* V SS.....—— ee eeeeeeeeeeeeeeeee eeeeeeeeeeeeeeeeeeee . 90. Weiangz 825 Lübeck röniger 7 V u Ych bin der gute Birte! Ych bin der gute Birte! ISSrcrrer Der Segen des Herrn macht reich hne Mühe. Sprüche 10, 666 . e. Ae, 2.. e NLL. chiee. ZZ. e,.—— 9 SDSSESESEEEEEE SSISIIII‚‚.‚. ne Wer Sünde thut, der ist der Sünde Knecht. Ev. Joh.„8 34. ISEEEEE EE —..... P P III —.. —— S WV —— n —.— D —— V 81 E * 2 EEII 5 HE * ö — 28 1 u ö — * 15 +—2 2 EL —— — ů— 2 Die Gnade des Herrn Jesu Christi 89 PIIIIIIIIe —. ìνππππππππ⁷ι½ππππππάπ½ά⁴π½½νν Evangelisch-lutherisches Gesangbuch der Provinz Schleswig⸗Holstein. Taschen-Ausgabe. Preis des rohen Exemplars 14 70. Ochleswig. Stereotypie, Druck und Verlag von Jul. Bergas. Herausgegeben von dem Königlichen evangelisch⸗ lutherischen Konsistorium in Kiel in Gemäßheit der Beschlüsse der zweiten ordentlichen Gesamt⸗ „synode 1883. Nachdruck verboten. UnW.. Stl. Slessen XIV. XV. XVI. XVII. XVIII. XIX. XX. Inhalk. Sonntagslieder. Sonntag⸗Abend Adventslieder Weihnachtslieder Neujahrslieder. .Epiphaniaslieder. Passionslieder.— „Osterlieder Himmelfahrtslieder. Pfingstlieder Trinitatislieder Kirche und I Kirche.— Mission— Wort Gottes Taufe und Konfir⸗ mation. Taufe. Konfirmation Das Deinäce 3968590 mahl Krankentomwünkon Buße und Beichte Glaube. Friede und in Gott Liebe zu Christo Lob und Dank Christlicher 21 und Wandel Freude Gott und Nr. 1— 13 14 15— 27 28— 41 42— 50 51— 57 58— 81 82— 94 95—104 105—119 120—12⁵5 126—137 138—14⁷ 148—1⁵4 155—156 157—163 164—174 17⁴4 17⁵—200 201—219 220—231 232—255 256—278 279—311 XXI. Nächstenliebe. XXII. Gebet XXIII. Vertrauen auf Gott. Trost im Leid XXIV. Lieder für besondere 1. 2. 3. ¹ Zeiten und Verhält⸗ nisse. Morgenlieder Wochenanfang Tischlieder ů Abendlieder Wochenschluß „Fürbitte für den Landes⸗ herrn, die Obrigkeit und alle Stände. Hausstand Lieder für Eltern Für Kinder. Für Witwen Im Alter Für Reisende Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Freude an Gottes Na⸗ tur. Saat. Witte⸗ rung. Ernte Allgemeine Heimsu⸗ chungen. Teurung. Wassersnot Krieg und Frieden Die Litanei oder das allgemeine Bittgebet Das Tedeum oder der allgemeine Lobgesang XXV. Tod und Begräbnis XXVũI. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben Nr. 312—31⁷ 318—33⁵ 336—384 385—897 398 899—40⁵ 406—421 42² 423—426 427—431 432—433 43⁴4.—435 4³6 4³37 438—439 440—440 4⁵⁰0—454 4⁵5⁵—457 45⁵8—459 460—461 462—494 495—510 I. Sonntagslieder. Eigne Melodie. J. Alein Gott in der Höh' sei Ehr' Und Dank für seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann kein Schade; Ein Wohlgefall'n Gott an uns hat, Nun ist groß Fried' ohn' Unterlaß, All' Fehd' hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preis'n, anbeten dich Für deine Ehr', wir danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn' alles Wanken. Ganz unermess'n ist deine Macht, Fort g'schieht, was dein Will' hat bedacht; Wohl uns des feinen Herren! 3. O Jesu Christ, Sohn eingebor'n Deines himmlischen Vaters, Versöhner der'r, die war'n verlor'n, Du Stiller unsers Haders; Lamm Gottes, heil'ger Herr und Gott, Nimm an die Bitt' von unsrer Not: Erbarm dich unser aller. 4. O heil'ger Geist, du höchstes Gut, Du all'ẽrheilsamster Tröster, Vor's Teufels G'walt fortan behüt, Die Jesus Christ erlöset 1 2 Sonntagslieder. Durch große Mart'r und bittern Tod; Abwend all unsern Jamm'r und Not! Dazu wir uns verlassen. Nikolaus Decius. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. 2. ir, Herr und Vater, dienen wir Mit freudigem Gemüte ö Und opfern Dank und Ehre dir Für deine Macht und Güte. Ach, wir sind Sünder, aber du x Rufst freundlich allen Sündern zu, An deinen Sohn zu glauben. 2. Wir glauben, Gott, an deinen Sohn; Vergieb uns unsre Sünden! Vergieb uns, laß vor deinem Thron Uns Gnad' und Hülfe finden! Wir, dein gefallenes Geschlecht, Wir wünschen heilig und gerecht Durch deine Kraft zu werden. 3. Gewähr uns deinen guten Geist, Dein Wort recht zu verstehen. Wem er den Weg zum Leben weist, Der kann nicht irre gehen. Er leit' uns deine gute Bahn, So nimmst du uns zu Ehren an, Wenn wir getreu dir bleiben. Joh. Andr. Cramer. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 3. Gott, der du bist das höchste Gut, Der Grund von allen Dingen, Wie darf sich doch mein blöder Mut Zu deiner Gottheit schwingen? Du wohnest ja in einem Licht, Da unser schwaches Auge nicht Vermag hineinzusehen. Sonntagslieder. 2. Muß sich der Engel heil'ges Heer Vor deinem Glanz verdecken, So sollt' ich Sünder noch viel mehr Vor deinem Zorn erschrecken. Doch da du Gott und Vater heißt, So willst du auch von uns gepreist Und angerufen werden. 3. Drum such' ich früh dein Angesicht; Herr, laß mich Gnade finden Und mit des hellen Tages Licht Der Sünden Nacht verschwinden. Sieh Jesum an, nicht meine Schuld, Gedenke doch nach deiner Huld, Daß er für mich gestorben. 4. Sprich meiner Seele Frieden zu Und gönne mir die Freude, Daß sich mein Herz mit wahrer Ruh' In deiner Liebe weide. Laß keine Sorgen dieser Zeit Die Sorge für die Ewigkeit Aus meinem Herzen drängen. 5. Mein Leib und Seele sehnen sich, Gott, in dein Haus zu gehen; Mich hungert, Herr, es dürstet mich, Dein Angesicht zu sehen; Und mein Gemüt ist freudenvoll, Da ich in der Gemeinde soll, Herr, deine Werke preisen. 6. Gieb, daß wir dich aus einem Geist Mit einem Munde loben, Und weil du selbst uns solches heißt, So jende Kraft von oben. Zuß mein Gebet, Herr, laß mein Flehn, Mein Singete mir von Herzen gehn: So geht es dir zu Herzen. 1• Sonntagslieder. 7. Wenn du aus deinem Worte mir Willst deine Wege zeigen, So laß mein Herz empor zu dir In stiller Andacht steigen. Erleuchte mich, gieb mir Verstand, Daß dein Geheimnis mir bekannt Und ich recht weise werde. 8. So wird auch dieser Sabbath mir Ein rechter Ruh'tag werden; Denn meine Seele hat in dir Den Himmel schon auf Erden, Und deiner Gnade Kraft und Schein Wird mir ein sel'ger Eingang sein Zu jener ew'gen Ruhe. J. H. Schrader. Mel.: Wunderbarer König. 4. Gott ist gegenwärtig; Lasset uns anbeten Und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitten; Alles in uns schweige Und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, Wer ihn nennt: Schlagt die Augen nieder, Kommt, ergebt euch wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht in Ehrfurcht dienen. Heilig, heilig, heilig Singen ihm zur Ehre Aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm Unsre Stimm', Da auch wir Geringen Unser Opfer bringen. Sonntagslieder. 3. Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Sündenlust und Freuden; Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigentum ergeben; Du allein Sollst es sein, Dem wir angehören, Den wir liebend ehren. 4. Majestätisch Wesen! Möcht' ich recht dich preisen Und im Geist dir Dienst erweisen, Möcht' ich, wie die Engel, Immer vor dir stehen Und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott, in allem. 5. Du durchdringest alles; Herr, ach zieh und richte Doch auch mich zu deinem Lichte. Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonne stille halten, Laß mich so, Still und froh, Deine Strahlen fassen Und dich wirken lassen. 6. Mache mich recht kindlich, Innig, abgeschieden, Sanft und still in deinem Frieden; Mach mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schauen mag in Geist und Wahrheit! 6 Sonntagslieder. Laß mein Herz Himmelwärts Wie ein Adler schweben Und in dir nur leben! 7. Komm in mir zu wohnen, Laß mein Herz auf Erden Dir ein Heiligtum noch werden! Komm, du nahes Wesen, Dich in mir verkläre, Daß ich dich stets lieb' und ehre! Wo ich geh', Wo ich steh', Laß mich dein gedenken, Mich in dich versenken! Gerhard Tersteegen. Mel.: Unser Herrscher, unser König. 5. Großer Gott von alten Zeiten, Dessen Hand die Welt regiert, Dessen Treu' auf allen Seiten Mich von Jugend auf geführt, Heute weckt des Tages Lauf Mich zu lauter Andacht auf. 2. Ach, wie lieb' ich diese Stunden! Denn sie sind des Herren Fest, Das mit so viel Trost verbunden, Da mein Gott mich ruhen läßt Und durch seinen guten Geist Mir den Weg zum Leben weist. 3. Habe Dank für diesen Morgen, Der mir Zeit zum Guten schenkt. Das sind unsre besten Sorgen, Wenn der Mensch an Gott gedenkt Und von Herzen fleht und singt, Daß es durch die Wolken dringt. Sonntagslieder. 7 4. Was ist schöner, als Gott dienen, Was ist süßer, als sein Wort, Da wir sammeln wie die Bienen Und den Honig tragen fort? Selig ist, wer Tag und Nacht Also auf sein Heil bedacht. 5. O mein Gott, sprich selber Amen; Denn wir sind dein Eigentum; Alles preise deinen Namen, Alles mehre deinen Ruhm, Bis es künftig wird geschehn, Daß wir dich im Himmel sehn. Kaspar Neumann. Mel.: Unser Herrscher, unser König. 6. Halleluja, schöner Morgen! Schöner, als man denken mag: Heute fühl' ich keine Sorgen; Denn das ist ein lieber Tag, Der durch seine Lieblichkeit Recht das Innerste erfreut. 2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist, Heller Tag in dunkeln Höhlen! Zeit, in der der Segen fließt! Stunden voller Seligkeit, Ihr vertreibt mir alles Leid. 3. Ach, wie schmeck' ich Gottes Güte Recht als einen Morgentau, Die mich führt aus meiner Hütte Zu des Vaters grüner Au': Da hat wohl die Morgenstund' Edlen Schatz und Gold im Mund. 4. Ruht nur, meine Weltgeschäfte! Heute gilt's ein andres Thun; Denn ich brauche alle Kräfte, 8 Sonntagslieder. In dem höchsten Gott zu ruhn. Heut schickt keine Arbeit sich Als nur Gotteswerk für mich. 5. Ich will in der Zionsstille Heute voller Arbeit sein; Denn da sammle ich die Fülle Von den höchsten Schätzen ein, Wenn mein Jesus meinen Geist Mit dem Wort des Lebens speist. 6. Herr, ermuntre meine Sinne; Wirke selbst in meiner Brust, Daß ich Lehr' und Trost gewinne; Gieb zu deinem Manna Lust, Daß mir deines Wortes Schall Tief im Herzen wiederhall'. 7. Segne deiner Knechte Lehren, Offne selber ihren Mund, Mach mit allen, die dich hören, Heute deinen Gnadenbund, Daß, wenn man hier fleht und singt, Solches in dein Herze dringt. 8. Gieb, daß ich den Tag beschließe, Wie er angefangen ist. Segne, pflanze und begieße, Der du Herr des Sabbaths bist, Bis ich einst auf jenen Tag Ewig Sabbath halten mag. Eigne Melodie. 0. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend', Dein'n heil'gen Geist du zu uns send, Mit Hülf' und Gnad' er uns regier' Und uns den Weg zur Wahrheit führ'. 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz zur Andacht fein, Jonath. Krause. Sonntagslieder. 9 Den Glauben mehr, stärk den Verstand, Daß uns dein Nam' werd' wohlbekannt. 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr, Und schauen dich von Angesicht In ew'ger Freud' und sel'gem Licht. 4. Ehr' sei dem Vater und dem Sohn Samt heil'gem Geist in einem Thron! Der heiligen Dreieinigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit! Herzog Wilhelm II. von Sachsen-Weimar. Mel.: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 8. Herr, öffne mir die Herzensthür, Zeuch durch dein Wort mein Herz zu dir, Laß mich dein Wort bewahren rein, Laß mich dein Kind und Erbe sein. 2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, Dein Wort macht Leib und Seel' gesund; Dein Wort ist's, das mein Herz erfreut, Dein Wort giebt Trost und Seligkeit. 3. Ehr' sei dem Vater und dem Sohn, Dem heil'gen Geist in einem Thron! Der heiligen Dreieinigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit! Joh. Olearius. Mel.: Liebster Jesu, wir sind hier. 9. Höchster Gott, wir danken dir, Daß du uns dein Wort gegeben; Hilf uns, daß wir für und für Nach demselben heilig leben; Gieb dem Glauben solche Stärke, Daß er thätig sei durch Werke. 10 Sonntagslieder. 2. Gieb uns, eh' wir gehn nach Haus, Deinen väterlichen Segen, Breite deine Hände aus, Leite uns auf deinen Wegen, Laß uns hier im Segen gehen, Einst gesegnet auferstehen. Joh. Adam Haßlocher. Eigne Melodie. 10. Liebster Jesu, wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören, Lenke Sinnen und Begier Zu den süßen Himmelslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsternis umhüllet, Wo nicht deines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet. Gutes denken, Gutes tichten Mußt du selbst in uns verrichten. 3. O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, Mach uns allesamt bereit; Offne Herzen, Mund und Ohren! Unser Beten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl gelingen! Tobias Clausnitzer. Mel.: Unser Herrscher, unser König. II. Thut mir auf die schöne Pforte, Führt in Gottes Haus mich ein; Ach, wie wird an diesem Orte Meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, Hier ist lauter Trost und Licht. Sonntagslieder. 11 2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, Komme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung hast genommen, Da ist lauter Himmel hier. Zieh doch in mein Herz hinein, Laß es deinen Tempel sein. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, Heilige du Leib und Seel', Daß mein Singen und mein Beten Sei ein Opfer ohne Fehl; Heilige du Mund und Ohr, Zieh das Herz zu dir empor. 4. Mache mich zum guten Lande, Wenn dein Same auf mich fällt; Gieb mir Licht in dem Verstande, Und, was mir wird vorgestellt, Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht gedeihn. 5. Stärk in mir den schwachen Glauben; Laß dein teures Kleinod mir Nimmer aus dem Herzen rauben; Halte stets dein Wort mir für, Daß es mir zum Leitstern dient Und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hören, Und dein Wille werd' erfüllt. Nichts laß meine Andacht stören, Wenn der Brunn des Lebens quillt; Speise mich mit Himmelsbrot, Tröste mich in aller Not. Benj. Schmolck. Mel.: Liebster Jesu, wir sind hier. 12. Unsern Ausgang segne Gott, Unsern Eingang gleichermaßen, Sonntagslieder. Segne unser täglich Brot, Segne unser Thun und Lassen, Segne uns mit sel'gem Sterben Und mach uns zu Himmelserben. Hartmann Schenk. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. 13. Zeige dich uns ohne Hülle, Ström auf uns der Gnade Fülle, Daß, o Herr, an deinem Tage Unser Herz der Welt entsage, Daß, erlöst durch deine Leiden, Zu des neuen Lebens Freuden Deine glaubende Gemeine Mit dem Vater sich vereine. 2. O daß frei von Erdenbürden, Von der Sünde Lasten würden Unsre Seelen, unser Wille Sanft wie diese Sabbathstille, Daß von fern aus deinen Höhen Wir des Lichtes Aufgang sähen, Das uns alle dann verkläret, Wann der Sabbath ewig währet. 3. Was ich strahlen seh' am Throne, Ist es nicht der Sieger Krone? Was ich übers Grab hin höre, Sind's nicht Überwinder-Chöre? Feiernd tragen sie die Palmen, Ihr Triumph erschallt von Psalmen: Herr, du wollest selbst mich weihen Diesem Sabbath deiner Treuen! 4. Halte mich im Gnadenstande, Laß mich in dem Festgewande Deiner Unschuld mit den Deinen Einst vor deinem Thron erscheinen; Sonntagslieder. 13 Denn du selber hast voll Gnaden Zu dem Sabbath mich geladen, Wo nicht mehr die Streiter ringen, Wo sie Siegeslieder singen. Fr. Gottl. Klopstock. Bonnkag⸗Abend. Mel.: Nun sich der Tag geendet hat. 14. Nun bricht die finstre Nacht herein, Des Tages Glanz ist tot; Jedoch, mein Herz, schlaf noch nicht ein, Geh, rede erst mit Gott. 2. O Gott, du großer Herr der Welt, Den niemand sehen kann, Du siehst auf mich vom Himmelszelt, Hör auch mein Seufzen an. 3. Der Tag, den ich nunmehr vollbracht, Der war besonders dein; Drum hätt' er auch bis in die Nacht Dir sollen heilig sein. 4. Vielleicht ist dieses nicht geschehn; Denn ich bin Fleisch und Blut Und pfleg' es öfters zu versehn, Wenn gleich der Wille gut. 5. Nun such' ich deinen Gnadenthron, Sieh meine Schuld nicht an Und denke, daß dein lieber Sohn Für mich genug gethan. 6. Schreib, was dein Wort uns heut gelehrt, In unsre Herzen ein Und lasse die, so es gehört, Dir auch gehorsam sein. 7. Erhalt uns ferner noch dein Wort Und thu uns immer wohl, 14 Sonntagslieder. Damit man stets an diesem Ort Dir diene, wie man soll. 8. Jetzt, Vater, such' ich meine Ruh'; Du aber steh mir bei Und gieb mir deinen Engel zu, Daß er mein Wächter sei. 9. Wofern es dir, mein Gott, gefällt, So hilf mir morgen auf, Daß ich noch ferner in der Welt Vollbringe meinen Lauf. 10. Und endlich führe, wenn es Zeit, Mich in den Himmel ein; Da wird in deiner Herrlichkeit Mein Sabbath ewig sein. Kaspar Neumann. II. Adventslieder. Mel: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 15. Gott Lob! ein neues Kirchenjahr Macht uns die große Treue Des ew'gen Gottes offenbar, Und nun will er aufs neue Den alten hochbeschwornen Bund, Den ewig festen Glaubensgrund Durch seinen Geist uns lehren. 2. Auf, Zion, Preis und Ehr' und Ruhm Dem höchsten Herrn zu singen! Dein königliches Priestertum Muß Dank zum Opfer bringen. Gelobt sei Gott, der durch sein Wort Die Christenheit und diesen Ort Zu seinem Tempel weihet. Adventslieder. 15 3. Wir sind nicht wert der neuen Huld Des Gottes aller Gnaden. Des alten Menschen alte Schuld, Die wir auf uns geladen, Nimmt unsern eignen Ruhm dahin; Denn sie bewies den alten Sinn Noch stets mit neuen Sünden. 4. Ach Herr, gieb uns den neuen Geist Und mach uns durch die Güte, Die sich an uns aufs neu' erweist, Erneuert im Gemüte. Den neuen Menschen zieh uns an, Der dir allein gefallen kann In seinem ganzen Leben. 5. Hiezu erhalt uns, Herr, dein Wort Samt Tauf' und Abendmahle, So wandern wir mit Freuden fort In diesem dunkeln Thale. Herr, segne dieses Kirchenjahr, Laß Kirch' und Schul', Tauf' und Altar Uns deine Wege zeigen. 6. Gieb deinen Hirten Kraft und Geist Zu reiner Lehr' und Leben, Dein Wort, das Gottes Weide heißt, Der Herde rein zu geben; Laß alle Hörer Thäter sein, Damit kein heuchlerischer Schein Des Glaubens Kraft verleugne. 7. So halten und vollenden wir Das Kirchenjahr auf Erden; Dabei befehlen wir es dir, Wie wir es enden werden. Hier bleibt die Kirche noch im Streit; Kommt aber einst die Ewigkeit, Dann wird sie triumphieren. H. C. Hecker. Adventslieder. Mel.: Erschienen ist der herrlich Tag. 16. Nun kommt das neue Kirchenjahr, Des freuet sich der Christen Schar. Dein König kommt, drum freue dich, Du wertes Zion, ewiglich. Halleluja! 2. Wir hören noch das Gnadenwort Vom Anfang immer wieder fort, Das uns den Weg zum Leben weist; Gott sei für seine Gnad' gepreist! Halleluja! 3. Gott, was uns deine Wahrheit lehrt, Die unsern Glauben stärkt und miehrt, Laß in uns bleiben, daß wir dir Von Herzen danken für und für. ja! Halleluja! Joh. Olearius. Mel.: Von Gott will ich nicht lassen. 17. Auf, auf, ihr Reichsgenossen, Der König kommt heran, Empfaht ihn unverdrossen Auf seiner Wunderbahn: Ihr Christen, eilt herbei, Laßt uns vor allen Dingen Ihm Hosianna singen In heil'ger Lieb' und Treu'. 2. Auf, ihr verzagten Herzen, Der König ist gar nah. Hinweg all' Angst und Schmerzen, Der Helfer ist schon da. Der Herr will in der Not Mit reichem Trost euch speisen, Er will euch Hülf' erweisen, Ja töten gar den Tod. V Adventslieder. 3. Frisch auf in Gott, ihr Armen, Der König sorgt für euch. Er will durch sein Erbarmen Euch machen groß und reich: Der über alles wacht, Der wird auch euch ernähren; Was Menschen nur begehren, Das steht in seiner Macht. 4. Frisch auf, ihr Hochbetrübten, Der König kommt mit Macht. An uns, die Herzgeliebten, Hat er schon längst gedacht. Nun wird nicht Angst noch Pein Noch Zorn hinfort uns schaden, Dieweil uns Gott aus Gnaden Läßt seine Kinder sein. 5. Auf, eilt mit schnellem Schritte, Den König selbst zu sehn. Er kommt in eure Mitte Stark, herrlich, sanft und schön. Nun tretet all' heran, Den Heiland zu begrüßen, Der alles Kreuz versüßen Und uns erlösen kann. 6. Der König will bedenken Uns, die er herzlich liebt, Mit köstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns giebt Im Wort und Sakrament. Ja, König, hoch erhoben, Wir wollen freudig loben Dich bis an unser End'. 7. Nun, Herr, du giebst uns reichlich, Wirst selbst doch arm und schwach; Du liebest unvergleichlich, Adventslieder. Du gehst den Sündern nach: Drum woll'n wir insgemein Die Stimmen lassen klingen, Dir Hosianna singen Und ewig dankbar sein. Joh. Rist. Mel.: Der du das Los von meinen Tagen. 18. Dein König kommt in niedern Hüllen, Ihn trägt der lastbar'n Es'lin Füllen, Empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenspalmen, Bestreu den Pfad mit grünen Halmen: So ist's dem Herren angenehm. 2. O mächt'ger Herrscher ohne Heere, Gewalt'ger Kämpfer ohne Speere, O Friedensfürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne sperren, Doch du gewinnst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, Doch alle Erdenreiche werden Dem, was du gründest, unterthan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten Zieht deine Schar nach den vier Orten Der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommst dahergezogen, Da ebnen sich des Meeres Wogen, Es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, auf den empörten Triften Des Lebens neuen Bund zu stiften Und schlägst in Fesseln Sünd' und Tod. 5. O Herr von großer Huld und Treue, O komme du auch jetzt aufs neue Zu uns, die wir sind schwer verstört. Not ist es, daß du selbst hienieden Rist. len, den, ht. d. reue, Adventslieder. 19 Kommst, zu erneuern deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört. 6. O laß dein Licht auf Erden siegen, Die Macht der Finsternis erliegen, Und lösch der Zwietracht Glimmen aus, Daß wir, die Völker und die Thronen, Vereint als Brüder wieder wohnen In deines großen Vaters Haus. Friedrich Rückert. Mel.: Von Gott will ich nicht lassen. 19. Erhebt den Herrn, ihr Frommen, Er hält, was er verspricht. Der Heiland ist gekommen, Der Völker Trost und Licht. Gott, der uns nicht verstößt, Hat uns zum Heil und Leben Selbst seinen Sohn gegeben; Durch ihn sind wir erlöst. 2. Erlöst, o welche Gnade Hat uns der Herr erzeigt! Wie groß war unser Schade, Der uns so tief gebeugt! Er heilt ihn wunderbar. Von Sünden und Verderben Uns Rettung zu erwerben, Gab Gottes Sohn sich dar. 3. Er kam zu uns auf Erden In armer Knechtsgestalt, Voll Mühe und Beschwerden War hier sein Aufenthalt. Der ihm gegebnen Macht Enthielt er sich mit Freuden, Bis er durch Todesleiden Sein großes Werk vollbracht. ⁰ Adventslieder. 20 4. Er hat's vollbracht; o bringet Gott euren Lobgesang! Erlöste Menschen, singet Dem Mittler ewig Dank! Wo niemand helfen kann, Da hilft er gern aus Gnaden, Heilt unsern Seelenschaden. O nehmt ihn gläubig an! 5. Du Freund der Menschenkinder, Verwirf uns, Jesu, nicht. Dein Name, Heil der Sünder, Ist unsre Zuversicht. Drum kommen wir zu dir, Hilf uns aus allen Sünden, Hilf glücklich überwinden! Denn dein, o Herr, sind wir. 6. Bei dir steht unser Leben; Zu unserm ew'gen Heil Hast du dich hingegeben; Gieb uns am Himmel Teil! Laß uns dir folgsam sein; Was wird uns, Herr, dann fehlen? Dann werden unsre Seelen Sich Gottes ewig freun. J. S. Diterich. Mel.: Nun danket alle Gott. 20. Er ist gekommen, er, Auf den die Väter harrten, Und länger dürfen wir 5 Nun keines andern warten. Er, der Propheten Wunsch, Den Könige so gern Sehn wollten, er ist da; Wir haben ihn zum Herrn. Adventslieder. 2. Uns ist der Sohn geschenkt, Er, welcher kommen sollte, Der Völker Licht zu sein, Der uns erlösen wollte. Er ist erschienen, dankt! Bringt Ruhm und Ehre her! Wer ist ein Helfer? wer Immanuel, als er? 3. Gott ist mit uns, wir sehn Den Sohn, den Eingebornen, Des Vaters Herrlichkeit, Den Retter der Verlornen, Der Reuevollen Trost. Ihr Sünder, nehmt ihn an, Er ist allein der Herr, Der selig machen kann. 4. Gott ist mit uns, nun hört Der Arme seine Lehren; Und was er lehrt, ist Heil. Er ist's, die Tauben hören, Der Blinde sieht und schaut Voll Dank zu Gott hinauf, Der Lahmen Füße gehn, Die Toten stehen auf. 5. Er ist gekommen, uns Dem Vater zu versöhnen Und mit Barmherzigkeit Die Gläubigen zu krönen. Gott ist mit uns, er will Die Traurigen erfreun, Er will der Schwachen Kraft, Der Müden Stärke sein. 6. Gott ist mit uns, er ist's, Auf den die Väter harrten. Lobsingt! wir dürfen nun 22 Adventslieder. Nicht eines andern warten. Er schließt den Himmel auf, Er nimmt die Sünder an. Frohlockt und betet ihn Und seinen Vater an! Joh. Andr. Cramer. Mel.: Nun komm, der Heiden Heiland. 2I. Gott sei Dank durch alle Welt, Der sein Wort beständig hält Und der Sünder Trost und Rat Zu uns hergesendet hat. 2. Was der alten Väter Schar Höchster Wunsch und Sehnen war, Und was sie einst prophezeit, Ist erfüllt in Herrlichkeit. 3. Zions Hülf' und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jungfrau Sohn, Der verheißne Wunderheld Hat sich treulich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Hosianna, o mein Teil! Richte du dir eine Bahn Auch in meinem Herzen an. 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, Es gehöret dir allein; Mach es, wie du gerne thust, Rein von aller Sündenlust. 6. Und wie du voll Sanftmut kamst, Aller Sünde auf dich nahmst, Also sei auch jederzeit Deine Sanftmut mir bereit. 7. Tröste, tröste meinen Sinn, Weil ich schwach und blöde bin Und des Satans Macht und List Mir zu groß und furchtbar ist. Adventslieder. 23 8. Tritt der Schlange Kopf entzwei, Daß ich aller Angsten frei Und im Glauben dir fortan Selig bleibe zugethan; 9. Daß, wenn du, o Lebensfürst, Prächtig wiederkommen wirst, Ich dir mög' entgegengehn Und vor dir gerecht bestehn. Heinr. Held. Mel.: Meinen Jesum lass' ich nicht. 22. Hosianna! Davids Sohn Kommt in Zion eingezogen. Auf, bereitet ihm den Thron, Setzt ihm tausend Ehrenbogen, Streuet Palmen, machet Bahn, Daß er Einzug halten kann. 2. Hosianna! hocherfreut Gehen wir dir, Herr, entgegen. Unser Herz ist schon bereit, Will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu unsern Thoren ein; Du sollst uns willkommen sein. 3. Hosianna! Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite, Alles, was du bringen wirst, Das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, Und dein Reich allein besteht. 4. Hosianna! lieber Herr, Wir sind deine Reichsgenossen, Ach, so gieb zu deiner Ehr', Daß wir allzeit unverdrossen Deinem Scepter dienstbar sein; Herrsche du in uns allein. 24 Adventslieder. 5. Hosianna! steh uns bei; O Herr, hilf, laß wohlgelingen, Daß wir ohne Heuchelei Dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, Der dein Kreuz nicht tragen kann. 6. Hosianna nah und fern! Eile, bei uns einzugehen. Du Gesegneter des Herrn, Warum willst du draußen stehen? Hosianna, bist du da? Ja, du kommst. Halleluja! Benj. Schmolck. Eigne Melodie. 25. Macht hoch die Thür, die Thore weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit, Ein König aller Königreich', Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt; Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Schöpfer, reich von Rat. 2. Er ist gerecht, ein Helfer wert, Voll Sanftmut er sich zu uns kehrt, Sein' Königskron' ist Heiligkeit, Sein Scepter ist Barmherzigkeit, All' unsre Not zum End' er bringt; Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Heiland, groß von That. 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, So diesen König bei sich hat! Bohl allen Herzen insgemein, Da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn', Adveutslieder. 25 Bringt mit sich lauter Freud' und Wonn'. Gelobet sei mein Gott, Mein Tröster früh und spat. 4. Macht hoch die Thür, die Thore weit! Das Herz zum Tempel macht bereit; Die Zweige der Gottseligkeit Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud': So kommt der König auch zu euch, Ja, Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, Voll Rat, voll That, voll Gnad'. 5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ Des Herzens Thür dir offen ist: Ach zeuch mit deiner Gnade ein, Dein' Freundlichkeit auch uns erschein'; Dein heil'ger Geist uns führ' und leit' Den Weg zur ew'gen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, Sei ewig Preis und Ehr'! Georg Weissel. Mel.: Von Gott will ich nicht lassen. 2. Mit Ernst, o Menschenkinder, Das Herz in euch bestellt, Damit das Heil der Sünder, Der wunderstarke Held, Den Gott aus Gnad' allein Der Welt zum Licht und Leben Versprochen hat zu geben, Bei allen kehre ein! 2. Bereitet doch fein tüchtig Den Weg dem großen Gast; Macht seine Steige richtig, Laßt alles, was er haßt. Macht eben alle Pfad', Die Thäler all' erhöhet, 26 Adventslieder. Macht niedrig, was hoch stehet, Was krumm ist, machet grad. 3. Ein Herz, das Demut liebet, Bei Gott am höchsten steht; Ein Herz, das Hochmut übet, Mit Angst zu Grunde geht; Ein Herz, das richtig ist Und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, Zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen In dieser heil'gen Zeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit! Zeuch in mein Herz hinein; Ich eile dir entgegen Und will für deinen Segen Dir ewig dankbar sein. Valentin Thilo. 0 Mel.: Aus meines Herzens Grunde. 20 Nun jauchzet all', ihr Frommen, In dieser Gnadenzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr der Herrlichkeit; Zwar ohne stolze Pracht, Doch mächtig zu verheeren Und gänzlich zu zerstören Des Teufels Reich und Macht. 2. Kein Scepter, keine Krone Sucht er auf dieser Welt; Im hohen Himmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht Und Majestät verhü Ha.- Siol. Adventslieder. 27 Bis er des Vaters Willen Im Leiden hat vollbracht. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, Nehmt diesen König an, Wollt ihr bewahret werden Und gehn die rechte Bahn, Die zu dem Himmel führt; Sonst, wo ihr ihn verachtet Und nur nach Hoheit trachtet, Des Höchsten Zorn euch rührt. 4. Ihr Armen, voll Beschwerden In dieser bösen Zeit, Die ihr auf dieser Erden Müßt haben Angst und Leid, Seid dennoch wohlgemut, Laßt eure Lieder klingen, Dem König zu lobsingen, Der euer höchstes Gut. 5. Er wird nun bald erscheinen In seiner Herrlichkeit Und euer Leid und Weinen Verwandeln ganz in Freud'. Er ist's, der helfen kann; Macht eure Lampen fertig Und seid stets sein gewärtig, Er ist schon auf der Bahn. Wich. Schirmer. Mel.: Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich. 26. U Jesu Christe, Gottes Sohn, Wie kommst du doch allhier Von deinem schönen Himmelsthron : Ins Elend her zu mir? 2. Ich bin nicht wert, daß du mich liebst, O großer Himmetsfürst. 2 Adventslieder. Mir solche Freud' und Ehre giebst, : Ja selbst mein eigen wirst. ½ 3. Ach komm, du edler Gottesheld, Komm in mein Herz herein; Du, Heiland dieser ganzen Welt, : Du willst mein Bruder sein. ,½ 4. Sei mir willkommen tausendmal, Mein Freund und werter Gast, In diesem armen Thränenthal; : Du bringst mir Freud' und Rast. 5½ 5. Gerechter König, gieb mir doch Licht und Gerechtigkeit, Nimm weg von mir der Sünden Joch, ½ Stolz, Erdenlust und Neid. 6. Mit Demut schmücke du mich fein Und gieb mir deinen Sinn; O Herr, ich will dein eigen sein; : Nimm meine Sünden hin. 7. Auf! machet Bahn, der Held kommt an, Auf, macht die Thore weit! Es singe, was da singen kann, : Nun ist es Singenszeit. J. Panli. Mel.: Valet will ich dir geben. 21. Wie soll ich dich empfangen, Und wie begegn' ich dir? O aller Welt Verlangen, O meiner Seele Zier! O Jesu, Jesu, setze Mir selbst die Fackel bei, Damit, was dich ergötze, Kund und bewußt mir sei. 2. Dein Zion streut dir Palmen Und grüne Zweige hin, Adventslieder. Und ich will dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen In stetem Lob und Preis Und deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen Zu meinem Trost und Freud'? Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid, Als mir das Reich genommen, Da Fried' und Freude lacht, Bist du, mein Heil, gekommen Und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los; Ich stand in Spott und Schanden, Du kommst und machst mich groß Und hebst mich hoch zu Ehren Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie ird'scher Reichtum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als dein getreues Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen Und großen Jammers Last, Die kein Mund kann aussagen, So fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in dein Herze, Du hochbetrübtes Heer, Bei welchem Gram und Schmerzen Sich häufen mehr und mehr. Seid unverzagt, ihr habet 30 Adventslieder. Die Hülfe vor der Thür; Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen, Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht. Er kommt, er kommt mit Willen, Ist voller Lieb' und Lust, All' Angst und Not zu stillen, Die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken Vor eurer Sündenschuld; Nein, Jesus will sie decken Mit seiner Lieb' und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern Zum Trost und wahren Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib' ihr Erb' und Teil. 9. Was fragt ihr nach dem Dräuen Der Feind' und ihrer Tück'? Der Herr wird sie zerstreuen In einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, Dem wahrlich alle Feind' Auf Erden viel zu wenig Zum Widerstande sind. 10. Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht, Mit Gnad' und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne! Und führ uns allzumal Zum ew'gen Licht, zur Wonne In deinen Freudensaal. Paul Gerhardt. Weihnachtslieder. III. Weihnachtslieder. Mel.: Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich. 28. Also hat Gott die Welt geltebt, Daß er aus freiem Trieb Uns seinen Sohn zum Heiland giebt. 2: Wie hat uns Gott so lieb! 2. Was sein erbarmungsvoller Rat Schon in der Ewigkeit Für unser Heil beschlossen hat, Vollführt er in der Zeit. 3. Er, aller Menschen höchstes Gut, Der alle segnen kann, Nimmt, wie die Kinder, Fleisch und Blut, Doch ohne Sünde, an. 4. Ich freue mich, mein Heil, in dir; Du nimmst mein Fleisch an dich. Was fehlt mir nun? Ist Gott mit mir, 2 Wer ist dann wider mich? 5. Du, Sohn des Allerhöchsten, wirst Auch mir Rat, Kraft und Held, Mein Retter und mein Friedefürst, 2n Das Heil der ganzen Welt.: 6. Was mir zur Seligkeit gebricht, Das, Herr, erwarbst du mir. Versöhnung, Leben, Trost und Licht, ): Das hab' ich nun in dir. 1 7. Dein Mangel wird mein Schatz und Teil, Dein Leiden stillt mein Leid; Durch deine Knechtsgestalt, mein Heil, Gewinn' ich Herrlichkeit. 32 Weihnachtslieder. 8. Gelobt sei Gott, gelobt sein Sohn In dieser Freudenzeit! Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron! „ Erheb ihn, Christenheit! Heinr. Corn. Hecker. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. 29. Der heil'ge Christ ist kommen, Der teure Gottessohn; Des freun sich alle Frommen Am höchsten Himmelsthron. Auch, was auf Erden ist, Soll preisen hoch und loben Mit allen Engeln droben Den lieben heil'gen Christ. 2. Das Licht ist aufgegangen, Die lange Nacht ist hin; Die Sünde liegt gefangen, Erlöst ist Herz und Sinn. Die Sündenangst ist weg, Der Glaube geht zum Himmel Nun aus dem Weltgetümmel Auf einem sichern Steg. 3. Nun sind nicht mehr die Kinder Verwaist und vaterlos; Gott rufet selbst die Sünder In seinen Gnadenschoß. Er will, daß alle, rein Von ihrem alten Schaden, Durch Buß' und Glaub' aus Gnaden Gehn in den Himmel ein. 4. Drum freuet euch und preiset, Ihr Kinder, fern und nah! Der euch den Vater weiset, Der heil'ge Christ ist da. Er ruft euch insgemein Weihnachtslieder. Mit süßen Liebesworten: Geöffnet sind die Pforten, Ihr Kinder, kommt herein! E. M. Arndt. Mel.: Vom Himmel hoch, da komm' ich her. 0. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd' in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Väter haben dein geharrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward; Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, So steht mein Geist vor Ehrfurcht still; Er betet an und er ermißt, Daß Gottes Lieb' unendlich ist. 4. Herr, zu der Sünder Seligkeit Erniedrigst du dich in der Zeit, Nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, Erscheinst im Fleisch und bringst uns Heil 5. Dein König, Zion, kommt zu dir. „Ich komm', im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu' ich gern.“ Gelobt sei, der da kommt vom Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott Messias, bet' ich an. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 3 34 Weihnachtslieder. 8. Gedanke voller Majestät, Wie wird das Herz durch dich erhöht! Wie wird das Herz durch dich erfreut, Gedanke voller Seligkeit! 9. Durch eines Sünde fiel die Welt; Ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, Der in des Vaters Schoße sitzt? 10. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der heiligsten Geburt! Und Erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 11. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd' in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. Chr. F. Gellert. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 31. Dies ist die Nacht, da mir erschienen Des großen Gottes Freundlichkeit; Das Kind, dem alle Engel dienen, Bringt Licht in meine Dunkelheit; Und dieses Welt- und Himmelslicht Weicht hunderttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, Versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz aus engem Raum dringt helle In alle Welt mit Macht hinein, Vertreibt der Höll' und Sünde Macht, Des Kreuzes und des Todes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen Das Licht der vollen Seligkeit. Wenn Sonne, Mond und Stern' vergehen, Vielleicht schon in gar kurzer Zeit, Weihnachtslieder. Wird dieses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein alles sein. 4. Laß nur indessen helle scheinen Dein Glaubens- und dein Liebeslicht; Mit Gott mußt du es treulich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht. t, Willst du genießen diesen Schein, So darfst du nicht mehr dunkel sein. t, 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne, Bestrahle mich mit deiner Gunst; Dein Licht sei meine Weihnachtswonne, Und lehre mich die sel'ge Kunst, t; Wie ich, des Weihnachtsglanzes voll, In deinem Lichte wandeln soll. Kasp. F. Nachtenhöfer. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 92. Du wesentliches Wort, Von Anfang her gewesen, n Du, Gott von Gott gezeugt, Von Ewigkeit erlesen Zum Heil der ganzen Welt, O mein Herr Jesu Christ: Willkommen, der du mir Zum Heil geboren bist. 2. Was hat, o Jesu, dich Von Anfang doch bewogen, Was hat vom Himmelsthron Dich in die Welt gezogen? Ach, deine große Lieb!“ Und meine große Not Hat deine Glut entflammt, Die stärker als der Tod. 3. Gieb, daß ich dir zum Dienst Mein ganzes Herz ergebe, 3 36 Weihnachtslieder. Auch dir allein zum Preis Auf dieser Erde lebe; Ja, Jesu, laß mein Herz Ganz neu geschaffen sein Und dir bis in den Tod Gewidmet sein allein. 4. Laß ja nichts in mir sein, Was du nicht hast geschaffen, Reut alles Unkraut aus Und brich des Feindes Waffen; Was bös', ist nicht von dir, Das hat der Feind gethan: Du aber führe mich, O Herr, auf ebner Bahn. 5. Das Leben ist in dir Und alles Licht des Lebens: Mein Gott, laß deinen Glanz An mir nicht sein vergebens! Weil du das Licht der Welt, So sei mein Lebenslicht, O Jesu, bis mir dort Dein Sonnenlicht anbricht. Laurentius Laurentii. Eigne Melodie. 33. Ermuntre dich, mein schwacher Geist, Und trage groß Verlangen, Ein Kind, das Ewigvater heißt, Mit Freuden zu empfangen. Dies ist die Nacht, darin es kam Und menschlich Wesen an sich nahm, Damit sich seiner Treue Die ganze Welt erfreue. 2. Willkommen, Held aus Davids Stamm, Du König aller Ehren! Willkommen, Jesu, Gottes Lamm! Weihnachtslieder. Ich will dein Lob vermehren; Ich will dir all mein Lebenlang Von Herzen sagen Preis und Dank, Daß du, da wir verloren, Für uns bist Mensch geboren. 3. O Gottessohn! Wie konnt' es sein, Dein Himmelreich zu lassen, Zu kommen in die Welt hinein, Wo nichts, denn Neid und Hassen? Wie konntest du die große Macht, Dein Königreich, die Himmelspracht, Ja selbst dein teures Leben Für solche Feinde geben? 4. O großes Werk, o Wundernacht, Dergleichen nie gefunden! Du hast den Heiland hergebracht, Der alles überwunden, Du hast gebracht den starken Mann, Der Wind und Wellen stillen kann, Vor dem die Himmel zittern Und alle Berg' erschüttern. 5. O liebstes Kind, das Gott uns gab, Holdselig von Gebärden, Mein Heiland, den ich lieber hab', Als alle Schätz' auf Erden, Komm eilend in mein Herz herein Und laß es deine Wohnung sein, Komm, komm, ich will beizeiten Die Stätte dir bereiten. 6. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ Sei dir von mir gesungen, Daß du mein Bruder worden bist Und hast die Welt bezwungen: Hilf, daß ich deine Gütigkeit Stets preis' in dieser Gnadenzeit 38 Weihnachtslieder. Und mög' hernach dort oben In Ewigkeit dich loben. Joh. Rist. Eigne Melodie. 34. Es ist ein' Ros' entsprungen Aus einer Wurzel zart, Als uns die Alten sungen, Von Jesse kam die Art Und hat ein Blümlein bracht Mitten im kalten Winter Wohl zu der halben Nacht. 2. Das Röslein, das ich meine, Davon Jesajas sagt, Hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd. Aus Gottes ew'gem Rat Hat sie ein Kind geboren Wohl zu der halben Nacht. Mel.: Warum sollt' ich mich denn grämen. 35. Fröhlich soll mein Herze springen Dieser Zeit, Da vor Freud' Alle Engel singen. Hört, hört, wie in vollen Chören Laut es schallt, Wiederhallt: Christus ist geboren. 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, Der die Welt Reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch dir, Mensch, zu gute; Gottes Kind, Weihnachtslieder. Das verbind't Sich mit unserm Blute. 3. Er nimmt auf sich, was auf Erden Wir gethan, Beut sich an, Unser Heil zu werden. Gottes Lamm will für uns sterben Und bei Gott Für den Tod Heil und Fried' erwerben. 4. Nun er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich Mich und dich, Spricht mit süßen Lippen: Lasset fahren, lieben Brüder, Was euch quält; Was euch fehlt, Bring' ich alles wieder. 5. Ei, so kommt nun ohn' Verweilen, Stellt euch ein, Groß und klein, Laßt zu ihm uns eilen! Liebt den, der vor Liebe brennet, Schaut den Stern, Der uns gern Licht und Labsal gönnet. 6. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zu den wahren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 40 Weihnachtslieder. 7. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, Wer empfind't Seine Sünd' Und Gewissensschmerzen, Sei getrost; hier wird gefunden, Der da heilt Unverweilt Auch die tiefsten Wunden. 8. O mein Heil, laß dich umfangen, Laß an dir, Meine Zier, Unverrückt mich hangen! Du bist meines Lebens Leben: Nun kann ich Mich durch dich Wohl zufrieden geben. 9. Ich will dich mit Fleiß bewahren; Ich will dir Leben hier, Dir will ich heimfahren. Mit dir will ich endlich schweben Voller Freud' Ohne Zeit Dort im andern Leben. Paul Gerhardt. Eigne Melodie. 36. Gelobet seist du, Jesu Christ, Daß du Mensch geboren bist Von einer Jungfrau, das ist wahr, Des freuet sich der Engel Schar! Halleluja! 2. Des ew'gen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krippen find't; In unser armes Fleisch und Blut Weihnachtslieder. Verkleidet sich das ew'ge Gut. Halleluja! 3. Den aller Weltkreis nie beschloß, Der liegt in Mariens Schoß; Er ist ein Kindlein worden klein, Der alle Ding' erhält allein. Halleluja! 4. Das ew'ge Licht geht da herein, Giebt der Welt ein'n neuen Schein; Es leucht't wohl mitten in der Nacht Und uns des Lichtes Kinder macht. Halleluja! 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, Ein Gast in der Welt hier ward Und führt uns aus dem Jammerthal, Macht Erben uns im Himmelssaal. Halleluja! 6. Er ist auf Erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm' Und uns im Himmel mache reich Und seinen lieben Engeln gleich. Halleluja. 7. Das hat er alles uns gethan, Sein' groß! Lieb' zu zeigen an. Des freu' sich alle Christenheit Und dank' ihm des in Ewigkeit. alleluja! 8 Dr. Mart. Luther. Mel.: Lobe den Herren, den mächtigen König. 37. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Engel, in Chören! Singet dem Herren, dem Heiland der Men⸗ schen, zu Ehren! Sehet doch da, 42 Weihnachtslieder. Gott will so freundlich, so nah Zu den Verlornen sich kehren. 2. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden. Friede und Freud' Wird uns verkündiget heut. Freuet euch, Hirten und Herden! 3. Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste geneiget! Sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget! Sie wird ein Kind, Träget und tilget die Sünd'; Alles anbetet und schweiget. 4. Gott ist im Fleische! Wer kann dies Geheimnis verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen. Gehet hinein, Eins mit dem Kinde zu sein, Die ihr zum Vater wollt gehen. 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herz voll Er⸗ barmen mir schenken. Sollt' nicht mein Sinn Innigst sich freuen darin Und sich in Demut versenken? 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, Dem ich auch wieder mein Herze in Liebe verbinde, Du sollst es sein, Weihnachtslieder. Den ich erwähle allein; Ewig entsag' ich der Sünde. 7. Treuer Immanuel, werd' auch in mir nun geboren! Komm doch, mein Heiland! denn ohne dich bin ich verloren. Wohne in mir, Mache ganz eins mich mit dir, Der du mich liebend erkoren! 8. Menschenfreund Jesu, dich lieb' ich, dich will ich erheben; Laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nur streben! Gieb mir doch bald, Jesu, die Kindesgestalt, 3 Um dir alleine zu leben! Geth. Tersteegen Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 38. Ich steh' an deiner Krippe hier, O Jesu, du mein Leben! Ich stehe, bring' und schenke dir, Was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn; Herz, Seel' und Mut, nimm alles hin Und laß dir's wohl gefallen. 2. Du hast das Herz mir ganz erfüllt Mit deiner Lieb' und Güte; Dein schöner Glanz, dein lieblich Bild Liegt stets mir im Gemüte. Und wie mag es auch anders sein? Wie könnt' ich dich, o Herze mein, Aus meinem Herzen lassen? 3. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren Und hast mich dir zu eigen gar, 44 Weihnachtslieder. Eh' ich dich kannt', erkoren. Eh' ich durch Gottes Hand gemacht, Da hast du schon an mich gedacht, Wie du mein wolltest werden. 4. Ich lag in tiefer Todesnacht, Du wurdest meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud' und Wonne. O Sonne, die den werten Schein Des Glaubens schickt ins Herz hinein, Wie schön sind deine Strahlen! 5. Ich sehe dich mit Freuden an Und kann nicht satt mich sehen, Und weil ich nun nicht weiter kann, So bleib' ich sinnend stehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär' Und meine Seel' ein weites Meer, Daß ich dich möchte fassen! 6. Wenn oft mein Herz vor Kummer weint Und keinen Trost kann finden, Rufst du mir zu: Ich bin dein Freund, Ich tilge deine Sünden; Was trauerst du? bin ich doch dein; Nun sollst du guten Mutes sein: Ich heile deine Wunden. 7. Du fragest nicht nach Lust der Welt Noch nach des Lebens Freuden; Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden, Suchst meiner Seele Trost und Freud' Durch dein selbsteignes Herzeleid; Das will ich dir nicht wehren. 8. Eins aber, hoff' ich, wirst du mir, Mein Heiland, nicht versagen, Daß ich dich möge für und für Weihnachtslieder. In meinem Herzen tragen. So laß es deine Wohnung sein, Komm, komm und kehre bei mir ein Mit allen deinen Freuden. Paul Gerhardt. Eigne Melodie. 39. Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich Vor seiner Gnade Thron! Er schleußt uns auf das Himmelreich 2): Und schenkt uns seinen Sohn. n 2. Der Sohn kommt aus des Vaters Schoß, Der Menschen Heil zu sein; Er wird ein Mensch und arm und bloß, 2) Uns ewig zu erfreun.: 3. Er kommt zu uns, nicht mit Gewalt Noch Hoheit angethan; Der Knechte niedrige Gestalt 2) Nimmt unser Heiland an. 4. Dort lag er an Mariens Brust; Ein schwaches Kind war er, Er, aller Himmel Lob und Lust, 2): Er, Davids Sohn und Herr. 5. Aus Davids Stamm entsprießt der Held; Gott giebt die Seligkeit Durch ihn und stiftet in der Welt ) Sein Reich, die Christenheit.: 6. Er wechselt wunderbar mit mir, Wird Mensch und nimmt zugleich Mein Elend an und giebt dafür ): Mir seines Vaters Reich. 7. Mich zu erhöhn, wird er ein Knecht; Das mag ein Wechsel sein! Preis ihn, mein glückliches Geschlecht! ) Er und sein Heil ist dein. 46 Weihnachtslieder. 8. So schloß er wieder auf die Thür Zu Gottes Paradeis; Der Cherub steht nicht mehr dafür. ): Gott sei Lob, Ehr' und Preis! Nach Nik. Herman. Eigne Melodie. 40.„Vom Himmel hoch, da komm' ich her, Ich bring' euch gute neue Mär', Der guten Mär' bring' ich so viel, Davon ich sing'n und sagen will.“ 2.„Euch ist ein Kindlein heut gebor'n Von einer Jungfrau auserkor'n, Ein Kindelein so zart und fein, Das soll eur' Freud' und Wonne sein.“ 3.„Es ist der Herr Christ, unser Gott, Der will euch führ'n aus aller Not. Er will eu'r Heiland selber sein, Von allen Sünden machen rein.“ 4.„Er bringt euch alle Seligkeit, Die Gott, der Vater, hat bereit, Daß ihr mit uns im Himmelreich Sollt leben nun und ewiglich.“ 5.„So merket nun das Zeichen recht, Die Krippe und die Windeln schlecht, Da findet ihr das Kind gelegt, Das alle Welt erhält und trägt.“ 6. Des laßt uns alle fröhlich sein Und mit den Hirten gehn hinein, Zu sehn, was Gott uns hat beschert, Mit seinem lieben Sohn verehrt. 7. Sei uns willkommen, edler Gast! Den Sünder nicht verschmähet hast Und kommst ins Elend her zu mir, Wie soll ich immer danken dir? Weihnachtslieder. 8. Ach mein herzliebster Jesu Christ, Mein's Herzens Thür dir offen ist, Mach du es ganz von Sünden rein Und laß mich deine Wohnung sein. 9. Lob, Ehr' sei Gott im höchsten Thron, Der uns schenkt seinen ein'gen Sohn! Des freuet sich der Engel Schar Und singet uns solch neues Jahr. Dr. Mart. Luther Mel.: Erschienen ist der herrlich Tag. 41. Wir singen dir, Immanuel, Du Lebensfürst und Gnadenquell, Du Himmelsblum' und Morgenstern, Der Jungfrau Sohn, Herr aller Herrn! Halleluja! 2. Wir singen dir mit deinem Heer Aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr', Daß du, o längst gewünschter Gast, Dich nunmehr eingestellet hast. Halleluja! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, Hat so manch Herz nach dir gewacht, Auf dich gehofft so lange Jahr' Der Väter und Propheten Schar. Halleluja! 4.„Ach, daß der Herr aus Zion käm' Und unsre Bande von uns nähm'! Ach, daß die Hülfe bräch' herein, So würde Jakob fröhlich sein!“ Halleluja! 5. Nun, du bist hier, da liegest du, Hältst in der Krippe deine Ruh', Bist klein und machst doch alles groß, 48 Weihnachtslieder. Du schmückst die Welt und kommst doch bloß. Halleluja! 6. Du kehrst in fremde Hausung ein, Und sind doch alle Himmel dein; Du liegst an einer Menschenbrust Und bist doch aller Engel Lust. Halleluja! 7. Du bist der Ursprung aller Freud' Und duldest so viel Herzeleid; Du bist der größte Menschenfreund, Doch sind dir so viel Menschen feind. Halleluja! 8. Ich aber, dein geringster Knecht, Ich sag' es frei und mein' es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, Als ich dich gerne lieben will. Halleluja! 9. Der Will' ist da, die Kraft ist klein, Doch wird dir nicht zuwider sein Mein armes Herz, und was es kann, Wirst du in Gnaden nehmen an. Halleluja! 10. So fass' ich dich denn ohne Scheu, Du machst mich alles Jammers frei; Du trägst den Zorn, erwürgst den Tod, Verkehrst in Freud' all' Angst und Not. Halleluja! 11. Du bist mein Haupt, und wiederum Bin ich dein Glied und Eigentum Und will, so viel dein Geist mir giebt, Stets dienen dir, wie dir's beliebt. Halleluja! 12. Ich will dein Halleluja hier Mit Freuden singen für und für, Und dort in deiner Herrlichkeit Soll's schallen dir in Ewigkeit. Halleluja! Paul Gerhardt. Neujahrslieder. IV. Neujahrslieder. Mel.: Vom Himmel hoch, da komm' ich her. 42. Das aͤlte Jahr vergangen ist; Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du in Not uns und Gefahr Behütet hast so manches Jahr. 2. Wir bitten dich, du ew'ger Sohn Des Vaters in dem höchsten Thron, Du wollst dein' arme Christenheit Bewahren ferner allezeit. 3. Entzeuch uns nicht dein heilsam Wort, Das ist der Seele höchster Hort; Vor falscher Lehr', Abgötterei Behüt uns, Herr, und steh uns bei. 4. Hilf, daß wir fliehn der Sünde Bahn, Mit neuer Lieb' dir hangen an; Der Sünd' des alten Jahrs nicht denk, Ein gnadenreich neu Jahr uns schenk. 5. Hilf christlich leben stetiglich, In dir einst sterben seliglich Und danach fröhlich auferstehn Und mit dir in den Himmel gehn, 6. Zu loben und zu preisen dich Mit allen Engeln ewiglich. O Jesu, unsern Glauben mehr Zu deines Namens Lob und Ehr'. Steuerlein und Tapp. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 43. Das Jahr geht still zu Ende, Nun sei auch still, mein Herz. In Gottes treue Hände 50 Neujahrslieber. Leg' ich nun Freud' und Schmerz Und, was dies Jahr umschlossen, Was Gott der Herr nur weiß, Die Thränen, die geflossen, Die Wunden, brennend heiß. 2. Warum es so viel Leiden, So kurzes Glück nur giebt? Warum denn immer scheiden, Wo wir so sehr geliebt? So manches Aug' gebrochen Und mancher Mund nun stumm, Der erst noch hold gesprochen— Du armes Herz, warum? 3. Daß nicht vergessen werde, Was man so gern vergißt: Daß diese arme Erde Uns nicht die Heimat ist. Es hat der Herr uns allen, Die wir auf ihn getauft, In Zions goldnen Hallen Ein Heimatrecht erkauft. 4. Hier gehen wir und streuen Die Thränensaat ins Feld, Dort werden wir uns freuen Im sel'gen Himmelszelt; Wir sehnen uns hienieden Dorthin ins Vaterhaus Und wissen's: die geschieden, Die ruhen dort schon aus. 5. O das ist sichres Gehen Durch diese Erdenzeit: Nur immer vorwärts sehen Rit sel'ger Freudigkeit; Wird uns durch Grabeshügel Der klare Blick verbaut, Neujahrslieder. Herr, gieb der Seele Flügel, Daß sie hinüberschaut. 6. Hilf du uns durch die Zeiten Und mache fest das Herz; Geh selber uns zur Seiten Und führ uns heimatwärts. Und ist es uns hienieden So öde, so allein, O laß in deinem Frieden Uns hier schon selig sein. Eleonore Fürstin Reuß, geb. Gräfin zu Stolberg. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 44. Du Gott, du bist der Herr der Zeit Und auch der Ewigkeiten; Laß mich auch jetzt mit Freudigkeit Dein hohes Lob verbreiten. Ein Jahr ist abermal dahin. Wem dank' ich's, Gott, daß ich noch bin? Nur deiner Gnad' und Güte. 2. Dich, Ewiger, dich bet' ich an; Dir will ich mich ergeben; Dir, den kein Wechsel treffen kann, Vertrau' ich froh mein Leben. Wir blühen und vergehn durch dich; Nur du bist unveränderlich, Du warst und bist und bleibest. 3. Herr, ewig währet deine Treu', Uns gnädig zu begegnen; Mit jedem Morgen wird sie neu, Mit Wohlthun uns zu segnen. Mir ist kein Augenblick bekannt, In dem nicht deine Gnadenhand Mich treu behütet hätte. 52 Neujahrslieder. 4. Du hast auch das verflossne Jahr Mich väterlich geleitet Und, wenn mein Herz voll Sorgen war, Mir Hülf' und Trost bereitet. Von ganzer Seele preis' ich dich; Aufs neue, Gott, ergeb' ich mich Ganz deiner weisen Führung. 5. Vergieb mir die gehäufte Schuld Von den verflossnen Tagen Und laß mich deine Vaterhuld Durch Christum ferner tragen! Laß mich in deiner Gnade ruhn Und lehre lebenslang mich thun Nach deinem Wohlgefallen! 6. Gieb neue Lust und neue Kraft, Vor dir gerecht zu wandeln; Laß täglich mich gewissenhaft eit mir und andern handeln. Dein Geist belebe Herz und Mut, Dich, o du allerhöchstes Gut, Und nicht die Welt zu lieben. 7. Die Welt vergeht; dies reize mich, Die Lust der Welt zu fliehen; Um bessre Freuden müsse sich Mein Geist schon jetzt bemühen. Den Engeln bin ich ja verwandt, Im Himmel ist mein Vaterland; Dahin, Herr, laß mich trachten! 8. O reize selbst mich, meine Zeit Recht weislich auszukaufen; Laß mich die Bahn zur Ewigkeit Mit heil'ger Vorsicht laufen! Der Tage Last erleichtre mir, Bis meine Ruhe einst bei dir Kein Wechsel weiter störet. J. S. Diterich. Neujahrslieder. 53 Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 45. Durch Trauern und durch Plagen, Durch Not, durch Angst und Pein, Durch Hoffnung und durch Klagen, Durch Sorgen groß und klein Bin ich, Gott Lob! gedrungen; Dies Jahr ist nun dahin. Dir, Gott, sei Lob gesungen! Bewegt ist Herz und Sinn. 2. Der du mich hast erbauet, In dir besteht mein Heil; Dir ist mein Glück vertrauet, Du bist und bleibst mein Teil. Du hast mich wohl erhalten, Hast reichlich mich getröst't; Dich lass' ich ferner walten, Wenn Unfall mir zustößt. 3. Mein Gott, o meine Liebe, Was du willst, will auch ich. Gieb, daß ich nichts verübe, Was irgend wider dich. Dir ist mein Will' ergeben, Ja, er ist nicht mehr mein, Dieweil mein ganzes Leben Dein eigen wünscht zu sein. 4. Nach dir soll ich mich schicken, Und, Herr, ich will's auch thun. Soll mich die Armut drücken? Ich will dabei beruhn. Soll mich Verfolgung plagen? Ja, Herr, befiehl du mir. Soll ich Verachtung tragen? Auch dann gehorch' ich dir. 5. Soll ich verlassen leben? Herr Gott, dein Wille gilt. 54 Neujahrslieder. Soll ich in Angsten schweben? Mein Heiland, wie du willt. Soll ich in Krankheit leiden? Ich will gehorsam sein. Soll ich von hinnen scheiden? Herr, dein Will' ist auch mein. 6. Soll ich zum Himmel dringen? Gar gern, o Gott, mein Licht. Soll mich die Höll' verschlingen? Ach, dieses willst du nicht. Ich habe zwar verdienet Der Hölle Qual und Not, Du aber bist versühnet Durch deines Sohnes Tod. 7. Heut ist das Jahr beschlossen; Herr, deine Gnad' sei heut Auf mich neu ausgegossen, Mein Herz werd' auch erneut! Lass' ich die alten Sünden, So werd' ich, Gott, bei dir Auch neuen Segen finden, Dein Wort verspricht es mir. G. W. Sacer. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt'. 46. Ein Jahr geht nach dem andern hin Der Ewigkeit entgegen. Ach, möchte doch der träge Sinn Dies fleißiger erwägen! Ach, brächte doch ein jedes Jahr Viel neue gute Früchte dar! 2. Allein, wo ist, wo ist die Frucht, Die wir bisher getragen? Wie oft hat Gott umsonst gesucht, Wie hat er müssen klagen! Es that ihm weh, wenn seine Hand Anstatt der Frucht nur Blätter fand. Neujahrslieder. 5⁵ 3. Haut ab, spricht er, den faulen Baum, Der keine Früchte träget. Was nimmt er andern Saft und Raum? Komm, Tod, der alles schläget, Komm, leg die Axt der Wurzel an, Thu einen Streich, so ist's gethan. 4. Allein der treue Heiland spricht: Laß ihn dies Jahr noch stehen! Trägt er bisher auch Früchte nicht, Ich hoff' sie noch zu sehen. Ach halt des strengen Urteils Lauf Doch dies Jahr noch, mein Vater, auf. 5. So gieb denn, lieber Heiland, Kraft, Dies Jahr viel Frucht zu bringen. Ach laß doch deines Geistes Saft In unsre Zweige dringen, Und schütte du auf jedes Haus Viel Gnade, Kraft und Segen aus. Joh. Jak. Rambach. Mel.: Herr, ich habe mißgehandelt. 47. Hilf, Herr Jesu, laß gelingen! Hilf, das neue Jahr geht an; Laß es neue Kräfte bringen, Daß aufs neu ich wandeln kann. Neues Glück und neues Leben Wollest du aus Gnaden geben. 2. Was ich denke, was ich mache, Das gescheh' in dir allein; Wenn ich schlafe, wenn ich wache, Wollest du, Herr, bei mir sein: Geh' ich aus, wollst du mich leiten, Komm' ich heim, steh mir zur Seiten. 3. Laß mich beugen meine Kniee Nur zu deines Namens Ehr', 56 Nenujahrslieder. Hilf, daß ich mich stets bemühe, Dich zu preisen mehr und mehr; Laß mein Bitten und mein Flehen Auf zu dir gen Himmel gehen. 4. Laß dies sein ein Jahr der Gnade, Sprich mich los von meiner Sünd'; Hilf, daß sie mir nimmer schade Und ich bald Verzeihung find'; Du allein, mein Heil und Leben, Kannst die Sünde mir vergeben. 5. Tröste mich mit deiner Liebe, Nimm, o Gott, mein Flehen hin; Sieh, wie sehr ich mich betrübe, Ja voll Angst und Zagen bin: Stärke mich in meinen Nöten, Daß mich Sünd' und Tod nicht töten. 6. Zähle los mich Hochbetrübten, Der ich nicht bezahlen kann; Liebe mich in dem Geliebten; Dein Sohn Jesus nimmt mich an; Jesus läßt mich nicht verderben, Jesus läßt mich nicht im Sterben. 7. Herr, du wollest Gnade geben, Daß dies Jahr mir heilig sei Und ich christlich möge leben Sonder Trug und Heuchelei, Daß ich noch allhier auf Erden Fromm und selig möge werden. 8. Laß mich armen Sünder ziehen Deinen Weg der Frömmigkeit; Laß mich Stolz und Hoffart fliehen, Eifrig beten jederzeit; Laß mich Schand' und Unzucht meiden Und im Kreuz geduldig leiden. 9. Jesu, laß mich fröhlich enden Dieses angefangne Jahr, Neujahrslieder. Trage stets mich auf den Händen, Halte bei mir in Gefahr; Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich soll die Welt verlassen. Joh. Rist. Mel.: Meinen Jesum lass' ich nicht. 48. Jesus soll die Losung sein, Da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein Denen zum Paniere dienen, Die in seinem Bunde stehn Und auf seinem Wege gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort Soll in den Gemeinden schallen; Und so oft wir nach dem Ort, Der nach ihm genannt ist, wallen, Mache seines Namens Ruhm Unser Herz zum Heiligtum. 3. Sein Versöhnen und sein Heil Wollen wir im Glauben ehren; Also wird es uns zu teil, Wird sich täglich bei uns mehren; Auch fürs neue Jahr uns beut Jesu Name Seligkeit. 4. Unsre Wege wollen wir Nun in Jesu Namen gehen; Ist er unser Leitstern hier, So wird alles wohl bestehen Und durch seinen Gnadenschein Alles voller Segen sein. 5. Alle Sorgen, alles Leid Soll sein Name uns versüßen; So wird alle Bitterkeit Uns ein Segen werden müssen. Jesu Nam' sei Sonn' und Schild, Welcher Allen Kummer stillt. Benj. Schmolck. 58 Neujahrslieder. Mel.: Nun laßt uns Gott dem Herren. 49. Nun laßt uns gehn und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unserm Leben Bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern, Wir leben und gedeihen Vom alten Jahr zum neuen 3. Durch so viel Angst und Plagen, Durch Zittern und durch Zagen, Durch Not und große Schrecken, Die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern In schweren Ungewittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß bewahret werden: 5. Also auch und nicht minder Läßt Gott uns, seine Kinder, Wenn Trübsalswetter blitzen, In seinem Schoße sitzen. 6. Ach Hüter unsers Lebens, Fürwahr, es ist vergebens Mit unserm Thun und Treiben, Dein Aug' muß offen bleiben. 7. Gelobt sei deine Treue, Die alle Morgen neue, Lob sei den starken Händen, Die alles Herzleid wenden. 8. Laß ferner dich erbitten, O Vater, und bleib mitten In allem Kreuz und Leiden Ein Brunnquell unsrer Freuden. 9. Gieb mir und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Neujahrslieder. Nach dir und deiner Treue, Ein Herz, das dein sich freue. 10. Schleuß zu des Jammers Pforten Und laß an allen Orten Auf Krieg und Blutvergießen Die Friedensströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen Zu allen unsern Wegen, Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensonne scheinen. 12. Sei der Verlass'nen Vater, Der Irrenden Berater, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und Habe. 13. Hilf gnädig allen Kranken, Gieb fröhliche Gedanken Den hochbetrübten Seelen, Die sich mit Schwermut quälen. 14. Und laß vor allen Dingen Uns deinen Geist durchdringen, Der uns hier herrlich ziere Und dort zum Himmel führe. 15. Dies alles wollst du geben, O meines Lebens Leben; Dein Heil uns offenbare Zum sel'gen neuen Jahre. Paul Gerhardt. Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. 50. Wer rief die Sonn' und schuf den Mond, Um Tag und Jahr zu geben? Gott, welcher unser noch verschont, Uns noch erhält im Leben. Er ordnet Jahre, Tag und Nacht. Auf, laßt uns seine Güt' und Macht Voll frohen Danks erheben! 60 Nenjahrslieder. 2. Herr, der da ist und der da war, Dich rühmen alle Zungen; Dir sei für das verflossne Jahr Ein heilig Lied gesungen Für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rat, Für Fried' und Ruh', für jede That, Die uns durch dich gelungen. 3. Laß uns dies Jahr gesegnet sein, Das du uns neu gegeben. Verleih uns Kraft, die Kraft ist dein, In deiner Furcht zu leben. Du schützest uns und du vermehrst Der Menschen Glück, wenn sie zuerst Nach deinem Reiche streben. 4. Gieb uns, sofern es dir gefällt, Des Lebens Ruh' und Freuden; Doch schadet uns das Glück der Welt Und frommt uns Kreuz und Leiden, So gieb uns nur ein stilles Herz Und laß uns nicht in Not und Schmerz Die Glücklichen beneiden. 5. Hilf deinem Volke väterlich In diesem Jahre wieder. Erbarme der Verlass'nen dich, Der Kirch' und ihrer Glieder. Gieb Glück zu jeder guten That, Es fehle keinem Licht und Rat, Hilf jedem unsrer Brüder. 6. Gieb Weisheit und Gerechtigkeit Und Sicherheit dem Throne, Daß Tugend und Zufriedenheit In unserm Lande wohne; Daß bei uns Lieb' und Treue sei, Dies, lieber Vater, dies verleih In Christo, deinem Sohne! Chr. Fürchtegott Gellert. Epiphaniaslieder. 61 V. Epiphaniaslieder. Mel.: Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich. 51. Der Herr, der einst auf Erden war, Uns hergesandt von Gott, Der war ein Retter in Gefahr, , Ein Helfer in der Not. n 2. Er zog umher von Haus zu Haus In niedriger Gestalt, Und eine Kraft ging von ihm aus, ) Die heilte jung und alt. 3. Wer elend war, blieb vor ihm stehn Und klagte ihm sein Leid; Ein Wort, ein Blick, dann war's geschehn, 2: Aus Leid ward Herzensfreud'. 4. O liebster Jesu, wärest du Bei uns noch sichtbarlich, Wir eilten alle auf dich zu 2 Und hingen uns an dich n 5. Und sähn in aller unsrer Not Vertrauensvoll dich an Und horchten still auf dein Gebot, Und alles wär' gethan. 6. Doch, liebster Heiland Jesu Christ, Wenn du auch gleich nicht mehr Hier sichtbar auf der Erde bist, Bist du doch unser Herr ½ 7. Und lebst und siehst uns gnädig an, Bist bei uns für und für; Der Himmel ist dir unterthan, 2: Die Welt gehöret dir. 8. Drum freuen wir uns herzlich dein Und glauben festiglich, Wie einst du warst, muß du noch sein; Im Himmel sehn wir dich. 62 Epiphaniaslieder. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. 92. Heiland, deine Menschenliebe War die Quelle deiner Triebe, Die dein treues Herz bewogen, Dich zur Erd' herabgezogen, Dich mit Schwachheit überdecket, Dich vom Kreuz ins Grab gestrecket: O der wunderbaren Triebe Deiner treuen Menschenliebe! 2. Über seine Feinde weinen, Jedermann mit Hüll' erscheinen, Sich der Blinden, Lahmen, Armen Mehr als väterlich erbarmen, Der Betrübten Klagen hören, Sich in andrer Dienst verzehren, Für die Welt sein Leben lassen, Wer kann solche Liebe fassen! 3. O du Zuflucht aller Armen! Wer hat nicht durch dein Erbarmen Segen, Hülf' und Heil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? O wie ist dein Herz gebrochen, Wenn dich Kranke angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, Das Gebetne mitzuteilen! 4. Die Betrübten zu erquicken, Kinder an dein Herz zu drücken, Die Unwissenden zu lehren, Die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Liebreich zu dir hin zu locken: Das, o Herr, war deine Weise, Das war täglich deine Speise. 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Da du für die ärmsten Armen Dein unschätzbar teures Leben Epiphaniaslieder. In den schwersten Tod gegeben, Da zur Marter du erlesen, Aller Schmerzen Ziel gewesen Und, den Segen zu erwerben, Als ein Fluch hast wollen sterben. 6. Deine Lieb' hat dich getrieben, Sanftmut und Geduld zu üben, Ohne Schelten, Drohen, Klagen Andrer Schmach und Last zu tragen, Allen freundlich zu begegnen, Die dich lästerten, zu segnen, Für der Feinde Schar zu beten Und die Mörder zu vertreten. 7. Herr, laß deine Liebe decken Meiner Sünden Meng' und Flecken. Du hast das Gesetz erfüllet, Seinen Fluch hast du gestillet. Gieb, daß wider seine Stürme Deiner Liebe Schild mich schirme. Heil ge meines Herzens Triebe, Heil'ge sie durch deine Liebe. 9 J. J. Rambach. Mel.: Valet will ich dir geben. 53. Herr Jesu, Licht der Heiden, Der Frommen Schatz und Lieb', Wir kommen jetzt mit Freuden Durch deines Geistes Trieb In diesen deinen Tempel Und suchen mit Begier Nach Simeons Exempel Dich, Gottes Sohn, allhier. 2. Du wirst noch jetzt Wie n O Herr, an jedem Ort, Wo Gläub'ge sich verbunden Auf dein Verheißungswort; 6⁴ Epiphaniaslieder. Vergönnst noch heutzutage, Daß man dich gleicherweis' Auf Glaubensarmen trage, Wie einst der fromme Greis. 3. Sei unser Glanz in Wonne, Ein helles Licht in Pein, In Schrecken unsre Sonne, In Kreuz ein Gnadenschein; Wenn wir in Angst verzagen, Sei uns ein Freudenstrahl, Ein Arzt in Not und Plagen, Ein Stern in Todesqual. 4. Herr, laß auch uns gelingen, Daß einst, wie Simeon, Ein jeder könne singen Den schönen Schwanenton: „Mir werden nun in Frieden Die Augen zugedrückt, Nachdem ich schon hienieden Den Heiland hab' erblickt.“ 5. Ja, ja, ich hab' im Glauben, Mein Jesu, dich geschaut; Kein Feind kann dich mir rauben, Dräut er auch noch so laut. Ich wohn' in deinem Herzen Und in dem meinen du; Uns scheiden keine Schmerzen, Nicht Angst noch Tod dazu. 6. Hier will es oft mir scheinen, Du sähst mich strafend an, Daß ich vor Angst und Weinen Dich kaum erkennen kann; Dort aber wird's geschehen, Daß ich von Angesicht Zu Angesicht soll sehen Dein immer klares Licht. Joh. Franck. Epiphaniaslieder. Mel.: Meinen Jesum lass' ich nicht. 54. Jesu, großer Wunderstern, Der aus Jakob ist erschienen, Meine Seele will so gern Dir an deinem Feste dienen: Nimm doch, nimm doch gnädig an, Was ich Armer schenken kann. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin, Wie ich's von dir selber habe Und damit beschenket bin; So ist dir's die liebste Gabe. Laß es auch bewährt und rein In dem Trübsalsfeuer sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, Laß denselben zu dir dringen! Herz und Lippen sollen stets Ihn als Opfer vor dich bringen. Wenn ich bete, nimm es auf Und sprich Ja und Amen drauf. 4. Nimm die Myrrhen bittrer Reu': Ach, mich schmerzet meine Sünde. Aber du bist fromm und treu, Daß ich Trost und Gnade finde Und nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. Erdm. Neumeister. 1 Mel.: Valet will ich dir geben. 55. O König aller Ehren, Herr Jesu, Davids Sohn, Dein Reich soll ewig währen, Im Himmel ist dein Thron. Hilf, daß allhier auf Erden Den Menschen weit und breit Dein Reich bekannt mög' werden Zur ew'gen Seligkeit. 66 Epiphaniaslieder. 2. Von deinem Reiche zeugen Die drei aus Morgenland; Vor dir die Knie' sie beugen, Weil sie dein Heil erkannt. Der Stern auf dich hinweiset, Dazu auch Gottes Wort. Drum man dich billig preiset, Daß du bist unser Hort. 3. Du bist ein großer König, Ein sieggekrönter Held, Doch achtest du gar wenig Vergänglich Gut und Geld, Prangst nicht auf stolzem Rosse, Trägst keine güldne Kron', Wohnst nicht in festem Schlosse, Hast hier nur Spott und Hohn. 4. Doch bist du schön gezieret, Dein Glanz erstreckt sich weit; In deinem Reich regieret Güt' und Gerechtigkeit. Du wollst die Frommen schützen Durch deine Allgewalt, Daß sie in Frieden sitzen, Die Bösen stürzen bald. 5. Du wollst dich mein erbarmen, In dein Reich nimm mich auf; Schenk deine Güt' mir Armen Und segne meinen Lauf. Den Feinden wollst du wehren, Dem Teufel, Sünd' und Tod, Daß sie mich nicht versehren; Rett mich aus aller Not. 6. Du wollst in mir entzünden Dein Wort, den schönsten Stern; Halt falsche Lehr' und Sünden Von meinem Herzen fern; Hilf, daß ich dich erkenne Und mit der Christenheit Dich meinen König nenne Jetzt und in Ewigkeit. Martin Behemb Eigne Melodie. 56. Werde licht, du Stadt der Heiden, Und du, Salem, werde licht; Schaue, welch ein Glanz mit Freuden Über deinem Haupt anbricht; Gott hat derer nicht vergessen, Die im Finstern sind gesessen. 2. Ach, wie waren wir verblendet, Ehe noch dies Licht brach an! Ja, da hatte sich gewendet Von dem Himmel jedermann; Unsre Augen und Gebärden Klebten einzig an der Erden. 3. Gottes Rat war uns verborgen, Seine Gnade schien uns nicht: Klein' und Große mußten sorgen; Jedem fehlt' es an dem Licht, „Das zum rechten Himmelsleben Seinen Glanz uns sollte geben. 4. Aber wie hervorgegangen Ist der Aufgang aus der Höh', Haben wir das Licht empfangen, Welches soviel Angst und Weh, Drob die Welt sich muß betrüben, Siegreich hat hinweggetrieben. 5. Gieb, Herr Jesu, Kraft und Stärke, Daß wir dir zu jeder Zeit Dienen und durch Glaubenswerke Folgen in Gerechtigkeit 68 Epiphaniaslieder. Und hernach im Freudenleben Heller als die Sterne schweben. 6. Dein' Erscheinung laß erfüllen Mein Gemüt in aller Not; Dein' Erscheinung lasse stillen Meine Seele auch im Tod: Herr, in Freuden und im Weinen Laß mir stets dein Licht erscheinen. 7. Jesu, laß mich endlich gehen Freudig aus der bösen Welt Dein so helles Licht zu sehen, Das mir dort schon ist bestellt, Wo wir sollen unter Kronen In der schönsten Klarheit wohnen. Joh. Rist. Mel.: Von Gott will ich nicht lassen. 57. Wie treu, mein guter Hirte, Gehst du dem Sünder nach, Der sich von Gott verirrte, Weil ihm dein Licht gebrach! Ach, elend muß er sein, Wenn du nicht aus Erbarmen Dich aufmachst, um den Armen, Den Blinden zu ntent 2. Denn du bist nicht gekommen Zu richten, hast sogar Die Straf' auf dich genommen, Die uns gedrohet war. Kehrt einer um, du trägst, Daß er gerettet werde, Ihn hin zu deiner Herde, Die du bewachst und pflegst. 3. Liebhaber unsrer Seelen, Mein Heil, mein bester Freund, Kann ich mir's wohl verhehlen, Epiphantaslieder. Wie treu dein Herz es meint? Wie suchtest du auch mich, Als ich in dürre Wüsten, Verführt von meinen Liüsten, Aus Gottes Hut entwich! 4. Du brauchtest Ernst und Liebe, Oft Glück, oft Züchtigung, Daß ich nicht elend bliebe, Zu meiner Besserung. Du kamst und nahmst mich an Mit ausgestreckten Armen. Ach, daß ich dein Erbarmen Dir nicht vergelten kann! 5. O möcht' ich meine Sünden Nur schmerzlicher bereun, Mehr deine Lieb' empfinden, Dankbarer, besser sein! Ach, Unentschlossenheit Beim Zuge deiner Gnade, Welch ein Verlust und Schade Für Zeit und Ewigkeit! 6. Laß nichts dies Heil mir rauben In meiner Pilgrimschaft, Gieb Festigkeit im Glauben, Zur Tugend Ernst und Kraft, Bis, o mein guter Hirt, Mein Geist, zu dir erhoben, Mit neuer Kraft dich loben, Dich ewig preisen wird! Nach Gottlob Adolph. 70 Passionslieber. VI. Passionslieder. Mel.: Christus, der ist mein Leben. 58. Ach Jesu Christ, dein Sterben, Dein großer Spott und Hohn Macht mich zum sel'gen Erben Der schönen Himmelskron'. 2. Ach laß mich deine Liebe, Dein heil'ges, teures Blut In reinem, frommem Triebe Erkennen treu und gut. 3. Hilf mir, daß ich der Sünde Auch täglich sterbe ab Und einst den Himmel finde, Wenn ich geh' in das Grab. Mel.: O Traurigkeit, o Herzeleid. 59. Am Kreuz erblaßt, Der Marterlast, Der Todesqualen müde, Findet mein Erlöser erst In dem Grabe Friede. 2. Ein heil'ger Schmerz Durchdringt mein Herz, Und, Herr, was kann ich sagen? Nur an meine Brust kann ich Tief gebeuget schlagen. 3. Du schützest mich, Und über dich Gehn aller Trübsal Wetter. Sterben wolltest du für mich, Einziger Erretter. 4. Du hast's gethan; Dich bet' ich an, Du König der Erlösten! Passiouslieder. Dein will ich im Tode mich Glaubensvoll getrösten. 5. Es ist vollbracht! Riefst du mit Macht; Du zeigst, daß du dein Leben, Mein Versöhner, göttlich frei Hast dahingegeben. 6. Hochheil'ge That! Des Höchsten Rat Will ich in Demut preisen. Mein Erlöser wird mir einst Seine Tiefen weisen. 7. Allmächtig rief Er, der entschlief, Den Toten: sie erstanden. Leicht entschwingt der Lebensfürst Sich des Todes Banden. 8. Das finstre Thal Will ich einmal Durchwandeln ohne Grauen, Denn durch dich, Erlöser, ist's Mir der Weg zum Schauen. 9. Ich preise dich, Erforsche mich Und siehe, wie ich's meine. Ja, du siehst es, wenn ich still Meinen Dank dir weine. 10. Vergess' ich dein, So werde mein In Ewigkeit vergessen. Herr, ich will, solang ich bin, Deine Lieb' ermessen. Christoph Fr. Neander. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 60. Der am Kreuz ist meine Liebe, Meine Lieb' ist Jesus Christ, 72 Passionslieder. Dem ich treu zu sein mich übe, Weil er mein Erlöser ist. Was die Welt liebt, hasset Gott; Ihre Liebe bringt den Tod. Jesum will ich nie betrüben, Meinen Jesum will ich lieben. 2. Der am Kreuz ist meine Liebe! Spötter, was befremdet's dich, Daß ich mich im Glauben übe? Jesus Christus starb für mich: Er hat mich mit Gott versöhnt, Hat mit Gnade mich gekrönt. Jesum will ich nie betrüben, Meinen Jesum will ich lieben. 3. Der am Kreuz ist meine Liebe! Ach, der Welt entsag' ich gern. Weh mir, wenn ich ihn betrübe, Meinen Heiland, meinen Herrn! Spräch' ich seinem Wort nicht Hohn? Nmreuzigt' ich nicht Gottes Sohn? Jesum will ich nie betrüben, Meinen Jesum will ich lieben. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe! Schweig, Gewissen! Gott vergiebt. Darum preist Gott seine Liebe, Weil sein Sohn stirbt, der mich liebt. Wer verdammt nun? Gott ist hier, Gott verzeiht durch Christum mir. Jesum will ich nie betrüben, Meinen Jesum will ich lieben. 5. Der am Kreuz ist meine Liebe! Ich veracht' um meinen Herrn, Damit ich ihn nicht betrübe, Aller Sünden Freuden gern. Von ihm scheidet keine Not, Keine Marter mich, kein Tod: Passionslieber. Jesum will ich nie betrüben, Meinen Jesum will ich lieben. 6. Der am Kreuz ist meine Liebe! Jesus, mein bewährter Freund! Wenn mein Leib wie Staub zerstiebet, Dann werd' ich mit ihm vereint. Nach des Glaubens kurzem Streit Seh' ich seine Herrlichkeit. Jesum will ich nie betrüben, Ewig meinen Jesum lieben. Mel.: Die wir uns allhier beisammen finden. 61. Eines wünsch' ich mir vor allem andern, Eine Speise früh und spät. Selig läßt's im Thränenthal sich wandern, Wenn dies eine mit uns geht: Unverrückt auf einen Mann zu schauen, Der mit blut'gem Schweiß und Todesgrauen Auf sein Antlitz niedersank Und den Kelch des Vaters trank. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er, als ein stilles Lamm, Dort so blutig und so bleich zu sehen, Hängend an des Kreuzes Stamm, Wie er dürstend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief: Es ist vollbracht! 3. Ja, mein Jesu, laß mich nie vergessen Meine Schuld und deine Huld. Als ich in der Finsternis gesessen, Trugest du mit mir Geduld, Hattest längst nach deinem Schaf getrachtet, Eh' es auf des Hirten Ruf geachtet, Und mit teurem Lösegeld Mich erkauft von dieser Welt. 7⁴ Passionslieder. 4. Ich bin dein! Sprich du darauf ein Amen. Treuster Jesu, du bist mein! Drücke deinen süßen Jesusnamen Brennend in mein Herz hinein. Mit dir alles thun und alles lassen, In dir leben und in dir erblassen, Das sei bis zur letzten Stund' Unser Wandel, unser Bund. Albert Knapp. Mel.: An Wasserflüssen Babylon. 62. Ein Lamm geht hin und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder; Es geht und träget in Geduld Die Sünden aller Sünder. Es geht dahin, wird matt und krank, Ergiebt sich auf die Würgebank, Entsaget allen Freuden; Es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Schläge, Wunden, Kreuz und Tod Und spricht: Ich will's gern leiden. 2. Dies Lamm, das ist der große Freund Und Heiland unsrer Seelen; Den, den hat Gott zum Sündenfeind Und Sühner wollen wählen. O Wunderlieb', o Liebesmacht, Du kannst, was nie ein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen. O Liebe, Liebe, du bist stark, Du streckest den in Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen. 3. Solang ich lebe, will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen; Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, pp. Passionslieder. Und wenn mein Herz im Tode bricht, Sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiermit zu deinem Eigentum In Ewigkeit verschreiben. 4. Ich will von deiner Lieblichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen. Es soll mein Lebensbach sich dir Und deinem Namen für und für In Dankbarkeit ergießen; Und was du mir zu gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächtnis schließen. 5. Auf, armes Herz, bereite dich, Dir soll ein Kleinod werden; Kein Schatz, wie dieser, findet sich Im Himmel und auf Erden. Weg mit den Schätzen dieser Welt Und allem, was dem Fleisch gefällt, Ich hab' ein Bess'res funden: Herr Jesu Christ, mein Schatz und Gut Ist dein für mich vergoss'nes Blut, Das Heil in deinen Wunden. 6. Das will ich machen allezeit Zu meines Herzens Weide; Es sei mein Schutz in jedem Streit, In Trauern meine Freude, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel, Und wenn mich nichts erquicken will, Soll dies mein Labsal bleiben; Im Durst soll's meine Quelle sein, Bin ich verlassen und allein, Soll's alle Angst vertreiben. 76 Passionslieder. 7. Was schadet mir des Todes Gift? Dein Blut, das ist mein Leben. Wenn mich der Trübsal Hitze trifft, Kannst du mir Schatten geben. Setzt Schwermut meinem Herzen zu, So find' bei dir ich meine Ruh', Wie auf dem Bett ein Kranker, Und wenn des Lebens stürmisch Meer Mein Schifflein treibet hin und her, So bist du dann mein Anker. 8. Soll endlich ich nach dieser Zeit Eingehn zu deinen Freuden, So sei dein Blut mein Ehrenkleid, Darein ich mich will kleiden; Es soll sein meines Hauptes Kron', Mit welcher ich will vor den Thron Des höchsten Vaters gehen Und dir, dem er mich anvertraut, Gleich einer wohlgeschmückten Braut An deiner Seite stehen. Paul Gerhardt. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 63. Es ist vollbracht! Er ist verschieden, Mein Jesus schließt die Augen zu; Der Friedefürst entschläft in Frieden, Die Lebenssonne geht zur Ruh' Und sinkt in stille Todesnacht; O großes Wort: Es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! Er hat's gesprochen, Das ew'ge Wort muß sprachlos sein; Das Herz der Treue ist gebrochen, Den Fels des Heils umschließt ein Stein; Die höchste Kraft ist nun verschmacht't; O heil'ges Wort: Es ist vollbracht! Passionslieder. 77 3. Es ist vollbracht! Mein Herz sei stille Und fasse wieder frohen Mut; Zum Himmel schrie der Sünden Fülle, Doch stärker ruft des Heilands Blut. Am Kreuz hat's Frieden uns gemacht; O Gnadenwort: Es ist vollbracht! 4. Es ist vollbracht! Laß dich umfangen, Du allertreuste Liebe du, Nach der die Engel selbst verlangen, Nimm auch in meinem Herzen Ruh', Wo dir die Liebe Raum gemacht; O tröstlich Wort: Es ist vollbracht! 5. Es ist vollbracht! Ich will mich legen Zur Ruh' auf Christi Grabesstein; Die Engel sind allhier zugegen, Ich schlummre sanft, wie Jakob, ein; Die Himmelspfort' ist aufgemacht; ‚ O Lebenswort: Es ist vollbracht! Sal. Franck. Mel.: Wenn wir in höchsten Nöten sein. 64. Herr Jesu Christ, dein teures Blut Ist meiner Seele höchstes Gut; Das stärkt, das labt, das macht allein „ Mein Herz von allen Sünden rein. 2. Dein Blut— miein Schmuck, mein Ehrenkleid— Dein' Unschuld und Gerechtigkeit Macht, daß ich kann vor Gott bestehn Und zu der Himmelsfreud' eingehn. „ 3. O Jesu Christe, Gottes Sohn, Mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron, Dein teures Blut, das Leben schafft, Giebt mir stets neue Lebenskraft. 4. Herr Jesu, in der letzten Not, Wenn mich schreckt Sünde, Höll' und Tod, 78 Passionslieder. So laß ja dies mein Labsal sein: Dein Blut macht mich von Sünden rein. Joh. Olearius. Mel.: Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. 65. Herr Jesu, deine Angst und Pein Und dein betrübtes Leiden Laß allzeit mir vor Augen sein, Die Sünde stets zu meiden. Laß mich an deine große Not Und deinen herben, bittern Tod, Solang ich lebe, denken. 2. Die Wunden alle, die du hast, Hab' ich dir helfen schlagen, Auch meine große Sündenlast Dir aufgelegt 3 tragen. Ach liebster Heiland, sch one mein, Laß diese Schuld vergessen sein, Laß Gnad' für Recht ergehen. 3. Du hast verlassen deinen Thron, Bist in das Elend gangen, Ertrugest Schläge, Spott und Hohn Und hast am Kreuz gehangen, Auf daß du für uns schafftest Rat Und unsre Sünd' und Missethat Bei Gott versöhnen möchtest. 4. Drum will ich jetzt aus Dankbarkeit Von Herzen dir lobsingen; Und wenn du einst zur Seligkeit Mich wirst aus Gnaden bringen, So will ich droben noch viel mehr Mit Gottes ganzem Himmelsheer Dich ewig dafür loben. 5. Herr Jesu, deine Angst und Pein Und dein betrübtes Leiden Passionslieder. Laß meine letzte Zuflucht sein, Wenn ich von hier soll scheiden. Ach hilf, daß ich durch deinen Tod Fein sanft beschließe meine Not Und selig sterbe. Amen. Um 1674. Mel.: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. 6. herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, Mich in das Meer der Liebe zu versenken, Die dich bewog, von aller Schuld des Bösen Uns zu erlösen. 2. Du wirst uns gleich, du willst für uns auf Erden Selbst bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden, An unsrer Statt gemartert und zerschlagen Die Sünde tragen. 3. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen; Gott ist die Lieb' und läßt die Welt erlösen. Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken Am Kreuz erblicken. 4. Dies schlägt den Stolz auf mein Verdienst danieder; Dies beugt mich tief, und dies erhebt mich wieder, Lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde Zu seinem Freunde. 5. O Herr, mein Heil, an dessen Blut ich glaube, Ich liege hier gebückt vor dir im Staube, Verliere mich mit dankendem Gemüte In deine Güte. 80⁰ Passionslieder. 6. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; Soll ich darum in meinem Glauben wanken? Ich bin ein Mensch; darf der sich unter⸗ winden, Gott zu ergründen? 7. Das Größt' in Gott ist, Gnad' und Lieb' erweisen; Uns kommt es zu, sie demutsvoll zu preisen, Zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad' erzeiget, Die Gnade steiget. 8. Sei denn für deine Huld von mir erhoben! Mein ganzes Leben müsse, Gott, sie loben! Gieb mir zu diesem seligsten Geschäfte Selbst Lust und Kräfte. Chr. F. Gellert. Eigne Melodie. 67. Herzliebster Jesu, was hast du ver⸗ brochen, Daß man solch scharfes Urteil dir gesprochen? Was ist die Schuld, in was für Missethaten Bist du geraten? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn ge⸗ krönet, Ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, Du wirst mit Essig und mit Gall' getränket, Ans Kreuz gehenket. 3. Was ist doch wohl die Ursach' solcher Plagenꝰ Ach, meine Sünden haben dich geschlagen, Ich, mein Herr Jesu, habe das verschuldet, Was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe, Passionslieder. 81 Die Schuld bezahlt der Herr selbst, der Gerechte, Für seine Knechte. 5. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maße, Die dich gebracht auf diese Marterstraße. Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden. 6. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, Wie kann ich doch genug dein Lob verbreiten? Kein Menschenherz vermag es auszudenken, Was dir zu schenken. 7. Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen, Womit doch dein Erbarmen zu vergleichen; Wie kann ich dir denn deine Liebesthaten Im Werk erstatten? 8. Doch etwas ist, das wirst du gern an⸗ nehmen, Wenn ich des Fleisches Lüste werde zähmen, Daß sie aufs neue nicht mein Herz entzünden Zu alten Sünden. 9. Weil aber dies nicht steht in eignen Kräften, Fest die Begierden an das Kreuz zu heften, So gieb mir deinen Geist, der mich regiere, Zum Guten führe. 10. Dann werd' ich dankbar deine Huld betrachten, Aus Lieb' zu dir die Welt für nichts mehr achten; Bemühen werd' ich mich, Herr, deinen Willen Stets zu erfüllen. 11. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, Kein Kreuz mehr achten, keine Schmach und Plagen, 82 Passionslieder. schmerzen Nehmen zu Herzen. 12. Dies alles, ob es zwar gering zu schätzen, Wirst du doch, Herr, nicht gar beiseite setzen. In Gnaden wirst du dies von mir annehmen, Mich nicht beschämen. 13. Wenn dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne Mein Haupt geschmückt sein mit der Ehren⸗ krone, Dann will ich dir, wenn alles wohl wird klingen, Dankbar lobsingen. Joh. Heermann. Mel.: Jesu Leiden, Pein und Tod. 68. Jesu, deine Passion Will ich jetzt bedenken; Wollest mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, Wie du, unser Heil zu sein, Littest alle Schmerzen. 2. Gieb, daß ich recht sehen mag Deine Angst und Bande, Deine Schläge, deine Schmach, Deine Kreuzesschande, Deine scharfe Dornenkron', Deine tiefen Wunden Und den Tod, o Gottessohn, Der mich dir verbunden. 3. Aber laß mich nicht allein Deine Marter sehen, Auch die Ursach' laß mich fein Passionslieder. Und die Frucht verstehen. Ach, die Ursach' war auch ich, Ich und meine Sünde; Diese hat gemartert dich, Daß ich Gnade finde. 4. Jesu, lehr bedenken mich Dies mit Buß' und Reue; Hilf, daß ich mit Sünden dich Martre nicht aufs neue: Sollt' ich dazu haben Lust Und nicht wollen meiden, Was mein Heiland büßen mußt' Mit so großem Leiden? 5. Drohet mir der Hölle Pein Um der Sünden willen, Ach so tritt ins Mittel ein, Hilf die Schrecken stillen. Dich und deine Passion Laß mich gläubig fassen; Liebst du mich, o Gottessohn, Wie kann Gott mich hassen? 6. Gieb auch, Jesu, daß ich gern Dir das Kreuz nachtrage, Daß ich Demut von dir lern' Und Geduld in Plage, Daß ich dir geb' Lieb' um Lieb' Und dir Dank erweise, Bis ich dort— o Herr, das gieb— Dich im Himmel preise. Sigismund von Birken. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 69. Jesu, deine tiefen Wunden, Deine Qual, dein bittrer Tod Geben mir zu allen Stunden Trost in aller Angst und Not. 8⁴ Passionslieder. Fällt mir etwas Arges ein, Denk' ich bald an deine Pein; Diese wehret meinem Herzen, Mit der Sünde je zu scherzen. 2. Will in eitler Lust sich weiden Mein verderbtes Fleisch und Blut, So gedenk' ich an dein Leiden, Bald wird alles wieder gut. Kommt mir der Versucher nah, Blick ich hin auf Golgatha, Zeig' ihm deine Gnadenzeichen, Bald muß er von dannen weichen. 3. Will die Welt mein Herze führen Auf die breite Sündenbahn, Wo so viele sich verlieren, Deiner Marter Centnerlast, Die du ausgestanden hast: So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust vertreiben. 4. Ja für alles, was mich kränket, Mir dein Leiden Hülfe schafft; Wenn mein Herz sich drein versenket, Schöpft es neue Lebenskraft; Deines Trostes Süßigkeit Stillt in mir das bittre Leid, Der du mir das Heil erworben, Da du bist für mich gestorben. 5. Auf dich setz' ich mein Vertrauen; Du bist meine Zuversicht. Dein Tod tilgt des Todes Grauen, Und sein Stachel schreckt mich nicht. Daß an dir ich habe teil, Bringet mir Trost, Schutz und Heil; Deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. Passionslieder. 6. Hab' ich dich in meinem Herzen, Brunnquell aller Gütigkeit, So empfind' ich keine Schmerzen Auch im letzten Kampf und Streit; Ich verberge mich in dich; Wer kann da verletzen mich? Wer sich tröstet deiner Wunden, Der hat glücklich überwunden. Joh. Heermann. Eigne Melodie. 70. Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, ö Der du dich für mich gegeben In die tiefste Seelennot, In das äußerste Verderben, Nur daß ich nicht möchte sterben; ö Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 2. Du, ach du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Geißelschläge, Strick' und Banden, Du gerechter Gottessohn, Nur mich Armen zu erretten Von des Teufels Sündenketten. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 3. Willig ließest du dich schlagen, Mich zu lösen von der Pein, Ließest fälschlich dich verklagen, Daß ich könnte sicher sein; Daß ich möchte Trost erlangen, Hast du sonder Trost gehangen.“ Tausend, iausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 86 Passionslieder. 4. Du bist tief in Not gesunken, Hast gelitten mit Geduld, Hast den Todeskelch getrunken, Um zu büßen meine Schuld; Daß ich würde freigegeben, Gabst du hin dein teures Leben. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 5. Deine Demut hat gebüßet Meinen Stolz und Übermut, Dein Tod meinen Tod versüßet, Es kommt alles mir zu gut; Weil man dich geschmäht, verhöhnet, Werd' mit Ehren ich gekrönet. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 6. Nun ich danke dir von Herzen, Herr, für alle deine Not, Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herben, bittern Tod. Für dein Zittern, für dein Zagen, Deine tausendfachen Plagen, Deine Angst und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. Ernst Chr. Homburg. Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 71. O du Liebe meiner Liebe, Du erwünschte Seligkeit, Die du dich aus höchstem Triebe In das jammervolle Leid Deines Leidens mir zu gute Als ein Opfer eingestellt Und bezahlt mit deinem Blute Alle Missethat der Welt; Passionslieder. 2. Liebe, die mit Schweiß und Thränen An dem Olberg sich betrübt, Liebe, die mit heißem Sehnen Unaufhörlich fest geliebt, Liebe, die den eignen Willen In des Vaters Willen legt, Des Gesetzes Fluch zu stillen, Alle Last der Sünde trägt; 3. Liebe, die mit starkem Herzen Schmach und Lästerung gehört, Liebe, die in Angst und Schmerzen, Selbst im Tod bleibt unversehrt, Liebe, die sich liebend zeiget, Als sich Kraft und Atem end't, Liebe, die sich liebend neiget, Als sich Leib und Seele trennt; 4. Liebe, die mit ihren Armen Mich zuletzt umfangen wollt', Liebe, welche aus Erbarmen Mich zuletzt in höchster Huld Ihrem Vater übergeben, Die noch sterbend für mich bat, Daß ich ewig möchte leben, Weil mich ihr Verdienst vertrat; . 5. Liebe, die für mich gestorben Und ein immerwährend Gut An dem Kreuzesholz erworben: Ach, wie denk' ich an dein Blut! Ach, wie dank' ich deinen Wunden, Du verwund'te Liebe du, Wenn ich in der letzten Stunden Sanft in deinem Frieden ruh'! 6. Liebe, die sich tot gekränket Und für mein erkaltet Herz In ein kaltes Grab gesenket, 88 Passionslieder. Ach, wie dank' ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, Daß ich ewig leben kann, Da du mir das Heil erworben; Ew'ge Liebe, nimm mich an! Vor 1697. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 72. O Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn! O Haupt, zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron'! O Haupt, sonst schön gekrönet Mit höchster Ehr' und Zier, Jetzt aber arg verhöhnet, Gegrüßet seist du mir! 2. Du edles Angesichte, Davor sonst alle Welt Erschrickt und wird zu nichte, Wie bist du so entstellt! Wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, Dem sonst kein Licht mehr gleichet, So schmachvoll zugericht't? 3. Ach Herr, was du erduldet, Ist alles meine Last; Ich, ich hab' das verschuldet, Was du getragen hast. Schau her, hier steh' ich Armer, Der Zorn verdienet hat, Gieb mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnad'. ö 4. Erkenne mich, mein Hüter; Mein Hirte, nimm mich an! Du hast, Quell aller Güter, Viel Gutes mir gethan. Passionslieder. Du hast mich oft gelabet, Mit Lebensbrot gespeist, Mit Himmelslust begabet Durch deinen Freudengeist. 5. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, Wenn dir dein Herze bricht; Und wird dein Haupt erblassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich fassen In meinen Arm und Schoß. 6. Es dient zu meinen Freuden Und thut mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach, möcht' ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! 7. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deine Todesschmerzen, Da du's so gut gemeint. Ach gieb, daß ich mich halte Zu dir und deiner Treu! Und, wenn ich nun erkalte, In dir mein Ende sei. 8. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür; Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Angsten Kraft deiner Angst und Pein. 90 Passionslieder. 9. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Fest an mein Herz dich drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt. Mel.: Christus, der uns selig macht. 73. O hilf, Christe, Gottes Sohn, Durch dein bitter Leiden, Daß wir dir stets unterthan All' Untugend meiden, Deinen Tod und sein' Ursach' Fruchtbarlich bedenken, Dafür, wiewohl arm und schwach, Dir Dankopfer schenken. Mich. Weiße. Mel.: O Lamm Gottes, unschuldig. 74. O Lamm Gottes, unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du wurdest verachtet, All' Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 2. O Lamm Gottes, unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du wurdest verachtet, All' Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! Passionslieder. 91 3. O Lamm Gottes, unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du wurdest verachtet, All' Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Gieb uns dein'n Frieden, o Jesu! Nik. Decius. Eigne Melodie. 75. O Traurigkeit, o Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen? Gott des Vaters einig Kind Wird ins Grab getragen. 2. O große Not! Gott's Sohn liegt tot, Am Kreuz ist er gestorben, Hat dadurch das Himmelreich Uns aus Lieb' erworben. 3. O Menschenkind, nur deine Sünd' Hat dieses angerichtet, Da du durch die Missethat Warest ganz vernichtet. 4. Dein Bräutigam, das Gotteslamm, Liegt hier mit Blut beflossen, Welches er ganz mildiglich Hat für dich vergossen. 5. O selig ist zu jeder Frist, Wer dieses recht bedenket, Wie der Herr der Herrlichkeit Wird ins Grab gesenket. 6. O Jesu du, mein' Hülf' und Ruh'! Ich bitte dich mit Thränen: Hilf, daß ich mich bis ins Grab Nach dir möge sehnen. Joh. Rist. Passionslieder. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 76. 0 Welt, sieh hier dein Leben Am Stamm des Kreuzes schweben, * Dein Heil sinkt in den Tod. N Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschweren Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße: Bedeckt von Todesschweiße Sein heilig Haupt er neigt. Aus seinem edlen Herzen II Vor unermeßnen Schmerzen Ein Seufzer nach dem andern steigt. 3. Wer hat dich so geschlagen, 0— Mein Heil, und dich mit Plagen So übel zugericht't? Du bist ja nicht ein Sünder, ö Wie wir und unsre Kinder, Von Übelthaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden ö Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget, Und deiner Martern ganzes Heer. 5. Ich bin's, ich sollte büßen, An Händen und an Füßen Gebunden in der Höll'; Die Geißel und die Banden Und was du ausgestanden, Das hat verdienet meine Seel'. N 6. Du nimmst auf deinen Rücken Die Lasten, die mich drücken Viel schwerer als ein Stein. Du wirst ein Fluch; dagegen Passionslieder. 93 Verleihst du mir den Segen, Dein Schmerz muß mir ein Labsal sein. 7. Du setzest dich zum Bürgen, Ja, lässest dich erwürgen Für mich und meine Schuld. Mir lässest du dich krönen Mit Dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit Geduld. 8. Hoch bin ich dir verbunden, Mein Heil, zu allen Stunden Für deine Angst und Pein. Was Leib und Seel' vermögen, Das will ich dankbar legen An deinen Dienst und Ehr' allein. 9. Ich kann zwar nicht viel geben In diesem armen Leben; Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 10. Ich will's vor Augen haben, Mich stets daran erlaben, Ich sei auch, wo ich sei; Es soll mir sein ein Spiegel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb' und unverfälschten Treu“. 11. Ich will darin erblicken, Wie ich mein Herz soll schmücken Mit stillem, sanftem Mut, Und wie ich die soll lieben, Die mich so sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 12. Ich will der Sünd' entsagen, Ans Kreuz die Lüste schlagen Und was dem Fleisch gefällt; Was deine Augen hassen, 9⁴ Passionslieder. Das will ich fliehn und lassen, Gefiel' es auch der ganzen Welt. 13. Dein Seufzen und dein Stöhnen, Die vielen heißen Thränen, Die für mich weintest du, Die sollen mich am Ende In deine treuen Hände Begleiten zu der ew'gen Ruh'. Paul Gerhardt. Mel.: Meinen Jesum lass' ich nicht. +. Seele, geh auf Golgatha, Hin zu deines Jesu Kreuze, Und bedenke, was dich da Für ein Trieb zur Buße reize; Kannst du hier noch fühllos sein, Bist du härter als ein Stein. 2. Schaue doch das Jammerbild Zwischen Erd' und Himmel hangen, Wie sein Blut in Strömen quillt, Daß ihm alle Kraft vergangen. Ach der übergroßen Not! Es ist ja mein Jesus tot. 3. O Lamm Gottes ohne Schuld, Alles das hab' ich verschuldet, Und du hast aus großer Huld Pein und Tod für mich erduldet. Daß wir nicht verloren gehn, Läßt du dich ans Kreuz erhöhn. 4. Unbeflecktes Gotteslamm, Ich verehre deine Liebe. Schaue von des Kreuzes Stamm, Wie ich mich um dich betrübe! Dein zum Tod verwundet Herz Bringt mir tausendfachen Schmerz. Passionslieder. 5. Ich kann nimmer, nimmermehr Diese Plagen dir vergelten; Du verbindest mich zu sehr; Schenkt' ich dir gleich tausend Welten, Alles wäre viel zu klein, Herr, für deine Todespein. 6. Eins nur hab' ich, Herr, für dich: Ich will dir mein Herze geben. Dieses soll beständiglich Unter deinem Kreuze leben. Wie du mein, so will ich dein Lebend, leidend, sterbend sein. 7. Laß dein Herz mir offen stehn, Offne mir die Gnadenthüre; Dahinein will ich stets gehn, Wenn ich Kreuz und Not verspüre, Wie ein Hirsch nach Wasser dürst't, Bis du mich erquicken wirst. 8. Kreuzige mein Fleisch und Blut; Lehre mich die Welt verschmähen; Laß mich dich, du höchstes Gut, Immerdar vor Augen sehen; Führ in allem Kreuze mich Selig, wenngleich wunderlich. 9. Endlich laß die letzte Not Mich geduldig überwinden; Nirgend sonst soll mich der Tod Als bei deinem Kreuze finden. Wer die Ruhstatt da sich macht, Spricht getrost: Es ist vollbracht! Benj. Schmolck. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 78. Sei mir tausendmal gegrüßet, Der mich je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet 96 Passionslieder. Das, womit ich dich betrübt. Ach, wie ist mir doch so wohl, Wenn ich knien und liegen soll An dem Kreuze, da du stirbest Und um meine Seele wirbest. 2. Heile mich, o Heil der Seelen, Der ich krank und traurig bin; Nimm die Schmerzen, die mich quälen, Und den ganzen Schaden hin, Den mir Adams Fall gebracht Und ich selber mir gemacht. Wirst du, Herr, dich zu mir wenden, Wird sich all mein Jammer enden. 3. Schreibe deine blut'gen Wunden Mir, Herr, in das Herz hinein, Daß sie mögen alle Stunden Bei mir unvergessen sein. Du bist doch mein schönstes Gut, Da mein ganzes Herze ruht; Laß mich hier zu deinen Füßen Deiner Lieb' und Gunst genießen. 4. Herr, an dich will ich mich halten Stets, so gut ich immer kann; Schaue meiner Hände Falten Und mich selber freundlich an Von dem hohen Kreuzesbaum Und gieb meiner Bitte Raum, Sprich: Laß all dein Trauern schwinden, Ich, ich tilg' all' deine Sünden. Paul Gerhardt. Mel.: O Traurigkeit, o Herzeleid. 79. So ruhest du, O meine Ruh', In deines Grabes Höhle Passionslieder. Und erweckst durch deinen Tod Meine tote Seele. 2. Man senkt dich ein Nach vieler Pein, Du meines Lebens Leben! Dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. Ach, du bist kalt, Mein Hort und Halt! Das macht dein heißes Lieben, Das dich in das kalte Grab Mir zu gut getrieben. 4. O Lebensfürst. Ich weiß, du wirst Mich wieder auferwecken; Sollte denn mein gläubig Herz Vor der Gruft erschrecken? 5. Sie wird mir sein Ein Kämmerlein, Da ich in Frieden liege, Weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab besiege. 6. Gar nichts verdirbt, Der Leib nur stirbt; Doch wird er auferstehen Und ganz herrlich und verklärt Aus dem Grabe gehen. 7. Indes will ich, Mein Jesu, dich In meine Seele senken Und an deinen bittern Tod Bis zum Tod gedenken. Eigne Melodie. 80. Wenn mich die Sünden kränken, O mein Herr Jesu Christ, Sal. Franck — Passionslieder. So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heil'gen Kreuzes Auf dich genommen hast. 2. O Wunder ohne Maßen, Wenn man's betrachtet recht: Es hat sich martern lassen Der Herr für seinen Knecht! Es hat sich selbst mein Herr und Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod! 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden; Die Schuld ist allzumal Bezahlt durch Christi teures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der Hölle Qual und Glut. 4. Drum sag' ich dir von Herzen Jetzt und mein Leben lang Für deine Pein und Schmerzen, O Jesu, Lob und Dank, Für deine Not und Angstgeschrei, Für dein unschuldig Sterben, Für deine Lieb und Treu'. 5. Herr, laß dein bittres Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die sündliche Begier, Daß nie mir komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Und wär's auch Schmach und Spott, Hilf mir geduldig tragen; Passionslieder. Gieb, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese Welt Und gern dem Beispiel folge, Das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn' Eigennutz und Heuchelschein Und, wie du mir's erwiesen, Aus reiner Lieb' allein. 8. Laß endlich deine Wunden Mich trösten kräftiglich In meinen letzten Stunden Und des versichern mich: Weil ich auf dein Verdienst nur trau', Du werdest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau'. Justus Gesenius. Mel.: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 81. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist Und hast uns durch dein teures Blut Gemacht vor Gott gerecht und gut. 2. Wir bitten dich, wahr'r Mensch und Gott, Durch deine heil'gen Wunden rot: Erlös uns von dem ew'gen Tod Und tröst uns in der letzten Not. Und reich uns dein' allmächt'ge Hand, Daß wir im Kreuz geduldig sein, Uns trösten deiner schweren Pein 4. Und schöpfen draus die Zuversicht, Daß du uns wirst verlassen nicht, 3. Behüt uns auch vor Sünd' und Schand' Osterlieder. Vielmehr ganz treulich bei uns stehn, Daß wir durchs Kreuz ins Leben gehn. Christoph Fischer. VII. Osterlieder. Eigne Melodie. 82. Christ ist erstanden Von der Marter alle; Des soll'n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! 2. Wär' er nicht erstanden, So wär' die Welt vergangen; Seit daß er erstanden ist, Lob'n wir den Vater Jesu Christ. ö Halleluja! 3. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des soll'n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! Alte Kirche. Mel.: Erschienen ist der herrlich Tag. 83. Erinnre dich, mein Geist, erfreut Des hohen Tags der Herrlichkeit. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist. Halleluja! 2. Entbrenn in Lieb' und Dank für ihn, Als ob er heute dir erschien': Als spräch' er: Friede sei mit dir! So freue dich, mein Geist, in mir. Halleluja! Osterlieder. 101 3. Schau über dich und bet ihn an. Er mißt den Sternen ihre Bahn; Er lebt und herrscht mit Gott vereint Und ist dein König und dein Freund. Halleluja! 4. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar Dem, der da ist und der da war! Sein Name sei gebenedeit Von nun an bis in Ewigkeit! Halleluja! 5. Vor seinem Thron, in seinem Reich Soll ich unsterblich, Engeln gleich Und ewig, ewig selig sein; Herr, welche Herrlichkeit ist mein! Halleluja! 6. Du, der du in den Himmeln thronst, Ich soll da wohnen, wo du wohnst, Und du erfüllst einst mein Vertraun, Mit meinen Augen dich zu schaun. Halleluja! 7. Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst, In Wolken herrlich kommen wirst, Erweckt aus meinem Grabe gehn Und rein zu deiner Rechten stehn. Halleluja! 8. Mit Engeln und mit Seraphim, Mit Thronen und mit Cherubim, Mit allen Frommen aller Zeit Soll ich mich freun in Ewigkeit. Halleluja! 9. Nie komm' es mir aus meinem Sinn, Was ich, mein Heil, dir schuldig bin, Damit ich mich, in Liebe treu, Zu deinem Bilde stets erneu'. Halleluja! 10² Osterlieder. 10. Er ist's, der alles in uns schafft; Sein ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist. Halleluja! Chr. F. Gellert. Mel.: Erschienen ist der herrlich Tag. 84. Frühmorgens, da die Sonn' aufgeht, Mein Heiland Christus aufersteht. Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja! 2. Nicht mehr als nur drei Tage lang Mein Heiland bleibt in Todeszwang. Am dritten Tag durchs Grab er dringt Und hoch die Siegesfahne schwingt. Halleluja! 3. O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, Er wälzt ihn von des Herzens Thür. Halleluja! 4. Kein Kreuz und Trübsal ist so groß, Der Herr greift ein und macht mich los, Führt mich heraus mit seiner Hand; Wer mich will halten, wird zu Schand'. Halleluja! 5. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; Wenn mir gleich alle Welt stürb' ab, G'nug, daß ich Christum bei mir hab'. Halleluja! 6. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich. Osterlieder. 103 Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, Weil seines Leibes Glied ich bin. Halleluja! 7. Für diesen Trost, o großer Held, t. Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Dort wollen wir mit größerm Fleiß Erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja! Joh. Heermann. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 85. Halleluja! jauchzt, ihr Chöre, Singt Jesu Christo Preis und Ehre! Wie groß, wie herrlich ist sein Tag! Er, der Held, ist von den Banden Des Todes siegreich auferstanden, Er, der für uns im Grabe lag. Sein ist Gewalt und Macht; Preis ihm, er hat's vollbracht! Halleluja! Er hat's vollbracht, Er, der die Macht Des Todes und des Grabes hat. 2. Glorreich hat der Held gerungen, Hat mächtig Satans Reich bezwungen, 5. Von Todesketten uns befreit. ö Wir von Gott gewichne Sünder Sind nun mit ihm versöhnt, sind Kinder Und Erben seiner Seligkeit. Bald, bald entschlafen wir, 5 Entschlafen, Herr, in dir, Ruhn in Frieden Die kurze Nacht, Bis deine Macht Das Licht des ew'gen Tages ruft. 3. Unsern Staub mag Staub bedecken, Du wirst ihn herrlich auferwecken, Osterlieder. Der du des Staubes Schöpfer bist; Du wirst unvergänglich Leben Und Kraft und Herrlichkeit ihm geben, Dem Staube, der dir teuer ist: Wir werden ewig dein, Gerecht und selig sein. Halleluja! Tod und Gericht Erschreckt uns nicht; Denn Jesus, unser Mittler, lebt. 4. Tag des Lebens, Tag der Wonne, Wie wird uns sein, wenn Gottes Sonne Durch unsres Grabes Dunkel bricht! O was werden wir empfinden, Wenn Nacht und Finsternis verschwinden Und uns umstrahlt des Himmels Licht! Vollender, führe du Uns diesem Tage zu, ‚ Uns, die Deinen! Die Lebensbahn Gingst du voran; Wir folgen dir in deine Ruh'. Gottfr. Bened. Funk. Mel.: Valet will ich dir geben. 86. Ich geh' zu deinem Grabe, Du großer Osterfürst, Weil ich die Hoffnung habe, Daß du mir zeigen wirst, Wie man kann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehn Und mit den Himmelserben Ins Land des Lebens gehn. 2. Du hast geweiht die Erde, In die man dich gelegt, Daß mir nicht bange werde, Osterlieder. 10⁵ Wenn meine Stunde schlägt, Auch in den Staub zu legen, Was Staub und Asche ist, Weil du ja allerwegen Der Herr der Erde bist. 3. Du schläfst in deinem Grabe, Daß ich auch meine Ruh' Im Schoß der Erde habe, Drückst mir die Augen zu; Nun soll mir gar nicht grauen, Wenn mein Gesicht vergeht; Ich werde den wohl schauen, Der mir zur Seite steht. 4. Dein Grab schließt Stein und Siegel, Und du wirst dennoch frei; Auch meines Grabes Riegel Brichst du mit Macht entzwei. Du wirst den Stein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt; Da werd' ich dich erblicken, Der mich vom Tod erweckt. 5. Du fährest in die Höhe Und zeigest mir die Bahn, Wohin ich endlich gehe, Da ich dich finden kann. Dort ist es sicher wohnen, Wo lauter Glanz um dich; Da warten Himmelskronen In deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Leben, O meines Todes Tod! Dir will ich mich ergeben In meiner letzten Not; Dann schlaf' ich ohne Kummer In deinem Frieden ein, 106 Osterlieder. Und wach' ich auf vom Schlummer, Wirst du mein Loblied sein. Benj. Schmolck. : Nun danket all' und bringet Ehr'. 87. 69 sag' es jedem, daß er lebt Und auferstanden ist, Daß er in unsrer Mitte schwebt Und ewig bei uns ist. 2. Ich sag' es jedem, jeder sagt Es seinen Freunden gleich, Daß bald an allen Orten tagt Das neue Himmelreich. 3. Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn Erst wie ein Vaterland; Ein neues Leben nimmt man hin Entzückt aus seiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Meer Versank des Todes Graun, Und jeder kann nun leicht und hehr In seine Zukunft schaun. 5. Der dunkle Weg, den er betrat, Geht in den Himmel aus, Und wer nur hört auf seinen Rat, Kommt auch ins Vaterhaus. 6. Nun weine keiner mehr allhie, Wenn eins die Augen schließt; Vom Wiedersehn, spät oder früh, Wird dieser Schmerz versüßt. 7. Es kann zu jeder guten That Ein jeder frischer glühn; Denn herrlich wird ihm diese Saat Auf schönern Fluren blühn. 8. Er lebt und wird nun bei uns sein, Wenn alles uns verläßt; Osterlieder. 107 Und so soll dieser Tag uns sein Ein Weltverjüngungsfest. Friedrich von Hardenberg, gen. Novalis. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 88. Jesus lebt, mit ihm auch ich: Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich Von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; Dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt, ihm ist das Reich Über alle Welt gegeben; Mit ihm werd' auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; Dies ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt, wer nun verzagt, Sündigt wider Gottes Ehre; Gnade hat er zugesagt, Daß der Sünder sich bekehre. Gott verwirft den Glauben nicht; Dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt, sein Heil ist mein; Sein sei auch mein ganzes Leben. Reines Herzens will ich sein Und den Lüsten widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht; Dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt, ich bin gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsternis, Keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er giebt Kraft zu jeder Pflicht; Dies ist meine Zuversicht. 108 Osterlieder. 6. Jesus lebt, nun ist der Tod Mir ein Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot Wird es meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Chr. F. Gellert. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 89. Lobet Gott, denn Jesus lebet! Erlöste Menschen, o erhebet, Preist eures Mittlers Majestät! Hört's, betrübte Sünder, gebet Der Freude Raum, denn Jesus lebet; Gott hat ihn aus dem Staub erhöht. O Seele, dein Gesang Erschalle ihm zum Dank, Ihm zur Ehre! Dich, großer Held, Erhebt die Welt, Weil deine Hand den Sieg behält. 2. Jesu Jünger, wehrt dem Leide! Lobsinget ihm und nehmt voll Freude Am Siege teil, den er erstritt! Seid ihr gleich des Todes Kinder, Er ist des Todes Überwinder; Er herrscht, der für euch starb und litt. Was wollt ihr traurig sein? Getrost könnt ihr euch freun. Jesus lebet In Ewigkeit; Zu aller Zeit Ist er zur Hülfe uns bereit. 3. Zagt nicht über eure Sünden; Gott läßt euch Heil und Gnade finden, Wenn ihr die Schuld mit Ernst bereut. Osterlieder. 109 Durch des Todes Überwinder Ist er dem reuevollen Sünder Ein Vater der Barmherzigkeit. Er nimmt ihn liebreich auf, Mit Kraft zum Glaubenslauf Ihn zu segnen. Preis sei der Huld, Die unsre Schuld Vertilgt und trägt uns mit Geduld. 4. Tod, wo sind nun deine Schrecken? Nicht ewig wird das Grab uns decken, Verwest der Leib gleich in der Gruft. Einst wird er zum bessern Leben Sich aus des Todes Staub erheben, Wenn Jesus den Entschlafnen ruft. Dann wird des Todes Feld Zu einer regen Welt. Alles lebet, So wie erneut Zur Frühlingszeit Sich alles regt und alles freut. 5. Auferstandner, welch ein Segen Erwartet uns, wenn wir auf Wegen Einhergehn, die dein Fuß betrat! Unerforschte Seligkeiten, Die ewig währen, sind die Beuten, Die uns dein Sieg erkämpfet hat. Einst sind sie unser Teil; Einst krönet uns das Heil Deines Lebens. Gelobt sei Gott! Auch noch im Tod Ist er und bleibet unser Gott. Christoph Chr. Sturm. Osterlieder. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 90. Mein Jesus lebt! Mag ich gleich sterben, Hier steht mein Haupt und triumphiert. Nun muß auch ich das Leben erben, Weil seine Macht der Tod verliert. Ich fürchte seinen Fluch nicht mehr; Mein Jesus lebt! sein Grab ist leer. 2. Mein Jesus lebt, er hat bezwungen, Was mir das Leben rauben kann; Er hat mir Heil und Sieg errungen, Und ihm ist alles unterthan. Der Hölle Abgrund selbst erbebt, Denn überall ruft's: Jesus lebt. 3. Mein Jesus lebt, das Grab ist offen, So geh' ich freudig in die Gruft; Auf seine Stimme will ich hoffen, Die mich vom Tod ins Leben ruft. Wie lieblich schallt sie nicht schon hier: ö Ich leb' und ihr lebt auch mit mir. 4. Mein Jesus also bleibt mein Leben; Er lebt in meinem Herzen hier, Und soll ich ihm das Leben geben, Der Tod kommt mir nicht schrecklich vor, Weil er mich in den Himmel hebt, So wahr als Jesus ist und lebt. Benj. Schmolck. Mel.: Was Gott thut, das ist wohlgethan. 91. O auferstandner Siegesfürst, Du Leben aller Leben! Heut bringst du Frieden, da du wirst Zur Freude uns gegeben: Erst bracht' die Not Dich in den Tod, Jetzt bist du auferstanden Und frei von Todesbanden. Osterlieder. 111 2. Ach, unsre Sündenlast und Schuld Ließ dich in Fesseln fallen, Du gabst dich hin aus großer Huld Ans Kreuz zu gut uns allen; Nun sind wir frei Von Sklaverei, Nicht mehr darin gefangen, Weil du hervorgegangen. 3. Die Kraft von deiner Majestät Bricht selbst durch Grab und Steine, Dein Sieg ist's, der uns mit erhöht Zum rechten Guadenscheine. Des Todes Wut, Der Hölle Glut Hat alle Macht verloren, Und wir sind neu geboren. 4. O daß wir diesen teuren Sieg Lebendig möchten kennen Und unser Herz bei diesem Krieg Im Glauben möchte brennen! Denn anders nicht Kann dieses Licht Uns in das Leben führen, Als wenn wir Glauben spüren. 5. So brich denn selbst durch unser Herz, O Jesu, Fürst der Ehren, Und laß vorher uns himmelwärts Zu dir uns gläubig kehren, Daß wir in dir Die offne Thür Zur ew'gen Ruhe finden Und auferstehn von Sünden. 6. Versag uns deine Güte nicht, Wenn wir in Buße weinen, Und laß uns deines Friedens Licht Hell in das Herze scheinen: Osterlieder. So tönnen wir, O Held, mit dir Die rechten Ostern feiern Und uns in dir erneuern. 7. Ach laß das wahre Auferstehn Auch uns in uns erfahren Und aus des Todes Grab uns gehn, Daß wir den Schatz bewahren, Das teure Pfand, Das deine Hand Zum Siegen uns gegeben: So gehn wir ein zum Leben. Just Henning Böhmer. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 92. 0 Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Satan thun, Wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg So herrlich hat nach diesem Krieg Durch Jesum Christ gegeben. 2. Wie sträubte sich die alte Schlang', Da Christus mit ihr kämpfte! Mit List und Macht sie auf ihn drang, Und dennoch er sie dämpfte. Ob sie ihn in die Ferse sticht, So sieget sie doch darum nicht; Der Kopf ist ihr zertreten. 3. Lebendig Christus geht hervor, Den Feind nimmt er gefangen, Zerbricht der Hölle Schloß und Thor, Trägt weg den Raub mit Prangen. Nichts ist, das in dem Siegeslauf Hält diesen starken Helden auf; Er überwindet alles. HNISAED NMN=VV& Osterlieder. 113 4. Des Herren Rechte, die behält Den Sieg und ist erhöhet; Des Herren Rechte mächtig fällt, Was ihr entgegenstehet. Tod, Teufel, Höll' und alle Feind' Durch Christi Sieg gedämpfet sind; Ihr Zorn ist kraftlos worden. 5. Es war getötet Jesus Christ, Und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist, Erstehn auch wir, die Glieder. So jemand Christi Worten gläubt, Im Tod und Grabe der nicht bleibt; Er lebt, ob er gleich stirbet. 6. Wer täglich hier durch wahre Reu' Mit Christo auferstehet, Ist dort vom andern Tode frei, Wird mit dem Herrn erhöhet. Genommen ist dem Tod die Macht, Das Leben ist uns wiederbracht Und unvergänglich Wesen. 7. Das ist die reiche Osterbeut', Der wir teilhaftig werden: Fried', Freude, Heil, Gerechtigkeit Im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, Bis unser Leib wird ähnlich dort Des Herrn verklärtem Leibe. 8. O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Satan thun, Wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg So herrlich hat nach diesem Krieg Durch Jesum Christ gegeben Justus Gesenins. 114 Osterlieder. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. — Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, Die Sonn' ist aufgegangen; Ermuntre dich, mein Geist und Sinn, Den Heiland zu empfangen, Der heute durch des Todes Thor Gebrochen aus dem Grab hervor, Der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such ein neues Leben, Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such, was droben, als ein Christ, Der geistlich auferstanden. 3. Drückt dich ein schwerer Sorgenstein, Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuzespein In Freud' und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und sorge nicht; er ist nicht fern, Denn er ist auferstanden. 4. Es hat der Löw' aus Judas Stamm Heut siegreich überwunden Und das erwürgte Gotteslamm Das Leben wiederfunden; Es bringt Heil und Gerechtigkeit Und hat nach hartem Kampf und Streit Den Feind zur Schau getragen. 5. Drum auf, mein Herz, geh in den Streit, Weil Jesus überwunden; 5 Er wird auch überwinden weit In dir, weil er gebunden Der Feinde Macht, daß du aufstehst Und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dienest. , m Osterlieder. 115 6. Laß weder Teufel, Welt noch Tod Dich scheu und zaghaft machen; Denn Jesus lebt, es hat nicht not, Er ist noch bei den Schwachen Und den Geringen in der Welt Als ein gekrönter Siegesheld; Drum wirst du überwinden. 7. Sei hochgelobt in dieser Zeit Von allen Gotteskindern Und ewig in der Herrlichkeit Von allen Überwindern, Die überwanden durch dein Blut! Herr Jesu, gieb uns Kraft und Mut, Daß wir auch überwinden. Laur. Laurentli. Mel.: Christus, der ist mein Leben. 94. Willkommen, Held im Streite, Aus deines Grabes Kluft! Wir triumphieren heute Um deine leere Gruft. 2. Zur Schau wird nun getragen Der Feind und ist ein Spott; Wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott. 3. In der Gerechten Hütten Erschallt ein Siegeslied; Du trittst selbst in die Mitten Und sprichst: Mit euch sei Fried'! 4. Ach teile doch die Beute Bei deinen Gliedern aus; Wir alle kommen heute Deswegen in dein Haus. 5. Schwing deine Siegesfahne Auch über unser Herz; Den Lebensweg uns bahne Vom Grabe himmelwärts. 6 116 Osterlieder. 6. Laß unser aller Sünden Ins Grab versenket sein Und einen Schatz uns finden, Der ewig kann erfreun. 7. Wir sind mit dir gestorben, So leben wir mit dir; Was uns dein Tod erworben, Das stell uns täglich vor. 8. Wir wollen hier ganz fröhlich Mit dir zu Grabe gehn, Wenn wir dereinst nur selig Mit dir auch auferstehn. 9. Der Tod kann uns nicht schaden, Sein Pfeil ist nunmehr stumpf; Wir stehn bei Gott in Gnaden Und rufen schon: Triumph! Benj. Schmolck. VIII. Himmelfahrtslieder. Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 95. Ach wundergroßer Siegesheld, Du Sündenträger aller Welt, Heut hast du dich gesetzet Zur Rechten Gottes in der Kraft, Hast herrlich dir den Sieg verschafft, Den Feind zum Tod verletzet. Mächtig, prächtig Triumphierst du und regierst du; Tod und Leben, Alles ist dir untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, Viel tausend hohe Seraphim Dich großen Sieger loben, Weil du den Segen wiederbracht, Mit Majestät und großer Macht & IAIAIA D Himmelfahrtslieder. Zum Himmel dich erhoben. Singet, klinget, Rühmt und ehret den, der fähret Auf zum Throne, Zu empfahn die Herrscherkrone. 3. Du bist, o Herr, das Haupt, und wir Sind deine Glieder, und von dir Strömt auf uns Licht und Leben; Heil, Fried' und Freude, Trost und Kraft Und was dem Herzen Labsal schafft, Wird uns von dir gegeben. Dringe, zwinge, Ew'ge Güte, mein Gemüte, Daß es preise, Dir als Siegsherrn Ehr' erweise. 4. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns nach dir, Hilf, daß wir alle für und für Nach deinem Reiche trachten. Laß unsern Wandel himmlisch sein, Daß wir der Erde eiteln Schein, All' Üppigkeit verachten. Weltlust, Hoffahrt Hilf uns meiden, christlich leiden, Wohl ergründen, Wo die Gnade sei zu finden. 5. Herr Jesu, komm von deinem Thron, Du Siegesfürst, Held, Davids Sohn, Komm, stille das Verlangen. Du, du bist allen uns zu gut, O Jesu, durch dein teures Blut Ins Heiligtum gegangen. Dafür soll dir Von uns allen Preis erschallen; Herr, ohn' Ende Heben wir zu dir die Hände. Ernst Christoph Homburg. 118 Himmelfahrtslieder. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 96. Auf Christi Himmelfahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe Und allen Zweifel, Angst und Pein Stets hiermit überwinde. Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ, Wenn's Zeit ist, zu sich nehmen. 2. Weil er gezogen himmelan Und große Gab' empfangen, Mein Herz auch nur im Himmel kann, Sonst nirgend Ruh' erlangen. Denn wo mein Schatz gekommen hin, Da ist auch stets mein Herz und Sinn; Nach ihm mich sehr verlanget. ö 3. Ach Herr, laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mög' meine Nachfahrt zieren Und dann einmal, wenn's dir gefällt, Mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre dies mein Flehen. Josua Wegelin. Eigne Melodie. 97. Christ fuhr gen Himmel; Was sandt' er uns hernieder? Den Tröster, den heiligen Geist, Zu Trost der armen Christenheit. 5 Halleluja! 2. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des soll'n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! Alte Kirche. he. Himmelfahrtslieder. 119 Mel.: Jesu, meines Lebens Leben. 98. Großer Mittler, der zur Rechten Seines großen Vaters sitzt Und die Schar von seinen Knechten In dem Reich der Gnaden schützt, Dem auf dem erhabnen Throne In der königlichen Krone Aller heil'gen Engel Heer Bringt in Demut Preis und Ehr'. 2. Dein Erlösungswerk auf Erden Und dein Opfer ist vollbracht; Was vollendet sollte werden, Das vollführtest du mit Macht. Da du bist für uns gestorben, Ist uns Gnad' und Heil erworben, Und dein siegreich Auferstehn Läßt uns in die Freiheit gehn. 3. Nun ist dieses dein Geschäfte In des Vaters Heiligtum, Die erworbnen Segenskräfte Durch dein Evangelium Allen denen mitzuteilen, Die zum Thron der Gnade eilen; Nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. 4. Deines Volkes werte Namen Trägest du auf deiner Brust, Und an dem gerechten Samen Siehst du, Heiland, deine Lust. Du vertrittst, die an dich gläuben, Daß sie dir vereinigt bleiben, Bittest in des Vaters Haus Ihnen eine Wohnung aus. 5. Doch vergißt du auch der Armen, Die der Welt noch dienen, nicht, 12⁰ Himmelfahrtslieder. Weil dein Herz dir voll Erbarmen ö Über ihren Jammer bricht. Daß dein Vater ihrer schone, Daß er nicht nach Werken lohne, Daß er ändre ihren Sinn, Ach, da zielt dein Bitten hin. 6. Dein Verdienst und deine Leiden Stellest du dem Vater dar Und vertrittst vor ihm mit Freuden Deine teu'r erlöste Schar, Daß er wolle Kraft und Leben Deinem Volk auf Erden geben Und die Seelen zu dir ziehn, Die noch deine Gnade fliehn. 7. Großer Mittler, sei gepriesen, Daß du in dem Heiligtum So viel Treu' an uns bewiesen; Dir sei Ehre, Dank und Ruhm! Dein Verdienst laß uns vertreten, Wenn wir zu dem Vater beten; Sprich für uns in letzter Not, Wenn den Mund verschließt der Tod. J. J. Rambach. — Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 99. Herr, auf Erden muß ich leiden Und bin voller Angst und Weh: Warum willst du von mir scheiden? Warum fährst du in die Höh'? Nimm mich Armen auch mit dir, Oder bleibe doch in mir, Daß ich dich und deine Gaben Möge täglich bei mir haben. 2. Laß mir doch dein Herz zurücke Und nimm meines mit hinauf; Himmelfahrtslieder. Wenn ich Seufzer zu dir schicke, Thue mir den Himmel auf, Und wenn ich nicht beten kann, Rede du den Vater an; Denn du bist zu seiner Rechten: Darum hilf uns, deinen Knechten. 3. Zeuch die Sinne von der Erde Über alles Eitle hin, Daß ich mit dir himmlisch werde, Ob ich gleich noch sterblich bin, Und im Glauben meine Zeit Richte nach der Ewigkeit, Bis ich werd' zu dir gelangen, Wie du bist vorangegangen. 4. Dir ist alles übergeben, Nimm dich auch der Deinen an! Hilf mir, daß ich christlich leben Und dir heilig dienen kann. Klagt der Satan wider mich, Ach so wirf ihn unter dich Zu dem Schemel deiner Füße, Daß er ewig schweigen müsse. 5. Meine Wohnung mir bereite Droben in des Vaters Haus, Da ich werde nach dem Streite Bei dir gehen ein und aus. Herr, der Weg dahin bist du; Darum bringe mich zur Ruh', Nimm an meinem letzten Ende Meinen Geist in deine Hände. 6. Kehre, wenn es Zeit ist, wieder, Denn du hast es zugesagt, Und erlöse deine Glieder Aus des finstern Grabes Nacht. Richtest du alsdann die Welt, 122 Himmelfahrtslieder. Die dein Wort für Lügen hält, So führ uns nach allem Leide Ein zu deines Himmels Freude. Kasp. Neumann. Mel.: Alles ist an Gottes Segen. 100. Jesus Christus herrscht als König; Alles wird ihm unterthänig, Alles legt ihm Gott zu Fuß. Jede Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, Dem man Ehre geben muß. 2. Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, Geben ihm die Herrlichkeit. Alle Herrschaft dort im Himmel, Hier im irdischen Getümmel Ist zu seinem Dienst bereit. 5 3. Mit dem Vater gleicher Ehren Thront er unter lichten Chören Über allen Cherubim. Erd' und Himmel, aller Enden Hat er alles in den Händen; Denn der Vater gab es ihm. 4. Nur in ihm— o Wundergaben!— Können wir Erlösung haben, Die Erlösung durch sein Blut. Hört's: das Leben ist erschienen, Und ein ewiges Versühnen Kommt in Jesu uns zu gut. 5. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen; Klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen; Sagt, ihr Armen, ihm die Not! Er kann alle Wunden heilen; Reichtum weiß er auszuteilen, Leben schenkt er nach dem Tod. Himmelfahrtslieder. 123 6. Eil! Es ist nicht Zeit zum Schämen. Willst du Gnade? Du sollst nehmen. Willst du leben? Es soll sein. Willst du erben? Du wirst's sehen. Soll der Wunsch aufs höchste gehen: Willst du Jesum? Er ist dein. 7. Jauchz ihm, Menge heil'ger Knechte, Rühmt, vollendete Gerechte Und du Schar, die Palmen trägt, Und ihr Märt'rer mit der Krone Und du Chor vor seinem Throne, Der die Gottesharfen schlägt! 8. Ich auch auf der tiefsten Stufen, Ich will glauben, reden, rufen, Ob ich schon noch Pilgrim bin: Jesus Christus herrscht als König, Alles sei ihm unterthänig! Ehret, liebet, lobet ihn! Phil. Friedr. Hiller. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. 101. König, dem kein König gleichet, Dessen Ruhm kein Mund erreichet, Ebenbild von Gottes Wesen, Der zum Mittler uns erlesen, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch das Scepter führet, Dem das Recht gehört zum Throne Als des Vaters ein'gem Sohne. 2. Himmel, Erde, Luft und Meere Nebst dem ungezählten Heere Der Geschöpfe auf den Feldern, In den Seeen, in den Wäldern Sind, Herr über Tod und Leben, Dir zum Eigentum gegeben. Menschen, Engel, Welten scheuen, Menschensohn, dein mächtig Dräuen. 12⁴4 Himmelfahrtslieder. 3. In des Gnadenreiches Grenzen Sieht man dich am schönsten glänzen, Wo viel tausend treue Seelen Dich zu ihrem Haupt erwählen, Die durchs Scepter deines Mundes Nach dem Recht des Gnadenbundes Sich von dir regieren lassen Und, wie du, das Unrecht hassen. 4. In dem Reiche deiner Ehren Kann man stets dich loben hören Von dem himmlischen Geschlechte, Von der Menge deiner Knechte, Die dort ohne Furcht und Grauen Dein verklärtes Antlitz schauen, Die dich unermüdet preisen Und dir Ehr' und Dienst erweisen. 5. Herr in allen diesen Reichen, Dir ist niemand zu vergleichen An dem Überfluß der Schätze, An der Ordnung der Gesetze, An Vortrefflichkeit der Gaben, Welche deine Bürger haben; Du beschützest deine Freunde, Du bezwingest deine Feinde. „6. Herrsche auch in meinem Herzen Über Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen; Laß mich deinen Schutz genießen, Auf mich deine Gnade fließen, Laß mich stets dich loben, lieben Und mich im Gehorsam üben, Hier mit leiden, ringen, streiten, ‚ Dort mit herrschen, dir zur Seiten. J. J. Rambach. Mel.: Jesu, meines Lebens Leben. 102. Siegesfürst und Ehrenkönig, Du verklärte Majestät, Himmelfahrtslieder. 125 Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber hoch erhöht; Sollt' ich nicht zu Fuß dir fallen Und mein Herz vor Freude wallen, Wenn mein Glaubensaug' entzückt Deine Herrlichkeit erblickt? 2. Seh' ich dich gen Himmel fahren, Seh' ich dich zur Rechten da, Seh' ich, wie der Engel Scharen Alle rufen Gloria: Sollt' ich nicht zu Fuß dir fallen, Nicht mein Herz vor Freude wallen, Da der Himmel jubiliert, Weil mein König triumphiert? 3. Weit und breit, du Himmelssonne, Deine Klarheit sich enthüllt Und mit neuem Glanz und Wonne Alle Himmelsgeister füllt; Prächtig wirst du aufgenommen, Freudig heißt man dich willkommen: Schau, dein armes Kind steht hier, Ruft auch Hosianna dir. 4. Sollt' ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Klarheit seh'? Sollt' mein Mut noch wollen sinken, Da ich deine Macht versteh'? Meinem König will ich trauen Ohne Furcht und ohne Grauen, Nur in Jesu Namen mich Beugen hier und ewiglich. „5. Herr, dein heil'ger Geist ergieße Über uns sich kräftiglich, Bis zum Schemel deiner Füße Alle Feinde legen sich. Deines Reiches Scepter sende Bis zum fernsten Weltenende, 126 Himmelfahrtslieder. Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthan. 6. Nun erfüllst du aller Orten Alles durch dein Nahesein; Meines armen Herzens Pforten Stehn dir offen, komm herein! Komm, du König aller Ehren, Komm, bei mir auch einzukehren! Ewig in mir leb und wohn, Wie in deinem Himmelsthron! Gerh. Tersteegen. Mel.: Ach Gott und Herr. 103. Zeuch uns nach dir, So eilen wir Mit herzlichem Verlangen, Wohin du bist, O Jesu Christ, Aus dieser Welt gegangen. 2. Zeuch uns nach dir, — Herr Christ, und führ Uns deine Himmelsstege. Wir irren leicht, Sind bald verscheucht Vom rechten Lebenswege. 3. Zeuch uns nach dir, So folgen wir Dir nach in deinen Himmel, Daß uns nicht mehr Allhier beschwer' Die Welt und ihr Getümmel. 4. Zeuch uns nach dir Nun für und für Und hilf uns nachzufahren Dir in dein Reich Und mach uns gleich Den auserwählten Scharen. Fr. Fabrielus. Himmelfahrtslieder. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 104. Zum Himmel bist du eingegangen, Mit Preis gekrönt, Herr Jesu Christ; Wie sollte mich nun nicht verlangen, Auch dort zu sein, wo du nun bistꝰ Ich bin ja nur ein Pilgrim hier; Nimm in die Heimat mich zu dir. 2. Vom Tode standst du auf zum Leben Und gingst verklärt zum Himmel ein; So muß sich auch mein Geist erheben, Ich darf nicht tot in Sünden sein. Ein neues Leben wirk in mir, So komm ich einst gewiß zu dir. 3. Am Olberg fingen deine Leiden Mit bittern Todesängsten an; Am Olberg gingst in hohen Freuden Du siegreich deine Himmelsbahn. So folgt auf Leiden Herrlichkeit; Zu beiden mache mich bereit. 4. Du hobest segnend deine Hände Beim Scheiden von den Deinen auf; O hilf, daß einst auch ich vollende, Von dir gesegnet, meinen Lauf. Wenn ich von dir gesegnet bin, Dann fahr' in Frieden ich dahin. 5. Ich sehe dir mit Glaubensblicken In deinen Freudenhimmel nach; Mein Herz soll sich an dir erquicken, Der mir die Bahn zum Himmel brach. Sieht dich auch hier mein Auge nicht, Doch bleibst du meine Zuversicht. 6. Einst wirst du herrlich wiederkommen, Gleichwie du aufgefahren bist; Dann werd' ich völlig aufgenommen, Himmelfahrtslieder. Wo mir bereit mein Erbteil ist. So leb' ich nun im Glauben hier, Im Schauen aber dort bei dir. IX. Pfingstlieder. Deinen Geist, weil du uns liebst, Wenn wir darum bitten, schenkest Und uns seine Gaben giebst, Demutsvoll fleh' ich zu dir, Vater, sende ihn auch mir, Daß er meinen Geist erneue Und ihn dir zum Tempel weihe. 2. Ohne ihn fehlt meinem Wissen Leben, Kraft und Fruchtbarkeit, Und mein Herz bleibt dir entrissen Und dem Dienst der Welt geweiht, Wenn er nicht durch seine Kraft Die Gesinnung in mir schafft, Daß ich dir mich ganz ergebe Und zu deiner Ehre lebe. 3. Dich auch kann ich nicht erkennen, Jesu, nicht mit Zuversicht Meinen Gott und Herrn dich nennen, Hilft dein guter Geist mir nicht. Darum treib' er kräftig mich, Daß ich, o mein Mittler, dich Durch den wahren Glauben ehre Und auf deinen Ruf nur höre. 4. Ew'ge Quelle wahrer Güter, Hochgelobter Gottesgeist, Der du menschliche Gemüter Besserst und mit Trost erfreust, Pfingstlieder. 129 Komm, nach dir verlanget mich, Ich ergebe mich an dich. Mache mich zu Gottes Preise Heilig und zum Himmel weise. 5. Fülle mich mit heil'gen Trieben, Daß ich Gott, mein höchstes Gut, Über alles möge lieben, Daß ich mit getrostem Mut Seiner Vaterhuld mich freu? Und mit wahrer Kindestreu' Stets vor seinen Augen wandle Und rechtschaffen denk' und handle. 6. Geist des Friedens und der Liebe, Bilde mich nach deinem Sinn, Daß ich Lieb' und Sanftmut übe Und mir's rechne zum Gewinn, Wenn ich je ein Friedensband Knüpfen kann, wenn meine Hand Zur Erleicht'rung der Beschwerden Kann dem Nächsten nützlich werden. 7. Lehre mich, mich selbst erkennen, Die verborgnen Fehler sehn, Sie voll Reue Gott bekennen Und ihn um Vergebung flehn. Mache täglich Ernst und Treu', Mich zu bessern, in mir neu; Zu dem Heiligungsgeschäfte Gieb mir immer neue Kräfte. 8. Wenn der Anblick meiner Sünden Mein Gewissen niederschlägt, Wenn sich Zweifel in mir finden, Die mein Herz mit Kummer hegt, Wenn mein Aug' in Nöten weint Und Gott nicht zu hören scheint: O dann gieb, daß meiner Seele Nimmer Trost und Stärkung fehle. 130 Pfingstlieder. 9. Was sich Gutes in mir findet, Ist dein Gnadenwerk in mir; Selbst den Trieb hast du entzündet, Daß mich, Herr, verlangt nach dir. O so setze durch dein Wort Deine Gnadenwirkung fort, Bis sie durch ein selig Ende Herrlich sich an mir vollende. David Bruhn. Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 106. Geist des Glaubens, Geist der Stärke, Des Gehorsams und der Zucht, Schöpfer aller Gotteswerke, Träger aller Himmelsfrucht, Geist, der einst der heil'gen Männer, Kön'ge und Prophetenschar, Der Apostel und Bekenner Trieb und Kraft und Zeugnis war! 2. Rüste du mit deinen Gaben Auch uns schwache Kinder aus, Kraft und Glaubensmut zu haben, Eifer für des Herren Haus, Eine Welt mit ihren Schätzen, Menschengunst und gute Zeit, Leib und Leben dran zu setzen In dem großen, heil'gen Streit. 3. Gieb uns Abrahams gewisse, Feste Glaubenszuversicht, Die durch alle Hindernisse, Alle Zweifel siegend bricht, Die nicht bloß dem Gnadenbunde Trauet froh und unbewegt, Auch das Liebste jede Stunde Gott zu Füßen niederlegt. Pfingstlieder. 131 4. Gieb uns Josephs keusche Sitten, Wenn die Welt ohn' Scham und Zucht Uns durch Dräuen, uns durch Bitten In ihr Garn zu ziehen sucht. Lehr uns fliehen, lehr uns meiden, Was der Seele bringt Gefahr, Hohn und Haß geduldig leiden, Gott getreu sein immerdar. 5. Gieb uns Moses' brünst'ges Beten Um Erbarmung und Geduld, Wenn durch freches Übertreten e/ Unser Volk häuft Schuld auf Schuld. Laß uns nicht mit kaltem Herzen Unter den Verirrten stehn, Nein, mit Moses' heil'gen Schmerzen Für sie seufzen, weinen, flehn. 6. Gieb uns Davids Mut zu streiten Mit den Feinden Israels, Sein Vertraun in Leidenszeiten Auf den Herren, seinen Fels, Feindeslieb' und Freundestreue, Seinen königlichen Geist Und ein Herz, das voller Reue Gottes Gnade sucht und preist. 7. Gieb Elias' heil'ge Strenge, Wenn den Götzen dieser Zeit Die verführte, blinde Menge Tempel und Altäre weiht: Daß wir nie vor ihnen beugen 7 Haupt und Knie, auch nicht zum Schein, Sondern fest als deine Zeugen Dastehn, wenn auch ganz allein. 8. Gieb uns der Apostel hohen, Ungebeugten Zeugenmut, Aller Welt trotz Spott und Drohen 9• 132 Pfingstlieder. Zu verkünden Christi Blut. Laß die Wahrheit uns bekennen, Die uns froh und frei gemacht; Gieb, daß wir's nicht lassen können, Habe du die Übermacht! 9. Gieb gleich Stephanus uns Frieden Mitten in der Angst der Welt, Wenn das Los, das uns beschieden, In den schwersten Kampf uns stellt. In dem wildesten Getümmel Gieb uns Glaubensheiterkeit, Offn' im Sterben uns den Himmel, Zeig uns Jesu Herrlichkeit! 10. Geist des Glaubens, Geist der Stärke, Des Gehorsams und der Zucht, Schöpfer aller Gotteswerke, Träger aller Himmelsfrucht, Geist, du Geist der heil'gen Männer, 5 Kön'ge und Prophetenschar, Der Apostel und Bekenner, Auch bei uns werd offenbar! Karl Joh. Ph. Spitta. Mel.: Werde munter, mein Gemüte. 107. Geist vom Vater und vom Sohne, Der du unser Tröster bist, Schau auf uns vom Himmelsthrone, Gieb uns, was uns heilsam ist, Steh mit deiner Kraft mir bei, Daß ich Gott ergeben sei; Denn so wird mein Herz auf Erden 5 Schon ein Tempel Gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner Wege Deine Weisheit mit mir sein, Wenn ich bange Zweifel hege, Deine Wahrheit mich erfreun, e/ Pfingstlieder. 135 Lenke kräftig meinen Sinn Auf die wahren Güter hin. Lehrst du mich, was gut ist, wählen, Kann ich nie mein Heil verfehlen. „3. Hilf, daß ich von dir getrieben Über alles möge Gott, Meinen Herrn und Vater, lieben, Ihm getreu bis in den Tod! Immer laß auf ihn mich sehn! Seinen Namen zu erhöhn, Seinen Willen zu vollbringen, Kann mir nur durch dich gelingen. 4. Hilf mir, wenn mein Herz zur Sünde Angelockt und träge wird, Daß es immer schnell empfinde, Wo es sich von dir verirrt! Warn und strafe dann mein Herz, Daß es gleich voll Reu' und Schmerz Wieder sich zum Vater wende Und die Sünde nicht vollende! 5. Mangelt mir zu guten Werken Licht und Kraft, so reize mich Zum Gebete; mich zu stärken, Suche meine Seele dich! Laß mich aber mein Vertraun Nur auf meinen Heiland baun, Gnad' um Gnad' auf mein Verlangen Von dem Vater zu empfangen! 6. Steh in allen meinen Leiden Mir mit deinem Troste bei, Daß ich auch alsdann mit Freuden Gottes Führung folgsam sei! Schenke mir Gelassenheit, Wenn ich sterbe, Freudigkeit, Daß ich deinen Trost empfinde, Standhaft bleib' und überwinde. J. S. Diterich. 13⁴ Pfingstlieder. Mel.: Werde munter, mein Gemüte. 108. Gott, gieb einen milden Regen, Denn mein Herz ist dürr, wie Sand; Vater, gieb vom Himmel Segen, Tränke du dein durstig Land. Laß des heil'gen Geistes Gab' Aus der Höh' auf mich herab, Wie die starken Ströme, fließen Und sich in mein Herz ergießen. 2. Jesu, der du hingegangen Zu dem Vater, sende mir Deinen Geist, den mit Verlangen Ich erwarte, Herr, von dir. Laß den Tröster ewiglich Bei mir sein; er lehre mich, Fest in deiner Wahrheit stehen Und auf dich im Glauben sehen. 3. Heil'ger Geist, du Kraft der Frommen, 5 Kehre bei mir Armen ein Und sei tausendmal willkommen, Laß mich deinen Tempel sein. Reinige du selbst das Haus Meines Herzens, wirf hinaus Alles, was mich hier kann scheiden Von den süßen Himmelsfreuden. 4. Schmücke mich mit deinen Gaben, Mache mich neu, rein und schön; Laß mich wahre Liebe haben Und in deiner Gnade stehn. Gieb mir einen starken Mut, Zu besiegen Fleisch und Blut, Lehre mich zum Vater treten Und im Geist und Wahrheit beten. 5. So will ich mich dir ergeben; Dir zu Ehren soll mein Sinn Dem, was himmlisch ist, nachstreben, Pfingstlieder. Bis ich werde kommen hin, Wo ich vor dem Himmelsthron Dich samt Vater und dem Sohn Ewig rühmen werd' und preisen Mit der Engel süßen Weisen. Moritz Kramer. Mel.: Warum sollt' ich mich denn grämen. 109. Höchster Tröster, komm hernieder, Geist des Herrn, Sei nicht fern, Stärke Jesu Glieder. Er, der nie sein Wort gebrochen, Jesus, hat Deinen Rat Seinem Volk versprochen. 2. Schöpfer unsers neuen Lebens, Jeder Schritt, Jeder Tritt Ist ohn' dich vergebens. Ach, es ist das Heil so wichtig! Wer ist wohl, Wie er soll, Treu zu handeln tüchtig? 3. Herr, wir fallen dir zu Fuße; Eins ist not Für den Tod: Buße, wahre Buße. Zeig uns selbst den Greu'l der Sünde, Daß das Herz Angst und Schmerz, Reu' und Scham empfinde. 4. Zeig uns des Erlösers Wunden, uf uns zu: „Ihr habt Ruh', Ihr habt Heil gefunden. 136 Pfingstlieder. Er hat euch mit Heil gekrönet; Faßt nur Mut, Durch sein Blut Seid ihr Gott versöhnet.“ 5. Weck uns auf vom Sündenschlafe, Rette doch Heute noch Die verlornen Schafe; Reiß die Welt aus dem Verderben, Laß sie nicht Im Gericht Der Verstockung sterben. 6. Geist der Weisheit, gieb uns allen Durch dein Licht Unterricht, Wie wir Gott gefallen. Lehr uns freudig vor ihn treten, Sei uns nah Und sprich Ja, Wenn wir gläubig beten. 7. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen, Gieb uns Mut, Fleisch und Blut, Sünd' und Welt zu dämpfen. Laß nicht Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Not, Schmerz und Tod Uns von Jesu scheiden. 8. Hilf uns nach dem Besten streben, Schenk uns Kraft, Tugendhaft Und gerecht zu leben. Gieb, daß wir nie stille stehen; Treib uns an, Froh die Bahn Deines Worts zu gehen. 2.— Pfingstlieder. 137 9. Sei in Schwachheit unsre Stütze, Steh uns bei, Mach uns treu In der Prüfung Hitze. Führ, wenn Gott uns nach dem Leide Sterben heißt, Unsern Geist In die ew'ge Freude. Ehr. Liebich. Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 110. Komm, Gottes Geist, komm, höchster Gast, Herr, den der Himmel nicht umfaßt Noch dieser Kreis der Erde. Komm, offenbare dich auch mir, Gott heil'ger Geist, daß ich in dir Ein Geist mit Christo werde. Leite heute Geist und Sinnen, mein Beginnen Und mein Leben, Deiner Liebe nachzustreben. 2. Komm, edler Schatz, komm, höchstes Gut, Komm in mein Herz und schaffe Mut, Dich gläubig aufzunehmen. Ich glaube fest, mein Heil und Licht, Du teurer Tröster wirst dich nicht Der armen Hütte schämen. Eile, heile 5 Herz und Seele mit dem Ole Deiner Gnaden, Mache gut den Sündenschaden. 3. Entzünd in mir der Liebe Glut Und mach inbrünstig Geist und Mut, Du Flamme reiner Liebe! Laß mich mit dir versiegelt sein, Damit in Not und Todespein Ich steten Glauben übe. 138 Pfingstlieder. Rühre, führe Mein Gemüte, Gottes Güte Zu erkennen, Christum meinen Herrn zu nennen. 4. Erquicke mich, du sanfter Geist, Du Brunn, da Lebenswasser fleußt, Du süße Freudenquelle, Die allen Durst der Seelen stillt Und aus der Gottheit Tiefe quillt Ganz rein und ewig helle. Fließe, gieße Deine Gaben, mich zu laben, Wenn ich sitze In der Angst und Trübsalshitze. 5. Sei meiner Ohnmacht Kraft und Macht, Mein helles Licht in dunkler Nacht, Mein Weg, wenn ich verführet, Mein Lehrer in Unwissenheit, Mein starker Beistand in dem Streit, Bis mich die Krone zieret. Schütze, stütze, Herr, mich Schwachen, stark zu machen Meinen Glauben; Laß mir nichts die Krone rauben. 6. Hilf mir in meiner letzten Not, Versüße mir den bittern Tod; Wenn Herz und Augen brechen, So sei du meines Lebens Licht; Laß, wenn die Zunge nicht mehr spricht, Dein Seufzen für mich sprechen. Laß mich endlich Selig scheiden zu den Freuden Aller Frommen; Ach, wann werd' ich dahin kommen! J. E. Wenigk. Pfingstlieder. 139 Eigne Melodie. 111. Komm, heiliger Geist, Herre Gott! Erfüll mit deiner Gnaden Gut Deiner Gläub'gen Herz, Mut und Sinn, Dein' brünstig' Lieb' entzünd in ihn'n. O Herr, durch deines Lichtes Glanz Zum Glauben du versammlet hast Das Volk aus aller Welt Zungen; Das sei dir, Herr, zu Lob gesungen. Halleluja, Halleluja! 2. Du heiliges Licht, edler Hort! Laß leuchten uns des Lebens Wort Und lehr uns Gott recht erkennen, Von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt vor fremder Lehr', Daß wir nicht Meister suchen mehr, Denn Jesum Christ mit rechtem Glaub'n, Und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja, Halleluja!: 3. Du heilige Brunst, süßer Trost! Nun hilf uns fröhlich und getrost In deinem Dienst beständig bleib'n, Die Trübsal uns nicht abtreiben. O Herr, durch dein' Kraft uns bereit Und stärk des Fleisches Blödigkeit, Daß wir hie ritterlich ringen, Durch Tod und Leben zu dir dringen. Halleluja, Halleluja! Dr. Mart. Luther. Mel.: Gott des Himmels und der Erden. 0 112. Komm, o komm, du Geist des Lebens, Wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht vergebens, Sie erfüll' uns jederzeit: So wird Geist und Licht und Schein In dem dunkeln Herzen sein. Pfingstlieder. 2. Gieb in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, Daß nichts andres wir beginnen, Als nur, was dein Wille sucht. Dein' Erkenntnis werde groß Und mach' uns vom Irrtum los. 3. Zeig uns, Herr, die rechten Stege, Halt uns auf der rechten Bahn; Räume alles aus dem Wege, Was im Lauf uns hindern kann. Wirke Reu' durch deine Gnad', Wenn der Fuß gestrauchelt hat. 4. Laß dein Zeugnis uns empfinden, Daß wir Gottes Kinder sind, Die auf ihn allein sich gründen, Wenn sich Not und Drangsal find't; Lehr uns, daß des Vaters Zucht Einzig unser Bestes sucht. 5 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten Frei mit aller Freudigkeit; Seufze in uns, wenn wir beten, Und vertritt uns allezeit: So wird unsre Bitt' erhört Und die Znuversicht gemehrt. 6. Wird um Trost dem Herzen bange, Daß es ruft voll Traurigkeit: Ach mein Gott, mein Gott, wie lange! O so stärke uns im Leid, Sprich der Seele tröstlich zu Und gieb Mut, Geduld und Ruh'. 7. O du Geist der Kraft und Stärke, 0 Du gewisser, neuer Geist, Fördre in uns deine Werke, Wenn das Fleisch uns fliehen heißt; Schenk uns Waffen zu dem Krieg Und behalt in uns den Sieg. Pfingstlieder. 8. Wenn wir endlich sollen sterben, So versichre mehr und mehr Uns als deines Reiches Erben Jener Herrlichkeit und Ehr', Die uns wird durch Jesum Christ Und die unaussprechlich ist. Heinr. Held. Eigne Melodie. 113. Nun bitten wir den heiligen Geist Um den rechten Glaͤuben allermeist, Daß er uns behüte an unserm Ende, Wenn wir heimfahr'n aus diesem Elende. Kyrieleis. 2. Du wertes Licht, gieb uns deinen Schein, Lehr uns Jesum Christ kennen allein, Daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis. 3. Du süße Lieb', schenk uns deine Gunst, Laß uns empfinden der Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen einander lieben Und im Frieden auf einem Sinn bleiben. Kyrieleis. 4. Du höchster Tröster in aller Not, Hilf, daß wir nicht fürchten Schand' noch Tod, Daß in uns die Sinne nicht verzagen, Wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrieleis. Dr. Mart. Luther. Mel.: Werde munter, mein Gemüte. 114. O du allerbeste Freude, O du allerschönstes Licht, Der du uns in Lieb' und Leide Unbesuchet lässest nicht: Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der du hältst und halten wirst 142 Pfingstlieder. Ohn' Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe. 2. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen kann. Wenn ich dich erwünsch' und habe, Geb' ich alles Wünschen dran. Hör mein Bitten, komm zu mir In mein Herze, das du dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserkoren. 3. Du bist weise, voll Verstandes, Das Geheimste ist dir kund, Zählst den Staub des kleinsten Sandes, Schaust des tiefsten Meeres Grund: Nun, du weißt auch zweifelsfrei, Wie verderbt und blind ich sei; Drum gieb Weisheit und vor allem, Wie ich möge Gott Kunn dir 4. Du bist heilig, läßt dich finden, Wo man rein und lauter ist, Fleuchst hingegen Schand' und Sünden, Hassest Schlangentrug und List: Mache du, o Gnadengquell, Meine Seele rein und hell; Laß mich fliehen, was du fliehest, Gieb mir, was du gerne siehest. 5. Deine Huld hat keine Schranken, Du bist fromm und sanften Muts, Bleibst im Lieben ohne Wanken, Thust uns Bösen so viel Gut's: Ach verleihe mir doch auch 4 Diesen edlen Sinn und Brauch, Daß ich Freund' und Feinde liebe, Keinen, den du liebst, betrübe. 6. O mein Hort, ich bin zufrieden, Wenn du nur nicht weichst von mir; V Pfingstlieder. Bleib' von dir ich ungeschieden, So bin ich getrost in dir. Laß mich sein dein Eigentum, Ich verspreche wiederum, Alle Kräfte und Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. 7. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treulich stehest bei! Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hülfe nötig sei. Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Daß er sich in dir erneue Und mein Gott sich meiner freue. 8. Halt mich, wenn die Kniee beben, Wenn ich sinke, sei mein Stab, Wenn ich sterbe, sei mein Leben, Wenn ich liege, sei mein Grab; Wenn ich wieder aufersteh', O so hilf mir, daß ich geh' Hin, wo du in ew'gen Freuden Wirst die Auserwählten weiden. Paul Gerhardt. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 115. O großer Gott, du reines Wesen, Der du die reinen Herzen dir Zu deiner Wohnung auserlesen, Ach schaff ein reines Herz in mir, Ein Herz, das von der argen Welt Sich frei und unbefleckt erhält. 2. Vor allem mache mein Gemüte Durch ungefärbte Buße rein Und laß, o Herr, durch deine Güte All' meine Schuld getilget sein; Dann mache mich zur Reinigkeit Des Lebens fertig und bereit. 144 Pfingstlieder. 3. Regiere mich mit deinem Geiste, Der mein getreuer Beistand sei Und mir erwünschte Hülfe leiste; Gott, stehe mir in Gnaden bei Und gieb mir einen solchen Geist, Der neu, gewiß und willig heißt. 4. Doch weil ich meine Schwachheit merke, Mein Vater, so verwirf mich nicht Und stoße wegen meiner Werke Mich nicht von deinem Angesicht; Laß hier mich in der Gnade stehn Und dort in deinen Himmel gehn. 5. Nimm deinen Geist, den Geist der Liebe, Doch nun und nimmermehr von mir Und leite mich durch seine Triebe, Durch seinen Beistand für und für. So führe du mich durch die Zeit Hin zu der sel'gen Ewigkeit. Joh. Olearius(2). —— Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 116. O heil'ger Geist, kehr bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein, O komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei uns und in uns kräftig sein Zu steter Freud' und Wonne! Sonne, Wonne, Himmlisch Leben willst du geben, Wenn wir beten; Sieh uns gläubig zu dir treten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fließt, Die sich in fromme Seelen gießt, Laß deinen Trost uns hören, Daß wir in Glaubenseinigkeit Auch können alle Christenheit —SS SVSSV N I VSS RuaiA Pfingstlieder. Dein wahres Zeugnis lehren. Höre, lehre, Daß wir können Herz und Sinnen Dir ergeben, Dir zum Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rat Und führ uns selbst den rechten Pfad, Die wir den Weg nicht wissen. Gieb uns Beständigkeit, daß wir Getreu dir bleiben für und für, Auch wenn wir leiden müssen. Schaue, baue, Was zerrissen und beflissen, Dich zu schauen Und auf deinen Trost zu bauen. 4. Laß uns dein' edle Balsamkraft Empfinden und zur Ritterschaft Dadurch gestärket werden, Auf daß wir unter deinem Schutz Begegnen aller Feinde Trutz Mit srendiaen Gebärden. Laß dich reichlich Auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinden, Alles Unglück überwinden. 5. O starker Fels und Lebenshort, Laß doch dein süßes Himmelswort In unsern Herzen brennen, Daß wir uns mögen nimmermehr Von deiner weisheitsvollen Lehr' Und treuen Liebe trennen. Fließe, gieße Deine Güte ins Gemüte, Daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 146 Pfingstlieder. 6. Du edler Himmelstau, senk dich In unsre Herzen kräftiglich Und schenk uns deine Liebe, Daß unser Sinn verbunden sei Dem Nächsten stets mit Liebestreu' Und sich darinnen übe. Kein Neid, kein Streit Dich betrübe; Fried' und Liebe Laß umschweben Und durchdringen unser Leben. 7. Gieb, daß in reiner Heiligkeit Wir führen unsre Lebenszeit; Sei unsers Geistes Stärke, Daß uns hinfort sei unbewußt Die Eitelkeit, des Fleisches Lust Und seine toten Werke. Rühre, führe Unser Sinnen und Beginnen 5 Von der Erden, Daß wir Himmelserben werden. Michael Schirmer. Mel.: Valet will ich dir geben. 117. komm, du Geist der Wahrheit, Und kehre bei uns ein, Verbreite Licht und Klarheit, Verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, Rühr Herz und Lippen an, Daß jeglicher getreuer Den Herrn bekennen kann. 2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt, Komm zu uns, werter Tröster, Und mach uns unverzagt. Gieb uns in dieser schlaffen Pfingstlieder. 147⁷ Und glaubensarmen Zeit Die scharfgeschliffnen Waffen Der ersten Christenheit. 3. Unglaub' und Thorheit brüsten Sich frecher jetzt als je, Darum mußt du uns rüsten Mit Waffen aus der Höh'; Du mußt uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu' Und mußt uns ganz befreien Von aller Menschenscheu. 4. Es gilt ein frei Geständnis In dieser unsrer Zeit, Ein offenes Bekenntnis Bei allem Widerstreit, Trotz aller Feinde Toben, Trotz allem Heidentum Zu preisen und zu loben Das Evangelium. 5. Fern in der Heiden Lande Erschallt dein kräftig Wort, Sie werfen Satans Bande Und ihre Götzen fort; Von allen Seiten kommen Sie in das Reich herein: Ach soll es uns genommen, Für uns verschlossen sein? 6. O wahrlich, wir verdienen Solch strenges Strafgericht; Uns ist das Licht erschienen, Allein wir glauben nicht. Ach lasset uns gebeugter Um Gottes Gnade flehn, Daß er bei uns den Leuchter Des Wortes lasse stehn. 10⁷ 148 Pfingstlieder. 7. Du heil'ger Geist, bereite Ein Pfingstfest nah und fern, Mit deiner Kraft begleite Das Zeugnis von dem Herrn. O öffne du die Herzen Der Welt und uns den Mund, Daß wir in Freud' und Schmerzen Das Heil ihr machen kund. Karl Joh. Ph. Spitta. FF Mel.: Jesu, meine Freude. 118. Schmückt das Fest mit Maien, Lasset Blumen streuen, Zündet Opfer an; Denn der Geist der Gnaden Hat sich eingeladen; Macht ihm freudig Bahn. Nehmt ihn ein, So wird sein Schein Euch mit Licht und Heil erfüllen Und den Kummer stillen. 2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rat und That, Starker Herzbezwinger, Sanfter Friedensbringer, Licht auf unserm Pfad, Gieb uns Kraft Zur Ritterschaft, Laß uns deine teuern Gaben Zur Genüge laben. 3. Laß die Herzen brennen, Wenn wir Jesum nennen; Heb den Geist empor. Gieb uns Kraft zu beten Und vor Gott zu treten, Pfingstlieder. Sprich du selbst uns vor. Gieb uns Mut, Du höchstes Gut, Tröst uns kräftiglich von oben Bei der Feinde Toben. 4. Goldner Himmelsregen, Schütte deinen Segen Auf das Kirchenfeld; Ja, laß Ströme fließen, Die das Land begießen, Wo dein Wort hinfällt, Und verleih, Daß es gedeih'; Hundertfältig Frucht zu bringen, Laß ihm stets gelingen. „5. Schlage deine Flammen Über uns zusammen, Wahre Liebesglut; Laß dein sanftes Wehen Auch bei uns geschehen, Dämpfe Fleisch und Blut; Laß uns doch Am Sündenjoch Nimmermehr wie vormals ziehen Und das Böse fliehen. 6. Gieb zu allen Dingen Wollen und Vollbringen, Führ uns ein und aus; Wohn in unsrer Seele, Unser Herz erwähle Dir zum eignen Haus. Wertes Pfand, Mach uns bekannt, Wie wir Jesum recht erkennen Und Gott Vater nennen. 150 Pfingstlieder. 7. Hilf das Kreuz uns tragen Und in finstern Tagen Sei du unser Licht; Trag nach Zions Hügeln Uns auf Glaubensflügeln Und verlaß uns nicht, Wenn der Tod, Die letzte Not, Mit uns will zu Felde liegen, Daß wir fröhlich siegen. 8. Laß uns hier indessen Nimmermehr vergessen, Daß wir Gott verwandt. Dem laß stets uns dienen Und im Guten grünen Als ein fruchtbar Land, Bis wir dort, Du werter Hort, Bei den grünen Himmelsmaien Ewig uns erfreuen. Benj. Schmolck. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. 119. Zeuch ein zu meinen Thoren, Sei meines Herzens Gast, Der du, da ich geboren, Mich neu geboren hast, O hochgeliebter Geist Des Vaters und des Sohnes, Mit beiden gleichen Thrones, Mit beiden gleich gepreist. 2. Zeuch ein, laß mich empfinden Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns von Sünden Hülf' und Errettung schafft. Entsünd'ge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Pfingstlieder. Dir Ehr' und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. 3. Ich war ein wilder Reben, Du hast mich gut gemacht; Der Tod durchdrang mein Leben, Du hast ihn umgebracht Und seine Kraft erstickt Im heil'gen Wasserbade Durch Christi Tod und Gnade, Die uns im Tod erquickt. 4. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll; Dein Beten wird erhöret, Dein Singen klinget wohl. Es steigt zum Himmel an, Es läßt nicht ab und steiget, Bis der sich helfend neiget, Der allen helfen kann. 5. Du bist ein Geist der Freuden, k. Das Trauern liebst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal Hast du mit süßen Worten Mir aufgethan die Pforten Zum güldnen Freudensaal. 6. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zwietracht, Haß und Neid. ů Der Feindschaft bist du Feind, Willst, daß durch Liebesflammen Sich wieder thu' zusammen, Was unversöhnlich scheint. 7. Du, Herr, hast selbst in Händen Die ganze weite Welt. 15²2 Pfingstlieder. Kannst Menschenherzen wenden, Wie dir es wohl gefällt: So gieb doch deine Gnad' Zu Fried' und Liebesbanden, Verknüpf in allen Landen, Was sich getrennet hat. 8. Erhebe dich und steure Dem Herzleid auf der Erd'; Bring wieder und erneure ö Die Wohlfahrt deiner Herd'; Laß blühen, wie zuvor, Die Länder, die verheeret, Und was der Krieg zerstöret, Richt wiederum empor. 9. Beschirm die Obrigkeiten, Bau unsers Königs Thron, Steh ihm und uns zur Seiten; Schmück als mit einer Kron? Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land. 10. Erfülle die Gemüter Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für; Vertreib den bösen Geist, Der dir sich widersetzet Und, was dein Herz ergötzet, Aus unserm Herzen reißt. 11. Gieb Freudigkeit und Stärke, Zu stehen in dem Streit, ö Den Satans Reich und Werke é Uns bieten allezeit. ö Hilf kämpfen ritterlich, Damit wir überwinden Trinitatislieder. Und ja zum Dienst der Sünden Kein Christ ergebe sich. 12. Richt unser ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn wir's sollen geben In Todesnacht dahin, Wenn's hier mit uns ist aus, So hilf uns fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Paul Gerhardt X. Crinitatislieder. Mel.: Nun danket alle Gott. 120. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Licht, mein Leben, Mein Schöpfer, welcher hat Mir Leib und Seel' gegeben, Mein Vater, der mich schützt Von Mutterleibe an, Der jeden Augenblick Viel Gutes mir gethan. 2. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Heil, mein Leben, Des Vaters liebster Sohn, Der sich für mich gegeben, Der mich erlöset hat Mit seinem teuren Blut, Der mir im Glauben schenkt Sich selbst, das höchste Gut. 3. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Trost, mein Leben, Des Vaters werter Geist, Den mir der Sohn gegeben 15⁴4 Trinitatislieder. Der mir mein Herz erquickt, Der mir giebt neue Kraft, Der mir in aller Not Rat, Trost und Hülfe schafft. 4. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, der ewig lebet, Den alles rühmt und lobt, Was in ihm lebt und webet, Gelobet sei der Herr, Des Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn Und Gott der heil'ge Geist, Dem wir Halleluja Mit Freuden lassen klingen Und mit der Engel Schar Das Heilig, Heilig singen, Den herzlich lobt und preist Die ganze Christenheit: Gelobet sei mein Gott In alle Ewigkeit! Joh. Olearius. Eigne Melodie. 121. Gott der Vater, wohn uns bei Und laß uns nicht verderben, Mach uns aller Sünden frei Und hilf uns selig sterben! Vor dem Teufel uns bewahr, Halt uns bei festem Glauben Und auf dich laß uns bauen, Aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten Christen Entfliehn des Teufels Listen, Mit Waffen Gott's uns rüsten! Amen, Amen, das sei wahr! So singen wir Halleluja! Trinitatislieder. 15⁵5 2. Jesus Christus, wohn uns bei Und laß uns nicht verderben, Mach uns aller Sünden frei Und hilf uns selig sterben! Vor dem Teufel uns bewahr; Halt uns bei festem Glauben Und auf dich laß uns bauen, Aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten Christen Entfliehn des Teufels Listen, Mit Waffen Gott's uns rüsten! Amen, Amen, das sei wahr! So singen wir Halleluja! 3. Heil'ger Geist, ach wohn uns bei Und laß uns nicht verderben, Mach uns aller Sünden frei Und hilf uns selig sterben! Vor dem Teufel uns bewahr; Halt uns bei festem Glauben Und auf dich laß uns bauen, Aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten Christen Entfliehn des Teufels Listen, Mit Waffen Gott's uns rüsten! Amen, Amen, das sei wahr! So singen wir Halleluja! Dr. Mart. Luther. Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 12². Halleluja! Lob, Preis und Ehr' Sei unserm Gott je mehr und mehr Für alle seine Werke! Von Ewigkeit zu Ewigkeit Lebt er und herrschet weit und breit Trinitatislieder. 156 Mit Weisheit, Güt' und Stärke. Klinget, singet! Jubellieder, hallet wieder! Preis und Ehre Sei dem Herrn der Himmelsheere! 2. Halleluja! Preis, Ehr' und Macht Sei Gottes Sohn von uns gebracht, In dem wir sind erwählet, Der uns mit seinem Blut erkauft, In dessen Tod wir sind getauft, Der sich mit uns vermählet! Heilig, selig Ist die Freundschaft und Gemeinschaft, Die wir haben Und darin wir uns erlaben. 3. Halleluja! Gott heil'ger Geist Sei ewiglich von uns gepreist, Durch den wir neu geboren, Der uns mit Glauben hat geziert, x‚ Dem Bräutigam uns zugeführt, Der uns sich hat erkoren! Heil uns, Heil uns! Da ist Freude, da ist Weide, Da ist Manna Und ein ewig Hosianna. 4. Halleluja! Lob, Preis und Ehr' Sei unserm Gott je mehr und mehr Und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmelsschar Und singet nun und immerdar Mit Freuden Amen, Amen! Klinget, singet! Jubellieder, hallet wieder! Preis und Ehre Sei dem Herrn der Himmelsheere. Barth. Crasselius(D. Trinitatislieder. Miel.: Erschienen ist der herrlich Tag. 123. O Gott, der du den Erdenkreis Erschaffen hast zu deinem Preis, Uns auch bewahrt so manches Jahr In vieler Trübsal und Gefahr. Halleluja! 2. Hilf, daß wir alle deine Werk' Voll Weisheit, Güte, Kraft und Stärk' Erkennen und je mehr und mehr Ausbreiten deines Namens Ehr'. Halleluja! 3. O liebster Heiland Jesu Christ, Der du vom Tod erstanden bist, Richt unsre Herzen auf zu dir, Daß sich der Sündenschlaf verlier'. Halleluja! 4. Gieb deiner Auferstehung Kraft, Daß dieser Trost ja bei uns haft' Und wir uns drauf verlassen fest, Wenn uns nun alle Welt verläßt. Halleluja! 5. O heil'ger Geist, laß uns dein Wort So hören heut' und immerfort, Daß sich in uns durch deine Lehr' Glaub', Lieb' und Hoffnung reichlich mehr'. Halleluja! 6. Erleuchte uns, du wahres Licht, Entzeuch uns deine Gnade nicht, All unser Thun also regier, Daß wir Gott preisen für und für. Halleluja! Nit. Selnecker(D. Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. as freut mich noch, wenn du's nicht bist, Herr Gott, der doch mein alles ist, 158 Trinitatislieder. Mein Trost und meine Wonne? Bist du nicht Schild, was decket mich? Bist du nicht Licht, wo finde ich Im Finstern eine Sonne? Meine eine Wahre Freude, Trost im Leide, Heil in Sünden Ist, Herr, nur in dir zu finden. 2. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, Mein Herr und Heiland Jesu Christ, Mein Frieden und mein Leben? Heilst du mich nicht, wo find' ich Heil? Bist du nicht mein, wo ist mein Teil? Giebst du nicht, wer wird geben? Meine eine Wahre Freude, wahre Weide, Wahre Gabe Hab' ich, wenn ich Jesum habe. 3. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, O Geist, der uns gegeben ist Zum Führer der Erlösten? Bist du nicht mein, was sucht mein Sinn? Führst du mich nicht, wo komm' ich hin? Hilfst du nicht, wer will trösten? Meine eine Wahre Freude, Trost im Leide, Heil für Schaden Ist in dir, o Geist der Gnaden. V. 1. 2 Ph. Fr. Hiller. V. 3 neuer Zusatz. Eigne Melodie. 125. Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, Der sich zum Vater geben hat, Daß wir seine Kinder werden. Trinitatislieder. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel' auch wohl bewahren; Allem Unfall will er wehren, Kein Leid soll uns widerfahren; Er sorget für uns, hütet, wacht, Es steht alles in seiner Macht. Amen. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Seinen Sohn und unsern Herren, Der ewig bei dem Vater ist, Gott von gleicher Macht und Ehren; Von Maria, der Jungfrauen, Ist er wahrer Mensch geboren Durch den heil'gen Geist im Glauben, Für uns, die wir war'n verloren, Am Kreuz gestorben und vom Tod Wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heil'gen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, Der aller Blöden Tröster heißt Und mit Gaben zieret schöne, Die ganz' Christenheit auf Erden Hält in einem Sinn gar eben. Hier all' Sünd'n vergeben werden; Das Fleisch soll auch wiederleben; Nach diesem Elend ist bereit Uns ein Leben in Ewigkeit. Amen. Dr. Mart. Luther. Kirche und Mission. II. Kirche und Mission. Rirche. Mel.: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 126. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist; Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns verlöschen nicht. 2. In dieser letzten schweren Zeit Verleih uns, Herr, Beständigkeit, Daß wir dein Wort und Sakrament Behalten rein bis an das End'. 3. Herr Jesu, hilf, dein“ Kirch' erhalt! Wir sind gar sicher, träg und kalt; Gieb Glück und Heil zu deinem Wort, Damit es schall' an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort Und wehr des Teufels Trug und Mord; Gieb deiner Kirche Gnad' und Huld, Fried', Einigkeit, Mut und Geduld. 5. Den stolzen Geistern wehre doch, Die mit Gewalt sich heben hoch Und bringen eigne Weisheit her, Zu fälschen deine rechte Lehr'. 6. Die Sach' und Ehr', Herr Jesu Christ, Nicht unser, sondern dein ja ist: Darum so steh du denen bei, Die sich auf dich verlassen frei. 7. Dein Wort ist unsres Herzens Trutz Und deiner Kirche wahrer Schutz: Dabei erhalt uns, lieber Herr, Daß wir nichts andres suchen mehr. Kirche und Mission. 161 8. Hilf leben uns nach deinem Wort Und endlich darauf scheiden fort Von hinnen aus dem Jammerthal Zu dir in deinen Himmelssaal. Nik. Selnecker. Eigne Melodie. 127. Ach Gott, vom Himmel sieh darein Und laß dich des erbarmen, Wie wenig sind der Heil'gen dein, Verlassen sind wir Armen. Dein Wort will man nicht haben wahr, Der Glaub' ist auch verloschen gar Bei so viel Menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche List, Was eigner Witz erfindet; Ihr Herz nicht eines Sinnes ist, In Gottes Wort gegründet. Der wählet dies, der andre das; Sie trennen uns ohn' alle Maß Und gleißen schön von außen. 3. Gott woll' ausrotten alle Lehr', Die falschen Schein uns lehret Und sich vermißt gar hoch und sehr, Spricht: Trotz dem, der's uns wehret! Wir haben Recht und Macht allein; Was wir gesetzt, gilt allgemein; Wer ist, der uns sollt' meistern? 4. Darum spricht Gott: Ich muß auf sein, Die Armen sind verstöret; Ihr Seufzen dringt zu mir herein, Ich hab' ihr' Klag' erhöret. Mein heilsam Wort soll auf den Plan, Getrost und frisch sie greifen an Und sein die Kraft der Armen. 11 162 Kirche und Mission. 5. Das Gold, durchs Feuer siebenmal Bewährt, wird lauter funden; An Gottes Wort man warten soll Desgleichen alle Stunden. Es will durchs Kreuz bewähret sein, Da wird erkannt sein' Kraft und Schein, Und leucht't stark in die Lande. 6. Das wollst du, Gott, bewahren rein Vor denen, die's verwirren, Und laß uns dir befohlen sein, Daß nichts uns möge irren. Der gottlos' Hauf' umher sich find't, Wo diese losen Leute sind In deinem Volk erhaben. Dr. Mart. Luther. Eigne Melodie. 128. Ein' feste Burg ist unser Gott, Ein' gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, Die uns jetzt hat betroffen. Der alt' böse Feind, Mit Ernst er's jetzt meint; Groß' Macht und viel List Sein grausam Rüstung ist; Auf Erd'n ist nicht sein'sgleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren; Es streit't für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, Und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teuf Und wollt' uns gar verschlingen, el wär' Kirche und Mission. 163 So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, Wie sau'r er sich stellt, Thut er uns doch nichts; Das macht, er ist gericht't; Ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn Und kein'n Dank dazu haben; Er ist bei uns wohl auf dem Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr', Kind und Weib: Laß fahren dahin, Sie haben's kein'n Gewinn; Das Reich muß uns doch bleiben. Dr. Mart. Luther. Eigne Melodie. 129. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort Und steure deiner Feinde Mord, Die Jesum Christum, deinen Sohn, Stürzen wollen von seinem Thron. 2. Beweis dein' Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr aller Herren bist; Beschirm dein' arme Christenheit, Daß sie dich lob' in Ewigkeit. 3. Gott, heil'ger Geist, du Tröster wert, Gieb dein'm Volk einen Sinn auf Erd'; Steh bei uns in der letzten Not, Leit uns ins Leben aus dem Tod. Dr. Mart. Luther. Eigne Melodie. 130. Fahre fort, fahre fort, Zion, fahre fort im Licht! 11* 164 Kirche und Mission. Mache deinen Leuchter helle, Laß die erste Liebe nicht, Suche stets die Lebensquelle; Zion, dringe durch die enge Pfort'! Fahre fort, fahre fort! 2. Dulde still, dulde still, Zion, dulde ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne, Sei bis in den Tod getreu, Siehe auf die Lebenskrone! Zion, wenn der Feind dich töten will, Dulde still, dulde still! 3. Folge nicht, folge nicht, Zion, folge nicht der Welt, Die dich suchet groß zu machen; Achte nichts ihr Gut und Geld, Halt am Beten und am Wachen! Zion, wenn sie dir viel Lust verspricht, Folge nicht, folge nicht! 4. Prüfe recht, prüfe recht, Zion, prüfe recht den Geist, Der dir ruft zu beiden Seiten; Thue nicht, was er dich heißt, Laß nur deinen Stern dich leiten; Zion, das, was gut scheint und was schlecht, Prüfe recht, prüfe recht! 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott; Stärke dich mit Geist und Leben, Sei nicht, wie die andern, tot; Sei du gleich dem grünen Reben; Zion, in die Kraft ohn' Heuchelschein Dringe ein, dringe ein! 6. Brich hervor, brich hervor, Zion, brich hervor in Kraft, Weil die Bruderliebe brennet; Kirche und Mission. Zeige, was der in dir schafft, Der als seine Braut dich kennet; Zion, durch das dir gegebne Thor Brich hervor, brich hervor! 7. Halte aus, halte aus, Zion, halte deine Treu', Lasse nimmer lau dich finden; Auf, das Kleinod rückt herbei, Auf, verlasse, was dahinten; Zion, in dem letzten Kampf und Strauß Halte aus, halte aus! Joh. Eus. Schmidt. Mel.: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. Herr, unser Gott, laß nicht zu Schanden werden, Die, so in ihren Nöten und Beschwerden Bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen Und zu dir rufen. 2. Zu Schanden mache alle, die dich hassen, Die sich allein auf ihre Macht verlassen. Ach kehre dich mit Gnaden zu uns Armen: Laß dich's erbarmen! 3. Und schaff uns Beistand wider unsre Feinde: Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde; Sie müssen Wehr und Waffen niederlegen, Kein Glied mehr regen. 4. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen; Vergebens ist's auf Menschenhülfe bauen; Mit dir wir wollen Thaten thun und kämpfen, Die Feinde dämpfen. 5. Du bist der Held, der sie kann nieder⸗ treten 166 Kirche und Mission. Und das bedrängte kleine Häuflein retten; Wir traun auf dich, wir schrein in Jesu Namen: Hilf, Helfer! Amen! Joh. Heermann. Mel.: Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. 132. Ich lobe dich von ganzer Seelen, Daß du auf diesem Erdenkreis Dir wollen eine Kirch' erwählen, O Gott, zu deines Namens Preis, Darinnen sich viel' Menschen finden Zu einer heiligen Gemein', Auf daß von allen ihren Sünden Sie Christi Blut nun mache rein. 2. Du rufest auch noch heutzutage, Daß jedermann erscheinen soll; Man höret immer deine Klage, Daß nicht dein Haus will werden voll. Deswegen schickst du auf die Straßen, Zu laden alle, die man find't, Und willst auch die berufen lassen, Die blind und lahm und Krüppel sind. 3. Du hast dir, Gott, aus vielen Zungen Und Völkern eine Kirch' erbaut, Darinnen dein Lob wird gesungen, Die deinem Worte gläubig traut; Du hast ihr Christum ja gegeben Zu ihrem königlichen Haupt: So führ es nun zum rechten Leben, Was deine heil'ge Kirche glaubt. 4. Wir wollin uns auf nichts andres gründen, Als auf den Grund, den du gelegt; Hilf uns aus Gnaden überwinden, Weil stets auch noch der Feind sich regt; Und alle Runzeln, alle Flecken, Kirche und Mission. Die noch entstellen Christi Braut, Die wollst du mit der Liebe decken, In der du uns dem Sohn vertraut. 5. Erhalt uns, Herr, im wahren Glauben Und frommen Leben bis ans End'; Ach laß uns ja den Schatz nicht rauben, Dein heilig Wort und Sakrament. Erfüll die Herzen deiner Christen Mit Geistessegen, Fried' und Freud', Daß sie mit Lieb' und Treu' sich rüsten Zur freudenvollen Ewigkeit. 167 Fr. Konr. Hiller. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 133. König Jesu, streite, siege, Daß alles bald dir unterliege, Was lebt und webt in dieser Welt. Blick auf deine Friedensboten, Laß wehen deinen Lebensodem Durchs ganze weite Totenfeld. Erhöre unser Flehn Und laß es bald geschehn. Amen, Amen! so rühmen wir Und jauchzen dir Ein Halleluja für und für. Mel.: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 134. Verzage nicht, du Häuflein klein, Obschon die Feinde willens sein, Dich gänzlich zu verstören, Und suchen deinen Untergang, Davon dir wird recht angst und bang: Es wird nicht lange währen. 2. Getröst dich nur, daß deine Sach' Ist Gottes, dem befiehl die Rach' Und laß du ihn nur walten. — * 168 Kirche und Mission. Er wird durch seinen Gideon,“) Den er wohl weiß, dir helfen schon, Dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Teufel, Welt und Höllenpfort', Und was dem mag anhangen, Doch werden gar zu Schand' und Spott. Gott ist mit uns und wir mit Gott; Den Sieg woll'n wir erlangen. Michael Altenburg. Mel.: Nach: Ein' feste Burg ist unser Gott. 135. Wenn Christus seine Kirche schützt, So mag die Hölle wüten; Er, der zur Rechten Gottes sitzt, Hat Macht, ihr zu gebieten. Er ist mit Hülfe nah; Wenn er gebeut, steht's da. Er schützet seinen Ruhm Und hält das Christentum; Mag doch die Hölle wüten. 2. Gott sieht die Fürsten auf dem Thron Sich wider ihn empören; Denn den Gesalbten, seinen Sohn, Den wollen sie nicht ehren. Sie schämen sich des Worts Des Heilands, unsers Horts; Sein Kreuz ist selbst ihr Spott: Doch ihrer lachet Gott. Sie mögen sich empören! 3. Der Frevler mag die Wahrheit schmähn, Uns kann er sie nicht rauben. ö Der Unchrist mag ihr widerstehn, Wir halten fest am Glauben. Gelobt sei Jesus Christ! ) Richt. 6, 18. Kirche und Mission. Wer hier sein Jünger ist, Sein Wort von Herzen hält, Dem kann die ganze Welt Die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, Laßt euch kein Drohn erschrecken! Der Gott, der von dem Himmel schaut, Wird uns gewiß bedecken. Der Herr Herr Zebaoth Hält über sein Gebot, Giebt uns Geduld in Not Und Kraft und Mut im Tod: Was will uns dann erschrecken? Chr. F. Gellert. Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. 136. Wo Gott der Herr nicht bei uns hält, Wenn unsre Feinde toben, Und er nicht unsrer Sach' zufällt Im Himmel hoch dort oben, Wo er der Seinen Schutz nicht ist Und selber bricht der Feinde List: So ist's mit uns verloren. 2. Was Menschenkraft und Witz anfäht, Soll uns fürwahr nicht schrecken; Er sitzet an der höchsten Stätt', Wird ihren Rat aufdecken. Wenn sie's aufs klügste greifen an, So geht doch Gott ein' andre Bahn; Es steht in seinen Händen. 3. Ach Gott, wie reichlich tröstest du, Die gänzlich sind verlassen. Der Gnade Thür ist nimmer zu, Vernunft kann das nicht fassen. Und doch steht all's in deiner Hand, Dein Aug' geht über alle Land'; Hilf nur, daß wir nicht wanken! Justus Jonas 170 Kirche und Mission. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 137. Zion, gieb dich nur zufrieden, Gott ist noch bei dir darin; Du bist nicht von ihm geschieden, Er hat einen Vatersinn. Wenn er straft, so liebt er auch, Das ist seiner Liebe Brauch: Zion, lerne dies bedenken; Warum willst du dich so kränken? 2. Treiben dich die Meereswellen Auf der wilden tiefen See, Wollen sie dich gar zerschellen, Daß du rufest ach und weh; Schweigt dein Heiland still dazu, Gleich als schliefe er in Ruh': Zion, laß dich nicht bewegen; Bald wird Sturm und Flut sich legen. 3. Berg' und Felsen mögen weichen, Ob sie noch so feste stehn, Mag die Welt mit ihren Reichen Wanken, ja selbst untergehn: Dennoch hat es keine Not, Nicht im Leben, nicht im Tod; Zion, du kannst doch nicht wanken Aus des ew'gen Bundes Schranken. 4. Müssen schon allhier die Thränen Deine schönsten Perlen sein, Dringt dein Seufzen und dein Stöhnen Auch in deine Lieder ein, Ist der Spott dein täglich Brot Und dein Trank die bittre Not: Zion, laß dir doch nicht grauen; Du kannst deinem Gott vertrauen. 5. Droht man dir mit Schmach und Bander. Mit viel Qual und Herzeleid, Kirche und Mission. Dennoch wirst du nicht zu Schanden, Denk nur an die Ewigkeit. Sei getrost und wohlgemut; Denn der Herr ist's, der es thut; Zion, Gott wird dich schon stärken, Seine Hülfe wirst du merken. 6. Freue dich, es kommt das Ende Und der Abend schon herbei; Gieb dich nur in Gottes Hände, Der macht dich von allem frei. Für die Trübsal, Spott und Hohn Giebt er dir die Freudenkron': Zion, Gott, dein Schutz, wird wachen Und die Welt zu Schanden machen. 7. Freut euch, sel'ge Himmelserben, Freuet euch mit Zion hier! Zion, das da sollte sterben, Wird nun leben für und für Und befreit von Angst und Qual Freuen sich im Himmelssaal; Zion, wer will dich nun scheiden Von dem Herrn und seinen Freuden? Joachim Pauli. Mission. Mel.: Valet will ich dir geben. 138. Der du zum Heil erschienen Der allerärmsten Welt Und von den Cherubinen Zu Sündern dich gesellt, Den sie mit frechem Stolze Verhöhnt für seine Huld, Als du am Marterholze Versöhntest ihre Schuld! 172 Kirche und Mission. 2. Damit wir Kinder würden, Gingst du vom Vater aus, ö Nahmst auf dich unsre Bürden Und bautest uns ein Haus. Von Westen, Norden, Süden Und Morgen, ohne Zahl, Sind Gäste nun beschieden Zu deinem Abendmahl. 3. Im schönen Hochzeitskleide, Von allen Flecken rein, Führst du zu deiner Freude Die Völkerscharen ein; Und welchen nichts verkündigt, Kein Heil verheißen war, Die bringen nun entsündigt Dir Preis und Ehre dar. 4. Du hast dem ärmsten Sklaven, Wo heiß die Sonne glüht, Wie deinen andern Schafen Zu Liebe dich gemüht Und auch den öden Norden, Den ew'ges Eis bedrückt, Zu deinen Himmelspforten Erbarmend hingerückt. 5. Drum kann nicht Ruhe werden, Bis deine Liebe siegt, Bis dieser Kreis der Erden Zu deinen Füßen liegt, Bis du im neuen Leben Die ausgesöhnte Welt Dem, der sie dir gegeben, Vors Angesicht gestellt. 6. Und siehe, tausend Fürsten Mit Völkern ohne Licht Stehn in der Nacht und dürsten Kirche und Mission Nach deinem Angesicht! Auch sie hast du gegraben In deinen Priesterschild, Am Brunngquell sie zu laben, Der dir vom Herzen quillt. 7. So sprich dein göttlich„Werde“, Laß deinen Odem wehn, Daß auf der finstern Erde Die Toten auferstehn: Daß, wo man Götzen fröhnet Und vor den Teufeln kniet, Ein willig Volk versöhnet Zu deinem Tempel zieht. 8. Wir rufen, du willst hören; Wir fassen, was du sprichst; Dein Wort muß sich bewähren, Womit du Fesseln brichst. Wie viele sind zerbrochen! Wie viele sind's noch nicht! O du, der's uns versprochen, Werd aller Heiden Licht! Albert Knapp. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 139. Eine Herde und ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, Wenn sein Tag erscheinen wird! Freue dich, du kleine Herde, Mach dich auf und werde licht! Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, Und die Herrlichkeit des Herrn Nahet dämmernd sich den Heiden, Blinde Pilger flehn um Licht: Jesus hält, was er verspricht. 17⁴ Kirche und Mission. 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde! Ach, wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Herde. Kleine Herde, zage nicht: Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht Vor des Morgenrotes Helle, Und der Sohn der Wüste kniet Dürstend an der Lebensquelle; Ihn umleuchtet Morgenlicht: Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren aufgethan; Rauscht, verdorrete Gebeine! Macht dem Bundesengel Bahn; Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried' und Wonne! Mach dich auf und werde licht: Jesus hält, was er verspricht. Fr. A. Krummacher. Eigne Melodie. 140. Es wolle Gott uns gnädig sein Und seinen Segen geben; Sein Antlitz uns mit hellem Schein Erleucht' zum ew'gen Leben, Daß wir erkennen seine Werk' Und was ihm lieb auf Erden, Und Jesus Christus' Heil und Stärk' Bekannt den Heiden werden Und sie zu Gott bekehren. Kirche und Mission. 17⁵ 2. So danken, Gott, und loben dich Die Heiden überalle, Und alle Welt, die freue sich Und sing' mit großem Schalle, Daß du auf Erden Richter bist Und läßt die Sünd' nicht walten; Dein Wort die Hut und Weide ist, Die alles Volk erhalten, In rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich Das Volk in guten Thaten; Das Land bring' Frucht und bess're sich, Dein Wort laß wohlgeraten. Uns segne Vater und der Sohn, Uns segne Gott der heil'ge Geist, Dem alle Welt die Ehre thu', Vor ihm sich fürchte allermeist! Nun sprecht von Herzen: Amen. Dr. Mart. Luther. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1I. Herr, wie sind noch viel der Heiden, Die in Todesschatten gehn! Komm, o Hirt, auch sie zu weiden; Kannst du sie verirret sehn? Nimm der Herde selbst dich an, Führe sie des Lebens Bahn; All' auf weitem Erdenrunde Füge zu dem Gnadenbunde. 2. Herr, laß deine Boten eilen; Sende Knechte mehr noch aus, Deine Gaben auszuteilen, Einzuladen in dein Haus. Manchen Jüngling, dir versöhnt, Laß mit Gnad' und Geist gekrönt Dem gebundnen Knecht der Sünden Deinen Gnadenrat verkünden. 176 Kirche und Mission. 3. Herr, wir sind ja deine Christen; Sollten wir nicht Herz und Hand Zu dem großen Baue rüsten Deines Reichs in allem Land? Gieb ein Herz in Liebe warm, Das des Jammers sich erbarm' Und die vielen weit Verirrten Bring' zu dir, dem guten Hirten. V Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 142. Hochgesegnet seid ihr Boten, Die der Herr ins ferne Land Zu den Blinden und den Toten Heilverkündend ausgesandt. Dringet weiter durch die trübe, Schreckenvolle Finsternis; Euren Glauben, eure Liebe Krönt der Herr mit Sieg gewiß. 2. Schwinget mutig in die Höhe Jesu Christi Kreuzesfahn', Daß die Heidenwelt ihn sehe, Dem die Völker unterthan. Werdet aller Welt ein Zeichen Von des Herren Majestät, Daß er siegen muß, sie weichen, Sei es früher oder spät. 3. O ihr glaubensstarken Streiter Ohne Kriegsgerät und Schwert, Dringet nur erobernd weiter, Eures Herren ist die Erd'. Der euch sandte, wird euch helfen, Euer König steht euch bei; Ob auch Schafe unter Wölfen, Sollt ihr wandeln froh und frei. 4. Liebe hat euch angetrieben, Fachte hell die Sehnsucht an, IARuA? 889 se IIXRORRNR Kirche und Mission. An den Brüdern auszuüben, Was der Herr an euch gethan. Darum sucht ihr nicht das Eure, Sucht nicht Ehre, Ruhm und Gut, Nein, ihr preiset nur das teure, Für die Welt vergoss'ne Blut. 5. Traget denn die Schmach und Schande Von der Welt vergnügt und gern: Freut euch, seht ihr alle Lande Voll der Herrlichkeit des Herrn; Freut euch, daß ihr auserkoren, Zeugen seines Siegs zu sein, Daß ihr stehet an den Thoren, Da der König ziehet ein. 6. Hosianna! jubeln, singen Tausende nach Nacht und Pein, Und die fernsten Völker dringen In das Himmelreich hinein, Und viel tausend Kniee beugen Sich vor Christo, Gottes Sohn, Und das ist, ihr treuen Zeugen, Eurer Arbeit süßer Lohn. Karl Joh. Ph. Spitta. Mel.: Nun komm, der Heiden Heiland. 143. Jesu, bittend kommen wir Mit den Deinen jetzt zu dir; Hör auf unser kindlich Flehn, Was wir bitten, laß geschehn. 2. Jesu, ziehe bei uns ein, Laß uns ganz dein eigen sein; Schenk uns allen deinen Geist, Den dein teures Wort verheißt. 3. Weck die tote Christenheit Aus dem Schlaf der Sicherheit; 178 Kirche und Mission. Mache deinen Ruhm bekannt Überall im ganzen Land. 4. Laß dein Wort zu dieser Zeit Kräftig schallen weit und breit; Allen Heiden werde kund Deiner Gnade Friedensbund. 5. Thu der Völker Thüren auf; Deines Himmelreiches Lauf Hemme keine List noch Macht; Schaffe Licht in dunkler Nacht. 6. Gieb den Boten Kraft und Mut, Glaubenshoffnung, Liebesglut; Laß viel Früchte deiner Gnad' Folgen ihrer Thränensaat. 7. Zion, danke deinem Herrn, Was du bittest, thut er gern; Ja, er kommt mit seinem Reich; Was ist seinen Freuden gleich! Mel.: Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. 144. 0 daß doch bald dein Feuer brennte, Du unaussprechlich Liebender, Und bald die ganze Welt erkennte, Daß du bist König, Gott und Herr! Erwecke, läutre und vereine Des ganzen Christenvolkes Schar Und mach in deinem Gnadenscheine Dein Heil noch jedem offenbar. 2. Zwar brennt es schon mit heller Flamme Jetzt hier und dort, in Ost und West, Dir, dem am Kreuz erwürgten Lamme, Ein herrlich Pfingst⸗ und Freudenfest, Und noch entzünden Himmelsfunken So manches kalte tote Herz Und machen Durst'ge freudetrunken Und heilen Sünd' und Höllenschmerz. Kirche und Mission. Und baue deinen Tempel aus, Laß leuchten deine heil'gen Flammen Durch deines Vaters ganzes Haus. Beleb, erleucht, erwärm, entflamme Doch bald die ganze weite Welt Und zeig dich jedem Völkerstamme Als Heiland, Friedefürst und Held. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 145. O Herr Jesu, Ehrenkönig, Wie sind der Friedensboten wenig! Drum sende treue Zeugen aus. Sende sie hinaus in Gnaden, Viel' arme Gäste einzuladen Zum Mahl in deines Vaters Haus. Wohl dem, den deine Wahl Beruft zum Abendmahl Im Reich Gottes! Da ruht der Streit, Da währt die Freud' Heut, gestern und in Ewigkeit. 2. Schau auf deine Millionen, Die noch im Todesschatten wohnen, Von deinem Himmelreiche fern; Ach, noch immer nicht ist ihnen Dein Evangelium erschienen, Kein gnadenreicher Morgenstern! Glanz der Gerechtigkeit, Geh auf, denn es ist Zeit. Komm, Herr Jesu, Zeuch du voran Und mach dir Bahn, Dir sei'n die Thüren aufgethan! 3. Schmelz alles, was sich trennt, zusammen J. L. Fricker. Albert Knapp. 1²⁰ 180 Kirche und Mission. Mel.: O Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 116. O Jesu Christe, wahres Licht, Erleuchte, die dich kennen nicht, Und bringe sie zu deiner Herd', Daß ihre Seel' auch selig werd'. 2. Erfüll mit deiner Gnade Schein, Die noch des Irrtums Nacht hüllt ein, Auch die, so heimlich noch ficht an In ihrem Sinn ein falscher Wahn. 3. Und was sich sonst verloren hat Von dir, das suche du mit Gnad' Und ihr verwund't Gewissen heil, Laß sie am Himmel haben teil. Den Tauben öffne das Gehör, Die Stummen richtig reden lehr, Die nicht bekennen wollen frei, Was ihres Herzens Glaube sei. 5. Erleuchte, die da sind verblend't, Bring her, die sich von uns getrennt, Versammle, die zerstreuet gehn, Mach fest, die noch im Zweifel stehn. 