———— 1—45„, l. ädu R. —— 4* 2 Ih c 2 2+2— Z. PL. ütitiüßz 39 32 2. C n.., N. 2 —— 2 N* W Mule ᷣe, ECπ VO. V r. ,, Lu. 2 2 DSEEE . Pch.— + Ar 2* Leeee VX.. N. 7 8 L Siehe, das ist Gottes Lamm. Ev. Foh. 1, 29. ch will der Güte des Herrn gedenken und des Lobes des Herrn in allem, das uns der Herr gethan hat. Jes. 64, 7. hauseltern. Ich und mein Haus, wir wollen dem herrn dienen. Jos. 24, 15. hausvater Mame, Stand, Ort, Seburtstag): — 2 6 H. N. 7+7 + ele H, o ule Win muau. 5„ M I. ε 2. N. ·. . 6. C. /. 24 O ee. Hausmutter(name, Ort, Geburtstag): 27 707 0— 22 CQL.. 22.2. 4... 2 PP. ö„ +7 7. N +4 2 27 Z Crauungstag(Ort, Seit, Cext): ur e G 2 Rel. 2 22 Qume Me. . N.. wuel,. +7 2— , ue ——— Voreltern. Gedenle der vorigen Zeit bis daher, und betrachte, was Er gethan hat an den alten bätern. 5. Mos. 32, 7. Eltern des Hausvaters. +57 vater Stand, Ort, Geburtstag) 2** 4— b) 1 Mutter(vor⸗ und Zuname, heimat, Geburtstag): . VI. WWH+ idl, 2 ee 700. Ja.-Qaie ne 2 Eltern der Hausmutter. a) dere 26 Vater onn. Sstand, Ort, Geburtstag): an A. Gue, lee Le, Qi. .. geig M.. h, b) deren Mutter or⸗ und Zuname, heimat, 0 Geburtstag): 4W——U . 2 n Gl, 2 — J. Eigene Uinder. Ich habe keine größere Freude, denn die, daß ich höre meine Uinder in der Wahrheit wandeln. 3. Joh. v. 4. Name und Geburtstag der Uinder: 2. Patenkinder. — daher auch wir, von dem Tage an, hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken. Vol. 1, 9—10. 1. des Mannes: (Rame und Geburtstag der Kinder): 2. der Frau: Mame und Geburtstag der Äinder): Seid fleißig, zu halten die Einig⸗ leit im Geist durch das Band des Friedens: Ein Leib und Ein Geist, 5% wie ihr auch berufen seid auf einerlei hHoffnung eures Verufs. Laßt uns nicht traurig sein, wie die andern, die leine Hoffnung haben. Chess. 4, 45. 2 ö..*„ // P. . 6.N Buvulle uilfae S. +* 77%⁰%. 1 Dauuenflch Alle eure Sorge werfet auf Ihn, denn Er sorget für euch. 1. Petr. 5, 7. siehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Matth. 28, 20. e, g, e,, N.. .., SI....,. P.V e. ee e. 0 e,, e eee Hurne Ber daee, r GV esae, Rüddddhhklehhhht ezktckkhht die Lehrer werden leuchten wie des himmels Glanz. Dan. 12, 3. ——— CTägliches Hand⸗-Buch in guten und bösen Tagen. Aufmunterung, Gebete und Gesänge für Gesunde, Betrübte, Uranke und Sterbende. Sprüche, Seufzer und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen. nebst Unachten für die Festzeiten und bei besonderen Gelegenheiten. Von Joh. Friedr. Starck. Evangelischem Prediger in Frankfurt a. M. Mit Bildnis und Lebenslauf des verfassers. Neue, durchgesehene Kusgabe. — Neutlingen. Enßlin& Laiblins Verlagsbuchhandlung. O6 Hier mals dar büchern bei seinei erinnert, Augenlid nun sold aus ihre vorzutra Andacht so merkt allein se schickt zy durchs 0 Wind be und sür in die X nötig w es für ei und sich daß sie solchen wohl fte sei, weld ö müte nic Will. Kin Mittelw kommen ihnen v ist ihre besonder Gefahr, Dasu no Unlv. 8˙0l. Slessen Vorreoͤe an den geneigten Leser. Hiermit lege ich dem Leser mein Tägliches Handbuch aber— mals dar. Zwar scheinen die gegenwärtigen Zeiten den Gebet— büchern gar nicht geneigt zu sein, indem sich ein Teil der Leute bei seinem Aufstehen eher an seine Geschäfte, als an das Gebet erinnert, bei dem Schlafengehen aber die schlummernden Augenlider nicht mehr zum Gebetbuch gebrauchen kann. Wenn nun solche Seelen geschickt wären, ohne Hilfe eines Buches aus ihrem Herzen ein Gebet zu tun und ihr Verlangen Gott vorzutragen, so könnten sie dieses Mittel zur Erweckung ihrer Andacht entbehren. Weil sie aber dazu auch nicht tüchtig sind, so merkt man mit Erstaunen, daß solche arme Seelen nicht allein schläfrig im Christentum, irdisch gesinnt und unge— schickt zu allem Guten werden, sondern, weil sie sich nicht durchs Gebet Gott heiligen und übergeben, kann sie ein jeder Wind bewegen, ein jeder Sünder und Sünderin zu Eitelkeiten und sündlichen Gewohnheiten verführen. Wie nun solchen, in die Welt verliebten Leuten eine Aufmunterung zum Gebet nötig wäre, so findet sich eine andere Art Menschen, welche es für eine Schande halten, ein Gebetbuch im Hause zu haben, und sich eines solchen Zuflusses heiliger Gedanken rühmen, daß sie sich völlig damit vergnügen können. Ich gebe dieses solchen Seelen zwar in gewissen Zeiten zu, möchte sie aber wohl fragen, ob ihnen nicht auch ein Seelenzustand bekannt sei, welcher die geistliche Dürre heißt, wo dem betrübten Ge— müte nicht ein guter Gedanke, kein Spruch oder Trost zufließen will. Kinder Gottes gehen hierin, nach meiner Erfahrung, den Mittelweg: sie lesen ein Morgen- oder Abendgebet, dadurch be— kommen sie allerlei schöne Betrachtungen und Gedanken, die ihnen vielleicht sonst nicht beigefallen wären. Hiermit aber ist ihre Andacht nicht beendigt, sondern sie tragen Gott ins⸗ besondere ihr besorgliches Leiden, Bekümmernis, obschwebende Gefahr, betrübte Umstände und die Ihrigen vor; setzen sie dazu noch eine andere Betrachtung, so wird den ganzen Tag, 0 Vorrede. wenn es mit Andacht geschehen, die Seele dadurch erquicket und bei Gelegenheit an das Gelesene erinnert werden. In dieser Absicht habe ich, auf Anraten Gott liebender Freunde, in dem ersten Teile dieses Handbuches eine Aende⸗ rung gemacht. Sie meinen, es wäre besser, auf jeden Tag, als nur immer ein Morgen- und Abendgebet zu haben; ihr Wunsch ist gewesen, daß die besonderen Betrachtungen möch— ten mit jedem Tag verbunden werden, weil sie sonst gar ausgesetzt bleiben. Ich habe demnach dieses alles mir ge— fallen lassen und nicht allein einem jeden Tag eine Morgen⸗ und Abendandacht bestimmt, sondern auch demselben zwei besondere Betrachtungen beigefügt, damit die Seelen mit den— selben abwechseln, oder auch ihre Andacht des Tages dreimal ermuntern und unterhalten können. Diese Auflage ist auch mit Festandachten vermehrt wor— den, damit in solchen Tagen der müde Geist in Gott erfreut, irdisch gesinnte Menschen aber erinnert werden, wie Festtage keine Spazier-, Lauf⸗, Sauf⸗, Spiel- und Tanztage, sondern Bet⸗, Lob- und Danktage sein sollen. Es scheint, die bösen Gewohnheiten bleiben ein sündliches Erbgut, welches eine Zeit der andern überliefert, so daß man mit Nikolaus von Clemanges einerlei Jammerklage führen muß, daß an keinem Tage mehr Sünden getrieben werden, als an Sonn- und Festtagen. Du aber, o dreieiniger Gott, wirke in allen Betenden eine herzliche und inbrünstige Andacht. Laß die Gesunden in den Tagen, da du sie mit Wohlergehen begnadigest, in deiner Erkenntnis und Liebe zunehmen, und sich Schätze sam— meln, damit sie sich in Not und Tod aufrichten können. Er⸗ freue die Betrübten in ihren Jammerstunden; versichere sie deiner Allmacht, Weisheit und Treue. Ueberzeuge die Kranken von deiner ewigen Liebe, und laß die Sterbenden nach dem Vorbilde Jesu sich nach dem Willen des Vaters übergeben. Umfasse, treuer Vater, alle Betenden mit deiner Gnade. Schließe sie, o Jesu, in deine Wunden ein, und laß, o Geist der Gnade und des Gebets, sie deiner Gemeinschaft im Leben, Leiden und Sterben beständig genießen. Amen. ö Starck. schichte, Niedena die neut Lebens- lauf mit dieses Bearbeit Jo lichen H gehörte geboren, an. Er aber sei saßen d Oher furt, sp. Tochter Frankfu H Da 2 Sohnes Verrenki die Bem Knaben Sei aber es zum St Hildeshe n Gieß länglich Lebenslauf des Verfassers. Der verdiente Forscher in der Frankfurter Kirchenge— schichte, Herr Pfarrer Dr. Dechent in Frankfurt a. M., Niedenau, hat uns durch seine Güte in den Stand gesetzt, die neuesten Ergebnisse seiner Untersuchungen über Starcks Lebens- und Charakterbild in dem nun folgenden Lebens— lauf mit zu verwerten. Hiefür werden ihm nicht nur die Leser dieses Buches Dank wissen, sondern es sei ihm auch von dem Bearbeiter an dieser Stelle der geziemende Dank gesagt. Johann Friedrich Starck, der Verfasser des„Täg⸗ lichen Handbuchs“ und vieler andern erbaulichen. Schriften, gehörte nach Herkunft und Lebensgang, obgleich nicht dort geboren, der damaligen freien Reichsstadt Frankfurt am Main an. Er wurde in Hildesheim am 10. Oktober 1680 geboren; aber seine Eltern stammten beide von Frankfurt und be— saßen das dortige Bürgerrecht. Sein Vater war Oger (Oyer) Starck, früher Bürger und Bäckermeister in Frank— furt, später Stadtfähnrich in Hildesheim, seine Mutter die Tochter des Bäckermeisters Johannes Rahnstadt in Frankfurt. Da seine Mutter wenige Tage vor der Geburt dieses Sohnes einen schweren Fall tat, kam das Kind mit einer Verrenkung des rechten Fußes zur Welt; doch segnete Gott die Bemühungen eines geschickten Arztes so, daß man bei dem Knaben im 10. Jahr nichts mehr von diesem Leiden bemerkte.“ Seine Eltern hatten ihn zu einem Handwerk bestimmt; aber es äußerte sich an dem Knaben ein so ungemeiner Trieb zum Studieren, daß sie ihn schließlich das Gymnasium in Hildesheim besuchen ließen, von wo er später die Universität in Gießen bezog. Aus seinem 12. Jahr blieb ihm lebens— länglich in Erinnerung, wie er einst in der Kirche einen 8 Lebenslauf des Verfassers. Pfarrer, der die Predigt seines Amtsgenossen mit angehört hatte, so herzlich und innig beten sah. Damals gereichte es ihm zur Beschämung in seinem Gewissen; aber zugleich regte sich in dem Knaben eine Ahnung dessen, was der Mann werden sollte. Wer denkt hier nicht an den zwölfjährigen Jesus? Allerdings erst auf der Universität kam es mit seinem geist— lichen Leben zum Durchbruch, und zwar durch den Unterricht und die Erbauungsstunden der trefflichen Professoren May und Lange, die entscheidenden Einfluß auf sein inneres Leben übten. Durch sie wurde er insbesondere für die geistige Be— wegung des Pietismus gewonnen, um dann einst im Geiste eines Arndt und Spener zu wirken. Nach Beendigung seiner Studien begab sich Starck nach Frankfurt, um zuerst als Hauslehrer und sodann als Predigt-— amtskandidat Dienste zu tun. Er hatte hauptsächlich im Armen- und Waisenhaus zu predigen, eine gesegnete Vor— schule für sein späteres Wirken im Hospital zum heiligen Geist. Eine andere wertvolle Fügung für ihn war ein Ruf nach Genf, wo er 1709—1711 als Helfer der dortigen evan⸗ gelischen Gemeinde angestellt war; sowohl der Aufenthalt in Genf, als die Rückreise über Paris und Straßburg trug reiche geistige Frucht. Nach Frankfurt zurückgekehrt, konnte Starck seinen Posten am Armenhause wieder aufnehmen und zugleich eine Stelle als Hauslehrer bei einem frommen Patrizier bekleiden. Schon 36jährig wurde er endlich 1715 ins Pfarramt berufen, indem er zum Stadtprediger in Sachsenhausen, dem Vorort Frank— furts, gewählt wurde. Die einstimmig erfolgte Wahl war ihm ein Zeichen göttlicher Berufung und ein Quell innerer Freu— digkeit. Der Text seiner Probepredigt, die Stelle Ezech. 33,11: „Ichl habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen,“ war für Starcks Auffassung von der Aufgabe des geistlichen. Amts bezeichnend; ihm entsprach sein ganzes pfarramtliches Wirken. Die Berührung mit den Sachsenhäusern, die damals noch ganz in ihrer urwüchsigen Derbheit standen, brachte ihm den ungemeinen Gewinn, daß er in jener edlen Volksmäßigkeit F predigen schrifst Seine 2 Cachsen In jähris tochter e fähttin von den andere eignisse men Tos Imt zunächst Hospital Vochenp namentl Missetät berufen Zeuge Stellun Clenden allenth er dem Er körperli er schw Siechtu Frage liche An alleinig gilt das nach.“ sehte, y lauf, d D. Lebenslauf des Verfassers. 2 predigen und schreiben lernte, durch die er als Erbauungs⸗ schriftsteller ein Liebling des Volkes bis heute geblieben ist. Seine Tätigkeit war übrigens schon damals keineswegs auf Sachsenhausen beschränkt. In jene Zeit fällt seine Verehelichung(1717) mit der 20jährigen Katharina Reuß, einer Frankfurter Bürgers— tochter aus geachteter Familie, die ihm eine treue Lebensge— fährtin wurde. Von 7 Kindern überlebten ihn nur 2 Söhne, von denen der eine ebenfalls Prediger in Frankfurt, der andere ein Rechtsgelehrter wurde. Schmerzliche Familiener— eignisse waren insbesondere der Tod einer erwachsenen, from— men Tochter(1744) und der Verlust der Gattin im Jahr 1747. Im Jahr 1723 wurde er in Frankfurt selbst Prediger, zunächst an der Barfüßerkirche, in späteren Jahren an der Hospitalkirche zum heiligen Geist, hielt Sonntags- und Wochenpredigten, erklärte in denselben viele biblische Bücher, namentlich den Propheten Jeremia, bereitete einmal fünf tissetäter zum Tod vor, war 1742 auch ins Konsistorium berufen und hatte so reiche Gelegenheit, als ein wackerer Zeuge des Evangeliums seinen Samen auszustreuen. Seine Stellung gab ihm namentlich auch beständig Anlaß, sich der Elenden anzunehmen, und seine Erbauungsschriften legen allenthalben Zeugnis davon ab, in welch gewissenhafter Weise er dem Berufe des Krankentrösters oblag. Er war bis ins Alter im ungebrochenen Besitze seiner körperlichen und geistigen Kräfte. Endlich 1755 erkrankte er schwer und wurde am 17. Juli 1756 nach einem längeren Siechtum heimgerufen. Auf dem Totenbette gab er auf die Frage des besuchenden Beichtvaters, was er mache, die köst— liche Antwort:„Solus cum solo“ d. h.„Ich bin allein mit dem alleinigen Gott.“ Von der Frucht seines Lebens und Wirkens gilt das Wort in der Offenbarung:„ihre Werke folgen ihnen nach.“ Er selbst hatte, als er 1746 seinen Lebenslauf auf— setzte, mit den Worten begonnen:„Wenn ich meinen Lebens— lauf, da meine Lebenssonne nunmehr den höchsten Gipfel 10 Lebenslauf des Verfassers. überstiegen, beschreiben will, so muß ich mit David sagen: Gott erzeigt mir reichlich seine Güte.“ Ps. 39, El. In seiner kirchlichen Stellung war Starck ein guter Luthe⸗ raner, aber der konfessionellen Streitlust im Grunde ab⸗ geneigt. Jedenfalls erschien ihm die Erfüllung der seelsorger⸗ lichen Pflichten viel wichtiger als die Beteiligung an den kirchlichen Streitigkeiten. Starcks Charakterbild ist das eines Seelsorgers, wie er sein soll. Unendliche Mühe, aber auch unendliche Freude machte es ihm, wenn er einen einzigen Unversöhnlichen zur Versöhnung führen, einen einzigen Un⸗ bußfertigen zur Kirche bringen konnte. Von der Sorge um die Schäden der Kirche durchdrungen, trat er nichtsdestoweniger in Wort und Schrift dem Unverstand und der Lieblosigkeit des Sektenwesens und des Separatismus entgegen. Während er die Schäden des Konventikelwesens mit nüchternem Blick— erkannie, war er dagegen ein Freund der collegia pietatis (Versammlungen der Frommen) im Sinne Speners, so daß er sogar von seinen Amtsgenossen darüber angefochten wurde. Überhaupt hatte er als Freund einer gesunden kirchlichen Mitte das gewöhnliche Schicksal, von den Extremen auf beiden Seiten Anfechtung zu leiden. Das Wort auf dem Sterbebette: „Solus cum solo“ wurde in dieser Hinsicht zum Wahlspruch seines gesamten Lebens. Für die Hauptaufgabe eines Seel⸗ sorgers hielt er es, das wahre Christentum nicht nur zu lehren, sondern vorzuleben. In dieser Hinsicht hatte er für die Ge— meindeglieder nicht nur ein offenes Herz, sondern namentlich auch eine offene Hand, wovon manche bezeichnenden Züge zu erzählen wären. Ganz und gar Seelsorger ist Starck insbesondere in den von ihm veröffentlichten zahlreichen Schriften. Man darf nicht nur sagen, daß jede Zeile, die er in den Druck gab, irgendwie mit der Sorge für die ihm anvertrauten Seelen zusammenhing, sondern seine Schriften sind recht eigentlich aus der Praxis der Seelsorge herausgewachsen, sie sind im besten Sinn des Worts Gelegenheitsschriften. Wenn sie dessenungeachtet die weiteste Verbreitung gefunden haben, so ist d Fnige“ Treue! währt! Di unter se lichen! die alle und W sich ber man ni jener 3 buch ge sagen: buch! ist des Vestän Sprach buch zu Ihr di holung der Ge eindrin Kircher des ev A Christe sache, 00 1 „ Lebenslauf des Verfassers. 11 so ist dies nur eine Bestätigung des alten Satzes, daß der⸗ jenige Geistliche am sichersten auf weite Kreise wirkt, der die Treue im Kleinen auf dem Boden der eigenen Gemeinde be— währt hat. Dies gilt insbesondere von dem weitaus bekanntesten unter seinen Erbauungsbüchern, dem hier vorliegenden„Täg⸗ lichen Handbuch“. Bei der„großen Familienähnlichkeit“, die alle Schriften Starcks tragen, und bei der Eintönigkeit und Weitschweifigkeit einzelner unter denselben könnte man sich versucht fühlen, zu sagen: Weniger wäre mehr! wenn man nicht wüßte, daß wortreiche Breite überhaupt im Zuge jener Zeit lag. Aber wenn Starck auch nur das Tägliche Hand— buch geschrieben hätte, so dürfte man fast mit jenem Lateiner sagen: Unum sed leoneml d. h.: Ein Buch, aber ein Muster⸗ buch! Was dem Buch seine weite Verbreitung sichert, das ist des Verfassers Seelsorgerherz, seine Gebetsgabe, das tiefe Verständnis für die Volksseele und die edle Einfachheit der Sprache. Wie die meisten Schriften Starcks enthält auch das Hand⸗ buch zahlreiche(gegen 150) von ihm selbst verfertigte Lieder. Ihr dichterischer Wert ist gering und sie leiden an Wieder⸗ holungen, aber sie schließen sich durchaus eng an den Inhalt der Gebete an und sind bei aller lehrhaften Nüchternheit„in eindringlichem Volkston gehalten“(Kochs Geschichte des Kirchenliedes), so daß sie gleichwohl den Weg zum Herzen des evangelischen Volkes gefunden haben und noch finden. Alles in allem genommen hat die deutsche evangelische Christenheit auch in bezug auf Johann Friedrich Starck Ur⸗ sache, sich heute noch des Wortes zu erinnern: „Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben.“ Hebr. 13, 7. —— bitt. G Inhalts-Uebersicht. 0 Vorrede 5 dan ö Lebenslauf des Verfassers 7 bitt bitt Erster Ceil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge will ö für Gesunde an den Wochentagen.21 0 Uul Der gläubige Christ Gläub bereitet sich zum Gottesdienst voaor 721 From Morgengebet On onntagg-g 1888238 Der g bringt den Sonntag andächtig hin 3 Dankg erwägt die Ruhe des Volkes Gottes 8833 0 Abendgebet am Sonntag.. 39 Der g dankt Gott nach angehörtem göttlichem Wort... 44 Morgengebet am Montag. Gebet bittet um Segen im Anfang der Woche.—* 2 Der d bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen ind Abendgebet am Montag 104 öweit dankt Gott für seine Gesundheit 67 Morgengebet am Dienstagg 472 freut sich seiner Wiedergeburt.. bittet Gott um Erhaltung und Mehrung des Glaubens 79 Abendgebet am Dienstagͤ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen.86 Morgengebet am Mittwoch 2 bittet, Gott wolle ihn von 5er Welt abziehen bittet, Gott wolle 5n regieren und leiten Abendgebet am Mittwoch.. bittet um die wahre Liebe zu Eott. 104 Morgengebet am Donnerstagg 103 bittet um Liede zu dem Nächsten 11 will Jesu nachfolgen I Abendgebet am Donnerstag 12 erkennt, daß Gott allein das höchste Gut f*2 ö Morgengebet am Freitag 8 x Hatet n Semitt q bärtet um Sanstmuut 180 Abendgebet aut Freitaagg 1142 Inhalts⸗Übersicht. Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. Morgengebet am Sonnabende.— erkennt die immerwährende Güte Gottes erwägt die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes Abendgebet am Sonnabend.. dankt Gott am Ende der Wochen. bittet Gott seine Sünden ab. 8. bittet Gott um Kraft wider die Sünde. will sich Gott zum Opfer geben. betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls' 18³. bittet um Frömmigkeit.. Gläubige Eltern tragen ihre Kinder Gott im Gebet vor Fromme Kinder beten für ihre Eltern.. Der gläubige Christ betet bei entstandenem Ungewitter Dankgebet, nachdem das Gewitter ohne Schaden vor— beigegangen Der gläubige Christ betet, wenn er sich von Haus eine Reise begibt. Gebet eines, der sich in fremden Landen aufhält ö Der gläubige Christ bittet um ein unverletztes Gewissen Zweiter Ceil.(e iine 5 11 Sii⸗ für Betrübte Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. tröstet sich der Liebe Gottes. tröstet sich der Hilfe Gottes. tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes erwägt die göttlichen Verheißungen. erwägt die Absichten Gottes im Kreuz. bittet um Geduld und Stärken. bittet um Abnahme der Trübsal.. erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens klagt über sündliche, garstige und goltelasteriche Ge⸗ danken Klage wegen lästerlicher Gedanken Gebet gegen lästerliche Gedanken.. Trost gegen die lästerlichen Gedanken. 14 Inhalts-Uebersicht. Dritter Ceil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Uranke Morgengebet eines Kranken. Abendgebet eines Kranken Der Kranle bittet Gott um Geduld. bittet um Gottes Beistand.. erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei ergibt sich, dem Willen Gottes zu leben und zu sterben erkennt, daß Kreuz und Trübsal von Gott kommte. erkennt den Nutzen der Krankheit.. setzt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht erinnert sich seines Taufbundes. gründet sich auf die Wohltaten des dreieinigen Gottes 8 will sein Leiden ohne Murren tragen.. bereitet sich zum Genuß des heiligen Abendmahls bittet Gott um Vergebung der Sünden.. betet vor dem Genusse des heiligen Abendmahls betet nach dem Genusse des heiligen betet, wenn er Arznei gebraucht. bittet um olte il der Schmerzen. seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. erinnert sich senes Todes betrachtet sein Grab und seine Auferstehung Der gläubige Christ dankt Gott Ge⸗ sundheit 3— Vierter Ceil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Sterbende 8— 4 Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. verzeiht und bittet um Verzeihung. nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen befiehlt sich Gott. PDDEE stellt eine Himmelsbetrachtung an erwägt die Verheißung Gottes. betrachtet die Himmelsfreuden. tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes 5 will auf Jesum Christum sterben. bittet um ein seliges Ende. Hebet ber Umstehenden für Sterbende. Seite 299 299 304 308 313 317 322 326 330 335 339 344 349 352 356 361 366 371 375⁵ 379 383 389 394 403 403 408 413 417 42 426 43⁰ 435 440 —444 448 Die ———— Inhalts-Uebersicht. Sprüche, Seufzer und Gebete, welche die Umstehenden den Sterbenden vorsprechen könnenn Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu. Segenswunsch über den Sterbendeen Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden — Dd— Festandachten. Der andächtige Christ betrachtet Christi Ankunft im Fleisch.. betrachtet auf Weihnachten die Geburt Jesu Christi betet und dankt Gott am Jahresschlusse betet im Anfang des Jahress betrachtet das Leiden Jesu Christi im Anfang der heiligen Fastenzeit. EIEE betrachtet Jesus in seinem Blute erwägt den Todestag Jesu oder den Karfreitag. freut sich über die Auferstehung Jesu Christi. betrachtet die Himmelfahrt Jesu Christi erwägt die Ausgießung des heiligen Geistes am hei⸗ ligen Pfingstsesttttt. erwägt das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit betrachtet am Michaelisfest den Schutz der heiligen Engel PIII dankt Gott nach eingesammelter Ernte. betet in Kriegszeiten betet, wenn Gott mit Teurung und Hungersnot das Land heimsucht betet in Pestaeen lobet und danket Gott nach erlangtem Frieden. lobt Gott an dem wieder erlebten Geburtstage. 15 Seite 45² —471 487 487 487 urr. 7. rrr. siegister der Gesänge. Register der Gesänge. Ach, daß sich doch Gottes Lieben. Ach, geh nicht ins Gericht.* Ach Herr, stärke meinen Glauben. Ach, komm doch in mein Herzen. Ach, mein Gott, hilf mir doch. Ach, wie lang soll ich noch kämpfen. Ach, wo ist nun mein Gotte. Aufgelöset bald zu werden Das Pfingstfest freuet mich. Demut ist die schönste Tugend. Der Engel goldnes Heer.. Der Fried ist nun geschlossen. Die Ernt ist nun geschehen. Die Nacht ist nun vergangen. Dies ist der liebe Lag Du hast, o großer Gott, die Kinder. Ein Gotteskind zu sein. Es stirbt mein bester Freund. Geht dir's wohl nach deinem Leiden. Gottlob, das neue Jahr tritt ein. Gott, wir hören deine Stimmen. Gottes Liebe, Gnad und Güten. 8 Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden. Hat mich denn Gott gar verlassen. Heut ist des Herren Ruhetag. Hier ist gut sein, also sagen. Hier ist Immanuel. Ich armer Sünder komme wieder. Ich bin getauft, ich steh im Bunde. Ich freue mich auf meinen Tod.. Ich gebe mich in Gottes Willen.. Ich glaub an Gott, von dem wir alle lesen Ich klage dir, o Gotte. 2290 Ich lege mich in Jesu Wunden. Deh liege hier vor dDin. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe. Ich sterbe gern und sollte ich — 0 — S S&— S Register der Gesänge. Ich trage mein Kreuz nicht alleine. Ich will anjetzo mich zum Liebesmahlen. Ich will die neue Woch mit dir, o Gotte. Ich will jedermann verzeihen.. 8 Ich will mich nach der Ruh umsehen Ich will mit frohem Mut. Ich will, o großer Gott, vor deinen Thron Ich will von der Welt ausgehen. Ich will, was Jesus will. Jesus bleibet meine Freuden. Jesus fähret auf gen Himmel. Jesus lebt, des freu ich mich. Ihr Toten, stehet auf Ihr Waisen, weinet nicht. Ihr Witwen, seid getrost, laßt ab In Gott bin ich immer fröhlich... Ist denn die Liebe gar aus dieser Welt. Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich. Ist mein Gewissen frei Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen. Lasset doch den weisen Gott. Liebster Jesu, liebstes Leben Mein allergrößter Fleiß auf Erden. Mein Gott, ich bin in fremden Landen. Mein Gott, ich bin von Haus gegangen. Mein Gott, ich habe noch das Leben. Mein Gott, laß mich den Wunsch Mein Gott, verlaß mich nicht. Mein Gott, verzieh doch nicht. Mein Jesu, sei gepreiseeett Mein Stündlein nahet sich herzun. Mein Vater, denk an mich. Meines Lebens beste Freude ist d der Himmel ů Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben. Mit den scharfen Teurungsruten. Nun die Woche ist verflossen. Nun jaͤuͤchzt dem Herren alle Welt. Nun ist meine Seel gespeisete. O allerliebstes Seelenpfand. O Jesu, meiner Seele Licht O welch ein Freudenfest. Schauet doch das bittre Leiden. Sieh, es ist alles mir zum Eigentum. Sieh, es ist Gottes Segen. Soll ohne Heiligung den Herren. Unter meinem Schmerz und Weinen. Vater, gib mir auch die Gabe. Wann kommt mein Jesus doch. Wann wird Gottes Stunde kommen. Wann wird mich mein Gott erhören. Was für Jammex, was für Schrecken. Was große Angst und Herzeleid. Was soll ich Sünder nun anfangen. Weicht, Weihet nur von mir. Welche süße Himmelsfreude Wer da will als ein frommer Christ. Wer in Kreuz und Trübsal stecket. Wer nicht wieder ist geboren. Wie ist mein Herz erfreut Wie kann ich gnugsam preisen. Wie lieblich ist dein Wort, o Herr. Wie sind wir so gar nichts. Wohl dem, der Gott vertraut. Register der Gesänge. Sieh doch, wie mein Feind mich schmähet II X SSDIS‚‚‚xp‚66es 5558 35 2 Vü W— 900 2 W. W.ö W 4 Vis du gesund vonLeib u. fröhlihvo von Gemüte, So such der Seelen Heil u. preise Gottes o Gue + EIA Fffffffffer 90 — ö ö VNI 15 Erster Ceil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Gesunde an den Wochentagen. Der gläubige Christ bereitet sich zum Goites⸗ dienste vor. Aufmunterung. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn, und seinen Tempel zu besuchen. Psalm 27,4. Es hat der weise Gott sogleich nach dem Sündenfall dem ersten Menschen, dem Adam, die Opfer angewiesen, welche seine Kinder Kain und Abel von ihm wiederum empfangen, indem von dieser beiden Opfer im 1. Buch Mose 4, V. 3. 4. ausdrücklich Meldung geschiehet. Diese Opfer geschahen nun nicht stillschweigend, sondern dabei bekannten die Opfernden ihre Sünden, baten Gott um Vergebung derselben, bezeug— 22 Der gläubige Christ bereitet sich äadlag ten ihren Glauben an den künftigen Messias, Jesum Christum, also; der auch würde sein Blut für die Menschen vergießen, wie bereit das Opfertier; ja sie lobten bei solchen Opfern Gott für die empfangenen Wohltaten und predigten auch von dem Namen des Herrn. Hierzu war im Alten Bunde der siebente Tag als Ruhetag bestimmt, als welchen ihn Gott selbst ge— heiligt hatte, da er in sechs Tagen die Welt erschaffen und am siebenten Tage ruhete. Gleichwie aber durch das all— fom genugsame und ewig vollgültige Opfer Christi die vorbild— lichen Opfer des Alten Testaments abgetan sind, so auch lige alle anderen, an sonderliche Zeit, Ort, Weise und Person ö daß gebundenen Zeremonien und Satzungen desselben, welche ö allein die Juden im Alten Testament angingen, nicht aber ‚ so die Christen im Neuen Testament angehen; als geschrieben nei steht Kol. 2, 16.17: So lasset nun niemand euch Gewissen ů Du machen über bestimmten Feiertagen, oder Neumonden oder— Sabbaten, welches ist der Schatten von dem, das zukünftig hew war; aber der Körper selbst ist in Christo.— Dennoch aber hütt feiern wir Christen im Neuen Bunde auch gewisse Feste und Gu Tage, da wir von unserer Alltagsarbeit ruhen, um gemein— sam des Gottesdienstes zu warten mit Hören, Lesen und ö ich Betrachten des Wortes Gottes, mit Loben, Singen und Beten. Ich Als wöchentlichen Feiertag begehen wir so in christlicher Frei— 4 heit nach opostolischem Vorgang den Sonntag, welchen Gott ‚ Hil selbst ausgezeichnet hat vor anderen durch die Auferweckung de Jesu Christi von den Toten(darum er auch der Tag des und Herrn genannt wird, Offb. 1, 10) und durch die Ausgießung des heiligen Geistes. Wann nun solcher Tag herbeikommt, laß soll ein gläubiger Christ 1) des Sonnabends in Zeiten Feier⸗ dein abend, sein Gemüt von irdischen Sachen frei machen und brit seine Arbeit niederlegen oder wie Luther sagt: Von seinem l Tun lassen ab, daß Gott sein Werk in ihm hab. 2) Er soll sell sich auf den bevorstehenden Sonntag bereiten mit Beten und ö dur Gott loben für die vielen Wohltaten, welche er in der Woche über empfangen. 3) Er soll dasjenige Evangelium oder die Epistel, welche man des Sonntags erklärt, in der Bibel auf⸗ ihn zum Gottesdienst vor. 23 schlagen und darüber eine Betrachtung anstellen, um sich also zu andächtiger Anhörung des göttlichen Wortes vorzu— bereiten. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott, ich komme an diesem Tage vor dein hei— liges Angesicht mit Loben und Danken, daß du mich die vergangenen sechs Tage so gnädiglich erhalten und die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet hast. Du hast meinen Eingang und Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich be— hütet und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen; dafür lobe und preise ich dich von Grund meines Herzens. Ich richte nun meinen Sinn allein zum Himmel, zu Gott, zu meinem Heiland Jesu Christo, um mich in ihm zu erfreuen und in ihm zu ruhen. Ach gnädiger Gott, laß mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und in deiner Gnade hin— bringen. Bewahre mich vor bösen Ge— sellschaften, daß nicht etwa der Satan durch seine Werkzeuge mich möge von dem Gottesdienst abhalten, und hilf, daß ich ihnen nicht folgen möge. Behüte mich, 24 Der gläubige Christ bereitet sich daß ich den Tag nicht möge in Faulheit, Ueppigkeit, sinnlicher Lustbarkeit und an⸗ dern Sünden hinbringen, und dadurch meiner Seele den größten Schaden zu— fügen. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich mit seiner Hilfe den Feiertag recht heilige durch Gebrauch deines lieben Wor— tes, durch welches alle Dinge geheiligt werden. Verleihe, daß ich mit Aufmerk— samkeit und herzlicher Andacht die Predigt desselben anhören, es zu Herzen nehmen und als einen teuern Schatz darin ver— wahren möge. Hilf, daß ich in der Er— kenntnis der Wahrheit zunehme, damit ich durch das gepredigte und gehörte Wort an dem inwendigen Menschen, an Glau— ben und Frömmigkeit wachsen möge. Laß mich mit Andacht den Gottesdienst endi— gen, das Gelernte behutsamlich bewahren und den Tag mit Gebet und Lobgesängen schließen. Ach laß mich allezeit des an⸗ gehörten Worts eingedenk verbleiben, daß ich nach demselben wandeln, reden, leben und tun, und also beweisen möge, ich sei kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter des Wortes. So laß mich einen Feier— tag nach dem andern feiern, bis du mich in mei einf will untrü in m Seger Gnad Ein Es i ist m erqu ige neigt Vor ich! mein Tof Dar raub wohl wähl zum Gottesdienst vor. 25⁵ in die ewige Himmelsfreude, durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. Ich will in Heilsbegier Vor seinem Altar stehen; Da will ich mich erbau'n Am lieben Gotteswort, Das mir untrüglich zeigt Den Weg zur Himmelspfort. Komm heute in mein Herz, Du König aller Frommen, Laß mit dir Segen, Heil Und Seelenfrieden kommen; Die Sonne deiner Gnad Kehr heute bei mir ein, So wird mir dieser Tag Ein rechter Sonntag sein. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wie lieblich ist dein Wort, Es bringet lauter Freude, Es ist mein größter Trost Und meiner Seelen Weide; Es ist mein liebster Schatz, Den ich auf Erden hab, Der mich erquicken soll, Bis man mich legt ins Grab. 2. Es ist dein Wort mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget; Und mich bestraft, wann sich Mein Fuß zum Irrweg neiget; Ich glaub nach diesem Wort, Und leb nach diesem Wort, So bringt mich dieses Licht Auch an den Freudenort. 3. Es ist mein Honigseim, Damit ich mich erlabe, Wenn ich viel Bitterkeit In meinem Herzen habe; Wie süß ist meiner Seel, Wenn sie in Trübsal steckt, Wenn ihr des Trostes Quell Im Wort wird aufgedeckt. 4. Es ist dein Wort mein Schatz, Groß über alle Schätze, Daran ich mich allein In Not und Tod ergötze; Den Schatz raubt mir kein Feind Und keiner Feinde List, Weil er gar wohl verwahrt In meinem Herzen ist. 5. Pflegt Gold und Silber gleich Ein Eitler zu er— wählen, Viel lieber ist dein Wort Der gottgelassnen Seelen; 26 Morgengebet am Sonntag. Wenn man dein Wort und Gold Ihr stellet vors Gesicht, So greift sie nach dem Wort, Und acht't des Goldes nicht. 6. Ratsleute suchen die, So da im Zweifel stehen; Dieselben sind dein Wort, Dahin pfleg ich zu gehen; Frag ich: was tu ich jetzt, Geht's übel oder wohl? So zeiget mir dein Wort, Was ich erwählen soll. 7. Nach diesem Lebenswort Will ich einher nun gehen; Es soll mein Leitstern sein, Sieh, darnach will ich sehen; Wozu es mich anweist, Das tu ich ungescheut, Und meid mit allem Fleiß, Das, was es mir verbeut. 8. Ach nimm doch nicht hinweg Das Wort von meinem Munde, Ach, laß es meinen Trost Sein bis zur Todes⸗-— stunde; Wann sich mein Mund zuschleußt, Nimmt keine Speis mehr ein, So laß dein liebes Wort Der Seelen Speise sein. 9. So hab ich Unterricht, Dieweil ich werde leben, Ich hab auch Trost, wenn ich Soll meinen Geist aufgeben, Und was dein Wort verspricht In dieser Gnadenzeit, Sieh, das erlang ich dort In jener Herrlichkeit. —0D— Aufmunterung zum Morgengebet am Sonntag. Herr, höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Psalm 5, 2. 3. Unser ganzes Leben soll billig nichts anderes sein als Beten und Danken, nämlich daß wir alle Taͤge Gott in unserem Gebet anrufen um seinen Segen, Hilfe, Beistand und Gnade, und wenn wir solches erlangt, daß wir ihm herzlich dafür danken. Darum, gläubiger Christ, wenn du Unv.-Siol. ———.; bes 9 Ding gleich etwa dank nicht Stun auls O ne fachef und in d des 9 Chrif verge Kran aber Y wi Trüb Gott. wolle an d sünd dich rufs den an i belei dein über Leib * Morgengebet am Sonntag. 27 des Morgens erwachest von deinem Schlaf, so hebe vor allen Dingen und zuerst deine Augen auf gen Himmel, denke nicht gleich an deine Geschäfte und Arbeit, laufe nicht gleich hin, etwas zu erjagen, sondern erhebe erst dein Herz zu Gott, danke ihm und empfiehl dich seinem gnädigen Schutz. Denke nicht, du versäumtest zu viel, wenn du solltest eine halbe Stunde des Morgens zum Gebet mit Lesung eines Kapitels aus der Bibel oder anderen gottseligen Schriften anwenden. O nein, die aufs Gebet gewendete Zeit wird dir mit tausend⸗ fachem Segen in deiner Arbeit wieder eingebracht werden und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigseim in deinem Munde sein. Darum, wenn du erwachest, und des Morgens gesund aufstehst, so gedenke 1) wie viele fromme Christen, welche vielleicht frömmer sind als du, haben die vergangene Nacht in Angst und Wehe, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht, du aber hast dergleichen diesesmal nicht empfunden. Gedenke, 2) wie andere in der Nacht in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübsal geraten sind, dir aber fehlet nichts, und dafür danke Gott. Bitte 3) auch Gott mit dem anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag über in seiner Gnade erhalten, daß du an demselben dich gegen ihn oder den Nächsten nicht ver— sündigen mögest. Bitte Gott, 4) er wolle den Tag über dich begleiten, bewahren und in deinen Geschäften und Be— rufswegen segnen. Ja 5) übergib dich Gott also, daß du den ganzen Tag in seiner Liebe stehen, von ihm reden, an ihn gedenken, und ihn mit Wissen und Willen nicht beleidigen mögest, und alsdann zweifle nicht, daß der Herr dein Seufzen und Gebet in Gnaden erhören, und den Tag über dir dasjenige geben und verleihen wird, was dir an Leib und Seele nützlich und selig sein wird. Gebet. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken 28 Morgengebet am Sonntag. und darauf merken. Allmächtiger, gnä— diger Gott, du bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre; wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden, wer sollte dich nicht ehren, o liebreicher Vater! Ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demütigem Dank, daß du diese Nacht eine Wagenburg um mich und die Mei— nigen geschlagen, und deine Güte und Treue wiederum an mir hast neu werden lassen. Begleite und beschütze mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laß diesen Tag sonderlich einen Erbauungs⸗ und Erquickungstag für meine Seele sein. Ich bitte dich, daß du diesen Tag dein Werk in mir haben mögest. O darum er— leuchte, heilige und lehre meine Seele, daß ich aus deinem teuren Wort und der Predigt desselben Schätze möge sammeln, welche mich in Not und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Rost fressen, da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. Ich freue mich des, das mir geredet ist, daß wir werden hinauf in das Haus des Herrn gehen und meine Füße stehen sollen in deinen Toren, Jerusalem. Eins bitte ich ——————...———.—— vom im Lebe diens Meil sei, erbal liede Mein sind Mei Got Hor verd Lyd nit Meil vied lem Chr Ver der daß denk Ben wen schie Morgengebet am Sonntag. 0 vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottes— dienste und seinen Tempel zu besuchen. Mein Gott, das soll heute meine Lust sein, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zu Ehren Lob- und Dank— lieder anzustimmen, eifrig zu beten und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Laß mich aber kein vergeßlicher Hörer sein, sondern ein Täter des Worts werden. Oeffne mir das Herz wie der Lydia, daß ich den Samen des Wortes mit Freuden aufnehme; schließe hernach mein Herz zu, daß mir ihn Satan nicht wiederum raube. Laß mich heute in mei⸗ nem Christentum, in der Erkenntnis Jesu Christi, im Glauben, in der Liebe, in der Verleugnung meiner selbst, im Absterben der Welt einen festen Grund legen, auf daß ich die ganze künftige Woche daran denke, es ausübe und gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, daß wenn der Satan seine Werkzeuge an mich schicket, ich nicht die Stunden der Welt Morgengebet am Sonntag. überlasse, welche dir geheiligt sind, oder ihrer sündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zu Ehren hinbringen soll, aufopfere und eben damit einen schweren Fluch auf mich laͤde, welcher mich die ganze Woche über noch drücken könnte. Ach laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Sei du selber, o Jesu, mein Lehrer, daß ich zunehme an dem inwen— digen Menschen, und wohne durch den Glauben in mir, bis ich droben mit dir unzertrennlich vereinigt werde. Heiliger Geist, du Himmelslehrer, Mächtiger Tröster und Bekehrer! Ach, laß meines Herzens Schrein Ewig deine Wohnung sein. Amen. Gesang. Mel.: Wach auf, mein Herz, und singe ꝛc. 1. Die Nacht ist nun vergangen, Drum will ich gleich anfangen, Mit Singen und mit Beten Vor Gottes Thron zu treten. 2. Gleichwie die Mütter pflegen Die Kinder sanft zu legen, Nach ihnen oft zu sehen Und um ihr Bett zu stehen: 3. So hat auch Gottes Lieben Das Unglück weggetrieben, Ich hab in Schutz und Segen In seinem Schoß gelegen. 4. Mein Herze und Gemüte Erkennt die große Güte, Die es hat alle Stunden In dieser Nacht empfunden. erwei erhalt schaue fehler wiede Morg Plage sonne Sege auszi gesch Ame Dre eRe * Der gläubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. 31 5. Laßt uns den Höchsten preisen, Laßt uns Dem Dank erweisen, Der Junge mit den Alten In seinem Schutz erhalten. 6. Laßt uns ihm kindlich trauen Und gläubig auf ihn schauen. So wird es Leib und Seelen An keinem Gute fehlen. 7. Erheben sich die Glieder, O Gott, so kommt auch wieder Die Unruh, Kreuz und Sorgen Schon an dem frühen Morgen. 8. Ach, hilf mir alles tragen, Wend ab des Kreuzes Plagen, Und laß nach Angst und Weinen Die Freuden— sonne scheinen. 9. Leit mich auf guten Wegen Und gib mir deinen Segen, Auf daß ich, wo ich gehe, Dich stets vor Augen sehe. 10. Du wollst mein Herz regieren, Mit Gottesfurcht auszieren, Daß ich mich dir ergebe Und dir zu Ehren lebe. 11. Ach Gott, erhör mein Flehen, Und laß die Bitt geschehen, So will ich deinen Namen Von Herzen preisen. Amen. Der gläubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. Aufmunterung. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Psalm 84, 2. 3. Eine unvergleichlich herrliche Wohltat, welche Gott der Herr den Menschenkindern erwiesen, ist es, daß er ihnen sein Wort der Wahrheit zur Seligkeit geoffenbart hat, und dieses Wort durch das von Gott dem Herrn selbst zur öffent— 32 Der gläubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. lichen Verwaltung der Gnadenmittel eingesetzte Predigtamt verkündigen lässet. In Anbetracht dieser Wohltat soll ein Christ sich hüten, daß er solche Wohltat nicht verachte, und darum den Tag, welchen die christliche Kirche zur öffentlichen Verkündigung und Betrachtung des göttlichen Wortes in christ— licher Freiheit abgesondert 1) nicht in fleischlicher Faulheit und Müßiggang mit Verachtung der Predigt und des gött— lichen Wortes hinbringe und 2) ihn nicht anwende zu Fressen, Saufen, Üppigkeit und allerlei anderer Fleischeslust, Sünde und Schande. Ein wahrer Christ soll 1) Gottes Wort und die Predigt desselben für den höchsten Schatz des Lebens achten, dadurch wir geheiligt werden, 2) die Predigt des öffent— lichen Gottesdienst mit Herzenslust und Andacht anhören und zu Herzen fassen, 3) die Predigt des göttlichen Wortes zur Erbauung, zum Trost und zur Besserung und zur Ehre Gottes anwenden. Gebet. Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat, lasset uns freuen und fröhlich darin— nen sein! Heute gedenke ich an die großen Taten des Herrn, meines Gottes. Ich danke dir darum, o Gott, für deine viel— fältigen Gaben, die du an diesem Tag mir erteilet: auf einen Sonntag ist Jesus, mein Heiland, aus dem Grabe auferstan⸗ den und der heilige Geist über die Apostel ausgegossen worden; darum erinnere ich mich an diesem Tage billig meiner Er— lösung, die durch Jesum Christum ge— schehen ist, und der Mitteilung des heiligen Der gläubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. 33 Geistes, welcher in der heiligen Taufe reichlich über mich ist ausgegossen worden. Ich danke dir für dein heiliges, reines Wort, so du an diesem Tage lässest pre⸗ digen zum Unterricht und zur Erbauung meiner Seele. Ich danke dir für alle leib⸗ lichen und geistlichen Wohltaten, die ich zeit meines Lebens von deiner Vaterhand empfangen habe, daß du mich von Jugend auf geleitet, geführt, erhalten und mir sehr viel Gutes an Leib und Seele getan hast. O wer kann doch deine Wohltaten alle nennen, die da unzählig sind! Nicht allein aber soll dieser Tag mein Danktag, sondern auch mein Bettag sein. Ich bitte dich, mein Gott und Vater, laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen, behüte mich vor Verführungen, eiteln Gedanken und bösen Gesellschaften. Ach, daß keine Stunde verginge, in welcher ich nicht dein Lob ausbreite! Versiegele in meinem Herzen das gehörte Wort, daß ich daran fleißig gedenke und darnach mein Leben und meinen Wandel einrichte. Und da ich nun eine Woche älter geworden bin, so gib, daß ich in deiner Erkenntnis, in Liebe und Frömmigkeit zunehmen nd an Starck, Gebetbuch. 34 D Der gläubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. dem inwendigen Menschen wachsen möge. Ich bitte dich, gib mir deinen heiligen Geist, der mich diese Woche und die ganze Zeit meines Lebens daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gib deinen Segen zu meinen Arbeiten und Verrich— tungen und laß mich in deiner Gnade meine übrigen Tage und Jahre ferner verleben, bis ich endlich werde dahin ge— langen, da ich mit Danken und Beten dir einen ewigen Sabbat im Himmel feiern kann. Heut ist des Herren Ruhetag, Vergesset aller Sorg und Plag, Verhindert euch mit Arbeit nicht, Kommt vor des Höchsten Angesicht. Halleluja! Sonntags⸗Gesang. Mel.: Herr Gott, dich loben alle wir. J. Nun jauchzt dem Herren alle Welt! Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt, Kommt mit Frohlocken, säumete nicht, Kommt vor sein heilig Angesicht. 2. Erkennt, daß Gott ist unser Herr, Der uns erschaffen ihm zur Ehr, Und nicht wir selbst; durch Gottes Gnad Ein jeder Mensch sein Leben hat. 3. Er hat uns ferner wohlbedacht, Und uns zu seinem Holk gemacht, Zu Schafen, die er ist bereit Zu führen stets auf grüner Weid. Der gläubige Christ erwägt die Ruhe des Volkes Gottes. 35 4. Ihr, die ihr bei ihm wollet sein, Kommt, geht zu seinen Toren ein Mit Loben durch der Psalmen Klang, Zu seinem Vorhof mit Gesang. 5. Dankt unserm Gott, lobsinget ihm, Lobsinget ihm, mit lauter Stimm, Lobsingt und danket allesamt; Gott loben, das ist unser Amt. 6. Er ist voll Güt und Freundlichkeit, Voll Treu und Lieb zu jeder Zeit, Sein Gnade währet dort und hier Und seine Wahrheit für und für. 7. Gott Vater in dem höchsten Thron, Und Jesus Christ, sein eigner Sohn, Samt Gott dem werten heiligen Geist Sei nun und immerdar gepreist. Der gläubige Christ erwägt die Ruhe des volkes Gottes. Aufmunterung. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. So lasset uns nun Fleiß tun, einzukommen zu dieser Ruhe, daß unser keiner dahinten bleibe. Hebr. 4, 9. 11. Zu den Vorbildern und Zeremonien, welche allein die Juden im Alten Testament angingen, gehörte auch der Sabbat am siebenten Tag in der Woche, da sie keinerlei leibliche Arbeit tun durften. 2. Mose 16, 26; 3. Mose 23, 3. Nach⸗ dem uns aber der Mittler des Neuen Bundes, unser Heiland Jesus Christus, wahrer Gott und Mensch, vom Joch des Gesetzes befreiet, gehet derselbe Sabbat am siebenten Tag die Christen nichts mehr an, wie der Apostel schreibet Kol. 2, 16. 17 und Röm. 14, 5. 6. Jener jüdische Sabbat war — 36 Der gläubige Christ erwägt die Ruhe des Volkes Gottes. ein Vorbild auf den täglichen geistlichen Ruhetag der Christen in Gott und auf die ewige Ruhe, die da ist vorhanden dem Volke Gottes. Es bestehet aber 1) der tägliche und geistliche Sabbat nicht darin, daß man gar die Arbeit unterlassen und immerdar müßig gehen solle, sondern unter dem täg— lichen Sabbat wird verstanden, wenn der Mensch feiert von Sünden. Wie das Bundesvolk der Juden im Alten Bunde nach Gottes Anordnung feierte von leiblicher Arbeit, so feiert nach Gottes Befehl das Volk Gottes im Neuen Bunde der Gnade, d. i. ein jeder wahre Christ alle Tage von Üppig— keit und Bosheit; er hütet sich, daß er nichts Böses rede wider Gott und den Nächsten, daß er nichts Böses tue weder allein noch in Gesellschaft anderer Leute, daß er sich auch durch andere nicht lasse verführen, sondern seine Seele von der Welt unbefleckt erhalte. Wie er nun dieses meidet, so befleißigt er sich, unter seiner Arbeit öfters an Gott zu gedenken, zu Gott zu seufzen, und ihn um seines heiligen Geistes Re— gierung und Beistand anzuflehen, und so seine Arbeit mit einem auf Gott gerichteten Sinn zu tun, auch also während der leiblichen Arbeit mit seinem Geiste in Gott, seinem Hei— land Jesu Christo zu ruhen; und siehe, das ist der geist— liche und tägliche Sabbat, den ein Kind Gottes stets feiern soll. Wer nun diesen täglichen Sabbat eifrig gefeiert, der kann versichert sein, er werde 2) auch den ewigen Sabbat im ewigen Leben feiern, welcher darin besteht, daß die Gläu— bigen und auserwählten Kinder Gottes werden von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und Trübsal, von aller Sünde befreit, Gott schauen von Angesicht zu Angesicht, immer mit ihm umgehen, ihn loben und ihm ohne Auf— hören dienen. O ein heiliger und herrlicher Sabbat, der niemals wird gestört werden! Dahin werden die gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe Jesu werden ver— harren bis in den Tod. H Der gläubige Christ erwägt die Ruhe des Volkes Gottes. 37 Gebet. Heiliger und barmherziger Gott, da ich auch an diesem Tage mich aus deinem Wort erbauen und in dir ruhen und mich in deiner Gnade erfreuen möchte: ach so verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich in wahrer Andacht mit Anhörung, Lesung und Betrachtung deines heiligen, göttlichen Wortes ihn hinbringen, dagegen aber von Sünden ruhen und ablassen und dir meinen Leib und meine Seele, wie auch mein ganzes Leben, heiligen möge. Nun, mein Gott, das soll hinfort durch deine Enide meine tägliche Arbeit sein, daß ich tue deinen, nicht meinen Willen, daß ich die bösen Lüste und Ge— danken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen, mich mehr und mehr erleuchten und heiligen mögest. Ach Gott, gib, daß dieser geistliche und täg— liche Sabbat meines Herzens niemals möge verstört werden. Bete du in mei— nem Herzen, singe in meinem Herzen, lehre in meinem Herzen, so ist mein Herz dein geheiligter Tempel. Wenn ich denn nun nach deinem Rat meines Lebens ————⸗————— ꝝf—:7777 IIiI.....————— 38 Der gläubige Christ erwägt die Ruhe des Volkes Gottes. Tage und zugleich auch diesen geistlichen Sabbat werde geendiget haben, so führe mich, o Gott, ein zu dem himmlischen ewigen Sabbat, da wir werden in ewiger Ruhe und in der seligen, himmlischen Freude dich preisen in dem Tempel der Herrlichkeit; da werde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln und Cherubinen anstimmen. Ach, mein Gott, laß mich dereinst zu solcher Seligkeit ge— langen! Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron; Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Amen. Gesang. Mel.: Erschienen ist der herrlich ꝛe. 1. Heut ist des Herren Ruhetag, Vergesset aller Sorg und Plag, Verhindert euch mit Arbeit nicht, Kommt vor des Höchsten Angesicht. Halleluja! 2. Kommt her und fallt auf eure Knie Vor Gottes Majestät allhie. Es ist sein Heiligtum und Haus, Wer Sünde liebt, gehört hinaus. Halleluja! 3. Ganz unerträglich ist sein Grimm, Doch hört er gern der Armen Stimm; Deswegen lobt ihn allesamt, Das ist der Christen rechtes Amt. Halleluja! ersta der i6 uns und Liel Gn pre Abendgebet am Sonntag. 32 4. O liebster Heiland, Jesu Christ, Der du vom Tod erstanden bist, Richt unsre Herzen auf zu dir, Daß sich der Sündenschlaf verlier. Halleluja!— 5. Gib deiner Auferstehung Kraft, Daß dieser Trost ja bei uns haft', Daß wir uns drauf verlassen fest, Wenn uns nun alle Welt verläßt. Halleluja! 6. O heilger Geist, laß uns dein Wort So hören heut und immerfort, Daß sich in uns durch deine Lehr Glaub, Lieb und Hoffnung reichlich mehr. Halleluja! 7. Erleuchte uns, du wahres Licht, Entzeuch uns deine Gnade nicht, All unser Tun auch so regier, Daß wir Gott preisen für und für. Halleluja! 8. Gott Vater, Sohn und Geist, verleih, Daß dieser Tag dir heilig sei, Wir auch die Sabbatsruh und Freud Erlangen drauf in Ewigkeit. Halleluja! Abendgebet am Sonntag. Herr, bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich ge— neiget. O du lebendiger, allmächtiger Gott, wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich ist deine Güte, welche du den Menschenkindern erzeigest! Ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, indem du den vergangenen Tag mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hast; du hast meine Seele gespeiset mit dem Brot des Lebens und mir aus der lebendigen Quelle 40 Abendgebet am Sonntag. zu trinken gegeben; dein Wort ist meinem Munde süßer gewesen, denn Honig und Honigseim. Ach laß dein Wort zeit meines Lebens ein Licht auf meinem Wege bleiben, daß ich darnach meinen Gang richte, so werde ich nicht straucheln oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Erretter, mein Beistand im Leib⸗ lichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreicht habe. Ich bin nicht wert aller Barmherzigkeit, die du an mir getan hast. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt, o mein Schutz, mir zur Seite, habe acht auf mich und schließe mich in deinen Schutz ein, laß mich beständig ein Licht in dem Herrn sein und keine Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis. Laß dein Wort, das ich gehört und ge— lernt, künftig in mir als einen heiligen Samen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmigkeit, Gottesfurcht, Absterben der Welt und einer heiligen Uebergabe an dich wahr— uehmen möge. Sei mein Schirm und Schatten wider die Hitze der Anfechtung und wider die feurigen Pfeile des Satans. ———— Ve *N—..— ——2—2 ⏑—— —— ⁊⁊ Abendgebet am Sonntag. 41 Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende Feuer und Wassersnot und alles Unglück von mir und den Meinigen ab, und laß alle Be— trübten, Kranken und Sterbenden deine reiche Gnade genießen; so soll morgen früh unser aller Mund deines Ruhmes voll sein, und wir wollen erzählen, was du Gutes uns an Leib und Seele getan hast. Verzeihe mir, wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute gedienet, wie ich billig gesollt, und nimm deswegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche alles neu an mir sein, schenke mir eine neue Liebe und Verlangen nach dir, einen neuen Trieb, dir zu dienen und zu gehorchen. Laß mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden mei— den und fliehen, damit jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht vergebens hin— gebracht habe. Hilf, daß ich fleißig er— wäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um meine Seele, als um den Leib bekümmert sei. Ich sehe mich, mein Gott, nach meiner Ruhe— Abendgebet stätte um, ich erinnere mich dabei an meine Grabstätte, darin ich ruhen werde, bis du mich an dem frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecken wirst. So gehe denn hin, mein Leib, in deine Kaͤmmer zur Ruhe; du aber, meine Seele, in die Wunden Jesu! Laß mich, Herr, von dir nicht wanken, In dir schlaf ich sanft und wohl, Gib mir heilige Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll, So laß doch den Geist in mir Zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröt angehet, Und man von dem Bett aufstehet. Amen. Abend⸗Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich leg zu meiner Ruh, Ich bleib im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu, Ich fürchte nicht die finstre A Nacht, Da Jesus um mein Bette wacht. 2. Ich will im Schlaf mit Gott umgehen, Der kommt mir nie aus meinem Sinn; Mein Herz soll immer auf ihn sehen, Wenn ich nun eingeschlafen bin; Es soll mein Geist und Seel allein Mit meinem Gott beschäftigt sein. 3. Im Schlafe soll die Seele wachen, Als welche Gottes nicht vergißt; Das kann den Schlaf mir süße machen, Weil sich mit Gott das Auge schließt; Ich bin, mein Gott, weil du bei mir, Wenn ich erwach, auch noch bei dir. J. Ach Gott, wend alle Angst und Schmerzen In Gna— den diese Nacht von mir. Ach, wirke stets in meinem Herzen, Ich such die Hilf allein bei dir, Laß Unglück, Schrecken, Not und Pein, O Gott von mir entfernet sein! mei Auf Got Rott Und Licht Son liede wied am Sonntag. 23 5. Laß also mir und auch den Meinen, Und was mir sonsten zugehöre, Dein Gnadenlicht des Nachts erscheinen, Daß alles bleibe ungestört; Daß, wenn ich wiederum auf— steh, Ich alles unverletzet seh. 6. Laß deinen Engel bei mir bleiben Und immer um mein Bette stehn, Laß ihn das Unglück von mir treiben, Auf mich und alle Frommen sehn, So schlaf ich sanft in Gottes Hut, Der auch im Schlaf mir Gutes tut. 7. Ich fürchte nicht des Satans Schrecken, Noch seiner Rotten Macht und List, Weil Gott mich selber will bedecken, Und weil mein Jesus bei mir ist; Darf Satan mir kein Licht austun, So muß er mich auch lassen ruhn. 8. Es gehn zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht. Mein Mund bricht aus in Freuden— lieder Bei eingebrochner finstrer Nacht, Ich steh mit Jesu wieder auf Und führe fröhlich meinen Lauf. 9. Ich will dir Seele, Leib und Leben Sowohl des Tags, als auch bei Nacht Hiermit, o treuer Gott, ergeben; Ach, hab du selber auf mich acht. Ach, laß mich dir empfohlen sein, Denn du bist mein und ich bin dein. 10. So bleib ich denn in Jesu Wunden Und schlafe in denselben ein. Auch in den letzten Todesstunden Werd ich da wohl verwahret sein, Darinnen will ich auferstehn Und zu des Lammes Hochzeit gehn. —eder— Der gläubige Christ dankt Gott Der gläubige Christ dankt Gott nach angehörtem göttlichem Wort. Aufmunterung. Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Jak. 1, 22. Wie alle göttlichen Wohltaten von den Kindern dieser Welt mißbraucht werden, also auch die Anhörung des gött— lichen Wortes, und sie sind hierin von den wahren Kindern Gottes weit unterschieden. Weltkinder bilden sich ein, 1) der Sonntag sei zu ihrer Üppigkeit und Lustbarkeit nütze, da sie, von der Arbeit frei, ihrem Fleische sollen Vergnügen machen, welches doch grundfalsch ist. 2) Weltkinder gehen, wenn sie noch viel tun, weil's einmal so herkömmlicher Brauch ist, des Morgens zu dem Gottesdienst, Nachmittags aber zu welt— lichen Lustbarkeiten und sündlichem Vergnügen, und kom— men hernach, wo nicht berauscht, doch mit eiteln Gedanken, sündlichen Zerstreuungen und weltlichen Torheiten nach Hause. 3) Weltkinder achten das gepredigte Wort nicht und wenn man sie Montags fragen sollte, was ihnen ihr Kirchgang genutzt, was sie gehört, was sie gelernt, so wissen sie nichts; der Teufel hat das Wort sogleich wieder von ihren Herzen genommen, daß sie nicht glauben und selig werden,(Luk. 8, 12.) Und wenn sie ja noch etwas wissen, so bringen sie 0⁰ es doch nicht in die Übung. Wahre Kinder Gottes aber, wie sie den Sonntag mit Gott und mit Gebet angefangen haben, so hören sie 1) auch mit Andacht das Wort Gottes an. 2) Das Gehörte wiederholen sie zu Hause, bewegen es im Herzen und freuen sich darüber als über einen großen Schatz. 3) Sie denken die Woche daran und trachten es in Ubung zu bringen, indem sie das gehörte oder gelesene Wort im Herzen be— wegen und erwägen und also aus demselben immer neue Nahrung, Kraft und Saft saugen, und sich damit zum ewigen Leben erbauen. nach angehörtem göttlichem Wort 45 Gebet. O du gnadenreicher Gott, wie kann ich dir genugsam danken, wie kann ich genugsam dich loben und preisen, daß du mich diesen Sonntag hast erleben lassen, an welchem ich dein heiliges Wort angehört und vernommen habe, wie ich soll recht glau— ben, fromm leben, und dereinst selig sterben. Du hast mir lassen kund werden, was dein gnädiger Wille an mir sei, du hast mich lassen lehren, wes ich mich soll trösten, was ich soll meiden, und was ich soll tun. Ach ja, du lässest dich nicht unbezeugt, damit niemand eine Entschul— digung habe. Du gibst uns dein heiliges Wort und die Sakramente, damit wir sie als Gnadenmittel zu unserm Heil ge— brauchen sollen; dein heiliger Geist will uns darin lehren und erleuchten, heiligen, stärken und gründen. Ach, barmherziger Gott, bewahre mich, daß ich kein ver— geßlicher Hörer, sondern ein Täter des Wortes sei. Was hilft mir alles Hören, wenn ich nicht darnach tue? Darum versiegele, o Gott, selbst in mir, was ich gehört und gelesen habe, und mache 46 Der gläubige Christ dankt Gott es auch in mir lebendig, tätig und kräf— tig. Gib, daß ich das Evangelium von der Vergebung meiner Sünden durch Christum ins Herz fasse und mich dessen getröste. Gib, daß ich das gehörte Wort im Herzen bewege, darüber mich erfreue, und allezeit darnach tue. Habe ich aus deinem heiligen Wort des Ge— setzes vernommen, ich soll sanftmütig, demütig und barmherzig sein, ach so verleihe mir Gnade, daß ich allezeit mich daran erinnere und niemals in Zorn, Rachgier, Stolz und Unbarmherzigkeit verfalle, sondern meine Feinde liebe, mich selbst verleunne und den Armen und Elenden Gutes tue. Habe ich ge— hört, ich soll gegen meine bösen Lüste und Gedanken streiten, mich verleugnen, den alten Menschen ablegen, hingegen den neuen anziehen, züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt: so gib mir Kraft und Stärke, daß ich mich darin täglich üben und es vollbringen möge; und ob es zwar gleich im Anfang in großer Schwachheit geschieht, daß ich doch fortfahre in der Heiligung und mich „ se mehr und mehr reinige von aller Be— * ——————8 ——— — nach angehörtem göttlichem Wort—4 7 fleckung des Fleisches und des Geistes. Ach, laß mich mit deinem heiligen Wort umgehen, wie die Weltkinder mit ihren irdischen Schätzen, welche sie einschließen und wohl bewahren; ebenso gib mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten, teuren Glaͤubenslehren von Christo dem Gottes- und Menschensohn, meinem Erlöser und Seligmacher als einen lieben und werten Schatz in meinem Herzen bewahren, und fest darauf bauen möge, damit ich in allen schweren Fällen, in Kreuz, in Trüb— sal, in Krankheit, ja im Sterben, daraus einen Trostspruch nach dem andern her— vorlangen könne. Ja, mein Gott, laß mich täglich zunehmen wie an Alter, so auch an Weisheit, Glauben an Christum meinen Heiland, Frömmigkeit, Gottes⸗ furcht, Erkenntnis deines Willens und Gnade bei dir und den Menschen. Höchster Gott, wir danken dir, Daß du uns dein Wort gegeben; Gib uns Gnade, daß auch wir Nach demselben heilig leben; Du wollst selbst den Glauben stärken, Daß er tätig sei in Werken. Höchster Gott, ach, sei gepreist, Der du lehrst, was wir tun sollen, Schenk uns deinen guten Geist, Gib uns auch ein eifrig Wollen; Laß es ferner wohl— gelingen, Gib zum Wollen das Vollbringen. Amen. Morgengebet am Montag. Gesang. Mel.: Jesu, deine tiefen Wunden. I. Liebster Jesu, liebstes Leben, Deine Güte sei gepreist, Daß du mir dein Wort gegeben, Das mich herrlich unter— weist, Das zur Seligkeit mich lehrt, Warnet, bessert, straft, bekehrt, Auch wenn Kreuz und Trübsal drücket, Mich mit süßem Trost erquicket. 2. Gib, daß ich dein Wort recht liebe, Ohne Schein und Heuchelei, Daß ich mich darinnen übe, Und kein bloßer Hörer sei. Denn wer deinen Willen weiß, Tut ihn gleich— wohl nicht mit Fleiß, Der ist ärger als die Heiden, Und soll doppelt Streiche leiden. 3. Drum schreib, was ich heut vernommen, Jetzt in meine Seele ein. Laß mich zur Erkenntnis kommen, Und des Wortes Täter sein. Dein Geist treibe stets mich an, Daß ich dich, so gut ich kann, Gläubig fasse, fürchte, liebe, Und mit Sünden nicht betrübe. 4. Dein Wort sei auch meinen Füßen Eine Leucht und helles Licht, Daß ich möge Trost genießen, Wenn es mir an Trost gebricht. Es versüße alle Qual In dem finstern Todestal, Führ mich endlich aus dem Leide Zu der süßen Himmelsfreude. Morgengebet am Montag. Laß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich; tue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlanget nach dir. Heiliger, güti⸗ ger und allein weiser Gott, der du den Himmel erschaffen und die Erde ge⸗ ——...— Morgengebet am Montag. 49 gründet und verordnet hast, daß Tag und Nacht abwechseln, und auf das Licht die Finsternis und auf die Arbeit die Ruhe folgen soll, damit sich Menschen und Vieh erquicken mögen: ich lobe und preise dich für deine Weisheit und Vatertreue in dieser Morgenstunde, daß du mein Gebet so gnädiglich erhöret und mich die vergangene Nacht vor Krank— heit und anderem Uebel behütet und das Meinige mit deinem Schutz umgeben hast. Herr, groß sind deine Werke, die du an den Menschen tust, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit so weit die Wolken gehen. Ich schlief, und du wachtest, ich war im Schlaf den Toten gleich, aber du hast mich der Sonne Licht wieder sehen lassen. Ach, mein Gott, sei auch heute mein Helfer und Erretter, mein Bei— stand und Tröster, meine Zuflucht und Erbarmer, laß deine Augen über mich offen sein, daß ich unter deinem Ge⸗ leit unverletzt in meinem Beruf ein und aus gehen, und den Abend nach deinem Willen wiederum unbeschädigt erreichen möge. Mein Gott, laß deinen Segen Starck, Gebetbuch. 4 tdLss —777777 50 Morgengebet am Montag. mit und bei mir sein; zu allem, was ich in deinem Namen anfange, gib selber Rat und Tat und laß mich niemals etwas wollen, was du nicht willst. Laß mit dem aufgegangenen Sonnenlichte auch das Licht des heiligen Geistes in mir aufgehen, daß ich den Tag in dei— ner Furcht, in Liebe und Gehorsam hinbringe. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist; verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen hei— ligen Geist nicht von mir; laß ihn mich leiten, lehren, führen, daß ich heute nicht wissentlich wider dich sündige, und wenn man mich zum Sündigen ver— leiten will, so laß ihn mich erinnern und durch seine innerlichen Bestrafungen davon abhalten. Ich lege meine Kleider an; Herr Jesu, kleide mich mit dem Rock deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hände, Herr Jesu, wasche mich mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals wandle im Rate der Gott— losen, noch sitze, da die Spötter sitzen, welcher Freundschaft deine Feindschaft *V—?8N SIIIDUDüRR..5̃dd:: sd +.. Morgengebet am Montag. 5¹1 ist; denn so ich will der Welt Freund sein und mit ihnen ihre sündliche und alte Gewohnheit treiben, so wirst du mein Feind werden. Ach, mein Gott, drücke in mein Herz die Worte: Wandle vor mir und sei fromm. O wie viele fangen eine Woche an, aber vollenden sie nicht und sind am Ende derselben krank oder schon begraben. Darum laß mich allezeit auf dein Evangelium trauen, mich im Glauben an die Vergebung meiner Sünden um Christi willen hal— ten, damit ich allezeit im Stande der Gnade und in deinen Wunden, o Jesu, erfunden werde. Die Gnade des Vaters erhalte mich, die Liebe des Sohnes hei⸗ lige mich, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes mache mich fruchtbar zu allen guten Werken. Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. Amen. 4* Der gläubige Christ bittet um Segen Der gläubige Christ biltet um Segen im Anfang der Woche. 1 Aufmunterung. Alles, was ihr tut mit Worten oder Werken, das tut alles ö in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Kol. 3, 17. Hat man Ursache zu beten und zu flehen, wenn ein Tag anbricht, wie viel mehr soll ein gläubiger Christ Herz und Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Woche anfangen will! Wie viele Menschen haben den Sonntag als den ersten Tag in der Woche gesund erlebt, und sind den Sonnabend darauf schon begraben gewesen! Wie viele haben die Woche + fröhlich und im Segen angefangen, aber ehe dieselbe sich geendet, hat sie das Unglück wie ein Sturmwetter überfallen, daß sie die Woche mit Ach und Weh, tausend Tränen und Händeringen geendet haben! Nun, mein lieber Christ, das kann dir und mir auch widerfahren, darum soll man gleich + im Anfang der Woche zu Gott sich wenden. Es soll aber ein gläubiger Christ 1) Gott anrufen um seinen heiligen Geist, daß derselbe sein Herz wolle im Glauben an Christum er⸗ halten und stärken, ihn regieren, damit er nicht in Sünden fallen, Gott beleidigen, sein Gewissen verletzen, den Nächsten betrüben ünd eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. 2) Er soll die Woche über des Gebets und des Gottes-⸗ dienstes nicht vergessen, sondern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sonntags, sondern auch in der Woche, so oft dazu Gelegenheit, die Kirche fleißig besuche und täglich daheim mit den Seinen Gottes Wort lese und bete. 3) Und weil es nicht liegt an unserm Rennen und Laufen zur Arbeit, soll er sonderlich Gott um seinen Segen anrufen, aber auch mitien unter der Arbeit an Gott gedenken, und mit Gebet im Namen Jesu Christi die Arbeit anfangen, fortsetzen und — voll Got der Ster schaf Wod Chri eine löser stand ——9——9———————— Ej*. im Anfang der Woche. 53 vollenden. 4) Er soll behutsam reden, christlich wandeln, Gott vor Augen haben, und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinschleicht, bis endlich die letzte Todes- oder Sterbewoche kommt, da unsere Seele soll von Gott zur Rechen— schaft gestellt werden. Wer das tut, der kann im Segen die Woche anfangen und unter Gottes, seines Heilandes Jesu Christi Schutz sie vollenden; und sollte er es ihm auch eine Kreuzwoche werden lassen, so wird sein Gott und Er— löser Jesus Christus doch darin sein Helfer, Retter und Bei— stand sein und bleiben. Gebet. O du liebreicher und barmherziger Gott, gnädiger, liebreicher Herr Jesu, ich fange unter deinem Beistand eine neue Woche an; ich weiß aber nicht, was mir darin widerfahren wird. Wie viel Uebel und Unglück kann uns in einem Tag begegnen, wie viel mehr in einer ganzen Woche! Darum komme ich gleich im Anfange derselben zu dir und empfehle mich dir ganz und gar. Er— halte mich im Glauben an Christi Ver— dienst und vergib mir um Christi willen alle meine Sünde. Ach, mein Gott, gib mir deinen heiligen Geist, der mich heilige, leite und regiere, und meinem Geist das Zeugnis gebe, daß ich ein begnadigtes Kind Gottes durch Christum sei. Segne mich diese Woche an Seele 54 Der gläubige Christ bittet um Segen und Leib; segne meinen Ausgang und Eingang. Segne meine Berufsarbeit und Geschäfte; segne meine Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen und Hilfe kommt; meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn du mich leitest, so irre ich nicht; wenn du mich hältst, so falle ich nicht: darum laß deine Treue und Güte mich allewege be— hüten. Segne auch alles, was mein ist, und laß es in deinem Segen blühen. Ach, mein Gott und treuer Vater, schütze und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück; laß mich bei Tag und Nacht in deinem Schutz und deiner Gnade stehen. Bewahre mein Haus um und um, wie das Haus Hiobs; laß um mich und um das Meinige deine Engel eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unfall stürzen, so groß er auch ist. Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie und laß mich nicht unerhört von dem Throne deiner Gnade weggehen. Be— wahre mich vor schweren Sünden, weise im Anfang der Woche. 5⁵ mir, Herr, deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nicht aus deiner Gnade falle, sondern darin beständig bleibe bis in den Tod. Gib, daß ich diese Woche möge frömmer und gott⸗ seliger werden, in deiner Erkenntnis, im Glaͤuben an Christum meinen Heiland und in der Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche nach der andern zu— rücklege, ich auch an dem inwendigen Menschen wachsen und in meinem Glau— ben darreichen möge Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, damit, wenn nun die letzte Lebenswoche einbricht, ich deiner Gnade um Christi willen möge versichert sein. Sollte aber nach deinem Willen diese Woche mir eine Kreuzwoche werden, so stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich alles unter deinem mächtigen Bei— stand ausstehen und überwinden könne. Sei du selbst mein Helfer und Erretter 56 Der gläubige Christ bittet um Segen aus aller Not. Nun, ich befehle mich mit Leib und Seele und allem, was ich habe, in deinen gnädigen Vaterschutz, wie auch alle frommen Christen durch Jesum Christum meinen Herrn und Heiland. Darauf so sprech ich Amen Und zweifle nicht daran: Gott wird es all's zusammen Ihm wohlgefallen la'n. Und streck aus meine Hand, Greif an das Werk mit Freuden, Dazu mich Gott bescheiden In mein'm Beruf und Stand. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. J. Ich will die neue Woch Mit dir, o Gott, anheben, Du wollst mir deinen Geist Und deinen Segen geben; Im Anfang steh mir bei Und weiche nicht von mir, Daß ich am Ende noch Vereinigt sei mit dir. 2. Ohn deinen Segen kann, Mein Vater, nichts gedeihen, Drum wir, o Segensgott, Um Segen zu dir schreien; Ach, komme selbst zu uns Und greif das Werk mit an, Weil es durch dich allein Befördert werden kann. 3. Ach ja, es ist umsonst, Am Morgen früh aufstehen Und mit Bekümmernis An seine Arbeit gehen, Wenn du nicht selbst mitgehst, Und stehest mit dabei, Daß Anfang und auch End Von dir gesegnet sei. 4l. Drum komm, o Gott, zu mir Und gib mir deinen Segen; Denselben wollest du In meine Arbeit legen; Ach, segne all mein Tun, Ach, segne meine Tritt Und teile gnädiglich Mir deinen Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit Die ganze Woch hinbringen, Laß meine Arbeit sein, Dich loben, beten, singen; Bewahre ö ö ö X. — der Es seg 9 Ve 0 ein H begehr zu vey Veise wisset nicht, gelege und u zum E I) au Nahru stand Gebet seinen —.—..— Der gläubige Christ bittet um Segen. 37 mich vor Sünd Und jeder Missetat Und wenn ich Buße tu, So schenk mir deine Gnad. 6. Mein Gott, begleite mich Auf allen meinen Wegen, Und willst du diese Woch Ein Kreuz mir auferlegen, So biet mir deine Hand Und steh mir kräftig bei; Ja, trage selbsten mit, Daß mir's erträglich sei. 7. Nun, was du Gutes wirst Mir diese Woch erweisen, Dafür soll dich, o Gott, Mein Mund und Herze preisen; Ach laß mich als dein Kind Dir stets empfohlen sein, Bis ich durch Jesu Blut Geh zu der Freude ein. eoeo— Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Aufmunterung. Es segne uns Gott, unser Gott. Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn. Psalm 67, 7. 8. Ein wahrer Christ ist sich wohl bewußt, wie er auch noch ein Herz hat, das nach seiner natürlichen Beschaffenheit ein begehrliches und unverständiges Ding ist und ihn leicht da— zu verführen kann, etwas zu bitten von Gott oder in der Weise zu beten, daß ihn der Vorwurf treffen müßte: Ihr wisset nicht, was ihr bittet; oder der andere: Ihr krieget nicht, darum, daß ihr übel bittet. Darum lässet er sich an— gelegen sein, mit allem Fleiß zu erwägen, was er bittet und wie er betet, damit er nicht vergeblich oder ihm gar zum Schaden bitte. Solche Erwägung nun hindert ihn nicht 1) auch um leibliche Dinge zu bitten, als Gesundheit, Segen, Nahrung, Abwendung von Gefahren, Hilfe in Not, Bei— stand im Leiden, Errettung aus Unglück; und dergleichen Gebet kann Gott wohl leiden, weil er dieses alles uns in seinem heiligen Wort verheißen hat. Aber der gläubige Christ 58 Der gläubige Christ bittet bleibt nicht dabei stehen; dieses ist das Geringste; und lässet ihm Gott solches auch ohne sein Bitten zuweilen zufallen. Er bittet aber 2) besonders um geistliche Dinge, um den heiligen Geist, um ein bußfertiges und gläubiges Herz, Ver-— gebung der Sünden um Christi willen, um das Reich Gottes, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist. Röm. 14, 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachstum im Guten, Heiligung und die Gaben des heiligen Geistes; dieses ist das Vornehmste, was er von Gott erbitten und verlangen kann, und wenn ihm solches verliehen wird, so hält er es für seinen größten Reichtum. Ein gläubiger Christ bittet 3) auch um ewige Dinge, nämlich um ein seliges Ende, im Glauben an seinen Heiland und geschmückt mit seiner Gerechtigkeit, fröhlichen Abschied aus diesem Leben, um den erwünschten Eintritt in das Freudenleben mit Jesu Christo, damit er Gottes Angesicht schauen, mit weißen Kleidern an— getan, sich nach dem Kampfe ewiglich in Gott erfreuen könne. Also muß ein Gläubiger beten, besonders um geistliche und himmlische Güter, wenn er recht und Gott wohlgefällig beten will, dabei er aber 4) sich muß eines unsträflichen, christ— lichen Wandels befleißigen, damit er auch Gott zu Ehren so lebe, wie es Gott nach den heiligen zehn Geboten wohl— gefällig ist. Gebet. O du reicher und gnädiger Gott, wie groß und herrlich, wie reich und mäch— tig bist du, du hast alles, und kannst auch alles geben. Siehe, ich dein Kind, durch Christum, der mir die Kindschaft durch sein Leben, Leiden, Auferstehen er— worben und in meiner heiligen Taufe mit— geteilt hat, komme zu dir und bitte dich ässet llen. den Ver⸗ ktes, igen tum stes; und „ so hrist nde, einer den risto, an onne. und beten hrist⸗ Lhren wohl⸗ wie ich⸗ inst ind, haft er⸗ nit⸗ dich um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 59 um deine Gaben. Du weißt, daß ich nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch nichts von mir selbst habe, als die Sünde; daher alles, was ich Gutes an mir habe, das kommt von dir durch Christum, meinen Mittler; denn alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab; ja, was hast du, o Mensch, das du nicht empfangen hast? Ach, mein Gott und Vater, mache mich besonders an meiner Seele reich, gib mir deinen heiligen Geist, gib mir ein an Christum gläubiges Herz, erleuchte mich durch dein Wort, erneure mich, damit ich ein neuer Mensch und ein wahrer Christ erfunden werde. Hilf mir kämpfen und arbeiten, daß ich die böse Lust besiege, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere, hin— gegen meinen Leib und meine Seele dir zu einem Opfer ergebe, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei. Siehe, mein Gott, wie ich in der Welt so vielen Gefahren und Verführungen unter— worfen bin, darum leite du mich durch deine Kraft, daß ich nicht verführt werde, noch von dir abweichen möge. Wohne 6⁰ Der gläubige Christ bittet in meiner Seele, beherrsche mein Herz und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu und eine neue Kreatur sei, so bin ich in der Welt reich genug, ge— ehrt genug, glückselig genug. Sorge auch, o gnädiger Gott und Vater, für mich in dem Irdischen; du weißt, was ich bedarf, du siehst, was mir fehlt; aber gib mir nichts nach meinem, son⸗ dern alles nach deinem Willen. Ist mir Gesundheit heilsam, ach, so gib mir einen gesunden Leib zu desto glück— licherer Verrichtung meines Berufes, darein du mich gestellt hast. Gib mir Nahrung und Kleidung, weil du weißt, daß ich ohne dieselbe nicht leben kann. Begleite mich auf meinen Wegen, be— hüte mich vor Unglück. Lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewig⸗ lich. Du hast mich in die Welt er— schaffen, so wirst du mich auch wohl zu ernähren und zu versorgen wissen. Ich werfe all mein Anliegen und Sorgen auf dich. Ach Gott, sorge für dein Kind, erhalte dein Kind' und laß mich heine lichl 0 0½ dieses Hast Denn harte hlbe, Daru ferner Ohrist Ind E an Y Mein: um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 61 deiner Vatertreue und Gnade hinfort reichlich genießen. Weil du mich aber, o großer Gott und Vater, nicht um dieses irdischen Lebens willen erschaffen hast, so hoffe ich noch größere Güter. Denn hätte ich nichts von dir zu er— warten, als was ich hier zu empfangen habe, so wäre ich der elendeste Mensch. Darum, mein Vater, gib mir auch ferner die himmlischen Güter, die mir Christus erworben, Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit; erhalte mich im Glauben an Jesum, meinen Seligmacher, bis an mein letztes und seliges Ende; laß mich an meinem End auf Christi Tod ab— scheiden, die Seele nimm hinauf zu dir und deinen Freuden. Gib mir ein gott⸗ seliges Ende und bringe mich nach dem Abschied aus diesem Leben zu der Schar der Auserwählten in den Himmel, daß ich mit ihnen gekrönt, verklärt, mit weißen Kleidern geziert, dein heiliges Angesicht schauen und mich in dir ewig⸗ lich erfreuen möge. Ach, mein Gott, höre die Stimme meines Flehens und weigere nicht, was mein Mund bittet. Gib mir von den irdischen Dingen so —tx ———2—2———————————————————— —.—.—..::— —— 62 Der gläubige Christ bittet viel, als dir gefällig und mir heilsam und selig ist; aber in geistlichen und himmlischen Dingen gib mir ein reiches Maß deiner Gnade, und bringe mich als dein Kind dermaleinst zu der Ver— sammlung der Heiligen im Licht, daß ich hier im Glauben und Liebe, und dort in der Ewigkeit mit dir vereinigt bleibe durch Jesum Christum, meinen Herrn und Heiland. Amen. Meinen Ausgang segne, Gott, Meinen Eingang gleicher— maßen, Segne auch mein täglich Brot, Segne all mein Tun und Lassen, Segne mich mit sel'gem Sterben Und mach mich zum Himmelserben! Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. I. Mein Vater, denk an mich! Ach, gib mir deinen Segen. Und tu jetzt auch an mir, Wie treue Väter pflegen; Gib, was ich nötig hab Und was mir nützlich ist; Ich schau allein auf dich, Weil du mein Vater bist. 2. Ach, gib mir deinen Geist, Das wahre Seelenleben; Und wirst du mir dabei Ein frommes Herz auch geben, So bin ich reich genug, So bin ich recht beglückt, Weil mich dein guter Geist Mit seinen Gaben schmückt. 3. Gib mir mein täglich Brot, Gesundheit auch des— gleichen, Laß deinen Segen nicht Von meiner Arbeit wei— chen, Wend alles Unglück ab, Begleit mich aus und ein, Und laß bei Tag und Nacht Mich dir befohlen sein. 4. Laß mich in Jesu Christ Hier leben und auch sterben, Und laß mich durch sein Blut Die Seligkeit ererben; Laß mich vor dei dein Ar 5. trauen, Mein§ Segen, 6. geben, erheben. Was du Auf Ich liegt hilfst Ist und Mer derselben erleben daß viel hinbring sie genij danken i sie müßt bringen; wohlerge solchen 1 Schutz u Sonne ⁰0 hebe ) Dank wahret, an dem gekomme in großt um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. vor deinem Thron In weißen Kleidern stehn Und, Herr, dein Angesicht Mit allen Frommen sehn. 5. Mein Gott, erhöre mich, Auf dich steht mein Ver— trauen, Ich werd noch meine Lust An deiner Gnade schauen; Mein Herze, Geist und Sinn Sei dir allein geweiht; Mein Segen, Freud und Schatz Bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan, ich bin erhört, Gott wird's aus Gnaden geben, Drum will ich Mund und Herz Mit Dank zu ihm erheben. Mein Vater, schenke mir, Dieweil ich leb auf Erd, Was du mir zugedacht, Nur daß ich selig werd. Aufmunterung zum Abendgebet am Montag. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne. Psalm 4, 9. Ist die Dankbarkeit eine schöne Tugend, welche Gott und Menschen wohlgefällt, so soll auch ein gläubiger Christ derselben eingedenk sein, wenn ihn nun Gott einen Tag hat erleben und den Abend erreichen lassen. Es ist zu beklagen, daß viele Menschen Tage, Wochen, Monate, ja ganze Jahre hinbringen und nicht erkennen, was Gott an ihnen getan; sie genießen des göttlichen Schutzes, Beistandes, Hilfe, und danken ihm nicht einmal dafür; meinen, es müßte so sein, sie müßten gesund, glücklich und im Wohlsein ihre Zeit hin— bringen; Gott müßte also sie erhalten und es ihnen lassen wohlergehen. Darum, o gläubiger Christ, sondere dich ab von solchen undankbaren Seelen. Hast du den Tag unter dem Schutz und Beistande Gottes glücklich zurückgelegt, fängt die Sonne an unterzugehen und will nunmehr Abend werden, so hebe deine Augen auf gen Himmel mit Danken und Beten. 1) Danke Gott, daß er den Tag über dich vor Unglück be— wahret, und denke, wie viel Menschen vielleicht den Tag, an dem dich kein Leiden berührt, in das größte Unglück gekommen, ihre Gesundheit verloren, des Abends krank und in großen Schmerzen auf ihr Bett gelegt worden sind, da ν —e — ———— — R *.——— 2 —.— 6⁴ Abendgebet am Montag. sie am Morgen noch frisch und gesund waren; ja, wieviele sind in einem Tage arm geworden durch Feuer und Unglück, die am Morgen noch nichts davon wußten. 2) Bitte Gott um Christi willen um Vergebung deiner Sünden. Unter— suche deine Reden und deine Taten. Hast du den Tag über etwas geredet wider Gott und den Nächsten, hast du etwas vollbracht, das wider dein Gewissen und Gottes Wort ist, dann blicke auf und bitte es Gott um Jesu willen ab, ehe du schlafen gehest. 3) Gedenke, vielleicht ist diese Nacht deine letzte, und mag in dieser Nacht Gott deine Seele von dir fordern; o, darum mache Frieden mit deinem Gott, durch das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, das dich rein macht von aller Sünde, ehe du die Augen schließest. 4) Bitte Gott um Schutz und seiner heiligen Engel Wacht, daß sie alles Unglück von dir abtreiben. 5) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlaf erwachst, so denke an Gott und deinen Heiland; danke ihm, so schläfst du in seinen Armen und unter der heiligen Engel Schutz sanft und selig. Abendgebet am Montag. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne. O, du ewiger und allmächtiger Gott, dieses sind meine Abendgedanken, da ich mich zur Ruhe begeben will. O, wie soll ich dir genug danken, daß du mich aus und ein begleitet hast, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen! Du hast mich gespeiset und getränkt, du hast mich getröstet und erquickt, dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret, Hlgge wen Nst Geb nach lebt el müt herʒ dem vie gege nich der din gede lobe enn nen und Abendgebet am Montag. 6⁵ und durch dich und deine Gnade stehe ich noch bis auf den heutigen Tag. Alle diese und andere Wohltaten sind lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lobe aufmuntern; darum, so lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat! Vergib mir, o Herr, vergib mir aus Gnaden, wenn ich heute das Vorbild meines Jesu nicht vor Augen gehabt und deine Gebote aus den Augen gesetzt, hingegen nach der Welt und mit der Welt ge— lebt und meinen Begierden freien Lauf gelassen habe; wärest du nicht ein lang⸗ mütiger Gott, ja, der Vater der Barm— herzigkeit, so lebte ich nicht mehr, in— dem kein Mensch so lange zusehen könnte, wie du mir Zeit zur Buße und Umkehr gegeben hast. Ach, Herr, ich beschuldige mich und tue Buße im Staub und in der Asche. Der Tag ist nun dahin, tilge auch meine Sünden mit dem Ver— dienst meines Mittlers Jesu Christi und gedenke derselben nimmermehr. Ich ge— lobe dir hiermit in rechter Aufrichtig⸗ Starck, Gebetbuch. 66 Abendgebet keit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen und meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich diese Nacht vor allen Nachstellungen des Feindes, vor Unglück und allem Uebel, drücke mir selbst, wenn ich einschlafe, die Augen zu, mein Jesu, aber drücke mir auch zugleich dein blutiges Bild in mein Herz, daß ich deiner nicht vergesse. Meine Seele mit Begier Träume stets, Herr Christ, von dir, Daß ich fest an dir bekleibe Und auch schlafend dein verbleibe. Sei mein Licht in der Finsternis, mein Helfer in der Not; mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen, darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Ich weiß nirgends hin, als zu dir, o allmächtiger Gott! Mein Vater ist bei mir, warum sollte ich mich fürch— ten, wenn ich schon einsam liege und schlafe? Mein Jesus, meiner Seele Trost und Licht, ist bei mir, wenn sich schon meiner Augen Licht schließet. Der heilige Geist ist bei mir, der erhält das Zeugnis in meinem Herzen, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich schon von mir selbst nichts weiß. Bin ich also in den yWRRRRRRRIRRR‚R‚——— am Montag. 67 Schutz des dreieinigen Gottes einge— schlossen, so schlafe ich sicher wie Jakob; ich schlafe getrost wie ein Kind an seiner Mut— ter Brust; ich schlafe beschützt wie Petrus, durch Jesum Christum, meinen Heiland. Gedenke, Herr, doch auch an mich In dieser finstern Nacht, Und schenke mir genädiglich Den Schutz von deiner Wacht. Drauf tu ich meine Augen zu Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh, Wer wollte traurig sein? Amen. —00— Der gläubige Christ dankt Gott für seine Gesundheit. Aufmunterung. Es ist besser, einer sei arm, und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch sein ist besser, denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser, denn groß Gut. Es ist kein Reichtum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude des Herzens Freude gleich. Sirach 30, 14—16. Gleichwie Gott unterschiedliche Gaben den Menschen aus— teilt, geistliche und leibliche, so mag man wohl unter die leiblichen als eine der vornehmsten die Gesundheit mitrech— nen. Ein gesunder Mensch ist ein glückseliger Mensch, wenn er dabei christgläubig ist; er ist aber auch der unglückseligste, wenn er gottlos ist. Daß ein gesunder Mensch glückselig sei, sehen wir daher, weil er Gott und seinem Nächsten unge— hindert dienen, seines Berufes warten und viel Gutes ver— richten kann. Ist aber der Mensch nicht gläubig an Christum und fromm bei seiner Gesundheit, so mißbraucht er diese edle Gabe auf das Entsetzlichste zur Ausübung vieler Sün— den, Schanden und Bosheiten. O, wie heilsam wäre es 5* 68 Der gläubige Christ dankt Gott manchem Menschen, wenn er lahm, stumm und blind oder mit Schmerzen behaftet wäre, damit er mit seinen Füßen, Zunge, Augen und Leib nicht so viel Sünden ausübte; daher auf solchen Mißbrauch der gesunden Leibesglieder dereinst eine schwere Verantwortung und Strafe folgen wird. Ein wahrer Christ erkennt diese edle Wohltat der Gesundheit: I) Wenn er seine gesunden Glieder ansieht, so dankt er Gott dafür. 2) Er wendet seine Gesundheit an, Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen und in seinem Glauben, Erkenntnis und Heiligung zuzunehmen; 3) seinem Nächsten Dienste zu erweisen; 4) seinen Beruf treu und aufrichtig zu vollbringen. 5) Er erkennt, daß die Gesundheit kein ewiges und beständiges Gut sei, sondern daß auf einen Wink des lieben Gottes sich Schmerzen, Krankheit, Lähmung der Glieder und ein ungesunder Leib einfinden könne. 6) Er mißbraͤucht deshalb in gesunden Tagen seine Gesundheit nicht zu Mutwillen, Verwegenheit und Bosheit, damit, wenn die Krankheit und Schmerzenstage kommen, das Gewissen nicht sage: Das ist eine Strafe Gottes wegen eines Mißbrauchs deiner Gesundheit; wie denn also Gott manchem gesunden, aber unbändigen Menschen Zaum und Gebiß durch Zuschik— kung eines ungesunden Leibes muß anlegen, damit er auf⸗ höre zu sündigen. 7) Ein frommer Christ betet auch fleißig in gesunden Tagen, weil er nicht weiß, ob er in der Krank— heit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsam angewendet. Gebet. O du gnädiger und barmherziger Gott, wie groß ist deine Liebe und Güte in Christo Jesu, die du mir erweisest, in⸗ dem du mich nicht allein in deinem Schutz und Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Ge⸗ —:. für seine Gesundheit. 69 sundheit vollenden und wieder anfangen lässest. Nun, mein Gott, ich erkenne, daß dieses eine der guten Gaben ist, welche von dir, o Vater des Lichts, von oben herab kommen. Herr, Herr, wer bin ich, daß du mir solche Barmherzig— keit widerfahren lässest! Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die kränklich, elend und schwach sind. Höre ich doch viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hin— bringen müssen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und frömmer sind als ich, und viel andächtiger beten als ich; mir aber gibst du gute Gesundheit, Kraft und auch Stärke. Ach, Herr, ich bin allzu gering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir getan hast und noch tust. Bewahre mich, o lieber Gott, daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht mißbrauche zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffart und Frechheit, sondern gib mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch willst aufmuntern zur Dankbarkeit und Frömmigkeit. Hilf, daß ich in Zukunft und zeit meines Lebens meine Gesund— 70 Der gläubige Christ dankt Gott heit anwende zu deinem Lob und deiner Ehre, zum Nutzen meines Nächsten und Vollbringung der Geschäfte meines Be— rufs. Erhalte mir nach deinem heiligen Rat und Willen meine Gesundheit und geraden Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen und in deinem Tempel Lob- und Danklieder an— stimmen könne. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich meine gesunden Glieder und Kräfte heilige zu deinem Dienst und meinen gesunden Verstand zum Wachs⸗ tum in deiner Erkenntnis anwende. O, mein Gott und Heiland, gib mir Kraft und Stärke, an dem inwendigen Men⸗ schen zuzunehmen, daß ich gesund im Glauben, brünstig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, und christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnung und getrost im Tode sei. Ach, heilige mich, segne mich, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Er⸗ höre mich um Jesu Christi meines Er— lösers und Seligmachers willen! O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell aller Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben: Gesunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Ein un— verletzte Seel Und rein Gewissen bleib. Amen. Kran die L krank verga wohl um d Elend an di imme ä für seine Gesundheit. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Geht dir's wohl nach deinem Leiden Und hast Glück auf dieser Erd, So ist dieses wohl zu meiden, Daß dein Herz nicht trotzig werd; Denk in deinem Glück und Prangen, Wie dir's ehmals ist ergangen; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 2. Bist du nun gesund und stehest, Denk auch an das Krankenbett; Wenn du fröhlich einher gehest, Denk auch an die Lagerstätt; Bist du wiederum genesen, Denke, daß du krank gewesen; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 3. Blüht dir Freud und lauter Glücke, Steht es um dich wohl jetzund, Denk bisweilen auch zurücke, Wie es vormals um dich stund, Wie es schlecht um dich aussahe, Wie das Elend dir war nahe; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 4. Bist du reich und groß an Schätzen, Denke dabei immerdar, Um in Gott dich zu ergötzen, Daß es vordem nicht so war; Selig, wer die Demut liebet, Wenn ihm Gott viel Güter gibet; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 5. Von den hohen Ehrenauen, Darauf dir's nach Wunsche geht, Sollst du in die Tiefe schauen, Und wenn da ein Armer steht, Denk: so bin ich auch gestanden In der— gleichen Trübsalsbanden; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 6. Diese heilsamen Gedanken Halten dich zu aller Zeit In den wahren Demutsschranken, Führen dich zur Niedrig— keit, Daß du nimmer dich erhebest, Vielmehr Gott die Ehre gebest. Bleib in deinen Augen klein, Sonst kann Gott nicht gnädig sein. Morgengebet am Dienstag. Morgengebet am dienstag. Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. O du barmherziger Gott, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist, ich sage dir mit Herz und Mund Lob und Dank, daß du mich diesen Morgen wiederum gesund hast lassen von meinem Lager aufstehen, und meinen Leib vor Schaden und meine Seele vor Sünden bewahret hast. Wie groß ist deine Güte, Herr, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen und unter demselben so mächtig bewahrt werden. Ich schaue nach der Finsternis wiederum das Son— nenlicht; gib mir Gnade, daß ich diesen ganzen Tag in deinem Lichte wandle und alle Werke der Finsternis fliehe. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedient und meinen Mund, Glieder und Sinnen nach der Welt Gewohnheiten und Torheiten gerichtet habe, wovon ich dereinst vor deinem Gerichte eine schwere Rechenschaft geben muß. Ich opfere mich hingegen dir ganz Morgengebet am Dienstag. 73 zu deinem Dienst auf mit Leib und Seele; laß mich nichts wollen, nichts vornehmen und gedenken, als was dir gefällt, auf daß der ganze Tag dir möge geheiligt sein. Ja, laß mich allezeit so leben, reden und tun, als ob ich heute noch sterben müßte. Und da ich nach der finstern Nacht, darin ich als dein Kind in deinen Armen gelegen, nun wieder von neuem lebe, so weiß ich nir— gends hin, als zu dir; ich klopfe an deine Gnadentüre, die mir durch Christum dar— gestellet ist, ich wende mich wieder zu der Segensquelle, aus welcher ich nehme einen Segen nach dem andern, eine Hilfe nach der andern; denn was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewiglich; wenn du deine Hand auftust, so wird alles gesättigt mit Wohlgefallen. Gib mir guten Rat, wenn ich Rat bedarf; richte meine An— schläge und Vornehmen nach deinem Willen. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, daß ich diesen Tag meinen Glauben in den Werken zeige, und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissenswunden den Abend 74 Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. erreiche. Wenn ich rufe zu dir, Herr mein Gott, so schweige mir nicht, auf daß nicht, wo du schweigest, ich gleich werde denen, die in die Hölle fahren. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem Heiligtum. Laß das Gebet der Elenden, Traurigen, Kranken, und auch das Ge⸗ bet der Meinigen und aller Frommen vor deinem Gnadenstuhl Erhörung finden. Ja, richt mein ganzes Leben Allein nach Christi Sinn, Und wenn ich es soll geben Ins Todes Rachen hin, Wenn's hie mit mir wird aus, So laß mich selig sterben Und nach dem Tod ererben Des ewgen Lebens Haus. Amen. dedeo Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. Aufmunterung. Gelobet sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. 1. Petri 1, 3. 4. Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn. Wer sich freuen will, der freue sich über solche Dinge, die ihn ewig glückselig machen können. Ist nun etwas, dessen sich ein Gläubiger rühmen und worüber er sich freuen kann, so ist's die Wiedergeburt, daß er getauft und dadurch ein Kind Gottes geworden ist. Wir haben in der heiligen Taufe erlanget I) die seine verle Jesu erwo und pflan erlan Gnad Geist Zung Vort nende mehr Fröm Kräft keit,! Herrl sich b vor, liere, er di gebor nicht sam f jolge, ist es Hilfe genief kt. sti, ren ing hen ten ber vig ein 4⁷ st's dw.nnnneeir. — Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. 75 die Kindschaft bei Gott; Gott ist unser Vater, der uns als seine Kinder ernähren, bewahren, versorgen und uns nicht verlassen will. 2) Wir haben empfangen die Gerechtigkeit Jesu Christi; alles, was Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben hat, das ist uns in der heiligen Taufe geschenkt und zu eigen gegeben worden. Ja, wir sind in ihn ge— pflanzet, er ist der Weinstock, wir sind die Reben, durch ihn erlangen wir neue Stärke zum Guten, Licht, Weisheit und Gnade. 3) Uns ist erteilt die Einwohnung des heiligen Geistes; der will in uns wohnen, unser Herz heiligen, unsere Zunge und Mund regieren, unser ganzes Leben nach dem Wort und Willen Gottes einrichten. Durch solche einwoh— nende Kraft des heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen, und wir wachsen im Glauben, Frömmigkeit, Gottesfurcht, wie ein neugebornes Kind an Kräften und Jahren. 4) Wir erlangen auch die ewige Selig— keit, daß wir nach diesem Leben an der ewigen Freude und Herrlichkeit sollen teilhaben. Wer dieses erwäget, der muß sich billig herzlich in Gott erfreuen. Aber er sehe sich auch vor, 1) daß er die empfangene Gnade nicht wiederum ver— liere, 2) daß er würdiglich wandle in seinem Beruf, 3) daß er die Welt nicht wiederum liebgewinne oder mit Unwieder— gebornen und Weltkindern vorsätzlich sündige und sich ihnen nicht gleich stelle, 4) daß er seinem himmlischen Vater gehor— sam sei, wie die lieben Kinder; daß er dem Herrn Jesu nach— folge, und des heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist es gewiß, daß er des dreieinigen Gottes Liebe, Gnade, Hilfe und Beistand hier in der Zeit und auch dort in Ewigkeit genießen wird. Gebet. Großer Gott und liebster Vater, wie kann ich genugsam deine Liebe erken— nen, loben und preisen, daß du dich meiner Seele so herzlich angenommen 76 Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. hast, daß sie nicht verderbe! O welche Herrlichkeit hast du mir in der heiligen Taufe mitgeteilt, da du mich zu deinem Kinde angenommen hast! Rühmen Men⸗ schen ihre Glückseligkeit, die sie erlangt durch ihre hohe Geburt, durch Besitz hoher Ehrenstellen, großen Reichtums, ansehn— licher Güter, siehe, so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nämlich diese, daß ich dein Kind bin; denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, näm⸗ lich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Bin ich ein Kind Gottes, so wird mich mein himmlischer Vater erhalten, regie— ren, versorgen, beschützen, ja er wird mich niemals und in keiner Not ver— lassen. Bin ich ein Kind Gottes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräf⸗ tigen Beistand im Leben, sondern auch große Freudigkeit im Sterben, da wird er mich als sein Kind erquicken, laben, trösten und nach meinem Abschied aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Gib mir o liebster Vater, deinen heiligen Geist, der mich an diese Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. 77 Herrlichkeit fleißig erinnere. Ich bin noch in der Welt und lebe unter den Menschenkindern; ach bewahre mich, daß ich nicht mit den Weltkindern sündige und Böses tue, noch mich ihnen gleich— stelle. Sehe ich jemanden Böses tun, höre ich etwas Böses reden, so laß mich gedenken, ich sei ein Gotteskind, dem solche Laster und Sünden nicht anstehen. Laß mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt, du mußt wis⸗— sen, daß mir mein Kindesrecht und Kindesteil an Gott und an dem Him— mel nicht feil ist, um deine Lustbarkeit, Eitelkeiten und Gewohnheiten zu ge— nießen. Mein Jesu, du weißt, daß ich dich lieb habe und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht allezeit und in der Tat so liebe, wie ich sollte und wollte. Ach nimm doch mein Wollen gnädig an und laß mich mein Leben in Glauben und Frömmigkeit, Heilig⸗ keit, Reinigkeit und kindlicher Demut führen, dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich als dein Kind leben und sterben und zur Himmels— freude gelangen möge. 78 Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heilgen Tauf, Du bist mir daher auch gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gesang. Mel.: Jesu, der du meine Seele. 1J. Wer nicht wieder ist geboren Aus dem Wasser und dem Geist, Der ist ewiglich verloren, Wie es Gottes Wort beweist; Denn es muß auf dieser Erden Der ein neuer Mensch noch werden, Welcher will nach dieser Zeit Kommen in die Herrlichkeit. 2. Es muß die Geburt geschehen Durch die Tauf und Gottes Wort; Wird man dem nicht widerstehen, Stößet man die Gnad nicht fort, So wird man gar bald empfinden, Wie die Unart wird verschwinden, Denn kommt Gott ins Herzenshaus, So treibt er die Sünd hinaus. 3. Uns wird auch zugleich gegeben Gott, der werte heilge Geist, Der fängt an ein neues Leben, Das die Laster aus uns reißt; Er erneuert alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen, Treibet uns zum Guten an, Daß man Gott recht dienen kann. 4. Hierauf muß der Mensch nun trachten, Gott zu lieben allezeit, Muß die Welt und Sünd verachten, Wachsen in der Frömmigkeit; Er muß gänzlich unterlassen Und von Grund der Seele hassen, Was er hat vorher geliebt Und mit Freuden ausgeübt. 5. Singen, beten, Gott zu ehren, Ist des neuen Men— schen Sinn; Von der Welt zu Gott sich kehren, Neue Kräfte anzuziehn, Gottes Willen zu verrichten Ist des neuen Men— schen Dichten; Also wird er gänzlich neu, Als ob's nicht der Mensch mehr sei. 6. Also muß in dir vorgehen Eine Herzensänderung, Also muß man an dir sehen Eine Lebensheiligung; So muß den, Geist dieses deine dern Und 0o me durch mein/ In d der *+.. H Der gläubige Christ bittet Gott um Erhaltung ꝛc. 79 muß Herz, Sinn und Gebärden Ganz in dir erneuert wer— den, Daß sie Glaub und Lieb auszier, Daß sie Gottes Geist regier. 7. Ach, mein Gott, hier fall ich nieder, Fördre in mir dieses Werk, Andre Sinnen, Herz und Glieder, Gib mir deines Geistes Stärk, Daß ich ja nicht werd verloren, Son— dern wieder sei geboren, Daß ich als dein Kind dich ehr Und dich liebe mehr und mehr. 8. Laß mich auch in diesem Stande Immer bleiben, o mein Gott, Bis daß meine Lebensbande Einst zerreißen durch den Tod, Daß mich nichts von dir abtreibe, Und du mein, ich dein verbleibe, Alsdann geh ich aus der Zeit In die frohe Ewigkeit. ——— Der gläubige Christ bittet Gott um Erhaltung und Mehrung des Glaubens. Aufmunterung. So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferwecket hat, so wirst du selig. Röm. 10, 9. Herr, stärke uns den Glauben! Luk. 17,5. So unglückselig ein ungläubiger Mensch ist, so glückselig ist die Seele, die im Glauben und in der wahren Erkenntnis Gottes, Jesu Christi und ihres Heils steht. Denn ein Un— gläubiger ist gleich einem Gemach, worin kein Licht ist, worin es finster und unangenehm ist; aber eine gläubige Seele ist gleich einem Gemach, worin es helle ist, und worin ein Licht scheint, nämlich der Glaube. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbst geben, sondern Gott ist's, der ihn in uns anzündet, entweder in der heiligen Taufe, wenn der heilige Geist reichlich über uns ausgegossen wird, oder durch das Wort Gottes, wodurch der Mensch zuerst eine Erkenntnis 8⁰ Der gläubige Christ bittet ö seines Heils erlangt, durch Gottes Kraft dem Worte Beifall die gibt, es für göttliche Wahrheit in seinem Herzen hält, so— weiß dann in fester Zuversicht Gott fasset, sich Jesum Christum allen und sein heiliges Verdienst zueignet, und nach diesem Wort zu glauben, zu leben und zu sterben sich mit Gott entschließt. Hof Deswegen soll ein gläubiger Christ 1) Gott danken, daß er den ihn zum Glauben und zur Erkenntnis Jesu Christi gebracht Got und dadurch vor Juden, Türken und Heiden glücklich gemacht 210 hat. 2) Er soll sich seines Taufbundes und der darin er— nam langten Herrlichkeit erinnern und den mit Gott gemachten den Bund nicht mutwillig übertreten. 3) Soll er Gottes Wort Nun fleißig und mit Andacht anhören, damit er immer mehr und Dul mehr erleuchtet werden und zu größerer Erkenntnis gelangen fenn möge. 4) Was er hört und liest, soll er in die ÜUbung bringen gläu und seinen Glauben in den Werken erzeigen. Daher 5) es 0 einem wahren Christen nicht soll genug sein, zu sagen: ich Ach glaube, sondern er soll auch die Glaubensfrüchte: Frömmig— dein keit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Sanftmut und dergleichen fenn in seinem ganzen Leben hervorleuchten lassen. Er soll auch nicht etwa nur eine Zeitlang glauben, sondern im Glauben mir seinem Heiland und Gott getreu bleiben bis in den Tod. So totet kann er sich auch getrösten, daß er werde das Ende seines 0 Glaubens davontragen, nämlich der Seelen Seligkeit. kil Gebet. wel O du gnadenreicher Gott, welche land große Barmherzigkeit ist es, daß du ihm mich zur wahren Erkenntnis meines gan; Heils gebracht hast. Ich erkenne den lich Grund meines Heils, welcher ist Jesus Bl Christus mit seinem Verdienst, Blut suß und Tod. Ich erkenne die Mittel des sons Heils, nämlich das Wort Gottes und um Erhaltung und Mehrung des Glaubens. 8¹ die heiligen Sakramente. Dieses alles weiß ich nicht nur, sondern gebe auch dem allen Beifall, ja setze darauf alle meine Hoffnung und Zuversicht und weiß nun den rechten Himmelsweg; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, nämlich an den allein wahren Gott und den er gesandt hat, Jesum Christum. Durch diesen Glauben und diese Er— kenntnis bin ich unterschieden von un— gläubigen Juden, Türken und Heiden. Ach, du gnadenreicher Gott, verleihe mir deinen heiligen Geist, daß er diese Er— kenntnis in mir lebendig mache. Gib mir Kraft, daß mein Glaube nicht ein toter, unfruchtbarer Scheinglaube, son— dern ein lebendiger Glaube sei. Und weil ich nun, dank deiner Gnade und Hilfe Jesum' Christum als meinen Hei— land kenne, so will ich ihn auch lieben, ihm gehorchen, ihn mehr lieben als die ganze Welt, ihm auch allein dienen, und nicht vollbringen, wozu mein Fleisch und Blut und die böse Welt mich anreizt; außer ihm soll mir auf Erden nichts sonst lieber werden. Nun ich die Mittel zur Seligkeit erkenne, so will ich sie auch Starck, Gebetbuch. 82 Der gläubige Christ bittet unter deinem Beistand zu meiner Selig—- keit anwenden; dein Wort will ich an⸗ dächtig hören und darnach leben; was dein Wort verbietet, will ich fliehen und meiden, hingegen die Pflichten und Tu— genden, die es mir anbefiehlt, in deiner Gnade durch des heiligen Geistes Bei— stand zu vollbringen trachten; das hei⸗ lige Abendmahl soll mich heiligen durch und durch, ich will es oft zur Stärkung meines Glaubens und zu meiner Selig⸗ keit als eine Speise der Heiligung mit Andacht genießen und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach, mein Gott, vermehre in mir den Glauben, die Heiligung und den Gehorsam, daß ich alle Tage frömmer, andächtiger, got— tesfürchtiger und dem Bilde meines Hei— laͤndes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in solcher Gnade bis an mein seliges Ende, damit ich als ein wahrer und frommer Christ leben und dermal— einst selig sterben möge, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, meinen Erlöser und Erretter. Herr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja ver— zagen nicht. Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich ich f In wird häuft Will und hand, bekan wie's er mi festigl komm stets sieht, löset in de werde Weil fort! aus d die 2 Ob d nicht berz mir Zeit, nn —— um Erhaltung und Mehrung des Glaubens. 83 Sünd und Tod anficht. Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen Dich, Herr Jesu, nach dem Streit In der frohen Ewigkeit. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach, Herr, stärke meinen Glauben, Ach, mein Glaube wird gar schwach, Satan denkt ihn mir zu rauben, Da sich häuft mein Ungemach; Weil sich keine Hilf läßt finden, So will fast mein Glaub verschwinden; Wo ist doch mein Herr und Gott? Sprech ich jetzt in meiner Not. 2. Wo sind seine Allmachtsproben, Wo ist seine Vater— hand, Welche andre freudig loben? Bin ich ihm denn un— bekannt? Weiß er nicht, wie mir es gehet? Weiß er nicht, wie's um mich stehet? Ist mein Leiden ihm zu groß, Daß er mich läßt hilfelos? 3. Herr, ich glaͤube, hilf mir Schwachen; Ja, ich glaube festiglich, Daß du alles wohl kannst machen, Drum so komm und stärke mich. Herr, ich glaube, daß du lebest, Und stets um und bei mir schwebest, Daß dein Auge auf mich sieht, Ob die Hilfe schon verzieht. 4. Herr, ich glaube, daß mich Armen Jesus auch er— löset hat, Daß er will sich mein erbarmen, Daß ich bin in deiner Gnad, Daß mein Jesus in dem Leiden Nimmer werde von mir scheiden; Nur mein Herz empfind't es nicht, Weil mir Stärk und Hilf gebricht. 5. Hilf, daß ich bald Stärke finde, Stärke mich doch fort und fort, Schenke deinem schwachen Kinde Neue Kraft aus deinem Wort; Lehre mich dir fest vertrauen Und auf die Verheißung schauen, Die du in dem Wort mir gibst, Ob du schon die Hilf aufschiebst. 6. Ja, laß deinen Geist mich trösten; Deinen Geist nimm nicht von mir, Wenn die Not am allergrößten, Der mich überzeugt von dir, Daß du noch an mich gedenkest Und mir deine Hilfe schenkest, Wenn da kommt die Stund und Zeit, Die zur Hilfe ist bereit. 6² Abendgebet am Dienstag. Abendͤgebet am dienstag. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen tun? Also spreche ich jetzt, o du gnädiger und liebreicher Gott, in dieser Abendstunde, und sage dir demütigen Dank, daß du mich diesen Tag unter deinem väterlichen Schutze, liebreichen Fürsorge, gnädigen Führung und reichen Segen hast zurück— legen lassen. Herr, deine Güte ist so groß, und deine Barmherzigkeit hat kein Ende. Der Herr ist nahe allen, die ihn mit Ernst anrufen, er tut, was die Gottes— fürchtigen begehren, er höret ihr Schreien und hilft ihnen. Ach, mein Gott, wie geschwind geht doch ein Tag dahin; wie ein Pfeil wird abgeschossen, so geschwind entfliehen unsere Jahre. Darum lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, daß ein jeder empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, — es sei Gutes oder Böses. Darum richte Abendgebet am Dienstag. 8⁵5 ich mich selbst und frage: Meine Seele, wie hast du heute den Tag hingebracht? Hast du auch etwas Gutes gedacht? Ist Gott heute mit dir vereinigt geblieben, oder hast du ihn mit vorsätzlichen und wissentlichen Sünden von dir getrieben? Mein Mund, was hast du heute geredet? Hast du gesprochen, was ehrbar, was keusch, was wohl lautet? Ist das Lob Gottes von dir ausgebreitet worden, oder bist du von schandbaren Worten überge— flossen? Wo seid ihr hingegangen, ihr Füße? Was habt ihr verrichtet und ver— übt, ihr Hände? Was habt ihr gehört, ihr Ohren? Ihr Augen, wonach habt ihr gesehen? Was ist heute dein Ver— langen, Dichten und Trachten gewesen, mein Herz? Ach, mein Gott, wenn ich auf alle diese Fragen antworten soll, o, wie werde ich bestehen? Ach, Herr, nimm weg mit dem abweichenden Tag meine Uebertretungen. O Jesu, tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. O heiliger Geist, versichere mich der Ver— gebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, daß ich nicht, wenn diese Nacht die letzte sein sollte, verloren werde. Bin *————————....—.—.—.—7———..—... Der gläubige Christ bittet, ich also von meiner Schuld, dreieiniger und wohl. O heiliger Geist, tue du den Hefh mahl Gott, freigesprochen, so schlafe ich mit + Frieden und hüte mich morgen mit größe— 0 rem Fleiße vor allem dem, was dich be— b trüben kann. Mein Vater, deine Liebe— decke mich und die Meinigen. Mein 909 Jesu, in deinen Wunden ruhe ich sanft Wort — icht letzten Seufzer in meinem Herzen, ehe 00 ich einschlafe, mit welchem ich meinen guten Geist in die Hände Gottes empfehle. nan Bin ich gleich von dir gewichen, Stell ich mich doch heiten wieder ein, Hat mich doch dein Sohn verglichen Durch sein sollen Angst und Todespein; Ich verleugne nicht die Schuld, Aber ö ein ge 0 deine Gnad und Huld Ist viel größer, als die Sünde, Die Nund 40 ich stets in mir befinde. Amen. werder —— eoee— gelang Der gläubige Christ bittet, Gott wolle sein herz heiligen. Aufmunterung. alle Jaget nach dem Frieden gegen jedermann, und der Heiligung, Sti ohne welche wird niemand den Herrn sehen. Hebr. 12, 14. dent Wenn sich ein gläubiger Christ in seinem natürlichen ů Verderben ansieht, so erinnert er sich: 1) daß er sich selbst ö die nicht heiligen kann, sondern daß solches ist ein Werk Gottes; 2) deshalb braucht er die von Gott zur Heiligung verordneten Mittel. Er gedenkt an seine heilige Taufe, darin der heilige Geist über ihn ausgegossen worden und in seinem Herzen Wohnung genommen hat, und forschet fleißig, ob er diesen * guten Geist in den reiferen Jahren durch mutwillige Sünden wiederum vertrieben habe. Er weiß, daß das heilige Abend— 44—.—.4— —.—.—. —— —— Gott wolle sein Herz heiligen. mahl eine Speise der Heiligung ist; darum trachtet er, wenn er dasselbe empfängt, daß dadurch Seele und Leib und alle seine Glieder mögen geheiligt werden. Gottes Wort hört er andächtig, schreibt und behält das Gehörte in seinem Her— zen, damit er in der Heiligung fortfahren möge. 3) Denn es soll die Heiligung geschehen sowohl an der Seele als an dem Leibe, durch Gottes Kraft und des heiligen Geistes Wir— kung. Ist die Seele geheiligt, so müssen die Zunge, die Worte, Werke, ja das ganze Leben in der wahren Heiligung geführt werden. 4) Diese Heiligung soll frühzeitig geschehen, nicht erst in dem Alter oder auf dem Totenbette, sondern so— lange man noch beten und die Mittel zur Heiligung mit gutem Verstande gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man hernach beweisen zu allen Zeiten, bei allen Gelegen— heiten; wenn man etwa bei Weltkindern sich befindet, da sollen wir in Gebärden, Worten und Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben, und daß der heilige Geist unsern Mund und ganzes Leben regiere. Solche geheiligte Seelen werden auch dereinst zur Wohnung der Heiligen im Lichte gelangen. Gebet. O du heiliger Gott, ich erschrecke allezeit, wenn in meinen Ohren deine Stimme erschallt: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig; und wieder: Ohne die Heiligung wird niemand den Herrn schauen. Wenn ich nun dieses erwäge und dagegen halte mein unheiliges Herz, Gedanken, Worte und Werke, so gerate ich oft in große Angst und ich schäme mich meines vorigen unartigen und un— heiligen Lebens, da ich leider nach dem 88 Der gläubige Christ bittet, Trieb meines Herzens und nach der Ge— wohnheit der Weltmenschen mitgesündigt und mit unheiligen Worten und Werken dich heleidigt habe. Ach, soll niemand dein Antlitz schauen ohne die Heiligung, o wie wenige werden dann selig werden, o wie viele werden verdammt werden! Herr, hilf! die Heiligen haben abgenom—⸗ men. O darum, du heiliger Gott, gib mir dieses alles wohl zu erkennen, damit ich mich stets der wahren Heiligung in⸗ wendig und auswendig befleißigen möge. O Jesu, heilige mich durch deine Gerech— tigkeit, Verdienst und Blut, ach schenke mir Unheiligem deine Heiligkeit, auf daß ich darin, als meinen schönsten Schmuck, vor deinem himmlischen Vater erscheinen und bestehen könne. Heilige mein Leben durch dein heiliges Wort. Heilige mein Herz, daß es immer mit guten Gedanken umgehen möge. Heilige meinen Mund, daß er nichts Unanständiges, Unchrist⸗ liches und Böses reden möge. Heilige meinen Willen, damit ich das allein wolle und vollbringe, was dir gefällig ist. O heiliger Gott, ziehe mich ab von der Welt, vereinige mich mit dir, damit ich in mir dul hab bor abe daß Hei bei ich sond ei! Unte lebe Got bleib in zu erw zeit, Heilit der V Gott Gott wolle sein Herz heiligen. 89 durch deinen heiligen Geist das Zeugnis habe, daß ich ein Kind Gottes, neuge— boren sei und in der Gnade stehe. Laß aber auch diese Heiligung wahrhaftig sein, daß ich nicht etwa nur heilig sei und der Heiligung mich befleißige in der Kirche, bei dem heiligen Abendmahl, oder wenn ich sonst bei heiligen Handlungen bin, sondern an allen Orten, zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, und wenn ich gar unter Weltkindern und ihrer Gesellschaft leben muß, daß ich alsdann als ein Kind Gottes möge reden, leben und tun, und bleiben in solchem seligen Stande bis in den Tod, da du mich wirst bringen zu der Schar der Heiligen und Aus- erwählten in dem ewigen Freudenlicht. Selig sind, die funden werden Reines Herzens jeder— zeit, Die in Werk, Wort und Gebärden Lieben Zucht und Heiligkeit. Diese, welchen nicht gefällt Die unreine Lust der Welt, Sondern sie mit Ernst vermeiden, Werden schauen Gott mit Freuden. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1 Soll ohne Heiligung Den Herren niemand schauen Und ausgeschlossen sein Von jenen Himmelsauen, So tracht ich nun mit Fleiß, In dieser Gnadenzeit, Daß ich gelangen mög Zur wahren Heiligkeit. ———— ² — —.— —— —..: —————— ———— 90 Morgengebet am Mittwoch. 2. Doch mich zu heiligen, Erfordert hohe Kräfte, Das kommet Gott nur zu, Denn das ist sein Geschäfte; Drum bringe mich, o Gott, Zur wahren Heiligung; Ach, wirke du in mir Des Herzens ÄAnderung. 3. Ach, heilige mein Herz, Gib heilige Gedanken, Daß meine Tritte nie Von deinen Wegen wanken; Ach, lasse Herz und Geist Beständig heilig sein, Mach es von schnöder Lust, Von Sünd und Bosheit rein. 4. Ach, heilige mich ganz, Die Glieder, Mund und Hände, Daß ich sie stets allein Zu deinem Dienst anwende; Herz, Glieder, Mund und Händ Sind ja dein Eigentum, Drum brauch ich sie allein Zu deines Namens Ruhm. 5. Ach, mein Gott, heilge mich, Ja heilge Seel und Leben, Als welche ich hiermit Dir will zu eigen geben; Hilf, daß ich also leb Und tue wie ein Christ, In welchem Jesus lebt, Und der in Gnaden ist. 6. In solcher Heiligung Laß mich dereinsten sterben, Laß mich durch Christi Blut Das Freudenreich ererben Mit allen Heiligen; Da werd ich ewig rein, Im schönsten Priester— schmuck Von dir gezieret sein. Morgengebet am Mittwoch. Wenn ich erwache, bin ich noch bei dir. O gnädiger und liebreicher Gott, mein Fels, meine Burg und mein Erretter, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz! Ich erhebe in dieser Früh— stunde meine Stimme zu dem Throne deiner Gnade und danke dir, daß du die vergangene Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet und meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahret laß Wo Morgengebet am Mittwoch. 91 hast. Gelobt sei der Herr täglich und gelobt sei sein heiliger Name ewiglich. Mein Gott, du lässest einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigkeit bereiten und meine Seele dir zum Eigentum und Wohnung ergeben soll. Du hast mich erschaffen zum ewigen Leben, willst auch nicht, daß ich verloren gehe, sondern daß ich mich be— kehre und lebe; o so laß mich diesen Tag auch dazu anwenden, daß ich schaffe, selig zu werden mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche und habe drei Tage derselben glücklich zurückgelegt; laß auch die übrigen drei Tage unter deinem Schutz und Gnade nach deinem Wohlgefallen mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquicke mich; wenn mich meine Feinde umgeben, so tritt du in die Mitte und hilf mir. Ach, mein Mittler Jesu, bleibe mitten in meinem Herzen, daß ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, Not und Tod mich wende und von dir Hilfe er— langen könne. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? Laß mich, o aller— liebster Heiland, heute in deine heiligen Morgengebet am Mittwoch. Fußtapfen treten und wandeln, wie du gewandelt hast, so werde ich den Verfüh— rungen der Welt und den Tücken meines eigenen Herzes leicht entfliehen. Sei bei mir auf meinen Berufswegen; ich spreche mit völligem Glauben: Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Segne mich im Schlaf und Wachen, Segne meinen Schritt und Tritt, Segne mich in allen Sachen, Teil mir deinen Segen mit, Laß mich gesegnet sein von dir Und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich mitten unter meinen Berufs⸗ geschäften mein Herz fleißig zu dir rich— ten, und wenn es sich in der Weltlust und Weltsünde verwickeln und belustigen will, so gib mir Kraft, daß ich es los⸗ reiße und es, mein Vater, in deine Liebe, mein Jesu, in deine Wunden einsenke, daß es sich nicht aus deiner Gemeinschaft verirre und am Abend noch darin gefun⸗ den werde. Steht mir heute ein Kampf bevor, so hilf mir überwinden; meldet sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort im Mund, so stärke mich, daß ich es durch deinen Geist abweise. Laß auch die Meinen dir befohlen sein, und laß allen Betrübten und Kranken mit lich Vort mein bewah Stellet dur wele komi V wie da aber d wohlri hinein erkenn Der gläubige Christ bittet ꝛe. mitten in ihrem Leiden dein Gnaden— licht aufgehen. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort. Sei und bleibe du auch heute Mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein Kann ich recht bewahret sein. Amen. — 0— Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. e Aufmunterung. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der voll— kommene Gotteswille. Röm. 12, 2. Wenn ein gläubiger Christ erwäget, daß die Weltliebe ist wie das Unkraut, das von selbst in der Seele wächst, hingegen aber die Furcht Gottes und die Liebe zu Gott wie eine schöne, wohlriechende Pflanze, die mit Fleiß und Mühe erst muß da hineingesetzt und wohl bewahrt werden, so kann er daraus erkennen, was man für Sorge und Arbeit anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß Welt in ihm und außer ihm sei. Welt in ihm sind die bösen Lüste, Begierden und Gedanken seines Herzens. Welt außer ihm sind der bösen Menschen Exempel, Lockungen, Verführungen. 2) Diesen allen aber muß ein wahrer Christ widerstehen, den aufsteigenden Lüsten und Gedanken durch Gebet und Seufzen, und der Welt Reizungen durch Vermeidung der Weltgesellschaften, Gewohnheiten, Manieren und Lebensarten der Welt. 3) Weil nun dieses nicht stehet in unsern eigenen Kräften, so muß er Gott um seine Hilfe und Beistand eifrig anflehen. 4) Dieses Abziehen von der Welt muß nicht so geschehen, als ob man sich einschließen und einsperren wolle und mit niemand reden oder umgehen, sondern es muß darin be— 94 Der gläubige Christ bittet, stehen, daß man mit den Weltkindern nicht sündige und ihre bösen Werke und Taten nicht nachtue. Denn wenn wir mit gar keinem Gottlosen umgehen sollten, so müßten wir die Welt räumen. Wir sollen in der Welt sein, wie Joseph in Agypten, Lot in Sodom, Daniel und seine Freunde in Babel, welche alle der Städte und Leute Sünde nicht verübten. 5) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht etwa nur zum Schein, auf etliche Tage geschehen, wenn man zur Beichte und zu dem heiligen Abendmahl gehen will, sondern diese Arbeit soll beständig sein. Es gilt täglich die Welt aus dem Herzen zu treiben und die Herzenstür aufzutun und den anklopfenden Heiland einzulassen. Gebet. Barmherziger Gott, du Liebhaber der Menschen, wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns hast bei unsern vielen Fehlern und Schwach— heiten und strafest uns nicht auf frischer Tat, und wie wir es verdienen. Ach, du hast mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun selbst kenne und das Verderben meines Herzeus ein⸗ sehe. Ich fühle Welt in mir, nämlich die bösen Gelüste meines Herzens, sünd⸗ liche Neigungen und Trieb zum Bösen. Ich finde Welt außer mir, nämlich die bösen Menschen, die mich mit ihren Sün— den⸗Erempeln und Verführungen reizen und verleiten wollen. Ach leider, mein natürlich unartig Herz findet daran viel neh Heil nad weh viel füht gen Tor leide als zun Mehr mit letzt Siel tue Ach Mein kinn heilis dure stelle Wel die der die mit Gott wolle ihn von der Welt abziehen. 95 mehr Lust und Freude als an deinem heiligen Wort und an dem Leben, das nach deinem Wort geführt wird; ach wehe mir, daß ich so lange, so oft und viel mich durch die Welt reizen und ver— führen lasse; ich schäme mich, meine Au— gen vor dir aufzuheben, wenn ich an die Torheit meiner Jugend gedenke, da ich leider, ach leider, der Welt mehr gedient, als dir, meinem Gott, der Welt mehr zu Gefaͤllen getan, als dir, der Welt mehr angehangen, als dir, aber auch da— mit dich beleidigt, mein Gewissen ver— letzt und dich zum Zorn gereizt habe. Siehe da, mein Gott, ich kehre um und tue Buße im Staub und in der Asche. Ach, ziehe mich selbst von der Welt ab, mein Jesu, damit du allein mein Herz einnehmen und regieren mögest. Dein heiliger Geist heilige mich durch und durch und vertreibe die Welt aus mir; stelle mir vor das klägliche Ende der Weltkinder, damit ich dich liebe und nicht die Welt; daß ich dir folge und nicht der Welt; daß ich dich höre und nicht die Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit der Welt von neuem laufen und Der gläubige Christ bittet, sündigen will; erhalte mich allezeit in deiner Furcht und erinnere mich, daß du mich zu deinem Dienst erschaffen hast, daß ich den neuen Menschen soll täglich anziehen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heilig— keit. Mache mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Gottesfurcht und den Himmel süßer. Gib, daß ich bestän⸗ dig verachte die vergängliche Lust der Welt, damit ich sie fliehe, weil auf die genossene Weltlust und Weltfreude lau— ter Angst und unstetes Wesen, ein böses Gewissen und das Seelenverderben folgt. Reiß aus meinem Herzen, was noch Welt und Weltliebe heißt, und pflanze deine heilige Furcht in mich, daß ich mich scheue, dich, meinen himmlischen Vater zu betrü— ben durch Sünden. Du Schöpfer aller Dinge, Du väterliche Kraft, Re— gierst von End zu Ende Kräftig mit großer Macht; Das Herz uns zu dir wende, Und kehr ab unsre Sinnen, Daß sie nicht irrn von dir. Amen. Gesang. Mel.: Gott des Himmels und der Erden. 1. Meines Lebens beste Freude Ist der Himmel, Gottes Thron; Meiner Seelen Trost und Weide Ist mein Jesus, Gottes Sohn; Was mein Herze recht erfreut, Ist in jener Herrlichkeit. 2. Velt, gesellt besteht. . Fesu! Angstg sanfte 4 anzuse damit Glanz 2 inneho reich! Herrli 6 Welt gestellt ter S. 7 nicht, sein g Freud 8 mel h dort v in dei ottes esus, jenet Gott wolle ihn regieren und leiten. 97 2. Andre mögen sich erquicken An den Gütern dieser Welt, Ich will nach dem Himmel blicken Und zu Jesu sein gesellt; Denn der Erde Gut vergeht, Jesus und sein Reich besteht. 3. Reicher kann ich nirgend werden, Als ich schon in Jesu bin, Alle Schätze dieser Erden Sind ein schnöder Angstgewinn; Jesus ist das rechte Gut, Das der Seele sanfte tut. 4. Glänzet gleich das Weltgepränge, Ist es lieblich anzusehn, Währt es doch nicht in die Länge Und ist bald damit geschehn; Plötzlich pfleget aus zu sein Dieses Lebens Glanz und Schein. 5. Aber dort des Himmels Gaben, Die mein Jesus innehat, Können Herz und Seele laben, Machen ewig reich und satt; Es vergeht zu keiner Zeit Jenes Lebens Herrlichkeit. 