* 2 5 N.— Aieh. eeEe. — Christliches Gesangbucch für die evangelischen Gemeinden des Fürstenthums Minden und der Grafschaft Ravensberg. ———nh— Bielefeld. Druck und Verlag von Velhagen& Klasing. 1893. — IZII. Gnadenmittel. 1. Wort Gottes: Nr. 199—215. XIII. XIV. XV. XVI. XVII XVIII. .Sunde und Erlösung: Nr. 19—24. V. Christi Geburt; Weihnachten: Nr. 42—58. „Christi Name; Neujahr: Nr. 59—67. „Christi Erscheinung; Epiphanias: Nr. 68—80. II. Christi Leiden und Sterben; Passion: Nr. 81—108. „Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit: „Die Kirche Christi: Nr. 161—198. Sacramente: Nr. 216—239. Die h. Taufe: Nr. 216—219. Liebe zu Gott und Christo: Nr. 326—361. Inhalts-Verzeichniß. Gottes Wesen, Eigenschaften und Werke: Nr. 1—18. Die Engel: Nr. 17. 18. Christi Ankunft; Advent: Nr. 25—41. Das neue Kirchenjahr: Nr. 40. 41. Christus im Grabe: Nr. 107. 108. Christi Auferstehung; Ostern: Nr. 109—127. Nr. 128—141. Ausgießung des h. Geistes; Pfingsten: Nr. 142—160. Gemeinschaft der Heiligen: Nr. 177—179. Christus das Haupt der Kirche: Nr. 180—184. Bei Einführung von Geistlichen: Nr. 185. Bei Einweihung von Kirchen: Nr. 186. Ausbreitung der Kirche; Mission: Nr. 187—198. Zu Anfang des Gottesdienstes: Nr. 205—212. Zum Schluß des Gottesdienstes: Nr. 213—215. Confirmationslieder: Nr. 220—224. Das heilige Abendmahl. Nr. 225—239. Buße und Bekehrung: Nr. 240—269. Glaube und Rechtfertigung: Nr. 270—289. Wiedergeburt und Heiligung: Nr. 290—305. Friede und Freude im h. Geist: Nr. 306—325. Beten, loben und danken: Nr. 362—451. Allgemeine Fürbitte: Nr. 392. Für die Obrigkeit: Nr. 393. Für den Frieden: Nr. 394. Für den Ehestand: Nr. 395—398. Im Sommer: Nr. 399. Nach der Ernte: Nr. 400. 401. Am Sonntag-Morgen: Nr. 402—406. Am Morgen insgemein: — ö Nr. 407—422. Vor dem Essen: Nr. 423—426. Nach dem Essen: Nr. 427—431. Am Abend: Nr. 432—449. Sonnabends⸗ lied: Nr. 450. Reiselied: Nr. 451. XIX. Christlicher Wandel: Nr. 452—478. Liebe: Nr. 475—477. Wahrhaftigkeit, Eid: Nr. 478. XX. Geistlicher Kampf und Sieg: Nr. 479—505. XXI. Kreuz⸗ und Trostlieder: Nr. 506—552. In großer und gemeinsamer Noth: Nr. 547—551. In Krankheit: Nr. 552. XXII. Sterbelieder: Nr. 553—591. XXIII. Begräbnißlieder: Nr. 592—610. Bei Kindern: Nr. 605—610. XXIV. Das Reich der Herrlichkeit: Nr. 611—639. 2 IV. Christi Wiederkunft; Auferstehung der Todten; jüngstes Ge⸗ richt: Nr. 611—619. Die Ewigkeit: Nr. 620. 62l. Ewiger Tod: Nr. 622. 623. Ewiges Leben: Nr. 624—639. Anhang. „Morgen⸗ und Abendsegen: Nr. 1—16. II. Gebete für die Festzeiten: Nr. 17—32. Advent: Nr. 17. Weihnachten: Nr. 18. Zum Jahresschluß: Nr. 19. Auf Neujahr: Nr. 20. Zu Epiphanias: Nr. 21. Zur Fastenzeit: Nr. 22. Für die stille Woche: Nr. 23. Zum stillen Freitage: Nr. 24. Auf Ostern: Nr. 25. Auf Himmelfahrt: Nr. 26. Auf Pfingsten: Nr. 27. Auf Michaelis: Nr. 28. Auf das Re⸗ formationsfest: Nr. 29. Zum Todtenfest: Nr. 30. Am Buß⸗ und Bettage: Nr. 31. Am Erntefest: Nr. 32. „Buß⸗, Beicht⸗ und Communiongebete: Nr. 33—41. Die christliche Buße: Nr. 33. Vor der Beichte: Nr. 34. Nach der Beichte: Nr. 35. Am Abend des Beichttages: Nr. 36. Vor dem h. Abendmahl: Nr. 37. 38. Nach dem h. Abendmahl: Nr. 39—41. Kreuz⸗ und Trostgebete: Nr. 42—49. In äußerer Noth: Nr. 42. 43. In innerer Anfechtung: Nr. 44. In Krankheit: Nr. 45—47. Für Sterbende: Nr. 48. 49. Erbaulicher Bericht vom Leiden und Sterben unsers Herrn und Hei⸗ landes Jesu Christi. Episteln und Evangelien für die Sonn⸗ und Feiertage des Kirchenjahres. Alphabetisches Lieder⸗Register. —23—1 SRlR — *5—.„„-——9 X...2 1 Gottes Wegen, Eigenschakten und Werke. Luc. 2, 14. 1. Allein Gott in der Höh sei Ehr Und Dank für seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann kein Schade. Ein Wohl⸗ gefalln Gott an uns hat; Nun ist groß Fried ohn Unterlaß, All Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preisn, an⸗ beten dich Für deine Ehr; wir danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessen ist dein Macht, Fort gschieht, was dein Will hat bedacht; Wohl uns des feinen Herren! 3. O Jesu Christ, Sohn ein⸗ geborn Deines himmlischen Vaters, Versöhner der, die warn verlorn, Du Stiller unsers Haders, Lamm Got⸗ tes, heilger Herr und Gott, Nimm an die Bitt von unser Noth, Erbarm dich unser aller! 4. O heilger Geist, du größ⸗ tes Gut, Du allrheilsamster Tröster, Vor Teufels Gwalt fortan behüt, Die Jesus Christ erlöset Durch große Martr und bittern Tod; Abwend all unsern Jammr und Noth! Dazu wir uns verlassen. Nic. Decius, st.1529; nach Gloria in excelsis Deo, von Hilarius, st. 368. 2. Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Him⸗ mels und der Erden, Der sich zum Vater geben hat, Daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl be⸗ wahren; Allem Unfall will er wehren, Kein Leid soll uns widerfahren. Er sorget für uns, hüt und wacht, Es steht alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Je⸗ sum Christ, Seinen Sohn und unsern Herren, Der ewig bei dem Vater ist, Gleicher Gott von Macht und Ehren, Von Maria, der Jungfrauen, Ist ein wahrer Mensch geboren Durch den heilgen Geist im Glauben; Für uns, die wir warn verloren, Am Kreuz ge⸗ storben und vom Tod Wie⸗ der auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heil⸗ gen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, Der aller Blöden Tröster heißt Und mit 2 Gaben zieret schöne; Die ganz Christenheit auf Erden Hält in einem Sinn gar eben. Hier all Sünd vergeben werden; Das Fleisch soll auch wieder leben; Nach diesem Elend ist bereit Uns ein Leben in Ewig⸗ keit. Amen! Patrem eredimus, aus dem 4. Jahrhundert, deutsch von M. Luther, g. 1483, st. 1546. 3. Gott der Vater wohn uns bei Und laß uns nicht verderben; Mach uns aller Sünden frei Und helf uns selig sterben. Vor dem Teufel uns bewahr, Halt uns bei festem Glauben, Und auf dich laß uns bauen, Aus Herzens⸗ grund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten Christen Entfliehn des Teufels Listen, Mit Waf⸗ fen Gotts uns fristen. Amen, Amen, das sei wahr, So sin⸗ gen wir Hallelujah! 2. Jesus Christus wohn uns bei Und laß uns nicht verder⸗ ben; Mach uns aller Sünden frei Und helf uns selig ster⸗ ben. Vor dem Teufel uns bewahr, Halt uns bei festem Glauben Und auf dich laß uns bauen, Aus Herzens⸗ grund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten Christen Entfliehn des Teufels Listen, Mit Waf⸗ fen Gotts uns fristen. Amen, Amen, das sei wahr, So sin⸗ gen wir Hallelujah! 3. Heiliger Geist wohn uns bei Und laß uns nicht verder⸗ Gottes Wesen, ben: Mach uns aller Sünden frei Und helf uns selig ster⸗ ben. Vor dem Teufel uns bewahr, Halt uns bei festem Glauben, Und auf dich laß uns bauen, Aus Herzens⸗ grund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten Christen Entfliehn des Teufels Listen, Mit Waf⸗ fen Gotts uns fristen. Amen, Amen, das sei wahr, So sin⸗ gen wir Hallelujah! Aus der altdeutschen Kirche, verbessert durch Martin Luther. A. Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit, Groß ist dein Barmherzigkeit! Aller Ding ein Schöpfer und Regierer. Eleison! 2. Christe, aller Welt Trost, Uns Sünder allein du hast erlöst. O Jesu, Gottes Sohn, Unser Mittler bist in dem höch⸗ sten Thron. Zu dir schreien wir aus Herzensbegier: Eleison. 3. Kyrie, Gott heiliger Geist, Tröst, stärk uns im Glauben allermeist, Daß wir am letz⸗ ten End Fröhlich abscheiden aus diesem Elend. Eleison! Joh. Spangenberg, g. 1484, st. 1550. 5. Heilig ist Gott der Vater, Heilig ist Gott der Sohn, Heilig ist Gott der heilge Geist! Er ist der Herre Ze⸗ baoth! Alle Welt ist seiner Ehre voll! Hosianna in der Höhe! Gelobet sei, der da kommt Im Namen des Her⸗ ren! Hosianna in der Höhe! öuFFYrt et Mel. Christ unser Herr zum ꝛe. 6. Was alle Weisheit in der Welt Bei uns hier kaum kann lallen, Das läßt Gott aus dem Himmelszelt In alle Welt erschallen: Daß er alleine König sei, Hoch über alle Götter, Groß, mächtig, freundlich, fromm und treu, Der Frommen Schutz und Retter, Ein Wesen, drei Personen. 2. Gott Vater, Sohn und heilger Geist Heißt sein hoch⸗ heilger Name; So kennt, so nennt, so rühmt und preist Ihn der gerechte Same; Gott Abraham, Gott Isaak, Gott Jacob, den er liebet, Herr Zebaoth, der Nacht und Tag Uns alle Gaben giebet Und Wunder thut alleine. 3. Der Vater hat von Ewig⸗ keit Den Sohn, sein Bild, ge⸗ zeuget. Der Sohn hat in der Füll der Zeit Im Fleische sich gezeiget. Der Geist geht ohne Zeit herfür Vom Vater und vom Sohne, Mit beiden gleicher Ehr und Zier, Gleich ewig, gleicher Krone Und ungetheilter Stärke. 4. Sieh hin mein Herz, das ist dein Gut, Dein Schatz, dem keiner gleichet; Das ist dein Freund, der alles thut, Was dir zum Heil gereichet, Der dich gebaut nach seinem Bild, Für deine Schuld ge⸗ büßet, Der dich mit wahrem Glauben füllt Und all dein Kreuz durchsüßet Mit seinem heilgen Worte. Eigenschaften und Werke. 3 5. Erheb dich stetig zu ihm zu Und lern ihn recht erken⸗ nen; Denn solch Erkenntniß bringt dir Ruh Und macht die Seele brennen In reiner Liebe, die uns nährt Zum ewgen Freudenleben, Da, was allhier kein Ohr gehört, Gott wird zu schauen geben Den Augen seiner Kinder. 6. Weh aber dem verstockten Heer, Das sich hier selbst ver⸗ blendet, Gott von sich stößt und seine Ehr Auf Creaturen wendet! Dem wird gewiß des Himmels Thür Einmal ver⸗ schlossen bleiben; Denn wer Gott von sich treibt allhier, Den wird er dort auch treiben Von seinem heilgen Throne. 7. Ei nun, so gieb, du gro⸗ ßer Held, Gott Himmels und der Erden, Daß alle Men⸗ schen in der Welt Zu dir be⸗ kehret werden. Erleuchte, was verblendet geht, Bring wie⸗ der, was verirret; Reiß aus, was in dem Wege steht Und freventlich verwirret Die Schwachen in dem Glauben. 8. Auf daß wir also allzu⸗ gleich Zur Himmelspforte dringen, Und dermaleinst in deinem Reich Ohn alles Ende singen: Daß du alleine König seist, Hoch über alle Götter, Gott Vater, Sohn und heil⸗ ger Geist, Der Frommen Schutz und Retter, Ein We⸗ sen, drei Personen. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. 7J. Hochheilige Dreieinig⸗ keit, Die du so süß und milde Mich hast geschaffen in der Zeit Zu deinem Ebenbilde: Ach daß ich dich von Herzens⸗ grund Doch lieben möchte alle Stund! Drum komm doch und zeuch ein bei mir, Mach Wohnung und bereit mich dir. 2. O Vater, nimm ganz kräftig ein Das sehnende Ge⸗ müthe; Mach es zu deinem innern Schrein Und deiner stillen Hütte. Vergieb, daß meine Seele sich So oft zer⸗ streuet jämmerlich. Versetze sie in deine Ruh, Daß nichts in ihr sei, als nur du. 3. Gott Sohn, erleuchte den Verstand Mit deiner Weis⸗ heit Lichte; Vergieb, daß er sich oft gewandt Zu eitelem Getichte. Laß nunmehr nur in deinem Schein Mein einig Schaun und Wirken sein; Zeuch mich, daß ich hier all⸗ dereit Entreiße mich von Ort und Zeit. 4. O heilger Geist, du Lie⸗ besfeur, Entzünde meinen Willen, Stärk ihn, komm mir zu Hülf und Steur, Den dei⸗ nen zu erfüllen. Vergieb, daß ich so oft gewollt, Was sünd⸗ lich, und ich nicht gesollt. Ver⸗ leih, daß ich mit reiner Brunst Dich innig, ewig lieb umsonst. 5. O heilige Dreieinigkeit, Führ mich nun ganz von hin⸗ nen; Richt zu dem Lauf der Ewigkeit All äuß⸗ und innre Gottes Wesen, sein, daß ich mit dir Auch dort sei in der Herrlichkeit, O hei⸗ ligste Dreieinigkeit. Joh. Scheffler, geb. 1624, st. 1677. Mel. Du unvergleichlich Gut. S. Monarche aller Ding, Dem alle Seraphinen Voll Ehrerbietigkeit Und tiefster Demuth dienen: Laß dein erhabnes Angesicht Zu mei⸗ ner Armuth sein gericht. 2. Du bist die Majestät Der höchsten Majestäten; Vor dei⸗ nem Glanze muß All Glanz und Pracht erröthen. Doch bitt ich, zürne nicht mit mir, Daß ich, der Staub, mich nah zu dir. 3. Du sprichst: Kommt her zu mir! Laß euch nur nichts erschrecken; Ich will die Ma⸗ jestät Mit Vaterliebe decken. Drum komm ich auch an meinen Theil, Von dir zu singen, schönstes Heil! 4. Du bist das A und O, Der Anfang und das Ende, Hilf, daß mein Herz zu dir, Dem Anfang, sich stets wende, Und ich in allem, was ich thu, In dir, als meinem Ende, ruh. 5. Du bist das große Licht; Dein Licht geht niemals un⸗ ter; Der kleinste Strahl von dir Macht Leib und Seele munter. O daß in deiner Heiterkeit Erstürbe meine Dunkelheit! 6. Du bist die Liebe selbst, Die lauter Liebe quillet, Die Sinnen. Vereinge mich und aller Engel Herz Mit Lust und laß mich hier Eins mit dir Lieb erfüllet. O Lieb, ergieß dich auch in mich, Daß ich als Liebe schmecke dich! 7. Du bist die Lebenskraft, Durch die sich alles reget, Was sich zum Guten nur In einger Art beweget. O daß dein Leben meinen Tod Verschlänge ganz, sammt aller Noth! 8. Du bist das höchste Gut, Nur du bist gut zu nennen. O laß mich außer dir Kein ander Gut erkennen! Mach aber meinen Sinn und Mut Durch dich und dein Erbar⸗ men gut. 9. So soll mein alles dich Mit Ruhm und Preis er⸗ heben, Ja, ich will selbst mich dir Zum ganzen Opfer geben; Und du wirst auch mit Lust in mir Dein Bild erblicken für und für. 10. Ehr sei dir, großer Gott, Du Herr der Himmelsheere! Es jauchzen ewig dir Der Selgen Jubelchöre. Ich jauchze mit schon auf der Erd, Bis ich ein Himmelserbe werd. J. A. Freylinghausen, 9. 1670, st. 1739. Mel. Wunderbarer König. 9. Unumschränkte Liebe, Gönne blöden Augen, Die sonst kaum auf Erden taugen, Daß sie in die Strahlen Deiner Langmuth blicken, Die den Erdkreis huldreich schmük⸗ ken Und zugleich Freuden⸗ reich Bösen und den Deinen Wie die Sonne scheinen. 2. Wasser, Luft und Erde, Ja, dein ganz Gebiete Ist ein Schauplatz deiner Güte. Eigenschaften und Werke. 5 Deiner Langmuth Ehre Wird durch neue Proben Immer herrlicher erhoben. O wie weit, O wie breit Ueber Berg und Hügel Streckt sie ihre Flügel. 3. Was wir davon denken, Was wir sagen können, Ist ein Schatten nur zu nennen. Tag für Tag zu leiden, Tag für Tag zu dulden So viel Millionen Schulden Und da⸗ hzu Ohne Ruh Lieben für das Hassen: Herr, wer kann das fassen! 4. Du vergiebest Sünde, Hörst der Sünder Flehen, Wenn sie weinend vor dir stehen. Deine Rechte dräuet Und erbarmt sich wieder, Legt die Pfeile gerne nieder. Tie⸗ fen Schmerz Fühlt dein Herz, Wenn durch ernste Strafen Du mußt Bessrung schaffen. 5. Herr, es hat noch keiner, Der zu dir gegangen, Statt der Gnade Recht empfangen. Wer zu deinen Füßen Sich mit Thränen senket, Dem wird Straf und Schuld ge⸗ schenket. Unser Schmerz Rührt dein Herz, Und du willst der Armen Gnädig dich erbarmen. 6. König, sei gepriesen, Daß du so verschonest Und uns nicht nach Werken lohnest. Deiner Hand sei Ehre, Die so wohl regieret Und mit Ruhm den Seepter führet. Fahre fort, Zions Hort, Lang⸗ muth auszuüben Und die Welt zu lieben. Joh. Jae. Rambach, 9. 1693, st. 1735. 10. Gott ist mein Lied! Er ist der Gott der Stärke. Groß ist sein Nam, Und groß sind seine Werke, Und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und sprichts, So sind und leben Welten; Und er gebeut, So fallen durch sein Schelten Die Himmel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid, Und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, Und seines Thrones Veste Ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, Ein Meer von Seligkeiten, Ohn Anfang Gott Und Gott in ewgen Zei⸗ ten, Herr aller Welt, wer ist F dir gleich! 5. Was ist und war In Himmel, Erd und Meere, Das kennet Gott, Und seiner Werke Heere Sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, Schafft, daß ich sicher ruhe; Er schafft, was ich Vor⸗ oder nachmals thue, Und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, Du sitzest oder gehest; Ob du ans Meer, Ob du gen Himmel flöhest, So ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn Und allen Rath der Seele; Er weiß, wie oft Ich Gutes thu und fehle, Und eilt, mir gnädig beizustehn. 9. Er wog mir dar, Was er mir geben wollte, Schrieb auf sein Buch, Wie lang ich Gottes Wesen, leben sollte, Da ich noch un⸗ bereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, Das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar Soll deines Namens Ehre, Dein Lob in meinem Munde sein. 11. Wer kann die Pracht Von deinen Wundern fassen! Ein jeder Staub, Den du hast werden lassen, Verkündigt sei⸗ nes Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm Ist deiner Weisheit Spiegel. Du Luft und Meer, Ihr Auen, Thal und Hügel, Ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 13. Du tränkst das Land, ßührst uns auf grüne Wei⸗ den, Und Nacht und Tag Und Korn und Wein und Freuden Empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen: Sollt ich mein Herz Nicht mit dem Troste stillen, Daß deine Hand mein Leben hält? 15. Ist Gott mein Schutz, Will Gott mein Retter wer⸗ den, So frag ich nichts Nach Himmel und nach Erden Und biete selbst der Hölle Trutz. Chr. Fürchteg. Gellert, g. 1715, st. 1769. Mel. Es ist das Heil uns kommen her 11. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege: So weiß ich von Bewundrung voll Nicht, wie Eigenschaften und Werke. 7 ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr und Vater. 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke. Der Himmel, präch⸗ tig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Maje⸗ stät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schoß der Erden auf, Mit Vorrath uns zu segnen? O Gott der Macht und Herr⸗ lichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen. 4. Dich predigt Sonnen⸗ schein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; Bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunder⸗ bar bereitet; Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet; Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täg⸗ licher Beweis Von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Namen! Gott unser Vater, sei gepreist, Und alle Welt sag Amen! Und alle Welt fürcht ihren Herrn Und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen! Chr. Fürchteg. Gellert, g. 1715, st. 1769. Mel. Die Tugend wird durchs ꝛc. 12. Wie groß ist des All⸗ mächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, Der mit verhärtetem Gemü⸗ the Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, Sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie ver⸗ gessen, Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der mei⸗ ner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Guts genießen? Ists nicht sein Arm, der alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, Zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist, Du hast ein Recht zu diesen Freuden, Durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, Den Weg, 8 den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben, Sein Wort be⸗ stärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben Und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: Ich soll voll⸗ kommen sein, wie er. So weit ich dies Gebot erfülle, Stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht, Und ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. O Gott, laß deine Güt und Liebe Mir immerdar vor Augen sein. Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn; Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augen⸗ blicks. Chr. Fürchteg. Gellert, g. 1715, st. 1769. Mel. Machs mit mir, Gott ꝛe. 13. Nie bist du, Höchster, von uns fern, Du wirkst an allen Enden; Wo ich nur bin, Herr aller Herrn, Bin ich in deinen Händen; Durch dich nur leb und athme ich, Und deine Rechte schützet mich. 2. Was ich gedenke, merkest du, Du prüfest meine Seele; Du siehst es, wenn ich Gutes thu, Du siehst es, wenn ich Gottes Wesen, fehle; Nichts, nichts kann deinem Aug entfliehn Und nichts mich deiner Hand ent⸗ ziehn. 3. Wenn ich in stiller Ein⸗ samkeit Mein Herz an dich ergebe Und über deine Huld erfreut Lobsingend dich er⸗— hebe, So hörst du es und stehst mir bei, Daß ich dir immer treuer sei. 4. Du merkst es, wenn des Herzens Rath Verkehrte Wege wählet; Und bleibt auch eine böse That Vor aller Welt ver⸗ hehlet, So weißt du sie und strafest mich Zu meiner Bess— rung väterlich. 5. Du hörest meinen Seuf⸗ zern zu, Daß Hülfe mir er⸗ scheine; Voll Mitleid, Vater, zählest du Die Thränen, die ich weine; Du siehst und wägest meinen Schmerz Und stärkst mit deinem Trost mein Herz. 6. O drück, Allgegenwärti⸗ ger, Dies tief in meine Seele, Daß, wo ich bin, nur dich, o Herr, Mein Herz zur Zuflucht wähle, Daß ich dein heilig Auge scheu Und dir zu dienen eifrig sei. 7. Laß überall gewissenhaft Nach deinem Wort mich han⸗ deln Und stärke mich dann auch mit Kraft, Vor dir ge⸗ trost zu wandeln. Daß du, o Gott, stets um mich seist, Das tröst und bessre meinen Geist. Chr. Christian Sturm, g. 1740, st 1786. Eigenschaften und Werke. Mel. Es ist genug! So nimm ꝛc. Ließ er 1I. Gott ist getreu! Sein Herz, sein Vaterherz Verläßt die Seinen nie. Gott ist ge⸗ treu! Im Wohlsein und im Schmerz Erfreut und trägt er sie. Mich decket seiner All⸗ macht Flügel: Stürzt ein, ihr Berge, fallt, ihr Hügel! Gott ist getreu! 2. Gott ist getreu! Er ist mein treuster Freund; Dies weiß, dies hoff ich fest. Ich weiß gewiß, Daß er mich kei⸗ nen Feind Zu hart versuchen läßt. Er stärket mich nach seinem Bunde In meiner Prüfung trübsten Stunde. Gott ist getreu! 3. Gott ist getreu! Er thut, was er verheißt. Er sendet mir sein Licht. Wenn dieses mir Den Weg zum Leben weist, So irr und gleit ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht lügen, Sein Wort der Wahrheit kann nicht trügen. Gott ist getreu! 4. Gott ist getreu! Er han⸗ delt väterlich, Und was er thut, ist gut; Die Trübsal auch, Mein Vater bessert mich Durch alles, was er thut. Die Trübsal giebt Geduld und Stärke Zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getreu! 5. Gott ist getreu! Er hat uns selbst befreit Von unsrer Sündennoth Durch seinen Sohn, Durch dessen Heiligkeit Und blutgen Opfertod. Damit wir möchten nicht verderben, 9 den Eingebornen sterben. Gott ist getreu! 6. Gott ist getreu! Er, deß ich ewig bin, Sorgt für mein ewig Wohl. Er rufet mich Zu seinem Himmel hin, Will, daß ich leben soll. Er reinigt mich von allen Sünden Und läßt mich Trost durch Chri⸗— stum finden. Gott ist getreu! 7. Gott ist getreu! Stets hat sein Vaterblick Auf seine Kinder Acht. Er sieht mit Lust, Auch wenn ein irdisch Glück Sie froh und dankbar macht. Was uns zu schwer wird, hilft er tragen Und end⸗ lich stillt er alle Klagen. Gott ist getreu! 8. Gott ist getreu! Mein Herz, was fehlt dir noch, Dich Gottes stets zu freun? Sei Gott getreu Und fürchte nichs, mag doch Die Welt voll Falsch⸗ heit sein. Selbst falscher Brü⸗ der Neid und Tücke Gereicht am Ende mir zum Glücke. Gott ist getreu! 9. Gott ist getreu! Vergiß, o Seel, es nicht, Wie zärtlich treu er ist. Gott treu zu sein, Sei deine liebste Pflicht, Weil du so werth ihm bist. Halt fest an Gott, sei treu im Glau⸗ ben, Laß nichts den starken Trost dir rauben: Gott ist getreu! Ehrenfried Liebich, g. 1713, st. 1780. Mel. Wachet auf! ruft uns die ꝛe. 15. Gott, mein Gott, du bist lebendig Und in Unsterb⸗ lichkeit selbständig, Du ewge 10 Gottes Quelle alles Lichts. Du, du kannst von nichts abhangen, Dein Leben hat nie angefan⸗ gen, Und von Verändrung weiß es nichts. Was lebt, das lebt von dir, Im Him⸗ mel und auch hier, Gott der Geister! Du bists allein, Der Ruhm ist dein, Du warst und bist und wirst auch sein. 2. Du hast es dem Sohn gegeben, Auch er hat in sich selbst das Leben, Ward Fleisch und starb und lebet nun. Auch noch nach der Zeit des Falles Belebt dein Geist des Lebens alles, Was leben will und in dir ruhn. Mein Gott, ach lasse mich Jetzt und dann ewiglich In dir leben; So hats nicht Noth Auch selbst im Tod: Du bist der Leben⸗ den ihr Gott. M. Phil. Friedr. Hiller, g. 1698, st. 1769. Mel. Es ist das Heil uns kommen ꝛc. 16. Der Herr ist Gott, und keiner mehr! Frohlockt ihm, alle Frommen! Wer ist ihm gleich! wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen! Der Herr ist groß, sein Nam ist groß! Er ist unendlich, grenzenlos In seinem ganzen Wesen. 2. Er ist und bleibet, wie er ist. Wer strebet nicht verge⸗ bens, Ihn auszusprechen; wer ermißt Die Dauer seines Le⸗ bens! Wir Menschen sind von gestern her; Eh noch die Erde ward, war er, War, eh die Himmel waren. Wesen. 3. Des Ewgen Thron um⸗ giebt ein Licht, Das ihn vor uns verhüllet; Ihn fassen alle Himmel nicht, Die seine Größ erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, Verborgen, und doch offenbar In seiner Werke Wundern. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft Uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, kennet, was er schafft, Der Wesen ganze Kette. Bei ihm ist Weisheit und Verstand, Und er umspannt mit seiner Hand Die Erde sammt dem Him⸗ mel. 5. Ist er nicht nah? Ist er nicht fern? Weiß er nicht aller Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn Ein Mensch verbergen möge? Umsonst hüllt ihr in Finsterniß, Was ihr beginnt: er siehts gewiß, Er sieht es schon von ferne. 6. Wer schützt den Weltbau ohne dich, O Herr, vor seinem Falle? Allgegenwärtig breitet sich Dein Fittig über alle. Du bist voll Freundlichkeit, voll Huld, Barmherzig, gnädig, voll Geduld, Ein Vater, ein Verschoner. 7. Untadelhaft bist du, und ut Und reiner, als die Sonne. Wohl dem, der deinen Willen thut; Denn du ver⸗ giltst mit Wonne. Du hast Unsterblichkeit allein, Bist selig, wirst es ewig sein, Hast Freuden, Gott, die Fülle. 8. Dir nur gebühret Lob und Dank, Anbetung, Preis und Ehre. Gottes Lobgesang, Ihr alle gleich, Eigenschaften und Werke. Kommt, werdet und keiner mehr! Wer ist ihm 11 wer ist wie er, So herr⸗ seine Heere. Der Herr ist Gott lich, so vollkommen! Dr. Andr. Cramer, g. 1722, st. 1788. Die Engel. Mel. Jesus meine Zuversicht. 17. Herr, du hast in dei⸗ nem Reich Große Schaaren heilger Engel. Diesen bin ich noch nicht gleich, Denn mein Herz ist voller Mängel. Ach wann werd ich doch so rein, Wie die guten Engel sein! 2. Mich beschweret Fleisch und Blut: Hilf du, daß ich geistlich werde. Gieb mir einen Engelmuth, Der sich trenne von der Erde, Daß ich, als dein liebes Kind, Allzeit himm⸗ lisch sei gesinnt. 3. Mache mir dein Wort bekannt Durch des heilgen Geistes Gabe, Daß ich Weis⸗ heit und Verstand Wie ein Engel Gottes habe, Bis wir einst in jenem Licht Völlig sehn dein Angesicht. 4. Herr, dein Wille soll ge⸗ schehn In dem Himmel und auf Erden: Darum laß uns dahin sehn, Daß wir dir ge⸗ horsam werden, Und verleih, daß ich dabei Aller Engel Mit⸗ knecht sei. 5. Unsre Welt ist voll Ge⸗ fahr, Denn sie hat viel böse Stellen. Sende deiner Engel Schaar, Daß mich niemand tönne fällen; Und da, wo wir schlafen ein, Laß sie unsre Wächter sein. 6. Mach es, wie mit Lazaro, Wenn ich künftig werde ster⸗ ben; Und damit ich ebenso Möge Trost und Segen er⸗ ben, Heiß die Engel mich zur Ruh Tragen nach dem Him⸗ mel zu. 7. Laß mich dann vor dei⸗ nem Stuhl Bei den Auser⸗ wählten stehen, Wenn die Bösen in den Pfuhl Mit dem Satan werden gehen; Und hernach in jenem Reich Mache mich den Engeln gleich. Casp. Neumann, g. 1648, st. 1715. Mel. Nun komm der Heiden Heiland. 18. Aller Engel himmlisch Heer Singt Gott ewig Lob und Ehr. Heilig, heilig, heilig! schallt, Daß der Himmel wie⸗ derhallt. 2. Cherubim und Sera⸗ phim Preisen ihn und dienen ihm, Helden, mächtig und ge⸗ schwind, Gleich als Feuer⸗ flamm und Wind. 3. Anzustaunen seine Macht, Seiner Werke hehre Pracht, Und zu thun, was er gebeut, Das ist ihre Seligkeit. 4. Der du sie zum Dienste schickst Dem, auf den du gnädig blickst, Lasse sich ihr schirmend Heer Mächtig lagern um uns her. 12 5. Laß sie halten uns in Hut Vor der Abgefallnen Wuth, Vor dem Fürsten dieser Welt, Wenn sein Trug uns Schlin⸗ gen stellt. 6. Gieb, daß vieler Sünder Reu Dort im Himmel sie er⸗ freu; Gieb, daß keiner mehr verübt, Was ihr heilig Aug betrübt. Sünde und Erlösung. 7. Lieb und Hülf ist Engel⸗ amt, Dazu schufst du uns ge⸗ sammt; Daran mach uns hier schon reich, Hier schon deinen Engeln gleich. 8. Jesu, deinen Geist uns send, Daß bei unserm letzten End Engelhand uns sanft und süß Zu dir trag ins Para⸗ dies. Victor Strauß, g. 1809. II. Hünde und Erläsung. 19. Nun freut euch, lieben Christen gmein, Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getrost und all in ein Mit Lust und Liebe singen, Was Gott an uns gewendet hat, Und seine süße Wunderthat; Gar theur hat ers erworben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, Im Tod war ich verlo⸗ ren; Mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein. Es war kein Guts am Leben mein, Die Sünd hatt mich besessen. 3. Mein guten Werk die galten nicht, Es war mit ihn verdorben; Der frei Will haßte Gotts Gericht, Er war zum Gutn erstorben; Die Angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn Ster⸗ ben bei mir blieb, Zur Höllen mußt ich sinken. 4. Da jammert Gott in Ewigkeit Mein Elend über Maßen; Er dacht an sein Barmherzigkeit, Er wollt mir helfen lassen; Er wandt zu mir sein Vaterherz; Es war bei ihm fürwahr kein Scherz, Er ließ sein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lie⸗ ben Sohn: Die Zeit ist hie zu 'rbarmen. Fahr hin, meins Herzens werthe Kron, Und sei das Heil dem Armen Und hilf ihm aus der Sündennoth, Erwürg für ihn den bittern Tod Und laß ihn mit dir leben. 6. Der Sohn dem Vater ghorsam ward; Er kam zu mir auf Erden, Von einer Jung⸗ frau rein und zart; Er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, Er ging in meiner armen Gstalt; Den Teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: Halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen. Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollst du sein; Uns soll der Feind nicht scheiden. Sünde und Erlösung. mir uns auch Gott sollt geben 8. Vergießen wird er mein Blut, Dazu mein Leben rauben. Das leid ich alles dir zu gut, Das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, Mein Un⸗ schuld trägt die Sünde dein; Da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein Fahr ich aus diesem Leben. Da will ich sein der Meister dein; Den Geist will ich dir geben, Der dich in Trübniß trösten soll Und lehren mich erkennen wohl Und in der Wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, Das sollst du thun und lehren, Damit das Reich Gotts werd gemehrt Zu Lob und seinen Ehren. Und hüte dich vor Menschen Satz, Da⸗ von verdirbt der edle Schatz. Das laß ich dir zur Letze“). *) Labsal. Martin Luther, g. 1483, st. 1546. 20. Durch Adams Fall ist ganz verderbt Menschlich Natur und Wesen. Dasselb Gift ist auf uns geerbt, Daß wir nicht mochtn genesen Ohn Gottes Trost, der uns erlöst Hat von dem großen Schaden, Darein die Schlang Eva be⸗ zwang, Gotts Zorn auf sich zu laden. 2. Weil deun die Schlang Eva hat bracht, Daß sie ist abgefallen Von Gottes Wort, das sie veracht, Dadurch sie in uns allen Bracht hat den Tod, so war je Noth, Daß 13 Sein lieben Sohn, den Gna⸗ denthron, In dem wir möchten leben. 3. Wie uns nun hat ein fremde Schuld In Adam all verhöhnet: Also hat uns ein fremde Huld In Christo all versöhnet. Und wie wir all durch Adams Fall Sind ewigs Tods gestorben: Also hat Gott durch Christi Tod Ver⸗ neut, das war verdorben. 4. So er uns denn sein Sohn hat gschenkt, Da wir sein Feind noch waren, Der für uns ist ans Kreuz gehenkt, Getödt, gen Himmel gfahren, Dadurch wir sein von Tod und Pein Erlöst, so wir ver⸗ trauen In diesen Hort, des Vaters Wort: Wem wollt vorm Sterben grauen! 5. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, Die Wahrheit und das Leben, Des Vaters Rath und ewig Wort, Den er uns hat gegeben Zu einem Schutz, daß wir mit Trutz An ihn fest sollen glauben; Darum uns bald kein Macht noch Gwalt Aus seiner Hand wird rauben. 6. Der Mensch ist gottlos und verrucht, Sein Heil ist auch noch ferren, Der Trost bei einem Menschen sucht Und nicht bei Gott dem Herren. Denn wer ihm will ein ander Ziel Ohn diesen Tröster stecken, Den mag gar bald des Teufels Gwalt Mit seiner List erschrecken. 7. Wer hofft in Gott und dem vertraut, Der wird nim⸗ mer zu Schanden; Denn wer auf diesen Felsen baut, Ob ihm gleich geht zuhanden Viel Unfalls hie, hab ich doch nie Den Menschen sehen fallen, Der sich verläßt auf Gottes Trost. Er hilft sein Gläubgen allen. 8. Ich bitt, o Herr, aus Her⸗ zensgrund, Du wollst nicht von mir nehmen Dein heilig Wort aus meinem Mund, So wird mich nicht beschämen Mein Sünd und Schuld; denn in dein Huld Setz ich all mein Vertrauen. Wer sich nur fest darauf verläßt, Der wird den Tod nicht schauen. 9. Mein Füßen ist dein heilig Wort Ein brennende Lucerne“), Ein Licht, das mir den Weg weist fort. So dieser Morgensterne In uns auf⸗ geht, sobald versteht Der Mensch die hohen Gaben, Die Gottes Geist den gwiß ver⸗ heißt, Die Hoffnung darein haben.) Leuchte. Lazarus Spengler, g. 1479, st. 1534. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 21. Ach, mein Jesu, welch Verderben Wohnet nicht in meiner Brust! Denn mit an⸗ dern Adamserben Steck ich voller Sündenlust. Ach ich muß dir nur bekennen, Ich bin Fleisch von Fleisch zu nennen. 2. Wie verkehrt sind meine Wege! Wie verderbt mein Sünde und Erlösung. alter Sinn, Der ich zu dem Guten träge Und zum Bösen hurtig bin! Ach wer wird mich von den Ketten Dieses Sün⸗ dentodes retten! 3. Hilf mir durch den Geist der Gnaden Aus der ange⸗ erbten Noth; Heile meinen Seelenschaden Durch dein Blut undKreuzestod; Schlage du die Sündenglieder Meines alten Adams nieder. 4. Ich bin unten von der Erden, Stecke in dem Zünden⸗ grab; Soll ich wieder lebend werden, So mußt du von oben ab Mich durch deinen Geist gebären Und mir neue Kraft gewähren. 5. Schaff in mir ein reines Herze, Einen neuen Geist gieb mir, Daß ich ja nicht länger scherze Mit der Sün⸗ den Lustbegier; Laß mich ihre Tück bald merken, Mich im Geist dagegen stärken. 6. Lehr mich wachen, beten, ringen Und mein böses Fleisch und Blut Unters Joch des Geistes zwingen, Weil es doch thut nimmer gut. Was nicht kann dein Reich ererben, Laß in deinem Tod ersterben. 7. Reize mich durch jene Krone, Die mir droben beige⸗ legt, Daß ich meiner niemals schone, Wann und wo ein Feind sich regt; Sondern hilf mir tapfer kämpfen, Teufel, Welt und Fleisch zu dämpfen. 8. Sollt ich etwa unterlie⸗ gen, O— hilf mir wieder auf Und in deiner Kraft obsiegen, Sünde und Erlösung. Daß ich meinen Lebenslauf Unter deinen Siegeshänden Möge ritterlich vollenden. L. Aydr. Gotter, g. 1661, st. 1735. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 22. Ewge Liebe, mein Ge⸗ müthe Waget einen kühnen Blick In den Abgrund deiner Güte; Send ihm einen Blick zurück, Einen Blick voll Hei⸗ terkeit, Der die Finsterniß zer⸗ streut, Die mein blödes Auge drücket, Wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe, Daß du dich beweget hast Und aus einem freien Triebe Den erwünschten Schluß gefaßt, Der im Fluch versenkten Welt Durch ein theures Lösegeld Und des eignen Sohnes Sterben, Gnad und Freiheit zu erwerben. 3. O, ein Rathschluß voll Erbarmen, Voller Huld und Freundlichkeit, Der so einer Welt voll Armen Gnade, Trost und Hülfe beut! Liebe, die den Sohn nicht schont, Der in ihrem Schoße wohnt, Um zu retten die Rebellen Aus dem Pfuhl der tiefen Höllen! 4. Doch du hast, o weise Liebe, Eine Ordnung auch bestimmt, Daß sich der darin⸗ nen übe, Der am Segen An⸗ theil nimmt. Wer nur an den Mittler gläubt Und ihm treu ergeben bleibt, Der soll nicht verloren gehen, Son⸗ dern Heil und Leben sehen. 15 5. Diesen Glauben anzu⸗ zünden, Der selbst Gottes Gabe heißt, Lässest du dich willig finden, Deinen heilgen guten Geist Denen, die ge⸗ beuget stehn, Die ihr Unver⸗ mögen sehn Und zum Thron der Gnaden eilen, Gern und reichlich mitzutheilen. 6. Wo du nun vorher ge⸗ sehen, Daß ein Mensch auf dieser Erd Deinem Geist nicht widerstehen, Noch sein Werk verhindern werd, Sondern ohne Heuchelschein Werd im Glauben feste sein: Diesen hast du auserwählet Und den Deinen zugezählet. 7. Du hast niemand zum Verderben Ohne Grund in Bann gethan; Die in ihren Sünden sterben, Die sind selber Schuld daran. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, Der hat Fluch und Tod zum Lohn; Sein muthwillig Wi⸗ derstreben Schleußt ihn aus vom Heil und Leben. 8. Liebe, dir sei Lob gesun⸗ gen Für den höchst gerechten Schluß, Den die Schaar ver⸗ klärter Zungen Rühmen und bewundern muß, Den der Glaub in Demuth ehrt, Die Vernunft erstaunet hört Und umsonst sich unterwindet, Wie sie dessen Tief ergründet. 9. Liebe, laß mich dahin streben, Meiner Wahl gewiß zu sein. Richte selbst mein ganzes Leben So nach deinem Willen ein, Daß des Glau⸗ bens Frucht und Kraft, Den 16 Sünde und Erlösung. dein Geist in mir geschafft, Mir zum Zeugniß dienen möge, Ich sei auf dem Him⸗ melswege. 10. Laß mich meinen Namen schauen In dem Buch des Lebens stehn; Dann so werd ich ohne Grauen Selbst dem Tod entgegen gehn. Keine Creatur wird mich, Als dein Erbgut, ewig⸗ lich Deiner Hand entreißen können, Noch von deiner Liebe trennen. Joh. Jae. Rambach, g. 1693, st. 1735. Mel. Jesu, meine Freude. 23. Wort des höchsten Mundes, Engel meines Bundes, Jesu, unser Ruhm, Bald, da wir gefallen, Ließest du erschallen Evangelium, Eine Kraft, die Glauben schafft, Eine Botschaft, die zum Leben Uns von dir ge⸗ geben. 2. Was dein Wohlgefallen Vor der Zeit uns allen Fest bestimmet hat, Was der Opfer Schatten Längst verkündigt hatten, Das vollführt dein Rath; Was die Schrift ver⸗ spricht, das trifft Alles ein in deinem Namen Und ist Ja und Amen. 3. Alles ist vollendet; Jesu Gnade wendet Allen Zorn und Schuld. Jesus ist gestor⸗ ben, Jesus hat erworben Alle Gnad und Huld; Auch ist dies fürwahr gewiß: Jesus lebt in Preis und Ehre. Ach, er⸗ wünschte Lehre! 4. Uns in Sünden Todten Machen Jesu Boten Dieses Leben kund. Lieblich sind die Füße Und die Lehren süße, Theuer ist der Bund. Aller Welt ist nun vermeldt Durch der guten Botschaft Lehre, Daß man sich bekehre. 5. Kommt, zerknirschte Her⸗ zen, Die in bittern Schmerzen Das Gesetz zerschlug, Kommt zu dessen Gnaden, Der für euch beladen Alle Schmerzen trug. Jesu Blut stärkt euren Muth; Gott ist hier, der euch geliebet Und die Schuld vergiebet. 6. Dieser Grund bestehet; Wenn die Welt vergehet, Fällt er doch nicht ein. Darauf will ich bauen; So soll mein Ver⸗ trauen Evangelisch sein; Auch will ich nun würdiglich Dieser Kraft, die mir gegeben, Evan⸗ gelisch leben. 67. Jesu, deine Stärke Schaffet diese Werke; Stehe du mir bei. Nichts kann mich nun scheiden; Hilf denn, daß mein Leiden Evangelisch sei. Laß auch mich einmal auf dich Als ein Kind, mit dir zu erben, Evangelisch sterben. x 5. C. Hecker, g 1699, ft. 1743. Mel. O daß ich tausend Zungen ꝛe. 2J. Geht hin, ihr gläu⸗ bigen Gedanken, Ins weite Feld der Ewigkeit, Erhebt euch über alle Schranken Der alten und der neuen Zeit; Er⸗ wägt, daß Gott die Liebe sei, Die ewig alt und ewig neu. FIue Advent. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, Der Himmel war noch nicht gemacht, So hat Gott schon den Trieb ge⸗ heget, Der mir das Beste zu⸗ gedacht; Da ich noch nicht geschaffen war, Da reicht er mir schon Gnade dar. 3. Sein Rathschluß war, ich sollte leben Durch seinen ein⸗ gebornen Sohn. Den wollt er mir zum Mittler geben, Den macht er mir zum Gnaden⸗ thron; In dessen Blute sollt ich rein, Geheiliget und selig sein. 4. O Wunderliebe, die mich wählte Vor allem Anbeginn der Welt Und mich zu ihren Kindern zählte, Für welche sie das Reich bestellt! O Vater⸗ hand, o Gnadentrieb, Der mich ins Buch des Lebens schrieb! 5. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüthe Hinauf zu dieser Quelle steigt, Von welcher sich ein Strom der Güte Zu mir durch alle Zeiten neigt, Daß jeder Tag sein Zeugniß giebt: Gott hat mich je und je geliebt. 6. Wer bin ich unter Mil⸗ lionen Der Creaturen seiner Macht, Die in der Höh und Tiefe wohnen, Daß er mich III. Christi Ankunkt; Adurnt. Mel. Vom Himmel hoch, da komm ich her. 25. Komm, Heidenheiland, wärts flammen deinenSchein, schönste Denn so will Gott geboren Sonne dieser Welt! Laß ab⸗ sein. Lösegeld! Komm, 17 bis hieher gebracht! Ich bin ja nur ein dürres Blatt, Ein Staub, der keine Stätte hat. 7. Ja freilich bin ich zu ge⸗ ringe Der herzlichen Barm⸗ herzigleit, Womit, o Schöpfer aller Dinge, Mich deine Liebe stets erfreut. Ich bin, o Vater, selbst nicht mein, Dein bin ich, Herr, und bleibe dein. 8. Im sichern Schatten deiner Flügel Find ich die ungestörte Ruh. Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du. Laß Erd und Himmel unter⸗ ehn, Dies Wort der Wahr⸗ heit bleibet stehn. 9. Ach könnt ich dich nur besser ehren, Welch edles Lob⸗ lied stimmt ich an! Es sollten Erd und Himmel hören, Was du, mein Gott, an mir ge⸗ than. Nichts ist so köstlich, nichts so schön, Als, höchster Vater, dich erhöhn. 10. Doch nur Geduld! Es kommt die Stunde, Da mein durch dich erlöster Geist Im höhern Chor mit frohem Munde Dich, schönste Liebe, schöner preist. Drum eilt mein Herz aus dieser Zeit Und sehnt sich nach der Ewig⸗ keit. 3.6. Heermann, g. 1701, ft. 1791. 2 2. Komm an von deinem Himmelsthron, Sohn Gottes und der Jungfrau Sohn; Komm an, du zweigestammter Held, Geh muthig durch dies Thal der Welt! 3. Du nahmest erdwärts deinen Lauf Und stiegst auch wieder himmelauf; Dein Ab⸗ Christi Ankunft. fahrt war zum Höllenthal, Die Rückfahrt in den Sternensaal. 4. O höchster Fürst, dem Vater gleich, Besieg hier dieses Fleisches Reich; Denn unsers siechen Leibes Haft Sehnt sich nach deiner Himmelskraft. 5. Es glänzet deiner Krip⸗ pen Strahl, Ein Licht leucht durch dies finstre Thal, Es giebt die Nacht so hellen Schein, Der da wird unver⸗ löschlich sein. Nach d. Ambrosius(st. 397) Veni, redomp- tor gentium; v. J. Franck, g. 1618, st. 1677. 26. Gottes Sohn ist kom⸗ men, Uns allen zu frommen, Hie auf diese Erden In armen Geberden, Daß er uns von Sünde Freie und ent⸗ binde. 2. Er kommt auch noch heute Und lehret die Leute, Wie sie sich von Sünden Zur Buß sollen wenden, Von Irrthum und Thorheit Treten zu der Wahrheit. Mit ganzem Vertrauen, Sünd vergeben. 4. Denn er thut ihn schenken In den Saeramenten Sich selber zur Speise, Sein Lieb zu beweisen, Daß sie sein ge⸗ nießen In ihrem Gewissen. 5. Die also bekleiben Und beständig bleiben, Dem Herren in allem Trachten zu ge⸗ fallen, Die werden mit Freuden Auch von hinnen scheiden. 6. Denn bald und behende Kommt ihr letztes Ende; Da wird er vom Bösen Ihre Seel erlösen Und sie mit ihm führen Zu der Engel Chören. 7. Von dort wird er kom⸗ men, Wie dann wird ver⸗ nommen, Wann die Todten werden Erstehn von der Erden Und zu seinen Füßen Sich darstellen müssen. 8. Da wird er sie scheiden; Die Frommen zur Freuden, Die Bösen zur Höllen, In peinliche Stellen, Da sie ewig müssen Ihr Untugend büßen. 9. Ei nun, Herre Jesu, Schick unser Herzen zu, Daß wir, alle Stunden Rechtgläu⸗ big erfunden, Darinnen ver⸗ scheiden Zur ewigen Freuden. Böhmische Brüder. Denen wird er eben Ihre Sündeubürd Und durch seine 27. Lob sei dem allmäch⸗ tigen Gott, Der unser sich 3. Die sich sein nicht schämen erbarmet hat, Gesandt sein Und sein Dienst annehmen, allerliebsten Sohn, Aus ihm Durch ein rechten Glauben geborn im höchsten Thron. 2. Auf daß er unser Hei⸗ land würd, Uns freite von der ———— Gnad und Wahrheit Führte zur ewigen Klahrheit. 3. Q große Gnad und Gütigkeit! O tiefe Lieb und Mildigkeit! Gott thut ein Werk, das ihm kein Mann, Auch kein Engel verdanken kann. ö 4. Gott nimmt an sich unser Natur, Der Schöpfer eine Creatur, Verachtet nicht ein armes Weib, Zu werden Mensch in ihrem Leib. 5. Des Vaters Wort von Ewigkeit Wird Fleisch in aller Reinigkeit; Das A und O, Anfang und End, Giebt sich für uns in groß Elend. 6. Was ist der Mensch, was ist sein Thun, Daß Gott für ihn giebt seinen Sohn? Was darf unser das höchste Gut, Daß es so unserthalben thut? 7. O weh dem Volk, das dich veracht, Der Gnad sich nicht theilhaftig macht, Nicht hören will des Sohnes Stimm, Denn auf ihm bleibet Gottes Grimm! 8. O Mensch, wie, daß du nicht verstehst Und dem König entgegen gehst, Der zu dir ganz demüthig kömmt Und sich so treulich dein an⸗ nimmt! 9. Ei, nimm ihn heut mit Freuden an, Bereit ihm deines Herzens Bahn, Auf daß er komm in dein Gemüth Und du genießest seiner Güt. 10. Unterwirf ihm deine Vernunft In dieser gnad⸗ reichen Zukunft, Untergieb Advent. seiner Herrlichkeit Die Werk deiner Gerechtigkeit. 11. Wo du dies thust, so ist er dein, Bewahrt dich vor der Höllen Pein; Wo nicht, so sieh dich eben für, Denn er schleußß dir des Himmels Thür. 12. Sein erste Zukunft in die Welt Ist in sanftmüthiger Gestalt; Die andre wird er⸗ schrecklich sein, Den Gottlosen zu großer Pein. 13. Die aber jetzt in Christo stehn, Die werden dann zur Freud eingehn, Besitzen da der Engel Chör, Daß sie kein Uebel mehr berühr. 14. Dem Vater in dem höchsten Thron, Sammt sei⸗ nem eingebornen Sohn, Dem heilgen Geiste gleicher Weis, Sei ewiglich Dank, Ehr und Preis. Mich. Weiß, si 1540. 28. Macht hoch die Thür, die Thor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlich⸗ keit, Ein König aller König⸗ reich, Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt! Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Schöpfer reich von Rath! 2. Er ist gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthigkeit ist sein Gefährt, Sein Königs⸗ kron ist Heiligkeit, Sein Scepter ist Barmherzigkeit; All unser Noth zum End er bringt. Derhalben jauchzt, 20 mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Heiland groß von That! 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, So diesen König bei sich hat! Wohl⸗ allen Herzen insgemein, Da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn, Bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, Mein Tröster früh und spat! 4. Macht hoch die Thür, die Thor macht weit! Eur Herz zum Tempel zubereit! Die Zweiglein der Gottseligkeit Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud; So kommt der König auch zu euch, Ja Heil und Leben mit zugleich. Ge⸗ lobet sei mein Gott, Voll Rath, voll That, voll Gnad! 5. Komm, o mein Heiland, Jesu Christ! Meins Herzens Thür dir offen ist. Ach zeuch mit deiner Gnaden ein! Dein Freundlichkeit auch uns er⸗ schein, Dein heilger Geist uns führ und leit Den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, Sei ewig Preis und Ehr! Georg Weißel, g. 1590, ft. 1635. Mel. Nun komm, der Heiden ꝛe. 29. Gott sei Dank durch alle Welt, Der sein Wort be⸗ ständig hält Und der Sünder Trost und Rath Zu uns her⸗ gesendet hat. 2. Was der alten Väter Schaar Höchster Wunsch nud Christi Ankunft. Sehnen war, Was ihr Mund hat prophezeit, Ist erfüllt nach Herrlichkeit. 3. Zions Hülf und Abrams Lohn, Jacobs Heil, der Jung⸗ fraun Sohn, Der wohl zwei⸗ gestammte Held Hat sich treu⸗ lich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Hosianna dir, mein Theil! Richte du auch eine Bahn Dir in meinem Herzen an. 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein! Es gehöret dir allein. Mach es, wie du gerne thust, Rein von aller Sünden Wust. 6. Und gleich wie dein Zu⸗ kunft war Voller Sanftmuth, ohn Gefahr, Also sei auch jederzeit Deine Sanftmuth mir bereit. 7. Tröste, tröste meinen Sinn, Weil ich schwach und blöde bin, Und des Satans schlaue List Sich zu hoch für mich vermißt. 8. Tritt der Schlangen Kopf entzwei, Daß ich, aller Aeng⸗ sten frei, Dir im Glauben um und an Selig bleibe zugethan. 9. Daß, wenn du, o Lebens⸗ fürst, Prächtig wiederkommen wirst, Ich dir mög entgegen gehn Und vor dir gerecht be⸗ stehn. Heinr. Held, um 1643. Mel. Ach was soll ich Sünder ꝛc. 30. Kommst du, kommst du, Licht der Heiden? Ja, du kommst und säumest nicht. Weil du weißt, was uns ge⸗ bricht. O du starker Trost im Leiden, Jesu, meines Herzens Thür Steht dir offen; komm zu mir! 2. Ja, du bist bereits zuge⸗ gen, Du Weltheiland, Jung⸗ fraunsohn; Meine Sinne spüren schon Deinen gnaden⸗ vollen Segen, Deine Wunder⸗ Seelenkraft, Deine Frucht und Herzenssaft. 3. Adle mich durch deine Liebe, Jesu, nimm mein Flehen hin; Schaffe, daß mein Geist und Sinn Sich in deinem Lieben übe; Sonst zu lieben dich, mein Licht, Steht in meinen Kräften nicht. 4. Jesu, rege mein Gemüthe, Jesu, öffne mir den Mund, Daß dich meines Herzens Grund Innig preise für die Güte, Die du mir, o See⸗ lengast, Lebenszeit erwiesen ast. 5. Laß durch deines Geistes Gaben, Liebe, Glauben und Geduld, Durch Bereuung meiner Schuld Mich zu dir sein hoch erhaben: Dann so will ich singen dir Hosianna für und für. Ernst Christoph Homburg, g. 1605, st. 1681 Mel. Helft mir Gotts Güte preisen 31. Mit Ernst, o Men⸗ schenkinder, Das Herz in euch bestellt, Damit das Heil der Sünder, Der große Wun⸗ derheld, Den Gott aus Gnad allein Der Welt zum Licht und Leben Gesendet und ge⸗ geben, Bei euch auch kehre ein. Advent. 2. Bereitet doch fein tüchtig Den Weg dem großen Gast, Macht seine Steige richtig, Laßt alles, was er haßt; Macht alle Bahnen recht, Die Thal laßt sein erhöhet, Macht nie⸗ drig, was hoch stehet, Was krumm ist, gleich und schlecht. 3. Ein Herz, das Demuth übet, Bei Gott am höchsten steht; Ein Herz, das Hochmuth liebet, Mit Angst zu Grunde geht; Ein Herz, das richtig ist Und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, Zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen Zu dieser heilgen Zeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zeuch in mein Herz hinein Vom Stall und von der Krippen, So werden Herz und Lippen Dir allzeit dankbar sein. Val. Thilo, g. 1607, st. 1662. Mel. Helft mir Gotts Güte preisen. 32. Auf, auf, ihr Reichs⸗ genossen, Der König kommt heran! Empfahet unverdros⸗ sen Den großenWundermann. Ihr Christen, geht herfür! Laßt uns vor allen Dingen Ihm Hosianna singen Mit heiliger Begier. 2. Auf ihr betrübten Herzen, Der König ist gar nah! Hin⸗ weg all Angst und Schmerzen, Der Helfer ist schon da! Seht, wie so mancher Ort Hoch⸗ tröstlich ist zu nennen, Da wir ihn finden können Im Nacht⸗ mahl, Tauf und Wort. 3. Auf, auf, ihr Vielge⸗ plagten, Der König ist nicht fern! Seid fröhlich, ihr Ver⸗ zagten, Dort kommt der Mor⸗ genstern! Der Herr will in der Noth Mit reichem Trost euch speisen, Er will euch Hülf erweisen, Ja dämpfen gar den Tod. 4. Nun hört, ihr frechen Sünder: Der König merket drauf, Wenn ihr verlorne Kinder Im vollen Lasterlauf Auf Arges seid bedacht, Ja thut es ohne Sorgen; Gar nichts ist ihm verborgen, Er giebt auf alles Acht. 5. Seid fromm, ihr Unter⸗ thanen, Der König ist gerecht! Laßt uns den Weg ihm bahnen Und machen alles schlecht“). Fürwahr, er meint es gut; Drum lasset uns die Plagen, Die er uns schickt, ertragen Mit unerschrocknem Muth. ) schlicht, gerade. 6. Und wenn gleich Krieg und Flammen Uns alles rau⸗ ben hin, Geduld! weil ihm zusammen Gehöret der Ge⸗ winn. Wenn gleich ein früher Tod Uns, die uns lieb, genom⸗ men: Wohlan, so sind sie kom⸗ men Ins Leben aus der Noth. 7. Frisch auf in Gott, ihr Armen, Der König sorgt für euch! Er will durch sein Er⸗ barmen Euch machen groß und reich. Der an ein Thier gedacht, Der wird auch euch wir Was Menschen hoch erschwingen, ernähren; nur begehren, Das steht in seiner Macht. Christi Ankunft. 8. Hat endlich uns betroffen Viel Kreuz, läßt er doch nicht Die, so auf ihn stets hoffen Mit rechter Zuversicht. Von Gott kommt alles her. Der lässet auch im Sterben Die Seinen nicht verderben; Sein Hand ist nicht zu schwer. 9. Frisch auf, ihr Hochbe⸗ trübten, Der König kommt mit Macht! An uns, sein Herzgeliebten, Hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst und Pein, Noch Zorn hinfort uns schaden, Dieweil uns Gott aus Gnaden Läßt seine Kinder sein. 10. So lauft mit schnellen Schritten, Den König zu be⸗ sehn, Dieweil er kommt ge⸗ ritten, Stark, herrlich, sanft und schön. Nun tretet all heran, den Heiland zu be⸗ grüßen, Der alles Kreuz ver⸗ süßen Und uns erlösen kann. 11. Der König will beden⸗ ken Die, so er herzlich liebt, Mit köstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns giebt Durch seine Gnad und Wort. O König, hoch erhoben, Wir alle wollen loben Dich freudig hier und dort. 12. Nun, Herr, du giebst uns reichlich, Wirst selbst drum arm und schwach; Du liebest unvergleichlich, Du jagst den Sündern nach! Drum wolln all in ein Die Stimmen Dir Ho⸗ sianna singen Und ewig dank⸗ bar sein. Zoh. Nist. 9 1607, fl. 1667. Mel. Helft mir Gotts Güte preisen. 33. Nun jauchzet all, ihr Frommen, In dieser Gna⸗ denzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr der Herr⸗ lichkeit; Zwar ohne stolze Pracht, Doch mächtig zu ver⸗ heeren Und gänzlich zu zer⸗ stören Des Teufels Reich und Macht. 2. Er kommt zu uns ge⸗ ritten Auf einem Eselein Und stellt sich in die Mitten Für uns zum Opfer ein. Er bringt kein zeitlich Gut; Er will allein erwerben Durch seinen Tod und Sterben, Was ewig währen thut. 3. Kein Scepter, keine Krone Sucht er auf dieser Welt; Im hohenHimmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht Und Majestät verhüllen, Bis er des Vaters Willen Gehorsamlich vollbracht. 4. Ihr Mächtigen auf Erden, Nehmt diesen König an, Soll euch gerathen werden. Er ist die rechte Bahn, Die zu dem Himmel führt. Sonst, wo ihr ihn verachtet Und nur nach Hoheit trachtet, Des Höchsten Zorn euch rührt. 5. Ihr Armen und Elenden In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Voll Angst und Jammer seid, Seid den⸗ noch wohlgemuth, Laßt eure Lieder klingen, Dem König zu lobsingen; Der ist eur höchstes Gut. 6. Er wird nun bald er⸗ Advent. scheinen In seiner Herrlichkeit Und all eur Klag und Weinen Verwandeln ganz in Freud. Er ist, der helfen kann. Halt eure Lampen fertig Und seid stets sein gewärtig; Er ist schon auf der Bahn. Mich. Schirmer, g. 1606, st. 1673. Matth. 21, 1-9. 34. Wie soll ich dich em⸗ pfangen? Und wie begegn ich dir? O aller Welt Ver⸗ langen! O meiner Seelen Zier! O Jesu, Jesu, setze Mir selbst die Fackel bei, Da⸗ mit, was dich ergötze, Mir kund und wissend sei. 2. Dein Zion streut dir Pal⸗ men Und grüne Zweige hin, Und ich will dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn; Mein Herze soll dir grünen In stetem Lob und Preis Und deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen Zu meinem Trost und Freudꝰ? Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid, Als mir das Reich genommen, Da Fried und Freude lacht, Da bist du, mein Heil, kommen Und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Ban⸗ den, Du kommst und machst mich los; Ich stund in Spott und Schanden, Du kommst und machst mich groß Und hebst mich hoch zu Ehren Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irdisch Reichthum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom Him⸗ melszelt, Als das geliebte Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen Und roßen Jammerslast, Die ein Mund kann aussagen, So fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in dein Herze, Du hochbetrübtes Heer, Bei denen Gram und Schmerze Sich häuft je mehr und mehr. Seid unverzagt, ihr habet Die Hülfe vor der Thür; Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht be⸗ mühen, Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht. Er kommt, er kommt mit Willen, Ist voller Lieb und Lust, All Angst und Noth zu stillen, Die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht er⸗ schrecken Vor eurer Sünden⸗ schuld; Nein, Jesus will sie decken Mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern Zuum Trost und wahren Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib ihr Erb und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind und ihrer Tück? Ihr Herr wird sie zerstreuen In einem Au⸗ genblick. Er kommt, er kommt, ein König, Dem wahrlich alle Feind Auf Erden viel si 5.— Zum Widerstande ind. 2 Christi Ankunft. 10. Er kommt zum Weltge⸗ richte, Zum Fluch dem, der ihm flucht; Mit Gnad und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, Und hol uns allzumal Zum ewgen Licht und Wonne In deinen Freudensaal. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 35. Warum willst du draußen stehen, Du Geseg⸗ neter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, Wohl⸗ gefallen, du mein Stern! Du mein Jesu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit, Hilf, o Heiland, meinem Herzen Von den Wunden, die mich schmerzen. 2. Meine Wunden sind der Jammer, Welchen oftmals Tag und Nacht Des Gesetzes starker Hammer Mir mit seinen Schrecken macht. O, der schweren Donnerstimm, Die mir Gottes Zorn und Grimm Also tief ins Herze schläget, Daß sich all mein Blut beweget! 3. Dazu kommt des Teufels Trügen, Der mir alle Gnad absagt, Als müßt ich nun ewig liegen In der Höllen, die ihn plagt. Ja, auch was noch ärger ist, So zermartert und zerfrißt Mich mein eigenes Ge⸗ wissen Mit vergiften Schlan⸗ genbissen. 4. Will ich dann mein Elend lindern Und erleichtern meine Noth Bei der Welt und ihren Kindern, Fall ich vollends in den Koth; Da ist Trost, der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mir Herzleid machen, Gute Freunde, die mein lachen. 5. In der Welt ist alles nichtig, Nichts ist, das nicht kraftlos wär. Hab ich Hoheit, — die ist flüchtig; Hab ich Reichthum,— was ists mehr, Als ein Stäublein armer Erdd Hab ich Lust,— was ist sie werth? Was ist, das mich heut erfreue, Das mich morgen nicht gereue? 6. Aller Trost und alle Freude Ruht in dir, Herr Jesu Christ. Dein Erfreuen ist die Weide, da man sich recht fröhlich ißt. Leuchte mir, o Freudenlicht, Ehe mir mein Herze bricht. Laß mich, Herr, an dir erquicken; Jesu, komm, laß dich erblicken. 7. Freu dich, Herz, du bist erhöret! Jetzo kommt und zeucht er ein. Sein Gang ist zu dir gekehret, Heiß ihn nur willkommen sein Und bereite dich ihm zu, Gieb dich ganz zu seiner Ruh; Oeffne dein Gemüth und Seele, Klag ihm, was dich drück und quäle. 8. Was du Böses hast be⸗ gangen, Das ist alles abge⸗ schafft. Gottes Liebe nimmt gefangen Deiner Sünden Macht und Kraft. Christi Sieg behält das Feld, Und was Böses in der Welt Sich Advent. will wider dich erregen, Wird zu lauter Glück und Segen. 9. Alles dient zu deinem Frommen, Was dir bös und schädlich scheint, Weil dich Christus angenommen Und es treulich mit dir meint. Bleibst du dem nun wieder treu, Ists gewiß und bleibt dabei, Daß du mit den En⸗ geln droben Ihn dort ewig werdest loben. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 36. Hostanna! Davids Sohn Kommt in Zion ein⸗ gezogen. Ach, bereitet ihm den Thron, Setzt ihm tausend Ehrenbogen! Streuet Pal⸗ men, machet Bahn, Daß er Einzug halten kann. 2. Hosianna! sei gegrüßt! Komm, wir gehen dir ent⸗ gegen. Unser Herz ist schon gerüst, Will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu unsern Thoren ein; Du sollst uns willkom⸗ men sein. 3. Hosianna! Friedefürst, Ehrenkönig, Held im Streite! Alles, was du schaffen wirst, Das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, Und dein Reich allein be⸗ steht. 4. Hosianna! lieber Gast, Wir sind deine Reichsge⸗ nossen, Die du dir erwählet hast. Ach so laß uns unver⸗ drossen DeinemScepterdienst⸗ bar sein; Herrsche du in uns allein. 5. Hosianna! komme bald, Laß uns deine Sanftmuth küssen. Wollte gleich die Knechtsgestalt Deine Majestät verschließen, Ei, so kennet Zion schon Gottes und auch Davids Sohn. 6. Hosianna! steh uns beil O Herr, hilf, laß wohlgelin⸗ gen, Daß wir ohne Heuchelei Dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, Der dir nicht ge⸗ horchen kann. 7. Hosianna! laß uns hier An den Oelberg dich begleiten, Bis wir einstens für und für Dir ein Psalmenlied bereiten. Dort ist unser Bethphage! Hosianna in der Höh! 8. Hosianna nah und fern! Eile, dei uns einzugehen. Du Gesegneter des Herrn, Warum willst du draußen stehenꝰ Hosianna! bist du da? Ja, du kommst! Hallelujah! Christi Ankunft. Benj. Schmolck, g. 1672, st. 1737. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund ꝛc. 37. Dein Mittler kommt! auf, blöde Seele, Die Mosis Fluch und Donner schreckt, Die in der bangen Trauer⸗ höhle In Fesseln trüber Schwermuth steckt. Der Fluch vergeht, die Bande sprin⸗ gen, Es reißen Satans feste Schlingen, Die den gefangnen Geist betlemmt. Du kannst nun Heil und Freiheit hoffen, Gott ist versöhnt, sein Schoß steht offen: voller Mittler kömmt. Dein gnaden⸗ 2. Dein Lehrer kommt! laß deine Ohren Auf seinen Mund gerichtet sein. Er zeigt den Weg, den du verloren, Er flößt dir Licht und Wahrheit ein; Was unter dunkeln Schatten stecket, Das hat dir dein Prophet entdecket, Er hat das Reich der Nacht gehemmt. Er thut dir kund des Vaters Willen, Er giebt dir Kraft, ihn zu erfüllen: Dein weis⸗ heitsreicher Lehrer kömmt. 3. Dein König kommt! doch ohne Prangen, Sein Aufzug ist an Armuth reich. Auf, dei⸗ uen Fürsten zu empfangen, Der dir an tiefster Schwach⸗ heit gleich! Komm, Hand und Scepter dem zu küssen, Der dich wird so zu schützen wissen, Daß dich kein Angststrom überschwemmt. Thu wie ge⸗ treue Unterthanen, Komm her und schwör zu seinen Fahnen: Dein längstverlangter König kömmt. 4. Dein Alles kommt, dich zu umfangen, Dein A und O ist vor der Thür! Wer kann dies höchste Gut erlangen, Vertauschet gern die Welt dafür. So greif denn zu mit beiden Händen, Da dich, mein Geist, von allen EndenEin sol⸗ ches Gnadenmeer umströmt. Nimm weg den Damm, thu auf die Thüren, Laß dich zu nehmen willig spüren: O armes Nichts, dein Alles kömmt. Joh. Jae. Rambach, g. 1693, st. 1735. —— Mel. Heilig ist Gott der Vater. 38. Dein König kommt, o Zion, Er kehret bei dir ein. Auf, lasset uns ihm Palmen streun! Sanftmüthig kommt er in sein Reich. Jauchzt ihm, alle Lande, freuet euch! Ho⸗ B sianna in der Höhe! Der Herr ist da, Hallelujah! Preiset seinen Namen! Hosianna! Amen! Amen! Fr. Ad. Krummacher, g. 1768, st. 1845. Mel. Ach Jesu, meiner Seelen ꝛc. 39. Dein König kommt in niedern Hüllen, Sanft⸗ müthig auf der Eslin Fül⸗ len: Empfang ihn froh, Je⸗ rusalem. Trag ihm entge⸗ gen Friedenszweige, Bestreu mit Maien seine Steige; So ists dem Herren ange⸗ nehm. 2. O mächtger Herrscher ohne Heere, Gewaltger Käm⸗ pfer ohne Speere, O Frie⸗ densfürst von großer Macht! Oft wollten dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne sperren; Doch du ge⸗ wannst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, Doch alle Er⸗ Advent. 2⁷ denreiche werden Dem, das du gründest, unterthan. Be⸗ waffnet mit des Glaubens Worten, Zieht deine Schaar nach den vier Orten Der Welt hinaus und macht dir ahn. 3. Und wo du kommest her⸗ gezogen, Da ebnen sich des Meeres Wogen, Es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, auf den em⸗ pörten Triften Des Lebens neuen Bund zu stiften, Und schlägst in Fessel Sünd und Tod. 5. O Herr von großer Huld und Treue, O komme du auch jetzt aufs neue Zu uns, die wir sind schwer verstört. Noth ist es, daß du selbst hienieden Kommst, zu erneuen deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört. 6. O laß dein Licht auf Erden siegen, Die Macht der Finsterniß erliegen, Und lösch der Zwietracht Glimmen aus, Daß wir, die Völker und die Thronen, Vereint als Brüder wieder wohnen In deines großen Vaters Haus. Friedrich Rückert, g. 1789, st. 1861. Das neue Kirchenjahr. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 40. Nun kommt das 2. Wir hören noch das Gnadenwort Von Anfang neue Kirchenjahr, Deß freut wieder fort und fort, Das uns sich alle Christenschaar; Dein den Weg zum Leben weist; König kommt, drum freue dich, Du werthes Zion, ewig⸗ lich. Hallelujah! Gott sei für seine Gnad ge⸗ preist. Hallelujah! 3. Gott, was uns deine Christi Wahrheit lehrt, Die unsern Glauben stets vermehrt, Laß in uns bleiben, daß wir dir Lob und Preis sagen für und für. Hallelujah! Joh. Olearius, g. 1611, st. 1684. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛc. 1. Gottlob! ein neues Kirchenjahr Macht uns die große Treue Des ewgen Gottes offenbar; Und nun will er aufs neue Den alten hochbeschwornen Bund, Den einzig festen Glaubensgrund Durch seinen Geist uns lehren. 2. Auf, Zion, Preis und Ehr und Ruhm Dem höch— sten Herrn zu singen! Dein königliches Priesterthum Muß Dank zum Opfer bringen. Gelobt sei Gott, der durch sein Wort Die Christenheit und diesen Ort Zu seinem Tempel weihet! 3. Wir sind nicht werth der neuen Huld Des Gottes aller Gnaden. Des alten Menschen alte Schuld, Die wir auf uns geladen, Nimmt unsern eig⸗ nen Ruhm dahin; Denn sie bewies den alten Sinn Noch stets mit neuen Sünden. Geburt. 4. Ach Herr, gieb uns den neuen Geist Und mach uns durch die Güte, Die sich an uns aufs neu erweist, Er⸗ neuert im Gemüthe. Den neuen Menschen zieh uns an, Der dir allein gefallen kann In seinem ganzen Leben. 5. Hierzu erhalt uns, Herr, dein Wort, Sammt Tauf und Abendmahle, So wandern wir mit Freuden fort In die⸗ sem finstern Thale. Herr, segne dieses Kirchenjahr, Laß Kirche, Schul, Tauf und Altar Uns deine Wege zeigen. 6. Gieb deinen Hirten Kraft und Geist Zu reiner Lehr und Leben, Dein Wort, das Gottes Weide heißt, Der Heerde rein zu geben. Laß alle Hörer Thäter sein, Damit kein heuchlerischer Schein Des Glaubens Kraft verleugne. 7. So halten und vollenden wir Das Kirchenjahr auf Erden; Dabei befehlen wir es dir, Wie wir es enden werden. Hier bleibt die Kirche noch im Streit; Kommt aber einst die Ewigkeit, Dann wird sie triumphiren. Heinr. Corn. Hecker, g. 1699, st. 1743. IV. Christi Gehurt; Weihnachten. 2. Dank sagn wir alle hat Mit seinem Blute Von Gott, Unserm Herrn Christo. des Teufels Gwalt. Der uns mit seinem Wort 2. Dank sagn wir alle Gott, hat erleuchtet Und uns erlöst Unserm Herrn Christo, Der uns mit seinem Wort hat er⸗ leuchtet Und uns erlöst hat Mit seinem Blute Von des Teufels Gwalt. 3. Den solln wir alle Mit seinen Engeln lobn mit Schalle, Singen: Preis sei Gott in der Höhe! (Gratias nune omnes reddamus, von Notker Balbulus, st. 912; deutsch von Erasm. Alberus, st. 1553.) 3. Nun singet und seid froh, Jauchzt alle und sagt so: Unsers Herzens Wonne Liegt in der Krippen bloß Und leuchtet als die Sonne In seiner Mutter Schoß. Du bist A und O! Du bist A und O! 2. Sohn Gottes in der Höh, Nach dir ist mir so weh. Tröst mir mein Gemüthe, O Kindlein zart und rein, Durch hü alle deine Güte, O liebstes Jesulein! Zeuch mich hin nach dir! Zeuch mich hin nach dir! 3. Groß ist des Vaters Huld, Der Sohn tilgt unsre Schuld. Wir waren all ver⸗ dorben Durch Sünd und Eitelkeit; So hat er uns er⸗ worben Die ewge Himmels⸗ freud. Eya, wärn wir da! Eya, wärn wir da! 4. Wo ist der Freuden Ort? Nirgend mehr, denn dort, Da die Engel singen Sammt den Heilgen all, Und die Psalmen klingen Im hohen Himmelssaal! Eya, wärn wir da! Eya, wärn wir da! Nach Peter von Dresden, st. 1440. Weihnachten. 29 A. Ein Kindelein so lö⸗ belich Ist uns geboren heute Von einer Jungfrau säuber⸗ lich Zu Trost uns armen Leuten. Wär uns das Kind⸗ lein nicht geborn, So wärn wir allzumal verlorn; Das Heil ist unser aller. Ei, du süßer Jesu Christ, Der du Mensch geboren bist, Behüt uns vor der Hölle! 2. Der Tag der ist so freu⸗ denreich, Zu loben Gottes Namen: Daß Christus von dem Himmelreich Auf Erden zu uns kommen. Groß ist die Demuth, Huld und Gnad, Die Gott vom Himmel bei uns that. Ein Knecht ist er hie worden, In allem, doch ohn Sünd, uns gleich, Dadurch wir ewig werden 58 Trug unsre Sünden⸗ rde. 3. Wohl dem, der dieses Glaubens ist, Mit ganzem Herzen trauet; Dem wird die Seligkeit gewiß. Wohl dem, der darauf bauet, Daß Chri⸗ stus hat genug gethan Für uns, darum er ausgegangn Von Gott, dem ewgen Vater. O welche große Wunder⸗ that! Christus trägt unser Missethat Und stillet unsern Hader! 4. Deß dank ihm alle Christenheit Für solche große Güte Und bitte sein Barmher⸗ zigkeit, Daß er uns fort behüte Vor falscher Lehr und bösem Wahn, Der unsern Seelen schaden kann; Er woll all Schuld vergeben. Gott, Vater, Sohn und heilger Geist, Wir bitten von dir allermeist, Laß uns in Friede leben. (Dies est letitiæ, von Adam v. St. Victor, st. 1177; deutsch im 14. Jahrhundert. Vers 1 v. Luther. Vers 2—4 v. e. Unbekannten.) 5. Gelobet seist du, Jesu Christ, Daß du Mensch ge— boren bist, Von einer Jung⸗ frau, das ist wahr! Deß freuet sich der Engel Schaar. Kyrieleis! 2. Des ewgen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krip⸗ pen findt; In unser armes Fleisch und Blut Verkleidet sich das ewge Gut. Kyrieleis! 3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, Der liegt in Marien Schoß; Er ist ein Kindlein worden klein, Der alle Ding erhält allein. Kyrieleis! 4. Das ewge Licht geht da herein, Giebt der Welt ein neuen Schein; Es leucht wohl mitten in der Nacht Und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis! 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, Ein Gast in der Welt hier ward; Er führt uns aus dem Jammerthal Und macht uns Erben in seinm Saal. Kyrieleis! 6. Er ist auf Erden kom⸗ men arm, Daß er unser sich erbarm Und in dem Himmel mache reich Und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis! 7. Das hat er alles uns gethan, Sein groß Lieb zu Christi Geburt. zeigen an. Deß freu sich alle Christenheit Und dank ihm deß in Ewigkeit. Kyrieleis! Martin Luther, g. 1483, st. 1546. Luc. 2, 1—14. 6. Vom Himmel hoch da komm ich her, Ich bring euch gute neue Mähr; Der guten Mähr bring ich so viel, Davon ich singn und sagen will. 2. Euch ist ein Kindlein heut geborn Von einer Jungfrau auserkorn, Ein Kindelein so zart und fein; Das soll eur Freud und Wonne sein. 3. Es ist der Herr Christ, unser Gott, Der will euch führn aus aller Noth; Er will eur Heiland selber sein, Von allen Sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle Selig⸗ keit, Die Gott der Vater hat bereit, Daß ihr mit uns im Himmelreich Sollt leben nun und ewiglich. 5. So merket nun das Zei⸗ chen recht, Die Krippen, Win⸗ delein so schlecht; Da findet ihr das Kind gelegt, Das alle Welt erhält und trägt. 6. Deß laßt uns alle fröh⸗ lich sein Und mit den Hirten gehn hinein, Zu sehn, was Gott uns hat beschert, Mit seinem lieben Sohn verehrt. 7. Merk auf, mein Herz, und sieh dort hin! Was liegt dort in dem Krippelein? Weß ist das schöne Kindelein? Es ist das liebe Jesulein. 8. Bis“) willekomm, du edler Gast! Den Sünder nicht verschmähet hast, Und kommst ins Elend her zu mir, Wie soll ich immer danken dir! sei 9. Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, Wie bist du wor⸗ den so gering, Daß du da liegst auf dürrem Gras! O Liebe ohne Ziel und Maß! 10. Und wär die Welt viel⸗ mal so weit, Von Edelstein und Gold bereit, So wär sie dir doch viel zu klein, Zu sein ein enges Wiegelein. 11. Der Sammet und die Seiden dein, Das ist grob Heu und Windelein, Darauf du König groß und reich Her⸗ prangst, als wärs dein Him⸗ melreich. 12. Das hat also gefallen dir, Die Wahrheit anzuzeigen mir, Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut Vor dir nichts gilt, nichts hilft, noch thut. 13. Ach mein herzliebes Jesulein, Mach dir ein rein sanft Bettelein, Zu ruhen in meins Herzens Schrein, Daß ich nimmer vergesse dein. 14. Davon ich allzeit fröh⸗ lich sei, Zu rühmen, singen immer frei, So lang ich auf der Erden wohn, Mit Her⸗ zenslust den süßen Ton: 15. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, Der uns schenkt seinen eingen Sohn! Deß freuet sich der Engel Weihnachten. Lue. 12, 3—20. Mel. Singen wir ausHerzensgrund. 7. Da Christus geboren war, Freute sich der Engel Schaar, Sungen diesen süßen Ton: Ehr sei Gott im höch⸗ sten Thron! Gottes Sohn ist Mensch geborn, Hat versöhnt seins Vaters Zorn! Freu sich, dem sein Sünd ist leid! 2. Die Hirten erschraken ganz Vor der Engel hellem Glanz, Hörten fröhlich neue Mähr, Daß Christus geboren wär. Gottes Sohn ist Mensch geborn, Hat versöhnt seins Vaters Zorn! Freu sich, dem sein Sünd ist leid! 3. Sie suchten das Kinde⸗ lein, Eingehüllt in Windelein, Wie der Engel hat vermeldt, Welches trägt die ganze Welt. Gottes Sohn ist Mensch ge⸗ born, Hat versöhnt seins Va⸗ ters Zorn! Freu sich, dem sein Sünd ist leid! 4. Sie funden das Kindlein zart Liegen in der Krippen hart Bei dem Vieh im finstern Stall, Welchs die Stern er⸗ schaffen all. Gottes Sohn ist Mensch geborn, Hat versöhnt seins Vaters Zorn! Freu sich, dem sein Sünd ist leid! 5. Aus der Mutter Brust so rein Nährte sich das Kinde⸗ lein, Das durch sein göttliche Kraft Allem Vieh sein Futter schafft. Gottes Sohn ist Schaar Und singen uns solch Mensch geborn, Hat versöhnt neues Jahr. Martin Luther, g. 1483, st. 1546. seins Vaters Zorn! Freu sich, dem sein Sünd ist leid! Christi 6. Solch große Barmher⸗ zigkeit Laßt uns preisen alle⸗ zeit In Gottesfurcht und Glauben rein, Mit Geduld ge⸗ horsam sein. Gottes Sohn ist Mensch geborn, Hat versöhnt seins Vaters Zorn! Freu sich, dem sein Sünd ist leid! Mich. Weiße, st. um 1540. S. Lobt Gott, ihr Chri⸗ sten, alle gleich, In seinem höchsten Thron, Der heut aufschleußt sein Himmelreich Und schenkt uns seinen Sohn. 2. Er kommt aus seines Vaters Schoß Und wird ein Kindlein klein; Er liegt dort elend, nackt und bloß In einem Krippelein. 3. Er äußert sich all seiner Gwalt, Wird niedrig und ge⸗ ring Und nimmt an sich eins Knechts Gestalt, Der Schöpfer aller Ding. 4. Er liegt an seiner Mutter Brust, Ihr Milch ist seine Speis, An dem die Engel sehn ihr Lust; Denn er ist Davids Reis, 5. Das aus seinm Stamm entsprießen sollt In dieser letzten Zeit, Durch welchen Gott aufrichten wollt Sein Reich, die Christenheit. 6. Er wechselt mit uns wunderlich, Fleisch und Blut nimmt er an Und giebt uns in seins Vaters Reich Die klare Gottheit dran. 7. Er wird ein Knecht und ich ein Herr; Das mag ein Wechsel sein! Wie könnt er Geburt. doch sein freundlicher, Das Herzens⸗Jesulein! 8. Heut schleußt er wieder auf die Thür Zum schönen Paradeis; Der Cherub steht nicht mehr dafür: Gott sei Lob, Ehr und Preis! Nie Hermann, st. 1561. 9. Freuet euch, ihr Chri⸗ sten alle, Freue sich, wer im⸗ mer kann; Gott hat viel an uns gethan. Freuet euch mit großem Schalle, Daß er uns so hoch geacht, Sich mit uns befreundt gemacht. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne überWonne! Christus ist die Gnadensonne. 2. Siehe, siehe meine Seele, Wie dein Heiland kommt zu dir, Brennt in Liebe für und für, Daß er in der Krippen⸗ höhle Harte lieget dir zu gut, Dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne! Christus ist die Gnadensonne. 3. Jesu, wie soll ich dir danken? Ich bekenne, daß von dir Meine Seligkeit her⸗ rühr. O laß mich von dir nicht wanken; Nimm mich dir zu eigen hin, So empfin⸗ det Herz und Sinn Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne überWonne! Christus ist die Gnadensonne. 4. Jesu, nimm dich deiner Glieder Fort und fort in Gnaden an; Schenke, was man bitten kann, Zu erquicken deine Brüder; Gieb der gan⸗ zen Christenschaar Frieden und ein selig Jahr. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne! Christus ist die Gnadensonne. Christian Keymann, g 1607, st. 1662. 50. Ermuntre dich, mein schwacher Geist, Und trage groß Verlangen, Ein kleines Kind, das Vater heißt, Mit Freuden zu empfangen. Dies ist die Nacht, darin es kam Und menschlich Wesen an sich nahm, Dadurch die Welt mit Treuen Als seine Braut zu freien. 2. Willkommen, Herr und Bräutigam, Du König aller Ehren! Willkommen, Jesu, Gottes Lamm! Ich will dein Lob vermehren; Ich will dir all mein Lebenlang Von Her⸗ zen sagen Preis und Dank, Daß du, da wir verloren, Für uns bist Mensch geboren. 3. O großer Gott, wie konnt es sein, Dein Himmel⸗ reich zu lassen, Zu kommen in die Welt hinein, Da nichts denn Neid und Hassen? Wie konntest du die große Macht, Dein Königreich, die Freuden⸗ pracht, Ja dein erwünschtes Leben Für solche Feind hin⸗ geben ꝰ 4. Ist doch, Herr Jesu, deine Braut Ganz arm und voller Schanden; Doch hast du Weihnachten. 33 sie dir selbst vertraut Am Kreuz in Todesbanden. Liegt sie doch, da sie Gott verließ, In Fluch und Tod und Fin⸗ sterniß; Doch willst du ihret⸗ wegen Dein Scepter von dir legen. 5. Du Fürst und Herrscher dieser Welt, Du Friedens⸗ wiederbringer, Du kluger Rath und tapfrer Held, Du starker Höllenzwinger, Wie ist es möglich, daß du dich Er⸗ niedrigest so jämmerlich, Daß du im ärmsten Orden Der Menschen Mensch geworden d 6. O großes Werk, o Wun⸗ dernacht, Dergleichen nie ge⸗ funden! Du hast den Heiland hergebracht, Der alles über⸗ wunden; Du hast gebracht den starken Mann, Der Feur und Wolken zwingen kann, Vor dem die Himmel zittern, Und alle Berg erschüttern. 7. O liebes Kind, das Gott uns gab, Holdselig von Ge⸗ berden; Mein Bruder, den ich lieber hab Als alle Schätz auf Erden: Komm, Schön⸗ ster, in mein Herz hinein; Komm eilend, laß die Krippen sein; Komm, komm, ich will bei Zeiten Dein Lager dir bereiten! 8. Sag an, mein Herzens⸗ bräutigam, Mein Hoffnung, Freud und Leben, Mein edler Zweig aus Jacobs Stamm, Was soll ich dir doch geben? Ach nimm von mir Leib, Seel und Geist, Ja alles, was Mensch ist und heißt; Ich 3 ꝓSꝗSꝗSDSDSISISISISISII 23ꝗ3—. 34 will mich dir verschreiben, Dir ewig treu zu bleiben. 9. Lob, Preis und Dank, s Herr Jesu Christ, Sei dir von mir gesungen, Daß du mein Bruder worden bist Und hast die Welt bezwun⸗ gen. Hilf, daß ich deine Gü⸗ kigkeit Stets preis in dieser Gnadenzeit Und mög hernach dort oben In Ewigkeit dich loben. Joh. Rist, g. 1607, ft. 1667. 51. Fröhlich soll mein Herze springen Dieser Zeit, Da vor Freud Alle Engel singen. Hoͤrt, hört, wie mit vollen Choren Alle Luft Laute ruft: Christus ist geboren! 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, Der die Welt Reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir, Mensch, zu gute, Gottes Kind Das verbindt Sich mit unserm Blute. 3. Sollt uns Gott nun können hassen, Der uns giebt, Was er liebt Ueber alle Maßen? Gott giebt, unserm Leid zu wehren, Seinen Sohn Aus dem Thron Seiner Macht und Ehren. 4. Sollte von uns sein ge⸗ kehret, Der sein Reich Und zugleich Sich selbst uns ver⸗ ehret? Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, Der jetzt kömmt, Von uns nimmt, Was uns will betrüben? 5. Hätte vor der Menschen Orden Unser Heil Einen Christi Geburt. Gräul, Wär er nicht Mensch worden; Hätt er Lust zu un⸗ erm Schaden, Ei so würd Unsre Bürd Er nicht auf sich laden. 6. Er nimmt auf sich, was auf Erden Wir gethan, Giebt sich an, Unser Lamm zu wer⸗ den; Unser Lamm, das für uns stirbet Und bei Gott Für den Tod Gnad und Fried erwirbet. 7. Nun, er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich Mich und dich, Spricht mit süßen Lippen: Lasset fahrn, o lieben Brüder, Was euch quält; Was euch fehlt, Bring ich alles wieder. 8. Ei so kommt und laßt uns laufen! Stellt euch ein, Groß und Klein, Kommt mit großen Haufen. Liebt den, der vor Liebe brennet; Schaut den Stern, Der uns gern Licht und Labsal gönnet. 9. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zu den wahren Freu⸗ den. Faßt ihn wohl, er wird euch fuͤhren An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 10. Wer sich findt beschwert im Herzen, Wer empfindt Seine Sünd Und Gewissens⸗ schmerzen, Sei getrost; hier wird gefunden, Der in Eil Machet heil Die vergiften Wunden. 11. Die ihr arm seid und elende, Kommt herbei, Füllet frei Eures Glaubens Hände. en Hie U⸗ ird ert 18• ier Eil ten und illet ide. Hier sind alle guten Gaben Und das Gold, Da ihr sollt Euer Herz mit laben. 12. Süßes Heil, laß dich umfangen; Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt an⸗ hangen. Du bist meines Le⸗ bens Leben; Nun kann ich Mich durch dich Wohl zu⸗ frieden geben. 13. Meine Schuld kann mich nicht drücken, Denn du hast Meine Last All auf dei⸗ nem Rücken. Kein Fleck ist an mir zu finden; Ich bin gar Rein und klar Aller meiner Sünden. 14. Ich bin rein um deinet⸗ willen; Du giebst gnug Ehr und Schmuck, Mich drin ein⸗ zuhüllen. Ich will dich ins Herze schließen. O mein Ruhm, Edle Blum, Laß dich recht genießen. 15. Ich will dich mit Fleiß bewahren, Ich will dir Leben hier, Dir will ich abfahren. Mit dir will ich endlich schweben Voller Freud Ohne Zeit Dort im andern Leben. Paul Gerhardt, geb. 1606, st. 1676. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 52. Ich steh an deiner Krippen hier, O Jesu, du mein Leben; Ich stehe, bring und schenke dir, Was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Muth; nimm alles hin Und laß dirs wohl⸗ gefallen. Weihnachten. 35 2. Du hast mit deiner Lieb erfüllt Mein Adern und Ge⸗ blüte; Dein schöner Glanz, dein süßes Bild Liegt mir stets im Gemüthe. Und wie mag es auch anders sein? Wie könnt ich dich, mein Her⸗ zelein, Aus meinem Herzen lassenꝰ 3. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren Und hast mich dir zu eigen gar, Eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand ge⸗ macht, Da hat dein Herze schon bedacht, Wie du mein wolltest werden. 4. Ich lag in tiefer Todes⸗ nacht, Du wurdest meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werthe Licht Des Glau⸗ bens in mir zugericht, Wie schön sind deine Strahlen! 5. Wenn oft mein Herz vor Kummer weint Und keinen Trost kann finden, Rufst du mir zu: Ich bin dein Freund, Ich tilge deine Sünden. Was trauerst du, mein Fleisch und Bein? Du sollst ja guter Dinge sein; Ich zahle deine Schulden. 6. Ich sehe dich mit Freu⸗ den an Und kann mich nicht satt sehen; Und weil ich nun nicht weiter kann, So bleib ich sinnend stehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär, Und meine Seel ein weites Meer, Daß ich dich möchte fassen! 36 7. Du fragst zwar nicht nach Lust der Welt, Noch nach des Leibes Freuden; Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden; Suchst mei⸗ ner Seelen Trost und Freud Durch dein selbsteignes Her⸗ zeleid. Das will ich dir nicht wehren. 8. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, Mein Heiland, nicht versagen, Daß ich dich möge für und für In, bei und an mir tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein; Komm, komm und lege bei mir ein Dich und all deine Freuden! 9. Zwar sollt ich denken, wie gering Ich dich bewirthen werde; Du bist der Schöpfer aller Ding, Ich bin nur Staub und Erde; Doch bist du ein so lieber Gast, Daß du noch nie verschmähet hast Den, der dich gerne siehet. Paul Gerhardt, geb. 106, st. 1700. Mel. Den die Hirten lobten sehre. 533. Kommt und laßt uns Christum ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren, Singet fröhlich, laßt euch hören, Wer⸗ thes Volk der Christenheit! 2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schümen; Wir, die unser Heil annehmen, Werfen allen Kummer hin. 3. Sehet, was hat Gott ge⸗ geben! Seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben Aus dem Leid ins Himmels Freud. Christi Geburt. 4. Seine Seel ist uns ge⸗ wogen; Lieb und Gunst hat ihn gezogen, Uns, die Sata⸗ nas betrogen, Zu besuchen aus der Höh. 5. Jacobs Stern ist aufge⸗ gangen, Stillt das sehnliche Verlangen, Bricht den Kopf der alten Schlangen Und zer⸗ stört der Höllen Reich. 6. Unser Kerker, da wir saßen Und mit Sorgen ohne Maßen Uns das Herze schier zerfraßen, Ist entzwei, und wir sind frei. 7. O gebenedeite Stunde, Da wir das von Herzens⸗ grunde Glauben und mit unserm Munde Danken dir, o Jesu Christ. S. Schönstes Kindlein in dem Stalle, Sei uns freund⸗ lich, bring uns alle Dahin, da mit süßem Schalle Dich der Engel Heer erhöht. Paul Gerhardt, geb. 1606, st. 1676. Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛc. 5. Schaut, welch ein Wunder stellt sich dar! Die schwarze Nacht wird hell und klar; Ein großes Licht bricht dort herein, Ihm weichet aller Sterne Schein. 2. Es ist ein rechtes Wun⸗ derlicht Und gar die alte Sonne nicht, Weils wider die Natur die Nacht Zu einem hellen Tage macht. 3. O schauet hin! Des Him⸗ mels Heer, Das bringt uns jetzt die Freudenmähr, Wie sich nunmehr hab eingestellt Zu Bethlehem das Heil der Welt. 4. O Gütigkeit! Was lange Jahr Sich hat der frommen Väter Schaar Gewünscht und sehnlich oft begehrt, Deß wer⸗ den wir von Gott gewährt. 5. Schaut hin! Dort liegt im finstern Stall, Deß Herrschaft gehet überall. Das Wort, so bald im Anfang war, BeiGott, selbst Gott, das lieget dar. 6. Dies ist die rechteFreuden⸗ haf zeit. Weg, Trauern, weg, weg alles Leid! Trotz dem, der fer⸗ ner uns verhöhnt! Gott selbst ist Mensch: wir sind versöhnt. 7. Der Sündenbüßer ist nun hier, Den Schlangentreter haben wir, Der Höllen Pest, des Todes Gift, Des Lebens Fürsten man hier trifft. 8. Es hat mit uns nun keine Noth, Weil Sünde, Teufel, Höll und Tod Zu Spott und Schanden sind gemacht In dieser großen Wundernacht. 9. O selig, selig alle Welt, Die sich an dieses Kindlein hält! Wohl dem, der dieses recht erkennt Und gläubig seinen Heiland nennt! 10. Es danke Gott, wer danken kann, Der unser sich so hoch nimmt an Und sendet aus des Himmels Thron Uns, seinen Feinden, seinen Sohn. 11. Drum stimmt an mit der Engel Heer: Gott in der Höhe nun sei Ehr, Auf Erden Frie⸗ den jederzeit, Den Menschen Wonn und Fröhlichkeit! Paul Gerhardt, geb. 1606, ft. 1676. Weihnachten. Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛc. 55. Wir singen dir, Im⸗ manuel, Du Lebensfürst und Gnadenquell, Du Himmels⸗ blum und Morgenstern, Du Jungfrausohn, Herr aller Herrn. 2. Wir singen dir in dei⸗ nem Heer Aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, Daß du, o lang gewünschter Gast, Dich nunmehr eingestellet a 1. 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, Hat so manch Herz nach dir gewacht; Dich hat gehofft so lange Jahr Der Väter und Propheten Schaar. 4. Ach daß der Herr aus Zion käm Und unsre Bande von uns nähm! Ach daß die Hülfe bräch herein, So würde Jacob fröhlich sein! 5. Nun, du bist hier; da lie⸗ gest du, Hältst in dem Kripp⸗ lein deine Ruh; Bist klein, und machst doch alles groß, Bekleidst die Welt und kommst doch bloß. 6. Du kehrst in fremder Hau⸗ sung ein, Und sind doch alle Himmel dein; Trinkst Milch aus einer Menschenbrust, Und bist doch aller Engel Lust. 7. Du hast dem Meer sein Ziel gesteckt, Und wirst mit Windeln zugedeckt; Bist Gott, und liegst auf Heu und Stroh; Wirst Mensch, und bist doch A und O. 8. Du bist der Ursprung aller Freud, Und duldest so viel Herzeleid; Bist aller Heiden 38 Christi Trost und Licht, Suchst selber Trost und findst ihn nicht. 9. Du bist der süßte Men⸗ schenfreund, Doch sind dir so viel Menschen feind; Hero⸗ dis Herz hält dich für Gräul, Und bist doch nichts als lauter Heil. 10. Ich aber, dein gering⸗ ster Knecht, Ich sag es frei und mein es recht: Ich liebe dich; doch nicht so viel, Als ich dich gerne lieben will. 11. Der Will ist da, die Kraft ist klein; Doch wird dir nicht zuwider sein Mein armes Herz; und was es kann, Wirst du in Gnaden nehmen an. 12. Hast du doch selbst dich schwach gemacht, Erwähltest, was die Welt veracht; Wardst arm und dürftig, nahmst vor⸗ lieb Da, wo der Mangel dich hintrieb. 13. Du schliefst ja auf der Erde Schoß, So war dein Kripplein auch nicht groß; Der Stall, das Heu, das dich umfing, War alles schlecht und sehr gering. 14. Darum so hab ich guten Muth, Du wirst auch halten mich für gut. O Jesu Christ, dein frommer Sinn Macht, daß ich so voll Trostes bin. 15. Bin ich gleich sünd⸗ und lastervoll, Hab ich gelebt nicht wie ich soll; Ei, kommst du doch deßwegen her, Daß sich der Sünder zu dir kehr. 16. So faß ich dich nun ohne Scheu; Du machst mich alles Jammers frei; Du Geburt. trägst den Zorn, du würgst den Tod, Verkehrst in Freud all Angst und Noth. 17. Du bist mein Haupt; hinwiederum Bin ich dein Glied und Eigenthum Und will, so viel dein Geist mir giebt, Stets dienen dir, wie dirs beliebt. 18. Ich will dein Hallelujah hier Mit Freuden singen für und für, Und dort in deinem Ehrensaal Solls schallen ohne Zeit und Zahl. Paul Gerhardt, geb. 1606, st. 1676. Mel. O daß ich tausend Zungen ꝛc. 56. Dies ist die Nacht, da mir erschienen Des großen Gottes Freundlichkeit. Das Kind, dem alle Engel dienen, Bringt Licht in meine Dun⸗ kelheit; Und dieses Welt⸗ und Himmelslicht Weicht hundert⸗ tausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, Versäume nicht den Gnadenschein. Der Glanz in dieser kleinen Höhle Streckt sich in alle Welt hinein; Er treibet weg der Hölle Macht, Der Sünden und des Kreuzes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen Das Licht der kla⸗ ren Seligkeit. Wenn Sonne, Mond und Stern vergehen, Vielleicht noch in gar kurzer Zeit, Wird dieses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein Alles sein. 4. Laß mir indessen helle scheinen Dein Glaubens⸗ und dein Liebeslicht. Mit Gott mußt du es treulich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht. Willst du genießen diesen Schein, So darfst du nicht mehr dunkel sein. 5. Drum Jesu, schöne Weih⸗ nachtssonne, Bestrahle mich mit deiner Gunst. Dein Licht sei meine Weihnachtswonne, Und lehre mich die Weih— nachtskunst, Wie ich im Lichte wandeln soll Und sei des Weihnachtsglanzes voll. K. Friedr. Nachtenhoͤfer, geb. 1624, st. 1685. Mel. Mein Freund zerschmelzt ꝛc. 57. O Liebe, die den Himmel hat zerrissen, Die sich zu mir ins Elend niederließ, Was für ein Trieb hat dich bewegen müssen, Der dich zu mir ins Jammerthal ver⸗ wies? Die Liebe hat es selbst gethan; Sie schaut als Mutter mich in meinem Jammer an. 2. Die Liebe ist so groß in deinem Herzen, Daß du für mich das größte Wunder thust; Die Liebe macht dir meinetwegen Schmerzen, Daß mir zu gut du unter Dornen ruhst. O unerhörter Liebes⸗ grad, Der selbst des Vaters Wort ins Fleisch gesenket hat! 3. Die Liebe ist mein An⸗ verwandter worden, Mein Bruder ist selbst die Barm⸗ herzigkeit. Die Gottheit selbst lebt nun in meinem Orden, Die Ewigkeit vermählt sich mit der Zeit. Das Leben selbst ist Mensch geborn, Der Glanz Weihnachten. der Herrlichkeit, das Licht, das wir verlorn. 4. In ihm wird nun die Menschheit ausgesöhnet, Die Reinigkeit der Seelen wieder⸗ bracht; Sie wird als Braut der Gottheit nun gekrönet, Da sie der Himmel selbst so angelacht. Die Menschheit wird nun ganz erneut Und als ein reiner Thron der Gottheit eingeweiht. 5. Die Weisheit spielt nun wieder auf der Erden, Da⸗ durch das Paradies im Men⸗ schen grünt. Nun können wir aus Gott geboren werden, Weil die Geburt des Herren dazu dient. Die neugeborne Seele spürt, Daß sie ein an⸗ drer Geist aus ihrem Ur⸗ sprung rührt. 6. Kein Elend kann nun un⸗ serm Herzen schaden, Imma⸗ nuel ist bei uns in der Noth; Ich gehe nur zu ihm, dem Quell der Gnaden, So dient mir selbst das Elend und der Tod. Der Jammer hängt mir nur noch an, Der mir in Christo doch nicht schädlich werden kann. 7. Die Sünde kann mich auch nicht mehr verdammen, Weil sie in Christo selbst ver⸗ dammet ist. Was schaden nun der Seele ihre Flammen, Weil Christi Blut und Wasser auf mich fließt? Immanuel löscht ihren Trieb; Er läßt die Seele nicht, er hat sie viel zu lieb. 8. Ein ewges Leben hab ich nun gefunden, Viel Reich⸗ 40 Christi thum, Ehr und Wonne schenkt er mir; Ich bin mit ihm, er ist mit mir verbunden, Den ich in mir mit Liebeswirkung spür. Ich bin vergnügt und ganz gestillt, Weil mich der lautre Strom aus seiner Lieb erfüllt. 9. Auf, auf, mein Geist, ver⸗ giß die Trauerlieder, Erfreue dich in seiner Liebesmacht! Des Himmels Kraft und Glanz bestrahlt dich wieder, Und der Verlust ist völlig wie⸗ derbracht. O ewig, ewig wohl ist mir, Daß ich in Christo nun ein Wohlgefallen spür. Christ. Frledr. Richter, geb. 1677, st 1711. Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛc. 58. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein ge⸗ harrt, Bis daß die Zeit er⸗ füllet ward; Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, So steht mein Geist vor Ehrfurcht still; Er betet an und er ermißt, Daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad Name. erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch, wirst unser Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir.„Ich komm, im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu ich gern.“ Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mensch ge⸗ boren wirst, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott Messias, bet ich an. 7. Du unser Heil und höch⸗ stes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt; Ein Mittler ists, der sie erhält. Was zag ich nun, wenn der mich schützt, Der in des Vaters Schoße sitztꝰ 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der hei⸗ ligsten Geburt; Und Erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied. 10. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. Chr. Fürchteg. Gellert, geb. 1715, st. 1769. V. Christi Rame; Reufahr. Mel Herr Jesu Christ, meins ꝛc 59. Das alte Jahr ver⸗ gangen ist. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du uns in so großer Gfahr Be⸗ wahret hast so manches Jahr 2. Wir bitten dich, ewigen Sohn Des Vaters in dem höchsten Thron, Du wollst dein arme Christenheit Be⸗ wahren ferner allezeit. 3. Entzeuch uns nicht dein heilsam Wort, DerSeelen ein⸗ gen Trost und Hort. Vor Un⸗ glaub und Abgötterei Behüt uns, Herr, und steh uns bei. 4. Daneben gieb uns Fried und Ruh Und was uns nöthig ist dazu; Durch deine starke Gnadenhand Beschütze uns und unser Land. 5. All Sünd und Schwach⸗ heit uns verzeih, Ein gut Ge⸗ wissen stets verleih. Gieb, daß wir deines Namens Ehr Aus⸗ breiten immer mehr und mehr. 6. Und wenn es dir, o Herr, gefällt, Uns abzufordern aus der Welt, So gieb ein selig Ende hier, Daß wir dort ewig sein bei dir. 7. O Jesu Christ, erbarme dich, Hör unsre Bitte gnädig⸗ lich: Durch dein Verdienst, durch deinen Tod Erlöse uns aus aller Noth. V. 1 u. 2 Ih. Steuerlein, geb. 1546, st. 1613. V. 3 Jae. Tapp, um 1620. Mel. Vater unser im Himmelreich. 60. Nun treten wir ins neue Jahr. Herr Jesu Christ, uns auch bewahr; Gieb Gnad, daß wir dies ganze Jahr Zu⸗ bringen mögen ohn Gefahr; Gieb Glück und Heil, gieb Fried und Ruh, Hernach die Seligkeit dazu. Nach G. Werner, st. 1671. Neujahr. Mel. Werde munter, mein ꝛe. 61. Hilf, Herr Jesu, laß gelingen, Hilf, das neue Jahr geht an; Laß es neue Kräfte bringen, Daß aufs neu ich wandeln kann. Laß mich dir befohlen sein, Auch daneben all das Mein. Neues Glück und neues Leben Wollst du mir aus Gnaden geben. 2. Laß dies sein ein Jahr der Gnade, Zu erkennen meine Sünd; Hilf, daß sie mir nimmer schade, Sondern bald Verzeihung find. Auch durch deine Gnad verleih, Daß ich herzlich sie bereu, Herr, vor dir; denn du, mein Leben, Kannst die Sünde mir ver⸗ geben. 3. Tröste mich mit deiner Liebe, Nimm, o Gott, mein Flehen hin, Weil ich mich oft sehr betrübe Und voll Angst und Zagen bin. Wenn ich gleich schlaf oder wach, Sieh du, Herr, auf meine Sach; Stärke mich in meinen Nö⸗ then, Daß mich Sünd und Tod nicht tödten. 4. Herr, du wollest Gnade geben, Daß dies Jahr mir hei⸗ lig sei, Und ich christlich könne leben, Ohne Trug und Heu⸗ chelei, Ich auch meinen Näch⸗ sten lieb Und denselben nicht betrüb, Damit ich allhier auf Erden Fromm und selig möge werden. 5. Jesu, laß mich fröhlich en⸗ den Dieses angefangne Jahr; Trage mich auf deinen Hän⸗ den, Halte bei mir in Gefahr; Steh mir bei in aller Noth; Auch verlaß mich nicht im Tod. Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich soll die Welt verlassen. Joh. Rist, geb. 1607, st. 1667. Mel Nun laßt uns Gott dem ꝛe. 62. Nun laßt uns gehn und treten Mit Singen nnd mit Beten Zum Herrn, der unserm Leben Bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wan⸗ dern Von einem Jahr zum an⸗ dern; Wir leben und gedei⸗ hen Vom alten zu dem neuen, 3. Durch so viel Augst und Plagen, Durch Zittern und durch Zagen, Durch Krieg und große Schrecken, Die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern In schweren Unge⸗ wittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß bewahret werden: 5. Also auch und nichts min⸗ der Läßt Gott ihm seine Kin⸗ der, Wenn Noth und Trüb⸗ sal blitzen, In seinem Schoße sitzen. 6. Ach, Hüter unsers Lebens, Fürwahr, es ist vergebens Mit unserm Thun und Ma⸗ chen, Wo nicht dein Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, Die alle Morgen neue! Lob sei den starken Händen, Die alles Herzleid wenden! 8. Laß ferner dich erbitten, Christi Name. O Vater, und bleib mitten In weit und breit. unserm Kreuz und Leiden Ein Brunnen unsrer Freuden. 9. Gieb mir und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deiner Hulde, Ein Herz, das sich gedulde. 10. Schleuß zu die Jammer⸗ pforten, Und laß an allen Or⸗ ten Auf so viel Blutvergießen Die Friedensströme fließen. 11.Sprich deinen milden Se⸗ gen Zu allen unsern Wegen; Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensonne scheinen. 12. Sei der Verlaßnen Va⸗ ter, Der Irrenden Berather, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und Habe. 13. Hilf gnädig allen Kran⸗ ken; Gieb fröhliche Gedanken Den hochbetrübten Seelen, Die sich mit Schwermuth quälen. 14. Und endlich, was das Meiste, Füll uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere Und dort zum Himmel führe. 15. Das alles wollst du ge⸗ ben, O meines Lebens Leben, Mir und der Christen Schaare Zum selgen neuen Jahre. Paulus Gerhardt, g. 1606, st 1676. Lue. 2, 21. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 63. Jesus ist der schönste Nam Aller, die vom Himmel kommen, Huldreich, prächtig, tugendsam, Den Gott selber angenommen. Seiner großen Lieblichkeit Gleicht kein Name 2. Jesus ist das Heil der Welt, Meine Arznei für die Sünden. Jesus ist ein starker Held, Unsre Feind zu über⸗ winden. Wo nur Jesus wird geehrt, Wird des Teufels Reich zerstört. 3. Jesus ist es nur allein, Der Gesundheit giebt und Leben. Jesus hilft von aller Pein, Die den Menschen kann umgeben. Schließe Jesum nur ins Herz, So verliert sich aller Schmerz. 4. Jesus ist mein ewger Schatz Und ein Abgrund alles Guten. Jesus ist ein Freu⸗ denplatz Voller süßer Him⸗ melsfluten. Jesus ist ein küh⸗ ler Thau, Der erfrischt des Herzens Au. 5. Jesus ist der süße Bronn, Der die Seelen recht erquicket. Jesus ist die ewge Sonn, De⸗ ren Strahl uns ganz entzücket. Willst du froh und freudig sein, Laß ihn nur zu dir hinein. 6. Jesus ist der liebste Ton, Den mir alle Welt kann sin⸗ gen; Ja, ich bin im Himmel schon, Wenn ich Jesum hör erklingen. Jesus ist meins Herzens Freud, Meine ewge Seligkeit. 7. Jesus ist mein Himmels⸗ brod, Das mir schmeckt, wie ichs begehre. Er erhält mich vor dem Tod, Stärkt mich, daß ich ewig währe. Honig ist er mir im Mund, Balsam, wenn ich bin verwundt. 8. Jesus ist der Lebensbaum, Neujahr. Voller edler Tugendfrüchte. 43 Wenn er findt im Herzen Raum, Wird das Unkraut ganz zu nichte. Alles Gift und Unheil weicht, Das sein Schat⸗ ten nur erreicht. 9. Jesus ist das höchste Gut In dem Himmel und auf Erden. Jesu Name macht mir Muth, Daß ich nicht kann traurig werden. Jesu Name soll allein Mir der liebste Name x ein. Joh. Scheffler, g. 1624, st. 1677. Mel. O Gott, du frommer Gott. 64. Ein Jahr der Sterb⸗ lichkeit, Der kurzen Lebens⸗ tage, Ist abermal dahin Mit seiner Lust und Plage, Und wiederum ein Theil Von unsrer Pilgerschaft Nunmehr zurückgelegt Durch Gottes Schutz und Kraft. 2. Herr, deine Güte machts, Die niemals uns zu lieben Ermüdet, noch vergißt, Daß wir noch übrig blieben. Nimm unsers Herzens Dank Denn jetzo gnädig an Für das, was du an uns In diesem Jahr gethan. 3. Wir schließen uns aufs neu In dein so treues Sor⸗ gen, In dein Erbarmen ein! Da sind wir wohl geborgen, Da ist das feste Schloß Vor aller Feinde Trutz, Da läuft dein Häuflein hin Und findet sichern Schutz. 4. Gieb mit dem neuen Jahr Uns neue Stärk im Glauben; Laß uns den alten Grund Der Wahrheit niemals rauben. Erneure Herz und Sinn, Und das gegönnte Licht Des ewig wahren Worts Erlösche bei uns nicht. 5. Entzünde neue Lieb Und Sanftmuth in uns allen; Und sollt uns dieses Jahr Auch neue Noth befallen, So stärke die Geduld Und mache deine Christi Name. Treu, O Vater, über uns Mit jedem Tage neu. 6. Gieb, daß wir mehr und mehr Den alten Menschen tödten. Verleih an Seel und Leib, Was jedem ist vonnö⸗ then; Und laß uns, Herr, mit dem, Was deine Weisheit thut, Stets wohl zufrieden sein; Du machst doch alles gut. 7. Wem du auf dieses Jahr Von dieser Welt zu scheiden Sein Ziel hast festgesetzt, Den laß auf dich mit Freuden Im Glauben selig hier Beschlie⸗ ßen seinen Lauf, Und nimm in deine Hand Die Seele gnädig auf. Henr. Cath. v. Gersdorf, g. 1650, st. 1726. Mel. Mein Salomo, dein freund⸗ liches Regieren. 65. Der du bist A und O, Anfang und Ende, Der Herr der Zeit und auch der Ewigkeit, Dem alles steht zu seinem Dienst bereit: Zu dei⸗ nem Thron, Jehovah, ich mich wende, Da diese Zeit ein neues Jahr uns bringt, Und Zion dir ein Hallelujah singt. 2. Gelobet sei, o Höchster, deine Liebe, Die sonderlich auch im verfloßnen Jahr Mich armen Staub, der deß un⸗ würdig war, So merklich spüren lassen ihre Triebe. Ich stelle mich dafür in meinem Sinn, Dir, großer Gott, selbst zum Dankopfer hin. 3. O denke nicht an der ver⸗ gangnen Zeiten Gemachte viel und überhäufte Schuld; Laß deine Gnad und milde Va⸗ terhuld Zu meinem Trost in Christo sie bespreiten. Was ich gelebet hab, das decke zu; Was ich noch leben soll, re⸗ giere du. 4. Erneure mich, der du machst alles neue; Das Alte laß von nun an untergehn, Laß Heiligkeit an dessen Stelle stehn; Die neue Creatur dich stets erfreue. Der Geist aus dir verändre Sinn und Muth, Nur dich zu lieben als das höchste Gut. 5. Die Zeit fleucht hin: laß mich auch von ihr fliehen. Die Ewigkeit rückt näher stets her⸗ bei: Gieb, daß ich ihr im Geist recht nahe sei; Laß mich als eilend stets von hinnen ziehen. Es müsse mir nie kom⸗ men aus dem Sinn, Daß ich hier fremd, ein Gast und Pil⸗ grim bin. 6. Ach lehre mich recht meine Tage zählen, Daß ich sie all aufs best anwenden mag. Hilf mir auch tragen ihre Last und Plag, So werd des rechten Zwecks ich nicht verfehlen. Ich werd dereinst mit der erkauf⸗ ten Schaar Bei dir begehn das große neue Jahr. Joh. Anast. Freylinghausen, g. 1670, st. 1789 Mel-MeinHerzens⸗Jesu, meine Lust. 66. Der Heiland heißet Jesus Christ, Von Gott selbst so genennet, Der mir und dir, und wer es ist, Das große Heil gegönnet. Ach nimm es ungesäumet an; Es freue sich, wer immer kann, Des freu⸗ denvollen Namens. 2. Dies ist der Name, der uns bringt Vor Gott aufs neu zu Ehren, Der, wie der Chor der Engel singt, Uns Freude kann bescheren; Der uns in Fried und Freiheit setzt, Mit Gnad und Gaben uns ergötzt Und in den Himmel hebet. 3. Denn Jesus ists, der unsre Schuld Sammt aller Straf und Plagen— O unerhörte Lieb und Huld!— Hat willig wollen tragen, Er war ge⸗ recht und ließ doch sich Zur Sünde machen, daß du dich In ihm gerecht könntst nennen. 4. Er ist der rechte Josua, Der uns zur Ruhe bringet; Er als der Priester ist nun da, Dem es so wohl gelinget, Daß er des Herren Tempel baut, An welchem man ihn selber schaut Als festen Grund und Eckstein. 5. Drum ist in keinem an⸗ dern Heil, Ist auch kein Nam gegeben, Darin wir könnten nehmen Theil An Seligkeit und Leben; Nur Jesus ist der einge Mann, Der uns das Leben schenken kann. Gelobet sei sein Name! Neujahr. 45⁵5 6. O Name, werde doch in mir Durch Gottes Geist ver⸗ kläret! Denn was verborgen liegt in dir, Kein menschlich Herz erfähret. Vernunft kann es begreifen nicht; Ohn Got⸗ tes Glanz und Gnadenlicht Bleibt es unaufgeschlossen. 7. Laß mich empfinden deine Kraft Und innre Süßigkeiten; Und was dein Name Gutes schafft, Laß sich in mir aus⸗ breiten: So wird der Sün⸗ dennoth gewehrt, So wird die Last in Lust verkehrt, So bin ich selig. Amen. um 1700. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 67. Ach, wie laufen doch die Jahre, Wie verschwindet doch die Zeit! Und ich bleibe von der Bahre Noch bis diesen Tag befreit. Ich weiß wohl, o Lebenslicht, Daß ein Tag zum andern spricht: Alles, was von Adams Er⸗ ben, Groß und Kleine, müssen sterben. 2. Doch du hast durch deine Güte, Großer Schöpfer, mich bewacht, Daß der Tod die Leibeshütte Noch nicht in das Grab gebracht. Ach mich lässest du noch stehn, Da doch andre schlafen gehn, Und gar viele schon begraben, Die noch nicht mein Alter haben. 3. Herr, ich bin ja zu ge⸗ ringe Dieser großen Gütig⸗ keit. Wenn ich meine Rech⸗ nung bringe Der bisher ge⸗ noßnen Zeit, So entfällt mir aller Muth, Weil die Rech⸗ 46 nung gar nicht gut. Wie viel Jahre sind verdorben, Da ich nicht der Welt gestorben! 4. Ach, daß ich dies wohl bedenke Und auf Buße sei be⸗ dacht! Jesu, meine Schuld versenke, Die ich bis hieher gemacht. Lieber Vater, steh mir bei, Daß nur keine Heu⸗ chelei Sich in meinem Herzen finde, Wenn ich mich deß unterwinde. 5. Willst dumich noch ferner lassen Hier in dieser bösen Welt, Ach, so hilf mir alles hassen, Was dem Geiste nicht gefällt. Stärke mich von dei⸗ ner Höh, So wird auch das größte Weh, Das mir oft zu schwer geschienen, Mir zu meinem Besten dienen. Christi Erscheinung. 6. Steh mir allezeit zur Rechten, Herr, du bist ja Sonn und Schild. Hilf uns, deinen armen Knechten, Wie und wo und wann du willt. Wenn die Tage böse sein, Ach so ruf ins Herz hinein: Lernt euch in die Zeiten schik⸗ ken, So wird alles heilsam glücken. 7. Endlich, wenn der Lauf zum Ende, So befehl ich meinen Geist Dir in deine treuen Hände, Dir, der Gott und Vater heißt. Ach, ich freu mich schon darauf, Daß ich nach vollbrachtem Lauf Dort der Freude soll genie⸗ ßen, Wo sich keine Zeit wird schließen. VI. Christi Erscheinung; Epinhanins. 68. Herr Christ, der einge Gottssohn, Vaters in Ewig⸗ keit, Aus seinem Herzu ent⸗ sprossen, Gleichwie geschrie⸗ ben steht: Er ist der Morgen⸗ sterne, Sein er so ferne, Vor andern Sternen klar. 2. Für uns geboren Im letzten Theil der Zeit, Der Mutter unverloren Ihr jungfräulich Keuschheit, Hat er Den Himmel aufgeschlossen, Das Leben wiederbracht. 3. Laß uns in deiner Liebe Und Kenntniß nehmen zu, Glanz streckt aus Herz uns zu dir wende, Und kehr ab nicht irrn von dir. ein Mensch den Tod zerbrochen, Güte, Erweck uns durch dein Gnad; Den alten Menschen kränke, Daß der neu leben Daß wir im Glauben blei⸗ ben Und dienen im Geist so, Daß wir hie mögen s chmecken Dein Süßigkeit im Herzen Und dürsten stets nach dir. 4. Du Schöpfer aller Dinge, Du väterliche Kraft, Regierst von End zu Ende Kräftig eigner Macht; Das unser Sinne, Daß sie 5. Ertödt uns durch dein mag Und hab schon hie auf Erden Den Sinn und all Begierden Und Gdanken, Herr, zu dir. Elisabeth Creutziger, st. 1558. Lue. 2 29—32. 69. Mit Fried und Freud ich fahr dahin In Gottes Willen; Getrost ist mir mein Herz und Sinn, Sanft und stille, Wie Gott mir verhei⸗ ßen hat; Der Tod ist mein Schlaf worden. 2. Das macht Christus, wahr Gottessohn, Der treue Heiland. Den du mich, Herr hast lassen schaun Und machst bekannt, Daß er uns das Leben sei Und Heil in Noth und Sterben. 3. Den hast du allen vor⸗ gestellt Mit großen Gnaden, Zu seinem Reich die ganze Welt Heißen laden Durch dein theuer heilsam Wort, An allem Ort erschollen. 4. Er ist das Heil und selge Licht Für all die Heiden, Zu rleuchten, die dich kennen nicht, Und zu weiden; Er ist deins Volks Israels Preis, Ehre, Freud und Wonne. Martin Luther, g. 1483, st. 1546. Jes. 60, I. Mel. Unser Herrscher, unser König. 70. Werde Licht, du Stadt der Heiden, Und du, Salem, werde Licht! Schaue, welch ein Glanz mit Freuden Ueber deinem Haupt anbricht! Gott hat derer nicht vergessen, Die im Finstern sind gesessen. Epiphanias. 47 2. Dunkelheit, die mußte weichen, Als dies Licht kam in die Welt, Dem kein andres ist zu gleichen, Welches alle Ding erhält. Die nach diesem Glanze sehen, Dürfen nicht im Finstern gehen. 3. Ach wie waren wir ver⸗ blendet, Ehe noch dies Licht brach an! Ja, da hatte sich ge⸗ wendet Schier vom Himmel jedermann. Unsre Augen und Geberden Klebten einzig an der Erden. 4. Irdisch waren die Ge⸗ danken, Thorheit hielt uns gar verstrickt, Satan macht Uns schändlich wanken, Wahre Tugend lag verrückt. Fleisch und Welt hatt uns betrogen Und vom Himmel abgezogen. 5. Gottes Rath war uns verborgen, Seine Gnade schien uns nicht; Klein und Große mußten sorgen, Je⸗ dem fehlt es an dem Licht, Das zum rechten Himmels⸗ leben Seinen Glanz uns sollte geben. 6. Aber wie hervorgegan⸗ gen Ist der Aufgang aus der Höh, Haben wir das Licht empfangen, Welches so viel Angst und Weh Aus der Welt hinweggetrieben, Daß nichts Dunkles überblieben. 7. Jesu, reines Licht der Seelen, Du vertreibst die Finsterniß, Die in dieser Sündenhöhlen Unsern Tritt macht ungewiß. Jesu, deine Lieb und Segen Leuchten uns auf unsern Wegen. 48 Christi Erschein ung. 8. Dieses Licht läßt uns nicht wanken In der rechten Glaubensbahn. Ewig, Herr, will ich dir danken, Daß du hast so wohlgethan Und uns diesen Schatz geschenket, Der zu deinem Reich uns lenket. 9. Gieb, Herr Jesu, Kraft und Stärke, Daß wir dir zu jeder Zeit Durch geliebte Glaubenswerke Folgen in Gerechtigkeit Und hernach im Freudenleben Heller, als die Sterne schweben. 10. Dein Erscheinung muß erfüllen Mein Gemüth in aller Noth; Dein Erscheinung müsse stillen Meine Seele auch im Tod. Herr, in Freu⸗ ßen, f Tod und Kreuzesjoch Des Vaters Zorn gestillet. Was er hat, das ist alles mein. Wie könnt doch größrer Reichthum sein, Als den mir Jesus schenket! 3. Weil Jesus mich von Sünden rein Durch sein Ver⸗ dienst will machen, Daß ich, los aller Qual und Pein, Nicht fürcht des Todes Rachen: So tröst mich seine Heiligkeit; Sein Unschuld und Gerechtigkeit Ist mein Schatz und mein Leben. 4. So kann ich auch mit Fried und Freud, Wie Si⸗ meon, mein Leben Beschlie⸗ frei von allem Leid, Mich den und im Weinen Müsse meinem Gott ergeben. So mir dein Licht erscheinen. bald ich schließ die Augen zu, 11. Jesu, laß mich endlich So wird der Tod mein Schlaf gehen Freudig aus der bösen und Ruh; Ich seh des Him⸗ Welt, Dein so helles Licht zumels Freude. sehen, Das mir dort schon ist bestellt, Wo wir sollen unter Kronen In der schönsten Klar⸗ heit wohnen. Joh. Rist, g. 1607, st. 1667. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛc. 5. Wie werd ich dann so fröhlich sein, Wenn ich die Welt verlasse, Durch Christi Blut von Sünden rein, Ge⸗ führt zur Lebensstraße; Wann ich, entnommen allem Leid, Erlanget hab die Seligkeit, 7 1. Gott Lob, mein Jesus Die mir mein Gott bereitet! macht mich rein Von allen 6. Hilf, Gott, daß ich sei meinen Sünden. Was er stets bereit; Laß mich nichts büßt, muß bezahlet sein. Nun von dir wenden, Laß mich in kann mich nicht mehr binden Der Sünden Strick, des Teu⸗ fels Macht; Mein Glaube Höll und Tod veracht, Weil Jesus ist mein Leben. 2. Was traur ich denn? Er lebt ja noch, Der das Gesetz erfüllet, Der durch den Glaubensheiligkeit Den Le⸗ benslauf vollenden. Komm bald, hilf mir aus aller Noth; Hilf mir, Herr, durch dein Blut und Tod; Ja, komm, Herr Jesu! Amen! Joh. Olearius, g. 1611, st. 1684. A...5—2 2 HIREIAN S Epiphanias. Wathn n 10. O wunderb üßig⸗ Mel. Lobt Gott, Ihr Christen ꝛc. keit, Die dieser Nublicgiebt 72. Auf, Seele, auf und Dem, dessen Herz dazu bereit säume nicht! Es bricht das Und dieses Kindlein liebt. ꝛ, Licht herfür; Der Wunder⸗ 11. Die Engel in des Him⸗ stern giebt dir Bericht, Der mels Saal, Die freuen sich Held sei vor der Thür.: darob; Die Kinder Gottes 2. Geh weg aus deinem allzumal, die bringen hier Vaterland, Zu suchen solchen ihr Lob. Herrn; Laß deine Augen sein 12. Hier ist das Ziel, hier ö gewandt auf diesen Morgen⸗ist der Ort, Wo man zum ö stern. Leben geht; Hier ist des Para⸗ 3. GiebAcht auf diesen hellen dieses Pfort, Die wieder offen Schein, Der dir aufgangen ist; steht.. Er führet dich zum Kindelein, 13. Hier fallen alle Sorgen Das heißet Jesus Christ.: hin, Zur Lust wird jede Pein; 4. Er ist der Held aus Es wird erfreuet Herz und Davids Stamm, Die theure Sinn, Denn Gott ist ja nun Saronsblum, Das rechte, dein. 5 echte Gotteslamm, Israels 14. Der zeigt dir einen Preis und Ruhm. andern Weg, Als du vorher 5. Drum höre, merke, sei be⸗(erkannt, den stillen Ruh⸗ reit, Verlaß des Vaters Haus, und Friedenssteg Zum ewgen Die Freundschaft, deine Eigen⸗Vaterland. 0 heit, Geh von dir selber aus.: Mich. Muller, g. 1673, st. 1704. te 6. Und mache dich behende r ti auf, Befreit von aller Last, Und Mel. Ach, was soll ich Sünder ꝛc. laß nicht ab von deinem Lauf, 7 3. Wer im Herzen will n Bis du dies Kindlein hast.:: erfahren Und darum bemühet d, 7. Halt dich im Glauben an ist, Daß der König Jesus t, das Wort, Das fest ist und ge⸗Christ Sich in ihm mög offen⸗ t! wiß; Dasführet dich zumLichte baren, Der muß suchen in ei fort Aus aller Finsterniß.: der Schrift, Bis er diesen 18 8. O sinke du vor seinem Schatz antrifft. in Glanz In tiefste Demuth ein 2. Er muß gehen mit den e⸗ Und laß dein Herz erleuchten Weisen, Bis der Morgenstern m ganz Von solchem Freuden⸗aufgeht Und im Herzen stille 53 schein.: steht; So kann man sich selig in 9. Gieb dich ihm selbst zum preisen, Weil des Herren An⸗ , Opfer dar Mit Geiste, Leib gesicht Glänzt von Klarheit, und Seel Und singe mit der Recht und Licht. 