GENERNXTIONES Gegrüässet seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir.(Luc. 1.28.) BENZIGRR C. 5III scπνπ. Jesus an die Jungfrau. ——.4.— Unterrichts- und Gebetbuch für katholische Jungfrauen. Mlit bischöflicher Druckbewilligung. 30. Aufiage. Berlagsanstalt Benziger& Co. R. G. Cypographen des hl. Apostol. Stuhles, Einsiedeln, Waldshut, Lrölma /Rh. new-Nork, Cineinnati, Chicago, bei Benziger Brothers. FADRIMATUR. —*— Curiœ, die 8. Decembris 1908. Joannes Fidelis, Epp. Cuwvien. U de Dr. Joannes M. Ruoss, Libr. Cens. er T ge ko: —. die ö Alle Lechte und Uebersehungerechte vorbehalten. der Unn Siol. Glessen Vorwort. hristliche Jungfrau! Unsere Mutter, die heilige katholische Kirche, welche alle ihre Kinder in Liebe umfaßt und zärtlich besorgt ist, allen zur ewigen Seligkeit zu verhelfen, empfiehlt und pflegt einen Stand, der so erhaben ist, daß Jesus Christus, die ewige Weisheit, sagte:„Nicht alle Menschen vermögen ihn zu fassen, sondern nur jene, denen es von oben gegeben ist,“ und dieser erhabene Stand ist der jungfräuliche Stand. Die jungfräuliche Reinigkeit ist jene Tugend, welche vom Sohne Gottes so sehr geliebt wird, daß Er nur aus der voll— kommensten und heiligsten Jungfrau Maria die menschliche Natur annehmen wollte, nur den durch jungfränliche Reinigkeit ausge⸗ IV Vorwort. zeichneten Apostel Johannes zu seinem Liebes— jünger erwählte, ihn allein bei dem heiligsten Liebesmahl an seiner Brust ruhen ließ und ihm seine jungfräuliche Mutter zeitlebens zur kindlichen Pflege übergab. Die Jung— fräulichkeit ist also die geliebteste Tugend unsers Herrn und Heilandes Jesu, die glän— zendste Tugend der Mutter Jesu, die ver— dienstlichste Tugend des Liebes-Jüngers Jesu. Es muß zwar diese Tugend anhaltende und schwere Prüfungen bestehen, viele Ver— folgungen und Hindernisse besiegen, und Worte können den schrecklichen Kampf nicht beschreiben, den diese Perle unter den christ— lichen Tugenden auszukämpfen hat, aber welche Krone der Vergeltung, welch unver— gleichliche Wonne ist einer jungfräulichen Seele verheißen! Freuden, die alle Glück— seligkeit der Seligen übertreffen, Ehren, die ihr besonders eigen sind.„Sie werden,“ sagt der hl. Johannes, der Lieblingsjünger, welcher aus dem Herzen Jesu alle Kenntnis seiner Geheimnisse schöpft,„sie werden ein neues Lied singen.“ Ein neues Lied, nicht jenes, welches die ganze Erde, die Schar Vorwort. V der Auserwählten ihm anstimmen wird; son— dern ein anderes Lied, wie es kein anderer Chor der Seligen zu singen vermag— Irdische, wenn auch noch so reine heilige Liebe, sie ist nur ein mattes, bald erlöschendes Flämmchen gegen jene Himmelsglut, die Jesus Christus in reinen Seelen entzündet; die irdischen Freuden, sie müssen mit Schmerz erkauft werden und werden nur zu oft durch Jammer und Trübsale aller Art getrübt; aber die Freuden einer jungfräulichen Seele, die Tröstungen, die sie empfindet, die Auf⸗ opferung, mit der sie sich hingiebt, die Un— geteiltheit, mit der sie sich dem Himmel weihen kann, weil kein irdisches Verhältnis die Hälfte ihres Herzens im Besitz hat, alle diese Vorzüge und Gnaden des jungfräu⸗ lichen Lebens, sie entströmen der reinsten, von keinem irdischen Zusatze getrübten Quelle; die Liebe zu Jesus ist der Gegenstand aller Wün— sche, die Quelle aller Freuden, das Ende alles Strebens, der Trost in allen Leiden.— Der Zweck des vorliegenden Buches ist: Diese Tugend der Unschuld und Reinigkeit in den Herzen der christlichen Jungfrauen VI Vorwort. zu erhalten und sie mit Hochschätzung und Liebe für ihren hl. Stand zu erfüllen. Dasselbe handelt in seinem ersten Teile von der Würde und den Vorzügen des jung— fräulichen Standes und von den Haupt— mitteln, die jungfräuliche Reinigkeit unver— sehrt zu bewahren. Der zweite Teil des Buches bildet ein vollständiges Gebetbuch für christliche Jungfrauen zum Gebrauche beim häuslichen und öffentlichen Gottesdienste. Der Inhalt des ganzen Buches ist größ⸗— tenteils den Schriften des heil. Alphons M. v. Liguori entnommen, ganz neu be— arbeitet und beträchtlich vermehrt worden, und der Verfasser hofft, es werde in dieser neuen Gestalt allen katholischen Jungfrauen eine willkommene Gabe sein. Erster Teil. Anterrichtsbuch für satfiolische Jungfrauen. E 7˙ O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Cugendglanze; denn unsterblich ist sein Andenken, und bei Gott und bei Menschen ist es anerkannt.(Weish. 4, 1.) Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschauen. (Matth. 5, 8) Erster Abschnitt. Bom jungkräulichen Stande überhaupt. — — 1. Die kirchliche Lehre vom jungfräulichen Stande. NQu sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Gemüte; dies ist das größte und das erste Gebot.“ (Matth. 22, 37. 38.) Gott über alles lieben hienieden und jen⸗ seits, das ist die Aufgabe aller Menschen. In der Liebe zu Gott aber giebt es unzählige Grade. Den höchsten Grad der Liebe Gottes üben die— jenigen, die ihr Herz Ihm ganz und ungeteilt hingeben, 101 10 Erster Abschnitt. die gleich den Engeln des Himmels nur für Gott leben, nur Ihm allein angehören wollen. Das sind vorzüglich jene aus-— erwählten Seelen, die aus Liebe zu Gott im jungfräulichen Stande leben und das Wort des heiligen Apostels Paulus befolgen: „Der Unverehelichte sorgt nur für das, was des Herrn ist, wie er Gott gefallen möge.“(I. Kor. 7, 32.) Das soll auch der einzige Grund für ein jungfräuliches Leben sein, die ungeteilte Liebe und Hingabe an Gott. In der Ehe giebt es gar viele Hindernisse dieser ungeteilten Hingabe; denn der Apostel sagt: „Wer einem Manne angehört, sorgt für das, was der Welt ist, wie sie dem Manne gefallen möge; die Jungfrau aber ist auf das bedacht, was des Herrn ist, damit sie an Leib und Geist heilig sei.“(IL.Kor. 7,33. 34.) Das ist denn auch der Grund, warum der Apostel lehrt, es sei besser, ledig bleiben als heiraten, der Grund, daß das jung— fräuliche Leben höher steht als der Ehestand. Jeder Stand, von Gott angeordnet, ist gut, so auch der Ehestand, und wer sich dazu rir Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 11 berufen fühlt, kann darin vollkommen und heilig werden; aber das Höchste, das Gott Wohlgefälligste im christlichen Leben ist doch der jungfräuliche Stand, wenn er aus Liebe zu Gott gewählt und gewissenhaft gehalten wird. Reine Jungfrauen sind den Engeln am meisten ähnlich: sie wissen und wünschen nichts anderes, als sich ganz dem lieben Gott zu weihen und in diesem gottgeweihten Leben standhaft zu verharren. Mit Recht sind solche Seelen von Gott bevorzugt hier und dort, und mit Recht betrachtet sie die Kirche als den schönsten Schmuck im Garten Gottes:„Wer es fassen kann, der fasse es.“(Matth. 19, 12.) Dem Jüngling, welcher den Heiland fragte: „Meister, was muß ich Gutes thun, daß ich das ewige Leben erlange?“ gab Jesus eine Antwort, die für alle gilt:„Willst du zum Leben eingehen, so halte die Ge— bote.“ Was Er noch weiter hinzufügte, gilt nur für Einzelne:„Willst du voll— kommen sein, so verlaß alles, und komm' und folge Mir nach.“(Maitth. 19, 16. 17. 21.) Das thut die christliche Jungfrau, die nur 12 Erster Abschnitt. Gott und Tugend sucht. Ihr gilt das Wort des Heilandes:„Maria hat den besten Teil erwählt.“(Luk. 10, 42.) Fügen wir dieser Lehre Christi und der Apostel nur einige Aussprüche der heiligen Kirchen— väter und der Kirche bei, die ganz das Gleiche lehren. „Die Jungfrauschaft ist besser als 1 Ehestand,“ sagt der hl. Chrysostomus, 1 übertrifft den Ehestand um so viel, 2 die Engel den Menschen übertreffen.“„Die Ehen“, sagt der hl. Hieronymus,„bevöl⸗ kern die Erde, die Jungfrauschaft das Pa— radies.“ Der hl. Ambrosius, welcher drei herrliche Bücher über den jungfräulichen Stand verfaßte, lehrt:„Die Schönheit und der Glanz der Jungfräulichkeit ist so groß und herrlich, daß der menschliche Ver— siand dieselbe nicht fassen und begreifen kann.“ Der hl. Augustinus ruft aus: „Die jungfräuliche Reinigkeit ist himmli— scher Natur, sie ist das Vorbild des Zu— standes der Seligen.“ Der hl. Bernard sagt:„Die Jungfrauen sind auf ganz be— sondere Weise die Bräute des Herrn und àan un. er Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 13 folgen dem Lamme, wohin es geht: hier den Einsprechungen der Gnade und im Himmel zu den unermeßlichen Freuden, die ihnen Gott vor den übrigen Auserwählten bereitet hat.“ In diesem Sinne lauten auch die Aussprüche der Kirche in ihren Kon— zilien; so sagt die Kirchenversammlung von Trient:„Es ist verwerflich zu sagen, der jungfräuliche Stand sei nicht besser und gottseliger als der Ehestand.“ 2. Die Vorbilder des jungfräulichen Standes. Im Christentum sind Lehre und Bei— spiel immer beisammen. Was der Heiland lehrte, das übte Er auch, und durch alle Zeiten gab es Millionen von Christen, die durch ihr Leben den Glauben der Kirche verherrlichet haben. Diese hl. Beispiele und Vorbilder sind die lebendige Lehre der Kirche, die mehr als Worte überzeugen und zur Nachahmung bewegen. Auch der jungfräuliche Stand hat eine herrliche Geschichte. Sie führt uns in allen Jahrhunderten die schönsten Vorbilder vor 14 Erster Abschnitt. Augen und widerlegt am schlagendsten die blinden Vorurteile der Welt und ihre Ein— würfe gegen das jungfräuliche Leben. Alle jene heiligen Personen, die Gott auser⸗ wählte, beim großen Werk der Erlösung mit⸗— zuwirken, lebten im jungfräulichen Stande, so Maria, das erste und schönste Vorbild der Jungfräulichkeit, so der große Vorläufer Johannes, so der Nährvater Joseph, so der Liebesjünger Jesu und der hl. Apostel Paulus. Auch die übrigen Apostel, die vor ihrer Berufung schon verehelicht waren, enthielten sich von nun an des ehelichen Lebens, um sich ungeteilt der großen Sache des Evangeliums hinzugeben. Dieser Geist der Apostel lebt in der katholischen Kirche immer noch fort; deshalb leben die Priester der Kirche im jungfräulichen Stande und wählen den Herrn und seine Sache zu ihrem Erbteil und Lebensberufe. Doch wir wollen nur die Vorbilder aus dem weiblichen Geschlechte etwas näher be— trachten und in ganz kurzen Zügen die Geschichte des jungfräulichen Lebens über⸗ schauen. An der Spitze aller gottgeweihten =— Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 15 Jungfrauen steht die reinste Jungfrau Maria, und um sie gruppieren sich schon zu ihren Lebzeiten zahlreiche heilige Jung— frauen. Viele sind nur im Buche des Lebens aufgezeichnet, doch auch die hl. Geschichte führt mehrere aus der Zeit der Apostel an: Wie Maria, so lebten auch im jungfräu— lichen Stande die hl. Thekla, eine Schülerin des großen Völkerapostels Paulus, die hl. Petronilla und ihre Freundin Fe— likula, die hl. Domitilla, Euphro— sina und Theodora, ferner die zwei Töchter des Diakons Philippus, Eutyche und Hermione, von denen die letztere zu Ephesus gemartert wurde. Beide kamen miteinander nach Ephesus, um die seligste Jungfrau Maria zu besuchen, die dort bei dem heiligen Apostel Johannes wohnte. Die hl. Iphigenia war eine Königstochter in Aethiopien und wurde vom heiligen Apostel Matthäus zum Christentum bekehrt, worauf sie sich ganz dem Dienste Gottes weihte und mit mehr als zweihundert gleich⸗ gesinnten Jungfrauen gemeinsam lebte. Die erste große Christenverfolgung, un⸗ 16 Erster Abschnitt. ter Kaiser Nero, begann 30 Jahre nach dem Tode Jesu oder im Jahre 64 nach seiner gnadenreichen Geburt. Schon vor— her wurden einzelne Christen gemartert, aber da begann die Hölle im Verein mit den schlechtesten Menschen alle Wut und Grausamkeit zu üben gegen die unschuldigen und wehrlosen Christen, und weder Alter noch Geschlecht wurde geschont. Unter den vielen Millionen Blutzeugen, die während drei Jahrhunderten gemartert wurden, sind auch unzählig viele Jungfrauen, und mit Staunen und Bewunderung sehen wir in diesen zarten Jungfrauen den größten Helden⸗ mut, womit sie wunderbar kämpften und siegten für Bewahrung des Glaubens und der jungfräulichen Unversehrtheit. Es ist hier nicht Raum genug, diese herrlichen Kämpfe und Beispiele eingehend zu erzählen, du findest sie in allen Legenden, und willst du, christliche Jungfrau! dich erbauen und stärken, willst du die Hochachtung und Liebe mehren für den jungfräulichen Stand, so gehe recht oft zu diesen heiligen Jungfrauen in die Schule, gehe in diesen herrlichen 2——— —— 52909— Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 17 Garten Gottes, wo die schönsten Rosen der Gottesliebe und die reinsten Lilien der Un— schuld bei einander blühen. Gleichsam als Mittelpunkt und die herr⸗ lichste Abteilung im Garten Gottes zeigt sich Rom, wo so viele Heilige lebten und Millionen den heldenmütigen Kampf des Martertums siegreich bestanden. Dort lebten auch drei Schwestern, man nannte sie nach den drei göttlichen Tugenden: Fides, Spes, Charitas,— Glaube, Hoffnung, Liebe. Diese drei Tugenden übten sie auch im höchsten Grade, lebten ein frommes, jung⸗ fräuliches Leben und wurden im Jahre 120 in der Verfolgung des Kaisers Hadrian gemartert. Ihnen folgten die hl. Jung- frauen Valeria, Pudentiana und ihre Schwester Praxedis. Aus dem folgenden Jahrhundert hat uns die Geschichte eine sehr große Menge heiliger Jungfrauen aufgezeichnet, und ihre Lebensgeschichte gehört zu dem Schönsten und Rührendsten, was wir lesen können. Wir wollen nur einige erwähnen. Die heilige Martina war eine Jesus a. d. Jungfrau. 2 18 Erster Abschnitt. durch Adel, Reichtum und Tugend aus⸗ gezeichnete Römerin. Man wollte sie zwin⸗ gen, dem christlichen Glauben abzuschwören und den Götzen zu opfern. Sie blieb stand— haft, trotzdem man sie schlug und mit eisernen Haken zerfleischte. Sie wurde den wilden Tieren vorgeworfen, aber diese thaten ihr nichts zuleide, sondern schmeichelten ihr. Man warf sie dann in einen brennenden Scheiterhaufen, doch auch da blieb sie un— versehrt; endlich wurde die edle Jungfrau enthauptet im Jahre 226. Die heilige Cäcilia lebte zu gleicher Zeit und stammte ebenfalls aus einem sehr edlen römischen Geschlechte. Die Welt mit ihrem Prunk und ihrer lockenden Aussicht blendete sie nicht; sie weihte sich von Ju— gend auf der Tugend und dem frommen jungfräulichen Leben. Ein Engel, der ihr sichtbar war, weilte stets an der Seite ihrer Unschuld. Sie starb als Martyrin im Jahre 230. Die heilige Barbara war die ein— zige Tochter eines reichen Heiden, mit Namen Dioskorus. Sie wurde christlich Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 19 und lebte in stiller Einsamkeit ein heiliges Leben. Als der Vater sah, daß sie vor dem Kreuze knie und Christin sei, behan— delte er sie aufs grausamste, und während sie das heilige Kreuz umklammerte, hieb ihr der eigene Vater das Haupt ab, wurde aber an der gleichen Stelle vom Blitze er— schlagen. Die heilige Jungfrau starb im Jahre 235. Die heilige Jungfrau Apollonia wurde im Jahre 249 zu Alexandrien in Aegypten gemartert— Die heilige Viktoria, geboren zu Tivoli bei Rom, war gleich ausgezeichnet durch blühende Schönheit, wie durch ihre fromme heilige Gesinnung. Sie sollte einen edlen heidnischen Jüngling heiraten, mit Namen Eugenius; allein sie wollte eine reine Braut Christi bleiben, und trotz aller Versprechungen und Drohungen blieb sie dem jungfräulichen Leben getreu und stärkte auch andere Jungfrauen zur Beharrlichkeit. Gott zeigte an ihr sein besonderes Wohl— gefallen und erteilte ihr die Gabe der Wunder. Der grausame Kaiser Dezius 20 Erster Abschnitt. ließ sie martern am 23. Dezember des Jahres 250. Die heilige Agatha stammte aus einer berühmten Familie auf der Insel Sizilien und hatte sich von Jugend auf Gott geweiht. Siegreich bestand sie die größ— ten Stürme für die Erhaltungihrer jungfräu— lichen Reinigkeit und erlangte unter dem Kaiser Dezius die Marterrrone im Jahre 251. Die heilige Susanna starb den Martertod im Jahre 295. Sie war durch vorzügliche Schönheit an Körper und Geist ausgezeichnet, so daß selbst der Kaiser Diokletian sie für seinen Adoptivsohn zur Gemahlin begehrte. Sie aber erklärte, daß sie das Gelübde ewiger Keuschheit gemacht habe und stets Jungfrau bleiben werde— Der erbitterte Kaiser versuchte alles, um sie wankend zu machen, allein vergebens. Deshalb ließ er ihr nach schrecklicher Miß— handlung endlich das Haupt abschlagen. Beim Beginne des vierten Jahrhunderts blühte eine der herrlichsten Lilien: die heilige Jungfrau und Martyrin Agnes, die einzige Tochter aus einer der reichsten und Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 21 vornehmsten Familien Roms. Der Sohn des Stadtpräfekten sah sie in ihrem 13. Jahre aus der Schule nach Hause gehen, und von ihrer Anmut und Schönheit hin— gerissen, versuchte er alles, um ihre Hand zu gewinnen. Allein schon als Kind hatte sie das Gelübde gemacht, jungfräulich zu bleiben, und in zarter, kindlicher Unschuld lebte sie ganz nur für Jesus, ihren gött⸗ lichen Bräutigam. Ihr lilienweißes Ge— wand wurde nur mit ihrem hl. Martyrer— blute gefärbt, das sie im Amphitheater zu Rom vergoß, in Gegenwart des grausamen Kaisers Diokletian und einer unzählbaren Menge Volkes, im Jahre 304. Gleichzeitig litt die heilige Jung— frau Lucia. in der Stadt Syrakus den Martertod. Sie war die einzige Tochter sehr vornehmer und reicher Eltern. Ihr Vater und die Mutter wünschten sehr, sie möchte sich vermählen; allein sie hatte Gott schon früh gelobt, nur Ihm zu dienen und ein jungfräuliches Leben zu führen. Ein Wunder war die Ursache, daß sie dieses Gelübde halten konnte, ohne die Eltern zu 2² Erster Abschnitt. beleidigen. Gott ließ es nämlich zu, daß ihre Mutter Eutychia krank wurde und keine Hoffnung auf Wiedergenesung haben konnte. Da sprach Lucia zu ihr:„Komm', wir wollen eine Wallfahrt machen zu dem Grabe der hl. Agatha, um durch ihre Fürbitte deine Gesundheit zu erlangen.“ Am Grabe der hl. Agatha wurde die Mutter plötzlich gesund und gestattete nun ihrer Tochter gerne, im jungfräulichen Stande zu leben und ihrem Streben nach Vollkommenheit nachzukommen.— Die heilige Lucia nahm sich besonders der Armen an und teilte ihnen nach und nach ihr ganzes Vermögen aus. Endlich wurde sie verklagt, daß sie eine Christin sei, wurde wegen ihrer Stand— haftigkeit schrecklich mißhandelt, und der Richter wollte sie zu ihrer größten Pein in ein schlechtes Haus bringen lassen. Doch der liebe Gott half ihr, niemand konnte sie von der Stelle wegbringen, sie stand fest wie ein Fels. Man legte Feuer um sie an, und auch mitten in den Flammen blieb sie unversehrt; endlich, von einem Schwerte durchbohrt, starb sie starkmütig Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 23 für Christus ihren schönen Heldentod im Jahre 304. Die heilige Jungfrau Juliana war die Tochter des noch heidnischen Afrikanus zu Nikomedia. In aller Stille weihte sie sich dem reinen, christlichen Leben und hing ihrem Heilande mit unerschütter⸗ licher Treue an. Deshalb mußte sie sehr harte Marter erdulden und wurde um das Jahr 304 enthauptet. Die heilige Katharina zeichnete sich außer durch ihre Schönheit besonders durch große Weisheit aus, weshalb sie die Pa— tronin der Philosophen ist. Durch ihre weisen Reden beschämte sie den grausamen Kaiser Maximin und besiegte ihn auch durch ihre bewunderungswürdige Geduld beim Martertum. Sie wurde auf ein Rad geflochten, das mit tiefschneidenden Eisen beschlagen war; allein auf ihr Gebet zer— brach das Rad. Deshalb wurde sie am 25. November 307 enthauptet. Im Jahre 313 unter dem großen Kaiser Konstantin hörten die Verfolgungen auf, aber die Liebe zum jungfräulichen 2⁴4 Erster Abschnitt. Leben dauerte fort; ja selbst eine Tochter des Kaisers, die heilige Konstantia, wählte den jungfräulichen Stand. Sie hatte am Grabe der heiligen Agnes in einer gefährlichen Krankheit die Genesung erlangt; deshalb ließ sie über diesem Grabe eine Kirche und Wohnung bauen, wo sie mit frommen Jungfrauen gemeinsam ein gott— geweihtes Leben führte und in großer Heiligkeit verschied. Auch die Tochter des oströmischen Kai— sers Arkadius, die heilige Pulcheria, widmete sich dem jungfräulichen Leben und starb gottselig im Jahre 453. Die heilige Jungfrau Genovefa ist die Patronin der Stadt Paris. Sie. wurde im Jahre 422 geboren und von ihren Eltern sehr fromm und christlich er⸗ zogen. In ihrem 16. Jahre legte sie öffentlich das Gelübde ewiger Keuschheit ab und er— hielt aus den Händen des Bischofs von Paris bei diesem feierlichen Akte den Schleier. Von da an führte sie ein zurückgezogenes, strenges und heiliges Leben. Sie wurde 89 Jahre alt und starb am 3. Januar 512. Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 25 Dreimal rettete sie die Stadt Paris aus schrecklicher Not. Zuerst aus einer furcht— baren Hungersnot, sodann vor dem drohen— den Einfall des Hunnenkönigs Attila, der nur die„Geißel Gottes“ genannt wurde. Alles schrieb die Rettung der Stadt ihrem heiligen Gebete zu. Im Jahre 1129 wurde Paris von einer verheerenden Seuche heimgesucht. Man nannte sie nur das „heilige Feuer“, weil die Angesteckten durch ein im Innern brennendes Feuer aufge— rieben wurden. In dieser Not nahm alles Zuflucht zur heiligen Jungfrau Genovefa, der Stadtpatronin, und in großer, feierlicher Prozession zog man zu jener Kirche, wo ihre heiligen Ueberreste beigesetzt waren. Und siehe: alle Kranken erhielten plötzlich die Gesundheit, nur drei ausgenommen, und man nahm allgemein an, diese hätten kein Vertrauen auf die Fürbitte der Hei— ligen gehabt und seien deshalb auch nicht von ihrer Krankheit geheilt worden. Bei unserer kurzen Uebersicht der Ge⸗ schichte und Vorbilder des jungfräulichen Standes sind wir nun bis in das sechste 26 Erster Abschnitt. Jahrhundert gekommen. Da begann man Klöster und Ordensgenossenschaften zu er— richten. In den ersten Jahrhunderten lebten die meisten Jungfrauen im Kreise ihrer Familie oder bei edlentchristlichen Frauen. Ein Anfang von Frauenklöstern bestand darin, daß bei vielen größern Kirchen auch eine Wohnung für Jungfrauen angebaut war, wo sie gemeinsam unter der geistlichen Leitung des Bischofs wohnten, ein frommes, gottgeweihtes Leben führten und nebstdem auch für die Bedürfnisse der Kirche und der Armen sorgten. Viele reiche Jungfrauen und Witwen nahmen auch eine Anzahl frommer Jungfrauen zu sich und widmeten sich gemeinsam dem Dienste Gottes und der Armen. Daraus entstanden dann die eigent⸗ lichen Klöster, wie wir es aus der Geschichte der heiligen Paula und ihrer Tochter Eustochium sehen. Die heilige Paula war eine sehr reiche und vornehme Witwe zu Rom und erzog ihre Tochter von Jugend auf in aller Unschuld und Frömmigkeit. Früh schon lernte Eustochium die Welt mit ihren Freuden geringschätzen, kleidete sich sehr Une, 800l. GSsessen Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 27 einfach und machte das Gelübde, lebenslang in Jungfräulichkeit dem Herrn zu dienen. Sie schloß sich mit ihrer Mutter Paula und andern gleichgesinnten Seelen dem heiligen Hieronymus an, der um das Jahr 382 nach Rom kam und im Hause der heiligen Paula wohnte. Als Hieronymus nach Beth⸗ lehem ging und dort in einer Grotte als Einsiedler lebte, zogen auch Paula und Eu⸗ stochium nach Palästina und gründeten mit ihrem Vermögen vier Klöster in der Nähe der Geburtsstätte Jesu Christi, ein Männer⸗ kloster und drei Frauenklöster. Die Or— densregel für dieselben verfaßte der heilige Hieronymus und blieb stets ihr geistlicher Führer und Lehrer. Als Vorsteherin der Frauenklöster wählte er die heilige Eusto⸗ chium und er konnte ihren Eifer und ihr heiliges Leben nicht genug rühmen. Er hat für sie auch eine eigene Abhandlung verfaßt über die Jungfräulichkeit. Darin schildert der heilige Hieronymus zuerst die Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes, dann giebt er die Mittel an, um den kost⸗ baren Schatz der Jungfräulichkeit zu be⸗ 28 Erster Abschnitt. wahren. Diese Mittel nun sind die fol⸗ genden: Erstens eine aufrichtige Demut mit Furcht vor Gefahr; Zweitens Wachsamkeit über seine Sinne und mutiger Widerstand gegen den ersten Anfall der Versuchung; Drittens Mäßigkeit im Essen und Trinken, und Viertens Vermeidung alles dessen, was das Herz verweichlichen könnte. Im Jahre 419 starb die hl. Eustochium; Hieronymus schrieb darüber seinen Freunden Augustinus und Alipius und nennt sie in seinem Briefe eine„heilige und ehrwürdige Jungfrau.“ Im 5. und 6. Jahrhundert wurden schon viele Klöster erbaut, die bald mit frommen, gottgeweihten Jungfrauen bevöl— kert waren. Und so sehr sich auch diese Klöster mit der Zeit vermehrten, es waren doch niemals genug, um alle aufzunehmen, die sich nach diesem gottgeweihten Leben sehnten. So ist es bis auf den heutigen Tag. Von jeher und jetzt noch haben 2.—...33—.—„ʃ——— Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 29 die Klöster eine hohe Bedeutung für das menschliche Geschlecht: sie sind die vornehm— sten Stätten der Betrachtung, der Frömmig⸗ keit und des heiligen Lebens, sie sind die besten Erziehungsanstalten für die Jugend, in ihnen werden jene edlen Seelen gebildet, die sich den Kranken und Leidenden als wahre Engel des Trostes erweisen, selbst die Greuel des Schlachtfeldes scheut die barmherzige Schwester nicht, und in den fernen Missionen wirken gottbegeisterte Jung⸗ frauen segensreich mit an dem großen Werke der Heidenbekehrung. Die Klöster und Ordensgenossenschaften, von denen die Welt übersäet ist, sind der stete und lebendige Beweis, daß der jungfräuliche Stand einen herrlichen Platz einnimmt, und die christliche Geschichte sagt uns, daß er für das Wohl der Menschheit weitaus das meiste gewirkt hat. Könnte man Einsicht erhalten von dem vielen Guten, das in den Klöstern schon geschehen ist, von den Werken der größten Frömmigkeit, Unschuld und Gottesliebe: wahrlich, es müßte ein himmlischer Anblick 30 Erster Abschnitt. sein, all diese unzähligen Blumen und Früchte im Garten Gottes zu schauen. Denken wir nur an eine heilige Scho— lastika, Klara, Katharina v. Siena, Elisabeth, Franziska, Magdalena von Pazzis, Theresia und so viele andere, die als Sterne erster Größe am Himmel der Heiligen glänzen. Doch gab es auch von jeher fromme Jungfrauen, die sich außerhalb dem Kloster, oft mitten in der Welt, geheiliget haben. Allerdings ist es leichter, in einem Kloster ein gottgeweihtes Leben zu führen und voll— kommen zu werden, allein auch in der Welt ist das möglich, und die Geschichte nennt uns große Heilige, die als Vorbilder voran— leuchten für alle, und die gleichwohl im Verkehr mit der Welt leben mußten; wir wollen nur einige anführen. Die heilige Verena hat durch ihr heiliges Leben, durch ihre barmherzige Liebe und ihren Heldenmut besonders die Schweizer⸗ geschichte verherrlicht, und die Einsiedelei bei Solothurn, wo sie lange Zeit in einer Felsenhöhle wohnte, und ihre Zelle in Zur— —„ Coo- 3 2.r6„‚3Knln ———— 22——— ——— — Vom jungfräulichen Stande überhaupt. 31 zach, wo sie so gottgeweiht und heilig lebte und die Pflegerin der Armen und Kranken war, sind rühmlich bekannt bis auf den heutigen Tag. Ein ähnliches Leben führte die heilige Jungfrau Rosalia in Sizilien. Sie gehörte der königlichen Familie von Palermo an und war ausgezeichnet durch herrliche Geistesgaben und ungemeine körperliche Schönheit. Sie hätte das angenehmste Wohl— leben wählen können, allein sie wollte nicht der Welt, sondern Gott allein dienen. Während ihrer schönsten Jugendblüte ver— weilte sie stets in stiller Zurückgezogenheit, um da ihre Seele zu heiligen und unver⸗ sehrt zu bleiben vom Staube der Welt. Die heilige Christina heiligte sich in ihrem elterlichen Hause und trägt den Beinamen: die Wunderbare, weil sie ein abgetötetes Leben führte und von Gott mit sehr vielen Wundern verherrlicht wurde. Die heilige Jungfrau Lidwina ist besonders ein herrliches Vorbild bei langwierigen Leiden und Krankheiten; die heilige Armella das Vorbild bei Armut 3² Erster Abschnitt. und Dürftigkeit des Lebens; beide sind ein Beweis, daß es mit Hilfe Gottes möglich ist, auch in den schwersten Lebensverhältnissen im gottgeweihten, jungfräulichen Stande zu verharren und heilig zu werden. So sehen wir also heilige Jungfrauen und Vorbilder des jungfräulichen Standes zu allen Zeiten, in allen Ständen und Ver— hältnissen des Lebens. Die heilige Schrift sagt:„Der Geist teilt einem jeden zu, wie Er will“(I. Kor. 12, 11.); wo der rechte Geist von oben weht, da zeigt sich auch das entsprechende gottgeweihte Leben, und wo in diesem Leben Treue und Ausdauer herrscht, da entsteht die Vollkommenheit und Heiligkeit. Sweiter Abschnitt. en Bon den Borzügen u des jungkräulichen Btandes. s . I. Er ist der gottgefälligste Stand. J. Die innige Freundschaft Gottes mit der jungfräulichen Seele. Mer Zweck des jungfräu⸗ lichen Standes ist: Gott ganz und gar anzugehören, Ihm Leib und Seele zum Opfer darzubringen und Ihn unge⸗ teilt zu lieben. Wie könnte nun der liebe Gott anders, Eals einer solchen Seele ent⸗ gegenkommen, sie in seine hei⸗ lige Nähe ziehen und eine „innige Freundschaft mit ihr ./schließen? Diese schöne Freund⸗ schaft besteht darin: daß Gott Jesus 2. 2. Junqsrau. 34⁴ Zweiter Abschnitt. die jungfräuliche Seele im höchsten Grade liebt, ihr Gnade um Gnade spendet und sie recht reichlich verkosten läßt, wie süß es ist, dem Herrn zu dienen. Aus Liebe zu Gott bringt die Jungfrau manches Opfer: sie lebt zurückgezogen, sie meidet die Eitelkeit der Welt und ihre trügerischen Freuden, sie entsagt manchem geselligen Vergnügen, das für sie vielleicht großen Reiz und Annehmlichkeit hätte, aber mehr oder weniger dem Dienst Gottes Eintrag thäte. Solche Opfer und Entsagung läßt der liebe Gott nicht un— belohnt. Er sieht und kennt die edle Seele, die so großmütig kämpft und entsagt, die nur Ihn sucht und liebt, und gerne läßt Er sich finden und teilt sich in seiner ganzen Fülle mit, indem Er seine innigste Liebe und Freundschaft der jungfräulichen Seele zuwendet. Wie einst der liebe Gott die noch unschuldigen Menschen im Paradiese besuchte, so kommt Er auch in den von Christus gepflanzten Garten des jungfräu⸗ lichen Lebens, um seine Lieblinge, die Lilien, zu besuchen. Vorzüge des jungfräulichen Standes. 35 9. Die Auserwählung der jungfräulichen Seelen. Wie wohlgefãllig der jungfräuliche Stand in den Augen Gottes ist, sehen wir ferner daraus, daß Er ihm die größte Auszeich⸗ nung zu teil werden ließ. Eine reine Jungfrau mußte die Mutter Gottes sein und zwar mit einer so entschiedenen Ge— sinnung, daß sie lieber auf diese höchste Würde verzichtet hätte, als die Jungfräu⸗ lichkeit zu verlieren. Darum sprach Maria zum Engel:„Wie wird dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne(d. h. Jungfrau bin und gelobt habe, es zu bleiben)?“ Gott wirkte ein Wunder, daß sie als un⸗ entweihte Jungfrau die Mutter Gottes sein konnte, darum antwortete der Engel:„Du wirst vom heiligen Geiste empfangen, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.“(uk. 1, 34. 35. 37.) Um seiner jungfräulichen Reinigkeit wil⸗ len hat der Heiland den Apostel Johannes zu seinem Liebesjünger auserwählt und ihn mit der innigsten Freundschaft beglückt. Beim letzten Abendmahle durfte sein Haupt 36 Zweiter Abschnitt. an der Brust Jesu ruhen, ihn wollte Er in seinen letzten Stunden und bis zum Tode um sich haben und vertraute ihm dann seine geliebte Mutter zur Pflege an. Forschen wir dann weiter in der ganzen Geschichte des jungfräulichen Standes, so werden wir finden, daß Gott vorzüglich solche Seelen für seine Sache auserwählte, daß Er oft die auffallendsten Wunder wirkte, um die jungfräulichen Seelen vor Entweihung zu schützen, um ihre Marter zu versüßen, um ihren Tod und ihre Na— men zu verherrlichen. 3. Die Vermählung Christi mit der jung⸗ fräulichen Seele. Was endlich die jungfräulichen Seelen am meisten ehrt, besteht darin, daß Jesus, der Sohn Gottes, selbst ihr Bräutigam sein will. So nennt Er sich ihren Bräutigam im Gleichnis von den fünf klugen und fünf thörichten Jungfrauen und sagt: die klugen Jungfrauen gingen mit der brennenden Lampe dem Bräutigam entgegen, und Er nahm sie mit sich zur Hochzeit. Diese Hoch— Vorzüge des jungfräulichen Standes. 37 zeit ist die Seligkeit des Himmels, wo die Jungfrauen dem Lamme folgen, wohin es geht. Sonst läßt sich Jesus von seinen Jüngern„Herr“ und„Meister“,„Hirt“ oder„Heiland“ nennen, wenn aber von Jungfrauen die Rede ist, so wird Er nur ihr„Bräutigam“ genannt. So schreibt der heilige Paulus:„Ich habe euch verlobt einem Manne(Jesus), euch als keusche Jung⸗ frau Christo darzustellen.“(II. Kor. 11, 2.) Man schätzt eine irdische Braut um so glücklicher, je edler, reicher und schöner ihr Bräutigam ist; wer aber den jungfräu— lichen Stand wählt, wird eine Braut Jesu. Kann die Jungfrau noch Edleres finden, kann sie noch glücklicher werden? Darum sprach die heilige Agnes, als der Sohn des Stadtpräfekten zu Rom sie zur Ehe verlangte:„Ich bin schon verlobt und habe einen weit bessern Bräutigam; weiche also von mir, du Speise der Würmer.“ Weil durch das Gelübde der Keuschheit ein wirkliches Bündnis mit Christus ge— schlossen wird, eine Vermählung im Glau— ben, so ist dieses Gelübde ein trennendes 38 Zweiter Abschnitt. Ehehindernis, und wenn es feierlich gemacht wurde, wird es von der Kirche nie oder nur in höchst seltenem Falle gelöst. Es ist aber auch ein sehr ergreifender Akt, wenn das feierliche Gelübde der Keuschheit ab— gelegt wird. Der Bischof spricht da zu der Jungfrau, nachdem er ihr den Schleier angelegt, folgende Worte:„Ich vermähle dich mit Jesu Christo, der dich unverletzt erhalten wolle. Empfange als seine Braut den Ring des Glaubens, damit, nachdem du Ihm treu gedient hast, du ewig ge— krönt werdest.“ II. Er ist der glückseligste Stand. 1. Der beste Teil auf Erden. Wenn die Jungfrau nach reiflicher Beratung mit sich und ihrem Beichtvater dahin kommt, das einfache oder feierliche Gelübde abzulegen, so muß sie es thun, weil der jungfräuliche Stand Gott am wohlgefälligsten ist, und nicht etwa nur aus der Rücksicht, weil er auch der glückseligste Stand ist. Den Ehestand meiden wollen, bloß weil er mit großen Sorgen und Be— ——ͤ———————.———2—. 5. 3 Vorzüge des jungfräulichen Standes. 39 schwerden verbunden ist, wäre nicht der rechte Geist. Weil aber die Welt so oft rühmt, der Ehestand sei ein Paradies und diejenigen seien zu bedauern, die ledig bleiben, so möge es uns auch gestattet sein, zu zeigen, daß der jungfräuliche Stand der glückseligste sei und den besten Teil gewähre, sowohl hier auf Erden, als einst im Himmel. „Maria hat den besten Teil erwählt“ (Luk. 10, 42.)— das ist ein Ausspruch der ewigen Wahrheit. Machen wir einen kleinen Vergleich zwischen Martha und Maria! Martha ist die besorgte, die beschäftigte, die leidende Hausfrau. Freilich auch der Ehestand ist von Gott angeordnet und ehr— würdig, und wenn die Ehe im Himmel ge— schlossen wird, kann das Familienleben sicher viele Freuden mit sich bringen, und eine gute Hausmutter kann durch Geduld und treue Pflichterfüllung eine sehr große Be— lohnung im Himmel erwerben; darum soll die Jungfrau sie ja nicht geringschätzen, sondern ehren. Aber auch die beste Haus⸗ frau ist doch eine Martha, vornehmlich mit Irdischem beschäftigt, ist auf das be— 40 Zweiter Abschnitt. dacht, was der Welt ist, wie sich der Apostel ausdrückt, und wie sie ihrem Manne ge— fallen möge. Die Hausgeschäfte, die Sorge um die Kinder, der Mann, die Knechte und die Mägde, die Kleider sind im besten Falle die beständige Sorge der Frau und wohl selten findet sie freie Augenblicke, wo sie ruhig sich sammeln und ungestört für ihr Seelenheil sorgen könnte. Ihr Herz ist geteilt: wenn sie auch fromm und reli— giös ist, so teilt sie doch ihre Gedanken und Gefühle zwischen Gott und ihrem Manne. Das gilt auch von der glück— lichsten EZhe— und dann, wenn Not und Krankheit, wenn mißratene Kinder, wenn Unfriede und rohe Behandlung hinzukom— men? Dann ist der Ehestand wahrhaft ein Wehestand.— 2. Der beste Anteil im Bimmel. Der jungfräuliche Stand ist der beste Teil auf Erden, und wie steht es im Jen⸗— seits? Im Himmel wartet derjenigen, die hienieden dem lieben Gott mit gewissen— hafter Treue und Reinheit des Herzens Vorzüge des jungfräulichen Standes. 41 gedient haben, eine vorzügliche Glorie, die Fülle der Belohnung. Gott belohnt alles hundertfach; die Jungfrau aber hat aus Liebe zu Ihm auf die Welt und ihre Lust verzichtet, dafür wird sie mit himmlischer Wonne entschädigt: sie hat still und zu— rückgezogen gelebt, dafür wird sie jetzt ge— ehrt und ist aufgenommen in den Hofstaat des göttlichen Lammes; sie hat manchen Hohn, manches Leid auf Erden ausge— standen, im Himmel aber genießt sie eine ungetrübte, unaussprechliche Seligkeit. Der heilige Apostel Paulus ruft aus:„Was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die Ihn lie— ben.“(I. Kor. 2, 9.) Es ist die Lehre des Glaubens, daß die Jungfrauen im Him⸗ mel eine höhere Stufe der Seligkeit ein— nehmen als die übrigen Heiligen.„Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschauen“, sagt der Heiland. (Matth. 5, 8.) Die Reinen haben also ein helleres Auge, die ewige Schönheit zu sehen, und da die größte Seligkeit in der An⸗ 42 Zweiter Abschnitt. schauung Gottes besteht, so ist die Wonne der Auserwählten um so größer, je klarer sie die Majestät Gottes schauen können. Wer ersieht daraus nicht, daß Gott die Jungfrauschaft auch im Himmel beson⸗— ders auszeichnet und belohnt, daß also die Jungfrau auch im Jenseits den bessern Anteil erlangt? Willst du aber, christliche Jungfrau, einst zu jener Auszeichnung ge— langen, so mußt du dem lieben Gott stets treu bleiben und in einem frommen, reinen Leben verharren. Es ist darum notwendig, die rechten Mittel anzuwenden, um die jungfräuliche Reinigkeit zu bewahren und daher die folgenden Lehren zur Richtschnur des Lebens zu machen. SSISSIII ....—.—— Dritter Abschnitt. Die Bewahrungsmittel der jungkräulichen Keinigkeit. 2 2 — I. Mittel zur Erhaltung und Pflege des guten Geistes. hristliche Jungfrau! es fehlt dir wohl nicht an guter Gesinnung: du möchtest wirk⸗ lich fromm, rein und gott⸗ gefällig sein.„Der Geist ist willig,“ sagt der Heiland, aber was Er beifügt, ist leider auch wahr:„das Fleisch ist schwach.“(Matth. 26,41.) Sieh' wie der Adler in hoher freier Luft dahinschwebt und sich im goldenen Licht der Sonne er— freut; wie wohl ist es ihm in seinem reinen Elemente! 2. Das ist das Bild einer Seele, 44 Dritter Abschnitt. die in Gott lebt, von den Flügeln der Gnade getragen, durch heilige Gesinnung über Staub und Erde erhoben und sich freuend in der seligen Nähe des Himmels. Aber wie der Vogel wieder zur Erde steigt, so kann die edle Gesinnung, die schöne Schwung— haftigkeit des Geistes erlahmen. Mancher sonst gute Mensch wird nach und nach wieder lau und irdisch gesinnt, sein Herz verflacht und wendet sich mit Vorliebe der Welt und ihren Vergnügen zu. Was mußt du nun thun, um diesen Abfall vom gottgeweihten Leben zu ver— hüten, um die gute Gesinnung, den schwung— haften Geist stets zu erhalten? Ich will dir die Mittel nennen und kann dir ver— sprechen, je fleißiger du sie gebrauchst, desto treuer wirst du auch den jungfräulichen Geist bewahren. 1. Das Gebet. Es ist gewiß, ohne die Gnade Gottes kann man nicht keusch leben, und ebenso gewiß ist es, daß Gott um seine Gnade will gebeten sein; wer also nicht betet, Bewahrungsmittel der jungfrl. Reinigkeit. 45 hat die nötige Gnade nicht, und ohne diese kann er auch die unversehrte Jung⸗ fräulichkeit nicht bewahren. Der Heiland selbst ermahnt ausdrücklich:„Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet.“ (Matth. 26, 41.) Das Gebet soll die stete, kräftige Waffe sein gegen den bösen Feind. Wenn wir beten, so ist Gott mit uns, und wenn Er uns hilft, wer wird dann etwas vermögen gegen uns? Willst du also dein Herz Gott weihen und es Ihm treu bewahren, so vernachlässige ja das Gebet nicht; wie du regelmäßig atmest, so muß deine Seele häufig an Gott denken und aus seinem heiligen Wesen den Odem des Lebens empfangen. Sei demnach treu in Erfüllung der täglichen Andachten, beob— achte eine gute Tagesordnung, die von Frömmigkeit durchweht ist und den guten Geist immerfort erhält und nährt. Die heilige Gewohnheit, jeden Tag im Kleinen treu zu sein und gewissenhaft die Berufs⸗— arbeit durch frommes Gebet zu weihen, ist die Grundlage aller Tugend und Voll⸗ kommenheit. 46 Dritter Abschnitt. Bei deiner Andacht soll auch das Bild der göttlichen Mutter vor deinem Geiste stehen, in ihrer ungetrübten, jungfräulichen Erhabenheit, mit ihrem herrlichen Beispiel und ihrer mächtigen Hilfe. Liebst du sie als deine Mutter, folgst du ihr im gott⸗ geweihten Leben nach, rufst du sie oft an um ihren Beistand: dann befindest du dich unter ihrem mütterlichen Schutze und wirst erkennen, daß sie durch ihr Vorbild und ihre Macht gar viel beiträgt, dich im guten Geist zu erhalten. 2. Die Betrachtung. Mit dem Gebet verbinde die Betrach— tung. Das Sprichwort sagt: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. Wer sein Herz nur mit Welt und eitlen Dingen beschäftigt, der wird sicher auch von weltlicher Gesinnung durchdrungen sein; wer aber fleißig an das Höhere und einzig Notwendige denkt, wer über die Spanne Zeit des Lebens hinaus⸗ sieht und die Tage und das Los der Ewig⸗ keit erwägt: der wird vom Getümmel der Bewahrungsmittel der jungfrl. Reinigkeit. 47 Welt nicht bethört, sondern stets den rechten und klaren Blick bewahren. Was kann den Geist im Guten erhalten, wenn es die Betrachtung nicht vermag über die Eitelkeit der irdischen Dinge, über die Kürze der Zeit, über die Gewißheit des Todes, über den Ernst der Ewigkeit, über die traurigen Folgen der Sünde, über die herrliche Belohnung der Tugend?— Da siehst du die Wahrheit ein und fühlst ihren Einfluß, wenn der Heiland dir zuruft: „Eines nur ist notwendig(Luk. 10, 42.), suche zuerst das Reich Gottes“(Matth. 6, 33.); denn„was nützte es dir, wenn du die ganze Welt gewännest, an deiner Seele aber Scha— den littest?“(Matth. 16, 26.) In der Be⸗ trachtung wirst du deutlich erkennen, welch ein himmelweiter Unterschied es ist zwischen den klugen und den thörichten Jungfrauen, zwischen denen, die das Oel und das Licht der guten Werke und der Tugend besitzen, und jenen Thörichten, die nur das Spül⸗ wasser der Welt in ihrer Lampe haben und dem Irrlichte trügerischer Einbildungen folgen.— Nur die Kinder Gottes sind 48 Dritter Abschnitt. wahrhaft klug und weise; sie schauen auf das Ende hin und wandeln auf dem rechten Pfade, der zum ewigen Heile führt. O Eitelkeit der Eitelkeiten!— Alles ist Eitel⸗ keit, außer Gott lieben und Ihm allein dienen. 3. Der öftere Empfang der heil. Sakramente. Die vorzüglichste Nahrung, den guten Sinn und Geist zu erhalten und zu pfle— gen, ist die öftere würdige Beicht und Kommunion. Wie du beichtest und kom— munizierst, so wirst du leben. Das kannst du an dir und andern beobachten. Sag' an, sind das nicht die besten und frömmsten Stunden und Tage deines Lebens, an denen du das heilige Gastmahl Jesu Christi em— pfangen hast? Und du wirst selbst be— kennen, daß sich die heilsame Wirkung desselben noch lange Zeit in deinem Sinn und Leben äußerte. Es kann nicht anders sein; denn das heilige Sakrament der Buße führt den Menschen zur ernsten Ein⸗ sicht und Selbsterkenntnis, reinigt ihn von Fehlern und bösen Gewohnheiten und führt ——55559ꝗR.09 29—ITJ.„—=....e.t...e Bewahrungsmittel der jungfrl. Reinigkeit. 49 f ihn von Stufe zu Stufe weiter empor. n Und was die Beicht begonnen, das setzt 5 die heilige Kommunion fort: sie weckt und . pflegt den guten Sinn und Geist, sie giebt n Lust und Freude an Frömmigkeit und Tu⸗ gend, sie erhält das Streben nach Ver— vollkommnung und die edle Schwunghaftig— keit nach oben, sie führt uns zur innigsten Gemeinschaft mit Jesus und den Heiligen. Wenn wir öfters und würdig zum Tische des Herrn hingehen, nehmen wir immer deutlicher das Gepräge Jesu Christi an, Er wird immer mehr Gestalt in uns ge— winnen, und allmählich kommen wir da— hin, daß wir in Wahrheit mit dem hei— ligen Paulus ausrufen können:„Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir“(Gal. 2. 20.), wie ja der Heiland selbst versicherte:„Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm, und wie Ich durch den Vater lebe, so wird auch der, welcher Mich ißt, durch Mich leben.“(Joh. 6, 57. 