähnen sind sie dort beglückt. Reich belohnt ist ihr Ver⸗ 47⁵ trauen, Wahrheit ward ihr Glaube, Schauen. Wonne fühlt ihr frommes Herz; schweige Klage denn und Schmerz! 8. Aber unvergeßlich schwebe stets um uns ihr Bild! Ihr Gedächtnis bleib' und lebe in uns freundlich, mild, zeige in den teuern Toten uns des bessern Daseins Boten, ruf' uns zu:„Das Grab ist nur Weihe höherer Natur!“ 9. Mahn' uns, auf zum Licht zu dringen, das sie dort verklärt kämpfend um den Sieg zu ringen, den nur Kampf gewährt, selbst veredelnd, weltbeglückend, immer weiter, höher rückend uns zu nah'n dem Uebergang in gereifter Geister Rang; 10. Auszudulden, auszu⸗ halten, wenn sich Prüfung naht, Tugendkeime zu gestalten zu vollbrachter That und durch Tugend schon auf Erden Bür⸗ ger jener Welt zu werden, wo des Sieges Palme sprießt, die Verklärter Stirn umschließt. 11. Heilig soll uns denn der Teuern Angedenken sein, kräftig unsern Mut befeuern, uns der Pflicht zu weih'n! 476 Du, o Vater, woll'st uns hören, wenn an ihrem Grab wir schwören, auszudauern, Besondere Zeiten. was uns droht, treu der Wahrheit bis zum Tod! Joh. Fr. Schink, 1755—1835. II. Belondere Zeiten. Jahreswechsel. Mel 134. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig ꝛc. 500. Hitf, o Jesu, laß gelingen, hilf, ein neues Jahr fängt an! Laß es neue Kräfte bringen, fromm zu wandeln deine Bahn! Neues Heil und neues Leben wolle deine Huld uns geben! 2. Dankvoll beug' ich meine Kniee, Gott, vor dir, daß deine Hand so viel Gutes spät und frühe liebreich mir hat zugewandt. Meines Her⸗ zens kindlich Flehen soll, Herr, deinen Ruhm erhöhen. 3. Laß dies Jahr ein Jahr der Gnade mir und meinen Brüdern sein! Daß mir keine Sünde schade, will ich ganz mein Herz dir weih'n. Hilf mir, Heil'ger, dir zu leben, dann ist alle Schuld ver⸗ geben! 4.8. Bin ich dann mit Ernst beflissen, mich im Geiste zu erneu'n, o, so lasse mein Ge⸗ wissen sich des hohen Trost's erfreun, daß du gern uns willst erhören, wenn wir uns zu dir bekehren! 5. Ja, du woll st mir Gnade geben, daß dies Jahr mir heilig sei, daß ich christ⸗ lich möge leben, ohne Falsch und Heuchelei, daß ich fromm auf dieser Erde und dort ewig selig werde! 6. Deine Liebe soll mich leiten auf dem Weg der Frömmigkeit, mir mit Sorg⸗ falt zu bereiten dauernde Zufriedenheit. Lieber will ich Unrecht leiden, als, was dir mißfällt, nicht meiden. 7. Was ich denke, red' und thue, das gescheh' in dir allein; wann ich wache, wann ich ruhe, wollest du, Herr, bei mir sein und zu allen guten der 35. Jahreswechsel. Werken mich durch deine Hilfe stärken! 8. Dir zum Ruhm, als deine Gabe, laß mich nehmen Speis' und Trank und ge⸗ brauchen, was ich habe, mit Zufriedenheit und Dank! Laß mich, Herr, mit deinem Segen auch der Brüder Wohlfahrt pflegen! 9. Wann ich leide, mich betrübe und voll Angst und Kummer bin, o, dann sende, Gott der Liebe, mir den kindlich frommen Sinn, der dich selbst im Schmerz erhebet und vor Tod und Grab nicht bebet! 10. Jesu, laß mich fröhlich enden dieses angefang'ne Jahr! Trage mich auf deinen Händen, bleibe bei mir in Gefahr! Und soll ich die Welt verlassen, will ich glaubig dich umfassen. Joh. Rist, 1607—1667. Mel. 520. Wach' auf, mein Herz, und singe ꝛe. 50 Mit Freuden laßt uns treten vor Gott, ihn anzu⸗ beten, vor Gott, der unserm Leben bis hieher Kraft ge⸗ geben! 2. Wir Erdenpilger wan⸗ dern von einem Jahr zum 477 andern; die schnelle Flucht der Stunden wird kaum von uns empfunden. 3. Zwar diese Lebenstage sind nie ganz frei von Plage; wir geh'n auf rauhen Wegen der Ewigkeit entgegen. 4. Doch Gott liebt uns nicht minder, als Väter ihre Kinder, und wird auch in Gefahren stets gnädig uns bewahren. 5. Erhalter unsers Lebens, wir sorgen stets vergebens, wenn du uns nicht beschützest, mit Kraft uns unterstützest. 6. Mit glaubigem Ver⸗ trauen laß uns auf dich nur schauen! Gib festen Mut im Leiden, ein dankbar Herz in Freuden! 7. Gib, Vater, allen denen, die sich nach Hilfe sehnen, ein Herz, das sich geduldet, durch Murren nicht verschuldet! 8. Herr, wehre du den Kriegen, laß Menschenliebe siegen und sich, wo Thränen fließen, des Trostes Quell ergießen! 9. Gib deinen milden Segen zu allen unsern Wegen! Laß Großen, Herr, und Kleinen der Freuden Sonne scheinen! 478 10. Sei der Verlass'nen Vater, der Irrenden Berater; die Unterdrückten schütze, die Armen unterstütze! 11. Hilf gnädig allen Kran⸗ ken; gib fröhliche Gedanken den kummervollen Seelen, die sich mit Schwermut quälen! 12. Vor allem, Herr, ver⸗ leihe uns deinen Geist aufs neue, der uns mit Tugend ziere und so zum Himmel führe! 13. Das wollest du uns geben, du Herr von unserm Leben! So gehen wir im Segen der Ewigkeit entgegen. Paul Gerhardt, 1607— 1676. Mel. 17. Mein's Herzens Jesu, meine Lust ꝛc. 502. Gott rief die Sonne, schuf den Mond, das Jahr darnach zu teilen; er sorget, daß man sicher wohnt, und heißt die Zeiten eilen; er ordnet Jahre, Tag und Nacht; auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank erteilen! 2. Herr, der da ist und der da war, von dankerfüllten Zungen sei dir für das ver⸗ floss'ne Jahr ein heilig Lied gesungen: für Leben, Wohl⸗ Besondere Zeiten. fahrt, Trost und Rat, für Fried' und Ruh', für jede That, die uns durch dich ge⸗ lungen! 3. Laß dies Jahr auch gesegnet sein, das du uns neu gegeben! Verleih' uns Kraft, die Kraft ist dein, in deiner Furcht zu leben! Du schützest uns und du vermehrst der Menschen Glück, wenn sie zu⸗ erst nach deinem Reiche streben. 4. Gib uns, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh' und Freuden! Doch schadet uns das Glück der Welt, so sende Kreuz und Leiden; nur stärke mit Geduld das Herz und laß uns nicht in Not und Schmerz die Glücklichern beneiden! 5. Hilf deinem Volke väter⸗ lich in diesem Jahre wieder! Erbarme der Verlass'nen dich und der bedrängten Brüder! Gib Glück zu jeder guten That und laß dich, Gott, mit Heil und Rat auf unsern Fürsten nieder! 6. Daß Weisheit und Ge⸗ rechtigkeit auf seinem Stuhle throne, daß Tugend und Zu⸗ friedenheit in unserm Lande wohne, daß Treu' und Liebe bei uns sei, dies, lieber Vater, schmückt Segen; deine Vaterhuld be⸗ glückt uns auf allen Wegen. Jahreswechsel. dies verleih' in Christo, deinem Sohne! Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. 161. Schwing' dich auf zu deinem Gott ꝛe. 50„Ewig und unwandel⸗ bar, Gott, ist deine Gnade, und durch dich strömt immer⸗ dar Heil auf unsre Pfade. Tag' und Jahre ändern sich, und wir selbst veralten. Du nur bleibest, und durch dich werden wir erhalten. 2. Jedes unsrer Jahre deine Hand mit Jeden Morgen sendest du Lebenskraft und Wonne, und durch dich kommt Trost und Ruh' mit der Abendsonne. 3. Auch des Jahres Lauf, den wir froh vollendet haben, war erfüllt, o Herr, von dir mit den besten Gaben; Heil und Freude, Trank und Brot hast du uns gewähret und in Wohlthat selbst die Not und den Schmerz verkehret. 4. Daß uns deiner All⸗ macht Hand väterlich geleitet, daß du über unser Land Ruh' und Glück verbreitet, daß der Arbeit Müh' und Schweiß uns 479 durch dich gelungen, dafür, Gott, sei Dank und Preis herzlich dir gesungen! 5. Freudig, Vater, treten wir in dies Jahr des Lebens. Wann, o Herr, vertraute dir einer je vergebens? Ja, du wirst verlassen nicht uns in unserm Leben; du wirst uns bei Fleiß und Pflicht Speis' und Freuden geben. 6. Schnell entfliehet unsre Zeit; groß sind unsere Pflich⸗ ten; lehr' uns, Herr, mit Freu⸗ digkeit alle treu verrichten! Jede That, die dir gefällt, laß uns wohl gelingen, jede Segen für die Welt und den Himmel bringen! Chr. Chr. Sturm, 1740—1786. Mel. 51. Wie groß ist des All⸗ mächt'gen Güte ꝛe. 504. Hier bin ich, Herr, mein ganz Gemüte erfüllt des Dankes heißer Drang, und die Erinn'rung deiner Güte begeistert mich und wird Ge⸗ sang. Mit tausend Jubeln, die von allen gerührten Seelen zu dir floh'n und jetzt aufs neue dir erschallen, schwingt er sich auf zu deinem Thron. 2. Weit über alles Glück der Erde entzücket der Gedanke 48⁰ mich, daß ich von dir be⸗ merket werde, ich, nur ein Staub, ein Sünder ich! Ja, was kein Loblied je verkünden und keine Zunge sprechen kann, des Dankes innigstes Empfinden siehst du— und siehst es gnädig an. 3. Du kennest alle meine Triebe, weißt, wie mein Herz auf dich gelenkt, mit reinem Dank und Kindesliebe an deine große Güte denkt. Froh will ich's meinen Brüdern sagen, damit auch ihr Gesang erwacht, wie gut in den verfloss'nen Tagen, wie herrlich du's mit mir gemacht. 4. Du hast den Trost geprüfter Freunde gesandt in meine Einsamkeit; du hast, wann bang mein Auge weinte, mit ihrer Liebe mich erfreut. Für tausend reine, süße Freu⸗ den, die du auf meinen Weg gestreut, und für die Wohlthat mancher Leiden sei dir mein heißer Dank geweiht! 5. Im stolzen Selbstgefühl vermessen, wie oft vergaß ich, Vater, dein! Doch duhastmeiner nie vergessen und riefst mich wieder, dein zu sein. Oft ließest du mich tief empfinden, wie gar Besondere Zeiten. nichts ohne dich ich sei, vergabst mir alle meine Sünden und machtest von Gefahr mich frei. 6. Noch leb' ich, Vater, noch hienieden, erhalten und beglückt von dir. Du schenkst mir deinen hohen Frieden, und deine Gnade wohnt in mir. Noch kann ich gute Saaten säen in Hoffnung auf die Erntezeit und gläubig ihm entgegengehen, dem großen Lohn der Ewigkeit. 7. Sollt' ich für ferne Tage sorgen? Du hast es alles wohl gemacht! Mich ängstet nicht der nächste Morgen und nicht der fernen Zukunft Nacht. Dir, o mein Vater, will ich leben; mit freudigem Vertrau'n auf dich will ich mich völlig dir ergeben; ich zage nicht, du sorgst für mich. 8. Wenn sonst ein Wunsch hervor sich dränget, o Herr, nach irgend einem Glück und unter mein Gebet sich menget, ihn sieht und richtet schon dein Blick; mir Schwachen woll'st du ihn verzeihen, den Wunsch, wenn er dir nicht gefällt, und gnädig mir nur das verleihen, was dein Rat mir für nützlich hält! Jahreswechsel. 481 9. Was du mir, Weisester, beschieden, muß Glück und Wohlthat für mich sein; er⸗ halte mir nur deinen Frieden, und stets sei deine Gnade mein! Laß in Versuchung mich nicht fallen, auf dich, des Guten Urbild, seh'n und stets zu deinem Wohlgefallen die Wege wahrer Tugend geh'n! Chr. Heinr. Seidel, 1743—1787. Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. 505. Wiederum ein Jahr verschwunden! Ach, es kommt nicht mehr zurück! Heit're Tage, trübe Stunden schwan⸗ den wie ein Augenblick. Floh'n zugleich auch meine Sünden? Nein, die werd' ich wieder finden, wann der Richter aller Welt einst vor sein Gericht mich stellt. 2. Wenn er reichlich mich gesegnet, bin ich, seiner Liebe wert, ihm auch stets mit Dank begegnet? Hab' ich nie mich selbst entehrt? Lebt' ich fromm nach seinem Willen öffentlich und fromm im stillen? Täuschte mich das Laster nicht? Uebt' ich treulich meine Pflicht? 3. Wie? darf ich's zu denken wagen: Bin ich reif zur Ewig⸗ keit? Könnt' ich's hören ohne Fihst rief' mir Gott: Du stirbst noch heut'? Dürft' ich froh vor ihm erscheinen? Hätt' ich nichts mehr zu beweinen? Folgte, Heiliger, zu dir keiner Schuld Bewußtsein mir? 4. Ach, es waren meine Sünden zahllos auch in diesem Jahr, und mit Scham muß ich empfinden, wie so oft ich untreu war! Darf ich noch Verzeihung hoffen? Ja, dein Vaterherz steht offen jedem, der die Schuld bereut und sich fromm im Geist erneut. 5. Deine Wahrheit konnt' ich hören, frei zum Andachts⸗ hause geh'n, öffentlich dich, Herr, verehren und um deine Gnade fleh'n. Oft empfand ich deine Liebe; oft erwachten neue Triebe, fromm zu sein, in meiner Brust, dich zu lieben, neue Lust. 6. So verzeih' denn, schenk Erbarmen, denke meines Un⸗ danks nicht! Gib mir tiefge⸗ beugten Armen neue Kraft zu meiner Pflicht! Dir nur will ich künftig leben; eifrig will ich mich bestreben, mich der 31 48² Tugend ganz zu weih'n und ein wahrer Christ zu sein. Joh. Kasp. Lavater, 1741—1801. Mel. 17. Mein's Herzens Jesu, meine Lust ꝛc. 506. O Gott, du bist der Herr der Zeit, und dein ist unser Leben! Laß mich auch jetzt voll Freudigkeit und Rührung dich erheben. Ein Jahr ist abermal dahin! Wem dank' ich's, Gott, daß ich noch bin? Nur deiner Macht und Güte! 2. Dich, Ewiger, dich bet' ich an. Dir will ich mich ergeben; dir, den kein Wechsel treffen kann, vertrau' ich froh mein Leben. Wir blühen und vergeh'n durch dich; nur du bist unveränderlich, du warst und bist und bleibest. 3. Herr, ewig währet deine Treu', mit Huld uns zu be⸗ gegnen; an jedem Morgen wird sie neu, mit Wohlthun uns zu segnen. Ich kenne keinen Augenblick, da nicht von ihr stets neues Glück mir zugeflossen wäre. 4. Du hast auch im ver⸗ floss'nen Jahr mich väterlich geleitet, oft, wann mein Herz voll Sorgen war, mir Hilf' Besondere Zeiten. und Trost bereitet. Von ganzer Seele preis' ich dich; aufs neue, Gott, ergeb' ich mich ganz deiner weisen Führung. 5. Voll Reu' erkenn' ich meine Schuld von den ver⸗ floss'nen Tagen; doch du ver⸗ gibst, mit Vaterhuld wirst du mich Schwachen tragen. Ja, stehe du mir hilfreich bei, daß ich mit Ernst beflissen sei, der kei Sünde Reiz zu fliehen! ö 6. Gib mir, o Vater, Lust st und Kraft, der Tugend treu zu wandeln; laß täglich mich gewissenhaft mit mir und andern handeln! Dein Geist belebe Herz und Mut, dich, o du allerhöchstes Gut, mehr als die Welt zu lieben! 7. Ihr Reiz vergeht; drum will ich mich mit Weisheit ihm entziehen. Um edle Freuden müsse sich mein Geist schon jetzt bemühen! Hier ist mein Vor⸗ bereitungsstand, der Himmel erst mein Vaterland; laß, i Herr, mich danach trachten! 8. O, lehre selbst mich, meine Zeit mit Weisheit an⸗ zuwenden, und laß den Lauf zur Ewigkeit mit Vorsicht mich vollenden! Der Tage Last erleicht're mir, bis meine Jahreswechsel. Seligkeit bei dir kein Wechsel weiter störet! Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 507. Schnell fließen Jahr auf Jahre hin, noch schneller Tag' und Stunden. Wie viele sind, seitdem ich bin, nicht auch schon mir verschwunden! Und keine, keine kommt zurück; selbst ein verlor'ner Augenblick läßt sich durch nichts erkaufen. 2. Gott, diese schnelle Flucht laß mich zu meinem Heil bemerken und mich aus Liebe gegen dich heut' in dem Vorsatz stärken, dir, Vater, folgsam stets zu sein, der Tugend eifrig mich zu weih'n, auch dieses Jahr zu nützen! 3. Umringt mit täglicher Gefahr bin ich in diesem Leben; vielleicht ist dies das letzte Jahr, das du mir hast gegeben; und dennoch sollt' ich meiner Pflicht und dir, Herr meiner Tage, nicht aus allen Kräften leben? 4. O, möcht' ich diese Thorheit scheu'n; möcht' ich Entschlüsse fassen, die mich zu keiner Zeit gereu'n, und jenen Leichtsinn hassen, der die so edle Zeit —— 483 verträumt, des Geistes ew'ges Wohl versäumt, für diese Welt nur lebet! 5. Laß mich die mir ver⸗ lieh'ne Zeit nach ihrem Zweck verteilen, nicht zum Genuß der Fröhlichkeit zu schnell, zu häufig eilen, den Müßiggang, die Trägheit flieh'n und keiner Arbeit mich entzieh'n, wodurch ich andern nütze! 6. Laß mich mir strenge Rechenschaft von jedem Tage geben; verleih' mir Einsicht, Mut und Kraft, als wahrer Christ zu leben; gib, daß ich meinen Pflichten treu und treu in dem Berufe sei, den du mir angewiesen! 7. Laß mir dies Jahr gesegnet sein an echten Tugendfrüchten, und guter Thaten mich zu freu'n, mich gerne sie verrichten; voll Eifer für der Brüder Glück, laß mich mit liebevollem Blick froh ihren Kummer lindern! 8. Mein Schicksal übergeb' ich dir, du wirst es weise lenken und, was mir gut ist, huldreich mir aus Vaterliebe schenken. Im Leiden selbst verzag' ich nicht; ich weiß mit froher Zuversicht: es muß mir Wohlthat werden. 31 484 9. Und wenn dies Jahr mein letztes ist, so laß mich selig sterben und, dir erkauft durch Jesum Christ, des Himmels Freuden erben! Sind diese nur auf ewig mein: wie groß wird meine Wonne sein im Kreise der Erlösten! Joach. Christ. Grot, 1783—1801. Mel. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛe. 508. Mit Riesenschritten naht das Jahr dem Ziel der kurzen Bahn. Bald zeigt der letzten Stunde Schlag die neue Zukunft an. 2. So schnell floh auch mein Lebenslenz, so wird mein Sommer flieh'n; des Herbstes schönste Blume welkt im nahen Wetter hin. 3. Drum soll jetzt bei des Jahres Schluß mein ernster Vorsatz sein: die kurz ge⸗ mess'ne Pilgerschaft der Tu⸗ gend nur zu weih'n. 4. Ja, dir, o Tugend, schwör' ich hier, zu folgen bis ans Grab. Dies ist der Zweck, warum Gott mir so manche Freude gab. 5. Wie oft lag ich in stiller Ruh', vom süßen Schlaf erquickt, da mancher bess're Besondere Zeiten. Mensch, als ich, zu dir nach Trost geblickt; 6. Der seufzend auf dem Lager sich in Not und Elend wand, von dir mit Thränen Lind'rung bat und keine Hilfe fand. 7. Nimm jetzt den Dank, den dir, o Herr, ein Herz voll Liebe zollt; sieh diese Thräne gnädig an, die meinem Aug entrollt! 8. Gib ferner mir der Erde Glück! Doch wenn dir's nicht gefällt, so gib mir nur ein frommes Herz, den größten Schatz der Welt! Zweibr. Gesangbuch, 1804. Mel. 165. O Gott, du frommer Gott ꝛc. 509. Mit diesem Tage geht nun auch das Jahr zu ende; voll innigen Gefühls erheb ich meine Hände und meinen Geist zu dir, o guter Gott, empor und trage im Gebet dir meinen Dank jetzt vor. 2. Wo ist auch einer nur der schnellsten Augenblicke, die mir vorüber floh'n, der nicht von einem Glücke, von einem Gut für mich durch dich be— zeichnet war? Hier Wohlthat nach dem lend inen Hilfe ank, voll räne Jahreswechsel. ohne Zahl! aus Gefahr! 3. Mein Körper war ge⸗ sund und meine Seele heiter, gesegnet mein Beruf; wus fehlte mir noch weiter? Und welche Freuden fand ich auf Dort Rettung des Lebens Pfad für Sinn und Herz, wenn ich mit Un⸗ Aug' Erde nicht ein ßten 804. mmer geht nde; rheb einen Bott, Hebet vor. nur e, die nicht inem h be⸗ lthat ——— schuld ihn betrat! 4. Vernunft erhieltst du 48⁵ so manchen treuen Freund, so manches Herz gegeben, das näher oder fern für mich voll Liebe schlägt, die Freude mit mir teilt, den Kummer mit mir trägt, 8. So segne alle sie aus deines Reichtums Fülle; gib ihnen Freud' und Trost in dieser Abendstille; laß, wenn ihr Auge weint, sie deine Hilf' er⸗ mir, das Gute zu erkennen; freu'n, mich Zeuge ihres Glücks durch dich fühlt' ich mein Herz von frommem Eifer brennen, es treulich zu vollzieh'n. Ver⸗ gaß ich meine Pflicht, so warst du Vater mir, und strenger Richter nicht. 5. So ging dies Jahr vorbei, so schwanden meine Tage voll Proben deiner Huld, entfernt von Not und Klage. O, nimm mein Dankgefühl im schwachen Liede an! Preis ewig dir, o Gott, der dies an mir gethan! 6. Jetzt leg' ich mich zur Ruh', und unter deinem Segen hoff' ich, den kleinen Rest des Jahrs zurückzulegen. Erwach' ich morgen früh, so sei im neuen Jahr, Gott, deine Huld mit mir, wie sie in diesem war! 7. Und da du liebevoll auch mir in meinem Leben auch in der Zukunft sein! F. C. Splittegarb, 1801. Mel. 442. Alle Menschen müssen sterben ꝛe. 510. Wiederum ein Jahr verschwunden wie der Schaum im wilden Bach! Denket seinen heitern Stunden, denket seinen trüben nach! Hin zu jenen grauen Jahren floh es, die schon vor ihm waren; brachte Freud' und Kummer viel und uns näher an das Ziel. 2. Unaufhörlich wechselnd kreiset hier des Menschen kurze Zeit. Sieh, er blühet, altert, greiset und geht hin zur Ewig⸗ keit. Bald verschwinden selbst die Schriften von den mor⸗ schen Todesgrüften; Schönheit, Reichtum, Ehr' und Macht sinkt mit in die Todesnacht. 486 3. Sind wir denn auch alle lebend, wer noch heute vor dem Jahr, in des Lebens Fülle strebend, froh mit uns verbunden war? Ach, wie mancher ist geschieden, liegt und schlummert schon in Frieden! Ruhe wünschen wir hinab in der Freunde stilles Grab. 4. Und wer weiß, wie mancher modert übers Jahr von uns im Grab! Denn unangemeldet fordert uns der Tod vom Schauplatz ab. Ach, bei lauem Frühlingswetter weh'n oft schon verwelkte Blätter! Wer noch bleibet, wünscht dem Freund: Ruh' im stillen Grab! und weint. 5. Nur der Tugendhafte schließet ruhig seine Augen zu, und mit frohem Traum ver⸗ süßet ihm sein Gott des Grabes Ruh'. Nach des Erdenlebens Kummer schläft er sanft des Todes Schlummer, bis des Vaters Wink ihm ruft, auf⸗ zusteh'n aus seiner Gruft. 6. Nun, wohlauf denn! Frohen Mutes, auch wenn Grab und Trennung droht! Denn wer gut ist, findet Gutes, wie im Leben, so Besondere Zeiten. wir uns wieder, singen hohe Siegeslieder. Ew'ge Wonne fühlt das Herz für der Trennung großen Schmerz. Joh. Heinrich Voß, 1751—1826. Schluß und Anfang des Kirchenjahres. Mel. 82. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛc. 511. gest steht dein Wort, wie Felsen stehen, du Gott der Gnade, Gott der Treu'! Jahr' und Jahrhunderte vergehen, doch deine Huld ist täglich neu. Für diese Güte bringen wir auch heute Dank, o Vater, dir. 2. Gesichert blieben die Altäre und unentweiht dein Heiligtum. Noch hören wir, Gott, deine Lehre, noch singen wir von deinem Ruhm. Durch Tauf' und Abendmahl und Wort pflanzt sich dein Reich noch immer fort. 3. Doch fragst du nach des Wortes Früchten und bringst, was wir gethan, ans Licht, nach unsern Thaten uns zu richten, Gott, Richter, so be⸗ steh'n wir nicht. Du trugst uns alle mit Geduld; wir aber im Tod. Ja, dort sammeln häuften Schuld auf Schuld. 4. O, laß es deinem Geist gelingen, bei uns in diesem neuen Jahr die Sünde mächtig zu bezwingen, wo sie bisher noch herrschend war! Heut' schwören wir, o Gott, aufs neu' dir und der Tugend ew'ge Treu'. 5. Laß hier, wo wir jetzt niederfallen, der Wahrheit un⸗ verfälschtes Wort auch unsrer Nachwelt noch erschallen! Gib, daß an diesem heil'gen Ort auch sie der Taufe Bund er⸗ neu' und sich des Mahles Jesu freu'! 6. Uns alle laß dich kind⸗ lich ehren als dein geweihtes Eigentum! Einst führst du uns zu jenen Chören, wo man, erfüllt von deinem Ruhm, das Leben, das uns dort be⸗ seelt, nicht mehr nach Tag und Jahren zählt. Unbekannter Verfasser. Mel. 121. Ein' feste Burg ist unser Gott ꝛe. 512. Herr, deine Kirche danket dir; noch wohnt dein Wort im Lande. Von deiner Gnade haben wir noch deinen Geist zum Pfande. Und kommt sie in Gefahr durch ihrer Schluß und Anfang des Kirchenjahres. 48⁷ Feinde Schar, dann, o Herr Jesu Christ, besiege Macht und List und herrsch' in jedem Lande! 2. Sei, Herr, mit uns; verlaß uns nie, uns, deines Leibes Glieder! Hilf deiner Kirche, schütze sie! denn wir sind deine Brüder. Sie, die dir fest vertraut, hast du dir selbst erbaut. Erhalte sie stets rein, und die den Bund ent⸗ weih'n, die heilige dir wieder! 3. Eins ist's, was deine Treuen kränkt: daß unter deinen Christen noch mancher deiner nicht gedenkt, beherrscht von seinen Lüsten. Wie vieler Glaub' ist schwach, kalt ihre Lieb', und ach, sie überlegen nicht: es harrt ein ernst Gericht auf träge, sichre Christen. 4. Und du, o Jesu, bist so treu! Ach, daß wir frömmer wären! Mach' alle Herzen rein und neu, laß alle sich bekehren! Verleih' uns Wissenschaft und Glauben, Lust und Kraft, Entschlossenheit und Mut, zu wagen Ehr' und Blut zum Preise deiner Lehre! 5. Entferne Zwietracht, Krieg und Mord, erhalt' uns 488 Ruh' und Frieden; laß uns, gestärket durch dein Wort, im Guten nieermüden!l Erleicht're, was uns drückt, und gib, was uns beglückt! Nach dieser Prü⸗ fungszeit führ' uns zur Se⸗ ligkeit, zu deines Himmels Freuden! 6. Herr, deine Kirche streitet noch, hilf deiner Kirche siegen! Wie schwer ihr Kampf sei, müsse doch kein Kämpfer unter⸗ liegen! Erhör' ihr kindlich Fleh'n und eil' ihr beizusteh'n, daß sie recht standhaft sei, der Wahrheit stets getreu! Hilf deiner Kirche siegen! Joh. Andr. Cramer, 1723-1788. Mel. 175. Mache dich, mein Geist, bereit ꝛc. 513. Freude sei des Kirchen⸗ jahrs letzte stille Feier! Es entflieht und o, wie war's allen Guten teuer, die dem Herrn immer gern liebend näher kamen und sein Wort vernahmen! 2. Preis' ihn laut, o Christenheit! Seiner Heils⸗ erkenntnis war auch dieses Jahr geweiht. Bring' ihm das Geständnis heut' auf's neu', er sei treu, helfe, wenn Besondere Zeiten. wir klagen, was zu schwer ist, tragen! 3. Schütze deines Wortes Ehr', es will Abend werden! Förd're dein Reich immer mehr, Licht und Recht auf Erden, bis du einst hehr er⸗ scheinst, Richter deiner Brüder, Haupt der treuen Glieder! 4. Fromme Duldung fliehe nicht, Herr, von unsern Gren⸗ zen! Möge deiner Wahrheit Licht immer reiner glänzen! Wer noch irrt, treuer Hirt, den auch wirst du finden und mit dir verbinden. Joh. Tim. Hermes, 1788—1821. Beim Anfange und Schlusse der Woche (Sonntag). Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛc. 5„Die neue Woche geht nun an und ist schon einge⸗ treten. Wach' auf, mein Herz, und denk' daran, daß du zu Gott sollst beten und ihm dabei für seine Treu' mit Danken und mit Singen ein Morgen⸗ opfer bringen! 2. Viel hundert Wochen hab' ich schon im Leben an⸗ gefangen, und keine ist doch Her Beim Anfangedund je davon erlebet und ver⸗ gangen, in welcher nicht ein Gnadenlicht von Gott mich angeblicket und tausend Gut's geschicket. 3. Und selbst die Leiden dieser Zeit, die mir auch mit begegnet, hat er durch viel' Zufriedenheit gemildert und gesegnet, so daß er nie in Angst und Müh' mich ohne Trost ließ stehen, noch darin untergehen. 4. Ach, fallen mir die Sünden ein, was wird in so viel Wochen für Schuld nicht aufgehäufet sein! Und doch, was ich verbrochen, hat er dabei, auf Buß' und Reu', in Christo mir verziehen und alle Huld verliehen. 5. Nun, treuer Gott, ich danke dir mitkindlich frommem Herzen. Zwar meine Schwach⸗ heit machet mir Bekümmernis und Schmerzen, daß meine 9 Pflicht dich also nicht kann loben, wie ich sollte und ich so gern auch wollte. 6. Jedoch, in Christo wirst du dir es wohl gefallen lassen. In Christo will ich ferner mir die gute Hoffnung fassen, daß Schlusse der Woche. 489 du mich wirst, mein Lebens⸗ fürst, bei allen meinen Werken in dieser Woche stärken. 7. Mein Aus⸗ und Eingang sei beglückt an Seel⸗ und Leibessegen! Bring' mir, was meinen Geist erquickt, in deinem Wort entgegen! Denn dies allein, Herr, kann es sein, was mir in diesem Leben soll Licht und Ruhe geben. 8. Doch aber, soll sich meine Zeit mit dieser Woche schließen, o, dann wird mir die Ewigkeit auch selbst den Tod versüßen. Denn dich und mich, ja mich und dich kann weder Freud' noch Leiden, ja selbst der Tod nicht scheiden. 9. Wohlan! so mag's gleich wunderlich in dieser Woche gehen, es kann doch anders nicht um mich als gut und heilsam stehen. Denn was Gott fügt, wird mich ver⸗ nügt bei allen meinen Sachen und endlich selig machen. Erdm. Neumeister, 1671—1756. Mel. 151. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend' ꝛc. 515.ł Unwiederbringlichschnell entflieh'n die Tage, die mir 490 Gott gelieh'n. Die Woche kommt und eilt davon; ver⸗ gangen ist auch diese schon. 2. Kein Tag verfloß, kein Augenblick mir ohne Segen, Ruh' und Glück. Die Hand, die mir viel Gutes gab, wandt' auch von mir viel Böses ab. 3. Und wenn jetzt voll Zufriedenheit mein Herz sich guter Thaten freut: wer gab die Kraft? wer das Ge⸗ deih'n? Gott, dir gebührt der Ruhm allein. 4. Auch fehlt' ich oft und merkt' es nicht. Verzeih' mir die verletzte Pflicht! O sieh, Erbarmer, meine Reu' und stärke mich zu fester Treu'! 5. Ich eile mit dem Strom der Zeit stets näher hin zur Ewigkeit. Dort forderst du, Herr, Rechenschaft von meiner Zeit und Geisteskraft. 