84. Engel Schaar: Hier ist Im⸗ 3. Denn wo Jesus ist ge⸗ manuel.:: boren, Da erweiset sich gar 4 NE— nhn &—2 —FF————————————— E bald Seine göttliche Gestalt, Die im Herzen war verloren; Seine Klarheit spiegelt sich In der Seele kräftiglich. 4. Alles Fragen, alles Sagen Wird von diesem Jesu sein Und von dessen Gnadenschein, Dem sie fort und fort nachjagen, Bis die Seele in der That Diesen Schatz gefunden hat. 5. Ach wie weit sind die zurücke, Die nur fragen in der Welt: Wo ist Reichthum, Gut und Geld? Wo ist An⸗ sehn bei dem Glücke? Wo ist Wollust Ruhm und Ehr? Und nach solcher Thorheit mehr. 6. Ja, unselig sind die Herzen Und in ihrem Wandel blind, Die also beschaffen sind, Weil sie diesen Schatz ver⸗ scherzen Und erwählen einen Schein, Der nichts hilft in Todespein. 7. Jesu, laß mich auf der Erden Sonst nichts suchen, als allein, Daß du mögest bei mir sein, Und ich dir mög ähn⸗ Christi Erscheinung. nach! ihr Christen alle. Ver⸗ leugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt meinem Ruf nnd Schalle! Nehmt euer Kreuz und Ungemach Auf euch, Folgt meinem Wandel nach! 2. Ich bin das Licht, ich leucht euch für Mit heilgem Tugendleben. Wer zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im Finstern schweben. Ich bin der Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll De⸗ müthigkeit, Voll Liebe meine Seele. Mein Mund der fleußt zu jeder Zeit Von süßem Sanftmuthsöle; Mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn Ist Gott ergeben, schaut auf ihn. 4. Ich zeig euch das, was schädlich ist, Zu fliehen und zu meiden, Und euer Herz von arger List Zu reingen und zu scheiden. Ich bin der Seelen Fels und Hort Und führ euch zu der Himmelspfort. 5. Fällts euch zu schwer,— lich werden In dem Leben die⸗ ser Zeit Und in jener Ewigkeit. 8. So will ich mit allen Weisen, So die Welt für Thoren acht, Dich anbeten Tag und Nacht Und dich loben, rühmen, preisen, Liebster Jesu, und vor dirChristlich wandeln für und für. Laurent. Laurentii, geb. 1660 ft. 1722. ich geh voran, Ich steh euch an der Seite; Ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, Bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still darf stehn, Wenn er den Feldherrn sieht angehn! 6. Wer seine Seel zu finden meint, Wird sie ohn mich ver⸗ lieren; Wer sie hier zu ver⸗ lieren scheint, Wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Mel. Machs mit mir Gott, nach ꝛe. Kreuz nimmt und folgt mir, 74. Mir nach! spricht Ist mein nicht werth und Christus, unser Held, Mir meiner Zier. Epiphanias. 51 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit Leib und Seel nachgehen Und wohl⸗ gemuth, getrost und gern Bei ihm im Leiden stehen; Denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron Des ewgen Lebens nicht davon. Joh. Scheffler, geb. 1624, st. 1677. Mel. Sollt ich meinem Gott ꝛc. 75. Lasset uns mit Jesu ziehen, Seinem Vorbildfolgen nach, In der Welt der Welt entfliehen Auf der Bahn, die er uns brach; Immer fort zum Himmel reisen, Irdisch noch, schon himmlisch sein; Glauben recht und lieben fein, In der Lieb den Glauben weisen. Treuer Jesu bleib bei mir; Gehe vor, ich folge dir. 2. Lasset uns mit Jesu lei⸗ den, Seinem Vorbild werden gleich. Nach dem Leide folgen Freuden; Armuth hier macht dorten reich, Thränensaat, die erntet Lachen, Hoffnung trö⸗ stet mit Geduld. Es kann leichtlich Gottes Huld Aus dem Regen Sonne machen. Jesu, hier leid ich mit dir; Dort theil deine Freud mit mir. 3. Lasset uns mit Jesu ster⸗ ben. Sein Tod uns vom an⸗ dern Tod Rettet und vom Seelverderben, Von der ewig⸗ lichen Noth. Laßt uns tödten, weil wir leben, Unser Fleisch‚ ihm sterben ab: So wird er uns aus dem Grab In des Himmels Leben heben. Jesu, sterb ich, sterb ich dir, Daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesu le⸗ ben. Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wieder⸗ geben. Jesu, unser Haupt du bist. Wir sind deines Leibes Glieder; Wo du lebst, da le⸗ ben wir. Ach erkenn uns für und für, Trauter Freund, für deine Brüder. Jesu, dir ich lebe hier; Dorten ewig auch bei dir. Siegm. v. Birken, geb. 1626 st. 1681. Mel. Wachet auf! ruft uns die ꝛc. 76. Heilger Jesu, Heil⸗ gungsquelle, Mehr als Kry⸗ stall rein, klar und helle, Du lautrer Strom der Heiligkeit! Aller Glanz der Cherubinen, Die Heiligkeit der Seraphi⸗ nen, Ist gegen dich nur Dun⸗ kelheit. Ein Vorbild bist du mir. Ach bilde mich nach dir, Du mein Alles! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich mag heilig sein wie du! 2. Stiller Jesu, wie dein Wille Dem Willen deines Vaters stille und bis zum Tod gehorsam war: Also mach auch gleichermaßen Mein Herz und Willen dir gelassen. Ach stille meinen Willen gar! Mach mich dir gleich gesinnt, Wie ein gehorsam Kind, still und folgsam. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich fein stille sei wie du! 3. Wacher Jesu, ohne Schlummer, In großer Ar⸗ beit, Müh und Kummer Bist S * * E S 52 Christi Erscheinung. du gewesen Tag und Nacht; Mußtest täglich viel ausste⸗ hen; Des Nachts lagst du vor Gott mit Flehen Und hast ge⸗ betet und gewacht. Gieb mir auch Wachsamkeit, Daß ich zu dir allzeit Wach und bete. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich stets wachsam sei wie du! 4. Gütger Jesu, ach wie gnädig, Wie liebreich bist du, wie gutthätig, Selbst gegen Feinde wie gelind! Deine Sonne scheinet allen, Dein Regen muß auf alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar sind. Mein Gott, ach lehre mich, Damit hierinnen ich Dir nacharte! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich auch gütig sei wie du! 5. Sanfter Jesu, warst un⸗ schuldig; Doch littst du alle Schmach geduldig, Vergabst und ließt nicht Rachgier aus. Niemand kann dein Sanft⸗ muth messen, Bei der kein Eifer dich gefressen, Als den du hattst ums Vaters Haus. Mein Heiland, ach verleih Mir Sanftmuth, und dabei Guten Eifer! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich sanft⸗ müthig sei wie du! 6. Würdger Jesu, Ehren⸗ könig, Du suchtest deine Ehre wenig Und wurdest niedrig und gering; Wandeltst ganz ertieft auf Erden, In De⸗ muth und in Knechtsgeberden, Erhubst dich selbst in keinem Ding. Herr, solche Demuth lehr Mich auch je mehr und mehr Stetig üben. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich de⸗ müthig sei wie du! 7. Keuscher Jesu, all dein Wesen War züchtig, keusch und auserlesen, Ein Bild der reinsten Sittsamkeit. Dein Gefühl, dein Denken, Sinnen, Blick, Wort und jegliches Beginnen War voller lautrer Züchtigkeit. O mein Imma⸗ nuel, Mach mir Geist, Leib und Seel Keusch und züchtig! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Auch keusch und rein zu sein wie du! 8. Mäßger Jesu, deine Weise Im Trinken und Genuß der Speise Lehrt uns die rechte Mäßigkeit. Deine Speise wars, den Willen Des Vaters treulich zu erfüllen Und ihm zu dienen jederzeit. Herr, hilf mir meinen Leib Stets zähmen, daß ich bleib Dir stets nüchtern. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich stets nüchtern sei wie du! 9. Liebster Jesu, liebstes Le⸗ ben, Mach mich in allem dir recht eben Und deinem heilgen Vorbild gleich. Dein Geist und Kraft mich durchdringe, Daß ich viel Glaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd zu deinem Reich. Ach zeuch mich ganz zu dir! Behalt mich für und für, Treuer Heiland! Jesu, Jesu, Laß mich, wie du, Und wo du bist, einst finden Ruh!l Jod. v. Lodenstein, g 1620, st. 1677, übers von Barth. Crasselius, g. 1667, st. 1724. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 77. Heiland, deine Men⸗ schenliebe War die Quelle deiner Triebe, Die dein treues Herz bewogen, Dich in unser Fleisch gezogen, Dich mit Schwachheit überdecket, Dich st vom Kreuz ins Grab gestrek⸗ ket. O der ungemeinen Trie⸗ be Deiner treuen Menschen⸗ liebe! 2. Ueber seine Feinde wei⸗ nen, Jedermann mit Hülf er⸗ scheinen, Sich der Blinden, Lahmen, Armen Mehr als väterlich erbarmen, Der Be⸗ trübten Klagen hören, Sich in andrer Dienst verzehren, Sterben für die ärgsten Sün⸗ der: Das ist Lieb, o Menschen⸗ kinder. 3. O du Zuflucht der Elen⸗ den! Wer hat nicht von dei⸗ nen Händen Segen, Hülf und Heil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? O wie ist dein Herz gebrochen, Wenn dich Kranke angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, Das Gebetne mitzutheilen! 4. Die Betrübten zu erquik⸗ ken, Zu den Kleinen dich zu bücken, Die Unwissenden zu lehren, Die Verführten zu be⸗ kehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Täglich liebreich zu dir locken, War mit Schwä⸗ chung deiner Kräfte, Dein ge⸗ wöhnliches Geschäfte. 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Da du für die ärmsten Armen Dein un⸗ Epiphanias. 53 schätzbar theures Leben In den ärgsten Tod gegeben; Da du in der Sünder Orden Al⸗ ler Schmerzen Ziel geworden, Und, den Segen zu erwerben, Als ein Fluch hast wollen terben! 6. Deine Lieb hat dich ge⸗ trieben, Sanftmuth und Ge⸗ duld zu üben, Ohne Schelten, Drohen, Klagen Andrer Schmach und Last zu tragen, Allen freundlich zu begegnen, Für die Lästerung zu segnen, Für der Feinde Schaar zu beten Und die Mörder zu vertreten. 7. Demuth war bei Spott und Hohne Deiner Liebe Schmuck und Krone. Diese machte dich zum Knechte Ei⸗ nem sündlichen Geschlechte; Diese war nach Art der Tau⸗ ben Ohne Falsch, voll Treu und Glauben, Mit Gerechtig⸗ keit gepaaret, Durch Vorsich⸗ tigkeit bewahret. 8. Komm, laß deine Liebe decken Meiner Sünden Meng und Flecken. Du hast das Gesetz erfüllet Und desselben Fluch gestillet; Laß mich wider dessen Stürmen Deiner Liebe Schild beschirmen. Heilge meines HerzensTriebe, Salbe sie mit deiner Liebe. Joh. Jac. Rambach, g. 1693, st. 1735. Mel. Vater unser im Himmelreich. 78. O Lehrer, dem kein andrer gleich, An Eifer, Lieb und Klugheit reich, Des ew⸗ gen Vaters höchster Rath, 54 Prophet, berühmt durch Wort und That, Den Gott zu un⸗ serm Heil gesandt Und ihn gesalbt mit eigner Hand! 2. Du kamst aus deines Vaters Schoß Und machtest alle Siegel los, Damit sein Rath umgeben war. Durch dich wird alles offenbar Und an das helle Licht gestellt, Was Finsterniß umschlossen hält. 3. Du wiesest uns die wahre Spur Zu Gott, dem Schöpfer der Natur. Du hast den Weg uns recht gezeigt, Auf welchem man zum Himmel steigt. Was du vom Vater selbst gehört, Das hast du unverfälscht gelehrt. 4. Du sahest in der Gottheit Licht Mit aufgeklärtem Ange⸗ sicht, Was nach des Himmels weisem Rath Man künftig zu erwarten hat. Du sagst es deutlicher zuvor, Als jemals der Propheten Chor. 5. Die Lehre, die du hast ge⸗ führt, Hast du mit Heiligkeit ö geziert Und mit viel Wundern oft bestärkt, Daraus man deine Allmacht merkt, Ja endlich, als es Gott geschickt, Ein blu⸗ tig Siegel drauf gedrückt. 6. Nachdem du hingegangen bist, Wo aller Weisheit Ur⸗ sprung ist, So setzest du an jedem Ort Dein Lehramt durch die Knechte fort, Die dein Beruf herbeigeführt Und sie mit Gaben ausgeziert. 7. Du aber sendest deinen Geist, Den du den Gläubigen Christi Erscheinung. verheißt, Der allen Seelen, die er liebt, Erkenntniß, Licht und Weisheit giebt Und der, wo man ihn nicht vertreibt, Dein Wort in Herz und Sin⸗ nen schreibt. 8. Ach laß, o himmlischer Prophet, Mich scheuen deine Majestät. Mach mich von eignem Dünkel frei, Damit ich dir gehorsam sei. Du sollst mein höchster Lehrer sein; Führ mich in deine Schule ein. Joh. Jge. Rambach, 1693, st. 1735. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 79. Jesu, großer Wun⸗ derstern, der aus Jakob ist erschienen, Meine Seele will so gern Dir an deinem Feste dienen. Nimm doch, nimm doch gnädig an, Was ich Ar⸗ mer schenken kann. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin, Wie ichs von dir selber habe Und damit be⸗ schenket bin; So ist dirs die liebste Gabe. Laß es auch be⸗ währt und rein In dem Kreu⸗ zesofen sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, Laß ihn gnädig dir genügen. Herz und Lippen sollen stets, Ihn zu opfern, vor dir liegen. Wenn ich bete, nimm es auf Und sprich Ja und Amen drauf. 4. Nimm die Myrrhen bitt⸗ rer Reu. Ach mich schmerzet meine Sünde! Aber du bist fromm und treu, Daß ich Trost und Gnade finde Und ———— t 0 d nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. Erdm. Neumeister, g 1671, st. 1756. Mel. Kommt her zu mir, spricht ꝛc. S0. Wohlauf, mein Herz— verlaß die Welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen. Er ist das Licht, drum sei gewiß, Er wird auch deine Finsterniß Durch seinen Glanz erhellen. 2. Ja du sollst ihm sein Tempel sein, Er selbst macht dich von Sünden rein Und hat Lust, hier zu wohnen. Auf, finsters Herz, auf, werde Licht! Denn Jesus wohnt in Herzen nicht, Die noch der Lüste schonen. 3. Was nur dem Fleische wohlgefällt, Das opfre die verkehrte Welt Dem Satan ihrem Gotte. Sie erntet Scha⸗ den blos für Müh, Für ihren Epiphanias. 55 Sündendienst wird sie Einst ewiglich zu Spotte. 4. Doch wer begehret, Got⸗ tes Sohn, vom Geist erweckt, wie Simeon, zu seinem Heil zu haben, Gott fürchtet, sich der Welt entwöhnt, Aus ihr sich nach dem Himmel sehnt, Der opfert rechte Gaben. 5. Wer auf das Wort der Wahrheit baut, Im Glauben seinen Heiland schaut, Der kann in Frieden fahren. Der Heiland hält, was er ver⸗ spricht, Er wird sich ihm in seinen Licht Dort herrlich offenbaren. 6. Herr, mache mich gerecht und rein, Herr, laß mich stets voll Glaubens sein, Allzeit im Geiste leben, Bis du auch mich, wenn dirs gefällt, In Frieden wirst aus dieser Welt In deine Wonn erheben. Joh. Adolph Schlegel, g. 1721, st. 1793 VII. Christi Teiden und Sterben; Pasginn. S I. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünd der Welt, Erbarm dich unser! 2. Christe, du Lamm Got⸗ tes, Der du trägst die Sünd der Welt, Erbarm dich unser! 3. Christe, du Lamm Got— tes, Der du trägst die Sünd der Welt, Gieb uns dein Frieden! Amen! Das Agnus Dei deutsch S2. O Lamm Gottes un⸗ schuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit funden geduldig, Wiewohl du wurdest verachtet: All Sünd hast du getragen, Sonst müß- ten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 2. O Lamm Gottes unschul⸗ dig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit funden ge⸗ duldig, Wiewohl du wurdest 56 Christi Leiden verachtet: All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 3. OLamm Gottes unschul⸗ dig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit funden geduldig, Wiewohl du wur⸗ dest verachtet: All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Gieb uns dein Frieden, o Jesu! Nie. Decius, st. 1529. Mel. Cristus, der uns selig macht. S3. O hilf, Christe, Got⸗ tes Sohn Durch dein bitter Leiden, daß wir, dir stets un⸗ terthan, All Untugend meiden, Deinen Tod und sein Ursach Fruchtbarlichbedenken, Dafür, wiewohl arm und schwach, Dir Dankopfer schenken. Mich. Weiße, st. um 1549. S8A. O wir armen Sün⸗ der! Unser Missethat, Darin wir empfangen Und geboren sind, Hat gebracht uns alle In solch große Noth, Daß wir unterworfen Sind dem ewgen Tod. Kyrie eleison! Christe eleison! Kyrie eleison! 2. Aus dem Tode konnten Unser eigen Werk Nimmer uns erretten; Die Sünd war zu stark. Daß wir würdn er⸗ löset, Konnts nicht anders sein, Gottes Sohn mußt lei⸗ den Des Tods bitter Pein. Kyrie eleison! Christe eleison! Kyrie eleison! und Sterben. 3. So nicht wäre kommen Christus in die Welt Und an sich geuommen Unser arm Ge⸗ stalt Und für unser Sünde Gstorben williglich, Hätten wir mußt werden Verdammt ewiglich. Kyrie eleison! Christe eleison! Kyrie eleison! 4. Solche große Gnaden Und väterlich Gunst Hat uns Gott erzeiget Lauterlich um⸗ sonst In Christo, seinem Soh⸗ ne, Der sich geben hat, In den Tod des Kreuzes, Zu unser Wohlfahrt. Kyrie elei⸗ son! Christe eleison! Kyrie eleison! 5. Deß solln wir uns trösten Gegen Sünd und Tod Und ja nicht verzagen vor der Höllen Glut. Denn wir sind gerettet Aus all Fährlichkeit Durch Christ, unsern Herren, Globt in Ewigkeit. Kyrie eleison! Christe eleison! Kyrie eleison! ö 6. Darum wolln wir loben, Danken allezeit Dem Vater und dem Sohne und dem heilgen Geist. Bitten, daß er wolle Bhüten uns hinfort, Daß wir stätig bleiben Bei seinm heilgen Wort. Kyrie eleison! Christe eleison! Kyrie eleison! Herm. Bonnus, g. 1504, st. 1548 Mel. Herr Jesu Christ, meins ꝛc. S5. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist Und hast uns durch dein theures Blut Vor Gott gemacht gerecht und gut. 2. Und bitten dich, wahr Mensch und Gott, Durch deine heilgen Wunden roth, Er⸗ lös uns von dem ewgen Tod Und tröst uns in der letzten Noth. 3. Behüt uns auch vor Sünd und Schand Und reich uns dein allmächtge Hand, Daß wir im Kreuz geduldig sein, Uns trösten deiner schweren Pein; 4. Und schöpfen draus die Zuversicht, Daß du uns wirst verlassen nicht, Sondern ganz treulich bei uns stehn, Bis wir durchs Kreuz ins Leben gehn. Christoph Vischer, st. 1600. S6G. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, Daß man ein solch scharf Urtheil hat ge⸗ sprochen? Was ist die Schuld, in was für Missethaten Bist du gerathen? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, Ins An⸗ gesicht geschlagen und verhöh⸗ net, Du wirst mit Essig und mit Gall getränket, Ans Kreuz gehenket. 3. Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich ge⸗ schlagen! Ich, ach Herr Jesu, habe dies verschuldet, Was du erduldet! 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe; Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, Für seine Knechte. Passion. 57 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt: Der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt. Der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen: Du wirst ge⸗ fangen. 6. Ich war vom Fuß auf voller Schand und Sünden, Bis zu dem Scheitel war nichts Guts zu finden. Dafür hätt ich dort in der Hölle müssen Ewiglich büßen. 7. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, Die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden! 8. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, Wie kann ich gnugsam solche Treu ausbrei⸗ ten! Keins Menschen Herz vermag es auszudenken, Was dir zu schenken. 9. Ich kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, Wo⸗ mit doch dein Erbarmung zu vergleichen. Wie kann ich dir denn deine Liebesthaten Im Werk erstatten? 10. Doch ist noch etwas, das dir angenehme: Wenn ich des Fleisches Lüste dämpf nnd zähme, Daß sie aufs neu mein Herze nicht entzünden Mit alten Sünden. 11. Weil aber dies nicht steht in eignen Kräften, Fest die Begierden an das Kreuz zu heftern, So gieb mir deinen Geist, der mich regiere, Zum Guten führe. 58 Christi Leiden 12. Alsdann so werd ich deine Huld betrachten, Aus Lieb zu dir die Welt für nichts mehr achten; Bemühen werd ich mich, Herr, deinen Willen Stets zu erfüllen. 13. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, Kein Kreuz nicht achten, keine Schmach' noch Plagen, Nichts von Verfol⸗ gung, nichts von Todes⸗ schmerzen Nehmen zu Herzen. 14. Dies alles, obs für schlecht zwar ist zu schätzen, Wirst du es doch nicht gar bei⸗ seite setzen; In Gnaden wirst du dies von mir annehmen, Mich nicht beschämen. 15. Wann dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne Auf meinem Haupte stehn die Ch⸗ renkrone, Da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen. Joh. Heermann, g. 1585, st. 1647. Mel. Freu dich sehr, o meine ꝛc. 87. Jesu, deine tiefen Wunden, Deine Qual und bittrer Tod Geben mir zu allen Stunden Trost in Leibs⸗ und Seelennoth. Fällt mir etwas Arges ein, Denk ich gleich an deine Pein; Die erlaubet meinem Herzen Mit der Sünde nicht zu scherzen. 2. Will sich denn in Wol⸗ lust weiden Mein verderbtes Fleisch und Blut, So gedenk ich an dein Leiden; Bald wird alles wieder gut. Kommt der Satan und setzt mir Heftig und Sterben. zu, halt ich ihm für Deine Gnad und Gnadenzeichen; Bald muß er von dannen weichen. 3. Will die Welt mein Herze führen Auf die breite Wollust⸗ bahn, Da nichts ist als Jubi⸗ liren, Alsdann schau ich emsig an Deiner Marter Centner⸗ last, Die du ausgestanden hast. So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust ver⸗ treiben. 4. Ja für alles, was mich kränket, Geben deine Wunden Kraft; Wenn mein Herz hin⸗ ein sich senket, Krieg ich neuen Lebenssaft. Deines Trostes Süßigkeit Wendt in mir das bittre Leid, Der du mir das Heil erworben, Da du bist für mich gestorben. 5. Auf dich setz ich mein Vertrauen; Du bist meine Zuversicht. Dein Tod hat den Tod zerhauen, Daß er mich kann tödten nicht. Daß ich an dir habe Theil, Bringet mir Trost, Schutz und Heil; Deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. 6. Hab ich dich in meinem Herzen, Du Brunn aller Gü⸗ tigkeit, So empfind ich keine Schmerzen, Auch im letzten Kampf und Streit. Ich ver⸗ berge mich in dich. Wer kann da verletzen mich? Wer sich legt in deine Wunden, Der hat glücklich überwunden. Joh Heermann, g. 1585, st 1647. ——.FHn —— NA-—— Mel. Hilf Gott, daß mirs gelinge. SS. Wenn meine Sünd mich kränken, O mein Herr Jesu Christ, So laß mich wohl bedenken, Wie du ge⸗ storben bist Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heilgen Kreuzes Auf dich ge⸗ nommen hast. 2. O Wunder ohne Maßen, Wenn mans betrachtet recht! Es hat sich martern lassen Der Herr für seinen Knecht; Es hat sich selbst der wahre Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod! 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden; Die Schuld ist all⸗ zumal Bezahlt durch Christi theures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der Höl⸗ len Qual und Glut. 4. Drum sag ich dir von Herzen Jetzt und mein Le⸗ benlang Für deine Pein und Schmerzen, O Jesu, Lob und Dank, Für deine Noth und Angstgeschrei, Für dein un⸗ schuldig Sterben, Für deine Lieb und Treu. 5. Herr, laß dein bitter Lei⸗ den Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die sündliche Begier; Daß mir nie komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Solls auch sein Schmach und Spott, Hilf mir Passion. 59 geduldig tragen. Gieb, o mein Herr und Gott, Daß ich ver⸗ leugne diese Welt Und folge dem Exempel, Das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn Ei⸗ gennutz und Heuchelschein, Und, wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. 8. Laß endlich deine Wun⸗ den Mich trösten kräftiglich In meiner letzten Stunden Und deß versichern mich: Weil ich auf dein Verdienst nur trau, Du werdest mich an⸗ nehmen, Daß ich dich ewig schau. Just. Gesenius, g. 1601, st. 1671. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 89. Herr Jesu, deine Angst und Pein Und dein be⸗ trübtes Leiden Laß mir vor Augen allzeit sein, Die Sünde zu vermeiden. Laß mich an deine große Noth und deinen herben bitttern Tod, Dieweil ich lebe, denken. 2. Laß deiner Seele Höllen⸗ qual, Dein angstvoll blutig Schwitzen Und übrig Elend allzumal, Darin du mußtest sitzen, Mir oft und ernstlich fallen ein Und eine starke Warnung sein Vor allen Missethaten. 3. Die Wunden alle, die du hast, Hab ich dir helfen schla⸗ gen; Auch meine große Sün⸗ denlast Dir aufgelegt zu 7 60 Christi Leiden tragen. Ach, liebster Heiland, schone mein, Laß diese Schuld vergessen sein, Laß Gnad für Recht ergehen! 4. Du hast verlassen deinen Thron, Bist in das Elend gangen, Ertrugest Schläge, Spott und Hohn, Mußtest am Kreuze hangen, Auf daß du für uns schafftest Rath Und unsre schwere Missethat Bei Gott versöhnen möch— test. 5. Drum will ich jetzt zur Dankbarkeit Von Herzen dir lobsingen; Und wenn du zu der Seligkeit Mich künftig wirst hinbringen, So will ich daselbst noch vielmehr Zu⸗ samm dem ganzen Him⸗ melsheer Dich ewig dafür loben. 6. Herr Jesu, deine Angst und Pein Und dein betrübtes Leiden Laß meine letzte Zu⸗ flucht sein, Wenn ich von hier soll scheiden. Ach hilf, daß ich durch deinen Tod Fein sanft beschließe meine Noth Und selig sterbe. Amen! vor 1614. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 90. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder, Es geht und träget in Geduld Die Sünden aller Sünder; Es geht dahin, wird matt und krank, Ergiebt sich auf die Würgebank, Verzeiht sich aller Freuden; Es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, und Sterben. Kreuz und Tod Und spricht: Ich wills gern leiden. 2. Das Lämmlein ist der große Freund Und Heiland meiner Seelen: Den, den hat Gott zum Sündenfeind Und Sühner wollen wählen. „Geh hin, mein Kind, und nimm dich an Der Kinder, die ich ausgethan Zur Straf und Zornes Ruthen; Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß; Du kannst und sollst sie machen los Durch Sterben und durch Bluten.“ 3.„Ja, Vater, ja, von Herzensgrund, Leg auf, ich will dirs tragen. Mein Wol⸗ len hängt an deinem Mund, Mein Wirken ist dein Sa⸗ gen.“ O Wunderlieb! O Liebesmacht! Du kannst, was nie kein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen. O Liebe, Liebe, du bist stark, Du streckest den ins Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen! 4. Du marterst ihn am Kreuzesstamm Mit Nägeln und mit Spießen; Du schlach⸗ test ihn als wie ein Lamm, Machst Herz und Adern flie⸗ ßen; Das Herze mit der Seufzer Kraft, Die Adern mit dem edlen Saft Des pur⸗ purrothen Blutes. O süßes Lamm, was soll ich dir Er⸗ weisen dafür, daß du mir Er⸗ zeigest so viel Gutes! 5. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen; Dich will ich stets, gleich wie du mich, Mit Liebes⸗ armen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht; Und wenn mein Herz in Stücken bricht, Sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hier⸗ mit zu deinem Eigenthum Beständiglich verschreiben. 6. Ich will von deiner Lieb⸗ lichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Le⸗ bens soll sich dir Und deinem Namen für und für In Dank⸗ barkeit ergießen; Und was du mir zu gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächtniß schließen. 7. Erweitre dich, mein Herzensschrein, Du sollst ein Schatzhaus werden Der Schätze, die viel größer sein, Als Himmel, Meer und Er⸗ den. Weg mit den Schätzen dieser Welt Und allem, was dem Fleisch gefällt! Ich hab ein Bessres funden. Mein großer Schatz, Herr Jesu Christ, Ist dieses, was ge⸗ flossen ist Aus deines Leibes Wunden. 8. Das soll und will ich mir zu Nutz Zu allen Zeiten ma⸗ chen; Im Streite soll es sein mein Schutz, In Traurigkeit mein Lachen, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel, Und wann mir nichts mehr schmecken will, Soll mich dies Manna spei⸗ sen. Im Durst solls sein mein Wasserquell, In Einsamkeit Passion. 61 mein Sprachgesell, Zu Haus und auch auf Reisen. 9. Was schadet mir des Todes Gift? Dein Blut, das ist mein Leben. Wann mich der Sonne Hitze trifft, So kann mirs Schatten geben. Setzt mir des Wehmuths Schmer⸗ zen zu, So find ich bei dir meine Ruh, Wie auf dem Bett ein Kranker. Und wann des Kreuzes Ungestüm Mein Schifflein treibet um und um, So bist du dann mein Anker. 10. Wann endlich ich soll treten ein In deines Reiches Freuden, So soll dies Blut mein Purpur sein; Ich will mich darein kleiden. Es soll sein meines Hauptes Kron, In welcher ich will vor den Thron Des höchsten Vaters gehen, Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlge⸗ schmückte Braut An deiner Seite stehen. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Ach Herr, mich armen ꝛc. 91. O Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn! O Haupt, zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron! O Haupt, sonst schön gekrönet Mit höch⸗ ster Ehr und Zier, Jetzt aber hoch verhöhnet: Gegrüßet seist du mir! 2. Du edles Angesichte, Da⸗ vor sonst schrickt und scheut Das große Weltgewichte, Wie bist du so bespeit! Wie bist du so erbleichet; Wer hat dein Augenlicht, Dem sonst kein Licht nicht gleichet, So schänd⸗ lich zugericht? ö 3. Die Farbe deiner Wan⸗ gen, Der rothen Lippen Pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blassen Todes Macht Hat alles hingenommeu, Hat alles hingerafft, Und daher bist du kommen Von deines Leibes Kraft. 4. Nun, was du, Herr, er⸗ duldet, Ist alles meine Last; Ich, ich hab es verschuldet, Was du getragen hast. Schau her, hie steh ich Armer, Der Zorn verdienet hat, Gieb mir, o mein Erbarmer, Den An⸗ blick deiner Gnad! 5. Erkenne mich, mein Hü⸗ ter; Mein Hirte, nimm mich an. Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel Guts ge⸗ than. Dein Mund hat mich gelabet Mit Milch und süßer Kost, Dein Geist hat mich begabet Mit mancher Him⸗ melslust. 6. Ich will hier bei dir ste⸗ hen, Verachte mich doch nicht; Von dir will ich nicht gehen, Wann dir dein Herze bricht. Wann dein Haupt wird er⸗ blassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich fassen In meinen Arm und Schoß. 7. Es dient zu meinen Freu⸗ den Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich fin⸗ den soll. Ach möcht ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir Christi Leiden und Sterben. geben, Wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Her⸗ zen, O Jesu, liebster Freund, Für deines Todes Schmer⸗ zen, Da dus so gut gemeint. Ach gieb, daß ich mich halte Zu dir und deiner Treu, Und wann ich nun erkalte, In dir mein Ende sei. 9. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wann ich den Tod soll leiden, So tritt du dann her⸗ für. Wann mir am aller⸗ bängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in mei⸗ nem Tod Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreu⸗ zesnoth. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubens⸗ voll Dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paue Gerhardt, g. 1606, st. 1676, nach d. h. Bernh.(st. 1153) Salve caput orxuentatum. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 92. O Welt, sieh hier dein Leben Am Stamm des Kreuzes schweben; Dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschwereu Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße: Sein Leib ist ganz mit Schweiße Des Blutes überfüllt. Aus seinem edlen V u V Herzen Vor unerschöpften Schmerzen Ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschla⸗ gen, Mein Heil, und dich mit Plagen So übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder, Wie wir und unsre Kinder, Von Uebelthaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sün⸗ den, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget, Das Elend, das dich schläget, Und das betrübte Marterheer. 5. Ich bins, ich sollte büßen An Händen und an Füßen Gebunden in der Höll. Die Geißeln und die Banden, Und was du ausgestanden, Das hat verdienet meine Seel. 6. Du nimmst auf deinen Rücken Die Lasten, so mich drücken, Viel schwerer als ein Stein. Du wirst ein Fluch, dagegen Verehrst du mir den Segen; Dein Schmerzen muß mein Labsal sein. 7. Du setzest dich zum Bür⸗ gen, Ja lässest dich erwürgen Für mich und meine Schuld. Mir lässest du dich krönen Mit Dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit Geduld. 8. Du springst ins Todes Rachen, Mich frei und los zu machen Von solchem Unge⸗ heur. Mein Sterben nimmst du abe, Vergräbst es in dem Grabe. O unerhörtes Liebes⸗ feur! Passion. 63 9. Ich bin, mein Heil, ver⸗ bunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr. Was Leib und Seel vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit an deinen Dienst und Ehr. 10. Nun, ich kann nicht viel geben In diesem armen Leben; Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 11. Ich wills vor Augen setzen, Mich stets daran er⸗ götzen, Ich sei auch, wo ich sei. Es soll mir sein ein Spiegel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb und un⸗ verfälschten Treu. 12. Wie heftig unsre Sün⸗ den Den frommen Gott ent⸗ zünden, Wie Rach und Eifer gehn, Wie grausam seine Ruthen, Wie zornig seine Fluten, Will ich aus deinem Leiden sehn. 13. Ich will daraus studi⸗ ren, Wie ich mein Herz soll zieren Mit stillem, sanftem Muth, Und wie ich die soll lieben, Die mich doch sehr be⸗ trüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 14. Wenn böse Zungen stechen, Mir Glimpf und Namen brechen, So will ich zähmen mich; Das Unrecht will ich dulden, Dem Näch⸗ sten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. 15. Ich will ans Kreuz mich schlagen Mit dir und dem . * *** E 6⁴ Christi Leiden absagen, Was meinem Fleisch gelüst. Was deine Augen has⸗ sen, Das will ich fliehn und lassen, So viel mir immer möglich ist. 16. Dein Seufzen und dein Stöhnen Und die viel tau⸗ send Thränen, Die dir ge⸗ flossen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schoß und Hände Begleiten zu der ewgen Ruh. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Werde munter, meinGemüthe. 93. Sei mir tausendmal gegrüßet, Der mich je und je geliebt; Jesu, der du selbst gebüßet Das, womit ich dich betrübt. Ach wie ist mir doch so wohl, Wenn ich knien und liegen soll An dem Kreuze, da du stirbest und um meine Seele wirbest. 2. Ich umfange, herz und küsse Der gekränkten Wunden Zahl Und die purpurrothen Flüsse Deiner Füß und Nä⸗ gelmaal. O wer kann doch, schönster Fürst, Den so hoch nach uns gedürst, Deinen Durst und Liebsverlangen Völlig fassen und umfangen! 3. Heile mich, o Heil der Seelen, Wo ich krank und traurig bin; Nimm die Schmerzen, die mich quälen, Und den ganzen Schaden hin, Den mir Adams Fall ge⸗ bracht Und ich selber mir ge⸗ macht. Wird, o Arzt, dein Blut mich netzen, Wird sich all mein Jammer setzen. und Sterben. 4. Schreibe deine blutgen Wunden, Jesu, in mein Herz hinein, Daß sie mögen alle Stunden Bei mir unvergessen sein. Du bist doch mein schön⸗ stes Gut, Da mein ganzes Herze ruht. Laß mich hier zu deinen Füßen Deiner Lieb und Gunst genießen. 5. Diese Füße will ich hal⸗ ten, Auf das best ich immer kann. Schaue meiner Hände Falten Und mich selber freund⸗ lich an Von dem hohen Kreu⸗ zesbaum Und gieb meiner Bitte Raum, Sprich: Laß all dein Trauern schwinden, Ich, ich tilg all deine Sünden. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676, nach dem h. Bernhard, T 1153. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 9. Jesu, der du wollen büßen Für die Sünden aller Welt Durch dein theures Blut⸗ vergießen; Der du dich hast dargestellt Als ein Opfer für die Sünder, Die verdammten Adamskinder: Ach laß deine Todespein Nicht an mir ver⸗ loren sein! 2. Rette mich durch deine Plagen, Wenn mich meine Sünde plagt. Laß, ach laß mich nicht verzagen, Weil du selbst für mich gezagt. Hilf, daß mich dein Angstschweiß kühle, Wenn ich Drangsals⸗ hitze fühle. Ach laß deine Todespein Nicht an mir ver⸗ loren sein! 3. Mache mich durch deine Bande Von des Satans Ban⸗ —— SSSEENE S S GESSEGO — 6 Sn — W nnSEeH den frei. Hilf, daß dein er⸗ littne Schande Meine Kron und Ehre sei. Trost der See⸗ len, Heil der Erden, Laß mich nicht zu Schanden werden. Ach laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein. 4. Rede durch dein Stille⸗ schweigen, Liebster Jesu, mir das Wort, Wenn mich Sün⸗ den überzeugen Und verkla⸗ gen fort und fort, Wenn mein bös Gewissen schreiet Und mir mit Verdammniß dräuet. Ach laß deine Todes⸗ pein Nicht an mir verloren sein! 5. Laß mich Freudenrosen brechen, Liebster Jesu, meine Zier, Von den Dornen, die dich stechen. Jesu, nahe dich zu mir; Kröne mich mit Huld und Gnade, Daß kein Sün⸗ dendorn mir schade. Ach laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 6. Heile des Gewissens Striemen; Nimm von mir der Schmerzen Last Durch die Geißeln, durch die Riemen, Welche du gefühlet hast, Daß ich böser Knecht der Sünde Satans Streiche nicht em⸗ pfinde. Ach laß deine Todes⸗ pein Nicht an mir verloren sein! 7. Ach laß deine tiefen Wunden Frische Lebensbrun⸗ nen sein, Wenn mir alle Kraft verschwunden, Wenn ich Passion. 65⁵5 laden. Ach laß deine Todes⸗ pein Nicht an mir verloren sein! 8. Ach zerbrich des Eifers Ruthe, Ach erzeige Gnad und Huld. Tilge doch mit deinem Blute Meine schwere Sün⸗ denschuld. Laß mich in der Angst der Sünden Ruh in deiner Seite finden. Ach laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 9. Hilf, daß mir dein Dür⸗ sten nütze, Das am Kreuze dich geplagt. Wenn ich lechze, wenn ich schwitze, Wenn Ge⸗ wissensangst mich jagt, Laß mich deines Dursts genießen, Laß mir Lebensströme fließen. Ach laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 10. Jesu, komm, mich zu befreien Durch dein lautes Angstgeschrei. Wenn viel tau⸗ send Sünden schreien, Ach so steh mir Armen bei. Wenn mir Wort und Sprach ent⸗ fallen, Laß mich sanft von hinnen wallen. Laß mir deine Todespein Leben, Heil und Himmel sein. Joh. Franck, g. 1618, st. 1677. Mel. Nun laßt uns den Leib ꝛc. 95. Die Seele Christi heilge mich; Sein Geist ver⸗ senke mich in sich; Sein heil⸗ ger Leib, für mich verwundt, Der mach mir Leib und Seel gesund. schmacht in Seelenpein. In den Abgrund deiner Gnaden Senk all Schuld, die mich be⸗ 2. Das Wasser, welches auf den Stoß Des Speers aus seiner Seiten floß, Das sei — * ö Sei. —8 äwP— 66 Christi Leiden mein Bad, und all sein Blut Erquicke mir Herz, Sinn und Muth. 3. Der Schweiß von seinem Angesicht Laß mich nicht kom⸗ men ins Gericht. Sein ganzes Leiden, Kreuz und Pein, Das wolle meine Stärke sein. 4. O Jesu Christ, erhöre mich, Nimm und verbirg mich ganz in dich! Schließ mich in deine Wunden ein, Daß ich vorm Feind mag sicher sein. 5. Ruf mir in meiner letz⸗ ten Noth Und setz mich neben dich, mein Gott, Daß ich mit deinen Heilgen alln Laß ewig⸗ lich dein Lob erschalln. Joh. Scheffler, g. 1624, st. 1677. Nach d. h. Bernhard: Anima Christi sanctifica me. 96. O du Liebe meiner Liebe, Du erwünschte Selig⸗ keit, Die du dich aus höchstem Triebe In das jammervolle Leid Deines Leidens, mir zu gute, Als ein Schlachtschaf ein⸗ gestellt Und bezahlt mit deinem Blute Alle Missethat derWelt; 2. Liebe, die mit Schweiß und Thränen An dem Oel⸗ berg sich betrübt; Liebe, die mit Blut und Sehnen Un⸗ aufhörlich fest geliebt; Liebe, die mit allem Willen Gottes Zorn und Eifer trägt: Den, so niemand konnte stillen, Hat dein Sterben hingelegt. 3. Liebe, die mit starkem Herzen Alle Schmach und und Sterben. Liebe, die sich liebend zeiget, Als sich Kraft und Athem endt, Liebe, die sich liebend neiget, Als sich Leib und Seele trennt; 4. Liebe, die mit ihren Armen Mich zuletzt umfan⸗ gen wollt; Liebe, die aus Liebserbarmen Mich zuletzt in höchster Huld Ihrem Vater überlassen, Die selbst starb und für mich bat, Daß mich nicht der Zorn sollt fassen, Weil mich ihr Verdienst ver⸗ trat; 5. Liebe, die mit so viel Wunden Gegen mich, als seine Braut, Unaufhörlich sich verbunden Und auf ewig an⸗ vertraut: Liebe, laß auch meine Schmerzen, Meines Lebens Jammerpein In dem blutverwundten Herzen Sanft in dir gestillet sein. 6. Liebe, die für mich ge⸗ storben Und ein immerwäh⸗ rend Gut An dem Kreuzes⸗ holz erworben, Ach wie denk ich an dein Blut! Ach wie dank ich deinen Wunden, Du verwundte Liebe du, Wenn ich in den letzten Stunden Sanft in deiner Seiten ruh! 7. Liebe, die sich todt ge⸗ kränket Und für mein erkaltet Herz In ein kaltes Grab ge⸗ senket, Ach wie dank ich dei⸗ Lart Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, Daß ich ewig leben kann, Und der Hohn gehört; Liebe, die mit Seelen Heil erworben! Nimm Angst und Schmerzen Nicht mich ewig liebend an! der strengste Tod versehrt; Joh. Scheffler, g. 1624, fl. 1677. xiE EÆ — SFI. — ne“⸗ — W ——— E— S— 97. Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, Der du dich für mich ge⸗ geben In die tiefste Seelen⸗ noth, In das äußerste Ver⸗ derben, Nur daß ich nicht möchte sterben: Tausend, tau⸗ sendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 2. Du, ach du hast ausge⸗ standen Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, Du ge⸗ rechter Gottessohn, Mich Elenden zu erretten Von des Teufels Sündenketten. Tau⸗ send, tausendmal sei dir, Lieb⸗ ster Jesu, Dank dafür! 3. Du hast lassen Wunden schlagen, Dich erbärmlich rich— ten zu, Um zu heilen meine Plagen Und zu setzen mich in Ruh. Ach du hast zu meinem Segen Lassen dich mit Fluch belegen. Tausend, tausend⸗ mal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, Dich mit großem Schimpf belegt Und mit Dornen gar gekrönet. Was hat dich dazu bewegt? Daß du möchtest mich ergötzen, Mir die Ehrenkron aufsetzen. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 5. Du hast wollen sein ge⸗ schlagen Zur Befreiung mei⸗ ner Pein, Fälschlich lassen dich anklagen, Daß ich könnte sicher sein; Daß ich möchte trostreich prangen, Hast du Passion. send, tausendmal sei dir, Lieb⸗ ster Jesu, Dank dafür! 6. Du hast dich in Noth ge⸗ stecket, Hast gelitten mit Ge⸗ duld, Gar den herben Tod geschmecket, Um zu büßen meine Schuld; Daß ich würde losgezählet, Hast du wollen sein gequälet. Tausend, tau⸗ sendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 7. Deine Demuth hat ge⸗ büßet Meinen Stolz und Ue⸗ bermuth, Dein Tod meinen Tod versüßet. Es kommt alles mir zu gut; Dein Ver⸗ spotten, dein Verspeien Muß zu Ehren mir gedeihen. Tau⸗ send, tausendmal sei dir, Lieb⸗ ster Jesu, Dank dafür! 8. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesammte Noth. Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den her⸗ ben, bittern Tod, Für dein Zittern, für dein Zagen, Für dein tausendfaches Pla⸗ gen, Für dein Ach und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. Ernst Chr. Homburg, g. 1605, st. 1681. Mel. Christus, der uns selig macht. 98. Jesu, deine Passion Will ich jetzt bedenken. Wol⸗ lest mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, Wie du, unser Heil zu sein, Littest alle Schmerzen. 2. Meine Seele sehen mach sonder Trost gehangen. Tau⸗ Deine Angst und Bande, Deine ————— 68 Schläge, deine Schmach, Deine Kreuzesschande, Deine Geißel, Dornenkron, Speer⸗ und Nägelwunden Und den Tod, o Gottessohn, Den du hast empfunden. 3. Aber laß mich nicht al⸗ lein Deine Marter sehen; Laß mich auch die Ursach fein Und die Frucht verstehen. Ach die Ursach war auch ich, Ich und meine Sünde! Diese hat ge⸗ martert dich, Daß ich Gnade finde. 4. Jesu, lehr bedenken mich Dies mit Buß und Reue; Hilf, daß ich mit Sünde dich Martre nicht aufs neue. Sollt ich dazu haben Lust Und nicht wollen meiden, Was mein Heiland büßen mußt Mit so großen Leiden? 5. Wenn mich meine Sünde will Schrecken mit der Hölle: Jesu, mein Gewissen still, Dich ins Mittel stelle. Dich und deine Passion Laß mich gläubig fassen. Liebst du mich, o Gottes Sohn, Wie kann Gott mich hassen? 6. Gieb auch, Jesu, daß ich gern Dir das Kreuz nachtra⸗ ge, Daß ich Demuth von dir lern Und Geduld in Plage, Daß ich dir geb Lieb um Lieb. Judeß laß dies Lallen,— Bessern Dank ich dorten geb, — Jesu, dir gefallen. Siegm. v. Birken, g. 1625, st. 1681. Mel. Herr Jesu Christ, meins ꝛc. 99. Herr Jesu Christ, dein theures Blut Ist meiner Christi Leiden und Sterben. Seele höchstes Gut; Das stärkt, das labt, das macht allein Mein Herz von allen Sünden rein. 2. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, Dein Un⸗ schuld und Gerechtigkeit Macht, daß ich kann vor Gott bestehn Und zu der Himmelsfreud eingehn. 3. O Jesu Christe, Gottes Sohn, Mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron, Dein theures Blut, dein Le⸗ benssaft Giebt mir stets neue Lebenskraft. 4. Herr Jesu, in der letzten Noth, Wenn mich schreckt Teu⸗ fel, Höll und Tod, So laß ja dies mein Labsal sein: Dein Blut macht mich von Sünden rein. Joh. Olearius, g. 1611, st. 1684. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 100. So gehst du, Jesu, williglich Dein Leiden anzu⸗ treten, Mit heißen Thränen auch für mich Zu kämpfen und zu beten. Du, der du nichts verbrochen hast, Gehst hin, um aller Sünden Last Auf dich allein zu laden. Da schon das Schwert gezücket war, Stellst du dich seinen Streichen dar, Damit sie uns nicht schaden. 2. Du Held, der andern Stärke giebt, Was kann dich so erschüttern? Ach seine Seele wird betrübt, Des Helden Glieder zittern! Ach hinge⸗ sunken auf die Knie, Arbeitet er in schwerer Müh Und käm⸗ pfet im Gebete! Er wünscht den bangen Kampf verkürzt. Wer sieht dies, und wird nicht bestürzt? O schauervolle Stätte! 3. Gott, wie bist du so wun⸗ derbar In allen deinen Wer⸗ ken! Ein Knecht, ein Engel muß sogar Den Herrn vom Himmel stärken. Er ringt; von seinem Angesicht Trieft Schweiß. Ach wer entsetzt sich nicht! Für Schweiß trieft Blut zur Erden. Der du in reinster Unfchuld prangst, Wie konntest du von solcher Angst, O Herr, bestürmet werden? 4. Ach Herr, der Sünden⸗ knecht war ich! Ich sollte Blut⸗ schweiß schwitzen. Es sollten billig nur auf mich Der Rache Wetter blitzen. Ich Armer, wie entränn ich da! Vor Got⸗ tes Zorne müßt ich ja Ohn allen Trost versinken. Und da kommst du, daß du ihn stillst, Sohn Gottes; du, du selber willst Den ganzen Zornkelch trinken. 5. Heil mir! Der Sohn des Höchsten hat Für mich sich richten lassen. Gott, welch ein wundervoller Rath! Wer kann dein Thun doch fassen! Ach da uns Fluch und Rache drohn, Da richtet Gott für uns den Sohn, Den er uns selbst gegeben. Nun jauchze, Seele; du kommst nicht In Gottes schreckliches Gericht; Du dringst hindurch ins Leben. Passion. 69 6. Doch denk, um welchen theuren Preis Dein Heiland dich erkaufet. Für dich rang er im Todesschweiß, Für dich mit Blut getaufet. Ach Seele, sorge, daß dich nie Die Sünd in ihre Netze zieh, Nichts deine Treu erschüttre! Reizt dich das Fleisch, ach höre nicht! Schau hin ins furchtbare Gericht, Das Je⸗ sum traf, und zittre. Christ. Kortholt, g. 1633, st. 1694. Mel. Liebster Jesu wir sind hier. 101. Meine Seel, er⸗ muntre dich; Deines Jesu Lieb bedenke; Wie er für dich giebet sich, Darauf deine An⸗ dacht lenke. Ach erwäg die große Treue Und dich deines Jesu freue. 2. Sieh, der wahre Gottes⸗ sohn Ist für dich ans Holz ge⸗ hänget; Sein Haupt trägt die Dornenkron, Sein Leib ist mit Blut besprenget, Er läßt sich für dich verwunden. Wo ist größre Lieb gefunden! 3. Du, du solltest große Pein Ewig leiden in der Hölle Und von Gott verstoßen sein Wegen vieler Sündenfälle; Aber Jesus trägt die Sün⸗ den Und läßt dich Genade finden. 4. Durch sein Leiden ist ge⸗ stillt Deines Gottes Zorn und Rache. Er hat das Gesetz er⸗ füllt, Gut gemacht die böse Sache, Sünde, Teufel, Tod umschränket Und den Himmel dir geschenket. PP 2 66 V.. 5 — 2 70 5. Was zu thun, o liebes Herz? Wie sollst du dich recht anstellen? Jesu Leiden ist kein Scherz, Seine Liebe kein Ver⸗ stellen. Denke drauf, was dir oblieget Gegen den, der für dich sieget. 6. Ich kann nimmer, nim⸗ mermehr Das Geringste nur vergelten; Er verbindt mich allzusehr. Meine Trägheit muß ich schelten, Daß ich ihn so schlecht geliebet Und wohl gar mit Sünd betrü⸗ bet. 7. Was geschehen, soll nun nicht Hinfort mehr von mir geschehen. Mein Schluß sei nun fest gericht, Einen andern Weg zu gehen, Darauf ich nur Jesum suche Und, was ihn betrübt, verfluche. 8. Weg ihr Sünden, weg von mir! Euch kann ich an mir nicht leiden; Denn ihr würdet mich sonst hier Und dort ewig von dem scheiden, Ohne welchen ist kein Leben, Keine Gnade, kein Verge⸗ ben. 9. Du, mein Jesu, du, mein Heil, Dir will ich mich ganz verschreiben, Daß ich dir, als meinem Theil, Ewig will ge⸗ treu verbleiben, Dir zu leben, dir zu leiden, Dir zu sterben, dir zu meiden. 10. Du, mein Jesu, sollsi es sein, Den ich mir zum Zweck esetzet. Wie du mein, so wili ich dein Bleiben stets und un⸗ verletzet. Was du liebest, will Christi Leiden und Sterben. ich lieben, Und was dich, soll mich betrüben. 11. Was du willst, das sei mein Will, Dein Wort mei⸗ nes Herzens Spiegel. Wenn du schlägest, halt ich still. Dein Geist bleibt mein Pfand und Siegel, Daß ich soll den Him⸗ mel erben. Darauf kann ich fröhlich sterben. 12. Nun, so bleib es fest da⸗ bei: Jesus soll es sein und bleiben, Dem ich lebe, deß ich sei; Nichts soll mich von Jesu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht lassen; Ewig will ich dich umfassen. 13. Ist bereits schon jetzo hier Solche Freud und Ruh zu finden, Wenn im Glauben wir mit dir Uns, mein Jesu, recht verbinden; Schenkst du schon so viel auf Erden, Ei, was will im Himmel wer⸗ den! 14. Was für Lust und Sü⸗ ßigkeit, Was für Freud und Jubiliren, Was für Ruhe nach dem Streit, Was für Ehre wird uns zieren! Ewig, ewig werd ich loben, Wenn ich ganz zu Gott erhoben. 15. Ach ich freu mich alle Stund Auf dies freuden⸗ volle Leben; Danke dir mit Herz und Mund. Du, o Je⸗ su, hasts gegeben. Nur im Glauben laß michs halten, Und dein Kraft in mir stets walten. Joh. Casp. Schade, geb. 1666, st. 1698. Mel. Ich hab mein Sach Gott ꝛc. 102. Nun ist es alles wohlgemacht, Weil Jesus ruft: Es ist vollbracht! Der neigt sein Haupt, o Mensch, und stirbt, Der dir erwirbt Das Leben, das niemals ver⸗ dirbt. 2. Der Herr der Herrlich⸗ keit erbleicht, Der Lebensfürst, dem niemand gleicht. Was Wunder, daß die Erde kracht, Und es wird Nacht, Weil Gottes Sohn wird umge⸗ bracht! 3. Die Sonn verlieret ihren Schein, Des Tempels Vor⸗ hang reißet ein, Der Heilgen Gräber öffnen sich Ganz wun⸗ derlich, Sie stehen auf gar sichtbarlich. 4. Weil denn die Creatur sich regt, So werd, o Mensch, hierdurch bewegt. Ein Fels zerreißt, und du wirst nicht Durch dies Gericht Bewogen, daß dein Herze bricht? 5. Du bist ja Schuld, dies nimm in Acht, Daß Jesus ist ans Kreuz gebracht. Ihm, der für dich sein Leben gab, Folg in das Grab Und stirb dem Greul der Sünden ab. 6. Ach Vater, ach, dein ein⸗ ger Sohn Erbleicht am Kreuz mit Schmach und Hohn! Nun, dies geschieht für meine Schuld. Drum hab Geduld Hus. in Jesu Gnad und Huld. 7. Tödt, Jesu, selbst in mei⸗ ner Brust, Was sich noch findt Passion. 71 von böser Lust Und altem Menschen, daß ich streb Und mich erheb Gen Himmel und dir, Jesu, leb. 8. Ich will nun abgestorben sein Der Sünd und leben dir allein. Es hat dein Tod das Leben mir Gebracht herfür, an aufgethan die Himmels⸗ thür 9. O Jesu Christe, stärke mich In meinem Vorsatz kräf⸗ tiglich. Laß mich den Kampf so führen fort Nach deinem Wort, Daß ich die Kron er⸗ lange dort. 10. So will ich dich, Herr Jesu Christ, Daß du für mich gestorben bist, Von Herzen preisen in der Zeit Und nach dem Streit in Freud und Wonn in Ewigkeit. Laur. Laurentii, geb. 1660, st. 1722. 103. Der am Kreuz ist meine Liebe! Meine Lieb ist Jesus Christ! Weg ihr argen Seelendiebe, Satan, Welt und Fleischeslüst! Eure Lieb ist nicht von Gott; Eure Lieb ist gar der Tod. Der am Kreuz ist meine Liebe, Dem ich treu zu sein mich übe! 2. Der am Kreuz ist meine Liebe! Frevler, was befrem⸗ dets dich, Daß ich treu zu sein mich übe? Jesus gab sich selbst für mich. So ward er mein Friedeschild, Aber auch mein Lebensbild. Der am Kreuz ist meine Liebe, Dem ich treu zu sein mich übe! —— ö ——— — * 9. 72 Christi Leiden und Sterben. 3. Der am Kreuz ist meine Mel. Herr und Aeltster deiner ꝛe. Lebe! Sünde, du verlierst den Sturm. Weh mir, wenn ich dich betrübe, Der statt mei⸗ ner ward ein Wurm! Kreu⸗ zigt ich nicht Gottes Sohn? Trät ich nicht sein Blut mit Hohn? Der am Kreuz ist meine Liebe, Dem ich treu zu sein mich übe! 4. Der am Kreuz ist meine Liebe! Schweig, Gewissen, zage nicht! Gott zeigt seine Liebestriebe, Wenn dich Sünd und Tod anficht. Schau, es floß auch dir zu gut Seines Sohnes theures Blut. Der am Kreuz ist meine Liebe, Dem ich treu zu sein mich übe! 5. Der am Kreuz ist meine Liebe! Keine Noth, schwer, hart und groß, Hunger, Blö⸗ ße, Geißelhiebe, Nichts macht mich von Jesu los; Nicht Ge⸗ walt, nicht Gold, nicht Ruhm, Engel nicht, kein Fürstenthum. Der am Kreuz ist meine Lie⸗ be, Dem ich treu zu sein mich übe! 6. Der am Kreuz ist meine Liebe! Komm, Tod, komm, mein bester Freund! Wenn ich einst wie Staub zerstiebe, Werd mit Jesu ich vereint. Da, da schau ich Gottes Lamm, Meiner Seelen Bräutigam. Der am Kreuz ist meine Lie⸗ be, Dem ich treu zu sein mich übe! Joh. Menßer, fl. 1734. 104. Marter Gottes, wer kann dein vergessen, Der in dir sein Wohlsein findt! Unser Herze wünscht sich un⸗ terdessen Stets noch mehr zum Dank entzündt. Unsre Seele soll sich daran nähren, Unsre Ohren nie was Liebers hören; Alle Tage kommt er mir Schöner in dem Bilde für. 2. Tausend Dank, du unser treues Herze! Leib und Geist bet drüber an, Daß du unter Martern, Angst und Schmerze Hast genug für uns gethan. Laß dich jedes um so heißer lieben, Als es noch im Glau⸗ ben sich muß üben, Bis es einst, als deine Braut, Dich von Angesichte schaut. 3. Meine kranke und be⸗ dürftge Seele Eilet deinen Wunden zu. Da, da findet sie die sichre Höhle, Wo ihr fließen Fried und Ruh. Auf dein Kreuz, Herr, laß mich gläubig sehen; Laß dein Mar⸗ terbild stets vor mir stehen: So geht mir bis in mein Grab Nichts von deinem Frieden ab. 4. Die wir uns allhier bei⸗ sammen finden, Schlagen un⸗ sre Hände ein, Uns auf deine Marter zu verbinden, Dir auf ewig treu zu sein. Und zum Zeichen, daß dies Lob⸗ getöne Deinem Herzen ange⸗ nehm und schöne, Sage Amen und zugleich: Friede, Friede sei mit euch! Christ. Ren. v. Zinzendorf g. 1727. fl. 1752. —————.....“ n + R—7 IES7F7A 7 — Passion. 73 Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 105. Sünder, freue dich von Herzen Ueber deines Jesu Schmerzen. Laß bei sei⸗ nem Blutvergießen Süße Freudenthränen fließen. Er hat sich für dich gegeben. Such in seinem Tod das Leben. Un⸗ ter seinem Kreuz zu liegen, Sei dein größestes Vergnü⸗ gen. 2. Ach wie groß ist dein Ver⸗ derben! Ohne Jesum mußt du sterben. Blind und todt sind deine Kräfte, Sünde, das ist dein Geschäfte. Dein Ver⸗ dienst ist Zorn und Rache. Es ist aus mit deiner Sache; Ja, im Himmel und auf Erden Kann dir nicht geholfen wer⸗ den. 3. Nichts als Jesu Blutver⸗ gießen Konnte deine Schul⸗ den büßen. Den der Dornen⸗ kranz gekrönet, Gott im Fleisch hat dich versöhnet. Seine Thränen, Schweiß und Wun⸗ den Haben Rath für dich ge⸗ funden; Und ihm bleibt allein die Ehre, Daß er deinen Tod zerstöre. 4. Fühlst du nun die Macht der Sünden, Wie sie deine Seele binden, Wie sie dein Gewissen quälen, Wie der Jammer nicht zu zählen: O so komm mit deinen Ketten! Wag es nicht, dich selbst zu retten. Jesu Blut muß auf dich fließen, So wirst du das Heil genießen. 5. Sünder macht derHeiland selig. Sein Erbarmen ist un⸗ zählig. Er giebt Buße, er giebt Glauben, Er läßt auch die Lahmen rauben. Wer sich nur will retten lassen, Der soll das Vertrauen fassen: Al⸗ les Heil in Christi Wunden Hab ich schon umsonst gefun⸗ den. 6. Glaube nur dem Wort der Gnaden, So ist deinem Seelenschaden Schon gehol⸗ fen, und die Liebe Schafft in dir ganz neue Triebe. Sind die Sünden erst vergeben, So kannst du auch heilig leben, Und der Gnade treues Wal⸗ ten Wird dich fördern und er⸗ halten. 7. O so gieb dem Sohn die Ehre, Daß ihm aller Ruhm gehöre. Suche nicht erst zu verdienen, Was am Kreuz vollbracht erschienen. Suche nicht, was schon gefunden, Preise fröhlich seine Wun⸗ den Und bekenn es bis zum Grabe, Daß er dich erlöset habe. E. Gottl. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig. 106. Ruhe hier, mein Geist, ein wenig Und schau an dies Wunder groß, Wie dein Herr und Ehrenkönig Hängt am Kreuze bleich und bloß, Den sein Lieben Hat getrieben Zu dir aus des Vaters Schoß. 2. Wie dich Jesus liebt von Herzen, Kannst du hier am Kreuze sehn. Schau, wie bittre Todesschmerzen Ihm durch *—— 0 Sr X. 4 74 Christi Leiden und Sterben. Leib und Seele gehn. Fluch und Schrecken Ihn bedecken. Höre doch sein Klaggetön. zu gut? Soll dein Feind er⸗ löset werden Durch dein ei⸗ gen Herzensblutꝰ Ich muß 3. Dies sind meiner Sün⸗ schweigen Und mich beugen den Früchte; Die, mein Hei⸗ land, ängsten dich. Dieser Leiden schwer Gewichte Sollt zum Abgrund drücken mich. Diese Nöthen, Die dich töd⸗ ten, Sollt ich fühlen ewig⸗ lich.— 4. Doch du hast für mich be⸗ sieget Sünde, Tod und Höl⸗ lenmacht, Gottes ewgemRecht genüget, Seinen Willen ganz vollbracht Und mir eben Zu dem Leben Durch dein Ster⸗ ben Bahn gemacht. 5. Ach ich Sündenkind der Erden! Jesu, stirbst du mir Für dies unverdiente Gut. 6. Seel und Leben, Leib und Glieder, Alles giebst du für mich hin. Sollt ich dir nicht schenken wieder Alles, was ich hab und bin? Ich bin deine Ganz alleine; Dir ver⸗ schreib ich Herz und Sinn. 7. Zeuch durch deines To⸗ des Kräfte Mich in deinen Tod hinein. Laß mein Fleisch und sein Geschäfte, Herr, mit dir gekreuzigt sein, Daß mein Wille Werde stille, Und die Liebe heiß und rein. Gerh. Terstegen, g. 1697, st. 1769. Christus im Grabe. 107. O Traurigkeit, O Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen? Gott des Vaters einig Kind Wird ins Grab getragen. 2. O große Noth! Gott Sohn liegt todt! Am Kreuz ist er gestorben; Hat dadurch das Himmelreich Uns aus Lieb erworben. 3. O Menschenkind! Nur deine Sünd Hat dieses an⸗ gerichtet, Da du durch die Missethat Warest ganz ver⸗ nichtet. 4. Dein Bräutigam, Das Gotteslamm, Liegt hier mit Blut beflossen, Welches er ganz mildiglich Hat für dich vergossen. 5. O süßer Mund! O Glau⸗ bensgrund! Wie bist du doch zerschlagen! Alles, was auf Erden lebt, Muß dich ja be⸗ klagen. 6. O lieblich Bild, Schön, zart und mild, Du Schmerz⸗ sohn der Jungfrauen! Nie⸗ mand kann dein heißes Blut Sonder Reu anschauen. 7. O selig ist Zu aller Frist, Der dieses recht bedenket, Wie der Herr der Herrlichkeit Wird ins Grab versenket. 8. O Jesu, du Mein Hülf und Ruh, Ich bitte dich mit Thränen: Hilf, daß ich mich bis ins Grab Nach dir möge sehnen. Joh. Rist, g. 1607, ft. 1667. ——5——— Ostern. 75⁵5 Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid. 108. So ruhest du, O meine Ruh, In deiner Gra⸗ beshöhle Und erweckst durch deinen Tod Meine todte Seele. 2. Man senkt dich ein Nach vieler Pein, Du, meines Le⸗ bens Leben. Dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. Ach bist du kalt, Mein Aufenthalt? Das macht die heiße Liebe, Die dich in das kalte Grab Durch ihr Feuer triebe. 4. O Lebensfürst, Ich weiß, du wirst Mich wieder aufer⸗ wecken. Sollte denn mein gläubig Herz Vor der Gruft erschrecken? 5. Sie wird mir sein Ein Kämmerlein, Da ich auf Ro⸗ sen liege, Weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab besiege. 6. Gar nichts verdirbt, Der Leib nur stirbt; Doch wird er auferstehen Und in ganz ver⸗ klärter Zier Aus dem Grabe gehen. 7. Indeß will ich, Mein Jesu, dich In meine Seele senken Und an deinen bittern Tod Bis zum Tod gedenken. Salomo Franck, g. 1659, st. 1725. VIII. Christi Ankerstehung, Ostern. 109. Christ ist erstan⸗ den Von der Marter alle! Deß sollen wir alle froh sein; Christus will unser Trost sein. Kyrieleis! 2. Wär er nicht erstanden, So wär die Welt vergangen. Seit daß er erstanden ist, So lobn wir den Herren Jesum Christ. Kyrieleis! 3. Hallelujah! Hallelujah! Hallelujah! Deß sollen wir alle froh sein; Christus will unser Trost sein. Kyrieleis! Aus dem 12. Jahrhundert. 110. Christus ist erstan⸗ den Von des Todes Banden. Deß freuet sich der Engel Schaar, Singend im Himmel immerdar: Hallelujah! 2. Der für uns sein Leben In den Tod gegeben, Der ist nun unser Osterlamm, Deß wir uns freuen allesammt. Hallelujah! 3. Der am Kreuz gehangen, Kein Trost konnt erlangen, Der lebet nun in Herrlichkeit, Uns zu vertreten stets bereit. Hallelujah! 4. Der so ganz verschwiegen Zur Höllen gestiegen, Den wohlgerüsten Starken band, Der wird nun in der Höh er⸗ kannt. Hallelujah! —.. SI II— — — R 5. Der da lag begraben, Der ist nun erhaben; All sein Thun wird kräftig erweist Und in der Christenheit ge⸗ preist. Hallelujah! 6. Er läßt uns verkünden Vergebung der Sünden, Und wie man sie durch rechte Buß Nach seiner Ordnung suchen muß. Hallelujah! 7. O Christe, Osterlamm, Speis uns heut allesammt! Nimm weg all unser Misse⸗ that, Daß wir dir singen früh und spat: Hallelujah! Boͤhmische Brüder. 111. Cyrist lag in To⸗ desbanden, Für unser Sünd gegeben; Der ist wieder er⸗ standen Und hat uns bracht das Leben. Deß wir sollen fröhlich sein, Gott loben und ihm dankbar sein Und singen: Hallelujah! Hallelujah! 2. Den Tod niemand be⸗ zwingen konnt Bei allen Men⸗ schenkindern. Das machte alles unser Sünd, Kein Un⸗ schuld war zu finden. Davon kam der Tod sobald Und nahm auch über uns Gewalt, Hielt uns in seinm Reich gfangen. Hallelujah! 3. Jesus Christus, wahr Gottes Sohn, An unser Statt ist kommen Und hat die Sün⸗ de abgethan, Damit dem Tod genommen All sein Recht Christi Auferstehung. 4. Es war ein wunderlicher Krieg, Da Tod und Leben rungen. Das Leben, das be⸗ hielt den Sieg, Es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das, Wie da ein Tod den andern fraß; Ein Spott ausm Tod ist worden. Hallelujah! 5 Hier ist das rechte Oster⸗ lamm, Davon wir sollen le⸗ ben, In den Tod an des Kreu⸗ zes Stamm Aus heißer Lieb gegeben. Deß Blut zeichnet unser Thür; Das hält der Glaub dem Tode für. Der Würger kann uns nicht rüh⸗ ren. Hallelujah! 6. So feiern wir das hohe Fest Mit Herzens⸗Freud und Wonne, Das uns der Herr erscheinen läßt. Er selber ist die Sonne, Der durch seiner Gnaden Glanz Erleuchtet un⸗ ser Herzen ganz. Der Sündn Nacht ist vergangen. Halle⸗ lujah! 7. Wir essen nun und leben wohl, Zum süßen Brod ge⸗ laden. Der alte Sauerteig nicht soll Sein bei dem Wort der Gnaden. Christus selbst die Kost will sein Und speisen unser Seel allein; Der Glaub will keins andrn leben. Halle⸗ lujah! Martin Luther, g. 1483, st. 1546. 112. Jesus Christus, un⸗ und sein Gewalt. Da bleibet nichts, denn Todsgestalt: Den Stachl hat er verloren. Halle⸗ lujah! ser Heiland, Der den Tod überwand, Ist auferstanden; Die Sünd hat er gefangen. Kyrie eleison! ——— 42.—.——2— — ⏑— L R KEE nu —2 2. Der ohn Sünden war ge⸗ boren, Trug für uns Gottes Zorn; Hat uns versöhnet, Daß uns Gott sein Huld gön⸗ net. Kyrie eleison! 3. Tod, Sünd, Teufel, Le⸗ ben und Gnad, Alls in Hän⸗ den er hat, Er kann erretten Alle, die zu ihm treten. Ky⸗ rie eleison! Luther, g. 1483, st. 1546. 113. Erschienen ist der herrlich Tag, Dran niemand sich gnug freuen mag; Christ, unser Herr, heut triumphirt, All sein Feind er gefangen führt. Hallelujah! 2. Die alte Schlang, auch Sünd und Tod, Die Höll, all Jammer, Angst und Noth Hat überwunden Je⸗ sus Christ, Der heut vom jah! erstanden ist. Hallelu⸗ jah! 3. An einem Sabbath ka⸗ men sie, Die Weiber hin, zum Grabe früh, Zu salben da des Menschen Sohn, Der von dem Tod erstanden schon. Halle⸗ lujah! 4. Wen sucht ihr da? der Engel sprach. Christ ist er⸗ standen, der hie lag; Seht die Schweißtücher liegen dort; Geht, sagts den Jüngern all sofort. Hallelujah! 5. Der Jünger Furcht und Herzeleid Wird heut verkehrt in eitel Freud; Sobald sie nur den Herren sehn, Muß alles Trauern bald vergehn. Hallelujah! Ostern. Hallelujah! 77 6. Der Herre hält ein schön Gespräch Mit zween Jüngern auf dem Weg. Vor Freud das Herz im Leib ihn brannt; Im Brodbre⸗ chen wird er erkannt. Halle⸗ lujah! 7. Der rechte Simson, un⸗ ser Held, Christus, den star⸗ ken Löwen fällt. Der Höllen Pforten er hinträgt, Dem Teufel sein Gewalt er legt. Hallelujah! 8. Jonas im Wallfisch war drei Tag; So lang im Grab auch Christus lag. Der Tod ihn länger keine Stund In seinem Rachen halten konnt. Hallelujah! 9. Der Tod da seinen Raub verlor; Das Leben siegt und kam empor. Zerstört ist nun des Todes Macht; Christ hat das Leben wiederbracht. Hal⸗ lelujah! 10. Erlöset aus der Feinde Hand, Gehn wir ins rechte Vaterland Und können hier in Brod und Wein Des rech⸗ ten Osterlamms uns freun. Hallelujah! 11. Auch denken wir der süßen Brod, Die Moses Got⸗ tes Volk gebot. Kein Sauer⸗ teig soll bei uns sein, Daß wir von Sünden leben rein. Hallelujah! 12. Der Würgengel vor⸗ über geht, Kein Erstgeburt er bei uns schlägt. Des Herzens Thür hat Christi Blut Be⸗ sprenget; das hält uns in Hut. — 222 2 * . —2 13. Die Sonn, die Erd, all Creatur, Und was betrübet war zuvor, Das freut sich heut an diesem Tag: Der Fürst der Welt darnieder lag. Hallelujah! 14. Drum wir auch billig fröhlich sein, Das Hallelujah singen fein Und loben dich, Herr Jesu Christ; Zu Trost du uns erstanden bist. Halle⸗ lujah! Nicol. Hermann, st. 1561. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 114. Heut triumphiret Gottes Sohn, Der von dem Tod erstanden schon, Mit roßer Macht und Herrlich⸗ eit; Deß dankn wir ihm in Ewigkeit. Hallelujah! 2. Dem Teufel hat er seine Macht Zerstört, verheert mit großer Kraft, Wie pflegt zu thun ein starker Held, Der seinen Feind gewaltig fällt. Hallelujah. 3. O süßer Herre Jesu Christ, Der du der Sünder Heiland bist, Führ uns durch dein Barmherzigkeit Mit Freuden in dein Herrlichkeit. Hallelujah! 4. Hier ist doch nichts, denn Angst und Noth. Wer glau⸗ bet und hält dein Gebot, Der Welt ist er ein Hohn und Spott, Muß leiden oft ein schnöden Tod. Hallelujah! 5. Nun kann uns kein Feind schaden mehr, Ob er gleich murret noch so sehr; Er liegt im Koth, der arge Feind, Da⸗ Christi Auferstehung. gegen wir Gottes Kinder sind. Hallelujah! 6. Dafür danken wir alle gleich Und sehnen uns ins Himmelreich. Es ist am End. Gott helf uns all, So singen wir mit großem Schall: Hal⸗ lelujah! 7. Gott Vater in dem höch⸗ sten Thron, Sammt seinem eingebornen Sohn, Dem heil⸗ gen Geist in gleicher Weis In Ewigkeit sei Lob und Preis. Hallelujah! Basil. Fortsch, st. 1619. Dieser Gesang hat auch eine eigne Weise mit zweimaligem Hallelujah nach je zwei Strophen. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 115. Früh morgens, da die Sonn aufgeht, Mein Hei⸗ land Christus aufersteht. Ver⸗ trieben ist der Sünden Nacht; Licht, Heil und Leben wieder⸗ bracht. Hallelujah! 2. Wenn ich oft lieg in Nacht und Noth, Verschlossen, gleich als wär ich todt, Läßt du mir früh die Gnadensonn Auf⸗ gehn, nach Trauern Freud und Wonn. Hallelujah! 3. Nicht mehr, als nur drei Tage lang Mein Heiland bleibt im Todeszwang; Am dritten Tag durchs Grab er dringt, Mit Ehren sein Siegsfähnlein schwingt. Hal⸗ lelujah! 4. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt Mit Schmach am Krenz gefangen hält; Drauf folgt der Sabbath in dem Ostern. Grab, Darin ich Ruh und Frieden hab. Hallelujah! 5. In Kurzem wach ich fröh⸗ lich auf; Mein Ostertag ist schon im Lauf. Ich wach auf durch des Herren Stimm, Veracht den Tod mit seinem Grimm. Hallelujah! 6. Am Kreuz läßt Christus öffentlich Vor allem Volke tödten sich. Da er durchs To⸗ des Kerker bricht, Läßt ers die Menschen sehen nicht. Hallelujah! 7. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, Kein groß Ge⸗ präng ihm hier gefällt. Was schlecht und niedrig geht her⸗ ein, Soll ihm das Allerliebste sein. Hallelujah! 8. Hier ist noch nicht ganz kund gemacht, Was er uns aus dem Grab gebracht, Der große Schatz, die reiche Beut, Drauf sich ein Christ so herz⸗ lich freut. Hallelujah! 9. Der jüngste Tag wird zeigen an, Was er für Tha⸗ ten hat gethan, Wie er der Schlangen Kopf zertritt, Die Höll zerstört, den Tod zer⸗ drückt. Hallelujah! 10. O Wunder groß! O starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angst⸗ stein liegt so schwer auf mir, Er wälzt ihn von des Herzens Thür. Hallelujah! 11. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Wenn 79 Gnug, daß ich Christum bei mir hab. Hallelujah! 12. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; Sterb ich, so nimmt er mich zu sich. Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, Weil ich ein Glied seins Lei⸗ bes bin. Hallelujah! 13. Durch seiner Aufer⸗ stehung Kraft Komm ich zur Engel⸗Brüderschaft. Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, Die Feindschaft ist ganz ab⸗ gelehnt. Hallelujah! 14. Mein Herz darf nicht entsetzen sich: Gott und die Engel lieben mich. Die Freu⸗ de, die mir ist bereit, Ver⸗ treibet Furcht und Traurig⸗ keit. Hallelujah! 15. Für diesen Trost, o gro⸗ ßer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Dort wollen wir auf bessre Weis Erheben deinen Ruhm und Preis. Hallelujah! Joh. Heermann, g. 1585, st. 1647. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag 116. Triumph! Tri⸗ umph! Es kommt mit Pracht Der Siegesfürst heut aus der Schlacht. Wer seines Reiches Unterthan, Schau heute sein Triumphfest an. Hallelujah! 2. Vor Freuden Thal und Wald erklingt, Die Erde fri⸗ sches Blumwerk bringt; Ihr schöner Schmuck zu dieser Frist Zeugt, daß ihr Schöpfer mir gleich alle Welt stürb ab: Sieger ist. Hallelujah! . ** .... 80⁰ Christi Auferstehung. 3. Die Sonne sich aufs schönste schmückt Und wieder durch das Blaue blickt. Die vor so schwarz im Trauerkleid Beschaut den blutgen Todes⸗ streit. Hallelujah! 4. Das stille Lamm jetzt nicht mehr schweigt, Sich mu⸗ thig als ein Löw erzeigt; Kein harter Fels ihn hält und zwingt, Grab, Siegel, Rie⸗ gel vor ihm springt. Halle⸗ lujah! 5. Der andre Adam heut erwacht Nach seiner harten Todesnacht; Aus seiner Sei⸗ ten er erbaut Uns, seine theur erlöste Braut. Hallelujah! 6. Wie Aarons Ruthe schön ausschlug, Am Morgen Blüth und Mandeln trug: So trä⸗ get Frucht der Seligkeit Des Hohenpriesters Leichnam heut. Hallelujah! 7. Nun ist die Heiligkeit er⸗ kämpft, Der Sünde Pest und Gift gedämpft. Der schweren Handschrift Fluch und Bann Vertilgt er, der mir helfen kann. Hallelujah! 8. Du, liebe Seel, bist aus⸗ gebürgt, Der höllische Tyrann erwürgt; Sein Raubschloß und geschworne Rott Ist ganz verheert, der Tod ein Spott. Hallelujah! 9. Herr Jesu, wahrer Sie⸗ gesfürst, Wir glauben, daß du schenken wirst Uns deinen Frieden, den du bracht Mit aus dem Grab und aus der Schlacht. Hallelujah! 10. Triumph! Triumph! Dich ehren wir Und wollen mit dir kämpfen hier, Daß wir als Reichsgenossen dort Dir folgen durch die Sieges⸗ pfort. Hallelujah! Benjam Prätorius, um 1659. 117. Jesus, meine Zu⸗ versicht Und mein Heiland, ist im Leben. Dieses weiß ich: sollt ich nicht Darum mich zu⸗ frieden geben, Was die lange Todesnacht Mir auch sür Ge⸗ danken macht? 2. Jesus, er, mein Heiland, lebt; Ich werd auch das Le⸗ ben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt: Warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoff⸗ nung Band Zu genau mit ihm verbunden; Meine starke Glaubenshand Wird in ihn gelegt befunden, Daß mich auch kein Todesbann Ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Asche werden; Das gesteh ich; doch wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich in der Herr⸗ lichkeit Um ihn sein mög alle⸗ zeit. 5. Dann wird diese meine Haut Mich umgeben, wie ich gläube; Gott wird werden angeschaut Dann von mir in diesem Leibe; Und in diesem Fleisch werd ich Jesum sehen ewiglich. —22955. 8—9828—8——1.2—..—4F————— —S ·. ————— — — Ostern. 6. Dieser meiner Augen Licht Wird ihn, meinen Hei⸗ land, kennen. Ich, ich selbst, kein Fremder nicht, Werd in seiner Liebe brennen; Nur die Schwachheit um und an Wird von mir sein abgethan. 7. Was hier kranket, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd ich ausgesät, Himmlisch werd ich auferstehen; Hier geh ich natürlich ein, Nachmals werd ich geistlich sein. 8. Seid getrost und hoch er⸗ freut, Jesus trägt euch, seine Glieder! Gebt nicht Statt der Traurigkeit! Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, Wann einst die Posaun er⸗ klingt, Die auch durch die Gräber dringt. 9. Lacht der finstern Erden⸗ kluft! Lacht des Todes und der Höllen! Denn ihr sollt euch durch die Luft Eurem Heiland zugesellen. Dann wird Schwachheit und Ver⸗ druß Liegen unter eurem Fuß. 10. Nur, daß ihr den Geist erhebt Von den Lüsten dieser Erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beige⸗ fügt wollt werden. Schickt das Herze dahinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein. Louise Henriette, Kurfürstin von Branden⸗ burg, g. 1627, st. 1667. Mel. Nun lob, mein Seel, den ꝛc. 118. Auf, auf, mein Geist, danksage Dem Vater, 81 der sein liebes Kind Hat an dem dritten Tage Erwecket! Seine Feinde sind Zum Sche⸗ mel hingeleget; Des Aller⸗ höchsten Sohn, Der Lebens⸗ fürst, jetzt träget Den Freu⸗ densieg davon. Heil uns! Uns, seinen Brüdern, Der Herr den Sieg erringt; Vom Haupte zu den Gliedern Nun göttlich Leben dringt. 2. Wie goldne Himmels⸗ flammen Die Engel leuchten für und für. Kommt Haupt und Leib zusammen, Wer kann aussprechen solche Zier! Mir weicht der Engel Orden; Des höchsten Vaters Sohn, Der ist mein Bruder worden Und sitzet auf dem Thron. Vor dem die Engel stehen Zu seinem Dienst bereit, Den werd ich dort ansehen In sei⸗ ner Herrlichkeit. 3. Auf meinem Grabe ste⸗ het, Der mein Herr und Er⸗ löser ist. Wenn mein Gesicht vergehet, So lebet doch mein Jesus Christ. Der läßt sein Kind nicht stecken Im bittern Todesschlund; Er wird mich schon erwecken, Wenn kommt die rechte Stund. Ich geh in vollen Freuden, Den Tod mein Herz veracht; Mein Herr wird mich bekleiden Mit neuer Himmelspracht. 4. Wann soll ich nach Ver⸗ langen, O Jesu, schönstes Le⸗ benslicht, Vor deinem Throne prangen Und stets dein klares Augesicht In voller Freud er⸗ blicken? O selig ist die Zeit, 6 — — 2 4 7 —— 8² Christi Auferstehung. Wann er mich wird hinrücken Zu seiner Herrlichkeit. Auf auf, laßt uns von hinnen Zum Himmel gehen ein Und mit dem Geist und Sinnen Bei Jesu ewig sein! Joh. Maukisch. g. 1617, st. 1669. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛe. 119. O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel thun, Wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg So herrlich hat nach diesem Krieg Durch Je⸗ sum Christ gegeben! 2. Wie sträubte sich die alte Schlang, Da Christus mit ihr kämpfte. Mit List und Macht sie auf ihn drang; Je⸗ dennoch er sie dämpfte. Ob sie ihn in die Fersen sticht, So sieget sie darum doch nicht: Der Kopf ist ihr zer⸗ treten. 3. Lebendig Christus kommt hervor; Die Feind nimmt er gefangen, Zerbricht der Höl⸗ len Schloß und Thor, Trägt weg den Raub mit Prangen. Nichts ist, das in dem Sie⸗ geslauf Den starken Held kann halten auf; Alls liegt da über⸗ wunden. 4. Des Todes Gift, der Höl⸗ len Pest Ist unser Heiland worden. Wenn Satan auch noch ungern läßt Vom Wü⸗ then und vom Morden Und, da er sonst nichts schaffen kann, get an, So ist er doch ver⸗ worfen. 5. Des Herren Rechte, die behält Den Sieg und ist er⸗ höhet; Des Herren Rechte mächtig fällt, Was ihr ent⸗ gegen stehet. Tod, Teufel, Höll und alle Feind Durch Christi Sieg gedämpfet sind; Ihr Zorn ist kraftlos wor⸗ den. 6. Es war getödtet Jesus Christ, Und sieh, er lebet wie⸗ der. Weil nun das Haupt er⸗ standen ist, Stehn wir auch auf, die Glieder. So jemand Christi Worten gläubt, Im Tod und Grabe der nicht bleibt; Er lebt, ob er gleich stirbet. 7. Wer täglich hier durch wahre Reu Mit Christo auf⸗ erstehet, Ist dort vom andern Tode frei; Derselb ihn nicht angehet. Genommen ist dem Tod die Macht, Unschuld und Leben wiederbracht Und un⸗ vergänglich Wesen. 8. Das ist die rechte Oster⸗ beut, Der wir theilhaftig wer⸗ den: Fried, Freude, Heil, Ge⸗ rechtigkeit Im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, Bis unser Leib wird ähnlich dort Christi verklärtem Leibe. 9. Der alte Drach mit sei⸗ ner Rott Hingegen wird zu Schanden; Erlegt ist er mit Schimpf und Spott, Da Chri⸗ stus ist erstanden. Des Haup⸗ tes Sieg der Glieder ist, Nur Tag und Nacht uns kla- Drum kann mit aller Macht &S AMÆE... SESUO 866 E Ostern. 83 und List mehr schaden. UnsSatan nicht Zusam mt demedlen Gut, So mir durch Jesum Christ, Aus 10. O Tod, wo ist dein Sta⸗ Lieb erworben ist. chel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel thun, Wie grau⸗ sam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sie gegeben! Justus Gesenius, g. 1601, st. 1671. 120. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden Nimm wahr, was heut geschicht! Wie kommt nach großem Lei⸗ den Nun ein so großes Licht! Mein Heiland war gelegt Da, wo man uns hinträgt, Wenn von uns unser Geist Gen Himmel ist gereist. 2. Er war ins Grab gesen⸗ ket, Der Feind trieb groß Ge⸗ schrei. Eh ers vermeint und denket, Ist Christus wieder frei Und ruft: Victoria! Schwingt fröhlich hie und da Sein Fähnlein als ein Held, Der Feld und Muth behält. 3. Der Held steht auf dem Grabe Und sieht sich munter um; Der Feind liegt und legt abe Gift, Gall und Unge⸗ stüm. Er wirft zu Christi Fuß Sein Höllenreich und muß Selbst in des Siegers Band Ergeben Fuß und Hand. En Das ist mir anzuschauen in ö Sieg fahr. So herrlich hat in diesem Krieg Durch Jesum Christ 5. Die Höll und ihre Rot⸗ ten, Die krümmen mir kein Haar. Der Sünden kann ich spotten, Bleib allzeit ohn Ge⸗ Der Tod mit seiner Macht Wird schlecht bei mir geacht: Er bleibet Todes Bild, Und wär er noch so wild. 6. Die Welt ist mir ein La⸗ chen Mit ihrem großen Zorn, Sie zürnt und kann nichts machen, All Arbeit ist ver⸗ lorn. Die Trübsal trübt mir nicht Mein Herz und Ange⸗ sicht; Das Unglück ist mein Glück, Die Nacht mein Son⸗ nenblick. 7. Ich hang und bleib auch hangen An Christo als ein Glied; Wo mein Haupt durch ist gangen, Da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, Durch Welt, durch Sünd und Noth; Er reißet durch die Höll, Ich bin stets sein Gesell. 8. Er dringt zum Saal der Ehren, Ich folg ihm immer nach Und darf mich gar nicht kehren An einzig Ungemach. Es tobe, was da kann, Mein Haupt nimmt sich mein an; Mein Heiland ist mein Schild, Der alles Toben stillt. 9. Er bringt mich an die rechtes Freudenspiel. Pforten, Die in den Himmel Nun soll mir nicht mehr führt, Daran mit güldnen grauen Vor allem, was mir Worten Der Reim gelesen will Benehmen meinen Muth, wird: Wer dort wird mit ver⸗ — 2 * EEEE. * höhnt, Wird hier auch mit gekrönt; Wer dort mit ster⸗ ben geht, Wird hier auch mit erhöht. Paul Gerhardt, geb. 1606, st. 1676. Mel. Christ lag in Todesbanden. 121. Ach Gott, mich drückt ein schwerer Stein! Wer will ihn von mir neh⸗ men? Dir ist bekannt mein Christi Auferstehung. Schmerz und Pein Und mein geheimes Grämen. Jesus lebt— und ich bin todt! Ach Vater, das ist meine Noth; Und ich kann ihn vor Sünden Nicht finden. 2. Wer wälzet diesen Stein von mir, Der mich so hart beschweret? Wann öffnet sich des Grabes Thür? Wann wird mir Trost gewähret? Soll ich aus dem Tode nicht Durchbrechen zu dem Him⸗ melslicht? Wer will mich von den Ketten Erretten? 3. Betrübtes Herz, verzage nicht! Dein Jesus ist erstan⸗ den, Der Tod und Höllen⸗ macht zerbricht Und löst die Sündenbanden. Er wird auch durch seinen Tod Dich reißen aus der Sünde Noth Und zu dem Geistesleben Erheben. 4. Er ist darum erstanden heut, Daß du mögst aufer⸗ stehen Durch seine Kraft zur Seligkeit Und fröhlich mit ihm gehen Durch viel Trüb⸗ sal, Angst und Qual Und durch das finstre Todesthal Zur Freud und Wonn erho⸗ ben Dort oben. 5. Dein Jesus läßt dich nicht zurück, Weil er ist vorgegan⸗ gen. Er wird zerreißen Band und Strick, In welchen du gefaugen, Und dich aus dem Grabe ziehn Ohn alle Sor⸗ gen und Bemühn, Und neh⸗ men deine Schmerzen Vom Herzen. 6. Des Herren Engel sind bei dir, Die dich zu Jesu lei⸗ ten Und auf dem Weg zur Lebensthür Mit Flammen für dich streiten. Suchst du den Gekreuzigten? So geh hin mit den Heiligen, Wo Je⸗ sus ist von Banden Erstan⸗ den. 7. Er ist nicht in dem Sün⸗ dengrab. Nein, wer mit ihm erstanden Und folget seinem Hirtenstab, Bei dem ist er vorhanden. Darum prüf, o Mensch, dein Herz, Thu Buß in wahrer Reu und Schmerz: So ist der Stein gehoben Von oben. 8. Flieh aus dem Grab ins Himmelszelt; Da ist dein Heil zu finden. Geh aus im Glauben aus der Welt, Ver⸗ lasse, was dahinten: So wird Jesus sich in Eil Dir zeigen, als das beste Theil, Und wirst ihn nach Verlangen Umfan⸗ gen. 9. O Jesu, laß mich aufer⸗ stehn Im Geist, und mit dir leben, Bis du mich selig wirst erhöhn Und mir die Krone ge⸗ ben, Die mir ist nach dieser Zeit Bereit im Reich der Herr⸗ NLatdee.-. e... —5 SFH NNNn N &V.V RV Ostern. 85 lichkeit. Herr, hör und laß mein Flehen Geschehen. Laurent. Laurentii, g. 1660, st. 1722. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛe. 122. Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, Die Sonn ist aufgegangen! Er⸗ muntre deinen Geist und Sinn, Den Heiland zu em⸗ pfangen, Der heute durch des Todes Thür Gebrochen aus dem Grab herfür, Der gan⸗ zen Welt zur Wonne! 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such ein neues Leben. Vollführe dei⸗ nen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Him⸗ mel, da dein Jesus ist, Und such, was droben, als ein Christ, Der geistlich aufer⸗ standen. 3. Quält dich ein schwerer Sorgenstein? Dein Jesus wird ihn heben. Es kann ein Christ bei Kreuzespein In Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und sorge nicht; er ist nicht fern, Weil er ist aufer⸗ standen. 4. Es hat der Low aus Judas Stamm Heut siegreich über⸗ wunden, Und das erwürgte Gotteslamm Hat, uns zum Heil, gefunden Das Leben und Gerechtigkeit, Weil er nach überstandnem Streit Die Feinde Schau getragen. 5. Drum auf, mein Herz! auch überwinden weit In dir, weil er gebunden Der Feinde Macht, daß du aufstehst Und in ein neues Leben gehst, Und Gott im Glauben dienest. 6. Scheu weder Teufel, Welt noch Tod, Noch gar der Höllen Rachen. Dein Jesus lebt! Es hat kein Noth; Er ist noch bei den Schwachen Und den Geringen in der Welt Als ein gekrönter Sie⸗ gesheld: Drum wirst du über⸗ winden. 7. Ach mein Herr Jesu, der du bist Von Todten auferstan⸗ den, Rett uns aus Satans Macht und List Und aus des Todes Banden, Daß wir zusammen insgemein Zum neuen Leben gehen ein, Das du uns hast erworben. 8. Sei hochgelobt in dieser Zeit Von allen Gotteskindern Und ewig in der Herrlichkeit Von allen Ueberwindern, Die überwunden durch dein Blut. Herr Jesu, gieb uns Kraft und Muth, Daß wir auch überwinden. Laurent. Laurentii, g. 1660, st. 1722. Mel. O daß ich tausend Zungen ꝛc. 123. Der Tod ist todt, das Leben lebet, Das Grab ist selbst begraben nun. Mein Jesus, der sein Haupt erhe⸗ bet, Will ferner nicht im Ker⸗ ker ruhn Und stellt mir diese Losung für: Ich leb und ihr lebt auch mit mir. Fang an den Streit, Weil Je⸗ sus überwunden. Er wird 2. Nun liegt der Tod zu meinen Füßen; Der Fürst des 2 . 2 .... * ——— 86 Lebens stirbt nicht mehr, Er weiß die Gräber aufzuschlie⸗ ßen, Er stürzt das blasse Sündenheer. Das Siegeslied klingt herrlich hier: Ich leb und ihr lebt auch mit mir. 3. Mein Jesu, Wahrheit, Weg und Leben, Der Leben hat und Leben giebt, Wie soll ich den Triumph erheben, Der Rach an meinen Feinden übt? Sie liegen dort, du rufest hier: Ich leb und ihr lebt auch mit mir. 4. Das Haupt belebet seine Glieder: Wer wollte denn gestorben sein? Die Lebens⸗ sonne scheint uns wieder Und leuchtet bis ins Grab hinein. Da lesen wir die Grabschrift hier: Ich leb und ihr lebt auch mit mir. 5. O todter Tod, wie kannst du schrecken? Mein Jesus nimmt das Schrecken hin. Wie er sich selber kann er⸗ wecken, So werden wir er⸗ weckt durch ihn. Weil Jesus lebt, so leben wir. Ich leb und ihr lebt auch mit mir. Benj. Schmolk, g. 1672, st. 1787. 124. Er lebt! O frohes Wort, er lebt, Der Heiland aller Sünder! Das Heer der Feind erschrickt und bebt Vor seinem Ueberwinder. Auf, bringt Gott Lobgesang! Bringt Ehre ihm und Dank, Da wir nun voller Freud In dieser Osterzeit:„Christ ist erstanden!“ singen. Mel. Ein feste Burg ist unser Gott. Christi Auferstehung. 2. Er lebt der treuste See⸗ lenfreund, Der mich ihm selbst errungen, Der Gottes Zorn, die Schuld, den Feind— Ver⸗ föhnt, bezahlt, bezwungen. Er stritt mit Heldenmuth, Er kämpfte bis aufs Blut; Durch Leibs⸗ und Seelennoth Und durch den Kreuzestod Erwarb er mir das Leben. 3. Er lebt, der starke Gottes⸗ sohn, Zu seines Vaters Rech⸗ ten. Er herrscht auf seinem hohen Thron Und hilft den schwachen Knechten. Er lebt nun ewiglich, Er lebt und schützet mich. Er thut mit star⸗ ker Hand Den Feinden Wi⸗ derstand, Daß sie mich nicht umstoßen. 4. Er lebt zu unserm Wohl⸗ ergehn, Der froh und milde Geber. Die Kraft von seinem Auferstehn Dringt bis in unsre Gräber. Tragt meinen Leib zur Ruh, Deckt ihn mit Erde zu, Gebt ihn den Wür⸗ mern hin: Da ich in Jesu bin, Werd ich im Grab nicht blei⸗ ben. 5. Er lebt! Gott hat ihn auferweckt: Er wird auch mich erwecken. Der Tod, den Jesu Sieg erschreckt, Kann mich nun nicht erschrecken. Sein Stachel, seine Kraft, Die Sünd, ist weggeschafft. Der treue Zeuge spricht:„Wer glaubt, der stirbet nicht!“ Deß kröst ich mich von Herzen. 6. Er lebt, er lebt, der tapfre Held! Besingt, ihr Engelchöre, Besingt, ihr Völker in der —— 1 9 5 Ostern. 87 Welt, Des Heilands Sieg und Ehre! Besingt des Sie⸗ gers Macht, Der von dem Tod erwacht, Der unsern Tod bezwingt, Der uns zum Le⸗ ben bringt, Der uns zu Sie⸗ gern machet! 7. Er lebt, er lebt! O laßt uns heut Und stets sein Lob erheben. Er lebt! O laßt uns allezeit Ihm wohlgefällig le⸗ ben. Hier, Heiland, hast du mich; Befiehl mir, hier bin ich! Dein, dein will ich allein Todt und lebendig sein, Dein will ich ewig bleiben! Ehrenfried Liebich, g. 1713, st. 1780. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 125. Erinnre dich, mein Geist, erfreut Des hohen Tags der Herrlichkeit; Halt im Ge⸗ dächtniß Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist. Hallelujahl 2. Schau über dich und bet ihn an. Er mißt den Ster⸗ nen ihre Bahn; Er lebt und herrscht mit Gott vereint Und ist dein König und dein Freund. Hallelujah! 3. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar Dem, der da ist und der da war! Sein Name sei gebenedeit Von nun an bis in Ewigkeit! Hallelu⸗ jah! 4. Mein Heiland ist für mich erhöht. Was ist der Erde Ma⸗ jestät, Wenn sie mein Geist mit der vergleicht, Die ich durch Gottes Sohn erreicht! Hallelujah! 5. Vor seinem Thron, in seinem Reich, Unsterblich, hei⸗ lig, Engeln gleich Und ewig, ewig selig sein. Herr, welche Herrlichkeit ist mein! Halle⸗ lujah! 6. Du, der du in dem Him⸗ mel thronst, Ich soll da woh⸗ nen, wo du wohnst; Und du erfüllst einst mein Vertraun, In meinem Fleische dich zu schaun. Hallelujah! 7. Ich soll, wenn du, o Le⸗ bensfürst, In Wolken göttlich kommen wirst, Erweckt aus meinem Grabe gehn Und rein zu deiner Rechten stehn. Hal⸗ lelujah! 8. Mit Engeln und mit Se⸗ raphim, Mit Thronen und mit Cherubim, Mit allen Frommen aller Zeit Soll ich mich freun in Ewigkeit. Hal⸗ lelujah! 9. Nie komm es mir aus meinem Sinn, Was ich, mein Heil, dir schuldig bin, Damit ich mich in Liebe treu Zu dei⸗ nem Bilde stets erneu. Hal⸗ lelujah! 10. Er ists, der alles in uns schafft; Sein ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt im Ge⸗ dächtniß Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist. Hallelujah! Chr. Fürchteg Gellert, geb. 1715, st. 1709. Mel. Wachet auf! ruft uns ꝛc. 126. Hallelujah! jauchzt ihr Chöre, Singt Jesu Chri⸗ sto Preis und Ehre! Wie groß und herrlich ist sein Tag! Er, 88 der Held, ist von den Banden Des Todes siegreich aufer⸗ standen, Er, der für uns im Grabe lag. Sein ist Gewalt und Macht. Preis ihm, er hats vollbracht! Hallelujah! Er hats vollbracht, Er, der die Macht des Todes und des Grabes hat. 2. Glorreich hat der Held gerungen, Hat mächtig Grab und Tod bezwungen, Von ih⸗ ren Schrecken Uns befreit. Wir, von Gott gewichne Sün⸗ der, Sind nun mit ihm ver⸗ söhnte Kinder Und Erben sei⸗ ner Seligkeit. Bald, bald entschlafen wir, Entschlafen, Christe, dir, Ruhn in Frieden Die kurze Nacht, Bis deine Macht Das Licht des ewgen Tages ruft. 3. Unsern Staub mag Staub bedecken: Du wirst ihn herrlich auferwecken, Der du des Stau⸗ bes Schöpfer bist. Du wirst un⸗ vergänglich Leben Und Kraft und Herrlichkeit ihm geben, Dem Staube, der dir theuer ist. Wir werden ewig dein, Gerecht und selig sein. Halle⸗ lujahi Tod und Gericht Er⸗ schreckt uns nicht; Denn Je⸗ sus, unser Mittler, lebt. 4. Ja, er lebt, uns zu er⸗ freuen, Und alles, alles zu zer⸗ streuen, Was uns den Lebens⸗ frieden raubt. Groß ist sei⸗ nes Namens Ehre, Und ewig gültig seine Lehre, Und ewig selig, wer ihm glaubt. Wir gehn an seiner Hand Durch dieses Thränenland Hin zum Christi Auferstehung. Himmel; Und dort erhebt Er, der da lebt, Uns hoch zu Eh⸗ ren ewiglich. 5. Tag des Lebens, Tag der Wonne, Wie wird uns sein, wenn Gottes Sonne Durch unsers Grabes Dunkel bricht! O, was werden wir empfin⸗ den, Wenn Nacht und Fin⸗ sterniß verschwinden Und uns umstrahlt des Himmels Licht! Vollender, führe du Uns die⸗ sem Tage zu, Uns, die Dei⸗ nen. Die Lebensbahn Gingst du voran; Wir folgen dir in deine Ruh. Gottfr. Bened. Funk, g. 1734, st. 1814. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. 127. Hallelujah! Hal⸗ lelujah! Das große Sieges⸗ fest ist da: Der Herr ist auf⸗ erstanden! So weit die Erde breit und lang, Vom Auf⸗ gang bis zum Niedergang, Ist Freude nun vorhanden. Ewig, Herrlich Wird sie wäh⸗ ren und sich mehren, bis in Chören Wir die Engel Got⸗ tes hören. 2. Er lebt, der große Men⸗ schensohn, Nun herrschend auf des Himmels Thron, Als Held und Ueberwinder! Von da ruft er in unser Grab Den süßen Lebenstrost hinab: Kehrt wieder, Menschenkin⸗ der! Tröstlich, Köstlich Ist die Wahrheit und die Klarheit dieser Worte, Oeffnend einst des Todes Pforte. 3. Gebenedeit sei dieser Gott! Was hat es nun mit Ostern. 89 uns für Noth Im Leben und triumphire. Willig, Billig im Sterben! Der Osterfürst, Wird das Leben hingegeben gleich stark und mild, Bleibt unserm König. Alles sei ihm allewege Schirm und Schild: unterthänig! Wir koͤnnen nicht verderben. 6. Und nimmt er unser Le⸗ Klagen, Zagen Sind ver⸗ ben hin, So ist das Sterben schwunden, und die Wunden, auch Gewinn Für seine Kreuz⸗ die uns drücken, Werden nicht gemeinde; Denn sie hat ihn, das Ziel verrücken. der mächtig ist Und seiner 4. Und welcher Trost in je⸗ Kirche nie vergißt, Zum vem Schmerz: Der Heiland Bräutigam und Freunde. hat ein Menschenherz Mit sich Bauet, Trauet Der Verhei⸗ hinaufgenommen! Jetzt wird ßung und Erweisung seiner er auch in Noth und Pein Ein treuer Hoherpriester sein, Vom Mitgefühl entglommen. Daran Kann man Sich er⸗ quicken und erblicken, welche Gaben Wir in Christo Jesu haben. 5. Sein ist die Weisheit, Kraft und Macht Sammt Liebe, die beständig wacht, Daß er uns nicht verliere. Doch will er auch, daß ohne Krieg Und ohne Glaubens⸗ kampf und Sieg Hier keiner Gnaden. Was kann uns hin⸗ fort noch schaden? 7. Sein Leiden, Sterben, Auferstehn Führt uns zu je⸗ nen lichten Höhn, Wo wir ihn selbst erblicken In unbegrenz⸗ ter Herrlichkeit Und holder Menschenfreundlichkeit. Wer schildert das Entzücken? Amen! Amen! Kommt mit Palmen und laßt Psalmen laut erschallen Durch des Himmels weite Hallen! F. Springmann, st. 1842. IXX. Christi Bimmetkahrt und himmlische Herrlichkeit. 28. Christ fuhr gen Himmel. Was sandt er uns 3. Hallelujah! Hallelujah! Hallelujah! Deß solln wir hernieder? Den Tröster, den alle froh sein, Christus will heiligen Geist, Zu Trost der unser Trost sein. Kyrieleis! armen Christenheit. Kyrieleis! 2. Wär er nicht hingan⸗ gen, Der Tröster wär nicht kommen. Seit daß er hin⸗ gangen ist, So haben wir den Geist durch Christ. Kyrieleis! V. 1. vor der Reformation. 129. Gen Himmel auf⸗ gefahren ist, Hallelujah! Der König der Ehren, Jesus Christ. Hallelujah! S rn˙ —— 2. Er sitzt zur rechten Gottes Hand; Hallelujah! Herrscht über Himml und alle Land. Hallelujah! 3. Nun ist erfüllt, was gschrieben ist, Hallelujah! In Psalmen von dem Her⸗ ren Christ. Hallelujah! 4. Nun sitzt beim Herren Davids Herr, Hallelujah! Wie zu ihm hat gesagt der Herr. Hallelujah! 5. Drum jauchzen wir mit großem Schalln, Hallelujah! Dem Herren Christ zum Wohlgefalln. Hallelujah! 6. Wir loben die heilg Drei⸗ einigkeit, Hallelujah! Gott Vater, Sohn und heilgen Geist. Hallelujah! Melch. Frauck, um 1600, nach: Coelos asc. hodie, aus dem 15. Jahrhundert. Mel. Herr Gott, dich loben alle wir. 130. Nun freut euch, Gottes Kinder all! Der Herr fährt auf mit großem Schall. Lobsinget ihm, lobsinget ihm, Lobsinget ihm mit lauter Stimm! 2. Die Engel und all Him⸗ melsheer Erzeigen Christo göttlich Ehr Und jauchzen ihm mit frohem Schall; Das thun die lieben Engel all. 3. Daß unser Heiland Je⸗ sus Christ, Wahr Gottessohn, Mensch worden ist, Deß freuen sich die Engel sehr Und gönnen uns gern solche Ehr. 4. Der Herr hat uns die Christi Himmelfahrt Stätt bereit, Da wir solln bleibn in Ewigkeit. Lobsin⸗ get ihm, lobsinget ihm, Lob⸗ singet ihm mit lauter Stimm! 5. Wir sind Erben im Him⸗ melreich, Wir sind den lieben Engeln gleich; Das sehn die lieben Engel gern Und dan⸗ ken mit uns Gott dem Herrn. 6. Es hat mit uns nun kei⸗ ne Noth, Weil Satan, Sünd, der ewge Tod Allsammt zu Schanden worden sind, Durch Gottes und Marien Kind. 7. Den heilgen Geist sendt er herab, Auf daß er unsre Herzen lab Und tröst uns durch das göttlich Wort Und uns behüt vor Teufels Mord. 8. Also baut er die Chri⸗ stenheit Zur ewgen Freud und Seligkeit; Allein der Glaub an Jesum Christ Die recht Erkenntniß Gottes ist. 9. Der heilge Geist den Glauben stärkt, Geduld und Hoffnung in uns wirkt, Er⸗ leucht und macht die Herzen fest Und uns in Trübsal nicht verläßt. 10. So danket nun dem lie⸗ ben Herrn Und lobet ihn von Herzen gern; Lobsinget mit der Engel Chör, Daß man es in dem Himmel hör. 11. Gott Vater in der Ewig⸗ keit, Es sagt dir deine Chri⸗ stenheit Groß Ehr und Dank mit höchstem Fleiß, Zu allen Zeiten Lob und Preis. 12. Herr Jesu Christe, Got⸗ tes Sohn, Gewaltig, herrlich, und himmlische Herrlichkeit. prächtig, schön, Es dankt dir deine Christenheit Von nun M an bis in Ewigkeit. 13. O heilger Geist, du wah⸗ rer Gott, Der du uns tröst in aller Noth, Wir rühmen dich, wir loben dich Und sagen dir Dank ewiglich. Erasm. Albert, st. 1553. Mel. Herr Gott, dich loben alle wir. 131. Es fähret heute Gottes Sohn Hinauf zu sei⸗ nes Vaters Thron; Er gehet ein zur Herrlichkeit, Die uͤber⸗ all ist ausgebreit. 2. Er hat zerstört des Teu⸗ fels Macht, Sein Heer erlegt und umgebracht, Wie mit Ge⸗ walt ein starker Held Im Treffen seine Feinde fällt. 3. Zwing unser Fleisch, Herr Jesu Christ, Der du der Sün⸗ der Heiland bist, Daß wir, indem du uns machst rein, Theilhaftig deines Sieges sein. 4. Laß sein den Feind in uns gedämpft, Weil du uns hast das Heil erkämpft; Tilg aus sein Werk, daß er nicht mehr Sich wider unsre Seel empör. 5. Zeuch und führ uns mit dir zugleich Als Gottes Kin⸗ der in dein Reich, Da wir ein ewig Freudenlied Dir aufzu⸗ opfern sind bemüht. 6. Gott Vater, sei von uns gepreist Sammt deinem Sohn und heilgen Geist! Der heil⸗ ge unsrer Seelen Grund, 91 Damit dir danke Herz und und. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛc. 132. Auf Christi Him⸗ melfahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe Und allen Zweifel, Angst und Pein Hiermit stets überwinde; Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glie— der Jesus Christ Zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmel⸗ an Und große Gabn empfan⸗ gen, Mein Herz auch nur im Himmel kann, Sonst nir⸗ gends, Ruh erlangen; Denn wo mein Schatz gekommen hin, Da ist auch stets mein Herz und Sinn; Nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach Herr, laß diese Gna⸗ de mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mög meine Nach⸗ fahrt zieren, Und dann ein⸗ mal, wenn dirs gefällt, Mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre dies mein Flehen. Josua Wegelin, st. 1640. Mel. Ermuntre dich, mein schwacher Geist. 133. Du Lebensfürst, Herr Jesu Christ, Der du bist aufgenommen Gen Himmel, da dein Vater ist Und die Gemein der Frommen: Wie soll ich deinen großen Sieg, Den du durch einen schweren Krieg Erworben hast, recht — 1 R ——— 8 N preisen Und dir gnug Ehr er⸗ weisen! 2. Du hast die Höll und Sündennoth Ganz ritterlich bezwungen; Du hast den Teu⸗ fel, Welt und Tod Durch dei⸗ nen Tod verdrungen; Du hast gesieget weit und breit. Wie werd ich solche Herrlich⸗ keit, O Herr, in diesem Le⸗ ben, Gnug würdiglich erhe⸗ ben! 3. Du hast dich zu der rech⸗ ten Hand Des Vaters hinge⸗ setzet, Der alles dir hat zuge⸗ wandt, Nachdem du, kaum verletzet, Die starken Feind hast umgebracht, Triumph und Sieg daraus gemacht, Ja, gar auf deinem Wagen Gar herrlich Schau getra⸗ en. 24. Nun lieget alles unter dir, Den Vater ausgenom⸗ men; Es müssen Engel für und für Dich anzubeten kom⸗ men; Die Fürsten stehen auf der Bahn Und sind dir willig unterthan; Luft, Wasser, Feur und Erden Muß dir zu Dien⸗ ste werden. 5. Du starker Herrscher fäh⸗ rest auf Mit Jauchzen und Lobsagen, Und gleich mit dir in vollem Lauf Viel hundert⸗ tausend Wagen. Du fährest auf mit Lobgesang, Es schal⸗ let der Posaunen Klang. Mein Gott vor allen Dingen Will ich dir auch lobsingen. 6. Du bist gefahren in die Höh, Hinführend die gefan⸗ gen, Die uns mit Thränen, Christi Himmelfahrt Ach und Weh Genetzet oft die Wangen. Drum preisen wir mit süßem Schall, O starker Gott, dich überall, Wir, die wir so viel Gaben Hierdurch empfangen haben. 7. Du bist das Haupt in der Gemein, Und wir sind deine Glieder. Du wirst der Glieder Schutz ja sein Und zu uns kommen wieder Mit deinem Trost und deinem Licht. Wenn uns vor Angst das Herz zerbricht, Dann kannst du Kraft und Leben, Ja Fried und Freude ge⸗ ben. 8. Du salbest uns mit dei⸗ nem Geist Und giebst getreue Hirten, Die Lehrer, welch uns allermeist Mit Himmels⸗ brod bewirthen. Du Hoher⸗ priester zeigest an, Daß deine Hand uns retten kann, Ja von der Höllen Rachen Uns frei und ledig machen. 9. Du hast durch deine Him⸗ melfahrt Die Straße uns be⸗ reitet; Du hast den Weg uns offenbart, Der uns zum Va⸗ ter leitet. Und weil denn du, Herr Jesu Christ, Nun stets in deiner Wonne bist, So werden ja die Frommen Da⸗ hin zu dir auch kommen. 10. Ist unser Haupt im Himmelreich, Wie die Apostel schreiben, So werden wir, den Engeln gleich, Ja doch nicht draußen bleiben. Du wirst ja uns, die Glieder dein, Mein Gott, nicht lassen von dir sein, Die doch so fest vertrauen, Dein Herrlichkeit zu schauen. 11. Herr Jesu, zieh uns für und für, Daß wir mit den Gemüthern Nur oben woh⸗ nen stets bei dir In deinen Himmelsgütern. Laß unsern Sitz und Wandel sein, Wo Fried und Wahrheit geht her⸗ ein; Laß uns in deinem We⸗ 1— Das himmlisch ist, gene⸗ en. 12. Hilf, daß wir suchen unsern Schatz Nicht hier in diesem Leben, Hingegen dort, wo du den Platz Wirst Got⸗ tes Kindern geben. Ach laß uns streben fest und wohl Nach dem, das künftig wer⸗ den soll; So können wir er⸗ gründen, Wo dein Gezelt zu finden. 13. Zieh uns nach dir, so laufen wir; Gieb uns des Glaubens Flügel. Hilf, daß wir fliehen weit von hier Auf Zions Freudenhügel. Mein Gott, wann fahr ich doch da⸗ hin, Woselbst ich ewig fröh⸗ lich bin? Wann werd ich vor dir stehen, Dein Angesicht zu sehenꝰ 14. Wann soll ich hin ins Paradies Zu dir, o Jesu, kom⸗ men? Wann kost ich doch das Engelsüß? Wann werd ich aufgenommen? Mein Hei⸗ land, komm und nimm mich an, Auf daß ich fröhlich jauch⸗ zen kann Und klopfen in die Hände: Gelobt sei Gott ohn Ende! Joh. Rist, g. 1607, fl. 1667. und himmlische Herrlichkeit. 93 Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. 134. Ach, wundergro⸗ ßer Siegesheld, Du Sünden⸗ träger aller Welt, Heut hast du dich gesetzet Zur Rechten deines Vaters Kraft, Der Feinde Schaar gebracht zur Haft, Bis auf den Tod ver⸗ letzet. Mächtig, Prächtig Triumphirest, Jubilirest; Tod und Leben Ist, Herr Christ, dir untergeben. 2. Dir dienen alle Cheru⸗ bim, Viel tausend hohe Se⸗ raphim Dich, Siegesfürsten, loben; Weil du den Segen wiederbracht, Mit Majestät und großer Pracht Zur Freu⸗ de bist erhoben. Singet, Klin⸗ get, Rühmt und ehret Den, so fähret auf gen Himmel Mit Posaunen und Getüm⸗ mel. 3. Du bist das Haupt, hin⸗ gegen wir Sind Glieder; ja, es kommt von dir Auf uns Licht, Trost und Leben. Heil, Fried und Freude, Stärk und Kraft, Ja, was dem Herzen Labsal schafft, Wird uns von dir gegeben. Dringe, Zwinge, Ewge Güte, Mein Gemüthe, daß es preise, Dir Lob, Ehr und Dank erweise. 4. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns nach dir. Hilf, daß wir forthin für und für Nach dei⸗ nem Reiche trachten. Laß un⸗ ser Thun und Wandel sein, Daß wir mit Demuth gehn hinein, All Ueppigkeit verach⸗ ten. Unart, Hoffart Laß uns 9⁴ Christi Himmelfahrt meiden, Christlich leiden, wohl ergründen, Wo die Gnade sei zu finden. 5. Sei, Jesu, unser Schutz und Schatz, Sei unser Ruhm und fester Platz, Darauf wir uns verlassen. Laß suchen uns, was droben ist. Auf Erden wohnet Trug und List; Es ist g auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, Die da nagen, Die da quälen Stündlich arme Christensee⸗ len. 6. Herr Jesu, komm, du Gnadenthron, Du Sieges⸗ fürst, Held, Davids Sohn, Komm, stille das Verlangen! Du bist uns allen ja zu gut, O Jesu, durch dein theures Blut Ins Heiligthum gegan⸗— gen. Komm schier! Hilf mir! Dann so sollen, Dann so wol⸗ len Wir ohn Ende Fröhlich klopfen in die Hände. E. Chr. Homburg, g. 1605, st. 1681 Mel. Aus meines Herzens Grunde. 135. Gott fähret auf gen Himmel Mit frohem Ju⸗ belschall, Mit prächtigem Ge⸗ tümmel Und mit Posaunen⸗ hall. Lobsingt, lobsinget Gott! Lobsingt, lobsingt mit Freu⸗ den Dem Könige der Heiden, Dem Herren Zebaoth! 2. Der Herr wird aufge⸗ nommen; Der ganze Himmel lacht; Um ihn gehn alle From⸗ men, Die er hat frei gemacht. Es holen Jesum ein Die lau⸗ tern Cherubinen; Den hellen Seraphinen Muß er willkom⸗ men sein. 3. Wir wissen nun die Stie⸗ ge, Die unser Haupt erhöht; Wir wissen zur Genüge, Wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, Will uns nicht nach sich lassen; Er zei⸗ et uns die Straßen, Er bricht uns sichre Bahn. 4. Wir sollen himmlisch wer⸗ den, Der Herr macht selbst uns Platz; Wir gehen von der Erden Dorthin, wo un⸗ ser Schatz. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hinge⸗ gangen, Dahin sei das Ver⸗ langen, Dahin sei unser Lauf! 5. Laßt uns zum Himmel dringen Mit herzlicher Be⸗ gier; Laßt uns zugleich auch singen: Dich, Jesu, suchen wir, Dich, o du Gottes Sohn, Dich, Weg, dich, Wahrheit, Leben, Dem alle Macht ge⸗ geben, Dich, unsers Hauptes Kron. 6. Ade mit deinen Schätzen, Du Truges volle Welt! Dein Tand kann nicht er⸗ götzen. Weißt du, was uns gefällt? Der Herr ist unser Preis, Der Herr ist unsre Freude Und köstliches Ge⸗ schmeide; Zu ihm geht unsre Reis. 7. Wann soll es doch ge⸗ schehen, Wann kommt die liebe Zeit, Daß wir ihn wer⸗ den sehen In seiner Herrlich⸗ teit? Du Tag, wann wirst du sein, Daß wir zu seinen und himmlische Auferstehung. Füßen Anbetend ihn begrü⸗ bend Komm, stelle dich doch ein! Gottfr. Wilh. Sacer, g. 1635, st. 1669. Mel. Ach Herr und Gott. 136. Zeuch uns nach dir, So laufen wir Mit herz⸗ lichem Verlangen Hin, da du bist, O Jesu Christ, Aus die⸗ ser Welt gegangen. 2. Zeuch uns nach dir In Liebsbegier Aus diesem Sün⸗ denleben, So dürfen wir Nicht länger hier In Noth und Aengsten schweben. 3. Zeuch uns nach dir, Herr Christ, und führ Uns deine Himmelsstege; Wir irrn sonst leicht Und sind verscheucht Vom rechten Lebenswege. 4. Zeuch uns nach dir, So folgen wir Dir nach in dei⸗ nen Himmel, Daß uns nicht mehr Allhier beschwer Das böse Weltgetümmel. 5. Zeuch uns nach dir Nun für und für Und gieb, daß wir nachfahren Dir in dein Reich, Und mach uns gleich Den auserwählten Schaaren. Ludämilia Elisabeth, Gräfin von Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt g. 1640, st. 1672. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 137. Herr, auf Erden muß ich leiden Und bin vol⸗ ler Angst und Weh. Warum willst du von mir scheiden, Warum fährst du in die Höh? Nimm mich Armen doch mit dir, Oder bleibe du in mir, 9⁵ Daß ich dich und deine Ga⸗ ben Täglich möge bei mir haben. 2. Laß mir doch dein Herz zurücke Und nimm meines mit hinauf. Wenn ich Seufzer zu dir schicke, Thue mir den Himmel auf; Und wenn ich nicht beten kann, Rede du den Vater an; Denn du sitzst zu seiner Rechten, Darum hilf uns, deinen Knechten. 3. Zeuch die Sinnen von der Erde Ueber alles Eitle hin, Daß ich mit dir himm⸗ lisch werde, Ob ich gleich noch sterblich bin, Und im Glauben meine Zeit richte nach der Ewigkeit, Bis wir auch zu dir gelangen, Wie du bist vor⸗ angegangen. 4. Dir ist alles übergeben; Nimm dich auch der Deinen an. Hilf mir, daß ich christlich leben Und dir heilig dienen kann. Kommt der Satan wi⸗ der mich, Ach so wirf ihn un⸗ ter dich Zu dem Schemel dei⸗ ner Füße, Daß er ewig schwei⸗ gen müsse. 5. Meine Wohnung mache fertig Droben in des Vaters Haus, Da ich werde gegen— wärtig Bei dir gehen ein und aus. Dahin bringe mich zur Ruh, Denn der Weg dahin bist du; Und nimm an dem letzten Ende Meinen Geist in deine Hände. 6. Komme, wenn es Zeit ist, wieder, Denn du hast es zu⸗ gesagt, Und erlöse meine Glie⸗ der, Die der Tod im Grabe 96 Christi Himmelfahrt nagt. Richte dann die böse Welt, Die dein Wort für Lü⸗ gen hält; Und nach ausge⸗ standnem Leide Führ uns ein zu deiner Freude. Casp. Neumann, g. 1648, st. 171⁵. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 138. Siegesfürste, Eh⸗ renkönig, Höchst verklärte Majestät, Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber hoch erhöht! Sollt ich nicht zu Fu⸗ ße fallen Und mein Herz vor Freude wallen, Wann mein Glaubensaug betracht Deine Herrlichkeit und Macht? 2. Seh ich dich gen Himmel fahren, Seh ich dich zur Rech⸗ ten da, Seh ich, wie der En⸗ gel Schaaren Alle rufen: Glo⸗ ria! Sollt ich nicht zu Fuße fallen Und mein Herz vor Freude wallen, Da der Him⸗ mel jubilirt, Weil mein Kö⸗ nig triumphirt?ꝰ 3. Weit und breit, du Him⸗ melssonne, Deine Klarheit sich ergeußt Und mit neuem Glanz und Wonne Alle Himmels⸗ geister speist. Prächtig wirst du eingenommen, Freudig heißt man dich willkommen. Schau, ich armes Kindlein hier Schrei auch Hosianna dir. 4. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Glorie seh? Sollt mein Muth noch wollen sinken, Da ich deine Macht versteh? Mei⸗ nem König will ich trauen, Nicht vor Welt und Teufel grauen, Nur in Jesu Na⸗ men mich Beugen hier und ewiglich. 5. Geist und Kraft nun überfließen; Drum wirk in mir kräftiglich, Bis zum Schemel deiner Füßen Alle Feinde legen sich. Aus Zion den Scepter sende Weit und breit bis zum Welt⸗Ende. Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthau. 6. Du kannst alles aller Orten Nun erfülln und nahe sein. Meines armen Herzens Pforten Stell ich offen; komm herein! Komm, du König al⸗ ler Ehren! Du mußt auch bei mir einkehren. Ewig in mir leb und wohn, Als in deinem Himmelsthron. 7. Deine Auffahrt bringt mir eben Gott und Himmel innig nah. Lehr mich nur im Geiste leben, Als vor deinen Augen da; Fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, Bei dir abgeschieden drinnen, In das Himmelreich versetzt, Da mich Jesus nur ergötzt. Gerhard Tersteegen g. 1697, st. 1769. Mel. Großer Prophet, mein ꝛc. 139. Einer ist König! Immanuel sieget! Bebet, ihr Feinde, und gebet die Flucht. Zion hingegen sei innig ver⸗ gnüget, Labe dein Herze mit himmlischer Frucht. Ewiges Leben, unendlichen Frieden, Freude die Fülle hat er uns beschieden. und himmlische Herrlichkeit. 2. Stärket die Hände, er⸗ muntert die Herzen, Trauert mit Freuden dem ewigen Gott. Jesus, die Liebe, ver⸗ süßet die Schmerzen, Reißet aus Aengsten, aus Jammer und Noth. Ewig muß unsere Seele genesen In dem hold⸗ seligsten, lieblichen Wesen. 3. Halte, o Seele, im Leiden fein stille, Schlage die Ruthe des Vaters nicht aus; Bitte und nimm aus der göttlichen Fülle Kräfte zu siegen im Kampfe und Strauß. Flu⸗ ten der Trübsal verrauschen, vergehen; Jesus, der Treue, bleibt ewig dir stehen. 4. Zion, wie lange hast du nun geweinet! Auf und erhe⸗ be dein sinkendes Haupt! Siehe, die Sonne der Freu⸗ den erscheinet Tausendmal heller, als du es geglaubt. Jesus der lebet, die Liebe re⸗ gieret, Die zu den Quellen des Lebens dich führet. 5. Laufet nicht hin und her; eilet zur Quelle. Jesus der bittet:„Kommt alle zu mir!“ Sehet, wie lieblich, wie lau⸗ ter und helle Fließen die Strö⸗ me des Lebens allhier! Trin⸗ ket, ihr Lieben, und werdet erquicket; Hier ist Erlösung für alles, was drücket. 6. Streitet nur unverzagt; seht auf die Krone, Die euch der König des Himmels an⸗ beut. Jesus wird selber den Siegern zum Lohne. Wahr⸗ lich, dies Kleinod belohnet den 9⁷ Streit. Streitet nur unver⸗ zagt, seht auf die Krone; Selbsten Jehovah wird Sie⸗ gern zum Lohue. 7. Herrliches Lämmlein, da, da wird man sehen Eine ge⸗ waltige siegende Schaar Dei⸗ ne unendliche Hoheit erhöhen; Dir wird man bringen Hal⸗ lelujah dar. Sehet, wie Thro⸗ nen und Kronen hinfallen; Höret, wie donnernde Stim⸗ men erschallen. 8. Reichthum, Kraft, Weis⸗ heit, Preis, Stärke, Lob, Eh⸗ re, Gott und dem Lamm und dem heiligen Geist! Wenn ich da stände, o wenn ich da wäre! Springet, ihr Bande, ihr Fesseln, zerreißt! Amen, die Liebe wird wahrlich erhö⸗ ren. Alles, was Odem hat, lobe den Herren. J. Ludw. Conr. Allendorf, g. 1693, st. 1774. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 140. Großer Mittler,‚ der zur Rechten Seines großen Vaters sitzt Und die Schaar von seinen Knechten In dem Reich der Gnaden schützt, Den auf dem erhabnen Thro⸗ ne, In der königlichen Krone Alles Heer der Ewigkeit Mit verhülltem Antlitz scheut: 2. Dein Geschäft auf dieser Erden Und dein Opfer ist vollbracht; Was vollendet sollen werden, Das ist gänz⸗ lich ausgemacht. Da du bist für uns gestorben, Ist uns Gnad und Heil erworben, 7 98 Christi Himmelfahrt. Und dein siegreich Auferstehn Läßt uns in die Freiheit gehn. 3. Nun ist dieses dein Ge⸗ schäfte In dem obern Heilig⸗ thum, Die erworbnen Se⸗ genskräfte Durch dein Evan⸗ gelium Allen denen mitzu⸗ theilen, Die zum Thron der Gnaden eilen; Nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. 4. Deines Volkes werthe Namen Trägest du auf dei⸗ ner Brust, Und an den gerech⸗ ten Samen Denkest du mit vieler Lust. Du vertrittst, die an dich gläuben, Daß sie dir vereinigt bleiben, Und bittst in des Vaters Haus Ihnen eine Wohnung aus. 5. Doch vergißt du auch der Armen, Die der Welt noch dienen, nicht, Weil dein Herz dir vor Erbarmen Ueber ih⸗ rem Elend bricht. Daß dein Vater ihrer schone, Daß er nicht nach Werken lohne, Daß er ändre ihren Sinn, Ach da zielt dein Bitten hin. 6. Zwar in deines Fleisches Tagen, Da die Sünden aller Welt Dir auf deinen Schul⸗ tern lagen, Hast du dich vor Gott gestellt, Bald mit Seuf⸗ zen, bald mit Weinen Für die Sünder zu erscheinen. O, in welcher Niedrigkeit Batest du zur selben Zeit! 7. Aber nun wird deine Bit⸗ te Von der Allmacht unter⸗ stützt, Da in der vollkomm⸗ nen Hütte Die verklärte Menschheit sitzt. Nun kannst du des Satans Klagen Ma⸗ jestätisch niederschlagen, Und nun macht dein redend Blut Unsre böse Sache gut. 8. Großer Mittler, sei ge⸗ priesen, Daß du in dem Hei⸗ ligthum So viel Treu an uns bewiesen; Dir sei Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienst vertreten, Wenn wir zu dem Vater beten; Sprich für uns in letzter Noth, Wenn den Mund ver⸗ schließt der Tod. Joh. Jae. Rambach, g. 1693, st. 1735. Mel. Die Tugend wird durchs ꝛc. 141. Iyhr aufgehobnen Jesushände, Voll Heil, voll Wunderkraft des Herrn, Ihr wirkt und waltet bis ans En⸗ de, Uns ungesehn, doch nie⸗ mals fern. Im Segnen seid ihr aufgefahren, Im Segnen kommt ihr einst zurück; Auch in des Glaubens Zwischen⸗ jahren Bleibt ihr der Seelen Trost und Glück. 2. Ihr segnet Christi Schaar hienieden Mit Freude, die ohn Ende währt; Ihr legt auf sie den hohen Frieden, Den keine Welt uns sonst be⸗ schert; Ja, segnend ruht ihr auf den Seinen. Dies beugt und stärkt uns bis ans Grab; Und wenn wir Sehnsuchts⸗ thränen weinen, So trocknet dies die Thränen ab. 3. Ihr zieht mit Gotteskraft die Herzen An sein so treues Herz hinauf; Ihr stillt, ihr heilt die Seelenschmerzen, Ihr 18 rt helft der Schwachheit mächtig auf; Ihr brecht den Zwang, der Herzen kettet, Ihr faßt und stärkt des Pilgers Hand; Ihr hebt, ihr tragt und ihr errettet Und führet uns ins Vaterland. 4. Einst öffnet ihr die Him⸗ melsthore Der treuen Erden⸗ Pfingsten. 99 pilger⸗Schaar Und reicht dem Ueberwinder⸗Chore Des ew⸗ gen Lebens Kronen dar. Dann, dann mit jeder Got⸗ tesgabe, Mit jedem Heil be⸗ gabt durch euch, Jauchzt eu⸗ rem güldnen Königsstabe Des weiten Himmels Königreich. Carl Bernh. Garve, g. 1763, st. 1841. X. Ausgiesaung des heiligen Geistes; Yhfingsten. 