58.) n n Jesus a. d. Jungfrau. Dritter Abschnitt. II. Mittel zur Bewahrung des gott⸗ geweihten Berzens. Wan sagt mit Recht: das Herz des Menschen ist veränderlich. Wenn auch der Geist gut und willig ist, so ist dennoch das arme Menschenherz schwach und leicht geneigt, den äußern Verhältnissen, den mannigfachen Stimmungen, den oft sehr starken Eindrücken der Umgebung Rech— nung zu tragen. Man darf wohl behaupten, das empfängliche, weiche Herz bereite der christlichen Jungfrau die meisten und größ— ten Gefahren.— Sie ist fürs Gute schnell gewonnen, ihr ganzes Wesen neigt sich zum Religiösen hin, sie will mit jeder Faser des Herzens Gott angehören. Ganz recht. Möchte nur diese schöne Stimmung im— mer anhalten! Allein es kommen Ver— suchungen und Prüfungen, der reine hei— tere Himmel des Gemütes umwölkt sich, es brechen trübe Stunden herein oder ge— fährliche Verhältnisse umgarnen das Herz — und ach! gar manches läßt sich täu— schen und gefangen nehmen. Willst du .. Bewahrungsmittel der jungfrl. Reinigkeit. 51 daher dein Herz für Gott bewahren und in reiner Jungfräulichkeit Ihm dienen, so benütze folgende Mittel: J. Die Einsamkeit. Die gottgeweihte Jungfrau ist mit Jesu Christo vermählt und muß Ihm angehören. Sie soll darum gerne zurückgezogen und einsam leben.„Der göttliche Bräutigam ist eifersüchtig,“ sagt der hl. Hieronymus, „und will nicht, daß das Angesicht seiner Braut von andern besehen werde.“ Wer auf der Landstraße wandelt, wird staubig, und wer gern und viel mit der Welt um— geht, der wird auch allmählich wie sie aus— sehen. Jugend und Schönheit ist ohnehin eine gefährliche Klippe und gesellt sich Eitel⸗ keit und Gefallsucht dazu, so ist das gute Herz gar schnell verloren. Bollandus er— zählt von der heiligen Jungfrau Anderesina, daß sie Gott gebeten habe, Er möchte sie häßlich werden lassen, damit sie den Män⸗ nern nicht gefalle und zu keiner Sünde Anlaß gebe. Sie wurde erhört und mit Aussatz behaftet, so daß ihr Anblick jeder— 52 Dritter Abschnitt. mann Ekel einflößte. Jakob von Vitriaco erzählt von der hl. Euphemia, sie habe sich mit einem Messer Nase und Lippen abgeschnitten, weil sie von einem Manne sündhaft geliebt wurde; dann rief sie aus: „Eitle Schönheit, nun wirst du künftig keine Gelegenheit zur Sünde mehr sein.“ Aehnliche Dinge sollst du nicht thun, wohl aber mußt du ähnliche Entschiedenheit und Treue für Jesus, deinen Bräutigam, be— sitzen. Du weißt es wohl, dein Herz ist schwach und empfänglich; es prägt sich alles Aeußere wie in einem Spiegel darin ab. Darum sage nicht: ich will nichts Böses, wenn ich da- und dorthin gehe, diesen und jenen Umgang pflege, hie und da eine weltliche Unterhaltung und Gesell— schaft besuche. In der Regel kommt man weniger gut heim, als man hingegangen ist. Freilich kann man sich nicht immer hinter Schloß und Riegel verschließen und wie in einem Gefängnis absperren; man muß mit andern arbeiten, leben und ver— kehren, so wie es die Verhältnisse eines jeden mit sich bringen; aber das ist ge— D D. N Vo u Bewahrungsmittel der jungfrl. Reinigkeit. 53 wiß: willst du ein gottgeweihtes Herz be— wahren, so mußt du die Einsamkeit lieben, daselbst gerne, wie die seligste Jungfrau Maria, in Gebet und frommer Betrachtung verweilen, die Welt so viel als möglich meiden und still und fromm für deinen himmlischen Bräutigam leben, Ihn allein lieben, Ihm allein zu gefallen suchen. 2. Die Wachsamlheit. „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet; der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach“, so lehrt der göttliche Heiland.(Matth. 26, 41.) Jeder Mensch hat seine schwache Seite, und wie man im Kriege eine Festung da angreift, wo sie am schwächsten ist, so macht es auch der böse Feind, wenn er den Menschen von Gott und der Tugend abwendig machen will. Er zeigt sich nicht gleich mit seinen Krallen, er nimmt oft selbst die Gestalt des Guten an und gleich der listigen Schlange umschleicht er das Herz an seiner schwächsten Seite, um es zu rerwunden und zu vergiften. Zuerst 54 Dritter Abschnitt. verführt er den Menschen zu bloß kleinen Fehlern, dann verwickelt er ihn in böse Gewohnheiten und größere Sünden und fesselt ihn immer mehr, bis er endlich ganz sein Sklave ist. Will also der Mensch ein gottgeweihtes Herz bewahren, so muß er immer auf der Hut sein, immer dem zarten Gewissen folgen und auch im kleinen treu bleiben, damit er nicht in die traurige Lage kommt, eine schwere Sünde zu begehen. Wer nicht wachsam ist und die Gefahr nicht meidet, der wird bald sehr trübe Erfah— rungen machen. Darum, christliche Jung— frau! laß dich warnen, ehe dir durch Un— glück die Augen aufgehen. 3. Die Selbstverleugnung. Ein ferneres Mittel, das Herz in siche— rem Heiligtum zu bewahren, ist die Selbst— verleugnung, die der Heiland allen zur Pflicht und zum Grundgesetz des Christen— tums gemacht hat.„Wer Mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge Mir nach.“ (Luk. 9, 23.) Diese Nachfolge Jesu geziemt Bewahrungsmittel der jungfrl. Reinigkeit. 55 sich ganz besonders für die christliche Jung⸗ frau, und sie soll in der Selbstverleugnung so weit kommen, daß sie das Joch und die Bürde, die ihr der göttliche Bräutigam auferlegt, süß und angenehm sindet. De⸗ mut üben, die Neugierde beherrschen, die Zunge bezähmen, Eitelkeit und Gefallsucht vermeiden, die Launen bemeistern, die Arbeit willig verrichten, im Umgang mit andern Sanftmut und Nachsicht zeigen, Verdrieß— lichkeit und Leiden geduldig ertragen: das heißt sich selbst verleugnen, und das alles sollst du gerne thun aus Liebe zu Jesus, dem Gekreuzigten; die Liebe macht alles leicht und ist sehr erfinderisch. Liebst du Jesus wahrhaft und innig, so wirst du auch täglich hundertfache Gelegenheit finden, aus Liebe zu Ihm dich zu überwinden, etwas Gutes zu thun, oder ein Opfer der Selbstverleug⸗ nung zu bringen. Ein solches Herz, das in heiliger Liebe sür Jesus lebt und schlägt und vom Weihrauch der Selbstverleugnung duftet: o das ist edel und geweiht, das ist dem göttlichen Bräutigam höchst wohlge— fällig, ein solches Herz ist eingeschlossen in 56 Dritter Abschnitt. dem Heiligtum des göttlichen Herzens Jesu und wird da sicher und geborgen ruhen. III. Mittel zur Stärkung und Stand⸗ haftigkeit des Willens. Der Heiland sagt:„Wer(im Guten) ausharret bis ans Ende, der wird selig werden.“(Matth. 10, 22.) Anfangen ist leicht, aber die Hauptsache ist, im Guten beharr— lich sein bis ans Ende. Deshalb muß die christliche Jungfrau die angegebenen Mittel, namentlich das Gebet und den öftern Em— pfang der heiligen Sakramente, wohl be— nutzen; denn zur Beharrlichkeit darf die nötige Kraft und Gnade Gottes durchaus nicht fehlen. Der gute Wille wird aber auch bestärkt und eher standhaft bleiben, wenn die folgenden Mittel angewendet werden: J. Feste Entschiedenheit. Wer sich zum jungfräulichen Leben be— rufen fühlt und zu all den Opfern, die es fordert, entschlossen ist, wer seit langer Zeit im Innern den stillen, aber starken Ruf Jesu hört:„Komm' und folge Mir nach!“ Bewahrungsmittel der jungfrl. Reinigkeit. 57 wenn du lebendig davon überzeugt bist, daß Maria den besten Teil erwählt hat, und dich mit ganzer Seele sehnest, ihr nachzu⸗ folgen: so unterlaß nicht, mit gleichgesinnten Seelen darüber zu reden und dich ihnen aufrichtig anzuvertrauen; unterlaß auch in keinem Fall, dem Beichtvater dein Herz zu eröffnen und ihn um seinen Rat zu bitten. Er wird dich vielleicht prüfen, die Sache einige Zeit verschieben; aber das soll dich nicht abhalten: wenn der Seelsorger wahren Beruf in dir erkennt, so wird er dir die Erlaubnis geben, dich entschieden für das jungfräuliche Leben zu entschließen, wenig⸗ stens dir den Rat geben, für eine bestimmte Zahl von Jahren diesen schönen Anteil zu wählen. Wenn eine jüngere Person das Versprechen macht, bis zu ihrem 20. oder 24. Jahre an keine Verehelichung zu denken und durchaus keine Bekanntschaft zuzulassen, sondern in Reinheit und Unschuld für Gott zu leben: so ist das sehr lobenswert, und ist sie anfänglich auch im unklaren hinsicht⸗ lich ihres Berufes, diese fromm verlebten Jugendjahre werden ihren Geist erleuchten, 58 Dritter Abschnitt. ihr Herz veredeln und dem Willen eine feste Richtung geben. Der liebe Gott wird sie sicher zum rechten Ziele führen, mag es dann ein jungfräuliches Leben oder der Ehestand sein. Feste Entschiedenheit für Gott und die Erfüllung seines heiligen Willens soll jeder— mann haben, in welchem Stande er auch sein mag; die Jungfrau aber, die nach ernster Beratung zu dem Entschlusse ge— kommen ist, im jungfräulichen Leben zu verharren, thut gut, wenn sie sich durch ein Gelübde dazu verpflichtet. Ihr Geist wird dann viel ruhiger, ihr Wille viel fester und beharrlicher sein. Sie wird es dann für eine heilige Pflicht ansehen, ganz und ungeteilt für Jesus, den göttlichen Bräutigam, zu leben, dem sie sich durch ein bindendes Gelübde verlobt und für immer geweiht hat. 2. Stete Furcht vor der Sünde. Solange man hienieden ist, darf man sich nie für gesichert halten, nie vermessent⸗ lich auf allfällige Kraft und gute Gesin— Bewahrungsmittel der jungfrl. Reinigkeit. 59 nung vertrauen. Gefahr zur Sünde ist immer vorhanden; je mehr man aber die ö Beleidigung Gottes fürchtet, je größerer— Abscheu vor dem Bösen im Herzen lebt, desto reiner und treuer wird man leben und im Guten verharren. Der Landmann, dessen Scheunen voll Vorrat und dessen Aecker voll Früchte stehen, fürchtet den zündenden Blitz und den vernichtenden Hagel: so fürchte auch du nichts mehr als die Sünde, insbesondere die Todsünde; * sei aber im kleinen treu, damit du nie den Weg einschlägst, der zu größern Sünden* führt. Kommst du aber je in eine Gefahr N und Versuchung, dann gilt es, mit fester ö( ö Willenskraft im Guten standhaft zu bleiben, ö ö dann gilt es, schnell und entschieden das Böse abzuweisen, mit Ernst und Entschlossen⸗ heit zu kämpfen und zu siegen, um die Krone ö Le-— des ewigen Lebens zu verdienen. 3. Lebendige Liebe zu Gott. Der Sieg über alles Böse wird leicht ů werden, wenn wahre Liebe zu Gott im Herzen wohnt. Blicke recht oft in die 60 Dritter Abschnitt. Lebensgeschichte der Heiligen und denke an ihre Entsagung, an ihre Bußstrenge, an ihr heiliges Leben und segenvolles Wirken, an ihre freudige Ertragung der Leiden und selbst des Martertums: was trieb sie dazu anders als die heilige Liebe zu Gott, die in ihnen herrschte? Der Liebe wird alles leicht, die Erfüllung der göttlichen Gebote ist nicht schwer für sie, das Joch des Evangeliums kommt ihr süß vor; denn, wer Jesus liebt, wird gern und freudig seine Lehr befolgen, wird bereitwillig der bösen Welt und ihren Freuden entsagen und mutig die Beschwer— den und die Selbstverleugnung auf sich nehmen, die mit dem gottgeweihten Leben verbunden sind. Er genießt dann aber auch einen Frieden, eine Ruhe und Süßigkeit im Herzen, die die Welt nicht geben kann; es wartet seiner dann auch ein Lohn im Jenseits, der jedes Opfer und jede Ueber— windung tausendfach entschädigt. Die Welt verspricht Freude und giebt sie nicht, und wenn sie eine etwaige Freude gewährt, wie betrüglich ist sie! Sie ist ein schöner Dorn, welcher einen Stich ins Herz giebt. —5—2—.—— Bewahrungsmittel der jungfrl. Reinigkeit. 61 Indem nach außen Blumen prangen, Zernagt ein gift'ger Wurm das Herz; Im Innern herrschet Angst und Bangen Selbst bei Ergötzung, Spiel und Scherz. Die schlechten Vergnügen der Welt sind ein Paradies für die Augen und eine Hölle für die Seele; der Vor— geschmack ist angenehm, der Nachgeschmack sehr bitter. Sie sind ein Gift, mit Honig vermischt: es trinkt sich süß hinein, ver— ursacht aber den Tod. Leiden folgen dem Genuß, Weil ein bitterer Verdruß ö Böse Lust bestrafen muß. Und das menschliche Leben ist eine* Blume, welche des Morgens aufgeht und am Abend wieder verwelkt. Der Mensch ist nur für einen Augenblick auf der Erde, ö die Erde ist für ihn keine bleibende Woh— nung, sie ist nur ein gemietetes Haus, er kommt an und muß wieder fort. Darum, o Jungfrauen! haltet euch stets an das Wort, welches der Liebesjünger Johannes an euch richtet:„Habet nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn 6² Dritter Abschnitt. jemand die Welt lieb hat, so ist nicht die Liebe des Vaters in ihm. Denn alles, was in der Welt ist, das ist die Begier— lichkeit des Fleisches, die Begierlichkeit der Augen und die Hoffart des Lebens, was nicht vom Vater, sondern von der Welt ist. „Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes thut, der bleibt in Ewigkeit.“(I. Joh. 2, 15—17.) Gelobt sei Jesus Christus! Sweiter Teil. Gebetbuch für salsioliscte Zungfrauen. Ro- 2 Erster Abschnitt. Morgen⸗Andacht. Beim Erwachen. GHebot und gebenedeit sei jetzt und in Ewigkeit die heiligste und ungeteilte Drei⸗ faltigkeit, Gott der Vater, der mich erschaffen, Gott der Sohn, der mich erlöst, und Gott der heilige Geist, der mich ge— heiligt hat. Amen. Beim Aufstehen. Im Namen meines gekreu— zigten Erlösers Jesus Chri— stus stehe ich auf und beginne diesen Tag. Beim Ankleiden. Gieb mir, o Herr! das Kleid der Unschuld wieder, das ich durch die Sünde ver⸗ Zesus a. 3. Jungfrau. 5 66 Erster Abschnitt. loren habe, und bewahre es mir rein und unbefleckt bis vor deinen Richterstuhl, da— mit ich zum ewigen Leben eingehe. Amen. Morgengebet. IAm Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. 50 Tage Ablaß jedesmal, wenn man unter obiger Anrufung das Kreuzzeichen macht. Pius IX., 28. Juli 1863. Anbetung, Danksagung und Aufopferung. Mein Herr und Gott! ich bete Dich in tiefster Demut an und danke Dir für alle Gnaden und Wohlthaten, welche Du mir während der verflossenen Nacht wiederum erwiesen, besonders dafür, daß Du mich am Leben erhalten hast. Ich bitte Dich um Verzeihung für alles, wodurch ich Dich etwa beleidiget habe, und nehme mir ernst⸗ lich vor, den heutigen Tag ganz zu deiner Ehre zuzubringen. Ich opfere Dir deshalb alles auf, was ich heute denken, reden, thun und leiden werde, und vereinige es mit den unendlichen Verdiensten Jesu Christi, Mariä und aller Heiligen. Morgen-Andacht. 67 Vorsatz. Ich bin entschlossen, heute die Sünde und jede Gelegenheit zur Sünde zu fliehen. Ich will mich bestreben, die Pflichten meines Standes und Berufes treu und eifrig zu erfüllen, und alle Widerwärtigkeiten und Mühsale dieses Tages geduldig und ergeben annehmen und ertragen. Bitte. Gütigster Gott! verleihe mir hiezu deinen Beistand. Gieb mir hinreichende Kraft, alles Böse zu meiden, das Du mir verbietest, alles Gute zu vollbringen, das Du von mir verlangst, und alles Ungemach geduldig zu leiden, das heute über mich kommen wird. Schütze mich wider alle Gefahren des Leibes und der Seele. Segne meine Gedanken, Worte und Werke, meine Leiden und Freuden. Fürbitte. Laß heute deine Gnade walten über meinen Eltern, Geschwistern, Anverwandten, Freunden, Wohlthätern und allen, für 68 Erster Abschnitt. welche ich zu beten schuldig bin. Bewahre sie vor allem Uebel, fördere sie in allem Guten und hilf ihnen in ihren zeitlichen und ewigen Angelegenheiten. Gebet zur Mutter Gottes. Heilige Jungfrau und Mutter Gottes, Maria! du auch meine allerliebste Mutter! stehe mir bei in allen Gefahren dieses Tages und erflehe mir von deinem lieben Sohne die Gnade, daß ich mich heute in allen meinen Gedanken, Worten und Werken so betrage, daß ich durch nichts deine und deines Sohnes Augen beleidige. Amen. Gebet zum hl. Schutzengel. Du, o heiliger Schutzengel, dessen Sorge Gott selbst mich anvertraut hat, erleuchte, führe und schütze mich heute auf allen mei⸗— nen Wegen. Laß nicht zu, daß ich in eine Versuchung einwillige und in eine Sünde falle. Bewahre mich vor allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden und geleite mich auf dem Wege der Gottesfurcht und Tugend zum ewigen Leben. Amen. Morgen-⸗Andacht. 69 Gebet zum hl. Joseph, zum heiligen Namens⸗ patron und zu allen Beiligen. Heiliger Joseph, du treuer Nährvater meines lieben Jesus, du Bräutigam der un⸗ befleckten Jungfrau Maria! sei auch heute mein Beschützer, mein Fürsprecher und Füh— rer auf dem Wege des Heiles. Erlange mir die Gnade, alles, was ich thue, wie du zur Ehre Gottes und in Gegenwart Jesu und Mariä zu verrichten. Heiliger N., glorreicher Patron! stehe auch du mir heute bei und bitte für mich, daß ich stets Gott diene, wie du Ihm einst hienieden gedient hast, und dadurch würdig werde, Ihn einst in deiner Gesellschaft ewig zu loben und zu preisen. Ihr Heiligen Gottes alle! erflehet mir durch eure Fürsprache bei Gott, daß der heutige Tag für mich ein Tag der Gnade, des Trostes und des Verdienstes werde. A. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria. Ich glaube ꝛc. 70 Erster Abschnitt. Morgensegen. Es segne und bewahre mich und die Meinigen und die ganze liebe Christenheit der allmächtige und barmherzige Gott: der Vater, der Sohn und der heilige Geist! Es begleite uns immer und überall die Allmacht des Vaters, es erleuchte uns die Weisheit des Sohnes, es belebe uns die Liebe des hl. Geistes. Aller verstorbenen Gläubigen Seelen mögen ruhen durch die Barmherzigkeit Got— tes im Frieden! Amen. Zweiter Abschnitt. Gebete während des Tages. —2= E Uebung der drei göttlichen Tugenden. Glaube. Gott! ich glaube, daß Du einfach in der Wesen⸗ heit, dreifach in den Personen: Vater, Sohn und heiliger Geist, der Schöpfer Himmels und der Erde, ein Belohner des Guten und Bestrafer des Bösen bist; daß Jesus Chri⸗ stus, dein eingeborner Sohn, aus Liebe zu uns Mensch ge— worden, für uns am Kreuze gestorben und in dem heilig— sten Altarssakramente wahrhaft gegenwärtig ist; daß unsere Seele unsterblich und deine 72 Zweiter Abschnitt. Gnade zur Seligkeit notwendig ist. Die— ses und alles, was die heilige katholische Kirche uns zu glauben vorstellt, glaube ich fest, weil Du solches alles geoffenbaret hast, der Du nicht lügen kannst, weil Du bist die unfehlbare Wahrheit, auch nicht kannst be— trogen werden, weil Du bist die ewige Weis— heit. In diesem Glauben will ich leben und sterben. HBZoffnung. Auf Dich, mildreichster Vater, Du Va— ter der Erbarmungen und Gott alles Tro— stes! setze ich mein festes Vertrauen und hoffe von Dir durch die Verdienste Jesu Christi, meines Erlösers, vermittelst eigener Mit— wirkung, die Verzeihung meiner Sünden, deine Gnade und endlich die ewige Glück— seligkeit, weil Du, allmächtiger, unendlich gütiger und getreuer Gott, mir dieses alles selbst versprochen hast. In dieser Hoffnung will ich leben und sterben. Liebe. Ich liebe Dich, o mein Herr und Gott! aus ganzem Herzen über alle erschaffenen ————— Gebete während des Tages. 7— Dinge, nicht nur darum, weil Du mich zu⸗ vor geliebt, mich aus Gnade gerechtfertigt und mit unzähligen Wohlthaten überhäuft hast, sondern vorzüglich, weil Du das aller— höchste, schönste Gut und wegen deiner selbst aller Liebe unendlich würdig bist. Aus Liebe zu Dir liebe ich auch meinen Nächsten, sowohl Freund als Feind, wie mich selbst und Dich in ihnen. In dieser Liebe will ich leben und sterben. So oft man die drei göttlichen Tugenden erweckt, gewinnt man einen Ablaß von 7 Jahren und? Qua⸗ dragenen. Benedikt XIV. Ein Monat hindurch täglich gebetet, einen vollk. Ablaß unter den gewöhnlichen Bedingungen. Auch vollk. Ablaß in der Todesstunde. Gute Meinung. Heiligster Gott! ich opfere Dir auf alle meine Gedanken, Worte und Werke; ich vereinige dieselben mit den unendlichen Ver⸗ diensten Jesu Christi. Nimm sie hin zu deiner höchsten Ehre und Anbetung, auch zur Ehre Mariä, der Mutter Gottes, aller lieben Engel und Heiligen; zur Danksagung für alle empfangenen Wohlthaten, zur Genug⸗ thuung für meine Sünden, zur Erlangung deiner Gnade, kraft welcher Du mich jeder⸗ 7⁴ Zweiter Abschnitt. zeit vor allen schweren Sünden bewahren wollest; zur Hilfe und zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer, besonders jener, für welche ich zu beten schuldig bin. O daß ich Dich durch meine Werke also ehren könnte, wie Du es würdig bist! Amen. Beiliger Liebesbund. Nus Liebe zu Dir, o mein Gott! wün⸗ sche ich Dich täglich und stündlich anzubeten, zu loben und in allen Dingen Dir getreu zu dienen. Weil aber die Bedürfnisse dieses gegenwärtigen Lebens mir nicht gestatten, mein Gemüt unaufhörlich mit Dir zu be— schäftigen, so schließe ich jetzt mit Dir diesen Bund, welcher diesen Tag(diese Woche, diesen Monat) hindurch feststehen soll: So oft ich zum Himmel schauen werde, so oft will ich mich erfreuen und frohlocken über deine unendlichen Vollkommenheiten, daß Du bist, der Du bist— unendlich mäch— tig, weise, gütig, heilig und gerecht. So oft ich Atem holen werde, will ich Dir das Leben, Leiden und Sterben unsers Herrn Jesus Christus aufopfern zu deinem Gebete während des Tages. 75 immerwährenden Lobe, zum Heile aller Men⸗ schen und zur Genugthuung für alle Sünden der ganzen Welt. So oft mein Mund oder auch nur mein Herz zu Dir seufzen wird, so oft will ich bereuen und verabscheuen alle meine Sünden, sowie auch jene, die jemals von andern zu deiner Beleidigung sind begangen worden, und ich rufe: Vater, verschone! Vater, Barmherzigkeit und Gnade! So oft ich eine Hand oder einen Fuß bewegen werde so oft will ich aus Liebe zu Dir mich ganz und gar deinem heiligsten Willen übergeben, damit Du in der Zeit und r nach deinem anbetungswürdigsten Wohlgefallen mit mir schalten und walten wollest. So oft endlich mein Puls schlagen wird, so oft soll das ebenso viel bedeuten, als die Worte der Engel: Heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr, o König des Himmels und der Erde! Ehre sei Dir, dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, in alle Ewigkeit! Amen. 76 Zweiter Abschnitt Slammengebete Zum göttlichen Berzen Jesu. O barmherzigster Jesus, erhöre mich! Die Gnade deines Herzens bekehre mich! Der Glanz deines Herzens erleuchte mich! Der Schmerz deines Herzens zerknirsche mich! Die Wunde deines Herzens durchdringe mich! Das Blut deines Herzens versöhne mich! Das Wasser deines Herzens reinige mich! Das Verdienst deines Herzens heilige mich! Das Kreuz deines Herzens stärke mich! Die Dornenkrone deines Herzens schmücke mich! Die Erbarmung deines Herzens verschließe mich! Der Geist deines Herzens belebe mich! Die Glut deines Herzens erwärme mich! Die Flamme deines Herzens entzünde mich! Die Liebe deines Herzens entzücke mich! Die Würde deines Herzens erhebe mich! Die Glorie deines Herzens verkläre mich! Die Anschauung deines Herzens verwandle mich! Die Freude deines Herzens beselige mich! Der Besitz deines Herzens ersättige mich! se Gebete während des Tages. 77 In deinem Herzen, o Jesus, lebe und sterbe ich! Mein Herz dem deinen schenke ich und liebe Dich! O süßes Herz, beglücke mich Hier zeitlich und dort ewiglich! Gebet am Donnerstag. Zur Erinnerung an die Todesangst Zesu. O Herr Jesus Christus! der Du auf dem Oelberge wegen meiner und der ganzen Welt Sünden so große Angst und Trübsal erlitten hast, daß Dir der blutige Schweiß über dein Angesicht geronnen und ein Engel vom Him⸗ mel Dir zum Troste gekommen ist: ich bitte Dich, verleihe mir und allen Menschen in der Stunde des Leidens und der Angst deine göttliche Gnade, daß wir nicht verzagen, sondern geduldig ausharren und deinem himmlischen Vater, wie Du, ergeben blei⸗ ben; und wenn uns einst die Todesangst überfällt, so hilf uns sie glücklich überwinden und führe uns ein in dein himmlisches Reich. Amen. Zweiter Abschnitt. Gebet am Freitag. Zur Erinnerung an den Tod Zesu. Es sind Finsternisse entstanden, als die Juden den Herrn Jesus gekreuzigt hatten, und um die neunte Stunde rief der Herr Jesus mit lauter Stimme:„Mein Gott, mein Gott! warum hast Du Mich berlassen?“ Und mit geneigtem Haupte gab Er seinen Geist auf. Darum, Herr Jesus Christus! beten wir Dich an und loben Dich; denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast Du die ganze Welt erlöst. Göttlicher Heiland, Jesus Christus! der Du zur Rettung des menschlichen Geschlechtes in tiefster Erniedrigung am Kreuze gestorben bist: wir beten Dich: an als unsern Herrn und Gott und danken Dir für die unaussprech⸗ liche Liebe, mit welcher Du dein Leben hin⸗ geopfert und dein heiliges Blut zur Verge⸗ bung der Sünden für die Menschen vergossen ö hast. Aus Liebe zu Dir wollen wir die II Sünde meiden, das Kreuz auf uns nehmen ö und Dir nachfolgen, damit dein Leiden und — Sterben an uns nicht verloren sei, sondern ö Gebete während des Tages. 79 uns würdig mache deines himmlischen Rei— ches. Dir, o Jesus! leben und sterben wir. Amen. Der Engel des Berrn und: O Bimmelskönigin, erfreue dich! V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, R. Und sie empfing vom heiligen Geiste. — Gegrüßet seist du, ꝛc. V. Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, R. Mir geschehe nach deinem Worte. — Gegrüßet seist du, ꝛe. V. Und das Wort ist Fleisch geworden, R. Und hat unter uns gewohnt.— Gegrüßet seist du, ꝛe. V. Bitte für uns, o heilige Gottes⸗ gebärerin, R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Lasset uns beten. Wir bitten Dich, o Herr, Du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen; damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt haben, durch 8⁰ Zweiter Abschnitt. sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden. Durch den⸗ selben Christum, unsern Herrn. R. Amen. In der österlichen Zeit betet man ste— hend, statt des„Engel des Herrn“, die folgende Antiphon: O Himmelskönigin, erfreue dich, Alle⸗ luja: Denn der, den du zu tragen gewür— diget wurdest, Alleluja: Ist auferstanden, wie Er es vorher— gesagt, Alleluja. Bitte Gott für uns, Alleluja. V. Freue dich und frohlocke, o Jung⸗ frau Maria, Alleluja, R. Weil der Herr wahrhaft auferstan⸗ den ist, Alleluja. Lasset uns beten. O Gott, der Du durch die Auferstehung deines Sohnes, un⸗ seres Herrn Jesu Christi, die Welt zu er⸗ freuen Dich gewürdiget hast; wir bitten Dich, verleihe, daß wir durch seine Gebärerin, die heilige Jungfrau Maria, zu den Freuden —.——. —————— 475 25 V Gebete während des Tages. 81 des ewigen Lebens gelangen. Durch denselben Christum, unsern Herrn. R. Amen. Papst Benedikt XIII. verlieh am 14. Sept. 1724 jedesmal 100 Tage Ablaß, so oft man beim Glockenzeichen morgens, mittags oder abends den„Engel des Herrn“ nebst 3 Gegrüßet seist du ꝛe. kniend betet. Papst Benedikt XIV. befahl unterm 20. April 1742 den„Engel des Herrn“ nebst den 3 Gegrüßet seist du ꝛc. nach der Vesper eines jeden Samstags und am ganzen Sonntag stehend zu verrichten. Ueberdies verordnete er, daß man während der österlichen Zeit anstatt des„Engel des Herrn“ die Antiphon „O Himmelskönigin, erfreue dich“ nebst Ver— sikel und Gebet sprechen solle, und verlieh hie— für den gleichen, oben angeführten Ablaß. Tägliches Aufopferungsgebet zum heiligsten Berzen Mariä. Sei gegrüßt, o heiligstes und unbefleck⸗ tes Herz Mariä! Beim Anbruch dieses Tages opfere ich dir auf alle Gedanken, alle Be— gierden, alle Gebete, alle Worte der Fröm— migkeit, der Liebe und der Buße, die ich diesen Tag hindurch verrichten werde. Er— wirb mir die Gnade, sie alle mit der heilig— Jesus a. d. Jungfrau. 6 8² Zweiter Abschnitt. sten Absicht zu verrichten, mit dir die aller— heiligste Dreifaltigkeit und das göttliche Herz Jesu anzubeten, und in festem Vertrauen auf deine Macht bei deinem Sohne meine Be— kehrung und die Bekehrung aller Sünder, Irrgläubigen und Ungläubigen zu erlangen. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. Tägliche Empfehlung in den Schutz der heiligen Mutter Gottes. O meine Herrin, heilige Maria, ich empfehle mich in deinen gebenedeiten Schutz, in deine besondere Obhut und in den Schoß deiner Barmherzigkeit, heute und jeden Tag und in der Stunde meines Hinscheidens; meinen Leib und meine Seele befehle ich dir; all meine Hoffnung und meinen Trost, alle meine Aengsten und Nöten, mein Leben und das Ende meines Lebens übergebe ich dir, damit durch deine heiligste Fürsprache und deine Verdienste alle meine Handlungen nach deinem und deines Sohnes Willen gelenkt und geleitet werden. Amen. 200 Tage Ablaß, einmal täglich.— Leo XIII., 15. März 1890. Gebete während des Tages. 83 Cischgebet. Vor dem Essen. Aller Augen warten auf Dich, o Herr! Du giebst ihnen Speise zur rechten Zeit,* Du thust deine Hände auf und erfüllest alles, was da lebt, mit Segen.* Die Ehre sei dem Vater und dem( Sohne und dem heiligen Geiste. Wie sie war im Anfang, so auch jetzt und immer und in alle Ewigkeit. Amen. Herr, erbarme Dich unser! ö ——⏑— WD Christus, erbarme Dich unser!— 5 Herr, erbarme Dich unser! ö ö Vater unser ꝛc. N e Segne, o Herr! uns und diese deine* d Gljaben, die wir von deiner Freigebigkeit „ empfangen werden. Durch Christus, unsern d Herrn. Amen. ö Nach dem Essen. Wir danken Dir, allmächtiger Gott! für N — alle deine Wohlthaten, der Du lebst und regierst in alle Ewigkeit. Amen.* 8⁴4 Zweiter Abschnitt. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser ꝛc. V. Der Name des Herrn sei gebenedeit: R. Von nun an bis in Ewigkeit! Gieb, o Herr! allen unsern Wohlthätern um deines Namens willen zur Belohnung das ewige Leben. Amen. Und die Seelen der abgestorbenen Christ⸗ gläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden ruhen. Amen. Schußgebete. Vor der Arbeit. Ich will diese Arbeit, o Gott! verrich— ten nach deinem heiligsten Willen— zu deiner Ehre, in Vereinigung mit den Ar— beiten meines göttlichen Erlösers. Amen. Nach der Arbeit. Nimm auf, o gütigster Gott! diesen Dienst meiner Unterwürfigkeit, und wenn ich meine Pflicht würdig und recht gethan 0* Gebete während des Tages. 8⁵5 habe, so sieh es in Gnaden an; was ich aber dabei gefehlt und vernachlässigt habe, das verzeihe mir um Jesus Christus, deines Sohnes, willen. Zei Uersuchungen zur Sünde. Wie sollte ich Böses thun im Ange⸗ sichte meines Gottes? Herr, mein Gott! merk' auf meine Hilfe; eile, mir beizustehen, Herr, rette mich, sonst gehe ich zu Grunde! O meine Herrin, o meine Mutter, gedenke, daß ich dein bin. Bewahre mich, beschütze mich wie dein Gut und dein Eigentum. Unterm 5. August 1851 verlieh Pius IX. allen Gläubigen einen Ablaß von 40 Tagen, so oft sie in Versuchungen die obige Anrufung: Omeine Herrin ꝛc. reumütig und andäch⸗ tig beten. Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Für diesen Gebetsseufzer verlieh Pius IX. am 30. September 1852 jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen. Zweiter Abschnitt. In Leiden und Widerwärtigkeiten. Alles Dir zuliebe, o Jesus! Alles in Vereinigung mit dem, was Du gelitten hast — am Oelberg, bei der Geißelung und Dornenkrönung, am Kreuze. Alles, was Gott will! Alles, wie Gott will! Es geschehe, werde gelobt und in Ewig⸗ keit hochgepriesen der gerechteste, höchste und liebenswürdigste Wille Gottes in allem. Für das Schußgebet: Es geschehe ꝛe. verlieh Pius VII. am 19. Mai 1818 einmal täglich einen Ablaß von 100 Tagen. Vollkommener Ablaß einmal im Jahre an einem beliebigen Tage, wenn man es täglich ver— richtet. Beicht, KHommunion und Gebet nach Meinung des Papstes. Vollkommener Ablaß in der Todesstunde für alle, die es öfters im Leben gebetet und reuig vorbereitet den Tod mit Ergebung aus Gottes Hand annehmen. Dritter Abschnitt. Abend⸗Andacht. 2 Ne/ —2 Abendgebet. IUm Namen des Vaters und des Sohnes und des hei— ligen Geistes. Amen. Ablaß wie oben Seite 66. Danksagung. O Du mein gütigster Gott und Herr! ich benedeie, lobe und verherrliche Dich mit allen Engeln und Auserwählten; ich danke Dir für alle Gnaden und Wohlthaten, welche Du mir heute und alle Tage mei— nes Lebens an Leib und Seele so vielfach erwiesen hast, und opfere Dir dafür in Verei⸗ nigung mit den Verdiensten Jesu Christi Leib und Seele, 88 Dritter Abschnitt. sowie alle Lob- und Liebeserweisungen der Heiligen des Himmels auf. Bitte um Erleuchtung. Komm', o heiliger Geist! und sende vom Himmel die Strahlen deines Lichtes; erleuchte meinen Verstand, damit ich alle Sünden und Versäumnisse dieses Tages erkenne, und rühre mein Herz, damit ich dieselben wahrhaft bereue. Gewissenserforschung. Durchgehe kurz die verschiedenen Beschäfti— gungen des heutigen Tages, und erforsche dich, ob und wie du dich dabei versündiget in Ge— danken, Worten, Werken, Unterlassung; gegen Gott, gegen den Nächsten, gegen dich selbst. Reue und Vorsatz. Heiliger und gerechter Gott, tief schmer— zen mich die Sünden, welche ich heute und in meinem ganzen Leben begangen habe. Ich nehme mir ernstlich vor, mich fortan zu bessern und alles Böse nach Kräften wieder gut zu machen. Gieb mir dazu deine Gnade; ver— zeihe mir um Jesu willen, der sein kostbares Blut für uns Sünder vergossen hat. Abend⸗Andacht. 89 Bitte um Gottes Schutz. Ich begebe mich nun zur Ruhe. O Gott! wache über mich, während ich schlafe, schütze mich wider alle Nachstellungen des bösen Feindes und böser Menschen; wende gnädig alle Gefahren der Seele und des Lei⸗ bes von mir ab und bewahre mich vor einem plötzlichen und unvorhergesehenen Tode.* Schütze und beschirme, o Gott! diese Nacht auch meine Eltern, Geschwister, Ver⸗ wandten, Freunde und Feinde, unsere geist⸗ lichen und weltlichen Vorgesetzten; stehe bei allen Armen, Gefangenen, Leidenden, Kran⸗* ken und Sterbenden; erbarme Dich der Seelen der Gläubigen im Fegfeuer und nimm sie bald auf in die Wohnungen der V ewigen Freude und Seligkeit. Amen. Anrufung Mariä und der Heiligen. Gebenedeite Mutter meines Erlösers, seligste Jungfrau Maria! mein heiliger Schutzengel! und ihr, meine heiligen Pa— ö trone! wachet über mich diese Nacht und behütet mich vor allem Uebel. Amen. Dritter Abschnitt. Abendsegen. Es segne und bewahre mich und die Meinigen und die ganze liebe Christenheit der allmächtige und barmherzige Gott: der Vater, der Sohn, und der heilige Geist! Aller verstorbenen Gläubigen Seelen mögen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden! Amen. Beim Schlafengehen. Im Namen meines gekreuzigten Erlö— sers Jesus Christus lege ich mich schlafen. Vor dem Einschlafen. Jesus, Maria, Joseph, Euch schenke ich mein Herz und meine Seele! Jesus, Maria, Joseph, stehet mir bei im letzten Todeskampfe! Jesus, Maria, Joseph, möge meine Seele mit Euch im Frieden scheiden! 300 Tage Ablaß jedesmal.———— VII., 28. April 1807. Vierter Abschnitt. Andachtsübungen bei der heiligen Melle. S — Meßandacht zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Gebet vor der heiligen Messe. mir die Gnade, daß ich diesem heiligen Meßopfer mit der gebührenden Andacht bei⸗— wohne und seiner himmlischen Früchte teilhaftig werde. Ich opfere Dir dasselbe mit dem Priester auf zur Anbetung dei— ner göttlichen Majestät; zum Gedächtnis des bittern Lei— dens und Sterbens unseres Herrn Jesus Christus; zur Danksagung für alle von Dir erhaltenen Gnaden und Wohl— thaten; zur Genugthuung für 92 Vierter Abschnitt. meine Sünden; zur Erlangung deines Bei⸗ standes in allen meinen Nöten und Anliegen; und zur Hilfe und zum Troste aller Lebenden und Verstorbenen. Zum Eingange der heiligen Messe. Mit dem Priester trete ich hin an die Stufen deines heiligen Altars, allmächtiger Gott! Zu Dir eile ich, bei Dir suche ich Schutz und Hilfe. Aber ach, wie darf ich es wagen, zu Dir aufzublicken? Dein hei⸗ liges Auge findet an mir nichts anderes als Ungehorsam, Undank und Sünde. In Demut und Reue bekenne ich vor Dir, daß ich Dich oft und schwer beleidiget habe, durch meine Schuld, durch meine größte Schuld. Alle diese Sünden sind mir aufrichtig leid; ich bereue sie von Herzen; ich wünsche, sie nie begangen zu haben, und ich will fortan Dich lieben in Ewigkeit. Erzeige mir um der unermeßlichen Verdienste meines Hei— landes willen deine Barmherzigkeit und ver⸗ stoße mich nicht. Um seinetwillen erhöre gnädig auch mein Gebet. Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 93 Zum Gloria.* Preis, Dank und Anbetung sei Dir,* o allmächtiger, ewiger Gott! der Du uns deinen eingebornen Sohn gesendet hast, auf daß Er uns von unsern Sünden befreie ö und mit Dir wieder versöhne.— Ehre, Lob und Preis sei Dir, Herr Jesus Christus! der Du gekommen, zu suchen und selig zu machen die Verlorenen; der Du als unser beständiger Mittler und Fürsprecher zur Rechten deines ö allmächtigen Vaters im Himmel sitzest.— Ehre, Lob und Preis sei Dir, heiliger Geist! der Du uns erleuchtest, stärkest und tröstest.— Dir, allerheiligste Dreieinigkeit,* Vater, Sohn und heiliger Geist, sei Preis, Dank und Anbetung in alle Ewigkeit! A. Zu den Rollekten. ö Höre an, o himmlischer Vater! das Gebet deiner heiligen Kirche, mit welchem sie deine göttliche Majestät im Namen unsers ö Herrn Jesus Christus demütigst anfleht und deine Hilfe und deinen Beistand in allen Nöten ihrer lieben Kinder begehrt. Wende dein väterliches Angesicht nicht von uns ab, 94 Vierter Abschnitt. sondern sieh uns mit gnädigen Augen an— auf daß wir, von allem Uebel befreit, Dir gefällig leben, selig sterben und zu deinem Reiche und deiner Herrlichkeit gelangen mögen. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Zur Epistel. O mein Gott! ich bete deinen heiligen Geist an, welcher aus den Propheten und den Aposteln geredet hat und jetzt noch immer durch die heilige Kirche redet. Ich nehme mit Ehrfurcht und Demut alle Leh— ren und Unterweisungen an, die mir die heilige Kirche durch ihre Priester giebt. Verleihe mir, o Gott! daß ich alle ihre Lehren und Unterweisungen befolge und nach denselben lebe. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Zum Evangelium. Sei tausendmal gelobt und gepriesen o mein Gott! der Du, nachdem Du zu uns durch deine Propheten gesprochen, zu— letzt gar durch deinen eingebornen Sohn selbst uns unterwiesen hast. Wie glücklich Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 95 bin ich, daß ich im wahren Christentum geboren und erzogen bin! Wie viele Mil⸗ lionen schmachten noch in den Finsternissen des Irr- und Unglaubens! Errette sie, o Herr! Laß die frohe Botschaft von deinem himmlischen Reiche auch zu ihnen gelangen. Amen. Zum Credo. Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde ꝛc. Sur Opferung. Empfange, o himmlischer Vater! dieses reine Brot, welches der Priester am Altare Dir jetzt darbringt und welches in den heiligsten Leib deines göttlichen Sohnes bald wird verwandelt werden. Ich opfere Dir auch auf den Kelch des Heiles und flehe zu deiner Güte, daß derselbe im An⸗ gesicht deiner Majestät für unser und der ganzen Welt Heil mit süßem Wohlgeruch emporsteige. Mit dieser Opfergabe des Priesters bringe ich auch mich selbst Dir dar— 96 Vierter Abschnitt. meinen Leib, meine Seele, mein Herz und alles, was ich bin und habe. Amen. Zur Präfation. Der glückselige Augenblick naht, wo der König Himmels und der Erde auf diesem heiligen Altare erscheinen wird. Der Priester hebt seine Hände zum Himmel empor und fordert mich auf, mein Herz zu erheben und zu loben und zu danken. Es ist in Wahrheit billig und recht, Dich zu loben und Dir Dank zu sagen immer und überall, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott! Du hast mich aus dem Nichts ins Dasein gerufen, und da ich gefallen, hast Du mich aufgerichtet und nicht abgelassen, alles zu thun, um mich in den Himmel zu führen. Für alles dieses danke ich Dir und deinem eingebornen Sohne und deinem heiligen Geiste und rufe mit den seligen Geistern des Himmels: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerscharen! Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit! Hosanna in der Höhe! Gepriesen sei, der da kommt ——— 4— ⏑ Nerrt——— eu 22.“ Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 97 im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Zum Memento für die Lebenden. Ich bitte Dich, o unendlich barmher— ziger Gott! durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, Du wollest im gnä⸗ digen Hinblick auf dieses Opfer deines Sohnes schützen und regieren deine heilige katholische Kirche. Bewahre sie im Frieden, breite sie aus und führe sie zum Siege in der ganzen Welt. Gieße deine beson— dern Segnungen aus über ihren obersten Hirten, den Papst, über alle Bischöfe und Priester, sowie über die christlichen Fürsten und Obrigkeiten. Gedenke auch, o Herr! meiner lieben Eltern, Geschwister, Anver⸗ wandten, Freunde und Wohlthäter und aller, für welche ich aus Gerechtigkeit, aus Dankbarkeit und aus Liebe zu beten schuldig bin, und verleihe ihnen durch deine mild— reiche Güte alles, was sie an Seele und Leib zu ihrer zeitlichen und ewigen Wohl— fahrt bedürfen. Erbarme Dich der Sünder, der Irr⸗ und Ungläubigen, der Jesus a. d. Jungfrau. 98 Vierter Abschnitt. Bedrängten, Notleidenden, Kranken und Sterbenden. Erbarme Dich endlich auch meiner! Komm' mir zu Hilfe in allen meinen geistigen und leiblichen Nöten, und nach diesem irdischen Leben nimm mich auf zu Dir in die ewige Freude und Selig-— keit. Amen. 5ur Wandlung. O Jesus, wahrer Gott und Mensch! der Du hier unter den Gestalten des Brotes und Weines wahrhaft und wesentlich gegen⸗ wärtig bist: ich bete Dich an. O Jesus, sei mir gnädig! O Jesus, sei mir barmherzig! O Jesus, verzeihe mir meine Sünden! O Jesus! Dir lebe ich. O Jesus! Dir sterbe ich. O Jesus! dein will ich sein im Leben und im Tode. Amen. Nach der Wandlung. O Gott! nun bin ich durch deine Gnade so glücklich, Dir in Wahrheit ein reines, heiliges, unbeflecktes Opfer darbrin— gen zu können; ein Opfer, das, weit kost⸗ barer als alle Opfer des alten Bundes, IEl Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 99 deiner allerhöchsten Majestät allein würdig ist, nämlich Jesus Christus, deinen einge⸗ bornen Sohn, an dem Du von Ewigkeit dein Wohlgefallen hast. Erteile, o Herr! deinen Segen allen denjenigen, die entweder in der That oder durch die Begierde ihres Herzens daran teilnehmen, und ergieße den⸗ selben auch über die im Fegfeuer leidenden Seelen. Lindere ihre Schmerzen und führe sie bald aus dem Orte der Qual und Pein in die Wohnung des himmlischen Lichtes und der ewigen Glückseligkeit. Amen. Zum Pater noster. Vater unser ꝛe. Zum Agnus Dei. O Du Lamm Gottes, das Du hin⸗ wegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! O Du Lamm Gottes, das Du hin⸗ wegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! O Du Lamm Gottes, das Du hin⸗ wegnimmst die Sünden der Welt, schenke uns den Frieden! 100 Vierter Abschnitt. 5ur Rommunion. O Jesus! in deiner unendlichen Liebe gingst Du so weit, daß Du die Nahrung unserer Seelen werden wolltest. Der Prie⸗ ster genießt jetzt diese himmlische Speise; er empfängt deinen heiligen Leib und trinkt dein kostbares Blut. O komm' auch zu mir, Du Bräutigam meiner Seele! gehe ein in mein Herz und erfreue es durch deine süße Gegenwart. Gieb mir Kraft, daß ich meine Leidenschaften bezähme und in allen Versuchungen siegreich bestehe. Laß nicht zu, daß ich jemals wieder in eine Sünde falle und das Band der Vereini⸗ gung mit Dir zerrissen werde, sondern befestige es immer mehr, auf daß ich mit Dir vereinigt bleibe in Zeit und Ewigkeit. Amen. Schlußgebet. O Gott! Du hast mich des Glückes gewürdigt, der unblutigen Erneuerung jenes kostbaren Opfers, welches dein göttlicher Sohn zur Erlösung der Menschen blutiger Weise am Kreuze darbrachte, beiwohnen zu Audachtsübungen bei der heiligen Messe. 101 dürfen. Ich danke Dir für diese große Gnade. O wäre mein Geist so gesammelt und mein Herz so von Andacht durchdrun⸗ gen gewesen, wie es diese heilige Handlung verdient! Aber ich war leider vielfach zer— streut und unandächtig. Vater im Himmel! verzeihe mir diese meine Zerstreuungen und alle Fehler, deren ich mich durch zu geringe Andacht während dieses heiligen Opfers schuldig machte, und laß mich nichtsdesto⸗ weniger der Früchte teilhaftig werden, welche fromme und gottesfürchtige Seelen durch andächtige Beiwohnung der heiligen Messe erlangen. Amen. Zum Segen. Es segne uns der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der heilige Geist; Er befreie uns von allem Uebel des Leibes und der Seele und führe uns nach diesem zeitlichen ins ewige Leben. Amen. 48 Meßandacht zur Bewahrung der Anschuld u. jungfräulichen Reinigkeit. Vorbereitungsgebet. Im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes trete ich mit dem Priester zum Altare, um Gott, dem Herrn der Heerscharen, das reine und heilige Opfer des neuen Bundes darzubrin— gen, welches vom Aufgange bis zum Nieder— gange der Sonne gefeiert wird als ein immerwährendes Andenken an jenes blutige Opfer, das unser Herr und Heiland Jesus Christus selbst am Stamme des heiligen Kreuzes für die sündigen Menschen darge bracht hat. Mein Gott und Herr! sende mir deinen heiligen Geist, daß Er mich fähig mache, diesem hochheiligen Opfer mit wahrer Andacht beizuwohnen und der Früchte desselben teilhaftig zu werden. Ich befehle mich und alle die Meinigen in diese heilige 78 Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 103 Messe und bitte Dich, daß Du uns allen die Kraft und Verdienste dieses heiligen Opfers zukommen lassest. Zum Ronfiteor und Ryrie. In tiefster Demut falle ich nieder auf meine Knie und bekenne meine Schuld, meine große Schuld. Ach, ich habe ge— sündiget und Böses gethan vor Dir, o Gott! Erbarme Dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit. Wende ab dein Angesicht von meinen Beleidigungen und siehe hin auf Jesus Christus, das unbefleckte Lamm, welches hinwegnahm die Sünden der Welt. Um seinetwillen sei mir gnädig und barm⸗ herzig und vergieb mir meine Schuld, wie auch ich vergebe meinen Feinden und Be⸗ leidigern; denn dieses Opfer ist ja ein Opfer der Versöhnung und soll Frieden stiften zwischen Gott und den Menschen. Nur der Heiligste kann den Allerheiligsten versöhnen und mir seine Huld und Gnade wieder verschaffen. Darum bitte ich Dich, o Gott der Heiligkeit! durchdringe mein schwaches, von so vielen Gefahren umgebenes Herz mit 10⁴4 Vierter Abschnitt. heiliger Furcht und Liebe, daß ich die Sünde als das größte Uebel verabscheue und hasse, und Dir in Unschuld und mit einem reinen Herzen dienen und wohlge⸗ fallen möge. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Zur seligsten Jungfrau Maria. Heilige Maria, du reinste und tugend⸗ hafteste Jungfrau! ich bitte dich, erlange mir von Gott die Gnade, Entschlossenheit und Stärke, dir in der Tugend der himm— lischen Reinigkeit getreulich nachzufolgen. Kein Gedanke soll in meinem Herzen auf⸗ steigen, kein Wort aus meinem Munde kommen, wodurch ich der schönen Tugend der Reinigkeit zuwider handle. Nicht mehr mir, sondern Gott allein will ich leben, und mit diesem Vorsatze lege ich mein Herz auf den Altar, damit es, in Vereinigung mit dem hochheiligen Opfer Jesu Christi, ein gottgefälliges Opfer werde. Bitte also, o mächtige Fürsprecherin! daß mein Gebet Erhörung finde durch deinen Sohn Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 105 Zum Evangelium. Gott! ich danke Dir, daß Du uns durch deinen göttlichen Sohn das Evan— gelium der Gnade kundgethan hast. Diese frohe Botschaft lehrt uns, an Dich, den Allmächtigen, glauben, auf Dich, den All-— barmherzigen, hoffen, und Dich, das aller— höchste Gut, von ganzem Herzen lieben. Was nun aber meinem Glauben, meiner Hoffnung und Liebe noch mangeln sollte, um sie Dir als ein wohlgefälliges Opfer darzubringen, das verlange ich durch die Verdienste jenes Opfers am Kreuze zu er— setzen, welches dein Eingeborner mit seinem Herzblute vollbracht hat und der Priester jetzt unblutig erneuert. Du kennst, Allwissender! die Schwäche meines Herzens, weißt aber auch, wie sehr ich verlange, Dir wohlgefällig zu werden. Darum, liebster Vater! mache mich der Einwirkung deiner Gnade em— pfänglich und deiner Verheißung würdig durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. O Himmel skönigin Maria! durch deine Ergebung in den Willen Gottes, durch 106 Vierter Abschnitt. deine Demut und jungfräuliche Reinigkeit bist du gewürdiget worden, deinen Schöpfer zu gebären, und bist doch die reinste Jung⸗ frau geblieben. Durch dieses wundervolle Geheimnis bitte ich dich, flöße meiner Seele deinen treuen Gehorsam, deine tiefe Demut und deine Liebe zur jungfräulichen Reinigkeit ein, damit ich Gottes Erbarmen über mich herabziehe, im Dienste Gottes meine höchste Freude und in meinen Seelen- und Leibes⸗ anliegen Hilfe und Beruhigung finde. „Maria sprach: Siehe! ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte.“ Bitte, o seligste Jungfrau! daß auch ich mich jederzeit dem göttlichen Willen unterwerfe, und Gottes heiligster Wille in allem an mir erfüllt werde. Amen. Zur Opferung. O Gott! in dieser feierlichen Stunde des großen Versöhnungsopfers wollest Du gnädig auf uns herabblicken und unsere Andacht Dir gefallen lassen, da wir in Ehrfurcht gleich den Engeln des Himmels vor dem Altare knien und Dich anbeten. Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 107 Segne die Opfergaben, die der Priester zu Dir emporhebt; segne sie und weihe sie zu dem heiligen Geheimnisse, wozu sie bestimmt sind. Da nun dieses Brot und dieser Wein durch deine Allmacht in das Fleisch und Blut Jesu Christi wird ver⸗ wandelt werden, so wollest Du unsere Bit⸗ ten erhören, die wir im Vertrauen auf die Verdienste unseres Erlösers diesem Opfer beiwohnen. Wir bitten also im Namen Jesu für die katholische Kirche, für das Oberhaupt derselben und für alle Bischöfe und Seel⸗ sorger, daß Du sie vor aller Widerwär⸗ tigkeit bewahrest. Ebenso bitten wir für alle weltlichen Regenten und Lenker deines Volkes; erleuchte sie durch das Licht deines heiligen Geistes, daß sie die Untergebenen in Liebe regieren und beglücken. Auch bitten wir für alle Irrgläubigen, daß Du sie zur Erkenntnis des wahren Glaubens führest. Endlich bitten wir für alle Sünder um heilsame Erschütterung ihrer Herzen, damit sie zur Buße und Besserung schreiten, die Du auch mir verleihen wollest, 108 Vierter Abschnitt. durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Unbefleckte Jungfrau Maria! wie fromm und heilig, wie rein und unschuldig mußt du gewesen sein, da der ewige Gottessohn sich würdigte, in dir zu wohnen! Auch ich soll rein und in Unschuld leben und mich durch Tugend und Frömmigkeit heiligen. Darum bitte ich dich, o reinste aller Jung⸗ frauen! eile mir zu helfen, damit ich, gestärkt durch die Frucht dieses hochheiligen Meß— opfers, aller Sinnenlust entsage und mein Herz zu einer Wohnung bereite, in welche dein Jesus mit Freuden seine Einkehr nehme. Diese Gnade erbitte mir durch eben diesen deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland. Amen. Zum Sanktus. Allmächtiger Gott! das Opfer der Gnade ist nun zu deiner Ehre bereitet und ich bitte, gieb mir Kraft, daß ich jetzt meine Gedanken ganz von dem Irdischen losreiße und hinwende zu Jesus, der in diesem Augenblicke vom Himmel herabsteigt und als Opferlamm sich hingiebt, wie Er Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 109 auf dem Kalvarienberg sich hingab für uns unter den schmerzlichsten Leiden am Kreuze. Ich will nichts sehen als das gött— liche Opferlamm und sein kostbares Blut, welches nun bald im Kelche emporgehoben und dem himmlischen Vater geopfert wird. Daher ist es gebührend und recht, daß wir Dir, heiligster Vater! allezeit Dank sagen durch Jesus Christus, unsern Herrn, durch welchen die Engel deine Majestät loben, die Herrschaften anbeten. Wir bitten Dich, nimm auch unsere Gebete in Gnaden an; wir rufen in Demut: Heilig, heilig, heilig ist unser Gott! Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Heilige Maria, reinste Jungfrau, un⸗ befleckte Mutter! ich bin ganz unwürdig, mit den Engeln und frommen Seelen in das Lob Gottes einzustimmen, da ich so oft meine Lippen durch sündhafte Gespräche und meine Gedanken durch eitle Vorstel⸗ lungen entheiliget habe. Aber mit deinem Beistande, o Spiegel der Reinigkeit! will ich künftig meine Sinne bewachen; ich will 110 Vierter Abschnitt. allem Vorwitz, allem Leichtsinn und allen Gelüsten der Sinnlichkeit Aug' und Herz verschließen, damit mein Herr und Gott mit Liebe auf mich herabsehen möge, als auf dein getreues Pflegekind. Amen. Hur Wandlung. Jesus, Du Sohn des lebendigen Got⸗ tes! Du bist hier mit Leib und Seele gegenwärtig; ich schlage an meine Brust und bekenne Dich als meinen wahren Gott, als meinen Erlöser und Seligmacher. Je— sus, an Dich glaube ich!— Jesus, auf Dich hoffe ich!— Jesus, von Herzen liebe ich Dich! O heiliges Blut des göttlichen Lammes, wasche mich rein von allen meinen Sünden! O kostbares Blut, stärke mich gegen den Rückfall in die Sünde! O göttliches Blut, heilige durch deine Kraft meine Seele zum ewigen Leben! Nach der Wandlung. Jesus Christus, ewiger Gott! Du bist mit Gottheit und Menschheit hier zugegen, und obgleich ich Dich nur im Glauben rz Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 111 sehe, so ist doch durch deine eigene Kraft und Allmacht dein wahrer Leib und dein kostbares Blut das Opfer, welches hier dem himmlischen Vater dargebracht wird. Durch Dich lernten wir den Vater kennen und beten mit kindlichem Vertrauen: Vater unser, der Du bist in dem Himmel! Dein Name ist groß und heilig und aller Anbetung würdig. Dein Reich, dein Segen, dein Geist komme zu uns, damit wir gerecht und tugendhaft vor Dir wandeln. Laß uns in allem deinen Willen thun und der Wohlthaten würdig werden, die Du uns tagtäglich erweisest. O Gott! wie sehr be— schämt mich deine große Gnade und Frei— gebigkeit! Du überhäufest mich mit Gütern, deren ich ganz unwürdig bin, und ich bin oft so hart gegen Notleidende, die mich in deinem Namen bitten! Ach, Vater! vergieb mir meine Schuld, wie ich allen meinen Schuldigern vergebe. Bewahre mich vor sündhaften Versuchungen; denn ich bin schwach und vermag ohne deinen Beistand dem Bsen nicht zu widerstehen. Erlöse mich von allem Uebel des Leibes und der 112 Vierter Abschnitt. Seele und laß mich, durch deinen Geist geleitet, allezeit in Unschuld und Herzens⸗— reinheit vor Dir wandeln. Heilige Jungfrau Maria, möchte ich doch im stande sein, alles Sündhafte in mir zu vernichten. Versage mir deine Für— bitte nicht, sondern laß mich deine Hilfe an mir erfahren, damit ich Dir vorzüglich nachzufolgen vermöge in der jungfräulichen und standesmäßigen Keuschheit, um so auch des Genusses jener Seligkeit teilhaftig zu werden, die Gott denen versprochen, welche an Ihn glauben, auf Ihn vertrauen und Ihn lieben aus dem Grunde des Herzens. Amen. Zur RKommunion. Liebreichster Jesus! Du ladest uns alle ein und willst uns deinen Leib zu essen und dein Blut zu trinken geben. Ja, Du trägst sogar ein Verlangen, zu uns zu kommen und uns schon hier selig zu machen. O wie gern wollte ich Dich jetzt in mein Herz auf— nehmen! Aber wie darf ich es wagen, mei⸗— nem Gott mich zu nahen, den ich so oft Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 113 durch Undank beleidigt habe? Allein durch deine Gnade erkannte ich meine Fehler und rufe nun mit reumütigem Herzen: Komm', o Jesus! komm' in meine Seele, die so sehnlich nach Dir verlangt! Gieße einen Tropfen deines Blutes in meine Seele und mache sie vollkommen gesund. Höre, Ge— liebter meiner Seele, höre die Seufzer meines Herzens und kehre mit deiner Gnade huld— reich bei mir ein! Schmücke mich mit den Tugenden deiner heiligsten Mutter, und gieb, daß ich meine bösen Gewohnheiten überwinde und ein reines Herz erlange. Jenen Frieden schenke mir, den Du deinen Jüngern gabst, da Du zu ihnen sprachst:„Meinen Frieden gebe Ich euch.“ O gieb meiner Seele den Frieden, der mich antreibt, auch mit meinen Mitmenschen in Ruhe und Eintracht zu leben, um sodann einst des ewigen Friedens teilhaftig zu werden. Amen. Zum Segen des Priesters. Ich bezeichne Stirne, Mund und Brust mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und bekenne damit öffentlich meinen Glauben an Jesus a. d. Jungfrau. 8 114 Vierter Abschnitt. den dreieinigen Gott. Wenn dann dereinst beim Weltgerichte dieses glorreiche Zeichen am Himmel erscheint, dann laß Dir, o aller— heiligste Dreifaltigkeit! meinen Glauben gefallen und mich Anteil nehmen an den Früchten des Opfertodes meines Herrn und Heilandes Jesus Christus. Segne auch du mich, o jungfräuliche Mutter, segne mich mit deinem göttlichen Kinde! Ja, segne mit der Fülle dieses himm— lischen Segens meinen Leib und meine Seele zur Ehre Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen. Meßandacht zum Croste der Verstorbenen. Vorbereitungsgebet. Jesus Christus, Erlöser der Welt! Du bist die Auferstehung und das Leben, Du unser Retter und Seligmacher, das Heil der Welt, Mittler zwischen Gott und den Menschen, Richter der Lebendigen und der Toten. Siehe, wir flehen zu Dir, dem All⸗ sehenden und Allwissenden, in Demut und mit zerknirschtem Herzen. Wir flehen zu Dir, wie Du willst, daß wir bitten sollen, für die abgestorbenen christgläubigen Seelen. O senke deine Gnade in dieser Stunde tief in unsere Herzen ein, daß wir recht klar erkennen, wie alles eitel ist auf der Welt und Ruhe und Friede nur in Dir, damit wir, von aller Sünde gereinigt, dieses heilige Meßopfer Dir darbringen für die Seelen der Abgestorbenen, insbesondere für die ab— 116 Vierter Abschnitt. geschiedene Seele, deren christliches Andenken wir jetzt begehen. Amen. Zum Ronfiteor. Heiliger Gott! vor Dir ist keiner ohne Sünde. Vielfach haben wir alle gefehlt und gesündigt, alle, die hingegangen sind im Glauben an Dich, wie auch wir, die wir noch wandeln im sterblichen Fleische. Wir bekennen es mit dem Munde, was wir im Herzen bereuen; wir bekennen es Dir, Gott dem Allmächtigen, der allezeit seligen Jung⸗ frau Maria, dem heiligen Erzengel Michael, dem heiligen Johannes dem Täufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus und allen Heiligen, daß wir gesündigt haben, oft und vielfach, durch Gedanken, Worte und Werke. Wir erkennen unsere Schuld, unsere große Schuld. Heilige Maria, du Mutter dessen, der uns geliebt bis zum Tode am Kreuze, heiliger Michael, heiliger Johannes, ihr heiligen Apostel Petrus und Paulus und all' ihr Heiligen, die ihr, nachdem ihr ge⸗ kämpft habt den guten Kampf, am Throne des Ewigen Fürbitter seid für die schwachen, Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 117 irrenden und sündigen Menschen, bittet für uns und mit uns für die abgeschiedene Seele, für welche dieses hochheilige Opfer dargebracht wird, daß uns Gott unsere Sünden vergebe, unser Gebet erhöre und der abgeschiedenen Seele durch Jesus Chri⸗ stus den ewigen Frieden schenke. Amen. Zum Ryrie eleison. Gott! Du kennst unser Herz. Du weißt, wie wir im Vertrauen auf deine verzeihende Vatergüte und im Namen Jesu Christi hin⸗ blicken, um Rettung und Erbarmen hin— blicken auf Dich allein. Erbarme Dich der abgeschiedenen Seele, für welche dieses heilige Meßopfer verrichtet wird. Gott, erbarme Dich ihrer! Jesus Christus, der Du für alle gestorben bist, die an Dich glauben, erbarme Dich ihrer! Amen. Gebet nach Psalm 50. Erbarme Dich ihrer, o Gott, nach der Größe deiner Barmherzigkeit und tilge ihre Missethat nach der Fülle deiner Erbarmun— gen! Wasche sie von ihrer Ungerechtigkeit 118 Vierter Abschnitt. und reinige sie von ihren Sünden. Denn ihre Ungerechtigkeit, o Gott! erkennt sie wohl, und ihre Sünden sind vor ihr allezeit, wenn Du Dich nicht erbarmest. Dir, o Gott! hat sie gesündiget und Böses gethan vor Dir, so lange sie noch wandelte im Fleische dieses Lebens. Verzeihe ihr, Herr, ihre Missethaten wegen ihrer Schwachheit! Denn siehe, in Ungerechtigkeit sind wir empfangen. Doch, Herr! Du weißt alles, und wir wollen Dir nichts verschweigen. Besprenge Du mit dem Segen deiner allerbarmenden Gnade die ab— geschiedene Seele, damit sie gereinigt werde von aller Makel der Sünde und geschmückt mit dem Gewande der Unbefleckten durch deine Gnade. O laß sie die Stimme der Freude und des Trostes hören, und froh⸗ locken wird sie, Herr, die deiner harret, in Ewigkeit. Wende dein Angesicht von ihren Sünden hinweg und tilge alle ihre Misse⸗ thaten. Mache sie rein, Herr! daß sie schauen ö möge dein heiliges Antlitz. Verwirf sie nicht von deinem Angesichte und wende das Auge deiner allerbarmenden Liebe nicht von ihr. Gieb ihr, o Gott der Liebe und der Barm⸗ ö Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 119 herzigkeit! die Freude deines Heiles, damit auch sie, vereint mit allen Himmelsgeistern Dich anflehend, auf uns herabblicke, die wir noch im Pilgerthale dieses Lebens straucheln und fehlen. O Gott, Du unser Gott und Heiland! befreie alle, die bereits in Dir entschlafen sind und die dem Tage der Auflösung noch entgegenharren, von der Sündenschuld; dann werden wir frohlocken in Dir, o Gott! und Dir lobsingen selbst in der Trübsal. Ja, Herr, auf Dich hoffen wir. Fordertest Du für unsere Uebertretungen Sühnopfer, gern würden wir sie bringen. Aber das Opfer, das Dir wohlgefällt, ist ein reumütiger, zer— schlagener Geist, und ein zerknirschtes, demü⸗ tiges Herz wirst Du, o Gott! nie verachten. O sei gnädig, Herr, unser Gott, unsere ein⸗ zige Hilfe und Zuflucht! Sei gnädig und handle mit uns und allen Abgestorbenen, besonders mit der Seele, für welche Dir dieses hochheilige Opfer dargebracht wird, nach deiner Güte, damit wir alle aus unserm unseligen Zustande erlöst werden. Amen. Herr, erbarme Dich der Abgestorbenen! 12⁰ Vierter Abschnitt. Christus, erbarme Dich der Abge— storbenen! Zur Epistel.(. Chess. 4, 12. 13.) Brüder! wir wollen euch nicht in Un⸗ wissenheit lassen über die Entschlafenen, daß ihr nicht betrübt seid, wie die Heiden, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und aufer⸗ standen ist, so wird auch Gott die, welche in Jesu entschlafen sind, mit Ihm führen zur Auferstehung. Zum Evangelium.(Joh. 11, 2—265 In jener Zeit sprach Martha, die Schwe⸗ ster des Lazarus, zu Jesu: Herr! wärest Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht ge⸗ storben. Aber auch jetzt weiß ich, daß alles, was Du von Gott begehrst, Gott Dir geben wird. Jesus sprach zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Martha sprach zu Ihm: Ich weiß, daß er auferstehen wird bei der Auferstehung am jüngsten Tage. Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an Mich glaubt, wird leben, . NJ. Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 121 wenn er auch gestorben ist, und jeder, der da lebt und an Mich glaubt, der wird nicht sterben in Ewigkeit. Zur Opferung. Herr Jesus Christus, Herr der Leben⸗ digen und der Toten! erlöse die Seelen aller im Glauben an Dich Dahingeschiedenen von aller Sünde und den Strafen, die sie ver⸗ dient haben. Der Erzengel Michael ge— leite sie zum ewigen Lichte, welches Du dem Abraham und seinen Nachkommen ver⸗ sprochen hast. Nimm an, o heiliger Vater, allmäch— tiger, ewiger Gott! mit Wohlgefallen das unblutige Opfer des neuen Bundes, welches jetzt zum Troste der leidenden Seelen dar— gebracht wird, und erhöre die frommen Ge— bete deiner heiligen Kirche. Eine Seele ist wieder zu Dir zurück⸗ gekehrt, o Gott! die Du nach deinem Eben— bilde erschaffen, durch Jesus Christus, deinen Sohn, erlöst und durch den heiligen Geist geheiligt hast. Du kennst alle ihre Fehltritte und keine ihrer Uebertretungen ist Dir ver— 12² Vierter Abschnitt. borgen. Herr, wer wird bestehen, wenn Du strafest und züchtigest nach der Strenge deiner Gerechtigkeit! Erbarme Dich ihrer, o Gott, nach der Größe deiner Barmherzig— keit und tilge ihre Missethat nach der Fülle deiner Erbarmungen. Erhöre, o Herr! unser Gebet für sie und laß unser Flehen zu Dir kommen! Wende dein Angesicht nicht von uns weg, sondern am Tage, wo wir Dich anrufen, neige dein Ohr zu uns! Verwirf nicht das Gebet derer, die aus der Tiefe ihres Elendes zu Dir rufen, zu Dir, o Herr! der Du Dich erbarmest nach deiner Gnade und die Bitten der Demütigen nicht verwirfst. Herr, wenn Du alle Schwächen ahnden woll— test, Herr, wer würde vor Dir bestehen? Aber bei Dir ist Vergebung, und um deines Sohnes willen verzeihest Du, o Herr, und verschonest. Gott, Allerbarmer, die abgeschiedene Seele harret auf Dich bis zum Tage der Erlösung. Bei Dir ist Gnade und Erbar— mung, und Du wirst sie einführen in die ewigen Freuden. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 123 Zum Sanktus. Zu Dir, o Gott, unserm Ursprung und unserm Ziel! zu Dir, dem Ewigen und Heiligen! erheben wir in Demut, in Ge⸗ horsam und Liebe und im Vertrauen auf deine Erbarmung unser Herz und unsere Hände und beten hoffnungsvoll deine Vater⸗ güte an, Dir, wie es sich geziemt, Dank sagend durch Jesus Christus, der das Werk unserer Erlösung vollbracht hat auf Gol⸗ gotha. Durch Ihn loben deine Majestät die Engel; durch Ihn beten Dich an die Herrschaften und es beben in heiliger Ehr— furcht die Mächte. Durch Ihn preisen Dich die Himmel und die Kräfte der Himmel und die Seraphim und Cherubim im vereinten Jubelchore. Laß uns, wir bitten Dich, mit ihrer Anbetung auch unsere Stimme ver— einigen, indem wir zugleich mit ihnen in tiefster Ehrfurcht ausrufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heer— scharen! Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll! Hosanna in der Höhe! Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Amen. Vierter Abschnitt. Vor der Wandlung. Dich, gütigster Vater! bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, und flehen zu Dir in tiefster Demut. Nimm gnädig an und segne das heilige und un⸗ befleckte Opfer, welches wir Dir darbringen vorzüglich für deine heilige, allgemeine Kirche, für die streitende auf Erden wie für die lei⸗ dende im Reinigungsorte. So wie Du die streitende reinigen und erhalten wollest in Einigkeit der Liebe und des Friedens, so führe alle, welche im Reinigungsorte Deiner harren, o Herr! in die Gefilde des ewigen Friedens. Stärke die geistliche und welt⸗ liche Obrigkeit mit deiner Gnade, segne unsere Eltern, Geschwister, Wohlthäter, Freunde und Feinde; tröste alle Betrübten und Hilfs⸗ bedürftigen, bekehre die Sünder, stärke die Gerechten, nimm die Sterbenden auf in deine Hände und führe die Gestorbenen zu Dir ins ewige Leben. Amen. Hur Wandlung. Jesus Christus, der Du mit Fleisch und Blut hier auf diesem Altare gegenwärtig „55 760 EE —.— AI ereee Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 125 bist: ich bete Dich an und bitte Dich, er⸗ barme Dich der armen Seelen im Reini⸗ gungsorte!(Zweimal.) Uach der Wandlung bis zur Rommunion. Im Geiste der Liebe erinnern wir uns vor Dir, o Jesus! aller verstorbenen christ⸗ gläubigen Seelen, insbesondere unserer El⸗ tern, Brüder und Schwestern, leiblichen und geistlichen Wohlthäter und derjenigen Seele, für welche dieses heilige Meßopfer dargebracht wird. Auch sie sind deine Erlösten, o Herr! erbarme Dich ihrer! Reinige sie von den Sünden, die sie beim Eintritt in die Ewigkeit noch nicht abgebüßt haben; vollende ihre Tugend und Glückseligkeit nach deiner wei— sen Güte und führe uns endlich alle nach überstandener Prüfungszeit in die Wohnun⸗ gen der Auserwählten, in den Himmel ein, zu deinem Vater und zu unserm Vater, zu deinem Gott und zu unserm Gott, an den wir uns im Glauben wenden, indem wir das Gebet an Ihn richten, das Du selbst uns gelehrt hast: Vater unser ꝛc. 126 Vierter Abschnitt. Das Vater unser für die leidenden Seelen im Fegfeuer. Vater un ser, der Du bist im Himmel. Ich bitte Dich demütig, vergieb den leidenden Seelen, die deiner seligen An— schauung jenseits noch beraubt sind, vergieb ihnen, daß sie Dich, ihren heiligen, liebens— würdigsten Vater, der Du sie durch deine Güte zu deinen Kindern angenommen, nicht immer, wie sie sollten, geliebt, sondern sich manches Undanks und Ungehorsams gegen Dich schuldig gemacht haben. Zur Genug— thuung für ihre Sünden opfere ich Dir jene Liebe und Verehrung auf, welche dein teurer Sohn auf Erden Dir allezeit erwiesen und durch die Er für alle unsere Nach— lässigkeiten so reichlich genuggethan hat. A. Vater unser ꝛc. Geheiliget werde dein Name. Vergieb, o ewiger, barmherziger Vater! allen Verstorbenen, die noch gereinigt werden von ihren Mängeln und Fehlern, wie das Gold im Glutofen, vergieb ihnen, daß sie deinen Namen nicht immer würdig geehrt, Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 127 nicht stets in heiliger Furcht vor Dir ge— wandelt und sich durch öftere Verirrungen des christlichen Namens unwert gemacht haben. Zur Genugthuung für diese Sünden opfere ich Dir die vollkommenste Heiligkeit deines Sohnes auf, mit der Er deinen über alles gepriesenen Namen durch Lehre und Bei⸗ spiel so sehr erhöhet und in allen seinen Handlungen verherrlichet hat. Amen. Vater unser ꝛc. Zukomme uns dein Reich. Vergieb, o Gott des Friedens! allen Verstorbenen, die noch nicht eingegangen sind in die seligen Wohnungen des Friedens, vergieb ihnen, daß sie sich nach Dir und deinem Reiche, wo allein Ruhe und ewige Freude ist, nicht immer mit solcher Inbrunst sehnten, noch mit so sorgfältigem Eifer dar— nach strebten, als es ihre Pflicht gewesen. Für alle ihre Trägheit im guten opfere ich Dir die reinen Wünsche deines Eingebornen auf, mit denen Er so liebevoll die Herzen der Menschen zu gewinnen suchte, damit sie seine Miterben werden möchten. Amen. Vater unser ꝛe. 128 Vierter Abschnitt. Dein Bille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden. Vergieb, o gütigster Vater! allen Ver⸗ storbenen, die, noch fern von Dir, sich nach deiner väterlichen Nähe sehnen, vergieb ihnen, daß sie nicht allezeit deinen heiligen Willen dem ihrigen vorgesetzt, demselben nicht immer gehorcht, sondern sich öfters von ihren Be— gierden haben hinreißen lassen. Zur Er— setzung ihres Ungehorsams opfere ich Dir die kindliche Ergebenheit Jesu und seinen tiefen Gehorsam auf, den Er Dir in den härtesten Prüfungen bewiesen und durch den Er Dir folgsam war bis zum Tode am Kreuze. Amen. Vater unser ꝛc. Gieb uns heute unser kägliches Brot. Vergieb, o liebreichster Vater! allen Verstorbenen, die noch nach der himmlischen Mahlzeit schmachten und, ferne von Dir, nach Dir hungern, vergieb ihnen, daß sie das gnadenreiche Geheimnis des Altares nicht allzeit mit jenem Glauben, mit jener Andacht und Liebe empfangen haben, mit der sie es ——2———— Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 129 hätten genießen sollen, und dadurch ihren göttlichen Erlöser manchmal in ein unwür⸗ diges Herz aufgenommen haben. Für diese Vergehen opfere ich Dir jene innige Liebe, jenes unaussprechliche Wohlwollen auf, mit dem Er dieses allerheiligste Sakrament zu unserm Troste und zu unserer Heiligung eingesetzt hat. Amen. Vater unser ꝛc. Vergieb uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Ich bitte Dich demütigst, o unendlich langmütiger Vater! vergieb allen Verstor— benen ihre Missethaten, die sie je in ihrem Leben begangen und für die sie nicht hin— reichend genuggethan haben; vergieb ihnen alle zornmütigen Empfindungen, die sie je gegen ihre Mitmenschen im Herzen ge— tragen. Ich opfere Dir dafür auf das großmütige, göttliche Gebet, welches dein allerliebster Sohn am Kreuze für seine Feinde an dein liebendes Vaterherz gerichtet hat. Amen. Vater unser ꝛc. Zesus a. d. Jungfrau. 9 Vierter Abschnitt. Dnd führe uns nicht in Versuchung. Ich bitte Dich, o gnädigster Vater! der Du keinen über seine Kräfte versucht werden läßt, vergieb unsern verstorbenen Mitchristen, daß sie den Versuchungen und bösen Trieben nicht immer widerstanden, sondern sich öfters durch die Reize der betrüglichen, falschen Freuden, durch Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens haben hinreißen lassen und dadurch ihre Tugend verloren oder be— fleckt haben. Für alle diese Sünden opfere ich Dir den glorreichen Sieg unseres gött— lichen Erlösers auf, mit dem Er die Welt und den bösen Feind überwunden hat; ich opfere Dir auf seinen ganzen heiligen Lebenswandel, seine Liebe zur Armut, seine Reinheit, Demut, alle seine Mühe und Arbeit, sein bitteres Leiden und Sterben. Amen.— Vater unser ꝛc. Sondern erlöse uns von dem dlebel. Amen. O ewige Liebe, die nicht den Tod des Sünders will, sondern daß er sich bekehre und lebe: erlöse alle Mitglieder der leidenden Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 131 und streitenden Kirche von allem Uebel und aller Strafe, durch die Verdienste deines Eingebornen, und führe uns zu dem Reiche deiner ewigen Herrlichkeit, in deine seligen Wohnungen. Amen. O Du Lamm Gottes, das Du hinweg—⸗ nimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich der abgeschiedenen Seelen im Reinigungs⸗ orte!(Dreimal.) Sur Rommunion. O könnte ich jetzt Dich, geliebtester Je⸗ sus, im heiligen Sakramente empfangen, wie Dich der Priester empfängt! Dies sei mein innigstes Verlangen! Die wirkliche Kom— munion des Priesters und diese meine geistige Kommunion opfere ich Dir, o Jesus! für die Seelen im Fegfeuer auf, insbesondere zum Ersatze für alle Nachlässigkeit und Lauig⸗ keit im Empfange des allerheiligsten Altars— sakramentes, deren sie sich etwa schuldig ge⸗ macht haben. O Jesus! sei in mir, auf daß ich durch Dich alle meine Gebete, alle meine guten Werke und all meine Geduld in Leiden auf 132 Vierter Abschnitt. desto wirksamere Weise für die Seelen im Fegfeuer täglich aufopfern kann! Uach der Rommunion. Himmlischer Vater! gieb uns die Gnade, die Ermahnung deines Sohnes zu befolgen: „Glaubet an das Licht, so lange ihr das Licht habet, damit ihr Kinder des Lichtes seid.“ Und den Seelen im Fegfeuer laß unsere Ge— bete, die wir bei dem heiligsten Meßopfer für sie vor deiner Majestät ausgegossen haben, ersprießlich sein. Sie waren auf Erden Kin— der des Lichtes: o laß sie emporschweben zur Anschauung des unendlichen Lichtes, das Du bist! Wir bitten Dich durch deinen Sohn Jesus Christus, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewig⸗ keit zu Ewigkeit. Amen. Während des letzten Evangeliums. Wie freuen sich die Seelen im Fegfeuer schon jetzt, daß sie auf Erden an Dich, o Jesus! der Du bist das Licht vom Lichte, der wahre Gott vom wahren Gott, geglaubt haben! Wie freuen sie sich, daß sie unfehlbar NSI ———⏑—5—— im Andachtsübungen bei der heiligen Messe. 133 Dich, das Licht des Himmels und der Erde, ewig schauen werden! O mache ihre Freude bald voll durch deine selige Anschauung, der Du bist das wahre Licht, leuchtend von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Gebete, welche auf Anordnung Sr. Heiligkeit Leos XIII. in allen Kirchen des katholischen Erdkreises am Schlusse jeder stillen Messe kniend verrichtet wer— den sollen.(Ablaß von 300 Tagen.) Drei Ave Maria ꝛc., dann einmal: Gegrüßet seist du, Königin ꝛc.(Siehe Seite 170.) Lasset uns beten. O Gott, unsere Zuflucht und Stärke, schaue gnädig herab auf dein Volk, das zu Dir fleht, und durch die Fürbitte der glor⸗ reichen und unbefleckten Jungfrau und Gottes- mutter Maria, des heiligen Joseph, ihres Bräutigams, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen erhöre in deiner Milde und Barmherzigkeit unsere Gebete für die Bekehrung der Sünder und für die Freiheit und die Erhöhung unserer Mutter, 134 Vierter Abschnitt. der heiligen Kirche. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Heiliger Erzengel Michael, beschirme uns im Kampfe, beschütze uns gegen die Bosheit und die Nachstellungen des bösen Feindes! Ihm möge Gott gebieten, so flehen wir in— ständig. Du aber, Fürst der himmlischen Heer— scharen, wollest den Satan und alle andern bösen Geister, welche zum Verderben der See— len in der Welt umhergehen, mit Gottes Kraft in die Hölle hinabstoßen. Amen. Fjünfter Abschnitt. Beicht⸗Rndacht. E/ — Gebete var der Beicht. Anrufung des hl. Geistes. Rud o heiliger Geist! und erleuchte meinen Ver— stand, damit ich alle meine Sünden recht erkenne; rühre mein Herz, damit ich sie schmerz⸗ lich bereue; stärke meinen Wil⸗ len, damit ich den festen Vor— satz fasse, mich wahrhaft bessern; verleihe mir die Gna— de, daß ich dem Priester im Bußgerichte meine Vergehen aufrichtig bekenne, und gieb mir die Kraft, würdige Früchte der Buße zu bringen. Amen. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist du, Maria, ꝛc. 136 Fünfter Abschnitt. Gewissenserforschung. 1. Sünden wider Goit. Sich träge und nachlässig im Dienste Got— tes bezeigen, das Morgen- und Abendgebet unterlassen oder nur obenhin und ohne Andacht und Aufmerksamkeit verrichten. In der Kirche während des Gottesdienstes Gespräche halten, sich freiwillig den Zerstreuun— gen hingeben, in zu großem Putze und nicht züchtig bedeckt erscheinen. An Sonn⸗- und Festtagen die heilige Messe ohne wichtige Ursache versäumen, wie auch aus Trägheit und Ueberdruß am Gebete den nach— mittägigen Andachtsübungen nicht beiwohnen. Ohne gehörige Vorbereitung die heiligen Sakramente empfangen, in der Beichte die Sünden verkleinern, aus falscher Scham ver— schweigen und im Zweifel, ob es schwere Sünden sind, dieselben verhehlen. Sonn⸗ und Feiertage in leichtfertigen Zer— streuungen, gefährlichen Gesellschaften mit Spiel und Tanz zubringen; den heiligen Namen Je— sus aus angenommener Gewohnheit bei jeder Gelegenheit unnütz aussprechen; Gott bei un— bedeutenden Vorfällen zum Zeugen anrufen; sich in Kreuz und Widerwärtigkeit ungeduldig bezeigen, wider Gott murren, gegen seine Güte Mißtrauen hegen und aus Trägheit und Nieder⸗ geschlagenheit des Gemütes seinen Einsprechun— gen widerstreben. Beicht-Andacht. 137 Thun und Lassen dem Herrn nicht auf⸗— opfern; in der Zerstreuung des Gemütes Seiner vergessen und Ihm für die von Ihm empfan⸗ genen Wohlthaten nicht gehörig danken. Wegen äußerer Schönheit und Anmut, Ver— stand, Klugheit, Talent, Ueberfluß an zeitlichen Gütern, Neigung zum Guten und zur Frömmig⸗— keit, und anderer zeitlicher und geistiger Gaben wegen an sich selbst Wohlgefallen und Bewun⸗ derung zeigen, ohne solche Gottes Güte und Gnade zuzuschreiben. Gutes thun, bloß um der Menschen Gunst und ihren Beifall zu erwerben. 2. Sünden wider den Nächsten. Gegen die Eltern und andere welt⸗ liche und geistliche Vorgesetzte. Den Eltern, wie auch den übrigen Vorge— setzten nicht Gehorsam leisten; mit Unwillen ihre lehrreichen Ermahnungen anhören, den— selben entgegenhandeln. Ihnen Kummer und Sorge durch ein strafbares Betragen verursachen, sie betrüben und wohl gar mit harten, rauhen Worten kränken. Ihnen böses wünschen, ihre Fehler und Schwachheiten aufdecken und sie dem Spott und Hohne preisgeben. Ihnen in der Not nicht beistehen, sie verlassen und sich ihrer schämen, wenn sie arm und verachtet sind. Gegen ihren Willen von ihrem Eigentum und Gut etwas veräußern, verderben oder verschenken. 138 Fünfter Abschnitt. Sünden der Dienstmägde. Dasselbe Unrecht, welches Töchter gegen ihre Eltern, können auch Dienstboten gegen ihre Herrschaft begehen, da die Herrschaften den Dienenden von Gott statt der Eltern vorgesetzt sind. Eine Dienstmagd kann aber überdies sich noch auf folgende Weise versündigen: In ihren Dienstverrichtungen träge sein, die Herr— schaft verschreien, unbedachtsamer Schwätzereien, Ohrenbläsereien sich ihr gegenüber schuldig machen und dadurch Verdruß und Uneinigkeit anstiften; was der Herrschaft zugehört, ver— schenken, veruntreuen, zu eigenem Gebrauche an— wenden, oder zu Grunde gehen lassen. Sünden wider den Nächsten im allgemeinen. In Gedanken: Andere verachten, sich über sie erheben, ihre Handlungsweise übel deu⸗ ten, Böses von ihnen zu leicht glauben und ohne gegründete Ursache Argwohn fassen. Dem Nächsten Böses wünschen, sich über sein Unglück freuen, sich betrüben, wenn es ihm wohl geht; ihm mißgünstig sein, ihn hassen. In Worten: Den Nächsten mit rauhen Worten tadeln, schelten, ihm seine heimlichen oder bekannten Fehler vorwerfen. Hinter seinem Rücken von ihm Böses reden, seine Tugenden verkleinern, seine Fehler vergrößern und alle seine Handlungen übel auslegen. ere eeerr Beicht-Andacht. 139 Ohrenbläsereien begehen, d. i. einer Person mitteilen, was eine andere gegen sie geredet und gethan hat, oder zu thun gesinnt ist, wo⸗ durch gewöhnlich Feindseligkeit und Erbitterung der Gemüter entsteht. In Werken: Seinem Nächsten am Leibe Schaden zufügen, oder an seinem Eigentume durch Diebstahl, Betrug; ihm an seiner Seele schaden, indem man ihm Anlaß zur Sünde giebt. Ferner: hartherzig gegen Arme und Un⸗ glückliche sein. 3. Sünden wider sich selbst. Den Leib zu sehr verzärteln und den Sin⸗ nen zu sehr schmeicheln durch unmäßigen Schlaf, durch Essen und Trinken außer der Zeit; mit vielen Speisen den Magen überladen und da⸗ durch der Gesundheit schaden; zu viel lustwan⸗ deln und herumgehen, um sich der Welt zu zeigen; viel tanzen und die Zeit unnütz und in gefährlicher Gesellschaft vertändeln. Sich unmäßigem Zorne, ausgelassener Freu⸗ de oder zu großer Traurigkeit hingeben; die Unwahrheit reden. Bei unreinen Gedanken freiwillig verweilen, bösen Begierden nicht widerstreben, ihnen nach— geben. Reue und Leid. Herr Jesus Christus, Du unversiegbare Quelle der Barmherzigkeit! siehe, eine un⸗ 14⁰ Fünfter Abschnitt. getreue Seele kommt wieder zu Dir, um sich vor Dir anzuklagen, daß sie ihr Wort wieder gebrochen und ihr Versprechen, keine Sünde mehr zu begehen, wieder nicht gehalten hat. Nachlässig und leichtsinnig habe ich deiner aufs neue vergessen; bin lau geworden in der Andacht, kalt in der Liebe zu Dir; un⸗ behutsam habe ich meine fünf Sinne wie⸗ derum zum Bösen mißbraucht, mein Herz an das Zeitliche gehängt und meiner Eigen⸗ liebe so oft nachgegeben. Mit deiner Gnade habe ich nicht mitgewirkt, und so bin ich ö wieder gefallen, habe Dich beleidigt, meine Seele befleckt und bin wiederum ein Gegen⸗ stand deines Mißfallens geworden. O mein Jesus! wie sehr muß meine Untreue Dich betrüben; wie häßlich muß meine Seele vor deinen Augen erscheinen! Du kannst nimmermehr in einem solchen Herzen wohnen, wo Du keine Freude, keine Wonne findest, weil darin keine Tugend, sondern die Sünde herrscht. Ach, wie undankbar bin ich doch für alle deine Wohlthaten! Wie abscheulich vergelte ich Dir die Treue und Liebe, die Du mir erzeigst! Wie oft habe ich deinen hei⸗ ESSEEE 1 Beicht⸗Andacht. 141 ligen Geist in mir betrübt! Wie oft habe ich deinem heiligen Willen widerstanden und bin meinem eigenen Willen gefolgt! Dadurch habe ich nicht nur viele Gnaden und Verdienste verloren, sondern auch Strafe verschuldet. Aber nun, o mein Gott! komme ich wieder zu Dir, um mich meiner Thorheit und Untreue anzuklagen. Ich erkenne und bekenne, daß ich übel und unrecht gethan habe, daß ich Dich, der Du die Wonne der Engel und Heiligen bist, so oft betrübt und die Freude, die Du an einer treuen Seele hast, Dir durch meine Treulosigkeit so oft geraubt habe. In tiefster Demut bitte ich durch die Verdienste deines kostbaren Blutes um Verzeihung. Ich erneuere wieder das Versprechen, mich ernstlich zu bessern, so viel in meinen Kräften steht. O komm' meiner Schwachheit zu Hilfe und verleihe mir deinen Beistand durch die Liebe, die Dich vom Him— mel auf die Erde herabgezogen hat! Amen. Bebete, bevor man in den Beichtstuhl tritt. Allgütiger Jesus! mein Herz verlangt, meine Seele sehnt sich nach diesem heiligen 142 Fünfter Abschnitt. Sakramente, das Du zum Troste aller Schuldbeladenen eingesetzt hast. Schwer kommt es mich zwar an, all meine Gebre— chen dem Priester, deinem Stellvertreter, zu entdecken, aber Du verlangst es, und so will ich es zu deiner Ehre thun, damit ich durch meine Demütigung doch einigermaßen die Schmach tilge, welche ich Dir durch meine Sünden zugefügt habe. Herzlich danke ich Dir, daß Du mich diese Stunde hast erleben lassen, um, wie ich hoffen darf, der schweren Last meiner Sünden, die mich so hart drückt, entledigt zu werden. O geliebtester Jesus! ich bitte Dich durch die Verdienste deines hl. Blutes und durch die Kraft deines bittern Todes, gieb mir deine Gnade, daß ich dieses heilbringende Sakrament würdig empfange. Verleihe mir Mut und Kraft gegen die Anfechtung des bösen Feindes, damit ich aus Furcht und falscher Schamhaftigkeit keine Sünde ver— schweige. Ich will ja gerne alle, auch die geheimsten Fehltritte aufrichtig und klar be— kennen, und empfehle dieses mein demütiges Bekenntnis deinem allersüßesten Herzen, da— x i Dnos u n- Beicht-Andacht. 143 mit es gnädig ersetzen wolle, was etwa mangel⸗ haft sein könnte. Amen. Gebete nach der Beicht. Danksagung. O mein Jesus! wie kann ich Dir für diese Gnade der Vergebung meiner Sünden genugsam danken? wie kann ich Dir vergelten diese unbegreifliche Güte, diese überschengliche Wohlthat? Ich war verloren und Du hast mich gesucht und aufgenommen; ich war be— fleckt und unrein, und Du hast mich gewa⸗— schen in deinem Blute und hinweggenommen von mir all meine Unreinigkeit; ich war krank und ermattet bis zum Tode, und Du hast mich gesund gemacht und mich gestärkt zu einem neuen Leben; ich war hinabgesunken in die Tiefe des Verderbens, und Du hast mich wieder emporgezogen zu Dir. Liebevoll⸗ ster Erlöser! für diese unbegreiflichen Gnaden, die Du mir durch den Empfang dieses hei⸗ ligsten Sakramentes erwiesen, sage ich Dir den innigsten Dank, und in Vereinigung mit allen Danksagungen, welche Dir je von heiligen Büßern sind dargebracht worden, 144 Fünfter Abschnitt. lobe und preise ich deine Allmacht, die mich gerettet, deine unendliche Güte, die mich nicht verlassen, deine unerschöpfliche Liebe, die mich zu einem neuen Menschen umgeschaffen hat. Amen. Erneuerung des vorsfatzes. Ich habe es Dir versprochen, o Gott! von nun an deine Gebote mit Gewissenhaftigkeit und Treue zu beobachten und Dich, meinen liebenswürdigsten Vater, mit keiner Sünde mehr zu beleidigen. Ich bin fest entschlossen, dieses Versprechen zu halten und eher zu sterben, als Dich wieder vorsätzlich zu er— zürnen und zu betrüben. Ich will nimmer⸗ mehr sündigen; ich will fortan jede Gelegen⸗ heit zum Bösen meiden und gegen alle Anfech⸗ tungen und Versuchungen standhaft kämpfen. Fürderhin soll mein ganzes Leben, all mein Thun und Lassen nur deiner Ehre und deinem Dienste geweiht sein. Bitte um die Gnade der Beharrlichkeit. Aber, o Herr! Du kennst meine Schwäche. Du weist, wie veränderlich und unstet mein Beicht⸗Andacht. 14⁵ Wille ist. Wenn Du mich nicht mit deiner Gnade unterstützest, so sehe ich voraus, daß ich bald wieder in eben dieselben und viel—⸗ leicht in noch größere Sünden verfallen werde, wie früher. Denn wir sind nicht vermögend, das geringste Gute aus uns selbst zu denken, viel weniger zu thun. Unsere ganze Stärke kommt allein von Dir. Darum bitte ich Dich durch die allerheiligsten Wun— den Jesu, meines Erlösers, kräftige meinen Willen durch deine allvermögende Gnade. Gieb mir einen tiefen Abscheu vor der Sünde und einen so beharrlichen Eifer in deinem Dienste, daß nichts mehr von Dir mich zu trennen vermag, und daß ich in treuer Beobachtung deiner heiligen Gebote und im Besitze deiner Gnade und Freund— schaft bis an das Ende meines Lebens ver— harre. Gebet zu Maria. Heilige Maria! die du so vielen Sün⸗ dern nicht nur die Gnade einer wahren Buße und Bekehrung, sondern auch die Gabe der Beharrlichkeit im Guten von Gott Jesus a. d. Jungsrau. 10 146 Fünfter Abschnitt. erlangt hast, ich bitte dich demütig, erwirke auch mir diese unschätzbare Gnade, damit ich allem, was ich Gott heute versprochen habe, mit unverbrüchlicher Treue nachlebe und Ihn durch keine Sünde mehr beleidige. Gebet zum hl. Schutzengel und Zu allen Deiligen Gottes. Heiliger Schutzengel, meine heiligen Schutzpatrone und ihr Heiligen alle, be— sonders ihr, die ihr nach eurer Buße und Bekehrung in der Liebe Gottes bis ans Ende eures Lebens beharrt seid: bittet für mich und erlangt mir eben diese Gnade von Ihm, damit ich einst, nach meinem Hinschei⸗ den aus diesem Leben, seine Güte und Barm⸗ herzigkeit ewig mit euch im Himmel loben und preisen möge. Amen. Sechster Abschnitt. Kommunion⸗ Andacht. — Gebete vor der heiligen Rommunion. Vorbereitungsgebet. Gott! ich verlange jetze Vdas allerheiligste Sakra⸗ ment des Altars zu empfangen und meine Seele mit jenem wahren Himmelsbrote zu spei⸗ sen, welches mir mein Jesus aus unendlicher Liebe in seiner Kirche zubereitet. Ohne dei— nen besondern Beistand kann ich aber eine so erhabene Hand— lung nicht würdig verrichten. Darum bitte ich Dich durch jene Liebe, welche meinen Hei⸗ land bewogen hat, dieses hei⸗ ligste Sakrament einzusetzen: 148 Sechster Abschnitt. verleihe mir die Gnade, dasselbe in der Weise zu empfangen, daß ich dadurch in dem Hasse wider die Sünde und in der Liebe zur Tugend gestärkt werde und fortan Dir, o Herr! eifrig diene bis an das Ende meines Lebens. Allerseligste Jungfrau Maria! die du in deinem keuschesten Schoße eben den Gott— menschen getragen hast, der jetzt in mein armseliges Herz kommen will: ich rufe dich um deine Fürbitte an, auf daß ich recht würdig kommunizieren könne. Mit welch lebendigem Glauben und in welch tiefer Demut hast du den göttlichen Erlöser an— gebetet, da Er als kleines Kind in der Krippe lag! Und wie inbrünstig war deine Liebe, da du selbst dieses heiligste Sakrament so vielmal empfangen hast! O du erhabenstes Vorbild aller, die sich dem göttlichen Tische nahen! erflehe mir deinen Glauben, deine Andacht und auch nur einen Funken von dem Feuer deiner Liebe. Sei jetzt meine Mittlerin, auf daß diese heilige Kommunion mir viele Gnaden bringe. Kommunion⸗Andacht. 