6. So sei denn jeder Augenblick mir wichtig für mein ew'ges Glück! Des bessern Lebens wert zu sein, will ich mich ganz der Tugend weih'n. Besondere Zeiten. 7. Sinkt dann mein Leib dem Grabe zu, so fei're ich den Tag der Ruh', von einer schönern Sonn' erhellt, o Gott, in deiner bessern Welt. 8. Dort bin ich meines Heils gewiß; dort wechseln Licht und Finsternis nicht mehr, wie hier. Du, ew'ges Licht, Herr, unser Gott, verlaß mich nicht! Christ. Friedr. Neander, 1724-1802. Mel. 17. Mein's Herzens Jesu, meine Lust ꝛc. 516. Allgegenwärtiger, vor dir sinkt die Gemeinde nieder. Dein Vaterantlitz leuchtet ihr; denn durch Gebet und Lieder prüft sie ihr Inn'res, und dein Licht erquickt sie, wie dein Wort verspricht, und scheint auch heut' uns wieder. 2. Und so erfleh'n wir denn vereint, was du so oft uns schenktest. Sei Trost für den, der vor dir weint, und dem du Freuden schenktest, gib, sich zu freu'n, Gefühl und Kraft, und Frieden dem, der Gutes schafft, seit du zu dir ihn lenktest! Joh. Tim. Hermes, 1738—1821. 5 ö SSSS Tageszeiten. 491 Tageszeiten. Morgenzeit. Mel. Werde munter, mein Gemüte ꝛc. Joh. Schop, 1642. * 9 ö 2 20. 7—— , ,.. 2 Wann ich einst von je- nem Schlum- mer, und, ⸗freit von je ⸗ dem Kum ⸗mer, I 4 4— Kn————————— = b. 2— 1251 Tod heißt, auf ⸗er⸗ steh' We je⸗ nen schön⸗-nern Woran seh': o, dann wach' ich ——— 9 5—— . PDDRDRDDDRiRRRRRRRRRRRD — ⸗ ders auf! Schon am Ziel ist dann mein Lauf. . .1 22— E d berm;vr. . Träu⸗me sind des Pil ⸗gers Sor- gen, gro⸗ ber Tag, an * — II „re 2 2 5 EEI dei⸗ nem Mor⸗ gen! 2. Hilf, daß keiner meiner Tage, Geber der Unsterb⸗ lichkeit, im Gericht mich einst verklage, daß ich treulos ihn entweiht! Auch noch heute wacht' ich auf. Dank sei dir! Zu dir hinauf führe jeder meiner Tage mich durch jede Freud' und Plage. 3. Daß ich's ohne Zagen sehe, wann mein letzter Tag erscheint, wann zum dunkeln Thal ich gehe und mein Freund nun um mich weint! Lind're dann des Todes Pein, laß mein End' ihm lehrreich sein, daß ich ihn zum Himmel weise und dich, Herr, des Todes, preise! Friedr. Gottl. Klopstock, 1724—- 1803. .— Besondere Zeiten. Mel. Ich dank' dir schon ꝛe. 2. Mich selbst zu schützen viel zu schwach, lag ich und schlief im Frieden; wer war indessen für mich wach und schenkte Schlaf dem Müden? 3. Wer sorgt, wann ich von mir nichts weiß, mein Leben zu bewahren? Wer lenkt mein Blut in seinen Kreis und schützt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, mich wieder aufzuwecken? 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt, und dein ist unser Leben; du bist es, der es uns erhält und mir's jetzt neu gegeben. Michael Prätorius, 14610. ge PFfI I——————— Mein erst Ge⸗schäft sei Lob ⸗ ge⸗ sang! Er⸗ 5—— be .,..., ——— 2———— — he ⸗ be, mein Ge⸗ mü⸗ te, er ⸗ heb' und prei ⸗se —.——— ö—— 5 ... 9——————.—— le⸗ bens⸗lang den Va⸗ ter al ⸗ler Gü ⸗ te! ö 6. Gelobet seist du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses 1 erfreue! Laß deinen Segen auf mir ruh'n, mich deine Wege wallen und lehre du mich selber thun nach deinem Wohl⸗ gefallen! 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr! Auf dich hofft meine Seele. Sei mir ein Retter in Gefahr, ein Vater, wann ich fehle! 9. Gib mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb' und Ruhe, ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn? und willig thue; V Tageszeiten. 10. Daß ich, als dein geliebtes Kind, dir zu gefallen strebe und fromm und tugend⸗ haft gesinnt in deinem Reiche lebe; 11. Daß ich, dem Nächsten beizusteh'n, nie Fleiß und Arbeit scheue, mich gern bei 493 andrer Wohlergeh'n und ihrer Tugend freue; 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße und meinen Lauf mit Freudigkeit, wann du gebeutst, beschließe! Chr. F. Gellert, 1715—-1769. Eigene Melodie. Heinrich Albert, 1642. — —2 I 1 1 ——.—e F. 65——— 2*———.—— 2—— Gott des Him-mels und der Er ⸗den, der den Tag, die Nacht läßt wer ⸗den, —— ů ———————4 SSIIIIIIIII........T Va⸗ter, Sohn und heil'- ger Geist, 4 1— 105 Mond und Son- ne schei⸗ nen heißt; des⸗ sen Güt“ umd 0⁰4—— ——*—j EI SSISISISISIII IIII......—— 2—. 2 2—.—.—— Macht die Welt, und was in ihr ist, er⸗ hält. 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast so väterlich bewacht und bei aller meiner Schuld mich noch trägst mit Vaterhuld. 3. Laß doch alle Lust zur Sünde gleich der Nacht in mir vergeh'n, daß ich Kraft zur Tugend finde, mich auf Jesu Vorbild seh'n. Deinem Dienste mich zu weih'n, müsse mein Bestreben sein. PFPFPFPFIFIFIFIF FIFF F F F FFF F 2.————.————— 494 Besondere Zeiten. 4. Mich erinn're jeder Morgen, Gott, an jenen großen Tag, und die erste meiner Sorgen sei, wie ich bestehen mag, wenn, o Höchster, dein Gericht dann auch mir das Urteil spricht. 5. Ach! ich strauchle leicht; drum leite mich, o Herr, nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort! Niemand, als nur du allein, kann mir Kraft zur Pflicht verleih'n. 6. Guter Vater, ich em⸗ pfehle dir mit kindlich frohem Sinn meinen Leib und meine Seele, was ich habe, was ich bin. Segne mich! ich bin ja dein und will dein auf ewig sein. 7. Hilfe wollest du mir senden, wann Gewalt und List mir droht; alles mir zum besten wenden, jetzt im Leben, einst im Tod! Sterb' ich, o, so bringe du mich zu deines Himmels Ruh'! 8. Höre, Gott, was ich begehre, Vater, Sohn und heil'ger Geist! Was mir gut ist, Herr, gewähre, wie dein Wort es mir verheißt? So will ich dich hier und dort herzlich preisen immerfort. Heinr. Albert, 1604- 1651. Eigene Melodie. Nik. Selnecker,? 1587. 65— —— III.........TCRGCTłGHGTCTéCKTSTCTCTCTSCSCSCSCS 1— E— Wach' auf, mein Herz, und singn e dem al ⸗ler „e, dem Ge⸗ber .— ö—.—.——2 ——..— E. 5 Gün⸗ ter, der Men⸗schen treu em Hü⸗ ter! —⁰⁵ 2. Als mich die dunkeln Tageszeiten. Wegen, und selbst aus Er⸗ 49⁵5 Schatten der Nacht umlagert denleiden entspringen ew'ge hatten, befahl ich fromm er⸗ mein Leben. 3. Ein sanfter Schlaf sank nieder auf meine Augenlider; da hofft' ich mit Vertrauen den neuen Tag zu schauen. 4. Gottlob, es ist geschehen, ich kann das Licht nun sehen; Gott macht, daß ich aufs neue mich meines Daseins freue. 5. Er hielt mich mit Er⸗ barmen in seinen Vaterarmen und ließ durch keinen Schrecken mich aus dem Schlummer wecken. 6. Nimm, Herr, als Opfer⸗ gabe das Beste, was ich habe! Ein Herzvoll Dank und Wonne begrüßt die Morgensonne. 7. Dein Werk woll'st du vollenden, mir deinen Beistand senden und mich in meinen Tagen mit Huld und Lang⸗ mut tragen! 8. Du wollest selbst mir raten in allen meinen Thaten, mich stets zum besten leiten, zum Himmel mich bereiten! 9. So find' ich wahren Segen auf allen meinen 1 4 Freuden. geben dem Schutz des Herrn Paul Gerhardt, 1607— 4676. Mel. 74. Wie leuchtet uns der Morgenstern ꝛe. 521. Dich seh ich wieder, Morgenlicht, und übe froh die heil'ge Pflicht, dem Höchsten Lob zu singen. Mit kindlich frommer Dankbegier, will ich, o Gott und Vater, dir Preis und Verehrung bringen. Schöpfer, Vater, deine Treue rührt aufs neue mein Gemüte; froh em⸗ pfind' ich deine Güte. 2. Von ganzem Herzen dank' ich dir für deine Gnade, die du mir auch diese Nacht erwiesen. Zu meinem Leben setzest du jetzt einen neuen Tag hinzu. Sei hoch dafür gepriesen! Durch dich bin ich, und ich merke neue Stärke. Dich erhebe Herz und Zunge, weil ich lebe! 3. Verleih', o Gott der Lieb' und Macht, daß Sünd' und Gram, wie diese Nacht, auf ewig von mir fliehe; daß ich die kurze Lebenszeit in christlicher Zufriedenheit zu 496 nützen mich bemühe; Prüfe, siehe, wie ich's meine! Dir ist keine meiner Sorgen, auch die kleinste nicht, verborgen. 4. Ich bin ein Christ; o Herr, verleih', daß ich des Namens würdig sei! Mein Ruhm ist deine Gnade. Denn achl was bin ich ohne dich? Ein schwaches Kind! Erhalte mich, mein Gott, auf deinem Pfade! Stärk' mich, daß ich stets mich übe, deine Liebe zu betrachten, über alles dich zu achten! 5. Auch im Geräusch der Welt soll mich der heilige Gedank' an dich oft still zu dir erheben. Im dunkeln Thale wall' ich hier. Einst nimmst du mich hinauf zu dir, zum Licht und höhern Leben. Auf dich hoff' ich, Herr, ich werde mich der Erde gern entschwingen, dir dort ewig Lob zu singen. Joach. Neander, 1650—1680. Mel. 64. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ꝛc. 522. Dich, Menschenvater, groß und gut, dich preist Besondere Zeiten. mein Lobgesang. Laß mich, was deine Liebe thut, erheben lebenslang. 2. Unthätig lag im Schlum⸗ mer ich, und dein gedacht' ich nicht. Doch du gedachtest, Gott, an mich; dein Schutz verließ mich nicht. 3. Vergangen ist die dunkle Nacht, die Finsternis ist hin; ich schaue deiner Schöpfung Pracht und fühle, daß ich bin; 4. Und fühle, daß du Vater bist und alles, alles liebst, was durch dich Leben hat und ist, und allen Gutes gibst. 5. Das fühl' ich, Gott, und lobe dich nicht mit dem Mund allein; nein, treuer Vaͤter, inniglich will ich mich deiner freu'n; 6. Und will, wann ich mich deiner freu', auch Brüder gern erfreu'n; will sein, wie du, so gut und treu, und stets das Böse scheu'n. 7. Daß unschuldvoll ich leben mag, sei heute mein Bemüh'n; nie soll von meiner Zeit ein Tag mir ungenützt entflieh'n. 8. So wie sich ihre Zahl vermehrt, so mehre sich mein Fleiß; die Tugend ist des Fleißes wert, sie lohnet Kind und Greis. 9. Drum will ich immer, wo ich kann, das Gute üben hier; dann wohnet gerne jeder⸗ mann als Bruder neben mir. 10. Wenn dann von tau⸗ send Brüdern hier mein Bei⸗ spiel einen lehrt, nur einen, — dank' ich dir dafür; der eine ist es wert. 11. Dann wird ja, Gott, in deiner Welt des Guten mehr und mehr; wer redlich thut, was dir gefällt, hat Freunde um sich her. 12. Du segnest ihn mit frohem Mut, mit Ruhe sein Bemüh'n, und jeder Fromme ist ihm gut, und seine Tage blüh'n. Unbekannter Verfasser. Mel. 241. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛc. 5»Der Morgen kommt, und meine Klage wird mit dem Morgen wieder neu. Wie traurig fließen meine Tage der bangen Wanderschaft vor⸗ bei! Der Sonne neu ge⸗ Tageszeiten. 497 schenktes Licht erheitert meine Seele nicht. 2. So traurig als die Abendstunden ist dieser neue Tag für mich, weil, ach! die Qual, die ich empfunden, nicht vor der Morgensonne wich. Ich hoffte Trost in meiner Pein; doch meine Hoffnung traf nicht ein. 3. Noch immer bin ich auf der Erde, wo mich Gefahr und Not umringt und täglich härtere Beschwerde zu Klagen und zu Thränen zwingt; noch immer fleh' ich unerhört um Labung, die mein Herz be⸗ gehrt. 4. Herr, eile doch, mir bei⸗ zustehen; verlaß den müden Wandrer nicht! Neig', o mein Vater, auf mein Flehen dein gnadenvolles Angesicht! Gib mir Geduld und bei dem Schmerz ein stilles, dir er⸗ geb'nes Herz! 5. Mir ist mein Schicksal noch verborgen, das diesen Tag mich treffen soll; doch laß ich dich, o Vater, sorgen und bin der frohen Hoffnung voll, daß, was dein Rat be⸗ schließt und thut, stets heilig sei, gerecht und gut. 498 6. Soll ich die Last noch länger tragen, wohlan, nur dir ergeb' ich mich; mit mei⸗ nem Heiland will ich sagen: Wie du, Herr, willst und nicht wie ich! So laß mich, Vater, in der Pein geduldig wie mein Mittler sein! 7. Hab' ich des Lebens Last empfunden, so rückt mein Ende doch herbei; dann hab' ich ewig überwunden und bin von aller Trübsal frei; denn du gibst mir, o Gottes Sohn, den teuer mir erworb'nen Lohn. 8. Gestärkt durch diesen hohen Glauben geh' ich getrost der Leiden Pfad. Nichts soll mir meine Hoffnung rauben, auch dann, wann sich der Tod mir naht. Vielleicht noch heut' er⸗ scheint er mir. Wohl mir! Ich leb' und sterbe dir. Chr. Chr. Sturm, 1740— 1786. Mittagszeit(Tischlieder). Mel. 223. Nun danket alle Gott ꝛe. 524. Wir danken freudig dir für alle deine Gaben, die wir, o Vater, jetzt von dir empfangen haben. Gesundheit gibst du uns und Nahrung, Besondere Zeiten. die erfreut, hier einen frohen Mut, dort eine Seligkeit. 2. Laß nie gefühllos uns, wie gut du bist, verkennen, von wahrer Dankbarkeit laß unser Herz entbrennen! Mach' uns gehorsam dir, mach' im Beruf uns treu, daß unser Wandel, Gott, dir wohlge⸗ fällig sei! 3. Wenn deine Huld uns schon auf Erden so beglücket, wie wird uns sein, wenn uns dein Himmel einst entzücket! Führ' uns dahin und laß uns da dein Antlitz seh'n; dann wird dich unser Dank noch würdiger erhöh'n. J. Z. Leonh. Junkheim, 1729—1790. Mel. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛe. 525. Herr, lehr' uns bei dem Ueberfluß, den deine Huld gewährt, daß nur ein mäßiger Genuß dich als den Geber ehrt! 2. Hilf, daß wir eifrig uns bemüh'n, der Gaben wert zu sein, und so wie du von Eifer glüh'n, viel Gutes aus⸗ zustreu'n! 3. Nur dann ist unser Lobgesang dir lieb, du Herr bei eine ein den frig vert von aus⸗ nser Herr Tageszeiten. 499 der Welt! all sein Leben lang gern thut, was dir gefällt! Zweibr. Gesangbuch, 1804. Wohl dem, der Mel. 151. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend' ꝛc. 526. Du schenkst uns, Gott, alles, was uns stärkt und nährt, wird uns durch deine Huld gewährt. 2. Sieh, deine Gaben nehmen wir mit Freuden, Vater, hin von dir; o laß uns den Genuß gedeih'n und dir dafür auch dankbar so väterlich jetzt Speis' und sein! Trank; wir preisen dich. Denn Unbekannter Verfasser. Abendzeit. Eigene Melodie. Heinr. Isaak, um 1490. 9— ö — +—— —8—— ů— 3——— 2——jñ—ß;tt—* +˙* 1 1———.—— *—— Nun ru ⸗ het in den Wäl ⸗ dern, in Q— *—— 2—— e e.—. — 1 7—— 25 i. *; Stadt und Dorf, auf Fel- dern ein Teil der mü⸗den 7•——— —.— 1 P I +— ——5 1 J 2 1— J— D EBE 2.+.— 2—. 4 + 2 +7— Welt; doch du, o See ⸗le, schwing ⸗e dich V 2—— noch em- por und sing ⸗ 7³⁷ —..— 4⁷— ——— v r. 2.99 .. E dem Gott, der lieb:;reich ö—3 5 ö— EI .——. dich er⸗hält! 32* 500 2. Der holden Sonne Glänzen ist fern von unsern Grenzen, uns decket Finster⸗ nis; doch Gott wird vor Gefahren uns väterlich be⸗ wahren; drum weiche jede Kümmernis! 