6. Einen Tag bei Jesu sitzen Ist viel besser, als die Welt Tausend Jahr in Freuden nützen. Aber ewig sein gestellt Zu des Herren rechter Hand Bleibt ein auserwähl ter Stand. 7. Essen, trinken, tanzen, springen Labet meine Seele nicht, Aber nach dem Himmel ringen Und auf Jesum sein gericht't, Ist der Seele schönste Zier, Geht auch aller Freude für. 8. Ach, so gönne mir die Freude, Jesu, die dein Him— mel hegt, Sei du selber meine Weide, Die mich hier und dort verpflegt; Und, bei dir recht froh zu sein, Nimm mich in den Himmel ein. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Aufmunterung. Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahr— heit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Psalm 86, 11. Starck, Gebethuch. 7 —— I—.r III.—— F— — S.— SISISISISISI‚I‚‚‚‚‚‚‚ —— Der gläubige Christ bittet, Es ist dieses Leben nichts anderes, als ein Weg; wenn wir geboren werden, so treten wir ihn an, und wenn wir sterben, so hört der Weg auf, und wir treten in die Ewigkeit. Hier gilt es, was für einen Weg wir in diesem Leben gehen. Gehen wir den guten Weg des Glaubens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so endigt sich derselbe in der Himmels⸗ herrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg des Unglaubens, der Bosheit, Gottlosigkeit, so endigt er sich zur Hölle, in der ewigen Verdammnis. Wenn das ein Christ erwägt, so soll er sich 1) vorstellen, wie er in diesem Leben zwei Wege vor sich habe, den schmalen Himmelsweg und den breiten Höllen⸗ weg, aber er soll mit allem Fleiß auf dem Himmelsweg ein⸗ hergehen. 2) Damit er aber darauf treten und bleiben möge, so soll er fleißig Gott um seine Regierung und Führung an-— flehen, daß er ihn leiten und regieren wolle. 3) Bittet er Gott um sein heiliges Leiten und Regieren, so muß er nicht viel neben oder um sich sehen, wie die Weltmenschen leben, und was sie für Wege gehen; denn wenn er denen will nachgehen und nachfolgen, so hört Gottes Geist auf, ihn zu leiten, ja er weicht gar von ihm. 4) Wie nun ein Wanderer einen Ge⸗ leitsmann nötig hat, der ihm den rechten Weg weise, also bedarf auch ein gläubiger Christ, daß ihm Gottes Geist den rechten Weg zeige, den er wandeln soll. Hierzu aber gehört die Einwohnung des heiligen Geistes im Herzen, daß es von ihm heiße: Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? 1. Kor. 3, 16. Hat man aber diesen treuen Geleitsmann in und bei sich, so wird er auch die Gedanken, Zunge, Sinne und Begier⸗ den regieren. 5) Dieser heiligen Regierung widersetzt sich der gläubige Christ nicht, er widerstrebt auch dem heiligen Geiste nicht, sondern läßt sich führen, ermuntern und leiten, und ist versichert, daß er wird wohl geführt werden, hier zeitlich und dort ewiglich. O selige Führung! Wohl dem, der Gott zum Führer hat! —— R-‚ee-‚e---—————— Gott wolle ihn regieren und leiten. Gebet. Herr, du erforschest mich und kennest mich, du verstehest alle meine Wege. Ach, du siehst und weißt es auch wohl, mein lieber Gott, wie ich ein herzliches Verlangen habe, auf deinem Wege zu gehen und also zu wandeln, wie du es deinen Kindern befohlen, und davon Je⸗ sus uns ein Vorhild gelassen hat. Allein ich muß leider erfahren, wie mich bald hier, bald dort eine Verführung von dem guten Wege und Vorhaben abführt. Bald verführt mich mein eigenes Herz durch böse Gelüste, bald reizt mich die Welt mit ihrem bösen Erempel; ich mag folgen welchem ich will, so erzürne ich dich, meinen Gott und Herrn, ich ver⸗ letze mein Gewissen und lade schwere Schuld auf mich. O darum bitte ich dich, ach, leite und führe mich nach deinem Rat. Du hast ja gesagt: Ich will dich mit meinen Augen leiten. Herr, hier bin ich, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar. Mein Gott, der du hast dein Volk trockenen Fußes durch das rote Meer und unverletzt durch die Wüste in 100 Der gläubige Christ bittet, das Gelobte Land geführt: ach, führe mich durch die Gefahren dieses Lebens, durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem guten und unverletzten Gewis— sen in das ewige Leben. Ich ergebe dir mein Herz, Mund, Glieder und ganzes Leben. Regiere mein Herz und erfülle es allezeit mit heiligen Gedanken. Erfülle es mit fester Zuversicht auf Christum, daß er meine Sünden gebüßet und den Zugang zu dir mir eröffnet. Gib, daß ich im Glauben seine Gerechtigkeit mir zueigne. Regiere meine Glieder, daß ich mit meinen Händen nicht möge nach ver— botenen Dingen greifen, und daß meine Füße nicht mögen auf Sünden⸗ und Höl— lenwegen wandeln. Regiere meinen Mund und Zunge, daß sie weder Flüche noch schandbare, unchristliche Worte hervor— bringen. Regiere mein ganzes Leben, daß ich möge von nun an nimmermehr mut⸗ willig wider dich sündigen, damit ich ein rechter und frommer Christ sein möge. Ach, laß nicht von mir, wenn ich dir aus Schwachheit widerstrebe, und überlaß mich nicht meinem eigenen Willen oder Füh⸗ rung; denn wenn ich mich führe, so werde san deit ich nes Und hier! dem x O wie Vater Ach,‚ Gott wolle ihn regieren und leiten. 101 ich verführt; gib mir eine heilige Behut⸗ samkeit in allem meinem Tun, und schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich mich nach dir, deinem Wort und mei— nes Jesu Exempel allein richten möge. Ja, leite mich mit deinen Augen, Und richt mein ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn ich es soll geben Ins Todes Rachen hin, Wenn's hier mit mir wird aus, So laß mich fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ewgen Lebens Haus. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Vater, gib auch mir die Gabe, Die du alle bitten heißt; O wie wohl, wenn ich sie habe, Gib mir deinen guten Geist; Vater, ich hab groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen; Ach, erhöre meine Bitt: Teile deinen Geist mir mit! 2. Es soll dieser Geist mich lehren, Weil ich leb hier in der Zeit, Wie ich mich zu Jesu kehren, Und wie ich in Frömmigkeit Soll beständig einhergehen, Wie ich soll im Glauben stehen, Welcher da lebendig ist, Und sich gründ't auf Jesum Christ. 3. Es soll dieser Geist mich führen Allezeit auf ebner Bahn, Und mein Herze kräftig rühren, Wenn ich Böses hab getan; Er soll leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Be— ginnen. Ich will gern in jeder Sach Folgen diesem Führer nach. 4. Es soll dieser Geist mich trösten In dem Kreuz und Traurigkeit; Wenn die Not am allergrößten, So darf ich zu keiner Zeit In den Angst- und Trauertagen Und im Leidens— sturm verzagen, Weil der Geist mir Zeugnis gibt, Daß mein Gott mich dennoch liebt. 5. Werter Geist im Himmelsthrone, Gleicher Gott von Ewigkeit Mit dem Vater und dem Sohne, Komm zu mir, ich 102 Abendgebet am Mittwoch. bin bereit; Meine Seele, Geist und Leben Will ich dir zur Wohnung geben; Komm, ach komm und nimm es ein, Laß es deinen Tempel sein! 6. Ach, bewahre mich vor Sünden, Ach, laß meine Zu⸗ versicht Sich auf Jesum Christum gründen, Werter Geist, verlaß mich nicht! Ach, durch deine Liebestriebe Stärke mich in Glaub und Liebe, Führe mich durch diese Zeit In die ewge Seligkeit. Abendgebet am Mittwoch. Ich liege und schlafe und erwache, denn der Herr erhält mich. O du heiliger, gü⸗ tiger und allein weiser Gott! du hast mich heute abermal erfahren lassen, daß du der rechte Vater bist über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden; du hast nach deiner unendlichen Güte für mich ge⸗ sorgt, daß es mir nicht gemangelt hat an irgend einem Gute. Ach, Herr, ich bin zu gering aller Güte und Treue, die du an mir beweisest. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohltaten, die er täglich an mir tut, der ich nur Staub und Asche binꝰ Verschmähe nicht das demütige Lobopfer, welches ich dir in dieser Abendstunde dringe, und siehe mich ferner in Gnaden an. Vergib mir, o gnädiger Gott, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gesündigt habe. Decke es alles zu mit Jesu Christi Verdienst und sein Meit Una not lasse Abendgebet am Mittwoch. 103 seiner Gerechtigkeit. Hilf, daß ich mit meinen Kleidern alle bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden ausziehe, dieselben morgen und zeit meines Lebens hasse und lasse, daß ich ablege nach dem vorigen Wandel den alten Menschen und ihn nim— mer wieder anziehe. Laß mich die bevor⸗ stehende Nacht samt allen meinen Anver— wandten und Hausgenossen unter dem Schutze deiner Gnade sanft und ruhig schlafen. Die Sonne verbirgt sich, aber laß, o Jesu, du Sonne der Gerechtigkeit, deinen Glanz immer in meinem Herzen leuchten. Erfülle mich im Schlaf mit gu⸗ ten Bewegungen, auf daß, wenn ich er⸗ wache, dein Name und Gedächtnis immer in meinem Herzen sei, daß ich von dir und deiner Güte, Treue und gnädigen Führung auf meinem Lager bei schlaflosen Nächten reden und denken, und dadurch alle un— nützen Sorgen und sündlichen Gedanken vertreiben möge. Erneuere im Schlaf meine Kräfte, daß ich munter und fröhlich den Tag erlebe. Wacht ein Hirte bei sei⸗ ner Herde, so laß mich auch deiner Hirten⸗ treue nach Leib und Seele befohlen sein. So du aber zur Prüfung meines Glau⸗ 104 Der gläubige Christ bittet bens, Geduld und Hoffnung etwas Wid— riges bei Tag oder Nacht über mich ver⸗ hängen wolltest, so denke, mein Gott, daß ich dein Kind sei, daß ich ohne dich nichts vermag, und daß es dir, als meinem Va— ter zukomme, Errettung und Hilfe zu senden. In Traurigkeit erfreue mich, im Elend erquicke mich; wenn ich verlassen bin, so nimm dich meiner herzlich an. Laß deine Allgegenwart und allsehendes Auge bei Tag und Nacht mich von Sünden ab— halten. Ich hebe auch bei einbrechender Nacht meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Herr, es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin, Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin; Zeige mir auch ferner an, So ich was nicht recht getan, Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. Amen. Der gläubige Christ bittet um die wahre Liebe zu Gott. Aufmunterung. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Lasset uns ihn lieben; denn er hat uns zuerst geliebet. 1. Doh. 4, 16. 19. Gott ist die Liebe, und weil Gott die Liebe ist, so will er auch, daß alle seine Kinder und Gläubigen in der wahren Liebe und! aufs bittet Liebe auch d herab wodur den k tung heilige so mu Wande denn und R vorsehe wer di desweg schaft Gottes bis in mende wenn und L vergesf aufget erseher lllei hilli gan hen. mit mit größter Betrübnis meiner Seele, wie um die wahre Liebe zu Gott. 10⁵ Liebe stehen sollen. Die Liebe ist das Band, welches Gott und unser Herz, aber auch uns und unseres Nächsten Herz aufs genaueste zusammen verbindet. Ein gläubiger Christ bittet demnach Gott, 1) daß er sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen und dieselbe in ihm ausgießen wolle; denn auch diese Gabe gehört unter die guten Gaben, die von oben herab kommen. 2) Er darf auch die Mittel nicht verachten, wodurch Gottes Liebe in ihm angefangen und vermehrt wer— den kann, nämlich die andächtige Anhörung und Betrach— tung des Wortes Gottes und den würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. 3) Stehet er in der Liebe Gottes, so muß er solche auch beweisen in einem heiligen, christlichen Wandel, anständigen Reden, Gott wohlgefälligen Werken; denn Liebe ist gleich einem Feuer, welches seine Flammen und Rauch nicht verbergen kann. 4) Er muß sich aber wohl vorsehen, daß er nicht die Welt wieder liebgewinne, denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters; deswegen muß er aus Liebe zu Gott Welt und Weltfreund— schaft und Gesellschaft meiden, weil sie ihn von der Liebe Gottes abführen. 5) In solcher Liebe soll er auch verharren bis in den Tod. 6) Diese Liebe Gottes soll mit den zuneh— menden Jahren sich immer vermehren. Man soll sich schämen, wenn man zwanzig, dreißig, ja vierzig Jahre in der Lust und Liebe der Welt hingebracht und darüber die Liebe Gottes vergessen hat, was ein Christ nun, da ihm Gott die Augen aufgetan, mit desto inbrünstigerer und beständigerer Liebe ersetzen soll. 38 Gebet. O du liebreicher, gnädiger Gott, du bist allein liebenswürdig, dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lie⸗ ben. Ach, ich klage und bekenne vor dir 106 Der gläubige Christ bittet die Liebe zu dir, meinem treuen Schöpfer und liebreichen Vater, zu Jesu, meinem Erlöser und Seligmacher, und zu dem heiligen Geist, meinem Lehrer und Füh— rer, nicht allein durch die Erbsünde in mir erloschen, sondern daß ich auch deiner ru— fenden und wirkenden Gnade und dem Trieb des heiligen Geistes nicht allezeit Platz gegeben, damit wiederum eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich bitte dich, ändere doch mein Herz, reiß aus demselben alle Welt⸗ und Sündenliebe und laß in meinen Ohren er⸗ klingen die Worte: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist, denn so jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Vertilge aus mir alle Liebe zur Fleischeslust, Augenlust und hoffärtigem Leben, dazu ich leider von Na⸗ tur geneigt bin, und zünde durch deinen heiligen Geist in mir an eine reine, wahre Liebe zu dir, daß ich dich, als das höchste Gut, um deiner selbst willen allein lieben und alle Eitelkeiten fliehen möge. Denn weil ich durch Christum ein rechtes Kind Gottes bin, so muß die Sünden⸗, Welt⸗ und Eigen⸗Liebe zum Herzen hinaus, und um die wahre Liebe zu Gott. 107 du sollst über alles allein geliebt werden. Darum komme ich, mein Gott, zu dir und bitte dich, ach, gib mir deinen heiligen Geist, der diese edle, notwendige und christ— liche Tugend in mein Herz pflanzen möge: in dessen Kraft will ich dich, mein Gott, von Herzen und beständig lieben; meine Seele soll an dich denken, mein Mund soll von dir reden, du sollst mir lieber sein, als alle Welt und Weltfreude, als alles Glück und Herrlichkeit, ja als alle Men⸗ schen. Aus Liebe zu dir will ich aufhören, wissentlich zu sündigen; aus Liebe zu dir will ich mich aller sündlichen Gesellschaft entschlagen; aus Liebe zu dir will ich an— fangen, recht fromm zu werden, und allein nach deinem Wort und Willen mein Le⸗ ben einzurichten; dich will ich ehren und fürchten, dir dienen, folgen und gehorchen. Ach, du liebreicher Gott, entzünde diese Liebe in meinem Herzen je mehr und mehr, daß ich dich nicht nur einige Tage, Wochen und Jahre lieben, sondern darin zunehmen und bis an mein seliges Ende verharren möge. Gib mir Mut, wenn ich um deiner Liebe willen etwas leiden soll, und stärke mich alsdann durch deinen mäch— 108 Der Christ bittet um die wahre Liebe zu Gott. tigen Beistand. Also laß mich in Liebe mit dir vereinigt sein in Zeit und Ewigkeit. Ich liebe dich, o lieber Gott, Ja, dich um deinetwillen; Nichts in der Welt, nicht Lust, nicht Spott Soll meine Liebe stillen; Und sollt kein Höll und Himmel sein, Das mich zur Liebe triebe, So wärst du mir genug allein, Warum ich dich nur liebe. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1J. Ach, daß sich doch Gottes Liebe Tief ergösse in mein Herz! Ach, daß sie doch immer triebe Meine Seele himmel— wärts! Ach, daß doch all mein Beginnen, Ach, daß alle meine Sinnen, Herz und Seele insgesamt Wär durch Gottes Lieb entflammt! 2. Ach, daß diese Liebe risse Aus mir alle Lieb der Welt! Ach, daß ich mich stets beflisse, Das zu tun, was Gott gefällt, Und aus Lieb ihn nicht betrübte, Nie, was ihm mißfällt, aus— übte, Daß die Welt mir bitter wär, Und Gott süßer mehr und mehr! 3. Ach, daß diese Lieb mich brächte Zur Vereinigung mit Gott, Daß ich stets an ihn gedächte Unverrückt bis in den Tod, Daß kein Augenblick verflösse, Da ich nicht der Lieb genösse, Daß ich ihm mit Lieb nachging Und mit Liebe ihn umfing! 4. O du Liebe! so ergieße Dich in mein Herz tief hin— ein, Daß ich dadurch ganz zerfließe Und dein eigen möge sein, Daß ich in der Liebe stehe, Wo ich sitze, schlaf und gehe, Dir zuliebe alles tu Und aus Liebe in dir ruh. 5. Laß mich in der Lieb auch sterben, Wenn ich gehe aus der Zeit, Führe mich als deinen Erben In die frohe Ewigkeit; Diese Lieb laß mich genießen, Bis ich werd die Augen schließen Und gehn zu den Freuden ein, Wo wird lauter Liebe sein. ö mei mei wil har dich lich vät. derr mei Morgengebet am Donnerstag. 109 Morgengebet am Donnerstag. Herr, höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. O du gnädiger und barmherziger Gott, ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde, daß du mich nicht allein von meiner Jugend an so väterlich ernährt und bewahrt hast, son— dern daß du auch diese vergangene Nacht mein Schutz und Beistand gewesen bist, also daß ich zu deinem Lob wiederum ge— sund von meinem Lager aufstehen und das angenehme Tageslicht anschauen kann. Was ist der Mensch, daß du sein ge— denkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Ich wußte im Schlaf von mir selbst nichts, aber dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret; du hast mich und mein Haus mit deiner Engel Wacht umgeben, daß mich kein Unfall rühren und kein Unglück beschädi— gen durfte. Du hast mich durch eine sanfte Ruhe erquickt, welcher vielleicht viele Kranke, Betrübte, Geängstete ent— behren müssen, da ich wohl ebensoviel, ja noch mehr Züchtigung verdient als sie, 110 Morgengebet am Donnerstag. indem ich dir für die unsäglichen Wohl— taten, die ich zeit meines Lebens empfan⸗ gen, nicht so dankbar gewesen, als es meine Pflicht gegen dich, meinen Schöpfer und Erhalter, erfordert hätte, nämlich ein immerwährendes Lob und demütigen Dank. Nur meines Herrn Jesu Christi Gnade und Gerechtigkeit vermag zu er⸗ setzen, was ich durch meine Schuld ver— säumt habe. Rechne seine vollkommene Gerechtigkeit mir zugute an. Ich ver— spreche aber auch in dieser Morgenstunde, dir mit Leib und Seele zu dienen und mich dir zu eigen zu ergeben. Ich habe mir vorgesetzt, daß mein Mund heute nicht soll übertreten, oder mit sündlichen, unnützen Worten eine schwere Rechen⸗ schaft auf mich laden. Ich will meinem Fuße wehren alle sündlichen Wege; mein Auge soll nicht schauen nach verbotenen Dingen und Personen, ich will meine Hände nicht ausstrecken zur Ungerechtig— keit und mein Ohr abwenden von loser Lehre und bösem Geschwätz, welches gute Sitten verdirbt. Hingegen will ich mich, o dreieiniger Gott, zu deinem Dienste ergeben; ach wohne in mir, heilige, leite und dul imn so Bo Ge Tat Arl herf gett orte Meit Der gläubige Christ bittet um Liebe zum Nächsten. 111 und reinige mich immer mehr und mehr durch deine Gnade. Laß mich diesen Tag immer mit frommen Leuten umgehen, und so ich ja berufshalber und unerhofft zu Bösen komme, so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichen Reden, Taten und Befleckungen. Segne meine Arbeit, daß ich dieselbe mit kindlicher Zu— versicht auf deine Fürsorge freudig und getrost verrichten und deinen Segen aller— orten empfinden möge. Nun, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt, meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, der segne, beglücke und be— wahre mich hier in der Zeit bis in die frohe Ewigkeit durch Jesum Christum meinen Seligmacher. Meinen Ausgang segne Gott, Meinen Eingang gleicher— maßen, Segne auch mein täglich Brot, Segne all mein Tun und Lassen; Segne mich mit selgem Sterben Und mach mich zum Himmelserben. Amen. Der gläubige Christ bittet um die Liebe zum Nächsten. Aufmunterung. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? — A 12 Der gläubige Christ bittet Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. 1. Joh. 4, 20. 21. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet; dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt. Also beschreibt Christus das Kennzeichen seiner wahren Jünger und Jüngerinnen, Joh. 13, 34. 35, nämlich, daß man sie daran erkennen kann, wenn sie ihren Nächsten lieben. Es soll niemand meinen, daß er in der Liebe Gottes stehen könne, wenn er seinen Nächsten haßt, o nein! Es ist aber unser Nächster 1) unser Freund, Wohltäter und Verwandter; wenn man nun solche liebt, so ist das zwar unsere Schuldigkeit, es ist aber noch keine aus— nehmende Christentugend, denn die ungläubigen Heiden lieben auch ihre Freunde, Guttäter und Verwandten, die ihnen nichts zuwider tun. Es ist unser Nächster 2) auch unser Nachbar, Mitbürger und Fremder, auch der uns beneidet, übervorteilt und haßt. Bei der lehten Art der Nächsten soll man die Liebe am meisten blicken lassen und zwar so: I) daß man ihnen nicht allein nichts Böses wünsche, nicht schelte, Böses mit Bösem vergelte, sondern vielmehr alles Gute gönne, Liebe und Freundschaft erweise und sie liebe als sich selbst. 2) Gegen die Feinde soll man Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, Haß und Bosheit aus dem Herzen verbannen, dagegen mit Worten und Werken beweisen, daß man ohne Groll und Haß ein liebreiches Herz zu ihnen trage, und tue in der Tat und Wahrheit, was Christus sagt: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matth. 5, 44. 45. Gebet. Ach, du liebreicher Gott, der du uns herzlich liebst und aus solcher Liebe uns an Leib und Seele viel Gutes tust, aber uns auch anbefohlen hast, daß wir unsern um die Liebe zum Nächsten. 113 Nächsten mit gleicher Liebe umfassen sol⸗ len, wie du uns liebest: ach, ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich sollte meinen Nächsten nach deinem Gebot lieben als mich selbst; ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohl— ergehen gibst, mich freuen, als ob es mir selbst widerfahren wäre; ich sollte meinen Feind, der mich hasset, schmähet, verfolgt, drückt, herzlich lieben, ihm Gutes wün⸗ schen, ja, ihm viel Segen, Gedeihen und Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du, allwissender Gott! siehest und weißt, wie mein Herz von Er— füllung dieser Pflichten entfernt ist; wie leider, wenn du meinem Nächsten wohl— tust, ihm Glück, Ehre und Wohltaten darreichst, mir aber nicht, ich darüber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Du siehest, o allwissender Gott, wie das Beten für meine Feinde so träge und gering ist, daß ich sie in meinem Gebete entweder vergesse, oder so ich ja ihrer ge— denke, weil dein Geist mich oft an diese Schuldigkeit erinnert, daß es doch leider, Starck, Gebetbuch. 8 114 Der gläubige Christ bittet mit wenig Worten geschieht. Ach, mein Gott und Vater, ich erkenne daraus das Elend und Verderben, darin ich noch stecke, und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger und Jünge⸗ rinnen Jesu bin, wie ich billig sein sollte, welche man daran erkennt, daß sie Liebe untereinander haben, nicht allein gegen Freunde und Wohltäter, sondern auch gegen Neider, gegen Feinde und Ver— folger. Darum bitte ich dich, ach, ändere doch mein rachgieriges und deinem hei⸗ ligen Willen widerspenstiges Herz, daß ich durch deine Gnade meinen Nächsten herzlich und aufrichtig lieben möge, wie mich selbst. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich meinem Nächsten gerne und mit Freuden das gönne, was du ihm gibst, und nicht deswegen betrübt drein sehe, wenn du mich nicht mit gleicher Wohltat erfreuest. Behüte mich vor aller Falschheit gegen ihn, daß ich mich nicht etwa freundlich stelle mit Worten, und im Herzen doch ihm feind sei, wie Judas ihn küsse und doch verrate, sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und so ich ja muß der Feinde Verfolgung, um die Liebe zum Nächsten. 11⁵ Schmähung und Unrecht erfahren, so gib mir Kraft, daß ich es mit Sanftmut überwinde, nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort vergelte, son⸗ dern dagegen ihnen Segen und alles Gute wünsche. Herr, mein Gott, du siehest, wie dem Fleisch und Blut diese Pflicht so schwer ankommt, aber durch deine Gnade und Beistand wird es mir möglich werden. Gib, daß ich allezeit deine vollkommene Liebe, o himmlischer Vater, ansehe, da du uns Menschen, da wir noch deine Feinde waren, geliebet hast. Gib, daß ich mir immer vorstelle die Liebe meines Jesu, der für seine Feinde gebetet und ihnen Gutes getan hat. Schreibe mir in mein Herz die erbarmende Liebe des heiligen Geistes, welcher nicht müde wird, an meinem widerspenstigen Herzen zu arbeiten und anzuklopfen, damit ich dadurch zu einer wahren Liebe gegen meinen Nächsten be— wogen werde und also das Zeugnis er— lange, ich sei ein wahrer Jünger Jesu. Laß mich an andern üben, Was du an mir getan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn Eigen— nutz und Heuchelschein, Und, wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. Amen. 8* — 4 116 Der gläubige Christ bittet um Liebe zum Nächsten. Gib 474 Gesang. * I Mel.: O Gott, du frommer Gott. ö 4—95 W0 4 4 1J. Ist denn die Liebe gar Aus dieser Welt verschwun— iun den, Da wenig Liebe mehr Bei Christen wird gefunden? Die 6 Liebe sollte ja Bei Christi Jüngern sein, Warum ist Falsch— heitstück Bei ihnen so gemein? 2. Ach, in der letzten Zeit Wird alle Lieb erkalten Und gar geringe sein Bei Jungen und bei Alten. Ist diese Zeit nun da, So machet euch bereit Zum lieben jüngsten Tag Und zu der Ewigkeit. Wil 3. Die Liebe ist hinweg, Man findet kein Vertrauen, ö U Man darf auf keines Wort Hienieden fast mehr bauen; Ein andres denkt das Herz, Ein andres red't der Mund, 0 —— ö ö äu Und schöne Worte gehn Doch nicht aus Herzensgrund. 90 ehn 4. O falsche, böse Welt! Gott kennet deine Stücke, Du Glär bist voll Haß und List, Voll Bosheit und voll Tücke, Du biele hast die Liebe nicht, Und doch der Liebe Schein, Und dieser ein falsche Schein Soll wahre Liebe sein. wer 5. Allein, wer keine Lieb Will an dem Nächsten üben, Wel Der kann von Herzensgrund Auch seinen Gott nicht lieben; und 0 Drum glaube nur gewiß, Der ist kein Gotteskind, Bei dem in 1—— 2— man lauter Haß Und keine Liebe find't. Trit 6. Mein Gott, verleih mir Gnad, Daß ich in Lieb um ihm fassen Und Gutes gönnen mag, Die mich aus Feindschaft Er hassen; Ach, mache selbst mein Herz Von aller Bosheit rein, sond Daß ich auch in der Lieb Mög Christi Jünger sein. ttell 1 e ö ö ist 7. Laß deine Lieb zu mir Vor meinen Augen stehen, ̃ e kine ö Und laß mich ihrer Spur Mit allem Fleiß nachgehen; Ja, 9r 4* daß ich mich betracht Und an mir nehme ab, Wie es in 5 jedem Fall Mein Nächster gerne hab. mul 1 sein 4 Q 5—I 448(W * 8. Laß deinen guten Geist, Den Geist der Treu und Ire V Liebe In meinem Herzen sein, Damit ich Lieb ausübe; wah + ö Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. 117 Gib mir ein redlich Herz, Das ohne Falschheit sei, Voll Lieb und ohne List Und ohn Betrügerei. 9. So leb ich als dein Kind Und werd dahin gelangen, Wo alle Gläubigen In Liebe sich umfangen, Wo Liebe immer blüht In der Vollkommenheit Und nie aufhören wird In alle Ewigkeit. ö —2.— Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. Aufmunterung. Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Matth. 16, 24. Herr, siehe, ob ich auf bösem Wege bin, so soll ein gläubiger Christ täglich seufzen. Ps. 139, 24. Fragt ein behutsamer Wandersmann fleißig nach dem Wege, so soll ein Gläubiger sich fleißig des Himmelsweges erkundigen. Es sind viele Verführer ausgegangen, spricht Johannes, darum soll ein wahrer Christ sich wohl vorsehen, daß er nicht verführt werde. Ein gläubiger Christ folgt demnach 1) nicht den Weltkindern, die ihn wollen mitnehmen zu ihren lustigen und sündlichen Gesellschaften, dadurch würde er seine Seele in allzu große Gefahr setzen; viel weniger folgt er dem Trieb seines bösen Herzens; sondern er denkt allezeit, so ihm etwas in die Gedanken kommt: Ist das auch recht? Er folget auch nicht dem Satan und seinen Reizungen nach; sondern er folget nach 2) der Heiligen Schrift, die ihm vor— stellt, was er glauben, was er tun und unterlassen soll, das ist seine Lebensregel, was diese nicht erlaubt, davor hat er einen herzlichen Abscheu. Er folget sonderlich nach 3) dem Herrn Jesu, der hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußtapfen; die Fußtapfen Jesu aber sind: seine Demut, Gehorsam, Geduld, Sanftmut, Keuschheit, Freundlichkeit und Frömmigkeit. Hierin besteht die heilige und wahre Nachfolge. Er folget 4) auch nach dem Exempel from— 118 Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. mer Christen; sieht er an frommer Christen Eifer im Gebet, Ehrerbietigkeit, Mildigkeit und andere Tugenden, so trachtet er auch, solchen nachzuahmen. 5) Diese heilige Nachfolge aber soll beständig bleiben, bis in den Tod, so wird an solchen Seelen auch erfüllt werden, was Johannes sagt Offen— barung 14, 4: Sie folgen dem Lamm nach in dem ewigen Leben. Gebet. Ach, mein Gott und Herr, mein ein⸗ ziges Verlangen ist, daß ich also lebe, damit ich nach meinem Tode zur Him⸗ melsfreude eingehen möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese, die Auser⸗ wählten im Himmel gehen dem Lamme nach, wo es hingeht; aber ich erkenne auch wohl, daß derjenige, welcher will dem Lamme nachfolgen in der Herrlich— keit, ihm auch muß nachfolgen in der Zeit, dieweil er noch in der Welt lebt. Wenn ich dieses bedenke, so bin ich recht um mein Heil bekümmert. Der Satan ladet mich ein durch seine Verführungen, ihm nachzufolgen; die Welt stellt mir ihr Erempel, ihre Wege, ihre Gesell— schaft vor Augen, allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode fol⸗ gen müssen, nämlich zur Hölle und Ver— dammnis. Darum will ich dir, o Jesu, Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. 119 nachfolgen, so gehe ich den sichersten, besten und seligsten Weg. Ich will dir nachfolgen im Glauben, Liebe, Demut, Gehorsam, Frömmigkeit und Keuschheit. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fuß— tapfen. Dieses Vorbild soll mir immer vor Augen stehen. Ich will nach dem Erempel Jesu meinen himmlischen Va⸗ ter lieben, ehren, seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach seinem Exem— pel meinen Nächsten lieben und ihm Gu⸗ tes tun. Ich will nach seinem Exempel meinen Feinden gern verzeihen. Ich will nach seinem Exempel demütig wer⸗ den, weil er spricht: Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Her⸗ zen demütig. Nun, dies ist mein hei⸗ liges Vorhaben, dazu wollest du mir Kraft verleihen. Ach, erinnere mich alle⸗ zeit daran, wenn ich der bösen Welt⸗ kinder Gebärden, Worte und Eitelkeiten vor mir sehe, damit ich gedenke, wo gehest du hin, o Welt? Dein Gang ist nicht zu Jesu und zu der Seligkeit gerichtet. Hilf, daß ich mich selbst frage: Ist dieses auch der rechte Himmelsweg? 120⁰ Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. Gib, daß ich fleißig mich erinnere, wer ich sein soll und wer ich bin. Ich soll sein ein Kind Gottes, ein Nachfolger Jesu, ich soll mich von der Welt un⸗ befleckt erhalten; hilf, daß ich in deiner Nachfolge beständig verharre bis in den Tod! Ich folge Jesu nach In Gottesfurcht und Glauben, In wahrer Frömmigkeit, Die soll mir niemand rauben, In Demut folg ich ihm; Werd ich im Folgen schwach, So stärkt mich seine Hand, Ich folge Jesu nach. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben J. Jesus bleibet meine Freude, Obschon in der Welt nichts bleibt, Er ist meiner Seelen Weide, Von dem mich nichts Irdsches treibt; Such ich Freud in diesem Leben, Kann mir solche Jesus geben, Drum soll Jesus nur allein Meiner Seele Freude sein. 2. Jesus bleibet meine Sonne, Wenn die Sonne unter- geht, Er bleibt meiner Seele Wonne, Obschon alles traurig steht; Wird mir nur nach meinem Weinen Diese Sonne wieder scheinen, O so stehet's um mich wohl, Und ich bin Vergnügens voll. 3. Jesus bleibet unter Freunden Immer doch mein bester Freund; Leb ich unter vielen Feinden, So wird er doch nie mein Feind, Sein Herz ist mit mir verbunden, Und ich hab an ihm gefunden, Was ich an der Welt nicht find, Ja an keinem Menschenkind. 4. Jesus bleibet mein Vergnügen, Ob mir's an Ver— gnügen fehlt, Mein Vergnügen ist sein Fügen, Mich ver— gnügt, was er erwählt: Drum sprech ich: Mir soll in allem, ιππ⁷πτ Lust, Schat auf E dort ich ste ihm! Trübf Nesu, höchst einen ist de auch ich rede und mit häu stun An ang mid unb mut In Abendgebet am Donnerstag. 221 Was nur dir gefällt, gefallen, Mein Vergnügen ist dein Will, Deinem Willen halt ich still. 5. Jesus bleibet mein Ergötzen, Sonsten acht ich keine Lust; Außer ihm und seinen Schätzen Ist mir sonst kein Schatz bewußt; Mein Gut und die beste Gabe, Die ich hier auf Erden habe, Ist mein Jesus nur allein, Soll's auch dort im Himmel sein. 6. Drum will ich an Jesu hangen, Wo ich gehe, wo ich steh, Denn nur dies ist mein Verlangen, Daß ich immer ihm nachgeh. Was kann mich von Jesu scheiden? Keine Trübsal und kein Leiden, Ich folg, ob ich gleich bin schwach, Jesu, Gottes Lamme, nach. 7. Wählt, ihr Menschen, o erwählet Mit mir dieses höchste Gut! Wenn's euch gleich an vielem fehlet, So habt einen guten Mut, Suchet Jesum, halt't ihn feste, Dieses ist das Allerbeste, So habt ihr in aller Not Hilfe und auch Trost im Tod. Abendgebet am donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir. O liebreicher Gott und Vater, hier komme ich, abermal mit vielen Wohltaten von dir über— häuft und begnadigt, in dieser Abend— stunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig hast du mich angesehen und wie ein Vater dich über mich erbarmet, daß ich den Abend unbeschädigt erlebt habe; deine Lang— mut hat meiner geschont, daß du mich 12² Abendgebet am Donnerstag. nicht nach Verdienst gestraft hast. Ach, verzeihe mir alle Uebertretungen, wo— mit ich heimlich oder öffentlich dich be— leidigt habe. Laß mich Gnade finden um der Wunden Christi willen. Wer kann merken, wie oft er fehle? Verzeihe mir durch deine Gnade in Christo Jesu auch die verborgenen Fehle. Laß mich doch künftig mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidiget. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärest du nicht ein so barmherziger Gott, Herr, wer würde noch leben? Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Gott, ach, schließe du selbst die Türe hinter mir zu, wie an dem Kasten Noah, daß kein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in Schutz neh— men, daß meine sichtbaren und unsicht⸗ baren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen ins Bett auch gedenken, wie ich dereinst werde mit Erde zugedeckt, aber am jüngsten Tage wieder auferweckt werden. Laß mich alle Tage also hinbringen und schließen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Hirten und Heilandes getrösten köm Stl führ wah Ate Sch Got fam der allu deh, heib in! yen und Me aud in nad lich asch mich ich 1 schme Flehe Jinst —— See N Abendgebet am Donnerstag. 123 könne, auf daß ich bereit sei, zu welcher Stunde du kommen wirst, mich heim zu führen. Wie ich durch deine gnädige Be— wahrung liege und schlafe und doch noch Atem hole, o Jesu, so sei auch im Schlafe mit mir vereinigt. O dreieiniger Gott, unter deinem Schirm und Schild kann mich weder Not noch Tod verletzen oder mir schaden. Deine Liebe und dein allmächtiger Schutz, o Vater, deine Wun⸗ den, o Jesu, dein Beistand, o werter, heiliger Geist, sind die Wagenburg, dar⸗ in ruhe ich sanft und liege darin wohl verwahrt, davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinigen deines Schutzes genießen, wie auch alle Armen und Elenden. Stärke im Schlafe meine Kraft und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tages⸗ licht morgen wieder erblicken. Herr, laß mich ruhig schlafen ein, Hilf, daß mich nichts erschrecke; Und wenn die rechte Zeit wird sein, Alsdann mich wieder wecke, Daß ich an meine Arbeit tret, Wenn ich zuvor hab durchs Gebet Dir meine Werk befohlen. Ver— schmäh, o Gott, mein Vater, nicht Mein Seufzen, Bitt und Flehen; Laß mich dich, Jesu, wahres Licht, Auch in dem Finstern sehen. O heilger Geist, am letzten End Mit deinem Trost dich zu mir wend, Daß ich drauf sanft einschlafe. Amen. 124 Der gläubige Christ erkennet, Der gläubige Christ erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sei. Aufmunterung. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erden. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Ps. 3, 23. 26. Das höchste Gut zu haben und zu besitzen, ist der Men— schen Verlangen zu allen Zeiten gewesen; allein darin haben die meisten gefehlt, daß sie nicht gewußt, welches das aller— höchste und allerbeste Gut sei. Das allerhöchste Gut muß beständig und vollkommen sein, und muß uns im Leiden und Sterben, in Glück und Unglück aufrichten und trösten können. Nach dieser Beschreibung ist das allerhöchste Gut 1) nicht Reichtum, welchen viele für ihr höchstes Gut gehalten haben und noch halten, denn er verläßt uns im Tode und kann alsdann keine Erquickung geben. 2) Ehre und Glück— seligkeit ist auch das höchste Gut nicht, denn wie oft fällt der Geehrte in Verachtung und Schande, und wie oft ver— wandelt sich die Glückseligkeit in Jammer und Elend. 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor andern irdischen Gütern, daß man sie uns nicht rauben kann, aber sie verschwinden doch im Tode. Deswegen sucht ein gläubiger Christ sich ein wahres, beständiges Gut, wel— ches aber 4) Gott allein ist. Hat er Gott, so hat er alles, die größte Ehre, den größten Reichtum, die größte Weis heit, und zwar in Zeit und Ewigkeit. Gott erfreut den Menschen in glücklichen Tagen, erhält ihn in Kreuz und Trübsal, erquicket ihn im Tode, bleibt mit ihm vereinigt in Ewigkeit. Zu diesem Gut können wir gelangen 5) durchs Gebet, Anhörung des göttlichen Wortes, Betrachtung des— selben, und durch Beistand des heiligen Geistes, nur 6) daß man Gott nicht wieder von sich stoße, und die Weltliebe, Eitelkeit und sündliche Lust sein höchstes Gut sein lasse. ‚ foh der hat tref Erl daß sind vor Meit Wel sitze lichf Gu verl ihne sie Me Ind ib, her drei Höd Gu mit daß Gott allein das höchste Gut sei. 12⁵ Gebet. O du gnadenreicher Gott, wie bist du doch so herrlich, so schön, so voll— kommen! Wer dich hat, der hat alles, der weiß alles, der kann alles, ja der hat das allerhöchste, das beste und vor— trefflichste Gut. Ach, schreibe doch diese Erkenntnis tief in mein Herz hinein, daß ich allein dich suchen und dich finden möge. Ach, bewahre mein Herz vor der Weltmenschen Torheit, welche meinen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichtum be— sitzen, oder großes Vergnügen und Herr— lichkeit erlangen, so hätten sie das höchste Gut. Allein weit gefehlt! Diese Güter verlassen die Menschen im Tode, folgen ihnen nicht nach in die Ewigkeit, trösten sie nicht in der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewigkeit nackend und bloß, ja ohne Gott. O darum gib, daß ich das wahre Gut von dem vergänglichen wohl unterscheide! O du dreieiniger Gott, du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres und allerbestes Gut, du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen, o so vereinige dich 126 Der gläubige Christ erkennet, denn mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit! Sind alle irdischen Dinge den Feinden, Motten und Rost unter— worfen, kann sie der Feind rauben, ein Unglück sie vernichten, so bleibt mein Gott, als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen; mit dem gehe ich aus, mit demselben gehe ich ein, ihn nehme ich mit mir auf die Reise, mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja mit ihm komme ich dereinst auch in die frohe Ewigkeit. Darum, mein Gott, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; habe ich dich, so habe ich das wahre Leben, den größten Reichtum, die wahre Herrlichkeit, das allerbeste Gut. O darum laß mich Christum im Glauben ergreifen und festhalten, denn durch ihn habe ich selige Gemeinschaft mit dir. O so lebe in mir, wohne in mir, bleibe in mir, so habe ich einen Helfer in Kreuz und Elend, einen Beistand in Nöten, den größten Reichtum in Armut, den aller— kräftigsten Trost in Krankheit, ja die aller— süßeste Erquickung in der letzten Stunde. Wenn dann die Weltkinder ihr Gut verläßt, so verläßt mich Gott doch nicht; lauter selbst das U kann mit i Jesug Und zeit, daß Gott allein das höchste Gut sei. 12⁷ dieses höchste Gut behalte ich im Ab— scheiden aus der Welt und wird mir alsdann noch vollkommener, noch treff— licher und noch herrlicher mit völligem Glanz und unaussprechlichem Genuß geschenkt werden durch Jesu Christum, meinen Mittler und Seligmacher. Ach, Herr, wenn ich nur dich hab, Ei, so sag ich allem ab; Legt man mich gleich in das Grab, Ach, Herr, wenn ich dich nur hab. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. In Gott bin ich immer fröhlich, In Gott hab ich lauter Freud, In Gott bin ich reich und selig, Gott ist selbst die Seligkeit: Darum laß die Welt einfallen, Laß das Ungewitter knallen, Bleibet nur der Höchste mein, Dann kann ich vergnüget sein. 2. In Gott hab ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt; Der den Himmel mir beschieden, Ist mein Jesus, der mich krönt; Drum kann ich in Frieden sterben Und in Fried den Himmel erben; Fried in dieser Lebens⸗— zeit, Fried in alle Ewigkeit. 3. In Gott kann ich sicher rasten, Er ist meiner Seele Ruh; Zu Gott, wie zu Noahs Kasten, Eil ich wie das Täublein zu; Ruh im Leben, Ruh im Herzen, Ruh in Trübsal, Ruh in Schmerzen, Ruh in Leiden, Ruh in Not, Ruh im Grabe, Ruh im Tod. 4. In Gott bin ich reich an Schätzen, Welche keine Zeit verstreut; Freud, Vergnügen und Ergötzen Und des Trostes Süßigkeit Wird mir schon von Gott gegeben, Schauet doch, in diesem Leben, Wie wird's nicht mit vollem Schein Herrlich in dem Himmel sein. ———— ——— ————— 128 Morgengebet am Freitag. 5. Drum will ich in Gott verbleiben, Er ist meiner Seele Zier; Nichts sollmich von ihm abtreiben, So bin ich vergnüget hier, Und bin auch mit Gott verbunden In den letzten Todesstunden; Mein Gott, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tod auch nicht. Morgengebet am Freitag. Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe. Gnä⸗ diger und liebreicher Gott, mein Vater, Erlöser und Heiligmacher, ich hebe in dieser Morgenstunde Herz und Hände auf zu dem Throne deiner göttlichen Ma— jestät, von welchem mir zeit meines Le— bens und auch die vergangene gar viele Wohltaten zugeflossen sind. Du bist in derselben meine Stärke, mein Schutz, mein Erretter, meine Burg, mein Not⸗ helfer, mein Trost, mein Schirm, ja mein Alles gewesen. Aller dieser Wohl⸗ taten, mein Gott und Herr, erkenne ich mich unwürdig. Du hast mitten in der Finsternis an mich gedacht, und da mich die dunklen Schatten umgaben, hast du meinen Leib und meine Seele vor allem Schaden und vor aller Ge— fahr väterlich behütet. Darum lobe ich dich und lobsinge deinem Namen. Der Herr hat Großes an mir getan, des Morgengebet am Freitag. 129 bin ich fröhlich. Sei, o liebreicher Gott, auch diesen Tag mein Beistand, leite und führe mich nach deinem Rate, und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Gib mir heute und allezeit ein, was ich reden soll, daß ich dich mit meinem Munde nicht beleidige. Lehre mich, was ich tun soll, daß ich nichts Böses tue. Laß deines Geistes Zucht allezeit an meinem Her— zen anklopfen, wenn sich meine Gedan— ken von dir verirren wollen. Laß, o Jesu, dein blutiges Bild mich stets vor Augen sehen, wie du an einem Frei— tag, zur Zeit deines bittern Leidens, hast blutigen Schweiß für mich am Oelberg geschwitzt, bist in dem Richt— haus blutig gegeißelt und blutig ans Kreuz angenagelt worden, wenn Fleisch und Blut sündliche Lüste in mir er⸗ regen. Zeigt sich heute außer mir viel— leicht Gelegenheit zur Sünde, darein mein Herz willigen wollte, so zeige mir eben dies blutige Bild, daß dadurch alle Lust zur Sünde in mir erlöscht, ertötet und vertrieben werde. Durch Starck, Gebetbuch. Morgengebet am Freitag. Christi Wunden, Blut und Tod wird mir dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sündenschuld und Strafe in der ganzen Zeit meines Lebens bleiben. Gib nun auch, daß ich den Sünden absterbe und in dem neuen Wesen des Geistes wandle. Gedenke auch im Leiblichen an mich, und segne mich, und laß mich alles Ir— dische als ein vergängliches Gut an— sehen, daß ich mein Herz nicht daran hänge, sondern nach dem Ewigen trachte. Wenn ich arbeite, so stärke mich; wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich aus— gehe, so begleite mich; wenn ich heim— gehe, so weiche nicht von mir. Umgib auch mich und die Meinigen mit deinem Schutz wie das Haus Hiobs; bewahre mich wie den Jakob, habe auf mich acht wie auf Elia, daß ich unter deinem Schutz den Abend wiederum fröhlich er— lebe. Laß vor mich nicht kommen eine traurige Botschaft, sondern laß mich hö— ren Freude und Wonne, um Jesu Christi und seines blutigen Verdienstes willen. Meinen Leib und meine Seele, Samt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand; Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigentum. Amen. Der gläubige Christ bittet um Demut. 131 Der gläubige Christ bittet um Demut. Aufmunterung. Haltet fest an der Demut. Denn Gott widerstehet den Hof— färtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demü— tiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. 1. Petr. 5, 5. 6. Unter denjenigen Sünden, gegen welche ein gläubiger Christ zu kämpfen hat, ist auch der Stolz und Hochmut des Herzens begriffen, welcher hernach in Worten und Werken ausbricht. Stolz sind wir von Natur, aber demütig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht demütig wird, kann nicht Gott gefallen und auch nicht Christi Jünger sein. Wenn nun dieses ein gläubiger Christ erwägt, so bittet er Gott um ein demütiges Herz 1) gegen Gott. Denn es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, näm— lich Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6, 8. Er wird gegen Gott aber demütig werden, wenn er bedenket Gottes Hoheit, Majestät und Herr— lichkeit, wie ihn alle Engel und Seraphinen, Cherubinen und alle Auserwählten anbeten und preisen; und hingegen auch erwäget, wie er ein armer Wurm und Made, ja nichts als ein elender Mensch ist, den Gott in einem Augenblick ver— derben kann. Es wird ein gläubiger Christ demütig werden 2) gegen den Nächsten, wenn er sich gering gegen ihn achtet und gedenkt, wie sein Nächster vielleicht viel frömmer, andäch— tiger und daher Gott angenehmer sei, als er; wie er habe mit ihm ein Wort, eine Taufe, ein heiliges Abendmahl, einen Himmel, ja daß er im Grabe wie der ärmste Bettler wird ver— faulen und zu Asche werden. Es wird ein gläubiger Christ auch demütig werden 3) gegen sich selbst, wenn er erwäget, daß er alles, was er hat, alle Gaben, Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen nicht von sich selbst, sondern allein von Gott habe, der ihm alles bald nehmen könne, daher er nicht damit prangen, sich dessen überheben, oder das Lob der Schmeichler anhören soll. Er stelle sich, damit er auf keiner— 9* 132 Der gläubige Christ bittet um Demut. lei Weise stolz werde, fleißig das Exempel des demütigen Jesu vor, der sich unter Gott und alle Kreaturen erniedrigte und uns zuruft:„Lernet von mir, ich bin sanftmütig und von Herzen demütig! Gebet. Großer, heiliger und barmherziger Gott, der du bist der Hohe und Er⸗ habene, vor dessen Thron Cherubinen, Seraphinen und alle Auserwählten in Demut ihr Antlitz bedecken, ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zu eigener Ehre und zum Hochmut, mich über alles zu erheben, geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welche ein An⸗ fang aller Sünde ist, vergiftet, daß ich oftmals vergesse, daß ich Staub, Erde und Asche bin. Ach, mein Gott, gib mir doch ein demütiges Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und alles habe, damit ich mich unter deine ge— waltige Hand demütigen und nicht fre⸗ ventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts habe, als Sünde, Tod und Verdammnis, — — ⏑E— S—.—— o oe X Der gläubige Christ bittet um Demut. 133 was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit nichts prange, sondern alles als dein Geschenk und Gabe ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich über die Menge der Wohltaten deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demut in mein Herz, daß ich dir gehorchen, dich fürchten, ehren, dir dienen, dich anbeten und dich allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demut gegen meinen Nächsten, daß ich ihn niemals gegen mich verachten oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffärtigen noch nie ge— fallen, aber daß du auf die demü⸗ tigen Seelen dein Licht, Trost, Gnade und Güte hast reichlich fließen lassen. Wende von mir ab alle hoffärtigen Gedanken, gib, daß ich mich hüte vor stolzen Worten, bewaͤhre mich vor Ehr— geiz, Ruhmredigkeit, daraus nichts als Verachtung gegen den Nächsten ent— springt. Drücke in mein Herz das Bild meines demütigen Heilandes, der IX. 4 VI il * I N I. I. 1 —.— —— * 2 2—— —2*——————— —3———— 134 Der gläubige Christ bittet um Demut. sich unter Engel und Menschen er— niedrigt hat, welcher auch mir zuruft: Lerne von mir, denn ich bin von Herzen demütig, daß diese Stimme alle Augenblicke, wenn sich mein Herz erheben will, in mir erschallen möge. Ist mein Nächster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn er— hebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehrt, so laß mich dieses also an⸗ sehen, daß du ihn dazu gemacht, da⸗ zu erhoben und dazu berufen habest, und mich darüber gegen dich nicht be— schweren oder ihm deine Gaben miß⸗ gönnen, vielmehr mich darüber erfreuen möge. Ach, mein Gott, hilf, daß ich umkehre und werde wie die Kinder, die nichts von sich machen, daß ich nichts in meinen Augen werde. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich der Sünde des Hochmuts täglich absterbe, nich keiner Ehre würdig achte und von niemand Ehre begehre, sondern alle Ehre, allen Ruhm dir allein beilege. Gib mir in wahrer Niedrigkeit des Herzens zu erkennen, daß alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade Der gläubige Christ bittet um Demut. 13⁵ mir gehöre, daß ich mich nichts, als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demut in Frieden und Einigkeit mit jedermann zu leben. Laß mein Herz allezeit eine Wohnung des demütigen Jesu sein, so werde ich mich niemals erheben. Stolz und Hochmut ist des Satans Sünde, davor bewahre mich in Gnaden. Und so dir ja ge— fallen sollte, mein Gott, mich in Spott und Verachtung fallen zu lassen, daß mich mein Feind schmäht, und der Ver— ächter mich mit Füßen tritt, so gib mir Kraft und Stärke, daß ich alles mit Demut, Gelassenheit und Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demütigung und desto größerer Behut— samkeit in meinem Wandel mir die— nen lasse. Ach Herr, Herr, verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen mächtigen Beistand dieses alles zu voll—⸗ bringen! Selig sind, die Demut haben Und sind allzeit arm im Geist, Rühmen sich gar keiner Gaben, Daß Gott werd allein gepreist, Danken ihm auch für und für, Denn das Himmelreich ist ihr; Gott wird dort zu Ehren setzen, Die sich selbst gering hier schätzen. Amen. D⁰d F —...—.— ꝗDDIFTID‚‚‚‚‚-˖-=== FSES.*—— ————— — Der gläubige Christ bittet um Demut. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Demut ist die schönste Tugend, Aller Christen Ruhm und Ehr, Denn sie zieret unsre Jugend, Und das Alter noch viel mehr; Pflegen sie auch nicht zu loben, Die zu großem Glück erhoben; Sie ist mehr als Gold und Geld, Und was herrlich in der Welt. 2. Siehe, Jesus war demütig, Er erhob sich selbsten nicht, Er war freundlich, liebreich, gütig, Wie uns Gottes Wort bericht't; Man befand in seinem Leben Gar kein Prangen und Erheben, Drum spricht er zu mir und dir: Lernet Demut doch von mir! 3. Wer der Demut ist beflissen, Ist bei jedermann be— liebt; Wer da nichts will sein und wissen, Der ist's, dem Gott Ehre gibt; Demut hat Gott stets gefallen, Sie gefällt auch denen allen, Die auf Gottes Wegen gehn Und in Jesu Liebe stehn. 4. Demut macht uns nicht verächtlich, Wie die stolze Welt ausschreit, Wenn sie frech und unbedächtlich Die De— mütigen anspeit; Stolze müssen selbst gestehen, Wenn sie Fromme um sich sehen, Daß doch Demut edler ist, Als ein frecher, stolzer Christ. 5. Demut bringet großen Segen Und erlanget Gottes Gnad, An ihr ist gar viel gelegen, Denn wer diese Tugend hat, Der ist an der Seel geschmücket Und in seinem Tun beglücket, Er ist glücklich in der Zeit, Selig auch in Ewigkeit. 6. Diese edlen Demutsgaben, So da sind des Glaubens Frucht, Wird ein jeder Christ auch haben, Welcher sie von Herzen sucht. Wo der Glaub wird angezündet, Da ist Demut auch gegründet; Glaube, Hoffnung, Demut, Lieb Kommt aus Gottes Geistes Trieb. 7. Auf die Demut folget Wonne, Gottes Gnade in der Zeit, Und dort bei der Freudensonne Friede, Licht und 3o Tr.—— 2—— Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. 137 Herrlichkeit; Da wird Demut herrlich prangen Und die Ehrenkron erlangen; Was man hier gering geacht't, Leuchtet dort in Himmelspracht. Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. Aufmunterung. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nach— folgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde getan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden; welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dräuete, da er litt; er stellte es aber dem heim, der da recht richtet. 1. Petri 2, 21. 22. 23. Wenn ein Christ in seiner Erneuerung und in seiner Heiligung im neuen Gehorsam gegen Gottes Wort und Gebot hat einen guten Anfang gemacht, daß er sich von äußerlichen groben Sünden gereinigt, so muß er bedacht sein, auch das Inwendige zu reinigen, sonderlich von Stolz, Neid, Zorn, Haß und Rachgier, und sich mit Gebet der Sanftmut be— fleißigen. Diese besteht darin, 1) daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht wieder schelte, wenn man gescholten wird, nicht aus Haß, Zorn und Rachgier dem Nächsten drohe. 2) Ob wir sanftmütig seien und diese edle Tugend besitzen, können wir nicht eher wissen, bis uns der Feind angreift, der uns nach Ehre, Gut und Namen trachtet; denn wer da gleich in Zorn entbrennt, flucht, schilt, droht, bei dem wohnt der sanftmütige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht wider die Sanftmut, Schutz gegen seine Feinde bei der Obrig— keit zu suchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief und sich in des Kaisers Schutz begab, als man ihn in Lebens-— gefahr bringen wollte. Apostelgeschichte 25,11. 4) Es steht wahren Kindern Gottes nicht an, wie Hunde zu beißen, wie Löwen sich zu zerreißen, wie wilde Tiere sich in Grimm und Bitterkeit zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns ein Feind drückt, will Gott eine Probe unseres Glaubens sehen und uns zur Erkenntnis der vorher begangenen Sün— 138 Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. den führen, ob wir vielleicht mit unserm ungerechten Ver— fahren anderen Leuten Seufzer ausgepreßt haben. 6) Die Kennzeichen der Sanftmut sind: im Herzen verzeihen, für die Feinde beten(Matth. 5, 44), ihnen Gutes wünschen, alles Gute tun, alles Gute gönnen, nicht alle Scheltworte hören, nicht alles beantworten, und zur Versöhnung willig sein. Gebet. O du liebreicher Gott, der du die Liebe selbst bist, und willst deine Liebe in unsere Herzen ausgießen durch den heiligen Geist: ach, ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oft— mals gar widerspenstig und unbändig ist. Es sollte in demselben Demut, Liebe, Sanftmut und Gelassenheit sein zur Zeit, wenn mich mein Feind drängt, verfolgt und haßt; aber ach, ich finde leider, anstatt dieser christlichen und notwendigen Tugenden, Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, wider den zu schelten, der mich schilt, Böses zu vergelten dem, der mir unrecht tut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hat. Wenn ich aber, o Gott, aus deinem heiligen Worte weiß, daß, die solches tun, nicht —— ⏑E—E—⏑&Eeee————— Sss— ———— Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. 139 sollen ins Reich Gottes kommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sei der Kinder Gottes und der wahren Christen Art, ach, so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, welcher rachgierig, boshaftig und un— versöhnlich ist, und bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher Gott, und gib mir deinen heiligen Geist, der mein Herz heilige und reinige von aller Bosheit und Rachgier. Hilf, daß ich allezeit sehen möge auf das Erxempel meines Jesu, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinen Feinden drohte, daß er sich an ihnen rächen wollte; indem er litt, stellte er aber alles dem heim, der da recht richtet. Ach, gib mir auch einen solchen stillen, sanfmütigen und fried— fertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalten und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen lassen, sondern ehe es noch Nacht wird, ehe ich noch ein— schlafe, meinen Feinden von Herzen ver— zeihen möge. Verleihe mir Kraft und 140 Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. Stärke, daß ich möge sein wie ein Tau⸗ ber, der nicht hört, und wie ein Stum⸗ mer, der seinen Mund nicht auftut, zurzeit, wenn mich mein Feind schmäht. Hingegen gib mir Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohlgeht, ihm alles Gute wünsche, gönne, ja ihm gerne helfe und wohltue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft weder in Wor— ten noch Gebärden noch Werken spü— ren lasse, sondern wie gegen jedermann also auch gegen meine Feinde in dem Herzen mitleidig, mit Worten freund— lich und aufrichtig, mit Gebärden hold— selig, mit Werken wohltätig sei, da⸗ mit nicht durch meine Unversöhnlichkeit mein Gebet verhindert, und all mein Gottesdienst und Andacht verwerflich werde. Gib, daß ich von Herzen ver— zeihe meinen Schuldigern, wie ich will, daß du mir meine Fehler und Misse— taten verzeihen sollst, daß ich nicht täg— lich wider mich selbst beten möge. Laß den Segen auf mich kommen, welchen du den Sanftmütigen verheißen hast: Selig sind die Sanftmütigen, denn sie kenne mut nun Mar schel Iqs Wer Ged Fle VS7————— ** Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. 141 werden das Erdreich besitzen. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Bezwinge in mir durch deinen Geist die wider diese Tugend aufsteigende Lust, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe und einst durch deine Gnade in die Woh— nungen des Friedens versetzt werde. O Seele, schaue Jesum an! Hier kannst du recht er— kennen, Was wahre Demut heißen kann, Und was wir Sanft— mut nennen; Er stellet sich zum Muster dar: Wie Jesus nun gesinnet war, So sei auch du gesinnet. Das Böse sucht er alsobald Mit Gutem zu vergelten; Man hörte, wenn die Welt ihn schalt, Ihn niemals wieder schelten. Er gibt es seinem Vater hin, So sanft ist deines Jesu Sinn; So sei auch du gesinnet. Amen. Gesang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 1. Sieh doch, wie mein Feind mich schmähet, Großer Gott, ach, höre doch! Großer Gott, du lebst ja noch! Sieh, wie er mit mir umgehet, Wie er tobet, ruft und schreit, Und mich fast vor Zorn anspeit. 2. Höre, Herr, ach, hör sein Schelten! Aber ach, ver⸗ leih mir Gnad, Daß ich niemals in der Tat, Noch mit Worten mög vergelten, Was er wider mich ausübt, Und mich auf das Blut betrübt. 3. Gib, daß ich nicht wieder hasse, Daß ich schweige, wenn er schilt Und für Gutes Bös's vergilt, Daß ich in Geduld mich fasse, Und ertrage wie ein Christ, Was dem Fleisch beschwerlich ist. 4. Hilf, daß ich ihn möge segnen, Wenn er mir aufs .— —————— ———— —D— I————————— ** ——.——. ————————————— 142 Abendgebet am Freitag. schlimmste flucht Und nichts als mein Unglück sucht, Und daß ich ihm mög begegnen Mit gelassnem, stillem Mut, Ob er mir gleich unrecht tut. 5. Lasse mich auf Jesum sehen, Der da gar nicht wieder schalt, Noch mit Bösem Bös's vergalt, Und darinnen ihm nachgehen, Daß ich als ein Gotteskind Ihn mit Sanftmut überwind. 6. Ach, laß deinen Geist mich stärken, Wenn mein Feind mir setzet zu, Daß ich ihm da Gutes tu, Daß in meinem Wort und Werken Sich nicht finde Bitterkeit, Zorn, Haß, Rachgier, Grimm und Neid. 7. Laß auch meinen Feind aufhören, Daß er nicht mehr wider mich Rede also freventlich; Ja, du wollest ihn be— kehren, Daß er werd hinfort mein Freund, Welcher war mein ärgster Feind. 8. Ach, du wollest ihm verzeihen, Was er wider mich getan, Rechne doch es ihm nicht an! Und du wollst uns Gnad verleihen, Daß wir leben nach dem Streit Stets in Fried und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinsten sterben, Daß wir sterben als versöhnt Und mit deiner Gnad gekrönt; Laß uns beid den Himmel erben, Zu des Lammes Hochzeit gehn Und dein Antlitz ewig sehn! Abendgebet am Freitag. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. O du großer und starker Gott, laß auch in der bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich her lagern und mich mit ihrem mächtigen Schutz umgeben; hast du den Engeln des Tages befohlen, daß sie mich be— Abendgebet am Freitag. ö 143 hüten auf allen meinen Wegen, so laß sie auch des Nachts um mein Bett stehen. Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Jesu, besprenge mein Herz mit deinem heiligen Blut, daß nichts Schäd— liches sich zu mir nahe; ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hast mich heute begleitet, wo ich mich hin— gewendet und auf meine Verrichtungen deinen Segen gelegt; du hast zu allem, was ich in deinem Namen angefangen, Glück gegeben. Ach, daß heute meine beständige Lehre Josephs Worte ge— wesen wären: Wie sollte ich ein so großes Uebel tun und wider Gott sün⸗ digen? Ach, verzeihe mir aus Gna— den, was ich diesen Tag Böses voll— bracht, geredet, gedacht; laß mit dem abgehenden Tage auch meine Sünden und Sündenstrafe verschwinden, daß ihrer in Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. So du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Denn ich weiß gar wohl, daß ein Mensch nicht rechtfertig vor Gott bestehen mag; hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten. Was IIIIeeeeeeeettttttftffe——.—.— ———— 23——.. HFI—————— —— *EEII—— — Dνν ινν——— —— IIE— .. 14⁴ Abendgebet am Freitag. ich aber nicht vermag, das will ich mit Jesu Blut bezahlen. Mein Jesus ist mein, sein Blut ist mein, seine Ge⸗ rechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenne mich doch, mein Hü— ter, mein Hirte, nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Guts getan; laß mich solche deine Güte zur Buße leiten, denn du hast mich je und je geliebet, und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Laß deine treue Liebe mein kaltes Herz er— wärmen, daß ich dich niemals mehr vorsätzlich beleidigen möge, der du so viel Gutes an mir getan hast. Ich lege mich nun zur Ruhe nieder, es kann auch diese Nacht meine letzte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege, aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde; das steht allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens; aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater, in deinen Wunden, o Jesu, in deiner Gemeinschaft, o werter hei— liger Geist, einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeit— zu der drücket Veil 3 Der Schaff neue Ang P.. digste unter das tä die ih wegen gegeb gieren notwe einen Geist, Christ in all 3) Um und 6 heilig heilig selig! schen, fromn weil ö 8 ———— Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. 145 lichen Leben nicht wieder aufstehen sollte. Ich lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich lege zu der Ruh, Ich bleib im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstre Nacht, Weil Jesus um mein Bette wacht. Amen. Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. Aufmunterung. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Pfü. 51, 12. 183. Um den heiligen Geist zu bitten, ist die allernotwen— digste und seligste Bitte. Der heilige Geist ist nicht mit unter den Gaben, die uns Gott gibt ohne unser Gebet, wie das tägliche Brot, sondern derselbe wird nur denen gegeben, die ihn darum bitten, wie Christus spricht Luk. 11, 13. Des⸗ wegen ist 1) der heilige Geist eine Gabe, die nur denen wird gegeben, die sich wollen heiligen, reinigen und von ihm re— gieren lassen. 2) Um den heiligen Geist zu bitten, ist höchst notwendig, denn in diesem Leben haben wir einen Führer, einen Lehrer, einen Tröster nötig. Nun ist das der heilige Geist, der führt uns in alle Wahrheit, er lehrt uns Jesum Christum erkennen und verklärt ihn in uns, er tröstet uns in allem Leiden und Trübsal, ja in der Stunde des Todes. 3) Um den heiligen Geist sollen bitten Alte und Junge, Große und Kleine, die Eltern für sich und ihre Kinder, denn der heilige Geist ist das Pfand unseres Erbes; wer hier den heiligen Geist nicht in seinem Herzen hat, der kann nicht selig werden. 4) Deswegen sind das die unglücklichsten Men⸗ schen, die ohne den heiligen Geist sind, die können nicht fromm werden noch fromm leben, sondern sündigen und fallen, weil sie ohne diesen Regierer und Führer sind; ja, wer will Starck, Gebetbuch. 10 * 146 Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. sie auf ihrem Totenbette trösten und in der letzten Not er⸗— quicken? 5) Hat uns Gott aber den heiligen Geist gegeben, so soll man ihn nicht wieder von sich stoßen durch mutwillige Sünden und ein gottloses Leben, sondern täglich seufzen: Nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! 6) Solche Seelen stehen in der wahren Vereinigung mit Gott und in dem Stande der Seligkeit. Gebet. Großer Gott, heiliger Vater, siehe, ich armes Kind komme zu dir und bitte dich um eine notwendige Gabe, um den heiligen Geist, welchen du gnädig ver— heißen hast allen zu geben, die dich darum anrufen; darum sende ihn von oben herab, von deiner heiligen Wohnung in mein Herz, daß er sei mein Führer, der mich leite nach deinem Rat, damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist, vollbringe. Ach, ich sehe so viele IrrF-und Sünden⸗ wege, ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen, und die mich teils mit freundlichen, teils mit Schmähwor⸗ ten reizen, ich solle mit ihnen sündigen und Böses tun. Ach Gott, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte; stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt und Weltsünden Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. 147 wollen gefallen, daß mich solcher breite Weg in das Verderben und Verdamm— nis führt. Ach, gib mir deinen heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist des Trostes, der mich erquicke; den Geist der Freudigkeit, der mich erfreue in Traurigkeit; den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Kreatur und neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, ich sei ein Kind Gottes; den Geist, das Pfand meines himmlischen Erbes. O werter heiliger Geist, ach, heilige mich, du siehest ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sünden ist, da⸗ her dann lauter unheilige Gedanken, Worte und Werke entstehen; aber du siehest auch, wie ich durch deine Gnade einen herzlichen Abscheu davor habe. Ach, es ist mir leid, daß ich dich jemals be— trübt und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiermit übergebe ich mich dir in deine heilige Führung und Regierung; du sollst sein meiner Seelen Weide, meines Lebens Kraft, meines Herzens Trost, meines Verstandes Licht, mei⸗ nes Willens Ruhe und Stärke, meines 10*⁴ 148 W Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. Gedächtnisses Schatz, ein Ursprung, An— fang und Ende meines neuen, geist— lichen Lebens. Ach, heilige mich durch und durch, damit mein Geist samt Seele und Leib mögen unsträflich be— halten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Mache aus meinem Herzen dei— nen Tempel und wohne darin; meine Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit, daß ich damit nicht möge vorsätzlich und mutwillig sündigen. Mache mein Herz zu einem lebendigen Opfer, das Gott angenehm sei. Vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüste und Be— gierden, daß ich auch die Kräfte meines Leibes zu deinen Ehren gebrauche. Re— giere und führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führst. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit den Trost benehmen will, daß ich ein Kind Gottes sei, ach, so versichere mich durch deinen kräftigen Zuspruch, daß weder Leben noch Tod mich werde scheiden von der Liebe Got— tes, und daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübsal haben, aber dennoch Kinder Geist, Got beste Hel daß mich wemt stant Her— Nsti Mir V hißt heilgen zu em mir n Und 1 O Ge 2 tum Ach, Und *— e 2dνr. Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. 149 Gottes bleiben. Sei und bleibe du der beständige Einwohner und Herr meines Herzens; gib Zeugnis meinem Geiste, daß ich ein Kind Gottes sei. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hilfe und Bei— stand verschwindet, daß ich werde der Herrlichkeit teilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. Vater, gib mir auch die Gabe, Die du alle bitten heißt, Daß ich sie empfind und habe, Gib mir deinen heilgen Geist; Denn ich habe groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen. Ach, erhöre meine Bitt, Teile deinen Geist mir mit! Amen. Gesang. Mel.: Zeuch ein zu meinen Toren. 1. Ach, komm doch in mein Herze, O werter heilger Geist, Sei meiner Seelen Kerze, Die sie zum Himmel weist, Und mach sie neu und rein, Ich habe groß Verlangen, O Geist, dich zu empfangen; Ach, kehre bei mir ein! 2. Komm, gib mir neue Stärke Zu meinem Christen⸗ tum Und heilge meine Werke Zu deinem Dienst und Ruhm; Ach, mache mich ganz neu, Daß ich stets bet und singe, Und nur allein vollbringe, Was dir gefällig sei. 3. Komm, heilge meinen Willen Und reiß ihn von der Welt, Damit ich mög erfüllen, Was dir, mein Gott, ge— fällt, Ich geb mich gänzlich dir, Regiere meine Sinnen, Mein Leben und Beginnen, Und wohne stets in mir. 4. Ja, ändre Herz und Leben, Und heilge gänzlich mich, Heb auf das Widerstreben, Daß alles richte sich Allein 150 Morgengebet am Sonnabend. nach deinem Trieb, Daß ich die Sünde hasse, unterlasse Und wachs' in deiner Lieb. 5. Laß meine Lippen sprechen Was ehrbar ist, hin⸗ fort, Damit sie nicht ausbrechen In freche Sündenwort; Sei meiner Zunge Herr, Daß sie Gott lob und preise, Dem Nächsten Lieb erweise Und dien zu deiner Ehr. 6. Wenn du nun hast genommen In meinem Herzen Platz, Wenn du zu mir gekommen, So sollst du sein mein Schatz, Dieweil ich an dir hab Den allerbesten Führer, Den Tröster und Regierer, Die allerhöchste Gab. 7. Wird sich mein Leben enden, Daß ich abscheiden soll, So ist in deinen Händen Mir auch im Sterben wohl; Zerrinnt der Lebenssaft, Daß ich nicht mehr kann beten, So wirst du mich vertreten Durch deiner Seufzer Kraft. 8. Wenn ich nun werd erblassen, So sprich den Trost mir zu, Ich seie nicht verlassen, Ich komm zu meiner Ruh; Im letzten Kampf und Streit Hilf du mir kräftig ringen Und seliglich durchdringen Zur Himmelsherrlichkeit. Morgengebet am Sonnabend. Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Star— ker und allmächtiger Gott, dieses sind jetzt meine Gedanken am Ende der Woche, da du am letzten Tage derselben mich hast gesund von meiner Ruhe auf— stehen lassen. Ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beschützt, so mächtig bedeckt, daß keine Gefahr noch Leiden mich beun— Das Böse Masser, len sind, taten u meines“ dir empf licht vor alles Un Du spre betrüge. Se Sonne schau das Licht no hat mich ern Ach, verleugn die welt und got mich mi liches E mut, D alten M gerechtig Zauk, heit aut zu einen nuchts g dir zuw Morgengebet am Sonnabend. 151 ruhigen konnte. O mein Gott, so wenig die Sterne am Himmel, der Sand am Wasser, die Tropfen im Meere zu zäh— len sind, so wenig kann ich auch die Wohl— taten namhaft machen, welche ich zeit meines Lebens und auch diese Woche von dir empfangen habe. Du bist diese Nacht nicht von meiner Seite gewichen, du hast alles Ungemach von mir abgewiesen. Du sprachst: Mein Kind, nun liege, Trotz dem, der dich betrüge. Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen. Dein Wort, Herr, ist geschehen, Ich kann das Licht noch sehen, Von Not bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich erneuet. Ach, laß mich diesen Tag beständig verleugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig den Tag hinbringen. Laß mich mit meinen Kleidern anziehen herz— liches Erbarmen, Freundlichkeit, Sanft— mut, Demut und Geduld; hingegen den alten Menschen mit seinen Werken, Un— gerechtigkeit, Falschheit, Lügen, Zorn, Zank, Zwietracht, Unreinigkeit und Bos— heit ausziehen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir nichts geredet oder vollbracht werde, was dir zuwider sein könnte. Mein Jesu, 152 Morgengebet am Sonnabend. der du bist das A und das O, der Anfang und das Ende, ich habe nun abermal durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebt; laß mich wohl be— denken, daß auch einmal die letzte Woche und der letzte Tag meines Lebens kom— men werde, und laß mich alle Wochen und Tage so anfangen, fortsetzen und vollenden, daß ich in den letzten Lebens— stunden mich nicht schämen oder beklagen müsse, daß ich gelebt habe. Laß mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen, behüte meinen Ausgang und Eingang, segne meine Arbeit, stehe mir in allen Fällen bei und richte all mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Zerreiß das Sündenregister, welches ich diese Woche zusammenge— bracht, streiche es mit deinem Blute aus und laß mich die neue Woche be— hutsamer, frömmer, aufrichtiger und dir gefälliger werden. Ich freue mich schon auf den morgenden Sonntag, da ich soll ruhen von aller meiner Arbeit, auf daß du dein Werk zu meiner Erbau— ung, Heiligung und Belehrung in mir haben mögest. Darum: A Ewigk. holt. Kind sorgt, Mens zwar Der gläubige Christ erkennet die Güte Gottes. 153 O heilger Geist, kehr bei mir ein Und laß mich deine Wohnung sein, O komm, du Herzenssonne; Du Himmels-— licht, laß deinen Schein Bei mir und in mir kräftig sein Zu steter Freud und Wonne. Laß mich, durch dich Recht zu leben, mich ergeben Und mit Beten Oft deshalben vor dich treten. Amen. eeo— Der gläubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes. Aufmunterung. Die Güte des Herrn ist, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende; sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Klagelieder Jer. 2, 22. 2. Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Güte aber währet in Ewigkeit, wie David im 136. Psalm bei allen Versen wieder⸗ holt. Gottes Güte ist wie eine Mutter, welche, wenn ein Kind geboren wird, es in ihre Arme nimmt, für dasselbe sorgt, es verpflegt und erzieht; so tut auch Gott an uns Menschen. Dieses erkennt nun ein gläubiger Christ und zwar 1) daß es ist eine unverdiente Güte. Ach, das haben wir nicht um Gott verdient; wollte er nach unserem Ver— dienst mit uns handeln, so müßte das Verderben an Leib und Seele uns drücken. 2) Es ist eine uns notwendige Güte; wäre Gott nicht so gütig und barmherzig, so müßten wir verschmachten und vergehen, und würden nicht einen Tag, ja nicht eine Stunde leben können. Denn wie ohne die Luft keine Kreatur leben kann, also können auch die Menschen nicht ohne die Güte Gottes bestehen. Ja, was das meiste, es ist 3) eine immerwährende Güte, wenn ein gläubiger Christ sein ganzes Leben ansieht, von seiner Ge⸗ burt, in seiner Kindheit, Jugend und fortwachsenden Jahren, so ist es lauter Güte Gottes; was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirkt; was wir besitzen im Leiblichen, ——— EE —— —— ——— 154 Der gläubige Christ erkennet das hat uns Gottes Güte gegeben. Ja, was noch mehr zu bewundern, 4) es ist eine Güte, welche auch die Undank— baren und Gottlosen genießen; auch über sie läßt er seine Sonne scheinen, er gibt ihnen Nahrung und Kleidung, nur der Einwohnung des heiligen Geistes werden sie nicht teil— haftig, weil sie ihr Herz davor zuschließen. Ein gläubiger Christi läßt sich aber durch Gottes Güte auch zur Buße, Liebe Gottes und Gottesfurcht leiten, und ist versichert, daß er also auch derselben genießen wird bis in den Tod, ja in alle Ewigkeit. Gebet. Gott, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten dei— ner Flügel trauen! Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkest sie mit Wollust, als mit einem Strom. Nun, solche Güte habe ich auch erfahren, mein Gott, sie ist bei mir alle Tage, alle Stunden, alle Wochen, ja alle Jahre neu ge— wesen. Deine Güte hat mich, da ich geboren war, wie eine Pflegemutter auf die Arme genommen und hat mich er— zogen. Deine Güte hat mich in der Jugend an der Hand geführt und aller— orten begleitet. Deine Güte hat mich in den reiferen Jahren versorgt, erhal— ten, ernährt und mir viel Gutes beschert. Ja, deine Güte hat bis auf diesen Tag und über über ge, deine yor und und dami die immerwährende Güte Gottes. 15⁵5 und diese Stunde, da ich vor dir stehe, über mir geschwebt, deine Leuchte hat über mir geschienen und mich mit Se— gen, Gnade und Trost erfüllt. Diese deine Güte hat mich oftmals bewahret vor Unglück und Schaden, deine Güte und Treue hat mich allewege behütet und ist mit mir aus und ein gegangen, damit mir kein Leid widerfahren möchte. Diese deine Güte hat auch meine Seele mit himmlischem Lichte ausgeschmückt, hat durch dein Wort mich erleuchtet, durch den heiligen Geist mich geheiliget und zu deiner wahren lebendigen Erkenntnis gebracht. Ach, mein Gott, laß deine Güte ferner über mir walten und ver— laß mich nicht im Alter, wenn ich grau werde; laß deine Güte und Treue mich begleiten bis in den Tod, bis sie meine Seele zur Erquickung in deinen Schoß, und meinen Leib zur Ruhe in die Erde gebracht hat. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, daß ich, in Be— trachtung der empfangenen Wohltaten, dir mein Herz zur Wohnung und meine Seele zum Eigentum übergebe. Nach aller deiner Güte erbarme dich über — —— + EE νN 156 Der gläubige Christ erkennet die Güte Gottes. mich, wenn ich aus Schwachheit viel— leicht fehlen und sündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wieder auf den Weg der Buße und des Frie— dens, und laß mich deine Gnade in Christo Jesu genießen, hier zeitlich und dort ewig. Für alle deine mir erwie— sene Güte danke ich dir und lobe dich von Grund meiner Seele. Nicht allein lobe ich dich allhier, solange ich lebe, ich will dich, o gütiger und barmherziger Gott, auch preisen in alle Ewigkeit. Drum, o meine Liebe, Die ich oft betrübe Hier in dieser Welt, Dir dankt mein Gemüte Wegen deiner Güte, Die mich noch erhält, Die mir oft Gar unverhofft Hat geholfen in dem Klagen, Not, Leid, Angst und Zagen. Amen. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Gottes Liebe, Gnad und Güte Werden alle Morgen neu, Das erkennet mein Gemüte, Und auch seine Vater— treu; Gott hat viel an mir getan, Mehr als ich aussprechen kann, Ich hab alle Tag und Stunden Gottes Treu und Güt empfunden. 2. Nicht nur hat er mir das Leben, Nahrung, Segen, Wohlergehn Reichlich und voll Huld gegeben, Sondern er läßt mich auch seh'n, Wie es seiner Güt gefällt, Daß er alles noch erhält; Ja, mit jedem frühen Morgen Fängt er wieder an zu sorgen. 3. Er schenkt mir auch seine Liebe Und die wahre Seelenfreud, Seines Geistes süße Triebe Zu der wahren .:: Frömt wenn Gnade 4. lauf, auf; schlafe Gutem 0 Zeit, keil. Alezei sündlil die Gl der S einen Freud. sind *—*—.—— 4 Der gläubige Christ erwäget die Herrlichkeit. 157 Frömmigkeit, Trost, wenn mich ein Leiden quält, Hilf, wenn mich ein Feind anfällt, Güte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. 4. Solche Güt hab' ich erfahren In dem ganzen Lebens— lauf, Und in diesen späten Jahren Höret sie auch noch nicht auf; Wenn ich morgens früh aufsteh Und des Abends schlafen geh, Lässet sie es meiner Seelen Nie an etwas Gutem fehlen. 5. Diese Güte will ich preisen, Weil ich lebe in der Zeit, Und dem Höchsten Dank erweisen In der frohen Ewig— keit. Ach, mein Gott, ich bitte dich, Lasse deine Güte mich Allezeit zum Trost genießen, Bis ich werd die Augen schließen. D⁰ Der gläubige Christ awiget die künftige herrlichkeit der Kinder Gottes. Aufmunterung. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt sich, gleich wie er auch rein ist. 1. Joh. 3, 2. 3. Ein jeglicher wahre Christ soll dreierlei täglich, ja stünd— lich erwägen: wer er sei, nämlich ein Kind Gottes; was er an Gott habe, einen Vater, einen Wohltäter und den aller— besten Freund; und was er von Gott noch zu erwarten habe, nämlich himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrach— tung wird in ihm die Liebe zu Gott entzünden und stärken und einen Haß und Verachtung gegen die Welt und gegen alles sündliche Leben erwecken. Denn 1) große Herrlichkeiten haben die Gläubigen schon hier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, den Frieden mit Gott, einen Tröster in aller Not, einen Fürbitter und Fürsprecher, Freude der Seele, Ruhe in Gott; gegen diese Herrlichkeit sind Silber, Gold, Geld und alle königlichen Kronen für 158 Der gläubige Christ erwäget nichts zu achten. 2) Große Herrlichkeiten haben sie nach diesem Leben zu erwarten, nämlich den Eingang in den Himmel, das Anschauen des dreieinigen Gottes, die Gemein— schaft der heiligen Engel und Auserwählten, die Freude, Befreiung von allem Leiden, ein ewiges Wohlsein und end— lich eine fröhliche und selige Auferstehung des Leibes. Ein gläubiger Christ soll 3) sich darauf freuen, sich derselben bei vorfallenden Trübsalen trösten, und sich versichern, es werde dereinst alles Leiden in ein ewiges Jauchzen ver— wandelt werden. Besonders aber soll er 4) diese Herrlich— keiten nicht verscherzen durch ein sündliches Weltleben, son— dern gedenken, er sei zu etwas Herrlicherem bestimmt. Zu dem Ende 5) bleibt er im Glauben und in der Lebensheilig— keit, siehet das Irdische an als etwas Vergängliches, das er verlassen muß, hingegen schickt er sein Herz oft dahinein, wo er ewig wünscht zu sein. Gebet. Wie gnädig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer Gott, daß du nicht allein den Menschen in großer Herrlichkeit erschaffen, sondern auch, da er gefallen war, wiederum eine große Herrlichkeit zugesagt hast allen, welche die Gnade annehmem und im Glaͤuben und heiligen Leben dem Trieb deines heiligen Geistes folgen. Denn solche wiedergeborene und geheiligte See— len können sich trösten, sie haben in dieser Zeit schon eine große Herrlichkeit, naͤm— lich die Kindschaft bei Gott, die Ge— rechtigkeit Christi, die Einwohnung des Heilt dein fl und herzt Her nen See alob Ang ligen erfül vird ing und Got Her habe aufh Clen Ende s sal; u ne u, m n er e⸗ K0 die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 159 heiligen Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Gnade und Liebe, zu welcher sie allezeit getrost in ihrem Gebet treten und von dir in Nöten Hilfe und Barm— herzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichkeit wird noch eine größere kom— men nach dieser Zeit; denn wenn die Seele vom Leibe geschieden ist, so soll sie alsbald zum fröhlichen Anschauen deines Angesichts gelangen, sie soll deinen Hei— ligen zugesellt und mit himmlischer Freude erfüllt werden. Zu solcher Herrlichkeit wird auch der Leib nach der Aufersteh— ung gelangen, da soll er verklärt werden und leuchten wie die Sonne. Ach, mein Gott, verleihe mir Gnade, daß ich die Herrlichkeit möge allezeit vor Augen haben, wie ich im Sterben recht werde anfangen zu leben, wie im Tode mein Elend, nicht aber mein Leben in dir ein Ende nehmen werde, und daß ich alsdann aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Trüb— sal zur Freude, aus der Angst zur Wonne, aus der Traurigkeit und dem Jammertal zum Trost gelangen soll. Ach, erhalte mich im Glauben und Frömmigkeit, daß ich, wenn die Welt mich verführen will, — —— F——— —— — *—.— —*.— 160 Der gläubige Christ erwäget die Herrlichkeit. gedenke, wer ich sei, nämlich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt möge liebhaben und darüber des Himmels Herrlichkeit versäumen. Hilf, daß ich, wie die Läufer, so in den Schran— ken liefen, aufmerksam waren auf alle Tritte, damit sie das Kleinod erlangten, auch möge versichtig wandeln, und nicht als ein Unweiser, sondern als ein Weiser, damit ich am Ende meines Lebens mit Wahrheit sagen könne: Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehal— ten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben. Der Leib zwar in der Erden Von Würmern wird verzehrt, Doch auferweckt soll werden Durch Christum neu verklärt, Wird leuchten wie die Sonne Und leben ohne Not In Himmelsfreud und Wonne; Was schad't mir dann der Tod? Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Sieh, es ist alles mir Zum Eigentum gegeben, Was Gott nur ist und hat; Ja, schon in diesem Leben Ist es ........... Abendgebet am Sonnabend. auch alles mein, Das Recht und der Genuß Erquicket mich gar oft In süßem Überfluß. 235 Deunn siehe, Gott ist mein, Weil seine Vatertreue, Verpflegung, Lieb und Schutz Wird alle Morgen neue; Er ist mein Licht, mein Heil, Mein Helfer und mein Gott, Mein Beistand und mein Trost In aller meiner Not. 3. Und Jesus ist auch mein, Sollt ich mich nicht er— freuen? Was darf ich Not und Tod, Das Grab und Erde scheuen? Sein Blut, Gerechtigkeit Und sein Verdienst ist mein, Soll ich deswegen nicht Von Herzen fröhlich sein? 4. Der heilge Geist ist mein, Denn er hat mich ge⸗ schmücket Mit Glauben, Licht und Kraft, In ihm leb ich be— glücket In diesem Tränental, Mein Jesus schenket mir Dies Pfand der Seligkeit Zum Siegel schon allhier. 5. Der Himmel ist auch mein, Als welchen mir er— worben Mein Jesus, da er ist Am Kreuz für mich gestorben; Ich lebe oder sterb, So weiß ich wohl, wohin, Weil ich durch Christi Blut Ein Himmelserbe bin. 6. Und 10 bin ich ja reich Bei diesen großen Schätzen, Denn diese Schätze sind's, Die mich allein ergötzen; Ja, selig bin ich schon In dieser Gnadenzeit, Da ich den Vor— schmack hab Von jener Herrlichkeit. 7. Doch droben wird mein Heil In vollem Glanz an— heben, In Frieden, Trost und Ruh, In jenem Freuden⸗ leben, Da werd ich herrlich sein In froher Himmelspracht, Und werd da ewig sein, Wohin ich stets gedacht. Abendgebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandle, so ist der Herr mein Licht. O du liebreicher und gnädiger Gott, jetzt endigt sich der Tag und zugleich auch die Woche, aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Berge weichen und Hügel Starck, Gebetbuch. 16² Abendgebet am Sonnabend. hinfallen, aber deine Gnade weichet nicht von deinen Kindern. Nun, deine ewige Gnade hat mich auch diese Woche er— leben lassen; was ich im Anfang der Woche nicht wußte, das weiß ich jetzt, daß ich gesund das Ende derselben er— reichen sollte. Deiner Wohltaten sind diese Woche viel gewesen, du hast mein Gebet erhört, mich behütet, mir guten Rat mit— geteilt, mich begleitet; kein Tag ist ver— gangen, da ich nicht Gnaden-, Liebes— und Segensgaben von dir empfangen habe, ja, keine Stunde ist vergangen, darin nicht reiche Ströme deiner Wohl— taten auf mich geflossen sind. Jetzt habe ich, was ich im Anfang gewünscht. O der großen Gnade, Liebe und Barm— herzigkeit! Ich gedenke aber heute, am Schluß der Woche, auch an meine Sün— den; viel sind meiner Uebertretungen, die ich mit Denken, Wollen, Verlangen, Tun und Lassen vollbracht, daß ich nicht so treulich für meine Seele gesorgt, nicht so viele Stunden dir gewidmet, als ich billig hätte tun sollen. Ach, Herr, Herr, vergib mir diese Sünden; ach, Herr Jesu, durchstreiche mit deinem heiligen Abendgebet am Sonnabend. 163 Blute die ganze Sündenhandschrift dieser Woche, daß sie mir auf ewig verziehen und vergeben bleiben mögen. Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sei auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her; laß kein Unglück, Schaden und Gefahr mich und die Meinigen rühren. Hilf, daß ich alle meine Sorgen auf dich werfe und in deiner Fürsorge, mein Va— ter, sanft ruhe. Ich bin nun eine Woche älter und auch einen Schritt näher zur Ewigkeit. Das Ende dieser Woche erin— nert mich an das Ende meiner Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag und die letzte Stunde meines Lebens ein⸗ brechen werde, auf welche hernach die lange Ewigkeit folgt; darum hilf, daß ich alle Wochen, Tage und Stunden also anwende, daß ich vor deinem Anblick nicht erschrecken dürfe. Hilf, daß ich mein Herz alle Tage dahinein schicke, wo ich ewig wünsche zu sein. Hier bin ich ein Pilger, der nur sein Nachtlager auf Erden hat; aber im Himmel ist mein Vaterland und ewige Wohnung, wo du alle Tränen von den Augen der 0 I 164 Der gläubige Christ dankt Gott Deinen wirst abwischen, ihnen die herr— lichen Güter deines Hauses austeilen und sie mit ewiger Freude ergötzen. Hiermit lege ich nieder meine Geschäfte und Berufswerke, ich bereite mich auf den morgigen Sonntag, den ich mit Be— ten und Singen, mit Anhörung und Betrachtung deines heiligen Wortes hin— bringen will. Gib mir dazu deines hei— ligen Geistes Kraft, daß ich an meiner Andacht weder durch Menschen, noch von meinem eigenen Herzen möge ver— hindert werden. Weicht, nichtige Gedanken hin, Wo ihr habt euern Lauf, Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. Amen. Der gläubige Christ dankt Gott am Ende der Woche. Aufmunterung. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut? Psalm 116, 12. Es geht ein Tag und eine Woche unseres Lebens nach— einander dahin, und wir gelangen alle Tage und Wochen näher zu unserem Tode; unterdessen ist der gütige Gott so barmherzig, daß er uns bisher viel Gutes tut an Leib und Seele und unser Herz erfüllt mit Speise und Freuden. Das sollen auch die Gedanken eines gläubigen Christen am Ende der Woche sein. 1) Er dankt Gott für den Segen, den er empfangen hat; für den Schutz, darunter er die Woche glück— Seeu am Ende der Woche. 16⁵ lich hingebracht; für die Hilfe, die er erlangt, wenn er Gott mit seinem Gebet angefleht hat. Hört er, daß andere die Woche über in Unglück geraten, betrübt worden, gefallen sind, Schaden gelitten haben, von ihrem Elend und Jammer nicht befreit worden sind, so hat er Mitleiden mit ihnen und rühmt Gottes Güte, die ihn mit dergleichen Leiden verschont hat. 2) Ein gläubiger Christ erwäget, daß Gott durch solche be— harrliche Beweise seiner Güte ihn zur Buße leite; darum bereuet er am letzten Tage der Woche, was er an jedem Tage Böses vollbracht, er preiset im Glauben das Verdienst Jesu Christi als Sühnopfer für alle Sündenschuld, und läßt also den letzten Tag der Woche seinen Versöhnungs-, Bet-, Buß⸗ und Danktag sein. 3) Er bittet auch um ferneren Schutz, Güte und Barmherzigkeit auf die künftige Woche; er empfiehlt sich Gott und seiner Gnade. 4) Er erwäget, daß also alle Wochen nacheinander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird. Darauf bereitet er sich in wahrem Glauben an Jesum Christum mit einem heiligen und bußfertigen Leben. Solche heilige Betrachtungen sollen den Menschen andächtig, behutsam, dankbar und fromm machen, daß er auf Gott schaue, von welchem alle gute Gaben von oben herab kommen, sich der göttlichen Gnade überlasse, in der Liebe Jesu bleibe und also imstande sei, nach Gottes Willen selig zu leben und zu sterben, wenn sein letztes Stündlein vorhanden ist. Gebet. Der Herr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. Bis hieher hat mir der Herr geholfen. Also spreche ich billig, mein Gott und Herr, da ich nun— mehr den Schluß dieser Woche so glück— lich erlebt habe. Herr, wie teuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Du 166 Der gläubige Christ dankt Gott beschirmst, erhältst und bewahrst sie, alle Morgen ist deine Güte neu. Ach, mein Gott, du hast in dieser Woche deine Flü— gel über mich ausgebreitet, du hast mich gesund erhalten, hast mich gesegnet, be— gleitet, bewahrt, mir an Leib und Seele viel Gutes getan, hast auch die Meinigen deinen Schutz und deine Gnade lassen genießen. Nun, das hat Gott getan, das ist Gottes Werk, daß ich diese Woche so glücklich hingebracht habe. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und ver— giß nicht, was er dir Gutes getan hat. Ach ja, wie viele sind diese Woche ge— fallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; wie viele haben eine betrübte Trauer- und Kreuzwoche gehabt, aber mich hast du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schutz unverletzt ge— blieben! Dafür sei hoch geliebet, gelobt und gepriesen von Grund meiner Seele. Habe Dank für deinen Schutz und Gnade, für deine Liebe und mächtigen am Ende der Woche. 167 Beistand, für alles Gute, was du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Ach, mein Gott, verzeihe mir auch aus Gna— den, was ich diese Woche unrecht getan habe; ach, es ist mir leid, es reuet mich, ich betrübe mich darüber und bitte um Barmherzigkeit und Vergebung mei— ner begangenen Sünden, um der blutigen Wunden Jesu Christi willen, um deren willen schone und nicht nach Werken lohne. Ich will durch deines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich be— fleißigen, die verübten Sünden zu mei— den und dir in Heiligkeit und Gerechtig— keit zu dienen all mein Leben lang. Sei Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, Sohn, heiligem Geist! Der woll in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt, Daß wir ihm fest vertrauen, Gänz⸗ lich uns lass'n auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herz, Mut und Sinn Ihm festiglich anhangen, Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werd'ns erlangen, Glaub'n wir aus Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel.: Werde munter, mein Gemüte 1. Nun die Woche ist verflossen, Seele, so bedenke dich, Was du Gutes hast genossen, Da dein Gott so mildiglich Aufgetan die Vaterhand Und viel Gut's dir zugewandt, Und auch jetzt in großem Segen Dich sie läßt zurücke legen. 2. Danke ihm für seine Gaben, Die er reichlich ausge— ᷣIDEDEIDꝗFꝗIDCIFICIIF—— — .——————— ———— 2— ————I——— 168 Der gläubige Christ bittet streut, Und die auf dein Bitten haben Diese Woche dich erfreut; Wer ist, der erzählen kann, Wie viel Gott ihm Gut's getan? Schau, wie Gottes Brünnlein fließen, Die sich reichlich auf dich gießen. 3. Preise seine große Güte Nun bei diesem Wochen⸗ schluß Und ermuntre dein Gemüte, Da du noch in dem Genuß Seiner vielen Wohltat stehst Und noch täglich mehr empfähst; Ist doch keine Stund vergangen, Da du nicht hast Gut's empfangen. 4. Bitte, daß dir Gott verzeihe Alle deine Sünden— schuld Und aus Gnaden dir verleihe Ferner seine Vaterhuld; Sprich: Mein Vater, sieh nicht an, Was ich Böses hab getan; Laß die Sünd und Straf der Sünden Auch mit dieser Woch verschwinden. 5. Laß mich deine Gnad auch spüren, Wenn die neue Woch anbricht; Ach, du wollest selbst mich führen, O du meiner Seelen Licht! Leib und Seel und was ist mein, Laß dir stets empfohlen sein; Deine Gnad laß bei mir bleiben Und das Unglück von mir treiben. 6. Sollt auch mit der neuen Wochen Meine letzte Woch und Tag Sein zugleich mit angebrochen, Oder daß ein Kreuz und Plag Mich empfindlich treffen soll, Ach, so mache alles wohl. Bei dir kann ich nicht verderben, In dir kann ich selig sterben. Der gläubige Christ bittet Gott seine Sünden ab. Aufmunterung. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde. Psalm 51, 3. 4. Einen gnädigen Gott haben, ist wohl der seligste Stand eines Christen. Zwar meint die Welt, Reichtum haben, geehrt sein, immer herrlich und in Freuden leben, das wäre Glück— ————————— Gott seine Sünden ab. 169 seligkeit; aber sie betrügt sich, das alles muß vergehen und bringt oftmals ein böses Gewissen, schwere Verantwortung und einen unseligen Tod. Gläubige Christen untersuchen deshalb 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade Gottes stehen; 2) wenn sie zur Beichte gehen, so gedenken sie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten Gott herzlich um Verzeihung derselben; sie bereuen sie, sie trauern darüber und nehmen ihre Zuflucht zu der Barmherzigkeit Gottes und zu den blutigen Wunden Jesu, und flehen demütig um Gnade. Hat Gott ihnen nun Vergebung der Sünden durch den Mund seines Dieners widerfahren lassen, so trösten sie sich dessen, trachten aber 3) einen gnädigen Gott zu behalten, indem sie sich lassen durch den heiligen Geist regieren; sie befleißen sich eines christlichen Lebens und beweisen solches auch in Worten und Werken, fliehen die Laster und vorigen sünd— lichen Gewohnheiten; alsdann wissen sie, daß sie im Leben und Sterben einen gnädigen Gott haben werden. ö Gebet. Heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich armer Sünder komme allhier vor dein aller— heiligstes Angesicht und bitte dich herz— lich und demütig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach, mein Gott, ich erkenne, daß ich dich leider vielfältig er— zürnt habe mit vielen bösen Gedanken, Worten und Werken. Herr, Herr, das betrübet mich und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe gemacht zum Schäflein deiner Weide und zum Glied an deinem Leibe, 170 Der gläubige Christ bittet darum ich deine Stimme allein hören und dir gehorsam sein sollte. Ja, ich sollte als dein Eigentum meine Glieder be— geben zum Opfer, das da lebendig, hei⸗ lig und dir wohlgefällig ist. Aber ach,‚ was soll ich sagen? Ich habe mehr der Welt und meines Fleisches, als deine Stimme gehört, und habe vielfältig ge⸗ tan, was dir zuwider ist. O der Blind— heit meines Herzens! o der Torheit mei— ner jungen Jahre! Willst du nun mit mir ins Gericht gehen, willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewis— sen zeugt wider mich, und meiner Sün⸗ den ist mehr, als Sand am Meer. Ach, nach deiner großen Barmherzigkeit er— barme dich über mich. Ach, mein Va— ter, rechne mir nicht zu, was ich zeit meines Lebens Böses getan, sondern rechne mir zu, was Jesus Christus, mein Heiland, für mich getan; ich ergreife sein für mich vergossenes Blut in wahrem Glaͤuben, ich eigne sein Verdienst mir zu und spreche: Ach, um Jesu willen sei mir armen Sünder gnädig. Ich will hin— — fort ein neues, frommes Leben anfangen Gott seine Sünden ab. 1 und wider dich, o dreieinger Gott, nicht mehr mutwillig und vorsätzlich sündigen. O Jesu voller Gnad, Auf dein Gebot und Rat Kommt mein betrübt Gemüte Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rote Flut, Wasch ab all meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde Und ihr'r nicht mehr gedenke, Ins Meer sie tief versenke. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ach, geh nicht ins Gericht Mit deinem armen Kinde, Ach, Vater, schone doch, Hilf, daß ich Gnade finde; Hab ich gesündiget Und Übels oft getan, Ach, ach, nimm doch dein Kind In Gnaden wieder an. 2. Ich beuge meine Knie, Und meine Augen weinen, Daß ich so gar befleckt Jetzt muß vor dir erscheinen. Ach, Vater, sieh nicht an Die große Missetat; Ach, ich verhehl sie nicht, Ich bitte dich um Gnad. 3. Ach, laß in Jesu Blut Mich Gnad um Gnade finden, Laß deines Zornes Grimm Durch ihn getilgt verschwinden, Schau mich in Jesu an Und schenk mir deine Huld, Vergib mir meine Sünd, Erlaß mir alle Schuld. 4. O werter guter Geist, Der du mir Kraft gegeben Zur Buß und Besserung, Ach, ändre ganz mein Leben, Daß ich mit solchem Fleiß Gott dien nun immerdar, Wie ich ein Sündenknecht Mit großem Eifer war. 5. Ich will durch deine Gnad Der Sündenlust absterben, Ich will durch Jesu Blut Die Seligkeit ererben; So lang der Atemhauch Noch gehet aus und ein, So lang soll Herz und Geist Nur dir gewidmet sein. Ein anderes Beichtgebet. Herr, allwissender Gott, vor dem nichts verborgen ist, du siehest alles, was wir 172 Der gläubige Christ bittet Menschen tun, du hörest, was wir reden. Ach, ach! wenn ich daran gedenke, so muß ich mich schämen, daß ich so viel Böses geredet, gedacht und begangen habe. Ach, wie viel Böses hast du bis— her von mir gehöret und gesehen, daß du wohl Ursache hättest, mich als ein ungehorsames Kind ewig zu verstoßen und in die Hölle zu stürzen. Aber ach, ich komme in der Gnadenzeit, ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, und spreche: Gott, sei mir Sünder gnä⸗— dig! Ach, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm, wie ich es wohl verdient habe. Gedenke nicht der Sünden meiner Ju— gend und meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner großen Barm— herzigkeit um deiner Güte willen. Ja, um Jesu Blutes und Todes willen er— barme dich über mich. Herr, Herr, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, du wirst nicht ewiglich zürnen, sondern dich meiner wieder in Gnaden erbarmen. Ach, handle nicht mit mir nach meinen Sünden und ver— gilt mir nicht nach meiner Missetat. Gott seine Sünden ab. 2 Ach Gott, du hast gesagt, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; ach, er— barme dich auch über mich, heiliger Gott, siehe mich nicht an in meinen Sünden, sondern siehe mich an in Jesu, deinem Sohn, meinem einzigen Heiland, Mitt⸗ ler und Seligmacher! Um seines ver— gossenen Blutes willen erbarme dich über mich! um seiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich! um seiner voll— gültigen Gerechtigkeit willen, die ich im wahren Glauben ergreife, erbarme dich über mich! Laß mich den Trost in meinem Herzen empfinden, mir seien meine Sünden vergeben, und daß ich durch Jesum, meinen Heiland, mit dir versöhnt sei. Ich will durch deines heiligen Geistes Kraft mein Leben än— dern und mir deine allerheiligste Gegen— wart vorstellen, und gedenken, ich gehe, stehe und was ich immer tue, so stehest du da und siehest mir zu. Laß solche Gedanken nimmer aus meinem Herzen kommen. Ich komme jetzt zu dir allhie In meiner Not geschritten Und tu dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: 17⁴4 Der gläubige Christ bittet, Verzeihe mir doch gnädiglich, Was ich mein Leben wider dich Auf Erden hab Pegangen. O Herr, mein Gott, vergib mir's doch Um deines Namens willen Und tu in mir das schwere Joch Der Übertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb Und dir hinfort zu Ehren leb In kindlichem Gehorsam. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Was soll ich Sünder nun anfangen, Da mein Gewissen mir aufwacht? Ach, ach, was hab ich doch begangen, Daß ich hab meinen Gott veracht't? Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! 2. Gott und sein Wort hat mich gelehret Den rechten Weg zur Seligkeit, Ich aber hab mich nicht bekehret, In meiner großen Sicherheit: Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! 3. Erzürnter Gott, verzeih mir Armen, Verzeih mir meine schwere Schuld; Ach, schenke mir durch dein Er— barmen Um Jesu willen Gnad und Huld. Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! 4. Ich fliehe hin zu Jesu Wunden, Zu ihm, der mich erlöset hat; Wo alle Sünder Gnad gefunden, Da hoff und suche ich auch Gnad. Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! 5. Ich ändre nun mein böses Leben Und fang ein frommes Leben an; Ich will mich dir, mein Gott, ergeben, Und nicht mehr tun, was ich getan. Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Uraft geben wider die Sünde. Aufmunterung. Lasset bie Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtig— Got ö leit, so lebendi rechtigl Die des göttl gläubiget Gebot üb daß Jesu weil er kann, so besteht d Gott geb und Bill wissentli genug ist und Lebe so beküm es betrül so er in er darül Jesu Cb helfen, allein d steigend Orte un gestürzt in einer ganzem dienen, Vollbri Fehler: ihm las S Alles Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. 175 keit, sondern begebet euch selbst Gott, als die aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gotte zu Waffen der Ge— rechtigkeit. Röm. 6, 12. 13. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Übertretung des göttlichen Gesetzes; sie ist das Unrecht. Nun will ein gläubiger Christ nicht gerne von Gott abweichen, noch Gottes Gebot übertreten und unrecht tun, sondern sein Verlangen ist, daß Jesus in ihm lebe, und daß der heilige Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit vollkommen ins Werk setzen kann, so muß er kämpfen wider die Sünde. Dieser Kampf besteht darin: 1) der gläubige Christ weiß, daß, wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, nämlich mit Vorsatz und Willen, und darum hütet er sich, daß er seinen Gott nicht wissentlich und vorsätzlich beleidige. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er auch gerne sein ganzes Herz, Seele, Geist und Leben seinem Gott heiligen, übergeben und weihen möchte, so bekümmert ihn oft ein einzig sündlich Wort, das er geredet; es betrübt ihn ein aufsteigender böser, sündlicher Gedanke, und so er in der Tat Gott oder den Nächsten beleidigt, so seufzt er darüber. 3) In diesem Kampf nimmt er seine Zuflucht zu Jesu Christo, und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm helfen, die Sünde und Welt überwinden. 4) Soll er nicht allein desto andächtiger beten, sondern auch auf seine auf— steigenden Lüste und Gedanken desto mehr acht haben, die Orte und Personen meiden, durch die er kann in Sünden gestürzt werden. So kann er auch 5) versichert sein, weil er in einer heiligen Verfassung steht und Verlangen hat, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und allen Kräften zu dienen, daß, der das Wollen hat gegeben, werde auch das Vollbringen dazu verleihen; Jesus werde seine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja das herzliche Verlangen ihm lassen wohlgefallen. Gebet. Starker und mächtiger Gott, der du alles weißt, was in dem Menschen ist, ——————— — ..—— Der gläubige Christ bittet, ach, du siehest, was ich für einen heftigen Kampf habe wider die Sünde; ich wollte gern von Herzen fromm sein und blei⸗ ben, dich nicht mehr erzürnen, nach dei⸗ nem heiligen Wort mein Leben anstellen und deinen heiligen Willen allein voll— bringen; aber ich fühle ein anderes Ge— setz in meinen Gliedern, das da wider— strebet dem Gesetz in meinem Gemüte. Wenn ich meine, ich stehe nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oftmals erfahren, daß auf einmal sich in mir Stolz, eigener Wille, eigene Ehre, Neid, Widerwille gegen den Nächsten zeigt, daß sündliche Gedanken sich in meinem Herzen erheben, ja, daß ich sün— dige mit unbedachten Worten und unge⸗ ziemen Werken. Ach, ich betrübe mich, daß ich so voll Unreinigkeit bin; reinige du mich, Herr, so werde ich rein. Ich erkenne in deinem Licht und durch deine Gnade, daß Sünde tun ein großes Uebel, mein Verderben und meine Plage sei, davon ich gern frei werden wollte, daher ich dagegen in deiner Kraft kämpfe und doch zuweilen überwunden werde. Allein eben dieser elende Zustand betrübet mich; Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. 177 was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine Frömmigkeit keinen Bestand hat? Du siehest ja, mein Gott, wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich aber mir nicht helfen kann aus eigenen Kräf⸗ ten; darum komme ich zu dir und bitte dich, gib mir Kraft, der Sünde zu wider—⸗ stehen; laß deinen heiligen Geist in mir wohnen und mein Herz reinigen; laß ihn mich erinnern, wenn ich zornig, rachgierig, hochmütig werden will, daß er mir als— dann zurufe und spreche: Denke, du bist ein Christ, denke, du bist ein Kind Got⸗ tes, oder willst ein Kind Gottes sein; damit ich möge sanftmütig, demütig und fromm werden. Herr, du hast mir das Wollen gegeben, gib mir auch das Voll— bringen; stärke mich am inwendigen Men⸗ schen, daß ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern ablegen und über sie herrschen möge. Mache mich stärker, die Welt in mir und außer mir zu über⸗ winden. Nun, ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus; ach hilf mir dazu, mein Gott. Gib, daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Starck, Gebetbuch. 12 178 Der Christ bittet Gott um Kraft wider die Sünde. Christentum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht Augen— schein und Heuchelei. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ich will von der Welt ausgehen, Weil ich lebe in der Welt, Weil ich an ihr das muß sehen, Was aufs höchste mir mißfällt, Nämlich: Frechheit, Hoffart, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu, Zank und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich hassen Durch des heilgen Geistes Kraft, Und die böse Welt verlassen, Die nur an der Sünde haft't; Gott will ich mein Herz ergeben Und in ihm beständig leben; Mein Herz soll sein eigen sein, Ihm gehört es auch allein. 3. Werd ich zwar wohl müssen bleiben In der Welt noch eine Zeit, So will ich doch nicht mit treiben Ihre Weis und Sündenfreud; Ich will immer sein beflissen, Daß ich hab ein gut Gewissen, Daß es bleibe unbefleckt, Von der Welt unangesteckt. 4. Wer so von der Welt ausgehet, Bei dem gehet Jesus ein; Was von Welt geleeret stehet, Wird mit Gott erfüllet sein; Bleibet gleich der Leib auf Erden, Wird die Seel doch himmlisch werden; So ist meinem Leibe wohl Und die Seele freudenvoll. 5. Ach, mein Gott, verleih aus Gnaden, Daß ich gehe aus beizeit, Damit ich nicht leide Schaden An der Seelen Seligkeit; Wer der Welt Gewohnheit liebet Und den Aus— gang stets aufschiebet, Den erhascht zuletzt der Tod Und er fährt hin ohne Gott. 6. Drum will ich aus Babel fliehen, Sondre du mich selbsten ab, Eh der Tod mich heißet ziehen Aus dem Leben in das Grab; Ja, ich will der Welt absterben Und entgehen dem Verderben, So komm ich ins Himmelszelt, Wann ich gehe aus der Welt. nicht! aufmi Gott ments 1) fre fromn aus& ja, w aus 8 Opfer und Herz ganze lieben Opfer darut Wir denn mag aufn. Opfe Lämt rung fein über nicht in se tum gen⸗ in hste heit, reit, lgen an d in Ihm Velt hre Daß Von esus illet doch kele gehe elen lus⸗ Und mich eben ehen ich Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. 179 Der gläubige Christ will sich Hott zum Opfer geben. Aufmunterung. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei; welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Röm. 12, 1. Es muß sich ein jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unser eigen, sondern Gottes sind. Dieses aber soll uns aufmuntern, daß wir uns selbst und alles, was wir haben, Gott auch wiederum aufopfern. Die Opfer des Alten Testa⸗— ments, daran Gott sollte ein Wohlgefallen haben, mußten 1) freiwillige Opfer sein. Der Mensch muß in der Welt fromm leben nicht aus Furcht vor Strafe und Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, denn sonst ist's ein erzwungenes Opfer; ja, wenn auch keine Hölle wäre, so wird ein wahrer Christ aus Liebe zu Gott sich ihm zum Eigentum ergeben. 2) Die Opfer mußten ganz, mit Kopf, Eingeweiden und Schenkeln, und nicht halb gebracht werden; deswegen sollen wir unser Herz nicht halb der Welt und halb Gott geben, sondern von ganzem Herzen, von ganzer Seele und allen Kräften ihn lieben und uns ihm ergeben; ein halbes, geteiltes Herz und Opfer verwirft Gott. 3) Die Opfer mußten unbefleckt sein, darum man kein Lahmes und Blindes Gott bringen durfte. Wir sollen uns hüten, daß wir Seele und Leib nicht beflecken, denn eine mit Sünden und Schandtaten verunreinigte Seele mag Gott nicht in seine heiligen Hände und in seinen Himmel aufnehmen. 4) Gott hat besonders ein Wohlgefallen gehabt an Opfern, welche noch jung waren, an jährigen, zweijährigen Lämmern, uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekeh— rung nicht sollen warten bis in das hohe Alter, sondern uns fein in Zeiten, in der blühenden Jugend Gott zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, durfte man nicht wieder austauschen oder wegnehmen; so soll ein Christ in seinem guten Vorhaben beständig sein, sich Gott zum Eigen⸗ tum zu übergeben. 12³ SISIe it Der gläubige Christ will Gebet. Herr, Herr Gott, der du deinem Volk Israel anbefohlen, dir täglich Opfer zu bringen, welche dir mußten geheiligt und übergeben werden, siehe, ich bringe dir mein gläubiges und bußfertiges Herz, das wirst du nicht verachten. Du hast mich, o himmlischer Vater, erschaffen, daß ich soll sein dein Eigentum. Du hast mich, o liebster Jesu, erlöst mit deinem Blute, daß ich in deinem Reiche soll leben und dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Du hast mich, o werter heiliger Geist, geheiliget, daß ich soll sein deine Wohnung, und daß Chri— stus in mir lebe. O, darum will ich mich dir auch wieder ganz und gar auf— opfern und dir ergeben. Ich opfere dir meinen Willen; ich will nun nicht mehr vollbringen, was ich, sondern was du willst. Ich opfere dir meinen Mund, damit will ich dich loben und preisen und niemals mehr zu schandbaren Wor— ten ihn mißbrauchen. Ich opfere dir mein Herz, das erfülle mit lebendigem Glauben, mit deiner Gnade und deiner Liebe, ja mit einer wahren Frömmigkeit. Get mei ert ihre wil Ind nei sich Gott zum Opfer geben. 181 Mußte bei allen Opfern das Fett be— sonders dir geopfert werden, ja würde ohne dasselbe kein Opfer dir angenehm gewesen sein, so laß dir auch meine Gabe gefallen. Ist es ein von Natur un⸗ reines und zum Opfer untüchtiges Herz, ach, so wasche es mit dem Blute Jesu Christi, welches ich in dem wahren Glau⸗ ben annehme; reinige du es selbst durch deinen heiligen Geist, heilige es dir zur Wohnung, daß du darinnen regierest und herrschest. Ich opfere dir mein Leben, das will ich nach deinem heiligen Wort und nach dem guten Trieb des heiligen Geistes führen. Ich opfere dir meine Glieder; hilf, daß sie mögen werden Waffen und Werkzeuge der Gerechtig⸗ keit, daß ich sie nicht zur Sünde und Schande mißbrauche, sondern daß sie dir mögen geheiligt bleiben. Wie das Geopferte mit niemand mehr durfte Ge⸗ meinschaft haben, so will ich mich auch gerne von der Welt absondern und von ihrer Gesellschaft wegbleiben. Ja, ich will mich dir aufopfern, so laͤnge ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette, denn da möchte —— 182 Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. es vielleicht zu spät sein. Ach, Herr, der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend hast Opfer angenommen, siehe auch in Gnaden mein Opfer an. Bringe ich es dir etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselben vielleicht nahe, habe ich die Morgen- und Jugendzeit ver— säumt, so wirst du deswegen mein Opfer nicht verachten; ich bringe es dir im Glauben; schaue doch darauf nach deiner Barmherzigkeit; ich will nun die übrige 835 meines Lebens dein Eigentum ver— eiben. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zugut In den Tod gegeben. Ich bin dein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen Wo du mich Und ich dich Leiblich werd um— fangen. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, laß mich den Wunsch erreichen, Darnach ich seufze für und für, Daß ich nicht möge von dir weichen, Und du auch nimmermehr von mir. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd. 2. Gib, daß ich Jesu Blut und Wunden Ergreif in wahrer Zuversicht Und mit ihm bleibe fest verbunden, Bis einst e Daß i 3 Gelege und v ich hie 4 Frömt versäu Daß i 5 in me hier se Daßei de gegen mahl darin Frö Aben nicht. kit, zerst danke wohr einer voll Gebet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 183 einst erlischt mein Lebenslicht. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd. 3. Und daß ich mög die Sünde meiden Bei jeglicher Gelegenheit, Und alles, was da mich kann scheiden Von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd. 4. Ja, daß ich, weil ich lebe, wandle Beständig in der Frömmigkeit, Nie wider mein Gewissen handle Und nicht versäum die Gnadenzeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd. 5. So kann ich endlich selig sterben Und fröhlich gehen in mein Grab, Weil ich im Sterben werde erben, Was ich hier schon im Vorschmack hab. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig wird. —980̃— Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. So oft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. K. Kor. 11, 26. Unter andere Stärkungen des Glaubens und der Liebe gegen Gott und den Nächsten gehört auch das heilige Abend⸗ mahl, in welchem sich Jesus mit unsern Seelen vereinigen, darin wohnen, dieselbigen regieren, heiligen und in der Frömmigkeit bis ans Ende erhalten will. Dieses heilige Abendmahl 1) verachtet und versäumt ein gläubiger Christ nicht, wie die Weltkinder pflegen, welche wegen ihrer Eitel⸗ keit, Weltfreude, Zorn, Rachgier, Hochmut, Wohlleben so zerstreut sind, daß sie nicht können an dieses Seelenpfand denken. 2) Es geht ein gläubiger Christ auch nicht aus Ge⸗ wohnheit zum heiligen Abendmahl, sondern er kommt dazu mit einem demütigen, andächtigen und gläubigen Herzen, welches voll guten Vorsatzes ist, in der Liebe Jesu und Gottesfurcht 18⁴ Der gläubige Christ betet beständig zu verharren. Und dieses ist auch 3) sein Entschluß, ö sohnt daß er nach dem heiligen Abendmahl sich seinem Gott ganz Men ergebe, kraft dieser Seelenspeise alle Tage frömmer, andäch— S˙ tiger und eifriger werde in seinem Christentum und Aus⸗ 1 übung echristlicher Tugenden, ja, seinem Gott im Glauben und gewi Frömmigkeit treu verbleibe bis in den Tod. ö habe Gebet. Du Mein Jesu, wie kann ich genug deine in d große Liebe preisen, daß du nicht allein fuug für mich armen Sünder dich in den Pfa Tod hast gegeben, sondern auch deinen wod heiligen Leib und Blut zu meiner See— Kin lenspeise in dem heiligen Abendmahl Abe eingesetzt hast! O Liebe, dein Tod bringt men mir das Leben und dein Leib und Blut Leib —— DSDSDSDSDSISISISISISIRIDISIIee *———— ————————— stärkt und erquickt mich zum ewigen Keif * Leben. Dadurch bleib ich in dir und stir du in mir; du lebst in mir und in liee 1 dir erlange ich Gerechtigkeit und StärkeF ben, daher kann mich meine Sünde nicht Liel V schrecken und Satan nicht verdammen; gen 14 denn in deinem Gnadenmahl empfange alle ich das Lösegeld für meine Sünden. aus Hier empfange ich den Leib, der für Ge mich in den Tod ist dahingegeben; hier wal empfange ich das Blut, das für mich fan ist vergossen worden zur Vergebung dir V der Sünden. Dieses ist das Ver⸗ Eu bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 185 söhnungsblut, dadurch meine und aller Menschen Sünden sind getilgt worden. So gewiß ich dasselbe empfange, so gewiß bin ich mit Gott versöhnt und habe Vergebung aller meiner Sünden. Du hast in der heiligen Taufe, als in dem ersten Sakrament, das ich emp⸗ fangen, mir den heiligen Geist zum Pfand und das neue Leben gegeben, wodurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahl, als dem andern Sakra⸗ ment, gibst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, wodurch du das geistliche Leben in mir erhalten und stärken willst. Ach mein Gott, hei⸗ lige meine Seele, stärke meinen Glau⸗ ben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfan⸗ gen möge. Gib, daß meine Gedanken allezeit mögen bei dir sein, vertreibe aus meinem Herzen alle sündlichen Gedanken und Begierden und alles, was mich an meiner Andacht hindern kann, damit du in mir und ich in dir sein und bleiben möge in alle Ewigkeit. 186 Der gläubige Christ betet Jesus, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden Sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög ein Gast im Himmel werden. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh sei Ehr. 1. O Jesu, meiner Seele Licht, Mein Trost und mein Verlangen, Ich hab vor deinem Angesicht Dein Liebesmahl empfangen; Ach, wohne doch hinfort in mir, Damit ich möge stets vor dir In wahrem Glauben prangen. 2. O Liebe, die du mich so liebst Und schenkst mir deine Liebe, Da du dich mir zur Speise gibst, Ach, daß ich ewig bliebe Mit dir, o Lebenslicht, vereint Und durch dein teures Blut geeint, Daß mich nichts von dir triebe. 3. Der Vater hat mir heut geschenkt Den Frieden meiner Seelen, Ich bin gespeiset und getränkt, Was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nunmehr in Jesu bin, So ist die Sündenangst dahin Und kann mich nicht mehr quälen. 4. Mein Jesus hat mein Herz erfüllt Mit seiner süßen Freude; Mein Hunger ist durch ihn gestillt Auf dieser Seelen— weide. Dein Leib, o Jesu, und dein Blut Sind das gewisse Pfand und Gut, Daß ich nicht von dir scheide. 5. Der heilge Geist gibt mir dabei Den Trost, der mich erfreuet, Daß ich nun in der Gnade sei, Dieweil der Bund erneuet; Ja, daß ich bin ein Gotteskind, Das bei Gott Trost und Gnade find't, Das keine Ungnad scheuet. 6. Gott Lob, der meine Seele hat So herrlich wollen speisen, Um dadurch neue Lieb und Gnad Mir Armen zu erweisen, Den will ich dafür allezeit, Auch in der frohen Ewigkeit, Mit stetem Lobe preisen. Ein anderes Abendmahlsgebet. O Jesu, indem ich jetzt dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich nicht inem Liebe ein nein nahl nöge eine ewig Ures eden mir die ißen len⸗ visse der der bei llen zu hen V ich bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 187 es auch zu deinem Gedächtnis. Ich denke an deine Liebe, wie du mir zu gut bist in die Welt gekommen, daß du mich möchtest zum Erben des ewigen Lebens machen. Ich denke an deine Marter, Pein, Blut und Wunden, wo⸗ durch meine Sünden und Strafen sind von mir genommen und deine Gerech— tigkeit mir geschenkt worden. Ich ge— denke an deinen Tod und Auferstehung, wodurch mir Leben und Seligkeit mitge— teilt ist. Ich weiß, o Jesu, um deinet⸗ willen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und die Himmelsfreude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o Jesu, bin und du in mir. Ach, so bleibe nun in meinem Herzen, wohne, lebe und regiere darin, laß mich dein Eigentum sein in Zeit und Ewig— keit. Dein heiliger Leib speise mich, dein heiliges Blut tränke und erquicke mich zum ewigen Leben. Hilf, daß ich diesen Schatz nimmermehr wieder ver— liere, sondern daß du, mein Jesu, hin— fort in mir leben, regieren und wohnen mögest. Reinige mein Herz durch wah— ren Glauben, wahre Buße, Liebe und E ISISICIITCTCTceePPeeeTeteseeHH——— ——*————————— I ν.— 188 Gebet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. Demut, damit ich dieses Seelenpfand würdig empfangen und beständig zu mei— nes Glaubens Stärkung, meines Le— bens Heiligung und meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. O wer— ter heiliger Geist, erhalte mich in sol— cher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre mich, daß ich nicht wieder mutwillig sündige, aus der Gnade falle und das Letzte nicht mit mir ärger werde, denn das Erste, sondern daß ich im Glauben an den dreieinigen Gott, in Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit beharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit, möge davontragen. Jesus sei mein Speis und Trank, Jesus sei mein Lob— gesang, Jesus sei mein ganzes All, Jesus sei mein Freuden— schall; Endlich laß, o höchstes Gut, Jesu, laß dein teures Blut, Deine Wunden, deine Pein Meine Ruh im Tode sein. Amen. Gesang. Mel.: Nun laßt uns Gott, dem Herren. 1. Mein Jesu, sei gepreiset, Daß du mich hast gespeiset Mit dieser Himmelsgabe, Die ich empfangen habe. 2. Dein Leib, der Seelen Leben, Ist mir auch heut gegeben, Dein Blut hab ich genossen, Das du für mich vergossen nomme 4. wird u 5. geben, gefalle 6. verlass Jesu s⸗ 4 deinen Licht v Fröm. Verda doch e vertra macht. Jugen ermah vor m ist abe sindet auls de Grund allein Gott! Aben, Verke Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. 189 and ö 3. Weil Jesus zu mir kommen Und mein Herz einge— hei⸗ nommen, So ist er nun der meine Und ich bin auch der seine. 4. In Jesu bin ich fröhlich, In Jesu bin ich selig, Er kä⸗ wird mir Gnad erzeigen, Denn ich bin nun sein eigen. 4 keit 5. Mein Jesu, Seel und Leben Will ich dir ganz er⸗ er⸗ ö geben, Ach, mach's mit mir in allem Nach deinem Wohl— gefallen. sol⸗ 6. Dich, dich will ich umfassen, Du wirst mich nicht de. verlassen, Es soll kein Kreuz und Leiden Mich nun von 40 der Jesu scheiden. ö 7. Und wenn ich einst soll sterben, So nimm mich, alle deinen Erben, Hinauf zu Freud und Wonne, Wo du bist ger Licht und Sonne. ich a. Itt Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. der Aufmunterung. Bleibe fromm und halte dich recht; denn solchen wird's zu— llen letzt wohl gehen. Psalm 37,37. de, Daß oftmals gottlose Menschen sich den Schein der gen. Frömmigkeit geben und sie als Maske benutzen, um allen Verdacht von sich abzuhalten, ist ein Zeugnis dafür, daß sie Lob⸗ doch etwas Wertvolles sein muß, das dem Menschen ein uden⸗ vertrauenswürdiges Ansehen gibt, und ihm einen guten Namen eures macht. In der Tat, die Frömmigkeit ist ein Zierat der 1 Tode Jugend, und steht auch dem Alter wohl an. Gott selbst. ö ermahnt den in die Fremde reisenden Abraham dazu: Wandle vor mir und sei fromm. 1. Mose 17,1. Zur Frömmigkeit iist aber nicht genug 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, denn die x findet man auch bei den Heiden, sondern sie muß entstehen Naaus dem Glauben, aus der Liebe Gottes und aus dem innern heset Grund der Seele. 2) Zu dieser Frömmigkeit gehört nicht Naallein die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen heut Gott und den Nächsten, sondern auch eine Unsträflichkeit im mich ö Leben, daß man sich unanständiger Reden und unchristlicher Werke enthalte; denn wo sich diese noch bei einem Menschen — ——————————— 190 Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. finden, kann man nicht sagen, daß er fromm sei. 3) Diese Frömmigkeit soll aber beständig sein bis ans Ende. Es ist nicht genug, zwei oder drei Tage fromm sein, wenn man will zum heiligen Abendmahl gehen, sondern hier muß Hiobs Entschluß gelten: Bis mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit. Hiob 27,5. 4) Wie nun solche Frömmigkeit von Gottes Geist in uns gewirkt wird, hat sie auch die herrlichste und schönste Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. Gebet. Heiliger Gott, ach, ich weiß fast nicht, ob ich vor deinem heiligen Angesicht er— scheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit und sündliches Wesen be— denke. Du rufst auch mir zu: Wandle vor mir und sei fromm, und wenn du fromm bist, so bist du angenehm; ja, bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohlgehen. Aber ach, meine Frömmigkeit ist leider noch nicht weit gekommen, ich bin leider in die Welt und ihr Wesen, in die Welt— gewohnheiten und Welteitelkeiten bisher verflochten gewesen; wo aber die Welt eingehet, da gehet Christus aus, und wo die Weltliebe sich findet, da höret die Frömmigkeit auf. Weil ich aber in solchem verderbten Zustande dir nicht gefallen kann, indem nur die Gläubigen ind ih M. Hilf FChristent dienst ur Ve Pahre licht lich, Röge iber Jfjl bien phorhi gen auch und vorh duste luch I fulle en h d Herfl Diese ist will Hiobs nicht nun wird, 5 und icht, kr⸗ iche be⸗ dle Ddu j, henn lber noch in zelt⸗ öher Delt bo die ill nicht igen Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. 191 und Frommen dir angenehm sind, ach, so gib mir ein frommes Herz. Hilf, daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christentum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht Augen— dienst und Heuchelei. Verleihe mir Gnade, daß ich mich wahrer Frömmigkeit befleißigen möge, nicht etwa nur zum Schein und äußer⸗ lich, sondern daß meine Frömmigkeit möge im Herzen anfangen, daß ich dich über alles liebe, dir diene, und was dir gefällt, vollbringe; ja, daß ich allezeit, wie ein frommes Kind, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Au⸗— gen sieht, ob sie es auch erlauben, ich auch möge erst in dein heiliges Wort und Gebot schauen, ob solches, was ich vorhabe, mir als einem frommen Christen anstehe. Ist mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß er nichts Unanständiges rede; Werke und Taten werden dir alsdann auch ge— fallen. Nun, mein Gott, ich habe die— sen Entschluß in deinem Namen gefaßt; gib mir dazu Gnade, Kraft, Stärke und Barmherzigkeit. Habe ich in den verflossenen Jahren nicht nach diesem — 8———— —3— 2—— V * * N . N 4 I. 4 —— — — e:.—— 2.—— 192 Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Kleinod getrachtet, so verzeihe es mir um Christi willen. Was ich aus Un⸗ verstand oder Blindheit versäumt, will ich nun mit desto größerem Eifer er— setzen und die noch übrige Zeit meines Lebens nicht nach der Menschen Lüsten, sondern nach deinem Willen leben. So will ich, mein Gott, von Herzen und im ganzen Leben fromm werden und bleiben, damit ich als ein frommer Christ dereinst auch selig sterben könne. Dazu gib mir deines heiligen Geistes Kraft von oben herab, um Jesu Christi willen. Gib mir ein frommes Herz, Du Geber aller Gaben, Das soll mein Reichtum sein, Den ich begehr zu haben, Das soll sein meine Zierd, Mein Ruhm und schönste Pracht; Denn fromm sein wird bei Gott Und Engeln hoch geacht't. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein allergrößter Fleiß auf Erden Soll künftighin darin bestehn, Daß ich von Herzen fromm mög werden Und auf den Himmelswegen gehn; Ist Frömmigkeit der Bösen Spott, So ist sie doch beliebt bei Gott. 2. Die Frommen haben Gott zum Freunde; Ist dieses nicht ein großes Glück? Drum schaden ihnen keine Feinde Mit ihrem Hasse, Neid und Tück; Denn Gott weiß wohl, was sie anficht, Der treue Freund verläßt sie nicht. 3. Die Frommen werden zwar gedrücket Bisweilen eine lange Zeit, Doch werden sie herausgerücket Aus ihrer Angst nimt glück cher borf ihre *— Gläubige Eltern tragen ihre Kinder Gott vor. 193 und Traurigkeit; Ihr Trauern wird in Freud verkehrt, Ihr Beten wird von Gott erhört. 4. Die Frommen sind bei Gott in Gnaden, Der Zutritt stehet ihnen frei, Nichts kann den Kindern Gottes schaden, Gott stehet ihnen treulich bei; Gott weichet von den Frommen nicht, Der Herr ist selbst ihr Heil und Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, Auf Leiden folget Trost und Freud; Sie werden großen Segen finden Nach ausgestandnem Herzeleid; Gott wirft ins Feuer solche Rut, Die seinen Kindern wehe tut. 6. Die Frommen können sich getrösten, Daß keine Not sie stürzen wird; Ist gleich die Not am allergrößten, So bleibt doch Gott ihr Schutz und Hirt; O Schäflein, habe guten Mut, Du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, Gott ist's, der ihnen helfen kann; Drum wissen sie sich wohl zu fassen, Er nimmt sich seiner Kinder an; Spricht man: Nun ist das Un⸗ glück da, So sprechen sie: Und Gott ist nah. 8. Die Frommen wird Gott schon versorgen, Als wel— cher ihrer sich annimmt; Ihr Seufzen ist ihm nicht ver— borgen, Drum hat er schon die Stund bestimmt, Darin er ihre Sorgen stillt Und sie mit Trost und Freud erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, Sie sterben ja auf Jesum Christ;: Sie werden Kron und Himmel erben, Die ihnen längst bereitet ist; Sie sind schon selig in der Zeit Und kommen dort 150 35 — Gläubige Eltern iaaen ihre Kinder Gott im Gebet vor. Aufmunterung. Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat. Jes. 8, 18.— Und ist keines von ihnen verloren. Joh. 17, 12. Ist etwas, welches frommen Eltern sehr am Herzen liegt, so sind es ihre Kinder. Gewiß, Kinder sind teure Pfänder, Starck, Gebetbuch. 212 22————..... ** —————— **.— ——.—— —— **——9..———.——— ——. 194 Gläubige Eltern tragen welche Gott von der Hand der Eltern fordern wird. Wenn nun solches fromme Eltern erwägen, 1 so tragen sie dieselben Gott fleißig im Gebet vor, ehe sie geboren werden, und nachher kommen sie niemals vor Gott, sie bringen denn ihr Kind mit. So bringen sie denn ihre Kinder in der heiligen Taufe, dem Bad der Wiedergeburt, dem Herrn Christo dar, daß sie wiedergeborene begnadete Gotteskinder werden. Es bitten aber fromme Eltern besonders, daß Gott ihren Kindern den heiligen Geist gebe, der sie im Glauben heilige, regiere, führe, welches der wahre Grund der Glückseligkeit ist, gegen welchen Reichtum, Geschicklichkeit, Klugheit für nichts zu achten sind. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinder beten, sondern sie auch in der Furcht Gottes erziehen. Dazu gehört, daß sie ihnen nicht den freien Willen lassen, weil der Kinder Wille von Natur unartig und ihr Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf, sondern daß sie dieselben unterrichten in der Erkenntnis Gottes und ihres Heilandes Jesu Christi, sie zum Gebet und christlichen Wandel anhalten, ihnen keine Erlaubnis geben, zu sündlicher, eitler Menschen Gesellschaft zu gehen; denn wenn sie das erlauben, so ist ihr Gebet vergebens, ja sie spotten Gott mit ihrem Gebet. 3) Die versäumte Kinderzucht bringt den Eltern schwere Ver— antwortung vor Gott, indem Gott das Blut der verwahr— losten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringt auch den Eltern Schmach und Schande, wenn sie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schande erleben müssen, bisweilen in ihrem Leben, doch gewiß nach ihrem Tode. Die versäumte Kinderzucht bringt auch Gottes Zorn auf die Eltern, wie zu sehen 1. Sam. 2, 29; Kap. 4, 18. 4) Nachlässige Eltern bringen sich und ihre Kinder in die Hölle und haben also mit ihrem Zärteln ihnen keine Wohltat erwiesen. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit, du hast unter an— nder azu weil und lben ndes ten, chen ist ebet. Ver⸗ ahr⸗ den dern in Imte e zu tern also tter an⸗ ihre Hinder Gott im Gebet vor. 10⁵ dern Gnadengaben mir auch Kinder ge— geben, wofür ich dich herzlich lobe und preise, welche ich aber ansehe als teure Pfänder, die du mir anvertraut hast und welche du von meiner Hand wieder for— dern wirst; ich sehe sie an als Seelen, die Jesus mit seinem heiligen Blut er— kauft, die der heilige Geist in der hei— ligen Taufe geheiligt und welche du zu deinen Kindern angenommen hast. Dar— um bin ich bekümmert, daß ich ja keines durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern; Nimm dieses Kind in acht; wo man sein mis⸗ sen wird, so soll deine Seele anstatt sei— ner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnaden, komme ich zu dir und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor; ich will tun, was ich kann; ich will sie zu deinen Ehren erziehen, sie er— mahnen, strafen, unterrichten und für sie beten; aber ach, Herr, Herr, tue du das Beste. Ich habe sie in der heiligen Taufe und sogleich nach ihrer leiblichen Geburt in die Arme deiner Barmherzigkeit ge— legt; siehe, solches tue ich auch jetzt in meinem Gebet. Ach, segne und begleite 196 Gläubige Eltern tragen meine Kinder, wenn sie aus und ein gehen, erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen, dich nie beleidigen, oder gar aus deiner Gnade fallen mögen. Gib ihnen ein gläubiges, demütiges, ge⸗ horsames und frommes Herz, daß sie, wie das Kind Jesus, zunehmen an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen. Drücke ihnen das Bild Jesu ins Herz, auf daß sie allezeit einen gnä⸗ digen Gott und unverletztes Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach, laß meine Kinder sein in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christentum wohl gegründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben keusch, in ihrem Umgang gottselig, damit sie niemand mit ihrem Reden und Tun ein Aergernis geben und dadurch ein schweres Gericht auf sich ziehen. Behüte sie vor Verführungen und böser Gesellschaft, er— innere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerhöchste Gegenwart, daß sie gedenken, du seiest bei ihnen zu Hause, in der Fremde, in der Kammer, bei Tage, bei Nacht, in der Gesellschaft ihre Kinder Gott im Gebet vor. 19⁰ und Einsamkeit. Dein Engel begleite sie, wenn sie aus und ein gehen; dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind; gib ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten; führe sie durch deinen hei— ligen Engel aus der Gefahr, wie den Lot, und laß sie der Engel Schutz und Wacht genießen, wie den Jakob. Sollte dir aber gefallen, mir auch ein Kinder— kreuz zuzuschicken, entweder durch eine Krankheit oder ihr Absterben oder ein Unglück, das ich an ihnen sehen muß, so verleihe mir in solchem Leiden Ge— duld, daß ich gedenke, daß ohne dich nichts geschehe, und daß die Kinder eher dein gewesen seien, als sie mein geworden, und daß du auch freie Macht habest, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen und dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein zu lieben als das wahre und vollkommenste Gut, so erhalte mich auf diesem Dornen— weg im festen Vertrauen und Hoffnung ö 198 Gläubige Eltern tragen auf deine Allmacht, daß du alles, auch hier 4 meiner Kinder Kreuz, enden und wen— del, 19 den könnest. Erteile ihnen auch im ihre Leiblichen den Segen, versorge sie, pflege verl 1469— sie, gib ihnen Nahrung und Kleidung, Kin I und tue wie ein mächtiger himmlischer alle Vater an ihnen; sei ihr Helfer in Ge— ner 10 fahren und Unglück, ihr Arzt in Krank⸗ Jes heit, und ihr Ratgeber, wenn sie guten Rats bedürftig sind. Gib meinen Kin— 00 dern eine fromme Seele, gesunden Leib, 910 . guten Verstand und laß sie vor dir le— 10i ben, damit sie dich allezeit ehren und Ppreisen. Pflanze in sie die wahre Fröm⸗ 0 migkeit, erhalte sie in deinem Segen, damit ich Trost und Freude an ihnen 10 erleben möge. Ach Gott, erhöre mein 10 * Gebet und gedenke, es sind ja sowohl De deine als meine Kinder; darum wollest du auch mein Seufzen für sie vor dem 200 —* Iede ö Thron deiner Gnaden erhören. Bewahre bag mich, o Gott, daß ich keine Schande von meinen Kindern haben möge, weder In bei meinen Lebzeiten, noch nach meinem 36 Tode. Laß mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten mna stehen und zu deinem Preis sagen: Siehes. h ihre Kinder Gott im Gebet vor. 19 hier bin ich, mein Gott, und die Kin⸗ der, die du mir gegeben hast, ich habe ihrer keines verloren. Ja, mein Gott, verleihe mir Gnade, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie alle mit mir, und ich mit ihnen, zu dei— ner Herrlichkeit eingehen mögen durch Jesum Christum! Ach Gott, segne meine Kinder, Nimm dich ihrer treulich an, Tu an ihnen auch nicht minder, Als du hast an mir getan. Segne ihren Schritt und Tritt, Teil den Segen ihnen mit, Laß es ihnen wohlergehen, Sie in deiner Gnade stehen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 1. Du hast, o großer Gott, Die Kinder mir gegeben, Und du erhältst sie auch Im Wohlsein und beim Leben; Ach, dafür dank ich dir, Als eine liebe Gab, Die ich von deiner Hand, Mein Gott, empfangen hab. 2. Seh ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß sie sind alle mein, Weil sie sich von mir nennen; Jedoch sie sind auch dein, Drum komme ich zu dir Und trage im Gebet Dir meine Kinder für. ö 3. Ach, pflanz die Gottesfurcht In ihrer aller Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Tun erwählen; Er— fülle ihren Geist Mit Glaub und Frömmigkeit, Mit Keusch— heit, Hoffnung, Lieb Und mit Zufriedenheit. 4. Laß sie in Tugenden Mit jedem Jahr zunehmen Und zum Gehorsam sich Ohn Widerspruch bequemen; Schenk ihnen Kraft und Stärk, Gib Weisheit und Verstand, Und führ sie immerdar An deiner Vaterhand. 200 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 5. Laß deinen guten Geist Sie allezeit regieren, Laß mich an ihrem Tun Des Glaubens Früchte spüren; Gib ihnen Jakobs Glück Und Josephs Frömmigkeit, Tobiä folg— sam Herz Und Segen allezeit. 6. Und wenn sie in der Welt Viel Böses sollten sehen, So laß sie nimmermehr Auf bösen Wegen gehen; Wend ihre Augen ab Von Sünd und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel Vor Stolz und Sicherheit. 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen, So laß sie deine Furcht Und Gegenwart verspüren, Und habe auf sie acht, Bewahre ihre Tritt, Begleite sie und geh, Wo sie hingehn, selbst mit. 8. Erhalte sie gesund, Und zeigen sich Gefahren Bei Tage oder Nacht, So lasse sie bewahren Der Engel himm— lisch Heer Und immer auf sie sehn, Daß sie in deiner Gnad Und mildem Segen stehn. 9. Und noch eins bitt ich dich: Laß sie mir nicht be— reiten Unehre, Schmach und Schand Bei meinen Lebens- zeiten, Noch auch, wenn ich schon tot. Ach Gott, erhöre mich, Verleihe solches mir Und ihnen väterlich. 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie von dir verklärt Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hier bin ich und die Gab, Die Kinder, die ich längst Von dir empfangen hab. — 0— Fromme Einder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Ihr Kinder, seid gehorsam euern Eltern in dem Herrn; denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter; das ist das erste Gebot, das Verheißung hat: Auf daß dir's wohl gehe und du lange lebest auf Erden. Epheser 6, 1. 2. 3. Unter andere schwere Sünden, dadurch ein Mensch den Fluch kann auf sich ziehen, gehört auch die Sünde, wenn sich erwachsene Kinder an ihren Eltern versündigen. Obgleich Eltern ve Mühe, L. findlihst Ind bosh welchen f machen. Eltern b sundheit, Unglücks Eltern l willig ur Fromme sich zu a bellen o befehlen: Eltern 2 ches lau der solle Gott ha der Elte ehrerbie nicht ar auch iht sollen f mehrév wie sav für Mi hat. 6 lebendit kann, u Eltern wahre A Got im te d en ch ch —— rmn-ι Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 201 Eltern von der ersten Stunde der Geburt mit den Kindern Mühe, Last und Verdruß haben, so ist's ihnen doch am emp— findlichsten, wenn die Kinder widerspenstig, herrisch, unartig und boshaftig gegen sie sind in den erwachsenen Jahren, in welchen sie billig ihnen sollten lauter Freude und Vergnügen machen. Fromme Kinder sollen demnach 1) fleißig für ihre Eltern beten und in solchem Gebet ihnen allen Segen, Ge— sundheit, Wohlergehen, langes Leben und Abwendung alles Unglücks von Gott erbitten. Fromme Kinder sollen 2) ihre Eltern lieben, denselben gerne aufwarten, zu ihrem Dienst willig und hurtig sein und ihrer pflegen, wenn sie krank sind. Fromme Kinder sollen 3) ihren Eltern gehorchen, daß sie sich zu allem Guten erziehen lassen, den Eltern nicht wider— bellen oder widersprechen, wenn sie ihnen etwas sagen und befehlen; auch, wenn sie sich verheiraten wollen, ohne der Eltern Wissen und Willen sich nicht heimlich verbinden, wel— ches lauter Fluch und Unglück nach sich zieht. Fromme Kin— der sollen 4) ihre Eltern im Herzen ehren, daß sie erkennen, Gott habe die Eltern an seine Statt gesetzt, indem Gott durch der Eltern Hand den Kindern alles gibt. Daß sie sich auch ehrerbietig mit Worten und Werken gegen sie erzeigen, sie nicht anfahren, ihnen unfreundliche und harte Worte geben, auch ihrer Eltern Ehre und guten Namen verteidigen. 5) Es sollen fromme Kinder gedenken, daß sie den Eltern nimmer— mehr vergelten können, was sie an ihnen getan. Gedenke, wie sauer du deiner Mutter geworden bist, und mit was für Mühe und Arbeit dich dein Vater erzogen und ernährt hat. 6) Undankbare und widerspenstige Kinder sind rechte lebendige Höllenbrände, denen es nimmermehr wohlgehen kann, wo sie nicht die Sünden und Bosheiten, so sie an ihren Eltern begangen, vor ihrem Tode durch eine herzliche und wahre Buße mit tausend Tränen bereuen. Gebet. Ach, du gnädiger und barmherziger Gott, ich lobe dich von Grund meines 202 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Herzens, daß du mich von frommen und christlichen Eltern in diese Welt hast lassen geboren werden. Das ist die erste Wohltat, die du mir erwiesen. Wären die Eltern Christenfeinde oder Heiden gewesen, so wäre ich so ver— stockt, und so ungläubig und ohne deine Erkenntnis, wie sie. War meiner Eltern erste Sorge nach meiner leiblichen Ge— burt, daß ich, o mein himmlischer Va⸗ ter, durch die heilige Taufe in deine Arme gelegt würde, darin du mir den heiligen Geist zum Pfande meiner Kind— schaft und himmlischen Erbes gegeben, so laß diesen guten Geist mich immer⸗ dar leiten und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl möge in acht nehmen. Ich liege allhier mit meinem Gebet vor deinem allerheiligsten Angesicht und bitte dich: Ach, erhalte meine Eltern gesund, be— wahre sie vor Unglück, segne ihre Nah— rung, ihre Arbeit und Beruf, gib ihnen langes Leben, vergilt ihnen die mir er— wiesene Treue, die ich nicht erzählen und nimmermehr vergelten kann, mit geistlichen und himmlischen Gaben. Gib S. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 203 mir, o himmlischer Vater, ein gehor— sames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige oder mit Wissen und Willen betrübe. Gib, daß ich mir immer das Erempel meines Jesu vor Augen stelle, der dir, seinem himmlischen Vater, nicht allein gehorsam war, sondern auch seinem Pflegevater Joseph und seiner Mutter Maria, damit ich mit meinem kindlichen Gehorsam meinen Eltern zu aller Zeit und auch in ihrem Alter lauter Freude und Vergnügen mache. Bewahre mich, daß ich nicht durch meinen Ungehorsam und Widerspenstigkeit den Fluch und Unsegen auf mich bringe, der den bösen Kindern gedrohet ist, sondern daß es mir hier zeitlich und dort ewig wohl gehe. Gib mir ein ehrerbietig Herz gegen sie, daß ich sie weder mit Wor— ten noch Werken erzürne, daß ich in Demut ihnen begegne, mit Freundlich— keit ihren Befehl anhöre und auch ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, daß ich nicht den unar— tigen, bösen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhnen, verachten und ihnen lauter Herzeleid und Verdruß 204 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. machen, welche aber auch den Fluch an— ziehen werden wie ihr Hemd, und alles Segens, den du frommen Kindern ver— heißen hast, auf ewig werden beraubt bleiben. Gib mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht versündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter geworden und mit was für Mühe ich erzogen bin, damit ich mit dankbarem Herzen und Gemüte sol— ches zeit meines Lebens erkenne, und meine Eltern an mir keine Schande, sondern lauter Freude erleben mögen. Habe ich in meinen Kinderjahren mei— nen Eltern etwas zuwider getan, das bitte ich hiermit dir, o Gott, und mei— nen Eltern in Demut ab, und ver— spreche, daß ich durch deine Gnade trachten will, sie mit meinem Gehor— sam und christlicher Aufführung zu er— freuen. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich in Glauben und Fröm— migkeit, in Keuschheit und Gottesfurcht, wie es einem Kinde Gottes gebühret, möge wandeln, damit ich mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner Rechten stehen und mit ihnen zu deiner Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 20⁵ Herrlichkeit eingehen möge, um Jesu Christi willen. Du sollst ehr'n und gehorsam sein Dem Vater und der Mutter dein, Und wo dein' Hand ihn'n dienen kann, So wirst du langes Leben han. Kyrieleis. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will, o großer Gott, Vor deinen Thron jetzt treten, Und als ein frommes Kind Für meine Eltern beten; Der du die Kinder pflegst In Gnaden anzusehn, Ach, laß auch meine Bitt Und Herzenswunsch geschehn. 2. Die Eltern haben mich In ihr Gebet geschlossen, Eh ich geboren war; Und weil ich bin entsprossen Von Christen, so bin ich Durch sie zur Tauf gebracht, Darin ich einen Bund Mit dir, o Gott, gemacht. 3. Es hat mich ihre Lieb Zur Schule lassen gehen Und mich in meinem Tun Auf Jesum heißen sehen; Ihr Herz war immerdar Bei Tage und bei Nacht Mit unermüd'tem Fleiß Nur auf mein Wohl bedacht. 4. Laß mich für diese Lieb Sie wieder herzlich lieben; Laß ihre Liebe mir Ins Herze sein geschrieben, Damit ich dankbar sei, So viel ich immer kann, Und bleib stets einge— denk, Was sie an mir getan. 5. Ach, laß sie viele Jahr Zu meinem Trost erleben, Und wollest auch dabei Gesundheit ihnen geben; Erhalte sie, o Gott, Auf lange, späte Jahr, Damit ich sie noch seh In ihrem grauen Haar. 6. Ach, schenke ihnen doch, O Vater, deinen Segen; ö Laß deinen Segen sein Auf allen ihren Wegen; Erhalte, was du gibst, Und was du hast beschert, Das segne, daß es werd Durch deine Gnad vermehrt. 7. Gib mir ein willig Herz, Daß ich mich lasse ziehen, Daß ich nach ihrem Rat Die Sünde möge fliehen; Daß ich 206 Der gläubige Christ betet gehorsam sei Ohn allen Widerspruch, Und ferne von mir bleib Der sonst gedrohte Fluch. 8. Laß sie an mir viel Freud Und keine Schand er— leben; Ach, laß mir deine Furcht, Mein Gott, vor Augen schweben. Schenk mir ein frommes Herz, Daß ich die Sünde scheu Und bleibe dir, o Gott, In Glaub und Liebe treu. 9. Laß mich an jenem Tag Auch meine Eltern sehen In großer Herrlichkeit Zu deiner Rechten stehen; Und laß mich auch daselbst In Jesu Blute rein Mit Himmelsglanz geschmückt Bei meinen Eltern sein. Der gläubige Christ betet bei entstandenem Angewitter. Aufmunterung. Sein Gezelt um ihn her war finster, und schwarze, dicke Wolken, darin er verborgen war. Vom Glanz vor ihm trennten sich die Wolken, mit Hagel und Blitzen. Und der Herr donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Blitzen. Ps. 18, 12. 13. 14. Zu den äußerlichen Dingen, wodurch gottlose Weltkinder pflegen geschreckt und zum Gebet erweckt zu werden, gehören auch die Gewitter. Wenn Gott ein schweres, mit Donner und Blitz vermischtes Ungewitter aufsteigen läßt, will der sonst freche Mund sogleich beten; nicht aus Liebe zu Gott, sonst hätte er es vorher getan, sondern aus Furcht vor Strafe. Gläubige Christen erkennen zwar, 1) daß Donner und Blitze von natürlichen Ursachen entstehen; aber auch, 2) daß die— selben Gottes Befehl ausrichten. Gleichwie Gott alle Krea— turen wider die bösen Menschen waffnen kann, also ist's ihm auch leicht, durch den Donner Menschen und Vieh zu er— schlagen, und durch seine Blitze Häuser, Flecken und Städte anzuzünden; daher sollen 3) fromme Christen von dem greu— lichen Fluch, da man mit Wetter und Donner fluchet, sich enthalten; hingegen 4) bei entstandenem Ungewitter nicht bei entstandenem Ungewitter. 207 kleinmütig werden, erschrecken und vor Angst verzagen wollen, was ein Zeichen eines schlechten Vertrauens zu Gott ist, sondern 5) sich erinnern, daß Gott Blitz und Donner in seinen Händen hat, und daß er sie wohl werde schützen können, wenn sie auch mitten im Felde und unter freiem Himmel wären. 6) Sie sollen sich aber alsdann desto mehr mit Gebet zu Gott wenden, und daraus ihr Nichts und Gottes Alles erkennen; wie Gott ein mächtiger Gott sei, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub und Asche sind, welche Gott mit einem Wink und Strahl verderben könnte, und demnach 7) sich vor diesem majestätischen Gott fürchten und scheuen, nicht allein, wenn es donnert, sondern auch, wenn die Sonne scheint, und sich hüten, ihn mit Worten und Werken zu be— leidigen, sonderlich aber also leben, daß man eines gnädigen Gottes sich versichern könne zu allen Zeiten, und auch wenn er uns wollte in einem Wetter von der Welt abfordern. Gebet. O du starker und allmächtiger Gott, ich höre deine Stimme in den Wolken, ich sehe deine Blitze leuchten und ver— nehmen wie dein Donner brüllt und schlägt. Stark ist dein Arm und groß deine Gewalt, und wenn du wolltest, so könntest du mich und alle Menschen in einem Augenblick samt allen Kreaturen zu Boden schlagen. Aber ach, Herr, Herr, gedenke an deine Barmherzigkeit und Güte, die von der Welt her gewesen ist; gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Uebertretung, ge— denke aber meiner nach deiner Barm— 208 Der gläubige Christ betet herzigkeit, um deiner Güte willen. Ach, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahrer Demut meines Herzens, daß ich wohl verdient hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verdürbest und zerschmettertest. Aber ach, du langmütiger Gott, verschone mei— ner bei diesem Ungewitter. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge alle meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit; ach, es reuet mich und ist mir herzlich leid, daß ich dich bis— her so oft beleidigt und mit Gedan— ken, Worten und Werken erzürnt habe; ich bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden und Uebertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater, daß ich dein Geschöpf und auch dein Kind bin; wo sollen aber Kinder in ihren Aengsten und Nöten hin, als zu ihrem Vater? Darum komme ich auch zu dir, o mein Vater, und bitte dich, sei deinem Kinde gnädig! Ach, Va⸗ ter, beschütze, bedecke und bewahre mich; unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht; verbirg mich heimlich in bei entstandenem Ungewitter. 209 deinem Gezelt; stelle deiner Engel Wacht um mich her, daß mich kein Unglück rühre, kein Strahl verletze und kein Schlag treffe. Ach, Herr Jesu, du Sohn Gottes, mein einziger Mittler, Fürbitter und Heiland, sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; ach, eile zu mir, sei mir ein starker Schutz, ver— laß mich nicht und tue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Siehe, ich stehe von allen Kreaturen und Menschen verlassen, aber verlaß du mich nicht, erbarme dich mein und errette mich. Ich halte mich an dich, o Jesu, ich verberge mich in deine heiligen Wunden; ich schreie mit den Jüngern: Herr, hilf uns, wir verderben. O du werter heiliger Geist, erwecke mein Herz zum Gebet und Andacht, damit ich durch dieses Ungewitter möge erweckt und fromm gemacht werden. Hilf, daß ich hinfort acht gebe, wenn du durch dein heiliges Wort an mein Herz schlägst, daß ich Buße tun, mich bekehren und von Sünden ablassen soll, damit ich alsdann willig höre, der Welt mich nicht in ihren sündlichen Reden, Sitten Starck, Gebetbuch. * —8 ———i‚ff* ·.& 210 Der gläubige Christ betet und Gewohnheiten gleichstelle. O du heilige Dreieinigkeit, erbarme dich über mich und über alle frommen Christen, bedecke mit deiner allmächtigen Hand meinen Leib und mein Leben, Haus und Hof; bewahre die Früchte auf dem Felde, laß den Blitz nicht mein Haus anzünden oder deine Donner— schläge mich verletzen; sei du mein Bei— stand in der Not, denn Menschenhilfe ist kein nütze. Ach, du mächtiger Schutz— herr deiner Kinder, schaue auf mich und laß mich unter deinem Schutz und Schirm sicher wohnen. Von deinem Donner regen sich die Berge, und die Erde erzittert; wie sollte ich armer Er— denwurm denn nicht vor dir erbeben? Laß mich daraus erkennen die Ver— gänglichkeit der Welt, wie alles was wir sehen, dereinst im Feuer vergehen wird, damit ich mich in Fleischeslust, Augenlust und hoffärtiges Leben nicht möge verlieben und dich damit zum Zorne reizen. Ach Herr, bewahre mich vor einem bösen, schnellen Tod; laß dieses Ungewitter glücklich und ohne Schaden vorübergehen. Ach Herr, wer st allu bart wed Ind Err Hin Got dich erba ers uns Vor liebe schn Go Herre Unglü Hut, lieber wir z und Jorn zu de bei entstandenem Ungewitter. 211 ist dir gleich? der du so majestätisch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und gnädig bist, der du uns weckest und deckest. Ach, verschone meiner und laß mich auch diesmal Gnade und Errettung finden. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über uns! Sei uns gnädig, verschone uns, lieber Herr Gott! Sei uns gnädig, hilf uns, lieber Herr Gott! Vor Feuer und Wassersnot behüt uns, lieber Herr Gott! Vor einem bösen, 4951 Tod behüt uns, lieber Herr ott! Schlag nicht bei uns ein, frommer Gott! Sieh an des Herren Jesu Tod; Befiehl dem Blitze, daß er nicht, Ein Unglück hier bei uns anricht. Du heilige Dreieinigkeit, Nimm Leib und Seel in deine Hut, Bewahr auch Häuser, Hab und Gut. Verschon uns, lieber Herre Gott, Und wende von uns diese Not, So wollen wir zu aller Zeit Stets rühmen deine Gütigkeit. Amen. Gesang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 1. Gott, wir hören deine Stimme, Wie das Wetter tobt und brüllt Und mit Schrecken uns erfüllt; Wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd und Luft erregst Und uns zu der Buß bewegst. 14⁴²³ 2 N I 212 Der gläubige Christ betet 2. Hören wir den Donner schallen, Wie er mächtig ein⸗ herfährt Und fast Stadt und Land umkehrt, Wie so harte Schläge fallen: So erzittert und erbebt Alles, was auf Erden lebt. 3. Ja, wir sehen deine Blitze, Wie das Feuer sich ergießt Und wie Ströme auf uns fließt, So daß wir erschrocken sitzen Und uns fürchten, ob du nicht Uns willst fordern vors Gericht. 4. In dem Donner, Blitz und Wetter Kommen wir zu dir, o Gott! Ach, hilf uns in dieser Not! O du Helfer und Erretter, Großer Gott, erbarme dich, Sieh uns doch an gnädiglich. 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen, Niemand ist, der uns beschützt, Da es also schrecklich blitzt; Alles muß zugrunde gehen, Wenn du uns nicht selbsten deckst Und die Hand der Hilf ausstreckst. 6. Gott, wie groß ist deine Stärke, O wie groß ist deine Macht, Die oft wird gering geacht't; Deine großen All—- machtswerke Zeigen Blitz und Donnerstrahl, Großer Gott, jetzt überall. 7. Treuer Vater, schone, schone, Nimm uns auf in deine Hut, Schütz uns vor des Wetters Wut; Schau auf uns von deinem Throne, Treuer Vater, steh uns bei, Mach uns von der Strafe frei! 8. Wenn wir dich nicht wollen hören, Alsdann schickst du in das Land Unglück, Wetter, Fluch und Brand, Daß sie Stadt und Land zerstören, Jedermann zur Züchtigung Und zur Lebensbesserung. 9. Ach, sieh nicht an unsre Sünden, Die ein jeder hat getan, Ach, nimm uns in Gnaden an. Laß den Blitz doch nicht entzünden Unsre Häuser, Hab und Gut, Wend ab Feur und Wassersflut. 10. Ach, wir beben und erzittern, Wenn's uns in die Ohren schallt, Wie dein Donner schrecklich knallt; Ach, in sol— chem Un bösen K. + Vetter f du uns uns dol 12. Chrit, finden worben 13. verlaß in Sün wir gen 1. Feld un nach dei uns dei 15 Und da Du bist 16 Segen nicht se wahre den W 18 macht, erweise Ewigke bei entstandenem Ungewitter. 213 chem Ungewitter Übest du oft Straf und Recht Über einen bösen Knecht. 11. Ach, du kannst uns jetzt auch strafen, Wenn dein Wetter schläget ein, Wo wir jetzt versammelt sein; Ach, willst du uns denn hinraffen? Vater der Barmherzigkeit, Schon uns doch zu dieser Zeit! 12. Siehe nicht an unsre Sünden, Siehe doch an Jesum Christ, Der für uns gestorben ist; Um deswillen laß uns finden Hilf, Errettung, Trost und Gnad, Die er uns er⸗ worben hat. 13. Ach, Herr, hilf uns, wir verderben, Ach, Herr, hilf, verlaß uns nicht; O Gott, unsre Zuversicht! Laß uns nicht in Sünden sterben; Linderst du nicht deinen Zorn, So sind wir gewiß verlorn. 14. Ach, du großer Gott, behüte Menschen, Vieh und Feld und Land, Vor Verwüstung, Flut und Brand; Herr, nach deiner großen Güte Laß den Sturm vorübergehn Und uns deine Hilfe sehn. 15. Ach, bedecke unsre Früchte, Decke unsre ganze Stadt Und das, was ein jeder hat, Mach es nicht im Zorn zunichte; Du bist, der uns helfen kann, Ach, Herr, nimm dich unser an. 16. Ach, Herr, höre uns in Gnaden, Teil uns deinen Segen mit, Ach, erhöre unsre Bitt, Laß das Wetter uns nicht schaden; Ach, wir fallen dir zu Fuß, Sieh an unsre wahre Buß. 17. Daher wollen wir erkennen, Wenn du uns auch heut befreist, Daß du unser Gott noch seist, Und dich unsern Vater nennen, Welcher seine Kinder schont Und nicht nach den Werken lohnt. 18. Ja, wir wollen immer preisen Deine große Wunder— macht, Welche über uns gewacht, Und dir fröhlich Dank erweisen, Nicht nur hier in dieser Zeit, Sondern auch in Ewigkeit. —— 8 *+ * *.——— τ— ++7 9 • 4 9. 4 1 V. 1 N W II! 4 N V 4 * N . l 40 + 14⁴ 1 4 1 1490 8 44 V . IV I I 7 I. 4 . 214 Dankgebet nach dem Gewitter. Dankgebet, nachdem das Gewitter ohne Schaden vorbeigegangen. Gott und Erretter! In Demut und von ganzer Seele sagen wir dir billig Dank, daß du durch deine große Güte bei aller unserer Unwürdigkeit dem uns schreckenden Gewitter in Gnaden ein Ende gemacht hast. Du sahest nicht auf die Schwachheit und Unvollkommen— heit unseres Gebets. Du hast uns das Leben erhalten, aus der Not gezogen, vor jedem Unfall bewahrt. Du hast die Früchte des Feldes verschoönt, das Gewitter mußte sie erfrischen. Was zur Nahrung unseres Lebens dient, hast du segnend erhalten. Möchten wir nur unsers Versprechens und deiner Be— freiung, böser Gewohnheit nach, nicht wieder vergessen, gleich den ungetreuen Knechten, die ihren Herrn nur dann fürchten, wenn sie ihn erzürnt sehen. Möchten wir uns durch deine Wohl— taten antreiben lassen, dich von Herzen zu lieben. Du hast unsern Schrecken verbannt. Schütze uns ferner vor jeder Gefahr; reiße uns von dem Irdischen los, damit wir uns nach dem Himm⸗ Der rech nod Übe gan 121 vieler die L denn Gotte waru das antre allere unde ehrba ein Antr heit, bring Leib, er au befeh Gebet, wenn sich jemand auf die Reise begibt. 215 lischen sehnen, um da, von aller Furcht entfernt, deines unausdenklichen Friedens mit Leib und Seele zu genießen durch unsern Herrn und Heiland Jesum Chri— stum. Amen. Der gläubige Christ betet, wenn er sich von Haus auf eine Reise begibt. Aufmunterung. Der Herr behütet dich, der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem Übel; er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Aus⸗ gang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit. Psalm 121,5—8. Von Hause zu reisen, können einen gläubigen Christen vielerlei Ursachen antreiben, teils die Berufsgeschäfte, teils die Liebe des Nächsten, teils der Zustand der Gesundheit; denn Üppigkeits- und Wollustreisen stehen einem wahren Kinde Gottes nicht an. Ist aber eine notwendige Ursache vorhanden, warum ein gläubiger Christ auf eine lange Zeit sein Haus und das Seinige verlassen muß, so soll er solche Reise 1) mit Gebet antreten und gedenken, wenn er von Hause reiset, daß Gott allerorten bei ihm in fremden Landen sei, der alles sieht und hört; daher er sich auch selbst, als vor Gottes Angesicht, ehrbar, züchtig, fromm und christlich aufführen soll. 2) Soll ein gläubiger Christ sich Gottes Schutz und Gnade bei dem Antritt seiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesund— heit, mit gesunden und geraden Gliedern wieder nach Hause bringen wolle. Denn gewiß, auf der Reise sind viele um Leib, Leben, Gesundheit und in Unglück gekommen. 3) Soll er auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter befehlen, daß er durch seine heiligen Engel alles in seine 216 Der gläubige Christ betet, heilige Bewahrung nehmen, vor Feuer, Wassersnot und Un⸗ glück indessen bewahren wolle. 4) Soll er bitten, daß Gott ihn alle das Seine und die Seinigen unverletzt und gesund wieder wolle antreffen lassen. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott, ich habe mir in deinem Namen vorgenom— men, auf einige Zeit mich von den Mei— nigen und von meinem Hause zu ent⸗ fernen, darum komme ich zu dir und bitte dich, segne meinen Aus- und Ein⸗ gang; in deinem Namen will ich die Reise antreten, unter deinem Geleite laß mich dieselbe verrichten und unter deinem Schutze wollest du mich wieder nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schutz umgeben, wie den Jakob, laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen, wie bei Paulo, laß deiner Engel Schar mit mir aus— und heimreisen, wie mit Joseph und Maria und dem Kindlein Jesu, damit ich vor allem Unglück, Dieben, Mör— dern und anderem Schaden bewahrt bleibe. Ach, du Hüter Israels, der du weder schläfst noch schlummerst, sei bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her, wie um Elisa, damit sich kein wenn er sich von Haus auf eine Reise begibt. 217 Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spät, in Wäl⸗ dern und Feldern mit deiner heiligen Engel Wacht, wie du die Kinder Israel mit einer Wolkensäule durch die Wüste geleitet hast. Begleite mich, wenn ich reise; bleibe bei mir, wenn ich ruhe; wache für mich, wenn ich schlafe; ja, Herr, Herr, hab acht auf mich, wo ich mich hinwende, und laß mich deiner hei— ligen Obhut empfohlen sein. Gib, daß mir alle Tage, ja alle Stunden in mei— nen Ohren erschallen die Worte, die du Abraham mit auf die Reise gabst, als er von Hause reisen sollte: Wandle vor mir und sei fromm! auf daß ich deine allerheiligste Gegenwart in der Fremde möge vor Augen haben. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Haus und auf der Reise mich nicht lasse des Bösen gelüsten; behüte mich vor Völlerei, Ueppigkeit, Frechheit, Bosheit, Gleich⸗ stellung der Welt, Ausübung der Sün⸗ den und Schanden. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hause zurückkehren möge. Wende meine Au⸗ gen ab, wenn sie etwas Böses sehen; — —* —..—.— V SISISISISISISISIEIe‚eeeetetetetetere.eete AE 218 Der gläubige Christ betet, wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüste entstehen, und bewahre mich, daß ich weder meinen Leib, noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Hilf, daß ich bedenke, du hörest alles, was ich rede; du siehest alles, was ich tue, und wo ich gehe, stehe und was ich immer tue, daß du dastehst und hörst und siehst mir zu, auf daß ich nicht wider dich sündige, und deinen Zorn und Un— gnade auf mich ziehe. Ich befehle dir all das Meine, das ich zu Hause hin— terlasse; bewahre dasselbe vor Dieben, vor Feuer und Wassersnot, und laß mich alles unverstört und unversehrt wiederum antreffen. Ich befehle dir auch die Mei— nigen, welche ich hinterlasse; ach, mein Gott, ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen; wende alle Gefahr, Schaden, Unglück und Krankheit in Gnaden von ihnen ab; laß mich sie ge— sund wiedersehen. Sei ihr Schutzherr; erhalte sie, begleite sie, bewahre sie und laß nicht eine traurige Botschaft vor meine Ohren kommen, sondern laß sie vor dir leben und deines Schutzes und deiner Gnade genießen. Laß mich auch wenn er sich von Haus auf eine Reise begibt. 219 zu seiner Zeit glücklich wieder nach Hause kommen und unter deinem Schutze die Meinigen gesund wiederfinden. Ach, Herr Jesu, der du unter der Gestalt eines Wanderers mit den zwei Jüngern gereist bist, sei auch bei mir auf meiner Reise und erfülle mein Herz mit guten Gedanken. Gib mir fromme Gefähr— ten, daß wir auf der Reise mit schand— baren Worten und sündlichen Reden uns an dir nicht versündigen, sondern an dich gedenken und in deiner allerheiligsten Ge— genwart unser Gespräch von deiner Güte, von deinen Wundern, von deiner Treue und Wahrheit führen mögen. Ach, mein Gott, in deinem Namen habe ich die Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinigen dafür herz— lich loben und preisen mein Leben lang. Send deinen Engel vor mir her, Den Weg mir zu be— reiten; Befiehl, daß er dem Satan wehr Und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Herr, in deinen Schutz, Daß ihre List, Gewalt und Trutz Mir nimmer könne schaden. Bleibe auch stets bei den Meinen, Die mich wünschen bald zu sehn; Laß auf sie, als auf die Deinen, Deine Gnadenaugen sehn. Führe sie doch allermeist, Großer Gott, durch deinen Geist, Daß sie nimmermehr geraten In Gefahr und Misse— taten. Amen. PF—— —— — — — —— ————— —— —— —————— —...—.— ——— —.— ——— EEii — 220 Gebet, wenn sich jemand auf die Reise begibt. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, ich bin von Haus gegangen, Durch deinen Beistand bin ich hier; Mit dir hab ich es angefangen, Ach, weiche auch hier nicht von mir. O treuer Wächter Israel, Dir, dir befehl ich Leib und Seel. 2. Ich will hier meine Zeit zubringen Zu deiner Ehr und deinem Ruhm, Mit Bitten, Flehen, Danken, Singen, Als dein geliebtes Eigentum; Begleite mich, wenn ich aus— geh; Bewahr mich, wo ich bin und steh. 3. Laß mich allhier behutsam wandeln In Gottesfurcht und Frömmigkeit, Nicht wider mein Gewissen handeln, Und hilf mir, daß ich allezeit Dich gegenwärtig vor mir seh Und nicht auf bösen Wegen geh. 4. Laß in dem Reden mich erwägen, Du, lieber Vater, hörest zu, Und daß auf allen meinen Stegen Du alles siehest, was ich tu; Laß mir nicht kommen aus dem Sinn, Daß du auch seiest, wo ich bin. 5. Ach, lasse, großer Gott, den Meinen, Du kennest sie, sie sind zu Haus, Auch deine Gnadensonne scheinen, Teil ihnen deinen Segen aus; Ach, laß es ihnen wohlergehn, Laß mich sie fröhlich wiedersehn. 6. Bewahre sie vor Angst und Schrecken, Und wende alles Unglück ab; Dein Gnadenflügel woll bedecken, Die ich zurück— gelassen hab; Ach, treuer Vater, sie sind dein, Ach, laß sie dir befohlen sein. 7. Ach, wache, treuer Menschenhüter, Durch deiner guten Engel Wacht Auch über meine Hab und Güter, Und habe fleißig darauf acht; Wend Unglück, Wasser, Flut und Brand In Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, O Vater der Barmherzigkeit, Laß mich gesund nach Hause kehren Durch deine Güt zu seiner Zeit; Indessen, Herr, beschütze mich Vor allem Unglück väterlich. meines hilft u sicht: 7 Freund deshall Ich w 25 ich keh Gnad Auch i 4. Kräfte mich a Das ii 5. Gewisf deine Sieht, 6 Häuse man und fi E— b SPIZIZIZIII.IJI.IJIJITITITITITITITITITITITITITITITTTT —— .:.νν. Gebet eines, der sich in fremden Landen aufhält. 221 9. Erhöre mein Gebet und Flehen, Ach, teil mir deinen Segen mit; Ach, laß doch meine Bitt geschehen, Behüte meine Schritt und Tritt; So will ich mit der Frommen Schar Dich preisen jetzt und immerdar. Gebet eines, der sich in fremden Landen aufhält. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, ich bin in fremden Landen, Entfernt von meines Vaters Haus; Wer gehet mir allhier zuhanden? Wer hilft mir nun in Nöten aus? Mein Gott, o meine Zuver— sicht: Verlaß mich in der Fremde nicht. 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen Auf meiner guten Freunde Rat; Mit dir hab ich es angefangen Und sprech deshalben früh und spat: Bleib in der Fremde stets bei mir, Ich weiche nicht, mein Gott, von dir. 3. Beschere mir viel gute Freunde, An welchem Ort ich kehre ein, Und lasse mir auch meine Feinde Durch deine Gnad gewogen sein. Du bist mein Freund, dich halte ich; Auch in der Fremde lieb ich dich. 4. Erhalte mir mein Leib und Leben, Die Glieder, Kräfte und Gesicht; Gesundheit wollest du mir geben, Verlaß mich auch in Krankheit nicht; Gedenk, daß dieses ist dein Kind, Das in der Fremd sich krank befind't. 5. Behüte mich vor Sünd und Schanden, Bewahre mein Gewissen rein Und laß mir auch in fremden Landen, Herr, deine Furcht vor Augen sein, Daß ich gedenk, dein Angesicht Sieht, was in fremdem Land geschicht. 6. Gib, daß ich freche Sünder hasse Und flieh die Häuser, wo sie sind, Und mich da niemals finden lasse, Wo man verübet Schand und Sünd; Gib, daß ich denke für und für, Ich wandle in der Fremd vor dir. Der gläubige Christ bittet 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe In der erkannten Glaubenslehr, Daß mich nichts von. der Wahrheit treibe, Nicht Reichtum, Wollust, Glück und Ehr; Wer dich ver— leugnet in der Zeit, Der bringt sich um die Seligkeit. 8. Gib mir, o Gott, auch deinen Segen, Beschere mir mein täglich Brot, Sei stets bei mir auf meinen Wegen Und sei mein Beistand in der Not; Laß mich in deinem Segen stehn, Ach, Vater, laß mir's wohlergehn. 9. Ach, segne mich im Schlaf und Wachen; Ach, segne meine Schritt und Tritt; Ach, segne mich in allen Sachen; Ach, teil mir deinen Segen mit; Gib mir ein frommes Herz dabei, Damit ich recht gesegnet sei. 10. Du wollest dies Gebet erhören Nach deiner großen Gütigkeit Und diese Bitte mir gewähren, So will ich nun und allezeit Mit Freuden sagen jedermann, Was du mir Gutes hast getan. Der gläubige Christ bittet um ein unverletztes Gewissen. Aufmunterung. Unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugnis unseres Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. 2. Kor. 1„ 12. Die meisten Menschen tragen große Sorge für ihren Leib, denselben gesund zu erhalten; sie haben große Bemühungen, um Güter zu erwerben oder zu erhalten; aber ach, daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewissen rein und unbe— fleckt zu erhalten! Das Gewissen ist 1) gleich dem Auge, welches kein Stäublein leiden kann, es ist eines bösen Menschen Ankläger, Zeuge und Richter; ja, das Andenken der Sünden bleibet im Gewissen, wie Schmarren im Gesicht. 2) Am jüngsten Tage werden Gott und das Gewissen die Zeugen um ein unverletztes Gewissen. 223 sein, dawider man nichts wird einwenden können, deswegen auch das Gericht wird bald geschehen sein, weil man diesen beiden Zeugen nicht widersprechen kann. Ein gläubiger Christ wird ein unverletztes Gewissen behalten, 2) wenn er fleißig Gottes Wort hört und liest, und darnach sein Leben anstellt, und in allem, was er vornimmt zu reden und zu tun, gedenkt, ob es ihm auch Gott in seinem heiligen Wort erlaubt, wenn er ferner 4) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet; denn wie der, welcher mit Feuer und Wasser umgeht, leicht gebrannt und genetzt wird, also wird das Gewissen bei ge— wissenlosen Leuten leicht verletzt. Sonderlich wird das Ge— wissen bewahrt durch ein andächtiges, eifriges Gebet, daß Gott uns auf rechter Bahn erhalten wolle und durch die Vor— stellung des allgegenwärtigen Gottes, als vor dessen Augen wir immer wandeln. Gebet. Herr, mein Gott, wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweisest! Du gibst uns Leben und Gesundheit, und lässest uns es wohlgehen nach deiner Barmherzigkeit. Ach, mein Gott, dieses alles sind deine Geschenke und Gaben, aber sie werden uns wie ein bitterer Wer— mut werden, wenn in dem gesunden Leibe und bei allen Gaben und Gütern nicht ein reines und unverletztes Gewissen ist. Darum, o mein Gott, erbarme dich über mich und erhalte mich in deiner Furcht, daß ich mein Gewissen nicht verletze. Das Gewissen ist wie das Auge; wenn 224 Der gläubige Christ bittet in dasselbe nur das geringste Stäublein kommt, ist es unruhig, es tränet, es wird rot und man kann es nicht recht auftun; so geht's auch mit dem Gewissen: hat man wider dasselbe etwas getan, so wird es unruhig, es verklagt, verdammt, und wenn es recht aufwacht, so getraut man sich nicht, seine Augen gen Himmel auf⸗ zuheben. Ach, mein Gott, ich möchte gerne eine unverletzte Seele und ein rei— nes Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o darum regiere mich durch dei— nen heiligen Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen um⸗ gehen möge. Ach, wie ist ein gutes Ge— wissen ein so edles Kleinod! O, mein Gott, laß mich diesen Schatz wohl be— wahren. Hilf mir, daß ich niemals et— was reden möge, was mir eine Gewis⸗— sensangst verursachen könne. Hilf mir, daß ich nie in eine Sünde im Reden oder in eine böse Tat einwillige, wodurch ich eine schwere Last auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben, oder auf dem Totenbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe er— wecken könne. Ach, bewahre mich vor um ein unverletztes Gewissen. 22⁵5 den Vorwürfen des Gewissens und vor Gewissensangst, und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich allerorten christ— lich und behutsam aufführe. Gib, daß ich mir allezeit vorstelle deine allerheiligste Gegenwart, vor dir Böses zu tun mich scheue, und gedenke, du seiest ein Herzens— kündiger, vor welchem nichts verborgen ist und da ich mich nicht kann vor meinem Gewissen verbergen, sondern dessen Be— strafung, wenn ich Böses tue, sehr bald fühlen muß, gedenke, daß ich mich noch weniger vor dir, o allsehender und all— wissender Gott, werde verbergen können. Gib, daß ich aufsehe auf Jesum, meinen Heiland und dessen heiligen Fußtapfen folge. Gib, daß ich dein Wort als meine Glaubensregel nimmer lasse von meinem Munde kommen, daß ich durch Verleug⸗ nung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Laß dein Wort auch meine Lebensregel sein, damit ich nicht vorsätzlich dawider sündige, sondern mich in allem meinem Tun darnach richte. Ach, Herr Jesu, reinige mein Gewissen mit deinem heiligen Blute, verzeihe mir Starck, Gebetbuch. Der gläubige Christ bittet alle meine Sünden und schenke mir die stille und wahre Herzens- und Gewissens⸗ ruhe. Ach, dein heiliger Geist führe mich allezeit auf ebener Bahn, so wird mein Gewissen unverletzt und deine Woh— nung in meinem Herzen ungestört bleiben. O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell aller Gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben: Ge⸗ sunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Ein unver— letzte Seel Und rein Gewissen bleib. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ist mein Gewissen frei, Was frag ich nach den Leuten, Die all mein Tun verdrießt Und alles übel deuten, Was nur von mir geschieht? Im Himmel ist, der zeugt Von allem meinem Tun, Und der gewiß nicht leugt. 2. Ist mein Gewissen frei, So laß die Leute sagen, Was ihnen nur beliebt; Was darf ich darnach fragen, Was man mir falsch nachsagt, Und übel von mir spricht? Denn mein Gott siehet wohl, Wie unrecht mir geschicht. 3. Ist mein Gewissen frei, So kann es mir nicht schaden, Ob man mich schon verdammt; Bin ich bei Gott in Gnaden, Was frag ich nach der Welt? Mein Richter ist ja Gott, Drum sicht mich gar nicht an Der frechen Feinde Spott. 4. Ist mein Gewissen frei, So kann ich fröhlich beten Und darf vor meinen Gott In Freudigkeit hintreten; Gott sieht und kennt mein Herz, Dem ist es aufgedeckt, Der weiß, daß ich nicht bin Mit dieser Sünd befleckt. 5. Ist mein Gewissen frei, So kann ich stille schweigen, Weil meine Unschuld sich Wird mit der Zeit schon zeigen. Ihr Tadeler, gedenkt, Gott kennet euch und mich, Drum sprecht hinfort nicht mehr Von mir so freventlich. 90 pr. rei V ret dis um ein unverletztes Gewissen. 227 6. Mein Gott, du weißt, daß ich Nicht hab die Tat be— gangen, Von wegen dieser Sünd Kann meine Unschuld prangen, Mein Herz ist unbefleckt, Die Hände sind auch rein Und kein Gewissenswurm Kann mir beschwerlich sein. 7. Verleihe mir Geduld, Daß ich es kann ausstehen, Wenn man läßt über mich Ein schnödes Urteil gehen; Ach, rechne keinem doch Die Missetaten zu, Und gib mir Freu— digkeit Und innre Seelenruh. 680 E *IF—— ———————— — ** ———————————— Sweiter Ceil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Betrübte. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jesajas 41, 10. Ist etwas, was eine betrübte Seele aufrichten kann, so ist es die Allmacht Gottes, denn diese ist der Betrübten Anker, daran sie sich halten, wenn sie sich vorstellen: 1) bei Gott ist kein Ding unmöglich, es ist kein Elend so groß, Gott kann daraus erretten; keine Last so schwer, er kann sie abnehmen; kein Unglück so heftig, Gott kann es wenden. 2) Soll der Betrübte gedenken, daß andere viel schwerere Bürden getragen haben, und daß sie dennoch Gott daraus errettet hat. Er soll daher mit Freuden sprechen: Ach Gott, du bist noch heute so reich, als du ewiglich gewesen bist, mein Vertrauen steht ganz zu dir. 3) Sollten Betrübte sich erinnern, Gottes Allmacht habe keine Schranken, und deswegen den Mut nicht sinken lassen, wenn sie schon nicht sehen, wie und wodurch ihnen könne geholfen werden, denn das alles soll man der göttlichen Weis— heit, Güte und Treue überlassen. Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, spricht der Herr, und eure Wege sind nicht teine Wege. Jes. 55,8. Diese Betrachtung soll einer be— rddrd Ist deine Seel betrübt, 19schanden Himmel an, 5 Gott, ist, der helfen will und der auch helfen kann. II s f U sü WuI IIIfů gE — E?.— ⏑— 22— ———— 2——————22 ————— —.— *——.———— ‚——————— *.. ———0*—* Iν—— V Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. 231 trübten Seele ihr Vertrauen und Hoffnung stärken, weil sie weiß, Gott könne und wolle ihr helfen. Sie soll darum stille sein, hoffen, beten, Gott vertrauen, die Trübsal mit Geduld ertragen, und ihre Augen freudig gen Himmel aufheben und sagen: Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 121,2. Gebet. O du gütiger und freundlicher Gott, du weißt und siehst, wie mein Herz be— trübt ist; es liegt auf demselben ein schwe⸗ rer Stein, den ich nicht abwälzen kann, eine harte Last, die ich kaum tragen kann. Darum komme ich zu dir, o allmächtiger Gott, ich schütte mein Herz aus vor dir, der du meine Zuversicht bist; ich werfe mein Anliegen von mir auf dich und bitte dich, du wollest mich versorgen, mich er— retten und mir beistehen. Das von Wel⸗ len herumgeworfene Schifflein hält sich an dem Anker, und ich halte mich an dich, lebendiger und starker Gott! Das gejagte Wild eilet zu den Bergen, und ich hebe meine Augen auf zu dir, o mein Fels, mein Erretter und mächtiger Schutz— herr! Ich will nicht verzagen, ich weiß, daß du ein mächtiger Gott bist, du kannst helfen, dir ist nichts unmöglich, darum, Herr, hilf mir, so ist mir geholfen, sprich 232 Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. nur ein Wort, so weicht meine Beküm— mernis, so erlange ich Hilfe. Ach, mein Gott, ich weiß, du bist barmherzig, dar— um erbarme dich jetzt auch über mich Elenden; du weißt meinen Schmerz, kennest mein Herz, du hast mir's aufer— legt, so hilf mir's tragen. Ich weiß, du bist ein weiser Gott, du wirst Mittel und Wege wissen, die mir jetzt unbekannt sind. Ach, zeige mir ein Trostbrünnlein, wie dort der weinenden Hagar; sage mir Hilfe zu, wie ehemals der betrübten Witwe; hilf mir, wie dort dem verlas— senen Elisa, und beweise deine große Güte an mir, wie an dem gefangenen Petrus. Laß die Bande meines Elends und Jammers von meinem Herzen fal— len. Laß dein Freudenlicht in mir auf— gehen, dadurch du mich versicherst: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen; ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich weiß, du bist ein treuer Gott, der noch keinen verlassen hat, der dein Angesicht suchte, darum wirst du mich auch nicht verlassen. O siehe, Herr, mein Gott, wie hier eine im⸗ lein ar⸗ lich erz, fer⸗ eiß, ttel unt ein, mir ten las⸗ oße nen; blick ill heiß, inen chte, ssen. eine Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. 233 elende und hilflose Seele vor deinem Gnadenthron liegt, sende mir Hilfe vom Heiligtum und stärke mich aus Zion. Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Mein Gott und Vater, wenn du mir nicht hilfst, wer soll mir denn helfen? Auf dich bin ich geworfen von Mutter— leibe an, da hast du mich in die Arme deiner unermüdeten Barmherzigkeit um Christi Jesu und seines heiligen Ver— dienstes willen genommen und bisher darin getragen; ach, darum laß mich auch jetzt darin Hilfe finden. Ach Gott, erhör mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Not nicht gar verzagen, Du weißt mein'n Schmerz, Erkennst mein Herz, Hast du mir's auferlegt, so hilf mir's tragen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. J. Ach, wo ist nun mein Gott? So muß ich heute fragen, Weil ich von nichts als Kreuz Und Trübsal weiß zu sagen; Weil tausend Kreuz und Leid Sich stellet bei mir ein, So scheint es, ich muß gar Von Gott verlassen sein. 2. Ach, wo ist nun mein Gott? Hat er mir doch ver— heißen, Er wolle bei mir sein Und mich der Not entreißen; Warum verzieht er denn, Verbirgt sein Angesicht, Als wär er nicht mein Gott, Als kennt er mich jetzt nicht? 3. Ach, wo ist nun mein Gott, In diesen meinen Nöten, Die an das Leben gehn Und mich fast wollen töten? Zwar ——— R. 9 234 Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. seine Allmacht ist Mir allzuwohl bekannt, Und doch emp— find ich nicht Die starke Helfershand. 4. Ach, wo ist nun mein Gott? Will er sich nicht er— barmen? Sieht er nicht meine Not? Kennt er nicht mehr mich Armen? Ach ja, ich bin gewiß, Daß die Barmherzigkeit Mich einst erfreuen wird; Allein wann kommt die Zeit? 5. Doch, was betrübst du dich, Mein Herz, mit solchen Fragen? Gott lebet ja jetzt noch, Was willst du immer klagen? Der dich mit seiner Hilf Erfreuet ohne Zahl, Der hilft gewißlich dir, Glaub's nur, auch dieses Mal. 6. Es hat ja Gott noch nie In Nöten dein vergessen, Warum willst du dich jetzt So ängstigen und pressen? Gott sieht dein Leiden wohl Und läßt es so geschehn, Er will in diesem Kampf Nur deinen Glauben sehn. 7. Verzage nicht an Gott! Willst du den nicht mehr kennen, Der ja dein Vater ist Und den du pflegst zu nennen Den allerbesten Freund? Drum stell dein Trauern ein Und zweifle nicht, er wird Dein Freund und Vater sein. 8. Mein Gott, ich hoff auf dich, Ach, laß die Stunde kommen, Da meine große Last Mir werde abgenommen; Indessen steh mir bei Und hilf mir gnädiglich, Ach, Gott, erbarme dich, Ach Gott, erhöre mich. —50— Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Aufmunterung. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Jes. 54, 7. 8. Einer betrübten Seele kann in ihrer Traurigkeit, Kreuz und Leiden nichts Erfreulicheres vorkommen und gesagt wer— den, als dieses: daß sie dennoch von Gott geliebt werde. Im schweren Kreuz ist das der erste Gedanke, der uns vom Satan emp⸗ t er⸗ mich gkeit 7 lchen nmer Der essen, Gott ill in mehr ennen Und tunde men; Gott, + Mit habe ig vor dein t wer⸗ . Im Satan Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. 235 und Fleisch beigebracht wird: Gott ist dein Feind, er liebt dich nicht mehr; denn liebte er dich, so würde er dich nimmer— mehr also betrüben und sein Gnadenangesicht vor dir ver— bergen. Allein diesem Gedanken soll ein Betrübter kein Ge— hör geben, sondern ihm entgegensetzen die ewige Liebe Gottes, welcher seine Kinder nicht verläßt, und sich erinnern, 1) daß in Kreuz und Traurigkeit zu leben und doch ein Kind Gottes zu sein, wohl könne beieinander sein, denn Christus, der ge— liebte Sohn Gottes, hat uns ja die Kindschaft bei Gott erwor— ben, und in der heiligen Taufe versiegelt. Auch er hatte Trübsal genug und blieb doch Gottes Sohn. 2) Soll ein Betrübter erwägen, daß Gott den liebt, den er in große Traurigkeit, Anfechtung und Kreuz geraten läßt. Ein Vater bleibet ein Vater, ob er das Kind liebkost, oder ob er es mit der Rute züchtigt. Dazu kommt, 3) daß solches Kreuz der be— trübten Seele nicht zugeschickt wird aus Zorn, zu ihrem Verderben oder Schaden, sondern daß sie Gottes Güte, All—- macht, Treue und Weisheit desto mehr erkennen lerne. 4) Diese Liebe Gottes ist unter dem Kreuz sehr beschäftigt, sie erhält den Betrübten, bewahrt ihn, stärkt ihn, segnet ihn, er wird zuweilen wunderbar erquickt und erfreut, die Last wird erleichtert, welches alles Proben der Liebe Gottes sind. Gebet. Der Herr ist bei mir, darum fürchte ich mich nicht. Du bist mein Hort, mein Fels, meine Burg und mein Er⸗ retter. Also seufze ich, mein Gott, in meiner jetzigen Betrübnis und Angst der Seele. Ach, Herr, Herr, du weißt ja wohl, wie wehe mir ums Herz ist, wie voller Leiden und Schmerzen ich bin. Aber ich weiß auch, daß mich diese Not 236 Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. nicht unterdrücken wird, wenn du mir beistehst. Ach, verbirg doch dein Ange— sicht nicht länger vor mir. Du hast mir von Jugend auf viel Gutes erwiesen; ach, mit solcher Liebe umfasse mich auch jetzt in der Betrübnis meiner Seele. Ein Schäflein flieht, wenn es gejagt wird, zu seinem Hirten; ein Kind, wenn es ge— ängstigt wird, zu seinem Vater. Darum komme auch ich, mein Hirte, Jesu Christe, der mich teuer erkauft und mein Vater, zu dir. O großer Gott, du hast mir deinen Beistand versprochen: Ich bin bei dir in der Not, ich will dich herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Nun, o großer Gott, jetzt habe ich Hilfe nötig, stehe mir bei, jetzt weiche nicht von mir, jetzt verlaß mich nicht. Ich weiß, ich bin nicht ver— lassen, deine Liebe ist zu brünstig, daß du dich meiner erbarmen mußt. Du hast mich je und je geliebet und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Um— fasse mich jetzt mit deinen Liebesarmen; nen; Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. 237 erhalte mich, daß ich nicht sinke; erquicke mich in meinem Leiden; laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Laß meine Traurigkeit in Freude ver— wandelt werden. Beweise auch an mir, was andere so vielfältig von deiner Liebe und Güte rühmen, damit ich mit ihnen deinen großen Namen preisen möge. O du Gott der Liebe, versiegle den Trost in meinem Herzen, du habest mein nicht vergessen, so wenig wie ein Vater seines Kindes vergessen kann. Treuer Vater, siehe, dein Kind ist betrübt, erfreue es; es ist voller Angst, erbarme dich und hilf ihm. Ich will, so lang ich lebe noch, Das Kreuz dir fröhlich tragen nach, Mein Gott, mach mich dazu bereit, Es dient zum Besten allezeit. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1J. Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben, Und wär es noch so schwer und groß; Mein Vater, du wirst bei mir bleiben, Ach, nimm mich auf in deinen Schoß; In Trüb sal, Kreuz und aller Not Verlaß ich mich auf meinen Gott. 2. Ich weiß, es steht in Gottes Händen, Was mich be trübt und heftig quält; Ich weiß, er kann es leichtlich wen den, Weil es ihm nicht an Mitteln fehlt; In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlaß ich mich auf meinen Gott. BII E 238 Der Betrübte tröstet sich der Hilfe Gottes. 3. Ich weiß, Gott wird nicht von mir weichen; Wo 9 ghen, Kreuz ist, da ist Gott nicht weit; Er wird mir seine Hand darreichen, Der Vater hilft zur rechten Zeit; In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlaß ich mich auf meinen Gott. 4. Ich weiß, Gott wird mich bald befreien, Denn er be— trübt nicht immerdar; Er macht daraus oft grüne Maien, Was eine scharfe Rute war; In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlaß ich mich auf meinen Gott. 5. Ja, ja, wenn Gottes Stund wird schlagen, So höret auch mein Elend auf; Indessen will ich's willig tragen, Gott hemmt der wilden Wellen Lauf. In Trübsal, Kreuz und aller Not, Verlaß ich mich auf meinen Gott. 6. Der Vater wird sein Kind erhören, Drum halt ich ihm im Glauben still; Er wird mir meine Bitt gewähren, Daß ich ihm ewig danken will; In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlaß ich mich auf meinen Gott. Der Betrübte tröstet sich der Hilfe Gottes. Aufmunterung. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 121, 1. 2. Keine Hilfe zu haben in seinem Leiden und Elend ist wohl betrübender, als das Leiden selbst. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten, 1) Gott kann ihnen helfen, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich; nichts ist ihm zu schwer und nichts zu groß, er kann helfen in allem und aus allem. Be— trübte sollen 2) gedenken, Gott will ihnen auch helfen, kraft der herrlichen Verheißungen, er wolle bei ihnen sein in der Not, er wolle sie herausreißen, er wolle sie nicht verlassen noch versäumen. Betrübte sollen 3) erwägen die Exempel anderer, welchen Gott schon geholfen. Andere sind vielleicht ärmer, unglücklicher, trauriger, verlassener und elender ge— wesen, als sie, und doch hat solchen Elenden der Herr ge— Der Betrübte tröstet sich der Hilfe Gottes. 239 holfen; warum wollte man denn seine Hoffnung fahren lassen? Auf solche Hilfe sollen Betrübte 4) mit Gebet und Flehen, mit Hoffen und Vertrauen warten und fest glauben, die Hilfe bleibt nicht aus; denn was der Herr zusagt, das hält er gewiß; sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Herz spricht lauter Nein, so laß dir doch nicht grauen. Sehen Betrübte 5) zwar nicht, wie ihnen könne geholfen werden, so sollen sie sich erinnern, Gott könne tun über alles, was wir bitten und verstehen; er werde ihr Helfer, ihr Vater, ihr Tröster, ihr Erretter, ihr Beistand selbst sein. Haben sie Gott, so haben sie alles. Ja, sie sollen auch 6) ihrer Trau— rigkeit Zeit lassen, denn das ist auch eine Wohltat Gottes, daß er durch die Zeit und Vergessenheit unsere Leiden lindert. Gebet. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott. Ach, wo soll ich mich anders hinwenden, an wen soll ich anders denken in meinem Leiden und Kummer meines Herzens, als nur an dich, mein Gott? Ach, du hast mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht weggehen laͤssen. O, darum höre auch jetzt mein Gebet, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, und wenn ich rufe, so schweige mir nicht, sondern er— höre mich bald. Von deiner Hand ist mir das Leiden, das ich trage, zugeschickt worden, du kannst mich auch nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du, Herr, Herr, tötest und machst le— ————.— E —— A. —.— I....eee ——— ——.—.. — —.— 240 Der Betrübte tröstet sich der Hilfe Gottes. bendig, du führst in die Hölle und wie— der heraus. Du, Herr, machst arm und reich, du erniedrigst und erhöhst. Du erhebst den Dürftigen aus dem Staube und erhöhst den Armen aus dem Kot, darum spreche ich im Glauben: Herr, hilf mir; ach, du kannst helfen, du bist ja ein allmächtiger Gott, du willst mir helfen, denn du hast es mir verheißen. Vater, willst du dein Kind verlassen? Mein Vater, kannst du das Geschrei dei— nes Kindes ertragen, daß du ihm nicht zu Hilfe kommst? Du hast gesagt: Ehe sie rufen, will ich antworten, und wenn sie noch reden, will ich hören; mein Herz bricht mir gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. Ach, erhöre mich nun auch, höre das Geschrei meines Her— zens und das wehmütige Klaͤgen meines Mundes. Jedoch, mein Vater, ich weiß, daß du mich allezeit erhörst, darum will ich dir auch nicht Zeit und Stunde vor— schreiben, wann du helfen sollst, ich will gerne auf deine Hilfe warten. Stärke mich indessen durch deinen heiligen Geist; stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen; gib mir Geduld und ππνιπ⁰ ruhi verd An klagen siehst Kreati Vetro wird l Leben Der Betrübte tröstet sich der Hilfe Gottes. 241 Kräfte, mein Leiden zu tragen, und laß mich endlich die Zeit erblicken, da du mich mit deiner Gnade erfreust. Ach, mein Vater, du hast noch keinen verlassen, ver— laß auch mich nicht; du hast Betrübte allezeit erfreut, erfreue mich auch; du hast den Elenden geholfen, hilf mir auch. Wann, wie und wo du willst, das alles sei deiner Weisheit, Liebe, Güte und Gnade hiermit gänzlich heimgestellt. So sei denn wieder zufrieden, meine Seele, was betrübst du dich und bist so un— ruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Herr Jesu Christ, groß ist die Not, Worinnen ich muß klagen. Ach, hilf, mein allerliebster Gott, Du schläfst nicht, siehst die Plagen. Niemand ist, der mir helfen kann, Kein Kreatur nimmt mein sich an, Ich darf's von keiner hoffen. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn, Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnadenthron, Wer nur auf dich wird bauen, Dem stehst du bei in aller Not, Hilfst ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich verlasse. Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hat mich Gott denn gar verlassen Jetzt in meiner Traurigkeit? Ich weiß keinen Trost zu fassen In dem bittern Kreuz und Leid; Ach, wo ist doch nun mein Gott In der Starck, Gebetbuch. 16 —77——....*— 3 2 4 8*——„ 88 ——————— *— — 242 Der Betrübte tröstet sich der Hilfe Gottes. großen Angst und Not? Ach, wo soll ich ihn doch finden, Da die Not nicht will verschwinden? 2. Willst du meiner nicht gedenken? Denk doch, daß du Vater bist; Soll das Leiden mich versenken, Das so hart und heftig ist? Siehe, was ich von dir such, Ist ja nichts als dein Verspruch; Wirst du selbigen erfüllen, So wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch was will ich mich betrüben? Ich weiß, Gott verläßt mich nicht; Er will meinen Glauben üben, Und auch meine Zuversicht; Scheint er fern von mir zu sein, So gedenkt er dennoch mein; Seine Lieb kann mich nicht hassen, Noch mich in der Not verlassen. 4. Darum will ich nicht verzagen, Geht es mir gleich wunderlich; Meine Not will ich ihm klagen, Er wird helfen väterlich; Meine Not ist ihm bekannt, Und mir seine starke Hand; Diese kann mein Leiden wenden Und mir seine Hilfe senden. 5. Jesum Christ im Glauben fassen, Ist, was Gläubigen gebührt; Ich will nimmer von ihm lassen, Es ist gut, wie er mich führt; Fühl ich gleich die scharfe Rut, Sind doch diese Wege gut, Die mein Hirte mit mir gehet Und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde kommen, Kommt sie eben nicht gleich heut, Da mein Leid wird weggenommen, Da mein Vater mich erfreut. Vielleicht ist die Stunde nah, Ja, viel— leicht ist sie schon da, Da es heißt: du bist erhöret, Dir ist deine Bitt gewähret. 7. Sei getrost, o meine Seele, Fasse dich in deinem Gott, Sage, klage und empfehle Ihm alleine deine Not; Sonsten schweige gänzlich still, Es geschehe Gottes Will, Er wird mit den Gnadenblicken Dich zu seiner Zeit erquicken. — 09— Der der be Barmhe Güte. halten barm. Wi und un trübtes Gott in groß ur lich es 2 er er betrübt denente sprach! Zion h ich mic also be Betrüb seine! werden Clende gibt, t Stärke aber a Vater herzigf uden, daß 18 so nichts wird Gott Und „ So assen, gleich helfen starke Hilfe bigen wie er diese ich bei eben mein viel⸗ Dir Gott, onsten d mit Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. 243 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Aufmunterung. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so er— barmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Psalm 193, 8. 9. 13. Wie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten und unfreundlichen Leuten zu tun zu haben! Allein ein be— trübtes Kind Gottes soll versichert sein, 1) daß sein getreuer Gott im Himmel wisse all sein Leiden, Elend und Kreuz, wie groß und schwer es sei, wie lang es dauere und wie empfind⸗ lich es der Seele sei; nicht allein aber weiß es Gott, sondern 2) er erbarmt sich auch des Elenden; dieses sehen wir an der betrübten Witwe zu Nain und allen Kranken und Elenden, denen er freiwillig entgegengegangen und ihnen geholfen. So sprach er von dem Volke: Mich jammert des Volks; und von Zion heißt es: Darum bricht mir mein Herz gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. In Betrachtung dessen, daß Gott also barmherzig ist und Barmherzigkeit ausübt, soll 3) ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen Gott seine Zuflucht nehmen, denn die Betrübten sollen getröstet werden. 4) Gott erweist aber seine Barmherzigkeit gegen die Elenden, teils, wenn er ihnen Freudigkeit und getrosten Mut gibt, teils, wenn er in ihrem Leiden sie erhält und ihnen Stärke gibt, daß sie es ausstehen und ertragen können, teils aber auch, wenn er es gar von ihnen nimmt. Erbarmt sich ein Vater über sein Kind, so wird Gott den Betrübten ohne Barm⸗ herzigkeit in seinem Elend auch nicht verderben lassen. Gebet. O du gnädiger Gott und Heiland, dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird; 244 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. siehe, mit bekümmerter und betrübter Seele trete ich vor dein allerheiligstes Angesicht und schütte meinen großen Kummer vor dir aus. Dir ist ja wohl bekannt mein Jammer und großes Elend, das mich betroffen hat; meine Seele ist betrübt, mein Geist ist geängstigt, und Leiden hat mich umgeben ohne Zahl. Ich sehe mich um nach Helfern, aber ich finde keine. Menschen wollen sich teils meiner nicht annehmen, teils wis— sen sie meine Not nicht, teils mag ich es auch nicht offenbaren. Aber dir, o Gott, klage ich es mit betrübtem Her— zen; ich weiß, du bist barmherzig und lässest dich unser Elend jammern. Es jammerte dich der betrübten Witwe, die da weinte um ihr Kind; es jammerte dich des Volkes, welches nichts zu essen hatte, und dein Jammer war mit dem Erbarmen und Helfen verbunden. O, darum komme ich zu dir und spreche: Ach, erbarme dich über mich! Ach Gott, ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen. Ja, ich bin mehr, ich bin auch dein Kind, das du in der heiligen Taufe Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. 245 in die Arme deiner Barmherzigkeit auf—⸗ genommen hast, darum spreche ich: Ach, mein Vater, erbarme dich deines armen und verlassenen Kindes. Mein Jesu, ich bin ja mit deinem heiligen Blut er— kauft. Bin ich doch dein ererbtes Gut, erkauft mit deinem teuern Blut, darum wirst du dich deines Eigentums erbarmen. O, du werter heiliger Geist, lege das Zeugnis in meine Seele, daß ich bei allem meinem Leiden dennoch ein Kind Gottes sei, und wenn ich im Beten matt werde und fast nicht mehr beten kann, so schreie du in mir das Abba, lieber Vater! Siehe, ich sinke, ach, biete mir deine Hand; Herr, hilf mir, Herr, stehe mir bei! Herr, Herr, laß deine Barmherzigkeit groß an mir wer— den und gib mir Freudigkeit des Her— zens, ja, schreibe und rufe stets in meine Seele die Worte: Du bist nicht ver— lassen; ich will mich deiner erbarmen; ich bin bei dir in der Not; ich will dich herausreißen und zu Ehren machen. Ach Herr, nach deiner großen Barmherzig⸗ keit stärke meinen Glauben, erhalte mich in meinem Elend, gib mir alle Tage neue 246 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. ö ‚mß ͤ züglich Kräfte und neues Vermögen, daß mein 1i Glaube nicht möge aufhören, daß meine 10 Hoffnung nicht sinken, noch mein Ver⸗ E suden trauen auf dich schwach werden möge. 50 1 40 Du sprichst: Ist nicht Ephraim mein 33. teurer Sohn und mein trautes Kind? 0 1 Ich denke wohl daran, was ich ihm ge— IVI. redet habe, darum bricht mir mein Herz dih, gegen ihn, daß ich mich seiner erbarmen* N muß. Denke auch an mich, du hast 0 V. mir auch Gnade zugesagt, ich bin auch hi I: dein Kind, erbarme dich meiner. Du I hast mich ja noch niemals verlassen; uue —„„ 5*+2 olch 6 . ach, so verlaß mich jetzt auch nicht, hilf 12 deinem Kinde, das zu deiner Barm— . herzigkeit allein seine Zuflucht nimmt. Wis Ach, ich kenn sein Vaterherz, Es ist schon auf Hilf be— Gott ö* dacht, Meine Trübsal, Angst und Schmerz, Und was mich gehof sonst traurig macht, Es wird alsdann bald sich wenden, Wenn er mir wird Hilfe senden; Drum, mein Vater, komm zu mir, des Herz und Auge sieht nach dir. Amen. ö Gesang. ö Mel.: O Gott, du frommer Gott. ö 1. Wohl dem, der Gott vertraut In allen seinen Sachen 0 Und alles dem heimstellt, Der es weiß wohlzumachen; Wohl 1 dem, der da sein Haupt Nur legt in Gottes Schoß, Der wird 4 ganz ruhig sein Und aller Sorgen los. ö ö 2. Wohl dem, der Gott vertraut, Als welchem nichts ö unmöglich; Sein starker Allmachtsarm Kann helfen unver h Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. 247 züglich; Was uns dünkt allzuschwer, Das ist bei ihm gar leicht, Weil alle Not von uns, Wenn er's befiehlet, weicht. 3. Wohl dem, der Gott vertraut! Kannst du kein Mittel finden Und meinest, deine Not Wär nicht zu überwinden, So trau dem weisen Gott, Der alle Hilfe hat, Bei dem ist Rat und Tat, Wenn du bist ohne Rat. 4. Wohl dem, der Gott vertraut, Denn seine Liebes— proben Muß jede Kreatur Mit frohem Munde loben; Der jeder Kreatur Die Nahrung reichlich gibt, Der sorget auch für dich, Weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der Gott vertraut Und nicht den Men⸗ schenkindern; Sie sind gar oftmals falsch Und suchen zu verhindern, Das, was uns nützlich ist; Ob sie, was uns gebricht, Wohl wissen und verstehn, So helfen sie doch nicht. 6. Drum will ich immerdar Dir, meinem Gott, ver trauen, Auf deine Vaterhand In meiner Trübsal schauen; Ach Gott, ich komm zu dir, Ach, sorge du für mich, Ach, nimm dich meiner an Und hilf mir gnädiglich. 7. Wohlan, ich traue Gott, Es mag mir nun auch gehen, Wie's meinem Gott gefällt; Ich bleib darauf bestehen, daß Gott den nicht verläßt, Der feste auf ihn baut, Weil dem geholfen wird, Der seinem Gott vertraut. Der Betrübte erwägt die göttlichen verheißungen. Aufmunterung. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen; ich will ihn sätti— gen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil. Psalm 91, 14—16. So sehr Kreuz, Unglück und Elend niederschlägt, so herr— lich richten die göttlichen Gnadenverheißungen wieder auf. 248 Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. Darum soll ein Betrübter gedenken, 1) alle göttlichen Ver— heißungen gehen auch ihn an; man soll sich nicht einbilden, als ob die Verheißungen nur Mose, David und denen gegeben sind, die dazumal lebten; nein, sie zielen auch auf uns, denn so spricht Paulus Röm. 15,4: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Ferner soll er 2) gedenken, alle göttlichen Verheißungen werden erfüllt zu der Zeit, die Gott bestimmt hat. Darum soll ein Betrübter Gott nicht Zeit und Stunde vorschreiben, sondern in Demut und Glauben die Hilfe erwarten. 3) Soll ein Betrübter gedenken, daß die Verheißungen Gottes von der Hilfe, Erlösung, Er— rettung und Befreiung von allem Übel bisweilen auch in diesem Leben erfüllt werden, so daß Kranke gesund, Traurige erfreut, Elende errettet, Betrübte getröstet werden; aber daß bisweilen Gott seine Verheißungen erst in dem ewigen Leben erfüllt, wo alle Verheißungen Gottes in ihre vollkommene Erfüllung gehen. In Betrachtung dessen soll 4) ein Be— trübter stille sein und auf die Güte Gottes hoffen, der seine Verheißungen an so viel Tausenden schon erfüllt hat. Gebet. Herr, mein Gott, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Ich weiß in mei— E + + 2( ner Bekümmernis nirgends Trost, Rat und Hilfe zu finden, als bei dir, wo es mein Herz allezeit gefunden hat; be— ö& ö sonders suche ich meinen Trost in deinen herrlichen Verheißungen. Darin finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelenangst zu erquicken. — Ich in d des mein hast Not, Hert Woß Du bin Got dubt figke und soll soe lich dein Gei Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. 249 Ich gehe in dein Heiligtum und suche in deinem heiligen Worte ein stärken— des Manna und lebendiges Wasser für meine hungrige und durstige Seele. Du hast gesagt: Ich bin bei dir in der Not, ich will dich herausreißen. Ach Herr, die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerech— tigkeit. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach Herr, so erbarme dich doch meiner, ach, weiche nicht von mir, verwirf mich nicht von deinem heiligen Angesicht, dein freudiger Geist enthalte mich. O mein Herr und Gott, ich weiß, du wirst deine Zusage und Wahrheit treulich halten; wäre dein Wort nicht mein Trost, so müßte ich vergehen in meinem Elend. Habe ich schon viele Bekümmernisse im Herzen, so erquicken doch deine Trö— stungen meine Seele. Dein heiliges Wort stellt dich mir vor als einen mächtigen α — —— ——————— SSSISISISISIIIIIe ——— ————8 I. —..——... 250 Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. Gott, als einen liebreichen Vater, als einen starken Helfer, als einen gnädigen Beistand und als einen gewissen Er— retter; darauf verlasse ich mich, des tröste ich mich. Mein Herz ist getrost und unverzagt, und harret des Herrn. Darum sei wieder zufrieden, meine Seele, der Herr verstößt nicht ewiglich, er betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Was betrübst du dich demnach meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern, meine Seele wartet auf den Herrn, bis er uns gnädig werde. Stärke, tröste und erfreue meine abge— mattete, traurige und betrübte Seele, richte meine niedergeschlagene und sinlende Seele auf. Fasse mich in deine Arme und erquicke mich, verlaß mich nicht und tue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Ich sehne mich nach dir, meine Seele verlangt nach dir und seufzt: Wann tröstest du mich? Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit, Es mag ihn nichts gereuen, Er wendet alles Leid. Ihm sei komn Mein Herz oft u Glock wie e wann Die! Herr, ich ge drum komn liebe hört Laß Me Wen Herz Hilfe mein mich der Der Betrübte erwägt die Absichten Gottes im Kreuz. 251 es heimgestellt, Mein Leib, mein Seel, mein Leben, Und was er mir gegeben, Er mach's, wie's ihm gefällt. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird Gottes Stunde kommen; Ach, wann kommet doch die Zeit? Ach, wann wird mir abgenommen Meine Klage, Kreuz und Leid? Seufz ich doch darnach von Herzen, Wart ich doch darauf mit Schmerzen, Es spricht oft mein matter Mund: Ach, wann schläget Gottes Stund? 2. Ach, ich zähle Tag und Stunden Und fast jeden Glockenschlag, Bis ich habe Hilf gefunden. In der Nacht, wie an dem Tag Sprech ich öfter noch mit Weinen: Ach, wann wird die Stund erscheinen, Die zur Hilfe ist bestimmt, Die mein Leiden von mir nimmt? 3. Doch, ich will dir nicht vorschreiben; Es geschehe, Herr, dein Will; Ich will dir getreu verbleiben, Dir halt ich geduldig still; Willst du mit der Stund verziehen, Will ich drum nicht von dir fliehen, Sondern rufen mit Gewalt: Ach, kommt seine Stunde bald? 4. Ach, laß deine Stund anbrechen, Deine Stund, o lieber Gott! Laß mich einmal fröhlich sprechen: Nunmehr hört auf meine Not; Nach dem Winseln, nach dem Schreien Laß mir Hilfe angedeihen, Alle Not bricht gleich entzwei, Wenn die Stunde kommt herbei. 5. Ach, mein Vater, hör mein Flehen, Sieh, es betet Herz und Mund, Laß mich bald erfreuet sehen Die ersehnte Hilfestund; Wirst du deine Stunde schicken, So wird sich mein Geist erquicken. Ach, mein Vater, höre mich, Höre mich doch gnädiglich. — 5ü— Der Betrübte erwägt die Absichten Gottes im Äreuz. Aufmunterung. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach wird ——.—— ————— 252 Der Betrübte erwägt die Absichten Gottes im Kreuz. sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind. Hebr. 12, 11. Wenn das Kind die Züchtigung empfindet, weint es und meint, es geschehe ihm gar wehe. Und so geschieht es denn, daß Betrübte sich oft nicht ins Kreuz schicken können. Ein Betrübter soll erwägen, 1) Gott will uns durchs Kreuz nicht ins Verderben bringen, sondern uns daraus erretten. Wenn der Wundarzt in die Wunde schneidet, beißende Sachen auf— legt, so will er sie heilen und reinigen; und durch Trübsal will uns Gott abziehen von der Welt und uns zu sich ziehen. 2) Sieht Gott, daß wir uns in irdische Dinge und Kreaturen verlieben, so nimmt er uns dieselben, daß wir ihn allein lieben sollen und unsere Freude an ihm haben. Ja, wenn er sieht, daß wir durch die beständige Glückseligkeit, Ruhe, Wohler gehen träge zum Gebet und kleingläubig, im Wandel sicher und nachlässig werden, so läßt er uns ein wenig bekümmert und betrübt werden, damit wir wieder nach ihm verlangen und in seiner Liebe und Erkenntnis zu wachsen trachten. Bei diesem allen aber bleibt er ein gnädiger, allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der uns herzlich liebt. Gebet. Mein Gott, der du mich jetzt in so große Traurigkeit und Betrübnis setzest, daß mein Herz geängstigt, mein Mund voll Seufzen und meine Augen voll Tränen sind; ach, ich weiß nicht, wo ich mich hinwenden soll. War ich nicht glückselig, war ich nicht fein still? Hatte ich nicht Ruhe? Woher kommt solche Unruhe? Ach, mein Jammer ist groß, aber ich will darum nicht von dir fliehen, will. mein harte richte tigen warn hast. sed derbe an u nei Vite zu v auszt solche du p in Der Betrübte erwägt die Absichten Gottes im Kreuz. 253 mein Hirte. Hast du mich durch diesen harten Schlag niedergeschlagen, ach, so richte mich wieder auf mit deinem kräf— tigen Wort, damit ich möge erwägen, warum du mir dieses Elend zugeschickt hast. Ich weiß ganz gewiß, daß die— ses Kreuz mich nicht zu meinem Ver— derben betroffen hat, oder daß es mir an meiner Seele Schaden bringen soll; o nein, du Liebhaber des Lebens, mein Vater, das ist dein Wille nicht, mich zu verderben und deinen Zorn an mir auszuüben. Sondern, da du mich in solchen traurigen Zustand setzest, willst du prüfen meine Liebe, ob ich dich auch in guten, wie in bösen Tagen lieben will. Du willst prüfen meinen Glau⸗ ben, ob ich auch glaube, du seiest ein allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der mich aus diesem Elend er— retten und in demselben erhalten könne. Du willst meine Geduld prüfen, ob ich dir zu Ehren dieses Kreuz gerne tra— gen will. Du willst mein Vertrauen prüfen, ob ich auf dich und deine Gnade, Liebe und Barmherzigkeit in Christo Jesu vertrauen will. Du willst meine 254 Der Betrübte erwägt die Absichten Gottes im Kreuz. Hoffnung prüfen, ob ich hoffen will, wo nichts zu hoffen ist, und deinem Wort und Verheißungen Glauben bei— messen will. Ja, mein gnädiger Gott und Vater, du willst mich dadurch von der Welt, ihren Lüsten, Sünden und Gewohnheiten abziehen, daß ich mich allein zu dir wenden und zu dir halten soll. Ja, du nimmst mir, was mich erfreut, damit ich allein meine Freude an dir haben soll; du nimmst mir das, was mich vergnügt, damit ich dich als mein höchstes und liebstes Gut hoch— achten soll. Wohlan, mein lieber Gott, ich will so werden, wie du mich haben willst, ich will das tragen, was du mir auferlegst; gib mir deinen heiligen Geist, der mir dazu Kraft, Stärke und Vermögen mitteile. Ohne dich ist mir's unmöglich, es zu bestehen, aber durch deinen Geist und gnädigen Bei— stand kann ich überwinden. Ich will auch gerne geduldig sein und dir stille halten, es währe so lang, als es wolle. Ich will mich auch der Welt und welt— lichen Gesellschaften entschlagen und dir allein anhangen, daß ich ein Geist mit O De dir! Wlt sei. 3ur meiht G0 In Go Soll tr den nu * Trübsal Ob maf tut, Se 2. gehen Wenn sccharfe . doch, 6 Ganz Unglü 4 Anlaf nicht leicht 5 biel v uch 3 dlesch will, nem bei⸗ Vott von und mich lten mich eude das, als hoch⸗ Hott, aben dbU ligen tärke ist aber Bei⸗ will stille wolle. welt⸗ d dir mit Der Betrübte erwägt die Absichten Gottes im Kreuz. 255 dir werde; so wird dieses Kreuz mich reinigen und meiner Seele gar nützlich sein. Die Hilfe wird schon anbrechen zu rechter Zeit durch Jesum Christum meinen Erretter und Helfer. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich verlassen bin; In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüt und Sinn Soll treulich an ihm halten Und ihm vertrauen fest, Und den nur lassen walten, Der mich niemals verläßt. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich gebe mich in Gottes Willen, Wenn Kreuz und Trübsal mich anficht; Mein Jesus kann den Jammer stillen, Ob man mir alle Hilf abspricht, Und ob es mir gleich wehe tut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 2. Das Kreuz gehört mit zu den Dingen, Die anfangs gehen bitter ein Und gleichwohl großen Nutzen bringen, Wenn sie nur ausgestanden sein; Fühl ich gleich oft die scharfe Rut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 3. Laß sein, daß mich das Glücke fliehet, So weiß ich doch, Gott kennet mich, Und daß mich seine Weisheit ziehet Ganz von der Welt allein zu sich; Empfind ich gleich die Unglücksflut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, Dazu ich keinen Anlaß geb, So will mich Gott demütig machen, Daß ich mich nicht zu hoch erheb; Ich achte nicht der Feinde Wut, Viel— leicht ist dieses Kreuz mir gut. 5. Weiß ich gleich nichts von guten Tagen, Hingegen viel von Herzeleid, So führt mich Gott, das kann ich sagen, Auch dadurch zu der Frömmigkeit; Zwar kränkt es heftig Fleisch und Blut, Jedoch ist dieses Kreuz mir gut. —.—— —.——————— SS—— S....*FeE—— IPIF I I ‚ ITTTTTT..— Dii 256 Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 6. Und muß ich öfter noch empfinden Anfechtung, Angst und Traurigkeit, So hilft mir's Gott doch überwinden Und schenkt mir süße Seelenfreud; Drum hab ich einen frohen Mut, Weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 7. Ich sehe wohl in allem Leiden, Ob es gleich lang und heftig beißt, Daß mich nichts soll von Jesu scheiden, Viel mehr mich zu ihm fliehen heißt; Er reißt mich aus der Höllen— glut, Drum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Aufmunterung. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Beloh— nung hat. Geduld aber ist euch not, auf daß ihr den Willen Gottes tut und die Verheißung empfanget. Hebr. 10, 35. 36. Geduld ist eine Frucht des Geistes, sie kommt von Gott, und der muß auch darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und inniger im Namen Jesu Christi als seines Mittlers und Fürsprechers beten, je heftiger sein Leiden ansetzet, wie dort von Christo stehet:„Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger.“ Deswegen soll der Betrübte erwägen, 1) das sei Geduld, wenn der Mensch stille unter seinem Kreuz bleibt und mit sich läßt umgehen, wie Gott will; er weiß, daß seine Trübsal von Gott kommt, der sie auch wieder abnehmen kann; er weiß, daß ihn Gott im Kreuz doch herzlich liebt, und daß er darum nicht habe aufgehört, Vater zu sein, ob er ihm gleich ein Kreuz aufgelegt hat. Darum 2) murret ein Betrübter nicht wider Gott, ob es gleich lang und schwer wird, sondern sagt: Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun, du wirst es wohl machen. Sollte er 3) ja durch heftige Schmerzen, durch das vielfältige Leiden kleinmütig werden wollen, so muß er Gott um Stärke anrufen. Gott aber stärkt Betrübte, wenn er ihnen durch sein Wort zu erkennen gibt, es werde das Kreuz bald aufhören, er wolle sie nicht rung stark Vor uns nicht unser rechtt Angst uUnd frohen ig und Viel Hhöllen⸗ Beloh Willen 36. n Gott, etrübter risti als Leiden nit dem Betrübte le unter sie Gott der sie m Kreuz Ifgehört, egt hat. es gleich igen und . Sollte g6 Leiden anrufen. Wort zu wolle sie Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 257 nicht verlassen; auch, wenn er ihnen einige Hilfe und Linde— rung widerfahren läßt. Dadurch 4) wird ein Betrübter wieder stark werden in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Vor Ungeduld soll sich ja ein Mensch hüten, denn Gott hat uns verheißen, er wolle uns helfen, das Kreuz tragen, aber nicht die Ungeduld, weil dieselbe nicht von Gott, sondern von unserem Fleisch und Blut herkommt; die Geduld bringt eine rechte Stille des Herzens und des Gemüts. Gebet. Herr, vor dir ist alle meine Begierde. Ach, mein Gott, mein Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Elend und Jammer ist dir wohlbekannt; dieses ist mein Trost, daß ich weiß, es kommt von deiner Hand; ich habe es mir nicht gemacht, sondern du hast es mir auf— gelegt; hast du mir's aber aufgelegt, so hilf mir's tragen. Und weil die Ge— duld auch gehört unter die guten Ga— ben, die von oben kommen, von dem Vater des Lichts, ach, so verleihe mir die— selbe nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkst, wenn du mir hilfst und beistehst, so kann ich alles, so vermag ich alles, so wird es mir nicht zu schwer werden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Greife mich auch nicht zu heftig an, damit ich Starck, Gebelbuch. 258 Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. I 1* es ertragen kann. Habe Geduld mit ad . meiner Schwachheit, stärke die müden ½ Hände, erhalte die strauchelnden Knie, ö duld 1+ 0 sage meinem verzagten Herzen: Dein H V Gott ist König, dein Jesus ist bei dir, Ind dein König kommt zu dir, ein Gerech⸗ daft N ter und ein Helfer. Ja, wenn du mir Stt hilfst, so ist mir geholfen; darum hilf On mir, o mein Heil, um deines Namens uld * willen, zu dir habe ich Zuflucht. Stelle kl N. doch meiner Seele vor, es sei dein hei⸗ wnn liger Wille, daß ich so leiden und mein lich 1 Kreuz tragen soll; worauf ich mich denn nen mit Freuden entschließe und sage: Va— ter, nicht mein, sondern dein Wille ge— 12 schehe. Stelle mir vor deine Liebe, daß du mich unter dem Kreuz und in der ten 2 Betrübnis dennoch liebst, daß mein Lei⸗ ö 3. den nur eine kleine Zeit und nicht ewig I. dauern werde, ja, daß dieser Zeit Lei— den nicht wert sei der Herrlichkeit, die an uns soll offenbaret werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Vater seist, daß dieses Kreuz nicht ein Zeichen des Zorns, sondern der Gnade. Ueberzeuge mich, es werde mein Nutzen sein, indem ich mit den hie, Kin dir, ech⸗ mir hilf lens telle hei⸗ nein enn Va⸗ 9e⸗ daß der Lei⸗ wig Lei⸗ die Hiff, diger daß rns, nich Wich Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 259 dadurch zu dir gezogen werde. Stelle meiner Seele vor das Beispiel der Ge— duld meines lieben Heilandes Jesu Christi, der alles geduldig auf sich nahm und wie ein Lamm seinen Mund nicht auftat. Gib, daß ich ihm in solcher Stille und Gelassenheit durch deine Gnade nachfolge; gib, daß ich mit dulde und mit leide, damit ich auch mit ge— krönt und mit zur Herrlichkeit erhoben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzen reißen, mei— nen Glauben nicht schwächen, noch das Gebet verhindern, sondern gib mir neue Kraft und neuen Mut, wenn ich einen Sturm aushalten muß oder ausgehal— ten habe. Ja, stelle mir vor, daß mich deine Hilfe bald erfreuen und dein kräf—⸗ tiger Beistand mich erquicken werde. Du bist mein Fels, mein Burg, mein Hort, Mein Schild, mein Kraft, sagt mir dein Wort, Mein Hilf, mein Heil, mein Leben, Mein starker Gott in aller Not; Wer mag dir widerstreben? Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott, verzieh doch nicht, Ach, sieh, wie muß ich weinen; Wann willst du, o mein Licht, Zu meinem Trost erscheinen? Zu Hause hab ich Kreuz, Und geh ich ein und 17²⁴⁷ 260 Der Betrübte bittet um Abnahme der Trübsal. aus, So geht mein Leiden mit Und kommt mit mir nach Haus. 2. Zwar hoff ich alle Tag: Sieh, heute wird es besser; Allein das Leiden wird Fast alle Tage größer; Ich werde schwach und matt, Mein Herz ist sehr beklemmt, Es ist mein Angesicht Mit Tränen überschwemmt. 3. Durch langes Leiden will Auch die Geduld verschwin— den, Weil sich die Linderung So gar nicht will einfinden: Ich warte von dem Tag Bis zu der stillen Nacht, Und in der Nacht bin ich Schon auf den Tag bedacht. 4. Willst du nun länger noch, Mein Gott, die Hilf verziehen, Wie wird es mir ergehn? Ach, wo soll ich hin— fliehen? Ach, Gott, verzeuch doch nicht, Ach, eile bald her— bei! Ach, Herr, wann machst du mich Von meinen Banden frei? 5. Die Hilfe steht bei dir, Sie steht in deinen Händen, Du kannst mit einem Wort Mein Leiden schleunig wenden. Ach, wende dich zu mir, Komm und errette mich, Erleichtre mir mein Kreuz, Ach Gott, erbarme dich. 6. Das Leiden ist nicht schwer, Wenn du mir hilfst es tragen; Ich will, wenn du mich trägst, Von keinem Leiden sagen; Denn trägest du mit mir, So trägst du das Gewicht, Ich habe zwar das Kreuz Und fühl die Last doch nicht. 7. Ach ja, mein Herr und Gott, Laß mich die Stund erblicken, Daß du nach meinem Leid Mich endlich wirst er— quicken; Ach, schenke mir dereinst Die lang erwünschte Stund, Darnach das Herze seufzt Und der betrübte Mund. 8. Wirst du mir diese Gnad, O großer Gott, erweisen, So will ich, weil ich leb, Dafür dich herzlich preisen; Mein Freudenwort soll sein Nach ausgestandner Not: Wie gnädig ist doch Gott, Der Herre Zebaoth! Der Betrübte bittet um Abnahme der Crübsal. Aufmunterung. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen: Herr, ich verhei demno dersell sie daf wegen Langn ihnen Unser Kelche trübte an dei Kreuz verknt schickt abnir nahn lich, könn zu he Kreu lust daß noch auf! keit licher Be nach esser; werde mein hwin⸗ nden: in der Hilf hin⸗ d her⸗ zanden änden, enden. eichtre ilsst es Leiden ewicht, . Stund irst er⸗ Stund, weisen, Mein gnädig hsal. rete wie err, ich Der Betrübte bittet um Abnahme der Trübsal. 261 leide Not, lindere mir's. Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenom— men, daß sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünde hinter dich zurück. Jes. 38, 14. 17. Gott hat seinen Kindern eine Linderung und Erquickung verheißen, entweder in diesem oder in dem ewigen Leben; es ist demnach den Betrübten nicht verboten, Gott um Erfüllung derselben auch in diesem Leben anzuflehen, doch also, daß sie darin sich dem Willen Gottes gänzlich unterwerfen. Des— wegen, 1) wenn sie ihres Kreuzes Heftigkeit, Bitterkeit und Langwierigkeit empfinden, dürfen sie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen möchte; denn so machte es ja Christus, unser Heiland, selbst, welcher um Wegnehmung des bittern Kelches den himmlischen Vater anflehte. Hiermit legen Be— trübte ihr Vertrauen und Zuversicht zu der Allmacht Gottes an den Tag. Jedoch 2) soll diese Bitte um Abnehmung des Kreuzes mit einer gelassenen Ergebung in den Willen Gottes verknüpft sein; besser ist's, wir tragen das von Gott ge— schickte Kreuz willig, als daß er es uns wegen unseres Murrens abnimmt und ein schwereres zuschickt. Diese Bitte um Ab— nahme der Trübsal soll 3) auch eine gute Absicht haben, näm⸗— lich, daß wir Gott desto freudiger und ungehinderter dienen können, indem die Trübsal uns oft zerstreut, niederschlägt und zu heiligen Übungen ungeschickt macht. Wollte man aber des Kreuzes entledigt sein aus Ungeduld, oder um die Welt⸗ lust und Weltfreude wieder zu genießen, so sieht man ja leicht, daß Gott ein solches Gebet nicht erhören wird. Ist das Herz noch fleischlich, eitel und irdisch gesinnt, so läßt er das Kreuz auf uns liegen, bis es, als ein heiliges Feuer, diese Unreinig— keit des Herzens ausgebrannt hat, durch die Kraft des gött— lichen Wortes. Gebet. O du gnadenreicher Gott, der du die Betrübten und Clenden ansiehst und dich 262 Der Betrübte bittet um Abnahme der Trübsal. * erbarmst aller deiner Werke, ach, siehe, suld 160 ich stehe hier vor der Tür deiner Gnade Kll. F und flehe dich um Hilfe an. Du weißt dl 160 ja, wie du mich betrübt hast, aber du loch weißt auch wohl, daß es mir niemand mn kann abnehmen, denn du allein. Die Du Vaterhand, die mich verwundet, die muß alen 1N mich heilen; der mich getötet, muß mich sien wieder lebendig machen; ja, der mich in samn die Hölle geführt hat, muß mich wieder Wirst herausführen. Darum, du gnadenreicher lange Ii Gott, komme ich zu dir und spreche: mirꝰ I Herr, hilf mir, ach, erbarme dich mei⸗ deile V ö ner! Dein Zorn währet einen Augen— ein 6 blick, und du hast Lust zum Leben, aber du! 0 dein Augenblick währet mir fast zu lange. mich 14 Barmherziger Gott, der du in deinem daß 4 Wort so liebreich deinen Kindern er⸗ dein . laubt hast, dich zu bitten: Bittet, so geue werdet ihr nehmen; suchet, so werdet lang 1 ihr finden; klopfet an, so wird euch auf— nach 1 getan: ach, laß auch mein Bitten, Su⸗ Hen chen und Anklopfen bei dir Gnade fin⸗ Rat 1 den. Nimm meine Trübsal von mir; Tro ö doch nicht mein, sondern dein Wille ge⸗ un ö schehe. Ich will dir nicht Zeit und nich Stunde, Art und Weise vorschreiben, um ange. inem er⸗ , so erdet ö alls⸗ Su⸗ fin⸗ mir; le gl⸗ und Kiben, Der Betrübte bittet um Abnahme der Trübsal. 263 sondern deine Hilfe mit Geduld erwar— ten. Ach, laß mich doch deine Erquik— kung empfinden; willst du mein Elend noch nicht ganz von mir nehmen, so nimm nur einen Teil desselben von mir. Du willst dich vor deinen Gläubigen nur einen kleinen Augenblick verbergen und sie mit großer Barmherzigkeit wieder sammeln. Ach, mein Gott, wie lange wirst du mein so gar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? Ist's denn ganz und gar aus mit deiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, daß du noch mein Vater seist, der sich über mich erbarmt; laß mich doch innewerden, daß mein gläubiges Gebet im Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi dir an⸗ genehm gewesen sei. Ach, wie lang, ach, lange, ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Dir ist ja nichts unmöglich; Herr Zebaoth ist dein Name, groß von Rat, mächtig von Tat. Du bist der Trost Israels und ihr Nothelfer, dar— um verlaß mich nicht; hilf mir, errette mich und sei mir gnädig; erquicke mich nun wieder, nachdem du mich so lange 264 Der Betrübte bittet um Abnahme der Trübsal. geplagt, nachdem ich so lange mein Lei— den ausgestanden, und tue nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil. Ist aber deine Hilfe noch nicht da, so stärke mich inwendig und gib mir solche Kraft, daß ich es dir zu Ehren ferner tragen könne; denn wenn du, o lieber Vater, es mit mir trägst, oder mir linderst; wenn ich in deiner Kraft einhergehe, so will ich es auch als ein Abnehmen halten, darüber mich freuen und dir danken. Willst du mir es aber in diesem Leben nicht abneh— men, und ist es dein heiliger Rat, daß ich es bis in den Tod tragen soll, so ge— schehe dein Wille; nur laß mich nicht über mein Vermögen versucht werden und versüße mir alle Bitterkeit der Trübsal mit dem Genuß deiner Liebe, mit deinem mächtigen Beistand und erquickenden Vor⸗ schmack des Himmels. Tue es um Jesu Christi, meines Mittlers, Fürsprechers und seines für mich vergossenen teuren Blutes willen. Soll ich noch mehr um deinetwillen leiden, So steh mir, Herr, durch deine Kraft zur Seiten; Fein ritterlich, beständiglich, Hilf mir mein Widersacher all bestreiten. Amen. — 5..— doch . berzieh das sch nich ni lch,so 2 hören! bringen mich fl leisten 9 dein K. lassen ihm na Hilf in 4. seman Weh duldig 5 soll, wohl. bringe der Lei⸗ hand aber mich daß une; mit Nich ich eð rüber st du bneh⸗ daß so ge⸗ nicht übsal einem Vor⸗ Jsu echers teuren So steh ritterlich In. Amen. und Der Betrübte erwäget den Ausgang des Kreuzes. 265 Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird mich mein Gott erhören? Ach, wie lang verzieht er doch! Will er sich nicht zu mir kehren, Wegzutun das schwere Joch? Ach, ich muß ja fast vergehen, Wenn er mich nicht will ansehen. Nimmt sich Gott nicht meiner an, Ach, so ist's um mich getan. 2. Hat mir's Gott ja doch versprochen, Daß er mich er— hören woll, Wenn die Stund ist angebrochen, Die mir Hilfe bringen soll. Bei dem Wort will ich ihn fassen Und darauf mich fest verlassen; Was er mir verheißen hat, Kann er leisten in der Tat. 3. Ich will dennoch eifrig beten: Schaue, Vater, auf dein Kind; Ich will immer vor ihn treten, Wie die, so ver— lassen sind; Ich will seufzen, weinen, flehen, Allerorten ihm nachgehen; Ihm schick ich die Seufzer zu, Bis ich habe Hilf und Ruh. 4. Soll ich in dem Jammergarten, Hier in dem Geth— semane, Länger auf die Hilfe warten, So will ich in Ach und Weh Nicht an Gottes Hilf verzagen Und mein Kreuz ge— duldig tragen; Seh ich meinen Jesum hier In dem Garten doch bei mir. 5. Nun, wohlan, ich bin vergnüget, Es geh, wie es gehen soll, Wie es mein Gott mit mir füget, So tut es der Seele wohl. Endlich werd ich noch lobsingen Und ihm meine Opfer bringen, Ja, erzählen jedermann, Was er hat an mir getan. Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Ureuzes. Aufmunterung. Der Herr verstößt nicht ewiglich; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte; denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Klagl. Jerem. 3, 31—33. 266 Der Betrübte erwäget Alle Trübsal wird leicht, wenn man hofft, es werde bald besser werden; eine beschwerliche Reise wird kurz, wenn sie bald zurückgelegt ist. Hierbei soll ein Betrübter sich vor— stellen, 1) daß sein Elend gewiß ein Ende nehmen werde und vielleicht noch in diesem Leben, wie Gott also Davids Flucht, Hiskiä Krankheit, Hiobs Elend, der Witwe Tränen, des Gichtbrüchigen Schmerzen noch in diesem Leben gewendet. Am allergewissesten aber wird Gott der Frommen Kreuz enden und wenden in dem Tode; denn da soll ihnen die Krone, ein weißes Kleid, die Himmelsfreude zuteil werden, da will er abwischen alle Tränen von ihren Augen. 2) Soll sich ein Betrübter vorstellen, wenn er durch Leiden betrübt wird, daß seine Seele dadurch erbaut wird; denn nun hat er gesehen Gottes Allmacht, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit. Durch das Leiden und dessen fröhliches Ende ist sein Vertrauen auf⸗— gerichtet und sein Glaube gestärkt worden, und wenn auch durch das Kreuz die Weltliebe in ihm getilgt ist, daß er nun frömmer, andächtiger, christlicher, demütiger und sanftmütiger geworden ist, so hat er gewiß einen großen Nutzen von seinem Kreuze, so bleibt der Ausgang des Kreuzes fröhlich und selig, es mag sich enden hier in der Zeit, oder erst dort in der Ewigkeit. Gebet. Ach, du großer Gott, wie ist doch mein Leid so schwer und groß, wie du selbst weißt; ein jeder Tag hat seine eigene Plage und jede Stunde fast ihr eigenes Leiden; aber doch soll mein Glaube, Hoff— nung und Vertrauen deswegen nicht auf— hören, sondern ich will mitten in der Trübsal meine Augen aufheben zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt, —.— de bald enn sie ch vor⸗ werde Davids Tränen, wendet. Kreuz Krone, da will sich ein ird, daß gesehen . Durch uen auf⸗ nn auch er nun tmütiger n seinem nd selig, t in der mein selbs eigene igenes Hoss⸗ t Aus⸗ in der zu den Oommmt, den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 267 nämlich zu dir, allmächtiger, gütiger und barmherziger Gott. Ich weiß, du wirst endlich nach der Trübsal mich erfreuen, ja nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder lassen scheinen. Du hast verspro⸗ chen, daß du die Mühseligen und Belade— nen erquicken wollest: unn, ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen Verheißung; ach, gib mir, wenn es zu deiner Ehre und meiner Seligkeit gereicht, meines Herzens Wunsch und was mein Mund bittet, denn du bist meine Zuversicht, Herr, Herr, von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann alles ändern. Ach, so ndere, wenn es dein heiliger Wille ist, meinen Zustand; erquicke mich, erfreue, erhöre mich. Daraus will ich erkennen deine große Allmacht, daß du aus den schwersten und größten Leiden erretten kannst. Daraus will ich erkennen deine große Güte, nach welcher du dich als ein Vater über mich erbarmt hast. Nun sehe ich deinen heiligen Rat, du hast mich de— mütig, sanftmütig und fromm wollen ma—⸗ chen, mich zu dir ziehen, daß ich meine Freude allein an dir haben und meine Hoffnung auf dich setzen soll; und da 268 Der Betrübte erwäget nun dieses ausgerichtet ist, so nimmst du meine Trübsal wieder von mir und lässest mein Gemüte, das vorher gar unruhig war, wieder stille, gelassen und zufrieden werden. O welch herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getra⸗ gen, o, welch großer Nutzen ist aus meinem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichsten Lob- und Danklieder zu singen. Meine Tränen sollen ein Same werden, daraus gute Früchte wachsen; die Dornen, die mich stechen, sollen Ro— sen tragen; nach meinem Kampf soll der Sieg und nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der fröh— liche Morgen folgen. Nun, dafür danke ich dir und preise dich. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Wie herrlich wird einst am jüngsten Tage die fröhliche Er⸗ lösung sein, wenn ich von allem Uebel erlöst, in das himmlische Freudenleben eingehen werde! Ist dieses denn das erstemal, Daß wir betrübet werden? Was haben wir, als Angst und Qual, Bisher gehabt auf Erden Gott Amen verlaf umfas weicht reicht: 2 beglüe schmül allein schwin finden Und Klag sager mnst und gar und lliche etra⸗ aus avids lheit, er zu Same chsen; Ro⸗ U der rrone, ch der ö froͤh⸗ danke Herrn,, vas er wird he Er⸗ Uebel uleben hehabt aus den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 269 Erden? Wir sind wohl mehr und hoch gekränkt, Und doch hat Gott uns drauf geschenkt Ein Stündlein voller Freuden. Amen. Gesang. del.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wann kommt mein Jesus doch? Will er mich gar verlassen? Mein Heil, wann werd ich dich Zu meinem Trost umfassen? Ach, wenn mein Seelenfreund So ferne von mir weicht, Wer ist, der in dem Kreuz Mir seine Hand dar— reicht? 2. Wann kommt mein Jesus doch? Sieh, andre sind beglücket; Sie stehn in Herrlichkeit, Mit Wohlergehn ge⸗ schmücket; Nur ich muß traurig gehn, Ja, ich muß ganz allein In meinem Jammerstand Von Gott verlassen sein. 3. Es will mir die Geduld In meinem Kreuz ver— schwinden, Dieweil ich Jesum fast Weiß nirgend mehr zu finden; Wo ich mich nun hinwend, Sieh, da verbirgt er sich, Und wo ich nach ihm greif, Sieh, da verläßt er mich. 4. Wann kommt mein Jesus doch? Ach, höre doch mein Klagen! Wie lange soll ich noch: Wann kommt mein Jesus, sagen? O Jesu, komm doch bald, Die Zeit wird mir zu lang, O Jesu, komm doch bald, Mir wird sonst angst und bang. 5. Dein Jesus kommet bald; O Seele, sei doch stille Und stell dein Trauern ein, Es ist so Gottes Wille; Weil Jesus sich nicht zeigt, So schmeckst du Bitterkeit, Doch bald erquickt er dich Mit süßer Seelenfreud. 6. Dein Jesus kommet bald, Du liegst in seinen Armen, Sei freudig, er wird sich In Gnaden dein erbarmen, Er sieht dein Leiden wohl, Sieh da, in kurzer Zeit Erquickt er deinen Geist Mit Trost und Freudigkeit. 7. Dein Jesus kommet bald, Er wird dich nicht ver— lassen, Denn du bist ja sein Kind; Wie könnt er dich denn hassen? Schau doch auf andre nicht, Die da beglücket stehn; Bald wird dir auch dein Licht Nach trüber Nacht aufgehn. IIII..... 1 1 4 I 71 I* * . * 4 r ö.. I I! III 270 Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 8. Dein Jesus kommet bald, Er wird sich zu dir nahen, Sein Mund und Arm wird dich Aufs freundlichste umfahen. Auf, Seele, sei getrost, Dein Heiland ist dir nah, Nun ist dein Wunsch erfüllt; Dein Jesus, sieh, ist da. —.— Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Aufmunterung. Ihr sollt keine Witwen und Waisen beleidigen. Wirst du sie beleidigen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien hören. 2. Mose 22, 22. 23. Ich bin eine Witwe, ein Weib, das Leid trägt, und mein Mann ist gestorben. Also beschreibt das kluge Weib von Thekoa eine Witwe, 2. Sam. 14,5. Es ist der Witwenstand 1) ein Trauerstand, indem ein Weib ihres Ehemannes Hilfe, Rat, Trost, Gegenwart und Freundlichkeit muß entbehren, welches auch reichen Witwen gar empfindlich ist; armen Wit— wen tut es noch weher, weil ihnen die Person durch den Tod geraubt ist, welche sie und die Kinder ernährt und durch Gottes Segen versorgt hat. Es ist der Witwenstand 2) ein betrübter Stand, weil oftmals unchristliche Leute an Witwen Gewalt üben, ihnen das Ihrige nehmen, sie drücken, verachten, ihnen unrecht tun. Es ist aber der Witwenstand 3) ein von Gott beschützter Stand. Gott hat allen Menschen anbefohlen, daß sie keine Witwen und Waisen beleidigen sollen, und hat gedroht, wenn man ihnen unrecht tun würde, so wolle er es rächen. Gott hat verheißen, er wolle der Witwen Mann, ihr Helfer und Richter sein, der sich ihrer annehmen und ihre Sache ausführen und befördern wolle. Ja, er hat ihnen seinen besonderen Segen, Beistand, Hilfe und Gnade zugesagt. In dessen Betrachtung sollen fromme Witwen 4) nicht an Gott verzagen; denn ist ihr Mann gestorben, so ist doch Gott nicht gestorben. 5) Sie sollen dies annehmen als eine Probe ihres Vertrauens und Hoffnung auf Gott. Es soll niemand an einer Kreatur hangen, oder sich darauf verlassen; wenn nun manches Weib meint, es könne sie und ihre Kinder niemand nahen, fahen. Un ist aus. du sie rde ihr t, und ꝛib von nnstand Hilfe, behren, n Wit⸗ en Tod durch 2) ein Witwen rachten, ein von efohlen, und hat le er es Mann, und ihte t ihnen ugesagt. an Gott ott nicht be ihres nand an enn nun niemand Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 271 ernähren, als ihr Mann, so macht sie aus demselben einen Abgott, darum sie Gott von dieser Sünde will freimachen und ihr zeigen, daß er sie und ihre Kinder auch ohne Mann erhalten und ernähren könne. Darum sollen sie 6) im Ge bet anhalten, nicht argwöhnisch sein, Gott eifrig dienen, ein frommes, stilles und christliches Leben führen, so wird auch Gott sie reichlich versorgen, ernähren und erhalten. Gebet. O du barmherziger und gnädiger Gott, der du bist die Zuflucht aller Betrübten, Verlassenen und Elenden, ach, es hat dir nach deinem heiligen und unerforsch— lichen Rat gefallen, mich in den be— trübten Witwenstand zu setzen. Meine Sonne ist am hellen Mittag unterge— gangen, und die Krone meines Hauses ist abgefallen; ich bin ein Weib, das Leid trägt, mein Mann ist mir gestor⸗ ben. Wo soll ich mich nun hinwenden? Wo soll ich Rat und Tat suchen? Ach, mein Gott, ich komme zu dir, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Du hast in deinem heiligen Wort verheißen, du wollest sein der Witwen Richter und der Waisen Vater; ich, der Herr, bin dein Mann, Gott Israel ist sein Name. Ach, so 272 Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. sei auch jetzt mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zu— flucht und der Meinigen Vater. Siehe an meine Tränen, wie sie von den Wan— gen herabfließen, und laß sie zur gnä— digen Erhörung gen Himmel steigen; siehe an mein Seufzen und erbarme dich mein. Gib mir recht zu erkennen, daß ich deswegen von dir nicht verlas— sen bin, ob ich gleich ohne Mann leben muß, daß du, o ewiger und unsterblicher Gott, nicht gestorben bist, sondern ewig— lich lebst, obgleich mein Mann begraben liegt. Ach, es scheint, daß du dadurch mich willst von allen Kreaturen abziehen, daß ich dir allein vertrauen und auf dich allein meine Hoffnung setzen soll. Mein Gott und Vater, ich glaube von Her— zen, daß du mich und die Meinigen ohne Mann schützen, ernähren und versorgen kannst; stärke diesen meinen Glauben nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Herr, tue ein Zeichen an mir, daß es mir wohlgehe; führe mich, wie Naemi; versorge mich, wie die Ruth; segne mei— nen Oelkrug, wie der Witwe in Israel; laß das Mehl und Vorrat nicht ab— ter, Zu⸗ iehe an⸗ nä⸗ jen; rme en, las⸗ eben icher wig⸗ lben urch hen, dich Nein Her⸗ ohne rgel Uben gkeit. 5 e Nmi; mei⸗ ael; ab⸗ Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 273 nehmen, wie bei der Witwe zu Sarepta; wische meine Tränen ab und sprich zu mir: Weine nicht! wie du zu der Witwe in Nain sprachst. Ach, Herr, beschere mir mein tägliches Auskommen, segne meinen Aus⸗ und Eingang, bewahre mich vor Unglück, versorge mich und die Meinigen nach deiner Verheißung. Ich setze alle meine Zuversicht auf dich, lebendiger Gott, dir vertraue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele; du bist weise genug, mich zu erhalten; mächtig genug, mich zu schützen; reich genug, mich zu ernähren und zu ver— sorgen; barmherzig genug, mir alles zu geben, was ich nötig habe; allgegenwärtig genug, in allen Nöten mir beizustehen, zu helfen und mich zu erretten. Verläßt sich ein Reisender auf seinen Wegweiser, er werde ihn den rechten Weg führen; vertraut ein Kranker dem Arzt Leib und Leben an, warum sollte ich dir, o all— mächtiger und weiser Gott, nicht ver— trauen und mich auf dich verlassen? Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Na⸗ mens willen. Vater und Mutter ver— lassen mich, aber du, o Herr, nimmst Starck, Gebetbuch. * 274 Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. mich auf. Siehe, um Trost ist mir gar bange, du aber hast dich allezeit meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Ich habe viel Bekümmernis in meinem Herzen, aber deine Tröstun— gen und gnädigen Verheißungen ergötzen meine Seele. Gib, daß ich diesen ein— samen Stand in Glauben und Fröm⸗ migkeit führe, meine Freude an dir habe, an dir mich ergötze, niemandem ein Aer— gernis gebe; denn ich weiß fürwahr, wer Gott dient, der wird nach der Anfech— tung getröstet und aus der Trübsal er— löst, und nach der Züchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein Gott, Gnade nach dem Leiden, Hilfe nach der Betrübnis, Freude nach dem Weinen, Trost nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden und gib mir Huld und Gnade bei jedermann. Erhöre mein Ge— bet, gib mir deinen Segen, führe mich an deiner Hand, sorge für mich und die Meinigen nach deiner gnädigen Ver— heißung. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, darum wirst du auch jetzt mein Schirm und Schatten sein, mich gestel ihnen mer gehör Esf der auf Der ver Er Er me Er stel gebe gar einer licht ernis stun⸗ ͤtzen ein⸗ röm⸗ habe, Aer⸗ „wer fechͤ ler⸗ et er dir, iden, nach igkeit einde und Ge⸗ nich d die Ve⸗ von iebt mich RHAIS““‚“...“.........................7 —.— —— i.t:¼—L—᷑—¼— IISII Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 275 behüten und mir Gutes tun, bis du mich wirst zu der Herrlichkeit bringen, da ich mit fröhlichem Munde in Ewigkeit dich loben werde. Witwen sind in Gottes Armen, Waisen sind in Gottes Schoß, Ihrer will er sich erbarmen, Wär die Not auch noch so groß; Denn ein ungerechter Mann Tastet Gottes Auge an, Der das Waisengut verletzet Und sich Witwen widersetzet. Wenn sie bleiben in den Schranken, Darin sie Gott hat gestellt, Und von ihm ja niemals wanken, Weil er sich zu ihnen hält, Sollen sie im Himmelsschloß Werden allen Kum⸗ mer los, Da soll nicht mehr, wie auf Erden, Witwennot gehöret werden. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Witwen, seid getrost, Laßt ab von eurem Weinen, Es will der starke Gott Zu eurem Trost erscheinen. Er ist der Witwen Mann: Verzagt vor Trauern nicht Und setzet auf dies Wort All eure Zuversicht. 2. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch nicht ver— lassen, Wenn ihr zu sinken scheint, So will er euch umfassen; Der Herr, Herr Zebaoth, Der Herr ist euer Mann, Hier steht ein starker Fels, Der nimmt sich euer an. 3. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch schon ver— versorgen; Ist euer Angstgeschrei Dem Vater auch verborgen? Er weiß, was euch gebricht, Den Jammer, der euch quält, Er aber ist der Herr, Der euch im Kreuz erhält. 4. Der Herr ist euer Mann, Der wird sich schon erbar— men, Er höret eure Stimm, Er trägt euch in den Armen, Er will des, der euch kränkt, Ein strenger Richter sein, Drum stellt das Ach und Weh Und bittres Weinen ein. 5. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich geben, Was ihr noch nötig habt In euerm ganzen Leben; 18* SE —— E—— 276 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. Gott, der nach seinem Rat Zu Witwen euch gemacht, Der ist auf euer Heil Und Unterhalt bedacht. 6. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich trösten, Er reißet euch heraus, Wenn eure Not am größten; Er wischt die Tränen ab, Drum sprecht: Du bist mein Gott; Mein Gott, ach, steh mir bei In aller meiner Not. 7. Der Herr ist euer Mann, Drum sollt ihr ihm ver— trauen Und eure Zuversicht Auf diesen Felsen bauen; Ver⸗ traut ihr ihm allein, So werdet ihr noch sehn, Wie es in diesem Stand Euch wird nach Wunsche gehn. 8. Nur dienet euerm Gott Mit Singen, Danken, Beten, Kommt jede Stund und Tag Vor seinen Thron getreten, Und klagt ihm eure Not, Bleibt in der Frömmigkeit, Und steht im Glauben fest Und in Zufriedenheit. 9. Gott, frommer Witwen Gott Und Vater frommer Waisen, Du wollest gnädiglich Sie schützen, kleiden, speisen; Sie wissen nirgend hin, Denn nur zu dir allein, Drum wollest du ihr Gott Und treuer Vater sein. 10. Versorg der Witwen Haus, Die Waisen wollst du leiten; Ach Vater, schau, wie sie Zu dir die Händ ausbreiten, Ach, hör doch ihre Stimm Und nimm dich ihrer an, Du bist der Waisen Gott Und frommer Witwen Mann. verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. Aufmunterung. Mein Vater und meine Mutter verlassen mich; aber der Herr nimmt mich auf. Psalm 27, 10. Ist je ein betrübter Stand, so ist es der der Waisen, wenn Kinder, von Vater und Mutter verlassen, unter fremden Leuten leben, dienen, sich durchbringen, oder sich aufhalten müssen. So betrübt aber der Stand ist, so wirkt er an den Seelen, wenn die Waisen Gott fürchten, viel Gutes. Denn I) sollen von Vater und Mutter verlassene Kinder gedenken, ob sie gleich keine Eltern haben auf Erden, daß sie doch einen reichen Vater im Himmel haben, welcher ihr Vater in der heilit nicht tig, wund from ihre! und nähre segne vor Jako Jord Arm hat! Vert in d eiftif from aufr hab bot. sie her ihr D— der ist ihlich ößten; Gott; ver⸗ Ver⸗ es in Beten, „Und steht mmer eisen; Drum lst du reiten, „ Du Herr zaisen, emden halten n den Denn enken, einen in der Verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. 20 heiligen Taufe geworden ist. Dieser himmlische Vater stirbt nicht, er ist reich, er hat alles, was wir bedürfen, er ist mäch— tig, er kann alles geben; er ist ein weiser Gott, der alles wunderbar und herrlich auszuführen weiß. Es sollen 2) fromme Waisen denken, daß Gott oft mit Fleiß den Kindern ihre Eltern wegnimmt, damit er an ihnen zeige, wie er arme und verlassene Kinder ohne Vater und Mutter erhalten, er— nähren und versorgen, ja sie zu Ehren bringen und reichlich segnen könne, wie er davon schon viel tausend Exempel uns vor Augen gestellt, die mit fröhlichem Munde sagen, wie Jakob: Ich hatte nichts, denn diesen Stab, da ich über den Jordan ging. Von Haus nahm ich zum Wanderstab die Armut und mein Leben, drum alles, was ich jetzo hab, das hat mir Gott gegeben. 3) Es sollen aber auch Waisen im Vertrauen auf Gott anhalten, gegen jedermann demütig, in der Arbeit fleißig, im Gebet andächtig, im Kirchengehen eifrig, im Zuhören aufmerksam, im Leben keusch, im Wandel fromm, in ihren Verrichtungen treu, in allem ihrem Tun aufrichtig sein, besonders aber Gott vor Augen und im Herzen haben, in keine Sünde willigen, noch tun wider Gottes Ge— bot. Werden sie sich in diesen Schranken halten, so wird sie Gott gewiß nicht verlassen, er wird sie wunderbar, doch herrlich führen, daß sie Gottes Allmacht und Güte zeit ihres Lebens werden rühmen können. Gebet. Ach, du gnädiger, barmherziger Gott und Vater, ich armes, verlassenes Kind werfe mich nieder vor deinem erhabenen Thron und bitte dich in Demut und von Herzen: nimm dich meiner als ein Vater an. Ach, es hat dir nach deinem weisen Rat gefallen, mich meiner Eltern Für⸗ sorge und Pflege zu berauben; ach, wo *** ———.... ——— —— ——— —— — 278 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. soll ich nun hin? Ich bin eine Waise geworden, ich habe keinen Vater mehr; wer will sich jetzt meiner annehmen? Deswegen, liebreicher Gott und Vater, komme ich zu dir, nimm dich meiner an, erbarme dich mein; auf dich bin ich gewor⸗ fen von Mutterleibe, du bist meine Zuver⸗ sicht von Jugend auf. Siehe, mein Va⸗ ter und Mutter verlassen mich, ach Herr, Herr, nimm du mich auf. Ach, mein Gott, du gibst ja Speise den Vögeln, die auf dem Felde fliegen, du kleidest die Blumen, du versorgst das Wild im Walde; ach, so wirst du auch als ein treuer Vater für mich sorgen und dich meiner erbarmen und mir gnädig sein; mein Auge sehnet sich nach dir, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich gleich von Menschen verlassen bin. O wie viele Beispiele stehen mir vor Augen von Kindern, welchen du Vater und Mutter hast sterben lassen, welche du aber dennoch herrlich geführt, versorgt ise ehr; len? tte am, vor⸗ wer⸗ Va⸗ err, nein „die die im kin dich in, hebe von Verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. 279 und ernährt hast. Ach, Gott, der du Moses aus dem Wasser gezogen hast, ach, schaue auch auf mich, da die Wellen der Trübsal fast wollen über mich zu— sammenschlagen. Ach, Herr Jesu, der du der Kinder dich hast treulich angenom— men und sie gesegnet, ach, segne mich auch, nimm mich in die Arme der Barm— herzigkeit, trage und bewahre mich vor Unglück. Ach, du werter heiliger Geist, der du die Gläubigen führst, wie die Ju— gend, ach, führe mich auch. Weise mir, Herr, deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ach, du dreieiniger Gott, sei mein Erhal— ter, der mich schützt, mein Helfer, der mir beisteht, mein Geleitsmann, wenn ich aus und ein gehe. Ach, gib mir gute Freunde, wo ich aus und ein gehen darf, erwecke mir Gönner und Wohltäter, die sich mei⸗ nes Elendes erbarmen, laß meine Pfleger und Vormünder mit Liebe gegen mich er— füllt sein; tue ihnen auch Gutes nach deiner Gnade, bewahre sie vor Unglück und vergilt ihnen mit zeitlichem, geist— lichem und himmlischem Segen, was sie 280 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. Gutes an mir tun. Gib mir ein demü— tiges und gehorsames Herz, daß ich durch Widerspenstigkeit, liederliches Leben, Bos— heit und sündliche Unarten mich der Gunst und Wohltaten meiner Gönner nicht be— raube. Behüte mich vor Verführungen, daß ich nicht aus Armut dich möge ver— leugnen, vom Glauben abfallen, sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntnis und Liebe immer zunehme. Laß deinen guten Geist mich allezeit leiten, heiligen, regieren und bewahren, daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu mutwilligen Sün— den verführt werde. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit geraten, und behüte mich vor verkehrtem Herzen. O du gnädiger Gott und Vater, schrecke mich ab von den gottlosen Wegen, warne mich, wenn ich sündigen will; erinnere mich, wenn ich des Bösen mich will ge⸗ lüsten lassen; halte mich, wenn ich falle; hole mich herum, wenn ich irren will; stärke mich, wenn ich schwach bin; mache mich gesund, wenn ich krank bin. O treuer Gott und Vater, ich ergebe mich dir ganz und gar; ach, laß meinen Aus-— und Eingang dir befohlen sein. O wie Verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. 28¹ will ich dir danken, wie will ich dich lo— ben, daß du mir so wohl tust! Meine Zunge soll sagen: Das hat Gott getan, Gott hat mich gesegnet, erhalten, be— gleitet, geführt, versorgt, ja, ich will je— dermann erzählen, wie du als ein gnä— diger Vater dich gegen mich erwiesen hast. Ach, Herr, Herr, höre das Gebet der verlassenen Waise, höre die Stimme deines Kindes; du bist mein Vater in der heiligen Taufe geworden, in deine Arme haben mich meine Eltern nach meiner leiblichen Geburt gelegt; du bist ein rei— cher und unsterblicher Vater, ach, darum sei deinem Kinde gnädig. Ich weiß, du kannst mir helfen und willst mir helfen; Herr, so hilf mir um deiner Güte willen, daß ich einmal zu deinem Preis sagen kann: Der Herr hat Großes an mir ge— tan, des bin ich fröhlich. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väterliches Herz; Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Erden weiß ich keinen Trost. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Waisen, weinet nicht! Wie? wollt ihr euch nicht fassen? Verlasset euch auf Gott, Der wird euch nicht ver⸗ — ** —.SSII‚IIIIII— EF S———8*.———. S—————— * N 2*9⁵ßͤ—— 282 Der Betrübte klagt lassen; Sind gleich die Eltern tot, So lebet dennoch Gott, Dieweil Gott aber lebt, So habt ihr keine Not. 2. Gott ist und bleibet stets Der Vater frommer Waisen, Der will sie insgesamt Beschützen, kleiden, speisen; Dem übergebet euch, Der nimmt sich euer an; Seht, Gott ist euer Schutz Und euer Helfersmann. 3. Gott ist ein reicher Gott, Der wird euch schon ver— sorgen; Er kennet eure Not, Sie ist ihm nicht verborgen; Ob ihr schon wenig habt, Der Vorrat ist sehr klein, So will Gott euer Gott Und treuer Pfleger sein. 4. Habt einen guten Mut, Gott hat es ja verheißen, Daß er Verlassene Aus Trübsal wolle reißen; Das gehet euch auch an, Ihr werdet es bald sehn, Das Wort wird auch an euch Noch in Erfüllung gehn. 5. Ja, glaubet, bleibet fromm Und geht auf Gottes Wegen, Erwartet mit Geduld Den euch verheißnen Segen, Und weichet nicht von Gott, Vertraut ihm allezeit, So blühet euer Glück In Zeit und Ewigkeit. eoeo— Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens. Aufmunterung. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glim— menden Docht wird er nicht auslöschen. Jes. 42, 3. Herr, stärke uns den Glauben! Luk. 147j,%8. Ist etwas, das eine gläubige Seele schrecken kann, so ist's die Anfechtung, wenn sie sich einbildet, daß sie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer, lebendiger Glaube sei, daher denn der Zweifel ent— steht, ob sie auch werde selig werden. Solchen geängsteten Seelen dient zum Trost, 1) daß ein im Namen Jesu, auf sein Verdienst und Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet, und ein schwacher Glaube sowohl ein wahrer und seligmachender Glaube sei, als der starke; ein kleines Kind ist ja ebensogut —7 ein M gerne ö Verlar begehr Fesum einem in die Satan 5) O empfu und F sieht. ist der Frücht Sanft geäng zu tur st der des 8 heilig nes n, so recht kein Uent⸗ steten f sein , und jender sozut W ππι Weil ich aber dir gerne gefallen und selig über die Schwachheit seines Glaubens. 283 ein Mensch als ein großer, starker Mann. 2) Wenn man gerne glauben wollte, so ist das schon ein Glaube, weil dieses Verlangen eine Wirkung des heiligen Geistes ist; ein Gottloser begehrt nicht zu glauben. 3) Der schwache Glaube ergreift Jesum und sein heiliges Verdienst wie der starke; wenn man einem Kinde und einem starken Mann jedem einen Gulden in die Hand gibt, so hat einer so viel als der andere. 4) Der Satan kann uns das Glaubenslicht nicht im Herzen auslöschen. 5) Ob die Glaubensfreudigkeit im Gebet zwar nicht allezeit empfunden wird, so ist doch der Glaube da, wie eine Kohle und Fünklein unter der Asche da ist, wenn man es schon nicht sieht. 6) Die gewisse Probe, daß man den Glauben habe, ist der Kampf und Haß wider die Sünde, daher auch die Früchte des Glaubens entstehen, Gal. 5, 22: Liebe, Demut, Sanftmut, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn solche geängsteten Seelen fürchten sich, etwas Böses zu reden oder zu tun. Wo diese sich aber an einem Menschen finden, da ist der Glaube und der heilige Geist, denn es sind Früchte nicht des Fleisches, Gal. 5, 19, sondern des Glaubens und des heiligen Geistes; denn der Glaube und der heilige Geist sind unzertrennlich. 7) Gebet, Lesen der Heiligen Schrift, Ge— duld, auf Gott harren stärkt den Glauben. 8) Der Glaube ist eine Gabe Gottes, Gott aber wird nicht mehr von dir fordern, als er dir gegeben. 9) Christus ist auch für die Schwachgläubigen gestorben und betet für sie, daß ihr Glaube nicht aufhöre. Und wenn du das schon nicht glauben kannst, so ist es doch wahr, weil es die Heilige Schrift sagt. Gebet. Ach, du gnadenreicher Gott, ich weiß aus deinem heiligen Worte, daß der Glaube allein selig mache und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen könne. 