142. Komm, Gott, Schöpfer, heiliger Geist! Be⸗ such das Herz der Menschen dein; Mit Gnaden sie füll, wie du weißt, Daß dein Ge⸗ schöpf soll vor dir sein. 2. Denn du der Tröster bist genannt, Des Allerhöchsten Gabe theur, Ein geistlich Salb an uns gewandt, Des Lebens Brunnen, Lieb und Feur. 3. Du bist mit Gaben man⸗ nigfalt Der Fingr an Gottes rechter Hand; Des Vaters Wort giebst du gar bald Mit Zungen frei in alle Land. 4. Zünd uns ein Licht an im Verstand, Gieb uns ins Herz der Liebe Brunst, Des Fleisches Schwachheit, dir be⸗ kannt, Stärk allzeit durch dein Kraft und Gunst. 5. Des Feindes List treib von uns fern; Den Frieden schaff in uns dein Gnad, Daß wir deinm Leiten folgen gern Und meiden, was der Seelen schadt. 6. Den Vater uns wohl kennen lehr Und Jesum Chri⸗ stum, seinen Sohn, Daß wir auch geben gleiche Ehr Dir, beider Geist in einem Thron. 7. Gott, unser Vater, sei allzeit Aus Herzensgrund von uns gepreist; Lob sei, Herr Jesu, dir bereit Mit Gott, dem werthen heilgen Geist. Martin Luther, g. 1483, fl. 1546. Nach Veni creator, spiritus, um 800. 143. Heilger Geist, du Tröster mein, Hoch vom Him⸗ mel uns erschein Mit dem Licht der Gnaden dein! 2. Komm, ach komm zu Christi Heerd! Komm mit deinen Gaben werth, Uns er⸗ leucht auf dieser Erd! 3. O du süßer Herzensgast, Der du Trost die Fülle has, Uns erquick in aller Last! V — +—̃—.———‚—— - V. EE —— 100 4. O du selge Gnadensonn, Füll das Herz mit Freud und Wonn Aller, die dich rufen an! 5. Ohn dein Beistand, Hülf Z und Gunst Ist all unser Thun und Kunst Vor Gott ganz und gar umsonst. 6. Wasch uns, Herr, von Sünden weiß, Unser dürres Herz begeuß, Die Verwund⸗ ten heil mit Fleiß. 7. Lenk uns nach dem Wil⸗ len dein, Wärm die kalten Herzen fein, Bring zurecht, die irrig sein. 8. Gieb uns, Herr, wir bit⸗ ten dich, Die wir glauben festiglich, Deine Gaben mil⸗ diglich. 9. Daß wir leben heiliglich, Alle sterben seliglich, Bei dir bleiben ewiglich. Nach: Veni, sancte spiritus, et emitte celitus, von Robert, König von Frankreich, st. 1031. 14A4. Komm, heiliger Geistl Erfüll die Herzen dei⸗ ner Gläubigen Und entzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe, Der du durch Mannigfaltigkeit der Zungen Die Völker der ganzen Welt versammelt hast In Einigkeit des Glaubens. Hallelujah! Hallelujah! Martin Luther, g. 1483, st. 1546. Nach Veni, sancte spiritus, reple, von König Robert von Frankreich, st. 1031. 145. Komm, heiliger Geist, Herre Gott! Erfüll mit deiner Gnaden Gut Deiner Ausgießung des h. Geistes. Gläubigen Herz Muth und Sinn, Dein brünstig Lieb entzünd in ihn'n. O Herr, durch deines Lichtes Glanz u dem Glauben versammelt hast Das Volk aus aller Welt Zungen; Das sei dir, Herr, zu Lob gesungen. Hallelujah! Hallelujah! 2. Du heiliges Licht, edler Hort, Laß uns leuchten des Lebens Wort Und lehr uns Gott recht erkennen, Von Her⸗ zen Vater ihn nennen. O Herr, behüt vor fremder Lehr, Daß wir nicht Meister suchen mehr, Denn Jesum Christ mit rechtem Glauben Und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Hallelujah! Hallelujah! 3. Du heilige Brunst, süßer Trost, Nun hilf uns fröhlich und getrost In deinem Dienst beständig bleiben, Die Trüb⸗ sal uns nicht abtreiben. O Herr, durch dein Kraft uns bereit Und stärk des Fleisches Blödigkeit, Daß wir hie rit⸗ terlich ringen, Durch Tod und Leben zu dir dringen. Halle⸗ lujah! Hallelujah! Martin Luther. g. 1483, st. 1546. Nach Veni, sanete spiritus, reple, von König Robert von Frankreich, st. 1031. 146. Nun bitten wir den heiligen Geist Um den rechten Glauben allermeist, Daß er uns behüte An unserm Ende, Wenn wir heimfahren aus diesem Elende. Kyrieleis! 2. Du werthes Licht, gieb uns deinen Schein, Lehr uns Pfingsten. Jesum Christ kennen allein, Daß wir an ihm bleiben, Dem treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis! 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, Laß uns empfin⸗ den der Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen Einan⸗ der lieben Und in Frieden auf einem Sinn bleiben. Ky⸗ rieleis! 4. Du höchster Tröster in aller Noth, Hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, Daß in uns die Sinne Nim⸗ mer verzagen, Wenn der Feind wird das Leben ver⸗ klagen. Kyrieleis! Martin Luther, g. 1483, st. 1546. V. 1 aus dem 13. Jahrhundert. Mel. Komm, heil. Geist, Herre ꝛc. 147. Komm, Geist des Vaters und des Sohns, Mit beiden eins und eines Throns, Der ewig von dem Vater we⸗ het Und ewig von dem Sohn ausgehet! Du Strahl, der von des Höchsten Sitz Aus⸗ fährt mit Feur und hellem Blitz! Du Strom, von Got⸗ tes Thron geflossen Und von des Lammes Stuhl ergossen! Hallelujah! Hallelujah! 2. O reines Wesen, nie ge⸗ sehn, Unendlich, wie des Him⸗ mels Höhn, Nichts ist, was dir verhehlet werde. Du füllst den Himmel und die Erde; Du schauest in der Gottheit Grund, All ihr Geheimniß ist dir kund; Du bists, der 101 alles forscht und findet Und aller Menschen Herz ergrün⸗ det. Hallelujah! Hallelujah! 3. Du hast uns Christum zugesandt Und machst ihn aller Welt bekannt, Hast ihn mit Majestät verkläret Und pflanzest fort, was er gelehret. Du schreibst sein Wort in unser Herz; Du ziehst die Seelen himmelwärts, Ein Gott der Kräfte, Geist der Gaben, Ein Herr der Aemter, die wir haben. Hallelujah! Hallelujah! 4. Du bist der wahren Kind⸗ schaft Geist, Der uns zum Vater treten heißt; Du lehrst uns seine Liebe kennen Und ihn von Herzen Abba nen⸗ nen, Vertrittst, wenn wir in Schwachheit stehn, Uns selbst mit deinem starken Flehn, Bist uns das Siegel seiner Gnade, Ein Führer auf dem Lebenspfade.Hallelujah! Hal⸗ lelujah! 5. Gott, deine Frucht ist Gütigkeit, Zucht, Keuschheit, Demuth, Freudigkeit. Du giebst uns Glauben, Trost dem Herzen, Fried, Hoffnung und Geduld in Schmerzen; Und wo du deinen Tempel hast, Da wohnet Liebe, Ruh und Rast; Da kann ein Sün⸗ der schon auf Erden Mit Gott, dem Höchsten, eines werden. Hallelujah! Hallelujah! 6. O du, des wahren Erb⸗ theils Pfand, Führ uns an deiner Liebeshand; Treib uns zum heiligen Verlangen, Dir 2——— 10² Ausgießung des h. Geistes. unverrücklich anzuhangen. Nimm, Herr, uns deinen Frieden nicht Und wend auf uns dein Angesicht, So wer⸗ den wir in Tod und Leben Dir ewig Preis und Ehre geben. Hallelujah! Halle⸗ lujah! Mel. Durch Adams Fall ist ganz ꝛc. 148. Heut ist das rechte Jubelfest Der Kirche an⸗ gegangen, Daran ein Glanz sich sehen läßt Des Geistes, den empfangen Der Jünger Schaar, die offenbar Von die⸗ sem Himmelsregen Erauicket ist. Dies, o mein Christ, Kann Herz und Muth bewegen. 2. Heut hat der große Him⸗ melsherr Herolde ausgesen⸗ det. Schaut seine tapfren Pre⸗ diger! Die haben sich gewen⸗ det An manchen Ort; daklingt ihr Wort: Thut Buß, ihr Leut auf Erden! Dies ist die Zeit, so euch befreit Und lässet selig werden. 3. Es läßt die Kirche, Christi Braut, Sich hören auf den Wegen; Sie tritt hervor und rufet laut: Da kommt nun euer Segen! Macht auf die Thür! Jetzt geht herfür Der Geist mit Pracht und Ehren; Der will in euch sein herrlich teich Erbauen und vermeh⸗ ren. 4. O Tag des Heils, o gro⸗ ßer Tag, Desgleichen nie ge⸗ sehen! O Tag, davon man sagen mag, Daß Wunder sind geschehen Im Himmelreich, als auch zugleich Hier unten auf der Erden! Gott fähret auf; des Geistes Lauf Geht nieder zu der Erden. 5. O süßer Tag, nun wird der Geist Vom Himmel aus⸗ gegossen; Der Geist, der uns der Welt entreißt Und uns, als Reichsgenossen, Der Sterblichkeit sogar befreit, Zu Jesu lässet kommen. Ach würd ich bald auch dergestalt An diesen Ort genommen! 6. O guter Geist, regiere doch Mein Herz, daß ich dich liebe, Daß meine Seel das Sündenjoch Hinfort nicht mehr betrübe. Herr, laß mich bald des Feurs Gewalt, Das himmlisch ist, empfinden, Und alle Noth, ja selbst den Tod Durch solches überwinden. Joh. Rist, g. 1707, st. 1667. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. 119. O heiliger Geist, kehr bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein; O komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei uns und in uns kräftig sein Zu steter Freud und Wonne; Daß wir In dir Recht zu leben uns er⸗ geben und mit Beten Oft deß⸗ halben vor dich treten. 2. Gieb Kraft und Nach⸗ druck deinem Wort, Laß es wie Feuer immerfort In un⸗ sern Herzen brennen, Daß wir den Vater, seinen Sohn, V V Pfingsten. 103 Dich, beider Geist, in einem Thron, Für wahren Gott be⸗ kennen. Bleibe, Treibe Und behüte das Gemüthe, daß wir gläuben Und im Glauben standhaft bleiben. 3. Du Ouell, draus alle Weisheit fleußt, Die sich in fromme Seelen geußt, Laß deinen Trost uns hören, Daß wir in Glaubenseinigkeit Auch andre in der Christen⸗ heit Dein wahres Zeugniß lehren. Höre, Lehre, Herz und Sinnen zu gewinnen, dich zu preisen, Guts dem Nächsten zu erweisen. 4. Steh uns stets bei mit deinem Rath Und führ uns selbst den rechten Pfad, Weil wir den Weg nicht wissen. Gieb uns Beständigkeit, daß wir Getreu dir bleiben für und für, Wenn wir auch lei⸗ den müssen. Schaue, Baue, Was zerrissen und geflissen dir zu trauen Und auf dich allein zu bauen. 5. Laß uns dein edle Bal⸗ samkraft Empfinden und zur Ritterschaft Dadurch gestärket werden, Auf daß wir unter deinem Schutz Begegnen aller Feinde Trutz, So lang wir mit Liebestreu Und sich dar⸗ innen übe. Kein Neid, Kein Streit Dich betrübe; reine Liebe wollst du geben, Sanft⸗ muth und Demuth daneben. 7. Hilf, daß in wahrer Hei⸗ ligkeit Wir führen unsre Le⸗ benszeit. Sei unsers Geistes Stärke, Daß uns forthin sei wohl bewußt, Wie eitel ist des Fleisches Lust Und seine Sündenwerke. Rühre, Führe Unser Sinnen und Beginnen von der Erden, Bis wir Him⸗ melserben werden. Mich. Schirmer, g. 1606, st. 1678. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 150. O du allersüßte Freude, O du allerschönstes Licht, Der du uns in Lieb und Leide Unbesuchet lässest nicht; Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der du hältst und hal⸗ ten wirst Ohn Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe! 2. Du bist ja die beste Ga⸗ be, Die ein Mensch nur nen⸗ nen kann. Wenn ich dich er⸗ wünsch und habe, Geb ich al⸗ les Wünschen an. Ach ergieb dich, komm zu mir In mein Herze, das du dir, Da ich in sind auf Erden. Laß dich Reichlich Auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinden, Alles Unglück überwinden. 6. Du süßer Himmelsthau, laß dich In unsre Herzen kräf⸗ tiglich Und schenk uns deine Liebe, Daß unser Sinn ver⸗ die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserkoren! 3. Du wirst aus des Him⸗ mels Throne Wie ein Regen ausgeschütt, Bringst vom Vater und vom Sohne Nichts als lauter Segen mit. Laß doch, o du werther Gast, Got⸗ bunden sei Dem Nächsten stets tes Segen, den du hast Und verwaltst nach deinem Willen, rin an Leib und Seele fül⸗ en. 4. Du bist weis und voll Verstandes, Was geheim ist, ist dir kund; Zählst den Staub des kleines Sandes, Gründst des tiefen Meeres Grund. Nun, du weißt auch zweifels⸗ frei, Wie verderbt und blind ich sei; Drum gieb Weisheit und vor allen, wie ich möge Gott gefallen. 5. Du bist heilig, läßt dich finden, Wo man rein und sauber ist; Fleuchst hingegen F Schand und Sünden, Wie die Tauben rein du bist. Mache mich, o Gnadenquell, Durch dein Waschen rein und hell; Laß mich fliehen, was du fliehest, Gieb mir, was du gerne siehest. 6. Du bist, wie ein Schäf⸗ lein pfleget, Frommen Her⸗ zens, sanftes Muths; Bleibst im Lieben unbeweget, Thust uns Bösen alles Guts. Ach verleih und gieb mir auch Die⸗ sen edlen Sinn und Brauch, Daß ich Freund und Feinde liebe, Keinen, den du liebst, betrübe. 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, Wenn du mich nur nicht verstößt; Bleib ich von dir ungeschieden, Ei so bin ich gnug getröst. Laß mich sein dein Eigenthum; Ich versprech hinwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. Ausgießung des h. Geistes. 8. Ich entsage, Herr, dem allen, Was dir deinen Ruhm benimmt. Meiner Seel soll nichts gefallen, Als allein, was von dir kömmt. Was der Satan will und sucht, Will ich halten als verflucht; Ich will seinen schnöden Wegen Mich mit Ernst zuwider le⸗ gen. 9. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treulich ste⸗ hest bei! Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hülfe nöthig sei; Brich des bösen leisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Mach ihn allerdinges neue, Daß mein Gott sich meiner freue. 10. Sei mein Retter, halt mich eben; Wenn ich sinke, sei mein Stab; Wenn ich sterbe, sei mein Leben; Wenn ich liege, seimein Grab. Wenn ich wieder aufersteh, Ei so hilf mir, daß ich geh Hin, da du in ewgen Freuden Wirst dein Auserwählten weiden. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Helft mir Gotts Güte preisen. 151. Zeuch ein zu mei⸗ nen Thoren, Sei meines Her⸗ zens Gast, Der du, da ich ge⸗ boren, Mich neu geboren hast, O hochgeliebter Geist Des Vaters und des Sohnes, Mit beiden gleichen Thrones, Mit beiden gleich gepreist! 2. Zeuch ein, laß mich em⸗ pfinden Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns Pfingsten. 10⁵ von Sünden Hülf und Er⸗ rettung schafft. Entsündge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. 3. Ich war ein wilder Re⸗ ben, Du hast mich gut ge⸗ macht. Der Tod durchdrang mein Leben, du hast ihn um⸗ gebracht Und in der Tauf er⸗ stickt, Als wie in einer Flute, Mit dessen Tod und Blute, Der uns im Tod erquickt. 4. Du bist das heilge Oele, Dadurch gesalbet ist Mein Leib und meine Seele Dem Herren Jesu Christ Zum wahren Eigenthum, Zum Priester und Propheten, Zum König, den in Nöthen, Gott schützt im Heiligthum. 5. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll. Dein Beten wird erhö⸗ ret, Dein Singen klinget wohl; Es steigt zum Himmel an, Es steigt und läßt nicht abe, Bis der geholfen habe, Der allen helfen kann. 6. Du bist ein Geist der Freuden, Vom Trauern hältst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manches⸗ mal Hast du mit süßen Wor⸗ ten Mir aufgethan die Pfor⸗ ten Zum güldnen Freuden⸗ saal! 7. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund derFreund⸗ lichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß Neid und Streit. Der Feind⸗ schaft bist du feind, Willst, daß durchLiebesflammen Sich wieder thun zusammen, Die voller Zwietracht sind. 8. Du, Herr, hast selbst in Händen Die ganze weite Welt, Kannst Menschenherzen wen⸗ den, Wie dir es wohlgefällt: So gib doch deine Gnad Zum Fried und Liebesban⸗ den, Verknüpf in allen Lan⸗ den, Was sich getrennet hat. 9. O laß dein Volk er⸗ kennen Die Vielheit seiner Sünd, Auch Gottes Grimm so brennen, Daß er bei uns entzünd Den ernsten, bit⸗ tern Schmerz Und Buße, die bereuet Das, deß zuerst sich freuet Ein weltergebnes Herz. 10. Erhebe dich und steure Dem Herzleid auf der Erd, Bring wieder und erneure Die Wohlfarth deiner Heerd. Laß blühen, wie zuvor, Die Länder, so verheeret, Die Kirchen, so zerstöret Durch Krieg und Feuerszorn. 11. Beschirm die Obrigkei⸗ ten, Bau unsers Fürsten Thron, Steh ihm und uns zur Seiten; Schmück, als mit einer Kron, Die Alten mit Verstand, Mit Frömmig⸗ keit die Jugend, Mit Gottes⸗ furcht und Tugend das Volk im ganzen Land. 12. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, Der dir sich widersetzet Und, was dein Herz ergötzet, Aus unsern Herzen reißt. 13. Gib Freudigkeit und Stärke, Zu stehen in dem Streit, Den Satans Reich und Werke Uns täglich aner⸗ beut. Hilf kämpfen ritterlich, Damit wir überwinden Und ja zum Dienst der Sünden Kein Christ ergebe sich. 14. Richt unser ganzes Le⸗ ben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn wirs sollen ge⸗ ben Ins Todes Hände hin, Wenns mit uns hie wird aus: So hilf uns fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ewgen Lebens Haus. Paul Gerhardt, g. 1606, sl. 1676. 152. Komm, o komm, du Geist des Lebens, Wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht vergebens, Sie erfüll uns jederzeit; So wird Geist und Licht und Schein In dem dunkeln Herzen sein. 2. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Ver⸗ stand und Zucht, Daß wir anders nichts beginnen, Als was nur dein Wille sucht. Dein Erkenntniß werde groß 195. mach uns vom Irrthum o8. 3. Zeige, Herr, die Wohl⸗ fahrtsstege, Führ uns auf des Heiles Bahn; Räume ferner aus dem Wege, Was im Lau⸗ fen hindern kann. Wirke Reu Ausgießung des h. Geistes. an Sünden Statt, Wenn der Fuß gestrauchelt hat. 4. Laß uns stets dein Zeug⸗ niß fühlen, Daß wir Gottes Kinder sind, Die auf ihn al⸗ leine zielen, Wenn sich Noth und Drangsal findt; Denn des Vaters liebe Ruth Ist uns allewege gut. 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten Frei mit aller Freudig⸗ keit; Seufz auch in uns, wenn wir beten, Und vertritt uns allezeit, So wird unsre Bitt erhört Und die Zuversicht ver⸗ mehrt. 6. Wird uns auch nach Tro⸗ ste bange, Daß das Herz oft rufen muß: Ach mein Gott, mein Gott, wie lange! Ei so mache den Beschluß; Sprich der Seele tröstlich zu Und gib Muth, Geduld und Ruh. 7. O du Geist der Kraft und Stärke, Du gewisser, neuer Geist, Fördre in uns deine Werke. Wenn der Satan Macht beweist, Schenk uns Waffen in dem Krieg Und erhalt uns in dem Sieg. 8. Herr, bewahr auch un⸗ sern Glauben, Daß kein Teu⸗ fel, Tod, noch Spott Uns denselben möge rauben; Du bist unser Schutz und Gott. Sagt das Fleisch gleich immer sen. Laß dein Wort gewisser ein. 9. Wenn wir endlich sollen sterben, So versichre uns je mehr, Als des Himmelreiches Erben, Jener Herrlichkeit und Pfingsten. Ehr, die uns unser Gott er⸗ 1. Und nicht auszusprechen ist. Um 1692 Wel. Wie nach einer Wasserquelle. 153. Freuet euch, ihr Gotteskinder, Freuet euch, ihr Menschen all! Freuet euch, ihr armen Sünder, Jauchzet Gott mit großem Schall! Euer Tröster kommt zu euch, Der euch in das Freudenreich Will aus diesem Jammer bringen, Helfen euch den Sieg errin⸗ gen. 2. Unsers Herzens Trost ist kommen, Gottes Geist, das Freudenlicht, Der Beschirmer aller Frommen, Unser Schutz und Zuversicht. Preiset seine Güt und Treu, die noch alle Morgen neu; So wird er uns allen geben, Hier und dort mit ihm zu leben. Joh. Olearius, g. 1611, st. 1684. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 154. Geist vom Vater und vom Sohne, der du un⸗ ser Tröster bist Und von un⸗ sers Gottes Throne Hülfreich auf uns Schwache siehst, Stehe du mir mächtig bei, Daß ich Gott ergeben sei; O so wird mein Herz auf Erden Schon ein Tempel Gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner Wege Deine Weisheit mit mir sein, Wenn ich bange het wi hege, Deine Wahr⸗ eit mich erfreun, Lenke kräf⸗ 107 tig meinen Sinn Auf mein wahres Wohlsein hin. Lehrst du mich, was recht ist, wäh⸗ len, Werd ich nie mein Heil verfehlen. 3. Heilige des Herzens Triebe, Daß ich über alles treu Meinen Gott und Vater lie⸗ be, Daß mir nichts so wichtig sei, Als in seiner Huld zu stehn. Seinen Namen zu er⸗ höhn, Seinen Willen zu voll⸗ bringen, Müsse mir durch dich gelingen. 4. Stärke mich, wenn wo zur Sünde Mein Gemüth versuchet wird, Daß sie mich nicht überwinde. Hab ich ir⸗ gend mich verirrt, O so strafe selbst mein Herz, Daß ich un⸗ ter Reu und Schmerz Mich vor Gott darüber beuge Und mein Herz zur Bessrung neige. 5. Reize mich, mit Flehn und Beten, Wenn mir Hülfe nöthig ist, Zu dem Gnaden⸗ stuhl zu treten. Gib, daß ich auf Jesum Christ Als auf meinen Mittler schau Und auf ihn die Hoffnung bau, Gnad um Gnad auf mein Verlangen Von dem Vater zu empfangen. 6. Stehe mir in allen Lei⸗ den Stets mit deinem Troste bei, Daß ich auch alsdann mit Freuden Gottes Führung folgsam sei. Gib mir ein gelassen Herz; Laß mich selbst im Todesschmerz, Bis zum frohen Ueberwinden, Deines Trostes Kraft empfinden. Nach Gottfr. Hoffmann, 9 1658 st. 1712. — 10⁸ Mel. Kommt her zu mir, spricht ꝛc. 155. Es saß ein from⸗ mes Häuflein dort Und wollte nach des Herren Wort Ein⸗ müthig Pfingsten halten. Ach laß auch jetzt imChristenstand, Herr Jesu, deiner Liebe Band Bei frommen Gliedern wal⸗ ten! 2. Schnell fiel hernieder auf das Haus Ein starker Wind, der mit Gebraus Sich wun⸗ dersam erhoben. O Gottes⸗ hauch, ach lasse dich Bei uns auch spüren mächtiglich Und weh uns an von oben! 3. Er füllete die Wohnung ganz, Zertheilter Zungen Feuerglanz Ließ sich auf je⸗ dem spüren. Ach nimm auch unsre Kirche ein, Laß feurig unsre Lehrer sein Und deine Sprach uns rühren! 4. Sie wurden all des Gei⸗ stes voll Und fingen an zu reden wohl, Wie er gab aus⸗ zusprechen. Erfüll auch uns mit heilger Glut, Daß wir des Herzens blöden Muth Mit freier Rede brechen! 5. Der Parther, Meder, Elamit Kann, was zum Heil der Welt geschieht, In seiner Sprache hören. Ach hebe Ba⸗ bels Irrsal auf; Gieb, Jesu, deinem Wort den Lauf, Daß dich die Völker ehren! 6. Die Welt zwar treibt nur ihren Spott, Und wer nicht merkt die Kraft aus Gott, Spricht leider: Sie sind trun⸗ ken. Den rechten Freuden⸗ Außgießung des h. Geistes. wein uns gib; Erquick, o Herr, in deiner Lieb, Was vor in Angst versunken! 7. Dein Licht treib in des Herzens Haus Mit hellen Strahlen gänzlich aus Die alten Finsternisse, DaßBlind⸗ heit, Irrthum, falscher Wahn, Und was uns sonst verleiten kann, Auf ewig weichen müsse. 8. Dein Feuer tödt in un⸗ srer Brust, Was sich noch regt von Sündenlust, Erwecke rei⸗ ne Triebe, Auf daß wir schmecken wahre Freud An⸗ statt der schnöden Eitelkeit In Jesu süßer Liebe. Nach dem Schaffhauser Gesangbuch von 1780 Mel. Jesu, meine Freude. 156. Schmückt das Fest mit Maien, Lasset Blumen streuen; Zündet Opfer an! Denn der Geist der Gnaden Hat sich eingeladen; Machet ihm die Bahn! Nehmt ihn ein, so wird sein Schein Euch mit Licht und Heil erfüllen Und den Kummer stillen. 2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rath und That, Starker Gottesfinger, Friedensüber⸗— bringer, Licht auf unserm Pfad! Gib uns Kraft und Lebenssaft, Laß uns deine theuern Gaben Nach Vergnü⸗ gen laben. 3. Laß die Zungen bren⸗ nen, Wenn wir Jesum nen⸗ nen; Führ den Geist empor. Gib uns Kraft zu beten Und Pfingsten. 109 vor Gott zu treten; Sprich du selbst uns vor. Gieb uns Muth, du höchstes Gut, Tröst uns kräftiglich von oben Bei der Feinde Toben. 4. Helles Licht, erleuchte, Klarer Brunn, befeuchte Unser Herz und Sinn; Gnadenöl, erquicke, O Magnet, ent⸗ zücke Uns zum Himmel hin. Baue dir den Tempel hier, Daß dein Herd und Feuer brennet, Wo man Gott be⸗ kennet. 5. Goldner Himmelsregen, Schütte deinen Segen Auf das Kirchenfeld. Lasse Strö⸗ me fließen, Die das Land be⸗ gießen, Wo dein Wort hin⸗ fällt; Und verleih, daß es gedeih, Hundertfältig Früchte bringe Und ihm stets ge⸗ linge. 6. Schlage deine Flammen Ueber uns zusammen, Wahre Liebesglut; Laß dein sanftes Wehen Auch bei uns gesche⸗ hen, Dämpfe Fleisch und Blut. Laß uns doch das Sün⸗ denjoch Nicht mehr, wie vor diesem, ziehen Und das Böse fliehen. 7. Gieb zu allen Dingen Wollen und Vollbringen, Führ uns ein und aus; Wohn in unsrer Seele, Und des Herzens Höhle Sei dein eigen Haus. Werthes Pfand, mach uns bekannt, Wie wir Jesum recht erkennen Und Gott Vater nennen. 8. Mach das Kreuze süße Und im Finsternisse Sei du unser Licht. Trag nach Zions Hügeln Uns mit Glaubens⸗ flügeln Und verlaß uns nicht, Wenn der Tod, die letzte Noth, Mit uns will zu Felde liegen, Daß wir fröhlich siegen. 9. Laß uns hier indessen Nimmermehr vergessen, Daß wir Gott verwandt. Dem laß uns stets dienen Und im Gu⸗ ten grünen Als ein fruchtbar Land, Bis wir dort, du wer⸗ ther Hort, Bei den grünen Himmelsmaien Ewig uns erfreuen. Benjamin Schmolk g. 1672, st. 1787. Mel. Erquicke mich, du Heil der ꝛc. 157. O Gott, o Geist, o Licht des Lebens, Das uns im Todesschatten scheint, Du scheinst und lockst so lang ver⸗ ebens Weil Finsterniß dem ichte sfeind. O Geist, dem keiner kann entgehen, Ich laß dich gern den Jammer sehen. 2. Entdecke alles und ver⸗ zehre, Was nicht in deinem Lichte rein, Wenn mirs gleich noch so schmerzlich wäre; Die Wonne folgt nach solcher Pein. Du wirst mich aus dem finstern Alten In Jesu Klar⸗ heit umgestalten. 3. Dem Sündengift ist nicht zu steuern; Durchsalbe du mich, so geschichts. Du mußt von Grund auf mich erneuern, Sonst hilft mein eignes Trachten nichts. O Geist, sei meines Geistes Leben; *. 1 2 II 110 Ich kann mir selbst kein Gu⸗ tes geben. 4. Du Athem aus der ewgen Stille, Durchwehe sanft der Seelen Grund; Füll mich mit aller Gottesfülle, Und da, wo Sünd und Gräuel stund, Laß Glauben, Lieb und Ehrfurcht grünen, Im Geist und Wahr⸗ heit Gott zu dienen. 5. Mein Wirken, Wollen und Beginnen Sei kindlich folgsam deinem Trieb. Be⸗ wahr mein Herz und alle Sinnen Untadelig in Gottes Lieb. Dein In⸗Mir-⸗Beten, Lehren, Kämpfen Laß mich auf keine Weise dämpfen. 6. O Geist, o Strom, der uns vom Sohne Eröffnet und krystallenrein Aus Gottes und des Lammes Throne Nun quillt in stille Herzen ein, Ich öffne meinen Mund und sinke Hin zu der Quelle, daß ich trinke. 7. Ich laß mich dir und bleib indessen Von allem ab⸗ gekehrt dir nah. Ich will die Welt und mich vergessen, Dies innigst glauben: Gott ist da! O Gott, o Geist, o Licht des Lebens, Man harret deiner nie vergebens. Gerhard Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 158. Komm, du sanfter Gnadenregen, Komm, du Geist b der Herrlichkeit, Komm, du Segen aller Segen! Mache du mich selbst bereit, Dich Ausgießung des h. Geistes. mit wartendem Verlangen Hier begierig zu empfangen. 2. Fülle mich mit deinen Gaben. Ach komm selbst zu mir herein; Denn ich muß dich selber haben! Laß mich deine Wohnung sein, Laß in deinem Licht mich sehen Und aus Kraft in Kräfte gehen. 3. So kann ich den Herrn erkennen, Der mein Gottver⸗ söhner ist, Und ihn freudig Heiland nennen, Meinen Herrn und meinen Christ. Ja so darf ich Abba beten Und als Kind zum Vater treten. Friedr. Aug. Weihe, g. 1721, st. 1771. Mel. Fröhlich soll mein Herze ꝛc. 159. Höchster Tröster, komm hernieder! Geist des Herrn, Sei nicht fern, Salbe Jesu Glieder! Er, der nie sein Wort gebrochen, Jesus hat Deinen Rath Seinem Volk versprochen. 2. Schöpfer unsers neuen Lebens, Jeder Schritt, Jeder Tritt Ist ohn dich vergebens. Ach das Seelenwerk ist wich⸗ tig! Wer ist wohl, Wie er soll, Treu zu handeln tüch⸗ tig ꝰ 3. Weck uns auf vom Sün⸗ denschlafe, Rette doch Heute noch Die verlornen Schafe. Reiß die Welt aus dem Ver⸗ derben, Laß sie nicht Im Gericht Der Verstockung ster⸗ en. 4. Geist der Weisheit, gieb uns allen Durch dein Licht Unterricht, Wie wir Gott ge⸗ Pfingsten. 111 fallen. Lehr uns recht vor Gott zu treten, Sei uns nah Und sprich ja, Wenn wir gläubig beten. 5. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen; Gieb uns Muth, Fleisch und Blut, Sünd und Welt zu dämpfen. Laß uns Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Noth, Schmerz und Tod Nicht von Jesu scheiden. 6. Hilf uns nach dem Besten streben; Schenk uns Kraft, Tugendhaft Und gerecht zu leben. Gieb, daß wir nie stille stehen; Treib uns an, Froh die Bahn Deines Worts zu geben. ö 7. Sei bei Schwachheit un⸗ sre Stütze, Steh uns bei, Mach uns treu In der Prüfungs⸗ hitze. Führ, wenn Gott uns nach dem Leide Sterben heißt, Unsern Geist Freudig in die Freude. Ehrenfr. Liebich, g. 1713, st. 1780. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 160. Der du uns als Vater liebest, Treuer Gott, und deinen Geist Denen, die dich bitten, giebest, Ja, uns um ihn bitten heißt; De⸗ muthsvoll fleh ich zu dir: Va⸗ ter, send ihn auch zu mir, Daß er meinen Geist erneue Und ihn dir zum Tempel weihe. 3. Ohne ihn fehlt meinem Wissen Leben, Kraft und Fruchtbarkeit; Und mein Herz bleibt dir entrissen Und dem Dienst der Welt geweiht, Wenn er nicht durch seine Kraft Die Gesinnung in mir schafft, Daß ich dir mich ganz ergebe Und zu deiner Ehre lebe. 3. Auch dich kann ich nicht erkennen, Jesu, noch mit äch⸗ ter Treu Meinen Gott und Herrn dich nennen, Stehet mir dein Geist nicht bei. Drum so laß ihn kräftiglich In mir wirken, daß ich dich Glaubensvoll als Mittler ehre Und auf deine Stimme höre. 4. Ewge Quelle heilger Gü⸗ ter, Hochgelobter Gottesgeist, Der du menschliche Gemü⸗ ther Besserst und mit Trost erfreust, Nach dir, Herr, ver⸗ langt auch mich; Ich ergebe mich an dich. Mache mich zu Gottes Preise Heilig und zum Himmel weise. 5. Fülle mich mit heilgen Trieben, Daß ich Gott, mein höchstes Gut, Ueber alles möge lieben, Daß ich mit getro⸗ stem Muth Seiner Vaterhuld mich freu Und mit wahrer Kindestreu Stets vor seinen Augen wandle Und rechtschaf⸗ fen denk und handle. 6. Geist des Friedens und der Liebe, Bilde mich nach deinem Sinn, Daß ich Lieb und Sanftmuth übe Und mirs rechne zum Gewinn, Wenn ich je ein Friedensband Knü⸗ pfen kann, wenn meine Hand Zur Erleichtrung von Be⸗ schwerden Kann dem Nächsten nützlich werden. PIFIqꝑIII ENEE 11² 7. Gieb mir wahre Selbst⸗ erkenntniß, Daß ich meine Fehler seh, Und durch de⸗ muthsvoll Bekenntniß Gott hie um Vergebung fleh. Ma⸗ che täglich Ernst und Treu, Sie zu bessern, in mir neu; Zu dem Heiligungsgeschäfte Gieb mir immer neue Kräfte. 8. Wenn der Anblick mei⸗ ner Sünden Mein Gewissen niederschlägt, Wenn sich in mir Zweifel finden, Die mein Herz mit Kummer hegt, Die Kirche Christi. Wenn mein Aug in Nöthen weint, Und Gott nicht zu hö⸗ ren scheint: O dann laß es meiner Seelen Nicht an Trost und Stärkung fehlen. 9. Was sich Gutes in mir findet, Ist dein Gnadenwerk in mir; Selbst den Trieb hast du entzündet, Daß mich, Herr, verlangt nach dir. O so setze durch dein Wort Deine Gna⸗ denwirkung fort, Bis sie durch ein selig Ende Herrlich sich an mir vollende. David Bruhn, st. 1782. XI. Die Rirche Christi. Psalm 46. 161. Ein feste Burg ist unser Gott, Ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Noth, Die uns s jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind Mit Ernst ers jetzt meint; Groß Macht und viel List Sein Ed int Rüstung ist; Auf Erd ist nicht seins Gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren. Es streit für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr Ze⸗ baoth, Und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er be⸗ halten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr; Es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, Wie saur er sich tellt, Thut er uns doch nicht; Das macht, er ist gericht, Ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen las⸗ sen stahn Und kein Dank dar⸗ zu haben. Er ist bei uns wohl auf dem Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: Laß fahren dahin, Sie habens kein Gewinn; Das Reich muß uns doch bleiben. Lutheri Heldenlied, 1529. Psalm 124. 62. Wär Gott nicht mit uns diese Zeit, So soll Israel sagen, Wär Gott nicht *— +— Die Kirche Christi. 113 mit uns diese Zeit, Wir hät⸗ ten mußt verzagen, Die so ein armes Häuflein sind, Veracht von so viel Men⸗ schenkind, Die an uns setzen alle. 2. Auf uns so zornig ist ihr Sinn, Wo Gott das hätt zu⸗ geben, Verschlungen hätten sie uns hin Mit ganzem Leib und Leben; Wir wärn, als die ein Flut ersäuft Und über die groß Wasser läuft Und mit Gewalt verschwemmet. 3. Gott Lob und Dank, der nicht zugab, Daß ihr Schlund uns möcht fangen! Wie ein Vogel des Stricks kommt ab, Ist unser Seel entgangen. Strick ist entzwei, und wir sind frei! Des Herren Name steht uns bei, Des Gottes Himmls und Erden. Martin Luther, g. 1483, st. 1546. Psalm 12. 163. Ach, Gott vom Himmel, sieh darein Und laß dich deß erbarmen! Wie we⸗ nig sind der Heilgen dein, Verlassen sind wir Armen. Dein Wort man läßt nicht haben wahr, Der Glaub ist auch erloschen gar Bei allen Menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche List, Was eigner Witz er⸗ findet; Ihr Herz nicht eines Sinnes ist In Gottes Wort gegründet. Der wählet dies, der ander das; Sie trennen uns ohn alle Maß Und glei⸗ ßen schön von außen. 3. Gott woll ausrotten alle gar, Die falschen Schein uns lehren; Dazu ihr Zung stolz offenbar Spricht: Trotz! wer wills uns wehren? Wir ha⸗ ben Recht und Macht allein; Was wir setzen, das gilt ge⸗ mein. Wer ist, der uns soll meisternꝰ 4. Darum spricht Gott: Ich muß auf sein, Die Armen sind verstöret; Ihr Seufzer dringt zu mir herein, Ich hab ihr Klag erhöret. Mein heilsam Wort soll auf dem Plan Ge⸗ trost und frisch sie greifen an Und sein die Kraft der Armen. 5. Das Silber, durchs Feur siebenmal Bewährt, wird lau⸗ ter funden. An Gottes Wort man warten soll Desglei⸗ chen alle Stunden. Es will durchs Kreuz bewähret sein; Da wird erkannt sein Kraft und Schein Und leucht stark in die Lande. 6. Das wollst du, Gott, bewahren rein Vor diesem argen Gschlechte; Und laß uns dir befohlen sein, Daß sichs in uns nicht flechte.“) Der gottlos Hauf sich umher findt, Wo diese losen Leute sind In deinem Volk er⸗ haben. einreiße Martin Luther, 9. 1483, st. 1546. 161. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort Und steur der Feinde List und Mord, Die Jesum Christum, deinen Sohn, Wollen stürzen von seinem Thron. 8 äͤä 11¹⁴ Die Kirche Christi. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr al⸗ ler Herren bist; Beschirm dein arme Christenheit, Daß sie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott heilger Geist, du Tröster werth, Gieb deinm Volk einrlei Sinn auf Erd; Steh bei uns in der letzten Noth, Gleit uns ins Leben aus dem Tod. Martin Luther, g. 1483, st. 1546. 165. Verleih uns Frie⸗ den gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten; Es ist doch ja kein andrer nicht, Der für uns könnte streiten, Denn du, unser Gott, alleine. Martin Luther, nach Gregor d. O.(st. 604) Da nobis pacem, Domine. 166. Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hält, Wenn un⸗ sre Feinde toben, Und er nicht unser Sach zufällt Im Him⸗ mel hoch dort oben; Wo er Israels Schutz nicht ist Und selber bricht der Feinde List, So ists mit uns verloren. 6. Was Menschenkraft und Witz anfäht, Soll billig uns nicht schrecken. Er sitzet an der höchsten Stätt; Der wird ihrn Rath aufdecken. Wenn sies aufs klügste greifen an, So geht doch Gott ein ander Bahn; Es steht in seinen Händen. 3. Sie wüthen fast und fah⸗ ren her, Als wollten sie uns fressen; Zu würgen steht all ihr Begehr; Gotts ist bei ihn'n vergessen. Wie Meeres⸗ wellen einhergehn, Nach Leib und Leben sie uns stehn. Deß wird sich Gott erbarmen. 4. Sie stellen uns wie Ketzern nach, Nach unserm Blut sie trachten; Noch rüh⸗ men sie sich Christen hoch, Die Gott allein groß achten. Ach Gott, der theure Name dein Muß ihrer Schalkheit Deckel sein! Du wirst einmal auf⸗ wachen. 5. Aufsperren sie den Ra⸗ chen weit Und wollen uns ver⸗ schlingen. Lob und Dank sei Gott allezeit; Es wird ihn'n nicht gelingen. Es wird ihrn Strick zerreißen gar Und stürzen ihre falsche Lahr. Sie werdens Gott nicht wehren. 6. Ach, Herr Gott, wie reich tröstest du, Die gänzlich sind verlassen! Die Gnadenthür steht nimmer zu. Vernunft kann das nicht fassen; Sie spricht: Es ist nun alls ver⸗ lorn! Da doch das Kreuz hat neu geborn, Die deine Hülf erwarten. 7. Die Feind sind all in deiner Hand, Dazu all ihr Gedanken; Ihr Anschläg sind dir wohl bekannt. Hilf nur, daß wir nicht wanken. Ver⸗ nunft wider den Glauben ficht; Aufs Künftge will sie trauen nicht, Da du wirst selber trösten. 8. Den Himmel und den Kreis der Erdn Hast du, Herr Gott, gegründet. Dein Licht Die Kirche Christi. laß bei uns helle werdn; Das Herz laß sein entzündet In rechter Lieb des Glaubens dein, Bis an das End be⸗ ständig sein. Die Welt laß immer murren. Just. Jonas, g. 1493, st. 1555. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 167. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist; Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht. 2. In dieser letztn betrübten Zeit Verleih uns alln Bestän⸗ digkeit, Daß wir dein Wort und Sacrament Behalten rein bis an das End. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt; Wir sind gar sicher, faul und kalt. Gieb Glück und Heil zu deinem Wort, Damit es schall an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei dei⸗ nem Wort Und wehr des Teufels Trug und Mord. Gieb deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Muth und Geduld. 5. Ach Gott, es geht gar übel zu; Auf dieser Erd ist keine Ruh; Viel Seeten und viel Schwärmerei Auf einen Haufen kommt herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, Die sich mit Gwalt erheben hoch Und bringen stets was Neues her, Zu fälschen deine rechte Lehr. 11⁵ 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, Nicht unser, son⸗ dern dein ja ist; Darum so steh du denen bei, Die sich auf dich verlassen frei. 8. Dein Wort ist unsers Herzens Trutz Und deiner Kirchen wahrer Schutz; Da⸗ bei erhalt uns, lieber Herr, Daß wir nichts anders suchen mehr. 9. Gieb, daß wir lebn nach deinem Wort Und darauf ferner fahren fort Von hinnen aus dem Jammerthal Zu dir in deinen Himmelssaal. Nie. Selnecker, g. 1532, st. 1592. Mel. Christus, der ist mein Leben. 168. Ach bleib mit dei⸗ ner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hin⸗ fort nicht schade Des bösen Feindes List. 2. Ach bleib mit deinem Worte Bei uns, Erlöser werth, Daß uns beid, hie und dorte, Sei Güt und Heil be⸗ schert. 3. Ach bleib mit deinem Glanze Bei uns, du werthes Licht; Dein Wahrheit uns umschanze, Damit wir irren nicht. 4. Ach bleib mit deinem Se⸗ gen Bei uns, du reicher Herr; Dein Gnad und all Vermö⸗ gen In uns reichlich vermehr. 5. Ach bleib mit deinem Schutze Bei uns, du starker Held, Daß uns der Feind nicht trutze, Noch fäll die böse Welt. ö — 2 4 * — NE — ..——— —1 NN 116 6. Ach bleib mit deiner Treue Bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Noth. Josua Stegmann, g. 1588, st. 1632. Mel. Erhalt uns Herr bei deinem ꝛc. 169. O Jesu Christe, wahres Licht, Erleuchte, die dich kennen nicht, Und bringe sie zu deiner Heerd, Daß ihre Seel auch selig werd. 2. Erfüll mit deiner Gna⸗ den Schein, Die in Irrthum verführet sein; Auch die, so heimlich noch ficht an In ihrem Sinn ein falscher Wahn. 3. Und was sich sonst ver⸗ laufen hat Von dir, das suche du mit Gnad Und ihr ver⸗ wundt Gewissen heil; Laß sie am Himmel haben Theil. 4. Den Tauben öffne das Gehör; Die Stummen rich— tig reden lehr, Die nicht bekennen wollen frei, Was ihres Herzens Glaube sei. 5. Erleuchte die da sind ver⸗ blendt; Bring her, die sich von uns getrennt; Versammle, die zerstreuet gehn; Mach feste, die im Zweifel stehn. 6. So werden sie mit uns zugleich Auf Erden und im Himmelreich Hier zeitlich und dort ewiglich Für solche Gnade preisen dich. Joh. Heermann, g. 1585, st. 1647. Jes. 40, 14—16. 170. Zion klagt mit Angst und Schmerzen, Zion, Die Kirche Christi. Gottes werthe Stadt, Die er trägt in seinem Herzen, Die er ihm erwählet hat. Ach, spricht sie, wie hat mein Gott Mich verlassen in der Noth Und läßt mich so harte pres⸗ sen; Meiner hat er ganz ver⸗ gessen! 2. Der Gott, der mir hat versprochen Seinen Beistand jederzeit, Der läßt sich ver⸗ gebens suchen Jetzt in meiner Traurigkeit. Ach will er denn für und für Grausam zürnen über mir? Kann und will er sich der Armen Jetzt nicht, wie vorhin, erbarmen? 3. Zion, o du Vielgeliebte, Sprach zu ihr des Herren Mund, Zwar du bist jetzt die Betrübte, Seel und Geist ist dir verwundt; Doch stell alles Trauern ein! Wo mag eine Mutter sein, Die ihr eigen Kind kann hassen Und aus ihrer Sorge lassen? 4. Ja wenn du gleich möch⸗ test finden Einen solchen Mut⸗ tersinn, Da die Liebe kann verschwinden: So bleib ich doch, der ich bin. Meine Tren bleibt gegen dir, Zion, o du meine Zier. Du hast mir mein Herz besessen; Deiner kann ich nicht vergessen. 5. Laß dich nicht den Satan blenden, Der sonst nichts als schrecken kann. Siehe, hier in meinen Händen Hab ich dich geschrieben an. Wie mag es denn anders sein? Ich muß ja gedenken dein. Deine dich fort und fort anschauen. 6. Du bist mir stets vor den Augen, Du liegst mir in mei⸗ nem Schoß, Wie die Kindlein, die noch saugen; Meine Treu an dir ist groß. Dich und mich soll keine Zeit, Keine Noth, Die Kirche Christi. 117 Mauern will ich bauen Und ten. Wir traun auf dich, wir schrein in Jesu Namen: Hilf, Helfer! Amen! Joh. Heermann, g. 1585, st. 1647. Mel. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 172. Verzage nicht, du Gefahr noch Streit, Ja der Häuflein klein, Obschon die Satan selbst nicht scheiden. Feinde Willens sein, Dich Bleib getreu in allem Leiden! Joh. Heermann, g. 1585, st. 1647. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. 171. Herr, unser Gott, laß nicht zu Schanden wer⸗ den Die, so in ihren Nöthen und Beschwerden Bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen Und zu dir rufen. 2. Zu Schanden mache al⸗ le, die dich hassen, Die sich allein auf ihre Macht ver⸗ lassen. Ach kehre dich mit Gnaden zu uns Armen; Laß dichs erbarmen! 3. Schaffe uns Beistand wider unsre Feinde! Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde; Sie müs⸗ sen Wehr und Waffen nie⸗ derlegen, Kein Glied mehr regen. 4. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen; Verge⸗ bens ist, auf Menschenhülfe bauen. Mit dir wir wollen Thaten thun und kämpfen, Die Feinde dämpfen. 5. Du bist der Held, der sie kann untertreten Und das be⸗ drängte kleine Häuflein ret⸗ gänzlich zu verstören, Und suchen deinen Untergang, Davon dir wird recht angst und bang: Es wird nicht lange währen! 2. Dich tröste nur, daß dei⸗ ne Sach Ist Gottes; dem be⸗ fiehl die Rach Und laß es ihn nur walten. Er wird durch seinen Gideon, Den er wohl kennt, dir helsen schon, Dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Welt, Teufel und Höllenpfort Und was dem thut anhangen, Endlich werden zu Schand und Spott. Gott ist mit uns und wir mit Gott: Den Sieg wolln wir erlangen! Gustav Adolphs(g. 1594. st. 1632) Feldlied⸗ lein; durch des Koͤnigs Beichtvater, Jae. Fa⸗ brieius, in Reime gebracht. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. 173. Christe, du Bei⸗ stand deiner Kreuzgemeine, Mit Hülf und Rettung ei⸗ lends uus erscheine! Den Feinden steure, ihre Blut⸗ gerichte Mache zu nichte! 2. Streite doch selber für dein arme Kinder; Dem Teu⸗ 118 fel wehre, seine Macht ver⸗ hinder; Was alles kämpfet wider deine Glieder, Stürze darnieder. 3. In Kirch und Schulen Frieden uns beschere, Zu⸗ gleich der Obrigkeit Frieden ewähre; Dem Herzen Frie⸗ den, Frieden dem Gewissen Gieb zu genießen. 4. Also wird zeitlich deine Güt erhoben, Also wird ewig und ohn Ende loben Dich, o du Wächter deiner armen Heerde, Himmel und Erde. Apelles v. Löwenstern, g. 1594, st. 1648. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 174. Treuer Hirte dei⸗ ner Heerde, Deiner Glieder starker Schutz, Sieh doch, wie die Asch und Erde, Großer Gott, mit Grimm und Trutz Tobt und wüthet wider dich Und vermißt sich freventlich, Deine Kirche zu zerstören Und dein Erbtheil zu verheeren. 2. Du, Herr, bist ja unser König; Wir sind dein mit Leib und Seel. Menschenhülf ist hier zu wenig, Wo nicht du, Immanuel, Zu der Dei⸗ nen Rettung wachst Und dich selbst zu Felde machst, Für dein wahres Wort zu käm⸗ pfen Und der Feinde Rath zu dämpfen. 3. Es trifft deines Namens Ehre, Deiner Wahrheit Hei⸗ ligthum, Jesu, deines Glau⸗ bens Lehre, Deines Leidens Kraft und Ruhm Und den Die Kirche Christi. Dienst, den dir allein Wir zu leisten schuldig sein. Dazu kannst du ja nicht schweigen; Deine Machthand wirst du zeigen. 4. Stärke nur den schwa⸗ chen Glauben, Den, bei so betrübter Zeit, Fleisch und Satan uns zu rauben Und mit Furcht und Blödigkeit Uns zu schrecken sind bemüht. Deine Weisheit kennt und sieht Deiner Kinder schwach Vermögen Und wird nicht zu viel auflegen. 5. Hilf den Deinen und be⸗ kehre Der Verfolger blindes Heer. Der Verfolgung steur und wehre, Daß sie uns nicht werd zu schwer. Nimm dich der Bedrängten an; Leit auch die auf rechter Bahn, Die noch jetzt durch Satans Lü⸗ gen Sich selbst um ihr Heil betrügen. 6. Laß uns recht und red⸗ lich handeln Und in Tauben⸗ einfalt dir Ganz gelassen hei⸗ lig wandeln, Auch dabei uns klüglich hier Schicken in die böse Zeit Und vor falscher Heiligkeit, Vor der Feinde List und Wüthen Uns mit Schlangenklugheit hüten. 7. Laß mit Beten und mit Wachen Stets uns stehn auf unsrer Hut Und nur dich, Herr, lassen machen, So wird alles werden gut. Jesus strei⸗ tet für uns hier Und vertritt uns dort bei dir, Bis wir auf der neuen Erden Bei ihm triumphiren werden.— Ar— Die Kirche Christi. 8. Herr, wir warten mit Verlangen; Komm und mach uns nur bereit, Dich mit Freuden zu empfangen. Dein bedrängtes Häuflein schreit: Komm, Herr Jesu, zum Ge⸗ richt; Ach verzeuch doch län⸗ ger nicht, Unser Sache zu entscheiden! Hol uns heim zu deinen Freuden! Henr. Cath. v. Gersdorf, g. 1650, st, 1726. Mel. Die Tugend wird durchs ꝛc. 175. Preis, Lob und Dank sei Gott dem Herren, Der seiner Menschen Jam⸗ mer wehrt Und sammelt draus zu seinen Ehren Sich eine ewge Kirch auf Erd, Die er von Anfang schön erbauet Als seine auserwählte Stadt, Die allezeit auf ihn vertrauet, Sich tröstet seiner großen Gnad. 2. Sie ist gebaut auf rech⸗ tem Grunde, Der Jünger und Propheten Lehr, Wie hoch be⸗ zeugt mit einem Munde Der Auserwählten heilges Heer; Aus edeln und lebendgen Steinen, Aus Perlen schön und feinem Gold, Aus Chri⸗ sti Leib, dem heilgen, reinen, Erfüllt mit Glaub, Treu, Lieb und Huld. 3. Der heilge Geist darin regieret, Hat seine Hüter ein⸗ gesetzt; Die wachen stets, wie sichs gebühret, Daß Gottes Haus sei unverletzt; Die führn das Predigtamt darin⸗ nen Und zeigen an das ewge 119 gewinnen Durch Glauben, Lieb und Zuversicht. 4. Die recht in dieser Kirche wohnen, Die werden in Gott selig sein; Des Todes Flut wird sie verschonen, Denn Gottes Arche schließt sie ein. Für sie ist Christi Blut ver⸗ gossen, Das sie im Glauben nehmen an; Sie werden Got⸗ tes Hausgenossen Und sind ihm willig unterthan. 5. Obwohl die Pforten of⸗ fen stehen Und hell das Licht des Tages scheint, Doch kann hinein nicht jeder gehen, Zu sein mit Gott, dem Herrn, vereint. Es ist kein Weg, denn nur der Glaube An Je⸗ sum Christum, unsern Herrn; Wer den nicht geht, der blei⸗ bet draußen, Von Gottes Haus und Tempel fern. 6. Also wird nun des Herrn Gemeine Gepflegt, erhalten in der Zeit; Gott, unser Hort, schützt sie alleine und segnet sie in Ewigkeit. Auch nach dem Tod will er ihr geben Aus Christi Wohlthat, Füll und Gnad, Das ewge freu⸗ denreiche Leben. Das gieb auch uns, Herr unser Gott. Böhmische Brüder. Mel. Dir, dir, Jehovah, will ich ꝛc. 176. Wach auf! du Geist der ersten Zeugen, Die auf der Maur als treue Wäch⸗ ter stehn, Die Tag und Nächte nimmer schweigen Und die ge⸗ trost dem Feind entgegen gehn Licht, Darin wir Bürgerrecht Ja, deren Schall die ganze IIII —. 12⁰ Die Kirche Chrisli. Welt durchdringt Und aller Völker Schaaren zu dir bringt. 2. O daß doch bald dein Feuer brennte! O möcht es doch in alle Lande gehn! Ach Herr, gieb doch in deine Ernte Viel Knechte, die in deiner Arbeit stehn! O, Herr der Ernte, siehe doch darein: Die Ernt ist groß; die Zahl der Knechte klein! 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten Uns diese Bitte in den Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten Sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, Dich herzin⸗ brünstig hierum anzuflehn; Drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn. 4. O gieb dein Wort mit großen Schaaren, Die in der Kraft Evangelisten sein! Laß eilend Hülf uns widerfahren Und brich in Satans Reich mit Macht herein. O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu dei⸗ nes Namens Preis! Gemeinschaft Mel. O du Liebe meiner Liebe. 177. Herz und Herz ver⸗ eint zusammen Sucht in Got⸗ tes Herzen Ruh. Lasset eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu. Er das Haupt, wir seine Glieder; Er das Licht und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder; Er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach kommt, ihr 5. Ach daß die Hülf aus Zion käme! O daß dein Geist, so wie dein Wort verspricht, Dein Volk aus dem Gefäng⸗ niß nähme! O würd es doch nur bald vor Abend licht! Ach reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei Und komm herab zur Hülf und mach uns frei! 6. Ach laß dein Wort recht schnelle laufen! Es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein. Ach führe bald da⸗ durch mit Haufen Der Hei⸗ den Füll in alle Thore ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf Und also segne dei⸗ nes Wortes Lauf! 7. O bessre Zions wüste Stege; Und was dein Wort im Laufe hindern kann, Das räum, ach räum aus jedem Wege! Vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn; Und mach uns bald von jedem Miethling frei, Daß Kirch und Schul ein Garten Got⸗ tes sei. Carl Heinr. v. Bogatzky, g. 1690, st. 1774. der Heiligen. Gnadenkinder, Und erneuert euren Bund, Schwöret un⸗ serm Ueberwinder Lieb und Treu von Herzensgrund. Und wenn eurer Liebeskette Fe⸗— stigkeit und Stärke fehlt, O so flehet um die Wette, Bis sie Jesus wieder stählt. 3. Tragt es unter euch, ihr Glieder, Auf so treues Lieben an, Daß ein jeder für die Gemeinschaft der Heiligen. Brüder Auch das Leben las⸗I O so mache doch die todten, sen kann. So hat uns der Freund geliebet, So zerfloß er dort im Blut; Denkt doch, Daß ein jeder Wenn Wir, wie es ihn betrübet, ihr euch selbst Eintrag thut. 121 Trägen Geister lebensvoll. Zünde an die Liebesflamme, sehen kann, als die von einem Stamme, Stehen auch für 4. Einer reize doch den an⸗ einen Mann. dern, Unserm blutbefreundten 9. Laß uns so vereinigt wer⸗ Lamm Vor das Lager nach⸗ den, Wie du mit dem Vater zuwandern, Das für uns zur Schlachtbank kam. Einer soll den andern wecken, Alle Kräfte Tag für Tag Nach Ver⸗ mögen dran zu strecken, Daß er ihm gefallen mag. 5. Hallelujah! Welche Hö⸗ hen, Welche Tiefen reicher Gnad, Daß wir dem ins Herze sehen, Der uns so geliebet hat; Daß der Vater aller Geister, Der der Wunder Abgrund ist, Daß du, unsicht⸗ barer Meister, Uns so fühl⸗ bar nahe bist! 6. Ach, du holder Freund, vereine Deine dir geweihte Schaar, Daß sie sich so herz⸗ lich meine, Wies dein letzter Wille war. Ja, verbinde in der Wahrheit, Die du selbst im Wesen bist, Alles, was von deiner Klarheit In der That erleuchtet ist. 7. So wird dein Gebet er⸗ füllet, Daß der Vater alle die, Welche du in dich verhüllet, Auch in seine Liebe zieh, Und daß, wie du eins mit ihnen, Also sie auch eines sein, Sich in wahrer Liebe dienen Und einander gern erfreun. 8. Liebe, hast du es geboten, Daß man Liebe üben soll, bist, Bis schon hier auf dieser Erden Kein getrenntes Glied mehr ist; Und allein von dei⸗ nem Brennen Nehme unser Licht den Schein: Also wird die Welt erkennen, Daß wir deine Jünger sein. Nic. Ludw. v. Zinzendorf, g. 1700, st. 176⁰ Mel. O daß ich tausend Zungen ꝛc. 178. Wie süß ist doch das Reich der Gnaden, Wo Jesus in uns wirkt und lebt! Hier darf uns gar kein Dine mehr schaden; Und was sich wider uns erhebt, Wird von dem König angesehn, Als sei es wider ihn geschehn. 2. Hier herrscht der aller⸗ beste König, Dies ist ein un⸗ vergleichlich Reich; Hier ist man willig unterthänig, Und jeder Bürger folget gleich Dem Wink, den ihm der Kö⸗ nig giebt, Weil er ihn über alles liebt. 3. Kein Unterthan ist schwach zu nennen, Weil alle Schuld vergeben ist. Ihr Herz muß recht in Liebe brennen; Denn jeder Bürger ist ein Christ, Nicht nach dem Schein; nein, in der That, Weil er den Geist, die Salbung, hat. E 12² Die Kirche Christi. 4. Sein Volk sind eitel ganz Gerechte, Sie sind im Blut des Lammes rein. Die aller⸗ ärgsten Sündenknechte Heißt hier der König selig sein; Denn keiner wird hineinge⸗ bracht, Den nicht sein Geist gerecht gemacht. 5. Hier wohnt man in gar süßem Frieden Und ist mit Gott sehr wohl daran. Der König bleibet ungeschieden; Er ist uns Vater, Arzt und Mann, Der niemand Rath und Trost versagt, Wenn ihn sein Herz verdammt und plagt. 6. Hier ist der Geist, der Abba schreiet, Der immer in uns wohnt und bleibt, Der uns mit Licht und Trost er⸗ freuet, Der uns beständig zieht und treibt, Der Jesum immer mehr verklärt Und uns recht völlig glauben lehrt. 7. O welch ein süß und selig Leben! O wüßte das die arme Welt! Du, großer Hei⸗ land, kannst ihr geben, Du giebst umsonst und ohne Geld. Ach giebs noch vielen einzu⸗ sehn, Die sonst gewiß ver⸗ loren gehn! 8. Kommt, Seelen, kommt ins Reich der Gnaden! Kommt, geht mit hellen Hau⸗ fen ein! Kommt, laßt euch al⸗ ler Schuld entladen! Kommt, ihr sollt alle selig sein! Kommt, glaubet unserm lie⸗ ben Herrn! Er ruft, und sieht das Kommen gern. Friedr. Aug. Weihe, g. 1721, st. 1771. 179. Ihr Kinder des Höchsten, wie stehts um die Liebe? Wie folgt man dem wahren Vereinigungstriebe? Bleibt ihr auch im Bunde der Einigkeit stehn? Ist keine Zertrennung der Geister ge⸗ schehn? Der Vater im Him⸗ mel kann Herzen erkennen; Wir dürfen uns Brüder ohn Liebe nicht nennen; Die Flamme des Höchsten muß lichterloh brennen. 2. Sobald wir von oben aufs neue geboren, Da sind wir von Christo zu Brüdern erkoren. Ein Vater, ein Glau⸗ be, ein Geist, eine Tauf, Ein voller zum Himmel gerichteter Lauf Kann unsere Herzen vollkommen verbinden; Wir können nicht anders, als Sü⸗ ßigkeit finden; Verdacht, Neid und Aergerniß müssen ver⸗ schwinden. 3. Die Mutter, die droben ist, hält uns zusammen Und schickt uns herunter die himm⸗ lischen Flammen. Kein Un⸗ terschied findet hier einige Statt, Weil Demuth die Herzen vereiniget hat. Wo Eigenheit, Zank und Haß können regieren, Da kann man den Funken der Liebe nicht spüren, Noch in den Chor himmlischer Thronen ihn führen. 4. Die Zions⸗Gesellschaft verläßt die Verwandten, Setzt Brüder am höchsten vor allen Bekannten. Wer noch ist be⸗ zaubert von Liebe der Welt Christus das Haupt der Kirche. Und sich in der Falschheit zum Bruder verstellt, Den kann sie unmöglich als Bruder an⸗ nehmen, Er müßt sich denn völlig zur Buße bequemen; Sie darf sich des redlichen Sinnes nicht schämen. 5. Seht aber, wie selig wir haben erwählet, Die wir sind zum Segen der Brüder ge⸗ zählet: Wir sind die erkaufete, seligste Schaar. Ach lobet den Vater, ach lobet ihn gar! Singt ihm mit vereinigtem Herzen und Munde; Ohn Loben und Lieben vergeh keine Stunde; Wir stehn vor dem Herren als Einer im Bunde. 6. Was ich bin, mein Bru⸗ der, das bist du auch worden: Wir beide sind Erben des Himmels geworden. Ein je⸗ der mit allen zum Vaterland dringt; Die Kirche nach Ei⸗ nem stets kämpfet und ringt. Wir müssen bereit sein, für Brüder zu sterben, Wie Jesus uns auch so gemacht hat zu Erben; Ein Glied fühlt und leidet des andern Ver⸗ derben. 7. Ach laßt uns einander erinnern und führen, Daß wir nicht die Krone des 123 Lebens verlieren. Wenn Babel nun trunken wird von Zions Blut, So stehn wir ver⸗ einigt auf unserer Hut. Das Schreien der Kinder wird wahrlich erhöret; Durch völ⸗ lige Eintracht wird Babel zer⸗ stoͤret. Wer ist, der verbunde⸗ nen Geistern was wehret? 8. Drum lasset uns lieben und freuen von Herzen, Ver⸗ süßen einander die Leiden und Schmerzen. Dringt kräf⸗ tig, ihr Geister, in Eines hin⸗ ein, Vermehret die Strahlen vom göttlichen Schein. Das lässet der Vater sich herzlich gefallen; Im Loben kann auch sein Ruhm herrlich er⸗ schallen, Wenn Kinder, von Liebe entzündet, nur lallen. 9. In jener Welt wird es noch besser hergehen; Da wird vor dem Vater die Brüder⸗ schaft stehen In reinestem Feuer, in seligster Brunst, Die ziehet zusammen des Kö⸗ niges Gunst. Ach drücket zu⸗ sammen die Herzen undHände Und bittet, daß Zion er Hülfe bald sende: So kennet die Liebe nicht Anfang noch Ende. Christ. Andr. Bernstein, st. 1799. Christus das Haupt der Kirche. Mel. Ein feste Burg ist unser Gott. steht. Der nie untergeht, 180. O Jesu, einig wah⸗ res Haupt Der heiligen Ge⸗ meine, Die an dich, ihren Heiland, glaubt Und nur auf dir alleine, Als ihrem Felsen, Wenn gleich die ganze Welt Zertrümmert und zerfällt: Erhör, erhör uns, Jesu! 2. Laß uns dein kleines Häufelein, Das sich zu dir 2 — — „ 7* N — ——— 12⁴ Die Kirche Christi. bekennet, Dir ferner anbe⸗zerbrich; Mach endlich selig⸗ fohlen sein. Erhalt uns un⸗Hlich An aller Noth ein Ende. getrennet. Wort, Tauf und 7. Ach Jesu, ach, wir bitten Abendmahl Laß in seiner dich In deinem Jesusnamen: Zahl Und ersten Reinigkeit Erhör, erhör uns gnädiglich, Bis an den Schluß der Zeit Sprich, Jesu, Ja und Amen! Zu unserm Troste bleiben. Willst du uns Jesus sein, 3. Hilf, daß wir dir zu Sind wir Jesu, dein So aller Zeit Mit reinem Herzen halt dein Jesuswort Und laß dienen. Laß uns das Licht uns hier und dort Darüber der Seligkeit, Das uns bis⸗iubiliren. her geschienen, Zur Buße Joh. Menter, g. 1658, st. 1731. kräftig sein Und zum hellen Mel. Alles ist an Gottes Segen. Schein, Der unsern Glauben mehrt, Der Sünden Macht IS I. Jesus Christus 5 herrscht als König; Alles machrt Und fromme Christen wird ihm unterthänng, Ales 4. Laß uns beim Evangelio zt ihm Gott zu Fuß. Alle Gut, But und Leben wagen; Zunge soll betennen, Jesus sei der Herr zu nennen, Dem Mach uns dadurch getrost man Ehre geben muß. und froh, Das schwerste Kreuz. 2. Fürstenthümer und Ge⸗ zu tragen. Gieb uns Bestän⸗ walten, Machten, die die digkeit. Daß uns Lust und Thronwacht halten, Geben Leid Von dir nicht scheiden ihm die Herrlichkeit. Alle mag, Bis wir den Valten Herrschaft dort im Himmel, Bei dir im Himmel halten. Hier im irdischen Getümmel, 5. Auf unsers Landesvaters Ist zu seinem Dienst bereit. Haus Gieß von dem Gna⸗ 3. Sagt mir von erhabnen denthrone Den Segen deines Thronen, Die beim ewgen Blutes aus. Umstrahle seine Lichte wohnen: Nichts ist ge⸗ Krone Mit deiner Herrlich⸗ gen Jesum groß. Nennt mir keit Ihm zur Sicherheit, Zu Namen auf der Erden, Wenn deiner Feinde Trutz Und zum sie auch vergöttert werden: Sie gewünschten Schutz Uns, dei⸗ sind Theil aus seinem Loos. nen armen Kindern. 4. Gott, des Weltbaus gro⸗ 6. Erbarm dich deiner ßer Meister, Hat die Engel Christenheit, Vermehre deine wohl als Geister Und als Heerde; Für uns, dein armes Flammen um den Thron; Häuflein, streit, Daß es er⸗Sagt er aber je zu Knechten: halten werde. Den Aerger⸗ Setze dich zu meiner Rechten? nissen wehr; Was dich haßt, Nein, er sprach es zu dem bekehr; Was sich nicht beugt, Sohn. Christus das Haupt der Kirche. 5. Gott ist Herr; der Herr ist Einer, Und demselben glei⸗ chet keiner; Nur der Sohn ist ihm ganz gleich. Dessen Stuhl ist unumstößlich, Des⸗ sen Leben unauflöslich, Des⸗ sen Reich ein ewig Reich. 6. Gleicher Macht und glei⸗ cher Ehren Sitzt er unter lich⸗ ten Chören, Thronend über Cherubim. In der Welt und Himmels Enden Hat er alles in den Händen; Denn der Vater gab es ihm. 7. Nur in ihm, o Wunder⸗ gaben! Können wir Erlösung haben, Die Erlösung durch sein Blut. Hörts! Das Le⸗ ben ist erschienen, Und ein ewiges Versühnen Kommt in Jesu uns zu gut. 8. Alles dieses nicht alleine; Die Hihn au Gemeine Hat auch ihn zu ihrem Haupt. Er hat sie mit Blut erkau⸗ fet, Mit dem Geiste sie ge⸗ taufet, Und sie lebet, Weil sie glaubt. 9. Gebt, o Sünder, ihm die Herzen; Klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen; Sagt, ihr Armen, ihm die Noth! Wunden müssen Wunden hei⸗ len; Heilöl weiß er auszu⸗ theilen; Reichthum schenkt er nach dem Tod. 10. Komm, zum Tod ver⸗ dammt Geschlechte, Der Ge⸗ rechte macht Gerechte, Heilge aus der Sünder Rott. Komm, du wirst noch angenommen; Komm getrost, er heißt dich 12⁵ kommen; Sag ihm nur: Mein Herr und Gott! 11. Eil, es ist nicht Zeit zum Schämen! Willst du Gnadeꝰ Du sollst nehmen! Willst du Leben? Das soll sein! Willst du erben? Du sollst sehen! Soll der Wunsch aufs Höch⸗ ste gehen: Willst du Jesumꝰ Er ist dein! 12. Allen losgekauften See⸗ len Solls an keinem Gute fehlen; Denn sie glauben, Gott zum Ruhm. Werthe Worte, theure Lehren! Möcht doch alle Welt dich hören, Süßes Evangelium! 13. Zwar das Kreuz drückt Christi Glieder Hier auf kurze Zeiten nieder, Und das Leiden geht zuvor; Doch Geduld! Es folgen Freuden: Nichts kann sie von Jesu scheiden, Und ihr Haupt zieht sie empor. 14. Gehen Ehr und Gut verloren, Wird auch gar der Tod geschworen: Schmach und Sterben ist Gewinn. Droht mit Schanden, schreckt mit Beilen: Die nach jenemKKlein⸗ od eilen, Sehen über alles hin. 15. Ihnen steht ein Himmel offen, Welcher über alles Hof⸗ fen, Ueber alles Wünschen ist. Die gereinigte Gemeine Weiß, daß eine Zeit erscheine, Wo sie ihren König küßt. 16. Auch bis dahin gibt er Nahrung Und die Decke zur Verwahrung; Denn er pflegt und liebet sie. Ja, bei seinem SISIII * 126 Die Kirche Christi. Kreuzesstamme Fraget sie, wer nun verdamme; Denn sie rühmet: Gott ist hie! 17. Jauchz ihm, Menge heilger Knechte; Rühmt, voll⸗ endete Gerechte, Und du Schaar, die Palmen trägt, Und du Blutvolk in der Krone, Und du Chor vor sei⸗ nem Throne, Der die Got⸗ tesharfen schlägt! ö 18. Ich auch auf der tief⸗ sten Stufen, Ich will glau⸗ ben, reden, rufen, Ob ich schon noch Pilgrim bin. Jesus Christus herrscht als König, Alles sei ihm unterthänig! Ehret, lobet, liebet ihn! Phil. Friedr. Hiller, g. 1699, st. 1769. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 182. König, dem kein König gleichet, Dessen Ruhm kein Mund erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch das Scepter führet, Dem das Recht gehört zum Throne, Als des Vaters ewgem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten Krönen, zieren und begleiten! 2. Himmel, Wasser, Luft und Erde, Nebst der unge⸗ zählten Heerde Der Geschöpfe in den Feldern, In den Seen, in den Wäldern Sind, Herr über Tod und Leben, Dir zum Eigenthum gegeben. Thiere, Menschen, Geister scheuen, Menschensohn, dein mächtig Dräuen. 3. In des Gnadenreiches Gränzen Sieht man dich am schönsten glänzen, Wo viel tausend treue Seelen Dich zu ihrem Haupt erwählen, Die durchs Scepter deines Mun⸗ des, Nach dem Recht des Gnadenbundes, Sich von dir regieren lassen Und, wie du, das Unrecht hassen. 4. In dem Reiche deinerEh⸗ ren Kann man stets dich loben hören Von dem himmlischen Geschlechte, Von der Menge deiner Knechte, die dort ohne Furcht und Grauen Dein ver⸗ klärtes Antlitz schauen, Die dich unermüdet preisen Und dir Ehr und Dienst erwei⸗ en. 5. O Monarch in dreien Reichen, Dir ist niemand zu vergleichen An dem Ueberfluß der Schätze, An der Ordnung der Gesetze, An Vortrefflich⸗ keit der Gaben, Welche deine Bürger haben. Du beschützest deine Freunde, Du bezwin⸗ gest deine Feinde. 6. Herrsche auch in meinem Herzen Ueber Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen. Laß mich deinen Schutz genießen; Laß mich dich im Glauben küssen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich im Gehor⸗ sam üben, Hier mit leiden, hier mit streiten, Dort mit herrschen dir zur Seiten. Joh. Jac. Rambach, g. 1663, st. 1735. Mel. Ein feste Burg ist unser Gott. 183. So lange Chri⸗ stus Christus ist, Wird seine Kirche dauern; Nicht Men⸗ Gemeinschaft der Heiligen. 127 schenwitz, noch Macht und List Zerstören ihre Mauern. Der starke Gottes⸗-Sohn Hoch auf des Vaters Thron, Der bleibt ihr Schutz und Hort; Vor seinem Geist und Wort Fliehn alle Höllenmächte. 2. Preis dir, o Kirchen⸗ Oberhaupt! Noch währet deine Gnade. So lang an dich die Kirche glaubt, Ver⸗ derbet sie kein Schade. Dank dir, Herr Jesu Christ, Daß du noch bei ihr bist, Dein Licht und Recht ihr gönnst, Sie noch zu segnen brennst. Wohl uns des Segensfürsten! 3. Mit deinem Wort, mit deinem Blut, Das unauflös⸗ lich bindet, Hast du ihr Haus, trotz Sturm und Flut, Auf Felsengrund gegründet. Die Kirche wähltest du Zum Sitze deiner Ruh; Du schmücktest sie mit Heil, Gabst ihr zum Erb und Theil Die reichen Himmelsgüter. 4. O sei und bleib ihr Schutz und Hort Zur Welt⸗ versuchungsstunde. Es schall in ihr dein Kreuzeswort Mit Kraft aus aller Munde. Er⸗ halte dir zum Ruhm auch un⸗ ser Heiligthum. Sein Leuchter wanke nicht; Rein brenne dir sein Licht, Bis Erd und Him⸗ mel sinken. Carl Bernh. Garve, g. 1763, st. 1841. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. 184. Hallelujah! Wie lieblich stehn Hoch über uns die Himmelshöhn, Seit du im Himmel sitzest, Seit du vom ewgen Zion dort Aus⸗ sendest dein lebendig Wort Und deine Heerde schützest! Fröhlich, Selig Schaut der Glaube von dem Staube auf zum Sohne. Meine Heimath ist am Throne! 2. Die Sterne leuchten ohne Zahl; Was ist ihr tausend⸗ facher Strahl? Was ist der Glanz der Sonne? Ein Schatten nur von jenem Licht, Das dir vom holden Angesicht Ausgeht mit ewger Wonne! Sende, Spende, Deine hellen Lebensquellen reichlich nie⸗ der, Großes Haupt, auf deine Glieder. 3. Verhüllt den Erdkreis düstre Nacht: Ich weiß, daß dort ein Auge wacht, Das einst um uns geweinet, Das einst für uns im Tode brach; Es ist dein Aug, es bleibet wach, Bis neu die Sonne scheinet. O wer Nunmehr Nimmer klagte, nimmer zag⸗ te, seit du wachest Und aus Nächten Tage machest! 4. Wohin wir ziehn durch Land und Meer, Ein Himmel neigt sich drüber her, Dein Himmel voller Gnaden. Da steigt erhörlich das Gebet, Da wallt man sicher früh und spät Vor Feindeslist und Schaden. Keiner Deiner Auserwählten, Geistbeseelten bleibt verlassen; Treu will ihn dein Arm um⸗ fassen. 5. Wir fliehn zu dir mit allem Schmerz, Zu dir, wenn NMN . 2 — — 2 * * — N 128⁸ sich das arme Herz Abhärmt in bittrer Reue; Du brichst nicht das zerstoßne Rohr, Und wenn der Docht sein Oel ver⸗ lor, so tränkst du ihn aufs neue. Im Licht Soll nicht Eine fehlen von den Seelen, die zum Leben Dir dein Va⸗ ter übergeben. 6. O selger König, Jesu Bei Einführung Die Kirche Christi. Christ, Wie wundervoll und heilig ist, Was uns in dir ge⸗ schenket! In dir, der Gottes Kinder schirmt, Bleibt unser Anker, wenn es stürmt, Auf ewig eingesenket. Hier, hier Sind wir Festgebunden; un⸗ sre Stunden fliehn in Eile Dann hinauf zum ewgen Heile. Alb. Knapp, g. 1798, fl. 1864. von Geistlichen. (Siehe auch No. 176.) Mel. Wie schön leuchtet der Mor⸗ genstern. 185. O Jesu, Herr der Herrlichkeit, Du König deiner Christenheit, Du Hirte deiner Heerden, Du siehst auf die erlöste Welt, Regierst sie, wie es dir gefällt, Sorgst, daß sie selig werden. Von dir Sind wir Auch erwählet, zugezählet den Erlösten, Die du segnen willst und trösten. 2. Wohl deinem Volk, daß du es liebst, Nach deinem Sinn ihm Hirten gibst, Die es zum Himmel führen Und die voll Eifer, Geist und Kraft, Voll Glaubens, Liebe Wissenschaft Das Herz der Sünder rühren. Treue Hir⸗ ten Laß den Seelen niemals fehlen und die Heerden Mit den Hirten selig werden. 3. Wir nehmen hier von deiner Hand den Lehrer, den du uns gesandt. Herr, segne sein Geschäfte! Die Seelen, die sich ihm vertraun, Durch Lehr und Leben zu erbaun, Gib Weisheit ihm und Kräfte. Lehr ihn, Hilf ihm Thun und Leiden, dulden, streiten, beten, wachen, Selig sich und uns zu machen. 4. Herr, deinen Geist laß auf ihm ruhn; Laß ihn sein Amt mit Freuden thun; Nichts sei, das ihn betrübe. Wenn er uns deine Wahrheit lehrt, Gib uns ein Herz, das folgsam hört, Ein Herz voll treuer Liebe. Lehrer, Hörer, Laß in Freundschaft und Ge⸗ meinschaft feste stehen Und den Weg zum Himmel gehen. 5. Wenn einst dein großer Tag erscheint, Laß unsern Lehrer, unsern Freund, Uns dir entgegen führen. Du gibst ihm unter seine Hand Die Seelen als ein Unter⸗ pfand; Laß keine ihn verlie⸗ ren. Jesu, Hilf du, Beut die Hände, daß am Ende Hirt und Heerde Treu vor dir er⸗ funden werde. Bei Einführung von Geistlichen. 129 6. Sei uns gesegnet, Knecht land. Gott mit dir! Amen! des Herrn! Du kommst im Namen unsers Herrn, In Jesu Christi Namen. O Hirte, nimm uns bei der Hand; Führ uns zum ewgen Vater⸗ Amen! Mit dir Gehn wir Durch die Leiden dieser Zeiten zu dem Leben, Das uns unser Gott will geben. Joh. Dan. Carl Bickel, g. 1787, st. 1809. Bei Einweihung von Kirchen. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. 186. Gott Vater, aller Dinge Grund, Gieb deinen Vaternamen kund An diesem heilgen Orte. Wie lieblich ist die Stätte hier! Die Herzen wallen auf zu dir; Hier ist des Himmels Pforte. Wohne, Throne Hier bei Sündern, als bei Kindern, voller Klar⸗ heit; Heilge uns in deiner Wahrheit. 2. Sohn Gottes, Herr der Herrlichkeit, Dies Gotteshaus ist dir geweiht; O laß dirs wohlgefallen! Hier schalle dein lebendig Wort, Dein Segen walte fort und wort In die⸗ sen Friedenshallen. Einheit, Reinheit Gieb den Herzen; Angst und Schmerzen tilg in Gnaden; Heil uns ganz vom Sündenschaden. 3. Gott, heilger Geist, du werthes Licht, Wend her dein göttlich Angesicht, Daß wir erleuchtet werden. Geuß über uns und dieses Haus Dich mit allmächtgen Flammen aus; Mach himmlisch uns auf Erden. Lehrer, Hörer, Kinder, Väter, früher, später gehts zum Sterben. Hilf uns Jesu Reich ererben. 4. Dreieinger Gott, Lob, Dank und Preis Sei dir von allen gleicherweis Für dies dein Haus gesungen. Du hasts geschenkt und auferbaut, Dir ists geheiligt und ver⸗ traut Mit Herzen, Händen, Zungen. Ach hier Sind wir Noch in Hütten; Herr, wir bitten, stell uns droben In den Tempel, dich zu loben. Albert Knapp, geb. 1798, st. 1864. Ausbreitung der Kirche; Mission. Psalm 67. 187. Es woll uns Gott genädig sein Und seinen Se⸗ gen geben; Sein Antlitz uns mit hellem Schein Erleucht zum ewgen Leben, Daß wir erkennen seine Werk Und was ihm lieb auf Erden, Und Je⸗ sus Christus, Heil und Stärk, Bekannt den Heiden werde Und sie zu Gott bekehre. 2. So danken, Gott, und lo⸗ ben dich Die Heiden überalle; Und alle Welt die freue sich 9 130 Und sing mit großem Schalle, Daß du auf Erden Richter bist Und läßt die Sünd nicht walten; Dein Wort die Hut und Weide ist, Die alles Volk erhalten, In rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich Das Volk in guten Tha⸗ ten; Das Land bring Frucht und beßre sich; Dein Wort laß wohl gerathen. Uns segne Vater und der Sohn, Uns segne Gott der heilge Geist; Dem alle Welt die Ehre thu, Vor ihm sich fürchte aller— meist. Nun sprecht von Her⸗ zen: Amen! Martin Luther, g. 1483, st. 1546. Mel. Errett mich, o mein lieber ꝛc. 188. O daß doch bald dein Feuer brennte, Du un⸗ aussprechlich Liebender, Und bald die ganze Welt erkennte, Daß du bist König, Gott und Herr! 2. Zwar brennt es schon in heller Flamme Jetzt hier, jetzt dort, in Ost und West, Dir, dem am Kreuz erwürgten Lamme, Ein herrlich Pfingst⸗ und Freudenfest. 3. Und noch entzünden Himmelsfunken So man⸗ ches kalte, todte Herz Und machen Durstge freudetrun⸗ ken Und heilen Sünd und Höllenschmerz, 4. Verzehren Stolz und Ei⸗ genliebe Und sondern ab, was unrein ist, Und mehren jener Die Kirche Christi. Flamme Triebe, Die nur auf dich gerichtet ist. 5. Erwecke, läutre und ver⸗ eine Des ganzen Christen⸗ volkes Schaar Und mach in deinem Gnadenscheine Dein Heil noch jedem offenbar. 6. Du unerschöpfter Quell des Lebens, Allmächtig star⸗ ker Gotteshauch, Dein Feuer⸗ meer ström nicht vergebens; Ach zünd in unsern Herzen auch. 7. Schmelz alles, was sich trennt, zusammen Und baue deinen Tempel aus; Laß leuchten deine heilgen Flam⸗ men Durch deines Vaters ganzes Haus. 8. Beleb, erleucht, erwärm, entflamme Doch bald die ganze weite Welt Und zeig dich je⸗ dem Völkerstamme Als Hei⸗ land, Friedefürst und Held. 9. Dann tönen dir von Millionen Der Liebe Jubel⸗ harmonien, Und alle, die auf Erden wohnen, Knien vor den Thron des Lammes hin. Joh. Ludwig Zricker, g. 1729, st. 1766. Mel. Fahre fort. 189. Reich des Herrn Brich hervor in vollem Tag! Deiner Strahlen Macht er⸗ helle, Was in Todesschatten lag. Wolk und Zweifelsnebel fälle; Sende Licht und Wär⸗ me nah und fern, Reich des Herrn.: 2. Siege bald! ½ Komm, das kalte Reich der Nacht Ausbreitung der Kirche; Mission. 131 Aller Enden zu zerstören! Sieh, es sammelt seine Macht; Doch wer kann den Sieg dir wehren? Denn die Sonne der Gerechtigkeit Führt den Streit.: 3. Gottes Held ½ Mit der Gnade Siegsgewalt Schlage Feind an Feind darnieder. Bring in deine Herrschaft bald Alles Abgefallne wieder. Dann umarmen Freud und Friede sich Ewiglich.:, 4. Ueberall Laß bis an der Welten Rand, Laß durch jeden Kreis der Erden Dei⸗ nen Namen hell erkannt, Deine Kraft verherrlicht wer⸗ den, Bis du als der Völ⸗ ker Friedefürst Herrschen wirst.:, 5. Menschenhuld 1 Klopft in deiner milden Brust; Un⸗ ter Menschenkindern wohnen, Das ist deines Herzens Lust. Nimm, o nimm die Natio⸗ nen, Nimm zum Wohnsitz alle Länder ein; Sie sind dein! 6. Aber ihr,: Die der Kö⸗ nig ausgesandt, Geht voran in alle Zonen, Bahnt die Weg und macht bekannt Unter al⸗ len Nationen, Wie die Gnade, wo der Herr regiert, Trium⸗ phirt!: 7. Welch ein Herr!: Ihm zu dienen, welch ein Stand! Wenn wir seines Dienstes pflegen, Lohnt er unsrer schwa⸗ chen Hand Armes Werk mit reichem Segen. Wallen wir, so wallt sein Friede mit Schritt vor Schritt.: 8. Kommt herbei,:, Frohe Zeiten, säumet nicht, Daß der Herr sich offenbare Als der Völker Recht und Licht. Kommt, daß alle Welt erfahre, Wie die Menschenheerd ihr großer Hirt Weiden wird.: Karl Bernh. Garve, g. 1763, st. 1841. Mel. Nun komm, derHeidenHeiland. 190. Walte, walte nah und fern, Allgewaltig Wort des Herrn, Wo nur seiner Allmacht Ruf Menschen für den Himmel schuf. 2. Wort vom Vater, der die Welt Schuf und in den Ar⸗ men hält Und aus seinem Schoß herab Seinen Sohn zum Heil uns gab; 3. Wort von des Erlösers Huld, Der der Erde schwere Schuld Durch des heilgen Todes That Ewig wegge⸗ nommen hat; 4. Kräftig Wort von Got⸗ tes Geist, Der den Weg zum Himmel weist Und durch seine heilge Kraft Wollen und Voll⸗ bringen schafft; 5. Wort des Lebens, stark und rein, Alle Völker harren dein. Walte fort, bis aus der Nacht Alle Welt zum Tag erwacht. 6. Auf, zur Ernt in alle Welt! Weithin wogt das reife Feld; Klein ist noch der Schnit⸗ ter Zahl, Viel der Garben überall. 132 7. Herr der Ernte, groß und gut, Wirk zum Werke Lust und Muth, Laß die Völker allzu⸗ mal Schauen deines Lichtes Strahl. Jonath. Fr. Bahnmeier, g. 1774. st. 1841. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 191. Eine Heerde und ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, Wenn sein Tag erscheinen wird! Freue dich, du kleine Heerde! Mach dich auf und werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, Und die Herr⸗ lichkeit des Herrn Nahet däm⸗ mernd sich den Heiden; Blinde Pilger flehn um Licht. Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde! Ach wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Heerde! Kleine Heerde, zage nicht; Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht Vor des Morgenrothes Helle, Und der Sohn der Wüste kniet Durstend an der Lebensquelle; Ihn umleuchtet Morgenlicht. Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren aufge⸗ than. Rauscht, verdorrete Ge⸗ beine; Macht dem Bundes⸗ engel Bahn! Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Die Kirche Christi. Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herr⸗ lichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Wonne! Mach dich auf! Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. Fr. Ad. Krummacher, g. 1768, st. 1845. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder. 192. Du Stern in al⸗ len Nächten, Du Schild in jedem Streit, Du Mann zu Gottes Rechten Im purpur⸗ farbnen Kleid, Verlaß die ewge Hütte Und deiner Engel Reihn Und trag in unsre Mitte Heut deinen Stuhl hinein! 2. Du hast vom Marter⸗ hügel Uns huldreich ange⸗ blickt Und hast dein fürstlich Siegel Uns an die Stirn ge⸗ drückt; Drum wagen wirs und laden Dich ungescheut herbei; Die Allmacht deiner Gnaden Macht uns den Muth so frei. 3. Es ist ein froh Getöne Ringsum im Land erwacht; Drob, wie man uns auch höhne, Das innre Herze lacht: Weinlese-Lieder schwingen Sich durch die öde Welt, Und Sens und Sicheln klingen In deinem Erntefeld. 4. Das klingt so wunder⸗ süße, Das dringt durch Mark und Bein. Ei, stünden unsre Ausbreitung der Kirche; Mission. Füße Auch bei den Schnit⸗ tern dein! Ei, wär dein Gar⸗ ben⸗Acker Auch unser Ar⸗ beitsplan! Herr Jesu, mach uns wacker, Nimm unser Helfen an. 5. Ob wir gleich, kaum geboren, Noch wie im Wieg⸗ lein ruhn: Auch mit zerstoß⸗ nen Rohren Kannst du, Herr, Thaten thun. Sieht man auch kaum uns glimmen In deines Vaters Haus: Mit Blitzen, Donnern, Stimmen Kannst du uns rüsten aus. 6. Das war ja so dein Wesen Von alten Tagen her, Daß du dir hast erlesen, Was schwach, gebeugt und leer, Daß mit zerbrochnen Stäben Du deine Wunder thatst Und mit geknickten Reben Die Feinde untertratst. 7. Zeigs, Herr, zu jeder Stunde Durch deine Taube an, Wie dir aus unserm Bunde Ein jedes dienen kann. Zeigs an, wen du erkoren, Greif in die Schaar hinein. Dir sind wir zugeschworen; Dein sind wir, Amen! dein! Fr. Wilh. Krummacher. Mel. Wie soll ich dich empfangen. 193. Der du zum Heil erschienen Der allerärmsten Welt Und von den Cherubi⸗ nen Zu Sündern dich gesellt, Den sie mit frechem Stolze Verhöhnt für seine Huld, Als du am Marterholze Versöhn⸗ test ihre Schuld: 133 2. Damit wir Kinder wür⸗ den, Gingst du vom Vater aus, Nahmst auf dich unsre Bürden Und bautest uns ein Haus. Von Westen und von Süden, Von Morgen ohne Zahl Sind Gäste nun be⸗ schieden Zu deinem Abend⸗ mahl. 3. Im schönen Hochzeits⸗ kleide, Von allen Flecken rein, Führst du zu deiner Freude Die Völkerschaaren ein; Und welchen nichts verkündigt, Kein Heil verheißen war, Die bringen nun entsündigt Dir Preis und Ehre dar. 4. Du hast den ärmsten Selaven, Wo heiß die Sonne glüht, Wie deinen andern Schafen Zu Liebe dich ge⸗ müht; Und selbst den öden Norden, Den ewigs Eis be⸗ drückt, Zu deines Himmels Pforten Erbarmend hinge⸗ rückt. 5. Drum kann nicht Ruhe werden, Bis deine Liebe siegt, Bis dieser Kreis der Erden Zu deinen Füßen liegt, Bis du im neuen Leben Die aus⸗ gesöhnte Welt Dem, der sie dir gegeben, Vors Angesicht gestellt. 6. Und siehe, tausend Für⸗ sten Mit Völkern ohne Licht Stehn in der Nacht und dür⸗ sten Nach deinem Angesicht. Auch sie hast du gegraben In deinen Priesterschild, Am Brunnquell sie zu laben, Der dir vom Herzen quillt. — * — ö 2 * 2 ——. 7. 2 134 7. So sprich dein göttlich „Werde!“ Laß deinem Odem wehn, Daß auf der finstern Erde Die Todten auferstehn, Daß, wo man Götzen fröhnet Und vor den Teufel kniet, Ein willig Volk versöhnet Zu deinem Tempel zieht. 8. Wir rufen, du willst hören; Wir fassen, was du sprichst. Dein Wort muß sich bewähren, Womit du Fesseln brichst. Wie viele sind zer⸗ brochen! Wie viele sinds noch nicht! O du, ders uns ver⸗ sprochen, Werd aller Heiden Licht! Albert Knapp, g. 1798, st. 1864. Mel. Wachet auf! ruft uns die ꝛe. 19A. Einer ists, an dem wir hangen, Der für uns in den Tod gegangen Und uns erkauft mit seinem Blut. Unsre Leiber, unsre Herzen Gehören dir, o Mann der Schmerzen; In deiner Liebe ruht sichs gut. Nimm uns zum Eigenthum; Bereite dir zum Ruhm Deine Kinder. Verbirg uns nicht Das Gna⸗ denlicht Von deinem heilgen Angesicht. 2. Nicht wir haben dich er⸗ wählet; Du selbst hast unsre Zahl gezählet Nach deinem ewgen Gnadenrath. Unsre Kraft ist schwach und nichtig, Und keiner ist zum Werke tüchtig, Der nicht von dir die Stärke hat. Drum brich den eignen Sinn; Denn Armuth ist Gewinn Für den Himmel. Die Kirche Christi. Wer in sich schwach, Folgt Herr, dir nach Und trägt mit Ehren deine Schmach. 3. O Herr Jesu, Ehren⸗ könig, Die Ernt ist groß, der Schnitter wenig; Drum sende treue Zeugen aus. Send auch uns hinaus in Gnaden, Viel frohe Gäste einzuladen Zum Mahl in deines Vaters Haus. Wohl dem, den deine Wahl Beruft zum Abendmahl Im Reich Gottes! Da ruht der Streit, Da währt die Freud Heut, gestern und in Ewigkeit. 4. Schau auf deine Mil⸗ lionen, Die noch im Todes⸗ schatten wohnen, Von dei⸗ nem Himmelreiche fern. Seit Jahrtausenden ist ihnen Kein Evangelium erschienen, Kein gnadenreicher Morgenstern. Glanz der Gerechtigkeit, Geh auf! denn es ist Zeit. Komm, Herr Jesu! Zeuch uns voran Und mach uns Bahn; Gieb deine Thüren aufgethan. 5. Deine Liebe, deine Wun⸗ den, Die uns ein ewges Heil erfunden, Dein treues Herz, das für uns fleht, Wollen wir den Seelen preisen Und auf dein Kreuz so lange wei⸗ sen, Bis es durch ihre Herzen geht. Denn kräftig ist dein Wort; Es richtet und durch⸗ bohrt Geist und Seele. Dein Joch ist süß, Dein Geist ge⸗ wiß, Und offen steht dein Pa⸗ radies. 6. Heiland, deine größten Dinge Beginnest du still und Ausbreitung der Kirche; Mission. geringe. Was sind wir Ar⸗ men, Herr, vor dir? Aber du wirst für uns streiten Und uns mit deinen Augen leiten; Auf deine Kraft vertrauen wir. Dein Senfkorn, arm und klein, Wächst endlich ohne Schein Doch zum Baume, Weil du, Herr Christ, Sein Hüter bist, Dem es von Gott vertrauet ist. Albert Knapp. g. 1798, st. 1864. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. 195. Macht weit die Pforten in der Welt! Ein König ists, der Einzug hält, Umglänzt von Gnad und Wahrheit. Wer von der Sünde sich gewandt, Wer auf vom Todesschlafe stand, Der siehet seine Klarheit. Seht ihn Weit hin Herrlich schreiten, Licht verbreiten; Nacht zer⸗ streut er, Leben, Fried und Wonne beut er. 2. Es jauchzt um ihn die frohe Schaar, Die lang in schweren Fesseln war; Er hat sie frei gegeben. Blind waren sie und sehen nun; Lahm waren sie und gehen nun; Todt waren sie und leben. Köstlich, Tröstlich Allen Kran⸗ ken, ohne Wanken, ohne Schranken Walten seineHeils⸗ gedanken. 3. Noch liegt vor ihm so tief und schwer Der Sünden un⸗ geheures Heer, Das tausend Völker drücket. Um Rache schreit es auf zu Gott; Doch 135 lebet er und hat die Noth Der Sünder angeblicket, Betet, Rettet, Heilt und segnet und begegnet seinen Armen Als ein Heiland voll Erbarmen. 4. Längst ist in seinem ew⸗ gen Rath Für sie zu seinem Reich der Pfad Gezeichnet und gebahnet. Ohnmächtig droht der Feinde Hohn; Schnell steht in Herrlichkeit sein Thron, Wo niemand es geahnet. Se⸗ lig, Selig, Wer da trauet, bis er schauet; wer sich mühet, Bis sein Gott vorüber ziehet! 5. Die ihr von Christi Hause seid, Kommt, schließet nun mit Freudigkeit Den Bund in sei⸗ nem Namen. Laßt uns auf seine Hände schaun, An seinem Reiche muthig baun. Sein Wort ist Ja und Amen. Flehet, Gehet, Himmelserben anzuwerben. Harret, ringet; Jesus ist es, der euch dinget. 6. O du, den unsre Sünde schlug, Wann wird doch deines Lobs genug Auf dieser Welt erschallen! Wann wird der Völker volle Zahl Im un⸗ getrübten Sonnenstrahl Zu deinem Tempel wallen, Wo dich Freudig Alle kennen, Jesus nennen, dir geboren, Dir auf ewig zugeschworen. 7. Wir harren dein; du wirst es thun; Dein Herz voll Liebe kann nicht ruhn, Bis alles ist vollendet. Die Wüste wird zum Paradies Und bittre Quellen strömen süß, Wenn du dein Wort gesendet. Zu 5 168 15 15 IIꝗ * 6 RIIR 1606089 1668 8 * * 136 Die Kirche Christi. dem Sturme Sprichst du: Schweige! Meer, verseige! Flammen, zündet! Tempel Gottes, sei gegründet! Albert Knapp, g. 1798, st. 1864. Mel. Gott des Himmels und der ꝛc. 196. Licht, das in die Welt gekommen, Sonne vol⸗ ler Glanz und Pracht, Mor⸗ genstern, aus Gott entglom⸗ men, Treib hinweg die alte Nacht. Zeuch in deinen Wun⸗ derschein Bald die ganze Welt hinein. 2. Gieb dem Wort, das von dir zeuget, Einen recht ge⸗ priesnen Lauf, Daß noch man⸗ ches Knie sich beuget, Sich noch manches Herz thut auf, Eh die Zeit erfüllet ist, Wo du richtest, Jesu Christ. 3. Heile die zerbrochnen Herzen, Baue dir Jerusalem Und verbinde unsre Schmer⸗ zen; Denn so ist dirs ange⸗ nehm. Herr, thu auf des Wortes Thür; Rufe allen: Kommt zu mir! 4. Es ist keine Sprach noch Rede, Da man nicht die Stimme hört, Und kein Land so fern und öde, Wo nicht dein Gesetz sie lehrt. Laß den hellen Freudenschall, Laß ihn ausgehn überall. 5. Geh, du Bräutgam, aus der Kammer, Laufe deinen Heldenpfad; Strahle Trö⸗ stung in den Jammer, Der die Welt umdunkelt hat. O erleuchte, ewges Wort, Ost und West und Süd und Nord. 6. Und erquick auch unsre Seelen; Mach die Augen hell und klar, Daß wir dich zum Lohn erwählen. Vor den Stolzen uns bewahr; Ja laß deinen Himmelsschein Unsers Fußes Leuchte sein. Rud. Stiex. g. 1800. Mel. Wachet auf! ruft uns die ꝛc 197. König Jesu, streite, siege, Daß alles bald dir un⸗ terliege, Was lebt und webt in dieser Welt.— Blick auf deine Friedensboten; Laß wehen deinen Lebensodem Durchs ganze weite Todten⸗ feld. Erhöre unser Flehn Und laß es bald geschehn. Amen! Amen! So rühmen wir Und jauchzen dir Ein Hallelujah für und für. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛce. 198. Es lebe Jesu Christi Ruhm! Sein ewges Evan⸗ gelium Müss alle Welt durch⸗ tönen. Mit Engelschwingen fleucht es schon, Ruft durch die Welt in süßem Ton: Laßt euch mit Gott versöhnen! Amen! Amen! Voölker alle, folgt dem Schalle, daß die Erde Voll Erkenntniß Gottes werde. ——2——————2—„ ——... 6 HD..‚n“ 137 XII. Gnadenmiktel. 1. Wort Gottes. Mel Es ist das Heil uns kommen her. 199. Wir Menschen sind zu dem, o Gott, Was geist⸗ lich ist, untüchtig. Dein We⸗ sen, Wille und Gebot Ist viel zu hoch und wichtig. Wir wissens und verstehens nicht, Wo uns dein göttlich Wort und Licht Den Weg zu dir nicht weiset. 2. Drum sind vor Zeiten ausgesandt Propheten, deine Knechte, Daß durch dieselben würd bekannt Dein heilger Will und Rechte. Zum letzten ist dein einger Sohn, O Va⸗ ter, von des Himmels Thron Selbst kommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist! Laß uns dabei ver⸗ bleiben Und gieb uns deinen heilgen Geist, Daß wir dem Worte gläuben, Dasselb an⸗ nehmen jederzeit Mit Sanft⸗ 3 muth, Ehre, Lieb und Freud, Als Gottes, nicht der Men⸗ schen. 4. Hilf, daß der losen Spöt⸗ ter Hauf Uns nicht vom Wort abwende; Denn ihr Gespött sammt ihnen drauf Mit Schrecken nimmt ein Ende. Gieb du selbst deinem Worte Wort recht fassen, In Lieb und Leid, in Freud und Schmerz Es aus der Acht nicht lassen, Daß wir nicht Hörer nur allein Des Wor⸗ tes, sondern Thäter sein, Frucht hundertfältig bringen. 6. Am Weg der Same wird sofort Vom Teufel hingenom⸗ men; In Fels und Steinen kann das Wort Die Wurzel nicht bekommen; Der Same, der in Dornen fällt, Von Sorg und Wollust dieser Welt Verdirbet und ersticket. 7. Ach hilf, Herr, daß wir werden gleich Dem guten fruchtbarn Lande Und sein an guten Werken reich In un⸗ serm Amt und Stande, Viel Früchte bringen in Geduld, Bewahren deine Lehr und Huld In feinem, gutem Her⸗ en. 8. Laß uns, so lang wir le⸗ ben hier, Den Weg der Sün⸗ der meiden. Gieb, daß wir halten fest an dir In Anfech⸗ tung und Leiden. Rott aus die Dornen allzumal, Hilf uns die Weltsorg überall Und böse Lüste dämpfen. 9. Dein Wort, o Herr, laß Kraft, Daß deine Lehre in uns allweg sein Die Leuchte un⸗ haft, Auch reichlich bei uns sern Füßen. Erhalt es bei wohne. uns klar und rein. Hilf, daß 5. Oeffn uns die Ohren wir draus genießen Kraft, und das Herz, Daß wir dein Rath und Trost in aller 70 S — B .— 138 Gnadenmittel; Noth, Daß wir im Leben und im Tod Beständig darauf trauen. 10. Gott Vater, laß zu dei⸗ ner Ehr Dein Wort sich weit ausbreiten. Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr Erleuchten mög und leiten. O heilger Geist, dein göttlich Wort Laß in uns wirken fort und fort Glaub, Lieb, Geduld und Hoffnung. Dav. Denicke, g. 1603, st. 1680. Mel. Durch Adams Fall ist ganz ꝛc. 200. Herr Zebaoth, dein heilig Wort, Welchs du uns hast gegeben, Daß wir dar⸗ nach an allem Ort Solln richten Lehr und Leben, Ist worden kund aus deinem Mund, Und in der Schrift beschrieben, Rein, schlecht und recht durch deine Knecht, Vom heilgen Geist getrieben. 2. Das Wort, welchs jetzt in Schriften steht, Ist fest und unbeweglich. Zwar Himmel und die Erd vergeht, Gotts Wort bleibt aber ewig; Kein Höll, kein Plag, noch jüngster Tag Vermag es zu vernich⸗ ten. Drum denen soll sein ewig wohl, Die sich darnach recht richten. 3. Es ist vollkommen, hell und klar, Die Richtschnur rei⸗ ner Lehre. Es zeigt uns auch ganz offenbar Gott, seinen Dienst und Ehre, Und wie man soll hie leben wohl, Lieb, Hoffnung, Glauben üben. Drum fort und fort wir die- ruhn? Wort Gottes. ses Wort Von Herzen sollen lieben. 4. Im Kreuz giebts Lust, in Traurigkeit Zeigt es die Freudenquelle. Den Sün⸗ der, dem sein Sünd ist leid, Entführet es der Hölle; Giebt Trost an Hand, macht auch bekannt, Wie man soll willig sterben, Und wie zugleich das Himmelreich Durch Christum zu ererben. 5. Sieh, solchen Nutz, so große Kraft, Die nimmer ist zu schätzen, Des Herrn Wort in uns wirkt und schafft; Darum wir sollen setzen Zu⸗ rück Gold, Geld und was die Welt Sonst herrlich pflegt zu achten, Und jederzeit, in Lieb und Leid, Nach dieser Perle trachten. 6. Nun, Herr, erhalt dein heilig Wort, Laß uns sein Kraft empfinden. Den Fein⸗ den steur an allem Ort, Zeuch uns zurück von Sünden; So wollen wir dir für und für Von ganzem Herzen danken. Herr, unser Hort, laß uns dein Wort Fest halten und nicht wanken. Chr. Knorr v. Rosenroth, g. 1636, st. 1689 Mel. O du Liebe meiner Liebe. 201. Herr, dein Wort, die edle Gabe, Diesen Schatz erhalte mir; Denn ich zieh es aller Habe Und dem größten Reichthum für. Wenn dein Lort nicht mehr soll gel— ten, Worauf soll der Glaube Mir ists nicht um 7147— ³FF“““““ Gnadenmittel; tausend Welten, Aber um dein Wort zu thun. 2. Hallelujah! Ja und Amen! Herr, du wollest auf mich sehn, Daß ich mög in deinem Namen Fest bei dei⸗ nem Worte stehn. Laß mich eifrig sein beflissen, Dir zu Wort Gottes. 139 4. Diesem Worte will ich trauen Und darauf beständig schauen; Sonst ist doch kein Licht vorhanden. Fremde Lehre macht zu Schanden; Aber dein Gesetz und Guade Leitet mich im rechten Pfade. Herr, mein Glauben und dienen früh und spat, Und mein Lieben Hat den Grund: mich stets zu deinen Füßen* steht geschrieben. Sitzen, wie Maria that. Nie. Ludwig Graf v. Zinzendorf, geb. 1700, fl. 1760 Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 202. Prediger der süßen Lehre, Die ich mit Erstau⸗ nen höre; Großer Arzt der Menschenkinder, Du Evange⸗ list der Sünder Und Prophet des neuen Bundes, Laß die Worte deines Mundes, Deine Stimme an die Heerden Mir zu Geist und Leben werden. 2. Deine beiden Testamente Mache mir zum Elemente. Sende deines Geistes Trei⸗ ben, Mir dein Wort ins Herz zu schreiben; Denn es ist auf alle Weise Meiner Seele beste Speise. Wer kann sonst vom ewgen Leben Meinem Herzen Nachricht geben? 3. Herr, dein Wort ist wie ein Hammer, Schlägt und zeigt den Seelenjammer. Es erquickt mich, wie der Regen, Leuchtet mir auf allen Wegen, Stärketmeines Geistes Kräfte, Schmeckt wie Milch und Ho⸗ nigsäfte, Ist ein Stab für mat⸗ te Glieder Und ein Schwert dem Feind zuwider. 5. Lehre mich dein Wort be⸗ trachten, Mit Begierde darauf achten. Lehre michs im Geist verstehen; Laß es mir zu Herzen gehen. Mache, daß ichs fröhlich glaube, Mir den Zweifel nie erlaube: Daß ichs mit Gehorsam ehre Und sonst keine Stimme höre. 6. Laß dein Wort mich kräf⸗ tig laben, Fest es in der Seele haben; Deine Wahrheit nicht zerrütten, Keine Kraft davon verschütten; Fest an der Ver⸗ heißung bleiben, Die Gebote willig treiben; Keinen Schritt vom Worte weichen, Deines Weges Ziel erreichen. 7. Was die Welt bekennt und lehret, Was mein Herz erdenkt und ehret, Was der böse Geist erdichtet, Wird von Gottes Wort gerichtet. Weg mit euch, ihr falschen Geister! Mir ist guug an einem Mei⸗ ster! Wißt, daß euch der Fluch verzehret, Wenn ihr selbst auch Engel wäret. 8. Selig, selig sind die See⸗ len, Die sich sonst kein Licht erwählen, Als allein das Wort des Lebens! Diese glauben nicht vergebens, Weil sie Got⸗ —— X S * * 140 Gnadenmittel; tes Rath ergründen Und sein Herz im Worte finden. O, ein unschätzbares Wissen! Andre Weisheit kann ich mis⸗ sen. 9. Licht und Kraft und Muth und Freude, Wahrer Trost im tiefsten Leide, Schutz vor aller⸗ lei Gefahren Und ein ewiges Bewahren: Das sind dieses Wortes Früchte. Alles andre wird zunichte, Alles andre muß vergehen; Gottes Wort bleibt ewig stehen. Ernst Gottl. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Es ist das Heil uns kommen ꝛc. 203. Wie selig ist das Volk des Herrn, Weil er sie selber lehret! Wie sagt er uns so herzlich gern, Was man mit Freuden höret! Ge⸗ setz und Evangelium Erzäh⸗ let seines Namens Ruhm Und leuchtet unsern Wegen. 2. Wie manches Volk, wie manches Land Liegt noch in Finsternissen, Die das, was Gott an uns gewandt, Nicht hören und nicht wissen! So danke doch, wer danken kann, Und bete den mit Jauchzen an, Der uns sein Licht gege⸗ ben. 3. Erwache, Volk, und schlafe nicht! Die Wohlthat ist zu theuer. Verächter frißt das Zorngericht Und straft mit ewgem Feuer. Wer seine Seele retten will, Der sei begierig, sanft und still Und lerne gleich den Kindern. Wort Gottes. 4. Wer Ohren hat, der höre zu! Die Augen lehret lesen Und laßt dem Herzen keine Ruh, Bis alles blinde Wesen Wie Schatten vor dem Licht entflieht, Ja bis der Glaube Jesum sieht Und seine Gnade schmecket. 5. Wer so das Wort zu Herzen faßt Und seine Seele weidet, Dem wird die Sün⸗ denlust zur Last, Daß er sie flieht und meidet. Er kommt und sucht das höchste Gut, Und was er selber glaubt und der Das lehrt er seine Kin⸗ 2⁷ 6. Mein Abba, schenke sol⸗ chen Sinn Und recht gesun⸗ den Glauben Mir, der ich sonst so träge bin, Das Him⸗ melreich zu rauben. Ach schütte deinen Segen aus, Daß durch dein Wort mein ganzes Haus Im Glauben selig werde. Ernst Gottl. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Was Gott thut, das ist ꝛc. 201. Dein Wort, o Herr, ist milder Thau Für trostbedürftge Seelen. Laß keiner Pflanze deiner Au Den Himmelsbrunnen fehlen. Er⸗ quickt durch ihn Laß jede blühn Und in der Zukunft Tagen Dir Frucht und Sa⸗ men tragen. 2. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert, EinHammr, der Felsen spaltet, Ein Feuer, das im Herzen zehrt Und Zu Anfang des Mark und Bein durchschaltet. O laß dein Wort Noch fort und fort Der Sünde Macht zerscheitern Und alle Herzen läutern! 3. Dein Wort ist uns der Wunderstern Für unsre Pil⸗ gerreise. Es führt die Thoren hin zum Herrn Und macht die Einfalt weise. Dein Him⸗ melslicht Verlösch uns nicht Und leucht in jede Seele, Daß keine dich verfehle. 4. Ich suchte Trost und fand ihn nicht; Da ward das Wort der Gnade Mein Lab⸗ sal, meine Zuversicht, Die Gottesdienstes. 141 Und leuchtet meinen Schritten Bis zu den ewgen Hütten. 5. Auf immer gilt dein Se⸗ gensbund: Dein Wort ist Ja und Amen. Nie weich es uns aus Herz und Mund Und nie von unserm Samen. Laß immerfort Dein helles Wort In allen Lebenszeiten Uns trösten, warnen, leiten. 6. O sende bald von Ort zu Ort Den Durst nach dei⸗ nen Lehren. Send Hunger, Herr, dein Lebenswort Und deinen Geist zu hören; Und send ein Heer von Meer zu Meer, Der Herzen Durst zu Fackel meiner Pfade. Sie zeiget mir Den Weg zu dir Zu Anfang des Mel. Erhalt uns, Herr, bei ꝛc. 205. O Gott, du höch⸗ ster Gnadenhort, Verleih, daß uns dein göttlich Wort Von Ohren so zu Herzen dring, Daß es sein Kraft und Schein vollbring. 2. Der einge Glaub ist diese Kraft, Der fest an Jesu Christo haft; Die Werk der Lieb sind dieser Schein, Dadurch wir Christi Jünger sein. 3. Verschaff bei uns auch, lieber Herr, Daß wir durch deinen Geist je mehr In deinr Erkenntniß nehmen zu Und endlich bei dir finden Ruh. Conrad Huber, um 1560. stillen Und dir dein Reich zu üllen. Carl Bernh. Garve, geb. 1763, st. 1841. ere Gottesdienstes. 206. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, Dein heil⸗ gen Geist du zu uns send; Mit Hülf und Gnad er uns regier Und uns den Weg zur Wahrheit führ. 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz zur Andacht fein; Den Glau⸗ ben mehr, stärk den Verstand, Daß uns dein Nam werd wohlbekannt; 3. Bis wir singen mit Got⸗ tes Heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr! Und schauen dich von Angesicht In ewger Freud und selgem Licht. 4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, Sammt heilgen — — 8* —— * 88* + SRS . * 142 Geist in einem Thron; Der heiligen Dreifaltigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit. Wilhelm II. Herzog zu Sachsen⸗Weimar, geb. 1598, st. 1662. Mel. Gott des Himmels und ꝛc. 207. Alle Welt, was lebt und webet Und in Feld und Häusern ist, Was nur Zung und Stimm erhebet, Jauchze Gott zu jeder Frist. Dienet ihm, wer dienen kann; Tret't mit Lust vor ihm heran. 2. Sprecht: Der Herr ist unser Meister; Er hat uns aus Nichts gemacht, Er hat unsern Leib und Geister An das Licht hervorgebracht. Wir sind seiner Allmacht Ruhm, Seine Schaf und Eigenthum. 3. Gehet ein zu seinen Pforten, Geht durch seines Vorhofs Gang. Lobet ihn mit schönen Worten, Saget ihm Lob, Preis und Dank; Denn der Herr ist jederzeit Voller Gnad und Gütigkeit. 4. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heilger Geist, Daß dein Ruhm bei uns groß werde, Beistand selbst und Hülf uns leist. Gieb uns Kräfte und Begier, Dich zu preisen für und für. Joh. Franck, geb. 1618, st. 1677. Mel. Herr JesuChrist, dich zu uns ꝛc. 208. Herr, öffne mir die Herzensthür, Zeuch mein Gnadenmittel; Wort Gottes. Herz durch dein Wort zu dir, Laß mich dein Wort bewahren rein, Laß mich dein Kind und Erbe sein. 2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, Dein Wort macht Leib und Seel gesund, Dein Wort ists, das mein Herz erfreut, Dein Wort giebt Trost und Seligkeit. 3. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, Dem heilgen Geist in einem Thron; Der heiligen Dreieinigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit. Joh. Olearius, geb. 161I, st. 1684. 209. Liebster Jesu, wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören. Lenke Sinnen und Begier Auf die süßen Him⸗ melslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Ver⸗ stand Ist mit Finsterniß um⸗ hüllet, Wo nicht deines Gei⸗ stes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten Mußt du selbst in uns verrichten. 3. O du Glanz der Herr⸗ lichkeit, Licht vom Licht aus Gott geboren, Mach uns alle⸗ sammt bereit, Oeffne Herzen, Mund und Ohren. Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl ge⸗ lingen. Tobias Clausnitzer, geb. 161 1, st. 1684. Mel. Gott des Himmels und der ꝛc. 210. Thut mir auf die schöne Pforte, Führet mich in Zion ein. Ach wie wird an diesem Orte Meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, Hier ist lauter Trost und Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir ge⸗ kommen: Komme du nun auch zu mir. Wo du Woh⸗ nung hast genommen, Da ist lauter Himmel hier. Zeuch doch in mein Herz hinein, Laß es deinen Tempel sein. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten; Heilge du Leib, Seel und Geist, Daß mein Singen und mein Beten Ein gefällig Opfer heißt. Heilge du, Herr, Mund und Ohr, Zeuch das Herze ganz em— por. 4. Mache mich zum guten Lande, Wenn dein Samkorn auf mich fällt. Gieb mir Licht in dem Verstande, Und was mir ward vorgestellt, Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht gedeihn. 5. Stärk in mir den schwa⸗ chen Glauben; Laß dein theu⸗ res Kleinod mir Nimmer aus dem Herzen rauben. Halte stets dein Wort mir für, Daß es mir zum Leitstern dient Und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hören, Und dein Wille werd erfüllt. Nichts laß meine An⸗ dacht stören, Wenn der Brunn Zu Anfang des Gottesdienstes. 143 des Lebens quillt. Speise mich mit Himmelsbrod, Tröste mich in aller Noth. 7. Oeffne mir die? grünen Auen, Daß dein Lamm sich weiden kann. Lasse mir dein Manna thauen, Zeige mir die rechte Bahn Hier in die⸗ sem Jammerthal Zu des Lammes Ehrensaal. Benjam. Schmolk, geb. 1672, st. 1787. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 211. Sende, Vater, dei⸗ nen Geist, Da ich vor dein Antlitz trete, Daß, wie du mich selber heißt, Ich im Geist und Wahrheit bete. Lehre mich dich recht erkennen Und dich Abba, Vater, nennen. 2. Süßer Jesu, hilf du mir, Daß ich bet in deinem Namen, Daß, was Gott verheißt in dir, Mir auch werde Ja und Amen. Sprich für mich und laß mich sehen Dich zur Rech⸗ ten Gottes stehen. 3. Heilger Geist, erleuchte mich Und entzünde mein Ver⸗ langen, Daß ich Gottes Huld durch dich Voller Inbrunst mög empfangen. Brich die Trägheit, zeuch die Sinnen Aus der Welt zu dir von hinnen. 4. Heilige Dreieinigkeit, Ursprung aller guten Gaben, Laß mich wahre Freudigkeit Und im Herzen Zeugniß ha⸗ ben, Daß du stets nach dei⸗ nem Willen Wollest meine Bitt erfüllen. Joh. Herm. Schrader, g. 1684, st. 1734. 14⁴4 Gnadenmittel; Mel. Herr Jesu Christ, meins ꝛc. 212. Brunn alles Heils, dich ehren wir Und öffnen unsern Mund vor dir. Aus deiner Gottheit Heiligthum Dein hoher Segen auf uns komm. 2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib. Er segne uns nach Seel und Leib, Und uns behüte seine Macht Vor allem Uebel Tag und Nacht. 3. Der Herr, der Heiland, unser Licht, Uns leuchten laß sein Angesicht, Daß wir ihn Zum Schluß des Mel. Ach Herr, mich armen Sünder. 213. Laß mich dein sein und bleiben, Du treuer Gott und Herr. Von dir laß mich nichts treiben; Halt mich bei deiner Lehr. Herr, laß mich nur nicht wanken, Gieb mir Beständigkeit; Dafür will ich dir danken In alle Ewigkeit. Nie. Selnecker, g. 1532, st. 1593. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 214. Unsern Ausgang segne, Gott, Unsern Eingang gleichermaßen; Segne unser läglich Brod, Segne unser Wort Gottes. schaun und glauben frei, Daß er uns ewig gnädig sei. 4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb, Sein Antlitz über uns erheb, Daß uns sein Bild werd eingedrückt, Und geb uns Frieden unver⸗ rückt. 5. Jehovah, Vater, Sohn und Geist, O Segensbrunn, der ewig fleußt, Durchfleuß Herz, Sinn und Wandel wohl; mach uns deins Lobs und Segens voll. Gerh. Terstegen, g. 1697, st. 1769. Gottesdienstes. Thun und Lassen; Segne uns mit selgem Sterben Und mach uns zu Himmelserben. Hartm. Schenck, geb. 1634, st. 1681. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. 215. Geh auf, du heller Morgenstern, In allen Her⸗ zen nah und fern, Daß jeder dich erlenne; Daß deine ganze Christenheit In Lieb und Glaubenseinigkeit Und heil⸗ gem Eifer brenne. Schöpfer, Retter, Dein Erbarmen gab uns Armen neues Leben; Le⸗ ben wollst du allen geben. 2. Sacramente. a. Die heilige Taufe. 216. Christ, unser Herr. Sein Werk und Amt zu'r⸗ zum Jordan kam, Nach seines füllen, Da wollt er stiften Vaters Willen; Von Sanet uns ein Bad, Zu waschen uns Johanns die Taufe nahm, von Sünden, Ersäufen auch den bittern Tod Durch sein selbst Blut und Wunden; Es galt ein neues Leben. 2. Sein Jüngern heißt der Herre Christ: Geht hin, all Welt zu lehren, Daß sie ver⸗ lorn in Sünden ist, Sich soll zur Buße kehren. Wer gläu⸗ bet und sich taufen läßt, Soll dadurch selig werden; Ein neugeborner Mensch er heißt, Der nicht mehr könne ster⸗ ben, Das Himmelreich soll erben. 3. Das Aug allein das Wasser sieht, Wie Menschen Wasser gießen. Der Glaub im Geist die Kraft versteht Des Blutes Jesu Christi; Und ist vor ihm ein rothe Flut, Von Christi Blut gefär⸗ bet, Die allen Schaden heilen thut, Von Adam her geerbet, Auch von uns selbst be— gangen. Martin Luther, g. 1483, st. 1546. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 217. Liebster Jesu, hier sind wir, Deinem Worte nachzuleben. Dieses Kindlein kommt zu dir, Weil du den Befehl gegeben, Daß man sie zu dir hinführe; Denn das Himmelreich ist ihre. 2. Ja, es schallet allermeist Dieses Wort in unsern Oh⸗ ren: Wer durch Wasser und durch Geist Nicht zuvor ist 218. Gott und Vater, neu geboren, Wird von dir Die heilige Taufe. 14⁵ 3. Darum eilen wir zu dir. Nimm dies Pfand von un⸗ sern Armen; Tritt mit dei⸗ nem Glanz herfür Und erzeige dein Erbarmen, Daß es dein Kind hier auf Erden Und im Himmel möge werden. 4. Wasch es, Jesu, durch dein Blut Von den angeerb⸗ ten Flecken; Und zugleich mit dieser Flut Laß es dein Ver⸗ dienst bedecken. Schenk ihm deiner Unschuld Seide, Daß es ganz in dich sich kleide. 5. Mache Licht aus Finster⸗ niß, Setz es aus dem Zorn zur Gnade; Heil den tiefen Schlangenbiß Durch die Kraft im Wunderbade. Laß hier einen Jordan rinnen, So vergeht der Aussatz drinnen. 6. Hirte, nimm dein Schäf⸗ lein an; Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friede⸗ fürst, sei du sein Friede; Weinstock, hilf, daß dieser Rebe Stets im Glauben dich umgebe. 7. Nun, wir legen an dein Herz, Was von Herzen ist ge⸗ gangen. Führ die Seufzer himmelwärts Und erfülle das Verlangen. Ja, den Namen, den wir geben, Schreib ins Lebensbuch zum Leben. Benjam. Schmolk g. 1672, st. 1737. Mel. Liebster, Jesu wir sind hier. nicht aufgenommen Und in nimm jetzund Dieses Kind Gottes Reich nicht kommen. von unsern Armen. Nimm, 10 146 Gnadenmittel; Sacramente. es auf in deinen Bund Und erzeig ihm dein Erbarmen, Daß es alle Lebenstage Deiner Kindschaft Zeichen trage. 2. Wasch es rein mit deinem Blut, Treuer Jesu, von den Sünden. Laß in seiner Taufe Flut Den geerbten Fluch ver⸗ schwinden Und sein Leben auf der Erden Deinem Vorbild ähnlich werden. 3. Und du, werther heil⸗ ger Geist, Schenk ihm deine Gnadenkräfte. Treibe, wie dein Bund verheißt, Selbst in ihm das Heilsgeschäfte, Daß es stets an Jesu Leibe Ein lebendig Gliedmaß bleibe. Der Taufbund. Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. 219. Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist. Ich bin gezählt zu deinem Samen, Zum Volk, das dir geheiligt heißt. Ich bin in Christi Tod gesenkt, Ich bin mit seinem Geist beschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, Mein lieber Va⸗ ter, mich erklärt. Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein treuer Heiland, mir gewährt. Du willst in aller Noth und Pein, O guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab auch ich dir Furcht und Liebe, Treu und Gehorsam zugesagt. Ich habe mich aus reinem Triebe Dein Eigenthum zu sein gewagt; Hingegen sagt ich bis ins Grab Des Satans schnöden Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite Bleibt dieser Bund wohl feste stehn; Wenn aber ich ihn überschreite, So laß mich nicht verloren gehn. Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, Wenn ich hab einen Fall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin. Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, deinen Willen thut. 6. Weich, weich, du Fürst der Finsternissen! Ich bleibe mit dir unvermengt. Hier ist zwar ein befleckt Gewissen, Jedoch mit Jesu Blut be⸗ sprengt. Weich, eitle Welt, du Sünde, weich! Gott hört es: Ich entsage euch! 7. Laß diesen Vorsatz nim⸗ mer wanken, Gott Vater, Sohn und heilger Geist. Halt mich in deines Bundes Schranken, Bis mich dein Wille sterben heißt; So leb ich dir, so sterb ich dir, So lob ich dich dort für und für. Joh. Jae. Rambach, g. 1693, st. 1735. —— — Confirmationslieder. Confirmationslieder. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 220. Jesu, meiner See⸗ len Leben, Meines Herzens höchste Freud, Dir will ich mich jetzt ergeben Ganz und bis in Ewigkeit. Meinen Gott will ich dich nennen Und vor aller Welt bekennen, Daß ich dein bin und du mein; Ich will keines andern sein! 2. Deine Güt hat mich um⸗ fangen Eh, als mich die Welt empfing. Dir bin ich schon angehangen, Als an Mutter⸗ brust ich hing; Bin getauft auf deinen Namen, Bin ge⸗ zählt zu deinem Samen. Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein! 3. Irr ich, sucht mich deine Liebe; Fall ich, hilfet sie mir auf; Ist es, daß ich mich be⸗ trübe, Tröst sie mich in mei⸗ nem Lauf; Bin ich arm, giebt sie mir Güter; Haßt man mich, ist sie mein Hüter. Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein! 4. Dein Geist zeiget mir das Erbe, Das mir droben beigelegt. Ich weiß, wenn ich heute sterbe, Wo man meine Seel hinträgt: Zu dir, Jesu, in die Freude. Trotz, daß mich was von dir scheide! Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein! 5. Dieses alles ist gegründet Nicht auf mein Verdienst und Werk. Was mein Herz an Trost empfindet, Was an Fried und Freud und Stärk, Herr, das dank ich deinem Blute, Das allein kommt mir zu gute. Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines an⸗ dern sein! 6. Drum, ich sterbe oder lebe, Bleib ich doch dein Eigen⸗ thum. An dich ich mich ganz ergebe; Du bist meiner See⸗ len Ruhm, Meine Zuversicht und Freude, Meine Süßig⸗ keit im Leide. Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines andern sein! Nach Christ. Seriver, g. 1629, st. 1693. Mel. Dir, dir, Jehovah, will ꝛc. 221. Dir ewge Treue zu geloben, Sind wir ver⸗ sammelt hier im Heiligthum. Das Herz zu dir, o Herr, erhoben, Bringt dir gerührt Anbetung, Preis und Ruhm. O Heiland, nimm dich unsrer Schwachheit an; Führ uns zum Licht, leit uns auf ebner Bahn. 2. Wir sind auf dich, o Herr, getaufet. Du nahmst uns schon als zarte Kinder an; Du hast so theuer uns erkaufet, Als einst dein Blut herab vom Kreuze rann. Wir glauben fest, du bist auch jetzt nicht fern Und hörest unser schwaches Flehen gern. 148 Gnadenmittel; 3. Dir schmücken heut sich unsre Herzen: Zieh, ein, du König voller Herrlichkeit! Von Erdenfreuden, Erden⸗ schmerzen Zieh uns hinauf zum Glanz der Ewigkeit. Nimm unser Herz! Wir brin⸗ gen dir es dar; Wir opfern dir es selbst jetzt am Altar. 4. Wir flehen, Herr, in die⸗ ser Stunde: Weich nicht von uns, wenn uns Anfechtung naht. Erhalte uns in deinem Bunde; Laß uns im Glauben gehn des Lebens Pfad. Dann stehn wir einst verklärt vor deinem Thron, Um zu em⸗ pfahn des ewgen Lebens Kron. Em. Chr. Gottl. Langbecker, g. 1792. Mel. Seelenbräutigam. 222. Von des Himmels Thron Sende, Gottes Sohn, Deinen Geist, den Geist der Stärke. Gieb uns Kraft zum heilgen Werke, Dir uns ganz zu weihn, Ewig dein zu sein. 2. Mach uns selbst bereit; Gieb uns Freudigkeit, Unsern Glauben zu bekennen Und dich unsern Herrn zu nennen, Dessen theures Blut Floß auch uns zu gut. 3. Richte Herz und Sinn Zu dem Himmel hin, Wenn wir unsern Bund erneuern Und gerührt vor dir betheuern, Deine Bahn zu gehn, Welt⸗ lust zu verschmähn. 4. Wenn wir betend nahn, Segen zu empfahn, Wollest Sacramente. du auf unsre Bitten Uns mit Segen überschütten. Licht und Kraft und Ruh Strömen dann uns zu. 5. Gieb auch, daß dein Geist, Wie dein Wort verheißt, Un⸗ auflöslich uns vereine Mit der gläubigen Gemeine, Bis wir dort dich sehn Und dein Lob erhöhn. Sam. Marot, g. 1770. Mel. Warum sollt ich mich denn ꝛc 223. Selig, wer dich ewig liebet, Gottes Sohn, Und zum Lohn Dir sein Herz ergiebet! Selig, wer in jeder Stunde Mit Gebet Dir nach⸗ geht, Treu dem Gnaden⸗ bunde! 2. Dazu bist du ja gekom⸗ men, Herr, und hast Unsre Last Auf dein Haupt genom⸗ men. Dazu weiht uns deine Taufe Segnend ein, Stark zu sein In dem Siegeslaufe. 3. Lebensfürst und Ueber⸗ winder, Sieh uns an, Brich uns Bahn, Stärke deine Kin⸗ der. Nähr uns mit dem Him⸗ melsbrode; Gieb uns Muth, Liebesglut, Treue bis zum Tode. 4. Besser nie, ach nie ge⸗ boren, Als dem Herrn Fremd und fern Und zuletzt verloren! Liebe, hilf uns liebend leben! Halt an dir Für und für, Weinstock, deine Reben! 5. Ewig währet deine Treue, Inniglich Fasset dich Unser * — Nachruf an Confirmanden. 149 Herz aufs neue. Sprich dazu Thron, Vater, Sohn, Geist in deinem Namen Von dem auf ewig Amen! Albert Knapp, g. 1798, st. 1864. Nachruf an Confirmanden. Mel. Es kostet viel, ein Christ zu ꝛc. 224. Bleibt, Schäflein, bleibt, verlasset nicht die Hut Des guten Hirten, dem ihr euch gegeben! So bittet euch und fleht durch Christi Blut Ein Lehrer, der nichts wünscht, als euer Leben. Er ruft, weil ihn die heiße Liebe treibt: Bleibt, Schäflein, bleibt! 2. O, Lämmer, bleibt! Ge⸗ denkt an jenen Tag, Da ihr es ihm vor allem Volk ver⸗ sprochen. Er klopfte an und hat durch manchen Schlag In Liebeskraft das harte Herz ge⸗ brochen. Ihr sagtet weinend: „Jesum nehm ich an.“ O denkt daran! 3. Er hats gehört, was euer Mund gesagt:„Ich will an Jesum glauben, Jesum lie⸗ ben.“ Er war dabei, so oft man euch gefragt, Und hat das Jawort in sein Buch ge⸗ schrieben. Er weiß auch alles, was man euch gelehrt; Er hats gehört. 5. Bedenkt es doch, wie oft er angeklopft, Wie oft er euch vergeblich nachgegangen. Wie schändlich habt ihr Herz und Ohr verstopft! Was hats ge⸗ kost, eh euch sein Arm umfan⸗ gen! Wie lange flohet ihr sein sanftes Joch! Bedenkt es doch! 6. Er ließ euch nicht; er lief euch brünstig nach. Was hat sein Herz nicht für Geduld ge⸗ tragen! Er wartete, bis euer Sinn zerbrach, Und eure Her⸗ zen ihm zu Füßen lagen. Ja, lieft ihr gleich von seinem An⸗ gesicht: Er ließ euch nicht. 7. Nun hat er euch, wofern es anders wahr, Was eure Lippen jedermann bezeugen. Das freuet ihn auch jetzt und immerdar; Nach vieler Mühe seid ihr nun sein eigen. Ihr riefet:„Wir verlassen Satans Reich!