149 Glaube. Von ganzem Herzen glaube ich, o Jesus! daß Du in dem heiligsten Altarssakramente wahrhaft gegenwärtig bist mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, als wahrer Gott und Mensch— Du, der Eingeborne des himmlischen Vaters— Du, der göttliche Erlöser der Welt, der aus Maria der Jung— frau geboren wurde. So hast ja Du selbst gesagt:„Das ist mein Leib, das ist mein Blut;“— wie sollte ich denn Dir, o ewige und unfehlbare Wahrheit, nicht glauben? O gewiß, deine Worte sind Worte des ewigen Lebens! Meine Augen sehen zwar nichts als Brot; dennoch glaube ich unbezweifelt, daß das, was ich jetzt genießen werde, nicht Brot, sondern dein heiligster lebendiger Leib ist, weil Du, o mein Gott, es also heilig und teuer versichert hast. Demut. Wie darf ich es aber wagen, Dir zu nahen, Dich sogar in mein Herz aufzu— nehmen? Du bist der ewige Sohn Gottes, 150 Sechster Abschnitt. der unendlich große, der allerheiligste Gott, welchen Himmel und Erde als ihren Schö— pfer und höchsten Herrn anbeten,— ich aber bin ein armseliger, sündiger Mensch, der Dir schon so vielmal untreu war und Dich schon so oft beleidiget hat! Besäße ich auch die Heiligkeit der Engel und Heiligen, den— noch wäre ich unwürdig, Dich zu empfangen. Das erkenne ich wohl; aber ich weiß auch, daß Du nicht gekommen bist, die Gerechten, sondern die Sünder zu berufen; ich weiß, daß Du ein Herz, das seiner Sündhaftigkeit wegen sich verdemütigt, nicht verschmähst, ja daß Du gar mitleidig die Schwachen und Elenden zu Dir einladest. Diese deine Güte erweckt in mir großes Vertrauen, und ich bitte Dich daher, Du wollest Dich auch gegen mich als barmher— zigen Gott erzeigen. HS᷑offnung. Gerade dazu, o liebreichster Heiland, willst Du in mein Herz einkehren, um das⸗ selbe mit deiner Gnade zu bereichern. Du sagst es ja selbst:„Wer mein Fleisch ißt Kommunion⸗Andacht. 151 und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Wer Mich ißt, wird um Meinetwillen leben.“ Wie sollte ich denn auch nur das geringste Mißtrauen gegen Dich hegen? Mit so unermeßlich großer Liebe giebst Du Dich selbst mir zur Seelen⸗ speise: wie sollte ich nicht alles Gute, alle mir notwendigen Gnaden von Dir zuver— sichtlich erwarten? Ja, o Herr, Du hast es selbst verheißen, Du wollest alle Mühseligen, die bei Dir Hilfe suchen, erquicken; an diesem heiligen Tische erhalten wir Kraft und Stärke gegen alles, was uns ängstiget und niederdrückt. Freudig und voll Vertrauen rufe ich daher zu Dir: Komm', Du bester Arzt meiner kranken Seele, komm' und heile mich! Du mächtige Stärke in meiner Schwachheit, komm' und verleihe mir deine allvermögende Gnade! Liebe. Doch ach! wo ist die Liebe, mit welcher ich Dich, o mein gütigster Erlöser, empfan⸗ gen sollte? Wie viele Beweise habe ich nicht, daß Du mit ewiger Liebe mich geliebt hast 15² Sechster Abschnitt. und zu lieben fortfährst! Deine Liebe allein bewirkte es ja, daß Du, der vielgeliebte Sohn Gottes, Mensch geworden bist; den heiligsten Leib, der jetzt unter geheimnisvoller Brotes⸗ gestalt zu mir kommt, hast Du zuvor den fürchterlichsten Peinen preisgegeben; das kost— bare Blut, das ich nun genießen werde, hast Du zuvor bis auf den letzten Tropfen unter entsetzlichen Qualen vergossen. Und zu all dem hast Du mir diese köstliche Mahlzeit bereitet— dieses heiligste Sakrament, in welchem Du unser tägliches Opfer und die Speise unserer Seelen bist. Wahrhaft, so kann kein Mensch, so kann Gott allein lieben! Und ich kann gegen eine solche Liebe kalt und unempfindlich sein?! O jetzt, da ich das Sakrament der Liebe zu empfangen die Gnade habe— jetzt, o Jesus! entzünde doch in mir das Feuer deiner Liebe,— jener heiligen Liebe, die in mir einen aufrichtigen Abscheu vor der Sünde und einen großen Eifer in jeder Dir gefälli⸗ gen Tugend bewirke. Ferne sei auch von diesem Herzen, das den Gott der Liebe in sich aufnimmt, jede Abneigung, jeder Haß, Kommunion⸗Andacht. 153 jede feindselige Gesinnung gegen meine Mit⸗ menschen. So komm' denn, o Jesus! De⸗ mütigst rufe ich: o Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Der Leib unsers Herrn Jesus Christus bewahre meine Seele zum ewigen Leben! Gebete nach der heiligen Rommunion. Anbetung und Danksagung. Jesus, mein Heiland, mein Gott! Du bist nun wahrhaft bei mir, wahrhaft in meinem Herzen. Ja, so ist es; also glaube ich; dein Wort ist Wahrheit. Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Ich falle im Geiste vor Dir nieder; ich bete Dich demütig an. Sei mir tausendmal und von ganzem Herzen gegrüßt! Du thronst im Himmel— und bist jetzt in mir; woher kommt mir diese unschätzbare Gnade? woher dieses so unbegreiflich große Glück? Wie kann ich deine tiefe Herablassung genugsam bewundern? 15⁴4 Sechster Abschnitt. wie deine Güte nach Gebühr erheben? wie Dir also danken, wie es eine solche Wohl⸗ that erfordert? Ich weiß nichts Besseres zu thun, als mit den Worten deiner geliebten Mutter auszurufen:„Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist froh— locket in Gott meinem Heilande.“ Auch opfere ich Dir auf alle Anbetung und Lob— preisung, welche deine Engel und Heiligen im Himmel ohne Ende Dir darbringen. Aufopferung. Was kann ich nun aber thun, um Dir wenigstens in etwas meinen Dank zu be— zeigen? Du ernährest meine Seele mit deinem heiligsten Fleisch und Blut: was für einen Beweis von Gegenliebe kann ich Dir geben? Du hast jetzt Dich selbst mir ganz hinge— geben; nun so will denn auch ich mein ganzes Wesen ohne allen Vorbehalt Dir zum Opfer bringen. Ja Dir, o mein Herr und Gott! Dir weihe ich mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen Willen, Leib und Seele. Alle Kommunion-Andacht. 155 meine leiblichen und geistigen Fähigkeiten und Kräfte will ich nur nach deinem Willen und Wohlgefallen, zu deiner Ehre und zu deinem Dienste, auch so viel mir möglich zum Heile meiner Mitmenschen verwenden. Laß Dir dieses Opfer meiner selbst angenehm sein; heilige und bekräftige es durch die Kraft deines heiligsten Sakramentes. Uebrigens mache Du mit mir, was Dir gefällt. Willig unterziehe ich mich allen deinen immer gerechten Fügungen, damit alles, was Du in betreff meiner verordnet hast, auch wirklich in Erfüllung gehe. So geschehe in allem an mir und ebenso auch durch mich dein heiliger, ewig anbetungs⸗ würdige Wille! Bitten. Wie lange und wie getreu werde ich aber dieser Aufopferung und Hingabe auch in der That nachleben? Ach, ich bin ja so schwach und unbeständig! Doch Du, o Allmächtiger! bist die Stärke der Schwachen. Ich rufe daher aus ganzer Seele: Herr! bleibe jetzt bei mir mit deiner allvermögenden Gnade, mit deinem göttlichen Schutze. 156 Sechster Abschnitt. O allerreinster Leib meines göttlichen Erlösers! heilige meinen Leib und laß nicht zu, daß ich denselben durch Werke der Fin— sternis jemals wieder entweihe, nachdem ich ja Dich in mein Herz aufgenommen habe. O heiligste Seele Jesu, die Du so liebevoll mich heimgesucht hast! befreie meinen Geist von allen sündhaften Gedanken und Begierden. Laß mich in heiliger Furcht vor Dir wandeln, auf daß ich im Andenken an Dich und deine Gerichte, nichts so sehr verabscheue als die Sünde, besonders jene, wozu ich am meisten geneigt bin, auch nichts so eifrig liebe und thue, als was Dir wohlgefällig ist. Ferner bitte ich, o Jesus! Du wollest mir eine große Hochschätzung zu diesem dei— nem heiligsten Sakramente einflößen; auch verleihe mir eine recht innige Andacht zu deiner allerliebsten Mutter! Endlich flehe ich schon jetzt um eine glückselige Sterbe— stunde, daß ich alsdann Dich als letzte Weg— zehrung nochmals würdig empfangen und in deiner Liebe aus dieser Welt scheiden möge, um Dich im Himmel zu schauen und bei Dir in alle Ewigkeit glücklich zu sein. Kommunion-Andacht. Schlußgebet. So, o süßester Heiland! beschließe ich mein Gebet und bitte Dich noch um deinen göttlichen Segen. Wie Du gar vielmal die Kinder, die Kranken und deine lieben Jünger gesegnet hast: also segne jetzt auch mich an Leib und Seele, für die ganze Zeit meines irdischen Lebens. Segne auch alle diejenigen, für welche ich zu beten verpflichtet bin, sie mögen noch leben oder aus dieser Zeitlichkeit mir schon vorangegangen sein. Jesus! in deiner Liebe will ich leben; in deiner Liebe will ich sterben. Amen. Du, o Maria! heiligste Mutter des⸗ jenigen, der in so großer Güte mich jetzt heimgesucht hat: mache Ihm doch meine Kommunionandacht wohlgefällig. Lege bei Ihm deine Fürsprache ein, damit das hei— ligste Sakrament, das ich zu empfan— gen die Gnade hatte, in mir viel Gutes bewirke. O mögen von dieser Stunde an doch alle meine Gedanken, Worte und Werke nach deinem und deines göttlichen Sohnes Wohlgefallen stets geleitet werden! Amen. 158 Sechster Abschnitt. Ablaßgebet. Siehe, o mein geliebter und gütiger Jesus, in deiner heiligsten Gegenwart werfe ich mich nieder und bitte Dich mit leben— digstem Eifer: präge tief ein in mein Herz die Gefühle des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, des Schmerzes über meine Sün— den und des Vorsatzes, Dich nicht mehr zu beleidigen: indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid deine heiligen fünf Wunden betrachte, zunächst mir vor die Seele führend, was von Dir, o mein Jesus, der heilige Prophet David gesagt hat: Sie haben durchbohrt meine Hände und meine Füße, alle meine Gebeine haben sie⸗ gezählt.(Ps. 21. 17, 18.) Wer immer nach vorausgegangener Beicht und Kommunion andächtig und mit reumütigem Herzen dieses Gebet vor irgend einem Bilde des gekreuzigten Jesus verrichtet und nach Mei— nung des Papstes betet, kann den vollkomme— nen Ablaß gewinnen, welchen Papst Pius IX am 31. Juli 1858 verliehen hat. —7398— Siebenter Abschnitt. Besper⸗Andacht. Sum Eingang. H5 öffne meine Lippen, Nund mein Mund wird dein Lob verkünden. O Herr! merke auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie sie war im An⸗ fange, so auch jetzt und immer und in alle Ewigkeit. Amen. I. Pialm. Lobe, meine Seele, den Herrn, und alles was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe, meine Seele, den Herrn, und vergiß nicht alle seine Wohlthaten! 160 Siebenter Abschnitt. Der all deine Missethat vergiebt, der alle deine Schwachheiten heilet; Der vom Untergange erlöset dein Leben, der dich krönet mit Gnade und Erbarmung. Der Herr übet Barmherzigkeit und Gericht an allen, die Unrecht leiden. Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und von großer Erbarmung. Er hat uns nicht gethan nach unsern Sünden, uns nicht vergolten nach unsern Missethaten. Wie ein Vater sich erbarmet seiner Kinder, so erbarmet sich der Herr über die, so Ihn fürchten; Denn Er kennet, was wir für Geschöpfe sind; Er gedenket, daß wir Staub sind. Aber die Barmherzigkeit des Herrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so seinen Bund halten. Ehre sei dem Vater ꝛc. 2. Pjalm. Ich will Dich erheben, Gott mein Kö⸗ nig, und preisen deinen Namen ewig, ja immer und ewig. Vesper⸗-Andacht. 161 Alltäglich will ich Dich preisen, und dei— nen Namen loben ewig, ja immer und ewig. Groß ist der Herr und sehr preis— würdig; und seiner Größe ist kein Ende. Ein Geschlecht nach dem andern wird rühmen deine Werke, und deine Macht ver— künden. Von dem Andenken deiner übergroßen Lieblichkeit werden sie überströmen, und deiner Gerechtigkeit wegen jubeln. Gnädig und barmherzig ist der Herr, langmütig, und von großer Erbarmung. Lieblich ist der Herr gegen alle; und seine Erbarmung geht über alle seine Werke. Dich sollen preisen, o Herr, alle deine Werke, und deine Heiligen Dich rühmen. Dein Reich ist ein Reich auf alle Ewig— keit, und deine Herrschaft auf alle Ge— schlechter. Der Herr hilft allen auf, die fallen, und richtet auf alle Gebeugten. Aller Augen warten auf Dich, Herr, und Du giebst ihnen Speise zu rechter Zeit. Du thust auf deine Hand, und sättigst alles Lebendige mit Segen. Jesus a. d. Jungfran. 11 16² Siebenter Abschnitt. Gerecht ist der Herr in allen seinen Wegen, und heilig in allen seinen Werken. Nahe ist der Herr allen, die Ihn an— rufen, allen, die Ihn anrufen in der Wahr— heit. Den Willen derer, die Ihn fürchten, thut er, und ihr Gebet erhört er, und erlöst sie. Ehre sei dem Vater ꝛe. 5 Pfalm. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Du Herr der Heerscharen! Es sehnet sich und schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen des Herrn. Mein Herz und mein Fleisch frohlocken in dem lebendigen Gott. Selig sind, die in deinem Hause woh— nen, Herr! in alle Ewigkeit loben sie Dich. Herr, Gott der Heerscharen, erhöre mein Gebet; nimm es zu Ohren, Gott Jakobs Gott, der unser Beschirmer ist und Barmherzigkeit und Wahrheit liebet, wird nicht entziehen die Güter denen, so wandeln in Unschuld. Vesper⸗Andacht. 163 Herr der Heerscharen! selig ist der Mensch, der auf Dich hoffet! Ehre sei dem Vater ꝛc. 4. Pjalm. Lobet den Herrn, ihr Diener; lobet den Namen des Herrn! ö Der Name des Herrn sei gebenedeit, von nun an bis in Ewigkeit! Vom Aufgange der Sonne bis zum Untergange sei gelobt der Name des Herrn! Hoch über alle Völker ist der Herr, und über die Himmel seine Herrlichkeit. Wer ist wie der Herr, unser Gott? der in der Höhe wohnet, Und auf das Niedrige schauet im Him— mel und auf Erden; Der den Geringen aufrichtet aus dem Staube, und aus dem Kote erhöhet den Armen: Daß er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes. Ehre sei dem Vater ꝛe. Siebenter Abschnitt. Kapitel.(I. Aor., 3. 4.) Gepriesen sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit und der Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal. Gott sei Dank! Lobgesang. O dreimal heiliger, o dreimal starker Gott! Du Unbegreiflicher! dreieinig, höchster Gott! O immerwährend Licht! o wunderbare Glut, Die dreimal seliglich in eig'nen Freuden ruht! Dreieiniger, Du bist die allzeit wahre Einheit! Von Anbeginn bist Du, o allzeit eine Wahrheit! Was je das Herz erfreut, das spendest Du, nur Du, O allzeit heil'ge Lieb'! erbarmungsvoll uns zu! Dich, Unermeßlicher! hüllt dichter Nebel ein, Ein unzugänglich Licht umfließt Dich hehr u. rein; Ein heilig Zittern faßt der Seraphinen Schar, Die deine Glorie seh'n, Dich preisend im— merdar. Dich, Herr! bekennt das Volk, das deines Na— mens Kraft Zum neugebornen Volk des Eigentumes schafft; Der fromme Glaube ist's, der himmelwärts sich schwingt, Verkostend jenen Preis, nach dem die Liebe ringt. Vesper-Andacht. 16⁵5 Laß, Vater! stets uns thun, was Du von uns begehrst; Gieb, Sohn! daß wir versteh'n, was Du die Deinen lehrst; Mach', Geist! daß unser Herz das Gute all⸗ zeit woll', Was es nach deinem Wort in Demut üben soll. Amen. Unser Gebet steige zu Dir hinauf, o Herr! Und über uns steige herab deine Barm— herzigkeit! Magnifkat.(Luk. J, 46—55.) Hochpreiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Hei— lande. Denn Er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter: Denn Großes hat an mir gethan, der da mächtig ist, und dessen Namen heilig ist. Er ist barmherzig von Geschlecht zu Geschlecht denen, die Ihn fürchten. Er übet Macht mit seinem Arme, zer— streuet, die da hoffärtig sind in ihres Her— zens Sinne. 166 Siebenter Abschnitt. Die Gewaltigen stürzt Er vom Throne und erhöhet die Niedrigen. Die Hungrigen erfüllt Er mit Gütern, die Reichen läßt Er leer ausgehen. Er nimmt sich Israels an, seines Knech— tes; eingedenk seiner Barmherzigkeit: Wie Er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Ehre sei dem Vater ꝛc. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! nimm in Gnaden auf das Lob meines Mundes. Erfülle mein Herz immer mehr mit Eifer für deine Ehre, mit Liebe zu deiner heiligen Religion, mit Treue in Erfüllung meiner Berufs- und Standespflichten, mit brüder— lichem Wohlwollen gegen meine Nächsten, gegen Freunde und Feinde. Bewahre mich stets vor Unglück, Ar— mut, Elend und Verlassenheit. Sei mein Trost in Betrübnis, mein Schutz in Ge⸗ fahren, meine Hilfe in jeder Not und Bedrängnis. Vesper⸗Andacht. 167 Erbarme Dich auch aller meiner Mit⸗ menschen. Gieb jedem, was er in diesem Leben nötig hat und ihm für das zukünftige heilsam ist. Sei auch gnädig den Seelen der Verstorbenen im Fegfeuer. Erlöse sie aus ihren Peinen und nimm sie auf zu Dir, in die ewige Freude und Seligkeit. Durch Chri⸗ stus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Salve Regina. Gegrüßet seist du, Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Süßig⸗ keit und Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas; zu dir seufzen wir weinend und trauernd in diesem Thale der Zähren. Wohlan denn, unsere Für⸗ sprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns, und nach dieser Verbannung zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. V. Bitt für uns, o heilige Gottesge⸗ bärerin! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Siebenter Abschnitt. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du den Leib und die Seele der glorwürdigen Jung⸗ frau und Mutter Maria zu einer würdigen Wohnung deines Sohnes durch die Mit⸗ wirkung des heiligen Geistes vorbereitet hast; gieb, daß wir durch die milde Fürbitte der— jenigen, bei deren Andenken wir uns erfreuen, von den bevorstehenden Uebeln und von dem ewigen Tode befreit werden mögen. Durch Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. während der hl. Adventszeit. 2 D SE So sehr hast Du uns geliebt, barmherziger Vater! daß Du hingabst, damit jeder, der an uns armen, sündigen Menschen Rund dem ewigen Verderben zu Achter Abschnitt. Andachten auf die heiligen Zeiten und die Felttage des Berrn. Vellmächtiger, ewiger Gott! wir feiern jetzt die Vor⸗ bereitungstage der Ankunft dei— nes Sohnes, unseres Heilan— des Jesus Christus, der zu vom Himmel herabgekommen ist, um uns von der Sünde erlösen und selig zu machen. deinen eingebornen Sohn da— Ihn glaubt, nicht verloren 170 Achter Abschnitt. gehe, sondern das ewige Leben habe. Gieb uns die Gnade, daß wir diese heilige Zeit zum Heile unserer Seele im Geiste wahrer Buße zubringen, der Gottlosigkeit und allen irdischen Begierden entsagen, und mit seliger Hoffnung der glorreichen Wiederkunft un⸗ seres Heilandes entgegenharren. Amen. Litanei für die heilige Adventszeit. (Für den Privatgebrauch.) Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,“) Gott heiliger Geist, Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes, Jesus, Du Sohn der Jungfrau Maria, Jesus, Du Sohn Abrahams, in welchem alle Völker der Erde gesegnet werden, Jesus, Du wahrer Emmanuel oder Gott mit uns, Jesus, Du im Gesetze verheißener Messias, Jesus, Du Stern aus Jakob, *) Erbarme Dich unser! Bieb Zeit hrer llen iger un⸗ ser! Andachten auf die heiligen Zeiten. 171 Jesus, Du wahres Licht auf dem reinsten Leuchter, erbarme Dich unser! Jesus, Du Wort des Vaters, durch welches Er alles erschaffen hat,) Jesus, Du ewiges Wort, das in der Zeit Mensch geworden, Jesus, nach welchem alle Völker geseufzt haben, Jesus, der Du aus Liebe zu uns deine Herr⸗ lichkeit abgelegt und die Gestalt eines Knech⸗ tes angenommen hast, Jesus, der Du durch deine Menschwerdung uns der göttlichen Natur teilhaftig ge— macht hast, Jesus, Du Heil der ganzen Welt, Sei uns gnädig!— Verschone uns, o Jesus! Sei uns gnädig!— Erhöre uns, o Jesus! Von allem Uebel,— Erlöse uns, o Jesus! Von aller Sünde,* Von allen Gefahren des Leibes und der Seele, Von der Gleichgültigkeit und Trägheit in der Wirkung unseres ewigen Heiles, Vom ewigen Tode, Durch deine unendliche Barmherzigkeit, Durch deine Herkunft, Durch das Geheimnis deiner Menschwerdung, Durch deine Liebe zu uns Menschen, Durch den Glauben und den Gehorsam der allerseligsten Jungfrau, *) Erbarme Dich unser! **) Erlöse uns, o Jesus! — 17² Achter Abschnitt. Durch die Fülle der Gnaden, welche Du deiner Mutter erteiltest, erlöse uns, o Jesus! Am Tage des Gerichtes, erlöse uns, o Jesus! ir arme Sünder!— Wir bitten Dich, er— höre uns! Daß wir der Gottlosigkeit und den weltlichen zelüsten entsagen mögen,) Daß wir nüchtern, fromm und gerecht in dieser Welt leben und deiner zweiten Ankunft mit Freuden entgegensehen mögen, Daß Du Dir eine würdige Wohnung in uns zubereiten wollest, Daß Du alle Berge und Hügel der Hoffart in uns abtragen wollest, Daß Du alle Thäler der Kleinmütigkeit durch deine Gnade in uns ausfüllen wollest, Daß Du alle unebenen und krummen Wege unserer verkehrten Neigungen eben und gerade machen wollest, Daß Du uns Dürftige mit deinen Gütern bereichern wollest, Daß Du uns zu Miterben deines Reiches machen wollest, Du Sohn Gottes, O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesus! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Jesus! *) Wir bitten Dich, erhöre uns! Andachten auf die heiligen Zeiten. 173 O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Jesus! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns!—— Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist du ꝛc. V. Tauet, Himmel, den Gerechten und ihr, Wolken, regnet Ihn herab; R. Die Erde öffne sich und sprosse den Heiland. V. Gott, Herr der Heerscharen, zeige uns dein Angesicht! R. Und wir werden selig werden. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest durch deine Heimsuchung unsere Herzen rei— nigen, auf daß, wenn unser Herr Jesus Christus kommen wird, Er in uns eine würdige Wohnung finde. Amen. Am hochheiligen Weihnachtsfeste. Göttliches Kind! wer giebt mir, daß ich das Uebermaß deiner Huld und Liebe genugsam bewundere und zugleich auch anbete! Du, von Ewigkeit und in alle Ewig⸗ keit der eingeborne Sohn des lebendigen 17⁴ Achter Abschnitt. Gottes, der allerhöchste Herr des Himmels und der Erde, verläßt den Thron deines himmlischen Vaters und suchst heim das dunkle Thränenthal dieser Erde. Ein armer Mensch bist Du geworden, uns in allem ähnlich, nur nicht in der Sünde. Du wirst ein weinendes, unansehnliches Kind und Not und Elend umgeben Dich von allen Seiten in dem Stalle zu Bethlehem. Und warum thatest und erduldetest Du dieses? Ach, Du begabst Dich in diese Erniedrigung, um das Menschengeschlecht, das durch seine Sünde der Gnade Gottes verlustig ward, zu erlösen; um die Verirrten auf den Pfad der Bekeh— rung zu leiten; um die Feinde Gottes wieder für den Himmel zu gewinnen, und um die Gefundenen auf Erden heilig und dort oben dereinst glückselig zu machen. O der unend— lichen Barmherzigkeit, o der wunderbaren Gnade, welche Du den armen Menschen erweisest! Ich sinke nieder in den Staub, Du liebreichstes, göttliches Kind, und bete Dich an. Könnte ich Dich nur mit jener hehren Andacht und Inbrunst anbeten, mit welcher die allerseligste Jungfrau Maria, U„r A ö ö ö ö Andachten auf die heiligen Zeiten. 175 der heilige Joseph, die frommen Hirten und die drei Weisen aus dem Morgenlande Dich angebetet haben! Verzeihe mir, o mein geliebtester Jesus! aus Liebe zu der allersel. Jungfrau Maria, deiner Mutter, und zu dem heiligen Patri— archen Joseph, deinem Nährvater auf Erden, alle meine Sünden und erteile mir die Gnade, hienieden stets auf dem Wege deiner Nach— folge zu wandeln, mit Dir und für Dich zu leben und zu sterben und Dich dereinst im Himmel zu schauen: auf daß ich durch alle Ewigkeit deine Güte preisen kann, welche Dich bewogen hat, meinetwegen die Glorie des Himmels zu verlassen. Amen. Gebete zu Ehren der Geheimnisse der heiligen Rindheit Jesu. V. O Gott, merke auf meine Hilfe. R. Herr, eile mir zu helfen. V. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste. R. Wie es war im Anfang und jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen. Vater unser. 176 Achter Abschnitt. 1. Süßestes Jesukind, das Du aus dem Schoße des Vaters um unseres Heiles willen herabgestiegen, von dem heiligen Geiste em⸗ pfangen, den Schoß der Jungfrau nicht ge— scheut, und als fleischgewordenes Wort die Knechtsgestalt angenommen hast, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser, o Jesukind, erbarme Dich unser. Ave Maria. 2. Süßestes Jesukind, das Du durch deine jungfräuliche Mutter Elisabeth heimgesucht, deinen Vorläufer Johannes den Täufer mit dem heiligen Geiste erfüllt und ihn noch im Mutterleibe geheiligt hast, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛe. Ave Maria. 3. Süßestes Jesukind, das Du neun Monate im Mutterleibe verschlossen, mit heißer Sehnsucht von Maria der Jungfrau und dem heiligen Joseph erwartet, und Gott dem Vater für das Heil der Welt dargebracht wurdest, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛe. Ave Maria. dem llen em⸗ ge⸗ die rme ind, eine icht, mit im ser. eun mit rau Bott acht Andachten auf die heiligen Zeiten. 177 Süßestes Jesukind, das Du in Beth⸗ lehem aus Maria der Jungfrau geboren, mit Windeln umwickelt, in eine Krippe gelegt, von den Engeln verkündigt, und von den Hirten besucht wurdest, erbarme Dich unser! R. Erbarme Dich unser ꝛc. Ave Maria. Jesu, Dir sei Ruhm und Ehre, Den die Jungfrau uns geboren, Mit dem Vater und dem Geiste U und in Ewigkeit. Amen. V. Christus ist uns nahe. R. Kommt, laßt uns anbeten. Vater unser. 5. Süßestes Jesukind, nach acht Tagen bei der Beschneidung verwundet, mit dem glorreichen Namen Jesus genannt, und so zu gleicher Zeit durch den Namen und das Blut als Erlöser bezeichnet, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛc. Ave Maria. 6. Süßestes Jesukind, durch die Leitung des Sternes den drei Weisen gezeigt, auf dem Schoße der Mutter angebetet, mit Jesus a. d. Jungfrau. 178 Achter Abschnitt. geheimnisvollen Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhen beschenkt, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛc. Ave Maria. 7. Süßestes Jesukind, im Tempel von der jungfräulichen Mutter dargestellt, von Simeon in die Arme genommen und von Anna der Prophetin dem Volke Israel ge— offenbaret, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛc. Ave Maria. 8. Süßestes Jesukind, von dem gott⸗ losen Herodes zum Tode gesucht, von dem heiligen Joseph mit der Mutter nach Aegyp— ten gebracht, dem grausamen Blutbad ent⸗ zogen, und durch das Zeugnis der unschul⸗ digen Kinder verherrlicht, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛc. Ave Maria. Jesu, Dir sei Ruhm und Ehre, Den die Jungfrau uns geboren, Mit dem Vater und dem Geiste Immer und in Ewigkeit. Amen. V. Christus ist uns nahe. R. Kommt, laßt uns anbeten. Vater unser. Andachten auf die heiligen Zeiten. 179 9. Süßestes Jesukind, in Aegypten mit Maria, deiner heiligsten Mutter, und dem heiligen Patriarchen Joseph bis zum Tode des Herodes verweilend, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛc. Ave Maria. 10. Süßestes Jesukind, aus Aegypten mit deinen Eltern in das Land Israel zu⸗ rückkehrend und nach vielem auf der Reise erduldeten Ungemach in der Stadt Nazareth anlangend, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛc. Ave Maria. 11. Süßestes Jesukind, in dem heiligen Hause zu Nazareth deinen Eltern unterwor— fen, in Heiligkeit lebend, durch Armut und Arbeit ermüdet, in der Zunahme von Weis⸗ heit, Alter und Gnade gekräftigt, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛc. Ave Maria. 12. Süßestes Jesukind, in deinem zwölf⸗ ten Jahre nach Jerusalem geführt, von den Eltern mit Schmerz gesucht und nach drei 180 Achter Abschnitt. Tagen mit Freude unter den Lehrern gefun⸗ den, erbarme Dich unser. R. Erbarme Dich unser ꝛe. Ave Maria. Jesu, Dir sei Ruhm und Ehre, Den die Jungfrau uns geboren, Mit dem Vater und dem Geiste Immer und in Ewigkeit. Amen. V. Das Wort ist Fleisch geworden. Alleluja. R. Und hat unter uns gewohnt. Alleluja. (Unter dem Jahre wird das Alleluja weg— gelassen.) Zum Feste der heiligen drei Könige und in der Oktave. V. Christus hat sich uns geoffenbart. Alleluja. R. Kommt, laßt uns anbeten. Alleluja. Lasset uns beten: Allmächtiger, ewiger Gott, Herr des Himmels und der Erde, der Du Dich den Kleinen offenbarst: wir bitten Dich, ver— leihe uns, daß wir durch die würdige Feier der hochheiligen Geheimnisse deines Sohnes, un⸗ en. ija. veg⸗ ige art. Ija. des den ver⸗ eier nes, Andachten auf die heiligen Zeiten. 181 des Kindes Jesu, und durch die würdige Nachahmung und Nachfolge derselben, zu dem den Kleinen verheißenen Himmelreiche zu gelangen vermögen. Durch denselben Je⸗ sum Christum ꝛc. R. Amen. Papst Pius VII. verlieh am 23. Nov. 1819 denjenigen, welche diese Gebete andächtig und mit reumütigem Herzen verrichten, einmal des Tages einen Ablaß von 300 Tagen. Beim Jahresschlusse. Lobpreisung Gottes. Großer Gott, wir loben Dich, Herr, wir preisen deine Stärke; Vor Dir neigt die Erde sich Und bewundert deine Werke; Wie Du warst vor aller Zeit, So bleibst Du in Ewigkeit. Alles, was Dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, Stimmen Dir ein Loblied an! Alle Engel, die Dir dienen, Rufen Dir stets ohne Ruh: Heilig, heilig, heilig zu. 18² Achter Abschnitt. Heilig, Herr Gott Sabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere! Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt mit deinem Ruhm; Alles ist dein Eigentum. Der Apostel Christi Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu deinem Thron empor Neue Lob- und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schar Lobt und preist Dich immerdar. Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Große und auch Kleine Dich, Gott Vater! Dir zum Preis Singt die heilige Gemeine; Sie ehrt auch auf seinem Thron Deinen eingebornen Sohn. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit seinen Lehren Und mit Troste kräftig speist; Der, o König voller Ehren! Der mit Dir, Herr Jesus Christ, Und dem Vater ewig ist. Du, des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen! Du bist auch von deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen. ö Gnade hast Du uns gebracht, Von der Sünd' uns frei gemacht. Nunmehr steht das Himmelsthor Allen, welche glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir gläubig auf Dich hoffen; Endlich kömmst Du zum Gericht, Zeit und Stunde weiß man nicht! Steh', Herr, deinen Dienern bei, Welche Dich mit Demut bitten, Die dein Blut dort machte frei, Als Du für uns hast gelitten. Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu Dir in den Himmel auf! Sieh dein Volk in Gnaden an; Hilf' uns, segne, Herr, dein Erbe; Leit' es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht verderbe. Hilf, daß es durch Buß' und Fleh'n Dich im Himmel möge seh'n. Alle Tage wollen wir Dich und deinen Namen preisen, Und zu allen Zeiten Dir Ehre, Lob und Dank erweisen; Gieb, daß wir von Sünden heut Und von Lastern sei'n befreit. Andachten auf die heiligen Zeiten. 183 184 Achter Abschnitt. Herr, erbarm', erbarme Dich! Ueber uns, Herr, sei dein Segen! Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen. Auf Dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren sein! Gebet. O Gott! deine Erbarmungen sind zahl⸗ los und die Schätze deiner Güte unermeßlich. Du giebst den Flehenden, um was sie bitten, und siehst gnädig auf diejenigen herab, welche Dich anrufen. Wir danken Dir, unendlich gütiger Gott! für alle deine Gaben und flehen ohne Unterlaß zu deiner Milde, daß Du uns zur Belohnung des künftigen Lebens weise vorbereitest und gnädig hinüberleitest; durch denselben Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Am Neujahrstage. OGöttlicher Heiland, der Du am heutigen Tage nach dem Gesetze Dich beschneiden ließest und dabei den heiligsten Namen Jesus er⸗ hieltest: vor Dir beugen sich alle Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und 3 19 SESEE ihl⸗ ich. ten, lche lich hen ins eise irch rn. gen zest er⸗ im Andachten auf die heiligen Zeiten. 185 alle Zungen bekennen, daß Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, unser ein⸗ zige Helfer und Erlöser. Gieb, daß wir durch die Anrufung deines allerheiligsten Namens seine Kraft erfahren, und erwecke in uns ein inbrünstiges Verlangen nach deiner göttlichen Liebe, auf daß wir von ganzem Herzen mit Mund und That Dich lieben und niemals aufhören, Dich zu preisen, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Kamensfeste Jesu. Litanei vom süßen Namen Zesus. HDerr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Jesu, höre uns! Jesu, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,“) Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesu, Sohn des lebendigen Gottes, Jesu, Abglanz des Vaters, *) Erbarme Dich unser! 186 Achter Abschnitt. Jesu, Glanz des ewigen Lichtes, erbarme Dich unser! Jesu, König der Gerrenekent Jesu, Sonne der Gerechtigkeit, Jesu, Sohn der Jungfrau Maria, Jesu, Du Liebenswürdiger, Jesu, Du Wunderbarer, Jesu, starker Gott, Jesu, Vater der Zukunft, Jesu, Botschafter des großen Ratschlusses, Jesu, Du Mächtigster, Jesu, Du Geduldigster, Jesu, Du Gehorsamster, Jesu, Du Sanftmütiger' und von Herzen De— mütiger, Jesu, Liebhaber der Keuschheit, Jesu, unser Liebhaber, Gott des Friedens su, Urheber des Lebens, su, Vorbild der Tugenden, su, Eiferer für die Seelen, su, unser Gott, u, unsere Zuflucht, Vater der Armen, u, Schatz der Gläubigen, su, guter Hirt, su, wahres Licht, su, ewige Weisheit, Jesu, unendliche Güte, — — —.— — CCCCCE .E.E. EE. ) Erbarme Dich unser! Andachten auf die heiligen Zeiten. 187 Jesu, unser Weg und unser Leben, erbarme Dich unser! Jesu, Freude der Engel,“) Jesu, König der Patriarchen, Jesu, Meister der Apostel, Jesu, Lehrer der Evangelisten, Jesu, Stärke der Martyrer, Jesu, Licht der Bekenner, Jesu, Reinheit der Jungfrauen, Jesu, Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jesu! Von allem Uebel, erlöse uns, o Jesu! Von aller Sünde,**) Von deinem Zorne, Von den Nachstellungen des Teufels, Von dem Geiste der Unlauterkeit, Von dem ewigen Tode, Von der Vernachlässigung deiner Einspre— chungen, Durch das Geheimnis deiner heiligen Mensch— werdung, Durch deine Geburt, Durch deine Kindheit, Durch dein göttliches Leben, Durch deine mühevollen Arbeiten, Durch deine Todesangst und dein Leiden, Durch dein Kreuz und deine Verlassenheit, *) Erbarme Dich unser! **) Erlöse uns, o Jesu! 188 Achter Abschnitt. Durch deine Schmerzen, erlöse uns, o Jesu! Durch deinen Tod und dein Begräbnis, er⸗ löse uns, o Jesu! Durch deine Auferstehung, erlöse uns, o Jesu! Durch deine Himmelfahrt, erlöse uns, o Jesu! Durch deine Einsetzung der heiligsten Eucha— ristie, erlöse uns, o Jesu! Durch deine Freuden, erlöse uns, o Jesu! Durch deine Herrlichkeit, erlöse uns, o Jesu! Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Jesu! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Jesu! su, höre uns! su, erhöre uns! Lasset uns beten: Herr Jesu Christe, der Du gesagt hast: Bittet und ihr werdet erhalten suchet und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgethan werden: verleihe uns, wir bitten Dich, die Inbrunst deiner göttlichen Liebe, auf daß wir von ganzem Herzen, in Wort und Werk Dich lieben, und von deinem Lobe niemals ablassen. su! er⸗ su! su! a⸗ u! ust u! ist u! ist , Andachten auf die heiligen Zeiten. 189 Gieb uns, o Herr, daß wir sowohl die Furcht als auch die Liebe deines heiligen Na— mens immerdar bewahren, weil Du niemals deine Leitung denjenigen entziehest, welche Du in der Wahrheit deiner Liebe erziehest. Der Du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 300 Tage Ablaß einmal täglich, wenn man obige Litanei nebst den dazugehörigen Ge— beten reumütig und andächtig spricht.— Leo XIII., 16. Jan. 1886. Am Seste der Erscheinung des Berrn. Göttlicher Jesus! in tiefster Demut falle ich vor Dir nieder und bete Dich mit aller Ehrfurcht an. Ich sehe mit den irdischen Augen zwar nur ein schwaches Kind an Dir; aber durch das Licht des Glaubens erleuchtet, erkenne ich Dich als meinen Herrn und Gott. O wie hast Du Dich doch so erniedrigen und unsere armselige Natur annehmen können? Dein Verlangen nach unserm n veran⸗ laßte Dich dazu. O wie viel Dank bin ich Dir dafür schuldig!— Göttlicher Jesus! wende doch deine holdseligen Augen auf mich und blicke mich so freundlich an, wie Du 190 Achter Abschnitt. die heiligen drei Könige angeschaut hast. Entzünde mein Herz mit solcher Liebe und Andacht zu Dir, womit Du ihre Herzen erfüllet hast. Ich bringe Dir den Weihrauch der aufrichtigsten Anbetung, das Gold der innigsten Zuneigung und die Myrrhe eines vollkommen abgetöteten, Dir ergebenen Wil— lens dar. O nimm auch meine Opfer gnädig an, wie Du das der heiligen drei Könige wohlgefällig aufgenommen hast. Laß auch mir auf den dunklen Pfaden meines irdi— schen Lebens überall den Stern deiner Gnade voranleuchten, auf daß ich mich nicht verirre, sondern sicher in deinem himmlischen Reiche anlange. Amen. Rirchengebet. O Gott, der Du an diesem Tage deinen Eingebornen den Heiden durch die Leitung des Sternes geoffenbart hast: verleihe uns gnädig, daß wir, die wir im Lichte des Glau— bens Dich schon erkannt haben, auch zur An⸗ schauung deiner ewigen Herrlichkeit zugelassen werden; durch denselben Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Andachten auf die heiligen Zeiten. 191 In der heiligen Fastenzeit. Andacht des heiligen Kreuzweges. Ursprung der Besuchung. Nach dem Tode Christi hat die seligste Jungfrau und schmerzhafte Mutter Maria jenen Weg, den ihr göttlicher Sohn vom Palaste des Pilatus, wo Er zum Tode verurteilt worden, auf den Kalvarienberg, wo Er gekreuzigt wurde, mit dem schweren Kreuze beladen gewandelt ist, oft mit höchster Andacht besucht. Dasselbe haben viele andere Heilige gethan, und viele Christen thun es jetzt noch in Jerusalem. Diese Andacht haben viele römische Päpste mit großen Ablässen begnadigt. Damit aber auch jene Christen, die nicht nach Jerusalem reisen können, derselben teilhaftig werden möchten, hat Papst InnocenzXI. erlaubt, daß die PP. Franziskaner solche Kreuz— wege auch in oder bei ihren Kirchen errichten können, und hat jene Ablässe auf dieselben aus— gedehnt. ö Ablässe. Zur Erlangung derselben sind folgende Stücke notwendig: 1. Muß man im Stande der Gnade sein. Ist man sich darum einer schweren Sünde be— wußt, so soll man vor Beginn der Andacht beich— ten oder wenigstens vollkommene Reue und Leid 192 Achter Abschnitt. erwecken, mit dem festen Vorsatze, nächstens zu beichten. 2. Muß man die gute Meinung machen, daß man die Ablässe für sich oder für die armen Seelen im Fegfeuer gewinnen wolle. 3. Muß man beim Besuche der Stationen mit Andacht an das Leiden des lieben Heilandes denken. 4. Muß man sich von einer Station zur andern bewegen, insoweit es die Menge der Besuchenden und die Beschränktheit des Ortes zuläßt. Vorbereitungsgebet. Am Geiste der Reue und mit einem bußfertigen Herzen will ich jetzt diese heilige Uebung vornehmen, um dein bitteres Leiden und Sterben, o mein göttlicher Heiland! zu ehren. Ich will Dir demütigst Dank sagen für jene unendliche Liebe, mit welcher Du das Kreuz für mich armen Sünder getragen und mich an demselben erlöset hast. Mache mich aller Ablässe teilhaftig, welche ich durch diese Uebung gewinnen kann, und der Du versprochen hast, daß Du alles an Dich ziehen wollest, zieh' mein Herz und meine Liebe zu Dir, der Du für mich am Kreuze bist erhöhet worden. Andachten auf die heiligen Zeiten. 193 Laßt uns, Christen, jetzt betreten Des Erlösers Kreuzesbahn, Und da seh'n, was, uns zu retten, Seine Lieb' für uns gethan. Er ist selbst uns vorgegangen Diesen Weg der Pein und Schmach: Willst du, Christ, einst auch gelangen Zu der Kron', so folg' Ihm nach! Erste Station. Zesus wird zum Tode verurteilt. V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus und sagen Dir Dank: R. Weil Du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. Betrachiung. Der unschuldige Jesus, der kein Uebel gethan, wird zum Tode verurteilt, und zwar zum schmählichsten Tode des Kreuzes. Da— mit Pilatus nicht in die Ungnade des Kaisers falle, übergiebt er Jesum dem Willen seiner Feinde, damit sie Ihn nach Belieben töten mögen. Ein schreckliches Verbrechen, die Un— schuld zum Tode verdammen und Gott ver— werfen, nur damit man den Menschen nicht mißfalle. Jesus a. d. Jungfrau. 13 194⁴ Achter Abschnitt. Seufzer. Ach, unschuldigster Jesus! ich habe ge— sündigt! Du aber nimmst das Urteil des Todes willig an, damit ich lebe. Wie soll ich denn leben können, als allein für Dich? So lange ich den Menschen zu gefallen suche, kann ich dein Diener nicht sein; ich will also den Menschen und der Welt mißfallen, damit ich Dir allein, o Jesus! gefallen möge. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Jesus wird zum Tod verdammet, Ja, Pilatus hat's gethan, Und du hast ihm nachgeahmet, Christ! auch du hast Schuld daran. Sagt dein Herz nicht oft: Es sterbe Gott und seine Gnad' in mir? Ob die Unschuld gleich verderbe, Deine Lust gilt mehr bei dir. V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus! R. Erbarme Dich unser! Eweite Station. Zesus nimmt das Breuz auf sich. V. Wir beten Dich an, ꝛe. Betrachtung. Als Jesus das Kreuz erblickte, streckte Er seine blutenden Arme gegen dasselbe mit ge⸗ des soll ich? lche, also amit tus! eckte mit Andachten auf die heiligen Zeiten. 195 größter Begierde aus; Er umfing es liebreich, küßte es herzlich und nahm es mit Freuden auf seine verwundeten Schultern. Ob Er schon todschwach war, frohlockte Er doch wie ein Riese, seinen Weg zu laufen. Seufzer. Sollte ich wohl ein Freund Christi sein können, wenn ich ein Feind des Kreuzes bin? O liebes und gutes Kreuz! ich nehme dich mit Freuden von der Hand Gottes an. Es sei ferne von mir, daß ich mich in etwas glücklich achte, als in dem Kreuz allein. Durch dieses soll mir die Welt gekreuzigt sein, damit ich, o Jesus, allein Dein sei. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Gott verschont selbst seines Sohnes, Dieses wahren Isaaks, nicht! Er will, daß Er voll des Hohnes Trag' das Holz zum Blutgericht. Und wir Sünder dürfen klagen, Wenn Er uns was Widrig's send't? Jedes Kreuz macht uns verzagen, Weil man dessen Wert nicht kennt. V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Achter Abschnitt. Vritte Station. Zesu erster Fall unter dem Breuze. V. Wir beten Dich an, ꝛc. Betrachtung. Als der Heiland das schwere Kreuz auf seinen Schultern daher trug, wurde Er durch dessen Schwere zu Boden gedrückt und that einen schmerzlichen Fall. Meine Sünden nämlich und meine Missethaten sind Ihm als eine schwere Last auferlegt worden und haben Ihn zu Boden gedrückt. Eine leichte und süße Bürde war Ihm das Kreuz; aber eine schwere und unerträgliche Last waren Ihm unsere Sünden. Seufzer. Ach, mein Jesus! Du hast meine Bürde auf Dich genommen und die schwere Last meiner Sünden getragen; warum soll ich denn nicht auch dein Joch auf mich nehmen, damit wir also, einer des andern Last tra⸗ gend, das Gesetz erfüllen? Dein Joch ist süß und deine Bürde ist leicht; darum trage Andachten auf die heiligen Zeiten. 197 ich es gern, ich nehme mein Kreuz willig auf mich und folge Dir nach. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Dessen Finger vor dem Falle Himmel, Erd' und all's erhält, Dieser Gott, erstaunet alle Hier ganz schwach zu Boden fällt. Was ist Ihm so überlegen! Seine Lieb', die Mittel fand, So zu leiden, und deswegen Ihn auch seine Allmacht band. V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Vierte Station. Zesus begegnet seiner betrübten Mutter. V. Wir beten Dich an, ꝛc. Betrachtung. Was muß dies nicht für ein schmerz⸗ licher Anblick gewesen sein, da die betrübte Mutter Maria ihren lieben Sohn Jesum gesehen hat, das schwere Kreuz also daher— tragen! Welch unaussprechliche Schmerzen wird sie nicht in ihrem Herzen empfunden haben? Sie verlangt entweder für Jesum 198 Achter Abschnitt. oder mit Jesum zu sterben. Bitte die schmerz⸗ hafte Mutter, daß sie dir in deinem Hin⸗ scheiden mildreich beistehen wolle. Seufzer. O Jesus! o Maria! ihr geliebtesten Herzen! ich bin Ursache an Euren so großen und vielfältigen Schmerzen. Ach! daß des⸗— wegen auch mein Herz mit Schmerzen erfüllt würde! O betrübteste und schmerzhafteste Mutter! teile deine Schmerzen mit mir, und laß mich dein Herzeleid empfinden, damit ich mit dir traure, und du mir in der letzten Not zu Hilfe kommest. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Zarte Jungfrau! welch ein Degen Drang durch deine Mutter-Brust, Als du sah'st von Kreuz und Schlägen Unterdrücket deine Lust! Sollten denn dich Mutter nennen, Die auch da so untreu sind, Daß sie deinen Sohn verkennen Und stets häufen Sünd' auf Sünd'? V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Andachten auf die heiligen Zeiten. 