3. Die Augen steh'n ver⸗ drossen, sind trübe, halb ge⸗ schlossen, und kaum mehr fühl' ich mich. Wie? könnt' ich vor Gefahren mich wohl noch selbst bewahren? Geschützt bin ich, Gott, nur durch dich! 4. Jetzt legen meine Glieder sich auf das Lager nieder, um morgen aufzusteh'n. Einst werd' ich, wann im Grabe ich g'nug geschlummert habe, des schönern Morgens Wonne seh'n. 5. Wohl mir, es thut im Schlummer der Erde Leid und Kummer nicht mehr dem Herzen weh'! Doch ganz frei von Beschwerden soll ich der⸗ einst erst werden, wann ich am Ziel der Laufbahn steh'. 6. Gott, deine Vorsicht decke mich Schlafenden! Es wecke nicht Unfall mich, noch Pein! So wird zu meiner Freude vor jedem bangen Leide mein stilles Lager sicher sein. Besondere Zeiten. 2 7. Auch euch, ihr meine Lieben, wird keine Not be⸗ trüben; Gott höret unser Fleh'n. Laß, Vater, frei von Sorgen, nach sanftem Schlaf am Morgen des Tages Licht uns wiederseh'n. Nach Paul Gerhardt, 1607—1676. Mel. 420. Mein Leben ist ein Pilgrimstand ꝛe. 528. Wir sind, o Herr, in deiner Macht, du hast uns an das Licht gebracht und du erhältst uns auch das Leben. Du kennest unsrer Monden Zahl, weißt, wann der Geist dem Ruhethal soll seine Hülle wiedergeben, und wo einst unser Grab soll sein, das siehst und fügest du allein. 2. Vielleicht schließt heute nur zur Ruh' ein kurzer Schlaf die Augen zu und fliehet mit dem jungen Morgen. Vielleicht ist's auch die letzte Nacht, vielleicht des Lebens Weg voll⸗ bracht; das weißt nur du, uns ist's verborgen. Wen man von uns zuerst begräbt, kennst du, wie sicher er auch lebt. 3. Uns schreckt der Grab⸗ gedanke nicht, der dunkle Pfad führt auch zum Licht; Mel. 517. Tageszeiten. 501 wir bleiben doch in Vater⸗ händen. Getrost, getrost! wir bleiben sein. Wenn wir ihm unser Leben weih'n, wird er auch herrlich uns vollenden. Drum sei willkommen, Ruh' der Nacht! Wir schlummern sanft, der Höchste wacht. Nach Simon Dach, 1605-1659. Werde munter, mein Gemüte ꝛe. ö 529. Sink' ich einst in jenen Schlummer, Todesruh', in deine Nacht, wo ich harre, frei von Kummer, bis der ö n Tag erwacht, o dann chlaf' ich anders ein; weg aus dieses Lebens Pein wall' ich hin zu deren Hütten, die hier glücklich ausgestritten. 2. Jetzo schlaf' ich, aufzu⸗ wachen noch für Tage dieser Zeit. Laß mich stets mich fertig machen, Vater, zu der Ewigkeit, daß ich als ein Wandrer sei mutvoll, tugend⸗ haft und frei von den Lastern dieser Erde, wann ich abge⸗ rufen werde! 3. Ruhig laß den Tag mich sehen, der als Retter mir erscheint, wann mit nicht erhör⸗ tem Flehen treue Liebe mich beweint! Stärker als mein Freund im Schmerz sei mein gottverlangend Herz, daß ich, voll von deinem Preise, ihn zu dir gen Himmel weise! Fr. Gottl. Klopstock, 1724- 1803. Mel. 58. Freu' dich sehr, o meine Seele ꝛe. 530. Herr, es ist von meinem Leben wiederum ein Tag dahin. Könnt' ich mir doch Zeugnis geben, daß ich ihn nach deinem Sinn recht und nützlich zugebracht und zur Freude mir's gemacht, die mir anbefohl'nen Pflichten treu und emsig auszurichten! 2. Aber kann ich dir, dem Zeugen dessen, was ich denk' und thu', meine Fehler wohl verschweigen? O, sie alle sahest du! Ja, wie oft ver⸗ ging ich mich nicht auch heute wider dich! Wer kann merken, wer kann zählen, großer Gott, wie oft wir fehlen? 3. Hab', o Vater aller Gnaden, habe noch mit mir Geduld! Heile meiner Seele Schaden, tilge meiner Sünden Schuld! Deine unbegrenzte Treu' werd' auch diesen Abend neu, daß sich künftig deinen 50² Willen besser mög' als heut' erfüllen! 4. Heilige du mein Ge⸗ müte, daß mein Schlaf nicht sündlich sei! Steh' mit deiner großen Güte auch in dieser Nacht mir bei! Nimm dich meines Hauses an, wehre dem, was schaden kann, daß ich morgen mit den Meinen keinen Unfall darf beweinen! 5. Laß mich dir zum Preis erwachen, ewig dir gewidmet sein, daß ich mich in allen Sachen deiner Hilfe kann er⸗ freu'n! Doch, bin ich noch heut' vom Tod,‚ Herr, nach deinem Rat bedroht; nun so nimm an meinem Ende Leib und Seel' in deine Hände! Kaspar Neumann, 1648—1715. Mel. 173. Wenn du, mein Gott, verlangst ꝛc. 531. Der Tag ist wieder hin, und diesen Teil des Lebens, wie hab' ich ihn voll⸗ bracht? Verstrich er mir ver⸗ gebens? Hab' ich mit allem Ernst dem Guten nachgestrebt, und nicht der Selbstsucht mehr als meiner Pflicht gelebt? 2. War's in der Furcht des Herrn, daß ich ihn ange⸗ Besondere Zeiten. fangen? mit Dank und mit Gebet, mit eifrigem Verlangen, als ein Geschöpf von Gott der Tugend mich zu weih'n und züchtig und gerecht und Gottes Freund zu sein? 3. Hab' ich in dem Beruf, den Gott mir angewiesen, durch Eifer und durch Fleiß ihn, diesen Gott, gepriesen? mir und der Welt genützt und jeden Dienst gethan, weil ihn der Herr gebot, nicht weil mich Menschen sah'n? 4. Wie hab' ich diesen Tag mein eigen Herz regieret? Hat mich im stillen oft ein Blick auf Gott gerühret? Erfreut' ich mich des Herrn, der unser Fleh'n bemerkt, und hab' ich im Vertrau'n auf ihn mein Herz gestärkt? 5. Dacht' ich bei dem Ge⸗ nuß der Güter dieser Erden an dessen Lieb' und Macht, durch den sie sind und wer⸗ den? Verehrt' ich ihn im Staub? Empfand ich seine Huld? Trug ich das Glück mit Dank, den Unfall mit Geduld? 6. Und wie genoß mein Herz des Umgangs süße Stunden? Fühlt' ich der Freundschaft auch durch richtet? War zu des Mitleids Pflicht mein Herz nicht zu leid, sobald ich ihn begangen? Tageszeiten. Glück, sprach ich, was ich empfunden? War auch mein Ernst noch sanft, mein Scherz stets unschuldsvoll? Ent⸗ schlüpfte mir kein Wort, das ich bereuen soll? 7. Hab' ich die Meinen Sorgfalt mir verpflichtet, sie durch mein Vorbild still zum guten unter⸗ bequem? Ein Glück, das andre traf, war mir dies angenehm? 8. War mir der Fehltritt Bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlangen? Und wenn in dieser Nacht Gott 503 über mich gebeut, bin ich, vor ihm zu steh'n, auch willig und bereit? 9. Gott, der du alles weißt, was könnt' ich dir verhehlen? Ich fühle täglich noch die Schwachheit meiner Seelen. Vergib durch Christi Blut mir die verletzte Pflicht; vergib, und gehe du mit mir nicht ins Gericht! 10. Ja, du verzeihest dem, den seine Sünden kränken; du liebst Barmherzigkeit und wirst auch mir sie schenken. Auch diese Nacht bist du der Wächter über mir; leb' ich, so leb' ich dir; sterb' ich, so sterb' ich dir! Chr. F. Gellert, 1715—1769. Mel. Nun sich der Tag geendet hat ꝛe. Adam Krieger,? 1667. —5 52.. 2—— 5.—E ö—————— RSPSPPSII..— IDDqD‚ii Auch die-sen Tag hab' ich voll-bracht mit 5 en,in I—— al-lem Gram und Schmerz. Gott, dei- ner Va⸗ter⸗ ——.— e n:, Late, u, vur Hre H ....——————— lieb' und Macht ver⸗trau- te fest mein Herz. 50⁴ Besondere Zeiten. 2. Gäb'st du mir nicht zum Leiden Kraft, dient' es mir nicht zum Heil, so würd' in meiner Pilgerschaft kein Trost mir je zu teil. 3. Ja, ohne dich, wie läge schwer auf mir des Lebens Not! Von Frieden und von Hoffnung leer wär' ohne dich mein Tod. 4. Doch, welche Ruhe fühlt mein Herz! Gott, ich vertraue dir. Dein Wort versüßt mir jeden Schmerz; dein Schutz wacht über mir. 5. Froh kann ich mich dem Schlaf vertrau'n; auch schlummernd bin ich dein. Vor keinem Unfall soll mir grau'n; du wirst mein Helfer sein. 6. Und sollte, Vater, diese Nacht des Leidens letzte sein, wohl mir! Dann ist mein Lauf vollbracht, dann ist dein Himmel mein. Chr. Chr. Sturm, 1740—1786. Mel. 51. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte ꝛc. 533. Hier steh' ich unter Gottes Himmel, seh' tausend Welten übers mir, und fern vom rauschenden Getümmel weih' ich die heil'ge Stille dir. Vor dir werf' ich mich betend nieder; du bist es, dessen Allmachtsruf, nur um zu seg⸗ nen, meine Brüder und mich, wie diesen Himmel, schuf. 2. Dich singt mein Lied! Der Sterne Saaten hat zahl⸗ los deine Hand gestreut, um auf von dir bestimmten Pfaden zu wandeln, wie dein Wink gebeut. Da schweben sie in sichern Kreisen so friedlich hin wie Freund an Freund, ein großer Chor, der dich zu preisen in seinem Fluge sich vereint. 3. Wer nennet mir die Wesen alle, aus deren Mund dein Loblied steigt, das mit der Welten Jubelhalle bis zu dem Lied des Engels reicht? Wer nennt das Lied im höhern Tone, das dir die ganze Schöpfung singt, und das vereinigt bis zum Throne des Vaters aller Wesen dringt? 4. Auch mich schuf Gott und meine Brüder aus Staube, doch mit einem Geist, des Tageszeiten. 50⁵ Lobgesang sich in die Lieder 4. Auch auf die kranken des Himmels mischet und ihn Brüder sieh mitleidsvoll her⸗ preis't. Lobsing' ihm denn, der nieder, und die ein Kummer dich zum Leben, zur Tugend beugt, befreie du vom Kummer dich, mein Geist, erkor! Einst durch einen sanften Schlummer ö wirst du auf vom Staube und mach' ihr Herz bald wieder x schweben zu einer höhern Welt leicht! empor. ö Unbekannter Verfasser. Friedrich von Köpken, 1737—1811. Mel. 237. Wenn wir in höchsten Nöten ꝛc. Mel. 527. Nun ruhet in den Wäldern ꝛc. 535. Der Tag erbleicht, es 534. Vernimm für deinen kommt die Nacht: ihr ruft dein Segen, eh' wir zum Schlaf Wink, o Gott der Macht! Du uns legen, Gott, unsern Lob⸗ ordnetest es weisheitsvoll, daß gesang! Dein war's an diesem Licht und Schatten wechseln Tage, daß weder Schmerz noch soll. Plage in unsers Hauses Mitte 2. Mein Körper sinkt nun drang. bald zur Ruh', sein müdes 2. Dein war's, wenn wir Auge schließt sich zu; doch uns freuten und Saat zum meines Geistes Auge wacht guten streuten, die unver⸗ auch noch in Dunkelheit und welklich ist; dein, wenn wir Nacht. Wahrheit lernten und uns 3. Gott, laß mein Aug' auf vom Wahn entfernten, der dich allein, eh es sich schließt, du der Wahrheit Urquell bist. gerichtet sein, auf deine Huld, 3. So laß, o Gott, im auf meine Pflicht; verletzt: Frieden jetzt uns und jeden ich diesen Tag sie nicht? Müden vom Schweiß des 4. Was unterließ, was that Tages ruh'n; stärk' uns mit ich heut', das Pflicht befiehlt neuen Kräften zu künftigen und Pflicht verbeut? Auf, Geschäften! Wir hoffen, Herr, mein Gewissen, rede du, wieg'* du wirst es thun. mich nicht ein zu falscher Ruh'! ö 506 5. Gott! wie viel fehlt zur Tugend mir; wie wenig bin ich rein vor dir, hör' ich, was mein Gewissen spricht, prüf' ich mein Thun in deinem Licht! 6. Herr, meines Heils bin ich gewiß und fürchte keine Finsternis, weil Jesus Christ, das Licht der Welt, mir meines Lebens Pfad erhellt. 7. Doch wer von diesem Lichte weicht, wie irret der, und ach, wie leicht verliert er sich in tiefster Nacht, die alles um ihn schrecklich macht! 8. Du liebst und übst Gerechtigkeit, mein Gott, doch deine Huld verzeiht dem, der dir seine Schuld gesteht und reuig um Vergebung fleht. 9. Ach, Herr, was bin ich ohne dich! Wie liebevoll er⸗ hältst du mich! Sei hochgelobt durch Jesum Christ, daß du mir Freund und Vater bist! 10. Um seinetwillen schreckt mich nicht, o Heiliger, dein ernst Gericht; denn deine große Vaterhuld gedenkt nicht der vergang'nen Schuld. Bes ondere Zeiten. 11. Nach Missethat vergiltst du nicht uns Sündern, wie heben, dein Wort verspricht; denn größer noch als unsre Schuld ist deine Schonung und Geduld. 12. So weit durch deine Macht erhöht der Himmel von der Erde steht, im Kreis der Welten ohne Zahl umglänzt mit deines Lichtes Strahl; 13. So hoch, so unermeßlich ist die Huld, die unser nie vergißt, und die mit jedem Tag erneut uns schützet, segnet und erfreut. 14. So weit des Morgens goldnes Thor, aus dem die Sonne glänzt hervor, entfernt vom düstern Abend steht, wo uns ihr Antlitz untergeht; 15. So weit entfernet Gottes Huld von uns auch unsrer Sünden Schuld; sie ist's, die über mich bei Nacht, des Morgens und des Abends wacht. G. F. L. Müller, 1735—1811. Mel. 87. Herzliebster Jesu ꝛce. V 536. Entflohen sind auch dieses Tages Stunden; noch haben wir des Lebens Glück empfunden. Laßt uns mit frohem Dank den Herrn er⸗ durch den wir leben! Vater, deiner Treue! unser Herz Wechsel der 2. Des Lebens Müh' und Elend zu versüßen, gibt uns der Herr viel Freuden zu genießen, und welche Güter schenkt er unsern Seelen! Wer kann sie zählen? 3. Noch immer läßt er uns Erbarmung finden. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden. Wir häufen Schuld auf Schuld; er läßt uns leben und will vergeben. 4. Wie unwert sind wir, Ach, füllen um Christi willen! 5. Uns wohlthun ist dein ewiges Vergnügen. Dein Auf⸗ seh'n schützt uns, wenn wir hilflos liegen und, Toten gleich,‚ umhüllt von Finsternissen, nichts von uns wissen. 6. Wär' dies für uns der letzte Tag auf Erden, sollt' unser Schlaf ein Todes⸗ schlummer werden, dann weckst du uns, die wir uns dir ergeben, zu jenem Leben. 7. So legen wir getrost erkennt's voll Scham und Reue! Du wollest es mit Trost und Ruh' er⸗ Jahreszeiten. 507 fröhlichem deine Güte. Christ. Friedrich Neander, 1724—1802. Wechsel der Jahreszeiten. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛc. 537. Noch immer wechseln ordentlich des Jahres Zeiten ab, und früh und spät ergießet sich dein Segen, Gott, herab. 2. Du füllest liebreich unser Land mit deinen Gütern an und leitest uns mit Vaterhand auf unsrer Lebensbahn. 3. Von deinem Wolken⸗ himmel träuft Gedeih'n und Fruchtbarkeit; die Saat geht auf, sie blüht und reift, sie sättigt und erfreut. 4. Von dir gesegnet gibt der Baum, wenn jemand Schatten sucht, ihm unter seinen Zweigen Raum und oft auch süße Frucht. 5. Wie fröhlich lächelt jede Flur! Es fließt, sich immer gleich, der Freude Quell, und die Natur ist unerschöpflich reich. 6. Wem strömt sie, deiner Gemüte, Gott, Mel. zur Ruh' uns nieder; seh'n Liebe Bild, nicht reine Wonne wir erfreut die Morgensonne zu? Wer ist so gut, so treu, wieder, dann preisen wir mit so mild, so väterlich als du? —.... 