“ Nun hat er euch. 8. Er hat euch lieb! Beden⸗ ket, was er that, Wie er am Kreuz im Blute da gehangen. Bedenket, wie er euch so zärt⸗ 4. O laßt ihn nicht! Ihr lich bat, Bis euer Fuß von habt euch gnug gewehrt Und euren Heiland lange warten lassen. Wie lange hat er schon das Herz begehrt! Wie hat er sich bemüht, euch recht zu fas⸗ sen! Wie sehnlich suchte euch Sodom ausgegangen. O wie viel stärker brennet nun sein Trieb! Er hat euch lieb. 9. Er nimmt euch an, so sündig, wie ihr seid, So blind und todt, so kalt und voller sein Angesicht! O laßt ihn nicht! Schanden. Bringt gar nichts SF 9 + B 150 Gnadenmittel; mit, denn alles ist bereit. Bei ihm ist Gnade, Licht und Kraft vorhanden. O kommt doch nur, ein jedes, wie es kann: Er nimmt euch an. 10. Er hat Geduld. Werft nicht den Muth dahin, Wenn ihr bald hier, bald da in Schuld gefallen. Er trägt euch gern nach seinem Vater⸗ sinn; Er liebt den größten Sünder unter allen. Kommt, küßt die Hand, so weiß er keine Schuld; Er hat Geduld. 11.Er pfleget euch. Er giebt mit Sorgen Acht, Was euch gebricht und was ein jeder brauchet. Das Kranke wird von ihm gesund gemacht, Wenn ers im Blut und Was⸗ ser untertauchet. Dem Schwä⸗ chern ist er doppelt gnaden⸗— reich. Er pfleget euch. 12. Ihr habt es gut; ja glaubt es ganz gewiß, So lang er euch als seine Schafe kennet. O wohl euch, wenn anstatt der Finsterniß Im Herzen Glaube, Fried und Freude brennet! So seid ihr auch im Tode wohlgemuth. Ihr habt es gut. 13. Er läßt euch nicht. Das hat er selbst gesagt.„Nichts soll sie mir aus meinen Hän⸗ den reißen.“ Und wenn euch Lust und Furcht in Schrecken jagt, So will er selbst die Mauer sein und heißen. Wer nur mit Vorsatz nicht den Bund zerbricht, Den läßt er nicht. Sacramente. 14. So dringt nun ein und hört nicht eher auf, Bis daß ihr wißt:„Ich habe Gnade funden.“ Könnt ihr sonst nichts, so seht zum Kreuz hin⸗ auf, Ja, seht hinein in seine offnen Wunden. Sein Wort lockt alle Armen dahinein: So dringt nun ein. 15. Wenn ihr ihn habt und ihn mit Freuden lobt, So hangt und klebt allein an sei⸗ ner Gnade; denn Satan geht umher, er lockt und tobt Und sein Vergnügen ist der Läm⸗ mer Schade. Sucht, daß ihr euch in Jesu tief vergrabt, Wenn ihr ihn habt. 16. Ihr seid sein Ruhm, sein Lob und seine Lust. Dazu ist er gestorben und geboren. Das wäre recht ein Schwert durch seine Brust, Wenn er sein theures Blut an euch ver⸗ loren. Denn was ihr seid, ist doch sein Eigenthum; Ihr seid sein Ruhm. 17. Ach, Jesus weint! Je⸗ rusalem verdirbt, Jerusalem, das Volk von seinem Bunde. So oft ein Kind des Bundes ewig stirbt, So jammerts Jesum noch bis diese Stunde. Es kränket ihn, da ers so gut gemeint. Ach, Jesus weint! 18. Wo wollt ihr hin? Ihr Schäflein, sagt es doch, Die ihr euch Jesu einmal hinge— geben. Er ist der Hirt: Wo ist ein andrer noch, Bei dem die Schaf und Lämmer ewig leben? Wer hat doch solche Nachruf an Confirmanden. 151 Macht und Vatersinn? Wo 23. Mir wallt das Herz, wollt ihr hin? Es schwimmt im Liebesmeer 19. O, Lämmer, bleibt! Es Und ist zuweilen gegen euch ist kein ander Heil, Als nur wie trunken. Das ist mein in dieses Lammes Blut und Thun, das denk ich hin und Wunden. Ach raubet ihm her: O wärt ihr doch im nicht sein bescheidnes Theil, Gnadenmeer versunken! Was Das er an euch, der kleinen euch verdirbt, das ist mein Schaar, gefunden. Verflucht größter Schmerz; Mir wallt sei das, was euch von Jesu mein Herz. treibt! O, Lämmlein, bleibt! 24. Ichsfaß euch an. O 20. Ach, wehe euch! Ihr faßt mich wieder recht! So wäret doppelt todt, Wo ihr wollen wir zum Paradiese euch nun aus seinen Händen reisen. Da hab ich denn, als risset. Ihr häufet euch die Qual Jesu armer Knecht, Ihm viel der ewgen Noth, Wo ihr das gefundne Schafe aufzuweisen, Wort verachtet, das ihr wis⸗ Daß er, und ihr, und ich mich set. Gott ist an Zorn, sowie an freuen kann. Ich faß euch an. Gnade reich. Ach, wehe euch! 25. Er wartet schon. Er 21. O Jesu, nein, laß du es schließt die Thüren auf, Er ja nicht zu, Daß sie sich dir reicht euch seine Hände weit aus deinen Händen winden. entgegen. Er lacht euch an; Laß ihnen doch im Herzen 9 seht doch hoch hinauf! Ihr keine Ruh, Als wenn sie sich steht zur Rechten; hört ihr in deinem Schoße finden. nicht den Segen? Ach eilet Wie? soll denn eins davon muthig bis vor seinen Thron; verloren sein? O Jesu, nein! Er wartet schon. 22. Bleibt, Kindlein, bleibt! 26. So bleibt nun, bleibt! O geht doch nicht zurück. Ihr O bleibt in Ewigkeit Und seid mein Ruhm; ach nehmt laßt euch nichts von seiner mir nicht die Krone. Was Liebe trennen! Das ewge Le⸗ wäre mir das für ein Jam⸗ ben ist für euch bereit. Die merblick! So käm ich künftig aber weichen, werden ewig ganz allein zum Sohne, Der brennen. O seht doch, wie euch, wenn ihr ihn haßt, zur euch Fluch und Segen treibt: Linken treibt. Bleibt, Kind⸗ So bleibt nun, bleibt! lein, bleibt! C. G. Woltersdorf 9 725 fl. 1761. b. Das heilige Abendmahl. 225. Jesus Christus, den Gottes ⸗Zorn wandt, unser Heiland, Der von uns Durch das bitter Leiden sein 152 Gnadenmittel; Sacramente. Half er uns aus der Höllen⸗ pein. 2. Daß wir nimmer deß vergessen, Gab er uns sein Leib zu essen, Verborgen im Brod so klein, Und zu trinken sein Blut im Wein. 3. Wer sich zu dem Tisch will machen, Der hab wohl Acht auf sein Sachen. Wer unwürdig hinzugeht, Für das Leben den Tod empfäht. 4. Du sollst Gott, den Va⸗ ter, preisen, Daß er dich so wohl wollt speisen Und für deine Missethat In den Tod sein Sohn geben hat. 5. Du sollst gläuben und nicht wanken, Das sei eine Speis der Kranken, Den'n ihr Herz von Sünden schwer 1009— vor Angst ist betrübet — ehr. 6. Solch groß Gnad und Barmherzigkeit Sucht ein Herz in großer Arbeit. Ist dir wohl“), so bleib davon, Daß du nicht kriegest bösen Lohn.) Bist du fühl⸗ los, lebst in Sicherheit. 7. Er spricht selber: Kommt, ihr Armen! Laßt mich über euch erbarmen, Kein Arzt ist dem Starken noth, SeinKunst wird an ihm gar ein Spott. 8. Hättst du dir was konnt erwerben, Was durft ich denn für dich sterben? Dieser Tisch auch dir nicht gilt, So du sel⸗ ber dir helfen willt. 9. Glaubst du das von Her⸗ zensgrunde Und bekennest mit dem Munde, So bist du recht wohlgeschickt, Und die Speise dein Seel erquickt. 10. Die Frucht soll auch nicht ausbleiben: Deinen Nächsten sollst du lieben, Daß er dein genießen kann, Wie dein Gott an dir gethan. Nach Joh. Huß(g. 1373, st. 1415) Martin Luther. Mel. Wie schön leuchtet der Mor⸗ genstern. 226. Herr Jesu, dir sei Preis und Dank Für diese Seelenspeis und Trank, Da⸗ mit du uns begabet. Im Brod und Wein dein Leib und Blut Kommt uns wahr⸗ haftig wohl zu gut Und unsre Herzen labet. Daß wir In dir Und nach allem Wohlge⸗ fallen heilig leben, Solches wollest du uns geben. 2. Du kehrest, o Immanuel, Ja selber ein in unsre Seel Und willst da Wohnung ma⸗ chen. Drum uns ein solches Herz verleih, O Gott, das frei und ledig sei von allen eiteln Sachen. Bleibe, treibe Unser Sinnen und Beginnen, daß wir trachten Alle Weltlust zu verachten. 3. Ach Herr, laß uns doch nehmen nicht Dein werthes Nachtmahl zum Gericht! Ein jeder recht bedenke, Daß wir mit diesem Lebensbrod Im Glauben stillen unsre Noth. Der Fels des Heils uns tränke, Züchtig, Tüchtig Dich dort oben stets zu loben, bis — Das heilige wir werden Zu dir kommen von der Erden. 4. O daß wir solche Selig⸗ keit Erwarten möchten allezeit In Hoffnung und Vertrauen Und folgends aus dem Jam⸗ merthal Eingehen in denHim⸗ melssaal, Da wir Gott wer⸗ den schauen, Tröstlich, Köst⸗ lich Uns als Gäste auf das beste bei ihm laben Und ganz volle Gnüge haben. 5. Das gieb du uns von deinem Thron, O Jesu Chri⸗ ste, Gottes Sohn, Giebs durch dein bitter Leiden. Dasselbe, weil wir leben hier, Laß uns betrachten für und für Und alles Böse meiden. Amen! Amen! Hilf uns kämpfen, hilf uns dämpfen alle Sün⸗ den; Hilf uns fröhlich über⸗ winden. Bernh. v. Derschau, g. 1591, st. 1639. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 227. O Jesu, du mein Bräutigam, Der du aus Lieb am Kreuzesstamm Für mich den Tod gelitten hast, Ge⸗ nommen weg der Sünden Last: 2. Ich komm zu deinem Abendmahl, Verderbt durch manchen Sündenfall. Ich bin krank, unrein, nackt und bloß, Blind und arm. Ach, mich nicht verstoß! Abendmahl. 153 bist das rechte Hochzeitkleid. 4. Drum, o Herr Jesu, bitt ich dich, In meiner Schwach⸗ heit heile mich. Was unrein ist, das mache rein Durch deinen hellen Gnadenschein. 5. Erleuchte mein verfin⸗ stert Herz, Zünd an die helle Glaubenskerz. Mein Armuth in Reichthum verkehr Und mir des Geistes Gaben mehr. 6. Daß ich das rechte Him⸗ melsbrod, Dich, Jesu, wahrer Mensch und Gott, Mit höch⸗ ster Ehrerbietung eß Und dei⸗ ner Liebe nie vergeß. 7. Lösch alle Laster aus in mir, Mein Herz mit Lieb und Glauben zier; Und was sonst ist von Tugend mehr, Das pflanz in mir zu deiner Ehr. 8. Gieb, was nütz ist an Seel und Leib; Was schädlich ist, fern von mir treib. Komm in mein Herz, laß mich mit dir Vereinigt bleiben für und für. 9. Hilf, daß durch deines Mahles Kraft Das Bös in mir werd abgeschafft, Erlas⸗ sen alle Sündenschuld. Er⸗ langt des Vaters Lieb und Huld. 10. Vertreibe du all meine Feind, Die mir zu schaden sind gemeint; Den guten Vor⸗ satz, den ich führ, Durch dei⸗ nen Geist fest mach in mir. 11. Mein Leben, Sitten, Sinn und Pflicht Nach dei⸗ 3. Du bist der Arzt, du bist nem heilgen Willen richt. Ach das Licht, Du bist der Herr, laß mich meine Tag in Ruh dem nichts gebricht, Du bist Und Friede christlich bringen der Brunn der Heiligkeit, Du zu. 15⁴4 12. Bis du mich, o du Le⸗ bensfürst, Einst in den Him⸗ mel nehmen wirst, Daß ich bei dir dort ewiglich An dei⸗ ner Tafel freue mich. Joh. Hermann, g. 1585, st. 1647. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 228. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, Du Brunn⸗ quell aller Gnaden, Wir kom⸗ men, deinen Leib und Blut, Wie du uns hast geladen, Zu deiner Liebe Herrlichkeit Und unsrer Seelen Seligkeit Zu essen und zu trinken. 2. O Jesu, mach uns selbst bereit Zu diesem hohen Werke. Schenk uns dein schönes Eh⸗ renkleid Durch deines Geistes Stärke. Hilf, daß wir würdge Gäste sein Und werden dir gepflanzet ein Zum ewgen Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir Auch bis ans Ende bleiben. Laß Sünd und Noth wieder treiben, Bis wir durch deines Nachtmahls Kraft In deines Himmels Bürgerschaft Dort ewig selig werden. 229. Schmücke dich, o liebe Seele! Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen; Denn der Herr voll Heil und Gna⸗ den Will dich jetzt zu Gaste laden. Der den Himmel kann Gnadenmittel; Sacramente. verwalten, Will jetzt Herberg in dir halten. 2. Eile, wie Verlobte pfle⸗ gen, Deinem Bräutigam ent⸗ gegen, Der da mit dem Gna⸗ denhammer Klopft an deines Herzens Kammer. Oeffn ihm bald des Geistes Pforten, Red ihn an mit schönen Wor⸗ ten: Komm, mein Heil, laß dich genießen, Laß mich deiner nicht mehr missen. 3. Zwar in Kaufung theu⸗ rer Waaren Pflegt man sonst kein Geld zu sparen; Doch du willst für diese Gaben Deiner Huld kein Geld nicht haben, Weil in allen Bergwerks⸗ gründen Kein solch Kleinod ist zu finden, Das die blut⸗ gefüllten Schalen Und dies Manna kann bezahlen. 4. Ach wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach wie pfleg ich oft mit Thränen Mich nach dieser Kost zu seh— nen! Ach wie pfleget mich uns für und für Von dir nicht zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten! Wünsche stets, daß mein Gebeine Sich durch Gott mit Gott vereine. 5. Beides, Zittern und Entzücken, Lässet sich in mir jetzt blicken. Das Geheimniß dieser Speise Und die uner⸗ forschte Weise Machet, daß ich früh vermerke, Herr, die Grö— ße deiner Werke. Ist auch wohl ein Mensch zu finden, Der dein Allmacht sollt er⸗ gründen? Das heilige 6. Nein, Vernunft die muß hier weichen, Kann dies Wun⸗ der nicht erreichen, Daß dies Brod nie wird verzehret, Ob es gleich viel Tausend nähret, Und daß mit dem Saft der Reben Uns wird Christi Blut gegeben. O der großen Heim⸗ lichkeiten, Die nur Gottes Geist kann deuten! 7. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud und Won⸗ ne, Jesu, du mein ganz Be⸗ ginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Hier fall ich zu deinen Füßen, Laß mich wür⸗ diglich genießen Dieser deiner Himmelsspeise, Mir zum Heil und dir zum Preise. 8. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel hergetrieben, Daß du willig hast dein Leben In den Tod für mich gegeben Und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für mich vergossen, Das uns jetzt kann kräftig tränken, Deiner Liebe zu gedenken. 9. Jesu, wahres Brod des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens. Oder mir vielleicht zum Schaden Sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög dein Gast im Himmel werden. Joh. Franck, g. 1618 st. 1677. 15⁵ Abendmahl. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 230. Ich komm jetzt als ein armer Gast, O Herr, zu deinem Tische, Den du für uns bereitet hast, Daß ich mein Herz erfrische, Wenn mich der Seelenhunger nagt, Wenn mich der Durst des Geistes plagt, Bis ich den Schweiß abwische. 2. Nun sprichst du, Seelen⸗ bischof, dort: Ich bin das Brod zum Leben. Dies Brod treibt auch den Hunger fort, Den sonst nichts mag aufhe⸗ ben. Ich bin der Trank; wer glaubt an mich, Dem wird der Durst nicht ewiglich Im Herzen Qualen geben. 3. Drum führe mich, o treuer Hirt, Auf deine Him⸗ melsauen Bis meine Seel erquicket wird, Wenn du sie lässest schauen Die Ströme deiner Gütigkeit, Die du für alle hast bereit, So deiner Hut vertrauen. 4. Ich armes Schäflein suche dich Auf deiner grünen Weide. Dein Lebensmanna speise mich Zum Trost in allem Leide; Es tränke mich dein theures Blut, Auf daß mich ja kein falsches Gut Von deiner Liebe scheide. 5. Gleichwie des Hirsches mattes Herz Nach frischem Wasser schreiet, So schreiet auch mein Seelenschmerz: Ach laß mich sein befreiet Von meiner schweren Sün⸗ 156 Gnadenmittel; denpein Und schenk den Le⸗ benstrank mir ein; Dann bin ich benedeiet. 6. Vor allem aber wirk in mir Ein ungefärbte Reue, Daß ich vor sündlicher Begier Mit ganzem Ernst mich scheue. Zieh mir den Rock des Glau⸗ bens an, Der dein Verdienst ergreifen kann, Damit mein Herz sich freue. 7. Entzünd in mir der An⸗ dacht Brunst, Daß ich die Welt verlasse Und deine Treue, Gnad und Gunst In dieser Speise fasse, Daß durch dein Lieben Lieb in mir Zu meinem Nächsten wachs herfür Und ich fort niemand hasse. 8. Ach führe mich nur selbst von mir; Bei mir ist nichts denn Sterben. Nimm aber mich, o Herr, zu dir; Bei dir ist kein Verderben. In dir ist lauter Höllenpein; In dir ist nichts denn Seligsein Mit al⸗ len Himmelserben. 9. Erneure mich, o Lebens⸗ stab, Gieb mir des Geistes Gaben. Laß mich die Sünde danken ab, Die mich sonst pflegt zu laben. Regiere mei⸗ nen trägen Sinn, Daß er die Lüste werfe hin, Die er pflegt lieb zu haben. 10. So komm nun, o mein Seelenschatz; Dich kann ich nimmer missen. Mein Herze giebt dir Raum und Platz Und will von keinem wissen, Als nur von dir, o Gottes⸗ lamm, Dieweil du mich am Sacramente Kreuzesstamm Aus Noth und Tod gerissen. 11. O liebster Heiland, gro⸗ ßen Dank Für deine Süßig⸗ keiten! Ich fühl der Sehn⸗ sucht heißen Drang Und wart auf jene Zeiten, In welchen du, o Lebensfürst, Mich sammt den Auserwählten wirst Zur Himmelstafel leiten. Just. Sieber, g. 1628, st. 1695. 2. Tim. 2.8. Mel. Mein Herzens⸗Jesu, meine ꝛc. 231. Halt im Gedächt⸗ niß Jesum Christ, O Mensch, der auf die Erden Vom Thron des Himmels kommen ist, Dein Bruder da zu wer⸗ den. Vergiß nicht, daß er dir zu gut Hat angenommen Fleisch und Blut. Dank ihm für diese Liebe. 2. Halt im Gedächtniß Je⸗ sum Christ, Der für dich hat gelitten, Ja gar am Kreuz gestorben ist Und dadurch hat bestritten Welt, Sünde, Teu⸗ fel, Höll und Tod, Und dich erlöst aus aller Noth. Dank ihm für diese Liebe. 3. Halt im Gedächtniß Je⸗ sum Christ, Der auch am dritten Tage Siegreich vom Tod erstanden ist, Befreit von Noth und Plage. Bedenke, daß er Fried gemacht, Sein Unschuld Leben wiederbracht. Dank ihm für diese Liebe. 4. Halt im Gedächtniß Je⸗ sum Christ, Der nach den Lei⸗ denszeiten Gen Himmel auf⸗ 0 0 Das heilige gefahren ist, Die Stätt dir zu bereiten, Da du sollst bleiben allezeit Und sehen seine Herr⸗ lichkeit. Dank ihm für diese Liebe. 5. Halt im Gedächtniß Je⸗ sum Christ, Der einst wird wiederkommen Und sich, was todt und lebend ist, Zu rich⸗ ten vorgenommen. O denke, daß du da bestehst Und mit ihm in sein Reich eingehst, Ihm ewiglich zu danken. 6. Gieb, Jesu, gieb, daß ich dich kann Mit wahrem Glau⸗ ben fassen Und nie, was du an mir gethan, Mög aus dem Herzen lassen, Daß dessen ich in aller Noth Mich trösten mög und durch den Tod Zu dir ins Leben dringen. Cyriae. Günther, g. 1649, st. 1704. Mel. Jesus meine Zuversicht. 232. Auf, mein Herz, auf, rüste dich! Jesus läßt zur Tafel laden; Seine Stimme ruft auch mich Voller Liebe, voller Gnaden: Komm zu mir, iß Himmelskost, Komm, trink Ueberfluß von Trost! 2. Sei willkommen, Him⸗ melsbrod, Sei willkommen, Trank voll Leben, Arznei wi⸗ der Noth und Tod, Die mir Jesu Hand gegeben! Theurer Leib, ach theures Blut, Mei⸗ ner Seelen höchstes Gut! 3. Ach so senke dich in mich; Ich will mich in dich versen⸗ ken. Niemand trennt uns Abendmahl. 157 sicherlich, Weil wir uns ein⸗ ander schenken. Leib und Blut ist hier dein Pfand, Meines: Herze, Mund und Hand. 4. Du bist ja mein Fleisch und Blut; Ich ein Glied an deinem Leibe. Trotz sag ich der Höllenglut, Daß sie mich zum Zweifel treibe. Pfand und Siegel hab ich hier: Je⸗ sus wohnet selbst in mir. 5. Seele, denk an Jesu Pein Und an seine Todes⸗ schmerzen. Wandle vor dem Reinen rein, Gieb ihm Ruhm mit Mund und Herzen: So wirst du im Glauben schön Einst zur Himmelstafel gehn. Benjamin Schmolk, g. 1672, st. 1787. Mel. Erquicke mich, du Heil der ꝛc. 233. Mein Jesu, der du vor dem Scheiden In dei⸗ ner letzten Trauernacht Uns hast die Früchte deiner Leiden In einem Testament ver⸗ macht: Es preisen gläubige Gemüther Dich, Stifter die⸗ ser hohen Güter. 2. So oft wir dieses Mahl genießen, Wird dein Gedächt⸗ niß bei uns neu. Man kann aus frischen Proben schließen, Wie brünstig deine Liebe sei. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen Verneuern sich in unsern Herzen. 3. Es wird dem zitternden Gewissen Ein neues Sie⸗ gel aufgedrückt, Daß unser Schuldbrief sei zerrissen, Daß 158 Gnadenmittel; unsre Handschrift sei zerstückt, Daß wir Vergebung unsrer Sünden In deinen blutgen Wunden finden. 4. Das Band wird fester zugezogen, Das dich und uns zusammenfügt. Die Freund⸗ schaft, die wir sonst gepflogen, Fühlt, wie sie neue Stützen h kriegt. Wir werden mehr in solchen Stunden Mit dir zu einem Geist verbunden. 5. Dies Brod kann wahre Nahrung geben, Dies Blut erquicket unsern Geist. Es mehrt sich unser innres Leben, Wenn unser Glaube dies ge⸗ neußt. Wir fühlen neue Kraft und Stärke In unserm Kampf und Glaubenswerke. 6. Wir treten in genaure Bande Mit deines Leibes Gliedern ein, Mit denen wir in solchem Stande Ein Herz und eine Seele sein. Der Geist muß mehr zusammen⸗ fließen, Da wir ein Fleisch und Blut genießen. 7. Dein Fleisch muß uns zum Pfande dienen, Daß un⸗ ser Fleisch, der Schwachheit voll, Einst herrlich aus dem Staube grünen Und unver⸗ weslich werden soll, Ja daß du uns ein ewig Leben Nach diesem kurzen werdest geben. 8. O theures Lamm, so edle Gaben Hast du in dieses Mahl gelegt. Da wir dich selbst zur Speise haben, Wie wohl ist unser Geist verpflegt! Dies Mahl ist unter allen Leiden Sacramente. Ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sei Lob, Ehr und Preis gesungen! Ein solcher hoher Liebesschein Verdient, daß aller Engel Zungen Zu dessen Ruhm geschäftig sein. Wird unser Geist zu dir er⸗ oben, So wird er dich voll⸗ kommner loben. Joh. Jac. Rambach, g. 1692 st. 1785. Mel. O daß ich tausend Zungen ꝛc. 234. Dem König, wel⸗ cher Blut und Leben Dem Le⸗ ben seiner Völker weiht, Dem König werde Preis gegeben! Erzählt sein Lob der Ewig⸗ keit! Singt alle Wunder, die er thut; Doch über alles rühmt sein Blut. 2. Den König hat mein Herz gefunden; Wo anders, als auf Golgatha; Da floß mein Heil aus seinen Wun⸗ den, Auch mich, auch mich erlöst er da. Für mich gab er sein Leben hin, Der ich aus seinen Feinden bin. 3. Wem anders sollt ich mich ergeben? O König, der am Holz verblich, Hier opfr ich dir mein Blut und Leben. Mein ganzes Herz ergießet sich. Dir schwör ich zu der Kreuzesfahn Als Streiter und als Unterthan. 4. Mich dürstet, Herr, nach deinem Blute. Nach Regen lechzt dein dürres Land. Ach außer dir, dem höchsten Gute, Ist keine Nahrung mir be⸗ — Das heilige Abendmahl. 159 kannt. Mein Geist ist elend schreibet, Mein Erlöser war und beklemmt, Bis daß dein Blut mich überschwemmt. 5. O gieb dein Manna mir zu essen! Dein Freudenwein erfülle mich! O laß mich dei⸗ ner nie vergessen, In mei⸗ mem Geist verkläre dich! So halt ich täglich Abendmahl; Denn dein Verdienst ist ohne Zahl. E. G. Woltersdorf g. 1725, st. 1761. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 235. Komm, mein Herz, in Jesu Leiden Deinen Hun⸗ ger satt zu weiden, Stille hier dein sehnlich Dürsten In dem Blut des Lebensfürsten. Daß ich einen Heiland habe Und in seinem Heil mich labe Und in sein Verdienst mich klei⸗ de: Das ist meines Herzens Freude. 2. Zwar hab' ich ihn alle Tage, Wenn ich in sein Blut mich wage. Er ist auf der Himmelsreise Täglich mein Getränk und Speise. Daß ich einen Heiland habe, Bleibt mein alles bis zum Grabe. Und ich mag nichts anders wissen, Als sein Leiden zu ge⸗ nießen. 3. Dennoch will ich mit Ver⸗ langen Auch sein Abendmahl empfangen. Hier darf Seel und Leib ihn essen. Und so kann ichs nicht vergessen, Daß ich einen Heiland habe, Der am Kreuz und in dem Grabe, Wie sein Wort mir sagt und ö und bleibet. 4. Weil der Unglaub uns besessen, Kann man nichts so leicht vergessen, Als den Tilger unsrer Sünden. Ja auch mir wills oft verschwinden, Daß ich einen Heiland habe. Und dann weiß ich keine Gabe Zur Versöhnung darzubringen; Meine Schuld muß mich ver⸗ schlingen. 5. Ach wie werd ich da so müde! Wie entweicht der süße Friede! Sünd und Welt kann mich verwunden, Wenn mir dieses Licht verschwunden; Daß ich einen Heiland habe, Der mit seinem Hirtenstabe Sanft und mild und voll Ver⸗ geben, Mir nichts ist, als Heil und Leben. 6. O ich Sünder, ich Ver⸗ dammter Und von Sündern Abgestammter! Was wollt ich von Troste wissen, Wäre die⸗ ses weggerissen, Daß ich ei⸗ nen Heiland habe, Dessen Blut mich Sünder labe! Bes⸗ ser wär es, nie geboren, Als dies theure Wort verloren. 7. Sei gesegnet, ewge Liebe, Daß du mir aus treuem Trie⸗ be, Da das Mißtraun mich vergiftet, Solch ein Denkmal selbst gestiftet: Daß ich einen Heiland habe, Der den Gang zum Kreuz und Grabe, Ja den Schritt ins Todes Rachen Gern gethan, mich los zu machen. 8, Heilges Brod, sei mir gesegnet, Weil er mir mit dir NN 9. PPFI 160 Gnadenmittel begegnet, Dessen Leichnam voller Wunden Die Erlösung ausgefunden. Daß ich einen Heiland habe, Der erblaßt und todt im Grabe Auch für meine Schuld gelegen, Will ich schmecken und erwägen. 9. Heilger Wein, sei mir gesegnet; Denn, wie Christi Blut geregnet Zur Vergebung aller Sünden, Das will ich in dir empfinden. Daß ich einen Heiland habe, Der die dürren Seelen labe, Wie kann mir das fremde dünken? Hab ich doch sein Blut zu trinken. 10. Er befiehlts, mich satt zu essen, Meines Jammers zu vergessen. Er gebeuts, mich satt zu trinken, Ganz in Freu⸗ de zu versinken, Daß ich einen Heiland habe, Der sich selbst zur Opfergabe, Ja sein Opfer mir zum Leben, Mir zu Speis und Trank gegeben. 11. Gott, was brauch ich mehr zu wissen? Ja was will ich mehr genießen? Wer kann nun mein Heil ermessen? Werd ich das nur nicht ver⸗ gessen, Daß ich einen Hei⸗ land habe. Ich bin frei vom Tod und Grabe. Wenn mich Sünd und Hölle schrecken, So wird mich mein Heiland decken. 12. Ja, mein Heiland, den ich nehme, Weil ich mich nicht knechtisch schäme. Nehmet hin! so rufst du allen. Darum soll es laut erschallen, Daß ich ei⸗ nen Heiland habe Und an ihm Sacramente. mich muthig labe. Trotz den Feinden, die mich hassen! Ich will mich nicht stören lassen. 13. Will hinfort mich etwas quälen, Oder wird mir etwas fehlen, Oder wird die Kraft zerrinnen; So will ich mich nur besinnen, Daß ich einen Heiland habe, Der vom Kripp⸗ lein bis zum Grabe, Bis zum Thron, wo man ihn ehret, Mir, dem Sünder, zugehö⸗ ret. E. Gottl. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 236. Ich komme, Herr, und suche dich Mühselig und beladen. Gott, mein Erbar⸗ mer, würdge mich Des Wun⸗ ders deiner Gnaden. Ich lie⸗ ge hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Men⸗ schen Sohn, Mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh; Ich suche Ruh und finde sie Im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an: Du bist das Heil der Sünder. Du hast die Hand⸗ schrift abgethan, Und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht Und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du hast mir Heil erworben. Du hast für mich dich darge⸗ stellt. Mit sich versöhnte Gott die Welt, Da du für sie ge⸗ storben. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! Er tilget deine Sün⸗ 67 Das heilige den Und läßt an seinem Tische hier Dich Gnad um Gnade finden. Du rufst, und er er⸗ hört dich schon, Spricht lieb⸗ reich: Sei getrost, mein Sohn; Die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod ge⸗ tauft: Vergiß nicht, dem, der dich erkauft, Zu Ehren stets zu leben. 4. Dein, spricht er, ist die Seligkeit; Bewahr sie hier im Glauben Und laß durch keine Sicherheit Dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir. Ich bin der Weinstock; bleib an mir, So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, Und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg gelingen. 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot. Ich will es treu erfüllen Und bitte dich durch deinen Tod Um Kraft zu mei⸗ nem Willen. Laß mich von nun an tüchtig sein, Mein ganzes Herz, Herr, dir zu weihn Und deinen Tod zu preisen. Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Besserung Mir und der Welt beweisen. Chr. Fürchteg. Gellert, geb. 1715, st. 1769. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 237. Ich preise dich, o Herr, mein Heil, Für deine Todesleiden. Hab ich an ih⸗ ren Früchten Theil, Was fehlt dann meinen Freuden? Du wardst ein Opfer auch für mich. O gieb, daß meine Seele Abendmahl. 161 sich Deß ewig freuen möge. 2. Was kann mein Geist durch deinen Tod Nicht noch für Segen finden! Erlösung aus der größten Noth, Ver⸗ gebung aller Sünden, Gewis⸗ sensruh, zur Beßrung Kraft, Das hast du, Herr, auch mir verschafft, Da du am Kreuze starbest. 3. Dein Mahl ist mir ein Unterpfand Von dieser großen Güte. Wie viel hast du an mich gewandt! O stärke mein Gemüthe Zum gläubigen Vertraun auf dich, Daß ich, so lang ich lebe, mich An deiner Gnade halte. 4. Ich fühle, Herr, voll Reu und Schmerz Die Last von meinen Sünden. Laß mein vor dir gebeugtes Herz Den großen Trost empfinden, Daß du aus großer Lieb und Huld Auch mir Vergebung meiner Schuld Auf Buße hast er⸗ worben. 5. Der Trost, den mir dein Tod verschafft, Werd ewig mir zum Segen. Er stärke mich mit neuer Kraft, Auf allen meinen Wegen Nur das zu thun, was dir gefällt, Und alle Furcht und Lust der Welt Standhaft zu überwinden. 6. Die Liebe, die du mir erzeigt, Ist gar nicht zu er⸗ messen. O mache selbst mein Herz geneigt, Sie nimmer zu vergessen. Daß ich aus echter Gegentreu Dir bis zum Tod ergeben sei Und dir zur Ehre lebe. — 16²2 Gnadenmittel; 7. Laß deines Leidens gro⸗ ßen Zweck Mir stets vor Au⸗ gen stehen. Nimm alle Hin⸗ dernisse weg, Die ebne Bahn zu gehen, Die mir dein heilig Vorbild weist Und die einst den erlösten Geist Zu deiner Freude führet. Sacramente. 8. Zum ewgen Leben hast du dich Für mich dahin gege⸗ ben. Dein Abendmahl erwecke mich, Mit Ernst darnach zu streben. Herr, mache mich da⸗ zu geschickt. Und werd ich einst der Welt entrückt, So sei dein Tod mein Leben. Joh. Sam Diterich, g. 1721, st. 1797. Nach der Com munion. 238. Gott sei gelobet und gebenedeiet, Der uns sel⸗ ber hat gespeiset Mit seinem Fleische und mit seinem Blute! Das gieb uns, Herr Gott, zu gute. Kyrie eleison! Herr, durch deinen heiligen Leich⸗ nam, Der zu deiner ewgen Gottheit kam, Und dein theuer, heilig Blut Hilf uns, Herr, aus aller Noth. Kyrie eleison! 2. Der heilge Leichnam ist für uns gegeben Zum Tod, daß wir dadurch leben. Nicht größer Güte konnte er uns schenken, Dabei wir sein solln gedenken. Kyrie eleison! Herr, dein Lieb so groß dich zwun⸗ gen hat, Daß dein Blut an uns groß Wunder that Und bezahlte unser Schuld, Daß uns Gott ist worden hold. Kyrie eleison! 3. Gott geb uns allen sei⸗ ner Gnaden Segen, Daß wir gehn auf seinen Wegen In rechter Lieb und brüderlicher Treue, Daß uns die Speis nicht gereue. Kyrie eleison! Herr, dein heilgen Geist uns immer laß, Der uns geb zu halten rechte Maß, Daß dein arme Christenheit Leb in Fried und Einigkeit. Kyrie eleison! Martin Luther, g. 1483, st. 1546. Verbesserung eines älteren Liedes aus dem 14. Jahrhundert. Mel. Nun laßt uns Gott dem ꝛc. 239. O Jesu, meine Wonne, Du meiner Seelen Sonne, Du Freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden. 2. Wie kann ich gnugsam schätzen Dies himmelsüß Er⸗ götzen Und diese theuren Ga⸗ ben, Die uns gestärket haben! 3. Wie soll ich gnug dir danken, O Herr, daß du mich Kranken Gespeiset und ge⸗ tränket, Ja selbst dich mir geschenket! 4. Ich lobe dich von Herzen für alle deine Schmerzen, Für deine Schläg und Wun⸗ den, die du für mich em⸗ pfunden. 5. Dir dank ich für dein Leiden, Den Ursprung meiner Freuden; Dir dank ich für dein Sehnen Und heiß ver⸗ goßne Thränen. 6. Dir dank ich für dein Lie⸗ ben, Das standhaft ist geblie⸗ ben; Dir dank ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. 7. Jetzt schmecket mein Ge⸗ müthe Dein übergroße Güte. h Dies theure Pfand der Gna⸗ den Tilgt allen meinen Scha⸗ den. 8. Herr, laß mich nicht ver⸗ gessen, Daß du mir zugemes⸗ sen Die kräftge Himmels⸗ speise, Wofür mein Herz dich preise. 9. Du wollest ja die Sünde, Die ich annoch empfinde, Aus meinem Fleische treiben Und kräftig in mir bleiben. 10. Nun bin ich losgezählet Von Sünden und vermählet Mit dir, mein liebstes Leben. Buße und Bekehrung. 163 Was kannst du Werthers ge⸗ ben! 11. Hilf, Herr, daß meine Seele Nur dich zum Leitstern wähle. Laß mich stets mit Verlangen An deiner Liebe angen. 12. Laß mich die Sünde meiden, Laß mich geduldig leiden, Laß mich mit Andacht beten Und von der Welt ab⸗ treten. 13. In meinem ganzen Le⸗ ben Laß mir vor Augen schwe⸗ ben, Wie trefflich ich beglücket, Ja himmlisch bin erquicket. 14. Nun kann ich nicht ver⸗ derben. Drauf will ich selig sterben Und freudig aufer⸗ stehen, O Jesu, dich zu se⸗ hen. Joh. Rist, g. 1607, st. 1667. VIII. Bnage und Bektehrung. Psalm 130. 240. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir; Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnä⸗ dig Ohr neig her zu mir, Halt meiner Bitt es offen. Denn so du willst das sehen an, Was Sünd und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts, denn Gnad und Gunst, Die Sün⸗ de zu vergeben. Es ist doch unser Thun umsonst Auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann; Deß muß dich fürchten jeder⸗ mannUnd deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen, Auf ihn mein Herz soll lassen“) sich und sei⸗ ner Güte trauen, Die mir zu⸗ sagt sein werthes Wort. Das ist mein Trost und treuer Hort; Deß will ich allzeit harren.) verlassen. 4. Und ob'es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen: Doch soll mein Herz an Gottes Macht Ver⸗ zweifeln nicht, noch sorgen. 16⁴4 Buße und Bekehrung. So thu Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward Und seines Gotts erharre. 5. Ob bei uns ist der Sün⸗ den viel, Bei Gott ist viel mehr Gnade; Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Aus sei⸗ nen Sünden allen. Martin Luther, g. 1483, st. 1546. Ps. 51, 12—14. 241. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herze Und gieb mir einen neuen, ge⸗ wissen Geist. Verwirf mich nicht: Von deinem Ange⸗ sicht:: Und nimm deinen hei⸗ ligen Geist nicht von mir. 2. Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, Und er, der freudige Geist, enthalte mich. Wasche mich wohl:: Von meiner Missethat:: Und rei⸗ nige mich von meiner Sünde. 242. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, Mein Hoffnung steht auf Erden. Ich weiß, daß du mein Tröster bist; Kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erkorn, Auf Erden ist kein Mensch geborn, Der mir aus Nöthen helfen kann. Dich ruf ich an, Auf den ich fest vertrauen kann. 2. Mein Sünd sind schwer und übergroß Und reuen mich von Herzen. Derselben mach mich frei und los Durch dei⸗ nen Tod und Schmerzen; Und zeig mich deinem Vater an, Daß du hast gnug für mich gethan, So werd ich los der Sündenlast. Herr, halt mir fest, Weß du dich mir versprochen hast. 3. Gieb mir durch dein Barmherzigkeit Den wahren Christenglauben, Auf daß ich deine Süßigkeit Mög innig⸗ lich anschauen, Vor allen Din⸗ gen lieben dich Und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End dein Hülf mir send, Damit behend Des Teufels List sich von mir wend. 4. Ehr sei Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte; Und Christo, sei⸗ nem lieben Sohn, Der uns allzeit behüte; Und Gott dem heiligen Geiste, Der uns sein Hülf allzeit leiste, Damit wir ihm gefällig sein, Hier in der Zeit Und folgends in der Ewigkeit. Joh. Schneesing, um 1534. Luk. 15, 11—24. Mel. Erhalt uns, Herr, bei ꝛc. 243. Kehr um, kehr um, verlorner Sohn, Der du sehr übel hast gethan, Von Gott, dem Vater, dich ge⸗ wandt, Bist kommen in ein fremdes Land; 2. Der du dein Erbgut hast verzehrt, In Schmach und Schanden dich genährt, Der Träber nicht kannst werden satt Und bist so hungrig und so matt! * Buße und Bekehrung. 165 3. Des Vaters Knechte le⸗ ben wohl, Sein Haus ist al⸗ ler Güter voll. Das Volk, so seinen Willen thut, Hats bei ihm über Maßen gut. 4. Geh wieder heim in Reu und Leid Und suche Gottes Gütigkeit; Eröffn ihm wieder Herz und Mund Und gieb dich hin in seinen Bund. 5. Sprich: Vater, hab mit mir Geduld, Gedenk nicht meiner schweren Schuld. O nimm mich an für einen Knecht; Zu deinem Gut hab ich kein Recht. 6. Dein Vater hat für dich bereit Ein Fingerreif und neues Kleid; Er richtet an ein schönes Fest Und will dir thun das Allerbest; 7. Schenkt dir Gnad und Gerechtigkeit, Christi Ver⸗ dienst zur Seligkeit, Das Heil, das du verloren hast, Und macht dich los von aller Last. 8. Erkenne nur, was dir gebricht. Geh heim, thu Buß und säume nicht; Denn willst du säumen bis zum Tod, So kommst du schwerlich aus der Noth. 9. O Gott, Vater im höch⸗ sten Thron, Nimm an deinen verlornen Sohn; Den heim⸗ gekehrten auch behüt Durch deine unnennbare Güt. Mich. Weiße, um 1540. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu ꝛce. 214. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, Du Brunn⸗ quell aller Gnaden, Sieh doch, wie ich in meinem Muth Mit Schmerzen bin beladen Und in mir hab der Pfeile viel, Die im Gewissen ohne Ziel Mich armen Sünder drücken. 2. Erbarm dich mein in solcher Last; Nimm sie aus meinem Herzen, Dieweil du sie gebüßet hast Am Holz mit Todesschmerzen, Auf daß ich nicht mit großem Weh In meinen Sünden untergeh, Noch ewiglich verzage. 3. Ach Gott, wenn mir das kommet ein, Was ich mein Tag begangen, So fällt mir auf das Herz ein Stein Und bin mit Furcht umfangen. Ja ich weiß weder aus noch ein Und müßte stracks verlo⸗ ren sein, Wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Allein dein heilsam Wort das macht Mit seinem süßen Singen, Daß mir das Herze wieder lacht Und fast beginnt zu springen, Dieweil es alle Gnad verheißt Denen, die mit zerknirschtem Geist Zu dir, o Jesu, kommen. 5. Und weil ich denn in meinem Sinn, Wie ich zuvor geklaget, Auch ein betrübter Sünder bin, Den sein Ge⸗ wissen naget Und gerne möcht im Blute dein Von Sünden abgewaschen sein, Wie David und Manasse: 6. So komm ich auch zu dir allhie in meiner Noth ge⸗ schritten Und thu dich mit ge⸗ beugtem Knie Von ganzem I —— 166 Buße und Bekehrung. Herzen bitten: Vergieb es mir doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab begangen. 7. O Herr, mein Gott, ver⸗ gieb mirs doch Um deines amens willen Und thu in mir das schwere Joch Der Uebertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb Und dir hinfort zu Ehren leb Im kindlichen Gehorsam. 8. Stärk mich mit deinem Freudengeist, Heil mich mit deinen Wunden. Wasch mich mit deinem Todesschweiß In meiner letzten Stunden Und nimm mich einst, wenn dirs gefällt, Im wahren Glauben von der Welt Zu deinen Aus⸗ erwählten. Barth. Ringwaldt, g. 1530, st. 1598. 245. Ach Gott und Herr, Wie groß und schwer Sind mein begangne Sün⸗ den! Da ist niemand, Der helfen kann, In dieser Welt zu finden. 2. Lief ich gleich weit Zu die⸗ ser Zeit Bis an der Welt ihr Enden und wollt los sein Der Angst und Pein, Würd ich sie doch nicht wenden. 3. Zu dir flieh ich; Verstoß mich nicht, Wie ichs wohl hab verdienet. Ach Gott, zürn nicht, Geh nicht ins Gricht; Dein Sohn hat mich versüh⸗ net. 4. Solls ja so sein, Daß Straf und Pein Auf Sünde folgen müssen, So fahr hie fort; Nur schone dort Und laß mich ja jetzt büßen. 5. Gieb, Herr, Geduld; Vergieb die Schuld; Gieb ein gehorsam Herze, Daß ich nur nicht, Wies wohl geschicht, Murrend meinHeil verscherze. 6. Handle mit mir, Wies dünket dir; Durch dich bin ichs zufrieden. Laß mich nur nicht Dort ewiglich Von dir sein abgeschieden. 7. Gleich wie sich fein Ein Vögelein In hohle Bäum verstecket, Wenns trüb her⸗ geht, Die Luft unstät, Men⸗ schen und Vieh erschrecket: 8. Also, Herr Christ, Mein Zuflucht ist Die Höhle deiner Wunden. Wenn Sünd und Tod Mich bracht in Noth, Hab ich mich drein gefun⸗ den. 9. Darin ich bleib. Ob hie der Leib Und Seel von ander scheiden, So werd ich dort Bei dir, mein Hort, Sein in ewigen Freuden. 10. Ehre sei nun Gott Va⸗ ter, Sohn Und heilgem Geist zusammen. Ich zweifle nicht, Weil Christus spricht: Wer gläubt, wird selig. Amen! V. 1—6 Mart. Rutilius, g. 1550. st. 1618. V. 7—10 Joh. Major, g. 1564, st. 1654. 246. O Christe, Mor⸗ gensterne, Leucht uns mit hel⸗ lem Schein, Leucht uns vons Himmels Throne An diesem dunklen Ort Mit deinem rei⸗ nen Wort. 2. O Jesu, Trost der Ar⸗ men, Mein Herz heb ich zu dir. Du wirst dich mein er⸗ barmen, Dein Gnade schenken Buße und Bekehrung Dir.; das trau ich gänzlich ir. 3. Ich kann und mag nicht schlafen, Ich kann nicht fröh⸗ lich sein. Mir ist verwundt mein Seele Und fürcht der Höllen Pein. O Christ, er⸗ barm dich mein! 4. O Jesu, lieber Herre, Du einger Gottessohn, Von Herzen ich begehre, Du wollst mir Hülfe thun; Du bist der Gnadenthron. 5. Du hast für uns vergos⸗ sen, Dein rosinfarbnes Blut, Deß laß mich, Herr, genie⸗ ßen; Tröst mich durch deine Güt. Hilf mir! das ist mein Bitt. 6.„Ist dir verwundt so sehre Die arme Seele dein? So dich zu mir nur kehre; Ich will dein Helfer sein, Vergeben Schuld und Pein. 7. Laß du von Sünden abe Und sei ein frommer Christ. Ich will dich selber laben Und schenken meinen Geist, Der dich zum Himmel weist. 8. Ich will dich selber spei⸗ sen Mit meinem Leib und Blut, Mein Lieb an dir be⸗ weisen Und will dir theilen mit Mein Schatz und höchstes Gut.“ 9. O Jesu, Lob und Ehre Sing ich dir allezeit. Den 167 Glauben in mir mehre, Daß ich nach dieser Zeit Mit dir eingeh zur Freud. Basil. Förtsch,st. 1619. Psalm 6. 247. Herr, nicht schicke deine Rache über meine böse Sache, Ob sie wohl durch Uebelthat Großen Zorn ver⸗ dienet hat. Freilich muß ich es bekennen, Ursach hast du, sehr zu brennen; Doch du wollest jetzt allein Vater, und nicht Richter, sein. 2. Schicke lieber doch mir Armen Für den Eifer dein Erbarmen. Heile mich; denn ich vorhin Schwach und lager⸗ haftig bin. Siehe, wie ich ab bin kommen, Wie mir alle Kraft genommen. Mache, Herr, es ja nicht lang, Mark und Bein ist sterbenskrank. 3. Vor den Sorgen, Pein und Schmerzen ist kein Trost in meinem Herzen. Mein Ge⸗ müthe, das dich liebt, Ist bis in den Tod betrübt. Mein Trost, kannst du noch verwei⸗ len? Hat es keine Noth zu ei⸗ len? Macht denn deine Güte dich Schwächer, als der Kum⸗ mer mich?ꝰ 4. Kehre wieder, wieder⸗ kehre, Eh ich mich in Angst verzehre! Reiche deine Hand, o Gott, Meiner Seele in der Noth! Zwar du möchtest sie wohl hassen, Weil sie selber dich verlassen; Doch betrachte dies dabei, Was dein Heil und Güte sei. — 168 Buße und Bekehrung 5. Menschen, die nicht mehr im Leben, Die den Geist schon aufgegeben, Wissen nichts von Schuld und Pflicht Und ge⸗ denken deiner nicht. Denn wer kann dir Ehr erweisen, Wer vermag dich wohl zu preisen, Wenn er schon liegt ausgestreckt Und im tiefen Grabe steckt? 6. Meine müden Seufzer sagen, Was der Mund nicht weiß zu klagen; Durch mein Weinen alle Nacht Wird mein Lager naß gemacht. Meiner Augen heiße Zähren, die mir Ruh und Schlaf beschweren, Quellen als ein Wasserfluß, Daß mein Lager schwemmen muß. 7. Von der Pein, die ich empfunden, Ist mein Antlitz abgeschwunden: Ungeduld macht die Gestalt Mir vor meinen Jahren alt; Denn ich muß auf allen Seiten, Mit dem losen Haufen streiten, Der mir anthut Schmach und Spott Und mich quält bis auf den Tod. 8. Nun, ihr Uebelthäter, ziehet! Ihr Tyrannen, auf, und fliehet! Geht, ihr Volk der Eitelkeit, Hin, woher ihr kommen seid! Denn der Herr sieht, wenn ich weine, Daß ich es mit Treue meine, Meine Thränen fließen hin In sein Herz und beugen ihn. 9. Er, der Herr, hat schon mein Flehen Mit Genaden angesehen; Mein Gemüthe, das mich regt, Hat ihm seines auch bewegt. Alsobald ich ihn gebeten, Ihm vor Augen hin⸗ getreten, Hat auch seine Güte sich Ausgebreitet über mich. 10. Von der ganzen Welt auf Erden Sollen die noch schamroth werden, Zittern auch vor Gott und mir, Die mich hassen für und für. Weichen müssen sie zurücke Plötzlich und im Augenblicke, Und doch sehen auch dabei, Daß der Her mein Heiland 11 Martin Opitz, g. 1597, st. 1649. Mel. Vater unser im Himmelreich. 28. So wahr ich lebe, spricht dein Gott, Mir ist nicht lieb des Sünders Tod; Viel⸗ mehr ist dies mein Wunsch und Will, Daß er von Sün⸗ den halte still, Von seiner Bosheit kehre sich Und lebe mit mir ewiglich. 2. Dies Wort bedenk, oMen⸗ schenkind. Verzweifle nicht in deiner Sünd. Hier findest du Trost, Heil und Gnad, Die Gott dir zugesaget hat Und zwar mit einem theuren Eid. O selig, dem die Sünd ist leid! 3. Doch hüte dich vor Si⸗ cherheit! Denk nicht: Zur Buß ist noch wohl Zeit; Ich will erst fröhlich sein auf Erd, Wann ich des Lebens müde werd, Alsdann will ich bekeh⸗ ren mich; Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ist's, Gott ist wohl stets bereit Dem Sünder mit Buße und Bekehrung. Barmherzigkeit; Doch wer auf Gnade sündigt hin, Fährt fort in seinem bösen Sinn Und sei⸗ ner Seelen selbst nicht schont, Der wird mit Ungnad abge⸗ lohnt. 5. Gnad hat dir zugesaget Gott, Von wegen Christi Blut undTod; Zusagen hat er nicht gewollt, Ob du bis morgen leben sollt. Daß du mußt ster⸗ ben, ist dir kund; Verborgen ist die Todesstund. 6. Heut lebst du: heut be⸗ kehre dich! Eh morgen kommt, kanns ändern sich. Wer heut ist frisch, gesund und roth, Ist morgen krank, ja wohl gar todt. So du nun stirbest ohne Buß, Dein Seel und Leib dort brennen muß. 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, Daß ich noch heute komm zu dir Und Buße thu den Augenblick, Eh mich der schnelle Tod hinrück, Auf daß ich heut und jederzeit Zu meiner Heimfahrt sei be⸗ reit. Joh. Heermann, g. 1585, st. 1647. Mel. Auf meinen lieben Gott. 249. Wo soll ich flie⸗ hen hin, Weil ich beschweret bin Mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Ret⸗ tung finden? Wenn alle Welt herkäme, Mein Angst sie nicht wegnähme. 2. O Jesu, voller Gnad,. Auf dein Gebot und Rath Kömmt mein betrübt Ge⸗ müthe Zu deiner großen 169 Güte. Laß du auf mein Ge⸗ wissen Ein Gnadentröpflein fließen. 3. Ich, dein betrübtes Kind, Werf alle meine Sünd, So viel ihr in mir stecken Und mich so heftig schrecken, In deine tiefen Wunden, Da ich stets Heil gefunden. 4. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Flut, Wasch ab all meine Sünde; Mit Trost mein Herz ver⸗ binde Und ihr nicht mehr gedenke, Ins Meer sie tief versenke. 5. Du bist der, der mich tröst, Weil du mich hast erlöst. Was ich gesündigt habe, Hast du verscharrt im Grabe. Da thatst du es verschließen; Da wirds auch bleiben müssen. 6. Ist meine Bosheit groß, So werd ich ihr doch los, Wenn ich dein Blut auffasse Und mich darauf verlasse. Wer sich zu dir nur findet, All Angst ihm bald ver⸗ schwindet. 7. Mir mangelt zwar sehr viel; Doch was ich haben will, Ist alles mir zu gute Erlangt mit deinem Blute, Womit ich überwinde Tod, Teufel, Höll und Sünde. 8. Und wenn des Satans Heer Mir ganz entgegen wär, Darf ich doch nicht verzagen: Mit dir kann ich sie schlagen. Dein Blut darf ich nur zei⸗ gen, So muß ihr Trotz bald schweigen. 170 Buße und Bekehrung. 9. Dein Blut, der edle Saft, Hat solche Stärk und Kraft, Daß es kann ganz alleine Die Welt von Sünden rei⸗ ne, Ja gar aus Teufels Rachen Frei, los und ledig machen. 10. Darum allein auf dich, Herr Christ, verlaß ich mich. Jetzt kann ich nicht verder⸗ ben. Dein Reich muß ich er⸗ erben; Denn du hast mirs erworben, Da du für mich gestorben. 11. Ach führ mein Herz und Sinn Durch deinen Geist da⸗ hin, Daß ich mög alles mei⸗ den, Was mich und dich kann scheiden, Daß ich an deinem Leibe Ein Gliedmaß ewig bleibe. 12. Amen, zu aller Stund Sprech ich aus Herzensgrund: Du wollest mich ja leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, Auf daß ich deinen Namen Ewiglich preise. Amen! Joh. Heermann g. 1585, st. 1647. Mel. Allein zu dir, Herr JesuChrist. 250. Du weinest um Jerusalem, Herr Jesu, heiße Zähren, Bezeugst, es sei dir angenehm, Wenn Sünder sich bekehren. Wenn ich vor dir mit Buß erschein Und über meine Sünden wein, So wäschst du ab aus lauter Gnad Die Missethat, So mich bisher gequälet hat. 2. Wenn deines Vaters Zorn entbrennt Von wegen meiner Sünde; Zu deinen Thränen ich mich wend, Da ich Erquickung finde. Vor Gott sind sie so hoch geschätzt; Wer damit seine Sünden netzt, Den blickt Gott an mit Gütigkeit Zu jeder Zeit Und sein betrübtes Herz erfreut. 3. Hier muß ich noch im Thränenhaus Vor großer Angst oft weinen, Der Welt aushalten manchen Strauß; Sie martert stets die Deinen. Auf allen Seiten, wo sie kann, Fängt sie mit mir zu hadern an; Doch tröstet mich zu al⸗ ler Frist, Herr Jesu Christ: In Noth du auch gewesen bist. 4. Du zählst die Thränen groß und klein. Ich weiß, sie sind gezählet; Und ob sie nicht zu zählen sein, Dennoch dir keine fehlet. So oft sie vor dir regen sich, So oft sie auch bewegen dich, Daß du dich mein erbarmen mußt, Wie dir bewußt, Denn du mir allzeit Hülfe thust. 5. Wer jetzund suet Thrä⸗ nen aus, Hält in Geduld Gott stille, Wird fröhlich sein in deinem Haus, Da Freude ist die Fülle; Ja solche Freude, die kein Mann Mit seiner Zung aussprechen kann, Und die da bleibt in Ewigkeit. Mein Kreuz und Leid Wird werden dort zu lauter Freud. 6. Für diese Thränen dank ich dir, Daß du die Freuden⸗ krone, Herr Christ, dadurch Buße und erworben mir Bei dir im Himmelsthrone. Wenn du mich holen wirst hinauf Zu deinem auserwählten Hauf, Dann will ich recht lobsingen dir, O höchste Zier, Für deine Thränen für und für. Joh. Hermann, g. 1585, st. 1647. 251. Herr, ich habe mißgehandelt; Ja mich drückt der Sünden Last. Ich bin nicht den Weg gewandelt, Den du mir gezeiget hast; Und jetzt wollt ich gern aus Schrecken Mich vor deinem Zorn verstecken. 2. Doch wie könnt ich dir entfliehen? Du wirst allent⸗ halben sein. Wollt ich über See gleich ziehen, Stieg ich in die Gruft hinein, Hätt ich Flügel gleich den Winden, Gleichwohl würdest du mich finden. 3. Drum ich muß es nur bekennen, Herr, ich hab nicht Bekehrung. 171 Thränen⸗Bach! O daß ich gnug Zähren hätte, Zu be⸗ trauern meine Schmach! O daß aus dem Thränen⸗Brun⸗ nen Käm ein starker Strom geronnen!—— 6. Dir will ich die Last auf⸗ legen: Wirf sie in die tiefe See. Wasch mich deines Lei⸗ dens wegen, Treuster Hei⸗ land, weiß wie Schnee. Lasse deinen Geist mich treiben, Einzig stets bei dir zu blei⸗ ben. Johann Franck.(Um 1649.) 252. Aäch was soll ich Sünder machen! Ach was soll ich fangen an! Mein Ge⸗ wissen klagt mich an; Es be⸗ ginnet aufzuwachen. Dies ist meine Zuversicht: Meinen Jesum laß ich nicht. 2. Zwar es haben meine Sünden Meinen Jesum oft betrübt; Doch weiß ich, daß er mich liebt, Und er läßt gut gethan, Darf mich nicht sich gnädig finden. Drum, dein Kind mehr nennen. Ach ob mich mein Sünd an⸗ nimm mich zu Gnaden an! sicht: Meinen Jesum laß ich Laß die Menge meiner Sün⸗ nicht. den Deinen Zorn nicht gar ö res K: und Leiden, So bei Christen oft entsteht, Mir sehr hart entzünden. 4. Könnt ein Mensch den Sand gleich zählen An dem großen, weiten Meer; Den⸗ noch würd es ihm wohl feh⸗ len, Daß er meiner Sünden Heer, Daß er alle mein Ge⸗ brechen Sollte wissen auszu⸗ sprechen. 5. Wein, ach wein jetzt um die Wette, Meiner Augen 3. Obgleich schweres Kreuz entgegen geht, Soll michs doch von ihm nicht scheiden. Er ist mir ins Herz gericht: Meinen Jesum laß ich nicht. 4. Ich weiß wohl, daß un⸗ ser Leben Nichts als nur ein Nebel ist; Denn wir hier zu aller Frist Mit dem Tode sind umgeben; Und wer weiß, PI 7 W 17²2 Buße und Bekehrung. was heut geschicht! Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Sterb ich bald, so komm ich abe Von der Welt Be⸗ schwerlichkeit, Ruhe bis zu voller Freud Und weiß, daß im finstern Grabe Jesus ist mein helles Licht. Meinen Jesum laß ich nicht. 6. Durch dich will ich wie⸗ der leben; Denn du wirst zur rechten Zeit Wecken mich zur Seligkeit, Die du mir wirst gnädig geben, Wenn ich gleich komm vors Gericht. Meinen Jesum laß ich nicht. 7. Jesus soll mein Jesus bleiben, Bis ich werde wan⸗ dern fort Zu des Himmels Freudenport, Der mich ihm wird einverleiben, Nehmen in sein Freudenlicht. Meinen Jesum laß ich nicht. Joh. Flittner, g. 1618, st. 1678. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 253. Jesu! der du mei⸗ ne Seele Hast durch deinen bittern Tod Aus des Teufels finstrer Höhle Und der schwe⸗ ren Sündennoth Kräftiglich herausgerissen Und mich sol⸗ ches lassen wissen Durch dein angenehmes Wort: Sei doch jetzt, o Gott, mein Hort. 2. Treulich hast du ja ge⸗ suchet, Die verlornen Schäfe⸗ lein, Als sie liefen ganz ver⸗ fluchet In der Hölle Pfuhl hinein. Ja, du Satans Ue⸗ berwinder, Hast die hochbe⸗ trübten Sünder So gerusen zu der Buß, Daß ich billig kommen muß. 3. Ach, ich bin ein Kind der Sünden! Ach, ich irre weit und breit! Es ist nichts an mir zu finden, Als nur Un⸗ gerechtigkeit. All mein Tich⸗ ten, all mein Trachten Heißet unsern Gott verachten. Bös⸗ lich leb ich ganz undigar Und sehr gottlos immerdar. 4. Herr, ich muß es ja be⸗ kennen, Daß nichts Gutes wohn in mir. Das zwar, was wir Wollen nennen, Hab ich oftmals wohl in mir; Aber Fleisch und Blut zu zwingen Und das Gute zu vollbringen, Folget gar nicht, wie es soll; Was ich nicht will, thu ich wohl. 5. Aber, Herr, ich kann nicht wissen, Wie viel meiner Fehler sein. Mein Gemüth ist ganz zerrissen Durch der Sünden Schmerz und Pein, Und mein Herz ist matt von Sorgen. Ach vergieb mir, was verborgen! Rechne nicht die Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. 6. Jesu, du hast weggenom— men Meine Schulden durch dein Blut. Laß es, o Erlöser, kommen Meiner Seligkeit zu gut. Und dieweil du so zer⸗ schlagen Hast die Sünd am Kreuz getragen: Ei so sprich mich endlich frei, Daß ich ganz dein eigen sei. 7. Weil mich auch der Hölle Schrecken Und des Satans — Grimmigkeit Vielmal pflegen aufzuwecken Und zu führen in den Streit, Daß ich schier muß unterliegen: Ach so hilf, Herr Jesu, siegen! O du, meine Zuversicht, Laß mich ja verzagen nicht! 8. Du ergründest meine Schmerzen, Du erkennest meine Pein. Es ist nichts in meinem Herzen, Als dein herber Tod allein. Dies mein Herz, mit Leid vermenget, Das dein theures Blut be⸗ sprenget, So am Kreuz ver⸗ gossen ist, Geb ich dir, Herr Jesu Christ. 9. Nun ich weiß, du wirst mir stillen Mein Gewissen, das mich plagt. Es wird deine Treu erfüllen, Was du selber hast gesagt: Daß auf dieser weiten Erden Keiner soll verloren werden, Son⸗ dern ewig leben soll, Wenn er nur ist glaubensvoll. 10. Herr, ich glaube. Hilf mir Schwachen! Laß mich ja verderben nicht. Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd und Tod anficht. Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen Dich, Herr Jesu, nach dem et. In der süßen Ewig⸗ eit. Joh. Rist, g. 1607, st. 1667. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich ꝛc. 25. Ich will von mei⸗ ner Missethat Zum Herren mich bekehren. Du wollest Buße und Bekehrung. 173 selbst mir Hülf und Rath Hiezu, o Gott, bescheren Und deines guten Geistes Kraft, Der neue Herzen in uns schafft, Aus Gnaden mir ge⸗ währen. 2. Natürlich kann ein Mensch doch nicht Sein Elend selbst empfinden. Er ist ohn deines Wortes Licht Blind, taub, ja todt in Sünden; Verkehrt ist Will, Verstand und Thun. Des großen Jammers wollst du nun, O Vater, mich ent⸗ binden. 3. Klopf durch Erkenntniß bei mir an Und führ mir wohl zu Sinnen, Was Böses ich vor dir gethan. Du kannst mein Herz gewinnen, Daß ich aus Kummer und Beschwer Laß über meine Wangen her Viel heiße Thränen rinnen. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt Den Reichthum deiner Gnaden! Mein Leben dank ich deiner Hand; Du hast mich überladen Mit Ehr, Gesundheit, Ruh und Brod; Du machst, daß mir noch keine Noth Bis hieher können schaden. 5. Du hast in Christo mich erwählt, Tief aus der Höllen Fluten. Es hat mir sonsten nichts gefehlt An irgend einem Guten. Bisweilen bin ich auch dabei, Daß ich nicht sicher lebt und frei, Gestäupt mit Vatersruthen. 6. Hab ich denn nun auch gegen dir Gehorsams mich 8.0. S 17⁴ Buße und Bekehrung. beflissen? Ach nein! Ein an⸗ ders saget mir Mein Herze und Gewissen. Darin ist lei⸗ der nichts gesund; An allen Orten ist es wund, Von Sünd und Reu zerrissen. 7. Die Thorheit meiner Jugendjahr Und alle schnöde Sachen Verklagen mich zu offenbar. Was soll ich Armer machen? Sie stellen, Herr, mir vors Gesicht Dein un⸗ erträglich Zorngericht, Der Hölle offnen Rachen. 8. Ach meine Greuel allzu⸗ mal Schäm ich mich zu beken⸗ nen. Ihr ist auch weder Maß noch Zahl, Ich kann sie all nicht nennen; Und ist ihr kei⸗ ner noch so klein, Um welches willen nicht allein Ich ewig müßte brennen. 9. Bisher hab ich in Si⸗ cherheit Fast unbesorgt ge⸗ schlafen, Gesagt: Es hat noch lange Zeit; Gott pflegt nicht bald zu strafen; Er fähret nicht mit unsrer Schuld So strenge fort; es hat Geduld Der Hirt mit seinen Schafen. 10. Jetzt aber alls zugleich erwacht. Mein Herz will mir zerspringen. Ich sehe deines Donners Macht, Dein Feuer auf mich dringen. Du regest wider mich zugleich Des Todes und der Höllen Reich; Die wollen mich ver⸗ schlingen. 11. Wo bleib ich denn in solcher Noth? Nichts helfen Thor und Riegel. Wo flieh ich hin? O Morgenroth, Er⸗ theil mir deine Flügel! Ver⸗ birg mich, o du fernes Meer! Bedecket mich, fallt auf mich her, Ihr Klippen, Berg und Hügel! 12. Ach alls umsonst! Und wenn ich gar Könnt in den Himmel steigen Und wieder in die Höll, alldar Mich zu verkriechen neigen: Dein Auge drängt durch alles sich; Du wirst da meine Schand und mich Der lichten Sonne zeigen. 13. Herr Jesu, nimm mich zu dir ein; Ich flieh zu dei⸗ nen Wunden. Laß mich da eingeschlossen sein Und blei— ben alle Stunden. Dir ist ja, o du Gotteslamm, All meine Sünd am Kreuzesstamm Zu tragen aufgebunden. 14. Dies stell du deinem Vater für, Daß es sein Herze lenke, Daß er sich gnädig kehr zu mir, Nicht meiner Sünden denke Und wegen dieser Straf und Last, Die du auf dich ge⸗ nommen hast, Ins Meer sie alle senke. 15. Hierauf will ich zu jeder Zeit Mit Ernst und Sorg⸗ falt meiden All böse Lust und Eitelkeit Und lieber alles lei⸗ den, Denn daß ich Sünd aus Vorsatz thu. Ach, Herr, gieb du stets Kraft dazu, Bis ich von hier werd scheiden. Louise Henriette, Kurfürstin v. Brandenburg, 9. 1627, 7. st. 166 Mel. Herzlich lieb hab ich dich ꝛc. 255. Vor Gricht, Herr Jesu, steh ich hie; Zu dir beug ich meins Herzens Knie, Kann mir selbst gar nicht rathen. Mein groß und viele Misse⸗ that Mich hie und dort ver⸗ dammet hat; Doch will ich nicht verzagen. Herr Jesu Christ, dein Blut allein Macht mich von allen Sünden rein, Weil ich in wahrer Reu und Buß An dich glaub und dir fall zu Fuß. Herr Jesu Christ, Deß dank ich dir. Ich will mich bessern; hilf du mir! Joh. Mich. Dilherr, g. 1604, st. 1669 Psalm 6. 256. Straf mich nicht in deinem Zorn, Großer Gott, verschone! Ach laß mich nicht sein verlorn! Nach Verdienst nicht lohne. Hat die Sünd Dich entzündt: Lösch ab in dem Lamme Dei⸗ nes Grimmes Flamme. 2. Herr, wer denkt im Tode dein? Wer dankt in der Hölle? Rette mich aus jener Pein, DerVerdammten Stelle, Daß ich dir Für und für Dort an jenem Tage, Höchster Gott, Lob sage. 3. Zeig mir deine Vater⸗ huld, Stärk mit Trost mich Schwachen. Ach Herr, hab mit mir Geduld. Mein Ge⸗ beine zagen. Heil die Seel Mit dem Oel Deiner großen Gnaden; Wend ab allen Schaden. Buße und Bekehrung. 17⁵ 4. Ach sieh mein Gebeine an, Wie sie all erstarren. Meine Seele gar nicht kann Deiner Hülfe harren. Ich verschmacht; Tag und Nacht Muß mein Lager fließen Von den Thränengüssen. 5. Ach ich bin so müd und matt Von den schweren Pla⸗ gen. Mein Herz ist der Seuf⸗ zer satt, Die nach Hülfe fra⸗ geu. Wie so lang Machst du bang Meine arme Seele In der Schwermuthshöhle! 6. Weicht, ihr Feinde, weicht von mir! Gott erhört mein Beten. Nunmehr darf ich mit Begier Vor sein Antlitz tre⸗ ten. Teufel, weich! Hölle, fleuch! Was mich vor ge⸗ kränket, Hat mir Gott ge⸗ schenket. 7. Vater, dir sei ewig Preis, Hier und auch dort oben, Wie auch Christo gleicher Weis, Der allzeit zu loben. Heilger Geist, Sei gepreist, Hochgerühmt, geehret, Daß du mich erhöret. Joh. Georg Albinus, g. 1624, st. 1607. Mel. Ach Gott vom Himmel ꝛce. 257. O Vater der Barm⸗ herzigkeit, Ich falle dir zu Fuße. Verstoß den nicht, der zu dir schreit Und thut rechtschaffne Buße. Was ich begangen wider dich, Verzeih mir alles gnädiglich Durch deine große Güte. 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat Nimm von mir, was mich quälet. Durch 176 Buße und Bekehrung. deine Weisheit schaffe Rath, Worinnen mirs sonst fehlet. Gieb Willen, Mittel, Kräft und Stärk, Daß ich mit dir all meine Werk Anfange und vollende. 3. O Jesu Christe, der du hast Am Kreuze für mich Ar⸗ men Getragen aller Sünden Last, Wollst meiner dich er⸗ barmen. O wahrer Gott, o Davids Sohn, Erbarm dich mein und mein verschon; Sieh an mein kläglich Rufen! 4. Laß deiner Wunden theu⸗ res Blut, Dein Todespein und Sterben Mir kommen kräftiglich zu gut, Daß ich nicht müss verderben. Bitt du den Vater, daß er mir Im Zorn nicht lohne nach Ge— bühr, Wie ich es hab ver⸗ schuldet. 5. O heilger Geist, du wah⸗ res Licht, Regierer der Ge⸗ danken, Wenn mich die Sün⸗ denlust anficht, Laß mich von dir nicht wanken. Verleih, daß nun und nimmermehr Begier nach Wollust, Geld und Ehr In meinem Herzen herrsche. 6. Und wenn mein Stünd⸗ lein kommen ist, So hilf mir treulich kämpfen, Daß ich des Satans Trotz und List Durch Christi Sieg mag dämpfen, Auf daß mir Krankheit, Angst und Noth, Und dann der letzte Feind, der Tod, Nur sei die Thür zum Leben. Dav. Denicke, g. 1603, st. 1680. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 258. O du Schöpfer al⸗ ler Dinge, Höre, höre mein Gebet, Das ich jetzund vor dich bringe, Weil mein Herz in Aengsten steht. Angst die Sünde machet mir; Darum komm ich auch zu dir Und bekenne meine Sünden. Ach laß mich doch Gnade finden! 2. Weil du heißest alle kom⸗ men, Die beladen sind, zu dir, Bin ich auch nicht ausge⸗ nommen, Noch gestoßen von der Thür Deiner Gnaden; sondern du, Willst und wirst mich noch dazu Von den Sün⸗ den, die mich drücken, Ganz entbinden und erquicken. 3. Dein Wort bleibet un⸗ gebrochen, Was du einmal hast geredt. Nun, du hast ein Wort gesprochen:„Such mein Antlitz mit Gebet.“ Darum komm ich auch vor dich; Such dein Antlitz. Ach laß mich Vor dir, Herr, jetzt Gnade finden; Sprich mich los von meinen Sünden! 4. Sieh die Handschrift, die ich gebe Dir in deine Händ, o Gott. Hier sprichst du: „So wahr ich lebe, Ich will nicht des Sünders Tod, Son⸗ dern daß er sich bekehr Von den Sünden und begehr Ewig⸗ lich nur mir zu leben: So will ich die Sünd vergeben.“ 5. Nun wohlan, du wirst nicht lügen. Ich halt mich an deine Wort; Will darauf in — — Demuth biegen Meine Knie vor dir, mein Hort, Und be⸗ kennen meine Sünd. Ich bin das verlorne Kind, Das, vom Satan oft verblendet, Deine Güter hat verschwendet. 6. Nun, was soll ich weiter sagen? Ich will nun an mei⸗ ne Brust Mit dem armen Zöllner schlagen; Denn es ist dir wohl bewußt, Daß ich hab gesündigt dir. Ach mein Gott, sei gnädig mir! Ich fall dir in deine Arme. Ach, dich über mich erbarme! 7. Ich verleugne nicht die Sünden, Ich verleugne nicht die Schuld; Aber laß mich Gnade finden, Trage nur mit mir Geduld Alles, was ich schuldig bin, Will ich zahlen; nimm nur hin Die Bezahlung meines Bürgen, Der sich ließ für mich erwürgen. 8. Nun, o Vater aller Gna⸗ den, Siehe dessen Leiden an. Dieser hat ersetzt den Scha⸗ den Und für mich genug ge⸗ than. Durch sein Blut bin ich erlöst; Dieses ist es, was mich tröst; Und in seinen tiefen Wunden Hab ich Fried und Ruh gefunden. 8. Hierauf will ich nun ge⸗ nießen, Jesu, deinen Leib und Blut, Mir zur Tröstung im Gewissen, Weils mich macht gerecht und gut. Gieb, daß würdig ich genieß Dich, o Herr, und schmeck, wie süß Und wie freundlich du bist Buße und Bekehrung. denen, Die sich, Jesu, nach dir sehnen. Joh. Heinrich Calisius, g. 1683, st. 1698. Mel. Nun sich der Tag geendet hat. 259. Mein Gott, das Herz ich bringe dir Zur Gabe und Geschenk. Du forderst dieses ja von mir; Deß bin ich eingedenk. 2. Gieb mir, mein Sohn, dein Herz, sprichst du, Das ist mir lieb und werth; Du fin⸗ dest anders auch nicht Ruh Im Himmel und auf Erd. 3. Nun du, mein Vater, nimm es an, Mein Herz, ver⸗ acht es nicht. Ich gebs, so gut ichs geben kann; Kehr zu mir dein Gesicht. 4. Zwar ist es voller Sün⸗ denwust Und voller Eitel⸗ keit, Des Guten aber unbe⸗ wußt, Der wahren Fröm⸗ migkeit. 5. Doch aber steht es nun in Reu, Erkennt sein Uebel⸗ stand Und träget jetztund vor dem Scheu, Darans zuvor Lust fand. 6. Hier fällt und liegt es dir zu Fuß Und schreit nur: Schlage zu! Zerknirsch, o Vater, daß ich Buß Recht⸗ schaffen vor dir thu! 7. Zermalm mir meine Här⸗ tigkeit, Mach mürbe meinen Sinn, Daß ich in Seufzen, Reu und Leid Und Thränen ganz zerinn. 12 178 Buße und 8. Sodann nimm mich, Herr Jesu Christ, Tauch mich tief in dein Blut. Ich glaub, daß du gekreuzigt bist Der Welt und mir zu gut. 9. Stärk mein sonst schwa⸗ che Glaubenshand, Zu fassen auf dein Blut, Als der Ver⸗ gebung Unterpfand, Das al⸗ les machet gut. 10. Schenk mir nach deiner Jesushuld Gerechtigkeit und Heil; Nimm auf dich meine Sündenschuld Und meiner Strafe Theil. 11. In dich wollst du mich kleiden ein; Dein Unschuld zieh mir an, Daß ich, von al⸗ len Sünden rein, Vor Gott bestehen kann. 12. Gott, heilger Geist, nimm du auch mich In die Gemeinschaft ein: Ergieß um Jesu willen dich Tief in mein Herz hinein. 13. Dein göttlich Licht schütt in mich aus Und Brunst der reinen Lieb. Lösch Finsterniß, Haß, Falschheit aus; Schenk mir stets deinen Trieb. 14. Hilf, daß ich sei von Her⸗ zen treu Im Glauben mei⸗ nem Gott, Daß mich im Gu⸗ ten nicht mach scheu Der Welt List, Macht und Spott. 15. Hilf, daß ich sei von Herzen fest' In Hoffen und Geduld, Daß, wenn du mich nur nicht verläßt, Mich tröste deine Huld. 16. Hilf, daß ich sei von Herzen rein Im Lieben und erweis, Daß mein Thun nicht Bekehrung. sei Augenschein, Durchs Werk zu deinem Preis. 17. Hilf, daß ich sei von Herzen schlicht, Aufrichtig, ohn Betrug, Auf Treue Wort und Werke richt Und niemand schelt ohn Fug. 18. Hilf, daß ich sei von Saust klein, Demuth und Sanftmuth halt, Daß ich, von aller Weltlieb rein, Bom Fall aufstehe bald. 19. 17 daß ich sei von Herzen fromm, Ohn alle Heu⸗ chelei, Damit mein ganzes 90 He. Dir wohlgefäl⸗ i 20. Nimm gar, o Gott, zum Tempel ein Mein Herz hier in der Zeit; Ja laß es auch dein Wohnhaus sein In jener Ewigkeit, 21. Dir geb ichs ganz zu eigen hin; Brauchs, wozu dirs gefällt. Ich weiß, daß ich der Deine bin, Der Deine, nicht der Welt. 22. Drum soll sie nun und nimmermehr Dies richten aus bei mir, Sie lock und droh auch noch so sehr, Daß ich soll dienen ihr. 23. In Ewigkeit geschieht das nicht, Du falsche Teufels⸗ braut. Gar wenig mich, Gott Lob! anficht Dein glänzend Schlangenhaut. 24. Weg Welt! Weg Sünd! Dir geb ich nicht Mein Herz. Nur, Jesu, dir Ist dies Ge⸗ schenke zugericht; Behalt es für und für. Joh Caspar Schade g. 1666, fl. 1698 Mel. Schwing dich auf zu deinem ꝛc. 260. Liebster Vater, ich dein Kind, Komm zu dir ge⸗ eilet, Weil ich sonsten nie⸗ mand find, Der mich Armen heilet. Meine Wunden sind sehr groß, Groß sind meine Sünden; Mach mich von den⸗ selben los, Laß mich Gnade finden. 2. Du bist Vater ja mit Recht Und hast Vatersitten: Ei so hab ich Kindesrecht Und darf kühnlich bitten; Denn den Kindern steht es frei, Väter anzuflehen. Vater, deine Vatertreu Laß mich Ar⸗ men sehen. 3. Liebster Vater, willst du dich Vater lassen nennen, Ei so mußt du lassen mich Vater⸗ sinn erkennen; Denn das wäre doch zu hart, Bloßen Namen führen Und nicht thun nach Vaterart, Was sich will gebühren. 4. Nun' so nimm dich mei⸗ ner an, Wie die Väter pfle⸗ gen; Meine Buß⸗ und Thrä⸗ nen⸗Bahn Laß dich doch be⸗ wegen. Meine Sünden brin⸗ gen Schmerz, Die ich hab begangen: Ach du liebstes Vaterherz, Laß mich Gnad erlangen! 5. Hast du doch in deinem Wort Gnade mir versprochen, Laß mich an die Gnadenpfort Nicht vergebens pochen; Laß der matten Seufzer Ton Durch die Wolken dringen Und von deinem Himmels⸗ Buße und Bekehrung. 179 Thron Mir die Gnade brin⸗ en. 6. Ich laß doch nicht eher ab, Bis du mir gewähret Gnade, die ich von dir hab Inniglich begehret. Segne mich! Ich lasse dich Eher nicht; ich hange, Wie die Klett am Kleid, bis ich Gnad von dir erlange. 7. Du bist Gott und heißest gut, Weil du Gutthat übest Und, gleichwie ein Vater thut, Deine Kinder liebest. Dieser Gutthat laß mich auch, Vater⸗ herz, genießen; Laß auf mich nach deinem Brauch Deine Gnade fließen. 8. Ach verzeih mir, ach ver⸗ gieb, Was ich mißgehandelt, Weil ich nach dem Sünden⸗ trieb Oftermals gewandelt! Meine Sünden ich versenk, Herr, in deine Wunden. Ach, derselben nicht gedenk! Laß sie sein verschwunden. 9. Klagt mich mein Gewis⸗ sen an Und will mich verdam⸗ men, Will der Sünde dunkle Bahn Dich zur Rach entflam⸗ men: Ei so denke mit Ge⸗ duld, Daß ich Staub und Aschen, Und daß mich von meiner Schuld Hab dein Blut gewaschen. Christoph Titius, g. 1641, st. 1703. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 261. Ich armer Mensch, ich armer Sünder Steh hier vor Gottes Angesicht. Ach Gott, ach Gott, verfahr ge— 18⁰ Buße und Bekehrung. linder Und geh nicht mit mir ins Gericht! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Er⸗ barmer, über mich! 2. Wie ist mir doch so herz⸗ lich bange Von wegen meiner großen Sünd! Hilf, daß ich Gnad von dir erlange, Ich armes und verlornes Kind. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 3. Hör, ach erhör mein seufzend Schreien, Du aller⸗ liebstes Vaterherz! Wollst alle Sünden mir verzeihen Und lindern meines Herzens Schmerz. Erbarme dich, er⸗ barme dich, Gott, mein Er⸗ barmer, über mich! 4. Wie lang soll ich vergeb⸗ lich klagen? Hörst du denn nicht? Hörst du denn nicht? Wie kannst du das Geschrei vertragen? Hör, was der arme Sünder spricht. Er⸗ barme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 5. Wahr ist es, übel steht der Schade, Den niemand heilet, außer du. Ach, aber Gnade! Gnade! Gnade! Ich laß dir doch nicht eher Ruh. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 6. Nicht, wie ich hab ver⸗ schuldet, lohne Und handle nicht nach meiner Sünd. O treuer Vater, schone, schone! Erkenn mich wieder für dein Kind. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 7. Sprich nur ein Wort, so werd ich leben. Sag, daß der arme Sünder hör: Geh hin, die Sünden sind vergeben; Hinfürder sündge nur nicht mehr. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 8. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Erhöret bin ich zwei⸗ felsfrei, Weil sich der Trost im Herzen mehret. Drum will ich enden mein Geschrei. Er⸗ barme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Christoph Titius, g 1641, st. 1703. Luc. 15, 1—10. Mel. Kommt her zu mir, spricht ꝛc. 262. Ihr armen Sün⸗ der, kommt zu Hauf! Kommt eilig, kommt und macht euch auf, Mühselig und beladen! Hier öffnet sich das Jesus⸗ herz Für alle, die in Reu und Schmerz Erkennen ihren Schaden. 2. Es heißt: Er nimmt die Sünder an. Drum komm! Dein Jesus will und kann Dich retten und umarmen. Komm weinend, komm in wahrer Buß Und fall im Glauben ihm zu Fuß! Er wird sich dein erbarmen. 3. Ein Hirt verläßt sein Schäflein nicht, Dems in der Irr an Hülf gebricht; Er sucht es mit Verlangen. Er lässet neun und neunzig stehn Und Buße und Bekehrung. 181 sie wohl in der Wüsten gehn, Das eine zu umfangen. 4. Es sucht der liebste Je⸗ sus Christ Das Schäflein, das verloren ist, Bis daß ers hat gefunden. So laß dich finden, liebe Seel, Und flieh in Jesu Wundenhöhl; Noch sind die Gnadenstunden. 5. O Jesu, deine Lieb ist groß. Ich komm mühselig, nackt und bloß. Ach laß mich Gnade finden! Ich bin ein Schaf, das sich verirrt. Ach nimm mich auf, weil ich ver⸗ wirrt Im Strick und Netz der Sünden. 6. Ach wehe mir, daß ich von dir Gewichen bis zum Abgrund schier! Ach laß mich wiederkehren Zu deiner Heer⸗ de! Nimm mich an Und mach mich frei vom Fluch und Bann. Dies ist mein Herz⸗ begehren. 7. Laß mich dein Schäflein ewig sein; Sei du mein treuer Hirt allein Im Leben und im Sterben. Laß mich vom eit⸗ len Weltgesind Ausgehn und mich als Gotteskind Um deine Huld bewerben. 8. Ich will von nun an sa⸗ gen ab Der Sündenlast bis in mein Grab Und in dem neuen Leben In heiliger Ge⸗ rechtigkeit Dir dienen noch die kurze Zeit, Die mir zum Heil gegeben. 9. Ach nimm dein armes Schäflein ein Und laß es sicher bei dir sein In dei⸗ nen Wundenhöhlen. Bewahre mich vor Sündenwerk Und gieb mir deines Geistes Stärk Am Leib und an der Seelen. Laurent. Laurentli, g. 1660, st. 1722. Mel. Was Gott thut, das ist wohl⸗ gethan. 263. Der du die Macht, o Jesu, hast, Die Sünde zu vergeben: Befrei auch mich von meiner Last Und schenke mir das Leben. Ich liege hier Und beichte dir. Verdient hab ich zu sterben Und ewig zu verderben. 2. Mein Elend, Sünd und Missethat Ist leider nicht zu zählen; Und wäre nicht bei dir noch Rath, Müßt ich mich ewig quälen. Herr, dein Ge⸗ bot, O große Noth! Hab ich nicht nur geschändet, Die Gnad ist auch verschwendet. 3. Betracht ich des Gesetzes Sinn Nach den Geboten al⸗ len, Ist keines, dem ich ähn⸗ lich bin; So tief bin ich ge⸗ fallen. Ach von Natur Em⸗ pfind ich nur Verblendung, Widerstreben; So sündlich ist mein Leben. 4. Des ewgen Vaters Lieb und Huld, Dich selbst, für mich geschlachtet, Des Geistes Arbeit und Geduld Hab ich dazu verachtet. Gedenk ich dran, Was ich gethan Und was ich unterlassen, So muß ich selbst mich hassen. 5. Schau, hier ist nicht Ge⸗ rechtigkeit, Kein Licht und kei⸗ ne Kräfte. Was mich vom 18² Untergang bereit, Ist deiner Huld Geschäfte. Blickst du mich an, Der helfen kann, So werd ich wieder leben Und dir die Ehre geben. 6. Hier werf ich alle meine Noth, Erbarmer, dir zu Fuße. Verleihe mir durch deinen Tod Die Gnade wahrer Bu⸗ ße. Nimm aus dem Sinn Die Tücke hin. Laß mich ge⸗ beugt zur Erden Und also gläubig werden. 7. Vergebung aller Sün⸗ denschuld, Den Frieden im Gewissen, Versichrung deiner Lieb und Huld Laß mich um⸗ sonst genießen. Gedenke dran, Was du gethan. Das Heil in deinem Blute Kommt alles mir zu gute. 8. Du schließest auf und schließest zu, Machst los und machst gebunden. Ach Herr, mein Herz eröffne du; Mir öffne deine Wunden. Bin ich in dir, Bist du in mir, So sei ich dir versiegelt, Der Sünd und Welt ver⸗ riegelt. 9. Versprech ich viel,— in eigner Kraft vermag ich nichts zu halten. Laß deinen Geist, der alles schafft, In meiner Seele walten. O höchstes Gut, Dein theures Blut Muß auch zum neuen Leben Mir Gnadenkräfte geben. 10. Sprichst du mich los, o Gottessohn, So geh ich hin und lebe. Doch bleib ich vor dem Gnadenthron, Weil ich an Gnade klebe. Ich beichte Buße und Bekehrung. dir Noch täglich hier; Du wirst an mich gedenken Und täglich Gnade schenken. E. G. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Lue. 18, 9—14. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 264. O König, dessen Majestät Weit über alles stei⸗ get, Dem Erd und Meer zu Dienste steht, Vor dem die Welt sich neiget; Der Him⸗ mel ist dein helles Kleid, Du bist voll Macht und Herrlich⸗ keit, Sehr groß und wunder⸗ thätig; Ich armer Wurm ver⸗ mag nichts mehr, Als daß ich ruf zu deiner Ehr: Gott sei mir Sünder gnädig! 2. Hier steh ich, wie der Zöllner that, Beschämet und von ferne. Ich suche deine Hülf und Gnad, O Herr, von Herzen gerne. Doch weil ich voller Fehler bin Und, wo ich mich nur wende hin, Be⸗ schmutzet und unfläthig: So schlag ich nieder mein Gesicht Vor dir, du reines Himmels⸗ licht. Gott sei mir Sünder gnädig! 3. Die Schulden, die ich mir bewußt, Durchängsten mein Gewissen. Drum schlag ich reuig an die Brust Und will von Herzen büßen. Ich bin, o Vater, gar nicht werth, Daß ich noch wandle auf der Erd; Doch weil du winkst, so bet ich Mit ganz zerknirschtem, bangem Geist, Der gleichwohl dich noch Abba heißt: Gott sei mir Sünder gnädig! 4. Mein Abba, schaue Je⸗ sum an, Den Gnadenthron der Sünder, Der für die Welt genug gethan, Durch den wir Gottes Kinder Im gläubi⸗ gen Vertrauen sind. Der ists, bei dem ich Ruhe find; Sein Herz ist ja gutthätig. Ich fasse ihn und laß ihn nicht, Bis Gottes Herz mit⸗ leidig bricht. Gott sei mir Sünder gnädig! 5. Regiere doch mein Herz und Sinn In diesem ganzen Leben. Du bist mein Gott, und was ich bin, Bleibt ewig dir ergeben. Ach heilige mich ganz und gar. Laß meinen Glauben immerdar Sein durch die Liebe thätig. Und will es nicht fort, wie es soll, So ruf ich, wie mein Herz ist voll: Gott sei mir Sünder gnädig! 6. Mein Leben und mein Sterben ruht Allein auf dei⸗ ner Gnade. Mir geh es gleich bös oder gut, Gieb nur, daß es nicht schade. Kommt dann das letzte Stündlein an, So sei mir auf der Todesbahn, Mein Jesu, selbst beiräthig; Und wenn ich nicht mehr sprechen kann, So nimm den letzten Seufzer an: Gott sei mir Sünder gnädig! Dr. Ernst Valentin Löscher, g. 1673, st. 1749. Mel. O höchster Gott, o unser ꝛe. 265. Gott rufet noch! Sollt ich nicht endlich hören? Wie laß ich mich bezaubern und bethören! Die kurze Buße und Bekehrung. 183 Freud, die kurze Zeit vergeht, Und meine Seel noch so ge⸗ fährlich steht. 2. Gott rufet noch! Sollt ich nicht endlich kommen? Ich hab so lang die treue Stimm vernommen. Ich wußt es wohl; ich war nicht, wie ich sollt. Er winkte mir; ich habe nicht gewollt. 3. Gott rufet noch! Wie, daß ich mich nicht gebe! Ich fürcht ein Joch, und doch in Banden lebe. Ich halte Gott und meine Seele auf. Er ziehet mich. O, armes Herze, lauf! 4. Gott rufet noch: Ob ich mein Ohr verstopfet: Er ste⸗ het noch an meiner Thür und klopfet. Er ist bereit, daß er mich noch empfang. Er war⸗ tet noch auf mich, wer weiß, wie lang! 5. Gieb dich, mein Herz, gieb einmal dich gefangen. Wo willst du Trost, wo willst du Ruh erlangen? Laß los! Laß los! Brich alle Band entzwei! Dein Geist wird sonst in Ewigkeit nicht frei. 6. Gott locket mich. Nun länger nicht verweilet! Gott will mich ganz. Nun länger nicht getheilet! Fleisch, Welt, Vernunft, sag immer, was du willt; Meins Gottes Stimm mir mehr als deine gilt. 7. Ich folge Gott. Ich möcht ihn ganz vergnügen. Die Gnade soll im Herzen endlich siegen. Ich gebe mich. Gott soll hinfort allein Und unbe⸗ 18⁴ dingt mein Herr und Meister ein. 8. Ach nimm mich hin, du Langmuth ohne Maße! Er⸗ greif mich wohl, daß ich dich nie verlasse. Herr, rede nur; ich geb begierig Acht. Führ, wie du willst; ich bin in dei⸗ ner Macht. Gerh. Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund ꝛc. 266. Mein Heiland, du hast mich gezogen Und oft⸗ mals schon mein Herz ge⸗ rührt. Ach würd ich dadurch recht bewogen Und zu dir völ⸗ lig hingeführt. Drum fahre fort mit deinen Zügen Und laß dein Gnadenwerk nicht liegen; Nein, wirk und treib mich immer zu Und laß mich nun allhier auf Erden Nur ferner nicht mehr ruhig wer⸗ den, Bis ich in deinen Wun⸗ den ruh. 2. Die Feinde sind gar bald geschäftig Und schläfern uns gleich wieder ein; Die Rüh⸗ rung ist nicht mehr so kräftig, Wenn wir nicht treu und wachsam sein. Wir machen Frieden, eh wir siegen, Und lassen uns gar bald begnügen, Wenns nur ein wenig besser geht. Ach das sind falsche Ruhestätten! So hilf, Herr, daß wir ernstlich beten, Daß nur kein falscher Fried ent⸗ steht. 3. Erweiche doch mein har⸗ tes Herze, Daß ich in Thrä⸗ nen ganz zerrinn Und mit der Buße und Bekehrung. Sünde nicht mehr scherze. O beug und ändre meinen Sinn, Daß ich den Glauben wirken lasse Und redlich den Entschluß nun fasse, Recht eilend, eilend auszugehn Und auf den Ruf bald zuzufahren. Die ganze Zeit von meinen Jahren Muß ja nur dir zum Opfer stehn. 4. Laß mich recht arm und elend werden Und decke mei⸗ nen Schaden auf, Den innern Greul, den Sinn der Erden, Und hemme meinen alten Lauf. Laß mich der Sünden Last empfinden. Laß sich den Durst nach dir entzünden, Daß ich nach nichts so schrei und fleh, Als nur nach dir, nach deiner Gnaden, Bis ich mich bei so tiefem Schaden — 9—3 und recht erhöret seh. 5. Zerstöre ganz die falschen Stützen Der eignen Selbst⸗ gerechtigkeit, Daß ich mit nichts mich könne schützen Und mich in dich nur, als mein Kleid, Ganz nackt und bloß zu hüllen suche, Den falschen, eignen Schmuck verfluche Und nur in deinem Blut allein Vergebung, Gnad und Kraft verlange, Mit eigner Heilig⸗ keit nicht prange, Nein nur mit deiner Kreuzespein. 6. So leere mich von eig⸗ nem Wesen, Von Selbstge⸗ fälligkeit recht aus, Und laß mein Herze recht genesen; Ja mach, o Herr, ein Ganzes draus, Daß ich nicht Gott Buße und Bekehrung. und Welt vermenge, Nicht halb, nein ganz an dich mich hänge; Drum nimm mein ganzes Herze hin. Wem sollt ichs denn wohl lieber geben, Als dir, mein allerliebstes Leben? Dies sei, o Herr, mein ganzer Sinn. 7. Ich will der ganzen Welt entsagen,— Es muß einmal geschieden sein,—Auch deine Schmach, der Welt Spott, tragen. Und stellt die Men⸗ schenfurcht sich ein, So hilf mir mächtig überwinden. Ich kann doch keine Rnhe finden, Wenn ich die Welt noch lie⸗ ben kann. Gieb du mir dei⸗ nes Geistes Waffen. Laß mich mein Heil mit Zittern schaf⸗ fen Und führe mich auf ebner Bahn. 8. Mein Jawort hast du nun bekommen; So nimm mein Herz nur gänzlich ein. Es soll nicht ferner dir ge⸗ nommen Und also nicht mehr meine sein. Herr, halte mich bei dem Versprechen Und laß nichts mehr den Vorsatz bre⸗ chen. Ach gieb nur auch Voll⸗ bringungskraft, Wie du das Wollen mir gegeben. Du bist es, der ein ander Leben, Ein rein und neues Herze schafft. 9. So laß mich ganz an mir verzagen Und nicht au meine Kräfte baun. Auf dich allein laß mich es wagen Und deiner Macht und Gnade traun, Damit ich niemals ‚6‚I 18⁵ keinem, der mich hindern kann, Gehör und Eingang ferner gebe. Nein, nein, ich bleibe, weil ich lebe, Ja ewig dir nur zugethan. C. Heinr. v. Bogatzky, g. 1690, st. 1774. 267. Herr, mein Licht. mir selbst verborgen Und kenne mich noch nicht. Ich merke dieses zwar, Ich sei nicht, wie ich war; Indessen fühl ich wohl, Ich sei nicht, wie ich soll. 2. Ich lebt in stolzer Ruh Und wußte nichts von Sor⸗ gen Vor diesem; aber nu Bin ich ganz voller Brast“) Und mir selbst eine Last. Was vormals meine Freud, Macht mir jetzt Herzeleid. *) Beschwerde, Unruhe. 3. Kein zeitlicher Verlust Verursacht diese Schmerzen, So viel mir je bewußt. Mich liebt manch treuer Freund, Mich überwindt kein Feind; Der Leib hat, was er will, Gesundheit, Hüll und Füll. 4. Nein, es ist Seelenpein; Es kommt mir aus dem Her⸗ zen Und dringt durch Mark und Bein. Nur dies, dies liegt mir an, Daß ich nicht wissen kann, Ob ich ein wah⸗ rer Christ, Und du mein Jesus bist. 5. Es ist nicht so gemein, Ein Christe sein, als hei⸗ Erleucht mich, Ich bin mehr zurücke Auf Freud und Weltlust wieder blicke, Auch ßen. Ich weiß, daß der al⸗ lein Des Namens fähig ist, — —* 9 89 8. 8 *. HtN 2 8——3— 186 Buße und Bekehrung. Der seine liebste Lust Durch Christi Kraft zerbricht Und lebt ihm selber nicht. 6. Es ist ein Selbstbetrug, Mit diesem Wahn sich speisen, Als ob dies schon genug Zur Glaubensprobe sei, Daß man von Lastern frei, Die auch ein blinder Heid Aus Furcht vor Schande meidt. ö 7. Der nur zieht Christum an, Der aus ihm selbst ge⸗ gangen Und seines Fleisches Wahn, Vermögen, Lust und Rath, Gut, Ehr, und was er hat, Von Herzen haßt und spricht: Nur Jesus ist mein Licht. 8. Das ist des Glaubens Wort Und dürstiges Verlan⸗ gen: Herr Jesu, sei mein Hort, Versöhner, Herr und Schild, Und führ mich, wie du willt. Dein bin ich, wie ich bin; Nimm mich zu eigen hin. 9. Wer dies nicht gründlich meint, Deß Glaub ist noch untüchtig, Der bleibt noch Gottes Feind; Sein Hoff⸗ nungsgrund ist Sand Und hält zuletzt nicht Stand. Der einge Glaubensgrund Ist die⸗ ser Gnadenbund. 10. Hier, sorg ich, fehlt es mir: Die Lieb ist noch nicht richtig, Die ich, Herr Christ, zu dir Jetzt habe, weil ich doch, Beinah ein Christe, noch Die Welt und Lust noch mehr Geliebt, als deine Ehr. 11. Mein Herz, begreif dich nu: Ich muß es redlich wa⸗ gen; Ich komm eh nicht zur Ruh. Sagst du hiemit der Welt Und, was dem Fleisch gefällt, Rein ab und Christo an, So ist die Sach gethan. 12. Du Erdwurm, solltest du Dem König dich versagen, Dem alles stehet zu, Der al⸗ lein weis und reich, Der alles ist zugleich, Der selbst die ganze Welt Erschaffen und erhältꝰ 13. Wenn alles wird ver⸗ gehn, Was Erd und Himmel heget, So bleibt er fest be⸗ stehn. Sein Wesen nimmt nicht ab; Die Gottheit weiß kein Grab. Und wen er ein⸗ mal kennt, Deß Wohlstand nimmt kein End. 14. Wer aber in der Zeit Mit ihm sich nicht verträget, Der bleibt in Ewigkeit Von Gottes Vaterhaus Ganz, ganz geschlossen aus. Vergöß er in dem Weh Auch einen Thrä⸗ nensee. 15. Wünscht nun Gott den Vertrag, Laß ihn dein Ja⸗ wort schlichten, O liebe Seel, und sag: Dir opfr ich gänz⸗ lich auf, O mein Gott, mei⸗ nen Lauf Und Geist und Leib und Blut, Lust, Ehre, Hab und Gut. 16. Thu, was du willst, mit mir, Werd ich nur zuge⸗ richtet Zu deinem Preis und Zier, Ein Faß der Herrlich⸗ keit, Mit deinem Heil bekleidt, Geheiligt jetzt und dann: Wohl mir! so ists gethan. Buchfelder. Mel. Herzlich lieb hab ich dich ꝛe. 268. Ich komme, Frie⸗ densfürst, zu dir; Erbarmend rufst du ja auch mir, Den Frieden zu empfangen. Der Sünden Last ist mir zu schwer. O laß mein Herz von Trost nicht leer! Laß es die Ruh erlangen, Die du dem tiefge⸗ beugten Geist, Der zu dir fliehet, selbst verheißt! Wer tröstet mich, als du allein? Wer macht mein Herz von Sünden rein? Herr Jesu Christ, Mein Trost und Licht, mein Trost und Licht, Ver⸗ wirf, verwirf du mich doch nicht! 2. Anbetend steh ich, Herr, vor dir; Dein Antlitz neige du zu mir Und sei mir Sün⸗ der gnädig. Wenn mein Ver⸗ gehn um Rache schreit, So mache aus Barmherzigkeit Mich aller Strafe ledig. Der du am Kreuz gelitten hast, Du trugest ia auch meine Last, Als du zum Heil der Sünder starbst Und ihnen Gottes Huld erwarbst. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, Erlöse mich durch deinen Tod! 3. Du, du bist meine Zu⸗ versicht; Durch dich entflieh ich dem Gericht, Dem schwe⸗ ren Lohn der Sünden. Durch dich kann ich dem Fluch ent⸗ gehn Und mich mit Gott ver⸗ einigt sehn Und ewigs Leben finden. Dein Tod ist der Ver⸗ lornen Heil; Gieb mir an Buße und Bekehrung. 187 seinem Segen Theil. Er sei auch mir Beruhigung Und meines Lebens Heiligung. Herr Jesu Christ, Ich hoff auf dich, ich hoff auf dich; In dieser Hoffnung stärke mich. 4. Mein ganzes Leben preise dich. Erlöst, mein Mittler, hast du mich, Dein Eigen⸗ thum zu werden. Wenn ich dein bin, so fehlt mir nichts, Nichts einst am Tage des Ge⸗ richts, Nichts hier auf dieser Erden. Auf dieser Bahn zum Vaterland Entzeuch mir nie⸗ mals deine Hand. Zu deinem Dienste stärke mich Und laß mich siegen einst durch dich. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott, mein Herr und Gott! Ein Leben sei mir einst der Tod. NachlJ. A. Freylinghausen, g. 1670, st. 1739. 269. Kehre wieder, kehre wieder, Der du dich ver⸗ loren hast! Sinke reuig bit⸗ tend nieder Vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen Und wirst gnädig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, Und sein heilig Wort ver⸗ spricht Dir Vergebung, Heil und Segen. Kehre wieder; zaudre nicht! 2. Kehre aus der Welt Zer⸗ streuung In die Einsamkeit zurück, Wo in geistiger Er⸗ neuung Deiner harrt ein neues Glück, Wo sich bald die Stürme legen, Die das Herz —— 188 so wild bewegen, Wo des heilgen Geistes Mahnen Du mit stillem Beben hörst, Und von neuem zu den Fahnen Jesu Christi heilig schwörst. 3. Kehre wieder, irre Seele! Deines Gottes treues Herz Beut Vergebung deinem Feh⸗ le, Balsam für den Sünden⸗ schmerz. Sieh auf den, der voll Erbarmen Dir mit aus⸗ gestreckten Armen Winket von dem Kreuzesstamme. Kehre wieder! Fürchte nicht, Daß der Gnädge dich verdamme, Dem sein Herz vor Liebe bricht. 4. Kehre wieder! Neues Leben Trink in seiner Liebes⸗ huld. Bei dem Herrn ist viel Vergeben, Große Langmuth Glaube und Rechtfertigung. und Geduld. Faß ein Herz zu seinem Herzen. Er hat Trost für alle Schmerzen; Er kann alle Wunden heilen, Macht von allem Aussatz rein. Darum kehre ohne Weilen Zu ihm um und bei ihm ein. 5. Kehre wieder, endlich kehre In der Liebe Heimath ein, In die Fülle aus der Leere, In das Wesen aus dem Schein; Aus der Lüge in die Wahrheit, Aus dem Dunkel in die Klarheit, Aus dem Tode in das Leben, Aus der Welt ins Himmelreich! Doch, was Gott dir heut will ge— ben, Nimm auch heute; kehre gleich! Carl Joh. Phil. Spitta, g. 1801. XVI. Glanbe und Bechtfertigung. 270. Es ist das Heil uns kommen her Von Gnad und lauter Güte. Die Werk, die helfen nimmermehr; Sie mögen nicht behüten. Der Glaub sieht Jesum Christum an. Der hat gnug für uns all gethan; Er ist der Mittler worden. 2. Was Gott im Gsetz ge⸗ boten hat, Da man es nicht konnt halten, Erhub sich Zorn und große Noth Vor Gott so mannigfalten. Vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, Vom GEsetz erfordert aller⸗ meist. Es war mit uns ver⸗ loren. 3. Es war ein falscher Wahn dabei, Gott hätt sein Gsetz drum geben, Als ob wir möch⸗ ten selber frei Nach seinem Willen leben. So ist es nur ein Spiegel zart, Der uns anzeigt die sündig Art In unserm Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war, die⸗ selbig Art Aus eignen Kräf⸗ ten lassen, Wiewohl es oft versuchet ward; Doch mehrt sich Sünd ohn Maßen. Denn Gleißners Werk Gott hoch verdammt, Und jedem Fleisch der Sünde Schand Allzeit war angeboren. 5. Noch mußt das Gsetz er⸗ Glaube und Rechtfertigung. füllet sein, Sonst wärn wir all verdorben. Drum schickt Gott seinen Sohn herein, Der selber Mensch ist worden. Das ganze Gsetz hat er erfüllt, Da⸗ mit seius Vaters Zorn gestillt, Der über uns ging alle. 6. Und da es nun erfüllet ist Durch den, der es konnt 189 10. Die Werke kommn ge⸗ wißlich her Aus einem rechten Glauben; Denn das nicht rech⸗ ter Glaube wär, Dem man die Werk wollt rauben. Dochmacht allein der Glaub gerecht. Die Werke sind desNächstenKnecht, Dabei wirn Glauben merken. 11. Die Hoffnung wart der halten, So lerne jetzt, mein rechten Zeit, Was Gottes frommer Christ, Des Glau⸗Wort zusage. Wann das ge⸗ bens recht Gestalten: Nicht schehen soll zur Freud, Setzt mehr, denn: Lieber Herre mein, Dein Tod wird mir das Leben sein; Du hast für mich bezahlet. 7. Daran ich keinen Zweifel trag; Dein Wort kann nicht betrügen. Nun sagst du, daß kein Mensch verzag, Das wirst du nimmer lügen: Wer glaubt an mich und wird getauft, Demselben ist der Himml er⸗ lauft, Daß er nicht wird ver⸗ loren. 8. Er ist gerecht vor Gott allein, Der diesen Glauben sasset. Der Glaub giebt aus von ihm den Schein, So er die Werk nicht lässet. Mit Gott der Glaub ist wohl daran; Dem Nächsten wird die Lieb Guts thun, Bist du aus Gott geboren. 9. Es wird die Sünd durchs Gsetz erkannt, Und schlägt das Gwissen nieder. Das Evan⸗ gelium kommt zur Hand Und stärkt den Sünder wieder. Es Gott kein gwisse Tage. Er weiß wohl, wanns am besten ist, Und braucht an uns kein arge List; Deß solln wir ihm vertrauen. 12. Obs sich anließ, als wollt er nicht, Laß dich es nicht er⸗ schrecken; Denn wo er ist am besten mit, Da will ers nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein; Und spräch dein Herz gleich lauter Nein, So laß dir doch nicht grauen. 13. Sei Lob und Ehr mit hohem Preis Um dieser Gut⸗ that willen Gott Vater, Sohn und heilgem Geist. Der woll mit Gnad erfüllen, Was er in uns anfangen hat, Zu Eh⸗ ren seiner Majestät, Daß hei⸗ lig werd sein Name. 14. Sein Reich zukomm. Sein Will auf Erd Gscheh, wie ins Himmels Throne. Das täglich Brod ja heut uns werd. Gott unsrer Schuld verschone, Als wir thun un⸗ spricht: Nur komm zum Kreuz sern Schuldigern. Laß von herzu; im Gsetz ist weder Rast uns sein Versuchung fern; noch Ruh Mit allen seinen Lös uns vom Uebel. Amen! Werken. Paul Speratus, g. 1486, fl. 1554. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛe. 271. Such, wer da will, ein ander Ziel, Die Seligkeit zu finden: Mein Herz allein bedacht soll sein, Auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr; sein Werk sind klar; Sein heilger Mund hat Kraft und Grund, All Feind zu überwinden. 2. Such, wer da will, Noth⸗ helfer viel, Die uns doch nichts erworben: Hier ist der Mann, der helfen kann, Bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Theil. Uns macht gerecht der treue Knecht, Der für uns ist gestorben. 3. Ach sucht doch den, laßt alles stehn, Die ihr das Heil begehret. Er ist der Herr und keiner mehr, Der euch dasHeil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund. Sucht ihn allein; denn wohl wird sein Dem, der ihn herzlich ehret. 4. Meins Herzens Kron, mein Freudensonn Sollst du, Herr Jesu, bleiben. Laß mich doch nicht von deinem Licht Durch Eitelkeit vertreiben. Bleib du mein Preis; dein Wort mich speis. Bleib du mein Ehr; dein Wort mich un An dich stets fest zu gläu⸗ en. 5. Wend von mir nicht dein Angesicht; Laß mich im Kreuz nicht zagen. Weich nicht von mir, mein höchste Zier; Hilf mir mein Leiden tragen. Hilf mir zur Freud nach diesem s. V 190 Glaube und Rechtfertigung. t Leid; Hilf, daß ich mag nach dieser Klag Dir ewig dort Lob sagen. Georg Weißel, g. 1590, st. 1635. Mel. Ermuntre dich, mein schwacher Geist. 272. Asso hat Gott die Welt geliebt, Das merke, wer es höret! Die Welt, die Gott so hoch betrübt, Hat Gott so hoch geehret, Daß er den ein⸗ gebornen Sohn, Den eingen Schatz, die einge Kron, Bas einge Herz und Leben, Mit Willen hingegeben. 2. Ach wie muß doch ein einges Kind Bei uns hier auf der Erden, Da man doch nichts als Bosheit findt, So sehr geschonet werden! Wie hitzt, wie brennt derVatersinn, Wie giebt und schenkt er alles hin, Eh als er an das Schen⸗ ken Des Eingen nur will den⸗ ken! 3. Gott aber schenkt aus freiem Muth Und treuem, milden Herzen Sein einges Kind, sein schönstes Gut, In mehr als tausend Schmerzen. Er gibt ihn in den Tod hin⸗ ein, Ja in die Höll und gro⸗ ße Pein, Zu unerhörten Lei⸗ ——0 Erwirbt uns ewge Freu⸗ en. 4. Warum doch das! Daß du, o Welt, Frei wieder möch⸗ test stehen Und durch ein theu⸗ res Lösegeld Aus deinem Ker⸗ ker gehen. Denn du weißt wohl, du schnöde Braut, Wie, da dich Gott ihm anvertraut, Du wider deinen Orden Ihm allzu untreu worden. 5. Darüber hat dich Sünd und Tod Und Satanas Gesel⸗ len Zu bittrer Angst und har⸗ ter Noth Beschlossen in der Höllen. Und hier ist ja kein ander Rath Als der, den Gott gegeben hat; Wer den hat, wird dem Haufen Der Höl⸗ lenfeind entlaufen. 6. Gott hat uns seinen Sohn verehrt, Daß aller Menschen Wesen, So mit dem ewgen Fluch beschwert, Durch diesen soll genesen. Wen die Ver⸗ dammniß hat umschränkt, Der f soll durch den, den Gott ge⸗ schenkt, Erlösung, Trost und Gaben Des ewgen Lebens haben. 7. Ach, mein Gott, meines Lebens Grund, Wo soll ich Worte finden? Mit was für Lobe soll mein Mund Dein treues Herz ergründen? Wie hat doch können dies geschehn? Was hast du an der Welt er⸗ sehn, Daß, die so sehr dich höhnet, Du so gar hoch ge⸗ krönet? 8. Warum behieltst du nicht dein Recht Und ließest ewig pressen Diejenge, die dein Recht geschwächt und frevent⸗ lich vergessen? Was hattest du an der für Lust, Von wel⸗ cher dir doch war bewußt, Daß sie für dein Verschonen Dir schändlich würde loh⸗ nenꝰ 9. Das Herz im Leibe wei⸗ net mir Vor großem Leid und Glaube und Rechtfertigung. 191 Grämen, Wenn ich bedenke, wie wir dir So gar schlecht uns bequemen. Die Meisten wollen deiner nicht, Und was du ihnen zugericht Durch dei⸗ nes Sohnes Büßen, Das tre⸗ ten sie mit Füßen. 10. Du, frommer Vater, meinst es gut Mit allen Men⸗ schenkindern. Du ordnest dei⸗ nes Sohnes Blut Und reichst es allen Sündern; Willst, daß sie mit derGlaubenshand Das, was du ihnen zuge⸗ wandt, Sich völlig zu erquik⸗ ken, Fest in ihr Herze drük⸗ en. 11. Sieh aber, ist nicht im⸗ merfort Dir alle Welt zuwi⸗ der? Du bauest hier, du bauest dort: Die Welt schlägt alles nieder. Darum erlangt sie auch kein Heil; Sie bleibt im Tod und hat kein Theil Am Reiche, da die Frommen, Die Gott gefolgt, hinkommen. 12. An dir, o Gott, ist keine Schuld, Du, du hast nichts verschlafen. Der Feind und Hasser deiner Huld Ist Ursach seiner Strafen, Weil er den Sohn, der ihm so klar Und nah ans Herz gestellet war, Auch einzig helfen sollte, Durchaus nicht haben wollte. 13. So fahre hin, du tolle Schaar! Ich bleibe bei dem Sohne; Dem gebich mich, deß bin ich gar, Und er ist meine Krone. Hab ich den Sohn, so hab ich gnug: Sein Kreuz und Leiden ist mein Schmuck; Sein 192 Glaube und Rechtfertigung. Angst ist meine Freude, Sein Sterben meine Weide. 14. Ich freue mich, so oft und viel Ich dieses Sohns gedenke. Dies ist mein Lied und Saitenspiel, Wenn ich mich heimlich kränke, Wenn meine Sünd und Missethat Will größer sein, als Gottes Gnad, Und wenn mir meinen Glauben Mein eigen Herz will rauben. 15. Ei, sprech ich, war mir Gott geneigt, Da wir noch Feinde waren, So wird er ja, der kein Recht beugt, Nicht feindlich mit mir fahren An⸗ jetzo, da ich ihm versühnt, Da, was ich Böses je verdient, Sein Sohn, der nichts ver⸗ schuldet, So viel für mich erduldet. 16. Fehlts hie und da,— ei unverzagt! Laßt Sorg und Kummer schwinden! Der mir das Größte nicht versagt, Wird Rath zum Kleinsten finden. Hat Gott mir seinen Sohn geschenkt Und für mich in den Tod gesenkt: Wie sollt er, laßt uns denken, Mit ihm nicht alles schenken! 17. Ich bins gewiß und sterbe drauf Nach meines Gottes Willen: Mein Kreuz und ganzer Lebenslauf Wird sich noch fröhlich stillen. Hier hab ich Gott und Gottes Sohn, Und dort bei Gottes Stuhl und Thron, Da wird fürwahr mein Leben In ewgen Freu⸗ den schweben. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 273. Einmal ist die Schuld entrichtet; Und das gilt auf immer hin. Mosis Opfer stehn vernichtet, Da ich nun vollendet bin. Einer hats auf sich genommen, Ei⸗ ner bringt sich für uns dar: Er, auf den beim Dienst der Frommen Schon vorlängst gedeutet war. 2. Ehe daß dem Herrn zur Gabe Gottes Lamm war dar⸗ gebracht, Ward aus aller un⸗ srer Habe Weniger, als nichts gemacht. Dachte man bei dem Altare, Die Versöhnung sei geschehn, so hieß Gott nach einem Jahre Immer wieder opfern gehn. 3. Was ists Wunder! Blut der Kälber Und die Asche von der Kuh Setzet freilich(denk nur selber) Die Gewissen nicht zur Ruh. Dein Versprechen, dein Abbitten, Hätt es gleich noch größern Schein, Als das Opfer in der Hütten, 65. doch wohl nicht besser ein. 4. Alle unsreSchuldigkeiten, Die Gott von uns fordern kann, Sind hinaus auf alle Zeiten Schon auf einmal ab⸗ gethan. Einer hat sie über⸗ nommen; Alles steht in Rich⸗ tigkeit; Und seitdem der Bürg gekommen, Ist es nicht mehr Zahlenszeit. 5. Man hat nichts mehr auszumachen; Es giebt nichts mehr abzuthun, Und bei allen * — Glaube und Rechtfertigung. 193 unsern Sachen Lassen wir die Hände ruhn. Wir genießen nur die Früchte Dessen, was er ausgemacht, Da er uns in dem Gerichte Längst mit Eh⸗ ren durchgebracht. 6. Wißt ihr dieses denn, ihr Seelen? Uebt ihrs auch vors Vaters Thron? Man hat nichts mehr zu verhehlen, Man beruft sich auf den Sohn.— Aber sind vor Gott die Sachen Schon auf heute ausgemacht, Was wollt ihr denn morgen machen, Wenn ihr was zur Schuld gebracht? 7. Da gehts wie im alten Bunde: Heute ist man aus⸗ gesöhnt, Und zu einer andern Stunde Wird die Freudig⸗ keit verhöhnt. Diesmal ist die Schuld vergeben; Hat man wieder was gethan, Denkt man: Ach, nun kommt es eben Auf des Schöpfers Gnade an. 8. Man ergreift zwar Christi Büßen; Aber nur auf diese That, Die man jetzt zu Gottes Füßen Etwa abzubitten hat. Findt sich neues Uebertreten, So kommts wieder darauf an, Ob man abermal mit Beten Sein Gewissen stillen kann. 9. Da, da gehts denn an ein Klagen, Da gehts an ein ernstlich Thun. Bald will mans aufs neue wagen, Bald in Gottes Willen ruhn Und darauf bald wieder rege Fort an seinen Frohndienst gehn; Endlich wird man dürr und träge, Endlich kommts zum Stillestehn. 10. Nun, was hat man da gewonnen? Unruh ist der saure Lohn. Euer Vorsatz ist zerronnen; Eure Hoffnung geht davon. Woran fehlts? Man will nicht wissen, Daß mit einer Opfergab, Da man ihm den Leib zerrissen, Chri⸗ stus uns vollendet hab. 11. Der im Namen aller Seelen Unsern Schuldbrief übernahm, Wußte alles her⸗ zuzählen, Als es zum Bezah⸗ len kam. Was im Fleisch und Herz und Nieren Lange als verborgen schlief, Nächst dem, was wir wirklich spüren, Stand schon alles in dem Brief. 12. O, wir sind Gott viel zu schlechte! Er läßt sich mit uns nicht ein, Soll er über seinem Rechte Gegen uns be⸗ friedigt sein. Christus sprach zur rechten Stunde:„Sieh, ich komm mit meinem Leib, Daß im Volk von deinem Bunde Keiner mehr dein Schuldner bleib.“ 13. Kurz, mit ein er Opfer⸗ gabe Hat das Lamm so viel gethan, Daß das Volk von seiner Habe Sich vollendet nennen kann. Unsere Gerech⸗ tigkeiten Wachsen nicht mit unsrer Kraft, Weil ihr Grund vor unsern Zeiten In dem Opfer Jesu haft. Stimmen aus Zion. 1740. 13 19⁴ Glaube und Rechtfertigung. 27. Mein Jesu, dem die Seraphinen Im Glanz der höchsten Majestät Selbst mit bedecktem Antlitz dienen, Wenn dein Befehl an sie er⸗ geht: Wie sollten blöde Flei⸗ schesaugen, Die der verhaß⸗ ten Sünden Nacht Mit ihrem Schatten trüb gemacht, Dein helles Licht zu schauen tau⸗ genꝰ 2. Doch gönne meinen Glau⸗ bensblicken Den Eingang in deinHeiligthum, Und laß mich deine Gnad erquicken Zu mei⸗ nem Heil und deinem Ruhm. Reich deinen Scepter meiner Seele, Die sich in Demuth vor dir neigt Und dir als dei⸗ ne Braut sich zeigt; Sprich: Ja, du bists, die ich erwähle. 3. Sei gnädig, Jesu voller Güte, Dem Herzen, das nach Gnade lechzt. Hör, wie die Zung in dem Gemüthe: Gott sei mir Armen gnädig! ächzt. Ich weiß, du kannst mich nicht verstoßen. Wie könntest du ungnädig sein Dem, den dein Blut von Schuld und Pein Erlöst, da es so reich geflos— senꝰ 4. Ich fall in deine Gna⸗ denhände Und bitte mit dem Glaubenskuß: Gerechter Kö⸗ nig, wende, wende Die Gnade zu der Herzensbuß! Ich bin gerecht durch deine Wunden; Es ist nichts Sträflichs mehr an mir. Bin aber ich versöhnt mit dir, So bleib ich auch mit dir verbunden. 5. Ach laß mich deine Weis⸗ heit leiten Und nimm ihr Licht nicht von mir weg! Stell deine Gnade mir zur Seiten, Daß ich auf dir beliebtem Steg Beständig bis ans Ende wandle, Damit ich auch zu dieser Zeit In Lieb und Herzens⸗Freundlichkeit Nach deinem Wort und Willen handle. 6. Reich mir die Waffen aus der Höhe Und stärke mich durch deine Macht, Daß ich im Glauben sieg und stehe, Wenn Stärk und List der Feinde wacht. So wird dein Gnadenreich auf Erden, Das uns zu deiner Ehre führt Und endlich gar mit Kronen ziert, Auch in mir ausge⸗ breitet werden. 7. Ja, ja, mein Herz will dich umfassen. Erwähl es, Herr, zu deinem Thron. Hast du aus Lieb ehmals verlassen Des Himmels Pracht und deine Kron, So würdge auch mein Herz, o Leben, Und laß es deinen Himmel sein, Bis du, wenn dieser Bau fällt ein, Mich wirst in deinen Himmel heben. 8. Ich steig hinauf zu dir im Glauben; Steig du in Lieb herab zu mir. Laß mir nichts diese Freude rauben. Erfülle mich nur ganz mit dir. Ich will dich fürchten, lieben, ehren, So lang in mir das Herz sich regt; Und wenn dasselb auch nicht mehrschlägt, * So soll doch noch die Liebe währen. Wolfg. Christoph Deßler, g. 1690, st. 1722. Luc. 10, 38—42. 275. Eins ist noth! Ach, Herr, dies Eine Lehre mich erkennen doch! Alles andre, wies auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich na⸗ get und plaget Und dennoch kein wahres Vergnügen er⸗ jaget. Erlang ich dies Eine, das alles ersetzt, So werd ich mit Einem in Allem er⸗ götzt. 2. Seele, willst du dieses finden, Suchs bei keiner Crea⸗ tur. Laß, was irdisch ist, da⸗ hinten; Schwing dich über die Natur. Wo Gott und die Menschheit in Einem verei⸗ net, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, Da, da ist das beste, nothwendigste Theil, Mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. 3. Wie Maria war beflis⸗ sen Auf des Einigen Genieß, Da sie sich zu Jesu Füßen Voller Andacht niederließ; Ihr Herze entbrannte, dies einzig zu hören, Was Jesus, ihr Heiland, sie wollte beleh⸗ ren; Ihr Alles war gänz⸗ lich in Jesum versenkt, Und wurde ihr Alles in Einem geschenkt: 4. Also ist auch mein Ver⸗ langen, Liebster Jesu, nur nach dir. Laß mich treulich an Glaube und Rechtfertigung. 195⁵ dir hangen, Schenle dich zu eigen mir. Ob viel auch um⸗ kehrten 4 größesten Haufen, So will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen; Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist. Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt! 5. Aller Weisheit höchste Fülle In dir ja verborgen liegt. Gieb nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die Demuth und Einfalt re⸗ gieret Und mich zu der Weis⸗ heit, die himmlisch ist, führet. Ach wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, So hab ich der Weisheit vollkommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, Als nur dich, mein höchstes Gut. Jesu, es muß mir gelingen Durch dein theu⸗ res Opferblut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erwor⸗ ben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben; Die Kleider des Heils ich da habe erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun, so gieb, daß meine Seele Auch nach deinem Bild erwacht. Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben. Entreiße mich aller vergänglichen Lust; Dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt. 196 Glaube und Rechtfertigung. 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich bedeckt die Gnadenflut. Du bist einmal eingegangen In das Heilge durch dein Blut. Da hast du die ewge Erlösung erfunden, Daß ich nun der höllischen Herrschaft entbunden. Dein Eingang die völlige Frei⸗ heit mir bringt; Im kind⸗ lichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Volles Gnügen, Fried und Freude Jetzo meine Seel ergötzt, Weil auf eine frische Weide Mein Hirt Jesus mich gesetzt. Nichts Süßers kann also mein Herze erlaben, Als wenn ich nur, Jesu, dich im⸗ mer soll haben. Nichts, nichts ist, das also mich innig er— quickt, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein Ein und Alles sein. Prüf, erfahre, wie ichs meine; Tilge allen Heu⸗ chelschein. Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege. Gieb, daß ich hier alles nur achte für Koth Und Jesum gewinne. Dies Eine ist Noth. Joh. Heinr. Schröder, g 1666 fl. 1728. Mel. O Gott, dn frommer Gott. 276. Versuchet euch doch selbst, Ob ihr im Glauben stehet, Ob Christus in euch ist, Ob ihr ihm auch nach— gehet In Demuth und Ge⸗ duld, InSanftmuth, Freund⸗ lichkeit, In Lieb dem Nächsten stets Zu dienen seid bereit. 2. Der Glaube ist ein Licht, Im Herzen tief verborgen, Bricht als ein Glanz hervor, Scheint als der helle Mor⸗ gen, Erweiset seine Kraft, Macht Christo gleichgesinnt, Verneuert Herz und Muth, Macht uns zu Gottes Kind. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben, Und will es in Einfalt Dem Nächsten wieder geben. Die⸗ weil er überreich In Christo worden ist, Preist er die Gnade hoch, Bekennet Jesum Christ. 4. Er hofft in Zuversicht, Was Gott im Wort zusaget; Drum muß der Zweifel fort; Die Schwermuth wird ver— jaget. Sieh, wie der Glaube bringt Die Hoffnung an den Tag; Hält Sturm und Wet⸗ ter aus, Besteht im Unge⸗ mach. 5. Aus Hoffnung wächst die Lieb. Weil man aus Gottes Händen Nimmt alle Dinge an, Will man nicht zürnen, schänden; Denn alles uns zu Nutz Und Besten ist gemeint. Drum dringt die Liebe durch Auf Freunde und auf Feind. 6. Wir waren Gottes Feind: Er giebt uns seinen Sohne, Sein eingebornes Kind, Zu einem Gnadenthrone; Setzt Liebe gegen Haß. Wer gläu⸗ big dies erkennt, Wird bald * * Glaube und Rechtfertigung. in Lieb entzündt, Die allen Haß verbrennt. 7. Wie uns nun Gott ge⸗ than, Thun wir dem Nächsten eben. Droht er uns mit dem Tod: Wir zeigen ihm das Le⸗ ben. Flucht er, so segnen wir. In Schande, Spott und Hohn Ist unser bester Trost Des Himmels Ehrenkron. 8. Setzt uns Gott auf die Prob, Ein schweres Kreuz zu tragen; Der Glaube bringt Geduld, Macht leichte alle Pla⸗ gen. Statt Murren, Ungeberd Wird das Gebet erweckt, Weil aller Angst und Noth Von Gott ein Ziel gesteckt. 9. Man lernet nur dadurch Sein Elend recht verstehen, Wie auch des Höchsten Güt; Hält an mit Bitten, Flehen; Verzaget an sich selbst Und trauet Christi Kraft; Vernich⸗ tet sich zu Grund, Saugt nur aus Jesu Saft; 10. Hält sich an sein Ver⸗ dienst: Erlanget Geist und Stärke, In solcher Zuversicht Zu üben rechte Werke; Steht ab vom Eigensinn, Flieht die Vermessenheit, Hält sich in Gottesfurcht Im Glück und schwerer Zeit. 11. So prüfe dich denn wohl, Ob Christus in dir lebet; Denn Christi Leben ists, Wo⸗ nach der Glaube strebet. Erst machet er gerecht, Dann hei⸗ lig; wirket Lust Zu allem gu⸗ ten Werk. Sieh, ob du auch so thust. 197 12. Gieb, Herr, und mehre dann In mir den wahren Glauben, So kann mich keine Macht Der guten Werk be⸗ rauben. Wo Licht ist, geht der Schein Freiwillig davon aus. Du bist mein Herr und Gott, Bewahr mich als dein Haus! J. J. Breithaupt, g. 1658, st. 1732. Mel. Es ist das Heil uns kommen ꝛc. 277. Der Glaub ist eine Zuversicht Zu Gottes Gnad und Güte. Der bloße Bei⸗ fall thut es nicht. Es muß Herz und Gemüthe Zu Gott völlig gerichtet sein Und grün⸗ det sich auf ihn allein Ohn Wanken und ohn Zweifel. 2. Wer sein Herz also stärkt und steift In völligem Ver⸗ trauen Und Jesum Christum recht ergreift, Auf sein Ver⸗ dienst thut bauen: Der hat des Glaubens rechte Art Und kann zur seligen Hinfahrt Sich schicken ohne Grauen. 3. Dies aber ist kein Men⸗ schenwerk; Der Glaub kommt von dem Herren. Drum bitt, daß er ihn in dir stärk Und täglich woll vermehren. Laß aber auch des Glaubens Schein, Die guten Werke, an dir sein: Sonst ist dein Glaube eitel. 4. Es ist ein schändlich bö⸗ ser Wahn, Des Glaubens sich wolln rühmen Und doch die Werke nehmen an, So Chri⸗ sten nicht geziemen. Wer das Re • 88 198 Glaube und Rechtfertigung. thut, der soll wissen frei, Daß sein Glaub nur sei Heuchelei Und werd zur Höll ihn brin⸗ gen. 5. Drum lasse sich ein from⸗ mer Christ Mit Ernst sein angelegen, Daß er aufrich⸗ tig jeder Frist Sich halt in Gottes Wegen, Daß sein Glaub ohne Heuchelei Vor Gott dem Herrn rechtschaf— fen sei Und vor dem Nächsten leuchte. Ludw. Andr. Gotter, g. 1661, st. 1735. 278. Mein Heiland nimmt die Sünder an, Die unter ihrer Last der Sünden Kein Mensch, kein Engel trö⸗ sten kann, Die nirgend Ruh und Rettung finden. Den selbst die weite Welt zu klein, Die sich und Gott ein Gräuel sein; Den Moses schon den Stab gebrochen Und sie der Hölle zugesprochen, Wird die— se Freistatt aufgethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Sein mehr als mütter⸗ liches Herz Trieb ihn von sei⸗ nem Thron auf Erden. Ihn drang der Sünden Weh und Schmerz, An ihrer Statt ein Fluch zu werden. Er senkte sich in ihre Noth Und schmeckte den verdienten Tod. Nun, da er dann sein eigen Leben Zur theuren Zahlung hinge⸗ geben Und seinem Vater gnug gethan, So heißts: Er nimmt die Sünder an. 3. Nun findet man in sei⸗ nem Schoß Ein sichres Schloß gejagter Seeleu. Er spricht sie von dem Urtheil los Und tilgt ihr jammervolles Quä⸗ len. Es wird ihr ganzes Sün⸗ denheer Ins unergründlich tiefe Meer Durch seinen Tod und Blut versenket Und ihnen Gottes Geist geschenket, Der freudig Abba rufen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 4. So bringt er sie dem Vater hin In seinen blutbe⸗ floßnen Armen. Das neigt sodann den Vatersinn Zu lau⸗ ter ewigem Erbarmen. Er nimmt sie auf an Kindes Statt; Ja alles, was er ist und hat, Wird ihnen eigen übergeben; Und selbst die Thür zum ewgen Leben Wird ihnen fröhlich aufge⸗ than. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 5. O solltest du sein) Herze sehn, Wie sichs nach armen Sündern sehnet, Sowohl wenn sie noch irre gehn, Als wenn ihr Auge vor ihm thrä⸗ net! Wie eilt er in Zachäi Haus, Streckt Herz und Hand nach Zöllnern aus! Wie stillt er jener Magdalenen Den milden Guß erpreßter Thrä⸗ nen, Denkt deß nicht mehr, was sie gethan! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 6. Wie freundlich blickt er Petrum an, Ob er gleich noch so tief gefallen! Dies hat er —— Dhͤ enn=.e— Glaube und Rechtfertigung. 199 nicht allein gethan, Da er auf Erden müssen wallen; Nein, er ist immer einerlei, Gerecht und fromm und ewig treu; Und wie er unter Schmach und Leiden, So ist er auf dem Thron der Freuden Den Sün⸗ dern liebreich zugethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 7. So komme denn, wer Sünder heißt Und wen sein Sündengräul betrübet, Zu dem, der keinen von sich weist, Der sich gebeugt zu ihm begie⸗ bet. Wie, willst du dir im Lichte stehn Und ohne Noth verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, Da, dich zu retten, er erschienen? O nein, verlaß die Sünden⸗ bahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Komm nur mühselig und gebückt; Komm nur, so gut du weißt zu kommen. Wenn dich die Last gleich niederdrückt, Wirst du auch kriechend an⸗ genommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht, Und wie er dir entgegengeht! Wie oft hat er nicht voll Verlangen Gesucht, dich brünstig zu um⸗ fangen! So komm denn, ar⸗ mes Herz, heran! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 9. Sprich nicht: Ich habs zu grob gemacht Und alle Gü⸗ ter seiner Gnaden So lang und schändlich durchgebracht; Er hat mich oft umsonst gela⸗ den. Wenn du es jetzt nur redlich meinst Und deinen Fall mit Ernst beweinst, So soll ihm nichts die Hände binden, Und du sollst jetzt noch Gnade finden. Er hilft, wenn sonst nichts helfen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 10. Doch sprich auch nicht: Es ist noch Zeit; Ich muß erst diese Lust genießen; Gott wird ja eben nicht gleich heut Die offne Gnadenpforte schlie⸗ ßen. Nein, weil er ruft, so höre du Und greif mit beiden Händen zu. Wer diesen Tag sein Heil verträumet, Hat eine Gnadenzeit versäumet, Die ihm den Himmel aufgethan, Heut komm, heut nimmt dich Jesus an. 11. Ja, zeuch uns selber recht zu dir, Holdselig süßer Freund der Sünder. Erfüll mit seh⸗ nender Begier Auch uns und alle Adamskinder. Zeig uns bei unserm Seelenschmerz Dein aufgeschlossnes Liebes⸗ herz. Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein jeder sagen kann: Gott Lob, auch mich nimmt Jesus an! Leop. Franz Friedr. Lehr, g. 1709, st. 1744. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 279. Jesus nimmt die Sünder an! Saget doch dies Trostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehr⸗ ten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. SSII S 200 2. Keiner Gnade sind wir werth; Doch hat er in seinem Worte Eidlich sich dazu er⸗ klärt. Sehet nur, die Gna⸗ denpforte Ist hier völlig auf⸗ gethan: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein treuer Hirte. Jesus, der uns nie vergißt, Suchet treulich das Verirrte, Daß es nicht verderben kann. Jesus nimmt die Sünder an. 4. Kommet alle, kommet her, Kommet, ihr geängsten Sün⸗ der! Jesus rufet euch und er Macht aus Sündern Gottes⸗ kinder. Glaubets doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden. Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, Daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 6. Ich bin ganz getrosten Muths. Ob die Sünden blut⸗ roth wären, Müssen sie, kraft deines Bluts, Sich dennoch in Schneeweiß kehren, Da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 7. Mein Gewissen schreckt mich nicht: Moses darf mich nicht verklagen. Der mich frei und ledig spricht, Hat die Schulden abgetragen, Daß mich nichts verdammen kann. Jesus nimmt die Sünder an. Buße und Bekehrung. 8. Jesus nimmt die Sünder an. Mich auch hat er ange⸗ nommen Und den Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen Und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. Erdm. Neumeister, g. 1671, st. 1756. Mel. O daß ich tausend Zungen ꝛc. 280. Ich habe nun den Grund gefunden, Der meinen Anker ewig hält. Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, Wenn Erd und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Er⸗ barmen, Das alles Denken übersteigt; Es sind die off⸗ nen Liebesarme Deß, der sich zu dem Sünder neigt, Dem allemal das Herze bricht, Wir kommen, oder kommen nicht. 3 Wir sollen nicht verloren werden; Gott will, uns soll geholfen sein. Deßwegen kam sein Sohn auf Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deßwegen klopft er für und für So stark an unsers Herzens Thür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden. Da findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut be⸗ ständig schreit; Barmherzig⸗ keit! Barmherzigleit! 5. Darein will ich mich gläu⸗ big senken, Dem will ich mich getrost vertraun, Und wenn mich meine Sünden kränken, Nur bald nach Gottes Herzen schaun; Da findet sich zu aller Rit Unendliche Barmherzig⸗ eit. 6. Wird alles Andre weg⸗ gerissen, Was Seel und Leib erquicken kann; Darf ich von keinem Troste wissen Und scheine völlig ausgethan; Ist die Errettung noch so weit: 1 bleibet doch Barmherzig⸗ eit. 7. Beginnt das Irdische zu drücken, Ja, häuft sich Kum⸗ mer und Verdruß, Daß ich mich noch in vielen Stücken Mit eitlen Dingen mühen muß; Werd ich dadurch oft sehr zerstreut: So hoff ich auf Barmherzigkeit. 8. Muß ich an meinen besten Werken, Darinnen ich gewan⸗ delt bin, Viel Unvollkommen⸗ heit bemerken, So fällt wohl alles Rühmen hin; Doch ist auch dieser Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit. 9. Es 5 nur nach dessen Willen, Bei dem so viel Er⸗ barmen ist. Er wolle selbst mein Herze stillen, Damit es das nur nicht vergißt, So stehet es in Lieb und Leid In, durch und auf Barmherzig⸗ keit. 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, So lange mich die Erde trägt. Das will ich den⸗ ken, thun und treiben, So Glaube und Rechtfertigung. lange sich ein Glied bewegt. So sing ich einstens höchst er⸗ freut: O Abgrund der Barm⸗ keit! Joh. Andr. Rothe, g. 1688, st. 1758. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 281. Aus Gnaden soll ich selig werden. Herz, glaubst dus, oder glaubst dus nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Ists Wahrheit, was die Schrift verspricht, So muß auch dieses Wahrheit sein: Aus Gnaden ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen; Die eignen Werke fallen hin. Der Mitt⸗ ler, der im Fleisch erschienen, Hat diese Ehre zum Gewinn, Daß uns sein Tod das Heil gebracht Und uns aus Gnaden selig macht. 3. Aus Gnaden! Merk dies Wort: Aus Gnaden! So oft dich deine Sünde plagt, So oft dir will der Satan schaden, So oft dich dein Gewissen nagt. Was die Vernunft nicht fassen kann, Das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden Und über⸗ nahm die Sündenlast. Was nöthigt ihn, dein Freund zu werden? Sprich! wo du was zu rühmen hast. Wars nicht, daß er dein Bestes wollt Und dir aus Gnaden helfen sollt? 5. Aus Gnaden! Dieser Grund wird bleiben, So 20² Glaube und Rechtfertigung. lange Gott wahrhaftig heißt. Was alle Knechte Jesu schrei⸗ ben, Was Gott in seinem Wort anpreist, Worauf all unser Glaube ruht, Ist: Gnade durch des Lammes Blut. 6. Aus Gnaden! Doch, du sichrer Sünder, Denk nicht: Wohlan, ich greif auch zu. Wahr ists, Gott rufet Adams Kinder Aus Gnaden zur ver⸗ heißnen Ruh; Doch nimmt er nicht zu Gnaden an, Der noch auf Gnade sündgen kann. 7. Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret, Tret ab von aller Heuchelei. Nur, wenn der Sünder sich bekehret, Dann lernt er erst, was Gnade sei. Beim Sündgen scheint die Gnad gering; Dem Glauben ists ein Wunderding. 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen Das Herz des Vaters aufgethan, Wenns unter größter Angst und Schmerzen Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm ich oftmals Stärkung her, Wenn Gnade nicht mein Anker wär? 9. Aus Gnaden! Hierauf will ich sterben. Ich glaube; darum ist mir wohl. weiß mein sündliches Verder⸗ ben, Doch den auch, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, die Seele lacht, Weil mich die Gnade selig macht. 10. Aus Gnaden! Dies hör Sünd und Teufel. Ich schwinge meine Glaubensfahn Und geh getrost, trotz allem Zweifel, Durchs rothe Meer nach Kanaan. Ich glaub, was Jesu Wort verspricht, Ich fühl es, oder fühl es nicht. Christ. Ludw. Scheidt, st. 1759. Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 282. Ach, wo findet meine Seele, Wenn ihr Mo⸗ sis Donner blitzt, Eine tiefe Felsenhöhle, Da der Glaube sicher sitztꝰ 2. Keine weiß ich, als die Wunden, Die man meinem Heiland schlug, Als er Mosis Fluch empfunden, Als er meine Sünden trug. 3. Wer kann mir die Frei⸗ statt sagen, Die dem Sünder offen steht, Wenn er unter Furcht und Zagen Nach Er⸗ rettung seufzt und fleht? 4. Keine weiß ich, als die Wunden, Welche Gottes Lamm empfing, Das, von Liebesmacht gebunden, In des Todes Rachen ging. 5. Wohin soll ich mich ver⸗ stecken? Ach, wo treff ich Kleider an, Daß ich meine Schande decken Und vor Gott bestehen kann? 6. Keine weiß ich, als die Wunden, Die vom Haupte bis zum Fuß Meine Seel an dem gefunden, Der am Kreuz verbluten muß. 7. Aber meiner Schulden Menge(Ach, sie sind wie Sand am Meer!) Bringt mich heftig ins Gedränge, Schreit: Wo kommt die Zah⸗ lung her? 8. Keine weiß ich, als die Wunden Und sein Blut, das Lösegeld. Schuld und Rech⸗ nung ist verschwunden. Er versöhnt die ganze Welt. 9. Weiß denn niemand eine Quelle, Die den Durst des Herzens löscht Und den Schmutz der Sündenfälle Ganz von meiner Seele wäschtꝰ 10. Keine weiß ich, als die Wunden Und des heilgen Lammes Blut. Ach, es labt mich alle Stunden! Ach, es macht mich rein und gut! 11. Wo ist aber eine Hütte, Tag und Nacht daheim zu sein, Daß mein Herz sich nicht zerrütte? Sagt, wo geh ich aus und ein? 12. Keine weiß ich, als die Wunden, Die der Herr dem Thomas wies. Wer sich da hineingefunden, Hat ein ewig Paradies. E. G Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Hilf, Gott, daß mir gelinge. 283. Die Handschrift ist zerrissen, Die Zahlung ist vollbracht. Er hat michs las⸗ sen wissen, Den man zum Fluch gemacht, Dem meine Noth sein Blut geraubt, An welchen meine Seele Von ganzem Herzen glaubt. 2. Ich weiß sonst nichts zu sagen, Als daß ein Bürge Glaube und Rechtfertigung. 203 kam, Der meine Schuld ge⸗ tragen, Die Rechnung auf sich nahm Und sie so völlig hingezählt, Daß von der gan⸗ zen Menge Nicht das Ge⸗ ringste fehlt. 3. Lamm, du hast meine Schulden, Die niemand zäh⸗ len kann, Durch schmerzliches Erdulden Auf ewig abgethan. Du hast an meine Noth ge⸗ dacht Und durch den Drang der Liebe Dich selbst zur Schuld gemacht. 4. Die Nägel deiner Wun⸗ den Zerstücken meinen Brief, Der alle Tag und Stunden An Zahlen höher lief. Dein völlig ausgeströmtes Blut, Dein heilges Thun und Lei⸗ den Macht alle Rechnung gut. 5. Ich setze dich zum Bür⸗ gen, Weil du es selbst ge⸗ than. Will Moses mich er⸗ würgen, So zieh ich Jesum an. Wenn Satan mein Ge⸗ wissen schreckt, So rettet mich der Glaube, Den Christi Blut bedeckt. 6. Wer Sünde thut und liebet, Der ist des Teufels Knecht. Wen seine Schuld betrübet, Der ist vor Gott gerecht. Wer sich beim Rich⸗ ter selbst verklagt, Der wird von seinen Schulden Auf ewig losgesagt. 7. Wenn ich mich selbst be⸗ trachte, So wird mir angst und weh. Wenn ich auf Je⸗ sum achte, So steig ich in die Höh, So freut sich mein er⸗ löster Geist, Der durch das 204 Blut des Lammes Gerecht und selig heißt. 8. Lamm Gottes, deinen Wunden Verdank ichs Ta und Nacht, Daß sie den Rath gefunden, Der Sünder selig macht. Gelobet sei der To⸗ desschweiß, Und allen deinen Schmerzen Sei ewig Ehr und Preis! E. G. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Herr Gott, dich loben alle wir. 28½. Gelobet seist du, Jesus Christ, Daß du der A Sünder Heiland bist, Und daß dein unschätzbares Blut An armen Sündern Wunder thut. 2. Gelobet sei des Vaters Rath, Der dich der Welt ge⸗ schenket hat, Und weil er viel Erbarmen hegt, Dir alle Schulden auferlegt. 3. Gelobet sei der heilge Geist, Der uns zu dir, o Jesu, weist; Zu dir, o Arzt, der jedermann Durch seine Wun⸗ den heilen kann. 4. Gott Lob! nun ist auch Rath für mich. Mein Gott und Herr, ich glaub an dich, An dich, der alles hingezählt, Was mir an meiner Rech⸗ nung fehlt. 5. Die Schulden sind mir angeerbt; Ich bin nicht halb, nein, ganz verderbt; Ich treff auch keinen Heller an, Den ich zur Lösung zahlen kann. 6. Gott Lobl daß ich nun weiß, wohin, Ich, der ich krank und unrein bin, Den Glaube und Rechtfertigung. Furcht und Scham und Zwei⸗ fel quält, Und dem nicht mehr, als alles fehlt. 7. Mein Jesus nimmt die Sünder an. Ich komme zu ihm, wie ich kann; Denn wer sich selber besser macht, Von dem wird Christi Blut ver⸗ acht. 8. Der Kranke wird nicht erst gesund, Er macht dem Arzt die Krankheit kund. So komm ich, Gottes Lamm, zu dir; Ich weiß, du thust dein mt an mir. 9. Vergebung heilt mein ganzes Herz; Sie tilgt die Furcht, ste stillt den Schmerz, Sie bringt mir Ruhe, Kraft und Licht, Erfüllet mich mit Zuversicht. 10. Die Seele wird von Banden frei; Sie lobt und singt und fühlt dabei, Daß eines neuen Geistes Kraft Sie ganz belebt und Früchte schafft. 11. So macht der Glaub an Christi Blut In armen Sündern alles gut, Und was noch Böses übrig bleibt, Ist Noth, die uns zum Heiland treibt. 12. Gelobet seist du, Jesu Christ, Daß du der Sünder Heiland bist, Und daß du, hocherhabner Fürst, Der Sün⸗ der Heiland bleiben wirst. E. G. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Jesu, meine Freude. 285. Quälende Gedan⸗ ken, Zweifel, Furcht und Wanken, Hört doch einmal auf. Laßt mich Jesum schauen, Seiner Gnade trauen; Hemmt mir nicht den Lauf. Christi Blut macht alles gut; Und was ich verschuldet habe, Liegt in seinem Grabe. 2. Freilich bin ich schnöde, Unrein, wüst und öde, Aller Sünden voll; Aber mein Er⸗ barmer, Dessen Blut ich Ar⸗ mer Gläubig schöpfen soll, Locket mich so stark zu sich, Daß ichs endlich fröhlich wage Und ihm alles klage. 3. Weil ich denn die Sünde Tiefgebeugt empfinde, Die mein Herz beweint; Weil ich sie verfluche Und nichts an⸗ ders suche, Als den Seelen⸗ freund: So bin ich ganz sicherlich Schon mit dessen Blut bedecket, Der mein Herz erwecket. 4. Nicht vollkommne From⸗ men,— Sünder sollen kom⸗ men. Sünder nimmt er an. Die sich gottlos sehen Und um Gnade flehen, Die sind wohl daran. Wer die Kraft, die Gutes schafft, Gar nicht in sich selbst erblicket, Der wird hier erquicket. 5. Nun, so will ichs wagen, Ganz getrost zu sagen: Jesu Blut ist mein. Gnade hab ich funden Und durch seine Wun⸗ den Kann ich ruhig sein. Christi Huld hat meine Schuld, Meine Furcht und Tod verschlungen. Ihm sei Lob gesungen! 6. Quälende Gedanken, Zweifel, Furcht und Wanken, Glaube und Rechtfertigung. 20⁵5 Störet mich nicht mehr. War⸗ um soll ich zagen Und mich selber plagen? Jesus liebt mich sehr. Tag und Nacht bin ich bedacht, Mich im Glauben recht zu üben. So kann ich ihn lieben. E. G. Wolterhdorf, 1725, ft. 1761. Mel. Dir, dir, Jehovah, will ich ꝛc. 286. Zu dir ist meine Seele stille, Mein Herr, mein Gott, auf den mein Glaube blickt. Aus deiner Gnaden reicher Fülle Fließt mir der Trost, der meinen Geist er⸗ quickt. Da alle Welt nicht rathen, helfen kann, Treff ich bei dir, was mich beruhigt, an. 2. Dir ist mein Seufzen nicht verborgen, Du weißt, wonach das arme Herz sich sehnt. Du siehst, wie unter bangen Sorgen Voll Küm⸗ merniß das Auge zu dir thränt. Dies liegt mir an: Ich möchte gerne rein Und durch dein Blut, o Lamm, entsündigt sein. 3. Ich dank es ewig deiner Gnade, Die mich gesucht, die mich vom Schlaf erweckt, Die mir, wie tief mein innrer Schade, Durch deinen Geist recht deutlich aufgedeckt Und die zugleich, da mich mein Hare beugt, Mir Hülf und Rath in deinen Wunden zeigt. 4. Die sind doch auch für mich geschlagen. Wer Sünder heißt, den geht der Heiland an, Der alle Schulden abge⸗ tragen Und für die Welt auf ——— ů— 206 Glaube und Rechtfertigung. ewig gnug gethan. Du rufst auch mich zu deinem Kreuze hin. Ich wags aufs Wort und komme, wie ich bin. 5. Mein Hoffnungsgrund ist dein Erbarmen. Ich weiß, dein Herz neigt gerne sich zu mir. Versöhner, Freund der geistlich Armen, Wer zu dir kommt, den stößt du nicht von dir. Dies hast du ja an kei⸗ nem noch gethan: Ich bin ge⸗ wiß, an mir fängst dus nicht an. 6. Nein, Jesu, du hast Lust zum Leben. Du rufst mir zu: Getrost, Sohn, du bist mein! Was du gesündigt, ist verge⸗ ben; Nun soll an dir nichts mehr verdammlich sein. Ich schenke dir mein reines Un⸗ schuldskleid Und schmücke dich mit meiner Heiligkeit. 7. So hab ich Gnad bei dir gefunden? Ja, Herr, dein Geist bezeugt es meinem Geist, Der, aller seiner Last entbunden, Mit Dank und Ruhm aus allen Kräften preist, Wie wohl ihm ist, da deine Jesusmacht Ihn unver⸗ dient zum Kindschaftsrecht ge⸗ bracht. 8. Muß ich noch was am Fleische leiden, So duld ich es mit still⸗gelaßnem Muth. Kann mich doch nichts mehr von dir scheiden, Von dir, in dem mein Glaube sicher ruht. Der Schmerz sei groß, ich bleibe doch gesetzt, Weil mich der Trost:„Ich habe Gnad!“ ergötzt. 9. Der ists, der in den letz⸗ ten Stunden Zum letzten Kampf mich stark und muthig macht, Da du den Tod längst überwunden Und dorten mir mein Erbe zugedacht, So schlaf ich sanft auf deinen Zuruf ein:„Du bist ge⸗ recht; nun sollst du herrlich sein.“ Andr. Rehberger, g. 1716, st. 1769. Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. 287. Ich weiß von kei⸗ nem andern Grunde, Als den der Glaub in Christo hat. Ich weiß von keinem andern Bunde, Von keinem andern Weg und Rath, Als daß man elend, arm und bloß Sich legt in Christi Seit und Schoß. 2. Ich bin zu meinem Hei⸗ land kommen Und eil ihm immer besser zu. Ich bin auch von ihm aufgenommen Und find in seinen Wunden Ruh. Er ist mein Schatz, mein Erb und Theil, Und außer ihm weiß ich kein Heil. 3. Ich bleib in Christo nun erfunden Und bin in ihm ge⸗ recht und rein. Ich bleibe stets in seinen Wunden; Da kann ich immer sicher sein. Gott siehet mich in Christo an, Daher mich nichts ver⸗ dammen kann. 4. Ich fühle zwar in mir noch Sünde; Allein die scha⸗ det mir nicht mehr, Dieweil ich mich in Christo finde; Doch aber beuget sie mich sehr, Und halt ich nichts gering und klein; Sonst dringt ein sichres Wesen ein. 5. Ich kämpfe gegen mein Verderben; Doch gläubig und in Christi Kraft. Der alte Mensch muß täglich sterben, Der noch nicht todt am Kreuze haft; Jedoch dies macht mich arm und klein Und lehrt nach Christo ernstlich schrein. 6. Ich suche stets vor ihm zu stehen Und seh in allem ihn nur an, Nach seinem Wink einher zu gehen, Daß nichts mein Ziel verrücken kann. Ich seufze stets: Herr, steh mir bei, Daß ich dein rechter Jünger sei. 7. Ich bleib im tiefsten De⸗ muthsgrunde Und will aus Christo nimmer gehn. Ich bleib im allgemeinen Bunde, In allgemeiner Liebe stehn Und hang an Christo ganz allein. Dies soll mein Grund auf ewig sein. 8. O ja, Herr, laß mich in dir bleiben Und nie aus dei⸗ nen Wunden gehn. Laß mich den Geist des Glaubens trei⸗ ben Und fest in deinem Frie⸗ den stehn, Stets wachsam, still und niedrig sein; So reißet nichts den Grund mir ein. Carl Heinr. v. Bogatzky g. 1690, st. 1774. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 288. Das ist je gewiß⸗ lich wahr Und ein Wort voll Heil und Leben, Daß sich Glaube und Rechtfertigung. 207⁷ Jesus ganz und gar Für die Sünder hingegeben, Und daß durch ihn jedermann Ewig selig werden kann. 2. O, ein theuer werthes Wort, Das der Geist nicht nur anpreiset; Sondern sich auch immerfort Noch bei dem als wahr beweiset, Der sich ganz verloren sieht Und zu Jesu gläubig flieht. 3. Diese Botschaft ist es werth, Daß sie alle Welt an⸗ nehme, Und daß jeder, der sie hört, Sich zu Christi Joch bequeme; Denn die ganze Seligkeit Ist für alle nun bereit. 4. Keinen schließt nun Jesus aus, Der sich nur nicht selbst will hindern. Seines Vaters Herz und Haus Hat er allen, allen Sündern, Die nur kom⸗ men, aufgethan. Er nimmt alle willig an. 5. Hört es, Menschen, hört es doch! Machet Jesu diese Freude Und verlaßt das Sün⸗ denjoch! Kommt zur Freiheit und zur Weide, Kommt zum Lebenswasser her, Kommt zum vollen Gnadenmeer! 6. Wollt ihr denn verloren gehn, Da ihr selig werden könnet? Wollt ihr dort zur Linken stehn, Da er euch die Rechte gönnet? Kann euch jene Qual und Pein Lieber als der Himmel sein? 7. Seelen, ach bedenkt ihrs nicht, Was zu eurem Heil gereichet? Denn wen habt 20 ihr im Gericht, Wenn mein Jesus von euch weichet? Ist er hier nicht euer Freund, So ist er dort euer Feind. 8. Heute ruft sein theures Wort Jeden Sünder noch zur Buße. Komm, Verlorner, eile fort, Fall ihm demuths⸗ voll zu Fuße; Fühle wahren Seelenschmerz, Sage ihm dein ganzes Herz! 9. Du bist Jesu nicht zu schlecht, Nicht zu alt in Sün⸗ den worden, Nicht zu gottlos, ungerecht, Wärst du auch gleich aus dem Orden Derer, die man in der Welt Für die größten Sünder hält. 10. Du hast noch ein Recht an ihn; Denn er ist auch dein Erbarmer. Was er dir er⸗ warb, das nimm Nur im Glauben, als ein Armer, Zum Geschenk und Gabe an, So ist alles abgethan. 11. Niemand ist so sehr ver⸗ wundt, Jesus kann und will ihn heilen. Alle macht sein Blut gesund, Die zu seinen Wunden eilen. Wirf dein Elend da hinein, So wirst du von allem rein. 12. Auch du Stolzer, der da schon Gut genug zu sein vermeinet, Beuge dich vor Jesu Thron, Da sein Gna⸗ denlicht noch scheinet, Und wirf einmal den Gewinn Deiner Werke vor ihn hin. 13. Wärst du noch so tu⸗ gendreich Und dabei doch ohne Gnade, O was hülfe dir Glaube und Rechtfertigung. es gleich! Wie groß bliebe nicht dein Schade! Denn was nicht aus Glauben geht, Ist wie Sand, der nicht be⸗ steht. 14. Darum komm als arm und bloß. Jesus will dich selber zieren Und zu seines Vaters Schoß, Durch sein Blut geschmücket, führen. Dann bist du von innen schön, Und dein Werk wird nicht vergehn. 15. Doch er sehnt sich auch nach dir, Der du oft zwar angefangen; Aber von der Gnadenthür Weg und ganz zurück gegangen. Komm, Ab⸗ trünniger, auch du, Und such einmal wahre Ruh! 16. Hast du oftmals deinen Bund, Den du angelobt, ge⸗ brochen, So hat doch sein treuer Mund Noch ein Wort für dich gesprochen: Es fällt zwar das Weltgewicht; Aber meine Gnade nicht. 17. Fang nur heute red⸗ lich an; Brauche Ernst im Flehn und Wachen. Wird dir nicht bald aufgethan, So laß dich nichts irre machen; Denn es wird des Herzens Grund Dir dadurch nur bes⸗ ser kund. 18. Lerne auch bei jeder Noth, Die dich drückt, auf Jesum schauen Und auf sei⸗ nen Kreuzestod Voller Zu⸗ versicht vertrauen: So er⸗ fährst du mit der Zeit Größre Kraft und Seligkeit. rrrxrr r. ü S. 0 — ES A UuUMn 19. Aber ach, du blödes Herz, Sollst nicht ganz und gar verzagen. Jesus kennet deinen Schmerz und läßt dir mit Freuden sagen: Stelle nur dein Trauern ein; Du sollst in mir selig sein. 20. Jesus kam auch dir zu gut, Dir gilt sein verdienst⸗ lich Leben. Dir gehört sein ganzes Blut, Das er für dich hingegeben. Ja, was nur sein Name heißt, Schenkt er dir durch seinen Geist. 21. Glaube nun, du bist versöhnt; Gott will dich nicht weiter strafen. Dein Feind, der dich guug verhöhnt, Hat mit dir nichts mehr zu schaf⸗ fen. Nimmt auch gleich der Tod dich hin, So ist Sterben dein Gewinn. 22. Nun, hier bin ich, Herr, mein Heil, Mich verlangt nach deinen Gaben. Laß mich Ar⸗ men doch auch Theil An den Seligkeiten haben. Mache mich schon selig hier Und dort ewig für und für. Aus Minden⸗Ravensberg vor 1790. Mel. Christus, der ist mein Leben. 289. Was ist des Men⸗ schen Leben? Ach, Schuld ge⸗ häuft auf Schuld! Bei Gott ist viel Bergeben Und namen⸗ lose Huld. 2. In Tugendstolz sich blä⸗ hen, Was ists, als Tugend⸗ Glaube und Rechtfertigung. 209 spott? Zehn Fehle sind ge⸗ schehen Vor einem Werk in Gott. 3. Herr, zögen nur Gerechte Zum Himmel, thatenschwer, Nur fehllos treue Knechte: Dein Himmel bliebe leer. 4. Die Krüppel, Lahmen, Blinden Rufst du mit mildem Ton; Sie kommen her und finden, Ihr Plätzchen wartet schon. 5. Und ihre Schmach ver⸗ hüllet Der Gnade Feierkleid, Und ihren Mangel füllet Des Herrn Barmherzigkeit. 6. O Trost der Erdenpil⸗ ger, Den Christus uns er⸗ warb, Da er als Sündentil⸗ ger Am Kreuze für uns starb! 7. O friedevoller Glaubel Dein, dein bedarf mein Herz: Sonst sänk es hin zum Raube Dem hoffnungs⸗ losen Schmerz. 8. Denn, Herr, auch mei⸗ ner Seele Wird ihre Last zu schwer. Wer zählet meine Fehle Von meiner Jugend her? 9. Tilg aus mit deinem Blute All Sünden und Ver⸗ gehn. Es komm auch mir zu Gute Des Opferblutes Flehn. 10. O überseh das Alte! Dein bin ich, wie ich bin. Herr, nimm mich und gestalte Mich ganz nach deinem Sinn. Carl Beruh Garve, g. 1763, st. 1841. 14 Eun 21⁰ XV. Wirdergehurt und Beiligung. Pf. 51. 12—14. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 290. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz; Mein Herz ist ganz verderbet. Es fühlt von Sünden großen Schmerz, Die ihm sind ange— erbet Und die es noch thut ohne Scheu. Ach mache, daß es wieder sei, Wie du es hast erschaffen. 2. Gieb mir auch einen neuen Geist, Der, wie du, sei gesinnet; Der stets dir an⸗ hangt allermeist Und, was du willst, beginnet. Gieb, daß er hasse Fleisch und Blut, Den Glauben üb in sanftem Muth, Zucht, Demuth, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem Angesicht, Ob ich es gleich verdienet, Mich, allerliebster Vater, nicht, Weil Jesus mich versühnet, Laß nimmer, nimmer, nimmermehr Mich fallen, als dein Kind, so sehr, Daß du es von dir wer⸗ fest. 4. Dein heilgen Geist nimm nicht von mir; den bösen Geist vertreibe, Daß ich, als nie entführt von dir, Stets deine sei und bleibe. Be⸗ herrsche du Herz, Sinn und Muth Durch deinen Geist, so ist es gut im Leben und im Sterben. 5. Mit deiner Hülfe tröste mich, Hilf und vergieb die Sünden; Und sucht dann meine Seele dich, So laß dich von ihr finden Und dein Ver⸗ dienst, Herr Jesu Christ, Dar⸗ innen Trost und Leben ist, 1. Sünde, Tod und Teu⸗ el. 6. Dein heilger Geist er⸗ halt mich doch Mit seinem Freudenöle, Damit nicht der Verzweiflung Joch Verderbe meine Seele. Sei du mein Freund, o Herr, allein. Ach laß mich ganz dein eigen sein Und führe mich zur Freude. Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt, g. 1640, st. 1672. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 291. O großer Gott, du reines Wesen, Der du die reinen Herzen dir Zur steten Wohnung auserlesen, Ach schaff ein reines Herz in mir; Ein Herz, das von der argen Welt Sich rein und unbefleckt erhält. 2. Vor allem mache mein Gemüthe Durch ungefärbte Buße rein Und laß es, Herr, durch deine Güte Und Christi Blut gewaschen sein. Dann mache mich zur Reinigkeit Des Lebens fertig und bereit. 3. Regiere mich nach deinem Geiste, Der mein getreuer Beistand sei Und mir er⸗ wünschte Hülfe leiste. Gott, stehe mir in Gnaden bei Und gieb mir einen solchen Geist, — —*—... A Wiedergeburt und Heiligung. 211 Der neu, gewiß und willig nes Heilands Sinn. Mein heißt. 4. Doch, weil ich meine Schwachheit merke, Mein Va⸗ ter, so verwirf mich nicht Und stoß mich wegen meiner Werke Ja nicht von deinem Ange⸗ sicht. Laß mich hier in der Gnade stehn Und dort in dei⸗ nen Himmel gehn. 5. Nimm deinen Geist, den Geist der Liebe, Ja nun und nimmermehr von mir Und leite mich durch seine Triebe, Durch seinen Beistand für und für. Ja führe du mich durch die Zeit Hin zu der sel⸗ gen Ewigkeit. Joh. Oleareus, g. 1611, st. 1684. Mel. Wer weiß, wie nahe mir ꝛe. 292. Mein Gott, ach lehre mich erkennen Den Selbstbetrug und Heuchel⸗ schein, Daß viele, die sich Christen nennen, Mit nichten Christi Glieder sein. Mein Gott:3 Ach wirk zu deinem Ruhm In mir das wahre Christenthum. 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben Und mir ganz abge⸗ saget sei. Laß mich mir ster⸗ ben, dir zu leben; Ach mach in mir, Herr, alles neu. Mein Gott ꝛ½ Ach wirk zu deinem Ruhm In mir das wahre Christenthum! 3. Reiß du mein Herz los von der Erden Und nimm mich von mir selber hin. Laß einen Geist mit dir mich werden Und gieb mir mei⸗ Gott, ½ Ach wirk zu deinem Ruhm In mir das wahre Christenthum! 4. Ach führe mir Herz, Leib und Seele, Damit ich Christo folge nach, Daß ich den schma⸗ len Weg erwähle Und Ehre such in Christi Schmach. Mein Gott,:3½ Ach wirk zu deinem Ruhm In mir das wahre Christenthum! 5. Hilf daß ich Fleisch und Weltgeschäfte Ertödt und dir verbleibe treu, Daß ich an Christi Kreuz mich hefte, Und mir die Welt gekreuzigt sei. Mein Gott 1½ Ach wirk zu deinem Ruhm In mir das wahre Christenthum! Laß in mir Glauben, Hoffnung, Liebe Lebendig, fest und thätig sein, Daß ich bis an mein Sterben übe Das Christenthum ohn Heu⸗ chelschein. Mein Gott,:; Ach wirk zu deinem Ruhm In mir das wahre Christenthum! 7. So hab ich schon auf dieser Erde Des Paradieses Fried und Freud; Wenn ich mit Gott vereinigt werde, Schmeck ich des Himmels Se⸗ ligkeit. Mein Gott ½ Ach wirk zu deinem Ruhm In mir das wahre Christenthum! Mel. Herr Jesu Christ, meins ꝛc. 293. Erneure mich, o ew⸗ ges Licht, Und laß von deinem Angesicht Mein Herz und Seel mit deinem Schein Durch⸗ leuchtet und erfüllet sein. S*...* * 8987*92....*—* Audr 212 2. Ertödt in mir die schnöde Lust, Feg aus der alten Sünde Wust. Ach rüst mich aus mit Kraft und Muth, Zu streiten wider Fleisch und Blut. 3. Schaff in mir, Herr, den neuen Geist, Der dir mit Lust Gehorsam leist Und nichts sonst, als was du willst, will. Ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll. 4. Auf dich laß meine Sin⸗ nen gehn; Laß sie nach dem, was droben, stehn, Bis ich dich schau, oewges Licht, Von Angesicht zu Angesicht. Joh Friedr. Ruopp, st. 1708. 29. Der schmale Weg ist breit genug zum Leben. Wenn man nur sacht und grad und stille geht, So wird man nicht so leichtlich umge⸗ weht. Man muß sich recht hineinbegeben, So ist er breit genug zum frommen Leben. 2. Des Herren Weg ist vol⸗ ler Süßigkeiten, Wenn man es nur im Glauben recht be⸗ denkt, Wenn man das Herz nur fröhlich dazu lenkt. Man muß sich recht dazu bereiten, So ist der schmale Weg voll Süßigkeiten. 3. Wie kann ein Bär des Schafes Sanftmuth üben? Kein wilder Wolf giebt sich in Schranken ein. Wie kann das Fleisch nach Gott gesinnet sein Und diesen Weg des Geistes lieben? Es kann kein ů— des Schafes Sanftmuth üben. Wiedergeburt und Heiligung. 4. Du mußt erst Geist aus Geist geboren werden, Dann wandelst du des Geistes schmale Bahn; Sonst ist es schwer und gehet doch nicht an. Weg, schnöder Sinn, du Schaum der Erden! Ich muß erst Geist aus Geist geboren werden. 5. Wer die Geburt aus Christo hat erlanget, Der folgt allein dem Herren treu⸗ lich nach. Er leidet erst, er trägt erst seine Schmach, Eh er mit ihm im Lichte pranget, Der die Geburt aus Christo hat erlanget. 6. Er wird mit ihm in sei⸗ nen Tod begraben, Er wird im Grab auf eine Zeit ver⸗ wahrt; Er stehet auf und hält die Himmelfahrt; Er kriegt darauf des Geistes Gaben, Wenn er vorher mit ihm in Tod begraben. 7. Derselbe Geist, der Chri⸗ stum hier geübet, Derselbe übt die Jünger Christi auch; Der eine Geist hält immer einen Brauch, Kein andrer Weg wird sonst beliebet, Der Jünger wird, wie Christus, hier geübet. 8. Und ob es gleich durch Tod und Dornen gehet, So triffts doch nur die Fers und nicht das Herz. Die Traurig⸗ keit läßt keinen tiefen Schmerz; Wer nur getrost und feste ste⸗ het, Obschon es durch den Tod und Hölle gehet. 9. Das sanfte Joch kann ja nicht harte drücken. Es wird —— dadurch das Böse nur ge⸗ drückt; Der Mensch wird frei, damit er nicht erstickt. Wer sich nur weiß darin zu schik⸗ ken: Das sanfte Joch kann ja nicht harte drücken. 10. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüthe. Das Herz hebt sich darunter hoch empor; Der Geist kriegt Luft, sein Wandel kommt in Flor Und schmeckt dabei des Herren Güte. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüthe. 11. Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzulaufen! Zeuch mich dir nach, zeuch mich; ich bin noch weit; Dein schmaler Weg ist voller Süßigkeit; Das Gute folgt uns da mit Hau⸗ fen. Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzulaufen! Chr. Friedr. Richter, g. 1676, st. 1711. 295. Es glänzet der Christen inwendiges Leben, Obgleich sie von außen die Sonne verbrannt. Was ih⸗ nen der König des Himmels gegeben, Ist keinem, als ihnen nur selber, bekannt. Was nie⸗ mand verspüret, Was nie⸗ mand berühret, Hat ihre er⸗ leuchteten Sinne gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. 2. Sie scheinen von außen die schlechtesten Leute, Ein Schauspiel der Engel, ein Ekel der Welt; Und innerlich sind sie die lieblichsten Bräute, Der Zierrath, die Krone, die Jesu gefällt, Das Wunder Wiedergeburt und Heiligung. 213 der Zeiten, die hier sich be⸗ reiten, Dem König, der unter den Lilien weidet, Zu dienen, in güldenen Stücken gekleidet. 3. Sonst sind sie des Adams natürliche Kinder Und tragen das Bildniß des Irdischen auch. Sie leiden am Fleische, wie andere Sünder; Sie es⸗ sen und trinken nach nöthigem Brauch. In leiblichen Sachen, In Schlafen und Wachen Sieht man sie vor andern nichts Sonderlichs machen; Nur daß sie die Thorheit der Weltlust verlachen. 4. Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme, Die Gott durch sein mächtig Wort selber gezeugt, Ein Funke und Flämmlein aus göttlicher Flamme, Die oben Jerusalem freundlich gesäugt. Die En⸗ gel sind Brüder, Die ihre Lob⸗ lieder Mit ihnen gar freund⸗ lich und lieblich absingen. Das muß denn ganz herrlich, ganz prächtig erklingen. 5. Sie wandeln auf Erden, — und leben im Himmel; Sie bleiben ohnmächtig,— und schützen die Welt; Sie schmek⸗ ken den Frieden bei allem Ge⸗ tümmel; Sie kriegen, die Aermsten, was ihnen gefällt. Sie stehen in Leiden, Sie blei⸗ ben in Freuden; Sie scheinen ertödtet den äußeren Sinnen — Und sühren das Leben des Glaubens von innen. 6. Wenn Christus, ihr Le⸗ ben, wird offenbar werden, Wenn er sich einst, wie er ist, 214⁴ Wiedergeburt und Heiligung. öffentlich stellt, So werden sie mit ihm, als Götter der Er⸗ den, Auch herrlich erscheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren Und ewig floriren, Den Himmel als prächtige Lichter auszieren. Da wird man die Freude gar offenbar spüren. 7. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du den göttlichen Samen ge⸗ neußt. Denn das ist Jehovah sein göttliches Siegel, Zum Zeugniß, daß er dir noch Se⸗ gen verheißt. Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wenns erst ihr ver⸗ borgenes Leben erscheinet, Wornach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 8. O Jesu, verborgenes Le⸗ ben der Seelen, Du heimliche Zierde der inneren Welt, Gieb, daß wir die heimlichen Wege erwählen, Wenngleich uns die Larve des Kreuzes verstellt. Hier übel genennet Und wenig erkennet, Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet. Chr. Friedr. Richter, g. 1676, st. 1711. 296. Es kostet viel, ein Christ zu sein Und nach dem Sinn des reinen Geistes le⸗ ben. Denn der Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Und ist hier gleich ein Kampf wohl ausgericht, Das machts noch nicht. 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, Die ihren Gift in unsre Fersen bringen. Da kostets Müh, auf seiner Hut zu stehn, Daß nicht der Gift kann in die Seele drin⸗ gen. Wenn mans versucht, so spürt man mit der Zeit Die Wichtigkeit. 3. Doch ist es wohl der Mühe werth, Wenn man mit Ernst die Herrlichkeit erwä⸗ get, Die ewiglich ein solcher Mensch erfährt, Der sich hier stets aufs Himmlische geleget. Es hat wohl Müh; die Gnade aber macht, Daß mans nicht acht. 4. Man soll ein Kind des Höchsten sein, Ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte. Wie wird der Leib so stark, so hell und rein, So herr⸗ lich sein, so lieblich im Gesichte, Dieweil ihn da die wesentliche Pracht So schöne macht! 5. Da wird das Kind den Vater sehn, Im Schauen wird es ihn mit Lust empfinden. Der lautre Strom wird es da ganz durchgehn Und es mit Gott zu einem Geist ver⸗ binden. Wer weiß, was da im Geiste wird geschehn! Wer mags verstehn! 6. Da giebt sich ihm die Weisheit ganz, Die es hier stets als Mutter hat gespüret. Sie krönet es mit ihrem Per⸗ lenkranz; Nun wird die Braut dem Bräutgam zugeführet. Die Herrlichkeit wird da ganz offenbar, Die in ihr war. 7. Was Gott genießt, ge⸗ nießt es auch, Was Gott besitzt, wird ihm in Gott gegeben; Der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch. Wie lieblich wird es doch mit Jesu leben! Nichts höher wird an Kraft und Würde sein, Als Gott allein. 8. Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht, Dich durch die Macht der Finsterniß zu rei⸗ ßen! Was sorgest du, daß dirs an Kraft gebricht? Be⸗ denke, was für Kraft uns Gott verheißen! Wie gut wird sichs doch nach der Ar⸗ beit ruhn! Wie wohl wirds thun! Chr. Friedr. Richter, g. 1676, st. 1711. Mel. Es din ein Christ zu ein. 297. Es ist nicht schwer, ein Christ zu sein Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben. Zwar der Natur geht es gar sauer ein, Sich immer⸗ dar in Christi Tod zu geben; Doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit Den schweren Streit. 2. Du darfst ja nur ein Kindlein sein, Du darfst ja nur die leichte Liebe üben. O blöder Geist, schau nur, wie gut ers meint! Das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben! Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr; Es ist nicht schwer. 3. Dein Vater fordert nur das Herz, Daß er es selbst Wiedergeburt und Heiligung. 215 mit reiner Gnade fülle. Der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz; Die Unlust schafft in dir dein eigner Wille. Drum übergieb ihn willig in den Tod, So hats nicht Noth. 4. Wirf nur getrost den Kummer hin, Der nur dein Herz vergeblich schwächt und plaget. Erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, Wenn Furcht und Weh dein schwa⸗ ches Herze naget. Sprich: Vater, schau mein Elend gnä⸗ dig an! So ists gethan. 5. Erhalt dein Herz nur in Geduld, Wenn du nicht gleich des Vaters Hülfe merkest. Versiehst dus oft und fehlst aus eigner Schuld, So sieh, daß du dich durch die Gnade stärkest; So ist dein Fehl und kindliches Versehn Als nicht geschehn. 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, Wenn dich wird Nacht und Finsterniß bedecken. Dein Vater wird nichts Schlimmes mit dir thun; Vor keinem Sturm und Wind darfst du erschrecken. Ja, siehst du endlich ferner keine Spur, So glaube nur. 7. So wird dein Licht aufs neu entstehn Und wirst dein Heil mit großer Klarheit schauen. Was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn; Drum darfst du nur dem frommen Vater trauen. O Seele, sieh doch, wie ein wahrer Christ So selig ist! 8* SS. 216 Wiedergeburt und Heiligung. 8. Auf, auf, mein Geist! Was säumest du, Dich dei⸗ nem Gott ganz kindlich zu er⸗ geben? Geh ein, mein Herz, geneuß die süße Ruh; In Frieden sollst du vor dem Vater schweben. Die Sorg und Last wirf nur getrost und kühn Allein auf ihn. Chr. Friedr. Richter, g. 1676, st. 1711. 298. Hier legt mein Sinn sich vor dir nieder; Mein Geist sucht seinen Ur⸗ sprung wieder. Laß dein er⸗ freuend Angesicht Zu meiner Armuth sein gericht! 2. Schau her, ich fühle mein Verderben; Laß mich in dei⸗ nem Tode sterben. O könnte doch in deiner Pein Die Ei⸗ genheit ertödtet sein! 3. Du wollest, Jesu, mei⸗ nen Willen Mit der Gelaf⸗ senheit erfüllen. Brich der Natur Gewalt entzwei Und mache meinen Willen frei. 4. Ich fühle wohl, daß ich dich liebe Und mich in deinen Wegen übe; Nur ist von der Unlauterkeit Die Liebe noch nicht ganz befreit. 5. Ich muß noch mehr auf dieser Erden Durch deinen Geist geheiligt werden; Der Sinn muß tiefer in dich gehn, Der Fuß muß unbeweglich stehn. 6. Ich weiß mir zwar nicht selbst zu rathen; Hier gelten nichts der Menschen Thaten. Wer macht sein Herz wohl selber rein? Es muß durch dich gewirket sein. 7. Doch kenn ich wohl dein treues Lieben; Du bist noch immer treu geblieben. Ich weiß gewiß, du stehst mir bei Und machst mich von mir sel⸗ ber frei. 8. Indessen will ich treulich kämpfen und stets die falsche Regung dämpfen, Bis du dir deine Zeit ersiehst Und mich aus solchen Netzen ziehst. 9. In Hoffnung kann ich fröhlich sagen: Gott hat der Hölle Macht geschlagen, Gott führt mich aus dem Kampf und Streit In seine Ruh und Sicherheit. 10. Drum will die Sorgen meiner Seelen Ich dir, mein Vater, ganz befehlen. Ach drücke tief in meinen Sinn, Daß ich in dir schon selig bin! 11. Wenn ich mit Ernst hieran gedenke Und mich in deinen Abgrund senke, So werd ich von dir angeblickt, Und mein Herz wird von dir erquickt. 12. So wächst der Eifer mir im Streite, So schmeck ich theils die süße Beute Und fühle, daß es Wahrheit ist, 216 du, mein Gott, die Liebe ist. Chr. Friedr. Richter, g. 1676, st. 1711. Mel. Eins ist Noth! Ach Herr, dies Eine. 299. Herzog unsrer Se⸗ ligkeiten, Zeuch uns in dein Heiligthum, Da du uns die Stätt bereiten Und hier im Triumph herum Als deine Erkauften siegprächtig willst führen; Laß unsere Bitte dein Herze jetzt rühren: Wir wol⸗ len dem Vater als Opfer da⸗ stehn Und in der Gemeinschaft der Leiden hingehn. 2. Er hat uns zu dir ge⸗ zogen, Und du wieder zu ihm hin. Liebe hat uns überwo⸗ gen, Daß an dir hängt Muth und Sinn. Nun wollen wir gerne mit dir auch absterben Dem ganzen natürlichen See— lenverderben. Ach pflanze und setz uns zum Tode hinzu, Sonst finden wir ewig kein Leben noch Ruh. 3. Aber hier erdenkt die Schlange So viel Ausflucht überall; Bald macht sie dem Willen bange, Bald bringt sie die Lust zu Fall. Es blei⸗ bet das Leben am Kleinsten oft kleben Und will sich nicht völlig zum Sterben hingeben; Es schützet die besten Absich⸗ ten noch vor Und bauet so Höhen und Festung empor. 4. Drum, o Schlangentre⸗ ter, eile, Führ das Todesur⸗ theil aus! Brich entzwei des Mörders Pfeile, Wirf den Drachen ganz hinaus! Ach laß sich dein neues erstandenes Leben In unser verblichenes Bildniß eingeben! Erzei dich verkläret und herrlich noch hier Und bringe ein neues Geschöpfe herfür! 5. Führe die zerstreuten Sinnen, In dich, Jesu, gänz⸗ Wiedergeburt und Heiligung. —?᷑?;tbisnrrnrrrer.. 217 lich ein, Daß sie neuen Raum gewinnen, Nur von dir er⸗ füllt zu sein. Ach lege die Mächte der Finsterniß nieder Und bringe des Geistes ver⸗ neuten Muth wieder, Der von dem verkläreten Jesu sich nähr Und gegen der Gottheit Verächter sich wehr. 6. Stärke deinen zarten Sa⸗ men, Der dein Mannesalter schafft, Daß wir hier in Jesu Namen Stehn vor Gott in Jünglingskraft, Den Böse⸗ wicht völlig in dir zu besie⸗ gen, Daß endlich die Feinde zu Füßen da liegen. So soll aus dem Tode das Leben entstehn Und hier noch in völ⸗ liger Mannheit aufgehn. 7. Lebe denn und lieb und lobe In der neuen Creatur, Lebensfürst, durch deine Gabe Die erstattete Natur. Erwecke dein Paradies wieder im Grunde Der Seelen und bringe noch näher die Stunde, Da du dich in all deinen Gliedern verklärst, Sie hier noch des ewigen Lebens ge⸗ währst. 8. Gönne uns noch Frist auf Erden, Zeugen deiner Kraft zu sein, Deinem Bilde gleich zu werden Im Tod und zu nehmen ein Des Lebens vollkommene Freiheit und Rechte, Als eines vollendeten Heilands Geschlechte. Der Unglaub mag denken, wir bitten zu viel, So thust du doch über der Bitten ihr Ziel. Gottfr. Arnold, g. 1666, st. 1714. 218 Wiedergeburt und Heiligung. Mel. Es an der 300. In Gottes Reich geht niemand ein, Er sei denn neu geboren; Sonst ist er bei dem besten Schein Mit Seel und Leib verloren. Was fleischliche Geburt verderbt, In der man nichts als Sünde erbt, Das muß Gott selbst verbessern. 2. Soll man mit diesem höchsten Gut In der Gemein⸗ schaft leben, Muß er ein an⸗ der Herz und Muth Und neue Kräfte geben; Denn nur sein göttlich Ebenbild Ist, was al⸗ leine vor ihm gilt. Dies muß er in uns schaffen. 3. Ach Vater der Barmher⸗ zigkeit, Was Jesus uns er⸗ worben, Da er zu unsrer Seligkeit Am Kreuz für uns gestorben Und wieder aufer⸗ standen ist, So daß du nun versöhnet bist: Das laß auch uns genießen. 4. Dein guter Geist gebär uns nen, Er ändre die Ge⸗ müther, Mach uns vom Sün⸗ dendienste frei, Schenk uns die Himmelsgüter. Zwar in der Tauf ist es geschehn; Doch haben wirs nachher ver⸗ sehn Und solchen Bund ge⸗ brochen. 5. Drum wollest du nun durch dein Wort Uns aber⸗ mals erneuern. Wir wollen dir, o treuer Hort, Mit Herz und Mund betheuern, Von nun an nicht in Sicherheit, Vielmehr mit Fleiß, Bestän⸗ digkeit Und Treu vor dir zu wandeln. 6. Nimm uns, o Vater, wieder an! Ob wir gleich schnöde Sünder, Die nicht, was du gewollt, gethan: So werden wir doch Kinder, Wenn uns dein Geist von neuem zeugt Und unser Herz zum Guten neigt Im Glau⸗ ben und in Liebe. 7. Wir wollen denn, was du uns giebst, Hinfüro fester fassen. Wir wollen dich, weil du uns liebst, Nicht aus dem Herzen lassen, Daß deine göttliche Natur In uns, der neuen Creatur, Beständig sei und bleibe. 8. Nun, Herr, laß deine Vaterhuld Uns jederzeit be⸗ decken, Damit uns weder Sündenschuld, Noch Zorn und Strafen schrecken. Mach uns der Kindschaft ganz ge⸗ wiß Und schenk uns einst das Paradies, Das Erbe deiner Kinder. Conr. Gebh Stübner, um 1727. Mel. Herr Christ, der einig Gottssohn. 301. Herr Jesu, Gna⸗ densonne, WahrhaftesLebens⸗ licht, Laß Leben, Licht und Wonne Mein blödes Ange⸗ sicht Nach deiner Gnad er⸗ freuen Und meinen Geist er⸗ neuen. Mein Gott, versag mirs nicht! 2. Vergieb mir meine Sün⸗ den Und wirf sie hinter dich; Laß allen Zorn verschwinden, Und hilf mir gnädiglich; Laß deine Friedensgaben Mein armes Herze laben. Ach Herr, erhöre mich! 3. Vertreib aus meiner Seelen Des alten Adams Sinn Und laß mich dich er⸗ wählen, Auf daß ich mich forthin Zu deinem Dienst er⸗ gebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkennt⸗ niß In mir, mein Seelen⸗ hort, Und öffne mein Ver⸗ ständniß Durch dein heiliges Wort, Damit ich an dich gläube Und in der Wahrheit bleibe, Zu Trutz der Höllen⸗ pfort. 5. Leit mich in dieser Wü⸗ sten Und kreuzge mein Begier Sammt allen bösen Lüsten, Auf daß ich für und für Der Sündenwelt absterbe Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen leb in dir. 6. Ach zünde deine Liebe In meiner Seelen an, Daß ich aus innerm Triebe Dich ewig lieben kann, Und dir zum Wohlgefallen Beständig möge wallen Auf rechter Lebensbahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, Verleih mir Kraft und Muth; Denn das sind Gna⸗ denwerke, Die dein Geist schafft und thut; Hingegen meine Sinnen, Mein Lassen und Be⸗ ginnen Ist böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Treu, Wend allen Seelen⸗ Wiedergeburt und Heiligung. 219 schaden Und mach mich täglich neu. Gieb, daß ich deinen Willen Stets suche zu erfül⸗ len, Und steh mir kräftig bei. Ludw. Andr. Gotter, g. 1661, st. 1735. Mel. Mein Herzens⸗Jesu, meine ꝛc. 302. Ein neugebornes Gotteskind Schmeckt seines Vaters Liebe, Der ihm in Christo alle Sünd Geschenkt aus reinem Triebe, Der Ees in seinen Gnadenbund, In welchem es vor diesem stund, Von neuem aufgenommen. 2. Ein neugebornes Gottes⸗ kind Darf sich nicht knechtisch scheuen, Weil blöde Furcht ihm ganz verschwindt; Es kann sich kindlich freuen. Der Geist der Kindschaft treibt den Sinn Zum Schoß des lieben Vaters hin, Den es darf Abba nennen. 3. Ein neugebornes Gottes⸗ kind Wird seinen Vater lieben Und, weil es ihm ist gleich⸗ gesinnt, Sich im Gehorsam üben. Es hält ihn für sein höchstes Gut Und lebt mit ihm durch Christi Blut In einem süßen Frieden. 4. Ein neugebornes Gottes⸗ kind Das liebt auch seine Brüder, Die auch von Gott geboren sind, Die auch sind Christi Glieder. Ja seine Lieb ist allgemein; Es weiß nicht mehr, was Feinde sein, Sein Herz ist ganz durchsüßet. 5. Ein neugebornes Gottes⸗ kind Kämpft gegen alle Sün⸗ S* 2 ...... .. — SS.SS 2²⁰ den. Es lann den Feind, der andre bindt, Durch Christum überwinden. Greift es der Arge grimmig an, So wird ihm Widerstand gethan; Der tapfre Glaube sieget. 6. Ein neugebornes Gottes⸗ kind Ist brünstig im Verlan⸗ gen, Die Milch, die aus dem Worte rinnt, Zur Nahrung zu empfangen. Durch dieses süße Lebenswort Wächst es im Guten munter fort Und wird am Geist gestärket. 7. Ein neugebornes Gottes⸗ kind Küßt seines Vaters Ru⸗ the Und ruft, weil es sie lieb gewinnt: Du thust mir viel zu gute! Es unterwirft sich ihrer Zucht Und läßt dadurch des Geistes Frucht Zu größ⸗ rer Reife kommen. 8. Hier prüfe, meine Seele, dich, Ob du aus Gott geboren. Vielleicht regt Eigenliebe sich Und bläst dir in die Ohren: Du sollest ohne Sorg und Pein Auf deine Taufe sicher sein Und nur das Beste hof— fen. 9. Ach, hast du deiner Taufe Kraft Durch Sündendienst verloren, So ruh nicht, bis Gott Rath geschafft Und dich aufs neu geboren! So ruh nicht, bis der Kindschaftsgeist Dich durch sein Zeugniß über— weist, Daß du sein Kind und Erbe! Joh. Jac. Rambach, g. 1603, st. 1735. Wiedergeburt und Heiligung. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 303. Glaube, Lieb und Hoffnung sind Der wahrhafte Schmuck der Christen. Hier⸗ mit muß sich Gottes Kind Stets bestreben auszurüsten. Wo man Gott will eifrig die⸗ nen, Da muß dieses Klee⸗ blatt grünen. 2. Glaube legt den ersten Stein Zu des Heils bewähr⸗ tem Grunde, Sieht auf Je⸗ sum nur allein Und bekennt mit Herz und Munde Sich zu seines Geistes Lehren, Läßt sich keine Trübsal stören. 3. Liebe muß des Glaubens Frucht Gott und auch dem Nächsten zeigen; Unterwirft sich Christi Zucht Und giebt sich ihm ganz zu eigen, Lässet sich in allem Leiden Nicht von ihrem Jesu scheiden. 4. Hoffnung macht der Liebe Muth, Alle Noth zu überwin⸗ den. Sie kann in der Trüb⸗ salsflut Ihren Anker fester gründen; Sie erwartet nach dem Leide Ewige vollkommne Freude. 5. Jesu, du mein Herr und Gott, Ach bewahr in mir den Glauben! Mache du denFeind zu Spott, Der dies Kleinod denkt zu rauben. Laß das schwache Rohr nicht brechen Und mein glimmend Tocht nicht schwächen. 6. Mache meine Liebe rein, Daß sie nicht im Schein be⸗ stehe. Flöß mir Kraft des Glaubens ein, Daß sie mir von Herzen gehe, Und ich aus rechtschaffnem Triebe Dich und auch den Nächsten liebe. 7. Gründe meine Hoffnung fest, Stärke sie in allen Nö⸗ then. Wenn mich alle Welt verläßt, Wenn du mich gleich wolltest tödten: Laß sie nach dem Himmel schauen Und auf das, was ewig, bauen. 8. Glaub und Hoffnung hören auf, Wenn wir zu dem Schauen kommen; Doch die 8 Liebe dringt hinauf, Wo sie Ursprung hat genommen. Ach da werd ich erst recht lieben Und die Liebe ewig üben. Benjam. Schmolk, g. 1672, st. 1787. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund ꝛc. 304. O Vaͤterherz, o, Licht, o Leben, O treuer Hirt, Immanuel, Dir bin ich ein⸗ mal übergeben, Dir, dir ge⸗ höret Leib und Seel! Ich will mich nicht mehr selber führen, Der Vater soll das Kind re⸗ gieren! So geh nun mit mir aus und ein Und leite mich nach allen Tritten; Ich geh, ach hör, o Herr, mein Bitten, Ohn dich nicht einen Schritt allein. 2. Was kann dein schwaches Kind vorbringen? Ich weiß mir gar in keinem Rath. Drum sei in groß⸗ und klei⸗ nen Dingen Mir immer sel⸗ ber Rath und That. Du willst dich meiner gar nicht schämen; Ich mag dich ja zu allem Wiedergeburt und Heiligung. 221 nehmen, Du willst mir selber alles sein. So sollst du denn in allen Sachen Den An⸗ fang und das Ende machen; Dann stellt sich lauter Segen ein. 3. Du leitest mich, ich kann nicht gleiten; Dein Wort muß ewig feste stehn. Du sprichst, dein Auge soll mich leiten, Dein Angesicht soll vor mir gehn; Ja deine Güt und dein Erbarmen Soll mich umfan⸗ en und umarmen. O daß ich nun recht kindlich sei, Bei allem gläubig zu dir flehe Und stets auf deinen Wink nur sehe! So spür ich täglich neue Treu. 4. O daß ich auch im Klein⸗ sten merke Auf deine Weis⸗ heit, Güt und Treu, Damit ich mich im Glauben stärke, Dich lieb und lob und ruhig sei Und deine Weisheit lasse walten, Stets Ordnung, Maß und Ziel zu halten; Denn lauf ich vor, so lauf ich an. Drum mach im Besten mich gelassen, Nichts ohne dich mir anzumaßen; Was du mir thust, ist wohlgethan. 5. Du wollst ohne Unterlaß mich treiben Zum Wachen, Ringen, Flehn und Schrein. Laß mir dein Wort im Her⸗ zen bleiben Und in mir Geist und Leben sein. Laß deinen Zuruf stets erschallen, Mit Furcht und als vor dir zu wallen; Laß mich stets einge⸗ kehret sein. Vermehr in mir 222 Wiedergeburt und Heiligung. ein innres Leben, Dir un⸗ aufhörlich Frucht zu geben, Und laß nichts lau und träge sein. 6. Ach mach einmal mich treu und stille, Daß ich dir immer folgen kann. Nur dein, nur dein vollkommner Wille Sei hier mein Schranken, Lauf und Bahn. Laß mich nichts mehr für mich verlan⸗ gen; Ja laß mir nichts am Herzen hangen, Als deines großen Namens Ruhm; Der sei allein mein Ziel auf Er⸗ den. Ach laß mirs nie ver⸗ rücket werden; Denn ich bin ja dein Eigenthum. 7. Laß mich in dir den Va⸗ ter preisen, Wie er die Liebe selber ist. Laß deinen Geist mir klärlich weisen, Wie du von ihm geschenkt mir bist. Ach offenbare deine Liebe Und wirke doch die heißen Triebe Der reinen Gegenlieb in mir. Durchdringe dadurch Herz und Sinnen, Daß ich hinfort mein ganz Beginnen In dei⸗ ner Lieb und Lob nur führ. 8. Ich sehne mich, nur dir zu leben, Der du mein Herr und Bräutgam bist. Was dir sich nicht will ganz ergeben Und was nicht deines Willens ist, Das strafe bald in dem Gewissen. Laß Blut und Wasser auf mich fließen Und tilge, was nicht lauter heißt. Laß nur dein Lob zur Lust mir werden Und dann das Heil der armen Heerden Nach einer reinen Lieb im Geist. 9. So leb und lieb ich in der Stille Und lieg als Kind in deinem Schoß. Das Schäf⸗ lein trinkt aus deiner Fülle; Die Braut ist aller Sorgen los. Sie sorget nur allein in allem, Dir, ihrem Bräutgam, zu gefallen; Sie schmückt und hält sich dir bereit. Ach zieh mich, zieh mich weit von hin⸗ nen! Was du nicht bist, laß ganz zerrinnen, O reiner Glanz der Ewigkeit! Carl Heinr v. Bogatzky, g. 1690, st. 1774. Mel. Es ist 290 Heil uns kommen er. 305. Nach meiner See⸗ len Seligkeit Laß, Herr, mich eifrig ringen. Sollt ich die kurze Gnadenzeit In Sicher⸗ heit verbringen? Wie würd ich einst vor dir bestehn! Wer in dein Reich wünscht einzu⸗ gehn, Muß reines Herzens werden. 2. Erst an dem Schluß der Lebensbahn Auf seine Sün⸗ den sehen Und, wenn man nicht mehr sündgen kann, Gott um Erbarmung flehen: Das ist der Weg zum Leben nicht, Den uns, o Gott, dein Unterricht In deinem Wort bezeichnet. 3. Du rufst uns hier zur Heiligung; Drum laß auch hier auf Erden Des Gei⸗ stes wahre Besserung Mein Hauptgeschäfte werden. Herr, stärke mir dazu den Trieb! Nichts sei mir je so groß, so lieb, Mich davon abzuwenden. 4. Gewönn ich auch die ganze Welt Mit allen ihren Freuden, Und sollte das, was dir gefällt, O Gott, darüber meiden,— Was hülfe mirs! Nie kann die Welt Mit allem, was sie in sich hält, Mir deine Gnad ersetzen. 5. Was führt mich zur Zu⸗ friedenheit Schon hier in die⸗ sem Leben? Was kann mir Trost und Freudigkeit In Noth, im Tode geben? Nicht Menschengunst, nicht irdisch Glück; Nur Friede Gottes und ein Blick Auf jenes Lebens Freuden. Wiedergeburt und Heiligung. 223 6. Nach diesem Kleinod, Herr, laß mich Vor allen Dingen trachten Und, was mir daran hinderlich, Mit edlem Muth verachten. Daß ich auf deinen Wegen geh Und im Gericht dereinst besteh, Sei meine größte Sorge. 7. Doch was vermag ich, wenn du nicht Vor Trägheit mich beschützest Und mich so treu in dieser Pflicht Mit Kräften unterstützest! O stärke mich, mein Gott, dazu! So find ich hier schon wahre Ruh Und dort das ewge Leben. Diterich, st. 1797. XVI. Iriede und Frende im heiligen Gist. 306. In dir ist Freude In allem Leide, O du süßer Jesus Christ! Durch dich wir haben Himmlische Gaben; Du der wahre Heiland bist: Hilfest von Schanden, Rettest von Banden. Wer dir ver⸗ trauet, Hat wohl gebauet, Wird ewig bleiben. Hallelu⸗ jah! Zu deiner Güte Steht unser Gemüthe, An dir wir kleben Im Tod und Leben; Nichts kann uns scheiden. Hallelujah! 2. Wenn wir dich haben, Kann uns nicht schaden Teu⸗ fel, Welt, Sünd oder Tod. Du hasts in Händen, Kannst alles wenden, Wie nur hei⸗ ßen mag die Noth. Drum wir dich ehren, Dein Lob ver⸗ mehren Mit hellem Schalle, Freuen uns alle In dieser Stunde. Hallelujah! Wir jubiliren Und triumphiren, Lieben und loben Dein Macht dort oben Mit Herz und Munde. Hallelujah! Joh. Lindemann, g. 1580, st. 1630. Röm. 8, 31—39. Mel. Valet will ich dir geben. 307. Ist Gott für mich, so trete Gleich alles wider mich. So oft ich ruf und bete, Weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Rottꝰ —4 22⁴4 Friede und Freude im h. Geist. 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich rühms auch ohne Scheu, Daß Gott, der Höchst und Beste, Mein Freund und Vater sei, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh Und dämpfe Sturm und Wel⸗ len Und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ewge, wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, Mein Glanz und helles Licht. Wenn der nicht in mir wäre, So dürft und könnt ich nicht Vor Gottes Augen ste⸗ hen Und vor dem strengen Sitz; Ich müßte stracks ver⸗ gehen, Wie Wachs in Feuers⸗ itz. 5. Mein Jesus hat gelöschet, Was mit sich führt den Tod; Der ists, der mich rein wä⸗ schet, Macht schneeweiß, was blutroth. In ihm kann ich mich freuen, Hab einen Hel⸗ denmuth, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sün⸗ der thut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts nimmet mir mein Herz. Die Höll und ihre Flammen, Die sind mir nur ein Scherz. Kein Urtheil mich erschrecket, Kein Unheil mich betrübt, Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibt mir Sorg und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Giebt Segen und Gedeihen Dem, was er in mir schafft, Hilft mir das Abba schreien Aus aller mei⸗ ner Kraft. 8. Und wenn an meinem Orte Sich Furcht und Schwachheit findt, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprech⸗ lich sind Mir zwar und mei⸗ nem Munde, Gott aber wohl bewußt, Der an des Her⸗ zens Grunde Ersiehet seine Lust. 9. Sein Geist spricht mei⸗ nem Geiste Manch süßes Trostwort zu, Wie Gott dem Hülfe leiste, Der bei ihm su⸗ chet Ruh, Und wie er hab er⸗ bauet Ein edle, neue Stadt, Da Aug und Herze schauet, Was es geglaubet hat. 10. Da ist mein Theil, mein Erbe Mir prächtig zugericht. Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten Mit Thränen meine Zeit: Mein Jesus und sein Leuchten Durchsüßet alles Leid. 11. Wer sich mit dem ver⸗ bindet, Den Satan fleucht und haßt, Der wird verfolgt und findet Ein harte, schwere Last Zu leiden und zu tragen, Geräth in Hohn und Spott, Das Kreuz und alle Plagen, Die sind sein täglich Brod. Eer un SVTIS S 12. Das ist mir nicht ver⸗ borgen; Doch bin ich unver⸗ zagt. Dich will ich lassen sor⸗ gen, Dem ich mich zugesagt. Es koste Leib und Leben Und alles, was ich hab; An dir will ich fest kleben Und nim⸗ mer lassen ab. 13. Die Welt, die mag zer⸗ brechen; Du stehst mir ewig⸗ lich. Kein Brennen, Hauen, Stechen Soll trennen mich und dich; Kein Hunger und kein Dürsten, Kein Armuth, keine Pein, Kein Zorn des großen Fürsten Soll mir ein Hindrung sein. 14. Kein Engel, keine Freu⸗ den, Kein Thron, kein Herr⸗ lichkeit, Kein Lieben und kein Leiden, Kein Angst, keinHerze⸗ leid, Was man nur kann er⸗ denken, Es sei klein odergroß, Der keines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schoß. 15. Mein Herze geht in Sprüngen Und kann nicht traurig sein, Ist voller Freud und Singen, Sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Christ; Das, was mich singend machet, Ist, was im Himmel ist. Paul Gerhardt, g 1606, st. 1676. Ps. 23. Mel. Nun laßt uns Gott, dem ꝛc. 308. Der Herr, der al⸗ ler Enden Regiert mit seinen Händen, Der Brunn der ew⸗ gen Güter, Der ist mein Hirt und Hüter. Friede und Freude im h. Geist. 22⁵ 2. So lang ich diesen habe, Fehlts mir an keiner Gabe; Der Reichthum seiner Fülle Giebt mir die Füll und Hülle. 3. Er lässet mich mit Freu⸗ den Auf grüner Aue weiden, Führt mich zu frischen Quel⸗ len, Schafft Rath in schweren Fällen. 4. Wenn meine Seele zaget Und sich mit Sorgen plaget, Weiß er sie zu erquicken, Aus aller Noth zu rücken. 5. Er lehrt mich thun und lassen, Führt mich auf rechter Straßen, Läßt Furcht und Angst sich stillen, Um seines Namens willen. 6. Und ob ich gleich vor an⸗ dern Im finstern Thal muß wandern, Fürcht ich doch keine Tücke, Bin frei vorm Un⸗ gelücke. 7. Denn du stehst mir zur Seiten, Schützst mich vor bö⸗ sen Leuten; Dein Stab, Herr, und dein Stecken Benimmt mir all mein Schrecken. 8. Du setzest mich zu Tische, Machst, daß ich mich erfrische, Wenn mir mein Feind viel Schmerzen Erweckt in mei⸗ nem Herzen. 9. Du salbst mein Haupt mit Oele Und füllest meine Seele, Die leer und durstig saße, Mit vollgeschenktem Maße. 10. Barmherzigkeit und Gutes Wird mein Herz gu⸗ ten Muthes, Voll Lust, voll Freud und Lachen, So lang ich lebe, machen. 15 226 11. Ich will dein Diener bleiben Und dein Lob herrlich treiben Im Hause, da du wohnest UndFrommsein wohl belohnest. 12. Ich will dich hier auf Erden Und dort, da wir dich werden Selbst schaun im Himmel droben, Hoch prei⸗ sen, singn, und loben. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. 309. Mein Salomo, dein freundliches Regieren Stillt alles Weh, das meinen Geist beschwert. Wenn sich zu dir mein blödes Herze kehrt, So läßt sich bald dein Frie⸗ densgeist verspüren. Dein Gnadenblick zerschmelzet mei⸗ nen Sinn Und nimmt die Furcht und Unruh von mir hin. 2. Gewiß, mein Freund giebt solche edle Gaben, Die alle Welt mir nicht verschaf⸗ fen kann. Schau an die Welt, schau ihren Reichthum an! Er kann ja nicht die müden Seelen laben. Mein Jesus kanns; er thuts im Ueber⸗ fluß, Wenn alle Welt zurücke stehen muß. 3. O süßer Freund, wie wohl ist dem Gemüthe, Das im Gesetz sich so ermüdet hat Und nun zu dir, dem Seelen⸗ leben, naht Und schmeckt in dir die wundersüße Güte, Die alle Angst, die alle Noth verschlingt Und unsern Geist zu sanfter Ruhe bringt. Friede und Freude im h. Geist. 4. Gewiß, mein Freund, wenn deine Liebeszeichen Mein armes Herz so sänftig⸗ lich durchgehn, So kann in mir ein reines Licht entstehn, Durch das ich kann das Va⸗ terherz erreichen, In dem man nichts als nur Verge⸗ bung spürt, Da eine Gna⸗ denflut die andre rührt. 5. Je mehr das Herz sich zu dem Vater kehret, Je mehr es Kraft und Seligkeit ge⸗ nießt, Daß es dabei der Ei⸗ telkeit vergißt, Die sonst den Geist gedämpfet und beschwe⸗ ret; Je mehr das Herz den süßen Vater schmeckt, Je mehr wird es zur Heiligkeit erweckt. 6. Der Gnadenquell, der in der Seele fließet, Der wird in ihr ein Brunn des Lebens sein, So in das Meer des Lebens springt hinein Und Lebensströme wieder von sich gießet. Behält in dir dies Wasser seinen Lauf, So geht in dir die Frucht des Geistes auf. 7. Wenn sich in dir des Herren Klarheit spiegelt, Die Freundlichkeit aus seinem An⸗ gesicht, So wird dadurch das Leben angericht, Die Heim⸗ lichkeit der Weisheit aufge⸗ siegelt, Ja selbst dein Herz in solches Bild verklärt, Und alle Kraft der Sünden abge⸗ kehrt. 8. Was dem Gesetz unmög⸗ lich war zu geben, Das bringt alsdann die Gnade selbst her⸗ für. Sie wirket Lust zur Hei⸗ Friede und Freude im h. Geist. ligkeit in dir, Und ändert nach und nach dein ganzes Leben, Indem sie dich aus Kraft in Kräfte führt Und mit Geduld und Langmuth dich regiert. 9. Es müsse doch mein Herz nur Christum schauen! Be⸗ suche mich, mein Aufgang aus der Höh, Daß ich das Licht in deinem Lichte seh Und könne schlechterdings der Gnade trauen! Kein Fehler sei so groß und schwer in mir, Der mich von solchem Blick der Liebe führ. 10. Wenn mein Gebrech mich vor dir niederschlägetUnd deinen Geist der Kindschaft in mir dämpft, Wenn das Gesetz mit meinem Glauben kämpft Und lauter Angst und Furcht in mir erreget: So laß mich doch dein Mutter⸗ herze sehn Und neue Kraft und Zuversicht entstehn. 11. So ruh ich nun, mein Heil, in deinen Armen; Du selbst sollst mir mein ewger Friede sein. Ich hülle mich in deine Gnade ein. Mein Element ist einig dein Erbar⸗ men. Und weil du mir mein Ein und Alles bist, So ists genug, wenn dich mein Geist genießt. Chr. Friedr. Richter, g. 1676, st. 1711. Mel. Alles ist an Gottes Segen. O wie selig sind die Seelen, Die mit Jesu sich vermählen, Die durch seine Liebe sind So gewaltiglich getrieben, Daß sie ganz da⸗ 2²2⁷ selbst geblieben, Wo sich ihr Magnet befindt! 2. Denn wer fasset ihre Würde, Die bei dieser Leibes⸗ bürde Sich in ihnen schon be⸗ findt? Alle Himmel sind zu wenig Für die Seelen, die der König So zur Gegenlieb entzündt. 3. Wenn die Seraphim sich decken Und vor seiner Macht erschrecken, Wird er doch von seiner Braut In der wunder⸗ vollen Krone Auf dem glo⸗ riösen Throne Ohne Decke angeschaut. 4. Sonst erfreut man sich mit Zittern Und bedienet mit Erschüttern Dieses Königs Heiligkeit; Aber wer mit ihm vertrauet, Wird, wenn er sein Antlitz schauet, Doch gar sänf⸗ tiglich erfreut. 5. Wenn Jehovah, man ge⸗ nennet, Wird nichts Höhers mehr erkennet, Als die Herr⸗ lichkeit der Braut. Sie wird mit dem höchsten Wesen, Das sie sich zur Lust erlesen, Gar zu einem Geist vertraut. 6. Sie ist edler als Karfun⸗ kel; Diamanten sind zu dun⸗ kel Vor dem Glanz der Herr⸗ lichkeit, Der sie durch und durch erfüllet, Der wie Strö⸗ me aus ihr quillet, Der die Königin erfreut. 7. Drum, wer wollte sonst was lieben Und sich nicht be⸗ ständig üben, Des Monarchen Braut zu sein. Muß man gleich dabei was leiden, Sich von allen Dingen scheiden, 89——————————' 3— —7 8——— 2²⁸ Bringts ein Tag doch wieder ein. 8. Schenke, Herr, auf mei⸗ ne Bitte Mir ein göttliches Gemüthe, Einen königlichen Geist, Alles kühn um dich zu wagen, Allem freudig abzu⸗ sagen, Was nur Welt und irdisch heißt. 9. So will ich mich selbst nicht achten. Sollte gleich der Leib verschmachten, Bleib ich Jesu doch getreu. Sollt ich keinen Trost erblicken, Will ich mich damit erguicken, Daß ich meines Jesu sei. 10. Ohne Fühlen will ich trauen, Bis die Zeit kommt, ihn zu schauen, Bis er sich zu mir gesellt, Bis ich ruh in seinen Armen, in dem ewi⸗ gen Erbarmen, Und er mit mir Hochzeit hält. Chr. Friedr. Richter, g. 1676, st. 171¹. 311. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen, Wenn ich in deiner Liebe ruh! Ich steige aus der Schwermuths⸗ höhlen Und eile deinen Ar⸗ men zu. Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, Wenn mit so angenehmen Freuden Die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Him⸗ mel schon auf Erden. Wer wollte nicht vergnüget wer⸗ den, Der in dir suchet Ruh und Lustꝰ 2. Die Welt mag meine Feindin heißen: Es sei also! Ich trau ihr nicht, Wenn sie mir gleich will Lieb erweisen Friede und Freude im h. Geist. Bei einem freundlichen Ge⸗ sicht. In dir vergnügt sich meine Seele; Du bist mein Freund, den ich erwähle; Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Welt Haß kann mich doch nicht fäl⸗ len, Weil in den stärksten Un⸗ glückswellen Mir deine Treu den Anker reicht. 3. Will mich des Moses Eifer drücken, Blitzt auf mich des Gesetzes Weh, Droht Straf und Hölle meinem Rücken, So steig ich gläubig in die Höh und flieh zu dir und deinen Wunden; Da hab ich schon den Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wi⸗ der mich zusammen, Du bist mein Heil, wer will ver⸗ dammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Führst du mich in die Kreuzeswüsten, Ich folg und lehne mich auf dich. Du näh⸗ rest aus den Wolkenbrüsten Und labest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wun⸗ derwegen; Sie enden sich in Glück und Segen. Genug, wenn ich dich bei mir hab. Ich weiß, wen du willst herr⸗ lich zieren Und über Sonn und Sterne führen, Den füh⸗ rest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag andern düster scheinen: Mir nicht, weil Seele, Herz und Muth In dir, der du verlässest kei⸗ nen, O allerliebstes Leben, ruht. Wen kann des Weges E ur; re 8* M7 ö V End erschrecken, Wenn er aus mördervollen Hecken Gelan⸗ 90 in die Sicherheit? Mein icht, so will ich auch mit Freuden Aus dieser finstern Wildniß scheiden Zu deiner Ruh der Ewigkeit. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, So wohl, wenn ich mich lehn auf dich! Mich kann Welt, Noth und Tod nicht quälen, Weil du, mein Gott, vergnügest mich. Laß solche Ruh in dem Ge⸗ müthe, Nach deiner unum⸗ schränkten Güte, Des Him⸗ mels süßen Vorschmack sein. Weg, Welt, mit allen Schmei⸗ cheleien! Nichts kann, als Jesus, mich erfreuen. O reicher Trost: Mein Freund ist mein! Wolfg. Chr. Deßler, g. 1669, st. 1722. Mel. Mein Freund zerschmilzt. 312. Wie herrlich ists, ein Schäflein Christi werden Und in der Huld des treusten Hirten stehn! Kein höhrer Stand ist auf der ganzen Erden, Als unverrückt dem Lamme nachzugehn. Was alle Welt nicht geben kann, Das trifft ein solches Schaf bei seinem Hirten an. 2. Hier findet es die ange⸗ nehmsten Auen; Hier wird ihm stets ein frischer Quell entdeckt. Kein Auge kann die Gaben überschauen, Die es allhier in reicher Men⸗ ge schmeckt. Hier wird ein Le⸗ ben mitgetheilt, Das voller Friede und Freude im h. Geist. 229 r ist und nie vorüber eilt. 3. Wie läßt sichs da so froh und ruhig sterben, Wenn hier das Schaf im Schoß des Hir⸗ ten liegt! Es darf sich nicht vor Höll und Tod entfärben; Sein treuer Hirt hat Höll und Tod besiegt. Büßt gleich der Leib die Regung ein, So wird die Seele doch kein Raub des Moders sein. 4. Das Schäflein bleibt in seines Hirten Händen, Wenn gleich vor Zorn der ganze Ab⸗ grund schnaubt. Es wird es ihm kein wilder Wolf ent⸗ wenden, Weil der allmächtig ist, an den es glaubt. Es kommt nicht um in Ewigkeit Und wird im Todesthal von Furcht und Fall befreit. 5. Wer leben will und gute Tage sehen, Der mache sich zu dieses Hirten Stab. Hier wird sein Fuß auf süßer Weide gehen, Da ihm die Welt vor⸗ hin nur Träber gab. Hier wird nichts Gutes je vermißt, Dieweil der Hirt ein Herr der Schätze Gottes ist. 6. Doch ist dies nur der Vorschmack größrer Freuden. Es folget noch die lange Ewig— keit. Da wird das Lamm die Seinen herrlich weiden, Wo der krystallne Strom das Wasser beut. Da sieht man erst recht klar und frei, Wie schön und auserwählt ein Schäflein Christi sei. Joh. Jae. Rambach g. 1693, st. 1735. 230 Mel. O Gott, du frommer Gott. 313. O große Seligkeit, Wenn man den Heiland ken⸗ net, Wenn ihn die Seel ihr Theil, Ihr Ein und Alles nennet! Versöhnung ist ihr Grund; Des Lammes Blut ihr Kleid. Sie schmecket Fried und Ruh; Sie spüret Lust und Freud. 2. Sie kann in Zuversicht Zu Gottes Throne treten Und als ein liebes Kind Vor ih⸗ rem Vater beten. Ihr Hei⸗ land nimmt ihr Herz Zu seiner Wohnung ein, Und sie muß Gottes Ruh Und heilger Tempel sein. 3. Es wird aus Jesu Füll Ihr stündlich Kraft gegeben Zu einem lautern Sinn, Zu einem neuen Leben. Sehr zärtlich ist der Trieb, Womit ihr Bräutgam liebt, Der sie mit viel Geduld In seinen Wegen übt. 4. Ihr Hirte pfleget sie Auch mächtig zu bewahren, Daß ihr kein Schad und Leid Kann irgend widerfahren. Sie bleibt als Siegerin Auf ihrem Kampfplatz stehn Und kann recht im Triumph Zur stolzen Ruh eingehn. 5. Dies, Jesu, hast du mir Mit deinem Blut erworben, Da du aus Liebe bist Für mich am Kreuz gestorben; Daher ich auch mein Heil Nicht besser fassen kann, Als wenn mein Auge dich Am Kreuze schauet an. Friede im Freude im h. Geist. 6. Da bist du wunderschön In deinem Blut und Wunden, Daß selbst des Vaters Aug Nichts schöners je gefunden, Was ihn so hoch vergnügt Und ihm sein Herz durchglüht, Daß er auf diese Welt Nun voll Erbarmen sieht. 7. Auch mir, mir Sünder, kann Auf dieser ganzen Erden Nichts so ausnehmend schön Zum Trost gezeiget werden, Als wenn dein Wort dich mir, Das Heil der ganzen Welt, Am Kreuz, in Blut und Tod Vor meine Augen stellt. 8. Das ziehet in die Höh; Das richtet auf die Müden; Das bringet Heil und Kraft, Den wahren Seelenfrieden; Das machet recht getrost; Das giebt den stärksten Trieb; Da hat man, Jesu, dich Auch über alles lieb. 9. Da siehet man die Thür Zum Vaterherzen offen; Da kann man ohne Furcht Das allerbeste hoffen. Das, das versüßet auch Die Leiden die⸗ ser Zeit Und führet friedens⸗ voll Zur frohen Ewigkeit. 10. Drum höre, Jesu, doch, Was ich hierbei noch flehe, Daß ich dich unverrückt An deinem Kreuze sehe, Daß ich mich ganz versöhnt, Gerecht und selig schau Und so mein ganzes Heil Auf freie Gnade bau. 11. Laß Leib und Seele stets In diesem Glauben leben, Daß du dich selbst für mich Hast in den Tod gegeben. Nichts schmecke meiner Seel, Nichts stärke meinen Muth, Als dein verwundter Leib, Dein theures Jesusblut. 12. Herr Jesu, gieb dich so Mir immer zu genießen Und laß dadurch in mich Stets neues Leben fließen. Dich laß ich nimmermehr; Denn du sollst doch allein In deinem Blut und Tod Mein ewges Leben sein. Vor 1748. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 31A. Ich weiß von kei⸗ nen Plagen Bis diesen Tag zu sagen. Die Jesus mir ge⸗ macht. Nein, alle seine Wege, Je mehr ichs überlege, Sind gut gemeint und wohl bedacht. 2. Er hat noch nie verges⸗ sen, Mir reichlich zuzumessen, Was mir zum Segen sei. Kommt auch ein trüber Mor⸗ gen, So bleib ich doch von Sorgen, Von Furcht und Mißvergnügen frei. 3. Ich fürchte keine Strafe Und kriege, wie im Schlafe, Den Gnadenüberfluß. Wenn mancher denkt, ich leide, So mehrt sich meine Freude, Weil mirs zum Besten dienen muß. 4. Ja, es wird Wahrheit bleiben, Daß, die sich dir ver⸗ schreiben, O Jesu, selig sein. Kann das die Welt nicht fas⸗ sen, Muß man sie fahren las⸗ sen Und sich nur desto mehr erfreun. Friede und Freude im h. Geist. 231 5. Ach könnt ich vhne Wan⸗ ken Dir unaufhörlich danken, Daß du so gnädig bist! O wie vergiebst du reichlich! Dein Herz ist unvergleichlich. Ach, daß mein Herz so fühl⸗ los ist! 6. Der Gaben ist kein Ende, Und deine treuen Hände Sind noch nicht müd und matt. Du fährest fort, zu geben, Zu tra⸗ gen und zu heben, Bis alle Zeit ein Ende hat. 7. O möcht ichs recht ver⸗ stehen, Auf alles aufzusehen, Was du mir schon gethan! Und dann auf das zu merken, Was jetzt in deinen Werken Mir Glaubensstärkung wer⸗ den kann. ö 8. Ach schärfe meine Augen, Damit sie endlich taugen, Recht hell und klar zu sehn! So seh ich aller Orten Mit güldnen Glaubensworten Die Schrift von deiner Gnade stehn. 9. Dann lob ich voller Freu⸗ den, Und säß ich auch im Lei⸗ den, Die Größe deiner Huld. Da weichet Furcht und Za⸗ gen, Da seh ich keine Pla⸗ gen; Ich glaub in fröhlicher Geduld. 10. Mein Hoffen ist leben⸗ dig, Von Jesu unabwendig Und hält mich aufgericht. Wie will ich ihn dort oben Mit tausend Freuden loben! Denn weil ich glaube, fall ich nicht. E G. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. * 232 Friede und Freude im h. Geist. Mel. Nun bitten wir den heiligen ꝛc. 315. Mein Trost und Anker in aller Noth Ist, o Gotteslamm, dein Kreuz und Tod; Denn du trugst die Sünden der ganzen Erde, Daß ich und alle Welt selig werde Durch dein Verdienst. 2. So weit hats Liebe zu mir gebracht, Die den Schö⸗— pfer selbst zum Opfer macht, Daß er seine Seele, sein Leib und Leben Mit tausend Schmerzen dahin gegeben Für meine Schuld. 3. So lang ich dieses noch glauben kann, Seh ich ihn mit tausend Freuden an. Bin ich gleich ein Sünder: er ist mein Heiland. Er liebt mich heute noch so, wie weiland. Halle⸗ lujah! 4. Mein Herz erstaunet ob dieser Huld. Tief beschämt von aller meiner Schuld Fang ich an zu weinen und hinzu⸗ fallen: Gnädiger König, dein Lob soll schallen In aller Welt! 5. Kein Mensch beschreibt es nach Würdigkeit. Das aber ist eine selge Zeit, Wenn dein Strom der Liebe sich so er⸗ gießet, Daß mein Herz deiner im Geist genießet. O Freu⸗ denmeer! 6. Wers nicht erfahren, der glaubt es nicht, Was für Lust von deinem Angesicht In die goß Seele quillet, wenn man dich schmecket. Wenn dein Erbar⸗ men uns ganz bedecket Und selig macht. 7. Ich will von nun an nichts anders sehn. Als nur, was am Kreuz für mich ge⸗ schehn. Das ist meine Freude, mein Heil und Leben; Denn meine Sünden sind mir ver⸗ geben Durch Christi Blut. 8. Das beste Bild steht auf Golgatha. Herz und Augen, bleibt doch immer da; Schaut den Mann der Schmerzen, vom Haupt zum Fuße; Freuet euch ewig der schweren Buße, Die Jesus that!— 9. Verkündigt werde, o Herr, dein Tod! Rühmen will ich deine Leidensnoth, Bis du selbst erscheinest. Nichts will ich wissen, Als daß dein Tod mich heraus⸗ gerissen Aus aller Furcht. 10. In diesem Glauben be⸗ halte mich, So hab ich gnug hier und ewiglich. Dir sei Hallelujah, Preis, Dank und Ehre Für deine Wunden und für die Lehre Von deinem Kreuz! E. G. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Machs mit mir, Gott, nach ꝛc 316. O Gottes Lamm, mein Element, Ist einzig dein Erbarmen, Dein Herz, das zu mir wallt und brenut Mit offnen Liebesarmen, Dein Blut, wie es vom Kreuze floß Und alle Welt mit Heil be⸗ oß. 2. Ich weiß von keinem an⸗ dern Trost. Ich müßt in Sün⸗ den sterben. Der Feind ist wider mich erboßt; Die Welt —655———..27 ——.———— ——2——— 2—2 —— will mich verderben. Mein Herz ist unrein, blind und todt. O tiefes Elend, große Noth! 3. Die eigene Gerechtigkeit, Das Thun der eignen Kräfte Macht mir nur Schand und Herzeleid, Verzehrt dieLebens⸗ säfte. O nein, es ist kein andrer Rath, Als der, den dein Erbarmen hat. 4. Wie wohl, ach Gott, wie wohl ist mir, Wenn ich darein versinke! O Lebensquell, wenn ich aus dir Blut der Versöh⸗ nung trinke! Wenn dein Er⸗ barmen mich bedeckt, Und wenn mein Herz Vergebung schmeckt! 5. Da lebt mein Geist, ist froh und satt, Hat alles, was ihm fehlet. Bald aber wird er kalt und matt, Wenn er sich selber quälet, Wenn dein Erbarmen ihm entgeht, Wenn er auf fremdem Grunde steht. 6. Drum bleibe du mein Element, Du selbst und dein Erbarmen. Und wie mein Glaube dich erkennt, Sokenne du mich Armen. Ich leb in deiner Gnad allein; Ich will in dir erfunden sein. 7. Das Element der armen Welt, Stolz, Geiz und Flei⸗ scheslüste, Und was sie sonst für wichtig hält, Das ist mir dürr und wüste, Das ist mir Galle, Gift und Qual; Du schmeckst mir ein⸗ und alle⸗ mal. Friede und Freude im h. Geist. 233 8. Mein erster Odem, den ich zieh, Wenn ich vom Schlaf erwache, Ist dein Erbarmen, deine Müh, Die ich dir täg⸗ lich mache, Und die du schon auf mich gewandt, Da deine Lieb am Kreuz gebrannt. 9. Wenn ich aus meinem Bett aufsteh, So tret ich ins Erbarmen: Und wenn ich bald gen Himmel seh, Mein Himmel ist Erbarmen; Und wenn ich kniee, fällt mein Sinn, O Gott, in dein Er⸗ barmen hin. 10. Ich wasche mich, Im⸗ manuel, Im blutigen Erbar⸗ men; In dir erschein ich rein und hell; Mein Kleid ist dein Erbarmen. Ich ess und trinke diese Kost: Erbarmen ist mein Brod und Most. 11. Ich sitz und geh und was ich thu, So thu ichs im Erbarmen. Mein Sitz, mein Grund und meine Ruh, Mein Ziel ist dein Erbarmen, Mein sichrer Weg, mein Licht und Kraft, Mein Wohnhaus in der Pilgrimschaft. 12. Leg ich des Abends mich zur Ruh: Mein Bett ist dein Erbarmen. Es langt auf allen Seiten zu, Es wärmt mich dein Erbarmen. In diese Decke hüll ich mich. Wie sanft, wie süße schläft es sich! 13. Erwach ich in der stillen Nacht, So lieg ich im Erbar— men. Wenn mich die Unruh schlaflos macht, So wiegt mich dein Erbarmen. Er⸗ 234 schreckt mich Traum und Fin⸗ sterniß: Erbarmen leuchtet mir gewiß. 14. Ja bis ins Grab und vors Gericht Begleitet mich Erbarmen. Von Tod und Hölle weiß ich nicht Mein Leben ist Erbarmen. Hierin beschließ ich auch den Lauf Und fahre sterbend zu dir auf. 15. Und wenn ich vor dem Throne bin, Dein Anschaunn zu genießen, So reißt mich dein Erbarmen hin, Im Lo⸗ ben zu zerfließen. Worin all⸗ hier mein Herz entbrennt, Das bleibt mein ewges Ele⸗ ment. E. G. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Valet will ich dir geben. 317. Sie jauchzet doch mit Freuden, Die heilge Got⸗ tesstadt, Die sich durch Jesu Leiden Vor nichts zu fürchten hat. Denn Gott ist bei ihr drinnen, Das weiß sie sicher⸗ lich; Der Zweifel muß zer⸗ rinnen, Die Furcht verlieret sich. 2. Laß andre wankend fra⸗ gen, Ob Gott ihr Vater sei: Ein Christ kann muthig sagen Und schwöret noch dabei: Ich habe Gnade funden, Die Seligkeit ist mein, Und durch des Lammes Wunden Geh ich zum Himmel ein. 3. Ein wahrer Christ ist se⸗ lig, Der Christum recht er⸗ kennt, Der seine Schuld un⸗ zählig Und sich verloren nennt, Der alles herzlich hasset, Was Friede und Freude im h. Geist. sonst dem Fleisch gefällt, Der Jesum gläubig fasset Und über alles hält. 4. Ja selig sind die Chri⸗ sten, Die ohne Falsch bestehn! O daß es alle wüßten, Die noch zur Hölle gehn! Wer ist so reich und prächtig, So schön, vergnügt und satt, So fröhlich, stark und mächtig, Als der den Glauben hat? 5. Schon hier in diesem Leben Grünt seine Seligkeit. Was wird der Himmel ge⸗ ben! Da kommt die Ernte⸗ zeit; Das schmeckt sein Herz vollkommen, Was hier im Vorschmack war, Und ist mit allen Frommen Im ewgen Jubeljahr. 6. Behalte, Welt, das Deine, Du arme, blinde Welt! Der Glaube bleibt das Meine, Der Christi Blut behält, Wenn alle Reichen darben, Wenn Fürsten betteln gehn, Will ich mit Freudengarben In Zions Thoren stehn. C. G. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Ringe recht, wenn Gottes ꝛc. 318. Wenn doch alle Seelen wüßten, Jesu, daß du freundlich bist, Und der Zu⸗ stand wahrer Christen Unaus⸗ sprechlich selig ist! 2. O wie würden sie mit Freuden Aus der Weltge⸗ meinschaft gehn Und bei dei⸗ nem Blut und Leiden Fest und unbeweglich stehn! E. G. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. 319. Mir ist Erbar⸗ mung widerfahren, Erbar⸗ mung, deren ich nicht werth! Das zähl ich zu dem Wun⸗ derbaren. Mein stolzes Herz hats nicht begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 2. Ich hatte nichts als Zorn verdienet, Und soll bei Gott in Gnaden sein. Gott hat mich mit ihm selbst versühnet Und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Wo kam dies her? Warum geschichts? Erbarmung ists und weiter nichts. 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen; Das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt. Ich kann es nur Er⸗ barmung nennen, So ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin er⸗ freut Und rühme die Barm⸗ herzigkeit. 4. Dies laß ich kein Geschöpf mir rauben, Dies soll mein einzig Rühmen sein. Auf dies Erbarmen will ich glauben, Auf dieses bet ich auch allein, Auf dieses duld ich in der Noth, Auf dieses hoff ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir Und führe durch den Tod mich Armen, Durch meines Hei⸗ lands Tod zu dir. Da bin Friede und Freude im h. Geist. 235 ich ewig recht erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Phil. Friedr. Hiller, g. 1699, st. 1769. Mel. Der lieben Sonne Licht und Pracht. 320. Mein Herz ist den⸗ noch wohlgemuth. Es gehe, wie es gehe: Bei dir, mein Heil, gehts immer gut, Dein Wille, Herr, geschehe. Wohl mir, ich bin dein Knecht; Du heilig, gut, gerecht! So leite mich nach deinem Sinn; Ich gebe mich dir gänzlich hin. 2. Mein Herz ist dennoch wohlgemuth. Die Sünde mag nur schrecken: Mich wäscht das theure Jesusblut. Die Gnade soll mich decken. Sie kann und will allein Mein Trost und Retter sein; Ich hange mich mit Flehen dran Und fasse sie, so gut ich kann. 3. Mein Herz ist dennoch wohlgemuth. Bin ich gleich voll Gebrechen: Mein Hei⸗ land, ders verheißt und thut, Braucht nur ein Wort zu sprechen; Gleich richte ich mich auf Und komme in den Lauf; Dann gehts durch sein Er⸗ barmen fort. Er selber thuts, sein Geist und Wort. 4. Mein Herz ist dennoch wohlgemuth. Mag das Ge⸗ setz auch fluchen: Mich über⸗ schwemmt die Gnadenflut. Ich will nur Jesum suchen. Der spricht vom Fluch mich los, Setzt mich auf seinen Schoß; Er nimmt mich zärt⸗ .* 3 I 144 + 236 lich zu sich ein Und macht mich mehr als engelrein. 5. Mein Herz ist dennoch wohlgemuth. Die Feinde mö⸗ gen toben, Welt, Sünde und die Höllenbrut: Ich bin wohl aufgehoben In Jesu treuer Hand. Was er mir zuge⸗ wandt, Das ist ein Schatz, den nichts zerfrißt; Den raubt mir keine Macht, noch List. 6. Mein Herz ist dennoch wohlgemuth. Drückt mich gleich Noth und Leiden: Gnug, daß mein Herz in Je⸗ su ruht. Was will mich von ihm scheiden? Verfolgung, Angst und Noth? Der längst besiegte Tod? Nein, alles gehe, wie es will: Ich fliehe nicht, ich halte still. 7. Mein Herz ist dennoch wohlgemuth. Soll ich noch heute sterben: Getrost! Ich sterb auf Christi Blut Und muß den Himmel erben. Mein Freund hilft aus der Noth: Nun tödtet mich kein Tod. Wo Christus ist, da komm ich hin, Weil ich wahr⸗ haftig in ihm bin. Friedr. Aug. Weihe, g. 1721, st. 1771. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. 321. Wo ist ein solcher Gott, wie du! Du schaffst den Müden süße Ruh, Ruh, die nicht zu ergründen. Ein Abgrund der Barmherzigkeit Verschlingt ein Meer von Herzeleid: Du, Herr, ver⸗ giebst die Sünden. Ja du, Friede und Freude im h. Geist. Jesu, Läßt dich würgen als den Bürgen, aller Sünden Mich auf ewig zu entbin⸗ den. 2. Herr, unsere Gerechtig⸗ keit, Wie hoch wird dessen Geist erfreut, Der dich im Glauben kennet! Du bist sein Schmuck vor Gottes Thron; Er wird zuur Erben und zum Sohn Vom Vater selbst er⸗ nennet. Laß mich Ewig Mit Verlangen an dir hangen und mit Freuden Nur in dein Verdienst mich kleiden! 3. Holdselig süßer Friede⸗ fürst, Wie hat dich nach dem Heil gedürst Der abgewichnen Kinder! Du stellest dich als Mittler dar, Verbindest, was getrennet war, Gott und ver⸗ dammte Sünder. Freude! Beide Werden eines! Unge⸗ meines Werk der Güte! Jesu, du bist unser Friede. 4. O Jesu Christ, dein treuer Sinn Nimmt Schuld und Strafe von mir hin; Sie liegt auf deinem Rücken. Du blutest an des Kreuzes Pfahl, Da muß dich unerhörte Qual Nach Leib und Seele drücken. Diese Süße Flut der Gnaden heilt den Schaden. Durch die Wunden Hab ich Heil und Frieden funden. 5. Mitleidender Immanuel, Es ist mein Leben, Leib und Seel Voll Mängel und Ge⸗ brechen; Doch ist dein Herz auch voller Gnad; Willst we⸗ der Sünd, noch Missethat Am armen Staube rächen. Deine Reine Treue Liebe hat die Triebe, hier im Leben Täglich reichlich zu vergeben. 6. Die Gnade führt das Regiment, Sie macht der Sclaverei ein End, Besiegt Gesetz und Sünden. Soll dein Herz frei und fröhlich sein, So rãum es ganz der Gnade ein; So kannst du überwinden. Wenn dich Mächtig Sünden⸗ liebe, Fleischestriebe oft be— stürmen, Wird die Gnade dich beschirmen. 7. Durch deines Blutes Kraft, o Herr, Befreie du mich mehr und mehr Von Sünde und Verderben. Du hast mich dir, Immanuel, Gar theur erkauft mit Leib und Seel, Die Seligkeit zu erben. Kleiner, Reiner Muß ich wer⸗ den noch auf Erden, bis ich droben, Dich kann ohne Sün⸗ de loben. J. Lud. Conr. Allendorf, g. 1603, st. 1778. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. 322. Es ist etwas, des Heilands sein,„Ich dein, o Jesu, und du mein!“ In Wahrheit sagen können; Ihn seinen Hirten, Herrn und Ruhm, Und sich sein Schaf und Eigenthum Ohn allen Zweifel nennen. Selig, Fröh⸗ lich Sind die Seelen, die er⸗ wählen ohn Bedenken, Ihrem Jesu sich zu schenken. 2. Schau an die Welt mit ihrer Lust Und alle, die an ihrer Brust In heißer Liebe Friede und Freude im h. Geist. 237 liegen! Sie essen, und sind doch nicht satt; Sie trinken, und das Herz bleibt matt; Denn es ist lauter Trügen. Träume, Schäume, Schläg im Herzen, Höllenschmerzen, ewges Quälen ist der Lohn betrogner Seelen. 3. Ganz anders ists, bei Jesu sein Und als ein Schäf⸗ lein aus und ein Auf seinen Wegen gehen. Auf diesen Auen ist die Lust, Die Got⸗ tesmenschen nur bewußt, Im Ueberfluß zu sehen: Weide, Freude, Reine Triebe sü⸗ ßer Liebe, Fried und Leben, Stärke, Licht und viel Ver⸗ geben. 4. Schau, armer Mensch, zu diesem Glück Ruft stets dein Heiland dich zurück Von jenem Grundverderben. Er kam deßwegen in die Welt, Er gab für dich das Lösegeld Durch Leiden und durch Ster⸗ ben. Laß dich Willig Doch umarmen! Sein Erbarmen, Blut und Leiden Sind ein Meer von Seligkeiten. 5. Das Wollen und Voll⸗ bringen schafft Des Wortes Jesu Gotteskraft: Mir nach, ihr armen Sünder! Ihr seid für mich, ich für euch da. Könnt ihr gleich nichts, doch bin ich nah; Nur folget mir als Kinder. Ist doch Mein Joch, Sanft und heilig, nur daß freilich euer Wille Mir sich lasse in der Stille. 6. O kannst du den Imma⸗ nuel So vor der Thüre dei⸗ S *. —— * 238 ner Seel Vergeblich rufen lassen? Sollt seine uner⸗ messne Pein Gerad an dir verloren sein? Das hieß das Leben hassen. O nein, Schäf⸗ lein, Komm und wende dich behende zu den Wunden, Die dein Hirt für dich empfunden! 7. Man hat auch wohl ein wenig Schmach Und ein und andres Ungemach Bei diesem Herrn zu leiden; Doch ists nicht werth der Ehr und Freud, Die er uns schon von Ewigkeit Gedachte zu berei⸗ ten. Kronen, Thronen, Ho⸗ sianna, himmlisch Manna, Siegespalmen Folgen auf die Kreuzespsalmen. 8. Ja, liebe Seele, denk daran! Es steht so lang nicht einmal an. Schon hier auf dieser Erden Soll dir bei je⸗ dem Tritt und Schritt Geist, Kraft und Licht auf Jesu Bitt Zum frohen Pfande werden. Kräfte, Säfte Uns beleben, Wonne geben, Taborsblicke Strahlen oft auf uns zurücke. 9. Von nun an kann ich nicht mehr mein, Des Teufels und der Sünde sein, Die mich bisher gebunden. Mein Herr, den ich so sehr betrübt, Der aber mich viel mehr geliebt, Der hat mich überwunden. Nimm mich Gänzlich, Meine Freude, dir zur Beute und zum Lohne Deiner blutgen Dornenkrone. 10. Wallt noch in meiner Adern Bach Ein Tröpfchen Blut, das Jesu Schmach Und Friede und Freude im h. Geist. seinen Sinn wollt hassen: Das soll ans Kreuz zum Opfer hin; Ich will ehr, was ich hab und bin, Als meine Liebe lassen. Ewig Bleib ich Dir verschrieben. O, dein Lieben soll mich treiben, Auch im Leiden dein zu bleiben. 11. Ach mach mich von mir selber frei und stehe mir in Gnaden bei. Stärk meinen schwachen Willen Durch dei⸗ nes werthen Geistes Kraft Zu üben gute Ritterschaft, Den Vorsatz zu erfüllen, Bis ich Endlich Schön geschmücket und entrücket allen Leiden Darf bei dir, dem Lämmlein, weiden. Joh. Ehr. Storr, g. 1712 ft. 1778. Mel. Nun 586 4* den heilgen elst. 323. Ach mein Herr Jesu, dein Nahesein Bringt großen Frieden ins Herz hin⸗ ein; Und dein Gnadenanblick macht uns so selig, Daß auchs Gebeine darüber fröhlich Und dankbar wird. 2. Wir sehn dein freundli⸗ ches Angesicht Voll Huld und Gnade wohl leiblich nicht; Aber unsre Seele kanns schon gewahren; Du kannst dich fühlbar gnug offenbaren, Auch ungesehn. 3. O wer nur immer beiTag und Nacht Dein zu genießen recht wär bedacht! Der hätt ohn Ende von Glück zu sagen, Und Leib und Seele müßt im⸗ mer fragen: Wer ist, wie dud 4. Barmherzig, gnädig, ge⸗ duldig sein, Uns täglich reich⸗ lich die Schuld verzeihn, Hei⸗ len, stilln, trösten, erfreun und segnen Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Lust. 5. Ach gieb an deinem kost⸗ baren Heil Uns alle Tage vollkommen Theil; Und laß unsre Seele sich immer schicken. Z Aus Noth und Liebe nach dir zu blicken Ohn Unterlaß. 6. Und wenn wir weinen, so tröst uns bald Mit deiner blutgen Todesgestalt; Ja, die laß uns immer vor Augen schweben, Und dein wahrhaf⸗ sen. In⸗ uns⸗leben Zu sehen ein. 7. Ein herzlichs Wesen und Kindlichkeit Sei unsre Zierde zu aller Zeit; Und die Blut⸗ besprengung aus deinenWun⸗ den Erhalt uns solche zu al⸗ len Stunden Bei Freud und Leid. 8. So werdn wir bis in Himmel hinein Mit dir ver⸗ gnügt, wie die Kindlein, sein. Muß man gleich die Wangen noch manchmal netzen; Wenn sich das Herz nur an dir stets setzen Und stillen kann. 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Dran⸗denken be⸗ Friede und Freude im h. Geist. 239 Mel. Die Tugend wird durchsKreuz geübet. 324. Was wär ich ohne dich gewesen? Was würd ich ohne dich, Herr, sein? Zu Furcht und Aengsten auser⸗ lesen, Ständ ich in weiter Welt allein. Nichts wüßt ich sicher, was ich liebte; Die ukunft wär ein dunkler Schlund; Und wenn mein Herz sich tief betrübte, Wem thät ich meine Sorgen kund? 2. Einsam verzehrt von hei⸗ ßem Sehnen, Erschien mir nächtlich jeder Tag; Ich folg⸗ te nur mit heißen Thränen Dem wilden Lauf des Lebens nach. Ich fände Unruh im Getümmel Und hoffnungs⸗ losen Gram zu Haus. Wer hielte ohne Freund im Him⸗ mel, Wer hielte da auf Erden aus ꝰ 3. Hat Christus sich mir kund gegeben, Und bin ich seiner erst gewiß, O dann verzehrt ein lichtes Leben Die bodenlose Finsterniß. Nun schau ich erst des Christen Würde, Mein Schicksal wird verklärt durch ihn; Und leicht ertrag ich jede Bürde, Seh in der Wüste Rosen blühn. 4. Das Leben wird zur Wonnestunde; Die neue Welt spricht Lieb und Lust; Und schämt dastehen, Und unser Balsam träuft in jede Wunde, Auge muß übergehen Vor Lob Und frei und froh klopft jede und Dank. Ch. Gregor, g. 1723, st. 1801. Brust. Für alle seine tausend Gaben Bleib ich sein demuth— volles Kind, Gewiß, ihn un⸗ 5 8*** * * * * . an.. P —. 2⁴⁰ Liebe zu Gott und Christo. ter uns zu haben, Wenn zwei auch nur versammelt sind. 5. O geht hinaus auf allen Wegen Und holt die Irren⸗ den herein. Streckt jedem eure Hand entgegen und ladetfroh sie zu uns ein. Der Himmel ist bei uns auf Erden; Im Glauben schauen wir ihn an. Die eines Glaubes mit uns werden, Auch denen ist er aufgethan. F. L. v. Hardenberg, g. 1772, st. 1801. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 325. Herr, schaue auf uns nieder. Dir tönen unsre Lieder; Des Herzens Lust bist du. Ach, dich zum Freunde haben, Ist mehr, denn alle Gaben, Ist ewges Leben, sel⸗ ge Ruh. 2. Du stillest das Verlan⸗ gen, Und wenn wir an dir hangen, So fehlt dem Leben nichts. In deiner Gottes⸗ klarheit Sehn wir die ewge Wahrheit; Du leuchtest in uns, Quell des Lichts. 3. Von deinem Arm gehal⸗ ten, Kann keine der Gewalten Der Welt uns dir entziehn. Wir ruhn an deinem Herzen, Sind dein in Freud und Schmerzen. O möchten zu dir alle fliehn! 4. Sind wir aus dir gebo⸗ ren, In dich, o Herr, verloren, So bist du unser Ich. Aus dir quillt unser Leben; Du näh⸗ rest, wie die Reben Der Wein⸗ stock, uns allein durch dich. 5. In uns ist heilge Stille, Dein Will ist unser Wille, Dein Wort ist unsre Kraft. Wir sind uns selbst gestorben; Du hast uns dir erworben Und neues Leben uns ver⸗ schafft. ö 6. Oschweiget, alle Triebe; Nur Eines leb, die Liebe, Die Lieb, o Herr, zu dir! Dann mag die Hölle stürmen, Rings⸗ um Gefahr sich thürmen: Dir leben und dir sterben wir! Joh. Geibel, geb. 1776. XVII. Tiebe zu Gott und Christo. 326. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. Ich bitt, wollst sein von mir nicht fern Mit deiner Hülf und Gna⸗ den. Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Himmel und Erd frag ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, Mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr! 2. Es ist ja, Herr, dein Gschenk und Gab Mein Leib und Seel und was ich hab —3—3—333——.———————— Liebe zu Gott und Christo. 241 In diesem armen Leben. Da⸗ mit ichs brauch zum Lobe dein, Zum Nutz und Dienst des Nächsten mein, Wollst mir dein Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr; Des Satans Mord und Lü⸗ gen wehr. In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ichs trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, Tröst mir mein Seel in Todesnoth! 3. Ach Herr, laß dein liebn Engelein Am letzten End die Seele mein In Abrahams Schoß tragen; Den Leib in seinm Schlafkämmerlein Gar sanft ohn einge Qual und Pein Ruhn bis am jüngsten Tage. Alsdann vom Tod er⸗ wecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottes Sohn, Mein Heiland und mein Gnadenthron. Herr Jesu Christ, Erhöre mich, er⸗ höre mich! Ich will dich prei⸗ sen ewiglich. Martin Schalling, g. 1532, st. 1608. Ps. 45. 327. Wie schön leuchtet der Morgenstern Voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, Die süße Wurzel Jesse! Du Sohn Davids aus Jaecobs Stamm, Mein König und mein Bräutigam, Hast mir mein Herz besessen! Lieblich, Freundlich, Schön und herr⸗ lich, groß und ehrlich, reich von Gaben, Hoch und sehr prächtig erhaben! 2. O meines Herzens wer⸗ the Kron, Wahr Gottes und Marien Sohn, Ein hochge⸗ borner König! Mit Freuden rühm ich deine Ehr; Deins heilgen Wortes süße Lehr Ist über Milch und Honig. Herz⸗ lich Will ich Dich drum preisen und erweisen, daß man merke In mir deines Geistes Stärke. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, O du mein Herr und Gott allein, Die Flamme deiner Liebe, Daß ich in dir nur immer bleib, Und mich kein Zufall von dir treib, Nichts kränke noch betrübe. In dir Laß mir Ohn Auf⸗ hören sich vermehren Lieb und Freude, Daß der Tod uns selbst nicht scheide. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, Wenn du mit deinem Angesicht Mich gnädig thust anblicken. O Jesu, du mein trautes Gut, Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut mich innerlich er⸗ quicken. Tröst mich Freund⸗ lich! Hilf mir Armen mit Er⸗ barmen, hilf in Gnaden! Auf dein Wort komm ich geladen. 5. Gott Vater, o mein star⸗ ker Held, Du hast mich ewig vor der Welt In deinem Sohn geliebet. Dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut, Er ist mein Schatz, ich bin sein Braut; Kein Unglück mich betrübet. Amen! Amen! Himmlisch Leben wird er ge⸗ ben mir dort oben! Ewig soll mein Herz ihn loben. 16 2⁴² 6. Singt unserm Gotte oft und viel Und laßt andächtig Saitenspiel Ganzfreudenreich erschallen Dem hochgelobten Jesu mein, Deß ich soll nun und ewig sein, Zu Ehren und Gefallen. Singet, Springet, Jubiliret, triumphiret, dankt dem Herren! Groß ist der König der Ehren! 7. Wie bin ich doch so herz⸗ lich froh, Daß mein Schatz ist das A und O, Der An⸗ fang und das Ende! Er wird mich doch zu seinem Preis Aufnehmen in das Paradeis; Deß klopf ich in die Hände. Amen! Amen! Komm, du schöne Freudenkrone, bleib nicht lange! Deiner wart ich mit Verlangen. Phil. Nicolai, g. 1556, st. 1608. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. 328. O Jesu, Jesu, Gottes Sohn, Mein Bruder und mein Gnadenthron, Mein Schatz, mein Freud und Won⸗ ne! Du weißest, daß ich rede wahr; Vor dir ist alles son⸗ nenklar Und klarer, als die Sonne. Herzlich Lieb ich Mit Gefallen dich vor allen; nichts auf Erden Kann und mag mir lieber werden. 2. Dies ist mein Schmerz, dies kränket mich, Daß ich nicht gnug kann lieben dich, Wie ich dich lieben wollte. Ich werd von Tag zu Tag entzündt; Je mehr ich lieb, je mehr ich find, Daß ich dich lieben sollte. Von dir Laß Liebe zu Gott und Christo. mir Deine Güte ins Gemüthe lieblich fließen, So wird sich die Lieb ergießen. 3. Durch deine Kraft treff ich das Ziel, Daß ich, so viel ich soll und will, Dich allzeit lieben könne. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Pracht, Wollust, Ehre, Freud und Geld, Wenn ich es recht be⸗ sinne, Kann mich Ohn dich Gnugsam laben; ich muß haben reine Liebe; Die tröst, wenn ich mich betrübe. 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, Schaffst seinem Herzen Fried und Ruh, Er⸗ freuest sein Gewissen. Es geh ihm, wie es woll, auf Erd, Wenn ihn gleich ganz das Kreuz verzehrt, Soll er doch dein genießen. Selig Ewig, Nach dem Leide große Freude wird er finden; Alles Trauern muß verschwinden. 5. Kein Ohr hat dies jemals gehört, Kein Mensch gesehen, noch gelehrt, Es kann nie⸗ mand beschreiben, Was denen dort für Herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit, Die in der Liebe bleiben. Gründlich Läßt sich Nicht erreichen, noch vergleichen den Weltschätzen Dies, was uns dort wird er⸗ götzen. 6. Drum laß ich billig dies allein, O Jesu, meine Freude sein, Daß ich dich herzlich liebe; Daß ich in dem, was dir gefällt Und mir dein kla⸗ res Wort vermeldt, Aus Liebe mich stets übe, Bis ich End⸗ — —..—— mm,gh;y., lich Werd abscheiden und mit Freuden zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. 7. Da werd ich deine Sü⸗ ßigkeit, Das himmlisch Man⸗ na, allezeit In reiner Liebe schmecken Und sehn dein lieb⸗ reich Angesicht Mit unver⸗ wandtem Augenlicht, Ohn alle Furcht und Schrecken. Reichlich Werd ich Sein er⸗ quicket und geschmücket vor deinm Throne Mit der schö⸗ nen Himmelskrone. Joh. Heermann, g. 1585, st. 1647. 329. Meinen Jesum laß ich nicht! Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Unverrückt an ihm zu kleben. Er ist meines Lebens Licht. Meinen Jesum laß ich nicht! 2. Jesum laß ich nimmer nicht, Weil ich soll auf Erden leben. Ihm hab ich voll Zu⸗ versicht, Was ich bin und hab ergeben; Alles ist auf ihn ge⸗ richt. Meinen Jesum laß ich nicht! 3. Laß vergehen das Ge⸗ sicht, Hören, Schmecken, Füh⸗ len weichen; Laß das letzte Tageslicht Mich auf dieser Welt erreichen; Wenn der Lebensfaden bricht: Meinen Jesum laß ich nicht! 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, Wenn ich nun dahin gelanget, Wo vor seinem An⸗ gesicht Meiner Väter Glaube pranget; Mich erfreut sein Liebe zu Gott und Christo. 243 Angesicht. Meinen Jesum laß ich nicht! 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht Meine Seele wünscht und sehnet; Jesum wünscht sie und sein Licht, Der mich hat mit Gott ver⸗ söhnet, Der mich freiet vom Gericht. Meinen Jesum laß ich nicht. 6. Jesum laß ich nicht von mir, Geh ihm ewig an der Seiten. Christus läßt mich für und für Zu dem Lebens⸗ bächlein leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Chr. Keymann, g. 1607, st. 1662. Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu ꝛc. 330. Jesu Christ, mein schönstes Licht, Der du in deiner Seelen So hoch mich liebst, daß ich es nicht Aussprechen kann, noch zäh⸗ len: Gieb, daß mein Herz dich wiederum Mit Liebe und Verlangen Mög umfangen Und, als dein Eigenthum, Nur einzig an dir hangen. 2. Gieb, daß sonst nichts in meiner Seel, Als deine Liebe wohne. Gieb, daß ich deine Lieb erwähl Als meinenSchatz und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß all mein Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön Ist, Jesu, deine Liebe! Wo diese steht, kann —:—— RrcRRPRRtRRrrt‚reeeeeeete EEEEEE 28 * 2 —— E Be II — 2⁴⁴4 nichts bestehn, Das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts anders denken mich, Nichts sehen, fühlen, hören, Lieben, ehren, Als deine Lieb und dich, Der du sie kannst vermehren. 4. O daß ich dieses hohe Gut Möcht ewiglich behalten! O daß in mir die edle Glut Möcht nimmermehr erkalten! Ach hilf mir wachen Tag und Nacht Und diesen Schatz be⸗ wahren Vor den Schaaren, Die wider uns mit Macht Aus Satans Reiche fahren. 5. Mein Heiland, du bist mir zu gut In Noth und Tod gegangen Und hast am Kreuz in deinem Blut Ein Fluch für mich gehangen, Verhöhnt, verspeit und sehr verwundt. Ach laß mich deine Wunden Alle Stunden Mit Lieb im Herzensgrund Auch reizen und verwunden. 6. Dein Blut, das dir ver⸗ gossen ward, Ist köstlich, gut und reine; Mein Herz hin⸗ gegen böser Art Und hart, gleich einem Steine. Ach laß doch deines Blutes Kraft Mein hartes Herze zwingen, Wohl durchdringen, Und diesen Lebenssaft Mir deine Liebe bringen. 7. Was ist, o Jesu, das ich nicht In deiner Liebe habe? Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht, Mein Quell, da ich mich labe, Mein süßer Wein, mein Himmelsbrod, Mein Kleid vor Gottes Liebe zu Gott und Christo. Throne, Meine Krone, Mein Schutz in aller Noth, Mein Haus, darin ich wohne. 8. Ach, liebste Lieb, wenn du entweichst, Was hilft mirs, sein geboren? Wenn du mir deine Lieb entzeuchst, Ist all mein Gut verloren. So gieb, daß ich dich, meinen Gast, Wohl such und bester Maßen Möge fassen Und, wenn ich dich gefaßt, In Ewigkeit nicht lassen. 9. Du hast mich je und ie geliebt Und auch zu dir gezo⸗ gen; Eh ich noch etwas Guts geübt, Warst du mir schon gewogen. Ach laß doch fer⸗ ner, edler Hort, Mich diese Liebe leiten Und begleiten, Daß sie mir immerfort Bei⸗ steh auf allen Seiten. 10. Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zieren Und, wo ich et⸗ wan irre geh, Alsbald zurechte führen. Laß sie mich allzeit guten Rath Und rechte Werke lehren, Steuren, wehren Der Sünd, und nach der That Bald wieder mich bekehren. 11. Laß sie sein meine Freud in Leid, In Schwachheit mein Vermögen; Und wenn ich nach vollbrachter Zeit Mich soll zur Ruhe legen, Alsdann laß deine Liebestreu, Herr Jesu, bei mir stehen, Luft zu⸗ wehen, Daß ist getrost und frei Mög in dein Reich ein⸗ gehen. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676, nach Joh. Arnd. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 331. Jesus schwebt mir in Gedanken, Jesus liegt mir stets im Sinn; Von ihm will ich nimmer wanken, Weil ich hier im Leben bin. Er ist mei⸗ ner Augen Weide, Meines Herzens höchste Freude, Mei⸗ ner Seele schönste Zier. Je⸗ sum lieb ich für und für. 2. Jesus funkelt mir im Herzen, Wie ein güldnes Sternelein. Er vertreibt mir Angst und Schmerzen, Er ist mein und ich bin sein. Drum ergreif ich ihn mit Freuden, Wenn ich soll von hinnen scheiden. Er ist meines Le⸗ bens Licht. Jesum laß ich von mir nicht. 3. Jesu habe ich geschworen, Da ich von der Sünde rein Und von neuem ward ge⸗ boren In der heilgen Taufe mein. Ihm will ichs auch treulich halten, Ihn in allem lassen walten, Es sei Leben oder Tod. Jesus hilft aus aller Noth. 4. Jesum will ich bei mir haben, Wenn ich gehe aus und ein; Seines Geistes Trost und Gaben Ruhn in meines Herzens Schrein. Ja, wenn ich zu Bette gehe, Oder wiederum aufstehe, Bleibt doch Jesus früh und spat Mei⸗I ner Seelen Schutz und Rath. 5. Jesum will ich lassen ra⸗ then, Der am besten rathen kann. Er gesegne meine Tha⸗ ten, Die ich fröhlich fange an, Liebe zu Gott und Christo. 245⁵5 Daß in seinem theureuRamen Alles glücklich sei und Amen; So wird alles werden gut, Wenn nur Jesus Hülfe thut. 6. Jesus, meiner Jugend Leiter Und Regierer meiner Sinn, Wird auch sein mein Trostbereiter, Wenn ich alt und kraftlos bin. Wenn sich krümmen meine Glieder Und die Lebenssonn geht nieder, Wenn verdunkelt mein Ge⸗ sicht: Meinen Jesum laß ich nicht. 7. Jesus soll in allem Lei⸗ den Mein getreuer Beistand sein. Nichts, nichts soll mich von ihm scheiden; Es soll keine Herzenspein, Keine Trübsal, keine Schmerzen Reißen ihn aus meinem Her⸗ zen; Ob mir gleich mein Herz zerbricht, Laß ich dennoch Je⸗ sum nicht. 8. Jesu leben, Jesu sterben, Jesu einzig eigen sein Und mit Jesu dorten erben, Dies ist mein Gewinn allein. Jesu will ich sein und bleiben, Nichts, nichts soll mich von ihm treiben. Laß ich gleich Gut, Blut und Ehr: Jesum laß ich nimmermehr. 332. Jesu, meine Freu⸗ de, Meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier! Ach wie ang, ach, lange Ist dem Herzen bange Und verlangt nach dir! Gotteslamm, mein Bräutigam, Außer dir soll mir auf Erden Nichts sonst liebers werden. 246 2. Unter deinem Schirmen Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei. Laß den Satan wittern“), Laß die Welt erschüttern, Mir steht Jesus bei. Ob es itzt gleich kracht und blitzt, Obgleich Sünd und Hölle schrecken: Jesus will mich decken. *) Unwetter, Trübsalswetter erregen. 3. Trotz dem alten Drachen! Trotz dem Todes⸗Rachen! Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe! Ich steh hier und singe In gar sichrer Ruh. Gottes Macht hält mich in Acht. Erd und Abgrund müssen schweigen Und vor ihm sich beugen. 4. Weg mit allen Schätzen! Du bist mein Ergötzen, Jesu, meine Lust, Weg, ihr eitlen Ziel Ehren! Ich mag euch nicht hören; Bleibt mir unbewußt. Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Wesen, Das die Welt erlesen! Mir gefällst du nicht. Gute Nacht, ihr Sünden! Bleibet weit dahinten, Kommt nicht mehr ans Licht. Gute Nacht, du Stolz und Pracht! Dir sei ganz, du Lasterleben, Gute Nacht gegeben. 6. Weicht, ihr Trauergei⸗ ster! Denn mein Freuden⸗ meister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Sanft und süße sein. Duld ich schon hier Liebe zu Gott und Christo. Spott und Hohn, Dennoch bleibst du auch im Leide, Je⸗ su, meine Freude. Joh. Franck, g. 1618, st. 1677. Mel. O daß ich tausend Zungen ꝛc. 333. Ach sagt mir nichts von Gold und Schätzen, Von Pracht und Schönheit dieser Welt. Es kann mich ja kein Ding ergötzen, Was mir die Welt vor Augen stellt. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 2. Er ist alleine meine Freu⸗ de, Mein Gold, mein Schatz, mein schönstes Bild, An dem ich meine Augen weide Und finde, was mein Herze stillt. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein iel. 3. Die Welt vergeht mit ihren Lüsten, Des Fleisches Schönheit dauert nicht; Die Zeit kann alles das verwü⸗ sten, Was Menschenhände zu⸗ gericht. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 4. Er ist allein mein Licht und Leben, Die Wahrheit selbst, das ewge Wort. Er ist der Weinstock, ich sein Reben; Er ist der Seelen Fels und Hort. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 5. Er ist der König aller Ehren, Er ist der Herr der Herrlichkeit: Er kann mir ewges Heil gewähren Und retten mich aus allem Streit. Ein jeder liebe, was er will: Riel liebe Jesum, der mein Ziel. 6. Sein Schloß kann keine Macht zerstören; Sein Reich vergeht nicht mit der Zeit; Sein Thron bleibt stets in gleichen Ehren Von nun an bis in Ewigkeit. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 7. Sein Reichthum ist nicht zu ergründen; Sein aller⸗ schönstes Angesicht, Und was von Schmuck an ihm zu fin⸗ den, Verbleichet und veraltet nicht. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 8. Er will mich über alls erheben Und seiner Klarheit machen gleich; Er wird mir so viel Schätze geben, Daß ich werd unerschöpflich reich. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 9. Muß ich gleich⸗hier sehr viel entbehren, So lang ich wandre in der Zeit, So wird er mirs doch einst gewähren Im eiche seiner Herrlichkeit. Drum thu ich billig, wie ich will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. Joh. Scheffler, g. 1624, st. 1677. Mel. O daß ich tausend Zungen ꝛc. 334. Ich will dich lie⸗ ben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier; Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Liebe zu Gott und Christo. 2⁴47 Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir zuletzt das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen al⸗ lerbesten Freund; Ich will dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz be⸗ scheint; Ich will dich lieben, Gotteslamm, Als meiner Seelen Bräutigam. 3. Ach daß ich dich so spät erkennet, Du hochgelobte Schönheit du, Und dich nicht eher mein genennet, Du höch⸗ stes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid, ich bin betrübt, Daß ich dich hab so spät geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte dich und fand dich nicht; Ich hatte mich von dir gewendet Und liebte das geschaffne Licht. Nun aber ists durch dich geschehn, Daß ich dich mir hab ausersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke dir, du Himmelswonne, Daß du mich froh und frei gemacht; Ich danke dir, du süßer Mund, Daß du mich machest ganz gesund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn. Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille stehn. Erleucht mir Leib und Seele ganz, Du reiner, starker Him⸗ melsglanz. 7. Gieb meinen Augen süße Thränen, Gieb meinem Her⸗ 2⁴48 Liebe zu Gott und Christo. zen keusche Brunst. Laß meine Seele sich gewöhnen, Zu üben treu der Liebe Kunst. Laß meinen Geist, Sinn und Ver⸗ stand Stets sein zu dir allein gewandt. 8. Ich will dich lieben, meine Krone, Ich will dich lieben, meinen Gott; Ich will dich lieben ohne Lohne Auch in der allergrößten Noth; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir zuletzt das Herze bricht. Joh. Scheffler, g. 1624, st. 1677. Mel. Komm, o komm, du Geist ꝛc. 335. Liebe, die du mich zum Bilde Deiner Gottheit hast gemacht; Liebe, die du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 2. Liebe, die du mich erko⸗ ren, Eh als ich erschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir er⸗ geb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich gelit⸗ ten Und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten Ewge Lust und Seligkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort; Liebe, die sich dargegeben Mir zum Heil und Seelenhort: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu blei⸗ ben ewiglich. 5. Liebe, die mich hat ge⸗ bunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herz hat ganz dahin: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu blei⸗ ben ewiglich. 5. Liebe, die mich ewig lie⸗ bet, Die für meine Seele bitt; Liebe, die das Lösgeld giebet Und mich kräftiglich vertritt: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 7. Liebe, die mich wird er⸗ wecken Aus dem Grab der Sterblichkeit; Liebe, die mich wird umstecken Mit dem Laub der Herrlichkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu blei⸗ ben ewiglich. Joh. Scheffler, g. 1624, st. 1677. Mel. Komm, o komm du Geist ꝛc. 336. Meines Lebens beste Freude Ist der Himmel, Gottes Thron. Meiner See⸗ len Trost und Weide Ist mein Jesus, Gottes Sohn. Was mein Herze recht erfreut, Ist in jener Herrlichkeit. 2. Andre mögen sich er⸗ quicken An den Gütern dieser Welt: Ich will nach dem Himmel blicken Und zu Jesu sein gesellt; Denn der Erde Gut vergeht: Jesus und sein Reich besteht. 3. Reicher kann ich nirgend werden, Als ich schon in Jesu bin; Alle Schätze dieser Erden Sind ein schnöder Angstge⸗ winn. Jesus ist das rechte Gut, Das der Seele sanfte thut. S R= IA „⁴2•e‚‚eeeñ53 TDA. Liebe zu Gott und Christo. 4. Glänzet gleich das Welt⸗ gepränge, Ist es lieblich an⸗ zusehn, Währt es doch nicht in die Länge Und ist bald da⸗ mit geschehn; Plötzlich pfleget aus zu sein Dieses Lebens Glanz und Schein. 5. Aber dort des Himmels Gaben, Die mein Jesus inne hat, Können Herz und Seele laben, Machen ewig reich und satt; Es vergeht zu keiner Zeit Jenes Lebens Herrlich⸗ keit. 6. Rost und Motten, Raub und Feuer Schaden auch der Freude nicht, Die mein Je⸗ sus, mein Getreuer, Und sein Himmel mir verspricht. Dort ist alles abgethan, Was die Seele kränken kann. 7. Einen Tag bei Jesu sitzen, Ist viel besser, als die Welt Tausend Jahr in Freu⸗ den nützen; Aber ewig sein gestellt Zu des Herren rechter Hand, Bleibt ein auserwähl⸗ ter Stand. 8. Trinken, essen, tanzen, springen Labet meine Seele nicht; Aber nach dem Himmel ringen Und auf Jesum sein gericht, Ist der Seelen schönste Zier, Geht auch aller Freude für. 9. Ach so gönne mir die Freude, Jesu, die dein Him⸗ mel hegtl Sei du selber meine Weide, Die mich hier und dort verpflegt; Und in dir recht froh zu sein, Nimm mich in den Himmel ein. Salomo Liscov, g. 1640, st. 1689. 249 Mel. Valet will ich dir geben. 