199 Fünfte Station. gimon von Cyrene hilft Zesu das Breuz tragen. V. Wir beten Dich an, ꝛe. Betrachtung. Simon von Cyrene wird gezwungen, dem todschwachen Jesus das Kreuz tragen zu helfen, und Jesus nimmt ihn als einen Mitgehilfen, als einen Weggefährten und Genossen des Kreuzes an. O wie gern ließe Er auch dich das Kreuz tragen, wenn du nur wolltest! Er ruft dir; du aber giebst Ihm kein Gehör. Er ladet dich ein; du aber wei⸗ gerst dich. Schäme dich, daß du das Kreuz nur gezwungener Weise trägst! Seufzer. O Jesus! wer sein Kreuz nicht trägt und Dir nicht nachfolgt, ist Deiner nicht wert. Ich will Dir also das Kreuz tragen helfen; ich will auf dem Kreuzwege dein Ge— fährte und Genosse sein; ich will in deine blutigen Fußstapfen treten und Dir nach— folgen, damit ich zu Dir in das ewige Leben gelange. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛe. 200 Achter Abschnitt. O wie viele Christen gleichen Diesem Simon von Cyren', Die die Lieb' nicht mag erweichen, Daß sie unter's Kreuz hingeh'n: Sie sind von der Welt berücket, Die, wie sie, das Leiden scheut, Die sich nur mit Rosen schmücket Uund vom Kreuzesweg befreit. V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Sechste Station. Beronika reicht Zesu das Schweißtuch dar. V. Wir beten Dich an, ꝛc. Betrachtung. Veronika reicht Jesu aus Andacht und Mitleiden den Schleier ihres Hauptes als ein Schweißtuch dar, damit Er sein tod— bleiches, verspienes und blutiges Angesicht in demselben abtrocknen könnte; und Er hat sol⸗ chem das Bildnis seines heiligsten Angesichtes eingedrückt. Ein kleiner Dienst, aber eine sehr große Belohnung. Was für einen Dienst und Dank erstattest du deinem Heiland für seine großen Gutthaten? Andachten auf die heiligen Zeiten. 201 Seufzer. O gütigster Jesus! was soll ich Dir für alles vergelten, was Du mir und für mich gethan hast? Sieh', ich übergebe mich ganz und gar deinem Dienste; Dir opfere und heilige ich mein Herz. Drücke dein Bildnis tief in dasselbe hinein, damit es in Ewigkeit durch das Bild des alten sündigen Men⸗ schen nicht mehr verunehrt oder gar aus— getilgt werde. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛe. Schau, o Sünder! jene Schönheit, Die der Engel Aug' entzückt; Schau, wie sie der Menschen Frechheit Hat so schimpflich zugericht; Um die Weltgunst zu erwerben, Deren Lust dies Bild verdammt, Läßt auch du das Bild verderben, Das aus Gottes Händen stammt. V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Siebente Station. Zesu zweiter Fall unter dem Breuze. V. Wir beten Dich an, ꝛc. 202 Achter Abschnitt. Betrachtung. Der schmerzvolle Jesus fällt abermals unter dem Kreuze zu Boden und liegt mit seinem heiligsten Angesichte auf der Erde; doch wird Ihm von den unbarmherzigen Henkersknechten nicht einen Augenblick zu rasten vergönnt. Er wird mit Schlägen auf⸗ getrieben und mit Stricken fortgeschleppt. So beschweren Jesum meine öfters wieder— holten Sünden. Dieses sehe ich, und wie! ich sollte hinfort zum Sündigen noch Lust haben? Seufzer. O Jesus, Du Sohn Davids! erbarme Dich meiner. Reiche mir deine milde Hand und unterstütze mich, daß ich nicht mehr in die alten Sünden falle. Ich habe es gesagt, und von diesem Augenblicke an soll mit Ernst der Anfang gemacht sein. Nimmer will ich sündigen. Du, einzige Hilfe der Schwachen! stärke mich mit deiner Gnade, ohne die ich nichts vermag, daß ich diesen Vorsatz unver— brüchlich halten möge. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛe. Andachten auf die heiligen Zeiten. 203 Unsre Sünden drücken wieder Jesum auf die Erde hin; E Deren Fluch schlägt Ihn darnieder, it Und entkräftet seinen Sinn. Er hat sie auf sich genommen Und getragen ihre Last; Wodurch wir der Straf' entkommen u Und erlangt der Seele Rast. V. Gekreuzigter Herr ꝛc. * R. Erbarme Dich unser! 1 Achte Station. Die Töchter von Zerusalem beweinen Zesum. ů V. Wir beten Dich an, ꝛc. Belrachtung. Die andächtigen Frauen weinen über den leidenden Heiland; Er aber wendet sich ö gegen sie und sagt:„Weinet nicht über Mich, der Ich unschuldig bin, sondern über euch und eure Kinder, welche schuldig sind.“ So weine denn auch du; es ist Christo nichts Nanngenehmer und dir nichts nützlicher, als die Thränen, welche du aus Reue über deine Sünden vergießest. 204 Achter Abschnitt. Seufzer. O Jesus! wer wird meinem Haupte Wasser und meinen Augen ganze Thränen⸗ bäche geben, daß ich Tag und Nacht meine Sünden beweine? Ich bitte Dich durch deine bittern und blutigen Thränen, Du wollest mir die Gnade der Buße verleihen und mein Herz so zerknirschen, daß aus meinen Augen häufige Thränen fließen; damit ich meine ganze Lebenszeit dein Leiden und noch viel mehr die Ursache desselben, meine Sünden beweinen möge! Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Weinet nicht, daß der Gerechte In der Sünder Hände fällt! Daß Er sich zum Opfer brächte Für die Schuld der ganzen Welt, Zieht der ganz vollkommen Reine Wie ein Lamm zur Schlachtbank hin, Sünder! sieh' Ihn an, und weine Ueber dich, nicht über Ihn! V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Upte ien⸗ eine eine llest lein gen ine diel den Andachten auf die heiligen Zeiten. 205 Peunte Station. Zesu dritter Fall unter dem Äreuze. V. Wir beten Dich an, ꝛc. Betrachtung. Nachdem der abgemattete Jesus mit dem Kreuze am Fuße des Kalvarienberges an⸗ gelangt war, ist Er abermals zu Boden ge— fallen. Es wäre auch nicht zu verwundern gewesen, wenn sein heiligstes Haupt durch die Härte dieses Falles ganz und gar zer— quetscht worden wäre. Doch wird seine Liebe nicht gebrochen, sie unterliegt nicht. O was für eine entsetzlich schwere Last müssen denn die Sünden nicht sein! Jesum drücken sie so oft zu Boden; und mich, wenn ich durch die Verdienste des Leidens Jesu Christi nicht wäre erhalten worden, würden sie sogar in den Abgrund der Hölle gestürzt haben. Seufzer. O barmherzigster Jesus! Dir sei un— endlicher Dank gesagt, daß Du mich nicht hast in Sünden liegen, und, wie ich es oft ver⸗ dient hätte, nicht in das ewige Feuer hast 206 Achter Abschnitt. fallen lassen. Entzünde in mir einen neuen Eifer zum Guten, damit ich nicht mehr zurück⸗ falle, sondern auf dem Bußwege bis ans Ende verharre. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Euer Rückfall, böse Christen, Stürzet Jesum abermal; Ihr mehrt Sünden nach Gelüsten Und vergrößert seine Qual. Doch, Boshafte! fürchtet, zittert, Vielleicht fällt, laßt ihr nicht nach, Heute noch auf euch erbittert Seine so schreckvolle Rach'. V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Sehnte Station. Zesus wird seiner Bleider beraubt. V. Wir beten Dich an, ꝛc. Betrachkung. Als der Heiland die Schädelstätte er— stiegen hatte, wurden Ihm seine Kleider aus⸗ gezogen oder vielmehr hinweggerissen. Ach! mit welch großen Schmerzen wird auch die anklebende Haut samt den Kleidern, welche euen rück⸗ ans Andachten auf die heiligen Zeiten. 207 in den Wunden und dem Blute festgetrocknet waren, hinweggerissen! Alle Wunden werden erneuert. Die Kleider wurden Jesu ausge— zogen, daß Er arm und bloß sterbe. Wie getrost werde auch ich sterben, wenn ich den alten Menschen samt seinen bösen Begierden werde ausgezogen haben! Seufzer. Es geschehe, o Jesus, daß ich den alten Menschen aus- und einen neuen anziehe, der nach deinem Wohlgefallen, Wunsch und Wil— len ist. Sollte dieses mir noch so beschwerlich fallen, so will ich doch meiner selbst nicht schonen. Von allem Zeitlichen, von mir selbst entblößt, verlange ich zu sterben, damit ich Dir ewig lebe. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Er, der unter Lilien weidet, Gottes eingeborner Sohn, Hängt am Kreuzespfahl entkleidet, Aller Welt zur Schmach und Hohn. Uns're Hoffart, ach, zu büßen, Ward der Heiligste entblößt. Stolzer! fall' Ihm tief zu Füßen— Teuer hat Er dich erlöst. Achter Abschnitt. V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Elfte Station. Zesus wird an das Breuz genagelt. V. Wir beten Dich an, ꝛc. Betrachtung. Nachdem Jesus seiner Kleider beraubt worden, wurde Er auf das Kreuz geworfen, peinlichst ausgestreckt und durch Hände und Füße an dasselbe genagelt. O Schmerzen! und Er schweigt, weil es seinem himmlischen Vater so gefallen hat. Er erträgt es mit Geduld, weil Er mir zuliebe leidet. Wie verhalte ich mich in Kreuz und Leiden? Ach, wie viele Ungeduld zeige ich? Wie viele Klagen führe ich? Seuffzer. O Jesus, Du gnadenreichstes Lamm! ich muß mich meiner Weichlichkeit und Un⸗ geduld wegen schämen. Ich verfluche sie. Nimm hin und kreuzige mein Fleisch mit seinen Begierlichkeiten. Schneide, brenne, 25 — RE Andachten auf die heiligen Zeiten. 209 peinige in diesem Leben, wie Du willst, nur schone meiner in der Ewigkeit. Ich lege mein Schicksal in deine Hände und übergebe mich Dir ohne Ausnahme. In allem geschehe dein heiligster Wille! Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛe. Seht das Lamm ans Kreuz geschlagen, Das sich selbst zum Tod bestimmt; Da erduldet's neue Plagen, Wo die Erd' sein Blut aufnimmt. Nicht wie Abels, das um Rache Von der Erd' zum Himmel schreit; Man hört nur die Gnadensprache, Die uns Schuld und Straf' verzeiht. V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Swölfte Station. Zesus wird am Breuze erhöhet und stirbt. V. Wir beten Dich an, ꝛc. Betrachkung. Sieh', Jesus am Kreuze! da hängt Er arm und bloß. Jetzt kannst du die Wunden sehen, die Er aus Liebe zu dir empfangen hat. Die ganze Gestalt des sterbenden Jesus ist voll der Liebe; das Haupt ist geneigt, dich Jesus a. d. Jungfrau. 14 21⁰ Achter Abschnitt. zu küssen; die Arme sind ausgespannt, dich zu empfangen; das Herz ist eröffnet, dich einzuschließen. O was ist das für eine Liebe! Jesus, der Sohn Gottes, stirbt am Kreuze, damit der Mensch lebe und von dem ewigen Tode erlöset werde. Seujzer. O liebenswürdiger Jesu! wer wird mir geben, daß ich auch aus Liebe zu Dir sterben möge? Laß mich wenigstens der Welt ganz absterben. O was muß ich von der Welt und ihren Eitelkeiten denken, wenn ich Dich ganz verlassen und nur mit deinem Blute bedeckt am Kreuze hängen sehe. Nimm mich, o Jesus! in dein eröffnetes Herz hinein; Dir gehöre ich ganz und gar zu. Dir, o Jesus! verlange ich zu leben und zu sterben. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Endlich ist der Sieg errungen, Jesus stirbt, die Gnad' erwacht: Uns're Feinde sind bezwungen, Alles, alles ist vollbracht. Kennt hieraus, ihr Adamserben, Eurer Sünden schwer Gewicht: Sie zu tilgen, muß Gott sterben Und doch scheuet ihr sie nicht. ich ich be! ze, en nir hen mz elt ich ute ch, dir 181 Andachten auf die heiligen Zeiten. 211 V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! VBreizehnte Station. Zesus wird vom Ereuze abgenommen und in den Schoß Mariä gelegt. V. Wir beten Dich an, ꝛc. Betrachtung. Jesus hat vom Kreuze nicht herabsteigen wollen, sondern ist an demselben gestorben. Da Er aber vom Kreuze herabgenommen ward, so hat Er, wie lebendig, also auch tot im Schoße Mariä, seiner liebsten Mutter, liegen wollen. Sei in dem Guten beständig und laß nicht vom Kreuze. Wer bis ans Ende verharret, der wird selig. Bedenke da— bei auch, wie rein jenes Herz sein soll, das den zarten Fronleichnam Jesu Christi in dem heiligsten Altarssakramente aufnehmen will. Seufzer. O heiligster Jesus! dein entseelter Leich— nam, den Du den Schlägen und der Schmach übergeben, konnte allein in dem Schoße dei⸗ ner reinsten Mutter würdig ruhen. Wie! 212 Achter Abschnitt. habe ich Dich nicht schon oft genötigt, daß Du mit deinem verherrlichten Leibe in meinem Herzen, das voll der Sünde und Unreinigkeit war, wohnen mußtest! Ach, erschaff' in mir ein neues Herz, auf daß ich den hl. Leib in dem hl. Altarssakramente würdig empfangen möge. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Nimm den Leichnam ab vom Stamme, Christ! und drück' Ihn an dein Herz. Fließ in Thränen und verdamme Deine Sünd' in tiefem Schmerz. Sprich: Dies sind die blut'gen Wunden, Die ich meinem Heiland schlug; Ich hab' Ihn ans Kreuz gebunden, Ach! des Undanks sei genug! V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Vierzehnte Station. Der heilige Leichnam Christi wird in das Grab gelegt. V. Wir beten Dich an, ꝛc. Betrachtung. Der Leichnam Christi wird in ein frem⸗ des Grab gelegt. Derjenige, welcher in diesem n it Andachten auf die heiligen Zeiten. 213 Leben nicht so viel hatte, wo Er sein Haupt hinlegen konnte, hatte auch nicht einmal ein eigenes Grab auf dieser Welt, weil Er näm— lich nicht von dieser Welt war. Du, der du so viel von der Welt hältst, verachte die Welt, damit du nicht mit ihr zu Grunde gehest. Seufzer. O Jesus! Du hast mich von der Welt auserwählt: was soll ich also in der Welt suchen? Du hast mich zum Himmel erkauft: was soll ich also in der Welt verlangen? Sei fern von mir, o Welt! mit deinen Eitel⸗ keiten! Auf dem Kreuzwege, welchen mir mein Heiland und Erlöser mit seinen blutigen Fuß— stapfen gebahnt hat, werde ich meinem Vater⸗ lande, dem Himmel, zueilen. Dort soll meine Wohnung sein in Ewigkeit. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛc. Wir sind alle auch begraben Mit dem Heiland durch die Tauf', Drum wir nichts gemein mehr haben Mit der Welt und ihrem Lauf. Laßt uns denn von uns ablegen, Was von Adam uns anklebt, Um das Bild uns einzuprägen, Durch das Christus in uns lebt. Achter Abschnitt. V. Gekreuzigter Herr ꝛc. R. Erbarme Dich unser! Schlußgebet. Seht den Weg hier, der aus allen Uns allein zum Himmel führt; Diesen ließ sich auch gefallen Unser Haupt und bester Hirt. Ja, Abtötung, Kreuz und Leiden Muß der Christen Anteil sein; Auf dies folgen Kron' und Freuden! Streitet, sieget, dringt hinein! O allmächtiger, ewiger Gott, barmherzi— ger Vater! der Du deinen eingebornen Sohn, dem menschlichen Geschlechte zu einem Bei— spiele der Demut, des Gehorsams und der Geduld, unser Fleisch hast annehmen und Ihn mit der Last des Kreuzes auf dem Wege des Lebens uns hast vorangehen lassen: verleihe uns gnädig, daß wir, durch diese unendliche Liebe entzündet, das süße Joch seines Evan⸗ geliums und die Abtötung des Kreuzes gern auf uns nehmen und Ihm als seine treuen Jünger so nachfolgen, daß wir einst in der Herrlichkeit mit Ihm auferstehen und das erfreuliche Endurteil hören mögen:„Kommet, Andachten auf die heiligen Zeiten. 215 ihr Gebenedeiten meines Vaters, besitzet das Reich, das euch vom Anfang der Welt zu— bereitet ist!“ wo Du mit deinem Sohne und dem heiligen Geiste herrschest, und wo wir mit Dir ewig zu herrschen hoffen. Amen. Fromme Uebung zum Andenken an die Codesangst Jesu. Die sieben Worte Jesu am Rreuze. V. O Gott, merke auf meine Hilfe; R. Herr, eile mir zu helfen. Ehre sei dem Vater ꝛe. Erstes Wort. Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. V. Wir beten Dich an, Herr Jesu Christe, und preisen Dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöset. Geliebtester Jesus, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze die Todesangst erleidest, um mit deinem Leiden die Schuld meiner Sünden zu bezahlen, und deinen göttlichen 216 Achter Abschnitt. Mund öffnest, um mir Verzeihung von der ewigen Gerechtigkeit zu erlangen; erbarme Dich aller Gläubigen, die in den letzten Zügen liegen, und auch meiner, wenn ich in jener äußersten Not mich befinde, und verleihe uns durch die Verdienste deines kost⸗ barsten Blutes, das Du für unser Heil ver⸗ gossen hast, einen so lebhaften Schmerz über unsere Sünden, daß wir kraft dieses Schmer⸗ zes unsere Seele in den Schoß deiner unend⸗ lichen Barmherzigkeit aushauchen mögen. Dreimal: Ehre sei dem Vater ꝛc. Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unser. Mein Gott, ich glaube an Dich; ich hoffe auf Dich; ich liebe Dich, und es reut mich über alles, daß ich Dich mit meinen Sünden beleidigt habe. Zweites Wort⸗. Heute wirst du bei Mir im Paradiese sein. Wir beten Dich an ꝛc. Geliebtester Jesus, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze die Todesangst erleidest, be Andachten auf die heiligen Zeiten. 217 und so bereitwillig und großmütig dem Glauben des guten Schächers, der Dich inmitten deiner Verdemütigungen als den Sohn Gottes erkennt, entgegenkömmst und ihm das Paradies zusicherst; erbarme Dich aller Gläubigen, die in den letzten Zügen liegen, und auch meiner, wenn ich in jener äußersten Not sein werde, und erwecke durch die Verdienste deines kostbarsten Blutes in unserem Geiste einen so festen und stand⸗ haften Glauben, daß derselbe durch keine Einflüsterung des bösen Feindes erschüttert werde, damit auch uns der Lohn des himm— lischen Paradieses zu teil werde. Dreimal: Ehre sei dem Vater ꝛc. Er⸗ barme Dich ꝛc. Mein Gott ꝛc. Drittes Wort. Siehe deinen Sohn! Siehe deine Mutter! Wir beten Dich an ꝛe. Geliebtester Jesus, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze die Todesangst erleidest, und, dein eigenes Leiden vergessend, zum Pfande deiner Liebe uns deine eigene heiligste Mutter zurücklässest, damit wir durch ihre 218 Achter Abschnitt. Vermittelung in unseren größten Nöten mit Vertrauen zu Dir unsere Zuflucht nehmen können; erbarme Dich aller Gläubigen, die in den letzten Zügen liegen, und auch meiner, wenn ich in jener äußersten Not sein werde, und erwecke durch das innerliche Martertum dieser so teuren Mutter in unserem Herzen eine so feste Hoffnung auf die unendlichen Verdienste deines kostbarsten Blutes, daß wir dadurch der ewigen Verdammnis entgehen, die wir für unsere Sünden verdient haben. Dreimal: Ehre sei dem Vater ꝛc. Er— barme Dich ꝛc. Mein Gott ꝛc. Viertes Wort. Mein Gott! mein Gott! warum hast Du Mich verlassend Wir beten Dich an ꝛe. Geliebtester Jesus, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze die Todesangst erduldest, und Leiden auf Leiden häufend, da Du von deinem ewigen Vater verlassen wirst, außer so vielen Schmerzen des Leibes auch die peinliche Betrübnis des Geistes mit unend⸗ licher Geduld erträgst; erbarme Dich aller Gläubigen, die in den letzten Zügen liegen, Andachten auf die heiligen Zeiten. 219 und auch meiner, wenn ich in jener äußersten Not sein werde, und verleihe uns durch die Verdienste deines kostbarsten Blutes die Gnade, mit wahrer Geduld alle Schmerzen und Aengsten unseres Todeskampfes zu er⸗ tragen, damit wir, unsere Leiden mit den deinigen vereinigend, alsdann deiner Herr⸗ lichkeit im Himmel teilhaftig werden können. Dreimal: Ehre sei dem Vater ꝛc. Er— barme Dich ꝛc. Mein Gott ꝛc. Fünftes Wort. Mich dürstet. Wir beten Dich an ꝛc. Geliebtester Jesus, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze die Todesangst erleidest, und, noch nicht zufrieden mit so vielen Be⸗ schimpfungen und Leiden, immer noch mehr ertragen möchtest, wenn nur alle Menschen gerettet würden, und der Du so beweisest, daß Dir das Meer deiner Leiden nicht genügt, um den Durst deines liebevollen Herzens zu stillen; erbarme Dich aller Gläu⸗ bigen, die in den letzten Zügen liegen, und auch meiner, wenn ich in jener äußersten 2²20 Achter Abschnitt. Not sein werde, und entzünde durch die Ver— dienste deines kostbarsten Blutes in unseren Herzen ein solches Feuer der Liebe, daß es verschmachte vor Sehnsucht, sich mit Dir zu vereinigen durch die ganze Ewigkeit. Dreimal: Ehre sei dem Vater ꝛc. Er⸗ barme Dich ꝛc. Mein Gott ꝛc. Sechstes Wort. Es ist vollbracht. Wir beten Dich an ꝛe. Geliebtester Jesus, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze die Todesangst erleidest, und von diesem Lehrstuhl der Wahrheit ver⸗ kündigst, daß Du das Werk unserer Erlösung vollbracht hast, durch welches wir aus Kin— dern des Zornes und des Verderbens Kinder Gottes und Erben des Himmelreiches ge— worden sind; erbarme Dich aller Gläubigen, die in den letzten Zügen liegen, und auch meiner, wenn ich in jener äußersten Not sein werde, und durch die Verdienste deines kostbarsten Blutes reiße uns ganz los von der Welt und von uns selbst, und verleihe uns in der Stunde unseres Todeskampfes Andachten auf die heiligen Zeiten. 221 die Gnade, Dir das Opfer unseres Lebens zur Genugthuung für unsere Sünden von ganzem Herzen darzubringen. Dreimal: Ehre sei dem Vater ꝛc. Er⸗ barme Dich ꝛc. Mein Gotit ꝛc. Siebentes Wort. Vater, in deine Hände empfehle Ich meinen Geist. Wir beten Dich an ꝛe. Geliebtester Jesus, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze die Todesangst erleidest, und zur Vollendung eines so großen Opfers Dich mit dem Willen des ewigen Vaters vereinigst, indem Du deinen Geist in seine Hände empfiehlst, um dann das Haupt zu neigen und zu sterben; erbarme Dich aller Gläu—⸗ bigen, die in den letzten Zügen liegen, und auch meiner, wenn ich in jener äußersten Not sein werde, und verleihe uns durch die Verdienste deines kostbarsten Blutes in un⸗ serem Todeskampfe eine vollkommene Gleich— förmigkeit mit deinem göttlichen Willen, da— mit wir bereit seien, zu leben oder zu sterben, wie es Dir wohlgefälliger ist, und nichts anderes wünschen, als daß dein anbetungs⸗ 22² Achter Abschnitt. würdiger Wille vollkommen an uns in Er— füllung gehe. Dreimal: Ehre sei dem Vater ꝛc. Er— barme Dich ꝛc. Mein Gott ꝛc. Gebet zur schmerzhaften Mutter. Heiligste, schmerzenreiche Mutter, wir bitten dich durch das peinlichste Martertum, das du am Fuße des Kreuzes während der dreistündigen Todesangst Jesu erlitten hast, würdige dich, uns allen, die wir Kinder deiner Schmerzen sind, in unserer Todes⸗ angst beizustehen, damit wir durch deine Vermittelung von unserem Sterbelager in den Himmel übergehen, um uns dort deiner heiligen Gesellschaft zu erfreuen. Drei Gegrüßet seist du, Maria; sodann: Maria, Gnadenmutter du, Und Mutter der Barmherzigkeit, Vor'm bösen Feinde schaff' uns Ruh' Und gieb im Tode uns Geleit. V. Von dem jähen und unversehenen Tode R. Erlöse uns, o Herr. V. Von den Nachstellungen des Teufels Er⸗ wir tum, der hast, nder des⸗ heine rin iner mn: en Andachten auf die heiligen Zeiten. 223 R. Erlöse uns, o Herr. V. Von dem ewigen Tode R. Erlöse uns, o Herr. Lasset uns beten! O Gott, der Du zum Heile des mensch— lichen Geschlechtes in dem schmerzvollsten Tode deines Sohnes uns ein Beispiel und sichere Hilfe gegeben hast: verleihe uns, wir bitten Dich, daß wir in der so gefahrvollen Stunde unseres Todes würdig seien, die Wirkungen einer so großen Liebe zu empfinden und in die Herrlichkeit dieses unseres Erlösers auf⸗ genommen zu werden. Durch denselben Christum, unsern Herrn.— R. Amen. Jesus, Maria und Joseph, Euch schenke ich mein Herz und meine Seele. Jesus, Maria und Joseph, stehet mir bei im letzten Todeskampfe. Jesus, Maria und Joseph, möge meine Seele mit Euch im Frieden scheiden. Papst Pius VII. verlieh am 26. Aug. 1814 allen Gläubigen, welche diese fromme Uebung zum Andenken an die Todesangst Jesu andächtig und reumütig verrichten, jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen. 2²⁴ Achter Abschnitt. Andacht zu den heiligen fünf Wunden Christi. (Man erweckt zuerst Reue und Leid.) Indem ich mich vor Dir, o gekreuzigter, liebenswürdigster Erlöser meiner Seele, nie⸗ derwerfe, klagt mich mein Gewissen an, daß ich Dich mit meinen Händen an das Kreuz heftete, so oft ich schwere Sünden beging und Dich dadurch mit schauderhaftem Un— dank beleidigte. Mein Gott, höchstes und vollkommenstes Gut, der Du alle meine Liebe verdienst, weil Du mir immer nur Gutes erwiesen hast, ich Armseliger kann meine bösen Werke nicht ungeschehen machen, wie ich es gerne möchte; aber ich verabscheue sie mit innigstem Reueschmerz, weil ich Dich, die unendliche Güte beleidigt habe, und zu deinen Füßen niederkniend will ich mich wenigstens bemühen, mit deinen Leiden Mit⸗ leid zu tragen, Dir zu danken, Dich um Verzeihung und um Besserung zu bitten, und so spreche ich mit Herz und Mund: Zur heiligen Wunde des linken Fußes. Ich bete Dich an, o heiligste Wunde des linken Fußes. Ich habe Mitleid mit D Andachten auf die heiligen Zeiten. 225 Dir, o Jesus, wegen des grausamen Schmer— zes, den Du erduldet hast; ich danke Dir für die Liebe, mit welcher Du blutend unter den Dornen und Disteln meiner Sünden Dich abgemüht hast, um mich auf dem Wege des Verderbens einzuholen. Ich opfere dem ewigen Vater die Liebe und die Schmerzen auf, welche deine heiligste Menschheit zur Sühne für meine Missethaten erduldet hat, die ich jetzt mit aufrichtiger und bitterer Reue verabscheue. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria. Ehre sei ꝛc. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden, Die dein Sohn am Kreuz empfunden, Tief in meine Seele ein. Zur heiligen Wunde des rechten Fußes. Ich bete Dich an, o heiligste Wunde des rechten Fußes. O mein Jesus, ich habe Mit⸗ leid mit Dir um des grausamen Schmerzes willen, den Du erduldet hast; ich danke Dir für die Liebe, in welcher Du unter Todes⸗ pein und Blutvergießen durchbohrt werden wolltest, zur Strafe für meine Verirrungen Jesus a. d. Jungfrau. 15 2²6 Achter Abschnitt. und die schuldbaren Vergnügungen, die ich meinen zügellosen Leidenschaften gestattet habe. Ich opfere dem ewigen Vater die Schmerzen und die Liebe deiner heiligsten Menschheit auf, und bitte Ihn um die Gnade, daß ich mit heißen Thränen meine Vergehungen beweine und in der begonnenen Besserung verharre, ohne jemals mich wieder dem Ge— horsame gegen die göttlichen Gebote zu ent— ziehen. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria. Ehre sei ꝛc. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden ꝛe. Zur heiligen Wunde der linken Hand. Ich bete Dich an, o heiligste Wunde der linken Hand. O mein Jesus, ich habe Mitleid mit Dir um des grausamen Schmer— zes willen, den Du erduldet hast; ich danke Dir, daß Du mit so großer Liebe die Züch— tigungen und die ewige Verdamnis, die ich für meine Sünden verdiente, von mir fern⸗ gehalten hast. Ich opfere dem ewigen Vater die Schmerzen und die Liebe deiner heilig— sten Menschheit auf, und bitte Ihn um die 2 2..2—29——— 6 — Andachten auf die heiligen Zeiten. 227 Gnade, daß ich die mir noch übrige Zeit meines Lebens dazu benütze, um würdige Früchte der Buße zu wirken und dadurch die beleidigte göttliche Gerechtigkeit zu ent— waffnen. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria. Ehre sei ꝛc. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden ꝛc. Zur heiligen Wunde der rechten Hand. Ich bete Dich an, o heiligste Wunde der rechten Hand. O mein Jesus, ich habe Mitleid mit Dir um des grausamen Schmer— zes willen, den Du erduldet hast; ich danke Dir, daß Du mir mit so großer Liebe fort⸗ während Gutes erwiesen hast, obgleich ich deiner Liebe so schlecht entsprach. Ich opfere dem ewigen Vater die Schmerzen und die Liebe deiner heiligsten Menschheit auf, und bitte Ihn, mein Herz und meine Neigungen umzuwandeln und gnädig zu bewirken, daß ich meine Handlungen ganz nach seinem gött⸗ lichen Wohlgefallen vollbringe. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria. Ehre sei ꝛc. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden ꝛc. Achter Abschnitt. Zur heiligen Seitenwunde. Ich bete Dich an, o heiligste Wunde der Seite Jesu. Ich habe Mitleid mit Dir, o Jesus, wegen der grausamen Mißhandlung, die Du erduldet hast; ich danke Dir für die Liebe, mit welcher Du zuließest, daß deine Seite und dein Herz verwundet wurden, wie auch dafür, daß Du daraus die letzten Tro⸗ pfen von Blut und Wasser vergießen wolltest, um meine Erlösung überschwenglich zu ma⸗ chen. Ich opfere dem ewigen Vater die Miß⸗ handlungen und die Liebe deiner heiligsten Menschheit auf, damit meine Seele in dieses liebevollste Herz, welches immer willig und mit Sehnsucht bereit ist, auch die größten Sünder aufzunehmen, endlich einmal eingehe, und sich nie wieder aus demselben entferne. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria, Ehre sei ꝛc. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden ꝛc. Gebet zur schmerzhaften Mutter. Heiligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria, Martyrin der Liebe und des Schmer⸗ zes bei dem Anblicke der Peinen und Miß⸗ FGHE&Æ&Æ e— S He S Andachten auf die heiligen Zeiten. 229 handlungen, Jesu! du hast mitgewirkt zu der Wohlthat meiner Erlösung, da du Leid und Betrübnis ohne Maß erduldet und dem ewi⸗ gen Vater seinen und deinen Eingebornen zum Brand- und Sühnopfer für meine Sünden dargebracht hast. Ich danke dir für die un— begrenzte Liebe, mit welcher du die Frucht deines Leibes, den wahren Menschen und wahren Gott dahingeben wolltest, um mich Sünder zu retten. Lege deine niemals ver— gebliche Fürbitte bei dem Sohne und dem Vater ein, damit ich mein Leben dauerhaft bessere, nie wieder mit neuen Sünden meinen liebreichen Erlöser kreuzige, und in seiner Gnade bis zum Tode verharrend, das ewige Leben erlange durch die Verdienste seines bittern Leidens und seines Todes am Krenze. Drei Gegrüßet seist du, Maria. Lasset uns beten: O Herr Jesus Christus, der Du für die Erlösung der Welt in der sechsten Stunde den Pfahl des Kreuzes bestiegen und dein kostbares Blut zur Nachlassung der Sünden vergossen hast; wir bitten Dich demütig, ver— 230 Achter Abschnitt. leihe uns doch, daß wir nach unserem Tode zur Pforte des Himmelreiches freudig ein— gehen mögen. Wir bitten Dich, o Herr Jesus Christus, lasse doch jetzt und in der Stunde unseres Todes die seligste Jungfrau Maria, deine Mutter, deren heiligste Seele in der Stunde deines Leidens das Schwert des Schmerzes durchbohrt hat, unsere Fürsprecherin bei deiner Barmherzigkeit sein. Durch Dich, Jesus Christus, Erlöser der Welt, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. R. Amen. Papst Pius VII. verlieh am 29. Septem⸗ ber 1807 allen Gläubigen, welche diese Gebete andächtig und reumütig verrichten, einmal des Tages einen Ablaß von 100 Tagen. Sieben Aufopferungen des kostbarsten Blutes Jesu Christi. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf die Verdienste des kostbarsten Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Er⸗ lösers, für die Verbreitung und Erhöhung der heiligen Kirche, meiner teuren Mutter, Andachten auf die heiligen Zeiten. 231 für die Erhaltung und das Wohlergehen ihres sichtbaren Oberhauptes, unseres hei— ligen Vaters, des römischen Papstes, für die Kardinäle, Bischöfe, Seelenhirten und für alle Diener des Heiligtums. Ein Ehre sei ꝛc. und hierauf das Schuß— gebet: Preis und Dank sei Jesu allezeit, Der uns mit seinem Blute hat befreit. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf die Verdienste des kostbarsten Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Er— lösers, für den Frieden und die Einigkeit der katholischen Könige und Fürsten, für die De— mütigung der Feinde des heiligen Glaubens und für die Wohlfahrt des christlichen Volkes. Ein Ehre sei ꝛc. und: Preis und Dank ꝛc. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf die Verdienste des kostbarsten Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Er— lösers, für die Erleuchtung der Ungläubigen, für die Ausrottung aller Irrlehren und für die Bekehrung der Sünder. 232 Achter Abschnitt. Ein Ehre sei ꝛc. und: Preis und Dank ꝛc. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf die Verdienste des kostbarsten Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Er— lösers, für alle meine Verwandten, Freunde und Feinde, für alle Notleidenden, Kranken und Bedrängten, und für alle, für welche Du weißt, daß ich zu beten schuldig bin, und für welche Du willst, daß ich bete. Ein Ehre sei ꝛc. und: Preis und Dank ꝛc. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf die Verdienste des kostbarsten Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Er— lösers, für alle diejenigen, welche heute in das andere Leben hinübergehen werden, damit Du sie von den Peinen der Hölle befreien und sie sobald als möglich zu dem Besitze deiner Herrlichkeit zulassen mögest. Ein Ehre sei ꝛc. und: Preis und Dank ꝛc. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf das kostbarste Blut Jesu Christi, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, für —ñ— Andachten auf die heiligen Zeiten. 233 alle diejenigen, welche diesen so großen Schatz von Herzen lieben, für alle, die mit mir in Anbetung und Verehrung desselben vereinigt sind, und endlich für alle, die sich bemühen, die Andacht zu demselben zu verbreiten. Ein Ehre sei ꝛc. und: Preis und Dank ꝛe. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf die Verdienste des kostbarsten Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Er— lösers, für alle meine geistlichen und leiblichen Bedürfnisse und zur Hilfe für die armen Seelen im Fegfeuer, besonders für jene, welche zu dem Kaufpreise unserer Erlösung und zu den Schmerzen und Peinen unserer heiligsten und geliebtesten Mutter Maria eine größere Andacht hatten. Ein Ehre sei ꝛc. und: Preis und Dank ꝛe. Hochgepriesen sei das heiligste Blut Jesu, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen. Papst Pius VII. verlieh am 22. Sept. 1817 allen Christgläubigen einen Ablaß von 300 Tagen, so oft sie diese Aufopferungen nebst sieben: Ehre sei ꝛe. und den Schußgebeten in der Meinung verrichten, dadurch für die Unbilden, 234 Achter Abschnitt. die dem göttlichen Heilande in seinem Blute, dem Preise unseres Heiles und unserer Erlösung, zugefügt werden, einigen Ersatz zu leisten. Schußgebet. Ewiger Vater! ich opfere Dir auf das kostbarste Blut Jesu Christi zur Genug⸗ thuung für meine Sünden und für die An— liegen der heiligen Kirche. Papst Pius VII. verlieh am 22. Sept. 1817 allen Christgläubigen einen Ablaß von 100 Tagen, so oft sie dieses Schußgebet andächtig und reumütig beten. Litanei vom bittern Leiden und Sterben Zesu Christi. Perr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! err, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, er⸗ barme Dich unser! Jesus, der Du uns bis ans Ende geliebt, er⸗ barme Dich unser! C20αCe I — 5 — 6920ee?ee?eeeC Andachten auf die heiligen Zeiten. 235 Jesus, für dreißig Silberlinge verkauft, er— barme Dich unser! Jesus, im Gebete auf dem Antlitz liegend,“) Jesus, in der Todesangst mit Blutschweiß überronnen, Jesus, vom Engel gestärkt, Jesus, von Judas mit einem Kusse verraten, Jesus, von den Knechten mit Stricken gebunden, Jesus, von deinen Jüngern verlassen, Jesus, dem Annas und Kaiphas als Misse⸗ thaͤter vorgestellt, Jesus, ins Angesicht geschlagen, Jesus, von falschen Zeugen angeklagt, J zum Tode verurteilt, Jesus, ins Angesicht gespien, Jesus, mit verhülltem Angesicht mißhandelt, Jesus, von Petrus dreimal verleugnet, Jesus, gebunden dem Pilatus überliefert, Fesus, von Herodes verachtet und verspottet, Jesus, mit einem weißen Kleide ahseteh Jesus, dem Mörder Barabbas nachgesetzt Jesus, mit Geißeln geschlagen und zerfleischt, Jesus, mit einem Purpurmantel schimpflich bekleidet, esus, mit' Dornen getrönt, esus, mit einem Rohr aufs Haupt geschlagen, Jesus, von den Juden ans Kreuz gefordert, Jesus, zum schmählichsten Tode verurteilt, Jesus, dem Willen deiner Feinde übergeben, — —.— — —— ⁰ — *) Erbarme Dich unser! 2 236 Achter Abschnitt. Jesus, mit dem schweren Kreuze beladen, er— barme Dich unser! esus, wie ein Lamm zur Schlachtbank ge— führt,) sus, deiner Kleider beraubt, sus, mit Nägeln ans Kreuz geschlagen, sus, am Kreuze noch verspottet und gelästert, sus, für deine Feinde betend, sus, der Du dem reuigen Schächer das Paradies verhießest, Jesus, der Du deiner geliebten Mutter den Johannes zum Sohne empfahlst, Jesus, von deinem himmlischen Vater verlassen, Jesus, mit Galle und Essig getränkt, Jesus, deinen Geist in die Hände des Vaters empfehlend, Jesus, mit einer Lanze durchbohrt, Sei uns gnädig!— verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig!— erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel,— erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde,**) Von Zorn, Haß und allem bösen Willen, Von Pest, Hunger und Krieg, Von allen Gefahren des Leibes und der Seele, Vom ewigen Tode, Durch deine Angst und deinen blutigen Schweiß, Durch deine schmerzliche Geißelung, Durch deine schimpfliche Krönung, Durch deine mühevolle Kreuztragung, α α S — 5 0 — — e 2 *) Erbarme Dich unser! *E) Erlöse uns, o Herr! Andachten auf die heiligen Zeiten. 237 Durch deine grausame Kreuzigung, erlöse uns, o Herr! Durch deine heiligen Wunden,“) Durch deine große Verlassenheit, Durch deinen Durst und deine Thränen, Durch deinen bittern Tod, In der Stunde unseres Todes, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder,— wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns verschonest,“) Daß Du uns zur wahren Buße führen wollest, Daß Du in deinem heiligen Blute uns von allen Sünden reinigen wollest, Daß Du uns wahren Frieden, Demut und Liebe verleihen wollest, Daß wir durch die Kraft deines heiligen Kreu⸗ zes den Teufel, die Welt und das Fleisch überwinden mögen, Daß wir in Angst und Not nicht verzagen, Daß wir Schmach, Verspottung, Armut und Widerwärtigkeiten geduldig ertragen, Daß wir dein Kreuz lieben, Daß Du durch dein Kreuz in unserer Todes⸗ not uns schirmen und stärken wollest Daß Du durch dein Kreuz uns in deine Glorie einführen wollest, ö O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst *) Erlöse uns, o Herr! *) Wir bitten Dich, erhöre uns! 238 Achter Abschnitt. die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesus! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Jesus! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Jesus! Jesus Christus, höre uns! Jesus Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser ꝛc. Gebet. (Vom heiligen Augustinus.) O Gott, für die Erlösung der Welt wolltest Du geboren und beschnitten, von den Juden verworfen, von dem Verräter Judas mit einem Kusse ausgeliefert, mit Banden gefesselt, wie ein unschuldiges Lamm zur Schlachtbank geführt, dem Angesicht des Annas und Kaiphas, des Pilatus und He— rodes schimpflich vorgeführt, von falschen Zeugen angeklagt, von Geißeln zerfleischt, mit Schmach überhäuft, mit Speichel bedeckt, mit Dornen gekrönt, mit Backenstreichen mißhan⸗ delt, bei verhülltem Antlitz mit dem Rohre Andachten auf die heiligen Zeiten. 239 geschlagen, der Kleider beraubt, mit Nägeln ans Kreuz geschlagen, am Kreuze erhöht, den Missethätern gleichgeachtet, mit Galle und Essig getränkt und mit einer Lanze ver⸗ wundet werden: durch diese deine hochhei— ligen Leiden, welche ich Unwürdiger bei mir erwäge, und durch dein hl. Kreuz und deinen Tod befreie mich von den Qualen der Hölle und würdige Dich, mich dorthin zu führen, wohin Du den mit Dir gekreuzigten Schächer geführt hast; der Du mit dem Vater und dem hl. Geiste lebst und regierst Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 5 Vater unser, Gegrüßet seist du, Maria und Ehre sei dem Vater ꝛc. Papst Pius VII. verlieh am 25. Aug. 1820 allen Gläubigen, welche das Gebet: O Gott, für die Erlösung ꝛc. nebst 5 Vater unser, Gegrüßet seist du, Maria und Ehre sei dem Vater ꝛe. verrichten, einmal täglich einen Ablaß von 300 Tagen. Am heiligen Osterfeste. Mein Herr und mein Gott, Jesus Christus! ich glaube fest an deine Aufer⸗ stehung von den Toten. Ja, herrlich hast 240 Achter Abschnitt. Du gesiegt über den Tod, die Sünde und die Hölle. Lob und Preis, Dank und An⸗ betung sei Dir, o göttlicher Erlöser, in alle Ewigkeit von allen Geschöpfen im Himmel und auf Erden! O Du verherrlichter Sohn Gottes! laß auch mich an deinem Siege also teilnehmen, daß ich der Sünde und dem alten verdorbenen Menschen in mir immer mehr absterbe und auferstehe zu einem neuen, Dir wohlgefälligen Leben! Du bist am Kreuze für mich gestorben und nun lebst Du ewig für mich zur Rechten des Vaters. Gieb doch, daß auch ich für Dich und nach deinem Willen lebe, um einst auch in deiner Gnade und Liebe mein Leben zu beschließen. ö Deine glorreiche Auferstehung ist mir die sicherste Bürgschaft, daß auch alle deine Diener zur herrlichen Auferstehung gelangen werden, und daß ihnen eine ewige, unver— welkliche Krone dort oben aufbehalten ist. Gieb mir doch deine allvermögende Gnade, daß ich durch einen frommen Lebenswandel Andachten auf die heiligen Zeiten. 241 dieser Auferstehung und dieser Krone mich würdig mache. Nein, nicht die irdischen und vergäng— lichen Güter dieser Welt, sondern die himm— lischen, die ewigen laß mich, o Gott, suchen! Muß ich auch Gewalt brauchen, um in das Himmelreich einzudringen,— o, die Herrlich— keit bei Dir und deinen Heiligen, sie ist aller Mühe und Anstrengung wert. Und sollten auch die bittersten Leiden über mich kommen: Du, o göttlicher Erlöser, hast ja aus Liebe zu mir das schwerste Kreuz getragen; Du hilfst das meinige tragen und machst es mir leicht— und nur wenn ich mit Dir werde gelitten haben, nur dann darf ich hoffen, daß ich auch mit Dir werde ver— herrlicht werden. Amen. In der Bittwoche. Litanei von allen HZeiligen. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Jesus a. d. Jungfrau. 16 242 Achter Abschnitt. Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser!“ Euaerr Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, er⸗ barme Dich unser! Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Gottesgebärerin,) Heilige Jungfrau der Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heiligen Engel und Erzengel, Alle heiligen Chöre der seligen Geister. Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Joseph, Alle heiligen Patriarchen und Propheten, Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jakobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jakobus, Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, *) Bitt(bittet) für uns! —S84— 8.0006c- Andachten auf die heiligen Zeiten. Heiliger Matthias, bitt für uns! Heiliger Barnabas,“) Heiliger Lukas, Heiliger Markus, Alle heiligen Apostel und Evangelisten, Alle heiligen Jünger des Herrn, Alle heiligen unschuldigen Kinder, Heiliger Stephanus, Heiliger Laurentius, Heiliger Vincentius, Heilige Fabianus und Sebastianus, Heilige Johannes und Paulus, Heilige Kosmas und Damianus, Heilige Gervasius und Protasius, Alle heiligen Martyrer, Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nikolaus, Alle heiligen Bischöfe und Bekenner, Alle heiligen Kirchenlehrer, Heiliger Antonius, Heiliger Benediktus, Heiliger Bernardus, Heiliger Dominikus, Heiliger Franziskus, *) Bitt(bittet) für uns! 243 2⁴4 Achter Abschnitt. Alle Hrligen Priester und Leviten, bittet für uns! Alle heiligen Mönche und Einsiedler,“) 620.. ige Maria Magdalena, Heilige Agatha, Heilige Luzia, Heilige Agnes, Heilige Caͤcilia, Heilige Katharina, Heilige A nastasia, Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, Alle Heiligen Gottes, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, ehrie uns, Herr! Von allem Uebel, er rlöse uns, o Herr! Von aller Sünde,*) Von deinem Zorne, Vom jähen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Von Zorn und Haß und allem bösen“ Willen, Vom Geiste der Unreinigkeit, Von Blit und Ungewitter, Von der Geißel des Erdbebens, Von Pest, Hunger und Krieg, Vom ewigen Tode, Durch das Geheimnis deiner heiligen Mensch— werdung, Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, *) Bittet(bitt) für uns! **) Erlöse uns, o Herr! INIA& „IIQVYLIIYVIYAX==. 2 Andachten auf die heiligen Zeiten. 245 Durch deine Taufe und dein heiliges Fasten, erlöse uns, o Herr! Durch dein Kreuz und Leiden,“) Durch deinen Tod und dein Begräbnis, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des heiligen Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder, wir bitten 2 Dich, erhöre uns! Daß Du uns verschonest,“ Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zur Leitren Buße führen wollest, Daß Du deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Daß Du den apostolischen Oberhirten und alle a Stände in der heiligen Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche demü⸗ tigen wollest, Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Eintracht verleihen wollest, Daß Du dem ganzen christlichen Volke Frie— den und Einigkeit schenken wollest, Daß Du uns selbst in deinem heiligen Dienste kräftigen und erhalten wollest, Daß Du unsere Gemüter zu himmlischem Ver— langen erheben wollest, 4) Erlöse uns, o Herr! **) Wir bitten Dich, erhöre uns! 246 Achter Abschnitt. Daß Du allen unsern Wohlthätern die ewigen üter verleihen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du unsere Seelen und die Seelen unserer Brüder, Verwandten und Wohlthäter von der ewigen Verdammnis erretten wollest,“) Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß Du allen verstorbenen Gläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du uns erhören wollest, Sohn Gottes, O Du Lamm Gottes, daß Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! hriste, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser ꝛc. V. Und führe uns nicht in Versuchung, R. Sondern erlöse uns vom Uebel. *) Wir bitten Dich, erhöre uns! Andachten auf die heiligen Zeiten. 