508 7. Herr, ohne dich ver⸗ gingen wir und wir ver⸗ dienten's auch, und dennoch leben wir in dir, beseelt durch deinen Hauch. 8. Wem fehlt, o Vater, deine Huld? Wem strahlet nicht dein Licht? Mit welcher Langmut und Geduld ver⸗ schonst du unser nicht! 9. O, betet, Menschen, betet an! Erwägt's und denket nun: Was hat Gott schon an uns gethan, was will er nicht noch thun? 10. Er will in jeder Jahres⸗ Besondere Zeiten. nun wieder. Es strömet jeden neuen Tag sein Segen neu hernieder. Der Wurm, der in dem Staube webt, der Vogel, der in Lüften schwebt, erfreut sich seines Lebens. 3. Der Erde Antlitz ist verjüngt, erheitert glänzt der Himmel; Gebirg und Thal und Wald erklingt von freudigem Getümmel, und voll Erbarmen schaut herab, der allen Sein und Leben gab, auf seiner Schöpfung Werke. 4. Doch fühllos, Gott, und unbeseelt sind Auen und zeit uns segnen und erfreu'n Gefilde; auch hast du nicht und einst noch in der Ewig⸗ keit der Gott der Liebe sein. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Frühling. Mel. 27. Allmächtiger, wir singen dir ꝛe. 538. Gelobt sei, der den Heere: Frühling schafft, Gott, der den Erdkreis schmücket, mit ewig unerschöpfter Kraft das, was er schuf, beglücket! Der Herr erschafft, der Herr erhält; er liebt und segnet seine Welt. Lobsinget ihm, Geschöpfe! 2. Das Land, das erst erstorben lag, erwacht und lebt das Tier erwählt zu deinem Ebenbilde. Der Mensch nur freuet deiner sich, kennt, fühlet und empfindet dich und hofft ein ew'ges Leben. 5. Lobsinget Gott, er ist uns nah! Singt, alle seine Der Herr ist allent⸗ halben da, in Himmel, Erd' und Meere! Ich preise dich, ich singe dir; denn du bist, macht, Lieb' und Gnade. 6. Du rufst die Wolken in das Land und stillst den Durst der Erde, daß mit den wo ich bin, bei mir mit All⸗ Gaben deiner Hand der Mensch Wechsel der gesegnet werde. Tau, Regen, Sonnenschein und Wind sind deiner Allmacht Boten, sind die Quellen deines Segens. 7. Selbst wenn vom Donner⸗ sturm bedräut erschrocken Län⸗ der zittern, strömt Stärkung, Segen, Fruchtbarkeitaus Nacht und Ungewittern; dann bricht die Sonne neu hervor, und alles jauchzt zu dir empor, vor dem die Wetter schweigen. 8. Von dir kommt, was uns hier erfreut, du Urquell aller Gaben! Dort wirst du uns mit Seligkeit in reichern Strömen laben. O, wohl den Menschen, die schon hier sich dir ergeben und einst dir als Christen freudig sterben. Chr. F. Funk, 1751—1834. Mel. 81. Valet will ich dir geben ꝛc. 539. Erwacht zum neuen Leben prangt um mich die Natur, und sanfte Lüfte weben durch die verjüngte Flur. Em⸗ por aus seiner Hülle drängt sich der junge Halm, der Wälder öde Stille belebt der Vögel Psalm. 2. O Vater, deine Milde füllt Berge, Thal und Au. Jahreszeiten. 509 Es grünen die Gefilde, beseelt mit deinem Tau. Der Blumen⸗ weid' entgegen eilt froh die Herd' ins Thal, und in dem Staube regen sich Wesen ohne Zahl. 3. Schon glänzt von blauer Feste die Sonn' auf unsre Flur, schon weiht zum Schöpf⸗ ungsfeste sich jede Kreatur, und alle Blüten dringen aus ihrem Keim hervor, und tau⸗ send Wesen schwingen sich aus dem Schlaf empor. 4. Die Flur im Blumen⸗ kleide ist, Schöpfer, dein Altar, und Opfer reiner Freude weiht dir das junge Jahr. Es bringt die ersten Düfte der Frühlingsblumen dir, und schwebend durch die Lüfte lobsingt die Lerche dir. 5. Ich schau' ihr nach und schwinge voll Dank mich auf zu dir. O Schöpfer aller Dinge, verehrt seist du von mir! Weit über sie erhoben, fühl' ich der Fluren Pracht, kann danken und dich loben, dich, der den Frühling macht. 6. Lobsing' ihm, meine Seele, dem Gott, der Freuden schafft; lobsing' ihm und er⸗ zähle die Werke seiner Kraft! 510 Hier, von dem Blütenhügel bis zu der Sterne Bahn steig' auf der Andacht Flügel dein Loblied himmelan! Chr. Chr. Sturm, 1740—1786. Mel. 228. Sollt' ich meinem Gott nicht singen ꝛe. 540. Höher hebt sich Gottes Sonne; früher strahlt ihr segnend Licht; alles atmet neue Wonne, Wonn' ist jedes Angesicht. Lächelnd senkt der Lenz sich nieder auf die Wälder, auf die Flur. Die erstorbene Natur lebet wieder, wirket wieder. Schöpfer, deiner Huld und Macht sei mein frömmster Dank gebracht! 2. Keine Winterstürme heulen g durch die Luft zerstörend her, und die vollen Segel eilen wieder ohne Furcht aufs Meer. Wie die Nebel nun entfliehen! Wie vergnügt die Erde ist! Wie der Bach so fröhlich fließt, fröhlich Au und Garten blühen! Schöpfer, deiner Huld und Macht sei mein frömmster Dank gebracht! 3. Fröhlich bei der Arbeit wallet nun der Landmann auf sein Feld, und sein herzlich Lied erschallet jubelvoll dem Besondere Zeiten. Herrn der Welt. Er vertraut die Saat der Erde, ehrt durch fromme Zuversicht seinen Gott und zweifelt nicht, daß er reich⸗ lich ernten werde. Schöpfer, deiner Huld und Macht sei mein frömmster Dank ge⸗ bracht! 4. Wie die Herden auf den Feldern ruhig weiden, wie so mild Gott sie nährt; wie in den Wäldern freier hüpft und scherzt das Wild! Hört der Vögel frohe Chöre, hier der lauten Nachtigall, dort der frühen Lerche Schall! Alles bringt dem Schöpfer Ehre. Ja, Herr, deiner Huld und Macht sei von mir auch Dank ebracht! 5. Glänzend und im Feier⸗ kleide prangt die blütenreiche Flur; jede Blume lächelt Freude, preist den Schöpfer der Natur. Er schafft Tau ihr, den sie trinket, daß sie nicht zu bald verblüh'ꝰ, und noch Samen, ehe sie welkt und wieder niedersinket. Auch von mir sei Dank gebracht, Vater, deiner Huld und Macht. 6. Diese Herrlichkeit der Erde ist ein Schatten von dem Licht, das ich ewig schauen Wechsel der Jahreszeiten. werde dort vor Gottes An⸗ gesicht. Auch das frohste Erdenleben fliehet unaufhalt⸗ sam fort; bleibend ist nur, was uns dort Gott verheißen hat zu geben. Vater, deiner Huld und Macht sei mein frömmster Dank gebracht! Balth. Münter, 1735—1793. Sommer. Mel. 136. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen ꝛe. 541. Weit um mich her ist alles Freude. Wie schön ist, Schöpfer, deine Welt! Wie prangt in schönem Feierkleide Gebirg und Thal und Wald und Feld! Wie heilig wird mir jede Stätte! Wohin ich geh', wohin ich trete, bist du so nahe, Gott, und ich er⸗ blicke dich auf allen Fluren, in allen deinen Kreaturen er⸗ blick' ich, aller Vater, dich. 2. Das Murmeln in be⸗ redten Bäumen ruft: Fröhlich müßt ihr Gott erhöh'n; die Zeit in Schwermut zu ver⸗ träumen, ist, Menschen, seine Welt zu schön! Mir sagt, beglänzt vom Morgentaue, die Flur, der Garten und die Aue: Wie segnet unser Gott 511 so gern! Mir sagt das Rau⸗ schen seiner Fluten: Gott ist der Urquell alles Guten! Der Bach sagt lispelnd: Lobt den Herrn! 3. Wie beugen sich der Saaten Spitzen; wie schwellen sie von Segen an, daß kaum der Halm die Aehre stützen, die reiche Last kaum tragen kann! Hier sammeln emsig schon die Bienen viel' Ernten, um auch uns zu dienen, von Gottes schönen Blumen ab; dort spinnt der Seidenwurm und webet, eh' er verwandelt wieder lebet, sich seine Hüll' und auch sein Grab. 4. Wie hast du, Gott der Güt' und Stärke, so väterlich an uns gedacht! Wie viel' und groß sind deine Werke, wie schön und wunderbar gemacht! Zum vollen, fröhlichen Genusse empfängt von deinem Ueber⸗ flusse, was lebet, seine Speis', o Gott! Gebirge bringen, Thäler geben, was allen nötig ist zum Leben, den Tieren Gras, uns Wein und Brot. 5. Weit um mich her ist alles Freude. O, freu' auch, meine Seele, dich in Gottes schönem Weltgebäude! Wie 512 reichlich segnet er auch mich! Laß dessen Lob umher er⸗ schallen, der dir so wohl thut, allen, allen so wohl thut, der so freundlich ist“ Stimm' ein in der Geschöpfe Chöre: Dir, Gott, sei Preis, dir Dank und Ehre, der du so mild und gnädig bist! Jak. Fr. Feddersen, 1736—1788. Mel. 81. Valet will ich dir geben ꝛc. 542. Dich loben deine Werke, und alles danket dir. Sei, Gott der Huld und Stärke, gepriesen auch von mir! Es zeigt an allen Enden sich deiner Güte Spur; aus deinen Vaterhänden strömt Segen auf die Flur. 2. Wie prangt das Gold der Früchte, des Sommers Feier⸗ kleid! Wir seh'n im schönsten Lichte, Herr, deine Herrlichkeit. Dich baten wir um Leben; wer gibt so gern als du? Du hast es uns gegeben und Ueberfluß dazu. 3. Die glänzendsten Gefilde, so weit das Auge blickt, sind Zeugen deiner Milde, die jedes Herz entzückt. Schon lacht und winkt den Schnittern der segensvolle Halm; von Kin⸗ Besondere Zeiten. dern, Vätern, Müttern tönt dir ein Freudenpsalm. 4. Die Pracht der reichen Auen strömt Wonn in unsre Brust; doch mischt auch Furcht und Grauen sich oft zur Sommer⸗ lust. Du rufst vom Wolken⸗ sitze den Boten deiner Macht, dem Wettersturm, dem Blitze; der Mittag wird zur Nacht. 5. Der Donner rollt; es bebet die schwache Kreatur. In⸗ des, o Gott, belebet dein Odem die Natur. Es wälzt sich mil⸗ der Regen vom Sturmgewölke los, und Fruchtbarkeit und Segen erfüllt der Erde Schoß. 6. Die Blume stand in Trauer, nun haucht sie stär⸗ kern Duft; der Himmel färbt sich blauer, und reiner wird die Luft. Thal, Hügel, Feld und Wiese verklären deinen Ruhm; du schufst zum Paradiese ver⸗ welkte Fluren um. 7. Der du das Land er⸗ quickest, daß Trift und Anger grünt, den Sterblichen be⸗ glückest, auch wenn er's nicht verdient, dich preist der Engel droben mit heiligem Gesang; auch ich, Herr, will dich loben mein ganzes Leben lang. Jos. Eus. Schmidt, 1669—1745. trieft sein Pfad. 513 Wechsel der Jahreszeiten. wie der Mann und Greis sei Herbst. fröhlich, Gott, zu deinem Preis! Mel 63. Herr Jesu Christ, 7. Auch wenn du alterst, mein's Lebens Licht ꝛe. sorgt für dich dein Herr und 543. Stil lächelnd wie ein Gott noch väterlich, der dich frommer Greis, der sterben mit Freuden noch beglückt, auch will, voll Dank und Preis, wenn dein Abend näher rückt. daß er dem Herrn gehorchte, 8. Froh kannst du sterben, naht der Herbst; von Segen wenn du nur, wie seine seg⸗ nende Natur, gesegnet hast, 2. Der früchtenreiche Garten wenn er die Frucht, die er prangt mit vollen Zweigen verlangt, umsonst nicht sucht. und verlangt von seiner Last 9. Auch die Natur verblüht befreit zu sein, um Gottes und stirbt, nur daß ihr Same Menschen zu erfreu'n. nicht verdirbt und schöner 3. Der Sänger in den auflebt, wenn ihr Freund, der Lüften schweigt, der hin in lebensvolle Lenz, erscheint. ferne Lande fleugt, wo mild're 10. So blühst und reifst Lüfte ihn umweh'n und neue du in der Zeit zu größerer Saaten aufersteh'n. Vollkommenheit. Nur sei ein 4. Denn Gott ernährt, was guter Same, sei Gott auch fleugt und webt, daß alles bis in den Tod getreu! fröhlich sei, was lebt, daß in Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. der Schöpfung weitem Kreis nur Jubel sei und Dank und Preis. 5. Auf traubenvollen Hügeln schallt des Winzers Lob und Mel. 56. An Wasserflüssen Babylon ꝛc. 544. Früh, mit umwölktem Angesicht, geht schon die Sonne widerhallt von Berg zu Berg; denn Most und Wein gibt uns der Herr, uns zu erfreu'n. 6. Wie liebevoll, wie mild und gut ist Gott, der so viel Wunder thut; der Jüngling nieder, und spät erscheint ihr schwäch'res Licht am trüben Himmel wieder. Die schönste Zeit ist nun entfloh'n, die rauhen Stürme rauschen schon durch die entblößten Felder; die 514 letzte Blume neigt ihr Haupt; des Herbstes kalter Hauch entlaubt die schattenreichen Wälder. 2. Verlassen steht die öde Flur, entblößt von ihrem Segen; entkräftet sieht nun die Natur der Winterruh' entgegen. Geteilt in große Scharen flieh'n die Vögel vor dem Frost und zieh'n weit über Land und Meere. Gott nimmt der Wandernden sich an, bezeichnet ihnen ihre Bahn und sättigt ihre Heere. 3. Uns, seine Menschen, will er hier im Winter selbst versorgen. Ja, seiner Huld vertrauen wir, neu wird sie jeden Morgen. Er schafft, daß wir in Sicherheit des Jahres rauhe, öde Zeit beginnen und vollenden. Die Erde ruht, doch er gewährt voll Liebe, was uns hier ernährt, mit väterlichen Händen. 4. Wie sind all' unsre Kammern voll von seiner Güte Gaben, von Segen, der uns nähren soll, von Vorrat, uns zu laben! Ja, deine Vorsicht wehrt der Not; es muß das Land dem Menschen Brot, dem Besondere Zeiten. Wein, der unser Herz erfreut und unsers Lebens Kraft er⸗ neut, quillt aus der Frucht der Reben. 5. Auch unser Leben einst verblüht, wie jetzt das Feld, im Alter; doch Gott ist's, welcher auf uns sieht, ein mächtiger Erhalter; er, der die Schwachen gern beschützt, die Müden mächtig unterstützt, die nah am Grabe wanken. Gebeugt vom Alter werden wir, o Gott, mit frohem Herzen dir, wie in der Jugend, danken. 6. Wohl allen, die sich ihrer Pflicht von ganzem Her⸗ zen weihen; sie werden ihre Jugend nicht im Alter einst bereuen! Wohl dem, der redlich sich bemüht, weil seiner Jahre Kraft noch blüht, der Tugend Frucht zu tragen! Ihm wird das Alter Jugend sein, und ihrer wird er sich noch freu'n in seinen letzten Tagen. Balth. Münter, 1735—1793. Winter. Mel. 141. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt' ꝛe. 545. Des Jahres Schönheit ist nun fort, und traurig steh'n die Triften; es stürmt Vieh sein Futter geben, und ein ungestümer Nord aus den und Hunger Wechsel der Jahreszeiten. empörten Lüften; vom Frost erstarrt die Erde nun, und ihre Lebenskräfte ruh'n. 2. Wohl mir, bei dieser rauhen Zeit darf ich vor Frost nicht beben; mich schützt mein Dach, mich wärmt mein Kleid, und Brot erhält mein Leben. Auf meinem Bette schlaf ich ein und kann mich sanfter Ruhe freu'n. 3. Dies Glück besitzt der Arme nicht, dem Brot und Kleidung fehlen, dem oft das Nötigste gebricht, den Frost quälen, den Krankheit hin aufs Lager streckt und doch kein weiches Bett bedeckt. 