337. Schatz über alle Schätze, O Jesu, liebster Schatz, An dem ich mich er⸗ götze: Hier hab ich einen Platz In meinem treuen Herzen Dir, Schönster, zugetheilt, Weil du mit deinen Schmer⸗ zen Mir meinen Schmerz ge⸗ heilt. ö 2. Ach Freude meiner Freu⸗ den, Du wahres Himmels⸗ brod, Damit ich mich kann weiden, Das meine Seelen⸗ noth Ganz kräftiglich kann stillen Und mich in Leidens⸗ zeit Erfreulich überfüllen Mit Trost und Süßigkeit: 3. Laß, Liebster, mich er⸗ blicken Dein freundlich Ange⸗ sicht, Mein Herze zu erquicken; Komm, komm, mein Freu⸗ denlicht! Denn ohne dich zu leben Ist lauter Herzeleid; Vor deinen Augen schweben Ist wahre Seligkeit. 4. O reiche Lebensgquelle, O Jesu, süße Ruh, Du treuer Kreuzgeselle, Schlag nach Be⸗ lieben zu! Ich will geduldig leiden, Und soll mich keine Pein Von deiner Liebe scheiden, Noch mir beschwerlich sein. 5. Mein Herze bleibt erge⸗ ben Dir immer für und für, Zu sterben und zu leben, Und will vielmehr mit dir Im tiefsten Feuer schwitzen, Als, Schönster, ohne dich Im Paradiese sitzen, Veracht und jämmerlich. 6. O Herrlichkeit der Er⸗ den, Dich mag und will ich 893 — 5 SS 70 850 2 5. V * 2 250 Liebe zu Gott und Christo. nicht! Mein Geist will himm⸗ lisch werden Und ist dahin gericht, Wo Jesus wird ge⸗ schauet. Da sehn ich mich hin⸗ ein, Wo Jesus Hütten bauet; Denn dort ist gut zu sein. 7. Nun, Jesu, mein Ver⸗ gnügen, Komm, hole mich zu dir, In deinem Schoß zu lie⸗ gen. Komm, meiner Seele Zier, Und setze mich aus Gna⸗ den In deine Freudenstadt; So kann mir niemand scha⸗ den, So bin ich reich und satt. Salomo Liscov, g. 1640, st. 1689. Mel. Was mein Gott will ꝛe. 338. Hier ist mein Herz, Herr, nimm es hin: Dir hab ich mich ergeben. Welt, immerfort aus meinem Sinn Mit deinem schnöden Leben! Dein Thun und Tand hat nicht Bestand, Deß bin ich worden innen; Drum schwingt aus dir sich mit Be⸗ gier Mein freier Geist von hinnen. 2. Gott ist mein allerbestes Gut, Nach ihm steht mein Verlangen. Ach könnt ich doch mit frohem Muth Nur mei⸗ nem Gott anhangen! Ach daß mir doch das Sündenjoch Bald ganz würd abgenom⸗ men, Daß ich einmal in sei⸗ nen Saal Des Himmels möchte kommen! 3. Ich sehe doch, daß in der Welt Und allen ihren Sachen, Was sie von Gütern in sich hält, So gar nichts ist zu wie Staub und Wind, Ihr Lust die muß zerstieben; Nur Gott, mein Schatz, behält den Platz Und bleibet unver⸗ trieben. 4. Was hab ich denn zuvor gethan, Daß ich den Erden⸗ lüsten Bin allzusehr gehangen an, Die doch nur einer Wü⸗ sten Ich gleiche nun, weil all ihr Thun, So gut es uns mag dünken, Macht Seelen⸗ noth und nach dem Tod In ewge Pein versinkendꝰ 5. Was mag doch wohl die Ursach sein, Daß ich mich so bethöret? Die Sünd, die mich genommen ein, Hat meinen Sinn verkehret, Daß ich all⸗ hier mich, Gott, von dir Hab öfters lassen trennen. Dies lasse mich, ich bitte dich, Mit steter Reu erkennen. 6. Gieb, daß ich meinen Sinn zu dir Hinauf gen Himmel schwinge Mit Lieb und herzlicher Begier Und mich in keinem Dinge Erfreue hier, als nur in dir, Gott, meiner Seele Leben. Du al⸗ lermeist kannst meinem Geist Die beste Fülle geben. 7. Drum immer hin, was flüchtig ist! Ich will es lassen fahren. Gott einig hat mein Herz durchsüßt. Der wird mich wohl bewahren, Daß, was der Welt sonst wohl ge⸗ fällt, Ich hasse und verlange Mit Herz und Muth das höchste Gut Und ewig ihm anhange. machen. Ihr Gut verschwindt Sebastian Franck, g. 1606, st. 1668. Liebe zu Gott und Christo. Joh. 10, 12—16. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 339. Jesu, frommer Menschenheerden Guter und getreuer Hirt, Laß mich auch dein Schäflein werden, Das dein Stab und Stimme führt. Ach, du hast aus Lieb dein Leben Für die Schafe hinge⸗ geben, Und du gabst es auch für mich! Laß mich wieder lieben dich. 2. Heerden ihren Hirten lie⸗ ben, Und ein Hirt liebt seine Heerd. Laß uns auch so Liebe üben, Du im Himmel, ich auf Erd. Schallet deine Lieb her⸗ nieder, Soll dir meine schal⸗ len wieder; Wenn du rufst: Ich liebe dich! Ruft mein Herz: Dich liebe ich! 3. Schafe ihren Hirten ken⸗ nen, Dem sie auch sind wohl bekannt. Laß mich auch nach dir nur rennen, Wie du kamst zu mir gerannt. Da des Höl⸗ lenwolfes Rachen Eine Beut aus mir wollt machen, Riefest du: Ich kenne dich! Rief ich auch: Dich kenne ich! 4. Heerden ihren Hirten hö⸗ ren, Folgen seiner Stimm al⸗ lein; Hirten auch zur Heerd sich kehren, Wenn sie rufen Groß und Klein. Laß mich hören, wenn du schreiest, Laß mich laufen, wenn du dräuest, Laß mich horchen stets auf dich; Jesu, höre du auf mich! 5. Höre, Jesu, und erhöre Meine, deines Schäfleins, Stimm; Mich auch zu dir 251 schreien lehre, Wenn sich naht des Wolfes Grimm. Laß mein Schreien dir gefallen, Deinen Trost hernieder schal⸗ len; Wenn ich bete, höre mich; Jesu, sprich: Ich höre dich! 6. Höre, Jesu, und erhöre, Wenn ich ruf, anklopf und schrei. Jesu, dich von mir nicht kehre, Steh mir bald in Gnaden bei. Ja, du hörst; in deinem Namen Ist ja al⸗ les Ja und Amen. Nun, ich glaub und fühle schon Dei⸗ nen Trost, o Gottes Sohn. Siegmund v. Birken, g. 1626, st. 1631. 340. Seelenbräutigam, Jesu, Gotteslamm! Habe Dank für deine Liebe, Die mich zieht aus reinem Triebe Von dem Sündenschlamm, Jesu, Gotteslamm! 2. Deine Liebesglut Stär⸗ ket Muth und Blut. Wenn du freundlich mich anblickest Und an deine Brust mich drückest, Macht mich wohlge⸗ muth Deine Liebesglut. 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Noth und Tod! Du bist darum Mensch geboren, Zu ersetzen, was verloren, Durch dein Blut so roth, Wahrer Mensch und Gott. 4. Meines Glaubens Licht Laß verlöschen nicht. Salbe mich mit Freudenöle, Daß hinfort in meiner Seele Ja verlösche nicht Meines Glau⸗ bens Licht. 25²2 Liebe zu Gott und Christo. 5. So werd ich in dir Blei⸗ ben für und für. Deine Liebe will ich ehren Und in dir dein Lob vermehren, Weil ich für und für Bleiben werd in dir. 6. Held aus Davids Stamm! Deine Liebesflamm Mich er⸗ nähre und verwehre, Daß die Welt mich nicht versehre, Ob sie mir gleich gram, Held aus Davids Stamm. 7. Großer Friedefürst! Wie hast du gedürst Nach der Men⸗ schen Heil und Leben Und dich in den Tod gegeben, Wie du riefst: Mich dürst! Großer Friedefürst. 8. Deinen Frieden gieb Aus so großer Lieb Uns, den Dei⸗ nen, die dich kennen Und nach dir sich Christen nennen; Denen du bist lieb, Deinen Frieden gieb. 9. Wer der Welt abstirbt, Emsig sich bewirbt Um den lebendigen Glauben, Der wird bald empfindlich schauen, Daß niemand verdirbt, Der der Welt abstirbt. 10. Nun ergreif ich dich, Du, mein ganzes Ich. Ich will nimmermehr dich lassen, Sondern gläubig dich um⸗ fassen, Weil im Glauben ich Nun ergreife dich. 11. Wenn ich weinen muß, Wird dein Thränenfluß Nun den meinen auch begleiten Und zu deinen Wunden lei⸗ ten, Daß mein Thränenfluß Sich bald stillen muß. 12. Wenn ich mich aufs neu Wiederum erfreu, Freuest du dich auch zugleiche, Bis ich dort in deinem Reiche Ewig⸗ lich aufs neu Mich mit dir erfreu. 13. Hier durch Spott und Hohn, Dort die Ehrenkron; Hier im Hoffen und im Glau⸗ ben, Dort im Haben und im Schauen; Denn die Ehren⸗ kron Folgt auf Spott und Hohn. 14. Jesu, hilf, daß ich All⸗ hier ritterlich Alles durch dich überwinde Und in deinem Sieg empfinde, Wie so ritter⸗ lich Du gekämpft für mich. 15. Du, mein Preis und Ruhm, Werthe Saronsblum! In mir soll nun nichts er⸗ schallen, Als was dir nur kann gefallen, Werthe Sa⸗ ronsblum, Du, mein Preis und Ruhm. Adam Drese, g. 1630, st. 1718. Joh. 10, 12—16. Mel. O Gott, du frommer Gott. 341. Du bist ein guter Hirt Und wirst es ewig blei⸗ ben. O Jesu, gieb, daß ich Dies mög von Herzen gläuben. Laß hören deine Stimm, Daß ich davon erwach Und als ein Schäflein dir Gehor⸗ sam folge nach. 2. Ich kenne deine Stimm Und hör der Fremden keinen, Die meine Seele nicht, Sich aber selber meinen. Der Miethling hält ohn dies In 7 ; Liebe zu Gott Noth bei mir nicht Stand; Drum folg ich deiner Stimm Und deiner Hirtenhand. 3. Du bist getreu in Noth. Mein Herz soll sich verlassen Auf dich, mein Hirt, und dich Mit Glaubensarmen fassen. Bist du mein Hirt, so wird Dein Schaf versorget sein Und auf der Weide gehn Nach Willen aus und ein. 4. Ach daß ich deine Treu Im Herzen möcht erkennen Und mich bis in den Tod Dein frommes Schäflein nen⸗ nen! Ach daß ich deine Lieb Erwägen möchte so, Daß mich die Hirtenlieb Auch macht im Kreuze froh! 5. O daß ich dir allein, Mein Hirte, wär ergeben, Der du für mich aus Lieb Gelassen hast dein Leben! O daß mein ganzes Herz, Und was sich in mir regt, Zur Gegenliebe würd Aus dieser Lieb bewegt! 6. Ach hätt ich Schäfleins Art, Die sich um nichts be⸗ mühen, Noch sorgen, weil sie nicht Von ihrem Hirten flie⸗ hen! Sie gehen, wo der Hirt Sie führet hie und dort, Und folgen seiner Stimm an ei⸗ nem jeden Ort. 7. O daß ich möcht auf dich, O Jesu, mein Anliegen Stets werfen und in dir Al⸗ lein mein Herz vergnügen; Hingegen stille sein Und sor⸗ gen ferner nicht, Weil du als Hirte weißt, Was deinem Schaf gebricht! und Christo. 253 8. Ja Herr, du willst und kannst Und wirst es also ma⸗ chen, Daß ich im Glauben dir Befehle meine Sachen. Du kommst ja von dir selbst Und führst die Schäflein ein, Daß sie ganz unbesorgt In deinem Schafstall sein. 9. O Jesu, leite mich, Als ein getreuer Hirte, Der seiner Schäflein sich Annehm und sie bewirthe, Selbst zu der bösen Zeit, Da wenig Hirten mehr Getreu im Glauben sind, Noch leben nach der Lehr. 10. Führ du, o Jesu, mich Auf frischen Lebensauen, Und laß mein Glaubensaug Auf dich allein nur schauen, Und deine Stimme mich So hören, daß ich dich Als meinenHirten lieb Hier und dort ewiglich. Laurent. Laurentii, g. 1660, st. 1772. 342. O ursprung des Lebens, O ewiges Licht, Da niemand vergebens Sucht, was ihm gebricht! Lebendige Quelle, So lauter und helle Sich aus seinem heiligen Tempel ergießt Und in die begierigen Seelen einfließt! 2Z. Du sprichst: Wer begeh⸗ ret Zu trinken von mir, Was ewiglich nähret, Der komme; allhier Sind himmlische Ga⸗ ben, Die süßiglich laben: Er trete im Glauben zur Quelle heran; Hier ist, was ihn ewig beseligen kann. 3. Hier komm ich, mein Hirte; Mich dürstet nach dir. O Liebster, bewirthe Dein 25⁴ Liebe zu Gott und Christo. Schäflein allhier. Du kannst dein Versprechen Mir Armen nicht brechen. Du siehest, wie elend und dürftig ich bin; Auch giebst du die Gaben aus Gnaden nur hin. 4. Du süße Flut labest Geist, Seele und Muth, Und wen du begabest, Findt ewi⸗ ges Gut. Wenn man dich genießet, Wird alles versü⸗ ßet; Es jauchzet, es singet, es springet das Herz, Es weichet zurücke der traurige Schmerz. 5. Drum gieb mir zu trin⸗ ken, Wies dein Wort ver⸗ heißt. Laß gänzlich versinken Den sehnenden Geist Im Meer deiner Liebe. Laß hei⸗ lige Triebe Mich immerfort treiben zum Himmlischen hin; Es werde mein Herze ganz trunken darin. 6. Wenn du auch von Lei⸗ den Mir schenkest was ein, So gieb, Dir mit Freuden Gehorsam zu sein. Denn alle die, welche Mit trinken vom Kelche, Den du hast getrun⸗ ken im Leiden allhier, Die werden dort ewig sich freuen mit dir. 7. Drum laß mich auch werden, Mein Jesu, erquickt, Da, wo deine Heerden Kein Leiden mehr drückt, Wo Freude die Fülle, Wo lieb⸗ liche Stille, Wo Wonne und Jauchzen, wo Herrlichkeit wohnt, Wo heiliges Leben wird ewig belohnt. Chr. Jae. Koitsch, g. 1671, st. 1734. Mel. Odaß ich tausend Zungen ꝛc. 343. Der beste Freund ist in dem Himmel. Auf Er⸗ den sind nicht Freunde viel; Denn bei dem falschen Welt⸗ getümmel Steht Redlichkeit oft auf dem Spiel. Drum hab ichs immer so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. 2. Die Welt ist gleich dem Rohr im Winde; Mein Je⸗ sus stehet felsenfest. Wenn ich mich ganz verlassen finde, Mich seine Freundschaft doch nicht läßt. In Freud und Schmerz ers redlich meint: Mein Jesus ist der beste Freund. 3. Die Welt verkaufet ihre Liebe Dem, der am meisten nützen kann, Und scheinet dann das Glücke trübe, So steht die Freundschaft hinten an; Doch hier ist es nicht so gemeint; Mein Jesus ist der beste Freund. 4. Er läßt sich selber für mich tödten; Vergießt für mich sein eigen Blut; Er steht mir bei in allen Nöthen; Er sagt für meine Schulden gut; Er hat mir niemals was verneint: Mein Jesus ist der beste Freund. 5. Mein Freund, der mir sein Herze giebet, Mein Freund, der mein ist und ich sein, Mein Freund, der mich be⸗ ständig liebet, Mein Freund bis in das Grab hinein. Ach, hab ichs nun nicht recht ge⸗ meint? Mein Jesus ist der beste Freund! 6. Behalte, Welt, dir deine Freunde! Sie sind doch gar zu wandelbar. Und hätt ich hunderttausend Feinde, So krümmen sie mir nicht ein Haar. Hier immer Freund und nimmer Feind: Mein Jesus ist der beste Freund. VBenjam. Schmolk g. 1672 ft. 1787. 3A. Meinen Jesum laß ich nicht! Ach, was wollt ich Bessers haben? Ruhe, Freude, Trost und Licht Ist in seinem Schoß begraben; Alles, was Vergnügen giebt, Hab ich, weil mich Jesus liebt. 2. Er ist mein und ich bin sein; Liebe hat uns so ver⸗ bunden. Er ist auch mein Heil allein Durch sein Blut und tiefe Wunden. Auf ihn bau ich felsenfest, Voller Hoffnung, die nicht läßt. 3. Ohne Jesum würde mir Nur die Welt zur Höllen wer⸗ den. Hab ich ihn, so giebt er mir Schon den Himmel auf der Erden. Hungert mich, so setzt er mir Brod wie lauter Manna für. 4. Eine Stunde, da man ihn Recht ins Herze sucht zu schließen, Giebt den seligsten Gewinn, Gnad und Friede zu genießen; Ein nach ihm geschickter Blick Bringt viel tausend Lust zurück. 5. O wie wird mein Kreuz so klein, Weil er mir es selbst Liebe zu Gott und Christo. 25⁵ Besten ein! Er will auch nicht immer schlagen; Nach der Ruthe kommt die Huld. Er begehret nur Geduld. 6. Führt er mich gleich wun⸗ derlich Rechts und links durch Freud und Schmerzen: Er hat dennoch über mich Im⸗ mer etwas Guts im Herzen; Ja, es führt die Wunder⸗ bahn Nirgend hin, als him⸗ melan. 7. Von der treuen Liebes⸗ and Offenbart sich lauter Liebe; Nichts beruht auf Un⸗ bestand Bei dem treuen Lie⸗ bestriebe. Jesus, immer ei⸗ nerlei, Ist und bleibet ewig treu. 8. Blinde Welt, such im⸗ merhin Rauch und Koth auf dieser Erden! Außer Jesu kann mein Sinn Niemals recht vergnüget werden. Also bleibts bei dieser Pflicht: Mei⸗ nen Jesum laß ich nicht. Benj. Schmolk, g. 1672, st. 1787. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 345. Ach, wenn ich dich, mein Gott, nur habe! Nach Erd und Himmel frag ich nicht. Nichts ist, das meine Seele labe, Als du, mein Gott, mein Trost und Licht! Rühmt sich die Welt mit ihrer Lust, Ohn dich ist mir kein Trost bewußt. 2. Soll Leib und Seele mir verschmachten: Ich hoffe doch getrost auf dich. Nichts will hilft tragen, Richtet es zum ich alle Plagen achten; An 256 Liebe zu Gott und Christo. dir allein erquick ich mich. Regt sich auch alles wider mich,— Es bleibt dabei: Ich liebe dich. 3. Hab ich nur dich, so hab ich alles, Was meine Seele wünschen kann; Auch fürcht ich mich gar keines Falles. Liebst du mich nur, was ficht mich an? Drum spricht mein Herz: Du bist mein Theil, In dir ist meiner Seelen Heil. Benj. Schmolk, g. 1672, st. 1787. Mel. Seelenbräutigam. 36. Wer ist wohl, wie du, Jesu, süße Ruh! Un⸗ ter vielen auserkoren, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth Zu er⸗ lösen, hat geschmecket, Meine Schulden zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott! 3. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket Und in unser Fleisch versenket In der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit. 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd, Höll und Welt, Alle Kraft des großen Drachen sitzen dir zu Füßen, Wie Ma⸗ ria thät, Höchste Majestät. 6. Laß mich deinen Ruhm, Als dein Eigenthum, Durch des Geistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe bren⸗ nen Als dein Eigenthum, Al⸗ lerschönster Ruhm. 7. Zeuch mich ganz in dich, Daß vor Liebe ich Ganz zer⸗ rinne und zerschmelze Und auf dich mein Elend wälze, Das stets drücket mich; Zeuch mich ganz in dich. 8. Deiner SanftmuthSchild, Deiner Demuth Bild, Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn, noch Stolz sich rege. Vor dir sonst nichts gilt, Als dein eigen Bild. 9. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin, Daß ich nicht mög von dir wan⸗ ken, Sondern bleiben in den Schranken. Sei du mein Gewinn; Gieb mir deinen Sinn. 10. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unver⸗ rückt zu dir fortsetze, Und mich nicht in seinem Netze Satan halte auf; Fördre meinen Lauf. 11. Deines Geistes Trieb In die Seele gieb, Daß ich wachen mög und beten, Freu⸗ Hast du wolln zu Schanden machen Durch das Lösegeld Deines Bluts, o Held. 5. Höchste Majestät, König und Prophet! Deinen Scep⸗ ter will ich küssen, Ich will dig vor dein Antlitz treten. Ungefärbte Lieb In die Seele gieb. 12. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Liebe zu Gott und Christo. Wollst du deine Hand aus⸗ strecken. Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht. 13. Einen Heldenmuth, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Fleisches Lüste hasse, Gieb mir, höchstes Gut, Durch dein theures Blut. 14. Solls zum Sterben gehn, Wollst du bei mir stehn, Mich durchs Todesthal be⸗ gleiten Und zur Herrlichkeit bereiten, Daß ich einst mag sehn Mich zur Rechten stehn. J. A. Freylinghausen, g. 1670 st. 1789. Mel. Herzlich lieb hab ich dich ꝛc. 37. Herr Jesu Christ, mein höchstes Gut, Mein Seelenschatz, mein Herzens⸗ muth Und aller Sinnen Freu⸗ de: Ich bleibe dennoch stets an dir; So ist auch nichts, das dich von mir, Und unsre Liebe scheide. Du machst mir deinen Weg bekannt, Hältst mich bei deiner rechten Hand, Regierst und führst den Le⸗ benslauf Und hilfest meiner Schwachheit auf. Herr Jesu Christ, Du bist mein Licht, du bist mein Licht; Ich folge dir, so irr ich nicht. 2. Du leitest mich nach dei⸗ nem Rath, Der anders nichts beschlossen hat, Als was mir Segen bringet. Gehts gleich zu Zeiten wunderlich, So weiß ich dennoch, daß durch dich Der Ausgang wohl ge⸗ linget. Nach hartem Tritt auf rauher Bahn Nimmst du 25⁷ mich dort mit Ehren an, Wo mich vor deinem Thron er⸗ freut Die Krone der Gerech⸗ tigkeit. Herr Jesu Christ, Ach, mit Begier, ach, mit Begier Wünsch ich zu sein, mein Gott, bei dir. 3. Mein alles ist auf dich gericht; Hab ich nur dich, so frag ich nicht Nach Himmel und nach Erden. Denn wär der Himmel ohne dich, So könnte keine Lust für mich In tausend Himmeln werden. Wärst du nicht schon auf Er⸗ den mein, Möcht ich auch nicht auf Erden sein; Denn auch die ganze weite Welt Hat nichts, das mir wie du gefällt. Herr Jesu Christ, Wo du nicht bist, wo du nicht bist, Ist nichts, das mir erfreulich ist. 4. Und sollte mir durch Kreuz und Noth, Durch Mar⸗ ter, durch Gewalt und Tod Auch Leib und Seel ver⸗ schmachten: Dies alles wird, wenns auch noch mehr, Ja gar wie eine Hölle wär, Mein Glaube doch nichts achten. Du bist und bleibest doch mein Heil und meines Her⸗ zens Trost und Theil; So wird und muß durch dich al⸗ lein Auch Leib und Seele selig sein. Herr Jesu Christ, Ich hoffe fest, ich hoffe fest, Daß deine Kraft mich nicht verläßt. 5. Wer von dir weicht und auf der Welt Dir nicht be⸗ ständig Glauben hält, Muß freilich wohl verderben Und 17 8 975 * —4 — S...... W— 258 Liebe zu Gott und Christo. kann, weil er die Lust und meinem Herzen, So lang bis 0 Pracht Des Fleisches hier zum ich bei ihm bin! Ach, wer Himmel macht, Den Himmel giebt mir Taubenflügel, Daß dort nicht erben. Wer Teu⸗ ich kann zu jeder Frist Flie⸗ feln folgt und ärgerlich In gen über Berg und Hügel, Sünden lebet wider dich Und Suchen, wo mein Jesus istꝰ denket an die Buße nicht, Den 3. Er vertreibt mir Angst 0 bringst du um durch dein und Schmerzen, Er vertreibt Gericht, Herr Jesu Christ, mir Sünd und Tod. Quält Und bist dabei und bist dabei mich was in meinem Herzen: Er hilft wiederum aus Noth. ö ö Darum will ich nicht ablassen, 6. Drum halt ich mich ge⸗ Will ihn suchen hin und her, trost zu dir; Du aber hältst In den Wäldern, auf den dich auch zu mir; Und das ist Straßen, Will ihn suchen Dem, der dir treu ist, ewig treu. meine Freude. Ich setze meine mehr und mehr. Zuversicht Auf dich, mein 4. Liebster Jesu, laß dich Fels, der nicht zerbricht In finden! Meine Seele ruft Freud und auch im Leide. nach dir. Ach vergieb nun Dein Thun soll alles und meine Sünden! Heiland, zieh allein Im Herzen mir und mich ganz zu dir. Stille, Jesu, Munde sein, Bis ich dich kann mein Verlangen. Sei und mit Augen sehn. Ach möchte bleibe du doch mein; Laß mich solches bald geschehn! Herr einzig dir anhangen Und auf Jesu Christ, Ich warte drauf, ewig bei dir sein. ich warte drauf. Komm, komm, mein Heiland, nimm Mel. Nun laßt uns den Leib ꝛc. g. 1671. fl. 1756. 39. Ich weiß noch kei⸗ nen bessern Herrn: Was mir Mel. O du Liebe meiner Liebe gefällt, das thut er gern. Doch 38. Wo ist Jesus, mein weiß ich keinen schlimmern Berlangen, Mein Geliebter Knecht: Ich mach ihm keine und mein Freund? Ach, wo Sache recht.. ist er hingegangen? Wo mag 2. Gott Lob! daß mir mein er zu finden sein? Meine Seel Herr vergiebt Und mich aus ist sehr betrübet Mit viel Sünd freier Gnade liebt. Gott Lob! und Ungemach. Wo ist Jesus, daß er mich dulden kann. den sie liebet, Den sie suchet Gott Lob! er nimmt die Sün⸗ Nacht und Tag? der an. 2. Ach, ich ruf von Pein und 3. Drum bleib ich stets bei ö Schmerzen: Wo ist denn mein diesem Herrn Und das von Jesus hin? Keine Ruh in ganzem Herzen gern. Bei sei⸗ nem Wort, in seinem Blut Hats meine Seele ewig gut. E. G. Woltersdorf g. 1725, st. 1761. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. 350. Mein Herr ist überschwänglich gut, Und was er täglich an mir thut, Kann niemand besser machen. Sein Herz, sein Wort, sein Geist, sein Blut, Sein duldender, sein sanfter Muth Sind un⸗ erhörte Sachen. Laßt mich Ewig Mit Verlangen an ihm hangen und mit Freuden Unter seinem Scepter weiden. 2. Wo ist ein solcher guter Herr, Der alle Tage freund⸗ licher Sich gegen mich be⸗ zeiget! Ich weiß, so wahr er mir vergiebt, Ich weiß nicht, was er an mir liebt, Und was ihn zu mir neiget. Heftig, Kräftig, Unbeschreiblich, ganz ungläublich sind die Triebe Seiner wunderbaren Liebe. 3. O, lieber Herr, wer bin ich doch, Und was empfind ich heute noch In dem vergiften Herzen! Ists möglich, bringt dich meine Noth Durch Lie⸗ besmacht bis in den Tod, In unerhörte Schmerzen? Stündlich Sündlich, Blind und schändlich, unerkenntlich, wüst und öde: Ach, mein Herr, ich bin zu schnöde! 4. So oft mein Herz sich selbst erblickt, So oft fühl ich mich ungeschickt Zu allen dei⸗ nen Sachen: Was aber dich Liebe zu Gott und Christo. 259 nicht liebt und ehrt, Und was mein eignes Heil zerstört, Das kann ich balde machen. Kannst du, Jesu, Mich doch achten und betrachten und mich lieben? Wahrlich, ja, es steht geschrieben! 5. Seht, wie er seine Arme dehnt Und sich am Kreuz nach Sündern sehnt, Die seines Bluts begehren! Wie wallt und brennt sein reines Herz Und wünscht, ich soll für all den Schmerz Ihm nur den Lohn gewähren, Daß ich Selbst mich Ihm verschrei⸗ be, bei ihm bleibe, Glauben fasse Und mich selig machen lasse. 6. Fürwahr, du bist der große Gott; Denn das be⸗ zeugt, dem Feind zu Spott, Dein göttlich⸗großes Lieben. Du hast dich völlig mir ver⸗ traut Und dich der aller⸗ ärmsten Braut Mit deinem Blut verschrieben. Herr! Herr! O der Treugesinn⸗ ten, unergründten Gnaden⸗ triebe! Du bist Gott, du bist die Liebe. 7. Aus Gnaden bin ich, was ich bin, Verlobte Braut und Königin. Ich schäme mich mit Freuden. Mein Herr, der mich so hoch gebracht, Hat mich unendlich reich gemacht Und will mich weiden. Selig, Heilig, Schön und prächtig, stark und mächtig macht die Gnade, Wo ver⸗ zweifelt bös der Schade. . * 8 82* 44 260 Liebe zu Gott und Christo. 8. So wahr du lebst, mein Gott und Herr, Du wirst mir täglich herrlicher; Je länger, desto lieber. Denn weil mein Glaube dich versteht, So weiß ich, wenns durch Proben geht, Die Proben gehn vorüber. Ewig wird mich Mein Be⸗ gehren, dich zu ehren, nie ge⸗ reuen, Alle Tage mehr er⸗ freuen. 9. Was mir mein Herr ver⸗ geben kann, Das seh ich mit Erstaunen an; Es ist nicht auszusprechen. Wo ist ein Gott, der so verschont? Wo ist ein Herr, der so belohnt Bei allen meinen Schwächen? Was er Selber Meinem Le⸗ ben Guts gegeben, will er preisen Und mir tausend Gnad erweisen. 10. Hallelujah! Preis, Ehr und Macht Sei meinem guten Herrn gebracht! Ich kann ihn nicht beschreiben. Es wisse, wer es wissen kann, Mir steht kein andrer Himmel an, Als ewig sein zu bleiben. Singet, Springet! Herz und Glieder, liebt ihn wieder; laßt mi loben! Hallelujah hier und droben! C. Gottl. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Jesu, meine Freude. 351. Allgenugsam We⸗ sen, Das ich hab erlesen Mir zum höchsten Gut; Du ver⸗ gnügst alleine Völlig, innig, reine, Seele, Geist und Muth. Wer dich hat, ist still und satt; Wer dir kann im Geist an⸗ hangen, Darf nichts mehr verlangen. 2. Wem du dich den: Er Kann im Frieden leben; Er hat, was er will. Wer im Herzensgrunde Lebt mit dir im Bunde, Liebet und ist still. Bist du da, uns innig nah, Muß das Schönste bald er⸗ bleichen, Und das Beste wei⸗ chen. 3. Höchstes Gut der Güter, Ruhe der Gemüther, Trost in aller Pein: Was Geschöpfe haben, Kann den Geist nicht laben; Du vergnügst allein. Was ich mehr, als dich be⸗ gehr, Kann mein Seligsein nur hindern Und den Frieden mindern. 4. Was genannt mag wer⸗ den Droben und auf Erden, Alles reicht nicht zu. Einer nur kann geben Freude, Ruh und Leben, Eins ist noth: nur du! Hab ich dich nur wesentlich, So mag Leib und Seel verschmachten: Ich wills doch nicht achten. 5. Komm, du selges Wesen, ch Das ich mir erlesen, Werd mir offenbar! Meinen Hun⸗ ger stille, Meinen Grund er⸗ fülle Mit dir selber gar! Bleib nur du mein Gut und Ruh, Bis du wirst in jenem Leben Dich mir völlig geben. Gerh. Tersteegen g. 1697, st. 1769. Mel. Erquicke mich, du Heil der ꝛc. 352. Ich bete an die Macht der Liebe, Die sich in Jesu offenbart. Ich geb mich hin dem freien Triebe, Mit dem ich Wurm geliebet ward. Ich will, anstatt an mich zu denken, Ins Meer der Liebe mich versenken. 2. Wie bist du mir so sehr gewogen, Und wie verlangt dein Herz nach mir! Durch Liebe sanft und stark gezogen, Neigt sich mein alles auch zu dir. Du traute Liebe, gutes Wesen, Du hast mich, ich hab dich erlesen. 3. Ich fühls, du bists; dich muß ich haben. Ich fühls, ich muß für dich nur sein. Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben; Mein Ruhplatz ist in dir allein. Hier ist die Ruh; hier ist Vergnügen; Drum folg ich deinen selgen Zügen. 4. Für dich ist ewig Herz und Leben, Erlöser, du mein einzig Gut. Du hast für mich dich hingegeben Zum Heil durch dein Erlösungsblut. O Heil des schweren, tiefen Fal⸗ les, Für dich ist ewig Herz und alles! 5. Ich liebt und lebte recht im Zwange, Als ich mir lebte ohne dich. Ich wollte dich nicht, ach, so lange! Doch lieb⸗ test du und suchtest mich. O wenn doch dies der Sünder wüßte! Sein Herz wohl bald dich lieben müßte. 6. O Jesu, daß dein Name bliebe Im Grunde! Drück ihn tief hinein. Möcht deine süße Jesusliebe In Herz und Sinn gepräget sein! In Wort Liebe zu Gott und Christo. 261 und Werk, in allem Wesen Sei Jesus und sonst nichts zu lesen. 7. In diesem theuren Je⸗ susnamen Das Vaterherze öffnet sich. Ein Brunn der Liebe, Fried und Freude Quillt nun so nah, so mil⸗ diglich. Mein Gott, wenns doch der Sünder wüßte! Sein Herz alsbald dich lieben müßte. 8. Lob sei dem hohen Je⸗ susnamen, In dem der Liebe Quell entspringt, Von dem hier alle Bächlein kamen, Aus dem die selge Schaar dort trinkt. Wie beugen sie sich ohne Ende! Wie falten sie die frohen Hände.—(Wir beugen uns mit ohne Ende; Wir falten mit die frohen Hände.) Gerhard Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Mel. Alles ist an Gottes Segen. 353. Nun so will ich denn mein Leben Völlig mei⸗ nem Gott ergeben; Nun wohlan, es ist geschehn! Sünd, ich will von dir nichts hören; Welt, ich will mich von dir kehren, Ohne je zurück zu sehn. 2. Hab ich sonst mein Herz getheilet, Hab ich hie und da verweilet: Endlich sei der Schluß gemacht, MeinenWil⸗ len ganz zu geben, Meinem Gott allein zu leben, Ihm zu dienen Tag und Nacht. 3. Herr, ich opfre dir zur Gabe All mein Liebstes, das 26² ich habe; Schau, ich halte nichts zurück. Schau und prüfe meine Nieren; Solltest du was Falsches spüren, Nimm es diesen Augenblick. 4. Ich scheu keine Müh und Schmerzen; Gründlich und von ganzem Herzen Will ich folgen deinem Zug. Kann ich stetig und in allem Deinen Augen nur gefallen: Ach so hab ich ewig gnug. 5. Dich allein will ich er⸗ wählen; Alle Kräfte meiner Seelen Nimm nur ganz in deine Macht. Ja ich will mich dir verschreiben! Laß es ewig feste bleiben, Was ich dir hab zugesagt. Gerhard Tersteegen, g. 1697, st. 17 69. Liebe zu Gott Mel. Nun ruhen alle Wälder. 35. Mein alles, was ich liebe, Mein alles, was ich übe, Sei mein Herr Jesus Christ, Weil ich in ihm be⸗ sitze, Was einer Seele nütze, Was einem Menschen köstlich ist. 2. Das Herz kann nichts ergründen, Das nicht in ihm zu finden; Da wird es satt und voll. Denn dies ist Got⸗ tes Wille, Daß alle Gottes⸗ fülle In ihm leibhaftig woh⸗ nen soll. 3. Ich harre und begehre Ohn Jesum keiner Ehre und keines andern Lichts. Von Weisheit, von Ergötzen, Von Herrlichkeit und Schätzen Be⸗ gehr ich ohne Jesum nichts. und Christo. 4. Nur er soll mir auf Er⸗ den Zur Kunst und Weisheit werden, Mein Leitstern in der Zeit, Mein Schatz, der ewig währe, Mein Frieden, meine Ehre, Mein Himmel, meine Seligkeit. 5. Wird einst die Seele scheiden, Daß sie aus diesem Leiden In Salems Thore tritt, Bring ich als Schmuck und Krone Sonst nichts vor Gottes Throne, Denn mei— nes Jesu Namen mit. 6. Wenn ich das Weltge⸗ tümmel, Die Erde und den Himmel, Nur Jesum nicht verlier: So kann ich im Er⸗ kalten Das Beste doch behal⸗ ten; An diesem Schatz genü⸗ et mir. 7. Ihr Selgen ohne Män⸗ gel, Ihr lichten Gottesengel, Ihr habt dies selbst bezeugt. Ihm jauchzen alle Geister, Es sind vor ihrem Meister Der Auserwählten Knie ge⸗ beugt. 8. Ihm will ich mich erge— ben, In diesem Namen leben Und in ihm gläubig sein; In ihm auch herzlich lieben, Ge⸗ duld in ihm nur üben; In Jesu bet ich auch allein. 9. Ich will in Jesu sterben, Ich will in Jesu erben, In Jesu auferstehn, In ihm gen Himmel fahren Und mit den selgen Schaͤaren In seinem Licht ihn ewig sehn. Phil. Friedr. Hiller, g. 1099, fl. 1769. Liebe zu Gott Mel. Ich wills wagen.) 355. Hallelujahl., Gott sei hoch gepreist! Jesus ist da.:: Bessen Name weist, Wie Gott lauter Seligkeit Uns in seinem Sohn bereit. Heil der Sünder, Freund der Kinder, Sei mir, was du heißst! 2. Dein Erbarmen:; Giebt dich Sündern hin. Geistlich Armen:1 Schenkst du zum Gewinn Dich mit deinem Himmelreich. Wer ist solchen ist Armen gleichꝰ Jesu Bräute Sind die Leute, Ja die Kö⸗ nigin. 3. Auserkorner ½ Süßer Menschensohn, Du, verlor— ner:: Armer Sünder Kron! Du, du kommst ins Jammer⸗ thal Und führst sie in Freu⸗ densaal; Du stirbst schmählich, Machst sie selig, Setzt sie auf den Thron. 4. Guter Hirte, ½ Mein Immanuel, Ach bewirthe 2 Meine matte Seel! Such und führe sie zur Ruh, Deinem Herz und Wunden zu. Süße Weide, Ewge Freude Fließt aus diesem Quell. 5. Selge Augen,:: Die nur Jesum sehn! Was soll tau⸗ gen:: Und vor Gott bestehn, Das muß wahrlich ganz allein Jesus, nichts als Jesus sein. In dem Frommen Darf man kommen Und zum Vater gehn. 6. Jesu, hefte n Aug und Herz auf dich. Mein Geschäf⸗ ter:; Sei dies ewiglich: Dich, und Christo. 263 nur dich, mein Lamm, zu sehn. Erd und Himmel muß ver⸗ gehn. Ich bleib ewig In dir selig. Herr, behalte mich! Stimmen aus Zion, 1740. Mel. Seelenbräutigam. 356. Theurer Bräuti⸗ gam, Du mein Gott und Lamm, Sei mir tausendmal gegrüßet! Was mein Herz in dir genießet, Fühlt allein der Christ, Der in Gnaden 2 Laß mich vor dir stehn. Du bist wunderschön; Schön in deiner Dornenkrone, Schön und prächtig auf dem Thro⸗ ne, Schön in Schmach und Spott, Schön als Mensch und Gott. 3. Du bist lauter Licht, Wie dein Zeugniß spricht. Du bist lauter Heil und Leben. Ewig will ich dich erheben. Du bist groß und reich; Herr, wer ist dir gleich! 4. Groß bist du von Rath, Mächtig in der That, Reich von Wahrheit, Huld und Gnade; Ohne dich ist alles Schade. Du bists ganz allein; Du giebst Milch und Wein. 5. Deine Liebesglut Füllet Herz und Muth; Sie durch⸗ dringet Mark und Glieder, Tröstet und belebt mich wie⸗ der. Du machst reich und satt: Wohl dem, der dich hat! 6. Zion, singe mit! Komm mit schnellem Schritt, Meinen Bräutigam zu preisen! Er 26⁴ Liebe zu Gott und Christo. will dich mit Manna speisen. Oeffue Herz und Ohr; Zion, tritt hervor. 7. Er trägt meine Schuld. Gnade und Geduld Ist vor seinem Angesichte; Er geht für mich ins Gerichte. Ich bin frei und los. Lamm, mein Heil ist groß. 8. Du bist ewig treu, Im⸗ mer einerlei; Treu im Wa⸗ chen und im Beten, Treu im Helfen und Vertreten Auch noch auf dem Thron, Theu⸗ rer Gottessohn. 9. Du bist gänzlich mein; Ich, der Wurm, bin dein. Du mein Leben, Lust und Sonne; Ich, der Staub, bin deine Wonne. Welch ein un⸗ gleich Paar! Doch ists ewig wahr! 10. O der großen Pracht, Die mich herrlich macht! Mein Schmuck und mein Brautge⸗ schmeide Ist die reine, wei⸗ ße Seide Der Gerechtigkeit, Sein, des Lammes, Kleid. 11.Unaussprechlich gut Ists in deinem Blut Hier schon auf der wüsten Erden. Hei⸗ land, was wirds dort wohl werden, Wo dein Glanz und Pracht Alles herrlich macht! 12. Dich begehrt mein Sinn; Du bist mein Gewinn. Alles rechne ich für Schaden, Bin ich nur bei dir in Gnaden. Sei es, wie es soll: Mir ist immer wohl. 13. Welt, treib deinen Spott! Er bleibt ewig Gott. Dräue, locke, würge, brenne! Weil ich ihn in Kraft erkenne, Schreckt mich keine Noth, Nicht der bittre Tod. 14. Heiland, halt mich fest! Wenn dich alles läßt, Kann und will ich doch nicht wei⸗ chen. Du hast nirgend dei⸗ nes Gleichen, Du mein Gott und Lamm, Theurer Bräu⸗ tigam. Friedr. Aug. Weihe, g. 1721, st. 1771. Mel. Christus der ist mein Leben. 357. Nam über alle Namen, Mein Jesus, A und O, Mein Jesus, Ja und Amen: Wie bin ich dein so froh! 2. Herr Jesu, meine Won⸗ ne, Mein Schmuck und meine Zier, Mein Heil und meine Sonne, Mein alles bist du mir. 3. Beugt euch, ihr Him⸗ melschöre, Ihr Menschen, beugt euch hie Im Abgrund, ihm zur Ehre Beug alles sei⸗ ne Knie. 4. Wo dieser Name schallet, Wo man nur Jesum nennt, Da ists, wo mein Herz wallet, Da ist mein Element. 5. Wo man nicht Jesum ehret, Und wärs das Para⸗ dies, Dahin verlangt, begeh⸗ ret Mein Herz nicht hin; gewiß! 6. Mir ists an jeder Stelle, Wo ich ihn schmähen hör, Als ob ich in der Hölle Und unter Teufeln wär. 7. Ich wünsche und begehre Nur ihn, nur ihn allein; Er —..——.—..„ ————— ——( soll mein Ruhm und Ehre, Mein ganzer Reichthum sein. 8. Nur er soll mir auf Er⸗ den Mein Trost in aller Noth, Mir zur Erlösung werden, Zum Leben auch im Tod. 9. Es ist kein Heil, kein Le⸗ ben; In Jesu Namen nur Ist Seligkeit gegeben Der ganzen Creatur. 10. Herr, laß an meinem Ende Mich meinen Namen sehn In deine Jesushände Dort eingezeichnet stehn. Christoph Carl Ludwig v. Pfeil, 9. 1712, st. 1784. Mel. Mir nach! spricht Christus ꝛc. 358. Du bist allein nur liebeuswerth, Du Bräu⸗ tigam der Seelen. O selig, wer nur dein begehrt! Wer könnt was Höhres wählen? Nichts reicht an deiner Liebe Werth; Du bist allein nur liebenswerth. 2. Die Jünger, die bei klei⸗ nem Schein Schon Hütten wollten bauen, Erblickten end⸗ lich dich allein. O Glück, nur dich zu schauen, Der, wenn man fremdes Licht vermißt, i dennoch allgenugsam ist 3. Doch fühlt sich oft mein Herz so fern, So kalt in sei⸗ nen Trieben. O möcht ich doch den guten Herrn Recht über alles lieben, Wie er mein armes Herz begehrt, Das doch gar keiner Liebe werth! 4. Das Feuer, das dein Herz entzündt, Als du dein Liebe zu Gott und Christo. gesinnt nur meinem Herrn; 265⁵ göttlich Leben Zum Lösegeld für meine Sünd Freiwillig hingegeben, Eutzünde mich mit neuem Muth Zur stärk⸗ sten Gegenliebe Glut. 5. Ach läutre doch noch in der Zeit, Was deinen Flam⸗ menaugen Im klaren Licht der Ewigkeit An mir noch nicht kann taugen! Mach mich auch von dem Liebsten frei, Daß ich dein reines Opfer ei. 6. Dir weihet sich mit neuer Treu Geist, Seel und Leib und Leben, Um alles, was nicht deine sei, In deinen Tod zu geben, Daß sonst mein Auge nichts begehrt, Was nicht ganz deiner Liebe werth. 7. Ja, werde mir, mein theures Lamm, In meiner Seele größer. Entzünde dei⸗ ne reine Flamm In meinem Herzen besser, Bis mir dein Geist durchaus verklärt, Du seist allein nur liebenswerth. Joh. Jae. v. Moser, g. 1701, st 1785. 359. Wenn ich Ihn nur habe, Wenn Er mein nur ist, Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seine Treue nicht vergißt; Weiß ich nichts von Leide, Fühle nichts, als Andacht, Lieb und Freude. 2. Wenn ich Ihn nur habe, Laß ich alles gern, Folg an meinem Wanderstabe Treu⸗ ů V V U SI 266 Lasse still die andern Breite, lichte, volle Straßen wan⸗ dern. 3. Wenn ich Ihn nur habe, Schlaf ich fröhlich ein. Ewig wird zu süßer Labe Seines Herzens Flut mir sein, Die mit sanftem Zwingen Alles wird erreichen und durch⸗ dringen. 4. Wenn ich Ihn nur habe, Hab ich auch die Welt, Und des Himmels reiche Gabe Meinen Blick nach oben hält. Tief versenkt im Schauen, Kann mir vor dem Irdischen nicht grauen. 5. Wo ich Ihn nur habe, Ist mein Vaterland; Und es fällt mir jede Gabe Wie ein Erbtheil in die Hand. Längst vermißte Brüder Find ich nun in seinen Jüngern wie⸗ der. F. L. v. Hardenberg, g. 1772, st. 1801. Mel. Befiehl du deine Wege. 360. Wenn alle untreu werden, So bleib ich dir doch treu, Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht ausgestorben sei. Für mich umfing dich Leiden, Vergingst für mich in Schmerz; Drum geb ich dir mit Freu⸗ den Auf ewig dieses Herz. 2. Oft muß ich bitter wei⸗ nen, Daß du gestorben bist, Und mancher von den Dei⸗ nen Dich lebenslang vergißt. Von Liebe nur durchdrungen, Hast du so viel gethan: Und doch bist du verllungen, Und keiner denkt daran! Liebe zu Gott und Christo. 3. Du stehst voll treuer Lie⸗ be Noch immer jedem bei; Und wenn dir keiner bliebe, So bleibst du dennoch treu. Die treuste Liebe sieget, Am Ende fühlt man sie, Weint bitterlich und schmieget Sich kindlich an dein Knie. 4. Ich habe dich empfun⸗ den; O lasse nicht von mir! Laß innig mich verbunden Auf ewig sein mit dir! Einst schauen meine Brüder Auch wieder himmelwärts Und sin⸗ ken liebend nieder Und fall en dir ans Herz. F. L. v. Hardenberg, g. 1772, fl. 1801. Mel. Herr und Aeltster deiner Kreuzgemeinde. 361. Eines wünsch ich mir vor allem andern, Eine Speise früh und spät. Selig läßts im Thränenthal sich wandern, Wenn dies Eine mit uns geht: Unverrückt auf einen Mann zu schauen, Der mit blutgem Schweiß und Todesgrauen Auf sein Antlitz niedersank Und den Kelch des Vaters trank. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er, als ein stilles Lamm, Dort so blutig und so bleich zu sehen, Hän⸗ gend an des Kreuzes Stamm! Wie er dürstend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief: Es ist vollbracht! 3. Ja, mein Jesu, laß mich nie vergessen Meine Schuld und deine Huld. Als ich in der Finsterniß gesessen, Tru⸗ gest du mit mir Geduld; Hat⸗ test längst nach deinem Schaf getrachtet, Eh es auf des Hir⸗ ten Ruf geachtet, Und mit theurem Lösegeld Mich erkauft von dieser Welt. 4. Ich bin dein! Sprich du darauf ein Amen. Treuster Beten, loben 267 Jesu, du bist mein! Drücke und danken. deinen süßen Jesusnamen Brennend in mein Herz hin⸗ ein. Mit dir alles thun und alles lassen, In dir leben und in dir erblassen, Das sei bis zur letzten Stund Unser Wan⸗ del, unser Bund! Albert Knapp, g. 1798, st. 1864. XVIII. Beten, loben und danken. Matth. 6, 9—13. 362. Vater unser im Himmelreich, Der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an, Und willst das Beten von uns habn: Gieb, daß nicht bet allein der Mund; Hilf, daß es geh von Herzens⸗ grund. 2. Geheiligt werd der Na⸗ me dein. Dein Wort bei uns hilf halten rein, Daß wir auch leben heiliglich, Nach deinem Namen würdiglich. Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, Das arm, verführte Volk be⸗ kehr. 3. Es komm dein Reich zu dieser Zeit Und dort hernach in Ewigkeit. Der heilge Geist uns wohne bei Mit seinen Gaben mancherlei. Des Sa⸗ tans Zorn und groß Gewalt Zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt. 4. Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich Auf Erden, wie im Himmelreich. Gieb uns Geduld in Leidenszeit, Ge⸗ horsam sein in Lieb und Leid. Wehr und steur allem Fleisch und Blut, Das wider deinen Willen thut. 5. Gieb uns heut unser täglich Brod, Und was man darf zur Leibesnoth. Behüt, Herr, vor Unfried und Streit, Vor Seuchen und vor theu⸗ rer Zeit, Daß wir in gutem Frieden stehn, Der Sorg und Geizes müssig gehn. 6. All unser Schuld ver⸗ gieb uns, Herr, Daß sie uns nicht betrübe mehr; Wie wir auch unsern Schuldigern Ihr Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all bereit In rechter Lieb und Einigkeit. 7. Führ uns, Herr, in Ver⸗ suchung nicht, Wenn uns der böse Geist anficht. Zur linken und zur rechten Hand Hilf uns thun starken Widerstand, Im Glauben fest und wohl gerüst, Und durch des heilgen Geistes Trost. 268 Beten, loben 8. Von allem Uebel uns er⸗ lös; Es sind die Zeit und Tage bös. Erlös uns von dem ewgen Tod Und tröst uns in der letzten Noth. Be⸗ scher uns auch ein selig End; Nimm unser Seel in deine Händ. 9. Amen! das ist: Es werde wahr! Stärk unsern Glauben immerdar, Auf daß wir ja nicht zweifeln dran, Was wir hiemit gebeten habn Auf dein Wort, in dem Namen dein; So sprechen wir das Amen sein. Martin Luther, g. 1483, st. 1546. 363. Herr Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir danken dir! Dich, Gott Va⸗ ter in Ewigkeit, Ehret die Welt sehr weit und breit. All Engel und all Himmels⸗ heer, Und was da dienet dei⸗ ner Ehr, Auch Cherubim und Seraphim Singen immer mit hoher Stimm: Heilig ist un⸗ ser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott, der Herre Zebaoth! 2. Dein göttlich Macht und Herrlichkeit Geht über Himml und Erden weit. Der hei⸗ ligen zwölf Boten Zahl Und die lieben Propheten all, Die theuren Märtrer allzumal, Loben dich, Herr, mit großem Schall. Die ganze werthe Christenheit Rühmt dich auf Erden allezeit; Dich, Gott Vater im höchsten Thron, Dein rechten und einigen und danken. Sohn, Den heilgen Geist und Tröster werth Mit glei⸗ chem Dienst sie lobt und ehrt. 3. Du König der Ehren, Jesu Christ, Gott Vaters ew⸗ ger Sohn du bist. Der Jung⸗ frau Leib nicht hast verschmäht, Zu'rlösen das menschlich Ge⸗ schlecht. Du hast dem Tod zerstört sein Macht Und all Christen zum Himmel bracht. Du sitzst zur Rechten Gottes gleich, Mit aller Ehr ins Va⸗ ters Reich. Ein Richter du zukünftig bist Allem, was todt und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, Die mit deinm theurn Blut erlöset sein! Laß uns im Himmel haben Theil Mit den Heilgen in ewgem Heil. Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, Und segne, was dein Erbtheil ist! Wart und pfleg ihr zu aller Zeit Und heb sie hoch in Ewigkeit. 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich Und ehrn dein Namen stetiglich. Behüt uns, Herr, du treuer Gott. Vor aller Sünd und Missethat. Sei uns gnädig, o Herre Gott, Sei uns gnädig in al⸗ ler Noth! Zeig uns deine Barmherzigkeit, Wie unser Hoffnung zu dir steht. Auf dich hoffen wir, lieber Herr; In Schanden laß uns nim⸗ mermehr. Amen. Te Deum laudamus, v. Ambrosius, st. 307. deutsch von Luther, g. 1483, st. 1546. Beten, loben Pfalm 103. 364. Nun lob, mein Seel, den Herren; Was in mir ist, den Namen sein. Sein Wohlthat thut er meh⸗ ren; Vergiß es nicht, o Herze mein. Hat dir dein Sünd ver⸗ eben Und heilt dein Schwach⸗ heit groß; Errett dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoß, Mit reichem Trost be⸗ schüttet, Verjüngt, dem Adler und danken. 269 keit Bei seiner liebn Gemeine, Die stets in seiner Furcht be⸗ reit, Die seinen Bund be⸗ halten. Er herrscht im Him⸗ melreich. Ihr starken Engel, waltet Seins Lobs und dient zugleich Dem großen Herrn zu Ehren Und treibt sein hei⸗ ligs Wort. Mein Seel soll auch vermehren Sein Lob an allem Ort. 5. Sei Lob und Preis mit gleich. Der Herr schafft Recht. Ehren Gott Vater, Sohn und behütet, Die leidn in seinem heilgem Geist! Der woll in Reich. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilig Recht und sein Gericht, Darzu sein Güt ohn Maßen, Es mangelt an Er⸗ barmung nicht. Sein Zorn läßt er bald fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld; Die Gnad thut er nicht sparen, Den Blöden ist er hold. Sein Güt ist hoch erhaben Ob den, die fürchten ihn; Sofern der Ost vom Abend, Ist unser Sünd dahin. 3. Wie Väter sich erbarmen Ob ihrer jungen Kindelein, So thut der Herr uns Armen, So wir ihn kindlich fürchten rein. Er kennt das arm Ge⸗ schlechte, Er weiß, wir sind nur Staub, Gleich wie das Gras vom Felde, Ein Blum und fallend Laub. Der Wind nur drüber wehet, So ist es nimmer da; Also der Mensch vergehet, Sein End, das ist ihm nah. 4. Die Gottesgnad alleine Steht fest und bleibt in Ewig⸗ uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt, Daß wir ihm fest vertrauen Uns ganz verlassn auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Muth und Sinn Ihm allzeit mög anhangen. Drauf singen wirzur Stund: Amen, wir werdns erlangen, Glaubn wir von Herzensgrund! Joh. Gramann, g. 1487, st. 1554. V. 5 von einem Unbekannten, 1600. 365. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit! Lob ihn mit Schalle, Wertheste Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden: Freue dich, Israel, seiner Gnaden! 2. Der Herr regieret Ueber die ganze Welt; Was sich nur rühret, Froh ihm zu Fuße fällt. Viel tausend Engel um ihn schweben; Psalter und Harfen ihm Ehre geben. 3. Wohlauf, ihr Heiden, Lasset das Trauern sein! Zur grünen Weiden Stellet euch willig ein. Da läßt er uns 270 sein Wort verkünden; Machet uns ledig von allen Sün⸗ den. 4. Er giebet Speise Reich⸗ lich und überall; Nach Vaters Weise Sättigt er allzumal. Er schaffet früh und späten Regen; Füllet uns alle mit seinem Segen. 5. Drum preis und ehre Seine Barmherzigkeit! Sein Lob vermehre, Wertheste Chri⸗ stenheit! Uns soll hinfort kein Unfall schaden: Freue dich, Israel, seiner Gnaden! Apelles v. Loͤwenstern, g. 1594, st. 1648. Sirach 50, 24—26. 366. Nun danket alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen En⸗ den, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Un⸗ zählig viel zu gut Und noch jetzund gethan. 2. Der ewig reiche Gott Woll uns bei unserm Leben Ein immer fröhlich Herz Und edlen Frieden geben Und uns in seiner Gnad Erhalten fort und fort Und uns aus aller Noth Erlösen hier und dort. 3. Lob, Ehr und Preis sei Gott, Dem Vater und dem Sohne Und dem, der Beiden gleich, Im höchsten Himmels⸗ throne, Dem dreimaleinen Gott, Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jetzund und immerdar! Rinckart, g. 1586, st. 1649. —..—...—.—.—.—..—.—....—.....—— Beten, loben und danken. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. 367. Man lobt dich in der Stille, Du hocherhabner Zions⸗Gott! Des Rühmens ist die Fülle Vor dir, du star⸗ ker Zebaoth! Du bist doch Herr auf Erden, Der From⸗ men Zuversicht; In Trübsal und Beschwerden Läßt du die Deinen nicht. Drum soll dich stündlich ehren Mein Mund vor jedermann Und deinen Ruhm vermehren, So lang er lallen kann. 2. Es müssen, Herr, sich freuen Von ganzer Seel und jauchzen schnell, Die unauf⸗ hörlich schreien: Gelobt sei der Gott Israel! Sein Name werd gepriesen, Der große Wunder thut Und der auch mir erwiesen, Das, was mir nütz und gut. Nun, das ist meine Freude, Daß ich an ihm stets kleb Und niemals von ihm scheide, So lang ich leb und schweb. 3. Herr, du hast deinen Namen Sehr herrlich in der Welt gemacht; Denn als die Schwachen kamen, Hast du gar bald an sie gedacht. Du hast mir Gnad erzeiget: Nun, wie vergelt ichs dir? Ach bleibe mir geneiget, So will ich für und für Den Kelch des Heils erheben Und preisen weit und breit Dich, Herr, mein Gott, im Leben Und dort in Ewigkeit. Joh. Rist, g. 1607, st. 1667. Beten, loben Sirach 50, 24—26. 368. Nun danket all und bringet Ehr, Ihr Men⸗ schen in der Welt, Dem, des⸗ sen Lob der Engel Heer Im Himmel stets vermeldt. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höch⸗ sten Gut, Der seine Wunder überall Und große Dinge thut. 3. Der uns von Mutter⸗ leibe an Frisch und gesund erhält Und, wo kein Mensch uns helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet gu⸗ ten Muths, Die Straf erläßt, die Schuld vergiebt Und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, Erfrische Geist und Sinn Und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz Ins Meeres Tiefe hin. 6. Er lasse seinen Frieden ruhn In Israelis Land; Er gebe Glück zu unserm Thun Und Heil in allem Stand. 7. Er lasse seine Lieb und Güt Um, bei und mit uns gehn; Was aber ängstet und bemüht, Gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, Sei er stets unser Heil, Und bleib auch, wenn wir von der Erd Abscheiden, unser Theil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, Uns unsre Au⸗ und danken. 27¹ gen zu Und zeig uns drauf sein Angesicht Dort in der ewgen Ruh. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Lasset uns den Herren preisen. 369. Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht fröhlich sein? Denn ich seh in allen Dingen, Wie so gut ers mit mir mein. Ist doch nichts als lauter Lieben, Das sein treues Herze regt, Das ohn Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Ge⸗ fieder Ueber seine Jungen streckt, Also hat auch hin und wieder Mich des Höchsten Arm gedeckt, Alsobald im Mutter⸗ leibe, Da er mir mein Wesen ab Und das Leben, das ich hab Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer; Nein, er giebt ihn für mich hin, Daß er mich vom ewgen Feuer Durch sein theures Blut gewinn. O du ungegründter Brunnen! Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deine Tief ergründen kön⸗ nen! Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewig⸗ keit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, Giebt er mir in sei⸗ 2 3 272 Beten, loben nem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort, Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubens⸗ licht, Das des Todes Reich zerbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seit Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohler⸗ gehen Hat er ja recht wohl bedacht. Will dem Leibe Noth zustehen, Nimmt ers gleich⸗ falls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Ver⸗- mögen Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt meinPGott und hebt mir an Sein Ver⸗ mögen beizulegen. Alles Dine währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt. Wo ich nur mein Aug hinkehre, Find ich, was mich nährt und hält. Thier und Kräuter und Getreide In den Gründen, in der Höh, In den Büschen, in der See, Ueberall ist meine Weide. Alles Dine währt seine Zeit, Gottes Lie in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert und danken. les Ding währt seine Zeit, Gottes Leb in Ewigkeit. 8. Wie so manche schwere Plage Wird vom Satan her⸗ Lebehrt, Die mich doch mein ebetage Niemals noch bisher berührt. Gottes Engel, den er sendet, Hat das Böse, was der Feind Anzurichten ist ge⸗ meint, In die Ferne wegge⸗ wendet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde Sein Herz niemals ganz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und aus der Bahne weicht: Also hält auch mein Verbrechen Mir mein frommer Gott zu gut, Will mein Fehlen mit der Ruth Und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Din währt seine Zeit, Gottes Lie in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, Ob sie mir gleich bitter sind, Dennoch, wenn ichs recht erwäge, Sind es Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke Und mich von der schnöden Welt, Die uns hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, mein Gemüth, Daß ich alle Gottes Lieb in Ewigkeit. liebe Morgen Schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht ge⸗ leitet, wär ich nicht Aus so mancher Angst genesen. Al⸗ 11. Das weiß ich fürwahr und lasse Mirs nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, Tritt —“- der schöne Sommer ein: Also wird auch nach der Pein, Wers erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewig⸗ keit. 12. Weil denn weder Ziel, noch Ende Sich in Gottes Liebe findt, Ei, so heb ich meine Hände Zu dir, Vater, als dein Kind, Bitte, wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu um⸗ fangen Tag und Nacht Hier in meinem ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob und lieb in Ewigkeit. Paul Gerhardt, g. 1606, fl. 1676. Mel. Nun danket all und bringet Ehr r. 370. Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, mei⸗ nes Herzens Lust. Ich sing und mach auf Erden kund, Was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad Und ewge Quelle seist, Daraus uns al⸗ len früh und spat Viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd, Das uns, o Vater, nicht von dir Allein gegeben werdꝰ 4. Wer hat das schöne Him⸗ melszelt Hoch über uns ge⸗ setzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Thau und Regen netzt? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns Beten, loben und danken. 273 vor dem Wind? Wer macht es, daß man Oel und Most Zu seinen Zeiten findt? 6. Wer giebt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand Den güldnen, edlen werthen Fried In unserm Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir; Du, du mußt alles thun. Du hältst die Wach an unsrer Thür Und läßt uns sicher ruhn. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer fromm und treu Und stehst uns, wenn wir in Gefahr Gerathen, herz⸗ lich bei. ö 9. Du strafst uns Sünder mit Geduld Und schlägst nicht allzusehr; Ja, endlich nimmst du unsre Schuld Und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht Und giebst uns, was uns hoch erfreut Und dir zu Ehren reicht. 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein, Und was sein Kummer sei; Kein Zähr⸗ und Thränlein ist so klein, Du hebst und legst es bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring Und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, Ist selbst und bleibt dein Gut. 18 80 5 5 V 2 7 V. 2 4 2 4 8 SIꝗPPEEEE—— 274 Beten, loben und danken. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Theil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein Hülf und Heil, Schafft Rath und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin Auf den, der dich gemacht. 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und ernährt? Wie manchen schwe⸗ ren Unglückslauf Hat er zu⸗ rückgekehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn In seinem Regiment; Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gu⸗ tes End. 18. Ei nun, so laß ihn fer⸗ ner thun Und red ihm nicht darein, So wirst du hier in Frieden ruhn Und ewig fröh⸗ lich sein. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676 Pf. 146. Mel. Valet will ich dir geben. 371. Du, meine Seele, singe, Wohl auf und singe schön Dem, welchem alle Din⸗ ge Zu Dienst und Willen stehn! Ich will den Herren droben Hier preisen auf der Erd; Ich will ihn herzlich lo⸗ ben, So lang ich leben werd. 2. Ihr Menschen, laßt euch lehren; Es wird euch nützlich sein. Laßt euch doch nicht be⸗ thören Die Welt mit ihrem Schein. Verlasse sich ja kei⸗ ner Auf Fürstenmacht und Gunst, Weil sie wie unser einer Nichts sind, als nur ein Dunst. 3. Was Mensch ist, muß erblassen Und sinken in den Tod. Er muß den Geist aus⸗ lassen, Selbst werden Erd und Koth. Allda ists dann geschehen Mit seinem klugen Rath, Und ist ganz klar zu sehen, Wie schwach sei Men⸗ schenthat. 4 Wohl dem, der einzig schauet Nach Jacobs Gott und Heil! Wer sich dem an⸗ vertrauet, Der hat das beste Theil, Das höchste Gut erle⸗ sen, Den schönsten Schatz ge⸗ liebt; Sein Herz und ganzes Wesen Bleibt ewig unbe⸗ trübt. 5. Hier sind die starken Kräf⸗ te, Die unerschöpfte Macht. Das weisen die Geschäfte, Die seine Hand gemacht, Der Him⸗ mel und die Erde Mit ihrem ganzen Heer, Der Fisch un⸗ zählge Heerde Im großen, wilden Meer. 6. Hier sind die treuen Sin⸗ nen, Die niemand Unrecht thun Und denen Gutes gön⸗ nen, Die in der Treu beruhn. Gott hält sein Wort mitFreu⸗ den, Und was er spricht, ge⸗ schicht; Und wer Gewalt muß leiden, Den schützt er im Ge⸗ richt. 7. Er weiß viel tausend Wei⸗ sen, Zu retten aus dem Tod; Er nährt und giebet Speisen Zur Zeit der Hungersnoth; . Macht schöne rothe Wangen Oft bei geringem Mahl, Und die da sind gefangen, Die reißt er aus der Qual. 8. Er ist das Licht der Blin⸗ den, Erleuchtet ihr Gesicht, Und die sich schwach befinden, Die stellt er aufgericht. Er liebet alle Frommen, Und die ihm günstig sind, Die finden, wenn sie kommen, An ihm den besten Freund. 9. Er ist der Fremden Hütte, Die Waisen nimmt er an, Erfüllt der Witwen Bitte, Wird selbst ihr Trost und Mann. Die aber, die ihn hassen, Bezahlet er mit Grimm; Ihr Haus, und wo sie saßen, Das wirft er um und um. 10. Ach, ich bin viel zu we⸗ nig, Zu rühmen seinenRuhm. Der Herr allein ist König, Ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre Gen Zion, in sein Zelt, Ists billig, daß ich mehre Sein Lob vor aller Welt. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. 372. Sieh hier bin ich, Ehrenkönig, Lege mich vor deinen Thron. Schwache Thränen, kindlich Sehnen Bring ich dir, du Menschen⸗ sohn. Laß dich finden, laß dich finden Von mir, der ich Asch und Thon! 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt dich, Lenke mich nach deinem Sinn. Dich alleine Beten, loben und danken. 27⁵ ich nur meine; Dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, laß dich finden! Gieb dich mir und nimm mich hin! 3. Ich begehre nichts, o Herre, Als nur deine freie Gnad, Die du giebest, den du liebest, Und der dich liebt in der That. Laß dich finden, laß dich finden! Der hat alles, wer dich hat. 4. Himmelssonne, Seelen⸗ wonne, Unbeflecktes Gottes⸗ lamm! In der Höhle meine Seele Suchet dich, o Bräu⸗ tigam. Laß dich finden, laß dich finden, Starker Held aus Davids Stamm! 5. Hör, wie kläglich, wie beweglich Dir die arme Seele singt, Wie demüthig und wehmüthig Deines Kindes Stimme klingt! Laß dich fin⸗ den, laß dich finden! Denn mein Herze zu dir dringt. 6. Dieser Zeiten Eitelkei⸗ ten, Reichthum, Wollust, Ehr und Freud Sind nur Schmerzen meinem Herzen, Welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden, laß dich fin⸗ den! Großer Gott, mach mich bereit! Joachim Neander, g. 1610, st. 1680. 373. Wunderbarer Kö⸗ nig, Herrscher von uns al⸗ len, Laß dir unser Lob gefal⸗ len. Deines Vaters Güte Hast du lassen triefen, Ob wir schon von dir wegliefen. Hilf uns noch! Stärk uns —.——— 276 Beten, loben doch! Laß die Zungen sin⸗ gen, Laß die Stimmen klin⸗ gen! 2. Himmel, lobe prächtig Deines Schöpfers Thaten, Mehr, als aller Menschen Staaten. Großes Licht der Sonne, Schieße deine Strah⸗ len, Die das große Rund bemalen. Lobet gern, Mond und Stern! Seid bereit, zu ehren Einen solchen Herren. 3. O, du meine Seele, Sin⸗ ge fröhlich, singe, Singe dei⸗ ne Glaubenslieder! Was den Odem holet, Jauchze, preise, klinge! Wirf dich in den Staub darnieder. Er ist Gott Ze⸗ baoth! Er nur ist zu loben Hier und ewig droben. 4. Hallelujah bringe, Wer den Herren kennet, Wer den Herren Jesum liebet. Halle⸗ lujah singe, Welcher Chri⸗ stum nennet, Sich von Her⸗ zen ihm ergiebet. O wohl dir! Glaube mir, Endlich wirst du droben Ohne Sünd ihn loben. Joachim Neander, g. 1610, st. 1680. 374. Lobe den Herren, den mächtigen König der Eh⸗ ren, Meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kom⸗ met zu Hauf! Psalter und Harfe, wacht auf! Lasset den Lobgesang hören! 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, Der dich auf Adelers Fittigen sicher ge⸗ führet, Der dich erhält, Wie und danken. es dir selber gefäͤllt. Hast du nicht dieses verspüret? 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Noth Hat nicht der gnädige Gott Ueber dir Flü⸗ gel gebreitet! 4. Lobe den Herren, der dei⸗ nen Stand sichtbar gesegnet, Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet! Denke daran, Was der All⸗ mächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren, Was in mir ist, lob seinen Namen! Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht! Seele, vergiß es ja nicht! Lob ihn in Ewig⸗ keit! Amen! Joachim Neander, g. 1610, st. 1680. Mel. Nun danket alle Gott. 375. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Licht, mein Leben, Mein Schöpfer, der mir hat Mein Leib und Seel gegeben, Mein Vater, der mich schützt Von Mutter⸗ leibe an, Der alle Augenblick Viel Guts an mir gethan! 2. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Heil, mein Leben, Des Vaters liebster Sohn, der sich für mich ge⸗ geben, Der mich erlöset hat Mit seinem theuren Blut, Der mir im Glauben schenkt Sich selbst, das höchste Gut! 3. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Trost, mein Leben, Des Vaters werther Geist, Den mir der Sohn ge⸗ geben, Der mir mein Herz erquickt, Der mir giebt neue Kraft, Der mir in aller Noth Rath, Trost und Hülfe schafft! 4. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, der ewig lebet, Den alles rühmt und lobt, Was in den Lüften schwebet! Gelobet sei der Herr, Deß Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn, Und Gott der heilge Geist! 5. Dem wir Hallelujah Mit Freuden lassen klingen Und mit der Engelschaar Das Heilig, Heilig singen, Den herzlich lobt und preist Die ganze Christenheit: Gelobet sei mein Gott In alle Ewig⸗ keit! Joh. Olearius, g. 1611, st. 1684. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 376. Wenn dich Un⸗ glück hat betreten, Wenn du steckctt in Angst und Noth, Mußt du fleißig zu Gott be⸗ ten; Beten hilft in Noth und Tod, Daß du Gottes Ange⸗ sicht Auch im Kreuz auf dich gericht, Kannst aus seinem Wort erblicken Und dein Herz mit Trost erquicken. 2. Keiner wird ja nie zu Schanden, Der sich seinem Gott vertraut. Kommt dir gleich viel Noth zu Handen, Beten, loben und danken. 27⁷ Hast du auf ihn wohl gebaut. Obs gleich scheint, als hört er nicht, Weiß er doch, was dir gebricht. Deine Noth mußt du 59 klagen Und in keiner Noth verzagen. 3. Rufen, schreien, klopfen, beten Ist der Christen beste Kunst. Allzeit gläubig vor ihn treten, Findet Hülfe, Gnad und Gunst. Wer Gott fest vertrauen kann, Ist der aller⸗ beste Mann; Der wird allzeit Rettung finden, Kein Feind wird ihn überwinden. 4. Lerne Gottes Weise mer⸗ ken, Die er bei den Seinen hält. Er will ihren Glauben stärken, Wenn sie Unglück überfällt. Unser Gott, der lebt ja noch; Schweigt er gleich, so hört er doch. Schrei getrost, du mußt nicht zagen; Dein Gott kann dir nichts versagen. 5. Laß dich Gottes Wort regieren; Merke, was die Wahrheit lehrt. Satan wird dich nicht verführen, Der die ganze Welt verkehrt. Gottes Wahrheit ist dein Licht, Dein Schutz, Trost und Zuversicht. Trau nur Gott; der kann nicht lügen. Bet! Du wirst gewiß obsiegen. Joh. Olearius, g. 1611, st. 1684. Mel. Es ist 16 Heil uns kommen her. 377. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, Dem Va⸗ ter aller Güte, Dem Gott, 278 Beten, loben der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüthe Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt! Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Him⸗ melsheer, O Herrscher aller Thronen; Und die auf Erden, Luft und Meer In deinem Schatten wohnen, Die prei⸗ sen deine Schöpfermacht, Die alles also wohl bedacht. Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaf⸗ fen hat, Das will er auch er⸗ halten; Darüber will er früh und spat Mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich Ist alles recht und alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Noth: Ach Gott, ver⸗ nimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Trost ge⸗ deihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir. Ach dan⸗ ket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist noch und nimmer nicht Von seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mut⸗ terhänden leitet er Die Sei⸗ nen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hülf er⸗ mangeln muß, Die alle Welt 378. Hallelujah! und danken. erzeiget, So kommt, so hilft der Ueberfluß, Der Schöpfer selbst und neiget Die Vater⸗ augen denen zu, Die sonsten nirgends finden Ruh. Gebt unserm Gott die Ehrel! 7. Ich will dich all mein Lebenlang, O Gott, von nun an ehren. Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich; Mein Geist und Leib erfreue dich. Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Na⸗ men nennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt. Gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zu Spott. Der Herr ist Gott! Der Herr ist Gott! Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein An⸗ gesicht Mit jauchzenvollem Springen, Bezahlet die ge⸗ lobte Pflicht Und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es alles wohl bedacht Und alles, alles recht gemacht! Gebt unserm Gott die Ehrel Joh. Jac. Schütz, g. 1640, st. 1690. Ps. 150. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Lob, Preis und Ehr Sei unserm Gott je mehr und mehr Für alle seine Werke! Von Ewig⸗ keit zu Ewigkeit Sei in uns allen ihm bereit Dank, Weis⸗ heit, Kraft und Stärke! Klin⸗ get! Singet! Heilig, herrlich, heilig, herrlich, heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Ze⸗ baoth! 2. Hallelujah! Preis, Ehr und Macht Sei auch dem Gotteslamm gebracht, In dem wir sind erwählet, Das uns mit seinem Blut erkauft, Damit gesprenget und getauft Und sich mit uns vermählet. Heilig, Selig Ist die Freund⸗ schaft und Gemeinschaft, die wir haben Und darinnen uns erlaben. 3. Hallelujah! Gott heilger Geist, Sei ewiglich von uns gepreist, Durch den wir neu geboren, Der uns mit Glau⸗ ben ausgeziert, Dem Bräu⸗ tigam uns zugeführt, Den Hochzeitstag erkoren. Eia! Eia! Da ist Freude, da ist Weide, da ist Manna Und ein ewig Hosianna! 4. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr Sei unserm Gott je mehr und mehr, Und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmelsschaar Und singet nun und immerdar Mit Freuden Amen! Amen! Klinget! Singet! Heilig, herrlich, heilig, herrlich, hei⸗ lig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth! Um 1700. 379. Dir, dir Jeho⸗ vah, will ich singen; Denn wo ist doch ein solcher Gott, Beten, loben und danken. 279 wie du! Dir will ich meine Lieder bringen. Ach gieb mir deines Geistes Kraft dazu, Daß ich es thu im Namen Jesu Christ, So wie es dir durch ihn gefällig ist! 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, Damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir. Dein Geist in meinem Herzen wohne Und meine Sinnen und Ver⸗ stand regier, Daß ich den Frieden Gottes schmeck und fühl Und dir darob im Herzen sing und spiel. 3. Verleih mir, Höchster, solche Güte, So wird gewiß— mein Singen recht gethan, So klingt es schön in meinem Liede, Und ich bet dich in Geist und Wahrheit an; So hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, Daß ich dir Psalmen sing im höhern Chor. 4. Denn der kann mich bei dir vertreten Mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; Der lehret mich recht gläubig beten, Giebt Zeugniß meinem Geist, daß ich dein Kind Und ein Miterbe Jesu Christi sei, Daher ich Abba, lieber Vater! schrei. 5. Wenn dies aus meinem Herzen schallet Durch deines heilgen Geistes Kraft und Trieb, So bricht dein Vater⸗ herz und wallet Ganz brün⸗ stig gegen mir von heißer Lieb, Daß mirs die Bitte nicht ver⸗ sagen kann, Die ich nach dei⸗ nem Willen hab gethan. 280 Beten, loben 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, Das ist nach dei⸗ nem Willen eingericht Und wird gewiß von dir erhöret, Weil es im Namen deines Sohns geschicht, Durch wel⸗ chen ich dein Kind und Erbe bin Und nehme von dir Gnad um Gnade hin. 7. Wohl mir, daß ich dies Zeugniß habe! Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit Und weiß, daß alle gute Gabe, Die ich von dir verlange jederzeit, Die giebst du und thust überschwänglich mehr, Als ich verstehe, bitte und be⸗ gehr. 8. Wohl mir! Ich bitt in Jesu Namen, Der mich zu deiner Rechten selbst vertritt. In ihm ist alles Ja und Amen, Was ich von dir im Geist und Glauben bitt. Wohl mir! Lob dir jetzt und in Ewigkeit, Daß du mir schen⸗ kest solche Seligkeit! Barthol. Crasselius, um 1700. Mel. Es ist uns kommen er. 380. Bringt her dem Herren Lob und Ehr Aus freudigem Gemüthe! Ein je⸗ der Gottes Ruhm vermehr Und preise seine Güte! Ach lobet, lobet alle Gott, Der uns befreiet aus der Noth Und danket seinem Namen! 2. Lobt Gott und rühmet allezeit Die großen Wunder⸗ werke, Die Majestät und Herr⸗ lichkeit, Die Weisheit, Kraft und danken. und Stärke, Die er beweist in aller Welt Und dadurch alle Ding erhält: Drum danket seinem Namen! 3. Lobt Gott, der uns er⸗ schaffen hat, Leib, Seele, Geist und Leben Aus lauter väter⸗ licher Gnad Uns allen hat gegeben, Der uns durch seine Engel schützt Und täglich gie⸗ bet, was uns nützt: Drum danket seinem Namen! 4. Lobt Gott, der uns schenkt seinen Sohn, Der für uns ist gestorben Und uns die selge Lebenskron Durch seinen Tod erworben, Der worden ist der Hölle Gift Und Frieden hat mit Gott gestift: Drum dan⸗ ket seinem Namen! 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist Deu Glauben angezündet Und alles Gute noch verheißt, Uns stärket, kräftigt, gründet, Der uns erleuchtet durch sein Wort, Regiert und treibet fort und fort: Drum danket seinem Namen! 6. Lobt Gott, der auch das gute Werk, So in uns ange⸗ fangen, Vollführen wird und geben Stärk, Das Kleinod zu erlangen, Das er hat allen dargestellt Und seinen Gläub⸗ gen vorbehält: Drum danket seinem Namen! 7. Lobt Gott, ihr starken Seraphim, Ihr Fürstenthum und Thronen! Es loben Gott mit heller Stimm, Die hier auf Erden wohnen. Lobt Gott und preist ihn früh und spat! Beten, loben Ja alles, was nur Odem hat, Das danke seinem Na⸗ men! Cyriac. Günther, g. 1649, st. 1704. Mel. Allein Gott in der Höh seiEhr. 381. Bis hieher hat mich Gott gebracht Durch seine große Güte; Bis hieher hat er Tag und Nacht Be⸗ wahrt Herz und Gemüthe, Bis hieher hat er mich geleit't, Bis hieher hat er mich erfreut, Bis hieher mir geholfen. 2. Hab Lob und Ehre, Preis und Dank für die bisherge Treue, Die du, o Gott, mir Lebenslang Bewiesen täglich neue. In mein Gedächtniß schreib ich an: Der Herr hat große Ding gethan An mir und mir geholfen. 3. Hilf fernerhin, mein treuer Hort! Hilf mir zu allen Stun⸗ den! Hilf mir an all und je⸗ dem Ort! Hilf mir durch Jesu Wunden! Hilf mir im Leben, Tod und Noth Durch Christi Schmerzen, Blut und Tod! Hilf mir, wie du geholfen! Aemilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg⸗ Rudolstadt, g. 1637, st. 1706. Luc. 14, 16—24. Wel. Wie nach einer Wasserquelle. 382. Gott, deß Scep⸗ ter, Stuhl und Krone Herr⸗ schet über alle Welt, Der du deinem liebsten Sohne Eine Hochzeit hast bestellt: Dir sei Dank ohn End und Zahl, Daß zu diesem Liebesmahl Von den Zäunen, an den und danken. Straßen Du auch mich hast laden lassen. 2. Herr, wer bin ich? Und hingegen, Wer bist du? Was deine Pracht? Ich ein Würm⸗ lein an den Wegen: Du der König großer Macht! Ich Staub, Erde, Asch und Koth: Du der Herr Gott Zebaoth! Ich ein Scherz und Spiel der Zeiten: Du der Herr der Ewigkeiten! 3. Ich grundbös und ganz verdorben: Du die höchste Heiligkeit. Ich verfinstert und erstorben: Du des Lebens Licht und Freud. Ich ein armes Bettelkind, Lahm und krumm, stumm, taub und blind: Du das Wesen aller Wesen, Ganz vollkommen, auserlesen. 4. Und doch lässest du mich laden Zu dem großen Hoch⸗ zeitsmahl! O der übergroßen Gnaden! Ich soll in des Him⸗ mels Saal Mit dem lieben Gotteslamm, Meinem Herrn und Bräutigam, Bei der En⸗ gel Chor und Reihen Ewig mich, ach, ewig freuen! 5. Felder, Wälder, Bäum und Büsche, Hügel, Gründe, Berg und Thal, Vögel, Thie⸗ re, Vieh und Fische Und ihr Engel allzumal, Himmel, Erde, Land und Meer, Rüh⸗ met, singet, jauchzet sehr! Gott läßt zu dem Mahl der Gnaden Das elende Volk ein⸗ laden! 6. Wen nun dürstet, soll sich laben Mit dem süßen Lebens⸗ 282 Beten, loben und danken. quell; Wen nun hungert, der soll haben Brods genug für seine Seel. O, ein süßes Mahl und Ort, Da sich Gottes Herz und Wort Seiner Braut und Hochzeitsgästen Giebt zur Speis und Trank zum besten! 7. O du großer Herr und König, Der du rufest: K ömmt herbei! Ach, ich bin ja viel zu wenig Aller deiner Lieb und Treu. Ach, ich kann dir nim⸗ mermehr Danken gnug und also sehr, Wie ich schuldig bin und sollte, Und wie ich wohl gerne wollte. 8. Zeuch du mich, dein Mahl zu schmecken, Aus der finstern Sündenkluft. Deine Stimme laß mich wecken, Die so sehn⸗ lich, lieblich ruft: Komm, o Mensch, komm, eile, komm! Komm zum Lebensquell und Strom; Komm zum Brod, davon zu zehren Und den Geist damit zu nähren! 9. Oeffn, ach öffne meine Ohren Zu der Stimm, die also klingt, Die zu deinen Frendenchoren, O Jerusalem, mich bringt! Laß den, den du theur erkauft Und auf dich selbst hast getauft, Nicht zur Nahrung seiner Seelen Fer⸗ ner eitle Träber wählen. 10. Laß der eitlen Welt Ge⸗ tümmel, Das als Rauch bald wird entfliehn, Von des Lam⸗ mes Mahl im Himmel, Das stets bleibt, mich nicht. ab⸗ ziehn. Kleide, Jesu, in der Zeit Mich in dich, mein Hoch⸗ zeitskleid, Daß ich deiner Hochzeit Ehren Möge feiern ohn Aufhören. Heinrich Georg Neuß, g. 1654, st. 1716. Pf. 146. 383. Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben, bis in Tod; Weil ich noch Stunden auf Erden zäh⸗ le, Will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat. Hallelujah! Hallelujah! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren, Und keh⸗ ren um zu ihrem Staub. Ihre Anschläge sind auch verloren, Wenn nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil dann kein Mensch uns helfen kann, Rufe man Gott um Hülfe an. Hal⸗ lelujah! Hallelujah! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, Deß Hülfe der Gott Jacobs ist; Welcher vom Glauben sich nicht läßt tren⸗ nen Und hofft getrost auf Je⸗ sum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rath und That. Halle⸗ lujah! Hallelujah! 4. Dieser hat Himmel und Meer und Erden, Und was darinnen ist, gemacht. Alles muß pünktlich erfüllet werden, Was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, Welcher uns ewigGlau⸗ ben hält. Hallelujah! Halle⸗ lujah! 5. Zeigen sich welche, die Unrecht leiden: Er ists, der ihnen Recht verschafft. Hun⸗ grigen will er zur Speis be⸗ scheiden, Was ihnen dient zur Lebenskraft. Die hart Gebun⸗ denen macht er frei; Seine Genad ist mancherlei. Halle⸗ lujah! Hallelujah! 6. Sehende Augen giebt er den Blinden, Erhebt, die tief gebeuget gehn. Wo er kann einige Fromme finden, Die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsicht ist des FremdenTrutz; Witwen und Waisen hält er Schutz. Hallelujah! Hallelu⸗ jah! 7. Aber der Gottesvergeß⸗ nen Tritte Kehrt er mit starker Hand zurück, Daß sie nur machen verkehrteSchritte Und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich; Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Hallelujah! Hallelujah! 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Deß, der so große Wunder thut. Alles, was Odem hat, rufe Amen Und bringe Lob mit frohem Muth. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heilgen Geist. Hallelujah! Hallelujah! Joh. Dan. Herrnschmidt, g. 1675, st. 1723. 384. O daß ich tau⸗ send Zungen hätte Und einen tausendfachen Mund, So stimmt ich damit in die Wette Vom allertiefsten Herzens⸗ grund Ein Loblied nach dem andern an Von dem, was Gott an mir gethan! Beten, loben und danken. 283 2. O daß doch meine Stim⸗ me schallte Bis dahin, wo die Sonne steht! O daß mein Blut mit Jauchzen wallte, So lang es noch im Laufe geht! Ach wär ein jeder Puls ein Dank Und jeder Odem ein Gesang! 3. Was schweigt ihr denn, ihr, meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euern Fleiß Und stehet munter im Ge⸗ schäfte Zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich Und lobe Gott herzinniglich! 4. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräschen in den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Zier Zu Gottes Ruhm belebet sein Und stim⸗ met lieblich mit mir ein! 5. Ach alles, alles, was ein Leben Und einen Odem in sich hat Soll sich mir zum Gehül⸗ fen geben; Denn mein Ver⸗ mögen ist zu matt, Die gro⸗ ßen Wunder zu erhöhn, Die allenthalben um mich stehn. 6. Lob sei dir, treuer Gott und Vater, Für alles, was ich bin und hab! Lob sei dir, mildester Berather, Für dei⸗ ner Gnaden reiche Gab, Die du mir in der ganzen Welt Zu meinem Heile hast bestellt! 7. Mein treuster Jesu, sei gepriesen, Daß dein erbar⸗ mungsvolles Herz Sich mir so hülfreich hat erwiesen Und mich durch Blut und Todes⸗ 28⁴ Beten, loben schmerz Von aller Teufel Grausamkeit Zu deinem Ei⸗ genthum befreit. 8. Auch dir sei ewig Ruhm und Ehre, O heilig werther Gottesgeist, Für deines Tro⸗ stes süße Lehre, Die mich ein Kind des Lebens heißt. Ach, wo was Guts von mir ge⸗ schicht, Das wirket nur dein göttlich Licht. ů 9. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sün⸗ denschuld Unsäglich gnädige Geduld. 10. Vor andern küß ich deine Ruthe, die du mir aufgebun⸗ den hast. Wie viel thut sie mir doch zu gute! Sie ist mir eine sanfte Last; Sie macht mich fromm und zeigt dabei, Daß ich von deinen Liebsten ei. ö 11. Ich hab es ja mein Le⸗ betage Schon so manch liebes Mal gespürt, Daß du mich unter vieler Plage Getreulich hast hindurchgeführt; Denn in der größesten Gefahr Ward ich dein Trostlicht stets ge⸗ wahr. 12. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden In deinem steten Lobe stehn? Wie wollt ich auch im tiefsten Leiden Nicht triumphirend einher— gehn? Und fiele auch der Himmel ein, So will ich doch nicht traurig sein. und danken. 13. Drum reiß ich mich jetzt aus der Höhle Der schnöden Eitelkeiten los Und rufe mit erhöhter Seele: Mein Gott, du bist sehr hoch und groß! Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit Gehört dir jetzt und allezeit! 14. Ich will von deiner Güte singen, So lange sich die Zunge regt. Ich will dir Freudenopfer bringen, So lange sich mein Herz bewegt. Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, So stimm ich doch mit Seufzen ein. 15. Ach nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin! Im Him⸗ mel soll es besser werden, Wenn ich bei deinen Engeln bin. Da sing ich dir im hö⸗ hern Chor Viel tausend Hal— lelujah vor. Joh. Menzer, g. 1658, st. 1734. 385. Lasset uns den Herren preisen und vermeh⸗ ren seinen Ruhm! Stimmet an die süßen Weisen, die ihr seid sein Eigenthum! Ewig währet sein Erbarmen! Ewig will er uns umarmen Mit der süßen Liebeshuld, Nicht ge⸗ denken unsrer Schuld. Prei⸗ set ewig seinen Namen, Die ihr seid von Abrams Samen! Rühmet ewig seine Werke, Gebet ihm Lob, Ehr und Stärke! 2. Ehe noch ein Menschge⸗— boren, Hat er uns zuvor er⸗ kannt Und in Christo aus⸗ ——..„rI„n.— 'hnhn, z, l 4 * — Beten, loben erkoren, Seine Huld uns zugewandt. Selbst der Him⸗ mel und die Erden Müssen uns zu Dienste werden, Weil wir durch sein liebstes Kind Seine Kinder worden sind. Ewig solche Gnade währet, Die er uns in ihm besche⸗ ret. Ewig wollen wir uns Hn. Ueber alles ihn zu lie⸗ en. 3. Ja, wir wollen nun mit Freuden, Zu dem lieben Vater gehn, Uns in seiner Liebe wei⸗ den, Wie die thun, so vor ihm stehn, Heilig, heilig, heilig sin⸗ gen; Hallelujah soll erklingen UnsermGotte und dem Lamm, Unserm holden Bräutigam. Lasset seinen Ruhm erschallen Und erzählt sein Werk vor al⸗ len, Daß er ewig uns erwäh⸗ let Und zu seinem Volk ge⸗ zählet. 4. Lernet euren Jesum ken⸗ nen, Der euch theur erkaufet hat. Lernet ihn fein lieblich nennen Euren Bruder, Freund und Rath, Euern starken Held im Streiten, Eure Lust in Fröhlichkeiten, Euren Trost und euer Heil, Euer aller⸗ bestes Theil. Ewig solche Güte währet, Die euch durch ihn widerfähret, Ewig soll das Lob erklingen, Das wir ihm zu Ehren singen. 5. Tretet nur getrost zum Throne, Da der Gnadenstuhl zu sehn. Es kann euch von Gottes Sohne Nichts, als Lieb und Huld geschehn. Er er⸗ 28⁵ wartet mit Verlangen, Bis er könne uns umfangen Und das allerhöchste Gut Uns mit⸗ theilen durch sein Blut. Gro⸗ ße Gnad ist da zu finden. Er will sich mit uns verbinden, Und soll niemals etwas kön⸗ nen Uns von seiner Liebe trennen. 6. Er hat nunmehr selbst die Fülle Seiner Gottheit aufge⸗ than, Und es ist sein ernster Wille, Daß nun komme je⸗ dermann. Keiner soll sich hie⸗ bei schämen, Sondern Gnad um Gnade nehmen. Wer ein hungrig Herze hat, Wird aus seiner Fülle satt. Ewig solche Fülle währet, Die uns so viel Guts bescheret. Wonne, die uns ewig tränket, Wird uns daraus eingeschenket. 7. Nun, o Vater, unser Lal⸗ len, Da wir schwachen Dank dir weihn, Laß dir gnädig wohlgefallen, Bis wir alle insgemein Ewig deine Gü⸗ tigkeiten Mit gesammtem Lob ausbreiten, Da wir werden Gloria Singen und Hallelu⸗ jah. Preis, Ehr, Ruhm, Dank, Macht und Stärke, Und was rühmet seine Werke, Werde unserm Gott gegeben! Laßt uns ihm zu Ehren leben! Chr. Jac. Koitsch, g. 167I, st. 784. und danken. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 386. Womit soll ich dich wohl loben, Mächtiger Herr Zebaoth! Sende mir dazu von oben Deines Geistes Kraft, 286 Beten, loben mein Gott! Denn ich kann mit nichts erreichen Deine Gnad und Liebeszeichen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 2. Herr, entzünde mein Ge⸗ müthe, Daß ich deine Wun⸗ dermacht, Deine Gnade, Treu und Güte Stets erhebe Tag und Nacht; Denn von deinen Gnadengüssen Leib und Seele zeugen müssen. Tausend,‚ tau⸗ sendmal sei dir, Großer Kö⸗ nig, Dank dafür! 3. Denk ich, wie ich dich ver⸗ lassen Und gehäufet Schuld auf Schuld, So möcht ich vor Scham erblassen Vor der Langmuth und Geduld, Wo⸗ mit du, o Gott, mich Armen Hast getragen mit Erbar⸗ men. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 4. Ach ja, wenn ich überlege, Mit was Lieb und Gütigkeit Du durch so viel Wunderwege Mich geführt die Lebenszeit; So weiß ich kein Ziel zu fin⸗ den Noch den Grund hier zu ergründen. Tausend, tausend⸗ mal sei dir, Großer König Dank dafür! 5. Du, Herr, bist mir nach⸗ gelaufen, Mich zu reißen aus der Glut; Denn da mit der Sünder Haufen Ich nur suchte irdisch Gut, Hießest du auf dies mich achten, Wornach man zuerst soll trachten. Tau⸗ send, tausendmal sei dir, Gro⸗ ßer König, Dank dafür! und danken. 6. O wie hast du meine Seele Stets gesucht zu dir zu ziehn, Daß ich aus der Sün⸗ denhöhle Möchte zu den Wun⸗ den fliehn, Die mich ausge⸗ söhnet haben Und mir Kraft zum Leben gaben! Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 7. Ja, Herr, lauter Gnad und Wahrheit Sind vor dei⸗ nem Angesicht. Du, du trittst hervor in Klarheit, In Ge— rechtigkeit, Gericht, Daß man soll aus deinen Werken Deine Güt und Allmacht merken. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 8. Wie du setzest jedem Din⸗ ge Zeit, Zahl, Maß, Gewicht und Ziel, Damit keinem zu geringe Möcht geschehen, noch zu viel: So hab ich auf tau⸗ send Weisen Deine Weisheit auch zu preisen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 9. Bald mit Lieben, bald mit Leiden Kamst du, Herr, mein Gott, zu mir, Nur mein Herze zu bereiten, Sich ganz zu er⸗ geben dir, Daß mein gänz⸗ liches Verlangen Möcht an deinem Willen hangen. Tau⸗ send, tausendmal sei dir, Gro⸗ ßer König, Dank dafür! 10. Wie ein Vater nimmt und giebet, Nachdems Kin⸗ dern nützlich ist, So hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist, Und dich meiner angenommen, Wenns auch gleich aufs Höchste kom⸗ men. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 11. Mich hast du auf Ad⸗ lersflügeln Oft getragen vä⸗ terlich, In den Thälern, auf den Hügeln Wunderbar er⸗ rettet mich. Wenn schien alles zu zerrinnen, Ward doch dei⸗ ner Hülf ich innen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 12. Fielen tausend mir zur Seiten Und zur Rechten zehn⸗ mal mehr, Ließest du mich doch begleiten Durch der En⸗ gel starkes Heer, Daß den Nöthen, die mich drangen, Ich jedennoch bin entgangen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 13. Vater, du hast mir er⸗ zeiget Lauter Gnad und Gü⸗ tigkeit, Und du hast zu mir geneiget, Jesu, deine Freund⸗ lichkeit, Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd ich stets noch eingeladen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 14. Tausendmal sei dir ge⸗ sungen, Herr, mein Gott, Preis, Lob und Dank, Daß es mir bisher gelungen! Ach laß meines Lebens Gang Fer⸗ ner doch durch Jesu Leiten ‚ Nur gehn in die Ewigkeiten. Da will ich, Herr, für und für Ewig, ewig danken dir. Ludw. Andr. Gotter, g. 1661,st. 1735. Beten, loben und danken. 287 Mel. Von Gott will ich nicht lassen. 3887. An Gott will ich gedenken; Denn er gedenkt an mich, Wenn mich die Sorgen kränken, So hebt mein Herze sich Zu meinem Gott empor. Bald weichen alle Schmer⸗ zen; Denn er stellt meinem Herzen Nichts, als Vergnü⸗ gen vor. 2. Denk ich an seine Liebe, — Wie werd ich doch entzückt, Daß, wenn es noch so trübe, Mir gleich die Sonne blickt. Da kommt mir immer ein: Er hat sich hoch vermessen“), Er will mein nicht vergessen. Wie könnt ich traurig sein? *) mir fest versprochen. 3. Denk ich an seine Güte, Die alle Morgen neu, So freut sich mein Gemüthe Bei solcher Vatertreu. Die Last werf ich auf ihn. So wird die Arbeit süße, Wenn ich gleich Schweiß vergieße; Denn Gott ist mein Gewinn. 4. Denk ich an sein Erbar⸗ men, Er schenket mir sein Kind: O Gnade für mich Ar⸗ men! Heißt das nicht treu⸗ gesinnt? Gott ist in Christo mein. Gott müßte Christum hassen. Wenn er mich wollte lassen. Das kann unmöglich ein. 5. Drum will an Gott ich denken, Die Welt mag im⸗ merhin Den Sinn aufs Eitle lenken; Hier ist ein andrer Sinn. Ich trage Gott allein LᷣUvV gap 2 —4. — —* 288 Beten, loben und danken. Im Herzen und im Munde, So kann mir keine Stunde Allhier zu lange sein. 6. An Gott will ich geden⸗ ken, So lang ich denken kann. Wird man ins Grab mich senken, So geh ich zwar die Bahn, Da mein die Welt ver⸗ gißt; Doch Gott gedenkt noch meiner, Wenn auch auf Er⸗ den keiner Mein eingedenk mehr ist. Benjam. Schmolk, g. 1672, st. 1737. Mel. Wunderbarer König. 388. Gott ist gegen⸗ wärtig! Lasset uns anbeten Und in Ehrfurcht vor ihn tre⸗ ten. Gott ist in der Mitten! Alles in uns schweige Und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, Wer ihn nennt: Schlagt die Augen nieder, Kommt, ergebt euch wieder. 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen. Heilig! heilig! heilig! Sin⸗ gen ihm zur Ehre Aller En⸗ gel hohe Chöre. Herr, ver⸗ nimm Unsre Stimm, Da auch wir Geringen Unsre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben Dir zum Eigenthum ergeben. Du allein Sollst es sein, Un⸗ ser Gott und Herre; Dir ge⸗ bührt die Ehre. 4. Majestätisch Wesen, Möcht ich dich recht preisen Und im Geist dir Dienst er⸗ weisen! Möcht ich, wie die Engel, Immer vor dir stehen Und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott, in allem. 5. Luft, die alles füllet, Drin wir immer schweben, Aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir. Laß mich ganz verschwinden, Dich nur sehn und finden. 6. Du durchdringest alles. Laß dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonnesstille halten: Last mich so Still und froh Deine Strahlen fassen Und dich wirken lassen. 7. Mache mich einfältig, Innig abgeschieden, Sanfte und in stillem Frieden. Mach mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schauen mag in Geist und Wahrheit. Laß mein Herz Himmelwärts, Wie ein Adler, schweben Und in dir nur leben. 8. Herr, komm in mir woh⸗ nen; Laß mein Geist auf Erden Dir ein Heiligthum noch wer⸗ den. Komm, du nahes Wesen; Dich in mir verkläre, Daß ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, Sitz und steh, Laß mich dich erblicken Und vor dir mich bücken. G. Tersteegen, g. 1697, st. 1760, Beten, loben Mel. Wachet auf! ruft uns die ꝛc. 389. Großer Gott, wir fallen nieder. Zwar du be⸗ darfst nicht unsrer Lieder: Uns ziemt und nützt dein Lob so sehr. Dir zum Lob sind wir geboren, So theur er⸗ kauft, so hoch erkoren. O Seligkeit, dir geben Ehr!— Zu deinem Lobe nur Ist alle Creatur. Selges Wesen, Zu dir wir nahn Und beten an. In Geist und Wahrheit seis gethan. 2. Tag und Nacht mit Ehr⸗ furcht dienen Dir Seraphim und Cherubinen, Der Engel Schaaren ohne Zahl. Alle Geister, die dich kennen, Dich heilig, heilig, heilig nennen; Sie fallen nieder allzumal. Ihr Seligsein bist du. Dir jauchzet alles zu. Amen! Amen! Auch wir sind dein Und stimmen ein: Du, Gott, bist unser Gott allein! 3. Droben knien vor deinem Throne Die Aeltesten mit goldner Krone, Der Erstge⸗ bornen selge Schaar, Sammt den unzählbaren Frommen, Die durch den Sohn zu dir gekommen; Sie bringen ihre Psalmen dar: Macht, Weis⸗f heit, Herrlichkeit, Preis, Dank in Ewigkeit! Amen! Amen! Auch wir sind dein Und stim⸗ men ein: Du, Gott, bist un⸗ ser Gott allein! 4. Alle preisen deine Werke, Die Weisheit, Liebe, Huld und Stärke, Die über alles Denken geht. Treue, Lang⸗ und danken. 289 muth, Licht und Segen Ist, Herr, in allen deinen Wegen, Kein Lob ist, das dich gung erhöht; Doch ist es einge⸗ prägt In alles, was sich regt. Amen! Amen! Auch wir sind dein Und stimmen ein: Du, Gott, bist unser Gott allein. 5. Komm, in uns dich zu verklären, Daß wir dich wür⸗ diglich verehren. Nimm unser Herz zum Heiligthum, Daß es, ganz von dir erfüllet Und durch dein Nahesein gestillet, Zerfließ in deiner Gottheit Ruhm. Dich, unser höchstes Gut, Erhebe Geist und Muth. Amen! Amen! Im Freuden⸗ schein, In Leid und Pein Bleibst du, Gott, unser Gott allein. Nach Gerh⸗⸗Terstergen, g⸗ 1697, st. 1769. Mel. Christus, der ist mein Leben. 390. Ach bleib mit dei⸗ ner Gnade Bei mir, Herr Jesu Christ; Denn alles ist nur Schade, Was und wo du nicht bist. 2. Ach bleih mit deinem Lichte Bei mir, du Licht der Welt, Damit, was ich ver⸗ richte, In dir Gott wohlge⸗ ällt. 3. Ach bleib mit deinem Le⸗ ben, O Lebensfürst, bei mir. Dich freudig zu erheben, Herr Jesu, gieb du mir. 4. Ach bleib mit deinem Frieden Mir immer innig nah. Bleib von mir unge⸗ schieden; Sei auch im Tode da. 19 5. Ach bleib mit deinem Segen, Mit deinem Kreuz und Blut; Mit deinem Gna⸗ denregen Erquicke Herz und Muth. 6. Ach bleib mit deinen Kräften, Mein Leben, meine Kraft, Zu göttlichen Geschäf⸗ ten, Zur guten Ritterschaft. 7. Ach bleib mit deiner Treue; Mein Gott, verlaß mich nicht, Daß ich mich dei⸗ ner freue, Wenn Herz und Auge bricht. 8. Ach bleib mein Ein und Alles, Mein Reichthum, Lust und Ruhm, Mein starker Trost des Falles, Mein gan⸗ zes Eigenthum. 9. Und laß mich bei dir bleiben; Herr Jesu, nimm mich hin. Laß mich auch ster⸗ bend gläuben, Daß ich ganz deine bin. Friedr. Aug. Weihe, g. 1721, st. 1771. Mel. Straf mich nicht in deinem ꝛc. 391. Betgemeine, heil⸗ ge dich Mit dem heilgen Oele. Jesu Geist ergieße sich Dir in Herz und Seele. Laß den Mund Alle Stund Vom Ge⸗ bet und Flehen Heilig über⸗ gehen. 2. Heilige den heilgen Brand, Deines Geists Verlangen, Dem, ders Blut an dich ge⸗ wandt, Heilig anzuhangen. Heilger Rauch Sei es auch, Der zu Gott aufgehet, Wenn dein Herze flehet. 3. Das Gebet der frommen Christi Herrlichkeit Offenbaret Schaar, Was sie fleht und Beten, loben und danken. bittet, Das wird auf dem Rauchaltar Vor Gott ausge⸗ schüttet; Und da ist Jesus Christ Priester und Verüh⸗ ner Aller seiner Diener. 4. Dieser Allerheilgen⸗Rauch Muß ja viel vermögen. Laßt uns unser Körnlein auch Auf die Kohlen legen. Schmelze doch Heute noch In der Liebe Flammen Aller Herz zusam⸗ men. 5. Kann ein einiges Ge⸗ bet Einer gläubgen Seelen, Wenns zum Herzen Gottes geht, Seines Zwecks nicht fehlen: Was wirds thun, Wenn sie nun Alle vor ihn treten Und zusammen beten! 6. Wenn die Heilgen dort und hier, Große mit den Kleinen, Engel, Menschen mit Begier Alle sich vereinen, Und es geht Ein Gebet Aus von ihnen allen: Wie muß das erschallen! 7. O der unerkannten Macht Von der Heilgen Beten! Ohne das wird nichts vollbracht, So in Freud, als Nöthen. Schritt für Schritt Wirkt es mit, Wie zum Sieg der Freun⸗ de, So zum End der Feinde. 8. O so betet alle drauf, Betet immer wieder! Heilge Hände hebet auf, Heiligt eure Glieder! Heiliget Das Gebet, Daß zu Gott sichs schwinget; Betet, daß es dringet. 9. Betet, daß die letzte Zeit Vollends übergehe, Daß man ——. sehe. Stimmet ein Insgemein Mit der Engel Sehnen Nach dem Tag, dem schönen. 10. Eure Bitten, die ihr thut Zu Gott von der Erden, Sollen eine heilge Glut Des Altares werden; Aber eur Eignes Feur Lasset weit von dannen Von der heilgen Pfannen. 11. Das Gebet hat Christi Gunst, Wo mans ernstlich Allgemeine Fürbitte. 291 übet; Und das ist der Heilgen Kunst: Beten, wie ers liebet, Daß gescheh, Je und je, Wie ers vorgenommen Auf sein endlich Kommen. 12. Dies Verlangen muß vorher In der Seele glim⸗ men, So macht aus den Bit⸗ ten er Donner, Blitz und Stimmen; Die ergehn Und geschehn, Daß die Feinde be⸗ ben Und Gott Ehre geben. Chr. Carl. Lud. v. Pfeil, g. 1712, st. 1784. Allgemeine Fürbitte. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 392. Herr, höre, Herr, erhöre! Breit deines Namens Ehre An allen Orten aus. Behüte alle Stände Durch deiner Allmacht Hände, Schütz Kirche, Obrigkeit und Haus. 2. Ach laß dein Wort uns allen Noch ferner rein erschal⸗ len Zu unsrer Seelen Nutz. Bewahr uns vor den Rotten, Die deiner Wahrheit spotten; Beut allen deinen Feinden Trutz. 3. Gieb, Herr, getreue Leh⸗ rer Und unverdrossne Hörer, Die beide Thäter sein. Auf Pflanzen und Begießen Laß dein Gedeihen fließen Und ernte reiche Früchte ein. 4. Gieb unserm König Glücke; Laß deine Gnadenblicke Auf 5. Laß alle, die regieren, Ihr Amt getreulich führen, Und schaffe jedem Recht, Daß Fried und Treu sich küssen, Wir nichts als Gnade wissen; Segn uns als dein erwählt Geschlecht. 6. Ach wend in allen Gna⸗ den Krieg, Feuer, Wasserscha⸗ den, Sturm, Seuch und Ha⸗ gel ab. Bewahr des Landes Früchte Und mache nicht zu⸗ nichte, Was uns dein milder Segen gab. 7. Verleih uns Ruh und Friede, Mach all Feinde mü⸗ de; Gieb uns gesunde Luft. Laß Noth und theure Zeiten Sich nie bei uns ausbreiten, Wo man nach Brod aus Hun⸗ ger ruft. 8. Die Hungrigen erquicke Und bringe die zurücke, Die den Gesalbten gehn; Schütz sonst verirret gehn. Die Witt⸗ ihn auf seinem Throne, Laß wen und die Waisen Wollst Seepter, Reich und Krone du mit Troste speisen, Wenn In segensvollem Glanze stehn. sie zu dir um Hülfe flehn. 292 9. Sei Vater aller Kinder, Der Schwangern ihr Entbin⸗ der, Gieb Säugenden Ge⸗ deihn. Zieh unsre zarte Ju⸗ gend Zur Frömmigkeit und Tugend, Daß sich die Eltern ihrer freun. 10. Hilf, als ein Arzt, den Kranken, Und die im Glau⸗ ben wanken, Laß nicht zu Grunde gehn. Die Alten heb und trage, Auf daß sie ihre Plage Und Noth geduldig überstehn. Beten, loben und danken. 11. Bleib der Verfolgten Stütze; Die Reisenden be⸗ schütze: Die Sterbenden be⸗ gleit Mit deinen Engelschaa⸗ ren, Daß sie in Frieden fahren Zu Zions Freud und Herr⸗ lichkeit. 12. Nun Herr, du wirst erfüllen, Was wir nach dei⸗ nem Willen In Demuth jetzt begehrt. Wir sprechen nun das Amen In unsers Jesu Namen, So ist gewiß der Wunsch gewährt. Benjam. Schmolk, g. 1672, st. 1737. Für die Obrigkeit. Mel. Aus meines Herzens Grunde. 393. Jehovah, Herr und König Der Könige und Herrn, Dir ist man unterthänig, Du herrschest nah und fern. Du, Herr, im Himmelszelt, Läßt unter deinem Leiten Bestehn die Obrigkeiten, Zu herrschen in der Welt. 2. Es zeugen deine Knechte, Daß keine Obrigkeit, Als nur durch deine Rechte Und deine Macht gebeut. Du hast sie hochgeschätzt:; Wer ihr zu⸗ wider lebet, Der trotzt und widerstrebet Dem, was du selbst gesetzt. 3. Du Gott der Ordnung, lehre Mich selbst durch deinen Geist, Daß ich die Obern ehre, Wie uns dein Wort es heißt. Sie tragen ja dein Bild. Gieb, daß ich Demuth übe Und sie mit Ehrfurcht liebe, Wie du es haben willt. 4. Verleihe deine Güte Und sende Recht und Licht. Gieb ihnen ins Gemüthe Viel Weisheit zum Gericht. Du herrschest selbst im Land. Das Herz der Obrigkeiten Kannst du wie Bäche leiten; Es steht in deiner Hand. 5. Gieb, daß durch ihr Re⸗ gieren Wir mit Zufriedenheit Ein ruhig Leben führen In wahrer Frömmigkeit. Laß sie die Pfleger sein Der gläubi⸗ gen Gemeinde Und als ge⸗ treue Freunde Ihr heilge Sorgfalt weihn. 6. Die uns allhier regieren, Herr, die regiere du. Laß deinen Geist sie führen, Dein Rath sprech ihnen zu. Herr Gott, du segnest gern. O walte du hienieden; Gieb dei⸗ nem Volke Frieden, Durch Jesum, unsern Herrn. Phil. Friedr. Hiller, g. 1699, fl. 1769. Für den Für den Mel Nun lob, mein Seel, den Herren. 39 H. Gott Lob! nun ist erschollen Das edle Fried⸗ und Freudenwort, Daß nun⸗ mehr ruhen sollen Die Spieß und Schwerter und ihr Mord. Wohl auf, und nimm nun Frieden. 293 Frieden. 4. Das drückt uns niemand besser In unsre Seel und Herz hinein, Als ihr zerstörten Schlösser Und Städte voller Schutt und Stein; Ihr vor⸗ mals schönen Felder, Mit frischer Saat bestreut, Jetzt aber lauter Wälder Und dürre, wieder Dein Saitenspiel her⸗ wüste Haid; Ihr Gräber vol⸗ vor! O Deutschland, singe ler Leichen Und tapfrem Hel⸗ Lieder Im hohen, vollen denschweiß, Der Helden, derer Chor! Erhebe dein Gemüthe Gleichen Auf Erden man nicht Zu deinem Gott und sprich: weiß. Herr, deine Gnad und Güte 5. Hier trübe deine Sinnen, Bleibt dennoch ewiglich. O Mensch, und laß den Thrä⸗ 2. Wir haben nichts ver⸗ nenbach Aus beiden Augen dienet, Als schwere Straf und rinnen! Geh in dein Herz und großen Zorn, Weil stets noch denke nach! Was Gott bisher bei uns grünet Der freche,‚ gesendet, Das hast du nicht schnöde Sündendorn. Wir geacht; Nun hat er sich ge⸗ sind fürwahr geschlagen Mit wendet Und väterlich bedacht, harter, scharfer Ruth, Und Vom Grimm und scharfen dennoch muß man fragen: Dringen Zu deinem Heil zu Wer ist, der Buße thut? Wir ruhn, Ob er dich möchte zwin⸗ sind und bleiben böse, Gott gen Mit Lieb und Gutes⸗ ist und bleibet treu, Hilft, daß thun. sich bei uns löse Der Krieg 6. Ach laß dich doch er⸗ und sein Geschrei. wecken, Wach auf, wach auf, du 3. Sei tausendmal willkom⸗ harte Welt! Eh, als das letzte men, Du theure, werthe Frie⸗Schrecken Dich schnell und densgab! Jetzt sehn wir, was plötzlich überfällt. Wer aber für Frommen Dein Beiuns⸗Christum liebet, Sei uner⸗ wohnen in sich hab. In dir schrocknes Muths. Der Friede, hat Gott versenket All unser den er giebet, Bedeutet alles Glück und Heil; Wer dich be- Guts. Er will die Lehre trübt und kränket, Der drückt geben: Das Ende naht her⸗ sich selbst den Pfeil Des Herz- zu, Da sollt ihr bei Gott leids in das Herze Und löscht leben In ewgem Fried und aus Unverstand Die güldne Ruh. Freudenkerze Mit seiner eig⸗ Paul Gerhardt. g. 1606, st. 1676. nen Hand. 29⁴4 Beten, loben und danken. Für den Ehestand. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. 395. Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ, Im Stande, da dein Segen ist, Im Stande heilger Ehe! Wie steigt und neigt sich deine Gab Und alles Gut so mild herab Aus deiner heil⸗ gen Höhe, Wenn sich An dich Fleißig halten Jung und Alten, die im Orden Eines Lebens einig worden! 2. Wenn Mann und Weib auf dich, Herr, sehn Und un⸗ verrückt beisammen stehn Im Bunde reiner Treue: Da geht das Glück in vollem Lauf, Da sieht man, wie der Engel Hauf Im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, Kein Wurm Kann zerschla⸗ gen, kann zernagen, was Gott giebet Dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Vor allem giebt er seine Gnad, In derer Schoß er früh und spat Sein Hochgeliebten heget. Da spannt sein Arm sich täglich aus, Da faßt er uns und unser Haus, Gleich als ein Vater pfleget. Da muß Ein Fuß Nach dem an⸗ dern gehn und wandern, bis sie kommen In das Zelt und Sitz der Frommen. 4. Sei gutes Muths! Wir sind es nicht, Die diesen Or⸗ den aufgericht: Es ist ein höh⸗ rer Vater. Der hat uns je und je geliebt Und bleibt, wenn unsre Sorg uns trübt, Der beste Freund und Rather. Anfang, Ausgang Aller Sa⸗ chen, die zu machen wir ge⸗ denken, Wird er wohl und weislich lenken. 5. Zwar bleibts nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stünd⸗ lein, da man leidensvoll Die Thränen lässet fließen; Je⸗ dennoch, wer sich in Geduld Ergiebt, deß Leid wird Got⸗ tes Huld In großen Freuden schließen. Sitze, schwitze Nur ein wenig; unser König wird behende Machen, daß die Angst sich wende. 6, Wohl her, mein König, nah herzu! Gieb Rath im Kreuz, in Nöthen Ruh, In Aengsten Trost und Freude! Deß sollst du haben Ruhm und Preis; Wir wollen sin⸗ gen bester Weis Und danken alle beide, Bis wir Bei dir Deinen Willen zu erfüllen, deinen Namen Ewig loben werden. Amen! Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Es ist 65 Heil uns kommen her. 396. In Gottes Namen fang ich an, Was mir zu thun gebühret. Mit Gott wird alles wohl gethan Und glücklich ausgeführet. Was man in Gottes Namen thut, Ist allenthalben recht und gut Und muß uns auch gedeihen. * Für den Ehestand. 2. Gott ists, der das Ver⸗ mögen schafft, Das Gute zu vollbringen. Er giebt uns Segen, Muth und Kraft Und läßt das Werk gelingen, Daß uns ein reicher Zug entsteht Und dergestalt zur Nahrung geht, Daß wir die Fülle haben. 3. Wer erst nach Gottes Reiche tracht Und bleibt auf seinen Wegen, Der wird gar leichtlich reich gemacht Durch Gottes milden Segen. Da wird der Fromme voll und satt, Daß er von seiner Ar⸗ beit hat, Auch Armen Brod zu geben. 4. Gott ist der Frommen Schild und Lohn, Er krönet s sie mit Gnaden. Der bösen Welt Haß, Neid und Hohn Kann ihnen gar nicht schaden. Gott decket sie mit seiner Hand, Er segnet ihre Stadt, ihr Land Und füllet sie mit Freuden. 5. Ach mein Herr Jesu, stärke mich, Hilf mir in mei⸗ nen Werken; Laß du mit dei⸗ ner Gnade dich Bei meiner Arbeit merken. Gieb dein Gedeihen selbst dazu, Daß ich in allem, was ich thu, Ererbe deinen Segen. 6. Nun, Jesu, komm und bleib bei mir. Die Werke meiner Hände Befehl ich, liebster Heiland, dir. Hilf, daß ich sie vollende Zu deines Namens Herrlichkeit Und gieb, daß ich zur Abendzeit Erwünschten Lohn empfange. ————.—.—...ͤa——— 29⁵5 Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 397. O Gott, deß gna⸗ denvoller Rath Den Ehstand eingesetzet hat, Der du ihn segnest, schützest, liebst Und ihm Glück, Heil und Gnade giebst: 2. Wend ab des Satans Macht und List Und was sonst Ehen schädlich ist, Auf daß kein Bosheit voller Gift Bei Ehegatten Zwietracht stift. 3. Gieb Segen, wenn ihr treuer Fleiß In ihres An⸗ gesichtes Schweiß Die Nah⸗ rung sucht; gieb, daß dabei Auch stets ein rein Gewissen ei. 4. Gieb, daß sie mit Gebet und Flehn In Lieb und Ein⸗ tracht zu dir gehn Und rufen dich um Segen an, Auf daß ihr Werk sei wohlgethan. 5. Und wenn sie Kreuz und Leiden drückt, So zeige, daß du es geschickt. Hilf bald und gieb, daß sie zuletzt Dein gna⸗ denreicher Trost ergötzt. 6. Laß Eltern Schand und Sünde fliehn Und fromme Kinder auferziehn, Daß Ei⸗ nigkeit, Zucht, Scham und Treu Zu aller Zeit im Wachs⸗ thum sei. 7. Laß, die im Ehestande stehn, Sich, Herr, durch dich gesegnet sehn. Gieb, daß sie deinen Willen thun Und unter deinem Schutze ruhn. 8. O treuer Gott, wir bit⸗ ten dich, Regiere sie stets M. Salomo Liscov, g. 1640, st. 1689. gnädiglich, Erhalte sie die x — * . 4 . 5 F Beten, loben Lebenszeit In deiner Furcht und Heiligkeit. 9. So bringen sie dir Lebens⸗ lang Für solche Gnade herzlich Dank, Bis dich, Gott Vater, Sohn und Geist, Ihr froher Mund dort ewig preist. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 898. Sorge doch für meine Kinder, Vater, nimm dich ihrer an. Sind sie gleich vor dir nur Sünder, Sind sie dir doch zugethan Und durch deines Sohnes Blut Gleichwohl dein erworbnes Gut, In der Tauf dir über⸗ geben, Dein zu sein in Tod und Leben. 2. Du hast sie bisher ernäh— ret Und so manchem Unglücks⸗ fall Mehr als väterlich geweh— ret, Welcher sonsten überall Leichtlich hätte sie gestürzt, Ja ihr Leben abgekürzt; Aber deine Vatertreue Bleibt bei ihnen täglich neue. 3. Sollt ich dir für solche Güte, Herr, nicht stets ver— pflichtet sein Und mit dankba⸗ rem Gemüthe Solchen Glücks— und Segensschein Rühmen und vor jedermann Deine Wohlthat zeigen an? Ach so würd ich ganz vermessen Got⸗— tes, meines Heils, vergessen! 4. Herr, du bists, was mich ergötzet, Meiner Seelen Trost und Heil, Das mein Herz am höchsten schätzet; Herr, du bist mein Gut und Theil. Bleib und danken. auch meiner Kinder Gott, Laß sie doch in keiner Noth, Auch im Glücke nicht, verderben, Bis sie endlich selig sterben. 5. Schütze sie vor bösen Leu⸗ ten Und vor der Verführer Schaar. Laß doch ihren Fuß nicht gleiten; Laß sie ihre Lebensjahr In der Gnade bringen zu, Bis du sie nach mir zur Ruh Wirst ins kühle Grab versenken Und die Se— ligkeit uns schenken. 6. Können sie auf dieser Erden Deinem Reich, so dirs gefällt, Und dem Nächsten nützlich werden, So laß in der ganzen Welt Ihnen, wo sie immer gehn, Deine Furcht vor Augen stehn, Daß sie dich im Thun und Lassen Stets in ihre Herzen fassen. 7. Endlich, wenn die Jahr verflossen, Daß sie diese Le⸗ benszeit Hier in Gottesfurcht genossen Und sie in die Ewig⸗ keit Sollen ihren Eintritt thun: So laß alle Schmerzen ruhn Und laß sie nach sanftem Sterben Glaubensvoll den Himmel erben. 8. Gönne mir die große Freude, Daß am lieben jüng⸗ sten Tag Nach so vielem Kreuz und Leide Ich mit Jauchzen sagen mag: Siehe, Vater, ich bin hier Nebst den Kindern, die du mir In der Welt einst bast gegeben! Ewig will ich dich erheben! J. L. Schlosser. g. 1702, fl. 1754. 0 0 Im Sommer. Im Sommer. Mel. Heut singt die liebe Christen⸗ eit 399. Geh aus, mein Herz, und suche Freud In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier Und siehe, wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket ha⸗ ben. 2. Die Bäume stehen voller Laub, Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem grü⸗ nen Kleide. Nareissus und die Tulipan, Die ziehen sich viel schöner an Als Salomonis Seide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täublein fleugt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder. Die hochbegabteNachtigall Ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. 4. Die Glucke führt ihr Völklein aus, Der Storch baut und bewohnt sein Haus, Das Schwälblein speist ihr Jungen. Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kommt aus seiner Höh Jus tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in den Sand Und malen sich und ihren Rand mit schattenrei⸗ chen Myrthen. Die Wiesen liegen hart dabei Und klingen ganz von Lustgeschrei Der Schaf und ihrer Hirten. 6. Die unverdroßne Bie⸗ nenschaar Fleugt hin und her, sucht hier und dar Ihr edle Honigspeise. Des süßen Wein⸗ stocks starker Saft Bringt täg⸗ lich neue Stärk und Kraft In seinem schwachen Reise. 7. Der Weizen wächset mit Gewalt; Darüber jauchzet Jung und Alt Und rühmt die große Güte Deß, der so überflüssig labt Und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüthe. 8. Ich selbsten kann und mag nicht ruhn; Des gro⸗ ßen Gottes großes Thun Er⸗ weckt mir alle Sinnen. Ich singe mit, weil alles singt, Und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk ich, bist du hie so schön Und läßt dus uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden: Was will doch wohl nach dieser Welt Dort in dem reichen Himmelszelt Und güldnen Schlosse werden! 10. Welch hohe Lust, welch heller Schein Wird dort in Christi Garten sein! Wie muß es da wohl klingen, Da so viel tausend Seraphim Mit unver⸗ droßnem Mund und Stimm Ihr Hallelujah singen! 11. O wär ich da! o ständ ich schon, Ach süßer Gott, vor deinem Thron Und trüge /e:/eeeeeeeeeeeeeeee ʒñʒ e⸗ ⸗/⸗/⸗:⸗:⸗-⸗=⸗-⸗-⸗⸗e—⸗— SS 99 9.. 298 meine Palmen: So wollt i nach der Engel Weis Erhöhen deines Namens Preis Mit tausend schönen Psalmen! 12. Doch will ich gleichwohl, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, Auch nicht gar stille schweigen. Mein Herze soll sich fort und fort an die⸗ sem und an allem Ort Zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf nur und segne mei⸗ nen Geist Mit Segen, der vom Himmel fleußt, Daß ich dir stetig blühe. Gieb, daß der Sommer deiner Gnad In meiner Seelen früh und Beten, loben und danken. ch spat Viel Glaubensfrücht er⸗ ziehe. 14. Mach in mir deinem Geiste Raum, Daß ich dir werd ein guter Baum, Den deine Kräfte treiben. Ver⸗ leihe, daß zu deinem Ruhm Ich deines Gartens schöne Blum Und Pflanze möge bleiben. 15. Erwähle mich zum Pa⸗ radeis Und laß mich bis zur letzten Reis An Leib und Seele grünen: So will ich dir und deiner Ehr Allein, und sonsten keinem mehr, Hier und dort ewig dienen. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Nach der Ernte. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. 00. O Gott, von dem wir alles haben, Die Welt ist ein sehr großes Haus; Du aber theilest deine Gaben Recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich. Ach lieber Gott, wer ist dir gleich! 2. Wer kann die Menschen alle zählen, Die heut bei dir zu Tische gehn! Doch darf die Nothdurft keinem fehlen; Denn du weißt allem vorzu⸗ stehn Und schaffest, daß ein jedes Land Sein Brod em⸗ pfängt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hosfnung säet Und endlich auch die Frucht genießt. Der Wind, der durch die Felder wehet, Die Wolke, so das Land begießt, Des Himmels Thau, der Sonne Strahl, Sind dei⸗ ne Diener allzumal. 4. Und also wächst des Men⸗ schen Speise; Der Acker selbst wird ihm zu Brod. Es mehret sich vielfältger Weise, Was anfangs schien, als wär es todt, Bis in der Ernte Jung und Alt Erlanget seinen Un⸗ terhalt. 5. Nun, Herr, was soll man mehr bedenken? Der Wuuder sind hier gar zu viel! So viel, als du, kann niemand schen⸗ ken, Und dein Erbarmen hat kein Ziel; Denn immer wird uns mehr beschert, Als wir zusammen alle werth. 6. Wir wollens auch kein⸗ mal vergessen, Was uns dein Segen träget ein. Ein jeder Bissen, den wir essen, Soll deinesNamens Denkmal sein; Und Herz und Mund soll le⸗ benslang Für unsre Nahrung sagen Dank. Casp. Neumann, g. 1648, st. 1715. Mel. Aus meines Herzens Grunde. 01. Die Ernt ist nun zu Ende, Der Segen einge⸗ bracht, Woraus Gott alle Stände Satt, reich und fröh⸗ lich macht. Der alte Gott lebt noch! Man kann es deutlich merken An so viel Liebeswer⸗ ken; Drum preisen wir ihn Nach der Ernte. hoch. 2. Wir rühmen seine Güte, Die uns das Feld bestellt Und oft ohn unsre Bitte Ge⸗ than, was uns gefällt; Die immer noch geschont, Obgleich wir gottlos leben; Die Freud und Ruh gegeben, Daß jeder sicher wohnt. 3. Er hat sein Herz genei⸗ get, Uns Sünder zu erfreun; Genugsam sich bezeiget Durch Regen, Sonnenschein. Wards aber nicht geacht, So hat er sich verborgen Und durch ver⸗ borgnes Sorgen Zum Besten uns gebracht. 4. Zwar manchen schönen Segen Hat böses Thun ver⸗ derbt, Den wir auf guten Wegen Noch hätten sonst geerbt; Doch hat Gott mehr gethan Aus unverdienter Güte, Als Mund, Herz und Gemüthe Nach Würden rüh— men kann. 5. O allerliebster Vater, Du hast viel Dank verdient! Du mildester Berather Machst, daß uns Segen grünt. Wohl⸗ an, dich loben wir Für abge⸗ wandten Schaden, Für viel und große Gnaden; Herr Gott, wir danken dir! 6. Zum Danke kommt das Bitten: Du wollest, frommer Gott, Vor Feuer uns behüten Und aller andern Noth. Gieb friedenvolle Zeit; Erhalte deine Gaben, Daß wir uns damit laben; Regier die Obrigkeit. 7. Besonders laß gedeihen Dein reines wahres Wort, Daß wir uns dessen freuen, Und auch an unserm Ort Dies gute Samenkorn Ver⸗ langte Früchte bringe, Und wir in allem Dinge Recht fromme Leute sein. 8. Gieb, daß zu dir uns lenket, Was du zum Unter⸗ halt Des Leibes hast geschen⸗ ket; Daß wir dich mannigfalt In deinen Gaben sehn, Mit Herzen, Mund und Leben Dir Dank und Ehre geben; O laß es doch geschehn! 