6. So werden sie mit uns zugleich Auf Erden und im Himmelreich, Hier zeitlich und dort ewiglich Für solche Gnade preisen dich. Joh. Heermann. ————— Mel.: Dir, dir, Jehovah, will ich singen. 147. Wach auf, du 1 der ersten Zeugen, Der Wächter, die auf Zions Mauern stehn, Die Tag und Nächte nimmer schweigen Und— getrost den Feind entgegengehn, Ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker Scharen zu dir bringt. 2. O daß doch bald dein Feuer brennte! O möcht' es doch in alle Lande gehn! Kirche und Mission. 18¹ Ach Herr, gieb doch in deine Ernte Viel' Knechte, die in treuer Arbeit stehn! O Herr der Ernte, siehe doch darein: Die Ernt' ist groß, die Zahl der Knechte klein. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten Uns diese Bitte in den Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten Sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, Dich recht inbrünstig hierum anzuflehn; Drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn. 4. So gieb dein Wort mit großen Scharen, Die in der Kraft Evangelisten sei'n; Laß eilend Hülf' uns widerfahren, Brich in die Heidenwelt mit Macht hinein. O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Ach daß die Hülf' aus Zion käme! O daß dein Geist, so wie dein Wort verspricht, Dein Volk aus dem Gefängnis nähme! O würd' es doch nur bald vor Abend licht! Ach reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei Und komm herab zur Hülf' und mach uns frei! 6. Ach laß dein Wort recht schnelle laufen! Es sei kein Ort ohn' dessen Glanz und Schein! Ach führe bald dadurch mit Haufen Der Heiden Füll' zu allen Thoren ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf Und also segne deines Wortes Lauf! 7. O bess're Zions wüste Stege, Und was dein Wort im Laufe hindern kann, Das räume bald aus jedem Wege; Vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn Und mach uns bald von jedem Mietling frei, Daß Kirch' und Schul' ein Garten Gottes sei! K. Heinrich v. Bogatzky. Wort Gottes. XII. Wort Gottes. Mel.: Was Gott thut, das ist wohlgethan. 148. Dein Wort, o Herr, ist milder Tau Für trostbedürft'ge Seelen. Laß keinem Pflänzchen deiner Au Den Himmelsbalsam fehlen. Erquickt durch ihn Laß jedes blühn Und in der Zukunft Tagen Dir Frucht und Samen tragen. 2. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert, Ein Keil, der Felsen zwinget, Ein Feuer, das im Herzen zehrt Und Mark und Bein durchdringet. O laß dein Wort Noch fort und fort Der Sünde Macht zerscheitern Und alle Herzen läutern. 3. Dein Wort ist uns der Wunderstern Für unsre Pilgerreise. Es führt die Thoren hin zum Herrn Und macht die Einfalt weise. Dein Himmelslicht Verlösch' uns nicht Und leucht' in jede Seele, Daß keine dich verfehle. 4. Ich suchte Trost und fand ihn nicht; Da ward das Wort der Gnade Mein Labsal, meine Zuversicht, Die Fackel meiner Pfade. Sie zeigte mir Den Weg zu dir Und leuchtet meinen Schritten Bis zu den ew'gen Hütteu. er IAIYNA Wort Gottes. 183 Laß immerfort Dein helles Wort In allen Lebenszeiten Uns trösten, warnen, leiten. 7. O sende bald von Ort zu Ort Den Durst nach deinen Lehren; Verlangen gieb, dein Lebenswort Und deinen Geist zu hören, Und send ein Heer Von Meer zu Meer, Der Herzen Durst zu stillen Und dir dein Reich zu füllen. Mel.: Ach Gott und Herr. 149. Gott ist mein Hort, Und auf sein Wort Soll meine Seele trauen. Ich wandle hier, Mein Gott, vor dir Im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; Laß immerdar 5. Nun halt' ich mich mit festem Sinn Zu dir, dem sichern Horte; Wo wendete ich sonst mich hin? Herr, du hast Lebensworte. Noch hör' ich dein: „Komm, du bist mein!“ So lockt mich nicht vergebens Das Wort des ew'gen Lebens. 6. Auf immer gilt dein Segensbund; Dein Wort ist Ja und Amen. Nie weich' es uns aus Herz und Mund, Zu preisen deinen Namen. K. B. Garve. 184 Wort Gottes. Laß keinen Spott, O Herr, mein Gott, Mich von dem Glauben schrecken. 3. Wo hätt' ich Licht, Wofern mich nicht Dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie Verständ' ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt Der Seele Wert, Unsterblichkeit und Leben. Zur Ewigkeit Ist diese Zeit Mir, Herr, von dir gegeben. 5. Den ew'gen Rat, Die Missethat Der Sünder zu versöhnen, b Den kennt' ich nicht, Wär' mir dies Licht Nicht durch dein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz In Reu' und Schmerz Der Sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen Geist Ein gläubig Abba sagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn Ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh' Vermag ich's nie; Dein Wort giebt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, Laß uns dies Wort; Mich seine Kräfte schmecken; N Wort Gottes. Denn du hast's uns gegeben. Es sei mein Teil, Mein Licht, mein Heil Und Kraft zum ew'gen Leben. Chr. F. Gellert. Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 150. Herr, dein Wort, die edle Gabe, Diesen Schatz erhalte mir; Denn ich zieh' es aller Habe Und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, Worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist's nicht um tausend Welten, Aber um dein Wort zu thun. 2. Halleluja! Ja und Amen! Herr, du wollest auf mich sehn, Daß ich mög' in deinem Namen Fest bei deinem Wort bestehn. Laß mich eifrig sein beflissen, Dir zu dienen früh und spat, Und zugleich zu deinen Füßen Sitzen, wie Maria that. Nik. Ludw. Graf von Zinzendorf. Mel.: Gott des Himmels und der Erden. 151. Teures Wort aus Gottes Munde, Das mir lauter Segen trägt: Dich allein hab' ich zum Grunde Meiner Seligkeit gelegt. In dir treff' ich alles an, Was zu Gott mich führen kann. 2. Will ich einen Vorschmack haben Von des Himmels Seligkeit, So kannst du mich herrlich laben, Weil bei dir ein Tisch bereit, 186 Wort Gottes. Der mir lauter Manna schenkt, Mich mit Lebenswasser tränkt. 3. Du, mein Paradies auf Erden, Laß mich allzeit in dir sein; Laß mich täglich weiser werden, Daß dein heller Gnadenschein Mir bis in die Seele dringt Und die Frucht des Lebens bringt. 4. Geist der Gnaden, der im Worte Mich an Gottes Herze legt, Offne mir des Himmels Pforte, Daß mein Geist hier recht erwägt, Was für Schätze Gottes Hand Durch sein Wort mir zugewandt. 5. Halte meinen Geist in Schranken, Gieb ein stilles Wesen mir, Richte Sinnen und Gedanken, Frei von Sorgen, hin zu dir, Daß die Welt mich gar nicht stört, Wenn mein Herz dich reden hört. 6. Gieb dem Samen einen Acker, Der die Frucht nicht schuldig bleibt; Mache mir die Augen wacker, Und was hier dein Finger schreibt, Präge meinem Herzen ein, Laß den Zweifel ferne sein. 7. Was ich lese, laß mich merken; Was du sagest, laß mich thun. Wird dein Wort den Glauben stärken, Laß es nicht dabei beruhn, Sondern gieb, daß er dabei Auch durch Liebe thätig sei. 8. Hilf, daß alle meine Wege Nur nach dieser Richtschnur gehn; Was ich so zum Grunde lege, Wort Gottes. Soll mir wie ein Felsen stehn, Daß mein Geist auch Rat und That In den größten Nöten hat. 9. Laß dein Wort mir einen Spiegel Auf dem Lebenswege sein, Drücke drauf dein Gnadensiegel, Schleuß den Schatz im Herzen ein, Daß ich fest im Glauben steh', Bis ich dort zum Schauen geh'. Benj. Schmolck. Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. bie groß, wie angebetet ist Dein Nam', o Herrscher Jesu Christ, Wie teuer deinem Volke! Wie hell ward's in der Finsternis Durch deine Lehre! wie gewiß! Wie floh des Irrtums Wolke! Als du, Herr, kamst, Hörten Taube, und der Glaube Half den Kranken, Stumme sangen, dir zu danken. 2. Nur Fischer waren's, die dein Licht Verbreiteten, die Weisen nicht, Dir folgten nicht die Hohen. Nicht durch der Großen mächt'ge Hand Ist eitler Götzendienst verbannt, Sein leerer Wahn entflohen. Nicht sie: Jesu, Deine Lehren, die wir hören, Machten weise, Dir zum Ruhm und Gott zum Preise. 3. Wir werden deinen Ruhm erhöhn, Wir werden deinen Himmel sehn, Den Preis von deinen Leiden, Genießen, was du uns erwarbst, 188 Wort Gottes. Als du für uns am Kreuze starbst, Der Engel hohe Freuden. Welche Gnade, Daß wir Sünder Gottes Kinder Werden sollen, Wenn wir an dich glauben wollen. 4. Du hast dich deiner Herrlichleit Entäußert, eine kurze Zeit Für uns von Gott verlassen; Und nun mit Preis und Ruhm gekrönt, Nun machst du selig, die versöhnt Der Sünde Greuel hassen. Sündern willst du Heil und Leben wiedergeben, Richtest alle, Die nur wollen, auf vom Falle. 5. Vom Aufgang schallt zum Niedergang Dein Wort und auch der Lobgesang Erretteter Gerechten. Unzählbar sind die Scharen schon, Die gerne dir vor deinem Thron Ein würdig Loblied brächten. Ihrer mehr noch, Jesu, werden Schon auf Erden dir lobsingen, Preis und Ruhm und Dank dir bringen. 6. Wie groß, wie angebetet ist Dein Nam', o Herrscher Jesu Christ, Wie herrlich bei den Deinen! Doch, führst du sie zu deiner Ruh', O wie weit herrlicher wirst du Den Deinen dann erscheinen! Ewig wird dann Dir zur Ehre ihrer Chöre Lob erschallen, Durch die Himmel wiederhallen! J. A. Cramer. n Wort Gottes. 189 Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 153. Wir Menschen sind zu dem, o Gott, Was geistlich ist, untüchtig; Dein Wesen, Wille und Gebot Ist viel zu hoch und wichtig. Wir wissen's und verstehen's nicht, Wenn uns dein göttlich Wort und Licht Den Weg zu dir nicht weiset. 2. Drum sind vor Zeiten ausgesandt Propheten, deine Knechte, Daß durch sie würden wohlbekannt Dein Will' und deine Rechte. Zuletzt ist selbst dein lieber Sohn, O Vater, von des Himmels Thron Gekommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist! Laß uns dabei verbleiben Und gieb uns deinen guten Geist, Daß wir dem Worte gläuben, Daß wir's annehmen jederzeit Mit Sanftmut, Ehrfurcht, Lieb' und Freud' Als Gottes, nicht der Menschen. 4. Hilf, daß der losen Spötter Hauf' Uns nicht vom Wort abwende. Dein Wort besteht, sie nehmen drauf Mit Schrecken bald ein Ende. Gieb du selbst deinem Worte Kraft, Daß deine Lehre in uns haft', Auch reichlich bei uns wohne. 5. Herr, öffne du uns Ohr und Herz, Daß wir das Wort recht fassen, In Lieb' und Leid, in Freud' und Schmerz Es aus der Acht nicht lassen, Daß wir nicht Hörer nur allein, Nein, Thäter auch des Wortes sei'n, Frucht hundertfältig bringen. 190 Wort Gottes. 6. Ja, hilf, Herr, daß wir werden gleich Dem guten, fruchtbar'n Lande, Und sei'n an guten Werken reich In unserm Amt und Stande, Viel Früchte bringen in Geduld, Bewahren deine Lehr' und Huld In feinem, gutem Herzen. 7. Laß uns, solang wir leben hier, Den Weg der Sünder meiden; Gieb, daß wir halten fest an dir In Anfechtung und Leiden. Rott aus die Dornen allzumal, Hilf uns die Weltsorg' überall Und böse Lüste dämpfen. 8. Dein Wort laß allewege sein Die Leuchte unsern Füßen; Erhalt es bei uns klar und rein, Hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rat und Trost in aller Not, Daß wir im Leben und im Tod Beständig darauf trauen. 9. Gott Vater, laß zu deiner Ehr' Dein Wort sich weit verbreiten; Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr' Erleuchten mög' und leiten; O heil'ger Geist, dein göttlich Wort Laß in uns wirken fort und fort Glaub', Lieb', Geduld und Hoffnung. David Denicke. Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 154. Wort des Lebens, lautre Quelle, Die vom Himmel sich ergießt, Lebenskräfte giebst du jedem, Der dir Geist und Herz erschließt, Der sich wie die welke Blume, Wort Gottes. Die der Sonnenbrand gebleicht, Dürstend von dem dürren Lande Zu der Quelle niederneigt. 2. Ohne dich, was ist die Erde? Ein beschränktes, finstres Thal. Ohne dich, was ist der Himmel? Ein verschloss'ner Freudensaal. Ohne dich, was ist das Leben? Ein erneuter finstrer Tod. Ohne dich, was ist das Sterben? Nachtgraun ohne Morgenrot. 3. Wort des Lebens, du erleuchtest, Doch erwärmst du auch zugleich; Eine Hölle offenbarst du, Aber auch ein Himmelreich. Furchtbar schreckest du die Sünder Aus der dumpfen, trägen Ruh'; Doch mit Liebe deckst du wieder Jedes Büßers Fehle zu. 4. Einen Richter lehrst du fürchten, Der mit rechter Wage wägt, Doch auch einen Vater lieben, Der mit Langmut alle trägt, Einen Gott, der den geliebten Ein'gen Sohn zum Opfer giebt, Der an ihm die Sünde richtet Und in ihm die Sünder liebt. 5. Wort des Lebens, wer dich höret, Dem versprichst du ew'ges Heil; Doch nur dem, der dich bewahret, Wird das Kleinod einst zu teil. Nun, so will ich dich bewahren, Schwert des Geistes, Gottes Wort; Hilf mir hier auf Erden streiten Und die Kron' erwerben dort. Karl Joh. Ph. Spitta. Taufe und Konfirmation. XIII. Caufe und Konfirmakion. Taufe. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 155. Barmherziger, laß deiner Gnade Jetzt dieses Kind befohlen sein, Das wir im heil'gen Wasserbade ö Auf deines Sohns Befehl dir weihn; Erfüll an ihm, was du verheißt, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist. ö 2. Gieb du in Christo neues Leben ö Auch diesem Kinde, treuer Gott! Dir sei und bleib' es stets ergeben, Sei du mit ihm in Glück und Not Und führ es selbst auf ebner Bahn, Nimm es zuletzt mit Ehren an. Mel.: Liebster Jesu, wir sind hier. 156. Liebster Jesu, wir sind hier, Deinem Worte nachzuleben, Bringen dieses Kindlein dir, Wie du hast Befehl gegeben, Wollst in Gnaden sein gedenken Und das Himmmelreich ihm schenken. 2. Es erschallet allermeist Dieses Wort in unsern Ohren: Wer durch Wasser und durch Geist Nicht zuvor ist neu geboren, Wird von dir nicht aufgenommen ‚ Und in Gottes Reich nicht kommen. 3. Darum eilen wir zu dir; Nimm dies Kind von unsern Armen, Tritt mit deinem Glanz herfür Und erzeige dein Erbarmen, Taufe und Konfirmation. Daß es dein Kind hier auf Erden Und im Himmel möge werden. 4. Hirte, nimm dein Schäflein an, Haupt, mach es zu deinem Gliede, Licht der Welt, zeig ihm die Bahn, Friedefürst, sei du sein Friede, Weinstock, laß die Rebe treiben, Aus dir wachsen, an dir bleiben. 5. Nun, wir legen an dein Herz, Was von Herzen ist gegangen; Führ die Seufzer himmelwärts Und erfülle das Verlangen; Ja, den Namen, den wir geben, Schreib ins Lebensbuch zum Leben. Benj. Schmolck. Ronfirmalion. Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 18 157. Bei dir, Jesu, will ich bleiben, Stets in deinem Dienste stehn, Nichts soll mich von dir vertreiben, Will auf deinen Wegen gehn. Du bist meines Lebens Leben, Meiner Seele Trieb und Kraft, Wie der Weinstock seinen Reben Zuströmt Kraft und Lebenssaft. 2. Könnt' ich's irgend besser haben, Als bei dir, der allezeit So viel tausend Gnadengaben Für mich Armen hat bereit? Könnt' ich je getroster werden, Als bei dir, Herr Jesu Christ, Dem im Himmel und auf Erden Alle Macht gegeben ist? 3.Wo ist solch ein Herr zu finden, Der, was Jesus that, mir thut, Taufe und Konfirmation. 19⁴ Mich erkauft von Tod und Sünden Mit dem eignen teuren Blut? Sollt' ich dem nicht angehören, Der sein Leben für mich gab, Sollt' ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib' ich, So in Freude wie in Leid; Bei dir bleib' ich, dir verschreib' ich Mich für Zeit und Ewigkeit. Deines Winks bin ich gewärtig, Auch des Rufs aus dieser Welt; Denn der ist zum Sterben fertig, Der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nah auf dieser Erden, Bleib auch, wenn mein Tag sich neigt, Wenn es nun will Abend werden Und die Nacht herniedersteigt; Lege segnend dann die Hände Mir aufs müde, schwache Haupt, Sprich: Mein Kind, hier geht's zu Ende, Aber dort lebt, wer hier glaubt. 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, Graut mir vor dem kalten Tod, Als dem kühlen, scharfen Wehen Vor dem Himmelsmorgenrot. Wird mein Auge dunkler, trüber, V Dann erleuchte meinen Geist, I Daß ich fröhlich zieh' hinüber, V Wie man nach der Heimat reist. Karl Joh. Ph. Spitta. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 158. Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist; Ich bin gezählt zu deinem Samen, Zum Volk, das dir geheiligt heißt; A HAVDE Hoe sees „ Taufe und Konfirmation. 19⁵ Ich bin in Christum eingesenkt, Ich bin mit seinem Geist beschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, Mein lieber Vater, mich erklärt; Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein treuer Heiland, mir gewährt; Du willst in aller Not und Pein, O guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab' ich dir auch Furcht und Liebe, Gehorsam zugesagt und Treu; Ich habe dir aus reinem Triebe Gelobt, daß ich dein eigen sei; Hingegen sagt' ich bis ins Grab Dem schnöden Dienst der Sünde ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite Bleibt dieser Bund wohl fest bestehn; Wenn aber ich ihn überschreite, So laß mich nicht verloren gehn, Und hab' ich einen Fall gethan, So nimm dein Kind zu Gnaden an. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel' und Herz zum Opfer hin; Erwecke mich zu neuer Treue Und heilige dir meinen Sinn; Kein Tropfen Blut soll in mir sein, Der nicht gehörte dir allein. 6. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist; Halt mich in deines Bundes Schranken, Bis mich dein Wille sterben heißt; So leb' ich dir, so sterb' ich dir, So lob' ich dich dort für und für. J. J. Rambach. Mel.: Meinen Jesum lass' ich nicht. 159. Meinen Heiland lass' ich nicht, Denn er ist für mich gestorben. 196 Tause und Konfirmation. Jesus hat, was mir gebricht, Mir durch seinen Tod erworben, Und was er verdienet hat, Schenkt mir seiner Taufe Bad. 2. Meinen Heiland lass' ich nicht, Dem ich mich geheiligt habe; Er ist meine Zuversicht Von der Taufe bis zum Grabe. Er erbarmet meiner sich; Was er will, das will auch ich. 3. Meinen Heiland lass' ich nicht; Er hat sich mit mir verbunden, Und ich fürchte kein Gericht, Denn mich sichern seine Wunden. Da er litt, da ward ich sein; Weil ich glaube, ist er mein. 4. Meinen Heiland lass' ich nicht; Bei ihm find' ich Heil und Leben. Das, was mir sein Wort verspricht, Wird mir seine Liebe geben. Von ihm hoff' ich allezeit Liebe und Barmherzigkeit. 5. Meinen Heiland lass' ich nicht; Nichts soll mich von Jesu trennen; Ich will ihn voll Zuversicht Überall und gern bekennen Mit dem Mund und mit der That, Weil er mich erlöset hat. 6. Treuer Jesu, laß mich nicht! Du mein Führer in der Jugend, Du im Alter noch mein Licht, Gieb mir Trieb und Kraft zur Tugend! Sei mein Alles in der Zeit, Ewig meine Seligkeit! Ehr. Liebich. A— /An-= SISI AR Taufe und Konfirmation. Eigne Melodie. 160. Mein Schöpfer, steh mir bei, Sei meines Lebens Licht! Dein Auge leite mich, Bis mir mein Auge bricht! Hier leg' ich Herz und Glieder Vor dir zum Opfer nieder Und widme meine Kräfte Für dich und dein Geschäfte. Du willst, daß ich der Deine sei: Mein Schöpfer, steh mir bei. 2. Mein Heiland, rein'ge mich Durch dein so teures Blut, Das alle Flecken tilgt Und lauter Wunder thut; Schließ mich verirrten Armen Ganz ein in dein Erbarmen, Daß ich von Zorn und Sünde Hier wahre Freiheit finde. Ich bin voll Sünden ohne dich, Mein Heiland, rein'ge mich. 3. Mein Tröster, gieb mir Kraft, Wenn sich Versuchung zeigt; Regiere meinen Geist, Wenn er zur Welt sich neigt; Lehr mich den Sohn erkennen, Ihn meinen Herren nennen, Sein Gnadenwort verstehen, Auf seinen Wegen gehen. Du bist's, der alles Gute schafft, Mein Tröster, gieb mir Kraft. 4. Gott Vater, Sohn und Geist! Dir bin ich, was ich bin. Ach drücke selbst dein Bild Recht tief in meinen Sinn; IW. * Taufe und Konfirmation. 198 In deinem ganzen Lebenslauf Erwähle mein Gemüte Zum Tempel deiner Güte; Verkläre an mir Armen Dein gnadenreich Erbarmen. Wohl mir, wenn du der Meine heißt, ö Gott Vater, Sohn und Geist! x J. J. Rambach. Mel.: Was mein Gott will, das g'scheh' allzeit. ö 161. Sei Gott getreu, halt seinen Bund, O Mensch, in deinem Leben Und weiche nicht von diesem Grund, Bleib ihm allein ergeben; Denk deiner Tauf' Und achte drauf, Daß er ist treu geblieben Bei seinem Eid, In Ewigkeit Als Vater dich zu lieben. 2. Sei Gott getreu von Jugend auf, Laß dich nicht Lust noch Leiden Von seiner Liebe scheiden. Sein' alte Treu' Wird täglich neu, Sein Wort steht nicht auf Schrauben; Was er verspricht, Das bricht er nicht, Das sollst du kühnlich glauben. 3. Sei Gott getreu in deinem Stand, Darein er dich gesetzet. Wenn er dich hält mit seiner Hand, Wer ist, der dich verletzet? Wer seine Gnad' Zum Schutze hat, Dem kann der Feind nicht schaden; Taufe und Konfirmation. Wenn diese Wehr Steht um dich her, So bist du wohlberaten. 4. Sei Gott getreu, sein liebes Wort Standhaftig zu bekennen; Steh fest darauf an allem Ort, Laß dich davon nicht trennen. Was diese Welt In Ehren hält, Muß alles doch vergehen; Sein liebes Wort Bleibt fort und fort Ohn' alles Wanken stehen. 5. Sei Gott getreu, der immer sich Läßt treu und gnädig finden; Streit unter ihm nur ritterlich Und dämpfe Fleisch und Sünden. Ergieb dich nie, Herrsch über sie, Und wär' der Fall geschehen, So sei bereit, Durch Buß' bei Zeit Vom Falle aufzustehen. 6. Sei Gott getreu bis in den Tod Und laß dich nichts abwenden. Er kann und wird in aller Not Dir treuen Beistand senden. Und käm' auch gleich Der Hölle Reich Auf dich mit Macht gedrungen, So glaube fest: Wer Gott nicht läßt, Der bleibet unbezwungen. 7. Wirst du also Gott bleiben treu, Wird er sich dir erweisen, 200 Taufe und Konfirmation. Daß er dein lieber Vater sei, Wie er dir hat verheißen, Und eine Kron' Zum Gnadenlohn Im Himmel dir aufsetzen; Da wirst du dich Dann ewiglich In seiner Treu' ergötzen. Mich. Franck. Mel.: Nun lob, mein' Seel', den Herren. 162. So schreib ins Buch des Lebens Nun, Herr, auch ihre Namen ein Und laß sie nicht vergebens Den Deinen zugezählet sein; Bewahr sie vor der Sünde Und vor der ew'gen Pein; Ach präg es jedem Kinde Heut tief ins Herz hinein, Daß es zum ew'gen Leben Durch dich erkaufet ist, Daß du allein kannst geben Das Heil, Herr Jesu Christ. Mel.: Seelenbräutigam. 163. Von des Himmels Thron Sende, Gottes Sohn, Deinen Geist, den Geist der Stärke, Gieb uns Kraft zum heil'gen Werke, Dir uns ganz zu weihn, Ewig dein zu sein. 2. Mach uns selbst bereit, Gieb uns Freudigkeit, Unsern Glauben zu bekennen Und dich unsern Herrn zu nennen, Dessen teures Blut Floß auch uns zu gut. DI‚D Das heilige Abendmahl. 3. Richte Herz und Sinn Zu dem Himmel hin, Daß wir unsern Bund erneuern Und mit Wahrheit dir beteuern, Deine Bahn zu gehn, Weltlust zu verschmähn. 4. Wenn wir betend nahn, Segen zu empfahn, Wollest du auf unser Bitten Uns mit Gnade überschütten; Licht und Kraft und Ruh' Ströme dann uns zu. 5. Gieb auch, daß dein Geist, Wie dein Wort verheißt, Unauflöslich uns vereine Mit der gläubigen Gemeine, Bis wir dort dich sehn Und dein Lob erhöhn. Samuel Marot. IIV. Das heilige Abendmahl. Eigne Melodie. 164. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünd' der Welt, Erbarm dich unser! 2. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünd' der Welt, Erbarm dich unser! 3. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünd' der Welt, Gieb uns deinen Frieden! Amen! Das heilige Abendmahl. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 165. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, O Mensch, der auf die Erden Vom Thron des Himmels kommen ist, Dein Bruder hier zu werden. Vergiß nicht, daß er dir zu gut Hat angenommen Fleisch und Blut: Dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, Der für dich hat gelitten, Ja gar am Kreuz gestorben ist Und dadurch hat bestritten Welt, Sünde, Teufel, Höll' und Tod Und dich erlöst aus aller Not: Dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtnis Jesum Chiist, Der auch am dritten Tage Siegreich vom Tod erstanden ist, Befreit von Not und Plage. Bedenk, daß Frieden er gemacht, Unschuld und Leben wiederbracht: Dank ihm für diese Liebe! 4. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, Der nach den Leidenszeiten Gen Himmel aufgefahren ist, Die Stätte zu bereiten, Da du sollst bleiben allezeit Und sehen seine Herrlichkeit: Dank ihm für diese Liebe! 5. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, Der einst wird wiederkommen Und sich, was tot und lebend ist, Zu richten vorgenommen. O sorge, daß du da bestehst Und mit ihm in sein Reich eingehst, Ihm ewiglich zu danken. Das heilige Abendmahl. 203 6. Gieb, Jesu, gieb, daß ich dich kann Mit wahrem Glauben fassen Und nie, was du an mir gethan, Mög' aus dem Herzen lassen, Daß dessen ich in aller Not Mich trösten mög' und durch den Tod Zu dir ins Leben dringen. Cyriakus Günther Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 166. Herr, du hast hier allen Sündern Einen reichen Tisch gedeckt, Wo das Brot den armen Kindern Nach des Vaters Liebe schmeckt. Heute nun bin ich dein Gast, Weil du mich geladen hast. Laß mich nicht mit falschem Herzen Deine große Huld verscherzen. 2. Heilige du mein Gemüte, Alles Arge treibe aus, Daß auch meines Herzens Hütte Werde dein geweihtes Haus. Denn ich hoffe nur auf dich, Liebster Jesu, höre mich Und laß deinen Tisch auf Erden Mir des Himmels Vorschmack werden. 3. Gnadenvoll willst du mir schenken Deinen Leib, dein teures Blut; Darum laß mich wohl bedenken, Was hier deine Liebe thut, Und verleihe, daß ich nicht Ess' und trinke zum Gericht, Was du doch zum Heil und Leben Mir im Abendmahl willst geben. 4. Du bist ja der Fürst des Lebens; Jesus ist der Name dein; 204 Das heilige Abendmahl. Nimmermehr kannst du vergebens Für die Welt gestorben sein; Drum erhöre, was ich bitt', Teile mir dich selber mit Und laß heut in mein Gewissen Trost aus deinen Wunden fließen. 5. Sind wir doch aus dir geboren, Nähr uns auch durch deine Kraft; Und weil alles da verloren, Wo nicht sie uns Hülfe schafft: Laß dies Brot und diesen Wein Meines Herzens Manna sein, Daß die Wirkung dieser Speise Sich auch in der That beweise. 6. Laß mich deine Liebe schmecken Und die Güter jener Welt, Und wenn mich auch Furcht und Schrecken Noch zuweilen überfällt, So verleih mir durch dein Blut Einen rechten Freudenmut, Daß ich meinen Trost und Glauben Mir durch niemand lasse rauben. 7. Hilf mir recht zu Herzen fassen Deinen herben, bittern Tod; Laß mich keinen Bruder hassen, Der mit mir genießt ein Brot; Nimm mich ganz vollkommen ein, Bis ich werde bei dir sein Und die Fülle deiner Gaben, Meinen Gott und alles haben. ö Kasp. Neumann. Mel.: An Wasserflüssen Babylon. 167. Ich komme, Herr, und suche dich Mühselig und beladen. Gott, mein Erbarmer, würd'ge mich Des Wunders deiner Gnaden. Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, Mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh', Ich suche Ruh' und finde sie Ini Glauben der Erlös'ten. 2. Dich bet' ich zuversichtlich an, Du bist das Heil der Sünder, Die nur dein Blut erretten kann, Und wir sind Gottes Kinder. Ich denk' an deines Leidens Macht Und an dein Wort:„Es ist vollbracht!“ Du hast mein Heil verdienet; Du hast für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt In dir mit sich versühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! Er tilget deine Sünden Und läßt an seinem Tische hier Dich Gnad' um Gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, Spricht liebreich:„Sei getrost, mein Sohn! Die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft Und du wirst dem, der dich erkauft, Von ganzem Herzen leben.“ 4.„Dein ist das Glück der Seligkeit, Bewahr es hier im Glauben ‚ Und laß durch keine Sicherheit Dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir; Ich bin der Weinstock, bleib an mir, So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, Das heilige Abendmahl. 205 206 Das heilige Abendmahl. Und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg gelingen.“ 5. Ja, Herr, ich höre dein Gebot; Ich will es treu erfüllen Und bitte dich durch deinen Tod Um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig sein, Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn Und deinen Tod zu preisen. Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Besserung Zu deinem Ruhm beweisen. Chr. F. Gellert. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. 168. Komm, mein Herz! aus Jesu Leiden Strömt auch dir ein Quell der Freuden; Stille hier dein sehnlich Dürsten In dem Blut des Lebensfürsten! Daß ich einen Heiland habe Und in seinem Heil mich labe Und in sein Verdienst mich kleide, Das ist meines Herzens Freude. 2. Zwar ich hab' ihn alle Tage, Wenn ich Sehnsucht nach ihm trage; Er ist auf der Himmelsreise Täglich meine Seelenspeise. Daß ich einen Heiland habe, Bleibt mein Alles bis zum Grabe, Und ich mag nichts andres wissen, Als sein Lieben zu genießen. 3. Dennoch will ich mit Verlangen Auch sein Abendmahl empfangen; Darf ich da mich ihm verbinden, Werd' ich's tiefer noch empfinden, Daß ich einen Heiland habe, Der am Kreuz und in dem Grabe, — /0/55S866&8 2882 PFPIIIIIII Das heilige Abendmahl. P‚P‚P‚P‚‚E ee Wie sein Wort mir sagt und schreibet, Mein Erlöser war und bleibet. 4. Ach, wie werd' ich oft so müde, Wie entweicht der süße Friede! Sünd' und Welt kann mich verwunden, Wenn mir dieses Licht entschwunden, Daß ich einen Heiland habe, Der mit seinem Hirtenstabe Sanft und mild und voll Vergeben Mir nichts ist als Heil und Leben. 5. Sei gesegnet, ew'ge Liebe, Daß du mir aus treuem Triebe, Da das Mißtraun mich vergiftet, Solch ein Denkmal hast gestiftet, Daß ich einen Heiland habe, Der den Gang zum Kreuz und Grabe Gern gethan, mich zu versöhnen Und mit Gnade mich zu krönen. 6. Heil'ges Brot, sei mir gesegnet, Weil mir der mit dir begegnet, Der mit seinen teuren Wunden Die Erlösung mir erfunden! Daß ich einen Heiland habe, Der erblaßt und tot im Grabe Auch für meine Schuld gelegen, Will ich schmecken und erwägen. 7. Heil'ger Kelch, sei mir gesegnet, Weil mir der mit dir begegnet, Dessen Blut mich lässet finden Die Vergebung aller Sünden! Daß ich einen Heiland habe, Der die matte Seele labe, Muß nicht dies mein Dürsten stillen Und mein Herz mit Wonne füllen? 8. Will hinfort mich etwas quälen, Oder wird mir etwas fehlen, — Das heilige Abendmahl. Oder wird die Kraft zerrinnen: So will ich mich nur besinnen, Daß ich einen Heiland habe, Der vom Kripplein bis zum Grabe, Bis zum Thron, wo man ihn ehret, Mir, dem Sünder, zugehöret! Ernst Gottl. Woltersdorf. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 16 O Jesu, dir sei ewig Dank Für deine Treu' und Gaben. Ach laß durch diese Speis' und Trank Auch mich das Leben haben! Sei mir willkommen, edler Gast, Der du uns nicht verschmähet hast! Wie soll ich Dank dir sagen? 2. O Jesu Christ, du kannst allein Mir Leib und Seele laben. Nun bin ich dein, und du bist mein Mit allen deinen Gaben. Hier hab' ich, was ich haben soll, Dein Gnadenbrünnlein ist stets voll, Hier find' ich Trost und Leben. 3. Laß mich auch ewig sein in dir, Laß dir allein mich leben, Und bleib du ewig auch in mir: O Herr, du wirst mir geben, Daß ich kraft dieser Speis' und Trank Stark bleibe, wenn ich schwach und krank, Und fahr' zu dir mit Freuden. Joh. Olearius. — Mel.: Nun laßt uns Gott dem Herren. 170. 0 Jesu, meine Wonne, Du meiner Seelen Sonne, Du Freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden. 228 99 7 2 Das heilige Abendmahl. 209 2. Wie soll ich dir doch danken, O Herr, daß du mich Kranken Gespeiset und getränket, Ja selbst dich mir geschenket! 3. Ich lobe dich von Herzen Für alle deine Schmerzen, Dir dank' ich für dein Leiden, Den Ursprung meiner Freuden! 4. Dir dank' ich für dein Lieben, Das standhaft ist geblieben; Dir dank' ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. 5. Jetzt schmecket mein Gemüte Den Reichtum deiner Güte; Dies teure Pfand der Gnaden Tilgt allen meinen Schaden. 6. Herr, laß mich nie vergessen, Laß stets mich recht ermessen Die Kraft der Himmelsspeise, Dafür mein Herz dich preise. 7. Du wollest doch die Sünde, Die ich in mir noch finde, Aus meinem Herzen treiben Und kräftig in mir bleiben. 8. O gieb, daß meine Seele Nur dich allein erwähle; Laß mich stets mit Verlangen An deiner Liebe hangen. 9. Laß mich geduldig leiden, Laß mich die Sünde meiden, Mich von der Welt entfernen, Mit Andacht beten lernen. 10. Nun kann ich nicht verderben; Drauf will ich selig sterben 14 210 Das heilige Abendmahl. —————— Und freudig auferstehen, O Jesu, dich zu sehen. Joh. Rist. Eigne Melodie. 171. Schmücke dich, o liebe Seele Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen; Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg' in dir halten. 2. Eile, wie Verlobte pflegen, Deinem Bräutigam entgegen, Der mit linden Gnadenworten Klopft an deines Herzens Pforten. Eile, sie ihm aufzuschließen, Wirf dich hin zu seinen Füßen, Sprich: Mein Heil, laß dich umfassen, Von dir will ich nimmer lassen. 3. Ach, wie hungert mein Gemüte, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach diesem Mahl zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten, Daß sich in dem Brot und Weine Gott in Christo mir vereine! 4. Beides, Wonne und auch Bangen, Nimmt mein Herze jetzt gefangen; Das Geheimnis dieser Speise Und die unerforschte Weise Macht, daß ich alsbald vermerke, Herr, die Größe deiner Werke. Ist wohl auch ein Mensch zu finden, Der dein' Allmacht könnt' ergründen? * 1 255732— 7/ ꝰe Das heilige Abendmahl. 5. Jesu, meines Lebens Sonne, Jesu, meine Freud' und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen, Hier fall' ich zu deinen Füßen, Laß mich würdiglich genießen Diese deine Himmelsspeise, Mir zum Heil und dir zum Preise. 6. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel hergetrieben, Daß du willig hast dein Leben In den Tod für uns gegeben Und den Himmel aufgeschlossen Durch dein Blut, für uns vergossen, Das uns jetzt kann kräftig tränken, Deiner Liebe zu gedenken. 7. Jesu, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens Oder gar zu meinem Schaden Sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög' dein Gast im Himmel werden. Joh. Franck. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 172. Wie heilig ist die Stätte hier, Wo ich voll Andacht stehe! Sie ist des Himmels Pforte mir, Die ich nun offen sehe. O Lebensthor, o Tisch des Herrn! Vom Himmel bin ich nicht mehr fern Und fühle Gottes Nähe. 2. Wie heilig ist dies Lebensbrot, Dies teure Gnadenzeichen, 212 Das heilige Abendmahl. Vor dem des Herzens Angst und Not Und alle Qualen weichen! O Brot, das meine Seele nährt, O Manna, das mir Gott beschert, Dich will ich jetzt genießen. 3. Wie heilig ist doch dieser Trank, Der mein Verlangen stillet, Der mein Gemüt mit Lob und Dank Und heil'ger Freud' erfüllet! O Lebenstrank, o heil'ges Blut, Das einst geflossen mir zu gut, Dich will ich jetzt empfangen. 4. Welch unaussprechlich Glück ist mein, Welch Heil hab' ich gefunden! Mein Jesus kehret bei mir ein, Mit ihm werd' ich verbunden. Wie ist mein Herz so freudenvoll, Daß ich in Jesu leben soll Und er in mir will leben! 5. O wär' doch auch mein Herz geweiht Zu einer heil'gen Stätte, Damit der Herr der Herrlichkeit An mir Gefallen hätte! O wäre doch mein Herz der Ort, An welchem Jesus fort und fort Aus Gnaden Wohnung machte! 6. Mein Jesu, komm und heil'ge mich; Was sündlich ist, vertreibe, Damit ich nun und ewiglich Dein Tempel sei und bleibe. Von dir sei ganz mein Herz erfüllt; 2 Herr, laß dein heilig Ebenbild ö Beständig an mir leuchten. 7. Nun du hast himmlisch mich erquickt, Du hast dich mir gegeben; In dir, der mich so hoch beglückt, Das heilige Abendmahl. Will ich beständig leben. Laß mich, mein Heiland, allezeit Von nun an bis in Ewigkeit Mit dir vereinigt bleiben! Val. Ernst Löscher. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 173. Wie könnt' ich sein vergessen, Der mein noch nie vergaß? Kann ich die Lieb' ermessen, Dadurch mein Herz genas? Ich lag in bittern Schmerzen: Er kommt und macht mich frei, Und stets quillt aus dem Herzen Ihm neue Lieb' und Treu'. 2. Wie sollt' ich ihn nicht lieben, Der mir so hold sich zeigt? Wie jemals ihn betrüben, Der so zu mir sich neigt? Er, der, ans Kreuz erhoben, Getragen meine Schmach, Ruft mir ja nun von oben: Komm, folge du mir nach! 3. Ihn will ich ewig lieben, Der mir aus Todesnacht, Von meinem Schmerz getrieben, Unsterblichkeit gebracht, Der noch zur letzten Stunde Mir reicht die treue Hand, Bis auch die letzte Wunde 2 Ausheilt, die mich gebrannt. 4. Er gab zum heil'gen Pfande Mir seinen Leib, sein Blut, Hob mich aus Nacht und Schande, Füllt mich mit Himmelsmut, Will selber in mir thronen 214 Das heilige Abendmahl. Mit süßem Gnadenschein: Sollt' ich bei ihm nicht wohnen, In ihm nicht selig sein? 5. Bei Freuden und bei Schmerzen Durchleuchte mich dein Bild, Wie du, o Herz der Herzen, Geblutet hast so mild! Mein Lieben und mein Hoffen, Mein Dulden weih' ich dir; Laß mir die Heimat offen Und dein Herz für und für. Chr. G. Kern. Rranbenbhommunion. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 174. Ach, könnt' ich mit der Kirche Gliedern In deinem Hause dich erhöhn Und freudenvoll mit meinen Brüdern Die Feier deines Mahls begehn! Doch jetzt, da Krankheit mich beschwert, Ist diese Freude mir verwehrt. 2. Ach, hier auf meinem Krankenbette Genieße ich dein Mahl allein; Doch, Herr, ich weiß, an jeder Stätte Hast du verheißen nah zu sein, Und wo ein Frommer seufzt und weint, Da bist du, großer Menschenfreund. 3. Um Trost ist meinem Herzen bange; Ich suche, Herr, dein Angesicht. Wie lange schon, ach Gott, wie lange Ruf' ich, und du erhörst mich nicht. Ach stärke bei des Leibes Schmerz Mein banges und verzagtes Herz. 4. Vielleicht, o Herr, erquickt mich heute Zum letzten Mal dein Leib und Blut; Noch einmal gieb dem Herzen Freude Buße und Beichte. Und der verzagten Seele Mut, Noch einmal fleh' ich: Höre mich, Am Rand des Grabes höre mich! 5. Laß das Gedächtnis deiner Leiden Mir Schwachen Kraft und Trost verleihn! Laß es die Quelle höh'rer Freuden Und jenes Lebens Vorschmack sein! Dein Leiden, dein Versöhnungstod Erquicke mich in meiner Not! 6. Ich sehe schon den Himmel offen; Ich fühle meine Seligkeit. Was kannst du, Seele, Größer's hoffen, Als was dir hier dein Gott verleiht? Umringt mich auch der Leiden Heer, Mein Herz erbebet nun nicht mehr. 7. Und naht der Tod mit seinen Schrecken, Ich bin getrost und zage nicht. Vom Tode wirst du mich erwecken, Ich komme nicht in das Gericht. Ich bin getrost, dein Leib und Blut Giebt auch im Tode hohen Mut. Chr. Chr. Sturm. IXV. Buße und Beichte. + Eigne Melodie. 175. Ach Gott und Herr, Wie groß und schwer Sind meine vielen Sünden! Da ist niemand, Der helfen kann, In dieser Welt zu finden. 2. Lief' ich gleich weit Voll Bangigkeit Bis an der Welten Ende, Um los zu sein 216 Buße und Beichte. Der Angst und Pein, Würd' ich sie doch nicht wenden. 3. Zu dir flieh' ich, Verstoß mich nicht, Wie ich's wohl hab' verdienet; Geh mit mir nicht, Gott, ins Gericht, Dein Sohn hat mich versühnet. 4. Soll's ja so sein, Daß Straf' und Pein Auf Sünde folgen müssen, So fahr hier fort, Nur schone dort, Laß mich nicht ewig büßen. 5. Hab auch Geduld, Vergiß der Schuld, Gieb ein gehorsam Herze, Daß ich ja nicht, Wie's oft geschicht, Mein wahres Heil verscherze. 6. Verfahr mit mir, Wie's dünket dir, Durch dein' Gnad' will ich's leiden; Nur wollst du mich Nicht ewiglich Von deiner Liebe scheiden. Martin Rutilius. — Eigne Melodie. 176. Ach, was soll ich Sünder machen? Ach, was soll ich fangen an? Mein Gewissen klagt mich an, 5 Es beginnet aufzuwachen. Dies ist meine Zuversicht: Meinen Jesum lass' ich nicht 2. Zwar es haben meine Sünden Meinen Jesum oft betrübt; Buße und Beichte. Doch ich weiß, daß er mich liebt, Denn er läßt sich gnädig finden. Drum, ob mich die Sünd' anficht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 3. Ob auch schweres Kreuz und Leiden, Wie's bei Christen oft sich zeigt, Mich gar tief daniederbeugt, Soll mich's doch von ihm nicht scheiden. Auf ihn ist mein Herz gericht't: Meinen Jesum lass' ich nicht. 4. Ich weiß wohl, daß unser Leben Richts als nur ein Nebel ist, Weil wir hier zu jeder Frist Mit dem Tode sind umgeben, Und wer weiß, was heut' geschicht? Meinen Jesum lass' ich nicht. 5. Sterb' ich bald, wohlan! ich habe Nach den Leiden dieser Zeit Ruhe bis zur vollen Freud', Weiß auch, daß im finstern Grabe Jesus ist mein helles Licht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 6. Durch ihn werd' ich wieder leben, Denn er wird zu rechter Zeit Wecken mich zur Seligkeit Und sie mir aus Gnaden geben, Muß ich gleich erst ins Gericht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 7. Mein, o Jesu, sollst du bleiben, Bis ich komm' zu dir hinan, Wo der Himmel aufgethan, Wo du dann wirst einverleiben Meine Seele deinem Licht: Meinen Jesum lass' ich nicht. Joh. Flituer. 2¹18 Vuße und Beichte. Eigne Melodie. 177. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, Mein' Hoffnung steht auf Erden. Ich weiß, daß du mein Tröster bist, Kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erkor'n, Auf Erden ist kein Mensch gebor'n, Der mir aus Nöten helfen kann; Dich ruf' ich an, Von dem ich Hülfe kann empfahn. 2. Mein' Sünd' ist schwer und übergroß Und reuet mich von Herzen; Derselben mach mich frei und los Durch deine Todesschmerzen Und nimm dich mein beim Vater an, Der du für mich genug gethan: So werd' ich los der Sündenlast; Mein Glaub' erfaßt, Was du mir, Herr, versprochen hast. 3. Gieb mir durch dein Barmherzigkeit Den wahren Christenglauben, Auf daß ich deine Freundlichkeit Mög' inniglich anschauen, Vor allen Dingen lieben dich Und meinen Nächsten gleich als mich; Im Sterben deine Hülf' mir send, Am letzten End' Befehl' ich mich in deine Händ'. 4. Ehr' sei Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte, Und Jesu Christo, seinem Sohn, Der uns allzeit behüte, Dazu auch Gott dem heil'gen Geist, Der allezeit uns Hülfe leist', Daß wir ihm sei'n zum Dienst bereit Hier in der Zeit Und leben ihm in Ewigkeit! Joh. Schneesing. Buße und Beichte. 219 — Eigne Melodie. 178. An dir allein, an dir hab' ich ge⸗ sündigt Und übel oft vor dir gethan; Du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt, Sieh, Gott, auch meinen Jammer an. 2. Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen, Und meine Thränen sind vor dir. Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen? Wie lang verbirgst du dich vor mir? 3. Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, Vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Ich suche dich; laß mich dein Antlitz finden, Du Gott der Langmut und Geduld. 4. Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit. Erfreue mich um deines Namens willen, Du bist ein Gott, der gern erfreut. 5. Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen Und lehre mich dein heilig Recht; Laß stets mich thun nach deinem Wohl⸗ gefallen, Du bist mein Gott, ich bin dein Knecht. 6. Herr, eile, du mein Schutz, mir bei⸗ zustehen Und leite mich auf ebner Bahn. Er hört mein Schrein, der Herr erhört mein Flehen Und nimmt sich meiner Seele an. Chr. F. Gellert. 22⁰0 Buße und Beichte. Mel.: Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. 179. Aus tiefer Not laßt uns zu Gott Von ganzem Herzen schreien, Ihn bitten, daß er uns aus Gnad' Vom UÜbel woll' befreien Und alle Sünd' und Missethat, Die unser Fleisch begangen hat, Als Vater uns verzeihen. 2. O Gott und Vater, sieh doch an Uns Armen und Elenden, Die wir des Übels viel gethan Mit Herzen, Mund und Händen; Verleih uns, daß wir Buße thun Und sie in Christo, deinem Sohn, Zur Seligkeit vollenden. 3. Sehr groß ist unsre Schuld und schwer, Von uns nicht auszurechnen; Doch deiner Gnade ist viel mehr, Kein Mensch kann sie aussprechen; Die suchen und begehren wir Und hoffen, du läßt es an dir Uns nimmermehr gebrechen. 4. Du willst nicht, daß der Sünder sterb' Und zur Verdammnis fahre; Du willst, daß er das Gnadenerb' Erlange und bewahre: So hilf uns nun, o Herre Gott, Damit uns nicht der ew'ge Tod In Sünden widerfahre. 5. Vergieb, vergieb und hab Geduld Mit uns, den Armen, Schwachen; Laß deinen Sohn von aller Schuld Uns los und ledig machen; Nimm unsrer Seele gnädig wahr; Daß ihr kein Schaden widerfahr', Wollst du getreulich wachen. Buße und Beichte. 221 6. Wir opfern dir uns, arm und bloß, Reumütig und zerschlagen; O nimm uns auf in deinen Schoß Und laß uns nicht verzagen. O hilf, daß wir getrost und frei, Ohn' arge List und Heuchelei Dein Joch zu Ende tragen. 7. Erhalt in unsers Herzens Grund Des ew'gen Lebens Samen Und hilf, daß wir den neuen Bund In deines Sohnes Namen Vollenden treulich in der Zeit Und so der Kron' der Herrlichkeit Versichert werden. Amen. Michael Weiße. Eigne Melodie. 180. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen; Dein gnädig Ohr neig her zu mir Und meiner Bitt' es öffne. Denn, so du willst das sehen an, Was Sünd' und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad' und Gunst, Die Sünde zu vergeben. Es ist doch unser Thun umsonst Auch in dem besten Leben. Vor dir sich niemand rühmen kann, Des muß dich fürchten jedermann Und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn mein Herz soll lassen sich Und seiner Güte trauen, 222 Buße und Beichte. Die mir zusagt sein wertes Wort; Das ist mein Trost und treuer Hort, Des will ich allzeit harren. 4. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht noch sorgen. So thut der Fromme rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward Und seines Gottes harret. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnade; Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Von seinen Sünden allen. Dr. Mart. Luther. Mel.: Die Sonn' hat sich mit ihrem Glanz gewendet. 181. Gott rufet noch; sollt' ich nicht endlich hören? Wie lass' ich immer noch mein Herz bethören! Die kurze Freud', die kurze Zeit vergeht, Und meine Seel' noch so gefährlich steht. 2. Gott rufet noch; sollt' ich nicht endlich kommenꝰ Ich hab' so lang die treue Stimm' vernommen. Ich wußt' es wohl, ich war nicht, wie ich sollt'; Er winkte mir, ich habe nicht gewollt. 3. Gott rufet noch; ach daß ich mich nicht gebe! Ich fürcht' sein Joch, ⸗ doch im Joch ich lebe Ich hindre meiner eignen Seele Heil; Er ziehet mich; o armes Herze, eil! Buße und Beichte. 223 4. Gott rufet noch; ob ich mein Ohr ver⸗ stopfet, Er stehet noch an meiner Thür und klopfet; Er ist bereit, daß er mich noch empfang'; Er wartet noch auf mich, wer weiß, wie lang. 5. Gieb dich, mein Herz, gieb endlich dich gefangen! Wo willst du Trost, wo willst du Ruh' er⸗ langen? Laß von der Welt! brich alle Band' entzwei! Dein Geist wird sonst in Ewigkeit nicht frei. 6. Gott locket mich; ich will nicht länger weilen. Er will mich ganz; ich will mein Herz nicht teilen. Drum Welt und Fleisch, sag, was du immer willt, Mir Gottes Stimme mehr als deine gilt. 7. Ich folge Gott; ich will ihm ganz genügen; Die Gnade soll im Herzen endlich siegen. Ich gebe mich; Gott soll hinfort allein Und unbedingt mein Herr und Meister sein. 8. Ach nimm mich hin, du Langmut ohne Maßen! Ergreif mich fest, ich will dich nimmer lassen. Herr, rede nur! ich geb' begierig acht. Führ, wie du willst! ich bin in deiner Macht. Gerhard Tersteegen. Eigne Melodie. 182. Herr, ich habe mißgehandelt, Ja, mich drückt der Sünden Last; Ich bin nicht den Weg gewandelt, Den du mir gezeiget hast, Buße und Beichte. — Und jetzt wollt' ich gern aus Schrecken Mich vor deinem Zorn verstecken. 2. Doch, wie könnt' ich dir entfliehen? Du wirst allenthalben sein. Wollt' ich übers Meer gleich ziehen, Stieg' ich in die Gruft hinein, Hätt' ich Flügel gleich den Winden: Gleichwohl würdest du mich finden. „3. Drum, ich muß es nur bekennen: Übel hab' ich, Herr, gethan; Darf mich nicht dein Kind mehr nennen, Ach nimm mich zu Gnaden an; Laß die Menge meiner Sünden Deinen Zorn nicht gar entzünden. ö 4. Könnt' ein Mensch den Sand gleich zählen An dem großen weiten Meer, Dennoch würd' es ihm wohl fehlen, Daß er meiner Sünden Heer, ů Daß er alle mein' Gebrechen ö Sollte wissen auszusprechen. ö 5. Weine, weine heiße Thränen, Seele, über deine Schuld, Richte all dein tiefstes Sehnen Hin zu deines Gottes Huld; Er will gern dein Flehn erhören, Trost in Gnaden dir gewähren. 6. Ja, Herr Jesu, deine Wunden Und dein heil'ges teures Blut Lassen meine Seel' gesunden, Löschen meiner Sünden Glut. Drum will ich, mein' Angst zu stillen, Mich in deine Gnade hüllen. 7. Du wollst mich der Schuld entbinden, Wirf sie in die tiefste See; Wasche mich von meinen Sünden, V Buße und Beichte. Mache mich so weiß wie Schnee; Lasse deinen Geist mich treiben, Einzig stets bei dir zu bleiben. Joh. Franck. Eigne Melodie. 183. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, Du Brunngquell aller Gnaden, Sieh doch, wie ich in meinem Mut Mit Schmerzen bin beladen Und in mir hab' der Pfeile viel, Die im Gewissen ohne Ziel Mich armen Sünder quälen. 2. Erbarm dich mein in solcher Last, Nimm sie von meinem Herzen, Dieweil du sie gebüßet hast Am Kreuz mit Todesschmerzen, Auf daß ich nicht vor großem Weh In meinen Sünden untergeh' Und ewiglich verzage. 3. Fürwahr, kommt alles mir zu Sinn, Was ich von je begangen, So fällt mir aller Mut dahin, Und Furcht hält mich umfangen; Ja, ich weiß weder aus noch ein Und müßte gar verloren sein, Wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Allein dein heilsam Wort, das macht Mit seinem Trost der Gnaden, Daß nun mein Herz vor Freuden lacht Und ist der Angst entladen, Dieweil es alle Gnad' verheißt Dem, der sich mit zerknirschtem Geist Zu dir, o Jesu, wendet. 5. So komm' ich denn demütiglich In meiner Not geschritten 226 Buße und Beichte. Und will auf meinen Knieen dich Von ganzem Herzen bitten: ö Vergieb mir alles gnädiglich, Was ich von Anfang wider dich Auf Erden hab' begangen. 6. Vergieb mir doch, o Herr, mein Gott, Um deines Namens willen; Du mollst in mir die große Not ö Der Übertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb' ö Und dir hinfort zu Ehren leb' Im kindlichen Gehorsam. ö 7. Stärk mich mit deinem Freudengeist, Heil mich durch deine Wunden; Hilf mir zu deines Namens Preis In meinen letzten Stunden Und nimm mich einst, wenn dir's gefällt, Im wahren Glauben von der Welt Zu deinen Auserwählten. Barth. Ringwald. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 184. Ich armer Mensch, ich armer Sünder Steh' hier vor Gottes Angesicht; Ach Gott, ach Gott, verfahr gelinder Und geh nicht mit mir ins Gericht. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. 2. Wie ist mir doch so herzlich bange, Herr, wegen meiner großen Sünd'! Hilf, daß ich wieder Gnad' erlange, Ich armes und verlornes Kind. 5 Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. 3. Wie lang soll ich vergeblich klagen? Verwirf mein brünstig Flehen nicht; Wollst meine Bitte nicht versagen Buße und Beichte. Und hören, was der Sünder spricht: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. 4. Wahr ist es, übel steht der Schade, Den niemand heilen kann, als du; Drum ruf' ich: Gnade, Gnade, Gnade! Ach wend dich meiner Bitte zu! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. 5. Nicht, wie ich hab' verschuldet, lohne Und handle nicht nach meiner Sünd'; O treuer Vater, schone, schone, Erkenn mich wieder für dein Kind. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. 6. Sprich nur ein Wort, so werd' ich leben, Sprich, daß ich armer Sünder hör': Geh hin, die Sünd' ist dir vergeben, Nur sündige hinfort nicht mehr! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. 7. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Erhöret bin ich zweifelsfrei, Weil sich der Trost im Herzen mehret, Daß ich von dir begnadigt sei. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. Christoph Titius. Mel.: Jesu, meines Lebens Leben. 185. Ich erhebe mein Gemüte Sehnsuchtsvoll, mein Gott, zu dir; Denn ich kenne deine Güte, O wie teuer ist sie mir! Gott der Liebe und des Lebens, 2²8 Buße und Beichte. Keiner harrt auf dich vergebens; Nur Verächter deiner Huld Stürzet ihre eigne Schuld. 2. Lehre mich, Herr, deine Wege, Zeige deinen Willen mir, Daß ich nicht mehr irren möge; Führe du mich selbst zu dir. Gott, du kennest mein Vertrauen, Sicher kann ich auf dich bauen. Deine Vatertreue ist Ewig, wie du selber bist. 3. Ach gedenk an meine Sünden, Meine Jugendsünden nicht; Laß mich Armen Gnade finden, Gott, vor deinem Angesicht. Alle Sünden, die uns reuen, Willst du, Vater, ja verzeihen. O so höre denn auch mich; Meine Seele harrt auf dich. 4. Gott, du willst des Sünders Leben, Dir ist seine Seele wert. Gnädig willst du ihm vergeben, Wenn er sich zu dir bekehrt. Mitten auf dem Sündenwege Machst du sein Gewissen rege. Den, der sich voll Zuversicht Dir ergiebt, verwirfst du nicht. 5. Du ergreifst mit Vaterhänden Jeden, der sich dir ergiebt, Alle, die zu dir sich wenden, Über ihre Schuld betrübt. Freude schenket deine Güte Dem geängsteten Gemüte, Welchem du die Sündenlast Liebreich abgenommen hast. IIAXYAVA vaẽ- 92 SSSSSS·- Buße und Beichte. 6. Herr, zu was für Seligkeiten Willst du in der bessern Welt Jeden deiner Frommen leiten, Der dir Treu' und Glauben hält! Du verherrlichst alle Seelen, Die zu ihrem Teil dich wählen; Deinen ganzen Gnadenbund Machst du deinen Kindern kund. 7. Dir will ich mich denn ergeben; Gott, mein Gott, verlaß mich nicht. Laß mich immer heilig leben, Herr, vor deinem Angesicht. Keine schnöde Lust der Sünden Soll fortan mich überwinden. Ach bewahr, ich bitte dich, Meinen Geist und stärke mich. J. C. Lavater. Mel.: Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. 186. Ich will von meiner Missethat Mich, Herr, zu dir bekehren: Du wollest selbst mir Hülf' und Rat Hiezu, mein Gott, bescheren Und deines guten Geistes Kraft, Die neue Herzen in uns schafft, Aus Gnaden mir gewähren. 2. Ein Mensch kann von Natur doch nicht Sein Elend recht empfinden, Ist ohne deines Geistes Licht Blind, taub und tot in Sünden. Verkehrt ist Wille, Sinn und Thun; Des großen Jammers wollst du nun, O Vater, mich entbinden. 3. Herr, klopf in Gnaden bei mir an Und führ mir wohl zu Sinnen, Was Böses ich vor dir gethan; 230 Buße und Beichte. Du kannst mein Herz gewinnen, Daß ich aus Kummer und Beschwer Lasß über meine Wangen her Viel heiße Thränen rinnen. 4. Wie hast du doch an mich gewandt Den Reichtum deiner Gnaden! Mein Leben dank' ich deiner Hand; Auf allen meinen Pfaden Gabst du mir stets mein täglich Brot; Du machtest, daß mir keine Not Bisher hat können schaden. 5. Du hast in Christo mich erwählt Aus des Verderbens Fluten, So daß es niemals mir gefehlt An irgend einem Guten. Und daß ich ja dein eigen sei, Hast du mich auch aus lauter Treu' Gestäupt mit Vaterruten. 6. Hab' ich denn nun auch wohl vor dir Gehorsams mich beflissen? Ach nein! ein andres saget mir Mein Herz und mein Gewissen. Darin ist leider nichts gesund, An allen Orten ist es wund, Von Sünd' und Qual zerrissen. 7. Die Thorheit meiner jungen Jahr', Die Menge meiner Sünden Verklagen mich zu offenbar; Sie sind nicht zu ergründen, Und ihrer keine ist so klein, Daß sie nicht sollte schon allein Dein Strafgericht entzünden. 8. Bisher hab' ich in Sicherheit Ganz unbesorgt geschlafen, Gedacht: Es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht gleich zu strafen, Buße und Beichte. Er fähret nicht mit unsrer Schuld So strenge; nein, es hat Geduld Der Hirt mit seinen Schafen. 9. Dies alles jetzt zugleich erwacht, Mein Herz will mir zerspringen; Ich sehe deines Donners Macht, Dein Feuer auf mich dringen. Es regt sich wider mich zugleich Des Todes und der Hölle Reich, Die wollen mich verschlingen. 10. Herr Jesu, nimm zu dir mich ein, Ich flieh' zu deinen Wunden; Laß mich bei dir geborgen sein Und bleiben alle Stunden. Du hast ja, reines Gotteslamm, Für alle Sünd' am Kreuzesstamm Erlösung uns erfunden. 11. So werd' ich mich mein Leben lang Vor neuen Sünden scheuen Durch deines guten Geistes Drang, Den du mir wollst verleihen. Laß ihn von aller Sünden List Und dem, was dir ein Greuel ist, Mich ewiglich befreien. Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg Mel.: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 187. Ihr armen Sünder, kommt zuhauf, Kommt eilig, kommt und macht euch auf, Mühselig und beladen! Es öffnet Jesu treues Herz Sich allen, die in Reu' und Schmerz Erkennen ihren Schaden. 2. Es heißt: Er nimmt die Sünder an; Drum komm, dein Jesus will und kann 232 Buße und Beichte. Erretten dich, den Armen. Komm weinend, komm in wahrer Buß' Und fall im Glauben ihm zu Fuß: Er wird sich dein erbarmen. 3. Ein Hirt verläßt sein Schäflein nicht, Dem's in der Irr' an Hülf' gebricht; Er sucht es mit Verlangen. Er läßt die neunundneunzig stehn Und sie gar in die Wüste gehn, Das eine zu umfangen. 4. So sucht der Hirte Jesus Christ Den Sünder, der verloren ist, Bis daß er ihn gefunden. Drum laß dich finden, liebe Seel', Den guten Hirten dir erwähl; Noch sind die Gnadenstunden. 5. O Jesu, deine Lieb' ist groß! Ich komm' mühselig, nackt und bloß, Ach laß mich Gnade finden! Ich bin vom rechten Weg verirrt, Ach nimm mich auf, weil ich verwirrt Im Strick und Netz der Sünden. 6. Ach wehe mir, daß ich von dir Gewichen bin zum Abgrund schier! Ach laß mich wiederkehren Zu deiner Herde, nimm mich an Und mach mich frei von Fluch und Bann! Dies ist mein Herzbegehren. 7. Laß mich dein eigen ewig sein, Sei du mein treuer Hirt allein Im Leben und im Sterben; Laß mich verleugnen Welt und Sünd' Und als ein wahres Gotteskind Dein Himmelreich ererben. Laur. Laurentii. Buße und Beichte. Mel.: Jesu Leiden, Pein und Tod. 188. Liebster Vater, ich dein Kind Komm' zu dir geeilet, Weil sich sonst ja niemand find't, Der mich Armen heilet. Meine Wunden sind sehr groß, Groß sind meine Sünden: Mache mich von ihnen los, Laß mich Gnade finden. 2. Du willst mir ein Vater sein Und hast Vatersitten, Willst mir Kindesrecht verleihn, Ich darf kühnlich bitten; Denn den Kindern steht es frei, Väter anzuflehen: Vater, deine Vatertreu“ Laß mich Armen sehen. 3. Hast du doch in deinem Wort Gnade mir versprochen: Laß mich an die Gnadenpfort! Nicht vergebens pochen. Laß mein Flehn durch deinen Sohn Auf zum Himmel dringen Und von deinem Gnadenthron Mir die Gnade bringen. 4. Ich lass' doch nicht eher ab, Bis du mir gewähret Gnade, die ich von dir hab' Inniglich begehret. Segne mich, ich lasse dich Eher nicht; ich hange Unverrückt an dir, bis ich Gnad' vor dir erlange. 5. Du bist Gott und heißest gut, Weil du Gutihat übest Und, gleichwie ein Vater thut, 234 Buße und Beichte. Deine Kinder liebest. Dieser Gutthat laß mich auch, Treuer Gott, genießen, Laß auf mich nach deinem Brauch Deine Gnade fließen. Christoph Titius. 189. Mein Herz, o denk an deine Buße, Da noch die Gnadenstimme ruft; Ach falle Gott noch heut' zu Fuße, Eh' dich umschließt die Todesgruft! Denn in der letzten Todespein Kann Umkehr dir unmöglich sein. 2. Gott läßt es nicht am Rufen fehlen: Ach Sünder, Sünder, bess're dich! Noch kannst für Fluch du Segen wählen, Gott selber zeuget dies von sich: Es jammre ihn die große Not, Er wolle nicht des Sünders Tod. 3. Doch wenn den Reichtum wir verachten Der Gnade, die uns Gott erzeigt, So müssen wir hernach verschmachten, Wenn diese Gnade von uns weicht Und wenn kein Brunn des Trostes quillt, Der unsre matten Seelen stillt. 4. Zwar steht die Gnadenthür uns offen, Solange es noch heute heißt; Der Sünder kann noch Gnade hoffen, Wenn er gehorcht dem guten Geist Und noch ein gläubig Abba spricht, Wenn schon der Lebensfaden bricht. 5. Doch traue auf die letzten Stunden Und auf die späte Buße nicht! Hat gleich der Schächer Gnade funden, Da er sein: Herr! im Glauben spricht: Mel.: Wer nur den lieben Gott. e, Buße und Beichte. So fahren doch viel tausend hin Und bleiben im verstockten Sinn. 6. Wir können uns nicht selbst bekehren, Wir sind dazu gar ungeschickt; Gott selber muß die Kraft gewähren, Die uns aus dem Verderben rückt; Drum suche Gott und halt ihn fest, Solang er sich noch finden läßt. 7. Wenn wir ihm unser Ohr verstopfen, Wenn wir den Gnadenruf verschmähn, So werden wir vergeblich klopfen, So kann es endlich wohl geschehn, Daß Gott sein Antlitz von uns wend't Und uns als Feinde auch nicht kennt. 8. Mein Herz, drum folge Gottes Leiten, Tritt eilends in den Gnadenbund, Eh' dich der Herr der Ewigkeiten, Weil du das anvertraute Pfund So schnöderweise hast veracht't, Zu einem wüsten Lande macht. Gottlob Adolph. Mel.: Wenn wir in höchsten Nöten sein. 190. O frommer und getreuer Gott, Ich hab' gebrochen dein Gebot Und sehr gesündigt wider dich: Das ist mir leid und reuet mich. 2. Du aber hast, o gnäd'ger Gott, Nicht Lust an eines Sünders Tod; Es ist dein herzliches Begehr, Daß sich der Sünder zu dir kehr'. 3. Auf dies Wort, lieber Vater fromm, Ich armer Sünder zu dir komm'; Laß Gnade und Barmherzigkeit Mehr gelten als Gerechtigkeit. 236 Buße und Beichte. 4. Ach hilf mir aus der großen Not, Das bitt' ich durch den bittern Tod Dein's lieben Sohnes Jesu Christ, Der mir zu gut Mensch worden ist. 5. Verschon, o Herr, laß deine Huld Zudecken alle meine Schuld! ö So werd' ich arm verloren Kind ö Ganz frei und los von meiner Sünd'. ö 6. Ich will, o Herr, nach deinem Wort Mich bessern, leben fromm hinfort, Damit ich mög' nach dieser Zeit ö Gelangen zu der Seligkeit. Mel.: Was mein Gott will, das g'scheh' allzeit. 191. 0 Jesu, meine Zuversicht, Mein Heiland und mein Leben! Verstoß mich armen Sünder nicht, Für den du dich gegeben. Gedenk an deinen bittern Tod Und an dein schmerzlich Sterben; V Ach hilf mir von der Sündennot Und laß mich nicht verderben. 2. Ach Herr, wie kann ich Armer doch Den Jammer meiner Seelen, Das Elend in dem Sündenjoch Und alle Not erzählen? Ich kenne mich ja selber nicht Und habe von dem allen Fast kein' Erkenntnis und kein Licht: So tief bin ich gefallen. 3. Was fang' ich doch, o Vater, an 2 Bei so verderbtem Wesen? Ist gar nichts, das mir helfen kann? Wie soll ich denn genesen? Thu Buße, rufst du mir zwar zu, Und glaube meinem Worte, Buße und Beichte. So öffnet sich zu deiner Ruh' Die rechte Gnadenpforte. 4. Allein, wo ist in mir die Kraft, Dies beides auszuführen? Wo nicht dein Geist, der alles schafft, Mir selbst das Herz will rühren, So bleibt es tot, vermag auch nicht Die Buße zu beginnen, Noch wen'ger kann es Zuversicht Zu deiner Huld gewinnen. 5. Drum stehe du mir selber bei, Du Abgrund aller Gnaden, Und mach mein armes Herz doch frei Von diesem Todesschaden. Ach Herr, verleih, daß ich durch dich Mich selber recht verstehe, Daß ich das Elend, welches mich Verderbet, völlig sehe. 6. Zerschmelze du mein hartes Herz, Daß es in Reu' zerfließe Und durch der wahren Reue Schmerz In Thränen sich ergieße. Ach mach es durch den Glauben rein Und gieb gerechte Werke; Ja, kehre selber bei mir ein, O meiner Seele Stärke! 7. Zerbrich die schnöde Eigenheit Und meinen bösen Willen Und laß mich, was dein Wort gebeut, Durch deinen Geist erfüllen. Herr, öffne du mir Ohr und Mund, Gieb deines Worts Verständnis Und thu mir deine Wahrheit kund Zum freudigen Bekenntnis. 8. Gieb deine Furcht in meine Brust, Das Gute auszuüben, 238 Buße und Beichte. Und laß mich dich mit Herzenslust Getreu und ewig lieben. Laß Demut mich und Mäßigkeit, Geduld und Sanftmut zieren, Und laß mein Herz zu keiner Zeit Den Kindessinn verlieren. 9. O Vater, hilf! denn meine Kraft Kann dieses nicht erzwingen; Du aber bist's, der in mir schafft Das Wollen und Vollbringen. Ach stärke mich, du treuer Gott, Durch deine Macht in Gnaden, Daß Welt und Sünde, Höll' und Tod Mir nimmer können schaden. 10. O Jesu, teurer Gottessohn, Gedenke an mich Armen. Du bist der ein'ge Gnadenthron, Ach gönn mir dein Erbarmen. Und weil ich ganz erstorben bin, Das Gute zu vollführen, So wollst du selbst mein Herz und Sinn Durch deinen Geist regieren. 11. O heil'ger Geist, mein Trost und Hort, Du Geist voll Kraft und Stärke, Führ mich in deiner Wahrheit fort, Schaff in mir deine Werke. Laß deinen Frieden in mir sein Und schreibe meinen Namen Ins Buch des ew'gen Lebens ein Um Jesu willen. Amen. Ludw. Andr. Gotter. Mel.: An Wasserflüssen Babylon. 192. 0 König, dessen Majestät Sich über alles hebet, Dem Erd' und Meer zu Diensten steht, Buße und Beichte. Vor dem der Erdkreis bebet! Der Himmel ist dein helles Kleid, Du bist voll Macht und Herrlichkeit, Sehr groß und wunderthätig; Ich armer Mensch vermag nichts mehr, Als daß ich ruf' zu deiner Ehr': Gott, sei mir Sünder gnädig! 2. Hier steh' ich, wie der Zöllner that, Beschämet und von ferne. Ich suche deine Hülf' und Gnad', O Herr, von Herzen gerne; Doch weil ich voller Fehler bin, Und wo ich mich nur wende hin, Des Ruhmes vor dir ledig: So schlag' ich nieder mein Gesicht Vor dir, du reines Himmelslicht: Gott, sei mir Sünder gnädig! 3. Die Schuld, der ich mir bin bewußt, Beängstet mein Gewissen; Drum schlag' ich reuig an die Brust Und will von Herzen büßen. Ich bin, o Vater, ja nicht wert, Daß ich noch wandle auf der Erd'; Doch weil du rufst, so bet' ich Mit ganz zerknirschtem, bangem Geist, Der gleichwohl dich noch Vater heißt: Gott, sei mir Sünder gnädig! 4. Mein Vater, schaue Jesum an, Den Gnadenthron der Sünder, Der für die Welt genug gethan, Durch den wir Gottes Kinder Und Erben der Verheißung sind; Der ist's, bei dem ich Ruhe find', Er ist ja stets gutthätig. Ich fasse ihn und lass' ihn nicht, 2⁴0 Vuße und Beichte. Bis dir dein Herz vor Mitleid bricht: Gott, sei mir Sünder gnädig! 5. Regiere doch mein Herz und Sinn In diesem ganzen Leben. Du bist mein Gott, und was ich bin, Bleibt ewig dir ergeben. Ach heilige mich ganz und gar, Mein Glaube sei auch immerdar Durch wahre Liebe thätig; Und geht's nicht vorwärts, wie es soll, So ruf' ich, wie mein Herz ist voll: Gott, sei mir Sünder gnädig! 6. Mein Leben und mein Sterben ruht Allein auf deiner Gnade; Mir geh' es übel oder gut, Gieb nur, daß mir's nicht schade. Und kommt das letzte Stündlein dann, So mache auf der Todesbahn Mein Herz von Angsten ledig; Und wenn ich nicht mehr sprechen kann, So nimm den letzten Seufzer an: Gott, sei mir Sünder gnädig! V. E. Löscher. Mel.: Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. 193. O Seele, willst du Ruhe finden, So suche sie nicht in der Welt, In Dingen, die wie Rauch verschwinden, Als Ehre, Wollust, Gut und Geld; Denn dieses sind zu schlechte Sachen, Daß sie dich könnten ruhig machen. Ach eile nicht den Schatten zu! Du hast statt Lust Last und Beschwerden. Du mußt erst losgerissen werden, Sonst kommst du nimmermehr zur Ruh'. SEE ö Buße und Beichte. 241 2. Du mußt dir gar nichts vorbehalten. Es heißt: Rein ab und Christo an! Willst du geheime Lust noch halten, Wird, was du liebst, nicht abgethan, Willst du so manches noch verschweigen: So wird dies lauter Unruh' zeugen. Was man noch hegt, bringt lauter Schmerz. Es kann bei halbem, falschem Wesen Dein Herz unmöglich recht genesen: Der Heiland will dein ganzes Herz. 3. Unlautrer Sinn macht nur Beschwerde; Nur eins muß unsre Sorge sein: Daß unsre Seel' errettet werde. Denn läßt man noch was andres ein, So ist das Aug' ein Schalk zu heißen. Nur eins ist not an sich zu reißen, Nur Jesus und sein Himmelreich. Nach diesem mußt du ernstlich ringen, So wird dein Ringen Ruhe bringen, Ja Ruh' und Seligkeit zugleich. E. G. Woltersdorf. Mel.: Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. 194. O Vater der Barmherzigkeit, Ich falle dir zu Fuße; Verstoß den nicht, der zu dir schreit Und thut noch endlich Buße. Was ich begangen wider dich, Verzeih mir alles gnädiglich Durch deine große Güte. 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat Nimm von mir, was mich quälet; Durch deine Weisheit schaffe Rat, Wo mir der Ausweg fehlet. Gieb Willen, Mittel, Kraft und Stärk', 16 242 Buße und Beichte. Daß ich mit dir all' meine Werk' Anfange und vollende. 3. O Jesu Christe, der du hast Am Kreuze für mich Armen Getragen aller Sünden Last, Wollst meiner dich erbarmen. O wahrer Gott und Davids Sohn, Erbarm dich mein und mein verschon, Erhör mein kläglich Rufen. 4. Laß deiner Wunden teures Blut, Dein' Todespein und Sterben Mir kommen kräftiglich zu gut, Daß ich nicht muß verderben. Vertritt du bei dem Vater mich, Daß er nicht strafe ewiglich, Wie ich es hab' verschuldet. 5. O heil'ger Geist, du wahres Licht, Regierer der Gedanken, ö Wenn mich die Sündenlust anficht, Laß mich von dir nicht wanken. Verleih, daß nun und nimmermehr Begier nach Reichtum oder Ehr' In meinem Herzen herrsche. 6. Und wenn mein Stündlein kommen ist, So hilf mir treulich kämpfen, Daß ich des bösen Feindes List Durch Christi Sieg mög' dämpfen, Auf daß mir Krankheit, Angst und Not Und dann der letzte Feind, der Tod, Nur sei die Thür zum Leben. OD. Denicke. Mel.: Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. 195. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz: Mein Herz ist ganz verderbet; Es fühlt von Sünden großen Schmerz, Die ihm sind angeerbet Und die es noch thut ohne Scheu. Buße und Beichte. Ach mache, daß es wieder sei, Wie du es hast erschaffen. 2. Gieb mir auch einen neuen Geist, Der so, wie du, gesinnet, Der stets dir anhängt allermeist Und, was du willst, beginnet, Der widerstehet Fleisch und Blut Und Glauben übt in sanftem Mut, Zucht, Demut, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem Angesicht, Ob ich es gleich verdienet, Mich, o getreuer Vater, nicht, Weil Jesus mich versühnet; Ach laß doch nimmer, nimmermehr Mich fallen, mich dein Kind, so sehr, Daß du es von dir stießest. 4. Dein'n heil'gen Geist nimm nicht von mir; Den bösen Geist vertreibe, Daß nichts mich scheide, Herr, von dir, Ich dein stets sei und bleibe; Beherrsche du Herz, Sinn und Mut Durch deinen Geist, so ist es gut Im Leben und im Sterben. 5. Mit deiner Hülfe tröste mich, Hilf und vergieb die Sünden; Und sucht dann meine Seele dich, So laß dich von ihr finden Und dein Verdienst, Herr Jesu Christ, Darinnen Trost und Leben ist, Trotz Sünde, Tod und Teufel. 6. Dein Freudengeist erhalte mich Und stärke meine Seele, Damit sie nun und nimmer sich 2⁴44 Buße und Beichte. Mit Furcht und Zweifeln quäle. Sei du mein Freund, o Herr, allein; Ach laß mich ganz dein eigen sein Und führe mich zur Freude. Ludämilia Elis. Gräfin von Schwarzburg⸗Rudolstadt. Mel.: Vater unser im Himmelreich. 196. So wahr ich lebe, spricht dein Gott, Mir ist nicht lieb des Sünders Tod, Mein Wunsch und Wille ist vielmehr, Daß er von Sünden sich bekehr', Von seiner Bosheit wende sich Und lebe mit mir ewiglich. 2. Dies Wort bedenk, o Menschenkind, Verzweifle nicht in deiner Sünd'; Hier findest du Trost, Heil und Gnad', Die Gott dir zugesaget hat, Und zwar mit einem teuren Eid. O selig, dem die Sünd' ist leid! 3. Doch hüte dich vor Sicherheit, Denk nicht: Zur Buße ist noch Zeit; Erst will ich mich auf Erden freun; Werd' ich des Lebens müde sein, Alsdann will ich bekehren mich; Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ist's, Gott ist wohl stets bereit Dem Sünder mit Barmherzigkeit; Doch wer auf Gnade sündigrkhin, Fährt fort in seinem bösen Sinn Und seiner Seele selbst nicht schont, Dem wird mit Ungnad' einst gelohnt. 5. Es hat dir Gnad' verheißen Gott Durch Jesu Christi Blut und Tod; Doch sagen hat er nicht gewollt, Ob du bis morgen leben sollt; Buße und Beichte. Daß du mußt sterben, ist dir kund, Verborgen ist die Todesstund', 6. Heut lebst du, heut bekehre dich; Eh' morgen kommt, kann's ändern sich; bt— Wer heute frisch, gesund und rot, ö Ist morgen krank, vielleicht gar tot; ö Stirbst du nun ohne Buß' dahin, t, Wie willst du dem Gericht entfliehn? 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, Daß ich noch heute komm' zu dir Und Buße thue unverweilt, Eh' schneller Tod mich übereilt, Auf daß ich heut und jederzeit Zu meiner Heimfahrt sei bereit. Eigne Melodie. 197. Straf mich nicht in deinem Zorn, Großer Got, verschone! Ach laß mich nicht sein verlor'n, Nach Verdienst nicht lohne. Ach, mir droht Ew'ger Tod; Laß um Jesu willen Deinen Zorn sich stillen. 2. Zeig mir deine Vaterhuld, it Stärk mit Trost mich Schwachen! Ach Herr, hab mit mir Geduld, Wollst gesund mich machen; Heil die Seel' Mit dem Ol Deiner großen Gnaden, Wend ab allen Schaden. 3. Ach, ich bin so müd' und matt Von den schweren Plagen; Mein Herz ist der Seufzer satt, Joh. Heermann. 2⁴46 Buße und Beichte. Die nach Hülfe fragen. Wie so lang 1 Machst du bang 9 Meiner armen Seele In der Schwermutshöhle. 4. Weichet, Angst und Traurigkeit, Gott erhört mein Beten; 9 Nun darf ich mit Freudigkeit Vor sein Antlitz treten. Freud' und Heil Wird mein Teil. Was mich je gekränket, Hat mir Gott geschenket. 5. Vater, dir sei ewig Preis Hier und auch dort oben, Wie auch Christo gleicherweis', Der allzeit zu loben; Heil'ger Geist, Sei gepreist, Hoch gerühmt, geehret, Daß du mich erhöret. J. G. Albinus. Mel.: Herzlich lieb hab' ich dich. 198. Vor dein Gericht, Herr, tret' ich hie Und beug' in Demut meine Knie', Kann mir selbst gar nicht raten. Mein' groß' und viele Missethat Mich hier und dort verdammet hat, Doch will ich nicht verzagen. Herr Jesu Christ, dein Blut allein Macht mich von allen Sünden rein, Weil ich in wahrer Reu' und Buß' An dich gläub' und fall' dir zu Fuß. Herr Jesu Christ, Des dank' ich dir, des dank' ich dir, Ich will mich bessern, hilf du mir! ie 2⁴4⁷7 Buße und Beichte. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 199. Wir liegen hier zu deinen Füßen, Ach Herr von großer Güt' und Treu', Und fühlen schmerzlich im Gewissen, Wie wohlverdient die Strafe sei. Das Maß der Sünden ist erfüllt: Ach weh uns, wenn du strafen willt! 2. Du bist gerecht, und wir sind Sünder: Wie wollen wir vor dir bestehn? Wir sind die ungeratnen Kinder, Die des Verderbens Wege gehn. Kein Wunder wär's, wenn Pest und Schwert Und Hunger längst schon uns verzehrt. 3. Doch, Vater, denk an deinen Namen, Gedenk an deinen lieben Sohn. Dein Wort ist immer Ja und Amen; Dein Eidschwur zeuget selbst davon: Du willst den Tod des Sünders nicht. Ach geh nicht mit uns ins Gericht! 4. Wir liegen, Herr, vor dir im Staube, Und unser Herz ist tief betrübt; Uns tröstet ganz allein der Glaube, Daß du uns je und je geliebt. Du hast ja noch ein Vaterherz, So siehe doch auf unsern Schmerz. 5. Das teure Blut von deinem Sohne Ruft für uns um Barmherzigkeit. Schau her von deinem Gnadenthrone Und denke noch der alten Zeit, Da du auch Gnade hast erzeigt, Dein Herz dem Sünder zugeneigt. 6. Ach laß die wohlverdiente Strafe Nicht über unsre Häupter gehn, Daß wir nicht als verlorne Schafe Von deiner Hut verlassen stehn. Buße und Beichte. 2⁴8 Ach sammle uns in deinen Schoß Und mach uns aller Plagen los. 7. Steck ein das Schwert, das uns verzehret, Den Würger laß vorübergehn; Gieb Brot, das deine Kinder nähret, Laß keine solche Zeit entstehn, Da man dein Wort uns teuer macht Und unser Herz dabei verschmacht't. 8. Gieb Fried' im Land und im Gewissen, Gesunde Luft und gute Zeit; Laß Lieb' und Treue stets sich küssen Und fördre die Gerechtigkeit. Krön unser Feld mit deinem Gut, Nimm Kirch' und Haus in deine Hut. 9. So wollen wir dir Opfer bringen, Die deinen sein mit Leib und Seel'. Es soll dein Lob zum Himmel dringen, Und dein erlöstes Jsrael Stimmt freudig in das Loblied ein: Der Herr soll mein Gott ewig sein. Benj. Schmolck. Mel.: Auf meinen lieben Gott. 200. Wo soll ich fliehen hin, Da ich beschweret bin Mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt auch käme, Mein' Angst sie nicht wegnähme. 2. O Jesu voller Gnad', Auf dein Gebot und Rat Kommt mein betrübt Gemüte Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Den Trost der Gnade fließen. Buße und Beichte. 3. Ich, dein betrübtes Kind, Werf' alle meine Sünd', Die mir am Herzen naget Und mich mit Schrecken plaget, Auf dich, in dessen Wunden Ich stets das Heil gefunden. 4. Du bist es, der mich tröst't, Weil du mich selbst erlöst. Was ich gesündigt habe, Trugst du hinab zum Grabe; Da hast du es bedecket, Daß es mich nicht mehr schrecket. 5. Ist meine Sünde groß, Werd' ich doch ihrer los, Wenn ich dein Kreuz umfasse Und mich auf dich verlasse; Wer sich zu dir nur findet, All' Angst ihm bald verschwindet. 6. Darum allein auf dich, Herr Christ, verlass' ich mich. Nun kann ich nicht verderben, Dein Reich muß ich ererben; Denn du hast mir's erworben, Da du für mich gestorben. 7. Führ auch mein Herz und Sinn Durch deinen Geist dahin, Daß ich mög' alles meiden, Was mich und dich kann scheiden, Daß ich an deinem Leibe Ein Glied auf ewig bleibe. Joh. Heermann. Glaube. XVI. Glaube. Mel.: Ermuntre dich, mein schwacher Geist. 201. Alsso hat Gott die Welt geliebt,— Das merke, wer es höret— Die Welt, die Gott so hoch betrübt, Hat Gott so hoch geehret, Daß er den eingebornen Sohn, Den ein'gen Schatz, die ein'ge Kron' Zu unserm Heil und Leben Hat willig hingegeben. 2. Wie pfleget doch ein einig Kind Bei uns hier auf der Erden, Da wir doch alle Sünder sind, So sehr geschont zu werden! Wie sträubt sich doch der Vatersinn, Wie giebt und schenkt er alles hin, Eh' er daran mag denken, Das ein'ge Kind zu schenken! 3. Gott aber schenkt aus freiem Mut Und mildem, treuem Herzen Den ein'gen Sohn, sein schönstes Gut, In mehr als tausend Schmerzen; Er giebt ihn in den Tod hinein, Ja in die tiefste Angst und Pein, Zu unerhörtem Leide Ihn, seine ein'ge Freude. 4. Warum doch das? Daß du, o Welt, Frei wieder möchtest stehen Und durch so teures Lösegeld 5 Aus deinem Kerker gehen. Du warst in Fluch und Tod versenkt, Sollst nun durch den, den Gott geschenkt, Erlösung, Trost und Gaben Des ew'gen Lebens haben. Glaube. 251 5. Ach mein Gott, meines Lebens Grund, Wo soll ich Worte finden? Mit was für Lobe soll mein Mund Dein treues Herz ergründen? Wie hat doch können dies geschehn, Was hast du an der Welt ersehn, Daß, die so sehr dich höhnet, Du so gar hoch gekrönet? 6. Du, frommer Vater, meinst es gut Mit allen Menschenkindern; Des ein'gen Sohnes teures Blut, Das reichst du allen Sündern, Willst, daß sie mit der Glaubenshand Das, was du ihnen zugewandt, Sich völlig zu erquicken, Fest in ihr Herze drücken. 7. Ich freue mich, so oft und viel Ich deines Sohns gedenke; Das ist mein Lied und Saitenspiel, Wenn ich mich heimlich kränke, Wenn meine Sünd' und Missethat Will größer sein als Gottes Gnad', Und wenn mir meinen Glauben Mein eigen Herz will rauben. 8. Da denk' ich: War mir Gott geneigt, Da wir noch Feinde waren, So wird, der so viel Gnad' erzeigt, Nicht feindlich mit mir fahren Jetzt, da ich bin mit ihm versöhnt, Da, was ich Böses je verdient, Sein Sohn, der nichts verschuldet, An meiner Statt erduldet. 9. Fehlt's hier und da, nur unverzagt! Laß Sorg' und Kummer schwinden. Der mir das Größte nicht versagt, Wird Rat zum Kleinen finden. 2⁵5²2 Glaube. Hat Gott mir seinen Sohn geschenkt Und für mich in den Tod gesenkt, Wie sollt' er— laßt uns denken— Mit ihm nicht alles schenken? Paul Gerhardt. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 202. Aus Gnaden soll ich selig werden; Herz, glaubst du's oder glaubst du's nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Ist's Wahrheit, was die Schrift verspricht, So muß auch dieses Wahrheit sein: Aus Gnaden ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen, Die eignen Werke fallen hin. Der Mittler, der im Fleisch erschienen, Hat diese Ehre zum Gewinn, Daß uns sein Tod das Heil gebracht Und uns aus Gnaden selig macht. 3. Aus Gnaden! Merk dies Wort: Aus Gnaden! So hart dich deine Sünde plagt, So schwer du immer bist beladen, So schwer dein Herz dich auch verklagt: Was die Vernunft nicht fassen kann, Das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden Und übernahm die Sündenlast; Was nötigt ihn, dein Freund zu werden? Sprich, wes du dich zu rühmen hast? Gab er sich nicht zum Opfer dar Und nahm dein Heil in Gnaden wahr? 5. Aus Gnaden! Dieser Grund wird bleiben, Solange Gott wahrhaftig heißt. Was alle heil'gen Männer schreiben, Was Gott in seinem Worte preist, V Glaube. Worauf all unser Glaube ruht, Ist: Gnade durch des Sohnes Blut. 6. Aus Gnaden! Doch, du sichrer Sünder, Denk nicht: Wohlan, ich greife zu! Wahr ist's, Gott ruft verlorne Kinder Aus Gnaden zur verheißnen Ruh'; Doch nimmt er nicht zu Gnaden an Den, der auf Gnade sünd'gen kann. 7. Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret, Tret' ab von aller Heuchelei. Nur, wenn der Sünder sich bekehret, Dann lernt er erst, was Gnade sei; Beim Sündethun scheint sie gering, Dem Glauben ist's ein Wunderding. 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen Das Herz des Vaters aufgethan, Wenn's unter Angst und heißen Schmerzen Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm' ich oftmals Stärkung her, Wenn Gnade nicht mein Anker wär'? 9. Aus Gnaden! Hierauf will ich sterben; Ich glaube, darum ist mir wohl. Ich kenn' mein sündliches Verderben, Doch den auch, der mich heilen soll. Mein Herz ist froh und unverzagt, Weil mich die Gnade selig macht. Chr. Ludw. Scheidt. Mel.: O Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 203. Christi Blut und Gerechtigkeit, Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid; Damit will ich vor Gott bestehn, Wenn ich zum Himmel werd' eingehn. 2. Solang ich noch hienieden bin, So ist und bleibet das mein Sinn: 25⁴ Glaube. Ich will die Gnad' in Jesu Blut Bezeugen mit getrostem Mut. 3. Gelobet seist du, Jesu Christ, Daß du ein Mensch geboren bist ö Und hast für mich und alle Welt ö ö Bezahlt ein ewig Lösegeld. ä 4. Du Herr und König Jesu Christ, Des Vaters ein'ger Sohn du bist; Erbarme dich der ganzen Welt Und segne, was sich zu dir hält. Nik. Ludw. v. Zinzendorf. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt'. 204. as ist ein teuer wertes Wort, Ein Wort, sehr lieb zu hören, Daß Jesus ist der Sünder Hort Und will die Armen lehren. Das ist ein teuer wertes Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. 2. Mein Jesus nimmt die Kranken an, Er heilet allen Schaden; Er ist ein Gast bei jedermann, Der ihn zu sich geladen. Das ist ein teuer wertes Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. 3. Mein Jesus ist ein treuer Hirt, Er suchet, was verloren; Er holt zurück, was sich verirrt, Er ist zum Heil erkoren. Das ist ein teuer wertes Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. 4. Lob sei dir, Jesu, Gottes Sohn, Du hast die Schuld getragen, Du Osterlamm, du Gnadenthron, Du Zuflucht, wenn wir zagen. * Glaube. Das ist ein teuer wertes Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. 5. Ach gieb mir, daß ich diese Gnad' Und meine Sünd' erkenne, Daß ich, mein Hirte, früh und spat Nach dir vor Liebe brenne Und denk' an dieses werte Wort, Daß Jesus ist der Sünder Hort. Heinr. Ge. Neuß. Mek.: Es ist das Heil uns kommen her. 205. Der Glaub' ist feste Zuversicht Zu Gottes Gnad' und Güte, Die seines Geistes Kraft und Licht Uns bringet ins Gemüte, Ein unbeweglich fester Grund, Auf Gottes Wort und ew'gen Bund In seinem Sohn gestiftet. 2. Er ist ein göttlicher Beweis, Uns in das Herz geschrieben, Wie sehr uns Gott zu seinem Preis In Christo wollte lieben; Der macht das Herz uns ganz gewiß, Daß wir ohn' alles Hindernis Zu Gott durch Christum eilen. 3. Der Glaube höret, schmeckt und schaut Die unsichtbaren Dinge, Darauf mein Herz vertraut und baut, Macht, daß ich fröhlich singe: Gott ist mein Gott, sein Sohn mein Heil, Der heil'ge Geist hat mir mein Teil Im Himmel schon versiegelt. 4. Nun soll der Hölle ganzes Heer Mich ferner nicht erschrecken. Die Sünden, die wie Sand am Meer Glaube. 256 Mich wollen ganz bedecken, Die treibet Gottes Liebe fort; Ich höre Christi kräftig Wort: Sie sind dir schon vergeben. 5. Ist oft mein Glaube schwach und klein, Wenn Trübsal sich erhebet: So muß es doch ein Glaube sein, Weil er nach Hülfe strebet. Solange sich die Hoffnung regt, Die mich zu Gott in Christo trägt, So ist noch Glaub' im Herzen. 6. Der Glaube stärkt und mehret sich In solchen heißen Kämpfen, Und Gott hilft selber gnädiglich Den Zweifel in mir dämpfen. So kämpft und ringt des Glaubens Licht, Bis es durch alle Dunkel bricht Und Gottes Liebe findet. 7. Ich weiß, an wen ich glauben kann, Das soll mir niemand nehmen; Gott ist mein Freund, den ruf' ich an, So kann mich nichts beschämen. Er läßt die nicht, die auf ihn sehn, Und wenn auch alles sollt' vergehn, So glaub' ich seinem Worte. 8. In diesem Glauben will ich nun Getrost und freudig leben; In Gottes Liebe will ich ruhn, Mich Jesu ganz ergeben. Sein Geist soll Pfand und Zeugnis sein, Und so will ich in Gott allein Durch meinen Glauben leben. Joh. Hermann Schrader. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 206. Die Sünden sind vergeben! Das ist ein Wort zum Leben „ PSꝰ²SO ISaNMA Glaube. Für den gequälten Geist; Sie sind's in Jesu Namen, In dem ist Ja und Amen, Was Gott uns Sündern je verheißt. 2. Das ist auch sein eschrieben, Auch mich umfaßt sein Lieben, Weil Gott die Welt geliebt; Auch ich kann für die Sünden Bei Gott noch Gnade finden; Ich glaube, daß er mir vergiebt. 3. Mein liebstes Gut auf Erden Soll die Vergebung werden: So wird mein Tod nicht schwer. O in den Sünden sterben Ist ewiges Verderben! Davor bewahr uns, lieber Herr. 4. Hier ist die Zeit der Gnaden, Der Angst sich zu entladen, Auf Gottes Wort zu ruhn, Die Seele zu erretten, Zu glauben und zu beten Und das in Jesu Namen thun. 5. Gott, gieb, daß meiner Seele Der Trost doch niemals fehle, Daß du die Schuld vergiebst. Wenn ich mich betend beuge, So sei dein Geist mir Zeuge, Daß du dein Kind in Christo liebst. 6. Wenn ich von hinnen scheide, So mach mir das zur Freude, Daß ich begnadigt bin. Im Glauben an Vergebung, In Hoffnung der Belebung Fahr' ich alsdann im Frieden hin. Ph. Fr. Hiller. 17 258 Glaube. Eigne Melodie. 207. Es ist das Heil uns kommen her Von Gnad' und lauter Güte; Die Werke helfen nimmermehr, Sie mögen nicht behüten; Der Glaub' sieht Jesum Christum an: Der hat g'nug für uns all' gethan, Er ist der Mittler worden. 2. Was Gott uns im Gesetz gebot, Das konnte niemand halten; Darum erhub sich große Not Vor Gott so mannigfalten: Vom Fleisch wollt' nicht heraus der Geist, Drauf das Gesetz dringt allermeist; Es war mit uns verloren. ö 3. Es war ein falscher Wahn dabei: Daß das Gesetz gegeben, Als ob wir könnten selber frei Nach Gottes Willen leben; Und doch ist's nur ein Spiegel zart, Der uns zeigt an die sünd'ge Art, In unserm Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war es, diese Art Aus eignen Kräften lassen; Wiewohl es oft versuchet ward, Doch mehrt' sich Sünd' ohnꝰ Maßen: Mit Gleißnerei ist nichts gethan, Gott sieht den Grund der Thaten an, Und da steckt unser Schaden. 5. Doch mußt's Gesetz erfüllet sein, Sonst wär'n wir all' verloren. Drum schickt' Gott seinen Sohn herein, Der ward ein Mensch geboren; Er hat ganz das Gesetz erfüllt, Damit des Vaters Zorn gestillt, Der über uns ging alle. Glaube. Durch den, der's konnte halten: So lerne jetzt ein frommer Christ Des Glaubens recht' Gestalten! Nicht mehr als:„Lieber Herre mein, Dein Tod wird mir das Leben sein; Du hast für mich bezahlet.“ 7. Daran ich keinen Zweifel trag'; Dein Wort kann nimmer lügen. Du sprichst ja, daß kein Mensch verzag', Und wirst fürwahr nicht trügen: „Wer glaubt an mich und wird getauft, Dem ist das Himmelreich erkauft, Daß er nicht werd' verloren.“ 8. Gerecht vor Gott sind die allein, Die dieses Glaubens leben; Es muß des Glaubens heller Schein Durch Werke kund sich geben; Der Glaub' ist wohl mit Gott daran, Und aus der Nächstenlieb' sieht man, Daß du aus Gott geboren. 9. Die Sünde, durchs Gesetz erkannt, Schlägt das Gewissen nieder; Das Evangelium kommt zu Hand Und stärkt den Sünder wieder. Es spricht:„Komm nur zum Kreuz herzu; Du findest weder Rast noch Ruh' In des Gesetzes Werken.“ 10. Die Werke kommen sicher her Aus einem rechten Glauben; Denn das nicht rechter Glaube wär', Dem man die Werk' wollt' rauben. Doch macht gerecht der Glaub' allein; Die Werke sollen Früchte sein, Dran wir den Glauben merken. 47⁷ 260 Glaube. 11. Die Hoffnung harrt der rechten Zeit. Was Gottes Wort zusaget, Das wird geschehen uns zur Freud', Wenn Gott es auch vertaget. Er weiß wohl, wann's am besten ist, Und braucht an uns kein' arge List: Des soll'n wir ihm vertrauen. 12. Ob Hülf' er zu versagen scheint, Laß dich es nicht erschrecken; Denn, wo er es am besten meint, Will er's oft nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein, Und ob dein Herz spräch' lauter Nein: So laß dir doch nicht grauen. 13. Sei Lob und Ehr' mit hohem Preis Um dieser Güte willen Gott Vater, Sohn und heil'gem Geist: Der woll' mit Gnad' erfüllen, Was er in uns begonnen hat Nach seinem ew'gen Liebesrat. Geheiligt werd' sein Name. 14. Sein Reich zukomm', sein Will' auf Erd' G'scheh' wie im Himmelsthrone; Das täglich Brot noch heut uns werd'; Wollst unsrer Schuld verschonen, Wie wir thun unsern Schuldigern; Halt die Vexrsuchung von uns fern; Erlös vom Übel. Amen. Paul Speratus. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 208. Ew'ge Liebe, mein Gemüte Waget einen kühnen Blick In den Abgrund deiner Güte: Send mir einen Blick zurück, Einen Blick voll Heiterkeit, Der die Finsternis zerstreut, V Glaude. 26¹ Die mein blödes Auge drücket, Wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe, Daß du dich erbarmet hast Und aus eignem freien Triebe Den erwünschten Rat gefaßt, Der mit Fluch beschwerten Welt Durch ein teures Lösegeld, Durch des eignen Sohnes Sterben, Gnad' und Freiheit zu erwerben. 3. O ein Ratschluß voll Erbarmen, Voller Huld und Freundlichkeit, Welcher uns verlornen Armen Gnade, Trost und Hülfe beut! Liebe, die den Sohn nicht schont, Der in ihrem Schoße wohnt, Um die Sünder zu erretten Aus den schweren Sündenketten! 4. Du bestimmst, o weise Liebe, Mir zur Gnade, selbst die Bahn, Führst durch deines Geistes Triebe Mich zu Buß' und Glauben an. Nur wer an den Mittler gläubt Und ihm treu ergeben bleibt, Der soll nicht verloren gehen, Sondern Heil und Leben sehen. 5. Diesen Glauben anzuzünden, Giebst du deinen heil'gen Geist, Der sich lässet willig finden, Wie dein teures Wort verheißt, Allen, die gebeuget stehn, Die ihr Unvermögen sehn Und zum Thron der Gnaden eilen, Seine Gaben mitzuteilen. 6. Du hast keinen zum Verderben Ausersehn und weggethan; Glaube. Die in ihren Sünden sterben, Die sind selber schuld daran. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, Der hat ew'gen Tod zum Lohn; Sein mutwillig Widerstreben Schließt ihn aus von Heil und Leben. 7. Liebe, laß mich dahin streben, eines Heils gewiß zu sein; Richte selbst mein ganzes Leben So nach deinem Willen ein, Daß des Glaubens Frucht und Kraft, Die dein Geist in mir geschafft, Mir zum Zeugnis dienen möge, Ich sei auf dem Himmelswege. 8. Laß mich meinen Namen schauen In dem Buch des Lebens steh'n; Denn so werd' ich ohne Grauen Selbst dem Tod entgegengehn. Keine Kreatur wird mich, Den du liebest, ewiglich Deiner Hand entreißen können, Noch von deiner Liebe trennen. J. J. Rambach. Mel.: Meinen Jesum lass' ich nicht. 209. Gott, der du wahrhaftig bist Und aus dessen Herz und Munde Lauter Gnad' und Wahrheit fließt, So daß ich auf diesem Grunde Als auf Felsen bauen kann: Leite mich zur Wahrheit an. 2. Dieses Wort bleibt ewig wahr: Wer sich einen Christen nennet Und dich doch nicht offenbar Vor den Menschen hier bekennet, Glaube. Den bekennet auch dein Sohn, Vater, nicht vor deinem Thron. 3. Unter seiner Kreuzesfahn' Hab' ich Treue dir geschworen. Hält mein Glaub' sich nicht daran, Ist die Krone schon verloren. Drum laß Jesum nur allein Meines Mundes Losung sein. 4. Ist mein Fleisch und Blut verzagt, Will die Welt die Zunge binden, Werd' ich hin und her gejagt Wie ein leichtes Rohr von Winden, Ist mein Feind auf mich erbost: O so mache mich getrost. 5. Fordert man von mir den Grund Dessen, was ich hoff' und gläube, O so heil'ge mir den Mund, Daß er bei der Wahrheit bleibe Und ein gut Bekenntnis thu'; Gieb mir Kraft und Mut dazu. 6. Wollest auch die Kraft verleihn, Daß ich lebe, wie ich gläube. Dieses wird das Zeugnis sein, Daß ich stets an Christo bleibe, Der als ein getreuer Hirt Wohl die Seinen kennen wird. 7. Laß mich bis an meinen Tod Meinen Jesum recht bekennen Und noch in der letzten Not Seines Leibes Glied mich nennen. Leb' und sterb' ich nur auf ihn, Weiß ich, daß ich selig bin. Benj. Schmolck. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 210. Ich habe nun den Grund gefunden, Der meinen Anker ewig hält; 26⁴4 Glaube. Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, Wenn Erd' und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Denken übersteigt; Es sind die offnen Liebesarme Des, der sich zu dem Sünder neigt, Dem allemal das Herze bricht, Wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein; Deswegen kam der Sohn auf Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deswegen klopft er für und für So stark an unsers Herzens Thür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden, Da findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, Dem will ich mich getrost vertraun, Und wenn mich meine Sünden kränken, Nur bald nach Gottes Herzen schaun: Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzigkeit. 6. Wird alles andre mir entrissen, Was Seel' und Leib erquicken kann, Darf ich von keinem Troste wissen, Will keine Hoffnung mehr sich nahn, Ist die Errettung noch so weit: Mir bleibet die Barmherzigkeit. 7. Muß ich an meinen besten Werken, Darinnen ich gewandelt bin, I„SIXA&M=·-·&ð SGSVIAES 1 Glaube. 265 Viel Unvollkommenheit bemerken, So fällt wohl alles Rühmen hin; Doch ist mir dieser Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit. 8. Es gehe mir nach dessen Willen, Bei dem so viel Erbarmen ist; Er wolle selbst mein Herze stillen, Damit es seiner nie vergißt; So stehet es in Lieb' und Leid In, durch und auf Barmherzigkeit. 9. Bei diesem Grunde will ich bleiben, Solange mich die Erde trägt; Das will ich denken, thun und treiben, Solange sich mein Herz noch regt; So sing' ich einst auch nach der Zeit: O Abgrund der Barmherzigkeit! Joh. Andr. Rothe. Mel.: Valet will ich dir geben. 2I1. Ich weiß, an wen ich glaube, Denn ich vertraue Gott. Dies teure Kleinod raube Mir keines Läst'rers Spott. Es giebt mir Trost im Leiden, Vergebung im Gericht, Ein Paradies voll Freuden, Wenn Herz und Auge bricht. 2. Ich weiß, an wen ich glaube; Mein Glaube täuscht mich nicht. O teurer, hoher Glaube, Verlaß, verlaß mich nicht, Damit ich heilig werde Und, von der Sünde frei, Schon fröhlich auf der Erde, Dort ewig selig sei. 266 Glaube. Mel.: Valet will ich dir geben. 212. Ich weiß, an wen ich glaube, Ich weiß, was fest besteht, Wenn alles hier im Staube Wie Rauch und Staub vergeht. Ich weiß, was ewig bleibet, Wo alles wankt und fällt, Wo Wahn die Weisen treibet Und Trug die Klugen hält. 2. Das ist das Licht der Höhe, Das ist mein Jesus Christ, Der Fels, auf dem ich stehe. Der festgegründet ist, Der nimmermehr kann wanken. Der Heiland und der Hort, Die Leuchte der Gedanken, Die leuchtet hier und dort. 3. Er, den man blutbedecket Am Abend einst begrub, Er, der von Gott erwecket Sich aus dem Staub erhub, Der meine Schuld versöhnet, Der seinen Geist mir schenkt, Der mich mit Gnade krönet Und ewig mein gedenkt. 