4. Vor Tausenden bin ich beglückt, die in der Stille klagen, da Wärm' und Nah⸗ rung mich erquickt in rauhen Wintertagen. O, freu' dich, frommes Herz, in mir und bringe Gott den Dank dafür! 5. Sieh nicht auf das, was dir noch fehlt, was mancher mehr besitzet; sieh auf die Not, die andre quält, vor der Gott dich beschützet, und preise seine Vaterhand, die so viel Glück dir zuge⸗ wandt! 515 6. Doch säume nicht, mein frohes Herz, dem Armen zuzu⸗ eilen; fühl' seinen Jammer, seinen Schmerz, dein Brot mit ihm zu teilen! Wer seiner Brüder Not vergißt, verdient nicht, daß er glücklich ist. Chr. Friedr. Weisse, 1726—1804. Mel. 151. Herr Jesu Ehrist, dich zu uns wend' ꝛc. + 546. Auch für den Winter danken wir, Herr, unser Gott und Vater, dir; nicht für der Felder Segen nur, auch für den Schlummer der Natur. 2. Zwar liegt ihr grüner Schmuck zerstört, von Frost und Eis und Sturm verheert; ein silberfarbenes Gewand deckt Berge, Hügel, Thal und Land. 3. Doch pflegt die Erde mütterlich die ihr vertraute Saat, die sich im nahen Lenze segensvoll enthüllen und uns nähren soll. 4. Doch nicht geräuschvoll; still, geheim. So nährt der Tugend ersten Keim ein Vater mit verborg'ner Lust in seiner schwachen Kinder Brust. 5. So thut, was andre segnen kann, ein guter und bescheidner Mann; sucht, wenn 93 sein Thun nur Gott gefällt, nicht das Geräusch des Ruhms der Welt. 6. Doch wachsen soll der Tugend Saat und blüh'n, was er im stillen that, zu reichen Ernten in der Zeit, zu reichern in der Ewigkeit. 7. Wie unsrer Fluren Saat durch dich im stillen keimet, väterlich, obgleich von Menschen nicht bemerkt, durch deine Mild', o Gott, gestärkt. 8. Es brause fürchterlich umher des Winters mächt' ger Sturm; auch er bringt dann noch Segen, wenn er droht, von dir, der wohlthut auch durch Not. 9. Wie viele Freuden haben wir auch jetzt, o milder Gott, von dir, der du so väterlich uns trägst, uns sättigest, er⸗ wärmst und pflegst! 10. Durch Vater, sei dir, wer dich kind⸗ lich ehrt, getreu! Laß jeden deinen Ruhm erhöh'n und freudig deine Wege geh'n! 11. Und jeder Wechsel deiner Zeit entflamm uns, Herr, zur Besondere Zeiten. alle Zeiten, 12. Du bleibst stets mächtig, Gott, und groß. Wir werden, wenn der Erde Schoß auch uns bedeckt hat, dich zu seh'n, aus unsern stillen Gräbern geh'n— 13. Und, auferweckt, das Feierkleid der himmlischen Un⸗ sterblichkeit anlegen und vor deinem Thron dich preisen, Gott, und deinen Sohn, 14. Daß nun hinfort kein Wechsel ist, daß du in allem alles bist, ein Gott, der nach des Grabes Nacht den Frommen ewig selig macht. Joh. Andr. Cramer, 1723—1788. Saatzeit. Erntezeit. Dankfest für Ernte und Herbst. Mel. 263. In dich hab' ich gehoffet, Herr ꝛe. 547. Liebreicher Gott, dein Segenswort erzeiget sich noch immerfort in seiner Kraft auf Erden, daß unser Feld mit Nutz bestellt und angebaut kann werden. 2. In Hoffnung streu'n Dankbarkeit und mach' uns ähnlich deinem Bild; denn du bist immer gut und mild. wir Samen aus; doch segnest du nicht Feld und Haus, so ist die Müh' vergebens. Nur Saatzeit, deine Kraft und Güte schafft uns Unterhalt des Lebens. 3. Laß unsre Saat gesegnet sein; gib Regen, Wind und Sonnenschein, daß Wachstum und Gedeihen uns spät und früh, nach Sorg' und Müh', einst wiederum erfreuen! 4. Bewahre sie das ganze Jahr, o Gott, vor jeglicher Gefahr durch deine Huld und Gnade, daß uns, die heut' das Feld erfreut, kein Unfall plötzlich schade! 5. Bei dieser Aussaat seh' ich hier so manch erbaulich Bild vor mir; denn unter Sturm und Winden erhebt sie sich; so muß auch ich durch Kreuz den Himmel finden. 6. Und wie das Saatkorn erst verdirbt und in der Erde gleichsam stirbt, um neue Frucht zu bringen, so werd' auch ich, erweckt durch dich, ins bessre Leben dringen. 7. Dort reift, o Herr, nach deinem Rat, auch selbst von meiner Thränensaat mir ew'ge Freudenernte; o, wohl dann mir, wenn ich dir hier getrost vertrauen lernte! 8. Nur mache mich, o Gott, bereit, in Glauben und Erntezeit. 517 Gottseligkeit viel gute Frucht zu bringen; so will ich dir dereinst dafür in Ewigkeit lobsingen. Kasp. Gottl. Jentsch, 1681— 1729. Mel. 215. Es ist das Heil uns kommen her ꝛe. 548. Es baut, o Gott, auf dein Geheiß der Menschen Hand die Erde, voll Hoff⸗ nung, daß nun auch ihr Fleiß von dir gesegnet werde; auf dein Versprechen trauen sie: Du sollst dein Brot bei Fleiß und Müh' auf dieser Erde finden! 2. Noch immer traf dies Wort uns ein; gib ferner deinen Segen, daß Saat und Pflanzen wohlgedeih'n, gib Sonnenschein und Regen: denn ohne deine Segenshand bringt selbst ein wohlgebautes Land nicht, was es bringen könnte. 3. Umsonst ist aller Men⸗ schen Müh' im Pflanzen und Begießen, läßt du, o Gott, nicht spüt und früh des Segens Ströme fließen. Nur du regierst den Witt'rungs⸗ lauf; durch dich wächst jede Pflanze auf, durch dich nur bringt sie Früchte. 518 Besondere Zeiten. 4. So kröne denn mit Fruchtbarkeit das Land nach deiner Güte, und wenn die Aussaat nun gedeiht, o Vater, so verhüte, daß Frost und Sturm und Hagelschlag sie nicht zerstörend treffen mag, nicht Flut sie überschwemme! 5. Wir trau'n auf dich, wir zagen nicht und lassen gern dich walten. Du, Vater, weißt, was uns gebricht, hast lange hausgehalten. So wirst du denn zu deinem Ruhm, mit Notdurft uns, dein Eigentum, noch fernerhin versorgen. Nach Barth. Ringwaldt, 1530- 1598. Mel. 82. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen ꝛc. 549. O, daß doch bei der reichen Ernte, womit du Höchster uns erfreust, ein jeder froh empfinden lernte, wie reich du, uns zu segnen, sei'st, wie gern du unsern Mangel stillst und uns mit Speis' und Freud' erfüllst! 2. Du siehst es gern, wenn deiner Güte, o Vater, unser Herz sich freut und ein erkennt⸗ liches Gemüte auch das, was du für diese Zeit uns zur Er⸗ quickung hastbestimmt, mit Dank aus deinen Händen nimmt. 3. So kommt denn, Gottes Huld zu feiern; kommt, Chri⸗ sten, seiner uns zu freu'n und bei den angefüllten Scheuern ihm unsern frömmsten Dank zu weih'n! Ihm, der uns stets Versorger war, bringt neues Lob zum Opfer dar! 4. Nimm gnädig an dies Lob der Liebe, das unser Herz dir, Vater, weiht! Dein Segen mehr' in uns die Triebe zum thät'gen Dank zur Folgsamkeit, daß Preis für deine Vatertreu auch unser ganzes Leben sei! 5. Du nährest uns bloß aus Erbarmen. Dies treib' auch uns zum Wohlthun an! Nun sei auch gern ein Trost der Armen, wer ihren Mangel stillen kann! Herr, der du aller Vater bist, gib jedem, was ihm nützlich ist! 6. Thu' deine milden Segens⸗ hände, uns zu erquicken, ferner auf! Versorg' uns bis an unser Ende und mach' in unserm Lebenslauf uns dir im kleinsten auch getreu, daß einst uns größres Glück erfreu'! 7. Bewahr' uns den ge⸗ schenkten Segen; gib, daß uns sein Genuß gedeih', und unser Herz auch seinetwegen dir dank⸗ Saatzeit, Erntezeit. 519 bar und ergeben sei! Du, der beit nicht erwerben kann, für den Körper nährt und speist, Witwen und für Waisen, für erquick' auch ewig unsern Geist! Ehrenfried Liebich, 1713— 1780. Mel. 229.— Gott in der Höh' sei Ehr' ꝛc. 550. Eilt, Christen, eilt, mit Dank den Herrn lobpreisend zu erheben! Er sättigt und erfreuet gern und hat uns Brot gegeben. Er, dessen Weisheit, dessen Kraft mit Vatergüte wirkt und schafft, sorgt auch für unser Leben. 2. Die Kraft, wodurch das Saatkorn steigt, wodurch in bunten Streifen das Feld sich malt und reifend bleicht, wer kann die Kraft begreifen? Wo wundervoll die Aehre schwillt und sich für uns mit Nahrung füllt, wirkt da nicht Gottes Atem? 3. Ja, du befruchtetest das Land, du Geber aller Gaben! Es kam von deiner Vaterhand, was wir empfangen haben. Du gabst nicht einem nur allein, wer Mensch ist, sollauch Bruder sein; du, Vater, sorgst für alle. 4. Auch für den armen kranken Mann, der Kleider, Holz und Speisen durch Ar⸗ jeden, welcher seufzt und weint, für jeden Freund, für jeden Feind sorgt deine Vatergüte. 5. Wir haben nichts für uns allein, auch andre wollen leben. Drum soll es stets uns Freude sein, den Armen auch zu geben. Was wir für andrer Wohl gethan, das sieht einst der Erlöser an, als wär' es ihm geschehen. 6. O, wohl uns, wenn wir emsig hier der Liebe Saaten streuen! Dann wird uns, Vater, einst bei dir ein Erntetag er⸗ freuen, wo alle, die hier wohl⸗ gethan, des Himmels reichen Lohn empfah'n und ewig ihn genießen. Chr. G. L. Meister, 1788— 1811. Mel. 532. Nun sich der Tag geendet hat ꝛe. 551. Die Felder sind nun abgemäht, die wir voll Aehren sah'n. Du hörtest, Gott, was wir gefleht; nimm unsern Dank jetzt an! 2. Den Samen, den wir ausgestreut, gab deine Vater⸗ hand; uns gabst du Kraft zur Emsigkeit und Fruchtbar⸗ keit dem Land. 520 3. Du schafftest, daß der Witt'rung Lauf der Saat er⸗ sprießlich war; sie wuchs zu 552 reichen Ernten auf. So kröntest du das Jahr. 4. Und selbst zum Ernten schenktest du uns Kräfte und Gedeih'n. Wir sammelten in Fried' und Ruh', Gott, deinen Segen ein. 5. Auf, Christen, unserm Gott und Herrn sei Lob und Dank gebracht! Er segnet, er beglückt so gern; preist seine Huld und Macht! 6. Ihm dankt der Vögel muntrer Chor und preist den Herrn der Welt; froh tönet ihr Gesang empor zu Gott, der sie erhält. 7. Der ist nicht wert, ein Mensch zu sein, nicht deiner Gaben wert, der dich nicht ohne Heuchelschein durch That und Leben ehrt. S. Mit froher Seele preisen wir, Gott, deine Vatertreu'. Zieh' unsre Herzen ganz zu dir und steh' uns ferner bei! 9. So lang in uns das Herz noch schlägt, die Augen offen steh'n, soll unser Herz, von Dank bewegt, auf deine Güte seh'n! Zweibr. Gesangbuch, 1804. Besondere Zeiten. Mel. 236. Was Gott thut, das ist wohlgethan ꝛe. „Preist, Christen, mit Zufriedenheit, preist Gott, den Herrn der Ernte, daß sich nicht ganz die Fruchtbarkeit von unsrer Flur entfernte! Noch stets erhält er seine Welt; was nötig ist zum Leben, will er uns allen geben. 2. Er ist der Herr, in seiner Hand ist, was die Erde bringet; des Menschen Mühe baut das Land; Gott gibt, daß sie gelinget. Von ihm allein kommt das Gedeih'n, und er nur läßt die Saaten blüh'n, reifen und geraten. 3. Wir sahen froh in Hoffnung schon der reichsten Ernt' entgegen, und plötzlich ist er uns entfloh'n, der uns gezeigte Segen. Gott nimmt, Gott gibt, was ihm beliebt; sein Rat ist uns verborgen; doch will er uns versorgen. 4. Was trauern wir und säumen noch, den Vater zu erheben? Nein, laßt uns trotz dem Mangel doch ihm Ruhm und Ehre geben! Preis sei dem Herrn! Von Unmut fern laßt ihm zum Wohlgefallen ein frohes Lied erschallen! DS K K * N H — Reformationsfest. 521 5. Sein ist die Herrschaft; wie er will, verteilt er seine Gaben. Ihm halten wir in Demut still, auch wenn wir wenig haben. Denn was er thut, ist recht und gut, ge⸗ schieht, daß seine Ehre und unser Wohl sich mehre. 6. Er ist allmächtig, alle Not kann er zum besten lenken. Der gute Vater wird uns Brot auch bei dem Mangel schenken; wie hat er sich so väterlich bisher an uns bewiesen! Auch jetzt sei er gepriesen! Gebot kann unsrer Not, so⸗ bald nur du willst, wehren, in Wonne sie verkehren. 10. Wir beten demutsvoll dich an, der alles weise füget, des Vorsicht niemals irren kann, des Wohlthun niemals trüget. Froh danken wir, Er⸗ halter, dir und preisen deine Güte mit kindlichem Gemüte. Joh. Sam. Diterich, 1721—1797. Reformationsfest. heiterm Sinn das feste Zu⸗ trau'n fassen, daß, der die den zu loben, der allmächtig 7. Wie manches segensreiche Mel.—77 Wie 1997 uns der Jahr hat er uns schon bescheret! 70329216 Wie gnädig uns noch immerdar 553. Komm, komm, du von Jugend auf genähret! Licht in Gottespracht, den Wer sollte nicht mit Zuversicht Tag, den uns der Herr ge⸗ auf ihn, den Vater, schauen macht, mit deinem Glanz zu und seiner Güte trauen? weihen! Weck auf, was schläft 8. O, welch ein seliger in dunkler Haft, zünd' an der Gewinn, an dem sich gnügen rechten Andacht Kraft, uns lassen, was da ist, und mit heil'gen Schmuck zu leihen! Frühe ziehe uns nach oben, Welt regiert und hält, auch Sonnen lenket, groß und uns, so lang' wir leben, was prächtig! nötig ist, wird geben! 2. O seht! Im hellen 9. Allweiser, wir verehren Glanze steht die Kirche Christi dich in allen deinen Wegen hoch erhöht; ihr Hoffen ist und trauen unveränderlich auf geschehen. Viel Könige, Pro⸗ deinen milden Segen. Ja, dein pheten viel sah'n harrend auf — 522 nach solchem Ziel und haben's nicht gesehen. Selig, selig, wer da siehet, was entglühet Gottes Strahle,— Himmels⸗ licht im finstern Thale! 3. Verdunkelt stand des Herrn Altar, in Menschentrug begraben war das Wort aus Gottes Munde. Wo bleibst du, Licht von Anbeginn? Ach, Hüter! ist die Nacht bald hin? Ist nah des Anfangs Stunde? Singet, bringet Morgenlieder unserm Hüter! Er schläft nimmer; herrlich kam des Aufgangs Schimmer. 4. Zu Auserkor' nen dringt der Schein:„Steht auf, ihr sollt mein Rüstzeug sein, euch ruft des Reiches König.“ Da schallt's:„Die Wahrheit macht euch frei, die Nacht ist hin, der Tag herbei!“ und H Jubel hallt vieltönig. Herr, Herr! Ew'ger! treu im Halten, und im Walten über⸗ schwenglich, Gott, dein Licht ist unvergänglich! 5. Es stritt mit Macht die Finsternis, die Erde bebt', der Vorhang riß, da siegt das Licht vom Morgen. Jahrhun⸗ derte sind hingefloh'n, manch Reich gestürzt und mancher Besondere Zeiten. Thron, die Kirche steht gebor⸗ gen. Jesus Christus gestern, heute und in weite Ewig⸗ keiten! Eilt, sein Lob heut' auszubreiten! 6. Tag, den uns Gott erscheinen läßt, dich grüßt, in Lieb' und Glauben fest, die heilige Gemeine, die kämpfend noch hienieden geht, die triumphierend droben steht; es ist ja doch nur eine! Ein Wort, ein Hort! Jauchzt, Verklärte! Jauchz', o Erde, seinem Namen: Heilig, heilig, heilig!