284 Der Betrübte klagt werden möchte, so erschrecke ich über mich selbst, wenn ich zuweilen so gar wenig Glauben in meinem Herzen finde. Dar— um zünde in meinem Geiste an das Licht des wahren Glaubens, dadurch ich dich als den einigen, wahren Gott recht möge erkennen, wie du dich in deinem Wort geoffenbaret hast, und daß ich in deinem geoffenbarten Worte von Herzen glauben möge und deine Verheißungen von deiner Gnade und der Vergebung der Sünden, die mir durch Jesum erworben, mit festem Vertrauen möge annehmen. Denn mich dünkt zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube gar nicht, oder ich werde doch nicht im Glauben bis an mein Ende verhar— ren. Dieses klage ich dir, mein Gott, weil ich weiß, daß alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben von oben herab kommen. Weil denn nun der Glaube nicht jedermanns Ding, sondern deine Gabe ist, ach, so bitte ich dich, stärke meinen schwachen Glaͤuben; das schwache nohr wirst du nicht zerbrechen, noch das glimmende Döchtlein auslöschen. Mein Gott, schreibe den Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, Blut und Ti Tod. Gehe N. f näml. ll! dlo! Racht uuser auch auch Emy iner räft 3u s Wib für hast ver dein lige daß un hein 05 Und sir mich enig dar⸗ Licht dich nöge Vort inem Uben einer den, stem mich „ich nicht Thar⸗ Hott, und herab aube deine ͤtärke vache dab Mein Herz, und über die Schwachheit seines Glaubens. 28⁵5 Tod Jesu gegründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der sich fest an dich, o dreieiniger Gott, nämlich an dich, o himmlischer Vater, als unsern Schöpfer, an dich, o Jesu, als unsern einigen Erlöser und Selig— macher, an dich, o heiliger Geist, als unsern Heiligmacher und Tröster, hält, auch ein Glaube sei, der dir gefalle und auch selig mache. Gib mir auch die Empfindungen des Glaubens durch eine innerliche Freudigkeit im Gebet, durch kräftigen Trost und freudige Hoffnung zu schmecken, wenn es also dein heiliger Wille ist. Ach, mein Jesu, bitte auch für mich, wie du für Petrus gebeten hast, daß mein Glaube nicht aufhöre; versiegle in mir den Trost, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft und in der hei⸗ ligen Taufe dein Kind geworden sei; daß mein schwaches Gebet Gott gefalle, um deiner heiligen Fürbitte willen; daß dein Blut mich auch angehe, und daß ich dadurch gerecht und selig werden soll. Und du, werter heiliger Geist, wirke in mir die wahren Früchte des Glaubens, treibe, heilige, regiere mich und wohne —————— ——— ———— —— ————— ..— 2 — —— SS——— S4.SS„* Di‚eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee.. I +———..—*——. V*— 2.— — 286 Der Betrübte klagt in mir; gib Zeugnis meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Ge— lobet sei dein heiliger Name, daß ich in mir einen Abscheu finde, Sünde zu tun, daß ich dagegen seufze und mit Gebet kämpfe, hingegen ein herzliches Verlan— gen habe, dir allein zu leben, zu dienen und zu gehorchen, woraus ich sehe, daß du dennoch in mir wohnest. Mehre und erhalte in mir diese Glaubensfrüchte, und mache sie mir alle Tage süßer und emp⸗ findlicher; wirst du dieses mir, o drei⸗ einiger Gott, verleihen, so will ich gerne mit meinem schwachen Glauben zufrie— den sein. O mein Gott, vor den ich trete Jetzt in meiner großen Not, Höre, wie ich sehnlich bete, Laß mich werden nicht zu Spott; Mach zunicht des Teufels Werk, Meinen schwachen Glauben stärk, Daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage. Amen. —59— Eine andere Klage über Anfechtung. Der betrübte klagt über sündliche, garstige und gotteslästerliche Gedanken. Aufmunterung. Mir ist gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, dafür ich dreimal den Herrn gefleht habe, daß er von mir wiche; und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn wohne; gegen ö haben i nich nicht i meine 24, Bet Schmerz st derd sündliche hbetrübtet sechtung von G0 ohne Go uullen, fahren. die gars über; di Daß ab Zeichen, und im dergleic Scrrecke Richen o wür lichen keinen men, u ichen belbich in das Nund lusspr niht sahen: „daß e und „und emp⸗ drei gerne ufrie⸗ großen nicht zu chwachen tum stets Ng. e und Satans dreimal d er hat jen, denn Uber sündliche, garstige Gedanken. 287 meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2. Korinther 22j, 1. Betrübt ist es, einen Kranken klagen zu hören über Schmerzen an allen Gliedern des Leibes, aber noch betrübter ist der Seelenzustand, wenn angefochtene Seelen klagen über sündliche, garstige und gotteslästerliche Gedanken. Solchen betrübten Seelen aber dient zum Trost: 1) Geistliche An— fechtungen, Traurigkeit, Schrecken und Seelenangst kommen von Gott, als nach dessen Willen sie dieses leiden müssen; ohne Gottes Willen kann nicht ein Härlein von ihrem Haupte fallen, wie viel weniger kann ihnen solche Seelenangst wider— fahren. 2) Fromme Christen und Kinder Gottes merken die garstigen und abscheulichen Gedanken, und erschrecken dar— über; die Gottlosen haben sie auch, und lachen darüber. 3) Daß aber die Frommen darüber erschrecken, ist ein Kenn— zeichen, daß sie Gott herzlich lieben, in der Gnade Gottes und im Glauben stehen, und daher nicht leiden können, daß dergleichen böse Dinge in ihrem Herzen aufsteigen. 4) Dieser Schrecken und Angst über die lästerlichen Gedanken ist ein Zeichen, daß Jesus und der heilige Geist noch im Herzen wohne; wäre Satan darinnen, wie die Angefochtenen meinen, so würden sie nicht darüber erschrecken. 5) Solche läster— lichen Gedanken rechnet Gott der Seele nicht zu, weil sie gegen ihren Willen geschehen und sie darüber seufzen, daran keinen Gefallen haben, und Angst empfinden, wenn sie kom-— men, und ihnen widersprechen. 6) Anfechtung ist kein Kenn⸗ zeichen des Zorns, sondern der Gnade Gottes; solche Seelen haben doch einen gnädigen Gott, wie an Hiob zu sehen; Gott ist nicht von ihnen gewichen, er ist noch im Herzen, aber er verbirgt sich vor ihnen. 7) Die Seele steht im Leiden, und nicht im Tun, wenn die Gedanken kommen, wie ein Haus, in das man Feuerkugeln wirft, darum soll er nur seinen Mund zuhalten und die garstigen Gedanken in Worten nicht aussprechen, auch nicht Unverständigen erzählen, damit er nicht jemand ärgere. 8) Er soll immer widersprechen und sagen: Es ist nicht wahr, ich bin nicht verdammt. Satau ist 288 Der Betrübte klagt verdammt, ich bin erlöst. Das garstige Wort ist nicht mein Wort, ich billige es nicht; weg aus meinem Herzen! Ich bin Gottes, Gott ist mein; wer ist, der uns scheide? 9) Durch lästerliche Gedanken soll man doch sich nicht vom Gebet und Lesen des Wortes Gottes abhalten lassen, sondern wenig, aber oft beten und lesen. 10) Weil solche Seelen sagen, sie wollen lieber auf Dornen gehen, am Leibe Schmerzen leiden, als solche Gedanken haben; ja, weil sie sich auch vor Sünden und bösen Werken hüten, so ist es eine unwidersprechliche Probe, daß der Glaube, Jesus, der heilige Geist, ja die ganze heilige Drei— einigkeit noch im Herzen ist. 11) Können sie auch wegen der bösen Gedanken weder beten, noch an Gott gedenken, so ist ihre Klage schon ein Gebet, und ihr Winseln nach Gott ein gewisses Zeichen der Gegenwart Gottes im Herzen, denn das Verlangen kommt von der einwohnenden Gnade; ja, sie beten durch ihr Winseln und Klagen am heftigsten, eifrigsten und kräftigsten. 12) Ob sie sich gleich einbilden, sie erzürnen Gott in allen Dingen, was sie tun, so nimmt's ihnen Gott nicht übel auf, er sieht ihren Willen und ihr Verlangen an; sie meinen, sie wären die Allerentferntesten von Gott, und sind ihm die Nächsten; sie meinen, sie wären die Bösesten, und sind die Treuesten; sie meinen, sie wären die Verstoßenen, und sind Gott die Liebsten. 13) Sie sollen geduldig ausharren, denn man hat kein Exempel, daß Gott solche Seelen habe ver— lassen; denn er erfreut, erquickt und tröstet sie wieder; doch muß hier die Zeit erwartet werden, wie man eine Krankheit muß austoben lassen; mit der Zeit wird es sich schon nach und nach verlieren, geringer werden und endlich nachlassen. So haben es bisher die Frommen erfahren. 14) Die Anfechtungen machen den Menschen demütig, andächtig, vorsichtig, fromm, daß er nicht leicht etwas Böses tun oder reden mag, ja, diese Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Un⸗ arten, Lauigkeit im Gebet und Anhörung des göttlichen Wortes reinigen; ist das nicht ein herrlicher Nutzen? 15) Diese Gründe soll man einen nach dem andern betrachten, oder von Freunden Gottes weiter auslegen lassen, und dabei liblich Personen nicht al Hesinde Nit den Arbaulich Nomer, Ad Iuter Heilig Unter Seele ie i- dert! llchen euso lllwi mich sie u eißt icht mein Ich bin Durch ebet und nig, aber sie wollen als solche und bösen e, daß der ige Drei⸗ wegen der ken, so ist Gott ein denn das „sie beten gsten und rnen Gott hott nicht an; sie und sind „, und sind zenen, und betrachten, „und dabei „ über sündliche, garstige Gedanken. 289 leibliche Arznei brauchen, fleißig arbeiten, mit christlichen Personen in die Luft, in Gärten oder aufs Feld gehen, nicht allein bleiben, sondern christliche Leute, Kinder oder Gesinde um sich haben, ausgenommen, wenn man beten will. Mit den Gegenwärtigen einen Gesang anstimmen, ist auch erbaulich. Man lese auch fleißig das 8. Kapitel an die Römer, sowie den 27. und 88. Psalm. Gebet. Ach, du heiliger Gott, der du wohnest unter dem Lob Israel, und welchen alle heiligen Engel und Auserwählten ohne Unterlaß loben und preisen: ich betrübte Seele klage dir von Grund des Herzens, wie ich an deinem Lobe gewaltig verhin— dert werde durch die garstigen und läster— lichen Gedanken, welche in meinem Her⸗ zen so oft und fast täglich aufsteigen. Du, allwissender Gott, weißt ja wohl, daß sie mich wie feurige Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ängstigen; aber du weißt auch, daß ich darüber erschrecke und bitterlich weine, wenn ich die feurigen Pfeile empfinden muß. Ach, mein Gott, rechne mir doch nicht zu, was wider mei— nen Willen geschieht; du siehst, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich darüber seufze und davor einen Abscheu habe, und sie gerne aus dem Herzen vertreiben Starck, Gebetbuch. 19 290 Der Betrübte klagt möchte. Ach, Herr, laß deine Hand nicht zu schwer über mir werden, daß ich nicht vergehe. Ich will den Kelch gern trin— ken, den du mir, o lieber Vater, einge— schenkt hast. Laß es nur nicht einen Kelch des Zorns, sondern deiner Gnade sein. Ach, sei mir gnädig, denn ich bin schwach. O, wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein angehen will. Ach, verstoße mich deswegen nicht, weil ich es nicht ändern kann; sondern ich muß das leiden, aber deine Rechte, du Allerheiligster, kann alles ändern. Erquicke mich, du dreieiniger Gott, und wenn das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Ge— genwart und reichen Trost wieder empfin⸗ den; ja, gib mir mitten in der Angst einen Trostspruch in mein Herz, daran ich mich halte, und damit ich mich auf⸗ richte und ritterlich wehre. Soll mein Jammer lange währen, ach, so gib mir auch große Geduld, viele Kraft und Stärke. Laß meinen Glauben nicht auf— hören, sondern gib Zeugnis meinem Geist, daß ich dennoch dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sei. Nun, mein Herlt mir Rlein Mein Ind Hell sollte Mein doch soll schel Ind Zen um Ane kett seng Mei be len dich laß den keit Fel un nicht nicht trin⸗ einge⸗ einen Gnade ich hin enn ich ingehen Mnicht, sondern Rechte, ändern. tt, und e Angst ige Ge⸗ empfin⸗ Angst „ daran ich aus⸗ l mein gib mit aft und icht aul⸗ meinem ind und Nun über sündliche, garstige Gedanken. 291 mein Gott, ich will auch diese Anfechtung gerne leiden, weil ich weiß, daß du sie mir nicht zum Verderben, sondern zu meiner Erweckung im Guten, zu meiner Reinigung von Sünden, bösen Unarten und weltlichen Gewohnheiten, und zur Heiligung meines Lebens zugeschickt hast; sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Kommt er doch von geliebten Händen; dieses Feuer soll die bösen Lüste und den alten Men— schen aus meinem Herzen ausbrennen und es dir, o großer Gott, zu einem Tempel und Wohnung heiligen. Dar— um spreche ich auch mitten in meiner Angst: Du bist doch mein Vater, Er— retter, Helfer und treuer Beistand. Ach, sende deines heiligen Geistes Kraft in mein Herz, der mir helfe kämpfen und überwinden. Du hast gesagt: Es sol— len nicht zuschanden werden, die auf dich harren. Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zuschanden wer— den, errette mich durch deine Gerechtig— keit, eilend hilf mir. Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest; um deines Namens willen wollest du 19⁴ 292 Der Betrübte klagt über sündliche Gedanken. mich leiten und führen. Du hast gesagt: deine Gnade soll nicht von mir weichen, mir soll eine ewige Gnade aufgehen. Ach, Herr, Herr, laß auch jetzt dieses Licht mir aufgehen, daß ich noch meine Lust an deiner Gnade sehe. Ach, mein Va⸗ ter, laß deine Stunde kommen, da du die Seelenangst mir wieder abnimmst; stärke mich, hilf mir, bewahre mein Herz mit einer Mauer, umgib es, wie das Haus Hiobs, daß endlich die bösen Ge— danken nicht mehr hineinkommen, ja, daß ich sie durch deine Kraft verachten lerne. Du getreuer Gott, du wirst mich ja nicht lassen versuchen über mein Vermögen; lindere meine Angst, so will ich es auch als eine Hilfe annehmen, bis du mich endlich zu deiner Zeit gar davon befreien wirst. Jesu, du Brunn aller Gnaden, Der du niemand von dir stößt, Der mit Schwachheit ist beladen, Sondern deine Jünger tröst'; Sollt ihr Glaube noch so klein, Als ein kleines Senfkorn sein, Wollst du sie doch würdig schätzen, Große Berge zu versetzen. Laß mich Gnade vor dir finden, Der ich bin voll Trau⸗ rigkeit; Hilf du mir selbst überwinden, So oft ich muß in den Streit; Meinen Glauben täglich mehr, Deines Geistes Schwert verehr, Damit ich den Feind kann schlagen, Alle Pfeile von mir jagen. Amen. . scharfen Lssterun dieses 2 gagen? llagen, meinen bin. 0. Ic qu wvenn n im Mu J. N, mo höre a Qal 5 damm Flamr von m 6 NM al deiner macht schlag trage Und ů Vie esagt: lchen, Ach, Licht Lust Va⸗ da du mumst; Herz e das Ge⸗ a, daß lerne. a nicht noͤgen; S auch mich efreien mand von dern deine Als ein ig schätze, voll Trau⸗ muß in den 15 Geistes agen, Alle EE- πμππ ... Klage wegen lästerlicher Gedanken. Ulage wegen lästerlicher Gedanken. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich klage dir, o Gott, Mit hochbetrübter Seelen Der scharfen Pfeile Sturm, Die mich entsetzlich quälen; Ach, böse Lästerung, Gedanken wider dich Entstehen oft bei mir, Und dieses ängstet mich. 2. Ach, wo soll ich doch hin? Wem soll ich davon sagen? Ich traue Menschen nicht; Ach Gott, dir will ich's klagen, Du kennst des Herzens Grund Und weißt wohl meinen Sinn, Wie ich in solchem Sturm In lauter Jammer bin. 3. Ach, wär ich doch, mein Gott, Der Pfeile überhoben! Ich quäl und martre mich, Wenn sie so grausam toben. Ach, wenn mein Herze nur An dich, mein Gott, gedenkt, So wird's im Augenblick In Lästerung versenkt. 4. Es wird ein jedes Wort Im Herzen mir verkehret, Ja, man verdreht das Wort, So mir vielleicht entfähret, Ich höre andre Wort, Als ich im Herzen hab, Und diese große Qual Frißt mir das Herz fast ab. 5. Ach, schaue meine Not, Bald will mich der ver— dammen, Der selbst verdammet liegt Mit Ketten in den Flammen; Bald kommt ein Feuerpfeil, Gott wüßte nichts von mir, Ich wäre, o mein Gott, Gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja, die Lästerung Mischt sich vor allen Dingen In alles, was ich tu, In Lesen, Beten, Singen; Was ich zu deiner Ehr Und Ruhm vollbringen soll, Das scheint, als macht ich es Nur meines Unflats voll. 7. Ich kann der Lästerwort Sogleich mich nicht ent— schlagen, Ich muß sie oft gar lang Ohn meinen Willen tragen; Ach, rechne mir nicht zu Das, was ich leiden muß, Und dem ich widersprech, Ich leid es mit Verdruß. 8. Mein Gott, dir ist bekannt, Wie heftig ich mich wehre, Wie ich mich bald zu dir, Bald zum Gebet hinkehre; Ich 294 Gebet gegen lästerliche Gedanken. schreie tausendmal: Mein Gott, ich mein's so nicht, Ich sage nicht, was mir Die Lästerung vorspricht. Gebet gegen lästerliche Gedanken. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich liege hier vor dir Mit höchstbetrübtem Herzen, Ich klage dir, mein Gott, Die großen Seelenschmerzen; Die Angst, die ich empfind In mir ohn Unterlaß, Macht meine Seele wund, Mein Aug von Tränen naß. 2. Ach Gott, ich leide dies Nach deinem Vaterwillen, Ich weiß, du kannst die Angst Zu seiner Zeit schon stillen; Ach, ich bin ja dein Kind, Ich bin dein Eigentum, Du bist mein Gott und Herr, Mein Freund, mein Trost und Ruhm. 3. Ach, die Anfechtung ist Ein Zeichen deiner Gnaden, Sie säubert Seel und Geist Und bringet keinen Schaden, Sie reiniget das Herz Von Sünd und Eitelkeit, Sie treibet mich zu Gott Und wehrt der Sicherheit. J. Gefället es denn dir, Mein Herze rein zu machen Durch ein so scharfes Feur, Das aus des Satans Rachen Wie schwarzer Dampf aufsteigt, So bleib ich doch bei dir; Ach, stehe mir nur bei Und weiche nicht von mir. 5. Ach ja, ich merke wohl, Ich bin vielmehr im Leiden, Ich treibe nicht das Werk, Das gern ich möchte meiden; Ich schlösse gerne zu Des matten Herzens Haus Und trieb die Lästerung, Wenn's möglich, gar hinaus. 6. Der Seufzer, der dennoch In meiner Seele quillet, Der Streit, den ich empfind, Wird er schon nicht gestillet, Ja, der vielmehr anhält, Wenn sich der Sturm erhebt, Sieh, der versichert mich, Daß Jesus in mir lebt. 7. Und kommt's zuweilen auch, Daß ich nicht mehr kann beten, Und daß ich mich fast scheu, Vor dich, o Gott, zu treten, So weiß ich doch gewiß, Daß dies mein Angstgeschrei Vor deinem Gnadenthron Ein eifrig Beten sei. πν . schteibe In die schenk: 9. 60 Wil wohne Hei dir 10 Ach, la mir na Zinster I Vang langer Und Hank Herzen, jen; Die cht meine terwillen, n stillen; „Du bist id Ruhm. Gnaden, den, Sie eibet mich u machen 18 Rachen h bei dir; m Leiden, iden; Ich trieb die ele guillet, t gestllet, ebt, Sieh, mehr kann 9 Gott, zu ngstgeschre 09RPP Trost gegen die lästerlichen Gedanken. 29⁵5 8. Ach Gott, die Not ist groß, Doch dir nicht vorzu— schreiben Die Zeit und Hilfestund; So will ich gerne bleiben In diesem Kampf und Sturm, Gib mir nur Kraft dazu Und schenk mir nach dem Kampf Die süße Seelenruh. 9. Will auch die Lästerung Zu keiner Zeit mein schonen, So willst du doch, o Gott, In den Betrübten wohnen; Ach, wohne auch in mir Und rufe mir auch zu: Sieh da, ich bin bei dir, Du Tiefbetrübter du. 10. Laß meinen Glauben nicht, O Seelenfreund, aufhören, Ach, laß den Lästergeist Die Andacht nicht mehr stören, Zeig mir nach meiner Angst Dein gnädig Angesicht Und nach der Finsternis Ein herrlich Freudenlicht. 11. Ach, großer starker Gott, Ach, stärke meinen Glau— ben, Damit der Satan nie Denselben könne rauben; Ver sichere du mich, Du seist mein Herr und Gott, Mein Vater, der mich liebt, Mein Helfer in der Not. 12. Und weil du niemand hast In Anfechtung verlassen, So will ich deine Gnad Mit frohem Mut erfassen; Ach, sende mir doch bald Die rechte Hilfezeit, Da sich in Trost und Freud Verkehrt die Traurigkeit. 13. Sieh an die Jammerklag, Die Tränen meiner Wangen, Ich schrei dir immer nach, Bis ich werd Hilf er— langen, Und schweigest du gleich still, So schrei ich doch zu dir Und sprech ohn Unterlaß: Mein Gott, ach hilf du mir! 14. Mein Gott, erbarme dich, Sieh an mein bittres Weinen, Ach, laß dein Gnadenlicht, In meiner Seele scheinen, Ach Gott, erquicke mich Und gib mir Freudigkeit, Ach, gib mir Trost und Sieg Nach diesem Kampf und Streit. Trost gegen die lästerlichen Gedanken. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Weicht, weichet nur von mir, Ihr sündlichen Ge— danken, Ich bleibe Gott getreu, Von dem will ich nicht 296 Trost gegen die lästerlichen Gedanken. wanken; Ich acht nun euer nicht Und eurer Lästerung, Ihr dienet mir vielmehr Zur Seelenreinigung. 2. Gott rechnet mir nicht zu, Was gegen mich geschiehet, Ja, was mein Will nicht ist, Und was mein Herze fliehet Und davor Abscheu hat; Gott kennet meinen Sinn, Daß ich hier nicht im Tun, Vielmehr im Leiden bin. 3. Die große Lästerung Erweckt mir tausend Schmerzen, Ich seufze immerdar Mit tiefbetrübtem Herzen; Doch sie ist außer mir, Ins Herz kommt sie ja nicht, Dawider streite ich, Daß mir der Schweiß ausbricht. 4. So lang durch Gottes Kraft Ich immer widerspreche Und alle Lästerpfeil Durch seinen Geist zerbreche, So schad't der Pfeil mir nicht; Mein Jesus ist doch mein, In ihm bin ich gerecht, In seinem Blute rein. 5. Zwar fühle ich oftmals, Wie Satans Engel schläget Und giftig böse Wort Mir an mein Herze leget; Doch was kann ich dafür, Daß ich geschlagen werd, Weil ohne Schläg zu sein Das matte Herz begehrt? 6. Gott sieht den Jammer wohl, Mein Seufzen, Weinen, Schreien, Und wird zu seiner Zeit Mich schon davon be— freien; Weil ich für solche Wort Hab Schrecken, Furcht und Scheu, So schenkt mir Gott die Schuld Auf meine Buß und Reu. 7. Ja, tobet immerhin, Ihr lästerhaften Worte, Ja tobet, wie ihr wollt, In mir an allem Orte: Gott ist den— noch mein Freund, Ich achte euer nicht, Mein Jesus ist mein Trost Und meiner Seelen Licht. 8. Ihr habet mich von ihm Bisher noch nicht ver⸗ trieben, Ihr könnet es auch nicht; Ihn will ich ewig lieben, Und weil's mein Will nicht ist, Daß ihr im Herzen seid, So bleib ich Gottes Kind In meinem Herzeleid. 9. Ach ja, ich werde schon Euch einst noch überwinden, Ich werde Ruh und Trost In Jesu Wunden finden, Ich seh den Himmel schon Mit Freuden wieder an, Ich freue mich in Gott, Wie ich vorhin getan. —— eschiehet, Affffifffffffffffffffff 10 dediß ffdddddddnd ccev ffff hmerzen, och sie is treite ich, derspreche 0 schad't ihm bin ( el schläget Doch was ne Schläg „‚Veinen, davon be⸗ jurcht und Buß und Vorte, I ott ist den⸗ 13 ist mein nicht ber⸗ wig lieben, herzen seid snmynrm Am Krankenbette steht dein Jesus dich zu trösten Das glaube, wen chei 6 überwinden,—— büü⸗ 3—— größten. * inden, I mffffttheffniMAII „Ih ires ——— 2 ERNi 4—7 . N. I. . 14 14 Auf Ic will Abend so wit Ob er daru beten; j das Geb und da Gott jer bei a und ihn die Pach anrufen; soll er! Norgen hringen, Inpfehle er ihm z bei ihm khalte, NI HVilleich Dritter Ceil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Uranke. Morgengebet eines Äranken. Aufmunterung. Ich will zu Gott rufen, und der Herr wird mir helfen. Des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und heulen; so wird er meine Stimme hören. Psalm 55, 17. 18. Obgleich Gott einen Menschen läßt krank werden, so soll er darum nicht das Gebet einstellen, sondern desto eifriger beten; je mehr die Krankheit zunimmt, desto inbrünstiger soll das Gebet werden, wie Christus tat, Ev. Lukas Kap. 22, 44: und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Hat nun Gott jemand auf das Krankenlager niedergelegt, so soll er 1) bei anbrechendem Tage sogleich sein Herz zu Gott erheben und ihn preisen für den Schutz in der vergangenen Nacht. Ist die Nacht betrübt und unruhig, so soll er Gott um Linderung anrufen; ist aber die Nacht ruhig und erträglich gewesen; so soll er Gott dafür danken. 2) Hat er also sein Herz am Morgen zu Gott gerichtet, so soll er sein Gebet vor ihn bringen, und sich den Tag über in seinen Schutz und Obhut empfehlen, fleißig an Gott gedenken, und geduldig leiden, was er ihm zuschickt. 3) Er soll sich dabei erinnern, daß Jesus auch bei ihm an seinem Krankenbette sei, ihn daselbst erquicke und erhalte, ja, daß er ihn da lehren und unterrichten wolle. Vielleicht ist der Kranke in gesunden Tagen kein fleißiger LI ** 2— — ——— 300 Morgengebet eines Kranken. Kirchengänger oder andächtiger Beter gewesen; diesen Fehler will ihm Gott vorstellen, daß er nun desto andächtiger beten lerne und sehe, wie es ihm an Trost und Erbauung mangele, weil er in guten Tagen keinen Vorrat und guten Schatz an Trostsprüchen und Gebeten gesammelt hat. Ist er aber ein Liebhaber Gottes und seines Wortes gewesen, so will ihm Gott Anweisung geben durch die Krankheit, wie er nun das in Übung soll bringen, was er von der Geduld, Vertrauen auf Gott, Gelassenheit und Ergebung in den Willen Gottes ge— hört hat. Gebet. O du heiliger, dreieiniger Gott, Va⸗ ter, Sohn und heiliger Geist, ich komme jetzt, da nun der Tag angebrochen, vor deinen allerheiligsten Thron und danke dir, daß du mich diesen Tag wiederum hast erleben lassen. Du weißt, Herr, wie ich die Nacht auf meinem Kranken⸗ bette hingebracht habe, dennoch kann ich nicht genug deine Güte preisen, daß du das Licht der Sonne mich wieder sehen und alle Schmerzen und Ungemach glück— lich hast vorübergehen lassen. O du Gott der Liebe, ich danke dir für deine Liebe; o du starker Gott, ich danke dir für deinen Schutz und Beistand; dein Auge hat mich die Nacht bewacht, deine Hand hat mich bedeckt, deine Gnade hat mich erhalten. O mein Gott, die Sonne 146 ö geht Gnad mit! unde gen. fallen wohle R8 di dadur heiten damit 1en u für u Zeit, inter Ind mich wahre leuen Fure —— Eib, möge heten, heden lwige fen. dem 5ehler beten Va⸗ mme vor anke rum Herr, nken⸗ ich 5 diu sehen glüc⸗ Q bI deine dil dein deine Dhat Zonne Morgengebet eines Kranken. 301 geht wieder auf, ach, laß auch deine Gnade neu über mich aufgehen; gib mir mit diesem Tage neue Kräfte, Gnade und Geduld, mein Leiden willig zu tra— gen. Herr, mein Gott, es hat dir ge— fallen, mich aufs Krankenbett zu legen; wohlan, ich will darauf bleiben, so lange es dir gefällt, vielleicht willst du mich dadurch absondern von meinen Gewohn— heiten, Sünden und ordentlichen Arbeit, damit du allein mit mir reden, mich leh— ren und unterweisen mögest, wie ich soll für meine Seele sorgen. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedient, gehorcht und dich geehrt habe, daß ich darüber mich betrübe, vor dir mich schäme und wahre Buße tue, auch mit dir einen neuen Bund mache und also schaffe mit Furcht und Zittern selig zu werden. Gib, daß ich, o Jesu, den ganzen Tag möge mein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, Blut und Tod gedenken, und das wahre Heil und das ewige Wohlsein meiner Seele betrach— ten. Gib mir einen Trostspruch nach dem andern ins Herz, der deine Gnade 302 Morgengebet eines Kranken. mir versiegele und deiner Vaterliebe und baldigen Hilfe mich versichere. Be— wahre mich heute vor schweren Zufällen, größeren Schmerzen, betrübten Stun⸗ den und mancherlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit, stärke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit. Willst du aber an die— sem Tage mich Schmerzen und Leiden empfinden lassen, so weiche nicht und bleibe bei mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden, und alles mit Gelassenheit und stillem Mut tra⸗ gen, was du mir auflegen wirst. Siehe, mein Gott, hier bin ich, mache mit mir, wie es dir wohlgefällt; du bist mein Vater, ich bin dein Kind, du kannst mein Leben mir erhalten und mich mit deiner Hilfe erfreuen. Ich will am Abend deine Güte rühmen und deine Barmherzigkeit herzlich prei— sen für alles, was du an mir getan hast. Meinen Leib und meine Seele Samt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigentum. Deinen Engel zu mir sende, Der I des bösen Feindes Macht, List und An chläg von mir wende I 7* Und mich Führe m 1 gelegter munter 1 Schwachl Andacht 2. Will un zugeschick trag es ohne Gn. 3.2 hält; La Gott, gef Vater, H mir heut 4. 2 allein; frieden Kiden h hiermit, 5.—6 nehr, L Ehr;§ dich tret, dich verl 6.6 werd; Staub u Heschehe dem ich iner die⸗ iden und Tag alles tra⸗ jehe, mit bist du und Ich men prei⸗ getan nen und de starke , r wende * Nimm d Morgengebet eines Kranken. 30³3 Und mich halt in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh Führe nach dem Himmel zu. Amen. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Unter meinem Schmerz und Weinen, Nach zurück— gelegter Nacht, Seh ich jetzt die Sonne scheinen, Welche alles munter macht; Darum fang ich fröhlich an, So viel ich in Schwachheit kann, Diesen Tag mit Beten, Singen Und in Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich jetzt krank befinde, Herr, das ist dein Will und Rat, Welcher mir, als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat; Nun, ich nehm es gern auf mich, Ja, ich trag es williglich. Was du pflegest aufzulegen, Ist nicht ohne Gnad und Segen. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad er— hält; Laß mich auch das End erlangen, Wenn es dir, mein Gott, gefällt; Lindre meinen Schmerz und Not, Ach, mein Vater, Herr und Gott, Jesu, meiner Seele Sonne, Schenke mir heut Trost und Wonne. 4. Doch es soll dein Will geschehen, Herr, dein Wille nur allein; Wie du willst, so soll mir's gehen, So will ich zu— frieden sein. Ich will leben, wenn's dein Will, Auch im Leiden halt ich still; Ich will mich im Tod und Leben Dir hiermit, mein Gott, ergeben. 5. Segne meine Arzeneien, Stärke mich je mehr und mehr, Laß dieselben mir gedeihen, Herr, zu deines Namens Ehr; Hör in Gnaden mein Gebet, Wenn ich gläubig vor dich tret, Daß ich dich im Glauben fasse Und mich fest auf dich verlasse. 6. Endet heute sich mein Leiden, Daß es besser mit mir werd; Soll ich von der Welt abscheiden, Der ich bin nur Staub und Erd; Herr, das überlaß ich dir, Wie du willst, geschehe mir; Dein bin ich mit Leib und Seele, Du bist's, dem ich mich befehle. —5*—.— 304 Abendgebet eines Kranken. Abendgebet eines Äranken. Aufmunterung. Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott, zu Gott schreie ich, und er erhört mich. In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn, meine Hand ist des Nachts ausgestreckt und läßt nicht ab; denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott; wenn mein Herz in Angsten ist, so rede ich. Psalm 77, 2—4. Wenn der Mensch die tausendfältigen Zufälle erwägt, welche ihm sowohl bei Tag als bei Nacht begegnen können, so soll er ja niemals aufstehen oder schlafen gehen, er habe sich denn mit Leib und Seele dem mächtigen Schutz des gnädigen Gottes empfohlen. Besonders soll das ein Kranker tun. Hat ihm Gott auf seinem Krankenbette einen Tag durch— geholfen, so soll er 1 Gott für seinen gnädigen Beistand danken; hat Gott die Arznei gesegnet, hat er das Leiden den Tag über erträglich gemacht, so soll er ihn dafür herzlich preisen; dabei soll er auch um Verzeihung bitten, wenn er mit Murren und Ungeduld sich an Gott versündigt hat. Kommt nun die Nacht herbei, davor sich Kranke besonders zu fürchten pflegen, so soll er 2) wiederum mit Gebet sich zu Gott nahen und ihn anflehen, er wolle alles Unglück, gefähr— liche Zufälle und Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich so mit Leib und Seele Gott empfohlen, so zweifle er nicht, 3) der dreieinige Gott werde auch des Nachts sein Licht und seine Lebenskraft sein, er werde an seinem Bette stehen, seiner pflegen und hüten, er werde um Jesu willen ihm seine Sünde vergeben, und gnädig sein; und sollte ihm auch in der Nacht das Todesstündlein bestimmt sein, so wird der dreieinige Gott alsdann mit seiner Gnadengegenwart ihn umfassen und seine Seele durch die heiligen Engel in den Himmel begleiten lassen. Mit solchen guten Gedanken soll sich der Kranke ganz und gar der göttlichen Weisheit, Liebe, Schutz und Gnade übergeben. ie ic), he ich d läßt lassen. Herz rwägt, nen, so r habe utz des tranker durch⸗ zeistand den den herzlich venn er igt hat. sonders sich zu gefähr⸗ wenden. zweifle hts sein m Bette willen llte ihm so wird genwart elin den nlen soll it, Liebe, Abendgebet eines Kranken. Gebet. Ach, du barmherziger Gott, ich habe nun wieder einen Tag überlebt, Herr, Herr, du hast nach deiner Güte bis auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sei deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Besonders preise ich deinen Namen, daß du diesen Tag meine Schmerzen und Krankheit mir hast tra— gen helfen. Ach, Herr, du legst eine Last auf, aber du hilfst auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Der Herr betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Der Herr ist gnädig, gütig und freund— lich allen denen, die ihn anrufen. Er hört das Schreien der Elenden und ver— weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach, großer Gott, die Nacht bricht herein und es will Abend werden, darum wende ich mich zu dir mit meinem Gebet und spreche: Mein Vater, ach bleibe bei mir und weiche diese Nacht nicht von Mmir. Ja, Befiehl dem Engel, daß er komm Und uns bewach, dein Eigentum, Gib uns die lieben Wächter zu, Daß wir vorm Starck, Gebetbuch 20 ——.———————— 306 Abendgebet eines Kranken. Satan haben Ruh; So schlafen wir im Namen dein, Dieweil die Engel bei uns sein; O heilige Dreieinigkeit, Wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht von mir ab alle ge— fährlichen und plötzlichen Zufälle, lindre meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach, himmlischer Vater, bleibe doch bei dei— nem kranken Kinde: wenn du mit deiner Gnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? O Jesu, die Sonne geht unter und weichet von uns, aber du, o Sonne der Gerech— tigkeit, weiche nicht von mir. O mein Jesu, fasse mich diese Nacht in deinen Arm, deine Linke liege unter meinem Haupt und deine Rechte decke mich. Gib, daß ich mit dir einschlafe und im Schlafe an deinem vergossenen Blute mich ergötze, deiner Wunden mich erfreue und darin Trost, Vergebung der Sünden und Er— quickung für meine Seele finde. O du werter heiliger Geist, es geht jedermann von mir bis auf wenige; aber ach, du Abendgebet eines Kranken. 307 Tröster der Betrübten und Beistand der Elenden, bleibe bei mir, stärke und er— halte mich im wahren Glaͤuben und christ— licher Geduld. O du heilige Dreieinig— keit, nimm mich in deinen Schutz. Der Herr segne mich und behüte mich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mir und sei mir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden; und Sollt diese Nacht die letzte sein In diesem Jammertal, So nimm mich, Herr, in Himmel ein, Zu deinem Freudensaal. Und also leb und sterb ich dir, Du starker Zebabth, Im Tod und Leben hilf du mir Aus aller Angst und Not. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich will mich nach der Ruh umsehen, Weil mich die Krankheit müd gemacht; Ich will mit Jesu schlafen gehen, Der selbsten bei den Kranken wacht; Ich denk dabei an meinen Gott, Ja auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, Mein Bett und Grab liegt mir im Sinn; Doch wenn ich Jesum bei mir habe, Wenn ich mit ihm vereinigt bin, So schlaf ich aller Sorgen los Und ruhe sanft in seinem Schoß. 3. Wenn ich mich deck, denk ich: die Erde Wird einst auch so bedecken mich, Wenn ich darein geleget werde; Allein hab ich, o Jesu, dich, So ruh ich wohl in meinem Bett Und auch wohl in der Grabesstätt. J. Ich denk, wenn ich das Licht austue, Weil man des Nachts nichts hat zu sehn: So wird auch, wenn ich komm zur Ruhe, Mein Lebenslicht geschwind ausgehn; Doch Jesus, meiner Seelen Licht, Erlischt in meinem Herzen nicht. 20 308 Der Kranke bittet um Geduld. 5. Ich denke, wenn ich mich entkleide: So kleidet man mich einst auch aus, Wenn ich von dieser Welt abscheide Und gehe in des Grabes Haus; Fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, Weil ich in Gott gekleidet bin. 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen Und zu ver— riegeln Haus und Tür, Damit ich mög der Ruh genießen, Und mich kein frecher Feind berühr: So schließt mein Augen zu der Ruh Mein liebster Jesus selbsten zu. 7. Ich werde aus dem Bett aufstehen, Wenn nun die Morgenröt anbricht, Und freudig aus dem Grabe gehen, Wenn Jesus, meiner Seelen Licht, Mich auferweckt zur Herr— lichkeit Und führet mich zur Himmelsfreud. „Dies sind die seligen Gedanken; Sieh, damit schlaf ich fröhlich ein; Mein Herz soll nicht von Jesu wanken; Ich will im Schlaf auch bei ihm sein; O süßer Schlaf, o helle Nacht, Da Jesus in dem Herzen wacht! Der Uranke bittet um Geduld. Aufmunterung. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Ps. 43, 5. Geduld ist euch not, daß ihr den Willen Gottes tut; und gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig, eigenwillig, sondern geduldig und gelassen sein. Zur Geduld aber soll einen Kranken bewegen: 1) Christi Exempel, welcher in den größten Schmerzen seinen Mund nicht auftat, sondern war, wie ein Lamm. Wenn wir denn ihm gleich werden wollen in der Herrlichkeit, so sollen wir auch, wie er geduldig leiden. 2) Der Kranke soll gedenken, daß ihm diese Krankheit nach Gottes Willen zugeschickt sei; denn kann kein Sperling auf die Erde, ja, kann kein Haar von unserm Haupte sallen, ohne Gottes Willen, wie viel weniger kann uns eine solche schwere Last und Krankheit ohne Gott auferlegt werden. Zur Geduld soll ihn 3) bewegen die gött— liche wiede Kran er m Schm duld demü geden schwe helfer hate uns Der Kranke bittet um Geduld. 309 liche Liebe und Allmacht; was Gott auflegt, das kann er auch wieder abnehmen: wenn er ein Wort spricht, so werden die Kranken wieder gesund. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden viel schwerere Plagen und größere Schmerzen verdient hätte; darum soll er anstatt der Unge— duld vielmehr in wahrer Buße und Glauben sich vor Gott demütigen und ihn um Gnade anflehen. 5) Soll der Kranke gedenken, Ungeduld macht das Kreuz nicht leichter, sondern schwerer, ja, Gott hat verheißen, er wolle unser Kreuz tragen helfen, das er uns auferlegt; aber die Ungeduld zu tragen, hat er nicht verheißen, weil sie nicht von ihm, sondern von uns herkommt. Gebet. Barmherziger Gott, gnädiger Vater, siehe, ich armer Mensch liege hier auf meinem Krankenbette und kann nicht aus⸗— kommen; aber zu dir komme ich und trete vor deinen Gnadenthron. Ach, es hat dir gefallen, mir dieses Leiden väterlich aufzulegen und anstatt der bisher genos— senen Gesundheit mir diese Krankheit zu— zuschicken. Nun, mein Gott und Vater, es geschehe dein Wille; gib mir nur Ge— duld, daß ich alles tragen möge ohne Murren und Widersprechen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergötzt; sollt ich jetzt auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. Habe ich manches Gute von 5 1 N * 44 + J AEEeEE —— 310 Der Kranke bittet um Geduld. dir empfangen, hast du mich in gesunden Tagen oft erquickt und erfreut, so will ich auch diese Krankheits- und Leidens— tage durch deine Kraft mit Geduld an— nehmen und mich in Demut erinnern, wie ich viele gute und gesunde Tage in meinem Leben genossen, dagegen diese wenigen Leidensstunden wie nichts zu rechnen sind. Ich weiß, mein Gott, daß du liebreich und gnädig bist; darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich ertragen kann. Ich halte mich an dein Wort, das da spricht: Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Ver— suchung so ein Ende gewinne, daß ihr's ertragen könnt. Mein Gott, du weißt auch wohl mein Vermögen und meine Schwachheit, du wirst mein Leiden nach meinen Kräften schon einrichten. Sieh an dein schwaches und krankes Kind und handle mit mir nach deiner Vaterliebe. Ich weigere mich nicht, zu leiden, weil ich weiß, daß du es nicht böse mit mir meinst, weil das Leiden mir soll zu mei— ner Heiligung dienen. Mein Gott, hier bin ich, mach's mit mir, wie du willst; Der Kranke bittet um Geduld. 31¹1 gib mir deinen heiligen Rat zu erkennen, daß diese Krankheit soll ein Feuer sein, welches meine Unreinigkeiten, die ich noch an meiner Seele habe, verzehren und wegnehmen und mich reinigen soll; wie es eine Bußglocke sein soll, die mich auf⸗ wecke aus meinen Sünden, dieselben herz— lich zu bereuen; eine Betglocke, daß ich um Jesu und seines Blutes und Todes willen die Vergebung aller meiner Ueber— tretungen suche; ja eine Stimme, die mir zurufe: Bestelle dein Haus; gedenke an deinen Tod und an dein Grab; be— reite dich zur Ewigkeit. Wohlan, so mache mich fertig und bereit, wie du mich haben willst in der Ewigkeit. Denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leben eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit folgen wird. Darum sei stille, meine Seele, was betrübst du dich und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, ja, harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Ange— sichts Hilfe und mein Gott ist. Was willst du dich betrüben, O meine liebe Seel! Du sollst den einzig lieben, Der heißt Immanuel. Vertraue ihm allein, Er wird gut alles machen Und fördern deine Sachen, Wie dir's wird nützlich sein. Denn Gott verlässet keinen, Der 4— +— ———.——— ————* ———— ———.——.————————.. ————.——— ——— 312 Der Kranke bittet um Geduld. sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Amen. Eesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. Seele. Ach, wie lang soll ich noch kämpfen? Ach, wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dämp— fen? Ach, wann bricht doch an die Zeit, Daß ich nach dem Streit und Krieg Trage davon Kron und Sieg? Ach, ich werde unterliegen, Ach, ich werde doch nicht siegen. Gott. Kämpfe nur getrost, o Seele, Kämpfe, ich will bei dir sein; Fürchte dich nicht, daß dir's fehle, Du bist nicht im Kampf allein; Ich bin allezeit bei dir, Halte du dich nur zu mir; Du sollst meine Hilf empfinden, Du sollst herrlich überwinden. Seele. Aber ach, es währt zu lange, Meine Kräfte sind dahin, Ach, es wird mir angst und bange, Weil ich so entkräftet bin; Mein Leib ist von Schmerzen schwach, Mein Mund schreiet Weh und Ach, Herz und Mund kann nicht mehr beten, Ach, wer will mich doch erretten? Gott. Weißt du nicht, daß ich den Schwachen, Welchem aller Trost entgeht, Kann gar leichtlich stärker machen, Ob er gleich entkräftet steht? Nun wohlan, ich stärke dich, Helfe dir auch gnädiglich; Siehe, du sollst herrlich siegen Und mit nichten unterliegen. Seele. Ach, mein Leiden, das ich trage, Ist sehr groß und allzuschwer; Meine Trübsal, Angst und Plage Häufet sich je mehr und mehr; Auch Anfechtung stellt sich ein, Und der Glaube wird gar klein, Wer will meine Not aussprechen? Ach, das Rohr wird gar zerbrechen. Gott. Sei getrost in deinem Glauben, Dessen Docht verlöschet nicht; Kein Feind soll denselben rauben, Denk nicht, daß das Rohr zerbricht, Wär es gleich auch noch so — schwach vertreil E guten Vunde zuget Seitet deinen steht d frohen treuen S meiner und n hin, zu der Siehe, Psa Q Beista geschel Freun dir? f stand Hilfe! zagen, seiner lassen Mau helfen wegen gar Gott D„. .ffüiti6. M. 458910 äq Der Kranke bittet um Gottes Beistand. 313 schwach, Sieh, ich führe deine Sach, Ich will deine Feind vertreiben, Und dir soll der Sieg verbleiben. Seele. O mein Gott, in deiner Stärke Hab ich einen guten Mut, Ich kenn deiner Allmacht Werke, Wie dieselbe Wunder tut; Nun wohlan, so steh mir bei, Daß ich über— zeuget sei, Daß du werdest mich erretten Und auf meine Seite treten. Gott. Sieh, die Kron ist aufgestecket, Eil, vollende deinen Lauf; Meine Hand ist ausgestrecket, Sieh, der Himmel steht dir auf; Wonne, Sonne, Trost und Freud In der srohen Ewigkeit, Weiße Kleider, Licht und Krone Sind der treuen Kämpfer Lohne. Seele. Nunmehr hab ich überwunden Alle Not mit meinem Gott. Gott. Und ich bleib mit dir verbunden In und nach der Todesnot. Seele. Und wo führest du mich hin, Wenn ich nun gestorben bin? Gott. In den Himmel zu der Wonne, Wo ich selbsten bin die Sonne. —0— Der Uranke bittet um Gottes Beistand. Aufmunterung. Siehe, Gott stehet mir bei, der Herr erhält meine Seele. Psalm 54, 6. In Leiden und Unglücksfällen einen guten Freund und Beistand haben, ist gar ein großer Trost. Ob es nun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer keinen Freund und Beistand hat, der zu ihm spreche: Wie geht's dir? so wissen wir doch gewiß, daß Gott aller Elenden Bei— stand sein wird. Denn 1) Gott hat allen seinen Kindern Hilfe und Gnade verheißen, darum soll ein Kranker nicht ver— zagen, wenn er sieht, daß ihn jedermann verläßt, niemand sich seiner annimmt, und fest glauben, Gott werde ihn nicht ver— lassen und zu rechter Zeit ihm Hilfe und Rettung leisten. Hat 2) auch ein Kranker gute Freunde und Mittel, damit er sich helfen kann, und will doch nichts anschlagen, so soll er des— wegen nicht kleinmütig werden, oder an der göttlichen Ver— —— * —‚‚‚ieeeeeee‚‚‚‚‚re‚‚e‚ee‚..‚eeee—.— ———— SS.—— 2.————.—— — 8*————.———————— . ν 314 Der Kranke bittet um Gottes Beistand. heißung zweifeln, sondern gewiß sein, Gott werde in allen betrübten Trauerstunden mit seinem Beistand nahe bei ihm sein. 3) Dieser Beistand wird wahrgenommen entweder in der Erhaltung des Kranken, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm Gott Kräfte gibt, auch das schwerste Leiden zu ertragen. Ja, Gott ist getreu, der ist oft nahe bei uns, wenn mir meinen, er sei weit von uns entfernt. Gebet. O du getreuer Gott, du siehst, wie ich jetzt in elendem und betrübtem Zu⸗ stande mich befinde, meine Kräfte neh— men ab, meine Gestalt verschwindet, und des Kreuzes Last drückt mich immer hef— tiger. Herr, Herr Gott, der du hörest mein Flehen, und dem mein Leiden nicht unbewußt ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir und verlaß mich nicht; ich halte dir vor deine Verheißung, in der du mich versicherst: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich und erhalte dich, ich helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; und wieder— um: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Mein Gott, auf dein Wort verlasse ich mich. Dein Beistand ist mir höchst nötig, ich kann das Leiden nicht tragen, wenn du nicht bei mir bleibst und SISISISe SSIS.. mir nich mich daß wie. Leib hald um göttl hand Bar mir sehr bei! mir' wohl des tröst bei wohl hein fer, aller uick lind um. Han Der Kranke bittet um Gottes Beistand. 30⁰⁵ mir tragen hilfst. Die Krankheit wird mich bald ersticken und erdrücken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Gedenke, daß ich aus Staub gemacht bin. Ach, wie bald ist diese irdische Hülle meines Leibes zerbrochen und ich versinke; wie bald ist mein Leben dahin, wie bald ist's um mich geschehen, wenn du durch deine göttliche Macht und durch deine Vater— hand mich nicht hältst und nach deiner Barmherzigkeit und gnädigen Verheißung mir beistehst. Dein Beistand ist mir sehr tröstlich, denn bist du, mein Gott, bei mir, so fürchte ich mich nicht. Ist mir's tröstlich, wenn einige Freunde so— wohl des Tages um mich stehen, als auch des Nachts bei mir wachen, o wie viel tröstlicher ist mir's, wenn du, mein Gott, bei mir bist. Menschen können mich wohl bedauern und beklagen; wenn du bei mir bist, so habe ich den besten Hel— fer, Erretter und Arzt bei mir. Deine allerheiligste Gegenwart wird mich er— quicken und erhalten, meine Schmerzen lindern und meine Angst stillen. O dar— um verlaß mich nicht und wende nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil! ———— 1 IIIIIIIIII — ———— —— 316 Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Weicht eine liebreiche Mutter nicht von ihrem kranken Kinde, so wirst du, mein Gott, auch nicht von mir weichen; laß mich deine gnädige Gegenwart empfinden durch eine innere Freude und Vergnügen, durch einen kräftigen Trostspruch und süßen Gedanken, und tröste mich also in meinem Leiden, wie einen Kranken seine Mutter tröstet. Ach, mein Gott, stärke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, hilf mir kämpfen, siegen und überwin⸗ den; durch deinen Beistand werde ich stark, wenn ich schwach bin; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! Ich bitt, wollst sein von mir nicht fern Mit deiner Hilf und Gnaden; Die ganze Welt mich freuet nicht, Nach Himmel und Erd nicht frag ich, Wenn ich dich nur kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist du doch mein Zuversicht, Mein Teil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott, verlaß mich nicht, So will ich eifrig flehen, Bis ich von meinem Kreuz Mich werd errettet sehen; Ich kenn dein Vaterherz: Wenn der Betrübte schreit, So bleibest du von ihm Mit deiner Hilf nicht weit. 2. lassen Ach, W doch he . Nöten; Die N in Gn 4. Schme brochn jett is bist 5 winder finden Mund 6 Unde d und miten Der) Un wie Nens allery sund weile Kran Starl eifrig ehen Sof Der Kranke erkennt, daß er ein Mensch sei. 317 2. Mein Gott, verlaß mich nicht, Ohn dich bin ich ver— lassen Und weiß auf dieser Erd Sonst keinen Trost zu fassen; Ach, wende doch zu mir Dein süßes Gnadenlicht, Ach, eile doch herbei, Du meine Zuversicht. 3. Mein Gott, verlaß mich nicht In diesen meinen Nöten; Du wirst, mein Helfer, nicht Mich in denselben töten; Die Not ist jetzo groß, Erbarmer, komm herbei Und mach in Gnaden mich Von diesen Banden frei. 4. Mein Gott, verlaß mich nicht In diesen großen Schmerzen, Ich schrei, mein Gott, zu dir Aus fast zer— brochnem Herzen; Du weißt und siehest wohl, Wie wehe mir jetzt ist, Und ich weiß auch gar wohl, Daß du mein Helfer bist. 5. Mein Gott, verlaß mich nicht, Ach, hilf mir über— winden Und laß, mein Vater, doch Mich deine Hand emp— finden; Erscheine mir, mein Heil, So schreiet Herz und Mund, Ach, eile doch herbei Mit deiner Hilfestund. 6. Ich will für diese Gnad Dich, weil ich lebe, preisen Und dankbar allezeit Mich gegen dich erweisen Mit Ruhm und Lobgesang, Und sagen jedermann: Ach, preiset Gott mit mir, Der mir viel Guts getan. — Der Uranke erkennt, daß er ein Mensch und unsterblich sei. Aufmunterung. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit, und ist voll Unruhe, gehet auf wie eine Blume, und fällt ab, fleucht wie ein Schatten, und bleibet nicht. Hiob 14, 1. 2. Obgleich alle Menschen sterblich sind, auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so denken doch die allerwenigsten an ihre Sterblichkeit, besonders wenn sie ge— sund sind und es ihnen wohl geht; darum muß sie Gott bis⸗ weilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches geschieht durch Krankheit; denn wenn er die Gesunden läßt schwach, die Starken durch Krankheit matt werden, da merken sie erst ihre 318 Der Kranke erkennt, Vergänglichkeit. Rechtschaffene Christen sollen deswegen 1) alle Tage an ihre Sterblichkeit denken und sich derselben er— innern, wenn sie ihre Kleider aus- und ihr Schlafgewand an— ziehen und dabei in ihrem Herzen denken: So werde ich nach meinem Tode entkleidet und mit meinem Totengewand um— hüllt werden. 2) Läßt Gott einen Menschen krank werden, so soll er sich seinen Tod vorstellen. Es ist ein Betrug des Satans, der uns abhält, unserer Sterblichkeit uns zu er innern. Wir mögen daran denken oder nicht, so kommt das Ende, wenn es Gott gefällt. Wer sich aber zum seligen Tode bereitet, der stirbt desto seliger. 3) Es soll sich der Mensch seiner Sterblichkeit erinnern, wenn er an seine ver— storbenen Nachbarn, Vorfahren und Freunde denkt, und glau ben, die Reihe werde ihn auch treffen. Darum 1) selig ist, wer in Betrachtung der Sterblichkeit im Glauben Jesum Christum ergreift und in einem christlichen und frommen Leben verharret bis in den Tod, der wird, wenn er stirbt, nicht sterben, sondern um Jesu willen zur Seligkeit eingehen Gebet. Mein Gott, es hat dir nach deinem heiligen Rat und Willen gefallen, mich aufs Krankenbett zu legen und dadurch nicht allein mich von meinen Geschäften, meinen Sünden und sündlichen Gewohn— heiten abzusonderu und zur wahren Buße aufzumuntern, sondern mich auch an mei— nen Tod zu erinnern, daß ich ein sterb— licher Mensch sei. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch Wil sche nac in leh X un ich G Ä he daß er ein Mensch und sterblich sei. 319 so sicher leben. Mein Gott, sind Krank— heiten Vorboten des Todes, so erinnere ich mich gar wohl, daß ich ein Mensch und sterblich bin. Ich bin Erde und muß wieder zur Erde werden. Darum sehe ich mein offenes Grab als der Mut— ter Schoß an, die meinen Leib in dem— selben sanft ausruhen und schlafen lassen will. Ich weiß auch, daß dem Men— schen gesetzt ist, einmal zu sterben, dar— nach das Gericht, deswegen ich auch oft in gesunden Tagen gebetet: Ach Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich alles muß verlassen, meine Habe, Gut, Ehre, Glück, und was ich in der Welt besitze. Ich habe hier keine blei— bende Stätte, sondern die zukünftige suche ich. Willst du durch diese Krankheit mich nun an mein Ende erinnern, wie den König Hiskia:„Bestelle dein Haus; denn du mußt sterben,“ so verleihe, daß ich freudig an mein Ende denke und mir vorstelle: Siehe da, dieses ist vielleicht mein letztes Lager und Jahr, diese Kraͤnk— heit zeigt vielleicht an, daß die Lebens— AT — ——*———.—— — 22.—— ——. ————— ———————. ———.—— .II——— 320 Der Kranke erkennt, tage, die auf dein Buch geschrieben, nun verflossen sind, damit ich mich möge mit Gebet, Buße und Glauben, mit wahrer Untersuchung meines bisher geführten Lebens zum seligen Sterben bereiten. Stelle mir vor, mein Gott, daß ich des— wegen nicht sterben muß, wenn ich mich schon zum seligen Sterben vorbereite, sondern daß ich dadurch von Welt und Sünden abgezogen, und mein Leben, Geist und Seele dir geheiligt werden; daß du eben deswegen mir die Krankheit zuschickst, daß ich mich prüfen, bekehren, bereiten, der Welt absterben und in dir leben soll. Siehe, mein Gott, hier bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich vorher recht in der Zeit, daß, wenn ich sterbe, ich in deiner Gnade selig ster— ben möge. Ich hab mein Sach Gott heimgestellt, Er mach's mit mir, wie's ihm gefällt. Soll ich allhie noch länger leb'n, Nicht widerstreb'n, Sein'm Willen ich mich tu ergeb'n. Mein Zeit und Stund ist, wann Gott will, Ich schreib ihm nicht vor Maß noch Ziel; Es sind gezählt all Härlein mein, Beid, groß und klein, Fällt keines ohn den Willen sein. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wie sind wir so gar nichts! Wer dieses wird be— trachten, Der wird nur Gott allein, Der alles ist, hoch —— achten Licht, 2 Leben, Vorhe macht 0 komme nomm sein, mein. entzin gegrü Schei die K säfte; Trüg mach lache läßt, Mi, einig mein x erheb gegeb gema ergöt schäßz Ichl 8 ——777‚ daß er ein Mensch und sterblich sei. achten; Denn wer sein lauter Nichts Beleucht't in Gottes Licht, Der ist es, der mit mir Demütig also spricht: 2. Ich bin nichts, denn von Gott Empfing ich Leib und Leben, Das hat er mir und nicht Ich selber mir gegeben; Vorher noch war ich nichts, Bis seine Schöpferhand Mich machte, da ward ich Den Menschen erst bekannt. 3. Ich habe nichts von mir, Denn nackend bin ich kommen, Wie könnte aus dem Nichts Was werden mitge— nommen? Von Gott kommt alles her, Es ist auch alles sein, Ich hab nichts ohne Gott, Ohn Gott ist gar nichts mein. 4. Ich weiß nichts von mir selbst; Von Gott ist mir entzündet Des wahren Glaubens Licht Und bleibt auf ihn gegründet; Entzieht er mir sein Licht Und seiner Weisheit Schein, So muß ich ohne Licht Und ohne Weisheit sein. 5. Ich kann nichts von mir selbst; Von Gott hab ich die Kräfte, Er gibt mir Mut und Stärk, Erhält die Lebens— säfte; Durch ihn kann ich allein Mich regen, hören, sehn; Trüg mich nicht seine Hand, So würd ich bald vergehn. 6. So bin ich ja gar nichts Und das soll mich fromm machen; Ich will die stolze Welt In ihrem Nichts ver— lachen. Die sich gar viel einbild't Und auf ein Nichts ver— läßt, Und meinet, daß ihr Nichts Doch sei das Allerbest. 7. Gott ist das Allerbest, Sein Alles soll vor allen Mir, der ich gar nichts bin, Auf ewig wohlgefallen. Du einig Alles, gib, Daß ich auch diesen Tag Dein Alles und mein Nichts Mit Ernst erwägen mag. 8. Du armer Mensch, du Nichts, Was willst du dich erheben? Kannst du auch etwas sein, Das Gott dir nicht gegeben? Wer da will etwas sein, Der wird zu nichts gemacht; Wer aber nichts will sein, Der wird emporgebracht. ö 9. Fahr hin, o Welt, fahr hin, Dein Nichts kann nicht ergötzen; Wer dich für etwas hält, Tut Nichtiges hoch— schätzen; Mein Alles ist mein Gott, Dem leb und sterbe ich, Ich bin durch ihn beglückt Und selig ewiglich. Starc, Gebetbuch 32² Der Kranke ergibt sich, Der Uranke ergibt sich, dem Willen Gottes zu leben und zu sterben. Aufmunterung. Und Jesus ging ein wenig hin, fiel nieder auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst. Matth. 26, 39. Gottes Wille ist allezeit der beste; solches pflegen wir wohl zu sagen, aber wenn man sich Gottes Willen einzig und allein unterwerfen soll und das sich gefallen lassen, was unserm Willen zuwider ist, da empfindet man oft großen Widerstand. Ein Kranker, welchen Gott auf sein Krankenbett niedergelegt hat, soll 1) bedenken, daß es Gottes Wille sei, daß er in solchem Zustand sich befinde, darum soll er sich hüten vor Ungeduld, denn sonst würde er zeigen, daß er mit Gottes Willen nicht zufrieden sei. Er soll 2) aufsehen auf das Exempel Jesu Christi, der in den größten Leiden und Schmer— zen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Solche Ge— lassenheit und Ergebung in den Willen Gottes gefällt Gott wohl und ist ein Zeichen der Kinder Gottes. Ja, 3) wenn man beständig Gottes Willen widerstreben wollte, so wird es doch nichts helfen; hat Gott beschlossen, daß dies Lager soll das letzte sein, so wird man es durch Widerwillen nicht abwenden, sondern des Herrn Rat und Wille wird doch an uns erfüllt werden. Darum ist dieses das Allerbeste, daß ein Kranker sage: Siehe, Herr, hier bin ich, mach es mit mir, wie es dir gefällt; ich will länger leben, wenn du willst, auch gerne sterben, wenn du willst. Gebet. O du gnädiger, gütiger und barmher⸗ ziger Gott, ich komme jetzt mit meinem Gebet und Seufzen vor deinen aller— gesicht, e dieser wie du en wir zig und n, was großen Kenbett sei, daß Iten vor Gottes uf das chmer⸗ sprach: che Ge⸗ lt Gott wenn so wird Lager en nicht doch an lerbeste, nach es enn du nher⸗ einem aller⸗ dem Willen Gottes zu leben und zu sterben. 323 heiligsten Thron, ob ich schon dem Leibe nach auf meinem Krankenbette bleiben muß. Ich sehe o liebster Gott, es ist dein heiliger Wille, daß ich soll krank liegen und eine Zeitlang der edlen Gabe der Gesundheit entbehren. Wohlan, ist es dein Wille, so soll es auch mein Wille sein, gefällt es dir, mir soll es auch ge— fallen, dein Wille und mein Wille soll nur ein Wille sein. Ich bin geboren nach deinem Willen, und sterbe auch, wenn du willst. Nach deinem Willen bin ich lange Zeit gesund gewesen und will nun auch krank sein nach deinem Willen, so— lange du es meiner Seele für nützlich und selig erkennen wirst. Ja, mein Gott, wenn ich gegen deinen Willen gesund werden könnte, so wollte ich doch nicht, sondern lieber auf meinem Krankenbette deinen gnädigen Ratschluß vollbringen. Darum will ich mit meinem Jesu spre— chen: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Des Herrn Wille ge— schehe! Soll ich noch länger auf der Welt leben, so will ich dich loben; die Jahre, die du mir schenken und länger leben lassen willst, die will ich zu dei— 21* 32⁴ Der Kranke ergibt sich, ner Ehre und in wahrer Frömmigkeit hinbringen. Gefällt dir's aber, daß ich von diesem Lager nicht aufkomme und an dieser Krankheit sterbe, so mache mich zum seligen Sterben bereit. Ich weiß, daß ich diese Hütte des Leibes ablegen muß, und ich weiß auch, daß du deinen Gläubigen einen Bau bereitet hast, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Himmel. Im Himmel ist mein Erbteil, mein Vaterland, mein Bürger— recht; sollte ich mich nicht freuen, das mir erworbene Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen und Gottes Herrlich— keit zu genießen? Habe ich Ursache um Verlängerung und Erhaltung meines Le— bens zu bitten, so liegt mir beides hart an, ob es nicht besser wäre, aufgelöst und bei Christo zu sein, meinen Jesum zu er— blicken, den ich so lieb gehabt habe, da ich ihn nicht gesehen. Darum, mein Gott, ich überlasse dir alles, du weißt am be— sten, was mir heilsam ist. Siehe, hier bin ich, der Herr tue mit mir, was ihm wohlgefällt. Herr, wie du willst, so schick's mit mir Im Leben und im Sterben. Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich, nein lich— um Le⸗ hart und er⸗ ich ott, be⸗ hier ihm en und mich, —— dem Willen Gottes zu leben und zu sterben. 325 Herr, nicht verderben; Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willst, gib mir Geduld, Denn dein Will ist der beste. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will, was Jesus will, Das soll mein Wahlspruch werden, Den wiederhol ich stets, So lang ich leb auf Erden; Mein Will ist gar verkehrt Und trifft das Beste nicht, Drum soll er nur allein Auf Jesum sein gericht't. 2. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll leben, Wohlan, ich will es auch, Er wird auch Kräfte geben; Ich bin in seiner Hand, Ihm leb und sterbe ich, Er führ und leite mich, Ich folge williglich. 3. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll leiden, Wohlan, ich will es auch, Ich bin bereit zu beiden; Geht Jesus nur voran, So geh ich gerne mit, Denn seine Gegen— wart Versüßt die schweren Tritt. 4. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll weinen, Wohlan, ich will es auch, Er wird schon lassen scheinen Die Sonne nach dem Leid, Denn seine Gütigkeit Wischt alle Tränen ab Und hilft zur rechten Zeit. 5. Ich will, was Jesus will; Will er, daß mich soll plagen Die Bosheit meiner Feind Und mir ins Antlitz schlagen, Wohlan, ich will es auch, Er gebe mir den Mut, Und sein Geist stärke mich, Wenn man mir Unrecht tut. 6. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich verlassen Von jedermann soll sein, Ja, daß man mich soll hassen, Wohlan, ich will es auch; Verlässet er mich nicht, So acht ich's nicht, daß mir Der Menschen Hilf gebricht. 7. Ich will, was Jesus will, Soll ich dereinst krank werden, Wohlan, ich will es auch, Ich bin ja Staub auf Erden. Wie bald zerbricht ein Glas; Ihm ist ja alles leicht, Weil auf sein Wort so bald Die Krankheit wieder weicht. 8. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll sterben, Wohlan, ich will es auch, Durch ihn werd ich er— 326 Der Kranke erkennt, erben Das mir versprochne Reich, Ich geh zur Erbschaft ein Und bleib im Vaterland, Wo ich soll ewig sein. eoes— Der Uranke erkennt, daß das Areuz und die Trübsal von Gott kommt. Aufmunterung. Der Herr tötet und macht lebendig, führet in die Hölle und wieder heraus. 1. Sam. 2, 6. Gott ist die Liebe. Liebesproben erfahren gläubige Christen alle Tage durch den gnädigen Beistand und durch die Wohltaten Gottes, sie sehen es auch an den großen Liebes— werken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Ist aber Gott die Liebe, so gibt das einen großen Trost in Krankheit, wenn ein Kranker sich vorstellt: 1) meine Trübsal kommt nicht her von einem Feind, der mich haßt, sondern von einem Gott, der mich liebt; sie kommt her von einem Vater, der mir von Jugend auf in vielerlei Gefährlichkeit und Zufällen schon Hilfe erwiesen hat. Steht dieses in der Seele fest, so fließt daraus 2) ein herrlicher Trost: der Vater meint es nicht übel mit seinem Kinde, der treue Menschenfreund hat auch in dem zuge— schickten Leiden ein liebreiches Herz behalten. Hierauf soll sich 3) ein Kranker in Gott fassen und fleißig zu Gott rufen und beten, er soll sein krankes Haupt in den Schoß Gottes nieder— legen, mit Freuden und gutem Mut den Herrn anrufen und denken: der es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. Besonders soll er 4) sich nicht durch die Heftigkeit seiner Krankheit, große Schmerzen und an— scheinende Gefahr irre machen lassen; denn hier steht abermals der Trost fest: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft sie auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Psalm 68, 20. 21. Gebet. Herr Gott, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der du ver— Ift ein ib le und äubige ch die Liebes⸗ t aber nkheit, it nicht 1 Gott, ir von n Hilfe daraus el mit zuge⸗ oll sich en und nieder⸗ en und hl, wie ch nicht ind an⸗ ermals ilft sie d einen 2l. und ver⸗ daß das Kreuz und Trübsal von Gott kommt. 327 gibst Missetat, Uebertretung und Sünde, der du deinen Zorn nicht ewiglich hältst, sondern siehst an die Elenden und richtest auf, die niedergeschlagenen Herzens sind: siehe, ich armer Mensch liege vor dir und bitte, ach, schaue auf mich von deinem hohen Thron und erhöre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und Trübsal von dir kommt; deine Hand schlägt, aber sie heilt auch, sie verwundet und verbindet. Wenn aber meine Krank— heit vom Himmel kommt, so schaue ich auch gen Himmel nach der Hilfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt, meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Him— mel und Erde gemacht hat. Ich habe von dir Gesundheit, Leben und Wohl— ergehen empfangen, sollte ich denn nicht auch die Krankheit annehmen? Haben wir Gutes von Gott empfangen, sollten wir das Böse nicht auch annehmen? Die Bäume auf dem Felde stehen bis⸗ weilen in voller Blüte, herrlich mit Blättern und Früchten geziert, die Sonne bestrahlt und erwärmt sie; allein im Winter sehen sie tot und erstorben aus. ——2— ——**— —— —— — ———— * ꝗFꝗISPSISPSPSISISISISIIII ———.— —..— ———————— 2*——*X* *——— ‚ EEEFF I 328 Der Kranke erkennt, müssen Sturm und Frost leiden, und dieses alles kommt von dir, o Gott! Darum will ich auch denken, daß das die Zeit meiner Leiden und Trübsal sei, die du mir zugedacht und bestimmt hast. Du weißt, ob ein Stern hoch oder nied— rig am großen Himmel steht, so weißt du auch, wie es jetzt um mich steht. Du weißt, wie schwer ich trage, wie lang ich leide und wie viel Kräfte ich habe, das alles zu bestehen. Darum, lieber Gott, lege auf, so viel du willst, nur gib mir Kraft und Stärke, daß ich's auch tragen könne. Ohne deinen Wil— len fällt kein Sperling auf die Erde und kein Haar von meinem Haupte, viel weniger kann mich Krankheit, Schmer— zen und Unglück treffen, und werde ich ohne deinen Rat und Willen sterben. Kommt mein Leiden von dir, o Vater, so kommt es von geliebten Händen und aus einem liebevollen Herzen, nicht zu meinem Verderben, sondern zum Besten meiner Seele. Du betrübst mich, aber erfreust mich wieder; verbirgst du dein Angesicht, so laß es auch wieder leuchten, so genese ich. Ich will gerne in die Hand I..g Rann wendi ausw trage Freu der A Und! blieb ein& trauef Und schad' 5 Die 9 liebet Hrößte daß das Kreuz und Trübsal von Gott kommt. 329 meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdient habe. Denn sein Zorn währet einen Augenblick, und er hat Lust zum Leben. Er wird sich über Zion erbar— men und seinem Kinde gnädig sein. Ohn deinen Willen kann mir nichts begegnen, Du kannst verfluchen und auch wieder segnen; Bin ich dein Kind Und hab's verdient, Gib warmen Sonnenschein nach trübem Regen. Es war noch nie des Herrn Begehren, Daß ich mir soll voll Leid mein Herz beschweren; Mitten in der Not Denk ich an Gott, Ob er mich gleich im Kreuz nicht will erhören. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ein Gotteskind zu sein Und doch mit Kreuz gedrücket, Kann wohl zusammenstehn; Es bleibet doch geschmücket In— wendig an der Seel Mit Glaub und Frömmigkeit, Ob's gleich auswendig steht In lauter Kreuz und Leid. 2. Wer hier die Dornen trägt, Wird dort die Krone tragen; Wer hier viel seufzt und weint, Wird dort von Freuden sagen. Du bleibst ein Gotteskind Auch mitten in der Not, Auch mitten in dem Kreuz Bist du geliebt von Gott. 3. Sieh, Jesus, Gottes Sohn, Trug eine Dornenkrone, Und blieb doch Gottes Sohn; Er litte Spott und Hohne, Und blieb bei Gott geehrt; Drum reimet sich's gar wohl, Zu sein ein Gotteskind, Und doch des Leidens voll. 4. Bleib deinem Gott getreu Im Glauben und Ver— trauen, So wirst du seine Hilf Gar bald mit Freuden schauen, Und sollst du in der Welt In lauter Trübsal sein, Was schad'ts, wenn's nur am End Geht in den Himmel ein. 5. Dein Vater liebet dich, Obschon die scharfen Ruten Die Augen machen naß Und auch das Herze bluten; Gott liebet solches Kind, Das stets gen Himmel sieht Und in der größten Not Zu seinem Vater flieht. 330 Der Kranke erkennt den Nutzen der Krankheit. 6. Drum sei getrost in Gott, Die Stunde wird noch kommen, In welcher dir dein Kreuz Wird endlich abgenom— men; Ob deiner Leiden schon Gar viel und heftig sind, So bist und bleibst du doch Ein wahres Gotteskind. — 0D— Der Uranke erkennt den Nutzen der Urankheit. Aufmunterung. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehrt werde. Joh. 11, 4. Daß Krankheiten großen Nutzen bringen, will der natür— liche Mensch nicht glauben; denn nicht allein, spricht er, wird der Leib abgemattet und kommt in Todesgefahr, sondern die Kräfte werden auch geschwächt, ohne andere Beschwernisse und Unkosten, so mit der Krankheit verbunden sind. Allein dem allen ungeachtet bringt die Krankheit Nutzen, bisweilen dem Leibe selbst, indem die Unreinigkeit der Natur verzehrt und auch die Gesundheit hernach dauerhafter wird. Besonders aber bringt Krankheit der Seele einen herrlichen Nutzen. Denn 1) dadurch holt Gott manchen Menschen herum von seinen Sün⸗ denwegen; wie geht mancher freche Sünder dahin, achtet weder Gott noch sein Wort, häuft Sünden auf Sünden; solchen aber reißt Gott gleichsam mit Gewalt zurück durch eine Krankheit, Schmerzen und Leiden, daß er nüchtern werde aus des Satans Stricken. 2) Es bringt aber auch die Krankheit den Frommen Nutzen, denn sie lernen daraus erkennen Gottes Allmacht, Güte, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit, welches alles sie vorher wohl gewußt und geglaubt, aber nun erst erfahren. 3) Nach der Krankheit wird auch bei frommen Seelen eine größere Liebe zu Gott, Eifer im Gebet, Aufrichtigkeit im Christentum verspürt. Man lernt, sich Gott ergeben, den Tod vorstellen, zum seligen Sterben zubereiten, an den Him— mel fleißig denken, ja, seine Seele in Gottes Hände emp⸗— fehlen. Wenn dieses ein Kranker bedenkt, so wird er mit Gott auch in der Krankheit wohl zufrieden sein. och ⁰ Der Kranke erkennt den Nutzen der Krankheit. 331 Gebet. O lieber Gott und Vater, ich sehe und merke wohl, welches dein heiliger Rat über mich ist, nämlich, daß dieses mein Leidensjahr, Leidenswoche, ja Lei⸗ denszeit soll sein, darin die Glückssonne eine Zeitlang verdunkelt, meine Gesund⸗ heit und die Leibeskräfte geschwächt wer— den sollen. Ich danke dir, mein Gott, daß du, ehe du mich so heimgesucht, vorher deine Wege hast erkennen lassen, nämlich, daß des Kreuzes Weg auch der Himmelsweg sei, und daß du in Krank— heit auch unserer Seele Gutes tust. Ich sehe wohl, mein Gott, daß du mich von der Welt abziehen, mir dieselbe bitter und den Himmel süß machen willst, daß ich soll verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, getecht und gottselig leben in dieser Welt, daß ich soll forschen und untersuchen mein Leben, und durch eine herzliche Buße mich zu dir bekehren. Freilich, wenn uns wohl ist und wir von keiner Trübsal wissen, so dünkt uns, wir seien nur in der Welt, daß wir irdisch Gut sammeln, daß wir mit der Welt scher— 332 Der Kranke erkennt den Nutzen der Krankheit. zen, sündigen, Gesellschaft haben, uns in ihre Weise, Wege und Sitten schicken sollen; weil das aber unserer Seele Ver— derben und ewige Verdammnis sein würde, so pflegst du nach deiner Treue uns bisweilen besonders zu nehmen, um allein mit uns zu sprechen. Ach, mein Gott, es scheint, du wollest mit mir jetzt auch allein sprechen, und mir sagen, ich solle mich hüten vor der Welt Sün⸗ den, Verführung, Bosheiten und Ge⸗ wohnheiten; du willst mir sagen, ich solle die begangenen Sünden bereuen, ich solle mich der Welt nicht mehr gleichstellen, sondern durch Veränderung meines Sin⸗ nes erkennen, welches da sei der gute und wohlgefällige, ja der vollkommene Gotteswille. Nun, mein Gott, dieses will ich auch tun; willst du mich gesund werden lassen, so will ich frömmer wer— den, eifriger beten, das Böse meiden, meine bösen Gewohnheiten ablegen, die Orte und Menschen, wo und mit welchen ich gesündigt habe, meiden und ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Va⸗ ters. Weil du nun gesehen, mein Gott, deidser 7 daß thüge zur genie Durch an! Sün der Will dun! an u Ues ich e Liebe preif wenn heim das du i Chre durch 2 Scht Eitet Laug icei daß ich auch in meinem Christentum bin träge, im Gebet nachlässig, hingegen zur Sünde willig und der Weltlust zu genießen fertig gewesen, so willst du durch diese Krankheit mich aufwecken, an mein Heil zu gedenken und vom Sündenschlaf aufzustehen. Wache auf, der du schläfst, sprichst du zu mir, ich will dich reinigen. Ja, ich sehe, daß du mich durch diese Krankheit willst an meinen Tod und an das Ende mei— nes Lebens erinnern, daß ich, wenn ich gesund werde, soll deine Allmacht, Liebe und Güte erkennen lernen und preisen, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf diese Weise heimgesucht hättest. Nun Herr, so führe das gute Werk an mir aus, welches du in mir angefangen hast, zu deiner Ehre und zu meiner Seele Heil; mache durch diese bittere Arznei meine Seele gesund. Heile durch diese scharfen Schnitte und Schmerzen der Sünde Eiterbeulen. Wasche durch diese scharfe Lauge meine Unarten ab und gib, daß ich in wahrer Buße und Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demütige, Der Kranke erkennt den Nutzen der Krankheit. 333 334 Der Kranke erkennt den Nutzen der Krankheit. in den Wunden Jesu Hilfe, Rat, Trost und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Mach mir stets honigsüß den Himmel Und gallenbitter diese Welt, Daß mir in diesem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen Und was sonsten mich anficht, Reißen mir aus meinem Herzen Gott und seine Liebe nicht; Will mein Gott mich gleich betrüben, Will ich ihn doch herzlich lieben, Er verbleibet doch mein Gott In der größten Angst und Not. 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Sünd soll fliehen Und nicht meine Seligkeit Mög durch eigne Schuld verlieren; Er will meinen Geist so zieren, Daß er ewig soll allein Seine reine Wohnung sein. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, So ist es ein Liebeszug, Daß ich Gottes Wege gehe Und vermeid den Selbstbetrug, Daß ich ihn erkennen lerne Und mich von der Welt entferne; Hier seh ich, wie Gottes Treu Wird mit jedem Morgen neu. 4. Jesu, schließ in deine Wunden Meine matte Seele ein, Laß in meinen Jammerstunden Darin ihre Wohnung sein; Es sei Seele, Leib und Leben, Treuer Vater, dir er— geben, Schütze, stärk, erquicke mich In dem Leiden gnädig⸗ lich. 5. Ich befehl in deine Hände, Liebster Jesu, meinen Geist, Stärke mich bis an das Ende; Wenn das Lebensband zerreißt, So laß mich mit Freuden schauen Jene schönen 2 Himmel Seelen der! Herr, m Herr mich fuhre Ni fällen,⸗ sagen ka Ein Kre aber vor ein Kra hört, lit kranken der alhj Es soll des gro und all und zu Soll eii helfen; auch da das Ub. Venn d Gott, a auch A. cchaffen allerlei deschw. dersiche Stunde ost che itter igkeit ach's was Gott üben, mein Velt nicht Er Seine 3 ein d den pn der d mit Seele hnung pir er⸗ mädig⸗ einen zband chönen Der Kranke vertraut auf die göttliche Allmacht. 335 Himmelsauen, Führe mich durch Kampf und Streit Zu der Seelen Seligkeit. Der Uranke setzt sein vertrauen auf die göttliche Allmacht. Aufmunterung. Herr, mein Gott, da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Herr, du hast meine Seele aus der Hölle geführet, du hast mich lebendig behalten, da die in die Hölle(das Grab) fuhren. Psalm 30, 3. 4. Nichts ist freundlicher und tröstlicher in gefährlichen Zu— fällen, als wenn man einen guten Freund hat, von dem man sagen kann: ich weiß, der kann mir helfen und wird mir helfen. Ein Kranker kann solches wohl von keinem Menschen sagen, aber von Gott ist er dessen gewiß. Diese Allmacht Gottes kann ein Kranker erkennen 1) an dem Exempel anderer; wenn er hört, liest oder weiß, wie Gott Tote lebendig gemacht, Tod— kranken wieder aufgeholfen hat, so kann er bestimmt schließen, der allmächtige Gott, der damals geholfen, er lebe noch. 2) Es soll sich ein Kranker vorstellen die unumschränkte Macht des großen Gottes, die größer ist, als aller Könige in der Welt und aller Menschen; darum, was uns Menschen unmöglich und zu schwer ist, das ist Gott möglich und gar leicht. 3) Soll ein Kranker gedenken, es fehle Gott nicht an Mitteln zu helfen; auf sein Wort muß die Krankheit weichen, er kann auch das geringste Kräutlein oder Arznei segnen, daß es muß das Übel der Krankheit heben und die Gesundheit befördern. Wenn dieses ein Kranker erwägt, so soll er fein stille sein in Gott, anhalten im Gebet und Gottes Hilfe erwarten, dabei auch Arznei und Hilfsmittel gebrauchen, die ihm von recht— schaffenen Arzten vorgeschrieben werden, sich aber dabei vor allerlei abergläubischen Dingen, als da sind Segensprecherei, Beschwörerei, Wahrsagerei und allerlei Gaukelei hüten, und versichert sein, der allmächtige Gott könne helfen, wenn seine Stunde wird gekommen sein. 336 Der Kranke setzt sein Vertrauen Gebet. Ach, mein Herr und Gott, du siehest, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen da ist; meine Krankheit weicht nicht, und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein letztes sein soll. Dieses nun stelle ich in deinen heiligen Wil— len; ich will leben und sterben, wann es dir gefällt. Meine Jahre sind eine Hand breit vor dir. Meine Tage ste— hen in deinen Händen, du hast mir ein Ziel gesetzt, das werde ich nicht über— gehen. Du hast auf dein Buch ge— schrieben, wie viel meiner Tage werden sollen, als ihrer noch keiner da war. Ich lasse deswegen den Mut nicht sinken, sondern hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt von dem Herrn. Ich weiß, daß du bist ein allmächtiger Gott, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen, daß du durch deine All— macht auch Tote erwecken, die allerge— fährlichsten Kranken wieder gesund ma— chen und das größte Elend und Leiden lindern und aufheben kannst. Ach ja, des Helfe wend ber stehen ihm! ger! auf! sonde und; bigen ein sund; ich l Leide dem Herr Wo Meit fias gehei Auch herr krbar au bist Gott Sta auf die göttliche Allmacht. 337 des Herrn Hand ist nicht verkürzt, der Helfer in Israel kann allen Jammer wenden, ja, er kann überschwenglich tun über alles, das wir bitten und ver— stehen. Er kann alle erretten, die zu ihm beten. Ich schaue auf meinem La— ger nicht auf schwache Menschen, nicht auf mich, denn ich bin krank und elend, sondern über mich, zu dir, meinem Gott und Herrn. Ich spreche mit dem gläu— bigen Hauptmann: Herr, sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht ge— sund; ja, sprich ein Wort, so werde ich leben, ich werde von allem meinem Leiden befreit werden. Ich weiß, bei dem Herrn ist kein Ding unmöglich. Herr, deine Allmacht hat kein Ende. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Mein Gott, der du den kranken His⸗ kias gesund gemacht, den Gichtbrüchigen geheilt, den Jüngling erweckt, siehe mich auch in Gnaden an, du mächtiger Schutz— herr deiner Gläubigen! Hilf mir auch, erbarme dich meiner, tue ein Zeichen an mir, daß es mir wohlgehe. Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott, verziehe nicht. Tue, wie es dir Starck, Gebetbuch. 338 Der Kranke vertraut auf die göttliche Allmacht. wohlgefällt; ich weiß, du kannst es tun nach deiner Allmacht und du wirst es auch tun nach deiner Güte, wenn es meiner Seele nützlich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben: Auf meinen lieben Gott Trau ich in Angst und Not, Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöten, Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Amen. Gesang. Mel.: Schwing dich auf zu deinem Gott. 1. Lasset doch den weisen Gott Alle Sachen machen, Überlasset eure Not, Kümmernis und Sachen Seiner Weis— heit; er weiß wohl, Wie es muß ergehen, Wann und wo und wie er soll Euch in Not beistehen. 2. Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunde, Zeit und Maße, Fraget nicht mit Ungebühr, Was er tu und lasse; Er fängt ja nicht heute an Erst für euch zu sorgen; Dem Gott, der euch helfen kann, Ist gar nichts verborgen. 3. Lehrt den weisen Gott doch nicht, Wie er's soll an— fangen, Wie es werde ausgericht't, Daß ihr mögt gelangen Zu dem rechten Zweck und Ziel; Folget seinen Wegen, Haltet seiner Führung still Und erwart't den Segen. 4. Was der weise Vater tut Auf der weiten Erden, Das muß uns gewißlich gut Und recht heilsam werden, Gehen auch die Sachen nicht, Wie wir gerne wollten, Und wie sie nach unserm Licht Anders gehen sollten. 5. O du weiser Gott, dir sei Alles heimgestellet, Stehe mir in Gnaden bei, Mach's, wie dir's gefället: Mach es mit mir gnädiglich Hier auf dieser Erden, Lieber Vater, führe mich, Laß mich selig werden. — 50̃— I Name, Gottes kann, ein Kr 1) Got 2) Got meint. Kreuz 4 ein auch kann e Gottes Taufe macht allein des h wider werde sunder lind e abbitt gewiß barme lige in un 2 V ete Not, ten, den. Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. 339 Der Uranke erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. Die heilige Taufe ist nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott. 4. Peiri 3, 21. Ist ein Name tröstlich, so ist es des himmlischen Vaters Name, und ist eine Herrlichkeit groß, so ist es die, ein Kind Gottes zu sein. Wie nun dieses in dem ganzen Leben erfreuen kann, so kann es auch trösten in Krankheit. Diesen Trost soll ein Kranker nicht aus seinem Herzen lassen. Er soll denken: 1) Gott ist ein allmächtiger Vater, dem nichts unmöglich ist. 2) Gott ist ein treuer Vater, der es gut mit seinen Kindern meint. 3) Gott ist ein weiser Vater, der auch das bittere Kreuz seinen Kindern kann zu einem heilsamen Mittel machen; 4) ein gütiger und liebreicher Vater, der betrübt, aber sich auch wieder erbarmt. Wenn dieses der Kranke bedenkt, so kann er sich herzlich freuen. Zu dieser Herrlichkeit der Kinder Gottes ist aber ein christlicher Kranker gelangt durch die heilige Taufe, da hat er einen Bund mit dem dreieinigen Gott ge— macht; dieses nun soll ihn aufrichten und fröhlich machen, allein er soll auch 1) als ein Kind alles, was ihm widerfährt, des himmlischen Vaters Willen und Rat überlassen, nicht wider den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, Gott werde sich wie ein treuer Vater erweisen. 2) Hat er in ge— sunden Tagen den himmlischen Vater erzürnt, wie ein Welt— kind gelebt, so soll er es ihm auf dem Krankenbette herzlich abbitten, und eine wahre Lebensänderung vornehmen und gewiß glauben, Gott werde sich über sein krankes Kind er— barmen. Gebet. Herr Gott, Vater, Sohn und hei⸗ liger Geist, siehe, ich, dein Kind, bin in einem solchen Zustande, daß ich in 2²²⁰ 340 Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. der Welt keinen Helfer mehr finde: ich sehe hin und her, ich frage nach Hilfe, aber niemand nimmt sich meiner an; darum aber will ich nicht kleinmütig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater gehen und dem meine Not klagen. Eilet in der Not das Schäflein zu seinem Hirten, das Kind zu dem Vater, der Unter— tan zu seinem König, o mein König, o mein Vater, o mein Hirte, so komme ich auch zu dir. O du dreieiniger Gott, gedenke doch, daß ich dein Kind und getauft bin, daß ich in der hei— ligen Taufe einen Bund mit dir ge— macht habe. In diesem Bunde hast du mir zugesagt, du wollest mein Vater sein, du wollest als ein Vater für mich sorgen, mir helfen und wie ein Vater an mir tun. Jesus hat mich mit seinem heiligen Blut abgewaschen und mir den Rock seiner vollkomme— nen Gerechtigkeit geschenkt, der heilige Geist hat sich reichlich über mich aus— gegossen und schreit noch in meinem Herzen das Abba, lieber Vater, und gibt Zeugnis meinem Geist, daß ich Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. 341 Gottes Kind sei. O dreieiniger Gott, siehe, hier kommt ein armes Kind zu dir; mein Vater und Mutter verlas— sen mich, meine lieben Freunde können mir nicht helfen, darum, o mein himm— lischer Vater, nimm du mich auf. Er— barmte sich der Königische über seinen Sohn, der todkrank war, bemühte er sich, ihm zu helfen, ach, mein Vater, so erbarme dich meiner auch und hilf mir. Ging der Vater, dessen Tochter in den letzten Zügen lag, Jesu nach und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komm und mache sie lebendig, so gehe ich auch, mein Gott und Vater, dir nach und sage: Ist's dein Wille, ist's mir heilsam, so mache mich gesund und erhalte mir mein Le— ben. Ich weiß, du bist ein allmäch— tiger, weiser, gnädiger und liebreicher Vater; wo soll das Kind anders hin in seiner Not, als zu seinem Vater? Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Wie sich ein Vater erbarmet 342 Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. über seine Kinder, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Ach, erbarme dich auch über mich. Bin ich ein ungehorsames Kind gewesen, so be— reue ich es; bin ich gleich von dir ge— wichen, stell ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater seinem verlornen Sohn Hilfe widerfahren, so nimm mich auch in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben jetzt zu dir komme und spreche: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Wenn du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird be— stehen? In solchem Vertrauen, mein Vater, warte ich auf deine Hilfe; ich habe schon erkannt, daß ein Kind Got— tes sein, und krank, elend und mit vie— lerlei Kreuz belegt sein, wohl können beieinanderstehen; darum soll Satan mich in meiner kindlichen Zuversicht nicht irre machen; allein laß mich auch bald dein väterliches Herz erblicken, daß du auch meiner nicht vergessen habest, laß mich deine Vaterhand empfinden. Betrübtes Herze, sei zufrieden, Ob dich schon tausend Kummer plagt, Der Himmel bleibt dir doch beschieden, Den dir dein Jesus zugesagt; Stellt sich schon Not und Krank— heit ein, So will doch Gott dein Vater sein. Amen. Ehrenklei der Herr auch dan 3.8 heilge G. ewig Go mich gere 4. 8 Buch des Und sein bekannt, 5. bleibe G Bei dem bitterlich 6. mein Va zählen, reicher che: nein lst be⸗ nein ich Hot⸗ vie⸗ mnen mich irre dein auch nich ausend „ Den Frank⸗ — /— Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. 343 Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich bin getauft, ich ste im Bunde Durch meine Tauf mit meinem Gott, So sprech ich stets mit frohem Munde In Kreuz, in Trübsal, Angst und Not; Ich bin getauft, des freu ich mich, Die Freude bleibet ewiglich. 2. Ich bin getauft, ich hab empfangen Das allerschönste Ehrenkleid, Darin ich allezeit kann prangen Allhier und in der Herrlichkeit, Ich bin mit Jesu Blut erkauft Und ich bin auch damit getauft. 3. Ich bin getauft, mir ist gegeben Zu gleicher Zeit der heilge Geist, Der heiliget mein Herz und Leben, Dafür sei ewig Gott gepreist; O Zierde, welche große Pracht, Die mich gerecht und selig macht! 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, Mich schließt das Buch des Lebens ein, Mein Vater wird mich ewig lieben Und seinem Kinde gnädig sein; Es ist mein Name Gott bekannt, Mein Name steht in seiner Hand. 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden; Ich bin und bleibe Gottes Kind, Ich weiß, ich bin bei Gott in Gnaden, Bei dem ich Trost und Hilfe find, Denn wenn ich weine bitterlich, So spricht mein Vater: Hier bin ich! 6. Ich bin getauft, nichts kann mir fehlen, Dieweil mein Vater an mich denkt; Wer kann die Wohltat all er— zählen, Die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher Herr, Der gibt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft, ihr Feinde, weichet! Ich stehe unter Gottes Schutz, Der seinem Kind die Hand darreichet; Was acht ich eure Macht und Trutz? Tast't ihr ein Gotteskind nicht an, Und glaubt, daß Gott es schützen kann. 8. Ich bin getauft und bin zufrieden Mit meines Vaters Lieb und Treu; Ich werde von ihm nie geschieden, Mein Liebestrieb wird stündlich neu; Wie es mein Vater schickt und fügt, So ist mein Herz mit ihm vergnügt. 344 Der Kranke gründet sich 9. Ich bin getauft; ob ich gleich sterbe, Was schadet mir das kühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, Das ich bei Gott im Himmel hab. Nach meinem Tod ist mir bereit Des Himmels Freud und Ehrenkleid. — 05— Der ÄUranke gründet sich auf die Wohltaten des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Der Herr wird mich erlösen von allem Übel, und aushelfen zu seinem himmlischen Reich. Welchem sei Ehre von Ewig— keit zu Ewigkeit! Amen. 2. Timoth. 4, 18. Frommen Christen kann es in ihrem Leiden und Krank— heit nie an Trost fehlen, wenn sie bedenken, wer sie sind, und mit wem sie es zu tun haben. Sie sind Kinder Gottes, darum sollen sie glauben, der dreieinige Gott werde sie in ihrem Jammer und Leiden nicht verlassen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in der Jugend geführt, in späteren Jahren ernährt und bis dahin väterlich erhalten hat. Sollte Gott sein Geschöpf und das Werk seiner Hände verlassen? Verbergen kann er sich wohl, aber verlassen will er sein Geschöpf nicht. 2) Ihr Erlöser, Jesus Christus, wird sie auch nicht verlassen; denn er hat für sie Marter, Pein und Tod gelitten, hat sein heiliges Blut für sie vergossen, sollte der sie in der Krankheit ohne Hilfe lassen? O nein! Seine Liebe ist zu brünstig. 3) Ihr Heiligmacher, der werte heilige Geist, wird sie auch nicht verlassen, der wird als— dann sie trösten, erquicken, erfreuen und ihnen Zeugnis geben, daß sie Gottes Kinder seien, obgleich ihre Krankheit, Leiden und Schmerzen anhalten. Wenn ein Kranker diesen drei— fachen Trost im Herzen hat, so wird er seinen beschwerlichen Zustand mit Geduld tragen und fest glauben, seine Hilfe sei nicht mehr fern. Doch aber, 4) daß er dabei um Verzeihung bitte für alles, was er dem dreieinigen Gott in gesunden Tagen zuwider getan hat, und in solchem guten Vertrauen die gnädige Hilfe geduldig und gläubig erwarte. O 19 mem verde trauet hoffer der? und! heit ermu ligen mir t mir Das mir es helfen dwig⸗ rank⸗ sind, ottes, ie in d sie ührt, alten zände will wird Pein ossen, nein! werte als⸗ zeben, Reiden drei⸗ lichen fe sei ihung unden rauen auf die Wohltaten des dreieinigen Gottes. 345 Gebet. O du heiliger dreieiniger Gott, da ich mich jetzt schwach befinde an mei— mem Leibe, so will ich doch nicht schwach werden in meinem Glauben und Ver— trauen zu dir; denn die auf den Herrn hoffen, werden unbeweglich bleiben wie der Berg Zion. Zwar will die Länge und die Last meiner anhaltenden Krank— heit mich kleinmütig machen, allein ich ermuntere mich wieder durch deinen hei— ligen Geist, und auch damit, daß ich mir die von dir schon längst empfange— nen Wohltaten vorstelle. Solltest du mich verlassen, mein Schöpfer, der du mich aus nichts erschaffen und bis auf diese Stunde mein Leben erhalten hast? Ist denn des Herrn Hand verkürzt? O nein, die Hand, die mich bisher ge— leitet, geführt, gestärkt und erhalten, wird mich auch in meiner Krankheit erhalten. Du hast mich je und je ge— liebt und mich an Liebesseilen bisher geführt. Liebe ist es, daß du mir bis⸗ her Gesundheit geschenkt hast. Liebe ist es, daß du Unglück, große Schmerzen und gefährliche Zustände von mir ab— 346 Der Kranke gründet sich gewendet. Liebe ist es, daß du mir bis auf den heutigen Tag so viel Gnade und Barmherzigkeit hast widerfahren lassen; darum übergebe ich mich dir auch in meiner Krankheit. Solltest du mich verlassen mein Erlöser, der du mich durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöst hast? Du hast meiner Seele dich herzlich angenom— men, daß sie nicht verdürbe, o so wirst du auch meinem armen und kranken Leibe Hilfe angedeihen lassen. Hat mich deine Liebe vom Fluch und Tod, ja aus der Hölle erlöst, so kann sie auch in meiner Krankheit mir bald helfen. O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich mein in meinem gegenwär— tigen Leiden. Solltest du mich verlas— sen, o mein Heiligmacher, der du Leib und Seele geheiligt und sie in der hei— ligen Taufe dir zum Tempel geweiht und darin bisher gewohnt hast? Du wirst gewiß auch in meiner Schwach— heit mein Beistand, ja mein Tröster bleiben, und mir auch jetzt Zeugnis ge— ben, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich gleich mit Leiden und Trübsal um— geben sein i Ind u hat di avige Gotte Brude lige E Ind s Gnad Geree des he melen Weil meine sonder werfe auf die Wohltaten des dreieinigen Gottes. 347 geben bin. Darum will ich gutes Muts sein in meinen Schmerzen und Leiden und will zu meiner Seele sagen: Es hat dich der himmlische Vater in seine ewige Liebe eingeschlossen; der Sohn Gottes hat dich zu seinem Eigentum, Bruder und Miterben erwählt; der hei— lige Geist hat dich seines süßen Trostes und seligen Einwohnung versichert; die Gnade Gottes, das Verdienst und die Gerechtigkeit Jesu, der kräftige Trost des heiligen Geistes, ja, der ganze Him— mel mit aller seiner Herrlichkeit ist dein. Weil es denn so ist, will ich mich um meinen kranken Leib nicht bekümmern, sondern mein Anliegen auf den Herrn werfen und Gott vertrauen, der mir so viel Gutes erwiesen. Ach, mein Vater, ich verlasse mich auf dich. O Jesu, zu dir flehe ich. O heiliger Geist, dir ergeb ich mich. Herr Gott Vater, was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn, was du hast erlöst, Herr Gott heiliger Geist, was du hast geheiligt, das emp— fehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis jetzt und in Ewigkeit. 348 Der Kranke gründet sich auf Gottes Wohltaten. Keinen hat Gott verlassen, Der ihm vertraut allzeit, Und ob ihn schon viel hassen, Geschieht ihm doch kein Leid; Gott will die Seinen schützen, Weil er ihr starker Hort, Und geben, was tut nützen Hier zeitlich und auch dort. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich Und hab im Leiden guten Mut, Auch in dem Tode bin ich selig Durch Gottes Gnad und Jesu Blut; Gott ist für mich, das weiß ich wohl, Drum bin ich alles Trostes voll. 2. Ist Gott für mich im Ungewitter, So trifft mich doch das Wetter nicht; Ist mir das Kreuz gleich schwer und bitter, So bleibt Gott meine Zuversicht; Gott ist für mich, der steht mir bei Und macht mich von der Trübsal frei. 3. Ist Gott für mich in Trauertagen, Wenn lauter Ungemach mich schreckt, So will ich dennoch nicht verzagen, Weil seine Vaterhand mich deckt; Gott ist für mich, weil sich mein Leid In Freud verkehrt zu seiner Zeit. 4. Ist Gott für mich in meinen Nöten, Wenn nun der harte Kampf angeht, So werden sie mich doch nicht töten, Dieweil mir Gott zur Seite steht; Gott ist für mich, der treue Gott, Und der hilft mir aus aller Not. 5. Ist Gott für mich im Mißgeschicke, Das unverhofft mich überfällt, So weich ich dennoch nicht zurücke, Weil seine Hand mich treulich hält; Gott ist für mich im Sturm und Wind Und wachet treulich für sein Kind. 6. Ist Gott für mich, so wird sich enden Der Jammer, der mich heftig plagt; Mein Gott wird sich von mir nicht wenden, Die Hilfe bleibt mir unversagt: Gott ist für mich, getrost, mein Geist! Gott ist es, der mir Beistand leist't. 7. Ist Gott für mich, wenn ich nun sterbe, So höret auf mein Kampf und Streit; Es kommt die Stunde, da ich erbe Die Ehrenkron und Seligkeit; Gott ist für mich, wenn's Herze bricht Und wenn erblaßt mein Angesicht.“ —69888— Di der K Ich will wohl! Her lange ve fromme 45,4. 6 viele Ta vielen n Kranker und ver denn da zieht, so Seele. das Kre Murren macht, Kranken man ihr abgewog nicht lä ist das es doch unter ste und Ver t, Und „Gott geben, lauter zagen, eil sich un der töten, ch, der Herhofft Weil Sturm mmer, nicht r mich, stt. hötet da ich wenn's Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. 349 Der Uranke will sein Leiden ohne Murren tragen. Aufmunterung. Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun; du wirst's wohl machen. Ps. 39, 10. Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? So seufzen oft fromme bettlägerige Christen in ihren Krankheiten. Psalm 13,1. Gottes Stunde währt ihnen oft zu lange, wenn sie viele Tage, Wochen und Monate ausbleibt, dann geht es bei vielen nicht ohne Murren ab. So weit soll es kein frommer Kranker kommen lassen, sondern gedenken: 1) Gott vergißt und verläßt uns nicht im Leiden, Trübsal und Krankheit, denn das wäre wider seine Verheißung; ob er zwar ver— zieht, so harre sein, er tut auch das zum Besten unserer Seele. 2) Sollte in dem langen Ausbleiben der Hilfe Gottes das Kreuz auch schwerer werden, so soll doch deswegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich erinnern der All—- macht, Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Mißt man dem Kranken seine Arznei, zählt man die bitteren Tropfen, die man ihm gibt, so sollen wir glauben, daß auch unser Kreuz abgewogen und abgemessen sei, denn Gott ist getreu, der uns nicht läßt versuchen über unser Vermögen. Deswegen, 3) ist das Leiden schwer und vielerlei, währt es lange, so soll es doch unser Vertrauen nicht aufheben, sondern man soll unter stets anhaltendem Seufzen, Gebet, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Hilfe Gottes erwarten. Gebet. O du heiliger und weiser Gott, ich sehe deinen heiligen Rat und Willen an mir, daß ich soll diese Tage und Wochen, so lange es dir gefällt, auf meinem Bett und im Hause zubringen. Wohlan, ich widerspreche deinem hei— 350 Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. ligen Willen nicht, will nicht wider dich murren, sondern sage: Siehe, hier bin ich, der Herr mach's mit mir, wie es ihm wohlgefällt; sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater ge— geben hat? Mein Vater wird mir nicht Gift für Arznei einschenken. Ich will des Herrn Zorn traͤgen, denn ich habe wider ihn gesündigt. Auch das bittere Leiden kann meiner Seele nicht anders denn heilsam sein, obgleich Fleisch und Blut davor einen Abscheu hat. Du bist mein Gott und Vater von Jugend auf, so wirst du es jetzt in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich also liegen und leiden, mein Gott, mach's doch nicht zu lange, sondern gib mir zu— weilen eine Erquickungsstunde, darin du mich von meinen Schmerzen befreist und mein Leiden linderst. Soll ich viel leiden, so gib mir auch viel Kräfte; du weißt ja, wie schwach ich bin, und wie ich nicht viel mehr ausstehen kann, du weißt wohl, was ich tragen kann. Ach, mache es mit mir, wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde; hilf mir tragen, ja, trage mich und nimm mich Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. 351 in deinen Arm und Schoß. Soll mein Leiden schwer werden, so weiche du nur nicht mit deiner Gnade, Hilfe und Bei— stand von mir. Soll ich noch mehr betrübte Nächte haben, so laß mich nur deinen Trost empfinden, daß du den— noch mein Gott, mein Vater und mein Freund seist. Ich weiß wohl, wenn du deinen Kindern Leiden schickst, so willst du sie nicht verderben, sondern zu dir ziehen. So ziehe mich denn, mein Gott, durch diese Krankheit von den bösen Gewohnheiten, von der Freude der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit, zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein Gott, ob du mich gleich lässest also leiden, so will ich deswegen nicht von dir fliehen; mein Hirte, führst du mich in Dornenwege, die meinen Leib und Seele verwunden, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Dornen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen gehen. Ich habe dich geliebt, da du mir gabst Gesundheit, Glückseligkeit und es mir ließest wohlergehen, darum will ich dich auch lieben in Krankheit, Leiden und 352 Der Kranke bereitet sich Schmerzen; ich weiß, du kannst mir helfen. Gott hat mich in guten Tagen Oft ergötzt, Sollt ich jetzt Nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden Und fließt mit Tränen dein Gesicht, So sei mit deinem Gott zufrieden Und murre ja dagegen nicht; Faß deine Seel nur in Ge⸗ duld Und tröste dich des Höchsten Huld. 2. Sieh, der Gott, der dich krank kann machen Und wirft dich auf das Sterbebett, Dem sind es ja gar leichte Sachen, Daß er dich wiederum errett; Denn er macht krank und macht gesund Zu dieser und in jener Stund. 3. Ach, murre nicht, Gott hat's verheißen, Er woll dein treuer Beistand sein Und dich aus allen Nöten reißen; Sieh, dieses trifft auch jetzt noch ein; Vertraue Gott, es kommt die Zeit, Vielleicht ist seine Hilf nicht weit. 4. Du mußt dich deinem Gott ergeben Und sagen: Siehe, hier bin ich; Dir will ich sterben und auch leben, Dir überlaß ich gänzlich mich; Mach's mit mir in der Zeit und Welt, Mein Vater, wie es dir gefällt. 5. Wer also ohne Murren träget Und mit Geduld das auf sich nimmt, Was Gottes Liebe ihm aufleget, Dem ist die Hilfe schon bestimmt; Der wird erquickt hier in der Zeit Und dorten auch in Ewigkeit. Der Uranke bereitet sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. 1. Kor. 11, 28. Es blick fe 0 benel demnach heit an meine und Lei söhnung geschieh Gott 1 das he nicht e mahleg zum T dabei 3 Genuß der Zu dern ba dieveil Vird si Seele, Sterber 5 Ind; hin Mein die mir llt ich schärft z And fließt rieden n Ge⸗ Und leichte macht ud. woll eißen ott, es sagen: leben, er Zeit ild das dem ist er Zeit ligen m Brot zum Genuß des heiligen Abendmahls. 353 Es soll billig jeder Christ so leben, daß er jeden Augen— blick selig sterben kann. Soll nun ein gesunder Mensch sich so benehmen, wie viel mehr ein kranker! Ein Kranker tut demnach 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krank— heit an seine Sünde denke und spreche: Ich denke heute an meine Sünde; denn, weil um der Sünde willen Krankheit und Leiden kommen, so muß auch der Kranke auf die Ver— söhnung mit Gott bedacht sein. 2) Diese Versöhnung aber geschieht, wann der Kranke mit Weinen und im Glauben Gott um Verzeihung seiner Sünden anfleht und bußfertig das heilige Abendmahl empfängt. 3) Denn man soll sich nicht einbilden, man sterbe, wenn man das heilige Abend— mahl genießt auf dem Krankenbette, denn es ist keine Speise zum Tode, sondern zum Leben, und zu der Seelen Seligkeit; dabei 4) zu erinnern, daß man mit seiner Buße und dem Genuß des heiligen Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zunge sitzt, bis der Verstand und Kräfte weg sind, son— dern bald und beizeiten, dieweil man noch seinen Verstand hat, dieweil man noch beten und sich mit Gott versöhnen kann. Wird sich also der Mensch zu Gott wenden von Brund seiner Seele, so wird er um Christi Jesu willen im Leben und Sterben Gnade erlangen. Gebet. Herr, Herr Gott, barmherzig, gütig und von großer Treue, ich armer Mensch bin bereit, mich mit dir zu versöhnen, meine Sünde dir herzlich abzubitten, die ich zeit meines Lebens begangen. Ich will in den Wunden meines Jesu Gnade und Vergebung der Sünden su⸗ chen und also zu einem seligen Abschied aus dieser Welt mich gefaßt machen. Starck, Gebetbuch. 2⁷ 3⁵5⁴4 Der Kranke bereitet sich Es hat dir gefallen, mein Gott, mich auf dieses Krankenbett zu legen; weil ich aber nicht weiß, ob ich wieder ge⸗ sund aufstehen oder sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen und das übrige dir, meinem gütigen und barmherzigen Gott, befeh⸗ len. Ich will mich mit dir versöhnen, weil ich meinen Verstand noch habe, weil ich mich noch besinnen kann, wann, wie oft und schwer ich gesündigt; ich will dich um Verzeihung bitten, dieweil ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hin⸗ gegen mein Verstand und meine Ge⸗ mütskräfte sich verlieren werden, da ich weder beten noch an dich denken kann. Ich weiß wohl, wer sich zum seligen Sterben bereitet, der stirbt deswegen nicht früher noch später, er tut viel⸗ mehr sich den größten Nutzen, nämlich, daß, wenn er gesund wird, er sich vor der Sünde hüte, die er in seiner Krank— heit erkannt und bereut hat, und wenn er stirbt, daß er versichert sei, er sterbe wohl vorbereitet. Dieses sind auch meine Gedanken, mein Gott! Ich will nach krl Heili Hedu vie vege der W den Meii Wl um mich Weil * Seele inem efeh⸗ hnen, weil „wie will il ich veiß, hin⸗ Ge⸗ N ich fann. eligen wegen viel⸗ wlich, h vor Trank⸗ wenn sterbe Reine hach zum Genuß des heiligen Abendmahls. 35⁵ erlangter Vergebung meiner Sünden das heilige Abendmahl empfangen und dann geduldig, freudig und gläubig erwarten, wie du es mit mir machen wirst. Des⸗ wegen falle ich im Geiste vor dir nie— der und spreche: Ach, sei deinem Kinde gnädig, ach, rechne mir nicht zu die Sün⸗ den meiner Jugend und die Torheiten meiner jungen Jahre. Ach, Herr, sei gnädig meiner Missetat, die da groß ist, um Jesu, meines Heilandes willen. Ach, mein Gott, gib Gnade zu meinem hei⸗ ligen Vorhaben, stärke mich zu diesem Werke, daß ich's zu deiner Ehre und meinem Heil vollbringen möge. Ich komme, Herr, zu dir allhie In meiner Not geschritten Und tu dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: Verzeihe mir's doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab begangen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1J. Ich will anjetzo mich Zum Liebesmahle nahen Und Jesu Leib und Blut Zu meinem Trost empfahen; Ach, mein Gott, stärke mich, Ach, weiche nicht von mir, Daß ich im Andachtstrieb Vereinigt bleib mit dir. 2. Vertreibe doch von mir Die sündlichen Gedanken Und lasse deinen Geist Von meinem Geist nicht wanken; Ver— bind, mein Jesu, dich Mit meinem Geist und Sinn, Daß ich der Lieb genieß, Darnach ich hungrig bin. 23* 356 Der Kranke bittet Gott 3. Laß ja nichts Eitles mich In meiner Andacht stören; Ach, laß mich Freud und Wonn In meiner Seele hören; Ach, Jesu, steh mir bei; Ach, bitte du für mich, Bring mein Gebet vor Gott Und hilf mir gnädiglich. 4. Ach, heilige mein Herz, Ach, heilige die Sinnen. Mein Jesu, nimm sie ein Und wohne selbst darinnen; Ach, mach sie allesamt Recht heilig, schön und rein, Und laß sie immerdar Dein Haus und Wohnung sein. 5. Erweck zugleich in mir Die wahre Seelenstille, Dar— aus die Seelenfreud Und wahre Andacht quille; Darin ich schmecken mög, Herr, deine Süßigkeit, Die Gegenwart, den Trost Und wahre Seelenfreud. 6. Hab ich dann deinen Leib Wahrhaftiglich genossen, Hat auch dein teures Blut, Das du für mich vergossen, Mich süßiglich erquickt, So bleib du auch in mir, Damit ich, weil ich leb, Auch leb, mein Heil, in dir. 7. Ja, laß die Heiligung, Die in mir angefangen Zum größern Licht und Glanz Von Tag zu Tag gelangen; Du Sündenlust, geh aus, Mein Jesus gehet ein, Denn er nimmt Leib und Seel Zu seinem Tempel ein. — 0— Der Uranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. Aufmunterung. Ich schuldige mich und tue Buße in Staub und Asche. Hiob 42, 6. Es ist ein löblicher Gebrauch, wenn rechtschaffene Christen alle Abend vor Gott sich stellen und überlegen, was sie den Tag über geredet, gedacht oder getan, und also ihn um Ver⸗— zeihung der begangenen Sünden anrufen, und ehe sie sich zur Ruhe legen, sich mit Gott versöhnen. Soll aber dieses alle Tage geschehen, wie viel weniger soll es ein Kranker ver— sänmen! Denn er soll 1) eine Untersuchung anstellen, nicht etwa eines Tages, Woche oder Monats, sondern seines ganzen Leben gewet hinge gesun bette shehe lich 1 nicht stuhl kennt die N Gnad Kran! auch, getrer Nsu auf de ttören; hören; ig mein Sinnen. n; Ach, laß sie e, Dar⸗ arin ich art, den enossen, u, Mich mit ich, en Zum en; Du rnimmt dunden. he. 42,6. Christen sie den um Ver⸗ sich zur ieses alle nker ver⸗ en, nicht à ganzen um Vergebung der Sünden. 357 Lebens; er soll sich fragen, wie er seine gesunden Tage an— gewendet, ob er sie zur Ehre Gottes, zum Nutzen des Nächsten hingebracht. Er soll untersuchen, wie oft und schwer er in gesunden Tagen gesündigt habe. Weil man auf dem Kranken⸗ bette mehr Zeit hat, so soll diese Untersuchung ernstlicher ge— schehen. 2) Soll ein Kranker nach der Prüfung Gott herz⸗ lich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen, weil er nicht weiß, wie nah oder fern es sei, daß er vor dem Richter— stuhl Gottes erscheinen soll. 3) Kommt ein Kranker zur Er⸗ kenntnis seiner Sünden, so soll er Gott dafür danken, der ihm die Augen geöffnet hat, daß er sein Elend zu erkennen und Gnade zu suchen ihm Gelegenheit gegeben hat, was ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen wäre. 4) Doch muß man auch, was man in Krankheit verspricht, in gesunden Tagen getreulich zu halten sich bemühen, und darum im Namen Jesu Christi um des heiligen Geistes gnädigen Beistand bitten, auf daß treulosen Versprechern nicht etwas Argeres widerfahre. Gebet. Ach, du gnädiger und liebreicher Va⸗ ter, ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, mich mit dir zu versöh— nen, dich um Gnade und Vergebung meiner Sünden zu bitten und dann auf meinem Krankenbette das heilige Abend— mahl zu empfangen. Ich will es bei⸗ zeiten tun, dieweil ich noch meinen völligen Verstand habe. Ich lebe, und weiß nicht, wie lange; ich muß sterben, und weiß nicht, wann; darum komme ich vor deinen Gnadenthron und bitte dich demütig um Vergebung aller Sün⸗ 358 Der Kranke bittet Gott den, die ich zeit meines Lebens began⸗ gen. Mein Gott, ich muß gestehen, daß ich dich bisher vielfältig erzürnt. Ich habe leider meine gesunden Tage nicht alle angewendet zu deiner Ehre und deinem Dienst, zum Wachstum in meinem Christentum und zur Frömmig⸗ keit, darum du auch Ursache hast, mich mit' Krankheit heimzusuchen, damit ich in mich gehe und den Mißbrauch mei⸗ ner Gesundheit nebst den übrigen Sün⸗ den bereuen möge. Verzeihe mir, daß ich dich nicht eifriger geliebt und fröm⸗ mer gelebt habe, als leider geschehen. Ach Gott, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um dei⸗ ner Güte willen. O wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor deinem Rich— terstuhl soll Rechenschaft geben von einem jeglichen unnützen Wort, das ich geredet habe! O wie werde ich mit meinen Gedanken vor dir bestehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bist. Und soll ich von meinem ganzen Leben, Werken und Taten Rechenschaft geben, ach, wer kann vor dir bestehen? Dar⸗ Nan⸗ hen, rnt. Tage Chre u in mig⸗ mich tich mei⸗ Sün⸗ daß röm⸗ ehen. inden nach dei⸗ e ich, Rich⸗ von 8 ich 9 Mit eil bis. Leben, geben, Dar⸗ um Vergebung der Sünden. 359 um komme ich vor deinen Gnadenthron in gläubiger Zuversicht auf Jesum Chri⸗ stum, meinen Herrn und Heiland, und bete: Ach, um seiner Wunden willen erbarme dich über mich, um seines ver— gossenen Blutes willen vergib mir alle meine Sünden, durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! Ich schäme mich, mein Gott, die Augen vor dir aufzuheben, ich schäme mich der vorigen Jahre und der begangenen Sünden. Ach, hätte ich es doch nicht getaͤn! Ach, hätte ich doch frömmer und christlicher gelebt! Dar— um gelobe ich dir, o Gott, ein neues Leben anzufangen. Wirst du mir meine Gesundheit wieder geben, so will ich die Jahre, die du mich auf Erden noch le⸗— ben lässest, zu deiner Ehre im Glau⸗ ben und in der wahren Frömmigkeit zubringen und sie als ein Geschenk zu meinem Leben annehmen, und will mein Leben lang gedenken an diese Krank⸗ heit und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand. Ach Herr, sei deinem Kinde gnädig und tilge alle meine Sünden nach dei⸗ 360 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. ner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. O Jesu voller Gnad, Auf dein Gebot und Rat Kommt mein betrübt Gemüte Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein un⸗ schuldig Blut, Die schöne rote Flut, Wasch ab all meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde Und ihr nicht mehr gedenke, Ins Meer sie tief versenke. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich armer Sünder komme wieder, Ich kehre um vom Sündenpfad, Ich fall in tiefster Demut nieder Und bitte herzlich dich um Gnad; Ach Gott, denk nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 2. Nun seh ich erst, was ich begangen, Ich fühl der Sünden Angst und Pein; Ach, laß mich wieder Gnad er— langen, Ach, laß mich nicht verloren sein; Ach Gott, denk nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 3. Ach, ich betrübe mich von Herzen, Ach, sieh an dein verirrtes Kind, Das da mit Tränen, Reu und Schmerzen Bei dir sich wiederum einfind't; Ach Gott, denk nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 4. Ach Jesu, deine roten Wunden Sind meine Zuflucht allezeit, Darin ich immerdar gefunden Vergebung, Fried und Seligkeit; Ach, denk doch nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 5. Ich will ein ander Leben führen, Ach, schenk mir deines Geistes Gab; Ein jeder soll nun sehn und spüren, Daß ich mich ganz geändert hab; Ach Gott, denk nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. DEναε Der ge Geme brech. 1. Ke De fangen, nun ka recht u nissen die An! verhind findung zu Hau weil J wart b soll av mal, d mit ei verhar daß il Abend blutige freuen, teilhaf Gott i heilige um de unrecht Li das . einer Rommt du auf in un⸗ meine tmehr m vom d bitte getan, ihl der nad er⸗ tt, denk an. an dein merzen ht, was uflucht ied und nimm + deines Daß ich getan, Gebet vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 361 Der Uranke betet vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christiꝰ 1. Kor. 10, 16. Das heilige Abendmahl andächtig und würdig zu emp— fangen, soll sich ein jeder wahre Christ befleißigen; solches nun kann ein Kranker sonderlich tun, wenn er sich vorher recht untersucht. Denn 1) ist er alsdann von allen Hinder— nissen befreit, wodurch sonst bei der öffentlichen Gemeinde die Andacht bisweilen gestört wird, er kann in Andacht un— verhindert beharren, wenn ihn Gott vor Schmerzen und Emp— findungen der Krankheit bewahrt. 2) Das heilige Abendmahl zu Hause zu empfangen, soll sich niemand ein Gewissen machen, weil Jesus allerorten und alle Tage mit seiner Gnadengegen— wart bei den Gläubigen zu sein verheißen. 3) Ein Kranker soll auch zu der Zeit gedenken: Vielleicht ist dieses das letzte— mal, daß ich das heilige Abendmahl empfange, und deswegen mit einem festeren Vorhaben im Glauben und Frömmigkeit zu verharren sich vornehmen. 4) Haben Fromme gewünscht, daß ihr letztes Wort Jesus, ihre letzte Speise das heilige Abendmahl und ihr letzter Gedanke der am Kreuz hangende blutige Jesus sein möge, wie soll denn nicht ein Kranker sich freuen, wenn er des einen Stückes auf seinem Krankenbette teilhaftig wird, und nicht zweifeln, daß zu den übrigen beiden Gott ihm die Gnade auch geben werde? 5) Wenn man das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette empfangen wollte, um dadurch wieder gesund zu werden, so wäre es selbst unrecht und ein Aberglaube. Gebet. Liebster Jesu, ich bin willens, jetzt das von dir eingesetzte Liebesmahl, da 362 Der Kranke betet ich auf meinem Krankenbette darnieder— liege, zu empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt werde abscheiden. Damit ich aber nicht ohne dich vor dem Gericht Gottes erscheinen möge, so will ich noch mich von neuem mit dir ver⸗ einigen, auf daß du in mir und ich in dir sei und verbleibe. Ich will jetzt das heilige Abendmahl zu Hause emp⸗ fangen, und bin gewiß, daß du auch da⸗ selbst mit deiner Gnadengegenwart mich erfreuen und erquicken werdest. Ach, liebster Seelenfreund, du bist ja nahe bei den Elenden, du erfreuest die Be— trübten, du hilfst denen, die ein zerschla⸗ genes Gemüt haben; so laß auch jetzt mein Herz erfreuet und meine Seele durch diese himmlische Speise und Trank erquicket werden. Ich habe zwar bei gesunden Tagen dasselbe auch mit der Gemeinde empfangen, aber leider nicht allemal mit solcher Andacht und Auf⸗ merksamkeit, als es wohl billig hätte sein sollen, weil der Menschen Menge, Eitelkeit und mein lüsternes Auge viele Zerstreuung verursacht haben; nun aber soll meine Andacht niemand stören, da ich i herlol ster! dacht Erde Verh Schl mir daß mein faches dankba setzu weld zum Wor waht imeh wahr der⸗ eiß, den. dem ill ver⸗ in etzt mp⸗ da⸗ mich Ach, nahe Be⸗ chla⸗ jetzt eele rank bei der licht Auf⸗ hätte enge, hiele aber „ da vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 363 ich in meiner Einsamkeit mich mit dir verloben und vereinigen will. O lieb— ster Jesu, da ich also in heiliger An⸗ dacht dein himmlisches Freudenmaͤhl auf Erden halten will, und ich sonst keine Verhinderung habe, ach, so steure den Schmerzen und der Krankheit und gib mir die Erquickung in dieser Stunde, daß ich ungehindert und ungestört könne mein Vorhaben vollbringen. Ich ver— kündige jetzt deinen Tod und erinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Wunden und Schmerzen, an deine Marter und Pein, an deinen Kreuzes— tod und alles, was du für mich getan. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesamte Not, Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herhen, bittern Tod, Für dein Zittern, für dein Zagen, Für dein tausend⸗ faches Klagen, Für dein Angst und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. Ich erinnere mich auch an die Ein⸗ setzung deines heiligen Abendmahls, in welchem du mich speisest und tränkest zum ewigen Leben. Ich glaube deineny Worten, allwissender, allmächtiger und wahrhaftiger Gott; ich glaube, daß ich im heiligen Abendmahl empfange deinen wahren Leib und dein wahres Blut; 364 Der Kranke betet nämlich also: wenn ich das gesegnete Brot empfange, so empfange ich un⸗ sichtbarerweise, öo Jesu, deinen wahren Leib, und wenn ich den gesegneten Kelch empfange, so empfange ich unsichtbarer⸗ weise dein wahres Blut. Nun, diese himmlische Speise und Trank soll mich stärken im Glauben, daß ich mit Gott versöhnet sei; diese himmlische Speise soll mich trösten, daß ich nicht verloren sei, sondern das ewige Leben habe; mich versichern, daß ich in deiner Gnade stehe, daß ich Vergebung der Sünden habe und mit dir vereinigt bin, der du bist die Versöhnung für unsere Sünde, ja für der ganzen Welt Sünde; die himmlische Speise und Trank soll mich erinnern an die himmlische Freudentafel, nämlich an die ewige Freude und Herrlichkeit, wo⸗ zu du mich nach meinem Tode führen wirst. O Jesu, meiner Seele Bräu⸗ tigam, heilige und reinige mich, damit ich als deine Braut mich mit dir auf ewig verloben und vertrauen möge. O mein Seelenhirte, führe dein Schäflein auf grüner Aue, speise mich mit dem Brot des Lebens, erquicke mich mit deinem deiner 0 dieser K dem Tr beine e à. gleichet darger Leib u 2. Liebe So gib Und er 9 O. vergebe soll leb bersiege . erstehen * gehen; lich aus Inete un⸗ ihren Kelch arer⸗ diese mich Gott peise loren einem vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 36⁵ heiligen Blut. Alsdann kann mir der Satan nicht schaden, die Sünde mich nicht verklagen und verdammen; hier habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünden, welches du am Stamm des Kreuzes für mich bezahlt hast, da⸗ durch bin ich gerecht und selig. Ach, wie hungert mein Gemüte, Menschenfreund, nach deiner Güte; Ach, wie pfleg ich oft mit Tränen Mich nach dieser Kost zu sehnen; Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten; Wünsche stets, daß mein Ge⸗ beine Sich durch Gott mit Gott vereine. Amen.“ Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh sei Ehr 1. O allerliebstes Seelenpfand, Dem nichts an Hoheit gleichet, Und welches von des Höchsten Hand Mir jetzt wird dargereichet; Der Seele allerhöchstes Gut, Des Herren Jesu Leib und Blut Will ich heut froh empfangen. 2. Der Gott der Liebe liebet mich; Doch damit diese Liebe Recht herrlich offenbare sich Und mir vor Augen bliebe, So gibt er dieses Pfand dabei, Daß er mit mir verbunden sei Und ewig bleiben wolle. 3. Dies Pfand versichert mich aufs neu, Daß alle Sünd vergeben Und daß mein Gott mir gnädig sei, Daß ich hinfort soll leben In seiner Liebe, Huld und Gnad, Die er mir jetzt versiegelt hat Durch seine Seelenspeise. 4. Ja, dieses Pfand versichert mich, Daß ich soll auf⸗ erstehen Am jüngsten Tage seliglich Und zu der Freud ein— gehen; Weil ich dies Pfand empfangen hab, So steig ich herr⸗ lich aus dem Grab, Wenn ich im Glauben sterbe. —.—.— EEEEE— ——...:.... — 366 Der Kranke betet. 5. Gott Lob und Dank, der mich gespeist Und herrlich hat getränket; Der solche Gnade mir erweist Und selbsten sich mir schenket, Dem schenk ich mich hinwiederum Und bleibe nun sein Eigentum Im Tod und auch im Leben. 6. Herr Jesu, ja, dir lebe ich Und dir will ich auch sterben; Ich bin gewiß, du nimmest mich Nun an zu deinem Erben, Zum Erben hier in dieser Zeit, Zum Erben dort in Ewigkeit; So sterb ich ja mit Freuden. eh— Der Uranke betet nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben. Gal. 2, 20. Gleichwie der wahre Christ allezeit Gott herzlich zu danken Ursache hat, wenn er das heilige Abendmahl emp⸗ fangen, wie vielmehr soll ein Kranker Gott von Grund des Herzens loben, wenn er dasselbe mit gutem Verstand hat ge— nießen können. Hiebei ist aber zu erinnern, 1) daß man sich nicht einbilde, auf das heilige Abendmahl ändere es sich mit dem Kranken; ja, es ändert sich mit seinem Seelenzustand, wenn er es würdig empfangen, nämlich er erlangt Vergebung der Sünden, Friede mit Gott, er gelangt in die genaue Ge⸗ meinschaft mit Jesu; daß aber das heilige Abendmahl eine Veränderung verursache in der Krankheit, dazu ist es nicht eingesetzt, dafür haben wir auch keine Verheißung. Darum 2) soll es auch kein Kranker empfangen, damit er sehe, ob er gesund werden oder sterben solle; dieses ist ein Mißbrauch, sondern er soll es gebrauchen zur Stärkung des Glaubens, Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade Gottes und der Seele Seligkeit. Hat er es also empfangen in der Ordnung, wie es Christus eingesetzt, so hat er 3) Gott dafür zu preis⸗ Gott zu Sicherhe das Bet nit Fes. wir verft M dab che d lange hast! nem ich d liege durch aber K8 d habe un linig ben, Gen den licht nun den len; herrlich ten sich bleibe ich auch deinem dort in iligen lebet in e ich im und sich lzlich zu ihl emp⸗ rund des d hat ge⸗ daß man re es sich nzustand, ergebung naue Ge⸗ nahl eine es nicht Darum he, ob er lißbrauch, Rlaubens, de Gottes en in der zott dafür nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. 367 zu preisen und mit stillem Herzen und gläubiger Seele sich Gott zu ergeben. Wenn man im Kriege das Beste hat in Sicherheit gebracht, so ist man zufrieden. Unsere Seele ist das Beste, haben wir die durch wahre Buße und Vereinigung mit Jesu Christo in die Hände Gottes empfohlen, so sind wir versichert, Gott werde es auch wohl mit dem Leibe machen. Gebet. Mein Jesu, mich hat herzlich verlangt, das heilige Abendmahl zu empfangen, ehe denn ich sterbe. Nun, dieses Ver— langen ist mir jetzt erfüllt worden; du hast mich gespeiset und getränkt mit dei— nem heiligen Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Ich liege hier auf meinem Bette, davon ich durch deine Allmacht wieder aufkommen, aber darauf ich auch sterben kann, wenn es dein heiliger Wille also ist; darum habe ich mich bereitet; meine Seele ist nun genesen, nachdem ich mit Jesu ver— einiget bin; ja, ich will nun gerne ster⸗ ben, nachdem ich, o Jesu, zu der innigsten Gemeinschaft mit dir gelangt bin. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Herr, nun lässest du deinen Diener in Frie— den fahren, denn meine Augen haben dei⸗ nen Heiland gesehen. O Jesu, lebe in 368 Der Kranke betet mir, schenke mir einen gelassenen Mut, christliche Zufriedenheit und eine dir ganz ergebene Seele. Erhalte mich beständig bei heiligen und guten Gedanken, und laß dein liebliches und süßes Andenken immer in meinem Herzen sein. Willst u mich, o Jesu, nun durch den Tod von diesem Leben abfordern, so geschehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünde ist mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten, vor dich zu treten, denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenket; wenn ich in diesem Schmuck und Ehren— kleid vor dich, o Gott, komme, so wirst du mich um derselben willen von dem Gericht frei und los sprechen. Nun ich gerecht worden bin durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott durch un— sern Herrn Jesum Christum; durch ihn ist mir der Himmel und der Zugang zum Gnadenthron eröffnet. Ich weiß, Je⸗ sus ist mein Fürsprecher bei Gott, ich sterbe in der Gnade Gottes, im Frieden mit Gott; ich bin versichert des Beistan— des des heiligen Geistes. So bin ich sclig! aus d slig iat, di etan stande Nsu lische halte ewiget Wun dem Aben mein rede, dankt Tod, heilig ich, sterbe nag cched ihn Gem wähl Se Heiligen Star Nut, ganz tändig „und denken Wills Tod eschehe Ude ist Rnicht m wo t auch Jesus enket, Shren⸗ wirst u dem un ich auben, ch Mn⸗ nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. 369 selig und sterbe selig, so fahre ich selig aus der Welt und werde auch ewiglich selig sein. Dies ist eine große Wohl— tat, die du mir, o Gott, an meiner Seele getan hast, daß ich jetzt bei gutem Ver⸗ stande dieses himmlische Liebesmahl mit Jesu habe halten können; diese himm— lische Speise und Trank stärke und er— halte mich in wahrem Glauben zum ewigen Leben. So ist denn auch mein Wunsch erfüllt, daß meine Speise vor dem Absterben auch möge das heilige Abendmahl sein. Verleihe mir auch, daß mein letztes Wort, das ich auf der Welt rede, möge Jesus und meine letzten Ge— danken, die ich habe, auf Jesu Blut, Tod, Leiden und Sterben und auf sein heiliges Verdienst gerichtet sein, so weiß ich, daß ich fröhlich und selig leben und sterben werde. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Ja, wer will mich scheiden von der Liebe Jesu? Ich lasse ihn nicht, bis er mich bringt zu der Gemeinschaft der Heiligen und Auser— wählten. Sei Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, Sohn, Heiligem Geist, Der woll in uns vermehren, Was er aus Starck, Gebetbuch. 2⁴ 370 Gebet nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Gnaden uns verheißt; Daß wir ihm fest vertrauen, Gänz— lich uns lass'n auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß uns'r Herz, Mut und Sinn Ihm möge fest anhangen; Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werd'ns erlangen, Glaub'n wir von Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. 1. Nun ist meine Seel gespeiset, Dafür sei mein Gott gepreiset; Mit der Speis ist mir gegeben Gnade, Segen, Licht und Leben; Jesus hat sich mir geschenket, Ich hab mich in ihn versenket; Ich hab seine Lieb empfunden; O der süßen Freudenstunden! 2. Dieses war auch mein Verlangen, Jesum selig zu empfangen; Nun empfind ich Ruh und Frieden, Jesu Reich ist mir beschieden; Wie hoch ist mein Herz geehret, Da mein Jesus eingekehret, Da er in mein Herz gekommen Und hie Wohnung hat genommen. 3. Er soll auch mein Herz regieren, Es mit Licht und Recht auszieren; Seele, Geist und alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen Sollen stets in allen Dingen, Was mein Jesus will, vollbringen; Ich will nichts mehr tun und denken, Ich will Jesu ganz mich schenken. 4. Durch ihn will ich heilig werden, Daß ich, weil ich leb auf Erden, Auch mein Geist, samt Seel und Leibe, Mit ihm fest vereinigt bleibe; Er soll meinen Geist durchdringen Und dadurch mich dahin bringen, Daß ich, wie ein' wahre Rebe, In ihm, meinem Weinstock, lebe. 5. Jesus, Jesus soll mich stärken, Daß in meinem Tun und Werken Ich befördre seine Ehre, Sonsten aber nichts begehre, Und dem Bösen widerstehe, Im Gehorsam ihm nach— gehe. Jesu, ach, laß mir's gelingen, Und viel Glaubens-— früchte bringen. 6. Ach, laß doch in solchem Stande Reißen meine Lebens— bande; Ach, laß mich in solchem Leben Meinen Geist dereinst aufgeben verbund ererben. der Ist jeme meine in det wird und sein. Ein darum Nrznein soll ein und nie ohne A mir di suchen was n von ih die sin trauen wie der er in s und ihs Darum seinem trauen gebrau O stand Daß Drauf laub'n Gott Segen, h hab n, O lig zu Reich „ Da uUnd ht und Verke Jesus u, Ich eil ich „Mit ringen wahre n Tun nichts nach⸗ Bons⸗ Übens⸗ beus⸗ * * ereinst Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. 371 aufgeben; Laß in meinen Todesstunden Mich fest sein mit dir verbunden; Also kann ich selig sterben Und das Freudenreich ererben. —— Der Äranke betet, wenn er Arznei gebraucht. Aufmunterung. Ist jemand krank, der rufe zu sich die Altesten von der Ge— meine, und lasse sie über sich beten und salben mit Ol in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten, und so er Sünden getan hat, werden sie ihm vergeben sein. Jak. 5, 14. 15. Ein andächtiges Gebet ist schon in gesunden Tagen nötig, darum sollte es kein Kranker vergessen, sonderlich wenn er Arznei gebraucht. Was den Gebrauch der Arznei betrifft, so soll ein Kranker 1) den Arzt und die Arznei nicht verachten und nicht denken, wenn ich gesund werden soll, kann mich Gott ohne Arznei gesund machen, und wenn ich sterben soll, so wird mir die Arznei nicht helfen; nein, denn das heißt Gott ver— suchen; Gott hat nicht verheißen, uns ohne Mittel zu helfen; was nun Gott nicht verheißen hat, das können wir auch nicht von ihm fordern. Welche die Arznei verachten und so sterben, die sind Mörder an ihrem Leibe. 