247 Psalm 69. Habe acht, o Gott, auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen! Zu Schanden und beschämt mögen wer— den, die meiner Seele nachstellen. Es sollen zurückweichen und erröten, die mir Uebles wollen; Auf der Stelle zurückweichen schambedeckt, die höhnend zu mir sagen: So recht, so recht! Frohlocken aber und in Dir sich freuen sollen alle, die Dich suchen; und immer sollen sprechen: Hochgepriesen f ei der Herr! sie, die dein Heil lieb haben. Ich aber bin dürftig und elend; Gott, hilf mir! Mein Helfer und mein Erlöser bist Du; Herr, säume nicht! Ehre sei dem Vater ꝛc. Wie sie war ꝛce. V. Hilf deinen Dienern, R. Die auf Dich hoffen, mein Gott. V. Sei uns, o Herr, ein fester Turm, R. Vor dem Feinde. V. Nichts soll der 32— über uns ver⸗ mögen; Achter Abschnitt. R. Und der Sohn der Ungerechtigkeit soll uns nicht ferner schaden. V. Herr, thue uns nicht nach unsern Sünden; R. Und vergelte uns nicht nach unsern Missethaten. V. Lasset uns beten für unsern Papst N. R. Der Herr erhalte und belebe ihn und mache ihn selig auf Erden und über— lasse ihn nicht dem Willen seiner Feinde. V. Lasset uns beten für unsere Wohl— thäter! B. Gieb gnädig, o Herr, allen, die uns um deines Namens willen gutes thun, zur Vergeltung das ewige Leben. Amen. V. Lasset uns beten für die verstorbenen Gläubigen! R. Herr gieb ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. V. Laß sie ruhen im Frieden. R. Amen. V. Für unsere abwesenden Brüder, R. Hilf deinen Dienern, die auf Dich hoffen, mein Gott. Andachten auf die heiligen Zeiten. 249 V. Sende ihnen, o Herr, Hilfe aus dem Heiligtum, R. Und von Sion aus beschütze sie. V. Herr, erhöre mein Gebet, R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. V. Der Herr sei mit euch, R. Und mit deinem Geiste. Gebet. O Gott, dem es eigen ist, sich allezeit zu erbarmen und zu schonen: nimm gnädig auf unser Gebet, und befreie uns und alle deine Diener, welche von den Fesseln der Sünde umstrickt sind, huldvoll durch die Erbarmung deiner Liebe. Wir bitten Dich, o Herr, erhöre unser inständiges Flehen und schone unser, die wir unsere Sünden vor Dir bekennen, auf daß uns durch deine Güte Verzeihung und Frie— den zu teil werden möge. Erzeige uns gnädig, o Herr, deine un— aussprechliche Barmherzigkeit, indem Du uns von allen Sünden befreiest und uns von den Strafen, erlösest, die wir unserer Sünden wegen verdienen. 250 Achter Abschnitt. O Gott, der Du durch die Sünde be— leidigt und durch Buße versöhnt wirst, siehe gnädig auf das Gebet deines demütig fle— henden Volkes und wende die Geißeln deines Zornes ab, die wir für unsere Sünden ver— dienen. Allmächtiger, ewiger Gott, erbarme Dich deines Dieners, unseres Papstes N., und führe ihn nach deiner Güte den Weg des ewigen Heiles, damit er, was Dir wohl⸗ gefällig ist, durch deine Gnade begehre und mit aller Kraft vollbringe. O Gott, von dem die heiligen Wünsche, guten Entschlüsse und gerechten Werke aus⸗— gehen: gieb deinen Dienern jenen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen deinen Geboten anhangen und wir, von aller Furcht vor Feinden befreit, unter deinem Schutze ruhige Zeiten verleben. Läutere mit dem Feuer des heiligen Geistes unsere Nieren und unser Herz, o Herr, damit wir mit keuschem Leibe Dir dienen und mit reinem Herzen Dir— 8 gefallen mögen. Andachten auf die heiligen Zeiten. 251 O Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen deiner Die— ner und Dienerinnen Vergebung aller Sün— den und laß sie den Nachlaß, den sie allezeit gewünscht, durch unsere frommen Fürbitten erlangen. Wir bitten Dich, o Herr, komm' unsern Handlungen mit der Anregung deiner Gnade zuvor und begleite sie mit deinem Beistand, damit all unser Beten und Thun immer von Dir seinen Ausgang nehme und durch Dich vollendet werde. Allmächtiger, ewiger Gott, der Du über Lebende und Tote herrschest und Dich aller erbarmest, welche Du aus ihrem Glauben und ihren Werken als die Deinigen erken— nest: wir bitten Dich inständig, laß jene, für welche wir zu beten uns vorgenommen haben, mögen sie noch hier im Fleische wan— deln oder schon dort des Leibes entkleidet leben, auf die Fürbitte aller deiner Heiligen durch deine milde Erbarmung Nachlaß aller ihrer Sünden empfangen; durch Christum, unsern Herrn. Amen. V. Der Herr sei mit euch, 25²2 Achter Abschnitt. R. Und mit deinem Geiste. V. Es erhöre uns der Herr, der da allmächtig ist und gnädig. R. Amen. V. Und die Seelen der Gläubigen mö— gen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden ruhen. R. Amen. Am Feste der Bimmelfahrt CEhristi. Mit süßester Herzensfreude begehe ich diesen festlichen Tag, o mein Jesus! an welchem Du zu dem Vater zurückgekehrt und in deine Herrlichkeit eingegangen bist. Heute ist der Ehrentag, an welchem Du von deinen Engeln und Heiligen begleitet als siegreicher Ueberwinder mit großer Majestät in dein Reich einzogest und dort von deinem ewigen Vater zum Könige Himmels und der Erde bestellt wurdest. Deshalb ist meine Seele mit Jubel erfüllt, und ich sage Dir aus ganzem Herzen Lob und Dank, Preis und Anbetung. Du ewiger Sohn Gottes, König des Himmels, unser Erlöser und Helfer! Du bist hingegangen, auch mir im Himmel eine Andachten auf die heiligen Zeiten. 253 Wohnung zu bereiten. Du wirst auch mir dort einst einen seligen Platz für alle Ewigkeit anweisen, wenn ich deinem Beispiele hienieden nachfolge. Dieses ist mein ernstlicher Wille. Stärke mich mit deiner mächtigen Gnade, daß ich meinen Vorsatz getreu ausführe. Amen. Am hohen pjüngsifeste. Bitte um die sieben Gaben des heil. Geistes. Komm', o heiliger Geist, Eines Wesens mit dem Vater und dem Sohne! komm' in mein armes Herz mit deinen sieben Gaben. 1. Komm', o Geist der Weisheit! besitze mein Herz und mein Gemüt, lehre mich die himmlischen und ewigen Güter so betrachten und hochschätzen, daß ich sie über alle irdischen Güter aufrichtig liebe und eifrig suche. Vater unser ꝛc. 2. Komm', o Geist des Verstandes! erleuchte meine Seele, damit sie deine gött— lichen Lehren recht verstehe und dadurch zu deiner, wie auch des Vaters und des Sohnes Erkenntnis gelangen möge. Vater unser ꝛe. 3. Komm', o Geist des Rates! regiere mein Herz bei allen meinen Arbeiten und 25⁴4 Achter Abschnitt. Verrichtungen, neige es zum Guten und schrecke es ab vom Bösen. Führe und leite mich in allen vorkommenden Zweifeln, damit ich den rechten Weg zu Dir, meinem höchsten Ziel und Ende, niemals verfehle. Vater unser ꝛc. 4. Komm', o Geist der Stärke! nimm deinen Aufenthalt in meinem Herzen; muntere es auf in aller Betrübnis, stärke es in allen Leiden und Widerwärtigkeiten, auf daß ich bei den Prüfungen dieses Lebens in Geduld und Ergebenheit standhaft verharre. Vater unser ꝛc. 5. Komm', o Geist der Erkenntnis! lehre mich die vergänglichen und eitlen Dinge dieser Welt recht erkennen, so daß ich mein Herz nicht an dieselben hefte, sondern sie nur nach deinem Wohlgefallen und zu meinem Heile gebrauche. Vater unser ꝛe. 6. Komm', o Geist der Gottseligkeit! bewege mein Herz zu wahrer Andacht und heiliger Liebe Gottes, damit ich bei allen Uebungen der Frömmigkeit und Tugend nichts anderes als Gott allein suche und so Andachten auf die heiligen Zeiten. 255 einst zu seinem ewigen Besitze gelange. Vater unser ꝛc. 7. Komm', o Geist der Gottesfurcht! durchdringe mein Innerstes mit deiner hei— ligen Furcht, damit ich Dich, meinen Herrn und Gott, allezeit vor Augen habe und mich sorgfältig hüte, das Geringste zu thun, was Dir mißfallen könnte. Vater unser ꝛe. Am Seste der heiligsten Dreifaltigkeit. Erneuerung der Taufgelübde. O heiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! ich falle in Demut vor Dir nieder und bitte Dich, Du wollest mich mit gnädigen Augen ansehen und die Gebete erhören, die ich jetzt voll Vertrauen auf deine Güte zu Dir emporschicke. Zuerst danke ich Dir für die unschätzbare Gnade, daß Du mich durch die heilige Taufe von der Erbsünde abgewaschen und meine Seele mit dem Kleide der Unschuld geschmückt hast. So hast Du mich zu deinem Kinde angenommen, zu einem Tempel des heiligen Geistes gemacht und in das Reich Jesu Christi, meines gött— lichen Erlösers, aufgenommen. Achter Abschnitt. Ich bitte Dich aber auch inbrünstig, Du wollest mir die Gnade verleihen, daß ich die hohe Würde einer Christin niemals durch eine schwere Sünde verletze, noch das Kleid der Unschuld beflecke oder gar verliere. Ach, ich bin zwar meinen Taufgelübden schon viel⸗ mal untreu gewesen und habe gegen Dich so schwer gesündigt; doch ich bereue und ver— abscheue alle meine Sünden und flehe um Schonung und Erbarmen. Ich bin auch fest entschlossen, nach den Pflichten eines Christen zu leben und so durch meine Werke jenen Glauben zu bekennen, zu dem Du in der heiligen Taufe mich berufen hast. Daher erneuere ich eben heute den hei— ligen Bund der Treue, welchen damals meine Taufpaten in meinem Namen ausgesprochen haben. Ich widersage ernstlich und aufrichtig dem bösen Feinde und seiner Hoffart und allen seinen Werken; ich widersage der ver— derbten Welt und will ihre Eitelkeiten und ihre sündhaften Werke weder lieben noch mit— machen; ich widersage auch meinen eigenen bösen Neigungen und allen fleischlichen Ge— lüsten und will mir immer Mühe geben, 2„ 2. 3„6 D Andachten auf die heiligen Zeiten. 257 dieses Böse in mir zu bekämpfen und zu unterdrücken. Dagegen verlange und be— schließe ich heilig und teuer, daß ich Dir, o mein Gott, in allem getreu dienen, Dich lieben und deinen Willen mit Eifer erfüllen wolle. Doch wie sehr habe ich deine Gnade nötig, um nach diesen Vorsätzen auch wirklich zu leben! Stärke mich denn mit deiner Gnade, in welcher ich alles Gute zu üben vermag! Laß nicht zu, daß diese Erneuerung meiner Taufgelübde nur in leeren Worten bestehe; gieb vielmehr, daß ich dieselbe in der That und in den Werken offenbare. So schütze und kräftige mich in deiner Allmacht, o ewiger Vater! Es erleuchte und leite mich deine Weisheit, o eingeborner Sohn Gottes! Und Du, o heiliger Geist, belebe und erfülle mich! Amen. Am hochheiligen Sronleichnamsfeste. Lobgesang. Preiset, Lippen, das Geheimnis Dieses Leib's voll Herrlichkeit, Und des unschätzbaren Blutes, Jesus a. d. Junaran. 17 258 Achter Abschnitt. Das zum Heil der Welt geweiht, Jesus Christus hat vergossen, König aller Wesenheit! Uns gegeben, uns geboren Von der Jungfrau keusch und rein. Hat auf Erden Er gewandelt, Saat der Wahrheit auszustreu'n, Und zum Ende seines Lebens Setzt Er dieses Wunder ein. In der Nacht beim letzten Mahle, Wo Er mit der Jüngerschar Nach der Vorschrift des Gesetzes Bei dem Osterlamme war, Gab mit eig'ner Hand den Seinen Er sich selbst zur Speise dar. Durch das Wort wird Brot zum Fleische, Und zum Blute wird der Wein, Gott und Mensch und Leib und Seele; Sieht es auch der Sinn nicht ein, Einem reinen Herzen g'nüget Fester Glaube schon allein. Darum laßt uns tief verehren Ein so großes Sakrament! Dieser Bund wird ewig währen, Und der alte hat ein End': Unser Glaube soll uns lehren, Was das Auge nicht erkennt. Andachten auf die heiligen Zeiten. 259 Gott dem Vater und dem Sohne Sei Lob, Preis und Herrlichkeit, Mit dem Geist im höchsten Throne Eine Macht und Wesenheit! Singt in lautem Jubeltone Göttliche Dreieinigkeit! V. Brot vom Himmel hast Du ihnen verliehen, R. Welches alle in sich enthält Lasset uns beten. O Gott, der Du uns in dem wunder⸗ baren Sakramente das Gedächtnis deines Leidens hinterlassen hast, verleihe uns, wir bitten Dich, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung immerdar in uns empfinden; der Du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Papst Pius VII. verlieh am 24. Aug. 1818 allen Gläubigen, welche diesen Lobgesang nebst Versikeln und Gebet verrichten, einmal—̃—— einen Ablaß von 300 Tagen. Begrüßung und Anbetung Jesu. Mein Herr und Heiland Jesus Christus! ich glaube fest, daß Du aus Liebe zu uns 260 Achter Abschnitt. Menschen das heiligste Altarssakrament ein⸗ gesetzt hast, daß Du in demselben immer— während unter uns gegenwärtig bist, wahr— haft, wirklich und wesentlich als lebendiger, verherrlichter Gott und Mensch. In diesem Glauben erscheine ich jetzt vor Dir und rufe von Herzen: Sei gegrüßt, heiliger Fronleichnam und kostbarstes Blut meines Herrn Jesu Christi! sei mir gegrüßt, o Du lebendiges Brot, das vom Himmel her— abkommt und bei der heiligen Kommunion die erquickende Speise unserer Seelen wird! O eingeborner Sohn Gottes und zugleich wahrer Sohn der seligsten Jungfrau Ma⸗ ria! ich verehre Dich und bete Dich an mit jener tiefsten Ehrfurcht, mit welcher eben diese deine jungfräuliche Mutter hier auf Erden Dich so vielmal anbetete und jetzt im Himmel ewig anbetet. Ich lobe und preise Dich mit jener Andacht, in welcher die unzähligen Chöre der Engel und Heiligen vor Dir niederfallen und Dir ihre Huldigung darbringen. Auch vereint mit allen frommen Seelen auf der ganzen Welt danke ich Dir für die namenlose Liebe, mit welcher Du hier unter diesen un⸗ Andachten auf die heiligen Zeiten. 261 scheinbaren Brotsgestalten zu unserem Heile verborgen bist. Aus ganzer Seele rufe ich: Hochgelobt und angebetet sei ohne End' das heiligste und göttlichste Sakrament! Hätte ich doch, o Jesus, innigere Hoch— schätzung gegen dieses dein erhabenstes Ge— heimnis! Wäre ich doch nicht so kalt, so unempfindlich gegen die unendliche Liebe, die Du hier immerwährend offenbarest! Leider trifft auch mich jener Vorwurf, den der hl. Johannes seinen Zeitgenossen machte:„In eurer Mitte steht der, den ihr nicht kennet.“ Doch, o barmherziger Erlöser, habe Nach— sicht mit meiner Lieblosigkeit, verzeihe meinen großen Undank! Entzünde in meinem armen Herzen eine solche Liebe zu Dir, daß ich Dich in dem heiligsten Sakramente fleißiger besuche und hier vor deinem Angesichte mit größter Ehrerbietigkeit und Andacht jederzeit erscheine. O dann werde ich's auch selbst erfahren, daß Du wahrhaft das Heil der Welt und die Quelle aller Gnaden bist. Ja, o Jesus, sei auch mein Heil, meine Rettung, mein Jesus — hochgelobt und angebetet in Ewigkeit! Amen. Achter Abschnitt. Zutrauliche Bitten an Zesus. Göttlicher Heiland! in deinem heiligsten Sakramente hast Du einen Thron der Gnade aufgerichtet; ich höre deine süßeste Stimme, die so liebevoll uns zuruft:„Kommet zu Mir alle, die ihr mühselig und be— laͤden seid, und Ich will euch erqui— cken.“ So ist es deine Freude, uns Gnade und Segen zu spenden: Du bist ja der all⸗ mächtige Sohn Gottes, der immer helfen kann; Du bist der Allgütige, der gerne helfen will. Mit kindlicher Zuversicht will nun auch ich zu Dir beten, will mein Herz vor Dir ausschütten und Dir alle meine Anliegen und Bedürfnisse klagen. Oder welche Gnade dürfte ich nicht von Dir erwarten?!— Höre denn die inbrünstige Bitte meines Herzens, o mildreichster Erlöser! Du bist ja der gute Hirt: schütze und bewahre mich vor der Sünde, vor allen Anfällen des bösen Feindes, sowie vor jeder schweren Versuchung. Du bist das himmlische Licht, das alle Men⸗ schen erleuchtet: erleuchte auch mich, daß ich — ef ⏑*7 — H.e— — Andachten auf die heiligen Zeiten. 263 deine heilige Lehre immer besser erfasse und getreu befolge. Du bist die ewige Weisheit: leite und regiere alle meine Reden und Hand— lungen, damit mein ganzes Thun und Lassen Dir wohlgefällig und für meine Mitmenschen erbaulich werde. Jesus, Du Meister der Apostel! ziehe mich kräftig zu deiner Nachfolge, daß ich Dir immer mehr gleichförmig werde. Jesus, Du Stärke der Martyrer! stärke mein Herz, daß ich stets eifrig in allem Guten und geduldig bei jedem Leiden sei. Jesus, Du Licht der Bischöfe und Be— kenner! lasse mich ohne Scheu und Men— schenfurcht in deiner öffentlichen Verehrung, und ebenso im öffentlichen Empfang der hei⸗ ligen Sakramente verharren. Jesus, Du Reinigkeit der Jungfrauen! heilige meinen Leib und meine Seele, meine Worte und Geberden, daß ich niemals etwas begehe, wodurch ich die englische Tugend der— Keuschheit verletzen oder gar verlieren würde. Meine Gesundheit, wie auch meine zeit⸗ lichen Sorgen, Arbeiten und Anliegen— alles überlasse und empfehle ich deinem lie— 264 Achter Abschnitt. benden Herzen; nur gieb, daß ich bei allem, was mir begegnet, deine weiseste Vorsehung anbete und mich derselben demütig unterwerfe. So verleihe mir deine allmächtige Gnade während der ganzen Zeit meines sterblichen Lebens, auf daß Du mich einst der ewigen Seligkeit bei Dir teilhaftig machen könnest. „Auf Dich, Herr, hoff' ich, laß mich nicht zu schanden werden ewiglich.“ (Pf. 70, 1.) Litanei vom heiligsten Altarssakramente. (Für den Privatgebrauch.) Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,“) Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du lebendiges Brot, das vom Himmel ge— kommen ist, Du verborgener Gott und Heiland, Du Nahrung der Auserwählten, Du Wein, aus dem Jungfrauen sprießen, Du kräftiges Brot und Wonne der Könige, *) Erbarme Dich unser! Andachten auf die heiligen Zeiten. 265 Du beständiges Hahe erbarme Dich, unser! Du unbefleckte Gabe,“) Du makelloses Lamm, Du Lintes Mahl, Du Speise der Engel, Du verborgenes Manna, Du Gedächtnis der Wunderwerke Gottes, Du überwesentliches Brot, Du fleischgewordenes Wort, das unter uns wohnt, Du heilige Hostie, Du Kelch der Segnung, Du Geheimnis des Glaubens, Du erhabenes und denwürdiges Sakrament, Du allerheiligstes Opfer, Du wahres Versöhnungsopfer für Lebende und Verstorbene, Du himmlisches Gegengift, durch das wir von Sünden bewahrt werden, Du erstaunliches Wunder, Du heiligstes Gedächtnis des Leidens des Herrn, Du Gabe, die alle Fülle übersteigt, Du vorzügliches Denkmal der göttlichen Liebe, Du Ueberfluß der göttlichen eee errn Du allerheiligstes und erhabenstes Geheimnis, Du Arznei der Unsterblichkeit, Du fruchtbares und belebendes Sakrament, Du unblutiges Opfer, *) Erbarme Dich unser! 266 Achter Abschnitt. Du Speise und Gast, erbarme Dich unser! Du süßestes Gastmahl, bei dem die Engel dienen,“) Du Band der Liebe, Du Opferpriester und Opfergabe, Du geistliche Süßigkeit, in ihrer eigenen Quelle gekostet, Du Labung heiliger Seelen, Du Wegzehrung der im Herrn Sterbenden, Du Unterpfand der künftigen Herrlichkeit, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Von dem unwürdigen Genusse deines Leibes und Blutes erlöse uns, o Herr! Von der Begierlichkeit des Fleisches,“) Von der Begierlichkeit der Augen, Von der Hoffart des Lebens, Von aller Gelegenheit zur Sünde, Durch jenes Verlangen, mit dem Du Dich sehntest, dieses Osterlamm mit den Jün— gern zu essen, Durch die tiefste Demut, mit der Du den Jüngern die Füße gewaschen, Durch die brennendste Liebe, mit der Du dieses göttliche Sakrament eingesetzt hast, Durch dein kostbares Blut, das Du uns auf dem Altare hinterlassen, Durch die fünf Wunden, dieses deines heilig⸗ sten Leibes, die Du für uns empfangen hast, *) Erbarme Dich unser! *) Erlöse uns, o Herr! Andachten auf die heiligen Zeiten. 267 Wir Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du in uns den Glauben, die Ehrerbie⸗— tung und Andacht gegen dieses bewun⸗ derungswürdige Sakrament vermehren und wollest,) Daß Du uns durch das aufrichtige Bekenntnis der Sünden zum häufigen Empfange des Sakramentes der Liebe führen ast Daß Du uns von aller Irrlehre, Treulosig—⸗ keit und Herzensverblendung bewahren wollest, Daß Du uns die boreilee und himmlischen Früchte dieses allerheiligsten Sakramentes zuerteilen wollest, Daß Du uns in unserer Todesstunde mit dieser himmlischen Wegzehrung stärken und versehen wollest, O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser. Gegrüßet seist ꝛc. *) Wir bitten Dich, erhöre uns? 268 Achter Abschnitt. V. Brot vom Himmel hast Du ihnen verliehen, B. Welches alle Süßigkeit in sich ent— hält. Lasset uns beten. O Gott, der Du in dem wunderbaren Sakramente uns das Gedächtnis deines Lei— dens hinterlassen hast, wir bitten Dich, ver⸗ leihe uns, daß wir die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes also verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung jederzeit in uns verspüren. Amen. Beim Segen mit dem hochwürdigsten Gute. Göttlicher Heiland! jetzt fleht der Priester am Altare deinen Segen über uns herab. O daß dieser Segen auch mir zu teil werde! Ich falle deshalb in tiefster Ehrfurcht vor Dir nieder, o Jesus! und bitte Dich von ganzem Herzen: Erhebe deine gnadenvolle Rechte und erteile mir deinen göttlichen Segen. Ich mache nun das heilige Kreuzzeichen, klopfe reumütig an mein sündiges Herz und spreche mit Andacht: Durch die Kraft des heiligen Sakramentes segne mich der drei— Andachten auf die heiligen Zeiten. 269 einige Gott, der T Vater, der T Sohn und der 1 heilige Geist! Dieser heilige Segen komme über mich, über die Meinigen, über alle Menschen, über die Früchte der Erde und bleibe bei uns allezeit! Amen. Am Seste des heiligsten Berzens Jesu. Anbetung des heiligsten Zerzens Zesu. Demütig werfe ich mich vor Dir nieder, Herz meines Gottes, und bringe Dir meine Ehrfurcht und meine Anbetung dar. Ich bete Dich an, heiligstes Herz, Wunder der Macht. Weisheit und Güte Gottes! Ich bete Dich an, Herz des Sohnes Gottes, würdigster Gegenstand des Wohlgefallens des himmli— schen Vaters! Du bist die unerschöpfliche Quelle aller Güter, der Ursprung aller Tu— genden, der Hauptsitz der Liebe, der erhabene Thron der Majestät der allerhl. Dreifaltig⸗ keit. Du warst allein ein würdiges Opfer der göttlichen Gerechtigkeit, Du warst allein im stande, sie zu versöhnen und genug-— zuthun. Darum bete ich Dich an, heiligstes Herz! Da aber meine Anbetung deiner un⸗ würdig ist, so opfere ich Dir auf die Anbetung, 270 Achter Abschnitt. die Lobpreisung und die Liebe, welche Dir alle Engel und Heiligen immerfort erweisen und erweisen werden. Amen. Aufopferung seiner selbst an das heiligste Herz Jesu. Ich N. weihe und übergebe dem heiligsten Herzen unsers Herrn Jesus Christus meine Person, mein Leben, meine Handlungen, meine Mühseligkeiten und Leiden, um in Zukunft mich ganz zu seiner Liebe und Ver⸗ herrlichung zu verwenden. Es ist mein fester, unwiderruflicher Entschluß, Ihm ganz anzu— gehören, alles aus Liebe zu Ihm zu verrichten und von meiner ganzen Seele allem zu ent— sagen, was diesem göttlichen Herzen mißfallen könnte. Daher erwähle ich Dich, o heiligstes Herz! zum einzigen Gegenstand meiner Liebe, zum Beschützer meines Lebens, zur Sicherheit mei— nes Heiles, zur Stütze in meiner Schwachheit und zum Ersatze für alle Fehler meines Lebens. O Herz der Milde und Güte! sei Du auch meine sichere Zufluchtsstätte in der Stunde meines Todes; sei Du meine Recht⸗ Andachten auf die heiligen Zeiten. 271 fertigung vor Gott und wende die Strafen seines gerechten Zornes von mir ab. O Herz der Liebe! auf Dich setze ich mein ganzes Vertrauen; von meiner Bosheit fürchte ich alles, aber von deiner Güte hoffe ich auch alles. Vertilge denn in mir alles, was Dir mißfallen oder widerstehen kann. Deine reine Liebe präge sich so tief in mein Herz ein, daß ich Dich niemals vergessen, noch von Dir getrennt werden könne. Göttliches Herz! ich beschwöre Dich durch deine unendliche Güte, daß mein Name tief in Dir einge⸗ graben sei; denn in deinem Dienste will ich leben und sterben. Amen. Bitte. Sei gegrüßt, o heiligstes Herz Jesu, Du lebendige und lebendigmachende Quelle des ewigen Lebens, unendlicher Schatz der Gott⸗ heit, brennendes Feuer der göttlichen Liebe! Du bist der Ort meiner Ruhe und meine sichere Zuflucht. O mein liebenswürdigster Erlöser! entzünde mein Herz mit jener bren⸗ nenden Liebe, welche dein Herz ganz verzehrt. Gieße jene himmlischen Gnaden, deren Quelle 272 Achter Abschnitt. dein Herz ist, in mein Herz aus. Vereinige mein Herz so eng mit deinem Herzen, daß dein Wille auch der meinige werde, und daß der meinige sich allzeit nach dem deinigen richte; denn ich verlange weiter nichts, als daß in Zukunft dein heiliger Wille die einzige Richtschnur aller meiner Werke sein möge. A. Am Rirchweihfeste. O Gott! der Du den Einweihungstag dieses Tempels alljährlich unter uns erneuerst und uns fortwährend gesund und fröhlich bei deinen heiligen Geheimnissen versammelst: erhöre das Flehen deines Volkes und verleihe, daß jeder, der in diesen Tempel tritt, Wohl⸗ thaten zu begehren, sich auch der vollkomme— nen Erhörung seines Gebetes allzeit erfreuen könne. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Neunter Abschnitt. Andachten zur allerl. Yungkrau Maria. — Tägliche Erwählung Mariä Zur Patronin. Hu zmen und Gottes⸗ gebärerin Maria! ich N. bin zwar unwürdig, unter die Zahl deiner Dienerinnen auf— genommen zu werden; jedoch aus Vertrauen auf deine große Gütigkeit und aus Verlangen, dir zu dienen, erwähle ich dich heute in Gegenwart des heiligen Joseph, deines keuschen Bräu⸗ tigams, meines Schutzengels und aller Auserwählten Gottes zu meiner Patronin und Mut⸗ ter. Ich nehme mir fest vor, dir in EINE. — deinen Tugenden nachzufolgen, Jesus a. d. Jungfrau. 18 2. VW S./ 2 27⁴ Neunter Abschnitt. dir treu zu dienen, und so viel mir möglich ist, zu machen, daß auch von andern dir der gebührende Dienst geleistet werde. Ich bitte dich also demütig, o gnädige Mutter! durch das heiligste Blut, welches dein Sohn Jesus Christus für mich vergossen hat: nimm mich gütigst auf in die Zahl deiner Kinder und erlange mir von Gott die Gnade, daß ich nichts freiwillig denke, rede oder thue, was Gott und dir mißfällig ist. Nimm dich auch meiner an in der Stunde meines Todes. Amen. Weihegebet. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. O meine Gebieterin, o meine Mutter! Dir bringe ich mich ganz dar, und um dir meine Hingabe zu bewähren, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selber ganz und gar, weil ich denn nun dir gehöre, o gute Mutter, so bewahre mich, beschütze mich als dein Gut und dein Eigentum. Wer morgens und abends 1 Gegrüßet seist du ꝛe. und dann obiges Gebet spricht, um von der allerseligsten Jungfrau den Sieg — Andachten zur sel. Jungfrau Maria. 275 in den Versuchungen, namentlich gegen die Keusch— heit zu erflehen, gewinnt einmal im Tage einen Ablaß von 100 Tagen.— Pius IX., 5. August 1851. Gebet des heiligmäßigen Claude Bernard zu Maria in allen Köten und Anliegen. (Memorare.) Gedenke, o mildreichste Jungfrau Ma— ria, daß es von Ewigkeit her nicht gehört wurde, daß jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief und um deine Fürbitte flehte, von dir sei verlassen worden. Durch solches Vertrauen ermuntert, eile ich zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen und Mutter; zu dir komme ich, vor dir stehe ich armer Sünder seufzend und zitternd; o Mut⸗ ter des ewigen Wortes, verschmähe doch nicht meine Worte, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich. Amen. Wer dieses Gebet andächtig und reumütig verrichtet, erlangt jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen.— Pius IX., 11. Dez. 1846. Gebet zu Maria, der„Mutter vom guten Rat“. O glorreichste Jungfrau, durch ewigen Ratschluß des Allerhöchsten zur Mutter des 276 Neunter Abschnitt. ewigen menschgewordenen Wortes auser⸗ wählt, Schatzmeisterin der göttlichen Gnaden und Fürsprecherin der Sünder, ich, dein unwürdigster Diener, nehme meine Zuflucht zu dir, auf daß du mir gnädig Führerin und Ratgeberin seiest in diesem Thale der Zähren. Erflehe mir doch um des kostbarsten Blutes deines göttlichen Sohnes willen die Verzeihung meiner Sünden, die Rettung meiner Seele und alles, was mir zur Er— langung derselben notwendig oder nützlich ist. Bitte auch um den Triumph der hl. Kirche über ihre Feinde und um die Aus⸗ breitung des Reiches Jesu Christi auf der ganzen Erde. Amen. 100 Tage Ablaß einmal im Tage, wenn man obiges Gebet reumütig und andächtig ver— richtet.— Leo XIII., 23. November 1880. Gebet zu Maria um Kachahmung ihrer Tugenden. O allerseligste Jungfrau Maria, du Mutter der Barmherzigkeit! weil du so gütig bist und bereit, uns Elenden Gutes zu thun und auf unsere Bitten zu hören, deshalb nehme ich, der Elendeste unter allen, heute Andachten zur sel. Jungfrau Maria. 277 zu dir meine Zuflucht und bitte dich, du wollest mein Flehen erhören. Mögen andere was immer suchen: Gesundheit des Leibes, Gewinn und Vorteil auf Erden; ich, o Kö— nigin, ich bitte dich um nichts anderes, als um dasjenige, wovon du selbst wünschest, daß ich es besitze, und was deinem heiligsten Her⸗ zen am wohlgefälligsten ist. Du bist so de— mütig; ach, erlange mir also eine große Demut und den innigen Wunsch, von andern miß⸗ achtet zu werden. Du warst so geduldig in den Leiden dieses Lebens; ach, erlange auch mir die Geduld in allen Widerwärtigkeiten. Du warst so erfüllt von Liebe zu Gott; ach, erlange auch mir die große Gabe der heiligen und reinen Liebe zu Gott. Dein Herz war gleichfalls von Liebe zu dem Nächsten beseelt; ach, bewirke, daß auch ich alle Menschen liebe, und vorzüglich diejenigen, gegen welche ich die meiste Abneigung empfinde. Dein Wille war ganz mit dem Willen deines Gottes vereinigt; ach, erlange auch mir eine voll— kommene Ergebung bei allem, was Gott über mich verhängt. Du, o Maria, warst auch die Reinste unter allen Geschöpfen; ach, er⸗ 278 Neunter Abschnitt. flehe mir von Gott, daß auch ich wieder ganz rein werde. O Maria, meine Mutter, meine Hoffnung, meine Liebe, mein Leben, meine Zuflucht, mein Trost! stehe du mir bei, jetzt und in der Stunde meines Todes. Amen. Gebet zu Mariga um Bewahrung der Anschuld. O Maria, du engelreine Unschuld und schönstes Vorbild einer kindlich frommen und jungfräulichen Seele! wie rührend und er⸗ baulich ist alles, was das Evangelium von dir erzählt! Rein und heiter, lieblich und friedsam war dein ganzes Leben, wie der Himmel an einem schönen Frühlingsmorgen, wo sich kein Wölkchen sehen läßt. Was die schöne, weiße, hohe Lilie in einem Garten ist, das warst du in deiner Umgebung und in deinem ganzen Geschlechte. Keine Makel war an dir; all dein Thun und Lassen gab den lieblichsten Wohlgeruch jeder Tugend. Durch Andacht und Demut hast du dich von deiner Empfängnis an unbefleckt erhalten und jene Stufe der Heiligkeit und Würde erreicht, die wir an dir verehren. Andachten zur sel. Jungfrau Maria. 279 Dein schönes Tugendbeispiel schwebe mir wie ein heller Spiegel vor Augen, und deine mütterliche Fürbitte unterstütze mich, daß ich meinen Leib und meine Seele mit jungfräu⸗ licher Sittsamkeit vor aller Verunreinigung bewahre; daß ich, demütig und kindlich fest⸗ haltend an Gott, wachsam gegen die Ge— fahren, die mich umgeben, behutsam gegen die schmeichelnde Verführung und gegen mein eigenes Herz, bewahrt bleibe vor dem Ver— derbnisse der Welt und meine Seele nie mit einer sündhaften Freude beflecke. Kindliche Furcht und Liebe zu Gott glühe in meiner Seele als eine reine Flamme und verzehre sogleich jeden aufsteigenden Funken einer un⸗ lautern Neigung. Mutter meines Heilandes, sei auch meine Mutter! laß mich als dein treues Pflegekind deinem Schutze empfohlen sein! Hilf mir tapfer streiten und glorreich überwinden, wenn mir die Gefahr droht, den edelsten, kostbarsten Schatz, meine Unschuld, zu ver⸗ lieren, und lasse nie zu, daß ich durch eine schwere Sünde von dir und deinem gött⸗ lichen Sohne getrennt werde. Amen. 280 Neunter Abschnitt. Gebete zu Maria um die Tugend der Keuschheit. Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligste Jungfrau, über alle Engel und Heiligen des Himmels, als die Tochter des ewigen Vaters, und schenke und weihe dir meine Seele mit allen ihren Kräften. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligste Jungfrau, über alle Engel und Heiligen des Himmels, als die Mutter des eingebornen Sohnes, und schenke und weihe dir meinen Leib mit allen seinen Sinnen. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligste Jungfrau, über alle Engel und Heiligen des Himmels, als die geliebte Braut des heiligen Geistes, und schenke und weihe dir mein Herz mit allen seinen Gefühlen, indem ich dich bitte, mir von der allerheilig— sten Dreieinigkeit alles zu erlangen, was mir zum ewigen Heile notwendig oder nützlich ist. Gegrüßet seist du, Maria ꝛe. —— Andachten zur sel. Jungfrau Maria. 281 Papst Leo XII. verlieh am 21. Okt. 1823 allen Gläubigen, welche diese drei Gebete nebst drei„Gegrüßet seist du, Maria ꝛc.“ andächtig und reumütig verrichten, um den Schutz der aller— seligsten Jungfrau in Ausübung aller Tugenden, vorzüglich der Keuschheit zu erlangen, jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen. Gebet zur schmerzhaften Mutter um die Gnade der Geduld. Heilige Maria, du schmerzhafteste Mut⸗ ter! die du deinen Sohn, von Mördern um⸗— geben, zum Tode führen sahest und mit Ihm hinwanktest, den Kelch des Leidens bis zum Tode auszutrinken: komme uns zu Hilfe in allen unsern Nöten und erbitte uns auf un⸗ serm Kreuz- und Leidenswege Erleuchtung und Trost, auf daß wir mit Mut und Ent⸗ schlossenheit, aber auch mit Demut und Er— gebung alle kleinen und großen Leiden von Gottes liebender Vaterhand annehmen mö— gen, mit dir den Kreuzweg wandeln und ein⸗ gehen in das Reich deines Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. A. 282 Neunter Abschnitt. Gebet, um durch die Fürbitte Mariens Trost und Bilfe in Rreuz und Leiden zu er⸗ halten. O liebevolle Mutter meines Herrn und Heilandes und auch meine liebe Mutter, heilige Maria! Trösterin der Betrübten, Helferin der Christen! zu dir erhebe ich Herz und Hände und flehe mit kindlichem Ver— trauen um deine mütterliche Fürbitte in mei— ner gegenwärtigen Bedrängnis. Mit seuf— zendem Herzen und Thränen im Auge stelle ich mich vor dich, o mitleidsvolle Mutter! und erwarte durch dein gütiges, kräftiges Fürwort bei deinem Sohne, Hilfe und Trost in dem Leiden, von welchem jetzt mein Geist. so sehr niedergebeugt und meine Seele so schmerzlich betrübt wird. Tröstende Hoffnung erquicket schon mein beklommenes Herz, da ich der Worte deines frommen Dieners, des heiligen Bernard, gedenke, welcher spricht:„Schweigen mag derjenige von deinem Lobe und deiner Er— barmung, o gnadenvolle Jungfrau! welcher dich in seinen Bedrängnissen anrief und nicht ....—. Andachten zur sel. Jungfrau Maria. 283 Hilfe von dir erfuhr!“ Ja, mitleidsvolle Mutter! Unzählige hat es gegeben, und Un— zählige giebt es noch, die es laut bekennen, daß du seiest eine„Trösterin der Betrübten“, eine„Helferin der Christen“, und daß du keinen in Not und Widerwärtigkeit verlässest, welcher dich wahrhaft verehrt und mit redlichem Her— zen sich zu dir wendet. O, so verlaß denn auch mich nicht, o liebevolle, gütige Mutter! Siehe mit mütterlichem Erbarmen auf die Betrübnis meines Herzens und auf das kind⸗ liche Vertrauen, mit dem ich zu dir flehe. Dein göttlicher Sohn hat es uns selbst ge— zeigt, wie sehr Er geneigt ist, deine Fürbitte zu erhören und die Deinigen aus der Not und Gefahr zu retten, indem Er auf deine gütige Fürsprache bei der Hochzeit zu Kana sein erstes Wunder wirkte und Wasser in Wein verwandelte. Bitte daher für mich bei deinem Sohne, liebevolle Fürsprecherin! daß Er die quälende Unruhe meines betrüb⸗ ten Herzens in tröstlichen Frieden verwandle und mir aus meiner gegenwärtigen Bedräng— nis helfe. Sollte es aber zur Ehre Gottes und zum Heile meiner Seele gereichen, daß 28⁴4 Neunter Abschnitt. ich dieses Kreuz und Leiden länger trage, so erbitte mir die Gnade, dasselbe mit wahrhaft christlicher Geduld und gänzlicher Ergebung in den Willen des Herrn so lange zu tragen, als es Ihm wohlgefällig ist, und stets mit zufriedenem Herzen gleich dir zu danken und zu sagen:„Ich bin eine Dienerin des Herrn, mir geschehe nach Gottes heiligstem Willen!“ Heilige Maria! Mutter meines lieben Herrn und Heilandes, und auch meine Mutter! Trösterin der Betrübten! Helferin der Chri⸗ sten! bitte für mich in meiner Bedrängnis und einst in der Stunde meines Todes. A. Drei Gebete zu Maria um einen seligen Tod. 1. O meine Gebieterin, heilige Maria, bei der überaus großen Macht, welche Gott der Vater durch seine Allmacht dir verliehen hat, bitte ich dich, stehe mir in der Stunde meines Todes bei und wende alle Gewalt meiner Feinde mächtig von mir ab. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. 2. O meine Gebieterin, heilige Maria, bei der göttlichen Erkenntnis und Weisheit, ——— Erh Andachten zur sel. Jungfrau Maria. 285 womit der Sohn Gottes dich erfüllt hat, bitte ich dich, erleuchte und stärke meine Seele in meiner Todesstunde mit dem Lichte des Glaubens, damit kein Irrtum und keine Unwissenheit sie verblende und ins Verderben führe.— Gegrüßet seist du, Maria ꝛe. 3. O meine Gebieterin, heilige Maria, bei der überschwenglichen Liebe, welche der hl. Geist dir eingegossen hat, bitte ich dich, flöße mir bei meinem Tode die Süßigkeit der göttlichen Liebe ein, damit ich durch dieselbe von aller Angst und Bitterkeit befreit, und mein Herz mit himmlischem Troste erquickt werde.— Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. Der heilige Rosenkranz. Ich glaube an Gott den Vater ꝛce. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem hl. Geiste, wie es war im An⸗ fang, so jetzt und allezeit, und zu ewigen Zeiten. Amen. Vater unser ꝛc. Drei Gegrüßet seist du, Maria ꝛe. (Nach dem Worte Jesus wird beigefügt:) Neunter Abschnitt. 1. Der in uns den Glauben vermehren wolle. 2. Der in uns die Hoffnung stärken wolle. ö 3. Der in uns die Liebe entzünden wolle. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem hl. Geiste, Wie es war im Anfang, so jetzt und allezeit, und zu ewigen Zeiten. Amen. Dann folgen 5 Gesetze; jedes derselben besteht aus einem Vater unser und 10 Ge⸗ grüßet seist du, Maria, in welchen nach dem Worte Jesus eines der folgenden Ge— heimnisse beigefügt wird. Am Schlusse eines jeden Gesetzes: Ehre sei dem Vater ꝛe. Die fünf freudenreichen Geheimnisse. (Vom ersten Adventsonntag bis zur Fastenzeit zu beten.) 1. Den du, o Jungfrau, vom heiligen Geiste empfangen hast; 2. Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast; 3. Den du, o Jungfrau, geboren hast; Andachten zur sel. Jungfrau Maria. 287 4. Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast; 5. Den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast. Die fünf schmerzhaften Geheimnisse. (Vom Anfange der Fastenzeit bis Ostern zu beten.) 1. Der für uns im Garten Blut ge⸗ schwitzt hat; 2. Der für uns ist gegeißelt worden; 3. Der für uns ist mit Dornen ge— krönt worden; 4. Der für uns das schwere Kreuz getragen hat; 5. Der für uns ist gekreuzigt worden. Die fünf glorreichen Geheimnisse. (Von Gstern bis Advent zu beten.) Der von den Toten auferstanden ist; Der in den Himmel aufgefahren ist; Der uns den hl. Geist gesandt hat; — Himmel aufgenommen hat; 5. Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat. Der dich, o Jungfrau, in den 288 Neunter Abschnitt. 1) 100 Tage Ablaß für jedes Vater unser und jedes Gegrüßet seist du, wenn man den ganzen Rosenkranz(von 15 Gesetzen) oder den einfachen Rosenkranz(von 5 Gesetzen) betet. 2) Vollkommener Ablaß einmal im Jahre an einem beliebigen Tage, wenn man ein Jahr hindurch täglich den(ganzen oder einfachen) Rosenkranz betet und die gewöhnlichen Beding⸗ ungen erfüllt(Beicht, Kommunion und Gebet nach der Meinung des heiligen Vaters).— Benedikt XIII., 13. April 1726. 3) Für das gemeinsame Rosenkranzgebet 10 Jahre und 10 Quadragenen einmal im Tage, und voll⸗ kommener Ablaß am letzten Sonntag jedes Monats, wenn man wenigstens dreimal in jeder Woche fünf Gesetze gebetet hat. Bedingungen: Beicht, Kommunion, Kirchenbesuch und dabei eine Zeitlang Gebet nach der Meinung des hl. Vaters.— Pius IX., 12. Mai 1851. Lauretanische Litanei.“) Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! *) 300 Tage Ablaß jedesmal.— Pius VII 30. September 1817. 0 0 2 7 8 Andachten zur sel. Jungfrau Maria. 289 Guuert. Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, er⸗ barme Dich unser! Heilige Maria, bitte für uns. Heilige Gottesgebärerin,“) Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnade, Du allerreinste Mutter, Du allerkeuscheste Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbare Mutter, Du Mutter des guten Rates, Du Mutter des Schöpfers, Du Mutter des Erlösers, Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Ursache unseres Heiles, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, *) Bitt für uns! Jesus a. d. Junafrau 19 290 Neunter Abschnitt. Du vortreifliches Gefäß der Andacht, bitt für uns! Du geistliche Rose,“) Du Turm Davids, Du elfenbeinerner Turm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zußlucht der Sünder, Trösterin der Betrübten, Du Hontain der Christen, önigin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Bekenner, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Du Königin ohne Makel der Erbsünde em⸗ pfangen, Du Königin des hochheiligen Rosenkranzes, O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes ꝛc.— erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes ꝛc.— erbarme Dich unser, o Herr! *) Bitt für uns! Andachten zur sel. Jungfrau Maria. 291 Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! err, erbarme Dich unser! Vater unser ꝛc.— Gegrüßet seist ꝛc. Gebet. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren; o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, un⸗ sere Frau, unsere Mittlerin, unsere Für⸗ sprecherin. Versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne! V. Bitte für uns, o heilige Gottesge⸗ bärerin, R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr, Du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen, damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi deines 292 Neunter Abschnitt. Sohnes, erkannt haben, durch sein Leiden und Sterben zur Herrlichkeit der Aufer⸗ stehung geführt werden; durch denselben Je⸗ sum Christum, unsern Herrn. Amen. V. Bitte für uns, o hl. Joseph, B. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr, laß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner heilig⸗ sten Gebärerin geholfen werden, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns durch seine Fürbitte gegeben werde, der Du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. Zehnter Abschnitt. Andachten zu den Beiligen Sottes. 22* — . Gebet zum hl. Schutzengel. du mein treuester Führer, den Gottes Güte mir in meiner Schwachheit zugesellt hhat, heiliger Schutzengel! mein BPeschützer und Tröster, mein Lehrer und Ratgeber: ich danle dir für alle Treue, welche du täglich an mir bewiesen hast, ö N Wund bitte dich, du wollest auch ferner an meiner Seite bleiben und mir in allen Dingen ein himmlischer Freund und Helfer sein. Wenn ich schlafe, so wache. bei mir; wenn ich wache, so leite meine Schrite; bin ich traurig, so tröste mich; bin ich 294 Zehnter Abschnitt. schwach, so stärke mich; in Gefahren rette mich; in Zweifeln bestimme mich; vor böser Gelegenheit halte mich zurück; vor der Sünde bewahre mich; zum Guten treibe mich; im Gnadenstande erhalte mich; vor einem jähen Tode behüte mich! In den Finsternissen dieser Welt erleuchte und führe mich; in meiner Un⸗ wissenheit lehre mich; in allen Anfechtungen ermahne mich; vor dem bösen Feinde be⸗ schütze mich; in allen Anliegen bitte für mich; in der Stunde des Todes stehe mir bei und empfange meine Seele, sie zu führen in deine himmlische Wohnung, um mit dir vereint anzubeten Gott, den Vater, Sohn und hei⸗ ligen Geist. Amen. Gebet zur heil. Kamenspatronin. O heilige N., deren Namen ich in der heiligen Taufe empfangen habe, zu dir nehme ich meine besondere Zuflucht und bitte, du wollest mich zu deinem Pflegekind annehmen und nimmer verlassen. Ich gelobe, in deine heiligen Fußstapfen einzutreten und deine Tugenden nachzuahmen, besonders jene Tu⸗ gend.., durch welche du auf Erden Gott Andachten zu den Heiligen Gottes. 