4. Drum weiß ich, was ich glaube, Ich weiß, was fest besteht Und in dem Erdenstaube Nicht mit zu Staub verweht; Es bleibet mir im Grauen Des Todes ungeraubt; Es schmückt auf Himmelsauen Mit Kronen einst mein Haupt. E. M. Arndt. 2...ee3 Glaube. 267 Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. 2¹³. Ich weiß, an wen mein Herz sich hält, Kein Feind soll mir ihn rauben. Als Bürger einer bessern Welt Leb' ich hier nur im Glauben. Dort schau' ich, was ich hier geglaubt; Wer ist, der mir mein Erbteil raubt? Es ruht in Jesu Händen. 2. Mein Leben ist ein kurzer Streit; Lang ist der Tag des Sieges. Ich kämpfe für die Ewigkeit, Erwünschter Lohn des Krieges! Du hast für mich den Tod geschmeckt, Durch deinen Schild werd' ich gedeckt, Was kann mir nun noch schaden? 3. O Herr, du bist mein ganzer Ruhm, Mein Trost in diesem Leben, In jener Welt mein Eigentum, Du hast dich mir gegeben. Von fern glänzt mir mein Kleinod zu, Du schaffest nach dem Streit mir Ruh' Und reichst mir meine Krone. 4. Herr, lenke meines Geistes Blick Von dieser Welt Getümmel Auf dich, auf meiner Seele Glück, Auf Ewigkeit und Himmel. Die Welt mit ihrer Herrlichkeit Vergeht und währt nur kurze Zeit; Im Himmel sei mein Wandel. 5. Jetzt, da mich dieser Leib beschwert, Ist mir noch nicht erschienen, Was jene bess're Welt gewährt, Wo wir Gott heilig dienen. Dann, wenn mein Auge nicht mehr weint Und meiner Freiheit Tag erscheint, . Dann werd' ich's froh empfinden. 268 Glaube. 6. Zu diesem Glück bin ich erkauft, O Herr, durch deine Leiden; Auf deinen Tod bin ich getauft, Wer will von dir mich scheiden? Du zeichnest mich in deine Hand; Herr, du bist mir, ich dir bekannt: Mein sind des Himmels Freuden. Christoph Christian Sturm. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 2¹⁴. Ich weiß von keinem andern Grunde, Als den der Glaub' in Christo hat; Ich weiß von keinem andern Bunde, Von keinem andern Weg und Rat, Als daß man elend, arm und bloß Sich legt in seines Vaters Schoß. 2. Ich bin zu meinem Heiland kommen Und eil' ihm immer besser zu; Ich bin auch von ihm aufgenommen Und finde bei ihm wahre Ruh'; Er ist mein Kleinod und mein Teil, Und außer ihm weiß ich kein Heil. 3. Ich bleib' in Christo nun erfunden Und bin in ihm gerecht und rein; Bleib' ich mit ihm nur stets verbunden, So kann ich immer sicher sein. Gott sieht auch mich in Christo an, Wer ist, der mich verdammen kann? 4. Ich fühle noch in mir die Sünde, Doch schaden kann sie mir nicht mehr, Weil ich in Christo mich befinde; Wohl aber beuget sie mich sehr. Ich halte nichts gering und klein, Sonst dringt ein sichres Wesen ein. 5. Ich suche stets vor ihm zu stehen Und seh' in allem ihn nur an, 1509 1 SSn 5„21AAMA„„„ d/„NMXMXM 7.— e˖˖‚i 556 Glaube. 269 Nach seinem Wink einherzugehen, Daß nichts mein Ziel verrücken kann; Ich seufze stets: Herr, steh mir bei, Daß ich ein rechter Jünger sei. 6. O Jesu, laß mich in dir bleiben, O Jesu, bleibe du in mir. Laß deinen guten Geist mich treiben, Daß ich im Glauben folge dir. Laß mich stets fromm und wachsam sein, So reißet nichts den Grund mir ein. Karl Heinrich v. Bogatzly. Mel.: Meinen Jesum lass' ich nicht. 2¹⁵. Jesus nimmt die Sünder an! Saget doch dies Trostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade sind wir wert; Doch hat er in seinem Worte Für begnadigt uns erklärt. Sehet nur: die Gnadenpforte Ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein guter Hirte; Jesus, der uns nie vergißt, Suchet treulich das Verirrte, Daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an. 4. Kommet alle, kommet her, Kommet, ihr betrübten Sünder; Jesus rufet euch, und er Macht aus Sündern Gottes Kinder. 270 Glaube. Glaubt es doch und denkt daran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden. Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, Daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 6. Ich bin ganz getrosten Muts; Ob die Sünden blutrot wären, Müssen sie kraft deines Bluts Dennoch in Schneeweiß sich kehren, Da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 7. Jesus nimmt die Sünder an, Mich auch hat er angenommen Und den Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen Und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. Erdm. Neumeister. Eigne Melodie. 216. Mein Heiland nimmt die Sünder an, Die unter ihrer Last der Sünden Kein Mensch, kein Engel trösten kann, Die nirgends Ruh' und Rettung finden. Sie, die in ihrer Seelenpein Nicht wissen mehr, wo aus noch ein, Weil Moses schon den Stab gebrochen Und sie der Hölle zugesprochen, Sie sehn die Freistatt aufgethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Sein mehr als mütterliches Herz Trieb ihn von seinem Thron zur Erden; Ihn drang der Sünder Not und Schmerz, —.—.—&x ··.— Glaube. 271 An ihrer Statt ein Fluch zu werden. Er senkte sich in ihre Not Und schmeckte selbst für sie den Tod; Nun da er denn sein eigen Leben Als teures Lösegeld gegeben x Und seinem Vater g'nug gethan, So heißt's: Er nimmt die Sünder an. 3. Nun ist sein aufgethaner Schoß Ein sichres Schloß bedrängter Seelen, Er spricht sie von dem Urteil los Und tilget bald ihr ängstlich Quälen. Es wird ihr ganzes Sündenheer Ins unergründlich tiefe Meer Der Gnade durch sein Blut versenket; Der Geist, der ihnen wird geschenket, Schwingt über sie die Gnadenfahn': Mein Heiland nimmt die Sünder an. 4. So bringt er sie dem Vater hin In seinen starken Liebesarmen: r. Das neiget dann den Vatersinn Zu lauter ewigem Erbarmen. Er nimmt sie an an Kindes Statt; n, Ja alles, was er ist und hat, Wird ihnen eigen übergeben, Und selbst die Thür zum ew'gen Leben Wird ihnen fröhlich aufgethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an. 5. O möchtest du sein Herze sehn, Wie sich's nach armen Sündern sehnet, ‚ Sowohl, wenn sie noch irre gehn, Als wenn ihr Auge vor ihm thränet! Wie streckt er sich nach Zöllnern aus, Wie eilt er in Zachäi Haus! Wie stillt er liebreich Magdalenen Den Strom der bittern Reuethränen, 272 Glaube. Vergiebt ihr das, was sie gethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an. é 6. Wie freundlich blickt er Petrum an, ö Ob er gleich noch so tief gefallen! Nun, dies hat er nicht nur gethan, Da er auf Erden mußte wallen; Nein, er ist immerdar sich gleich, An Liebe, Treu' und Gnade reich; Und wie einst unter Schmach und Leiden, So ist er auf dem Thron der Freuden Den Sündern liebreich zugethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an! 7. So komme denn, wer Sünder heißt, Wen seine Sündennot betrübet, Zu dem, der keinen von sich weist, Der sich gebeugt zu ihm begiebet. Wie? willst du dir im Lichte stehn Und ohne Not verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, ö Da, dich zu retten, er erschienen? O nein, verlaß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an! 8. Komm nur mühselig und gebückt; Komm nur, so gut du weißt zu kommen! Wenngleich die Last dich niederdrückt, é Du wirst auch so noch angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht Und wie er dir entgegengeht! Wie lang hat er mit vielem Flehen Sich brünstig nach dir umgesehen! So komm denn, armer Mensch, heran! Mein Heiland nimmt die Sünder an! 9. Sprich nicht: Ich hab's zu arg gemacht, Ich hab' die Güter seiner Gnaden Zu lang und schändlich durchgebracht; Er hat mich oft umsonst geladen. Glaube. 273 Wofern du's jetzt nur redlich meinst Und deinen Fall mit Ernst beweinst, So soll ihm nichts die Hände binden, Und du sollst jetzt noch Gnade finden; Er hilft, wenn sonst nichts helfen kann: Mein Heiland nimmt die Sünder an. 10. Doch sprich auch nicht: Es ist noch Zeit; Ich muß erst diese Lust genießen, , Gott wird ja eben nicht gleich heut Die offne Gnadenpforte schließen. Nein, weil er ruft, so höre du Und greif mit beiden Händen zu. Wer seiner Seelen Heil verträumet, Der hat die Gnadenzeit versäumet; Ihm wird hernach nicht aufgethan. Heut komm, heut nimmt dich Jesus an. 11. Ja, zieh uns selber recht zu dir, Holdselig süßer Freund der Sünder! Erfüll mit sehnender Begier Uns, deine abgewichnen Kinder. Zeig uns bei unserm Seelenschmerz Dein aufgeschloss'nes Liebesherz, Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein jeder sagen kann: Gott Lob, auch mich nimmt Jesus an. Leop. Franz Friedr. Lehr. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 217. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; Das zähl' ich zu dem Wunderbaren, Mein stolzes Herz hat's nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigteit. 18 27⁴ Glaube. 2. Ich hatte nichts als Zorn verdienet Und soll bei Gott in Gnaden sein; Er hat mich mit sich selbst versühnet, Macht durch des Sohnes Blut mich rein. Warum? Ich war ja Gottes Feind! Erbarmung hat's so treu gemeint. 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, Das rühm' ich, wenn ein Mensch mich fragt; Ich kann es nur Erbarmung nennen, Dies ist das Wort, das alles sagt. Ich beuge mich und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 4. Dies lass' ich kein Geschöpf mir rauben, Dies soll mein einzig Rühmen sein; Auf dies Erbarmen will ich glauben, Auf dieses bet' ich auch allein, Auf dieses duld' ich in der Not, Auf dieses hoff' ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir Und führe einst im Tod mich Armen Durch meines Heilands Tod zu dir. Da bin ich ewig hoch erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Ph. Fr. Hiller. Mel.: Herr Christ, der einig Gott's Sohn. 2¹8. 0 Christe, Eingeborner, Von Ewigkeit gezeugt, Des Vaters Auserkorner, Dem aller Knie sich beugt! 2 Mit ihm von einem Wesen, Bleibst du, der du gewesen, Der Glanz der Herrlichkeit. 2. Für uns ein Mensch geboren, Der keuschen Jungfrau Sohn, Glaube. Hast du uns dir erkoren, Erlittst du Qual und Hohn; Starbst, daß wir leben möchten, Erhobst uns zu Gerechten Und Erben deines Reichs. 3. Gieb stets in reichem Maße Erkenntnis deines Heils, Daß keiner je verlasse Die Wahl des besten Teils! Laß uns im Glauben bleiben, Durch ihn zur Lieb' uns treiben Und zu der Lust an dir. 4. Du Herrscher aller Dinge, Der du allmächtig bist, Durch welchen ich vollbringe, Was Gott gefällig ist, Hilf, daß mich nichts bethöre, Daß nichts von dir mich kehre, Der du mein Heiland bist! 5. Laß uns, mit dir begraben, Mit dir auch auferstehn, Mit dir zur Höh' erhaben, Nicht auf das Eitle sehn; Dich wissen und dich hören, Dich, dich allein begehren, Dein tot und lebend sein! Nach Elisabeth Cruziger. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 21¹9. Such', wer da will, ein ander Ziel, Die Seligkeit zu finden; Mein Herz allein bedacht soll sein, Auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr, sein Werk ist klar, Sein heil'ger Mund hat Kraft und Grund, All' Feind' zu überwinden. 18* 276 Glaube. 2. Such', wer da will, Nothelfer viel, Die uns doch nichts erworben; Hier ist der Mann, der helfen kann, Bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu teil, Uns macht gerecht der treue Knecht, 5 Der für uns ist gestorben. 3. Ach sucht doch den, laßt alles stehn, Die ihr das Heil begehret! Er ist der Herr und keiner mehr, Der uns das Heil gewähret. Sucht ihn all' Stund' von Herzens Grund, Sucht ihn allein; denn wohl wird sein Dem, der ihn herzlich ehret. 4. Mein' werte Kron', mein' Freudensonn' Sollst du, Herr Jesu, bleiben; Laß mich doch nicht von deinem Licht Die Eitelkeit vertreiben. Bleib du mein Preis, dein Wort mich speis', Bleib du mein' Ehr', dein Wort mich lehr', An dich stets fest zu gläuben. 5. Wend von mir nicht dein Angesicht, Laß mich im Kreuz nicht zagen; Weich nicht von mir, mein' höchste Zier, Hilf mir mein Leiden tragen. Hilf mir zur Freud' nach diesem Leid, Hilf, daß ich mag nach aller Klag' Dort ewig Lob dir sagen. Ge. Weißel. 277 XVII. Friede und Freude in Gott. Eigne Melodie. 220. Ach mein Herr Jesu, dein Nahesein Bringt großen Frieden ins Herz hinein, Und dein Gnadenanblick macht uns so selig, Daß Leib und Seele darüber fröhlich Hankbar wird. Wir sehn dein freundliches ch nicht 5[Huld und Gnade wohl Ileiblich nicht, Aber unsre Seele kann's schon gewahren, Du kannst dich fühlbar g'nug offenbaren Auch ungesehn. 3. O wer nur immer bei Tag und Nacht Dein zu genießen wär' recht bedacht! Der hätt' ohne Ende von Glück zu sagen, Und seine Seele müßt' immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, geduldig sein, Uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, Uns heilen und trösten, erfreun und segnen Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Lust. 5. Ach gieb an deinem kostbaren Heil Uns alle Tage vollkommen Teil, Und laß unsre Seele sich immer schicken, Aus Not und Liebe nach dir zu blicken Ohn' Unterlaß. 6. Und wenn wir weinen, so tröst uns bald Mit deiner Leidens- und Siegsgestalt, Ja, die laß uns immer vor Augen schweben Und dein wahrhaftiges Inunsleben Zu sehen sein. 7. Ein herzlich Wesen und Kindlichkeit Sei unsre Zierde zu aller Zeit, Friede und Freude in Gott. 278 Friede und Freude in Gott. Und die heil'ge Tröstung aus deinen Wunden Erhalt' uns Frieden zu allen Stunden, Bei Freud' und Leid. 8. So werden wir bis zum Himmel ein Mit dir vergnügt wie die Kinder sein; Muß man gleich die Wangen noch manch⸗ mal netzen, Wenn sich das Herz nur an dir stets letzen Und stillen kann! 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Drandenken beschämt dastehen Und unser Auge muß übergehen Vor Lob und Dank. Christian Gregor. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 221. Ach, wenn ich dich, mein Gott, nur habe, Nach Erd' und Himmel frag' ich nicht. Nichts ist, das meine Seele labe, Als du, mein Gott, mein Trost und Licht. Rühmt sich die Welt mit ihrer Lust, Ohn' dich ist mir kein Trost bewußt. 2. Soll Leib und Seele mir verschmachten, Ich hoffe doch getrost auf dich; Nichts will ich alle Plagen achten, An dir allein erquick' ich mich. Regt sich auch alles wider mich, Ich bleib' an dir und liebe dich. 3. Hab' ich nur dich, so hab' ich immer, Was meine Seele wünschen kann; Denn du vergißt der Deinen nimmer; Liebst du mich nur, was ficht mich an? Drum spricht mein Herz: Du bist mein Teil, In dir ist meiner Seele Heil. Benj. Schmolck. — — Friede und Freude in Gott. 279 Mel.: Nun danket all' und bringet Ehr'. 2²2. Am Ende ist's doch gar nicht schwer, Ein sel'ger Mensch zu sein; Man giebt sich ganz dem Herren her Und hängt an ihm allein. 2. Man ist nicht Herr, man ist nicht Knecht, Man ist ein fröhlich Kind Und wird stets sel'ger, wie man recht Den Herren lieb gewinnt. 3. Man wirkt in stiller Thätigkeit Und handelt ungesucht, Gleichwie ein Baum zu seiner Zeit Von selbst bringt Blüt' und Frucht. 4. Man sieht nicht seine Arbeit an Als Müh', vor der uns bangt; Der Herr hat stets in uns gethan, Was er von uns verlangt. 5. Man fügt sich freudig immerfort In alles, was er fügt, Ist alle Zeit, an jedem Ort, Wo man ihn hat, vergnügt. 6. So selig ist ein gläub'ger Christ, So reich und sorgenleer, Und wenn man so nicht selig ist, So wird man's nimmermehr. Karl Joh. Ph. Spitta. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 223. Gott, deine Gnad' ist unser Leben; Sie schafft uns Heil und Seelenruh'. Dein ist's, die Sünden zu vergeben, Und willig ist dein Herz dazu. Du nimmst die Sünder gnädig an, die reuevoll zu dir sich nahn. 280 Friede und Freude in Gott. 2. Uns, die Verlornen, zu erretten, Gabst du für uns selbst deinen Sohn. Er litt, damit wir Frieden hätten, Für uns den Tod, der Sünde Lohn. O Gott, wie hast du uns geliebt, Welch ein Erbarmen ausgeübt! 3. Dank, ewig Dank sei deiner Treue, Die niemand g'nug erheben kann! Nun nimmst du jede wahre Reue( Um Christi willen gnädig an. Wohl dem, der sich zu dir bekehrt Und gläubig seinen Mittler ehrt! 4. Du machst ihn frei von allen Plagen, Die dem Gewissen furchtbar sind; Er kann getrost und freudig sagen: Gott ist für mich, ich bin sein Kind. Mein Jesus ist's, der für mich litt Und mich noch jetzt vor Gott vertritt. 5 5. O Herr, wie selig ist die Seele, Die ganz sich deiner Gnade freut! Sei's auch, daß irdisch Glück ihr fehle, Nie fehlt ihr doch Zufriedenheit. Dein Friede überwieget weit Die Welt und ihre Herrlichkeit. 6. Dein Friede stärkt mit frohem Mute Das Herz auch in der größten Not, Giebt Hoffnung zu dem ew'gen Gute Und macht getrost selbst in dem Tod. Er ist schon in der Pilgerzeit Ein Vorschmack ew'ger Seligkeit. 7. Laß, Vater, denn auch mich empfinden, 9 Wie köstlich dieser Friede sei. Auch mich sprachst du von meinen Sündey Und ihren Strafen völlig frei. Denn der, der aller Sünde trug, ö That sterbend auch für mich genug. Friede und Freude in Gott. 8. O laß mich dies im Glauben fassen Und mit getroster Zuversicht Auf deine Treue mich verlassen; Wenn alles wankt, wankt sie doch nicht. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! Sein Heil steht unbeweglich fest. 9. Lobsingend will ich dich erheben, Mich ewig deiner Gnade freun Und deinem Dienst mein ganzes Leben In kindlichem Gehorsam weihn Und nie vergessen deine Huld, Die mir vergab all' meine Schuld. Mel.: Meinen Jesum lass' ich nicht. 224. Habe deine Lust am Herrn, Der dir schenket Lust und Leben: So wird dir dein Gnadenstern Tausend lichte Strahlen geben. Denn er beut dir treulich an, Was dein Herz nur wünschen kann. 2. Laß der Welt die eitle Lust, Die in Weinen sich verkehret. Wisse, wer in seiner Brust Gottes Liebe fühlt und nähret, Dieser trifft in allem an, Was das Herz nur wünschen kann. 3. Lust an Gott erfüllt mit Licht, Wenn man Gott im Wort erkennet; Lust an Gott stärkt uns zur Pflicht, Wenn man in der Liebe brennet. Solche Lust geht eine Bahn, Die das Herz nur wünschen kann. 4. Wer die Lust am Herren hat, Hat auch Lust an seinem Willen Und bemüht sich früh und spat, J. S. Diterich. 282 Friede und Freude in Gott. Ihn getreulich zu erfüllen, Und so wird ihm auch gethan, Was das Herz nur wünschen kann. 5. Ist die Lust nicht ohne Last, Trag geduldig die Beschwerden; Wenn du wohl gelitten hast, Wirst du erst recht fröhlich werden Und triffst dort im Himmel an, ö Was dein Herz nur wünschen kann. Benj. Schmolck. Mel.: In dich hab' ich gehoffet. 2205. Ich freue mich, mein Gott, in dir Und bin getrost; denn was kann mir, Da du mich liebest, fehlen? Du, Herr, bist mein, Und ich bin dein, Was mangelt meiner Seele? 2. Du hast mich von der Welt erwählt Und deinen Kindern zugezählt, Mag mich die Welt doch hassen. Du liebst mein Wohl, Wirst gnadenvoll Mich nimmermehr verlassen. 3. Du trägst mich liebreich mit Geduld, Vergiebst durch Christum meine Schuld, Wenn ich aus Schwachheit fehle. Du giebst mir Teil An seinem Heil: Das tröstet meine Seele. 4. Du bist mir der bewährte Freund, 9 Der es aufs beste mit mir meint, Wen könnt' ich dir vergleichen? Du stehst mir bei Und bleibst getreu, Wenn Berg' und Hügel weichen. Friede und Freude in Gott. 283 5. Du bist mein Leben, Trost und Licht, Mein Fels und Heil; drum frag' ich nicht Nach Himmel und nach Erde. Herr, ohne dich Ist nichts für mich, Das mir erfreulich werde. 6. Du bist mein allerhöchstes Gut, Darauf mein wahres Heil beruht; In dir hab' ich den Frieden. So dort als hier, Herr, bleiben wir In Liebe ungeschieden. 7. Noch hat kein menschlich Ohr gehört, Was uns dein Himmel einst gewährt; Doch seh' ich's schon im Glauben. Vollkommnes Heil Ist dann mein Teil, Das wird mir niemand rauben. Sal. Liscow. Mel.: Valet will ich dir geben. 226. Ist Gott für mich, so trete Gleich alles wider mich; So oft ich ruf' und bete, Weicht alles hinter sich. Hab' ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Rott'? 2. Nun weiß und glaub' ich feste Und rühm's auch ohne Scheu, Daß Gott, der Höchst' und Beste, Mein Freund und Vater sei Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh' Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh. 284 Friede und Freude in Gott. 3. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ew'ge, wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd'; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe wert. 4. Mein Jesus ist mein' Ehre, Mein Glanz und helles Licht; Wenn der nicht in mir wäre, Könnt' ich bestehen nicht. In ihm kann ich mich freuen, Hab' einen Heldenmut, Darf kein Gericht mehr scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 5. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibt mir Sorg' und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Giebt Segen und Gedeihen Dem, was er in mir schafft, Hilft mir das Abba schreien Durch seiner Gnade Kraft. 6. Sein Geist spricht meinem Geiste Manch süßes Trostwort zu, Wie Gott dem Hülfe leiste, Der bei ihm suchet Ruh', Und wie er hab' erbauet Ein' edle, neue Stadt, Da Herz und Auge schauet, Was es geglaubet hat. 7. Da ist mein Teil und Erbe Mir prächtig zugericht't; Wenn ich gleich fall' und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht. Friede und Freude in Gott. Durchseufz' ich auch hienieden Mit Thränen manche Zeit, Mein Jesus und sein Frieden Durchsüßet alles Leid. 8. Und ob die Welt vergehe, Du stehst mir ewiglich; Kein Marter und kein Wehe Soll trennen mich und dich; Was man nur kann erdenken, Es sei klein oder groß, Der keines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schoß. 9. Mein Herze geht in Sprüngen Und kann nicht traurig sein, Ist voller Freud' und Singen, Sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Christ; Das, was mich singen machet, Ist, was im Himmel ist. Paul Gerhardt. Mel.: O Ewigkeit, du Donnerwort. 227. Mein Glaub' ist meines Lebens Ruh' Und führt mich deinem Himmel zu, O du, an den ich glaube! Ach gieb mir, Herr, Beständigkeit, Daß diesen Trost der Sterblichkeit Nichts meiner Seele raube! Tief präg es meinem Herzen ein, Welch Heil es sei, ein Christ zu sein. 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht Zu deiner Ewigkeit ein Recht Durch deinen Tod erworben. Nun wird mein Leib zwar Asch' und Staub, Doch nicht des Todes ew'ger Raub; Du bist für mich gestorben. 286 Friede und Freude in Gott. Mir, der ich dein Erlöster bin, Ist dieses Leibes Tod Gewinn. 3. Was seid ihr Leiden dieser Zeit? Ihr seid nicht wert der Herrlichteit, Der ich entgegenschaue. Bald ruft mich Gott, und ewiglich Erfreuet und erquickt er mich, Weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald verschwindet aller Schmerz, Und Himmelsfreuden schmeckt mein Herz. 4. Bin ich gleich schwach, so trag' ich doch Nicht mehr der Sünde schmachvoll Joch In meinem Lauf auf Erden. Ich übe kindlich meine Pflicht, Doch fühl' ich wohl, ich bin noch nicht, Was ich dereinst soll werden. Mein Trost ist dies: Gott hat Geduld Und straft mich nicht nach meiner Schuld. 5. Der du den Tod für mich bezwangst, Du hast mich, Mittler, aus der Angst, In der ich lag, gerissen. Dir, dir verdank' ich meine Ruh'; Denn meine Wunden heiltest du Und stilltest mein Gewissen. Und fall' ich noch in meinem Lauf, So richtest du mich wieder auf. 6. Gelobt sei Gott! ich bin ein Christ, Und seine Gnad' und Wahrheit ist An mir auch nicht vergebens; Sein Wort hilft mir zur Heiligung, Die Gnade wirkt Erneuerung Des Herzens und des Lebens. Ich fühle, daß des Geistes Kraft In mir den neuen Menschen schafft. 7. Dank ser dir, Vater, Dank und Ruhm, Daß mich dein Evangelium Friede und Freude in Gott. 287 Lehrt glauben, hoffen, lieben. Es giebt mir schon in dieser Zeit Den Vorschmack ew'ger Seligkeit; Drum will ich's treulich üben. Jetzt und forthin mein Leben lang ˖ Bring' ich dir, Höchster, Preis und Dank. Balth. Münter. Mel.: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. V 228. So hoff' ich denn mit festem Mut Auf Gottes Gnad' und Christi Blut; Ich hoff' ein ewig Leben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, Hat mir das Recht zur Seligkeit In seinem Sohn gegeben. 2. Herr, welch ein unaussprechlich Heil, An dir, an deiner Gnade teil, Teil an dem Himmel haben, Im Herzen durch den Glauben rein, Dich lieben und versichert sein Von deines Geistes Gaben. 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, Wirkt kindliche Zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, Es giebt dem müden Herzen Ruh' Und stärkt uns in Gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr, mein Hort, 6 Den Glauben an dein göttlich Wort Um deines Namens willen; Laß ihn mein Licht auf Erden sein, Ihn täglich mehr mein Herz erneun Und mich mit Trost erfüllen. Chr. F. Gellert. 288 Friede und Freude in Gott. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 229. Was frag' ich nach der Welt Und allen ihren Schätzen, Wenn ich mich nur an dir, Herr Jesu, kann ergötzen? Dich hab' ich einzig mir Zur Freude vorgestellt; Du, du bist meine Ruh', Was frag' ich nach der Welt! 2. Die Welt ist wie ein Rauch, Der in der Luft vergehet, Und einem Schatten gleich, Der kurze Zeit bestehet; Mein Jesus aber bleibt, Wenn alles bricht und fällt; Er ist mein starker Fels, Was frag' ich nach der Welt! 3. Die Welt sucht Ehr' und Ruhm Bei hocherhabnen Leuten Und denkt nicht einmal dran, Wie bald doch diese gleiten; Das aber, was mein Herz Vor andern rühmlich hält, Ist Jesus nur allein, Was frag' ich nach der Welt! 4. Die Welt sucht Geld und Gut Und kann nicht eher rasten, Sie habe denn zuvor Den Mammon in dem Kasten; Ich weiß ein besser Gut, Worauf mein Herz gestellt: Ist Jesus nur mein Schatz, Was frag' ich nach der Welt! 5. Die Welt kann ihre Lust Nicht hoch genug erheben, Sie möchte wohl dafür —3— ————— Friede und Freude in Gott. Sogar den Himmel geben; Ein andrer halt's mit ihr, Der von sich selbst viel hält; Ich liebe meinen Gott, Was frag' ich nach der Welt! 6. Was frag' ich nach der Welt? Im Nu muß sie vergehen, Ihr Ansehn kann durchaus Dem Tod nicht widerstehen; Die Güter müssen fort, Und alle Lust zerfällt; Bleibt Jesus nur bei mir, Was frag' ich nach der Welt! 7. Was frag' ich nach der Welt? Mein Jesus ist mein Leben, Mein Schatz, mein Eigentum, Dem ich mich ganz ergeben, Mein ganzes Himmelreich Und was mir sonst gefällt; Drum sag' ich noch einmal: Was frag' ich nach der Welt! G. M. Pfefferkorn. Mel.: Unser Herrscher, unser König. 230. Weicht, ihr Berge! fallt, ihr Hügel! Gottes Gnade weicht mir nicht, Und der Friede hat dies Siegel, Daß Gott seinen Bund nicht bricht. Dieses macht mich unverzagt, Weil es mein Erbarmer sagt. 2. Das sind Worte für die Blöden, Die sind alles Glaubens wert; Das heißt an die Herzen reden, Das ist Trost, wie man begehrt: Gottes Gnade weicht dir nicht, Weil es dein Erbarmer spricht. 10 20⁰ Friede und Freude in Gott. 3. Hier ist 01. für alle Müden, Die so manches Elend beugt. Gnade findet man und Frieden, Welcher alles übersteigt. Mein Erbarmer, o sprich du Dies in aller Not mir zu! 4. Wenn mich meine Sünden schmerzen Und der Strafen lange Pein, Ach, so rede meinem Herzen Deinen Trost und Frieden ein: Daß du mir in Jesu Christ Ewig ein Erbarmer bist. 5. Gieb mir einen starken Glauben, Der dein Wort mit Freuden faßt: So kann mir der Tod nicht rauben, Was du mir geschenket hast; Auch die Hölle nimmt mir nicht, Was mein Heiland mir verspricht. 5 Ph. Fr. Hiller. Eigne Melodie. 201. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen, Wenn ich in deiner Liebe ruh'! Ich steige aus der Schwermut Höhlen Und eile deinen Armen zu. Da muß die Nacht des Traurens scheiden, Wenn mit der Fülle sel'ger Freuden Die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist der Himmel schon auf Erden: Wer sollte nicht beseligt werden, 2 Der in dir suchet Ruh' und Lust? 2. Die Welt mag sich mir feindlich zeigen: Es sei also! ich acht' es nicht. Will sie sich freundlich zu mir neigen: Ich flieh' ihr trüglich Angesicht. — Friede und Freude in Gott. 291 In dir vergnügt sich meine Seele; Du bist mein Freund, den ich erwähle, Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Haß der Welt kann mich nicht fällen, Weil in den höchsten Trübsalswellen Mir deine Treu' den Anker reicht. 3. Will mich der Sünde Last erdrücken, Blitzt auf mich des Gesetzes Weh, Zeigt sich die Hölle meinen Blicken, So schau' ich gläubig in die Höh' Und flieh' zu dir und deinen Wunden: Da hab' ich schon den Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen, Du bist mein Heil, wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Führst du durch Wüsten meine Reise, Ich folg' und lehne mich auf dich. Du nährest mich mit Himmelsspeise Und labest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, Sie enden sich in Lieb' und Segen: Genug, wenn ich dich bei mir hab'. Ich weiß, wen du willst herrlich zieren Und über Sonn' und Sterne führen, Den führest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag andern düster scheinen, Mir nicht, weil Seele, Herz und Mut In dir, der du bewahrst die Deinen, O du mein Heil und Leben, ruht. Wen macht des Weges Ende zagen, Wenn aus Gefahr und Not und Plagen Er eingeht in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich auch mit Freuden 19⁷ 292 Liebe zu Gott und Christo. Aus diesem dunkeln Thale scheiden Zur sel'gen Ruh' der Ewigkeit. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, So wohl, wenn ich mich lehn' auf dich! Mich kann Welt, Not und Tod nicht quälen, Weil du, mein Gott, beseligst mich. Laß solche Ruh' in dem Gemüte Nach deiner unumschränkten Güte Des Himmels süßen Vorschmack sein. Weg, Welt, mit allen Schmeicheleien! Nichts kann, als Jesus, mich erfreuen. O reicher Trost: mein Freund ist mein! Wolfgang Christoph Deßler. XVIII. Liebe zu Gott und Christo. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 5 232. Der beste Freund ist in dem Himmel, Auf Erden sind nicht Freunde viel; Denn bei dem falschen Weltgetümmel Steht Redlichkeit oft auf dem Spiel. Drum hab' ich's immer so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. 2. Die Menschen sind wie Rohr im Winde, Mein Jesus stehet felsenfest; Wenn ich mich gleich verlassen finde, Mich seine Freundschaft doch nicht läßt. In Freud' und Leid er's treulich meint; Mein Jesus ist der beste Freund. 3. Die Welt verkaufet ihre Liebe Dem, der am meisten nützen kann; Und scheinet dann das Glück uns trübe, So steht die Freundschaft hinten an. Doch hier ist es nicht so gemeint; Mein Jesus ist der beste Freund. Liebe zu Gott und Christo. 203 4. Er läßt sich selber für mich töten, Vergießt für mich sein eigen Blut; Er steht mir bei in allen Nöten, Er machet allen Schaden gut. Er hat mein Bitten nie verneint; Mein Jesus ist der beste Freund. 5. Mein Freund, der mir sein Herze schenket, Mein Freund, der mein ist und ich sein, Mein Freund, der stets an mich gedenket, Mein Freund bis in das Grab hinein: Drum hab' ich's immer so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. Benj. Schmolck. Mel.: Herzlich lieb hab' ich dich. 233.* Der du mich als ein Vater liebst Und mich mit Wohlthun ganz umgiebst, Gott, meiner Seelen Freude! Ich bleib' und hang' allein an dir; Was ist, mein Gott, das je mich hier Von deiner Liebe scheide? Du machst mir deinen Weg bekannt, Hältst mich bei meiner rechten Hand, Regierest meinen Lebenslauf Und hilfst auch meiner Schwachheit auf. O Herr, mein Gott, Du bist mein Licht, du bist mein Licht, Ich folge dir, so irr' ich nicht. 2. Du leitest mich nach deinem Rat, Der anders nichts beschlossen hat, Als was mir Segen bringet. Geht's gleich zuzeiten wunderlich, So weiß ich dennoch, daß durch dich Der Ausgang wohl gelinget. Nach hartem Gang auf rauher Bahn 20⁴ Liebe zu Gott und Christo. Nimmst du mich dort mit Ehren an, Wo mich vor deinem Thron erfreut Die Krone der Gerechtigkeit. Mein Herr, mein Gott! Ach, voll Begier, ach, voll Begier, Wünsch' ich zu sein, mein Heil, bei dir! 3. Du nur bist meine Zuversicht: Hab' ich nur dich, so frag' ich nicht Nach Himmel und nach Erden. Denn wär' der Himmel ohne dich, So könnte keine Lust für mich Auch selbst im Himmel werden. Wärst du nicht schon auf Erden mein, So möcht' ich nicht auf Erden sein; Denn nichts ist in der ganzen Welt, Das mir so sehr, wie du, gefällt. Mein Herr und Gott, Wo du nicht bist, wo du nicht bist, 0 Ist nichts, das mir erfreulich ist. 4. Und sollte mir durch Kreuz und Not, Durch Marter, durch Gewalt und Tod Auch Seel' und Leib verschmachten: Dies alles wird, wenn's auch noch mehr Und schrecklich, wie die Hölle, wär', Mein Glaube doch nicht achten. Du bist und bleibest doch mein Heil Und meines Herzens Trost und Teil; Sowahr du bist, durch dich allein Wird Leib und Seele selig sein. Herr, meine Burg, Ich hoffe fest, ich hoffe fest, 0 Daß deine Kraft mich nie verläßt. 5. Drum halt' ich mich getrost zu dir, Du aber hältst dich auch zu mir, Und das ist meine Freude. Ich setze meine Zuversicht Liebe zu Gott und Christo. Auf dich, mein Fels, der nicht zerbricht, Auch in dem tiefsten Leide. Dein Wort, o Höchster, soll allein Mein Trost und meine Richtschnur sein, Bis sich einst in der Ewigkeit Mein Herz vollkommen deiner freut. Gott meines Heils, Ich warte drauf, ich warte drauf, Nimm mich in deinen Himmel auf. Nach Erdm. Neumeister. Eigne Melodie. 234. Eins ist not; ach Herr, dies eine Lehre mich erkennen doch! Alles andre, wie's auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget Erlang' ich dies eine, das alles ersetzt, So werd' ich mit einem in allem ergötzt. 2. Seele, willst du dieses finden, Such's bei keiner Kreatur. Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die Natur. Wo Gott und die Menschheit in einem vereinet, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet: Da, da ist das beste, notwendigste Teil Mein ein und mein alles, mein ewiges Heil. 3. Wie dies eine zu genießen Sich Maria dort befliß, Da sie sich zu Jesu Füßen Voller Andacht niederließ— Das Herz ihr entbrannte, das einzig zu hören, Worüber ihr Heiland sie wollte belehren, Ihr alles war gänzlich in Jesum versenkt, Und alles ihr wurde in einem geschenkt:— 7 296 Liebe zu Gott und Christo. 4. Also ist auch mein Verlangen, Liebster Jesu, nur nach dir; Laß mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir. Ob viele zum größesten Haufen auch fallen, So will ich dir dennoch in Liebe nachwallen; Denn Leben und Geist ist, o Jesu, dein Wort, In dir hab' ich alles, mein Heil und mein Hort. 5. Aller Weisheit höchste Fülle In dir ja verborgen liegt. Gieb nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die Demut und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, So hab' ich der Weisheit vollkommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, Als nur dich, mein höchstes Gut. Jesu, es muß mir gelingen Durch dein heil'ges, teures Blut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, Da du bist am Stamme des Kreuzes ge⸗ storben; Da hab' ich die Kleider des Heiles erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun, so gieb, daß meine Seele Auch nach deinem Bild' erwacht; Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; Entreiße mich aller vergänglichen Lust, Dein Leben, o Jesu, erfüll' mir die Brust. 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich umfängt die Gnadenflut. Liebe zu Gott und Chrlsto. 297 Du bist einmal eingegangen In das Heil'ge durch dein Blut; Da hast du die ew'ge Erlösung erfunden, Daß ich nun der Herrschaft der Hölle ent⸗ bunden; Dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, In kindlichem Geiste das Abba nun klingt 9. Volle G'nüge, Fried' und Freude Meine Seele nun ergötzt, Weil auf eine frische Weide Mich mein guter Hirt gesetzt. Nichts Süßeres kann mich im Herzen erlaben, Als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; Nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt 10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein ein und alles sein. Prüf, erfahre, wie ich's meine, Tilge allen Heuchelschein. Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Heiland, auf ewigem Wege. Gieb, daß ich nichts achte, nicht Leben noch Tod, Und dich nur gewinne! Dies eine ist not. Joh. Heinr. Schröder. Mel.: Jesu, meines Lebens Leben. 235. Eins ist not! Ach Herr, dies eine Gieb mir, Jesu; gieb, daß ich Ewig mich mit dir vereine, Nichts so brünstig lieb' als dich! Ach, durch alles Glück auf Erden Kann ich doch nicht selig werden. Elend bleib' ich, Jesu Christ, Wenn du nicht mir alles bist. 298 Liebe zu Gott und Christo. 2. Ruhe für die Seele geben Keine Güter dieser Zeit; Nur bei dir ist Heil und Leben, Ruhe, Trost und Seligkeit. Wahre Freude, Jesu, haben Wir allein aus deinen Gaben. Gott und Mensch, wer ist dir gleich? Wer so mächtig, wer so reich? 3. Als Maria dort nur hörte, Nur bekümmert für ihr Heil, Was dein Mund die Jünger lehrte, Wählte sie das beste Teil. Sowie sie zu deinen Füßen, Aller andern Sorg' entrissen, Saß und hörte nur auf dich Und die Welt vergaß und sich: 4. So will ich auch, voll Verlangen Nach Erkenntnis, Herr, von dir, Gern an deinen Lippen hangen. Zeige deine Wege mir! Der du nur mein Heil begehrest, Laß mich fassen, was du lehrest! Leuchtet mir dein göttlich Licht, Irr' ich von der Wahrheit nicht. 5. Mögen andre doch verweilen, Weil ihr Herz die Welt nur hört, Dir, o Jesu, nachzueilen, Durch der Sünde Lust bethört: Du bist mir der Weisheit Fülle; Gieb nur, daß mein Herz und Wille, Frei von aller Heuchelei, Deinem Willen ähnlich sei! 6. Was bring' ich, o du, vor allen Meine Lust, mein Schmuck, vor Gott, Um dem Vater zu gefallen? Dein Verdienst nur, deinen Tod! Liebe zu Gott und Christo. Da du bist für mich gestorben, Hast du mir das Heil erworben. Wenn du nur der Meine bist, Hab' ich, was mir selig ist. 7. Laß mich dieses Heil erlangen, Immer sei mein höchstes Gut! Du bist ja zu Gott gegangen, Hin zum Vater durch dein Blut. Was ich brauch', um ihm zu leben, Wollest du mir alles geben; Gieb, daß ich gewissenhaft Ihm nur diene, Mut und Kraft! 8. Ich, ein Schaf von deiner Weide, Habe, Herr, mein Heil, von dir Leben, volle G'nüg und Freude Einst vor Gott und auch schon hier. Nimmer will ich dich verlassen; Alles, alles will ich hassen, Was vor dir ein Gräuel ist, Weil du meine Freude bist. 9. Eins ist not! und, Herr, dies eine Sollst du, sollst mir alles sein. Gieb mir, daß ich's redlich meine, Völlig dein sei, ewig dein, Daß von dir, o meine Freude, Keine Lust der Welt mich scheide, Daß ich denke selbst im Tod: Eins ist not! nur eins ist not! Mel.: Wer nur den lieben Gott. 6 236. Oott, Vater deiner Menschenkinder, Der du die Liebe selber bist, Du, dessen Herz auch gegen Sünder Noch gütig und voll Mitleid ist, Laß mich von ganzem Herzen dein Im Leben und im Tode sein. 300 Liebe zu Gott und Christo. 2. Gieb, daß ich als dein Kind dich liebe, Der du mich als ein Vater liebst, Und so gesinnt zu sein mich übe, Wie du mir selbst die Weisung giebst. Was dir gefällt, gefall' auch mir; Nichts scheide mich, mein Gott, von dir. 3. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden Das thut, was dir, o Gott, mißfällt. Drum laß es mich mit Sorgfalt meiden, Gefiel' es auch der ganzen Welt. Die kleinste Sünde selbst zu scheun, Laß, Vater, mich beflissen sein. 4. Laß mich um deines Namens willen Gern thun, was mir dein Wort gebeut. Kann ich's nicht, wie ich soll, erfüllen, So sieh auf meine Willigkeit Und rechne mir nach deiner Huld Die Schwachheit, Vater, nicht zur Schuld. 5. Vertilge, Herr, durch deine Liebe In mir die Liebe zu der Welt Und gieb, daß ich Verleugnung übe, Wenn mir das Eitle noch gefällt. Wie sollt' ich, was vergänglich ist, Dir vorziehn, der du ewig bist? 6. Aus Liebe laß mich alles leiden, Was mir dein weiser Rat bestimmt. Auch Trübsal führt zu ew'gen Freuden; Wer ihre Last gern auf sich nimmt, Sie willig trägt und weislich nützt, Wird mächtig von dir unterstützt. 7. In deiner Liebe laß mich sterben, So ist auch Sterben mein Gewinn, Dann werd' ich deinen Himmel erben, Wo ich dir ewig nahe bin. Liebe zu Gott und Christo. 301 Da lieb' ich in Vollkommenheit Dich, Vater der Barmherzigkeit. Balth. Münter. Mel.: Herr Christ, der einig Gott's Sohn. 237. Herr Jesu Christ, mein Leben Und ein'ge Zuversicht: Dir hab' ich mich ergeben, Verlaß, verlaß mich nicht. Ach laß mich deinen Willen Beständiglich erfüllen, Du, meiner Seele Zier! 2. Ach schenk mir deine Liebe, Du treuer Heiland mein, Daß ich dich nicht betrübe, Laß stets mich treu dir sein! Ach laß mich an dir hangen, Im Herzen dich umfangen; Denn du bist liebenswert. 3. In Liebe laß mich brennen Und halten fest an dir; Von dir soll nichts mich trennen, Du bist der liebste mir. Ach laß mich mit dir sterben Und nachmals auch ererben Das Reich der Herrlichleit. 4. Ach laß mich allzeit bleiben Ein' grüne Reb' an dir; Dir will ich mich verschreiben, Ach weiche nicht von mir! Ich bleib' dir ganz ergeben Im Tod und auch im Leben: Ach hilf mir Armen bald. 5. Gieb, daß ich mein Vertrauen Nur setz' auf dich allein; Herr, laß mich auf dich schauen 302 Liebe zu Gott und Christo. Und warten allzeit dein. Laß mich dich stetig loben Hier und hernach dort oben In alle Ewigleit. Joh. Fr. Sannom. Eigne Melodie. 238. Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr: Ich bitt', wollst sein von mir nicht fern Mit deiner Güt' und Gnaden. Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Erd' und Himmel frag' ich nicht, Wenn ich dich nur kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Teil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr. 2. Es ist, Herr, dein Geschenk und Gab' Mein Leib und Seel' und was ich hab' In diesem armen Leben: Damit ich's brauch' zum Lobe dein, Zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, Wollst du mir Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr', Des Satans List und Lügen wehr, In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ich's trag' geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, Tröst meine Seel' in Todesnot. 3. Herr, laß die lieben Engel dein Am letzten End' die Seele mein In Abrahams Schoß tragen, Den Leib in seinem Kämmerlein Liebe zu Gott und Christo. 303 Gar sanft ohn' ein'ge Qual und Pein Ruhn bis zum jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud', o Gottessohn, Mein Heiland und mein Gnadenthron. Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich, Ich will dich preisen ewiglich. Martin Schalling. Mel.: Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. 239. Ich will dich immer treuer lieben, Mein Heiland, gieb mir Kraft dazu! Lang hat die Welt mich umgetrieben, Nun schenkst du mir die wahre Ruh', Die Ruh', mit der nichts zu vergleichen, Der alle Königskronen weichen, Die uns den Himmel offen zeigt. Ach daß ich ganz in Lieb' zerflösse, Für deiner Liebe Wundergröße, Die alles Wissen übersteigt. 2. Wie freundlich hast du mich geladen, Wie ging mir dein Erbarmen nach! Ich floh vor dir zu meinem Schaden Und rang nach Tod und Ungemach; Du aber nahmst ohn' mein Verlangen In deiner Liebe mich gefangen Und offenbaretest dich mir. Nimm, Seelenfreund, für diese Treue Mein ganzes Herz, das ich dir weihe: Entreiß mir's doch und nimm es dir. 3. O lehre mich, mich selbst vergessen, Damit ich nur an dich gedenk'; Lehr mich nach dir nur alles messen, Daß ich mich ganz in dich versenk'! Möcht' aller Tand von mir verschwinden, 304 Liebe zu Gott und Christo. Um dich vollkommener zu finden, Du süße Lieb' und höchstes Gut! Werd' ich mein Leben recht verlieren, So wirst du Kräfte in mich führen, Daß ich dich lieb' mit heißer Glut. 4. Ich hange nicht an deinen Gaben, Dich, Jesu, such' ich ganz allein; Soll ich nichts zu genießen haben, Ich will auch wohl zufrieden sein. Vertausch den Trieb nach eitlen Freuden Mit der Bereitschaft, still zu leiden, Und mach in allem mich getreu. Nimm hin mein Wollen, Denken, Richten, Mein eigen Laufen, Wirken, Dichten, Daß nichts denn du mehr übrig sei. 5. Mir ist am seligsten geraten, Wenn ich aus eigner Wahl nichts thu'; Ein andrer sinn' auf große Thaten, Mein Geist erblicket eine Ruh', Worin er stille das vollführet, Was von des Geistes Trieben rühret, Und das heißt recht in Gott gethan. O mischte sich doch in mein Lieben Nichts mehr von meinen eignen Trieben, So fing' ich recht zu lieben an. 6. Getreuer Jesu, soll ich hoffen, Daß meine Liebe treuer werd'? Ach ja! dein Herze steht noch offen Dem, welcher ernstlich Hülf' begehrt. Ich flieh' zum Reichtum deiner Güte, Durchleucht mein dunkeles Gemüte, Daß ich, was du nicht selber bist, Erkenn' und haß' und dämpf' und töte: So schau' ich nach der Morgenröte, Wie hell die Sonne selber ist. Joh. Adam Flessa. Liebe zu Gott und Christo. 305 Eigne Melodie. 2⁴⁰. Ich will dich lieben, meine Stärke; Ich will dich lieben, meine Zier: Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen allerbesten Freund; Ich will dich lieben und erheben, Solange mich dein Glanz bescheint; Ich will dich lieben, Gottes Lamm, Das starb am Kreuzesstamm. 3. Ach, daß ich dich so spät erkannte, Du hochgelobte Liebe du! Daß ich nicht eher mein dich nannte, Du höchstes Gut und wahre Ruh'! Es ist mir leid, ich bin betrübt, Daß ich so spät geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte dich und fand dich nicht; Ich hatte mich von dir gewendet Und liebte das geschaffne Licht. Nun aber ist's durch dich geschehn, Daß ich dich hab' ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke dir, du Himmelswonne, Daß du mich froh und frei gemacht; Ich danke dir von Herzensgrund, Daß du mich machst gesund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn; Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille stehn; 20 306 Liebe zu Gott und Christo. Erleucht mir Leib und Seele ganz, Du starker Himmelsglanz. 7. Ich will dich lieben, meine Krone; Ich will dich lieben, meinen Gott, Dich lieben auch bei Schmach und Hohne, Auch in der allergrößten Not; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. Joh. Scheffler. Mel.: Nun komm, der Heiden Heiland. 2I. Jesu, komm doch selbst zu mir Und verbleibe für und für; Komm doch, treuer Seelenfreund, Liebster, den mein Herze meint. 2. Tausendmal begehr' ich dich, Weil sonst nichts vergnüget mich; Tausendmal ruf' ich zu dir: Jesu, Jesu, komm zu mir. 3. Keine Lust ist auf der Welt, Die mein Herz zufrieden stellt. Jesu, nur dein Beimirsein Nenn' ich meine Lust allein. 4. Nimm nur alles von mir hin, Ich verändre nicht den Sinn; Du, o Jesu, mußt allein Ewig meine Freude sein. 5. Keinem andern sag' ich zu, Daß ich ihm mein Herz aufthu'; Dich alleine lass' ich ein, Dich alleine nenn' ich mein. 6. O so komm denn in mein Herz, Komm und heile meinen Schmerz; Denn ich rufe für und für: Jesu, Jesu, komm zu mir. — Liebe zu Gott und Christo. 7. Nun, ich warte mit Geduld, Bitte nur um diese Huld, Daß du mir in Todespein Wollst mein Trost, o Jesu, sein. Joh. Scheffler. Eigne Melodie. 2⁴2. Jesu, meine Freude, ler. Meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier! Ach, wie lang, wie lange Ist dem Herzen bange Und verlangt nach dir; Ich bin dein und du bist mein, Und es soll auf dieser Erden Mir nichts lieber werden. 2. Unter deinem Schirmen ö‚ Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei. Mag die Hölle wüten, Ich kann Trotz ihr bieten: Jesus steht mir bei. Ob die Welt in Trümmer fällt, Ob gleich Sünd' und Tod mich schrecken, Jesus wird mich decken. 3. Weg mit allen Schätzen! Du bist mein Ergötzen, Jesu, meine Lust. Weg, ihr eitlen Ehren! Will von euch nicht hören, Bleibt mir unbewußt! Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 4. Fahre hin, o Wesen, Das die Welt erlesen! 308 Liebe zu Gott und Christo. Mir gefällst du nicht. ö Weicht von mir, ihr Sünden, ö Bleibet weit dahinten, Kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, o Stolz und Pracht! Dir sei ganz, o Sündenleben, Abschied nun gegeben! 5. Weicht, ihr Trauergeister! Denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Lauter Freude sein. Duld' ich schon hier Spott und Hohn, Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. Joh. Franck. Mel.: Jesu, meines Lebens Leben. 2⁴3. Jesu, meiner Seele Leben, Meines Herzens höchste Freud', Dir will ich mich ganz ergeben Jetzt und auch in Ewigkeit. Meinen Gott will ich dich nennen Und vor aller Welt bekennen, Daß ich dein bin und du mein; Ich will keines andern sein. 2. Deine Güt' hat mich umfangen Gleich, als mich die Welt umfing; Dir bin ich schon angehangen, Als an Mutterbrust ich hing; Dein Schoß hat mich aufgenommen, Als ich an das Licht gekommen. Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein. 3. Oft hat mich in meiner Jugend Deine Gnadenhand gefaßt, inck. Liebe zu Gott und Christo. Wenn die Frömmigkeit und Tugend Meinem Sinne war verhaßt. Ohne dich wär' ich verdorben Und in Sünden längst gestorben. Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein. 4. Irr' ich, sucht mich deine Liebe, Fall' ich, richtet sie mich auf, Tröstet, wenn ich mich betrübe, Stärket mich in meinem Lauf; Bin ich arm, giebt sie mir Güter, Droht Gefahr, ist sie mein Hüter. Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein. 5. Dein Geist zeiget mir das Erbe, Das mir droben beigelegt; Ich weiß, wenn ich heute sterbe, Wo man meine Seel' hinträgt: Zu dir, Jesu, in die Freude, Daß von dir mich nichts mehr scheide. Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein. 6. Drum, ich sterbe oder lebe, Bleib' ich doch dein Eigentum; Dir allein ich mich ergebe, Du bist meiner Seele Ruhm, Meine Zuversicht und Freude Und mein süßer Trost im Leide. Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein. 7. Höre, Jesu, noch ein Flehen Und verwirf die Bitte nicht: Wenn die Augen nicht mehr sehen, Wenn den Lippen Kraft gebricht, Wenn das Herz hört auf zu schlagen, Dann noch laß mein Seufzen sagen: Liebe zu Gott und Christo. 310 Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein. Christian Seriver. Mel.: Unser Herrscher, unser König. 244. Liebe, die du mich zum Bilde ö Deiner Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 2. Liebe, die du mich erkoren, Eh' ich noch erschaffen war, Liebe, die du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich gelitten Und gestorben in der Zeit, Liebe, die mir hat erstritten Ew'ge Lust und Seligkeit: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 4. Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn, Liebe, die mich überwunden Und mein Herz hat ganz dahin: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 5. Liebe, die mich ewig liebet Und für meine Seele bitt't, Liebe, die ich tief betrübet Und die dennoch mich vertritt: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. ber. Liebe zu Gott und Christo. 6. Liebe, die mich wird entrücken Aus dem Grab der Sterblichkeit, Liebe, die mich einst wird schmücken Mit der Kron' der Herrlichkeit: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 245. Mein alles, was ich liebe Mit heißem Herzenstriebe, Sei mein Herr Jesus Christ, Weil ich in ihm besitze, Was einer Seele nütze, Was einem Menschen köstlich ist. 2. Das Herz kann nichts ergründen, Das nicht in ihm zu finden; Da wird es freudenvoll. Denn dies ist Gottes Wille, Daß alle Gottesfülle In ihm leibhaftig wohnen soll. 3. Ich harre und begehre Ohn' Jesum keiner Ehre Und keines andern Lichts; Von Weisheit, von Ergötzen, Von Herrlichkeit und Schätzen Begehr' ich ohne Jesum nichts. 4. Nur er soll mir auf Erden Der Weg zur Weisheit werden, Mein Leitstern in der Zeit, Mein Schatz, der ewig währe, Mein Friede, meine Ehre, Mein Himmel, meine Seligkeit. 5. Wird einst die Seele scheiden, Daß sie aus diesem Leiden In Salems Thore tritt, Bring' ich als Schmuck und Krone Joh. Scheffler. —— 312 Liebe zu Gott und Christo. Sonst nichts vor Gottes Throne, Als meines Jesu Namen mit. 6. Ihm will ich mich ergeben, In diesem Namen leben Und in ihm gläubig sein, In ihm auch herzlich lieben, Geduld in ihm nur üben; In Jesu bet' ich auch allein. 7. Ich will in Jesu sterben, Ich will in Jesu erben, In Jesu auferstehn, In ihm gen Himmel fahren Und mit den sel'gen Scharen In seinem Licht ihn ewig sehn. Ph. Fr. Hiller. Eigne Melodie. 246. Meinen Jesum lass' ich nicht; Er hat sich für mich gegeben. Sollt' ich nicht aus Dank und Pflicht An ihm hangen, in ihm leben? Er ist meines Lebens Licht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 2. Jesus bleibt mein Teil und Ruhm Bis an meines Lebens Ende. Ihm geb' ich zum Eigentum Mich in seine treuen Hände. Er ist meine Zuversicht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 3. Wenn mein Auge schon verlischt, Wang' und Lippen sich entfärben, Mich kein Labsal mehr erfrischt, Alle Sinne mir ersterben Und das matte Herz nun bricht: Meinen Jesum lass' ich nicht. Liebe zu Gott und Christo. 4. Dort auch lass' ich Jesum nie, Hange stets an seinen Blicken; Denn nach dieses Lebens Müh' Wird er ewig mich erquicken. Dann seh' ich sein Angesicht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 5. Weder Welt noch Himmel ist's, Was mein sehnlich Herz begehret; Du allein, mein Jesu, bist's, Du, mit Fluch für mich beschweret; Du vertrittst mich im Gericht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 6. Jesum lass' ich nicht von mir, Geh' ihm ewig an der Seiten; Christus wird mich für und für Zu den Lebensbächen leiten. Selig, wer von Herzen spricht: Meinen Jesum lass' ich nicht. Nach Christ. Keymann. Mel.: Ach Gott und Herr. 2⁴7⁷. Mein Freund ist mein Und ich bin sein, Ihm hab' ich mich ergeben. In Freud' und Leid Bin ich bereit, Dir, Jesu, stets zu leben. 2. Ich glaub' an dich, An dir hang' ich; Ich will dich auch nicht lassen, Bis du mich wirst, O Lebensfürst, Mit deiner Gnad' umfassen. 3. Mir zum Gewinn Gabst du dich hin 314 Liebe zu Gott und Christo. Dein Todeskampf und Sterben Hat mich versöhnt, ö Ja gar gekrönt Zu einem Himmelserben. ö 4. Die Kreuzeslast, Die du hier hast Für mich auf dich genommen, Hat mich befreit Von allem Leid, Das sonst auf mich gekommen. 5. Trotz sei dem Tod Und aller Not! Von dir kann mich nichts wenden, Weil ich forthin Bewahret bin In deinen treuen Händen. 6. In deinem Reich Werd' ich nun gleich Den lieben Engeln werden Und sicher sein Vor aller Pein, Vor Not und vor Beschwerden. 7. Herr Jesu Christ, Allein du bist Mein höchster Schatz auf Erden; Ach laß mich nicht, Mein Lebenslicht, Von dir geschieden werden! 8. Denn du bist mein Und ich bin dein, 5 Dir hab' ich mich ergeben In Glück und Freud', In Kreuz und Leid, Im Sterben und im Leben. Anna Sophia, Landgräfin zu Hessen⸗Darmstadt. dl. Liebe zu Gott und Christo. Mel.: Mein Jesu, dem die Seraphinen. 2⁴8. Mein Herz will, Jesu, dich umfassen; Erwähl es, Herr, zu deinem Thron! Hast du aus Lieb' ehmals verlassen Des Himmels Pracht und deine Kron', So würd'ge auch mein Herz, o Leben, Und laß es deinen Himmel sein, Bis du, wenn dieser Bau fällt ein, Mich wirst in deinen Himmel heben. 2. Ich steig' hinauf zu dir im Glauben, Steig du in Lieb' herab zu mir; Laß nichts mir diese Freude rauben, Erfülle mich nur ganz mit dir! Ich will dich fürchten, lieben, ehren, Solang in mir der Puls sich regt, Und wenn er einst auch nicht mehr schlägt, So soll doch noch die Liebe währen. Wolfg. Chr. Deßler. 31⁵ Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 2⁴9. O Jesu, Jesu, Gottes Sohn, Mein Heiland und mein Gnadenthron, Du meine Freud' und Wonne, Du weißt es, daß ich rede wahr, Vor dir ist alles sonnenklar, Ja klarer als die Sonne. Herzlich lieb' ich Mit Gefallen dich vor allen, Nichts auf Erden Kann und mag mir lieber werden. 2. Dies ist mein Schmerz, dies kränket mich, Daß ich nicht g'nug kann lieben dich, Wie ich dich lieben wollte. Je mehr die Lieb' in mir entbrennt, Um so viel mehr mein Herz erkennt. 316 Liebe zu Gott und Christo. Wie es dich lieben sollte. Von dir laß mir Deine Güte ins Gemüte Lieblich fließen, So wird sich die Lieb' ergießen. 3. Durch deine Kraft treff' ich das Ziel, Daß ich, soviel ich soll und will, Dich allzeit lieben könne. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Nicht Pracht, Lust, Ehre, Gut und Geld, Wenn ich mich recht besinne, Kann mich ohn' dich G'nugsam laben; dich zu haben, Dich zu lieben Tröstet, wenn auch nichts geblieben. 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, Schaffst seinem Herzen Fried' und Ruh', Erfreuest sein Gewissen. ö Wie's ihm auch geht auf dieser Erd', Wie sehr ihn auch das Kreuz beschwert, Soll er doch dein genießen. Ewig selig, Nach dem Leide große Freude Wird er finden: Alles Trauern muß verschwinden. 5. Kein Ohr hat jemals dies gehört, Kein Mensch gesehen noch gelehrt, Es läßt sich nicht beschreiben, Was denen dort für Herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit't, 5 Die in der Liebe bleiben. Nimmer läßt sich Hier erreichen noch vergleichen Erdenschätzen, Was uns wird bei dir ergötzen. Liebe zu Gott und Christo. 317 6. Drum lass' ich billig dies allein, O Jesu, meine Sorge sein, Daß ich dich herzlich liebe, Daß ich in dem, was dir gefällt, Was mir dein Wort vor Augen hält, Aus Liebe stets mich übe, Bis ich endlich Werd' abscheiden und mit Freuden Zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. 7. Da werd' ich deine Freundlichkeit, Die hoch gerühmt ist weit und breit, In reiner Liebe schmecken Und sehn dein liebreich Angesicht Mit unverwandtem Augenlicht Ohn' alle Furcht und Schrecken. Reichlich werd' ich Dann erquicket und geschmücket Vor dem Throne Mit der schönen Himmelskrone. Joh. Heermann. Mel.: Valet will ich dir geben. 250. Schatz über alle Schätze, O Jesu, du mein Ruhm, An dem ich mich ergötze, Dir sei ein Heiligtum In meinem treuen Herzen, Mein Heiland, zugeteilt, Weil du mit deinen Schmerzen Mir meinen Schmerz geheilt. 2. Ach Freude meiner Freuden, Du wahres Himmelsbrot, Damit ich mich kann weiden, Das meine Seelennot Liebe zu Gott und Christo. 3¹⁸ Ganz kräftiglich kann stillen Und mich in Leidenszeit So reichlich kann erfüllen Mit Trost und Freudigkeit! 3. Laß, Liebster, mich erblicken Dein freundlich Angesicht; Mein Herze zu erquicken, Komm, komm, mein Freudenlicht! Denn ohne dich zu leben, Ist lauter Herzeleid; Vor deinen Augen schweben Ist wahre Seligkeit. 4. O reicher Quell des Lebens, O Jesu, süße Ruh', Dich such' ich nie vergebens, Schickt Gott ein Kreuz mir zu. Drum will ich stille leiden, Und soll mich keine Pein Von deiner Liebe scheiden, x Noch mir beschwerlich sein. 5. Mein Herz bleibt dir ergeben, Dein eigen für und für Im Sterben und im Leben. ö Viel lieber will mit dir Des Kreuzes Schmach ich leiden, Als, Liebster, ohne dich Genießen eitle Freuden, Reich und doch jämmerlich. 6. O Herrlichkeit der Erden, é Dich mag und will ich nicht, x Mein Geist will himmlisch werden 5 Und ist dahin gericht't, Wo Jesus wird geschauet: Da sehn' ich mich hinein, Wo Jesus Hütten bauet; Denn dort ist's gut zu sein. Liebe zu Gott und Christo. 7. Drum, Jesu, mein Verlangen, O komm und wohn in mir, Laß fest an dir mich hangen, Du, meiner Seele Zier. Setz endlich mich aus Gnaden In deine Freudenstadt: So kann mir niemand schaden, So bin ich reich und satt. Sal. Liscow. Eigne Melodie. 251. Wenn ich ihn nur habe, Wenn er mein nur ist, Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seiner Treue nie vergißt, Weiß ich nichts von Leide, Fühle nichts als Andacht, Lieb' und Freude. 2. Wenn ich ihn nur habe, Lass' ich alles gern, Folg' an meinem Wanderstabe Treugesinnt nur meinem Herrn, Lasse still die andern Breite, lichte, volle Straßen wandern. 3. Wenn ich ihn nur habe, Schlaf' ich fröhlich ein; Ewig wird zu süßer Labe Mir sein treues Lieben sein, Das mit sanftem Zwingen Alles wird erreichen und durchdringen. 4. Wenn ich ihn nur habe, Hab' ich auch die Welt, Und des Himmels reiche Gabe Meinen Blick nach oben hält; Hingesenkt im Schauen, Kann mir vor dem Irdischen nicht grauen. 5. Wo ich ihn nur habe, Ist mein Vaterland, 320 Liebe zu Gott und Christo. Und es fällt mir jede Gabe Wie ein Erbteil in die Hand; Längst vermißte Brüder Find' ich nun in seinen Jüngern wieder. Friedr. v. Hardenberg(Novalis). Mel.: Seelenbräutigam. 252. Wer ist wohl wie du, Jesu, süße Ruh'! Von dem Vater auserkoren, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh'! 2. Glanz der Herrlichkeit, Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket Und in unser Fleisch versenket In der Füll' der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 3. Großer Siegesheld, Tod, Sünd', Höll' und Welt Hast du kräftiglich bezwungen Und ein ewig Heil errungen Für die Sünderwelt, Durch dein Blut, o Held! 4. Laß mich deinen Ruhm Als dein Eigentum Durch des Geistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe brennen Als dein Eigentum, Allerschönster Ruhm. 5. Deiner Sanftmut Schild, Deiner Demut Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn und Stolz sich rege; 28598 Liebe zu Gott und Christo. Vor dir sonst nichts gilt, Als dein eigen Bild. 6. Steure meinen Sinn, Der zur Welt will hin, Daß ich nicht von dir mög' wanken, Sondern bleiben in den Schranken; Sei du mein Gewinn, Gieb mir deinen Sinn. 7. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Möge festen Schritts vollbringen, Und die Sünd' in ihren Schlingen Mich nicht halte auf; Fördre meinen Lauf. 8. Deines Geistes Trieb In die Seele gieb, Daß ich wachen mög' und beten, Freudig vor dein Antlitz treten; Ungefärbte Lieb' In die Seele gieb. 9. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Wollst du deine Hand ausstrecken. Habe auf mich acht, Hüter in der Nacht! 10. Einen Heldenmut, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Fleisches Lüste hasse, Gieb mir, höchstes Gut, Durch dein teures Blut. 11. Soll's zum Sterben gehn, Wollst du bei mir stehn, Mich durchs Todesthal begleiten 322 Liebe zu Gott und Christo. Und zur Herrlichkeit bereiten, Daß ich in der Höh' Dir zur Rechten steh'. Joh. Anastasius Freylinghausen. ———— Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 259. Wie leuchtet uns der Morgenstern Voll Gnad' und Wahrheit von dem Herrn, Der Sohn, des ich mich tröste! In seinem Lichte seh' ich dich, O Vater, weil dein Sohn auch mich Vom Fluch und Tod erlöste. ö Herrlich ist er, ö Mächtig, selig, und unzählig Sind die Gaben, Welche wir in Jesu haben. 2. Du hier mein Retter, dort mein Lohn, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, Mein Ruhm und meine Freude! Von ganzem Herzen lieb' ich dich; O gieb, mein Heil, daß dich und mich Nie Erd' und Himmel scheide! Jesu, Jesu, Ewig's Leben willst du geben Gottes Kindern, Allen treuen Überwindern. 3. Durch dich nur kann ich selig sein; Geuß tief in meine Seel' hinein Die Flamme deiner Liebe, Daß brünstig meine Lieb' auch sei, Daß ich mich, bis zum Tode treu, Dir zu gefallen übe! Fliehen will ich, Gern verlassen, was zu hassen Deine Lehren Mir gebieten, dir zu Ehren. ern rn, 'hn, Liebe zu Gott und Christo. 323 4. Den Vater hab' ich, Sohn, in dir; Wenn du mich liebst, wie wohl ist mir, Wie fühl' ich mich entzücket! Wenn, Heiland, o mein höchstes Gut, Dein Wort mich stärkt, dein Leib, dein Blut: Wie fühl' ich mich erquicket! Hilf nur, Jesu, Hilf mir Schwachen! Hilf mir wachen, Kämpfen, ringen, Mich zu dir hinauf zu schwingen! 5. Und wie, Gott Vater, preis' ich dich? Wie hoch, wie gnädig hast du mich Schon vor der Welt geliebet! Dein Sohn hat mich mit dir vereint; Er ist mein König, ist mein Freund, eimmt hin, was mich betrübet. Ewig liebt er. Den erwähle meine Seele Sich zum Freunde, Und ich fürchte keine Feinde. 6. Ihm, welcher Höll' und Tod bezwang, Ihm, ihm soll unser Lobgesang Mit jedem Tag erschallen, Dem Lamme, das erwürget ist, Dem Freunde, der uns nie vergißt, Zum Ruhm und Wohlgefallen. Tönet, tönet, Jubellieder! Schallet wieder, Daß die Erde Voll von seinem Lobe werde! 7. Wie freu' ich mich, o Jesu Christ, Daß du der erst' und letzte bist, Der Anfang und das Ende! Ich gebe, Heiland, meinen Geist, Wenn er sich einst dem Staub entreißt, In deine treuen Hände! 21· 32⁴ Liebe zu Gott und Christo. Dank dir! Preis dir! Herr, wir müssen— denn wir wissen, Wem wir trauen— Einst dein Antlitz ewig schauen. Nach Ph. Nicolai. Eigne Melodie. 254. Wie schön leucht't uns der Morgen⸗ stern, Voll Gnad' und Wahrheit von dem Herrn Uns herrlich aufgegangen! Du Davids Sohn aus Jakobs Stamm, Mein König und mein Bräutigam, Du hältst mein Herz umfangen. Lieblich, freundlich, Schön und prächtig, groß und mächtig, Reich an Gaben, Über alles hoch erhaben. 2. O meine Perl', du werte Kron', Sohn Gottes und Mariens Sohn, Vom Vater uns gegeben, Du bist des Herzens höchster Ruhm, Dein süßes Evangelium Ist lauter Geist und Leben. Jesu, Jesu, Hosianna, himmlisch Manna, Das wir essen, Deiner kann ich nicht vergessen. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, Du helles Licht und Himmelsschein, Die Flamme deiner Liebe Und stärk mich, das ich ewig bleib', O Herr, ein Glied an deinem Leib, Ein Glied voll Lebenstriebe. Nach dir wallt mir, Ew'ge Güte, mein Gemüte, Liebe zu Gott und Christo. 32⁵ Bis es findet Dich, des Liebe mich entzündet. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, Wenn du mit deinem Angesicht Mich freundlich wirst anblicken. O Jesu, du mein trautes Gut, Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut Mich innerlich erquicken. Nimm mich freundlich In die Arme; laß erwarmen Mich in Gnaden; Auf dein Wort komm' ich geladen. 5. Gott Vater, du mein starker Held, Du hast mich ewig vor der Welt In deinem Sohn geliebet; Er hat sich innig mir vertraut, Auf ihn mein Herz mit Freuden schaut, Daß nun mich nichts betrübet. Heil mir, heil mir! Himmlisch Leben wird er geben Mir dort oben; Ewig soll mein Herz ihn loben. 6. Die Saiten stimmt zu hellem Klang Und laßt den süßen Lobgesang Ganz freudenreich erschallen, Daß ich mit Jesu mög' allein, Der mir soll eins und alles sein, In steter Liebe wallen. Singet, klinget, Jubilieret, triumphieret, Dankt dem Herren, Ihm, dem Könige der Ehren! 7. Wie bin ich doch so herzlich froh, Daß mein Freund ist das A und O, Der Anfang und das Ende. Er wird mich auch, wie er verhieß, Liebe zu Gott und Christo. 326 Aufnehmen in das Paradies, In seine treuen Hände. Amen, Amen. Komm, du schöne Freudenkrone! Bleib nicht lange, Deiner wart' ich mit Verlangen. Ph. Nicolai. I. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 255. Wie sollt' ich meinen Gott nicht lieben? Gott hat mich je und je geliebt Und mir sein ganzes Herz verschrieben, Da er den eignen Sohn mir giebt. Durch diese Gabe zeigt er an, Wie herzlich er mir zugethan. 2. Er hat von Ewigkeit beschlossen, Ich soll sein Kind und Erbe sein; ö Bisher ist keine Zeit verflossen, Da nicht ein neuer Liebesschein Mich täglich fester überzeugt, Er sei mir väterlich geneigt. 3. So hat er mich zu sich gezogen, Daß ich nicht mehr mein eigen bin; Und weil er mir so sehr gewogen Und liebet mich von Anbeginn, So ist es meines Herzens Schluß, Daß ich ihn wieder lieben muß. 4. Wer wollte sich nicht ziehen lassen, Wenn man in Liebesseilen geht? Gewiß, der muß sich selber hassen, Der dieser Liebe widersteht Und nicht, von Gegenlieb' entbrannt, Gern geht an dieser Liebeshand. 5. Doch weil ich nicht aus eignen Kräften, Wie du wohl weißt, imstande bin, Des Fleisches Lust aus Kreuz zu heften, n, Lob und Dank. 327 So zieh, mein Gott, den trägen Sinn Durch deine Kraft so fest zu dir, Daß ich in dir bleib', du in mir. 6. Gieb, daß ich mich der Welt entziehe, Die mich auf Sündenwege führt, Und ihre goldnen Netze fliehe, Darinnen mancher sich verliert, Wenn er bei Wollust, Gut und Geld In Seelennot und Tod verfällt. 7. Führst du mich gleich auf rauhen Wegen: Das Kreuz ist auch ein Liebesseil. Wer dessen Frucht will recht erwägen, Der findet hier das beste Teil, Das ihn auch auf der Dornenbahn Zu Himmelsfreuden führen kann. 8. Und endlich wirf mir auch im Sterben Das Rettungsseil der Liebe zu Und ziehe mich aus dem Verderben Durch Jesu Tod ins Land der Ruh'. Dort ist die beste Einigkeit, Da lieben wir in Ewigkeit. Benj. Schmolck. IIX. Lob und Dank. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 256. Bis hieher hat mich Gott gebracht Durch seine große Güte; Bis hieher hat er Tag und Nacht Bewahrt Herz und Gemüte; Bis hieher hat er mich geleit't, Bis hieher hat er mich erfreut, Bis hieher mir geholfen. 2. Hab Lob und Ehre, Preis und Dank Für alle deine Treue, 3²28 Lob und Dank. Die du, o Gott, mir lebenslang Bewiesen stets aufs neue! In mein Gedächtnis schreib' ich an: Der Herr hat große Ding' gethan An mir und mir geholfen. 3. Hilf fernerhin, mein treuer Hort, Hilf mir zu allen Stunden, Hilf mir an all' und jedem Ort, Hilf mir durch Jesu Wunden, Hilf mir im Leben und im Tod, Durch Christi Blut hilf mir, mein Gott! Hilf mir, wie du geholfen. Amilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg⸗ Rudolstadt. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 257. Bringt her dem Herren Lob und Ehr' Aus freudigem Gemüte! Ein jeder Gottes Ruhm vermehr' Und preise seine Güte! Ach lobet, lobet alle Gott, Der uns befreiet aus der Not, Und danket seinem Namen! 2. Lobt Gott und rühmet allezeit Die großen Wunderwerke, Die Majestät und Herrlichkeit, Die Weisheit, Kraft und Stärke, Die er beweist in aller Welt Und dadurch alle Ding' erhält: Drum danket seinem Namen! 3. Lobt Gott, der uns erschaffen hat, Leib, Seele, Geist und Leben Aus lauter väterlicher Gnad' Uns allen hat gegeben, Der uns durch seine Engel schützt Und täglich darreicht, was uns nützt: Drum danket seinem Namen! Lob und Dank. 329 4. Lobt Gott! Er schenkt uns seinen Sohn, Der für uns ist gestorben Und uns des ew'gen Lebens Kron' Durch seinen Tod erworben, Der Frieden hat mit Gott gemacht Und seinen ganzen Rat vollbracht: Drum danket seinem Namen! 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist Den Glauben angezündet Und alles Gute noch verheißt, Uns stärket, kräftigt, gründet, Der uns erleuchtet durch sein Wort, Regiert und treibet fort und fort: Drum danket seinem Namen! 6. Lobt Gott, der auch das gute Werk, So in uns angefangen, Vollführen wird und geben Stärk', Das Kleinod zu erlangen, Das er hat allen dargestellt Und seinen Gläub'gen vorbehält: Drum danket seinem Namen! 7. Lobt Gott, ihr starken Seraphim, Ihr Engel und ihr Thronen! Es loben Gott mit heller Stimm', Die hier auf Erden wohnen! Lobt Gott und preist ihn früh und spat! Ja alles, was nur Odem hat, Das danke seinem Namen! Cyriakus Günther. Eigne Melodie. 258. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere, Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort. 330 Lob und Dank. 2. Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne? Wer führt die Sonn' aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne Und läuft den Weg gleich als ein Held. 3. Vernimm's und siehe die Wunder der Werke, Die Gott vor Augen dir gestellt! Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke Dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? 4. Kannst du der Wesen unzählbare Heere, Den kleinsten Staub fühllos beschaun? Durch wen ist alles? O gieb ihm die Ehre! „Mir“, ruft der Herr,„sollst du vertraun.“ 5.„Mein ist die Kraft, mein ist Himmel und Erde; An meinen Werken kennst du mich. Ich bin's und werde sein, der ich sein werde, Dein Gott und Vater ewiglich.“ 6.„Ich bin dein Schöpfer, bin Weisheit und Güte, Ein Gott der Ordnung und dein Heil. Ich bin's, mich liebe von ganzem Gemüte Und nimm an meiner Gnade teil.“ Chr. Fürchtegott Gellert. Mel.: Die Himmel rühmen. 259. Du bist's, dem Ruhm und dem Ehre gebühret, Und Ruhm und Ehre bring' ich dir. Du, Herr, hast immer mein Schicksal regieret, Und deine Hand war über mir. — Lob und Dank. 331 2. Wenn Angst und Not meiner Hütte sich nahte, So hörte Gott der Herr mein Flehn Und ließ nach seinem barmherzigen Rate Mich nicht in meiner Not vergehn. 3. Ich sank in Schmerzen und Krankheit danieder Und rief: O Herr, errette mich! Da half mir Gott, der Allmächtige, wieder, Und mein Gebein erfreute sich. 4. Wenn mich der Haß meiner Feinde betrübte, So klagt' ich kindlich meinen Schmerz; Gott half, daß ich keine Rache verübte, Und stärkte durch Geduld mein Herz. 5. Wenn ich, verirrt von dem richtigen fade, In Sünden mich gefangen sah, Rief ich zu ihm, zu dem Vater der Gnade, Und seine Gnade war mir nah. 6. Um Trost war oft meiner Seele so bange, Denn Gott verbarg sein Angesicht. Ich rief zum Vater: Ach Herr, wie so lange! Und Gott verließ den Schwachen nicht. 7. Er half und wird mich auch ferner erlösen, Er hilft; der Herr ist fromm und gut. Er hilft aus aller Versuchung zum Bösen Und giebt mir zu der Tugend Mut. 8. Dir dank' ich, Gott, für die Fülle der Freuden, Womit mich deine Hand beglückt; Dir dant' ich auch für die Prüfung der Leiden, Die du mir liebreich zugeschickt. 332 Lob und Dank. 9. Dir dank' ich froh für die Güter der Erden, Für die Geschenke deiner Treu'; Dir dank' ich, dir; denn du hießest sie werden, Und deine Güt' ist täglich neu. 10. Dir dank' ich, Gott, für die Wunder der Güte: Selbst deinen Sohn gabst du für mich. Von ganzer Seele, von ganzem Gemüte, Von allen Kräften preis' ich dich. 11. Erhebt ihn ewig, ihr göttlichen Werke! Die Erd' ist voll der Huld des Herrn. Sein, sein ist Ehre und Weisheit und Stärke; Er hilft und er errettet gern. 12. Er hilft: des Abends noch währet die Klage, Der Morgen bringt Zufriedenheit. Nach einer Prüfung nur weniger Tage Erhebt er uns zur Seligkeit. 13. Niemals vergiß deines Gottes, o Seele! Vergiß nicht, was er dir gethan! Verehr und halt seine heil'gen Befehle Und bet ihn durch Gehorsam an! Nach Chr. Fürchtegott Gellert. . Eigne Melodie. 260. Gott ist mein Lied! Er ist der Gott der Stärke; Herr ist sein Nam', und groß sind seine Werke Und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und spricht's, So sind und leben Welten; Und er gebeut, so fallen durch sein Schelten Die Himmel wieder in ihr Nichts. Lob und Dank. 333 3. Licht ist sein Kleid Und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste Ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, Ein Meer von Seligkeiten, Ohn' Anfang Gott und Gott in ew'gen Zeiten, Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war In Himmel, Erd' und Meere, Das kennet Gott, und seiner Werke Heere Sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, Schafft, daß ich sicher ruhe; Er schafft, was ich vor- oder nachmals thue, Und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, Du sitzest oder gehest; Ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest, So ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn Und allen Rat der Seele; Er weiß, wie oft ich Gutes thu' und fehle, Und eilt, mir gnädig beizustehn. 9. Er wog mir dar, Was er mir geben wollte, Schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte, Da ich noch unbereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, Das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines Namens Ehre, Dein Lob in meinem Munde sein. 11. Wer kann die Pracht Von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, Verkündigt seines Schöpfers Macht. 334 Lob und Dank. 12. Der kleinste Halm Ist deiner Weisheit Spiegel. Du, Luft und Meer, ihr, Auen, Thal und Hügel, Ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 13. Du tränkst das Land, Führst uns auf grüne Weiden; Und Nacht und Tag und Korn und Wein und Freuden Empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; Sollt' ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, Daß deine Hand mein Leben hält? 15. Ist Gott mein Schutz, Will Gott mein Retter werden, So frag' ich nichts nach Himmel und nach Erden Und biete selbst der Hölle Trutz. Chr. Fürchtegott Gellert. Eigne Melodie. 261. Himmel, Erde, Luft und Meer Zeugen von des Schöpfers Ehr'; Meine Seele, sing auch du, Bringe auch dein Lob herzu! 2. Seht das große Sonnenlicht, Wie es durch die Wolken bricht; Mondesglanz und Sternenpracht Loben Gott in stiller Nacht. 3. Sehet, wie den Erdenball Gott geziert hat überall; Wälder, Felder, Baum und Tier Zeigen Gottes Finger hier. 4. Seht, wie durch die Lüfte hin Frisch und froh die Vögel ziehn; Lob und Dank. 335 Feuerflammen, Sturm und Wind Seines Willens Diener sind. · 5. Seht der Wasserwellen Lauf, Wie sie steigen ab und auf; Von der Quelle bis zum Meer Rauschen sie des Schöpfers Ehr'. 6. Ach mein Gott, wie wunderbar Stellst du dich der Seele dar! Drücke tief in meinen Sinn, Was du bist und was ich bin. Joachim Neander. 22 Mel.: Nun danket all' und bringet Ehr'. 262. Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust, Ich sing' und mach' auf Erden kund, Was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad', Die ew'ge Quelle bist, Daraus uns allen früh und spat Viel Heil und Gutes fließt. 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd', Das uns, o Vater, nicht von dir Allein gegeben werd'? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld Mit Tau und Regen netzt? 5. Wer wärmet uns in Kält' und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Ol und Most Zu seiner Zeit gewinnt? 6. Wer giebt uns Leben, Kraft und Mut? Wer schützt mit seiner Hand 336 Lob und Dank. Des güldnen Friedens edles Gut In unserm Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, Und du mußt alles thun! Du hältst die Wacht an unsrer Thür Und läßt uns sicher ruhn. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer fromm und treu Und stehst uns, wenn wir in Gefahr Geraten, gnädig bei. 9. Du trägst uns Sünder mit Geduld Und schlägst nicht allzusehr, Ja, endlich nimmst du unsre Schuld Und wirfst sie in das Meer. 10. Du zählst, wie oft ein Frommer wein“ Und was sein Kummer sei, Und keine Thräne ist so klein, Du hebst und legst sie bei. 11. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd' entgeht. 12. Wohlauf, mein Herz, frohlock und sing Und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding', Ist selbst und bleibt dein Gut. 13. Er ist dein Schatz, dein Erb' und Teil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein' Hülf' und Heil, Schafft Rat und läßt dich nicht. 14. Was kränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg' und wirf sie hin Auf den, der dich gemacht! 15. Er hat noch niemals was versehn In seinem Regiment; XN Lob und Dank. Das nimmt ein gutes End'. 16. Wohlan, so laß ihn ferner thun Und red ihm nicht darein, So wirst du hier in Frieden ruhn Und ewig fröhlich sein. Paul Gerhardt. Eigne Melodie. 263. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, Lob ihn, o Seele, mit Jauchzen! das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf! Lasset den Lobgesang hören! 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, Der dich auf Adelers Fittigen sicher ge⸗ führet, Der dich erhält, Wie es dir selber gefällt. Hast du nicht dieses verspüret? ö 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet! ö In wie viel Not UUMN Hat nicht der gnädige Gott N Über dir Flügel gebreitet? 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet! Denke daran, Was der Allmächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet. 338 Lob und Dank. 5. Lobe den Herren; was in mir ist, lob' ö seinen Namen! Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht: Lob ihn in Ewigkeit! Amen. Joachim Neander⸗ Eigne Melodie. 264. Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis zum Tod; Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, Will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel' gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren, Und sinken wieder in den Staub. Ihre Anschläge sind auch derloren, Wenn nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, Rufe man Gott um Hülfe an. Halleluja, Halleluja! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, Des Hülfe der Gott Jakobs ist, Welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen Und hofft getrost auf Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rat und That. Halleluja, Halleluja! 4. Dieser hat HDimmel und Meer und Erden Und, was darinnen ist, gemacht. Alles muß pünktlich erfüllet werden, Was er uns einmal zugedacht. zeib nen den Lob und Dank. 339 Er ist's, der Herrscher aller Welt, Welcher uns ewig Glauben hält. Halleluja, Halleluja! 5. Zeigen sich welche, die Unrecht leiden, Er ist's, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er zur Speis' bescheiden, Was ihnen dient zur Lebenskraft; Die hart Gebundnen macht er frei, Und seiner Gnad' ist mancherlei. Halleluja, Halleluja! 6. Sehende Augen giebt er den Blinden, Erhebt, die tief gebeuget gehn. Wo er kann gläubige Seelen finden, Die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsehn ist der Fremden Trutz, Witwen und Waisen beut er Schutz. Halleluja, Halleluja! 7. Aber der Gottesvergess'nen Tritte Kehrt er mit starker Hand zurück, Daß sie nur machen verkehrte Schritte Und fallen selbst in ihre Strick'. Der Herr ist König ewiglich: Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Halleluja, Halleluja! 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Des, der so große Wunder thut! Alles, was Odem hat, rufe Amen Und bringe Lob mit frohem Mut! Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heil'gen Geist! Halleluja, Halleluja! Joh. Daniel Herrnschmidt. Mel.: Nun lob, mein' Seel', den Herren. 265. Man lobt dich in der Stille, Du hocherhabner Zions⸗Gott; 22⁰ 3⁴40 Lob und Dank. Des Rühmens ist die Fülle Vor dir, o Herr Gott Zebaoth! Du bist doch, Herr, auf Erden Der Frommen Zuversicht; In Trübsal und Beschwerden Läßt du die Deinen nicht. Drum soll dich stündlich ehren Mein Mund vor jedermann Und deinen Ruhm vermehren, Solang er lallen kann. 2. Es müssen, Herr, sich freuen Von ganzer Seel' und jauchzen hell, Die deinem Dienst sich weihen: Gelobt seist du, Gott Israel! Dein Name sei gepriesen, Der große Wunder thut Und der auch mir erwiesen Das, was mir nütz und gut. Nun, das ist meine Freude, Daß ich stets hang' an dir, Daß nichts von dir mich scheide, Solang ich walle hier. 3. Herr, du hast deinen Namen Sehr herrlich in der Welt gemacht; Noch eh' wir zu dir kamen, Hast du schon längst an uns gedacht. Du hast mir Gnad' erzeiget: Nun, wie vergelt' ich's dir?ꝰ Ach bleibe mir geneiget, So will ich für und für Den Kelch des Heils erheben Und preisen weit und breit Dich, Herr mein Gott, im Leben Und dort in Ewigkeit. Joh. Rist. lst. Lob und Dank. 341 Eigne Melodie. 266. Nun danket alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Und noch jetzund gethan. 2. Der ewig reiche Gott Woll' uns bei unserm Leben Ein immer fröhlich Herz Und edlen Frieden geben Und uns in seiner Gnad' Erhalten fort und fort Und uns aus aller Not Erlösen hier und dort. 3. Lob, Ehr' und Preis sei Gott, Dem Vater und dem Sohne Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmelsthrone, Lob dem dreiein'gen Gott, Als der von Anfang war Und ist und bleiben wird Jetzund und immerdar. Martin Rinkart. Mel.: Nun danket alle Gott. 267. Nun danket alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut Hier und an allen Enden; Der mächtig uns erhält Und von der Kindheit an Uns soviel Gutes thut, Mehr, als man rühmen kaun. 342 Lob und Dank. 2. Er, unser Vater, woll' Ein fröhlich Herz uns geben. Der Herr lass' uns, sein Volk, In stetem Frieden leben Und unsre Nachwelt auch, Daß seine Gnad' und Treu? Das ganze Land umfah' Und unser Segen sei. 3. Der ewig treue Gott Woll' uns von allem Bösen, Und was uns schaden kann, Durch seine Macht erlösen. Er schütz' uns in Gefahr, Er helf' uns allezeit Und führ' uns aus der Welt Zu seiner Seligkeit. 4. Dir, Vater, Sohn und Geist, Sei Ehr' und Preis gegeben. Wir wollen deine Huld Mit frohem Mut erheben. Und stehn wir einst verklärt In deinem Heiligtum, So sei dein Name, Gott, Auf ewig unser Ruhm. Eigne Melodie. 268. Nun danket all' und bringet Ehr', Ihr Menschen in der Welt, Dem, dessen Lob der Engel Heer Erhebt im Himmelszelt. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, Der seine Wunder überall Und große Dinge thut; Lob und Dank. 343 3. Der uns von Mutterleibe an Frisch und gesund erhält Und, wo kein Mensch uns helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt; 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch gnädig bleibt und gut, Die Straf' erläßt, die Schuld vergiebt Und nichts als Gutes thut. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, Ersrische Geist und Sinn Und werf' all' Angst, Furcht, Sorg' und chmerz In's Meeres Tiefe hin. 6. Er lasse seinen Frieden ruhn Auf unserm Vaterland: Er gebe Glück zu unserm Thun Und Heil in jedem Stand. 7. Er lasse seine Lieb' und Güt' Um, bei und mit uns gehn, Was aber ängstet das Gemüt, Gar ferne von uns stehn. 8. Solange dieses Leben währt, Sei er stets unser Heil, Und wenn wir scheiden von der Erd', Verbleib' er unser Teil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, Uns unsre Augen zu Und zeig' uns drauf sein Angesicht Dort in der ew'gen Ruh'. Paul Gerhardt. Eigne Melodie. 269. Nun lob, mein' Seel', den Herren, Was in mir ist, den Namen sein! Sein' Wohlthat thut er mehren, 3⁴⁴4 Lob und Dank. Vergiß es nicht, o Herze mein! Hat dir dein Sünd' vergeben Und heilt dein“ Schwachheit groß, Beschirmt dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoß, Mit Trost dich überschüttet, Verjüngt dem Adler gleich; Der Herr schafft Recht, behütet Die Leidenden im Reich. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilig Recht und sein Gericht, Dazu sein Güt' ohn' Maßen; Es mangelt an Erbarmung nicht. „Den Zorn läßt er bald fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld; Die Gnad' thut er nicht sparen, Den Blöden ist er hold; Sein' Güt' ist hoch erhaben Ob dem, der fürchtet ihn; So fern der Ost vom Abend, Ist unsre Sünd' dahin. 3. Wie Väter sich erbarmen Ob ihrer schwachen Kindelein, So thut der Herr uns Armen, Wenn wir ihn fürchten kindlich rein. Er kennt das arm' Gemächte Und weiß, wir sind nur Staub, Gleichwie das Gras zu rechnen, Ein' Blum' und fallend Laub: Der Wind nur drüber wehet, So ist es nimmer da: Also der Mensch vergehet, Sein Ende ist ihm nah. 4. Die Gottesgnad' alleine Steht fest und bleibt in Ewigkeit; inm nut u.. Lob und Dank. 34⁵ Sie bleibt bei der Gemeine, Die steht in seiner Furcht bereit. Sein Bund ist nicht veraltet; Gott herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet Des Lobes, dient zugleich Dem großen Herrn zu Ehren Und treibt sein heilig Wort: Mein' Seel' soll auch vermehren Sein Lob an allem Ort. Joh. Gramann. Eigne Melodie. 270. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit; Lob ihn mit Schalle, Lob ihn, o Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden: 2) Freue dich, Jsrael, seiner Gnaden! ½ 2. Der Herr regieret Über die ganze Welt; Was sich nur rühret, Froh ihm zu Füßen fällt, Viel tausend Engel um ihn schweben, 27: Psalter und Harfe ihm Ehre geben. 3. Wohlauf, ihr Heiden, Lasset das Trauern sein; Zu grünen Weiden Stellet euch willig ein! Da läßt er uns sein Wort verkünden, 2,: Machet uns ledig von allen Sünden. 4. Er giebt uns Speise Reichlich und überall, Nach Vaterweise Sättigt er allzumal; Er schaffet früh⸗ und späten Regen, : Füllet uns alle mit seinem Segen. 346 Lob und Dank. 5. Drum preis und ehre Seine Barmherzigkeit, Sein Lob vermehre, Dank ihm, o Christenheit! Uns soll hinfort kein Unfall schaden, ): Freue dich, Israel, seiner Gnaden! Matth. Apelles von Löwenstern. Eigne Melodie. 271. O daß ich tausend Zungen hätte Und einen tausendfachen Mund! So stimmt' ich damit in die Wette Aus allertiefstem Herzensgrund Ein Loblied nach dem andern an Von dem, was Gott an mir gethan. 2. O daß doch meine Stimme schallte Bis dahin, wo die Sonne steht! O daß mein Blut mit Jauchzen wallte, Solang es durch die Adern geht! Ach, wär' ein jeder Puls ein Dank Und jeder Odem ein Gesang! 3. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräser auf den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Zier Zu Gottes Ruhm belebet sein Und stimmet lieblich mit mir ein! 4. Ach, alles, alles, was ein Leben Und einen Odem in sich hat, Soll sich mir zum Gehülfen geben; Denn mein Vermögen ist zu matt, Die großen Wunder zu erhöhn, Die allenthalben um mich stehn. 5. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Lob und Dank. 347 Nur du allein, Herr Zebaoth. Du trägst mit meiner Sünden Schuld Noch jetzt unsägliche Geduld. 6. Auch habe ich in meinen Tagen Nun schon so manches Mal gespürt, Daß du mich durch so viele Plagen Getreulich hast hindurchgeführt; Selbst in der größesten Gefahr Ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 7. Wie sollt' ich nun nicht voller Freuden In deinem steten Lobe stehn? Wie sollt' ich auch im tiefsten Leiden Nicht triumphierend weiter gehn? Und fiele auch der Himmel ein, So will ich doch nicht traurig sein. 8. Ich will von deiner Güte singen, Solange sich die Zunge regt; Ich will dir Freudenopfer bringen, Solange sich mein Herz bewegt; Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, So stimm' ich noch mit Seufzen ein. 9. Ach nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin. Im Himmel soll es besser werden, Wenn ich bei deinen Engeln bin. Im höhern Chore stimm' ich dann Viel tausend Halleluja an. Joh. Mentzer. Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 2˙2. O du schönes Weltgebäude, Das der Herr mit Glanz und Pracht Uns zum Segen und zur Freude Wunderherrlich hat gemacht! O wie wird in allen Stücken Da die Liebe offenbar, 3⁴48 Lob und Dank. Die den Menschen zu beglücken So erfind'risch sorgsam war. 2. Ja, man kann in allen Werken, Klein und großen, nah und fern, Die verborgne Weisheit merken Des Allgüt'gen, unsers Herrn. Allen ist das Königssiegel Ihres Schöpfers aufgedrückt, Erd' und Himmel sind ein Spiegel, Drin man seine Huld erblickt. 3. In der Nähe, in der Ferne Man viel tausend Zeugen trifft; Wie die Blumen so die Sterne Sind ja eine heil'ge Schrift, Die dem Kindersinn verständlich Wonnevolle Kunde giebt Von dem Gott, der uns unendlich Segnet, labet, tröstet, liebt. 4. O wie ist es schön, zu lesen In dem aufgeschlagnen Buch Der Natur von jenem Wesen, Das man niemals hoch genug Kann erheben, preisen, loben, Das uns liebevoll umschlingt, Dem der Chor der Engel droben Laut das Dreimalheilig singt. 5. Ja, dich kenn' ich, Offenbarung Meines Herrn in der Natur, Seit aus eigener Erfahrung Ich nicht bloß der Liebe Spur Angedeutet, aufgeschrieben In den Werken seiner Hand,‚ Nein, ihn selbst und all sein Lieben Wesentlich in Christo fand. Karl Joh. Ph. Spitta. SVDEE X ...—— Dꝰ7 Oꝰe OE Lob und Dank. 349 Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. 273. Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüte Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt: Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danket dir des Himmels Heer, O Herrscher aller Thronen, Und die auf Erden, Luft und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfermacht, Die alles hat so wohl bedacht: Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat Mit seiner Gnade walten; In seinem ganzen Königreich Ist alles recht und alles gleich: Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief zum Herrn in meiner Not: Ach Gott, vernimm mein Flehen! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ sein Heil mich sehen. Drum dank' ich, Gott, drum dank' ich dir; Ach danket, danket Gott mit mir: Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist nun und ewig nicht Von seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Vaterhänden leitet er Die Seinen liebreich hin und her: Gebt unserm Gott die Ehre! 350 Lob und Dank. 6. Wenn Trost und Hülfe mangeln muß Und arm die Welt sich zeiget, So hilft aus seinem Überfluß Der Schöpfer selbst und neiget 0 Die Vateraugen denen zu, Die nirgendwo sonst finden Ruh': Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, O Gott, mein Vater, ehren, Und man soll deinen Lobgesang An allen Orten hören. Mein ganzes Leben preise dich, Dein freue Leib und Seele sich: Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Namen nennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zu Spott; ö Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott: Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht, Mit Jauchzen Dank zu bringen; Bezahlet die gelobte Pflicht Und laßt uns fröhlich singen: Der Herr hat alles wohl bedacht Und alles, alles recht gemacht: Gebt unserm Gott die Ehre! Joh. Jak. Schütz. Mel.. Lasset uns den Herren preisen. 24. Sollt' ich meinem Gott nicht singen Und in ihm nicht fröhlich sein? Denn ich seh' in allen Dingen, Wie so gut er's mit mir mein'. Ist's doch nichts als lauter Lieben, uß en Lob und Dank. Das sein treues Herze regt, Das ohn' Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder Über seine Jungen streckt, Also hat auch immer wieder Mich des Höchsten Arm bedeckt, Alsobald vom Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab Und das Leben, das ich hab' Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer, Nein, er giebt ihn für mich hin, Daß er mich vom ew'gen Feuer Durch sein teures Blut gewinn'. O du unergründ'ter Brunnen! Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deine Tief' ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, Giebt er mir in seinem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort', Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Nacht durchbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 352 Lob und Dank. 5. Meiner Seele Wohlergehen Hat er ja recht wohl bedacht; Will dem Leibe Not entstehen, Nimmt er's gleichfalls wohl in acht. Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebet an, Seine Kraft mir beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd' und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt; Wo ich nur mein Aug' hinkehre, Find' ich, was mich nährt und hält, Tier' und Kräuter und Getreide; In den Gründen, in der Höh', In den Wäldern, in der See, Überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert mein Gemüt, Daß ich jeden neuen Morgen Schaue neue Lieb' und Güt'. Wäre nicht mein Gott gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht geleitet: wär' ich nicht Aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 8. Wie ein Vater seinem Kinde Niemals ganz sein Herz entzeucht, Ob's auch oftmals fällt in Sünde Und vom rechten Wege weicht: Also hält auch mein Gebrechen Mir mein frommer Gott zu gut, 0 1 8 5 Lob und Dank. Straft mich, wie ein Vater thut, Will nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 9. Seine Strafen, seine Schläge Sind auch herzlich wohl gemeint; Sie sind, wenn ich's recht erwäge, Nichts als Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke Und mich von der schnöden Welt, Die uns hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu sich lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 10. Das weiß ich fürwahr und lasse Mir's nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, Tritt der schöne Sommer ein; Also wird auch nach der Pein, Wer's erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 11. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe find't, Nun, so heb' ich meine Hände Zu dir, Vater, als dein Kind, Bitte, wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu umfangen Tag und Nacht Hier in meinem ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob' und lieb' in Ewigkeit. Paul Gerhardt. 23 35⁴ Lob und Dank. „Mel.: Wunderbarer König. 27⁵. Unumschränkte Liebe, gönne blöden Augen, Die sonst kaum auf Erden taugen, Daß sie in die Strahlen deiner Langmut blicken, Die den Erdkreis wärmend schmücken Und zugleich freudenreich Bösen und den Deinen Mit der Sonne scheinen. 2. Wasser, Luft und Erde, ja dein ganz Gebiete Ist ein Schauplatz deiner Güte; Deiner Langmut Ehre wird durch neue Proben Immer herrlicher erhoben. O wie weit, o wie breit Über Berg und Hügel Streckt sie ihre Flügel! 3. Was wir davon denken, was wir sagen können, Ist ein Schatten nur zu nennen. Tag für Tag zu schonen, Tag für Tag zu dulden So viel Millionen Schulden Und dazu ohne Ruh' Lieben für das Hassen: Herr, wer lann das fassen? 4. Du vergiebst die Sünde, hörst der Sünder Flehen, Wenn sie weinend vor dir stehen; Deine Rechte drohet und erbarmt sich wieder, Legt die Pfeile gerne nieder, Da man doch, wenn du noch Sie kaum weggeleget, Neuen Zorn erreget. n u Lob und Dank. 355 5. Herr, es hat noch keiner, der zu dir gegangen, Statt der Gnade Recht empfangen. Wer zu deinen Füßen sich mit Thränen senket, Dem wird Straf' und Schuld geschenket. Unser Schmerz rührt dein Herz, Und du willst der Armen Gnädig dich erbarmen. 6. König, sei gepriesen, daß du so verschonest Und nicht nach Verdienst uns lohnest! Deiner Hand sei Ehre, die so wohl regieret Und mit Ruhm das Seepter führet! Fahre fort, Zions Hort, Langmut auszuüben Und die Welt zu lieben. J. J. Rambach. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 276. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege, So weiß ich, von Bewund'rung voll, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr und Vater. 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke; Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schoß der Erde auf, Rit Vorrat uns zu segnen? 23· 356 Lob und Dank. O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, Soweit die Wolken gehen. 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm; Dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, Bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunderbar bereitet, Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet, Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt' und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sei gepreist, Und alle Welt sag': Amen! Und alle Welt fürcht' ihren Herrn Und hoff' auf ihn und dien' ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? Chr. Fürchtegott Gellert. Mel.: Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. 277. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, Der mit verhärtetem Gemüte Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen Sei ewig meine größte Pflicht; Der Herr hat mein noch nie vergessen, Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. Lob und Dank. 357 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmut mich geleitet? Er, dessen Rat ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Gut's genießen? Sein Arm ist's, welcher alles schafft. 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, Zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden; Durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will' ist mir ins Herz geschrieben, Sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben Und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: Ich soll vollkommen sein, wie er. Je mehr ich dies Gebot erfülle, Stell' ich sein Bildnis in mir her. Lebt seine Lieb' in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht, Und ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. O Gott, laß deine Güt' und Liebe Mir immerdar vor Augen sein! Sie stärk' in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn! 358 Lob und Dank. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks, Und sie besieg' in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks! Chr. Fürchtegott Gellert. — Mel.: Jesu, meines Lebens Leben 278. Womit soll ich dich wohl loben, Mächtiger Herr Zebaoth? Sende mir dazu von oben Deines Geistes Kraft, mein Gott. Denn ich kann mit nichts erreichen Deine Gnad' und Liebeszeichen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 2. Herr, entzünde mein Gemüte, Daß ich deine Wundermacht, Deine Gnade, Treu' und Güte, Stets erhebe Tag und Nacht. Denn dein reicher Gnadensegen Strömt mir überall entgegen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 3. Denk' ich, wie ich dich verlassen, Wie ich häufte Schuld auf Schuld, So möcht' ich vor Scham erblassen Ob der Langmut und Geduld, Womit du, o Gott, mich Armen Hast getragen voll Erbarmen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 4. Ach ja, wenn ich überlege, Wie mit Lieb' und Gütigkeit Du durch so viel' Wunderwege Mich geführt die Lebenszeit: So weiß ich kein Ziel zu finden, Lob und Dank. 359 Noch den Grund hier zu ergründen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 5. O wie hat mich deine Gnade Stets gesucht zu dir zu ziehn, Daß ich von der Sünde Pfade Möcht' zu meinem Heiland fliehn Und in ihm den Frieden haben Und mit Lebenskraft mich laben. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 6. Bald mit Lieben, bald mit Leiden Kamst du, Herr, mein Gott, zu mir, Um mein Herze zu bereiten, Ganz sich zu ergeben dir, Daß mein gänzliches Verlangen Möcht' an deinem Willen hangen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 7. Du hast mich auf Adlersflügeln Oft getragen väterlich, In den Thälern, auf den Hügeln Wunderbar errettet mich; Schien auch alles zu zerrinnen, Ward ich deiner Hülf' doch innen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 8. Tausendmal sei dir gesungen, Herr, mein Gott, Lob, Preis und Dank, Daß es mir bisher gelungen; Ach laß meines Lebens Gang Ferner doch durch Jesu Leiten Gehen in die Ewigkeiten! Da will ich, Herr, für und für Ewig, ewig danken dir. Ludw. Andr. Gotter. 360 Christlicher Sinn und Wandel. NX. Christlicher Sinn und Wandel. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt'. „*— 2 279. Auf! Christenmensch, auf, auf zum Streit, Auf, auf zum Überwinden! In dieser Welt, in dieser Zeit Ist keine Ruh' zu finden. Wer nicht will streiten, trägt die Kron“ Des ew'gen Lebens nicht davon. 2. Der Teufel kommt mit seiner List, Die Welt mit Pracht und Prangen, Das Fleisch mit Lust, dich, wo du bist, Zu fällen und zu fangen: Streitst du nicht als ein tapfrer Held, So bist du hin und schon gefällt. 3. Gedenke, daß du zu der Fahn? Dein's Feldherrn hast geschworen; Gedenke, daß du als ein Mann Zum Streit bist auserkoren; Ja denke, daß ohn' Streit und Sieg Nie einer zum Triumph aufstieg. 4. Wer überwindet, der soll dort In weißen Kleidern gehen; Sein guter Name soll hinfort Im Buch des Lebens stehen; Ja Christus wird denselben gar Bekennen vor der Engelschar. 5. Wer überwind't, soll ewig nicht Aus Gottes Tempel gehen, Vielmehr drin als ein helles Licht Und güldne Säule stehen. Der Name Gottes, unsres Herrn, Soll leuchten vor ihm weit und fern. 1 Christlicher Sinn und Wandel. 361 6. So streit denn wohl, streit keck und kühn, Daß du mögst überwinden, Streng an die Kräfte, Mut und Sinn, Daß du dies Gut mögst finden: Wer nicht will streiten, trägt die Kron' Des ew'gen Lebens nicht davon. Joh. Scheffler. Eigne Melodie. 280. Auf, hinauf zu deiner Freude, Meine Seele, Herz und Sinn! Weg, hinweg mit deinem Leide, Hin, zu deinem Jesu hin! Er ist dein Schatz, Jesus ist dein einzig Leben; Will die Welt nicht Raum dir geben: Bei ihm ist Platz. 2. Fort, nur fort, steig immer weiter In die Höh' zu Jesu auf! An, hinan die Glaubensleiter Eile mit geschwindem Lauf. Gott ist dein Schutz; Jesus bleibet dein Beschirmer Wider alle Seelbestürmer Und bietet Trutz. 3. Fest, fein fest dich angehalten An die starke Jesustreu'! Laß du, lasse Gott nur walten, Seine Güt' ist täglich neu. Er meint es gut. Wenn die Feinde dich anfallen, Müssen sie zurücke prallen: Hab guten Mut. 4. Ein, hinein in Gottes Kammer, Die dir Jesus aufgethan; 362 Christlicher Sinn und Wandel. Klag und sag ihm deinen Jammer, Rufe ihn um Hülfe an. Er steht dir bei; Wenn dich alle Menschen hassen, Kann und will er dich nicht lassen: Das glaube frei. 5. Hoch, so hoch du kannst erheben Deine Sinne von der Erd', Schwing dich auf, dein Herz zu geben Dem, der dein allein ist wert. Dein Jesus ist, Der um dich so treulich wirbet Und für dich aus Liebe stirbet; Drum sein du bist. 6. Auf, hinauf, nach droben trachte Und nach dem, was Gott gefällt; Suche Jesum und verachte Alle schnöde Lust der Welt. Zum Himmel zu! Welt und Erde muß verschwinden, Nur bei Jesu ist zu finden Die wahre Ruh'. J. K. Schade. Mel.: Herr Gott, dich loben alle wir. 281. Ein reines Herz, Herr, schaff in mir, Schließ zu der Sünde Thor und Thür: Vertreibe sie und laß nicht zu, Daß sie in meinem Herzen ruh'. 2. Dir öffn' ich, Jesu, meine Thür, Ach komm und wohne du bei mir, Treib all' Unreinigkeit hinaus Aus deinem Tempel, deinem Haus. 3. Laß deines guten Geistes Licht Und dein hellglänzend Angesicht Erleuchten mir Herz und Gemüt, O Brunnen unerschöpfter Güt'. Christlicher Sinn und Wandel. 363 4. Und mache denn mein Herz zugleich An Himmelsgut und Segen reich; Gieb Weisheit, Stärke, Rat, Verstand Aus deiner milden Gnadenhand: 5. So will ich deines Namens Ruhm Ausbreiten als dein Eigentum Und dies nur achten für Gewinn, Wenn ich dir ganz ergeben bin. Heinr. G. Neuß. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 282. Einst selig dort zu werden, Das ist und bleibt auf Erden Mein heiliger Beruf. Gott, dem ich freudig glaube, Weckt wieder aus dem Staube Mich, den er einst aus Staub erschuf. 2. Die Erde, da wir wallen, Oft straucheln, stehn und fallen, Ist nur ein Pilgerland, Das uns zum Himmel leitet, Zur Ewigkeit bereitet, Der Frommen kurzer Prüfungsstand. 3. So soll nicht Lust noch Leiden Von meinem Gott mich scheiden, Mich, der ich ewig bin. Was ist mein irdisch Leben? Wozu ist mir's gegeben? Wie lange währt's, so ist's dahin! 4. Einst selig dort zu werden, Das ist und bleibt auf Erden Mein heiliger Beruf. So sei all mein Bestreben, Ganz heilig ihm zu leben, Ihm, der zur Ewigkeit mich schuf. Gottfried Benedikt Funk. ————:s—s ʃ E.. ——— 364 Christlicher Sinn und Wandel. Eigne Melodie. 283. Es glänzet der Christen inwendiges Leben, Wenn auch hier von außen nicht glänzet ihr Stand; Was ihnen der König des Himmels gegeben, Ist keinem als ihnen nur selber bekannt. Was niemand verspüret, Was niemand berühret, Hat ihre erleuchteten Sinne gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. 2. Sie scheinen von außen oft arm und geringe, Verschmäht von den Hohen, verlacht von der Welt; Doch innerlich sind sie voll herrlicher Dinge, Die Zierde, die Krone, die Jesu gefällt, Das Wunder der Zeiten, Die hier sich bereiten, Dem König und Hirten, der treulich sie weidet, Zu dienen, mit heiligem Schmucke bekleidet. 3. Sonst sind sie wohl Adams natürliche Kinder Und tragen das Bildnis des Irdischen auch: Sie leiden am Fleische wie andere Sünder, Sie essen und trinken nach nötigem Brauch; In leiblichen Sachen, Im Schlafen und Wachen Sieht man sie vor andern nichts Sonderlich's machen, Nur, daß sie die Thorheit der Weltlust ver⸗ lachen. 4. Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme, —— Christlicher Sinn und Wandel. 365 Die Gott durch sein mächtig Wort selber gezeugt, Ein Funken, entzündet von göttlicher Flamme, Ein Leben, von oben her freundlich gesäugt, Die Engel sind Brüder, Die froh ihre Lieder Mit ihnen holdselig und inniglich singen; Das muß denn ganz herrlich und prächtig erklingen. 5. Sie wandeln auf Erden und leben im Himmel, Sie bleiben ohnmächtig und schützen die Welt, Sie schmecken den Frieden bei allem Ge⸗ tümmel, Sie haben, die Armsten, was ihnen gefällt, Sie stehen in Leiden Und bleiben in Freuden, Sie scheinen ertötet den äußeren Sinnen Und führen das Leben des Glaubens von innen. 6. Wenn Christus, ihr Leben, wird offen⸗ bar werden, Wenn er sich einst dar in der Herrlichkeit stellt: So werden sie mit ihm als Fürsten der Erden Auch herrlich erscheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren, Mit ihm triumphieren, Den Himmel als prächtige Lichter einst zieren; Da wird man die Freude gar offenbar spüren. 7. O Jesu, verborgenes Leben der Seelen, Du heimliche Zierde der inneren Welt, Laß deinen verborgenen Weg uns erwählen, Wenngleich uns die Bürde des Kreuzes entstellt! 366 Christlicher Sinn und Wandel. Hier übel genennet Und wenig erkennet, Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet! Chr. Fr. Richter. Mel.: Es kostet viel, ein Christ zu sein. 284. Es ist nicht schwer, ein Christ zu sein Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben. Zwar der Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit 2): Den schweren Streit. 2. Du darfst ja nur ein Kindlein sein, Du darfst ja nur die leichte Liebe üben. O blöder Geist, schau doch, wie gut er's mein'! Das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben. Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr, 2 Es ist nicht schwer. 3. Dein Vater fordert nur das Herz, Daß er es selbst mit reiner Gnade fülle; Der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz, Die Unlust schafft in dir dein Eigenwille. Drum übergieb ihn willig in den Tod, 2 So hat's nicht not.. 4. Wirf nur getrost den Kummer hin, Der nur dein Herz vergeblich schwächt und plaget; Erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, Wenn Furcht und Weh am schwachen Herzen naget. Sprich: Vater, schau mein Elend gnädig an! : So ist's gethan. 2½ en n! Christlicher Sinn und Wandel. 367 5. Erhalt dein Herz nur in Geduld, Wenn du nicht gleich des Vaters Hülfe merkest. Versiehst du's oft und fehlst aus eigner Schuld, So sieh, daß du dich durch die Gnade stärkest; So gilt dein Fehl und kindliches Versehn 2): Als nicht geschehn. ½ 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, Wenn dich will Nacht und Finsternis bedecken; Dein Vater wird nichts Schlimmes mit dir thun, Kein Sturm darf dich, so schwer er ist, er⸗ schrecken, Ja, siehst du auch von Hülfe keine Spur, : So glaube nur. 7. So wird dein Licht aufs neu entstehn, Du wirst dein Heil mit größrer Klarheit schauen; Was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn; Drum darfst du nur dem frommen Vater trauen. O Seele, sieh doch, wie ein wahrer Christ 2): So selig ist. 8. Auf, auf, mein Geist! was säumest du, Dich deinem Gott ganz kindlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, genieß die süße Ruh', In Frieden sollst du vor dem Vater schweben. Die Sorg' und Last wirf nur getrost und kühn ): Allein auf ihn. Chr. Fr. Richter. Eigne Melodie. 285. Es ktostet viel, ein Christ zu sein Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; 368 Christlicher Sinn und Wandel. Denn der Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Und ist hier gleich ein Kampf wohl ausgericht't, : Das macht's noch nicht. 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, Die leicht ihr Gift in unsre Fersen bringen; Da kostet's Müh', auf seiner Hut zu stehn, Daß nicht das Gift kann in die Seele dringen. Wenn man's versucht, so spürt man mit der Zeit ): Die Wichtigkeit. 3. Doch ist es wohl der Mühe wert, Wenn man mit Ernst die Herrlichkeit erwäget, Die ewiglich ein solcher Mensch erfährt, Der sich hier stets aufs Himmlische geleget. Es hat wohl Müh', die Gnade aber schafft Uns Mut und Kraft. n 4. Man soll ein Kind des Höchsten sein, Ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte; Wie wird man da so stark, so hell und rein, So herrlich sein, verklärt von Angesichte, Dieweil da Gottes wesentliche Pracht 2): So schön uns macht. 5. Da wird das Kind den Vater sehn, Im Schauen wird es ihn mit Lust empfinden, Wird an dem Strom des Lebens selig stehn Und sich mit Gott in einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird geschehn? ,½ Wer mag's verstehn? 6. Was Gott genießt, genießt es auch, Was Gott besitzt, wird ihm in Gott gegeben; Der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch, Wie lieblich wird es dort mit Jesu leben! Nichts Höher's wird an Kraft und Würde sein, 2): Als Gott allein.: —— SISVS VDE EE V Christlicher Sinn und Wandel. 369 7. Auf, auf, mein Geist! ermüde nicht, Dich durch die Macht der Finsternis zu reißen. „ Was sorgest du, daß dir's an Kraft gebricht? ö Bedenke, was für Kraft uns Gott verheißen. IIN Wie gut wird sich's doch nach der Arbeit ruhn, IMS . Wie wohl wird's thun! hr. Fr. Richter. . Mel.: Wer nur den lieben Gott. . 286. Gieb, Gott, daß ich dich recht erkenne; it Gieb, daß ich fern von Heuchelei l Nicht bloß mich Christi Jünger nenne, Gieb, daß ich, was ich heiße, sei, N t, Und wirk in mir zu deinem Ruhm, Mein Gott, das wahre Christentum! t. 2. Entreiß mein sinnlich Herz der Erde, ͤst Daß ich, der ich unsterblich bin, Zu deinem Bild erneuert werde, Und gieb mir meines Jesu Sinn! Ihl 4. Ach wirk in mir zu deinem Ruhm, N — Mein Gott, das wahre Christentum! II 3. Dir nur ergeb' ich meine Seele; I Ach zeuch sie meinem Heiland nach, Daß ich den schmalen Weg erwähle Und Ehre such' in Christi Schmach! Ach wirk in mir zu deinem Ruhm, n, Mein Gott, das wahre Christentum! n 4. Gieb mir zum Kampfe Mut und Kräfte; n. Hilf, daß ich, deiner Liebe treu, Iu 2 Ans Kreuz den alten Menschen hefte ö Und mir die Welt gekreuzigt sei! Ach wirk in mir zu deinem Ruhm, n; Mein Gott, das wahre Christentum! ch, 5. Laß in mir Glauben, Hoffnung, Liebe n Lebendig, fest und thätig sein, n, Daß ich bis an mein Sterben übe Das Christentum ohn' Heuchelschein! IN 2⁴ 370 Christlicher Sinn und Wandel. Ach wirk in mir zu deinem Ruhm, Mein Gott, das wahre Christentum! 6. So hab' ich schon auf dieser Erde, Was mich beruhigt und erfreut; Wenn ich mit dir vereinigt werde, Schmeck' ich des Himmels Seligkeit! Drum wirk in mir zu deinem Ruhm, Mein Gott, das wahre Christentum! Mel.: Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 287. Heil ge Einfalt! Gnadenwunder, Tiefste Weisheit, Acbes Kraft! Schönste Zierde, Liebeszunder, Werk, das Gott alleine schafft! 2. Alle Freiheit geht in Banden, Alle Weisheit ist nur Wind, Alle Schönheit wird zu Schanden, Wenn wir ohne Einfalt sind. 3. Wenn wir in der Einfalt stehen, Ist es in der Seele licht; Aber wenn wir doppelt sehen, So vergeht uns das Gesicht. 4. Einfalt denkt nur an das eine, In dem alles andre steht; Einfalt hängt sich ganz alleine An den ewigen Magnet. 5. Wer nur hat, was Jesus schenket, Wer nur lebt aus seiner Füll', Wer nur geht, wie er ihn lenket, Wer nur kann, was Jesus will, 6. Wer ihn so mit Inbrunst liebet, Daß er seiner selbst vergißt, Wer sich nur um ihn betrübet Und in ihm nur fröhlich ist, 7. Wer allein auf Jesum trauet, Wer in Jesu alles find't: Christlicher Sinn und Wandel. 371 Der ist auf dem Fels erbauet Und ein selig Gnadenkind. A. G. Spangenberg. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 288. Heilger Jesu, Heil'gungsquelle, Mehr als Krystall rein, klar und helle, Du lautrer Strom der Heiligkeit! Aller Glanz der Cherubinen, Die Heiligkeit der Seraphinen Ist gegen dich nur Dunkelheit. Ein Vorbild bist du mir! Ach bilde mich nach dir, Du mein alles! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich auch heilig sei, wie du. 2. Stiller Jesu, wie dein Wille Dem Willen deines Vaters stille Und bis zum Tod gehorsam war: Also mach auch gleichermaßen Mir Herz und Willen ganz gelassen; Ach stille meinen Willen gar! Mach mich dir gleichgesinnt, Wie ein gehorsam Kind, Stille, stille! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich fein stille sei, wie du. 3. Wacher Jesu, ohne Schlummer, In großer Arbeit, Müh' und Kummer Bist du gewesen Tag und Nacht, Mußtest täglich viel bestehen, Des Nachts lagst du vor Gott mit Flehen, Du hast gebetet und gewacht. Gieb mir auch Wachsamkeit, Damit ich allezeit 24˙ 372 Christlicher Sinn und Wandel. Wach' und bete! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich stets wachsam sei, wie du. 4. Güt'ger Jesu, ach, wie gnädig, Wie liebreich bist du, wie gutthätig, Selbst gegen Feinde wie gelind! Deine Sonne scheinet allen, Dein Regen muß auf alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar sind. Mein Heiland, lehre mich, Damit auch hierin ich Dir nacharte! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich auch gütig sei, wie du. 5. Sanfter Jesu, wie geduldig Trugst du die Schmach und littst unschuldig Und sprachst kein sündlich Drohen aus! Wer kann deine Sanftmut messen, Bei der du dennoch nie vergessen Den Eifer um des Vaters Haus? Mein Heiland, ach verleih Mir Sanftmut und dabei Heil'gen Eifer. Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, ö Daß ich sanftmütig sei, wie du. 6. Hoher Jesu, Ehrenkönig, Du suchtest deine Ehre wenig Und wurdest niedrig und gering, Wandeltest ganz arm auf Erden In Demut und in Knechtsgebärden, Erhobst dich selbst in keinem Ding. Herr, solche Demut lehr Auch mich je mehr und mehr — Christlicher Sinn und Wandel. 373 Täglich üben! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich demütig sei, wie du. 7. Liebster Jesu, liebstes Leben, Mach mich in allem dir ergeben Und deinem heil'gen Vorbild gleich. Gieb, daß mich dein Geist durchdringe, Daß ich viel Glaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd' zu deinem Reich! Ach zeuch mich ganz zu dir, Behalt mich für und für, Treuer Heiland! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich bei dir einst finde Ruh'! Nach dem Holländer Jodocus von Bodenstein v. Bartholomäus Crasselius. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 289. Heil ger Vater, du begehrest Keuschheit, Zucht und fromme Scheu, Und du hassest und verwehrest Schnöde Lust und Schwelgerei: Ach, ich fleh' durch Jesum Christ, Der der Seelen Heiland ist, Mache mich ihm gleichgesinnet, Was der Weltsinn auch beginnet. 2. Tilg in mir die schnöden Triebe, Töte das verderbte Fleisch, Gieb mir deine Furcht und Liebe, Daß ich stets sei rein und keusch; Hemme du der Lüste Lauf, Zieh mein Herz zu dir hinauf, Daß es nicht am Eitlen klebe, Sich der Wollust uicht ergebe. 374 Christlicher Sinn und Wandel. 3. Meine Seel' ist deinem Bilde Gleichgemacht und hochgeschätzt; Dein Sohn hat für sie voll Milde Einst sein Leben eingesetzt. Drum, o Vater, wär' ich ja Mir nur selbst zum Fluche da, Wenn ich unkeusch leben wollte Und dein Bild so schänden sollte. 4. Christus wohnet durch den Glauben Selbst in mir; sein heil'ger Geist Lässet sich mein Herz nicht rauben, Das er seinen Tempel heißt; Und so steht er mir auch bei, Daß sein Tempel heilig sei, Daß ich ihm, an Seel' und Leibe Keusch und rein, geheiligt bleibe. 5. Wer nicht rein, kann Gott nicht sehen, Denn Gott ist das reinste Licht; Der kann nicht vor ihm bestehen, Dem die Reinigkeit gebricht. Soll mich nun der helle Schein Deines Angesichts erfreun, Herr, so rein'ge Geist und Glieder, Mach mir böse Lust zuwider. 6. Gottes Geist wird schon betrübet Durch ein einzig schandbar Wort, Und wer Lastern sich ergiebet, Treibt ihn völlig von sich fort. Wollust machet Sorg' und Gram, Bringet uns in Schand' und Scham; Die in solchen Sünden sterben, Können nie dein Reich ererben. 7. Darum, Herr der reinen Scharen, Laß mir deines Geistes Kraft Und die Gnade widerfahren, en, Christlicher Sinn und Wandel. 375 Die ein reines Herze schafft. Sei du meines Herzens Gast, Mach die Sünde mir verhaßt, Daß ich mich entzieh' bei zeiten Sündlichen Gelegenheiten. 8. Töte meines Fleisches Triebe Und was sonst mein Herz befleckt, Weil dein Sohn am Kreuz voll Liebe Qual und Tod für mich geschmeckt. Treib die Lüste ganz von mir, Daß ich Leib und Seele dir Als dein Heiligtum bewahre Und zu dir in Frieden fahre. Mel.: Herr Christ, der einig Gott's Sohn. 290. Herr Jesu, Gnadensonne, Wahrhaftes Lebenslicht, Laß Leben, Licht und Wonne Mein blödes Angesicht Nach deiner Gnad' erfreuen Und meinen Geist erneuen; Mein Gott, versag mir's nicht. 2. Vergieb mir meine Sünden Und wirf sie hinter dich, Laß allen Zorn verschwinden Und hilf mir gnädiglich; Laß deine Friedensgaben Mein armes⸗Herze laben; Ach Herr, erhöre mich. 3. Vertreib aus meiner Seelen Den alten Adamssinn Und laß mich dich erwählen, Daß ich mich künftighin Zu deinem Dienst ergebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin. 376 Christlicher Sinn und Wandel. 4. Befördre dein' Erkenntnis In mir, mein Seelenhort, Und öffne dies Verständnis Mir durch dein heilig Wort, Damit ich an dich gläube Und in der Wahrheit bleibe Und wachse fort und fort. 5. Mit deiner Kraft mich rüste, Zu kreuz'gen die Begier Und alle bösen Lüste, Auf daß ich für und für Der Sündenwelt absterbe Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen leb' in dir. 6. Ach zünde deine Liebe In meiner Seele an, Daß ich aus innrem Triebe Dich ewig lieben kann Und dir zum Wohlgefallen Beständig möge wallen Auf rechter Lebensbahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, Verleih mir Kraft und Mut; Denn das sind Gnadenwerke, Die dein Geist schafft und thut; Hingegen all mein Sinnen, Mein Lassen und Beginnen Ist böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Treu', Wend allen Seelenschaden Und mach mich täglich neu. Gieb, daß ich deinen Willen Stets suche zu erfüllen, Und steh mir kräftig bei. L. A. Gotter. ex. Christlicher Sinn und Wandel. 377 Mel.: Zeuch meinen Geist, triff meine Sinnen. 291. Hier legt mein Sinn vor dir sich nieder, Mein Geist sucht seinen Ursprung wieder; Entzeuch dein liebreich Angesicht Mir, deinem armen Kinde, nicht. 2. Schau her, ich fühle mein Verderben; Laß täglich mich in Christo sterben Und laß in mir durch seine Pein Die Eigenheit ertötet sein! 3. Ich fühle wohl, daß ich dich liebe Und mich in deinen Wegen übe, Jedoch ist von Unlauterkeit Die Liebe noch nicht ganz befreit. 4. Ich muß noch mehr auf dieser Erden Durch deinen Geist geheiligt werden, Der Sinn muß tiefer in dich gehn, Der Fuß muß unbeweglich stehn. 5. Ich weiß mir zwar nicht selbst zu raten; Hier gelten nichts der Menschen Thaten; Wer macht sein Herz wohl selber rein? Es muß durch dich gewirket sein. 6. Doch kenn' ich wohl dein treues Lieben; Du bist noch immer treu geblieben. Ich weiß gewiß: du stehst mir bei Und machst mich von mir selber frei. 7. Indessen will ich treulich kämpfen Und stets die falsche Regung dämpfen, Bis du dir deine Zeit ersiehst Und aus der Sünde Netz mich ziehst. 8. In Hoffnung kann ich fröhlich sagen: Gott hat der Hölle Macht geschlagen, Gott führt mich aus dem Kampf und Streit In seine Ruh' und Sicherheit. 9. Drum will die Sorge meiner Seelen Ich dir, mein Vater, ganz befehlen. 378 Christlicher Sinn und Wandel. Ach drücke tief in meinen Sinn, Daß ich in dir schon selig bin. 10. Wenn ich mit Ernst hieran gedenke Und mich in dein Erbarmen senke, So werd' ich von dir angeblickt Und tief im Herzensgrund erquickt. 11. So wächst der Eifer mir im Streite, So fass' ich schon des Sieges Beute Und fühle, daß es Wahrheit ist, Daß du, mein Gott, die Liebe bist. Chr. Fr. Richter. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 292. Himmelan geht unsre Bahn; Wir sind Gäste nur auf Erden, Bis wir dort nach Kanaan Durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrimstand, Droben unser Vaterland. 2. Himmelan schwing dich, mein Geist! Denn du bist ein himmlisch Wesen Und kannst das, was irdisch heißt, Nicht zu deinem Zweck erlesen; Ein von Gott erneuter Sinn Strebt in seinen Ursprung hin. 3. Himmelan! die Welt kann dir Nur geborgte Güter geben. Mein Verlangen muß schon hier Nur nach solchen Schätzen streben, Die uns bleiben, wenn die Welt Wiederum in nichts zerfällt. 4. Himmelan! ruft Gott mir zu, Wenn ich ihn im Worte höre; Das weist mir den Ort der Ruh', Wo ich einmal hingehöre. Hab' ich dieses Wort bewahrt, Halt' ich meine Himmelfahrt. Christlicher Sinn und Wandel. 379 5. Himmelan! mein Glaube zeigt Mir das schöne Los von ferne, Daß mein Herz schon aufwärts steigt Über Sonne, Mond und Sterne; Denn ihr Licht ist viel zu klein Gegen jenen Glanz und Schein. 6. Himmelan wird mich der Tod In die rechte Heimat führen, Wo ich über alle Not Ewig werde triumphieren. Jesus geht mir selbst voran, Daß ich freudig folgen kann. 7. Himmelan, ja himmelan! Das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eiteln Wahn Durch die Himmelslust vertreiben. Himmelan steht nur mein Sinn, Bis ich in dem Himmel bin. Benj. Schmolck. Mel.: Herr, zur Zucht in deinem Grimme. 293. Hüter, wird die Nacht der Sünden Nicht verschwinden? Hüter, ist die Nacht schier hin? Wird die Finsternis der Sinnen Bald zerrinnen, Davon ich umfangen bin? 2. Möcht' ich, wie das Rund der Erden, Lichte werden; Seelensonne, gehe auf! Ich bin finster, kalt und trübe: Ew'ge Liebe, Komm, beschleunige den Lauf! 3. Wir sind ja im neuen Bunde, Da die Stunde Der Erscheinung kommen ist. 380 Christlicher Sinn und Wandel. Und ich muß mich noch im Schatten So ermatten, Weil du mir so ferne bist. 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, Da du kommen; Aber ich bin lauter Nacht. Darum wollst du mir, dem Deinen, Auch erscheinen, Der du Licht und Recht gebracht. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke Ohne Stärke In der Finsternis vollziehn? Wie kann ich die Liebe üben, Demut lieben Und der Nacht Geschäfte fliehn? 6. Das Vernunftlicht kann das Leben Mir nicht geben: Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblicken Und erquicken, Jesus muß die Sonne sein. 7. Nur die Decke vor den Augen Kann nicht taugen, Seine Klarheit dringt nicht ein; Wenn sein helles Licht den Seinen Soll erscheinen, So muß rein das Auge sein. 8. Jesu, gieb gesunde Augen, Die was taugen, Rühre meine Augen an; Denn das ist die größte Plage, Wenn am Tage Man das Licht nicht sehen kann. Chr. Friedr. Richter. — SEE FIFIn.„ Christlicher Sinn und Wandel. 381 Mel.: Seelenbräutigam. 294. Jesu, geh voran Auf der Lebensbahn, Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen. Führ uns an der Hand Bis ins Vaterland. 2. Soll's uns hart ergehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen; Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz Irgend unser Herz, Kümmert uns ein fremdes Leiden: O so gieb Geduld zu beiden; Richte unsern Sinn Auf das Ende hin. 4. Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, Gieb uns auch die nöt'ge Pflege; Thu uns nach dem Lauf Deinen Himmel auf. Nik. Ludw von Zinzendorf. Mel.: Einer ist König, Immanuel sieget. 295. Jesu, hilf siegen, du Fürste des Lebens, Sieh, wie die Finsternis dringet herein, Wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein! Wüten die Feinde von außen und innen, Laß mir, Herr, niemals die Hülfe zerrinnen. 2. Jesu, hilf siegen! Wenn in mir die Sünde, 382 Christlicher Sinn und Wandel. Eigenlieb', Hoffart und Mißgunst sich regt, 6 Wenn ich die Last der Begierden empfinde é Und sich mein tiefes Verderben darlegt: ö Hilf mir dann, Jesu, aus all meinen Nöten, 9 Hilf mir, das sündliche Fleisch zu ertöten. 3. Jesu, hilf siegen und lege gefangen In mir die Lüste des Fleisches und gieb, Daß in mir lebe des Geistes Verlangen, Aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb; Laß mich eindringen ins himmlische Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seele genesen. 4. Jesu, hilf siegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lüge aufblähn Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, Laß doch viel heller dann deine Kraft sehn. Steh mir zur Rechten, o König und Meister, Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister. 5. Jesu, hilf siegen im Wachen und Beten: Hüter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein; Laß dein Gebet mich unendlich vertreten; Willst ja beim Vater mein Fürsprecher sein. Wenn mich die Nacht mit Ermüdung will decken, Wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken. 6. Jesu, hilf siegen! Wenn alles ver⸗ schwindet Und ich mein Nichts und Verderben nur seh', Wenn kein Vermögen zu beten sich findet, Wenn ich vor Angst und vor Zagen vergeh': Ach Herr, so wollst du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seufzen vermählen. 7. Jesu, hilf siegen und laß mir's gelingen, Daß ich das Zeichen des Sieges erlang'; Christlicher Sinn und Wandel. 383 So will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang. Ach Herr, komm, mache ein Ende des Krieges, Schmücke dein Zion mit Palmen des Sieges. Joh. Heinr. Schröder. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 296. Jesu, Jesu, stärke mich, Willig jede Not zu tragen. Ach, mein Herz entsetzet sich, Würd' auch ohne dich verzagen. Doch ich weiß es: ich bin dein, Laß mich dir auch ähnlich sein. 2. Wer dir nachzufolgen strebt, Muß sich deiner Schmach nicht schämen, Willig sein, wie er auch bebt, Doch dein Kreuz auf sich zu nehmen. Wer dazu nicht willig ist, Liebt dich nicht und ist kein Christ. 3. Sanft wird endlich deine Last, Wenn ich still und ohne Klage, Weil auch du gelitten hast, Was du auflegst, standhaft trage. Dann wird, was erst schrecklich däucht, Süß und angenehm und leicht. 4. Ach, du hast unendlich mehr, Als ich je von Kreuz empfinde, Leiden müssen, Heiligster, Für die Welt, für meine Sünde. Ohne Maß war deine Not, Unaussprechlich schwer dein Tod. 5. Durch dein Kreuz erwarbst du mir Kraft und Mut in meinen Leiden. Nun kann, Jesu, mich von dir Keine Pein, kein Tod je scheiden. Werd' ich zaghaft, stärket sich Mein erschrocknes Herz durch dich. 38⁴ Christlicher Sinn und Wandel. 6. Herr, du hast nach deinem Streit Dich zu Gott emporgeschwungen, Und du hast die Herrlichkeit Durch dein Kreuz auch mir errungen. Wer, wie du, mein Jesu, hier Kämpft, der erbet dort mit dir. 7. Nein, ich fliehe nicht dein Kreuz, Nehm' es gern aus deinen Händen. u Mich soll nie der Lüste Reiz, Nie die Trübsal von dir wenden. +* Gern trag' ich, wiewohl noch schwach, * Dir dein Kreuz, mein Jesu, nach. Christoph Christian Sturm. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 297. Ihm nach, ihm nach auf seinen Wegen! Mein Jesus hat die Bahn gemacht. Geh' ich dem Himmel nur entgegen, So schreckt mich nicht des Weges Nacht; Und ob er gleich voll Dornen wär', Geht doch mein Jesus vor mir her. 2. Getrost, getrost, nicht still gestanden! Die Welt muß deinem Blick entgehn. W Die, so den Weg nach Zion fanden, I Erstiegen immer neue Höh'n. Dein Wandel muß im Himmel sein, Sonst gehst du nicht zum Himmel ein. 3. Hindurch, hindurch! man muß es wagen. Mit Gott geht man durch Glut und Flut; Er hilft der Erde Kreuz uns tragen Und giebt dazu uns festen Mut. Wir müssen durch viel Trübsal gehn, Eh' wir im Reiche Gottes stehn. 4. Hinauf, hinauf! den Kampf erwähle! II Der Kampf bringt reichen Siegerlohn. Christlicher Sinn und Wandel. 385 Es gilt das beste Teil der Seele, Die Seligkeit an Christi Thron. Ihm nach! getrost! hindurch! hinauf! Gen Himmel führt des Christen Lauf! Benj. Schmolck. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. 298. Kommt, Christen, laßt uns gehen, Der Abend kommt herbei. Es ist gefährlich stehen In dieser Wüstenei. Kommt, stärket euren Mut, Zur Ewigkeit zu wandern, ö Von einer Kraft zur andern: Es ist das Ende gut. ö 2. Es soll uns nicht gereuen I Der schmale Pilgerpfad; ů Wir kennen ja den Treuen, INN Der uns gerufen hat. Kommt, folgt und traut auf ihn Und lenkt mit festen Schritten Zu jenen ew'gen Hütten Die Pilgerreise hin. NN 3. Geht's der Natur entgegen, sis So geht's, wie Gott es will. Die ihres Fleisches pflegen, Die kommen nicht zum Ziel. Verlaßt die Kreatur Und was euch sonst will binden, Ja, laßt euch selbst dahinten, Es geht durchs Sterben nur. 4. Schmückt euer Herz aufs beste; Was schmückt ihr Leib und Haus? Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hinaus. Gemach bringt Ungemach; 386 Christlicher Sinn und Wandel. Ein Pilger muß sich schicken, Sich dulden und sich bücken Den kurzen Pilgertag. 5. Ist unser Weg gleich enge, Führt über steile Höh'n, Wo Disteln rings in Menge Und scharfe Dornen stehn: Es ist doch nur ein Weg. Es sei! wir gehen weiter, Wir folgen unserm Leiter Und brechen Bahn und Steg. 6. Kommt, Christen, laßt uns gehen, Der Vater gehet mit. Er selbst will bei uns stehen Bei jedem sauren Tritt. Er will uns machen Mut, Mit milden Sonnenblicken Uns locken und erquicken: Ach ja, wir haben's gut. 7. Kommt, Christen, laßt uns wandern, Wir gehen Hand in Hand; Eins freuet sich am andern In diesem fremden Land. Kommt, laßt uns friedsam sein, Uns auf dem Weg nicht streiten! Die Engel selbst begleiten Als Brüder unsre Reih'n. 8. Sollt' wo ein Schwacher fallen, So greif' der Stärkre zu; Man trag', man helfe allen, Man pflanze Fried' und Ruh'. Kommt, schließt euch fester an, Ein jeder sei der kleinste, Doch auch wohl gern der reinste Auf unsrer Lebensbahn. A- S/V/ES —XE59 7——55„ ISAAIe .x Christlicher Sinn und Wandel. 387 9. Kommt, laßt uns munter wandern, Der Weg nimmt immer ab; Ein Tag folgt auf den andern, Bald sinkt der Leib ins Grab. Nur noch ein wenig Mut, tur noch ein wenig treuer, Von allen Dingen freier Gewandt zum ew'gen Gut. 10. Es wird nicht lang mehr währen, Halt noch ein wenig aus! Es wird nicht lang mehr währen, So kommen wir nach Haus. Da wird man ewig ruhn, Wenn wir mit allen Frommen Heim zu dem Vater kommen; Wie wohl, wie wohl wird's thun! 11. Drauf wollen wir's denn wagen, Es ist wohl Wagens wert, Und gründlich dem absagen, Was aufhält und beschwert. Welt, du bist uns zu klein; Wir gehn durch Jesu Leiten Hin in die Ewigkeiten. Es soll nur Jesus sein! Gerhard Tersteegen. Mel.: Lasset uns den Herren preisen. 299. Lasset uns mit Jesu ziehen, Seinem Vorbild folgen nach, In der Welt der Welt entfliehen Auf der Bahn, die er uns brach; Täglich immer höher steigen, Irdisch noch schon himmlisch sein, Glauben recht und leben rein, In der Lieb' den Glauben zeigen. Treuer Jesu, bleib bei mir, Geh voran, ich folge dir. 388 Christlicher Sinn und Wandel. 2. Lasset uns mit Jesu leiden, Seinem Vorbild werden gleich. Nach dem Leide folgen Freuden, Armut hier macht dort uns reich. Thränensaat, die erntet Wonne, Hoffnung tröstet mit Geduld; Denn es scheint durch Gottes Huld Nach dem Regen bald die Sonne. Jesu, leid' ich hier mit dir, Teilst du dort die Freud' mit mir. 3. Lasset uns mit Jesu sterben, Sein Tod wehrt dem andern Tod, Rettet uns von dem Verderben, Von der Seele ew'ger Not. Laßt uns sterben, weil wir leben, Sterben unsern Lüsten ab, So wird er uns aus dem Grab In des Lebens Licht erheben. Jesu, sterb' ich, sterb' ich dir, Daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesu leben. Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wiedergeben: Jesu, unser Haupt du bist, Wir sind deines Leibes Glieder, Wo du lebst, da leben wir: Ach erkenn uns für und für, Trauter Freund, für deine Brüder! Dir, o Jesu, leb' ich hier Und auch ewig dort bei dir. Siegmund von Birken. ‚ Mel.: Nun sich der Tag geendet hat. 300. Mein Gott, das Herz ich bringe dir Zur Gabe, zum Geschenk; Du forderst dieses ja von mir, Des bin ich eingedenk. Christlicher Sinn und Wandel. 389 2. Gieb mir, mein Sohn, dein Herz, sprichst du, Das ist mir lieb und wert, Du findest anders keine Ruh' Im Himmel und auf Erd'. 3. So nimm mein Herz, o Vater, an, Veracht die Gabe nicht, Ich geb's, so gut ich's geben kann, Wend zu mir dein Gesicht. 4. Noch ist dies Herz voll Eitelkeit Und nicht vom Bösen frei, Noch ist es mit sich selbst im Streit Und fühlt nicht wahre Reu'. 5. Zerbrich des Herzens Härtigkeit Und beuge meinen Sinn Und ziehe mich in Reu' und Leid Zu deinem Herzen hin. 6. Laß werden mir nach deiner Huld Gerechtigkeit zu teil, Vergieb mir meine große Schuld Und meine Wunden heil. 7. Hilf, daß ich sei von Herzen treu Im Glauben dir, mein Gott, Und dich bekenne ohne Scheu Trotz aller Feinde Spott. 8. Hilf, daß ich sei von Herzen fest In Hoffnung und Geduld, Daß ich, wenn alles mich verläßt, Vertraue deiner Huld. 9. Hilf, daß ich sei von Herzen klein, Demut und Sanftmut üb', Daß ich, von aller Weltlust rein, Stets wachs' in deiner Lieb'. 10. Hilf, daß ich sei von Herzen fromm, Ohn' allen Heuchelschein, 390 Christlicher Sinn und Wandel. Damit ich immer näher komm' Dem, was ein Christ soll sein. 11. Nimm ganz, o Gott, zum Tempel ein Mein Herz hier in der Zeit Und laß es deine Wohnung sein Auch in der Ewigkeit. Joh. Kasp. Schade. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt'. 301. Mir nach, spricht Christus, unser Held, Mir nach, ihr Christen alle, Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt meines Rufes Schalle; Nehmt euer Kreuz und Ungemach Auf euch, folgt meinem Wandel nach. 2. Ich bin das Licht, ich leucht' euch vor Mit heil'gem Tugendleben; Wer zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im Finstern schweben. Ich bin der Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Ich zeig' euch, das, was schädlich ist, Zu fliehen und zu meiden Und euer Herz von arger List Zu rein'gen und zu scheiden. Ich bin der Seelen Fels und Hort Und führ' euch zu der Himmelspfort'. 4. Fällt's euch zu schwer, ich geh' voran, Ich steh' euch an der Seite; Ich kämpfe selbst, ich brech' die Bahn, Bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still mag stehn, Sieht er voran den Feldherrn gehn. 5. Wer's Leben hier zu finden meint, Wird es ohn' mich verlieren; Chrlstlicher Sinn und Wandel. Wer's um mich zu verlieren scheint, Wird es in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgtmir, é Ist mein nicht wert und meiner Zier. 6. So laßt uns denn dem lieben Herrn e. ö Mit unserm Kreuz nachgehen Und wohlgemut, getrost und gern Bei ihm im Leiden stehen! r Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron' Des ew'gen Lebens nicht davon. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 302. Nach meiner Seelen Seligkeit Laß, Herr, mich eifrig ringen Und nicht die kurze Gnadenzeit In Sicherheit verbringen. Wie würd' ich einst vor dir bestehn? Wer in dein Reich wünscht einzugehn, Muß reines Herzens werden. 2. Wer erst am Schluß der Lebensbahn Auf seine Sünd' will sehen, , Und wenn er nicht mehr sünd'gen kann, Gott um Erbarmung flehen, Der geht den Weg zum Leben nicht, Den uns, o Gott, dein Unterricht In deinem Wort gewiesen. 3. Du rufst uns hier zur Heiligung; , Drum laß auch hier auf Erden Des Herzens wahre Besserung Mein Hauptgeschäfte werden. Herr, dazu gieb mir Kraft und Trieb; Nichts sei zu groß, nichts mir zu lieb! Dir laß mich alles opfern. 4. Gewönn' ich auch die ganze Welt Mit allen ihren Freuden Joh. Scheffler. 392 Christlicher Sinn und Wandel. Und sollte das, was dir gefällt, O Gott, darüber meiden: Was hülfe mir's? Nie kann die Welt Mit allem, was sie in sich hält, Mir deine Gnad' ersetzen. 5. Was führt mich zur Zufriedenheit Schon hier in diesem Leben? Was kann mir Trost und Freudigkeit Auch selbst im Tode geben? Nicht Menschengunst, kein irdisch Glück, Nur Gottes Gnade und der Blick Auf jenes Lebens Freuden. 6. Nach diesem Kleinod, Herr, laß mich Vor allen Dingen trachten, Und was mir daran hinderlich, Mit festem Mut verachten. Daß ich auf deinen Wegen geh' Und im Gericht vor dir besteh', Sei meine größte Sorge. 7. Doch was vermag ich, wenn du nicht Vor Trägheit mich beschützest Und nicht zur Treu' in dieser Pflicht Mit Kraft mich unterstützest? O stärke mich, mein Gott, dazu! So find' ich hier schon wahre Ruh' Und dort das ew'ge Leben. Joh. Sam. Diterich. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 303. Nicht der Anfang, nur das Ende Krönt des Christen Glaubensstreit. Ach getreuer Gott, vollende Meinen Lauf in dieser Zeit! Hab' ich dich einmal bekannt, So verleihe mir Bestand, =HGCJD V — — GeE?egVY VꝰHSV 5 WVꝰꝰe ꝰẽ Christlicher Sinn und Wandel. 393 Daß ich, bis ich einst erkalte, Dir auch Treu' und Glauben halte. 2. Laß mich einem Felsen gleichen, Der in Sturm und Fluten steht! Laß mich nicht zurücke weichen, Wenn mich Not und Tod umfäht! Sei mein Anker, der nicht bricht, Sei mein Stern und helles Licht, Daß ich nie von dir mich scheide Und am Glauben Schiffbruch leide. 3. Du bist treu in allen Dingen, Und dein Wort ist auch getreu. Laß mich dir ein Herze bringen, Das getreu und kindlich sei! Wanket oft mein Fleisch und Blut Und entsinket mir der Mut: So laß doch den rechten Glauben Nichts aus meinem Herzen rauben. 4. Laß mich halten, was ich habe, Daß mir nichts die Krone nimmt: Es ist deines Geistes Gabe, Daß mein Glaubensdocht noch glimmt. Lösche nicht den Funken aus, Mach ein helles Feuer draus, Daß es möge fröhlich brennen, Vor der Welt dich zu bekennen. 5. Du hast guten Grund geleget; Jesus, der mein Eckstein ist, Wird durch keine Macht beweget, Ihn verrücket keine List. Laß mich fest auf ihm bestehn, Nimmermehr zugrunde gehn, Wenn sich Macht und List bemühen, Mich von Christo abzuziehen! 6. Gieb mir, daß ich an dir hange, Wie die Reb' am Weinstock hängt, 394 Christlicher Sinn und Wandel. Und im Glauben dich umfange, Wie mich deine Gnad' umfängt! Kommt es dann zur letzten Not, So versiegle mir im Tod, Was ich hier geglaubt auf Erden, Und laß es zum Schauen werden. Benj. Schmolck. Eigne Melodie. 304. O Durchbrecher aller Bande, Der du immer bei uns bist, Bei dem Schade, Spott und Schande Stets Gewinn und Ehre ist, Übe ferner dein Gerichte 7⁰ 7 Wider unsern Fleischessinn, K Bis dein treues Angesichte F Uns führt aus dem Kerker hin. N 2. Ist's doch deines Vaters Wille, A Daß du endest dieses Werk. A Hiezu wohnt in dir die Fülle 38 Aller Weisheit, Lieb' und Stärl', 2 Daß du nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es aus der Unruh' führest Zu der sel'gen Ruhestatt. 3. Schaue denn auf unsre Ketten, Da wir mit der Kreatur Seufzen, um Erlösung beten Von der sündigen Natur, Von dem Dienst der Eitelkeiten, Der uns noch so hart bedrückt, Wenn schon unser Geist zuzeiten Sich auf etwas Bessres schickt. 4. Ach erheb die matten Kräfte, Reiß die Bande doch entzwei, Daß auch unterm Weltgeschäfte Unser Sinn stets himmlisch sei! * — V D:&& Ack. Christlicher Sinn und Wandel. Heb uns aus dem Staub der Sünden, Treib die Lust der Welt hinaus, Laß uns wahre Freiheit finden, Freiheit in des Vaters Haus! 5. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch, wir sind bereit; Wie du's nötig findest, thue Noch vor unsrer Abschiedszeit. Aber unser Geist, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Die dein treuer Mund verspricht. 6. Herrscher, herrsche! Sieger, siege! König, brauch dein Regiment! Führe deines Reiches Kriege, Mach der Sklaverei ein End'! Ach, die Last treibt uns zu rufen, Alle flehen wir dich an: Zeig doch nur die ersten Stufen Der gebrochnen Freiheitsbahn! 7. Laß, die teuer dir erworben, Nicht der Menschen Knechte sein! Denn bist du für uns gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Rein und frei und ganz vollkommen, Ahnlich deinem heil'gen Bild. Der hat Gnad' um Gnad' genommen, Welchen deine Füll' erfüllt. 8. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit dir gekreuzigt sein, Was dein Reich nicht kann ererben; Führ ins Paradies uns ein! Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Laß uns nur nicht lässig sein! Wird's doch sein, als ob wir träumen, Wenn die Freiheit bricht herein. Gottfried Arnold. 396 Christlicher Sinn und Wandel. Mel.: Was mein Gott will, das g'scheh' allzeit. 305. Oft klagt dein Herz, wie schwer es sei, Den Weg des Herrn zu wandeln Und täglich seinem Worte treu Zu denken und zu handeln. Wahr ist's, die Tugend kostet Müh', Besiegt nicht leicht die Lüste; Doch richte selbst, was wäre sie, Wie sie nicht kämpfen müßte? 2. Die, so sich ihrer Laster freun, Trifft die kein Schmerz hienieden? Sie sind die Sklaven eigner Pein Und haben keinen Frieden. Der Fromme, der die Lüste dämpft, Hat oft auch seine Leiden; Allein der Schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in Freuden. 3. Des Lasters Bahn ist anfangs zwar Ein breiter Weg durch Auen, Allein sein Fortgang wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist anfangs steil, Läßt nichts als Mühe blicken; Doch weiter fort führt er zum Heil Und endlich zum Entzücken. 4. Sei stark, sei männlich allezeit, Tritt oft an deine Bahre, Vergleiche mit der Ewigkeit Den Kampf so kurzer Jahre. Das Kleinod, das dein Glaube hält, Wird neuen Mut dir geben, Und Kräfte der zukünft'gen Welt, Die werden ihn beleben. 5. Und endlich, Christ, sei unverzagt, Wenn dir's nicht immer glücket, —28 ‚ SOr EeGG 6 Christlicher Sinn und Wandel. 397 Wenn dich, so viel dein Herz auch wagt, Stets neue Schwachheit drücket. Gott sieht nicht auf die That allein, Er sieht auf deinen Willen; Ein göttliches Verdienst ist dein; Dies muß dein Herze stillen. Chr. Fürchtegott Gellert. Mel.: Ringe recht, wenn Gottes Gnade. „AS 306. 0 wer alles hätt' verloren, Auch sich selbst! wer allezeit Nur das eine hätt' erkoren, Welches Geist und Herz erfreut! 2. O wer alles hätt' vergessen! Wer nichts wüßt', als Gott allein, Dessen Güte unermessen Macht das Herz still, ruhig, rein! 3. O wer alles könnte lassen, Daß er frei vom Eitlen all Wanderte die Friedensstraßen Durch dies thränenreiche Thal! 4. O wär' unser Herz entnommen Dem, was lockt durch eitlen Schein Und hält ab, zu Gott zu kommen, In dem alle Güt' allein! 5. O daß wir Gott möchten finden In uns durch der Liebe Licht Und uns ewig ihm verbinden! Alles andre sättigt nicht. 6. O wär' doch das Aug' der Seelen Stetig nur gewandt zum Herrn! So wär' auch das bange Quälen Im Gewissen von uns fern. 7. O du Abgrund aller Güte, Zeuch durchs Kreuz in dich hinein Geist und Herz, Sinn und Gemüte, Ewig mit dir eins zu sein! Gottfr. Arnold(9); 308 Christlicher Sinn und Wandel. Eigne Melodie. 307. Ringe recht, wenn Gottes Gnade Dich nun ziehet und bekehrt, Daß dein Geist sich recht entlade Von der Last, die ihn beschwert. 2. Ringe, denn die Pfort' ist enge, Und der Lebensweg ist schmal: Hier verliert sich im Gedränge, Was nicht strebt zum Himmelssaal. 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, Dring hinein in Gottes Reich; Will das Fleisch dir widerstreben, Werde weder matt noch weich. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe Und die erste Liebe dich Von der ganzen Welt abziehe; Halbe Liebe hält nicht stich. 5. Ringe mit Gebet und Flehen, Halte brünstig damit an; Laß den Eifer nicht vergehen, Setze Tag und Nacht daran. 6. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr; Hier in dieser Welt voll Fehle Schwebst du täglich in Gefahr. 7. Halt ja deine Krone feste, Halte männlich, was du hast; Recht beharren ist das beste, Rückfall ist ein böser Gast. 8. Nichts hab' Aug' und Hand zu schassen Mit der schnöden Eitelkeit; Bleibe Tag und Nacht in Waffen, Fliehe träge Sicherheit. 9. Laß dem Fleische nicht den Willen, Gieb der Lust den Zügel nicht; en Christlicher Sinn und Wandel. 399 Willst du die Begierden stillen, So verlischt das Gnadenlicht. 10. Wahre Treu' führt mit der Sünde Bis ins Grab beständig Krieg, Gleichet nicht dem Rohr im Winde, Sucht in jedem Kampf den Sieg. 11. Wahre Treu' liebt Christi Wege Steht beherzt auf ihrer Hut, Weiß von keiner Fleischespflege, Hält sich selber nichts zu gut. 12. Wahre Treu' kommt dem Getümmel Dieser Welt niemals zu nah; Ist ihr Schatz doch in dem Himmel, Drum ist auch ihr Herz allda. 13. Dies bedenket wohl, ihr Streiter: Streitet recht und fürchtet euch, Dringet alle Tage weiter, Bis ihr kommt ins Himmelreich. Joh. Jos. Winckler. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 308. Rüstet euch, ihr Christenleute! Die Feinde suchen euch zur Beute, Ja, Satan selbst hat eu'r begehrt. Wappnet euch mit Gottes Worte Und kämpfet frisch an jedem Orte, Damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell, Hier ist Immanuel. Hosianna! Der Starke fällt Durch diesen Held, Und wir behalten mit das Feld. 2. Reinigt euch von euren Lüsten, Besieget sie, als rechte Christen, 400 Christlicher Sinn und Wandel. Und stehet in des Herren Kraft. Stärket euch in Jesu Namen, Daß ihr nicht strauchelt, wie die Lahmen, Zeigt, was der rechte Glaube schafft. Wer hier ermüden will, Der schaue auf das Ziel; Da ist Freude. Wohlan, so seid Zum Kampf bereit: So krönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wen'gen Jahre, Eh' ihr kommt auf die Totenbahre; Kurz, kurz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott wird die Toten wecken, So wird die Welt vor ihm erschrecken, Wir aber stehn mit Freuden auf. Gott Lob! wir sind versöhnt; Daß uns die Welt verhöhnt, Währt nicht lange, Und Gottes Sohn Hat längstens schon Uns beigelegt die Ehrenkron'. 4. Jesu, stärke Gottes Kinder Und mach aus denen Überwinder, Die du erkauft mit deinem Blut. Schaff in uns ein neues Leben, Daß wir uns stets zu dir erheben, Wenn uns entfallen will der Mut. Geuß aus auf uns den Geist, Dadurch die Liebe fleußt In die Herzen: So halten wir Getreu an dir Im Tod und Leben für und für. Wilh. Erasmus Arends. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 309. Schaffet, schaffet, Menschenkinder, Schaffet eure Seligkeit; Bauet nicht, wie sichre Sünder, Nur auf gegenwärt'ge Zeit, Sondern schauet über euch, Ringet nach dem Himmelreich Und bemühet euch auf Erden, Wie ihr möget selig werden. 2. Daß nun dieses mag geschehen, Müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut Und nach dessen Neigung gehen, Sondern, was Gott will und thut, Das muß einzig und allein Eures Lebens Richtschnur sein, Es mag Fleisch und Blut in allem Ubel oder wohl gefallen. 3. Ihr habt Ursach', zu bekennen, Daß in euch noch Sünde steckt, Daß ihr Fleisch von Fleisch zu nennen, Daß euch lauter Elend deckt Und daß Gottes Gnadenkraft Nur allein das Gute schafft, Ja, daß außer seiner Gnade Nichts in euch, als Seelenschade. 4. Selig, wer im Glauben kämpfet, Selig, wer im Kampf besteht Und die Sünden in sich dämpfet, Selig, wer die Welt verschmäht! Unter Christi Kreuzesschmach Jaget man dem Frieden nach; Wer den Himmel will ererben, Muß zuvor mit Christo sterben. 5. Werdet ihr nicht treulich ringen, Sondern träg und lässig sein, 40² Christlicher Sinn und Wandel. Eure Neigung zu bezwingen, So bricht eure Hoffnung ein; Ohne tapfern Streit und Krieg Folget niemals rechter Sieg; Nur den Siegern wird zum Lohne Beigelegt die Ehrenkrone. 6. Mit der Welt nach Lust zu jagen, Hat bei Christen keine Statt: An dem Fleisch Gefallen tragen, Schwächt den Geist und macht ihn matt. Ach, bei Christi Kreuzesfahn' Geht es wahrlich niemals an, Daß man noch mit sicherm Herzen Mit der Sünde wollte scherzen. 7. Furcht muß man vor Gott stets tragen, Denn er ist's, der jederzeit Kann zur Hölle niederschlagen; Er ist's, der den Geist verleiht Und, nachdem es ihm beliebt, Wollen und Vollbringen giebt. O so laßt zu ihm uns gehen, Ihn um Gnade anzuflehen. 8. Und dann schlagt das Fleisch danieder, Das noch stets in euch sich regt; Kämpft und kämpfet immer wieder, Bis ihm seine Macht gelegt. Was euch ärgert, hauet ab, Was euch hindert, senkt ins Grab Und denkt stets an Jesu Worte: „Gehet ein zur engen Pforte.“ 9. Zittern will ich vor der Sünde Und dabei auf Jesum sehn, Bis ich seinen Beistand finde, In der Gnade zu bestehn. Ach mein Heiland, geh doch nicht Mit mir Armen ins Gericht, 3 F D 8 er, Christlicher Sinn und Wandel. 403 Gieb mir deines Geistes Waffen, Meine Seligkeit zu schaffen. 10. Amen, es geschehe, Amen! Gott versiegle dies in mir, Daß ich so in Jesu Namen Meinen Glaubenskampf vollführ'. Er, er gebe Kraft und Stärk' Und regiere selbst das Werk, Daß ich wache, bete, ringe Und also zum Himmel dringe. Ludwig Andreas Gotter. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 310. Seele, was ermüd'st du dich In den Dingen dieser Erden, Die doch bald verzehren sich Und zu Staub und Asche werden? Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, Laß ihn sich zu Gott aufschwingen; Richt ihn stets zum Himmel hin, Laß ihn in die Gnad' eindringen. Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh', Dein betrübtes Herz zu laben; Eil der Lebensquelle zu, Da kannst du sie reichlich haben. Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht. 4. Geh in Einfalt stets einher, Laß dir nichts das Ziel verrücken; Gott wird aus dem Liebesmeer Dich, den Kranken, wohl erquicken. Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht. 25• 404 Christlicher Sinn und Wandel. „5. Schwinge dich recht oft im Geist Über alle Himmelshöhen; Laß, was dich zur Erde reißt, Weit von dir entfernet stehen. Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht. 6. Nahe dich dem lautern Strom, Der vom Thron des Lammes fließet Und auf die, so keusch und fromm, Sich in reichem Maß ergießet. Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht. 7. Laß dir seine Majestät Immerdar vor Augen schweben; Laß mit brünstigem Gebet Sich dein Herz zu ihm erheben. Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht. 8. Sei im übrigen ganz still, Du wirst schon zum Ziel gelangen; Glaube, daß sein Liebeswill' Stillen werde dein Verlaͤngen. Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht. Jak. Gabr. Wolf. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 311. Was hinket ihr, betrogne Seelen, Auf beiden Seiten immerfort? Fällt's euch zu schwer, das zu erwählen, Was euch anbietet Gottes Wort? Ach seht's mit offnen Augen an, Brecht durch und wählt die schmale Bahn. 2. Bedenkt, es sind nicht Kaiserkronen, Nicht Reichtum, Ehr' und Lust der Welt, Womit euch Gott will ewig lohnen, Wenn euer Kampf den Sieg erhält: SS esS 1 Christlicher Sinn und Wandel. Gott selbst ist's und die Ewigkeit Voll Lust, voll Ruh', voll Seligkeit. 3. Drum gilt hier kein halbiertes Leben, Gott krönet kein geteiltes Herz; Wer Jesu sich nicht recht ergeben, Der macht sich selber Müh' und Schmerz Und träget zum verdienten Lohn Hier Qual und dort die Höll' davon. 4. Wer aber mit Gebet und Ringen Der Welt auf ewig Abschied giebt, Wer Christo folgt in allen Dingen Und ihn von ganzem Herzen liebt, Der ist allein der Krone wert, Dem wird die Seligkeit beschert. 5. Zerreißet die gelegten Schlingen, Die euch in diesem schönen Lauf Verhindern und zum Säumen bringen, Und rafft euch heut von neuem auf. Auf, auf! verlaßt die falsche Ruh'; Auf, auf! es geht dem Himmel zu. 6. Gott fordert nur, daß ihr euch haltet An ihn, den Herrn, der mit euch geht, Daß ihr die schwachen Hände faltet Und ohne Heucheln zu ihm fleht. Er kämpft für euch, er macht euch Bahn Trotz dem, der euch besiegen kann! 7. Die Allmacht stehet euch zur Seiten, Die Weisheit hält bei euch die Wach', Die Gottheit selber will euch leiten, Folgt nur mit treuen Schritten nach. Wie manchen hat nicht diese Hand Schon durchgeführt ins Vaterland. 8. Nur spart es nicht auf andre Zeiten Es ist schon jetzo viel versäumt; Ihr mehrt euch selbst die Schwierigkeiten. Wenn ihr das Heute träg verträumt. 406 Nächstenliebe. Eilt, eilet, denn die Gnadenzeit Flieht pfeilgeschwind zur Ewigkeit. 9. Laßt euch das Fleisch nicht lässig machen, Verbannet seine Weichlichkeit; Ihr gebt euch ja um eitle Sachen In so viel Müh' und Fährlichkeit. Wie, daß ihr um das höchste Gut So träg, verzagt und sorglos thut? 10. Eilt, faßt einander bei den Händen, Seht, wie ist unser Ziel so nah! Wie bald wird unser Kampf sich enden! Dann stehet unser König da; Er führt uns ein zur stillen Ruhꝰ Und teilet uns das Kleinod zu. Leop. Franz Friedr. Lehr. XXI. Mächstenliebe. Mel.: Nun sich der Tag geendet hat. 312. Christ, wenn die Armen manchesmal Vor deiner Thüre stehn, Merk auf, ob nicht in ihrer Zahl Der Herr sei ungesehn. 2. Und wenn ihr matter Ruf so bang Erschallt zu dir herein, Horch auf, ob seiner Stimme Klang Nicht möchte drunter sein. 3. O nicht so fest und eng verschließ Die Thüre und das Herz! Ach, wer den Heiland von sich stieß', Was träfe den für Schmerz! 4. Drum öffne gern und mitleidsvoll Dem Flehenden dein Haus Und reiche mild der Liebe Zoll Dem Dürftigen hinaus. 22 VVSESVSGOE S 9 Ve n, n, ial Nächstenliebe. 5. Denn ehe du dich's wirst versehn, Ist's dein Herr Jesus Christ; Der wird durch deine Thüre gehn, Weil sie so gastlich ist. 6. Und ehe du ihn noch erkannt, Der arm erschien vor dir, Erhebt er seine heil'ge Hand Zum Segen für und für: 7. Zum Segen über deinen Tisch Und über all dein Gut Und über deine Kinder frisch Und deinen frohen Mut; 8. Zum Segen über deine Zeit, Die du hienieden gehst, Und über deine Ewigkeit, Da du dort oben stehst; 9. Dort oben, wo er dann die Thür Dir auf mit Freuden thut, Wie ihm und seinen Brüdern hier Du thatst mit frommem Mut. Wilhelm Hey. Mel.: An Wasserflüssen Babylon. 313. Der du die Liebe selber bist Und gern uns Menschen segnest, Selbst dem, der, Herr, dein Feind noch ist, Mit Gnade doch begegnest, O bilde meinen Sinn nach dir Und laß mich, mein Erlöser, hier Auf deinen Wegen wandeln! Die können keine Christen sein, Die dir zu folgen sich nicht freun, Nicht menschenfreundlich handeln. 2. Dein Leben in der Niedrigkeit War aller Menschen Segen; Dir folgten Lieb' und Freundlichkeit Auf allen deinen Wegen. 407 408 Nächstenliebe. Was du nur sprachst, war Warnung, Rat Und Heil und Trost und jede That Bezeugte dein Erbarmen. Du kamst, gering und arm zu sein, Von jeder Not uns zu befrein, Und starbst zum Heil uns Armen. 3. Auch jetzt, da du erhöhet bist, Erbarmst du dich der Sünder, Bist ewig, was dein Vater ist, Ein Freund der Menschenkinder. Du schaffst den Deinen Trost und Ruh', Und die Verirrten suchest du Auf deinen Weg zu leiten. Du hörst der Seufzenden Gebet Und brauchst nur deine Majestät, Um Segen auszubreiten. 4. Laß denn in meiner Pilgrimschaft Mich auf dein Vorbild sehen! Erfülle mich mit Lust und Kraft, Dem Nächsten beizustehen, Betrübten Herzen Trost zu sein, Mich mit den Fröhlichen zu freun, Mit Weinenden zu klagen! Laß nie mich dem, der meinen Rat, Der meine Hülfe nötig hat, Was er bedarf, versagen! 5. Laß mich mit brüderlicher Huld Des Trägen Fleiß erwecken Und seine Fehler mit Geduld Und Liebe gern bedecken! Kränkt einer mich, laß mich, o Herr, Verzeihn und selbst Beleidiger Mit Lieb' umfahn als Brüder! Und kann ich ihre Herzen hier Nicht mehr gewinnen, gieb sie mir In deinem Himmel wieder! J. S. Diterich. at Nächstenliebe. 409 Mel.: Nun sich der Tag geendet hat. 314½. Der du noch in der letzten Nacht, Eh' du für uns erblaßt, Den Deinen von der Liebe Macht So schön gezeuget hast, 2. Erinnre deine kleine Schar, Die sich so oft entzweit, Daß deine letzte Sorge war Der Glieder Einigkeit. 3. Bezwing doch unsern stolzen Sinn, Der nichts von Demut weiß, Und führ ihn in die Liebe hin Zu deiner Liebe Preis. Nik. Ludw. v. Zinzendorf. — Mel.: O Durchbrecher aller Bande. 315. Herz und Herz vereint zusammen, Sucht in Gottes Herzen Ruh'! Lasset eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt und wir die Glieder, Er das Licht und wir der Schein, Er der Meister, wir die Brüder, Er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach kommt, ihr Gotteskinder, Und erneuert euren Bund, Schwöret unserm Überwinder Lieb' und Treu' von Herzensgrund! Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, O so flehet um die Wette, Bis sie Jesus wieder stählt. 3. Legt es unter euch, ihr Glieder, Auf so treues Lieben an, Daß ein jeder für die Brüder Auch das Leben lassen kann. 4¹10 Nächstenliebe. So hat uns der Herr geliebet, So vergoß er einst sein Blut: Denkt doch, wie es ihn betrübet, Wenn ihr selbst euch Eintrag thut. 4. O du treuster Freund, vereine Deine dir geweihte Schar, Daß sie es so herzlich meine, Wie's dein letzter Wille war. Ja, verbind in deiner Wahrheit, Der du selbst die Wahrheit bist, Alles, was von deiner Klarheit Hellem Schein erleuchtet ist. 5. So wird dein Gebet erhöret, Daß der Vater alle die, Welche sich zu dir bekehret, Auch in seine Liebe zieh', Und daß, wie du eins mit ihnen, Also sie auch eines sei'n, Sich in wahrer Liebe dienen Und einander gern erfreun. 6. Liebe, du hast es geboten, Daß man Liebe üben soll: O so mache doch die toten, Trägen Herzen lebensvoll! Zünde an die Liebesflamme, Daß ein jeder sehen kann: Wir, als die von einem Stamme, Stehen auch für einen Mann. 7. Laß uns so vereinigt werden, Wie du mit dem Vater bist, Bis schon hier auf dieser Erden Kein getrenntes Glied mehr ist; Alle Herzen laß entbrennen; Deine Lieb' in uns entzünd: Also wird die Welt erkennen, Daß wir deine Jünger sind. Nik. Ludw. v. Zinzendors. Nächstenliebe. Mel.: O Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 316. In Christo nur der Glaube gilt, Daraus ein schönes Brünnlein quillt, Die brüderliche Lieb' genannt, Daran ein Christ wird recht erkannt. 2. Der Herr sie selbst das Zeichen nennt, Daran man seine Jünger kennt; In niemand's Herz man sehen kann, An Werken wird erkannt ein Mann. 3. Ja, bei der Liebe spürt man frei, Wer ein rechtschaffner Bruder sei; Der Glaub' von Herzen traut auf Gott, Die Lieb' hält treulich sein Gebot. 4. Die Lieb' nimmt sich des Nächsten an, Sie hilft und dienet jedermann; Gutwillig ist sie allezeit, Sie lehrt, sie straft, sie giebt und leiht. 5. Sie überhebt sich keiner That, Wenn sie gedient, geholfen hat; Denn was sie thut, thut sie aus Pflicht, Und Lohn und Dank begehrt sie nicht. 6. Ein Christ dem Nächsten hilft aus Not, Er thut's zu Ehren seinem Gott; Er thut es nur aus treuem Sinn, Dankt man ihm drum, so freut es ihn. 7. Wo nicht, so kümmert's ihn nicht sehr, Er that's ja nicht um Ruhm und Ehr'; Was seine Rechte reichet dar, Das wird die Linke nicht gewahr. 8. Wie Gott läßt scheinen seine Sonn“ Und regnen über Bös' und Fromm', So soll'n wir segnen auch den Feind, Gleichwie wir Liebes thun dem Freund. 9. Die Lieb' erweist sich mildiglich, Sie eifert nicht, noch bläht sie sich, 412 Nächstenliebe. Sie glaubt und hofft, trägt mit Geduld, Verzeiht gutwillig alle Schuld. 10. Sie wird nicht müd', fährt immer fort, Kein finstrer Blick, kein bitter Wort Entfähret ihr, nichts Arg's sie denkt, Wie sehr sie Lug und Trug auch kränkt. 11. Darum die Lieb' das Größte ist, Des sich befleißen soll ein Christ; Die Lieb' in Gottes Willen ruht Und alles Gute schafft und thut. Nik. Herman. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt'. 317. So jemand spricht: Ich liebe Gott, Und haßt doch seine Brüder, Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott Und reißt sie ganz danieder. Gott ist die Lieb' und will, daß ich Den Nächsten liebe gleich als mich. 2. Wer dieser Erde Güter hat Und sieht die Brüder leiden Und macht die Hungrigen nicht satt, Läßt Nackende nicht kleiden: Der achtet nicht der ersten Pflicht Und hat die Liebe Gottes nicht. 3. Wer seines Nächsten Ehre schmäht Und gern sie schmähen höret, Sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, Und nichts zum Besten kehret, Nicht dem Verleumder widerspricht: Der liebt auch seinen Bruder nicht. 4. Wer harret, bis ihn anzuflehn Ein Dürftiger erscheinet, Nicht eilt dem Frommen beizustehn, Der im Verborgnen weinet, Mit Härt' und Vorwurf quälet Und ohne Nachsicht straft und stürmt, Sobald sein Nächster fehlet: Wie bleibt bei seinem Ungestüm Die Liebe Gottes wohl in ihm? 6. Wer für der Armen Heil und Zucht Mit Rat und That nicht wachet, Dem Übel nicht zu wehren sucht, Das oft sie dürftig machet, Gedankenlos die Gabe giebt: Der hat sie wenig noch geliebt. 7. Wir haben einen Gott und Herrn, Sind eines Leibes Glieder, Drum diene deinem Nächsten gern, Denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, Mein Nächster ist sein Kind wie ich. 8. Ein Heil ist unser aller Gut; Ich sollte Brüder hassen, Die Gott durch seines Sohnes Blut So teu'r erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich versühnt, Hab' ich das mehr als sie verdientꝰ 9. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, Du Herr von meinen Tagen, Ich aber sollte nicht Geduld Mit meinen Brüdern tragen, Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst? 10. Was ich den Frommen hier gethan, Dem Kleinsten auch von diesen, Das siehet mein Erlöser an, Als hätt' ich's ihm erwiesen: Gebet. Wie könnt' ich denn sein Jünger sein Und ihn in Brüdern nicht erfreun? 11. Ein unbarmherziges Gericht Wird über den ergehen, Der lieblos seinem Nächsten nicht In Not eilt beizustehen. Drum gieb mir, Gott, durch deinen Geist Ein Herz, das dich durch Liebe preist. Chr Fürchtegott Gellert. XXII. Gebet. Mel.: Christus, der ist mein Leben. 318. Ach bleib mit deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List. 2. Ach bleib mit deinem Worte Bei uns, Erlöser wert, Daß uns beid' hier und dorten Sei Güt' und Heil beschert. 3. Ach bleib mit deinem Glanze Bei uns, du wertes Licht, Dein' Wahrheit uns umschanze, Damit wir irren nicht. 4. Ach bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr, Dein' Gnad' und all's Vermögen In uns reichlich vermehr. 5. Ach bleib mit deinem Schutze Bei uns, du starker Held, Daß uns der Feind nicht trutze, Noch fäll' die böse Welt. 6. Ach bleib mit deiner Treue Bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Not. Josua Stegmann. 5.... 8855552 Gebet. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 319. Ach Gott, verlaß mich nicht! Reich mir die Gnadenhände; Ach führe mich, dein Kind, Daß ich den Lauf vollende Zu meiner Seligkeit; Sei du mein Lebenslicht, Mein Stab, mein Hort, mein Schutz; Ach Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach Gott, verlaß mich nicht! Regiere du mein Wallen; Ach laß mich nimmermehr In Sünd' und Schande fallen; Gieb mir den guten Geist, Gieb Glaubenszuversicht, Sei meine Stärk' und Kraft; Ach Gott, verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich ruf' aus Herzensgrunde, Ach Höchster, stärke mich In jeder bösen Stunde; Wenn die Versuchung naht Und meine Seel' anficht, So weiche nicht von mir; Ach Gott, verlaß mich nicht! 4. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ach laß dich doch bewegen; Ach Vater, kröne du Mit reichem Himmelssegen Die Werke meines Amts, Die Werke meiner Pflicht, Zu thun, was dir gefällt; Ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich bleibe dir ergeben. Gebet. Hilf mir, o großer Gott, Recht glauben, christlich leben Und selig scheiden einst, Zu sehn dein Angesicht; Hilf mir in Not und Tod; Ach Gott, verlaß mich nicht! Sal. Frank. Eigne Melodie(In dich hab' ich gehoffet). 320. Auf dich hab' ich gehoffet, Herrl Hilf, daß ich nicht zu Schanden werd' Noch ewiglich zu Spotte. Das bitt' ich dich: Erhalte mich In dir, dem treuen Gotte! 2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir, Erhör mein Bitten, tritt herfür, Eil bald, mich zu erretten. In Angst und Weh Ich lieg' und steh', Hilf mir aus meinen Nöten! 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei; Sei meine Burg, darin ich frei Und ritterlich mög' streiten, Ob mich gar sehr Der Feinde Heer Anficht auf allen Seiten. 4. Du bist mein Fels, so sagt's dein Wort, Mein Schild, mein' Kraft und treuer Hort, Mein' Hülf', mein Heil, mein Leben, Mein starker Gott In aller Not: Wer mag mir widerstreben? 5. Mir hat gar oft die böse Welt Der Netz' und Stricke viel gestellt Mit arger List und Tücke: Herr, nimm mein wahr Gebet. In der Gefahr, Daß sie mich nicht berücke. 6. Herr, meinen Geist befehl' ich dir, Mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, Aus aller Not Hilf mir am letzten Ende. 7. Lob sei dir, Ehr' und Herrlichkeit, Gott Vater, Sohn und Geist, bereit Und deinem heil'gen Namen! Gieb, Gott, uns Kraft, Mach uns sieghaft Durch Jesum Christum. Amen. Adam Reißner. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 321. Bete nur, betrübtes Herz, Wenn dich Angst und Kummer kränken; Klage Gott doch deinen Schmerz, Er wird endlich an dich denken; Gott wird dein Gebet und Flehn, Ist es ernstlich, nicht verschmähn. 2. Gott wird dein Gebet und Flehn Dir zur rechten Zeit gewähren; Glaube nur, es wird geschehn, Was die Frommen hier begehren; Denn Gott kennet deinen Schmerz, Bete nur, betrübtes Herz. 3. Bete nur, betrübtes Herz, Bete stets in Jesu Namen; Wirf die Sorgen hinterwärts, Gott spricht schon das Ja und Amen; Deines Jesu Tod und Blut Macht vor Gott dein Beten gut. 27 Gebet. 4. Deines Jesu Tod und Blut Bahnt den Weg zu Gottes Herzen; Bete nur mit frohem Mut, Gott stillt alle deine Schmerzen. Sei getreu bis in den Tod, Beten hilft aus aller Not. 5. Beten hilft aus aller Not, Ei, so bete ohne Zweifel; Bist du arm, Gott schenkt dir Brot; Schreckt dich Hölle, Welt und Teufel, Bete nur, so wirst du sehn, Gott wird dir zur Seite stehn. 6. Gott wird dir zur Seite stehn, Vor wem sollte dir nun grauen? Mußt du hier auf Dornen gehn, Endlich sollst du Rosen schauen; Denn Gott kennet deinen Schmerz; Bete nur, betrübtes Herz. Joh. Gottfr. Krause. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 322. Dein Heil, o Christ, nicht zu verscherzen, Sei wach und nüchtern zum Gebet. Ein kindlich Flehn aus reinem Herzen Hat Gott, dein Vater, nie verschmäht. Erschein in Demut oft und gern Mit Dank und Flehen vor dem Herrn. 2. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden Und im Gebet vor Gott zu stehn! Du, Herr des Himmels und der Erden, Brauchst freilich keines Menschen Flehn; Du weißt die Sorge, die uns plagt, Auch eh' noch unser Herz dir's klagt. 3. Doch sprichst du: Bittet, daß ihr nehmet! Der Bitten Frucht ist einzig mein. ö se. n Gebet. 419 Wer sich der Pflicht zu beten schämet, Der schämt sich, Gott, dein Freund zu sein, Und stößt das ihm bestimmte Glück Mutwillig selbst von sich zurück. 4. Sein Heil allein von dir begehren, Das, Gott, ist keine schwere Pflicht. Des Herzens Wünsche dir erklären, Wie stärkt das unsre Seele nicht! O welch ein Trost, daß du uns liebst Und gern uns, was uns nützet, giebst! 5. Was kann zum Fleiß in guten Werken Uns kräftiger den Mut erhöhn? Was mehr in Leidensstunden stärken, Als wenn wir flehend auf dich sehn? O Vater, unsre Seelenruh' Nimmt durchs Gebet beständig zu. 6. Dein Wort ist immer Ja und Amen. Wer gläubig bittet, der empfäht: Drum laß auch mich in Jesu Namen Oft vor dich kommen mit Gebet. Nie sei mir diese Pflicht zur Last, Die du zum Heil geboten hast. Chr. Fürchtegott Gellert. Eigne Melodie. 323. Die wir uns allhier beisammen finden, Schlagen unsre Hände ein, Uns auf deine Marter zu verbinden, Dir auf ewig treu zu sein; Und zum Zeichen, daß dies Lobgetöne Deinem Herzen angenehm und schöne, Sage Amen und zugleich: „Friede, Friede sei mit euch!“ Chr. Renatus v. Zinzendorf. 2²⁷⁰ 42⁰ Gebet. ‚ Eigne Melodie. 324. Dir, dir, Jehova, will ich singen; Denn wo ist doch ein solcher Gott, wie du? Dir will ich meine Lieder bringen: Ach gieb mir deines Geistes Kraft dazu, Daß ich es thu' im Namen Jesu Christ, So wie es dir durch ihn gefällig ist. 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, Damit dein Sohn mich wieder zieh' zu dir; Dein Geist in meinem Herzen wohne Und meine Sinne und Verstand regier', Auf daß ich deinen Frieden schmeck' und fühl' Und dir darob im Herzen sing' und spiel'. 3. Verleih mir, Höchster, solche Güte, So wird gewiß mein Singen recht gethan; So klingt es schön in meinem Liede, Und ich bet' dich in Geist und Wahrheit an; So hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, Daß ich dir Psalmen sing' im höhern Chor. 4. Denn der kann mich bei dir vertreten Mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; Der lehret mich recht gläubig beten, Giebt Zeugnis meinem Lam daß ich dein ind, Daß ich vom Fluche des Gesetzes frei Und ein Miterbe Jesu Christi sei. 5. Wohl mir, daß ich dies Zeugnis habe! Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit Und weiß, daß alle gute Gabe, Die ich von dir erbeten jederzeit, Die giebst du und thust überschwenglich mehr, Als ich verstehe, bitte und begehr'. 6. Wohl mir! ich bitt' in Jesu Namen, Der mich zu deiner Rechten selbst vertritt. IID‚D‚D‚D‚D‚D‚ttteeeeeee ——4—.2.—2 . 1 Gebet. 42¹ In ihm ist alles Ja und Amen, Was ich von dir im Geist und Glauben bitt'. Wohl mir! Lob dir jetzt und in Ewigkeit, Daß du mir schenkest solche Seligkeit! Barth. Crasselius. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 325. Du gehest in den Garten beten; Mein treuer Jesu, nimm mich mit! Laß mich an deine Seite treten, Ich weiche von dir keinen Schritt: Ich will an dir, mein Heiland, sehn, Wie mein Gebet soll recht geschehn. 2. Du gehst mit Zittern und mit Zagen Und bist bis in den Tod betrübt; Ach, dieses soll ans Herz mir schlagen, Daß ich die Sünde so geliebt; Drum willst du, daß ein Herz voll Reu' Mein Anfang zum Gebete sei. 3. Du reißest dich von allen Leuten Und suchst die stille Einsamkeit: So muß auch ich mich wohl bereiten Und fliehen, was mein Herz zerstreut. Zeuch mich von aller Welt allein, Daß nur wir zwei beisammen sei'n. 4. Du wirfst dich knieend hin zur Erden, Fällst nieder auf dein Angesicht: So muß die Demut sich geberden. Darum erheb' ich Staub mich nicht; Ich beuge mich in Niedrigkeit, Wie du, voll Trauer, Angst und Leid. 5. Du betest zu dem lieben Vater, Rufst: Abba! Abba! wie ein Kind; Dein Vater ist auch mein Berater, Sein Vaterherz ist treu gesinnt. Sebet. Drum halt' ich mich getrost an dich Und rufe: Abba! höre mich! 6. Geduldig Lamm, wie hältst du stille, Hältst im Gebete dreimal an: Auch ich soll thun, das ist dein Wille, Wie du, mein Heiland, hast gethan; Hilft Gott nicht gleich aufs erste Flehn, So darf ich wieder zu ihm gehn. 7. Dein Wille senkt sich in den Willen Des allertreusten Vaters ein: So muß sich auch mein Wille stillen, Will ich von ihm erhöret sein. Drum bet' ich in Gelassenheit: Was mein Gott will, gescheh' allzeit. 8. Nun, du erlangest auf dein Flehen Trost, Kraft, Sieg, Leben, Herrlichteit; Und so wird's auch mit mir geschehen, Der ich zur angenehmen Zeit Auf ernstlich Beten freudenvoll Den gleichen Segen ernten soll. 9. Mein Jesu, hilf mir stets so beten, Wie mich dein heilig Vorbild lehrt: So kann ich frei zum Vater treten Und werde stets von ihm erhört; So bet' ich mich zum Himmel ein Und will dir ewig dankbar sein. Joh. Mentzer, Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 326. Gott, deine Güte reicht so weit, Soweit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barmherzigkeit Und eilst, uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, Vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, Wenn ich nun vor dir bete. 2 2 8 VFMHDẽꝰO e er. rt, rt, Gebet. 423 2. Ich bitte nicht um Überfluß Und Schätze dieser Erden; Laß mir, soviel ich haben muß, Nach deiner Gnade werden. Gieb mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott, und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr' und Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten Namens Eigentum Laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, Der Ruhm vor deinem Angesicht Und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt' ich dich, mein Herr und Gott, Auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demut, Mut in Not, Das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit, Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir im Tode finden. Chr. Fürchtegott Gellert. Mel.: Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. 327. Herr, wie du willst, so schick's mit mir Im Leben und im Sterben. Mein Herz verlangt allein nach dir, Laß, Herr, mich nicht verderben; Erhalt mich nur in deiner Huld! Sonst, wie du willst; gieb mir Geduld; Denn dein Will' ist der beste. 2. Zucht, Ehr' und Treu' verleih mir, Herr, Und Lieb' zu deinem Worte; Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr' Und gieb mir allerorten, Was dient zu meiner Seligkeit; 42⁴ Gebet. Wend ab all' Ungerechtigkeit In meinem ganzen Leben. 3. Wenn ich einmal nach deinem Rat Von dieser Welt soll scheiden, Verleihe mir durch deine Gnad', Daß es gescheh' mit Freuden. Herr, Leib und Seel' befehl' ich dir, Gieb du ein selig Ende mir Durch Jesum Christum. Amen. Kasp. Bienemann, gen. Melissander. Mel.: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 328. Ich komme vor dein Angesicht, Verwirf, o Gott, mein Flehen nicht; Vergieb mir alle meine Schuld, Du Gott der Gnade und Geduld. 2. Schaff du ein reines Herz in mir, Ein Herz voll Furcht und Lieb' zu dir, Ein Herz voll Demut, Preis und Dank, Ein ruhig Herz mein Leben lang. 3. Sei mein Beschützer in Gefahr, Ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein Übel, das mich schreckt, Wenn deine Rechte mich bedeckt? 4. Ich bin ja, Herr, in deiner Hand; Von dir empfing ich den Verstand, Erhalt ihn mir, o Herr, mein Hort, Und stärk ihn durch dein göttlich Wort. 5. Ich bin zu schwach, aus eigner Kraft Zu dämpfen meine Leidenschaft; Du aber ziehst mit Kraft mich an, Daß ich den Sieg erlangen kann. 6. Gieb von den Gütern dieser Welt Mir, Herr, so viel, als dir gefällt; Gieb deinem Knecht ein mäßig Teil, Zu seinem Fleiße Glück und Heil. — Gebet. 42⁵ 7. Schenkt deine Gnad' mir Überfluß, So laß mich mäßig im Genuß Und einen frohen Geber sein, Und dürft'ge Brüder zu erfreun. 8. Gieb mir Gesundheit und verleih, Daß ich sie nütz' und dankbar sei Und nie aus banger Sorg' um sie Mich zaghaft einer Pflicht entzieh'. 9. Erwecke mir stets einen Freund, Der's treu mit meiner Wohlfahrt meint, Mit mir in deiner Furcht sich übt, Mir Rat und Trost und Beispiel giebt. 10. Bestimmst du mir ein längres Ziel Und werden meiner Tage viel: So bleib du meine Zuversicht, Verlaß mich auch im Alter nicht. 11. Und wird sich einst mein Ende nahn, So nimm dich meiner herzlich an Und sei durch Christum, deinen Sohn, Mein Schirm, mein Schild und großer Lohn. Chr. Fürchtegott Gellert. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 329. Ich will beten, Gott wird hören; Denn er hat es zugesagt. Mich soll Zweifel nicht bethören, Und ich werde nicht verzagt, Wenn er nicht zu hören scheint; Denn ich weiß wohl, wie er's meint: Es soll die Geduld sich mehren. Ich will beten, Gott wird hören. 2. Ich will beten, Gott wird geben; Denn von ihm kommt alles her. Aus der Fülle kann man heben Als aus einem reichen Meer, 426 Gebet. Was für Leib und Seel' ist not. Droben lebt der reiche Gott, Der hat Segen, Brot und Leben. Ich will beten, Gott wird geben. 3. Ich will beten, Gott wird schenen, Wenn mich mein Gewissen quält, Weil noch Sünden in mir wohnen; Ach, wer merkt, wie oft er fehlt! Gott, der keinem Sünder flucht, Wenn er herzlich Gnade sucht, Wird mir nach Verdienst nicht lohnen. Ich will beten, Gott wird schonen. 4. Ich will beten, Gott wird stärken, Wenn der Glaube wanken will. Werd' ich Unglückswetter merken, Ist Gebet mein Saitenspiel. Beten in des Glaubens Kraft Ist des Christen Ritterschaft. Hab' ich Gott bei meinen Werken, Will ich beten, Gott wird stärken. 5. Ich will beten, Gott wird heilen. Wenn der Leib in Schmerzen liegt, Will ich zu dem Helfer eilen, Dessen Wort den Tod besiegt. Wenn der Kranke betend fleht, Wird die Lebenskraft erhöht. Sollte auch die Hülfe weilen: Ich will beten, Gott wird heilen. 6. Ich will beten, Gott wird retten, Will, neigt sich mein Lebenslicht, In des Vaters Schoß mich betten Mit Gebet und Zuversicht. Wer im Sterben beten kann, Der ist wahrlich wohl daran Und zerreißt des Todes Ketten. Ich will beten, Gott wird retten. Gottfr. Gottschling. Gebet. 427 Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 330. Laß mich dein sein und bleiben, Du treuer Gott und Herr! Von dir laß nichts mich treiben, Halt mich bei deiner Lehr'. Herr, laß mich nur nicht wanken, Gieb mir Beständigkeit. Dafür will ich dir danken In alle Ewigkeit. Nik. Selnecker. Mel.: Straf mich nicht in deinem Zorn. Mache dich, mein Geist, bereit, Wache, fleh und bete, Daß dich nicht die böse Zeit Unverhofft belrete. Unverhofft Ist schon oft Über viele Frommen Die Versuchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf Von dem Sündenschlafe; Denn es folget sonst darauf Eine lange. Und die Samt dem„ad Möchte dich in Sünden Unvermutet finden. 3. Wache auf, sonst kannst du nicht Christi Klarheit sehen; Wache, denn sonst wird dein Licht Dir noch ferne stehen. Denn Gott will Für die Füll' Seiner Gnadengaben Offne Augen haben. 42⁸ Gebet. 4. Wache, laß dich Satans List Nicht im Schlafe finden; Nur wer stetig wachsam ist, Kann ihn überwinden; Und Gott giebt, Die er liebt, Oft in seine Strafen, Wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt Durch Gewalt bezwinge Oder, wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe. Wach und sieh, Daß dich nie Falscher Brüder Lügen Um dein Heil betrügen. 6. Wache stets auch über dich; Trau nicht deinem Herzen. Nur zu leicht kann's freventlich Gottes Gnad' verscherzen. Denn es ist Voller List, Weiß sich selbst zu schmeicheln, Frömmigkeit zu heucheln. 7. Bete aber auch dabei, Bete bei dem Wachen; Denn der Herr nur kann dich frei Von dem allen machen, Was dich drückt Und bestrickt, Daß du schläfrig bleibest Und sein Werk nicht treibest. 8. Doch getrost! es muß uns schon Alles glücklich gehen, Wenn wir ihn durch seinen Sohn Im Gebet anflehen. 70 HOeO& XIAVXADODIIRN 536—5a- 5 Gebet. 429 Denn er will Alle Füll' Seiner Gunst ausschütten, Wenn wir gläubig bitten. 9. Drum, so laßt uns immerdar Wachen, flehen, beten, Weil die Angst, Not und Gefahr Immer näher treten. Denn die Zeit Ist nicht weit, Da uns Gott wird richten Und die Welt vernichten. Joh. Burchhard Freystein. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 332. Mein Gott, ich klopf' an deine Pforte Mit Seufzen und mit Bitten an; Ich halte mich an deine Worte: Klopft an, so wird euch aufgethan. Ach öffne mir die Gnadenthür, In Jesu Namen steh' ich hier. 2. Wer kann was von sich selber haben, Das nicht von dir den Ursprung hat? Du bist der Geber aller Gaben, Bei dir ist immer Rat und That. Du bist der Brunn, der immer quillt, Du bist das Gut, das immer gilt. 3. Drum komm' ich auch mit meinem Beten, Das herzlich und voll Glaubens ist; Der mich vor dich hat heißen treten, Ist mein Erlöser Jesus Christ, Und der in mir das Abba spricht, Ist ja dein Geist der Zuversicht. 4. Gieb, Vater, gieb nach deinem Willen, Wes ich, dein Kind, bedürftig bin; 430 Gebet. Du kannst mir meinen Hunger stillen, In dir muß aller Segen blühn; Doch gieb, o Geber, allermeist, Was mich dem Sündendienst entreißt. 5. Verleih Beständigkeit im Glauben, Laß meine Liebe brünstig sein; Will Satan mir das Kleinod rauben, So schließ in deinen Schutz mich ein, Damit mein schwaches Fleisch und Blut Dem Feinde nicht den Willen thut. 6. Ich will dich auch, mein Gott, nicht bitten, Daß mich das Kreuz verschonen mag; Mein Heiland hat ja selbst gelitten, Drum trag' ich gern das Kreuz ihm nach. Doch wird Geduld gar nötig sein, Die wollest du mir, Gott, verleihn. 7. Das andre wird sich alles fügen, Ich mag nun arm sein oder reich; An deiner Huld laß ich mir g'nügen, Die macht mir Glück und Unglück gleich; Kommt zeitlich Gut nicht reichlich ein, Wird's doch genug zur Notdurft sein. 8. Ich bitte nicht um langes Leben, Nur daß ich christlich leben mag; Laß mir den Tod vor Augen schweben Und des Gerichtes großen Tag, Damit mein Ausgang aus der Welt Den Eingang in den Himmel hält. Beni. Schmolck. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 333. Mein lieber Gott, gedenke meiner Im besten jetzt und allezeit! Denn außer dir, o Herr, ist keiner, Der mich mit Rat und Trost erfreut. HIN=..· anI R*ẽs•r— 592525— Gebet. 431 Dein Wort macht mich voll Zuversicht; Es sagt mir: Gott vergißt dich nicht. 2. Gedenke meiner, wenn ich höre Dein teures Evangelium, Und mache durch die Himmelslehre Mein Herz zu deinem Heiligtum, Daß deine Aussaat wohl geling' Und tausendfache Früchte bring'. 3. Gedenke meiner, wenn ich bete, Und merke mit Erbarmen drauf; Wenn ich in Christo vor dich trete, So schließ dein Vaterherz mir auf. Doch gieb mir nichts als das allein, Was mir kann gut und selig sein. 4. Gedenke meiner, wenn ich falle, Und wirf mich nicht im Zorne hin; Weil ich, solang ich hier noch walle, Zum Guten selbst nicht tüchtig bin, So förd're meinen Gang und Stand Durch deine starke Vaterhand. 5. Gedenke meiner, wenn ich leide; Wen hab' ich sonst, als dich allein, Der bei der Menschen Haß und Neide Mein Freund und Tröster könnte sein? Ich habe dich, das giebt mir Mut, Wenn auch die Welt mir Böses thut. 6. Gedenke meiner auch in allem, Woran ich nicht gedenken kann, Und blicke mich mit Wohlgefallen In meinem ganzen Leben an. Denn, giebst du mir, was dir gefällt, So ist's um mich gar wohl bestellt. 7. Gedenke meiner, wenn ich sterbe Und wenn mich alle Welt vergißt; Versetze mich in jenes Erbe, Wo du mein Teil und Leben bist. 432 Gebet. Wärst du nicht einst im Himmel mein, So möcht' ich nie geboren sein. 8. Ich will mich über nichts betrüben; In deine Hände hast du mich Zum Heil und Segen angeschrieben, Und darum hoff' ich nur auf dich, Der du mir deine Liebe schenkst Und meiner stets im besten denkst. Erdmann Neumeister. Eigne Melodie. 334. O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell guter Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben: Gesunden Leib gieb mir, Und daß in solchem Leib Die Seele unverletzt, Rein das Gewissen bleib'. 2. Gieb, daß ich thu' mit Fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein Befehl In meinem Stande führet; Gieb, daß ich's thue bald, Zu der Zeit, da ich soll, Und wenn ich's thu', so gieb, Daß es gerate wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen; Laß kein unnützes Wort Aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Amt ö Ich reden soll und muß, So gieb den Worten Kraft Und Nachdruck ohn' Verdruß. —* M D H S U A Y A 2 2 2 B 2 ie Gebet. 4. Find't sich Gefährlichkeit, So laß mich nicht verzagen; Gieb einen Heldenmut, Das Kreuz hilf selber tragen. Gieb, daß ich meinen Feind Mit Sanftmut überwind', Und wenn ich Rat bedarf, Auch guten Rat stets find'. 5. Laß mich mit jedermann In Fried' und Freundschaft leben, Soweit es christlich ist; Willst du mir etwas geben An Reichtum, Gut und Geld, So gieb auch dies dabei, Daß von unrechtem Gut Nichts untermenget sei. 6. Soll ich in dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch manchen sauern Tritt Hindurch ins Alter dringen, So gieb Geduld; vor Sünd' Und Schanden mich bewahr, Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End' Auf Christi Tod abscheiden; Die Seele nimm zu dir Hinauf zu deinen Freuden, Dem Leib ein Räumlein gönn Bei meiner Väter Grab, Auf daß er seine Ruh' An ihrer Seite hab'. 8. Wenn du an jenem Tag Die Toten wirst erwecken, So woll auch deine Hand Zu meinem Grab ausstrecken; 43⁴4 Gebet. Laß hören deine Stimm' Und meinen Leib weck auf Und führ ihn schön verklärt Zur sel'gen Schar hinauf. Joh. Heermann. Eigne Melodie. 335. Vater unser im Himmelreich, Der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an Und willst das Beten von uns han: Gieb, daß nicht bet' allein der Mund, Hilf, daß es geh' aus Herzensgrund. 2. Geheiligt werd' der Rame dein, Dein Wort bei uns hilf halten rein, Daß wir auch leben heiliglich, Nach deinem Worte würdiglich. Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr', Das arm' verführte Volk bekehr. 3. Es komm' dein Reich zu dieser Zeit Und dort hernach in Ewigkeit; Der heil'ge Geist uns wohne bei Mit seinen Gaben mancherlei; Des Satans Zorn und groß Gewalt Zerbrich, vor ihm dein' Kirch' erhalt. 4. Dein Will' gescheh', Herr Gott, zugleich Auf Erden wie im Himmelreich; Gieb uns Geduld in Leidenszeit, Gehorsam sein in Lieb' und Leid; Wehr und steur allem Fleisch und Blut, Das wider deinen Willen thut. 5. Gieb uns heut unser täglich Brot Und was man darf zur Leibesnot; Behüt uns, Herr, vor Krieg und Streit, Vor Seuchen und vor teurer Zeit, Daß wir in gutem Frieden stehn, Der Sorg' und Geizes müßig gehn. Gebet. 43⁵ 6. All' unsre Schuld vergieb uns, Herr, Daß sie uns nicht betrübe mehr, Wie wir auch unsern Schuldigern Ihr' Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all' bereit In rechter Lieb' und Einigkeit. 7. Führ uns, Herr, in Versuchung nicht; Wenn uns der böse Feind anficht, Zur linken und zur rechten Hand Hilf uns thun starken Widerstand, Im Glauben fest und wohl gerüst't Und durch des heil'gen Geistes Trost. 8. Von allem Übel uns erlös, Es sind die Zeit'n und Tage bös; Erlös uns von dem ew'gen Tod Und tröst uns in der letzten Not; Bescher uns auch ein selig End', Nimm unsre Seel' in deine Händ'. 9. Amen, das ist: es werde wahr! Stärk unsern Glauben immerdar, Auf daß wir ja nicht zweifeln dran, Was wir hiemit gebeten han Auf dein Wort, in dem Namen dein: So sprechen wir das Amen fein. Dr. Mart. Luther. 436 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. XXIII. Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Mel.: Vater unser im Himmelreich. 336. Ach Gott, wie manches Herzeleid Begegnet mir zu dieser Zeit; Der schmale Weg ist trübsalsvoll, Den ich zum Himmel wandeln soll. Wie schwer doch lässet Fleisch und Blut Sich zwingen zu dem ew'gen Gut! 2. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn; Bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rat Allzeit gewiß gefunden hat. Denn keiner je verlassen ist, Der fest vertraut auf Jesum Christ. 3. O Jesu, du mein Herr allein, Wie süß ist mir der Name dein! Es kann kein Trauern sein so schwer, Dein süßer Nam' erfreut viel mehr; Kein Elend mag so bitter sein, Dein süßer Trost, der lindert's fein. 4. Ob mir gleich Leib und Seel' ver⸗ schmacht't, So weißt du, Herr, daß ich's nicht acht'; Wenn ich dich hab', so hab' ich wohl, Was ewig mich erfreuen soll. Dein bin ich ja mit Leib und Seel', Was kann mir thun Sünd', Tod und Höll'? 5. Kein' bess're Treu' auf Erden ist, Denn nur bei dir, Herr Jesu Christ. Ich weiß, daß du mich nicht verläßt, Dein' Wahrheit bleibt mir ewig fest; Du bist mein rechter, treuer Hirt, Der ewig mich behüten wird. Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 437 6. O du mein Ruhm und höchste Freud', Mein's Herzens Schatz und Seligkeit! Ich kann's ja doch nicht zeigen an, Wie hoch dein Nam' erfreuen kann; Wer Glaub' und Lieb' im Herzen hat, Der wird's erfahren mit der That. 7. Wenn ich mein' Hoffnung stell' zu dir, So fühl' ich Trost und Fried' in mir. Wenn ich in Nöten bet' und sing', So wird mein Herz recht guter Ding'; Dein Geist bezeugt, Herr Jesu Christ, Daß dies des Himmels Vorschmack ist. 8. Drum will ich, weil ich lebe noch, Gern tragen deines Kreuzes Joch. Mein Gott, mach mich dazu bereit, Es dient zum besten allezeit. Hilf mir mein Werk recht greifen an, Daß ich den Lauf vollenden kann. 9. Hilf mir auch zwingen Fleisch und Blut, Vor Sünd' und Schanden mich behüt! Erhalt mein Herz im Glauben rein, So leb' und sterb' ich dir allein. O Herr, gewähr die Bitte mir! Mein Heiland, wär' ich erst bei dir! Martin Moller(7). Eigne Melodie. 337. Aues ist an Gottes Segen Und an seiner Gnad' gelegen Über alles Geld und Gut; Wer auf Gott sein Hoffen setzet, Der behält ganz unverletzet Einen freien Heldenmut. 