2) Doch soll man sein Ver⸗ trauen nicht auf den Arzt und Arznei setzen, sondern auf Gott, wie denn unter die Sünden des Königs Assa gezählt wird, daß er in seiner Krankheit nicht Gott, sondern die Arzte gesucht und ihnen mehr denn Gott vertraut habe. 2. Chron. 16, 12. Darum 3) soll ein Kranker die Mittelstraße erwählen, mit seinem Munde und Herzen soll er beten und mit festem Ver— trauen auf Gottes Hilfe die Arznei ergreifen und sie also gebrauchen; auf solche Weise wird sie ihm gesegnet sein. Gebet. O du großer Gott, du siehest den Zu— stand, darin ich stehe, denn vor deinen 24· 372 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. allsehenden Augen ist gar nichts verbor— gen; du siehest auch die verborgensten Winkel, du siehest auch auf mein Kran⸗ kenbette und weißt, wie mir jetzt zumute ist. Ach, mein Gott, ich will die mir verordnete Arznei in deinem Namen ge— brauchen; meine einzige Hoffnung aber steht auf dich, denn du bist der Herr, mein Arzt. Jedoch weil du lässest Kräu— ter aus der Erde wachsen und die Arz— neimittel selbst erschaffen hast, welche zur Gesundheit der Menschen dienen, so will ich solche unter herzlicher Anrufung und mit Gebet auch zu mir nehmen; ach, lege du selbst den Segen hinein. Zwar weiß ich wohl, daß du ohne Arznei helfen und gesund machen kannst; denn wenn du nur ein Wort sprichst, so wird der Kranke gesund, und wenn du nur winkest, so muß die Krankheit weichen; allein weil du uns befohlen hast, auch der Mittel zu gebrau⸗ chen, so will ich in dieser Ordnung mich derselben bedienen und bitte dich, o großer Gott, segne die Arznei, die ich jetzt in deinem Namen und im festen Vertrauen auf dich empfange, laß sie mir gedeihen zur Wiedererlangung mei— sondert laubt uädig hehe m ich die sufße hrauch. lisses, mline: deinen deihen, dir sch gesegn Mrzne die N Hedent ster, deine Hidki rbor⸗ usten ran⸗ mute mir aber Herr, Träu⸗ Arz⸗ e zur will und lege weiß und nur ranke muß uns rau⸗ nung ch, U e ich esten nei⸗ Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. 373 ner Gesundheit, zur Linderung meiner Schmerzen und zur Erquickung in mei⸗ ner Schwachheit. Sprichst du deinen Segen dazu, so kann auch das geringste Kräutlein mir helfen; ja, Kraut und Pflaster hilft und heilt, wenn dein Se⸗ genswort dabei ist. Ich nehme die Arz⸗ nei nicht, die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir er— laubt hast, die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder zu erlangen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, wenn ich die Arznei mit der Hand fasse, ich seufze zu dir vor, bei und nach dem Ge— brauch. Wenn du sie mir nun gedeihen lässest, so werde ich wieder genesen, denn meine Tage stehen in deiner Hand. Ohne deinen Segen kann und mag ja nichts ge⸗ deihen, darum ich, o Gott, um Segen zu dir schreie; was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewiglich. Wirst du durch die Arznei mir helfen, so will ich zwar für die Mittel dir herzlich danken, aber auch gedenken, daß mich nicht Kraut und Pfla⸗ ster, sondern deine Gnade erhalten und deine Hand geheilet hat; und will mit Hiskia dein Lob bei jedermann ausbreiten. 374 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. Hör und vernimm mein sehnlichs Schreien, Du aller— liebstes Vaterherz! Wollst alle Sünden mir verzeihen Und lindern meinen großen Schmerz. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Wer in Kreuz und Trübsal stecket, Schau den Himmel fleißig an; Wer den bittern Kreuzkelch schmecket, Welchen niemand trinken kann, Der gedenk deswegen nicht, Als ob Gott sein Angesicht Von ihm hätte abgewendet, Wenn er nicht die Hilf gleich sendet. 2. Vielmehr soll er wohl erwägen, Daß die Stunde sei bestimmt, Da Gott, wie die Väter pflegen, Unsern Kreuzes-— kelch wegnimmt, Da das Leiden wieder weicht Und ein frohes End erreicht, Daß man nach dem Kreuzesleiden Preise Gott mit Herzensfreuden. 3. Auch die bittern Arzeneien Nimmt ein Kranker fröhlich ein Und weiß, daß sie ihm gedeihen Und ganz heilsam werden sein; Eifrig beten und dabei Seufzen wenn die Arzenei Man will zu dem Munde bringen, Wird zu vielem Heil gelingen. 4. Großer Gott, an deinem Segen(Sprech ich jetzt mit Herz und Mund) Ist es nur allein gelegen, Daß ich wieder werd gesund; Lege deine Kraft hinein, Ach, laß sie gesegnet sein; Laß die Krankheit bald verschwinden Und mich Stärk und Lindrung finden. 5. Dir will ich mich ganz ergeben, Tod und Leben steht bei dir; Soll ich dennoch länger leben: Wie du willst, ge— schehe mir; In dem schweren Leibesschmerz Weiß ich, daß dein Vaterherz Nach dem Weinen, Seufzen, Schreien Mich vom Leiden wird befreien. —— Der der Ur Penn ich ich es d Die 6 einen Met Gott eine wehe tut, gesucht, k erinnern: Gott versö bis man k zen beten, Solches le ein Krank nicht widt mit Gedu bitten, wi klagen de 4 In gr denken, vohlverd große Al von befre nicht viel solche bu 6) Unged sie noch He Flehe denn wille5 aller⸗ n Und rbarme Himmel Velchen Als ob denn er unde sei treuzes⸗ frohes ise Gott fröhlich heilsam enn die vielem jetzt mit wieder gesegnet 9 Stärk hen steht llst, ge⸗ ich, daß u Nich Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 375 Der Uranke bittet um Linderung der Schmerzen. Aufmunterung. Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; lasse ich es anstehen, so geht er nicht von mir. Hiob 16, 6. Die Krankheiten und Zustände des Leibes, in welche Gott einen Menschen versetzt, sind nicht einerlei; einigen schickt Gott eine Krankheit, dabei ihnen kein Glied, ja kein Finger wehe tut, andere aber werden mit großen Schmerzen heim— gesucht, wie solches die Erfahrung lehrt. Dieses soll uns erinnern: 1) Wenn man beten, Gott erkennen und sich mit Gott versöhnen will, daß man es in Zeiten tue und nicht warte, bis man krank wird. Denn wie will man in heftigen Schmer— zen beten, an Gott gedenken und sich mit ihm versöhnen? Solches leiden die großen Schmerzen nicht. 2) Wird aber ein Kranker von Schmerzen angegriffen, so soll er deswegen nicht wider Gott murren, sondern alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Aber 3) darf er wohl um Linderung bitten, wie auch Christus in seinem Leiden getan hat. Kinder klagen den Eltern ihre Not, warum nicht Kinder Gottes? 4) In großen Schmerzen aber soll er an seine großen Sünden denken, die er zeitlebens begangen, und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen sind; er soll aber auch an Gottes große Allmacht und Barmherzigkeit denken, welche ihn da— von befreien kann. Kann er 5) in solchen großen Schmerzen nicht viel und lang beten, so seufze er zu Gott und wisse, daß solche kurze Herzensseufzer nicht werden unerhört bleiben. 6) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern macht sie noch größer. Gebet. Herr, höre mein Gebet, vernimm mein Flehen, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Ach, ich will beten und bitten, du wollest mich in 376 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. dieser meiner Leibesschwachheit in Gnaͤ⸗ den ansehen und meine Schmerzen und mein großes Leid lindern. Du hast ja verheißen, du wollest uns nicht über unser Vermögen versuchen lassen, sondern ma— chen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's können ertragen. Ach, siehe, mein Gott, die Last wird mir fast zu schwer, die Schmerzen nehmen über— hand, mein Leib ist matt, meine Kräfte haben abgenommen, meine Zunge klebet an meinem Gaumen, meine Gebeine sind verbrannt, wie ein Brand, das Gesicht vergehet mir, daß ich so lange muß har⸗ ren auf meinen Gott. Mich verlangt nach dir. Verziehe nicht, mein Gott, du weißt, wie wehe mir ist und daß der be— trübten Tage und Nächte schon viel ge— worden sind; du hast selbst gehört mein Winseln, Seufzen, Klagen und Schreien. Wo soll ich hin in meinem Elend und in meinen Schmerzen? Ach, wo soll ich hin? wo kann ich hin? denn nur zu dir allein, mein Herr und mein Gott! Wenn ich allen Menschen meine Not klagete, würden sie wohl mit mir ein Mitleiden haben, aber mich doch nicht erretten. Dar— De um kol mir he —230 Rsu, Hfohle meinen müssen einem Barmt den. ich so sunder deiner aufreib Und zen leider ein Schä Erwarte Aah 0 wer hefreie u dit, Stimr wartet Hilfe andere Hilfe. um de en. Gna⸗ u und ast jn unser uma⸗ Ende Ach, ir fast über⸗ Kräfte klebet je sind Hesicht har⸗ klangt stt, du er be⸗ el ge— mein reien. d und oll ich zu dir Wenn agete, leiden Dar⸗ Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 377 um komme ich zu dir, ich weiß, du kannst mir helfen; es steht bei dir, sprich nur ein Wort, so werde ich leben. O liebster Jesu, der du dem tobenden Meer hast befohlen, sich zu legen, ach, befiehl auch meinen Schmerzen, daß sie sich legen müssen; der du den Gichtbrüchigen mit einem Worte geheilet hast, laß deine Barmherzigkeit auch an mir groß wer— den. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich so lange gelitten und so vieles ausge⸗ standen habe. Ach, komme zu mir mit deiner Hilfe, ehe mich der Schmerz gar aufreibet. Und soll ich ja nach deinem Rat Noch länger Schmer— zen leiden, So laß mich doch nach deiner Gnad Als wie ein Schäflein weiden, Daß ich im Glauben und Geduld Erwarte deine Vaterhuld, Die meine Schmerzen stillet. Ach, lege deine Gnadenhand auf mich, so werde ich gesund und von Schmerzen befreiet. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens; meine Seele wartet auf den Herrn und auf seine Hilfe von einer Morgenwache bis zur anderen, denn bei dem Herrn findet man Hilfe. Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens willen, errette mich 378 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. und vergib mir meine Sünde um deiner Güte willen; doch nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Soll ich die Schmerzen noch länger tragen, so ge— schehe dein Wille; gib mir, mein Gott, zuweilen einen Rasttag, da ich mich wie— der erquicke, oder doch eine Stunde, darin ich mich erhole. Unsere Trübsal ist zeit⸗ lich und leicht, darum mache du mir meine Schmerzen leichter und befreie mich endlich davon. Ach Gott, erhör mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Not nicht gar verzagen, Du weißt mein'n Schmerz, Erkennst mein Herz, hast du mir's auferlegt, so hilf mir's tragen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Du siehest, wie mir's gehet; Ach, dir ist wohl bewußt, Wie schlecht es um mich stehet; Du kennest meinen Schmerz Mehr, als ich sagen kann, Drum hilf mir gnädiglich, Sonst ist's um mich getan. 2. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Auf dich steht mein Vertrauen; Ach, laß mich deine Hilf Mit Freuden balde schauen; Du bist's, der Hilfe leist't, Ja, du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald Zu meiner Hilfe ein. 3. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Zu wem soll ich sonst fliehen, Wenn du mir deine Gnad Und Hilfe willst entziehen? Gewiß, ich weiche nicht, Ich lasse nicht von dir, Bis du mir hilfest aus Und nimmst die Not von mir. Der 4. A mich rettet Du kannst willst es, 5. A erheben! Und sagen noch so la der Ura Zion spric vergesse daß sie Und ob vergesse Psajas Vern und bei L auch ein und Leide berlassen. nicht ein gleich un sprechen, denken; 5 hoben; bil it. Es so bestimmt, er geduldi Tagen Gt wenn ihn ihn Gott Darum b Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. 379 deiner 4. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Ich weiß, du kannst i mich retten, Drum wollest du es tun In diesen meinen Nöten; em, Du kannst es, du bist Gott, Dem nichts unmöglich ist, Du V ich willst es, weil du auch Zugleich mein Vater bist. Oe 5. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Daß ich dein Lob 0e Gott erheben Und dich auch preisen mög, Dieweil ich werde leben, ö 955 Und sagen allezeit: Getrost! Gott lebet noch, Und währt es Wie⸗ noch so lang, Sieh, mein Gott hilft mir doch. x darin—.— t zeit⸗ Der Uranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. ů mur Aufmunterung. E mich ö Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? en, Laß Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht t meinn vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. erlegt, so Jesajas 49, 14—16. Verursacht es bei Armen große Freude, einen Wohltäter, und bei Verlassenen, einen starken Beistand zu haben, so kann auch ein Kranker große Freudigkeit haben in seiner Krankheit und Leiden, weil er die Verheißung hat, Gott wolle ihn nicht verlassen. Hier soll er merken, 1) daß ein Verzug der Hilfe vie mis nicht ein Verlassen sei; denn manche Kranke, wenn Gott nicht um mich gleich und nach ihrer Rechnung bald hilft, schreien und ich sagen sprechen, Gott habe sie verlassen; allein so soll man nicht ich getan. denken; Hilfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufge— teht mein hoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenn's nötig den balde ist. Es soll ein Kranker 2) gedenken, Gott habe seine Stunde bestimmt, darin er helfen will, doch bis diese anbricht, soll st's ganz ö 0 0 ö er geduldig warten. Er soll auch 3) denken, ob er in gesunden 5 Tagen Gott nicht verlassen habe; wäre es denn ein Wunder, Ii wenn ihn solches Gott empfinden ließe? Hieran aber will ilfe willt ihn Gott erinnern durch den Verzug der versprochenen Hilfe. von dir, Darum bleibe der Kranke 4) dabei, daß er im Glauben sage: nit. Der Gott kann und will mich nicht verlassen, ich bin sein Kind, Ach er hat mir's verheißen. Er wird mich nicht verlassen, er siehe hat mir schon oft geholfen. Wird er sich in Gott fassen, so pähret wird er den Verzug der Hilfe in Geduld leiden und endlich ud e herrlich sehen, daß er von Gott nicht verlassen worden sei. wild e Gebet. schue O du allerliebster Gott und Vater, 0 der du mich je und je geliebt und aus to, großer Liebe zu dir gezogen, siehe, ich Sekle armer Kranker komme zu dir und bitte genlba dich demütig, du wollest mich nicht ver Gott, lassen in meiner Leibesschwachheit. Du nein L weißt ja, mein Gott, daß ohne dich mir laß de nicht kann geholfen werden. Du bist der drücken Mächtige in Jakob, der Schutz Israel, mir li⸗ die Zuflucht der Betrübten, der Helfer Schme der Elenden, der Beistand in der Not. meine Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich ich au 380 Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. mich nicht; er wird sich aufmachen und mich n über Zion erbarmen, er wird mich in gar m Gnaden ansehen. Menschen sprechen: sch die Ich kann euch nicht helfen, und so bin vielmel ich ja von allen Menschen verlassen. wenn! Doch ich weiß, daß ich von dir nicht du mir verlassen bin; gelfen, Denn Gott verlässet keinen, Der sich auf ihn verläßt, sch Ohn Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt ö läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. ö heißune Not. te ich Nund ich in echen: 0 bil lassen. licht verläßt, st: Läßt I. Mil +* Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. 381 Ach, mein Gott, verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden schon lange währet. Am Abend denke ich, morgen wird es besser werden, und am Mittag sehne ich mich schon wieder nach dem Abend; in der Nacht rufe ich oft: Hü⸗ ter, ist die Nacht schier hin? Meine Seele wartet auf dich von einer Mor— genwache bis zur andern. Ach, mein Gott, verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden immer schwerer wird. Ach, laß doch die Last mich nicht gar er— drücken, nimm weg den Stein, der auf mir liegt, die Rute, die mich schlägt, die Schmerzen, die mich plagen. Du weißt meine schwachen Kräfte wohl, wie viel ich ausstehen kann. Mein Gott, verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden gar mannigfaltig ist; es scheint, als ob sich die Trübsal nicht verringere, sondern vielmehr vermehre. Wo soll ich hin, wenn du mich verlassen willst? Hilfst du mir nicht, so kann mir keine Kreatur helfen; verläßt du mich, so bin und bleibe ich ohne Hilfe. Allein ich weiß, du ver— läßt mich nicht, ich halte dir deine Ver— heißung vor, da du gesprochen: Ich will 382 Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. dich nicht verlassen, noch versäumen. Die auf den Herrn harren, werden nicht fal⸗ len, sondern fest bleiben, wie der Berg Zion. Der Held in Israel lügt nicht, er wird seinem Volke Kraft geben und den Elenden erretten, der keinen Helfer hat, und den Seelen der Armen gnädig sein. Nun, auf dein Wort traue ich und hoffe, du wirst deine Zusage treulich hal⸗ ten im Himmel. Du kannst mich nicht verlassen, denn ich bin ja dein Kind; bin ich doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein teures Blut. Ich bin dein Eigentum, darum wirst und kannst du dein Kind und Eigentum nicht verlassen. Ich bin versichert, du wirst mich nicht verlassen, du hast mich noch nie verlas— sen in meinen Leiden und Trübsalen, da mich Leiden ohne Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübsal über mein Haupt zusammenschlugen, so wirst du es diesmal auch nicht tun. Darauf gebe ich mich zufrieden, darauf verlasse ich mich und bin gutes Muts, und sage: Herr, ich lasse dich nicht, du helfest mir denn auf solche Art und Weise, wie es dir gefällt. Wo siht mei Alheit g Der sich 9 4 0 träget es stehet be allein, 2 Hilf zu So Weic niemals 9.— diesen 2 schade, großem allein. 4. noch se ist es trage; 5. im Kre Hilfesti ja mei * Vie 3 gute Glat Die t fal⸗ Berg licht wund helfer nädig hund hal⸗ nicht bin orhen Der Kranke erinnert sich seines Todes. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu! steht mein Sinn, Bei dir mein Herz, Trost, Hilf und Rat Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. J. Ich trage mein Kreuz nicht alleine, Mein Jesus träget es mit mir; Im Leiden bin ich auch der Seine, Er stehet bei mir für und für; Ich trag mein Kreuz nun nicht allein, Dies soll mein Trost und Hoffnung sein. 2. Den Beistand hat er mir versprochen, Und auch die Hilf zu seiner Zeit; Wenn nun die Stund ist angebrochen, So weichet auch mein Herzeleid; Drum wird mein Glaube niemals klein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 3. Sieh, Gott ist es, durch dessen Gnade Ich bis auf diesen Tag noch steh, Der macht, daß mir das Kreuz nicht schade, Ob ich gleich fühle Angst und Weh, Daß ich vor großem Schmerz oft wein; Doch bin ich nicht im Kreuz allein. 4. Nun, ich will es geduldig tragen, Und währet es auch noch so lang; Sollt ich an Gottes Hilf verzagen? Um Hilfe ist es mir nicht bang; Gott stellt sich bald zur Hilfe ein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 5. Mein treuer Gott, dir will ich trauen, Verlasse mich im Kreuze nicht; Auf deine Liebe will ich schauen, Bis meine Hilfestund anbricht; Laß mich im Kreuze nicht allein, Du bist ja mein und ich bin dein. —0⁰D— Der Uranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden. Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der 38⁴4 Der Kranke erinnert sich seines Todes. Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der ge— rechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben. 2. Timotheus 4,6—8. Sich seines Todes erinnern, ist eine nützliche Sache, denn 1) dadurch zieht man sein Herz von der Eitelkeit und Sünde ab, man sieht alles Irdische an als Dinge, die man nicht in die Ewigkeit nehmen kann, und die uns in der Stunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes erinnern, ist auch 2) eine notwendige Sache, denn die da meinen, der Tod sei noch weit von ihnen entfernt, die werden oft frech, üppig, boshaftig, vertiefen sich in die Welt und stellen sich ihr gleich; überfällt nun solche der Tod unvorbereitet, so gehen sie gewiß verloren. Sich des Todes erinnern, ist 3) gar heilsam, denn wer sich, bevor er stirbt, sein Ende fleißig vorstellt, dem kommt der Tod nicht erschrecklich vor; denn der Tod der Gläubigen ist nichts anderes, als ein Hingang zum Vater, als ein süßer Schlaf; wer fürchtet sich aber wohl, zum Vater oder zu Bette zu gehen? 4) Man soll aber nicht denken, daß das ein Zeichen zum Tode sei, wenn ein Kranker viel vom Tode redet, seine Leiche bestellt, sein Testament macht und sich zum seligen Sterben bereitet; darum stirbt niemand einen Augenblick eher, als ihm Gott sein Lebensziel bestimmt hat. Man soll 5) sich auch seine Todesstunde nicht so gar grausam und schreck— lich vorstellen, wie manche Kranke tun, die sich vor dem Sterben und Herzbrechen fürchten; die Heiden haben zwar gesagt, der Tod sei das schrecklichste unter allen schrecklichen Dingen, Christen aber sterben in der Gnade Gottes, in den Armen Jesu, in der Gemeinschaft des heiligen Geistes; was ist daran schrecklich? Ist dieses nicht vielmehr Trost, Süßig— keit und Freude? Gebet. Herr, es ist genug, nimm meine Seele hin, so seufze ich zu dir, mein Gott, da ich il Sch hens Ind b nich v ich ha Hedach schreck Verla also Aufne als eit Hersch da wi ein hi folgen Rlaub und e jst. gen f , der g9e⸗ „sondern motheus iche, denn id Sünde nicht in tunde des n, ist auch r Tod sei ch, üppig, ihr gleich; sie gewiß sam, denn em kommt Gläubigen ein süßer zu Bette in Zeichen edet, seine im seligen nblick eher, an soll 5) nd schreck⸗ vor dem aben zwar chrecklichen es, in den 3: Was ist st, Süßig⸗ Der Kranke erinnert sich seines Todes. 385 ich in meiner immer größer werdenden Schwachheit wohl merke, daß meines Le— bens Ziel da ist. Ich begehre aufgelöst und bei Christo zu sein. Ich fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht, ich habe bei gesunden Tagen oft an ihn gedacht, darum kommt er mir jetzt nicht schrecklich vor. Wie ein Fremder mit Verlangen nach seinem Vaterlande eilet, also sehe ich meinen Tod an als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe, als ein glückliches Anlangen aus der Pil— gerschaft in das himmlische Freudenland; da wird nach dem sehnlichen Verlangen ein himmlisches Umfangen meines Jesu folgen. Ich weiß, daß der Tod einem gläubigen Christen ein sanfter Schlaf und ein Durchgang in das ewige Leben ist. Böse Menschen und Weltkinder mö— gen sich vor dem Tode fürchten, denn sie haben keinen gnädigen Gott, stehen nicht in der Gemeinschaft Jesu Christi und haben ihr Herz Gott dem heiligen Geist nicht zur Wohnung übergeben; allein ich fürchte mich nicht zu sterben, weil ich alles dessen versichert bin. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem Starck, Gebetbuch. —.'pꝛ 386 Der Kranke erinnert sich seines Todes. sollte ich mich fürchten? Der Herr ist D Eu . meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir Sekle I grauen? Gott ist mein Vater, Jesus voleen mein Fürsprecher, der heilige Geist mein und i 0 Führer und Tröster; zu dem komme und vie bi gelange ich, warum sollte ich mich fürch⸗ men u N ten? Meiner Seele Bräutigam wird vergef mich, seine Braut, wohl empfangen. Wenn alles, mein Jesus von seinem bevorstehenden strecke Tode redete, so sprach er: Ich gehe zum nach * Vater. Ja, liebster Jesu, ich will dir aufbel auch nachsprechen: Wenn ich sterbe, so eien gehe ich zum Vater, zum Himmel, zur meine Freude, zur Seligkeit. Was soll ich gehalt mich fürchten, zu sterben? Jesus ist Kron mein, seine Gerechtigkeit, sein Verdienst, geret sein Himmel ist mein, warum sollte ich uin, nicht fröhlich sein? Der Leib kommt in allen die Erde, aber die Seele fährt zu Gott, nohl sie geht aus der Welt in den Himmel, hinl aus der Eitelkeit in die Seligkeit, aus ich i dem Trauern in die Freude, aus dem güg Leiden zur Glückseligkeit, aus dem Wei⸗ den nen zur Herrlichkeit; ist das nicht ein drun⸗ seliger Durchgang? Ich gehe zur Ruhe, Freude, Wonne, Sonne und zum ewigen uen Vergnügen. Sehe ich doch schon, wie unou zu Him r ist se Mir INsus mein le und fürch⸗ wird Wenn henden he zum ill dir be, so el, zur ll ich sus ist dienst, immel, it, aus 15 denl u Wei icht ein I Ruhe, ewigel on, We Der Kranke erinnert sich seines Todes. 387 die Engel um mein Bette stehen und die Seele zu solcher Herrlichkeit begleiten wollen; wie Jesus seine Arme ausbreitet und mich als sein Kind empfangen will; wie viel tausend Gläubige mich aufneh— men wollen. Darum bin ich getrost, ich vergesse, was dahinten ist, die Erde und alles Irdische, was ich darauf habe, und strecke mich nach dem, was da vornen ist, nach dem himmlischen Kleinod, das uns aufbehalten ist im Himmel. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich hahe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben. Wie wohl wird mir sein, wenn ich aufgelöst bin! Wie selig werde ich sein, wenn ich in Jesu Armen bin! Wie ver— gnügt werde ich sein, wenn ich durch den Tod in das ewige Leben durchge— drungen bin! Kann uns doch kein Tod nicht töten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöten; Schließt das Tor der bittern Leiden Und macht Bahn, Daß man kann Gehn zu Himmelsfreuden. Amen. 2⁵³ 388 Der Kranke erinnert sich seines Todes. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wer da will als ein frommer Christ Nach Gottes Willen sterben, Durch Jesu Blut versichert ist, Den Himmel zu ererben, Der kämpfe und bereite sich, Damit er alsdann seliglich Von hinnen möge scheiden. 2. Vor allem fall er Gott zu Fuß, Beweine seine Sün— den, Er tu in Zeiten wahre Buß, Daß er mög Gnade finden; Er hasse jede böse Tat Und was er sonst begangen hat In seinem ganzen Leben. 3. Er glaube fest an Jesum Christ Und flieh zu dessen Wunden, Der da der Sünder Zuflucht ist, Damit er werd entbunden Von aller Ungerechtigkeit, Und nehm dies Blut zum Sterbekleid In seinen Todesstunden. 4. Er führ sodann in Frömmigkeit Ein gottgefällig Leben, Hab Gott im Herzen allezeit; Er soll sich auch be— streben, Daß er sich nie von Gott abwend Und bleibe fromm bis an sein End, Wie Gott es hat befohlen. 5. Er fliehe dabei allermeist Die schnöden Sündenwege Und was da sonst von Gott abreißt; Er steh nicht auf dem Stege, Auf welchem freche Menschen sind; Er leb auch als ein Gotteskind Und meide, was Gott hasset. 6. Er halte stets mit Beten an In den gesunden Tagen; Er bete, weil er beten kann, Die Not Gott vorzutragen; So wird Gott das Gebet ansehn, Wenn seine Lippen starrend stehn Am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich beizeit Mit seinem Feind ver— söhnen, Der ihn mit Zorn und Bitterkeit Sonst pflegte zu verhöhnen; Daß er ein liebreich Herze hab, Eh man ihn träget in das Grab Und er den Feind verlasse. 8. Er klebe nicht an dieser Erd Mit seinem Geist und Herzen; Die Welt ist diese Lieb nicht wert Und bringet viele Schmerzen, Wenn man sie nun verlassen soll; Hingegen tut derselbe wohl, Der nach dem Himmel trachtet. Walt nic Fleiß be bereitet der Kr Iesus Wer Und mehr We nicht er Ruhekan mer und men Le erstehen bereinig lieben ö man d sein w Gott fi werden lichen ewige erwogef erschree t. ich Gottes n Himmel r alsdann seine Sün⸗ ög Gnade t begangen zu dessen nit er werd dies Blut gottgefällig ch auch be⸗ eibe fromm ündenwege t auf dem eb auch als den Tagen; orzutragen; hen starrend Feind ver⸗ st pflegte zu n ihn träget 1 Geist und hringet viel Pingegen tut Der Kranke betrachtet sein Grab und Auferstehung. 389 9. Mein Gott, verleih mir deine Gnad, Daß 10 die Welt nichts achte Und gerne folge diesem Rat Und ihn mit Fleiß betrachte, Auf daß, wenn nun es dir gefällt, Ich wohl bereitet aus der Welt Zum Himmel mög eingehen. —5 — Der Uranke betrachtet sein Grab und Auferstehung. Aufmunterung. Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet und an mich, der wird nimmer— mehr sterben. Joh. 11, 25. 26. Wer als ein Christ an sein Grab denkt, der wird davor nicht erschrecken, so finster es auch ist; denn 1) ist es eine Ruhekammer, da wir von allen Schmerzen, Jammer, Kum— mer und Herzeleid sollen befreit werden; wird aber der(Fronte men Leib ohne Schmerzen schlafen und ruhen, so wird 2) die Seele einer himmlischen und unendlichen Freude genießen, denn der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Plage rühret sie an; Trost, Freude und Wonne wird stets um sie sein. Der Leib soll 3) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine und matten Glieder, wenn sie nun aus geruht haben, sollen am jüngsten Tage herrlich wieder auf— erstehen, leuchten wie die Sonne und mit der Seele wieder vereinigt werden. Wollte man J) einwenden, ich muß aber die lieben Meinigen, Hab und Gut auf Erden verlassen, so soll man denken, daß im Himmel ein allgemeines Wiedersehen ö sein wird. Werden die Unsrigen im Glauben bleiben und Gott fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen, und dann werden wir nie mehr von ihnen geschieden. Was die leib— lichen Güter betrifft, so wird uns Gott dafür himmlische und ewige Güter schenken. Wenn dies alles von einem Kranken erwogen wird, so kann die Betrachtung des Grabes ihm nicht erschrecklich vorkommen. Der Kranke betrachtet Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott, siehe, ich bin bereit, nach deinem heiligen Wil⸗ len zu leben und zu sterben, ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil ich weiß, daß er mich wird nach viel Trübsal und Leiden zur Ruhe bringen. Denn nach dem Abschied aus diesem Leben muß mich all mein Leiden, Trübsal, Kreuz und Unruhe verlassen; ich gelange zur Ruhe, zur Freude, ich werde ergötzt, er— quickt, erfreut, nachdem ich in der Welt so viele elende Stunden und traurige Nächte gehabt. Vor dem Grabe fürchte ich mich nicht, denn siehe, es wird meine Schlafkammer sein; mein Elend, Krank— heit und Leiden kommt nicht mit mir ins Grab, das muß draußen bleiben. O stiller Ort und angenehme Ruhestätte, wann werden meine matten Glieder und mein schwacher Leib in deinen Schoß ge— legt werden? Das Grab hat mir Je— sus selbst geheiligt, er hat mir's zur Ruhestätte gemacht, als er nach ausge— standenem Leiden darein gelegt wurde; da hörten seine Schmerzen und all sein Jammer auf. So hat der Herr auch 390 meinem in der uclh schen s Ruhe, zu verg fann dere Z Grabe virden feines meine samme manche stehen, fein! mich! allen Bett; o hör Waru fürcht hen. und e vieder hricht Lben, siehe, Wil⸗ fürchte weiß, al und unach nuß Kreuz 9e zur tt, er⸗ Welt raurige fürchte d meine Krank⸗ mir ins u. L hestätte, der und ß ge⸗ nir Ie⸗ zur ausge⸗ wurde, all sein rr auch sein Grab und Auferstehung. 391 meinem Leib eine Ruhekammer bereitet in der Erde und der Seele einen Er— quickungsort im Himmel. Suchen Men⸗ schen schöne Häuser, weiche Betten zur Ruhe, so sind sie gegen mein Grab nicht zu vergleichen; aus einem schönen Hause kann man durch Feuer, Feinde und an— dere Zufälle getrieben werden, in meinem Grabe wird mich niemand stören. Jesus wird meine Gebeine bewahren, daß deren keines wird verloren gehen; er wird auch meine vermoderten Gebeine wieder zu— sammenbringen. Im weichen Bette muß mancher Schmerzen und Ungemach aus— stehen, aber in meinem Grab nahet sich kein Unglück, und kein Schmerz wird mich berühren. Das Grab ist ein von allen Leiden und Schmerzen befreites Bett; sobald jemand hineingelegt wird, so hört sein Schmerz und Ungemach auf. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? Ich werde nicht darin blei— ben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wieder auferwecken. Wer an mich glaubt, spricht mein Jesus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am 4 392 Der Kranke betrachtet jüngsten Tage. So ist mein Grab nur aud ein kurzer Aufenthalt, darin mein Leib— suct hm wird schlafen, bis Jesus wird kommen Idpic f. und sprechen: Stehet auf, ihr Toten, Iat und kommt vor's Gericht! Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden hören die Stimme des Sohnes Gottes und werden hervon⸗ gehen; wenn ich nun diese Stimme höre, M. so werde ich auferstehen aus meineem Grabe, mein Leib wird mit meiner Seele ann wieder vereinigt, unsterblich gemacht und sunn verherrlicht werden und wie die Sonne leuchten, ja, alle Schwachheit um und an wird von mir sein abgetan. Grünt ucunn das Weizenkorn wieder hervor, wenn es n in der Erde erstorben zu sein scheint, so werden auch meine Gebeine wieder ge- sammelt werden. Es wird gesäet ver⸗ A weslich und wird auferstehen unverwes— 1. 2 lich; es wird gesäet in Schwachheit und dalt nich töret me wird auferstehen in Kraft; es wird gesäet n ein natürlicher Leib und wird auferstehen* I ein geistlicher Leib. Was hier kranket, ner seufzt und fleht, wird dort frisch und 9— ö herrlich gehen; irdisch werd ich ausgesät,— N himmlisch werd ich auferstehen. wsere dab nur in Leib fommen Toten, kommt in den Stimme hervor— ne höre, meinem 1 Seele icht und Sonne um und Grünt wenn es heint, so eder ge⸗ äet her⸗ werwes⸗ heit und 1 Hesüe ferstehen“ ranket, isch und sät ausgesit sein Grab und Auferstehung. 393 Weil du vom Tod erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben, Mein höchster Trost dein Auffahrt ist, Tod's- furcht kann sie vertreiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir lch und bin, Drum fahr ich hin mit Freuden. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Mein Arm tu ich ausstrecken, Ich schlafe ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelstür auftun, Mich führn zum ewgen Leben. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe, Ich sehne mich Wuchr danach, Weil ich da rechte Ruhe habe Nach ausge— standnem Weh und Ach; Wer sich noch vor dem Grabe scheut, Der ist noch in der Welt zerstreut. 2. Das Grab ist meine Ruhekammer, Darein mein Leib mit Freuden zieht, Weil in derselben aller Jammer Auf ein— mal von mir weicht und flieht; Wer schrecklich von dem Grabe spricht, Der kennt des Grabes Ruhe nicht. 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, Die Sorg und Kümmernis von mir Und lässet mich da sanfte rasten; O großer Gott, dies dank ich dir; Auch von der Sündenangst und Pein Werd ich im Grab befreiet sein. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette, Seht, Jesus deckt mich selber zu; Es ist die beste Ruhestätte, Da niemand störet meine Ruh; Dem Leibe ist im Grabe wohl, Die Seel ist bei Gott freudenvoll. 5. Drum bleibt im Grab und Jesu Wunden Mein Leib und Seele wohlverwahrt; Sie haben beide Stätten funden, Da sie zur Herrlichkeit verspart Verbleiben, bis der große Hirt Sie wiederum vereingen wird. 6. O schönes Grab, o stille Erde, O stille Gruft, sanfter Schoß, Darinnen ich recht glücklich werde, Von Lei⸗ 394 Der gläubige Christ dankt Gott den, Trübsal, Unglück los. Herr, meinen Geist befehl ich dir, Die Ruh gönn meinem Leibe hier. —00— der gläubige Christ dankt Gott wegen der wiedererlangten Gesundheit. Aufmunterung. Siehe zu, du bist gesund worden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Argeres widerfahre. Joh. 5, 14. Daß viele Kranke gerne beten, ist gewiß, und daß die meisten Gott mit dem Munde viel versprechen, wie sie, wenn sie Gott gesund werden läßt, wollen neue Kreaturen, fromme Christen, eifrige Beter, eifrige Kirchengänger und im Leben, Herzen und Sinn ganz neu werden, ist auch gewiß. Aber daß dieses Versprechen nur zu viele nicht halten, lehrt leider die tägliche Erfahrung, da sie nach erlangter Gesundheit wieder so eitel, boshaftig, unbändig, unartig und frech werden, wie sie vorher gewesen, wenn sie nicht noch schlimmer werden. Daher soll ein wahrer Christ, wenn ihn Gott von dem Krankenbette befreit hat, 1) Gottes Allmacht erkennen, loben und preisen, wie Gottes Macht ihn auf einmal aufs Kranken⸗ bett hingeworfen, aber auch davon wieder aufgerichtet und ihn von der Todesgefahr gnädig befreit habe. 2) Es soll ein Kranker, der nun wieder gesund worden ist, das in seiner Krankheit abgelegte Gelübde bezahlen, darum, weil er es Gott und nicht Menschen versprochen. Denn es ist besser, nichts versprechen, als das Versprochene nicht halten. 3) Hat er wieder neue Kräfte erlangt, so soll er nicht allein zu Hause auf seinen Knien dem allmächtigen Helfer und Erretter danken, sondern auch in das Haus Gottes eilen und daselbst vor Gottes Angesicht sich niederwerfen, auch andern dadurch Gelegenheit geben, die Gnade Gottes zu er— kennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die Angst seiner Seele denken, die Todes⸗ und Lebensgefahr fleißig erwägen und dem allmächtigen dreieinigen Gott zu Ehren 0 ein from! und gotts Gott une zum selige hereit sei Ot ich tre Hesicht Seele kenbet dellke! liche! Wroße Aber ich! lhtef Füße fann. verwa len S den 1 Gtoßt lchr Mir hi ver sachtun elöset gehl ich dir, Nder nicht mehr, h. 9,. und daß die sie sie, wenn ren, fromme d im Leben, wiß. Aber lehrt leider dheit wieder werden, wie mer werden. tt von dem ennen, loben Ufs Kranken gerichtet und 2) Es soll das in seiner ö‚ weil er Ke es ist besser halten. 3 nicht allein Helfer und Gottes eileh rwerfen, aul Gottes zu el auch an di gefaht fleißth ott 3u Chreh wegen der wiedererlangten Gesundheit. 395 ein frommes und gottseliges Leben führen, also im Glauben und gottseligen Wandel verharren, daß er hinfort, wenn etwa Gott unerwartet mit der Todesstunde kommen sollte, möge zum seligen Sterben und sröhlichen Ausgang aus diesem Leben bereit sein. Gebet. O du allmächtiger und gnädiger Gott, ich trete jetzt vor dein allerheiligstes An⸗ gesicht und danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich von meinem Kran— kenbett wieder aufgerichtet hast. Ich denke noch an die Angst, an das beschwer— liche Leiden, die betrübten Nächte, die große Gefahr, darin ich lag und schwebte. Aber siehe, deine mächtige Hand hat mich gnädig von meinem Lager aufge— richtet, du hast mich wieder auf meine Füße gestellt, daß ich aus und ein gehen kann. Deine Gnade hat meine Klagen verwandelt in einen Reigen, du hast mei— nen Sack ausgezogen und mich mit Freu— den umgürtet. Herr, Herr, du hast Großes an mir getan, des bin ich fröh— lich; deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bisher geholfen. Denn das weiß ich, wer Gott dient, der wird nach der An— fechtung getröstet und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er 396 Der gläubige Christ dankt Gott Gnade. Denn du, o Gott, hast nicht Lust an unserm Verderben; nach dem Ungewitter lässest du die Sonne wieder scheinen, nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Vatertreue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden; da⸗ her will ich mein Leben lang gedenken an die Angst meiner Seele, aber ich will auch rühmen, o allmächtiger Gott, vor der großen Gemeine, was du an mir ge⸗ tan hast. Du hast die Arznei gesegnet, meine Schmerzen gelindert, mir Stärke gegeben, das Leiden zu überwinden, nach den mühseligen und elenden Nächten mir Erquickungstage beschert und dich meiner in meiner Trübsal wie ein Vater er— barmet. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes ge— tan hat. Ich will den Herrn loben alle— zeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein; meine Seele soll sich rüh⸗ men des Herrn, damit es die Elenden und andern Kranken hören und sich freuen. Preiset mit mir, ihr, die ihr wie ich in Mien, seid, ul Ren de Elende Ul al Herrh schen Hsicht sie nich gehen, diglich. erbiese Alegeit Herzer efahr j di Hesund tflüͤbte Ide: Mein; Gͤtt, sst yi undh. Lehen Hem Iu de wahr. hicht h dem wieder Weinen Diese abe ich en, da⸗ uen an ich will ott, vor mir ge⸗ gesegnet, Stärke en, nach hten mir meinet ater er⸗ u, meint heiligeh eSeel hutes ge ben alle Rmeineh sich rb Clendes ch frelch vie ich wegen der wiedererlangten Gesundheit. 397 Nöten, Krankheit und Leiden gewesen seid, und lasset uns miteinander den Na— men des Herrn erhöhen. Denn da wir Elenden riefen, hörete der Herr und half uns aus allen unsern Nöten. Die den Herrn in ihrem Elend im Glauben an— sehen und mit Gebet anlaufen, derer An— gesicht wird nicht zuschanden, er läßt sie nicht betrübt von seinem Thron weg— gehen, sondern er erbarmet sich ihrer gnä— diglich. Ach, mein Gott, laß diese mir erwiesene Gnade und Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein. Nun weiß ich und habe es erfahren, daß du ein mächtiger Gott bist, daß du kannst die Toten lebendig, Kranke gesund, die Schwachen stark und Be— trübte fröhlich machen. War ich dem Tode nahe, so hat deine Güte dieses Mal mein Leben noch erhalten. Darum, mein Gott, habe ich mir durch deine Gnade fest vorgenommen, die mir geschenkte Ge— sundheit, das aufs neue mir verliehene Leben und die Jahre, die ich nach dei— nem Rat in der Welt noch bleiben soll, zu deiner Ehre anzuwenden und in der wahren Frömmigkeit zuzubringen. Ach, 398 Der gläubige Christ dankt Gott ich habe in meinen Schmerzen und Krank— heit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre, Herrlichkeit der Welt, auch gute Freunde die Kreuzeslast mir nicht abnehmen konn— ten, sondern wenn du mir nicht geholfen hättest, so wäre ich in meinem Elend vergangen; darum will ich hinfort nicht mehr nach eiteln Dingen trachten, son— dern meine Freude an dir haben; ich will der Welt sündliche Gesellschaft meiden und mich halten zu deinem Altar, da man höret die Stimme des Dankens, und da man erzählet alle deine Wunder; ich will, da mir diese besondere Gnade erschienen ist, verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züch— tig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, damit ich, wie die klugen Jung⸗ frauen, bereit sei, wenn meine Todes⸗ stunde und das Ende meines Lebens kommen wird, zu der Hochzeit des Lam— mes, zu der ewigen Freude und Herr— lichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmernis, Mein Gott, in meinem Herzen, Doch deine Tröstung war gewiß Die Arznei meiner Schmerzen. Immanuel! Trost Israel! Je mehr du mich verletztest, Jeé mehr du mich ergötztest. unn ich Trübsals * dachte machte V Hat er Liebe, bertt trie I. — Dort is Itbunde wegen der wiedererlangten Gesundheit. 399 Ich hatte viel Bekümmernis, Wenn ich den Tod be— dachte, Da mir das finstre Grab gewiß Nicht wenig Grauen machte. Immanuel! Trost Israel! Weil du den Tod geschmecket, Hat er mich nicht erschrecket. So hatt ich viel Bekümmernis, Du aber viel mehr Liebe, Dein Trost war mir so engelsüß, Daß er die Angst vertriebe. Immanuel! Trost Israel! Kannst du mich hier so trösten, Dort ist der Trost am größten. Amen. Gesang. Mel.: Wie soll ich dich empfangen. 1. Wie kann ich gnugsam preisen, Herr, deine Wunder— tat Und tiefsten Dank erweisen Für deine Lieb und Gnad, Weil das, was mich gedrücket, Mein Leiden ist dahin, Und da ich hochbeglücket Vom Tod errettet bin? 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, Wenn er die Hilf er— blickt, Das Leben ist erneuet, Die Seel ist auch erquickt; Ja, Sinnen und Gemüte Und was nur ist in mir, Das preiset deine Güte, Mein Vater, für und für. 3. Drum soll mein Mund nicht schweigen, Der wieder singen kann, Und dankbar sich erzeigen Dem, der mir Gut's getan; Mein Herz stimmt ein mit Freuden Und rühmet über— all, Wie Gott in meinem Leiden Geholfen dieses Mal. 4. Ich sahe mich verlassen, Und du erhobest mich; Wie kann ich's gnugsam fassen, Daß du so gnädiglich Von allen Trübsalsstunden, Die dir und mir bekannt, Mich väterlich entbunden Durch deine starke Hand? 5. Ich konnte mir nicht raten, Ich war von Hilfe bloß, Doch sah ich Wundertaten, Da du in deinen Schoß Mich als ein Vater legtest Und hieltest dich zu mir, Ja, wie dein Kind mich hegtest Und sprachst: Ich bin bei dir. 6. Jawohl, ich hab empfunden, Daß du an mich ge— 100 Der gläubige Christ dankt Gott für Gesundheit, dacht, Denn ich hab überwunden Durch deines Armes Macht; Ach ja, ich bin genesen; Lobt Gottes Herrlichkeit! Ich bin in Not gewesen Und nun daraus befreit. 7. Herr, ich hab recht gesehen, Was du an mir getan; Ich will es gern gestehen Und sagen jedermann, Daß deine Macht und Stärke, Vor der sich alles neigt, Sich hat an diesem Werke Gar sichtbarlich gezeigt. 8. Ach, lernet Gott vertrauen, Die ihr in Nöten seid, Denn an mir könnt ihr schauen Des Herren Gütigkeit; Der kann das Unglück wenden, Das euer Herz beschwert, Und euch die Hilfe senden, So, wie ihr sie begehrt. 9. Mein Gott, ich werf mich nieder Vor deinem Thron allhie Und singe Freudenlieder Mit tiefgebeugtem Knie; Ich danke dir von Herzen Mit meinem Geist und Mund, Daß du mir nach den Schmerzen Geschenkt die Freudenstund. 10. Dieweil ich werde leben Und weil ich denken kann, Soll mir vor Augen schweben, Was du an mir getan; Dein Helfen, dein Regieren, Dein Leiten hin und her, Dein Sorgen und dein Führen Vergeß ich nimmermehr. I enstund. n kann, 2 — — — 2 — V Hut Die Wüdten —— wohl ist meinem L eib nach ausgestand'nen Leiden, 5 Wie lem Leib nach, ite Sraendent E⸗ Wie wohl ist meiner Seel in jenen Himmelsfreuden!! VInN — LIU Issssssssss W der Wir au bei nach sein bittet ihm der k bendt richt darn dan Men geleb den Wird Werd rich, wege Gott —— —*—— Vierter Ceil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Sterbende. — ⁰— Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. Aufmunterung. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhle Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. 2. Kor. 5, 10. So wir uns selber richten, so werden wir nicht gerichtet, nach Pauli Ermahnung 1. Kor. 11,31: wenn der Mensch selbst sein Leben untersucht, sich verklagt, um Jesu willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnädig sein; denn wer seine Missetat erkennt und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen. Dieses soll auch ein Ster— bender tun; er soll bedenken: 1) ich muß einmal vors Ge— richt, denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, und darnach das Gericht; dieses geschieht gleich nach dem Tode, da muß die Seele alsbald vor Gott erscheinen. Hat der Mensch, solange er auf der Welt gewesen, geglaubt und fromm gelebt, so kommt er nicht ins Gericht, sondern weil die Sün— den auf Erden um des Blutes Jesu willen vergeben sind, so wird ihrer im Himmel auch nicht mehr gedacht, sondern sie werden vergeben bleiben. Ein Gottloser aber muß ins Ge— richt, weil er ohne Versöhnung mit Gott gestorben ist. Des— wegen tut ein Sterbender 2) wohl, wenn er beizeiten sich mit Gott versöhnt, Gott um des Blutes Jesu willen um Vergebung 26* *— —————.—— —* —. 2 — —— 5 —40⁴ Der Sterbende stellt sich bittet, und also Gnade erlangt; so ist er versichert, er sterbe, wann und wie Gott will, schnell oder langsam, so wird Gott seine Seele in Gnaden aufnehmen, und am jüngsten Gerichte wird er als ein um Jesu Blutes willen Gerechter in die ewige Freude eingehen. Gebet. Ich weiß, mein Gott, daß dem Men— schen gesetzt ist, einmal zu sterben, dar— nach das Gericht; deswegen stelle ich mich jetzt vor dein Gericht und will mich mit dir versöhnen, ehe ich sterbe. O gerechter Gott, weil ich nicht weiß, wie lange es noch währt, bis ich von der Welt abscheiden soll, so komme ich vor dein Gericht und klage mich selbst an. Ach, ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine heiligen Gebote, und oft wissentlich übertreten, ich habe dich nicht geliebt von ganzem Her— zen, von ganzer Seele und von allen Kräften, ich bin nicht den Fußtapfen meines Jesu allezeit nachgefolgt, noch habe ich mich durch den heiligen Geist leiten und führen lassen, wie ich billig hätte tun sollen. Ich gedenke, daß ich dein Kind in der heiligen Taufe gewor— den bin, aber daß ich nicht allezeit wie ein Kind Gottes gelebt, daß ich bei dem sierbe, 0 wird üngsten erechter Nen⸗ dar⸗ e ich mich O wie der vor an. koßer ligen , ich Her⸗ allen pfen noc Heist billig 5 ih wol⸗ Wie dem vor das göttliche Gericht. 40⁵ Genusse des heiligen Abendmahls dir viel versprochen, aber wenig gehalten und mich wieder der Welt gleichgestellt habe. Herr, ich habe mißgehandelt, ja mich drückt der Sünden Last, ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir Hezeige hast; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. O gnädiger Gott, der du verheißen hast, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern, daß er sich bekehre und lebe: ich komme, weil ich noch bei gutem Verstande und Sinnen bin und will Frieden mit dir machen. Ach, ich bereue meine Sünden und falle vor deinen Richterstuhl nieder und spreche: Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Ich fliehe, o Vater, zu dei— ner großen Barmherzigkeit und spreche: Ich habe gesündigt vor dir, ich bin nicht wert, daß ich dein Kind heiße; aber ach, sei deinem Kinde gnädig und verstoße mich nicht um meiner Uebertretungen willen. Ich fliehe zu dir, o Jesu, mein 406 Der Sterbende stellt sich Fürsprecher; ach, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Denn, ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christ, der gerecht ist, der ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde; ach, um dei— nes Blutes willen verzeihe mir meine Missetaten, um deiner heiligen Wunden willen laß mich vor dem strengen Ge— richte Gnade finden. Gott, sei mir gnä— dig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzig— keit. O du werter heiliger Geist, zu dir flehe ich, schaffe ein neues Herz in mir, heilige und reinige es durch den Glau⸗ ben an Christi Blut, gib mir das Zeug— nis, daß ich ein Kind Gottes und bei Gott in Gnaden sei, ja, wirke in mir eine wahre Buße, lebendigen Glauben und heiligen Vorsatz, dir allein zu Ehren zu leben und zu sterben in kindlichem Gehorsam. Ach, wirke in mir heilige Gedanken, andächtige Seufzer, liebliche Todesbetrachtungen, verleihe mir eine er— quickende Betrachtung des Himmels und der 225 1ro den nic hie mel ein ni bei nic son Lie flieh nehn den von kmen eines , so dem „der iden, für dei⸗ neine nden Ge⸗ qnã⸗ neine Miig⸗ dir ir, Mlau⸗ eug⸗ bei mir Uben hren chem eilige lliche l⸗ und ͤ—— der künftigen Herrlichkeit. Laß mich den Trost im Herzen empfinden: Sei ge— trost, mein Sohn, dir sind deine Sün— den vergeben. Alsdann fürchte ich mich nicht, zu sterben, weil ich weiß, daß die hier vergebenen Sünden auch im Him— mel vergeben sind. O du heilige Drei— einigkeit, erbarme dich über mich und laß mish bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals unrecht getan, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. Mein Jesu! Wenn ich vor Gericht soll treten, Da man nicht ent— fliehen kann, Ach, so wollest du mich retten Und dich meiner nehmen an; Du allein, Herr, kannst es wehren, Daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr zu meiner linken Hand Seid von mir noch nie erkannt. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Toten, stehet auf! So wird die Stimme klingen, Die uns am jüngsten Tag Kann aus den Gräbern bringen; Wie dieser Stimme Schall Der Frommen Schar ergötzt, So wird der Bösen Rott Dadurch in Furcht gesetzt. 2. Ihr Toten, stehet auf! Ihr habt nun ausgeschlafen, Ihr Frommen, kommt herbei Und stellt euch zu den Schafen; Geliebte, gehet ein Zur Freud und Herrlichkeit, Euch ist das weiße Kleid Und Ehrenkron bereit. 3. Ihr Toten, stehet auf! Eilt, gehet aus der Erden: vor das göttliche Gericht. 40⁷⁵ 408 Der Sterbende verzeiht Ihr Bösen, ihr sollt jetzt Zur Höll gestoßen werden; Ihr habt nicht fromm gelebt, Geht zu der Höllenpein, Es soll der Ort der Qual Nun eure Wohnung sein. 4. Ihr Toten, stehet auf! Seht, hier sind eure Glieder, Haupt, Augen, Füß und Händ, Die nehmet nun jetzt wieder; Womit ihr Gott gedient, Dem ist die Herrlichkeit, Womit ihr Sünd getan, Dem ist die Straf bereit. 5. Ihr Toten, stehet auf! Euch Fromme soll umgeben Ein heller Sonnenglanz, Ihr sollt nun ewig leben; Die Seele kehre sich Zu ihrem Leibe zu Und hab, mit ihm vereint, Vergnügte Himmelsruh. 6. Ihr Toten stehet auf! Ach, mög dies Wort erschallen In aller Sünder Herz, So würden sie nicht fallen In schwere Missetat; Denn wem das Herze bricht Und liebet Jesum nicht, Der kommet ins Gericht. 7. Ihr Toten, stehet auf! Das soll mich nicht erschrecken, Die Stimme wird den Leib Zum Leben auferwecken. Ich werde schön verklärt Zum Freudenreich eingehn Und, Herr, dein Angesicht Mit allen Frommen sehn. 8. Im Glauben will ich dir, O Seelenfreund, anhangen, Durch deines Geistes Gnad Recht fromm zu sein anfangen, Damit, wenn auf dein Wort Die Toten auferstehn, Ich mög von dir verklärt Zur Seligkeit eingehn. Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. Aufmunterung. So ihr den Menschen ihre Fehle vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wo ihr aber den Men— schen ihre Fehle nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehle auch nicht vergeben. Matth. 6, 14. 15. Zu der wahren Vorbereitung zum seligen Sterben gehört auch die Versöhnung mit dem Nächsten; diese Versöhnung soll ein Sterbender nicht verschieben, sondern sie in Zeiten, da sich Leut seine ihne tate! verz ange er st bor Mu sind man Näb oder kam lene solck woh und wen Gna so f esum recken, Ich ih Herr, ngen, ngen, mög ung. euer Men⸗ Vater gehört Zeiten, hnung und bittet um Verzeihung. 409 da sein Verstand noch vollkommen ist, vornehmen. Es soll sich aber ein Sterbender 1) erinnern, wenn ihm von andern Leuten viel zuwider getan worden, daß er keinen Groll gegen seine Feinde und Beleidiger mit ins Grab nehme, sondern es ihnen von Herzen verzeihe und, so es möglich, mit Wohl— taten oder durch gute Freunde ihnen kund tue, daß er ihnen verziehen habe. Wenn aber 2) er andern Leuten Verdruß angetan und sie beleidigt hat, so soll er nicht eher ruhen, bis er sich mit ihnen versöhnt, ja, er soll sich nicht schämen, sie vor sein Sterbebett kommen zu lassen, und sie mit Herz, Mund und Hand um Verzeihung bitten, oder, wenn sie tot sind, Gott um Verzeihung deswegen anflehen. Hierbei soll man auch das Gestohlene und Entwendete, auch das dem Nächsten mit Unrecht Entrissene oder den Wert wiedergeben, oder ihren Erben, weil die Sünde nicht vergeben werden kann, wenn der Sünder das Entwendete und Gestoh— lene, oder den Wert desselben nicht wiedergeben will. Zu solcher Versöhnung soll 2) einen Sterbenden antreiben so— wohl die christliche Schuldigkeit, als auch der göttliche Befehl und Drohung, Matth. 6, 15, und er soll wissen, daß er, wenn er nicht verzeihen will, bei Gott auch nimmermehr Gnade erlangen werde. Wie du mit deinem Feinde umgehst, so wird Gott mit dir umgehen. Gebet. Mein Gott, ich lebe und weiß nicht, wie lang, ich muß sterben und weiß nicht, wann; darum will ich mich in Zeiten mit meinem Nächsten versöhnen, damit ich mit einem versöhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird genannt das Haus des Friedens, darin keine unversöhnlichen, rachgierigen 41⁰ Der Sterbende verzeiht und mit Zorn und Haß angefüllten See— len eingelassen, sondern davon zurückge— stoßen werden; darum will ich mein Herz von allem Zorn und Feindschaft reinigen, ich will gerne verzeihen und um Ver— zeihung bitten, damit mich Gott, um Jesu willen, als einen Versöhnten in Gnaden aufnehme. Ach, ich bin noch auf dem Wege zur Ewigkeit, darum will ich alle Feindschaft ablegen, in der ge— wissen Zuversicht, wie ich von Herzen verzeihe, so wirst du mir auch verzeihen. Deswegen verzeihe ich von Grund mei— ner Seele meinen Feinden, Widerwär— tigen und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Gebärden be— leidigt haben, nicht allein mit dem Munde, sondern vor Gottes Angesicht und von Herzen; ich will nie mehr daran denken und es vergessen und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen und tun, wo und wann ich nur kann; ja, ich bitte für sie Gott, er wolle sie segnen, und es ihnen und ihren Kin— dern lassen wohlergehen, zeitlich und ewig— lich. Wie ich nun von Herzen verzeihe und verziehen habe allen, die mich jemals bär⸗ nals be⸗ ude, von nen ung Hute nur Volle il⸗ vig⸗ heihe nals und bittet um Verzeihung. 411 erzürnt, oder mir etwas zuwider zum Schaden oder Verdruß zugefügt haben, also bitte ich auch um Verzeihung alle die, denen ich je zu nahe geredet, denen ich was zuwider getan, oder Schaden und Verdruß zugefügt habe; ach, ver— zeiht es mir, ihr lieben Freunde, um der Liebe Jesu willen, tragt keinen Haß wider mich; ich erkenne, daß ich euch zu viel getan habe, ich bitte euch hiermit um Verzeihung von Herzen, mit Hand und Mund, und wollte Gott, ich könnte euch hier vor meinem Sterbebette alle sehen, so wollte ich es euch auch gegen— wärtig abbitten. Ja, du barmherziger Gott, verzeihe mir aus Gnaden, was ich zeit meines Leben meinem Nächsten, er sei, wer er wolle, aus Bosheit oder Schwachheit, wissentlich oder unwissent⸗ lich habe zuleide getan; ach, vergib es mir um deiner Barmherzigkeit willen. Hiermit lege ich alle Feindschaft aus meinem Herzen nieder. Ich will mich nicht rächen und nicht mehr an das ge— tane Unrecht denken. Ach, gedenke nicht meiner Sünden und Missetat. Ach, mein himmlischer Vater, erbarme dich 412 Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. über mich. O mein Jesu, wasche mich von Sünden und bitte für mich. O du heiliger Geist, heilige mein Herz und rei— nige es von aller Untugend. So sterbe ich fröhlich, so sterbe ich selig. Verleih, daß ich aus Herzensgrund Mein' Feinden mög vergeben; Verzeih mir auch zu dieser Stund, Schaff in mir neues Leben. Amen. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Ich will jedermann verzeihen, Der da mich beleidigt hat; Ach Gott, laß mir angedeihen Diese unverdiente Gnad, Daß ich, dein versöhntes Kind, Bei dir neue Gnade find; Ich verzeih von Herzensgrunde Und versprech es mit dem Munde. 2. Mein Verlangen und mein Sehnen Ist, mein Vater, dies allein, Daß ich mög mit allen denen Völlig ausgesöhnet sein, Die mir sind von Herzen feind, Ich hingegen bleib ihr Freund; Wüßten sie doch, wie's mich kränke, Wenn ich an mein Unrecht denke. 3. Ach, verzeiht mir, liebste Freunde, Wenn ich euch erzürnet hab; Bleibet doch nicht meine Feinde; Seht, ich schicke mich zum Grab. Ach, hab ich mit Werk und Wort Euch betrübet da und dort, Ach, das wollen wir aufheben, Möch— tet ihr doch mir's vergeben. 4. Ich will auch nicht mehr gedenken, Was ihr wider mich getan; Laßt es uns einander schenken; Nehmet meine Abbitt an, Denkt, ach, ja gedenket nicht, Was ich Böses an— gericht't, Alles sei hiermit verziehen, Laßt uns alle Feind— schaft fliehen! 5. Großer Gott, da dies geschehen, Komm ich nun ver— söhnt zu dir; Ach, laß mich dein Antlitz sehen, Großer Gott, verzeil mir de Nimm 6 Cs ge Fried not; derben de 2— H und F solche! gar be Christo vergeb für di Glaub bleiben bei de eine E des ni in den Sterbe Velt niema welche mahnt ich bu ei⸗ rhe mög mit Des Sterbenden Abschied und Segen. verzeih auch mir, Nimm weg meiner Sünden Schuld, Schenk mir deine Gnad und Huld, Laß mir keine Feindschaft schaden, Nimm mich Sünder an in Gnaden. 6. Nun ist meine Seele stille, Weil ich jetzt versöhnet bin; Es geschehe Gottes Wille, Dem geb ich mich gänzlich hin; Fried mit Menschen, Fried mit Gott, Das versüßt die Todes-— not; Also kann man selig sterben Und entgehen dem Ver— derben. ee— Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen. Aufmunterung. Nun, liebe Brüder, ich empfehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen, und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt werden. Apostelgeschichte 20, 32. Daß Sterbende vor ihrem Tode von ihren Angehörigen und Freunden Abschied nehmen und ihren Kindern, wenn sie solche haben, den Segen geben, ist in der Heiligen Schrift eine gar bekannte Sache, wie wir solches an Mose, Isaak, Jakob, Christo und andern deutlich sehen. Solcher Segen ist 1) nicht vergebens; weil er ein Abschiedsgebet ist, das der Sterbende für die Seinen tut, so wird es auch, wenn es aus dem Glauben und im Namen Christi geschieht, nicht unerhört bleiben. 2) Die letzten Worte der Sterbenden pflegen auch bei den Hinterbliebenen nicht ohne Erfolg zu sein, daher eine Ermahnung eines sterbenden Vaters, Mutter oder Freun— des nicht so bald vergessen sein wird, sondern als ein Stachel in dem Gemüt hängen bleibt. Wie es löblich ist, wenn ein Sterbender mit Beten, Segnen und Gutes Wünschen von der Welt Abschied nimmt, so soll er sich 3) auch hüten, daß er niemand Böses wünsche, weil das eine Art Rache sein würde, welche keinem Christen geziemt. Kinder aber sollen 4) er— mahnt sein, daß sie die Eltern bei gesunden Tagen nicht 414 Der Sterbende nimmt Abschied betrüben, noch ihnen Herzeleid machen, weil sonst die Eltern ihnen keinen Segen hinterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück in Unglück verwandelt. Fromme christliche Eltern aber geben auch ihren bösen Kin— dern lieber den Segen, als den Fluch. Gebet. Ewiger, gütiger und großer Gott, ich weiß nicht, wie nahe meines Lebens Ende sein mag und wie bald du über mich ge— bieten und mich von der Welt abfordern wirst: darum will ich mich in Zeiten zum Sterben anschicken, besonders aber auch mit Beten und Singen mich zu dir wen— den, was mir in meiner Schwachheit eine sonderliche Ergötzung und Stärkung ist. Ich nehme hiermit Abschied von allen meinen Verwandten, Bekannten, Wohltätern und Freunden; ich empfehle sie dir, o großer Gott, in deinen Schutz und deine Gnade; tue ihnen Gutes für die mir erzeigte Liebe, und da ich ihnen nicht alles vergelten kann, so wollest du an meiner Statt hinfort ihr reicher Ver— gelter sein. Ich verlasse meine Freunde, Verwandten und Bekannten, aber du, o großer Gott, wollest sie nicht verlassen; erhalte sie in deiner Furcht, im Glauben und Frömmigkeit, damit wir uns ein⸗— Atern Iltern ndelt. Kin⸗ ich Inde ge- dern zum auch ben⸗ heit fung von iten, fehle ul für hnen t d Ver inde, „1 sseh, ubel lil⸗ und gibt den Seinigen den Segen. 41⁵ ander im ewigen Leben wiedersehen mö— gen. Ich gehe den Weg alles Fleisches, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Gläubigen und Kinder Gottes wie— der zusammen kommen. Denjenigen aber, o getreuer Gott, die ich hinterlasse, wel— chen mein Abschied wird betrübt und schmerzlich sein, gib deinen reichen Se— gen. Der Herr segne euch, ihr meine geliebten Angehörigen, er segne euch an Leib und Seele; er sei hinfort euer Va— ter, Versorger und Pfleger, er nehme euch in seinen Schutz, er beschere euch nach seiner väterlichen Gnade ein geseg— netes Auskommen und bewaͤhre euch vor allem Uebel. Nun fürchtet hinfort Gott, seid fromm und setzet euer Vertrauen auf ihn, denn er wird sich über euch er— barmen und euch gnädig sein. Wendet euch nicht von ihm ab durch Unglauben, Bosheit und unchristlichen Wandel, son— dern seid ihm getreu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des Lebens ge— ben. Lasset nicht von Gott, so wird er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet ihm. Der Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit segne euren 416 Des Sterbenden Abschied und Segen. Ausgang und Eingang, daß ihr sein und bleiben möget die Gesegneten des Herrn. O großer Gott, ich habe sie geseget, laß sie auch gesegnet bleiben. Und hiermit lege ich mich in deine Arme, o dreieiniger Gott, nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgelöst und bei Christo zu sein. Herr Jesu, dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich tot und lebendig. Es segn' euch Gott der Herr, Ihr Vielgeliebten mein, Trauert nicht allzusehr Über den Abschied mein; Beständig bleibt im Glauben, Wir werd'n in kurzer Zeit Einander wieder schauen Dort in der Seligkeit. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Mein Stündlein nahet sich herzu, Daß ich von hier soll scheiden, Um hinzugehn zu meiner Ruh Nach vielem Schmerz und Leiden; Ich schicke mich zu meinem Tod Und sehne mich nach meinem Gott, Der wird mich ewig weiden. 2. Ach Gott, es ist mir herzlich leid, Daß ich die Welt geliebet, Und lang gesucht die Eitelkeit Und dadurch dich betrübet; Ach, tilge meiner Sünden Heer, Gedenk derselben nimmermehr Und was ich ausgeübet. 3. Ich eigne mir zu Jesum Christ, Sein Blut, Ver⸗ dienst und Wunden; Der meiner Seele Zuflucht ist, Mit dem bleib ich verbunden; O Jesu, Jesu, ich bin dein, Ach, laß mich auch dein eigen sein In meinen Todesstunden. 4. Darum bestell ich nun mein Haus, Das will ich Gott empfehlen, Ich teil hiermit den Segen aus Von Grunde meiner es ihle! 2 erheben, decken, wecken; ich bin + Wunden stunden Angesich c. Freuder Christm da bei 9. Leben e schon z Gott, 5 vollende In dein löset, Vater, i Es lei Zu! stellen u Ein Star⸗ „laß Tmit iger sie gehre Herr hin mein, ständig inander on hier vielem od Und weiden. ie Welt rch dich erselben t, Ve⸗ 1 Mit „, W, den. ich Holt Grunde Der Sterbende befiehlt sich Gott. 417 meiner Seelen: Gott woll den Meinigen beistehn, Er laß es ihnen wohlergehn Und nie an Hilfe fehlen. 5. Also will ich zu meinem Gott Mein Herz und Geist erheben, Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, Denn Jesus ist mein Leben; Sieh, ich bin hier, ach, nimm mich hin, Weil ich mit dir versöhnet bin, Dir will ich mich ergeben. 6. Die Erde wird schon meinen Leib In sanfter Ruhe decken, Woselbsten er verwahret bleibt, Bis ihn Gott wird er— wecken; Ihr Schmerzen, Krankheit, eure Macht Kann, wenn ich bin zum Grab gebracht, Mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel empfehl ich dir In deine tiefen Wunden, O Jesu, Jesu, bleib in mir In meinen Todes-— stunden; O Jesu, ach, verlaß mich nicht, Bis daß ich hab dein Angesicht Nach meinem Wunsch gefunden. 8. Im Glauben und in Frömmigkeit Will ich mit Freuden sterben Und so das schöne Feierkleid Durch Jesum Christum erben; Ich leb und sterb auch als ein Christ, Der da bei Gott in Gnaden ist, Und werde nicht verderben. 9. Und hiermit schlaf ich sanfte ein, Weil sich mein Leben endet; Mein Jesus wird auch bei mir sein, Der sich schon zu mir wendet; Fahr hin, mein Geist, zu deinem Gott, Fahr hin zur Freude nach der Not, Mein Lauf ist nun vollendet. —— 5— Der Sterbende befiehlt sich Gott. Aufmunterung. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich er— löset, Herr, du treuer Gott. Ps. 31,6. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Luk. 23, 46. Es haben Sterbende oftmals vor ihrem Tode noch vieler— lei zu befehlen und anzuordnen, sie wollen ihr Haus be— stellen und vergessen darüber das Beste, nämlich ihre Seele. 1) Ein jeder rechtschaffene Christ soll täglich, wenn er sich Starck, Gebetbuch. 27⁷ 418 Der Sterbende befiehlt sich Gott. des Abends schlafen legt oder am Morgen aufsteht, seine Seele samt dem Leibe in Gottes Schutz befehlen, und das billig, weil er nicht weiß, was Gott den Tag oder die Nacht über ihn gebieten werde. Tun aber das fromme Christen täglich, so sollen es auch 2) Sterbende tun; sie haben vor sich das Exempel ihres Heilandes; als er sterben wollte, so sprach er: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist; so machte es auch Stephanus, da er unter den Steinen seufzte: Herr ö Jesu, nimm meinen Geist auf. Diese Sorge ist Gott ange— . nehm, dadurch legt der Mensch seinen Glauben und Ver⸗ . trauen zu Gott an den Tag. Dieses aber ist auch 3) höchst nötig; man sieht an Sterbenden so vielerlei Veränderungen 1. und Zufälle; o, wie wohl ist's dann getan, wenn man bei NI gutem Verstande Gott seine Seele empfiehlt, und das Beste 1 in gute Verwahrung bringt, im übrigen aber sich Gottes 1. Willen zu leben und zu sterben überläßt. 4) Ist so alles + bestellt, so stirbt man selig. ö Gebet. VI. Barmherziger und liebreicher Gott, NIi 2 0 der du die Menschen lässest sterben und ½ sprichst: Kommet wieder, ihr Menschen— kinder, der du deine Geliebten durch den 4 Tod zu dir ziehest und sie der Herrlich— N keit teilhaftig machst, die uns Jesus mit seinem bittern Leiden und Sterben er⸗ worben hat: ich sehe, daß meine Schwach— 10 heit eine laut redende Stimme wird, die mir zuruft: Bestelle dein Haus, denn du mußt sterben; mache dich bereit, dem Bräutigam entgegenzugehen, halte deine Glaubenslampe immer brennend. Weil Seele billig, t über äglich, hh das ich er: chte es Herr ange⸗ Ver⸗ höchst rungen 'an bei Beste Gottes o alles Hott, und schen— den lich⸗ mit er⸗ wach⸗ d„ die un du delh deil Meil Der Sterbende befiehlt sich Gott. 419 ich nun nicht weiß, wann mein Stündlein wird herannahen, so will ich mich dir in Zeiten ergeben und meine Seele mit allen ihren Kräften dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen weltlichen Dingen leer stehen, treibe hinaus alle weltlichen, sündlichen und bösen Gedanken, daß ich mich allein an dir ergötze, in dir mich er— freue, von dir rede, deine Herrlichkeit und die Freude der Auserwählten mir vorstelle. Erfülle mein Herz mit deinem heiligen Geist, damit er gute Bewegungen in mir wirke. Hilf, daß ich im Gedächt⸗ nis behalte Jesum Christum, und sein vergossenes Blut und Tod mir allezeit vor Augen stelle. Wenn nun die Todes⸗ stunde kommt, so bewahre mich, wenn es dein heiliger Wille ist, vor Anfechtung, schweren Gedanken, vor großen Schmer— zen und unanständigen Gebärden, laß mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, bis mir der Odem ausgeht, auf daß mein Herz, Mund und Geist von dir singe, rede und bete; und so mir die Sprache entfallen sollte, daß ich in mei⸗ nem Herzen deiner Lieblichkeit genießen und deine allerheiligste Gegenwart emp— 27⁷ 42⁰ Der Sterbende befiehlt sich Gott. finden möge. Gib mir durch deine Gnade Freudigkeit im Sterben, laß mich dann einen Blick tun in die frohe Seligkeit, gib mir in der Todesstunde etliche Trop— fen zu schmecken der himmlischen Süßig⸗ keit, damit ich voll Freuden und Trost möge von hinnen scheiden. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verläßt; ach, nimm sie alsdann in deine Hände. Vater, in deine Hände befehle ich meine Seele; Herr Jesu, nimm meinen Geist auf, bedecke sie mit deiner vollkommenen Gerechtigkeit und führe sie zur Himmels— freude ein, wie eine Braut zur Hochzeits— freude, wie ein Kind zum Erbe, bis sie am lieben jüngsten Tage wieder wird mit dem Leibe vereinigt werden. Ich befehle dir auch meinen Leib in der kühlen Erde, verleihe demselben eine sanfte Ruhe, bis die letzte Posaune erklingen und rufen wird: Steht auf, ihr Toten, und kommt vor Gericht! Und laß mich dann um Jesu willen zum Leben fröhlich und selig auferstehen. Soll ich einmal nach deinem Rat Von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, Herr, durch deine Gnad, Daß es gescheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir, O Herr, ein selig End gib mir Durch Jesum Christum. Amen. Hand bitt i bricht und k ist mi bricht unden lieg i Alsda nicht regier meine mmt Im selig 1 Velt Doß 68 ich dit, Amen. E*++ ./½½...7 Der Sterbende befiehlt sich Gott. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, ich habe noch das Leben, Das deine Hand verliehen hat, Das will ich dir jetzt wieder geben, Doch bitt ich noch um diese Gnad: Wenn nun mein letztes End an⸗ bricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 2. Ich lebe noch, ich kann noch beten, Drum bet ich auch und komm zu dir; Wirst du im Sterben zu mir treten, So ist mir wohl, so gnüget mir; Und wenn das Herz im Tode bricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 3. Wenn meine Todesstund erscheinet Und werde nach und nach gar blaß, Wenn jeder mich beklagt, beweinet, Und lieg im Todesschweiße naß, Wenn sich entfärbet mein Gesicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 4. Wenn mein Verstand sich wird verlieren, Daß ich nicht mehr weiß, wo ich bin, So laß mich deinen Geist regieren, Damit ich Jesum hab im Sinn, Und so mich meine Sünd anficht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 5. Wenn sich die blassen Lippen schließen, Daß man kein Wort mehr von mir hört, So laß mir diesen Trost zufließen: Ich geb dir, was du hast begehrt; Wenn meine Zunge nicht mehr spricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 6. Wenn das Gesichte wird vergehen Zuletzt in meiner Sterbenszeit, So laß mich dich im Glanze sehen Und zeig mir deine Herrlichkeit; Auch wenn verlischt mein Augenlicht, Als⸗— dann, mein Gott, verlaß mich nicht. 7. Kann ich nun weder sehn noch hören, Man rufe mir zu noch so sehr, So laß, Herr, deinen Geist mich lehren Und stärk den Glauben mehr und mehr; Ja, wenn ich auch soll vors Gericht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 8. Und lieg ich dann auch ganz erstarret, So laß mich dir empfohlen sein, Und wenn man auf mein Ende harret, So laß mich selig schlafen ein; Wenn dieses alles nun geschicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht 422 Der Sterbende stellt eine Himmelsbetrachtung an. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden Und liege in dem Sarg bereit, So laß die Seele gehn in Frieden Zur Him— melsfreud und Seligkeit Und laß mich sehn dein Angesicht, Bekleidet mit dem Freudenlicht. 10. Liegt der entseelte Leib begraben, So schau im Grabe auch auf mich, Laß mich da sanfte Ruhe haben; Denn hab ich, schönster Jesu, dich, So bleibt der Leib mit Erd umhüllt, Die Seel mit Himmelsglanz erfüllt. 11. Ja, laß mich fröhlich auferstehen Am jüngsten Tag aus meinem Grab, Laß mich den Leib verkläret sehen, Den ich allhier getragen hab, Auf daß ich ganz mit Seel und Leib Dein Eigentum auf ewig bleib. Der Sterbende stellt eine Himmelsbetrachtung an. Aufmunterung. Stephanus aber, voll heiligen Geistes, sah auf gen Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesum stehen zur Rech— ten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Apostelgeschichte 7, 55. Nichts Süßeres und Angenehmeres kann einer gläubigen Seele sein, als an Gott und an den Himmel denken. Im Himmel ist ihre Wohnung, Vaterland, Trost, Erbe, Krone, Herrlichkeit, Verlangen, Freude; ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei Gott, ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es also sein mit einem Gläubigen, wie viel— mehr mit einem Sterbenden! Bei dem Sterben stellen sich allerlei traurige Dinge ein, die finstere Erde, der Abschied von den Seinen, der Umstehenden Tränen, der letzte Todesstoß; dieses alles kann versüßt werden, wenn der Sterbende sein Herz da hineinschickt, wo er ewig wünscht zu sein. 1) Der finstern Erde soll er entgegensetzen die Herrlichkeit des Him— mels, wo alles wird mit Licht erfüllt sein. 2) Tut der Ab-— schied weh, so soll er gedenken an die Cherubinen, Seraphinen, udem Him⸗ gesicht, Grabe in hab nhüllt, n Tag den ich d Leib an. himmel r Rech⸗ Hoffen, en. „55. äubigen n. Im Krone, en, ihre ken im ie viel⸗ len sich hied bon dezstoß nde sein 1) Der 2 hin⸗ der Ab⸗ aphinen, Der Sterbende stellt eine Himmelsbetrachtung an. 423 heiligen Engel und Auserwählten im Himmel, bei welchen er in Ewigkeit sein wird. 3) Sieht er die Seinen weinen, so soll er sich erinnern der ewigen Freude, Wonne und Glück- seligkeit, die auf ihn in dem ewigen Leben wartet, wo kein Ach und Weh und keine Tränen mehr sein werden. 4) Der Todesstoß soll ihm keinen Schrecken bringen, weil er in den Armen Jesu und in der Gemeinschaft des heiligen Geistes stirbt. Wer also himmlische Gedanken hat, sich die Krone, das weiße Kleid und die Herrlichkeit des Himmels vorstellt, dem wird sein Sterbebett zum Paradies werden. Gebet. O du gnädiger Gott, wie groß ist deine Liebe und Gnade gegen uns Menschen! Nicht allein tust du uns Gutes, du hilfst, erhörst, erbarmst dich über uns, über— schüttest uns mit vielen Wohltaten, so lange wir leben, sondern hast uns auch viele und herrliche Güter im Himmel aufgehoben. Deshalb stelle ich mir schon im Glaͤuben vor deine große Majestät und Herrlichkeit, den Glanz, darin du wohnst, wie so viel tausend Seraphinen, alle Engel und Auserwählten, nämlich alle Frommen, die jemals auf Erden ge— lebt haben, vor deinem Thron stehen, dich loben und preisen, und das Heilig, Heilig, Heilig dir zu Ehren anstimmen. Ich stelle mir vor, wie ich bald auch werde unter ihnen stehen, wenn ich sanft 424 Der Sterbende stellt eine Himmelsbetrachtung an. und selig gestorben bin. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrliche Krone auf meinem Haupte tragen und mit einem weißen Kleide werde angetan sein, ja, ich werde leuchten wie die Sonne. O Herrlichkeit, o Seligkeit, o Glückselig⸗ keit, die mir der Vater aller Gnade und Barmherzigkeit um Jesu willen mitteilen wird. Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er mir die Türe zu sol— cher Herrlichkeit auftun wird. Kann ein irdischer König seinen Palast so herrlich ausschmücken lassen, daß man sich dar— über verwundert und sich nicht satt sehen kann: wie groß und herrlich wird die Pracht des himmlischen Königs und der Glanz des unendlichen Gottes sein! Des— wegen will ich gerne sterben und die Erde verlassen; ich schaue mit Freuden den Himmel an, denn da ist meine ewige Wohnung, hier habe ich keine bleibende Stätte. Diese Wohnung hat mir Je— sus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben erworben, dahin werde ich auch durch den Glauben an ihn gelangen. Schaue ich den Himmel an, so erinnere ich mich, da ist mein Vaterland, woselbst mere liche und Retan oune. selig⸗ und eilen dem sobͤ ein rlich dat⸗ sehen die der Des⸗ Erde dell ewige bende 4. und h Angen. innete hselbtt. Der Sterbende stellt eine Himmelsbetrachtung an. 425 alle frommen Christen und Gläubigen versammelt sind. Ich bin auf der Welt wie ein Pilger und Wandersmann, der immerfort reist; aber durch einen seligen Tod gelange ich in den Himmel zur Ruhe, zum Frieden und zum ewigen Wohlsein. Ich sehe den Himmel an mit Freuden und denke, da ist mein Erbe; habe ich kein großes Erbe hier auf Erden gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und un⸗ beflecktes Erbe aufbehalten. Ich denke, der Himmel ist das Paradies, darin Gott die Gläubigen ergötzen wird, gegen wel— ches das Paradies auf Erden nur ein Schatten war. Ich will, mein Gott, wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel erblicken werde, zu dir, wie die Königin aus dem Morgenland zu Salomo, sagen: O mein Gott, o mein Jesu, mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von deiner Herrlichkeit gesagt; du hast mehr Herr— lichkeit und Gutes, denn das Gerücht ist, das ich von dir gehöret habe. Komm, o Tod, du Schlafesbruder, Komm und führe mich nun fort, Löse meines Schiffleins Ruder, Bringe mich an sichern Port; Es mag, wer da will, dich scheuen, Du kannst mich vielmehr erfreuen, Denn durch dich komm ich hinein Zu dem lieben Jesu mein. Amen. 426 Der Sterbende erwägt die Verheißungen Gottes. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hier ist gut sein, also sagen Dorten in der Himmels⸗ freud, Die da Kron und Palmen tragen, Angekleid't mit Herrlichkeit; O wie ist uns hier so wohl! Wir sind alles Trostes voll, Wir sind aller Angst entbunden, Alles Leiden ist verschwunden. 2. Hier ist gut sein, denn wir sehen Nunmehr Gott von Angesicht, Wir sind selig, weil wir stehen In dem schönen Glanz und Licht. Uns ist nunmehr ewig wohl, Wir sind alles Trostes voll, Klarheit hat uns ganz umgeben Hier in diesem Freudenleben. 3. Hier ist gut sein, wir genießen Lauter Wonne, lauter Freud, Hier an diesem Orte fließen Ströme voller Süßigkeit, Hier weiß man von keiner Klag, Nichts von Trübsal, Angst und Plag, Unser Antlitz ist voll Wonne, Welches leuchtet wie die Sonne. 4. Hier ist gut sein, denn hier schweben Vieler tausend Engel Heer, Als bei welchen wir nun leben In der größten Zierd und Ehr, Hier erhebet immerdar Gottes Lob der Frommen Schar; Zu den Engeln, zu den Frommen Sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun will ich im Glauben bleiben Und auch in der Frömmigkeit, Davon soll mich nichts abtreiben, Weil ich leb hier in der Zeit, So werd ich„hier ist gut sein“ Stimmen mit den Frommen ein Und nach ausgestandnen Leiden Gehen zu den Himmelsfreuden. — 0— Der Sterbende erwägt die verheißungen Gottes. Aufmunterung. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth. 25, 34. und Gott Tro ppr Ster ein liche finde Gna sichz Verh allen heißu zweif gleich seiner mels⸗ t mit alles Leiden U tt von chönen dalles diesem lauter ßigkeit, Angst tet wie ausend größten ob der Sind in der ich leb timmen Gehen Der Sterbende erwägt die Verheißungen Gottes. 427 Sterbende haben Labsal und Erquickung nötig an Leib und Seele. Die Seele wird aber erquickt durch das Wort Gottes; davon sagt David: Dein Wort ist meines Herzens Trost. Darum soll man in gesunden Tagen sich schöne Trost-— sprüche sammeln und in sein Herz fassen, damit man in der Sterbensnot einen reichen Vorrat habe. Sonderlich soll aber ein Sterbender 1) sich erinnern oder erinnern lassen der herr— lichen göttlichen Verheißungen, die wir in der Heiligen Schrift finden von der göttlichen Hilfe, Beistand, Gegenwart und Gnade. 2) Soll er auch solche Trostsprüche und Verheißungen sich zueignen, als ob sie Gott zu ihm allein rede und ihm die Verheißung gebe; denn Gott redet in der Heiligen Schrift mit allen, und einem jeden insonderheit. Hat er nun die Ver— heißung für sich, so soll er 3) sich darauf verlassen und nicht zweifeln, Gott werde sie auch an ihm erfüllen; tut er es nicht gleich in einem Augenblicke, so wird er sie doch herrlich zu seiner Zeit erfüllen. Gebet. Du gnadenreicher Gott, wie süß sind die Verheißungen, die du mir in deinem Wort zugesagt hast, wenn du sprichst: Ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott; und wenn mein Jesus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, ich will wieder kom— men und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. O du gnädiger 428 Der Sterbende erwägt die Verheißungen Gottes. Gott, erfülle alle diese Verheißungen an mir. Ach, die Not wird immer größer, sei und bleibe bei mir in mei⸗ ner letzten Not. Verlaß mich nicht, stehe bei mir, o Jesu, laß mich gelan⸗ gen zu der Herrlichkeit und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet hast. O Jesu, sei jetzt mein Fürsprecher; ach, bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Ach, du werter heiliger Geist, stehe mir bei in meiner Schwachheit und gib mir Kraft und Stärke. Steht mir ein schwerer Kampf bevor, so hilf mir sie— gen und überwinden. Habe ich einen hohen Berg zu steigen, so verleihe mir Stärke. Steht mir noch eine harte Stunde bevor, so hilf mir aus dersel— ben; wenn mein Mund nicht mehr beten kann, so vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, ja, bringe meine schwachen Seufzer vor Gott. Nun, du gnadenreicher Gott, ich halte mich an deine Verheißungen und glaube, du werdest sie auch nach deiner Barm— herzigkeit an mir Elenden erfüllen. Ich glaube und traue auf dein Wort, mein mei mic erfr wer: Yesu, Undr heißt, gesche scheue hu fra in de gen mer mei⸗ icht lan⸗ sätte hast. ach, amit uge. mir mir ein sie einen mir harte rsel⸗ heten mit ringe Der Sterbende erwägt die Verheißungen Gottes. 429 Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen, darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Ach, dein Wort ist in meinem Leben immer mein Trost und Freude gewesen; laß es jetzt in meinem Tode mein Labsal und Er— quickung sein. Kommt die Zeit, da mir um Trost bange wird, so nimm dich meiner Seele herzlich an. Erquicke mich, wenn der Todesschweiß anbricht; erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden; tröste mich, wenn Hören und Sehen mir vergeht; o du dreieiniger Gott, alsdann laß in meinem Herzen mich hören Freud und Wonne, ein Ju— bel⸗ und Freudengeschrei, als einen Vor— klang und Vorschmack der himmlischen Herrlichkeit. O du großer Gott, erhöre, Was dein Kind gebeten hat, Jesu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schutz und Rat, Und mein Hort, du werter Geist, Der du Freund und Tröster heißt, Höre auf mein sehnlich Flehen, Amen, ja, es soll geschehen. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1J. Ich sterbe gern, und sollte ich Mich vor dem Grabe scheuen? Mein Glaube pfleget oftmals sich Auf meinen Tod zu freuen; Ich weiß, daß Gott nach dieser Zeit Mich droben in der Ewigkeit Gar herrlich wird erfreuen. 430 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude. 2. Ich sterbe gern, denn nach dem Tod Wird sich mein Glück anheben; Für Trübsal, Jammer, Angst und Not Wird Gott mir Freude geben, Das Tränenmaß wird voller Wein, Das Trauern lauter Jauchzen sein In solchem Freudenleben. 2 3. Ich sterbe gern, dieweil ich werd Dereinsten auferstehen Und herrlich aus der finstern Erd Und meinem Grabe gehen; Ich werd verklärt in Glanz und Licht Des Allerhöchsten Angesicht Mit Lust und Freuden sehen. 4. Ich sterbe gern, dies bleibt mein Wort, Bis daß ich werde kommen Zu Gott an jenen Freudenort, Zur großen Schar der Frommen. Ach, wann bricht an die Freudenzeit, Daß ich zur Himmelsherrlichkeit Auch werde aufgenommen? DFI“ĩIFFF FFIIFT.I—— —eoes— Der Sterbende betrachtet die himmelsfreude. Aufmunterung. Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend, und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen, schrien mit großer Stimme und sprachen: Heil sei dem, der auf dem ö Stuhle sitzet, unserm Gott, und dem Lamm. Offenb. Joh. 7, 9. 10. Was könnte sich ein Sterbender Süßeres und Angeneh— meres vorstellen, als wenn er an die Himmelsfreude und Himmelsgesellschaft denkt, welche einen Frommen hier auf Erden oft ergötzt? Denn ein Sterbender soll 1) was er auf Erden sieht, ansehen als Dinge, die er bald verlassen und nicht mehr sehen wird. Er soll hingegen 2) himmlische Be— trachtungen haben, von der Himmelsfreude, wie er nach dem Abschied aus diesem Leben werde in des Himmels Freude und Glanz versetzt werden, wo lauter Wonne, Friede, Freude, Trost und Herrlichkeit ist, wo anstatt des Leidens und der Schmerzen ein ewiges Ergötzen ihn erfreuen wird. Es soll aber auch 3) ein Sterbender seine Betrachtungen anstellen über das! tause der d keit f Stun in sei mein Wird Wein, leben. stehen ehen; jchsten aß ich hroßen enzeit, nmen? e. emand rachen, an mit ien mit Uf dem . 10. igeneh⸗ de und ier auf er auf en und che Be⸗ ach dem Freude Freude, ind der Cs soll nstellen Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude. 431 über die himmlische Gesellschaft, wie er nun bald wird schauen das Angesicht des dreieinigen Gottes und kommen zu viel tausend Engeln und Auserwählten. Wenn also ein Sterben— der diese himmlische Gesellschaft und seine künftige Glückselig— keit sich vorstellt, so wird ihm sein Leiden versüßt und die Stunde kurz werden, ja, er wird dadurch heilige Bewegungen in seiner Seele empfinden. Gebet. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth, meine Seele sehnt sich nach deinen Vorhöfen; ach, wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Ange— sicht schauen und vor deinem Thron mit deinen Engeln und Auserwählten stehen werde? O welche große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich antreffen, wenn ich von diesem Leibe geschieden und selig gestorben bin, weil ich in die Wohnungen des Friedens versetzt, mit Schmuck und Ehren gekrönt und des himmlischen Glanzes teilhaftig werde! O welche Herrlichkeit und Freude wartet auf mich! Ich werde schauen den dreieinigen Gott von Angesicht zu Angesicht; was ich hier geglaubt, werde ich dort schauen; was ich nicht habe begreifen können, werde ich dort vollkommen wissen und erkennen; da werde ich völlig durchstrahlt, 432 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude. durchleuchtet und mit himmlischem Licht erfüllt sein. Welche Freude aber wird das sein, den großen majestätischen Gott in seiner Herrlichkeit zu erblicken! Dar— um seufze ich und bete mit Verlangen: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir; meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes An— gesicht schaue? Das ist die höchste Freude, Gott zu schauen, an den wir hier geglaubt und ihn doch nie gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vergnügen, die lieblichste Süßig— keit und die vollkommenste Glückseligkeit bestehen; mein Leiden wird in Freude, mein Weinen in Jauchzen, meine Trüb— sal in Wonne, mein Elend in Ergötzen, mein Jammer in Trost und mein Herze— leid in lauter Herrlichkeit verwandelt werden. Im Himmel werde ich auch in einer seligen Gemeinschaft leben; hier bin ich unter Menschen, ja, ich habe unter Freunden und Feinden müssen mein Leben hinbringen; allein in der Herrlichkeit werde ich antreffen viel Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude. icht tausend heilige Engel, welche in großem bird Glanz und Licht um Gottes Thron Hott schweben und das Heilig, Heilig, Heilig Jar- ist Gott, der Herr Zebaoth! anstim— hen: men. Ich werde da antreffen alle hem Frommen und Auserwählten, die von ott, Anfang der Welt her gelebt haben. )ott, Ich werde antreffen meine Liebsten und 0 erde Freunde, die vor mir gestorben sind, An⸗ mit denen werde ich in der süßesten I chste Gemeinschaft ewiglich bleiben. O wie* wir wohl wird alsdann meiner Seele sein! chen Alsdann werde ich nach dem Verlangen das zum Umfangen kommen; ich werde bei Iig⸗ dem Herrn sein allewege, da wird mich gkeit keine Trübsal mehr anrühren, und die— elde, ses wird nicht etwa nur eine Stunde küb⸗ oder ein Jahr währen, sondern ewig, V ze, ewig, ohne Aufhören.* er ze⸗ Ach, daß ich die Leibesbande Heute noch verlassen müßt ö delt Und käm in die Heimatlande, Da sonst nichts als Freude ist, Da wollt ich mit Wortgepränge Bei der Engel großer Menge auch Rühmen deiner Gottheit Schein, Allerliebster Jesu mein! hier Amen. ö habe Gesang. I üssen Mel.: Alle Menschen müssen sterben. deb 1. Welche süße Himmelsfreude, Welche große Herrlichkeit, vitl O welch prächtiges Gebäude Ist den Frommen zubereit't In Starck, Gebetbuch. 28 434 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude. den schönen Himmelsauen, Die sie einstens sollen schauen; Ach, mein Geist ist ganz entzückt, Wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Dort ist recht das Land der Frommen, Denn da kommt kein Böser hin, Dort wird der nur angenommen, Der gelebt nach Christi Sinn; Da ist Gott selbst Licht und Sonne, Da ist gut sein, da ist Wonne, Dort genießt man allezeit Lauter Licht und Seligkeit. 3. Dort läßt Gott sich selbsten sehen, Den kein Aug auf Erden sieht, In dem Sehen wird entstehen Trost, Ver— gnügen, Freude, Fried; In dem Schauen ist Erfreuen, Das ergötzet stets von neuem; Aug und Seel wird nimmer satt, Das dort voll Vergnügen hat. 4. Ja, in jenem Freudenleben, An dem freudenvollen Ort, Sieht man viele Engel schweben, Die um Gott sind da und dort, Die im schönsten Glanze prangen Und des“ Höchsten Lob anfangen; Ich stimm auch mit Freuden ein, Wann ich werd bei ihnen sein. 5. Da find't man der Frommen Scharen Voller Pracht und Herrlichkeit, Die zuvor in Trübsal waren Und in tausend Herzeleid, Helle glänzen wie die Sonne, Leben in der größten Wonne, Stehen da vor Gottes Thron Schön geziert mit ihrer Kron. 6. Unablässig Gott zu loben Ist der Frommen Werk allhier; Von der Seite und von oben Glänzet alles wie Saphir; Die man hier betrübt verlassen, Kann man freudig dort umfassen; Da, da ist das Wiedersehn, Das dort ewig wird bestehn. 7. Auf, auf, lasset uns bestreben, Die wir doch sind in der Welt, Daß wir einst nach diesem Leben Kommen in des Himmels Zelt; Laßt im Glauben uns fest stehen Und auf Gottes Wegen gehen Und ergreifen Jesum Christ, Der der Weg zum Himmel ist. 8. O, mein Gott, laß mich gelangen Auch zu dieser ; ¶s.sssq,xi einer bei al beson Sterb dort! eine! schon gleite unde nicht Besor dreiei seine Jesus dem Geist erqui so w bin b erfüll seiner 4 Der Sterbende tröstet sich des Beistandes Gottes. 435 Herrlichkeit; Ach, verzeih, was ich begangen Meine ganze Lebenszeit; Kleide mich mit reiner Seide, Führ mich zu der Himmelsweide, Da ich mit der Frommen Schar Dich will loben immerdar. —0.— Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Er erquicket mich mit Blumen, seine Linke liegt unter meinem Haupt, und seine Rechte herzet mich. Hohel. Salom. 2, 5. 6. Die Gegenwart Gottes im Leiden kann nicht anders als einer Seele süß und tröstlich sein. Nun ist Gott nicht allein bei allen Kreaturen, sondern er ist auch mit seiner Gegenwart besonders nahe bei den Gläubigen, im Leben und auch im Sterben. O sollte Gott den Frommen die Augen öffnen, wie dort dem Knaben Elisä: o was würden sie um ihr Bett für eine heilige Gesellschaft sehen! so viel heilige Engel, die sich schon freuen, daß sie wieder eine Seele zur Herrlichkeit be— gleiten sollen, wie auch oftmals fromme Sterbende gerühmt und gesagt: O, wie helle ist es um mein Bett! seht ihr dort nicht das weiße Licht, welches gewiß heilige Engel waren? Besonders aber ist eine gläubige Seele versichert von des dreieinigen Gottes Beistand. 1) Der himmlische Vater wird an seine Vatertreue gedenken und seinem Kinde beistehen. 2) Jesus Christus wird die durch sein Blut erkaufte Seele in dem letzten Todeskampf nicht allein lassen. 3) Der heilige Geist wird auch durch seinen kräftigen Trost alsdann sie erquicken. Vergeht gleich Hören, Sehen und alle Sinnen, so weiß doch ein Sterbender, daß die Verheißung:„Ich bin bei dir in der Not,“ auch in der Todesnot an ihm werde erfüllt werden. O wohl dem, welchen Gott dieses alles in seinem Sterben empfinden läßt! ö Gebet. Komm, Herr Jesu, so spreche ich jetzt, ja komm und nimm meine Seele 28³ 436 Der Sterbende tröstet sich hin! Ich habe schon deine Süßigkeit geschmeckt, darum verlangt und dürstet mich nach den vollen Strömen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, denn ich sterbe in der Liebe des himmlischen Vaters. Der Vater, der mich zeit meines Lebens versorgt, er— nährt, geleitet und geführt, sollte er jetzt, da mein Lebensende herzunaht, von mir weichen? O nein, er hat mich viel zu lieb. Bleibt ein Vater bei seinem kran— ken Kinde und hilft ihm, so viel er, kann, vielmehr kann ich mich des all— mächtigen und kräftigen Beistandes mei— nes himmlischen Vaters getrösten. Nun wird mein himmlischer Vater das Erbe austeilen, das mir Jesus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich heißen eingehen in das Reich, das er mir von Anfang der Welt bereitet hat. Ster— ben kommt mir nicht schrecklich vor; ich sterbe in der Vereinigung mit Jesu Christo; diese Gemeinschaft habe ich im Glauben hier angefangen, dieselbe wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieser Gemeinschaft bin ich ein le— bendiges Glied an dem Leibe Jesu des Beistandes des dreieinigen Gottes. 437 Christi, wovon er das Haupt ist; weiß aber das Haupt wohl, wie es seinen Gliedern geht, so weiß auch mein Je— sus, wie es um mich steht. Ich bin in ihm und er in mir, und in seiner heiligen Gemeinschaft will ich sterben. Hat er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, so wird er auch bei mir sein im Sterben. Gleich— wie er die Seinigen geliebt hat bis ans Ende, da er sich für sie in den Tod gegeben, also liebt er sie auch, wenn sie sterben sollen. Wenn ich also in meines Jesu Armen bin, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich den bei mir habe, der alle Todesbitterkeit durch seinen Tod weggenommen. Hier hat mein Jesus mich schon angezogen mit den Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet, dort wird er mir das weiße Kleid der Ehre und Herrlichkeit anlegen. Mein Seelenbräutigam führt mich zur Hoch— zeit. Mein Seelenfreund macht mich seiner Herrlichkeit teilhaftig. Mein Herr erfüllt an mir, was er gesagt: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Der —.—. N I 438 Der Sterbende tröstet sich Tod ist mir nicht schrecklich, ich sterbe in der Gemeinschaft des heiligen Gei— stes; er hat sich mein Herz zum Tem⸗ pel geheiligt in meinem Leben, er wird auch mit mir vereinigt bleiben im Tode. Der mich so oft in meiner Trübsal ge— tröstet, im Leiden erfreut, im Elend erquicket, im Kreuz erhalten, der wird mich in der letzten Stunde auch nicht verlassen, sondern Zeugnis geben mei— nem Geist, daß ich gewiß Gottes Kind sei. Sollte mir auch die Sprache ent⸗ fallen, daß ich nicht mehr beten kann, so wird er mich bei Gott vertreten mit unaussprechlichem Seufzen. Ja, weil er ist das Pfand unsers Erbes, so ver— sichert er mich schon, daß ich ein Erbe des Himmels sei und zu dessen völli— gem Besitz eingehen werde. Der Vater reichet mir die Krone dar, Jesus führt mich an der Hand zur Freude, der heilige Geist ziert mich mit Licht und Wonne, die heiligen Engel freuen sich über meinen Eintritt in das himm— lische Freudenleben, alle Auserwählten und Frommen empfangen mich mit Freuden. nicht ewig dem dann will! die 2 fange pran Sera Fro genof große umg betrü kung übers mein an, bund des Beistandes des dreieinigen Gottes. 439 Ich bin ein Glied an deinem Leib, Des tröst ich mich von Herzen, Von dir ich ungeschieden bleib In Todesnot und Schmerzen; Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir, Ein ewges Leben hast du mir Mit deinem Tod erworben. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. J. Ich freue mich auf meinen Tod Und laß mir gar nicht grauen, Ich komme bald zu meinem Gott, Den werd ich ewig schauen Von Angesicht zu Angesicht, Beglänzet mit dem Freudenlicht, In jenen Himmelsauen. 2. Ich komm alsdann zu Jesu Christ, Den werde ich dann sehen; Der hier mein Trost und Freude ist, Zu dem will ich dort gehen; Zu dir, o Jesu, Gottes Lamm, Und, wie die Braut dem Bräutigam, Zu deiner Rechten stehen. 3. Der Engel ungezählte Schar Sind die, so mich emp— fangen; Ich werd mit ihnen immerdar In größter Klarheit prangen; Hier werd ich in dem Freudenreich Den hohen Seraphinen gleich, Und dies ist mein Verlangen. 4. Ach ja, im Himmel treff ich an Viel tausend tausend Frommen, Mit weißen Kleidern angetan, Die da sind auf— genommen Nach ausgestandnem Kreuz und Leid Zu solcher großen Herrlichkeit, Zu denen werd ich kommen. 5. O Freud, o Trost, der da mein Herz Wird ewiglich umgeben; Denn da ist keine Angst und Schmerz Und kein betrübtes Leben. Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit, Erquik— kung, Ruhe, Fried und Freud Wird sich da recht anheben. 6. Alsdann wird mir sein ewig wohl, Wenn ich hab überwunden; Wie werd ich sein des Trostes voll, Wenn mein Leid ist verschwunden! O Freudenstunde, brich doch an, Daß ich zu Jesu kommen kann Und bleib mit ihm ver— bunden. ——————— 249*—.——— —. *————— 440 Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. Aufmunterung. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Apostelgesch. 7, 58. Es klagen Sterbende oft, wie sie mit allerlei Gedanken so viel zu tun haben, welche nicht weichen und wanken wollen; diese nun zu vertreiben, tut ein Gläubiger wohl: 1) wenn er sich im Glauben und in heiliger Betrachtung vorstellt Jesum am Kreuz und dabei diese guten Gedanken hat: Jesu Wunden sind für mich geschlagen, sie sollen auch im Tod meine einzige Zuflucht sein. Jesu Blut ist auch für mich vergossen; dieses Blut reinigt und heiligt mich auch. Jesu ausgespannte Arme wollen auch mich umfassen und in den Himmel ziehen. Er stirbt am Kreuz, damit mein Tod mir möge versüßt und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführt werden. Solche Gedanken werden die irdischen vertreiben und das Gemüt ganz ruhig und still und das Herz freudig machen. Bei diesen guten Betrachtungen soll er 2) auch alle seine Zuversicht auf den Heiland der Welt setzen, er soll Christi Gerechtigkeit und Verdienst sich zueignen, vor Gott treten und sagen: Ach, um meines Jesu Gerechtigkeit, Blutes, Todes, Wunden und Ver— dienstes willen sei mir gnädig, darauf lebe und sterbe ich, dadurch will ich zur Himmelsfreude eingehen. Gebet. O Jesu, liebster Heiland, wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, und die Vorboten des Todes sich bei mir einstellen und verkündigen, daß mei— nes Lebens Ende nahe sei, so wende ich mich allein zu dir und spreche: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! O mein Erlöser, du hast mich erlöst von der c. n so len; n er sum nden izige ieses lrme Er d ich olche emüt iesen t auf und „um Ver⸗ ich, ich del, bei nei⸗ ich err Hein der Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. 441 Sünde und Gewalt des Teufels mit deinem heiligen Blute, mit deinem un— schuldigen Leiden und Sterben; ach, laß mir dieses Blut zustatten kommen, daß ich dadurch gerecht vor deinem Rich— terstuhl bestehen könne. Will mich Sa— tan verklagen, so zeige ich ihm deine blutigen Wunden; wollen mich meine Sünden verdammen, so ergreife ich dein heiliges Blut als gegebenes Lösegeld für meine Sünden. In meiner Todes⸗ angst halte ich mich an dein vollgültiges Verdienst. Du bist mein Seligmacher, ach, so mache mich denn selig; vergib mir meine Sünde, schenke mir deine vollkommene Gerechtigkeit, führe mich ein zu der ewigen Seligkeit. Du bist das Leben, darum werde ich nicht ster— ben, obschon mein Leben aufhört, weil ich in dir und du in mir lebst. Dieses Leben wird erst vollkommen, wenn ich ewig bei dir und mit dir leben werde, weil mich weder Gegenwärtiges noch Zu— künftiges mehr von dir trennen kann. Du bist der Weg, führe mich durch das finstere Todestal in das ewige Leben. Du bist die Wahrheit, du hast bisher 442 Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. deine Gnaden-Verheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch dieselbe, die du mir gegeben: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; wenn ich erhöht werde von der Erde, will ich sie alle zu mir ziehen. Nimm mich jetzt zu dir, wo du bist. Herr, laß deinen Diener im Frieden fahren wie du gesagt hast. Ach, ziehe mich zu dir, zu dem völligen Genuß deiner himmlischen Güter. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuz für mich gestorben bist, deine Arme ausge— breitet, dein heiliges Blut vergossen und für mich dein Leben gelassen hast. Ach, dein heiliges Blut wasche und reinige mich von allen meinen Sünden, um deiner heiligen Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Du bist das Lamm Gottes, das sich für mich am Stamm des Kreuzes hat schlachten las— sen, und durch dein Blut bin ich mit Gott versöhnt. Du bist mein Hoherpriester, der für mich betet. Du bist der Held, der mir hilft, der Friedefürst, der mich in die Wohnungen des Friedens aufnimmt. O Jesu, ich komme bald zu dir, darum fasse und halte ich dich im Glauben und spreche: an m Wen öffne mein Ich u Aut Herze Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. 443 Meinen Jesum laß ich nicht, Weil er sich für mich ge⸗ geben, So erfordert meine Pflicht, Klettenweis an ihm zu kleben; Er ist meines Lebens Licht, Meinen Jesum laß soll 0 Aricht. öht Ja, an Jesum will ich jetzt allein zu denken, er soll meiner Seele Licht und dir, Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne ner und Wonne, mein Dichten und Trach— ast. ten, mein Denken und Tun und mein gen alles sein. Weg, ihr eitlen Gedanken! IM Ich An Jesu Verdienst und vergossenem N für Blut will ich mich ergötzen, seine heiligen ge⸗ Wunden will ich mir vorstellen, seines und bittern Leidens will ich mich getrösten, lch, und mein letztes Wort, mein letzter Ge⸗ nich danke soll Jesus, Jesus sein. iner Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, lade Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnot; Da 3—40 will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest* bist 1 an mein Herz drücken, Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. ͥm Gesang. las⸗ Mel.: O Gott, du frommer Gott. 4 Bott ů 1J. Ich will mit frohem Mut In Jesu Wunden eilen, der Wenn mich der blasse Tod Erschreckt mit seinen Pfeilen; Ach, der x öffne mir dein Herz Und nimm dein Küchlein ein, Hier soll die ö mein Aufenthalt Und wahre Wohnung sein. ö 2. Ich will mich glaubensvoll In diese Wunden senken, — x Ich will an Jesu Blut Und sein Verdienst gedenken; Sein ö N Blut ergreif ich jetzt In voller Zuversicht, Und bricht mein Herze schon, So bricht mein Glaube nicht. 444 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 3. Ich ruhe hier getrost In diesen offnen Wunden, Ich bleibe nun mit dir, O Jesu, fest verbunden; Kein Schmerz, kein Leid, kein Feind Reißt mich nunmehr von dir, Ich lasse nicht von dir, Ach, lasse nicht von mir. 4. Sieh, ich will nimmermehr Von diesen Wunden wei⸗ chen, Bis ich darinnen werd Des Glaubens Ziel erreichen, Vergebung, Fried und Freud, Der Seele Seligkeit; Zeuch meinen Geist nach dir Durch die gespaltne Seit. 5. Und endlich will ich auch In diesen Wunden sterben, Und in denselbigen Der Seelen Heil ererben; Und schlaf ich glaubensvoll In Jesu Wunden ein, So wird mein Leib und Seel Gar wohl verwahret sein. —— Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Aufmunterung. Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser, denn meine Väter. 1. Kön. 19, 4. Wenn im Alten Testament jemand Gott dem Herrn eine Gabe brachte, so durfte es kein gezwungenes, sondern mußte ein freiwilliges Opfer sein. So ist es auch mit unserm Ster⸗ ben, es muß ein Mensch nicht sterben mit Verdruß, gezwungen, mit Murren und Widerwillen, sondern es soll 1) ein Mensch in gesunden Tagen sich bekannt machen mit der Herrlichkeit, die uns in jenem Leben bereitet ist; die Güter, die Krone, das weiße Kleid, die Freude, die wir nach dem Tode erlangen sollen. Man soll 2) auch sich bekannt machen mit dem Weg, der zu dieser Herrlichkeit führet, welcher ist Jesus Christus, daß er im Glauben und heiligem Leben beharre bis in den Tod. Kommt dann nun die Stunde, die Gott zum Abschied bestimmt, so soll er 3) mit Freuden seine Augen aufheben gen Himmel und Gott um ein seliges Ende anflehen; dieses kann geschehen, wenn er dem dreieinigen Gott seinen Leib und Seele empfiehlt, Jesus Christus immer im Gedächtnis behält, andächtig betet und so auf sein Stündlein wartet, dabei er aul vernü weilen wird bender mit se mer daß Rül vert und Ich nerz, lasse wei⸗ chen, euch rben, af ich und nicht eine mußte Ster⸗ ingen, Nensch ichkeit, trone, angen Weg, ristus, in den bschied fheben dieses 1 Leib ächtnis „dabei Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 445 er auch Gott anrufen kann, er wolle ihm ein stilles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende verleihen. Sollten auch zu— weilen einige unanständige Gebärden mit unterlaufen, so wird es doch den Umstehenden empfindlicher, als dem Ster-— benden sein, welcher unterdessen in der süßen Gemeinschaft mit seinem Jesu bleibt. Gebet. Barmherziger, gnädiger Gott, ich merke, daß mein Abschied vorhanden ist, daß ich soll in Frieden fahren und zur Ruhe mich niederlegen; mein Gesicht vergeht mir, meine Kräfte nehmen ab, und es scheint, es wird bald anders mit mir werden; darum komme ich zu dir und tue mein letztes Gebet, welches darin besteht: Mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr, ein selig End gib mir um Jesu Christi willen. Herr Gott, himm— lischer Vater, der du mich hast erschaf— fen, bisher versorgt und erhalten, ach, nimm meine Seele in Gnaden an. O Jesu, der du mich mit deinem Blut er— löst und abgewaschen hast, ach, laß mich in wahrem Glauben auf dein Verdienst und Blut nun selig sterben. Ach, Herr Jesu, in deine Hände befehle ich mei— nen Geist. O werter heiliger Geist, mein Tröster und Beistand, ach, verlaß — 4 / V 4414 1 4 ö 446 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. mich nicht, gib mir Freudigkeit und Ver⸗ sicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sei, bete in mir und mit mir, und vertritt mich bei Gott mit unaus— sprechlichen Seufzern. Ich bin bereit, die Erde zu verlassen, und sehne mich allein nach dir, um bei dir, o dreieiniger Gott, zu sein. O mein Jesu, öffne mir die Himmelstüre, begleite und führe mich zu dem ewigen Leben, zu der Ge⸗ meine der Heiligen im Licht. Ach, mein Gott, gib mir, daß ich möge meinen Verstand bis an den letzten Augenblick meines Lebens behalten. Erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtnis behalte Jesum Christum; und wenn meine Augen frühe brechen sollten, so erquicke mich inwendig an meiner Seele mit deinem himmlischen Trost und Licht. Laß Jesum immer vor meiner Seele stehen; gib, daß ich mich über sein Blut erfreue, in seine offene Seite mich verberge, seines Ver⸗ dienstes mich getröste und seine Gerech— tigkeit in wahrem Glauben ergreife. Gib mir, wenn es dir gefällt, ein sanftes Ende. Laß mein Herz, welches deine +** Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 447 Wohnung hier gewesen, sanft gebrochen werden. Ach, laß mich in deinem Arme sanft verscheiden. Gib mir ein seliges Ende, daß ich möge dein heiliges An— gesicht bald mit Freuden erblicken. O dreieiniger Gott, segne meinen Ausgang aus dieser Zeit und meinen Eingang in die frohe Ewigkeit. Der Herr segne und behüte mich; der Herr lasse sein Antlitz leuchten über mich und sei mir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden! Im Namen des dreieinigen Gottes, des Va— ters, des Sohnes und des heiligen Gei— stes lebe und sterbe ich, in seinem Namen schließe ich meine Augen zu und emp— fehle mich Gott und seiner Gnade. Nun lieg ich ganz in deinen Händen, O du mein Hei— land Jesu Christ! Allein gib mir ein selig's Ende, Send mir dein Engelein, Führ mich ins ewge Leben, Das du erworben hast Durch Leiden und durch Sterben Und blutiges Verdienst. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1J. Aufgelöset bald zu werden Wünschet mein erfreuter Geist, Ich verlasse gern die Erden, Weil mein Jesus mich schon speist Mit des Himmels Süßigkeiten Und verbleibet mir zur Seiten; Wenn ich Jesum bei mir hab, Fürcht ich nicht das finstre Grab. 448 Gebet der Umstehenden für Sterbende. 2. Brecht, ihr Augen, brecht geschwinde, Laßt vergehen euer Licht, Weil ich hier schon Jesum finde Mit hellglän— zendem Gesicht; Auf dem finstern Todeswege, Auf dem schö— nen Himmelsstege Ist mein Auge Jesus Christ, Der mein Licht und Leben ist. 3. Und du, roter Mund, erblasse, Ja, ihr Lippen, schließt euch zu, Weil ich, da ich Jesum fasse, Komme zu der Himmelsruh. Jesus wird mich schon vertreten, Er wird kräftig für mich beten, Jesus, Jesus ist mein Mund In der letzten Todesstund. 4. Ja, ihr Ohren mögt euch schließen, Ich brauch euer nun nicht mehr, Mein Trost muß von innen fließen, Dar⸗ auf ich mit Freuden hör. Ich seh schon die Freudensonne, Mein Ohr höret Freud und Wonne. Was ist das für ein, Gesang? Ist es nicht der Engel Klang? 5. Du, mein Herz, zerspring vor Freuden, Eitles Leben, fahre hin! Mich wird nichts von Jesu scheiden, Weil ich ja in ihm nun bin; Jesum hab ich schon gefunden, Und ich bleib mit ihm verbunden; Wenn das Herz im Tode bricht, So bricht dieses Band doch nicht. 6. Ja, ihr fast erstarrten Glieder Durch den kalten Todesschweiß, Leget nur ins Grab euch nieder, Weil ich mich versichert weiß: Jesus wird das Grab aufdecken Und euch wieder auferwecken, Und euch, schön mit Glanz erneut, Bringen zu der Herrlichkeit. 7. Und dich, Gott ergebne Seele, Dich empfehl ich mei— nem Gott, Geh nun aus der Leibeshöhle, Geh aus aller Angst und Not, Geh zur Freude nach dem Klagen, Geh zur Wonne nach dem Plagen, Geh zur Himmelsfreude ein, O wie wohl wird mir da sein! Gebet der Umstehenden für Sterbende. O du heiliger dreieiniger Gott, Va⸗ ter, Sohn und heiliger Geist, du erhörst Gebet, dir; si tragen behden mel,& erschaf deine velches Gnade erharn ist kra sein 6 Erbei vergib seines ihn in der X diesen nem h für ihr zu sein deine! wasche hedecke laß ih keinigt len. Ether Gebet der Umstehenden für Sterbende. 449 Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir; siehe, wir kommen jetzt zu dir und tragen dir in unserm Gebet diesen Ster⸗ benden vor. Herr Gott Vater im Him⸗ mel, erbarme dich über ihn; du hast ihn erschaffen zu deinem Ebenbild, es ist deine Kreatur, es ist auch dein Kind, welches du in der heiligen Taufe in Gnaden aufgenommen hast, ach, darum erbarme dich über ihn; siehe, dein Kind ist krank und will sterben, ach, laß ihn sein Kindesteil erlangen, nämlich das Erbe im Himmel, der Seele Seligkeit; vergib ihm alle seine Sünden, die er zeit seines Lebens wider dich getan, und siehe ihn in Gnaden an. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über diesen Sterbenden, du hast ihn mit dei— nem heiligen Blute erlöst, du bist auch für ihn gestorben, darum rechne ihm nicht zu seine Sünden, sondern rechne ihm zu deine Gerechtigkeit und dein Verdienst, wasche ihn mit deinem heiligen Blut, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit und laß ihn als einen durch dein Blut Ge⸗ reinigten vor dem Thron Gottes erschei⸗ nen. Herr Gott heiliger Geist, erbarme Starck, Gebelbuch. * 2—————.——— —.———.—————— — 8— —— SSSSSSE‚e —————— — ——I—F‚‚ —450 Gebet der Umstehenden für Sterbende. dich über diesen Sterbenden, erhalte in ihm den Glauben, gib Zeugnis seinem Geist, daß er wahrhaftig Gottes Kind sei, und vertritt ihn bei Gott mit un⸗ aussprechlichem Seufzen; heilige, stärke und begleite ihn zum ewigen Leben. O du heilige Dreieinigkeit, nimm diesen Sterbenden zu Gnaden an, gedenke nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Uebertretung, gedenke aber seiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Nimm seine Seele in deine Hände und laß sie der ewigen Freude genießen. Erwecke auch den jetzt sterbenden Leib am jüngsten Tage fröh— lich und herrlich. Verleihe ihm die sanfte Ruhe in der kühlen Erde, bis sich in der allgemeinen Auferstehung Leib und Seele wieder miteinander vereinigen und zur Himmelswonne eingehen werden. Herr, Herr, weil seine Not und Angst immer größer wird, so laß ihm nicht aus dem Sinn kommen das Andenken des gekreuzigten Jesu; wenn seine Au— gen brechen, so laß einen hellen Schein in seiner Seele aufgehen; o Jesu, du rechter Morgenstern, erleuchte ihn zum te in einem Kind tm⸗ stärke diesen licht seiner nach einer le in vigen Hjetzt froͤh⸗ saufte ch in und und Iden. Angt Gebet der Umstehenden für Sterbende.—451 ewigen Leben. Wann er uns nicht mehr sehen kann, so gib, daß er dich, o drei— einiger Gott beständig im Glauben sehe, bis er dich schauen wird von Angesicht zu Angesicht. Ach, wenn nun sein Mund sich schließt, daß er nicht mehr beten kann, so bitte du für ihn, o Jesu, sei sein Fürsprecher bei deinem himmlischen Vater, hilf ihm kämpfen und überwin— den, und laß auch die Seufzer seines Herzens dir angenehm sein. Bricht auch der Todesschweiß aus, so stärke ihn und sei sein Beistand. O dreieiniger Gott, bleibe bei ihm und erhalte ihn im Glau— ben, bis er seinen Lauf selig und fröh— lich vollenden wird. Herr Gott Vater, was du hast erschaffen; Herr Gott Sohn, was du hast erlöst; Herr Gott heiliger „Geist, was du hast geheiligt, das emp⸗ fehlen wir in deine Hände; deinem hei— ligen Namen sei Lob, Ehre und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. Seufzer, Sprüche und Gebete, Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Umstehenden den Sterbenden vorsprechen können.“) Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Siehe, in die Hände hab ich dich gezeichnet. Jesaias 49, 14. 15. 16. Der Herr verlässet keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Ach, barmherziger, gütiger Gott, hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde. O mein Gott, du bist ja allzeit mein gnädiger Gott und mein Beistand gewesen, ach, bleibe es auch jetzt. O Jesu, bleibe bei mir, denn es will Abend werden und der Tag meines Lebens hat sich geneigt. O werter heiliger Geist, stärke und erhalte mich im festen Glauben bis an mein Ende, erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf Jesu Blut und Wunden sterben, dem lebe ich, auf sein Verdienst verlasse ich mich. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Ps. 42, 1. 2. Laß deinen Engel mit mir fahren Auf Elia Wagen rot Und meine Seele wohl bewahren, Wie Lazarum nach seinem Tod; Laß sie ruhn in deinem Schoß, Erquicke sie mit Freud und Trost, Bis der Leib kommt aus der Erden, Mit ihr wird vereinigt werden. *) Fromme Christen tun auch wohl, wenn sie selbige bei gesunden Tagen sich bekanut machen, damit sie in dem Sterben, wenn durch die Krankheit das Gehör vergehen sollte, sich selbst in Gott ermuntern können. 0 * werde heit; mir a du an im fin bei m Glaub dort e Du bi Psaln steht! Allzei Der f meine matte wige Seufz mache nich seht Ach,! erbart inen.) r Herr dleins wihres ch dein eichnet. Jerläßt, Läßt „ Mit . neinem du bist ewesen, es Will geneigt. festen Leben. ebe ich, schreiet 9 Gott, mmen, gen rot seinem t Freud Nit ihr gesunden durch die lönnen. den Sterbenden vorzusprechen. 4⁵3 Jesu, du Licht meiner Seele, wenn meine Augen dunkel werden, so laß in meiner Seele aufgehen die himmlische Klar— heit; weiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen, zeige mir alsdann deine Gestalt und laß mich sehen dein Bild, wie du am Kreuze dich zu Tode geblutet hast. Ob ich schon wandle im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn mein Jesus ist bei mir. Ja, mein Jesus, bleibe bei mir, stärke mich im Glauben und laß mich dein Eigentum sein, hier zeitlich und dort ewig. Ich bin arm und elend, der Herr aber sorget für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, verzeuch nicht. Psalm 40, 18. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn, Bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rat Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu, auf dich verlasse ich mich von Grund meiner Seele; ach, komm und spanne mich aus, bringe meinen matten Leib zur Ruhe und meine Seele nimm auf zu deiner ewigen Himmelsfreude. Ach höre, o Jesu, mein schwaches Seufzen. Sei mein Beistand in der Not; du mein Selig—⸗ macher und Erretter, errette mich, löse mich auf und mache mich selig. Gib dem Satan keine Macht über mich. Tue mir jetzt die Türe auf zum Himmel und zum ewigen Leben. Ach, komm doch bald, erlöse mich, erquicke mich, segne mich, erbarme dich. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jes. 41, 10. O Herr Christ, du Morgenstern, Der du ewiglich auf— gehst, Sei auch jetzt von mir nicht fern, Weil dein Blut mich hat erlöst; Hilf, daß ich mit Fried und Freud Mög von 4⁵⁴ Seufzer, Sprüche und Gebete, hinnen fahren heut; Ach, sei du mein Licht und Straße, Mich dein Beistand nicht verlasse. O Jesu, mein einziger Fürsprecher bei deinem himm⸗ lischen Vater, der du zur Rechten Gottes sitzest und vertrittst uns, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes; ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Werter heiliger Geist, du Tröster in aller Not, bleibe bei mir bis an mein letztes Ende. Ich habe einen starken Beistand; mein Vater, mein Jesus und der heilige Geist ist bei mir, ja auch die Engel sind bei mir; so will ich mit Freuden sterben. Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an. Ps. 73, 23. 24. Hilf, daß ich ja nicht wanke Von dir, Herr Jesu Christ, Den schwachen Glauben stärke In mir zu aller Frist, Hilf ritterlich mir ringen, Ach, habe auf mich acht, Bis ich kann fröhlich singen: Ich hab's mit Gott vollbracht. Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! Ich weiche nicht von dir, ach, bleibe du auch bei mir. O Jesu, wenn mein Kampf angeht, so hilf mir ringen, siegen und überwinden; wenn die Angst meines Herzens groß wird, so führe mich aus meinen Nöten. Ich bin ja dein Eigentum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freude, Wonne und Herrlichkeit. Bist du mit mir, so fürchte ich mich nicht, so bin ich selig und werde zur ewigen Freude eingehen. Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen; ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude. Math. 25, 23. O Jesu, meine Freude, Du meines Lebens Licht, Du zeuchst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht, Ins Haus der ewgen Wonne, Da stets ich freudenvoll, Gleich als die helle Sonne, Nächst andern leuchten soll. O Jesu, dir will ich in deiner Kraft und durch deines —— ðunnl Geiste nicht mein dit ka aus d nache meine Gott! werde Dem Freud Daß in de empfe ewig! mich bersüf lichen von n mich! Relsft 0 * Werde Hebo llid, Throi aann. deine hast traße, himm⸗ rtrittst stunde bist. ei mir stand; nir, ja terben, ich bei st und Chris, „Hilf kann lf mir, auch ringen, 18 groß a dein ch zur fürchte Freude enigem deines t, Du 5 Ins eich als deines Geistes Beistand getreu verbleiben bis in den Tod. Ich weiche nicht von dir, mein Seelenfreund; ich fliehe nicht von dir, mein Hirte; ich lasse dich nicht, mein Seelenbräutigam; außer dir kann mich nichts ergötzen. Führe mich, o liebster Freund, aus dem Elend zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. nach aus der Erde auferwecken; und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Hiob 19, 25—27. Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, Dem hab ich mich ergeben, Mit Freud fahr ich dahin. Mit Freud fahr ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Daß ich mög zu ihm kommen Und ewig bei ihm sei. Ja, hiermit übergebe ich mich dir, o dreieiniger Gott, in deinen Schutz und Gnade; meine teuer erkaufte Seele empfehle ich dir; ich sterbe und werde wieder auferstehen und ewig leben in der Himmelsfreude. O dreieiniger Gott, bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit, verkürze meine Schmerzen, versüße mir meine Todesstunde, tröste mich mit dem inner— lichen Trost deines heiligen Geistes, denselben nimm nicht von mir. Auf das Verdienst Jesu lebe und sterbe ich. Laß mich bald dein Freudenangesicht schauen in der éwigen Him— melsfreude. Ich will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ps. 17, 15. Ach, ich habe schon erblicket Diese große Herrlichkeit, Jetzo werd ich schön geschmücket Mit dem weißen Himmels⸗ kleid, Mit der goldnen Ehrenkrone Steh ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Ende nehmen kann. Ach, mein Jesu, freudig ist meine Seele, wenn sie an deine Herrlichkeit und an die Freude denkt, die du mir bereitet hast. Ich verlasse gern die Welt, weil ich zu meinem Jesu den Sterbenden vorzusprechen. 45⁵⁵ 456 Seufzer, Sprüche und Gebete, komme, zu meinem Seelenbräutigam; o wie wohl, o wie selig werde ich sein, wenn er meine Seele als seine Braut zur Hochzeit einführen, mir das weiße Kleid anlegen, mir die Krone aufsetzen und mich ewig nach so viel ausgestandenen Leiden, Schmerzen und Trübsalen erquicken wird. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Plage rührt sie an. Von den Unverständigen werden sie ange— sehen als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben; aber sie sind im Frieden. Buch der Weisheit 3, 1. 2. 3. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all Not und Qual, Weil dich Christus nun, dein Herre, Ruft aus diesem Jammertal; Aus der Trübsal, Angst und Leid, Sollst du fahren in die Freud, Die kein Ohr jemals gehöret Und in Ewigkeit auch währet. Ich weiß, wenn ich sterbe, so komme ich aus dem Elend zu Gott, aus der Last zur Lust, aus der Angst zum Frieden, aus der Eitelkeit zur Seligkeit, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leiden zur Freude, darum freut sich meine Seele. O mein Gott, hier bin ich, so nimm meine Seele hin, mache sie herrlich, mache sie selig. Mein Jesu, ich bin dein, du bist mein, wir wollen im Tod und im Leben ungeschieden sein. Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütte zer⸗ brochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. 2. Kor. 5, 1. Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron, Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott, der Vater, Sohn und Geist. Ach, lieber Herr Jesu, versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmelswohnung und Herrlichkeit ge⸗ langen werde, wenn ich nun dies Haus und dies mein Sterbe⸗ ie selig ut zur nir die ndenen d keine e ange⸗ e Pein sie sind lot und diesem ollst du Und in Elend rieden, Ruhe, e Seele. „ Mache du bist en sein. itte zer⸗ erbauet, himmel. 9 Seelen da vor has hohe + Vater, meinem chkeit ge⸗ Sterbe⸗ den Sterbenden vorzusprechen. 457 bett verlassen werde. Welch eine herrliche Wohnung und Freudenstätte hast du mir bereitet! Da ist keine Angst, Jam- mer und Elend mehr, sondern Freude, Trost, Herrlichkeit, Wonne, Sonne. O, wären wir da! Weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen, dir will ich innig an— hangen, auf deine Gnade verlasse ich mich, in deine Wunden verberge ich mich, auf deinen Tod sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig. Die Erlöseten des Herrn werden wieder kommen, und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne wird sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird weg müssen. Jes. 35, 10. Nun, es wird annoch geschehen, Daß ich auch nach kurzer Zeit Meinen Heiland werde sehen In der großen Herr— lichkeit. Denn allhier ist lauter Not, Müh und Furcht, zuletzt der Tod, Aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. Gedenke, o Jesu, ich bin durch dein Blut erlöst, laß mich auch bald in dein himmlisches Zion kommen. Ich habe hier lang genug das Tränenbrot gegessen, ach, laß mich bald das süße Engels⸗ und Himmelsbrot kosten. Seufzer und Schmerzen sind hier meine tägliche Gesellschaft gewesen, aber ach, laß mich hören Freude und Wonne, laß meine Seele einen Blick in deine Herrlichkeit tun, erfreue mich nach dem Leiden, erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird; nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebͤ— haben. 2. Timoth. 4, 7. 8. ö Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Not, Durch sein heilig fünf Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. O Jesu, hilf mir glücklich überwinden; wenn nun der 45⁵58 Seufzer, Sprüche und Gebete, letzte Kampf angeht, stehe mir bei, so wird er mir leicht wer— den; stärke mich, wenn ich kraftlos bin, hilf mir in meiner Angst und Mattigkeit. Deine Gnade stärke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heiliges Ver— dienst bedecke meine Sünden; halte mich Elenden in deinen Armen, labe mich, wenn ich ohnmächtig werde. Auf den Kampf folgt die Krone, auf den Streit der Sieg. O wie herr— lich werde ich geziert und von dir gekrönt werden nach meinem Tod! Zeige mir die Krone, die du mir beigelegt hast, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart— Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angelegt werden. Offenb. Joh. 2, 10., Kap. 3,5. Dort will ich immer wohnen, Und nicht nur als ein Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket hast. Da will ich herrlich singen Von deinem großen Tun Und frei von schnöden Dingen In meinem Erbteil ruhn. Von meines Jesu Liebe will ich nimmer lassen; ich habe ihn geliebt in gesunden Tagen, ich will ihn auch lieben bis in den Tod. O Jesu, um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe, dir will ich getreu bleiben im Glauben bis in den Tod. Jesus in meinem Herzen, Christus in meinem Sinn, in Jesu Namen schlaf ich ein. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zu— künftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Krea— tur mag mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Röm. 8, 38. 39. Jesum, Jesum will ich lieben Hier und dort in Ewig— keit, Sollte mich gleich hier betrüben Aller Jammer, alles Leid; Was frag ich nach Höll und Tod? Jesus hilft mir aus der Not, Der wird mich zur Freude führen, Wo die Seinen jubilieren. Ich b Leib Jesus Arme wohl! nachd fange Jat Weil hab nach ohn! duld Leib Ende herzi du b fluch Erba dir s bein Glar erlös arme bfl sein mich t wer⸗ meiner u Blut ĩVer⸗ deinen uf den e herr⸗ neinem t, und art. one des leidern u Gast, da will ei von ch habe bis in erhalte Hlauben meinem Engel och Zu⸗ e Krea⸗ Christo Ewig⸗ 1, alles llft mir Wo die den Sterbenden vorzusprechen. 459 Ja, das ist mein Schluß, meinen Jesum laß ich nicht. Ich bleibe im Glauben, ich halte mich an ihn; der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von Jesu nicht. Jesus ist mein, ich bin sein und lege mich in meines Jesu Arme, darin will ich selig leben und sterben; o wie wohl, wie wohl! ö Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens emp— fangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn liebhaben. l. k, 32. Herzlich tut mich verlangen Nach einem selgen End, Weil ich hier bin umfangen Mit Trübsal und Elend; Ich hab Lust, abzuscheiden Von dieser bösen Welt, Sehn mich nach Himmelsfreuden; O Jesu, komm nun bald. Ach ja, o Jesu, komm zu mir, ach, komm doch bald, ohn Aufenthalt, und nimm mich hin in Frieden; gib mir Ge— duld und Stärke, ich übergebe mich dir ganz und gar mit Leib und Seele; erhalte mich im Glauben bis an mein seliges Ende. O Jesu, hilf mir durch deine große Gnade und Barm-— herzigkeit zur ewigen Freude und Seligkeit. Herr Gott, der du bist unsere Zuflucht für und für, sei jetzt auch meine Zu— flucht, mein Heil, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein Erbarmer und Seligmacher. Nimm auf die Seele, die nach dir seufzet. O, wie verlangt mich, Gottes Angesicht zu sehen, bei den Engeln und Auserwählten zu sein, in himmlischem Glanz und Klarheit einherzugehen. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott. Ps. 31, 6. Alsdann an meinem letzten End, Herr Christ, mein arme Seele In deiner Allmacht treue Händ Ich betend dir befehle; Schlaf also ein, Im Namen dein Sanft, selig und fein stille: Am jüngsten Tag Befreit von Klag, Erweckt mich, Herr, dein Wille. Seufzer, Sprüche und Gebete, Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu von d. dir, o dreieiniger Gott, zu der Barmherzigkeit des himmlischen Schme Vaters, zu den blutigen Wunden Jesu Christi, zu der Gütig⸗ bei di keit des heiligen Geistes. Diesem dreieinigen Gott empfehle ich Leib und Seele. lein, u Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, und deiner nimm dein Küchlein ein. Will Satan mich verschlingen, So Satan laß die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein. keinen ich gel Ihr seid kommen zu dem Berg Zion, zu der Stadt des ö aan lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem, und zu der ö zur en Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstge— meiner bornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Ge— 3. rechten. Hebr. 12, 22. 23. Hre 8 Mein Gott, ich bin bereit, Zum Himmel einzugehen, Und in verklärtem Glanz Vor deinem Thron zu stehen; Was soll Ind! ich auf der Welt In Trübsal länger tun? Ach, hole mich zu wurde dir, Dort kann ich sicher ruhn. Herr, eile mit mir fort, Hutt Hier wird mir's gar zu lange, Den Himmel wünsch ich mir, ů Daß mich die Freud umfange, Da ich dich schauen kann In 1 di alle Ewigkeit; Ach, eile bald mit mir, Mein Gott, ich bin 0 bereit. 2298 tein Jesu, wie herrlich wird der Anblick sein, wenn D ich dich werde in deiner Herrlichkeit und alle Engel und Aus⸗ erwählten in dem Himmel antreffen. Nun, darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde und das Elend und komme zur Herrlichkeit und Freude; ich verlasse die Menschen und komme zu den heiligen Engeln. 8 Hhllffen Evigk nomm lagen hr —. Schme wig Lider Nsu! ————————.——— I— —38—— Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. Und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Joh. 10, 27. 28. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Des tröst ich mich ben zu lischen Gütig⸗ npfehle e, und N, So un. idt des zu der Erstge⸗ tt, dem en Ge⸗ „ Und as soll nich zu fort, ch mir, in In ich bin wenn d Aus⸗ eue ich me zur komme ine sie, n; und Hird sie h mich den Sterbenden vorzusprechen. 461 von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib In Todesnot und Schmerzen; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin; Drum fahr ich hin mit Freuden. Ach ja, mein Hirte Jesu, bringe mich, dein armes Schäf— lein, nun zur Himmelsfreude; laß den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen, du bist mächtiger und stärker als der Satan, dein bin ich und will auch dein bleiben. Satan hat keinen Teil und kein Recht an mir, aber dein Eigentum bin ich gewesen und will es auch ewig sein. Ach, nimm meine Seele, wie ein mattes Schäflein, in deine Arme und bringe es zur ewigen Wonne. O wie wohl, o wie selig, wenn ich bei meinem Jesu bin. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; und ihre Werke folgen ihnen nach. Offenb. 14, 13. O Herr, gib mir in Todespein Ein unverstellt Gebärde Und hilf, daß mir das Herze mein Fein sanft gebrochen werde, Und wie ein Licht, ohn alles Weh, Auf dein unschuldig Blut vergeh, Das du für mich vergossen. Ach Herr, sprich meiner Seele den Trost ein: ich werde in dir sterben. O Jesu, du hast in mir gelebt und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deiner Liebe, in deinen Wunden, in deiner Gnade; laß meinen Jammer, Kummer, Schmerzen und Leiden aufhören, hingegen bringe mich zum ewig seligen Leben, da werde ich ruhen von aller Arbeit, Leiden und Schmerzen. O Jesu, höre mich, ja komm, Herr Jesu! Der Herr wird mich erlösen von allem Übel, und aus⸗— helfen zu seinem himmlischen Reich; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 2. Timoth. 4, 18. Gottlob! die Stund ist kommen, Da ich werd aufge— nommen Ins schöne Paradeis; Ihr Freunde sollt nicht klagen, Mit Freuden sollt ihr sagen: Dem Höchsten sei Lob, Ehr und Preis! Gott eilet mit den Seinen, Läßt sie nicht 462 Seufzer, Sprüche und Gebete, lange weinen In diesem Tränental. Ein schnell und selig Sterben Ist schnell und glücklich erben Des schönen Himmels Ehrensaal. O großer Gott, gedenke in Gnaden an mich und erbarme dich; ach, gib mir ein stilles und sanftes Ende. Mein Todes-— tag ist mein Erlösungstag, und meine Todesstunde ist die Stunde, da ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach, erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens, laß mich freudig anhören den Trost, der mir vorgesprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und Hoffnung be— zeugen könne, und so erlöse mich durch ein seliges Ende von allem Übel. Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth. 25, 34. Was für Lust und Süßigkeit, Was für Freud und Ju— bilieren, Was für Ruhe nach dem Streit, Was für Ehre wird uns zieren! Ewig, ewig werd ich loben, Wenn ich ganz in Gott erhoben. Ach, mein Jesu, laß mich auch, wenn ich von dem Leibe scheide, diese Stimme hören; sprich meiner Seele alsdann zu: Komm her, du Gesegnete! Ja, laß Leib und Seele am jüngsten Tage mit diesen Worten in die Herrlichkeit eingeführt wer— den. Indessen fasse ich dich im Glauben und erlange in dir und durch dich den Segen und das Erbe. Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet. Jes. 61, 10. O Jerusalem, du Schöne, Ach, wie herrlich glänzest du! Ach, welch lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter Ruh! O der großen Freud und Wonne! Jetzund gehet auf die Sonne, nag. Di alle di ist bei! mir an Rock de mein, den Gl Jesum wie sch nen S loren 9 zagen Sünd ich frö In dei A Christ hast m ihn g zum l durch Stärk geglau mir b 2 erlöset sonder und v d selig immels rbarme Todes⸗ ist die erhalte Lebens, prochen daß ich ung be⸗ nde von bet das „ 34. ind Ju⸗ ir Ehre ich ganz m Leibe ann zu: jüngsten rt wer⸗ e in dir öhlich in dern des „ I0. tzest du! er Ruh! auf die Es hat dein Blut gekostet, Drauf ich mein Hoffnung stell: den Sterbenden vorzusprechen. 463 Sonne, Jetzund gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. Die Himmelsfreude, das weiße Ehrenkleid versüßt mir alle Bitterkeit des Todes. Der Tod ist mir nicht bitter, Jesus ist bei mir, der tröstet und erhält mich. Ach, mein Gott, lege mir an das himmlische Freudenkleid, der du mich mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet hast. Deine Gerechtigkeit ist mein, und darum weiß ich, weil ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, ja, ich habe Leben und Seligkeit zu erwarten; wie schön werde ich da geziert stehen vor dir! Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebor— nen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht ver— loren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16. Herr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja ver— zagen nicht, Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd und Tod anficht; Deiner Güte will ich trauen, Bis. ich fröhlich werde schauen Dich, Herr Jesu, nach dem Streit In der frohen Ewigkeit. Ach, liebster Gott und Vater, laß mich auf Jesum Christum sanft und selig von hinnen scheiden; ich weiß, du hast mich geliebt und mir deinen Sohn gegeben; ich habe an ihn geglaubt und will in solchem Glauben verharren bis zum letzten Augenblick meines Lebens. Ach, versichere mich durch deinen heiligen Geist, ich werde nicht verloren werden. Stärke mich in solchen Glauben, daß ich bald, was ich hier geglaubt, möge schauen im ewigen Leben. Ach Jesu, stehe mir bei, ach, verlaß mich nicht. Wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 1. Petri 1, 18. 19. Du hast mich ja erlöset Von Sünd, Tod, Teufel, Höll, FI.—————————————————.————— AII——— H——— .. 464 Seufzer, Sprüche und Gebete, Warum sollt mir denn grauen Vor Tod und Grabesnacht? Weil ich auf dich kann bauen, So bin ich froh gemacht. Ich komme, o großer Gott, vor dich, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Jesu Christi, die ich mir in seinem Blute zugeeignet habe. O du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Ach, gerechter Gott, siehe nicht an meine Sünden und Unreinig— keit, sondern meines Jesu Gerechtigkeit und Heiligkeit; die— selbe ergreife ich, in seine Wunden verberge ich mich, auf sein Verdienst sterbe ich, um deswillen sei mir gnädig und barm-— herzig. Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden. Ap.⸗Gesch. 4, 12. Jesus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Ge— winn; Er hat mir das Heil erworben, Drum fahr ich mit Freuden hin, Fort aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Schaue solche Freude an, Die kein Mensch beschreiben kann. Jesu, mein einziges Heil und meine Zuflucht, ich komme zu dir jetzt in meiner Todesstunde, ach, erbarme dich, verlaß mich nicht. Der süße Jesusname und das Andenken seines vergossenen Blutes, seiner Wunden, seiner heiligen Person soll nun in meinem Munde, Herzen und Gedanken bleiben. Herr Jesu, dir leb ich, Herr Jesu, dir sterb ich, Herr Jesu, dein bin ich tot und lebendig. Amen. Ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. Und derselbige ist die Versöhnung für unsere Sünde; nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt. 1. Joh. 2, 1. 2. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Mein Arm tu ich aus⸗ strecken, So schlaf ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken; Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelstür auftun, Mich führ'n zum ewgen Leben. dein mein fällt, erwä herzi dich dich mich Snacht? acht. fmeine isti, die Gottes, Ach ireinig⸗ it; die⸗ auf sein d barm⸗ T Name n. 2, 12. ein Ge⸗ ich mit schönen Mensch komme „verlaß seines Person bleiben. Jesu, echer bei elbige is für die den Sterbenden vorzusprechen. 465 O großer Gott, die Zeit kommt herbei, daß ich soll ab— scheiden aus der Welt und vor dein Gericht treten; ach, himm— lischer Vater, erbarme dich über mich und nimm mich als dein Kind, das du erschaffen und geliebt hast, in Gnaden auf. O Jesu, bitte für mich, du bist mein Mittler, Fürbitter und Seligmacher. Nimm weg meine Sünden, kleide mich in deine Gerechtigkeit, so bin ich selig. O werter heiliger Geist, wohne und bleibe in meinem Herzen, daß du mich bringest zur ewigen Himmelswohnung. Lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnaden— stuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfahen, und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird. Hebr. 4, 16. Stärk mich mit deinem Freudengeist, Heil mich mit deinen Wunden, Wasch mich mit deinem Todesschweiß In meinen letzten Stunden Und nimm mich einst, wenn dir's ge— fällt, Im wahren Glauben von der Welt Zu deinen Aus⸗ erwählten. Ich ja, um Jesu willen werde ich Gnade und Barm⸗— herzigkeit erlangen. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich; Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich; Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich und sei mir gnädig und barmherzig! Amen. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. 2. Kor. 5, 21. In deine Seite will ich fliehen Bei meinem bittern Todesgang, Durch deine Wunden will ich ziehen, Ins himme— lische Vaterland, In das schöne Paradies, Wohin dein Mund den Schächer wies, Wirst du mich, Herr Christ, einführen Und mit ewger Klarheit zieren. Jesu, du hast weggenommen meine Sünden und hast mir deine Gerechtigkeit geschenket; was mein ist, meine Sünden und Schulden, sind dir aufgelegt, und was dein ist, deine Ge— Starck, Gebetbuch. 30 466 Seufzer, Sprüche und Gebete, rechtigkeit, ist mir geschenket; des freue ich mich, des tröste ich seher mich. Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck shm und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wann ich zum ö Himmel werd eingehn. In Jesu bin ich gerecht, in ihm bin ierb⸗ ich selig; ich verhülle mich in meiner Todesstunde in seine urd Gerechtigkeit, darin kann ich fröhlich sterben und Gott an— Niun genehm sein. ziert 2 istt d Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, 0l 1 noch Schmerzen wird mehr sein. Offenb. Joh. 21, 4. 320 O, wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch ö gesch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen aller Not, 1 achte Die uns noch hält gefangen. Christus wischet ab all eure zagen Tränen, Ihr habt schon, wonach wir uns noch sehnen; Euch 5 wird gesungen, Was in keines Ohr allhier gedrungen. Komm, Valt o Jesu, komm, mich auszuspannen, Lös mich auf und führ mich bald von dannen; Bei dir, o Sonne, Ist der frommen 30 Seelen Freud und Wonne.—— Ach Jesu, ich freue mich auf die Stunde, da ich werde—3 dein Freudenangesicht mit verklärten Augen sehen. Da wird 4½ mein Leib leuchten wie die Sonne und meine Augen werden R I nicht mehr von Tränen naß, sondern voll Licht und Glanz 10 I. sein; bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich ein h. Pilger, bei dir aber im rechten und ewigen Vaterland. II So wir aber im Lichte wandeln, wie er im Lichte ist, so 4* haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 1. Soh. 1, 7. ů Wenn endlich ich soll gehen ein Zu deines Reiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur sein, Ich will darein mich kleiden, Es soll sein meines Hauptes Kron, Mit welcher ich will vor dem Thron Des ewgen Vaters ste ich chmuck zum m bin seine tt an⸗ lugen, schrei, durch L Not, Heure Euch domm, d führ ymmen werde a wird werden Glanz ich ein nd. ist, so t Jesu Sünde. Reiches will Kron, Vaters den Sterbenden vorzusprechen. 467 stehen Und dir, dem ich hier angetraut, Als eine wohlge— schmückte Braut Zu deiner Rechten stehen. In der Gemeinschaft meines Jesu bin ich, darin lebe und sterbe ich; o Jesu, du in mir und ich in dir. Es ist nichts Verdammliches an mir, weil ich in deiner Gemeinschaft stehe. Nun gehe ich zur Herrlichkeit ein, Jesu Blut heiligt, kleidet, ziert und macht mich rein. O himmlischer Vater, siehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darin komme ich zu dir. Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Johr K, 29. O Lamm Gottes, unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit funden geduldig, Wiewohl du warest ver— achtet; All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir ver— zagen; Erbarm dich unser, o Jesu! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, verleihe mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden. Amen. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Joh. 17, 24. Ist's nun dein Will, so stell dich ein, Mich selig zu ver— setzen; Ach, ewiglich bei dir zu sein, Kann meine Seel er— götzen; Eröffne dich, du Himmelssaal, Damit ich nach der Not und Qual Zu meinem Jesu komme. O welch eine fröhliche und selige Zusammenkunft wird das sein, wenn ich zu dir, o Jesu, kommen und dich von An-⸗ gesicht zu Angesicht anschauen werde. Ich habe dich hier schon geliebet, ehe ich dich gesehen habe, wie werde ich mich dann mit unaussprechlicher Freude ergötzen, wenn ich nun hin— komme, wo du bist, nämlich zu allen Heiligen und Auser⸗ wählten! O wie groß ist deine Herrlichkeit! Ich habe davon 30³ ————— —— — ——— ————.——.—.—...3.3. —2—8 FPFFP‚PPP‚P‚P‚P‚PI‚I‚I‚II... * ——— H. —PFF———————— ————— 168 Seufzer, Sprüche und Gebete, hier in diesem Leben nicht die Hälfte gehört, was ich mit Augen dort bei dir sehen werde. Ach, ziehe mich zu dir und bereite mich zu einem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Röm. 14, 7. 8. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr, Ich bitt, wollst sein von mir nicht fern Mit deiner Hilf und Gnaden! Die ganze Welt nicht freuet mich, Nach Himmel und Erd nicht frag ich, Wenn ich dich nur kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist du doch mein Zuversicht, Mein Teil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst; Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr. O großer Gott, ich bin dein geworden in der heiligen Taufe, ich bin dein geblieben durch den Glauben, laß mich im Sterben auch dein Eigentum sein. O Jesu Christe, Gottes Sohn, der du für mich genug getan, schließ mich in deine Wunden ein, du bist allein der einge Trost und Helfer mein. Amen. Halt im Gedächtnis Jesum Christum, der auferstanden ist von den Toten. 2. Timoth. 2,S. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meiner Not, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnot, Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Jesus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben; ach ja, o Jesu, ich halte jetzt im Gedächtnis deine Marter und Pein, dein vergossenes Blut und heilige Wunden. Jesu, ich umfasse dich, in mein Herz drück ich dich; ach, weiche nicht von mir, mich verlaͤngt nach dir, o mein Heiland, wär ich bei dir! 9 Oesus mit mi beschler Fesu, Hünde. Seiten 2 Gnade teures sie dir gehen. Fesu, dir zun Herrlic 0 daß C zu ma Q Blut, Und w tragen eigen 8 selig u unden eigen. Fesus und 6 bist di 9 Leil. den Sterbenden vorzusprechen. Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Luk. 23, 42. 43. Befiehlst du, Jesu, deinen Geist, Eh du dein Leben hier beschleußt, In deines Vaters Hände, So greif dann, liebster Jesu, zu, Nimm meine Seel in diesem Nu In deine treuen Hände. Senk ein die blutbespritzte Seel In deine blutge Seitenhöhl Jetzt und an meinem Ende. Mein Jesu, mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach, nimm meine durch dein teures Blut erkaufte Seele auf in deine Hände. Ach, laß sie dir befohlen sein, laß sie zur Freude in das Paradies ein⸗— gehen. Ich spreche auch mit dem gläubigen Schächer: Herr Jesu, gedenke mein, ich bin dein Kind, ich bin durch dein Blut dir zum Eigentum erkauft. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit sein. Das ist je gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. 1. Timoth. 1, 15. Jesu, du hast weggenommen Meine Schulden durch dein Blut, Laß es, o Erlöser, kommen Meiner Seligkeit zugut, Und weil du so gar zerschlagen Meine Sünd am Kreuz ge— tragen, O so spreche mich denn frei, Daß ich ganz dein eigen sei! Herr, ich warte auf dein Heil. Jesus macht die Sünder selig und macht mich auch selig. Jesus nimmt die Sünder an und nimmt mich auch an. Ich bin und bleibe meines Jesu eigen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel und sehe, wie Jesus mich zu sich ruft. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Psalm 73, 25. 26. 470 Seufzer, Sprüche und Gebete für Sterbende. Wann ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir, Wann ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür, Wann mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Angsten Kraft deiner Angst und Pein. O Jesu, mein Leben endigt sich; ach, nimm mich auf zu dir. Mein Hirte, nimm dein Schäflein, mein Bräutigam, nimm deine Braut; mein Vater, nimm dein Kind; mein Jesu, nimm die durch dein Blut erkaufte Seele zu dir. So bete, so wünsche ich, so schließe ich meine Augen zu. Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Throne stehend und vor dem Lamm, mit weißen Kleidern angetan und Palmen in ihren Händen. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht in dem Blute des Lammes. Offenb. Joh. 7, 9. 14. Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schar, Welche zieret eine Krone, Glänzet gleich den Sternen klar, Singen Halleluja all, Loben Gott mit großem Schall? O wie groß wird sein die Wonne, Wann wir werden aller⸗ meist Schauen auf dem hohen Throne Vater, Sohn und heilgen Geist. Großer Gott, dir sei bereit Lob und Preis in Ewigkeit. ö Ach, mein Jesu, ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir wirst geben. Ich wasche in— dessen meine Seele in deinem heiligen Blute, ich eigne es mir zu; ach, nimm mich um desselben willen auf in dein ewiges Freudenleben. Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Luk. 23, 46. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Ap.-Gesch. 7, 58. Herr, meinen Geist befehl ich dir, Mein Gott, mein Erde, u 2. Pett den, X Leiden brenne Jesu, Wenn Das di bald ko wannk O auf in ich wa Gott L hast er das be sei Lob del A borhan Und ic Seufzer und Gebete eines Sterbenden.—47¹1 mir, Gott, weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände; O rfür, wahrer Gott, Aus aller Not Hilf mir an meinem Ende. I So O mein Jesu, ich bete jetzt auch mit dir. Dein letztes 4 n. Wort am Kreuze soll auch mein letztes Wort in meinem Leben I i zu sein. Herr Jesu, dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich tot gam, und lebendig. 0 Jesu, ů Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen te,so Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. 2. Peir. 3,13. N O Gottesstadt, o goldnes Licht, O Wohnung aller Freu— velche— den, Wann schau ich Gottes Angesicht, Wann endet sich mein ö ö und Leiden? Wann schmeck ich seine große Güt? O Lieb, es IUIF. brennet mein Gemüt, Ich lieg und seufze mit Begier: O II Jesu, hole mich zu dir. O Gott, wie selig werd ich sein, Wenn ich aus diesem Leben Zu dir geh in dein Reich nun ein, ö Das du mir dort wirst geben. Ach Herr, wird dann der Tag —4. — 2..e ihre bald kommen, Daß ich zu dir werd aufgenommen? Ach Herr, wann kommt die Stund heran, Daß ich in Zion jauchzen kann? 14. x O du heiliger, dreieiniger Gott, nimm jetzt meine Seele ritt aauf in dein himmlisches Freudenreich. Ach komm, Herr Jesu, Enen ich warte auf dich, führe mich ein zu deiner Freude. Herr hall? Gott Vater, was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn, was du Aller⸗ hast erlöset, Herr Gott heiliger Geist, was du hast geheiliget, 4—das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen Preis sei Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. nd Seufzer und Gebete eines Sterbenden. e n Aus dem Gesang: mir ö Wenn mein Stündlein vorhanden ist. wiges 1 Wenn mein Stündlein vorhanden ist. Ach, mein Jesu, mein Sterbestündlein ist vielleicht bald borhanden, darum lehre mich, daß mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Erhalte mich im Glauben, daß ich auf x . 17² Seufzer und Gebete eines Sterbenden. den dreieinigen Gott, auf den ich getauft bin, mich verlasse, und auf dein Verdienst, Blut und Wunden, o Jesu, meine Hoffnung setze. Ach, in der letzten Lebensstunde bewahre mich vor Anfechtung, laß deine Linke unter meinem Haupt sein und deine Rechte mich decken. Erquicke mich in meinem Sterbestündlein durch den Trost des heiligen Geistes und laß nich hören Freud und Wonne, bleibe bei mir, wenn mein Ende kommt. And soll hinfahr'n mein Straße. Ach ja, mein Jesu, ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du, o Jesu, bei mir bist. Mein Tod ist ein Hingang zum Vater; o wie freue ich mich, daß ich zu meinem himmlischen Vater, zu dir, meinem Jesu, kommen soll, da werde ich Friede, Freude, Trost, Wonne, Sonne, ein herrliches Kleid, eine schöne Krone antreffen. O wie wohl wird mir da sein! Da wird all mein Jammer und Elend auf⸗ hören, und ich werde zur Ruhe, zur Freude und zur Seligkeit gelangen. Auf dieser Todesstraße zum ewigen Leben sei bei mir, o Jesu, treibe von mir meiner Seelen Feinde, schenke mir hingegen des Glaubens Freudigkeit und deines Trostes Süßigkeit, und damit ich die Todesfahrt mit Freuden selig antreten und vollbringen möge, So g'leit du mich, Herr Jesu Christ! Ach ja, o Jesu, begleite mich aus dem zeitlichen ins ewige Leben. Ist's auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Lichte wandeln, wenn du, o Jesu, mein Licht bist. Stehe bei mir an meinem Sterbebette und nimm meine Seele auf, wenn sie von dem Leibe scheidet. Wenn ich meine Leibesaugen im Tode schließe, so laß meine Seelenaugen dich erblicken. Be— gleite meine Seele, bis du mich bringest zu deiner heiligen Wohnung, zu den heiligen Engeln und zu der Schar der Aus— erwählten. Ja, begleite mich vor den Thron deines himm— lischen Vaters als dein Eigentum, damit ich daselbst Gnade erlange und als ein Erbe der Seligkeit angenommen werde— In meinem Abschied aus der Welt stehe mir bei und Ac helfen, Glaube Gottes fangen und die Augen Seele. alsdan Seele. und ich und o mit un nun vo nimm in dei meine und re fällige kitlich es dei und 6 lallen den 3 Trost dir ge Sterb finden erquid Glaub bleibe so übe lasse, neine mich sein inem d laß mein „aber Mein aß ich nmen e, ein wohl auf⸗ igkeit ei bei henke rostes selig ewige ch im he bei wenn en im Be⸗ iligen Aus⸗ inm⸗ Rade verde. Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Mit hilf mich nicht verlasse. Ach, es kann mir in meinem Sterbestündlein niemand helfen, als nur du, o Jesu, allein. Hilf mir und stärke meinen Glauben, und gib Zeugnis meinem Geiste, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, und als Gottes Kind das ewige Leben emp— fangen werde. Verlaß mich nicht, wenn ich im Tode erblasse und die Todesfarbe anziehe. Verlaß mich nicht, wenn mir die Augen brechen, alsdann sei und bleibe du das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir das Gehör vergeht, alsdann lehre, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir die Sprache vergeht und ich nicht mehr beten kann, dann bitte für mich, o Jesu, und o heiliger Geist, bete in mir und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. Verlaß mich nicht, wenn ich nun verscheide, alsdann führe mich zur Himmelsfreude; ach nimm Mein Seel an meinem letzten End in deinen Schutz und zu Gnaden auf. O Jesu, du hast ja meine Seele mit deinem heiligen Blute erkauft; ach, wasche und reinige sie, damit sie als ein reines und Gott wohlge— fälliges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines zeitlichen Lebens, ach, so gib mir ein vernünftiges Ende, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich möge mein Herz, Augen und Gemüt zu dir richten und beten, solange die Zunge lallen kann; seufzen, solange der Atem in mir ist, ja, daß ich den Zuspruch der Umstehenden mit Freuden und zu meinem Trost vernehmen kann; gib mir ein fröhliches Ende, wenn es dir gefällt, daß ich möge deiner Gemeinschaft, o Jesu, im Sterben genießen, die Süßigkeit deiner Einwohnung emp⸗ finden und durch den Trost und Beistand des heiligen Geistes erquickt werden. Gib mir auch ein seliges Ende, daß ich im Glauben sanft und selig einschlafe und mit dir vereinigt bleibe vor und nach dem Tode. Damit das möge geschehen, so übergebe ich dir meine Seele; die —47⁴ Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Befehl ich herr, in deine Händ. O, wie wohl wird sie darin verwahrt sein! Siehe, ich habe dir meine Seele alle Tage anbefohlen, so soll auch jetzt dies mein Gebet sein: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Mein Jesu, du hast meine Seele mit deinem heiligen Blut erlöst von der Sünde und von der Gewalt des Teufels, darum befehle ich sie dir, sie ist dein Eigentum und soll auch dein bleiben in Ewigkeit. Nimm sie auf zu deiner ewigen Himmels freude, zur Wonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl sein. Deine Hände sind mächtig, niemand kann meine Seele aus deiner Hand reißen, nicht die Welt, die hat kein Teil an mir, nicht der Satan, den hast du überwunden. Deine Hände sind treue Hände, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl aufgehoben sein, denn Du wirst sie wohl bewahren. Ich gebe sie dir aufzuheben bis an den jüngsten Tag, da wirst du sie mit meinem verklärten Leibe wieder vereinigen und sodann Leib und Seele der Himmelsfreude genießen lassen. Indes, Herr Jesu, erfreue, tröste und erquicke meine Seele in deiner Herrlichkeit. Verleihe mir nach dem Glauben das Schauen, nach der Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach der Angst den Trost, nach dem Elend die Er— quickung. Laß meine Seele unter den Engeln und Auser— wählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern be— reitet hast. 2. Meine Sünd mich werden kränken sehr. Ach ja, mein Jesu, ich gedenke heute an meine Sünden, ich gedenke daran, und ist mir herzlich leid, daß ich dich zeit meines Lebens so lange, oft und vielfältig erzürnt habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ach, ich betrübe mich darüber von Grund meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erlöser und Heiligmacher beleidigt habe, ach, hätte ich es doch nicht getan! und wenn ich es noch zu tun hätte, so wollte ich es m unschuld Sünde, gedenke, meine verdam meiner durchstr und ver mit deil I᷑ über m auf den mein J was ich Jesu, v meine! barme mich in und til kleit; w von me mein 9 taten 1 daß iht ů0 1 Sünde Werker Herr, die Ge. mich so geben, Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 47⁵ ich es nun nimmermehr vollbringen. Aber, o Jesu, durch dein „ich unschuldiges Blut, die schöne rote Flut, wasch ab all meine jegt Sünde, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr'r nicht mehr auf gedenke, ins Meer sie tief versenke. Ach, mein Jesu, wenn Blut ö meine Sünden vor mein Krankenbett treten, mich ängstigen, ö verdammen und verklagen wollen, so tritt, o Jesu, du zu meiner Seite, und zeige mir deine heiligen Wunden, und dei i durchstreiche mit deinem heiligen Blut das Sündenregister, sein. und versiegle in meinem Herzen die Vergebung der Sünden aus mit deinem heiligen Geist. Nun, dessen tröste ich mich, wenn nir, mein G'wissen wird mich nagen. 8 ö Ich fühle wohl, was für Angst und Schrecken ich muß über meine Sünden ausstehen. O Sünde, wie bitter bist du* auf dem Todbette, wie machst du so angst und bange! Aber ach, I mein Jesu, ich bitte um Gnade, ach, verzeih mir doch 9 x . da was ich mein Lebtag wider dich auf Erden begangen habe. ö und Jesu, um deines vergossenen Blutes willen verzeihe mir 430 ssen. meine Übertretungen, um deiner heiligen Wunden willen er— I barme dich über mich. Um deiner ewigen Liebe willen nimm ö das ö mich in Gnaden an; Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, 40 und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzig— r⸗ keit; wasche mich wohl von meiner Missetat, und reinige mich 1 von meinen Sünden. So wird mein Gewissen befriedigt und N be⸗ mein Herz beruhigt werden. Ach, ich leugne nicht meine Misse— VI taten und Sünden, ich bekenne vor dem allwissenden Gott, daß ihrer gar viel sind. Denn ihr'r sind viel wie Sand am Meer; uden,* Ist des Sandes am Meer viel, noch viel mehr sind meiner Feit Sünden; viel habe ich gesündigt mit Gedanken, Worten und mit Werken, von Jugend auf bis auf diese Stunde; so du nun, rüber Herr, willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? Willst du inen die Gedanken meines Herzens vor Gericht bringen, so muß ich ö mich schämen; soll ich für ein jedes unnütze Wort Rechenschaft geben, so bin ich verloren; willst du mich richten und mir **— ————— —— —————— ————.—..—.——.— ———————I———— —* SII SSSSISISISSISIIIIII— ——— 476 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. geben nach meinen Werken, o wie wird es mir ergehen? Ach, was soll ich Sünder machen? Ach, was soll ich fangen an? Mein Gewissen klagt mich an. Doch will ich nicht verzagen. Und warum sollte ich verzagen? Der himmlische Vater wird ja sein armes bußfertiges Kind nicht verstoßen. Ich will nicht verzagen, Jesus ist ja mein Heiland, mein Mittler und Fürsprecher bei seinem himmlischen Vater. Wer will die Aus⸗— erwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht; wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja, vielmehr, der auferweckt ist, welcher sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns. Ich will nicht verzagen, der heilige Geist wird mein Beistand bleiben auch in meiner Todesnot und mir Zeugnis geben, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, daß meine Sünden mir um Jesu willen sollen vergeben sein, daß die Barmherzigkeit Gottes mich in die Arme fassen wird. O darum, so oft mich Satan, meine Sünden und mein Ge— wissen ängstigen und kränken wollen, so sollst du, o Jesu, meiner Seele Zuflucht und Trost sein. Gedenken will ich an dein'n Cod. Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o Jesu, am Kreuz, wie du für mich gestorben, wie du für mich dein Blut vergossen hast, und sagen: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit funden geduldig, wie— wohl du warest verachtet, all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen, erbarm dich meiner, o Jesu! Dein Tod bringt mir das Leben, weil du für mich gestorben, so soll ich nicht des ewigen Todes sterben und verdammt werden, sondern durch dich das Leben haben. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. So soll nun immer in meinem Herzen sein Jesu bitteres Leiden und sein vergossenes Blut; ja, laß mii auch fü Zufluck Baum Mensch ist die! in Not den ber darin ligen? nigung versich lebten sein. L getan, ewge 2 Gerech Leib ir Jesue sie der vertrei weiß i stt abe Vater will r und Aus⸗ erecht orben echten eilige esnot d sei, sein, wird. u Ge⸗ Oesu, Fesu, dein amm, ig am „wie⸗ sonst u Tod oll ich ndern eliebt, hie an Leben Jesu Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 47⁷ Herr Jesu, deine Wunden rot laß mir in mein Herz eingeschrieben sein. Diese Wunden sind auch für mich geschlagen worden, zu denselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleichwie sich sein die Vögelein in hohle Bäum verstecken, wenn in den Höhn die Wetter gehn, und Mensch und Vieh erschrecken: also, Herr Christ, mein Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden, menn Sünd und Tod mich bracht in Not, hab ich darein mich funden. In deine heiligen Wun⸗ den verberge ich mich und will darin selig leben und sterben, darin ist meine Seele wohl aufgehoben. Floß aus deinen hei⸗ ligen Wunden Wasser und Blut, so ist mir dadurch die Rei— nigung von meinen Sünden und die Versöhnung mit Gott versichert worden. Jesu Blut, Tod und Wunden sollen meine letzten Gedanken, und Jesus, Jesus, Jesus mein letztes Wort sein. O Jesu Christe, Gottes Sohn, der du für mich hast genug getan, schließ mich in deine Wunden ein, du bist allein der ewge Trost und Helfer mein. Ja, Herr Jesu, deine Wunden, Die werden mich erhalten. Um derselben willen erlange ich Gnade bei Gott, die Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Schließt man meinen Leib in den Sarg ein, so will ich meine Seele in die Wunden Jesu einschließen. Darin wird sie erhalten werden, da kann sie der Satan nicht rauben, daraus kann sie kein Seelenfeind vertreiben, in diesen Wunden ruht sie und wird gebracht zu der Schar der Frommen. 5. Ich bin ein Glied an deinem Leib. O welch ein großer Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich ein Glied an deinem heiligen Leibe bin! In der heiligen Taufe bin ich neu und wiedergeboren worden, da bin ich geworden ein Glied der christlichen Kirche, deren Haupt Jesus ist; ist aber Jesus mein Haupt und ich sein Glied, so weiß ich auch, daß ich da sein werde, wo mein Jesus ist. Jesus ist aber in der Herrlichkeit, da werde ich auch hinkommen; lässet 178 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Ja, mein Jesus wird mich auch nach sich ziehen in sein ewiges himmlisches Freudenreich. Er hat verheißen: Wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen. OJesu, du bist ja erhöht zur Rechten deines himmlischen Vaters; zeuch mich nach dir, bringe mich auch zu deiner ewigen, himmlischen Freude! Ach ja, du wirst mich, als dein Glied, teilhaftig machen deiner Herrlichkeit, Des tröst ich mich von Herzen. Ein herrlicher Trost; wenn das Haupt die Krone trägt, so freuen sich alle Glieder, und weil mein Jesus mit Schmuck und Ehren gekrönt ist, so werde ich nach dem Kampf und Sieg auch empfangen ein herrliches Kleid und die schöne Krone von der Hand des Herrn. Das ist ein gewisser Trost, denn weil ich Gottes Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja, Gottes Erbe und ein Miterbe Christi, der die himmlischen Güter soll erlangen und zur Herrlichkeit erhoben werden. O, sollte ich denn nicht gern sterben und gern mit leiden und dulden, damit ich auch mit herrschen und leben möge? Das soll auch mein beständiger Trost sein. Jesus, mein Haupt, wird mich, sein Glied, herrlich machen; Jesus, mein Heiland wird mich selig machen; darum sage ich auch: Mein Jesu, von dir ich ungeschieden bleib Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch niemand von Jesu trennen; ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürsten⸗ tum, noch Gewalt, weder Hohes noch Tiefes mich scheiden soll von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserm Herrn. Ja, nichts soll mich von Jesu scheiden. Kein Kreuz und Krank⸗ heit, darin will ich beständig aushalten; kein Kampf,‚ noch Angst meiner Seele, darin wird mir mein Jesus beistehen und mir überwinden helfen; ja, auch der Tod nicht, sondern der wird mir die Türe auftun, daß ich zu Jesu eingehe. Ich will von Jesu ungeschieden bleiben im Leben, Leiden und Sterben; 2——— Leib Selle s. aus de nimmer eingesc halten, keit. I O keine A in diest das wi bei dir Da die mit dei zum T deiner glaubei Jesu, dir leb tot un! ich zud sterben und sel bisher deiner. lische ja dor dir in noch S ieht? viges höhet Jesu, zeuch schen aftig trägt, hmuck Sieg e von weil e und ingen nicht auch idiger errlich arum Leibe ch bin irsten⸗ n soll Herrn. Trank⸗ noch n und rn der will erben; Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 1479 Leib und Seele mögen sich scheiden, aber Jesus und meine Seele sollen nimmermehr geschieden werden; ich muß scheiden aus der Welt und von meinen Freunden, von Jesu aber nimmermehr. O Jesu, ich habe dich allzutief in mein Herz eingeschlossen, darin will ich dich in wahrem Glauben fest— halten, bis du mich bringst zu deiner himmlischen Herrlich— keit. Jesus ist mein, und ich bin meines Jesu allezeit, auch In Todesnot und Schmerzen. Ist die Todesnot eine große Not, so ist sie mir doch keine Not, weil Jesus bei mir ist. Ja, mein Jesu, willst du in dieser Not von mir weichen? O du treuer Seelenfreund! das wirst du nimmer tun. Du hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Not; so erfülle auch deine Gnadenverheißung. Da die Todesnot die letzte ist, so wirst du sie, mein Heiland! mit deiner Gegenwart versüßen. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meiner Not, und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken und sagen: Herr Jesu, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Herr Jesu, dir lebe ich; Herr Jesu, dir sterbe ich; Herr Jesu, dein bin ich tot und lebendig. Wer so stirbt, der stirbt wohl, denn Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir: Ja, mein Jesu, ich will gern sterben, weil ich weiß, daß ich zu dir in den Himmel kommen werde. Ich will im Glauben sterben auf dein Verdienst, Blut und Tod. Ich sterbe fröhlich und selig, aus Verlangen nach dir, als dein Kind, welches du bisher hast geleitet, als dein Schäflein, welches niemand aus deiner Hand reißen kann, als dein Erbe, welchem die himm— lische Freude und Wonne bereitet ist. Denn Ein ew'ges Leben hast du mir ja dort bereitet. Jawohl, ein Leben; denn im Himmel bei dir in der Freude wird kein Ach und Weh, keine Krankheit noch Schmerz, kein Leiden und Tod mehr sein, sondern Freude, 48⁰ Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Trost, Friede und Erquickung, Süßigkeit, Klarheit und Herr— lichkeit soll ewig sein und nimmermehr aushören. O Jesu, wie freue ich mich auf jenes Leben und jene Herrlichkeit! Habe ich hier wenig gute Tage gehabt, und ist mein täglich Brot Mühe und Klage gewesen, so werde ich hingegen im Himmel lauter gute Freuden- und Erquickungstage haben. Da wird alles Trauern und Weinen weg sein, da wird mein Heiland abwischen alle Tränen von meinen Augen. O selige Stunde, wenn ich zu diesem Freudenleben gelangen werde: Daß ich auch dazu gelangen werde, hast du mir Durch deinen Cod erworben. Du bist, o Lamm Gottes, für mich gestorben, du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde. Für mich bist du verspeit, gekreuzigt und getötet, dein Tod versüßet meinen Tod, es kommt alles mir zugut; dein Verspotten, dein Ver⸗ speien muß zu Ehren mir gedeihen, tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. Dein Tod ist auch mir zugut geschehen, dadurch bin ich mit Gott versöhnt, dadurch habe ich Friede, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und der Seelen Seligkeit erlangt. Weil du nun lebest, so werde ich auch leben. O, darum sei getrost, meine Seele, und schaue mit Freuden gen Himmel. Jesus hat dir den Himmel erworben und daselbst eine Stätte bereitet; er spricht: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Habe ich hier keine bleibende Stätte, endigt sich mein Leben, bricht mein Herz, scheidet sich Leib und Seele, so weiß ich schon, wohin: zu Jesu, zu Jesu, meinem Heiland. Denn ich weiß, wenn dieses Haus meiner irdischen Hütte durch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau von Gott erbaut, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht ist, das ewig ist im Himmel, und dieses hat mir mein Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. weil du vom Tod erstanden bist, O ein herrlicher Trost, den mir Gottes Wort gibt: wenn ich schon sterbe, so soll ich doch wieder auferstehen. Obschon mein gleich nicht er sol verklä Itt de Tode Gotte grabe Jesus ich sol mein komm ist nic 0 * Gliede in der meine meine erweck schwer meine bewah meine geben. so wer welche nicht und E Gott allein Himm St Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 48¹ mein Leib wird schwach und matt in die Erde gelegt, ob er gleich darin wird zu Staub und Asche werden, so wird er doch nicht im Grabe bleiben, sondern herrlich wieder auferstehen; er soll leuchten wie die Sonne in des Vaters Reich, er soll verklärt, verherrlicht und mit weißen Kleidern angetan werden. Ist das nicht ein großer Trost für mich, daß mein Jesus vom Tode auferstanden ist? Er ist als das unschuldige Lamm Gottes für mich am Stamme des Kreuzes gestorben und be— graben worden, aber siegreich am dritten Tage auferstanden. Jesus ist auferstanden, ich werde auch auferstehen; Jesus lebt, ich soll auch leben. O Freude, o Trost! Sterbe ich gleich und mein Leib wird in die Erde gelegt, er soll wieder hervor kommen, mit Unsterblichkeit und Herrlichkeit angetan. Jesus ist nicht im Grabe geblieben, so Werd ich im Grab nicht bleiben. Jesus wird mir mein Leben wiedergeben, und auch meine Glieder, Leib und Seele, die durch den Tod getrennt waren, in der seligen Auferstehung wieder vereinigen. O darum legt meinen Leib nur ins Grab, ich bleibe doch nicht darin, das ist meine Schlafkammer, wo ich sanft schlafe, bis mich Jesus wird erwecken. Da ist mein Ruhebett; nach so vielem Wachen, schweren Leiden und Ungemach, komme ich nun zur Ruhe. In meinem Grab deckt Jesus mich mit seinen Gnadenflügeln, er bewahrt meine Gebeine, bis er sie wird wieder vereinigen, mir, meiner Augen Licht, Haupt und Hände, ja, alle Glieder wieder— geben. So wenig das Grab meinen Jesus hat halten können, so wenig wird es mich halten, wenn die letzte Posaune erklingt, welche auch durch die Gräber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, weil mein Leib da ruht von Sorgen, Arbeit und Schmerzen; meine Seele wird in der Himmelsfreude von Gott erquickt und getröstet werden. Ja, mein Heiland, nicht allein freut mich deine siegreiche Auferstehung, sondern auch mein höchster Crost dein Auffahrt ist. Als Jesus von den Toten auferstanden war, fuhr er gen Himmel und ging in seine Herrlichkeit. Siehe, mein Jesus ist Starck, Gebetbuch. ö 31 482 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. vorangegangen, ich folge ihm nach, ich werde auch eine herr⸗ liche Himmelfahrt halten. Meine Seele wird sogleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu Gott kommen, und in der seligen und fröhlichen Auferstehung der Toten werden wir dem Herrn in den Wolken entgegengerückt werden, da dann Leib und Seele miteinander sollen zu ihres Herrn Freude eingehen. Ach, mein Jesu, stelle mir diese herrliche Himmelfahrt fleißig vor, daß ich mich derselben möge bei meinem Absterben getrösten; erinnere mich, daß ich nicht kann gen Himmel fahren, ehe ich dieses Sterbliche abgelegt habe und entkleidet bin. Das soll nun auch mein höchster und lieblichster Trost in meinem Sterben blei⸗ ben: Jesus lebt, ich werde auch leben; Jesus ist gen Himmel gefahren in die Herrlichkeit, er wird mich auch aufnehmen und derselben teilhaftig machen, was kann mir denn nun süßer und angenehmen sein, denn mein Jesus und meine Himmel— fahrt? Codsfurcht kann sie vertreiben: Ich weiß, daß ich sterbe, aber ich fürchte mich nicht, denn meine Seele geht aus der irdischen, zerbrechlichen Hütte und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind, zu seinem Vater zu gehen, oder eine Braut, zu ihrem Bräu⸗ tigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmlischen Vater, zu Jesu, meiner Seele Bräutigam; sollte ich mich denn fürchten? Ich gelange zur Herrlichkeit, zum ewigen Licht, zur Freude, zur Krone und zum weißen Kleide; das macht mir aber keine Furcht, sondern Trost und Freude; ich sterbe nicht, sondern nur mein Elend, meine Seele verliert ihr Kreuz und erlangt die himmlischen Güter, sie verläßt die Menschen und kommt zu den heiligen Engeln und Aus-— erwählten. Ja, mein Jesu, was meine Todesfurcht noch mehr vertreibt, ist die allerheiligste Vereinigung mit dir, Denn, wo du bist, da komm ich hin. O, welcher Trost ist das! Nach dem seligen Abschied aus diesem Leben soll ich gen Himmel fahren und bei meinem Jesu in seiner Herrlichkeit sein; das Schäflein bei dem Hirten, der Aunge er es( sein. seine? mein einigül Verdar Seligk hast m dir au will ei wohlar dieses — leben Vaters haftig bin de Trenn sein A sein w guickt Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 483 mit Freuden, weil mir meine Sünden um Jesu Blutes und Todes willen vergeben sind; ich sterbe mit Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferweckt werden; ich sterbe mit Freuden, weil ich werde eine selige Himmelfahrt halten und zu meinem Jesu kommen; darum mit Freuden fahr ich von dannen zu Christ dem Bruder mein, 31⁷ it dir, 1 Jünger bei dem Lehrer, der Diener bei dem Herrn. So hat tligen er es auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch Herkn sein. O welche Freude wird das sein, wenn mich Jesus in x Eeel seine Arme fassen und zu der Herrlichkeit einführen wird! O ů Wein mein Heiland, wann kommt denn die Stunde der seligen Ver— ih einigung und Heimführung? Nicht allein hast du mich von der ni Verdammnis und Hölle befreit, nicht allein hast du der Seele eses Seligkeit erworben, nicht allein bist du vorangegangen und auh ö hast mir die Stätte bereitet, sondern du willst mich auch zu 1 hlel dir aufnehmen, wie du allen deinen Kindern verheißest: Ich V iume I will euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. O ö wohlan, so ist mir wohl, wenn ich bin, wo Jesus ist, und + h ö dieses dient zu meinem Trost,/ Rmel⸗ Daß ich stets bei dir leb und bin. n ö Darum wird er mich zu sich nehmen, daß ich bei ihm leben soll in der himmlischen Herrlichkeit, meines himmlischen „denn Vaters Wohnung ererben und aller himmlischen Güter teil— 4 te ud haftig werden: nun hat meine Wallfahrt ein Ende und ich Kind, bin daheim. Ja, auf diese Vereinigung soll niemals eine Bräu⸗ Trennung folgen. Ich soll vor seinem Thron stehen und ieinem ů sein Antlitz schauen, welches die allerunaussprechlichste Freude sollte sein wird; ich soll bei ihm leben und durch ihn ewiglich er— ö t, zum quickt werden, und weil ich denn dessen überzeugt bin, —— ö Drum fahr ich hin mit Freuden. jerliert Warum wollte ich nicht mit Freuden sterben? Mit Herläßt Fried und Freud ich fahr dahin nach Gottes Willen; getrost „Aus⸗ ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille, wie Gott mir t noch verheißen hat; der Tod ist mein Schlaf worden. Ich sterbe led aus m Jesu en, der 484 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. auf daß ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei. Ich fahre hin mit Freuden aus der Welt in den Himmel, aus dem Jammertal in den Freudensaal, denn aus Trübsal und großem Leid soll ich fahren in die Freud, die kein Ohr je hat gehöret und in Ewigkeit auch währet. 5. So fahr ich hin zu Jesu Christ. Spricht mein Heiland: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott, so spreche ich auch in meinem Sterben: Ich fahre auf, ich fahre hin zu meinem himmlischen Vater, zu meinem Jesu, zu dem heiligen Geist, und also zu dem dreieinigen Gott, zu meinem Immanuel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Bruder, ja zu meinem Erlöser fahre ich erlöste Seele hin. Zu meinem Seligmacher eile ich, der wird mich in den Himmel führen und als eine durch sein Blut gereinigte Seele in Gnaden an— nehmen. Ach, wie verlangt mich, Jesum zu sehen in seiner Herrlichkeit, Jesum, den ich nie gesehen und doch liebhabe, zu umfassen. Darum Mein Arm tu ich ausstrecken. Ich strecke meine Arme aus nach meinem Jesu, ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten und nimmermehr zu lassen. Ich umfasse Jesum schon im Glauben, ich halte ihn, ich lasse ihn nicht, bis er mich führt in seines Vaters Haus zur Seligkeit. Ich strecke meine Arme aus und rufe: Ja komm, Herr Jesu! Ich erinnere mich, wie mein Jesus am Stamm des Kreuzes seine beiden Arme ausgestreckt hat und also ge— storben ist, als ob er mich umarmen wollte; so will ich auch sterben, mit ausgebreiteten Armen Jesum zu umfassen. O mein Seelenbräutigam, umfasse mich auch und stelle mich ver⸗ klärt und verherrlicht deinem himmlischen Vater dar. O welch seliger Eintritt wird das sein, wenn ich also werde, von Jesu begleitet, geführt, in den Himmel eingehen. Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und sterben; wenn ich so sterbe, — JNsu Gott letzte daß Laß den mein süße Krer trüb lisch wie mein Men wah Tote in d Fesu zum mög und mit Flei Wer bert * E C² ieinem en und n an⸗ seiner bhabe, ihn an ehr zu te ihn, uus zur komm, Stamm lso ge⸗ ch auch en. O ich ver⸗ ar. O de, von Und in wenn Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 48⁵ 80 schlaf ich ein und ruhe fein. Wenn ich in den Armen Jesu ruhe, so schlafe ich saͤnft. Jesus in meinem Herzen, Christus in meinem Sinn, in Gottes Namen schlaf ich ein. O Jesu, mache mir mein letztes Ende und meinen Tod zu einem süßen, sanften Schlaf, daß ich still im Glauben und in deiner Liebe verscheide. Laß auch meinen Leib in der kühlen Erde sanft schlafen bis an den lieben jüngsten Tag. Schläft mein Leib, so ruht auch meine Seele in der ewigen Freude und Seligkeit. O eine süße Ruhe, die niemand stören kann. Ich ruhe von meinem Kreuz und ruhe von allem Jammer, von Trauern und Be— trübnis, ich ruhe von allen Schmerzen. O eine selige, himm— lische Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie sollte ich dann nicht schlafen und ruhen in den Armen meines Jesu? Daraus Uein Mensch kann mich aufwecken, Tote erwecken ist ein Werk Gottes, darum hat auch kein Mensch von sich selbst die Kraft dazu. Mein Jesu, du bist wahrer Gott und Mensch, du hast Macht und Gewalt, die Toten aus ihren Gräbern zu rufen; denn deine Stimme wird in die Gräber dringen und die Toten werden auferstehen. O Jesu, so erwecke denn meinen Leib am frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben, damit der Leib, der dir hier gedient, auch möge verherrlicht werden. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen; denselben werde ich mir sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Was nun kein Mensch vermag, das wird mein Heiland tun. Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Also lege ich nochmals mein Glaubensbekenntnis von Jesu vor meinem Tode ab. Er ist Jesus, der Heiland und Seligmacher der Menschen; er ist auch Christus, der ver— heißene Gesalbte, ja, er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern 42 48 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. auch Gottes Sohn, ja, Gott selbst. Auf diesen Jesum Christum will ich fröhlich und selig sterben; das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von allen Sünden. Nun, derselbe wird mir die himmelstür auftun. Ach, mein Jesu, wenn meine Lebenstüre sich schließt, so tue mir auf die Himmelstüre. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben gedacht, ich habe auch durch den Glauben in der Lebensheiligkeit nach dem Himmel getrachtet, darum, o Jesu, tue mir die Himmelstüre weit auf, wenn ich beschließe meines Lebens Lauf. O Jesu, öffne mir die Him— melstüre und sprich: Ei du fromme und getreue Seele, gehe ein zu deines Herrn Freude. Komm her, du Gesegnete, ererbe das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. O wie selig werde ich sein, wenn du mit solchen süßen Worten wirst Mich führn zum ewgen Leben. Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit führt, so führe mich, o Jesu, in das ewige Leben, das niemals aufhört; zur Herrlichkeit, die du mir erworben; zur Freude, die in Ewigkeit währt; so sterbe ich selig und fröhlich. Nun bin ich bei Jesu, er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammer— leben versetzt in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich aus dem Glauben zum Schauen gelangt. Meinen lieben Gott von Angesicht werde ich anschauen, daran zweifle ich nicht, in ewiger Freude und Herrlichkeit, die mir bereitet ist; ihm sei Lob, Preis in Ewigkeit! —— bitter lische anger willa die er seines gosse dich selig! fahre der di undei teuerf Schäf Glaul heilig Und! die Gott: dich! ein ii Der sein sein Segenswunsch über den Sterbenden. 487 Die Amstehenden rufen dem Sterbenden zu. Halte im Gedächtnis Jesum Christum, gedenke an sein bitteres Leiden und Sterben. Tröste dich der Liebe des himm⸗ lischen Vaters, der dich in der heiligen Taufe zu seinem Kinde angenommen und jetzt als sein Kind in die ewige Herrlichkeit will aufnehmen. Tröste dich der blutigen Wunden Jesu Christi, die er sich für deine Sünden hat schlagen lassen; tröste dich seines heiligen Blutes, das er auch für deine Sünden ver— gossen. Tröste dich des Beistandes des heiligen Geistes, der dich geheiligt hat; auf diesen Dreieinigen lebe und sterbe selig! Amen. Segenswunsch über den Sterbenden. Fahre hin, du durch Jesum Christum teuer erkaufte Seele, fahre hin zu deinem lieben Gott und Vater in Christo Jesu, der dich erschaffen und geliebt hat, den du kindlich gefürchtet und ihm vertraut hast. Fahre hin zu dem Herrn Jesu, dem teuersten und treuesten Hirten und Erlöser, der dich als sein Schäflein mit seinem Blut erkauft, an welchen du dich im Glauben gehalten hast. Fahre hin zu dem Tröster, dem heiligen Geist, der dich geheiligt und dich zu seinem Tempel und Wohnung erkoren hat. Fahre hin aus dem Leiden in die Freude. Fahre hin aus aller Not zu dem lebendigen Gott; er segne deinen Ausgang und Eingang und bewahre dich durch seine Macht zur Seligkeit. Fahre hin und tritt ein in das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen. Gebet der Amstehenden, wenn der Sterbende verschieden. O du heiliger und gerechter Gott, so hat es dir gefallen, diesen vor unsern Augen liegenden Verstorbenen durch den zeitlichen Tod von hinnen abzufordern. Ach, laß uns an diesem Tode lernen, daß wir auch sterben und die Welt ver 488 Gebet, wenn der Sterbende verschieden. lassen müssen, damit wir uns in Zeiten durch wahre Buße, lebendigen Glauben und Vermeidung der Welteitelkeiten und Sünden dazu bereiten mögen. Erfreue die nunmehr abge— schiedene Seele mit himmlischem Trost und Freude und er⸗ fülle an ihr alle Gnadenverheißungen, die du deinen Gläu⸗ bigen in deinem heiligen Wort getan; dem Leib gönne in der Erde eine sanfte und süße Ruhe bis an den lieben jüngsten Tag, da du Leib und Seele wieder vereinigen und zu der Herrlichkeit einführen wirst, damit der ganze Mensch, der dir hier gedient, dort möge mit himmlischer Freude erfüllt werden. Tröste auch die durch diesen Tod Betrübten, und sei und bleibe der Hinterlassenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand, verlaß sie nicht und tue nicht von ihnen die Hand ab, laß sie deiner Güte, Gnade, Liebe, Trost und Hilfe reichlich genießen, bis du sie auch wirst fröhlich und selig sterben lassen. Ach, erhöre uns um deiner Barm⸗ herzigkeit willen. Amen. - Fest⸗Andachten. Der andächtige Christ betrachtet zur Adͤventszeit Christi Ankunft im Fleisch. Aufmunterung. Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem, jauchze. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Sach. 9, 9. Ist je eine Zeit, welche gottergebene Seelen gern mit Andacht hinbringen, so sind es die heiligen Festtage, an welchen die Christenheit die Wohltaten Gottes erwäget. Ob— gleich die meisten Namenchristen die heiligen Festzeiten teils mit Üppigkeit und Wollust, teils mit Stolz und Kleiderpracht, teils mit Müßiggang und unartigem Geschwätz lassen vorbei— gehen, und daher die Liebe und Gnade des Allerhöchsten wenig zu Herzen nehmen, sich auch in ihrem Christentum wenig erbauen, so ist hingegen ein gläubiges Kind Gottes ganz anders gesinnt, denn dasselbe freut sich 1) auf die be— vorstehenden Festzeiten, um alles seiner Andacht vorzustellen, was Gottes Güte ihm geschenkt. 2) In der heiligen Advents— zeit betrachtet es die Liebe des himmlischen Vaters, der seines eigenen Sohnes nicht verschonet hat, sondern ihn in die Welt gesandt, zu leiden und zu sterben, um den Menschen die Selig⸗ keit zu erwerben. 3) Es siehet an die brünstige Liebe Jesu, welcher sich in unser armes Fleisch und Blut gekleidet, damit er uns möge zum Himmel und zur Seligkeit bringen. 4) Es preiset die Gnade des heiligen Geistes, welcher die geschenkten Wohltaten den gläubigen Seelen so lebendig und kräftig vor⸗ 490 Der andächtige Christ betrachtet stellt, zueignet und empfinden läßt, als ob sie heute erst wären geschehen. Daher läßt es 5) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht und des Gebetes sein, welche es mit Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes, mit An⸗ stimmung der Festlieder und mit einem stillen und gottseligen Wandel anfängt und vollendet. Gebet. O du gnadenreicher Jesu, der du ge— kommen bist, zu suchen und selig zu ma⸗ chen, was verloren ist, ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schutz und Gnade abermals hast erleben lassen. Ach, gib mir dei⸗ nes heiligen Geistes Kraft, daß ich sie möge in deiner Furcht mit heiligen Be— trachtungen und zu meiner Seele Er— bauung hinbringen. Du ewiger Sohn Gottes, der du bist gewesen, ehe noch der Welt Grund gelegt war, bist ins Fleisch gekommen, ein wahrer Mensch geworden, daß du uns möchtest erlösen und selig machen. Wir konnten wegen des schweren Sündenfalls nicht zu dir in den Himmel kommen, darum kommst du zu uns auf Erden, auf daß du uns alle mögest zur Seligkeit einführen. Wir waren durch die Sünde Fremde, Gefangene und Feinde Gottes gewor— *3 erst auch mit An⸗ ligen ge⸗ na⸗ dir, iter Hals dei⸗ sie Be⸗ Er⸗ Ohn loch ins usch ösen egen dir unst und ren. nde, vok⸗ zur Adventszeit Christi Ankunft im Fleisch. 491 den, aber durch deine allerheiligste An— kunft soll alles wieder gut gemacht wer— den. O große Gnade, o unaussprech⸗ liche Liebe! Um deinetwillen o Jesu, sollen die Fremden Freunde, die Ge— fangenen Erlöste und die Feinde Got— tes Geliebte, die Sünder Kinder und die Gefallenen wieder aufgerichtet wer— den. O heilige Ankunft, dadurch wir zum Tode Verdammte das Leben er— langen sollen, und die wir vorher aus der Gnade gefallen waren, durch dich mit Schmuck und Ehren sollen angetan werden. Das ist je gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sün⸗ der selig zu machen. Liebster Jesu, mache mich auch selig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gib mir zu die— ser heiligen Zeit ein aufmerksames und gehorsames Herz, daß ich möge dein heiliges Wort mit Fleiß und Andacht hören, im Herzen behalten und anneh⸗ men, im Glauben, in deiner Erkennt— nis und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachsen, und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeigen, als da sind: 492 Der andächtige Christ betrachtet Keuschheit, Demut, Sanftmut, Gehor⸗ sam, Frömmigkeit, damit deine Ankunft auch mir möge eine selige und heilsame Ankunft sein. Ach, bewahre mich, daß es nicht von mir heißen möge: Er kam in sein Eigentum, aber die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Ach, Herr Jesu, ich nehme dich auf im Glauben, ich liebe dich, ich ehre dich, ich folge dir; komm herein, du Gesegneter des Herrn, warum stehest du draußen? Ich habe mein Herz dir, durch deine Gnade, be⸗ reitet. Komm in mein Herz, ich will dich als meinen einigen Erlöser, Hei— land und Seligmacher im Glauben fas⸗ sen, dein Verdienst und Gerechtigkeit mir zueignen. Komm in mein Herz, ich will aus Liebe zu dir alle weltlichen Eitelkeiten, Lustbarkeiten, ja Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit du allein meiner Seele Einwohner und mei⸗ nes Herzens Beherrscher seiest. Ach, wohne in mir, heilige mich dir, erhalte mich in deiner Gnade. Meine begange— nen Sünden bereue ich und suche bei dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen, denn wenn mich daß V llle der Hes dei 10 l best ben zur Adventszeit Christi Ankunft im Fleisch. 493 der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wi— der mich sein? O Jesu, du kamst als König; ach, regiere hinfort in meinem Herzen, daß die Sünde nicht mehr in mir herrschen könne. Du kamst als ein Gerechter, ach, mache mich gerecht und schenke mir das Kleid deiner Gerechtig— keit. Ich freue mich in dem Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils und mich mit dem Rock der Gerechtigkeit geschmücket. Du kamst arm, daß du mich mögest reich machen an meiner Seele, reich im Glau— ben und an himmlischen Gütern. Du kamst demütig, mache mich auch demütig, daß ich von dir lerne Demut und Sanft— mut, und dieselbe in meinem Leben bei allen Gelegenheiten ausübe. O du König der Ehren, ziehe auch in die Tore mei— nes Herzens ein; siehe, ich tue durch deine Kraft sie dir weit auf, regiere mich hinfort mit deinem heiligen Geist, daß ich deine Wohnung und Tempel beständig bis an mein seliges Ende blei⸗ ben möge. 494 Der Christ betrachtet die Ankunft Christi im Fleisch. Mein Herz will dich auch haben gern, Du Gottessohn, du Davidsstern, Du wahrer Weibessamen, Du Siloh, Hei⸗ land, Hirt und Heil, Mein Bruder, Gnadenthron und Teil, Komm in des Herren Namen. Komm, König, Friedefürst und Held, Erlöser, Mittler, Lösegeld, Du Licht und Trost der Heiden; O Seligmacher, Hilf und Schutz, Versöhner, Rat, Prophet und Trutz, Zieh in mein Herz mit Freuden. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Hier ist Immanuel! So laß uns jetzo sagen Zur angenehmen Zeit, In diesen Freudentagen: Hier ist Im⸗ manuel, Der uns die Gnade bringt, Und dem die Christen— heit Das Hosianna singt. 2. Hier ist Immanuel! Den hat uns Gott gesendet Und mit demselbigen Sein Herz zu uns gewendet; Hier ist Im⸗ manuel! Ach seht, wie Gott uns liebt, Da er zu unserm Heil Sein liebstes Kind dargibt. 3. Hier ist Immanuel! Der Fluch kann uns nicht schaden, Das Opferlamm ist da, Wir sind bei Gott in Gnaden. Hier ist Immanuel! Wir sind von Strafen frei, Es fället uns kein Fall, Wie groß er immer sei. 4. Hier ist Immanuel! Die Sünd ist uns vergeben, Gott schenkt uns Gnad um Gnad, Wir sollen ewig leben; Hier ist Immanuel! Gott will uns gnädig sein, Es macht uns Jesu Blut Von allen Sünden rein. 5. Hier ist Immanuel! Kein Unfall kann uns töten; Sieh, Jesus ist bei uns In allen unsern Nöten. Hier ist Immanuel! Erschreckt uns Angst und Not, So hilft uns gnädig aus Der wahre Mensch und Gott. 6. Hier ist Immanuel! Laßt uns die Sünde hassen Und alle Lieb der Welt Aus Lieb zu ihm verlassen. Hier ist Im⸗ manuel! Der Seelen Trost und Licht, Den fasse jedermann In Glaubenszuversicht. wer 25 dem Der Christ betrachtet die Geburt Jesu Christi. 495 7. Hier ist Immanuel! Wir können fröhlich sterben, Wir werden durch den Sohn Des Vaters Reich ererben; Hier ist Immanuel! Des freut sich Leib und Seel Und spricht auch in dem Tod: Hier ist Immanuel! —88.— Der andächtige Christ betrachtet auf Weihnachten die Geburt Jesu Christi. Aufmunterung. Da aber die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn, ge— boren von einem Weibe und unter das Gesetz getan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Gal. 4, 4. 5. Ist bei der Geburt eines königlichen Prinzen Freude in dem ganzen Königreich, zu dessen Trost er geboren ist: so kann Christi Geburt nicht anders als allen Menschen er— freulich sein. Die Engel erfreuen sich in den Höhen und verkündigen große Freude den Menschen; warum sollen sich denn Kinder Gottes nicht freuen 1) über die erbarmende Liebe Gottes, welcher seines Sohnes nicht hat verschont, son— dern ihn für uns dahingegeben? 2) Über die Freundlichkeit Jesu, daß er sich nicht weigert, ob er schon Gott und Gottes Sohn ist, die menschliche Natur in einer armen Jungfrau an sich zu nehmen und ein kleines Kind zu werden? Es wundern sich 3) Gläubige im stillen über den heilsamen Rat Gottes von unserer Seligkeit, daran kein Mensch und kein Engel gedacht hätte, daß Gottes Sohn sollte anstatt der Menschen leiden und sie mit Gott versöhnen. Sie verwun— dern sich 4) über die unverdiente Gnade, welche Gott den Menschen, die doch seine Feinde waren,(Röm. 5, 10) an⸗ bietet, um welche die Menschen ihn nicht gebeten haben, ob sie deren schon höchst bedürftig waren. Daher 5) danken sie ihm desto herzlicher dafür, nachdem der Rat Gottes von unserer Seligkeit ihnen kundgeworden, begeben sich gern in die Ord— nung des Heils, daß sie Jesum im Glauben annehmen und im 496 Der andächtige Christ betrachtet gottseligen und frommen Wandel folgen. Deswegen ihnen auch die heiligen Weihnachtstage Bet-, Freuden-, Lob⸗ und Danktage werden. Gebet. Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. O Herr, hilf, o Herr, laß wohl— gelingen! Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Auf, meine Seele, und wende dieses Fest zur Chre Gottes und deiner Erbauung an, und sprich: O du heilige Dreieinigkeit, Va⸗ ter, Sohn und heiliger Geist, ach, daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barm— herzigkeit rühmen könnte! Gott ist die Liebe, dieses erkennt mein Herz und Gemüt an diesem heiligen Feste. Deine Liebe hat ein Mittel gefunden, die Men⸗ schen zur Gnade zu bringen, daran kein Engel noch Mensch hätte denken kön— nen, daß die mittelste Person in der Gottheit sollte Mensch werden, um da— durch die menschliche Natur wieder zu heilen und zu reinigen. O du holdseliger Jesu, dir sei ewig Lob und Dank für deine Menschwerdung und Geburt; du hnen und ct, nen hl⸗ unt eine hre und Va⸗ daß ren, km⸗ die und eine len⸗ kein fön⸗ der da⸗ zll iger für ‚u auf Weihnachten die Geburt Jesu Christi. 497 wirst ein Menschenkind, damit wir möch— ten Gottes Kinder werden. Nun ist die menschliche Natur recht erhöhet, du hast sie mit deiner Gottheit vereinigt und sie in den Rat der heiligen Drei— einigkeit gebracht. O Liebe, o Gnade! So gewiß die menschliche Natur mit der göttlichen vereinigt ist, so gewiß ist zwischen Gott und Menschen eine ewige Freundschaft, Versöhnung, Friede und ewige Liebe gestiftet. Wenn uns Gott in seinem Sohne ansieht, so kann er nicht anders, als uns gnädig sein; hat er seinen Geliebten nicht geschont, son— dern ihn für uns alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schen— ken, nämlich Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Frieden, Leben und Selig— keit? O der großen Liebe Jesu, der als ein zartes Kind hat wollen geboren werden, damit er unsere sündliche Ge— burt heiligte! Er hat zugenommen an Alter und Weisheit, damit er unsere Jugend heiligte. Sei willkommen, du edler Gast, die Sünder nicht verschmähet hast, du kommst ins Elend her zu mir, wie soll ich immer danken dir? O mein Starck, Gebetbuch. 32 498 Der andächtige Christ betrachtet liebster Seelenfreund, mein Bruder, ich habe nun einen Heiland im Leiden, einen Erretter in Trübsal, einen Selig⸗ macher, wenn mich meine Sünden ängsti— gen, einen Beistand in Nöten, einen Helfer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuchtet, der Weg, der mich zum Vater führt, die Wahrheit, die mich lehrt, das Leben, das mich lebendig macht. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich gerecht und selig macht, mein Hoherpriester, der für mich betet und mich segnet, das Opferlamm für meine Missetaten, das vollkommene Lösegeld für meine Uebertretung. O werter hei— liger Geist, wie groß ist deine Liebe, da du mir diesen Trost, diese Freude, die— ses Heil abermal verkündigen lässest. Ich freue mich von Grund meiner Seele an diesem heiligen Feste und sage: Mein Jesus ist mein, sein Verdienst ist mein, sein Himmel st mein; das Kind st mir geboren, der Sohn ist auch mir ge⸗ gegeben, er hat auch mir die Gnade Gottes, die Kindschaft und das ewige Erbe, das uns aufbehalten ist im Him— mel, erworben und geschenket. O Jesu, auf Weihnachten die Geburt Jesu Christi. 499 den ich im Geist in der Krippe erblicke und beschaue, wie lieblich und freundlich bist du! Ach, verleihe mir Gnade, daß ich dein nie mehr vergesse, sondern, daß ich dich immer im Herzen, im Munde und vor Augen habe. O mein Heil, heilige mich, ich ergebe mich dir mit allem, was ich bin und habe; ach, mein Bräutigam, umfasse mich, dir will ich leben, dir will ich dienen, aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wol⸗ lust dieses Lebens. Ach, laß mein Herz deine Krippe und deine Wohnung sein in Zeit und Ewigkeit. Schließ mich in deine Liebe und behalte mich darin, daß ich in dir Ruhe, Friede, Trost, Sicherheit und der Seele Selig⸗ keit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein Jesus ist Mensch geboren, wenn ich nun an ihn glaube, so soll ich nicht verloren werden, son— dern das ewige Leben haben. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in Jesu bin, und weil Je— sus in mir lebt. Ich fürchte den Tod nicht, in ihm habe ich das Leben; nicht die Anklage des Gewissens wegen mei— 500 Der Christ betrachtet die Geburt Jesu Christi. ner Sünden, hier ist mein Freisprecher Jesus. Sag an, mein Herzensbräutigam, Mein Hoffnung, Freud und Leben, Mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, Was soll ich dir doch geben? Ach, nimm von mir Leib, Seel und Geist, Ja, alles, was Mensch ist und heißt, Ich will mich ganz verschreiben, Dir ewig treu zu bleiben. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. O welch ein Freudenfest, O welche frohe Stunden, Da Jesus, Gottes Sohn, In Windeln wird gefunden! Es ist mein ganzes Herz Auf dieses Kind gericht't Und meine Andacht geht Von seiner Krippe nicht. 2. O Lieb, o große Lieb! Wer da mit mir bedenket, Daß Gott uns seinen Sohn Zum Leben hat geschenket. O große Vaterlieb, Die uns so hoch geacht't, Daß er in seinem Sohn Sich uns zu eigen macht! 3. O Treue! Jesus ist Zu uns vom Himmel kommen, Hat an sich Fleisch und Blut, Doch ohne Sünd, genommen; Er kommt und bringet uns Zur Kron, zur Herrlichkeit, Zum Erbteil, zu dem Heil, Zur süßen Himmelsfreud. 4. O große Gnad! Es kann Ein jeder Gnad erlangen, Wer diesem Jesu wird In Glaub und Lieb anhangen; O Gnade, die uns Trost Und wahres Leben gibt! Seht, dieser Gnad genießt, Wer Jesum herzlich liebt. 5. O Freud, denn unsre Sünd Sind insgesamt ver— geben; Vergeben in der Zeit Und dort in jenem Leben; Der Bürge ist nun da, Der stellt sich willig ein, Will unser Löse— geld Und Seligmacher sein. 6. O Trost! so sind wir denn Mit Gott ganz ausge— söhnet; Wer glaubt, wird nicht verdammt, Vielmehr durch — ihn gek 0 keit, 13 Erden, Du kon Hingeg U. gehen, Vohlat ich leb 2. Ich st Nimm ich dir 10 Ach, l Nsu, nimme in Go lich zi wenn haben wie 9 Chris Und; cher nung, amm, 2 „Seel will Imen. inden, Es ist meine enket, t. O einem umen, imen: Zum —2—*——— Der Christ betet und dankt Gott am Jahresschlusse. 501 ihn gekrönet; Des Herren Jesu Blut, Tod und Gerechtig— keit, Ist unser schönster Schmuck Und weißes Ehrenkleid. 7. Mein Jesu, du wirst hier Ein Menschenkind auf Erden, Daß ich ein Gotteskind Soll hier und dorten werden; Du kommst und nimmst auf dich All meine Sündenschuld, Hingegen schenkst dGu mir Des Vaters Lieb und Huld. 8. Du kommst und willst auch mir In Heiligung vor— gehen, Wie ich soll heilig sein, Das soll ich an dir sehen; Wohlan, ich folge nach; Mein Jesus soll allein, So lang ich leb auf Erd, Mein Licht und Führer sein. 9. Deswegen knie ich hier Vor deiner Krippe nieder, Ich stimm mit Freuden an Die frohen Weihnachtslieder; Nimm an den Lobgesang, Nimm auch mein Herze an, Weil ich dir, liebster Freund, Nichts Bessres geben kann. 10. Ich will allhier mit dir Auf ewig mich verbinden, Ach, laß mich neue Gnad Bei deiner Krippe finden. Mein Jesu, ich bin dein, Ach, sei und bleibe mein Und laß mich nimmermehr Von dir geschieden sein. — 5— Der andächtige Christ betet und dankt Gott am Jahresschlusse. Aufmunterung. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Ps. 103, 1. 2. Wenn andächtige Seelen und dankbare Herzen sich herzlich in Gott freuen, wenn er sie läßt eine Woche oder Monat glück— lich zurücklegen, warum soll sich nicht ihre Freude verdoppeln, wenn sie unter dem Beistand Gottes ein ganzes Jahr erlebt haben? Wie viel Leiden kann uns in einem Tag begegnen, wie vielmehr in einem ganzen Jahr! Wenn ein andächtiger Christ den Schluß des Jahres erlebt, so hebt er Hände, Herz und Mund zum Himmel und schließt es mit Loben, Danken 502 Der andächtige Christ betet und dankt Gott und Beten, und zwar ist es ihm nicht genug, daß er nur die gewöhnlichen Worte ausspricht: Gott Lob und Dank! das Jahr ist vorbei; sondern 1) dankt er Gott, daß er ihm dieses Jahr sein heiliges Wort zur Seelenheiligung hat predigen lassen, den Weg zum Himmel weisen, durch das heilige Abendmahl immer neue Kraft und Stärke zur Ausübung der Gottseligkeit und Hervorbringung der Glaubensfrüchte verliehen. 2) Er fragt sich, ob er auch das Jahr über frömmer geworden, wie alt er an dem inwendigen Menschen nach der neuen Geburt sei, da er nach der alten sündlichen Geburt abermals ein Jahr zurückge— legt hat. Er bittet 3) Gott auch herzlich und inbrünstig um Verzeihung der begangenen Sünden, die er wissentlich oder unwissentlich vollbracht hat. 4) Er preiset Gott für die vielen leiblichen Wohltaten, daß er ihn ernährt, versorgt, beschützt, errettet, erhalten, gesegnet, bewahret und begleitet hat. 5) Hat ihm Gott eine Krankheit, Leiden und Trübsal zugeschickt, aber auch wieder davon befreit, so soll er besonders ihm dafür danken und sich am Ende des Jahres so viel wie möglich erinnern, was in jeder Woche oder Monat entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren sei, auf daß also die letz— ten Tage des Jahres ihm Lob-, Bet-, Dank- und Bußtage werden, dabei er 6) auch Gott um seine Gnade in dem neuen Jahre anfleht. Gebet. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir getan? Der Herr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. O du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und hei— liger Geist, also spricht meine deiner Gnade sich erfreuende Seele, da ich nun abermal unter deinem Schutz und lur die Jahr Jahr en, den immer it und fragt alt er „ da er rückge⸗ tig um h oder vielen schützt, at. 5) schickt, dafür löglich moder ie letz⸗ ußtage neuen elten an an dbl hei⸗ einer ich Ind am Jahresschlusse. 503 Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott, wie teuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du tränkest sie als mit einem Strom; denn bei dir ist die le— bendige Quelle, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Mein Gott, der Tage im Jahre sind viele, aber deiner Wohltaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahr kann man zäh— len, aber deine Wohltaten, die du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heiliges Wort hast lauter und rein predigen und darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil hast anweisen lassen. Ach, versiegle alles, was ich ge⸗ hört habe, in meinem Herzen und gib mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichte. Ich danke dir, daß du mich öfters in dem heiligen Abendmahl mit deinem heiligen Leib und Blut hast gespeist und getränkt; laß es mir zu meiner Glaubensstärkung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke 504 Der andächtige Christ betet und dankt Gott dir, daß du mir öfters die Sünde ver— geben und die verdiente Strafe abge— wendet hast; ach, gib mir Kraft, daß ich mich in diesem Jahre davor hüte und sie nicht wieder vorsätzlich begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung beschert, mir Gesundheit verliehen, das Unglück abgewendet, mein Kreuz er— leichtert, in meinem Elend mich in Gna— den angesehen hast. Du hast mich be— hütet wie einen Augapfel im Auge, du hast mich beschirmet vor meinen Fein— den, die um und um nach meiner Seele stehen. Du hast in Not mich erhöret und mein Gebet durch die Wolken vor deinen Thron dringen lassen. Du hast in meiner Trübsal mir Hilfe gesendet vom Heiligtum und mich gestärkt aus Zion. Du hast deinen Segen über mich ausgeschüttet, du hast dein Angesicht nicht vor mir verborgen, da ich zu dir schrie. Du, liebreicher Vater, hast mich, dein Kind, an deiner Hand geführt; du mächtiger König, hast mich, deinen Untertan, wider meine Feinde beschützt; du, getreuer Hirt, haͤst mich, dein Schäf— ——— Hein, nich Holl hat an heit nich freut deine eho alles hat Aus mir schin Ind gta und du. Hat Hem stun Iftu luch hat gen ded ver⸗ bge— daß hüte sehe. eruf ung das er⸗ Ina⸗ be⸗ „dll fein⸗ ele öret vor hast Udet aus mich sicht dir nich, htt, inen ut his⸗ am Jahresschlusse. 50⁵ lein, auf grüner Aue geweidet; du hast mich lebendig erhalten, da jene in die Hölle fuhren; deine Güte und Treue hat mich von Anfang des Jahres bis an das Ende begleitet. Deine Weis— heit hat mich geleitet, deine Liebe hat mich bedeckt, deine Hilfe hat mich er— freut, deine Gnade hat mich erhalten, deine Allmacht hat mir jederzeit aus— geholfen, deine milde Vaterhand hat mir alles gegeben, dein allsehendes Auge hat acht auf mich gehabt und meinen Ausgang und Eingang hehütet, daß mir kein Uebel begegnete. Sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele getan hat. Hast du mich zuweilen große und viele Angst erfahren lassen, so hast du mich doch wieder lebendig gemacht. Hatte ich viele Bekümmernisse in mei— nem Herzen, so haben doch deine Trö— stungen meine Seele ergötzet. War mir oftmals Gefahr und Not nahe, so war auch deine Hilfe nahe, und dein Engel hat mich behütet auf allen meinen We— gen und mich errettet aus dem Rachen des Löwen. Ach, mein Gott, verzeihe 506 Der andächtige Christ betet und dankt Gott mir aus Gnaden alle Sünden, ach, alle Sünden, die ich in diesem Jahre ge— tan habe. Ach, strafe mich deswegen nicht in dem neuen Jahre, sondern ver— zeihe mir um Jesu willen. Herr, ge— denke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Herr, Herr, so beschließe ich denn das Jahr mit Dan— ken, Loben und Beten, und flehe dich demütig an, bleibe auch mein Schutz und gnädiger Gott in dem neuen Jahre, halte deine Hand über mich und laß mich deinem Schutz, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen sein. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder tut, Dem Gott, der mein Gemüte Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt; Gebt unserm Gott die Ehre! Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wie ist mein Herz erfreut, Wenn es vergnügt bedenket, Wie viel mir Gottes Hand In diesem Jahr geschenket; Wie er mich hat versorgt Und väterlich bewahrt, Und mich gesund und wohl Bis diese Stund verspart. 2. Wie kann ich solche Gnad, Mein Vater, gnugsam Ach, s⸗ preisen weisen Und je Und de durft, eher si 4. Und v undan! Nach! 5. Herzen Schme Was 6. zeihen Nimm Und f 7. Die S was ic 8 Erhalt ab des hab ae 0 cchließ nießen sür alle 9e⸗ egen ver⸗ ge⸗ gend aber um so Dan⸗ dich chutz ihre, laß und aller rmein tt, der Amen. denket, Wie er gesund ugsam bRR am Jahresschlusse. 507 preisen? Ach, könnt mein froher Geist Recht dankbar sich er— weisen! O, daß doch all mein Blut Nur eine Zunge wär Und jeder Aderschlag Erhübe deine Ehr! 3. Viel Gutes hast du mir In diesem Jahr erzeiget Und deinen Segensstrom Mir reichlich zugeneiget; An Not— durft, Speis und Trank Hat's niemals mir gefehlt, Doch eher sind die Stern, Als deine Güt, gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, Wenn ich dabei erwäge Und vor dir, treuer Gott, Bußfertig überlege, Wie ich so undankbar Dafür gewesen bin, Und daß ich nicht gelebt Nach meines Jesu Sinn. — 5. Denn ach, die Sündenlast Liegt mir auf meinem Herzen, Ach, die genossne Lust Bringt jetzt mir bittre Schmerzen, Daß ich gesündigt hab, Ach, leider tausendmal, Was sag ich, tausendmal? So oft und ohne Zahl. 6. Du wirst jedoch, mein Gott, Dieselben mir ver— zeihen Und mir zur Besserung Vom Himmel Gnad verleihen; Nimm weg die Schuld und Straf, Vertilg sie ganz und gar, Und straf deswegen nicht Mich in dem neuen Jahr. 7. Ich will mich dir hiermit Zum Eigentum ergeben, Die Seele samt dem Leib, Verstand, Sinn, Geist und Leben; Ach, schließ die Meinigen In deine Fürsorg ein Und lasse, was ich hab, Dir auch empfohlen sein. 8. Beschütze ferner mich Und gib mir deinen Segen, Erhalte, was ich hab, Sei bei mir und hingegen Wend ab des Unglücks Sturm Und bleibe stets mein Gott; Zugleich hab acht auf mich Im Leben, Not und Tod. 9. So will ich denn das Jahr Mit dir, mein Gott, be— schließen; Ach, laß im neuen auch Mich deiner Huld ge— nießen; Und sollt dasselbige Vielleicht das letzte sein, So führ mich durch den Tod Zur Himmelsfreude ein. —⁰— ——— 508 Der andächtige Christ betet Der andächtige Christ betet im Anfang des Jahres. Aufmunterung. Der Herr unser Gott sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns, ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern. Ps., 17. Obgleich vorwitzige, aber auch kleinmütige Menschen am Anfang des Jahres gerne wissen möchten, ob ihnen das Jahr werde glücklich sein, so steht es doch nicht in eines Menschen Macht, solches jemand kund zu tun, denn zukünftige Dinge weiß der Herr allein. Deswegen ist dies allen zu raten, daß sie, 1) wenn ein neues Jahr eintritt, dasselbe mit Danken an⸗ fangen, die Güte des Höchsten preisen, der sie unter so vielen Sturmwinden des Leidens, unter so vielen Fluten der Trübsal glücklich ein neues Jahr hat antreten lassen. Und gewiß, hat ein Schiff großes Glück, das durch Sturm und Wellen durch⸗ kommt, so hat man auch Gott auf den Knien zu danken, wenn er uns ein Jahr glücklich und gesund hat erleben lassen. 2) Sollen andächtige Seelen vom Danken sich zum Gebet wenden, daß die Güte des Allerhöchsten sie ferner beschützen, regieren und erhalten wolle. Verlaß mich auch in diesem Jahre nicht, sprechen sie, und tue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil! Sie befehlen Gott ihren Leib und Seele und alles, was sie haben, unter seinen Gnadenschutz. 3) Sie be⸗ fleißigen sich auch in dem neuen Jahre, andächtiger und fröm— mer zu werden. Sie nehmen sich mit Gott vor, daß dieses Jahr möge in die neue Geburt gehören. Gewiß, wenn alte Leute mit ihren vielen Jahren prangen und sind doch dabei irdisch gesinnt und der Welt ergeben, sie haben keinen größern Ruhm, als ein alter Jude oder Heide, der sie vielleicht an Jahren übertrifft. Denn die Frömmigkeit, welche eine Frucht des Glaubens und der inwohnenden Gnade ist, ist die Zierde der Jungen und Alten. 4) Es nehmen sich andächtige Seelen auch mit Gott bei Anfang des neuen Jahres vor, Gottes Wort fleißig zu hören, im Herzen zu bewahren und darnach ihr Leben einzurichten. les. Werk Holle am Jahr schen inge daß an⸗ ielen ibsal hat lrch⸗ benn ssen. hebet tzen, iesem dab,‚ und e be⸗ röm⸗ ieses alte dabei Pern t an rucht ierde kelen ottes ach im Anfang des Jahres. 509 Gebet. Herr, Herr, barmherzig, geduldig und von großer Treue, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit und bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis, siehe, ich habe unter deinem Schutz abermals ein neues Jahr angetreten. Herr, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder un— ter dem Schatten deiner Flügel trauen! Du maͤchst sie trunken von den reichen Gütern deines Hauses, denn Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle. Die— ses alles habe ich, mein Gott und Va— ter, das vorige Jahr erfahren, darum will ich das neue in deinem Namen mit Beten, Seufzen und Flehen an— fangen. Herr, frühe, im Eintritt des Jahres wollest du meine Stimme hören; frühe in den ersten Stunden desselben wollest du darauf merken. Ach, Herr, ich weiß nicht, was mir in diesem neuen Jahre begegnen kann; das Jahr ist lang, der Tage sind viel, des mensch— lichen Elends ist mancherlei, und die Unglücksfälle, welche die Menschen tref— fen können, sind unzählig. Darum komme 510 Der andächtige Christ betet ich zu dir, o starker und liebreicher Gott, und will mich gleich im Anfang dei— ner Gnade und Treue befehlen. Ach, da alles neu wird, das Land will von neuem grünen, die Sonne höher stei— gen, alles wird mit neuen Kräften be— lebet, so laß auch deine Güte und Barmherzigkeit über mir neu werden. Ich empfehle dir meine Seele in dei— nen gnädigen Vater-Schutz, bewahre sie, daß ich sie nicht mit mutwilligen Sün— den beflecke. Herr Jesu, heilige, wasche und reinige sie mit deinem heiligen Blute. Gott heiliger Geist, wohne in ihr, laß sie deinen Tempel sein. O wie ein ge— gesegnetes Jahr wird mir dieses sein, wenn ich, o himmlischer Vater, in dei— ner Gnade bleibe und als dein Kind lebe. O wie glücklich werde ich sein, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o Jesu, werde stehen. O wie schön werde ich geschmückt einhergehen, wenn du, wer— ter heiliger Geist, in mir wohnen und regieren wirst. Ist des Königs Toch— ter herrlich geschmückt inwendig, so werde ich in diesem Kleinod dir auch gefal— len. Und weil du mir bisher Leben im Anfang des Jahres. 511 und Gesundheit als edle Gabe verlie— hen, so wollest du dieselben mir auch in diesem Jahre, wenn es dein väter— licher Wille und meiner Seele heilsam ist, gnädiglich erhalten, damit ich zu deinem Dienste und zur Verrichtung mei— nes Berufes tüchtig sein möge. Sollte es dir aber gefallen, mir Krankheit und Schmerzen aufzulegen, so weiche nicht von mir, und wenn ich Pein leide, so lindere mir's, und laß auch deine Erquickungsstunde erscheinen, da du mir alles wieder abnimmst. Halte deine Hand, Herr mein Gott, über mich und die Meinigen, sei eine feurige Mauer um uns her, wie um Elisa, bewahre uns, wie das Haus Hiobs. Verleihe mir die Kraft deines heiligen Geistes, daß ich dieses Jahr recht fromm und ein wahres Kind Gottes werde, daß ich sei ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und Täter des Wortes. Hilf, daß in dem neuen Jahre es von mei— nem Seelenzustande heißen möge: Das Alte ist vergangen, es ist alles neu ge— worden, daß ich in mir finde ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu 512 Der andächtige Christ betet meinem Nächsten, neue Triebe, mich mit dir zu vereinigen und darin zu bleiben. Ach, heilige mich durch und durch, daß mein Geist samt Seele und Leib mö— gen unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Gib mir neuen Eifer in meinem Christentum, im Gu— ten zu wachsen und zuzunehmen. Segne meinen Beruf und Arbeit, segne mei— nen Ausgang und Eingang, gib mir, was deine Segenshand mir bestimmt hat. Laß mich aber bei dem Anfang dieses Jahres gedenken, daß einst das letzte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets möge bereit halten, in Buße und Glauben stehen, meine Lampe brennend und meine Len— den gegürtet sein lassen, dich, o mein Bräutigam und gnädiger Gott, mit Freuden zu empfangen und zu deinem, mir von Anbeginn bereiteten Reich ein— zugehen. Ach, gib mir nach deinem Willen Einen neuen Sinn und Geist, Der, was dein Befehl uns heißt, Mich lehr un— verrückt erfüllen; Daß mein Geist, samt Seel und Leib, Deines Geistes Wohnung bleib. Jesu, laß mich fröhlich enden Dieses angefangne Jahr, Trage mich auf deinen Händen, Stehe bei mir in Gefahr. Ach, hilf mir in aller Not Und verlaß: Wenn! 4. gehoben kommen Mein E Helfer. 2. regiere; ausziere Heiligke 3. zunehme Lüste zu Zeit, ar 4. dich hin im Gla mir dei 5. deinen beilegen nur auf 6. für mit stand n Wie du 7. deine Trübsa nich in Star im Anfang des Jahres. 5⁰³ verlaß mich nicht im Tod; Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich muß die Welt verlassen. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh sei Ehr. 1. Gottlob, das neue Jahr tritt ein, Es hat schon an— gehoben, Ach, könnt ich doch recht dankbar sein Und Gott voll— kommen loben! Ich schenk mich dir, ach, schenk dich mir, Mein Gott, mein Licht und Lebenszier, Und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih mir deinen guten Geist, Der Herz und Seel regiere; Der mich mit Glauben allermeist Und Gottesfurcht ausziere; Der mich erfülle jederzeit Mit Hoffnung, Lieb und Heiligkeit, Und bleibe stets mein Führer. 3. Laß mich in Glaubensfreudigkeit In diesem Jahr zunehmen Und durch den siegesvollen Streit Des Fleisches Lüste zähmen, Auf daß ich bleibe fromm hinfort Zu aller Zeit, an allem Ort, Und bleibe mein Regierer. 4. Ach, großer Gott, verlaß mich nicht, Wenn ich vor dich hintrete; Wend nicht von mir dein Angesicht, Wenn ich im Glauben bete; Ach, hör, erhöre meine Bitt, Ach, teil mir deine Hilfe mit Und bleibe mein Erbarmer. 5. Ich bitt noch mehr, o Gott, von dir: Ach, gib mir deinen Segen; Den wolle deine Liebe mir In meinem Tun beilegen; Ach, liebster Vater, segne mich, Mein Auge schauet nur auf dich, Ach, bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, So wirst du für mich sorgen; Es ist ja deiner Weisheit Licht Mein Zu— stand nicht verborgen, Drum sorg für mich auch dieses Jahr, Wie du gesorget immerdar, Und bleibe mein Versorger. 7. Sollt mich auch treffen Kreuz und Leid, So beut mir deine Hände, Verleih die Hilfestund beizeit, Daß sich die Trübsal wende; Ach, gib mir Glauben und Geduld, Erhalte mich in deiner Huld Und bleibe mein Erretter. Starck, Gebethuch. 33³ 51 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu 8. Ja, tröste mich zur Leidenszeit, Und laß mich bald empfinden Der Kinder Gottes Freudigkeit, Laß alle Angst verschwinden; O Gott des Trostes, wende nicht Von mir dein Licht und Angesicht Und bleibe stets mein Tröster. 9. Sollt auch dies Jahr das letzte sein, Das ich noch soll erleben, So führe mich zur Freude ein, Da wollest du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, Die Krone nach dem Kampf und Streit, In Herrlichkeit und Wonne. —05— Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu Christi im Anfang der heiligen Fastenzeit. Aufmunterung. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtig— keit, die vor Gott gilt. 2. Kor. 5, 21. Die heilige Fastenzeit ist bei den ersten Christen eine Zeit der Andacht und des Gebets gewesen, welche sie mit besonderer Betrachtung des Leidens Jesu hingebracht; welches bis auf diesen Tag noch die Weise aller wahren Kinder Gottes ist. Ob nun aber gleich der Satan die Weltkinder so weit gebracht, daß sie die Fastenzeit nicht mit Beten und Andacht, sondern mit Saufen, Fressen, Maskeraden, Üppigkeit und Gottlosigkeit anfangen, womit sie bezeugen, sie fragen nichts nach dem gekreuzigten Herrn Jesu und treten sein Blut mit Füßen: so sind wahre Kinder Gottes anders gesinnt und ist ihnen dergleichen ein Greuel. 1) Sie fangen die Zeit nicht allein mit Beten und Singen an, sondern entschlagen sich so viel wie möglich aller irdischen Dinge, damit sie allein an dem Blute Jesu ihre Freude haben können. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden Jesu vor Augen, Jesum in dem Garten Gethsemane, vor Gericht, in dem Richthaus, auf dem Berge Golgatha, am Kreuz, im Grabe, und sprechen bei jeder Betrachtung: das ist alles für mich geschehen. 3) Wie sie nun diese heilige Betrachtung zu Hause und in der Kirche Histor verscht und e den g denken gierde oder v und g und 2 gesegn 2 dein Leid ling unb licht Sü dich in der ein st keit heil heit esu 5 zur ihtig⸗ eine e mit pelches it mit ind ist im Anfang der heiligen Fastenzeit. 515 Kirche anstellen, so sind sie nicht vergnügt mit der äußerlichen Historie, sie lassen auch nicht mit der Fastenzeit ihre Andacht verschwinden, sondern, wie sie sich der Wunden Jesu im Leben und Sterben getrösten, so haben sie allezeit im Gedächtnis den gekreuzigten und auferstandenen Jesum. Welches An— denken sie 4) antreibt zur Kreuzigung ihrer Lüste und Be— gierden, daß sie nicht mehr leben nach dem Lauf der Welt oder vorsätzlich sündigen, damit sie der Sünde mehr absterben und geistlicher Weise auferstehen. Welcher Fleiß, Verlangen und Wunsch 5) von Gott zu ihres Lebens Heiligung wird gesegnet sein. Gebet. Ach Jesu, mein Jesu, wie groß ist deine Liebe, die du in deinem bittern Leiden mir erwiesen hast. Du bist der eingeborene Sohn Gottes, du bist das unbefleckte Lamm, der Herr der Herr— lichkeit, der Allerheiligste, der nie eine Sünde getan hat; und siehe, du ergibst dich in den allerschmählichsten Tod und in das grausamste Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, ein Sünder und ein Kind des Todes bin. O wie groß ist deine unaussprechliche Barmherzig— keit! Der Heilige trägt meine Un— heiligkeit, der Fromme trägt meine Bos— heit, der Gerechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld; dir wer— den meine Sünden aufgelegt, damit 33 516 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu mir deine Gerechtigkeit geschenkt würde. Mein Jesu, an deinem Leiden kann ich sehen den Zorn Gottes gegen die Sünde, den Greuel und die Strafe der Sünden. Denn Gott hat um frem— der Missetaten und um zugerechneter Sünden willen dich, unschuldiges Lamm, so erbärmlich am Oelberg selbst ge— martert und durch deiner Feinde Hände so erbärmlich zurichten lassen, wie hart werden dann einst gestraft werden, die durch solches Leiden sich nicht zum Glau— ben, zur Buße und zur Lebensheili⸗ gung bewegen lassen! Mein Jesu, ich trete jetzt zu dir und schaue dein Lei⸗— den an. Du gehest in den Garten Geth— semane und schwitzest blutigen Schweiß, ach, für mich, damit ich von der Ge— walt des Satans befreit würde. Du wirst vor Gericht geführet, verklaget und zum Tode verdammet, ach, für mich, damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Ge— richt stehe, losgesprochen werde. Du hast vor Gericht lauter Ankläger, aber keinen Fürsprecher, ach, für mich, da— mit, wenn mich meine Sünden und mein im Anfang der heiligen Fastenzeit. 51¹7 Gewissen anklagen, du mein Fürspre— cher sein mögest. Du wirst gegeißelt und dein Leib fließet mit Blut, die Pflüger ziehen ihre Furchen lang auf deinem Rücken, ach, für mich, damit ich nicht wegen meiner Sünden gestraft würde. Du wirst zum Tode geführet, ach, für mich, damit mein Todesgang mir heilsam und ein Durchgang zum Himmel, ein Hingang zum Vater sei. Du wirst gekreuzigt, ach, für mich; du Lamm Gottes hast alle meine Sün— den getragen. Du stirbst am Kreuz, ach, für mich, daß ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben, ach, für mich, damit du mein Grab heiligen mögest. Ist das nicht Liebe, nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden Leben, Gnade und Ver— gebung aller meiner Sünden erlangen soll? Aller meiner Sünden Strafe liegt auf dir, auf daß ich Frieden hätte und davon befreit würde. Nun will ich dies Leiden mir vor Augen setzen, mich stets daran ergötzen, ich sei auch wo ich sei. Es soll dein Tod und Lei— den, bis Leib und Seel sich scheiden, 518 P Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu mir stets in meinem Herzen ruhn. War Israel von aller Schuld und Strafe frei, wenn es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor Gott brachte und des— sen heißes Blut vergießen sah, so weiß ich auch, weil du, o Jesu, du un⸗ schuldiges und unbeflecktes Lamm Got⸗ tes, für mich geschlachtet bist und dein heißes Blut reichlich für mich vergos— sen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auffasse, in Gnaden und mit Gott versöhnet bin. Dein Blut ist das rechte Versöhnungsopfer, Reini⸗ gungs⸗ und Besprengungsblut. O mein Jesu, an deine ausgestandene Marter und an dein vergossenes Blut will ich denken, wenn mein Herz mich will zur Sünde verleiten; deine blutige Gestalt am Oelberg, in der Geißelung und am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihrem bösen Bei⸗ spiel mich ihr gleichzustellen reizen will. In deine Wunden will ich fliehen in meiner Sündenangst, dein Blut will ich auffassen als mein Lösegeld, wenn mich mein Gewissen ängstiget; ja, in meiner Todesstunde will ich von nichts, als ich u Pp— im Anfang der heiligen Fastenzeit. 519 von dir, o Jesu, wissen; dein heiliger Jesusname soll mein letztes Wort, deine blutige Gestalt mein letzter Gedanke, dein letztes Wort am Kreuz auch mein letzter Seufzer im Sterben sein: Va— ter, in deine Hände befehle ich meinen Geist. In solcher meiner letzten Stunde, o Jesu, sei mein Trost, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand und alsdann Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meiner Not, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Es stirbt mein bester Freund, Mein Jesus, ach, mein Leben. Sieh, er ist schon erblaßt, Der Geist ist aufgegeben; Er neiget nun sein Haupt Am hohen Kreuzesstamm. Es sinket in den Tod Mein Seelenbräutigam. 2. Es stirbt mein bester Freund, Daß ich nicht möchte sterben, Daß ich errettet werd Vom ewigen Verderben; Ach ja, er stirbt für mich, Für meine Sünd und Schuld, Befreit mich von der Straf Und bringt mir Gottes Huld. 3. Es stirbt mein bester Freund Und dennoch nicht mein Lieben, Mein Jesus bleibet tief In meiner Seel geschrieben; Ich lieb ihn, weil ich leb, Ich lieb ihn auch im Tod, Ich lieb ihn in dem Kreuz Und aller meiner Not. 4. Ich will mit meinem Freund Auch noch zu Grabe gehen, Und wie man ihn einsenkt, Mit Glaubensaugen sehen; 520 Betrachtung des Leidens Jesu in der Fastenzeit. Mein Freund, hier ist mein Herz, Da senke dich hinein, Das soll dein Eigentum Und deine Ruhstatt sein. 5. Ich will mein Herze dir Hiermit zu eigen schenken, Ich will bis in den Tod An deinen Tod gedenken; Ach, lebe, weil ich leb, Mein Seelenfreund, in mir, Und sterb ich dermaleinst, So sterb ich, Jesu, dir. ö Jesus in seinem Blute. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Schauet doch das bittre Leiden, Welches Jesus muß ausstehn, Wie die Juden und die Heiden Grausam mit dem Herrn umgehn; Kommt und schaut die Marter an, Ob sie euch bewegen kann, Ob vielleicht euch dieser Schmerze Rüh⸗ ren mög das harte Herze. 2. Schauet, wie er wird geschlagen, Wie die Geißeln blutig sein; Schauet, wie er Spott muß tragen, Ja die allergrößte Pein; Schauet doch der Feinde Wut, Schauet das vergoss'ne Blut, Ob's euch könnt zurücke ziehen, Daß ihr mögt die Sünde fliehen. 3. Schauet, wie er endlich stirbet An dem hohen Kreu— zesstamm Und die Seligkeit erwirbet; Schauet an das Got— teslamm, Wie sein heißes Blut noch fließt Und wie es die Augen schließt, Ob's vielleicht die Sünder schrecken Und zur Buße möcht erwecken. 4. Jesu, liebster Jesu, schreibe Dieses alles in mein Herz, Daß ich eingedenk verbleibe, Wie dein Leiden und dein Schmerz, Wie dein Sterben und dein Blut Komm mir Armen noch zugut, Daß ich möge daraus sehen, Was auf Sünd für Straf ergehen. 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, Wo ich gehe, wo ich steh, Daß ich, wo ich mich hinkehre, Blutig dich vor Augen seh, Blutig auf der Lagerstätt, Blutig auf dem Sterbebett, sich! wäge über alle drar sich schu im dem er h Mu unve 2883—88.8.88——,,f, öSDDS RNRNRNRNCNCNCNCNCWCWCWCWE SD NRERERER —————9—.— Der andächtige Christ erwägt den Todestag Jesu. 521 Blutig, wenn ich Schmerzen leide, Blutig, wenn ich nun verscheide. 6. Jesu, stell dein Blut und Wunden Immer vor mein Angesicht; In den Wunden hab ich funden Gnade, Leben Trost und Licht. Deine Marter, Tod und Pein Soll im Tod mein Labsal sein, Und so lang ich werde leben, Soll es mir vor Augen schweben. eoeo— Der andächtige Christ erwägt den Todestag Jesu oder den Uarfreitag. Aufmunterung. Fürwahr, er trug unsere Krankheit, und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten; und durch seine Wunden sind wir geheilet. Jes. 53, 4. 5. Obgleich der Kar- oder stille Freitag, welcher der Leidens— und der Todestag unseres hochgelobten Jesu ist, auch von den Weltkindern aus äußerlicher Scham und Furcht vor Menschen stille zugebracht wird, so haben dagegen wahre Kinder Gottes sich diesen Tag zu ihrer besonderen Andacht erwählt. Sie er— wägen an demselben das Leiden Jesu 1) als ein aus Liebe über sich genommenes Leiden. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, die dich gebracht auf diese Marterstraße! Liebe drang ihn, daß er Mensch wurde; Liebe bewegte ihn, daß er sich für uns hingab und am Kreuze starb. 2) Als ein un— schuldiges Leiden. Man soll nicht meinen, als ob der Heiland im geringsten etwas getan, das der Strafe wert gewesen sei; denn er war heilig, rein und von den Sündern abgesondert; er hat auch keine Sünde getan, und ist kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Also war es ein von seiten Jesu unverdientes Leiden, aber um unsertwillen nahm er es willig Der andächtige Christ auf sich. Es war 3) ein von seinem himmlischen Vater zuge— schicktes und bestimmtes Leiden; denn weil er nach dem wohl— bedachten Rat Gottes gelitten(Apostelgesch. 2, 23), so wußte Jesus auch alles, was ihm begegnen sollte. Aber damit sind die Juden nicht entschuldigt, als ob sie Gottes Willen voll⸗ bringen müssen; denn Gott hätte seinen Sohn vollends zu Tode martern können, wie er auch schon im blutigen Schweiß vor ihm auf der Erde lag, er hat aber der Juden Eigenwillen und Bosheit dazu gebraucht, deren Absicht nicht war, Gottes Willen zu erfüllen, sondern ihre Bosheit und Mutwillen an Christo auszuüben. Wie Josephs Brüder ihn nicht ver— kauft haben, um ihren Bruder zum großen Herrn zu machen, sondern sie gedachten es böse mit ihm zu machen, Gott aber dachte anders. 1. Mose 50, 20. 4) War Christi Leiden ein wahrhaftiges Leiden, indem er alle Wunden empfunden und die Schmerzen wohl gefühlt hat. Dieses alles zieht eine gläubige Seele in Betrachtung und läßt es sich ein Spiegel des göttlichen Zornes gegen die Sünde und ein Spiegel der gött— lichen Liebe zum Heil der Menschen sein. Gebet. O du liebreicher und holdseliger Jesu, ich komme zu dir, dein bitteres Leiden mit Herzensandacht zu erwägen. Ach, laß dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die sündliche Begier, Daß mir nicht komme aus dem Sinn, Wieviel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. O du unschuldig erwürgtes Lamm, du hast gelitten, daß dir alle meine, ja aller Menschen Sünden, Schulden, Mis— setaten, Ungerechtigkeiten und Bosheiten aufgebürdet und zugerechnet würden, so daß der selh mbe dich unse fam rung amt. alles Ank daß chi dem Tod dem das du dein Leil blut sche wes zen Frö dur her erwägt den Todestag Jesu. 5²³ daß du vor dem göttlichen Gerichte als der größte Sünder, ja als die Sünde selbst angesehen wurdest. Waren aber, unbeflecktes Lamm, unsere Sünden auf dich geworfen, so überfielen dich auch unsere Strafen wie Wasserfluten; da kam Verachtung, Schmähung und Läste— rung während deines prophetischen Lehr— amts, aber in deinem Leiden wurde alles verdoppelt, da blieb es nicht bei Anklagen und Verdammung zum Tode, daß du mußtest vor zwei Gerichten er— scheinen, vor dem geistlichen und vor dem weltlichen, und von beiden zum Tode verdammt werden, sondern nach— dem der Stab über dir gebrochen und das Todesurteil gesprochen war, mußtest du auch grausame Schmerzen leiden an deinem Leibe. Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegeißelt, zerrissen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr Men— schenkinder, ob ein Schmerz jemals ge— wesen sei, als unsers Jesu Schmer— zen; sein Haupt war mit Dornen ge— krönet, sein Leib mit Blut beflossen und durch die scharfen, mit eisernen Haken versehenen Geißeln wundgeschlagen, am 524 Der andächtige Christ Kreuze wurden Hände und Füße durch⸗ nagelt, die Seite mit einem Speer durch—⸗ stochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: Ich bin ein Wurm und kein Mensch. Nicht allein war sein heiliger Leib so erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er auch das heftigste Leiden ausstehen, daß seine Seele betrübt war bis in den Tod; die Zornesflut und Höllenangst griff ihn also an, daß er am Kreuze schrie: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? darauf endlich der Tod selbst folgte. Erwürgtes Lamm, das hast du alles mir zugut und zum besten, zu mei⸗ nem Trost und Frieden, zu meiner Er⸗ lösung und Heil und zu meiner Seligkeit gelitten und ausgestanden; denn so nicht wäre kommen Christus in die Welt und an sich genommen hätte unsere arme Ge— stalt, und willig für unsere Sünden ge— storben, so hätten wir müssen verdammt sein ewiglich. Nun aber, wenn ich an dich glaube und dein heiliges Blut in Glaͤubenszuversicht mir zueigne, so bin ich nicht verdammt, sondern durch dich selig; wenn ich in solchem Glauben dir erhi ich dich Jesu vor! zen dadu Laß mir gen und nein bei den, fen abge reini Leid rwe siehe hast Ind tan Mei bu im ben erwägt den Todestag Jesu. 52⁵ verbunden bleibe bis ans Ende, so bin ich nicht verloren, sondern werde durch dich das ewige Leben haben. O mein Jesu, laß dein bitteres Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Her— zen sein, daß ich mich dessen getröste, dadurch fromm, gerecht und selig werde. Laß mich keinen Tag hinbringen, da mir nicht dein blutiges Bild vor Au— gen schwebe. Laß dein Leiden, Blut und Wunden auf meine Hand und in mein Herz eingeschrieben stehen, daß bei jedem Atemzug nichts als dein Lei— den, Blut und Tod in meinen Gedan— ken sei,‚, daß ich dadurch von der Welt abgezogen, geheiliget, gewaschen und ge— reinigt werde. Mein Jesu, wie dein Leiden mich aufrichtet, erfreuet, tröstet, erwecket und erbauet, also auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach, für mich hast du auch gebetet: Vergib ihnen, und dieser Seele, was sie wider dich ge— tan hat. Für mich hast du geschrien: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? daß ich nie, nicht im Kreuz und in Nöten, nicht im Ster— ben und vor Gericht, nicht am jüng— 526 Der andächtige Christ sten Tage, nicht hier zeitlich, nicht dort ewig verlassen würde. Für mich hast du gesagt: Mich dürstet! Ach gib, daß ich im Glaͤuben dich wieder um— fassen, nach dir dürsten und nach dir wie ein Hirsch nach frischem Wasser verlangen, in deiner Liebe mich ergötzen und erquicken möge. Für mich hast du gesorgt, da du sprachst zu Johannes: Das ist deine Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuz in Trübsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner herzlich anneh⸗ men, dich meiner erbarmen, für ch sorgen, mir helfen und gnädig sein. Ach, laß mich in meinem Sterben und im Tode die Stimme hören: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein. Versichere mich dessen in gesunden Ta— gen, rufe es mir zu auf meinem Sterbe— bett, laß es an mir erfüllt werden nach meinem Tode. Für mich hast du ge— sprochen: Es ist vollbracht! Nun ist alles getan, was ich hätte tun, nun ist alles gelitten, was ich hätte leiden sol— len. Nun ist mir Heil, Leben, Friede, Freude, Trost, Seligkeit, die Krone des andäc Beten ttirbt, Tod allen liebe man Himn erwägt den Todestag Jesu. 527 Lebens und das weiße Kleid erworben. Ja, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mir ein Trost⸗ und Freudenwort werden: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist; so will ich beten, wie du mir vorgesprochen hast. Wenn endlich ich soll treten ein In deines Reiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur sein, Ich will mich darein kleiden; Es soll sein meines Hauptes Kron, Mit welcher ich will vor den Thron Des höchsten Vaters gehen, Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohl— geschmückte Braut, An deiner Seite stehen. Amen. Gesang. Mel.: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen, Laßt uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben, Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach unserm Tod sich mög anheben Das Freudenleben. 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben Und teilet allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir die Sünden— liebe fliehen, Uns zu sich ziehen. 4. Er stirbt und trägt, seht doch, die Dornenkrone, Die man ihm aufgesetzt zu Spott und Hohne, Damit er in dem Himmel uns ergötze, Die Kron aufsetze. 5. Er stirbet, sehet, wie sein Blut noch fließet, Das er, als das Versöhnungsblut, vergießet; Dies Blut wird uns ver— süßtes Labsal geben Im Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach, schaut, sein Leib ist voller Wunden, Darin die Seele Trost und Ruh gefunden; Nun kann ich, da die Freistatt stehet offen, Auch Gnade hoffen. 528 Der andächtige Christ freut sich 7. Er stirbt am Kreuz mit ausgespannten Armen, Weil er sich aller Menschen will erbarmen; Er will auch mich in seine Arme fassen, Mich nicht verlassen. 8. Mein Jesu, wärst du nicht also gestorben, So wären wir an Leib und Seel verdorben; Nun aber kann mich nie— mand mehr verdammen Zur Höllenflammen. 9. Im Sterben schenkst du mir das Freudenleben, Durch dich wird mir die Seligkeit gegeben; Wer an dich glaubt und wer da neu geboren, Ist nicht verloren. 10. Ich will im Glauben dich, o Jesu, fassen, Auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen; Von deiner Liebe soll mich gar nichts scheiden, Kein Tod noch Leiden. 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen Zur Gab und Opfer, wie Dankbare pflegen; Bespreng's mit deinem Blut, und mach es reine, Denn es ist deine. 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, Ach, laß mich deinen guten Geist regieren, Nimm meinen Geist an meines Lebens Ende In deine Hände. —dod Der andächtige Christ freut sich über die Auferstehung Jesu Christi. Aufmunterung. Ich bin der Lebendige. Ich war tot; und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. Offenb. Joh. 1, 18. Es ist das heilige Osterfest eine Freudenzeit aller Kinder Gottes, welche sich in ihrem auferstandenen Jesu herzlich freuen. Sie freuen sich 1) über die Vollkommenheit ihrer Erlösung; denn nachdem Jesus von den Toten auferstanden, der sich als Bürge, für uns genugzutun, dargestellt hatte, so ist auch die Bezahlung völlig geschehen. Gott ist versöhnt, er hat den Tod seines Sohnes für unsern Tod angenommen und uns um seinetwillen das Leben geschenket. Es freuen nisse bi liches sich hat erschien gern ge berühre welche weil Il sein ul siegelt der Fr Christu wieder die Au gllicken süßet u Leben Osterta Gebet, befleißi ihr Sü und Sü ihr übr Y in de ded Herr ler. Chri deine Sta Geil in üren nie⸗ urch und dein soll Zur inem laß an bin üssel inder lich ihrer iden, e, so öhnt, imen euen sich gläubige Seelen 2) über die herrlichen Zeugen und Zeug⸗ nisse von der Auferstehung ihres Jesu. Ist es nicht ein herr— liches Zeugnis, daß er zehnmal nach seiner Auferstehung sich hat sehen lassen, daß er fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, 1. Kor. 15,5, daß er sonderlich mit seinen Jün— gern geredet, gegessen, Apostelg. 10, 41, sich von ihnen hat berühren und angreifen lassen, Joh. 20, 25, 1. Joh. 1,1, welche Zeugen allen Unglauben auf einmal aufheben. Ja, weil Jesus in uns lebt, Gal. 2, 20, so muß er ja auferstanden sein und leben. Sie freuen sich 3), weil ihnen ist ver— siegelt und versichert die gnädige Vergebung der Sünden, der Friede mit Gott, daß sie ungescheut im Glauben an Christum sich zu Gott nahen dürfen, und wissen, daß er sich wieder zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die Auferstehung Jesu auch im Tode und Sterben sie er— quicken werde; Jesus hat ihren Tod auch im Sterben ver— süßet und ihr Grab geheiliget, und sie sollen auch zum ewigen Leben auferstehen. Deswegen 5) bringen sie die heiligen Ostertage, wie die übrigen Feste, in Herzensandacht, mit Gebet, Singen und Betrachtung der Wohltaten Gottes hin, befleißigen sich 6) geistlicher Weise alle Tage aufzustehen und ihr Sündengrab, das ist: ihre bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden zu verlassen, hingegen im Glauben und Heiligung ihr übriges Leben dem Herrn zu Ehren anzuwenden. Gebet. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten; die Rechte des Herrn ist erhöhet, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Auferstande⸗ ner Jesu, mächtiger Siegesfürst Jesu Christe, Ueberwinder des Todes, aus deiner Auferstehung entsteht in meinem Starck, Gebetbuch. über die Auferstehung Jesu Christi. 529⁷ —— E*—.— RE 530 Der andächtige Christ freut sich Herzen lauter Freude, da ich durch deine Gnade dieses heilige Fest begehe, und sage mit gebeugtem Knie und mit ge— faltenen Händen: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch un— sern Herrn Jesum Christum! Jesus ist auferstanden von den Toten, das ist eine fröhliche Botschaft. Der Bürge ist aus dem Kerker des Grabes losge— lassen, darum muß die Sünde getilget, Gott versöhnet und die Schuld bezahlet sein. Wer will uns verdammen? Chri— stus ist hier, der gestorben ist, ja viel⸗ mehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Jesus hat dem Tode die Macht genom— men und das Leben und ein nuvergäng— liches Wesen an das Licht gebracht. O Jesu, liebster Freund, deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen Trost. Ich sage an diesem Tage: Jesu Auferstehung ist mein Sieg. Nun kann mich meine Sünde nicht verdammen, denn durch Christi Blut und Wunden, durch seine Auferstehung habe ich Vergebung aller meiner Sünden, so viel, so groß und schwer sie immer sind. Hier ist ein voll—⸗ gültis losun lisun gebun miren übern süßen ter g übern len, f gen; Nsus kechti Ind s licht, phohed der s das Nn, hersig Nsus im C in de demne spich Heine lufer über die Auferstehung Jesu Christi. 5381 gültiges Lösegeld, eine vollkommene Er— lösung; an Christo haben wir die Er— lösung durch sein Blut, nämlich die Ver— gebung der Sünden. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Christus den Tod überwunden und meinen Tod zu einem süßen Schlaf, ja, zum Hingang zum Va⸗ ter gemacht hat. Der Satan ist ein überwundener Feind; wird er schon brül— len, so kann er mich doch nicht verschlin— gen; wird er mich verklagen, so bittet Jesus für mich und schenkt mir seine Ge⸗ rechtigkeit, darin ich vor Gott gerecht und selig bin. Die Hölle erschreckt mich nicht, denn Christus hat mich errettet von der Hölle; wer nun an ihn glaubt, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. O ein froher Tag, o ein Freudentag, da mir mein Heil versichert und die Seligkeit bestätigt ist! Jesus lebt und ich werde auch leben, hier im Glauben mit ihm vereinigt und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auferstandenen Jesu erfreute Seele spricht ferner: Jesu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ist das Haupt auferstaͤnden, so können die Glieder nicht Wan. 2 +5 533 Der andächtige Christ freut sich dahinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngsten Tage auferstehen, wie alle Menschen, sondern ich werde aufer— stehen als Kind Gottes, als ein Miterbe Jesu Christi, kraft seines Verdienstes und Genugtuung. Darum fürchte ich mich vor dem Grabe nicht, ich sehe es an als eine Ruhekammer, als der Mutter Schoß, als den Ort meiner Ruhe, wo mich mein Heiland wird schlafen lassen, bis er wird sprechen: Stehet auf, ihr Toten, und kommt vor das Gericht! O der großen Herrlichkeit, die mein Heiland mir er— worben! Auferstandener Jesu, wie kann ich genugsam deine Gnade und Barm— herzigkeit ausbreiten, rühmen und prei— sen? O Liebe, die mir das Leben und die Seligkeit schenket! Nun ist alles wie— der gut gemacht, was durch Adams Fall verdorben war. Ach, mein Heiland, deine Auferstehung soll mir auch einen kräf— tigen Trost in meinem Leiden geben. Du lagst verschlossen im Grabe, aber du gingst herrlich hervor; also wird auch meine Leidensnacht vergehen, und deine Freu— den⸗, Gnaden⸗, Hilf- und Erquickungs⸗ sonne wird mir wieder scheinen. O Jesu, u hl ist l Crlös samet Crlaf einen Näge schme Somt lich v aus d werde mit! Leib geheil Himt licht so ha ö ö I Digen sorge Feind im 2 Und und! Le nich he daß ich de wie ser⸗ rbe und hich als oß, lein bird und ßen er⸗ ann m⸗ über die Auferstehung Jesu Christi. 533 du bliebst nur drei Tage im Grabe, also ist mir nach meiner Trübsal auch der Erlösungstag bestimmt; auf die müh— samen Leidensjahre kommt das fröhliche Erlaßjahr. Du standest auf und hattest einen verklärten Leib, die Wunden und Nägelmale waren nicht mehr blutig oder schmerzhaft, sondern glänzend wie die Sonne. So wird mein Leib auch herr— lich und verklärt werden, wenn du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen und mit meiner Haut umgeben werden; der Leib und die Glieder, die dir gedient und geheiligt gewesen sind, werden auch des Himmelsglanzes teilhaftig und verherr— licht werden. Ja, weil du, o Jesu lebst, so habe ich an dir einen treuen, bestän⸗ digen Freund, der mich im Leben ver— sorgen, im Leiden erhalten, gegen die Feinde beschützen, in Traurigkeit erfreuen, im Tode erquicken, im Grabe bewahren und dereinst zu der Herrlichkeit bringen und mit der Krone zieren wird. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; Wenn mir gleich alle Welt stürb ab, Gnug, daß ich Jesum bei mir hab. Er nährt, er schützt, er tröstet PPFIeettt 2 534 Der Christ freut sich über die Auferstehung Jesu. mich, Sterb ich, so nimmt er mich zu sich; Wo er jetzt lebt, da komm ich hin, Weil ich ein Glied sein's Leibes bin. Amen. Gesang. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 1. Jesus lebt, des freu ich mich, Er ist von dem Tod erstanden, Er hat aus dem Grabe sich Und von allen Todes-— banden Als ein starker Held befreit; O der großen Herr— lichkeit! 2. Jesus lebt, er ist nicht tot, Lasset seine Feinde toben, Er ist außer aller Not, Lasset uns den Herren loben, Der da nach dem Kampf und Krieg Hat erhalten Ruhm und Sieg. 3. Jesus lebt, denn er hat sich Von gar vielen lassen sehen, Darum glaub ich festiglich Und darf nicht im Zweifel stehen: Mir schad't nicht der Apfelbiß, Denn mein Jesus lebt gewiß. 4. Schauet seiner Gottheit Pracht, Denn er nimmt sein Leben wieder, Welches er aus freier Macht In den Tod geleget nieder; Er starb zu der Leidenszeit Und stand auf in Herrlichkeit. 5. Weil er unsern Geist belebt, Muß er ja sein aufer— standen, Und wer ihm nicht widerstrebt, Den macht er von Sündenbanden Durch sein Leben völlig frei, Daß sein Leben in ihm sei. 6. Nun, ich will das Freudenfest Mit Gebet und Dank hinbringen Und dem, der das Grab verläßt, Lauter Freuden— lieder singen; Jesus, Jesus soll allein In dem Mund und Herzen sein. 7. Nun ist alle meine Schuld Ausgetilget und vergeben, Und ich werd in Gottes Huld Hier und dorten ewig leben; Was ich sträflich an mir hab, Liegt bedeckt in Jesu Grab. 8. Nun ist alle Furcht dahin Vor des Grabes finstrer Erden, Weil ich ganz versichert bin, Ich werd auferwecket werden; Deckt mich nur mit Erde zu, Hier ist meines Schlafes Ruh. finden; hald ver) mir gna 10. Not vern Tode wit wahres II. in dem e vom Ve Lammes Der a Ich fah meine Di andes, Lauf ka her und nachdem der Sür Eine bleibend Es habe nung a sie etwa wünsche einmal t lebt, Umen. Sieg. lassen weifel 15 lebt it sein Tod id auf aufer⸗ er von Leben Dank euden⸗ id und geben, leben rab. instter rwecket meines — ͤ Der Christ betrachtet die Himmelfahrt Christi. 535 9. Weil mein liebster Jesus lebt, Werd ich Hilfe bei ihm finden; Wenn sich schon ein Sturm erhebt, Muß er dennoch bald verschwinden, Denn mein Jesus schützet mich, Jesus hilft mir gnädiglich. 10. Jesus lebt, er wird mich nicht In der Angst und Not verlassen, Auch nicht, wenn mein Angesicht In dem Tode wird erblassen; Alsdann führt mich seine Hand In mein wahres Vaterland. 11. Jesus lebt, dies Wort soll sein Auch mein Labsal in dem Sterben, Das versüßt die Todespein Und befreit mich vom Verderben: Nach dem Tod werd ich aufstehn Und zur Lammeshochzeit gehn. —8905— Der andächtige Christ betrachtet die himmelfahrt Christi. Aufmunterung. Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Joh. 20, 17. Die Betrachtung der Himmelfahrt Jesu, unseres Hei— landes, kann nicht anders, als einer gläubigen Seele sehr tröstlich und erfreulich sein. 1) Erinnert sie sich der Gewiß— wißheit ihrer Erlösung. Weil nun der Siegesfürst wieder dahin kehret, nämlich in den Himmel, daher er gekommen ist, so hat er das Werk vollendet, dazu er gesandt war. Sein Lauf kam(in seiner Empfängnis und Geburt) vom Vater her und kehrte(in seiner Himmelfahrt) wieder zum Vater, nachdem er den Menschenkindern Friede, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit hatte erworben. 2) Eine gläubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchen müssen. Es haben weder Fromme noch Gottlose eine beständige Woh— nung auf Erden. Die Frommen verlangen es nicht, weil sie etwas Besseres wissen, und die Gottlosen, ob sie es gleich wünschen, erlangen sie es nicht, denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, darnach das Gericht. Ist nun aber keine 536 Der andächtige Christ betrachtet beständige Wohnung der Menschen auf Erden, so schickt das Herz nur dahinein, wo ihr ewig wünscht zu sein. Ja, sie erinnern sich 3) täglich daran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter und die Ihrigen ansehen, daß sie alles verlassen müssen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Lebens kommt, sie mögen die Stätte bereitet finden in der Herrlichkeit, so halten sie 4) fleißig eine geistliche Himmelfahrt, sie verlassen die Erde mit ihren Gedanken und sind des Himmels eingedenk; sie verlassen die Welt mit ihrer Liebe und hangen Jesu im Glauben an. Sie verlassen die Welt mit ihrem Leben, in— dem sie nicht nach dem Willen und der Gewohnheit der Welt, sondern nach Gottes Willen leben. Daher 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken sie: da ist mein Vaterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. Gebet. Gott fähret auf mit Jauchzen, und der Herr mit heller Posaune; lobsinget Gott, lobsinget unserm König! Also besinge ich, mein Jesu, großer Sieges— fürst, deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechts zu deiner Herr— lichkeit eingegangen bist. Es liegen nun alle unsere Feinde: Teufel, Welt, Sünde und Tod unter deinen Füßen, du hast uns davon befreiet. Nachdem du gemacht hast die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst, hast du dich in den Himmel gesetzt zur Rechten der Majestät Got— ikt das V + Va, sie „ ihre e alles e ihrer mt, sie halten sen die gedenk, jesu im en, in⸗ Velt, sie den erland, und inget Also eges⸗ nach des Herr⸗ nun unde hast macht durch mmel Got⸗ die Himmelfahrt Christi. 537 tes. Mein Jesu, dies alles ist mir gar tröstlich, darüber freue ich mich von Grund meiner Seele. So erfreulich mir deine Ankunft auf Erden war, so tröst— lich ist mir deine Himmelfahrt. Du sitzest zur Rechten Gottes und vertrittst uns; wenn ich bete, so bete ich nicht allein, dein Geist betet in mir, und du bittest für mich, darum wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnädig⸗ lich erhört werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort gedenke: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, auf daß ihr seid, wo ich bin. Dieses erquickt mei— nen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Stätte bereitet, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen und bleiben soll. Du bist mit Lob und Ehren gekrönt, und du hast auch mir beigelegt die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du, König der Ehren, als ein gerechter Richter geben wirst denen, die deine Erscheinung lieb— haben. Du hast dein Reich eingenom— men und herrschest über Himmel und Erde, im Reich der Natur, der Gnade und der Herrlichkeit; du wirst auch zu 538 Der andächtige Christ betrachtet mir und allen Gläubigen einst sagen: Kommt her, ihr Gesegneten, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbe— ginn der Welt. Du hast Gaben emp—⸗ fangen für die Menschen nach deiner menschlichen Natur, daß du sie uns, deinen Brüdern und Gläubigen, austeilest. Ach, mein Jesu, gib mir eine zwiefache Gabe, der ich zwiefache Kraft und Trost nötig habe. Gib mir deinen heiligen Geist, Frömmigkeit, Keuschheit, Sanftmut, De⸗ mut, deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei Gott, das Leben, den Frieden und einst des Himmels Glanz und die ewige Seligkeit. Weil du nun als das Haupt erhöht bist, so wirst du mich, als dein Glied, auch nach dir ziehen. Weil mich dein Geist belebt, so werde ich auch ewig— lich bei dir sein. O welcher Trost, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das, die mein Heiland seinen Gläubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen verheißt: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Ach, mein Jesu, laß mich sein, wo du bist, ziehe mich zu dir, da du zur Rech— ten Gottes erhöhet bist; bringe mich zur Schar der heiligen Engel und aller Aus— ewige Naupt dein mich ewig⸗ helche „ die seinen Wo sein. 90 du Rech⸗ zur Aus⸗ die Himmelfahrt Christi. 330 erwählten; laß mich deine Herrlichkeit sehen, welche du deinen Gläubigen be— reitet hast. Ob du aber, o mein liebster Seelenfreund, deine sichtbare Gegenwart mir entzogen hast, so bist du noch bei mir unsichtbarerweise, kraft deiner Verhei— ßung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Darum bin ich getrost in allen Fällen; ich weiß, du bist bei mir in meiner Not, du errettest mich aus Gefahr, du erquickest mich im Lei— den, du tröstest mich in Traurigkeit und schützest mich in aller Widerwärtigkeit. Darum bin ich gutes Muts; der Herr Jesus ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen tun? Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb und weiß, daß ich dich einst sehen und mich unaussprechliche Freude in dir erfüllen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Him— melfahrt nach meinem seligen Abschied halte; ich werde dich auch mit meinen Augen sehen am jüngsten Tage, wenn ich werde von den Toten auferstehen. Zu dem Ende will ich täglich eine Himmel— fahrt anstellen und meine künftige Woh— 540 Der andächtige Christ betrachtet nung, die künftige Krone und bleibende Stätte, mein weißes Kleid mit Glau— bensaugen beschauen; ich will auch die Welt, weil ich in der Welt bin, mit mei⸗ nem Herzen, mit meinem Leben verlas— sen, und ihre Eitelkeiten, Gewohnheiten und Sünden fliehen, welche mich an die— ser Himmelfahrt hindern. Auf diese Weise lebe ich, dieweil ich lebe, dem Herrn, und wenn ich sterbe, so sterbe ich dem Herrn. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Mein Arm tu ich ausstrecken, Ich schlafe ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelstür auftun, Mich führn zum ewigen Leben. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Jesus fähret auf gen Himmel Und verläßt den Tränenbach, Und ich folg durchs Weltgetümmel Meinem liebsten Jesu nach; Leiblich kann's zwar nicht geschehen, Bis ich werde auferstehen, Dennoch stellt mein Herz sich ein, Alle Tag bei ihm zu sein. 2. Ich verlasse diese Erden, Ob ich gleich auf Erden leb, Es soll mir nichts lieber werden, Darnach ich am meisten streb, Als im gläubigen Verlangen Meinen Jesum zu um— fangen Und im Geiste allezeit Anzusehn die Herrlichkeit. 3. Ich fahr auf mit meiner Liebe, Erd, ich liebe dich nicht mehr; Weil ich in der Lieb mich übe, So ist Jesus mein Begehr; Hoffnung, Eitelkeit der Erden, Wollust, Pracht und Weltgebärden Acht ich meiner Lieb nicht wert, Als die Jesum nur begehrt. Himmel schmeckt der Her Mir zu 9— Erden g soll ma Ihren Weil si 6. meinem Leben, ruhe, w Herz un 4 Himmel kenn m Vergnü sieht, U. Spar i den Mu recht be I1 Jesu 9. ins Gre Hlauben ein Ort in der 10 Augenli geschich goldner sache§ hende Hlau⸗ die mei⸗ rlas⸗ eiten die⸗ diese dem he ich tu ich ch kann 1, Der Leben. ißt den Meinem schehen, erz sich Erden meisten zu um⸗ klichkeit. ebe dich t Nsus Pracht Als die — die Himmelfahrt Christi. 