295 am meisten gefallen und im Himmel beson⸗ ders verherrlichet bist. Wende von mir ab alle Gefahren des Leibes und der Seele. Stehe mir allezeit bei, vorzüglich aber in der Stunde meines Todes, wenn meine irdischen Freunde mich verlassen. Dann, o himmlische Freundin! eile mir zu Hilfe und führe meine Seele zum Angesichte deines und meines Gottes. Amen. Gebet zum heil. Joseph um die Tugend der Reinheit. O heiliger Joseph, Vater und Beschützer der jungfräulichen Seelen, dessen treuem Schutze die Unschuld selbst, Jesus Christus und Maria, die Jungfrau der Jungfrauen, anvertraut worden ist; durch diese beiden überaus teuren Unterpfänder, Jesus und Maria, bitte und beschwöre ich dich, du wollest bewirken, daß ich vor aller Unreinig⸗ keit bewahrt, mit reinem Gemüte, reinem Herzen und keuschem Leibe Jesu und Mariä immer in aller Keuschheit dienen möge. A. 100 Tage Ablaß einmal täglich.— Pius IX., 4. Februar 1877. 296 Zehnter Abschnitt. Gebet zum heil. Joseph als Patron der katholischen Rirche. O mächtigster Patriarch, hl. Joseph, Patron der ganzen katholischen Kirche, die dich jederzeit in ihren Nöten und Drang⸗ salen angerufen, blicke von dem erhabenen Throne deiner Glorie liebevoll herab auf die katholische Welt. Ach möge doch dein väterliches Herz gerührt werden beim Hin⸗ blick auf die mystische Braut und auf den Statthalter Christi, die da von Schmerz niedergebeugt und von mächtigen Feinden ver⸗ folgt sind. Ach, um der bittersten Schmerzen willen, die du auf Erden erduldet hast, tröste gnädig den verehrten Papst in seinen Kümmernissen, beschütze ihn, befreie ihn und lege deine Fürsprache ein bei dem Spender des Friedens und der Liebe, auf daß nach Ent⸗ fernung jeglichen Ungemaches und Zerstreu⸗ ung aller Irrtümer die ganze Kirche Gott, dem Hochgebenedeiten, in vollkommener Frei⸗ heit dienen könne: Ut destructis ad- Versitatibus et erroribus universis Ecclesia secura Deo serviat libertate. Amen. Andachten zu den Heiligen Gottes. 297 100 Tage Ablaß einmal täglich.— Leo XIII., 4. März 1882. Gebet zum heil. Aloysius. O heiliger, mit englischen Sitten gezier⸗ ter Aloysius! ich, dein unwürdigster Ver⸗ ehrer, empfehle dir in ganz besonderer Weise die Reinheit meiner Seele und meines Leibes. Durch deine englische Reinheit beschwöre ich dich, du wollest mich Jesu Christo, dem flecken⸗ losen Lamme, und seiner heiligsten Mutter, der Jungfrau der Jungfrauen anempfehlen und mich vor allen schweren Sünden bewah— ren. Gestatte nicht, daß ich je in irgend eine Sünde der Unreinigkeit falle; sondern wenn du mich in einer Versuchung oder in Gefahr zu sündigen siehst, so entferne aus meinem Herzen alle unreinen Gedanken und Neigun⸗ gen; belebe dann wieder in mir den Gedanken an die Ewigkeit und an Jesus den Gekreu⸗ zigten, und präge das Gefühl der heiligen Furcht Gottes tief in meine Seele ein; ent⸗ flamme in mir das Feuer der göttlichen Liebe und bewirke, daß ich, dir auf Erden nach— folgend, verdiene, Gott im Himmel mit dir zu genießen. Amen. Zehnter Abschnitt. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria. Wer dieses Gebet nebst einem Vater unser und Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. spricht, ge⸗ winnt einmal des Tages einen Ablaß von 100 Tagen. Pius VII., 6. März 1802. Gebet zu den heiligen Aposteln Petrus und Paulus. O ihr heiligen Apostel Petrus und Pau⸗— lus, ich erwähle euch heute und für immer zu meinen besondern Beschützern und Für— sprechern. Ich freue mich in aller Demut mit dir, o hl. Apostelfürst Petrus: denn du bist ja der Fels, auf den Gott seine Kirche gebaut hat; aber auch mit dir, o hl. Paulus, freue ich mich, weil du von Gott ausersehen wurdest zum Gefäß der Auserwählung und zum Verkündiger der Wahrheit in der ganzen Welt. Erlanget mir, ich bitte euch, einen lebendigen Glauben, eine feste Hoffnung und eine vollkommene Liebe, eine gänzliche Losschälung von mir selbst, Verachtung der Welt, Geduld in Widerwärtigkeiten, Demut im Glück, Andacht beim Gebet, Reinheit des Herzens, die rechte Meinung beim Han— deln, Sorgfalt in Erfüllung meiner Standes⸗ Andachten zu den Heiligen Gottes. 299 pflichten, Ausdauer in meinen Vorsätzen, Ergebung in den göttlichen Willen und Be— harrlichkeit in der Gnade Gottes bis zum Tode, damit ich durch eure Fürbitte und eure glorreichen Verdienste die Versuchungen der Welt, des Teufels und des Fleisches überwinde und würdig befunden werde, zu erscheinen vor dem Antlitze Jesu Christi, des höchsten und ewigen Hirten der Seelen, der mit dem Vater und dem hl. Geiste lebt und regiert durch alle Zeiten, und damit ich ihn ewiglich genießen und lieben möge. A. Vater unser, Gegrüßet seist du, Maria, Ehre sei dem Vater. Papst Pius IX. verlieh am 18. Juni 1876 allen, welche dieses Gebet nebst einem Vater unser, Gegrüßet seist du, Maria und Ehre sei dem Vater ꝛc. verrichten, einmal im Tage einen Ablaß von 100 Tagen. Gebet zum heiligen Antonius von Padua in besondern Köten und Anliegen. Heiliger Antonius! du hast in deinem Leben von Gott die Gabe, Wunder zu wir— ken, in hohem Grade erhalten und bist durch sie auch nach deinem Tode verherrlicht wor— 300 Zehnter Abschnitt. den. Du bist als derjenige bekannt, der in Not Hilfe und den Bittenden Erhörung bei Gott erwirken kann. Daher habe ich ein großes Vertrauen zu dir gefaßt und hoffe zuversichtlich, daß du auch mir Hilfe ver— schaffen wirst. Mein gegenwärtiges Anliegen drückt mich sehr, und wo soll ich besser Hilfe suchen, als bei demjenigen, der schon so manchem Bedrängten Trost und Erleichte— rung gebracht hat? Heiliger Antonius! trage denn mein Anliegen dem dreieinigen Gott vor, bei dem du in so großen Gnaden stehst; sage Ihm, Er möge mir durch dich helfen. Sollte ich aber wegen meiner Sünden und Unwürdigkeit die Erhörung meiner Bitte nicht verdienen, so bitte ich dich, bekehre mich Sünder und wandle mich durch die Gnaden, die du mir erflehest, so um, daß ich der Er— hörung meiner Bitte würdig werde. Amen. Gebet zur heiligen Mutter Anna. Herzlich grüße ich dich, o du erhabene Freundin Gottes, heilige Anna, du würdige Mutter Mariä und Großmutter Jesu Christi! Mit kindlichem Gemüte ehre und preise ich Andachten zu den Heiligen Gottes. 301 dich, und rufe dich mit Vertrauen um deine mächtige Fürbitte an. Du hast schon so viele Herzen mit Trost und Freude erquickt, so manchen, die in der Bedrängnis zu dir fleh⸗ ten, die helfende Gnade des barmherzigen Gottes erworben. So viele haben es er— fahren, daß du mit mütterlicher Liebe alle beschützest, die deine Tugenden nachahmen und dich verehren. Dadurch aufgemuntert, komme auch ich vertrauensvoll, um deine Hilfe zu erflehen. Teure, heilige Mutter Mariens! du weißt, wie manche Gefahr mir droht, von wie vielen Versuchungen ich umgeben bin, wie viel Kummer und Trübsal mein Herz beschwert: ach, habe Mitleid mit mir und bitte für mich den gütigen Erlöser, den du so unaussprechlich liebst, daß Er mir Kraft, Mut, Geduld und Ergebenheit in seinen heiligsten Willen verleihe, daß Er mich liebreich beschütze, mir in allen An⸗ gelegenheiten meines Lebens helfe, mein Herz geneigt mache zu allem Guten, den Abscheu vor aller Sünde mit jedem Tage in mir ver⸗ mehre und mich durch seine Gnade dergestalt in der Tugend befestige, daß ich nie von 30² Zehnter Abschnitt. seiner Liebe weiche. Und wenn endlich meine letzte Stunde herannaht und meine Seele in bangen Aengsten seufzet, dann eile du zu mir, und bitte, daß mein Ende, wie das deinige, ein seliges sei. Amen. Gebet zur heiligen Cheresta. O hochgelobte und reinste Braut des göttlichen Heilandes, heilige Theresia! die du während deines irdischen Lebens so glü— hend nach dem Heile der Sünder dürstetest und durch deine liebeatmenden Schriften noch immer die Kirche erleuchtest und er— freuest: siehe liebreich auf mein Gebet und wirf einen Funken deiner seraphischen Liebes⸗ glut in mein Herz, daß ich deinen geliebtesten himmlischen Bräutigam aus ganzer Kraft meiner Seele liebe! O heilige, inniggeliebte Patronin aller Seelen, welche sich nach der Liebe Jesu sehnen! erflehe mir von Ihm, der deine Bitten bereits auf Erden so huldvoll erhörte, die Gabe der Verachtung dieser Welt und der innerlichen Sammlung des Geistes, auf daß ich mit ungestörtem Gemüte die göttlichen Dinge betrachte, in die heiligen Andachten zu den Heiligen Gottes. 303 Geheimnissen des liebeflammenden Herzens Jesu eingeführt werde, meine Liebe von allen Dingen dieser Welt abziehe und sie einzig auf das glückselige Ziel der Ewigkeit richte. Laß mich die Kraft deiner heiligen Fürbitte erfahren, die so viele Seelen auf dem Weg des innern Lebens führte, auf daß dadurch seiner himmlischen Gnade mich würdige Je— sus Christus, die Krone aller Heiligen. A. Gebete zZur heiligen Agnes. 1. O du vorzügliches Vorbild der Tugend, glorreiche hl. Agnes, um jenes lebendigen Glaubens willen, von welchem du seit deinem zartesten Alter beseelt warst und der dich Gott so wohlgefällig machte, daß du die Krone des Martertums ver— dient hast, erlange uns doch die Gnade, daß wir den katholischen Glanben unver— sehrt in unseren Herzen bewahren und uns aufrichtig als Christen bekennen, nicht blos in Worten, sondern auch in Werken, auf daß Jesus, den wir offen vor den Menschen bekennen, dereinst vor seinem ewigen Vater sich gnädig für uns verwenden möge. 30⁴4 Zehnter Abschnitt. Vater unser ꝛc.— Gegrüßet seist du ꝛc. — Ehre sei ꝛc. 2. O unbesiegte Märtyrin, ruhmreiche hl. Agnes, durch jene Hoffnung auf die göttliche Hilfe, welche du damals bewiesen, als der gottlose römische Statthalter über dich das Urteil gesprochen, daß die Lilie deiner Reinheit befleckt und mit Füßen ge— treten werden sollte,— du aber ohne Furcht und Schrecken festiglich auf Gott vertrautest, der seine Engel sendet zum Schutze derer, die auf ihn ihre Hoffnung setzen; o erflehe uns durch deine Fürsprache von Gott die Gnade, daß wir eifersüchtig in unserem Herzen diese Tugend bewahren, damit wir außer den vielen schon begangenen Sünden uns nicht noch des Mißtrauens auf die gött⸗ liche Barmherzigkeit schuldig machen, welches vor dem Herrn so verabscheuungswürdig ist. Vater unser ꝛc.— Gegrüßet seist du ꝛc. — Ehre sei ꝛe. 3. O du starkmütige Jungfrau, reinste hl. Agnes, um jener glühenden Liebe willen, von der dein Herz entbrannte in dem Maße, Andachten zu den Heiligen Gottes. 305 daß das Feuer des Scheiterhaufens und der unreinen Lust, womit die Feinde Jesu Christi dich dem Verderben preiszugeben suchten, dich in keiner Weise beschädigte; erlange uns doch von Gott die Gnade, daß in uns jede nicht ganz reine Flamme er— lösche und nur jenes Feuer in unsern Herzen brenne, welches Jesus Christus auf Erden anzuzünden gekommen ist; damit wir, nach einem in Ausübung jener schönen Tugend vollbrachten unbefleckten Leben, jener Herr— lichkeit teilhaftig werden können, welche du dir durch die Reinheit deines Herzens und durch das Martertum verdient hast. Vater unser ꝛc.— Gegrüßet seist du ꝛc. — Chre sei ꝛc. 100 Tage Ablaß einmal täglich.— Leo XIII., 16. Januar 1886. Gebet zur heiligen Barbara. Glorreiche Jungfrau, heilige Barbara! die du dich in der Blüte deiner Jugend allen eitlen Freuden und Vergnügungen der Welt entzogen und der christlichen Vollkom⸗ menheit gänzlich gewidmet hast: bitte Gott Jesus a. d. Jungfrau. 20 306 Zehnter Abschnitt. für mich, daß auch ich mein Herz den ver— derblichen Lüsten dieser Welt entziehe und dem Dienste Christi mich ganz ergebe. Keusche Braut Christi! die du in jung⸗ fräulicher Reinheit gewandelt vor dem Herrn, deinem himmlischen Bräutigam: bitte für mich, daß auch ich Jesu Christo mit keuschem Leibe und reinem Herzen allezeit diene. Starke Heldin Christi! die du alle Schmeicheleien und Versprechungen, wodurch der gottlose Richter dich von dem Wege der Tugend ablocken wollte, verachtet hast: bitte Gott, daß Er mich vor Verführung bewahre und in den Versuchungen machtvoll schütze, damit ich durch nichts von der Treue gegen Ihn mich abwendig machen lasse. Lieber will ich mit dir alle Güter dieser Welt verlieren und jegliche Schmach erdulden, als meinen Herrn Jesum verleugnen. Heilige Barbara, vielvermögende Für⸗ sprecherin der Kranken! erflehe mir von Gott die Gnade, daß ich nicht unvorbereitet sterbe, sondern mit den heiligen Sakramenten ge— stärkt aus diesem Thränenthale scheide und mit dir den ewigen Lohn genieße. Amen. Andachten zu den Heiligen Gottes. 307 Gebet zu allen Beiligen des Bimmels. O ihr Heiligen Gottes! die ihr jetzt mit Jesus im Himmel herrschet: mit tiefster Ehrfurcht bewundere ich eure Tugend und Herrlichkeit und rufe euch mit Demut und Inbrunst um eure Hilfe an. Ihr seid nun durch die unendliche Erbarmung und Gnade Gottes frei von allen Gefahren und genießet eine ewige Wonne und Seligkeit; ich aber bin noch in diesem Thale der Thränen, um— ringt von Klippen ohne Zahl, an denen meine Tugend leicht scheitern kann. Einen harten Kampf habe ich noch mit den Feinden meiner Seele zu bestehen, ohne zu wissen, ob ich sie⸗ gen oder unterliegen werde. Darum blicke ich voll Vertrauen zu euch gen Himmel empor und flehe euch inständig um eure Fürsprache und euren Beistand an. Seid eingedenk, ihr seligen Bewohner des Himmels! daß auch ihr einst diesen mühsamen und gefahrvollen Kampf gekämpft, in dem ich mich jetzt be— finde, und daß auch ihr damals die Hei⸗ ligen um Hilfe angefleht, sowie ich euch jetzt in aller Demut um Mitleid für mich ersuche. 308 Zehnter Abschnitt. Versaget mir eure Fürbitte nicht und erweiset jetzt mir jene treue Liebe, die ihr einst auf Erden von euren verklärten Brüdern em— pfangen habt. Bittet für mich den barm⸗ herzigen Gott, daß Er mich unterstütze; streitet mit mir wider meine Feinde und helfet mir den Sieg erringen, nach dem ich strebe,— damit auch ich dereinst in eure selige Gemeinschaft gelangen und mit euch Gottes Güte und Erbarmung ewig anbeten, loben und preisen möge. Amen. Litanei von allen Heiligen. (Siehe Seite 241.) Elfter Abschnitt. Fromme Fürbitten für ö Lebende. ö ö D. — Gebet für die Anliegen der ganzen Ehristenheit. Almächtiger, ewiger Gott, Herr himmlischer Vater,* ö 89 an mit den Augen deiner grundlosen Barmherzigkeit un⸗ seren Jammer, unser Elend und* unsere Not; erbarme Dich über alle Christgläubigen, für welche dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland, Jesus Chri⸗ freiwillig gekommen ist und sein kostbares Blut am Stamme es heiligen Kreuzes vergossen hat. stus in die Hände der Sünder 310 Elfter Abschnitt. Durch diesen Herrn Jesum wende ab, gnädigster Vater, die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefahren, schäd⸗ liche Empörung, Kriegsrüstung, Teurung, Krankheiten und betrübte, armselige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Gu— ten die geistlichen und weltlichen Vorsteher und Regenten, damit sie alles befördern, was zu deiner Ehre, zu unserem Heile und zum allgemeinen Frieden und zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens, eine rechte Vereinigung im Glauben ohne alle Spaltung und Trennung; bekehre un⸗— sere Herzen zur wahren Buße und Besserung des Leben; entzünde in uns das Feuer deiner Liebe, gieb uns Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kin— der im Leben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig seien. Wir bitten auch, o Gott, wie Du willst, daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle Betrübte und Elende, für Lebendige und Abgestorbene. Fromme Fürbitten für Lebende. 311 Dir sei für ein und für allemal em— pfohlen all unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Ster— ben. Laß uns jetzt deine Gnade hier ge— nießen und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit Dich loben und ehren mögen. Dies verleihe uns, o Herr, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste als gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Gebet für den Papst. O mein göttlicher Heiland! als Du deine Kirche auf jenen festen Felsen gründetest, ge— gen den die Pforten der Hölle niemals etwas ausrichten können, wähltest Du den heiligen Petrus zu ihrem sichtbaren Oberhaupte: ver— leihe, daß unser oberster Hirt Papst N., den Du uns in deiner Barmherzigkeit gegeben hast, ein würdiger Erbe seiner Tugenden sei, wie er der rechtmäßige Nachfolger seines Amtes ist. Erfülle ihn mit Erkenntnis, mit Eifer, mit Festigkeit und mit einer hei⸗ 312 Elfter Abschnitt. ligen Sorgfalt für die allgemeine Kirche, welche Du ihm anvertraut hast. Mache, daß er uns alle voll Liebe in seinem Herzen trage und allen alles werde, und daß wir gegen ihn, der unser zärtlich liebender Vater ist, gelehrige Kinder seien und nicht nur allen seinen Befehlen, sondern auch allen seinen Ermahnungen uns folgsam erweisen. Erhöre, o Herr! mein Gebet und gieße über die erhabene Person deines Stellvertreters den Reichtum deiner Segnungen aus, und wenn er alle seine Pflichten als oberster apostoli⸗ sche Hirt erfüllt hat, und die Zierde der streitenden Kirche gewesen ist, dann führe ihn ein in die Seligkeit der triumphierenden Kirche. Amen. Gebet für den Bischof. Oberster der Hirten und Bischof unserer Seelen, gütigster Jesus! verleihe dem Bischof, der dieser Diöcese vorsteht, die nötigen Tu⸗ genden zu unserer und seiner eigenen Heili⸗ gung. Gieße aus über seine geheiligte Person den Reichtum deiner Gaben, auf daß er un⸗ sere Finsternis erleuchte, unsere Herzen mit Fromme Fürbitten für Lebende. 313 deiner heiligen Liebe entzünde, uns auf dem Wege des Heiles leite; auf daß er das Muster und Vorbild der Herde sei, welche Du ihm anvertraut hast. Gieb ihm würdige Mitarbeiter in seinem apostolischen Amte und rüste ihn aus mit Klugheit, damit er sie gut auswähle, mit Weisheit, damit er sie heil— sam verwende, mit Wachsamkeit, damit er sie recht leite. Mache ihn zu einem Hirten nach deinem Herzen, zu einem tugendhaften Nachfolger der Apostel in seinem Dienste, damit er nur auf Dich schaue, nur Dich suche, nur Dich fürchte, nur auf Dich ver— traue. Uns aber flöße endlich jene tiefe Ehr⸗ furcht ein, welche wir ihm schuldig sind, damit, wenn Du kommst, um den Hirten samt der Herde zu richten, wir sein Ruhm und seine Freude seien und der Hirt und die Herde den ewigen Lohn des Himmels erhalten. Amen. Gebet für die Eltern. ö Ich danke Dir, gütiger Gott, daß Du mich von christlichen Eltern geboren werden ließest welche mich in der Einen wahren 314 Elfter Abschnitt. und heiligen Religion erzogen haben. An— getrieben von der kindlichen Liebe, die Du meinem Herzen eingeprägt hast, und im Be— wußtsein, daß ich nach Dir alles Gute, was V ich auf Erden habe, meinem Vater und mei⸗ ö ner Mutter verdanke, bitte ich Dich, ver⸗ ö gilt Du selber ihnen all die Mühen und I ö Sorgen, welche sie für mich gehabt haben und noch haben. Erhalte diese mir so werten * Eltern recht lange, gewähre ihnen glückliche Tage, gieße über sie aus deine leiblichen und geistigen Segnungen und vor allem ö bewahre sie vor dem größten Unglücke, vor N der Sünde. Mir aber flöße Ehrfurcht und AN Gehorsam gegen sie ein und verleihe endlich, daß wir, die wir auf Erden so eng mit ein— ander verbunden waren, dereinst im Himmel ö die ganze Ewigkeit hindurch mit einander vereinigt sein mögen. Amen. Gebet für die Geschwister und Verwandten. Deine Gnade, o Gottl knüpft die Bande des Blutes noch fester, sie heiligt sie durch die Liebe. Darum falle ich Dir zu Füßen und bitte Dich, Du wollest deinen Segen Fromme Fürbitten für Lebende. 315 ausgießen über unsere ganze Familie, über meine lieben Geschwister und über alle Bluts⸗ freunde und Verwandte, und ihnen Einig⸗ keit, Frieden und Liebe verleihen. Stärke sie alle in der Gottesfurcht und Liebe zu Dir. Laß uns ähnlich werden den frommen Geschwistern in Bethania: Lazarus, Maria und Martha, welche Jesus so innig liebte, als Er auf Erden weilte, denen Er so viele Beweise seiner freundschaftlichen Fürsorge gab. Gieb, daß wir mit herzlicher Liebe einander lieben, gegenseitig unsere Schwach— heiten ertragen, jedes Vorurteil, jede Eifer⸗ sucht und allen Eigennutz von uns fern halten, wodurch nur Uneinigkeit und Zwie— tracht herbeigeführt wird. Mache uns zu getreuen Befolgern deines göttlichen Gesetzes, damit wir einst alle an den Ort der ewigen Seligkeit gelangen, wo wir nur eine Familie ausmachen, die in deiner Gegenwart und in deiner seligen Anschauung sich ewig erfreuet. Amen. Gebet für eine gute Sreundin. Gott, unser aller Vater, der Du durch die Gnade des heiligen Geistes den Herzen 316 Elfter Abschnitt. deiner Gläubigen die Liebe eingießest und das Band der wahren Freundschaft knüpfest: in christlicher Liebe gedenke ich deiner Die— nerin, meiner Freundin N. Verschmähe das Gebet nicht, welches ich für sie zu Dir hin⸗ aufsende. Geist Gottes, Urquell jeglicher Tugend, Führer und Beschützer kindlicher Seelen! weihe und heilige ihre Seele zu deinem rei— nen Tempel; wohne und wirke lebendig darin. Durchstrahle sie hell und warm; ent— zünde sie zu einer himmelwärts strebenden Liebesflamme für Gott, das allerhöchste, voll— kommenste und aller Liebe unendlich würdige Gut. Flöße ihr ein, erhalte und bewahre in ihr die Tugenden der Demut, Beschei⸗ denheit, Sanftmut und jungfräulichen Rei— nigkeit; gieb ihr ein zart empfängliches, wohl⸗ wollendes Herz für Werke der christlichen Barmherzigkeit und der wahren Nächsten— liebe. Ziere sie mit diesen Perlen der Jung⸗ fräulichkeit, die uns viel schöner schmücken als alle Kleiderpracht und uns wohlgefällig machen in den Augen Gottes, vor den Engeln im Himmel und vor den guten Menschen Fromme Fürbitten für Lebende. 317 auf Erden. Laß sie werden die Ehre und Freude ihrer Eltern, die Zierde ihrer Fami⸗— lie, der Ruhm ihrer Seelsorger und Lehrer, ein Tugendbeispiel für alle. In Wohl und Wehe, in Stunden eines erlaubten, schuldlosen Vergnügens und in Tagen des Grames, o Vater unser aller, sei und bleibe dein heiliger Geist mit ihr! Deine Gnade verleihe ihr ein glückliches Los für Zeit und Ewigkeit, und führe sie und die Ihrigen einst ins himmlische Paradies! Amen. Gebet für kranke Eltern. Allmächtiger, allweiser Gott! Du hast meinen lieben Vater(Mutter) mit Krankheit heimgesucht. Für ihn(sie) rufe ich mit kind⸗ licher Zuversicht zu Dir: Schenke ihm(ihr) doch, was ihm(ihr) wahrhaft heilsam ist, und verlasse ihn(sie) mit deiner Gnade nie! Der Gedanke an die Weisheit deiner väter⸗ lichen Führung mache ihm(ihr) alle Leiden erträglich. Der Glaube an Jesus Christus, den Erlöser und liebevollen Krankenfreund, erhalte und vermehre seine(ihre) Geduld. 318 Elfter Abschnitt. Gieb, daß er(sie) allezeit in Dir Trost und Beruhigung suche und finde. Kürze die Zeit seiner(ihrer) Krankheit ab und lindere seine (ihre) Schmerzen. Hilf Du ihm(ihr) tra⸗ gen, was für ihn(sie) zu schwer sein könnte, und schenke ihm(ihr) zu meiner Freude bald wieder die erwünschte Gesundheit. Mich aber laß auf alles denken, womit ich ihn(sie) während der Krankheit erfreuen und ihm(ihr) Erleichterung verschaffen kann. Täglich will ich für ihn(sie) beten. Erhöre, liebreichster Vater! meine kindliche Bitte, wenn die Er— hörung ihm(ihr) und mir zum Heile gereicht. In allem geschehe dein heiligster Wille! A. Gebet für die Seinde. O Gott! der Du des Friedens und der Liebe Freund und Hüter bist: laß allen un⸗ seren Feinden wahren Frieden, wahre Liebe und Nachlaß aller ihrer Sünden, und uns Errettung aus ihren Nachstellungen ange— deihen. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Zwölfter Abschnitt. Gebete bei verlchiedenen Anlällen. 2/ B;; Gebet einer Jungfrau. Hs der Du die Hungrigen erfüllest mit Gütern, die Hoffärtigen aber leer entlässest: sieh' an die Niedrigkeit deiner Magd und lehre mich bitten, was Dir gefällt, auf daß Du mich erhörest! Vater des Lichtes! gieb mir Weisheit, zu wandeln wie eine kluge Jungfrau, rein vor Dir, ohne Tadel vor den Menschen. Flöße mir zarte, heilige Furcht ein, daß ich, wie Susanna, mich scheue, in deinem Ange— sichte zu sündigen. Rotte aus 32⁰ Zwölfter Abschnitt. mit der Wurzel die Hoffart, Liebe zur Kleider— pracht, Eitelkeit und Gefallsucht. Laß mich erkennen und meiden alle Verkehrtheiten, wo— durch ich vor Dir und allen guten Menschen als eine thörichte Jungfrau erscheine. O Jesus, Du Liebhaber und Beschützer keuscher Seelen! stehe mir bei in Versuch⸗— ungen. Zeige mir die Schlingen, welche der Teufel, die Welt und das Fleisch mir unauf— hörlich legen, und laß mich nicht in dieselben fallen. Bewahre mich vor dem Lüstling, der Böses sinnt im Herzen, wie er mich berücke und unglücklich mache für Zeit und Ewigkeit. Wecke mich frühzeitig, daß ich den Schmeichler fliehe, der Honig im Munde, im Herzen aber Gift trägt. Sei Du in meinem Herzen, daß ich erröte vor schamlosen Worten und Wer— ken; sei Du in meinem Munde, daß ich nur rede, was und wo es Dir gefällt. Lenke alle meine Worte und Werke, Schritte und Tritte, Blicke und Geberden; laß mich in all mei⸗ nem Thun und Lassen, besonders aber auch in meiner Kleidung, alles vermeiden, wodurch ich andere zur bösen Lust reize und zum Falle bringe. Ach, Herr! bewahre mich und alle, ————. W)n). e ‚nhnn,. ——„O— — 88 4 2 2 Gebete bei verschiedenen Anlässen. 321 mit denen ich je zusammenkomme, vor Sünde und Schande in dieser, und vor dem höllischen Feuer in jener Welt. Mache mich ernst und bescheiden, leutselig und gefällig ohne Anstoß. Laß mich meine höchste Freude finden in Häuslichkeit, Sittsamkeit und unermüdlichem Fleiße. Gieb mir den Geist wahrer Fröm— migkeit und Gottseligkeit, daß ich Dich von ganzem Herzen liebe und heilig bleibe an Leib und Geist. Amen. Gebet einer dienenden Jungfrau. Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen.“ Dies sind deine Worte, Herr Jesus Chri⸗ stus, eingeborner Sohn des ewigen Vaters! Wie tief, o Herr des Himmels und der Erde, wie tief hast Du Dich erniedrigt! Du hast ausgezogen deinen Gottesglanz, der sterbliche Augen geblendet hätte, hast Dich eingehüllt in Knechtsgewand und bist herabgestiegen von deinem ewigen Throne, nicht um Dir dienen zu lassen, sondern um selbst zu dienen und den Willen deines Vaters zu thun bis in den Tod— bis in den Tod am Kreuze. Jesus a. d. Jungfrau. 21 3²² Zwölfter Abschnitt. Dein ganzes Leben war Gehorsam und Ar⸗— beit. Dir war es Speise und Trank, allem Dich zu unterwerfen, was dein heiliges Mitt— leramt erheischte. Dulden und Schweigen war deine Ergebung. Bin ich besser, denn Du, mein Herr und Gott? Wie viel, wie unendlich mehr hast Du getragen, gethan, gelitten! Sollte ich, deine Jüngerin, Dir zu folgen mich weigern? Nähme ich nicht auf mich mein Kreuz und eilte deinen Fuß⸗ stapfen nach, verdiente ich dann noch, deine Schülerin zu heißen? O gieb mir Gnade, daß ich stets auf Dich hinschaue, Dir nach— ahme! Lehre mich meinem Eigenwillen ent⸗ sagen, meinen Starrsinn brechen; mache mich sanftmütig und demütig von Herzen, dienst⸗ fertig, gelassen und ergeben. Leite alle meine Schritte; laß mich in meinem Stande ganz das sein, was ich sein soll; flöße mir Liebe ein zu allen meinen Pflichten; verleihe mir Kraft zu deren thätiger Erfüllung! O Maria, liebe Mutter meines liebe⸗ vollen Erlösers, du Heiligste, Gesegnetste deines Geschlechtes! dein Ehrentitel war es, dich eine Magd des Herrn zu nennen. Wie Gebete bei verschiedenen Anlässen. 323 dientest du Ihm so gerne, so bereitwillig und unermüdet! Dein Beispiel begeistere mich zur Nachahmung! Wohl mir, wenn ich, wie du, dereinst erscheinen darf vor dem Richterstuhle des Höchsten mit dem beruhigenden Bewußt⸗ sein treuer Pflichterfüllung! Dann frohlocke ich mit dir, von dir gerufen und durch dich versöhnt und vorgestellt dem Weltenrichter, deinem göttlichen Sohne, in ewiger Herrlich⸗ keit. Dann wird Er mir sagen dürfen die lohnenden Worte: Wohl dir, du fromme, du getreue Die⸗ nerin! du bist auf Erden über weniges ge⸗ treu gewesen, du sollst gesetzt werden über vieles. Gehe ein in die Freude deines Herrn! Amen. Gebet um eine glückliche Standeswahl. O Gott! der Du alles liebreich anord⸗ nest: ich bitte Dich, Du wollest auch mich zu jenem Stande, in jene Verhältnisse füh⸗ ren, worin ich am besten nach deinem heiligen Willen leben, Dir getreu dienen und mein Heil wirken kann. In deiner Hand sind meine Schicksale. Was willst Du, daß ich 32⁴ Zwölfter Abschnitt. thun soll? Rede Herr, deine Dienerin hört. Sende mir deine Weisheit, daß sie mit mir sei und mit mir wirke, damit ich wisse, was Dir wohlgefällig und mir gut ist. Laß mich den weisen Absichten, die Du mit mir hast, nicht durch Leichtsinn, durch Verachtung des— sen, was mir die Religion und vernünftige und weise Freunde raten, entgegenarbeiten; laß mich nicht aus Stolz und Habsucht, aus blinder Neigung und andern Leidenschaften wider deinen Willen einen Stand wählen, wodurch ich sicher zeitlich unglücklich und viel⸗ leicht auch ewig unglückselig würde. Dein guter Geist leite mich auf der rechten Bahn. Amen. Gebet um Gnade Zur Erfüllung der Standespflichten. O Gott! dessen Weisheit alle Dinge ordnet und dessen Vorsehung einem jeden die Gnade zuteilt, deren er bedarf: ich danke Dir für den Stand, in den Du mich gesetzt hast, und bin zufrieden mit allem, was Du mir auferlegst. Laß mich erkennen meine Pflichten und gieb mir die Gnade, sie treulich zu erfüllen. Mache, daß ich meinen Beruf Gebete bei verschiedenen Anlässen. 325 liebe, ihm getreulich nachkomme und mich in solcher Weise betrage, wie es meinem Berufe angemessen und deiner göttlichen Ehre förderlich ist. Laß nicht zu, daß ich mich den Bewegungen eines unruhigen Geistes über— lasse, der da träge und überdrüssig wird in der Arbeit, nach Zerstreuung und Wechsel sucht und das Glück beneidet, welches er sich in dem Stande anderer einbildet. Gieb mir Ergebung in deinen Willen; erfülle mich mit deinem Geiste, mit dem Geiste der Weis⸗ heit, des Verstandes und der Wissenschaft, die da nötig sind in dem Dienste, den Du mir anvertraut hast. Laß Gewinn bringen unter meinen Händen das Talent, das Du mir übergeben und wovon ich Dir dereinst Rechenschaft abstatten muß. Treibe mich an zu allem, was Du von mir verlangst; treibe mich an zu allem Guten, auf daß ich deinen heiligsten Willen vollziehe in allem und durch alles. Amen. Gebet in KRreuz und Leiden. Eile mir zu Hilfe, o gütigster Jesus! mein Herz ist voll Angst; mein Mut und 326 Zwölfter Abschnitt. meine Kraft haben mich verlassen; Tag und Nacht umlagert mich Traurigkeit, und kein Mensch kann mich trösten; auch Du, o Herr, mein einziger Trost, scheinst fern zu sein. Ach! habe ich es vielleicht für meine vorigen Sünden verdient, daß Du mich verlassen? Ich bekenne sie vor Dir und beweine sie in der Bitterkeit meiner Seele. Herr, mein Gott! gehe nicht ins Gericht mit mir armen Sünderin. Siehe an meinen aufrichtigen Schmerz und vergieb all meine Schuld. O liebreichster Heiland! gedenke der furcht⸗ baren Angst und Traurigkeit, womit dein Herz im Garten Gethsemane erfüllt war; gedenke deiner Verlassenheit am Kreuze, die Du aus Liebe zu mir ertragen, und komme mir zu Hilfe in diesem meinem elenden Zu⸗ stande. Wie lange, o mein Jesus, willst Du noch verziehen mit deinem himmlischen Lichte? Verlaß mich nicht, o Jesus! Ich will nicht aufhören zu rufen, bis Du Dich meiner er⸗ barmest. Komm', o komme doch, Du Tröster der Betrübten, und bringe mir die Freude deines Heils. Amen. Dreizehnter Abschnitt. Gebete für Krünke und Sterbende. 2. Gebet um die Wiederge⸗ nesung. . mein gütigster und Aiebreichster Heiland! Du bist zum Heil der Menschen vom Himmel auf die Erde herabgestiegen und in Städten und Flecken umhergegangen, um jene gesund zu machen, welche mit Krankheiten und Gebrechen beschwert waren. Siehe, ich, deine geringste Die— nerin, bin von deiner Hand getroffen und mit schwerer Krankheit beladen; darum komme ich zu Dir, o barm— herzigster Samaritan! und lege 328 Dreizehnter Abschnitt. mich demütig vor dem Gnadenthrone des Kreuzes zu deinen verwundeten Füßen. Ich bitte und rufe aus der Tiefe meines ins Meer der Schmerzen versenkten Herzens: Jesus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! O gütigster Jesus! Du hast ja die Krankheiten der Menschen auf Dich ge— nommen, unsere Schmerzen hast Du ge— tragen, um unserer Sünden willen bist Du verwundet worden: o so gedenke denn nicht der vielfachen Missethaten, welche ich be— gangen und wofür ich diese Züchtigung und viel größere Strafen wohl verdient habe; ich bereue alle meine Sünden aus Liebe zu Dir. Sei vielmehr, o gekreuzigter Jesus! deines bittern Leidens und Todes eingedenk, womit Du für meine Sünden überfließend— genuggethan hast. Dieses dein gnadenrei— ches Leiden, wie auch dein heilkräftigster Na— me und deine grundlose Barmherzigkeit wolle dein von der Liebe verwundetes Herz zu mei⸗ ner Hilfe bewegen. O Jesus! erbarme Dich meiner und stelle mir die vorige Gesundheit wieder zurück, wofür ich Dir die ganze Zeit meines Lebens danken werde. Hast Du aber eee—::.?—:—.—..:.e.e.eITITJTZe — ‚-2——————...— Gebete für Kranke und Sterbende. 329 über mich anders beschlossen, und sollte die Gesundheit mir und den Meinigen nicht zum Heile dienen, so geschehe dein Wille! Um dieses allein bitte ich Dich, o süßester Jesus! verleihe mir die Gnade, alle Schmerzen und Aengsten aus Liebe zu Dir zu ertragen. A. Gebet um die Gnade der Geduld. Ich weiß, o mein Gott! daß der Him⸗ mel für diejenigen bestimmt ist, die hienieden leiden und zwar leiden mit Geduld. Wohl bin ich auch entschlossen, alle Trübsale ruhig zu ertragen; aber sobald sie sich einstellen, werde ich traurig und verdrießlich und ver— liere alles Verdienst meiner Leiden, weil ich nicht leide aus Liebe zu Dir. So verleihe mir denn diese Tugend der Geduld, o mein Gott! Gieb mir die Kraft, alle Schmerzen und Trübsale, die Du über mich verhängen wirst, willig anzunehmen, und besonders die Schmerzen meines Todeskampfes und Hin— scheidens mit Ergebung zu ertragen. Amen. Gebet um einen guten Tod. Gütiger und barmherziger Gott, der Du uns für den Himmel erschaffen und uns dei⸗ 330 Dreizehnter Abschnitt. nen einzigen Sohn gegeben hast, um uns vom ewigen Tode zu erlösen: erbarme Dich jetzt deiner armen Dienerin! Vollende an ihr ö das Werk deiner Erbarmung und verleihe mir die Gnade, den Tod der Gerechten zu sterben. Ach, Herr, nach einem lauen und sündhaften Leben, das ich geführt habe, nach— * dem ich so vielmal deine Gaben und Wohl— thaten mißbraucht, bin ich unwürdig jener unschätzbaren Gnade, die, sowie sie die höchste von allen andern, so auch die unverdienteste ist, und die ich einzig von deiner unend— lichen Güte erwarten darf. O unendliche Güte meines Gottes! auf Dich, auf Dich allein hoffe ich. Dich flehe ich an mit all der Inbrunst, deren mein Herz fähig ist. Verwirf mich nicht von Dir; laß mich nicht ewig zu Grunde gehen! Je un⸗— würdiger ich deiner Gnade bin, desto mehr wird es deiner Güte zur Ehre gereichen, sie mir zu verleihen. Laß mich den Tod der Ge— rechten sterben, um ewig deine Erbarmungen zu preisen! Ich bitte Dich darum um des Leidens Jesu Christi, meines Heilandes, wil⸗ len. Amen. Gebete für Kranke und Sterbende. 331 Gebet zu Maria, der Mutter der Barm⸗ herzigkeit. Heilige Maria, du Heil der Kranken und Leidenden, stehe auch mir in meiner Krankheit mütterlich bei! In ausharrender Liebe standest du einst unter dem Kreuze deines göttlichen Sohnes bis zu seinem hei— ligsten Tode: ich bitte dich um aller deiner Schmerzen willen, die du daselbst littest, komme nun mir zu Hilfe und verlasse mich auch im Tode nicht. O erlange mir die Gnade, geduldig zu leiden und selig zu sterben! Amen. Stoßgebete zur Erlangung eines guten Codes. Jesus, Maria. Joseph, euch schenke ich mein Herz und meine Seele! Jesus, Maria, Joseph, stehet mir bei im letzten Todeskampfe! Jesus, Maria, Joseph, möge meine Seele mit euch in Frieden scheiden! 300 Tage Ablaß jedesmal, wenn man diese drei Stoßgebete reumütig und andächtig betet.— Pius VII., 28. April 1807. 33²2 Dreizehnter Abschnitt. Die letzten Seufzer eines Sterbenden. Dimm, o Gott! mein Leben als ein Opfer hin.— Ich opfere Dir mein Leiden, meine Todesangst und meinen Tod in Ver— einigung mit dem Leiden, der Todesangst und dem Tode deines Sohnes auf.— Stehe mir bei, damit meine Seele bald am Orte des ewigen Friedens anlange.— O mein Gott! ich glaube an Dich; vermehre in mir diesen Glauben.— Ich hoffe auf Dich; stärke mich in meiner Hoffnung.— Ich liebe Dich über alles; gieb, daß ich Dich noch in— niger liebe.— Ich verzeihe allen meinen Feinden und Beleidigern; verzeihe auch Du mir meine Sünden durch das Blut und die Verdienste Jesu, meines Erlösers; ich bereue sie aus dem innersten Grunde meiner Seele.— Jesus! in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Mein Heiland und Erlöser! nimm meine Seele auf. ö Heilige Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit! beschütze mich ö gegen meine Feinde; zeige mir Jesus, die —....—————33———— Gebete für Kranke und Sterbende. 333 gebenedeite Frucht deines Leibes, im Augen⸗ blicke, da ich den Kerker meines Leibes und das Elend dieser Welt verlassen werde. A. Dreifaches Gebet, welches von den Umstehenden verrichtet wer— den kann, während der UKranke mit dem Tode— Allmächtiger Gotz Vater im Himmel⸗ erbarme Dich seiner(ihrer)! Vater nen ꝛc. Ave Maria ꝛc. Vater und Schöpfer der Menschen, ewi⸗ ger Gott! Du rufst jetzt unsern geliebten Mitbruder(unsere geliebte Mitschwester) zu Dir; Du hast den Tod gesandt, daß er seine(ihre) Seele von seinem(ihrem) Leibe trenne:— erbarme Dich seiner(ihrer)!— Stehe ihm(ihr) bei in seinem(ihrem) letzten Kampfe: vergieb ihm(ihr) seine(ihre) Ver⸗ irrungen; mildere die Schrecken der letzten Stunden;— deine Gnade ruhe auf ihm lihr)!— Laß ihn(sie) enden in deiner Liebe, und belohne ihn(sie) für alle Leiden, die er(sie) in seinem(ihrem) Leben erduldet, mit den Freuden des Himmels. Amen. 334 Dreizehnter Abschnitt. II. Jesus, Du Erlöser der Menschen, er⸗ barme Dich seiner(ihrer)! Vater unser ꝛc. Ave Maria ꝛc. Göttlicher Menschenfreund, Jesus Chri⸗ stus! der Du aus Liebe zu uns dein Blut am Kreuze vergossen und dein Leben für uns geopfert hast:— sieh', hier ringt unser Bruder(unsere Schwester) mit dem Tode. — Erbarme Dich seiner(ihrer);— heilige seine(ihre) Seele;— er(sie) ist auch von Dir erlöst, o Gottmensch!— Laß ihn(sie) glücklich enden und Gnade finden vor deinem Richterstuhle. Amen. III. Gott heiliger Geist, erbarme Dich seiner lihrer)!— Vater unser ꝛc. Ave Maria ꝛc. Geist der heiligen Liebe, Tröster und Wohlthäter der Menschen! Du hast unsern Mitbruder(unsere Mitschwester), der(die) jetzt mit dem Tode ringt, in der Taufe geheiligt und zu deinem Tempel eingeweiht: — verlaß ihn(sie) jetzt nicht in der bangen Gebete für Kranke und Sterbende. 335 Stunde, da Du seine(ihre) Seele in die Ewigkeit hinüber rufst.— Nimm ihn(sie) gnädig auf; mache sein(ihr) Ende sanft; bitte Du für ihn(sie) mit unaussprechlichen Seufzern; führe seine(ihre) Seele in die himmlische Wohnung, die ihr der göttliche Erlöser bereitet hat. Heilige Maria, heilige Engel und Erz⸗ engel, und alle Heiligen Gottes! bittet für unsern geliebten Sterbenden(unsere geliebte Sterbende)! Amen. Nach dem Verscheiden. Rommt dieser Seele zu Hilfe, ihr Heiligen Gottes! Kommet ihr entgegen, ihr Engel des Herrn! Nehmet sie auf und bringet sie vor das Angesicht Gottes! Jesus Christus, der dich berufen hat, nehme dich auf, und die hl. Engel wollen dich in den Schoß Abrahams tragen. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser c. V. Und führe uns nicht in Versuchung: 336 Dreizehnter Abschnitt. B. Sondern erlöse uns von dem Uebel! J. Herr, gieb ihm(ihr) die ewige Ruhe: B. Und das ewige Licht leuchte ihm (ihr)! J. Von der Pforte der Hölle: . Erlöse, o Herr, seine(ihre) Seele! V. Er(sie) ruhe im Frieden! H. Amen. V. Herr, erhöre mein Gebet B. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! Gebet. Wir empfehlen Dir, o Herr! die Seele deines Dieners(deiner Dienerin) N., damit sie, nachdem sie nun dieser Welt abgestorben ist, Dir lebe und Du ihm(ihr) die Sünden, die er(sie) aus menschlicher Schwachheit auf Erden begangen hat, gnädigst verzei⸗ hen wollest. Durch Jesus Christus, unsern ö Herrn. Amen. — Vierzehnter Abschnitt. Gebete zum Troste der Berstorbenen. Meßandacht zum Troste der Verstorbenen. (Seite 115.) Litanei für die Verstorbenen. Kerr, erbarme Dich ihrer! Christus, erbarme Dich ihrer! Herr, erbarme Dich ihrer! Gott Vater vom Himmel, der Du sie erschaffen hast, er⸗ barme Dich ihrer! Gott Sohn, der Du sie erlöset hast, erbarme Dich ihrer! Gott heiliger Geist, der Du sie geheiligt hast, erbarme Dich ihrer! Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich ihrer! Jesus a. d. Jungfrau. 22 338 Vierzehnter Abschnitt. Heilige Maria, bitte für sie! Heilige Gottesgebärerin,“) Alle heiligen Chöre der Engel, Alle heiligen Patriarchen und Propheten, Alle heiligen Apostel und Evangelisten, Alle heiligen Jünger des Herrn, Alle heiligen Martyrer und Bekenner, Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, Alle heiligen Büßer und Büßerinnen, Alle Heiligen und Auserwählten Gottes, Sei ihnen gnädig! Verschone sie, o Herr! Sei ihnen gnädig! Erlöse sie, o Herr! Von allem Uebel,**) Von aller Sünde und Strafe, Von dem nagenden Wurm des Gewissens, Von den grausamen Flammen, Von der schrecklichen Finsternis, Von der traurigen Verlassenheit, Von allen Leiden und Schmerzen, Durch deine heilige Menschwerdung, Durch deinen allersüßesten Namen, Durch deinen vollkommenen Gehorsam, Durch dein bitteres Leiden und Sterben, Durch deine Auferstehung von den Toten, Durch deine glorreiche Himmelfahrt, Wir arme Sünder,— wir bitten Dich, er— höre uns! ö x Daß Du den leidenden Seelen im Fegfeuer. *) Bitte(bittet) für sie! *) Erlöse sie, o Herr! Gebete zum Troste der Verstorbenen. 339 Nachlassung ihrer Sünden erteilen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du ihre Schmerzen lindern wollest,“) Daß Du sie in ihren Leiden mit himmlischem Troste erquicken wollest, Daß Du ihre Seufzer erhören wollest, Daß Du ihre Bußzeit abkürzen wollest, Daß Du unseren verstorbenen Eltern, Ver⸗ wandten und Wohlthätern die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du insbesondere jener Seelen Dich er— barmen wollest, deren Leiden wir mitver— schuldet haben. Daß Du sie alle, gereinigt und geheiligt, in dein Reich aufnehmen und mit ewiger Herr⸗ lichkeit krönen wollest, Daß das Andenken an die leidenden Seelen uns vor aller Sünde bewahren möge, Daß Du einst mit ihnen auch uns zur glor⸗ reichen Auferstehung und zum ewigen Leben führen wollest, O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg⸗ nimmst die Sünden der Welt; gieb ihnen die ewige Ruhe! O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg— nimmst die Sünden der Welt; gieb ihnen die ewige Ruhe! O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg— nimmst die Sünden der Welt; gieb ihnen die ewige Ruhe! *) Wir bitten Dich, erhöre uns! 340 Vierzehnter Abschnitt. Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich ihrer! Christus, erbarme Dich ihrer! Herr, erbarme Dich ihrer! Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist ꝛe. Gebet. O Gott! der Du auf das demutsvolle und herzliche Gebet deiner Kinder gütige Rücksicht nimmst: erhöre nach deiner Milde unser Flehen, welches wir für unsere Eltern, Brüder und Schwestern, Verwandten und Wohlthäter, für unsere Freunde und Feinde zu Dir emporsenden. Verleihe ihnen Ver⸗ gebung und Nachlaß ihrer Sünden und Strafen, damit sie rein vor deinem heiligen Angesichte erscheinen und der Seligkeit der Verklärten im Himmel würdig und teilhaf⸗ tig werden. Durch Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Das Vater unser für die armen Seelen. Vater unser, der Du bist in dem Himmel! Ich bitte Dich demütig, vergieb den leidenden Seelen, die deiner seligen An— schauung jenseits noch beraubt sind; ver— IIISSD Gebete zum Troste der Verstorbenen. 341 gieb ihnen, daß sie Dich, ihren heiligen, liebenswürdigsten Vater, der Du sie durch deine Güte zu deinen Kindern angenommen, nicht immer, wie sie sollten, geliebt, sondern sich manchen Undanks und Ungehorsams gegen Dich schuldig gemacht haben. Zur Genugthuung für ihre Sünden opfere ich Dir jene Liebe und Verehrung auf, welche dein teurer Sohn auf Erden Dir allzeit erwiesen, und durch die Er für alle unsere Nachlässigkeiten so reichlich genuggethan hat. Amen. Geheiliget werde dein Name! Vergieb, o ewiger, barmherziger Vater! allen Verstorbenen, die noch gereinigt werden von ihren Mängeln und Fehlern wie das Gold im Glutofen; vergieb ihnen, daß sie deinen Namen nicht immer würdig geehrt, nicht stets in heiliger Furcht vor Dir ge— wandelt und sich durch öftere Verirrungen des christlichen Namens unwürdig gemacht haben. Zur Genugthuung für diese Sünden opfere ich Dir die vollkommenste Heiligkeit deines Sohnes auf, mit der Er deinen über alles gepriesenen Namen durch Lehre und 342 Vierzehnter Abschnitt. Beispiel so sehr erhöhet und in allen seinen Handlungen verherrlichet hat. Amen. Zukomme uns dein Reich! Vergieb, o Gott des Friedens! allen Verstorbenen, die noch nicht eingegangen sind in die ewigen Wohnungen des Friedens; vergieb ihnen, daß sie sich nach Dir und deinem Reiche nicht immer mit solchem Ver— langen gesehnt haben, als es ihre Pflicht gewesen ist. Für alle ihre Trägheit im Guten opfere ich Dir die reinen Wünsche deines Eingebornen auf, womit Er so liebevoll die Herzen der Menschen zu gewinnen suchte, damit sie seine Miterben werden möchten. Amen. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden! Vergieb, o gütigster Vater! allen Ver⸗ storbenen, die noch ferne von Dir nach dei— ner väterlichen Nähe sehnsüchtig verlangen; vergieb ihnen, daß sie nicht immer deinen Willen über den ihrigen gestellt, sondern sich öfter haben hinreißen lassen, ihn nicht oder nur ungern und langsam zu erfüllen. Zum DR“ Gebete zum Troste der Verstorbenen. 343 Ersatze ihres mangelhaften Gehorsams opfere ich Dir auf den Gehorsam Jesu bis in den Tod des Kreuzes. Amen. Gieb uns heute unser tägliches Brot! Vergieb, o liebreichster Vater! allen Ver— storbenen, die noch nicht eingegangen sind zum Hochzeitsmahle des Lammes; vergieb ihnen, daß sie mehr nach dem irdischen, als nach dem überirdischen Brote schmachteten und sich manche Nachlässigkeiten und Lauig⸗ keiten im Empfange der heiligen Kommu— nion ließen zu schulden kommen. Für diese ihre Vergehen opfere ich Dir seine unaus⸗ sprechliche Liebe auf, womit Jesus das heilige Altarssakrament eingesetzt und zu un⸗ serem Heile in seiner Kirche erhalten hat. A. Vergieb uns unsere Schulden, wie auch wir ver⸗ geben unsern Schuldigern! Vergieb, o liebreichster Vater! allen Ver— storbenen alles, wofür sie in diesem Leben nicht hinreichende Buße gethan haben. Ver⸗ gieb ihnen jeden Rest der Sünde und löse alle Bande ihrer Strafen. Ich opfere Dir dafür auf die unendliche Genugthuung dei⸗ 34⁴ Vierzehnter Abschnitt. nes geliebten Sohnes und jenes großmütige Gebet, welches Er am Kreuze für seine Feinde zu deinem erbarmungsreichen Vater— herzen gerichtet hat. Amen. Ilnd führe uns nicht in Versuchung! Vergieb, o gütigster Vater! den Ver— storbenen, welche noch unsicher im Schatten der Finsternis wandeln; vergieb ihnen alle Zaghaftigkeit, Kleinmütigkeit und Schwach— heit, womit sie Dich in ihren Versuchungen beleidiget haben. Für alle diese ihre Sünden opfere ich Dir den glorreichen Sieg unseres göttlichen Erlösers auf, womit Er die Welt und den bösen Feind überwunden hat. A. Sondern erlöse uns von dem Ilebel! Erlasse, o gütigster Vater! den Ver— storbenen den Rest ihrer Büßung und tilge den letzten Heller ihrer Strafen durch die unendlichen Verdienste Jesu und seiner lieben Heiligen. Vertilge alle Folgen ihrer frühern Sündhaftigkeit und führe sie, frei von jedem Uebel, in das Reich Jesu Christi, deines Sohnes, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Gebete zum Troste der Verstorbenen. 345 Gebete zu Ehren der fünf Blutvergießungen Ehristi für die armen Seelen. 1. O Jesus, unser Herr und Gott! ich bitte Dich durch das kostbarste Blut, welches Du am Vorabende deines Todes im Oelgarten geschwitzt hast, erlöse aus den Qualen des Reinigungsortes die Seelen aller verstorbenen Gläubigen, insbesondere die⸗ jenige, deren am wenigsten auf Erden ge— dacht wird, und nimm sie auf in das Reich deiner Glorie, damit sie dort Dich lobe, preise und verherrliche in Ewigkeit. Amen. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. 2. O Jesus, unser Schutz und Heil! ich bitte Dich durch das kostbarste Blut, welches Du bei deiner grausamen Geißelung vergossen hast, erlöse aus den Qualen des Reinigungsortes die Seelen aller verstor— benen Gläubigen, insbesondere diejenige, welche ihrer Befreiung am nächsten ist, und nimm sie auf in das Reich deiner Glorie, damit sie dort Dich lobe, preise und ver⸗ herrliche in Ewigkeit. Amen. 346 Vierzehnter Abschnitt. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. 3. O Jesus, unser Erlöser und Selig⸗ macher! ich bitte Dich durch das kostbarste Blut, welches Du bei deiner Krönung ver— gossen hast, erlöse aus den Oualen des Reinigungsortes die Seelen aller verstor⸗ benen Gläubigen, insbesondere diejenige, die noch am längsten zu leiden hat, und nimm sie auf in das Reich deiner Glorie, damit sie dort Dich lobe, preise und verherrliche in Ewigkeit. Amen. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. 4. O Jesus, Du Freude unseres Her⸗ zens! ich bitte Dich durch das kostbarste Blut, welches Du bei deiner grausamen Kreuzigung vergossen hast, erlöse aus den Qualen des Reinigungsortes die Seelen aller verstorbenen Gläubigen, insbesondere die⸗ jenige, welche sich die meisten Verdienste auf Erden erworben hat, und nimm sie auf in das Reich deiner Glorie, damit sie dort Dich lobe, preise und verherrliche in Ewigkeit. A. Gebete zum Troste der Verstorbenen. 347 Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. 5. O Jesus, Du unser einziger Mittler und Fürsprecher beim Vater! ich bitte Dich durch das kostbarste Blut, welches aus deiner gebenedeiten Seitenwunde und aus deinem liebenden Herzen geflossen ist, erlöse aus den Qualen des Reinigungsortes die Seelen aller verstorbenen Gläubigen, insbesondere die— jenige, welche deiner jungfräulichen Mutter am meisten ergeben war, und nimm sie auf in das Reich deiner Glorie, damit sie dort Dich lobe, preise und verherrliche in Ewig⸗ keit. Amen. Vater unser ꝛc. Gegrüßet seist du, Maria ꝛc. Gebet für verstorbene Eltern. O Gott! der Du uns befohlen hast, unsere Eltern zu ehren, ich bitte Dich für die Seelen meines Vaters und meiner Mut⸗ ter, welche vielleicht meinetwegen noch in den Flammen des Fegfeuers leiden müssen. O erbarme Dich ihrer, reinige sie von ihren Makeln, erlöse sie von den Strafen, die sie 348 Vierzehnter Abschnitt. etwa zu leiden haben, und führe sie zur Glorie des Himmels. Amen. Gebet für verstorbene Geschwister, verwandte und Wohlthater. Barmherziger Gott! ich bitte Dich für die Seelen meiner lieben Geschwister, Ver⸗ wandten und Wohlthäter, Du wollest Dich ihrer erbarmen und sie aus ihrer Qual und Pein erlösen und sie aufnehmen in die ewige Freude und Seligkeit. Amen. Gebet für alle, welche auf dem Gottesacker vuhen. O Gott! der Du den Christgläubigen, deren Leichname hier begraben sind, den Trost geschenkt hast, daß ihre Asche in der geweih⸗ ten Ruhestätte die künftige Auferstehung er⸗ warten kann: ich bitte Dich um Erbarmen für alle, mögen sie im Leben meine Freunde oder Feinde gewesen sein. O barmherziger Vater! laß sie Gnade finden, und um der unendlichen Verdienste deines eingebornen Sohnes willen schenke ihnen die ewige Ruhe und Seligkeit. Amen. ———.—— —— Fiünfzehnter Abschnitt. Geistliche Lieder. 2* Gesänge Zur hl. Messe. Zum Introitus. WM. werfen uns darnieder— Vor Dir Gott Sabaoth!— Erhöre uns're Lieder,— Da wir nach dem Gebot— Dir dieses Opfer bringen;— Verleihe nun, daß wir— Es andachtsvoll be— singen— Und wohlgefallen Dir. 2. Den Tag vor Jesu Leiden, — Beim letzten Abendmahl,— Indem Er wollte scheiden— Aus diesem Jammerthal,— Hat Er das Brot gebrochen— Und aus— geteilt den Wein,— Gesegnet und gesprochen:— Dies thut und denket mein! 3. Er sprach: Nehmt hin und esset,—Dies ist mein Fleisch und Blut,— Damit ihr nicht ver— gesset,— Was meine Liebe thut. — Mich opfernd will ich sterben 350 Fünfzehnter Abschnitt. — Am Kreuz, zum Heil für euch;— Wer an mich glaubt, soll erben— Mit Mir das Himmelreich. 4. O Herr, dies Opfer steige— Zu Dir mit Wohlgeruch:— Damit dein Herz sich neige — Zu deines Volks Gesuch.— Wir opfern nicht mehr Kälber,— Wie Aaron hat gethan; — Nein! Jesum Christum selber,— Der uns versöhnen kann. Zum Gloria. 1. Gott Vater, Dir gehöret— Lob, Ruhm und Dank und Ehr',— Was uns're Ruhe störet, — Verstatte nimmermehr;— Auf Erden laß uns grünen— Den Frieden jederzeit,— Daß wir Dir fröhlich dienen,— Von Furcht und Angst befreit. 2. Der Du der Menschen Sünden— Ge— büßt am Kreuzesstamm,— Laß uns Erbarmung finden,— O Jesu, Gotteslamm!— Gelobt mit Mund und Herzen— Seist Du, Gott heil'ger Geist,— Der Du in Angst und Schmerzen— Den Frommen Trost verleihst. Uor dem Evangelium. 1. Aus Gottes Munde gehet— Das Evan— gelium,— Auf diesem Grunde stehet— Das wahre Christentum;— Gott selber hat's ge⸗ lehret,— Der nicht betrügen kann.— Wohl dem, der's gerne höret— Und es nimmt willig an. Geistliche Lieder. 351 2. Sein Wort zeigt uns die Wege— Zum Himmelreiche an,— Es weiset uns die Stege, — Zu gehen diese Bahn.— Herr, drücke deine Worte— Tief in die Herzen ein,— Daß wir zur Himmelspforte— Zu kommen würdig sei'n. Zum Credo. 1. Wir glauben und bekennen,— Daß aus höchst weisem Rat— Gott, den wir Vater nennen,— Die Welt erschaffen hat;— Von Ihm ist ausgegangen— Sein Sohn, der Jesus heißt,— Der ward als Mensch empfangen— Durch Gott, den heil'gen Geist. 2. Maria hat geboren— Als Jungfrau dieses Kind;— Sonst wären wir verloren,— Wir, die wir Sünder sind.— Er litt an Leib und Seele,— Schloß sterbend seinen Lauf.— Stand aus des Grabes Höhle— Am dritten Tage auf. 3. Er ward hinaufgenommen— Zu Gottes rechter Hand.— Wann Er wird wieder kommen,— Ist uns zwar nicht bekannt;— Doch kommt Er einst zu rächen,— Und wird von seinem Thron— Ein billig Urteil sprechen — Zur Strafe und zum Lohn. 4. Wir glauben nicht alleine,—Daß eine Kirche sei,— Wir stimmen der Gemeine— Der Heiligen auch bei.— Die Sünde wird vergeben— Durch Christi Diener hier;— Der Leib steht auf zum Leben,— Geht ein zur Himmelsthür. 352 Fünfzehnter Abschnitt. Zum Offertorium. I. Herr, laß doch diese Gaben— Dir wohl⸗ gefällig sein,— Die wir geopfert haben!— Es ist zwar Brot und Wein,— Doch wird's ver⸗ wandelt werden— In Christi Fleisch und Blut; — Das ist uns hier auf Erden— Und den Verstorb'nen gut. 2. Wir opfern Dir den Willen,— Herz und Gedanken auf.— Hilf uns, daß wir er⸗ füllen— In unser'm Lebenslauf,— Was Du uns, deinen Kindern,— Zu thun befohlen hast; — Nimm weg, was uns kann hindern,— Nimm weg die Sündenlast! 3. Wir legen Dir zu Füßen— All unser Hab' und Gut,— Und was wir hier genießen: — Das Leben, Leib und Blut.— Gieb uns bald kühlen Regen,— Bald warmen Sonnen⸗ schein— Und laß durch deinen Segen— Die Felder fruchtbar sein! Zum Sanktus. 1. Laßt uns gen Himmel schwingen,— Zum Helfer in der Not,— Und dreimal „Heilig“ singen— Dem Herrn Gott Sabaoth. — Herr, Himmel und auch Erde— Sind voll von deinem Ruhm;— Hilf, daß bekehret werde — Das blinde Heidentum; 2. Daß wir hernach zusammen— Dir un— sre Herzen weih'n— Und voll von Liebes⸗ flammen— Dir ein Hosanna schrei'n.— Geistliche Lieder. 353 Herr, der in deinem Namen— Kommt, sei ge⸗ benedeit!— Die Engel sagen: Amen!— Jetzt und in Ewigkeit! Uach der Wandlung. I. Hier bet' ich auf den Knien,— Verborg'⸗ ner Gott, Dich an.— Ich will mich nicht be— mühen,— Das was Du hier gethan,— Durch Sinne zu begreifen;— Dein Wort muß mir allein,— Um hier nicht auszuschweifen,— Der Grund des Glaubens sein. 2. Die Gottheit war bedecket— Allein am Kreuzaltar,— Hier aber ist verstecket— Die Menschheit auch sogar.— Dies Denkmal deiner Güte,— Dies wahre Himmelsbrot,— Erinnert mein Gemüte,— O Herr, an deinen Tod. 3. Wasch' mich von meinen Sünden,— O Jesu, durch dein Blut— Und laß mich Gnade finden,— Du allerhöchstes Gut!— Laß bald den Vorhang fallen,— Erschein' im vollen Licht— Und zeige mir und allen— Dein glänzend Angesicht! Zum Agnus Dei. 1. Erfreut euch, fromme Seelen!— Ein Wunder ist gescheh'n:— Der Herr will sich ver⸗ hehlen,— Kein Auge kann Ihn seh'n.— In Brot⸗ und Weinsgestalten— Ist Jesu Fleisch und Blut— Auf dem Altar enthalten,— Dies größte Seelengut. 2. Verdeckt ist hier zu finden— Das wahre Gotteslamm,— So aller Menschen Sünden— Jesus a. d. Jungfrau. 23 354 Fünfzehnter Abschnitt. Getilgt am Kreuzesstamm.— Es ist der Seelen Speise,— Wie uns der Glaube lehrt;— Sie nährt uns auf der Reise— Und wird doch nicht verzehrt. 3. Wenn wir das Leben schließen— Und dieses Himmelsbrot— Recht wohl bereit ge⸗ nießen,— So kann der bitt're Tod— Uns Christen nicht erschrecken:— Es ist ein Unter⸗ pfand,— Daß Gott uns wird bedecken— Mit seiner starken Hand. 4. Herr Jesu, deiner Liebe— Sei Ehre, Lob und Dank,— Weil Du nach ihrem Triebe — Zur Speise und zum Trank— Dein Fleisch und Blut gegeben,— In Brotsgestalt ver⸗ hüllt,— Daraus für uns das Leben— Und reine Freude quillt. 5. Entzünd' in uns Verlangen— Nach diesem Sakrament!— Herr, laß es uns em⸗ pfangen,— Wenn sich die Seele trennt.— Laß uns in Frieden fahren,— Von allen Sünden rein,— Zu deinen Engelscharen— Und ewig bei Dir sein! Zum Segen des Priesters. 1. Da wir nunmehr gehöret— Die Messe, wie man foll,— So sei auch Gott geehret,— Er mach' uns segensvoll— Und laß es sich ge⸗ fallen,— Was wir allhier gethan;— Er bleibe bei uns allen!— So sind wir wohl daran. 2. Gott wolle uns behüten,— Daß uns an diesem Tag— Des bösen Feindes Wüten— Geistliche Lieder. 355 Nicht schädlich werden mag;— Er laß uns ohne Sünden— Einst stehen vor Gericht,— Damit wir Gnade finden— Vor seinem Angesicht! Gesänge zum Segen. Wir beten an Dich, wahres Engelbrot. 1. Wir beten an Dich, wahres Engelbrot, — Dich, Vater, Herr, barmherzig großer Gott!— Heilig, heilig, heilig!— Du bist allzeit heilig! — Sei gepriesen ohne End'— In dem heil'gen Sakrament! 2. Wir bitten Dich, erbarm' Dich, liebster Gott,— Und segne uns, gieb uns das täglich' Brot.— Heilig, heilig, heilig! ꝛc. Anbetung Dir, verborg'nes Engelbrot. 1. Anbetung Dir, verborg'nes Engelbrot,— Unendlicher, Versöhner, Mensch und Gott!— Heilig, heilig, heilig, über alles heilig!— Heilig sei uns ohne End' deiner Liebe Sakrament! 2. Anbetung Dir, verborg'nes Engelbrot,— Unendlicher, Versöhner, Mensch und Gott!— Segne, segne, segne, segne deine Herde!— Dein Erbarmen über uns, deine Gnad' erhalte uns! Wahrer Gott. (Für die Osterzeit.) 1. Wahrer Gott, wir glauben Dir,— Du bist mit Gottheit und Menschheit hier!— Du, der den Satan und Tod überwand,— Der im Triumph aus dem Grabe erstand;— Preis Dir, Du Sieger auf Golgatha,— Sieger wie keiner, Alleluja! 356 Fünfzehnter Abschnitt. 2. Jesu, Dir jauchzt alles zu,— Herr über Leben und Tod bist Du.— In deinem Blute gereinigt von Schuld,— Freu'n wir uns wieder der göttlichen Huld!— Gieb, daß wir stets deine Wege geh'n,— Glorreich, wie Du, aus dem Grabe ersteh'n! Gute Meinung. 1. Alles meinem Gott zu Ehren,— In der Arbeit, in der Ruh';— Gottes Lob und Ehre mehren— Will ich, was ich immer thu'!— Meinem Gott allein will geben— Leib und Seel', mein ganzes Leben;— ½ Gieb, o Jesu, Gnad“ dazu!) 2. Gottes Namen will ich preisen,— Seinen Willen gern vollzieh'n!— Meine Liebe zu be⸗ weisen,— Will ich jede Sünde flieh'n— In Gedanken, Worten, Werken;— Gottes Gnade wird mich stärken.— Alles meinem Gott zur Ehr'— 3 In der Arbeit, in der Ruh'! 272 3. Dich, Maria, will ich ehren,— Die du uns das Heil gebracht;— Was mich deine Bei⸗ spiel' lehren,— Will ich nehmen stets in acht! — Laß mich dich recht kindlich lieben,— Laß mich nie die Sünde üben,— Schütze mich bei Tag und Nacht! 25 4. Du, mein Schutzgeist, Gottes Engel,— Weiche, weiche nicht von mir!— Leite mich durch's Thal der Mängel— Bis hinauf, hinauf zu dir.— Gehe treulich mir zur Seite,— Gieb mir dann auch das Geleite,— n Wann mein müdes Leben sinkt. 11 Geistliche Lieder. 357 Adͤventslieder. Tauet, Himmel, den Gerechten. 1. Tauet, Himmel, den Gerechten,— Wolken, regnet Ihn herab!— Rief sein Volk in bangen Nächten,— Dem Gott die Verheißung gab: Einst den Mittler selbst zu sehen— Und zum Himmel einzugehen;— 1 Denn verschlossen war das Thor,— Bis der Heiland trat hervor. 11 2. Gott der Vater ließ sich rühren,— Daß Er uns zu retten sann;— Und den Ratschluß auszuführen,— Trug der Sohn sich selber an.— Schnell flog Gottes Engel nieder,— Brachte diese Antwort wieder:—:½„Sieh', ich bin des Herren Magd,— Mir gescheh', was Gott gesagt!“ 21 3. Da die Botschaft angekommen,— War Maria im Gebet;— Als das Wort Fleisch an⸗ genommen,— Ging sie zu Elisabeth.— Von dem ersten Gruß durchdrungen,— Ist Johannes auf⸗ gesprungen,—:u1 Der von Gott geheiligt war, — Eh' die Mutter ihn gebar. ½1 4. Dieser ließ die Stimm' erschallen:— „Sünder, wacht vom Schlummer auf!— Denn es naht das Heil uns allen,— Hemmet euern Sün⸗ denlauf!— Brüder, laßt zu diesen Zeiten— Uns das Herz zur Buß' bereiten;— 1 Wandelt auf der Tugend Bahn,— Ziehet Jesum Christum an!“: O komm' o komm' Emmanuel. 1. O komm, o komm, Emmanuel,— Nach Dir sehnt sich dein Israel!— In Sündenjam⸗ mer weinen wir— Und fleh'n und fleh'n hinauf zu Dir.— Freu' dich, freu' dich, o Israel,— Bald kommt, bald kommt Emmanuel. 358 Fünfzehnter Abschnitt. 2. O komm, Du wahres Licht der Welt,— Das uns're Finsternis erhellt!— Wir irren hier in Trug und Wahn,— O führ' uns auf des Lichtes Bahn!— Freu' dich ꝛc. 3. O komm,‚, Du holdes Himmelskind,— So hehr und groß, so mild gesinnt!— Wir seufzen tief in Sündenschuld,— O bring' uns deines Vaters Huld!— Freu' dich ꝛe. 4. O komm, Erlöser, Gottes Sohn,— Und bring' uns Gnad' von Gottes Thron!— Die Seele fühlt hier Hungersnot,— O gieb uns Dich, lebendig Brot!— Freu' dich ꝛe. Weihnachtslieder. Die Nacht des Heils. 1. O selige Nacht,— In himmlischer Pracht — Erscheint auf der Weide— Ein Bote der Freude— Den Hirten, die nächtlich die Herde bewacht. 2. Wie tröstlich er spricht:—„O fürchtet euch nicht!— Ihr waret verloren,— Heut' ist euch geboren— Der Heiland, der allen das Leben verspricht.“ 3. Seht Bethlehem dort,— Den glücklichen Ort,— Da werdet ihr finden,— Was wir euch verkünden:— Das sehnlichst erwartete göttliche Wort. 4. Der Schrecken verschwind't,— Sie gehen geschwind— Und ünden im Stalle— Das Heil für uns alle!— In Windeln gewickelt das gött⸗ liche Kind. 5. O tröstliche Zeit,— Die alle erfreut!— Sie löset die Schmerzen,— Sie wecket die Herzen — Zum Danke, zur Liebe, zur himmlischen Freud'. Geistliche Lieder. 359 6. Eilt, Christen, geschwind— Zum gött⸗ lichen Kind!— Eilt, Fromme und Sünder,— Eilt, Eltern und Kinder,— Ihm weihet die Herzen, von Liebe entzünd't. Die heilige Nacht. 1. Heiligste Nacht,— Heiligste Nacht!— Finsternis weichet, es strahlet hernieder— Lieb⸗ lich und prächtig vom Himmel ein Licht;— Engel erscheinen, verkünden den Frieden,— Frie⸗ den den Menschen; wer freuet sich nicht?— Kom⸗ met, ihr Christen, o kommet geschwind,— Seht da die Hirten, wie eilig sie sind.— Eilt mit nach David's Stadt;— Den Gott verheißen hat,— Liegt dort das Kind. 2. Göttliches Kind,— Göttliches Kind!— Du, der gottseligen Väter Verlangen,— Zweig, der der Wurzel von Jesse entsprießt,— Laß Dich mit inniger Liebe umfangen,— Sei mir mit herzlicher Demut gegrüßt!— Göttlicher Heiland, der Gläubigen Haupt!— Was uns der Sünden⸗ fall Adam's geraubt,— Schenket uns deine Huld, — Sie tilgt die Sündenschuld— Jedem, der glaubt. 3. Sünder bedenkt,— Sünder bedenkt!— Hilflos und weinend, in Windeln gebunden,— Liegt des Allmächtigen ewiger Sohn.— Ach, Ihn erwarten schon Schmerzen und Wunden,— Schmählicher Kreuzestod wird einst sein Lohn.— Noch spricht als Mittler ein Kindlein zu dir:— Sündige Seele, ach, komme zu Mir!— Dir allein I— Dir allein sterbe ich;— Komme zu ir. 360 Fünfzehnter Abschnitt. Dank der Erlösten. 1. Menschen, die ihr war't verloren,— Lebet auf, erfreuet euch;— Euch ist Gottes Sohn geboren,— Und Er ward den Menschen gleich. — Laßt uns vor Ihm niederfallen.— Ihm soll Preis und Dank erschallen,— Ehre sei Gott! Ehre sei Gott! Ehre sei Gott in der Höhe! 2. Ihr trugt Adam's schwere Bande— In des Satans Dienstbarkeit;— Jesus ist es, der von Schande,— Schimpf und Knechtschaft uns befreit.— Laßt uns ꝛe. 3. Glaube, Hoffnung, Liebe zierten— Und beglückten euch nicht mehr;— Jesus stellet euch Verführten— Die verlor'ne Zierde her.— Laßt uns ꝛc. 4. Menschen, liebt, o liebt Ihn wieder— Und vergeßt der Liebe nie!— Singt mit Andacht Dankeslieder— Und vertraut, Er höret sie.— Laßt uns ꝛe. Hastenlieder. Bußgesang. 1. Gott, vor deinem Angesichte— Liegt die arme Büßerschar;— Sie bekennt mit Reu' und Schmerzen— Ihre Sünden am Altar.— Dein Gebot hab' ich verachtet,— Diente nur der Lust der Welt;— Ach, ich habe Gott verlassen— Und den Weg des Heils verfehlt. 2. Dich, den allerbesten Vater,— Unsern Vater, der uns liebt,— Dort am Oelberg den Erlöser,— Diesen hab' ich oft betrübt.— Gott, Du kennst mich armen Sünder;— Ich erkenne Geistliche Lieder. 361 meine Schuld;— Bin nicht wert, dein Kind zu heißen;— Und Du hast doch noch Geduld. 3. Aus der Größe der Versöhnung,— Aus den Geißeln und der Kron'— Seh' ich meiner Bosheit Größe;— Denn für mich stirbt Gottes Sohn.— Jesus sah der Sünden Menge,— Sah die Pein, den Tod, das Grab,— Todes⸗ angst beugt Ihn zur Erde,— Als Er wog die Schulden ab. 4. Da Er unsre Schuld getragen.— Unsre Krankheit nahm auf sich,— Sprach Er: Sün⸗ der, sei getröstet,— Meine Wunden heilen dich. — O mein Heiland, liebster Jesu,— Viel hast Du für mich gethan;— Wärme unsre kalten Herzen,— Zünd' in uns die Liebe an. Das blutige Haupt Jesu. 1. O Haupt voll Blut und Wunden,— Voll Schmerz, bedeckt mit Hohn;— O göttlich Haupt, umwunden— Mit einer Dornenkron'! — O Haupt, das andrer Ehren— Und Kronen würdig ist,— Sei mir mit frommen Zähren, — Sei tausendmal gegrüßt. 2. Der Purpur deiner Wangen,— Der Lippen frisches Rot,— All' Schönheit ist ver— gangen— In bittrer Todesnot;— Doch leuchtet aus den Blicken— Noch himmlische Geduld,— dul Sünder zu beglücken— Mit gnadenreicher uld. 3. Ach, Herr, was Du erduldet,— Ist alles meine Last;— Ich habe das verschuldet,— Was Du getragen hast.— Ich bin's, o Herr, ich Armer,— Der dies verdienet hat,— O tilge, mein Erbarmer,— Doch meine Missethat. 362 Fünfzehnter Abschnitt. 4. Wenn einst ich werde scheiden,— O dann verlaß mich nicht;— Sei auch in Todesleiden — Mein Trost, mein Herz, mein Licht!— Dann stärke mein Vertrauen,— Wenn's Aug' im Tode bricht;— Laß dann mich ewig schauen— Dein göttlich Angesicht. Die schmerzhafte Mutter. 1. Christi Mutter stand mit Schmerzen— Bei dem Kreuz und weint' von Herzen,— Als ihr lieber Sohn da hing. 2. Durch die Seele voller Trauer,— Seuf⸗ zend unter Todesschauer,— Jetzt das Schwert des Leidens ging. 3. O wie bitt'rer Qualen Beute— Ward die hochgebenedeite— Mutter, die den Herrn gebar! 4. Wie sie zittert, wie sie zaget,— Um den Eingebornen klaget,— Der sich giebt den Lei⸗ den dar! 5. Wessen Auge kann der Zähren— Bei dem Jammer sich erwehren,— Der die Mutter Christi drückt? 6. Wer nicht sollte sich betrüben,— Der die Mutter mit dem lieben— Sohn in solcher Not erblickt? 7. Für die Sünden seiner Brüder— Sieht sie, ach! wie Jesu Glieder— Schwerer Geißeln Wut zerreißt. 8. Sieht den holden Sohn erblassen,— Trostberaubt, von Gott verlassen,— Und aus⸗ hauchen Seinen Geist. 9. Gieb, o Mutter, Quell der Liebe,— Daß ich mich mit dir betrübe,— Mich erschütt're tief dein Weh'! Geistliche Lieder. 363 10. Laß mich recht mit heißen Trieben— Meinen Gott und Heiland lieben,— Daß er gnädig auf mich seh'! 11. Drücke deines Sohnes Wunden,— Alles Leid, das Er empfunden,— Tief mir in die Seele ein! 12. Ach, das Blut, das Er vergossen,— Ist für mich dahingeflossen;— Laß mich teilen Seine Pein! 13. Laß mich herzlich mit dir weinen,— Mich am Kreuz mit Ihm vereinen— Dankerfüllt mein Leben lang! 14. Unter'm Kreuz mit dir zu stehen,— Trauernd dort hinauf zu sehen,— Sehn' ich mich mit Liebesdrang. 15. Jungfrau, aller Jungfrau'n Zierde,— O daß mir gegeben würde,— Mitzufühlen deine Pein! 16. Laß von Christo mich nicht scheiden,— Und mein Herz von Seinem Leiden— Liebevoll verwundet sein! 17. Ach, mit Liebe mich entzünde,— Daß ich Freud' im Kreuze finde,— Jesu Schmerz mir teuer sei! 18. Daß ich im Gericht bestehe,— Ewig nicht verloren gehe,— Steh', o Jungfrau, gnädig bei! 19. Christe, wenn von hier ich scheide,— Gieb des ew'gen Sieges Freude— Durch Maria liebend mir! 20. Ja, wenn in des Grabes Höhle— Sinkt mein Leib, so nimm die Seele,— Herr, ins Paradies zu Dir! Amen. Fünfzehnter Abschnitt. Osterlied. Der Sieg des Glaubens. 1. Das Grab ist leer, der Held erwacht,— Der Heiland ist erstanden;— Da sieht man seiner Gottheit Macht;— Er macht den Tod zu Schanden.— Ihm kann kein Siegel, Grab noch Stein,— Kein Felsen widersteh'n;— Schließt Ihn der Unglaub' selber ein,— Er wird Ihn siegreich seh'n.— Alleluja, alleluja, alleluja. 2. Seht, Christen, wie der Gottessohn,— Der Hölle Ueberwinder,— Sich schwingt vom Kreuz zum höchsten Thron,— Als Mittler für uns Sünder.— Es drückt den teuren Lösungs⸗ kauf— Der Herr von Wort und That— Das Siegel seiner Gottheit auf,— Wie Er ver⸗ sprochen hat. 3. Nun ist der Christen Glaub' gestützt— Durch seiner Allmacht Werke;— Er, der zur Rechten Gottes sitzt,— Giebt seinen Jüngern Stärke.— Der Jünger sieht die Göttlichkeit— Der Macht und Lehre ein— Und geht mit Un⸗ erschrockenheit— In Kerker, Tod und Pein. 4. Du auferstand'ner Menschenfreund,— Stärk' uns im Tugendüben,— Daß Christen⸗ herzen stets vereint— Dich und den Nächsten lieben.— Laß Frieden, Lieb' und Einigkeit— In deiner Kirche seh'n;— Laß uns durch Dich zur Himmelsfreud'— Einst glorreich aufersteh'n. Jesus lebt! der Gottmensch sieget,— Der am Kreuz die Welt versöhnt;— Jesus lebt! der Tod erlieget,— Und die Tugend wird ge⸗ krönt.— Jesus lebt! aus Grab und Banden— Geistliche Lieder. 365 Ist der Held in Siegespracht— Hochverherrlicht auferstanden— Durch ein Wunder seiner Macht. Pfüngstlieder. Anrufung des heiligen Geistes. 1. Komm, Schöpfer Geist, kehr' bei uns ein — Und such' der Deinen Seelen heim,— Er⸗ füll' das Herz mit Himmelsgnad'— Das deine Hand erschaffen hat. 2. Der Du der Tröster wirst genannt,— Vom höchsten Gott ein Gnadenpfand,— Ein Lebensbrunnen, Lieb' und Glut,— Der Seele Salbung voll und gut. 3. Du strömst in sieben Gaben zu,— Der Rechten Gottes Finger Du,— Geschenk vom Vater zugesagt— Du, der die Zungen reden macht. 4. Den Sinn erleucht' mit Gnadenschein, — Und gieße Lieb' den Herzen ein,— Stärk' unsers Leibs Gebrechlichkeit— Mit deiner Gnad' zu jeder Zeit. 5. Den Widersacher treibe fern,— Ver⸗ leihe Frieden uns im Herrn,— Geh' du als Führer uns voran,— Und laß das Böse uns nicht nah'n. 6. Erkennen mögen wir durch Dich— Den Sohn und Vater gnädiglich;— An Dich, als Beider Liebeshauch,— Laß glauben jederzeit uns auch. 7. Dem Vater dort auf Gottes Thron,— Und seinem eingebornen Sohn,— Dem Tröster auch der Christenheit— Sei Ehre jetzt und allezeit. Amen. 366 Fünfzehnter Abschnitt. Zur österlichen Zeit betet man diese letzte Strophe so: 8. Dem Vater dort auf Gottes Thron,— Und seinem auferstandnen Sohn,— Dem Tröster auch der Christenheit— Sei Lob in alle Ewig⸗ keit. Amen. Sequenz. 1. Komm, o heil'ger Geist, wir flehen,— Send' uns von des Himmels Höhen— Nieder deines Lichtes Strahl. 2. Komm, o Vater aller Armen, Gnaden⸗ spender voll Erbarmen,— Komm, o blinder Herzen Licht. 3. Tröster mild, wenn Trübsal nahet,— Lust der Seel', die dich umfahet,— Süßer Labung ew'ger Quell. 4. In der Arbeit sanfte Ruh',— In der Hitze Kühlung du,— Trocknest bitt'rer Thränen Strom. 5. O du Licht, beglückend immer,— Komm, erfüll' mit hellem Schimmer— Deiner Gläub'gen Herzensgrund. 6. Ohne dein allmächtig Walten— Kann im Menschen nichts sich halten,— Nichts kann frei vom Bösen sein. 7. Wasche rein, wo Makel hängt,— Träufle Tau, wo Dürre sengt,— Heile, wo die Wunde brennt. 8. Beuge, was da spröd' und hart,— Wärme, was in Frost erstarrt,— Führe den, der irre geht. Allen, die da mit Vertrauen— Gläubig auf dich, Tröster, banen,— Gieb der sieben Gaben Pfand. Geistliche Lieder. 367 10. Gieb, daß wir nach Tugend ringen,— Standhaft unser Heil vollbringen,— Gieb der ew'gen Freuden Lohn. Amen. Sronleichnamslieder. Lauda, Sion, Salvatorem. 1. Deinem Heiland, deinem Lehrer,— Deinem Hirten und Ernährer,— Sion, stimm' ein Loblied an!— Preis' nach Kräften seine Würde,— Da kein Lobspruch, keine Zierde— Seiner Größe gleichen kann. 2. Dieses Brot sollst du erheben,— Welches lebt und giebt das Leben,— Das man heut' den Christen zeigt;— Dieses Brot, das einst im Saale— Christus bei dem Abendmahle— Den zwölf Jüngern dargereicht. 3. Unser Lob soll laut erschallen— Und das Herz in Freuden wallen,— Denn der Tag hat sich genaht,— Da der Herr zum Tisch der Gna⸗ den— Uns zum ersten Mal geladen— Und dies Brot geopfert hat. 4. Guter Hirt, Du wahre Speise!— Jesu, stärk' uns auf der Reise— Bis in deines Vaters Reich!— Nähr' uns hier im Jammerthale,— Ruf' uns dort zum Hochzeitsmahle,— Mach' uns deinen Heil'gen gleich! Rommt her, ihr Rreaturen all'. 1. Kommt her, ihr Kreaturen all',— Komm', was Iae ist!— Kommt her, und sehet allzumal,— Was da zugegen ist!— Das 368 Fünfzehnter Abschnitt. ist das heil'ge Sakrament,— Das sollt ihr loben ohne End';— O daß ich's loben könnt'— Allzeit bis an mein End'! 2. Stimmt an, stimmt an, ihr Seraphim,— Die ihr von Liebe brennt;— Ihr Thronen, Fürsten, Cherubim,— Singt, was ihr singen könnt!— Herrschaften, Mächt' und Kräfte all', — Erzengel, Engel ohne Zahl,— Lobsinget ohne End'— Dem höchsten Sakrament! 3. Ihr Patriarchen allgemein— Und ihr Propheten all',— Auch ihr Jungfrauen keusch und rein— Mit der Apostel Zahl,— Ihr Martyrer und Beichtiger,— Und du, gesamtes Himmelsheer,— Lobsinget ohne End'— Dem heil'gen Sakrament! 4. O Sonn' und Mond und all' ihr Stern', — Die ihr am Himmel brennt,— Lobpreiset mein' und eu'ren Herrn— Im höchsten Sakra⸗ ment!— All' Berg' und Thal, all' Bäum' und Frücht',— All' Laub und Gras, vergeßt es nicht:— Lobpreiset ohne End'— Das heil'ge Sakrament! 5. Ihr Fisch' im Meer, ihr Tier' im Feld, — Und was in Lüften schwebt,— Lobsinget Dem in aller Welt,— Durch den ihr alle lebt.— Hier ist Er in Gestalt von Brot— Und bleibt doch der gewalt'ge Gott:— Den lobet ohne End' — In diesem Sakrament! 6. Ihr all', dic hier zugegen sind,— Lob⸗ fingt mit Herzensmacht,— Sing' Jung und Alt, sing' Greis und Kind,— Sing', wer zum Him⸗ mel tracht't;— Dies ist das wahre Himmelsbrot, — Das rettet von dem ew'gen Tod,— D'rum preiset ohne End'— Das höchste Sakrament! Geistliche Lieder. Berz⸗Jesu⸗Lied. Dem Zerzen Jesu singe. 1. Dem Herzen Jesu singe— Mein Herz in Liebeswonn',— Durch alle Wolken dringe— Der laute Jubelton. Chor: Gelobt gebenedeit— Soll sein zu jeder Zeit— Das heiligste Herz Jesu— In alle Ewigkeit. 2. O Herz, für mich gebrochen— Aus über— großer Huld,— Von einer Lanz' durchstochen — Ob meiner Sündenschuld!— Gelobt ꝛc. 3. O Herz, so mild geflossen— Von Was⸗ ser und von Blut!— Wie strömet ausgegossen — Vom Kreuz die Gnadenflut!— Gelobt ꝛc. 4. O Herz, in lauter Flammen— Von Liebe ganz verzehrt,— In dieses Herzens Namen — Wird alles mir gewährt.— Gelobt ꝛc. 5. Herr Jesu, Eine Bitte— Nur Eins verlang' ich hier;— In deines Herzens Mitte — Gieb auch ein Plätzchen mir.— Gelobt ꝛe. 6. Zwar bin ich voller Sünden— Ein Lamm, das sich verirrt,— Doch sieh, ich laß mich finden— Von Dir, o guter Hirt.— Ge⸗ lobt ꝛc. 7. O wasche meine Seele— Mit deines Herzens Blut;— Zur Braut sie dann erwähle, — O allerhöchstes Gut!— Gelobt ꝛc. 8. Wie Du von Herzen milde— Und de— mutsvoll und rein,— So soll nach deinem Bilde — Mein Herz gestaltet sein.— Gelobt ꝛc. 9. Hinweg mit allen Trieben,— Worin die Welt sich freut,— Nur Jesum will ich lieben, — Ihm sei mein Herz geweiht.— Gelobt ꝛe. Jesus a. d. Jungfrau. 2⁴ 370 Fünfzehnter Abschnitt. 10. Wer giebt mir Taubenflügel— Zu Jesu Herzen hin,— Daß über Berg und Hügel — Zu Ihm ich möge flieh'n!— Gelobt ꝛe. 11. In dieses Herzens Wunde— Ist mei⸗ ner Seele Ruh';— In Glück und Leidensstunde — Ruf' ich der Welt dann zu:— Gelobt ꝛe. 12. Und wenn die Augen brechen,— Ent⸗ flieht der Erde Schein,— Will ich noch sterbend sprechen:— Herz Jesu, ich bin Dein!— Ge— lobt ꝛc. Marienlieder. Maria unsere Helferin. 1. Maria, wir dich grüßen,— O Maria hilf!— Und fallen dir zu Füßen;— O Maria hilf!— O Maria, hilf uns all',— Hier in diesem Jammerthal! 2. Voll Zuversicht wir bitten— Durch das, was du gelitten. 3. Durch Jesu Kreuz und Sterben— Wollst Gnade uns erwerben. 4. Daß wir Versöhnung finden— Und Nachlaß unsrer Sünden. 5. In Trübsal, Angst und Leiden— Wollst nimmer von uns scheiden. 6. In Krankheit und Beschwerden— Laß Trost und Hilf' uns werden. 7. Daß auch die Frucht der Erde— Von Gott gesegnet werde. 8. In unserm letzten Streite— Steh' schir⸗ mend uns zur Seite. 9. Daß wir im Herrn verscheiden,— Ein⸗ geh'n in Himmelsfreuden. ——— Geistliche Lieder. 37¹ O sanctissima.— O du heilige. 1. O sanctissima,— O piissima,— Dulcis Virgo Maria.— Mater amata,— Intemerata,— Ora, ora pro nobis! 2. Tu solatium— Et refugium,— Virgo Mater Maria!— Quidquid optamus,— Per te speramus,— Ora, ora pro nobis! 3. Ecce debiles,— Perquam flebiles,— Salve nos, o Maria!— Tolle languores,— Sana dolores,— Ora, ora pro nobis! 4. Virgo, respice,— Mater, adspice,— Audi nos, o Maria!— Tu medicinam— Portas di- vinam,— Ora, ora pro nobis! 1. O du heilige,— Du jungfräuliche,— Süße Mutter Maria!— O unversehrte,— All zeit geehrte,— Hilf uns, hilf uns, Maria! 2. O du Trösterin,— Schutz und Helferin, — Bitt für uns, o Maria!— Du kannst em⸗ pfangen,— Was wir verlangen,— Hilf uns, hilf uns, Maria! 3. Sieh' uns Zagende,— Angst Ertragende, — Hilf uns, Mutter Maria!— Tröste die Herzen, — Lind're die Schmerzen,— Hilf uns, hilf uns, Maria! 4. Jungfrau, neige dich,— Mutter, zeige dich,— Bitt für uns, o Maria!— Gottes Er⸗ barmen— Trägst du in Armen,— Hilf uns, hilf uns, Maria! Salve Regina. 1. Gegrüßet seist du, Königin!— O Maria! — Der Menschen Schirm und Helferin!— O 372 Fünfzehnter Abschnitt. Maria!— Freut euch, ihr Cherubim!— Lob⸗ singt, ihr Seraphim!— Preiset eure Königin! — Salve, Salve, Salve Regina! 2. O Mutter der Barmherzigkeit! ꝛc.— Des Lebens Freud' und Süßigkeit! ꝛc. 3. Wir Kinder Eva's seufzen hier, ꝛc.— Und blicken trauernd auf zu dir! ꝛc. 4. Im leidenvollen Jammerthal ꝛc.— Die Thränen fließen sonder Zahl! ꝛc. 5. O mildeste Fürsprecherin, ꝛc.— Nimm gnädig unser Flehen hin! ꝛc. Die liebenswürdige Mutter. 1. Maria zu lieben, ist allzeit mein Sinn; — In Freuden und Leiden ihr Diener ich bin. — Mein Herz, o Maria, brennt ewig zu dir— Vor Liebe und Freude, o himmlische Zier. 2. Dir bin ich ergeben, o milde Jungfrau; — Du wollst mich aufnehmen, auf dich ich ver⸗ trau'.— Du bist meine Mutter, du einzig allein. — Im Leben und Sterben dein Kind will ich sein. 3. Ach, hätt' ich der Herzen noch tansend in mir,— Sie alle, Maria, wollt' geben ich dir.— O hätt' ich der Seelen noch tausendmal mehr,— Sie dir zu befehlen, das ist mein Begehr. 4. So oft mein Herz klopfet, so oft sei ge⸗ grüßt,— O liebliche Mutter, die's Leben ver⸗ süßt;— Viel tausendmal seufz' ich, Maria, zu dir;— Im Leben und Sterben, Maria hilf mir. 5. Im Leben, Maria, befehl' ich mich dir; — Ach, zeige im Sterben dein Jesulein mir; — So will ich, Maria, dir dienen allzeit,— Und bin auch mit Freuden zu sterben bereit. Neen Geistliche Lieder. 373 6. Und wenn einst im Tode das Auge mir bricht,— Das Herz nicht mehr klopfet, der Mund nicht mehr spricht,— O liebliche Mutter, dann reich' mir die Hand,— Und führ' meine Seele in's himmlische Land. HBZingabe an Maria. 1. Wunderschön' prächtige,— Hohe und mächtige,— Liebreich holdselige, himmlische Frau;— Welcher ich ewiglich— Kindlich ver— binde mich— Ja, mich mit Leib und mit Seele vertrau'!— Gut, Blut und Leben— Will ich dir geben;— Alles, ja alles, was immer ich bin,— Geb' ich mit Freuden, Maria, dir hin. 2. Sonnenumglänzete,— Sternenbekrän⸗ zete,— Leuchte und Trost auf der nächtlichen Fahrt;— Vor der verderblichen— Makel der Sterblichen— Hat dich die Allmacht des Vaters bewahrt.— Selige Pforte— Warst du dem Worte,— Als Es vom Throne der ewigen Macht — Gnade und Rettung den Menschen gebracht. 3. Gottesgebärerin,— Christi Ernährerin, — Wundersam Mutter und Jungfrau zugleich! — Herzenserquickende,— Seelenbeglückende— Quelle, an himmlischen Tröstungen reich!— O du Getreue,— Zu dir voll Reue— Schauen wir hoffend und flehend hinan,— Mutter, ach führ' uns auf sicherer Bahn! Die Mutter der Barmherzignkeit. 1. Sei gegrüßt viel tausendmale,— O Ma⸗ ria, Jungfrau rein,— Hilf in diesem Jammer⸗ thale,— Du erhörest Groß und Klein.— Darum rufe ich zu dir:— Mutter Gottes, ach, hilf mir. 37⁴ Fünfzehnter Abschnitt. 2. Durch das Kind auf deinen Armen— Wirkst du Wunder ohne Zahl,— Fleh' für mich um sein Erbarmen,— Es erhört dich jedesmal. — Darum rufe ꝛc. 3. Hier lieg' ich zu deinen Füßen;— Mutter Gottes, hör' mich an!— Ich will meine Sün⸗ den büßen,— Die ich jemals hab' gethan.— Darum rufe ꝛc. 4. Helfe mir in meinem Leide,— Ach, ver— wandle meinen Schmerz— Bald in lauter Dank und Freude,— O du mildes Mutterherz.— Darum rufe ꝛc. 5. Wenn sich naht mein Lebeusende— Und mein sterbend Auge bricht,— Dann, o Mutter, zu mir wende— Dein liebreiches Angesicht.— Darum rufe ꝛe. 6. Dich im Tode zu mir neige,— Rette mich aus allem Leid;— Jesum, deinen Sohn, mir zeige— In der ew'gen Himmelsfreud'.— Da⸗ rum rufe ꝛc. Zur Erneuerung des Taufbundes. 1. Fest soll mein Taufbund immer steh'n;— Ich will die Kirche hören;— Sie soll mich all— zeit gläubig seh'n— Und folgsam ihren Lehren! — Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad'— In seine Kirch' berufen hat!— Nie will ich von ihr weichen! 2. Du, Gottmensch, bist mit Fleisch und Blut — Wahrhaftig hier zugegen,— Und dein Genuß, o höchstes Gut,— Bringt meiner Seele Segen; — Dir, ew'ge Wahrheit, glaube ich,— In diesem Glauben stärke mich,— Bis ich Dich ewig sehe! 3. Dein Fleisch und Blut wird meinem Geist— Im Guten Stärke geben— Und führt Geistliche Lieder. 375⁵ mich, wie's dein Mund verheißt,— Gewiß zum ew'gen Leben.— Dir, güt'ge Allmacht, traue ich; — In dieser Hoffnung stärke mich,— Bis ich Dich einst besitze! 4. Du littest, starbst und setztest ein— Ein Denkmal dieser Liebe.— Daß Du ganz mein und ich ganz Dein— In Ewigkeit verbliebe.— Mein Jesu, liebvoll dank' ich Dir;— Vermehre deine Lieb' in mir!— Laß mich Dich ewig lieben! Inhalts-Berzeichnis. —— Seite. Vorwort 383 Erster Teil. Unterrichtsbuch für katholische Jungfrauen. Erster Abschnitt. Vom jungfräulichen Slande überhaupt. 1. Die kirchliche Lehre vom jungfräuli— chen Stande. 9 2. Die Vorbilder des jungfräul. Standes 13 Sweiter Abschnitt. Von den Vorzügen des sungfräulichen Skandes. J. Er ist der gottgefälligste Stand 33 1. Die innige Freundschaft Gottes mit der jungfräulichen Seele. 2 8 2. Die Auserwählung der jungfräuli— chen Seelen 35 3. Die Vermählung Christi mit der jungfräulichen Seele..—5 II. Er ist der glückseligste Stand. 38 1. Der beste Teil auf Erden. 38 2. Der beste Anteil im Himmel 40 Inhaltsverzeichnis. Dritter Abschnitt. Die Bewahrungsmillel der jungfräulichen Reinigkeeit. Seite. I. Mittel zur Erhaltungu. des guten Geistes. 1. Das Gebet 2. Die Betrachtung. 3. Der öftere Empfang der heiligen Sakramente II. Mittel zur Bewahrung des gottgeweihten 1. Die Einsamkeit. 2. Die Wachsamkeit 3. Die Selbstverleugnung III. Mittelzur Stärkungund Stand⸗ haftigkeit des Willens 1. Feste Entschiedenheit. 2. Stete Furcht vor der Sünde 3. Lebendige Liebe zu Gott Zweiter Teil. Gebetbuch für katholische Jungfrauen. Erster Abschnitt. Morgen-Andacht. Kurze Gebete beim und Ankleiden Morgengebet Morgensegen —⁴ 46 48 6⁵ 66 70 Inhaltsverzeichnis. Sweiter Abschnitt. Gebete während des Tages. Uebung der drei göttlichen Gute Meinung Heiliger Liebesbund Flammengebete zum göttlichen Herzen Jesu Gebet am Donnerstag zur Erinnerung an die Todesangst Jesu. Gebet am Freitag zur Erinnerung an den Tod Jes Der Engel des Herrn und: O Himmels- königin, erfreue dich Tägliches i i zum heiligsten Herzen Mariä Tägliche Empfehlung in den Schut der heiligen Mutter Gottes Tischgebet Schußgebete. Dritter 25 Ghuit Abend-Andacht. Abendgebet. Abendsegen. Kurze Gebete beim Salafengehen und vor dem Einschlafen. Vierter Abschnitt Andachlsübungen bei der heiligen Messe. Meßandacht zu Ehren der Dreifaltigkeit. Seite 4 91¹ Inhaltsverzeichnis. Meßandacht zur Bewahrung der Unschuld und jungfräulichen Reinigkeit Meßandacht für die Verstorbenen Gebete nach der heiligen Messe Fünfter Abschnitt. Beicht-Andacht. Gebete vor der Beicht Gebete nach der Beicht Sechster Abschnitt. Rommunion-Andacht. Gebete vor der heiligen Kommunion Gebete nach der 38 Kommunion Ablaßgebet Siebenter Abschnitt. Desper-Andacht. Eingang Vesperpsalmen Magnifikat. Salve Regina Achter Abschnitt. Seite. 10² 11⁵ 133 13⁵ 143 1⁴⁷ 15³ 158 159 159 16⁵ 167 Andachlen auf die hl. Zeilen und die Fesllage des Herrn. Während der heiligen Adventszeit Litanei für die heilige Adventszeit. Am hochheiligen Weihnachtsfeste. Beim Jahresschlusse 169 170 173 181 380 Inhaltsverzeichnis. Seite Am Neujahrstage 18⁴4 Am Namensfeste Jesu 185 Litanei vom süßen Namen Jesus 185 Am Feste der Erscheinung des Herrn. 189 In der heiligen Fastenzeit 191 Andacht des heiligen Kreuzweges. 191 Die sieben Worte Jesu am Kreuze 215 Andacht zu d. hl. fünf Wunden Christi 224 Sieben Aufopferungen des kost⸗ barsten Blutes Jesu Christi 230 Litanei vom bittern Leiden und Ster⸗ ben Jesu Christi 234 Am heiligen Osterfeste 239 In der Bittwoche 241 Litanei von allen Heiligen 241 Am Feste der Himmelfahrt Christi. 252 Am hohen Pfingstfeste 203 Am Feste der heiligsten Dreifaltigkeit 255 Am hochheiligen Fronleichnamsfeste 257 Litanei vom heiligsten mente 26⁴4 Am Feste des heiligsten derzens Zenn 269 Am Kirchweihfeste 272 Neunter Abschnitt. Andachlen zur allerseliglen Jungfrau Maria. Tägliche Erwählung zur Patronin 273 Weihegebet. 274 Gebet des hl. Bernard zu Maria in allen Nöten und Anliegen(Memorare) 275 Inhaltsverzeichnis. 381 Seite Gebet zu Maria, der„Mutter vom guten Ral: 275⁵ Gebet zu Maria um Bachnhnung ihrer Tugenden. 276 Gebet zu Maria um Bewahrung der Unschuld 278 Gebete zu Maria um die Tugend der Keuschheit. 280 Gebet zur sch ymerzhaften Mutter um die Gnade 90 Geduld 281 Gebet, um durch die Fürbitte Mariens Trost und Hilfe in Kreuz und Lei⸗ den zu erhalten. 282 Drei Gebete zu Maria um einen seligen Tod 284 Der heilge Rosenkranz 285 Lauretanische Litanein. 288 Zehnter Abschnitt. Andachten zu den Heiligen Golles. Gebet zum hl. Schutzengel. 3293 Gebet zur hl. Namenspatronin. 294 Gebet zum hl. Joseph um die Tugend der Reinh eit 29⁵5 Gebet zum bl. Joseph als Patron der katholichen Kirche 296 Gebet zum hl. Aloysius 297 Gebet zu den heiligen Aposteln Penue und Paulus 298 382 Inhaltsverzeichnis. Gebet zum hl. Antonius v. Padua Gebet zur hl. Mutter Anna Gebet zur hl. Theresia Gebete zur hl. Agnes Gebet zur hl. Barbara Gebet zu allen Heiligen des Himmels ö Litanei von allen Heiligen Elfter Abschnitt. Frommie Fürbillen für Lebende. Gebet für die Anliegen der ganzen Chri— stenheit Gebet für den Papst. Gebet für den Bischof Gebet für die Eltern. Gebet für die Geschwister und Verwandten Gebet für eine gute Freundin Gebet für kranke Eltern Gebet für die Feinde. Swölfter Abschnitt. Gebele bei verschiedenen Anlassen. Gebet einer Jungfrau Gebet einer dienenden Jungfrau. Gebet um eine glückliche Standeswahl. Gebet um Gnade zur Erfüllung der Standespflichten. Gebet in Kreuz und Leiden Seite 299 300 302 303 305 307 241 309 311 312 313 31⁴ 31⁵ 317 319 321 32 32⁴ 3²⁵ Inhaltsverzeichnis. Dreizehnter Abschnitt. Gebele für Rranke und Slerbende. Gebet um die Wiedergenesung. Gebet um die Gnade der Geduld Gebet um einen guten Tod Gebet zu Maria, der Mutter der Barm⸗ herzigkeit Stoßgebete zur Erlangung eines guten Todes. Die letzten Seufzer eines Sterbenden Dreifaches Gebet, welches verrichtet wer— werden kann, während der Kranke mit dem Tode ringt Nach dem Verscheiden. Vierzehnter Abschnitt. Gebele zum Crosle der Versflorbenen. Meßandacht zum Troste der Verstorbenen Litanei für die Verstorbenen Das Vater unser für die armen Seelen Gebete zu Ehren der fünf Blutvergieß— ungen Christi für die armen Seelen Gebet für verstorbene Eltern ů Gebet für verstorbene Geschwister, Ver— wandte und Wohlthäter Gebet für alle, welche Rad dem Gottes⸗ acker ruhen 327 329 329 331 331 332 333 335⁵5 11⁵ 337 340 345⁵5 347 348 3⁴48 Inhaltsverzeichnis. Seite Fünfzehnter Abschnitt. Geislliche Lieder. ö Gesänge zur hl. Messe 349 Gesänge zum Segen. 355 Gute Meinung. 356 Adventslieder.. 3 Weihnachtslieder. 358 Fastenlieder 3060 Osterlied 364 Pfingstlieder 365 Fronleichnamslieder. 3067 Herz⸗Jesu⸗Lied. 369 ö Marienlieder X370 Zur Erneuerung des Taufbundes 374 ö— V — 20 f N P 4838 IIIII NIS V * . V V