9. Kommt unsers Lebens Ende, So nimm du unsern Geist In deine Vaterhände, Da er der Ruh geneußt, Da ihm kein Leid bewußt: So ernten wir mit Freuden Nach ausgestandnem Leiden, Die Garben voller Lust. Gottfr. Tollmann, um 1730. 2 Beten, loben und danken. Am Morgen. a. Am Sounntag. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag 102. Heut ist des Her⸗ ren Ruhetag: Vergesset aller Sorg und Plag, Treibt eure Wochenarbeit nicht, Kommt vor des Höchsten Angesicht. Hallelujah! 2. Kommt her und fallt auf eure Knie Vor Gottes Maje⸗ stät allhie; Es ist sein Heilig⸗ thum und Haus, Wer Sünde liebt, gehört hinaus. Halle⸗ lujah! 3. Rühmt unsers Gottes Wunderthat, Da er aus Nichts erschaffen hat Den Himmel und die ganze Welt, Und was dieselbe in sich hält. Hallelujahl 4. Erkennt mit dankbarem Gemüth, Wie er allein durch seine Güt Uns täglich schützet und ernährt Und manches Unglück von uns kehrt. Hal⸗ lelujah! 5. Denkt auch, daß heut ge⸗ schehen ist Die Auferstehung Jesu Christ, Dadurch die wah— re Freudigkeit In aller Noth uns ist bereit. Hallelujah! 6. Drum wollen wir begehn mit Fleiß Den Tag nach rechter Christen Weis; Wir wollen aufthun unsern Mund Und sagen dies von Herzens⸗ grund: Hallelujah! 7. O Gott, der du den Er⸗ denkreis Erschaffen hast zu deinem Preis, Uns auch be⸗ wahrt so manches Jahr In vieler Trübsal und Gefahr: Hallelujah! 8. Hilf, daß wir alle deine Werk, Voll Weisheit, Güte, Macht und Stärk, Erkennen und je mehr und mehr Aus⸗ breiten deines Namens Ehr. Hallelujah! 9. O liebster Heiland Jesu Christ, Der du vom Tod er⸗ standen bist, Richt unsre Her⸗ zen auf zu dir, Daß sich der Sündenschlaf verlier. Halle⸗ lujah! 10. Gieb deiner Auferste— hung Kraft, Daß dieser Trost ja bei uns haft, Und wir uns drauf verlassen fest, Wenn uns nun alle Welt verläßt. Hallelujah! 11. O heilger Geist, laß uns dein Wort So hören heut und immerfort, Daß sich in uns durch deine Lehr Glaub, Lieb und Hoffnung reichlich mehr. Hallelujah! 12. Erleuchte uns, du wah⸗ res Licht, Entzeuch uns deine Gnade nicht; All unser Thun also regier, Daß wir Gott prei⸗ sen für und für. Hallelujah! 13. Gott Vater, Sohn und Geist, verleih, Daß dieser Tag dir heilig sei, Wir auch die Sabbahtsruh und Freud Er⸗ langen drauf in Ewigkeit. Hallelujah! Nie. Selnecker, g. 1532, st. 1592. Mel. Du Geist des Herrn, der du ꝛc. 03. Auf, auf, mein Herz und du mein ganzer Sinn, Wirf alles heut, was Welt ist, von dir hin! Heut hat das Werk der Schöpfung angefangen, Zu diesem Rund das Licht ist aufgegangen. 2. Auf, auf, mein Herz, wirf alles Irdsche ab! Heut Jesus ist erstanden aus dem Grab. Heut hat er sein Erlö⸗ sungswerk geendet; Heut hat er auch den Geist herabge⸗ sendet. 3. Dies heilig Heut heißt dich auch heilig sein; Gott diesen Tag bei dir will ziehen ein. So ruhe du von Arbeit und von Sünden, Daß er in dir mög seine Ruhe finden. 4. Gott giebet dir sechs Tage für den Leib: Der siebente der Seelen eigen bleib. Sie muß ja auch von sieben einen ha⸗ Am Morgen. du, den ersten, ihm dafür. Der erste wird die andern sechse zieren, Wirst du heut Gott im Mund und Herzen führen. 8. Am ersten du nach Got⸗ tes Reiche tracht, Obschon die Welt nur deiner Andacht lacht. Der Schad ist ihr; dir aber wirds gedeihen, Gott alles Glück auf dich wird reichlich streuen. 9. An diesem Tag hab deine Lust am Herrn. Was wünscht dein Herz, wird er dir geben gern. Befiehl Gott heute deine Weg und Sachen Und hoff auf ihn; gewiß, er wirds wohl machen. 10. Wirst du ihm aber neh⸗ men seinen Tag, So macht er dir die Woche voller Plag. Wer ehret Gott, den ehrt er auch auf Erden; Wer ihn ver⸗ acht, soll auch verachtet werden. Joh Heinr. Calisius, g. 1633, st. 1698. ben, Daß sie sich mög mit Himmelsspeise laben. 5. Viel Sünden dir die Woche ladet auf: An diesem Tag mit Bitten Gnade kauf. Leg ab die Last, geh, Gottes Wort zu hören; Dies laß dir heut die Wochenwege lehren. 6. Sechs Tage dich Gott segnet, schützt und nährt: Heut Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. 04. Licht vom Licht, erleuchte mich Bei dem neuen Tageslichte, Gnadensonne, zeige dich Meinem muntern Angesichte; Wohne mir mit Glanze bei, Daß mein Sab⸗ bath fröhlich sei. 2. Brunnquell aller Selig⸗ er dafür mit Dank will sein keit, Laß mir deine Ströme geehrt. Der erste soll heut für fließen; Mache selbst mein die andern bitten, Daß Gott sie Herz bereit, Deiner Gnade zu woll mit Segen überschütten Igenießen; Streu das Wort 7. Gott wöchentlich giebt mit Segen ein, Laß es hun⸗ sieben Tage dir: Gieb einen dertfrüchtig sein. —— 3. Zünde selbst das Opfer an, Das auf meinen Lippen lieget. Sei mir Weisheit, Licht und Bahn, Daß kein Irrthum mich betrüget, Und kein fremdes Feuer brennt, Welches dein Altar nicht kennt. 4. Laß mich heut und allezeit Heilig, heilig, heilig! singen, Und mich in die Ewigkeit Mit des Geistes Flügeln schwin⸗ gen. Gieb mir einen Vor⸗ schmack ein, Wie es mag im Himmel sein. 5. Ruh in mir und ich in dir; Bau ein Paradies im Herzen. Offenbare dich doch mir Und geuß meiner An⸗ dacht Kerzen Immer neue Nahrung zu, Heilge Liebes⸗ flamme du. 6. Dieser Tag sei dir ge⸗ weiht. Weg mit allen Eitel⸗ keiten! Ich will deiner Herr⸗ lichkeit Einen Tempel zube⸗ reiten, Nichts sonst wollen, nichts sonst thun, Als in dei⸗ ner Liebe ruhn. 7. Du bist mehr, als Salo⸗ mon: Laß mich deine Weis⸗ heit hören. Ich will deinen Gnadenthron Mit gebeugten Knieen ehren, Bis mir deine Sonne lacht Und den schönsten Sonntag macht. Benj. Schmolk, g. 1672, st. 1737. Mel. Mein Jesu, dem die Sera⸗ phinen. 05. Beschwertes Herz. leg ab die Sorgen! Erhebe dich, gebeugtes Haupt! Es Beten, loben und danken. kommt der angenehme Mor⸗ gen, Da Gott zu ruhen hat erlanbt, Da Gott zu ruhen hat befohlen Und selbst die Ruhe eingeweiht. Auf! auf! Du hast vorhin viel Zeit Dem Ei des Herren abgestoh⸗ en. 2. Auf! Laß Aegyptens eit⸗ les Wesen, Die Stoppeln und die Ziegel stehn. Du sollst bethautes Manna lesen Und in des Herren Tempel gehn, Ihm zu bezahlen deine Pflich⸗ ten Und zur Vermehrung sei⸗ nes Ruhms Die Werke deines Priesterthums In tiefster An⸗ dacht zu verrichten. 3. Mein Gott, ich bin vor dir erschienen Und gebe auf dein Winken Acht. Wie kann ich dir gefällig dienen, Wenn mich dein Geist nicht tüchtig macht? Wie wird mein Herz in dir erfreuet, Wenn er nicht stillt der Sünden Qual? Wie bet ich, wenn er meine Schal Mit reinem Weihrauch nicht bestreuet? 4. Kann meine Harfe lieblich klingen, Wenn sie dein Finger nicht berührt? Kann ich die düstre Nacht durchdringen, Wenn dieser Leitstern mich nicht führt? Kann ich ein süßes Opfer werden, Wenn diese Flamm nicht in mich fährt Und mich in deiner Lieb verzehrt Und hebet von dem Staub der Erdenꝰ 5. Mein Jesus hat mein Herz so theuer Zu seinem Tempel eingeweiht: Hier ist dein Herd, hier ist dein Feuer, Die Fülle deiner Herrlichkeit, Dein Heiligthum, dein Stuhl der Gnade, Dein Licht und Recht, das Himmelsbrod; Des Geistes Frucht und dein Gebot Erfüllen diese Bundes⸗ lade. 6. Wenn sich des Lebens Werktag enden, Ruh ich, von allem Frohndienst los; Mein Geist in deinen Vaterhänden, Mein Leib in seiner Mutter Schoß; Bis beides feiern wird dort oben, Wo man in sicherm Frieden ruht, Nichts deuket, redet oder thut, Als dich zu lieben, dich zu loben. Bernh. Walther Marperger, g. 1681, st. 1746. Mel. Gott des Himmels und der Erden. 06. Hallelujah! Schö⸗ ner Morgen, Schöner, als man denken mag! Heute fühl ich keine Sorgen; Denn das ist ein lieber Tag, Der durch seine Rieblichkeit Recht das Innerste erfreut. 2. Süßer Ruhetag der See⸗ len, Sonntag, der voll Lichtes ist, Heller Tag der dunkeln Höhlen, Zeit, in der der Segen fließt, Stunde voller Selig⸗ keit: Du vertreibst mir alles Leid. 3. Ach wie schmeck ich Got⸗ tes Güte Recht als einen Mor⸗ genthau, Die mich führt aus meiner Hütte Zu des Vaters grüner Au! Da hat wohl die Morgenstund Edlen Schatz und Gold im Mund. Am Morgen. 4. Ruht nur, meine Welt⸗ geschäfte! Heute hab ich sonst zu thun. Denn ich brauche alle Kräfte, In dem höchsten Gott zu ruhn. Heut schickt keine Arbeit sich, Als nur Gotteswerk, für mich. 5. Wie soll ich mich heute schmücken, Daß ich Gott ge⸗ fallen mag? Jesus wird die Kleider schicken, Die ich ihm zu Ehren trag. Sein Blut und Gerechtigkeit Ist das schönste Sonntagskleid. 6. Ich will in der Zions⸗ stille Heute voller Arbeit sein; Denn da sammle ich die Fülle Von den höchsten Schätzen ein, Wenn mein Jesus meinen Geist Mit dem Wort des Le⸗ bens speist. 7. Herr, ermuntre meine Sinnen Und bereite selbst die Brust; Laß mich Lehr und Trost gewinnen, Gieb zu dei⸗ nem Manna Lust, Daß mir deines Wortes Hall Recht tief in mein Herze fall. 8. Segne deiner Knechte Lehren, Oeffne selber ihren Mund. Mach mit allen, die dich hören, Heute deinen Gna⸗ denbund, Daß, wenn man hier bet und singt, Solches in dein Herze dringt. 9. Gieb, daß ich den Tag beschließe, Wie er angefangen ist. Hegne, pflanze und be⸗ gieße, Ber du Herr des Sab⸗ baths bist, Bis ich einst auf jenen Tag Ewig Sabbath halten mag. Jonathan Krause, g. 1701. Beten, loben und danken. b. Am Morgen insgemein. Mel. Christ, der du bist der helle Tag. 07. Die helle Sonn leucht jetzt herfür; Fröhlich vom Schlaf aufstehen wir. Gott Lob, der uns heut diese Nacht Behütet vor des Teu⸗ fels Macht! 2. Herr Christ, den Tag uns auch behüt Vor Sünd und Schand durch deine Güt. Laß deine lieben Engelein Unser Hüter und Wächter sein, 3. Daß unser Herz im Ghorsam leb, Deinm Wort und Willn nicht widerstreb, Daß wir dich stets vor Augen habn In allem, was wir fan⸗ gen an. 4. Laß unser Werk gerathen wohl, Was ein jeder ausrich⸗ ten soll, Daß unser Arbeit, Müh und Fleiß Gereich zu deinem Lob und Preis. Nie. Hermann, st. 1561. 08. Aus meines Her⸗ zens Grunde Sag ich dir Lob und Dank In dieser Morgen⸗ stunde, Dazu mein Lebenlang, O Gott, in deinem Thron, Dir zu Lob, Preis und Eh⸗ ren Durch Christum, unsern Herren, Dein eingebornen Sohn; 2. Daß du mich hast aus Gnaden In der vergangnen Nacht Vor Gfahr und allem SchadenBehütet und bewacht. Ich bitt demüthiglich: Wollst mir mein Sünd vergeben, Womit in diesem Leben Ich hab erzürnet dich. 3. Du wollst mich auch be⸗ hüten Gnädiglich diesen Tag Vor Teufels List und Wü⸗ then, Vor Sünden und vor Schmach, Vor Feur und Was⸗ sersnoth, Vor Armuth und vor Schanden, Vor Ketten und vor Banden, Vor bösem, schnellem Tod. 4. Mein Seel, mein Leib und Leben, Gemahl, Gut, Ehr und Kind In deine Hand thu geben, Dazu mein Haus⸗ gesind,—'s ist dein Geschenk und Gab,— Mein Eltern und Verwandten, Geschwister und Bekannten Und alles, was ich hab. 5. Gott will ich lassen ra⸗ then, Der alle Ding vermag; Er segne meine Thaten, Mein Vornehmen und Sach. Ihm hab ich heimgestellt Mein Leib, mein Seel, mein Leben Und was er sonst gegeben; Er machs, wies ihm gefällt. 6. Darauf so sprech ich Amen Und zweifle nicht daran, Gott wird es alls zusammen In Gnaden sehen an; Und streck nun aus mein Hand, Greif an das Werk mit Freuden, Dazu mich Gott bescheiden In meinm Beruf und Stand. Joh Mathesius, g. 1504, st. 1565. *———— Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. 09. Brich an, du schö⸗ nes Morgenlicht Und mache munter mein Gesicht, Laß deine Strahlen glimmen! Brich an, du theure An⸗ dachtsflamm, Aus deinem heißen Herzensstamm Ein Danklied anzustimmen! Wei⸗ set, Preiset Den mit Loben, der von oben mich behütet Und mit Segen überschüttet. 2. Ach Gott, mein Gott, ich danke dir Von ganzem Her⸗ zen, daß du mir Verliehen deine Güte Und mich in die⸗ ser finstern Nacht Durch deine Engel hast bewacht An Leib, Seel und Gemüthe, Daß ich Fröhlich Meine Glieder habe wieder ohn Verletzen Mögen aus der Ruhe setzen. 3. Ach gieb, o treues Vater⸗ herz, Daß alle Sünden, Angst und Schmerz Mit dieser Nacht vergehen; Daß ich in deiner Gnad und Huld Auch jetzund möge ohne Schuld Recht geist⸗ lich auferstehen. Laß mich Christlich Meine Sorgen die— sen Morgen so erwägen, Daß ich spüre deinen Segen. 4. Herr Jesu, leite meinen Gang, Daß ich forthin mein Lebenlang Nach deinem Wil⸗ len walle. Behüte mir mein Seel und Leib; Mich selbst in deine Hände schreib, Damit ich ja nicht falle. Ach gieb, Mein Lieb, Deine Wunden alle Stunden zu betrachten Und die Welt für nichts zu achten. Am Morgen. 30⁵5 5. Regiere mich mit deinem Geist, Der mir den Weg zum Himmel weist, Auf daß ich überwinde Und deine reiche Segenshand In meiner Nah⸗ rung oder Stand Zu jeder Zeit empfinde, Bis ich End⸗ lich Werd mit Freuden davon scheiden und mit Singen Dir ein neues Danklied bringen. Vor 1700. Mel. Wo Gott zum Haus nicht giebt sein Gunst. 10. Das walt Gott Vater und Gott Sohn, Gott heilger Geist ins Himmels Thron! Man dankt dir, eh die Sonn aufgeht; Wenns Licht anbricht, man vor dir steht. 2. Drum beug ich diesen Morgen früh In rechter An⸗ dacht meine Knie Und ruf zu dir mit heller Stimm: Dein Ohr neig, meine Red ver⸗ nimm! 3. Ich rühm von Herzen deine Güt, Weil du mich gnä⸗ dig hast behüt, Daß ich nun hab die finstre Nacht In Ruh und Friede zugebracht. 4. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Nimm mich auch diesen Tag in Hut; Laß deine liebsten Engelein Mein Wäch⸗ ter und Gefährten sein. 5. Dein Geist mein Leib und Seel regier Und mich mit seinen Gaben zier; Er führ mich heut auf rechter Bahn, Daß ich was Guts vollbringen kann. 20 6. Gieb, daß ich meine Werk und Pflicht Mit Freu⸗ den diesen Tag verricht Zu deinem Lob und meinem Nutz Und meinem Nächsten thue Guts. 7. Hilf, daß ich zu regieren weiß Mein Augen, Ohren, Händ und Füß, Mein Lip⸗ pen, Mund und ganzen Leib; All bös Begierden von mir treib. 8. Bewahr mein Herz vor Sünd und Schand, Daß ich, vom Uebel abgewandt, Mein Seel mit Sünden nicht be⸗ schwer Und mein Gewissen nicht versehr. 9. Mein Aus⸗ und Eingang heut bewahr, Daß mir kein Uebel widerfahr. Behüte mich vor jähem Tod Und hilf mir, wo mir Hülf ist noth. 0 Amen! O mein Herr Jesu Christ, Der du für mich gestorben bist, Gieb aus Gna⸗ den nach dieser Zeit Die ewge Freud und Seligkeit. Martin Behemb, g. 1557. st. 1622. Lebens Li II. O heilige Dreifal⸗ tigkeit, Du hochgelobte Einig— keit, Gott Vater, Sohn und heilger Geist, Heut diesen Tag mir Beistand leist! 2. Mein Seel, Leib, Ehr und Gut bewahr, Daß mir kein Böses widerfahr, Daß mich der Satan nicht verletz, Noch mich in Schand und Schaden setz. Mel. Herr Jesu cht. meins t Beten, loben und danken. 3. Des Vaters Huld mich heut anblick; Des Sohnes Güte mich erquick; Des heil⸗ gen Geistes Glanz und Schein Erleucht meins finstern Her⸗ —— Schrein. Mein Schöpfer, steh mir räftrg bei! O mein Erlöser, hilf mir frei! O Tröster werth, weich nicht von mir; Mein Herz mit deinen Gaben zier! 5. Herr, segne und behüte mich! Erleuchte mich, Herr, gnädiglich! Herr, heb auf mich dein Augesicht Und dei⸗ nen Frieden auf mich richt! Martin Behemb, g. 1557, st. 1622. Mel. Auf meinen lieben Gott. I12. Der schöne Tag bricht an, Die Nacht ist abge⸗ than, Die Finsterniß vergan⸗ gen. Laß uns dein Licht um⸗ fangen, Du unsre Sonn und Leben, Der Welt zum Heil gegeben. 2. Befiehl der Engel Schaar, Daß sie uns heut bewahr. Wenn du die Hand ausstreckest Und uns damit bedeckest, So muß sammt unsern Sün⸗ den Das Uebel von uns schwinden. 3. Laß uns in deiner Hut Das thun, was recht und gut, Und gleich als Kinver leben, Die dir sich ganz ergeben, In deinen Wegen gehen Und fest im Glauben stehen. 4. Befällt uns Kreuz und Noth, So hilf, du treuer Gott, ᷣ—— ¶— V*— Daß wir in allen Stücken Uns drein geduldig schicken; Denn dir nicht widerstreben Ist ja das beste Leben. 5. Gieb Speis und Trank dem Leib, Daß er bei Kräften bleib; Und soll die Seele scheiden, So seis zu deinen Freuden, Daß wir auf dei⸗ nen Namen Getrost hinfah⸗ ren. Amen! Aug. Buchner, g. 1591, st. 1661. 413. Gott des Him⸗ mels und der Erden, Vater, Sohn und heilger Geist, Der es Tag und Nacht läßt wer⸗ den, Sonn und Mond uns scheinen heißt, Dessen starke Hand die Welt, Und was drinnen ist, erhält: 2. Gott, ich danke dir von Herzen, Daß du mich in die⸗ ser Nacht Vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen Hast behütet und bewacht, Daß des bösen Feindes List Mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch mei⸗ ner Sünden Jetzt mit dieser Nacht vergehn. O Herr Jesu, laß mich finden Deine Wun⸗ den offen stehn, Wo alleine Hülf und Rath Ist für meine Missethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen Geistlich auferstehen mag Und für meine Seele sorgen, Daß, wenn nun dein großer Tag Uns erscheint und dein Gericht, Ich davor er⸗ schrecke nicht. Am Morgen. 307 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach dei⸗ nem Wort; Sei und bleibe du auch heute Mein Beschützer und mein Hort. Nirgends, als bei dir allein, Kann ich recht bewahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigen⸗ thum! 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg von mir wende Und mich halt in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh Trage nach dem Himmel zu. 8. Höre, Gott, was ich be⸗ gehre, Vater, Sohn und heil⸗ ger Geist! Meiner Bitte mich gewähre, Der du selbst mich bitten heißt; So will ich dich hier und dort Herzlich preisen fort und fort. Heinr. Albert, g. 1604, fl. 1668. 1I. Die güldne Sonne, Voll Freud und Wonne, Bringt unsern Gränzen Mit ihrem Glänzen Ein herzer⸗ quickendes, liebliches Licht, Mein Haupt und Glieder, Die lagen darnieder; Aber nun steh ich, Bin munter und fröhlich, Schaue den Himmel mit meinem Gesicht. 2. Mein Auge schauet, Was Gott gebauet Zu seinen Ehren 308 Und uns zu lehren, Wie sein Vermögen sei mächtig und groß, Und wo die Frommen Dann sollen hinkommen, Wenn sie mit Frieden Von hinnen geschieden Aus dieser Erden vergänglichem Schoß. 3. Lasset uns singen, Dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; Was wir nur haben, Alles sei Gotte zum Opfer gesetzt. Die besten Güter Sind unsre Gemüther; Dankbare Lieder Sind Weihrauch und Widder, An welchen er sich am meisten ergötzt. 4. Abend und Morgen Sind seine Sorgen; Segnen und mehren, Unglück verwehren Sind seine Werke und Tha⸗ ten allein. Wenn wir uns legen, So ist er zugegen; Wenn wir aufstehen, So läßt er aufgehen Ueber uns seiner Barmherzigkeit Schein. 5. Ich hab erhoben Zu dir hoch droben All meine Sin⸗ nen; Laß mein Beginnen Ohn allen Anstoß und glücklich er⸗ gehn. Laster und Schande, Des Satanas Bande, Fallen und Tücke Treib ferne zu⸗ rücke; Laß mich auf deinen Geboten bestehn. 6. Laß mich mit Freuden Ohn alles Neiden Sehen den Segen, Den du wirst legen In meines Bruders und Nä⸗ hesten Haus. Geiziges Bren⸗ nen, Unchristliches Rennen Nach Gut mit Sünde, Das tilge geschwinde Von meinem Herzen und wirf es hinaus. Beten, loben und danken. 7. Menschliches Wesen, Was ists gewesen? In einer Stun⸗ de Geht es zu Grunde, So⸗ bald die Lüfte des Todes drein wehn. Alles in allen Muß brechen und fallen; Himmel und Erden, Die müssen das werden, Was sie gewesen vor ihrem Bestehn. 8. Alles vergehet; Gott aber stehet Ohn alles Wanken; Seine Gedanken, Sein Wort und Willen hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, Die nehmen nicht Schaden, Hei⸗ len im Herzen Die tödtlichen Schmerzen, Halten uns zeit⸗ lich und ewig gesund. 9. Gott, meine Krone, Ver⸗ gieb und schone! Laß meine Schulden In Gnad und Hul⸗ den Aus deinen Augen sein abgewandt. Sousten regiere Mich, lenke und führe, Wie dirs gefället: Ich hab gestel⸗ let Alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willst du mir geben, Womit mein Leben Ich kann ernähren, So laß mich hören Allzeit im Herzen dies heilige Wort: Gott ist das Größte, das Schönste, das Beste, Gott ist das Süßte und Allerge⸗ wißte, Aus allen Schätzen der edelste Hort. 11. Willst du mich kränken, Mit Gallen tränken, Und soll von Plagen Ich auch was tragen: Wohlan, so mach es, wie dir es beliebt! Was gut und tüchtig, Was schädlich und nichtig Meinem Gebeine, Das weißt du alleine; Hast niemals keinen zu sehre be⸗ trübt. 12. Kreuz und Elende, Das nimmt ein Ende. Nach Mee⸗ resbrausen Und Windessau⸗ sen Leuchtet der Sonne ge⸗— wünschtes Gesicht. Freude die Fülle Und selige Stille Hab ich zu warten Im himmlischen Garten: Dahin sind meine Gedanken gericht. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. A45. Lobet den Herren Alle, die ihn ehren! Laßt uns mit Freuden seinem Namen singen Und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lo⸗ bet den Herren! 2. Der unser Leben, Das er uns gegeben, In dieser Nacht so väterlich bedecket Und aus dem Schlaf uns fröhlich auf⸗ erwecket: Lobet den Herren! 3. Daß unsre Sinnen Wir noch brauchen können Und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, Das haben wir zu danken seinem Segen. Lo⸗ bet den Herren! 4. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, Ach laß doch fer⸗ ner über unser Leben Bei Tag und Nacht dein Hut und Güte schweben! Lobet den Herren! 5. Gieb, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite Auf unsern Wegen unverhindert gehen Und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren! Am Morgen. 309 6. Treib unsern Willen, Dein Wort zu erfüllen. Lehr uns verrichten heilige Ge⸗ schäfte, Und wo wir schwach sind, da gieb du uns Kräfte. Lobet den Herren! 7. Richt unsre Herzen, Daß wir ja nicht scherzen Mit dei⸗ nen Strafen, sondern fromm zu werden Vor deiner Zukunft uns bemühn auf Erden. Lo⸗ bet den Herren! 8. Herr, du wirst kommen Und all deine Frommen, Die sich bekehren, gnädig dahin bringen, Da alle Engel ewig, ewig singen: Lobet den Her⸗ ren! Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren. 16. Wach auf, mein Herz, und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem frommen Men⸗ schenhüter! 2. Heut, als die dunkeln Schatten Mich ganz umfan⸗ gen hatten, Hat mich kein Leid versehret; Du, Vater, hasts verwehret. 3. Du sprachst: Mein Kind, nun liege Trotz dem, der dich betrüge. Schlaf wohl, laß dir nicht grauen; Du sollst die Sonne schauen. 4. Dein Wort, das ist ge⸗ schehen; Ich kann das Licht noch sehen, Von Noth bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich verneuet. 310 Beten, loben 5. Du willst ein Opfer ha⸗ ben: Hier bring ich meine Gaben; Mein Weihrauch, Farr und Widder Sind mein Gebet und Lieder. 6. Die wirst du nicht ver⸗ schmähen; Du kannst ins Herze sehen Und weißt wohl, daß zur Gabe Ich ja nichts Bessers habe. 7. So wollst du nun vollen⸗ den Dein Werk an mir und sen⸗ den, Der mich an diesem Tage Auf seinen Händen trage. 8. Sprich Ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste rathen, Den Anfang, Mittl und Ende, Ach Herr, zum Besten wende. 9. MitSegen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte; Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. 17. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom uner⸗ schöpften Lichte, Schick uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte Und vertreib durch deine Macht Unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgen⸗ thau Fall auf unser matt Gewissen. Laß die dürre Le⸗ bensan lauter süßen Trost genießen, Und erquick uns, deine Schaar, Immerdar. 3. Gieb, daß deiner Lie⸗ be Glut Unsre kalten Werke tödte, Und erweck uns Herz und danken. und Muth Bei erstandner Morgenröthe, Daß wir, eh wir gar vergehn, Recht auf⸗ stehn. 4. Laß uns ja das Sünden⸗ kleid Durch des Bundes Blut vermeiden, Daß uns die Ge⸗ rechtigkeit Möge als ein Rock bekleiden, Und wir so vor al⸗— ler Pein Sicher sein. 5. Ach du Aufgang aus der Höh, Gieb, daß auch am jüng⸗ sten Tage Unser Leichnam auf⸗ ersteh Und, entfernt von aller Plage, Sich auf jener Freu⸗ denbahn Freuen kann. 6. Leucht uns selbst in jene Welt, Du verklärte Gnaden⸗ sonne. Führ uns durch das Thränenfeld In das Land der süßen Wonne, Da die Lust, die uns erhöht, Nie vergeht. Chr. Knorr v. Rosenroth, g. 1636, st. 1689. Mel. Herr, zu Zucht in deinem Grimme. 418. Hücter, wird die Nacht der Sünden Nicht ver⸗ schwinden? Hüter, ist die Nacht schier hin? Wird die Finsterniß der Sinnen Bald zerinnen, Darein ich ver⸗ wickelt bin? 2. Möcht ich wie das Rund der Erden Lichte werden! Seelensonne, gehe auf! Ich bin finster, kalt und trübe: Jesu, Liebe, Komm, beschleu— nige den Lauf! 3. Wir sind ja im neuen Bunde, Da die Stunde Der Erscheinung kommen ist; Und ich muß mich stets im Schat⸗ ten So ermatten, Weil du mir so serne bist. 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, Da du kommen; Aber ich bin lauter Nacht. Darum wollst du mir, dem Deinen, Auch erscheinen, Der nach Licht und Rechte tracht. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke Ohne Stärke In der Finsterniß vollziehn? Wie kann ich die Liebe üben, De⸗ muth lieben Und der Nacht Geschäfte fliehn? 6. Laß doch nicht den Geist der Seelen Sich so quälen; Zünd dein Feuer in mir an. Laß mich finstres Kind der Erden Helle werden, Daß ich Gutes wirken kann. 7. Das Vernunftlicht kann das Leben Mir nicht geben: Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblicken Und erquicken; Jesus muß die Sonne sein. 8. Nur die Decke vor den Augen Kann nicht taugen; Seine Klarheit kann nicht ein. Wenn sein helles Licht den Seinen, Soll erscheinen, Muß das Auge reine sein. 9. Jesu, gieb gesunde Au⸗ gen, Die was taugen; Rühre meine Augen an; Denn das ist die größte Plage, Wenn am Tage Man das Licht nicht sehen kann. Chr. Friedr. Richter, g. 1676, st. 17¹¹. Am Morgen. 311 Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. 19. Nun tret ich wie⸗ der aus der Ruh Und geh dem sauern Tage zu, Wie mir ist auferleget. Nicht weiß ich, was für neue Plag Mir heute noch begegnen mag; Doch weiß ich, daß mich träget Mein frommer Gott in seiner Hut, Daß mir die Last nicht schaden thut. 2. Zwar meine Bürd ist täg⸗ lich neu; Doch ist mein Gott auch täglich treu, Er träget meine Sorgen. Vor Abend keiner recht vernimmt, Was ihm den Tag all ist bestimmt. Es bahnt ein jeder Morgen Mir einen frischen Weg zur Pein; Der kann mit Gott er⸗ stiegen sein. 3. Wie wenig hab ich oft gedacht, Daß so würd sein zu End gebracht Die saure Tages⸗ bürde. Doch hab ich Abends wohl gespürt, Daß du mich, höchster Gott, geführt, Daß mich dein Schein und Würde Geleitet und geleuchtet hat Auf meinem Weg und Kreu⸗ zespfad. 4. Weil ich denn deß ver⸗ sichert bin, Was trauerst du, verzagter Sinn, Die Bürd auf dich zu legen? Trag, was du kaunnst; Gott träget mit Und hilfet dir bei jedem Schritt Mit Gnade, Kraft und Segen. Mit ihm geh ich denn frisch daran Und scheue nicht die Leidensbahn. 5. So ist getrost mein frischer Muth, Wenn ich mich in des Höchsten Hut Kann einge⸗ schlossen sehen; Doch daß ich deß versichert sei, Muß ich f von Sünden leben frei Und Gottes Wege gehen. Mein Gott geht nimmer meinen Steg, Wo ich nicht wandle seinen Weg. 6. Drum, lieber Gott, leit meinen Fuß, Daß ich dir folg in wahrer Buß, Und läutre mich von Sünden; So kann ich als ein kühner Held, Be⸗ streiten diese böse Welt, Mit dir sie überwinden; So tret ich muthig an den Tag Und scheue nicht, was kommen mag. 7. Ich leg auf dich, mein Gott und Herr, Was mir zu tragen wird zu schwer, Die Last, die mich gebogen. Ich lege meine Würd und Stand In deine große Allmachts⸗ hand, Die du mir nie entzo⸗ gen, Mit der du hast von Jugend auf Geleitet meinen Lebenslauf. 8. Ich leg in deinen Schoß hinein, All Freunde und Ver⸗ wandten mein, Da sind sie wohl beschlossen. Ich lege meine arme Seel In Jesu sichre Wundenhöhl; Du wirst sie nicht verstoßen, Wenn sie vom Leibe scheidt der Tod. Ich leg mich ganz in dich, mein Gott. Ant. Ulrich Herzog von. 233 7 9.1633, st. 17 Mel. O Gott, du frommer Gott. 20. O Jesu, süßes Licht, Nun ist die Nacht ver⸗ Beten, loben und danken. gangen, Nun hat dein Gna⸗ denglanz Aufs neue mich um⸗ angen; Nun ist, was an mir ist, Vom Schlafe aufgeweckt Und hat nun in Begier Zu dir sich ausgestreckt. 2. Was soll ich dir denn nun, Mein Gott, für Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar In deine Gnad ein⸗ senken Mit Leib, mit Seel, mit Geist, Heut diesen ganzen Tag: Das soll mein Opfer sein, Weil ich sonst nichts vermag. 3. Drum siehe da, mein Gott, Da hast du meine See⸗ le! Sie sei dein Eigenthum! Mit ihr dich heut vermähle In deiner Liebeskraft. Da hast du meinen Geist! Dar⸗ innen wollst du dich Verklä⸗ ren allermeist. 4. Da sei denn auch mein Leib Zum Tempel dir erge⸗ ben, Zur Wohnung und zum Haus. Ach allerliebstes Leben, Ach wohn, ach leb in mir! Beweg und rege mich, So hat Geist, Seel und Leib Mit dir vereinigt sich. 5. Dem Leibe hab ich jetzt Die Kleider angeleget. Laß meiner Seele sein Dein Bild⸗ niß eingepräget Im güldnen Glaubensschmuck, In der Ge⸗ rechtigkeit, So allen Seelen ist Das rechte Ehrenkleid. 6. Mein Jesus, schmücke mich Mit Weisheit und mit Liebe, Mit Keuschheit, mit Geduld Durch deines Geistes Triebe; Auch mit der De⸗ muth mich Vor allem kleide an, So bin ich wohlgeschmückt Und köstlich angethan. 7. Gieb, daß doch diesen Tag Mir stets vor Augen schwebe, Daß dein Allgegenwart Mich wie die Luft umgebe, Auf daß mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Mund Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund. 8. Ach segne, was ich thu, Ja, rede und gedenke! Durch deines Geistes Kraft Es also führ und lenke, Daß alles nur gescheh Zu deines Namens Ruhm, Und daß ich unverrückt Verbleib dein Eigenthum. Wach. Lange, g. 1670, st 1744. Mel. Nun 2 5 all und bringet Ehr. 21. Das äußre Son⸗ nenlicht ist da Und leucht mir ins Gesicht. Gott ist noch mehr dem Geiste nah Mit seinem Lebenslicht. 2. Ach wohn in mir, du Gottessonn! Mein Geist dein Himmel werd, Daß ich, o rei⸗ ne Seelenwonn, Werd ganz in dich verklärt. 3. Wenn sich die Sonne offenbart, So weicht die Dun⸗ kelheit. Vertreib durch deine Gegenwart Die Sünd und Eigenheit. 4. Du bist ein Licht und wohnst im Licht. Ach mach mich licht und rein, Zu schauen, Herr, dein Angesicht Und dir vereint zu sein! Am Morgen. wo ich bin, Vor deinem An⸗ gesicht; Mein Thun und Las⸗ sen immerhin Sei lauter, rein und licht. 6. Dein Auge leite meinen Gang, Daß ich nicht irre geh. Ach bleib mir nah mein Leoenlang, Bis ich dich ewig eh! Gerh. Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Mel. Ich dank dir schon durch deinen Sohn. 22. Mein erst Geschäft sei Preis und Dank; Erhebe Gott, o Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang, Lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht, Lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht Und Ruhe für die Müden? 3. Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß, Mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem Fleiß Und schützt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, Sich sicher zu bedek⸗ ken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, Die Seele zu erwecken?ꝰ 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt, Und dein ist unser Leben. Du bist es, der es uns erhält, Und mirs jetzt neu gegeben. 6. Gelobet seist du, Gott der Macht, Gelobt sei deine Treue. Daß ich nach einer sanften Nacht Mich dieses 5. So laß mich wandeln, Tags erfreue! Beten, loben 7. Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr; Auf dich hofft meine Seele. Sei mir ein Retter in Gefahr, Ein Vater, wenn ich fehle. 9. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn und willig thue. und danken. 10. Daß ich als ein getreuer Knecht, Nach deinem Reiche strebe, Gottselig, züchtig und gerecht, Durch deine Gnade lebe. 11. Daß ich, dem Nächsten beizustehn, Nie Fleiß und Arbeit scheue, Mich gern an andrer Wohlergehn Und ih— rem Glauben frene. 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genieße Und meinen Lauf mit Freudigkeit In Jesu sanft beschließe. Chr. Fuürchteg. Gellert. geb. 1715, st. 1769. Vor dem Essen. Mel. Herr Jesu Christ, dich ꝛc. 123. Bescher uns, Herr, das täglich Brod; Vor Theu⸗ rung und vor Hungersnoth Behüt uns durch dein lieben Sohn, Gott Vater in dem höchsten Thron. 2. O Herr, thu auf dein milde Hand, Mach uns dein Gnad und Güt bekannt; Er⸗ nähr uns, deine Kindelein, Der du speist alle Vögelein. 3. Erhörst du doch der Ra— ben Stimm: Drum unsre Bitt, Herr, auch vernimm; Denn aller Ding du Schöpfer bist Und allem Vieh sein Fut⸗ ter giebst. 4. Gedenk nicht unser Mis⸗ sethat Und Sünd, die dich er⸗ zürnet hat. Laß scheinen dein Barmherzigkeit, Daß wir dich lobn in Ewigkeit. Nie Hermann, st. 1561 Mel. Herr Christ der einig Gotts Sohn. 2. Dich bitten wir, dein Kinder, O Vater, Herre Gott, Mach unser Sorgen minder, Gieb uns das täglich Brod, Erhalt uns unser Le⸗ ben, Das du uns hast ge⸗ geben, Bis wir jens erben dort. 2. Gesegne mit deinm Mun⸗ de, Was du uns hast beschert, Daß es uns sei gesunde. Die Kraft werd uns gemehrt, In deinem Dienst zu bleiben, Die Werk der Lieb zu treiben Allzeit an jedermann. 3. Wollst deine Lieb bewei⸗ sen Und allen schaffen Rath; All Hungerige speisen, Mit Gütern machen satt, Daß wir dich alle loben, Dein Güt herab von oben Erkennen stets mit Dank. um 1550. Mel. Herr Jesu Christ, meins ꝛc. 42 5. Gesegn uns, Herr, die Gaben dein, Die Speis laß unsre Nahrung sein. Hilf, daß dadurch erquicket werd Der dürftge Leib auf dieser Erd. 2. Denn dieses zeitlich Brod allein Kann uns nicht gnug zum Leben sein; Dein göttlich Wort die Seele speist, Hilft uns zum Leben allermeist. 3. Drum gieb uns Beides, Herre Gott; Hilf endlich auch Nach dem Essen. aus aller Noth, So preisen 315 wir dein Gütigkeit Hier und auch dort in Ewigkeit. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 26. Speise, Vater, deine Kinder, Tröste die be⸗ trübten Sünder, Sprich den Segen zu den Gaben, Die wir jetzund vor uns haben, Daß sie uns zu diesem Leben Stärke, Kraft und Nahrung geben, Bis wir endlich mit den Frommen, Zu der Him⸗ melsmahlzeit kommen. Joh. Heermann, g. 1585, st. 1647 Nach dem Essen. Mel. Herr Gott, dich loben alle wir. 27. Dankt dem Herrn heut und allezeit! Groß ist sein Güt und Mildigkeit. Alles Fleisch er speist und erhält; Denn sein Geschöpf ihm wohlgefällt. 2. Wenn über uns sein Antlitz leucht, Der Regen und Thau die Erd befeucht, Als⸗ dann wächst alles Laub und Gras; Sein Werk treibt er ohn Unterlaß. 3. Wenn er aufthut sein milde Hand, So wächst die Füll in allem Land, Daß sich deß freuet jedermann; Kein Mensch noch Vieh darf Mangel habn. 4. Er hat kein Lust am star⸗ ken Held, Kein Macht und Pracht ihm wohlgefällt. Er liebt, daß man ihn fürcht und traut. Wer auf ihn hofft, hat wohl gebaut. 5. Billig wird er von uns gepreist, Daß er uns also reichlich speist. O Vater, für dein Gütigkeit Sagn wir dir Dank in Ewigkeit. Nie. Hermann, st. 1561. 28. Nun laßt uns Gott, dem Herren, Dank sa⸗ gen und ihn ehren Von wegen seiner Gaben, Die wir em⸗ pfangen haben. 2. Den Leib, die Seel, das Leben Hat er allein uns geben, Dieselben zu bewahren, Thut er nie etwas sparen. 3. Nahrung giebt er dem Leibe; Die Seele muß auch bleiben, Wiewohl tödtliche Wunden Sind kommen von den Sünden. 4. Ein Arzt ist uns gege⸗ ben; Der selber ist das Leben; Christ, der für uns gestorben, Hat uns das Heil erworben. 316 5. Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl Dient wider allen Unfall; Der heilge Geist im Glauben Lehrt uns darauf vertrauen. 6. Durch ihn ist uns verge⸗ ben Die Sünd, geschenkt das Leben; Den Himmel solln wir haben. O Gott, wie große Gaben! 7. Wir bitten deine Güte: Wollst uns hinfort behüten, Die Großen mit den Klei⸗ nen; Du kannsts nicht böse meinen. 8. Erhalt uns in der Wahrheit, Gieb ewigliche Freiheit, Zu preisen deinen Namen Durch Jesum Chri⸗ stum. Amen! Ludw. Helmboldt, g. 1532, fl. 1598. Mel. Nun freut euch, lieben Chri⸗ sten gmein. 29. Wie groß ist deine Pmndiichtel! Wie herrlich deine Güte, Die da versorgt zu jeder Zeit Den Leib und das Gemüthe! Du Lebens— freund, du Menschenlust, Du hast uns allen Rath gewußt Und uns sehr wohl gelabet. 2. Laß endlich bei des Lam⸗ mes Tisch In deinem Reich uns essen, Wo tausend Gaben mild und frisch Du selbst uns wirst zumessen. Da wird man schmecken Freud und Ehr; Und wir, Herr, wollen nim⸗ mermehr Zu preisen dich auf— hören. Joh. Rist, g. 1607, st. 1667. Beten, loben und danken. Mel. Herr Wus 25 loben alle 30. Wir Tronten Gott für seine Gabn, Die wir von ihm empfangen habn, Und bitten unsern lieben Herrn, Er woll hinfort uns mehr beschern. 2. Er woll uns speisn mit seinem Wort, Daß wir satt werden hier und dort. Ach lieber Gott, du wollst uns gebn Nach dieser Welt das ewge Lebn! 3. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du unsr Gast gewesen bist. Bleib du bei uns, so hats nicht noth; Du bist das rechte Lebens⸗ brod. Mich. Praͤtorius, g. 1571, st. 1621. Mel. Lobe den Herren, den mäch⸗ tigen König der Ehren. 31. Danke dem Her⸗ ren, o Seele, dem Ursprung der Güter, Der uns erquicket die Leiber und stärkt die Ge⸗ müther. Gebet ihm Ehr! Lie⸗ bet den Gütigen sehr! Stim⸗ met an dankende Lieder! 2. Du hast, o Güte, dem Leibe die Nothdurft bescheret: Laß doch die Kräfte im Guten nur werden Lendehret Alles ist dein, Seelen und Leiber, allein: Werd auch durch beide geehret! 3. Lebenswort, Jesu, komm, speise die schmachtenden See⸗ len. Laß in der Wüste uns nimmer das Nöthige fehlen. Gieb nur, daß wir Innig . stets dürsten nach dir, Ewig zum Heil dich erwählen. 4. Nimm die Begierden und Sinnen in Liebe gefangen, Daß wir nichts neben dir, Jesu, auf Erden verlangen. Laß uns mit dir Leben ver⸗ borgen allhier Und dir im Geiste anhangen. 5. Laß deinen Lebensgeist kräftig und tief uns durch⸗ Am Abend. dringen Und uns ein gött⸗ 317 liches Leben und Heiligung bringen, Bis einst wird sein In uns deindeben allein. Jesu, du kannst es vollbringen. 6. Gütigster Hirte, du wol⸗ lest uns stärken und leiten Und zu dem himmlischen Mahle recht würdig bereiten. Bleib uns hier nah, Bis wir dich ewig allda Schmecken und schauen in Freuden. Gerh. Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Am Abend. 32. Christe, der du bist Tag und Licht, Vor dir ist, Herr, verborgen nichts. Du väterlichen Lichtes Glanz, Lehr uns den Weg der Wahr⸗ heit ganz. 2. Wir bitten dein göttliche Macht, Behüt uns, Herr, in dieser Nacht; Bewahr uns, Herr, vor allem Leid, Gott, Vater der Barmherzigkeit. 3. Vertreib den schweren Schlaf, Herr Christ, Daß uns nicht schad des Feindes List. Das Fleisch in Züchten reine sei, So sind wir mancher Sorgen frei. 4. So unser Augen schlafen hier, Laß unser Herz wachen zu dir. Beschirm uns, Gottes rechte Hand, Und lös uns von der Sünden Band. 5. Beschirmer, Herr der Christenheit, Dein Hülf uns allzeit sei bereit. Hilf uns, Herr Christ, aus aller Noth Durch deine heilgen Wunden roth. 6. Gedenk, o Herr, der schweren Zeit, Darin gefan⸗ gen liegt der Leib. Der Seele, die du hast erlöst, Gieb, o Herr Jesu, deinen Trost. 7. Gott Vater sei Lob, Ehr und Preis, Des Sohnes Weisheit gleicher Weis, Des heilgen Geistes Gütigkeit, Von nun an bis in Ewigkeit! Nach: Christe, qui lux es et dies, von Wolfgang Meußlin, g. 1497, st. 1563. 133. Die Nacht ist kom⸗ men, Drin wir ruhen sollen; Gott walts zu Frommen, Nach seinm Wohlgefallen, Daß wir uns legen In seinm Gleit und Segen, Der Ruhe zu pflegen. 2. Treib, Herr, von uns fern Die unreinen Geister; Halt die Nachtwach gern, Sei selbst unser Schutzherr. Schirm beid, Leib und Seel, Unter deine Flügel; Send uns dein Engel. 3. Laß uns einschlafen Mit guten Gedanken, Fröhlich 318 Beten, loben aufwachen Und von dir nicht wanken; Laß uns in Züchten Unser Thun und Tichten Zu deium Preis richten. 4. Pfleg auch der Kranken Durch deinen Geliebten; Hilf den Gefangnen, Tröste die Betrübten; Pfleg auch der Kinder, Sei selbst ihr Vor⸗ münder; Des Feindes Neid hinder. 5. Vater, dein Name Werd von uns gepreiset; Dein Reich zukomme, Dein Will werd beweiset; Frist unser Leben, Wollst die Schuld vergeben; Erlös uns. Amen! Böhmische Brüder, 1540. Mel. Erhalt uns, Herr, bei ꝛe. 3A. Hinunter ist der Sonne Schein, Die finstre Nacht bricht stark herein. Leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht, Daß wir im Finstern wandeln nicht. 2. Dir sei Dank, daß du uns den Tag Vor Schaden, Gsahr und mancher Plag Durch deine Engel hast be— hüt Aus Gnad und väter⸗ licher Güt. 3. Womit wir habn erzür⸗ net dich, Dasselb verzeih uns gnädiglich Und rechn es un⸗ srer Seel nicht zu; Laß schla⸗ fen uns in Fried und Ruh. 4. Durch dein Engel die Wach bestell, Daß uns der böse Feind nicht fäll. Vor Leibes⸗ und vor Seelennoth Behüt uns heut, o treuer Gott. Nie. Hermann, st. 1561. und danken. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. 135. O Jesu, treuster Heiland mein, Ich geh in mein Schlafkämmerlein, Ich will mich legen in die Ruh; Schleuß du die Thür selbst nach mir zu. 2. Verzeih mein Sündn aus Gnaden mir, Treib alle bö⸗ sen Träum von hier; Breit über mich dein Flügel aus, So stehn die Engel um das Haus. 3. Behüt vor Feur und Wassersnoth, Vor einem bö⸗ sen, schnellen Tod. Vor allem Uebel und Gefahr Mich und all fromm Christen bewahr. 4. Wenn ich nun schlaf, wach du für mich; Treib al⸗ les Unglück hinter sich. Laß mich zu deinem Lob aufstehn Und fröhlich an mein Arbeit gehn. Mel. O höchster Gott, o unser ꝛc. 36. Die Sonn hat sich mit ihrem Glanz gewen⸗— det Und, was sie soll, auf die⸗ sen Tag vollendet. Die dunkle Nacht dringt allenthalben zu, Bringt Menschen, Vieh und alle Welt zur Ruh. 2. Ich preise dich, du Herr der Nächt und Tage, Daß du mich heut vor aller Noth und Plage Durch deine Hand und hochberühmte Macht Hast un⸗ verletzt und frei hindurch ge— bracht. 3. Vergieb, wo ich bei Tage so gelebet, Daß ich nach dem, was finster ist, gestrebet. Laß alle Schuld durch deiner Gnade Schein In Ewigkeit bei dir verloschen sein. 4. Schaff, daß mein Geist dich ungehindert schaue, In⸗ deß ich mich der trüben Nacht vertraue, Und daß der Leib auf diesen schweren Tag Sich seiner Kraft fein sauft erholen mag. 5. Vergönne, daß der lieben Engel Schaaren Mich vor der Macht der Finsterniß be⸗ wahren, Auf daß ich vor der List und Tyrannei Der argen Feind im Schlafe sicher sei. 6. Herr, wenn mich wird die lange Nacht bedecken Und in die Ruh des tiefen Gra⸗ bes strecken, So blicke mich mit deinen Augen au, Dar⸗ aus ich Licht im Tode neh— men kann. 7. Und laß hernach zugleich mit allen Frommen Mich zu dem Glanz des andern Lebens kommen, Da du uns hast den großen Tag bestimmt, Dem keine Nacht sein Licht und Klarheit nimmt. Josua Stegmann, g. 1588, st. 1632. Mel. Herr Jesu Christ, meins ꝛc. 37. O werthes Licht der Christenheit, O heilige Dreieinigkeit, Weil jetzt die Sonne von uns weicht, Durch Am Abend. 319 danken wir, Des Abends beten wir zu dir; Auch unser armer Lobgesang Dich rühmet unser Leben lang. à. Lob, Ehr und Dank sei dir erweist, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Du drei⸗ fach einig wahrer Gott, Tröst unser Herz in aller Noth. Apelles von Löwenstern, g. 1594, st. 1648. Nach: O, lux beate trinitas, von Ambrosius, st. 397. 38. Werde munter, mein Gemüthe, Und ihr Sin⸗ nen, geht herfür, Daß ihr preiset Gottes Güte, Die er hat gethan an mir, Da er mich den ganzen Tag Vor so maucher Noth und Plag Hat behütet und in Guaden Abgewendet allen Schaden. 2. Lob und Dank sei dir Helnialeit, Vater der Barm⸗ herzigkeit, Daß mir ist mein Werk gelungen, Daß du mich vor allem Leid Und vor Sün⸗ den mancher Art So getreu⸗ lich hast bewahrt, Auch den Feind hinweg getrieben, Daß ich unbeschädigt blieben. 3. Keine Klugheit kann aus⸗ rechnen, Herr dein Güt und Wunderthat; Ja, kein Redner kann aussprechen, Was dein Hand erwiesen hat. Deiner Wohlthat ist zu viel; Ihr ist weder Maß noch Ziel. Herr, du hast mich so geführet, Daß dein Licht unser Herz er⸗ leucht! 2. Am Morgeu früh da kein Unfall mich berühret. 4. Dieser Tag ist nun ver⸗ gangen, Die betrübte Nacht bricht an. Es ist hin der Sonue Prangen, So uns all erfreuen kann. Stehe mir, o Vater, bei, Daß dein Glanz stets vor mir sei Und mein kaltes Herz erhitze, Ob ich gleich im Finstern sitze. 5. Herr, verzeihe mir aus Gnaden Alle Sünd und Mis⸗ sethat, Damit sich mein Herz beladen Und dich hoch erzürnet hat. Treib des Satans List und Tück, Gott, durch deine Kraft zurück; Laß es ihm ja nicht gelingen, Daß er mich in Noth könn bringen. 6. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell ich mich doch wieder ein. Hat uns doch dein Sohn verglichen Durch sein Angst und Todespein. Ich verleugne nicht die Schuld; Aber deine Gnad und Huld Ist viel größer, als die Sün⸗ den, Welche sich in mir be⸗ finden. 7. O du Licht der frommen Seelen, O du Glanz der Ewigkeit, Dir will ich mich ganz befehlen Diese Nacht und allezeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir In dem finstern Thal allhier; Tröste mich mit deiner Liebe, Daß kein Unfall mich betrübe. 8. Schütze mich vors Teufels Netzen, Vor der Macht der Finsterniß, Die mir oft des Nachts zusetzen Und erzeugen Kümmerniß. Laß mich dich, o wahres Licht, Nimmermehr verlieren nicht. Wenn ich dich Beten, loben und danken. nur hab im Herzen, Fühl ich nicht der Seelen Schmerzen. 9. Wenn die Tageswerk gleich machen, Daß die Au⸗ gen schlafen ein, So laß doch mein Herze wachen Und zu dir gerichtet sein. Mein Ge⸗ danken, meine Sinnen Gehen immerfort dahin, Daß mich nichts von dir abtreibe Und ich auch im Schlaf dein bleibe. 10. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanft und süße Ruh; Alles Uebel laß verschwinden, Deine Gnade deck mich zu. Leib und Seele, Muth und Blut, Weib und Kinder, Hab und Gut, Freun⸗ de, Feind und Hausgenossen, Sein in deinen Schutz ge⸗ schlossen. 11. Ach bewahre mich vor Schrecken, Schütze mich vor Ueberfall, Laß mich Krankheit nicht aufwecken, Treibe weg des Krieges Schall, Wend ab Feur und Wassersnoth, Pest und bösen schnellen Tod, Laß mich nicht in Sünden sterben, Noch an Leib und Seel ver⸗ derben. 12. O du großer Gott, er⸗ höre, Was dein Kind gebeten hat! Jesu, den ich stets ver⸗ ehre, Bleibe du mein Schutz und Rath! Odu werther heil⸗ ger Geist, Stärke du mich allermeist! Herr, erhöre dies, mein Flehen! Amen! ja, es soll geschehen. Joh. Rist, g. 1607, fl. 1667. *— 39. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder; Es schläft die ganze Welt. Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf! ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blie⸗ ben? Die Nacht hat dich ver⸗ trieben, Die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin! Ein andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergan⸗ gen, Die güldnen Sternlein prangen Am blauen Him⸗ melssaal. Also werd ich auch stehen, Wenn mich wird hei⸗ ßen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib, der eilt zur Ruhe, Legt ab das Kleid und Schuhe, Das Bild der Sterb⸗ lichkeit. Die zieh ich aus; da⸗ gegen Wird Christus mir an⸗ legen Den Rock der Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß und Hände Sind froh, daß nun zum Ende Die Arbeit kom⸗ men sei. Herz, freu dich! Du sollst werden Vom Elend die⸗ ser Erden Und von der Sün⸗ den Arbeit frei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt. Es kommen Stund und Zeiten, Da man euch wird bereiten Zur Ruh ein Bettlein in der Erd. Am Abend. 7. Meine Augen stehn ver⸗ drossen, Im Hui sind sie ge⸗ schlossen; Wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu dei⸗ nen Gnaden, Sei gut für al⸗ len Schaden, Du Aug und Wächter Israel. 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freu⸗ de, Und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich ver⸗ schlingen, So laß die Eng⸗ lein singen: Dies Kind soll unverletzet sein. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht be⸗ trüben Kein Unfall, noch Ge⸗ fahr. Gott laß euch ruhig schlafen, Stell euch die güld⸗ nen Waffen Ums Bett und seiner Helden Schaar. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. O höchster Gott, o unser ꝛc. 0. Der Tag ist hin; mein Jesu, bei mir bleibe! O Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe! Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit! Erleuchte mich, ach Herr, denn es ist Zeit. 2. Lob, Preis und Dank sei dir, mein Gott, gesungen! Dir sei die Ehr, daß alles wohl gelungen Nach deinem Rath, ob ichs gleich nicht ver⸗ steh, Du bist gerecht; es gehe, wie es geh. 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet: Bestän⸗ digkeit im Guten mir noch fehlet. Das weißt du wohl, o 21 322 Beten, loben und danken. Herzenskündiger: Ich strauch⸗ le noch, wie ein Unmündi⸗ er. 944. Vergieb es, Herr, was mir sagt mein Gewissen! Welt, Teufel, Sünd hat mich von dir gerissen. Es ist mir leid; ich stell mich wieder ein. Da ist die Hand: Du mein und ich bin dein! 5. Israels Schutz, mein Hüter und mein Hirte, Zu meinem Trost dein sieghaft Schwert umgürte. Bewahre mich durch deine große Macht, Wenn Belial nach meiner Seele tracht. 6. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen. Ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen! O Le⸗ benssonn, erquicke meinen Sinn! Dich laß ich nicht, mein Fels. Der Tag ist hin. Joach. Neander, g. 1610, st. 1680. IAI. Der lieben Sonne Licht und Pracht Hat nun den Lauf vollführet: Die Welt hat sich zur Ruh gemacht. Thu, Seel, was dir gebühret! Tritt an die Himmelsthür Und bring ein Lied herfür! Laß deine Augen, Herz und Sinn Auf Jesum sein gerich⸗ tet hin. 2. Ihr hellen Sterne, leuch⸗ tet wohl Und glänzt mit Licht und Strahlen; Ihr macht die Nacht des Glanzes voll. Doch noch zu tausend malen Scheint heller in mein Herz Die ewge Himmelskerz, Mein Jesus meiner Seele Ruhm, Mein Schutz, mein Schatz, mein Eigenthum. 3. Der Schlaf wird herr⸗ schen diese Nacht Bei Men⸗ schen und bei Thieren; Doch Einer ist, der droben wacht, Bei dem kein Schlaf zu spüren. Es schlummert, Jesu, nicht Dein Aug, auf mich gericht. Drum soll mein Herz auch wachend sein, Daß Jesus wache nicht allein. 4. Verschmähe nicht dies schlechte Lied, Das ich dir, Jesu, singe. In meinem Her⸗ zen ist kein Fried, Bis ich es zu dir bringe. Ich bringe, was ich kann. Ach nimm es gnädig an! Es ist doch herzlich gut gemeint, O Jesu, meiner Seelen Freund. 5. Mit dir will ich zu Bette gehn, Dir will ich mich be⸗ fehlen. Du wirst, mein Hüter, auf mich sehn Und rathen meiner Seelen. Ich fürchte keine Noth, Kein Hölle, Welt, noch Tod; Denn wer mit Jesu schlafen geht, Mit Freu⸗ den wieder aufersteht. 6. Ihr Höllengeister, fort mit euch! Hier habt ihr nichts zu schaffen. Dies Haus gehört in Jesu Reich: Laßt es ganz sicher schlafen! Der Engel starke Wacht Hält es in guter Acht, Ihr Heer und Lager ist sein Schutz; Drum sei auch allen Teufeln Trutz. 7. So will ich denn nun schlafen ein, Jesu, in deinen Am Abend. 323 Armen. Dein Aufsicht soll die Decke sein, Mein Bette dein Erbarmen, Mein Kissen deine Brust, Mein Traum die süße Lust, Die aus dem Wort des Lebens fleußt Und dein Geist in mein Herze geußt. 8. So oft die Nacht mein Ader schlägt, Soll dich mein Geist umfangen; So viel mal sich mein Herz bewegt, Soll dies sein mein Verlangen, Daß ich mit lautem Schall Mög rufen überall! O Jesu Jesu, du bist mein, Und ich auch bin und bleibe dein! 9. Nun, matter Leib, schick dich zur Ruh Und schlaf fein sanft und stille. Ihr mü⸗ den Augen schließt euch zu; Denn das ist Gottes Wille. Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu, ich bin dein! So ist der Schluß recht wohl ge⸗ macht. Nun, liebster Jesu, gute Nacht! Christ. Seriver, g 1629, st. 1693. 2. Nun sich der Tag geendet hat, Und keine Sonn mehr scheint, Schläft alles, was sich abgematt Und was zuvor geweint. 2. Nur du, mein Gott, hast keine Rast, Du schläfst, noch schlummerst nicht; Die Fin⸗ sterniß ist dir verhaßt, Weil du bist selbst das Licht. 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich In dieser schwarzen Nacht Und schenke mir genä⸗ diglich Den Schirm von dei⸗ ner Wacht. 4. Wend ab des Satans Wütherei Durch deiner Engel Schaar, So bin ich aller Sor⸗ gen frei, Und bringt mir nichts Gefahr. 5. Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld, Die mich bei dir klagt an: Ach, aber deines Sohnes Huld Hat gnug für mich gethan. 6. Den setz ich dir zum Bür⸗ gen ein, Wenn ich muß vors Gericht; Ich kann ja nicht verloren sein In solcher Zu⸗ versicht. 7. Drauf thu ich meine Au⸗ gen zu Und schlafe fröhlich ein. Mein Gott wacht jetzt in mei⸗ ner Ruh; Wer wollte traurig einꝰ 8. Weicht, nichtige Gedan⸗ ken, hin, Wo ihr habt euren Lauf: Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 9. Soll diese Nacht die letzte sein In diesem Jammerthal, So führ mich, Herr, zum Himmel ein Zur auserwähl⸗ ten Schaar. 10. Und also leb und sterb ich dir, Du Herr Gott Zeba⸗ oth; Im Tod und Leben hilfst du mir Aus aller Angst und Noth. Joh. Friedr. Hertzog, g. 1647, st. 1699. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 3. Nun sich der Tag geendet, Mein Herz zu dir sich wendet Und danket inniglich. 4 . , — E* er 84 . 32⁴4 Dein holdes Angesichte Zum Segen auf mich richte; Er⸗ leuchte und entzünde mich. 2. Ich schließe mich aufs neue In deine Vatertreue Und Schutz und Herze ein. Die fleischlichen Geschäfte Und alle finstern Kräfte Vertreibe durch dein Nahesein. 3. Daß du mich herzlich lie⸗ best, Daß du mich stets umgie⸗ best Und rufst zu dir hinein, Daß du vergnügst alleine So wesentlich und reine, Laß alle⸗ zeit mir heilig sein. 4. Ein Tag der sagts dem andern, Mein Leben sei ein Wandern Zur großen Ewig⸗ keit. O Ewigkeit, du schöne, Mein Herz an dich gewöhne! Mein Heim ist nicht in dieser Zeit. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. AA. Herr, es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin. Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin. Zeige mirs auch selber an, So ich was nicht recht gethan; Und hilf jetzt, in allen Sachen Guten Feier⸗ abend machen. 2. Freilich wirst du manches finden, Was dir nicht gefallen hat; Denn ich bin noch voller Sünden In Gedanken, Wort und That, Und vom Morgen bis jetzund Pfleget Herze, Hand und Mund So ge⸗ schwind und oft zu fehlen, Beten, loben und danken. Daß ichs selber nicht kann zählen. 3. Aber, o du Gott der Gnaden, Habe noch einmal Geduld. Ich bin freilich schwer beladen; Doch vergieb mir alle Schuld. Deine große Vatertreu Werde diesen Abend neu, So will ich noch deinen Willen Künftig mehr als heut erfüllen. 4. Heilige mir das Gemüthe, Daß der Schlaf nicht sündlich sei; Decke mich mit deiner Güte; Auch dein Engel steh mir bei. Lösche Feur und Lich⸗ ter aus Und bewahre selbst das Haus, Daß ich morgen mit den Meinen Nicht im Un⸗ glück dürfe weinen. 5. Steure den gottlosen Leu⸗ ten, Die im Finstern Böses thun. Sollte man gleich was bereiten, Uns zu schaden, wenn wir ruhn, So zerstöre du den Rath, Und verhindere die That; Wend auch alles andre Schrecken, Das der Satan kann erwecken. 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, Wenn es bei uns Abend wird; Denn du bleibest ewig munter Und bist wie ein guter Hirt, Der auch in der finstern Nacht Ueber seine Heerde wacht. Darum hilf uns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich denn gesund er⸗ wachen, Wenn es rechte Zeit wird sein, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein. Oder hast du, lieber Gott, Heut bestimmet meinen Tod, So befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände. Caspar Neumann, g. 1648, st. 1715. Mel. Ach was soll ich Sünder machen. 2645. Ach, mein Jesu, sieh, ich trete, Da der Tag nunmehr sich neigt Und die Finsterniß sich zeigt, Hin zu deinem Thron und bete. Neige du zu deinem Sinn Auch mein Herz und Sinnen hin. 2. Meine Tage gehn ge⸗ schwinde, Wie ein Pfeil, zur Ewigkeit, Und die allerlängste Zeit Saust vorbei, als wie die Winde, Fleußt dahin, als wie ein Fluß, Mit dem schnellsten Wasserguß. 3. Und, mein Jesu, sieh, ich Armer Nehme mich doch nicht in Acht, Daß ich dich bei Tag und Nacht Herzlich suchte. Mein Erbarmer, Mancher Tag geht so dahin, Da ich nicht recht wachsam bin. 4. Ach ich muß mich herz⸗ lich schämen! Du erhältst, du schützest mich Tag und Nacht so gnädiglich: Und ich will mich nicht bequemen, Daß ich ohne Heuchelei Dir dafür recht dankbar sei. 5. Nun ich komme mit Ver⸗ langen, O mein Herzens⸗ freund, zu dir. Neige du dein Licht zu mir, Da der Tag nunmehr vergangen; Am Abend. 32⁵ Sei du selbst mein Sonnen⸗ licht, Das durch alles Finstre bricht. 6. Laß mich meine Tage zäh⸗ len, Die du mir noch gönnen willst; Mein Herz sei mit dir erfüllt, So wird mich nichts können quälen; Denn wo du bist Tag und Licht, Schaden uns die Nächte nicht. 7. Nun, mein treuer Hei⸗ land, wache, Wache du in die⸗ ser Nacht! Schütze mich mit deiner Macht! Deine Liebe mich aulache. Laß mich selbst auch wachsam sein, Ob ich gleich jetzt schlafe ein. Levin Joh. Schlicht, g. 1681, st. 1723 Mel. Jesu, meine Freude. ½%6. Hirte deiner Schafe, Der von keinem Schlafe Et⸗ was wissen mag, Deine Wun⸗ dergüte War mein Schild und Hüte Den vergangnen Tag. Sei die Nacht auch auf der Wacht Und laß mich von dei⸗ nen Schaaren Um und um bewahren. 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld; Ein versöhnt Ge⸗ wissen Sei mein Ruhelissen. Ach vergieb die Schuld! Denn dein Sohn hat mich davon Durch die tiefgeschlagnen Wunden Gnädiglich entbun⸗ den. 3. Laß auch meine Lieben Keine Noth betrüben: Sie sind mein und dein. Schließ 326 Beten, loben uns mit Erbarmen In den Vaterarmen Wohlgeborgen ein. Du bei mir, und ich bei dir: Also sind wir ungeschie⸗ den, Und ich schlaf in Frie⸗ den. 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jam⸗ mer Ferne von uns sein. Sei du Schloß und Riegel, Un⸗ ter deine Flügel Nimm dein Küchlein ein. Decke zu mit Schutz und Ruh, So wird uns kein Grauen wecken, Noch der Feind uns schrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette Heut zum Grabe hätte? Wie bald roth, bald todt! Herr, hast dus beschlossen, Daß mein Ziel verflossen, Kommt die Todesnoth: So will ich nicht wider dich. Lieg ich nur in Jesu Wunden, Sterb ich alle Stunden. 6. Nun, wohlan, ich thue In vergnügter Ruhe Mund und Augen zu. Seele, Leib und Leben Hab ich dir ergeben, O du Hüter, du. Gute Nacht! Nimm mich in Acht! Und er⸗ leb ich ja den Morgen, Wirst du weiter sorgen. Benjamin Schmolk, g. 1672, st. 1737. Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid. 7. Der Tag ist hin. Mein Geist und Sinn Sehnt sich nach jenem Tage, Der uns völlig machen wird Frei von aller Plage. 2. Die Nacht ist da. Sei du mir nah, Jesu, mit hellen und danken. Kerzen; Treib der Sünden Dunkelheit Weg aus meinem Herzen. 3. Der Sonne Licht uns jetzt gebricht. O unerschaffne Sonne, Brich mit deinem Licht hervor, Mir zur Freud und Wonne. 4. Des Mondes Schein Fällt nun herein, Die Fin⸗ sterniß zu mindern. Ach daß nichts Veränderlichs Meinen Lauf möcht hindern! 5. Das Sternenheer Zu Gottes Ehr Am blauen Him⸗ mel flimmert. Wohl dem, der in jener Welt Gleich den Ster⸗ nen schimmert! 6. Was sich geregt Und vor bewegt, Ruht jetzt von seinen Werken. Laß mich, Herr, in stiller Ruh Dein Werk in mir merken. 7. Ein jeder will Bei solcher Still Der süßen Ruhe pfle⸗ gen. Laß die Unruh dieser Hei, Jesu, bald sich legen. 8. Ich selbst will auch Nach Witinem Brauch Nun in mein Bettlein steigen. Laß mein Herz zu deinem sich, Als zum Bettlein, neigen. 9. Halt du die Wach, Da⸗ mit kein Ach Und Schmerz den Geist berühre. Sende deiner Engel Schaar, Die mein Bettlein ziere. 10. Wann aber soll Der Wechsel wohl Der Tag und Nächte weichen? Wann der Tag nn wird, Dem kein Tag zu gleichen. 11. In jener Welt, Da diese fällt, Die Zion noch macht weinen, Soll noch heller sie⸗ benmal Mond und Sterne scheinen. 12. Alsdann wird nicht Der Sonne Licht Jerusalem ver⸗ lieren; Denn das Lamm ist selbst das Licht, Das die Stadt wird zieren. 13. Hallelujah! Ei, wär ich da, Da alles lieblich klinget, Da man ohn Abwechselung Heilig, heilig singet! Sonnabendslied. 14. O Jesu du, Mein Hülf und Ruh, Laß mich dahin gelangen, Daß ich mög in deinem Glanz Vor dir ewig prangen. JIJ A. Freylinghausen, g. 1670, st. 1789. Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. 8. Für alle Güte sei gepreist, Gott Vater, Sohn und heilger Geist; Ihr bin ich zu geringe. Vernimm den Dank, Den Lobgesang, Den ich dir kindlich singe. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an, Hast Großes heut an mir gethan, Mir mein Ge⸗ bet gewähret; Hast väterlich Mein Haus und mich Be⸗ schützet und genähret. Sonnabendslied. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 50. Die Woche geht zu Ende, Nicht aber Gottes Treu; 327 3. Herr, was ich bin, ist dein Geschenk: Der Geist, mit dem ich dein gedenk, Ein ruhiges Gemüthe, Was ich vermag Bis diesen Tag, Ist alles deine Güte. 4. Sei auch nach deiner Lieb und Macht Mein Schutz und Schirm in dieser Nacht; Ver⸗ gieb mir meine Sünden. Und kommt der Tod, Herr Zeba⸗ oth, So laß mich Gnade fin⸗ den. Chr. Fürchteg. Gellert, g. 1715, st. 1769. Für Kinder. 9. Müde bin ich, geh zur Ruh, Schließe beide Aeug⸗ lein zu. Vater, laß die Augen dein Ueber meinem Bette sein. 2. Hab ich Unrecht heut ge⸗ than, Sieh es, lieber Gott, nicht an. Deine Gnad und Christi Blut Macht ja allen Schaden gut. 3. Alle, die mir sind ver⸗ wandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand; Alle Menschen, groß und klein, Sollen dir befohlen sein. ö Denn wo ich mich finden Und giebet Trost und hinwende, Da ist sie immer Licht. 4. Kranken Herzen sende Ruh, Nasse Augen schließe zu. Laß den Mond am Himmel stehn Und die stille Welt be⸗ sehn. Luise Hensel. neu. Die Zeit kann wohl ver⸗ schwinden, Nur Gottes Güte nicht; Sie läßt sich täglich 328 2. O gnädigster Erhalter Von allem, was ich bin, Hör meines Mundes Psalter Und nimm das Opfer hin. Es sind ja deine Gaben, Die nicht zu zählen sein, Und was ich nur kann haben, Das ist ja alles dein. 3. Die ganze Woche zeuget Von deiner Gütigkeit, Die du zu mir geneiget; Ja, meine Lebenszeit Vom Anfang bis jetzunder Auf diesen Augen⸗ blick Rühmt deine Gnaden⸗S wunder Im Glück und Un⸗ gelück. 4. Allein mein Herze bebet, Wenn es zurücke denkt, Wie übel ich gelebet Und dich, mein Gott, gekränkt. Je mehr du mich geliebet Und meiner hast verschont, Je mehr ich dich betrübet Und nur mit Haß belohnt. 5. Ach strafe nicht im Grim⸗ me Gehäufte Missethat! Weil deine Vaterstimme Mich selbst gerufen hat, So schrei ich: Herr, erbarme, Erbarm dich über mich! Ich fall dir in die Arme; Ach schone gnä⸗ diglich! 6. Mein Glaube heißt mich hoffen, Es sei durch Christi Blut Ein neuer Bund ge⸗ troffen Und alles wieder gut. Drum will ich dir geloben, Auf ewig treu zu sein; Dein Christlicher Wandel. guter Geist von oben Wird mir die Kraft verleihn. 7. Ich bin dein Kind aufs neue: Drum gieb, daß diese Nacht Mich auch dein Schutz erfreue Und alles sicher mach. Ich werde gleichsam sterben, Der Schlaf ist wie ein Tod; Doch kann ich nicht verder— ben: Du lebst in mir, mein Gott. 8. Ja du, mein Gott, wirst wachen, Ich werde ruhig sein. o mag der Höllen Rachen Gleich Donner auf mich spein: Dein Kind wird nichts em⸗ pfinden, Als wenns im Him⸗ mel wär; Schutz werd ich bei dir finden; Mich deckt der Engel Heer. 9. Du willst auch die ver⸗ sorgen, Die mein und deine sein: So wird uns alle Mor⸗ gen Auch deine Kraft erfreun. Wir werden Opfer bringen Mit Herzen, Mund und Hand Und dir ein Loblied singen, Wo du, Herr, bist bekannt. 10. Soll das in diesem Leben Die letzte Woche sein, Will ich nicht widerstreben Und mich im Geiste freun Auf einen Feierabend, Den Christi Tod gemacht; Und diese Hoffnung habend Sprech ich nun: Gute Nacht! Benj. Schmolk, g. 1672, st. 1737. — — Christlicher Wandel. 329 Reiselied. Mel. Dies sind die h, zehn Gebot. 51I. In Gottes Namen fahren wir, Sein Hülf und Gnad begehren wir. Des Vaters Güt behüt uns heut, Bewahr auch unser Seel und Leib. Kyrieleis! 2. Christus sei unser Ge⸗ leitsmann, Bleib stetig bei uns auf der Bahn Und wend von uns des Feindes List, Auch was seinm Wort zuwi⸗ der ist. Kyrieleis! 3. Der heilge Geist auch ob uns halt Mit seinen Gaben mannigfalt. Er tröst und stärk uns in der Noth Und führ uns wieder heim zu Gott. Kyrieleis! Nie. Hermann, st. 1561; nach einem Schiffer⸗ und Wallfahrtsliede aus d. 13. Jahrhundert. XIX. Christlicher Wandel. 52. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, Ich bitt, erhör mein Klagen! Verleih mir Gnad zu dieser Frist, Laß mich doch nicht verzagen! Den rechten Glauben, Herr, ich mein, Den wollest du mir geben, Dir zu leben, Dem Nächsten nütz zu sein Dein Wort zu halten eben. 2. Ich bitt noch mehr, o Herre Gott, Du kannst es mir wohl geben: Daß ich werd nimmermehr zu Spott, Die Hoffnung gieb daneben; Voraus, wenn ich muß hier davon: Daß ich dir mög ver⸗ trauen Und nicht bauen Auf all mein nichtig Thun; Sonst wirds mich ewig reuen. 3. Verleih, daß ich aus Her⸗ zensgrund Mein Feinden mög vergeben. Verzeih mir auch zu dieser Stund, Schaff mir ein neues Leben. Dein Wort mein Speis laß allweg sein, Damit mein Seel zu nähren, Mich zu wehren, Wenn Un⸗ bud geht herein, Das mich ald möcht abkehren. 4. Laß mich kein Lust, noch Furcht von dir In dieser Welt abwenden. Beständig sein ans End gieb mir: Du hasts al⸗ lein in Händen; Und wem dus giebst, der hats umsonst, Es mag niemand ererben, Noch erwerben Durch Werke deine Gunst, Die uns errett vom Sterben. 5. Ich lieg im Streit und widerstreb: Hilf, o Herr Christ, dem Schwachen! An deiner Gnad allein ich kleb; Du kannst mich stärker machen. Kommt nun Anfechtung her, so wehr, Daß sie mich nicht umstoße. Du kannsts machen, Daß mirs nicht bringt Gefahr. Ich weiß, du wirsts nicht lassen. Paul Speratus, g. 1484, st. 1554. 330 Christlicher Wandel. 53. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn, All, die ihr seid beschweret nun, Mit Sünden hart bela⸗ den! Ihr Jungen, Alten, Frau und Mann, Ich will euch geben, was ich kann, Will heilen euren Schaden. 2. Mein Joch ist süß, mein Last gering; Wer mirs nach⸗ trägt in dem Geding*), Daß er der Höll entweiche: Ich will ihm treulich helfen tragn, Mit meiner Hülf wird er erjagn Das ewge Himmel⸗ reiche. ) im Vertrauen auf die Verhei⸗ ßung. 3. Was ich gethan und glit⸗ ten hie In meinem Leben spät und früh, Das sollt ihr auch erfüllen. Was ihr gedenkt, ja redt und thut, Das wird euch alles recht und gut, Wenns gschieht nach Gottes Willen. 4. Gern wollt die Welt auch selig sein, Wenn nur nicht wär die Schmach und Pein, Die alle Christen leiden. Doch kann und mags nicht anders sein; Darum ergeb sich nur darein, Wer ewge Pein will meiden. 5. All Creatur bezeuget das: Was lebt im Wasser, Laub und Gras, Sein Leiden kanns nicht meiden. Wer denn in Gottes Namn nicht will, Zu⸗ letzt muß er des Teufels Ziel Mit schwerm Gewissen leiden. 6. Heut ist der Mensch schön, jung und schlank, Und morgen ist er schwach und krank, Bald muß er auch gar sterben. Gleichwie die Blumen auf dem Feld, Also muß auch die schnöde Welt In einem Hui verderben. 7. Die Welt erzittert ob dem Tod. Liegt einer in der letz⸗ ten Noth, Dann will er erst fromm werden. Einer schafft dies, der ander das; Seinr armen Seel er ganz vergaß, Dieweil er lebt auf Erden. 8. Und wenn er nicht mehr leben mag, So hebt er an ein große Klag, Will sich nun Gott ergeben. Ich fürcht für⸗ wahr, die göttlich Gnad, Die er allzeit verschmähet hat, De schwerlich ob ihm schwe— en. 9. Dem Reichen hilft doch nicht sein Gut, Dem Jungen nicht sein stolzer Muth: Er muß aus diesem Maien. Wenn einer hätt die ganze Welt, Silber und Gold und alles Geld: Doch muß er an den Reihen. 10. Dem Glehrten hilft doch nicht sein Kunst, Die weltlich Pracht ist gar umsonst: Wir müssen alle sterben. Wer sich in Christo nicht bereit, Weil er lebt in der Gnadenzeit: Ewig muß er verderben. 11. Drum hört und merkt, ihr lieben Kind, Die jetzo Gott ergeben sind: Laßt euch die Müh nicht reuen; Halt stets am heilgen Gotteswort, Das ist eur Trost und höch⸗ ster Hort; Gott wirds euch schon betreuen. 12. Nicht Uebel ihr um Ue⸗ bel gebt; Schaut, daß ihr hier unschuldig lebt; Laßt euch die Welt nur äffen. Gebt Gott die Rach und alle Ehr; Den engen Steg geht immer her: Gott wird die Welt schon strafen. 13. Wenn es auch ging nach Fleisches Muth, In Gunst, Gesundheit, großem Gut, Würdt ihr gar bald erkalten. Darum schickt Gott die Trüb⸗ sal her, Damit eur Fleisch ge⸗ züchtigt werd, Zur ewgen Freud erhalten. 14. Ist euch das Kreuz bitter und schwer: Gedenkt, wie heiß die Hölle wär, Darein die Welt thut rennen, An Leib und Seel muß leidend sein Ohn Unterlaß die ewge Pein, Und mag doch nicht verbren⸗ nen. 15. Ihr aber werdt nach dieser Zeit Mit Christo haben Christlicher Wandel. 331 15 A. O Gott, du from⸗ mer Gott, Du Brunnquell guter Gaben, Ohn den nichts ist, was ist, BVon dem wir al⸗ les haben: Gesunden Leib gieb mir, Und daß in solchem Leib Ein unverletzte Seel Und rein Gewissen bleib. 2. Gieb, daß ich thu mit Fleiß, Was mir zu thun ge⸗ bühret, Wozu mich dein Be⸗ fehl in meinem Stande füh⸗ ret. Gieb, daß ichs thue bald, Zu der Zeit, da ich soll; Und wenn ichs thu, so gieb, Daß es gerathe wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen. Laß kein unnützes Wort Aus mei⸗ nem Munde gehen. Und wenn in meinem Amt Ich reden soll und muß, So gieb den Wor⸗ ten Kraft Und Nachdruck, ohn Verdruß. 4. Findt sich Gefährlichkeit, So laß mich nicht verzagen. Gieb einen Heldenmuth; Das ewig Freud; Dahin sollt ihr gedenken. Kein Mensch lebt, der aussprechen kann Die Glorie und den ewgen Lohn, Den uns der Herr wird schen⸗ ken. 16. Und was der ewig gütge Gott In seinem Wort ver⸗ sprochen hat, Geschworen bei seinm Namen, Das hält und giebt er gwiß fürwahr. Der Kreuz hilf selber tragen. Gieb, daß ich meinen Feind Mit Sanftmuth überwind Und, wenn ich Rath bedarf, Auch guten Rath ersind. 5. Laß mich mit jedermann In Fried und Freundschaft leben, So weit es christlichist. Willst du mir etwas geben An Reichthum, Gut und Geld, helf uns zu der Engelschaar So gieb auch dies dabei Daß Durch Amen! Joͤrg Birkenmeyer, um 1536 oder Hans Witzstadt. Jesum Christum. von unrechtem Gut Nichts untermenget sei. 6. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch mauchen sauern Tritt 332² Christlicher Wandel. Hindurch ins Alter dringen: So gieb, o Herr, Geduld; Vor Sünd und Schand be⸗ wahr, Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End Auf Christi Tod abscheiden. Die Seele nimm zu dir Hin⸗ auf zu deinen Freuden. Dem Leib ein Räumlein gönn Bei seiner Eltern Grab, Auf daß er seine Ruh An ihrer Seiten hab. 8. Wenn du an jenem Tag Die Todten wirst erwecken, So thu auch deine Hand Zu meinem Grab ausstrecken. Laß hören deine Stimm Und meinen Leib weck auf Und führ ihn schön verklärt Zum auserwählten Hauf. Joh. Hermann, g. 1585, st. 1647. Matth. 5, 1—10. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 55. Kommt, laßt euch den Herren lehren, Kommt und lernet allzumal, Welche die sind, die gehören Zu der rechten Christenzahl: Bie be— kennen mit dem Mund, Glau⸗ ben fest von Herzensgrund Und bemühen sich daneben, Guts zu thun, so lang sie leben. 2. Selig sind, die Demuth haben Und sind allzeit arm im Geist, Rühmen sich gar keiner Gaben, Daß Gott werd allein gepreist, Danken dem auch für und für; Denn das Himmelreich ist ihr. Gott wird dort zu Ehren setzen, Die sich selbst gering hier schätzen. 3. Selig sind, die Leide tra⸗ gen, Da sich göttlich Trauern findt, Die beseufzen und be⸗ klagen Ihr und andrer Leute Sünd. Die deßhalben trau⸗ rig gehn, Oft vor Gott mit Thränen stehn, Diese sollen noch auf Erden Und dann dort getröstet werden. 4. Selig sind die frommen Herzen, Da man Sanftmuth spüren kann, Welche Hohn und Trotz verschmerzen, Wei⸗ chen gerne jedermann. Die nicht suchen eigne Rach Und befehlen Gott die Sach, Diese will der Herr so schützen, Daß sie noch das Land besitzen. 5. Selig sind, die sehnlich streben Nach Gerechtigkeit und Treu, Daß in ihrem Thun und Leben Kein Gewalt noch Unrecht sei. Die da lieben gleich und recht, Sind auf⸗ richtig, fromm und schlecht, Geiz, Betrug und Unrecht hassen, Die wird Gott satt werden lassen. 6. Selig sind, die aus Er⸗ barmen Sich annehmen frem⸗ der Noth, Sind mitleidig mit den Armen, Bitten treulich für sie Gott. Die behülflich sind mit Rath, Auch, wo mög⸗ lich, mit der That, Werden wieder Hülf empfangen Und Barmherzigkeit erlangen. 7. Selig sind, die funden werden Reines Herzens je⸗ derzeit, die im Werk, Wort und Geberden Lieben Zucht —————— und Heiligkeit. Diesen, wel⸗ chen nicht gefällt Die unreine Lust der Welt, Sondern sie mit Ernst vermeiden, Wer⸗ den schauen Gott mit Freu⸗ den. 8. Selig sind, die Friede machen Und drauf sehn ohn Unterlaß, Daß man mög in allen Sachen Fliehen Hader, Streit und Haß. Die da stiften Fried und Ruh, Ra⸗ then allerseits dazu, Sich des Friedens selbst befleißen, Werden Gottes Kinder hei⸗ ßen. 9. Selig sind, die müssen dulden Schmach, Verfolgung, Angst und Pein, Da sie es doch nicht verschulden Und gerecht erfunden sein. Ob des Kreuzes gleich ist viel, Setzet Gott doch Maß und Ziel, Und hernach wird ers belohnen Ewig mit den Eh⸗ renkronen. 10. Herr, regier zu allen Zeiten Meinen Wandel auf der Erd, Daß ich solcher Se⸗ ligkeiten Hier aus Gnaden fähig werd. Gieb, daß ich mich acht gering, Meine Klag oft vor dich bring, Sanftmuth auch an Feinden übe, Die Ge⸗ rechtigkeit stets liebe; 11. Daß ich Armen helf und diene, Immer hab ein reines Herz, Die in Unfried stehn, versühne, Dir anhang in Freud und Schmerz. Vater, hilf von deinem Thron, Daß ich glaub an deinen Sohn Und durch deines Geistes Christlicher Wandel. 333 Stärke Mich befleiße guter Werke. Nach Joh. Hermann, g. 1585, st. 1647, von David Denicke, g. 1603, st. 1680. Mel. Was meinGott will, geschehec. 56. Aäh höchster Gott, verleihe mir, Daß ich nur dich begehre, Daß deine Gnad mich für und für In Christo neu gebäre; Daß ich, dein Kind, dich such und find In allem Kreuz und Leiden, Da⸗ mit nicht Tod, noch Höllen⸗ noth Mich jemals von dir scheiden. 2. Gieb meinem Herzen wahre Reu Und Thränen meinen Augen, Daß ich fort⸗ hin das Böse scheu, Und mei⸗ ne Werke taugen. Hilf, daß ich sei ohn Heuchelei, Ein Schutz und Trost der Armen, Auch jederzeit voll Freund⸗ lichkeit Mich ihrer mög er⸗ barmen. 3. Lösch aus in mir des Fleisches Wust, Daß ich in deiner Liebe, Nicht in der Welt, empfinde Lust Und stets mich also übe Nach deinem Wort, an allem Ort, In tu⸗ gendlichen Dingen: So wird mein Geist sich allermeist Zu dir, Herr Jesu, schwingen. 4. Treib aus von mir den stolzen Sinn, Laß mich in Demuth leben. Rach, Neid und Zorn nimm von mir hin; So kann ich bald vergeben. Wenn schon durch List mein Nebenchrist Ins Elend mich getrieben, Weiß ich doch wohl, — SII 2* 334 daß man auch soll Die ärg⸗ sten Feinde lieben. 5. Herr, gieb mir diese dreier⸗ lei: Erst einen festen Glau⸗ ben, Bei welchem rechte Treue sei, Die nimmer steht auf Schrauben; Daß ich mich üb in wahrer Lieb— Und hoff auf deine Güte, Die mich, o Gott, vor Schand und Spott Auch bis ins Grab behüte. 6. Nach irdschem Reichthum, Gut und Geld, Herr, laß mich ja nicht trachten. Gieb, daß ich alle Pracht der Welt Mög inniglich verachten, Auch nim⸗ mermehr nach hoher Ehr Und großem Namen strebe, Be⸗ sonders nur nach rechter Spur Der wahren Christen lebe. 7. Vor Schmeicheln, List, und Heuchelei Bewahre mei⸗ ne Sinnen, Und laß mich ja durch Gleißnerei Den Näch⸗ sten nicht gewinnen. Laß Ja und Nein mein Antwort sein, Darnach man sich zu richten; Denn dieses kann bei jeder⸗ mann Die Sachen leichtlich schlichten. 8. Herr, säubre doch von Eitelkeit Mein sündliches Ge⸗ müthe, Daß ich in dieser kur⸗ zen Zeit Vor schnöder Lust mich hüte. Der Herzensgrund sei wie der Mund, Dem Näch⸗ sten nicht zu schaden, So werd ich nicht, wie sonst geschicht, Mit Schmähen überladen. 9. Gieb, daß ich ja den Müßiggang Sammt aller Trägheit hasse; Dagegen, Herr, Mein Lebelang Mein Christlicher Wandel. Arbeit so verfasse, Daß ich zur Noth mein täglich Brot Mit Ehren mög erwerben, Und, wenn ich soll, fein sanft und wohl In dir, Herr Jesu, sterben. 10. Ach gieb mir deinen gu⸗ ten Geist, Daß ich die Laster fliehe Und nur um das, was christlich heißt, Von Herzen mich bemühe: So kann kein Leid in dieser Zeit Aus dei⸗ ner Hand mich treiben, Und so werd ich dann ewiglich Bei dir, Herr Jesu, bleiben. Joh. Rist, g. 1607, si, 1667. Mel. Komm, o komm du Geist ꝛc. 57. Jesus, Jesus, nichts als Jesus Soll mein Wunsch sein und mein Ziel! Jetzund mach ich ein Verbündniß, Daß ich will, was Jesus will, Denn mein Herz, mit ihm er⸗ füllt, Rufet nur; Herr, wie du willt! 2. Einer ist es, dem ich lebe, Den ich liebe früh und spat; Jesus ist es, dem ich gebe, Was er mir gegeben hat. Ich bin in dein Blut verhüllt: Führe mich, Herr, wie du willt. 3. Scheinet was, es sei mein Glücke, Und ist doch zuwider dir, Ach so nimm es bald zu⸗ rücke; Jesu, gieb, was nützet mir. Gieb dich mir, Herr Jesu, mild; Nimm mich dir, Herr, wie du willt. 4. Und vollbringe deinen Willen In mir, durch mich, an mir, Gott. Deinen Willen e —nsn..—...—.....——....—.....:——— —. Christlicher laß erfüllen Mich im Leben, Freud und Noth; Sterben als dein Ebenbild, Herr, wann, wo und wie du willt. 5. Sei auch, Jesu, stets gepriesen, Daß du dich und viel dazu Hast geschenkt und mir erwiesen, Daß ich sing in selger Ruh; Es geschehe mir, mein Schild, Wie du willt, Herr, wie du willt. Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt, g. 1640, st. 1672. 58. Höchster Priester, der du dich Selbst geopfert Wandel. 335 Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 59. Herr, deine Rechte und Gebot, Darnach wir sol⸗ len leben, Wollst du mir, o du treuer Gott, Jus Herze selber geben: Daß ich zum Guten willig sei, Mit Sorg⸗ falt undsohn Heuchelei, Was du befiehlst, vollbringe. 2. Gieb, daß ich dir allein vertrau, Allein dich fürcht und liebe, Auf Menscheutrost und Hülf nicht bau, Noch mich darum betrübe: Daß großer Leute Gnad und Gunst, Ge⸗ walt, Pracht, Reichthum, Witz hast für mich, Laß doch, bitt ich, noch auf Erden Auch mein Herz dein Opfer werden. 2. Denn die Liebe nimmt nichts an, Was du, Liebe, nicht gethan; Was durch deine Hand nicht gehet, Wird zu Gott auch nicht erhöhet. 3. Drum so tödt und schlachte hin Meinen Willen, meinen Sinn; Reiß mein Herz aus meinem Herzen, Sollts auch sein mit tausend Schmerzen. 4. Trage Holz auf den Altar Und verbrenn mich ganz und gar. O du allerliebste Liebe, Wenn doch nichts mehr von mir bliebe! 5. Also wird es wohl ge⸗ schehn, Daß der Herr es wird ansehn. Also werd ich noch auf Erden Gott ein liebes Opfer werden. Joh. Scheffler, g. 1624. st. 1677. und Kunst Mir nicht zum Abgott werde. 3. Hilf, daß ich deinen Gna⸗ denbund Aus deinem Wort erkenne, Auch niemals dich mit meinem Mund Ohn Her⸗ zensandacht nenne; Daß ich bedenke alle Tag, Wie stark mich meine Taufzusag Zum Dienste dir verbinde. 4. Am Tage deiner heilgen Ruh Laß mich früh vor dich treten, Die Zeit auch heilig bringen zu Mit Danken und mit Beten; Daß ich hab meine Lust an dir, Dein Wort gern höre und dafür Herzinniglich dich preise. 5. Die Eltern, Lehrer, Obrig⸗ keit, So vorgesetzt mir wer⸗ den, Laß mich ja ehren allezeit, Daß mirs wohlgeh auf Erden. Für ihre Treu und Sorg laß mich, Auch wenn sie werden wunderlich, Gehorsam sein und dankbar. — SSIIII 2 2 — —* — 8* 2 — * 336 6. Hilf, daß ich nimmer eigne Rach Aus Zorn und Feind⸗ schaft übe, Dem, der mir an⸗ thut Trutz und Schmach, Verzeihe und ihn liebe, Sein Glück und Wohlfahrt jedem gönn, Schau, ob ich jemand dienen könn, Und thu es dann mit Freuden. 7. Unreine Werk der Fin⸗ sterniß Laß mich mein Lebtag meiden, Daß ich nicht für die Lustseuch müß Der Höllen Qual dort leiden. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz, Daß ich schandbare Wort und Scherz, Auch Fressen haß und Saufeu. 8. Verleih, daß ich mich red⸗ lich nähr, Der bösen Ränk mich schäme, Mein Herz vom Geiz und Unrecht kehr Und fremdes Gut nicht nehme, Und von der Arbeit meiner Händ, Was übrig ist, auf Arme wend Und nicht auf Pracht und Hoffart. 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Glimpf Zu retten mich befleiße, Von ihm ab⸗ wende Schmach und Schimpf, Doch Böses nicht gut heiße. Gieb, daß ich lieb Aufrichtig⸗ keit Und hab ein Abscheu je⸗ derzeit Am Lästern und am Lügen. 10. Laß mich des Nächsten Haus und Gut Nicht wün⸗ schen, noch begehren; Was aber mir vonnöthen thut, Deß wollst du mich gewäh— ren; Doch, daß es niemand schädlich sei, Ich auch ein Christlicher Wandel. ruhig Herz dabei Und deine Gnad behalte. 11. Ach Herr, ich wollte dei⸗ ne Recht Und deinen heilgen Willen, Wie mir gebühret, deinem Knecht, Ohn Mangel gern erfüllen: Doch fühle ich, was mir gebricht, Und wie ich das Geringste nicht Vermag aus eignen Kräften. 12. Drum gieb du mir von deinem Thron, Gott Vater, Gnad und Stärke. Verleih, o Jesu, Gottes Sohn, Daß ich thu rechte Werke. O heil⸗ ger Geist, hilf, daß ich dich Von ganzem Herzen und als mich Ohn Falsch den Näch⸗ sten liebe. Dav. Denecke, g. 1603, st. 1680. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 60. Kinder, die ihr Christi Glieder Und nach Got— tes Bilde seid, Uebet gegen eure Brüder Christliche Ge⸗ rechtigkeit. Meint es mit dem Nächsten gut, Wie ihr wollt, daß man euch thut. Diese Lehre, so zu leben, Hat der Heiland uns gegeben. 2. Dient einander mit den Gaben, Welche Gott in euch gelegt; Denn den Baum will Gott nicht haben, Welcher keine Früchte trägt. Helft ein⸗ ander aus dem Kreuz, Son⸗ der Eigennutz und Geiz. Gebt und rathet und gedenket, Daß euch alles Gott geschenket. 3. Ohne Falsch, gleichwie die Tauben, Sucht einander beizustehn, Und aus unge⸗ * V 1 üꝛ—ꝛß7—— färbtem Glauben Lasset eure Werke gehn. Habt Vertrauen unter euch. Seid am Sinn einander gleich, Haltet an der Liebe feste, Denkt und hoffet stets das Beste. 4. Lasset über euch nicht schreien, Daß ihr unversöhn⸗ lich seid; Seid begierig zum Verzeihen, Langsam zu der Bitterkeit. Sprecht den Näch⸗ sten freundlich an, Hat er was nicht recht gethan, Und gewin⸗ net sein Gemüthe Selbst mit Freundlichkeit und Güte. 5. Lasset uns nicht übel sprechen, Wenn wir andrer Mängel sehn. Denkt, wir haben auch Gebrechen, Die uns wieder können schmähn. Höret, was derHeiland spricht: Richtet und verdammet nicht! Daß wir nicht noch hier auf Erden Selbst vor Gott ver⸗— werflich werden. 6. Gönnt einander alles Gu⸗ te, Segnet und verfluchet nicht. Christus hat mit seinem Blute Ein Erlösung aufgericht, Und ein Vater giebt uns Brod; Unsre Zeit beschließt der Tod, Und ein Himmel ist dort oben Den Gerechten aufgehoben. 7. Höchster, schmück uns mit dem Kleide Heiliger Gerech⸗ tigkeit. Mach uns zu der ew⸗ gen Freude, Zu des Lammes Mahl bereit. Mach uns hier und dort gerecht. Sprich einst: Du getreuer Knecht, Komm, ich will dich hier ergötzen Und dich über Viele setzen. Conrad Hubert, st. 1686. Christlicher Wandel. Mel. O Gott, der du ein Heerfürst bi ist. 61. Mein Leben ist ein Pilgrimstand; Ich reise nach dem Vaterland, Nach dem Jerusalem, das droben Gott selbst als eine feste Stadt Aufs Bundesblut gegründet hat; Da werd ich meinen Gott stets loben. Mein Leben ist ein Pilgrimstand; Ich reise nach dem Vaterland. 2. So schnell ich Land und Sand verlaß, Läuft schnell meins Lebens Stundenglas, Und was vorbei ist, kommt nicht wieder. Ich eile zu der Ewigkeit. Herr Jesu, mach mich nur bereit! Eröffne mei⸗ ne Augenlider, Daß ich, was zeitlich ist, veracht Und nur nach dem, was ewig, tracht. 3. Kein Reisen ist ohn Un⸗ gemach. Der Lebensweg hat auch sein Ach; Man wandelt nicht auf weichen Rosen. Der Steg ist eng, der Feinde viel, Die mich abreißen von dem Ziel. Ich muß mich oft an Dornen stoßen; Ich muß durch dürre Wüsten gehn Und kann selbst keinen Ausweg sehn. 4. Der Sonnenglanz mir oft gebricht, Der Sonne, die ihr Gnadenlicht In unver⸗ fälschte Herzen strahlet. Wind, Regen stürmen auf mich zu, Mein matter Geist findt nir⸗ gends Ruh. Doch alle Müh ist schon bezahlet, Wenn ich das goldne Himmelsthor Mir stell in Glaub und Hoffnung vor. 22 ππππιιìιιέι Vrars. VII π . 2* V. + ——— 338 Christlicher Wandel. 5. Israels Hüter, Jesu Christ, Der du ein Pilgrim worden bist, Da du mein Fleisch hast angenommen: Zeig mir imWorte deineTTritt, Laß mich bei einem jeden Schritt Zu deinem Heil stets näher kommen. Mein Leben fleucht; ach eile du Und fleuch mit Gnad und Hülf herzu! 6. Durch deinen Geist mich heilig leit; Gieb in Geduld Beständigkeit; Vor Strau⸗ cheln meinen Fuß beschütze. Ich falle stündlich; hilf mir auf, Zeuch mich, damit ich dir nachlauf. Sei mir ein Schirm in Trübsalshitze; Laß deinen süßen Gnadenschein In Fin⸗ sterniß nie ferne sein. 7. Wenn mir mein Herz, o Gnadenfüll, Vor Durst nach dir verschmachten will, So laß mich dich zum Labsal fin⸗ den; Und wenn ich schließ die Augen zu, So bring mich zu der stolzen Ruh, Da Streit und alle Müh verschwinden. Laß mich da sein in Abrams Schoß Dein Liebling und dein Hausgenoß. 8. Bin ich in diesem Me⸗ sechsland Der blinden Welt gleich unbekannt: Dort sind die Freunde, die mich kennen; Dort werd ich mit der Him⸗ melsschaar Dir jauchzend die⸗ nen immerdar Und in der reinsten Liebe brennen. Herr Jesu, komm, o bleib nicht lang! In Kedars Hütten wird mir bang. Friedr. Adolph Lampe, g. 1683, st. 1729. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 462. Himmelan geht unsre Bahn. Wir sind Gäste nur auf Erden, Bis wir dort in Canaan Durch die Wüste kommen werden. Hier ist un⸗ ser Pilgrimstand, Droben un⸗ ser Vaterland. 2. Himmelan schwing dich, mein Geist; Denn du bist ein himmlisch Wesen Und kannst das, was irdisch heißt, Nicht zu deinem Zweck erlesen. Ein von Gott erleuchter Sinn Kehrt in seinen Ursprung hin. 3. Himmelan! ruft er mir zu, Wenn ich ihn im Worte höre. Das weist mir den Ort der Ruh, Wo ich einmal hin⸗ gehöre. Wenn mich dieses Wort bewahrt, Halt ich eine Himmelfahrt. 4. Himmelan! denk ich all⸗ zeit, Wenn er mir die Tafel decket, Und mein Geist hier allbereit Eine Kraft des Him⸗ mels schmecket. Nach der Kost im Jammerthal Folgt des Lammes Hochzeitsmahl. 5. Himmelan! Mein Glau⸗ be zeigt Mir das schöne Loos von ferne, Daß mein Herz schon aufwärts steigt Ueber Sonne, Mond und Sterne; Denn ihr Licht ist viel zu klein Gegen jenen Glanz und Schein. 6. Himmelan wird mich der Tod In die rechte Heimath führen, Da ich über alle Noth Ewig werde triumphiren. Je⸗ sus geht mir selbst voran, Daß ich freudig folgen kann. 7. Himmelan, ach himmel⸗ an! Das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eitlen Wahn Durch die Himmelslust vertreiben. Himmelan steht nur mein Sinn, Bis ich in dem Himmel bin. Benjam. Schmolk, geb. 1672, st. 1737. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 63. Seele, was er⸗ müdst du dich In den Dingen dieser Erden, Die doch bald verzehren sich Und zu lauter nichtes werden? Suche Je⸗ sum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreu⸗ ten Sinn, Laß ihn sich zu Gott aufschwingen; Richt ihn stets zum Himmel hin, Laß ihn in die Gnad ein⸗ dringen. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh, Dein betrübtes Herz zu laben: Eil zur Lebensquell hinzu, Da kannst du sie reich⸗ lich haben. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 4. Fliehe die unselge Pein, So das finstre Reich gebieret; Laß nur den dein Labsal sein, Der zur Glaubensfreude füh⸗ ret. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 5. Ach es ist ja schlecht ge⸗ nug, Daß du sonst viel Zeit Christlicher Wandel. verdorben Mit nichtswürdi⸗ gem Gesuch, Dabei du fast bist erstorben. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 6. Geh einfältig stets ein⸗ her, Laß dir nichts das Ziel verrücken; Gott wird aus dem Liebesmeer Dich, den Kran⸗ ken, wohl erquicken. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 7. Weißt du nicht, daß diese Welt Ein ganz ander Wesen heget, Als dem Höchsten wohl⸗ gefällt, Und dein Ursprung dir vorleget? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 8. Du bist ja ein Hauch aus Gott Und aus seinem Geist geboren. Darum liege nicht im Koth; Bist du nicht zum Reich erkoren? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 9. Schwinge dich fein oft im Geist Ueber alle HDimmels⸗ höhen. Laß, was dich zur Erde reißt, Weit von dir entfernet stehen. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 10. Nahe dich dem lautern Strom, Der vom Thron des Lammes fließet Und auf die, so keusch und fromm, Sich in reichem Maß ergießet. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 11. Laß dir seine Majestät Immerdar vor Augen schwe⸗ ——. 3⁴⁰ ben; Laß mit brünstigem Ge⸗ bet Sich dein Herz zu ihm erheben. Suche Jesum und sein Licht; Alles andre hilft dir nicht. 12. Sei im Uebrigen ganz still, Du wirst schon zum Ziel elangen; Glaube, daß sein Liebeswill Stillen werde dein Verlangen. Drum such Jesum und sein Licht: Alles andre Hültar nicht. ac. Gabr. Wolf, g. 1683, fl. 1754. Mel. Seelenbräutigam. 64. Jesu, geh voran Auf der Lebensbahn; Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen. Führ uns an der Hand Bis ins Vaterland. 2. Solls uns hart ergehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Nie⸗ mals über Lasten klagen; Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz Irgend unser Herz, Kümmert uns ein fremdes Leiden: O so gieb Geduld zu beiden. Richte unsern Sinn Auf das Ende hin. 4. Ordne unsern Gang, Liebster, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, Gieb uns auch die nöthge Pflege. Thu uns nach dem Lauf Deine Thüre auf. Nie. Ludwig Graf v. Zinzendorf, geb. 1700, st. 1760. Christlicher Wandel. Matth. 5, 1—10. Mel. Wachet auf! ruft uns die ꝛc. 65. Kron und Lohn beherzter Ringer, Der Selig⸗ keit Herwiederbringer, Herr Jesu, Herr der Herrlichkeit, Schau vor deines Thrones Stufen Uns Arme, welche zu dir rufen: Wir wären gerne benedeit! Du segnest ja so gern, Gesegneter des Herrn, Wir begehrens. So komm herein, Wir sind ja dein— Und laß uns recht gesegnet sein. 2. Brunnquell aller Selig⸗ keiten, Ach fahre fort, uns zu bereiten, So wie es dir ge⸗ fällig ist. Wir, als von Natur verdorben, Wir sind dem Le⸗ ben abgestorben, Darinnen du zu finden bist. So tödte doch den Feind, Der uns zu stürzen meint, Unser Leben! Wir wollen nun Nichts selber thun. Laß uns in deinem Tode ruhn. 3. Selig sind die Geistlich⸗ armen! Sie finden leichtlich dein Erbarmen, Das Land der Himmel bleibet ihr; Da im Gegentheil die Reichen Und die gar satt sind, ferne weichen Von deines König⸗ reiches Zier. Ach mach uns Arme reich, Doch deiner Ar⸗ muth gleich! Gieb uns, Jesu, Den reichen Muth, Der ein⸗ zig ruht In dir, dem höchsten, ewgen Gut. 4. Selig sind, die Leide tra⸗ gen! Sie sollen Trosts genug erjagen; Ihr Herzog ging den Christlicher Wandel. Weg voran. Stieg er auf durch Kreuz und Leiden, Will er auch uns den Kelch beschei⸗ den, Der ihm hienieden gut gethan. Uns ist in dieser Zeit Kein Feiertag bereit: Hier gilts weinen. Beim Hoch⸗ zeitsmahl Ist keine Qual; Wir aber gehn durchs Jam⸗ merthal. 5. Selig sind die sanften Geister! Sie sind auf Erden Herrn und Meister, Und nie⸗ mand sieht es ihnen an, Da sie doch durch stillen Wandel In allerlei Geschäft und Han⸗ del Ihr Lammeswesen dar⸗ gethan. Es ist ihr Bräuti⸗ gam, Das erstgeborne Lamm, Lamm und Löwe, Gar sanft und weich, Doch stark zugleich. So sind auch die aus seinem Reich. 6. Selig, gleich dem Lebens⸗ fürsten, Sind alle Seelen, welche dürsten Und hungern nach Gerechtigkeit! Sättigung soll ihnen werden, Wie einst ihr Heiland hier auf Erden Gedürstet in der Leidenszeit, Dann nach der Himmelfahrt Vollauf gesättigt ward Bei dem Vater. Wer in der That So Hunger hat Und also dür⸗ stet, der wird satt. 7. Selig sind barmherzge Seelen! Barmherzigkeit wird sich vermählen Dereinst mit ihrer Dürftigkeit. Wer ein Tröpflein Wassers giebet, Wird um des Tröpfleins auch geliebet Und wohl belohnt zu seiner Zeit. Wohl also jeder⸗ ————————..————————— 341 mann, Der hier viel Guts gethan! Wehe denen, Die sich durch Pracht Darum gebracht! Vor Gott wird ihrer schlecht gedacht. 8. Selig sind die reinen Herzen, Die ihre Krone nicht verscherzen! Sie werden Gott im Frieden sehn. Alle unbe⸗ fleckten Tauben, Die an den Freund der Seelen glauben Und in der Reinigkeit bestehn, Die sehen einst im Licht Sein selig Angesicht Voller Gna— den! Herr, wir sind dein! Ach mach uns rein Und lehr 10. dir recht ähnlich sein! Selig, die in allen Sachen Bon Herzen gerne Frieden machen! Gott siehet sie als man an. Nichts wird ja ihr Heil Anttesendert Im Friedensschmucke selber schim⸗ mern, Die hier zum Frieden viel gethan. Wer ließe sich denn nun Nicht lieber Unrecht thun? Friede, Friede Hat unsre Gunst, Ist unsre Kunst; Der reichste Zankgewinn ist Dunst. 10. Selig sind, die voller Freuden Hier um des Guten willen leiden Und sprechen: Du bist ja der Herr! Dulden wir um deinetwillen, So wird der Leiden Maß zu füllen Aus Liebe niemals uns zu schwer. Wie glücklich wären wir, O Jesu, wenn wir hier Um dich litten! So geh vor⸗ an! Wir dringen an Auf dieser Kriegs⸗ und Sieges⸗ bahn! . ——— 3* * ö 2 34² Christlicher Wandel. 11. Also müssen wir auf Erden Nie, als in dir erfun⸗ den werden; Du hast uns je und je geliebt. Du hast erst um uns geworben Und bist aus Liebe gar gestorben; Wer ist, der solche Proben giebt? Wohlan, wir lieben dich, O Liebe, inniglich! Unsre Liebe Ist nur ein Bild, So lang es gilt, Wie du uns ewig lieben willt. Nic. L. Graf v. Zinzendorf, g. 1700, st. 1760. Mel. Valet will ich dir geben. 66. In unsers Königs Namen Betreten wir die Bahn. Ihr, ihr, von seinem Samen, O schließt euch freu⸗ dig an! Wir ziehn zum Frie⸗ denslande, Ein Leib, ein Herz, ein Geist. Wohl dem, der alle Bande Voll Heldenmuth zer⸗ reißt! 2. Der Weg ist schmal, doch eben Und führt zur Seligkeit. Die Straße dort daneben Ist zwar bequem und breit: Doch wer sie geht muß sterben; An ihrem Ende droht Ein ewiges Verderben, Fluch, Zorn und Qual und Tod. 3. Wir folgen deinem Locken, Du ewig treuer Freund. Wer könnte sich verstocken? Du hasts so gut gemeint. Wir wandern abgeschieden, Und jeder trägt sein Kreuz Erge⸗ ben und zufrieden: Für Pil⸗ ger hat es Reiz. 4. Der große Hirt der Heer⸗ de Geht seinem Volk voran. Sein Allmachtswort: Es wer⸗ de! Bereitet selbst die Bahn; Es lähmt erzürnten Feinden Herz, Zunge, Fuß und Hand, Knüpft zwischen frommen Freunden Der Liebe Bruder⸗ band. 5. So wandeln wir ent⸗ schlossen Dem Himmelsführer nach Und dulden unverdros⸗ sen Und tragen seine Schmach Und flehn im finstern Thale: O Jesu, steh uns bei Und mach im Hochzeitssaale Bald alles, alles neu! 6. Seht, wie die Krone schimmert, Die unser Haupt einst schmückt! Und wird der Leib zertrümmert, Der Wel⸗ tenbau zerstückt, Erlöschen Sonn und Sterne: Kein Pil⸗ ger werde matt. Dort gläuzt uns schon von ferne Des großen Königs Stadt. 7. Hinan! hinan! ihr From⸗ men. Es koste Schweiß und Blut! Hinan, hinan geklom⸗ men Mit wahrem Helden⸗ muth! Bald hebt uns unser Sehnen Hoch über Tod und Grab; Bald trocknet unsre Thränen Die Hand der Liebe ab. Joh. Ludw. Fricker, g. 1729, st. 1766. Mel. Herr Jesu Christ, meins ꝛc. 67. Herr Jesu Christe, mein Prophet, Der aus des Vaters Schoße geht: Mach mir den Vater offenbar Und seinen heilgen Willen klar. 2. Lehr mich in allem, weil ich blind; Mach mich dir ein gehorsam Kind, Andächtig und stets eingekehrt, So werd ich wahrhaft gottgelehrt. 3. Gieb, daß ich auch vor jedermann Von deiner Wahr⸗ heit zeugen kann Und allen zeig mit Wort und That Den schmalen, selgen Himmels⸗ pfad. 4. Mein Hoherpriester, der für mich Am Kreuzesstamm geopfert sich: Mach mein Ge⸗ wissen still und frei, Mein ewiger Erlöser sei. 5. Gesalbter Heiland, segne mich Mit Geist und Gnaden kräftiglich; Schließ mich in deine Fürbitt ein, Bis ich werd ganz vollendet sein. 6. Ich opfre auch als Prie⸗ ster dir Mich selbst und alles für und für. Schenk mir viel Rauchwerk zum Gebet, Das stets im Geist zu dir aufgeht. 7. Mein Himmelskönig, mich regier; Mein alles unterwerf ich dir. Rett mich von Sa⸗ tan, Welt und Sünd, Die mir sonst gar zu mächtig sind. 8. Ja, komm du in mein Herz hinein Und laß es dir zum Throne sein; Vor allem Uebel und Gefahr Mich, als dein Eigenthum, bewahr. 9. Hilf mir im königlichen Geist Mich selbst beherrschen allermeist, Begierden, Willen, Lust und Sünd, Und daß mich nichts Geschaffnes bind. 10. Du hocherhabne Maje⸗ stät, Mein König, Priester und Prophet, Sei du mein Christlicher Wandel. 34⁴43 Ruhm, mein Schatz und Freud Von nun an bis in Ewigkeit! Gerh. Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. 68. Kommt, Kinder, laßt uns gehen; Der Abend kommt herbei. Es ist gefähr⸗ lich stehen In dieser Wüstenei. Kommt, stärket euren Muth, Zur Ewigkeit zu wandern, Von einer Kraft zur andern; Es ist das Ende gut. 2. Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgerpfad; Wir kennen ja den Treuen, Der uns gerufen hat. Kommt, folgt und trauet dem! Ein jeder sein Gesichte Mit gan⸗ zer Wendung richte Fest nach Jerusalem. 3. Der Ausgang, der ge⸗ schehen, Ist uns fürwahr nicht leid. Es soll noch besser gehen Zur Abgeschiedenheit. Nein, Kinder, seid nicht bang! Ver⸗ achtet tausend Welten, Ihr Locken und ihr Schelten Und geht nur euren Gang. 4. Gehts der Natur entge⸗ gen, So gehts gerad und fein. Die Fleisch und Sinnen pfle⸗ gen, Noch schlechte Pilger sein. Verlaßt die Creatur Und was euch sonst will binden; Laßt gar euch selbst dahinten; Es geht durchs Sterben nur. 5. Man muß wie Pilger wandeln, Frei, bloß und wahrlich leer. Viel sammeln, halten, handeln Macht unsern Gang nur schwer. Wer will, ννπππνρπππ⁷πιπππν-π⁷iiπ 2 SS V. . „ 1 34⁴ Christlicher Wandel. der trag sich todt! Wir reisen abgeschieden, Mit wenigem zufrieden, Was man gebraucht zur Noth. 6. Schmückt euer Herz aufs beste, Sonst weder Leib noch Haus. Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hin⸗ aus. Gemach bringt Unge⸗ mach. Ein Pilger muß sich schickeu, Sich dulden und sich bücken Den kurzen Pil⸗ gertag. 7. Laßt uns nicht viel bese⸗ hen Das Kinderspiel am Weg. Durch Säumen und durch Stehen Wird man verstrickt und träg. Es geht uns alls nicht an. Nur fort, nur fort⸗ gerungen, Durch alles durch⸗ gedrungen! Es ist so bald gethan! 8. Ist gleich der Weg was enge, So einsam, krumm und schlecht, Der Dornen in der Menge Und manches Kreuze trägt: Es ist doch nur ein Weg. Laß sein! Wir gehen weiter, Wir folgen unserm Leiter Und brechen durchs Gehäg. 9. Was wir hier hörn und sehen, Das hörn und sehn wir kaum. Wir lassens da und gehen; Es irret uns kein Traum. Wir gehn ins Ewge ein. Mit Gott muß unser Handel, Im Himmel unser Wandel Und Herz und alles sein. 10. Wir wandeln eingekeh⸗ ret, Veracht und uubekannt. Man siehet, kennt und höret Uns kaum im fremden Land; Und höret man uns ja, So höret man uns singen Von all den großen Dingen, Die auf uns warten da. 11. Kommt, Kinder, laßt uns gehen; Der Vater gehet mit. Er selbst will bei uns stehen In jedem sauern Tritt. Er will uns machen Muth, Mit süßen Sonnenblicken Uns locken und eraquicken. Ach ia, wir habens gut! 12. Ein jeder munter eile; Wir sind vom Ziel noch fern. Schaut auf die Feuersäule, Die Gegenwart des Herrn! Das Aug nur eingekehrt, Da uns die Liebe winket Und dem, der folgt und sinket, Den wahren Ausgang lehrt. 13. Des süßen Lammes We⸗ sen Wird uns da eingedrückt. Man kanns am Wandel lesen, Wie kindlich, wie beglückt, Wie sanft, gerad und still Die Lämmer vor sich sehen Und ohne Forschen gehen So, wie ihr Führer will. 14. Kommt, Kinder, laßt uns wandern; Wir gehen Hand in Hand. Eins freuet sich am andern In diesem wilden Land. Kommt, laßt uns kindlich sein, Uns auf dem Weg nicht streiten! Die Engel uns begleiten Als un⸗ sre Brüderlein. 15. Sollt wo ein Schwacher fallen, So greif der Stärkre zu. Man trag, man helfe al⸗ len, Man pflanze Fried und Ruh. Kommt, bindet fester an! Ein jeder sei der Klein⸗ ste, Doch auch wohl gar der Reinste Auf unsrer Pilger⸗ bahn. 16. Kommt, laßt uns mun⸗ ter wandern; Der Weg kürzt immer ab; Ein Tag, der folgt dem andern; Bald fällt das Fleisch ins Grab. Nur noch ein wenig Muth, Nur noch ein wenig treuer, Von allen Dingen 1er⸗ Gewandt zum ewgen Gut! 17. Es wird nicht lang mehr währen; Halt noch ein wenig aus! Es wird nicht lang mehr währen, So kommen wir nach Haus. Da wird man ewig ruhn. Wenn wir mit allen Frommen Daheim zum Va⸗ ter kommen: Wie wohl, wie wohl wirds thun! 18. Drauf wollen wirs denn wagen, Es ist wohl Wagens werth, Und Kann dem absagen, Was aufhält und beschwert. Welt, du bist uns zu klein! Wir gehn durch Jesu Leiten Hin in die Ewigkeiten: Es soll nur Jesus sein. 19. O den wir er⸗ lesen, O Pibendaeen Gut, O ewigbl eibend Wesen, Wie reizest du den Muth! Wir freuen uns in dir, Du, unsre Wonn und Leben, Worin wir ewig schweben, Du, unsre ganze Zier! Gerh. Tersteegen, g. 1607, st. 1769. Christlicher Wandel. 34⁵ Mel. Nun danket all und bringet Ehr. 69. Wie gut ists, von der Sünde frei! Wie selig Christi Knecht! Im Sünden⸗ dienst ist Selaverei: In Chri⸗ sto Kindesrecht. 2. Im Sündendienst ist Finsterniß, Den Weg erkennt man nicht: Bei Christo ist der Gang gewiß, Man wandelt in dem Licht. 3. Im Sündendienst ist Haß und Leid, Man plagt und wird betrübt: In Christi Reich ist Freudigkeit, Man liebt und wird geliebt. 4. Die Sünde giebt den Tod zum Lohn; Das heißt ja schlimm gedient! Das Leben aber ist im Sohn, Der uns mit Gott versühnt. 5. O Heiland, dir nur dien ich gern; Denn du hast mich erkauft. Ich weiß und will soust keinen Herrn; Auf dich bin ich getauft. 6. Wen du frei machst, der ist recht frei; Du schenkst ihm alle Schuld; Und darum dank ich deiner Treu Und rühme deine Huld. 7. Ich bete an, Herr Jesu Christ, Und sage: Ich bin dein! Nimm mich zu dir; denn wo du bist, Soll auch dein Diener sein. Phil. Friedr. Hiller, g. 1090, st. 1769. Mel. Nun laßt uns den Leib ꝛc. 70. Wir sind noch von der Heimath fern; Wir wal⸗ 346 Christlicher Wandel. len aber unserm Herrn. Das nie gesehne Vaterland Ist uns aus seinem Wort bekannt. 2. Man seh uns an, für was man will: Wir wallen fort und leiden still. Wenn gleich der Satan auf uns stößt: Wir sind des Herrn, wir sind getröst. 3. So macht uns keine Furcht verzagt, Wenn uns die Welt verhöhnt und plagt; Und wen auch auf der Welt nichts freut, Der hat in Gott doch Freu⸗ digkeit. 4. Herr Jesu, halt auch mich dafür, Daß ie, dein sei und walle dir, So wall ich ganz getrost dahin, So lang ich in der Hütte bin. 5. Du gingst mir selbst zum Vater vor: Richt Aug und Herz zu dir empor, Daß ich erkenn, wohin ich geh, Und auf dein Wort und Vorbild eh. 6. Wall ich nur, wie es dir gefällt: Was ists, wenn mans für Thorheit hält? Komm ich doch heim. Bei dir ist Ruh; Was dir gefällt, belohnest du. 7. Da ziehest du uns Klei⸗ der an, Die jetzt kein Pilgrim tragen kann; Da wird sichs zeigen, wer man ist, Wenn man auch da lebt, wo du bist. 8. Mein Herr, dem ich einst Blut gekost, Mach mich im Tode selbst getrost Und ruf in Gnaden mich nach Haus, So geht mein Wallen selig aus. Phil. Friedr. Hiller, g. 1699, st. 1769. Mel. Schwing dich auf zu deinem ꝛc. 7I. Sollt ich jetzt noch, da mir schon Deine Güt er⸗ schienen, Dich verlassen, Got⸗ tes Sohn, Und der Sünde dienen? Mit den Lüsten die⸗ ser Zeit Wieder mich beflecken Und nicht mehr die Süßigkeit Deiner Liebe schmecken? 2. Hab ich doch allein bei dir meine Ruh gefunden; Heiland, heiltest du doch mir Alle meine Wunden: Und ich sollte dein Gebot, Mein Herr Jesu, hassen Und mein Recht an deinen Tod Wieder fahren lassenꝰ 3. Nein, ich bin und bleib ein Christ, Folge deinen Leh⸗ ren, Lasse weder Macht, noch List Mich im Glauben stören. An dir hang ich festiglich; Mags die Welt verdrießen! Sie wird mein Vertraun auf dich Mir doch gönnen müssen. 4. Zeigt sie mir ein Heil, wie du? Bringt sie Kraft den Müden, Den Bedrängten Trost und Ruh, Sündern Gottesfrieden? Giebt sie mir die Zuversicht, Daß ich überm Grabe Ewig Heil und selig Licht Zu erwarten habe? 5. Rettet sie mich, wenn vor dir Einst die Völker stehen, Und in deines Reiches Thür Nur die Frommen gehen? Wenn der Sichre nun zu spät Aus dem Schlaf erwachet, Und der Spötter, der hier schmäht, Glaubt und nicht mehr lachet ꝰ 6. O wie thöricht, wenn ich mich Noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße! Da ich weiß, auf wessen Wort Ich die Hoffnung gründe, Daß auch ich unfehlbar dort Gnad und Leben finde. 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trübsal nicht, noch Freuden Sollen mich, mein Herr und Gott, Jemals von dir scheiden. Welt und Sünd und Eitelkeit Und des Flei⸗ sches Triebe, Alles überwind ich weit, Herr, durch deine Liebe. Balthasar Münter, g. 1735, st. 1793. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 472. Herr, ich bin dir ganz leibeigen Und ich will es ewig sein; Denn dein lieb⸗ liches Bezeugen Nimmt mein Herze völlig ein. Du führst mich von Jugend an Auf die schmale Lebensbahn: O wie sollt ich denn verweilen, Täg⸗ lich mehr zu dir zu eilen? 2. Einem will ich immer dienen; Zween Herrn gehör ich nicht. Jesu, weil du mir erschienen, Bin ich ganz zu dir gericht. Von des Satans Sclaverei Macht dein Liebes⸗ dienst mich frei, Und die Welt mit ihrem Blenden Soll mich nicht mehr von dir wenden. 3. Geh, mein Heiland, wo ich gehe, Jesu, gehe stets mit mir. Weich nicht von mir, wo ich stehe; O so leb und sterb Christlicher Wandel. 347 ich dir. Drücke mich an deine Brust, Jesu, meiner Seelen Lust. Laß mich dich niemals verlieren, So wird mich kein Feind verführen. 4. Zähle mich, Herr, zu den Deinen, Die sich von der Welt getrennt, Die es mit dir treu⸗ lich meinen, Deren Herz in Liebe brennt. Ich will sonst mehr nirgends sein, Als in und bei dir allein. Wasche mich nur rein von Sünden, Die sich noch in mir befin⸗ den. 5. Süßer Bräutgam meiner Seelen, Mache mich nur recht getreu; Zeig den Feinden, die mich quälen, Daß ich längst dein eigen sei. Hilf, daß mir in dieser Welt Nichts von ih⸗ rer Pracht gefällt; Und in letz⸗ ten Kampfesstunden Schließe mich in deine Wunden. Mel. Seele, was ist Schönres wohl? 73. Himmelan, nur himmelan Soll der Wandel gehn. Was die Frommen wünschen, kann Dort erst ganz geschehn; Auf Erden nicht. Freude wechselt hier mit Leid; Richt hinauf zur Herrlichkeit Dein Angesicht. 2. Himmelan schwing dei⸗ nen Geist Jeden Morgen auf. Kurz, ach kurz ist, wie du weißt, Unser Pilgerlauf. Fleh täglich neu:„Gott, der mich zum Himmel schuf, Präg ins Herz mir den Beruf; Mach mich getreu!“ ö . SS * 424* 34⁴48 3. Himmelan hat er dein Ziel Selbst hinauf gestellt. Sorg nicht muthlos, nicht zu viel Um den Tand der Welt. Flieh diesen Sinn. Nur was du dem Himmel lebst, Dir von Schätzen dort erstrebst, Das ist Gewinn. 4. Himmelan erheb dich gleich, Wenn dich Kummer drückt, Weil dein Vater treu und reich Stündlich auf dich blickt. Was quält dich so? Droben, in dem Land des k Lichts, Weiß man von den Sorgen nichts; Sei himm⸗ lisch froh. 5. Himmelan wallt neben dir Alles Volk des Herrn, Trägt im Himmelsvorschmack hier Seine Lasten gern. O schlienßdich an! Kämpfe drauf, wie sichs gebührt; Denke, auch durch Leiden führt Die Him⸗ melsbahn. 6. Himmelan ging Jesus Christ Mitten durch die Schmach. Eil, weil du sein Jünger bist, Seinem Vorbild nach. Er litt und schwieg. Halt dich fest an Gott, wie er; Statt zu klagen, bete mehr; Erkämpf den Sieg. 7. Himmelan führt seine Hand Durch die Wüste dich, Ziehet dich im Prüfungsstand Näher hin zu sich Im Him⸗ melssinn. Von der Weltlust freier stets Und mit ihm ver⸗ bm. gehts Zum Himmel in. 8. Himmelan führt dich zu⸗ letzt Selbst die Todesnacht. Christlicher Wandel. Seis, daß sie dir sterbend jetzt Kurze Schrecken macht. Harr aus, harr aus! Auf die Nacht wirds ewig hell; Nach dem Tod erblickst du schnell Des Vaters Haus. 9. Hallelujah! Himmelan Steig dein Dank schon hier. Einst wirst du mit Schaaren nahn, Und— Gott naht zu dir In Ewigkeit. Aller Fam⸗ mer ist vorbei,— Alles preist verklärt und neu, In Ewig⸗ eit. 10. Hallelujah singst auch du, Wann du Jesum siehst, Unter Jubel ein zur Ruh In den Himmel ziehst. Ge⸗ lobt sei Er! Der vom Kreuz zum Throne stieg, Hilfet dir zu deinem Sieg. Gelobt ei Er! Joh. Gottf. Schoͤner, g. 1749, st. 1818. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 7 V. Wie freu ich mich mit Beben, Bis einst das volle Leben In meinem Geist be⸗ ginnt, Wenn vor der Liebe Sehnen Das Todeseis in Thränen, Die Nacht in ew⸗ gen Tag zerrinnt; 2. Wenn ich nach langen Mühen Nun aus dem Dienst⸗ haus fliehen, In Freiheit wandern kann; Wenn ihr so golden blinket Und mir her⸗ üÜber winket, Ihr Berg und Thäler Canaan! 3. O welche schöne Reise, Auf der mich Himmelsspeise Und Himmelstrank erquickt: Wo mich ein Freund geleitet, Die Hand mir überbreitet, Daß keine Sonnenglut mich drückt! 4. Mein Freund ist nun gekommen, Er hat mich hin⸗ genommen Und ganz sich mir geschenkt. Viel Wonne, Licht und Frieden Hat er mir zu⸗ beschieden Und meinen Pfad zu sich gelenkt. 5. Er wusch den Leib mir reine, Am Abend dann alleine Wäscht er die Füße mir. Zwar kann ich nur mich schämen, Doch darf ich mich nicht grä⸗ men;— Mit Freuden, spricht er, thu ichs dir! 6. Er zeigt mir alle Wege, Am steilen Felsenstege Trägt er so sicher mich; Und daß beim Niederschauen Dem Kind nicht möge grauen, Heißt er mich schauen nur auf sich. 7. Zwar mag ich leicht mich g ritzen An scharfen Dornen⸗ spitzen, Die mir entgegen⸗ stehn; Doch wenn ich ihn nur fasse Und seine Hand nicht lasse, Muß es mit Freuden fürder gehn.. 8. Oft, wenn ich mich ver⸗ irrte, Rief mich mein treuer Hirte In dieser Mitternacht; Und kam ich nur mit Reue, So hat der Ewigtreue Der Sünde nimmermehr gedacht. 9. Er hat für mich gelitten, Er hat für mich gestritten, Für mich ist er erblaßt; Für mich sein Herz durchstoßen, Für mich sein Blut geflossen, Und meine Schuld war seine Last. 10. O möcht ich diesen Ei⸗ nen Umfangen, und sonst kei⸗ nen, Der mich so hoch geliebt, Der mich so hoch geachtet, Den ich so tief verachtet Und bitterlich zum Tod betrübt! 11. Er hält sein Herz mir offen; Ich soll nur kindlich hoffen Und glaubend auf ihn sehn. Wenn ichs nur auf ihn wage, So soll es alle Tage Von Klarheit in die Klarheit ehn. 12. Herr Jesu, dieses Leben Wollst du mir Armen geben, Drauf will ich dir vertraun, Bis ich, nach deinem Bilde Erwachend, dir ins milde Versöhnerauge werde schaun. Albert Knapp, g9. 1798, st. 1864. Liebe. I. Corinth. 13. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht ꝛc. 75. Unter jenen gro⸗ ßen Gütern, Die uns Christus zugetheilt, Ist die Lieb in den Gemüthern Wie ein Balsam, der sie heilt, Wie ein Stern, der herrlich blinket, Wie ein Kleinod, dessen Preis Nie⸗ mand zu benennen weiß, Wie die Schönheit, die uns win⸗ ket, Und die Lust, die jeder⸗ mann Zwingen und vergnü⸗ gen kann. 2. Liebe kann uns alles ge⸗ ben, Was auf ewig nützt und —— —. N. * . * 1. — —*. 350 ziert, Und zum höchsten Stand erheben, Der die Seelen auf⸗ wärts führt. Menschen⸗ oder Engelzungen, Wo sich keine Liebe findt, Wie beredt sie sonst auch sind, Wie beherzt sie angedrungen, Sind ein flüchtiger Gesang, Sind ein Erz⸗ und Schellenklang. 3. Was ich von der Weis⸗ heit höre, Der Erkenntniß tiefer Blick, Die geheimniß⸗ volle Lehre Und des Glaubens Meisterstück, So der Berge Grund versetzet, Und was sonst den Menschen ehrt: Das verlieret seinen Werth; Al⸗ les wird für nichts geschätzet, Wenn sich nicht dabei der Geist, Der die Liebe wirkt, erweist. 4. Hätt ich alle meine Gabe Armen Brüdern zugewandt, Opfert ich mich selbst dem Grabe, Scheut ich nicht der Flammen Brand, Gäb ich meinen Leib auf Erden Ih⸗ nen zu verzehren hin Und be⸗ hielte meinen Sinn: Würd ich doch nicht besser werden, Bis mich wahre Lieb erfüllt, Die aus Gottes Herzen quillt. 5. Glaubenssieg und Hoff⸗ nungsblüthe Führt uns trö⸗ stend durch die Welt, Bis das irdische Gebiete Und der Schöpfungsbau zerfällt. Doch der Liebe weite Grenzen Strek⸗ ken sich in Ewigkeit; Alle, die sich ihr geweiht, Werden un⸗ aufhörlichglänzen. Glaub und Hoffnung bleiben hier: Liebe währet für und für. Christlicher Wandel. 6. O du Geist der reinen Liebe, Der von Gott du gehest aus, Laß mich spüren deine Triebe, Komm in meines Herzens Haus! Was in mir sich selbst nur suchet, Es nicht treu mit andern meint, Mag es Feind sein oder Freund, Laß mich halten als verfluchet. Lenke meinen ganzen Sinn, Geist der Lieb, zur Liebe hin. Ernst Lange, g. 1650, st. 1727. Mel. Wund erbarer König. 176. Kommt ins Reich der Liebe, O ihr Gotteskinder, Ihr im Blut gewaschnenSün⸗— der! Lernt von eurem Lamme Eure Brüder lieben Und euch recht darinnen üben. Folgt dem Herrn; Traget gern, Was nach Jesu fraget, Wenns auch fällt und klaget. 