541 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden? Droben in der Himmelsfreud; Weltlust kann es nicht mehr binden, Es schmeckt bessre Süßigkeit; Es beschauet schon die Krone, Die der Herr zum Gnadenlohne, Samt dem schönen Ehrenkleid, Mir zu geben ist bereit. 5. Man sieht zwar mich noch hier leben Und umher auf Erden gehn, Ja, noch unter Menschen schweben, Aber doch soll man nicht sehn, Daß ich lieb die Sünd und Schande, Ihren Lauf und Sündenbande, Ja, ich dring mich nicht dazu, Weil sie stören meine Ruh. 6. Meine Seele und Gedanken Sind schon längst bei meinem Gott, Als von dem sie nimmer wanken, Nicht im Leben, nicht im Tod; Wo ich schlafe, wo ich gehe, Wo ich ruhe, wo ich stehe, Wo ich bete, wo ich bin, Ist im Himmel Herz und Sinn. 7. Mich kann nun nichts mehr ergötzen, Als nur diese Himmelsreis, Droben bei den Himmelsschätzen Bin ich, die ich kenn und weiß; Meine Ruhe, Freud und Sonne, Mein Vergnügen, Trost und Wonne Ist nicht, wo man mich jetzt sieht, Sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren Alle Tag und alle Stund, Spar ich nicht zu späten Jahren, Bis der Tod verschließt den Mund; Nein, dies tu ich schon beizeiten, Will mich also recht bereiten, Damit, wenn mein End da ist, Ich hinfahr zu Jesu Christ. 9. Also werd ich nichts verlieren, Träget man mich auch ins Grab, Jesus wird mich herrlich zieren, Welchen ich im Glauben hab; Sterb ich, wenn es Gott gefället, So ist schon ein Ort bestellet, Den mein Heil mir hat bereit't Dorten in der Ewigkeit. 10. Drum sei fröhlich, meine Seele, Heb empor dein Augenlicht, Diese Erd ist eine Höhle, Da dir wenig Gut's geschicht: Schwing dich durch die Andachtsflügel Zu dem goldnen Sternenhügel, Wo dir stehet längst bereit Tausend— fache Herrlichkeit. 542 Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung des heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. Aufmunterung. So denn ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten? Luk. 11, 13. Es hat die erbarmende Liebe Gottes uns von Ewigkeit viel Gutes zugedacht, und Jesus hat uns mit seinem heiligen Blute erkauft; es will aber auch der heilige Geist, als die allerherrlichste, notwendigste und seligste Gabe, uns in diesem Jammertale leiten, heiligen und regieren. Es ist der heilige Geist 1) die allerherrlichste Gabe; was könnte Gott Höheres und Größeres an uns tun, als daß er uns seinen Geist zum Führer und Wegweiser mitteilt? Es war der ewigen Liebe Gottes nicht genug, daß die heiligen Engel die Wächter sollten neben, um und bei uns sein, und uns behüten auf allen unsern Wegen; sondern der heilige Geist sollte auch in uns wohnen, damit Leib und Seele recht bewahrt und er— halten würden. Der heilige Geist ist auch 2) die allernot— wendigste Gabe. Wir können ohne Reichtum, großen Ehren— stand und viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben, aber ohne den heiligen Geist können wir weder hier noch in der Ewigkeit wahrhaft glücklich sein. Daher ist er auch 3) die allerseligste Gabe. Er ist das Pfand unseres Erbes, das Siegel unserer Kindschaft, dadurch wir versichert werden, daß wir Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens sind. Er ist uns höchst notwendig in Traurigkeit, Trübsal und Anfechtung, denn da überzeugt er uns, daß wir dennoch in der Gnade stehen; er vertritt uns, wenn wir zum Gebet un— vermögend sind, bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern 4) Diese herrliche, notwendige und selige Gabe will Gott allen geben, die ihn nur darum bitten; diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen und irdischen Dingen, weil sie uns nicht allezeit heilsam sind, aber diese Gaben wird Gott niemand versagen. 5) Ein andächtiger Christ säubert sein des vigkeit eiligen (5 die diesem heilige öheres t zum Liebe zächter n auf uch in nd er⸗ lernot⸗ Ehren⸗ leben, loch in uch 3) 5, das verden, sind. und loch in et un⸗ llfzern (Gott eißung veil sie des heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. 543 Herz von der Welt- und Sündenliebe, damit der gute und reine Geist in ihm Wohnung nehmen könne. Gebet. Ich will Wasser gießen auf die Dur— stigen und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie die Weiden an den Wasserbächen. Ach, liebster Jesu, diese gnädige Ver— heißung hast du an dem heiligen Pfingst— fest erfüllet, da du über die Apostel dei⸗ nen heiligen Geist reichlich ausgegossen und sie damit zu dem Werk tüchtig ge— macht hast, die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blute und die Seligkeit allen Völkern zu verkündigen. Treuer Heiland, teile mir auch diese Gabe mit, gib mir auch diese herrliche Gabe. O du werter heiliger Geist, gieße dich in reichem Maße über mich aus, der du in Feuerflammen dich über die Apo⸗ stel geoffenbaret hast. Erleuchte mich zum ewigen Leben, erleuchte meinen Verstand, daß ich möge Jesum Christum erkennen; heilige meinen Willen, daß ich nichts be— gehre und wünsche, als nur, was dir ge— fällt. Wurden die Apostel, du Geist der 544 Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung Stärke, durch dich angetan mit Kraft aus der Höhe, so stärke meinen Glauben, gib mir Mut und Kraft, in deinen We⸗ gen einherzugehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen und als ein wahres Kind Gottes zu leben. O du gnädiger Regen, mache mich fruchtbar zu allen guten Werken, erquicke mich in der Hitze der Anfechtung und gib, daß ich viele Glaubens- und Segensfrüchte brin⸗ gen möge. Du Geist der Gnaden und des Gebets, versiegle in mir den Trost und die Freudigkeit, daß ich in der Gnade Gottes stehe. Ach, bete auch in mir und mit mir, ja, lehre mich recht andäch— tig beten, ermuntere mich zur Andacht und zum Lobe Gottes. Ruhe auf mir, du Geist der Weisheit, daß ich wissen und tun möge, was Gott gefällt; ruhe auf mir, o Geist des Verstandes, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich dei— nen Namen fürchte. Behüte meinen Ver— stand vor Irrtum, vertreibe daraus alle Finsternis der Unwissenheit und Eigen— liebe. Hingegen zünde in mir an dein Licht, daß ich in deiner Liebe und Er⸗ felntt uuf Heltt Hlil Wiss Mir, Zorn Rach Vöst venn Ind d Hen. hin; dimp Olau Gedu llleze licht 110 C iM all Herkla luch Indey Hurch llen In lana Start raft lben, We⸗ egen, Rein bU ar zu der 10 brin- und Bost nade des heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. 54⁴45 kenntnis möge täglich zunehmen. Ruhe auf mir, o du Geist der Furcht des Herrn, pflanze deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nimmermehr mit Wissen und Willen sündige. Ruhe auf mir, du Geist der Liebe, und reiße allen Zorn, Eigensinn, Neid, Bosheit und die Rachgier aus meinem Herzen. Sei mein Tröster in allem Kreuz und Trübsal, wenn die Fluten mich wollen ersäufen und die Wellen über mir zusammenschla— gen. Sei meine Stärke, wenn ich schwach bin; hilf mir die Lüste des Fleisches dämpfen, hingegen laß in mir wachsen Glaube, Liebe, Demut, Hoffnung und Geduld. Sei mein Führer, der mich allezeit leitet auf ebener Bahn, daß ich nicht anstoße, falle oder tue wider Got— tes Gebot. Sei mein Lehrer, der mich in alle Weisheit leite und Jesum in mir verkläre. O du reines Wasser, wasche mich, gib, daß ich in dem Guten wachse und viele Früchte bringe. Hilf, daß ich durch deine Kraft Jesum in der Tat einen Herrn möge heißen, nämlich mei— nen Jesum, meinen Erlöser, meinen Se— ligmacher, den Grund meines Heils und Starck, Gebetbuch. 835 546 Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung Seligkeit. Siehe, o du Licht meiner big Seele, wie ich in der Welt mit so vie— liger len Verführungen umgeben bin, denn es Ste sind viele Verführer ausgegangen; dar⸗ liehe 14 um bewahre mich, daß ich nicht von dir Her 10 weiche, zeige mir den Weg, darauf ich bil wandeln soll, denn mich verlangt nach zur dir. Wenn ich mich führen will, so irre Fre ich; wenn du mich aber führst, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Habe ich um dich, o werter heiliger Geist, bisher be— W trübet, so trage ich darüber herzlich Leid; Dun ö siehe, mein Herz stehet dir offen; ach, n 7 kehre in dasselbe mit deinen reichen Gna— 309 dengaben ein, erfülle es mit allen christ⸗ 108 lichen Tugenden, befestige, gründe und er⸗ halte in mir das gute Werk, das du in . mir angefangen hast. Ach, schaffe in mir ein reines Herz, tilge aus demselben I alle Unarten, bösen Gewohnheiten und 10 alle Herrschaft der Sünde. Nimm weg a N das steinerne Herz und gib mir ein ge— heiligtes und durch deine Gnade geänder- tes Herz, und laß es deinen Tempel und ö Wohnung sein. So habe ich das Pfand meines Erbes und der Kindschaft, und Mei so weiß ich auch gewiß, daß ich werde Hlau leiner 0 pie⸗ un es dar⸗ dir uf ich nach irre laufe be ich er be⸗ Leid; ach, ö Gna⸗ crist ö ind er⸗ du in fe in sselben u und n weg in ge⸗ Händer⸗ el und Pfand t, und werde des heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. 5⁴47 ewig selig werden. Bleibe auch, o hei— liger Geist, bei mir in aller Not und im Sterben, rufe alsdann in mir das Abba, lieber Vater! gib mir einen Blick der Herrlichkeit und einen Vorschmack der ewigen Freude, da ich nach dem Kampf zur Krone und nach dem Leiden zur Freude gelangen werde. Heilger Geist, du Kraft der Frommen, Kehre bei mir Armen ein Und sei tausendmal willkommen, Laß mich deinen Tempel sein. Reinige du selbst das Haus Meines Herzens, wirf hinaus Alles, was da mich kann scheiden Von den süßen Himmelsfreuden, Schmücke mich mit deinen Gaben, Mache mich neu, rein und schön, Laß mich wahre Liebe haben Und in deiner Gnade stehn. Gib mir einen starken Mut, Hilf mir zwingen Fleisch und Blut, Lehre mich vor Gott hin— treten Und im Geist und Wahrheit beten. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Das Pfingstfest freuet mich, Weil Jesus seine Gaben Mit reichem Maß austeilt, Die wünscht mein Herz zu haben; Mein Jesu, schenke mir Auch deinen guten Geist, Der mich von mir zu dir, Und zu dem Himmel weist. 2. Ich irre allzusehr, Wo mich dein Geist nicht führet, Und mein Herz ängstigt sich, Wenn es den Trieb nicht spüret. Wohlan, so leite mich, Mein Licht, auf ebner Bahn, Daß ich ich in deinem Licht Zum Lichte wandeln kann. 3. Ich leb in Finsternis, Wo mich dein Geist nicht lehret, Mein Herz bleibt unbelebt, Wenn er es nicht bekehret Und neue Lebenskraft In meinem Geist entzünd't, Auch meine Glaubensmacht Auf Jesum Christum gründ't. 354 548 Erwägung des Geheimnisses der h. Dreieinigkeit. 4. Ich kann mich selber nicht In meinem Leiden trösten, Ich brauche reichen Trost, Wenn meine Not am größten, Darum so stehe mir Mit deinem Troste bei, Daß ich ein Gotteskind Auch in dem Leiden sei. 5. Wie kann ich mich, mein Gott, In Glaub und Lieb erhalten? Es würden diese bald Ohn deinen Geist erkalten; Darum so gib mir Kraft, Daß ich nicht von dir weich, Bis ich nach meinem Kampf Die Lebenskron erreich. 6. Mein Jesu, gib mir doch, Was ich dich hab gebeten, Laß deinen guten Geist Im Beten mich vertreten, Daß ich in Frömmigkeit Bring meine Tage hin Und richte meinen Lauf Nach deinem Wort und Sinn. 7. Ach, dein Geist helfe mir Mein Fleisch und Blut bezwingen, Daß ich in seiner Kraft Mög gute Früchte bringen; Ich sterbe williglich Der Welt und Sünde ab, Wenn ich den guten Geist Zu meinem Führer hab. 8. Du sollst, o werter Geist, In meiner Seele bleiben, Du sollst mich, o mein Licht! Zu allem Guten treiben, Ach, bleib du allezeit Vereiniget mit mir, Laß mich geschmücket sein Mit deiner heilgen Zier. 9. Und wird mein Wanderstab Auch in dem Sterben brechen, So wirst du in dem Streit Mir Trost und Mut zu⸗ sprechen; Ich geh durch Jesu Blut Alsdann zur Freude ein Und werde schön verklärt In Jesu Armen sein. Der andächtige Christ erwägt das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit. Aufmunterung. Drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist; und diese drei sind eins. J. Joh. 5,7. Wenn eine gläubige Seele das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit will in eine heilige Betrachtung ziehen, so muß sie es machen, wie einer, welcher von der Sonne Licht und Nutzen haben und sich dessen bedienen will. Schaut er mit unverwandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich, er siel nikder 0 sie Heilig Hehei Perso sof Tag. Ins lichste da E Matt Gotte Wort in de desse demi die t löser der sein eini wirt die rösten, ößten, ch ein d Lieb lalten; „ B ebeten, daß ich meinen d Blut Früchte nde ab, . bleiben, u, Ach, chmücket Sterben Mut zu⸗ eude ein 8 der hs Wort oh. b/ 4. heiligen so nuß icht und er mit ter sich Erwägung des Geheimnisses der h. Dreieinigkeit. 549 er sieht lauter Finsternis, ja nichts; hält er aber die Augen niedergeschlagen, gebraucht also der Sonne Licht und Glanz, so sieht er alles, was er sehen soll. Das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit ist 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimnis, sie kann das nicht begreifen: ein Wesen und drei Personen; deswegen haben sich viele an dieser Glaubenslehre gestoßen und halten es mit den Juden noch bis auf diesen Tag. Unterdessen bleibt es doch 2) ein in der Heiligen Schrift uns deutlich beschriebenes Geheimnis, davon reden die herr— lichsten Sprüche Alten und Neuen Testaments. Am Jordan, da Christus getauft wurde, waren drei Personen zu schauen. Matth. 3, 17. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen Gottes liegen uns auch deutlich beschrieben vor Augen. Diesem Wort des Lebens glaubet ein andächtiger Christ, bis er einst in dem ewigen Leben zum Schauen gelangen wird. Unter— dessen 3) betet er den dreimal heiligen Gott mit Herzens— demut an. Er preist seinen Schöpfer für alle Wohltaten, die er ihm an Leib und Seele getan. Er dankt seinem Er— löser, daß er ihn vom Tode, von der Sünde, vom Teufel und der Höllen Gewalt befreit. Er ergibt seinem Heiligmacher sein Herz und sein ganzes Leben, und befleißigt sich, dem drei— einigen Gott zu gehorchen, und ist versichert, daß er einst wird herrlich sehen, was er hier geglaubt. Denn selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Gebet. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! O du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich stimme mit allen Se— raphinen und Cherubinen ein Loblied an, deine Hoheit, Majestät und Herrlichkeit zu besingen. O du einiges, unerforsch— 550 Der andächtige Christ erwägt liches und unbegreifliches Wesen, mein Glaube hält sich fest, einzig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort, dar⸗ in du dich mir herrlich geoffenbaret hast. Das ist das ewige Leben, daß sie dich, Vater, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Chri— stum, erkennen. Ich bete dich an, ich ehre und preise dich, o du Vater aller Gnade und Barmherzigkeit, der du dich als ein Vater mir kundgetan hast. Du hast nicht allein Jesum Christum, deinen eini⸗ gen Sohn, von Ewigkeit her gezeuget, sondern du bist auch der rechte Vater über alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden. Ach, du hast bisher als ein gnädiger und liebreicher Vater auch mich ernährt, versorgt, be— wahrt und erhalten, ja du ernährest, ver⸗ sorgest und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. O du barmherziger Va— ter, nimm dich doch meiner als deines Kindes herzlich und väterlich an. Herr Jesu, Gottes Sohn, ich habe dich aus deinem heiligen Wort erkennen gelernt als die andere Person der heiligen Drei— einigkeit, von dem himmlischen Vater von Cwi Lich liche auch Blu hat Me Ten mich Mei shre Mi Hir G2 sich deil sets nein lein dar⸗ hast. dich, hi, Hhri⸗ ehre nade ein hast eini⸗ Uget, Jater das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit. 551 Ewigkeit her gezeugt, Gott von Gott, Licht von Licht, auf eine uns unbegreif— liche Weise entsprossen. Ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder und Blutsfreund, der die menschliche Natur hat an sich genommen, um mich und alle Menschen zu erlösen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle. O darum freue ich mich in dir und bete dich an. Du bist meine Gerechtigkeit, mein Erlöser, Für— sprecher, Hoherpriester, Gnadenthron, Mittler, Immanuel, Seligmacher und Hirte, in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das Opferlamm, das sich für meine Sünden dahingegeben hat, dein Blut ist die Reinigung meiner Mis— setaten, durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zum Leben. In dir bin ich selig hier zeitlich und dort ewig. O du werter heiliger Geist, du hast dich in deinem Worte mir geoffenbaret als die dritte Person in der Gottheit, die vom Vater und Sohn ausgeht, ein Geist des Vaters und des Sohnes, gleiches Wesens, gleicher Majestät und Herrlichi. Du hast mich auch wieder— geboren in der heiligen Taufe; durch dich 552 Der andächtige Christ erwägt bin ich gebracht zur Gnade, zum Licht und zum Leben, das aus Gott ist. Du bist mein Heiligmacher, der mich erleuch⸗ tet, heiligt und im rechten Glauben er⸗ hält. Du tröstest mich in allem Leiden, du erfreust mich in Traurigkeit und er⸗ quickst mich in Trübsal. O du Geist der Gnade und des Gebets, versiegle in mir den Trost, daß ich in Gnaden sei, gib Zeugnis meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sei. Erwecke mich zum Gebet, gib mir Andacht im Gebet, gib mir Freu—⸗ digkeit nach dem Gebet. Kommt, laßt uns beten und knien und niederfallen vor dem Herrn, dem dreieinigen Gott, der uns gemacht hat, denn wir sind sein Volk. und Schafe seiner Weide; er ist uner⸗ forschlich in seinen Wegen und unbegreif⸗ lich in seinem Tun. Von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge, ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit! Der Vater ist von niemand weder gemacht, noch geschaffen, noch geboren; der Sohn ist von dem Vater nicht gemacht, noch ge⸗ schaffen, sondern geboren; der heilige Geist ist vom Vater nicht gemacht, noch geschaf— fen, nicht geboren, sondern ausgehend. das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit. 55⁵53 Unter diesen dreien Personen ist keine die erste, keine die letzte, keine die größte, keine die kleinste, sondern sie sind alle drei gleich. Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der heilige Geist ist Gott, und sind doch nicht drei Götter, sondern es ist Ein Gott; der Vater ist der Herr, der Sohn ist der Herr, der heilige Geist ist der Herr, und sind doch nicht drei Herren, sondern es ist Ein Herr. O du dreieiniger Gott und Herr, laß mich in dieser Erkenntnis immer wachsen und zunehmen, und gib, daß ich dich im Glauben ergreife und an deinem heiligen Wort, als meiner Glaubens- und Le⸗ bensregel, festhalte, und was ich nicht begreifen kann, doch von Herzen glaube, bis ich aus dem Glauben zum Schauen gelangen werde. Indessen, mein Vater, decke mich mit deinen Gnadenflügeln und segne mich. O Jesu, wasche mich mit deinem heiligen Blut und segne mich, mache mich gerecht und ewig selig. Herr Gott heiliger Geist, erleuchte und segne mich, daß ich in deinem Lichte wandle und in deinem Lichte droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. 554 Erwägung des Geheimnisses der h. Dreieinigkeit. Glauben muß man hier und trauen, Was Gott von sich selber sagt, Dort erst hebet an das Schauen, Nicht der Glaube, Zweifel fragt. Bin ich doch getaufet worden Auf Gott Vater, Sohn und Geist, Sein Wort mich zum Jordan weist, Da auf offnen Himmelspforten Gottes Stimm von Jesu zeugt, Und der Geist hernieder fleugt. Amen. Gesang. Mel.: Dreieinigkeit, der Gottheit. 1. Ich glaub an Gott, von dem wir alle lesen, Daß er schon sei von Ewigkeit gewesen, Und der hernach die Welt er— schaffen hat, Ein großer Gott von Majestät und Rat. 2. Wer diesen Gott mit Namen recht will kennen, Soll Vater, Sohn und heilgen Geist ihn nennen; Dies ist sein Nam, dabei die Christenheit Ihn kennt und nennt jetzt und in Ewigkeit. 3. Vom Vater ist das, was da ist, geflossen, Vom Vater ist der Sohn allein entsprossen, Der heilge Geist geht aus von beiden gleich, Auch gleich an Macht und Ehr im Freudenreich. 4. Der Vater hat der Welt das Sein gegeben, Des Sohnes Blut hat uns gebracht das Leben, Der heilge Geist er— leuchtet und bekehrt, Und also wird das Gnadenreich vermehrt. 5. Die Dreie sind auf einen Thron erhoben, Gleich ewig, groß, allmächtig, gleich zu loben, Die Majestät ist ihnen allgemein, Gott ist und war und wird auch ewig sein. 6. Zwar die Vernunft, weil hier kein Grund zu finden, Will oftmals sich zu rechnen unterwinden, Wie eins sei drei; doch wer da widerspricht, Der glaubet Gott und seinem Worte nicht. 7. Ein wahrer Christ glaubt's fest von Herzensgrunde, Bekennt's auch ohne Zweifel mit dem Munde, Weil Gott sich selbst hat also kundgetan, So glaubet er, was er nicht fassen kann. 8. Des Vaters Lieb hat er schon oft empfunden, Er findet Trost in Jesu Blut und Wunden, Wenn Gottes Geist seine telte glauh allei N sich t der Auf ordan n von daß er elt er⸗ at. Soll st sein t und Vater us von nreich. Des eist er⸗ mehrt. Gleich tät ist sein. finden, i drei; Worte grunde, ott sich nicht u, Er 5 Geist Betrachtung des Schutzes der heil. Engel. 555 ihn treibet, lehrt und rührt, So folgt er gern, weil er ihn wohl geführt. 9. Und hierbei ruht sein Glaube und Gemüte Und preiset stets des Allerhöchsten Güte, Beharret auch in solcher Frömmigkeit, Bis er Gott schaut im Frieden nach dem Streit. 10. Mein Vater, laß mich deine Gnad empfinden, Mein Jesu, mach mich frei von allen Sünden, Gott heilger Geist, ach, nimm mein Herze ein, Dreieinger Gott, ich bin dein, du bist mein. Der andächtige Christ betrachtet am Michaelisfest den Schutz der heiligen Engel. Aufmunterung. Die Engel sind allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Hebr. 1, 14. Es sind die heiligen Engel von Gott erschaffen worden zu seinem Dienst und Ehren, die allezeit um seinen Thron stehen und seinen Befehl ausrichten. Wenn ein großer König seine Leibwache und Aufwärter einem andern zum Dienst stellte, so wäre es Liebe und Gnade. Daher 1) dankt ein gläubiger Christ für diese besondere Gnade, daß Gott nicht allein sich den Menschenkindern mit allen seinen Gütern und Gnaden zum Genuß, auch Jesum Christum zum Heil der Seelen, den heiligen Geist zum Tröster und Führer, sondern auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenkt hat. 2) Er trachtet auf Erden den Engeln auch gleich zu werden, Gott täglich zu loben, zu preisen, zu danken, und den ihm gefälligen Dienst zu leisten. Wer ein Teufel auf Erden, ich will sagen, ein widerspenstiger, halsstarriger, unbekehrter Mensch und frecher Sünder bis in den Tod bleibt, der kann nach seinem Tode den Engeln nimmermehr gleich werden. ½ Ein gläu— biger Christ demnach befleißigt sich nach der dritten Bitte, Gottes Willen zu tun auf Erden, wie er geschieht im Himmel, wo nicht mit gleicher Vollkommenheit, doch mit gleicher Willig— 556 Der andächtige Christ betrachtet keit und Aufrichtigkeit. 5) Die Engel betet ein gläubiger Christ nicht an, welche Ehre nur dem Herrn, nicht den Mit— knechten gebührt. Offenb. Joh. 19, 10. 6) In solcher Fassung des Glaubens, der Liebe, der Frömmigkeit und Gottesfurcht beharrt ein gläubiger Christ bis an sein Ende, und weiß, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufs- und ö von Gott gebotenen Wegen ihn werden vor Unglück behüten, sondern auch in seinem Tode um sein Bett stehen und nach dem Tode die Seele in Abrahams Schoß begleiten. Gebet. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Du barmherziger und liebreicher Gott, wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schutz und Bei— stand bestellet hast. Herr, Herr, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst und ihn so hoch achtest. Ist es eine hohe Ehre, wenn ein König seine Leibwache und Aufwärter einem geringen Mann mitgibt, die ihm müssen zur Seite stehen, wie viel größere Herrlichkeit ist das, daß die heiligen Engel zum Schutz und zur Begleitung uns armen Menschen dienen müssen! O du Gott der Liebe, du hast nach deiner unaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbaren Krea— turen: Himmel, Erde, Sonne, Luft, Meer, 0 alle! zum ich zun Uebe liebre Erde unge ter b wacht Du deine ben, am Michaelisfest den Schutz der heiligen Engel. 557 alle Früchte und Gewächse der Erde uns zum Genuß, sondern auch die uns un— sichtbaren Kreaturen, die heiligen Engel, zum Dienst verordnet, damit uns ja kein Uebel widerfahren möge. Du weißt, liebreicher Vater, wie deine Kinder auf Erden mit vielerlei Gefahr und Elend umgeben sind, darum hast du ihnen Wäch— ter bestellt, die um sie Tag und Nacht wachen und alles Uebel abwenden sollen. Du weißt, wie viele und starke Feinde deine Kinder und Gläubigen um sich ha⸗ ben, den Fürsten der Finsternis, Satan und sein Heer, darum hast du ihnen auch starke Helden zugegeben, die jenen wider⸗ stehen und deine Geliebten bewahren sol— len. Ach, mein Gott, wenn eine Woche, ein Monat, ein Jahr nach dem andern vorübergeht, darin meine gesunden, gera— den Glieder unverletzt, mein Haus und Habe unversehrt, mein Gang ohne Fall und Anstoß bleibt, indem kein Unglück sich zu mir naht, sollte ich solches nicht deiner Vatertreue, Liebe und Barmherzig— keit zuschreiben, daß du durch deine Die— ner mich so erhalten und behütet hast? O wie viel Gefahr hast du durch den 558 Der andächtige Christ betrachtet mächtigen Schutz deiner heiligen Engel abgewendet, davon ich nichts gewußt! Nun, mein Gott, dafür sei du hoch ge— liebt und gelobt von nun an bis in Ewig— keit. Ich bitte dich auch, liebreicher Va— ter, befiehl deinem Engel ferner, daß er komm und mich bewach, dein Eigentum. Laß deinen Engel alle Gefahr und Un— glück von mir abwenden, wie von Jakob, welchem die Heere Gottes begegneten und ihm zur Seite zogen, da ihm die größte Gefahr von seinem Bruder Esau bevor— stand. Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer ringsumher, wie das Haus Hiobs; laß sie bei mir sein in allen Nö— ten, wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben, wie sie die Flammen von den drei Männern hinwegstießen; laß sie meine Nahrung und täglich Brot behü— ten, wie die Engel dem Elia Brot und Wasser brachten; ja, laß sie um mich her lagern und mir aushelfen, und mich be— gleiten auf den Reisen, wie Tobias. Ach, du gütiger Gott, verleihe mir deinen hei— ligen Geist, daß ich diese deine heiligen Geschöpfe nicht möge mit meinen Sün— den betrüben oder mit meinem ruchlosen mit ie möge! geschel hinfor Herze deine Sterb in Ab ner mich Gesel mich! stät er lig ist men, dieses Got seine Dit nur dir laß sie i uns zur Salomos Und laß Rger se am Michaelisfest den Schutz der heiligen Engel. 559 Leben von mir treiben, daß sie so ferne stehen und meiner Bosheit weichen müs⸗ sen. Gib, daß ich den Engeln in diesem Leben s chon möge gleich werden in deinem Dienst, Lob, Gehorsam und Preis, da— mit ich auch den Engeln gleich werden möge in der frohen Ewigkeit. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel, soll hinfort mir immer in den Ohren und dem Herzen erklingen. Mein Gott, laß auch deine heiligen Engel bei mir bleiben im Sterben, damit sie alsdann meine Seele in Abrahams Schoß tragen und zu dei— ner Herrlichkeit begleiten mögen. Laß mich daselbst in ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft in Ewigkeit sein, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Maje— stät erfreuen, und das Heilig, heilig, hei— lig ist Gott der Herr Zebaoth! anstim— men, und dich, wie für alle, also auch für diese Wohltat ewig loben und preisen. Gott aller Geister Geist, Herr aller Seraphinen, Der seine Diener heißt Uns Menschen zu bedienen, Herr Zebaoth, nur dir Gebühret Dank dafür. Wir gehen aus und ein, So laß sie uns begleiten; Wenn wir entschlafen sein, So stelle uns zur Seiten Die Wache deines Throns, Die Starken Salomons. Schaff, daß sie überall Die Hand uns unterlegen Und laß uns keinen Fall Aus ihrem Schoß bewegen; Ihr Lager schließ uns ein, Wenn wir belagert sein. Wenn wir, 560 Betrachtung des Schutzes der heil. Engel. des Eiteln los, Die Sterbelieder singen, Laß uns in Abrams Schoß Durch diese Träger bringen, Mach uns in deinem Reich Den Engeln selbsten gleich. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. „Der Engel güldnes Heer, Die immer vor Gott stehen Und seine Majestät In hellem Glanze sehen, Die werden täglich noch Zu unserm Dienst gesandt, Und was uns schaden kann, Wird durch sie abgewandt. 2. Die Engel sind bei uns Auf allen unsern Wegen, Bei Tag und auch bei Nacht, Wenn wir uns schlafen legen; Geht man zu dem Beruf, So gehn sie mit uns aus, Und kehret man zurück, So gehn sie mit nach Haus. 3. Wenn Satan und die Welt, Auch andre Feinde wüten, So sind die Engel da, Die unsern Tritt behüten; Sie wenden von uns ab Leid, Unglück und Gefahr, Ihr Auge schlummert nicht, Sie wachen immerdar. 4. Und bricht der Wanderstab In unsern Lebenstagen, So werden sie die Seel Ins Freudenleben tragen, Zur Ruhe nach der Last, Zur Krone nach dem Streit, Zur Freude nach der Angst, Zum Troste nach dem Leid. 5. Die Engel freuen sich, Wenn wir uns Gott ergeben Und, wie wir schuldig sind, Nach Gottes Willen leben. Ach ja, wir sind gewiß, Daß man da Engel find't, Wo Fromme im Gebet Und Lieb verbunden sind. 6. Ach Gott, wir danken dir Für alle deine Gaben, Und daß wir auch von dir Zum Schutz die Engel haben; Die Helden send uns auch In aller Angst und Not, Ach, laß sie bei uns sein Im Leben und im Tod. 7. Verleih mir deine Gnad, Daß ich annoch auf Erden Mit stetem Lob und Preis Den Engeln gleich mög werden Und deinen Willen tun, Damit nach dieser Zeit Ich leb den Engeln gleich In deiner Herrlichkeit. 8. Da soll dein Lob und Ruhm In Ewigkeit erklingen, Da will Engel C wunsch, der Sie will und haben Korn meine Ist große X Gott die sie blühe Wetter! nen un geringer dankt, Rensche wachsen, Gott oft damit j⸗ wenn de seinen er die v zierten! Himmel Erhalter aus eine bringt. daß er seiner Gnaden Venn e Star Der Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. 561 Da will ich hoch erfreut Das dreimal Heilig singen Mit aller Engel Chor Und auserwählten Schar; Dies ist mein Herzens⸗ wunsch, Amen, es werde wahr. Der andächtige Christ danket Gott nach einge⸗ sammelter Ernte. Aufmunterung. Sie will nicht wissen, daß ich's sei, der ihr gibt Korn, Most und Ol, und ihr viel Silber und Gold gegeben, das sie haben dem Baal zu Ehren gebraucht. Darum will ich mein Korn und Most wieder zu mir nehmen zu seiner Zeit, und meine Wolle und Flachs entwenden. Hos. 2, 8. 9. Ist eine in aller Menschen Augen fallende herrliche und große Wohltat zu finden, so ist es die jährliche Ernte, wenn Gott die Saat im Winter in der Erde bewahrt, im Sommer sie blühen, wachsen und Frucht bringen läßt; wenn er Hagel, Wetter und Sturm abwendet und durch seinen Segen Scheu⸗ nen und Keller füllet. Aber ist auch eine vor der Welt geringer geachtete Wohltat, dafür man Gott am wenigsten dankt, als die Ernte? Denn da meinen die undankbaren Menschen, es müßte also nach dem Lauf der Natur alles wachsen, dabei habe Gott nichts getan, deswegen der erzürnte Gott oftmals aus gerechtem Gerichte Mißwachs entstehen läßt, damit jedermann erkenne, daß das Land nichts geben könne, wenn der Herr nicht gibt, und daß nichts wachsen könne ohne seinen Segen. Ein gläubiger Christ ist anders gesinnt; wenn er die vollen Ahren in der Ernte und die mit Trauben ge⸗ zierten Weinstöcke erblickt, 1) so hebt er seine Augen auf gen Himmel und preist den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, der aus einem Korn so viel Körner, aus einem unansehnlichen Holz so eine köstliche Frucht hervor— bringt. 2) Er rühmt die göttliche Fürsorge und Erhaltung, daß er das ganze Jahr über Frühregen und Spatregen zu seiner Zeit gegeben, Dürre, Hagel und Überschwemmung in Gnaden abgewendet und hingegen die Ernte behütet. 3) Wenn er nun die Zeit erlebt, daß die Sichel das Korn nieder— Starck, Gebetbuch. 36 —————** 2 —.——.—...— 4——— ————— 4.. eeeeee-——.——————.—— 2— X——— .*X ER T 562 Der andächtige Christ danket Gott legt, und sieht es in die Scheunen fahren und in der Kelter die Trauben zerpressen, so nimmt er alle diese Gaben mit dankbarem Herzen und Händen an. 4) Er gebraucht auch dieselben und nimmt sie zu sich mit Danksagung; er erkennt, daß Gott ihn nähre, versorge, erhalte. Ja, er läßt sich 5) Gottes Güte zur Buße leiten; dankt man einem Wohltäter und erzürnt ihn nicht, der uns etwa ein Kleid oder etwas zu unserem Unterhalt gibt, warum soll man den größten Wohl⸗ täter nicht loben, der uns alles gibt? Gebet. Danket dem Herrn, denn er ist freund— lich und seine Güte währet ewiglich. Also spreche ich, mein Gott, da ich wieder die gesegnete Erntezeit erlebt habe. O du gnadenreicher Gott, wie groß ist deine Güte, die du an uns beweisest! Du hast das Erdreich gegründet auf seinen Boden, daß es bleibt immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herr— lichen Schätze gelegt, dasselbe muß uns die Früchte reichlich hervorbringen, die zu unserer Lebens-Erhaltung, Nahrung und Gesundheit dienen. Sonderlich hast du, o liebreicher Vater, dieses Jahr gekrönt mit deinem Gut; deine Fußtapfen triefen von Fett; du hast befeuchtet die Berge von oben her; du hast das Land voll Früchte gemacht, die du schaffest. Du hast lassen Gras wachsen für das Vieh nach eingesammelter Ernte. 563 und Saat zu Nutz den Menschen, daß du Brot aus der Erde bringest. Ach, treuer Vater, du hast dieses Jahr wieder uns, deinen wiewohl undankbaren Kindern, Speise und Trank geschenkt; du hast un— sere Ernte behütet und die Erde mit Korn und Most erfüllet; du hast uns gegeben Früh- und Spatregen zu rechter Zeit, da— her haben unsere Felder geblüht und den von dir uns entspringenden Segen dar— gereicht. Unsere Bäume haben allerlei schöne und liebliche Früchte durch deine Gnade gegeben, und der Weinstock hat uns erfreuet. Liebreicher Gott und Va— ter, du hast das Feld und das ganze Land mit deinen Gnadenflügeln bedecket, du hast die Sonne lassen scheinen zu rechter Zeit, daß alles zur Zeitigung gekommen ist; du hast unsere Felder behütet und be— wahret vor Hagelschlag, Brand, Dürre, Ueberschwemmung. Wenn wir schliefen, so wachtest du; du warst unserer Felder Hüter und Schutzherr. Herr, deine Werke sind groß und viel, du hast sie alle weis— lich geordnet und die Erde ist voll deiner Güte. Alle Kreaturen, Menschen und Vieh warten auf dich, daß du ihnen 36* 564 Der andächtige Christ danket Gott Speise gebest zu seiner Zeit; wenn du ihnen gibst, so sammeln sie, und wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gütern gesättigt. Ja wohl hast du, o reicher Gott, uns dieses Jahr mit deinen Gütern reichlich gesegnet. Nun, dafür danken wir dir von Grund unserer See— len. Kommt, laßt uns beten und knien und niederfallen, lasset uns mit Danken kommen in sein Haus, und mit Frohlocken in seine Vorhöfe. Lasset uns mit dank⸗ barem Herzen sagen: Der Herr hat Großes an uns getan, ja, der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröh— lich! Ach Herr, Herr, laß uns diese deine verliehenen Gaben und Wohltaten nicht mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Vatertreue er— kennen. Ach Gott, wenn ja etliche Un— dankbare mit Schwelgerei und Undank deine Gaben verachten, ach, so entziehe uns deswegen deinen Segen nicht, son— dern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. O Vater, der du uns je und je geliebt und uns durch diese leib⸗ lichen Wohltaten zu dir ziehst, daß wir aus den Gaben den Geber und aus dem x Herrli⸗ fennen nöge deine hen, Mund Röger alles Gabe Ins au E deine nehme und a gen,! lischer Oesun Got Laund;! gewandt kräftig unser L Ernte d cchicken Veizen freude nach eingesammelter Ernte. 56⁵5 herrlichen Geschenke den Wohltäter er— kennen sollen, hilf, daß uns deine Güte möge zur Buße leiten, daß, wenn wir deine Gaben auf dem Tische vor uns se— hen, in den Händen haben und in den Mund nehmen, wir allezeit unsere Augen mögen aufheben zu dir, o du Brunnquell alles Segens! Und wie du durch diese Gaben unsern Leib erhältst, ach, so laß uns auch an dem inwendigen Menschen an Glauben, Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zu— nehmen, daß wir in dem Guten wachsen und aus einer Klarheit zur andern gelan— gen, bis wir einst zum Genuß der himm— lischen Güter in dem ewigen Leben durch Jesum Christum aufgenommen werden. Gottes Brünnlein hat getränket Und gefeuchtet unser Land; Was geschadet und gekränket, Hat Gott mächtig ab— gewandt; Mond und Sterne, Sonnenschein, Haben müssen kräftig sein, Daß die Erde Frucht gegeben, Zu erhalten unser Leben. Weil dann, eh wir es vermeinen, Auch die Ernte dieser Welt Endlich wird gewiß erscheinen, Da zu schicken hat bestellt Jesus seine Engelein, Ei, so laßt uns Weizen sein, Den sie unter Jubilieren In die Himmels-— freude führen. Amen. Gesang. Mel.: Nun lob, mein Seel, den Herren. 1. Sieh, es ist Gottes Segen Mit großen Freuden ein⸗ gebracht, Wie sollten wir deswegen Auf Gottes Lob nicht 566 Der andächtige Christ danket Gott sein bedacht? Gott hat das Jahr gesegnet Mit seinem großen Gut, Und auf uns ist geregnet Des Segens reiche Flut; Wie viel sind doch der Gaben, Die er uns zugewandt, Die wir empfangen haben Aus seiner Vaterhand! 2. Die Felder, Gärten, Wiesen Hat man mit Freuden angeschaut. O Schöpfer, sei gepriesen, Du, du hast sie so schön gebaut; Sie waren recht beschweret Von Früchten überall, Gott hat sie uns verehret In Menge ohne Zahl; Da wir sie abgelesen, O große Gottesgnad, Ist ihr'r viel mehr gewesen, Als man gemeinet hat. 3. Die Menschen auf der Erden Und was da lebt, das Vieh zugleich, Kann nun gespeiset werden, So ist von Segen alles reich; Des weisen Schöpfers Güte Gibt jedem seine Speis, Darum soll das Gemüte Ausbreiten Gottes Preis; So vielen Kreaturen Zu schaffen Unterhalt, Das sind wahr— haftig Spuren Der göttlichen Gewalt. 4. Ach, laßt uns diesen Segen Und das von Gott ge— schenkte Gut In Undank nicht anlegen Zu Wollust, Saufen, Übermut; Gott kann ihn wieder nehmen Durch Fluch und böse Zeit, Wenn wir uns nicht bequemen Zur wahren Frömmigkeit; Er war in Gottes Händen Und bleibet noch darin, Er kann ihn wieder wenden, Wenn wir boshaftig sind. 5. Drum laßt uns dankbar werden, Je reichlicher wir sind beschenkt; Gleich wie sich zu der Erden Das Haupt der vollen Ahren senkt. So lasset uns in Stille, In Demut, Dankbarkeit Annehmen diese Fülle In dieser Gnadenzeit; Je mehr uns Gott gegeben, Je mehr soll Herz und Mund Die große Gnad erheben Zu jeder Zeit und Stund. 6. Ja, denkt bei diesen Gaben, Die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben Die Gläubigen in Ewig— keit, Was in dem Freudenleben Für reichen Überfluß Uns Gott wird ewig geben Zum seligen Genuß; Das lasset uns erwägen Von nun an spät und früh, Damit auch dieser Segen Hinauf zu Gott uns zieh. satt, Mi 1.2 Wir könr wunderba bescheret, 9.— getan! Und laßt sammelt 9—— Kein Un Regen n Höchsten 4.* Für alle Schöpfer gegeben 9— 8 sein, So Du bist! welche si⸗ 6.2 So ist e bon den 99 Alein zt der uns bergessen 8. 6 Und sie Bispiel zugeselle nach eingesammelter Ernte. Ein anderer Gesang. Mel.: Zeuch ein zu deinen Toren. 1. Die Ernt ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht, Wir können alle sehen, Wie wohl uns Gott bedacht; Der wunderbare Gott, Der, was da lebt, ernähret, Hat wiederum bescheret, Was uns dies Jahr ist not. 2. Betrachtet seine Wunder, Sprecht: Das hat Gott getan! Ein jeder schau jetzunder Die schönen Gaben an, Und laßt uns fröhlich sein, Ja lobet, der uns liebet, Und sammelt was er gibet, Mit Herzensfreuden ein. 3. Der Himmel hat erhöret Die Erd zu seiner Zeit, Kein Unglück hat gestöret Des Feldes Fruchtbarkeit, Der Regen macht es weich, Der Sonne Wärme spielte, Des Höchsten Hand erhielte Und machte uns so reich. 4. Beschaut die Segensspuren An diesem Tag mit Fleiß, Für alle Kreaturen Ist nun gewachsen Speis; Der weise Schöpfer hat Der Kreatur das Leben Und auch die Speis gegeben Aus lauter Lieb und Gnad. 5. Wie fromme Väter pflegen Fürs Haus besorgt zu sein, So hast du auch den Segen Gelegt aufs künftig ein; Du bist der reiche Quell, Daraus viel Gaben fließen, Und welche sich ergießen Auf unsern Leib und Seel. 6. Doch wenn wir dich verlassen, Und wenn wir haben satt, Mit diesen Gaben prassen, Die man in Händen hat, So ist es dir gar leicht, Den Vorrat zu vermindern, Daß von den bösen Kindern Gar aller Segen weicht. 7. Du füllest uns die Hände, O Gott, mit Überfluß, Allein zu solchem Ende, Damit in dem Genuß Wir loben, der uns liebt, Und daß wir in dem Essen Des Gebers nicht vergessen, Der alles reichlich gibt. 8. Gleichwie die Sichel fället Der hohen Ähren Pracht Und sie besonders stellet In eine stille Nacht, So nehmt ein Beispiel ab, Es wird der Tod uns fällen Und einstens zugesellen Den Stillen in dem Grab. 9. Ach, zeuch uns von der Erden Durch diese Gab zu 568 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. dir, Auf daß wir himmlisch werden Und bleiben für und für; So danken wir dir heut Für das, was wir empfangen, Und was noch zu erlangen, Erwarten wir mit Freud. Der gläubige Christ betet in Uriegszeiten. Aufmunterung. Ach Herr, siehe doch, wie bange mir ist, daß mir's im Leibe wehe tut. Mein Herz wallet mir in meinem Leibe; denn ich bin hoch betrübt. Draußen hat mich das Schwert und im Hause hat mich der Tod zur Witwe gemacht. Klagl. Jer. 1, 20. Der Herr hat seinen Bogen gespannet, wie ein Feind. Er hat vertilget alle Paläste. Es lagen in den Gassen Knaben und Alte, meine Jungfrauen und Jüng— linge sind durchs Schwert gefallen. 2, 4. 5. 21. Die drei Landplagen, womit der erzürnte Gott ganze Länder und Städte verheert und wüste macht, sind Krieg, Hunger und Pestilenz, Jerem. 14, 12., welche Gott auch Da— vid vorlegte. 1. Chron. 22, 12. Krieg ist eine schwere Strafe; wenn Gott seinen Schutz einem Lande entzieht, so macht sich der Feind sobald auf. Die Ursachen, warum Gott ein Land mit Krieg und Verwüstung straft, sind unterschiedlich. 1) Un— gehorsam. Jes. 1, 19. 20. 2) Wenn man nur nach seinen eigenen Lüsten lebt und die Furcht Gottes aus den Augen setzt. Richter 4, 1. Kap. 6, 1. 3) Verachtung des göttlichen Wortes, wenn man es entweder gar nicht hört, oder doch nicht darnach lebt. 3. Mose 26, 17. 4) Abgötterei, Richter 2, 12—14, es mag auf eine grobe oder feine Weise geschehen, dahin die Üppigkeit, Hurerei, Mord, unschuldig Blut, Unter⸗ drückung der Fremden, Witwen, Beraubung der Armen ge— hört. Wenn Gott aber dem Schwerte rufet und den Frieden wegnimmt, Jer. 15,6., so nimmt er auch die Kraft des Schwertes weg, Ps. 89, 44., daß viel Volks und ein großes Kriegsheer keine Siege erhält, und sie fliehen müssen vor ihren Feinden, Ps. 44,11., darauf Zerstörung, Plünderung, Unterdrückung des Landes und endlich Jammer und Elend folget. für; Und eibe denn und lagl. wie den üng⸗ anze rieg, Da⸗ rafe; sich Land Un⸗ inen ugen ichen doch chter ᷑hen nter⸗ ge⸗ ieden des oßes vor ung, lend Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. 569 Gebet. Gnädiger Gott, wir kommen hier mit gebeugtem Herzen und Knie vor dein allerheiligstes Angesicht und bejammern das große Elend, darein uns unsere vielen Sünden und dein gerechter Zorn gesetzt haben. Herr, Herr, wir wohnten unter deinem Schutz sicher, uns durfte kein Schwert schrecken, da du unserer Feinde Feind, unserer Widerwärtigen Widerwär⸗ tiger warest; wir gingen ruhig zu unseren Toren aus und ein und genossen der Früchte des Landes ungestört. Aber nun, o großer Gott, hast du deinen Schutz und den Frieden von uns genommen, da⸗ her hat sich der Feind aufgemacht, er hat das Schwert gezückt, er droht mit Ver— brennen und Plündern die Städte zu ver— derben und unser Land einzunehmen. Was sollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir diese Strafe und Rute der Züchtigung längst verdient haben, wir haben leider des Friedens und der guten Zeit mißbraucht. Da wir soll—⸗ ten uns erbauen und in deiner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam sein, so ist bei uns leider Verachtung der Pre— 570⁰ Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. digt und des Wortes Gottes, Mißbrauch deines heiligen Namens, Ungerechtigkeit, Sicherheit, Bosheit mit den abscheulichsten Lastern im Schwange gegangen. Wir schä— men uns, gnädiger Gott, unsere Greuel alle zu erzählen, die ohnedem in den Him— mel schreien. Ach, barmherziger Gott, gedenke doch nicht unserer Missetaten, deren so viel sind, wie des Sandes am Meer, gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Wir liegen hier vor dir mit un— serem Gebete, nicht auf unsere Gerechtig— keit, sondern auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Wir haben gesündigt, unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden und von deinen Ge— boten gewichen. Ach, strafe uns nicht in deinem Zorn und züchtige uns nicht in deinem Grimm. Wir fliehen zu dem Gnadenthron, zu Jesu Christo, unserm einigen Helfer und Fürbitter. Ach, sieh an sein Blut und Wunden. O Erbarmer, erbarme dich über uns! Willst du nach unsern Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind unsere Habe vertilgen, verschlingen, verbrennen uUnld U letter Clend die O rüsten Unter Auf“ Hoffh Mens Chre Wide deinen mand Erret gib u mens Mut, Laond, hald Gefa gebüh hlichf Feuer olich fahr und keit e Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten.—27¹ und uns überwältigen, und wird kein Er— retter da sein. Mächtiger Schutzherr der Elenden, stehe auf, daß nicht Menschen die Oberhand gewinnen. Du kannst uns rüsten mit Stärke zum Streit, du kannst unter uns werfen, die sich wider uns setzen. Auf dich stehet all unser Vertrauen und Hoffnung in dieser großen Not. Wenn Menschen wider dich wüten, so legst du Ehre ein. Ach Gott, wie lange soll der Widerwärtige schmähen und der Feind deinen Namen lästern, als ob uns nie— mand aus seiner Hand erretten könne? Errette uns, Gott unsers Heils, und ver— gib uns unsere Sünden um deines Na— mens willen. Nimm dem Feinde den Mut, vertreibe ihn und wache über unser Land, Häuser und Wohnung. Laß doch bald den Frieden blühen und wende die Gefahr, darin wir schweben. Herr, dir gebührt die Ehre, daß du Schwerter zer— brichst, Spieße zerschlägst und Wagen mit Feuer verbrennst. Erhöre das Schreien, o liebreicher Gott, derer, die jetzt in Ge— fahr und in des Feindes Händen sind, und manche Schmach und Unbarmherzig— keit erdulden und ausstehen. Erbarme 4 47˙0 90 1 HM.i WM I. MN 1˙½˙· * + II 4 4 ů 4 07½ AIE RA. . 572 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. dich der Armen, der Witwen, der alten und betagten Leute, der Kinder und Un⸗ mündigen, welche nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Krieges ein bal— diges Ende und erhöre unser Gebet um deiner Güte und Barmherzigkeit willen. O großer Gott voll Treu, Weil vor dir niemand gilt, Als dein Sohn Jesus Christ, Der deinen Zorn gestillt, So sieh doch an die Wunden sein, Die große Angst und bittre Pein, Um dessen willen schone Und nicht nach Werken lohne. Amen. Gesang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 1. Was für Jammer, was für Schrecken Bringet nicht die Kriegesnot, Die uns jetzt, erzürnter Gott, Soll vom Sündenschlaf aufwecken! Angst und Not vermehret sich; Großer Gott, erbarme dich! 2. Ach, das Schwert ist scharf gewetzet, Welches uns erwürgen soll, Ja, der Feind ist Zornes voll, Der sich schon das Ziel gesetzet, Wie durch seine große Macht Alles werde umgebracht. 3. Städt und Länder stehn verstöret, Es vergießet Men— schenblut Diese scharfe Kriegesflut, Man erstaunet, wenn man höret, Wie die Unbarmherzigkeit Alten und den Jungen dräut. 4. Alles stehet voller Jammer, Alles zittert, alles weicht, Wer nur fliehen kann, der fleucht, Sogar die verborgne Kammer, Täler, Wälder, Wüstenei Ist von Feindes Furcht nicht frei. 5. Höre, wie die Armen weinen, Wenn man ihnen alles nimmt Und zur Knechtschaft sie bestimmt, Wenn die Feuer— flammen scheinen, Man verheert, zerreißt, verbrennt. Daß man kaum den Ort noch kennt. 6. gusübt 6 nichte, L aufmachs 7.9 Not, M Buße, E Sohn. — Missetat, nicht mel Gott, in 9.— den stolz berdiente was ist! 10. Jammer Laß den Wiederun II. jederman fröhlich Krieg ge 12. migkeit, geben: Rühmen⸗ der glä Du Men Oeruse lten Un⸗ len. hal⸗ um len. gilt, „Sof hittte ohne. nicht vom sich; uns schon werde Men⸗ wenn ingen seicht, orgne urcht alles kler⸗ Daß . —— Der Christ betet in Teuerung und Hungersnot. 573 6. O der schrecklichen Gerichte, Welche jetzt dein Zorn ausübt Gegen die, so dich betrübt! Alles macht der Feind zu⸗ nichte, Wenn du nicht, o Gott, aufwachst Und zur Hilfe dich aufmachst. 7. Ach, wir fallen dir zu Fuße, Rett uns doch aus dieser Not, Mächtiger Herr Zebaoth! Ach, wir tun von Herzen Buße, Schone, lieber Vater, schon, Sieh uns an in deinem Sohn. 8. Dessen Blut sieh an in Gnaden, Tilg damit die Missetat, Welche dich erzürnet hat; Laß den Feind uns nicht mehr schaden, Gib ihm nimmermehr den Sieg, Großer Gott, in diesem Krieg. ö 9. Ach, zerbrich des Feindes Waffen Und nimm ihm den stolzen Mut, Räche das vergossne Blut, Nimm weg die verdienten Strafen, Baue, was da liegt verheert, Richt auf, was ist umgekehrt. 10. Laß den Feind bald von uns ziehen, Schließ des Jammers Pforte zu, Schenk uns nach der Trübsal Ruh; Laß den edlen Frieden blühen, Bringe das verwüst'te Land Wiederum in guten Stand. 11. So soll, Herr, dein Lob erklingen, Es soll sagen jedermann: Siehe, das hat Gott getan; Und wir wollen fröhlich singen: Lobet Gottes Lieb und Gnad, Der dem Krieg gesteuert hat. 12. Ja, wir wollen hinfort leben In der wahren Fröm⸗ migkeit, Und dir jetzt und allezeit Unser Herz zum Opfer geben: Also soll nach bitterm Schrein Unser Mund voll Rühmens sein. Der gläubige Christ betet, wenn Gott mit Teurung und Hungersnot das Land heimsucht. Aufmunterung. Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrat des Brotes zu Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brot essen müssen nach 57⁴ Der gläubige Christ betet dem Gewicht und mit Kummer, und das Wasser nach dem Maß mit Kummer trinken. Hesek. 4, 16. Werden zahme und wilde Tiere mit Hunger gezüchtigt, daß sie etwas lernen, oder ihre böse Art verlassen müssen, so pflegt Gott ebensolchen Zaum und Gebiß den Menschen ins Maul zu legen, wenn sie nicht zu ihm wollen. Gott lockt sie lange mit Wohltaten, um sie damit zu sich zu ziehen; wenn sie aber durch solche Güte sich nicht lassen zur Buße leiten, so schickt er Hunger ins Land, entweder durch Mißwachs oder Krieg, oder durch Teurung und Mangel, oder wenn er den Segen vom Brot wegnimmt, daß man isset und nicht satt wird. Die Strafe kommt gemeiniglich: 1) Wenn die Menschen das Wort Gottes gering achten und nur auf Wohlleben be— dacht sind. Jes. 5, 13. 2.) Wenn man fromme Leute und die Knechte Gottes verfolgt, Jer. 11,22. 3) die Stimme der falschen Propheten gern hört, Jer. 14, 15. 16. 4) Hals-— starrig ist. Jer. 24, 10. 5) Ungehorsam bleibt. Hes. 5, 16. 6) Wenn man Gewalt gegen Geringe verübt. 2. Sam. 21, 1. 2. Diese Hungersnot bringt mit sich Armut, Elend, Verschmach— ten, daß Eltern ihre Kinder und andere Dinge vor Hunger essen. 7) Wenn dazu noch der geistliche Hunger kommt, Amos 8, 11, so ist das Elend unaussprechlich. Gebet. Gerechter Gott, der du einem jeden gibst nach seinen Werken und lässest Zorn, Trübsal und Angst kommen über die, so da Böses tun; wir kommen vor dein aller— heiligstes Angesicht und schämen uns daß wir uns so an dir versündigt haben, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Ge— horsam zwingen mußt. O wie reichlich hast du uns in den vorigen Jahren ge— speist habt, Ind s⸗ ten u eichet Aber Völle schbet die K sie vo gen un Wund krägt, darimt Teurt ihre d rung das 6 hitten Wu S Rlag der S ser el Sege wir e nen! fen fe dem htigt, M, so n ins kt sie wenn n, so oder den satt ischen ube⸗ und imme Hals⸗ 5„16. 22—— mach⸗ unger Amos eden rn, „so ller⸗ daß daß Ge⸗ lich E in Teuerung und Hungersnot. 575 speist! Wir haben Brotes die Fülle ge— habt, die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gaben hät⸗ ten uns sollen als Liebesseile zu dir, dem reichen Geber, ziehen und zur Buße locken. Aber wie schändlich sind deine Güter zur Völlerei, Wohlleben und unsinniger Ver— schwendung mißbraucht worden, so daß die Kreatur selbst über uns geseufzt, daß sie von Menschen mit undankbaren Her— zen und Händen empfangen worden. Was Wunder, daß ein fruchtbares Land nichts trägt, um der Sünden willen derer, die darinnen wohnen! Du strafest uns mit Teurung, Mangel, Dürre, daß die Erde ihre Früchte kärglich gibt, daher die Teu— rung das Land hart drücket. Herr, höre das Schreien der Armen, die um Brot bitten und nicht satt werden. Nimm doch zu Herzen das Winseln der Kinder, das Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häu⸗ ser erfüllet. Es scheint, du habest den Segen von unserer Speise genommen; wir essen und werden nicht satt, wir neh⸗ men viel Speise zu uns und verschmach— ten fast vor Hunger, und das Vieh, die 576 Der gläubige Christ betet unvernünftige Kreatur, ruft um Futter zu ihrem Schöpfer. Ach Herr, Herr, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, erbarme dich über uns, kehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du uns entzogen hast. Deine Brünn⸗ lein haben Wassers die Fülle, darum suche das Land heim und wässere es selbst, laß den Himmel die Erde erhören und erhöre du uns von deinem Heiligtum. Laß die Teurung aufhören, wende dich wieder in Gnaden zu uns, sättige die Hungrigen, erfreue die Armen, segne unser weniges Brot, so wir mit Kummer täglich zu uns nehmen. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brot leben können, sondern am meisten von deinem Segenswort, das aus deinem Munde geht, und wodurch du Kraft in unsere Speise legest. Laß das Feld bald mit Früchten wieder erfüllet werden, vermehre das wenige Mehl, wie das der Witwe zu Sarepta; laß den ge⸗ ringen Vorrat genug sein zur Erhaltung vieler. Laß indessen dein Wort unsere Speise allweg sein, uns damit zu nähren, denn das ist unsers Herzens Trost, unser Honig und Honigseim; wir wollen dich sird Leben Al liebe Br versicht, 1 zurnter Hunger Seele b Not erl 2. alles dr Tränenf uns sin denk an . dahin; quält un ist ins nihts i 4.“ an, Da steuern dieses H. Lohn un 9—0 noch nick diel vor Die Um brüllen, 6. 6 bm Bro Stord bei Teurung und Hungersnot. 57 für diese Gnade rühmen und preisen unser Leben lang. Ach Herr, sieh an die große Not, Entzieh uns nicht das liebe Brot, Schütt deinen Segen aus; Du bist ja unsre Zu— versicht, Drum bitten wir: Verstoß uns nicht. Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Mit den scharfen Teurungsruten Machst du, o er⸗ zürnter Gott, Unser hartes Herze bluten; Ach, die bittre Hungersnot Drohet uns den Untergang, Sie macht unsrer Seele bang. Jammer hat uns ganz umgeben, Da wir solche Not erleben. 2. Es ist fast nicht auszusprechen, Wie der Mangel alles drückt; Es möcht dem sein Herze brechen, Der die Tränenflut erblickt, Welche diese Not auspreßt, Darin Gott uns sinken läßt. Schau, Erbarmer, auf die Armen, Vater, denk an dein Erbarmen. 3. Mangel drücket Groß und Kleine, Unser Vorrat ist dahin; Mangel schwächt uns Mark und Beine, Mangel quält uns immerhin; Mangel! ruft der Arme aus, Mangel ist ins Reichen Haus, Mangel hat uns aufgerieben, Daß uns nichts ist übrig blieben. 4. Ach, das machen unsre Sünden, Diese steigen himmel— an, Daß man keine Hilf kann finden, Die dem Mangel steuern kann; Frechheit und Halsstarrigkeit Bringt uns dieses Herzeleid, Ungehorsam und Wohlleben Müssen diesen Lohn uns geben. 5. Schaue, wie die Kinder jammern: Ach, wir sind ja noch nicht satt; Auf dem Feld und in den Kammern Liegen viel vor Hunger matt; Dort sieht man viel Arme stehn, Die um Brot und Hilfe flehn, Ja, man hört das Vieh auch brüllen, Es will seinen Hunger stillen. 6. Herr, du hast hinweggenommen Deinen Segen von dem Bror, Und ach, daher ist gekommen Diese Teurung, diese Starck, Gebethuch. 37 ä̃öh H hhaAA 578 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Not; Unsre Speise sättigt nicht, Welch ein schreckliches Gericht! Hunger bleibt auch in dem Essen, Und der Speis ist bald vergessen. 7. Herr, wir fallen vor dir nieder, Rette uns aus dieser Last, Gib uns deinen Segen wieder, Den du uns genommen hast; Laß die Acker wieder blühn Nach dem Säen und Bemühn, Laß sie reiche Früchte bringen, Laß den Segen zu uns dringen. 8. Speis uns nur mit deinem Worte, Wenn es uns an Brot gebricht; Wenn wir klopfen an die Pforte, Vater, so verstoß uns nicht; Dieses wahre Lebensbrot Stärke uns in dieser Not, Auf der fetten Seelenweiden Ist leicht leiblich Hunger leiden. 9. Laß uns wieder Gnade finden, Laß durch deine Segensflut Diese Teurungsnot verschwinden, So wird alles wieder gut; Dann soll unser Herz und Mund Alle Tag und alle Stund Sprechen: Gott hat Brot und Leben Uns aus Gnaden wieder geben. Der gläubige Christ betet in pestzeiten. Aufmunterung. Wenn du der Stimme des Herrn deines Gottes nicht gehorchen wirst, so werden alle diese Flüche über dich kommen, und dich treffen. Der Herr wird dir die Sterbedrüse anhängen, bis daß er dich vertilge. Der Herr wird dich schlagen mit Schwulst, Fieber, Hitze, Brunst, Dürre, giftiger Luft und O und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. 5. Mos. 28, 15. 21. 22. Wenn über die, welche Böses tun, Zorn, Trübsal und Angst soll kommen, Röm. 2,8. 9, so gehören zu solcher Angst ansteckende Krankheiten und Pest. Diese Plage kommt mehrenteils: 1) Wenn die Menschen dem Worte der War⸗ nung und Vermahnung keinen Glauben beimessen. 4. Mos. 14,12. 2) Wenn man Gott nur äußerlich und nicht von Herzen dient. Jer. 14, 12. 3) Gott gar aus Ungehorsam —— —— aus den Gottes mibandi im Sch vermaht Um Ehe willen. und um reißt, d Herr sit auch De S sst de der, licht line? a samet nachn Muti auch führe ren, steckt Menf Haus Henue dein. kliches Speis Haus uns Säen Segen 5 uns Vater, ke uns eiblich deine alles e Tag Uns orchen u, und ängen, en mit st und bringe. al und solcher kommt War⸗ Mos. t von horsam Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. 579 aus den Augen setzt. Jer. 24, 10., Kap. 27,8. 4) Die Diener Gottes verachtet. Jer. 29, 17. 5) Wenn das Volk frech und unbändig wird. Hes. 12, 19. 6) Wenn Hurerei und Mord im Schwange geht. Hes. 33, 26. 27. 7) Wenn keine Buß⸗ vermahnungen mehr angenommen werden. Amos 4, 10. 8) Um Ehebruchs willen. 4. Mos. 25, 9. 9) Um Gotteslästerung willen. 2. Kön. 19, 35. 10) Um Hochmuts, 2. Sam. 24, 15, und um anderer Sünden willen. Wo nun diese Strafe ein⸗ reißt, da ist notwendig, daß man Buße tue, weil doch der Herr sich nach seiner Barmherzigkeit erbitten läßt, deshalb auch David unter den drei Plagen lieber diese erwählte. Gebet. Starker und allmächtiger Gott, groß ist dein Zorn gegen die mutwilligen Sün⸗ der, welche sich durch deine Wohltaten nicht lassen zur Buße leiten. Du handelst eine Zeitlang mit den Menschenkindern als ein liebreicher Vater, der die Ungehor— samen mit vielem Verschonen zu sich locket, nachmals aber, wenn sie deine Gnade auf Mutwillen ziehen, so beweisest du dich auch als ein strenger Richter. Dieses er— fahren wir auch, gerechter Gott; wir hö— ren, daß an vielen Orten sich eine an— steckende Seuche zeigt, welche viele tausend Menschen dahinrafft, so daß fast in jedem Hause Tote sind, und sich nicht Hände genug finden, sie zu begraben. Das macht dein Zorn, daß sie so verderben, und dein 37²³⁰ 580 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Grimm, daß sie so plötzlich dahin müssen. Haben wir nicht hohe Ursache, zu befürch— ten, du werdest das um sich reißende Uebel in unsere Grenzen und in unsere Stadt schicken? Wir dürfen, o eifriger Gott, gar nicht meinen, daß jene allein Sünder vor andern sind, welche du diese scharfe Rute lässest empfinden; wir müssen viel⸗ mehr bekennen, daß wir alle wert sind also umzukommen. Es findet sich bei uns Sicherheit, Verachtung deines heiligen Wortes und der heiligen Sakramente, Halsstarrigkeit, Ueppigkeit, Hurerei, Un⸗ gerechtigkeit, Wollust, Stolz, ja es ist fast keine Furcht Gottes im Lande; die Hei⸗ ligen haben abgenommen und der Gläu⸗ bigen ist wenig unter den Menschen. ö Willst du nun Sünde zurechnen, Herr, wer kann vor dir bestehen? Ach Herr, Herr, wir halten dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen, darum suchen wir auch, Herr, dein Antlitz. Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern, daß er sich bekehre und lebe; darum schuldigen wir uns und tun Buße im Staub und in der Asche. Sieh nicht an unsre Sünden groß, sprich uns derselben aus Guaden nach Hesit ibel Befi. Rac sage: volle wir doch Todt erhe elgel Gna linig len; Unse dig, gnäd harm welc fen leide voh ihner Zeu sen. ech⸗ ehel tadt ott, der arfe iel⸗ sind Uns gen ite, Un⸗ fast Hei⸗ säu⸗ hen. err, err, Ihr hen illst daß gen in den den Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. 581 los, steh uns in unserm Elend bei und mach uns aller Strafe frei. Wir haben gesündigt mit unsern Vätern, wir haben übel gehandelt und sind gottlos gewesen. Befiehl doch dem Würgengel, der das Racheschwert führt, daß er ablasse, und sage: es sei genug. Laß uns leben, so wollen wir deinen Namen rühmen. Sind wir keiner Gnade wert, so sind wir ihrer doch bedürftig; sind wir alle Kinder des Todes, so hast du doch den Bußfertigen verheißen, du wollest Gnade für Recht ergehen lassen. O so schenke uns deine Gnade und das Leben um Jesu unsers einigen Mittlers und Fürsprechers wil— len; erbarme dich, erbarme dich, Gott, unser Erbarmer, über uns; sei uns gnä— dig, verschone uns, lieber Herr, sei uns gnädig, hilf uns, lieber Herr Gott! Er— barme dich der Armen und Elenden, welche durch die heftige Seuche aͤngegrif— fen sind und die Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubt und von allen Menschen verlassen sind; stehe ihnen mit Trost bei, und dein Geist gebe Zeugnis ihrem Geist, daß sie Kinder Gottes sind, ob sie gleich an dieser Plage 582 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. sterben müßten. Ach Herr, erhöre unser Gebet, schütze unser Vaterland, so wol— len wir sagen: Der Herr hat Großes an uns getan, und du kannst erretten alle, die zu dir treten. Ach, Herr Gott, durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein; Beweis an uns dein große Gnad Und straf uns nicht auf frischer Tat; Steh uns mit deiner Güte bei, Dein Zorn und Grimm fern von uns sei. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Was große Angst und Herzeleid Läßt Gott uns jetzt erleben, Da wir in dieser Jammerzeit In Todesnöten schweben, Und fast, o schreckliches Gericht, Vor des Würg— engels Angesicht Erzittern und erbeben. 2. Willst du nach unserm Sündenmaß Die scharfe Rute binden Und unsre Bosheit, Neid und Haß Samt andern schweren Sünden Bestrafen mit der Seuch und Pest, Davon du uns viel hören läßt, Ach, wer wird Gnade finden? 3. O Gott, wir fallen dir zu Fuß, Ach, Vater, schone, schone, Wir tun mit Tränen herzlich Buß Vor deinem Gnadenthrone, Gedenke nicht, was wir getan, Und sieh uns doch in Gnaden an In Christo, deinem Sohne. 4. In Jesu Wunden wollen wir Im Glauben uns ein⸗ hüllen. Wir bringen hier sein Blut vor dir, Um dieses Blutes willen Wirst du uns Armen gnädig sein, Dies heiße Blut kann doch allein Die Zornesfluten stillen. 5. Verleih uns doch gesunde Luft Und schenke uns das Leben; Vertreib den giftgen Pestesduft; Wirst du uns dieses geben, So sollen Herze, Geist und Mund Dein Lob und Ruhm zu aller Stund Mit tausend Dank erheben. eeo— der Kommt Erde aller komme haben Land des Fe Christ stimme 1) daß gen, 2 des La 2) Er und da der Fe sei wie erquick haft w. die Fri in seit gestört — von Ger Lob und Dank nach erlangtem Frieden. Der gläubige Christ lobet und danket Gott nach erlangtem Frieden. Aufmunterung. Kommt her und schauet an die Werke des Herrn, der auf Erden solch Zerstören anrichtet; der den Kriegen steuert in aller Welt; der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, Wagen mit Feuer verbrennt. Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin. Ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Sela. Ps. 46,9—12. Keine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen und beschwerlichen Kriege erklingen, als: es ist Friede! Da kommen die Geflüchteten wieder in ihre Häuser, die Verjagten haben Hoffnung, wieder zu den Ihrigen zu kommen, das Land selbst erholt sich und grünet vor Freuden, weil es von des Feindes Fuß nicht mehr zertreten wird. Ein gläubiger Christ erkennt, daß diese Gabe von oben herab komme, darum stimmen sein Herz und Mund zusammen. Er lobet Gott, 1) daß er dem Zerstören, Rauben, Plündern, Würgen, Sen-— gen, Brennen ein Ende gemacht, und daß die Einwohner des Landes von des Feindes Furcht und Gewalt befreit sind. 2) Er dankt Gott, daß er bei diesem gefährlichen Kriege ihn und das Seinige beschützt und nicht zum Raube in die Hände der Feinde gegeben hat. 3) Er erkennet, wie der edle Friede sei wie die Sonne, die alles aufrichtet, wie ein Tau, der alles erquickt. 4) Er bittet Gott, er wolle den Frieden lassen dauer— haft werden und allen Friedensstörern wehren. 5) Er wendet die Friedenszeit an nicht zu Uppigkeit und Wollüsten, sondern in seinem Christentum zuzunehmen und seinem Gott un— gestört und ungehindert zu dienen. Gebet. Herr, Herr, gnädig, barmherzig und von großer Güte, du hast aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unserm Der gläubige Christ lobet und danket Gott Lande weggenommen, weil wir der guten Tage und des Friedens mißbraucht haben, deswegen ein blutiger Krieg entstanden; du hast die Feinde uns zur Strafe ge— rufen, die mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren und uns mit lauter Furcht und Schrecken erfüllen. Ob wir nun wohl verdient, daß dieser Krieg uns gar verderbt hätte, so hast du doch mitten im Zorn an Gnade gedacht, und hast den Fürsten und Feldherren Gedan⸗ ken des Friedens gegeben, dafür wir dir herzlich und mit Freuden danken. Die Regenten und Führer der Kriegsheere hüben und drüben sind eins geworden; das Schwert muß auf deinen Befehl wieder in die Scheide fahren; die Geflüchteten kommen wieder, und wir können aus un⸗ sern Toren wieder ruhig und ohne Gefahr aus und ein gehen. Preise, Jerusalem, den Herrn, lobe, Zion, deinen Gott, denn er macht fest die Riegel deiner Tore und segnet deine Kinder darinnen, er schaffet deinen Grenzen Frieden. Welch ein herr⸗ liches Kleinod ist der Friede, dessen sich das ganze Land erfreut! Du erneuerst uns heute die gnädige Verheißung: Ihr sage. imme nel Geist mißb Sich Ind Erqu Land dens dage nung He Har Vaß du nach erlangtem Frieden. 585 sollt sicher in euerm Lande wohnen, ich will Friede geben euerm Lande, daß ihr schlafet und niemand euch schrecke, und soll kein Feind mehr durch euer Land gehen. Ach Herr, erhalte diesen Frieden beständig in unsern Zeiten, erhebe über uns dein Antlitz und gib uns den Frieden als ein herrliches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk gelegt hast. Laß unsern Frieden sein wie ein Wasser— strom, der nimmer abnimmt, sondern be— ständig bleibt und quillt, denn du allein hältst Frieden nach deiner gewissen Zu— sage. Laß Gerechtigkeit und Friede sich immer küssen, und Gerechtigkeit vom Him— mel schauen. Gib uns deinen heiligen Geist, daß wir den edlen Frieden nicht mißbraͤuchen zur Ueppigkeit, Völlerei und Sicherheit, sondern vielmehr uns erbauen und in der Furcht des Herrn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land, habe allezeit Gedanken des Frie— dens über uns. Laß uns am Ende unserer Tage in Frieden fahren und in die Woh— nungen des Friedens gesammelt werden. Herr Gott, dich loben wir Für deine großen Gnaden, Daß du das ganze Land Von Kriegeslast entladen, Daß du 586 Lob und Dank nach erlangtem Frieden. uns blühen läßt Des goldnen Friedens Zier, Drum jauchze alles Volk: Herr Gott, dich loben wir. Amen. Gesang. Mel.: Nun lob, mein Seel, den Herren. 1. Der Fried ist nun geschlossen, Gott hat uns gnädiglich erhört, Kein Blut wird mehr vergossen, Kein Land und Stadt wird mehr zerstört; Das Schwert ist eingestecket, Der Bogen losgemacht, Kein Feind ist, der uns schrecket, Da uns der Friede lacht; Darum soll heut vor allen, Nach dieser Krieges— not, Ein Freudenlied erschallen Dem Herren Zebaoth. 2. O Friede, teure Gabe, O edles Kleinod, das du bist, Dadurch nun unsre Habe Von neuem unser worden ist; Da Gott dich uns gegeben, So gibt er uns zugleich Vergnügen, Segen, Leben, Ruh in dem ganzen Reich; Die streitenden Gemüter Sind nun zum Fried geneigt, Der treue Menschen⸗ hüter Hat uns die Gnad erzeigt. 3. Die helle Friedenssonne Beleucht't die Länder weit und breit; Sie bringet Heil und Wonne, Darum ist jeder⸗ mann erfreut; Der Ackersmann kehrt wieder Zu seinem Ackerbau, Der Hirte spielet Lieder Auf seiner grünen Au; Die Schäflein weiden stille, Weil sie kein Feind mehr schreckt, Und nun die Segensfülle Das ganze Land bedeckt. 4. Gleichwie der Krieg zersplittert Das alles, was er nur erreicht, Daß Berg und Tal erzittert, Und gleichsam von der Stelle weicht, So pflegt der Fried zu heilen Das, was da ist verheert, Und Samen auszuteilen Dem, was da ist verstört; Mit Lust sieht man nun bauen Die Häuser und das Feld, Der Himmel scheint zu tauen, Was unserem Geist gefällt. 5. Laß diesen Frieden dauern, O treuer Vater, lange Zeit, Daß wir in unsern Mauern Nicht mehr erfahren Krieg und Streit; Ach, habe stets Gedanken Des Friedens, uns zugut, Und halte in den Schranken Der Fürsten Übermut. Nimm wegen unsrer Sünden Uns nur den Frieden nicht Und laß uns Gnade finden, Wann sonst dein Zorn anbricht. 0 schenks an un allein wollen besiege 7. So laß Der ha Friedet lieder singen det Wie so an llicket, Singer hinbrin und vi der tre Kindhe getrag V loben Eltern des He hesund große, lückel halten gebung Der gläubige Christ lobt Gott am Geburtstage. 587 6. Wir wollen nun vermeiden, Da du uns diesen Frieden schenkst, Was dich und uns kann scheiden, O Gott, und gnädig an uns denkst; Dich wollen wir verehren, Dich lieben und allein Das Herze zu dir kehren, Und also dankbar sein; Wir wollen stets bekriegen Der Sünden Lasterheer Und alle Lust besiegen Zu unsers Gottes Ehr. 7. Und da in diesen Tagen Der edle Friede also blüht, So laßt uns alle sagen: Kommt, schaut des Allerhöchsten Güt; Der hat dem Krieg gesteuert, Seht, das ist Gottes Tat, Den Frieden uns erneuert, O unverdiente Gnad! Laßt Freuden- lieder klingen Dem Herren Zebaoth Und laßt uns fröhlich singen: Nun danket alle Gott! —0— Der gläubige Christ lobt Gott an dem wiederum erlebten Geburtstage. Aufmunterung. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltaten, die er an mir tut? Ps. 110, 12. Geburtstage, an welchen wir das Licht dieser Welt er— blicket, sollen billig Lob- und Danktage sein, welche wir mit Singen und Beten, mit innerlicher und äußerlicher Andacht hinbringen sollen, besonders, wenn wir erwägen die großen und vielen Wohltaten, welche wir zeitlebens bis hieher von der treuen Hand Gottes empfangen haben, daß er uns in der Kindheit und Jugend bis auf diese Stunde auf den Armen getragen hat. Allein daran denken die wenigsten. Wahre Kinder Gottes, wenn sie den Tag jährlich erleben, loben Gottes Treue und Güte, 1) daß er sie von christlichen Eltern hat lassen geboren werden, welche sie zur Erkenntnis des Heils in Jesu Christo gebracht haben; 2) daß er ihnen gesunde Glieder und guten Verstand gegeben, welches eine große, aber unerkannte Wohltat Gottes ist; 3) sie vor Un⸗ glück bewahrt und aus Gefahr errettet und bis hieher er— halten hat. 4) Sie bitten Gott zugleich demütig um Ver— gebung der Sünden, und versprechen ihm, die übrigen Lebens— 588 Der gläubige Christ lobt Gott tage in kindlichem Gehorsam und Frömmigkeit hinzubringen. 5) Sie trösten sich, wenn sie also im Glauben und Liebe ver⸗ harren, daß Gott ferner seine Gnadenflügel über sie aus⸗ breiten werde. 6) Sie erinnern sich, daß dieses wohl die letzte Feier des Geburtstages auf Erden sein könne. Gebet. Ewiger, gütiger und barmherziger Gott, ich habe heute durch deine Gnade wieder meinen Geburtstag erlebt, an welchem du mich von meiner Mutter nicht allein an das Tageslicht gebracht, sondern auch darnach durch die heilige Taufe zu deinem Kinde auf- und angenommen hast. Dar⸗ um soll dieser Tag mein Lob⸗, Bet⸗ und Danktag sein. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes ge— tan hat. Preiset mit mir den Herrn und lasset uns miteinander seinen Namen er— höhen. Ich will den Herrn loben alle— zeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Sollte ich dich nicht loben und preisen, mein Gott, daß du mich nicht allein mit gesunden Gliedern, wohlgestal⸗ tetem Leibe, welches eine große Wohltat ist, sondern auch von christlichen Eltern hast lassen geboren werden, welche mich am Geburtstage. zu deiner Erkenntnis, o dreieiniger Gott, von Jugend auf geführt haben? Hättest du mich von Juden oder Heiden lassen abstammen, so wäre ich vielleicht so blind und verstockt als sie. Nun aber kenne und liebe ich dich, und habe in dir der Seele Leben und Seligkeit erlangt. Ich bin in deinen Armen auferzogen, du hast mich in den folgenden Jahren geleitet, be— gleitet, hast mir Nahrung und Kleidung gegeben und mich bis diesen Tag gnädig— lich erhalten. Ach, mein Gott, ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir getan hast. Kommt her, höret zu, ich will erzählen, was der Herr an meinem Leibe und an meiner Seele getan hat. Aber ich kann es nicht alles erzählen; die Sterne am Himmel kann man eher zählen, als die Gnadengaben, die ich von dir empfangen habe. Aus wie viel Gefahren hast du mich errettet! wie viel Unglück abgewendet! Dein Geist hat mich gelehrt, regiert, geführt, und wenn ich sündigen wollte, mich innerlich bestraft und zurückgezogen. Werden nun meiner Jaͤhre viel, mein Gott, sind deiner Wohltaten mehr, so gedenke ich heute auch 590 Der gläubige Christ lobt Gott an meine Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach, verzeihe mir die⸗ selben um Jesu Wunden willen; tilge sie mit seinem heiligen Blute und laß mich um seinetwillen Gnade finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich die noch übrigen Tage meines Lebens, welche du mir auf deinem Buche angeschrieben hast, in wahrer Gottsfurcht und Fröm⸗ migkeit hinbringen möge, auf daß dir all mein Tun und Leben wohlgefallen möge. Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du mir ein Ziel ge⸗ setzt hast, welches ich nicht übergehen kann, so bewahre mich, daß ich es mir nicht selbst abkürze durch Zorn, Unmäßigkeit, Sünden, Verwegenheit und Freveltaten, sondern laß mich meine bestimmten Le⸗ bensjahre in Gesundheit, in deinem Se⸗ gen, unter deinem Schutz glücklich errei⸗ chen, bis du mir für dieses irdische und vergängliche das ewige und himmlische Le⸗ ben um Jesu Christi willen geben wirst. Bis dahin will ich diesen Tag, so oft ich ihn erleben werde, dir zu Ehren mit Lob und Dank feiern und singen: Nun Namen 0 Herze Schwachl seinen S Adler gl den im —.—8 Dran m seine Tr ihm zu 2. erklingen bringen, gllickt, U 3. Vomit aus mit herz un 2 weichen. keichen, Hinbrin, 5. Dum en Herze li Jahr e 233 hab in blut M Und au Will ich E ———— — ——— = —.•..ĩqW .3 ISIAICZCZII am Geburtstage. 591 Nun lob, mein Seel, den Herren, Was in mir ist, den Namen sein; Sein Wohltat tut er mehren, Vergiß es nicht, o Herze mein! Hat dir dein Sünd vergeben Und heilt dein Schwachheit groß, Errett't dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoß; Mit rechtem Trost beschüttet, Verjüngt dem Adler gleich, Der König schafft Recht, hütet, Die Leiden— den im Reich. Amen. Lob⸗ und Danklied am Geburtstag. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Dies ist der liebe Tag, Den mir Gott hat geschenket, Dran mein erfreuter Geist Mit tausend Lust gedenket, Was seine Treu und Güt Bisher an mir getan; Drum stimm ich ihm zu Lob Ein Herzensdanklied an. 2. Auf, jauchze heut, mein Herz, Laß auch die Stimm erklingen, Ich will dir, treuer Gott, Ein Freudenopfer bringen, Der meinen Leib bewahrt Und meinen Geist er⸗ quickt, Und mich bis diese Stund Mit seinen Gaben schmückt. 3. Du wollest auch zugleich, O Vater, mir vergeben, Womit ich dich betrübt In meinem ganzen Leben; Lösch aus mit Christi Blut Die Schuld und Missetat, Womit dich Herz und Mund Und Tat erzürnet hat. 4. Ich will durch deine Gnad Hinfort nicht von dir weichen. Laß mich des Lebens Ziel In dieser Welt er— reichen, Das du bestimmet hast, Daß ich in Frömmigkeit Hinbringe dir zum Preis Die übrig Lebenszeit. 5. Das Ende meiner Tag, Das bleibet mir verborgen, Drum will ich allermeist Für meine Seele sorgen. Mein Herze liebet dich Bis an das Lebensziel, Es mögen meiner Jahr Sein wenig oder viel. 6. Indessen leg ich mich In meines Jesu Wunden, Ich hab in seinem Blut Gerechtigkeit gefunden; Das teure Jesus⸗ blut Macht mich von Sünden rein, Ich bleibe, weil ich leb Und auch im Tode sein. 7. So oft ich diesen Tag Werd wiederum erleben, So will ich Herz und Mund Zu dir, o Gott, erheben, So fang EE— —ę ———— —⁷⁰⁰nem ν Lob- und Danklied am Geburtstag. ich jedes Jahr Als neugeboren an. Ach, es ist lauter Gnad, Was du an mir getan. 8. Ich feire diesen Tag Mit innigstem Vergnügen, Und will vor deinem Thron Gebeugt und dankbar liegen. Ein jeder Aderschlag, Ein jedes Tröpflein Blut Soll rühmen, was an mir Dein treues Lieben tut. 9. Nun, ich empfehle dir Bis an mein letztes Ende Mein Leib und meine Seel In deine Vaterhände. Bleib doch mein Lebenslicht, Mein Tröster, Helfer, Stab, Bis ich in dir durch dich Den Lauf vollendet hab. 10. Und weil ich weiß, daß ich Nicht ewig werde leben, So wollest du aus Gnad Den Himmel mir dort geben; So bin ich reich genug Und glücklich auch auf Erd, Wenn ich bei dir, o Gott, Im Himmel leben werd'. Schba nad, Und jeder 5 an Rein mein durch eben, So ich Cägliches Gebetbüchlein für Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen sowie auch für Unfruchtbare. —— zur Ehre Gottes und Erbauung der christlichen Gemeinde herausgegeben von Joh. Friedr. Starck, evangelischer Prediger zu Frankfurt a. M. ———— II heit aug das Wa leibe un Hie geht das wenn sie Ehre, al schreibt, begreifli bildet, e Bande ö der Mu nun nick wandelt We vorstellte „dir, da „deine „waren „borgene „der Er Wunderb dieses 0 schen ert „Arbeitet „denken „du mit „tinnen „Beinen „und V „bewahr diese un so bleib der etw vorrede an die geneigten und Gott liebenden Leser. Ist je ein Werk, daraus man Gottes Allmacht und Weis⸗ heit augenscheinlich erkennen kann, so ist es die Empfängnis, das Wachstum und die Erhaltung eines Kindes im Mutter- leibe und sodann die Geburt desselben. Hier mag die kluge Vernunft fragen und grübeln:„Wie geht das zu?“ so wird sie doch nichts davon zu sagen wissen, wenn sie nicht in der Heiligen Schrift reden will, welche alle Ehre, allen Ruhm, alle Weisheit und Macht Gott allein zu— schreibt, und also tut Gott alle Tage neue, herrliche und un— begreifliche Wunderwerke, wenn er ein Kind im verborgenen bildet, erhält, Leib und Leben gibt, hernach die verschlossenen Bande öffnet und ans Licht bringt, auch ihm zum Besten in der Mutter Natur also wirkt, daß ihre Speise und Trank nun nicht allein in Blut, sondern auch in süße Milch ver— wandelt wird. Wenn David dieses seiner Seele in heiliger Betrachtung vorstellte, so dankte er Gott dafür, wenn er spricht:„Ich danke „dir, daß ich wunderbarlich gemacht bin, wunderbarlich sind „deine Werke, und das erkennet meine Seele wohl. Es „waren dir meine Gebeine nicht verborgen, da ich im ver— „borgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in „der Erde.“ Psalm 139, 14. 15. Freilich macht Gott alles wunderbar über unser Wissen und Verstehen. Wenn Hiob dieses göttliche Werk der Erschaffung und Bildung der Men⸗ schen erwägt, so spricht er:„Deine Hände haben mich ge— „arbeitet und gemacht alles, was ich um und um bin. Ge⸗ „denke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast. Hast „du mich nicht wie Milch gemolken und wie Käse lassen ge— „rinnen? Du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit „Beinen und Adern hast du mich zusammengefügt, Leben „und Wohltat hast du an mir getan, und dein Aufsehen „bewahret meinen Odem.“ Hiob 10, 10—12. Wenn wir diese und andere Redensarten der Heiligen Schrift erwägen, so bleibt auch in diesem Werke Gott ein verborgener Gott, der etwas aus nichts macht und stellt es dem Menschen 1* 4 Vorrede. Peise, zur Betrachtung und Verwunderung dar, daß er daraus Hche DI Gottes Allmacht und Weisheit lerne. 63 Beweiset aber Gott seine Weisheit und Allmacht in der im andert Bildung des Menschen im verborgenen, so leuchtet dieselbe Nage ges noch herrlicher hervor in der Geburt, denn die kann kein u Gott Mensch befördern oder glücklich machen ohne Gott allein. neht Go Wenn der aufschließt, so kann niemand zutun, und wenn der E heißt zuschließt, so kann niemand auftun; deshalb auch bei der mhieder eit Geburt des Menschen alle Kunst, Vorwitz und Uebereilung bensarten gefährlich ist, sondern hier muß in Geduld und mit Gebet Ihhre de die Stunde Gottes abgewartet werden, bis es Gott gefällt, mal ersch die Bande zu öffnen und das im verborgenen bereitete, schön bourginge, gebildete Meisterstück vor der Menschen Augen zu legen, ud herz wie auch David die Geburt des Menschen Gott allein zu⸗— o aber, schreibt. Psalm 22, 10. Iho geht Wenn der geistreiche Herr Seriver dieses Werk in der K Gottes bei der Geburt und vorausgegangenen Schöpfung Atheren und Bildung des Menschen erwägt, so führt er davon diese„seine G schönen Worte:„Die größten Künstler, als: Maler, Bild⸗„würden „hauer, Uhrmacher, verbergen ihre Arbeit, und pflegen, wenn schen ny RII„sie an einem öffentlichen Orte dieselben verfertigen müssen,„und geb „sich mit Decken und Umhängen zu umgeben, bis sie die⸗ im vier, III.„selbe völlig verfertigt haben, alsdann stellen sie selbige so würd „jedermann zum Beschauen dar. Also wenn ich auf Men⸗„uuch vi. l„schenweise von ihm reden mag, hält's auch unser Gott, Gott I„der Künstler über alle Künstler; er bearbeitet den Menschen wenn sie 14„im verborgenen des Mutterleibes, und verdeckt solche seine seufzen, „Arbeit dermaßen, daß kein menschliches Auge ihm zusehen, Verk beg 40„noch die selbst, welche die Werkstatt ist, es wissen kann, Hilfe un WT„wie es damit zugeht. Sie vernimmt und empfindet wohl, man siel „daß der große Baumeister in ihr ein großes Werk ange⸗ wurüchäl „fangen hat, wie er aber damit verfährt, das kann sie nicht die Rot „begreifen. Der menschliche Verstand forscht zwar fleißig HGott sch „und mutmaßt, so gut er kann, wie es damit zugeht, muß muß G0 „aber endlich selbst gestehen, daß er ein Geringes, oder wohl Als „nichts davon erraten kann, zumal die Gelehrten sich noch wbte, K „nicht darüber vergleichen können, wie die Frucht im Mutter Henach „leibe ernährt wird, wie sie Atem holt, welches das erste ich des „oder letzte von den Gliedern ist, wie und wann sie beseelt betterinn „wird, und dergleichen. Wenn aber nun das lebendige und Mterrie „edle Kunstbild fertig ist, so bringt es sein Meister ans Licht Imständ „und stellt es allen zur Verwunderung dar, auf eine solche sansen araus in der ieselbe u kein allein. nn der ei der eilung Gebet gefällt, „schön legen, in zu⸗ Werk öpfung n diese Bild⸗ wenn müssen, sie die⸗ selbige fMen⸗ Gott, tenschen he seine zusehen, kann, t wohl, kange⸗ ie nicht fleißig t, muß er wohl ich noch Mutter⸗ as erste beseelt ige und is Licht be solce Vorrede. 5 „Weise, darüber, wenn es nicht oft geschähe, aller mensch— „liche Witz erstaunen würde.“ Es geht aber in diesem Werke des großen Gottes wie in andern göttlichen Werken und Wohltaten; weil sie alle Tage geschehen, so achtet man sie gering, da sie uns doch zu Gott ziehen sollten, so daß man jetzt fast nicht einmal mehr Gott bei der Geburt eines Menschen preiset, sondern es heißt mehrenteils: Die Frau liegt im Kindbett, sie hat wieder ein Kind! und was dergleichen kurze verächtliche Re— densarten mehr sind. Gewiß, wenn alle fünfundzwanzig Jahre der mit goldnen Sternen gezierte Himmel nur ein— mal erschiene, wie würden wir nicht die Nacht, da solches vorginge, wachen, die Herrlichkeit betrachten, unsere Hände und Herz zu Gott erheben, uns freuen, Gott loben und preisen; so aber, da es öfters geschieht, denkt fast niemand an Gott. Also geht es auch mit der Geringachtung des Werkes Gottes in der Hervorbringung eines Menschen zu. Daher auch Luther nicht unrecht gemeint, wenn er sagt:„Wenn Gott „seine Gaben auszuteilen und zu geben karger wäre, so „würden wir ihm viel dankbarer sein. Wenn er einen Men- „schen nur ließe mit einem Bein oder Fuß geboren werden, „und gebe ihm hernach im siebenten Jahre das andere Bein, „im vierzehnten eine Hand und im zwanzigsten die andere, „so würden wir Gottes Gaben und Wohltaten besser erkennen, „auch viel lieber und werter haben.“ Gottselige Ehefrauen und wahre Christen preisen Gott, wenn sie von der Geburt eines Kindes hören; beten und seufzen, wenn sie vernehmen, daß eine Person in solchem Werk begriffen ist, weil sie wissen, daß ohne Gottes Gnade, Hilfe und Beistand kein Kind kann geboren werden. Ja, man sieht es zuweilen, wenn Gott seine Hand ein wenig zurückhält, sein Angesicht verbirgt, seine Hilfe verzieht, wie die Not so groß, und wie die Umstehenden erblassen, zu Gott schreien und sagen: Hier kann kein Mensch helfen, hier muß Gott helfen! Als ich früher ein tägliches Handbuch für Gesunde, Be— trübte, Kranke und Sterbende herausgegeben, so ist mir bald hernach von dem weiblichen Geschlechte verwiesen worden, daß ich des Zustandes der Schwangeren, Gebärenden und Kind⸗ betterinnen nicht gedacht, indem dieselben auch Trost und Unterricht brauchten. Und gewiß ist's also, daß bei diesen Umständen das Gebet und Rufen zu Gott eines der heil— samsten Mittel zu einer glücklichen Geburt sei; denn, fängt —.————— + ö + —.— 6 Vorrede. die Schwangerschaft an, so muß um Abwendung der Ge⸗ fahren, des Schadens und um Verleihung des göttlichen Bei— standes gebeten werden. Nahen sich die Nöte herbei, so ist das Gebet und Flehen zu Gott der beste Anker, daran sich die durch Schmerzen geängsteten Seelen halten. Ist die Ent⸗ bindung geschehen und man tritt in das Wochenbett, wer wollte des Gebets, Fürbitte und Danksagung vergessen? Auf diesen dreifachen Stand ist nun das Gebetbüchlein gerichtet, in welchem die Aufmunterung den Ehefrauen nützliche Er⸗ innerungen mitteilt, das Gebet ihr Anliegen Gott vorträgt und sodann ein Gesang die Andacht beschließt. Zu den Sprüchen und Gebeten habe ich auch diejenigen mitgezogen, welche mir von einigen christlichen Frauen zur Hand gegeben worden sind, und die sie in dergleichen Fällen für erbaulich und erquickend gefunden haben. Weil aber einiger Personen Ehestand unfruchtbar ist, die also dieser Gebete und Unterrichts nicht bedürfen, so habe ich auch den Unfruchtbaren zu Gefallen eine Erinnerung und Trost angehängt samt einem Gebet und Gesang, damit sie auch in Gottes Willen sich ergeben, erfreuen, und auch in diesem Stand in Vertrauen und Zuversicht auf die göttliche Liebe, Gnade und Hilfe mögen erhalten werden. O heiliger und starker Gott, sei der Schwangern Bei⸗ stand, der Gebärenden Helfer, der Wöchnerinnen Schutzherr, der Unfruchtbaren Trost und Zuversicht. Erquicke die Schwan⸗ gern durch deine Stärke, erhalte sie durch deine Allmacht. Erfreue die Gebärenden durch eine fröhliche Entbindung und schenke ihnen einen fröhlichen Anblick ihres geliebten Pfan⸗ des. Beschütze die Wöchnerinnen nach deiner Treue, bewahre sie vor allem Unfall und verleihe ihnen einen fröhlichen Aus⸗ und Kirchgang. Erwecke eine Freudigkeit bei den Unfrucht⸗ baren, daß sie in deinen heiligen Willen ihren Willen ergeben. Stärke ihre Hoffnung und erhalte ihr Vertrauen. Segne auch diese Arbeit zur Verherrlichung deines großen Namens und zur Erbauung vieler Seelen, damit alle Leserinnen dadurch mögen ermuntert, erquickt und aufgerichtet werden. Das tue durch deine Kraft um Jesu Christi willen. Amen. —eoeos— — ——— ———— .— . Die Ein ehe er an lichen Gn seiner gn Soll empfehlen sollen fle wolle den halten, de haben, un auch ihr ihren Tr anderm 1 die heilis wachsen, heiligen sie den? nicht all und sich ů sinn und Krankheit Güte und daß Gott hüten au Her Sohn, w Heheiligt heligen diser R Dd er Ge⸗ n Bei⸗ ist das sich die e Ent⸗ tt, wer 12 Auf erichtet, che Er⸗ orträgt Zu den gezogen, gegeben kbaulich ist, die habe ich ng und sie auch diesem e Liebe, rn Bei⸗ hutzherr, Schwan⸗ Ulmacht. ung und u Pfan⸗ bewahre sen Aus⸗ ufrucht⸗ ergeben. gue auch ens und dadurch Das tue Andachten für Schwangere. Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Ein jeder wahrer Christ soll billig an jedem Morgen, ehe er an seine Arbeit geht, sich dem Schutz und der gött— lichen Gnade empfehlen, daß Gott seinen Leib und Seele in seiner gnädigen Obhut erhalten wolle. Soll aber ein jeder Mensch sich also in die Obhut Gottes empfehlen, wie vielmehr sollen es Schwangere tun. Dieselben sollen fleißig und eifrig alle Morgen Gott anrufen: 1) Er wolle den Tag über sie in guten und heiligen Gedanken er— halten, damit sie an Gott denken, ihn allezeit in ihrem Herzen haben, und mit ihm umgehen mögen. 2) Sie sollen Gott auch ihr Leben und ihre Glieder befehlen, daß Gott wolle ihren Tritt bewahren, und sie vor gefährlichem Fall und anderm Unglück behüten. 3) Sie sollen auch ihre Frucht in die heilige Obhut Gottes fleißig empfehlen, daß sie möge wachsen, gestärkt, wohl gebildet und mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllet werden. 4) Besonders aber sollen sie den Tag über sich vor Zorn, Zank und Streit hüten, nicht alles übelnehmen, nicht alles so genau untersuchen und sich über alles erzürnen, damit sie nicht durch ihren Eigen— sinn und Zorn sich und ihrem verborgenen Pfande Unglück, Krankheit oder gar Tod zuziehen. Werden sie sich also der Güte und Gnade Gottes überlassen, so haben sie den Trost, daß Gott seine Engel über sie befehlen werde, die sie be— hüten auf allen ihren Wegen. Morgengebet. Herr Gott Vater, was du erschaffen hast, Herr Gott Sohn, was du erlöset hast, Herr Gott heiliger Geist, was du geheiligt hast, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre, Preis und Dank gesagt in dieser Morgenstunde und in alle Ewigkeit. Amen. O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott, der du 8 Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. selbst das Licht bist, bei welchem ist kein Wechsel des Lichts und der Finsternis, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich in dieser Nacht so gnädig bewahrt und mich hast dieses fröhliche Morgenlicht wiederum erleben lassen. O du Licht meiner Seele, gib auch diesen Morgen einen hellen Schein in mein Herz, daß ich dadurch in deiner Liebe, in Vertrauen und Hoffnung möge gestärket werden. Heilige meine Seele, damit ich diesen Tag mit dir umgehen, an dich denken, in dir mich erfreuen und deiner Gnade mich getrösten möge. Gib, daß ich an diesem Tage nicht vorsätzlich wider dich sündige, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit der Kin— der Gottes dir diene und vor dir wandle. Stelle mir deine allerheiligste Gegenwart vor Augen, daß du allezeit um und bei mir seist, alles hörest, was ich rede, alles siehest, was ich tue, damit ich dadurch möge desto mehr aufgemuntert werden, in der Heiligung fortzufahren, und dich nicht zu be— leidigen. Ich befehle dir auch meinen Leib und Leben, meinen Gang, Schritt und Tritt. Du hast mich jetzt, o du Gott aller Güte und Gnade, in einen besonderen Stand gesetzt, darin ich auch deines besonderen Schutzes und Beistandes benötigt bin. Darum bitte und flehe ich: O du Schutzherr deiner Kinder, behüte meinen Aus- und Eingang, laß deine Gnade mich leiten, deinen Engel mich an der Hand führen, damit ich nicht gleiten, fallen, mich verwunden, oder meinen Gliedern und zugleich auch meiner Frucht dadurch einen Schaden zufügen möge. Bewahre, stärke und erhalte mich. Vertreibe mir alles, was mir schädlich ist, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Laß mich dann den Abend wieder unter deinem Schutze erleben, da ich dir fröhlich danken will für alle Wohltaten, die du mir an Leib und Seele so gnädiglich erwiesen hast. Nun, der Herr segne mich und behüte mich! der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mir und sei mir gnädig! der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden! Die Gnade des Vaters schütze mich, die Liebe Jesu decke mich, und des heiligen Geistes Beistand erhalte mich jetzt und allezeit. D 2 h, meinen& Und teil dir Und . st hin; Sinn; Nacht, machet. 2 SS·. meine Fr Abeit he Eigentum ich mich 3. 9 ab; Ach, Ich befeh Ach Herr geben. 5 hei, Deii sti; Wem Vor Erse wahren. 9.8 kit, Da Frömmig lieblich; * Meinem“ sst mein,! meiner e ertkilt m ———.— Tiitt ben Wbrochne Norgen uch zu Lichts Seele, hast Odu hellen be, in Heilige an dich trösten wider er Kin⸗ deine um und st, was nuntert zu be⸗ meinen u Gott gesett, istandes chuthert nß deine führen, meinen ch einen te mich. u guter N Abend danken Seele so ich und über mit auf mich ihe mich, Beistand —7.. Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. 9 Ach, segne mich im Schlaf und Wachen! Ach, segne meinen Schritt und Tritt! Ach, segne mich in allen Sachen Und teil mir deinen Segen mit; Laß mich gesegnet sein von dir Und nimm den Segen nicht von mir. Amen. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Ich erblick die helle Sonne, Nachdem nun die Nacht ist hin; Ich erblick auch meine Wonne, Jesus ist mir schon im Sinn; Mit ihm hab ich hingebracht Die vergangne finstre wae Mit ihm bin ich aufgewachet, Welches mich vergnüget machet. 2. Ich will auch den Tag hinbringen Mit dir, Jesu, meine Freud! Beten, loben, danken, singen Sei auch meine Arbeit heut; Jesus, meine Zierd und Ruhm, Meiner Seele Eigentum, Der kommt nicht aus meiner Seelen, Dem will ich mich anbefehlen. 3. Ach, regiere meine Tritte, Wende schweres Fallen ab; Ach, behüte meine Schritte, Stärke die verborgne Gab; Ich befehl dem meine Frucht, Welchen meine Seele sucht; Ach Herr, laß sie vor dir leben Und wollst ihr Gedeihen geben. 4. Führe mich an deinen Händen, Stehe mir in Gnaden bei, Deinen Engel wollst du senden, Daß er immer bei mir sei; Wenn ich gleite, halte mich, Sieh, ich halte mich an dich; Vor Erschrecken und Gefahren Wollest du mich, Herr, be— wahren. 5. Lasse sein mein Herze stille, Ohne Zorn und Bitter-— keit, Daß mein Geist, Gemüt und Wille Bleibe in der Frömmigkeit; Jesu, o mein Trost und Schild, Laß dein lieblich Jesusbild Immer mir vor Augen schweben In dem, was ich will anheben. 6. Jesus bleibt mir in Gedanken, Jesus schwebt in meinem Sinn, Von ihm soll mein Herz nicht wanken, Er ist mein, wo ich auch bin; Meinen Jesum laß ich nicht, Jesus, meiner Seele Licht, Ist bei mir auf meinen Wegen Und erteilt mir seinen Segen. 7. Hat denn, Jesu, dein Begleiten Meinen Schritt und Tritt bewacht, So will ich die Händ ausbreiten Nun bei an⸗ gebrochner Nacht; Ich will danken deiner Treu, Welche alle Morgen neu, Und mit Beten, Danken, Flehen Mit dir auch zu Bette gehen. —9— Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. Aufmunterung. O welch eine große Wohltat ist es, wenn Gott einen Menschen den Abend glücklich erleben lässet, wenn er bei dem Niederlegen zu seiner Ruhe sagen kann: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. O welche herrliche Ruhe ist das, wenn man in Frieden mit Gott, in Frieden mit seinem Gewissen, in leiblichem Frieden und Vergnügen sich zu Bette begibt; da kann der Mensch zum Lobe des dreieinigen Gottes sagen: Der Herr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. Schläft er also mit dankbarem Herzen und mit einem Gott lobenden Munde ein, so wird die nötige Nachtruhe auch von Gott gesegnet sein. Auf diese Weise sollen auch Schwangere ihr Herz, Augen und Mund zu Gott erheben, wenn sie nun den Tag glücklich vollbracht haben; sie sollen Gott danken für ihre Erhaltung, seinen Schutz und Gnade, und sollen sich Gottes Liebe und Barmherzigkeit ferner empfehlen. Ist die Nacht, wie man spricht, keines Menschen Freund, wie viel weniger der Schwangeren. Sie sollen demnach Gott anrufen, er wolle abwenden 1) allerlei Schrecken und Un⸗ glück, weil durch unverhoffte Schrecken die Schwangeren öfters in die größte Gefahr gesetzt werden können. 2) Er wolle sie vor Krankheit und Schmerzen behüten. 3) Er wolle seine Segensflügel über sie und ihre Frucht beständig ausgebreitet sein lassen. 4) Bricht der frohe Morgen an, so sollen sie wiederum mit Lob vor Gott erscheinen und mit David sagen: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Abendgebet. Gnädiger, liebreicher und barmherziger Gott, ich er— scheine allhier vor deinem allerheiligsten Angesicht mit fröh— lichem Herzen. Herr, wie teuer ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Ja, unter dem Schatten deiner Flügel bin ich heute aus und ein gegangen, unter demselben bin ich bewahrt worden; kein Unfall hat mich gerührt, sondern ich habe nunmehr den Abend gesund erreicht. Gelobt sei die Liebe des himmlischen Vaters, der mich als sei Nfu⸗ Rleitet h ih Jesun Glistist! lobt sei“ st. Od Geis, bl⸗ ar, He keit über Seele vor umgehen, ich weißk Um deine und dem, sein könn gen, böser Reinem 2 bringen k Hottes ni Anle ist Odu m leibe du mein Heil Abens K or nichtz das Licht unter dei bevahrt, mein Mu was du C 0 Imen; liharme .„ D ns gerz et. tt einen bei dem d schlafe 5, wenn hewissen, begibt; s sagen: fröhlich. em Gott auch von hwangere wenn sie tt danken nd sollen hlen. Ist und, wie ach Gott und Un⸗ ren öfters wolle sie olle seine Sgebreitet sollen sie pid sagen: ist, seinen nd vergiß t, ich er⸗ mit fröh⸗ Menschen unter dem gegangen, Unfall hot nd gesurd zaters, der I/½)...e. Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. 11 mich als sein Kind auf seinen Armen getragen hat. Gelobt sei Jesus Christus, mein Heiland, der mich an seiner Hand geleitet hat, daß mich kein Unfall hat stürzen können. Ge⸗ lobt sei Gott der heilige Geist, der nicht von mir gewichen ist. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, bleibe auch diese Nacht bei mir. Breite deine Güte, Herr, Herr, über die, die dich kennen, und deine Gerechtig— keit über die Frommen. Bewahre meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall, laß mich im Schlaf immer mit dir umgehen, damit, wenn ich erwache, ich noch bei dir sei. Siehe, ich weiß keinen Helfer, denn nur allein dich, du Gott Israel. Laß deinen Engel neben und um mein Bette wachen, daß mir und dem, was du mir aus Gnaden verliehen, nichts schädlich sein könne. Treibe aus meinem Herzen alle unnötigen Sor⸗ gen, bösen Gedanken und falschen Einbildungen, treibe von meinem Bett und Haus alles, was mir Schaden und Unglück bringen kann. So lege ich mich denn in die Arme meines Gottes nieder; ich schlafe in den Armen meines Jesu, seine Linke ist unter meinem Haupt und seine Rechte decket mich. O du mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, sei und bleibe du bei mir. Du, dreieiniger Gott, bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Ja, mir graut vor nichts, weil Gott bei mir ist; ich fürchte mich nicht, weil ich Jesum bei mir habe. Ist's finster um mich, Jesus ist das Licht meiner Seele; will sich Furcht einfinden, der heilige Geist ist mein Trost und Beistand. Laß diese Nacht glücklich unter deinem Schutz vorübergehen, daß ich errettet, beglückt, bewahrt, erhalten, die liebe Sonne erblicken möge; da soll mein Mund dich mit Freuden loben und dir danken für alles, was du Gutes an mir getan hast. So will ich denn nun schlafen ein, Jesu, in deinen Armen; Dein Aufsicht soll die Decke sein, Mein Lager dein Erbarmen; Mein Kissen deine Brust, Mein Traum die süße Lust, Die aus dem Wort des Lebens fließt Und deinen Geist ins Herz mir gießt. Amen. Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. Gesang. Mel.: Werde munter, mein Gemüte. 1. Sieh, die Sonn will von uns gehen, Jesus geht doch nicht von mir; In der Nacht will er auch stehen Bei mir an dem Bette hier; O wie wohl bin ich bewacht, Wenn auch in der finstern Nacht Jesu Hände mich bedecken, Daß kein Unfall mich kann schrecken. 2. Drum will ich mich ganz ergeben, Jesu, deiner Treu und Gnad; Ach, erhalte mir mein Leben Und was mir ge⸗ schenket hat Deine gnadenreiche Hand; Du kennst das ver⸗ borgne Pfand, Auf das laß den Segen fließen Und mich deinen Schutz genießen. 3. Sieh, hier bin ich, Menschenhüter, Ach, behüt mich vor Gefahr; Schütz die Meinen, Haus und Güter, Wache bei mir immerdar; Wenn ich schlaf, so wache du, Decke du mich selber zu, Laß mich sanft und ruhig schlafen Unter deiner Engel Waffen. 4. Ich leg mich in Jesu Armen, Ich leg mich in Jesu Schoß; O wie groß ist sein Erbarmen! Seine Liebe ist sehr groß; Sein Erbarmen ist mein Licht, Seine Lieb verläßt mich nicht. So bin ich mit Licht umgeben, Wenn ich muß im Dunkeln leben. 5. Nun, mit Jesu will ich schließen Meine müden Augen zu; Jesu, ach, laß mich genießen Eine sanfte, süße Ruh, Segne mich und auch mein Kind Und auch die, die um mich sind; Vor Angst, Schrecken und Gefahren Wollest du uns, Herr, bewahren. 6. Laß mich auch gesund aufstehen, Wenn ich ausge— schlafen hab: Laß mich einst doch fröhlich sehen Die jetzt noch verborgne Gab; Wenn ich gehe aus und ein, Laß mich dir befohlen sein, Laß kein Unglück, Herr, aus Gnaden Mir und meinem Kinde schaden. 7. Ich leg mich mit Jesu nieder, Mit ihm steh ich wieder auf Und sing alsdann Freudenlieder Und vollführe meinen Lauf. Jesu, ich befehl mich dir, Jesu, weiche nicht von mir, So sprech ich in Jesu Namen Nach dem Beten fröhlich Amen. — ⁰— Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. Aufmunterung. Wenn Gott eine Frau den Ehesegen empfinden lässet, so soll sie sich herzlich darüber erfreuen und Gott dafür danken; Stand f einfinder und emt dem wer 1. Mose du schwa ) Komi hristliche Gott ist, der sie ih lieben, al diese Bef bringt, im Chrif Weisheit, sie außer ) Komn beschwerli Taufbund nicht verl Kinder e fürchten. ihnen Kr an den T Collte es meinen, s innern, d trauen da dern sie simmt, d Iu Mari lonmen; Hilfe im Höttliche lih nicht s lassen Gebu Adesstur hqfrauer ht doch ei mir mn auch aß kein r Treu mir ge⸗ as ver⸗ d mich üt mich Wache Decke du Unter in Jesu Rist sehr verläßt ich muß n Augen iße Ruh, die um Bollest du ch ausge⸗ Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. 13 danken; aber sie soll sich auch vorstellen, 1) daß in diesem Stand sich viele Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden, davon sie vorher im ledigen Stand nichts gewußt und empfunden hat. Diese Schmerzen aber sind von Gott dem weiblichen Geschlecht nach dem Sündenfall aufgelegt. J. Mose 3, 16. Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären. 2) Kommen aber die Schmerzen also von Gott, so sollen christliche Ehefrauen denken, daß Gott auch ein gnädiger Gott ist, der ihnen dieselben lindern wird; ein mächtiger Gott, der sie ihnen wieder abnehmen kann; ja weil denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen, so werden auch diese Beschwerlichkeiten, welche die Schwangerschaft mit sich bringt, den Schwangern zu vieler Erbauung und Uebung im Christentum gereichen; sie können dabei lernen Gottes Weisheit, Güte, Allmacht, Hilfe und Segen, welches alles sie außer diesem Stande unmöglich hätten wissen können. 3) Kommt eine betrübte Stunde, eine schlaflose Nacht, ein beschwerlicher Zufall, so sollen sie sich erinnern an ihren Taufbund, daß Gott ihr Vater sei, der sie als seine Kinder nicht verlassen werde; denn wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten. Sie sollen sich vorstellen Gottes Stärke, daß er ihnen Kraft geben werde, das gute Werk zu vollenden und an den Tag zu bringen, welches er in ihnen angefangen hat. Sollte es ihnen bisweilen gar schwer vorkommen, daß sie meinen, sie können es nicht ausstehen, so sollen sie sich er— innern, daß bei Gott nichts unmöglich ist, und wenn er ein Wort spricht, so müssen sich legen die stolzen Wellen der Schmerzen, des Leidens und der Beschwerlichkeit. 4) Sollten aber die Schmerzen lange anhalten, so soll doch ihr Ver— trauen darum nicht sinken, noch ihre Hoffnung wanken, son— dern sie sollen bedenken, Gott habe die Stunde schon be— stimmt, da er wieder helfen will. Er spricht oft zu uns wie zu Maria, seiner Mutter: Meine Stunde ist noch nicht ge— kommen; deswegen muß man auch den Verzug der göttlichen Hilfe im Glauben und mit Geduld ertragen und sich auf die göttliche Verheißung verlassen, wenn er spricht: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. 5) Sprecht ihr: Aber es lassen viele ihr Leben in der Schwangerschaft und in der Geburt; so antworte ich: Gott hat einem jeden seine Todesstunde bestimmt. Wissen nun Schwangere Exempel von Ehefrauen, die während der Schwangerschaft oder bei der ————9———— —.—— 14 Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. Entbindung gestorben sind, so sehen sie auch viele Exempel derer, welche glücklich entbunden und fröhliche Kindermütter geworden sind, ja, deren Anzahl ist ungemein größer, die der Herr erwünscht erlöst und ihnen ausgeholfen hat, als derer, die in dem Stande gestorben sind. Wenn nun aber gegen fünfzig oder hundert kaum eine gestorben, und neun⸗ undneunzig fröhlich geboren haben, so ist das wider den Glauben und wider die Liebe zu Gott, sich allezeit das Aergste oder das Schlimmste vorzustellen; das ist ein Mißtrauen gegen Gott und eine schwere Sünde, wenn man an Gott verzwei⸗ feln wollte und sagen: Ob Gott gleich so vielen Hunderten, ja Tausenden geholfen, so wird er mir doch nicht helfen! Wer hat euch das gesagt? Wer hat euch dies Mißtrauen in den Sinn gepflanzt? Ihr kennt Gottes Güte und All— macht nicht; darum kehrt es vielmehr um und saget: Der Gott, der so vielen Tausenden geholfen, wird mir auch helfen und beistehen; und darauf verlasset euch von Grund eurer Seelen, widersprecht allen zweifelhaften Gedanken und schaut hingegen auf die mächtige und starke Hand Gottes. 6) Ge⸗ setzt aber, Gott hätte einer Schwangeren ihr Lebensende in der Schwangerschaft und Geburt bestimmt, so stirbt sie doch selig, denn sie stirbt in ihrem Beruf. Gleichwie es ein seliger Tod wäre, wenn eine fromme Seele über dem Gebet, ein Prediger auf der Kanzel, ein Mensch in der Austeilung der Almosen, ein König auf seinem Thron, da er den Armen Recht spricht, stürbe, so ist es auch ein seliger Tod, wenn eine Ehefrau in ihrer Schwangerschaft und Geburt ihren Geist aufgeben sollte, denn sie stirbt in ihrem Beruf, in einem Gott wohlgefälligen Stande; der Tod solcher gottseligen Ehe— frauen ist wert geachtet vor dem Herrn, und er wird sie mit Wonne nach so vielen Leiden und Schmerzen in der ewigen Himmelsfreude sättigen, umgeben und erquicken. Wie man aber selig stirbt, und wann man selig sterben soll, das alles sollen wir der göttlichen Weisheit überlassen; wenn ich nur selig werde, wenn ich nur in den Himmel komme, soll eine gläubige Seele sagen, so mag es der Herr machen und schicken auf was für einem Weg oder in was für einem Stand er immer wolle. 7) Jedoch sollen Schwangere sich auch fassen, daß sie nicht durch Zorn und Eigensinn sich selbst den Tod bringen, denn weil ihnen in diesem Stande alles schaden kann, so sollen sie auch desto behutsamer auf sich achtgeben. Es ist an vielen schwangeren Weibern gar nicht zu loben, sondern vielmehr zu schelten, daß sie zur Zeit der Schwanger⸗ schaft“ Ind Se erzürne it ihne diese l Erbittet liche oft tödl das hat ihre Sc hurn u stauen Heblüt! haran Velt br Mütter yoll hier in Gott Heburt um anri oben her dann kör Gottes gerne in haben si ihte Frr Fraft in leiben. Hei dir, mei ubtinge widerfah dunk, u stöhliche empel nütter r, die t, als i aber neun⸗ er den Aergste gegen erzwei⸗ derten, helfen! ztrauen id All⸗ t: Der helfen d eurer schaut 6) Ge⸗ ;ende in sie doch u seliger bet, ein lung der Armen jenn eine en Geist n einem gen Ehe⸗ o sie mit rewigen Vie man ae alles ich nut soll eine id schickn Stand cl fassen, n Tod schadat achtgeben loben, chwanger⸗ Tägliche Betrachtung einer Schwangeren.—5 schaft allzu zornig, boshaft und empfindlich sind, alle Tritte und Schritte, so die Ihrigen tun, sind ihnen nicht recht, sie erzürnen sich über alles, keine Speise, kein Wort, kein Stuhl ist ihnen recht; da sollen sie sich nun mäßigen und wider diese Unart beten, denn wenn sie durch dergleichen Zorn und Erbitterung sich die Galle rege machen, daß dadurch gefähr— liche Schwachheiten, hitzige Fieber, Krämpfe und dergleichen oft tödliche Krankheiten entstehen, so müssen sie nicht sagen: das hat Gott getan, sondern das haben sie selbst getan, und ihre Schwangerschaft bringt sie nicht ums Leben, sondern ihr Zorn und Eigensinn. Ja, ich gebe allen christlichen Ehe— frauen zu bedenken, wenn ihre Frucht in solchem erbitterten Geblüt wächst, zunimmt und geboren wird, ob sie nicht schuld daran sind, daß sie böse, zornige, eigensinnige Kinder zur Welt bringen, die so ein widerspenstig Gemüt haben, wie die Mütter in der Schwangerschaft gehabt haben. Deswegen soll hier eine christliche Ehefrau sich selbst überwinden und in Gott fassen und sich nicht selbst den Tod und eine böse Geburt durch ihre Schuld zuziehen. Werden sie Gott dar— um anrufen, so wird der, von dem alle guten Gaben von oben herab kommen, auch diese Gnade nicht versagen, ja als— dann können sie sich im Leben und Sterben eines gnädigen Gottes getrösten. 8) Und weil auch christliche Ehefrauen gerne in solchem Stande zum heiligen Abendmahl gehen, so haben sie alsdann um desto mehr Ursache, sich selbst und ihre Frucht dem Herrn Jesu zu übergeben und durch dessen Kraft im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung zu bleiben. Gebet. Heiliger, gütiger und barmherziger Gott, ich komme zu dir, meine Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung dir vor— zubringen. Du hast, o großer Gott, mir den Ehesegen jetzt widerfahren lassen, dafür ich dir von Grund meines Herzens danke, und bitte dich, gönne mir auch zu seiner Zeit einen fröhlichen Anblick. Weil du aber, o gerechter Gott, auf diesen Stand viel Schmerzen und Ungemach geleget hast, so nehme ich dieselben unter deinem Beistand auch willig auf. Kom— men demnach betrübte Stunden, schmerzhafte Tage, schlaf— lose Nächte, Herr mein Gott, so weiche nicht von mir; ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht all mein Leiden lindern. 16 Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. du bleibst auch mitten in den Leiden und Schmerzen mein Vater, mein Beistand, mein Nothelfer, meine einzige Zu⸗ flucht und mein gnädiger Gott; der du sie mir verordnet und aufgelegt, hast auch die Kraft und Stärke, sie zu lindern. Wollen die Beschwerlichkeiten und Zufälle groß und viel, ja fast unerträglich werden, so will ich doch darum nicht verzagen, sondern mich erinnern, daß du, getreuer Gott, mich nicht wirst lassen versuchen über mein Vermögen, son⸗ dern machen, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ich es ertragen könne. Wenn ich seufze: Ach, wie lang, wie lange, ist dem Herzen bange und verlangt nach dir, so gedenke doch an deine Hilfestunde und laß sie nach deinem gnädigen Willen bald erscheinen. Stelle mir, o Gott, deine Allmacht vor Augen, ja schreibe sie mir in mein Herz hinein, daß ich nicht erschrecken möge, wenn etwa andere, welche auch in solchem Stande sich befinden, beschwerliche Krank— heiten ausstehen, ja, gar in der Geburt ihr Leben verlieren. Laß alsdann mir beständig in meinem Gemüte und Gedächt— nis eingeschrieben bleiben, wie das Jahr über so viel hundert Schwangere glücklich entbunden werden, die wenigsten aber von dir in der Geburt von der Welt abgefordert werden. Dar— um will ich auch deiner Allmacht trauen, und flehe dich demütig an, laß mich auch eine fröhliche Kindermutter werden. Hilf mir in der Geburtsstunde und erfreue mich mit einem gesunden und wohlgestalteten Kinde. Solltest du aber be⸗ schlossen haben, mir in diesem Stande mein Lebensende zu bescheren, Herr, so geschehe dein Wille; ich weiß, ich sterbe alsdann in meinem Beruf, ich sterbe in deinen Armen, als dein Kind, ich sterbe selig und du werdest mich zu der ewigen Freude und Seligkeit einführen. Gib mir aber, o mein Gott, indessen deinen heiligen Geist, der mich immer bei guten Gedanken erhalte; gib mir einen stillen und sanften Mut, daß ich nicht durch Zorn oder Bosheit mir und meiner Frucht den Tod bringe; gib, daß ich meinen Zorn mäßigen und also mich nicht selbst ums Leben bringen möge. Laß auch meine Frucht mit guten Kräften des Leibes und des H. Gemüt⸗ ten dei bringen Vauri, ich hab nach de barme Liebe, e Go Heilsam nur bei An till; E will. Hotfsel — mir sein aus und nir zu dem ich 2.3 Herz erf Gott un Gedanke hann mi auch im mein ich imme Starg mein e Zu⸗ ordnet ndern. d viel, nicht Gott, n, son⸗ winne, e lang, dir, so deinem t, deine hinein, welche Krank⸗ rlieren. Hedächt⸗ hundert en aber Dar⸗ ehe dich werden. t einem ber be⸗ pende zu ch sterbe en, als ewigen in Gott, ei guten en Mut, meiner mäßigen e. Ih Gottseliger Umgang einer gläubigen Seele mit Gott. 17 Gemüts ausgerüstet werden; laß sie wachsen unter dem Schat⸗ ten deiner Gnade, bis du sie wirst endlich an das Tageslicht bringen und also alle meine Schmerzen in Wonne und meine Traurigkeit in Freude verkehren. Nun, Herr, mein Gott, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet; ach, erhöre mich nach deiner Güte, errette mich nach deiner Verheißung, er-— barme dich meiner nach deiner Treue, hilf mir nach deiner Liebe, erfreue mich nach deiner Gnade. Gott will's machen, Daß die Sachen Gehen, wie es heilsam ist. Laß die Wellen Sich verstellen, Wenn du nur bei Jesu bist. Amen, Amen! In dem Namen Meines Jesu halt ich wil Es geschehe Und ergehe, Wie und wann und was er will. Gottseliger Umgang einer gläubigen Seele mit Gott. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ich will stets mit Gott umgehen, Er soll immer bei mir sein, Auf ihn will ich allzeit sehen, Wenn ich gehe aus und ein; Ohne ihn geh ich nicht aus, Er ist auch bei mir zu Haus; Ich kann nicht mehr ohn ihn leben, Nach— dem ich mich ihm ergeben. 2. Mein Herz soll stets an ihn denken, Gott ist, der mein Herz erfüllt, Ich will es in ihn versenken, Es soll sein mit Gott umhüllt. Seht, ich denke nun nicht mehr; Gott ist der Gedanken Herr, Gott ist alles mir in allem, Ohn Gott kann mir nichts gefallen. 3. Mein Mund soll stets von ihm sprechen, Gott im Herzen, Gott im Mund; Mein Mund soll davon ausbrechen, Was da liegt im Herzensgrund; Was mein Mund nur immer spricht, Ist zu Gottes Ruhm gericht't; Gott im Herzen, Gott in Worten, Von Gott sprech ich allerorten. 4. Mein Aug soll stets nach ihm schauen, Denn Gott find ich überall, Nicht nur in den Himmelsauen, Sondern auch im Tränental; Wo mein Auge nur blickt hin, Da ist Gott in meinem Sinn; Mich dünkt, daß er vor mir stehe, Wo ich immer nur hinsehe. 5. In der Arbeit und Geschäften Da vergeß ich Gottes nicht; Arbeit ich aus allen Kräften, Bleibt mir Gott doch Starck, Gebetbuch.(Anhang.) 2 18„Die Schwangere erwägt vor Gesicht; So wird mir die Arbeit leicht, Weil mein Gott nicht von mir weicht; Ohne Gott kann ich nichts machen, Er muß sein bei allen Sachen. 6. Eß ich, so will ich empfangen Von ihm alle meine Speis; Trink ich, so ist mein Verlangen, Daß zu meines Gottes Preis Dieses alles mir gedeih, Und daß er stets bei mir sei Und mir Speis und Trank darreiche Und auch dan nicht von mir weiche. 7. Will ich mich zu Bette legen, Wenn ich bin der Arbeit los, So erteilt er mir den Segen, Und ich ruh in seinem Schoß; Ich schlaf in ihm sanfte ein, Bin auch nicht im Schlaf allein, Weil er sich nah zu mir machet Und auch um mein Bette wachet. 8. Bricht nun an der helle Morgen, Steh ich mit Gott wieder auf; Mein Verlangen, Sehnen, Sorgen Ist, daß ich den Lebenslauf Mit Gott führ, und daß kein Tritt, Ja, kein Wort, kein Tat und Schritt, Seie meinem Gott zu⸗ wider, Bis mein Haupt sich leget nieder. 9. Von Gott kann mich nicht abtreiben Elend, Jammer, Kreuz und Leid; Dieser Umgang soll auch bleiben Hier und dort in Ewigkeit. Leiden scheid't mich nicht von Gott, Keine Trübsal, Angst und Not, Weil mich Gott nicht kann ver⸗ lassen, So lang ich ihn werd umfassen. 10. Mein Umgang wird nicht zerrissen, Wenn zerreißt das Lebensband; Warum sollt ich das nicht wissen? Hat er doch in seine Hand Mich alzeihned daß er mich Will be⸗ glücken ewiglich, Ja, mir auch nach diesem Leben Dort die Himmelskrone geben. 11. Ich werd auch mit ihm umgehen, Wenn ich dort im Himmelsglanz Werd vor seinem Throne stehen, Und von ihm durchstrahlet ganz Werde gleich den Engeln sein, Ganz verkläret, hell und rein, Und in Freuden, Licht und Wonne Leuchten wie die goldne Sonne. — 0⁰— Die Schwangere erwägt ihren Gott wohlgefälligen Stand. Aufmunterung. Gleichwie Gott den Ehestand selbst eingesetzt und durch denselben das menschliche Geschlecht fortpflanzen will, daher er auch zu unsern ersten Eltern im Paradies sprach: Seid fruchtbar und mehret euch; also hat auch eine gottselige ',—..-e..... ihren Gott wohlgefälligen Stand. 19 Ehefrau sich in Gott zu erfreuen, wenn sie solche Fruchtbar— keit bemerkt. Sie soll dabei gedenken: 1) Kinder sind eine Gabe Gottes, die er etlichen gibt, andern aber versagt, da⸗ mit die Menschen nicht etwas möchten ihrer Kraft zuschreiben. 2) Sobald nun eine Ehefrau solchen Segen Gottes verspürt, soll sie gedenken, Gott habe in Gnaden an sie gedacht, wie dort es von Sara und Rahel heißet: und der Herr gedachte an Sara und Rahel. 3) Soll sie sich zufrieden geben, Gott danken und glauben, ihr gegenwärtiger Stand sei von Gott, der habe ihr diesen Segen erteilt; sie soll sich erinnern, wenn sie aus oder ein geht, so gehet sie unter dem Schutz und Geleite Gottes, Gottes heilige Engel haben eine besondere Aufsicht auf sie. 4) Finden sich Schmerzen und Beschwer⸗— lichkeiten ein, so soll sie gedenken, daß Gott sie zu diesem Stande geordnet habe, aber daß er darum sie nicht verlassen wolle; sondern daß sie desto mehr Vertrauen auf ihn setzen solle, da sie dann empfinden werde, wie der Herr alles herr⸗ lich machen wird. Sie soll zu dem Ende 5) im Gebet anhalten, sich vor Zorn und Bosheit hüten, im Glauben, in der Liebe Jesu und wahren Frömmigkeit verharren und versichert sein, sie stehe in einem seligen und Gott wohlgefälligen Zustande, darin sie sich des Beistandes und der Hilfe Gottes getrösten könne, und was sie nach Gottes Willen in solchem Stande bittet, das wird Gott ihr auch nach seiner Barmherzigkeit gnädig geben und verleihen. Gebet. O du liebreicher Gott und Vater, wie kann ich genugsam deine Vatertreue erkennen, loben und preisen, daß du mich in den gegenwärtigen Stand berufen und gesetzet hast. Herr, du hast in Gnaden an mich gedacht, und mich dieser Gabe und Frucht des Ehestandes teilhaftig gemacht. Ist dieser mein Stand beschwerlich, so weiß ich doch, daß ich in deiner Gnade stehe, und daß mein Stand vor dir gefällig und von dir eingesetzet sei; du weißt, Herr, daß ich keines Mannes begehrt habe aus Leichtfertigkeit, und meine Seele rein be— halten von aller bösen Lust, und habe mich nicht zu unzüch— tiger und leichtfertiger Gesellschaft gehalten; einen Mann aber zu nehmen, habe ich gewilligt in deiner Furcht, in Keuschheit, dir zur Ehre. Da du denn auch in Gnaden an * 2 20 Die Schwangere erwägt ihren Stand. mich gedacht und die Frucht des Leibes mir beschert hast, so nehme ich solches als ein Geschenk von deiner Hand auf. Laß mir in diesem Stande deine Barmherzigkeit widerfahren, sei mein gnädiger Gott, der mein Gebet und Seufzen erhöre, und laß es vor den Thron der Gnade kommen. Sei mein Geleitsmann, der mich schütze, begleite und bewahre; sei mein Trost, wenn ich betrübt werde, und gib mir deinen Freuden⸗ geist, der mir das Zeugnis gebe, daß ich dein Kind sei. Sei meine Zuflucht, bei dem ich mein Herz ausschütte, der mich erfreue, wenn ich betrübt bin, der mich erquicke, wenn ich matt bin, mein Helfer, der mich versichere: ich bin bei dir in der Not, ich will dich herausreißen. Sei mein Beistand, wenn sich etwa Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden sollten; mein Erretter, der zu seiner Zeit die Bande öffne, mich fröhlich entbinde und mich erfreue. Sei, o du himm— lischer Vater, meine Stärke; ach, trage, erhalte, stärke und erquicke mich. Sei, o Jesu, mein Fürsprecher, der mich bei Gott vertrete und mein schwaches und zuweilen unter vielen Schmerzen abgeschicktes Gebet vor Gott bringe. Sei mein Tröster, o Gott, heiliger Geist, der mich tröste, daß ich in Gnaden stehe, daß ich ein Kind Gottes sei, und der mich einer fröhlichen Entbindung und gnädigen Hilfe versichere. Ja, du dreieiniger Gott, sei mit mir, so werde ich wohl beglücket, beschützet, bewahret und errettet bleiben. Herr Jesu, leite meinen Gang, Daß ich forthin mein Leben lang Nach deinem Willen walle. Behüte mir mein Seel und Leib, Mich selbst in deine Hände schreib, Damit ich ja nicht falle. Ach, gib Antrieb, Deine Wunden alle Stunden zu betrachten Und die Welt für nichts zu achten. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh sei Ehr. 1. Wie hat der große Gott doch mich In Gnaden an⸗ gesehen, Wie hat er doch so gnädiglich Erhört mein gläubig Flehen; So daß mein höchst erfreut Gemüt Erkennet seine Wundergüt; Dafür sei Gott gepriesen. 2. Ist's nicht mein Schöpfer, der da hat Mir Leib und Seel gegeben, Und fristet mir aus lauter Gnad Das mir gesch von Stri erqu werẽ 9eh. mM Und tel meir laut auc doch Er prie leite hast auf. ihren, chöre, mein mein euden⸗ Sei mich h matt in der un sich finden öffne, himm⸗ ke und lich bei vielen i mein ich in ch einer e. JIa, glücket, nmein in Seel t ich ja tunden nen. den an⸗ gläubig et seine a mit Die Schwangere dankt für ihre Fruchtbarkeit. 21 geschenkte Leben? Ja, was ich habe in der Zeit, Das kommt von seiner Gütigkeit; Dafür sei Gott gepriesen. 3. Es hat mich Jesu teures Blut Befreit aus Satans Stricken, Und dieses allerhöchste Gut Will mich auch stets erquicken; Ja, dieses Blut, das macht mich rein, Darinnen werd ich selig sein; Dafür sei Gott gepriesen. 4. Es wird mir auch der heilge Geist Zur Heiligung gegeben, Der mir den Weg zum Himmel weist, Mich führt im ganzen Leben; Er weiht mein Herz zu seinem Haus Und treibet alle Sünd hinaus; Dafür sei Gott gepriesen. 5. Er teilet ferner mir auch mit Den längst erwünsch— ten Segen, Er segnet meine Schritt und Tritt In allen meinen Wegen; Ja, was mit Gott ich immer tu, Da fließet lauter Segen zu; Dafür sei Gott gepriesen. 6. Sollt Leiden, Angst und Schmerzenswut Auf mich auch einst losgehen, So will er in der Trübsalsflut Mir doch zur Seite stehen; Er hilft, wenn niemand helfen kann, Er ist mein Trost und Helfersmann; Dafür sei Gott ge— priesen. 7. Ach, wie hat er so väterlich Bisher mich doch ge— leitet Und seine Gnade über mich Wie Flügel ausgebreitet; So leb ich denn in seiner Hut Und habe in Gott guten Mut; Dafür sei Gott gepriesen. 8. Ja, wie kann doch mein schwacher Mund Die Wohl— tat all erzählen; Viel Gutes tut er alle Stund Dem Leibe und der Seelen, Er liebet, führet, leitet mich, Ja, er ver— sorgt mich mildiglich; Dafür sei Gott gepriesen. 9. Und was für große Herrlichkeit Will er mir dorten geben, Daß ich in jener Ewigkeit Bei ihm soll ewig leben; Drum, wenn ich sterb, so sterb ich nicht, Ich komm zu Gott, zur Freud, zum Licht; Dafür sei Gott gepriesen. Die Schwangere dankt für ihre Fruchtbarteit. Aufmunterung. Obgleich die meisten Menschen meinen, daß Kinder eine „Naturgabe“ wären, so lehrt doch die Heilige Schrift uns ein anderes, wenn sie schreibt:„Siehe, Leibesfrucht ist ein Ge— schenk.“ Daher auch gläubige Eheleute diese Gabe unter andern Gaben von Gott zu erbitten haben. Was Huren und andere ungläubige Personen anlangt, so erlangen sie zwar diese Gabe, weil Gott der Natur ihren Lauf läßt, indem sie 22 Die Schwangere dankt für ihre Fruchtbarkeit. nicht zur Ehre Gottes Kinder zeugen, sondern nur ihre sünd⸗ liche Brunst löschen wollen. Bei gläubigen und frommen Eheleuten aber ist es ein anderes, die nehmen die Kinder als eine Gabe Gottes dankbarlich an. Wenn eine gottselige Ehefrau ihre Fruchtbarkeit merket, so soll sie 1) Gott dafür danken und sich erinnern, daß Gott den verheißenen Segen des Ehestandes ihr auch nun erteilet. 2) Hierauf soll sie behutsam wandeln, sich in den Schranken der Mäßigkeit, Sittsamkeit, Sanftmut und christlicher Bescheidenheit halten, damit sie durch ihre eigene Schuld die Fruchtbarkeit nicht wieder vernichte, welches durch unmäßige, unbedächtige Arbeit, schweres Tragen und Heben, boshaftigen Zorn und andere Frechheiten geschehen kann. 3) Soll sie sodann, wenn sie merket, daß ihre Fruchtbarkeit zunimmt, Gott sich und ihre Frucht täglich empfehlen und ihn anrufen, er wolle es selbst bilden, erhalten, stärken, bewahren und zu seiner Zeit fröh⸗ lich an das Licht bringen. 4) Sie soll wider die Beschwerlich— keit ihres Standes nicht murren, nicht hitzig, zornig und rach— gierig gegen ihren Ehemann, Gesinde und andere Personen sein, welches schon ein Zeichen der Ungeduld über ihre Frucht— barkeit und folglich Undank sein würde, welches gewiß Gott siehet und merket, und solche Personen es kann entgelten lassen. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, der du bist ein Gott des Lebens, der uns allen Odem und Leben gibt, der du den Ehestand mit Früchten des Leibes gesegnet hast; ich danke dir, daß du auch an mich gedacht und mich dieses Segens in meinem Ehestande teilhaftig gemacht hast. Du, mächtiger Herr, hast mir eine größere Wohltat erwiesen, als andern, welche nach dieser Gabe seufzen und sie nicht erlangen; darum bitte ich dich, laß mich wohl erkennen, was du Gutes an mir getan hast. Ich empfehle mich dir ganz und gar. Behüte mich vor Angst und Schrecken, vor Fallen und Gefahr, vor Unglück und was sonst das mir geschenkte Pfand entwenden könnte. Wirke in mir eine christliche Behutsamkeit im Gehen und Arbeiten, damit ich nicht selbst das verderbe, was deine Hand verliehen hat. Herr, wie groß ist deine Weisheit, daß du die Menschen so wunderbarlich bildest; wie groß ist deine Allmacht, daß du si daß d mehte einer Und! hast. hertli⸗ du ha mich Laß Ohter deinen Fruch geit« mit auf al straud Leib, Gabe ich ar Berge vom! Herrr Mun dem Der darat gegn ich i schlit Mir Die Schwangere dankt für ihre Fruchtbarkeit. 28 h⸗ du sie selbst ans Licht bringst; wie groß ist deine Güte, inder daß du auf solche Weise das menschliche Geschlecht erhältst und selige mehrest. Ich danke dir, mein Gott, daß du mich auch zu Dafür ‚ einer Werkstätte dieses deines herrlichen Werkes bestimmt si ö und mich durch deinen göttlichen Segen fruchtbar gemacht igkit hast. Ach, führe das angefangene Werk durch deine Gnade galte, herrlich hinaus; erhalte, was du hast gegeben; stärke, was nicht du hast verliehen; bewahre, was du hast geschenkt. Laß Irbeit, mich meine Zeit glücklich unter deinem Schutz hinbringen. andere Laß vor meine Augen nichts Abschreckendes und vor meine Ohren keine entsetzliche Botschaft kommen, und wenn nach Fselbst deinem Rat solches mir widerfahren sollte, so erhalte meine fröh⸗ Frucht durch deine allmächtige Hand. Laß mich zu rechter erlich— Zeit eine fröhliche Kindermutter werden und das Verborgene hrach⸗ mit Freuden erblicken. Herr, laß deine Güte und Treue mich rsonen auf allen Wegen begleiten; behüte meinen Fuß, daß er nicht n ö strauchle, meine Glieder, daß der keines zerbrochen, und meinen lasen ö Leib, daß er nicht beschädigt werde. Erhalte die geschenkte Gabe und laß sie dir empfohlen sein. Indessen aber will ö ich auf deine Hilfe schauen; ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt ebenz,̃, vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich will den nd mit Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem su auocch Munde sein. Des Morgens, Mittags und Abends will ich estande dem Herrn danken für alles Gute, das er an mir getan hat. ir eine Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, dieser Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; Denke h dich, daran, Was der Allmächtige kann, Der dir mit Liebe be— hast. gegnet. Amen. Angst dwas Gesang. Virke Mel.: O Gott, du frommer Gott. beiten, rliehen chen so „ daß 1. Ich danke dir, mein Gott, Für eine jede Gabe, Die ich im Lebensgang Von dir empfangen habe. Nimm an den schlichten Dank Für deine große Gnad, Die deine Vaterhand Mir dargereichet hat. 24 Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. 