— Amen. Christ. Heinr. Sachse, 1785—1860. Mel. 27. Allmächtiger, wir singen dir ꝛc. 554. Die Himmel preisen deine Macht mit allen ihren eeren, und ihrer Wunder hohe Pracht strahlt, Schöpfer, dir zu Ehren. Was deine Weisheit, Gott, vermag, lehrt jeder Tag den andern Tag und jede Nacht die andre. 2. Doch deiner Schöpfung Unterricht verstanden selbst die Weisen mit allem ihrem For⸗ schen nicht und lernten nicht dich preisen. Was wüßten wir, wenn deinen Ruhm, o Gott, Reformationsfest 5²3 dein Evangelium uns nicht verkündet hätte? 3. Nur Jesu Weisheit, diese nur gibt Blinden Kraft zu sehen und lehrt das Loblied der Natur, der Schöpfung Ruf verstehen. Durch ihren heil'gen Unterricht wird erst des Lebens Dunkel Licht, dich, Schöpfer, zu erkennen. 4. Von ihr erhellt, seh'n wir den Pfad, der näher zu dir leitet, seh'n, was für uns dein weiser Rat in jener Welt bereitet, seh'n, was wir ohne dieses Licht am Himmel und auf Erden nicht zu unserm Troste finden. 5. Was brachtest du, o Wort des Herrn, den Sterblichen für Wonne! Mehr Schimmer als der Morgenstern, mehr Strah⸗ len als die Sonne. Wie strahlst, wie heiligst du, wie schmückst du unsre Seelen, wie beglückst du uns mit deinen Lehren! 6. Drum wohne hier, wohn' immer rein in dieser heil' gen Stille, daß in des Irrtums Nacht dein Schein die Wahr⸗ heit uns enthülle! Von diesem Tempel ström' er aus, ström' Heiterkeit in jedes Haus und jede niedre Hütte! 7. So können wir, o Dank sei dir! als deine Kinder leben, bestimmt zu Engeln mit Begier nach Gottes Himmel streben und immer fröhlich mit Vertrau'n auf unsern guten Vater schau'n und liebevoll ihn preisen. 8. Dann wird uns Wohl⸗ that jedes Leid, Lust jede Tagsbeschwerde, Erquickung jedes Glück der Zeit, ein Paradies die Erde; ein Engel Gottes wird der Tod, und aus der Gruft glänzt Morgenrot den Kommenden entgegen. Joh. Andr. Cramer, 1723- 1788. Mel. 80. Vom Himmel hoch, da komm' ich her ꝛe. 555. Heil euch und Gottes hoher Lohn, Vollendete, vor Gottes Thron! Heil euch in jener bessern Welt, wo Recht und Wahrheit nimmer fällt! 2. Ihr ginget mit erhab'nem Sinn durch Blumen und durch Dornen hin; ihr nahmt in stiller Heiterkeit das harte Los der Sterblichkeit. 3. Ihr sprachet laut für Recht und Pflicht und war't der Menschen Knechte nicht; 524 Besondere Zeiten. wir sitzen oft in feiger Ruh' und hören losen Spöttern zu. 4. Ihr zoget aus mit hohem Mut und fragtet nichts nach Geld und Gut; wir stehen säumend an der Thür und fragen: Was wird uns dafür? 5. Ihr wußtet nichts von Heuchelei und spracht am Throne laut und frei; wir haschen nach der Ehre Dunst und buhlen oft um Menschen⸗ gunst. 6. Ihr ginget fest mit Freudigkeit von Sieg zu Sieg, von Streit zu Streit; wir fliehen oft bei Ruh' und Glück im Kampfe mit uns selbst zurück. 7. Ihr sahet in dem schweren Lauf mit Glauben zu dem Schöpfer auf, und wir ver⸗ gessen, ach! so leicht, daß Gott den Leidenskelch uns reicht. 8. Längst triumphiert ihr, jauchzen deiner 10. Heil euch! Mit frohem, festem Sinn euch nach, euch nach zum Himmel hin! Ihr seid voran, wir folgen euch im Leben und im Himmelreich. 11. Wenn auch kein Wütrich uns bedräut und uns zu sterben hier gebeut, so soll doch unser Leben rein. Gott und der Tugend heilig sein! Unbekannter Verfasser. Mel. 429. Wachet auf! so ruft die Stimme ꝛe. 556. Heilig, heilig, heilig! singen wir dir, Herr Zebaoth, und bringen des frömmsten Dankes Opfer dar. Engel Ehre, es preisen dich auch unsre Chöre, dich, der da sein wird, ist und war. Herr Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir danken dir! Hallelujah! Von Ewigkeit zu Ewigkeit ist dein feiert dort den Sieg an jenem das Reich, die Herrlichkeit. Freudenort. Ihr habt voll⸗ 2. Dich, den Sohn, den endet; schön und groß ist euer Herrn der Ehren, mit frohem Glück, ist euer Los. Danke zu verehren, welch süße 9. Der Himmel ist euch Pflicht der Christenheit! Der aufgethan, ihr wandelt auf den Weg zu Gott uns lehrte, der Sternenbahn hin zur des Aberglaubens Macht zer⸗ Vollendung, hin zum Licht störte, welch Heil hat uns vor eurers Mittlers Angesicht. durch dich erfreut! In deines Reformationsfest. 52⁵ Vaters Reich, an Macht und Huld ihm gleich, willst du segnen von deinem Thron mit reichem Lohn, die treu dir waren, Gottessohn! 3. Geist des Friedens, Geist der Wahrheit! es leuchtet uns in ew'ger Klarheit dein welt⸗ beglückend göttlich Wort. Zur Geduld in guten Werken kannst du allein den Glauben stärken, du bist des Frommen Trost und Hort. Dein Eigentum sind wir, wir leben, sterben dir. Amen, Amen! Du gibst uns Licht und Zuversicht, wenn unser Herz im Tode bricht. G. Fr. Wilh. Schultz, 1774—1842. Mel. 36. Christ, unser Herr, zum Jordan kam ꝛe. 557. Gott, welchen herrlichen Gewinn find' ich in Jesu Lehre, wenn ich auf ihn nur achtsam bin, ihn durch Gehorsam ehre. Kein Menschenherz, ruft er mir zu, kann Gottes Lieb' ergründen; wer mir nur folgt, soll Seelenruh', Vergebung seiner Sünden und Kraft zur Tugend finden. 2. Doch ach! so manches Christenheer, gefesselt von den Banden des Vorurteils, hat nur zu sehr dein Wort, Herr, mißverstanden, hat Menschen⸗ sinn hineingedacht und, als zu deiner Ehre, in Fesseln die Vernunft gebracht, zu glauben Menschenlehre, als ob sie Christi wäre. 3. Gelobt seist du, o Gott, daß wir, auf Wahrheit recht beflissen, wohl Menschen⸗ satzungen von ihr zu unter⸗ scheiden wissen; daß die Ver⸗ nunft uns unterweist, dein Wort recht zu verstehen, nicht bloß die Worte, nein, den Geist der Lehren auszuspähen, was du willst, selbst zu sehen! 4. So dient uns, Herr, das eine Licht, das andre zu verstärken. Durch beide gibst du Unterricht, auf beide soll ich merken. Dem Wahn vermag kein Altertum der Wahrheit Glanz zu geben; der Zeiten Fortschritt stößt ihn um und trotzt dem eiteln Streben, ihn wieder zu erheben. 5. Doch, Herr, da Nacht und Wahn so schwer dem Licht der Wahrheit weichen, so laß sich die Vernunft stets mehr im reinsten Lichte zeigen! Wem du Vernunft gabst, schäme sich, vom Glauben sie zu trennen! 526 Nein, sie laß alle, die für dich von Glaubenseifer brennen, als Glaubensstütze kennen! Unbekannter Verfasser. Mel. 215. kommen her ꝛe. 558. Vor dir, Herr, denken wir erfreut an unsrer Väter Glauben. Der Feind erhob sich kühn zum Streit, der Welt dein Wort zu rauben; sie aber kämpften ritterlich, gestärkt, Allmächtiger, durch dich; sie kämpften und sie siegten. 2. In Dunkel war dein Wort verhüllt und die Ver⸗ nunft gefangen; doch sie, durch deine Kraft erfüllt mit Helden⸗ mut, errangen Triumph dem unterdrückten Licht und achteten Gefahren nicht im Kampf für Recht und Wahrheit. 3. Sie bebten nicht vor Macht und List; als Helfer in dem Streite stand unser Mittler, Jesus Christ, den Kämpfenden zur Seite. So ward der Feinde Droh'n zu Spott, denn eine feste Burg ist Gott, wenn wir auf ihn vertrauen. Es ist das Heil uns Besondere Zeiten. Gut und Blut für Recht und Wahrheitwagen. Verleih' auch uns den frommen Mut, im Kampf nicht zu verzagen! Du bist und bleibest unser Hort. Wir halten fest an deinem Wort und schwören ew'ge Treue. 1. Vers von Pfranger, 1745— 1790. 2.—4 Vers von Schultz, 1774—1842. Amts⸗ und Ehe ⸗Jubelfeier. Amts⸗Jubelfeier. Mel. 91. Begleite mich, o Christ ꝛc. 559. Ein Jubelgreis im Silberhaare, umstrahlt von Frühlings⸗Widerschein, tritt tief bewegt zu dem Altare, des Dankes Opfer dir zu weih'n. Du, Ewiger! hast seinem Leben, ach! einen seltnen Tag gegeben. Ein halb Jahrhundert, wohl voll⸗ bracht, liegt hinter ihm, und nicht der Leiden gedenkt er heute, nur der Freuden und deiner Huld, du Gott der Macht! 48. Herr, wir auch wollen — Amts⸗ und Ehe⸗Jubelfeier. 2527 2. Getreu in seinem Amt und Stande, voll Mut für Wahrheit, Recht und Pflicht, hat er genützt dem Vaterlande, und unsre Huldigung umflicht zu wohlverdientem Ehrenlohne sein graues Haupt mit einer Krone, die seiner edlen Thaten wert, wodurch er uns zum Dank verbunden und, wenn er einst dahingeschwunden, auch sein Gedächtnis noch verklärt. 3. So lohnen Menschen. Doch vergelten, wie sich's gebührt, kannst du allein, du Herr und Richter aller Welten! Dich trügt kein Wahn, dich irrt kein Schein. Was wir hier werden, sind und haben, verdanken wir, Herr, deinen Gaben. Nur was wir gern und treu vollbracht, nur was in dir den Geber ehrte und unsrer Brüder Wohlfahrt mehrte, ist's, was uns dir willkommen macht. 4. Doch ach! was sind die reichsten Saaten, die wir als Erdenpilger streu'n, was ist die Reihe guter Thaten, die uns am Lebensziel erfreu'n, wenn du, Gerechter! willst dagegen der Tage Zahl, die Kräfte wägen, die deine Huld uns hier verleiht? Wie manche Stunde ward durchträumet, wie manche heil'ge Pflicht versäumet, wie oft die edle Kraft entweiht! 5. Vernimm des Greises stilles Flehen, dem du dies Fest vergönnet hast! Hör' ihn mit Demut eingestehen: „Mein Lohn war größer, als die Last, die Ernte reicher, als die Saaten, und alles, was mir wohl geraten, ver⸗ dank' ich einzig Gottes Huld. Nur sie hat mich bisher geleitet, so vielen Segen mir bereitet, erlassen mir so manche Schuld.“ 6. Nimm, Ewiger, mit Vatergüte des Greises kindlich Opfer an! Dein liebevoller Schutz behüte ihn bis ans Ziel der Lebensbahn! Auch uns, o Höchster, wollst du stärken zu regem Fleiß in guten Werken! Noch ist es Tag, bald kommt die Nacht. Wohl allen, die sich Christen nennen und einst mit Jesu sagen können:„Herr, nimm uns auf, es ist vollbracht!“ G. Fr. Wilh. Schultz, 1774—1842. Ehe⸗Jubelfeier. Mel. 138. Meinen Jesum laß ich nicht ꝛe. + 560. Neu verjüngt im Silberhaar, nah schon an des Grabes Rande, knüpft ein frommes Ehepaar noch einmal der Liebe Bande, und mit Rührung blicken wir, ew'ger Vater, auf zu dir. 2. Du, o Gott, hast bis hierher diese Liebenden geleitet, du allein die Wiederkehr eines Fest's für sie bereitet, das mit Blüten sie umstreut, ihrer Jugend Lenz erneut. 3. Ihr beklomm'nes Herz durchbebt süße Wehmut, from⸗ mes Sehnen, und der Andacht Blick erhebt sich zu dir mit Freudenthränen. Dir, der ihr Erhalter war, bringen sie ihr Opfer dar. 4. Ja, dies Fest kommt, Herr, von dir! Mit dem frohen Besondere Zeiten. Ehepaare danken, Ewiger, auch wir! O wie schön, wenn nah der Bahre, eh' der Leib zum Staube sinkt, noch einmal der Frühling winkt! 5. Ach, was ist vergangen schon und wie manche Freud' entschwunden! Träumen gleich sind sie entfloh'n, alle Lust⸗ und Leidensstunden. Doch ver⸗ gessen sei der Schmerz, Dank nur fühle jetzt das Herz! 6. Gott mit dir, verehrtes Paar! Fester faß die rechten Hände! Nah ist schon dein letztes Jahr, Lust und Leiden eilt zu Ende. Ungetrennt wird dein Verein, seliger, im Himmel sein. 7. Wenn am Schluß der Lebensbahn Kind und Enkel dich begrüßen, deinen Segen zu empfah'n, deinen Abschied zu versüßen: o, dann hoffe Wiederseh'n! Liebe kann nicht untergehen! G. Fr. Wilh. Schultz, 1774— 1842. SSESSSESEE EEEESEEEE SSESSE SESESSEEE (Die Zahlen weisen auf die Nummern der Lieder hin.) A. Ach, bleib' mit deiner Ach, dem wurden nie die Ach Gott, was ist der Ach, schrecklich wird die Ach, wann werd' ich von Ach, wäre nicht, o Herr Ach, was soll ich Sünder Ach, wie heilig ist es Ach, wie nichtig, ach, wie Allein Gott in der Höh' Allen Menschen und auch Allen, welche nicht Aller meiner Brüder Aller Welten Herrscher Allgegenwärtiger, vor Allwirkender, stets reger Als bittrer Hunger uns Anbetung sei dir, Gott Anvertraut der Erde 476 Auch diesen Tag hab' ich 532 Auch für den Winter 546 Auch noch im späten Alter 389 Auf Erden Wahrheit 82 Auf, erwachet, meineLieder 370 Auf Gott und nicht auf 239 Auf meinen lieben Gott 245 Aufersteh'n, ja aufersteh'n 430 Aus deiner Quelle 63 Aus dem eiteln Sinnenleb. 203 Aus Erde ward mein 5 Aus Gottes milder Hand 393 B. Barmherziger, erhöre 313 Befiehl du deine Wege 240 Begleite mich, o Christ 91 Begrabt den Leib in 34 477 530 Beherrscher deiner Regi st er. 400 Der du dein Wort mir 83 Besitz' ich nur ein ruhiges 296 Der du mit starker Hand 24 Bester, weisester Regierer 33 Der du uns als Vater 148 Betend nahen wir uns 188 Der du voll Schmach und 89 Betet an, laßt uns lobsingen 16 Der edle Geist hebt sich 394 Bringt diesem TageRuhm 153 Der Hang zum Bösen 67 Bringt Ehre Gott, bringt 453 Der Herr ist Gott und 39 Bringt Preis und Ruhm 109 Der Herr ist meine Zuvers. 233 Der Herr schwingt sich C. 425 D* Christ, gedenk' an deinen 48⁰0 469 4⁴47 398 278 497 478 351 18¹ 399 206 460 179 230 156 15⁵ 48⁴ 218 Da stehen wir, die Deinen Dank, Dank dem Herrn Dank und Anbetung Das Amt der Lehrer Das Glück der Ehre, wie Das Grab ist tief und Das Leben flieht, die Zeit Daß ich das Böse nie Dein Heil, o Christ Dein ist das Licht, das Dein Mahl, das Mahl Dein Wille, Vater Dein Wort, o Höchster Deines Gottes freue dich Dem finstern Erdkreis ist Dem Gott der Wahrheit Dem Staube geben wir Den Höchsten öffentlich Den nach seiner Niedrigkeit 119 114 195 423 523 280 531 535 411 545 Der Höchste sei mit euch Der letzte meiner Tage Der Morgen kommt und Der Schwachheit Kinder Der Tag ist wieder hin Der Tag erbleicht, es Der weise Schöpfer Des Jahres Schönheit Des Leibes warten und 262 Des Todes Grau'n, des 482 Dich, Höchster, ehrerbietig 250 Dich Jesum lass' ich ewig 137 Dich kennen, Gott, ist 213 Dich loben deine Werke 542 Dich, Menschenvater, groß 522 Dich seh' ich wieder 521 Die auf der Erde wallen 417 Die Feinde deines Kreuzes 122 Die Felder sind nun 551 Die Himmel preisen deine 554 Die ich so heiß geliebet 488 Die Menschen zu erziehen 403 Die neue Woche geht 514 DieSonnestand verfinstert 100 Die Zunge, die verständlich 325 99 9 9 9 9 9 9 8 9 8 88 9 98 8 98 98 9 9 SSSS S S& Register. 