2. Der mich hat bisher ernähret, Der so manches Glück bescheret, 438—Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Ist und bleibet ewig mein; Der mich wunderlich geführet Und noch leitet und regieret, Wird forthin mein Helfer sein. 3. Viele mühen sich um Sachen, Die nur Sorg' und Unruh' machen Und ganz unbeständig sind; Ich begehr' nach dem zu ringen, Was mir kann den Frieden bringen, Den man in der Welt nicht find't. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken, Was ich wünsche, wird sich schicken, So es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben Hab' ich seiner Gnad' ergeben Und ihm alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen Mein Verlangen zu erfüllen; Es hat alles seine Zeit. Ich hab' ihm nichts vorzuschreiben; Wie Gott will, so muß es bleiben; Wann Gott will, bin ich bereit. 6. Soll ich hier noch länger leben, Will ich ihm nicht widerstreben, Ich verlasse mich auf ihn. Ist doch nichts, das lang bestehet; Alles Irdische vergehet Und fährt wie ein Strom dahin. Um 1676. Mel.: Was Gott thut, das ist wohlgethan. 338. Auf Gott und nicht auf meinen Rat Will ich mein Glücke bauen Und dem, der mich erschaffen hat, Mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt Allmächtig hält, DS F ⁰MMEONMDDSREDn Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 3 Wird mich in meinen Tagen Als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewigkeit, Wie viel mir nützen würde, Bestimmte meine Lebenszeit, Mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, Der zu des Glaubens Ehre Nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh' ich's bat, gewährt, Wenn's seine Weisheit litte. Er sorgt für mich Stets väterlich. Nicht was ich mir ersehe, Sein Wille nur geschehe. 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das widrige Geschick, Bei dessen Last wir klagen? Die größte Not Hebt doch der Tod, Und Ehre, Glück und Habe Verläßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, Läßt Gott es keinem fehlen; Gesundheit, Reichtum, Ehr' und Pracht Sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rat Vor Augen hat, Dem wird ein gut Gewissen Die Trübsal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! 440 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's überwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern. Seid fröhlich, ihr Gerechten, Der Herr hilft seinen Knechten. Chr. Fürchtegott Gellert. Eigne Melodie. 339. Auf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Not; Der kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöten, Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. 2. Ob mich die Sünd' anficht, Verzag' ich dennoch nicht. Auf Christum will ich bauen Und ihm allein vertrauen; Ihm will ich mich ergeben Im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, Ist Sterben mein Gewinn Und Christus ist mein Leben; Dem hab' ich mich ergeben: Ich sterb' heut oder morgen, Mein' Seel' wird er versorgen. 4. O mein Herr Jesu Christ, Der du geduldig bist Für mich am Kreuz gestorben, Hast mir das Heil erworben Und deinem Volk beschieden Den ew'gen Himmelsfrieden. 5. Erhöre gnädig mich, Mein Trost, das bitt' ich dich; Hilf mir am letzten Ende, Nimut mich in deine Hände. Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 44¹ Auf daß ich selig scheide Zu deiner Himmelsfreude. 6. Amen zu aller Stund' Sprech' ich aus Herzensgrund; Du wollest selbst uns leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, Damit wir deinen Namen Auf ewig preisen. Amen. Sigism. Weingärtner. Mel.: Valet will ich dir geben. 340. Befiehl du deine Wege Und was dein Herze kränkt Der allertreusten Pflege Des, der den Himmel lenkt; Der Wolken, Luft und Winden Giebt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dir's soll wohl ergehn; Auf sein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott sich gar nichts nehmen, Es muß erbeten sein. 3. Dein' ew'ge Treu' und Gnade, O Vater, weiß und sieht, Was gut sei oder schade Dem sterblichen Geblüt; Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zum Stand und Wesen, Was deinem Rat gefällt. 442 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 4. Weg' hast du allerwegen, An Mitteln fehlt's dir nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; Dein Werk kann niemand hindern, Dein' Arbeit darf nicht ruhn, Wenn du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teufel Hier wollten widerstehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; Was er sich vorgenommen Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen Zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken; Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn' der schönsten Freud'. 7. Auf, auf! gieb deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren, was dein Herze Betrübt und traurig macht. Bist du doch nicht Regente, Der alles führen soll: Gott sitzt im Regimente Und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten; Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst. AED SVSSVQ Snn Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 443 Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Rat Die Sach' hinausgeführet, Die dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile eit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Teile, Als hätt' in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Als solltst du für und für In Angst und Nöten schweben, Als fragt' er nichts nach dir. 10. Wird's aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am mindsten gläubst; Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue, Du trägst den Sieg davon; Schau auf den Herrn und freue Dich deiner Ehrenkron'. Gott giebt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du singst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End', o Herr, mach Ende Mit aller unsrer Not; Stärk unsre Füß' und Hände Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu' empfohlen sein, So gehen unsre Wege Gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt. 444 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Mel.: Ermuntre dich, mein schwacher Geist. 341. Du bist ein Mensch, das weißt du wohl: Was strebst du denn nach Dingen, Die Gott der Herr alleine soll Und kann zuwege bringen? Du fährst mit deinem Witz und Sinn Durch so viel tausend Sorgen hin Und denkst: Wie will's auf Erden Doch endlich mit mir werden? 2. Es ist umsonst, du wirst fürwahr Mit allem deinem Tichten Und aller Sorgen großer Schar Das Kleinste nicht ausrichten; Es dient dein Gram sonst nirgends zu, Als daß du dich aus deiner Ruh' In Angst und Schmerzen stürzest Und selbst dein Leben kürzest. 3. Willst du was thun, was Gott gefällt Und dir zum Heil gedeihet, So wirf dein Sorgen auf den Held, Den Erd' und Himmel scheuet, Und gieb dein Leben, Thun und Stand Nur fröhlich hin in Gottes Hand: So wird er deinen Sachen Ein fröhlich Ende machen. 4. Wie oft bist du in große Not Durch eignen Willen kommen, Da dein bethörter Sinn den Tod Für's Leben angenommen: Und hätte Gott dein Werk und That Ergehen lassen nach dem Rat, In dem du's angefangen, Du wärst zugrund gegangen. du ällt Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 445 5. Der aber, der uns ewig liebt, Macht gut, was wir verwirren, Erfreut, wenn wir uns selbst betrübt, Und sucht uns, wenn wir irren; Und dazu treibt ihn sein Gemüt Und die so reine Vatergüt', In der uns arme Sünder Er trägt als seine Kinder. 6. Ach, wie so oftmals schweigt er still Und thut doch, was uns nützet, Da unterdessen unser Will' Und Herz in Angsten sitzet, Sucht hier und da und findet nichts, Will sehn und mangelt doch des Lichts, Will aus der Angst sich winden Und kann den Weg nicht finden. 7. Gott aber geht gerade fort Auf seinen weisen Wegen, Er geht und bringt uns an den Ort, Da Sturm und Wind sich legen. Hernachmals, wenn das Werk geschehn, Da kann der Mensch mit Augen sehn, Was der, so ihn regieret, In seinem Rat geführet. 8. Drum, liebes Herz, sei wohlgemut Und laß von Sorg' und Grämen! Gott hat ein Herz, das nimmer ruht, Dein Bestes wahrzunehmen. Er kann's nicht lassen, glaube mir, Sein Herz ist ganz gekehrt zu dir Und uns hier allzusammen In heil'ger Liebe Flammen. 9. Thu als ein Kind und lege dich In deines Vaters Arme, Bitt ihn und flehe, bis er sich Dein, wie er pflegt, erbarme: 446 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. So wird er dich durch seinen Geist Auf Wegen, die du jetzt nicht weißt, Nach wohl vollbrachtem Ringen Aus allen Sorgen bringen. Paul Gerhardt. Mel.: Alles ist an Gottes Segen. 34⁴2. Fortgekämpft und fortgerungen, Bis zum Lichte durchgedrungen Muß es, bange Seele, sein. Durch die tiefsten Dunkelheiten Kann dich Jesus sicher leiten; Mut spricht er den Schwachen ein. 2. Bei der Hand will er dich fassen. Scheinst du gleich von ihm verlassen, Glaube nur und zweifle nicht! Bete, kämpfe ohne Wanken! Bald wirst du voll Freude danken, Bald umgiebt dich Kraft und Licht. 3. Bald wird dir der Morgen funkeln; Hoffe, harre, glaub im Dunkeln, Nie gereut Gott seine Wahl. Deinen Glauben will er üben, Er, die Liebe, kann nur lieben; Bald wird enden deine Qual. 4. Weg von aller Welt die Blicke! Schau nicht seitwärts, nicht zurücke, Nur auf Gott und Ewigkeit! Nur zu deinem Jesus wende Aug' und Herz und Sinn und Hände, Bis er himmlisch dich erfreut. 5. Aus des Jammers wilden Wogen Hat dich oft herausgezogen Seiner Allmacht treue Hand. Nie zu kurz ist seine Rechte; Wo ist einer seiner Knechte, Der bei ihm nicht Rettung fand? 3 8 0 7 A xvIArnarn 5„—N Vertrauen auf Gott. 6. Schließ dich ein in deine Kammer; Geh und schütte deinen Jammer Aus in Gottes Vaterherz! Kannst du gleich ihn nicht empfinden, Worte nicht, nicht Thränen finden, Klage schweigend deinen Schmerz! 7. Kräftig ist dein tiefes Schweigen; Gott wird sich als Vater zeigen. Glaube nur, daß er dich hört, Daß er Schweigende verstehet, Daß dein Mittler für dich flehet Und daß Gott sein Flehn gewährt. 8. Nun so will ich nicht verzagen, Mich vor Gottes Antlitz wagen, Flehen, ringen fort und fort. Ja, ich werde überwinden; Wer ihn sucht, der wird ihn finden, Er gelobt's in seinem Wort. Joh. Kasp. Lavater. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 343. Geht hin, ihr gläubigen Gedanken, Ins weite Feld der Ewigkeit, Erhebt euch über alle Schranken Der alten und der neuen Zeit, Erwägt, daß Gott die Liebe sei, Die ewig alt und ewig neu. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, Der Himmel war noch nicht gemacht, Da Gott die Liebe schon geheget, Die mir das Beste zugedacht; Als ich noch nicht geschaffen war, Da reicht' er mir schon Gnade dar. 3. Sein Ratschluß war, ich sollte leben Durch seinen eingebornen Sohn; Trost im Leid. 447 448 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Den wollt' er mir zum Mittler geben, Den sandt' er mir von seinem Thron, In dessen Blute sollt' ich rein, Geheiliget und selig sein. 4. O Wunderliebe, die mich wählte Vor allem Anbeginn der Welt Und mich zu ihren Kindern zählte, Für welche sie das Reich bestellt! O Vaterhand, o Gnadentrieb, Der mich ins Buch des Lebens schrieb! 5. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüte Hinauf zu dieser Quelle steigt, Von welcher sich ein Strom der Güte Zu mir durch alle Zeiten neigt, Daß jeder Tag sein Zeugnis giebt: Gott hat mich je und je geliebt! 6. Im sichern Schatten deiner Flügel Find' ich die ungestörte Ruh'. Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du. Laß Erd' und Himmel untergehn, Dies Wort der Wahrheit bleibet stehn. 7. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden Der Seele Mut und Kraft gebricht, So salbest du mein Haupt mit Freuden, So tröstet mich dein Angesicht; Da spür' ich deines Geistes Kraft, Die in der Schwachheit alles schafft. 8. Die Hoffnung schauet in die Ferne Durch alle Schatten dieser Zeit. Der Glaube schwingt sich durch die Sterne Und blickt ins Reich der Ewigkeit; Da zeigt mir deine milde Hand Mein Erbteil und gelobtes Land. 9. Ach, könnt' ich dich nur besser ehren, Welch edles Loblied stimmt' ich an! S22 28 EGOSV? VV:SNVVGOGCG. V V Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 449 Es sollten Erd' und Himmel hören, Was du, mein Gott, an mir gethan. Nichts ist so köstlich, nichts so schön, Als, höchster Vater, dich erhöhn. 10. Doch nur Geduld, es kommt die Stunde, Da mein durch dich erlöster Geist Im höhern Chor mit frohem Munde Dich, Urquell aller Liebe, preist; Drum eilt mein Herz aus dieser Zeit Und sehnt sich nach der Ewigkeit. Joh. Gottfr. Herrmann. Mel.: An Wasserflüssen Babylon. 344. Getreuer Gott, wie viel Geduld Erzeigest du uns Armen! Wir häufen täglich unsre Schuld, Du häufest dein Erbarmen. Was ist des Menschen Lebenslauf? Er ist verkehrt von Jugend auf, Sein Sinn ist dir entgegen. Und doch, o Vater, suchst du ihn Durch Gnad' und Huld zurückzuziehn, Durch Langmut zu bewegen. 2. Der Menschen Elend jammert dich; Selbst wenn sie sich verstocken, So willst du sie doch väterlich Durch Güte zu dir locken. Wie trugest du so lange Zeit Die erste Welt mit Gütigkeit, Eh' sie die Flut verheerte! Wie lange sahst und riefest du Dem Volke in der Wüste zu, Daß sich ihr Herz bekehrte! 3. Du giebst, o Herr, dem Sünder Raum, Der Strafe zu entgehen; Du lässest auch den argen Baum Nicht ohne Pflege stehen; 25 450 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. ———————————————— Du wartest sein, du suchest Frucht, Und wenn du gleich umsonst gesucht, Hörst du nicht auf zu bauen; Du schonest sein von Jahr zu Jahr, Denn Jesus bittet immerdar, Ihn noch nicht abzuhauen. 4. Gerechter Gott, so große Huld Bezeigst du frechen Sündern Und hast nicht weniger Geduld Mit deinen schwachen Kindern; Sie werden ja, wenn Fleisch und Welt Und Satan ihnen Netze stellt, Oft sicher, matt und träge; Sie straucheln, sie verirren sich, Sie fallen oft, verlassen dich Und deine heil'gen Wege. 5. Du rufest ihnen in Gefahr, So oft sie irre gehen, Reichst ihnen deine Hände dar, Von Sünden aufzustehen; Du lockest sie mit Vaterhuld, Versprichst, durch Jesum ihre Schuld Barmherzig zu vergeben, Giebst reichlich Glauben, Geist und Kraft Und dann am Ziel der Pilgerschaft Ein ewig Freudenleben. 6. O Langmut, der nichts gleichen kann! Ach Vater, hilf uns Armen; Sieh ferner uns geduldig an Und trag uns mit Erbarmen. Doch gieb, daß deine Vatertreu? Uns ja kein Ruhelissen sei, Daß wir das Böse hassen Und uns noch in der Gnadenzeit Den Reichtum deiner Gütigkeit Zur Buße leiten lassen. J. Ch. Zimmermann. E?ꝰ/ Fnn Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 451 Eigne Melodie. 345. Gieb dich zufrieden und sei stille In dem Gotte deines Lebens. In ihm ruht aller Freuden Fülle, Ohn' ihn mühst du dich vergebens. Er ist dein Quell und deine Sonne, Scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gieb dich zufrieden! 2. Er ist voll Lichtes, Trost und Gnaden, Ungefärbten treuen Herzens; Wo er steht, thut dir keinen Schaden Auch die Pein des größten Schmerzens; Kreuz, Angst und Not kann er bald wenden, Ja auch den Tod hat er in Händen. Gieb dich zufrieden! 3. Wie dir's und andern oft ergehe, Ist ihm wahrlich nicht verborgen; Er sieht und kennet aus der Höhe Der betrübten Herzen Sorgen; Er zählt den Lauf der heißen Thränen Und faßt zuhauf all unser Sehnen. Gieb dich zufrieden! 4. Wenn auch nicht einer mehr auf Erden, aft Dessen Treue du darfst trauen, Alsdann will er dein Treuster werden Und zu deinem Besten schauen. n! Er weiß dein Leid und heimlich Grämen, Weiß auch die Zeit dir's abzunehmen. Gieb dich zufrieden! 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen Und des Herzens stilles Klagen; Und was du keinem darsst erzählen, Magst du Gott gar kühnlich sagen. Er ist nicht fern, steht in der Mitten, Hört bald und gern der Armen Bitten. iann. Gieb dich zufrieden! 29⁴ 452 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen. Halt an Gott, so wirst du siegen; Ob alle Fluten dich umfingen, Sollst du doch nicht unterliegen; Denn wenn du wirst zu hoch beschweret, Hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gieb dich zufrieden! 7. Was sorgst du für dein armes Leben, Wie du's halten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, Wird auch Unterhalt bescheren. Er hat die Hand voll aller Gaben, Dran See und Land sich müssen laben. Gieb dich zufrieden! 8. Der allen Vöglein in den Wäldern Ihr bescheidnes Körnlein weiset, Der Schaf' und Rinder auf den Feldern Alle Tage tränkt und speiset, Der ist bereit, auch dich zu stillen, Mit Speis' und Freud' dein Herz zu füllen. Gieb dich zufrieden! 9. Sprich nicht: Ich sehe keine Mittel, Wo ich such', ist nichts zum Besten; Denn das ist Gottes Ehrentitel: Helfen, wo die Not am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, Da tritt er zu, uns wohl zu führen. Gieb dich zufrieden! 10. Verzeucht die Hülfe auch recht lange, Wird sie dennoch endlich kommen; Macht dir das Harren angst und bange, Glaube nur, es wird dir frommen. Was langsam geht, faßt man gewisser, Und kommt es spät, ist's desto süßer. Gieb dich zufrieden! EEDE —88 IIAIXIANEEE EeE hen, 40 uge, Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 453 11. Nimm nicht zu Herzen, was die Rotten Deiner Feinde von dir dichten; Laß sie nur immer deiner spotten, Gott wird's hören und recht richten. Ist Gott dein Freund und Wonen Sachen, Was kann dein Feind, der Mensch, groß mach enꝰ Gieb dich zufrieden! 12. Hat doch ein jeder wohl das Seine, Wenn er's sehen könnt' und wollte; Wo ist ein Glück so klar und reine, Dem nicht etwas fehlen sollte? Wo ist ein Haus, das könnte sagen: Ich weiß durchaus von keinen Plagen? Gieb dich zufrieden! 13. Es kann und mag nicht anders werden, Alle Menschen müssen leiden; Was lebt und webet auf der Erden, Kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Not wisd sich nicht wenden Bis in den Tod: da wird sich's enden. Gieb dich zufrieden! 14. Es ist ein Ruhetag vorhanden, Da uns unser Gott wird lösen; Er wird uns reißen aus den Banden Dieses Leib's und allem Bösen. Es wird einmal der Tod alliih bri Und aus der Qual uns sämtlich bringen. Gieb dich zufrieden! 15. Er wird uns bringen zu den Scharen Der Erwählten und Getreuen, Die, hier mit Frieden heimgefahren, Sich auch nun im Frieden freuen, Da sie den Grund, der nicht kann brechen, Den ew'gen Mund selbst hören sprechen: Gieb dich zufrieden! Paul Gerhardt. Mel.: Es ist genug, so nimm, Herr, meinen Geist. 346. Gott ist getreu; sein Herz, sein Vaterherz Verläßt die Seinen nie. Gott ist getreu; im Wohlsein und im Schmerz Erfreut und trägt er sie. Weicht, Berge, weicht! Fallt hin, ihr Hügel! Mein Glaubensgrund hat dieses Siegel: Gott ist getreu. 2. Gott ist getreu; er ist mein treuster Freund, Dies weiß, dies hoff' ich fest. Ich bin gewiß, daß er mich keinen Feind Zu hart versuchen läßt. Er wiegt in jeder Prüfungsstunde Die Kraft von meinem Glaubenspfunde. Gott ist getreu. 3. Gott ist getreu, er thut, was er verheißt; Er sendet mir sein Licht; Wenn dieses mir den Weg zum Leben weist, So irr' und gleit' ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht lügen, Das Wort der Wahrheit kann nicht trügen. Gott ist getreu. 4. Gott ist getreu; er handelt väterlich In allem, was er thut; Die Trübsal auch erweckt und bessert mich; Er straft, doch meint er's gut. Das Kreuz wird mir zur Himmelsleiter, Der Kampf macht mich zum guten Streiter. Gott ist getreu. 5. Gott ist getreu; er giebt der argen Welt Dahin sein liebes Kind; Der Heilige bezahlt das Lösegeld SSSHH S 23 SSVESS — Rus Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 455 Für die, die Sünder sind; Damit wir möchten nicht verderben, Ließ er den Eingebornen sterben. Gott ist getreu. 6. Gott ist getreu; mein Vater, des ich bin, Sorgt für mein ewig Wohl; Sein Gnadenrat, sein treuer Vatersinn Will, daß ich leben soll. Er reinigt mich von allen Sünden Und läßt mich Ruh' in Christo finden. Gott ist getreu. 7. Gott ist getreu; vergiß, o Seele, nicht, Wie gut und treu er ist. Gott treu zu sein, sei deine liebste Pflicht, Solang du denkst und bist. Halt fest an Gott, sei treu im Glauben, Laß nichts den starken Trost dir rauben: Gott ist getreu. Ehrenfried Liebich. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 347. Gott ist und bleibt getreu; Sein Herz bricht ihm vor Lieben, Pflegt er gleich manchesmal Die Seinen zu betrüben. Er prüfet durch das Kreuz, Wie rein der Glaube sei, Wie standhaft die Geduld. Gott ist und bleibt getreu. 2. Gott ist und bleibt getreu; Er hilft ja selber tragen, Was er uns aufgelegt, Die Last der schweren Plagen. Er übt oft strenge Zucht Und bleibet doch dabei 456 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Ein Vater, der uns liebt. Gott ist und bleibt getreu. 3. Gott ist und bleibt getreu; Er weiß, was wir vermögen, Und nie wird er zu viel Den Schwachen auferlegen. Er macht die Seinen bald Von Last und Banden frei, Wenn große Not entsteht. Gott ist und bleibt getreu. 4. Gott ist und bleibt getreu; Er tröstet nach dem Weinen; Er läßt nach trüber Nacht Die Freudensonne scheinen. Der Sturm der Trübsal geht Auf seinen Wink vorbei; Sei, Seele, nur getrost! Gott ist und bleibt getreu. 5. Gott ist und bleibt getreu; Er stillet dein Begehren; Er will dein Glaubensgold In Trübsalsglut bewähren. Nimm an von Gottes Hand Den Kreuzkelch ohne Scheu; Der Lebensbecher folgt. Gott ist und bleibt getreu. 6. Gott ist und bleibt getreu; Laß alle Wetter krachen, Gott wird der Trübsal doch Ein solches Ende machen, Daß alles Kreuz und Leid Dir ewig nütze sei. So liebt der Höchste dich; Gott ist und bleibt getreu. Joh. Chr. Wilhermt(). A U x‚ N S S S 1 ꝰ/e 2.—P Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 457 Mel.: Was Gott thut, das ist wohlgethan. 348. Gott lebt; wie kann ich traurig sein, Als wär' kein Gott zu finden? Er weiß gar wohl von meiner Pein, Die ich hier muß empfinden. Er kennt mein Herz Und meinen Schmerz; Drum will ich nicht verzagen Und ihm nur alles klagen. 2. Gott hört, wenn niemand hören mag. Was will der Feind denn sprechen, Als würd' mein Seufzen, meine Klag' Nicht durch die Wolken brechen? Schrei' ich empor, So hört sein Ohr, So steigt die Hülfe nieder Und schallt das Amen wieder. 3. Gott sieht; wie klaget denn mein Herz, Als säh' er nicht mein Weinen? Vor ihm muß auch der tiefste Schmerz Ganz offenbar erscheinen. Kein Thränlein fällt, Das er nicht zählt, Darauf sein Aug' nicht blicket, Bis er uns hat erquicket. 4. Gott führt; so geh' ich ruhig fort Auf allen meinen Wegen, Und will die Welt bald hier bald dort Mir ihre Stricke legen, So wird er mich Zwar wunderlich, Doch allzeit sicher leiten, Daß nie mein Fuß kann gleiten. 5. Gott giebt; und wär' ich noch so arm, Doch soll ich nicht verderben; 458 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Was hilft mir denn mein steter Harm, Als müßt' ich Hungers sterben? Er hat ja Brot; Und wenn die Not Uns in die Wüste weiset, Wird man auch da gespeiset. 6. Gott lebt: Wohlan, ich merke das; Gott hört: ich will's ihm sagen; Gott sieht: er kennt der Thränen Maß; Gott führt: ich darf nicht klagen; Gott giebt und liebt: Nur unbetrübt! Er wird mir endlich geben, Auch dort mit ihm zu leben. Benj. Schmolck. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 349. Gott sorgt für mich, was will ich sorgenꝰ Er ist mein Vater, ich sein Kind. Er sorgt für heut, er sorgt für morgen, Daß alle Tage Zeugen sind, Wie Gott die Seinen väterlich Allzeit versorgt. Gott sorgt für mich. 2. Gott sorgt für mich, ihm will ich trauen; Ich weiß gewiß: was mir gebricht, Das kommit von seinen Himmelsauen, Und wenn er nur ein Wörtlein spricht, So bin ich jetzt und ewiglich Gar wohl versorgt. Gott sorgt für mich. 3. Gott sorgt für mich an Leib und Seele; Sein Wort giebt er zur Seelenspeis', Und daß dem Leib sein Brot nicht fehle, So segnet er der Hände Fleiß. Wohl dem, der ihm nur festiglich Vertraut und glaubt: Gott sorgt für mich. 5„Anra es Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 459 4. Gott sorgt für mich in teuren Zeiten; Auch in der größten Hungersnot Verschafft der Herr den frommen Leuten Zum Unterhalt ihr täglich Brot. Ist's gleich nicht viel, sie trösten sich Und glauben fest: Gott sorgt für mich. 5. Gott sorgt für mich in meinen Leiden. Das Kreuz, das er mir auferlegt, Verwandelt sich gar bald in Freuden; Und wenn Gott gleich die Seinen schlägt, So schlägt er doch nur väterlich Zu unserm Wohl: Gott sorgt für mich. 6. Gott sorgt für mich in meinem Alter; Da hebt und trägt mich seine Hand, Und er verbleibet mein Erhalter, Bei dem so oft ich Hülfe fand Und der noch niemals von mir wich; Drum bin ich froh: Gott sorgt für mich. 7. Gott sorgt für mich auch einst im Sterben. Zum süßen Schlaf wird mir der Tod; Er machet mich zum Himmelserben, Dann ist vorüber alle Not; Dann nimmt er meinen Geist zu sich In seine Ruh': Gott sorgt für mich. Joh. Kasp. Wetzel. Mel.: Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 350. Gott will's machen, daß die Sachen Gehen, wie es heilsam ist. Laß die Wellen immer schwellen, Wenn du nur bei Jesu bist. 2. Wer sich kränket, weil er denket, Jesus schlaf' und acht' nicht sein, Wird mit Klagen nur sich plagen, Drin der Unglaub' leidet Pein. 460 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 3. Du Verächter! Gott, dein Wächter, Schläfet ja noch schlummert nicht. Zu den Höhen aufzusehen, Wäre deine Glaubenspflicht. 4. Im Verweilen und im Eilen Bleibt er stets ein Vaterherz; Laß dein Weinen bitter scheinen, Dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz. „5. Glaub nur feste, daß das Beste Über dich beschlossen sei. Wenn dein Wille nur ist stille, Wirst du von dem Kummer frei. 6. Willst du wanken in Gedanken, Faß dich in Gelassenheit; Laß den sorgen, der auch morgen Herr ist über Leid und Freud'. 7. Gottes Hände sind ohn' Ende, Sein Vermögen hat kein Ziel. Ist's beschwerlich, scheint's gefährlich: Deinem Gott ist nichts zu viel. 8. Wenn die Stunden sich gefunden, Bricht die Hülf' mit Macht herein, Und, dein Grämen zu beschämen, Wird es unversehens sein. 9. Nun so trage deine Plage Fein getrost und mit Geduld; Wer das Leiden will vermeiden, Häufet seine Sündenschuld. 10. Aber denen, die in Thränen Stets auf ihren Heiland sehn, Wird die Krone vor dem Throne Ihres Gottes nicht entgehn. 11. Amen, Amen! In dem Namen Meines Jesu halt' ich still. Es geschehe und ergehe, Wie und wann und was er will. Joh. Dan. Herrnschmidt. A 28 E 2 —272?/ IE Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 461 — Mel.: Wer nur den lieben Gott. 351. Halt an, mein Herz, in deinem Glauben; Beständigkeit ist Kronen wert. Wer sich den Anker lässet rauben, Der wird im Sturme leicht versehrt. Wer aber fest an Jesu hält, Der steht, wenn Erd' und Himmel fällt. 2. Halt ein mit deinen Jammerklagen; Dein Vater liebet die Geduld. Wenn wir die Last geduldig tragen, Gewinnen wir des Schöpfers Huld, Da der sein eigen Herz verletzt, Der Gott sich murrend widersetzt. 3. Halt aus; das Kreuz währt ja nicht immer, Die Hoffnung sieget ganz gewiß. Auf Sturm folgt heller Sonnenschimmer, Der Kreuzweg führt ins Paradies. Gott führet alles wohl hinaus; Drum heißt's: Halt an, halt ein, halt aus. Benj. Schmolck. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 352. Hier lieg' ich, Herr, im Staube Vor deinem Angesicht; Wo ist mein froher Glaube, Wo meine Zuversicht? Wo sind die hellen Stunden, Da ich im Licht dich sah? Ach, alles ist verschwunden, Und nur mein Schmerz ist da. 2. Sieh, Vater, voll Erbarmen, Voll Gnad' und voll Geduld Hernieder auf mich Armen, Vergieb mir meine Schuld, 462 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Hilf, daß ich nicht versinke, Reich mir die starke Hand: Mit einem deiner Winke Ist alles abgewandt. 3. Du sprichst: Wer kann ermessen Mein väterliches Herzꝰ Kann auch ein Weib vergessen Des lieben Kindes Schmerz, Daß sie sich nicht erbarme Des Sohns, den sie gebar, Nicht höre, wenn der Arme Laut klaget in Gefahr? 4. Und ob ohn' alle Liebe Auch selbst ein Mutterherz Kalt und verschlossen bliebe Bei ihres Kindes Schmerz: Vergess' ich dein doch nimmer Und lass' dich ewig nicht, Dein Nam' ist vor mir immer; Darum verzage nicht. 5. Herr, du hast nur Gedanken Des Friedens über mich; Dein Rat wird nimmer wanken, Bau' ich nur fest auf dich. Die deine Kinder heißen, Die sind dir wohlbekannt; Nichts kann sie dir entreißen Aus deiner Vaterhand. 6. Laß Berg' und Hügel weichen, Der Friedensbund steht fest: Der wird das Heil erreichen, Der still sich führen läßt, Der, wie die Bahn sich lenket, Die er hier wandeln soll, Bei jeder Schickung denket: Der Herr macht alles wohl. EEI OS VUSEOS „— Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 463 7. Drum fasse dich, o Seele, Und traure nicht so sehr; Wie viel zum Trost dir fehle, Bald klagest du nicht mehr. Er kommt, er kommt, der Retter, Er kommt und zögert nicht; Auch durch das trübste Wetter Dringt seiner Sonne Licht. J. F. L. Drewes. Mel.: Was mein Gott will, das g'scheh' allzeit. 353. Ich hab' in Gottes Herz und Sinn Mein Herz und Sinn ergeben; Was böse scheint, ist mir Gewinn, Der Tod selbst ist mein Leben. Denn Gott ist mein und ich bin sein, Was ist wohl, das mir schade? Ob er gleich schlägt und Kreuz auflegt, Bleibt doch sein Herz voll Gnade. 2. Ist, was ich bin und habe, mein? Gab ich mir selbst das Leben? Sein Werk bin ich, er hat allein Mir Leib und Seel' gegeben; Ich gab mir nicht des Geistes Licht, Er läßt es in mir scheinen; Wer so viel thut, der meint es gut, Der kann's nicht böse meinen. 3. Wie wollt' ich meinen Unterhalt Auf dieser Erd' erlangen? Ich wäre längst schon tot und kalt, Wenn mich nicht Gott umfangen Mit seinem Arm, der alles warm, Gesund und fröhlich machet. Was er nicht hält, das bricht und fällt; Was er erfreut, das lachet. 4. Das kann mir fehlen nimmermehr, Mein Vater muß mich lieben; 464—Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Und stürmt und braust es um mich her, So will er mich nur üben Und mein Gemüt in seiner Güt' Gewöhnen fest zu stehen; Halt' ich dann stand, weiß seine Hand Mich wieder zu erhöhen. 5. Bei ihm ist Weisheit und Verstand, Um alles zu regieren; Zeit, Ort und Stund' ist ihm bekannt, Sein Werk hinauszuführen. Er weiß, wann Freud', er weiß, wann Leid Uns, seinen Kindern, diene; Und was er thut, ist alles gut, Ob's noch so traurig schiene. 6. Es kann bei lauter Sonnenlicht Das Feld nicht Früchte tragen; So reift auch Menschenwohlfahrt nicht Bei lauter guten Tagen. Ob bitter sei die Arzenei, Macht sie doch rote Wangen; So muß ein Herz durch Angst und Schmerz Zu seinem Heil gelangen. 7. Wohl denn, mein Gott, so fall' ich dir Getrost in deine Hände; Nimm mich und mach es so mit mir Bis an mein letztes Ende, Wie du wohl weißt, daß meinem Geist Dadurch sein Heil entstehet, Und deine Ehr' je mehr und mehr Wird auch an mir erhöhet. 8. Willst du mir geben Sonnenschein, So nehm' ich's an mit Freuden; Soll's aber Kreuz und Unglück sein, Will ich's geduldig leiden. Soll mir allhier des Lebens Thür Noch ferner offen stehen, Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 465 Wie du mich führst und führen wirst, So will ich mit dir gehen. 9. Soll ich denn auch des Todes Weg Und finstre Straße gehen, So zeige du mir Bahn und Steg Und laß dein Licht mich sehen. Du bist mein Hirt, der alles wird Zu solchem Ende kehren, Daß ich einmal im Himmelssaal Dich ewig möge ehren. Paul Gerhardt. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 354. Ich hab' in guten Stunden Des Lebens Glück empfunden Und Freuden ohne Zahl. So will ich denn gelassen Mich auch im Leiden fassen; Welch Leben hat nicht seine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder; Du züchtigst stets gelinder, Als es der Mensch verdient. Will ich, beschwert mit Schulden, Kein zeitlich Weh erdulden, Das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich ergeben, Nicht meine Ruh', mein Leben Mehr lieben, als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen Und nicht auf Menschen bauen; Du hilfst und du errettest gern. 4. Laß du mich Gnade finden, Mich alle meine Sünden Erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; Sein Heil laß mein Geschäfte, Dein Wort mir Trost und Leben sein. 30 466— Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des Himmels Erbe; Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade Vertrau' ich deiner Gnade; Du bist bei mir in aller Not. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, Im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken; Der Herr wird alles lenken, Und was mir gut ist, wird geschehn. Chr. Fürchtegott Gellert. Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. 355. Ich steh' in meines Herren Hand Und will drin stehen bleiben; Nicht Erdennot, nicht Erdentand Soll mich daraus vertreiben. Und wenn zerfällt die ganze Welt, Wer sich an ihn und wen er hält, Wird wohlbehalten bleiben. 2. Er ist ein Fels, ein sichrer Hort, Und Wunder sollen schauen, Die sich auf sein wahrhaftig Wort Verlassen und ihm trauen. Er hat's gesagt, und darauf wagt Mein Herz es froh und unverzagt Und läßt sich gar nicht grauen. 3. Und was er mit mir machen will, Ist alles mir gelegen, Ich halte ihm im Glauben still Und hoff' auf seinen Segen; Denn was er thut, ist immer gut, Und wer, von ihm behütet, ruht, Ist sicher allerwegen. ⁊ 28² IIIRN Vertrauen auf Gott. Trost im Lei d. 467 Freu' ich mich seiner Pflege; Ich weiß, die Wege, die er geht, Sind lauter Wunderwege. Was böse scheint, ist gut gemeint, Und giebt nur Liebesschläge. Ist, was er selbst verheißen: Soll je und je entreißen. Er bleibet meine Zuversicht, Ich will ihn ewig preisen. Mel.: In dich hab' ich gehoffet. 356. Ich weiß, mein Gott, daß Thun Von dir kommt Glück und Segen; Was du regierst, das geht und ste Auf rechten, guten Wegen. 2. Es steht in keines Menschen Daß sein Rat werd' ins Werk gebracht Und sich des Fortgangs freue; Des Höchsten Rat, der macht's allein, Daß Menschenrat gedeihe. 3. Oft denkt der Mensch in seinem Mut, Dies oder jenes sei ihm gut, Und ist doch weit gefehlet; Oft sieht er auch für schädlich an, Was doch Gott selbst erwählet. 4. So fängt auch oft ein weiser Mann Ein gutes Werk mit Freuden an 4. Ja, wenn's am schlimmsten mit mir steht, Er ist doch nimmermehr mein Feind 5. Und meines Glaubens Unterpfand Daß nichts mich seiner starken Hand N Was er verspricht, das bricht er nicht. Karl Joh. Ph. Spitta. Und Werk auf deinem Willen ruhn, all mein ht Macht, 8⁰ 468 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Und bringt's doch nicht zustande; Er meint, er bau' ein festes Haus, Und baut's auf losem Sande. 5. Wie mancher ist in seinem Sinn Schon über alle Höhen hin; Und eh' er sich's versiehet, So liegt er da, und hat sein Fuß Vergeblich sich bemühet. 6. Drum gieb Verstand aus deiner Höh', Auf daß ich ja nicht ruh' und steh' Auf meinem eignen Willen; Sei du mein Freund und treuer Rat, Was gut ist, zu erfüllen. 7. Was dir gefällt, das laß auch mir, O meiner Seelen Sonn' und Zier, Gefallen und belieben; Was dir zuwider, laß mich nicht In Wort und That verüben. 8. Ist's Werk von dir, so hilf zum Glück; Ist's Menschenthun, so treib's zurück Und ändre du mein Sinnen. Was du nicht wirkst, pflegt von sich selbst In kurzem zu zerrinnen. 9. Tritt du zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmöglich deucht, Und bring's zum guten Ende; Was du selbst angefangen hast, Durch deine Kraft vollende. 10. Ist gleich der Anfang noch so schwer Und muß ich auch ins tiefe Meer Der bittern Sorgen treten, So treib mich nur, ohn' Unterlaß Zu seufzen und zu beten. 11. Wer fleißig betet und dir traut, Wird alles, davor ihm sonst graut, 2— 9 ⁰ 79⁴ Mit tapferm Mut bezwingen; Sein Sorgenstein wird alsobald In tausend Stücke springen. 12. Der Weg zum Guten ist zwar wild, Mit Dorn und Hecken angefüllt; Doch wer ihn freudig ziehet, Kommt endlich, Herr, durch deinen Geist Dahin, wo Wonne blühet. 13. Du bist mein Vater, ich dein Kind: Was ich bei mir nicht hab und find', Hast du zu voller G'nüge. So hilf nun, daß ich meinen Stand Wohl halt' und herrlich siege! Paul Gerhardt. — Mel.: Wer nur den lieben Gott. 357. Je größer Kreuz, je näher Himmel. Des Kreuzes Weg führt uns zu Gott; Bei lauter Lust und Weltgetümmel Vergißt man Hölle, Fluch und Tod. O selig ist der Mensch geschätzt, Den Gott in Kreuz und Trübsal setzt! „Je größer Kreuz, je bess're Christen. Das Kreuz ist unser Probestein. Wie mancher Garten wird zur Wüsten, Fällt nie ein Thränentau hinein. Im Feuer wird das Gold bewährt, Der Christ durch Trübsalsglut verklärt. 3. Je größer Kreuz, je stärkrer Glaube. Die Palme wächset bei der Last; Die Süßigkeit fließt aus der Traube, Wenn du sie wohl gekeltert hast. Im Kreuze wächset uns der Mut, Wie Perlen in der salz'gen Flut. 4. Je größer Kreuz, je größre Liebe. Der Wind bläst nur die Flamme auf; Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 469 470 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Und scheinet gleich der Himmel trübe, So lachet doch die Sonne drauf. Das Kreuz vermehrt der Liebe Glut, Gleichwie das Ol im Feuer thut. 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete. Geriebne Kräuter riechen wohl. Wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, So fragte niemand nach dem Pol. Wo kämen Davids Psalmen her, Wenn er nicht auch versuchet wär'? 6. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen. Im Thale steiget man bergan; Wer durch die Wüsten oft gegangen, Der sehnet sich nach Kanaan. Das Täublein, findet's hier nicht Ruh', So fleucht es nach der Arche zu. 7. Je größer Kreuz, je lieber Sterben. Man freut sich recht auf seinen Tod; Denn man entgehet dem Verderben, Es stirbt auf einmal alle Not. Das Kreuz, das unsre Gräber ziert, Bezeugt, man habe triumphiert. 8. Je größer Kreuz, je schönre Krone, Die Gott den Seinen beigelegt Und die einmal vor seinem Throne Das Haupt der Überwinder trägt. Ach, dieses teure Kleinod macht, Daß man das größte Kreuz nicht acht't. 9. Gekreuzigter, laß mir dein Kreuze Je länger, desto lieber sein. Daß mich die Ungeduld nicht reize, So pflanz ein solches Herz mir ein, Das Glauben, Liebe, Hoffnung hegt, Bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Benj. Schmolck. 8 73 D * C S ESSES e, Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 2 Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 358. In allen meinen Thaten Lass' ich den Höchsten raten, Der alles kann und hat: Er muß zu allen Dingen, Soll's anders wohl gelingen, Mir selber geben Rat und That. 2. Nichts ist es spät und frühe Um alle meine Mühe, Mein Sorgen ist umsonst: Er mag's mit meinen Sachen Nach seinem Willen machen, Ich stell's in seine Vatergunst. 3. Es kann mir nichts geschehen, Als was er hat versehen Und was mir selig ist: Ich nehm' es, wie er's giebet; Was ihm von mir geliebet, Das hab' ich willig auch erkiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, Die mich vor allem Schaden, Vor allem Übel schützt: Leb' ich nach seinen Sätzen, So wird mich nichts verletzen Und nichts mir fehlen, was mir nützt. 5. Er wolle meiner Sünden In Gnaden mich entbinden, Durchstreichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen Nicht stracks das Urteil sprechen Und haben noch mit mir Geduld. 6. Leg' ich mich späte nieder, Erwach' ich frühe wieder, Lieg' oder zieh' ich fort, In Schwachheit und in Banden 472 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Und was mir stößt zuhanden, So tröstet mich sein heilsam Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, So will ich unverdrossen An mein Verhängnis gehn: Kein Unfall unter allen Wird je zu hart mir fallen, Ich will ihn freudig überstehn. 8. Ihm hab' ich mich ergeben, Zu sterben und zu leben, Sobald er mir gebeut. Es sei heut oder morgen, Dafür lass' ich ihn sorgen, Er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine Und traue dem alleine, Der dich geschaffen hat: Es gehe, wie es gehe, Dein Vater in der Höhe, Der weiß zu allen Sachen Rat. Paul Fleming. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 359. In allen meinen Thaten Lass' ich den Höchsten raten, Der alles kann und hat. Er muß in allen Dingen, Damit sie uns gelingen, Mit Hülfe segnen Rat und That. 2. Sorg' ich auch spät und frühe, Was helfen Sorg' und Mühe, Wenn er nicht sorgt und wacht? Er mag's mit meinen Sachen Nach seinem Willen machen; Er hat noch alles wohl gemacht. 3. Es kann mir nichts geschehen, Er hat's vorher gesehen — 1 470 N V 59 DE IIAA ...5.-.&Æ Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 473 Und selber mir bestimmt. Nie will ich mehr begehren, Will gern auch das entbehren, Was er aus Vaterhuld mir nimmt. 4. Wohl mir, daß seine Gnade Auf jedem rauhen Pfade Mich leitet und beschützt! Wall' ich auf seinen Wegen, So wird durch seinen Segen Mir nichts gebrechen, was mir nützt. 5. Ihm will ich selbst mein Leben Getrost und willig geben, Sobald er's mir gebeut. Es sei heut oder morgen, Dafür lass' ich ihn sorgen; Er weiß allein die beste Zeit. 6. Sei denn im Tod und Leben Ihm, meine Seel', ergeben Voll froher Zuversicht. Es gehe, wie es gehe: Dein Vater in der Höhe Verläßt dich nie, versäumt dich nicht. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 360. Lob sei dir, mein Gott, gesungen, Ruhm und Preis sei dir gebracht, Dir ist alles wohl gelungen, Du hast alles wohl gemacht. Ich erkenne nun mit Rührung Schon die Weisheit deiner Führung Und bezeuge froh und laut: Selig ist, wer dir vertraut! 2. Hättest du mich so geleitet, Wie ich's thöricht oft begehrt, Was ich wünschte, mir bereitet, Was ich scheute, abgewehrt. 474 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Hättest du dem eitlen Streben Meines Herzens nachgegeben: O dann wär' ich sicherlich Elend, arm und jämmerlich. 3. Ach, wie kann auch wohl ein Blinder Im Gedränge und Gewühl Dieser Welt und ihrer Kinder Finden das gesuchte Ziel? Endlos suchen, sich verlieren, In die Irre lassen führen, Sich entfernen von dem Heil, Das ist sein betrübtes Teil. 4. Doch wer ohne Widerstreiten Läßt von deiner festen Hand Und nach deinem Wort sich leiten, Der bekommt ein Unterpfand Deiner Weisheit nach dem andern, Der kann ohne Sorgen wandern, Der erkennt bald tief gerührt, Wie du herrlich ihn geführt. 5. Nun, so lass' ich ihn denn walten, Bleibe fest bei meinem Gott, Will allein zu ihm mich halten Trotz der Menschen Hohn und Spott. Ist mir's doch stets wohl gegangen, Seit ich fest ihm angehangen: Alles bürgt, was mir geschehn, Für mein künftig Wohlergehn. 6. Gott befohlen, Gott befohlen! O das ist ein schönes Wort! Gott befohlen, Gott befohlen Geh' ich meines Weges fort. Gott befohlen alle Tage, Dann verstummet alle Klage; Gott befohlen geht am End' Meine Seel' in Gottes Händ'“. Karl Joh. Ph. Spitta. Trost im Leid. Vertrauen auf Gott. 47⁵ Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 361. Meine Sorgen, Angst und Plagen Laufen mit der Zeit zu End'; Alles Seufzen, alles Klagen, Das der Herr alleine kennt, Wird Gott Lob! nicht ewig sein; Nach dem Regen wird ein Schein Von viel tausend Sonnenblicken Meinen matten Geist erquicken. 2. Meine Saat, die ich gesäet, Wird zur Freude wachsen auf; Wenn die Dornen abgemähet, So trägt man die Frucht zuhauf. Wenn ein Wetter ist vorbei, Wird der Himmel wieder frei; Nach dem Kämpfen, nach dem Streiten Kommen die Erquickungszeiten. 3. Wenn man sich will Rosen brechen, Muß man leiden in der Still', Daß uns auch die Dornen stechen; Alles geht, wie Gott es will. Er hat uns ein Ziel gezeigt, Das man nur im Kampf erreicht; Will man hier das Kleinod finden, So muß man erst überwinden. 4. Unser Weg geht nach den Sternen, Der mit Kreuzen ist besetzt; Hier darf man sich nicht entfernen, Ob er gleich mit Blut benetzt. Zu dem Schloß der Ewigkeit Kommt kein Mensch hin ohne Streit; Die in Salems Mauern wohnen, Zeigen ihre Dornenkronen. 5. Es sind wahrlich alle Frommen, Die des Himmels Klarheit sehn, 476 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Aus viel Trübsal hergekommen; Darum siehet man sie stehn Vor des Lammes Stuhl und Thron Prangend in der Ehrenkron' Und mit Palmen schön gezieret, Weil sie glücklich triumphieret. 6. Gottes Ordnung stehet feste Und bleibt ewig unverrückt; Seine Freund' und Hochzeitsgäste Werden nach dem Streit beglückt. Israel erhält den Sieg Nach geführtem Kampf und Krieg; Kanaan wird nicht gefunden, Wo man nicht hat überwunden. 7. Darum trage deine Ketten, Meine Seel', und dulde dich; Gott wird dich gewiß erretten; Das Gewitter leget sich. Nach dem Blitz und Donnerschlag Folgt ein angenehmer Tag, Ruf den Abend folgt der Morgen Und die Freude nach den Sorgen. um 1700. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 362. Mein Gott, wie bist du so verborgen, Wie ist dein Rat so wunderbar! Was helfen alle meine Sorgen? Du hast gesorget, eh' ich war. Mein Gott und Vater, führe mich Nur selig, wenngleich wunderlich. 2. Herr, wer kann deinen Rat ergründen? Dir bleibt allein der Weisheit Preis, Du kannst viel tausend Wege finden, Wo die Vernunft nicht einen weiß. Mein Gott und Vater, führe mich Nur selig, wenngleich wunderlich. Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 4 3. Gott, deine heiligen Gedanken Sind himmelweit von Menschenwahn; Drum leite mich in deinen Schranken Und führe mich auf rechter Bahn. Mein Gott und Vater, führe mich Nur selig, wenngleich wunderlich. 4. Dir will ich ganz mich überlassen Mit allem, was ich hab' und bin; Ich werfe, was ich nicht kann fassen, Auf deine Macht und Weisheit hin. Mein Gott und Vater, führe mich Nur selig, wenngleich wunderlich. 5. Hilf, daß ich nie von dir mich kehre; In Glück und Unglück, Freud' und Leid Schick alles, Herr, zu deiner Ehre Und meiner Seele Seligkeit. Mein Gott und Vater, führe mich Nur selig, wenngleich wunderlich. Sal. Franck. Mel.: Valet will ich dir geben. 363. Nimmt Gott, dem wir vertrauen, Nicht unsers Werks sich an, Will er das Haus nicht bauen, Vergebens baun wir dann. Will er die Stadt nicht schützen, Er, groß durch Rat und Macht, Was wird der Wächter nützen? Umsonst ist's, daß er wacht. 2. Was hilft's, daß ihr vom Morgen Bis in die Nacht euch quält?ꝰ Laßt euren Vater sorgen, Er weiß es, was euch fehlt; Er, der uns selbst im Leiden So treu und zärtlich liebt Und uns so viele Freuden Auch unerwartet giebt. Joh. Andr. Cramer. 478 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Mel.: Jesu, meine Freude. 364. Seele, sei zufrieden; Was dir Gott beschieden, Das ist alles gut. Treib aus deinem Herzen Ungeduld und Schmerzen, Fasse frischen Mut. Ist die Not dein täglich Brot, Mußt du weinen mehr als lachen: Gott wird's doch wohl machen. 2. Scheint der Himmel trübe, Stirbt der Menschen Liebe Dir auch ganz dahin, Kommt das Mißgeschicke Fast all' Augenblicke Und quält deinen Sinn: Nur Geduld! des Höchsten Huld Sieht auf alle deine Sachen: Gott wird's doch wohl machen. 3. Ungeduld und Grämen Kann nichts von uns nehmen, Macht nur größern Schmerz. Wer sich widersetzet, Wird nur mehr verletzet, Drum Geduld, mein Herz! Wirf, mein Sinn, die Sorgen hin! Drücket gleich die Last den Schwachen: Gott wird's doch wohl machen. 4. Auf die Wasserwogen Folgt ein Regenbogen, Und die Sonne blickt; So muß auf das Weinen Lauter Freude scheinen, Die das Herz erquickt. Laß es sein, wenn Angst und Pein — Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 479 Mit dir schlafen, mit dir wachen: Gott wird's doch wohl machen. 5. Kronen sollen tragen, Die des Kreuzes Plagen In Geduld besiegt; Fröhlich ausgehalten Und Gott lassen walten, Das macht recht vergnügt. Wer Gott liebt, den nichts betrübt, Ihm befiehl du deine Sachen: Gott wird's doch wohl machen. 6. Nun, so soll's verbleiben: Ich will mich verschreiben, Gott getreu zu sein; Ja, in Tod und Leben Bleib' ich ihm ergeben, Ich bin sein, er mein. Denn mein Ziel ist: wie Gott will; Drum sag' ich in allen Sachen: Gott wird's doch wohl machen. Benj: Schmolck Mel.: O Gott, du frommer Gott. 365. Sein Rat ist wunderbar: Gott führt durch Freud' und Schmerzen Und meint, o Mensch, dein Heil Doch jedesmal von Herzen; Sein dunkler Segensweg Sieht wunderseltsam aus, Und dennoch führt er ihn Aufs herrlichste hinaus. 2. Sein Rat ist wunderbar: Er bleibet oft verborgen; Das lehrt uns stille sein, Verbietet uns das Sorgen; Wir müssen da nur eecht Wie kleine Kinder thun, 480 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Die voller Zuversicht Im Schoß der Mutter ruhn. 3. Sein Rat ist wunderbar: Er will als Herr regieren; Das Kind soll sich nicht selbst, Der Vater will es führen. Das Kind versieht es leicht; Drum führt des Vaters Hand, Die niemals was versehn, Und trägt ins Vaterland. 4. Sein Rat ist wunderbar Im Schlagen und im Heilen. Wir gehn doch überall An seinen Liebesseilen. Das Leiden dieser Zeit Ist kein zu schweres Joch; Denn Gott trägt alles mit, Er schlägt und liebet doch. 5. Sein Rat ist wunderbar: Er schlägt die liebsten Kinder Und trägt auch mit Geduld Die allerfrechsten Sünder. Er holet sie herum In dieser Gnadenzeit Und offenbaret sich In der Barmherzigkeit. 6. Sein Rat ist wunderbar: Er gehet dunkle Wege, Und dennoch sind sie gut, Wenn ich sie überlege. Es mußte grade so Zu meinem Heil geschehn, Und alles, was er thut, Dient meinem Wohlergehn. 7. Sein Rat ist wunderbar: Gott bleibet doch die Liebe; G88889 HHHH SV S — H 8668383 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Er führet immer so, Daß er den Glauben übe. Er gehet selbst voran, Er stärket unsern Mut, Er bleibet ewig treu, Er meint es herzlich gut. 8. Dein Rat ist wunderbar, Du Gott der Huld und Stärke! Es preiset dich mein Herz, Dich preisen alle Werke: Du machst doch alles wohl! Ach laß es bald geschehn, Daß wir von deinem Rat Den guten Ausgang sehn. 4½ Eigne Melodie. 366. Sollt' es gleich bisweilen scheinen, Als verließe Gott die Seinen, O so glaub' und weiß ich dies: Gott hilft endlich doch gewiß. 2. Hülfe, die er aufgeschoben, Hat er drum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch, wenn's nötig ist. 3. Wie nicht immer Väter geben, Wonach ihre Kinder streben, So hält Gott auch Maß und Ziel, Er giebt, wie und wann er will. 4. Seiner kann ich mich getrösten, Wenn die Not am allergrößten; Er ist gegen mich, sein Kind, Mehr als väterlich gesinnt. 5. Laß die Welt nur immer neiden; Will sie mich nicht länger leiden, Ei, so frag' ich nichts danach, Gott ist Richter meiner Sach'. 3¹ 482 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 6. Will sie gleich mich von sich treiben, Muß mir doch der Himmel bleiben; Ist der Himmel mein Gewinn, Geb' ich alles andre hin. 7. Ach Herr, wenn ich dich nur habe, Frag' ich nichts nach andrer Gabe. Legt man mich gleich in das Grab, G'nug, Herr, wenn ich dich nur hab'. Christoph Titius: „Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 367. Sollt' ich meinem Gott nicht trauen, Der mich liebt so väterlich, Der so herzlich sorgt für mich? Sollt' ich auf den Fels nicht bauen, Der mir ewig bleibet fest, Wenn auch alles mich verläßt? 2. Er weiß alles, was mich drücket, Meine Sorgen, meine Not, Steht mir bei bis in den Tod: Er weiß, was mein Herz erquicket; Seine Lieb' und Vatertreu' Ist mit jedem Morgen neu. 3. Der die Vögel alle nähret, Der die Blumen, Laub und Gras Kleidet schön ohn' Unterlaß, Alles Gute uns gewähret: Sollte der verlassen mich? Nein, er hilft mir sicherlich. 4. Wenn nach seinem Reich ich trachte Und nach der Gerechtigkeit, Wenn ich meine Seligkeit Mehr als Gold und Silber achte, Segnet Gott mir früh und spat Wort und Werke, Rat und That. 222 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 483 5. Nun, so sorg' ich nicht für morgen; Das, was noch zukünftig ist, Irrt mich nicht, ich bin ein Christ. Meinen Gott nur lass' ich sorgen; Hat ja doch schon jeder Tag Seine Sorge, seine Plag'. 6. Preis ihm, der mein Herz erfreuet, Daß ich glaube festiglich: Gott, mein Vater, sorgt für mich. Preis ihm, der den Trost erneuet, Daß ich weiß, Gott liebet mich, Gott versorgt mich ewiglich. Joh. Olearius. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 368. Creu ist Gott, nehmt's doch zu Herzen, Menschen, die ihr jammernd klagt! Hört in allen euren Schmerzen, Was sein heilig Wort euch sagt. Er, der seine Hand euch reicht, Macht der Trübsal Last euch leicht; Und das Ende bittrer Leiden Ist der Sieg, sind ew'ge Freuden. 2. Laß dir an der Gnade g'nügen, Welche dir dein Vater schenkt. Könntest du der Not erliegen, Da er dein im besten denkt? Er, der deine Thränen zählt, Hat die rechte Zeit erwählt, Da er deine Klagen stillet Und dein Herz mit Trost erfüllet. 3. Heben will er dich und tragen, Wenn du schwach und hülflos bist. Auch des grauen Alters Klagen Hört er, der uns nie vergißt. Die Verheißung steht noch fest, Daß er Fromme nie verläßt, 81¹² 484 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Nie versäumt, auf sie zu schauen, Wenn sie kindlich ihm vertrauen. 4. Ach, daß es der Mensch doch glaubte! Ohne seinen Willen fällt Nicht ein Haar von unserm Haupte, Gott, der Herr, schützt und erhält. Nur die Sünden zwingen ihn, Rat und Trost uns zu entziehn; Wenn wir uns zu ihm bekehren, Will er unsre Seufzer hören. 5. Nun, so ruh in seinen Händen, Seele, die du klagst und wankst! Er wird deine Leiden wenden, Daß du ihm noch freudig dankst. Seiner Gnade Bund allein Soll dir Trost und Stärke seinl Halte nur mit festem Mute Dich zu Gott, dem höchsten Gute. 6. Laß mich diese Gnad' erreichen, Herr, Herr, meine Zuversicht! Wollen die Verzagten weichen, Mein Vertrauen weichet nicht. In der allergrößten Pein Wirst du mein Erretter sein, Wirst mir, wenn mich Leiden kränken, Deines Geistes Beistand schenken. S. Fr. Mudre. Eigne Melodie. 369. Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt' mich auf rechter Straßen, Da ich ging in der Irr'. Er reicht mir seine Hand, Den Abend wie den Morgen Will er mich wohl versorgen, Wo ich auch sei im Land. el Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 48⁵ 2. Wenn sich der Menschen Treue Und Wohlthat von mir kehrt, So wird mir bald aufs neue Die Huld des Herrn bewährt. Er hilft aus aller Not, Macht frei von Sünd' und Schanden, Von Ketten und von Banden Und rettet selbst vom Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit, So kann mir gar nicht grauen, Er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt, Mein Leib, mein' Seel', mein Leben Sei Gott dem Herrn ergeben, Er mach's, wie's ihm gefällt. 4. Es kann ihm nichts gefallen, Als was mir nützlich ist; Gut meint er's mit uns allen Und schenkt uns Jesum Christ, Den eingebornen Sohn, Durch den er uns bescheret, Was Leib und Seel' ernähret: Lobt ihn im Himmelsthron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde Für alles, was er schenkt! Wie selig ist die Stunde, Darin man sein gedenkt! Verloren ist die Zeit, Ohn' ihn verlebt auf Erden. Wir sollen selig werden Hier und in Ewigkeit. 6. Darum, ob ich schon dulde Hier Widerwärtigkeit, Wie ich's auch wohl verschulde: Kommt doch die Ewigkeit, 486 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Ist aller Freude voll, Die ohne alles Ende Durch Christi treue Hände Mir widerfahren soll. 7. Das ist des Vaters Wille, Der uns geschaffen hat, Sein Sohn giebt uns die Fülle Der Wahrheit und der Gnad', Und Gott der heil'ge Geist Im Glauben uns regieret, Ins Himmelreich uns führet, Ihm sei Lob, Ehr' und Preis! Ludw. Helmbold. Eigne Melodie. 370. Warum betrübst du dich, mein Herz, Bekümmerst dich und trägest Schmerz Nur um das zeitlich Gut? Vertrau du deines Gottes Rat, Der alle Ding' erschaffen hat. 2. Er kann und will dich lassen nicht, Er weiß gar wohl, was dir gebricht: Himmel und Erd' ist sein. Er ist mein Vater und mein Gott, Der mir beisteht in aller Not. 3. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind du nimmermehr vergißt, Du väterliches Herz! Ich bin nur Erd' und weiß ohn' dich Auf Erden keinen Trost für mich. 4. Der Reiche trotzt auf zeitlich Gut, Ich aber trau' auf Gottes Hut; Ob ich gleich werd' veracht't, So glaub' ich doch mit Zuversicht: Wer Gott vertraut, dem mangelt's nicht. Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 487 5. Du bist, o Gott, so reich noch heut, Als du es warst von Ewigkeit, Zu dir steht mein Vertraun. Mach reich an meiner Seele mich, So g'nügt mir hier und ewiglich. 6. Der eitlen Ehr' ich gern entbehr', Das Ewige mir nur gewähr, Das Christ erworben hat Durch seinen herben, bittern Tod, Das bitt' ich dich, mein Herr und Gott. 7. Denn alles, was auf dieser Welt, Es sei Lust, Ehre oder Geld, Reichtum und zeitlich Gut, Das währt nur eine kleine Zeit Und hilft doch nicht zur Seligkeit. 8. Ich danke dir, Herr Jesu Christ, Daß solches kund mir worden ist Durch dein wahrhaftig Wort. Verleih mir auch Beständigkeit Zu meiner Seelen Seligkeit. 9. Lob, Ehr' und Preis sei dir gebracht, Daß du hast alles wohl gemacht. Ich bitt' demütiglich: Du wollst von deinem Angesicht Mich ewiglich verstoßen nicht. Hans Sachs(2). Eigne Melodie. 371. Warum sollt' ich mich denn grämen? Hab' ich doch Christum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? 488 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 2. Gut und Blut, Leib, Seel' und Leben Ist nicht mein, Gott allein Ist es, der's gegeben; Will er's wieder zu sich kehren, Nehm' er's hin, Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 3. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt' ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 4. Gott hat mich bei guten Tagen Oft ergötzt, Sollt' ich jetzt Auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 5. Satan, Welt und ihre Rotten Können mir Nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, Wird in Eil' Sie zu schanden machen. 6. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen. 1 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 489 Wollt' ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Mut Dennoch gut Und fein stille bleiben. 7. Kann uns doch der Tod nicht töten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöten, Schließt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, Da man kann Gehn zu Himmelsfreuden. 8. Allda will an edlen Schätzen Ich mein Herz Nach dem Schmerz Ewiglich ergötzen. Hier ist kein recht Gut zu finden; Was die Welt In sich hält, Muß im Nu verschwinden. 9. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand Voller Sand, Kummer der Gemüter. Dort, dort sind die edlen Gaben, Da mein Hirt Christus wird Mich ohn' Ende laben. 10. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. 490 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 11. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Wo du mich Und ich dich Ewig werd' umfangen. Paul Gerhardt. Mel.: Warum sollt' ich mich denn grämen? 372. Warum willst du doch für morgen, Armes Herz, Dir zum Schmerz Wie ein Heide sorgen? Wozu dient dein täglich Grämen? Dein Gott will In der Still' Sich der Not annehmen. 2. Gott hat dir geschenkt das Leben, Seel' und Leib; Darum bleib Ihm allein ergeben. Er wird ferner alles schenken; Traue fest, Er verläßt Nicht, die an ihn denken. 3. Sage nicht: Was soll ich essen? Gott hat dir Stets allhier So viel zugemessen, Daß der Leib sich kann ernähren; Ubriges Wird indes Gottes Hand bescheren. 4. Sorgst du, wie du dich sollst kleiden? Jesus spricht: IEEK Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Sorge nicht, Solches thun die Heiden. Schau die Blumen auf den Feldern, Wie so schön Diese stehn, Und die Bäum' in Wäldern. 5. Ach, der Glaube fehlt auf Erden! Wär' er da, Müßt' uns ja, Was uns not ist, werden Wer Gott kann im Glauben fassen, Der wird nicht, Wenn's gebricht, Von ihm sein verlassen. 6. Wer Gerechtigkeit nachtrachtet Und zugleich Gottes Reich Über alles achtet, Der wird wahrlich nach Verlangen Speis' und Trank Lebenslang Von dem Herrn empfangen. 7. Laß die Welt sich ängstlich mühen Immerhin: Doch mein Sinn Soll zum Herren fliehen. Er will geben, was mir fehlet, Ob er's oft Unverhofft Eine Weil' verhehlet. 8. Will er prüfen meinen Glauben Und die Gab', Die ich hab', Mir gar lassen rauben, So muß mir's zum Besten kommen, Ob Gott mir 492 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. ——— Alles schier Hat hinweggenommen. 9. Nun, Herr Jesu, meine Freude, Meine Sonn', Meine Wonn', Meiner Seelen Weide! Sorge nur für meine Seele, So wird mir Auch allhier Nichts zum Leben fehlen. 10. Ich will dir mit Freuden danken Fort und fort, Hier und dort, Und will nimmer wanken. Lob und Preis sei deinem Namen; Sei mein Teil, Hülf' und Heil, Liebster Jesu! Amen. Laurentius Laurentit. Eigne Melodie. 373. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, Der in der Not Mich wohl weiß zu erhalten; Drum lass' ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Er kann ja nimmer trügen; Er führet mich auf rechter Bahn, Drum lass' ich mir genügen An seiner Huld Und hab' Geduld. Er wird mein Unglück wenden, Es steht in seinen Händen. „ Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 493 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann; Ich will mich ihm ergeben In Freud' und Leid; Es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Lass' ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd' ergötzt Mit süßem Trost im Herzen; Da weichen alle Schmerzen. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Dabei will ich verbleiben; Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten; Drum lass' ich ihn nur walten. Sam. Rodigast. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 374. Was ist's, daß ich mich quäle? Hoff auf den Herrn, o Seele, Hoff und sei unverzagt! Du weißt nicht, was dir nützet, Gott weiß es und Gott schützet, Er schützet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, Mein Glück und meine Plage, 494 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Eh' ich die Welt noch sah; Eh' ich mich selbst noch kannte, Eh' ich ihn Vater nannte, War er mir schon mit Hülfe nah. 3. Die kleinste meiner Sorgen Ist dem ja nicht verborgen, Der alles sieht und hält; Und was er mir beschieden, Das dient zu meinem Frieden, Wär's auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, Um glücklich hier zu werden; Die Lust der Welt vergeht. Ich soll durch Gottes Segen Den Grund zum Glücke legen, Das ewig wie mein Geist besteht. 5. Was dieses Glück vermehret, Sei mir von dir gewähret! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verletzet, Wenn's alle Welt auch schätzet, Sei, Herr mein Gott, mir ewig fern! 6. Sind auch der Krankheit Plagen, Der Mangel schwer zu tragen, Noch schwerer Haß und Spott: So harr' ich und bin stille Zu Gott; denn nicht mein Wille, Dein Wille nur gescheh', o Gott. 7. Du bist der Müden Stärke, Und aller deiner Werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, Wenn Gott mich will bewahren? Und er, mein Gott, bewahret mich. Chr. Fürchtegott Gellert. Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 495 Eigne Melodie. 375. Was mein Gott will, gescheh' allzeit: Sein Wille ist der beste. Zu helfen ist er dem bereit, Der an ihn glaubet feste. Er hilft aus Not, der fromme Gott, Und züchtiget mit Maßen; Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, Den wird er nicht verlassen. 2. Gott ist mein Trost und Zuversicht, Mein' Hoffnung und mein Leben; Dem, was Gott will, daß mir's geschicht, Will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr, er hat mein Haar Auf meinem Haupt gezählet; Er sorgt und wacht, nimmt uns in acht, Auf daß uns gar nichts fehlet. 3. Drum will ich gern von dieser Welt Hinfahren, wie's sein Wille, Zu meinem Gott; wenn's ihm gefällt, Will ich ihm halten stille. Mein' arme Seel' ich Gott befehl' In meiner letzten Stunden. Du frommer Gott! Sünd', Höll' und Tod Hat Jesus überwunden. Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach(7). Mel.: Unser Herrscher, unser König. 376. Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel, Brecht, ihr Felsen, stürzet ein! Gottes Gnade hat das Siegel: Sie will unverändert sein. Laßt die Welt zu Trümmern gehn, Gottes Gnade wird bestehn. 2. Gott hat Gnade mir versprochen, Gott hat einen Bund gemacht, 496— Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Der wird nimmermehr gebrochen, Bis er alles hat vollbracht. Er, die Wahrheit, trüget nicht, Er erfüllt, was er verspricht. 3. Will die Welt den Frieden brechen, Hat sie lauter Krieg im Sinn: Gott hält immer sein Versprechen; So fällt aller Zweifel hin, Als wär' er nicht immerdar, Was er ist und was er war. 4. Mag sein Antlitz sich verstellen, Ist sein Herz doch treu gesinnt Und bezeugt in allen Fällen, Daß ich sein geliebtes Kind, Dem er beide Hände reicht, Wenn auch Grund und Boden weicht. 5. Er will Friede mit mir halten, Wenn die Welt sich auch empört; Ihre Liebe mag erkalten, Bleib' ich meinem Gott nur wert. Ob die Sonne sich verhüllt, Bleibt er mir doch Sonn' und Schild. 6. Er, der Herr, ist mein Erbarmer, So hat er sich selbst genannt; D Das ist Trost: so bleib' ich Armer Immerdar in seiner Hand. 2 Sein Erbarmen läßt nicht zu, 3 Daß er mir was Leides thu'. 7. Nun, so soll mein ganz Vertrauen Fest auf diesem Felsen ruhn; Ewig will ich auf ihn bauen; Was er sagt, das wird er thun. Erd' und Himmel mag vergehn, Ewig wird sein Bund bestehn. ISEE 77772 Benj. Schmolck. Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 497 Eigne Melodie. 377. Wenn ich in Angst und Not mein' Augen heb' empor Zu deinen Bergen, Herr, mit Seufzen und mit Flehen, So neigst du mir dein Ohr, Daß ich nicht darf betrübt von deinem Antlitz gehen. 2. Mein Schutz und Hülfe kommt, o treuer Gott, von dir, Der du das Firmament und Erdreich hast gegründet; Kein Mensch kann helfen mir, Vor deinem Gnadenthron allein man Rettung findet. 3. Du schaffest, daß mein Fuß mir nicht entgleiten kann, Du leitest selber mich auf allen meinen Wegen Und zeigest mir die Bahn, Wenn mir die Welt, der Tod und Teufel Stricke legen. 4. Du Hüter JIsraels, du schläfst noch schlummerst nicht, Dein' Augen Tag und Nacht ob denen offen bleiben, Die sich in deiner Pflicht Zur Kreuzfahn' durch dein Blut, o Jesu, lassen schreiben. 5. Herr, segne meinen Tritt, wo ich geh' aus und ein, Auch, was ich red' und thu', laß alles wohl gelingen Und dir befohlen sein: So kann ich meinen Lauf hier seliglich voll⸗ bringen. 3⁴ 498 W Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 6. Und wenn ich aus der Welt nach deinem Willen geh', So hilf, daß ich in dir fein sanft von hinnen scheide Und fröhlich aufersteh': Dann führe mich hinauf in deine Wonn' und Freude. Matthäus Apelles von Löwenstern. Mel.: Wenn wir in höchsten Nöten sein. 378. Wenn Menschenhülf' scheint aus zu sein, So stellt sich Gottes Hülfe ein; Wenn niemand hilft, so hilft doch er Und macht mein Leiden nicht zu schwer. 2. Was tracht' ich lang nach Menschengunst, Die doch vergehet wie ein Dunst? Wo finde ich hier einen Freund, Der's immer treu und redlich meint? 3. Nimm deine Zuflucht nur zu Gott, Der helfen kann in jeder Not; Such ihn zum Freund, denn er allein Kann stets und überall erfreun. 4. Wenn Gott dein Freund, so ist dein Feind Ganz ohne Macht, wie stark er scheint, Und wären ihrer tausend hier, So könnt' doch keiner schaden dir. 5. Es muß doch gehn, wie's Gott gefällt, Ob alles sich entgegenstellt. Laß Gott nur machen, wie er will, Und hoff auf ihn und halt ihm still. Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig und Lüneburg. n. Vertrauen auf Gott. Trost i im Leid. 499 Mel.: Wenn wir in höchsten Nöten sein. 379. Wenn wir in höchster Not und Pein Nicht wissen mehr, wo aus noch ein, Und finden weder Hülf' noch Rat, Ob wir gleich sorgen früh und spat: 2. So ist dies unser Trost allein, —9——5 wir zusammen insgemein Dich rufen an, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Not, Und heben unser Aug' und Herz Zu dir in wahrer Reu' und Schmerz Und bitten um Begnadigung Und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich All denen, die drum bitten dich Im Namen des Herrn Jesu Christ, Der unser Heil und Mittler ist. 5. Drum kommen wir, Herr unser Gott, Und klagen dir all' unsre Not, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unsre Sünden groß, Sprich uns davon aus Gnaden los; Steh uns in unserm Elend bei, Mach uns von allen Plagen frei: 7. Auf daß von Herzen wir dafür Hernach mit Freuden danken dir, Gehorsam sei'n nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. Paul Eber. Mel.: Was mein Gott will, das g'scheh' allzeit. 380. Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut Im Himmel und auf Erden; Wer sich verläßt auf Jesum Christ, Dem muß der Himmel werden. 8²⁵ 500 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Darum auf dich all' Hoffnung ich Will fest und sicher setzen: Herr Jesu Christ, mein Trost du bist In Todesnot und Schmerzen. 2. Und wenn mir wär' der Hölle Heer Und alle Welt zuwider: Du doch es bist, Herr Jesu Christ, Der sie all' schlägt danieder, Und wenn ich dich nur hab' um mich Mit deinem Geist und Gnaden, So kann fürwahr mir ganz und gar Nicht Tod noch Teufel schaden. 3. Dein tröst' ich mich ganz sicherlich; Denn du kannst mir wohl geben, Was mir ist not, du treuer Gott, Für dies und jenes Leben. Gieb wahre Reu', mein Herz erneu, Errette Leib und Seele. Erhöre, Herr, dies mein Begehr, Daß mir dein Heil nicht fehle! Joachim Magdeburg. Eigne Melodie. 381. Wer nur den lieben Gott läßt walten Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderbar erhalten In aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helsen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser 1 ren n Wir machen unser Kreuz und Leid Nur größer durch die Traurigkeit. —SESS VSES8 EV VEe E VEVVEe SNen n 2 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 501 3. Man halte nur ein wenig stille Und sei doch in sich selbst vergnügt, Wie unsres Gottes Gnadenwille Und wie sein weiser Rat es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, Der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, wann es nützlich sei; Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei, So kommt Gott, eh' wir's uns versehn, Und lässet uns viel Gut's geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshitze, Daß du von Gott verlassen seist Und daß ihm der im Schoße sitze, Den alle Welt als glücklich preist; Die Folgezeit verändert viel Und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott geringe Sachen, Und seiner Allmacht gilt es gleich, Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich. Gott ist der rechte Wundermann, Der bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, Verricht das Deine nur getreu Und trau des Höchsten reichem Segen, So wird er täglich bei dir neu. Denn wer nur seine Zuversicht Auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Georg Neumark. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 382. Wie Gott mich führt, so will ich gehn Ohn' alles Eigenwählen: Geschieht, was er mir ausersehn, 502 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Wird mir's an keinem fehlen. Wie er mich führt, so geh' ich mit Und folge willig Schritt vor Schritt In kindlichem Vertrauen. 2. Wie Gott mich führt, so bin ich still Und folge seinem Leiten, Mag auch im Fleisch der Eigenwill' Noch öfters widerstreiten. Wie Gott mich führt, bin ich bereit In Zeit und auch in Ewigkeit, Stets seinen Rat zu ehren. 3. Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt, Ich ruh' in seinen Händen; Wie er es schickt und mit mir fügt Und wie er es will wenden, Das sei ihm ganz anheimgestellt; Es gehe, wie es ihm gefällt, Zum Leben oder Sterben. 4. Wie Gott mich führt, so geb' ich mich In seinen Vaterwillen. Scheint's der Vernunft gleich wunderlich, Sein Rat wird doch erfüllen, Was er in Liebe hat bedacht, Eh' er mich an das Licht gebracht; Ich bin ja nicht mein eigen. 5. Wie Gott mich führt, so bleib' ich treu Im Glauben, Hoffen, Leiden. Steht er mit seiner Kraft mir bei: Was will mich von ihm scheiden? Ich fasse in Geduld mich fest; Was Gott mir widerfahren läßt, Muß mir zum Besten dienen. 6. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, Es geh' durch Dorn und Hecken. Kann ich's auch anfangs nicht verstehn, EESe SETEEE Nr Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Zuletzt wird er's aufdecken, Wie er nach seinem Vaterrat Mich treu und wohl geführet hat: Dies ist mein Glaubensanker. Lampertus Gedicke. Mel.: Was Gott thut, das ist wohlgethan. 383. Wohl uns, der Vater hat uns lieb Und wird an uns gedenken Und uns aus väterlichem Trieb, Was wir bedürfen, schenken. Was fehlt uns doch Nun weiter noch, Da wir zum Vater haben Den Geber aller Gaben? 2. Wenn wir ohn' Gold und Schätze gleich Die weite Welt durchzögen, So ist doch unser Vater reich An Liebe und Vermögen. Wir sorgen nicht, Daß uns gebricht Auf unsrer Lebensreise Die Kleidung und die Speise. 3. Er, der so viel an uns gewandt Zu unserm Heil und Leben, Der seinen Sohn zu uns gesandt Und für uns hingegeben. Sich so geneigt Den Sündern zeigt— Wie sollte er denn minder Versorgen seine Kinder? 4. Wie können wir doch allezeit Frei vor sein Antlitz treten, Um Hülf' in Not, um Trost in Leid, Um alles zu ihm beten! 504 Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. Er hört uns an, Er will und kann Und wird uns gern gewähren, Was wir von ihm begehren. 5. Wie steht uns doch sein Vaterherz In Jesu Christo offen! Da fliehn wir hin, wenn uns ein Schmerz Und Unfall hat betroffen. O da, da ruht Sich's sanft und gut, Da ist man wohl geborgen Und ledig aller Sorgen. 6. Und meint ihr, daß vor Tod und Gruft Uns bange sei und grause? Nein, wenn uns unser Vater ruft, So gehn wir gern nach Hause. Da ist es doch Viel besser noch! Oft seufzt man aus der Tiefe: Ach, wenn der Vater riefe! 7. Er hat uns lieb, das ist genug, Uns ewiglich zu freuen; Er hat uns lieb, das ist genug, Wir kennen ihn, den Treuen, Und wollen auch Nach Kinderbrauch Uns unablässig üben, Von Herzen ihn zu lieben. Karl Joh Philipp Spitta. Mel.: Alles ist an Gottes Segen. 384. Wunderanfang, herrlich Ende, Wo die wunderweisen Hände Gottes führen ein und aus! Wunderweislich ist sein Raten. ,, A— D‚BDE¶ Vertrauen auf Gott. Trost im Leid. 50⁵ Wunderherrlich seine Thaten, Und du sprichst: Wo will's hinaus? 2. Denke doch: Es muß so gehen, Was Gott weislich heißt geschehen, Ihm und dir zur Herrlichteit. Ob der Anfang seltsam scheinet, Ist das End' doch gut gemeinet: Friede folget nach dem Streit. 3. Gottes Weg ist in den Flüssen Und in großen Wassergüssen, Und du spürst nicht seinen Fuß: So auch in dem Meer der Sorgen Hält Gott seinen Pfad verborgen, Daß man nach ihm suchen muß. 4. Gott muß man in allen Sachen, Weil er alles wohl kann machen, End' und Anfang geben frei. Er wird, was er angefangen, Lassen so ein End' erlangen, Daß es wunderherrlich sei. 5. Drum, so laß dir nimmer grauen, Lerne deinem Gott vertrauen, Sei getrost und gutes Muts. Er fürwahr, er wird es führen, Daß du's wirst am Ende spüren, Wie er dir thut lauter Gut's. 6. Du wirst seinen Ruhm erzählen Und nicht vor der Welt verhehlen, Was die blinde Welt nicht kennt. Er wird dir dein Kreuz versüßen, Daß du wirst bekennen müssen: Wunderanfang, herrlich End'! Heinr. Arnold Stockfleth. 506 Morgenlieder. MXIV. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. J1. Morgenlieder. Mel.: Valet will ich dir geben. 385. Auf, auf, den Herrn zu loben, ö Den Hüter in der Nacht! Bedenke, wie von oben Der Höchste dich bewacht: Er hat, dich zu bewahren, Die Engel hergesandt Und von dir die Gefahren Der Finsternis gewandt. 2. Dir, dir und deiner Güte, Dir, o mein Gott, allein, Dir, dir soll mein Gemüte Von Herzen dankbar sein. Ich bin zwar zu geringe; Doch nimm dies Opfer hin, Nimm hin, was ich dir bringe, Ein'n dir ergebnen Sinn. 3. Verzeihe mir die Sünde, Die ich bisher verübt; I Mit Reue ich empfinde, Wie sehr ich dich betrübt; Verzeihe mir und dämpfe Die sündliche Begier, Mit der ich täglich kämpfe; O Herr, verzeihe mir! 4. Führ mich auf Jesu Wegen Dem Vaterlande zu Und sprich du selbst den Segen Zu allem, was ich thu'. Morgenlieder. Herr, sende du mir Kräfte Von deiner Himmelshöh', Auf daß all mein Geschäfte Erwünscht von statten geh'. 5. Gieb mir vor allen Dingen Getrosten Mut und Geist, Das freudig zu vollbringen, Was mein Beruf mich heißt; Laß mich in guten Tagen Nicht übermütig sein Und laß mich auch nicht zagen, Dringt gleich ein Kreuz herein. 6. Hilf, daß in meinem Stande Ich thu', was dir gefällt; Auch laß mich nicht in Schande Geraten vor der Welt; Richt, Herr, mein ganzes Leben Nach deinem Willen ein; Laß auch mein Haus daneben Von dir gesegnet sein. 7. Gieb, daß im Kreuz und Glücke Ich stets so leben mag, Daß ich getrost hinblicke Auf meinen letzten Tag: Und wenn der wird einbrechen, So gieb, daß ich erfreut Von Herzen könne sprechen: Komm, Herr, ich bin bereit. Joh. Franck. Eigne Melodie. 386. Aus meines Herzens Grunde Sag' ich dir Lob und Dank In dieser Morgenstunde Und all mein Leben lang, O Gott, in deinem Thron, Dir zu Lob, Preis und Ehren 50 Morgenlieder. Durch Christum, unsern Herren, Dein'n eingebornen Sohn: 2. Daß du mich hast aus Gnaden In der vergangnen Nacht Vor Angst, Gefahr und Schaden Behütet und bewacht. Ich bitt' demütiglich, Wollst mir die Sünd' vergeben, Womit in meinem Leben Ich hab' erzürnet dich. 3. Du wollest auch behüten Mich gnädig diesen Tag Vor Satans List und Wüten, Vor Sünden und vor Schmach, Vor Feu'r und Wassersnot, Vor Armut und vor Schanden, Vor Ketten und vor Banden, Vor bösem, schnellem Tod. 4. Gott will ich lassen raten, Der alle Ding' vermag; Er segne meine Thaten Und fördre meine Sach'. Ihm hab' ich heimgestellt Leib, Seele, Gut und Leben Und was er sonst gegeben; Er mach's, wie's ihm gefällt! 5. Darauf so sprech' ich Amen Und zweifle nicht daran, In meines Gottes Namen Ist alles wohlgethan, Und streck' nun aus mein' Hand, Greif' an das Werk mit Freuden, Dazu mich Gott beschieden In meinem Amt und Stand. Joh. Mathesius. 3 2 2 Morgenlleder. 509 Mel.: Erschienen ist der herrlich Tag. 387. Das walte Gott, der helfen kann! Mit Gott fang' ich die Arbeit an; Mit Gott nur geht es glücklich fort; Drum ist auch dies mein erstes Wort: Das walte Gott! 2. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts; Wo Gott nicht segnet, da gebricht's; Gott giebt und thut uns alles Gut's; Drum sprech' ich nun auch gutes Muts: Das walte Gott! 3. Will Gott mir etwas geben hier, So will ich dankbar sein dafür; Auf sein Wort werf' ich aus mein Netz Und sag' in meiner Arbeit stets: Das walte Gott! 4. Anfang und Mitte samt dem End' Stell' ich allein in Gottes Händ'; Er gebe, was mir nützlich ist; Drum sprech' ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 5. Legt Gott mir seinen Segen bei Nach seiner großen Güt' und Treu', So g'nüget mir zu jeder Stund'; Drum sprech' ich auch von Herzensgrund: Das walte Gott! 6. Trifft mich ein Unglück: unverzagt! Ist doch mein Werk mit Gott gewagt; Er wird mir gnädig stehen bei; Drum dies auch meine Losung sei: Das walte Gott! 7. Er kann mich segnen früh und spat, Bis all mein Thun ein Ende hat; Er giebt und nimmt, macht's, wie er will; Drum sprech' ich auch fein in der Still': Das walte Gott! 510 Morgenlieder. 8. Gott steht mir bei in aller Not Und giebt mir auch mein täglich Brot; Nach seinem alten Vaterbrauch Thut er mir Gut's; drum sprech' ich auch: Das walte Gott! 9. Teilt Gott was mit aus Gütigkeit, So acht' ich keiner Feinde Neid; Mag hassen, wer's nicht lassen kann, Ich stimme doch mit Freuden an: Das walte Gott! 10. Thu' ich denn was mit Gottes Rat, Der mir beisteht so früh als spat, Dann alles wohl geraten muß; Drum sprech' ich nochmals zum Beschluß: Das walte Gott! Joh. Betichius. Mel.: Herr Gott, dich loben alle wir. 388. Das walt' Gott Vater und Gott Sohn, Gott heil'ger Geist in's Himmels Thron! Man dankt dir, eh' die Sonn' aufgeht; Wenn's Licht anbricht, man vor dir steht. 2. Drum beug' ich diesen Morgen früh In rechter Andacht meine Knie' Und ruf' zu dir mit heller Stimm': Dein Ohr mir neig, mein' Red' vernimm! 3. Ich rühm' von Herzen deine Güt', Weil du mich gnädig hast behüt't, Daß ich nun hab' die finsire Nacht In Ruh' und Frieden zugebracht. 4. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Nimm mich auch heut in deine Hut Und laß die lieben Engel dein Mir Wächter und Gefährten sein. 5. Dein Geist mein'n Leib und Seel' regier' Und mich mit seinen Gaben zier'; AAX 1 Morgenlieder. Er führ' mich heut auf rechter Bahn, Daß ich was Gut's vollbringen kann. 6. Bewahr mein Herz vor Sünd' und Schand', Daß ich vom Übel abgewandt Mein' Seel' mit Sünden nicht beschwer' Und mein Gewissen nicht versehr'. 7. Mein'n Aus⸗ und Eingang heut bewahr, Daß mir kein Übel widerfahr'; Behüte mich vor schnellem Tod Und hilf mir, wo mir Hülf' ist not. Martin Behemb. Mel.: Auf meinen lieben Gott. 389. Der schöne Tag bricht an, Die Nacht ist abgethan, Die Finsternis vergangen; Laß uns dein Licht umfangen, Du, unsre Sonn' und Leben, Der Welt zum Heil gegeben. 2. Befiehl der Engel Schar, Daß sie uns heut bewahr'; Wenn du die Hand ausstreckest Und uns damit bedeckest, So muß samt unsern Sünden Das Übel von uns schwinden. 3. Laß uns in deiner Hut Das thun, was recht und gut, Und gleich als Kinder leben, Die dir sich ganz ergeben, In deinen Wegen gehen Und fest im Glauben stehen. 4. Befällt uns Kreuz und Not, So hilf, du treuer Gott, Daß wir in allen Stücken Uns drein geduldig schicken; 512 Morgenlieder. Denn dir nicht widerstreben Ist ja das beste Leben. 5. Gieb Speis' und Trank dem Leib, Daß er bei Kräften bleib', Und soll die Seele scheiden, So sei's zu deinen Freuden, Daß wir auf deinen Namen Getrost hinfahren. Amen. Aug. Buchner. Eigne Melodie. 390. Die güld'ne Sonne Voll Freud' und Wonne Bringt unsern Grenzen Mit ihrem Glänzen Ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, Die lagen danieder, Aber nun steh' ich, Bin munter und fröhlich, Schaue den Himmel mit meinem Gesicht. 2. Mein Auge schauet, Was Gott gebauet Zu seinen Ehren Und uns zu lehren, Wie sein Vermögen sei mächtig und groß, Und wo die Frommen Dann sollen hinkommen, Wenn sie mit Frieden Von hinnen geschieden Aus dieser Erden vergänglichem Schoß. 3. Lasset uns singen, Dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; Was wir nur haben, Gott sei das alles zum Opfer geweiht. Die besten Güter EITN FFD˙• ISIII 525„p„ne Morgenlieder. 513 Sind unsre Gemüter; Lieder der Frommen, Von Herzen gekommen, Die sind's, daran er am meisten sich freut. 4. Abend und Morgen Sind seine Sorgen; Segnen und mehren, Unglück abwehren, Sind seine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, So ist er zugegen; Wenn wir aufstehen, So läßt er aufgehen Über uns seiner Barmherzigkeit Schein. 5. Ich hab' erhoben Zu dir hoch droben All' meine Sinnen: Laß mein Beginnen Ohn' allen Anstoß und glücklich ergehn. Laster und Schande, Sündliche Bande, Fallen und Tücke Treib ferne zurücke, Laß mich auf deinen Geboten bestehn. 6. Laß mich mit Freuden Ohn' alles Neiden Sehen den Segen, Den du wirst legen In meines Bruders Hand, Scheuer und Haus. Geiziges Brennen, Unchristliches Rennen Nach Gut mit Sünde, Das tilge geschwinde Von meinem Herzen und wirf es hinaus. 7. Menschliches Wesen, Was ist's?— gewesen; 33 5¹14 Morgenlieder. In einer Stunde Geht es zugrunde, Sobald die Lüfte des Todes drein wehn. Alles in allen Muß brechen und fallen, Himmel und Erden, Die müssen das werden, Was sie gewesen vor ihrem Entstehn. 8. Alles vergehet; Gott aber stehet Ohn' alles Wanken; Seine Gedanken, Sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, Die nehmen nicht Schaden, Heilen im Herzen Die tötlichen Schmerzen, Halten uns zeitlich und ewig gesund. 9. Gott, meine Krone, Vergieb und schone, Laß meine Schulden In Gnad' und Hulden Aus deinen Augen sein ganz abgewandt! Sonst mich regiere, Mich lenke und führe, Wie es dein Wille: Ich halte dir stille, Geb' mich in deine allmächtige Hand. 10. Willst du mir geben, Womit mein Leben Ich kann ernähren, So laß mich hören Allzeit im Herzen dies heilige Wort: Gott ist das Größte, Das Schönste, das Beste, Gott ist das Süßte SISSSSSIIEDle Morgenlieder. 515 Und Allergewißte, Von allen Schätzen der edelste Hort. 11. Willst du mich kränken, Mit Galle tränken, Und soll von Plagen Ich auch was tragen: Wohl denn, so mach es, wie dir es beliebt! Du weißt, was tüchtig, Was heilsam und wichtig Ist für das eine, Das not ist alleine, Nie hast zu sehr du die Deinen betrübt. 12. Trübsal und Zähren Nicht ewig währen; Nach Meeres Brausen Und Windes Sausen Leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht. Freude die Fülle Und selige Stille Darf ich erwarten Im himmlischen Garten; Dahin sind meine Gedanken gericht't. Paul Gerhardt. Mel.: Valet will ich dir geben. 391. Es hat uns heißen treten, O Gott, dein lieber Sohn Mit herzlichen Gebeten Vor deinen hohen Thron Und uns mit teurem Amen Erhörung zugesagt, Wenn man in seinem Namen Nur bittet, fleht und klagt. 2. Darauf komm' ich gegangen In dieser Morgenstund'; Ach laß mich doch erlangen, Was ich aus Herzensgrund 510 Morgenlieder. Von dir, mein Gott, begehre Im Namen Jesu Christ, Und gnädig mir gewähre Das, was mir nützlich ist. 3. Nicht bitt' ich, mir zu geben Aus deiner reichen Hand Geld, Gut und langes Leben, Nicht Ehr' noch hohen Stand; Denn dieses ist nur nichtig Und lauter Eitelkeit, Vergänglich, schwach und flüchtig Und schwindet mit der Zeit. 4. Ich bitte, mir zu schenken Ein frommes, keusches Herz, Das nimmermehr mag denken Auf Sünd' und schnöden Scherz, Das stets in Liebe flammet Zu dir, Gott, himmelan Und alle Lust verdammet Der sündenvollen Bahn. 5. Hernach laß mich gewinnen Nach deiner großen Kraft Kunst, Weisheit, kluge Sinnen, Verstand und Wissenschaft, Daß all mein Thun und Handeln Dir mag gefällig sein Und vor der Welt mein Wandeln Ohn' allen falschen Schein. 6. So wird von jenen allen: Stand, Leben, Ehr' und Geld, Auf meine Seite fallen, Soviel dir, Gott, gefällt. Man muß die Seel' erst schmücken, So wirst du allgemach Den Leib auch schon beglücken: Glück folgt der Tugend nach. Georg Neumark. SE* Morgenlieder. 517 Eigne Melodie. 392. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heil'ger Geist, Der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn' und Mond uns scheinen heißt, Dessen starke Hand die Welt Und was drinnen ist, erhält: 2. Gott, ich danke dir von Herzen, Daß du mich in dieser Nacht Vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen Hast behütet und bewacht Und bei aller meiner Schuld Mich noch trägst mit Vaterhuld. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden Jetzt mit dieser Nacht vergehn; O Herr Jesu, laß mich finden Stets dein Herz mir offen stehn, Wo alleine Hülf' und Rat Ist für meine Missethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen Geistlich auferstehen mag Und für meine Seele sorgen, Daß, wenn nun dein großer Tag Uns erscheint und dein Gericht, Ich davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sei und bleibe du auch heute Mein Beschützer und mein Hort; Nirgends als bei dir allein Kann ich recht bewahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele Samt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand; 518 Morgenlieder. Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigentum. 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg' von mir wende Und mich halt' in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh' Trage nach dem Himmel zu. Heinrich Albert. „ Mel.: Ich dank' dir schon durch delnen Sohn. 393. Mein erst Gefühl sei Preis und Dank, Erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang; Lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht, Lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht Und Ruhe für die Müden? 3. Du bist es, Gott und Herr der Welt, Und dein ist unser Leben; Du bist es, der es uns erhält Und mir's jetzt neu gegeben. 4. Gelobet seist du, Gott der Macht, Gelobt sei deine Treue, Daß ich nach einer sanften Nacht Mich dieses Tags erfreue! 5. Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. 6. Nimm meines Lebens gnädig wahr; Auf dich hofft meine Seele. Sei mir ein Retter in Gefahr, Ein Vater, wenn ich fehle. 7. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb' und Ruhe, Morgenlieder. 519 Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn“ und willig thue; 8. Daß ich als ein getreuer Knecht Nach deinem Reiche strebe, Gottselig, züchtig und gerecht Durch deine Gnade lebe; 9. Daß ich, dem Nächsten beizustehn, Nie Fleiß und Arbeit scheue, Mich gern an andrer Wohlergehn Und ihrer Tugend freue; 10. Daß ich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genieße Und meinen Lauf mit Freudigkeit, Wenn du gebeutst, beschließe. Chr. Fürchtegott Gellert. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 394. Mein Gott, nun ist es wieder Morgen, ö Die Nacht vollendet ihren Lauf; Nun wachen alle meine Sorgen Auf einmal wieder mit mir auf. Die Ruh' ist aus, der Schlaf dahin, Und ich seh' wieder, wo ich bin. 2. Ich bin noch immer auf der Erde, Wo jeder Tag sein Elend hat, Wo ich nur immer älter werde Und häufe Sünd' und Missethat. O Gott, von dessen Brot ich zehr', Wenn ich dir doch getreuer wär'! 3. Du giebst mir Kraft, jetzt aufzustehen, Regier mich auch in dieser Welt; Ich weiß nicht, wie mir's heut wird gehen, Mach alles so, wie's dir gefällt. Schließ mich in deine Vorsicht ein; Dein will ich tot und lebend sein. 520 Morgenlieder. 4. Vergieb mir, Vater, alle Sünden, Die ich bei Tag und Nacht beging, Und laß mich vor dir Gnade finden, Erhöre, was ich bet' und sing'; Denn wenn ich nur bei dir wohl steh', So acht' ich gar nicht, wie es geh'. 5. Hilf du in allen Sachen raten, Ich bin mir selber nicht genug; Behüte mich vor Missethaten, Vor böser Menschen List und Trug; Laß mich den Tag wohl legen an Und Gutes schaffen, wo ich kann. 6. Behüte Seele, Leib und Leben, Verwandte, Freunde, Hab' und Gut; Laß deine Hand den Segen geben, Wenn meine Hand das Ihre thut; Hilf, daß ich alles wohl verricht'! Du wirst es thun, ich zweifle nicht. Kaspar Neumann. Eigne Melodie. 395. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte, Schick uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte Und vertreib durch deine Macht Unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgentau Fall' auf unser matt Gewissen; Laß die dürre Lebensau Deinen füßen Trost genießen Und erquick uns, deine Schar, Immerdar. 3. Gieb, daß deiner Liebe Glut Unsre kalten Werke töte, —— ZI. Morgenlieder. 521 Und erweck uns Herz und Mut Bei erstandner Morgenröte, Daß wir, eh' wir gar vergehn, Recht aufstehn. 4. Ach du Aufgang aus der Höh', Gieb, daß auch am jüngsten Tage Unser Leib verklärt ersteh' Und entfernt von aller Plage Sich auf jener Freudenbahn Freuen kann. 5. Leucht uns selbst in jene Welt, Du verklärte Gnadensonne; Führ uns durch das Thränenfeld In das Land der süßen Wonne, Da die Lust, die uns erhöht, Nie vergeht. 5 Mel.: Auf meinen lieben Gott. 396. So tret' ich denn nun an, Wie gut ich immer kann, Mein Amt, Beruf und Wesen, Dazu mich Gott erlesen; Der wird mir seinen Segen Auch wissen beizulegen. 2. Dir, Vater, sag' ich Dank, Daß du mein Leben lang So reichlich mich ernähret Und manche Gnad' bescheret; Laß deine Güt' und Gaben Mich auch noch ferner laben. 3. Ach mein Herr Jesu Christ, Der du mein Helfer bist, Gesegne meine Werke Und mich vom Himmel stärke, Christian Knorr von Rosenroth. 522 Morgenlieder. Damit ich deinen Willen In allem mög' erfüllen. 4. Behüte Seel' und Leib Und alles von mir treib, Was meine Arbeit hindert Und deinen Segen mindert; Laß mich in Fried' und Freuden Zuletzt von hinnen scheiden. Johann Heinrich von Hippen. Mel.: Nun laßt uns Gott dem Herren. 397. Wach auf, mein Herz, und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem treuen Menschenhüter. 2. Als nachts die dunkeln Schatten Mich ganz umfangen hatten, Bedecktest du mich Armen Mit göttlichem Erbarmen. 3. Du sprachst: Mein Kind, nun liege, Mein starker Schutz dir g'nüge; Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen. 4. Dein Wort, Herr, ist geschehen, Ich kann das Licht noch sehen; Von Not bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich erneuet. 5. Du willst ein Opfer haben, Hier bring' ich meine Gaben: In Demut fall' ich nieder Und bring' Gebet und Lieder. 6. Die wirst du nicht verschmähen; Du kannst ins Herze sehen Und weißt wohl, daß zur Gabe Ich ja nichts Bess'res habe. SH HDE v 2ene DA Morgenlieder. 7. So wollst du nun vollenden Dein Werk an mir und senden, Der mich an diesem Tage Auf seinen Händen trage. 8. Sprich ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste raten, Und Anfang, Mitt' und Ende, O Herr, zum Besten wende. . 9. Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise Auf meiner Pilgerreise. Paul Gerhardt. Wochenanfang. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 398. Ein neuer Tag, ein neues Leben Geht mit der neuen Woche an; Gott will mir heut aufs neue geben, Was mir sonst niemand geben kann: Denn hätt' ich seine Gnade nicht, Wer gäbe mir sonst Trost und Licht? 2. Ich grüße diesen lieben Morgen, Mich schützte deine Vaterhand, Die diese Nacht so manche Sorgen In Gnaden von mir abgewandt. Ach Herr, was bin ich Armer doch? Du sorgst für mich, ich lebe noch. 3. Nun, das erkenn' ich, Herr, und gebe Mich freudig dir zum Opfer hin; Doch, weil ich hier, solang ich lebe, Mit Not und Tod umgeben bin, So weich auch heute nicht von mir; Die Hülfe steht allein bei dir. 4. Mein Glück in dieser neuen Woche Soll nur in deinem Namen blühn; 52⁴4 Tischlieder. Ach laß mich nicht am Sündenjoche Mit meinem Fleisch und Blute ziehn; Gieb deinen Geist, der mich regier' Und nur nach deinem Willen führ'. 5. Soll ich mein Brot mit Kummer essen, So laß es doch gesegnet sein, Und was du sonst mir zugemessen, Das richte mir zum Besten ein; Ich bitte nicht um Überfluß, Gieb mir nur, was ich haben muß. 6. Du thust, mein Gott, gewiß das Deine, Laß mich denn auch das Meine thun! Behüte beide, Groß' und Kleine, Daß sie in deiner Gnade ruhn, Und hilf, daß jeder diesen Tag In dir vergnügt beschließen mag. Benj. Schmolck. 2. Tischlieder. Vor Tische. Mel.: O Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 399. Gesegn' uns, Herr, die Gaben dein, Die Speis' laß unsre Nahrung sein, Hilf, daß dadurch erquicket werd' Der dürft'ge Leib auf dieser Erd'. 2. Doch dieses zeitlich Brot allein Kann uns nicht ginug zum Leben sein: Dein göttlich Wort die Seele speist, Hilft uns zum Leben allermeist. 3. Drum gieb uns beides, Herre Gott, Hilf endlich auch aus aller Not: So preisen wir dein' Gütigkeit Hier und auch dort in Ewigkeit. 1 ED S—DDe Tischlieder. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 400. Oott, laß uns deiner nie vergessen, Wenn wir uns deiner Gaben freun; Laß, wenn wir trinken, wenn wir essen, Uns teuer deine Güte sein. Dir sei für Speise, sei für Trank, Für alles Gute Preis und Dank. Nach Kaspar Neumann. Mel.: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 401. Herr Gott Vater im Himmelreich, Wir deine Kinder allzugleich Bitten dich jetzt aus Herzensgrund: Speis uns alle zu dieser Stund'; 2. Thu auf dein' reiche, milde Hand, Behüt uns all' vor Sünd' und Schand' Und gieb uns Fried' und Einigkeit, Bewahr uns auch vor teurer Zeit, 3. Damit wir leben seliglich, Dein Reich besitzen ewiglich In unsers Herren Christi Nam'n. Wer das begehrt, der spreche: Am'n. Kasp. Huberinus. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. 402. Speise, Vater, deine Kinder, Tröste die betrübten Sünder, Sprich den Segen zu den Gaben, Welche wir jetzt vor uns haben, Daß sie uns zu diesem Leben Stärke, Kraft und Nahrung geben, Bis wir endlich mit den Frommen Zu dem Himmelsmahle kommen. Joh. Heermann. 526 Tischlieder. Nach Tische. Mel.: Herr Gott, dich loben alle wir. 403. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du unser Gast gewesen bist. Bleib du bei uns, so hat's nicht not; Du bist das rechte Lebensbrot. Mel.: Nun danket alle Gott. 404. Wir danken freudig dir Für alle deine Gaben, Die wir, o Vater, jetzt Von dir empfangen haben. Gesundheit giebst du uns Und Nahrung, die erfreut, Hier einen frohen Mut, Dort deine Seligkeit. 2. Laß nie undankbar uns, Wie gut du bist, verkennen; Von wahrer Dankbarkeit Laß unser Herz entbrennen! Mach uns gehorsam, mach In unserm Stand uns treu, Daß unser Wandel, Gott, Dir wohlgefällig sei. Joh. Andr. Cramer. 405. Wir danken Gott für seine Gaben, Die wir von ihm empfangen haben; Wir bitten unsern lieben Herrn, Er woll' hinfort uns mehr bescher'n Und speisen uns mit seinem Wort, Daß wir satt werden hier und dort. Ach lieber Gott, du wollst uns geben Nach dieser Zeit das ew'ge Leben. Amen. .S„ —⁰NNn3 , Abendlieder. 3. Abenölieder. „Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 406. Ach mein Jesu, sieh, ich trete, Da der Tag nunmehr sich neigt Und die Finsternis sich zeigt, Hin zu deinem Thron und bete. Neige du zu deinem Sinn Auch mein Herz und Sinnen hin. 2. Meine Tage gehn geschwinde, Wie ein Pfeil, zur Ewigkeit; Selbst die längste Lebenszeit Rauscht vorüber gleich dem Winde, Wie ein Bach von Bergeshöh' Sich hinabstürzt in den See. 3. Und, mein Jesu, sieh, ich Armer Nehme mich doch nicht in acht, Daß ich dich bei Tag und Nacht Herzlich suchte, mein Erbarmer. O wie mancher Tag geht hin, Da ich kalt und träge bin. 4. Ach, ich muß mich herzlich schämen. Du erhältst, du schützest mich Tag und Nacht so gnädiglich, Und ich will mich nicht bequemen, Daß ich ohne Heuchelei Dir dafür recht dankbar sei. 5. Nun, ich komme mit Verlangen, O mein Herzensfreund, zu dir: Neige du dein Licht zu mir, Da der Tag nunmehr vergangen; Sei du selbst mein Sonnenlicht, Das durch alles Dunkel bricht. 6. Laß mich meine Tage zählen, Die du mir noch gönnen willt; Abendlieder. 5²28 Mein Herz sei mit dir erfüllt, So wird mich nichts können quälen; Denn wo du bist Tag und Licht, Schaden uns die Nächte nicht. 7. Nun, mein teurer Heiland, wache, Wache du in dieser Nacht; Schütze mich mit deiner Macht; Dir befehl' ich meine Sache. Dir vertrau' ich, laß mich dein Wachend und auch schlafend sein. Lewin Joh. Schlicht. Mel.: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 407. Breit über mich, Herr, und mein Haus Die Flügel deines Schutzes aus! Dir trau' ich; hab' ich doch dein Wort, Gott, mein Versöhner, Heil und Hort. Joh. Andr. Cramer. Mel.: Die Sonn' hat sich mit ihrem Glanz gewendet. 408. Der Abend kommt, die Sonne sich verdecket, Und alles sich zur Ruh' und Stille strecket. O meine Seel', merk auf, wo bleibest du? In Gottes Schoß, sonst nirgends hast du Ruh'. 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder, Das Vöglein fliegt zu seinem Neste wieder Die Schäflein ziehn in ihre Hürden ein: Laß mich zu dir, mein Gott, gekehret sein. 3. Ach sammle selbst Begierden und Ge⸗ danken, Die noch so leicht aus Schwachheit von dir wanken; Mein Ruheplatz und Heimat, thu dich auf, Daß ich in dir beschließe meinen Lauf. ich du Abendlieder. 529 4. Recht väterlich hast du mich heut geleitet, Bewahrt, verschont, gestärket und geweidet; Ich bin's nicht wert, daß du so gut und treu: Mein Alles dir zum Dank ergeben sei. 5. Vergieb, o Herr, wo ich mich heut verirret Und mich zu viel durch dies und das verwirret. Es ist mir leid, es soll nicht mehr geschehn; Halt mich bei dir, so werd' ich fester stehn. 6. Da nun der Leib sein Tagwerk hat vollendet, Mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet, Zu beten an, zu lieben inniglich, Im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich. 7. Die Dunkelheit ist da, und alles schweiget; Mein Geist vor dir, o Majestät, sich beuget. Ins Heiligtum, ins Dunkel kehr' ich ein; Herr, rede du, laß mich ganz stille sein. 8. Mein Herz sich dir zum Abendopfer schenket, Mein Wille sich in dich gelassen senket. Begierden, schweigt! Vernunft und Sinnen, still! Mein müder Geist im Herrn jetzt ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben; Laß nicht den Geist zerstreut in Unruh' schweben! Mein treuer Hirt, führ mich in dich hinein, In dir, mit dir nur kann ich selig sein. 10. Im Finstern sei des Geistes Licht und Sonne, Im Kampf und Kreuz mein Beistand, Kraft und Wonne; Deck mich bei dir in deiner Hütte zu, Bis ich erreich' die volle Sabbathsruh'. Gerhard Tersteegen. 8⁴ —— 530 Abendlieder. Eigene Melodie. 409. Der lieben Sonne Licht und Pracht Hat nun den Tag vollführet; Die Welt hat sich zur Ruh' gemacht: Thu, Seel', was dir gebühret; Tritt an die Himmelsthür Und bring ein Lied herfür; Laß deine Augen, Herz und Sinn Auf Jesum sein gerichtet hin. 2. Ihr hellen Sterne leuchtet wohl Und sendet eure Strahlen, Ihr macht die Nacht des Glanzes voll: Doch noch zu tausend Malen Scheint heller in mein Herz Die ew'ge Himmelskerz', Mein Jesus, meiner Seele Ruhm, Mein Schutz, mein Schatz und Eigentum. 3. Verschmäh nicht dies geringe Lied, Das ich dir, Jesu, singe; In meinem Herzen ist kein Fried', Bis ich es zu dir bringe. Ich bringe, was ich kann; Ach nimm es gnädig an! Es ist doch herzlich gut gemeint, O Jesu, meiner Seele Freund. 4. Mit dir will ich zur Ruhe gehn, Dir will ich mich befehlen, Du wirst, mein Hüter, auf mich sehn Zum Besten meiner Seelen. Ich fürchte keine Not, Auch selber nicht den Tod; Denn, wer mit Jesu schlafen geht, Mit Freuden wieder aufersteht. 5. Nun, matter Leib, gieb dich zur Ruh? Und schlafe sanft und stille; INDET ht Abendlieder. Ihr müden Augen, schließt euch zu, Denn das ist Gottes Wille. Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu, ich bin dein! So ist der Schluß recht wohlgemacht; Nun, liebster Jesu, gute Nacht! Christian Scriver. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 410. Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar; Der Wald steht schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille Und in der Dämm'rung Hülle So traulich und so hold, Als eine stille Kammer, Wo ihr des Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen Und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, Die wir getrost belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolzen Menschenkinder Sind eitel arme Sünder Und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste Und suchen viele Künste Und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott, laß dein Heil uns schauen, Auf nichts Vergänglich's trauen, 31· 532 Abendlieder. Nicht Eielkeit uns freun. Laß uns einfältig werden Und von dir hier auf Erden Wie Kinder fromm und fröhlich sein. 6. Wollst endlich sonder Grämen Aus dieser Welt uns nehmen Durch einen sanften Tod; Und wenn du uns genommen, Laß uns in Himmel kommen, Du unser Herr und unser Gott. 7. So legt euch denn, ihr Brüder, In Gottes Namen nieder; Kalt ist der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen Und laß uns ruhig schlafen Und unsern kranken Nachbar auch. Matthias Claudius. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 411. Der Tag hat sich geneiget, Die Nacht hat sich genaht: Gott sei gebenedeiet, Der uns beschützet hat; Er woll' durch seine Güte, Durch seine große Macht Uns gnädiglich behüten Auch jetzt in dieser Nacht. 2. Nichts ist auf dieser Erden, Das da beständig bleibt: Allein die Güt' des Herren, Die währt in Ewigkeit, Steht allen Menschen offen; Gott läßt die Seinen nicht. Drauf setz' ich all mein Hoffen Und meine Zuversicht. 3. Ihm hab' ich mich ergeben In dieser argen Welt. Abendlieder. 533 So ist des Menschen Leben, Wie Blümlein auf dem Feld: Des Morgens in dem Tauen Stehn sie gefärbet schön; Bald sind sie abgehauen, Verderben und vergehn. 4. Vergieb mir, Herr, verzeihe, Was unrecht ich gethan; Dein' Gnade mir verleihe, Sieh meine Sünd' nicht an! Wenn du mir wollt'st zuschreiben All' meine Sünd' und Schuld: Wo sollt' ich vor dir bleiben? Den Tod hab' ich verschuld't. 5. Ich bitt', daß du mir gnädig Um Christi willen seist; Mach mich der Sünden ledig, Gieb mir den heil'gen Geist, Daß er mich unterweise, Daß er mich leit' und führ', Daß auf der Pilgerreise Ich nie dein'n Weg verlier'. 6. Mein'n Leib und Seel' und Leben, Haus, Ehr' und all mein Gut, Was du mir hast gegeben, Befehl' ich deiner Hut, In deine treuen Hände: Behüt mich gnädiglich; Gieb mir ein selig Ende Und nimm mich in dein Reich. Vor 1597. Mel.: O Traurigkeit, o Herzeleid. 412. Der Tag ist hin, mein Geist und Sinn Sehnt sich nach jenem Tage, Der uns ganz entreißen wird Aller Not und Plage. 534 Abendlieder. 2. Die Nacht ist da, sei du mir nah, Mein Jesu, bei mir bleibe Und der Sünde Dunkelheit Aus dem Herzen treibe. 3. Der Sonne Licht uns jetzt gebricht; O unerschaffne Sonne, Brich mit deinem Licht hervor Mir zur Freud' und Wonne! 4. Was sich geregt, was sich bewegt, Ruht jetzt von seinen Werken; Laß mich, Herr, in stiller Ruh' Dein Werk in mir merken. 5. Ein jeder will bei solcher Still' Der süßen Ruhe pflegen; Laß die Unruh' dieser Zeit, Jesu, bald sich legen. 6. Halt du die Wach', damit kein Ach Und Weh den Geist beschwere, Sende deiner Engel Schar, Die dem Übel wehre. 7. Wann aber soll der Wechsel wohl Der Tag' und Nächte weichen? Wenn der Tag anbrechen wird, Dem kein Tag zu gleichen. 8. Alsdann wird nicht der Sonne Licht Jerusalem verlieren; Denn das Lamm ist selbst das Licht, Das die Stadt wird zieren. 9. Halleluja! O wär' ich da, Wo alles lieblich klinget, Wo man ohne Unterlaß Heilig, heilig singet! 10. O Jesu du, mein' Hülf' und Ruh', Laß mich dahin gelangen, Daß ich mög' in deinem Glanz Ewig vor dir prangen. A. Freylinghausen. EONNE H- t Abendlieder. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 4¹3. Die Sonne sinket nieder, Die stille Nacht kommt wieder Und mit ihr Schlaf und Ruh'; Sie bringt uns neue Kräfte, Beschließt des Tags Geschäfte Und drückt die müden Augen zu. 2. Noch wach' ich und erzähle Mit tiefgerührter Seele, Herr, was du mir gethan. Dich preiset mein Gemüte Für alle Gnad' und Güte. Herr, nimm mein stilles Loblied an. 3. Von dir kommt jede Gabe, Das Leben, das ich habe, Die Ruhe dieser Nacht. Du bist der Quell der Güter, Mein Schutz und treuer Hüter, Der, wenn ich schlummre, für mich wacht. 4. Du läßt es finster werden Und hüllst den Kreis der Erden In tiefe Dunkelheit; Doch auch in dunkler Stille Wohnst du mit deiner Fülle Und zeigst uns deine Herrlichkeit. 5. Du führst aus weiter Ferne Den Mond und tausend Sterne Mit Majestät herauf; Sie leuchten dir zur Ehre Hoch über Land und Meere, Und deine Hand lenkt ihren Lauf. 6. Als Zeugen deiner Stärke Stehn lauter Wunderwerke In deiner Schöpfung da; Und du, der sie bereitet 536 Abendlieder. Und Mond und Sterne leitet, Bist auch im Staub mir innig nah. 7. Groß, wenn der Morgen grauet, Groß, wenn der Abend tauet, Groß in der stillen Nacht, Im Sonnenschein, im Sturme, Am Menschen und am Wurme, Groß zeigst du, Schöpfer, deine Macht. 8. Drum schwinde alles Grauen, Drum will ich kindlich trauen, Denn du versorgst auch mich. Ja, Vater, ich befehle Dir freudig Leib und Seele; Du bist mein Gott, ich hoff' auf dich. 9. Laß dir mein kindlich Lallen Durch Jesum wohlgefallen Und segne meinen Geist, Bis er, im Grund erneuert, Den großen Sabbath feiert, Wo aller Sel'gen Schar dich preist. G. F. Schröder. Vermehrt durch Junkheim. Mel.: In dich hab' ich gehoffet. 414. Für alle Güte sei gepreist, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist! Ihr'r bin ich zu geringe. Vernimm den Dank, Den Lobgesang, Den ich dir kindlich singe. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an, Hast Großes heut an mir gethan, Mir mein Gebet gewähret, Hast väterlich Mein Haus und mich Beschützet und genähret. — 58 NNNA.. IINIINNOAA IIHARnAE XWXIIINISHNN& Abendlieder. 537 3. Sei auch nach deiner Lieb' und Macht Mein Schutz und Schirm in dieser Nacht; Vergieb mir meine Sünden. Und kommt mein Tod, Herr Zebaoth, So laß mich Gnade finden. Chr. Fürchtegott Gellert. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 415. Herr, der du mir das Leben Bis diesen Tag gegeben, Dich bet' ich kindlich an. Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich singe Und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüte Freu' ich mich deiner Güte, Ich freue mich in dir. Du giebst mir Lust und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke Und schaffst ein reines Herz in mir. 3. Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott, mein Heil. Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bei dir in Gnaden, Und in dem Himmel ist mein Teil. 4. Bedeckt mit deinem Segen Eil' ich der Ruh' entgegen; Dein Name sei gepreist! Mein Leben und mein Ende Ist dein, in deine Hände Befehl' ich, Vater, meinen Geist. Chr. Fürchtegott Gellert. 538 Abendlieder. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 416. Herr, es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin; Zeige mir auch selber an, So ich was nicht recht gethan, Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. 2. Freilich wirst du manches finden, Was dir nicht gefallen hat; Denn ich bin noch voller Sünden In Gedanken, Wort und That, Und zu jeder Tagesstund' Pfleget Herz und Hand und Mund So geschwind und oft zu fehlen, Daß ich's selber nicht kann zählen. 3. Aber, o du Gott der Gnaden, Habe noch mit mir Geduld; Ich bin freilich schwer beladen, Doch vergieb mir meine Schuld. Deine große Vatertreu' Werde diesen Abend neu, So will ich auch deinen Willen Künftig mehr als heut erfüllen. 4. Heilige mir das Gemüte, Daß mein Schlaf nicht sündlich sei; Decke mich mit deiner Güte, Und dein Engel steh' mir bei. Lösche Feu'r und Lichter aus Und bewahre du das Haus, Daß ich morgen mit den Meinen Nicht im Unglück dürfe weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, Die im Finstern Böses thun. D8EGSRGO EECOCVSVSS EV Seh vHS887 Abendlieder. Sollte man gleich was bereiten, Uns zu schaden, wenn wir ruhn, So zerstöre du den Rat Und verhindere die That; Wend auch allen andern Schrecken, Laß mich deine Huld bedecken. 6. Laß mich denn gesund erwachen, Wenn es rechte Zeit wird sein, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein; Oder hast du, lieber Gott, Heut bestimmet meinen Tod, So befehl' ich dir am Ende Leib und Seel' in deine Hände. Kaspar Neumann. Mel.: Jesu, meine Freude. 41⁷. Hirte deiner Schafe, Der von keinem Schlafe Etwas wissen mag, Deine Wundergüte War mein Schild und Hütte Den vergangnen Tag. Sei die Nacht auch auf der Wacht Und laß mich von deinen Scharen Um und um bewahren. 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld; Ein versöhnt Gewissen Sei mein Ruhelkissen, Drum vergieb die Schuld. Jesus Christ mein Mittler ist; Er hat das, was ich verschuldet, Williglich erduldet. 5⁴40 Abendlieder. 3. Laß auch meine Lieben Keine Not betrüben, Sie sind mein und dein. Hältst du mit Erbarmen Mich in deinen Armen, Schlaf' ich fröhlich ein. Du bei mir und ich bei dir, Also sind wir ungeschieden, Und ich ruh' in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jammer Ferne von uns sein. Sei du Schloß und Riegel, Unter deine Flügel Nimm die Deinen ein! Deck uns zu mit Schutz und Ruh', So wird uns kein Grauen wecken, Noch der Feind uns schrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette Heut zum Grabe hätte? Jetzo rot— bald tot? Nun, hast du's beschlossen, Sterb' ich unverdrossen, Herr, auf dein Gebot. Nicht will ich, Herr, wider dich, Sterbe freudig alle Stunden, Weil ich dich gefunden. 6. Nun wohlan, ich thue In vergnügter Ruhe Meine Augen zu. Seele, Leib und Leben Hab' ich dir ergeben, Treuer Hüter du! Gute Nacht! Nimm mich in acht, Und erlebe ich den Morgen, Wirst du weiter sorgen. Benj. Schmolck. Abendlieder. 54¹1 Eigne Melodie. 418. Müde bin ich, geh' zur Ruh', Schließe meine Augen zu: Vater, laß die Augen dein UÜber meinem Bette sein. 2. Hab' ich Unrecht heut gethan, Sieh es, lieber Gott, nicht an. Deine Gnad' und Jesu Blut Macht ja allen Schaden gut. 3. Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand; Alle Menschen groß und klein Sollen dir befohlen sein. Luise Hensel. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 4¹9. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt' und Felder, Es schläft die ganze Welt. Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf! ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind; Fahr hin, ein' andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnen Sternlein prangen Am blauen Himmelssaal; Also werd' ich auch stehen, Wenn mich wird heißen gehen Mein Goit aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, Legt Kleider ab und Schuhe, 542 Abendlieder. Das Bild der Sterblichkeit; Die zieh' ich aus, dagegen Wird Christus mir anlegen Das Kleid der Ehr' und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß' und Hände Sind froh, daß nun zu Ende Die Arbeit kommen sei. Herz, freu dich, du sollst werden Vom Elend dieser Erden Und von der Last der Sünden frei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt; Es kommen Stund' und Zeiten, Da man euch wird bereiten Zur Ruh' ein Bettlein in der Erd'. 7. Mein' ise gej Eton verdrossen, Im Nu sind sie hlossen, Wo bleibt dann Lab und Seel'? Nimm sie zu deinen Gnaden, Sei gut für allen Schaden, Du Aug' und Wächter Israel. 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, Und nimm dein Küchlein ein. Will mich der Feind verschlingen, So laß die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Kein Unfall noch Gefahr; Gott lass' euch ruhig schlafen, Stell' euch die güldnen Waffen Ums Bett und seiner Helden Schar. Paul Gerhardt. 26060 8— ν E eh-rs SSHH VS- SOSꝰee OSẽꝰeonh ens chꝰe dt. Abendlieder. Eigne Melodie. 420. Nun sich der Tag geendet hat Und keine Sonn' mehr scheint, Schläft alles, was da müd' und matt Und was zuvor geweint. 2. Nur du, mein Gott, wachst allezeit, Du schläfst noch schlummerst nicht; Vor dir ist keine Dunkelheit, Weil du bist selbst das Licht. 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich In dieser finstern Nacht Und schenke du mir gnädiglich Den Schirm von deiner Wacht. 4. Zwar fühl' ich wohl der Sünden Schuld, Die mich bei dir klagt an, Doch hat ja deines Sohnes Huld Genug für mich gethan. 5. Den setz' ich dir zum Bürgen ein, Wenn ich muß ins Gericht; Ich kann ja nicht verloren sein In solcher Zuversicht. 6. Drauf thu' ich meine Augen zu Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh', Wer wollte traurig sein? 7. Weicht, nichtige Gedanken, hin, Zu Ende sei eu'r Lauf! Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 8. Soll diese Nacht die letzte sein In diesem Erdenthal, So führ mich, Herr, zum Himmel ein, Zur auserwählten Zahl. 9. Und also leb' und sterb' ich dir, Du Herr Gott Zebaoth! Im Tod und Leben hilfst du mir Aus aller Angst und Not. Joh. Fr. Herzog. 5⁴⁴ Abendlieder. Eigne Melodie. 421. Werde munter, mein Gemüte, Und, ihr Sinnen, hebet an, Laut zu preisen Gottes Güte, Die er heut an mir gethan, Da er mich den ganzen Tag Vor so mancher schweren Plag' Hat behütet und in Gnaden Abgewendet allen Schaden. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, Daß mir heut mein Werk gelungen. Daß du mich vor allem Leid Und vor Sünden mancher Art So getreulich hast bewahrt, Auch die Feinde weggetrieben, Daß ich unbeschädigt blieben. 3. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell' ich mich doch wieder ein; Jesus, der am Kreuz verblichen, Stillet des Gewissens Pein. Ich verleugne nicht die Schuld; Aber deine Gnad' und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich stets in mir noch finde. 4. O du Licht der frommen Seelen, O du Glanz der Ewigkeit, Dir will ich mich ganz befehlen Diese Nacht und allezeit: Bleibe doch, mein Gott, allhier In der Dunkelheit bei mir; Tröste mich mit deiner Liebe, Daß ich nimmer mich betrübe. 5. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanfte, süße Ruh'; D EHV668 S2e0²e Abendlieder. 545 Alles Übel laß verschwinden, Decke mich mit Segen zu; Leib und Seele, Mut und Blut, Weib und Kinder, Hab' und Gut, Freunde, Feinde, Hausgenossen Sei'n in deinen Schutz geschlossen. 6. Ach bewahre mich vor Schrecken, Schütze mich vor Überfall; Laß mich nicht durch Krankheit wecken, Halte fern des Krieges Schall; Wend ab Feu'r und Wassersnot, Pestilenz und schnellen Tod; Laß mich nicht in Sünden sterben, Noch an Leib und Seel' verderben. 7. O du großer Gott, erhöre, Was dein Kind gebeten hat; Jesu, den ich stets verehre, Bleibe du mein Schutz und Rat; Und mein Hort, du werter Geist, Der du unser Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja, es soll geschehen. Joh. Rist. Wochenschluß. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 422. So ist die Woche nun geschlossen, Doch, treuer Gott, dein Herze nicht; Wie sich dein Segensquell ergossen, So bin ich noch der Zuversicht, Daß er sich weiterhin ergießt Und unerschöpflich auf mich fließt. 2. Ich preise dich mit Hand und Munde, Ich lobe dich, so hoch ich kann, Ich rühme dich von Herzensgrunde Für alles, was du mir gethan, 8⁵ 5⁴46 Abendlieder. Und weiß, daß dir durch Jesum Christ Mein Dank ein süßer Weihrauch ist. 3. Hat mich in diesen Wochentagen Das liebe Kreuz auch mit besucht, So giebst du auch die Kraft zu tragen; Zudem, es ist voll Heil und Frucht Durch deine Liebe, Herr, zu mir, Und darum dank' ich dir dafür. 4. Nur eines bitt' ich über alles, Ach, du versagst mir solches nicht: Gedenke keines Sündenfalles, Weil mich mein Jesus aufgericht't, Mein Jesus, der die Missethat Auf ewig schon gebüßet hat. 5. Dein Schwur ist ja noch nicht gebrochen, Du brichst ihn nicht in Ewigkeit, Da du dem Sünder hast versprochen, Daß er, wenn ihm die Sünd' ist leid, Nicht sterben, sondern gnadenvoll Als ein Gerechter leben soll. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen, Und so will ich den Wochenschluß Vergnügt und froh zurückelegen, Da mich der Trost erheben muß, Daß ich in Christo solle dein Und schon in Hoffnung selig sein. 7. Doch da mein Leben zugenommen, So bin ich auch der Ewigkeit Um eine Woche näher kommen Und warte nun der letzten Zeit, Da du die Stunde hast bestimmt, Die mich in deinen Himmel nimmt. 8. Und wenn ich morgen früh aufs neue Den Sonntag wiedersehen kann, So blickt die Sonne deiner Treue Mich auch mit neuen Gnaden an, — 1 &E Vee ꝰ esSg e S Vu Fürbitte für den Landesherrn, Obrigkeit ꝛc. 547 Ach ja, da teilt dein Wort und Haus Den allerbesten Segen aus. 9. So will ich das im voraus preisen, Was du mir künft'ge Woche giebst; Du wirst es mit der That beweisen, Daß du mich je und immer liebst Und leitest mich nach deinem Rat, Bis Leid und Zeit ein Ende hat. Erdmann Neumeister. A. Rürbitte für den Tandesherrn, die Obrigheit und alle Stände. Mel.: Herzlich lieb hab' ich dich. 423. Den König schütze deine Macht; Er, der für unsre Wohlfahrt wacht, Ist uns von dir gegeben. Du, der in ihm so viel uns giebt, Schenk ihm, der väterlich uns liebt, Das frohste, längste Leben. Gott, schütt auf ihn und auf sein Haus Den Segen deiner Gnade aus; Laß seiner Räte Thun gedeih'n, Recht, Ordnung, Treu' das Land erfreun. Herr, unser Gott, In deiner Hand ist unser Land, Beglück es, segne jeden Stand! 2. Vernimm der Leidenden Gebet; Dem, der zu dir im Elend fleht, Hilf, daß er nicht erliege; Gieß Trost in jedes wunde Herz, Die Kranken lab in ihrem Schmerz, Hilf Sterbenden zum Siege! Doch du thust mehr, als wir verstehn, Kannst mehr gewähren, als wir flehn, 35 548 Fürbitte für den Landesherrn, Obrigkeit ꝛc. Weißt besser, was uns nützt, als wir: Wir überlassen ganz uns dir. Herr, unser Gott, Durch alles Leid der Prüfungszeit Führ uns zu deiner Herrlichkeit! Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 424. Gott woll' uns hoch beglücken, Mit steten Gnadenblicken Auf unsern König sehn, Ihn schützen auf dem Throne, Auf seinem Haupt die Krone Lang, lang und glanzreich lassen stehn. 2. Gott woll' uns hoch beglücken, Mit seinen Gaben schmücken Das ganze Königshaus, Darüber mächtig walten, Den teuren Stamm erhalten Bis in die fernste Zeit hinaus. 3. Gott woll' uns hoch beglücken, Ein Gottessiegel drücken Auf jede Königsthat, Daß Freud' aus ihr die Fülle Und Heil und Segen quille Zum Wohl, das keinen Wandel hat. Klaus Harms. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 425. Vater, kröne du mit Segen Unsern König und sein Haus, Führ durch ihn auf deinen Wegen Herrlich deinen Ratschluß aus! Deiner Kirche sei er Schutz, Deinen Feinden biet' er Trutz; Sei du dem Gesalbten gnädig, Segne, segne unserr. König! GCGVED .r- S —VIAIRNA IAIA Fürbitte für den Landesherrn, Obrigkeit ꝛc. 549 2. Rüst ihn mit des Glaubens Schilde, Reich ihm deines Geistes Schwert, Daß Gerechtigteit und Milde Ihm des Friedens Heil gewährt. Mach ihm leicht die schwere Last, Die du auferlegt ihm hast; Sei in Jesu du ihm gnädig, Schütze, segne unsern König! 3. Sammle um den Thron die Treuen, Die mit Rat und frommem Flehn Fest in deiner Streiter Reihen Für des Landes Wohlfahrt stehn. Baue unsers Königs Thron, Sei sein Schild und großer Lohn; Sei du ihm auf ewig gnädig, Leite, segne unsern König! 4. Nähre du die heil'ge Flamme, Die das Herz des Volks erneut, Daß es unserm Königsstamme Liebe bis zum Tode weiht. In so mancher Stürme Nacht Hast, o Vater, du gewacht Über seinem Haus so gnädig:— Segne, segne unsern König! 5.„Fürchtet Gott, den König ehret“, Das, o Herr, ist dein Gebot; Dein Sohn hat es selbst bewähret, Ward gehorsam bis zum Tod. Wer dich liebt, der folget dir; Drum so beten alle wir: Vor dem Bösen schütz uns gnädig; Gott, erhalte unsern König! 6. Gieb uns Mut in den Gefahren, Wenn der Feind uns ernst bedroht, Daß wir Treue dann bewahren, Freudig gehen in den Tod. 550 Hausstand. Du bist unser Siegspanier: „Gott mit uns!“— so singen wir. Deine Treuen krönst du gnädig; Segne, segne unsern König! 7. Breite, Herr, dein Reich auf Erden Auch in unserm Lande aus, Daß wir deine Bürger werden, Ziehen in dein Vaterhaus. Frieden und Gerechtigkeit Gieb uns, Gott, zu aller Zeit; Sei du deinem Volke gnädig, Segne, segne unsern König! Wilh. Hülsemann. Eigne Melodie. 426. Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten! Es ist ja doch kein andrer nicht, Der für uns könnte streiten, Denn du, Herr Gott, alleine. 2. Gieb unserm König und aller Obrigkeit Fried' und gut Regiment, Daß wir unter ihnen Ein geruhiges und stilles Leben führen mögen In aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Amen. Dr. Martin Luther. 5. Bausstand. — Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 427. Ich und mein Haus, wir sind bereit, Dir, Herr, die ganze Lebenszeit Mit Seel' und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause sein, Gieb deinen Segen nur darein, Daß wir dir willig dienen. 1 2 INVNNNYHA FF* Hausstand. 551 Eine kleine, Fromme, reine Hausgemeine Mach aus allen: Dir nur soll sie wohlgefallen. 2. Es wirke durch dein kräftig Wort Dein guter Geist stets fort und fort An unser aller Seelen! Es leucht' uns wie das Sonnenlicht, Damit's am rechten Lichte nicht Im Hause möge fehlen. Reiche gleiche Seelenspeise auch zur Reise Durch dies Leben Uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus Und alle, die drin wohnen, aus; Im Glauben uns verbinde. Laß uns in Liebe allezeit Zum Dulden, Tragen sein bereit, Voll Demut, sanft und linde. Liebe übe Jede Seele; keinem fehle, Dran man kennet Den, der sich den Deinen nennet. 4. Laß unser Haus gegründet sein Auf deine Gnade ganz allein Und deine große Güte. Auch laß uns in der Nächte Graun Auf deine treue Hülfe schaun Mit kindlichem Gemüte, Selig, fröhlich Selbst mit Schmerzen in dem Herzen Dir uns lassen Und dann in Geduld uns fassen. 5. Giebst du uns ird'sches Glück ins Haus, So schließ den Stolz, die Weltlust aus, 552 Hausstand. Des Reichtums böse Gäste; Denn wenn das Herz an Demut leer Und voll von eitler Weltlust wär', So fehlte uns das Beste: Jene schöne, Tiefe, stille Gnadenfülle, Die mit Schätzen Einer Welt nicht zu ersetzen. 6. Und endlich flehn wir allermeist, Daß in dem Haus kein andrer Geist, Als nur dein Geist regiere, Daß er, der alles wohl bestellt, Der gute Zucht und Ordnung hält, Auch alles lieblich ziere. Sende, sende Ihn uns allen, bis wir wallen Heim und oben Dich in deinem Hause loben. Karl Joh. Ph. Spitta. Mel.: So führst du doch recht selig, Herr, die Deinen. 428. O selig Haus, wo man dich auf⸗ genommen, Du wahrer Seelenfreund, Herr Jesu Christ, Wo unter allen Gästen, die da kommen, Du der gefeiertste und liebste bist, Wo aller Herzen dir entgegenschlagen Und aller Augen freudig auf dich sehn, Wo aller Lippen dein Gebot erfragen Und alle deines Winks gewärtig stehn. 2. O selig Haus, wo Mann und Weib in einer, In deiner Liebe eines Geistes sind, Als beide eines Heils gewürdigt, keiner Im Glaubensgrunde anders ist gesinnt, Wo beide unzertrennbar an dir hangen In Lieb' und Leid, Gemach und Ungemach, + „Hn-HORX 5A7— ⏑—8—8—89 Hausstand. 553 Und nur bei dir zu bleiben stets verlangen An jedem guten wie am bösen Tag. 3. O selig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Du Freund der Kinder, der sie als die Seinen Mit mehr als Mutterliebe hegt und pflegt, Wo sie zu deinen Füßen gern sich sammeln Und horchen deiner süßen Rede zu Und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, Sich deiner freun, du lieber Heiland du! 4. O selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen Und wissen, wessen Augen auf sie sehn, Bei allem Werk in einem Eifer brennen, Daß es nach deinem Willen mag geschehn, Als deine Diener, deine Hausgenossen, In Demut willig und in Liebe frei, Das Ihre schaffen froh und unverdrossen, In kleinen Dingen zeigen große Treu'. 5. O selig Haus, wo du die Freude teilest, Wo man bei keiner Freude dein vergißt; O selig Haus, wo du die Wunden heilest Und aller Arzt und aller Tröster bist, Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet Und bis sie endlich alle ziehen aus Dahin, woher der Vater dich gesendet, Ins große, freie, schöne Vaterhaus. Karl Joh. Ph. Spitta. Mel.: Nun danket alle Gott. 429. Was Gott zusammenfügt, Das soll der Mensch nicht scheiden; Drum gehen wir dahin In Gottes Fried' und Freuden. 554 Hausstand. Der unsre Namen schreibt Ins Buch des Lebens ein, Er selbst, Herr Zebaoth, Wird Schild und Lohn uns sein. Benj. Schmolck. Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 430. Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ Im Stande, da dein Segen ist, Im Stande heil'ger Ehe. Wie steigt und neigt sich deine Gab' Und alles Gut' so mild herab Aus deiner heil'gen Höhe, Wenn sich an dich Fleißig halten, Gottes Walten Fromm vertrauen, Die ihr Haus vereinigt bauen. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl ver⸗ stehn Und Hand in Hand durchs Leben gehn Im Bunde reiner Treue: Da blüht das Glück von Jahr zu Jahr, Da merkt man, wie der Engel Schar Im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, kein Wurm Kann zerschlagen, kann zernagen, Was Gott giebet Dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Seid gutes Muts, nicht Menschenhand Hat aufgerichtet solchen Stand, Gott ist es, unser Vater; Der hat uns je und je geliebt Und bleibt, wenn Sorge uns betrübt, Der beste Freund und Rater: Anfang, Ausgang Aller Sachen, die zu machen L 828 VeE EHÆS V SeEDO Sẽe V 2946 Hausstand. 55⁵ Wir gedenken, Wird er wohl und weislich lenken. 4. Zwar bleibt's nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stündlein, da man Leides voll Die Thränen lässet fließen. Indessen wer sich in Geduld Ergiebt, des Leid wird Gottes Huld In großen Freuden schließen. Wage, trage Nur ein wenig; unser König Macht behende, Daß die Not und Angst sich wende. 5. Wohl denn, mein König, tritt herzu! Gieb Rat im Kreuz, in Nöten Ruh', In Angsten Trost und Freude. Des sollst du haben Ruhm und Preis, Wir wollen singen besterweis' Und danken alle beide, Bis wir bei dir, Deinen Willen zu erfüllen, Deinen Namen Ewig loben werden. Amen. Paul Gerhardt. Mel.: O Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 431. Wohl einem Haus, wo Jesus Christ Allein der Herr und Meister ist! Ja, wenn er nicht darinnen wär', Wie finster wär's, wie arm und leer! 2. Wohl, wenn der Mann, das Weib, das Kind Im rechten Glauben einig sind, Zu dienen ihrem Herrn und Gott Nach seinem Willen und Gebot. 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt Ein Vorbild vor die Augen stellt, Hausstand. Daß ohne Gottesdienst im Geist Das äußre Werk nichts ist und heißt. 4. Wohl, wenn das Opfer im Gebet Beständig in die Höhe geht Und man nichts treibet fort und fort Als Gottes Werk und Gottes Wort. 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand Mit fleißiger, getreuer Hand Ein jegliches nach seiner Art Den Geist der Eintracht offenbart. 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind Und sie an Kind und Kindeskind Versäumen nichts zum ew'gen Glück; Dann bleibet ihrer keins zurück. 7. Wohl solchem Haus! denn es gedeiht: Die Eltern werden hoch erfreut, Und ihren Kindern sieht man's an, Wie Gott die Seinen segnen kann. 8. So mach' ich denn zu dieser Stund' Samt meinem Hause diesen Bund: Wich' alles Volk auch von ihm fern, Ich und mein Haus stehn bei dem Herrn. Christoph Karl Ludw. von Pfeil. Lieder für Eltern. Mel.: Nun sich der Tag geendet hat. 432. Nun schlaf, mein liebes Kindelein, Und thu die Auglein zu; Denn Gott, der will dein Vater sein, Drum schlaf in guter Ruh'. 2. Dein Vater ist der liebe Gott Und wills auch ewig sein, Der Leib und Seel' dir geben hat Wohl durch die Eltern dein. FCSDH 59er7 nn Hausstand. 557 3. Er schenkt dir seinen lieben Sohn, Den schenkt er in den Tod; Der kam herab vom Himmelsthron, Half dir aus aller Not. 4. Er schickt dir seine Engelein Zu Hütern Tag und Nacht, Daß sie bei deiner Wiege sei'n Und halten gute Wacht. 5. Dem Vater und der Mutter dein Befiehlt er dich mit Fleiß, Daß sie dir treue Pfleger sei'n, Ziehn dich zu Gottes Preis. 6. Der heil'ge Geist, der segne dich, Bewahr' dich allezeit; Sein heil'ger Nam' behüte dich, Schütz' dich vor allem Leid. 7. So nimm du recht an Gnade zu, An Alter und Verstand, Und halte deine Kindesruh' In Jesu Schoß und Hand. Joh. Mathesius. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 433. Sorge du für meine Kinder, Vater, sorge für ihr Heil! Sind sie gleich vor dir nur Sünder, Haben sie an dir doch teil: Sie sind in der Taufe schon Dir geweiht und deinem Sohn; Darum leite deine Gnade Sie auf ihrem Lebenspfade. 2. Der du sie bisher erhalten Bei so manchem Unglücksfall, Wollest über ihnen walten Immerdar und überall. Bricht Gefahr für sie herein, Wollst du ihr Beschützer sein; 558 Hausstand. Wenn in Not sie zu dir flehen, Laß sie deine Hülfe sehen. 3. Dringt auf sie von allen Seiten Der Verführer Schar heran, Laß doch ihren Fuß nicht gleiten, Halte sie auf rechter Bahn. Regt in ihrer eignen Brust Sich mit Macht die böse Lust, Gieb dann, daß sie mutig kämpfen Und den Reiz der Sünde dämpfen. 4. Herr, erhalte deinem Reiche Unsre Kinder stets getreu. O daß keines von dir weiche Und dereinst verloren sei! Weck in ihnen frommen Sinn, Lenk ihr Streben darauf hin, Dir sich gänzlich zu ergeben Und zur Ehre dir zu leben. 5. Schenke mir die sel'ge Freude, Daß ich einst am jüngsten Tag Nach so manchem Kampf und Leide Mit Frohlocken sprechen mag: Liebster Vater, siehe hier Meine Kinder all mit mir! Ihrer keines ist verloren, Alle für dein Reich erkoren. Nach Ludw. H. Schlosser. Nür Rinder. Mel.: Nun danket all' und bringet Ehr'. 434. Ich bin ein Kind, bin arm und klein Und meine Kraft ist schwach; Ich wollte gerne selig sein Und weiß nicht, wie ich's mach'. 7 &EHGQ 02 EES 00 IE HWe O Hausstand. 559 2. Mein Heiland, du warst mir zu gut Ein armes, kleines Kind Und hast mich durch dein teures Blut Erlöst von Tod und Sünd'. 2 3. Mein liebster Heiland, rat mir nun, Was ich zur Dankbarkeit Für alle deine Lieb' soll thun Und was dein Herz erfreut. „Du selber hast es mich gelehrt, Daß du mein junges Herz Zu einem Opfer hast begehrt, Herr, zieh es himmelwärts. 5. Du hast mich in der Taufe ja Mit deinem Heil bekleid't Und, eh' ich etwas wußt' und ah, Zu deinem Kind geweiht. 6. Bewahr mein Herz und halt es rein Von allem, was befleckt; Laß stets in dir mich fröhlich sein, Von deiner Gnad' bedeckt. 7. Nimmst du mich früh aus dieser Zeit, Dann ist mir wohl geschehn; Ich komm' in jene Herrlichkeit, Wo ich dich werde sehn. 8. Doch soll ich länger hier noch sein, Nehm' ich an Jahren zu, So hilf, daß ich stets bleibe dein Und fröhlich Gutes thu'. 9. Und schließ' ich endlich meinen Lauf In Liebe gegen dich, So hebe mich zu dir hinauf: Dann freu' ich ewig mich. Nik. Ludw. v. Zinzendorf. 560 Hausstand. Mel.: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt'. 6 435. O Herr, mein Vater, dein Gebot Sei mir ins Herz geschrieben: Den Eltern sollst du bis zum Tod Gehorchen und sie lieben. O dieser lieben, teuren Pflicht Vergesse meine Seele nicht! 2. Von meiner ersten Kindheit an Erzeigten sie mir Gutes; Mehr als ich je vergelten kann, Erzeigten sie mir Gutes. Noch immer sind sie für ihr Kind So zärtlich, noch so gut gesinnt. 3. Nun, weil ich lebe, will ich sie Auch wieder zärtlich lieben, Gern ihnen folgen und sie nie Erzürnen und betrüben. So werd' ich ihre Freude sein Und einst, o Gott, auch ewig dein. Rür Witwen. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 436. Auf Gott nur will ich sehen; Er hört der Witwen Flehen, Sieht ihre Thränen an. In jedem Schmerz und Leide Ist Gott mir Trost und Freude, Mein Fels, den ich umfassen kann. 2. Wie viel', die in der Kammer Dir klagten ihren Jammer, O Gott, erhörtest du! Dein väterlicher Segen Hielt sie; auf ihren Wegen War Friede, Sicherheit und Ruh'. Hausstand. 561 3. In dir will ich mich stärken; Dein Aug' wird auf mich merken Und auf mein Flehn dein Ohr. Bei Tag und Nacht mit Flehen Will, Herr, vor dir ich stehen Und seufzen still zu dir empor. 4. Ich will mein Joch nun tragen; Dir, Vater, darf ich sagen, Was jetzt mein Herz bedrückt. Bist du nicht in der Nähe, Du, den ich zwar nicht sehe Und den mein Glaube doch erblickt? 5. Ja, bis zum letzten Schritte, Ja, wenn ich mehr noch bitte, Seh' ich mit Lust auf dich. Dir, Vater, zu gefallen, Unsträflich hier zu wallen, Sei mein Bestreben; stärke mich. 6. Mit Ernst und frohen Mutes Will ich nach Kräften Gutes Vor deinen Augen thun; Will mich der Welt entziehen, Will Tand und Thorheit fliehen Und nur in deinem Schoße ruhn. 7. Dann eilen meine Tage Mit jeder Not und Plage Leicht wie ein Traum dahin; Dann leg' ich froh die Glieder Aufs Sterbebette nieder, Wenn ich zum Himmel reifer bin. 8. Dann find' ich, den ich liebte, Des Tod mich einst betrübte, In meines Schöpfers Hand. Wo Freudengquellen fließen, Werd' ich ihn dann umschließen Im thränenfreien Vaterland. 386 Hausstand. 9. Fort auf dem Dornenpfade! Mich tröstet Jesu Gnade, Er träget meine Not. Nicht ewig werd' ich weinen, Ich komme zu den Meinen, Bald seh' ich sie bei meinem Gott. 10. Kommt her, ihr meine Waisen, Den Herrn mit mir zu preisen, Der uns erhalten kann. Dir, Gott, will ich sie bilden; Schau, Herr, mit deiner milden Erbarmung deine Kinder an. J. K. Lavater. Im Aller. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 437. Oott hat in meinen Tagen Mich väterlich getragen Von meiner Jugend auf, Hat mich auf meinen Wegen Geleitet und zum Segen Gelenket meines Lebens Lauf. 2. Ich hatt' oft große Sorgen; Doch wie ein heitrer Morgen Durch dunkle Nächte bricht, So hab' ich's stets erfahren: Der Herr weiß zu bewahren Und führt durch Finsternis zum Licht. 3. War Menschenrat vergebens, So kam der Herr des Lebens Und half und machte Bahn; Ihn ließ ich thun und raten, Denn er thut große Thaten Und nimmt sich aller mächtig an. —. 9 S HDen IAISE E E Hausstand. 563 4.„Bis zu des Alters Tagen Will ich dich heben, tragen Und dein Erretter sein.“ Dies hat mir Gott versprochen, Der nie sein Wort gebrochen; Des will ich auch als Greis mich freun. 5. Er wird in meinem Alter Mich tragen; mein Erhalter Ist gütig und getreu. Bin ich gleich schwach und müde, Bei ihm ist Trost und Friede; Er steht auch meiner Schwachheit bei. 6. Nach wenig bangen Stunden Hab' ich ganz überwunden; Ich bin dem Ziele nah, Dem Ziele meiner Leiden. O welche hohe Freuden Erwarten meine Seele da! 7. Ich harre froh und stille, Bis meines Gottes Wille Mich nach dem Kampfe krönt: An meiner Laufbahn Ende Sink' ich in Jesu Hände; Denn er hat mich mit Gott versöhnt. Jak. Fr. Feddersen. Mür Reisende. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 438. Mein Gott, im Namen Jesu Christ Reis' ich nun meine Straßen; Mein Hüter und mein Hirt du bist, Du wirst mich nicht verlassen. Herr, Leib und Seel' befehl' ich dir, Mein' Ehr' und Gut und was du mir Auf dieser Welt bescheret. 36⁷ 564 Hausstand. 2. Ich weiß, daß ich hier auf der Erd' Bin mit Gefahr umfangen, Zu keiner Zeit auch völlig werd' Die Ruh' daselbst erlangen. Ich bin ein Pilger, der stets muß Fortsetzen seinen Stab und Fuß, Der nirgend hat sein Bleiben. 3. Doch hilfst du, daß ich immerfort Die Not noch überwinde, Bis ich die wahre Ruhe dort Und rechte Heimat finde. Da ist dann Müh' und Sorgen aus, Da bin ich eigentlich zu Haus, Die Unruh' hat ein Ende. 4. An solche Ruhstatt denk' ich hier Auch jetzt bei meinem Wallen. Ich bitt', o Herr, mich so regier, Daß ich dir mög' gefallen. Leit mich allzeit auf rechter Bahn, Und alles, was ich fange an, Das segne du von oben. 5. Send deinen Engel vor mir her, Den Weg mir zu bereiten; Durch deine Macht dem Unfall wehr Und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Gott, in deinen Schutz, Daß keine List, Gewalt und Trutz Mir jemals könne schaden. 6. Nun, Vater, dir ergeb' ich mich, Du kannst stets Hülfe senden; Bewahr und führ mich gnädiglich Hier und an allen Enden; Und laß mich einst, wenn dir's gefällt, Nach aller Unruh' dieser Welt Bei dir dort Ruh' erlangen. HOS&EVDS 13520&cm? SARVDD Hausstand. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 439. Unergründlich Meer der Gnaden, Urquell aller Gütigkeit, Gott, beschütze mich vor Schaden, Leite mich in Sicherheit; Führe, wie du sonst gethan, Mich die rechte, sichre Bahn, Daß sich auch auf dieser Reise Herrlich deine Huld erweise. 2. Bei dem Sturm und schweren Wetter, Bei der Wellen wilder Wut Sei du selber mein Erretter, Halte mich in sichrer Hut; Ach laß deiner Gnade Schein Meinen steten Leitstern sein! Vor des Schiffbruchs Not und Schrecken Laß mich deine Flügel decken. 3. Herr, zu dessen Preis und Ehre Jeder Tropfen Wassers rinnt, Starker Gott, dem Luft und Meere, Blitz und Sturm gehorsam sind: Nimm in deine treue Hut Leib und Seele, Schiff und Gut, Ja, du selber wollst zum Segen Deine Hand ans Ruder legen. 4. Wirst du deine Gnad' verleihen, Daß die Ankunft uns ergötzt, Ach so kröne mit Gedeihen, Was sich jeder vorgesetzt. Führ uns alle glücklich fort, Jeden hin an seinen Ort; Führ uns bei dem letzten Scheiden An den Ort der Himmelsfreuden. Joh. Heinr. Calisius. 566 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 6. Allgemeine Segnungen und Beimsuchungen. D Yreude an Golles Nalur.— Baal.— 1 Witterung.— Ernke. V Mel.: Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 440. Freuet euch der schönen Erde, Denn sie ist wohl wert der Freud';— O was hat für Herrlichkeiten U Unser Gott da ausgestreut! 2 2. Und doch ist sie seiner Füße 8 Reichgeschmückter Schemel nur, 2 Ist nur eine schönbegabte, 3 Wunderreiche Kreatur. 3. Freuet euch an Mond und Sonne Und den Sternen allzumal, Wie sie wandeln, wie sie leuchten Über unserm Erdenthal. 4. Und doch sind sie nur Geschöpfe Von des höchsten Gottes Hand, Hingesä't auf seines Thrones Weites, glänzendes Gewand. 5. Wenn am Schemel seiner Füße Und am Thron schon solcher Schein, O was muß an seinem Herzen ö Erst für Glanz und Wonne sein! Karl Joh. Ph. Spitta. Mel.: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 44l. Geh aus, mein Herz, und suche Freud' In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben; Schau an der schönen Gärten Zier Und siehe, wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben. Allgemeine Segnungen— Heimsuchungen 50 Die Bäume stehen voller Laub, as Erdreich decket seinen Staub Mit einem grünen Kleide; Und alles blüht und lebt und lacht; Viel schöner ist der Lilien Pracht Als Salomonis Seide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Die Taube fleugt aus ihrer Kluft Und macht sich in die Wälder; Die liederreiche Nachtigall . tzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und We 4. Die Henne führt ihr Völklein aus, Der Storch baut und bewohnt sein Haus, Die Schwalbe speist die Iungen Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kommt aus seiner Höh' Ins tiefe Gras Euwandcten 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand, Und über ihres Ufers Rand Hängt tief die Weide nieder; Und durch der nahen Wiesen Grün Sieht man die frohen Herden ziehn Und hört der Hirten Lieder. 6. Die unverdross'ne Bienenschar Fliegt hin und her, sucht immerdar Die süße Honigspeise; Des edlen Weinstocks starker Saft Gewinnet täglich neue Kraft In seinem schwachen Reise. Der Weizen wächset mit Gewalt, 2 Darüber jauchzet jung und alt Und rühmt die große Güte Des, der so überflüssig labt Und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüte. 568 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn; Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir alle Sinnen: Ich singe mit, wenn alles singt, Und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach,‚ dent' ich, machst du's hier so schön Und läßt du's uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden: Was will doch wohl nach dieser Zeit Dort in dem Reich der Herrlichkeit, In deinem Himmel werden! 10. Welch hohe Lust, welch heller Schein Wird dort im Garten Gottes sein, Wie muß es da wohlklingen, Da so viel tausend Seraphim Aus einem Mund mit heller Stimm' Ihr Halleluja singen! 11. O wär' ich da, o stünd' ich schon, Liebreicher Gott, vor deinem Thron Und trüge meine Palmen! So wollt' ich nach der Engel Weis' Erhöhen deines Namens Preis Mit tausend schönen Psalmen. 12. Doch will ich gleichwohl, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, Auch nicht gar stille schweigen; Mein ganzes Herz soll fort und fort An diesem und an jedem Ort Zu deinem Lob sich neigen. 13. Hilf mir und segne meinen Geist Mit Segen, der vom Himmel fleußt, Daß ich dir stetig blühe! Gieb, daß der Sommer deiner Gnad' In meiner Seele früh und spat Viel Glaubensfrucht erziehe! SSVHSVS GOGVSSES SVVEV Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 569 14. Mach in mir deinem Geiste Raum, Daß ich dir werd' ein guter Baum, An dem die Knospen treiben. Verleihe, daß zu deinem Ruhm Ich deines Gartens schöne Blum' Beständig möge bleiben! 15. Erziehe mich fürs Paradies Und laß mich, deines Heils gewiß, An Leib und Seele grünen: So will ich dir und deiner Ehr' Allein und keinem andern mehr Hier und dort ewig dienen. Paul Gerhardt. Saat. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 442. Es baut, o Herr, auf dein Geheiß Der Menschen Hand die Erde, Voll Hoffnung, daß ihr reger Fleiß Von dir gesegnet werde. Auf dein Versprechen trauen sie: Du sollst dein Brot bei Fleiß und Müh', Solang du lebest, essen. 2. Noch immer traf dies Wort auch ein; Gieb ferner deinen Segen; Daß Saat und Pflanzen wohl gedeihn, Gieb Sonnenschein und Regen. Der Landmann baut umsonst das Land, Wenn deine milde Vaterhand Nicht seine Arbeit segnet. 3. So kröne denn mit Fruchtbarkeit Das Land nach deiner Güte, Und wenn die Aussaat uns gedeiht, O Vater, so verhüte, Daß Frost und Sturm und Hagelschlag Sie nicht zerstörend treffen mag, Nicht Flut sie überschwemme. 570 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 4. Wir traun auf dich, o guter Gott, Und lassen dich nur walten. Du kennst am besten unsre Not, Hast lange hausgehalten. So wirst du denn zu deinem Ruhm Auch uns, dein Volk und Eigentum, Noch ferner wohl versorgen. B. Ringwald. Bürre. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 443. Herr, allerhöchster Gott, Dem Himmel, Meer und Erden, Dem Wolken, Luft und Wind Allzeit gehorsam werden: Sieh uns in tiefer Not Vor deinem Throne stehn, Laß unser Seufzen doch Jetzt in Erfüllung gehn. 2. Wir bitten kindlich dich Um deinen Vatersegen: Erfreu uns gnädiglich Mit einem milden Regen, Der unser armes Land, Das dürr und elend liegt, Erfrischet, daß ihm nicht Die Lebenskraft versiegt. 3. Ach schau erbarmend an, Wie Vieh und Menschen schmachten, Wie nach dem Himmelstau Die Saaten lechzend trachten. Soll denn der Regen stets Bei uns vorüberziehn, Als hießest selber du Den Segen von uns fliehn? 4. Ach, freilich haben wir Dein reiches Gut verschwendet, . IVIIA AyE In Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 57 Es oft auf Wollust nur Und Üppigkeit verwendet: Doch, Herr, vergieb die Schuld Und öffne deine Hand, Daß deine Huld und Treu' Uns wieder werd' bekannt. 5. Befeuchte unser Land Und tränk die dürren Felder, Gieß deinen Segenstau Auf Wiesen, Garten, Wälder; Das, was bisher gelechzt, Erfrische, Herr, aufs neu', Daß jede Kreatur Sich deiner Güte freu'. 6. Ergieß zugleich dein Wort Als einen Gnadenregen In unser mattes Herz Mit tausendfachem Segen; Zum Pflanzen und zur Pfleg' Gieb, Höchster, dein Gedeihn: So wird die Glaubensfrucht Auch reichlich bei uns sein. Nässe. Mel.: Straf mich nicht in deinem Zorn. 444. Schmerz und Klage füllt das Land; Gott, hör unser Flehen! Soll der Segen deiner Hand Uns verloren gehen? Vater voll Erbarmen, Zeig uns doch Gnade noch, Hilf, ach hilf uns Armen! Du gebeutst dem Regen: 2. Du regierst der Wolken Lauf, Peter Busch. 572 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Sprich ein Wort, so hört er auf Und uns bleibt dein Segen. Steh uns bei Und zerstreu, Herr, durch deine Rechte Bald des Himmels Nächte. 3. Sende warmen Sonnenschein, Der die Frucht erquicke. Auf dich schauen wir allein Mit des Glaubens Blicke. Unsre Not Kennst du, Gott: Eil, uns beizustehen, Laß uns Hülfe sehen. Joh. Leonh. Büßler. Gewitter. Mel.: Auf meinen lieben Gott. 445. Ein Wetter steiget auf: Mein Herz, zu Gott hinauf! Wirf dich in wahrer Buße Ihm unverweilt zu Fuße, Damit all' deine Sünden Durch seine Gnad' verschwinden. 2. Herr, der du gut und fromm, Zu dir ich gläubig komm', Bitt' dich um dein Erbarmen, Du wollest doch mich Armen Um Christi willen schonen, Mir nach Verdienst nicht lohnen. 3. Durch Christi teures Blut Gieb mir getrosten Mut, Der sich nicht knechtisch scheue, Der vielmehr deiner Treue In allem kindlich traue, Auf deine Hülfe baue. S ν VGO S8 IIVVA Seeeeeeene XMEA Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 573 4. Ich will mit dem, was mein, Dir ganz ergeben sein. Dein Flügel wird uns decken; Verjage alle Schrecken Und laß nach deiner Gnaden Das Wetter uns nicht schaden. 5. Wohlan, verlaß uns nicht, Bleib unsre Zuversicht, Laß deine Vatertreue Erfahren uns aufs neue: So woll'n wir, weil wir leben, Dir Preis und Ehre geben. Amilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg⸗Rudolstadt. Ernte. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. 446. Die Ernt' ist nun zu Ende, Der Segen eingebracht, Durch den Gott alle Stände Satt, reich und fröhlich macht. Der alte Gott lebt noch, Man kann es deutlich merken An so viel Liebeswerken: Drum preisen wir ihn hoch. 2. Wir rühmen seine Güte, Die uns das Feld bestellt Und oft ohn' unsre Bitte Gethan, was uns gefällt, Die immer noch geschont, Ob wir gleich sündlich leben, Die Fried' und Ruh' gegeben, Daß jeder sicher wohnt. 3. Zwar manchen schönen Segen Hat böses Thun verderbt, Den wir auf unsern Wegen Sonst hätten wohl geerbt; 574 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Doch hat Gott mehr gethan Aus unverdienter Güte, Als Mund, Herz und Gemüte Nach Würden rühmen kann. 4. Er hat sein Herz geneiget, Uns Sünder zu erfreun, Durch Regen sich bezeuget, Wie auch durch Sonnenschein; Ward's aber nicht geacht't, So hat er sich verborgen Und durch viel Not und Sorgen Zum Beten uns gebracht. 5. O du getreuer Vater, Du hast viel Dank verdient; Du, mildester Berater, Machst, daß uns Segen grünt. Wohlan, dich loben wir Für abgewandten Schaden; Für viel' und große Gnaden, Herr Gott, wir danken dir. 6. Zum Danke kommt das Bitten: Du wollest, lieber Gott, Vor Feuer uns behüten Und aller andern Not. Gieb friedevolle Zeit; Erhalte deine Gaben, Daß wir uns daran laben; Regier die Obrigkeit. 7. Besonders laß gedeihen Dein reines, wahres Wort, Daß wir uns dessen freuen, Forthin an unserm Ort. Laß diese gute Saat Vielfältig Früchte bringen Und uns in allen Dingen Regieren deine Guad'. AIO Vm?ꝰeOOV CCINEAAeDe 8. Gieb, daß zu dir uns lenket, Was du zum Unterhalt Des Leibes hast geschenket, Daß wir dich mannigfalt In deinen Gaben sehn, Mit Herzen, Mund und Leben Dir Dank und Ehre geben: O laß es doch geschehn! 9. Kommt unsers Lebens Ende, So nimm du unsern Geist In deine Vaterhände, Wo du ihn ruhen heißt, Wo ihm kein Leid bewußt: So ernten wir mit Freuden Nach überstandnen Leiden Die Garben ew'ger Lust. Gottfr. Tollmann. „Mel.: Nun laßt uns Gott, dem Herren. 447. Kommt, laßt uns Gott lobsingen Und Preis und Dank ihm bringen Für seiner Ernte Gaben, Die wir gesammelt haben. 2. Der Herr hat uns gegeben, Was nötig ist zum Leben, Zum freudigen Genusse Aus seinem Überflusse. 3. Die Scheuern sind voll Segen; Denn er gab Tau und Regen, Der Frucht, der wir uns freuen, Schutz, Wachstum und Gedeihen. 4. Frohlocket seiner Milde, Daß Auen und Gefilde, Was wir gesäet haben, So reichlich wiedergaben. 5. Frohlockt ihm, dem Erretter! Oft drohten Sturm und Wetter Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 575 576 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Den Untergang der Saaten, Und doch sind sie geraten. X 6. Sie sproßten auf und grünten, 6 Ob wir's gleich nicht verdienten, C Und schmückten die Gefilde Durch seine Vatermilde. 7. Denn immer soll gebären, Uns alle zu ernähren, Daß jeder dankbar werde, Der reiche Schoß der Erde. 8. Mit freudigem Gemüte Bewundert Gottes Güte, Die jeden Fleiß belohnet, Die uns so trägt, so schonet. 9. Lohnt' er nach unsern Thaten, So würden unsre Saaten Im Keime schon verderben Und wir vor Hunger sterben. 10. Doch er ist immer gütig, Barmherzig und langmütig Und schafft, daß stets die Erde Verjüngt und fruchtbar werde. 11. Auf! preiset seine Gnade Und wandelt seine Pfade, Daß seine Mild' und Treue Euch, weil ihr lebt, erfreue. 12. Wir pflügen, sä'n und ernten: O daß wir dankbar lernten, Ihm ähnlich uns der Armen Mitleidig zu erbarmen! 13. Teilt aus, thut wohl, erquicket, Wen Not und Mangel drücket! Es sind ja Gottes Gaben, Die wir empfangen haben. SIIV In CSSIIS‚III Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 577 14. Er sei von uns erhoben, Bis wir, ihn dort zu loben, Gebracht in seine Scheuern, Ein ewig Fest ihm feiern. Joh. Andr. Cramer. Mel.: O daß ich tausend Zungen hätte. 448. O Gott, von dem wir alles haben, Die Welt ist ein sehr großes Haus; Du aber teilest deine Gaben Recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich; Ach lieber Gott, wer ist dir gleich? 2. Wer kann die Menschen alle zählen, Die heut bei dir zu Tische gehn? Und doch läßt du es keinem fehlen; Denn du weißt allem vorzustehn Und schaffest, daß ein jedes Land Sein Brot bekommt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet Und endlich auch die Frucht genießt. Der Wind, der durch die Felder wehet, Die Wolke, die das Land begießt, Des Himmels Tau, der Sonne Strahl Sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Menschen Speise, Der Acker selbst wird ihm zu Brot; Es mehret sich vielfält'ger Weise, Was anfangs schien, als wär' es tot, Bis in der Ernte jung und alt Erlanget seinen Unterhalt. 5. Nun, Herr, was soll man mehr bedenken? Der Wunder sind hier gar zu viel. So viel, als du, kann niemand schenken, Und dein Erbarmen hat kein Ziel; 37 578 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Denn immer wird uns mehr beschert, Als wir zusammen alle wert. 6. Wir wollen es auch nie vergessen, Was uns dein Segen träget ein; Ein jeder Bissen, den wir essen, Soll deines Namens Denkmal sein, Und Herz und Mund soll lebenslang Für unsre Nahrung sagen Dank. Kasp. Neumann. Mel.: Was Gott thut, das ist wohlgethan. 449. Was Gott thut, das ist wohlgethan, So denken Gottes Kinder. Wenn man nicht reichlich ernten kann, Liebt er uns doch nicht minder. Er zieht das Herz Nur himmelwärts, Wenn er uns läßt auf Erden Beim Mangel traurig werden. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Giebt er, so kann man nehmen; Nimmt er, wir sind nicht übler dran, Wenn wir uns nur bequemen. Er nimmt und giebt, Weil er uns liebt, Und seine Hände müssen Wir stets in Demut küssen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Er zeigt uns oft den Segen, Und eh' er noch gedeihen kann, Muß sich die Hoffnung legen; Weil er allein Der Schatz will sein, Nimmt er uns andre Güter, Macht diese Welt uns bitter. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Wenn man noch reichem Säen x 222 9 SIPEPP Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 579 Doch wenig Garben ernten kann, So ist's vielleicht geschehen, Weil Gott auch Frucht Bei uns gesucht Und doch hat müssen klagen, Daß wir so schlecht getragen. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Es geh' nach seinem Willen; Läßt es sich auch zum Hunger an, Er weiß ihn doch zu stillen, Obgleich das Feld Nicht viel enthält. Man kann bei wenig Brocken Satt werden und frohlocken. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Das Feld mag traurig stehen: Wir gehn getrost die Glaubensbahn Und wollen Gott erhöhen. Sein Wort ist Brot, So hat's nicht not: Die Welt muß eh' verderben, Als wir vor Hunger sterben. Benj. Schmolck. Allgemeine Beimsuchungen.— Teurung.— Wassersnot. Mel.: Vater unser im Himmelreich. 0 450. Nimm von uns, Herr, du treuer Gott, Die schwere Straf' und große Not, Die wir mit Sünden ohne Zahl Verdienet haben allzumal. Behüt vor Krieg und teurer Zeit, Vor Seuchen, Feu'r und großem Leid. 2. Erbarm dich deiner bösen Knecht'! Wir suchen Gnad' und nicht das Recht; 37²⁷ 580 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Denn so du, Herr, den rechten Lohn Uns geben wolltst nach unserm Thun, So müßt' die ganze Welt vergehn, Und könnt' kein Mensch vor dir bestehn. 3. Ach Herr Gott, durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein! Beweis an uns dein' große Gnad', Straf nicht nach unsrer Missethat, Wohn uns mit deiner Güte bei, Dein Zorn, o Herr, fern von uns sei. 4. Gedenk an deines Sohnes Tod, An seine heil'gen Wunden rot; Die sind ja für die ganze Welt Die Zahlung und das Lösegeld; Des trösten wir uns allezeit Und hoffen auf Barmherzigkeit. 5. Leit uns mit deiner rechten Hand Und segne gnädig Stadt und Land; Gieb allzeit uns dein heilig Wort Und wehr des Teufels List und Mord; Verleih ein selig Stündelein, Auf daß wir ewig bei dir sei'n. Martin Moller. Teurung. Mel.: Von Gott will ich nicht lassen. 451. Du reicher Trost der Armen, Du Schöpfer aller Welt, Du Vater voll Erbarmen, Der ewig Glauben hält: Weil du Gebet erhörst, So kommt zu dir mit Beten Dein armes Volk getreten, Das du allein ernährst. 8—5—— 2„ͤ259 DSADDDD RARRA Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 581 2. Herr, unsre großen Sünden Verdienen diese Not Der Teurung; wir empfinden, Was uns dein Wort gedroht: Ein fruchtbar Erdreich soll Um der Bewohner willen Nicht ihren Hunger stillen. Auch unser Maß ist voll. 3. Ach, unser sündlich Leben Drückt nach Verdienst uns hart; Du wollest uns vergeben Nach deiner Vaterart. Uns trägt die Sünde Frucht, Allein die Frucht ist Schaden; Doch du vergiebst aus Gnaden, Wenn man dein Antlitz sucht. 4. Ach trage du Erbarmen, Wir tragen herzlich Reu'; Hilf, Herr, ach hilf uns Armen Nach deiner Wundertreu'! Du bist die Zuversicht, Auf die wir alle sehen, Zu der wir alle flehen, Ach Gott, verlaß uns nicht! 5. Gott, unser Heil, ach wende Der schweren Zeiten Lauf, Thu deine milden Hände, Den Schatz der Allmacht auf! Was nur ein Leben hat, Nährst du mit Wohlgefallen; O Vater von uns allen, Mach wieder alles satt! 6. Laß du die Frucht geraten Und baue selbst das Land, Dann grünen unsre Saaten Durch deine Gnadenhand. 582 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Ja, segne, was man streut, Gieb Sonnenschein und Regen, Daß dein Gewächs mit Segen Uns wiederum erfreut. 7. Dein Gutes überschütte Und krön' die Jahreszeit; Laß triefen deine Tritte Von Huld und Fruchtbarkeit. Laß, Vater, unsern Fleiß Zum Segen uns gedeihen, Daß wir uns deiner freuen Zu deines Namens Preis. Ph. Fr. Hiller. HIS&e ‚WiPCE‚PF‚ Wassersnok. Mel.: Auf meinen lieben Gott. ö 452. Herr, unsre Not ist groß, Wir fliehen nackt und bloß Zu dir und deiner Güte, Daß sie uns jetzt behüte. Eil, in der Flut Gefahren Uns mächtig zu bewahren. 2. Sieh an, sieh an die Not, Das Elend und den Tod, Den wir vor Augen sehen; Hilf, daß wir nicht vergehen! Laß uns, o Gott, nicht sterben, Hilf, ehe wir verderben! 3. Vergieb uns unsre Schuld Und habe noch Geduld; Ach laß um Jesu Willen Sich Sturm und Wellen stillen; Wir wollen, weil wir leben, Dir Preis und Ehre geben. Ch. von Stöcken. Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 583 Mel.: Ach Gott und Herr. 453. Wir sind in Not; Laß uns, o Gott, Die Flut nicht überschwemmen! Nimm uns in acht, Wehr ihrer Macht: Du kannst die Wogen hemmen. 2. Verbirg jetzt nicht Dein Angesicht, Erhöre unser Flehen! Brichst du nicht bald Der Flut Gewalt, So ist's um uns geschehen. 3. Ach hilf uns, Herr, Allmächtiger, Um Jesu Christi willen! Du, du allein Kannst uns befrein, Kannst Sturm und Wellen stillen. 4. Erbarme dich, Hilf väterlich! Beschütz uns Gut und Leben, Auf daß wir dir, Gott, für und für Dank, Preis und Ehre geben. Mel.: Nun danket alle Gott. 454. Lob, Preis und Dank sei dir, Allmächtiger, gesungen! Du hast des Meeres Flut Durch deine Macht bezwungen. Die Wellen braus'ten schon, Gott, über uns daher, 584 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Du sprachst: Nicht weiter! da Gehorchten Sturm und Meer. 2. Wie tobten sie! doch du Bewiesest an uns Armen, Als wir um Hülfe schrien, Dein mächtiges Erbarmen, Bewiesest, daß du nie Von Herzen uns betrübst Und, züchtigst du uns gleich, Uns väterlich doch liebst. 3. Das that dein Arm, o Gott, Der jeder Flut gebieten, Der Meere zähmen kann, Wie furchtbar sie auch wüten. Du schützest, du erhältst, Du hilfst in jeder Not, Du bist der Fluten Herr, Du bist der Meere Gott. 4. Dir, Allgewaltiger, Laß uns nie widerstreben; In Heiligkeit laß uns Nur dir zu Ehren leben; Laß unser Leben dir In Dankbarkeit uns weihn, Damit wir nach der Zeit Uns ewig deiner freun! Ch. N. Müllenhof. Rrieg und Yrieden. Mel.: Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. 455. Herr, der du vormals hast dein Land Mit Gnaden angeblicket Und, wenn du Strafen ihm gesandt, Es wiederum erquicket, Der du die Sünd' und Missethat, 5„0— VNA— ꝰ „——— Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 585 Die alles Volk begangen hat, Uns väterlich verziehen: 2. Willst du, o Vater, uns denn nicht Nun einmal wieder laben? Und sollen wir an deinem Licht Nicht wieder Freude haben? Ach gieß von deines Himmels Haus, Herr, deiner Güte Segen aus Auf uns und unsre Häuser. 3. Ach daß ich hören möcht' das Wort Erschallen bald auf Erden, Daß Friede soll an jedem Ort, Wo Christen wohnen, werden! Ach daß uns Gott doch sugte zu Des Krieges Schluß, der Waffen Ruh' Und alles Unglücks Ende! 4. Ach daß doch diese böse Zeit Bald wiche guten Tagen, Damit wir in dem großen Leid Nicht ganz und gar verzagen! Doch Gottes Hülfe ist nicht weit, Und seine Gnade ist bereit All denen, die ihn fürchten. 5. Wenn wir nur fromm sind,‚ wird sich Gott Schon wieder zu uns wenden, Den Krieg und alle andre Not Nach Wunsch und also enden, Daß seine Ehr' in unserm Land Und überall recht werd' erkannt, Ja stetig bei uns wohne. 6. Die Güt' und Treue werden schön Einander grüßen müssen; Gerechtigkeit einher wird gehn, Und Friede wird sie küssen, Die Treue wird mit Lust und Freud' 586 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Auf Erden blühn, Gerechtigkeit Wird von dem Himmel schauen. 7. Der Herr wird uns viel Gutes thun, Das Land wird Früchte geben, Und die in seinem Schoße ruhn, Die werden davon leben; Gerechtigkeit wird wohl bestehn Und stets in vollem Schwange gehn Zur Ehre seines Namens. Paul Gerhardt. Mel.: Nun lob, mein' Seel', den Herren. 456. Gott. Lob! nun ist erschollen Das edle Fried'- und Freudenwort, Daß nunmehr ruhen sollen Die Spieß' und Schwerter und ihr Mord. Wohlauf und nimm nun wieder Dein Saitenspiel hervor: O Deutschland, singe Lieder Im hohen, vollen Chor! Erhebe dein Gemüte Und danke Gott und sprich: Herr, deine Gnad' und Güte Bleibt dennoch ewiglich. 2. Wir haben nichts verdienet, Als Zorn für unsre Missethat, Dieweil noch immer grünet Bei uns der Sünden schlimme Saat. Wir sind fürwahr geschlagen Mit harter, scharfer Rut', Und dennoch muß man fragen: Wer ist, der Buße thut? Wir sind und bleiben böse: Gott ist und bleibet treu, Hilft, daß sich bei uns löse Der Krieg und sein Geschrei. „ Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 587 3. Sei tausendmal willkommen, Du teure, werte Friedensgab'! Jetzt sehn wir, was für Frommen Dein Beiunswohnen in sich hab'. In dich hat Gott versenket All unser Glück und Heil; Wer dich betrübt und kränket, Der drückt sich selbst den Pfeil Des Herzleids in das Herze Und löscht aus Unverstand Die güldne Freudenkerze Mit seiner eignen Hand. 4. Das drückt uns niemand besser In unsre Seel' und Herz hinein, Als ihr zerstörten Schlösser Und Städte voller Schutt und Stein, Ihr vormals schönen Felder, Mit frischer Saat bestreut, Jetzt aber lauter Wälder Und dürre, wüste Heid', Ihr Gräber voller Leichen Und tapfrer Helden Schweiß, Der Helden, deren gleichen Auf Erden man nicht weiß. 5. Ach laß dich doch erwecken! Wach auf, wach auf, du harte Welt, Bevor das letzte Schrecken Dich schnell und plötzlich überfällt! Wer aber Christum liebet, Sei unerschrocknen Muts; Der Friede, den er giebet, Bedeutet alles Gut's. Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu; Da sollt ihr bei Gott leben In ew'gem Fried' und Ruh'. Paul Gerhardt. 588 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Mel.: Nun danket alle Gott. 457. Herr Gott, dich loben wir, Wir preisen deine Güte, Wir rühmen deine Macht Mit fröhlichem Gemüte; Es steiget unser Lied Bis an die Himmelsthür Und tönt mit großem Schall: Herr Gott, dich loben wir. 2. Herr Gott, dich loben wir ö Für deine großen Gnaden, Daß du das Vaterland Von Kriegeslast entladen, Daß du uns blicken läßt Des goldnen Friedens Zier; Drum jauchzet alles Volk: ö Herr Gott, dich loben wir. 3. Herr Gott, dich loben wir, Die wir in bangen Tagen Der Waffen schweres Joch Und wilden Grimm getragen. Jetzt rühmet unser Mund Mit herzlicher Begier: Gott Lob! wir sind in Ruh', Herr Gott, wir danken dir. 4. Herr Gott, dich loben wir, Daß du uns zwar gestrafet, Jedoch in deinem Zorn Nicht gar hast weggeraffet. Es hat die Vaterhand Uns deine Gnadenthür Jetzt wieder aufgethan: Herr Gott, wir danken dir. 5. Herr Gott, wir danken dir, Daß du Land, Kirch' und Häuser Und unsers Königs Stamm, Auch dessen edle Reiser Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 589 Bisher erhalten hast. Gieb ferner Gnad' allhier, Daß auch die Nachwelt sing': Herr Gott, wir danken dir. 6. Herr Gott, wir danken dir Und bitten, du wollst geben, Daß wir auch künftig stets In gutem Frieden leben. Krön uns mit deinem Gut, Erhöre für und für, O Vater, unser Flehn! Herr Gott, wir danken dir. Joh. Franck. Die Litanei. (Das allgemeine Bittgebet.) 458. Ewiger! erbarme dich! Herr! Herr! erbarme dich! Ewiger! erbarme dich! Herr! Herr! erhör uns! Herr Gott, Vater im Himmel! erbarm dich über uns! Herr Gott, Sohn, der Welt Heiland! erbarm dich über uns! Herr Gott, heiliger Geist! erbarm dich über uns! Sei uns gnädig! verschon uns, Herr, Herr, unser Gott! Sei uns gnädig! hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor allen Sünden behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! 590 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Vor allem Irrtum behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor allem Übel behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor des Teufels Trug und List behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor einem bösen schnellen Tod behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor Pestilenz und teurer Zeit behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor Krieg und Blutvergießen behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor Aufruhr und Zwietracht behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor Hagel und Ungewitter behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor Feuer und Wassersnot behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor dem ewigen Tod behüt uns, Herr, Herr, unser Gott! Durch deine heilige Geburt hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! Durch dein Kreuz und deinen Tod hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! Durch deine Auferstehung und Himmelfahrt hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! In unsrer letzten Not hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! Am jüngsten Gericht hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! Wir armen Sünder bitten, du wollest uns erhören, Herr, Herr, unser Gott! — Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 591 Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Alle Lehrer in Kirchen und Schulen im heilsamen Worte und heiligen Leben erhalten: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Allen Rotten und Argernissen wehren: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Alle Irrige und Verführte wiederbringen: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Den Satan unter unsere Füße treten: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Treue Arbeiter in deine Ernte senden: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Deinen Geist und Kraft zum Worte geben: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Allen Betrübten und Blöden helfen und sie trösten: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Allen Kaisern, Königen und Fürsten Fried' und Eintracht geben: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Unsern Kaiser und König segnen und behüten und ihm eine friedliche und glückliche Regierung geben: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Seine Räte und Bediente mit Weisheit und Treue ausrüsten: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Diese ganze Stadt, den Rat(dieses ganze Amt, unsre) die Schule und Gemeine segnen und behüten: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Alle Seefahrende vor Gefahr beschirmen: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! 592 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Alle Deiche, Dämme und Schleusen vor Schaden bewahren: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Allen Schwangern und Säugenden fröhliche Frucht und Gedeihen geben: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Aller Kinder und Kranken pflegen und sie warten: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Alle unschuldig Gefangene los und ledig machen: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Alle Wittwen und Waisen verteidigen und versorgen: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Allen, die in Not und Gefahr sind, mit Hülfe erscheinen: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Aller Menschen dich erbarmen: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und sie bekehren: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Die Früchte auf dem Lande und die Fische im Wasser segnen und bewahren: erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Und uns gnädiglich erhören! erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! O Jesu Christe, Gottes Sohn! erbarm dich über uns! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt! erbarm dich über uns! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt! erbarm dich über uns! cIINXIAA. C GSS ESSVE WSVUNꝰU Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 593 O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt! verleih uns steten Frieden! Herr! Herr! erhör uns! Ewiger! erbarme dich! Herr! Herr! erbarme dich! Ewiger! erbarme dich unser! Amen. Dr. M. Luther. Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 459. Herr, höre! Herr, erhöre! Breit deines Namens Ehre An allen Orten aus. Behüte alle Stände Durch deiner Allmacht Hände, Schütz Kirche, Obrigkeit und Haus. 2. Ach laß dein Wort uns allen Noch ferner rein erschallen Zu unsrer Seelen Nutz. Bewahr uns vor den Rotten, Die deiner Wahrheit spotten, Biet allen deinen Feinden Trutz. 3. Gieb du getreue Lehrer Und unverdrossne Hörer, Die beide Thäter sei'n. Auf Pflanzen und Begießen Laß dein Gedeihen fließen Und ernte reichlich Früchte ein. 4. Du wollst uns hoch beglücken, Mit steten Gnadenblicken Auf unsern Kaiser sehn. Schütz ihn auf seinem Throne, Laß allzeit Reich und Krone In segensvollem Glanze stehn. 504 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 5. Laß alle, die regieren, Ihr Amt getreulich führen; Schaff jedermann sein Recht, Daß Fried' und Treu' sich müssen In unserm Lande küssen, Und segne beide, Herrn und Knecht. 6. Erhalt in jeder Ehe Beim Glücke wie beim Wehe Rechtschaffne Frömmigkeit. In Ehrbarkeit und Tugend Gedeihe unsre Jugend, Zu deines Reiches Dienst bereit. 7. O Vater, wend in Gnaden Krieg, Feuer, Wasserschaden Und Sturm und Hagel ab. Bewahr des Landes Früchte Und mache nicht zu nichte, Was deine milde Hand uns gab. 8. Laß alle bösen Seuchen Von unsern Grenzen weichen, Gieb uns gesunde Luft. Laß Not und teure Zeiten Sich nie bei uns verbreiten, Da man nach Brot vergebens ruft. 9. Die Hungrigen erquicke Und bringe die zurücke, Die in der Irre gehn. Die Witwen und die Waisen Wollst du mit Troste speisen, Wenn sie zu dir um Hülfe flehn. 10. Hilf gnädig allen Kranken, Und die im Glauben wanken, Laß nicht zugrunde gehn. Die Alten heb und trage, Auf daß sie ihre Plage Geduldig mögen überstehn. Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 595 11. Bleib der Verfolgten Stütze, Die Reisenden beschütze, Die Sterbenden geleit Mit deinen Engelscharen, Daß sie in Frieden fahren Zu Zions Freud' und Herrlichkeit. 12. Nun, Herr, du wirst erfüllen, Was wir nach deinem Willen In Demut jetzt begehrt. Wir sprechen nun das Amen In unsers Jesu Namen: So ist all unser Flehn erhört. Benj. Schmolck. Das Tedeum. (Der allgemeine Lobgesang.) ‚ Eigne Melodie. 460. Herr Gott, dich loben wir, Herr Gott, wir danken dir. Dich, Gott Vater in Ewigkeit, Ehret die Welt weit und breit. All' Engel und Himmelsheer Und was dir dient zu deiner Ehr', Auch Cherubim und Seraphim Singen immer mit hoher Stimm: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! der Herre Zebaoth! 2. Dein' göttlich Macht und Herrlichkeit Geht über Himm'l und Erden weit. Der heiligen zwölf Boten Zahl Und die lieben Propheten all, Die teuren Märt'rer allzumal Loben dich, Gott, mit großem Schall. 88⁷ 596 Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. Die ganze werte Christenheit Rühmt dich auf Erden allezeit: Dich, Gott Vater im höchsten Thron, Deinen rechten und ein'gen Sohn, Den heil'gen Geist und Tröster wert Mit gleichem Dienst sie lobt und ehrt. 3. Du König der Ehren, Jesu Christ, Gott Vaters ew'ger Sohn du bist, Der Jungfraun Leib nicht hast verschmäht, Zu erlösen das menschlich Geschlecht, Du hast dem Tod zerstört sein' Macht Und all' Christen zum Himmel bracht, Du sitzst zur Rechten Gottes gleich Mit aller Ehr' in's Vaters Reich, Ein Richter du zukünftig bist All des, was tot und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, Die mit deinem Blut erlöset sein, Laß uns im Himmel haben teil Mit den Heil'gen am ew'gen Heil; Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, Und segne, was dein Erbteil ist; Wart und pfleg ihrer allezeit Und heb sie hoch in Ewigkeit. 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich Und ehr'n dein'n Namen stetiglich. Behüt uns heut, o treuer Gott, Vor aller Sünd' und Missethat! Sei uns gnädig, o Herre Gott, Sei uns gnädig in aller Not! Zeig uns deine Barmherzigkeit, Wie unsre Hoffnung zu dir steht! Auf dich hoffen wir, lieber Herr: In Schanden laß uns nimmermehr! Amen. Dr. M. Luther. Allgemeine Segnungen und Heimsuchungen. 597 „ Eigne Melodie. 461. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir beugt die Erde sich Und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, So bleibst du in Ewigkeit. 2. Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, Stimmen dir ein Loblied an; Alle Engel, die dir dienen, Rufen dir in sel'ger Ruh' Heilig, heilig, heilig zu. 3. Heilig, Herr Gott Zebaoth, Heilig, Herr der Kriegesheere, Starker Helfer in der Not, Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt von deinem Ruhm, Alles ist dein Eigentum. 4. Der Apostel heil'ger Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu deinem Thron empor Neue Lob-⸗ und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schar Lobt und preist dich immerdar. 5. Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Große und auch Kleine Dich, Gott Vater; dir zum Preis Singt die heilige Gemeine; Sie verehrt auf seinem Thron Deinen eingebornen Sohn. 6. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit solchen Lehren Und mit Troste kräftig speist, Der, o König aller Ehren, 598 Tod und Begräbnis. Der mit dir, Herr Jesu Christ, Und dem Vater ewig ist. 7. Herr, erbarm, erbarme dich! Auf uns komme, Herr, dein Segen! Deine Güte zeige sich Allen der Verheißung wegen! Auf dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren sein! XXV. Cod und Begräbnis. Eigne Melodie. 462. Alle Menschen müssen sterben, Alles Fleisch vergeht wie Heu; Was da lebet, muß verderben, Soll es anders werden neu. Dieser Leib, der muß verwesen, Wenn er anders soll genesen Zu der großen Herrlichkeit, Die den Frommen ist bereit't. 2. Darum will ich dieses Leben, Wenn es meinem Gott beliebt, Ihm ganz willig wiedergeben, Bin darüber nicht betrübt. Denn in meines Jesu Wunden Hab' ich schon Erlösung funden, Und mein Trost in Todesnot Ist des Herren Jesu Tod. 3. Jesus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn. Er hat mir das Heil erworben; Drum fahr' ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, .⁰¶⁰&&RRRRNNl 15Hn?esa- 2 RA——— HLIAIH IA sd Tod und Begräbnis. 599 Da ich werde allezeit Schauen Gottes Herrlichkeit. 4. Da wird sein das Freudenleben, Wo viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Dienen Gott vor seinem Thron, Wo die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist! 5. Wo die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal, Wo auf ihren Ehrenthronen Sitzet der Apostel Zahl, Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren, Wo man Gott die Ehre bringt, Ewig Halleluja singt. 6. O Jerusalem, du schöne, Ach, wie helle glänzest du! Ach, welch lieblich Lobgetöne Hört man da in sel'ger Ruh'! O der großen Freud' und Wonnel Jetzo gehet auf die Sonne, Jetzo gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon erblicket Alle diese Herrlichkeit, Jetzo werd' ich schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid; Mit der goldnen Ehrenkrone Steh' ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Ende nehmen kann. Joh. Georg Albinus. 600 Tod und Begräbnis. Mel.: Christus, der ist mein Leben. 463. Am Grabe stehn wir stille Und säen Thränensaat, Des lieben Pilgers Hülle, Der ausgepilgert hat. ö 2. Er ist nun angekommen, Wir pilgern noch dahin; Er ist nun angenommen, Der Tod war ihm Gewinn. 3. Er schaut nun, was wir glauben, Er hat nun, was uns fehlt; Ihm kann der Feind nichts rauben, Der uns versucht und quält. 4. Ihn hat nun als den Seinen Der Herr dem Leid entrückt, Und während wir hier weinen, Ist er so hoch beglückt. 5. Er trägt die Lebenskrone Und hebt die Palm' empor Und singt vor Gottes Throne Ein Lied im höhern Chor. 6. Wir armen Pilger gehen Hier noch im Thal umher, Bis wir ihn wieder sehen Und selig sind wie er. Karl Joh. Ph. Spitta. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 464. Bedenke, Mensch,‚, das Ende, ö Bedenke deinen Tod; Der Tod kommt oft behende, Wer heute frisch und rot, Kann morgen und geschwinder Hinweg gestorben sein: Tod und Begräbnis. 601 Drum präg dir täglich, Sünder, Daß du mußt sterben, ein. 2. Bedenke, Mensch, das Ende, Bedenke das Gericht; Es müssen alle Stände Vor Jesu Angesicht. Kein Mensch ist ausgenommen, Hier muß ein 2 dran Und wird den Lohn bekommen, Nach dem er hat gethan. 3. Gedenke, Mensch, das Ende, Der Hölle Angst und Leid, Daß dich die Welt nicht blende Mit ihrer Eitelkeit. Hier sind nur kurze Freuden, Dort aber ewiglich Gewissenspein und Leiden. Ach Sünder, hüte dich! 4. Bedenke, Mensch, das Ende,— Noch währt die Gnadenzeit— Daß dich ja nichts abwende Von jener Herrlichkeit, Mit der vor Gottes Throne Die Seele wird gepflegt; Dort wird die Lebenskrone Den Frommen beigelegt. 5. Herr, lehre mich bedenken Der Zeiten letzte Zeit, Daß sich nach dir zu lenken Mein Herze sei bereit. Im Tod und im Gerichte Steh mir, o Jesu, bei, Daß ich im Himmelslichte Zu wohnen würdig sei. Salomon Liscow(2). 60² Tod und Begräbnis. Mel.: Nun laßt uns den Leib begraben. 465. Begrabt den Leib in seine Gruft, Bis ihn des Richters Stimme ruft! Wir säen ihn; einst blüht er auf Und steigt verklärt zu Gott hinauf. 2. Aus Staub erschuf ihn einst der Herr: Er war schon Staub und wird's nur mehr. Er liegt, er schläft, verwest, erwacht Dereinst aus dieses Todes Nacht. 3. Des Frommen Seele lebt bei Gott, Der sie aus aller ihrer Not, Aus aller ihrer Missethat Durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Er wandelte im finstern Thal, Er duldete viel Schmerz und Qual, Er trug hier Jesu Christi Joch, Entschlief im Tod und lebet doch. 5. Viel mehr litt er, der uns versöhnt Und himmlisch seine Sieger krönt. O Lohn, o Lohn für wenig Pein! Dann wird's wie Träumenden uns sein. 6. Du Toter Gottes, schlummr' in Ruh'! Wir gehn nach unsern Hütten zu Und machen zu der Ewigkeit Mit Freud' und Zittern uns bereit. 7. Ach Jesu Christ, dein Kreuz, dein Tod Stärk' uns in unsrer letzten Not! Laß unsre ganze Seele dein Und selig unser Ende sein! Fr. Gottl. Klopstock. Eigne Melodie. 466. Christus, der ist mein Leben Und Sterben mein Gewinn; Ihm hab' ich mich ergeben, Mit Fried' fahr' ich dahin. — VA 1+ * Tod und Begräbnis. 2. Mit Freud' fahr' ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Daß ich mag zu ihm kommen Und ewig bei ihm sein. 3. Ich hab' nun überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Not; Durch seine heil'gen Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, Mein Atem schwer geht aus Und kann kein Wort mehr sprechen, Dann nimm mein Seufzen auf. 5. Wenn mir Sinn und Gedanken Vergehen wie ein Licht, Das hin und her muß wanken, Weil ihm die Flamm' gebricht: 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein Nach deinem Rat und Willen, Wenn kommt mein Stündelein. 7. An dir laß gleich dem Reben Mich bleiben allezeit Und ewig bei dir leben In Himmelswonn' und Freud'. Vor 1609. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 467. Der Herr der Ernte winket, Die reife Ahre fällt; Die Abendsonne sinket, Der Wandrer sucht sein Zelt:; Der Knecht von vielen Jahren Geht, Herr, zur stillen Rast. Laß ihn in Frieden fahren, Wie du verheißen hast. 2. Viel ist von ihm getragen, Sein Lauf war lang und schwer: 60⁴ Tod und Begräbnis. Nun fühlt er keine Plagen Und keine Lasten mehr. Sein Abend ist gekommen, Vollendet ist sein Thun: Wie wird er bei den Frommen Nun sanft und selig ruhn! 3. Dein Rat hat ihn geleitet, O Herr, oft wunderbar; Dein Schutz hat ihn begleitet In jeglicher Gefahr. Mit deines Geistes Stärke Hast du sein Thun gelenkt, Zum langen Tagewerke Ihm Kraft und Frucht geschenkt. 4. O Schöpfer und Erhalter, O führ auch uns so treu Und steh uns noch im Alter Mit deiner Hülfe bei! O führ uns, bis wir sterben, Auf deines Sohnes Bahn Und endlich nimm als Erben Uns dort mit Ehren an! Chr. Fr. Heinr. Sachse. 0 Mel.: Aus meines Herzens Grunde. 468. Dich krönte Gott mit Freuden, Herr Jesu, nach dem Streit, Du gingst durch Schmach und Leiden Zu deiner Herrlichkeit. Triumph war dir dein Tod,‚ Dein Kampf war ausgekämpfet, Dein stolzer Feind gedämpfet; Nun fuhrst du auf zu Gott. 2. Ich, Herr, dein Pilger walle Dir, meinem Führer, nach; Aeeee„ MIA In Tod und Vegrä inis. 90 trauchte noch und falle, Denn ich bin müd' und schwach. Du führst mich auch durch Streit, Durch Kummer und durch Leiden Zu meiner Zukunft Freuden, 8¹½ deiner Herrlichkeit. Wie du des Todes Schrecken Aluächtig überwandst, Als du ihn ganz zu schmecken, Herr, im Gerichte standst: So stärkest du auch mich, Durchs finstre Thal zu gehen; Denn deine Frommen sehen Im finstern Thale dich. 4. Wenn ich einst bis zum Grabe Vollendet meinen Streit Und gut gekämpfet habe Um meine Seligkeit: Wie werd' ich dann mich freun, Wie werd' ich voll Entzücken Auf meine Krone blicken Und dann ganz selig sein! 5. Ich wart“ auf deinen Segen, Ich wart' auf meinen Tod. Froh geh' ich dir entgegen, Dem Helfer aus der Not. Du endest meinen Lauf Und nimmst dann meine Seele, Die ich dir, Herr, befehle, In deinen Himmel auf. 6. Drum harr' ich hier und streite, Bis meine Stund' erscheint, Und du stehst mir zur Seite, Mein Retter und mein Freund. Der du mich ewig liebst, Du tröstest mich im Leiden 600 Tob und Begräbnis. Und segnest mich mit Freuden, Selbst wenn du mich betrübst. 7. Mit freudigem Vertrauen Darf ich vom Kampfplatz schon Nach Salems Höhen schauen, Auf meines Glaubens Lohn. 0 Sinkt dann im Kampfe mir Mein Arm ermüdet nieder, Dein Wort erhebt ihn wieder: Sei treu, ich bin mit dir. 8. Erhalt mir den Gedanken, Groß sei bei dir mein Lohn: So werd' ich nimmer wanken Von dir, o Gottes Sohn; So bleib' ich dir getreu, Der sich für mich gegeben, Daß bald ein bess'res Leben Mein ewig Erbteil sei. Balth. Münter. 0 Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 469. Die Herrlichkeit der Erden Muß Staub und Asche werden; Kein Fels, kein Erz bleibt stehn. Was hier uns mag ergötzen, Was wir für ewig schätzen, Wird als ein leichter Traum vergehn. 2. Was sind doch alle Sachen, Die uns so trotzig machen, Als lauter Nichtigkeit? Was ist des Menschen Leben, Das stets umher muß schweben, Als nur ein Traumgebild der Zeit? 3. Der Ruhm, nach dem wir trachten, Den wir unsterblich achten, Ist nur ein falscher Wahn; Sobald der Geist gewichen Tod und Begräbnis. 607 Und dieser Mund erblichen, Was frommt der Erdenruhm uns dann? 4. Es hilft nicht Kunst noch Wissen: Wir werden hingerissen Ohn' einen Unterschied. Was nützt der Schlösser Menge? Dem hier die Welt zu enge, Dem wird ein enges Grab zu weit. 5. Ja, alles wird zerrinnen, Was Müh' und Fleiß gewinnen Und saurer Schweiß erwirbt; Was Menschen hier besitzen, Kann uns im Tod nicht nützen: Dies alles stirbt uns, wenn man stirbt. 6. Giebt's eine Lust, ein Scherzen, Das nicht ein heimlich Schmerzen Mit Herzensangst vergällt? Was ist's, womit wir prangen? Der eitlen Welt Verlangen Im Tode doch in nichts zerfällt. 7. Was pocht man auf die Throne, Da keine Macht noch Krone Kann unvergänglich sein? Es mag vom Totenreihen Kein Zepter dich befreien, Kein Purpur, Gold noch Edelstein. 8. Wie eine Rose blühet, Wenn man die Sonne siehet Begrüßen diese Welt, Die, eh' der Tag sich neiget, Eh' sich der Abend zeiget, Verwelkt und unversehns zerfällt: 9. So wachsen wir auf Erden Und hoffen groß zu werden, Von Schmerz und Sorgen frei; Doch, eh' wir zugenommen 60⁰⁸ Tod und Begräbnis. Und recht zur Blüte kommen, Bricht oft des Todes Sturm herein. 10. Wir rechnen Jahr auf Jahre; Indessen wird die Bahre Uns vor die Thür gebracht; Drauf müssen wir von hinnen Und, eh' wir uns besinnen, Der Erde sagen gute Nacht. 11. Auf, Herz, wach und bedenke, Daß dieser Zeit Geschenke Den Augenblick nur dein; Was du zuvor genossen, Ist wie ein Strom verflossen: Das Künft'ge: wessen wird es sein? 12. Trau nicht auf Menschenlehre, Auf Weltgunst, Macht und Ehre, Vertrau dem Herrn dich an, Der immer König bleibet, Den keine Zeit vertreibet, Der ewig selig machen kann. 13. Wohl dem, der auf ihn trauet! Der hat recht fest gebauet; Und ob er hier gleich fällt, Wird er doch dort bestehen Und nimmermehr vergehen, Weil ihn die Stärke selbst erhält. Andr. Gryphius. Eigne Melodie. 470. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all' Not und Qual, Weil dich Christus nun, dein Herre, Ruft aus diesem Jammerthal. Aus der Trübsal, Angst und Leid Sollst du fahren in die Freud', Die kein Ohr hat je gehöret, Die in Ewigkeit auch währet. Tod und Begräbnis. 609 2. Tag und Nacht hab' ich gerufen Zu dem Herren, meinem Gott, Weil mich stets viel Kreuz betroffen, Daß er mir hülf' aus der Not. Wie sich sehnt ein Wandersmann Nach dem Ende seiner Bahn, So hab' ich gewünscht, mein Leben Hin in Gottes Hand zu geben. 3. Denn gleichwie die Rosen stehen Unter Dornen rings umher, Also auch die Christen gehen In viel Angsten groß und schwer. Wie die Meereswellen sind Und der ungestüme Wind, Also ist allhier auf Erden Unser Lauf voll von Beschwerden. 4. Wenn die Morgenröt' aufgehet Und der Schlaf sich von uns wend't: Sorg' und Kummer uns umfähet, Müh' sich find't an allem End'; Unsre Thränen sind das Brot, Das wir essen früh und spat; Hört die Sonne auf zu scheinen, Währt das Klagen noch und Weinen. 5. Drum, Herr Christ, du Morgensterne Der du ewiglich aufgehst, Sei du jetzt von mir nicht ferne, Weil dein Blut mich hat erlöst. Hilf, daß ich mit Fried' und Freud' Mög' hinfahren aus der Zeit. Ach sei du mir Licht und Straße, Mich mit Beistand nicht verlasse. 6. Zu dir, Heiland, will ich fliehen Auf dem bittern Todesgang, Durch dein Leiden laß mich ziehen In mein himmlisch Vaterland. 3⁰ 610 Tod und Begräbnis. In das schöne Paradies, Das dein Mund dem Schächer wies, Wirst du mich, Herr Christ, einführen Und mit ew'ger Klarheit zieren. 7. Ob mir schon die Augen brechen, Das Gehör mir ganz verschwind't, Meine Zung' nicht mehr kann sprechen, Mein Verstand sich nicht besinnt: Bist du doch mein Licht und Hort, Leben, Weg und Himmelspfort'; Du wirst mich in Gnad' regieren, Mich die Bahn zum Himmel führen. 8. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all' Not und Qual, Weil dich Christus nun, dein Herre, Ruft aus diesem Jammerthal. Seine Freud' und Herrlichkeit Sollst du sehn in Ewigkeit, Mit den heil'gen Engeln droben Ewig Gottes Gnade loben. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 471. Herr Gott, du kennest meine Tage, Du siehst, daß ich, dein schwaches Kind, Den Schatz hier in Gefäßen trage, Die irdisch und zerbrechlich sind; Drum mache du mich allezeit Zum Sterben fertig und bereit. 2. Hier hab' ich lebenslang zu lernen, Mein Herz der Sünde zu entziehn, Mich von der Erde zu entfernen Und um den Himmel zu bemühn, Weil doch zuletzt der Tod beweist, Was Christentum und Glaube heißt. 3. Ich muß ja nach der Wohnung trachten, In der ich ewig bleiben kann; DIE „SI eEen‚n àk.NNM˙ Tod und Begräbnis. 611 Drum lehr mich auf den Himmel achten, Den mir mein Heiland aufgethan: So wird mein Haus hier in der Welt Und auch im Himmel wohlbestellt. 4. Mein Herz ist nur im Himmel droben; Denn da ist auch mein Schatz und Teil, Den mir mein Jesus aufgehoben; Dort ist das mir versprochne Heil. Die Lust der Welt ist mir zu schlecht, Im Himmel ist mein Bürgerrecht. 5. Wohlan, so will ich täglich sterben; Ich lebe so, als lebt' ich nicht; Und also kann ich nicht verderben, Wenn mir im Tod das Auge bricht. Der Tod ist leicht, ich sterbe dir, Denn du, mein Heiland, lebst in mir. 6. So kommt denn, ihr ersehnten Stunden! Komm, eile, mein Erlösungstag, Da ich, von aller Not entbunden, Zum Leben sterbend dringen mag! Da find' ich in des Höchsten Hand Mein Eden und gelobtes Land. L. R. Senft zu Pilsach. Eigne Melodie. *— 472. Herzlich thut mich verlangen Nach einem sel'gen End', Weil ich hier bin umfangen Mit Trübsal und Elend. Ich hab' Lust abzuscheiden Von dieser argen Welt, Sehn' mich nach ew'gen Freuden: O Jesu, komm nur bald! 2. Du hast mich ja erlöset Von Sünde, Tod und Höll'; Tod und Begräbnis. Es hat dein Blut gekostet, Drauf ich mein' Hoffnung stell'. Warum sollt' mir denn grauen Vor Hölle, Tod und Sünd'? Weil ich auf dich darf bauen, Bin ich ein selig Kind. 3. Wenngleich süß ist das Leben, Der Tod sehr bitter mir, Will ich mich doch ergeben, Zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Leben, Da meine Seel' fährt hin; Das wirst du, Herr, mir geben, Sterben ist mein Gewinn. 4. Der Leib, der in der Erden Zum Staube wiederkehrt, Wird auferwecket werden, Durch Christum schön verklärt, Wird leuchten wie die Sonne Und leben ohne Not In Himmelsfreud und Wonne; Was schadet mir der Tod? 5. Ob mich die Welt gleich reizet, Zu bleiben länger hier, Und mir auch immer zeiget Ehr', Gut und all' ihr' Zier: Doch ich des gar nicht achte, Es währt nur kurze Zeit, Nach Himmlischem ich trachte, Das bleibt in Ewigkeit. 6. Und wenn auch gleich das Scheiden Von Freunden wehe thut, Daß ich und sie viel leiden: Doch tröstet meinen Mut, Daß wir in großen Freuden Beisammen werden sein, Tod und Begräbnis. 