2 Ich danke dir, mein Gott, Daß du mich hast erhöret Und was mein Herz Ien Aus Gnaden mir bescheret. Ach, ach, erhalte doch Das anvertraute Pfand, Das ich emp— fangen hab Von deiner Segenshand. 3. Ich danke dir, mein Gott, Daß du in meinem Leben Mit Waer Mildigkeit Viel Gutes mir gegeben; Ach, tausend, tausend Dank, Hab Dank, Herr Zebaoth, Für alle deine Gnad, Ich danke dir, mein Gott. 4. Ich danke dir, mein Gott, Daß du mir beigestanden In manchem schweren Leid, In schweren Trübsalsbanden; Ach, bleibe auch bei mir, Wenn sich die Not einstellt, Du bist es, der mich stärkt, Du bist's, der mich erhält. 5. Ich danke dir, mein Gott, Daß du hast abgewendet So manches bittre Kreuz Und mir die Hilf gespendet, Die Hilf, die weggetan Die Angst, so ich gescheut, Und mich nach Angst und Weh Mit reichem 0 erfreut. 6. Ich danke dir, mein Gott, Daß du mich nie verlassen, Auch nie verlassen wirst, So 0 ich werde hassen Der Sünden Wust und Greu'l; Sieh, ich verpflichte mich, Daß ich dir dienen will Hier und dort ewiglich. 7. Ach, bleibe doch mein Gott, Ach, bleibe meine Stärke, Mein Helfer, Schutz und Rat, Damit ich Hilfe merke, Wenn nun die Not einbricht; Ach, steh mir kräftig bei, Daß ich zu aller Zeit Von dir geschützet sei. 8. Ach, bleibe doch mein Gott, Hilf, daß ich überwinde Und in der Trübsalsstund Die Hilfe bei dir finde; So soll mein froher Mund Nach ausgestandner Not Stets sprechen dir zum Preis: Ich danke dir, mein Gott. — 9—— Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. Aufmunterung. Wenn nun eine gottselige Ehefrau den Segen ihrer Fruchtbarkeit merket, so hat sie nebst ihrer Berufsarbeit son— derlich dieses zu tun: J1) Soll sie sich Gott alle Tage und Stunden fleißig empfehlen, daß er sie wolle begleiten, stärken und behüten. 2) Soll sie auch ihre Frucht Gott fleißig emp⸗— fehlen, dieselbe in ihrem Gebet Gott treulich vortragen. 3) Das ist der Unterschied zwischen christlichen Ehefrauen und Ungläubigen, zwischen gottseligen Ehefrauen und leichtfertigen Huren. Ungläubige und Huren fluchen wohl über ihre Schwangerschaft, achten ihre Frucht gering, danken Gott nicht dafür, tun ihr wehe, wo sie können und haben vielleicht nicht. vicl G hier al sie ruf gerade lassen dieselb alles, 0 Sie sonder lichen gelang fomme dich d nach bin id haben sich at erlang Begier Hert, deiner lichen mich Veglei gesund ttille umgel Herzee sein, heiligt Schre komm Laß! bewal von chöret heret. emp⸗ Leben usend, deine anden nden; u bist vendet „Die nach lassen, Der Daß stärke, Wenn ich zu winde soll rechen rucht. ihrer it son⸗ se und stärken emp In. 5) n und prtigen x ihre t nicht t nicht Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. 25 viel Gutes mit ihr im Sinne. Gottselige Ehefrauen aber sind hier anders gesinnt; sie beten und tragen ihr Kind Gott vor; sie rufen Gott an, er wolle es fein bilden, ihm gesunde und gerade Glieder geben, es beim Leben erhalten und gesund lassen geboren werden. 4) Sie lieben ihre Frucht, ehe sie dieselbe sehen; tragen Sorge für ihre Erhaltung, bereiten alles, worin sie nach der Geburt kann eingewickelt werden. 5) Sie tragen nicht allein Sorge für ihren leiblichen Zustand, sondern rufen auch Gott an, daß er ihre Frucht nach der leib— lichen Geburt wolle zur Wiedergeburt durch die heilige Taufe gelangen lassen. Gebet. O heiliger Vater und Schöpfer aller Menschen, siehe, ich komme allhier vor dein allerheiligstes Angesicht und bitte dich demütiglich um deine Gnade. Du hast, o großer Gott, nach deiner Güte mir eine Leibesfrucht verliehen, aber wer bin ich, daß ich sie zur Welt bringen sollte? Viele Mütter haben Kinder empfangen, aber nicht geboren! Wie viele haben sich auf eine lebendige Frucht gefreut und haben es nicht erlangt. Darum, ach Herr, Herr, vor dir steht alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Herr, Herr, was du aus Gnaden gegeben, das wollest du auch nach deiner Barmherzigkeit erhalten. Ich befehle deinem väter— lichen Gnadenschutz mich ganz und gar. Herr, habe acht auf mich bei Tag und Nacht, daß mir kein Leid widerfahre. Begleite mich, wenn ich auf der Straße bin, und bringe mich gesund und unbeschädigt wieder nach Hause. Laß meine Seele stille und vergnügt sein. Laß meine Seele allzeit mit dir umgehen, in dir sich freuen, an dir sich ergötzen. Laß mein Herz eine Wohnung Jesu und einen Tempel des heiligen Geistes sein, daß Jesus in mir lebe und wandle, mich regiere und heilige. Wende von mir ab alle Verdrießlichkeiten, Zorn, Schrecken; ungestaltete Menschen laß nicht vor meine Augen kommen, und so es geschehen sollte, so bewahre meine Frucht. Laß dein Aufsehen meinen Odem, Leben, Schritt und Tritt bewahren. Der Herr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Im Namen des dreieinigen 26 Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. Gottes lege ich mich schlafen und stehe auf. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich an meine Arbeit. O du drei— einiger Gott, bewahre, behüte und schütze mich durch deine Kraft, trage mich auf den Händen, behüte mich auf meinen Wegen, daß mir kein Uebel widerfahre, so will ich dir dafür danken und dich loben zeit meines Lebens. Ich empfehle dir aber auch, o dreieiniger Gott, meine Frucht, die ich trage. Herr, ich bete für sie, ich trage sie dir vor, ach, erhöre mein Flehen um deiner Güte, ja um Jesu willen. Ach, gib meinem Kinde deinen heiligen Geist. Laß es auch im verborgenen mit deiner himmlischen Kraft, wie dort Johannes, erfüllet werden. Gib ihm eine feine Seele und ein frommes Herz, damit es dich zeitlebens fürchten und lieben möge. Gib ihm aber auch gesunde und gerade Glieder, einen gesunden Leib, gute Leibes- und Gemütsgaben. Hast du es aber im verborgenen mit solchen herrlichen Leibes- und Ge— mütsgaben begnadigt, so lasse es nach seiner leiblichen Ge— burt auch bald durch die heilige Taufe wiedergeboren werden. Du hast, o Jesu, gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Reich Gottes. Du hast die Kinder auf deine Arme genommen und sie gesegnet. Nimm mein Kind auch zu seiner Zeit in deine heiligen Arme und segne es auch; schenke ihm das Pfand der Kindschaft, nämlich deinen heiligen Geist; heilige und erneuere es zum ewigen Leben; mache aus ihm ein Kind des Himmels und des ewigen Lebens, daß ich mit ihm und es mit mir dereinst der ewigen Seligkeit möge teilhaftig werden. Meine Hoffnung stehet feste Auf den Herren, meinen Gott; Er ist mir der allerbeste, Der mir beisteht in der Not; Er alleine soll es sein, Den ich nur von Herzen mein. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich weiche nicht von Gott, Dem will ich mich emp— fehlen, Dem Helfer, der mir hilft An Leib und an der Seelen; Er ist mein Fels, mein Hort, Mein Burg und Zuversicht, Mein starker, treuer Gott; Mein Gott verläßt mich nicht. ——=2= 2. drücken Auchi gereuz, Nöten, Asdan Ich k +. leiben Ich ja, du aut 5. weichen Die Ha Hand, 6. stunden funden. bei, D 4. sterben, Drum Und bl die Ol Zustan Gottes zugesag noch v den Hä brüche schwant Hetröste Gottes darauf die ber zu der zen des drei⸗ deine meinen dafür meine sie dir n Jesu Laß es ie dort und ein Rlieben „einen t du es nd Ge⸗ en Ge⸗ werden. ommen, der auf n Kind auch; heiligen mache 18, daß eligkit ν αν. y meinen er Not, Amen. ih emp⸗ Seelen; persicht, ich. Die Schwangere erinnert sich der Verheißungen. 27 2. Ich weiche nicht von Gott; Ob mich gleich Schmerzen drücken, So weiß er mit Geduld Mein Herze auszuschmücken; Auch in dem größten Leid Will ich beständig sein; Kommt Kreuz, so dring ich stets Zu meinem Jesu ein. 3. Ich weiche nicht von Gott; Auch in den größten Nöten, Ob sie so heftig sein, Als wollten sie mich töten; Alsdann schrei ich um Hilf; Verlaß mich nicht, mein Gott! Ach, komm, ach, rette mich Aus aller meiner Not. 4. Ich weiche nicht von Gott, Ihm will ich treu ver— bleiben; Mich soll kein Ungemach Von seiner Liebe treiben; Ach ja, du treuer Gott, Ich weiche nicht von dir, Ach, bleib du auch bei mir Und weiche nicht von mir. 5. Ich weiche nicht von Gott, Denn warum soll ich weichen? Pflegt er nicht allezeit Mir seine Hand zu reichen? Die Hand, die mich erhält, Die Hand, die mich befreit, Die Hand, die mich erquickt Und hilft mir allezeit. 6. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht in Leidens— stunden, Denn ich hab immerdar Rat, Heil und Trost emp⸗ funden; Die Rettung stellt sich ein, Die Stunde geht vor— bei; Daraus erkenn ich ja, Daß mein Gott bei mir sei. 7. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht, wenn ich soll sterben, Denn alsdann werde ich Die Seligkeit ererben; Drum leb und sterb ich ihm, Ich dien ihm in der Zeit Und bleib mit ihm vereint Dort in der Herrlichkeit. Die Schwangere erinnert sich der göttlichen ber⸗ heißungen. Aufmunterung. So betrübt und schmerzhaft zuweilen der Schwangeren Zustand ist, so tröstlich und herrlich sind die Verheißungen Gottes für dieselben, da er ihnen seinen Beistand in der Not zugesagt und ihnen verheißen, er wolle sie nicht verlassen noch versäumen, er wolle ihnen helfen, sie retten, sie auf den Händen tragen, und was dergleichen Kraft- und Macht— sprüche mehr sind. Dieselben soll nun eine jede gottselige schwangere Ehefrau 1) sich bekannt machen und sich deren getrösten. 2) Sie soll sich erinnern, daß die Verheißungen Gottes alle Menschen angehen, daher sie auch getrost sich darauf verlassen kann. 3) Ob aber gleich die erwünschte Hilfe, die versprochene Rettung und der verheißene Beistand nicht zu der Zeit und Stunde erscheint, wenn sie dieselbe verlangt 28 Die Schwangere erinnert sich der Verheißungen. und vonnöten hat, so soll sie darum nicht verzagen und meinen, die Verheißung sei aus und werde gar nicht erfüllt werden; sondern 4) auf die Verheißung Gottes fest bauen, welcher, wenn seine Hilfestunde erscheint, auch, was er zusagt, treulich halten wird; indessen 5) im Gebet, Vertrauen und Hoffnung anhalten, bis endlich die frohe Stunde anbrechen wird, da die vorher Betrübte mit Freuden und zum Ruhm des Aller⸗ höchsten sagen wird: Bis hierher hat mir der Herr geholfen, der Herr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich! Gebet. Mein Gott, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen, darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Du weißt, mein Gott, daß ich ohne dich nichts bin, nichts kann und vermag; wer kann mir helfen, als nur du allein? Darum komme ich zu dir und halte mich an dein Wort der Verheißung. Du sprichst, du wollest die Deinen nicht verlassen, ach, verlaß mich nicht! Du wollest bei ihnen sein in der Not, ach, meine Not rücket heran, bleibe du bei mir! Du wollest den Deinen helfen, ach, hilf mir! Du wollest sie stärken, ach, stärke mich! Du wollest sie herausreißen, ach, reiß mich heraus! Herr, ich weiß in meinem Zustand nirgends hin, als nur zu dir allein. Ich habe viel Sorgen, Beküm⸗ mernisse und Aengste in meinem Herzen, aber deine Trö— stungen ergötzen meine Seele, dein Wort der Verheißung richtet mich auf. Weil ich denn weiß, daß du der Schutzherr deiner Gläubigen, der Helfer der Verlassenen, die Zuflucht der Betrübten, der Beistand der Hilflosen bist, so bin ich darüber gutes Muts und halte mich an dich. Ich will mich an dich und dein Wort halten, wenn meine Schmerzen und die Angst meines Herzens groß wird, da will ich seufzen: Herr, ich lasse dich nicht, du hilfst mir denn. Verziehst du die Hilfe, so erscheint sie endlich zum Trost der Elenden, du hilfst ihnen herrlich. Du, Herr, legst eine Last auf, aber hilfst sie auch tragen; darum, wenn du meine Last mir tragen hilfst, so wird sie mir nicht zu schwer werden. Du bist meine Zu⸗ versicht gewesen, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war; darum sollst du auch meine Zuflucht bleiben zeit meines D Lebens Stärke darum ten? grauen Aubeit auch g befestig Vrhei meine dir ver und z herzen A Vort, und fo Rungs diesem bin; Sinn Ja, d. 0 — Varau sein X Schme — lkeibt, hleibt stimm nimm Lind; Sollt ollt! inen, eden; lcher, eulich nung sollt lntlitz nichts lllein? rt der lassen, in der Du lest sie u, ach, rgends Heküm⸗ e Trö⸗ heißung hutzherr UIflucht bin ich ill mich en und eulfzen du die du hilfs hilfs hilff, Ine Zu⸗ n War; meines Die Schwangere erinnert sich der Verheißungen. 29 Lebens und in allen Fällen. Gott ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den Nöten, die mich getroffen haben, darum fürchte ich mich nicht, und warum sollte ich mich fürch— ten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Mit Gott will ich getrost an meine bevorstehende Arbeit gehen, unter Gottes Beistand will ich arbeiten, aber auch glücklich überwinden. O du gnädiger Gott, stärke und befestige meinen Glauben; befestige meine Zuversicht auf deine Verheißung. Laß mich, vor allem Unfall beschirmt, fröhlich meine Zeit erreichen. Indessen will ich beten und singen, dir vertrauen, bis ich, fröhlich entbunden, dir in dem Tempel und zeit meines Lebens für deine Wohltaten in meinem Herzen Lob und Preis aufopfern werde. Amen, ja, ich will es glauben, Denn hier hab ich Gottes Wort, Das soll mir kein Teufel rauben; Ich will immer fort und fort Mich auf diesen Grund verlassen Und den Hoff— nungsanker fassen Mit der starken Glaubenshand Auch in diesem meinem Stand. Amen. Gesang. Mel.: Ach Herr, mich armen Sünder. 1. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich schon elend bin; In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüt und Sinn Soll sich nur an ihn halten, Und ihm vertrauen fest, Ja, den nur lassen walten, Der mich doch nicht verläßt. 2. Auf sein Wort will ich trauen; Was er mir zugesagt, Darauf will ich fest bauen, Mit ihm sei es gewagt; Er wird sein Wort erfüllen, Das mir die Hilf verspricht, Und meine Schmerzen stillen, Wenn seine Stund anbricht. 3. Zwar dünkt es mir oft lange, Wenn mich das Leiden treibt, Dennoch ist mir nicht bange, Weil Gott mir nicht aus⸗ bleibt; Er weiß gar wohl die Stunde, Die er zur Hilf be⸗ stimmt, Und da er aus dem Grunde Das Leiden von mir nimmt. 4. Gott kann mich nicht verlassen, Denn ich bin ja sein Kind; Er kann ja die nicht hassen, Die da sein eigen sind; Sollt er des Kindes Tränen Ohn Hilfe stets ansehn, Und sollt mein seufzend Sehnen Ihm nicht zu Herzen gehn? 5. Gott hat mich nie verlassen Die ganze Lebenszeit, Ob ich schon ohne Maßen Trug Angst und Herzeleid; Sollt er 30 Die Schwangere erfreut sich der Allmacht Gottes. denn nun anheben, Da ich der Hilf begehr, Und sie mir gar nicht geben? Das glaub ich nimmermehr. 6. Vielmehr will ich Gott trauen, Denn er ist fromm und gut, Auf seine Hilfe schauen Mit recht getrostem Mut; Die Stunde wird nun kommen; ai wenn die anbricht, Wird mein Kreuz abgenommen, Denn Gott verläßt mich nicht. — 7— Die Schwangere erfreut sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Wenn man die Empfängnis, Erhaltung, Wachstum und Geburt eines Kindes betrachtet, so kann man Gottes Allmacht nicht genug preisen; ohne Gottes Allmacht kann kein Kind auf dieser Welt geboren werden, und wenn eins geboren wird, so ist's allezeit ein Wunder vor aller Gläubigen Augen. Wenn nun dieses eine gottselige Ehefrau weiß, so soll sie 1) auf die Allmacht ihres Gottes sich verlassen: so viel Kinder sie ge— boren sieht, so viel Werke der Allmacht Gottes soll sie sich vor⸗ stellen. 2) Wenn nun die allmächtige Hand Gottes andern geholfen, so kann sie sich auch getrösten, daß Gott ihr helfen werde. Sie soll 3), wenn sich Kleinmütigkeit etwa einfinden will, sich an den Ausspruch des Engels erinnern, wenn er spricht: Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Luk. 1, 37. Ist nun Gott kein Ding unmöglich, so kann eine Schwangere sich der göttlichen Allmacht auch erfreuen. Sollten sich 4 Umstände einstellen, die bei andern vielleicht nicht sind, so soll doch darum das Vertrauen auf Gottes Allmacht nicht wegfallen; denn eben darum, weil Gott allmächtig ist, so kann er auch alle gefährlichen Wunden heilen, alle schweren Lasten abnehmen, alle betrübten Zufälle abwenden. 5) Sind Men⸗ schen bei der Geburt eines Kindes, so ist doch Gottes allmäch⸗— tige Hand unsichtbar auch da, die alles regiert, und dessen Kraft alles glücklich vonstatten gehen wird. Gebet. Mein Gott, wie freut sich mein Geist, wenn ich an deine Allmacht gedenke, an deine allmächtige Hand, die alles heben, tragen und aus allem erretten kann. Sehe ich mich in meinem gegenwärtigen Stande an, so muß deine Allmacht alles allein tun; deine Allmacht muß mich auf den Armen tragen, wenn ich nicht fallen soll, meine Beschwerlichkeiten lindern, ja, in meinen bevorstehenden Nöten alles allein verrichten. Sehe ich meine ttärker mein mächt du bi Diesen will n einen kann! werder ganz Schwo etteich und st Mittel Kinder und lo mich d einen Not g mein mir dir. die E deine eben, einem allein wenn la, in he ich Die Schwangere erfreut sich der Allmacht Gottes. 31 meine Frucht an, so muß deine Allmacht dieselbe erhalten, stärken, bewahren und ans Tageslicht bringen. Dieses ist nun mein größter Trost zeit meines Lebens, daß du bist ein all⸗ mächtiger Gott. Bin ich schwach, du bist stark; bin ich elend, du bist allmächtig; bin ich ohnmächtig, du vermagst alles. Diesen Trost nun soll mir niemand rauben: Gott kann und will mir helfen. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet. Ist Gott allmächtig, so kann mir kein Leid widerfahren, so werde ich herrlich errettet werden. Darum, o allmächtiger Gott, befehle ich mich dir ganz und gar, wache über mich, erhalte mich in meiner Schwangerschaft; deine Allmacht lasse mich glücklich meine Zeit erreichen; sie stärke mich, wenn meine Gebärstunde herannaht, und stehe mir bei, wenn sie nun da ist; sie sei im Anfang, Mittel und Ende meiner Arbeit bei mir, bis ich eine fröhliche Kindermutter werde; deine Allmacht entbinde mich fröhlich und lasse mich einen erwünschten Anblick erleben. Ich will mich demnach nicht fürchten, es stehe, wie es will, ich habe ja einen allmächtigen Gott. Ich will nicht verzagen, wenn die Not groß wird; ich will guten Mutes sein, wenn ich arbeiten soll, denn ich habe einen allmächtigen Gott. Ich will in meinen Nöten schreien und seufzen: O du allmächtiger Gott, hilf mir! Siehe, ich verlasse mich auf dich, ich hoffe auf dich, dein Kind wartet auf deine Hilfestunde. Eile auch, barm— herziger Vater, mit deiner Hilfe zu mir; laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zer— schlagen hast. Deine Allmacht erhalte meine Frucht, gebe mir Kraft und erfreue mich durch eine fröhliche Entbindung, so will ich, dieweil ich lebe, solche deine Allmacht preisen und rühmen, und sagen: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Ich rief zum Herrn in meiner Not: Ach Gott, erhör mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Hilf gedeihen; Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir. Ach, danket, danket Gott mit mir, Gebt unserm Gott die Ehre. Amen. Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hilfe. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wir haben einen Gott, Der hilft zu allen Zeiten, Wenn wir mit Ungemach Und Trübsal müssen streiten. Ist schon viel Kreuz und Leid Und viele Schmerzen da, So ist auch Gott nicht weit Und seine Hilf ist nah. 2. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Nöten, Die können nimmermehr, Weil Gott mir hilft, mich töten, Und wären sie so groß, Daß man's nicht glauben kann, Noch größer ist doch Gott, Der nimmt sich meiner an. 3. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Leiden, Und ist das Leiden hart, So soll's mich doch nicht scheiden Von meinem lieben Gott; Dem ist ja alles leicht, So leicht, daß auf ein Wort Das Leiden von mir weicht. 4. Wir haben einen Gott, Der hilft und hört den Armen, Der herzlich zu ihm schreit, Er wird sich sein erbarmen; Die Armen siehet Gott, Er hört und sieht und gibt Zur Zeit, wenn mir's ist nütz, Und wenn es ihm beliebt. 5. Wir haben einen Gott, Der hilft, sollt man auch sprechen: Hier ist die Hilfe aus; Alsdann will ich ausbrechen Und sagen: Hier ist Gott! Ist der kein Helfer mehr? Ach ja, er hilft gewiß Zu seines Namens Ehr. 6. Wir haben einen Gott, Der hilft, wer will verzagen? Weil er noch hilft, so kann Ich jetzt auch fröhlich sagen: Mein Gott und Helfer lebt, Auf den verlaß ich mich, Aus allem Kreuz und Leid Hilft er mir gnädiglich. 7. Wir haben einen Gott, Der hilft, dies soll verbleiben Mein Trost, dieweil ich leb, Ja, dieses will ich schreiben Tief in mein Herz hinein; Empfind ich dann die Not, So sprech ich auch getrost: Wir einen Gott. die Schwangere tröstet sich der göttlichen hilfe. Aufmunterung. Wenn hilfsbedürftige Personen große Gefahren, vielerlei Leiden, schwere Lasten und saure Arbeit vor sich haben, so sind sie doch guten Mutes, wenn sie jemand haben, der in den Gefahren ihnen beistehen, in dem Leiden durchhelfen, die Last erleichtern und in der Arbeit ihnen die Hand bieten will. Nun, dieses ist auch der Trost aller Schwangeren. Hören sie, 1) daß bei der Geburt Gefahr entstehen kann, so sagen sie: Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. sich⸗ tragen. 0 wis duuchh Mut en einen; lecht g niht noch su in das W in mir daß er Gott, d meines vor Fu bertreil abwisch Drum mit dti setzen leiben digen auf de deine Wird Hilfe scheine lucht, Willst mir, hilf m St Zeiten, ö 6. N Oo ist N, Die „ Und Noch „Und Von t, daß lrmen, rmen; Keit, mauch rechen lch ja, agen? sagen: Aus Heiben Tief sprech llfe elerlei en, so der in elfen, bieten geren. in, so nicht. Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hilfe. 2) Empfinden sie vielerlei Leiden, so sprechen sie zu Gott: Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott, verzeuch nicht! 3) Wird ihre Last ihnen täglich schwerer, so erinnern sie sich: Der Herr legt eine Last auf, aber er hilft sie auch tragen. 4) Fürchten sie sich vor ihrer bevorstehenden Arbeit, so wissen sie, der Herr werde ihre Arbeit beglücken und ihnen durchhelfen. Sollte nun solches den Schwangeren nicht guten Mut machen, sonderlich da sich Gott in der Heiligen Schrift einen Helfer nennt? Hilft Gott aber, so ist ihnen gewiß recht geholfen. Menschen wollen oft gerne helfen und können nicht, aber Gott kann und will helfen; deshalb, ob's schon noch so traurig und gefährlich aussehen sollte, so soll ihnen in das Herz geschrieben bleiben: Der Herr ist mein Helfer! Gebet. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Ja, mein Gott, das ist mein Trost in gegenwärtigem Zustande, daß du meines Angesichts Hilfe sein werdest. Ist mein Angesicht blaß vor Furcht, du kannst alle Furcht durch deine herrliche Hilfe vertreiben. Ist mein Angesicht naß von Tränen, du kannst sie abwischen, wenn du mit deiner gnädigen Hilfe erscheinest. Drum will ich mich auf dich verlassen und alle dem, was mir Furcht, Angst und Schrecken verursachen will, entgegen— setzen diesen Trost: Gott ist und wird mein Helfer sein und bleiben. Du aber, o allmächtiger Gott, eile mit deiner gnä— digen Hilfe herbei, wenn mir Hilfe not ist; Herr, ich warte auf dein Heil und auf deine Hilfe; ich verlasse mich auf deine Hilfe; wenn du mir nicht hilfst, so bin ich verloren. Wird mein Leiden groß, Herr, so weiche mit deiner gnädigen Hilfe nicht von mir. Erscheint meine Gebärstunde, so er— scheine auch mit deiner Hilfe. Du bist meine einzige Zu— flucht, mein Gott und Beistand, ich weiß ja keinen andern. Willst du mir nicht helfen, wer kann mich erretten? Hilf mir, Gott meines Heils, wenn ich bete, und erhöre mich; hilf mir, wenn die Not angeht, wenn es gefährlich aussieht; Starck, Gebetbuch.(Anhang.) 3 34 Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hilfe. hilf mir, wenn meine Stunde kommt; alsdann will ich in freudigem Vertrauen mit meinem Jesu seufzen: Vater, hilf mir aus dieser Stunde. Habe ich dich dann bei mir, so werde ich überwinden; so wird meine Traurigkeit in Freude ver— wandelt werden. O, wie herrlich hast du andern geholfen; ach, so hilf mir auch; du bist ja noch eben der starke, gnädige und allmächtige Gott, der du vormals gewesen. Herr, ich halte an mit Beten, wie das kananäische Weib, und sage: Herr, hilf mir! ja, ich gehe nicht von dir, ich lasse nicht ab, bis du mich mit deiner Hilfe erfreuet und mir geholfen hast. Komm, ach Vater der Gnade und Barmherzigkeit, und hilf deinem Kinde, welchem ohne dich nicht kann geholfen werden. Komm, o Jesu, du Heiland aller Menschen, und hilf mir; bleibe bei mir, bis ich glücklich entbunden bin. Komm und hilf mir, o werter heiliger Geist, und versiegle in mir den Trost, daß meine Hilfestunde bald anbrechen werde. Drei— einiger Gott, dir ergebe ich mich, zu dir fliehe ich, auf dich verlasse ich mich. Hilf mir, wann du willst, aber im Verzug der Hilfe stehe mir in Gnaden bei; hilf mir in der Not, da ich dir dann mit fröhlichem Munde danken will. Indessen: Frisch auf, mein Herz, verzage nicht, Gott will sich dein erbarmen; Rat, Hilfe will er teilen mit, Er ist ein Schutz der Armen. Ob's oft steht hart, Im Rosengart Kann man nicht allzeit sitzen; Wer Gott vertraut, Hat wohl gebaut, Den will er ewig schützen, Ja, ich will meine Zuversicht Auf dich beständig setzen, Du wirst, wenn mir's an Hilf ge— bricht, Mit Hilfe mich ergötzen. Indessen will ich stille sein, Bis sich die Hilfe stellet ein, Und deinen Namen preisen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott ist ja bei mir; Drum muß die Furcht verschwinden, Weil sich in Not und Tod Gott will bei mir einfinden Mit seiner Hilf und Treu, Mit Beistand, Trost ar⸗ Rat, Wie auch sein teures Wort Mir Hilf versprochen hat. Hegang fangen. nicht 0 schmetl Stellt Alerhö I. Gar ül Inglüc bei mir 5. hringen singen Der B 6. töten, Mein 6 licht, bersicht. 8. Das 6 Wun al Gott, d 8. scheiner Veinen Und sy würder licht, ich in r, hilf werde e ver⸗ holfen; nädige rr, ich sage: icht ab, n hast. md hilf werden. I5f mir; um und mir den Drei⸗ auf dich Verzug Not, da ndessen sich dein 1 Schutz un man gebaut, wersicht Hilf ge⸗ ich stille preisen. Furcht bei mit d, Trot Andacht bei herannahender Gebärstunde. 35⁵5 2. Mein Gott ist ja bei mir; Kommt schon ein Kreuz gegangen, So will ich es mit Gott Ohn alle Furcht emp⸗ fangen; Kommt Kreuz, so kommt auch Gott; Kommt es auch nicht allein, Und ist es mancherlei, So will Gott bei mir sein. 3. Mein Gott ist ja bei mir; Muß ich die Trübsal schmecken, So will er mich dadurch Zu seiner Lieb aufwecken; Stellt sich die Trübsal ein, Alsdann empfehl ich mich Des Allerhöchsten Schutz, Der hilft mir gnädiglich. 4. Mein Gott ist ja bei mir, Und sollten Unglücksfluten Gar über mich hingehen, So ist es mir zum Guten; Das Unglück weichet doch, Ich werde davon los, Weil mein Gott bei mir ist, Und wär es noch so groß. 5. Mein Gott ist ja bei mir, Will auch die Nacht ein— dringen, Bis sich die Hilf einstellt, So will ich hoffen, singen Und mich voll Zuversicht Empfehlen Gottes Treu, Der Treu, die Tag und Nacht, Ja alle Stund ist neu. 6. Mein Gott ist ja bei mir, Mich kann der Tod nicht töten, Des Höchsten Hilfe steht Bei mir in allen Nöten; Mein Gott weicht nicht von mir, Mein Gott verläßt mich nicht, Mein Gott, mein Trost und Hilf, Gott meine Zu- versicht. 8. Mein Gott ist ja bei mir, Ich scheue nicht das Grabe, Das Grab erschreckt mich nicht, Weil ich da Ruhe habe Von aller Angst und Qual, Er bringt mir süße Ruh, Denn Gott, der bei mir ist, Der deckt mich sanfte zu. 8. Mein Gott ist ja bei mir, Gott wird mir schon er— scheinen Zum Trost, zur Hilf, zum Heil Nach meinem bittern Weinen: Mein Herze, sei getrost, Stell dir die Hilfe für Und sprich mit frohem Mut: Mein Gott ist ja bei mir. Andachten für Gebärende. Andacht bei herannahender Gebärstunde. Aufmunterung. Wenn Paulus den christlichen Ehefrauen verspricht, sie würden selig werden durch Kinderzeugen, so ist die Meinung nicht, als ob sie mit Kindergebären könnten die Seligkeit erwerben; denn die Seligkeit hat allein Christus Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben; sondern es gibt ihnen den Trost, ob sie gleich wegen des Sündenfalls unter vielen 3* 36 Andacht bei herannahender Gebärstunde Schmerzen müssen Kinder gebären, daß sie dennoch einen gnädigen und versöhnten Gott hätten, und wenn sie auch über der Geburt sterben müßten, sie dennoch selig werden sollten. Nur 1) daß sie im Glauben bleiben: sie sollen ihr Vertrauen, wenn die Gebärstunde herankommt, nicht weg— werfen, nicht wider Gott murren, sondern im Glauben, Hoff— nung und Zuversicht bleiben, wenn es schon hart zuginge, und auch alsdann sich an die herrlichen Verheißungen und göttliche Allmacht erinnern. 2) Sollen sie bleiben in der Liebe Gottes, daß sie Gott herzlich lieben und auch alsdann im Glauben sprechen: Herzlich lieb hab ich dich, o Herr, ich bitt, wollst sein von mir nicht fern mit deiner Hilf und Gnaden. Sie sollen bleiben in der Liebe gegen den Nächsten, daß sie vorher sich mit Gott und dem Nächsten versöhnen, wie gottselige Ehefrauen in ihrer Schwangerschaft gern das heilige Abendmahl empfangen, um dadurch der Gnade Gottes versichert zu werden. Sie sollen auch bleiben in der Liebe gegen ihre Frucht, daß sie durch Nachlässigkeit ihr keinen Schaden mögen zufügen, durch Widerspenstigkeit dieselbe nicht ums Leben bringen, sondern dem guten Rat und Zuspruch der Personen, die um sie sind, willig folgen. Wenn aber lieblose Mütter gegen ihre armen Kinder sich bei der Geburt widerspenstig stellen und nicht tun wollen, was ihnen Gott auferlegt und was sie zu tun schuldig sind(wovon Kaiserinnen, Königinnen und Fürstinnen nicht frei sind und eben wie andere Weiber sich verhalten müssen): so werden sie Mörde— rinnen an ihren Kindern, welche sie vor Gott verklagen wer— den, daß sie ihnen durch Faulheit ihr Leben genommen und sie also vor der Geburt getötet haben. 3) Endlich sollen sie auch bleiben in der Heiligung samt der Zucht, daß sie ein heilig, züchtig und christliches Leben führen, für ihr Kind fleißig beten, sich vor Sünden hüten und in solcher Heili— gung die Gebärstunde erwarten. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, getreuer, lieber Vater, es kommt nun meine Gebärstunde immer näher herbei, darum nahe dich auch zu mir mit deiner Hilfe und Gnade; ich nahe mich zu dir mit meinem Gebet, herzlichem Vertrauen, beständiger Zu— versicht, lebendigem Glauben auf deinen gnädigen Beistand; ach, nahe dich zu mir mit deiner allerheiligsten Gegenwart, Güte und Barmherzigkeit. Komm zu mir und bleibe bei mir ii mir h ligsten 3u der Furct Steher du bei Stärke dern Ind fi leicht genese gehen anord! Vegin ich mi ich gu dadure Hlück! antwo mein! und g Kind Mutte Wie e Hand dußer müde Nun, Christ mich. unde lichen wahr nich, Heili einen e auch werden len iht weg⸗ Hof uginge, en und in der Usdann err, ich ilf und ächsten, söhnen, ern das Gottes Liebe keinen be nicht zuspruch un aber Geburt en Gott erinnen, ben wie Mörde⸗ gen wer⸗ nen und ollen sie sie ein hr Kind Heili⸗ kommt ahe dic mich zu iger du heistand; genwatt, bibe bi Andacht bei herannahender Gebärstunde. 37 mir in, während und nach der Geburt; wenn ich dich bei mir habe, so habe ich den allerstärksten Erretter, den mäch— tigsten Helfer und den treuesten Freund bei mir. Gib mir zu der Stunde Freudigkeit, daß ich unerschrocken sei und alle Furcht fahren lasse, daß ich getrost mich möge erzeigen im Stehen, Niedersitzen oder Liegen, und mich getrösten, weil du bei mir bist, so werde alles glücklich vonstatten gehen. Stärke auch meine Glieder, damit ich nicht matt werde, son— dern in deiner Kraft und Stärke meine Arbeit verrichten und fröhlich enden möge. Durch deine Kraft wird mir alles leicht werden; ist der Herr bei mir und mit mir, so bin ich genesen. Gib auch, lieber Gott, denen, die mit mir um— gehen müssen, Weisheit und Verstand, daß sie klüglich alles anordnen, mir nicht zu wenig und zu viel tun; segne ihr Beginnen und beglücke ihr Vornehmen, daß sie mit mir und ich mit ihnen dir dafür danken mögen. Verleihe mir, daß ich gutem Rat folge, alle Widerspenstigkeit vermeide und dadurch mir selbst nicht Schaden und meinem Kinde ein Un⸗ glück oder den Tod zuziehen und deswegen eine schwere Ver— antwortung auf mich laden möge. Höre, ach, gnädiger Gott, mein und aller Anwesenden Seufzen und Gebet; hilf mir bald und glücklich, wenn es dein heiliger Wille ist. Laß mich mein Kind fröhlich und lebendig erblicken und eine erfreute Kinder— mutter werden. Siehe, Herr, hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; verlaß mich nicht und tue nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil; bleibe bei mir in der äußersten Not und stärke alsdann meine Geduld, daß ich nicht müde werde; meine Hoffnung, daß ich sie nicht lasse sinken. Nun, ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Der himmlische Vater segne, behüte und erhalte mich. Jesus Christus sei bei mir, stärke und erquicke mich, und der heilige Geist vertrete mich bei Gott mit unaussprech⸗ lichem Seufzen, und gebe Zeugnis meinem Geist, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei. Die Liebe des Vaters decke mich, die Gnade des Sohnes erquicke mich, der Beistand des heiligen Geistes erfreue mich. 38 Andacht bei herannahender Gebärstunde. Treulich will ich Gott bitten, Zum Beistand nehmen ihn, Der für mein Heil gestritten, Zu Jesu will ich fliehn. Gott kann dem Weh gebieten, Und mir Geduld verleihn. Er wird mich wohl behüten Und mein Nothelfer sein. Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ach, hilf mir in dieser Stunde, Vater der Barmherzig-— keit! So schrei ich mit Herz und Munde Jetzt zu dieser Leidenszeit. Ach, ich wende mich zu dir, Großer Gott, ach, hilf du mir, Laß mich doch bald Hilfe finden Durch ein gnädiges Entbinden. 2. Es steht ja in deinen Händen, Sprich ein Wort, so ist's geschehn; Wirst du deine Hilfe senden, So wird's bald nach Wunsche gehn; Komm, mein Gott, und lös das Band, Reich mir deine Vaterhand, Herr, hilf mir in meinen Nöten, Sonsten werden sie mich töten. 3. Herr, du hast es ja verheißen, Daß du wollest bei mir sein Und aus aller Not mich reißen, Hilf mir, Herr, denn ich bin dein; Helfer, hilf doch gnädiglich, Großer Gott, er— barme dich, Höre, rette, komm und eile, Und doch länger nicht verweile. 4. Zwar will ich dir nicht vorschreiben Deiner Hilfe Stund und Zeit, Ich will doch geduldig bleiben In des Leidens Bitterkeit. Gib mir jetzt auch Kraft und Stärk Hier zu diesem schweren Werk; Ach, hilf selbst jetzt mir arbeiten Und weich nicht von meiner Seiten. 5. Herr, ich will dir fest vertrauen, Währet es auch noch so lang, Und auf deine Allmacht schauen, Wäre mir auch noch so bang; Sieh, ich sehne mich nach dir, Vater, Vater, hilf doch mir; Hilf, o Vater, deinem Kinde, Hilf, mein Vater, doch geschwinde. 6. Ach, mein Gott, erhör mein Bitten, Oeffne, was ver⸗ schlossen ist, Tritt du selbst jetzt in die Mitten, Weil du doch mein Helfer bist, Leg du selber Hand mit an, Die Hand, die mir helfen kann; Sieh, wie ich dich fest umfasse Und mich ganz auf dich verlasse. 7. In Gott hab ich Kraft und Stärke, In Gott hab ich guten Mut; Der ist selbst mit in dem Werke, Auf dem alle Hilfe ruht; Gottes Hilfe ist schon nah, Wenn er spricht, so stehet's da; Mein Mut ist mir unbenommen, Gottes Stunde wird bald kommen. 8. O wie will ich Gott dann preisen, Wenn ich nun ent⸗ —. Ind U it; al luch; sie al euxer meint müsse Gott: kuren Fräfte der ei Racht lonne uber Gott denn an el ihr se eure! Ruhy Libe eute Dodi nur und Mad Rof 5 Band, Nöten, llest bei rr, denn hoott, er⸗ länger er Hilfe In des xk Hier arbeiten uch noch nir auch „Vater, , mein vas ver⸗ du doch and, die nd mich hab ich em alle richt, so Stunde un ent⸗ Trost bei herannahender Geburt. 39 bunden bin, Wie will ich ihm Dank erweisen! Mein Gemüte, Geist und Sinn, Und auch mein erfreuter Mund Soll für diese Hilfestund Immer, weil ich werde leben, Gottes Gnad und Ruhm erheben. —.— Trost bei herannahender Geburt. Aufmunterung. Es pflegen sich gottselige Ehefrauen oftmals zu ängstigen und Unerfahrene zu erschrecken, wenn die Zeit der Geburt da ist; aber warum wollt ihr erschrecken? ihr habt ja Gott bei euch; der Gott, der euch hat die Schmerzen auferlegt, der will sie auch helfen tragen und überwinden. Erinnert euch zur Zeit eurer Geburt, 1) Gott ist ein guter und gnädiger Gott; er meint es nicht böse mit euch, denn denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen; weil er ein gnädiger Gott ist, so wird er euch Gnade erzeigen und euer Elend und euren Jammer ansehen. 2) Er ist getreu und weiß eure Kräfte und Vermögen besser, denn ihr selbst; Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. 3) Gott ist barmherzig, er wird sich auch über euch, wie ein Vater über seine Kinder, erbarmen. 4) Gott ist stark; was ihr nicht vermöget, das vermag Gott, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Sehet nicht an eure geringe Kraft und Stärke, sondern Gottes Macht; ihr sollt es auch nicht tun, sondern Gott will alles tun, und eure Hände, Arme und Glieder stärken; wie David Gott allen Ruhm beilegt und spricht: Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen, auf dich bin ich geworfen. 5) Erinnert euch, eure Schmerzen währen nicht lange, nicht Jahr und Tag, wie Davids Elend und wie jenes Kranken Schwachheit, sondern nur eine Stunde, und so sich's ja länger verziehen sollte, so sprecht im Vertrauen: Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. Seht, dies laßt euren Trost sein bei eurer Geburt. Seufzer vor der Geburt. Herr, allmächtiger Gott, da ich denn nun merke, daß meine Stunde bald anbrechen wird, daß ich mich zur Geburt anschicken soll, so komme ich zu dir und bitte dich, ach, weiche nicht von mir; ach, bleibe bei mir, gib mir Kraft zu gebären —— 40 Seufzer vor der Geburt. und entbinde mich gnädig; lindere die Geburtsschmerzen, die n du dem weiblichen Geschlecht aufgeleget hast; doch da du sie 294 der Eva und ihren Töchtern aufgeleget zur Zeit, da du sie d 0 wieder begnadigt und Jesum, den Weibessamen und Ver⸗ ol söhner der Menschen, verheißen hattest, so sehe ich die bevor— ö 2 stehenden Schmerzen an nicht als eine Strafe eines zornigen Richters, sondern vielmehr als eine Züchtigung eines lieb— lichte reichen und versöhnten Vaters, welche ein Andenken des Sün⸗ und g denfalls sein soll, aber auch eine Erinnerung, daß ich durch Arme Jesum Christum mit Gott versöhnt bin. Darum, o starker gefalt und allmächtiger Gott, hilf mir kräftig; meine Hilfe stehet als ei bei dir; nach dir, Herr, verlanget mich; mein Gott, ich hoffe wiede auf dich, laß mich nicht zuschanden werden; eile, mir beizu— mich! stehen, Herr, meine Hilfe! O Jesu, der du bist Mensch ge⸗ aufgel boren worden, um deiner heiligen Geburt und Menschwer— mein dung willen erbarme dich über mich; hilf mir aus dieser Kind, Stunde und erhalte mich. O werter heiliger Geist, bleibe in bereit meinem Herzen und schreie das Abba, lieber Vater! Gib wollte Zeugnis meinem Geist, daß ich mitten in den Wehen dennoch duldig ein Kind Gottes sei. O du heilige Dreieinigkeit, hilf mir Zuber und erbarme dich über mich. Amen.—— mir 8 Ein anderer Seufzer. mich O du liebreicher Gott, der du uns Menschen herzlich Heiß liebest, und besonders in unsern Leiden und Schwachheiten Zu tu uns beizustehen verheißen hast, du weißt ja den Stand, darin ich stehe; du siehest auch, wozu ich mich bereite und was ich jetzt vorhabe; o darum stehet alle meine Hoffnung zu dir. O du starker Gott, der du den verlassenen Hirschen im Walde hier b ohne menschliche Hilfe, wenn sie in Schnee und Frost ihre kein9 Jungen haben, beistehest, ach, laß dir auch meine Leibesfrucht Preis, anbefohlen sein und segne die Hände, die zu der Geburt sich welche darbieten; leiste du mir selbst die beste Hilfe und entbinde Macht mich gnädiglich. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin maächti bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich; ich beweis helfe dir auch; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner mir a Gerechtigkeit. Auf solche deine gnädige Verheißung verlasse ist es II ich mich und greife an das Werk mit Freuden, wozu mich auuchn WMWIT Gott beschieden hat in meinem Beruf und Stand. Ich will Ih er RI getrost sein und auf deine Hilfe harren. Ich will indessen übersa nach deiner Ordnung und nach deinem Willen gerne leiden, keine! was du mir auflegest; sei du mir nur nicht schrecklich, Herr, mächt meine Zuversicht in der Not. Sei und bleibe meines ver- Ieisc lich siten arin was dir. alde ihre ucht sich inde ö bin ich iner lass mich will essen den, ert, ver⸗ — Seufzer während der Geburt. 41 schlossenen Pfandes gnädiger Gott; erhalte, o Herr, was deine Hände bereitet haben. Oeffne in Gnaden zu rechter Zeit die Bande der Natur, und wenn alle Menschen verzagen wollen, so beweise du an mir deine Macht und wunderbare Güte. Sei mit deiner Kraft in meiner Schwachheit mächtig, stärke mich an meinem Geist und Leibe, lindere und er— leichtere mir meine Schmerzen und laß meine Frucht frisch und gesund die Welt erblicken; lege sie mir lebendig in meine Arme und Hände, so will ich mit ausgestreckten Armen und gefalteten Händen dir Lob singen, und was du mir gegeben, als ein Opfer und als dein Kind in der heiligen Taufe dir wieder geben. Sollte aber in deinem heiligen Rat über mich beschlossen sein, daß ich über dieser Arbeit meinen Geist aufgeben soll, so geschehe dein Wille; du bist mein Gott, mein Herr, mein Vater, ich deine Kreatur, deine Magd, dein Kind, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; ich aber bin bereit zum Leben und Tod, und wenn du gleich mich töten wolltest, will ich doch auf dich hoffen. Verleihe mir ein ge— duldiges und williges Herz, beständigen Glauben und feste Zuversicht. Ich lieg im Streit und widerstreb, Hilf, o Herr Christ, mir Schwachen, An deiner Gnad allein ich kleb, Du kannst mich stärker machen; Kommt nun Anfechtung, Herr, so wehr, Heiß deine Hand mich fassen. Der Gottesfürchtigen Begehr Zu tun wirst du nicht lassen. Amen. Seufzer während der Geburt. Herr, Herr, groß von Rat und mächtig von Tat, siehe, hier bin ich und seufze allein nach deiner Hilfe. Hier kann kein Mensch helfen, nur du allein. Ich erkenne zu deinem Preis, daß die Geburt eines Menschen ein Wunderwerk ist, welches du allein befördern mußt, und steht in keines Menschen Macht, ein Kind zur Welt zu bringen. Deshalb flehe ich dich, mächtiger Nothelfer, demütig an, du wollest deine Allmacht beweisen. Du weißt ja meine Schmerzen, weil du selbst sie mir aufgelegt hast; ich sitze oder stehe, ich gehe oder liege, so ist es dir bekannt, und du, o Herr, bist um mich. Du siehest auch meine Tränen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ich erinnere mich jetzt deiner unendlichen Allmacht, du kannst überschwenglich tun über alles, was wir bitten und verstehen: keine Not ist so groß, du kannst daraus erretten. Siehe, deine mächtigen Hände haben mein Kind bereitet, sie haben es mit Fleisch und Blut angezogen, Leben und Wohltat hast du ihm —42 Seufzer während der Geburt. schon lange erwiesen und durch dein Aufsehen seinen Odem bewahret. Darum bringe es auch ans Licht dieser Welt nach deiner Barmherzigkeit. Herr, Herr, der du so viel Tausenden geholfen hast an allen Orten der Welt, du wirst nach deiner Güte auch mir helfen; ich verlasse mich auf deine Gnade und Treue, die laß mich alle Wege behüten. Wenn es sich sollte lassen gefährlich ansehen, so sprich meiner Seele den Trost zu: Ich bin bei dir in der Not, ich will dich herausreißen, ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Laß mich dabei das Meine treulich tun, damit ich auch ein gutes Gewissen be⸗ halte, du aber stärke mich Schwache. Betrübtes Herz, sei wohlgemut, Tu nicht so gar ver⸗ zagen, Es wird noch alles werden gut, Und all dein Schmerz und Klagen Wird sich in lauter Fröhlichkeit Verwandeln in gar kurzer Zeit, Das wirst du wohl erfahren. Amen. Ein anderer Seufzer. Ach, gnädiger und barmherziger Gott, du hast gesagt: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. Auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir, Abba, mein Vater, ich schreie zu dir in meiner Not, ach, höre doch meine Stimme und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin, ach, laß mich doch nicht über mein Vermögen Schmerzen empfinden. Herr, wenn ich Not leide, so lindre mir's. Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein; durch deine heilige Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber Herr Gott, stehe mir bei, hilf mir und erfreue mich. Heiliger Geist, du Tröster in aller Not, sprich meiner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Kindermutter werden möge. Bringe mein ängst— liches Gebet hinauf in den Thron Gottes, und wenn ich vor Angst nicht beten kann, o Jesu, so bitte für mich; o werter heiliger Geist, so vertritt du mich bei Gott mit un⸗ aussprechlichen Seufzern. O dreieiniger Gott, reiche mir und meinem Kinde deine starke, hilfreiche Hand. Laß uns nicht verderben, noch Schaden leiden. Beweise an uns deine Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine Macht; nicht nur in der Sterblichkeit soll dein Ruhm sein ausgebreit't, ich will's auch hernach erweisen und dort ewiglich dich preisen. Laß die Frucht meines Leibes, als dein Geschöpf, in dieser Not nicht verderben, sondern erhalte sie gnädiglich durch deine Kraft; hilf, daß ich an ihr nichts versäume, sondern sie durch deine Gnade fröhlich erblicken möge. Herr Gott, Vater im Himn Heila erbar du zu zu dit deiner ich es stärke bleibe Arme Gedul und e und! und h der di Christ sei mi Sünde Himmel, erbarme dich über mich; Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich; Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich. Amen. Noch ein anderer Seufzer. Gnädiger und starker Gott, es ist die Stunde da, welche du zu meiner Entbindung bestimmt hast, darum wende ich mich zu dir und schreie: Vater, hilf mir aus dieser Stunde! In deinem Namen fange ich das Werk an, in deinem Namen will ich es vollenden. Herr, mein Schöpfer, stehe mir bei und stärke mich; Jesu, du Sohn Gottes, der du bist Mensch geboren, bleibe bei mir und erquicke mich; ach, umfasse mich mit deinen Armen und halte mich. O werter heiliger Geist, gib mir Geduld und Freudigkeit zu dem Werk, erbarme dich meiner und erfreue mich. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, eile, mir beizustehen. Stehe auf, Herr, und hilf mir, sonst verderbe ich. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich über mich; Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, sei mir gnädig, Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, verleihe mir Frieden! Amen. —— Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen; er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien, und hilft ihnen. Psalm 145, 18. 19. Ich wende mich von allen Dingen Und kehre mich zu Jesu Christ: Ich weiß, es wird mir bald gelingen, Weil Jesus nahe bei mir ist; Mein Hoffen ist auf ihn gericht't, Ich halte ihn und laß ihn nicht. Ich will, wie Jakob, mit ihm ringen; Ich bete, weil er helfen kann; Ich will ihm meine Lieder bringen, Ich greife es mit Jesu an; Ich rufe: Herr, ich laß dich nicht, Bis mir dein Mund den Segen spricht. Ach, mein Jesu, sei jetzt nahe bei mir und bleibe bei mir, bis du mir geholfen; ach, tue doch, was ich begehre; ich begehre aber nichts, als was du mir in deinem Wort verheißen hast, nämlich deine Hilfe. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Ps. 42, 12. Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. 43 44 Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. Was kränkst du dich, o arme Seel? Sei still und tu nicht wanken; Gott, meine Burg, zum Trost ich wähl, Und werde ihm noch danken. Geduld im Leid nur kurze Zeit! Auf Regen scheint die Sonne, Auf Angst folgt Freud und Wonne. Ach, mein Jesu, ich warte auf dein Heil, ich harre auf deine Hilfe; ach, laß sie mir bald erscheinen; du allein bist meine Hoffnung; ach, erhöre mich, ach, erfreue mich, ach, ent— binde mich, so will ich dir danken ewiglich. Der Herr hat dich lassen im Geschrei sein, daß du seiest wie ein verlassen und von Gott betrübt Weib. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barm— herzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Jes. 34, 6. 7. 8. Ach, Jesus, hilf mir doch, Auf dich steht mein Vertrauen, Ach, laß mich deine Hilf Mit Freuden bald anschauen; Du bist's, der helfen kann, Ja, du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald Zu meiner Hilfe ein. Ach, mein Gott, erbarme dich mein, verlaß mich nicht, du bist mein Gott. O barmherziger Gott, meine Augen schauen auf gen Himmel und sehnen sich nach deiner Hilfe. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir, deine Gnade stärke mich, deine Hand erhalte mich. Ach Herr, wie lang, ach lange ist dem Herzen bange, und verlangt nae nach dir. Siehe, des Herrn Hand ist ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne. Jes. 39, I. Gottes Häͤnde sind ohn Ende, Sein e hat kein Ziel; Ist's beschwerlich, scheint's gefährlich, D Deinem Gott ist nichts zuviel. Ich weiß, mein Gott, daß dir nichts unmöglich ist, darum vertraue ich auf dich. Herr, strecke deine Hände zu mir aus, wie zu dem sinkenden Petrus; deine Hand kann helfen aus allem, in allem, und von allem. Ach Herr, schaue auf mich, ich sehne mich nach deiner Gnade. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen; er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen; ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil. Psalm 91,14—16. He stecken; erwecke! nimmt Ac so eile in der ich bege Vort!: Herr, d Es meine ⸗ Frieder Fes. 54 V der Fri Trübsa fest'ge! nicht v in dem den du Bundes denk at Kindes N W sich der W verlasse Erdenk dein X Ae und kei dir. über m damit deiner He werden aus; n d tu Und Auf onne. e auf bis „ ent⸗ seiest dich zarm⸗ ht im L mit Herr, auen, t, du hauen erbirg deine t dem ttigen Psalm Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. 45 Herr Jesu Christ, groß ist die Not, Darin ich jetzt tu stecken; Ach, hilf, mein allerliebster Gott, Hilf mir, laß dich erwecken; Kein Mensch ist, der mir helfen kann, Kein Kreatur nimmt sich mein an; Ohn dich bin ich verlassen. Ach, mein Jesu, weil mir niemand helfen kann, als du, so eile mit deiner gnädigen Hilfe herbei. Siehe, ich bin jetzt in der Not, ach, reiße mich nach deiner Verheißung heraus; ich begehre dein, hilf mir aus. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche auch ich, Herr, dein Antlitz. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Jes. 34, 10. Was ich nicht kann, das gib du mir, Du höchstes Gut der Frommen! Gib, daß mir nicht des Glaubens Zier Durch Trübsal werd entnommen; Erhalte mich, o starker Hort, Be— fest'ge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren. O Jesu, nimm deine Gnade und deinen heiligen Geist nicht von mir; ach, weiche nicht von mir, stärke mich zu und in dem Werke, das mir jetzt obliegt. Gedenke an den Bund, den du in der heiligen Taufe mit mir gemacht. Kraft dieses Bundes bist du mein Vater und ich dein Kind; ach, mein Vater, denk an dein Kind, hilf deinem Kinde, erbarme dich deines Kindes. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Ps. 103, 13. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väterliches Herz; Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Erden weiß ich keinen Trost, Als nur dich und dein Wort. Ach, mein gnädiger Gott und Vater, ich weiß keinen Trost und keine Hilfe zu suchen und zu finden, als nur allein bei dir. Darum schreie ich zu dir: Ach, hilf mir, erbarme dich über mich, mein Vater! Ach, laß dein Vaterherz erweichen, damit ich bald möge erfreut werden; ach, du kannst es ja, um deiner Barmherzigkeit willen tue es doch. Herr, ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zuschanden werden Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir aus; neige deine Ohren zu mir und hilf mir. Sei mir ein 46 Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. Pfalm 71, K. 2. 3. Herr Jesu Christ, ich schrei zu dir Aus hochbetrübter Seele, Dein Allmacht laß erscheinen mir, Daß mich's nicht länger quäle; Viel größer ist die Not und Schmerz, So an— ficht und betrübt mein Herz, Als daß ich's kann erzählen. Ach Herr, mein Jammer und Elend ist dir gar wohl bekannt. Herr, Herr, je mehr die Not groß wird, desto eif— riger will ich um Hilfe schreien; ich will es in meinen Nöten machen, wie mein Jesus, welcher, da er mit dem Tode rang, da betete er heftiger. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgen— wache bis zur andern. Ps. 130, 6. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. Mein Gott, das ist auch und soll mein fester Entschluß bleiben; ich will nicht an deiner Hilfe zweifeln, wenn es auch noch so lange währt; will der Herr sich vor mir verbergen, so wird er sich doch bald aufmachen und mir gnädig sein. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen; Herr, ich leide Not, lindre mir's. O wie will ich noch reden, daß er mir zugesagt hat und tut's auch. Jes. 28, 14. 15. Aus der Tiefe rufe ich; Will sonst niemand hören mich, Ach, so hör, o Jesu mein, Du wirst ja der Helfer sein. (Die Antwort des Herrn Jesu.) Jawohl, ich erhöre dich; Drückt der Schmerz dich jäm— merlich, Macht die Not dem Herzen bang, Meine Hilf verzeucht nicht lang. Ach Jesu, alle meine Hoffnung steht zu dir, als zu meinem starken und mächtigen Helfer; ach, tue, wie du mir zugesagt hast. Mit dir habe ich das Werk angefangen; ach, gib du deinen Segen dazu. Hilf mir und meinem Kind; laß uns einander fröhlich erblicken und vor dir leben. Herr, erbarme dich über uns! Meine Augen sehen stets zu dem Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend. Die Angst —. SRSRSRRRT.‚‚‚‚‚.‚......‚..—— meines Siehe meine Freude Schmet die Lo gebens des Le vorübe zu mi erhalte Ach, t verlaß Hilfe e verlore boren; Herr, und V binde komm, it nir und 9 ach, i D Unver Kraft, unden werden ergen, sein. 8————ͤ———.— .— meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergib mir alle meine Sünde. Ps. 25, 16—18. Laß mich wiederum empfinden, Mein Gott, deinen Freudenschein, Hilf mich dieser Last entbinden, Lindere die Schmerzenspein; Wirst du mich nicht bald erquicken, Wird die Last mich unterdrücken. Ist mein Seufzen denn ver- gebens? Wird mein Beten nicht erhört? Soll ich denn, o Hort des Lebens, Bleiben immerfort beschwert? Laß den Schmerz vorübergehen Und mich deine Hilfe sehen. Herr Jesu, ich blicke im Glauben nach dir; ach, komm zu mir, siehe, wie mir so wehe ist; stärke meinen Glauben, erhalte meine Zuversicht, daß ich ja von dir nicht wanke. Ach, tritt du selbst mir zur Seite. Herr, höre mein Gebet, verlaß mich nicht. Ach, ist's bald Zeit, daß ich durch deine Hilfe erfreut werde? Ja, ich komme bald. Amen. Ja, komm, Herr Jesu! Offenb. Joh. 22, 20. Herr, wenn du mir nicht helfen wirst, So ist's mit mir verloren, Du bist allein der Lebensfürst, Der uns zugut ge⸗ boren; Komm, Jesu, komm, ach, komm zu mir! Denn siehe, Herr, die Not ist hier, Du wirst mich nicht verlassen. Ach, mein Jesu, das ist auch meines Herzens Wunsch und Verlangen, daß du bald kommest. Ach, komm und ent⸗ binde mich, komm, und erfreue mich, komm und errette mich, komm, laß mich erblicken, was ich zu sehen begehre. Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meine Tränen. Ps. 39, 8. 13. Ich weiß, du hast meiner noch nie vergessen, Daß ich mir sollt vor Leid mein Herz so pressen; In meiner Not Denk ich an Gott, Er wird das Kreuz nach meinen Kräften messen. Heerr Jesu, eile zu mir; hilf mir, Gott, mein Helfer, so ist mir geholfen. Ich weiß sonst keinen Rat in dieser Angst und Not; darum fliehe ich zu dir, ach, komm, ach komm, ach, hilf mir. Der Herr gibt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln, wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Jos. 40, 29. 31. Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. 47 48 Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn, Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnadenthron, Wer nur auf dich tut bauen, Dem stehst du bei in aller Not, Hilfst ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich verlasse. Ach Herr, mein Gott, gib mir auch neue Kraft, verleihe mir Mut, Kraft und Stärke deines heiligen Geistes; ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen, aber in meines Gottes Stärke vermag ich alles. Herr, stärke mich auch dieses Mal; mein Gott, hilf fröhlich überwinden. Der Name des Herrn sei gelobet! Wo der Herr mir nicht hülfe, so läge meine Seele schier in der Stille. Ich hatte viel Bekümmernisse in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergötzten meine Seele. Pf. 94, 17. 19. Meine Hilfe kommt vom Herrn, Also will ich mich ge— trösten; Wenn die Hilfe scheinet fern Und die Not am aller⸗ größten; Wenn kein Mensch mir helfen kann, So schau ich den Himmel an. Herr, allmächtiger Gott, von dem allein alle Hilfe kommt, so auf Erden geschiehet, du hast ja gesagt: Rufe mich an in der Not; auf deinen Befehl rufe ich und sage: Herr, hilf mir! Herr, erbarme dich! Nimm weg die Bekümmernis und Sorge meiner Seele; schenke mir, was ich hoffe; gib mir, was ich bitte. Herr, es steht in Hien Händen. Wir rühmen uns der Trübsa ale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringet; Geduld aber bringet Erfahrung; Erfahrung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden. Röm. 5, 3—5. Wer hofft in Gott und dem vertraut, Wird nimmermehr zuschanden, Und wer auf diesen Felsen baut, Obschon ihm kommt zuhanden Viel Unfall hie, Hab ich doch nie Den Menschen sehen fallen, Der sich verläßt Auf Jesum fest, Er hilft den Seinen allen. Ach Herr, hilf mir auch nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit; ich warte auf deine Hilfe, ich hoffe auf eine fröhliche Entbindung, die stehet bei dir; siehe an mich be— trübtes Weib und erfreue mich wieder. Laß deine Stunde an— brechen, damit ich mit fröhlichem Munde dir danken möge. Gott, höre mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Merke auf mich und erhöre mich, wie ich so kläglich —H—9—................. zage! 8 wird große shon mächt Gott Antli höret ist di erzei und finde wiel mein He mich. und nach ich h sie d nicht nicht Herz Schn seher cchen Gott mir geho tröst mein uf dich hm im erleihe ich bin Gottes Mal; Herrn schier neinem tommt, in der fmir! Sorge das ich n, daß hrung; t nicht ermehr n ihm Den est, Er te und uf eine ich be⸗ ide an⸗ möge. neinem lläglic —— SSSSISSse Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. 49 zage und heule. Furcht und Zittern ist mich angekommen, und Grauen hat mich überfallen. Ps. 55, 2. 3. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt, Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken, Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. Ach Herr, Herr, du kannst helfen, denn du bist ein all⸗ mächtiger Gott; du willst helfen, du bist ja mein liebreicher Gott und Vater; ach, darum so erhöre mich, laß leuchten dein Antlitz, so genese ich. Gott spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit er— höret und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. 2 Kor. 6, 2. Wenn Trost und Hilf ermangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt, so hilft der Ueberfluß, Der Schöpfer selbst und neiget Die Vateraugen denen zu, Die sonsten nirgend finden Ruh. Gebt unserm Gott die Ehre! Ach Herr, ist deine Stunde noch nicht gekommen? Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? Doch ich weiß, mein Gott vergißt meiner nicht, seine Liebe ist zu groß, sein Herz zu brünstig; ach, um aller deiner Güte willen errette mich. Ach, wie lang, ach wie lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Herr, laß mein Flehen vor dich kommen; errette mich nach deinem Wort. Herr, mich verlangt nach deinem Heil, ich habe Lust an deinem Gesetze. Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe und deine Rechte mir helfe. Ps. 119, 174. 175. Ob sich's anließ, als wollt er nicht, So laß dich gar nicht schrecken, Denn wo er ist am besten mit, Da will er's nicht entdecken; Sein Wort laß dir gewisser sein, Und ob dein Herz spräch lauter Nein, So laß dir doch nicht grauen. Herr, mein Gott, ich will jetzt durch all mein Elend und Schmerzen hindurch und allein auf dich sehen; ich will nicht sehen neben und um mich, denn da finde ich schwache Men— schen, sondern über mich, gen Himmel, auf dich, o allmächtiger Gott! Ach, laß deine Gnade mir beistehen und deinen Arm mir aushelfen; hilf du mir, Gott meines Heils, so ist mir geholfen. Ich will ihr Trauern in Freude verkehren, und sie trösten, und sie erfreuen nach ihrer Betrübnis. Jer. 31, 13. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Starck, Gebetbuch.(Anhang) 4 50 W Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. Und tun an seinem Teile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Und solltst du für und für In Angst und Nöten schweben, Als frag er nichts nach dir. Wirdis aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am mindsten gläubst; Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. Ach, mein Gott, entbinde mich auch von meiner Last, verziehe doch nicht länger mit deiner Hilfe, verkehre mein Trauern in Freude und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Bekümmernis; bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; meine Zuversicht ist auf Gott. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps. 121, 1. 2. Denn Gott verläßt der keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir nur nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Herr, dreieiniger Gott, ich habe alle meine Hoffnung auf dich gestellt, nach dir sehne ich mich. Herr Gott Vater, er⸗ barme dich mein und meines Kindes. Herr Jesu, stärke mich und stehe mir bei. O heiliger Geist, erquicke mich mit dem Trost, daß ich bald erfreuet, entbunden, erquicket, bald Hilfe erlangen werde. Dreieiniger Gott, erbarme dich mein! Die Weissagung(die Verheißung der göttlichen Hilfe) wird ja noch erfüllet werden zu seiner Zeit, und wird end— lich frei an den Tag kommen und nicht außen bleiben. Ob sie aber verziehe, so harre ihrer, sie wird kommen und nicht verziehen. Habak. 2, 3. Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich auf rechter Straßen, Da ich sonst irrte sehr; Er reicht mir seine Hand; Den Abend als den Morgen Tut er mich wohl versorgen, Sei, wo ich woll im Land. Ach ja, mein Gott, ich lasse dich nicht, du segnest mich und helfest mir denn. Laß doch auf den Verzug deiner Hilfe deine fröhliche Hilfestunde anbrechen. Indessen will ich an⸗ halten mit Seufzen und Beten, und sagen: Herr Jesu, hilf siegen! Herr Jesu, hilf ringen! Meine Entbindung, mein Leben und meine Hilfe steht in deinen Händen. lang sorgt tägli I Pein mich mir Hilf age dein so f und gnä so k bist Zuv steh All Der und Hil und teh frer sin tret Be bes me sud du ich l. n Er st und aber 2 dich dein leinem Last, mein lichen Heil, elchen „ der läßt, Läßt Mit auf r, er⸗ mich dem Hilfe 7 41 I . * Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. 51 Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen, wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Schaue doch und erhöre mich, Herr, mein Gott. Ps. 13, 2. 4. Ach, wann wirst du dich erbarmen Ueber meine schwere Pein? Wann wirst du mir gnädig sein? Ach, wann wirst du mich umarmen? Ach, mein Gott, wie lang, ach lang Soll mir sein so angst und bang? Ach, mein gnädiger und barmherziger Gott, da deine Hilfe verzieht, so ist mir angst, aber ich will doch nicht ver— zagen. Du bist mein Vater und ich dein Kind. Ach, verbirg dein Angesicht nicht länger vor mir, sprich nur ein Wort, so werde ich genesen; denn wenn du sprichst, so geschieht's, und wenn du gebeutst, so steht's da. Herr, erhöre mich gnädiglich. Herr, du bist die Hoffnung Israels. Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen: denn du bist mein Ruhm. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Not. Jer. 17, 13. 14. 17. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn, Bei dir mein Herz, Trost, Hilf und Rat Allzeit gewiß gefunden hat. Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. O, mein Jesu, alle meine Hoffnung steht jetzt zu dir und zu deiner Allmacht; hilf mir, daß ich mich über deine Hilfe erfreuen kann. O, wie will ich deinen Namen rühmen und lobsingen, wenn du mich erlöset hast. Meine Zuversicht steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist; mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, daß er so wohl an mir tut. Ps. 13, 6. Bin ich zu schwach, laß deine Treu Mir an die Seite treten; Hilf, daß ich unverdrossen sei Zum Rufen, Seufzen, Beten. So lang mein Herze hofft und traut Und im Gebet beständig glaubt, So lang ist's unbezwungen. O du getreuer Heiland und liebreicher Menschenfreund, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Ich weiß, du kannst helfen und hilfst auch gern, darum hoffe ich auf dich, ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach Gott, laß es 4* 52 Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. jetzt Zeit sein. Herr, hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Indessen steht meine Hoffnung auf dich feste. Mein Vermögen ist dahin, und meine Hoffnung am Herrn. Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermut und Galle getränket bin. Du wirst ja daran ge— denken, denn meine Seele sagt mir's. Das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. Klagl. Jer. 3, 18—21. Wollte mich der Herr auch töten, Lässet ihn mein Herz doch nicht; Er hilft mir aus allen Nöten, Er bewahrt mein Lebenslicht; Ob er schon sich anders stellt Und bei sich ver⸗ borgen hält, Der mir Leib und Seel geschenket, Der ist's, der jetzt an mich denket. Ach ja, mein Gott denkt an mich, darum spreche ich: Der Herr denkt an mich und segnet mich, er läßt sein Angesicht leuchten. Ist gleich mein Vermögen nicht groß, ist bei mir keine Kraft, zu gebären, so hab ich doch bei und in Gott Kraft und Stärke; ich werde meine Lust an seiner Hilfe sehen. Du lässest mich erfahren viel und große Angst, und machst mich wieder lebendig, und holest mich wieder aus der Tiefe der Erde herauf. Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder. Psalm 71, 20. 21. Greif mich auch nicht so heftig an, Damit ich nicht ver— gehe; Du weißt wohl, was ich tragen kann, Wie's um mein Leben stehe; Ich bin ja weder Stahl noch Stein, Wie balde geht ein Wind herein, So fall ich hin und sterbe. Ach Gott, willst du mich große Angst und Schmerzen erfahren lassen, ach, so greife mich nur nicht zu heftig an; du weißt mein Vermögen, meine Kraft ist dir nicht verborgen. O darum erquicke mich; wenn ich sinke, so hebe mich; wenn ich ohnmächtig werde, so labe mich; wenn ich müde werde, so stärke mich. Herr, Gott meines Lebens, erhalte mir und meinem Kinde das Leben; dafür soll dein Name ewiglich ge— rühmt und gepriesen werden. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine Stärke, mein Psalm und mein Heil. Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich beweiset; solches sei kund in allen Landen. Jes. 12, 2. 5. Und weil ich ja nach deinem Rat Hier soll ein wenig leiden, So laß mich ja in deiner Gnad Als wie ein Schäf— lein weiden, Daß ich im Glauben die Geduld, Und durch Geduld die edle Huld Nach schwerer Not erhalte. endli weil habe Daru Hoffe mich hie k gung ö Daß Wie traur Daß du di und mein liebt, Tette quick schein so ist mich das versi Die Kindbetterin dankt Gott für ihre Entbindung. 53 Ach ja, mein Gott, das ist mein Trost, daß mein Leiden endlich ein gutes und fröhliches Ende nehmen wird, darum, weil du meine Stärke, mein Nothelfer und Erretter bist; habe ich Gott bei mir, so habe ich eine gewisse Errettung. Darum will ich stille sein und hoffen; durch Stillesein und Hoffen werde ich stark sein. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Sei nicht ferne on mir; denn Angst ist nahe; denn es ist hie kein Helfer. Meine Kräfte sind vertrocknet, und meine Zunge klebet an meinem Gaumen. Ps. 22, 12. 16. Seele. Hast du denn, Jesus, dein Angesicht gänzlich verborgen, Daß ich die Stunden der Nächte muß warten bis Morgen? Wie hast du doch, Süßester, können annoch Bringen die traurigen Sorgen? Jesus. Mußt du denn, Liebste, dich also von Herzen betrüben, Daß ich ein wenig zu lange bin außen geblieben? Weißt du denn nicht, Wie sich mein Herze verpflicht't, Dich stets und ewig zu lieben? Ja, deine Liebe und Treue, mein Jesu, ist der Grund meiner Hoffnung und Zuversicht, du hast mich je und je ge— liebt, und kraft deiner Liebe mir oft geholfen und mich er— rettet, darum hoffe ich, du werdest auch diesmal mich er— guicken. Obgleich meine Not groß ist, meine Hilfe noch ferne scheint und vor Mattigkeit meine Zunge am Gaumen klebt, so ist doch in dem allen mein Herz auf dich gerichtet, du wirst mich noch fröhlich von allem Leiden erretten. Das glaub ich, das weiß ich; ach, Herr, stärke meinen Glauben und Zu- versicht. eeo— Andachten für Uindbetterinnen. Die Uindbetterin dankt Gott für ihre glückliche Entbindung. Aufmunterung. Ein Weib, wenn sie das Kind geboren hat, denket sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist; also lehrt der Mund der Wahrheit, 54 Die Kindbetterin dankt Gott Christus, Joh. 16, 21. Dieses lässet auch Gott gottselige Ehefrauen empfinden, daß sie nach der glücklichen Entbindung alles Trauern fahren lassen und nun Gott hochpreisen. Sie sollen Gott preisen 1) für seine Allmacht, die sie erhalten, und für den Beistand, den er ihnen geleistet hat, indem sie gestehen müssen, daß ohne Gottes besondere Hilfe all ihr Bemühen wäre vergeblich gewesen; 2) sie sollen Gottes Gnade rühmen, daß er ihre Geburtsschmerzen abgekürzt und ge— lindert hat; 3) sie sollen Gott danken, daß sie ihr Kind mit Freuden erblickt haben(oder so es ja tot wäre, daß es Gott zur ewigen Freude und Herrlichkeit aufgenommen und nach seiner Barmherzigkeit für das irdische Leben das himm-— lische Freudenleben gegeben habe); 4) sie sollen die ihnen von Gott geschenkte Ruhe durch Vorwitz oder Geiz oder un— nötiges Umhergehen und Bemühen nicht brechen, sondern derselben genießen und annehmen. Denn wenn manche Kind⸗ betterinnen in den ihnen von Gott bestimmten Ruhetagen sich oftmals wollen groß machen mit Aus- und Eingehen, fallen aber in gefährliche Krankheiten, bekommen beschwer— liche Leibesschäden, unglückliche Zufälle, so mögen sie es sich selbst und ihrem Vorwitz zuschreiben und den Schaden tragen, daß sie haben weiser sein wollen, als Gott, der ihnen eine Ruhe geordnet und für nötig erachtet hat, sie aber dieselbe für unnötig gehalten und verachtet haben. Daher auch die Ehemänner ihre Eheweiber in solcher Ruhe nicht stören, son⸗ dern nach Gottes Ordnung ihnen gönnen sollen, was Gott den Wöchnerinnen befohlen 3. Mos. 12, sie zu keiner Arbeit anstrengen, oder vor der Zeit ihr Wochenbette zu verlassen nötigen sollen; 5) sie sollen Gott täglich anrufen, er wolle sie und ihr Kind vor allem Uebel und Unfall bewahren, und also sich und dasselbe in fleißigem Gebet Gott täglich vor— tragen. Endlich 6) sollen sie auch Gott um Gesundheit und neue Kräfte bitten, daß er nach Erlangung derselben sie einen fröhlichen Aus- und Kirchgang wolle halten lassen. Gebet. Allmächtiger, großer und starker Gott, ich erscheine all— hier mit Freuden vor deinem allerheiligsten Angesicht und lobe dich für die herrliche und große Wohltat, damit du mich begnadigt hast. Ich preise dich, daß du meine Geburts⸗ schmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden, und in der Ge— burt deine Hand über mich gehalten hast. Herr, wie groß ist de mich, shwe wenn ausgé halter erfreu ist, se und hat( sei de der 5 mein ich denn die ih ewigl riefen die x Wun und erzäl ich b hat? an n diese Kind Zufä und Gna über über in 0 woll und kräft ndung Sie alten, em sie ll ihr W id ge⸗ Kind daß es n und ihnen er un⸗ ondern Kind⸗ etagen igehen, schwer⸗ es sich tragen, n eine dieselbe uch die „son⸗ 5 Gott Arbeit rlassen wolle u, und ih vor⸗ lit und einen ne all⸗ ht und nich kburts⸗ er Ge⸗ roß für ihre glückliche Entbindung. 5⁵ ist deine Allmacht, wie herrlich ist deine Stärke! Du hieltest mich, da ich sinken wollte; du erquicktest mich, wenn ich schwach und ohnmächtig werden wollte; du stärktest mich, wenn alle Kräfte dahin waren. Ja, du hast alles herrlich ausgeführt, mein Kind mir geschenkt, mein Leben mir er— halten; alles Unglück abgewendet und mich nun nach Wunsch erfreuet. Lobe den Herren, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Der Herr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. Gelobet sei der Herr, denn er hat erhöret die Stimme meines Flehens; der Herr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hoffet mein Herz, und mir ist geholfen; mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit einem Liede. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich; saget, die ihr erlöset seid durch den Herrn, denn seine Güte währet ewiglich; die er aus Not erlöset hat, und sie zum Herrn riefen in ihrer Not, und sie errettet aus ihren Aengsten, die sollen dem Herrn danken um seine Güte und um seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut, und Dank opfern und erzählen sein Werk mit Freuden. Ja, mein Gott, ich erzähle heute dein Werk mit Freuden und sage: Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohltat, die er an mir getan hat? Ach, mein Gott, laß aber auch deine Barmherzigkeit Nan mir groß werden; beschütze, stärke und erhalte mich auch in diesem meinem Wochenbette. Ach, bewahre mich und mein Kind vor allem Unfall, vor Krankheiten und gefährlichen Zufällen. Schenke mir meine verlorenen Kräfte bald wieder und laß mich jeden Tag stärker werden. O du Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit, breite deine Gnadenflügel aus über mein Haus, bewahre es vor Feuer- und Wassersnot; über mein Wochenbett, und laß mich darin gesund meine Zeit in Gebet und in deiner Furcht hinbringen; mein Kind aber wollest du zu deinem Preis und zu deinem Ruhm erhalten und mir Gnade verleihen, daß ich einst mit erneuerten Leibes— kräften und guter Gesundheit meinen Kirchgang halten, in 56 Die Kindbetterin dankt Gott für ihre Entbindung. deinem Tempel erscheinen und vor deinem Angesicht mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. Nun danket alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge tut An uns und allen Enden; Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zugut Und noch jetzund getan. Amen. Gesang. Mel.: Nun sreut euch, liebe Christeng'mein. 1. Gelobet sei der große Gott, Der nun die Hilf gesendet, Der meine große Angst und Not Hat gnädig abgewendet, Der mein betrübt Geschrei erhört Und meine Bitte mir gewährt. Lobt seine Gnad und Güte! 2. Er ist in dieser Leidenszeit Mein Beistand recht ge— wesen, Durch seine große Gütigkeit Bin ich nunmehr genesen; Ach, sehet Gottes Wunder an, Wie er so herrlich helfen kann. Lobt seine Gnad und Güte! 3. Wie war mir doch so angst und bang, Doch ward ich nicht verlassen; Es deuchte mir die Zeit zu lang, Als wir in Nöten saßen; Nun ist verkehrt die Not in Freud, Die Trau— rigkeit in Süßigkeit. Lobt seine Gnad und Güte! 4. Ja, seine starke Gotteshand Hab ich jetzt recht ge— spüret; Als Menschenhilfe gar verschwand, Hat Gott das Werk geführet. Es fand sich Gottes Hilfe ein Und tränkte mich mit Freudenwein. Lobt seine Gnad und Güte! 5. Darum will ich zu keiner Zeit, QO großer Gott, ver— gessen, Daß ich in meiner Angst und Leid In deinem Schoß gesessen; Ich saß in deinem Schoße wohl Und war auf dich Vertrauens voll. Lobt seine Gnad und Güte! 6. Gott sei gelobet und gepreist, Die Not ist nun ver⸗ schwunden; Der alle Bande leicht zerreißt, Der hat mich auch entbunden. O großer Gott, ich danke dir; Ja, danket alle Gott mit mir Lobt seine Gnad und Güte! 7. Ja, ich will nun mit Lob und Preis Die Zeit mit Gott hinbringen, Hinfüro auch mit allem Fleiß Die große Gnad besingen. Ich will ihn loben wo ich geh, Ich will ihn loben, wo ich steh. Lobt seine Gnad und Güte! 8. O großer Gott, ich danke dir Für dein getreues Lieben, Daß du so gnädiglich bei mir In meiner Not geblieben, Und nunmehr mich davon befreit, Dir sei Lob, Preis in Ewigkeit. Lobt seine Gnad und Gütel 0 * jeden Gebet diesem kann. empfo liche am undeu ist, 2 daß e auch stimm Besch einzu ben,d das i Geist Mun den mein mich lich! groß Gnal gewe Unbe tan, mein Gute Nach geha gesendet, det, Der gewährt. recht ge⸗ genesen; helfen ward ich wir in e Trau⸗ echt ge⸗ ott das tränkte tt, ver⸗ u Schoß auf dich un ver⸗ at mich „danket mit Gott je Gnad n loben, getreues der Not sei Lob, Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgengebet. 57 Die Uindbetterin verrichtet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Ist beten und Gott anrufen die tägliche Arbeit eines jeden frommen Christen, wie vielmehr soll eine Wöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und schließen; besonders, da in diesem Stande ihr und ihrem Kinde so vielerlei begegnen kann. Wenn sie aber sich und ihr Kind in die Hand Gottes empfohlen hat, so kann sie auch desto getroster auf die gött— liche Hilfe sich verlassen. Es soll demnach eine Wöchnerin am Morgen 1) Gott danken für die verliehene Nachtruhe, und wenn dieselbe ohne zurückgebliebene Schmerzen vollbracht ist, 2) sich und ihr Kind Gott übergeben und anbefehlen, daß er sie behüten, segnen und bewahren wolle. 3) Sie soll auch mit guten Gedanken den Tag hinbringen und die be⸗ stimmte Ruhe mit Danksagung genießen. 4) Und so ja noch Beschwerlichkeiten übrig wären, welche sich nach der Geburt einzufinden pflegen, dieselben mit Geduld ertragen und glau— ben, daß der Gott, der so herrlich sie aus Nöten gerissen, werde das übrige Wehe auch in Gnaden abwenden. Gebet. O du gnadenreicher Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich erhebe in dieser Morgenstunde zu dir mein Herz, Mund und Hände, und danke dir für den gnädigen Schutz, den du mir diese Nacht geleistet hast. Dein Engel hat um mein Bett gewacht, daß mich kein Unfall gerühret, du hast mich und mein Kind bewahrt und mich diesen Morgen fröh— lich wieder die liebe Sonne erblicken lassen. Herr, Herr, wie groß ist deine Güte, welche alle Morgen neu ist! Deine Gnade hat mich die Nacht umgeben, dein Schutz ist um mich gewesen, und deine Barmherzigkeit hat mich bedecket, daß ich unbeschädigt bin erhalten worden. Nun, das hat Gott ge— tan, das ist ein Werk seiner Liebe und Treue. Darum auf, mein Geist und Seele, und lobe den Herrn, der dir so viel Gutes getan hat. Herr, Herr, du bist immer und auch diese Nacht mein Beistand gewesen, du hast deine Hand über mich gehalten, ich habe erfahren, wie gnädig, wie stark, wie all— mächtig, wie liebreich und gütig du seist. Herr, Herr, ich 58 Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgengebet. will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes getan hast. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein; meine Seele soll sich rühmen des Herrn, daß die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn und lasset uns miteinander seinen Namen er⸗ höhen. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und er⸗ rettete mich aus aller meiner Furcht; da ich Elende rief, hörete der Herr und half mir aus allen meinen Nöten. Darum soll auch mein Mund voll Rühmens sein und mein Herz soll ihm danken; ja, ich will mit gefalteten Händen seine Gnade preisen. Aber ach, Herr, Herr, laß mich auch diesen Tag deinem gnädigen Vaterschutz anbefohlen sein. Ich empfehle dir meinen Leib und Seele; ach, bewahre meine Seele und Gemüte vor schweren Gedanken, Angst und Be— trübnis, laß hingegen deinen heiligen Geist in meinem Her⸗ zen wohnen, dasselbe heiligen, mit himmlischem Trost und Freude erfüllen, damit ich diesen Tag in deiner Furcht, innerlichem Seelenvergnügen, in der Liebe Jesu und kindlicher Zufriedenheit möge hinbringen. Schenke aber auch meinem Leibe wieder die verlorenen Kräfte, vermehre sie alle Tage und bringe mich bald wieder zur völligen Gesundheit. Wende von mir ab alle Schmerzen, widrigen Zufälle, Krankheiten und Unglück, und lindere das Leiden, das du mir nach deiner Weisheit noch auflegen wirst. Erhalte auch mein Kind nach deiner Gnade und laß es wachsen und gedeihen zu deinem Preis. Nun, dreieiniger Gott, ich empfehle mich dir ganz und gar. Herr Gott, Vater im Himmel, erbarme dich über mich, sei mir und meinem Kinde gnädig, vergib mir meine Sünden, segne mich und bewahre mich vor allem Uebel. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich, sei mein Fürbitter, mein Fürsprecher, mein Jesus und Selig— macher, und laß deine Gnade wie ein kühler Tau diesen Tag mich erquicken; stehe mir bei, stärke mich und erhalte mich. Herr Gott, heiliger Geist, erbarme dich über mich, bete in mir und gib Zeugnis meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Nun, der Herr segne mich und behüte mich; —86Cô.G6v. an hast. erdar in Herrn, mit mir men er⸗ und er⸗ de rief, Nöten. nd mein Händen ich auch ein. Ich e meine und Be⸗ em Her⸗ ost und Furcht, indlicher meinem le Tage Wende iten und deiner nd nach deinem ir ganz ich über r meine el. Herr lich, sei ö Selig⸗ sen Tag e mich. bete in stig ein ie mich; Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgengebet. 59 der Herr erleuchte sein Angesicht über mich und sei mir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, der bewahre mein Herz, Seele und Sinn in Christo Jesu, unserem Herrn. Amen. Gesang. Mel.: Wach auf, mein Herz, und singe. 1. Die Nacht ist nun verschwunden, Es hat sich einge— funden Das Licht, der Tag, die Sonne, Und Jesus, meine Wonne. 2. Mein Jesus war mir nahe, Als ich die Sonn nicht sahe, Er ist mir noch zugegen Und gibt mir seinen Segen. 3. Ich bin beschützt geblieben, Das Unglück ist vertrieben, Ich habe wohl geschlafen Bei seiner Engel Waffen. 4. Kein Leid hat mich verletzet, Sein Trost hat mich er— götzet, Mich hat nicht Angst und Schrecken Vom Schlafe dürfen wecken. 5. Ich danke dir von Herzen, Daß du Gefahr und Schmerzen So gnädig abgewendet Und deine Hilf gesendet. 6. Ich lag in deinen Armen, Ich schlief und dein Er— barmen Läßt mich jetzt wieder sehen Der Sonne Licht auf— gehen. 7. O Jesu, meine Freude, O meiner Seelen Weide, Laß mich in allen Dingen Mit dir den Tag hinbringen. 8. Wenn ich will vor dich treten, Ach, so erhör mein Beten, Regiere meine Sinnen, Beglücke mein Beginnen. 9. Ach, stärke meine Glieder, Gib mir die Kräfte wieder, Laß mich erfreut ausgehen Und deinen Altar sehen. 10. Bewahre mich vor Sünden Und laß mich Gnad emp⸗— finden, Wenn ich das Leid dir klage, Das ich noch an mir trage. 11. An jeder Tagesstunde Will ich mit Herz und Munde Und dankbarem Gemüte Stets preisen deine Güte. 12. Ist nun der Tag verflossen, Darin ich hab genossen Den Schutz, der mich umgeben Und mir erhält mein Leben; 13. So will ich dir lobsingen Und mein Lobopfer bringen, Und deinen großen Namen Von Herzen preisen. Amen. —0D— 0 ů ö ö ö 6⁰ Die Kindbetterin verrichtet ihr Abendgebet. Die Uindbetterin verrichtet ihr Abendgebet. Aufmunterung. Nachdem dort die zwei Jünger Jesum den Tag über bei sich gehabt hatten, so wollten sie ihn auch am Abend nicht von sich lassen, sondern sprachen: Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget, Luk. 24, 29. Also soll auch eine Kindbetterin mit Gebet den Tag anfangen und beschließen, und besonders die Gnadengegenwart Gottes sich zum Schutz in der bevorstehenden Nacht erbitten. 1) Soll sie Gott danken, daß Gott den Tag über sie vor Schmerzen und Zufällen und ihr Kind vor Unruhe bewahrt. 2) Sollte aber Gott nach seinem Rat noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll sie Gott preisen, daß sie unter seinem Beistand dasselbe hat ausstehen können, und er sie den Abend hat er⸗ leben lassen. 3) Hierauf soll sie sich und ihr Kind dem Schutz des dreieinigen Gottes in der bevorstehenden Nacht empfehlen. Gewiß sind alle Unglücksfälle uns Menschen gefährlich und betrübt und verursachen Schrecken; wie viel mehr einer Kind⸗ betterin, welche unvermögend ist, einer Gefahr zu entlaufen, und zu schwach ist, vielerlei Leiden auszustehen. 4) Sie soll sodann nach dem Gebet, ohne sich selbst Sorge, Angst, Furcht und Schrecken und eine schlimme Nacht zu machen, in den Armen und Schoß ihres lieben Gottes einschlafen und auch bei dem Aufwachen an Gott gedenken, sich in ihm erfreuen und sich ihm ergeben. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, wie soll ich dir genugsam danken für deine Liebe und Treue, die du mir diesen Tag erwiesen hast? Ich habe auch diesen Tag unter deinem Schutz glück— lich hingebracht, den Abend fröhlich erlebt, die Schmerzen und Beschwerlichkeiten meines Standes hast du mir helfen tragen und überwinden; du hast mich beschützt und bewahrt, und bist mein und meines Kindes gnädiger Vater, Schutzgott und Beistand gewesen; Herr, da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden umgürtet, auf daß dir lobsinge meine Ehre und nicht stille werde; Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den ber bei cht von enn es 24,20. fangen Gottes Soll merzen Sollte zeschickt eistand hat er⸗ Schutz fehlen. ch und Kind⸗ laufen, die soll Furcht in den uch bei en und danken rwiesen glück⸗ merzen helfen wahrt, ubgott nachtest delt in d mich e Ehre danken eit den Die Kindbetterin verrichtet ihr Abendgebet. 61 Tag über mich mit deinen Gnadenflügeln bedecket, ach, so breite auch deine Güte in dieser Nacht über mich aus, behüte mich, mein Haus und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahr und Schaden. Verzeihe mir auch in Gnaden alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich getan habe. Ich will mich nun, o Gott aller Gnade und Barmherzigkeit, in deine Arme legen und sprechen: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du allein, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne. Befiehl dem Engel, daß er komm, und mich bewach, dein Eigentum; gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh, so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein. Ja, o großer Gott, in deinem Namen will ich jetzt einschlafen und meine Augen schließen; ach, wache du selbst um mein Bett und treibe alles zurück, was meine Ruhe stören kann. Ob aber mein Leib schläft, so soll doch mein Geist immerdar zu dir wachen und bei dir sein und in dir sein Vergnügen haben. Herr Gott Vater, laß mir dein Vaterherz diese Nacht offen stehen, damit ich im Schlafe an deiner Allmacht, Güte, Liebe, Weisheit und Barmherzigkeit mich erfreuen möge. Herr Jesu, du Licht meiner Seele, umleuchte mich auch diese Nacht mit deinem himmlischen Gnadenlicht, daß ich deiner Wunden und deines Blutes mich getrösten, dein lieblich Jesusbild in meinem Herzen bewahren und damit einschlafen möge. O werter heiliger Geist, erwecke in mir auch heilige Begierde und Verlangen; singe und bete in meinem Herzen und ver-— siegele in mir den Trost, daß ich ein Kind Gottes sei. O du dreieiniger Gott, laß mich also in deiner Liebe einschlafen, in deiner Gnade sanft ruhen, auf daß ich, wenn ich erwache, noch bei dir bin. Laß mich den Morgen wieder fröhlich und gesund erblicken, da ich alsdann dir danken und dich für alle deine mir an Leib und Seele erwiesenen Wohltaten loben und preisen will. Die Gnade des Vaters schütze mich, die Liebe Jesu decke mich und der Beistand des werten heiligen Geistes stärke und erhalte mich. Der Tag ist hin, mein Jesu, bei mir bleibe, O Seelen— 62 Fürbitte für die Kinder. licht, der Sünden Nacht vertreibe; Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Erleuchte mich, ach Herr, denn es ist Zeit. Du schlummerst nicht, wenn meine Glieder schlafen, Ach, laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen; O Lebenssonn, erquicke meinen Sinn, Ich laß dich nicht, da nun der Tag ist hin. Amen. — 0D— Die Uindbetterin trägt Gott im Gebet ihr Kind vor. Aufmunterung. Wenn Gott den Eltern Kinder gegeben, so geht nicht allein die Sorge für sie an, sondern es findet sich auch bei ihnen eine Liebe zu der Kinder zeitlichem und ewigem Heil und ein Verlangen nach ihrer Wohlfahrt; dieses alles aber muß mit Gebet von Gott erlangt werden, weil es mit gehöret unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts. Es soll demnach 1) eine fromme Mutter ihr neugeborenes Kind Gott demütig vortragen, daß er es wolle zur heiligen Taufe gelangen lassen und in der⸗ selben es in seine Arme als sein Kind und zu seiner Pflege, Fürsorge, Liebe und Gnade aufnehmen. 2) Läßt es Gott an Jahren zunehmen, so muß es in das Abend- und Morgen— gebet, ja auch in die täglichen Seufzer eingeschlossen werden, daß Gott es wolle mit seinem heiligen Geist regieren, ihm ein frommes Herz verleihen, gute Gesundheit, Wachstum und Gedeihen geben, seine geraden Glieder erhalten und es vor Unglück und Schaden bewahren. 3) Das Gebet und die Sorgen frommer Eltern nehmen mit den Jahren zu, daß ihre Kinder müssen in der christlichen Lehre unterrichtet, gegrün— det und zu der Erkenntnis Jesu Christi gebracht werden, welchen Schatz ihren Kindern mitzuteilen, sie weder Kosten und Mühe noch Fleiß sparen sollen. J) Gehen sie in die Fremde oder kommen unter die Weltkinder in den späteren Jahren, so nehmen die Sorgen der Eltern zu, aber es muß auch desto eifriger gebetet werden; da machen es fromme Eltern wie Hiob, welcher alle Abend ein Opfer für seine Kinder brachte, um Gott anzurufen, er wolle seinen Kindern gnädig sein, und ihnen ihre Sünden vergeben. Es rufen fromme Eltern Gott an, er wolle ihre Kinder vor Verführung bewahren, sie in keine schweren Sünden und Schanden fallen lassen, sie durch seinen guten Geist auf ebener Bahn leiten und es lassen ihnen zeitlich und ewig wohlergehen. 5) Sie haben auch das Vertrauen zu Gott, wenn sie an guter Zucht, ——7 U.—.— mein lische sorge es m wide heili damt ich d wied trete Fürbitte für die Kinder. 63 Ha hei Vermahnung in dem Herrn, vernünftiger Erziehung nichts 9,laß haben mangeln lassen, daß er ihr Gebet auch erhören werde, Ssonn ö und so die Kinder eine Zeitlang irre gehen sollten, daß er Tag sie nach seiner Weisheit wieder herumzuholen wissen werde. 6) Wobei sie dann das Kinderkreuz, das ihnen Gott nach seinem wunderbaren Rat auflegt, mit Geduld und Vertrauen auf Gott ertragen sollen, bis er auch dasselbe lindern, oder bor. nach seiner Barmherzigkeit wieder wegnehmen wird. niht Gebet, wenn das Äind zur heiligen Taufe gelangt. 190 ö ö O du gnädiger und liebreicher Gott, der du der rechte aber 4 Vater bist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und ehöret ö auf Erden, siehe, ich komme zu dir in wahrer Demut meines „ von Herzens und trage dir mein neugeborenes Kind vor. Ach, mme +* barmherziger Gott, nimm doch den von dir mir geschenkten „ daß Segen durch die heilige Taufe zu deinem Kinde an; ach, laß un es dein Kind sein, beschirme und erhalte es. Du hast, o Jesu, att an gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen orgen⸗ nicht; siehe, ich bringe dir auch an diesem Tage mein Kind; erden, gib ihm deinen heiligen Geist, der es durch Wasser und Geist mein wiedergebäre, heilige, regiere und sein Herz mit Glauben und und himmlischem Licht erfülle; laß es wachsen zu deiner Ehre und 90 verleihe mir Gnade, daß ich es in deiner Furcht und dir zum b ihre Preis erziehen könne. Ach, mein Gott, hiemit gebe ich dir grün⸗ mein Kind wieder zu deinem Eigentum; ich lege es, o himm-— erden, lischer Vater, in die Arme deiner Barmherzigkeit; ach, ver— Kosten sorge und beschütze es. Ich übergebe es dir, o Jesu, wasche es mit deinem heiligen Blute, verbirg es in deinen Wunden 00 wider alle Gewalt des Satans. Ich befehle es dir, o Gott omme heiliger Geist, zu deiner Pflege, ach, heilige es durch und durch, ene damit sein Geist, samt Seele und Leib, möge unsträflich be— indern halten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Laß diesen Trufen Tag sein meines Kindes Bundes⸗, Segens- und Wiederge— min burtstag, und gib, daß es dessen allezeit eingedenk bleibe und 1 ich daran es oft erinnern möge. Laß es diesen Bund niemals E wieder brechen und aus dem Stand der Wiedergeburt niemals Zucht. treten, sondern im Glauben und in der Heiligung beharren 6⁴ Fürbitte für die Kinder. bis an sein Ende, da du es wirst als dein Kind und Erbe zur ewigen Freude aufnehmen. Du Volk, das du getaufet bist, Und deinen Gott er⸗ kennest, Auch nach dem Namen Jesu Christ Dich und die Deinen nennest, Nimm's wohl in acht und denke dran, Wie viel dir Gutes sei getan Am Tage deiner Taufe. Amen. Gebet frommer Eltern für ihre Uinder. Herr, allmächtiger Gott, Vater aller Gnade und Barm⸗— herzigkeit, siehe, du hast unter anderen Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, dafür ich dich herzlich lobe und preise. Wenn ich aber, mein Gott, meine Kinder ansehe als teure Pfänder, die du mir anvertrauet, die Jesus mit seinem heiligen Blute erlöset und die du in der heiligen Taufe zu deinen Kindern angenommen hast, ach, so bin ich bekümmert, daß ich doch ja keines derselben durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in acht; wo man sein missen wird, soll deine Seele anstatt seiner Seele sein. Darum, o Vater, aller Gnade, komme ich zu dir und trage dir meine Kinder vor; ich will tun, was ich kann, aber tue du das Beste; ach, segne meine Kinder, be— gleite sie, wenn sie aus und ein gehen; erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie nimmermehr mögen mit schweren Sünden dich beleidigen und betrüben, oder sich Schaden und Schande verursachen. Schreibe meinen Kindern Jesum ins Herz, laß Jesum in ihren Herzen wohnen, ihr Herz heiligen, damit sie nimmermehr einen gnädigen Gott und ein gutes Gewissen verlieren mögen. Behüte sie vor Verführung und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, daß sie gedenken, du seiest bei ihnen zu Hause, in der Fremde, des Tages und bei Nacht, in der Gesellschaft und Einsamkeit. Dein Engel begleite sie, wenn sie ein und aus gehen; dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind; gib ihnen allezeit deinen Engel zum Gefährten, wie dem jungen Tobias; führe sie durch deine Engel aus der Gefahr, wie den Lot; laß sie der Engel Schutz genießen, wie de zuzusc Unglü daß ic hat d 31 nel zu dir gemun doch i du, w wende Segen Nahri ihnen, Ratge Unglü guten und d demüt laß n erhöre meine meine mich RNecht ich, n ich he daß! mit n möger au, getan ihnen stehen darm⸗ r auch Wenn änder, Blute indern och jn Du acht; seiner ich zu as ich er, be⸗ deiner hweren n und m ins iligen, gutes g und riligen enken, à und Engel wahre n der hrten, l aus ießen, ——— Fürbitte für die Kinder. 65⁵ wie den Jakob. Sollte dir aber gefallen, mir ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch den Tod oder Krankheit oder Unglück meiner Kinder, so gib mir Geduld in solchem Leiden, daß ich bedenke, ohne dich kann nichts geschehen; die Kinder hast du mir gegeben, du hast auch Macht, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du mich auch durch meiner Kinder Tod zu dir ziehen, daß ich dadurch dich allein zu lieben soll auf— gemuntert werden, so erhalte mich auf diesem Dornenwege doch im Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du, wie alles, also auch meiner Kinder Kreuz enden und wenden werdest. Gib auch im Leiblichen meinen Kindern den Segen mit, versorge sie, ernähre sie, pflege sie; gib ihnen Nahrung und Kleidung und tue wie ein treuer Vater an ihnen, sei ihr Helfer in Gefahren, ihr Beistand im Leiden, ihr Ratgeber, wenn sie Rats bedürftig sind, ihr Erhalter im Unglück, ihr Arzt in Krankheit. Gib ihnen eine fromme Seele, guten Verstand und gesunden Leib, und laß sie vor dir leben und dich ehren und preisen. Gib ihnen ein gehorsames und demütiges Herz, laß sie aufwachsen durch deinen Segen und laß mich an ihnen Trost und Freude erleben. Ach Gott, erhöre mein Gebet und gedenke, es sind ja sowohl deine als meine Kinder, darum wollest du auch mein Seufzen für meine Kinder vor dem Thron deiner Gnade erhören. Laß mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen und zu deinem Preis sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott, und die Kinder, die du mir gegeben hast, ich habe deren keines verloren. Ja, mein Gott, verleihe, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie mit mir und ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach Gott, segne meine Kinder, Nimm dich treulich ihrer an, Tu an ihnen auch nicht minder, Als du hast an mir getan; Segne ihren Schritt und Tritt, Teil den Segen ihnen mit, Laß es ihnen wohl ergehen, Sie in deiner Gnade stehen. Amen. —eee— * Starck, Gebetbuch.(Anhang.) 66 Vorbereitung zum Aus- und Kirchgang. Die Wöchnerin bereitet sich zu ihrem Aus⸗ und Kirchgang. Aufmunterung. Wenn Gott eine Sechswöchnerin gnädig ihre sechs Wochen erhalten, ihre Kraft ihr wieder gegeben, sie gestärket, sie und ihr Kind vor Unglück bewahret hat, daß sie nun ihren Kirch⸗ gang halten kann, so soll ihr Mund voll Rühmens sein und den allerhöchsten Gott dankbar preisen und loben. Sie soll 1) erwägen, wie schwach und kraftlos sie sich in ihr Bett ge⸗ legt, aber wie Gott ihre Kräfte erneuert, daß sie nun gesund und frisch wieder ausgehen kann. 2) Soll sie bedenken, wie andere Wöchnerinnen schwere Krankheiten ausgestanden, nach ihren sechs Wochen ein schweres Lager und Unglück gehabt, ja gar gestorben sind; wenn aber Gott sie davor bewahret, so soll man des Lobens und Dankens nicht vergessen. 3) Wenn sie überdies auch ihr Kind frisch und gesund siehet, so hat sie Ursache, diese hohe Wohltat Gottes demütig zu er- kennen. 4) Ihr Kirchgang soll demnach geschehen mit An-— dacht, mit einem dankbaren Herzen und lobendem Munde; sie soll sich erfreuen, wenn sie in die Vorhöfe des Herrn tritt und zu dem Altar sich nahet. 5) Soll sie ihr Gebet, Fürbitte und Danksagung verrichten, Gott loben, sich und ihr Kind Gott befehlen, den Segen empfangen und hernach der empfangenen Güte Gottes allezeit eingedenk verbleiben. Gebet. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohltaten, die er an mir getan hat? Ja, der Herr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. O du gnädiger und starker Gott, ich will nun meinen Aus- und Kirchgang halten, dir in deinem Tempel zu danken für deine gnädige Hilfe und Beistand, die du mir hast erwiesen. Herr Gott, du hast mich glücklich entbunden, mein Leben erhalten, mein Kind mich fröhlich erblicken lassen. Du hast, o du gnadenreicher Gott, diese sechs Wochen mich erhalten, vor Unglück bewahret; du hast mir die verlorenen Kräfte wieder gegeben, daß ich nun in gutem Wohlsein kann zu deinem Tempel mich nahen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. In der Angst rief ich den Herrn an und der Herr erhörete und tröstete mich. —...—. Der r ich dat daß 0 deine für a nimm mich! gehen lichen gern, leibet dienste gesegn mein diesen und n Ich b und 2 mich. schon sein aber und preise und! Gotte möge der u bis i geher bist. und rzül diese von Nunde; Herrn Gebet, ich und hernach bleiben. „die er getan, ich will Tempel du mir bunden, lassen. n mich lorenen in kann denn er V Angst te mich preisen. Vorbereitung zum Aus⸗- und Kirchgang. 67 Der Herr ist meine Macht, mein Psalm und mein Heil. Herr, ich danke dir, daß du mein Leben bei der Entbindung erhalten, daß du mir meine Kräfte wieder gegeben, daß ich nun durch deine Kraft meinen Ausgang halten und dir in deinem Tempel für alle empfangenen Wohltaten danken kann. Ach Herr, nimm an das schwache Lobopfer meiner Lippen. Ich freue mich dessen, das mir geredet ist, daß ich soll in den Tempel gehen und meine Füße stehen sollen in den Toren des geist— lichen Jerusalems. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich mit meinem Kinde in dem Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottes⸗— dienste des Herrn. Ach, mein Gott, laß diesen Ausgang gesegnet sein, gib mir mit jedem Tage mehr Kräfte; laß mein Kind wachsen zu deinem Preis. Ich bringe dir an diesem Tage ein Paar Turteltauben, mein dankbares Herz und meinen lobenden Mund; ach, verschmähe das Opfer nicht. Ich bringe dir das vollkommene Versöhnopfer: Jesu Blut und Tod in wahrem Glauben, damit reinige mich und wasche mich. Ich opfere dir auch nochmals mein Kind auf, wie ich es schon in der heiligen Taufe getan; ach, sei hinfort sein Vater, sein Pfleger, Schutzherr, Erhalter und gnädiger Gott. Laß aber deine Gnadenflügel ferner ausgebreitet sein über mich und mein Kind, laß uns vor dir leben und deinen Namen Gib, daß ich dieser Wohltat allzeit eingedenk sein und bleiben möge, damit ich im Glauben, Frömmigkeit und Gottesfurcht beharren und darin auch meine Kinder erziehen möge. Gib mir und meinen Kindern deinen heiligen Geist, der uns erleuchte, heilige, regiere und führe auf ebener Bahn, bis ich und meine Kinder werden zu deiner Herrlichkeit ein⸗ gehen, in das neue Jerusalem, wo du selbst Sonne und Licht bist. Ich will, so lang ich lebe hier, Den Herren preisen für und für; Viel Gutes hat er mir getan, Viel mehr als ich erzählen kann. Er hat geholfen überall, Und sonderlich zu diesem Mal Hat er allein durch seine Hand Das Unglück von mir abgewandt. Amen. 5* 68 Die gottselige Mutter dankt Gott, Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Gott hat mein Gebet erhöret; Also sprech ich hoch er⸗ freut, Weil er das, was ich begehret, Gnädiglich verliehen heut; Nun erkennet mein Gemüte Gottes große Gnad und Güte, Der betrübt, und doch zuletzt Uns in Freud und Wonne setzt. 2. Gott hat mein Gebet erhöret; Meine Traurigkeit und Klag Hat nunmehro aufgehöret, Nachdem dieser frohe Tag Alles Ungemach vernichtet, Mir ein Lachen zugerichtet, Der nach der betrübten Nacht Alles hat voll Freud gemacht. 3. Gott hat mein Gebet erhöret; Denn als ich in Nöten schrie, Hat er sich zu mir gekehret Und gesprochen: Ich bin hie! Ich bin hier, ich will dich retten Und an deine Seite treten; Ich war, da du riefest mir, Gar nicht ferne mehr von dir. 4. Gott hat mein Gebet erhöret; Preiset mit mir alle Gott, Der da gnädiglich gewähret Alles das, was mir ist not; Der da liebreich den ansiehet, Der im Glauben zu ihm fliehet, Und zu mir in Trübsal spricht: Sei getrost, ich laß dich nicht. 5. Gott hat mein Gebet erhöret; Traue ihm nur, wer du bist, Ich, ich bin es nun gelehret, Daß er unser Helfer ist; Gott kann schützen und auch decken, Und zu unsrer Hilf aus— strecken Seine starke Helfershand, Die mein Leiden hat gewandt. 6. Gott hat mein Gebet erhöret; Also sprech ich, wo ich geh. Meine Freud wird stets vermehret, Wenn ich seine Hilf anseh. Darum lern auch Gott vertrauen Und auf seine Hilfe bauen, So wirst du auch, gleich wie ich, Hilf erlangen gnädiglich. —905— Die gottselige Mutter dankt Gott, wenn ihr Aind entwöhnt wird. Aufmunterung. Hat eine gottselige Mutter täglich für ihr Kind zu beten, so erneuert sich das Gebet, wenn nun das Kind soll entwöhnt werden. Denn ist das nicht eine große Gnade, daß Gott die Milch dem zarten Kinde hat gedeihen lassen, daß es gewachsen, stark geworden und an Kräften zugenommen, daß es ohne Milch kann mit Speise erhalten werden? Darum soll 1) eine gottselige Mutter Gott danken, daß er durch die Milch ihr och er⸗ rliehen ad und d und eit und he Tag t, Der acht. Noten Ich bin e Seite emehr nir alle ist not; fliehet, h nicht. wer du lfer ist; ilf aus⸗ den hat wo ich th seine uuf seine rlangen ht wenn ihr Kind entwöhnt wird. 69 Kind zu solcher Stärke hat gelangen lassen, daß es nun durch andere Speise sein Leben erhalten kann. 2) Sie soll Gott danken, besonders wenn sie ihr Kind selbst gestillt, daß er ihr gesunde Milch gegeben, zu derselben seinen Segen verliehen, ja dadurch ihr Kind hat gedeihen lassen. 3) Sie soll Gott anrufen, er wolle auch dem Kinde nun die Speise segnen, es aufwachsen lassen zu seiner Ehre, wie es an Jahren zu⸗ nimmt, auch sein Herz mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllen. 4) Und weil auch die Kinder um diese Zeit sich zum Alleingehen bequemen, so soll die gottselige Mutter Gott bitten, er wolle ihr Kind selbst führen, durch seinen heiligen Engel bewahren, vor schwerem Fall behüten, die geraden und gesunden Glieder erhalten, und also in seiner Gnade und Schutz von einem Alter zum andern gelangen lassen. Gebet. Barmherziger und gnädiger Gott, wie ist mein Herz er— freut, daß ich nun auch die Zeit erlebt, daß ich mein Kind der Mutterbrust entwöhnen kann. O liebreicher Gott, du hast mir dieses Kind nach deiner Güte gegeben, unter so vielen Zufällen erhalten, ihm sein zartes Leben gefristet und es nunmehr soweit kommen lassen, daß es zu seiner Erhaltung stärkere Speisen bedarf. Gelobet sei deine Barmherzigkeit, daß du ihm die Mutterbrust bisher gesegnet hast, daß es zu Kräften gekommen und von dir das Gedeihen empfangen hat. Habe Dank für deinen Segen und Schutz, für deine Treue und Gnade. O Herr, du tust alle Tage noch das größte Wunder, da du in der Mutter Brust Speise und Trank in Milch verwandelst und derselben eine nährende Kraft beilegst, daß die Kinder dadurch gelabet, erquicket und gestärket werden. Ach Gott, du hast nun meinem Kinde die Mutterbrust gedeihen lassen, ach, so segne ihm auch die übrige Speise und Trank, dazu ich es an⸗ gewöhnen will; gib, daß es sich dazu williglich bequeme, laß es auch dadurch ferner wachsen und mit jedem Tag, mit jeder Woche und mit jedem Jahre an Kräften zunehmen. Bleibe auch bei ihm, wenn es will anfangen zu gehen; begleite es durch deine heiligen Engel; halte es, wenn es fallen will; behüte es, wenn Gefahr vorhanden ist. Ach, laß dies mein Kind dir empfohlen sein, an Leib und Seele; stärke es auch 70 Danksagung bei Entwöhnung des Kindes. an dem inwendigen Menschen, heilige es durch deinen heiligen Geist, daß es in Gehorsam und Gottesfurcht sich gern er— ziehen lasse, nicht widerspenstig sich beweise, sondern als ein frommes Kind gern folge und höre. Gib ihm deinen heiligen Geist und ein frommes Herz, damit ich Freude an ihm allhier erleben, es einst zur ewigen Himmelsfreude mitnehmen und mit ihm zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Sehr groß, o Herr, ist deine Güt, Die mich beschützet und behüt't, Ich will dich rühmen hier auf Erd, So lang ich Odem haben werd. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Der Herr, der große Gott, Der seinen reichen Segen Auf mich geschüttet hat Als einen sanften Regen, Den preis ich diesen Tag, Da ich und auch mein Kind In allem Wohlergehn Und noch im Segen sind. 2. Hat großes Ungemach Viel andere gedrücket, So hat mit seiner Gnad Der Höchste uns geschmücket; Die Milch, die süße Speis, O welche große Gnad! Ist's, welche Gott bisher Dem Kind gesegnet hat. 3. An mir und meinem Kind Sind Wunderding ge— schehen, Das muß ich diesen Tag Zu Gottes Preis gestehen; Uns beide schützte er, Er gab uns Kraft und Stärk, Bis er an uns vollbracht Sein großes Wunderwerk. 4. Getan und auch geschenkt Hat Gott in jeder Stunde Viel Gut's in reichem Maß, Ich rühm's von Herzensgrunde; Er hilft, bewahrt, er liebt, Hält uns in seiner Hut, Er tut an uns noch mehr, Als sonst ein Vater tut. 5. Des bin ich fröhlich heut; Mein Gott, was soll ich sagen? Du hast mein Kind und mich Auf deiner Hand getragen. Ach, segne uns hinfort; Ach, sieh, wir sind ja dein; Ach, laß uns deiner Gnad Allzeit empfohlen sein. Et 0 * Kinde man! des k und! Leibe Trost zum richt über 6 sie, k Ich e natür Natu keit. hat, daß ihner als! des( nur dieset fruch an Herr daru einer seine beha man Reg kam nien eiligen rn er⸗ als ein Reiligen allhier en und schützet o lang —**—————— reichen Regen, nd Inn het, So Milch, se Gott ing ge⸗ estehen; Bis er Stunde grunde; Er tut , was deiner hir sind n sein. Erinnerung und Trost für Unfruchtbare Erinnerung und Crost für Unfruchtbare. Ich habe oftmals gottselige Ehefrauen, welche Gott ohne Kinder und Leibeserben dahin gehen läßt, sprechen hören, daß man wohl Trost, Aufmunterung und Gebet für allerlei Stände des weiblichen Geschlechts, als für Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen fände, aber daß man die, welche Gott mit Leibesfrucht nicht erfreuen will, ohne Aufmunterung und Trost ließe. Deshalb habe ich denn, da ich den Fruchtbaren zum Trost, nach der Gnade meines Gottes, einigen Unter— richt erteilt, auch denen, welchen Gott keine Kinder gibt, über ihren Zustand meine Gedanken eröffnen wollen. Wenn demnach Gott läßt Eheleute ohne Kinder sein, daß sie, wie Abraham sagen: Herr, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder, 1. Mos. 15, 2., so sollen sie 1) gedenken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit können natürlich sein bei den Eheleuten; denn wie Gott nicht einerlei Natur allen Menschen gibt, also auch nicht einerlei Fruchtbar— keit. Wenn nun Gott diese Gabe nicht in ihre Natur gelegt hat, so sollen sie deswegen mit Gott zufrieden sein und wissen, daß er doch darum ihr gnädiger Gott ist, der sie liebe und ihnen gewogen sei. Hat eine Tulpe schon nicht so viel Blumen als der Rosenstock, so ist sie doch dem Gärtner und Herrn des Gartens ein liebes Gewächs. Wie viele Bäumlein zieren nur den Garten und tragen keine Früchte, und man hat dieselben doch gerne im Garten stehen. Also sind auch un⸗ fruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. 2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind; wem er diese Gabe nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch scheel sehen, wenn Gott einem viel, dem andern wenig gibt; Gott ist der Herr in seinem Haus, wie er will, so teilt er aus. Gott hat sich vor— behalten drei Schlüssel: den Schlüssel zum Grabe, denn nie⸗ mand kann Tote auferwecken, als Gott; den Schlüssel zum Regen, denn kein Götze kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleibe, da niemand kann öffnen, wenn der Herr zuschließt, und niemand 7³ Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. zuschließen, wenn der Herr öffnet. Ist aber diese Vorent— haltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoff⸗ nung zu beweisen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zornes Gottes; denn daß Gott nicht zornig über sie sei, sollen sie daher ab⸗ nehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohltaten nicht fehlen läßt; er gibt ihnen leibliche Gaben, Gesundheit, Segen, Nahrung, Wohlergehen, welches alles er zuweilen denen, die Kinder haben, nicht so reichlich erteilet, sondern Krankheit, Kinderkreuz und Elend ihnen reichlich zumißt. Gott gibt ferner denen, welche ohne Kinder sind, die himmlischen Gaben, als Freude in Gott, Frieden mit Gott, die Gerechtigkeit Jesu Christi, Trost und Wonne. Dadurch sie ja abermals über⸗ zeugt werden, daß Gott nicht zornig über sie sei; denn wer unter Gottes Zorn und Ungnade steht, der muß gewiß der himmlischen Gnade entbehren. 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute gedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüts Zustand besser erkenne, als sie selbst; denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder liebhaben, so findet sie Gott doch vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in der Erziehung der Kinder, als auch im Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind ihr und ihrem Ehemanne viele Zerstreuungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Gottesdienst hindern, vielleicht würde das Kind viel Betrübnis machen, wenn es Gott nach seinem Rate wieder sterben ließe; darum, weil Gott die Stärke und Schwachheit der Menschen besser kennt, als sie selbst, so er⸗ weiset er ihnen darin eine besondere Gnade, welche sie doch aus Unverstand für keine Gnade halten. 5) Besonders aber sollen sich Eheleute wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen und mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen, denn sonst gibt ihnen Gott im Zorn Kinder; vielleicht muß die murrende Mutter ihr Leben oder Gesundheit darüber verlieren, oder wenn das nicht geschieht, so gerät ein solches im Zorn gegebenes Kind so übel, daß es den Eltern tausend Schrecken, Jammer, Ver⸗ druß und Herzeleid anrichtet, und sie ihr Leben lang in Angst, Betrübnis und Traurigkeit setzet, welches Früchte ihrer un⸗ verständigen Bitte sind. Wie mancher im Unverstand er⸗ betene Sohn ist seines Vaters Grab und seiner Mutter Geißel geworden. orent⸗ olche Hoff⸗ jottes; er ab⸗ Bnicht Segen, n, die nkheit, t gibt Haben, t Jesu über⸗ in wer iß der Gott ihres selbst; findet eburt, kreuz; viele Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 73 6) Es sollen hierbei gottselige Ehefrauen den Spruch Pauli 1. Tim. 2, 15 nicht mißbrauchen, wenn es heißt: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleibt im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung samt der Zucht. Denn in dem Spruch sagt Paulus nicht, daß die Weiber sollen durch Kinderzeugen selig werden, denn wir werden durch das Verdienst Jesu Christi und um seines ver⸗ gossenen Blutes willen vor Gott gerecht und selig(Röm. 3, 28; 5,1) und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja keine Jungfrau selig werden können, wel⸗— ches wider Gott und sein heiliges Wort ist; sondern er führt diesen Spruch zum Trost der Ehefrauen an, nämlich, ob ihnen Gott schon große Schmerzen in der Geburt aufgelegt, darum, weil sich das Weib im Paradies verführen ließ, und die Uebertretung und Sünde eingeführt hat, daß doch Gott bei der Geburt ihnen wolle beistehen und durchhelfen; sie solle doch selig werden, ob sie gleich durch solches schmerzhafte Kindergebären den Zorn Gottes fühle, nämlich wenn sie würde in solchem Stande bleiben im Glauben an den Herrn Jesum, in der Liebe gegen Gott und Menschen, in der Heiligung des Lebens und in der Zucht und christlichem Wandel. Des-— wegen ist dieser Spruch ein Trostspruch in Kindesnöten, und eine Versicherung der Seligkeit derer, welche in Kindesnöten sterben, daß sie, der Schmerzen, die wegen der Sünde auf⸗ gelegt sind, ungeachtet, doch sollen selig werden, aber er zeigt keine Ursache der Seligkeit der Weiber an. 7) Es sollen Eheleute auch die Zeit abwarten und im Gebet anhalten. Etliche Bäume tragen gleich das erste Jahr, etliche aber nach Verlauf vieler Jahre. Darum sollen fromme Eheleute nicht alle Hoffnung wegwerfen; werfeteuer Ver⸗ trauen(auf Gott) nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Ebr. 10, 35. Wie nun Gott nicht allen Menschen zu gleicher Zeit leibliche Wohltaten gibt, sondern dem einen früher, dem andern später, also auch in diesen Gaben. 8) Hiebei sollen sich Eheleute auch fleißig hüten vor Miß⸗ vergnügen gegen ihren Ehegatten, wenn das Weib die Schuld auf den Mann, oder der Mann auf das Weib schieben wollte, sondern gedenken, daß es Gott sei, der ihnen die Frucht des Leibes nicht geben will. 1. Mos. 30, 1. Deswegen sie einander doch herzlich lieben und mit Gott zufrieden sein sollen, weil keines von beiden ohne Gottes Gaben, Segen und Willen etwas dazu tun kann. Besonders aber sollen sie sich auch vor Arg-— 74 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. wohn, Neid und Mißgunst hüten, wenn etwa die Freunde, Brüder und Schwestern schon nach der künftigen Erbteilung fragen und trachten, sondern aufrichtig in der Liebe gegen⸗ einander verharren, die Ohrenbläser abweisen, und auch in den irdischen Gütern nach der Billigkeit und Liebe, wenn es ja einmal sein muß, eine Verordnung machen. 9) Läßt Gott es frommen Eheleuten an Kindern fehlen, so sollen sie desto mehr in der Liebe Jesu zunehmen, und da die, so Kinder haben, oft am Gebet, am Gottesdienst und Er⸗ bauung durch die Kinder gehindert werden, so können sie desto mehr dem Dienste Gottes ungehindert und ungestört sich widmen. 10) Schenkt Gott christlichen Eheleuten keine leiblichen Kinder, so sollen sie desto mehr die Armen sich lassen empfohlen sein, frommen Kindern Gutes tun, sie kleiden, zur Schule anhalten, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Vater und Mutter preisen und vor Gott rühmen werden: Diese haben mich gekleidet, gespeiset und getränket. Matth. 25. 11) Gott gibt aus Liebe und Gnade frommen Eheleuten zuweilen keine Kinder, auch darum, weil er siehet, daß künftig schreckliche Landplagen und Strafen über eine Stadt und Land einbrechen werden. Wenn er nun die Frommen vor dem Un- glück wegrafft, und seine lieben Kinder, ehe das Sturmwetter der Trübsal kommt, schlafen legt, wie er solches dem Hiskias verheißen und dem heiligen Augustinus erwiesen, welches aller⸗ dings eine große Gnade Gottes ist, so ist es ja eine Wohltat, wenn Gott keine Kinder gibt, damit sie den Jammer, der über die Welt kommen soll, wie in der Sündflut geschah, nicht erleben und erfahren. 12) Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, ob sie die Kinder auch als eine Gabe Gottes, wie denn Kinder in der Tat sind, halten. Meinen sie, es sei eine Naturgabe, welche sie selbst befördern könnten, so fehlen und irren sie, und will ihnen durch Vorenthaltung des Ehesegens Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sei, darum er will gebeten sein. Wenn hier christliche Ehe— leute mir wollten entgegensetzen, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bitten und doch Kinder zeugen und bekommen, so antworte ich: Bei denen läßt Gott der Natur ihren Lauf, zur Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammen-— kommen, Gott zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern ihre böse Brunst und Lust abzukühlen. So sollen es also hier gott— selige Iaak bar; 0 gabe, gleich Rebek alles egen 1 sie n6 Gesell Welch. Gotte ohne Ehese selbe laß dein bist mic daß mit hier um etb Kin kent übe nich daß gni an in! bar mei reunde, deilung gegen⸗ uuch in enn e8 fehlen, und da nen sie igestört iblichen pfohlen Schule n solche sen und jespeiset eleuten künftig d Land em Un⸗ wetter Hiskias aller⸗ pohltat, er über „nicht ob sie der in rgabe, en sie, 5Gott e Gabe e Ehe⸗ wohl mmen, Lauf, men⸗ re böse gott⸗ Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 7⁵ selige Eheleute machen, wie dort Isaak, von dem es heißt: Und Isaak bat den Herrn für sein Weib, denn sie war unfrucht— bar; also erkannte Isaak, daß Kinder nicht allezeit eine Natur— gabe, sondern eine Gnadengabe Gottes wären, darum auch gleich dabei stehet: Und der Herr ließ sich erbitten, und Rebekka, sein Weib, ward schwanger. 1. Mos. 25, 21. Dieses alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen und sich gegen alles Murren, Ungeduld und Gemütsunruhe bewahren und gedenken: ist ihr Haus einsam und ohne Kinder, daß sie nach ihrem seligen Absterben in der Herrlichkeit, in der Gesellschaft vieler tausend heiliger Engel sein werden, mit welchen sie sich in Ewigkeit vor dem Thron des dreieinigen Gottes erfreuen sollen. Gebet. Herr, Herr, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder; ach, mein Gott, ich sehe, wie du andern den Ehesegen mit reichem Maß zuteilest, aber mir hast du den— selben bisher vorenthalten und nicht gegeben. Herr, Herr, laß mich doch dieses alles mit christlicher Gelassenheit als deinen gnädigen Willen geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Gott, der mir leicht Kinder geben und mich fruchtbar machen kann, wenn du willst. Ich weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebet und seine Gnade mir noch nie versagt hat, darum will ich mich geduldig auch hierin deinem Willen unterwerfen; du weißt am besten, war⸗ um du mir diesen Segen noch nicht beschert hast. Sollte ich etwa zu schwach in der Geburt, zu träge in der Erziehung der Kinder oder zu niedergeschlagen im Kinderkreuz sein, so er— kenne ich daraus deine Güte, die mich schonen und mich nicht über mein Vermögen versuchen lassen will. Gibst du mir aber nicht die Kinderfreude, so laß mich in dir desto mehr erfreuen, daß ich dich herzlich liebe, an dir all mein Ergötzen und Ver— gnügen haben möge. Laß mich indessen bleiben im Glauben an dich, dreieiniger Gott, in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens; ja, laß mich in Zucht und Ehr— barkeit vor jedermann wandeln. Laß deinen heiligen Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieses dein 76 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. gnädiger Wille über mich sei, dem ich mich dann von Grund meiner Seele ergeben will. Bewahre indessen mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld, Mißvergnügen gegen meinen Ehegatten, daß ich ihn dennoch herzlich liebe, ihn als mein Kind halte, und ihn lieber habe, wie zehn Söhne und Töchter. Ist es dein Wille, daß ich eine Zeitlang warte, und du mich dennoch zu einer fruchtbaren Mutter machen, an mich wie an Hanna gedenken willst, so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen; willst du mir aber keinen Erben geben, Herr, so soll das mein Erbe sein, daß ich deine Wege halte. Jesus soll meines Herzens Trost und mein Teil sein. Herr, Herr, es ist dir alles möglich; hast du Sara und Elisabeth über die Zeit der Natur lassen schwanger werden, so ist es dir auch ein Geringes, meine bisher unfruchtbare Ehe zu segnen. Herr, laß dich erbitten, so will ich für die Gabe dir danken mein Leben lang, und sie dir zum Preis und Ehre erziehen; ich will sie dir durch die heilige Taufe wieder schenken. Laß mich auch nicht scheel sehen, wenn du anderen das Haus voll Kinder gibst, sondern desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an armen und verlassenen Kindern er⸗ weisen, dieselben kleiden, versorgen, pflegen. Nun, Herr, deine Güte sei über uns, wie wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich, hilf mir, gib mir Kinder, wenn es dir wohlgefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Strafe, nicht zu meiner Schande. Ist mir's nützlich, so gewähre mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte; ist es aber dein Wohlgefallen nicht, so will ich dir kein Kind abzwingen, ja, ich will wider deinen gnädigen Willen nichts und auch keine Kinder haben. Herr, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach, schicke es, wie es mir selig und dir gefällig ist. Gib, daß ich meine Seele in Geduld fasse, bis du mir deine Hilfe erzeigen wirst. Ich bin vergnügt in meinem Hoffen, Denn hilft Gott gleich nicht, wie ich will, So hat er schon den Schluß ge— troffen, Er weiß die beste Zeit und Ziel; Ich harr auf ihn, denn so betrügt Die Hoffnung nicht, ich bin vergnügt. Ich bin vergnügt, wird mir nur geben Der allerhöchste Wunder-— — —— liebe tägli mein oft dir gest. mei Wil sein ein. gefe schn Rir seit mi ttic dei He me dei Grund n Herz meinen mein Töchter. du mich ich wie diesem keinen ch deine in Teil mra und werden, ichtbare ie Gabe d Ehre wieder underen Gnade ern er⸗ r, deine „ tröste gefällt, meiner deiner gefallen wider haben. meine wirst. st Gott luß ge⸗ uf ihn, . zunder⸗ Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 7 ⁰0 gott Ein fröhlich Herz, gesundes Leben, Und was sonst meiner Seele not; Das übrige, wie er es fügt, Befehl ich ihm, ich bin vergnügt. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach Herr, was willst du mir geben, Weil ich ohne Kinder bin? Meine Zeit und auch mein Leben Geht in vielem Kummer hin. Andre muß ich fröhlich sehen Und mit Kindern einhergehen, Aber ich geh ganz allein Und muß stets bekümmert sein. 2. Nichts erfreut mich mehr im Herzen, Als ein zartes Kind zu sehn, Mit ihm allezeit zu scherzen, Mit ihm hin und her zu gehn; Dieses pflegt mich zu ergötzen Und in tausend Freud zu setzen; Doch die Freude hab ich nicht, Weil's an Kindern mir gebricht. 3. Warum tust an mir du minder, Als an andern, lieber Gott? Andre haben viele Kinder, Die kaum haben täglich Brot; Du gibst mir sonst großen Segen, Aber ach, mein Gott, hingegen Gibst du mir nicht diese Gab, Die ich oft erbeten hab. 4. Ach, mein Gott, ich will nicht fragen, Tue nur, was dir gefällt; Ich will dieses gerne tragen, Alles sei dir heim⸗ gestellt; Ach, du weißt ja mein Begehren, Willst du mir's, mein Gott, gewähren, So geschehe, Herr, dein Will, Deinem Willen halt ich still. 5. Laß, o Herr, mir deinen Willen Immerdar vor Augen sein, Deinen Willen lasse stillen, Was mein Wollen wendet ein; Ja, laß mir, o Gott, in allem, Was nur dir gefällt, gefallen, Daß ich christlich mich bezeig Und gelassen stille schweig. 6. Ich will nichts von dir erzwingen, Gib mir ja kein Kind im Zorn, Es möcht mir sonst Jammer bringen, Und mir sein ein scharfer Dorn, Der mein Lebenlang mich steche, Und mir mein Vergnügen breche; Was mich martert, beißt und sticht, Lieber Gott, das gib mir nicht. 7. Ich weiß, daß du mich doch liebest, Daß ich steh in deiner Gnad, Ob du mir schon das nicht gibest, Was mein Herz gebeten hat. Hab ich dich, o meine Wonne, Mein Gott, meine Freud und Sonne, So bin ich in dir vergnügt, Wie's dein Wille mit mir fügt. 78 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 8. Soll ich keine Kinder haben, So soll meiner Liebe Trieb Sich allein in Jesu laben, Dem schenk ich mein Herz und Lieb; Jesu, deine Lieb und Schöne Ist mir lieber, als viel Söhne; Wenn ich Jesum bei mir hab, So hab ich die größte Gab. 9. Nun, mein Gott, ich bin zufrieden Mit dem mir be⸗ stimmten Teil, Welches du mir hast beschieden, Alles dient zu meinem Heil, Darum will ich dir vertrauen Und auf deine Hilfe bauen, Mach mein Herz vertrauensvoll, Gib mir, was ich haben soll. 10. Indes will ich Jesum lieben, In Gott haben meine Freud, Mich in Lieb und Glauben üben Und durch stille Mildigkeit Armen Kindern reichlich geben, Daß sie Gott zu Ehren leben, Ihnen helfen, Gott zum Preis, Durch mein Wohltun, Treu und Fleiß. 11. Wer weiß, was mein Gott gedenket, Was er mir bestimmet hat? Wer weiß, was er mir noch schenket, Wer weiß, was da seine Gnad Mir noch zugedacht zu geben, Wer weiß, werd ich noch erheben Nach der Hilfe Herz und Mund, Wenn erscheint die Gnadenstund? 12. Herr, erhöre dies mein Flehen, Ach, nimm meine Seufzer an, Lasse meine Bitt geschehen, Du bist's, der mir helfen kann; Doch laß mich in allen Fällen Alles dir, mein Gott, heimstellen, Daß ich, wie es immer geh, Spreche: Herr, dein Will gescheh. ö L Vorrede un Die Sd Die Sd Läglich Gottsel Die S trö Andach Trost! Seufze E Die g— . einer Liebe Hn Herz ö lleber 2 io ih de Inhalts⸗Uebersicht. em mir be⸗ Seite . dientu Vorrede Buß 1— Andachten für Schwangere und Gebärende. 590 Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebert. 0 aben meine Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. 10 durch stille Tägliche Betrachtung einer Schwangeren 12 sie Gott zu Gottseliger Umgang einer gläubigen Seele mit Gott. 17 Durch mein Die Schwangere erwägt ihren Gott wohlgefälligen Stand 18 Las er mir dankt Gott für ihre Fruchtbarkeit 21 enket, Ver empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. 24 zu gehen, erinnert sich der göttlichen Verheißungen. 27 e Herz und erfreut sich der Allmacht Gottes 89 ö trostet sich der göttlichen Hilis 32 umm meine Andacht bei herannahender Gebärstunde 35 5, der i. Trost bei herannahender Geburt. 359 3 dir, min Seufzer vor Der eburtt 979 recher Herr, Eem anderer Seufzernrn 18 ? Seufzer während der Geburt 1 ̃ Ein anderer Seufgerr 444 ö Noch ein anderer Seufder 43 Syprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. 43 Andachten für Uindbetterinnen. Die Kindbetterin dankt Gott für ihre glückliche Entbindung.. 53 verrichtet ihr Morgengeberrertr verrichtet ihr Abendgebet 30 trägt Gott im Gebet ihr Kind var. 62 Gebet, wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt. 63 Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. 6⁴ Die Wöchnerin bereitet sich zu ihrem Aus- und Kirchgang 66 Die gottselige Mutter dankt Gott, wenn ihr Kind ent⸗ wöhnt wird Erinnerung und Crost für Anfruchtbare. 71 , 14 V I. +* II IN 14 80⁰ Inhalts-Uebersicht. Gesänge. Seite 1 Ach, Herr, was willst du mir geben 77 4 Ach, hilf mir in dieser Stunoee: * Der Herr, der große Gott. 0 H Die Racht ist nun verschwunden 99 Gelobet sei der große Gotrttt.. 850 Sokt har mein Geber erhöretrt 68 Wolt wird mich nicht verlassen 2 Ich banke dir, mein Goit23 Ich erblick die helle Sonne 19 Och weiche micht von Gott 20 Ich will stet mit Gott umgehernr 1 Dein Cort ist ja bei miii 24 ö Sieh, die Sonn will von uns gehen 12 Wie hät der große Gott doch michhh 20 Wir haben einen Gott, der hifrt. 32 ——— FI. COlOUr& Grey CoOntrol Chart Green VOIIOW Red Magenta 0 Ein