531 Dies ist der Tag, den 80 Dir, Höchster, soll ich 232 „Dir, Quell des Lichts 281 Dir zu leben, dir zu 350 Du bester Trost der 458 Du bist ein Mensch und 28 Du bist, o Gott, gerecht 57 Du bist, o Unermeßlicher 45 Du, den meine Seele liebt 161 Du denkest in der tiefsten 92 Du, der kein Böses thut 65 Du, des sich alle Himmel 186 Du, dessen ganzes Leben 143 Du, Gott, schufst selbst 356 Du klagst und fühlest die 275 Du liebest nicht der 457 Du liebst, o Gott 315 Du schenkst uns, Gott 526 Du, welchen keine Welt 395 Du willst es, Herr, mein 260 Dumpf und ernst, wie 499 Durch dich, Gott, bin ich 366 Durch dich, o Schöpfer 21 E. Edel ist es, Freunde 320 Ehre sei Gott in der 76 Eifrig sei und fest mein 266 Eilt, Christen, eilt mit 550 Ein Gott ist, ruft mir 14 Ein Gott regiert, was 30 Ein Jubelgreis im 559 Ein Pilgergang durchs 386 Einst sinkt der Leib ins 441 Eltern, weinet auf das 490 Entehre nicht durch Klagen 34 Entflohen sind auch dieses 536 Erbarmer, sieh' hernieder 164 Erdentöchter, Erdensöhne 491 Erfreulich sei und feierlich 405 Erhab'ner Herr der Welt 473 Erhalt' uns, Herr, die 375 Erhebe deinen Blick zum 54 Erhebt den Herrn mit 456 Erhöhter Jesu, Gottes 120 Erhöre, Gott, erhöre 190 Erkenn' ich Gottes 211 Er kommt, er kommt 118 Ernst ist der Streit 289 Ertönt, ihr Freudenlieder 466 Erwacht zum neuen Leben 539 Erwäge deineSterblichkeit 492 Es baut, o Gott, auf 548 Es eilt der letzte von Es ist nicht mehr, für Es ist noch eine Ruh'- Es strömt, o Gott, aus 27 Es züchtigt deine Hand 454 Ewig und unwandelbar 503 4. Fern sei mein Leben Ferne sei der Irrtum 127 Fest steht dein Wort 511 Fleug auf, mein Psalm 20 Freude sei des Kirchenj. 513 Fromm, wie er gewandelt 493 532 Regi 544 Gott, du läßt die Seuche 461 Früh mit umwölktem Führer zur Vollkommenheit 84 Für unsre Brüder beten 312 G. Gebt dem Tode seinen 479 Gedanke voller Seligkeit 4 Gedenk' ich, Heiland, an 85 st er. Gott gab mir von 268 Gott hab' ich mich 243, Gott, ich will mich 286 Gott ist ein Schutz in 123 Gott ist getreu. Sein 61 Gott ist mein Hort 12 Gott ist mein Lied 43 Geist des Herrn, der Gelobt sei, der den Gelobt sei unser Mittler Gelobt seist du, Herr Gesund, mit frohem Geweihter Ort, wo Saat Gib, Gott, daß ich der Gib, Gott, dem Lehrer Gib, Gott, voll Lieb' Gib, Höchster, daß ich Gib mir, o Gott, ein 145 538 135 78 29 483 322 402 310 304 Gott, deine weise Macht 22 Gott, deinen heiligen 254 Gott, deinen weisen 367 Gott, deines Beifalls 338 Gott, dem Eigennutze 344 Gott, der auch uns ins 287 Gott, der du die 334⁴ Gott, laß den Unterricht 258 Gott, meines Nächsten 347 Gott rief die Sonne, schuf 502 Gott sei Dank in aller 73 Gott, von Frohgefühl 25 Gott, von großer Macht 467 Gott, vor dessen Angesichte 58 Gott, welch ein Kampf 66 Gott, welch ein Schmerz 487 Gott, welchen herrlichen 557 Gott, wer kann es je 166 Gott will ich dienen, ihm 255 Gott will, ich soll nicht 352 Gott will, wir sollen uns 267 Gottes Gnade sei mit 196 Grab meines Herrn, ich 102 Groß ist, ihr Eltern 359 Groß ist um uns der 371 Gut und heilig ist dein 253 Güt'ger Gott, wir danken 222 Gott, der du Herzenskenner 351 Gott des Himmels und 519 Gott, dessen große Macht 55 Gott, dessen Macht des 475 Gott, dir sei mein Dank 362 Halte dich nicht länger 225 Gott, du bist heilig und 59 B. Heil dem, der dich Gott, du bist von Ewigkeit 41 Heil diesem Tag, an 8 192 ⁰Æ&Æe&Æ&ÆG. IEUUN 7ĩà:ã=.f Register. Heil euch und Gottes 555 Heilig, heilig, heilig 556 Heilig, heilig sei der 25 2 Heilig sei uns diese 401 Herr, aller Weisheit 2⁴49 Herr, deine Allmacht 44 ö 533 IJ. Ich bin getauft nach 187 Ich dank' dir, Gott 408 Ich lobe dich und preise 49 Herr, deine Kirche danket 512 Ich weiß, an wen ich 130 Herr, der du alles gibst 279 Ich weiß, an wen mein 126 Herr, der du sterbend 336 Ich will dem Herrn zu 472 Herr, dir gelob' ich neue 171 Ich will in stiller 390 Herr, dies Kind ist dir 189 Ich will nicht vor dir 431 Herr, du erforschest mich 48 Ich will zu dir mein 199 198 530 185 410 du wollest uns es ist von meinem höre mein Gebet laß mich stets die Herr, Herr, Herr, Herr, Herr, Herr, Herr, Herr, Herr, Herrlich ist's in deinem stärke mich, dein 87 unser Gott, dich 379 unser Hort, dein 124 wir singen deiner 70 158 lehr' uns bei dem 525 Herrscher, dir, der mächtig 382 Heute, wahrlich! ja noch 96 Hier bin ich, Herr, mein 504 Hier bin ich, Jesu, zu 205 Hier steh' ich unter 533 Hilf, o Jesu, laß gelingen Hin an dein Kreuz zu 94 Hoch über Erd' und 445 Hochbegnadigt von dem 144 Höchster Tröster, komm' 152 Höher hebt sich Gottes 500 540 Jeh Jeh Jesu, Jesr Jes Jes ovah, dir, dem König 378 ovah, Jehovah 226 ‚ meine Freude 132 meiner Seele Licht 90 im ewig zu verehren 134 us ist gekommen 72 Jesus kommt, von allem 440 Jesus lebt, mit ihm auch 105 Jesus, meine Zuversicht 110 Ihm, dem Todesüberw. 112 Ihr Bürger eines Staates 373 E E Ihr Kinder, laßt uns 256 Ihr Thränen, fließet 385 Im Herrscher, der, o Gott 384 Im Menschen, welchem 301 Im stillen wollen wir 365 In allen meinen Thaten 238 In deiner Stärke freue 381 In Dunkel hüllt der 470 In Glück und Unglück 183 Ist's Gott, der das 271 U 534 Register. Kehr', Sünder, um 172 Kein Lehrer ist dir 12⁵ Komm' betend oft und 182 Komm', komm', du Licht 553 Komm', o komm', du 149 Komm', o schmerzlich süße 194 Könnt' ich in Angst und 180 L. Laß, Höchster, unsre 374 Laß mich den Aberglauben 283 Laß mich des Menschen 1 Laß mich doch nicht, o 273 Laß mich, Gott, Brüder 332 Laß mich, o Gott 272 Laß mir die Feier deiner 88 Laß, o Gott, mich eifrig 324 — Laß 5 Jasu mich 346 Laßt das Vollendungsfest 116 Laßt mich weinen, ach 485 Laßt uns unserm Gott 77 Lieblich ist es, wenn der 306 Liebreicher Gott, dein 547 Liebster Jesu, wir sind 214 Lob', Ehr' und Preis 215 Lobe den Herren, den 227 Lobsinge, Mensch, lobsinge 3 Lobsinget Gott! Dank 38 Lobt den Höchsten! Jesus 104 Lobt Gott in semeit 191 Löst der Tod die sanften 496 2 Mich 2Mir nach! M. Mache dich, mein Geist 175⁵ Mein eignes Leben nicht 341 Mein erst Geschäft sei 518 Mein Geist, o Gott 439 Mein Glaub' ist meines 248 Mein Gott, ich weiß 421 Mein Gott, nach deinem 317 Mein Jesus ist mein 426 Mein Leben ist ein 42⁰ Mein Leib soll, Gott 265 Mein Vötertantd das 372 Meine Lebenszeit 419 Meinen Jesum laß ich 138 Meines Herzens reinste 139 23— muß ich 290 spricht 141 Mit des Herzens reinsten 131 Mit diesem Tage geht 509 Mit Freuden laßt uns 501 Mit heil'gem Schauer 19 Mit kindlich frommer 404 Mit mildem Segen sinket 468 Mit Riesenschritten naht 508 Mit welchem Dank, o 462 Mit welcher Langmut 56 22 N. Nach einer Prüfung 438 Nach Gottes weisheitsv. 409 Nach meiner Seele 288 Nach Ruh' und Eintracht 333 DNDSC — — r rtte“— Register. 535⁵5 Nach tausend Todesleiden 97 O, welch ein unschätzbares 293 Nahet anbetend dem 452 O Welt, sieh' hier dein 95 Naht mit Andacht im 204. O, wie sanft ist, Herr 68 Neu verjüngt im 560 O, wie Annheserochlih 442 Nicht, daß ich's schon 291 Oeffentlich in der Gemeine 207 Nicht mürrisch, finster 327 Oft blüht ein Frevler auf 35 Nicht um ein flüchtig 150 Oft klagt mein 255 wie 212 Nichts ist von ungefähr 32 Nie will ich dem 1 339 ö Nimm, Höchster, als- 167 Noch immer wehich 537 Preis Dein Todesuberw. 107 Noch nie hast du dein 62 1. dir, du hast aus 208 Noch siehst du nien 159 Preist, Christen, mit 552 Noch sing' ich hier aus 216 Preis, Menschen, preist 23 Nun danket a le, bringet 224 Preist, Völker, die ihr 154 Nun danket alle Gott 223 Preist, Völker, unsern 463 Nun geh'n wir hin im 221 Nun ist es alles wohl 98 Q. Nun ruhet in den Wäldern 527 Nun, so naht dem 197 Quell der Weisheit und 257 Quelle der Vollkommenh. 231 R. O, daß doch bei der 549 ö O du, der bis zum Tode 201 Religion, von Gott 9 4 O Geber guter Gaben 259 Richte nicht mit Hohn 335 O Geist, den Jesu Liebe 146 O Golgatha, zu deinen 101 5. O Gott, du bist der 506 O Gott, ein banges 450 Säe deine Thränensant 246 O Gott, welch' tiefe 494 Säh' ich der Dinge 210 8 3 O heil'ger Geist, kehr O stimm' auch du mit O, welch ein Segen ist 147 Sammelt euch, o Christen, 2 79 Schmerz und Klage füllt 368 Schnell fließen Jahr' auf 465 507 So gib denn, fromme 48! 536 Register. Schon frühe sind wir 363 Triumph, Triumph und 106 Schon ist der Tag von 435 Trocknet eures Jammers 495 Schon seh' ich den Tag 434 Tugend, o wie schön bist 210. Schon weicht die finstre 397 Schön ist die Tugend 209 Schön ist Gottes Erde 414 Schuf mich Gott für 6 Schwingt, heiligeGedanken 37 Seh'n wir nur Trübsal 455 Seinem eignen Herzen 69 Selig sind des Himmels 443 Sei heilig mir, Versch. 326 Sei zufrieden, mein 276 Seid barmherzig 321 Sie starb, ach! starb mir 486 Siegreich stand mein 111 Singt, Menschen, ihm 133 Sink' ich einst in jenen 529 So jemand spricht: Ich 303 So schlummerst du in 99 Soll dein verderbtes Herz 13 Sollt' ich den beneiden 311 Sollt' ich jetzt noch, da 142 Sollt' ich meinem Gott 228 Sollten Menschen, meine 305 * Ueber aller Himmel 115 Umsonst, umsonst verhüllst 47 Unendlicher, den keine 40 Unerforschlich sei mir 50 Unser Gott ist groß und 42 Unsre ganze Seele fühle 406. Unsterblichkeit! Gedanke 7 Unwiederbringlich schnell 515. v. Vater, der so gern verzeiht 170 Verbitt're dir dein Leben 340 Vernimm für deinen 534 Vernimm, o Gott, das 314 Vernimm, o Gott, mein 165 Versammelt, Brüder 380. Vertrauen ist des 234 Vollendet freudig euern 117 Still lächelnd, wie ein 543 Vom Todesthal hinauf 108 Von der Erd' emporg. 200 C. Von des Vaters ew gem 7 5 Von dir auf diese Welt 331 Täglich naht Versuchung 163 Teuer sei mir allezeit 11 Teuer, wie mein eignes 342 Von dir, der meine 348/ Von dir, du Gott der 358. Von dir, Gott, sind der 357 Teures Wort aus Gottes 10 Von dir, o Höchster 299 IINI N IN———- SS S 9 Register. 537 Von Frost und Kälte 474 Von Furcht dahingerissen 93 Von Gott will ich nicht 247 Vorbild wahrer 86 Vor dir, der Welten 383 Vor dir, Herr, denken 558 Vor dir verklagt uns 169 Vor Gott sind keine 174 W. Wach' auf, mein Herz 520 Wachet auf! so ruft die 429 Wann einst mein sterbend 424 Wann heiße Thränen 178 Wann ich einst von 517 Warm schlägt mein 202 Warum willst du doch 244 Warum wohnt dies 298 Was der große Vater 71 Was Gott erschuf, was 26 Was Gott thut, das ist 236 Was hilft es mir, ein 128 Was in mir forscht, was 282 Was ist mein zeitlich 261 Was soll ich ängstlich 242 Was sorgst du ängstlich 427 Weit um mich her ist 541 Weit werter noch als 277 Welch ein wichtiges 361 Welch hohes Vorrecht 184 Wem Gott Gesundheit 263 Wenn Christus seine 121 Wenn dich in dunkeln 31 Wenn du des Nächsten 343 Wenn du, mein Gott 173 Wenn Geschwister fromm 364 Wenn ich auf Gottes 436 Wenn ich ein gut 294 Wenn ich, o Schöpfer 17 Wenn jemals Zweifel 284 Wenn jemand Gutes 329 Wenn Menschenhilfe dir 237 Wenn Menschen streben 330 Wenn oft in feierlicher 437 Wenn, trotzend dem 433 Wer ärgert der Geringsten 349 Wer arm und dürftig ist 391 Wer bin ich? Welche 285 Wer der Erde Güter 319 Wer gehorcht, der thu's 377 Wer Gottes Wort nicht 129 Wer herrschet und ein 376 Wer ist dir gleich, du 36 Wer ist gut wie du 140 Wer mißt und zählt der 18 Wer nur den lieben 241 Wer sich mit Ernst der 392 Wer weiß, wann wir im 353 Wie bebt vor dir der 60 Wie des Lebens Freuden 300 Wie fleucht dahin der 415 Wie gnädig ist des 47¹ Wie Gott mich führet 235 Wie groß ist des 51 Wie groß, o Herr 103 Wie herrlich, Jesu, starker 113 538 Wie könnt' ich zweifeln 15 Wie leuchtet uns der 74 Wie lieblich ist, o Herr 217 Wie mancher lebt, als 297 Wie mannigfaltig sind 264 Wie pocht das Herz 193 Wie rauscht in unsern 449 Wie reich, o Schöpfer 407 Wie schwach ist meine 292 Wie segensvoll ist 369 Wie selig bin ich, wenn 64 Wie selig lebt der 328 Wie sicher lebt ein Mensch 413 Wie soll ich dich 81 Wie wichtig ist doch der 2 Wie wird mir dann, o 422 Wie wohl ist mir, o 136 Wie wohl ist mir, wenn 309 Wiederseh'n!— Wenn 432 Wiederum ein Jahr 505 Wiederum ein Jahr 510 Willkommen, holdes Kind 451 Willst du die Buße noch 176 Zu Gott schwingt unser Zur Arbeit, nicht zum Register. Wir danken freudig dir 524 Wir denken, Gott, der 498 Wir haben das Gesetz 177 Wir kommen, Helfer 464 Wir sind, o Herr, in 528 Wir sind, wenn es die 387 Wo eilt ihr hin, ihr 355 Wo sind die Weisen, die 46 Wohl dem, der bessre 274 Wohl dem, der Christo 396 Wohl dem, der richtig 323 Wohlzuthun und mitzut. 318 Wort, von Gott gegeben 157 3. 220 428 270 295 269 360 Zeige dich uns ohne Zum Fleiße ward das Zum Trost in allen Zur Bildung hat uns S KxMÆM..K Ein' felte Burg ilt unler Gott eic. Mel: Wenn Christus seine Kirche schützt ꝛc. I. Ein' feste Burg ist unser Gott, Ein' gute Wehr und UWaffen: Er hilft uns frei aus aller Hot, Die uns jetzt hat be⸗ troffen. Der alt böse Feind, Mit Ernst er es meint: Gross Macht und viel List, Sein grausam Rüstung ist; auf Erd' ist nicht seins Gleichen. 2. Mit uns'rer Macht ist nichts gethan, Wir sind ja bald verloren: Es streit für uns der rechte Mann, Den Gott selbst hat erkoren; Fragst du, wer der ist? Er heisst Jesus Phrisi. Der herr Zebaoth, Und ist kein andrer Gott, Das Feld muss er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Ceukel wär, Und wollt uns gar berschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr; Es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Uelt, Uie sauer er sich stellt, chut er uns doch nicht. Das macht er ist gericht, Ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stah'n, Und kein Dank dazu haben. Er ist bei uns wohl auf dem blan Mit seinem Geist und Gaben. hehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind ung Weib: Lass fahren dahin, Sie haben's kein Gewinn: Das Reich muss uns doch bleiben! Verlag J. Schäffer, Grünstadt. 2 2* ö E N N NEN 2 6 SSSIS. 8 SSS SNO ½ II* E EEEE IEEE ᷓSꝗSSPSPSPSPSPPPPPPPIPIIIIPPPPIIIPPPPPPPRRNRRR 0 *⁵⁰