613 Wo uns kein Tod kann scheiden, Anrühren keine Pein. 7. Muß ich auch hinterlassen Betrübte Waisen hier— Sie jammern mich ohn' Maßen, Das Herz will brechen mir—: Doch will ich gerne sterben Und trauen meinem Gott; Er läßt sie nicht verderben, Er hilft aus aller Not. 8. Euch alle, meine Lieben, Gesegne Gott der Herr; Nicht lasset euch betrüben Den Abschied allzusehr. Beständig bleibt im Glauben; Wir soll'n in kurzer Zeit Einander wieder schauen Dort in der Ewigkeit. 9. Nun will ich mich ganz wenden Zu dir, Herr Christ, allein; Gieb mir ein selig Ende, Laß bald bei dir mich sein. Führ mich ins ew'ge Leben, Das du erworben hast, Da du dich hast gegeben Für meine Sündenlast. 10. Hilf, daß ich ja nicht wanke Von dir, Herr Jesu Christ, Den schwachen Glauben stärke In mir zu aller Frist. Hilf ritterlich mir ringen, Halt mich durch deine Macht, Daß ich mög' fröhlich singen: Gott Lob, es ist vollbracht! Christoph Knoll. 614 Tod und Begräbnis. —— Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 473. Heute mir und morgen dir! So hört man die Glocken klingen, Wenn wir die Verstorbnen hier Auf den Gottesacker bringen. Aus den Grüften ruft's herfür: Heute mir und morgen dir! 2. Heute rot und morgen tot! Unser Leben eilt auf Flügeln, Und wir haben's täglich not, Daß wir uns an andern spiegeln. Bald kommt unsre Todesnot! Heute rot und morgen tot. 3. Einer folgt dem andern nach, Keiner kann den andern retten; Was Gott einst zu Adam sprach, Wird ins Grab uns alle betten. Jedem wird sein Schlafgemach, Einer folgt dem andern nach. 4. Mensch, es ist der alte Bund, Ach, der Tod zählt keine Jahre; Bist du heute noch gesund, Denk an deine Totenbahre. Morgen fällt, wer heute stund, Mensch, es ist der alte Bund. 5. Ach, wer weiß, wie nah miein Tod! Ich will sterben, eh' ich sterbe: So wird mir die letzte Not, Wenn sie kommt, doch nicht so herbe. Rüste mich dazu, mein Gott; Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! 6. Selig, wer in Christo stirbt! Christi Tod wird ihm zum Leben. Wer in Christo Gnad' erwirbt, Kann den Geist getrost aufgeben, Weil er nicht im Tod verdirbt. Selig, wer in Christo stirbt! Benj. Schmolck. Tod und Begräbnis. 615 Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 474. Ich bin ein Gast auf Erden Und hab' hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier wall' ich bis zum Grabe; Dort in der ew'gen Ruh' Ist Gottes Gnadengabe, Die schließt all' Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an Als Müh' und Not gewesen? Solang ich denken kann, Hab' ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht. 3. Mich hat auf meinen Wegen — Manch Wetter kam entgegen nd hat mir Angst erweckt; Verfolgung, Haß und Neiden, Ob ich's gleich nicht verschuld't, Hab' ich doch müssen leiden Und tragen mit Geduld. 4. So ging's den lieben Alten, An deren Fuß und Pfad Wir uns noch täglich halten, Wenn's fehlt an gutem Rat. Sie zogen hin und wieder, Ihr Kreuz war immer groß, Bis daß der Tod sie nieder Legt' in des Grabes Schoß. 5. Ich habe mich ergeben In gleiches Glück und Weh; 616 Tod und Begräbnis. Was will ich besser leben, Als ich an ihnen seh'? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten sein; Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freude ein. 6. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt; Doch denk' ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straße, Die zu der Heimat führt, Da mich in vollem Maße Mein Vater trösten wird. 7. Mein' Heimat ist dort oben, Da aller Engel Schar Den großen Herrscher loben Und preisen immerdar, Der alles kräftig träget Und für und für erhält, Auch alles hebt und leget, Wie es ihm wohlgefällt. 8. Zu ihm steht mein Verlangen, Da wollt' ich gerne hin; Die Welt bin ich durchgangen, Daß ich's fast müde bin. Je länger ich hier walle, Je wen'ger find' ich Freud', Die meinem Geist gefalle; Das meist' ist Herzeleid. 9. Die Herberg' ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel; Ach komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach ein selig Ende Mit meiner Wanderschaft, —5S— CEVEGO SEHHE SS Ve²evV —²e Tod und Begräbnis. 617 Und was mich kränkt, das wende Durch deines Armes Kraft! 10. Was ich bisher besessen, Ist nicht mein rechtes Haus; Wenn meine Zeit durchmessen, So tret' ich dann hinaus; Und was ich hier gebrauchet, Das leg' ich alles ab, Und wenn ich ausgehauchet, So senkt man mich ins Grab. 11. Du aber, meine Freude, Du, meines Lebens Licht, Du ziehst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht, Ins Haus der ew'gen Wonne, Da ich stets freudenvoll Gleichwie die helle Sonne Mit andern leuchten soll. 12. Da will ich immer wohnen— Und nicht nur als ein Gast— Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket hast; Da will ich herrlich singen Von deinem großen Thun Und frei von eiteln Dingen In meinem Erbteil ruhn. Paul Gerhardt. — Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 475. Ich hab' mich Gott ergeben, Dem liebsten Vater mein; Hier ist kein bleibend Leben, Es muß geschieden sein. Der Tod kann mir nicht schaden, Er ist nur mein Gewinn: In Gottes Fried' und Gnaden Fahr' ich mit Freud' dahin. 618 Tod und Begräbnis. 2. Mein Weg geht bald vorüber; O Welt, was acht' ich dein? Der Himmel ist mir lieber, Da trachte ich hinein; Will mich nicht mehr beladen, Weil ich wegfertig bin: In Gottes Fried' und Gnaden Fahr' ich mit Freud' dahin. 3. Ach, sel'ge Freud' und Wonne Hat mir der Herr bereit't, Da Christus ist die Sonne Und ew'ge Seligkeit. ö Was kann mir doch nun schaden, Weil ich bei Christo bin? In Gottes Fried' und Gnaden Fahr' ich mit Freud' dahin. 4. Gesegn' euch Gott, ihr Meinen, Ihr Liebsten allzumal! Um mich sollt ihr nicht weinen, Ich weiß von keiner Qual. Den rechten Weg noch heute Nehmt alle wohl in acht: In Gottes Fried' und Freude Fahrt mir bald alle nach! Joh. Siegfried. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 476. Ich sterbe täglich, und mein Leben Eilt immerfort zum Grabe hin; Wer kann mir einen Bürgen geben, Daß ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod lommt her, Ach, wer nur immer fertig wär'! 2. Es schickt der Tod nicht immer Boten, Er kommt gar oft unangemeld't Und fordert uns ins Land der Toten; Wohl dem, der Herz und Haus bestellt! * 79— C ˙ V H E V — +7 Tod und Begräbnis. 619 Denn ewig Weh und ewig Glück Hängt oft an einem Augenblick. 3. Herr aller Herren! Tod und Leben Hast du allein in deiner Hand; Wie lange du mir Frist gegeben, Das ist und bleibt mir unbekannt. Hilf, daß ich jeden Glockenschlag An meinen Abschied denken mag! 4. Es kann vor Abend anders werden, Als es am Morgen mit mir war. Wo ich auch wandle hier auf Erden, Steht neben mir die Totenbahr'. Ein kleiner Schritt nur ist dahin, Wo ich des Grabes Beute bin. 5. Ein einz'ger Schlag kann alles enden Und Fall und Tod beisammen sein; Drum halt mich, Herr, mit Vaterhänden Und schließ in Christi Tod mich ein, Daß, wenn der Leib zu Boden fällt, Die Seel' an Jesu Kreuz sich hält. 6. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, Wenn Auge, Mund und Ohr sich schleußt; Drum bet' ich bei gesunden Tagen: Herr, dir besehl' ich meinen Geist! Verschließen meine Lippen sich, So bitte Jesu Blut für mich. 7. Kann ich nicht segnen mehr die Meinen, So segne du sie, Herr, für mich. Und wenn sie bittre Thränen weinen, O Vater, so erbarme dich, Und wenn sie klagen, wenn sie flehn, So laß es dir zu Herzen gehn. 8. Dringt mir die letzte Not zum Herzen, So schließe mir den Himmel auf; Tod und Begräbnis. 6²⁰ Verkürze mir die Todesschmerzen Und hole mich zu dir hinauf: So wird mein Abschied keine Pein, Vielmehr durch Christum selig sein. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 477. Jetzt leb' ich; ob ich morgen lebe, Ob diesen Abend, weiß ich nicht. O Herr, dem ich mein Herz ergebe, Lehr du mich selbst die ernste Pflicht, Durch deines heil'gen Geistes Kraft Stets fertig sein zur Rechenschaft. 2. Die Blume, die am Morgen stehet, Fällt vor der Abenddämmrung ab; Die Luft, die jetzt mich angewehet, Stürzt mich vielleicht ins nahe Grab; Der Jüngling, eh' er sich's versieht, Stirbt, da er kaum erst aufgeblüht. 3. Entziehe dich dem Weltgetümmel, Hier ist der Kampf, dort ist die Ruh'; Dein Wandel, Seele, sei im Himmel, Dann eilest du dem Leben zu. Nach einer kurzen Prüfungszeit Ist Ewigkeit, ist Ewigkeit. 4. Verschiebe niemals deine Pflichten; Was jetzt zu thun du schuldig bist, Denk nicht erst morgen auszurichten; Wer weiß, ob's morgen möglich ist? Mensch, dieser Augenblick ist dein, Der nächste wird's vielleicht nicht sein. 5. Noch eh' ich diesen Tag vollende, Ergreift vielleicht mich schon der Tod; Drum lehr mich denken, Herr, ans Ende, An meine letzte Todesnot, Benj. Schmolck. .— C ν Tod und Begräbnis. 62¹ Und tritt sie plötzlich bei mir ein, Laß Öl in meiner Lampe sein. 6. Es sei, o Vater meines Lebens, Wenn einst die letzte Stunde schlägt, Der schwache Seufzer nicht vergebens, Der sich in meinem Herzen regt, Und sterb' ich einen schnellen Tod, Sei mir barmherzig, Herr, mein Gott! von Hippel. Mel.: Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. 478. Laß mir, wenn meine Augen brechen, Herr, deinen Frieden fühlbar sein! Komm, deinen Trost mir zuzusprechen, Und segne du mein matt Gebein! Gieb Ruhe mir in deinen Armen, Darin ich Gnad' und Frieden fand, Und trag mich vollends mit Erbarmen Sanft zu dir heim ins Vaterland! Chr. Renatus, Graf von Zinzendorf. — Eigne Melodie. 479. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt', Hilf mir in meinem Leiden; Ruf' ich dich an, versag mir's nicht: Wenn meine Seel' soll scheiden, So nimm sie, Herr, in deine Händ'; W. alles gut, wenn gut das End'. Gern will ich folgen, lieber Herr; Du lßt mich nicht verderben. Ach, du bist ja von mir nicht fern, Ob ich gleich hier muß sterben, Verlassen meine liebsten Freund', Die's herzlich gut mit mir gemetnt. 62²2 Tod und Begräbnis. 3. Ruht doch der Leib sanft in der Erd', Die Seel' zu dir sich schwinget; In deiner Hand sie unversehrt Durch Tod ins Leben dringet. Hier ist doch nur ein Thränenthal, Angst, Not, Müh', Arbeit überall. 4. Tod, Teufel, Höll', die Welt und Sünd' Mir können nicht mehr schaden; An dir, o Herr, ich Rettung find', Ich tröst' mich deiner Gnaden. Dein ein'ger Sohn hat alle Schuld Für mich bezahlt aus Lieb' und Huld. 5. Warum sollt' ich denn traurig sein: Weil ich so wohl bestehe, Bekleid't mit Christi Unschuld rein, Zu meinem Gott eingehe? Mit Freuden geh' ich aus der Welt, Bei Gott zu leben mir gefällt. Joh. Hermann Schein. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 480. Mein Gott, ich weiß wohl, daß ich sterbe; Ich bin ein Mensch, der bald vergeht, Und finde hier kein solches Erbe, Das ewig in der Welt besteht. Drum zeige mir in Gnaden an, Wie ich recht selig sterben kann. 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich sterbe; Kein Augenblick geht sicher hin. Wie bald zerbricht doch eine Scherbe! Die Blume kann gar leicht verblühn. Drum mache mich nur stets bereit Hier in der Zeit zur Ewigkeit. 1 V ꝗ * VV 28686022 6 Tod und Begräbnis. 623 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich sterbe; Der Tod gar viele Wege hält. Dem einen wird das Scheiden herbe, Der andre sanft in Schlummer fällt. Doch, wie du willst; gieb nur dabei, Daß mir mein Ende selig sei! 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich sterbe Und welcher Sand mein Grab bedeckt. Doch, wenn ich nur dies Heil erwerbe, Daß mich dein Ruf zum Leben weckt: Mag hier, mag dort die Stätte sein, Die Erd' ist allenthalben dein. 5. Nun, liebster Gott, wenn ich denn sterbe, So nimm du meinen Geist zu dir, Auf daß ich dort mit Christo erbe. Wenn nur mein Heiland lebt in mir: So gilt's mir gleich und geht's mir wohl, Wann, wo und wie ich sterben soll. Benj. Schmolck. Mel.: O Gott, der du ein Heerfürst bist. 481. Mein Leben ist ein Pilgrimstand, Ich reise nach dem Vaterland, Nach dem Jerusalem, das droben Gott selbst als eine feste Stadt Auf Bundesblut gegründet hat; Da werd' ich ihn ohn' Ende loben. Mein Leben ist ein Pilgrimstand, Ich reise nach dem Vaterland. 2. So schnell ich Land und Strand verlass' Läuft meines Lebens Stundenglas, Und was vorbei ist, kommt nicht wieder; Ich eile zu der Ewigkeit. 62⁴ Tod und Begräbnis. Herr Jesu, mach mich nur bereit Und öffne meine Augenlider, Daß ich, was zeitlich ist, nicht acht! Und nur nach dem, was ewig, tracht'. 3. Kein Reisen ist ohn' Ungemach, Der Lebensweg hat auch sein Ach; Man wandelt nicht auf weichen Rosen. Der Steg ist eng, der Feinde viel, Die mich ableiten von dem Ziel. Ich muß mich oft an Dornen stoßen, Ich muß durch dürre Wüsten gehn, Kann selber keinen Ausweg sehn. 4. Der Sonne Glanz mir oft gebricht, Der Sonne, die mit Gnadenlicht In unverfälschte Herzen strahlet; Wind, Regen stürmen auf mich zu, Mein matter Geist find't nirgend Ruh'; Doch alle Müh' ist schon bezahlet, Sobald ich mir das Himmelsthor In festem Glauben stelle vor. 5. Du treuer Hüter, Jesu Christ, Der du ein Pilgrim worden bist, Da du mein Fleisch hast angenommen: Nimm mich auf deinem Wege mit; Laß mich mit einem jeden Schritt Zu deinem Heile näher kommen. Mein Leben flieht, ach eile du, Ach Hüter, eile schnell herzu⸗ 6. Durch deinen heil'gen Geist mich leit, Gieb in Geduld Beständigkeit, Vor Straucheln meinen Fuß beschütze. Ich falle stündlich; hilf mir auf, Zieh du mich selbst zu dir hinauf; Sei mir ein Schirm in Trübsalshitze; Laß deinen milden Gnadenschein In Finsternis nie ferne sein. . D XVEI n V xyV IA H 55* ens Tod und Begräbnis. 7. Wenn mir mein Herz, o Gnadenfüll', Vor Durst nach dir verschmachten will, So laß mich dich zum Labsal finden; Und schließ' ich meine Augen zu, So bring' mich zu der wahren Ruh', Wo Streit und alle Müh' verschwinden: Da werde ich von Sünden rein Dein Freund und Hausgenosse sein. 8. Bin ich denn hier im fremden Land Der blinden Welt gleich unbekannt: Dort sind die Freunde, die mich kennen; Dort werd' ich mit der Himmelsschar Dir jauchzend dienen immerdar Und in der reinsten Liebe brennen. Mein Heiland, komm, o bleib nicht lang; Hier in der Wüste wird mir bang. Friedr. Ad. Lampe. Eigne Melodie. 482. Mit Fried' und Freud' ich fahr' dahin In Gottes Willen; Getrost ist mir mein Herz und Sinn, Sanft und stille. Wie Gott mir verheißen hat: Der Tod mein Schlaf ist worden. 2. Das machet Christus, Gottes Sohn, Der treue Heiland, Den du mich, Herr, hast lassen sehn Und machst bekannt, Daß er Leben sei und Heil In Not und auch im Sterben. 3. Den hast du allen vorgestellt Mit großen Gnaden, Zu seinem Reich die ganze Welt Heißen laden 6²2 Tod und Begräbnis. Durch dein teuer heilsam Wort, An allem Ort erschollen. 4. Er ist das Heil und sel'ge Licht Für alle Heiden, Erleuchtet, die dich kennen nicht, Will sie weiden. Er ist deines Israel Preis, Ehre, Freud' und Wonne. Dr. Mart. Luther. Eigne Melodie. 483. Mitten wir im Leben sind Mit dem Tod umfangen. Wen such'n wir, der Hülfe thu', Daß wir Gnad' erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht versinken In des bittern Todes Not. Kyrieleison. 2. Mitten in dem Tod anficht Uns der Höllen Rachen. Wer will uns aus solcher Not Frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine. Es jammert dein' Barmherzigkeit Unsre Sünd' und großes Leid. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! 7N 1 EH e?=e — Ess FSIE Tod und Begräbnis. 627 Du ewiger Gott! Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Höllen Glut. Kyrieleison. 3. Mitten in der Höllen Angst Unsre Sünd'n uns treiben. Wo soll'n wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein teures Blut, Das g'nug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glaubens Trost. Kyrieleison. Dr. Mart. Luther. Mel.: Nun laßt uns den Leib begraben. 484. Nun bringen wir den Leib zur Ruh' Und decken ihn mit Erde zu, Den Leib, der nach des Schöpfers Schluß Zu Staub und Erde werden muß. 2. Er bleibt nicht immer Asch' und Staub, Nicht immer der Verwesung Raub, Er wird, wenn Christus einst erscheint, Mit seiner Seele neu vereint. 3. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist; Schau hier, was unser Leben ist. Nach Sorge, Furcht und mancher Not Kommt endlich noch zuletzt der Tod. 4. Schnell schwindet unsre Lebenszeit; Auf Sterben folgt die Ewigkeit. Wie wir die Zeit hier angewandt, So folgt der Lohn aus Gottes Hand. 40² 62⁸ Tod und Begräbnis. 5. Es währen Reichtum, Ehr' und Glück, Wie wir selbst, einen Augenblick; So währt auch Kreuz und Traurigkeit, Wie unser Leben, kurze Zeit. 6. O sichrer Mensch, besinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich. In allem, was du denkst und thust, Bedenke, daß du sterben mußt. 7. Hier, wo wir bei den Gräbern stehn, Soll jeder zu dem Vater flehn: Ich bitt', o Gott, durch Christi Blut, Mach's doch mit meinem Ende gut. 8. Laßt alle Sünden uns bereun, Vor unserm Gott uns kindlich scheun. Wir sind hier immer in Gefahr, Nehm' jeder seiner Seele wahr! 9. Wenn unser Lauf vollendet ist, So sei uns nah, Herr Jesu Christ! Mach uns das Sterben zum Gewinn, Zieh unsre Seele zu dir hin. 10. Und wenn du einst, du Lebensfürst, Die Gräber mächtig öffnen wirst, Dann laß uns fröhlich auferstehn Und dort dein Antlitz ewig sehn. Ehr. Liebich. Eigne Melodie. 485. 0 Welt, ich muß dich lassen, Ich fahr' dahin mein' Straßen Ins ew'ge Vaterland. Den Geist will ich aufgeben Und stellen Leib und Leben In meines Gottes gnäd'ge Hand. 2. Mein Lauf ist nun vollendet, Der Tod das Leben endet; r-D/E EVHHOSO — 8609 4925ꝗ:———— x NRNNNNNNE& Tod und Begräbnis. 629 Sterben ist mein Gewinn. Kein Bleiben ist auf Erden, Das Ew'ge muß mir werden, Mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin. 3. Ob mich die Welt betrogen Und oft von Gott gezogen Durch Sünden mancherlei, Will ich doch nicht verzagen; Im Glauben will ich sagen, Daß mir die Schuld vergeben sei. 4. Auf Gott steht mein Vertrauen, Sein Antlitz werd' ich schauen Fürwahr durch Jesum Christ, Der auch für mich gestorben, Mir Gottes Huld erworben Und der mein Mittler worden ist. 5. Die Sünd' kann mir nicht schaden, Erlöst bin ich aus Gnaden Umsonst durch Christi Blut. Es kann kein Werk mir frommen, Wenn ich zu Gott will kommen; Der Glaub' allein kommt mir zu gut. 6. Drauf will ich fröhlich sterben, Das Himmelreich ererben, Mein's Bleibens ist nicht mehr. Gieb, Gott, ein selig Ende; Zu dir ich mich hinwende, Zu dir allein steht mein Begehr. Joh. Hesse Eigne Melodie. 486. Valet will ich dir geben, Du arge, falsche Welt; Dein sündlich böses Leben Durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein Begier, 63⁰ Tod und Begräbnis. Da wird Gott herrlich lohnen Dem, der ihm dient allhier. 2. Rat mir nach deinem Herzen, O Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, Hilf mir, Herr Christ, davon. Verkürz mir alles Leiden, Stärk meinen blöden Mut, Laß selig mich abscheiden, Schenk mir dein ewig Gut. 3. In meines Herzens Grunde Dein Nam' und Kreuz allein Funkelt all' Zeit und Stunde, Drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde Zum Trost in meiner Not, Wie du dich, Herr, so milde Geblutet hast zu Tod. 4. Birg meine Seel' aus Gnaden Bei dir vor allem Leid, Rück sie aus allem Schaden Zu deiner Herrlichkeit. Der ist hier wohl gewesen, Wer kommt in's Himmels Schloß, Und ewig ist genesen, Wer bleibt in deinem Schoß. 5. Herr, meinen Namen schreibe Ins Buch des Lebens ein; Laß mich an deinem Leibe Ein Glied mit denen sein, Die in dem Himmel grünen Und vor dir leben frei: So will ich ewig rühmen, Daß treu dein Herze sei. Valerius Herberger. ISIISMA ISIAIS Fn * Tod und Begräbnis. 631 Mel.: O Welt, ich muß dich lassen. 487. Wenn kleine Himmelserben In ihrer Unschuld sterben, So büßt man sie nicht ein; Sie werden nur dort oben Beim Vater aufgehoben, Damit sie unverloren sei'n. 2. Sie sind ja in der Taufe Zu ihrem Christenlaufe Für Christum eingeweiht Und noch bei Gott in Gnaden: Was sollt' es ihnen schaden, Daß Jesus sie zu sich entbeut? 3. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu geschwinde. Zieh hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen Und bleibest bei den Schafen, Die ewig unsers Jesu sind. Joh. Andr. Rothe. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit. 488. Wenn mein Stündlein vorhanden ist Und ich soll fahr'n mein' Straße, So leit du mich, Herr Jesu Christ, Mit Hülf' mich nicht verlasse! Die Seel' an meinem letzten End' Befehl' ich, Herr, in deine Händ', Du wollst sie mir bewahren. 2. Die Sünde wird mich kränken sehr Und das Gewissen nagen; Der Schuld ist viel, wie Sand am Meer: Doch will ich nicht verzagen, Will denken in der letzten Not, Herr Jesu Christ, an deinen Tod; Du wirst mich wohl erhalten. 632 Tod und Begräbnis. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Des tröst' ich mich von Herzen. Von dir ich ungeschieden bleib' In Todesnot und Schmerzen. Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir, Ein ew'ges Leben hast du mir Durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd' ich im Grab nicht bleiben. Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Sie kann die Furcht vertreiben; Denn, wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin: Drum fahr' ich hin mit Freuden. Nik. Hermann. Eigne Melodie. 489. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod. Ach, wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnot! 2m Mein Gott,:, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden Als es am frühen Morgen war; Solang ich leb' auf dieser Erden, Leb' ich in steter Tod'sgefahr. ) Mein Gott,:/ ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 3. Herr, lehr mich stets mein End' bedenken Und, wenn dereinst ich sterben muß, In Jesu Tod die Seele senken Und ja nicht sparen meine Buß'. ) Mein Gott, ꝛu5 ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. —— —— . S Tod und Begräbnis. 633 4. Laß mich beizeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sei für und für Und sag' getrost in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick's mit mir. 2) Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 5. Mach allezeit mir süß den Himmel Und mache bitter mir die Welt; Gieb, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt. ) Mein Gott,, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 6. Ach Vater, deck all' meine Sünde Mit dem Verdienste Christi zu, Darauf ich gläubig fest mich gründe; Das giebt mir die erwünschte Ruh'. ) Mein Gott, n ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod; Ich leg' die Hand in seine Seite Und sage: Mein Herr und mein Gott! 2) Mein Gott,, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 8. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf', Und darum bist du mir gewogen, Nahmst mich zu deinem Kinde auf. Mein Gott, n ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe Jesu Leib gegessen, Ich hab' sein Blut getrunken hier; Nun kannst du meiner nicht vergessen, Ich bleib' in ihm und er in mir. ): Mein Gott,, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 634 Tod und Begräbnis. 10. So komm' mein End' heut oder morgen, Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt; In deiner Hut bleib' ich geborgen, Mit Jesu Gnade schön geschmückt. ) Mein Gott,„ ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 11. Ich leb' indes in Gott vergnüget Und sterb' ohn' alle Kümmernis; Mir g'nüget, wie mein Gott es füget, Ich glaub' und bin des ganz gewiß: 1 Mein Gott,„ durch Jesu Christi Blut Machst du's mit meinem Ende gut. Amilie Juliane von Schwarzburg⸗Rudolstadt. Mel.: Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt. 490. Wie fleucht dahin der Menschen Zeit! Wie eilet man zur Ewigkeit! Wie wen'ge denken an die Stund' Von Herzensgrund! Wie schweigt davon der träge Mund! 2. Das Leben ist gleich wie ein Traum, Gleich wie ein nicht'ger Wasserschaum; Es gleicht dem Gras, das heute steht Und schnell vergeht, Sobald der Wind darüber weht. 3. Nur du, Jehova, bleibest mir Das, was du bist; ich traue dir. Laß Berg und Hügel fallen hin, Mir ist's Gewinn, Wenn ich allein bei Jesu bin. 4. Solang ich in der Hütte wohn', Halt du mich wach, o Gottes Sohn; Gieb, daß ich zähle meine Tag', Der Welt entsag', Daß, eh' ich sterb', ich sterben mag. VE HOE GE Ee EHVHO VE6 50—5 72 Tod und Begräbnis. 635 5. Was hilft die Welt in letzter Not? Lust, Ehr' und Reichtum in dem Tod? Bedenk's, o Mensch; was eilest du Dem Schatten zu? So kommst du nicht zu wahrer Ruh'. 6. Weg, Eitelkeit, der Thoren Lust! Mir ist das höchste Gut bewußt; Das such' ich nur, das bleibet mir So dort wie hier. Herr Jesu, zieh mein Herz nach dir! 7. Wie schön wird's sein, wenn ich dich seh' Und bald vor deinem Throne steh'! Bis dahin, Heiland, lehre mich, Daß stetig ich Mit klugem Herzen suche dich. Joachim Neander. Mel.: O Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 491. Wie sicher lebt der Mensch, der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub, Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der Tag des Todes sei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel, Der Greis zu vielen noch ein Jahr, Und keiner nimmt den Irrtum wahr. 3. Sprich nicht: Ich denk' in Glück und Not Im Herzen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, Hat nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, Zu thun, was uns der Herr gebeut, Und unsers Lebens kleinster Teil Ist eine Frist zu unserm Heil. 5. Der Tod bringt Seelen vors Gericht; Da bringt Gott alles an das Licht Tod und Begräbnis. Und macht, was hier verborgen war, ö Fr Den Rat der Herzen, offenbar. ö St 6. Weil denn der Tod uns täglich dräut, De So sei doch wacker und bereit; Prüf deinen Glauben als ein Christ, Si Ob er durch Liebe thätig ist. Di 7. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, De Ihr folgt und sich vom Bösen kehrt, Es Ein gläubig Herz, von Lieb' erfüllt, Gl Dies ist es, was in Christo gilt. Je 8. Die Heiligung erfordert Müh', La Du wirkst sie nicht, Gott wirket sie: De Du aber ringe stets nach ihr, Als wäre sie ein Werk von dir. M 9. Wie oft vergess' ich dieser Pflicht! Di Herr, geh mit mir nicht ins Gericht! r Präg selbst des Todes Bild mir ein Und lehre du mich wachsam sein: De 10. Daß ich mein Herz mit jedem Tag II Vor dir, o Gott, erforschen mag,—— Ob Glaube, Demut, Lieb' und Treu' ö W Die Frucht des Geistes in mir sei; ö ö 11. Daß ich zu dir um Gnade fleh', Di Stets meiner Schwachheit widersteh' 3¹ Und sterbend in des Glaubens Macht Vi Mit Freuden ruf': Es ist vollbracht! El Chr. Fürchtegott Gellert. M Ve Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. Ic 492. Wie wird mir dann, o dann mir sein, De Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, In ihm entschlafen werde, Vi Von keiner Sünde mehr entweiht, Ar Entladen von der Sterblichkeit, Bi Nicht mehr der Mensch von Erde! ö „ Tod und Begräbnis. 637 Freu dich, Seele, Stärke, tröste dich, Erlöste, mit dem Leben, Das dir dann dein Gott wird geben. 2. Ich freue mich und bebe doch, So drückt mich meines Elends Joch, Der Fluch der Sünde nieder. Der Herr erleichtert mir mein Joch, Es stärkt durch ihn mein Herz sich doch, Glaubt und erhebt sich wieder. Jesus Christus, Laß mich streben, dir zu leben, dir zu sterben, Deines Vaters Reich zu erben. 3. Verachte denn des Todes Graun, Mein Geist; er ist ein Weg zum Schaun, Der Weg im finstern Thale, Er sei dir nicht mehr fürchterlich, Ins Allerheiligste führt dich Der Weg im finstern Thale. Gottes Ruh' ist Unvergänglich, überschwänglich; die Erlösten Wird sie unaussprechlich trösten. 4. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, Die mich, wenn nun mein Auge bricht, Zu deinen Toten sammelt; Vielleicht umgiebt mich ihre Nacht, Eh' ich dies Flehen noch vollbracht, Mein Lob dir ausgestammelt. Vater, Vater, Ich befehle meine Seele deinen Händen, Deinen treuen Vaterhänden. 5. Vielleicht sind meiner Tage viel; Vielleicht bin ich noch fern vom Ziel, An dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, Die Hütte meiner Sterblichkeit, 638 Tod und Begräbnis. Wird sie erst spät zertrümmert: Laß mich, Vater, Reiche Saaten guter Thaten einst begleiten Vor den Thron der Ewigkeiten. 6. Wie wird mir dann, o dann mir sein, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, Ihn dort anbeten werde, Von keiner Sünde mehr entweiht, Ein Mitgenoss' der Ewigkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! Heilig, heilig, Heilig singen wir und bringen deinem Namen Preis und Ehr' auf ewig. Amen. Fr. Gottl. Klopstock. Mel.: Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt. 493. Wohlauf, wohlan zum letzten Gang! Kurz ist der Weg, die Ruh' ist lang; Gott führet ein, Gott führet aus: Wohlan, hinaus! Zum Bleiben ist nicht dieses Haus. 2. Du Herberg' in der Wanderzeit, Du gabest Freuden, gabst auch Leid. Schließ nur getrost die Pforte zu. Was trauerst duꝰ Dein Gast geht hin zur ew'gen Ruh'. 3. Tragt sanft ihn in sein Schlafgemach, Ihr Lieben, folgt ihm segnend nach! Hab gute Nacht! der Tag war schwül Im Erdgewühl; Hab gute Nacht! die Nacht ist kühl. 4. Ein Festschmuck ist der Särge Tuch, Ein Siegeszug der Leichenzug. Triumph! der Herr macht gute Bahn; Sein Kreuz voran— Das winkt und deutet himmelan. Tod und Begräbnis. 639 5. Ihr Glocken, tönet festlich drein Und läutet hell den Sabbath ein, Der nach des Werktags kurzer Frist Durch Jesum Christ Für Gottes Volk vorhanden ist. 6. O selig, wer das Heil erwirbt, Daß er im Herrn, in Christo, stirbt! O selig, wer, vom Laufe matt, Die Gottesstadt, Die droben ist, gefunden hat! 7. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und eins ist not. Die Welt beut ihre Güter feil— Denk an dein Heil Und wähl in Gott das beste Teil. 8. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brachtest du, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Lust und Schmerz; Schau himmelwärts! Da, wo dein Schatz, da sei dein Herz. 9. Mit Gott bestell dein Haus beizeit, Eh' dich der Tod an Tote reiht. Sie rufen: Gestern war's an mir, Heut ist's an dir! Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. 10. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, Aus Wieg' und Bett in Sarg und Grab! Wann, wie und wo? ist Goit bewußt; Schlag an die Brust! Du mußt von dannen, Mensch, du mußt. 11. Da ist kein Sitz zu reich, zu arm, Kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, Da blüht zu schön kein Wangenrot: Im Finstern droht Der Tod, und überall der Tod. 640 Tod und Begräbnis. 12. Ach banges Herz im Leichenthal, Wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist es, Jesu, der mit Macht Aus Gräbernacht Das Leben hat ans Licht gebracht. 13. Dein Trostwort klingt so hoch und her: Wer an mich glaubt, stirbt nimmermehr. Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, Dein Himmelgehn Läßt uns den Himmel offen sehn. 14. Wohl dem, der sich, mit dir vertraut, Schon hier die ew'gen Hütten baut! Er sieht das Kleinod in der Fern' Und kämpfet gern Und harrt der Zukunft seines Herrn. 15. Nun, Thor des Friedens, öffne dich! Hier schließt des Pilgers Wallfahrt sich. Dort oben ist die Stätte schon Am Gnadenthron Bereitet ihm durch Gottes Sohn. 16. Sein ist das Reich mit Allgewalt: Er zeugt und spricht: Ich komme bald. Ja, komm, Herr Jesu, führ uns ein! Wir harren dein: Amen, dein laß uns ewig sein. Chr. Fr. Heinr. Sachse. Mel.: Es ist genug, so nimm, Herr, meinen Geist. 494. Zeuch hin, mein Kind! Gott selber fordert dich Aus dieser argen Welt. Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich; Doch weil es Gott gefällt, So unterlass' ich alles Klagen Und will mit stillem Geiste sagen: Zeuch hin, mein Kind! ‚SDSenr? Oꝗ Vv e2 H FS Tod und Begräbnis. 641 2. Zeuch hin, mein Kind! der Schöpfer hat dich mir Hienieden nur geliehn. Die Zeit ist hin; darum befiehlt er dir, Jetzt wieder fortzuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so ersehen; Was dieser will, das muß geschehen. Zeuch hin, mein Kind! 3. Zeuch hin, mein Kind! im Himmel findest du, Was diese Welt nicht giebt; Denn nur bei Gott ist wahre Freud' und Ruh', Von keinem Schmerz getrübt. Hier müssen wir in Angsten schweben, Dort kannst du ewig fröhlich leben. Zeuch hin, mein Kind! 4. Zeuch hin, mein Kind! wir folgen alle nach, Sobald es Gott gefällt. Du eilest fort, eh' dir das Ungemach Verbittert diese Welt. Wer lange lebt, ist lang im Leide, Wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude. Zeuch hin, mein Kind! 5. Zeuch hin, mein Kind! die Engel warten schon Auf deinen frommen Geist. Nun siehest du, wie Gottes lieber Sohn Dir schon die Krone weist. Vollendet sind die Leidensstunden, Du hast durch Jesum überwunden. Zeuch hin, mein Kind! Gottfr. Hoffmann. 41 642 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. XXVI. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Eigne Melodie. 495. Ruferstehn, ja auferstehn wirst du, Mein Staub, nach kurzer Ruh'. Unsterblich's Leben Wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! 2. Wieder aufzublühn werd' ich gesä't; Der Herr der Ernte geht Und sammelt Garben, Uns, ein, die wir hier starben. Halleluja! 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag! Du meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe Genug geschlummert habe, Erweckst du mich. 4. Wie den Träumenden wird dann uns sein. Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden. Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler dann, lebt' ich Im Heiligtume Zu seines Namens Ruhme. Halleluja!. Fr. Gottl. Klopstock. Mel.: Valet will ich dir geben. 496. Ermuntert euch, ihr Frommen, Zeigt eurer Lampen Schein! Der Abend ist gekommen, Die finstre Nacht bricht ein. 2 Es hat sich aufgemachet Der Bräutigam mit Pracht; Auf, betet, kämpft und wachet! Bald ist es Mitternacht. 2. Macht eure Lampen fertig Und füllet sie mit Ol Und seid des Heils gewärtig, Bereitet Leib und Seel'. Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah, Begegnet ihm in Reihen Und singt Halleluja! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, Hebt nun das Haupt empor Mit Jauchzen und mit Schalle Zum frohen Engelchor. Die Thür ist aufgeschlossen, Die Hochzeit ist bereit; Auf, auf, ihr Reichsgenossen! Der Bräut'gam ist nicht weit. 4. Er wird nicht lang verziehen, Drum schlafet nicht mehr ein; Man sieht die Bäume blühen, Der schönste Frühlingsschein Verheißt Erquickungszeiten, Die Abendröte zeigt Den schönen Tag von weitem, Vor dem das Dunkel weicht. 5. Begegnet ihm auf Erden, Ihr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Gebärden Und seid nicht mehr betrübt. Es sind die Freudenstunden Gekommen, und der Braut Wird, weil sie überwunden, Die Krone nun vertraut. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 643 6. Die ihr Geduld getragen Und mit gestorben seid, Sollt nun nach Kreuz und Klagen In Freuden sonder Leid Mit leben und regieren Und vor des Lammes Thron Mit Jauchzen triumphieren In eurer Siegeskron'. 7. Hier sind die Siegespalmen, Hier ist das weiße Kleid, Hier singt man Freudenpsalmen Im Frieden nach dem Streit, Hier schweigen alle Klagen, Hier grünen die Gebein', Die dort der Tod erschlagen, Hier schenkt man Freudenwein. 8. O Jesu, meine Wonne, ö Komm bald und mach dich auf, Geh auf, ersehnte Sonne, Und fördre deinen Lauf! O Jesu, mach ein Ende Und führ uns aus dem Streit! Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit. Laurentius Laurentii. Mel.: Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. 497. Es ist noch eine Ruh' vorhanden; Auf, müdes Herz, und werde licht! ö Du seufzest hier in deinen Banden, ö Und deine Sonne scheinet nicht. ö Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden Dort wird vor seinem Stuhle weiden; Wirf hin die Last und eil' ihm zu! Bald ist der heiße Kampf geendet, Auserstehung, Gericht und ewiges Leben. 90 Bald, bald der 29— Lauf vollendet: So gehst du ein zu deiner Ruh' 2. Die Ruhe hat Gott anderboden, Die Ruhe, die kein Ende nimmt; Es hat, da noch kein Mensch geboren, Die Liebe sie uns schon bestimmt. Der Heiland wollte darum sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben; Er ruft, er locket weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr Frommen, Versüäumet nicht heut einzukommen Zu meiner Ruhe Lieblich seit. 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt! Eilt, eilt aus euren Kummerhöhlen, Geht nicht mehr traurig und gebückt! Ihr habt des Tages Last getragen, Dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruhstatt sein; Ihr seid mein Volk, gezeugt von oben; Ob Sünde, Welt und Teufel toben, Seid nur getrost und gehet ein! 4. Was mag wohl einen Kranken laben Und einen müden Wandersmann? Wenn jener nur ein Bettlein haben Mun 11 10 auf solchem ruhen kann, Wenn dieser sich darf niedersetzen, An einem frischen Trunk ergötzen, Wie sind sie beide dann erfreut! Doch dies sind kurze Ruhestunden: Es wird noch eine Ruh' gefunden, Die währt in alle Ewigkeit. 5. Da wird man Freudengarben bringen Denn unsre Thränensaat ist aus. O welch ein Jubel wird erklingen, Welch Lobgetön im Vaterhaus! 646 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Dort wird kein Tod uns mehr erreichen, Angst, Schmerz und Leid muß von uns weichen, Wir werden den Erlöser sehn; Er wird am Brunngquell uns erfrischen, Die Thränen von den Augen wischen; Wer weiß, was sonst noch soll geschehn? 6. Kein Durst noch Hunger wird uns schwächen, Denn die Erquickungszeit ist da. Die Sonne wird uns nicht mehr stechen, Der Herr ist seinem Volke nah. Er selbst will unter ihnen wohnen Und ihre Treue wohl belohnen Mit Licht und Trost, mit Ehr' und Preis; Ein neues Leben wird da grünen, Der große Sabbath ist erschienen, Wo man von keiner Arbeit weiß. 7. Da ruhen wir und sind im Frieden Und leben ewig sorgenlos. Ach fasset dieses Wort, ihr Müden, Und legt euch in des Heilands Schoß! Ach Flügel her! wir müssen eilen Und uns nicht länger hier verweilen, Dort wartet schon die frohe Schar. Fort, fort, mein Geist, zum Jubilieren, Auf, gürte dich zum Triumphieren, Auf, auf, es kommt das Ruhejahr! Joh. Sigism. Kunth. Eigne Melodie. 498. Ich bin's voll Zuversicht: am Ende Der Laufbahn wird das Kleinod mir. Mit Wonn' erfüllt die Hoffnung meine ganze Seele, Ruft Frieden Gottes mir zu. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 647 2. Wie wird mir sein, wenn ich nun Erbe Mit Christus bin; wenn, Staub zu Staub, Mein Leib gesunken ist und dennoch meine Seele Weit über Sterne sich hebt; 3. Wenn ich aus diesen Einsamkeiten Zu Gottes Schar hinübergeh', Zur Schar, die Tag und Nacht vom hohen Lobgesange, Vom Psalm der Wonne nicht ruht; 4. Wenn ich mich in die Jubelchöre, Wo Zions Harf' am Strome rauscht, Mich in den Ruf der frohen Halleluja dränge, Der laut Entzückungen ruft! 5. Wie Stimmen großer Wasser tönet Das neue Lied des Lamms; ein Heer Der Harfenspieler singt; wie hohe Meere tönet Des Lammes Lied um den Thron! 6. O Vorempfindung jener Wonne! Allein ich fass', ich fass' es nicht, Wie mir es dann wird sein, wann ich hin⸗ überkomme, Ich Staub zum Erbe des Herrn! Fr. Gottl. Klopstock. Mel.: Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit. 499. Ich hab' von ferne, Herr, deinen Thron erblickt Und hätte gerne Mein Herz vorausgeschickt Und hätte gern mein müdes Leben, 2,: Schöpfer der Geister, dir hingegeben. 2. Das war so prächtig, Was ich im Geist gesehn. Du bist allmächtig, Drum ist dein Licht so schön. 648 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Könnt' ich an diesen hellen Thronen : Doch schon von heute an ewig wohnen! 3. Nur, ich bin sündig, Der Erde noch geneigt, Das hat mir bündig εν Dein heil'ger Geist gezeigt. T Ich bin noch nicht genug gereinigt, 2): Noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. E 4. Doch bin ich fröhlich, A Daß mich kein Bann erschreckt; A Ich bin schon selig, Seitdem ich das entdeckt. D Ich will mich noch im Leiden üben ½ Und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 2 K 5. Ich bin zufrieden, W Daß ich die Stadt gesehn, S Und ohn' Ermüden D Will ich ihr näher gehn V Und ihre hellen, goldnen Gassen D Lebenslang nicht aus den Augen lassen.: N Joh. Timotheus Hermes. A Eigne Melodie. D 500. Jerusalem, du hochgebaute Stadt, Ui Wollt' Gott, ich wär' in dir! S Mein sehnend Herz so groß Verlangen hat 3 Und ist nicht mehr bei mir. Y Weit über Berg und Thale, V Weit über blaches Feld Schwingt sich's zum Himmelssaale I Und eilt aus dieser Welt. D 2. O schöner Tag und noch viel schönre D Stund', 2 Wann wirst du kommen, wann? 2 Da ich mit Lust und freiem Freudenmund Die Seele geben kann 939 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 649 In Gottes treue Hände Zum auserwählten Pfand, Daß er mein Heil vollende In jenem Vaterland. 3. O Ehrenburg, sei nun gegrüßet mir, Thu auf die Gnadenpfort'! Wie große Zeit hat mich verlaͤngt nach dir, Eh' ich bin kommen fort Aus jenem bösen Leben, Aus jener Nichtigkeit, Und mir Gott hat gegeben Das Erb' der Ewigkeit. 4. Was für ein Volk, welch eine edle Schar Kommt dort gezogen schon? Was in der Welt von Auserwählten war, Seh' ich, die beste Kron', Die Jesus mir entgegen Vom Himmel hat gesandt, Da ich auf fernen Wegen Noch war im Thränenland. 5. Propheten groß und Patriarchen hoch, Auch Christen insgemein, Die weiland dort trugen des Kreuzes Joch Und der Tyrannen Pein, Schau' ich in Ehren schweben, In Freiheit überall, Mit Klarheit hell umgeben, Mit sonnenlichtem Strahl. 6. Wenn dann zuletzt ich angelanget bin Im schönen Paradies, Da wird erfüllt mit höchster Freud' der Sinn, Der Mund voll Lob und Preis. Das Halleluja singet Man dort in Heiligkeit, Das Hosianna klinget Ohn' End' in Ewigkeit: 650 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 7. Mit Jubelklang und Instrumenten schön In Chören ohne Zahl, Daß von dem Schall und lieblichen Getön Sich regt der Freudensaal, Mit hunderttausend Zungen, Wie um den Schöpfer her Von Anbeginn gesungen Des Himmels selig Heer! Joh. Matth. Meyfart. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 501. Jesus kommt, von allem Bösen Uns, seine Christen, zu erlösen, Er kommt mit Macht und Herrlichkeit. Dann an seinem großen Tage Verwandelt sich der Frommen Klage In friedevolle Seligkeit. Sei fröhlich, Volk des Herrn! Er kommt, er ist nicht fern, Dein Erretter. Dein Leid ist kaum Ein Morgentraum, Auf ihn folgt ewig, ewig Heil. 2. Augenblicke dieser Leiden, Was seid ihr gegen jene Freuden Der unbegränzten Ewigkeit! Seht die Kron' am Ziele prangen Und kämpft und ringt, sie zu erlangen, Die ihr so hoch begnadigt seid! Euch hält in eurem Lauf Kein Schmerz des Lebens auf. Überwinder, Das Ziel ist nah, Bald seid ihr da, Und eure Leiden sind nicht mehr. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 651 3. Der sich euch zum Volk erwählet, Der eure Thränen alle zählet, Stritt auch mit ungebeugtem Mut. Wie hat Jesus nicht gerungen, Wie tief war er von Angst durchdrungen, Wie seufzt' er laut, wie floß sein Blut! Doch sahn die Feinde nicht Auf seinem Angesicht Bange Schrecken. Gestärkt von Gott Litt er den Tod: Da jauchzten alle Himmel ihm. 4. Mitgenossen seiner Leiden Sind wir; einst ernten wir auch Freuden Mit ihm, dem Überwinder, ein. Laßt uns kämpfen, laßt uns ringen, Mit unserm Haupt hindurchzudringen Und seines Himmels wert zu sein! Der Hülf' uns schafft, ist er, Sein großer Nam' ist: Herr, Unsre Stärke. Die ihm vertraun, Die werden schaun, Welch eine feste Burg er ist. 5. Ja, du kommst, von allem Bösen Uns, deine Christen, zu erlösen; Des sind wir froh und danken dir. Herr, in allen trüben Tagen Soll unser Herz doch nicht verzagen: Auf deine Zukunft hoffen wir. Wir wissen, wer du bist, Wer dein, o Jesu, ist, Und sind stille. Wenngleich die Welt In Trümmer fällt, Wir traun auf dich und zagen nicht. Balch. Münter. 652 Auferst ig, Gericht und ewiges Leben. Eigne Melodie. 502. Jesus, meine Zuversicht Und mein Heiland, ist im Leben. Dieses weiß ich, sollt' ich nicht Darum mich zufrieden geben, Was die lange Todesnacht Mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er, mein Heiland, lebt; Ich werd' auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt: Warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band Zu genau mit ihm verbunden, Meine starke Glaubenshand Wird in seiner Hand gefunden, Daß mich auch kein Todesbann Ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Erde werden; Das gesteh' ich, doch wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich in der Herrlichkeit Um ihn sein mög' allezeit. 5. Dann wird dieser Leib verklärt Mich umgeben, wie ich gläube. Gott wird dann von mir verehrt Und geschaut im neuen Leibe, Und in diesem Leib werd' ich Jesum sehen ewiglich. 6. Dann wird meiner Augen Licht Jesum, meinen Heiland, kennen; Ich, ich selbst, ein Fremder nicht, Werd' in seiner Liebe brennen. VOSee VE 7VS 59 E/e —.„6en Auferstehung, Gericht und Nur die Schwachheit um und an Wird von mir sein abgethan. 7. Was hier kranket, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen. Irdisch werd' ich aus 1, Himmlisch werd' ich auferstehen. Hier verweset mein Gebein, Dort werd' ich unsterblich sein. 8. Seid getrost und hoch erfreut, Jesus läßt nicht seine Glieder; Gebt nicht Raum der Traurigkei Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, Wenn einst die Posaun' erklingt, Die auch durch 91 Gräber dringt. 9. Lacht der finstern Erdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen! Denn ihr sollt euch aus der Gruft Curem Heiland zugesellen. Dann wird Schwae Hheit und Verdruß Liegen unter eurem Fuß. 10. Nur, daß ihr den Geist erhebt Von dem Wesen dieser Erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt wollt werden. Schickt das Herze da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein. Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg —5. Mel.: Wer nur den lieben Gott. 503. Nach einer Prüfung kurzer Tage Erwartet uns die Ewigkeit. Dort, dort verwandelt sich die Klage In ew'ges Glück und Seligkeit. Hier übt der Streiter seinen Fleiß, und jene Welt reicht ihm den Preis. ges Leben. 653 654 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 2. Wahr ist's, der Fromme schmeckt auf Erden Schon manchen sel'gen Augenblick; Doch alle Freuden, die ihm werden, Sind nur ein unvollkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh' Nimmt, weil er lebt, bald ab, bald zu. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, Bald das Geräusche dieser Welt; Bald kämpft in seinem eignen Herzen Ein Feind, der öfter siegt als fällt; Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld In Kummer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend öfters leidet, Das Laster öfters glücklich ist, Wo man den Glücklichen beneidet Und des Bekümmerten vergißt: Hier kann der Mensch nie frei von Pein, Nie frei von eigner Schwachheit sein. 5. Hier such' ich's nur, dort werd' ich's finden; Dort werd' ich, heilig und verklärt, Der Tugend ganzen Wert empfinden, Den unaussprechlich großen Wert. Den Gott der Liebe werd' ich sehn, Ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird des Vaters heil'ger Wille Mein Will' und meine Wohlfahrt sein Und lieblich Wesen, Heil die Fülle Am Throne Gottes mich erfreun. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd' ich das im Licht erkennen, Was ich auf Erden dunkel sah, C IH HDHr HS Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 655 Das wunderbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier geschah. Da schau' ich im Zusammenhang Des Höchsten Rat mit Preis und Dank. 8. Da werd' ich zu dem Throne dringen, Wo Gott sich ganz mir offenbart, Ein Heilig, Heilig, Heilig singen Dem Lamme, das erwürget ward, Und Cherubim und Seraphim Und alle Himmel jauchzen ihm. 9. Da werd' ich in der Engel Scharen Mich ihnen gleich und heilig sehn, Das nie gestörte Glück erfahren, Stets fromm mit Frommen umzugehn. Da wird in jedem Augenblick Ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 10. Da werd' ich dem den Dank bezahlen, Der Gottes Weg mich gehen hieß, Und ihn zu millionenmalen Noch segnen, daß er mir ihn wies. Da find' ich in des Höchsten Hand Den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft— o möchte Gott es geben!— Vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil sei dir! denn du hast das Leben, Die Seele mir gerettet, du! O Gott, wie muß dies Glück erfreun, Der Retter einer Seele sein! 12. Was seid ihr Leiden dieser Erden Doch gegen jene Herrlichkeit, Die offenbart an uns soll werden Von Ewigkeit zu Ewigkeit! Wie nichts, wie gar nichts gegen sie Ist doch ein Augenblick voll Müh! Chr. Fürchtegott Gellert. 656 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Eigne Melodie. 504. O Ewigkeit, du Donnerwort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, Ich weiß vor großer Traurigkeit Nicht, wo ich mich hinwende; Mein ganz erschrocknes Herz erbebt, Wenn mir dies Wort im Sinne schwebt. 2. Kein Unglück ist in aller Welt, Das endlich mit der Zeit nicht fällt Und ganz wird aufgehoben. Die Ewigkeit nur hat kein Ziel, Ihr mächt'ger Strom steht nimmer still, Läßt nimmer ab zu toben; Ja, wie der Heiland selber spricht: Ihr Wurm und Feuer stirbet nicht. 3. O Ewigkeit, du machst mir bang! O ewig, ewig ist zu lang! Hier gilt fürwahr kein Scherzen. Drum, wenn ich diese lange Nacht Zusamt der großen Pein betracht', Erschreck' ich recht von Herzen. Nichts ist zu finden weit und breit So schrecklich, als die Ewigkeit. 4. Ach Gott, wie bist du so gerecht, Wie strafest du den bösen Knecht Mit unerhörten Schmerzen! Auf kurze Sünden dieser Welt Hast du so lange Pein bestellt. Ach nimm es wohl zu Herzen Und merke dies, o Menschenkind: Kurz ist die Zeit, der Tod geschwind. 5. Wach auf vom Sündenschlaf, wach auf, O sichrer Mensch, zu neuem Lauf S 509 / vajnAEn 6ern ——— 5556—8— —„— 5„667/535 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 657 Und bess're bald dein Leben! Wach auf, denn es ist hohe Zeit Es kommt heran die Ewigkeit, Dir deinen Lohn zu geben. Vielleicht ist heut der letzte Tag; Wer weiß, wie bald man sterben mag? 6. O Ewigkeit, du Donnerwort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, Ich weiß vor großer Traurigkeit Nicht, wo ich mich hinwende. Nimm du mich, wenn es dir gefällt, Mein Jesu, in dein Freudenzelt! Joh. Rist. * Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 909. wie fröhlich, o wie selig Werden wir im Himmel sein! Droben ernten wir unzählig Unsre Freudengarben ein. Gehen wir hier hin und weinen, Droben wird die Sonne scheinen; Dort ist Tag und keine Nacht, Wo man nach den Thränen lacht. 2. Ach, wer sollte sich nicht sehnen, Dort in Zion bald zu stehn, Und aus diesem Thal der Thränen An den Freudenort zu gehn, Wo sich unser Kreuz in Palmen, Unser Klagelied in Psalmen, Unsre Last in Lust verkehrt Und das Jauchzen ewig währt? 3. Da wird unser Aug' erblicken, Was ganz unvergleichlich ist; Da wird unser Herz erquicken, Was aus Gottes Herzen fließt; 658 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Da wird unser Ohr nur hören, Was die Freude kann vermehren; Da empfindet unser Herz Lauter Labsal ohne Schmerz. 4. O wie werden wir so schöne Bei der Klarheit Gottes sein! Wie wird da das Lobgetöne Seiner Engel uns erfreun! Wie wird unsre Krone glänzen Bei so vielen Siegeskränzen! Wie wird unser Kleid so rein, Heller als die Sonne sein! 5. Ach, wann werd' ich dahin kommen, Daß ich Gottes Antlitz schau? Werd' ich nicht bald aufgenommen In den schönen Himmelsbau, Dessen Grund den Perlen gleichet, Dessen Glanz die Sonne weichet, Dessen wundervolle Pracht Alles Gold zu Schanden macht? 6. Dorthin stehet mein Verlangen; O du großer Lebensfürst, Laß mich bald dahin gelangen, Wo du mich recht trösten wirst. Unterdessen laß auf Erden Schon mein Herze himmlisch werden, Bis mein Los in jener Welt Auf das Allerschönste fällt. Benj. Schmolck. Eigne Melodie. 506. O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen Aller Not, die uns noch hält gefangen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben: „5„ꝰ 268 70988 —— Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 659 Was wir hier kennen, Ist nur Müh' und Herzeleid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in eurer Kammer, Sicher und befreit von allem Jammer, Kein Kreuz und Leiden Ist euch hinderlich in euren Freuden. 4. Christus wischet ab all' eure Thränen, Ihr habt schon, wonach wir uns erst sehnen: Euch wird gesungen, Was in keines Ohr allhier gedrungen. 5. Ach, wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt' hier bleiben, Sich vom Jammer länger lassen treiben? 6. Komm, Herr Jesu, komm uns auszu⸗ spannen, Lös uns auf und führ uns bald von dannen: Bei dir, o Sonne, Ist der frommen Seelen Freud' und Wonne. Simon Dach. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme. 507. Selig sind des Himmels Erben, Die Toten, die im Herren sterben, Zur Auferstehung eingeweiht. Nach den letzten Augenblicken Des Todesschlummers folgt Entzücken, Folgt Wonne der Unsterblichkeit. Im Frieden ruhen sie, Los von der Erden Müh'. Hosianna! Vor Gottes Thron Zu seinem Sohn Begleiten ihre Werke sie. 2. Dank, Anbetung, Preis und Ehre, Macht, Weisheit, ewig, ewig Ehre 42˙ 660 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Sei dir, Versöhner, Jesu Christ! Ihr, der Überwinder Chöre, Bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre Dem Lamme, das geopfert ist! Er sank, wie wir, ins Grab, Wischt unsre Thränen ab, Alle Thränen! Er hat's vollbracht! Nicht Tag, nicht Nacht Wird an des Lammes Throne sein. 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne Scheint uns alsdann; er ist uns Sonne, Der Sohn, die Herrlichkeit des Herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, Nun bist du, Heil, uns aufgegangen, Nicht mehr im Dunkel, nicht von fern. Nun weinen wir nicht mehr; Das Alte ist nicht mehr. Halleluja! Er sank hinab, Wie wir, ins Grab, Er ging zu Gott, wir folgen ihm. Fr. Gottl. Klopstock. Eigne Melodie. 508. Tag des Zorns, o Tag voll Grauen, Da die Welt den Herrn soll schauen, Nach dem Wort, dem wir vertrauen! 2. Zittern in der Erde Gründen Wird des Richters Nahn verkünden, Der die Herzen will ergründen. 3. Wunderbar Posaunenhallen Wird durch jedes Grab erschallen, Auf zum Throne! rufend allen. 4. Erd' und Tod wird sehn mit Beben Das Geschöpf der Gruft entschweben, Antwort seinem Herrn zu geben. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 661 Und ein Buch 488 sich entfalten, Drin die Schuld der Welt e Uber die Gericht zu halten. 6. Wenn er nun sitzt auf dem Throne, Kommt alsbald vor Gottes Sohne Alles zu verdientem Lohne. 7. Was soll dann ich Armer sagen? Wer mich zu vertreten wagen, Wo selbst die Gerechten zagen? 8. Furchtbar hoch erhabner König, Quell der Liebe, Heiland gnädig, Mach du mich der Sünden ledig! 9. Jesu, deiner Lieb' gedenke, Daß du für mich kamst, bedenke, Darum einst mir Gnade schenke 10. Bist voll Schmerz mich suchen gangen, Hast für mich am Kreuz gehangen: Nicht umsonst sei Müh' und Bangen. 11. Richter der gerechten Rache, Deiner Huld mich teilhaft mache, Eh' zum Richttag ich erwache. 12. Gleich Verworfnen fühl' ich Bangen, Schuld macht glühen meine Wangen; Mein Gebet laß Gnad' erlangen. 13. Du, der lossprach einst Marien Und dem Schächer hast verziehen, Hast auch Hoffnung mir verliehen. 14. Zwar unwürdig ist mein Flehen, Doch laß, Heiland, Gnad' mich sehen, Nicht ins ew'ge Feuer gehen. 15. Wollst mich von den Böcken trennen Und den Schafen zuerkennen, Platz zu deiner Rechten gönnen. 662 Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 16. Ruf, wenn in die ew'gen Flammen Sinken, die du willst verdammen, Mit den Deinen mich zusammen. 17. Sieh, nach dir streck' ich die Hände. Zum Zerknirschten, Herr, dich wende, O gieb mir ein sel'ges Ende! 18. Tag voll Thränen, wo mit Grauen Alle Welt den Herrn wird schauen! Nimm von uns die Last der Sünden, Laß, o Gott, uns Gnade finden! Frommer Jesu, Heiland du, Schenk uns all'n die ew'ge Ruh'! Amen. Aus dem Lateinischen des Thomas von Celano. Nach der übersetzung von Bunsen. Eigne Melodie. 509. Wachet auf! ruft uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne, Wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde, Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen! Wohlauf, der Bräut'gam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit Zur Hochzeitsfreud': Ihr müsset ihm entgegengehn. 2. Zion hört die Wächter singen, Das Herz thut ihr vor Freuden springen, Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werte Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn! —25 I D .. Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. 663 Hosianna! Wir folgen all' Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. 3. Gloria sei dir gesungen Mit Menschen- und mit Engelzungen, Mit Harfen und mit Cymbeln schön. Von zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt; wir stehn im Chore Der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug' hat je gespürt, Kein Ohr hat je gehört Solche Freude. Des jauchzen wir Und singen dir Das Halleluja für und für. Ph. Nicolai. Mel.: Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 510. Wie herrlich ist die neue Welt, Die Gott den Frommen vorbehält! Kein Mensch kann sie erwerben. Du Jesu, der du sie erwarbst, Als du für unsre Sünden starbst, Ach hilf sie mir ererben! Einen Strahl nur IhrerSonne, ihrer Wonne gieb mir Schwachen, Mir mein Ende leicht zu machen. Nach Ahasverus Fritsch. Verzeichnis der Tiederdichter. Adolph, Gottlob; geb. 1685 in der Oberlausitz, + 1745 als Prediger zu Hirschberg.— 57. 189. Amilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg⸗ Rudolstadt, Gemahlin des Grafen Albrecht Anton, geb. Gräfn von Barby; geb. 1637, 4 1706.— 256. 445. 489. Albert, Heinrich; geb. 1604 zu 93‚. + 1651 als Organist zu Königsberg.— 392. Albinus, Johann Georg; geb. 1624 zu Unternessa bei Weißenfels, + 1679 als Pastor in Naumburg. — 197. 462. Albrecht der ine9. 155 Markgraf von Brandenburg⸗ Kulmbach; geb. 1522, 1557 zu Pforzheim in der Verbannung.— 375(7). Altenburg, Michael(Johann); geb. 1584 zu Alach bei Erfuͤrt, 4 1640 als Pastor in Erfurt.— 134. Anna Sophia, Landgräfin pon Hessen⸗Darmstadt; geb. 1638, 7 1683 als Abtissin des Stifts zu Quedlinburg.— 247. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig und Lüne⸗ burg; geb. 1633, Regent seit 1685, trat 1710 zur römisch-katholischen Kirche über, + 1714 zu Salzdahlum.— 378. Arends, Wilhelm Erasmus; 1721 als Pastor in Halberstadt.— 308. Arndt, Ernst Moritz; geb. 1769 auf Rügen,. 12. als Professor der Geschichte in Bonn.— 29. 212. 666 Arnold, Gottfried; geb. 1666 zu Annaberg im sächsischen Erzgebirge, Kiebern. 504. 500(5 + 1714 als Pastor in Perleberg.— 304. 306(ꝰ). Bäßler, Johann Leonhard; 44.8 1745, Rektor zu Memmingen, 1 1811.— 444 Behemb(Behm), Martin; geb. 1557 zu Lauban, + 1622 als Pastor primar. daselbst.— 55. 388. Betichius, Johann; geb. 1650 zu 18870 in Anhalt, + 1722 als Pastor in Zerbst.— Bienemann, Kaspar(Melissander); 5— 1540 zu Nürnberg, 4 1591 als Generalsuperintendent zu Altenburg.— 327. Birken, Sigismund von(Betulius); geb. 1626 zu Wildenstein bei Eger, Prinzenerzieher an ver⸗ schiedenen Höfen, 10 3 als Privatgelehrter in Nürnberg.— 68. Böhmer, Just Sannnn geb. 1674 zu Hannover, berühmter Jurist, 4+ 1749 als Professor der Rechte, Kanzler des Herzogtums Le und Direktor der Universität zu Halle.— 9 EnScht Karl Heinrich von; geb. 1690 zu Jankowe in Schlesien, 4 1774 zu Halle.— 147. 214. Bruhn, David; geb. 1727 50 Memel, 4 1782 als Prediger in Berlin.— 105. Buchner, August; ges. 1591 zu Dresden, 4 1661 als Professor der Dichtkunst und Beredsamkeit zu Wittenberg.— 389. Busch, Peter; geb. 1682 zu Lübeck, 4 1744 als Pastor zu Hannober.— 443. Ca lisius, Johann Heinrich; geb. 1633 zu Wohlau in Schlesien, 4 1698 als 439. Super⸗ intendent in Gaildorf.— Celano, Thomas von; Schüler und Freund des Franciscus von Assisi, 1 4 Mitglied des Minoritenordens um 1250.— 508. Claudius, Matthias; der„Wandsbecker Bote“ eb. 1740 zu Reinfeld, 4 18¹⁵ zu Hamburg als Erivatgelehrter und Revisor der schleswig⸗ hol⸗ steinischen Bank in Altona.— 410. 667 Clausnitzer, Tobias; geb. 1618 zu Thum bei Annaberg in Sachsen, 1684 als lurpfälzischer Kirchenrat und Inspektor zu Weiden in der Oberpfalz.— 10. Cramer, Johann Andreas; geb. 1723 zu Jöhstedt im sächsischen Erzgebirge, 4 1788 als Professor der Theologie und Prokanzler der Universität zu Kiel.— 2. 20. 152. 363. 404. 407. 447. Crasselius, Bartholomäus; geb. 1677 zu Werns⸗ dorf bei Glauchau in Sachsen, 4 1724 als Pastor in Düsseldorf.— 122(2). 288(2). 324. Crueiger(reutziger), Elisabeth; 4 1558.— 218. Dach, Simon; geb. 1605 zu Memel, Haupt der Königsberger Dichterschule, 4 1659 als Professor der Dichtkunst in Königsberg.— 506. Decius GHovesch), Nikolaus, Mönch im Kloster Steterburg im Braunschweigischen, später evan⸗ gelisch geworden; 4 1541 als Pastor in Stettin. — 1. 74. Denicke, David; geb. 16038 zu Zittau, 4 1680 als Gurist.) Konsistorialrat in Hannover.— 158. 194. Deßler, Wolfgang Christoph; geb. 1660 zu Nürn⸗ berg, 4 1722 als Konrektor der Schule zum Heiligen Geist daselbst.— 231. 248. Diterich, Johann Samuel; geb. 1721 zu Berlin, + 1797 als Ober⸗Konsistorialrat und Pastor da⸗ selbst.— 19. 44. 107. 223. 302. 313. Drewes, Johann Friedrich Ludwig, reformierter Prediger zu Detmold; geb. 1762.— 352. Eber, Paul; geb. 1511 zu Kitzingen in Franken, Freund Luthers und Melanchthons, 4 1569 als Generalsuperintendent und Professor der Theologie in Wittenberg.— 379. Eleonore, Fürstin zu Reuß, geb. Gräfin zu Stol⸗ berg; geb. 1835.— 43. Mabrieius, Friedrich; geb. 1642 zu Stettin, + 1703 als Pastor daselbst.— 103. Feddersen, Jakob Friedrich; geb. 1730 zu Schleswig, + 1788 als Propst zu Altona.— 437. 668 Fischer, Christoph; geb. zu Joachimsthal in Böhmen, + 1600 als Hofprediger und Generalsuperinten⸗ dent in Celle.— 81. Fleming, Paul, Dr. med.; geb. 1609 zu Harten⸗ stein in Sachsen, 4+ 1640 in Hamburg an den Folgen der Beschwerden einer Reise nach Persien. — 358. Flessa, Johann Adam; geb. 1694 unweit Baireuth, + 1776 als Generalsuperintendent in Schleswig. — 239()). Flitner, Johann; geb. 1618 zu Suhl, 4 1678 als Diakonus zu Grimmen bei Greifswald.— 176. Franck, Johann; geb. 1618 zu Guben in der Nieder⸗ lausitz, 4 1677 als Bürgermeister daselbst.— 53. 171. 182. 242. 385. 457. Franck, Michael; geb. 1609 zu Schleusingen, + 1667 als Lehrer an der Stadtschule zu Koburg.— 161. Franck, Salomo; geb. 1659 zu Weimar, 1725 als Oberkonsistorial⸗Sekretär daselbst.— 638. 79. 319. 362. Freylinghausen, Johann Anastasius; geb. 1670 zu Gandersheim im Braunschweigischen, August Hermann Franckes Schwiegersohn und Nachfolger als Direktor der Franckeschen Stiftungen in Halle, 4 1789.— 252. 412. Freystein, Johann Burchard; 4 um 1720 als Hof⸗ und Justizrat in Dresden.— 331. Fricker, Johann Ludwig; 4 1766 als Pfarrer zu Dettingen unter Urach.— 144. Fritsch, Ahasverus; geb. 1629 zu Mücheln bei Freiburg(Provinz Sachsen), 4 1701 als Kanzlei⸗ direktor und Konsistorialpräsident zu Rudolstadt. 510. Garve, Karl Bernhard; geb. 1763 zu Jeinsen bei Hannover, Prediger der Brüdergemeinde, 4 1841 zu Herrnhut.— 148. Gedicke, Lampertus; der Altmark, 4 173 geb. 1683 zu Gardelegen in 5 als Feldpropst in Berlin. G 669 Gellert, Aun tchitrt F he geb. 9190 Iu Hai⸗ nichen e 69 3 Won in 149. 167. 505 31⁷. 491. 508. Gerbende Paul d 1607 zu Gräfenhainichen bei Wittenberg,‚ ½ 1676 als Archidiakonus zu Lübben in der Lausitz, nachdem er vorher Pastor lin gewesen war, dies Amt aber aus nellen Gründer geben hatte.— 27. 9. 6² 70. 18. 114. 119. 201. Gesenius, Justus; geb. 1601 zu eck im Hannover⸗ schen, 4 16738 als Oberhofprediger und General⸗ superintendent zu Hannover.— 80. 92. Gotter, Ludwig Andreas; geb. 1661 zu Gotha, 75 1785 als Hofr at daselbst.— 191. 278. 290. 309. Gottschling, Gott 19— 329 zu Medzibor in S01 esien um 1720. Gramann. Johann Gboliander); geb. 1487 zu Neustadt in Bayern, 4 1541 als Pastor in Königsberg.— 269. Gregor, Christian; geb. 1723 zu Dirsdorf in Schlesien, 4 1801 als Bischof der Brüdergemeinde zu Berthelsdorf.— 220. Gryphius, Andreas Greif); geb. 1616 zn Groß⸗ glogau, 4 1664 als Landschaftssyndikus daselbst. — 469. Günther, 1704 41 geb. 1650 zu Goldbach bei Gotha, 4 1704 als Gymnasiallehrer zu Gotha. — 165. 257. Bardenberg, Friedrich Freiherr von(Novalis); geb. 1772 auf seinem väterlichen Gut Wiederstedt, + 1801 als Assessor zu Weißenfels.— 87. 251. — Klaus; geb. 1778 zu Fahrstedt bei Marne, + 1855 als Oberkonsistorialrat in Kiel, nachdeni er einige Jahre vorher wegen Erblindung seine Amter als Propst und Hauptpastor daselbst niedergelegt hatte.— 424. 67⁰ Haslocher, Johann Adam; geb. 1645 zu Speier, +. 1726 als Konsistorialrat und Hofprediger zu Weilburg in Nassau.— 9. Hecker, Heinrich Cornelius; geb. 1699 zu Hamburg, 4* 15. 28. Pastor zu Meuselwitz bei Altenburg. 15. 28. Heermann, Johann; geb. 1585 zu Raudten bei Wohlau, war Pastor zu Köben im chteit sein Glogau, mußte aber wegen Kränklichkeit sein Amt aufgeben, + 1647 zu Lissa in Polen.— 67. 69. 84. 131. 146. 196. 200. 249. 334. 402. Held, Heinrich; 0.— 41. 11 zu Guhrau in Schlesien um 1650.— 21. 112. elmbold, Ludwig; geb. 1532 zu Mühlhausen in Thüringen, 7 1598 20 Superintendent und Pastor daselbst.— 369 Herseig7e. gulse; 448 1798 zu Linum bei Fehrbellin, Herberger, Luhrn geb. 1562 zu 8—486. in Posen, I7. 1627 als Pfarrer daselbst.— 486 Herman, Nikolaus; Kantor zu Joachimsthal in Böhmen, Freund seines Pfarrers Mathesius, + 1561.— 39. 316. 488. Herrmann, Johann Gottfried; geb. 1707 zu Alt⸗ jeßnitz bei Bitterfeld, 4 1791 als Oberhofprediger und Obertonsstoriaktal zu Dresden.— 343. Hermes, Johann Timotheus; geb. 1788 zu Petznick in Pommern, + 182¹ als Oberkonsistorialrat, Superintendent und Pastor zu Breslau.— 499. Herrnschmidt, Johann Daniel; geb. 1675 zu Bopfingen in Schwaben, 4 1738 als Professor der Theologie und Mitdirektor der Franckeschen Stiftungen zu Halle.— 264. 350. Herzog, Johann Friedrich; geb. 1647 zu Dresden, + 1609 als Rechts konsulent daselbst.— 420. Hesse, Johann; geb. 1490 zu Nürnberg, 1 1547 als Pfarrer zu Breslau, wo er die Reformation einführen half.— 485. Hey, Wilhelm; geb. 1789 zu Leina bei Gotha, 512. als Superintendent in Ichtershausen.— 312. Hiller, Friedrich Konrad; geb. 1662 zu Unteröwis⸗ heim bei Bruchsal, 4 1726 als Kanzleiadvokat zu Stuttgart.— 132. Hiller, Philipp Friedrich; geb. 1699 zu Mühlhausen in Württemberg, mußte sein Pfarramt zu Stein⸗ heim 1751 aufgeben, weil er die Stimme verlor, + 1769.— 100. 124. 206. 217. 230. 245. 451. Hippel, Theodor Gottlieb von; geb. 1741 zu Ger⸗ dauen in Ostpreußen, 4 1796 als Geheimer Kriegsrat und erster Bürgermeister in Königs⸗ berg.— 477. Hippen, Johann Heinrich von; geb. zu Wohlau in Schlesien, limburgischer Rat und Hofmarschall, um 1676.— 396. Hoffmann, Gottfried; geb. 1658 zu Löwenberg in Schlesien, 4 1712 als Rektor des Gymnasiums in Zittau.— 494. Hojer, Konrad; Subprior zu Möllenbeck, um 1584. — 336(2). Homburg, Ernst Christoph; geb. 1605 zu Mühla bei Eisenach, 4 1681 als Rechtskonsulent zu Naumburg.— 70. 95. 6.„Kaspar; lebte um 1540 zu Augsburg. Hülsemann, Wilhelm; geb. 1781 zu Soest in Westfalen, +. 1865 als Superintendent und Pfarrer in Elsey in Westfalen.— 425. Jonas, Justus; geb. 1493 zu Nordhausen, Pro⸗ fessor der Theologie und Propst zu Wittenberg, Freund Luthers, 4 1555 als Superintendent zu Eisfeld.— 136. Rern, Christian Gottlob; geb. 1792 zu Söhnstetten in Württemberg, 4 1835 als Pfarrer zu Dürr⸗ menz⸗Mühlacker bei Pforzheim.— 178. Keymann, Christian; geb. 1607 zu Paneraz in Böhmen, 1 1662 als Rektor des Gymnasiums in Zittau.— 246. Klopstock, Friedrich Gottlieb; geb. 1724 zu Qued⸗ linburg, + 1808 zu Hamburg als dänischer Legationsrat und badenscher Hofrat, nachdem er lange in Kopenhagen gelebt hatte, begraben in Ottensen.— 18. 465. 492. 495. 498. 507. 67² Knapp, Albert; geb. 1798 zu 761. 188. + 1864 als Pfarrer zu Stuttgart.— 61. 138. 145. Knoll, Christoph; geb. 1563 zu Wanton. + 162¹ als Diakonus zu Sprottau.— 472. Knorr von Rosenroth, Christian; geb. 1636 zu Altrauden bei Wohlau, 4 1689 als Geheimrat und Kanzleidirektor zu Sulzbach in der Ober⸗ pfalz.— 395. Kramer, Moritz; geb. 1646 zu Ammerswurt in Dithmarschen, + 1702 als Pastor zu Marne. — 108. Krause, Johann Gottfried; geb. 1685 zu Greussen im Schwarzburgischen, 4 1746 als Superinten⸗ dent und Hauptpfarrer zu Dahma.— 321. Krause, Jonathan; geb. 1701 zu Hirschberg, 4 1741 als Superintendent und Pfarrer zu Liegnitz. — 6. Krum macher, Friedrirh Adolf; geb. 1768 zu Tecklenburg in Westfalen, 4 1845 als emeritierter Pfarrer zu Bremen.— 139. E Johann Sigismund; geb. 1700 zu Liegnitz, + 1779 als Superintendent zu Baruth in der Oberlausitz.— 497. Lampe, Friedrich Adolf; geb. 1683— Bremen, 23 1729 als Prediger daselbst.— 481 Laurentii, Laurentius(Lorenz Lorenend; geb. 1660 zu Husum, 4 1722 als Musikdirektor und Kantor am Dom zu Bremen.— 32. 93. 187. 372. 496. Lavater, Johann Kaspar; geb. 1741 zu Zürich, + 1801 als Prediger daselbst infolge eines durch einen 135. 942•4 Soldaten empfangenen Schusses.— 185. 342. 486. Lehr, Leopold Franz Frledrich; geb. 1709 zu Kronen⸗ berg bei Frankfurt a. 4. + 1744 als Diakonus in Köthen.— 216. 311. Liebich, Ehrenfried; geb. 1713 zu Propsthagen bei Liegnitz, 4 1780 als Pastor zu Lomnitz bei Hirschberg.— 109. 159. 346. 484. Liscow, Salomo; geb. 1640 zu Niemitzsch in der Niederlausfitz, + 1689 als Diakonus in Wurzen. — 225. 250. 464(7). 673 Löscher, Valentin Ernst; geb. 1673 zu Sonders⸗ hausen, 4 1749 als Oberkonsistorialrat und Superintendent zu Dresden.— 172. 192. Löwenstern, Matthäus Apelles von; geb. 1594 zu Polnisch-Neustadt im Fürstentum Oppeln, + 1648 als Kaiserlicher Rat und Staatsrat des H.öogn⸗ von Münsterberg⸗Ols zu Breslau.— 270. 377. Ludämilia Elisabeth, Gräfin von Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt; geb. 1640 zu Rudolstadt, 4+ 1672 als Braut des Grafen Christian Wilhelm von Schwarzburg⸗Sondershausen.— 195. Luise Henriette, Kurfürstin zu Brandenburg, Gemahlin des großen Kurfürsten, geb. Prin⸗ zessin von Oranien; geb. 1627 in Haag, 4 1667 zu Berlin.— 186(2). 502 Luther, Martin; geb. 1483 zu Eisleben, 4 1546 daselbst.— 36. 40. 111. 113. 121. 125. 127. 128. 129. 140. 180. 335. 426. 458. 460. 482. 483. Magdeburg, Joachim; geb. 1525 zu Gardelegen in der Altmark, 4 nach 1588 als Prediger im Osterreichischen.— 380. Marot, Samuel; geb. 1770 zu Magdeburg, 4 1865 als Konsistorialrat und Prediger zu Berlin.— 168. Mathesius, Johann; geb. 1504 zu Rochlitz in Sachsen, 4 1565 als Pastor zu Joachimsthal in Böhmen.— 386. 432. Mentzer, Johann; geb. 1658 zu Jahma in der Oberlausitz, 4 1784 als Pastor in Kemnitz bei Bernstadt.— 271. 325. Meyfart, Johann Matthäus; geb. 1590 zu Wal⸗ winkel im Gothaischen, + 1642 als Professor der Theologie und Pastor zu Erfurt.— 500. Möllenhof, Ch. N.— 454. Moller, Martin; geb. 1547 zu Kropstädt bei Wittenberg, 1606 als Pastor primar. in Görlitz. — 336(2). 450. Mudre, Johann Friedrich; geb. 1786 zu Lübben in der Niederlausitz, 1 1810 als emerit. Pastor zu Mittelsaida bei Freiberg.— 368. 43 67⁴ Münter, Balthasar; geb. 1735 zu Lübeck, 4+ 1793 als Pastor an der deutschen St. Petrikirche in Kopenhagen.— 227. 286. 468. 501. Nachtenhöfer, Kaspar Friedrich; geb. 1624 zu Halle, 4 1685 als Pastor und Subsenior in Wobnrg⸗— 31. Neander, Christoph Friedrich; geb. 1724 zu Eckau in Kurland, + 1802 als Propst zu Gränzhof in Kurland.— 59. Neander, Joachim; geb. 1650(?2) zu Bremen, erster bedeutender Dichter der deutsch-refor⸗ mierten Kirche, 1680 als Prediger zu Bremen. — 261. 263. 490. Neumann, Kaspar; geb. 1648 zu Breslau, ½ 1715 als Kircheninspektor und Pastor daselbst.— 5. 14. 99. 166. 394. 400. 416. 448. Neumark, Georg; geb. 1621 zu Mühlhausen in Thüringen, 1681 als Bibliothekar und Archiv⸗ sekretär zu Weimar.— 381. 391. Neuami sten⸗ Erdmann; geb. 1671 zu üchteritz bei We ßenfels, + 17⁵6 als Hauptpastor zu Hamburg. — 54. 215. 233. 333. 422. Neuß, Heinrich Georg; geb. 1654 zu Elbingerode am Harz, 4 1716 als we 201. 2 13 Super⸗ intendent in Wernigerode.— 20ʃ. Nicolai, Philipp; geb. 1556 zu Baehenen in Wal ldeck, 4+. 1608 215 05. und Senior in Hamburg.— 254. Dlearius, Johann; 9—6 1611 zu Halle, 4 1684 als Generalsuperintendent und Oberhofprediger zu Weißensels.— 8. 16. 64. 115(7). 120. 169. 367. Pan li, Joachim; geb. um 1636 zu Wilsnack in der Mart, noch 1674 Hauslehrer in Berlin.— 26. 137. Pfefferkorn, Georg Michael; geb. 1646 in dem Eisennachschen Dorf Iffta, 4 1732 als Super⸗ intendent und Konsißoeial⸗ Assessor zu Gräfen⸗ tonna bei Gotha.— 229. Pfeil, Christoph Karl Ludwig von; geb. 1712 zu Grünstadt in der Grafschaft Leiningen, + 1776 als preußischer Geheimrat und Minister auf seinem Gute Deufstetten im Ansbachischen.— 481. C IN 67⁵5 RNambach, Johann Jakob; geb. 1693 zu Halle, + 1735 als Professor der Theologie und Super⸗ intendent zu Gießen.— 46. 52. 98. 101. 158. 160. 208. 275. Reißner, Adam(Reusner heim, Geheimsekretär d von Frundsberg, + um stadt.— 320. Richter, Christian Friedrich; geb. 1676 zu Sorau in der Niederlausitz, Arzt am Waisenhause zu Halle, 4 1711.— 283. 284. 285. 291. 293. Ringwald, Bartholomäus; geb. 1530 zu Frank⸗ furt a. d. Oder, 4 1598 als Pfarrer zu Lang⸗ feld in der Neumark.— 183. 442. Rinkart, Martin; geb. 1586 zu Olenburg, + 1649 als Archidiakonus daselbst.— 266. Rist, Johann; geb. 1607 zu Ottensen, Stifter des Elbschwanenordens, vom Kaiser Ferdinand III. zum Dichter gekrönt, 4 1667 als Pastor zu Wedel.— 17. 33. 47. 56. 75. 170. 265. 421. 504. Rodi 7 709 Samuel; geb. 1649 zu Gröben bei Jena, + 1708 als Rektor am I zum grauen Kuoster in Berlin.— 373 Rothe, Johann Andreas; geb. 1688 zu Lissa bei Görliß, + 1758 als W zu Thommendorf in der Oberlausitz.— 210. 487. Rückert, Friedrich; geb. 1789 zu Schweinfurt, Professor in Erlangen und Berlin, 1866 zu Neuseß bei Koburg.— 18. Rutilius, Martin; geb. 1550 zu Düben in Meißen, + 1618 als Diakonus zu Weimar.— 175. geb. 1496 zu Mündel⸗ eldhauptmanns Georg 575 in seiner Vater⸗ Bacer, Gottfr ied Wilhelm; geb. 1635 zu Naum⸗ burg, + 1699 als Kammeradvokat zu Wolfen⸗ büttel.— 45. Sachs, Hans; geb. 1494 zu 1575.— Schuster und Meistersinger daselbst, 4 1576.— 370(2). Sachse, Christian Friedrich—.— geb. 1785 zu Eisenberg im Herzogtum Sachsen⸗ Altenburg, . 1860 als Hofprediger und Konsistorialrat zu Altenburg.— 467. 493. 43˙ 676 Sannom, Johann Friedrich; soll um 1700, als achtjähriger Knabe in Offenbach geistliche Lieder gedichtet haben.— 287. Schade, Johann Kaspar; geb. 1666 zu Kühndorf bei 280. 500. + 1698 als Diakonus zu Berlin. — 280. 300. Schalling, Martin; 9105 1532 zu Straßburg, + 1608 als Prediger in Nürnberg.— 288. Scheffler, Johann(Angelus Silesius); geb. 1624 zu Breslau, Leibarzt des Herzogs von Würtem⸗ berg⸗Ols, trat 16538 zur römisch⸗katholischen Kirche über, wurde geistlicher Rat des Fürst⸗ bischofs in Breslau, 4 1677 in einem Kloster daselbst.— 240. 241. 244. 279. 301. Scheidt, Christian Ludwig; geb. 1709 zu Walden⸗ burg in der vormaligen Grafschaft Hohenlohe, + 4402 als Hofrat und Bibliothekar in Hannover. Schein, Johann Hermann: geb. 1586 zu Grünhayn bei 47900 6 + 1630 als Musikdirektor in Leipzig. — 479. Schenk, Hartmann; geb. 1634 zu Ruhla bei Eisenach, + 12. als Pfarrer zu Ostheim vor der Rhön. — 12. Schirmer, Michael; geb. 1606 zu Leipzig, 4 1673 als Konrektor am Gymnasium zum grauen Kloster in Berlin.— 25. 116. Schlicht, Lewin Johann; geb. 1681 zu Calbe in der 06. + 1723 als Prediger in Berlin. Schlosser, Ludw. Heinrich; geb. 1663 zu Darm⸗ 1—633 + 1723 als Prediger in Frankfurt a. M. Schmidt, Johann Eusebius; geb. 1669 zu Hohen⸗ felden bei Erfurt, 1. 1745 als Pastor in Sieb⸗ leben bei Gotha.— 130. Schmolck, Benjamin; geb. 1672 zu Brauchitschdorf im Fürstentum Liegnitz, + 1787 als Pastor rimar. und Inspektor zu Schweidnitz.— 11. 2. 48. 77. 86. 90. 94. 118. 151. 156. 199. 209. 221. 224. 232. 255. 292. 297. 303. 332. 348. 351. 357. 364. 376. 398. 417. 429. 449. 459. 473. 476. 480. 505. 67⁷ Schnesing, Johann(Chiomusus); geb. zu Frank⸗ furt a. M., + 1567 als Pfarrer zu Friemar bei Gotha.— 177. Schrad er, Johann Hermann; geb. 1684 zu Ham⸗ burg, 1 1737 20. und Konsistorialrat zu Tondern.— 3. Schröder, G. F.; um 1770.— 413. Schröder, Johann Heinrich; geb. 1666 zu Haller⸗ springe im Calenbergischen, 4 1699 als Pfarrer zu Meseberg im Magdeburgischen.— 234. 295 Schütz, Johann Jakob; geb. 1640 zu Frankfurt a. M., 73 + 1690 als Advokat und Reichsrat daselbst. Scriver, Christian; geb. 1629 zu Rendsburg, 1693 als Oberhofprediger und Kirchenrat in Quedlinburg.— 243. 409. Selnecker, Nikolaus; geb. 1530 zu Hersbruck bei Nürnberg, 1592 als Professor der Theologie, Superintendent und Pastor in Leipzig.— 123(2). 1 126. 330. Senft zu Pilsach, Ludwig Rudolf Freiherr von; geb. 1681 zu Pilsach, 4 1718 als sächsischer Legationsrat und Dompropst in Naumburg. — 471. Siegfried, Johann; geb. 1564, 4 1637 als Super⸗ intendent zu Schleiz.— 475. Spangenberg, August Gottlieb; geb. 1704 zu Kleitenberg in Hannover, Bischof der Brüder⸗ gemeinde, 4 1792 zu Berthelsdorf.— 287. Speratus, Paul(von Spretten); geb. 1484 zu Rottweil in Schwaben, besonders thätig bei Ein⸗ führung der Reformation in Preußen, 4 1551 als 07f von Pomesanien zu Marienwerder. 20 Spitta, Karl Johann Philipp; geb. 1801 zu Hannover, +. 1859 als Superintendent und Pastor zu Burgdorf.— 106. 117. 142. 154. 157. 222. 272. 355. 360. 383. 427. 428. 440. 463. Stegmann, Josua; geb. 1588 zu Sulzfeld bei Meiningen, 4 1632 als Professor der Theologie und Superintendent zu Rinteln.— 318. 678 Steuerlein, Johann: geb. 1546 zu Schmalkalden, + 1618 als Stadtschultheiß zu Meiningen.— 42. Stöcken, Christian von; geb. 1633 zu Rendsburg. + 1684 als Generalsuperintendent von Schleswig⸗ Holstein.— 452. Stockfleth, Heinrich Arnold; geb. 1643 zu Alfeld in Hannover, 4+ 1708 als brandenburg-baireu⸗ thischer Kirchenrat, Oberhofprediger und General⸗ superintendent zu Mönchsberg.— 384. Sturm, Christoph Christian; geb. 1740 zu Augs⸗ burg, 4 1786 als Hauptpastor zu Hamburg.— 89. 174. 213. 296. Dersteegen, Gerhard; geb. 1697 zu Mörs, 1769 als Bandmacher zu Mühlheim a. d. Ruhr.— 4. 37. 102. 181. 298. 408. Thilo, Valentin; geb. 1607 zu Königsberg, + 1662 als Professor der Beredsamkeit daselbst.— 24. Titius Christoph(Tietze); geb. 1641 zu Wilkau bei Breslau, 4 1703 als Pastor zu Hersbruck bei Nürnberg.— 184. 188. 366. Tollmann, Gottfried; geb. 1680 zu Lauban, um 1723 Pfarrer zu Leuba in der Oberlausitz.— 446. WMegelin, Josua; geb. 1604 zu Angsburg, 4+ 1640 als evangelischer Pfarrer in Preßburg.— 96. Weingärtner, Sigismund; Prediger in Franken um 1600.— 339. Weiße, Michael; geb. zu Neisse in Schlesien, Herausgeber eines Gesangbuchs für die böhmischen Brüder, 4 1542 als Vorsteher der Brüder in Neutomischl.— 73. 179. Weißel, Georg; geb. 1590 zu Domnau in Preußen, + 1635 als Prediger in Königsberg.— 23. 219. Wenigk, Johann Ernst; geb. 1701 zu Gotha, 1745 als Pfarrer zu Bischleben.— 110. Wetzel, Johann Kaspar; geb. 1691 zu Meiningen, + 1755 als Archidiakonuͤs von Römhild.— 349. Wilhelm II., Herzog zu Sachsen⸗Weimar; geb. 1598, + 1662 zu Weimar.— 7. Wilhelmi, Johann Christian; Stadtsyndikus zut Gießen um 1720.— 347(ꝰ). 679 Winckler, Johann Joseph; geb. 1670 zu Luckau in Sachsen⸗Altenburg, + 122 als Konsistorialrat und Domprediger zu Magdeburg.— 307. Wolf, Jakob Gabriel; geb. 1684 zu Greifswald, + 175⁵4 als Hofrat und Professor der Rechte zu Halle.— 310. Woltersdorf, Ernst Gottlieb; geb. 1725 zu Friedrichsfelde bei Berlin, 4 1761 als Stadt⸗ pfarrer zu Bunzlau.— 168. 193. Simmermann, Johann Christian; geb. 1702 zu Langenwiesen im Weimarschen, 4 1788 als Superintendent zu Ulzen in Hannover.— 344. Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von; Stifter der Brüdergemeinde, geb. 1700 zu Dresden, + 1760 zu Herrnhut.— 150. 2038. 294. 314. 315. 434. Zinzendorf, Christian Renatus Graf von, des —323. 4. geb. 1727 zu Herrnhut, 4 1752. — 323. 478. Am Kreuz erblaßt. An dir allein, an dir hab' ich Auf, auf, den Herrn zu loben Auf, auf, ihr Reichsgenossen Alphabelisches Tieder⸗Verzeichnis. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Ach bleib mit deiner Gnade. Ach Gott und Herr, wie groß Ach Gott, verlaß mich nicht. Ach Gott, vom Himmel sieh. Ach Gott, wie manches Herzeleid. Ach Jesu Christ, dein Sterben Ach, könnt' ich mit der Kirche Ach mein Herr Jesu, dein Ach mein Jesu, sieh, ich trete Ach, was soll ich Sünder machen. Ach, wenn ich dich, mein Gott Ach wundergroßer Siegesheld Allein Gott in der Höh' Allein zu dir, Herr Jesu Alle Menschen müssen sterben Alles ist an Gottes Segen Also hat Gott die Welt geliebt Also hat Gott die Welt geliebt Am Ende ist's doch gar nicht schwer Am Grabe stehn wir stille Nr. Auf, Christenmensch, auf 279 Auf Christi Himmelfahrt 9 Auf dich hab' ich gehoffet. 320 Auferstehn, ja auferstehn 4w495 Auf Gott nur will ich sehen. 43⁰⁶ Auf Gott und nicht auf meinen 33⁸ Auf, hinauf zu deiner Freude 28⁰ Auf meinen lieben Gott„ 339 Aus Gnaden soll ich selig. 20² Aus meines Herzens Grunde 386 Aus tiefer Not laßt uns 179 Aus tiefer Not schrei' ich.0 180 Barmherziger, laß deine Gnade 15⁵ Bedenke, Mensch, das Ende 464 Befiehl du deine Wege 2 3⁴⁰0 Begrabt den Leib in seine 465⁵ Bei dir, Jesu, will ich bleiben. 1⁵⁷ Bete nur, betrübtes Herz 32¹ Bis hierher hat mich Gott 256 Breit über mich, Herr.. 40⁷ Bringt her dem Herren Lob. 2⁵5⁷ Christe, du Lamm Gottes 164 Christ fuhr gen Himmel 9⁷ Christi Blut und Gerechtigkeit 2⁰³ Christ ist erstanden 8² Christus, der ist mein Leben. 466 Christ, wenn die Armen 3¹1² Das alte Jahr vergangen ist 0 42 Das Jahr geht still zu Ende 43 Das ist ein teuer wertes Wort— 20⁴ Das walte Gott, der helfen 387 Das walt' Gott Vater. 388 68² Dein Heil, o Christ, nicht zu Dein König kommt in niedern Dein Wort, o Herr, ist milder Den König schütze deine Macht Der Abend kommt, die Sonne Der am Kreuz ist meine Der beste Freund ist in dem Der du die Liebe selber Der du, Gott, an uns gedenkest Der du noch in der letzten Der du mich als ein Vater liebst. Der du zum Heil erschienen. Der Glaub' ist feste Zuversicht Der heil'ge Christ ist kommen Der Herr, der einst auf Erden Der Herr der Ernte winket. Der lieben Sonne Licht Der Mond ist aufgegangen Der schöne Tag bricht an Der Tag hat sich geneiget Der Tag ist hin, mein Geist Dich krönte Gott mit Freuden Die Ernt' ist nun zu Ende. Die güldne Sonne Die Herrlichkeit der Erden Die Himmel rühmen Die Sonne sinket nieder Dies ist der Tag, den Gott Dies ist die Nacht, da mir Die Sünden sind vergeben Die wir uns allhier Dir, dir, Jehova, will ich Dir, Herr und Vater, dienen wir Du bist ein Mensch, das weißt Du bist's, dem Ruhm und dem Ehre Nr. Du gehest in den Garten 3²⁵ Du, Gott, du bist der Herr 4⁴ Durch Trauern und durch 299— 45⁵ Du reicher Trost der Armen 4⁵¹ Du wesentliches Wort. ‚ 3² Eine Herde und ein Hirt 139 Eines wünsch' ich mir. 61 Ein' feste Burg ist unser— 12⁸ Ein Jahr geht nach dem andern. 46 Ein Lamm geht hin 6² Ein neuer Tag, ein neues. 398 Ein reines Herz, Herr, schaff 28¹ Eins ist not, ach Herr. 23⁴ Eins ist not, ach Herr. ů. 23⁵ Einst selig dort zu werden. 28² Ein Wetter steiget auf. 4⁴⁵ Erhalt uns, Herr, bei. 129 Erhebt den Herrn, ihr. 19 Erinnre dich, mein Geist 83 Er ist gekommen, er. ů 2⁰ Ermuntert euch, ihr.— 496 Ermuntre dich, mein schwacher. 33 Es baut, o Herr, auf dein. 442 Es glänzet der Christen 28³ Es hat uns heißen treten. 391 ist das Heil uns kommen 20⁷ Es ist ein' Ros' entsprungen 3⁴ Es ist nicht schwer, ein Christ. 2⁴ Es ist noch eine Ruh'. 497 Es ist vollbracht, er ist— 63 Es kostet viel, ein Christ 28⁵ Es wolle Gott uns gnädig. ů 14⁰ Ew'ge Liebe, mein Gemüte. 20⁸ Ewiger, erbarme dich. 4⁵⁸ 68⁴ Nahre fort, fahre fort Fortgekämpft und fortgerungen Freu dich sehr, o meine Freuet euch der schönen Erde Fröhlich soll mein Herze Frühmorgens, da die Sonn' Für alle Güte sei gepreist Geh aus, mein Herz, und Geht hin, ihr gläubigen Geist des Glaubens, Geist Geist vom Vater und vom Gelobet sei der Herr, mein. Gelobet seist du, Jesu Christ Gesegn' uns, Herr, die Gaben Getreuer Gott, wie viel Geduld Gieb dich zufrieden und sei. Gieb, Gott, daß ich dich recht Gott, deine Gnad' ist unser Gott, deine Güte reicht so Gott, der du bist das höchste Gott, der du wahrhaftig Gott der Vater, wohn uns bei Gott des Himmels und der Gott, gieb einen milden Gott hat in meinen Tagen. Gott ist gegenwärtig, lasset. Gott ist getreu, sein Herz Gott ist mein Hort Gott ist mein Lied Gott ist und bleibt getreu Gott, laß uns deiner nie Gott lebt, wie kann ich Gott Lob! ein neues Kirchenjahr Gott Lob! nun ist erschollen 2 2—— Gott rufet noch, sollt' ich Gott sei Dank durch alle Gott sorgt für mich Gott, Vater deiner Menschenkinder Gott will's machen Gott woll' uns hoch beglücken Großer Gott von alten Großer Gott, wir loben dich Großer Mittler, der zur Babe deine Lust am Herrn Halleluja, jauchzt, ihr Halleluja, Lob, Preis und Halleluja, schöner Morgen Halt an, mein Herz, in Halt im Gedächtnis Jesum Heiland, deine Menschenliebe Heil'ge Einfalt, Gnadenwunder Heil'ger Jesu, Heil'gungsquelle Heil'ger Vater, du begehrest Herr, allerhöchster Gott Herr, auf Erden muß ich Herr, dein Wort, die edle Herr, der du mir das Leben Herr, der du vormals Herr, du hast hier allen Herr, es ist von meinem Herr Gott, dich loben wir Herr Gott, dich loben wir Herr Gott, du kennest meine Herr Gott, Vater im Himmelreich Herr, höre, Herr, erhöre Herr, ich habe mißgehandelt Herr Jesu Christ, dein. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend 4¹⁵ 4⁵⁵ 41 4⁵⁷ 460 cαν cσ ιά cσ 686 Herr Jesu Christ, du höchstes Herr Jesu Christ, mein Leben Herr Jesu, deine Angst Herr Jesu, Gnadensonne Herr Jesu, Licht der Heiden. Herr, öffne mir die Herr, stärke mich, dein Leiden Herr, unser Gott, laß nicht. Herr, unsre Not ist groß Herr, wie du willst, so Herr, wie sind noch viel Herzlich lieb hab' ich dich Herzlich thut mich verlangen Herzliebster Jesu, was hast. Herz und Herz vereint. Heute mir und morgen dir Hier legt mein Sinn vor dir Hier lieg' ich, Herr, im Staube Hilf, Herr Jesu, laß gelingen Himmelan geht unsre Bahn Himmel, Erde, Luft und Meer Hirte deiner Schafe Höchster Gott, wir danken Höchster Tröster, komm Hochgesegnet seid ihr Boten. Hosianna! Davids Sohn Hüter, wird die Nacht. Jauchzet, ihr Himmel. Ich armer Mensch, ich armer Ich bin ein Gast auf Erden. Ich bin ein Kind, bin Ich bin getauft auf deinen Ich bin's voll Zuversicht Ich erhebe mein Gemüte Ich freue mich, mein Gott. Ich geh' zu deinem Grabe. Ich habe nun den Grund. Ich hab' in Gottes Herz Ich hab' in guten Stunden Ich hab' mich Gott ergeben. Ich hab' von ferne Ich komme, Herr, und suche Ich komme vor dein Angesicht Ich lobe dich von ganzer Ich sag' es jedem, daß er lebt Ich singe dir mit Herz Ich steh' an deiner Krippe Ich steh' in meines Herren Hand Ich sterbe täglich, und. Ich und mein Haus, wir sind Ich weiß, an wen ich glaube Ich weiß, an wen ich glaube Ich weiß, an wen mein Herz 9weiß, mein Gott, daß Ich weiß von keinem andern Ich will beten, Gott wird Ich will dich immer treuer Ich will dich lieben, meine Ich will von meiner Missethat Je größer Kreuz, je näher Jerusalem, du hochgebaute Jesu, bittend kommen wir Jesu, deine Passion Jesu, deine tiefen Wunden. Jesu, geh voran. Jesu, großer Wunderstern Jesu, hilf siegen Jesu, Jesu, stärke mich Jesu, komm doch selbst Id SEEEE 0 ν œασ cν ν αά ν 688 Jesu, meine Freude Jesu, meiner Seele Leben Jesu, meines Lebens Leben Jesus Christus herrscht. Jesus kommt, von allem Jesus lebt, mit ihm auch ich Jesus, meine Zuversicht Jesus nimmt die Sünder an Jesus soll die Losung sein Jetzt leb' ich, ob ich morgen Ihm nach, ihm nach auf seinen Ihr armen Sünder, kommt In allen meinen Thaten In allen meinen Thaten In Christo nur der Glaube. Ist Gott für mich, so trete Romm, Gottes Geist, komm Komm, heiliger Geist Komm, mein Herz, aus Komm, o komm, du Geist Kommt, Christen, laßt uns Kommt, laßt uns Gott König, dem kein König König Jesu, streite Tasset uns mit Jesu ziehen Laß mich dein sein Laß mir, wenn meine Augen Liebe, die du mich zum Bilde Liebster Jesu, wir sind hier Liebster Jesu, wir sind hier Liebster Vater, ich dein Kind Lobe den Herren, den mächtigen Lobe den Herren, o meine Nr. 242 2⁴³ 70 10⁰ 501 8⁸ 50² 2¹⁵ 48 47⁷ 297 18⁷ 3⁵⁸ 3⁵9 3¹ 2²6 11⁰ 11¹¹ 168 11² 298 4⁴⁷ 10¹ 133 299 830 478 2⁴⁴ 10 1⁵⁶ 18⁸ 263 24 Nr. 2⁴2 2⁴³ 70 10⁰ 501 88 50 2¹⁵ 48 47⁷ 297 18⁷ 35⁵⁸ 35⁵9 316 2² 11⁰ 11¹ 168 112 298 4⁴⁷ 10¹ 133 299 830 478 2⁴⁴ 10 1⁵⁶ 18⁸ 263 26⁴ Lobet Gott, denn Jesus„ Lob, Preis und Dank. Lob sei dir, mein Gott. Lobt Gott, ihr Christen Mache dich, mein Geist, bereit Mach's mit mir, Gott. Macht hoch die Thür, die Man lobt dich in der Stille. Mein alles, was ich liebe Meinen Heiland lass' ich nicht Meinen Jesum lass' ich nicht Mein erst Gefühl sei Preis Meine Sorgen, Angst und. Mein Freund ist mein. Mein Glaub' ist meines Mein Gott, das Herz ich bringe Mein Gott. ich klopfe an Mein Gott, ich weiß wohl. Mein Gott, im Namen ů Mein Gott, nun ist es · Mein Gott, wie bist du so Mein Heiland nimmt die Sünder Mein Herz, o denk Mein Herz will, Jesun. Mein Jesus lebt! Mag ich. Mein Leben ist ein Pilgrimstand Mein lieber Gott, gedenke. Mein Schöpfer, steh mir bel Mir ist Erbarmung— Mir nach, spricht Christus. Mit Ernst, o Menschenkinder Mit Fried' und Freud' ich fahr' Mitten wir im Leben sind Morgenglanz der Ewigkeit Müde bin ich, geh' zur t 4⁴ 689 Nr. 89 4⁵⁴ 360 39 331 479 2³3 26⁵ 2⁴⁵ 159 2⁴ 393 361 2⁴⁷ 2²⁷ 30⁰ 332 48⁰ 438⁸ 39⁴ 362 21¹ 189 2⁴ 9⁰ 481 33³ 16⁰ 2¹⁷ 301 2⁴ 48 483 39⁵ 418 690 Nach einer Prüfung kurzer 0 Nach meiner Seele Seligkeit Nicht der Anfang, nur das Nimmt Gott, dem wir Nimm von uns, Herr Nun bitten wir den heiligen Nun bricht die finstre Nacht. Nun bringen wir den Leib Nun danket alle Gott Nun danket alle Gott Nun danket all' und bringet Nun jauchzet all', ihr. Nun kommt das neue Nun laßt uns gehn Nun lob, mein' Seel' Nun preiset alle Nun ruhen alle Wälder„ Nun schlaf, mein liebes Nun sich der Tag geendet„ auferstandner Siegesfürst O Christe, eingeborner O daß doch bald dein Feuer O daß ich tausend Zungen O du allerbeste Freude O du Liebe meiner Liebe O Durchbrecher aller Bande. O du schönes Weltgebäude O Ewigkeit, du Donnerwort O frommer und getreuer Oft klagt mein Herz O Gott, der du den Erdenkreis O Gott, du frommer Gott O Gott, von dem wir O großer Gott, du reines 30² 30³ 363 1¹³ 48⁴4 26⁷7 268 27⁰ 419 432 2¹⁸ 27¹ 11⁴ 27² 123 3³4 4⁴⁸ O Haupt voll Blut 72 O heil'ger Geist, kehr bei uns. 11 O Herr Jesu, Ehrenkönigh— 1⁴⁵ O Herr, mein Vater— 435 O hilf, Christe, Gottes. ann 73 O Jesu Christe, Gottes— 2 O Jesu Christe, wahres e, 140 O Jesu, dir sei ewig. 169 O Jesu, Jesu, Gottes. 2⁴9 O Jesu, meine Wonne.— 17⁰ O Jesu, meine Zuversicht. 1 191 O komm, du Geist— 11⁷ O König aller Ehren 5⁵ O König, dessen Majestät. 5 192 O Lamm Gottes, unschuldig 6. 7⁴ O Seele, willst du Ruhe— 193 O selig Haus, wo man dich—— 4²⁸ O Tod, wo ist dein Stachel—— 92 O Traurigkeit, o Herzeleid.— 7⁵ O Vater der Barmherzigkeit 0 19⁴4 O Welt, ich muß dich lassen. 48⁵ O Welt, sieh hier dein Leben 8 ‚ 76 O wer alles hätt' verloren. · 2 30 O wie fröhlich, o wie selig. 3505 O wie selig seid ihr doch Ringe recht, wenn Gottes Rüstet euch, ihr Christenleute Ochaffet, schaffet, Menschenkinder Schaff in mir, Gott, ein 19⁵ Schatz über alle Schätze— 2⁵⁰ Schmerz und Klage füllt— 44⁴ Schmücke dich, o liebe Seele—— 17¹ Schmückt das Fest mit Maien 692 Nr. Seele, geh auf Golgatha— ů 7⁷ Seele, sei zufrieden 8 36⁴4 Seele, was ermüd'st du dich.— 31⁰ Sei Gott getreu, halt. 4 161 Sei Lob und Ehr' dem höchsten. 273 Sei mir tausendmal gegrüßet 78 Sein Rat ist wunderbar 665 Selig sind des Himmels— 50⁷7 Siegesfürst und Ehrenkönig. 10² So hoff' ich denn mit.— 2²⁸ So jemand spricht: Ich liebe 31⁷ So ist die Woche nun geschlossenn. 422 Sollt' es gleich bisweilen. 366 Sollt' ich meinem Gott nicht singen. 27⁴ Sollt' ich meinem Gott nicht trauen. 367 Sorge du für meine Kinder. 433 So ruhest du, o meine Ruh' 79 „So schreib ins Buch des 16² So tret' ich denn nun an. 396 So wahr ich lebe, spricht. 196 Speise, Vater, deine Kinder. 40² Straf mich nicht in deinem.— 197 Such, wer da will, ein 219 Tag des Zorns, o Tag 50⁸ Teures Wort aus Gottes. 151 Thut mir auf die schöne„ 11 Treu ist Gott, nehmt's— 3868 Vnergründlich Meer der Gnade. 439 Unsern Ausgang segne Gott—— 12 Unumschränkte Liebe. 27⁵ Valet will ich dir geben 486 Vater, kröne du mit Segen. 4²⁵ Vater unser im Himmelreich Verleih uns Frieden Verzage nicht, du Häuflein— Vom Himmel hoch, da komm' Von des Himmels Thron Von Gott will ich nicht Vor dein Gericht, Herr ů ů Wach auf, du Geist der ersten. Wach auf, mein Herz, die Nacht. Wach auf, mein Herz, und singen. Wachet auf, ruft uns. Warum betrübst du dich Warum sollt' ich mich denn grämen Warum willst du doch für morgen Was frag' ich nach der Welt Was freut mich noch, wenn. Was Gott thut, das ist Was Gott thut, das ist Was hinket ihr, betrogne Was ist's, daß ich mich Was mein Gott will Weicht, ihr Berge, fallt Weicht, ihr Berge, fallt Wenn Christus seine Kirchen. Wenn ich ihn nur habe Wenn ich in Angst und Not. Wenn ich, o Schöpfer, deine. Wenn kleine Himmelserben Wenn mein Stündlein Wenn Menschenhülf' scheint. Wenn mich die Sünden Wenn wir in höchster Not Werde licht, du Stadt Was Gott zusammenfügt.—— Nr. 4² 13⁴ 40 163 369 19⁸ 1⁴4⁷ 93 397⁷ 50 37⁰ 371 372 2²0 12⁴ 373 449 429 311 37⁴ 37⁵ 376 23⁰ 13⁵ 251 37⁷ 276 48⁷7 48⁸ 378 8⁰ 379 69⁴ Werde munter, mein. Wer Gott vertraut Wer ist wohl, wie du Wer nur den lieben Gott Wer rief die Sonn' und schuf Wer weiß, wie nahe mir Wie fleucht dahin der Wie Gott mich führt, so Wie groß ist des Allmächt'gen Wie groß, wie angebetet„ Wie heilig ist die Stätte. · Wie herrlich ist die neue Wie könnt' ich sein vergessen Wie leuchtet uns der Wergensern Wie schön ist's doch, Herr Wie schön leucht't uns der Morgenstern Wie sicher lebt der Mensch Wie soll ich dich empfangen. Wie sollt' ich meinen Gott Wie treu, mein guter.„ Wie wird mir dann, o dann Wie wohl ist mir, o Freund Willkommen, Held im Wir danken dir, Herr Wir danken dir, Herr Wir danken freudig dir Wir danken Gott für seine Wir glauben all an einen Wir liegen hier zu deinen Wir Menschen sind zu dem. Wir sind in Not. Wir singen dir, Immanuel Wo Gott, der Herr, nicht bei uns Wohlauf. wohlan zum letzten Wohl einem Haus, da Jesus Wohl uns, der Vater hat uns Womit soll ich dich wohl 0 Wort des Lebens, lautre Wo soll ich fliehen hin Wunderanfang, herrlich Ende Seige dich uns ohne Hülle Zeuch ein zu meinen Thoren Zeuch hin, mein Kind Zeuch uns nach dir Zion, gieb dich nur zufrieden Zum Himmel bist du eindeganseit Buchdruckerei der Provinzial-Taubstummen-Anstalt (Jul. Bergas), Schleswig. 409⁷ — 40 1907 ————— CEE— e . ———‚‚‚‚‚