2. Sünde zu vergeben Und auch zu vergessen, Das hat keiner so besessen, Als der Freund der Sünder, Der mit eignem Blute Seinen Fein⸗ den selbst zu gute Alle Schuld, O der Huld! Ewiglich begra⸗ ben, Völlig aufgehoben. 3. Wirft der Feind der See⸗ len Zwischen eure Herzen Streit, Verdacht und Hader⸗ schmerzen: O so seid nicht stille; Wartet nicht so lange Bis zum Sonnenuntergange! Tödtet bald Die Gewalt Al⸗ ler Zwistigkeiten, Die den Fall bereiten. 4. Bleibt nicht so beständig Auf dem eignen Rechte, Wer⸗ det gern der andern Knechte; Denn die süße Liebe Deckt der Sünden Menge, Duldet ohne Maß der Länge. Liebt euch sehr, Liebet mehr! Nährt das Liebesfeuer Alle Tage treuer. 5. Soll das Reich des Soh⸗ nes, Voll von großen Heer⸗ den, Fest und reich gesegnet werden: O so laßt uns lieben Und in Liebe brennen. Jesu hilf, daß wir es können! Sa⸗ tan wehrt; Denn das Schwert Fest verbundner Liebe Schlägt ihm tiefe Hiebe. 6. Abba, lieber Vater, Sohn und Geist der Gnaden, Heile allen unsern Schaden. Falsch⸗ heit, Schein und Tücke, Stolz und Eigenliebe Kreuzige durch deine Triebe. Satans Macht Wird verlacht, Wenn wir dich nur kennen Und in Liebe brennen. Ernst Gottl. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. 77. Ach komm, füll unsre Seelen ganz, Du gna⸗ denreicher Liebesglanz, Du väterlich Erbarmen. Von dei⸗ ner Glut Laß Herz und Muth Recht inniglich erwarmen. Wahrhaftigkeit, Eid. 351 2. Du willst den Tod des Sünders nicht, Du gehst mit uns nicht ins Gericht: Wie dürnen wir denn richten?— Laßttimmer mild Des Bru⸗ ders Bild Durch unser Wort sich lichten. 3. Das ist der Liebe freund⸗ lich Amt, Daß sie zurecht bringt, nicht verdammt. Ach wer steht unbescholten? Und was sind wir, Herr Gott, vor dir, Daß wir verdammen sollten! 4. Herr leucht in uns mit deiner Gnad, Wenn uns des Nächsten Wort und That Bringt Kränkung, Leid und Schmerzen. Laß ganz und rein Uns ihm verzeihn In Wahrheit und von Herzen. 5. Du reicher Geber aller Hab, All unser Gut ist deine Gab; O hilf das Herz er⸗ schließen! Laß sie gemein Durch Liebe sein Und reich der Armuth fließen. 6. Ach komm, füll unsre Herzen ganz, Du gnadenrei⸗ cher Liebesglanz, Du väterlich Erbarmen! Von deiner Glut Laß Herz und Muth Recht inniglich erwarmen. Victor Strauß, g. 1809. Wahrhaftigkeit, Eid. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. 78. Gott, der du Her⸗ Mund, Das dir, Allwissen⸗ der, nicht kund; Du, Heili⸗ zenskenuer bist, Herr, dem ger, wirsts rächen! Laß je⸗ die Falschheit Gräuel ist Und derzeit mein Ja und Nein, jede Lüg Verbrechen. Kein Wies Christen ziemt, aufrich⸗ Wort spricht je ein falscher tig sein. 352 Geistlicher Kampf und Sieg. 2. Und wenn ich schwörend vor dir steh, Dir in dein hei⸗ lig Antlitz seh, Die Hand zum Himmel hebe, Wenn ich rum Zeugen feierlich Anrufe, Sbch⸗ erhabner, dich, Durch den ich bin und lebe: Dann sei von Trug und Heuchelei Mein Herz und meine Zunge frei. 3. Wenn Frevler dich auch da noch schmähn Und frech mit Lügen vor dir stehn, Dann laß mein Herz erschrecken. Weh dem, der Gott und Got⸗ tes Macht Zum Siegel seiner Bosheit macht, Sie vor der Welt zu decken! Herz, schau den Gott mit Zittern an, Der Seel und Leib verderben kann! 4. Gott, wenn du nicht mein Gott mehr bist, Dein Sohn nicht mehr mein Heiland ist, Dein Himmel nicht mein Erbe; Wenn mich beim Lei⸗ den dieser Zeit Kein Trost vom Himmel mehr erfreut, Kein Trost mehr, wenn ich sterbe; Wenn Gott und Je⸗ sus nicht mehr mein: Dann besser, nie geboren sein! 5. Nein, Ehre nicht, nicht Gut und Geld, Kein Fürsten⸗ thum und keine Welt Soll mich so weit verführen! Um alle Leiden dieser Zeit Will ich doch Gott und Seligkeit Muthwillig nicht verlieren. Wie klein mein Glück auch immer sei: Nur Gott und reines Herz dabei! 6. Gott, lehre mich bei jedem Eid Aus Furcht vor deiner Heiligkeit Die Wahrheit treu⸗ lich sprechen. Beschwör ich heilig Amt und Pflicht, So laß mich auch im Kleinsten nicht Die theure Zusag bre⸗ chen. Auch dir, Gott, schwur ich treu zu sein: Erhalt mich ewig, ewig dein! Joh. Carl Dan. Bickel, g. 1737, st. 1809. XX. Gristlicher Rampk und Sieg. Mel. Durch Adams Fall ꝛc. 79. Willst du bei Gott dein Wohnung habn Und seinen Himmel erben? So halt dich stets auf seiner Bahn; Mit Christo mußt du sterben. Du mußt dein Herz, — es gilt kein Scherz,— Mit ganzem Leib und Leben, Dein Hab und Gut, auch Fleisch und Blut Gänzlich an Gott ergeben. 2. Ohn alle Furcht und weibisch Art Sollst dich seins Willens halten, Ihn frei be⸗ kennen ungespart Und ihn darnach lassn walten. Greifs tapfer an! Du mußt doch dran. Kehr dich an niemands Wüthen! Dein Kreuz nicht meid; auf Christum streit! Gott wird dich wohl be⸗ hüten. 3. Pracht, Adel, Stärk, Ge⸗ walt und Kunst Mag dich zu Gott nicht bringen; Gilt nichts vor ihm und ist um⸗ sonst; Nach Demuth mußt du ringen. Die Welt veracht, auf Christum tracht! Das macht dich fröhlich laufen Aufs Her⸗ ren Straß all Ziel und Maß; Das heißt all Ding verkaufen. 4. Hast du Gott lieb, kennst seinen Sohn, Als du dich rühmst mit Worten? So mußt du auch sein Willen thun Auf Erd an allen Or⸗ ten. Hie hilft kein Gloß,“) die Schrift ist bloß;“*) Ich kanns nicht anders sehen: Wer Gott hängt an, gewiß, der kann Nicht Satans Grimm entgehen. *) Kein Drehen und Deuten. ) deutlich. 5. Ja! spricht die Welt, es ist nicht Noth; Sollt ich mit Christo leiden? Er litt doch selbst für mich den Tod, Drum kann ichs Kreuz wohl meiden. Er zahlt für mich; dasselb glaub ich; Damit ists aus⸗ gerichtet! O Bruder, nein! Es ist ein Schein; Der Teu⸗ fel hats erdichtet. 6. Ja, wär es gnug mit sol⸗ chem Wort, So hätt die Welt schon gwonnen. Glaub ist doch viel ein edler Hort; Wen der hat eingenommen, Der ist bereit, spart kein Arbeit, Den Willen Gotts zu halten; Der duldt und leidt,— es ist sein Freud,— Und sollts das Leben gelten. Geistlicher Kampf und Sieg. 353 7. O Jesu, der du Kraft und Licht Den Deinen schenkst von oben, Bewahre mich, daß ich doch nicht Scheu Satans Wuth und Toben. Ficht er mich an auf deiner Bahn, So hilf mir fröhlich kämpfen. Muß leiden ich gleich Fersen⸗ stich, So werd ich ihn doch dämpfen. Hans Witzstadt, 1540. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 180. Sei getreu bis an das Ende! Daure redlich aus den Kampf! Leidest du gleich harte Stände, Duldest du gleich manchen Dampf: Ach, das Leiden dieser Zeit Ist nicht werth der Herrlichkeit, So dir wird dein Jesus geben Dort in jenem Freudenleben. 2. Sei getreu in deinem Glauben! Baue deiner Seele Grund Nicht auf zweifelhafte Schrauben. Sage den Ge⸗ wissensbund, So geschlossen in der Tauf, Deinem Gott nicht wieder auf. Der ist gott⸗ los und verloren, Wer mein⸗ eidig dem geschworen. 3. Sei getreu in deiner Liebe Gegen Gott, der dich geliebt! An dem Nächsten Gutes übe, Ob er dich gleich hat betrübt. Denke, wie dein Heiland that, Als er für die Feinde bat. So mußt du verzeihen eben, Soll Gott anders dir vergeben. 4. Sei getreu in deinem Leiden! Lasse dich kein Unge⸗ mach Von der Liebe Jesu scheiden; Murre nicht in Weh 23 . — 2 . . V ö 7 X 35⁴ Geistlicher Kampf und Sieg. und Ach! Hilft denn was die Ungeduld? Ach sie häufet nur die Schuld. Der trägt leichter, der da träget Mit Geduld, was Gott aufleget. 5. Sei getreu in deinem Hoffen! Hilft Gott gleich nicht wie du willt: Er hat bald ein Mittel troffen, Daß dein Wünschen wird erfüllt. Denke, wie er manche Zeit Dir zu helfen war bereit, Obschon du dein Ohr verstopfet, Wenn er bei dir angeklopfet. 6. Sei getreu in Todesnö⸗ then! Fechte frisch den letzten Ruck, Sollt dich gleich der Herr auch tödten; Das ist ja der letzte Druck. Wer da recht mit Jesu ringt, Und, wie Ja⸗ cob, ihn bezwingt, Der ge⸗ wißlich ob ihm sieget Und die Lebenskrone krieget. 7. Drum getreu, getreu aus⸗ halten Mußt du deinem lieben Gott. Ihn mußt du es lassen walten, Willst du werden nicht zu Spott. Rufe nur, er ist schon hier; Sein Herz bricht ihm gegen dir. Rufe nur! Gott ist vorhanden. Hoffnung macht ja nicht zu Schanden. Benj. Prätorius, um 1659. Mel. Machs mit mir, Gott, nach ꝛc. 481. Auf, Christen⸗ mensch, auf, auf zum Streit! Auf, auf, zum Ueberwinden! In dieser Welt, in dieser Zeit Ist keine Ruh zu finden. Wer nicht will streiten, trägt die Kron Des ewgen Lebens nicht davon. 2. Der Teufel kommt mit seiner List, Die Welt mit Pracht und Prangen, Das Fleisch mit Wollust, wo du bist, Zu fällen dich und fan⸗ gen. Streitst du nicht wie ein tapfrer Held, So bist du hin und schon gefällt. 3. Gedenke, daß du zu der Fahn Deins Feldherrn hast geschworen. Denk ferner, daß du als ein Mann Zum Streit bist auserkoren. Ja, denke, daß ohn Streit und Sieg Nie keiner zum Triumph aufstieg. 4. Wie spöttlich, wenn ein Kriegesmann Dem Feind den Rücken kehret! Wie schmäh⸗ lich, wenn er von dem Plan Entflieht und sich nicht weh⸗ ret! Wie schändlich, wenn er gar mit Fleiß Aus Zagheit wird dem Feind zum Preis. 5. Bind an! Der Teufel ist bald hin; Die Welt wird leicht verjaget! Das Fleisch muß endlich aus dem Sinn, Wie sehr dichs immer plaget. O ewge Schande, wenn ein Held Vor diesen dreien Fein⸗ den fällt! 6. Wer überwindt und kriegt den Raum Der Feinde, die vermessen, Der wird im Pa⸗ radies vom Baum Des ewgen Lebens essen. Wer überwindt, den soll kein Leid, Noch Tod berührn in Ewigkeit. 7. Wer überwindt und sei⸗ nen Lauf Mit Ehren kann vollenden, Dem wird der Herr alsbald darauf Verborgnes Manna senden, Ihm geben einen weißen Stein Und ei⸗ nen neuen Namen drein. 8. Wer überwindt, bekommt Gewalt, Mit Christo zu re⸗ gieren, Mit Macht die Völker mannigfalt Nach Gottes Rath zu führen. Wer überwindt, bekommt vom Herrn Zum Feldpanier den Morgenstern. 9. Wer überwindet, der soll dort In weißen Kleidern ge⸗ hen; Sein guter Name soll sofort Im Buch des Lebens stehen; Ja, Christus wird denselben gar Bekennen vor der Engelschaar. 10. Wer überwindt, soll ewig nicht Aus Gottes Tempel ge⸗ hen, Vielmehr drin wie ein englisch Licht Und güldne Säu⸗ le stehen. Der Name Gottes, unsers Herrn, Soll leuchten von ihm weit und fern. 11. Wer überwindt, soll auf dem Thron Mit Christo Jesu sitzen, Soll glänzen wie ein Gottessohn, Und wie die Son⸗ ne blitzen; Ja, ewig herrschen und regiern Und immerdar den Himmel ziern. 12. So streit denn wohl, streit keck und kühn, Daß du mögst überwinden! Streng an die Kräfte, Muth und Sinn, Daß du dies Gut mögst finden! Wer nicht will streiten um die Kron, Bleibt ewiglich in Spott und Hohn. Joh. Scheffler, g. 1624, st. 1677. — tt‚..‚..-‚--‚-‚‚ Geistlicher Kampf und Sieg. 355 Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 82. Ach was sind wir ohne Jesum? Dürftig, jäm⸗ merlich und arm. Ach was sind wir? Voller Elend! Ach Herr Jesu, dich erbarm! Laß dich unsre Noth bewegen, Die wir dir vor Augen legen. 2. Wir sind nichts ohn dich, Herr Jesu; Hier ist lauter Finsterniß. Dazu quä⸗ let uns gar heftig Der ver⸗ gifte Schlangenbiß. Dieses Gift steigt zu dem Herzen Und verursacht stete Schmer⸗ zen. 3. Ach ohn dich, getreuer Jesu, Schreckt der Teufel und die Höll; Die Verdammniß macht mich zittern, Da ich steh auf dieser Stell. Mein Gewissen ist erwachet, Und der Abgrund flammt und krachet. 4. Ohne dich, herzliebster Jesu, Kommt man nicht durch diese Welt. Sie hat fast auf allen Wegen Un⸗ sern Füßen Netz gestellt; Sie kann trotzen, sie kann heu⸗ cheln Und hält uns mit ihrem Schmeicheln. 5. Ach wie kraftlos, Her⸗ zens⸗Jesu, Richten sich die Kranken auf! Unser Kraft ist lauter Ohnmacht In dem müden Lebenslauf; Deunn man sieht uns, da wir wallen, Oefters straucheln, öfters fallen. 2 2 * —. 12* 356 Geistlicher Kampf und Sieg. 6. Darum stärk uns, liebster Jesu, Sei in Finsterniß das Licht; Oeffne unsre Herzens⸗ augen, Zeig dein freundlich Angesicht. Strahl, o Sonn, mit Lebensblicken, So wird sich das Herz erquicken. 7. Tritt den Satan, starker Jesu, Unter unsern schwachen Fuß. Komm zu deiner Braut gegangen, Biet ihr deinen Friedensgruß, Daß sie Him⸗ melsfreud verspüre Und kein Leid sie mehr berühre. 8. Faß uns an, o süßer Jesu, Führ uns durch die Pilger⸗ straß, Daß wir auf den rech⸗ ten Wegen Gehen fort ohn Unterlaß. Laß uns meiden alle Stricke Und nicht wieder sehn zurücke. 9. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, Geben unserm Geiste Kraft, Daß wir brün⸗ stig dir nachwandeln, Nach der Liebe Eigenschaft. Ach Herr, mach uns selber tüchtig, So ist unser Leben richtig. 10. Dann wird Lob und Dank, Herr Jesu, Schallen aus des Herzens Grund. Dann wird alles jubiliren Und dir singen Herz und Mund. Dann wird auf der ganzen Erden Jesus hochge⸗ den, Spott und Schande Lau⸗ ter Lust und Himmel ist: Uebe ferner dein Gerichte Wider unsern Adamssinn, Bis uns dein so treu Gesichte Führet aus dem Kerker hin. 2. Ists doch deines Vaters Wille, Daß du endest dieses Werk. Hierzu wohnt in dir die Fülle Aller Weisheit, Lieb und Stärk: Daß du nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es von dem Treiben führest Zu der süßen Ruhestatt. 3. Ach so mußt du uns voll⸗ enden, Willst und kannst ja anders nicht; Denn wir sind in deinen Händen, Dein Herz ist auf uns gericht, Ob wir wohl vor allen Leuten Als ge⸗ fangen sind geacht, Weil des Kreuzes Niedrigkeiten Uns veracht und schnöd gemacht. 4. Schau doch aber unsre Ketten, Da wir mit der Crea⸗ tur Seufzen, ringen, schreien, beten Um Erlösung von Na⸗ tur, Von dem Dienst der Eikelkeiten, Der uns noch so harte drückt, Ungeacht der Geist in Zeiten Sich auf et⸗ was Bessers schickt. 5. Ach erheb die matten Kräfte, Sich einmal zu reißen lobet werden. Peter Lackmann, st. 1713. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 483. O Durchbrecher aller Bande, Der du immer bei uns bist, Bei dem Scha⸗ los Und durch alle Weltge⸗ schäfte Durchgebrochen stehen bloß. Weg mit Menschen⸗ furcht und Zagen! Weich, Ver⸗ nunft⸗Bedenklichkeit! Fort mit Scheu vor Schmach und Plagen! Weg des Fleisches Zärtlichkeit! 6. Herr, zermalme, brich und reiße Die verboßte Macht ent⸗ zwei! Denke, daß ein armer Mensche Dir im Tod nichts nütze sei. Heb uns aus dem Staub der Sünden, Wirf die Schlangenbrut hinaus; Laß uns wahre Freiheit finden In des Vaters Hochzeitshaus. 7. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigkeit. Wie dus nöthig findst, so thue Noch vor unsrer Abschiedszeit. Aber unser Geist der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Da ihm Zeit und Maß gebricht. 8. Herrs scher, herrsche! Sie⸗ ger, siege! König, hauchdemn Regiment! Führe deines Rei⸗ ches Kriege, Mach der Selave⸗ 1e ein End! Laß doch aus der Grub die Seelen Durch des neuen Bundes Blut! Laß uns länger nicht so quälen; Denn du meinsts mit uns ja gut. 9. Haben wir uns selbst ge⸗ fangen In Lust und Gefällig⸗ keit: Ach so laß uns nicht stets hangen In dem Tod der Ei⸗ telkeit. Denn die Last treibt uns zu rufen; Alle schreien wir dich an: Zeig doch nur die ersten Stufen Der ge⸗ brochnen Freiheitsbahn! 10. Ach wie theur sind wir erworben, Nicht der Menschen Knecht zu sein! Drum, so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Rein und frei und ganz voll⸗ kommen, Nach dem besten Geistlicher Kampf und Sieg. 357 Bild gebildt. Der hat Gnad um Gnad genommen, Wer aus deiner Füll sich füllt. 11. Liebe, zeuch uns in dein Sterben! Laß mit dir gekreu⸗ zigt sein, Was dein Reich nicht kann ererben! Führ ins Pa⸗ radies uns ein. Doch, wohl⸗ an! du wirst nicht säumen, Wo wir nur nicht lässig sein. Werden wir doch als wie träumen, Wenn die Freiheit bricht herein. Gottfr. Arnold, g. 1666, st. 1714. I84. Löwen, laßt euch wiederfinden, Wie im ersten Christenthum, Die nichts konnte überwinden. Seht nur an ihr Marterthum, Wie in Lieb sie glühen, Wie sie Feuer sprühen, Daß sich vor der Sterbenslust Selbst der Sa⸗ tan fürchten mußt! 2. In Gefahren unerschrok⸗ ken Und von Lüsten unbe⸗ rührt, Die aufs Eitle konnten locken, War man damals. Die Begierd Ging nur nach dem Himmel; Fern aus dem Getümmel War erhoben Herz und Sinn, Gab, was zeitlich, gern dahin. 3. Ganz großmüthig sie ver⸗ lachten, Was die Welt für Vortheil hält, Und wornach die Meisten trachten, Es mocht sein Ehr, Wollust, Geld. Furcht war nicht in ihnen; Auf die Kampfschaubühnen Sprangen sie mit Freudig⸗ keit, Hielten mit den Thieren Streit. — V. *. 35⁸ Geistlicher Kampf und Sieg. 4. O daß ich, wie diese wa⸗ ren, Mich befänd auch in dem Stand! Laß mich doch im Grund erfahren Deine hülf⸗ reich starke Hand, Mein Gott, recht lebendig. Gieb, daß ich beständig Bis in Tod durch deine Kraft, Uebe gute Ritter⸗ schaft. 5. Gieb, daß ich mit Geistes⸗ waffen Kämpf in Jesu Löwen⸗ stärk Und hier niemals möge schlafen, Daß mir dieses große Werk Durch dich mög gelin⸗ gen Und ich tapfer ringen, Daß ich in der Luft nicht streich, Sondern bald das Ziel erreich. 6. Es dürft wieder dazu kommen, Daß des Feindes tolle Wuth Zu der Schlacht⸗ bank deine Frommen Führte und vergöß ihr Blut. Nach gemeiner Sage Große Trüb⸗ salstage Werden kommen uns zu Haus, Und noch ein sehr harter Strauß. 7. Ei, wohlan, nur fein standhaftig! O ihr Brüder, tapfer drauf! Lasset uns doch recht herzhaftig Folgen jener Zeugen Hauf! Nur den Leib derühret, Was ihm so gebüh⸗ ret; Er hats Leiden wohl verdient, Und die Seel dar⸗ unter grünt. 8. Fort, fort mit dem Sinn der Griechen, Denen Kreuz nur Thorheit ist! O laßt uns zurück nicht kriechen, Wenn ans Kreuz soll Jesus Christ! Steht in Jesu Namen, Wenn der Schlangensamen Sich dem Glauben widersetzt Und das Schlachtschwert auf uns wetzt! 9. Gebt euch in das Leiden wacker! Mit dem Blut der Märtyrer Wird gedüngt der Kirchenacker. Diese Feuchtung treibet sehr Und macht stark aussprossen, Was damit be⸗ gossen. O dann trägt er reich⸗ lich Frucht, Eine schöne Gar⸗ tenzucht! 10. Feuchte vor, o heilger Regen, Uns, dein Erb, die dürre Erd, Daß wir dir ge⸗ treu sein mögen Und nicht achten Feur und Schwert, Als in Liebe trunken Und in dir versunken! Mach dein Kirch an Glauben reich, Daß das End dem Anfang gleich! Anmüth. Blumenkranz, 1712. Mel. Straf mich nicht in deinem ꝛc. 2185. Mache dich, mein Geist, bereit; Wache fleh und bete, Daß dich nicht die böse ZeitUnverhofft betrete; Denn es ist Satans List Ueber viele Frommen Zur Versuchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf Von dem Sündenschlafe; Denn es folget sonst darauf Eine lange Strafe; Und die Noth Sammt dem Tod Möch⸗ te dich in Sünden Unvermu⸗ thet finden. 3. Wache auf, Sonst kann dich nicht Unser Herr erleuch⸗ ten. Wache, sonsten wird sein Licht dir noch ferne däuchten; Denn Gott will Für die Füll W V Seiner Gnadengaben Offne Augen haben. +. Wache, daß dich Satans List Nicht im Schlaf erblicke, Weil er sonst behende ist, Daß er dich berücke. Und Gott giebt, Die er liebt, Oft in seine Strafen, Wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt Durch Gewalt bezwinge, Oder, wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe. Wach und sieh Es fehlt nie Hier an falschen Brüdern Unter Christi Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, Für dein Fleisch und Herze, Damit es nicht fre⸗ ventlich Gottes Gnad ver⸗ scherze; Denn es ist Voller List Und kann sich bald heucheln Und in Hoffart schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen; Denn der Herre muß dich frei Von dem allen machen, Was dich drückt Und bestrickt, Daß du schläfrig bleibest Und sein Werk nicht treibest. 8. Ja, er will gebeten sein, Wenn er was soll geben; Er verlanget unser Schrein, Wenn wir wollen leben Und durch ihn Unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden Kräftig überwinden. 9. Doch wohl gut, es muß uns schon Alles glücklich ge⸗ hen, Wenn wir ihn durch sei⸗ nen Sohn Im Gebet anfle⸗ hen; Denn er will Uns mit Geistlicher Kampf und Sieg. 359 Füll Seiner Gunst beschütten, Wenn wir gläubig bitten. 10. Drum so laßt uns im⸗ merdar Wachen, flehen, beten, Weil die Angst, Noth und Gefahr Immer näher treten; Denn die Zeit Ist nicht weit, Da uns Gott wird richten Und die Welt vernichten. Joh. Burkh. Freystein, st. 1720. Mel. Wachet auf! ruft uns die Stimme. 86. Rüstet euch, ihr Christenleute! Die Feinde suchen euch zur Beute; Ja, Satan selbst hat eur begehrt. Wappnet euch mit Gottes Worte Und kämpfet frisch an jedem Orte, Damit ihr blei⸗ bet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell: Hier ist Immanuel! Hosianna! Der Starke fällt Durch diesen Held, Und wir behalten mit das Feld. 2. Reinigt euch von euren Lüsten; Besieget sie, die ihr seid Christen, Und stehet in des Herren Kraft. Stärket euch in Jesu Namen, Daß ihr nicht strauchelt, wie die Lahmen. Wo ist des Glau⸗ bens Eigenschaft? Wer hier ermüden will, Der schaue auf das Ziel. Da ist Freude. Wohlan, so seid Zum Kampf bereit! So krönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wengen Jahre, Eh ihr kommt auf die Todtenbahre; Kurz, kurz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott — 2 4 . . R 360 Geistlicher Kampf und Sieg. wird die Todten wecken, Und Christus wird die Welt er⸗ schrecken, So stehen wir mit Freuden auf! Gott Lob! wir sind versöhnt. Daß uns die Welt noch höhnt, Währt nicht lange; Und Gottes Sohn Hat längstens schon Uns beigelegt die Ehrenkron. 4. Jesu, stärke deine Kinder, Und mach aus denen Ueber⸗ winder, Die du erkauft mit deinem Blut. Schaffe in uns neues Leben, Daß wir uns stets zu dir erheben, Wenn uns entfallen will der Muth. Geuß aus auf uns den Geist, Dadurch die Liebe fleußt In die Herzen, So halten wir Getreu an dir Im Tod und Leben für und für. Wilh. Erasm. Arends, st. 1721. 87. Ninge recht, wenn Gottes Gnade Dich nun zie⸗ het und bekehrt, Daß dein Geist sich recht entlade Von der Last, die ihn beschwert. 2. Ringe, denn die Pfort ist enge Und der Lebensweg ist schmal. Hier bleibt alles im Gedränge, Was nicht zielt zum Himmelssaal. 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, Dring hinein in Gottes Reich. Will der Sa⸗ tan widerstreben, Werde we⸗ der matt, noch weich. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe Und die erste Liebe dich Von der ganzen Welt abziehe; Halbe Liebe hält nicht Stich. 5. Ringe mit Gebet und Schreien, Halte damit feurig an; Laß dich keine Zeit ge⸗ reuen, Wärs auch Tag und Nacht gethan. 6. Hast du denn die Perl errungen, Denke ja nicht, daß du nun Alles Böse hast be⸗ zwungen, Das uns Schaden pflegt zu thun. 7. Nimm mit Furcht ja dei⸗ ner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr. Hier in dieser Leibeshöhle Schwebst du täg⸗ lich in Gefahr. 8. Halt ja deine Krone este, Halte männlich, was du hast. Recht Beharren ist das Beste; Rückfall ist ein böser Gast. 9. Laß dein Auge ja nicht gaffen Nach der schnöden Ei⸗ telkeit; Bleibe Tag und Nacht in Waffen, Fliehe Träg⸗ und Sicherheit. 10. Laß dem Fleische nicht den Willen, Gleb der Lust den Zügel nicht. Willst du die Begierden stillen, So verlischt 1 Gnadenlicht. Fleischesfreiheit macht die Setle Kalt und sicher, frech und stolz, Frißt hin⸗ weg des Glaubens Oele, Läßt nichts, als ein faules Holz. 12. Wahre Treu führt mit der Sünde Bis ins Grab beständig Krieg, Richtet sich nach keinem Winde Sucht in jedem Kampf den Sieg. 13. WahreTreu liebtChristi Wege, Steht beherzt auf ihrer —.ẽ——— n Geistlicher Kampf und Sieg. 361 Hut, Weiß von keiner Wol⸗ lustpflege, Hält sich selber nichts zu gut. 14. Wahre Treu hat viel zu weinen, Spricht zum Lachen: Du bist toll! Weil es, wenn Gott wird erscheinen, Lauter Heulen werden soll. 15. Wahre Treu kommt dem Getümmel dieser Welt niemals zu nah. Ist ihr Schatz doch in dem Himmel; Drum ist auch ihr Herz allda. 16. Dies bedenket wohl, ihr Streiter! Streitet recht und fürchtet euch; Geht doch alle Tage weiter, Bis ihr kommt ins Himmelreich. 17. Denkt bei jedem Augen⸗ blicke, Obs vielleicht der letzte sei. Bringt die Lampen ins Geschicke, Holt stets neues Oel herbei. 18. Liegt nicht alle Welt im Bösen? Steht nicht Sodom in der Glut? Seele, wer soll dich erlösen? Eilen, eilen ist hier gut. 19. Eile, wo du dich erret⸗ ten Und nicht mit verderben willt. Mach dich los von allen Ketten, Fleuch, als ein gejag⸗ tes Wild. 20. Lauf der Welt doch aus den Händen, Dring ins stille Zoar ein. Eile, daß du mögst vollenden, Mache dich von allem rein. 21. Laß dir nichts am Her⸗ zen kleben, Fleuch vor dem verborgnen Bann. Such in Gott geheim zu leben, Daß dich nichts beflecken kann. 22. Eile, zähle Tag und Stunden, Bis dein Bräut⸗ gam kommt und winkt, Und, wenn du nun überwunden, Dich zum Schauen Gottes bringt. 23. Eile, lauf ihm doch ent⸗ gegen, Sprich: Mein Licht, ich bin bereit, Nun mein Hüttlein abzulegen; Mich dürst nach der Ewigkeit! Joh. Joseph Winkler, g. 1670, st. 1722. Mel. Meine Hoffnung stehet feste. S88. Auf, ihr Christen, Christi Glieder, Die ihr noch hangt an dem Haupt! Auf, wacht auf, ermannt euch wie⸗ der, Eh ihr werdet hinge⸗ raubt! Satan beut An den Streit Christo und der Chri⸗ stenheit. 2. Aufl Folgt Christo, eurem Helde, Trauet seinem starken Arm! Liegt der Satan gleich zu Felde Mit dem ganzen Höllenschwarm: Sind doch der Noch viel mehr, Die da tets sind um uns her. 3. Nur auf Christi Blut ge⸗ waget Mit Gebet und Wach⸗ samkeit! Dieses machet un⸗ verzaget Und recht tapfre Kriegesleut. Christi Blut Giebt uns Muth Wider alle Teufelsbrut. 4. Christi Heeres Kreuzes⸗ fahne, So da weiß und roth besprengt, Ist schon auf dem Siegesplane Uns zum Troste aufgehängt. Wer hier kriegt, Nie erliegt, Sondern unterm Kreuze siegt. 2——— 2 22 2 36²2 Geistlicher Kampf und Sieg. 5. Diesen Sieg hat auch empfunden Vieler Heilgen starker Muth, Da sie haben üÜberwunden Fröhlich durch des Lammes Blut. Sollten wir Denn allhier Nicht auch streiten mit Begier? 6. Wer die Sclaverei nur liebet In der Zeit und Ewig⸗ keit Und den Sünden sich er⸗ giebet, Der hat wenig Lust zum Streit; Denn die Nacht, Satans Macht, Hat ihn in den Schlaf gebracht. 7. Aber wen die Weisheit lehret, Was die Freiheit für ein Theil, Dessen Herz zu Gott sich kehret, Seinem al⸗ lerhöchsten Heil, Sucht allein, Ohne Schein, Christi freier Knecht zu sein. 8. Denn vergnügt auch wohl das Leben, So der Freiheit mangeln muß? Wer sich Gott nicht ganz ergeben, Hat nur Müh, Angst und Verdruß. Der, der kriegt Recht ver⸗ gnügt, Wer sein Leben selbst besiegt. 9. Drum auf! Laßt uns überwinden In dem Blute Jesu Christ Und an unsre Stirne binden Sein Wort, so ein Zeugniß ist, Das uns deckt Und erweckt Und nach Gottes Liebe schmeckt. 10. Unser Leben sei verbor⸗ gen Mit Christo in Gott al⸗ lein, Auf daß wir an jenem Morgen Mit ihm offenbar auch sein, Da das Leid Dieser Zeit Werden wird zu lauter Freud; 11. Da Gott seinen treuen Knechten Geben wird den Gnadenlohn, Und die Hütten der Gerechten Stimmen an den Siegeston; Da fürwahr Gottes Schaar Ihn wird lo⸗ ben immerdar. Just. Falckner, st. 1724. Mel. Großer Prophete, mein ꝛc. 89. Jesu, hilf siegen, du Fürste des Lebens! Sieh, wie die Finsterniß dringet herein; Wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein! Satan der sinnet auf aller⸗ hand Ränke, Wie er mich sichte, verführe und kränke. 2. Jesu, hilf siegen! Ach wer muß nicht klagen? Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir. Hilf, wenn die Sünden der Jugend mich nagen, Die mein Gewissen mir täglich hält für. Ach laß mich schmek⸗ ken dein kräftig Versühnen, Und dies zu meiner Demü⸗ thigung dienen. 3. Jesu, hilf siegen! Wenn in mir die Sünde, Eigenlieb, Hoffart und Mißgunst sich regt; Wenn ich die Last der Begierden empfinde,‚ Und sich mein tiefes Verderben dar⸗ legt: So hilf, daß ich vor mir selbst mag erröthen Und durch dein Leiden mein sündlich Fleisch tödten. 4. Jesu, hilf siegen! Herr, lege gefangen In mir die Lüste des Fleisches und gieb, Daß bei mir lebe des Geistes Ver⸗ langen, Aufwärts sich schwin⸗ gend durch heiligen Trieb. Laß mich eindringen ins gött⸗ liche Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seele gene⸗ en. 5. Jesu, hilf siegen! Hilf, daß auch mein Wille Dir, Herr, sei gänzlich zu eigen geschenkt, Und ich mich stets in dein Wollen verhülle, Wo sich die Seele zur Ruhe hin⸗ lenkt. Laß mich mir sterben und alle dem Meinen, Daß ich mich zählen kann unter die Deinen. 6. Jesu, hilf siegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähn Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, Laß doch viel heller dann deine Kraft sehn. Steh mir zur Rechten, o König und Mei⸗ ster! Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister. 7. Jesu, hilf siegen im Wa⸗ chen und Beten! Hüter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein. Laß dein Gebet mich unendlich vertreten, Der du versprochen, mein Für⸗ sprech zu sein. Wenn mich die Nacht mit Ermüdung will decken, Wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken. 8. Jesu, hilf siegen! Wenn alles verschwindet Und ich mein Nichts und Verderben nur seh; Wenn kein Vermö⸗ gen zu beten sich findet, Wenn ich muß sein ein verschüchter⸗ tes Reh: Ach Herr, so wollst Geistlicher Kampf und Sieg. 363 du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seuf⸗ zen vermählen. 9. Jesu, hilf siegen! Ach laß mirs gelingen, Daß ich das Zeichen des Sieges erlang, So will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang. Wie wird dein Name da werden gepriesen, Wo du, o Held, dich so mächtig er⸗ wiesen! 10. Jesu, hilf siegen, Wenn ich nun soll scheiden Von die⸗ ser jammer⸗ und leidvollen Welt, Wenn du mich rufest: gieb, daß ich mit Freuden Zu dir mög fahren ins himmlische Zelt. Laß mich, ach Jesu, recht ritterlich ringen Und durch den Tod in das Leben ein⸗ dringen. Joh. Heinr. Schröͤder, g. 1666, st. 1728. Mel. Alle Menschen müssen ster⸗ ben. 90. Wer das Kleinod will erlangen, Der muß lau⸗ fen, was er kann. Wer die Krone will empfangen, Der muß kämpfen als ein Mann. Dazu muß er sich in Zeiten Auf das Beste zubereiten, Al⸗ les andern müssig gehn, Was ihm kann im Wege stehn. 2. Herzens⸗Jesu, deine Güte Steckt mir auch ein Kleinod für; Das entzündt mir mein Gemüthe Durch den Reich⸗ thum seiner Zier. O wie glänzt die schöne Krone Von dem hohen Ehrenthrone, Die 2 —.. — du in der Herrlichkeit Deinen Streitern hast bereit! 3. Mich verlangt von gan⸗ zem Herzen, Auch nicht weit davon zu sein; Ja, ich ziele recht mit Schmerzen Auf den freudenvollen Schein. Doch das Laufen macht mich bange, Und der Kampf wird mir zu lange; Der geschminkte Er⸗ denwust Nimmt mir öfters alle Lust. 4. Mein verderbter Eigen⸗ wille Hat bald dies, bald das zu thun, Hält im Laufen viel⸗ mal stille Und will in dem Streite ruhn. Satan macht mich auch fast mürbe, Daß mir auch der Sieg verdürbe, Wo mir deine treue Kraft Nicht gewünschte Hülfe schafft. 5. Drum, mein Jesu, steh mir Armen In so großer Schwachheit bei. Laß dich meine Noth erbarmen! Mache mich von allem frei Was. mir will mein Ziel verrücken. Komm, mich selbst recht zuzu⸗ schicken; Gieb mir Kraft und Zanf und& Fördre meinen auf und Streit. 6. Es verlohnt sich wohl der Mühe, Ob es mir auch sauer wird, Wenn ich mich der Welt entziehe, Die mich stets zurücke führt. Deine theure Gnaden⸗ krone Ist mir übergnug zum Lohne. Wirst du nur mein Beistand sein, So ist sie in Kurzem mein. Joh. Mentzer, g. 1658, st. 1734. Geistlicher Kampf und Sieg. Phil. 2, 12. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. I9 I. Schaffet, schaffet, Menschenkinder, Schaffet eure Seligkeit! Bauet nicht, wie freche Sünder, Nur auf gegen⸗ wärtge Zeit; Sondern schauet über euch, Ringet nach dem Himmelreich Und bemühet euch auf Erden, Wie ihr mö⸗ get selig werden. 2. Daß nun dieses mög ge⸗ schehen, Müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut Und dessel⸗ ben Neigung gehen; Sondern was Gott will und thut, Das muß ewig und allein Eures Lebens Richtschnur sein, Es mag Fleisch und Blut in allem Uebel oder wohl ge⸗ fallen. 3. Ihr habt Ursach, zu be⸗ kennen, Daß in euch noch Sünde steckt, Daß ihr Fleisch vom Fleisch zu nennen, Daß euch lauter Elend deckt, Und daß Gottes Gnadenkraft Nur allein das Gute schafft; Ja, daß außer seiner Gnade In euch nichts, denn Seelen⸗ schade. 4. Selig, wer im Glauben kämpfet! Selig, wer im Kampf besteht Und die Sünden in sich dämpfet! Selig, wer die Welt verschmäht! Unter Christi Kreuzesschmach Jaget man dem Frieden nach. Wer den Himmel will ererben, Muß zuvor mit Christo sterben. 5. Werdet ihr nicht treulich ringen, Sondern träg und lässig sein, Eure Neigung zu bezwingen, So bricht eure Hoffnung ein. Ohne tapfern Streit und Krieg Folget nie⸗ mals rechter Sieg. Wahren Siegern wird die Krone Nur zum beigelegten Lohne. 6. Mit der Welt sich lustig machen, Hat bei Christen keine Statt; Fleischlich reden, thun und lachen Schwächt den Geist und macht ihn matt. Ach, bei Christi Kreuzesfahn Geht es wahrlich niemals an, Daß man noch mit frechem Herzen Sicher wolle thun und scher⸗ zen. 7. Furcht muß man vor Gott stets tragen; Denn er kann mit Leib und Seel Uns zur Höllen niederschlagen. Er ists, der des Geistes Oel Und, nachdem es ihm beliebt, Wollen undVollbringen giebt. O so laßt uns zu ihm gehen, Ihn um Gnade anzuflehen! 8. Und dann schlagt die Sün⸗ denglieder, Welche Adam in euch regt, In den Kreuzestod darnieder, Bis ihm seine Macht gelegt. Hauet Händ und Füße ab; Was euch är⸗ gert, senkt ins Grab Und denkt oft an Christi Worte: Drin⸗ get durch die enge Pforte! 9. Zittern will ich vor der Sünde Und dabei auf Jesum sehn, Bis ich seinen Beistand Geistlicher Kampf und Sieg. 36⁵ Geistes Waffen, Meine Se⸗ ligkeit zu schaffen. 10. Amen, es geschehe, Amen! Gott versiegle dies in mir, Auf daß ich in Jesu Namen So den Glaubens⸗ kampf ausführ. Er, er gebe Kraft und Stärk Und regiere selbst das Werk, Daß ich wache, bete, ringe Und alsozum Him⸗ mel dringe. Ludw. Andr. Gotter, g. 1661, st. 1735. Mel. Ach was soll ich Sünder machen. 92. Auf, ihr Streiter, durchgedrungen! Auf, und folgt dem Lamme nach, Das durch Marter, Hohn und Schmach Sich auf Zions Berg geschwungen! Nach! Das Haupt hat schon gesiegt! Fau⸗ les Glied, das müssig liegt! 2. Fort! Nur nach mit Wachen, Beten! Fort! Was seid ihr so verzagt? Christus hat den Sieg erjagt Und den Schlangenkopfzertreten. Tre⸗ tet nach in seiner Kraft! Christus ists, der Sieg ver⸗ schafft. 3. Niemand soll in Zion sprechen: Ich bin elend, arm und schwach, Und durch so viel Ungemach Kann kein armer Sünder brechen;— Denn der Herr ists, der uns heilt Und den Schwachen Kraft ertheilt. finde, In der Gnade zu be⸗ stehn. Ach mein Heiland, geh doch nicht Mit mir Armen ins Gericht! Gieb mir deines 4. Sind wir schwach,.— das Lamm hat Stärke; Sind wir arm,— der Herr ist reich. — * 2 7 N * * *. . * 2 — 366 Geistlicher Kampf und Sieg. Wer ist unserm König gleichd Unser Gott thut Wunderwer⸗ ke. Sagt, ob der nicht helfen kann, Dem die Himmel un⸗ terthan? 5. Ja, er kann und will uns schützen. Drum, so dringet muthig ein; Schämet euch, so träg zu sein Und aus Zagheit still zu sitzen! Schmach, wem noch vorm Feinde graut, Weil er Jesu nicht vertraut! 6. Niemand wird zu Salem thronen, Der nicht recht mit Jesu kämpft Und die Enaks⸗ kinder dämpft, Weil wir in der Wüsten wohnen. Nur durch Ringen, Kampf und Streit Kommet man zur Si⸗ cherheit. 7. Nun so wachet, kämpft und ringet, Streitet mit Ge⸗ bet und Flehn, Bis wir auf dem Berge stehn, Wo das Lamm die Fahne schwinget. Ist die Wochenlast gethan, Alsdann geht der Sabbath an. um 17830. Mel. Valet will ich dir geben. 93. Auf, auf! mein Geist, betrachte: Wie ists mit dir bewandt? Wach auf, wach auf! Verachte Die Welt und ihren Tand! Denn ihre Lust vergehet, Und folget großes Leid; Im Gegentheil bestehet Ein Christ in Ewigkeit. 2. Du bist von Gott gebil⸗ det Zu seiner Aehnlichkeit; Nun aber ganz verwildet Und voller Sicherheit. Auf, auf! Die Zeit verschwindet Und alles mit der Zeit; Wer hier nicht überwindet, Bleibt in der Dienstbarkeit. 3. Gewalt und Ernst besie⸗ get Den Himmel, spricht dein Heil. Wer hier nicht männ⸗ lich krieget, Hat dorten keinen Theil. Drum auf! Denn deine Feinde Verändern die Gestalt: Oft thun sie gleich als Freunde, Oft brauchen sie Gewalt. 4. Vergleiche dieses Leben Mit dem,‚ Was Gottes Geist Aus Gnaden uns gegeben, In seinem Wort verheißt: So wirst du bald erkennen, Daß jenes in der That Kein Leben sei zu nennen, Wie viels auch Gönner hat. 5. Du suchest Gunst und Ehre Und willst gesehen sein. Als wenn nichts Bessers wäre * Priesterthum erworben, Dem nichts zu schätzen gleich! 6. Du liebest Gold und Gaben, Und was der Welt beliebt. Willst du den Schatz nicht haben, Den Jesus allen giebt, Die sich an ihn ergeben Und stets geflissen sein, Nur einzig ihm zu leben Und sich in ihm zu freun? 7. Du wählst dir Lust und Freuden, Der Sinnen Gau⸗ kelspiel: Die hier doch schon mit Leiden Und Schmerzen groß und viel Sich allzu oft —— bSspssLDee Geistlicher Kampf und Sieg. 367 nur enden, Und dein Herz mehr und mehr Vom höchsten Gute wenden Uud es verwü⸗ sten sehr. 8. Gott ist die rechte Quelle, Draus reine Wollust fleußt, Die lauter, klar und helle Sich in die Seelen geußt. Ohn ihn ist kein Vergnügen; Was sein Licht nicht anblickt, Das bleibt im Staube liegen Und ewig unerquickt. 9. Drum auf! mein Geist, laß fahren, Was Gott nicht selber heißt, Weil alles mit den Jahren Sich deinem Brauch entreißt. Gott aber bleibet stehen, Wenn alles in der Welt Wird fallen und vergehen, Was jetzo dir ge⸗ fällt. 10. Ach mache Herz und Sinnen, O Gott, von allem frei Und gieb, daß mein Be⸗ ginnen Aufwärts gerichtet sei! Die Welt kann doch nichts geben. Das wahre Ruhe brächt: Wer dich zur Ruh und Leben Erwählet, der triffts recht. Christian Ludw Edeling, st. 1742. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 9A. Wags hinket ihr, betrogne Seelen, Noch immer hin auf beider Seit? Fällts euch zu schwer, das zu erwäh⸗ len, Was euch des Himmels Ruf anbeut? O sehts mit offnen Augen an Und brechet durch auf schmaler Bahn; 2. Bedenkt, es sind nicht Kaiserkronen, Nicht Reich⸗ thum, Ehr und Lust der Welt, Womit euch Gott will ewig lohnen, Wenn euer Kampf den Sieg erhält: Gott selbst ists und die Ewigkeit Voll Lust und Ruh, voll Seligkeit. 3. Drum gilt hier kein hal⸗ birtes Leben, Gott krönet kein getheiltes Herz: Wer Jesu sich nicht ganz ergeben, Der macht sich selber Müh und Schmerz Und träget zum verdienten Lohn Hier Qual und dort die Höll davon. 4. Wer aber mit Gebet und Ringen Auf ewig allem Ab⸗ schied giebt Und den Monar⸗ chen aller Dingen Von Her⸗ zen und alleine liebt, Der wird der Krone werth ge⸗ schätzt Und auf des Königs Stuhl gesetzt. 5. Zerreißet die gelegten Schlingen, Die euch in diesem schönen Lauf Verhindern und zum Säumen bringen, Und rafft euch heut von neuem auf. Auf, auf, verlaßt die falsche Ruh! Auf, auf, es geht dem Himmel zu! 6. Auf, auf! Ist dieser Weg schon enge, Voll Dornen und voll rauher Stein; Bringt auch die Welt oft ins Ge⸗ dränge, Stellt Satan sich ge⸗ harnischt ein, Erhebet sich sein ganzes Reich: Immanuel ist auch bei euch. 7. Gott fordert nichts, ge⸗ — — 5 .SS ——.... 22 368 Geistlicher Kampf und Sieg. liebte Seelen, Als daß ihr euch nur zu ihm halt Und ohne heuchlerisch Verhehlen Vor ihm die schwachen Hände falt. Er streit für euch, er macht die Bahn. Trotz dem, der euch besiegen kann. 8. Die Allmacht stehet euch zur Seiten, Die Weisheit hält bei euch die Wach, Die Gott⸗ heit selber will euch leiten; Folgt nur mit treuen Schrit⸗ ten nach. Wie manchen hat nicht diese Hand Schon durch⸗ geführt ins Vaterland! 9. Nur spart es nicht auf andre Zeiten; Es ist schon jetzt so viel versäumt. Ihr mehrt euch selbst die Schwie⸗ rigkeiten, Wenn ihr das süße Heut versäumt. Eilt, eilet, denn die Gnadenzeit Rennt zügellos zur Ewigkeit. 10. Laßt euch das Fleisch nicht träge machen, Verfluchet seine Zärtlichkeit, Ihr gebt euch ja um eitle Sachen In tausend Müh und Fährlich— keit. Wie, daß ihr um das höchste Gut So faul, verzagt und sorglos thut! 11. Ach sehet nicht das arme Leben Und den geringen Haus⸗ rath an! Will Joseph euch doch Gosen geben Und mehr, als Erd und Himmel kann. Wer ist um Thon und Sand betrübt, Wenn man ihm Gold und Silber giebt? 12. Eilt, faßt einander bei den Händen! Seht, wie ist unser Ziel so nah! Wie bald wird unser Kampf sich enden! Da steht dann unser König da; Der führt uns ein zur stillen Ruh Und theilet uns das Kleinod zu. Leop. Franz Friedr. Lehr, g. 1709, st. 1744. Offenb. Joh. 2 u. 8. 95. Fahre fort, 5 Zion, fahre fort im Licht! Mache deinen Leuchter helle, Laß die erste Liebe nicht, Su⸗ che stets die Lebensquelle! Zion, dringe durch die enge Pfort! Fahre fort!: 2. Leide dich: Zion, leide ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne! Sei bis in den Tod getreu, Siehe auf die Lebenskrone! Zion, fühlest du der Schlange Stich, Leide dich!:: 3. Folge nicht,„: Zion, folge nicht der Welt, Die dich suchet groß zu machen! Achte nicht ihr Gut und Geld, Nimm nicht an den Stuhl des Drachen!“*) Zion, wenn sie dir viel Lust verspricht, Folge nicht!: ) Laß kein heidnisches Wesen unter dir Platz greifen. 4. Prüfe recht,: Zion, prüfe recht den Geist, Der dir ruft zu beiden Seiten! Thue nicht, was er dich heißt, Laß nur deinen Stern dich leiten! Zion, beide, das, was krumm und schlecht“) Prüfe recht!: ) schlicht, grade. 5. Dringe ein, ,: Zion, dringe ein in Gott! Stärke dich mit Geist und Leben, Sei nicht, wie die Andern, todt; Sei du gleich den grünen Reben. Zion, in die Kraft Hir Heuchelschein Dringe ein! 6. Brich herfür, 1 Zion, brich herfür in Kraft! Weil die Bruderliebe brennet, Zei⸗ ge, was der in dir schafft, Der als seine Braut dich kennet. Zion, durch die dir gegebne Thür, Brich herfür!: 7. Halte aus,:, Zion, halte deine Treu! Laß dich ja nicht laulich finden! Auf, das Klei⸗ nod rückt herbei! Auf, ver⸗ lasse, was dahinten! Zion, in dem letztenKampf und Strauß Halte aus!: Joh. Euseb. Schmidt, g. 1669, st. 1745. Mel. Durch Adams Fall ist ganz verderbt. 196. Wer sich auf seine Schwachheit steurt, Der bleibt in Sünden liegen. Wer nicht Herz, Sinn und Muth er⸗ neurt, Wird sich gewiß betrü⸗ gen. Den Himmelsweg und schmalen Steg Hat er nie an⸗ getreten; Er weiß auch nicht in Gottes Licht, Was kämpfen sei und beten. 2. Was jetzt die Welt nur Schwachheit heißt, Ist ihrer Bosheit Stärke; Dadurch mehrt dann der Höllengeist Sehr mächtig seine Werke. Auf, Seele, auf, richt deinen Lauf Zur Allmacht, die dich Des Heilands Blick rettet! Geistlicher Kampf und Sieg. 369 zerreißt die Strick, Womit du angekettet. 3. Der erste Schritt im Chri⸗ stenthum Macht von der Sün⸗ de scheiden. Bei einem wahren Glaubensruhm Muß man die Weltlust meiden. Wenn Christi Geist die Seel entreißt Von ihren Todesbanden, So spürt sie Kraft, die Jesus schafft, Mit dem sie aufer⸗ standen. 4. Mein Heiland, fördre selbst dein Werk, Laß mich bekräftigt werden; Es ist Ge⸗ rechtigkeit und Stärk Mein bestes Theil auf Erden. Du machst gerecht uns, dein Geschlecht, Und willst zu⸗ gleich uns stärken, Daß wir in dir des Glaubens Zier, ——6 Macht der Gnade, mer⸗ en. 5. Brich durch, o starker Gottessohn, Damit auch wir durchbrechen! Laß uns in dir, o Gnadenthron, Nicht mehr von Schwachheit sprechen, Wenn deine Hand das theure Pfand Des Geistes uns ge— geben, Dadurch wir frei von Heuchelei Im Streit stets siegreich leben. 6. Gieb Kraft, wo keine Kraft mehr ist! Gieb Kraft, das Fleisch zu dämpfen! Gieb Kraft, wenn Satans Macht und List Uns schwächen will im Kämpfen! Wenn uns die Welt viel Anstoß stellt, Gieb Kraft sie zu vernichten; So wird in Noth, ja selbst im 2⁴ 370 Geistlicher Kampf und Sieg. Tod Uns deine Kraft auf⸗Was dir nicht gefällt. Wirst richten. du nicht, mein Leben, Kraft Bernh. Walth. Marperger, g. 1682, ft. 1746 und Gnade geben, Läßt mich Mel. Jesu, meine Freude—— Di Woit. hen mich 497 6 hin; gieb deinen Sinn Mir, 7. Gottes liebste Kin⸗so will ich denn mit Freuden der Gehn als arme Sünder Von der Erden scheiden. In den Himmel ein. Und der Stimmen aus Zion, 1740. rohe Haufen Kann so sicher laufen Und so sorglos sein! Mel Alle Menschen müssen sterben. Ach wie ist die Welt so wüst!! 2498. Herr, wie man⸗ Wie viel trägt, Herr, dein cherlei Gebrechen Mußt du Erbarmen! Trag doch auch nicht an mir noch sehn! Auf mich Armen. mein tägliches Versprechen 2. Wie viel rauhe Wege, Folgt ein tägliches Vergehn. Wie viel tausend Schläge Ach daß ich doch fester stände Kostet dir mein Herz! Und Und mich nicht so wankend wie viele Stricke Der ver⸗ fände! Hörte doch in meinem borgnen Tücke Mehren noch Lauf Unbestand und Leicht⸗ den Schmerz, Daß ich oft fast sinn auf! ausgehofft Und der Muth mir 2. Herr, die Schwachheit will verschwinden Bei so vie⸗ meiner Kräfte, Meines Her⸗ zens böser Grund Und die len Sünden. ö 3. Wie würd ich bestehen, listigen Geschäfte Meiner Feinde sind dir kund. Nie Sollt ich heute gehen Vor dein Angesicht! Schlecht hab ich darf ich mir selber trauen, gestritten, Schlecht hab ich Nicht auf mein Versprechen gelitten: Das verhehl ich nicht. bauen. Meines Herzens Laß mich, Gott, doch nicht Falschheit droht Alle Tage zum Spott Dein und meiner mir den Tod. 3. Ist schon ein Feind über⸗ Feinde werden. Bessre mich wunden, Stellt sich bald ein auf Erden. 4. Was vorhin geschehen, andrer ein. Ja, sie wollen oft verbunden Meiner Seele Was auch noch versehen, Rechne mir nicht zu. Nur in Mörder sein. O wie oft deinen Wunden Hab ich noch werd ich besieget, Wenn mein gefunden, Jesu, meine Ruh. Herz nicht wacht und krieget! Herr, jedoch ich wollte noch, Denn der Angriff geht da⸗ Daß du möchtest Freud er⸗ hin, Wo ich noch am schwäch⸗ leben An mir wilden Reben. sten bin. 5. Drum, o meine Freude, 4. Dann muß ich die Freude Nimm hinweg und scheide, missen, Als ein Kind zu Gott zu flehn; Und das klagende Gewissen Läßt mich nur mein Elend sehn, Spricht: Du kommst doch nicht zum Ziele, Der Gefahren sind zu viele; Schon bist du zu schlimmer Art, Und der Kampf ist dir zu hart. 5. Doch zur Welt kann ich nicht treten; Denn sie giebt mir keine Ruh. Darum sag ist dann mit Beten Neuen Ernst und Treue zu. Auch empfind ich Glaubenstriebe; Denn des Vaters ewge Liebe Heißet mich nur zu ihm gehn Und um neue Gnade flehn. 6. Herr, wie muß ich mich dann beugen, Wenn du mir so viel vergiebst! Ja, ich muß vor Scham nur schweigen, Wenn du mich so zärtlich liebst. Und ich sollte dich betrüben? Undankbar noch Sünden lie⸗ ben? Dir mein ganzes Herz nicht weihn? Ewig nicht dein eigen sein?ꝰ 7. Nein, mein Vater, dein zu bleiben, Ist mein Wunsch auf dieser Welt. Laß mich deinen Geist nur treiben Zu dem, was dir wohlgefällt. Ich will an mir selbst verza⸗ gen, Nie auf meine Kraft was wagen. Gieb du mir nur Muth und Kraft, So wird mir der Sieg verschafft. 8. Will mein Fuß aufs neue gleiten, Regt sich Lust und Furcht in mir: Ach so warne mich bei Zeiten Und zeuchmich gen dir Durch diese öden Geistlicher Kampf und Sieg. 371 nicht mir selber leben, Son⸗ dern dir mich übergeben: So werd ich in Christo rein Und dein ganzes Opfer sein. 9. Will im Kampf die Kraft verschwinden, Werden meine Hände matt, So laß mich dein Herz nur finden, Das für mich noch Kräfte hat. Gründe, stärke und vollende Mich im Kämpfen bis ans Ende; Fördre selber meinen Lauf Und hilf meiner Schwach⸗ heit auf. Nach Joh. Dan. Hense, st. 1753. Mel. Mein Vaut. meine Ust. 99. Zeuch, Ifrael, zu deiner Ruh; Dein Erbtheil ist dort oben; Dein Jesus schwöret es dir zu, Es sei dir aufgehoben. Er gehet selber gar voran Und bricht die rauhe Pilgerbahn. Zeuch, Israel, in Frieden! 2. Wir folgen dir, du Got⸗ tesheer, Als wahre Streitge⸗ nossen. Der Glaube fürchtet sich nicht mehr, Die Lieb ist unverdrossen. So stehen wir für einen Mann! Ein jeder ringe, was er kann, Das Kleinod zu erlangen. 3. Wir sehn auf dich, du A und O, Mit unverwandten Blicken. Dein Dasein macht uns immer froh, Dein Wort kann uns erquicken, Dein Kreuz ist unser Siegspanier, Wir schwören Treu und fol⸗ dann bald zu dir. Laß mich Wüsten. 889* — . N 2* * 372 Geistlicher Kampf und Sieg. 4. Die Krone bleibt uns im Gesicht, Die dort die Sieger tragen; Und darum scheuen wir auch nicht Tod, Ungemach und Plagen. Es hat uns un⸗ ser Siegesheld nicht bloß für diese Welt bestellt; Wir sind nur für den Himmel. 5. Man drückt uns, wir ver⸗ zagen nicht; Man schilt uns, und wir segnen. Wir müssen auch nach unsrer Pflicht Den Feinden sanft begegnen. Wir sind der Welt hier unbelannt, Und haben doch ein Vater⸗ land; Gott kennt uns als die Seinen. 6. Wen noch ein Bann ge⸗ fangen hält, Wer Jesu Kreuz noch fliehet, Wer noch durch Furcht vor dieser Welt Am fremden Joche ziehet, Und wer die Hand am Pflug gleich legt Und doch verbotne Lust noch hegt, Der ist kein rechter Streiter. 7. Wir aber geben ganz um ganz, Verleugnen alle Sachen, Die uns den schönen Sieges⸗ kranz Noch könnten streitig machen, Und unsre Seele glaubet fest: Was man dar⸗ um hier fahren läßt, Ist nicht werth jenes Erbes. 8. Die Kraft dazu liegt nicht in uns; Wir sind gar bald verloren. Zur Quelle alles unsers Thuns Ist uns das Lamm erkoren; Das Lamm, das alles schon vollbracht Und unsre Sache gut gemacht, Dem ist es zu verdanken. 9. Drum soll es unsre Lo⸗ sung sein: Wir nichts und Jesus alles! Ihm räumen wir die Ehre ein, Ihm, un⸗ serm Trost des Falles. Er segne ferner unsern Lauf Und nehme unsre Seelen auf, Wenn wir nun ausgestritten. Joh. Dan. Hense, st. 1753. Mel. Ach Gott und Herr. 500. Ach Herr, gieb Acht! In unsrer Macht Stehts nicht, wohin wir gehen; Dar⸗ um gieb du Dein Licht mir zu, Auf daß ich möge sehen. 2. Wo du nicht bist, Ist Satans List Uns Schwachen überlegen; Drum bleib bei mir Stets für und für Auf allen meinen Wegen. 3. Drei Feinde sind, Die mich geschwind In Unfall mögen setzen Und mir mein Heil, Das schöne Theil, In schneller Eil verletzen. 4. Die eitle Welt Zeigt Gut und Geld Sammt Würd und süßen Lüsten. Wen sieht man wohl So, wie er soll, Dage⸗ gen sich stets rüsten? 5. Der Teufel lacht Dazu und wacht Mit Fleiß auf mein Verderben, Weist Bahn und Ort Bald hie, bald dort, Wo man kann doppelt sterben. 6. Mein Fleisch und Blut Stärkt ihm den Muth, Er⸗ regt mir Streit und Käm⸗ pfen. Ach, ach wie soll Ich Schwacher wohl So schlimme Feinde dämpfenꝰ —————6 7. Durch dich, Herr Christ, Der du uns bist Zum Sie⸗ gesheld gegeben, Durch dich will ich Ganz ritterlich Dem Argen widerstreben. 8. Drum lagre dich Bestän⸗ diglich Um Augen, Mund und Ohren, Daß nicht die Welt, Wies ihr gefällt, Schleich ein zu ihren Thoren. 9. Dich setz ich mir Zum Hüter hier Der Sinnen und Gedanken; Leg du dich drein Und halte fein Sie in gehör⸗ gen Schranken. 10. Geh aus und ein, O Lebensschein, Mit mir, und laß mich wallen, So, wie dein Geist Uns unterweist, Nach deinem Wohlgefallen. 11. So soll mein Mund Und tiefster Grund Des Her⸗ zens dich erheben, Du edler Hort, Allhier und dort In jenem Freudenleben. Bei Freylinghausen, 1714. Mel. Bewahre mich, Herr, thu ꝛc. 501. Zum Ernst, zum Ernst! ruft Jesu Geist inwen⸗ dig; Zum Ernst! ruft auch die Stimme seiner Braut. Getreu und ganz und bis zum Tod beständig! Ein rei⸗ nes Herz allein den Reinen schaut. 2. Ich höre dich, o Wort, das mich erwecket; Ich merke dich, o Kraft, die mich berührt; Mein Alles sich zum Ernst Geistlicher Kampf und Sieg. 373 dein Geist den Ernst erhält und führt. 3. Dir, dir, mein Gott, will ich hinfort nur leben; Nein, nicht mir selbst und nicht der Creatur. Ich hab mich dir mit Leib und Seel ergeben; Der Ewigkeit bin ich gewid⸗ met nur. 4. Jetzt fang ich an. Laß nichts den Geist ermatten; Nimm hin, was mich verbil⸗ det und verstrickt. Weg, frem⸗ de Welt! Weg, bald ver⸗ schwund er Schatten! Zur Ewigkeit mein Herz und Lauf sich schickt. 5. Ich will vom Leib noch vor dem Tod mich scheiden, Sein Wohl und Weh nur wie von weitem sehn. Dich soll er ehrn durch Arbeit, Schmach und Leiden, In deinem Dienst dem Geist zu Dienste stehn. 6. Ich such nicht Ruh, Ge⸗ mach, noch Lust der Sinnen; Ich muß im Geist und nicht natürlich gehn. Ich folge dir und bleib im Lichte drinnen, Da schneidet sich, was dort nicht kann bestehn. 7. Mein ganzes Herz, mein innig Liebesneigen Dir hange an in Abgeschiedeuheit. Du bist mein Gott, vor dir will ich mich beugen; Du bist mein Gut, nicht die Vergänglich⸗ keit. 8. Nach dir mein Herz in Lieb und Leid sich schmiege; Ich sei ein Mensch nach dei⸗ aufs neue strecket, Wo nur nem Herzen hier. Ich bin —— . 6 V *** e * —* — . — . * 8* 44 37⁴4 vergnügt, wenn ich nur dich vergnüge; Mein Seligsein fürwahr ist ganz in dir. 9. Es sei für dich mein Le⸗ ben, Zeit und Kräfte, Es werd für dich auch alles nur verzehrt; Gewöhne mich zu jener Welt Geschäfte, Zu fan⸗ gen an, was droben ewig währt. 10. O schönes Werk, zu dir im Geist mich nahen, Vor dir, mein Gott, mit tiefer Ehrfurcht stehn; Dich beten an, dich lieben und umfahen; In dir mich freun, dich Tag und Nacht erhöhn! Gerh. Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 502. Steil und dornig ist der Pfad, Der uns zur Vollendung leitet. Selig ist, wer ihn betrat Und im Na⸗ men Jesu streitet! Selig, wer den Lauf vollbringt Und nicht kraftlos niedersinkt! 2. Ueberschwänglich ist der Lohn Der bis in den Tod Getreuen, Die, der Lust der Welt entflohn, Ihrem Hei⸗ land ganz sich weihen; Deren Hoffnung unverrückt Nach der Siegeskrone blickt. 3. Den am Kreuz wir blu⸗ ten sehn, Der hat uns den Lohn errungen Und zu seines Himmels Höhn Sich vom Staub emporgeschwungen. Sieger in des Todes Nacht, Sprach er selbst: Es ist voll⸗ bracht! Geistlicher Kampf und Sieg. 4. Zeuch, o Herr, uns hin zu dir, Zeuch uns nach, die Schaar der Streiter! Sturm und Nacht umfängt uns hier; Droben ist es still und heiter. Jenseits, hinter Grab und Tod, Strahlt des Lebens Morgenroth. 5. Auf denn, Mitgenossen, geht Muthig durch die kurze Wüste! Seht auf Jesum; wacht und fleht, Daß Gott selbst zum Kampf euch rüste. Der in Schwachen mächtig ist, Giebt uns Sieg durch Jesum Christ. Sam. Gottl. Bürde, g. 1753, st. 1831. Mel. Lobet den Herrn, alle, die ꝛc. 503. Der Glaube siegt! Hoch wehn des Kreuzes Fah⸗ nen; Sie dringen kämpfend durch die Dornenbahnen, Um die empfangnen Worte zu bewähren, Zur Burg der Ehren. 2. O blick auf deine Strei⸗ ter, Herr der Gnade! Gieb ihnen Kraft, zu wandeln deine Pfade! Früh oder spät laß sie doch überwinden Den Fürst der Sünden! 3. Du gabst dem Arme Davids deinen Segen, Daß er des Riesen Stärke konnt erlegen: O schütz uns gegen unsrer Feinde Tücke Mit dei⸗ nem Blicke! 4. Laß deine Wunden uns im Busen tragen; Ja, laß dein Blut in unsern Herzen schlagen. Daß wir nicht zagen, zeig uns hoch die Krone Zum Siegeslohne. 5. Mit Christi Waffen trotz ich den Gefahren, Dir, Hölle Sünd und Tod und euren Schaaren. Uns wird bewah⸗ ren, seine treuen Knechte, Des Herren Rechte. 6. Er selber lenket seiner Streiter Reihen; Er selber schenket unserm Kampf Ge⸗ deihen, Bis er zur neuen Stadt, die er verheißen, Uns wird entreißen. 7. Schon schwingt die Fah⸗ ne hoch der Fürst der Ehren. Bald wird der Feinde Schaar den Rücken kehren; Bald sich bewähren, strahlend ohne Hülle, Des Wortes Fülle. 8. Der Glaube siegt! Hoch wehn des Kreuzes Fahnen; Sie dringen kämpfend durch die Dornenbahnen, Um die empfangnen Worte zu bewäh⸗ ren, Zur Burg der Ehren. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 50J. Stark ist meines Jesu Hand, Und er wird mich ewig fassen; Hat zu viel an mich gewandt, Um mich wie⸗ der los zu lassen. Mein Er⸗ barmer läßt mich nicht; Das ist meine Zuversicht. 2. Sieht mein Kleinmuth auch Gefahr, Fürcht ich auch zu unterliegen: Christus beut Geistlicher Kampf und Sieg. 37⁵5 3. Wenn der Kläger mich verklagt,— Christus hat mich schon vertreten; Wenn er mich zu sichten wagt,— Christus hat für mich gebeten. Daß mein Mittler für mich spricht, Das ist meine Zuversicht. 4. Würd es Nacht vor mei⸗ nem Schritt, Daß ich keinen Ausgang wüßte Und mit un⸗ gewissem Tritt, Ohne Licht verzagen müßte: Christus ist mein Stab und Licht; Das ist meine Zuversicht. 5. Mag die Welt im Miß⸗ geschick Beben oder ängstlich klagen; Ohne Halt ist all ihr Glück, Wahrlich, sie hat Grund zu zagen. Daß mein Anker nie zerbricht, Das ist meine Zuversicht. 6. Will der Herr durch streu⸗ ge Zucht Mich nach seinem Bild gestalten, Dennoch will ich ohne Flucht Seiner Hand nur stille halten. Er übt Gnad auch im Gericht; Das ist meine Zuversicht. 7. Seiner Hand entreißt mich nichts. Wer will diesen Trost mir rauben? Mein Erbarmer selbst versprichts. Sollt ich seinem Wort nicht glauben? Jesus läßt mich ewig nicht; Das ist meine Zuversicht. Carl Bernh. Garvs, g. 1763, st. 1841. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. die Hand mir dar, Christus hilft dem Schwachen siegen. Daß mich Gottes Held ver⸗ sicht, Das ist meine Zu⸗ versicht. 5305. Von neuem eilt zum heilgen Streit! Die Krone der Gerechtigkeit Em⸗ pfangen treue Streiter. Nie * 1 *. 7* 376 ruht der Christen arger Feind; So rast auch nimmer, Christi Freund, Dring alle Tage wei⸗ ter, Höher, Näher Zu dem Throne, bis die Krone dort errungen, Bis ihr ganz hin⸗ durchgedrungen. 2. O wohl euch, wenn der letzte Feind Besiegt ist, wenn der Tag erscheint, Der ewig Kreuz⸗ und Trostlieder. euch wird krönen! Wenn ihr von selgen Siegen singt Und ewig eure Palmen schwingt, Wie herrlich wird das tönen! Ringet, Singet! Singet Psal⸗ men, schwinget Palmen selger Siege Nach der Arbeit schwe⸗ rer Kriege! Aug. Doͤring, g. 1783, st. 1844. XXI. Rrenz- und Crostlieder. 506. Mag ich Unglück nicht widerstahn, Muß Un⸗ gnad habn Der Welt für mein recht Glauben: So weiß ich doch— es ist mein Kunst — Gotts Huld und Gunst, Die muß man mir erlauben. Gott ist nicht weit; ein klei⸗ ne Zeit Er sich verbirgt, bis er erwürgt, Die mich seins Worts berauben. 2. Richt, wie ich woll, jetz⸗ und mein Sach, Weil ich bin schwach Und Gott mich Furcht läßt finden: So weiß ich, daß kein Gwalt bleibt fest; Ists allerbest, Das Zeitlich muß verschwinden. Das ewig Gut macht rechten Muth; Dabei ich bleib, wag Gut und Leib. Gott helf mir überwinden! 3. All Ding ein Weil! ein Sprichwort ist. Herr Jesu Christ, Du wirst mir stehn zur Seiten Und sehen auf das Unglück mein, Als wär es dein, Wenns wider mich wird streiten. Muß ich denn dran auf dieser Bahn: Welt, wie du willt! Gott ist mein Schild; Der wird mich wohl geleiten. Der Koͤnigin Maria von Ung arn Lied, von Martin Luther, g. 1483, sl. 1546. 507. Was mein Gott will, das gscheh allzeit: Sein Will der ist der beste. Zu helfen dem er ist bereit, Ver an ihn glaubet feste. Er hilft aus Noth, der fromme Gott, Er züchtiget mit Maßen. Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, Den will er nicht ver⸗ lassen. 2. Gott ist mein Trost, mein Zuversicht, Mein Hoffnung und mein Leben. Was mein Gott will, daß mir geschicht, Will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr; denn all mein Haar Er selber hat gezählet. Er hüt und wacht, stets für uns tracht, Auf daß uns gar nichts fehlet. 3. Und muß ich Sünder von der Welt Hinfahrn nach Got⸗ tes Willen Zu meinem Gott: wanns ihm gefällt, Will ich ihm halten stille. Mein arme Seel ich Gott befehl In mei⸗ ner letzten Stunden. Du frommer Gott, Sünd, Höll und Tod Hast du mir über⸗ wunden. 4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, Du wirst mirs nicht versagen: Wenn mich der böse Geist anficht, Laß, Herr, mich nicht verzagen. Hilf, steur und wehr, ach Gott, mein Herr, Zu Ehren deinem Namen! Wer das begehrt, dem wirds gewährt. Drauf sprech ich fröhlich: Amen! Albrecht Markgraf von Brandenburg⸗ Culmbach, g. 1522, st. 1557. Mel. Was mein Gott will, das ꝛc. 508. Wies Gott gefällt, so gefällts mir auch, Und laß mich gar nicht irren. Ob mich zu Zeiten beißt der Rauch, Und wenn sich schon verwir— ren All Sachen gar, weiß ich fürwahr, Gott wirds zuletzt wohl richten. Wie ers will habn, so muß bestahn. Solls sein, so seis ohn Tichten. 2. Wies Gott gefällt, zufried ich bin, Das Uebrig laß ich fahren; Was nicht soll sein, stell ich dahin. Gott will mich recht erfahren, Ob ich auch will ihm halten still; Wird doch wohl Gnad bescheren. Ich zweifle nicht. Solls sein, man Kreuz⸗ und Trostlieder. 377 spricht, So seis! Wer kanns Gott wehrenꝰ 3. Wies Gott gefällt, so gfällts mir wohl In allen meinen Sachen. Was Gott versehen hat einmal, Wer kann das anders machen? Drum ist umsonst Weltwitz und Kunst; Hilft auch nicht Haarausraufen; Man murr, odr beiß. Solls sein, so seis! Wird doch sein Weg nauslaufen. 4. Wies Gott gefällt, laß ichs ergehn, Will mich daxein ergeben. Wollt ich seinm Wil⸗ len widerstehn, So müßt ich bleiben kleben, Weil gwiß und wahr all Tag und Jahr Bei Gott sind ausgezählet. Ich schick mich drein; es Kahrur Solls sein, So seis bei mir erwählet. 5. Wies Gott gefällt, ergehn es mag In Lieb und auch im Leide. Dahin ich hab gestellt mein Sach, Daß sie mir sol⸗ len beide Gefallen wohl; drum mich auch soll Ja, oder Nein nicht schrecken. Schwarz, oder weiß! Solls sein, so seis! Gott wird schon Gnad er⸗ wecken. 6. Wies Gott gefällt, so läufts hinaus. Ich laß die Vöglein sorgen. Ob mirs Glück heut nicht kommt zu Haus, So wart ich sein auf morgen. Was mir ist bschert, bleibt unverwehrt, Ob sichs schon thut verziehen. Dank Gott mit Fleiß. Solls sein, 8 M. 7 8 . V * — 378 Kreuz⸗ und Trostlieder. so seis! Er wird mein Glück wohl fügen. 7. Wies Gott gefällt! Nichts Weiters will Von Gott ich sonst begehren. Hat meiner Sach gesteckt ein Ziel, Dem will ich nimmer wehren. Das Leben mein setz ich auch drein, Auf guten Grund zu bauen Und nicht auf Eis. Solls sein, so seis! Will Gott allein ver⸗ trauen. 8. Wies Gott gefällt, so nehm ichs an; Will um Geduld ihn bitten. Er ist allein, der hel⸗ fen kann; Und wenn ich schon wär mitten In Angst und Noth, läg gar im Tod, So wird er mich wohl retten Ge⸗ waltger Weis. Solls sein, so seis! Ich gwinns! Wer nun will wetten? Johann Friedrich, Churf. zu Sachsen, 1547. Msalm 31, 1—6. 509. In dich hab ich gehoffet, Herr, Hilf, daß ich nicht zu Schanden werd, Noch ewiglich zu Spotte. Das bitt ich dich: Erhalte mich In dir, dem treuen Gotte. 2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir, Erhör mein Bitt, thu dich herfür, Eil bald, mich zu erretten! In Angst und Weh Ich lieg und steh: Hilf mir in meinen Nöthen! 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, Sei mir ein Burg, darin ich frei Und ritterlich mög streiten, Ob auch der Feind Mit Macht erscheint, Anstürmt auf beiden Sei⸗ ten. 4. Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort, Mein Schild, mein Kraft— so sagt dein Wort— Mein Hülf, mein Heil, mein Leben, Mein star⸗ ker Gott In aller Noth: Wer mag dir widerstreben? 5. Mir hat die Welt trüglich gericht Mit Lügen und fal⸗ schem Gedicht Viel Netz und heimlich Stricke. Herr, nimm mein wahr In dieser Gfahr; Bhüt mich vor falscher Tücke. 6. Herr, meinen Geist befehl ich dir. Mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, Aus aller Noth Hilf mir am letzten Ende! 7. Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit Sei Vater, Sohn und Geist bereit, Lob seinem heilgen Namen! Die göttlich Kraft Mach uns sieghaft Durch Jesum Christum. Amen! Adam Reißner, g. 1471, st. 1563. 510. Warum betrübst du dich, mein Herz Beküm⸗ merst dich und trägest Schmerz Nur um das zeitlich Gut? Vertrau du deinem Herrn und Gott, Der alle Ding er⸗ schaffen hat. 2. Er kann und will dich lassen nicht; Er weiß gar wohl, was dirgebricht: Himmel und Erd ist sein. Mein Vater und mein Herre Gott, Der mir beisteht in aller Noth! 3. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väter⸗ liches Herz! Ich bin ein ar⸗ mer Erdenkloß: Auf Erden weiß ich keinen Trost. 4. Der Reich verläßt sich auf sein Gut, Ich aber trau auf dich, mein Gott. Ob ich gleich werd veracht, So weiß und glaub ich festiglich: Wer Gott vertraut, dem man⸗ gelts nicht. 5. Ach Gott, du bist so reich noch heut, Als du gewesn in Ewigkeit; Mein Traun steht ganz zu dir. Mach mich nur an der Seele reich, So hab ich gnug hie und ewig. 6. Zeitlicher Ehr ich gern entbehr; Das Ewige mir nur gewähr, Das du erworben hast Durch deinen herben, bittern Tod: Das bitt ich dich, mein Herr und Gott! 7. Alles, was ist auf dieser Welt, Es sei Gold, Silber, oder Geld, Reichthum und zeitlich Gut: Das währet nur ein kleine Zeit Und hilft doch nicht zur Seligkeit. 8. Ich dank dir, Christe, Gottes Sohn, Daß du mir solches kund gethan Durch dein göttliches Wort. Verleih mir auch Beständigkeit Zu meiner Seelen Seligkeit. 9. Lob, Ehr und Preis sei dir gesagt, Daß du hast alles Kreuz⸗ und Trostlieder. thiglich; Laß mich von deinem Angesicht Verstoßen werden ewig nicht. Han; Sachs, g. 1494, st. 1576. Mel. Vater unser im Himmelreich. 511. Ach Gott, wie manches Herzeleid Begegnet mirzu dieser Zeit! Der schmale Weg ist trübsalsvoll, Den ich zum Himmel wandern soll. Wie schwer doch läßt sich Fleisch und Blut Bezwingen zu dem ewgen Gut! 2. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn. Bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rath Allzeit gewiß ge⸗ funden hat. Niemand jemals verlassen ist, Der nur getraut auf Jesum Christ. 3. Du bist der rechte Wun⸗ dermann; Das zeigt dein Amt und dein Person. O Wun⸗ derwerk, so wir erfahrn, Daß du, mein Gott, bist Mensch geborn Und führest uns durch deinen Tod Ganz wunderlich aus aller Noth! 4. Jesu, mein Herr und Gott allein, Wie süß ist mir der Name dein! Es kann kein Trauern sein so schwer, Dein süßer Nam erfreut viel mehr. Kein Elend mag so bitter sein, Dein süßer Nam der linderts fein. 5. Ob mir gleich Leib und Seel verschmacht, So weißt du, Herr, daß ichs nicht acht. wohl geinacht. Ich bitt demü⸗Wenn ich dich hab, so hab ich * V * * * 4 8 — ·V —* * * —————————— 380 Kreuz⸗ und Trostlieder. wohl, Was ewig mich erfreuen soll. Dein bin ich ja mit Leib und Seel: Was kann mir thun Sünd, Tod und Höll d 6. Kein besser Treu auf Er⸗ den ist, Denn nur bei dir, Herr Jesu Christ. Ich weiß, daß du mich nicht verläßt; Dein Wahrheit bleibt mir ewig fest. Du bist mein rech⸗ ter treuer Herr, Der ewig mich behüten wird. 7. Jesu, mein Freud, mein Ehr und Ruhm, Meins Her⸗ zens Schatz und mein Reich⸗ thum: Ich kanns doch ja nicht zeigen an, Wie hoch dein Nam erfreuen kann. Wer Glaub und Lieb im Herzen hat, Der wirds erfahren mit der That. 8. Drum hab ich oft und viel geredt: Wenn ich an dir nicht Freude hätt, Wollt ich den Tod schier wünschen her, Ja, daß ich nie geboren wär. Denn wer dich nicht im Her⸗ zen hat, Der ist gewiß leben⸗ dig todt. 9. Jesu, du edler Bräutgam werth, Mein höchste Zierd auf dieser Erd: An dir allein ich mich ergötz, Weit über alle güldne Schätz. So oft ich nur gedenk an dich, All mein Ge⸗ müth erfreuet sich. 10. Wenn ich mein Hoff⸗ nung stell zu dir, So fühl d ich Fried und Trost in mir. Wenn ich in Nöthen bet und sing, So wird mein Herz recht guter Ding. Dein Geist bezeugt, daß solches frei Des ewgen Lebens Vorschmack sei. 11. Drum will ich, weil ich lebe noch, Das Kreuz dir wil⸗ lig tragen nach. Mein Gott, mach mich dazu bereit; Es dient zum Besten allezeit. Hilf mir mein Sach recht greifen an, Daß ich mein Lauf vollenden kann. 12. Hilf mir auch zwingen Fleisch und Blut, Vor Suͤnd und Schanden mich behüt; Erhalt mein Herz im Glau⸗ ben rein, So leb und sterb ich dir allein. Jesu, mein Trost, hör mein Begier: O mein Heiland, wär ich bei dir! Conr. Hojer, um 1585. Psalm 23. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 512. Der Herr ist mein getreuer Hirt, Hält mich in Hut und Weide: Darum mir nie es mangeln wird An ir⸗ gend einer Freude. Jetzt bin ich aller Sorgen frei, Weil Gottes Sohn mir stehet bei, Mich schützet und regieret. 2. Er weidet mich mit sei⸗ nem Wort Auf einer grünen Auen, Und läßt sich bei mir fort und fort In wahrem Glauben schauen; Dazu mein Herz mit Trost berührt Und mich an frische Wasser führt, Zum Brunnen seiner Gna⸗ en. 3. In Angst und Noth er mich erquickt Mit seinem wah⸗ ren Munde, Und mir von oben Hülfe schickt Zur rechten Zeit und Stunde. Er führt mich auch ohn Unterlaß An seiner Hand auf rechter Straß, Um seines Namens willen. 4. Er leitet mich bei Tag und Nacht Mit seinem Hir⸗ tenstabe; Mit Fleiß er Leib und Seel bewacht, Treibt al⸗ les Unglück abe. Ich fürchte nichts im finstern Thal; Denn Gott ist bei mir überall Auf allen meinen Wegen. 5. Er deckt den Tisch für meine Seel, Mags auch den Feind verdrießen. Er salbet mich mit Freudenöl Und bis zum Ueberfließen Schenkt er des Trostes Becher voll, Auf daß ich ja nicht zweifeln soll An seiner Huld und Gnade. 6. Viel Gutes und Barm⸗ herzigkeit Wird über mir stets schweben, Und große Gnade jederzeit Nachfolgen in dem Leben; Und werd also ganz offenbar Im Hause Gottes immerdar Hier und dort ewig bleiben. 7. Das hilf mir, o Herr Jesu Christ, Durch deine große Güte, Und mich vors Teufels Macht und List Ge⸗ nädiglich behüte, Auf daß ich, als dein liebes Schaf, Im rechten Glauben sanft ——. 0 Und ewig mit dir lebe. Barth. Ringwaldt, g. 1531, st. 1600. Ps. 73, 23. 513. Von Gott will ich nicht lassen; Denn er läßt nicht von mir, Führt mich auf rechter Straßen, Da ich ging —..—.————.—.—....iIn mnm: Kreuz⸗ und Trostlieder. 381 in der Irr. Er reicht mir seine Hand; Den Abend, wie den Morgen, Will er mich wohl versorgen, Sei, wo ich woll, im Land. 2. Wenn sich der Menschen Hulde Und Wohlthat all ver⸗ kehrt, So findt sich Gott gar balde, Sein Macht und Gnad bewährt; Hilft mir aus aller Noth, Errett von Sünd und Schanden, Von Ketten und von Banden, Und wenns auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit; Es kann mich nicht gereuen, Er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt; Mein Leib, mein Seel, mein Leben Sei Gott demHerrn ergeben; Er machs, wies ihm gefällt. 4. Es kann ihm nichts gefal⸗ len, Denn was mir nützlich ist. Er meints gut mit uns allen; Schenkt uns den Her⸗ ren Christ, Sein eingebornen Sohn. Durch ihn er uns be⸗ scheret, Was Leib und Seel ernähret. Lobt ihn ins Him⸗ mels Thron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, Für das, was er uns schenkt! Das ist ein selge Stunde, Darin man sein ge⸗ denkt. Nichts nützt sonst alle Zeit, Die wir zubringn auf Erden. Wir sollen selig wer⸗ den Und lebn in Ewigkeit. 6. Auch wenn die Welt vergehet Mit ihrem Stolz und Pracht, Kein Ehr, noch * X 2* 382 Gut bestehet, Das vor war groß geacht. Wir werden nach dem Tod Tief in die Erd begraben. Wenn wir geschla⸗ fen haben, Will uns erwecken Gott. 7. Die Seel bleibt unver⸗ loren, Geführt in Abrams Schoß; Der Leib wird neu geboren, Von aller Sünde los, Ganz heilig, rein und zart, Ein Kind und Erb des Herren. Daran muß uns nicht irren Des Teufels li⸗ stig Art. 8. Darum, ob ich schon dulde Hie Widerwärtigkeit, Wie ich auch wohl verschulde: Kommt doch die Ewigkeit, Ist aller Freuden voll. Dieselb ohn ei⸗ nig Ende, Dieweil ich Chri⸗ 10ll. kenne, Mir widerfahren oll. 9. Das ist des Vaters Wille, Der uns geschaffen hat; Sein Sohn hat Guts die Fülle Er⸗ worben und Genad; Auch Gott der heilge Geist Im Glauben uns regieret, Zum Reich der Himmel führet. Ihm Sei Lob, Ehr und Preis! Ludwig Helmboldt, g. 1532, st. 1598. 514. Auf meinen lie⸗ ben Gott Trau ich in Angst und Noth. Der kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen. Mein Un⸗ glück kann er wenden; Steht alls in seinen Haͤnden. 2. Ob mich mein Sünd an⸗ ficht, Will ich verzagen nicht. Kreuz⸗ und Trostlieder. Auf Christum will ich bauen Und ihm allein vertrauen; Ihm will ich mich ergeben Im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, Sterben ist mein Gewinn, Und Christus ist mein Leben; Dem hab ich mich ergeben. Ich sterb heut oder morgen, Mein Seel wird er versor⸗ gen. 4. O mein Herr Jesu Christ, Der du so gduldig bist Für mich am Kreuz gestorben: Hast mir das Heil erworben, Auch uns allen zugleiche Das ewge Himmelreiche. 5. Erhöre Hitt it mich, Mein Trost, das bitt ich dich. Hilf mir am letzten Ende! Nimm mich in deine Hände, Daß ich selig abscheide Zu deiner Himmelsfreude. 6. Amen! Zu aller Stund Sprech ich aus Herzensgrund: Du wollest uns geleiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, Auf daß wir deinen Namen Ewig⸗ lich preisen. Amen! Siegm. Weingärtner, um 1600. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sind. 515. Hilf, Helfer, hilf in Angst und Noth! Erbarm dich mein, o treuer Gott! Ich bin ja doch dein liebes Kind, Trotz Teufel, Welt und aller Sünd. 2. Ich trau auf dich, o Gott, mein Herr. Wenn ich dich hab, was will ich mehr? Ich hab ja dich, Herr Jesu Christ; Uin mein Gott und Erlöser ist. 3. Deß freu ich mich von Herzen fein, Bin gutes Muths und harre dein, Verlaß mich gänzlich auf dein Namn. Hilf, Helfer, hilf! Drum sprech ich Amn! Martin Moller, g. 1547, st. 1606. Mel. Was mein Gott will, das ꝛc. 516. Wer Gott ver⸗ traut, Hat wohl gebaut Im Himmel und auf Erden. Wer sich verläßt auf Jesum Christ, Dem muß der Himmel wer⸗ den. Darum auf dich allein hoff ich Mit ganz getrostem Herzen; Herr Jesu Christ, mein Trost du bist in To⸗ desnoth und Schmerzen. 2. Und wenns gleich wär dem Teufel sehr Und aller Welt zuwider: Dennoch so bist du, Jesu Christ, Der sie all schlägt darnieder Und wenn ich dich nur hab um mich Mit deinem Geist und Gaben, So kann fürwahr mir ganz und gar Kein Tod, noch Teufel schaden. 3 3. Dein tröst ich mich ganz sicherlich; Denn du kannst mir wohl geben, Was mir ist noth, du treuer Gott, In diesm und jenem Leben. Gieb wahre Reu, mein Herz erneu, Er⸗ rette Leib und Seele! Ach höre, Herr, dies mein Begehr, Und laß mein Bitt nicht feh⸗ len! Joh. Mühlmann, g. 1573, st. 1613. Kreuz⸗ und Trostlieder. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 517. In allen meinen Thaten Laß ich den Höchsten rathen, Der alles kann und hat. Er muß zu allen Dingen, Solls anders wohl gelingen, Selbst geben Segen, Rath und That. 2. Nichts ist es spät und frühe Um alle meine Mühe; Mein Sorgen ist umsonst. Er mags mit meinen Sachen Nach seinem Willen machen; Ich stells in seine Lieb und Gunst. 3. Es kann mir nichts ge⸗ schehen, Als was er hat ver⸗ sehen, Und was mir selig ist. Ich nehm es, wie ers giebet; Was ihm von mir beliebet, Das hab auch ich mir auser⸗ kiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, Die mich vor allem Schaden, Vor allem Uebel schützt. Leb ich nach seinen Sätzen, So wird mich nichts verletzen, Nichts fehlen, Was mir ewig nützt. 5. Er wolle meiner Sünden In Gnaden mich entbinden, Durchstreichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen Nicht stracks das Urtheil spre⸗ chen, Und haben noch mit mir Geduld. 6. Leg ich mich späte nie⸗ der, Erwach ich frühe wieder, Lieg, oder zieh ich fort, In Schwachheit und in Banden, Und was mir stößt zu Han⸗ den: So tröstet mich sein theures Wort. PIPIPIPIII * . —— 7½ anR ö ö 38⁴ Kreuz⸗ und Trostlieder. 7. Hat er es denn beschlos⸗ sen, So will ich unverdrossen An mein Verhängniß gehn. Kein Unfall unter allen Wird mir zu harte fallen; Ich will mit Gott ihn überstehn. 8. Ihm hab ich mich erge— ben, Zu sterben und zu leben, Sobald er mir gebeut. Es sei heut, oder morgen: Vafür laß ich ihn sorgen; Er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine Und traue dem alleine, Der dich geschaffen hat. Es gehe, wie es gehe, Dein Vater in der Höhe, Der weiß zu allen Sachen Rath. Paul Flemming, g. 1609, st. 1640. Psalm 121. 518. Wenn ich in Angst und Noth mein Augen heb empor Zu deinen Bergen, Herr, mit Seufzen und mit Flehen, So neigst du mir dein Ohr, Daß ich nicht darf betrübt von deinem Antlitz gehen. 2. Mein Schutz und Hülfe kommt, otreuer Gott, von dir, Der du das Firmament und Erdreich hast gegründet. Kein Mensch kann helfen mir. Vor deinem Gnadenthron allein man Rettung findet. 3. Du schaffest, daß mein Fuß mir nicht entgleiten kann, Du leitest selber mich auf al⸗ len meinen Wegen Und zeigest mir die Bahn, Wenn mir die Welt, der Tod und Teufel Stricke legen. 4. Du Hüter Israel, du schläfst, noch schlummerst nicht, Dein Augen Tag und Nacht ob denen offen bleiben, Die sich in deiner Pflicht Zur Kre zfahn durch dein Blut, o Jesu, lassen schreiben. 5. Der Herr behüte mich vor allem Ungelück; Besonders meine Seel er väterlich be⸗ wahre Vors Teufels List und Tück, Auf daß hinfüro mir kein Uebel widerfahre. 6. Herr, segne meinen Tritt, wo ich geh aus und ein, Und was ich red und thu, laß alles wohlgelingen Und dir befoh⸗ len sein; So kann ich meinen Lauf hier seliglich vollbringen. 7. Und wenn ich aus der Welt nach deinem Willen geh, So hilf, daß ich in dir fein sanft von hinnen scheide Und fröhlich aufersteh; Dann führe mich hinauf in deine Wonn und Freude. Apelles v. Löͤwenstern, g. 1594, st. 1648. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder. 519. Ach Gott, dir muß ichs klagen: Mein Unglück ist zu groß. Ein ganzes Herz voll Plagen Schütt ich in deinen Schoß. Die Noth nur will nicht lassen Mich sonst ver⸗ lassne Seel. Dir ichs mit Wangen nassen, Mit blassem Mund erzähl. 2. Zum Leiden bin geboren Ich, dein elendes Kind. Bei dir, den ich verloren, Ich Trost, o Vater, find. Wenn — Menschenhülf aufhöret, So hebt die deine an; Wenn al⸗ les mich verstöret, Dein Hand mich bauen kann. 3. Kann ich was Trost noch fassen? Die Angst zum Her⸗ zen bricht. Die Freunde mich verlassen Und achten meiner nicht. Kein Hülf seh ich auf Erden. Ich schaue himmelauf. Dorther mir Hülf soll wer⸗ den, Die ich mit Thränen kauf. 4. Die Angst in meinem Herzen Legt mir die Zung in Band. Du kennest meine Schmerzen, Dem nichts ist unbekannt. Ich kann nur sehnlich sagen: Herr, zeig mir deine Huld! Soll ich denn länger klagen, Gieb Hoffnung und Geduld! 5. Der Glaub läßt nicht ver⸗ derben; Ich hoff in meiner Noth. Drauf will ich fröhlich sterben. Mich löset auf der Tod Von allem Jammerwe⸗ sen, Setzt mich in deine Händ. Gott, laß mich so genesen! Mein Elend wend und end! Maria Elisabeth, Markgräfin zu Branden⸗ burg⸗Culmbach, g. 1628, st. 1666. Ps. 37, 5. 520. Besiehl du deine Wege, Und was dein Herze kränkt Der allertreusten Pfle⸗ ge Deß, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Win⸗ den Giebt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege Haun Da dein Fuß gehen ann. Kreuz⸗ und Trostlieder. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dirs soll wohl⸗ ergehn; Auf sein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbst⸗ eigner Pein Läßt Gott ihm gar nichts nehmen; Es muß erbeten sein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, O Vater, weiß und sieht, Was gut sei oder scha⸗ de Dem sterblichen Geblüt; Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zu Stand und Wesen Was deinem Rath gefällt. 4. Weg hast du allerwegen, An Mitteln fehlts dir nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; Dein Werk kann niemand hin⸗ dern, Dein Arbeit darf nicht ruhn, Wenn du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willst thun 5. Und ob gleich alle Teufel Hie wollten widerstehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn. Was er ihm vorgenommen Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen Zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken; Er⸗ warte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. 25 9 V. * 386 Kreuz⸗ und Trostlieder. 7. Auf! auf! Gieb deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht! Laß fahren, was dein Herze Betrübt und traurig macht! Bist du doch nicht Re⸗ gente, Der alles führen soll: Gott sitzt im Regimente Und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten! Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so ver⸗ halten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm ge⸗ bühret, Mit wunderbarem Rath Die Sach hinaus ge⸗ führet, Die dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Theile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Als solltst du für und für In Angst und Nöthen schweben, Als fragt er nichts nach dir. 10. Wirds aber sich befin⸗ den, Daß du ihm treu ver⸗ bleibst, So wird er dich ent⸗ binden, Da dus am mindsten gläubst. Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dank⸗ geschreie Den Sieg, die Eh⸗ renkron. Gott giebt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, Und du singst Freu⸗ denpsalmen Dem, der dein 12. Mach End, o Herr, mach Ende An aller unsrer Noth! Stärk unsre Füß und Hände Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu empfohlen sein, So gehen unsre Wege Gewiß zum Him⸗ mel ein. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Ermuntre dich, mein schwacher Geist. 521. Du bist ein Mensch; das weißt du wohl. Was strebst du denn nach Dingen, Die Gott der Höchst alleine soll Und kann zuwege brin⸗ gen? Du fährst mit deinem Witz und Sinn Durch so viel tausend Sorgen hin Und denkst: Wie wills auf Erden Doch endlich mit mir werden? 2. Es ist umsonst! Du wirst fürwahr Mit allem deinem Dichten Auch nicht ein einges kleines Haar In aller Welt ausrichten; Und dient dein Gram sonst nirgends zu, Als daß du dich aus deiner Ruh In Angst und Schmerzen stürzest Und selbst das Leben kürzest. 3. Wie oft bist du in große Noth Durch eignen Willen kommen, Da dein verblendter Sinn den Tod Fürs Leben angenommen! Und hätte Gott dein Werk und That Ergehen lassen nach dem Rath, In dem dus angefangen, Du wärst zu Grunde gangen. 4. Und dennoch soll dein Leid gewandt. Angesicht Dein ganzes Leben Kreuz⸗ und führen? Du traust und glau⸗ best weiter nicht, Als was die Augen spüren? Was du be⸗ ginnst, da soll allein Dein Kopf dein Licht und Meister sein? Was der nicht auser⸗ koren, Das hältst du als ver⸗ loren? 5. Willst du was thun, was Gott gefällt Und dir zum Heil gedeihet, So wirf dein Sor⸗ gen auf den Held, Den Erd und Himmel scheuet, Und gieb dein Leben, Thun und Stand Nur fröhlich hin in Gottes Hand, So wird er deinen Sachen Ein fröhlich Ende machen. 6. Ach wie so oftmals schweigt er still Und thut doch, was uns nützet, Da unterdessen unser Will Und Herz in Aeng⸗ sten sitzet, Sucht hier und da und findet nichts, Will sehn und mangelt doch des Lichts, Will aus der Angst sich win⸗ den Und kann den Weg nicht finden. 7. Gott aber geht gerade fort Auf seinen weisen Wegen; Er geht und bringt uns an den Port, Da Sturm und Wind sich legen. Hernachmals, wenn das Werk geschehn, Da kann der Mensch alsdann erst sehn, Was der, so ihn regieret, In seinem Rath geführet. 8. Drum, liebes Herz, sei wohlgemuth Und laß von Sorg und Grämen! Gott hat ein Herz, das nimmer ruht, Dein Bestes vorzuneh⸗ men. Er kanns nicht lassen, Trostlieder. 387 glaube mir; Sein Vaterherz ist gegen dir Und uns hier allzusammen Voll allzusüßer Flammen. 9. Thu als ein Kind und lege dich In deines Vaters Arme; Bitt ihn und flehe, bis er sich Dein, wie er pflegt, er⸗ barme; So wird er dich durch seinen Geist Auf Wegen, die du jetzt nicht weißt, Nach wohlgehaltnem Ringen Aus allen Sorgen bringen. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. 522. Schwing dich auf zu deinem Gott, Du betrübte Seele! Warum liegst du, Gott zum Spott, In der Schwer⸗ muthshöhle“ Merkst du nicht des Satans List? Er will durch sein Kämpfen Deinen Trost, den Jesus Christ Dir erwor⸗ ben, dämpfen. 2. Schüttle deinen Kopf und sprich: Fleuch, du alte Schlan⸗ ge! Was erneust du deinen Stich, Machst mir angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt, Und ich bin durchs Leiden Meines Heilands dir entrückt In den Saal der Freuden. 3. Wirfst du mir mein Sünd⸗ gen für?ꝰ Wo hat Gott befoh⸗ len, Daß mein Urtheil über mir Ich bei dir soll holen? Wer hat dir die Macht ge⸗ schenkt, Andre zu verdammen, Der du selbst doch liegst ver⸗ senkt In der Höllen Flam⸗ men ꝰ N. 2 — . 388 Kreuz⸗ und Trostlieder. 4. Hab ich was nicht recht gethan, Ist mirs leid von Herzen; Dahingegen nehm ich an Christi Blut und Schmerzen. Denn das ist das Lösegeld Meiner Missethaten; Wenn mein Glaub dies Gott vorhält, Ist mir wohl ge⸗ rathen. 5. Christi Unschuld ist mein Ruhm, Sein Recht meine Krone, Sein Verdienst mein Eigenthum, Darin ich frei wohne, Als in einem festen Schloß, Das kein Feind kann fällen, Brächt er gleich davor Geschoß Und Gewalt der Höllen. 6. Stürme, Teufel, und du, Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Noth Gott mit seiner Gnaden; Der Gott, der mir seinen Sohn Selbst verehrt aus Liebe, Daß der ewge Spott und Hohn Mich nicht dort betrübe. 7. Ich bin Gottes, Gott ist mein! Wer ist, der uns schei⸗ de? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide: Laß es dringen; kommt es doch Von geliebten Händen! Schnell zerbricht des Kreuzes Joch, Wenn es Gott will wenden. 8. Kinder, die der Vater soll Ziehn zu allem Guten, Die gedeihen selten wohl Ohne Zucht und Ruthen. Bin ich denn nun Gottes Kind: War⸗ um will ich fliehen, Wenn er mich von meiner Sünd An was Guts will ziehen? 9. Es ist herzlich gut ge⸗ meint Mit der Christen Pla⸗ gen. Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig kla⸗ gen; Sondern hat vollkommne Lust Dort in Christi Garten, Wo ihm anders nichts bewußt, Endlich zu erwarten. 10. Gottes Kinder säen zwar Traurig und mit Thränen; Aber endlich bringt das Jahr, Wonach sie sich sehnen. Denn es kommt die Erntezeit, Da sie Garben machen; Da wird all ihr Gram und Leid Lauter Freud und Lachen. 11. Ei, so faß, o Christen⸗ herz, Alle deine Schmerzen! Wirf sie fröhlich hinterwärts, Laß des Trostes Kerzen Dich entzünden mehr und mehr! Gieb dem großen Namen Deines Gottes Preis und Ehr. Er wird helfen! Amen! Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. 523. Gieb dich zufrie⸗ den und sei stille In dem Gotte deines Lebens. In ihm ruht aller Freuden Fülle; Ohn ihn mühst du dich ver⸗ gebens. Er ist dein Quell und deine Sonne, Scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gieb dich zufrieden. 2. Er ist voll Lichtes, Trost und Gnaden, Ungefärbten, treuen Herzens; Wo er steht, thut dir keinen Schaden Auch die Pein des größten Schmer⸗ — ——— zens. Kreuz, Angst und Noth kann er bald wenden, Ja, 9 auch den Tod hat er in Hän⸗ den. Gieb dich zufrieden. 3. Wie dirs und andern oft ergehe, Ist ihm wahrlich nicht verborgen. Er sieht und ken⸗ net aus der Höhe Der betrüb⸗ ten Herzen Sorgen. Er zählt den Lauf von heißen Thränen Und faßt zu Hauf all unser Sehnen. Gieb dich zufrieden. 4. Wenn gar kein Einger mehr auf Erden, Dessen Treue du darfst trauen, Alsdann will er dein Tröster werden Und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid und heimlich Grämen; Auch weiß er Zeit, dirs zu benehmen. Gieb dich zufrieden. 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen Und des Herzens stil⸗ les Klagen, Und was du kei⸗ nem darfst erzählen, Magst du Gott gar kühnlich sagen. Er ist nicht fern, steht in der Mitten, Hört bald und gern der Armen Bitten. Gieb dich zufrieden. 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen; Halt an Gott, so wirst du siegen. Ob alle Flu⸗ ten einhergingen, Dennoch mußt du oben liegen; Denn wenn du wirstzu hoch beschwe⸗ ret, Hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gieb dich zu⸗ frieden. 7. Was sorgst du für dein armes Leben, Wie dus halten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, Wird Kreuz⸗ und Trostlieder. 389 auch Unterhalt bescheren. Er at ein Hand voll aller Ga⸗ ben, Da See und Land sich muß von laben. Gieb dich zufrieden. 8. Der allen Vögeln in den Wäldern Ihr bescheidnes Körnlein weiset, Der Schaf und Rinder auf den Feldern Alle Tage tränkt und speiset, Der wird vielmehr dich Ein⸗ gen füllen Und dein Begehr und Nothdurft stillen. Gieb dich zufrieden. 9. Sprich nicht: Ich sehe keine Mittel; Wo ich such, ist nichts zum Besten. Denn das ist Gottes Ehrentitel: Helfen, wenn die Noth am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, So schickt er zu, uns wohl zu führen. Gieb dich zufrieden. 10. Bleibt gleich die Hülf in etwas lange, Wird sie den⸗ noch endlich kommen. Macht dir das Harren angst und bange, Glaube mir, es ist dein Frommen. Was langsam schleicht, faßt man gewisser, Und was verzeucht, ist desto süßer. Gieb dich zufrieden. 11. Nimm nicht zu Herzen, was die Rotten Deiner Feinde von dir dichten. Laß sie nur immer weidlich spotten; Gott wirds hören und recht richten. Ist Gott dein Freund und deiner Sachen, Was kann dein Feind, der Mensch, groß machen? Gieb dich zufrieden. 12. Hat er doch auch wohl selbst das Seine, Wenn ers —— * V. 7* V + 4* 390 Kreuz⸗ und Trostlieder. sehen könnt und wollte. Wo ist ein Glück so klar und reine, Dem nicht etwas fehlen sollte? Wo ist ein Haus, das könnte sagen: Ich weiß durchaus von keinen Plagen? Gieb dich zufrieden. 13. Es kann und mag nicht anders werden: Alle Men⸗ schen müssen leiden. Was webt und lebet auf der Er⸗ den, Kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden Bis an das Grab; da wird sichs enden. Gieb dich zufrie⸗ den. 14. Es ist ein Ruhetag vor⸗ handen, Da uns unser Gott wird lösen. Er wird uns rei⸗ ßen aus den Banden Dieses Leibs voll allem Bösen. Es wird einmal der Tod her⸗ springen Und aus der Qual uns sämmtlich bringen. Gieb dich zufrieden. 15. Er wird uns bringen zu den Schaaren Der Erwählten und Getreuen, Die hier mit Frieden heimgefahren Sich auch nun in Frieden freuen, Da sie den Grund, der nicht kann brechen, Den ewgen Mund selbst hören sprechen: Gieb dich zufrieden. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. 524A. Nicht so traurig, nicht so sehr, Meine Seele, sei betrübt, Daß dir Gott Glück, Gut und Ehr Nicht so viel wie andern giebt! Nimm vorlieb mit deinem Gott, Hast du Gott, so hats nicht Noth. 2. Du, noch sonst ein Men⸗ schenkind, Hast ein Recht in dieser Welt. Alle, die geschaf⸗ fen sind, Sind nur Gäst im fremdem Zelt. Gott ist Herr in seinem Haus: Wie er will, so theilt er aus. 3. Bist du doch darum nicht hier, Daß du Erde haben sollt. Schau den Himmel über dir! Da, da ist dein edles Gold; Da ist Ehre, da ist Freud, Freud ohne Ende, Ehr ohn Neid! 4. Der ist albern, der sich kränkt Um ein Handvoll Eitel⸗ keit, Wenn ihm Gott dagegen schenkt Schätze der Beständig⸗ keit. Bleibt der Centner dein Gewinn, Fahr der Heller im⸗ mer hin. 5. Schaue alle Güter an, Die dein Herz für Güter hält! Keines mit dir gehen kann, Wenn du gehest aus der Welt! Alles bleibet hinter dir, Wenn du trittst ins Grabes Thür. 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, Wird von keiner Zeit verzehrt, Ist und bleibet allzeit gut. Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut das schwindet nicht. 7. Wüßte, der im Himmel lebt, Daß dir wäre nütz und gut, Wornach so begierig strebt Dein verblendtes Fleisch und Blut, Würde seine Frömmig⸗ keit Dich nicht lassen uner⸗ freut. —— r..—.—.— 8. Gott ist deiner Liebe voll Und von ganzem Herzen treu. Wenn du wünschest, prüft er wohl, Wie dein Wunsch be⸗ schaffen sei. Ist dirs gut, so geht ers ein; Ists dein Scha⸗ de, spricht er Nein. 9. Unterdessen trägt sein Geist Dir in deines Herzens Haus Manna, das die Engel speist, Ziert und schmückt es herrlich aus; Ja, er wählet, dir zum Heil, Dich zu seinem Gut und Theil. 10. Ei, so richte dich empor, Du betrübtes Angesicht! Laß das Seufzen, nimm hervor Deines Glaubens Freuden⸗ licht! Das behalt, wenn dich die Nacht Deines Kummers traurig macht. 11. Setze, als ein Himmels⸗ sohn, Deinem Willen Maß und Ziel. Rühre stets vor Gottes Thron Deines Dan⸗ kens Saitenspiel, Weil dir schon gegeben ist Mehres, als du würdig bist. 12. Führe deines Lebens Lauf Allzeit Gottes eingedenk. Wie es kommt, nimm alles auf Als ein wohlbedacht Ge⸗ schenk. Geht dirs widrig, laß es gehn: Gott und Himmel bleibt dir stehn! Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Was mein Gott will, das ꝛc. 525. Ich hab in Gottes Herz und Sinn Mein Herz und Sinn ergeben. Was böse scheint, ist mir Gewinn; Der Tod selbst ist mein Leben, Kreuz⸗ und Trostlieder. 391 Ich bin ein Sohn deß, der den Thron Des Himmels auf⸗ gezogen. Ob er gleich schlägt und Kreuz auflegt, Bleibt doch sein Herz gewogen. 2. Das kann mir fehlen nimmermehr! Mein Vater muß mich lieben. Wenn er mich auch gleich wirft ins Meer, So will er mich nur üben Und mein Gemüth in seiner Güt Gewöhnen fest zu stehen. Halt ich dann Stand, weiß seine Hand Mich wieder zu erhöhen. 3. Woher sollt ich den Auf⸗ enthalt Auf dieser Erd erlan⸗ gen? Ich wäre längstens todt und kalt, Wo mich nicht Gott umfangen Mit seinem Arm, der alles warm, Gesund und fröhlich machet. Was er nicht hält, das bricht und fällt; Was er erfreut, das lachet. 4. Zudem ist Weisheit und Verstand Bei ihm ohn alle Maßen; Zeit, Ort und Stund ist ihm bekannt Zu Thun und auch zu Lassen. Er weiß, wann Freud, er weiß, wann Leid Uns, seinen Kindern, diene; Und was er thut, ist alles gut. Obs noch so traurig schiene. 5. Das Feld kann ohne Ungestüm Gar keine Früchte tragen: So fällt auch Men⸗ schenwohlfahrt um Bei lauter Etaaden Die Aloe bringt ittres Weh, Macht gleichwohl rothe Wangen: So muß ein Herz durch Angst und Schmerz Zu seinem Heil gelangen. 8 0 — SS 4 + 8— 2 —— 3 2+ V 392 6. Ei nun, mein Gott, so fall ich dir Getrost in deine Hände. Nimm mich und mach du es mit mir Bis an mein letztes Ende, Wie du wohl weißt, daß meinem Geist Da⸗ durch sein Nutz entstehe, Und deine Ehr je mehr und mehr Sich in ihr selbst erhöhe. 7. Willst du mir geben Son⸗ nenschein, So nehm ichs an mit Freuden; Solls aber Kreuz und Unglück sein, Will ichs geduldig leiden. Soll mir allhier des Lebens Thür Noch ferner offen stehen; Wie du mich führst und führen wirst, So will ich gern mitgehen. 8. Soll ich denn auch des Todes Weg Und finstre Stra⸗ ße reisen: Wohlan, so tret ich Bahn und Steg, Den mir dein Augen weisen. Du bist mein Hirt, der alles wird Zu solchem Ende kehren, Daß ich einmal in deinem Saal Dich ewig möge ehren. Paul Gerhardt, g. 1606 st. 1676. 526. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch: Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Bei⸗ b gelegt im Glaubenꝰ 2. Nackend lag ich auf dem Boden, Da ich kam, Da ich nahm Meinen ersten Odem. Nackend werd ich auch hinzie⸗ hen, Wenn ich werd Von der Kreuz⸗ und Trostlieder. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben Ist nicht mein; Gott allein Ist es, ders gegeben. Will ers wieder zu sich kehren; Nehm ers hin; Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum ver⸗ zagen? Der es schickt, der wird es wenden. Er weiß wohl, wie er soll All mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen Oft ergötzt, Sollt ich jetzt Auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten Können mir Nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, Wird in Eil Sie zu Schan⸗ den machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der Tod auf⸗ reiben, Soll der Muth Den⸗ noch gut Und fein stille blei⸗ en. 8. Kann uns doch kein Tod nicht tödten; Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tau⸗ send Nöthen, Schleußt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, Da man kann Erd Als ein Schatten fliehen. Gehn zur Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schät⸗ zen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich ergötzen. Hier ist kein recht Gut zu fin⸗ den; Was die Welt In sich Dent Muß im Hui verschwin⸗ en 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand Voller Sand, Kummer der Gemü⸗ ther. Dort, dort sind die edlen Gaben, Da mein Hirt, Chri⸗ stus, wird Mich ohne Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hin⸗ gelangen, Da du mich Und ich dich Lieblich werd umfan⸗ gen! Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. 527. Meine Hoffnung stehet feste Auf den lebendigen Gott. Er ist mir der Aller⸗ beste, Der mir beisteht in der Noth. Er allein Soll es sein, Den ich nur von Herzen mein. 2. Sagt mir, wer kann doch vertrauen Auf ein schwaches Menschenkind? Wer kann feste Schlösser bauen In die Luft und in den Wind? Es ver⸗ geht, Nichts besteht, Was ihr Kreuz⸗ und Trostlieder. 3. Aber Gottes Güte wäh⸗ ret Immer und in Ewigkeit. Vieh und Menschen er ernäh⸗ ret Durch erwünschte Jahres⸗ zeit. Alles hat Seine Gnad Dargereichet früh und spat. 4. Giebet er nicht alles reichlich Und mit großem Ue⸗ berfluß? Seine Lieb ist un⸗ vergleichlich, Wie ein starker Wasserguß. Luft und Erd Uns ernährt, Wenn es Gottes Gunst begehrt. 5. Danket nun dem großen Schöpfer Durch den wahren Menschensohn, Der uns wie ein freier Töpfer Hat gemacht aus Erd und Thon. Groß von Rath, Stark von That Ist, der uns erhalten hat. Joach. Neander, g. 1610, st. 1680. Mel. Werde munter, mein Ge⸗ müthe. 528. Zion, gieb dich nur zufrieden; Gott ist noch bei dir darin. Du bist nicht von ihm geschieden; Er hat einen Vatersinn. Wenn er straft, so liebt er auch; Dies ist Gottes steter Brauch. Zion, lerne dies bedenken. Warum willst du dich so kränken? 2. Treiben dich die Meeres⸗ wellen In der wilden, tiefen See, Wollen sie dich gar zer⸗ schellen, Daß du rufest Ach und Weh; Schweigt dein Hei⸗ land still dazu, Gleich als schlafend in der Ruh: Zion, laß dich nicht bewegen; Bald wird Sturm und Flut sich auf der Erden seht. legen. SSII 8 — . 25* ** ——2 II . S 394 Kreuz⸗ und Trostlieder. 3. Berg und Felsen mögen weichen, Ob sie noch so feste stehn, Ja, die ganze Welt desgleichen Möchte gar auch untergehn: Dennoch hat es keine Noth In dem Leben und im Tod. Zion, du mußt ja nicht wanken Aus den vor⸗ geschriebnen Schranken. 4. Müssen schon allhier die Thränen Oft dein Trank und Speise sein; Stimmt dein Seufzen und dein Stöhnen Auch mit deinen Liedern ein; Kränkt der Neid dir Herz und Muth, Kommst du hier um Hab und Gut; Zion, laß dir doch nicht grauen; Du sollst Gottes Hülfe schauen. 5. Droht man dir mit Schmach und Banden, Mit viel Qual und Herzeleid: Dennoch wirst du nicht zu Schanden; Denk nur an die Ewigkeit. Sei getrost und wohlgemuth; Denn der Herr ists, der es thut. Zion, auf Gott mußt du merken; Der n dich in Schwachheit stär⸗ en. 6. Freue dich! Es kommt das Ende Und der Abend schon herbei. Gieb dich nur in Gottes Hände; Der macht dich von allem frei. Für die Trübsal, Spott und Hohn Giebt er dir die Freudenkron. Zion, Gott, dein Schutz wird wachen Und die Welt zu Schanden machen. 7. Hallelujah! Deine Wonne Bricht anjetzt mit Macht her⸗ für; Denn die schöne Gna⸗ densonne, Jesus Christus, naht zu dir, Giebt dir einen Freudengruß Und den rechten Friedenskuß. Zion, wo ist nun dein Klagen? Jetzt kannst du von Freuden sagen. 8. Freuet euch, ihr HDimmels⸗ erben, Freuet euch mit Zion hier! Die vor Jammer woll⸗ ten sterben, Sollen leben für und für. Dort ist nicht mehr Angst und Qual In dem schönen Himmelssaal. Zion, wer will dich nun scheiden Von dem Lamm und ewgen Freuden? Joachim Pauli, 1663. 529. Wer nur den lie⸗ ben Gott läßt walten Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderlich erhalten In allem Kreuz und Trau⸗ rigkeit. Wer Gott, dem Aller⸗ höchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schwe⸗ ren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid Nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille Und sei doch in sich selbst vergnügt, Wie unsers Gottes Gnadenwille, Wie sein All⸗ wissenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, Der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. denstunden, Er weiß wohl, wann es nützlich sei. Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei, So kommt Gott, eh wirs uns versehn, Und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshitze, Daß du von Gott verlassen seist, Und daß der Gott im Schoße sitze, Der sich mit stetem Glücke speist. Die Folgezeit verändert viel Und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr schlechten) Sachen Und ist dem Höchsten alles gleich, Den Rei⸗ chen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich. Gott ist der rechte Wun⸗ dermann, Der bald erhöhn, bald stürzen kann. *) geringe, leichte. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, Verricht das Deine nur getreu Und trau des Himmels reichem Segen, So wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zu⸗ versicht Auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Georg Neumann, g. 1621, st. 1681. Mel. Jesu, meine Freude. 530. Meine Seel ist stille Zu Gott, dessen Wille Mir zu helfen steht. Mein Herz ist vergnüget Mit dem, wies Gott füget, Nimmt an, wie es geht. Geht es nur zum Himmel zu Und bleibt Jesus Kreuz⸗ und Trostlieder. 39⁵ 4. Er kennt die rechten Freu⸗ungeschieden, So bin ich zu⸗ frieden. 2. Meine Seele hanget An dir und verlanget, Gott, bei dir zu sein Aller Ort und Zei⸗ ten, Und mag keinen leiden, Der ihr redet ein. Von der Welt, Ehr, Lust und Geld, Wornach sind so viel beflissen, Mag sie gar nichts wissen. 3. Nein, ach nein! nur einer, Sagt sie, und sonst keiner Wird von mir geliebt. Jesus, der Getreue, In dem ich mich freue, Sich mir ganz ergiebt. Er allein, er soll es sein, Dem ich wieder mich ergebe Und ihm einzig lebe. 4. Gottes Güt erwäge Und dich gläubig lege Sanft in seinen Schoß. Lerne ihm ver⸗ trauen, So wirst du bald schauen, Wie die Ruh so groß, Die da fleußt aus stillem Geist. Wer sich weiß in Gott zu schicken, Den kann er er⸗ quicken. 5. Meine Seele harret Und sich ganz verscharret Tief in Jesu Brust. Sie wird stark durch Hoffen; Was sie je be⸗ troffen, Träget sie mit Lust; Fasset sich ganz männiglich Durch Geduld und Glauben feste. Am End kömmt das Beste. 6. Amen! es geschiehet. Wer zu Jesu fliehet, Wird es recht erfahrn, Wie Gott seinen Kindern Pflegt das Kreuz zu mindern Und das Glück zu sparn Bis zu End; alsdann 396 Kreuz⸗ und Trostlieder. sich wendt Das zuerst gekostenen, Zeigen ihre Dornen⸗ Leiden, Und gehn an die Freu⸗ kronen. den. Joh. Casp. Schade, g. 1666, st. 1698. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 531. Meine Sorgen, Angst und Plagen Laufen mit der Zeit zu End. Alles Seuf⸗ zen, alles Klagen, Das der Herr alleine kennt, Wird, Gott Lob! nicht ewig sein. Nach dem Regen wird ein Schein Von viel tausend Sonnen⸗ blicken Meinen matten Geist erquicken. 2. Meine Saat, die ich gesäet, Wird zur Freude wachsen aus. Wenn die Dornen abgemähet, So trägt man die Frucht nach Haus. Wenn ein Wetter ist vorbei, Wird der Himmel wieder frei. Nach dem Käm⸗ pfen, nach dem Streiten Kom⸗ men die Erquickungszeiten. 3. Wenn man Rosen will abbrechen, Muß man leiden in der Still, Daß uns auch die Dornen stechen. Es geht alles, wie Gott will. Er hat uns ein Ziel gezeigt, Das man nur im Kampf erreicht. Will man hier das Kleinod finden, So muß man erst überwinden. 4. Unser Weg geht nach den Sternen, Der mit Kreuzen ist besetzt. Hier muß man sich nicht entfernen, Ob er gleich mit Blut benetzt. Zu dem Schloß der Ewigkeit Kommt kein Mensch hin ohne Streit. Die in Salems Mauern woh⸗ 5. Es sind wahrlich alle Frommen, Die des Himmels Klarheit sehn, Aus viel Trüb⸗ sal hergekommen. Darum siehet man sie stehn Vor des Lammes Stuhl und Thron Prangend in der Ehrenkron Und mit Palmen ausgezie⸗ ret, Weil sie glücklich trium⸗ phiret. 6. Gottes Ordnung siehet feste Und bleibt ewig unver⸗ rückt: Seine Freund undHoch— zeitsgäste Werden nach dem Streit beglückt; Israel erhält den Sieg Nach geführtem Kampf und Krieg; Canaan wird erst gefunden, Nachdem alles überwunden. 7. Darum trage deine Ket⸗ ten, Meine Seel, und dulde dich. Gott wird dich gewiß erretten. Das Gewitter leget sich. Nach dem Blitz und Don⸗ nerschlag Folgt ein angeneh⸗ mer Tag. Auf den Abend folgt der Morgen, Und die Freude nach den Sorgen. uUm 1700. 532. Sollt es gleich bisweilen scheinen, Als ver⸗ ließe Gott die Seinen, Ei, so glaub und weiß ich dies: Gott hilft endlich doch ge⸗ wiß. 2. Hülfe, die er aufgescho⸗ ben, Hat er drum nicht auf⸗ gehoben. Hilft er nicht zu je⸗ der Frist, Hilft er doch, wenns nöthig ist. Kreuz⸗ und 3. Gleich wie Väter nicht bald geben, Wonach ihre Kin⸗ der streben, So hält Gott auch Maß und Ziel; Er giebt wie und wann er will. 4. Seiner kann ich mich ge⸗ trösten, Wenn die Noth am allergrößten; Er ist gegen mich, sein Kind, mehr als väterlich gesinnt. 5. Trotz dem Teufel! Trotz dem Drachen! Ich kann ihre Macht verlachen. Trotz dem schweren Kreuzesjoch! Gott, mein Vater, lebet noch. 6. Trotz des bittern Todes Zähnen! Trotz der Welt und allen denen, die mir sind ohn Ursach feind! Gott im Himmel ist mein Freund. 7. Laß die Welt nur immer neiden! Will sie mich nicht länger leiden, Ei, so frag ich nichts danach. Gott ist Rich⸗ ter meiner Sach. 8. Will sie mich gleich von sich treiben, Muß mir doch der Himmel bleiben. Wenn ich nur den Himmel krieg, Hab ich alles zur Genüg. 9. Welt, ich will dich gerne lassen; Was du liebest, will ich hassen. Deine Güter brin⸗ gen Noth; Lasse mir nur mei⸗ nen Gott! ö 10. Ach Herr, wenn ich dich nur habe, Sag ich allem an⸗ dern abe. Legt man mich gleich in das Grab, Gnug, Herr, wenn ich dich nur hab. Christoph Titius, a. 1613, st. 1704. Trostlieder. 397 533. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Es bleibt gerecht sein Wille. Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, Der in der Noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Er wird mich nicht betrügen. Erführet mich auf rechter Bahn: So laß ich mich begnügen An seiner Huld Und hab Geduld. Er wird mein Unglück wenden; Es steht in seinen Händen.. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Er wird mich wohl bedenken; Er, als mein Arzt und Wundermann, Wird mir nicht Gift einschenken Für Arzenei. Gott ist getreu; Drum will ich auf ihn bauen Und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann. Ich will mich ihm ergeben In Freud und Leid. Es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Laß ich mich doch nicht schrek⸗ ken, Weil doch zuletzt Ich werd ergötzt Mit süßem Trost im Herzen; Da weichen alle Schmerzen. 398 Kreuz- und Trostlieder. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben, So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten; Drum laß ich ihn nur walten. Sam. Rodigast, g. 1649, st. 1708. 534. Nur frisch hinein! Es wird so tief nicht sein. Das rothe Meer wird dir schon Platz vergönnen. Was wimmerst du! Sollt der nicht helfen können, Der nach dem Blitz giebt heitern Sonnen⸗ schein? Nur frisch hinein. 2. Der Herr der Welt hat einen Weg bestellt, Den nie⸗ mand weiß. Eh sein Volk sollte sinken, Muß selbst das Meer auf seines Schöpfers Winken Wie Mauern sein. Er dämmt das Flutenfeld, Der Herr der Welt. 3. Die Tapferkeit ist jeder⸗ zeit bereit, Durch Kreuz und Schmach und durch die krau⸗ sen Wellen Zu dringen durch: kein Sturmwind kann sie fäl⸗ len. Sie hält uns fest in ste⸗ i Sicherheit, Die Tapfer⸗ eit. 4. Ein Kriegesmann muß tapfer halten an. Es steht nicht wohl, wenn Krieger wollen stehen, Weil sie das End des Krieges nicht ersehen. Ein Christ ist auch, der tapfer kämpfen kann, Ein Krieges⸗ mann. 5. Der Kampf hört auf, wenn hier dein Pilgerlauf Das Ziel erreicht. Was einmal ange⸗ fangen, Das nimmt ein End. Der Herr ist vorgegangen: Du folge nach und tritt nur tapfer drauf. Es höret auf. 6. Die Kreuzespein wird ja nicht ewig sein. Es ist ein Kelch, der seinen Boden zei⸗ get; Man sieht den Grund, wenn alles ausgeneiget. Drum laß dir einen Trank des Lebens sein Die Kreuzes⸗ pein. 7. Die größte Noth zerbricht doch einst der Tod. Hindurch, hindurch! und folge deinem Führer. Dein Jesus ist der Erd⸗ und Meer Regierer; Der schreitet durch und tritt für dich in Koth Die größte Noth. 8. Er ist dein Hirt, der dich nicht lassen wird; Er wird sein Schaf auf seinen Achseln tragen. Es wartet schon auf dich der Engel Wagen Zum sichern Schutz. Und ob du dich verirrt: Er ist dein Hirt. 9. Auf, blöder Sinn! Wirf allen Kummer hin Und schicke dich, die Tiefe durchzuwa⸗ ten. Kommt schon ein Sturm: dein Jesus wird dir rathen Und helfen aus. Der Tod ist dein Gewinn. Auf, blö⸗ der Sinn! 10. Der Christenstand ist hier also bewandt: Es muß ein Kreuz das andre Kreuz verjagen. So ging es dem, der unser Kreuz getragen Am ö ö —.— — Kreuz⸗ und Kreuzesstamm. Es ist kein Kindertand, Der Christen⸗ stand! 11. Wer wandern soll, muß oftmals trauernsvoll Durch Berg und Thal Und tiefe Gründe dringen. So muß ein Christ auch nach dem Him⸗ mel ringen Und leiden viel. Der geht oft mühevoll, Wer wandern soll. 12. Ach mein Herr Christ, wenn du nur bei mir bist, So will ich auch mein Leben willig enden. Zu dir, mein Gott, will ich mich gänzlich wenden Und tragen, was mir auferleget ist. Ach mein Herr Christ! Mich. Kongehl, g. 1646, st. 1710. Mel. Der Herr, mein Licht, ist und regiert mein Leben. 535 So führst du doch recht selig, Herr, die Deinen; Ja, selig— und doch meistens wunderlich! Wie könntest du es böse mit uns meinen, Da deine Treu nicht kann ver⸗ leugnen sich? Die Wege sind oft krumm und doch gerad, Darauf du läßt die Kinder zu dir gehn. Da pflegt es wun⸗ derseltsam auszusehn; Doch triumphirt zuletzt dein hoher Rath. 2. Dein Geist hängt nie an menschlichen Gesetzen, So die Vernunft und gute Meinung stellt. Den Zweifelsknoten kann dein Schwert verletzen Und lösen auf, nach dem es dir gefällt. Du reißest wohl Trostlieder. 399 die stärksten Band entzwei; Was sich entgegensetzt, muß sinken hin; Ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn; Dann geht dein Fuß auch durch Umwege frei. 3. Was unsre Klugheit will zusammenfügen, Theilt dein Verstand in Ost und Westen aus. Was mancher unter Joch und Last will biegen, Setzt deine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt,— und du verknüpfst in Kraft; Sie bricht,— du baust; sie baut,— du reißest ein; Ihr Glanz muß dir ein dunkler Schatten sein. Dein Geist bei Todten Kraft und Leben schafft. 4. Will die Vernunft was fromm und selig preisen, So hast dus schon aus deinem Buch gethan. Wem aber nie⸗ mand will dies Zeugniß wei⸗ sen, Den führst du in der Still selbst himmelan. Den Tisch der Pharisäer läßt du stehn Und speisest mit den Sündern, sprichst sie frei. Wer weiß, was öfters deine Absicht sei? Wer kann der tiefsten Weis⸗ heit Abgrund sehn? 5. Was alles ist, gilt nichts in deinen Augen; Was nichts ist, hast du, großer Herr, recht lieb. Der Worte Pracht und Ruhm mag dir nicht taugen; Du giebst die Kraft und Nach⸗ druck durch den Trieb. Die besten Werke bringen dir kein Lob; Sie sind versteckt; der Blinde geht vorbei; Wer Au⸗ 400 Kreuz⸗ und Trostlieder. gen hat, sieht sie doch nicht so frei. Die Sachen sind zu klar, der Sinn zu grob. 6. O Herrscher, sei von uns gebenedeiet, Der du uns töd⸗ test und lebendig machst. Wenn uns dein Geist der Weisheit Schatz verleihet, So sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst. Die Weisheit spielt bei uns; wir spielen mit. Bei uns zu wohnen ist dir lauter Lust; Die reget sich in deiner Vaterbrust Und gängelt uns mit zartem Kinderschritt. 7. Bald scheinst du etwas hart uns anzugreifen, Bald fährest du mit uns ganz säu⸗ berlich. Geschiehts, daß unser Sinn sucht auszuschweifen, So weist die Zucht uns wieder hin auf dich. Da gehn wir denn mit blöden Augen hin; Du küssest uns; Wir sagen Beßrung zu: Drauf schenkt dein Geist dem Herzen wieder Ruh Und hält im Zaum den ausgeschweiften Sinn. 8. Du kennst, o Vater, wohl das schwacheWesen, Die Ohn⸗ macht und der Sinnen Un⸗ verstand; Man kann uns fast an unsrer Stirn ablesen, Wie es um schwache Kinder sei be⸗ wandt. Drum greifst du zu und hältst und trägest sie, Brauchst Vaterrecht und zei⸗ gest Muttertreu. Wo niemand meint, daß etwas deine sei, Da hegst du selbst dein Schäf⸗ lein je und je. 9. Also gehst du nicht die gemeinen Wege; Dein Fuß wird selten öffentlich gesehn, Damit du sehst, was sich im Herzen rege, Wenn du in Dun⸗ kelheit mit uns willst gehn. Das Widerspiel legst du vor Augen dar Von dem, was du in deinem Sinne hast. Wer meint, er hab den Vorsatz recht gefaßt, Der wird am End ein andres oft gewahr. 10. OAuge, das nicht Trug, noch Heucheln leidet, gieb mir des scharfen Blickes Sicher⸗ heit, Der dieNatur von Gnade unterscheidet, Das eigne Licht von deinerHeiterkeit. Laß doch mein Herz dich niemals mei⸗ stern nicht; Brich ganz ent⸗ zwei den Willen, der sich liebt, Erweck die Lust; die sich nur dir ergiebt Und tadelt nie dein heimliches Gericht. 11. Will etwa die Vernunft dir widersprechen und schüttelt ihren Kopf zu deinem Weg, So wollst du die Befestgun niederbrechen, Daß ihre 69 sich nur bei Zeiten leg, Kein fremdes Feuer sich in mir ent⸗ zünd, Das ich vor dich in Thorheit bringen möcht, Und dir wohl gar so zu gefallen dächt. Ach selig, wer dein Licht ergreift und findt! 12. So zieh mich denn hin⸗ ein in deinen Willen Und trag und heb und führ dein armes Kind! Dein innres Zeugniß soll den Zweifel stillen, Dein ——.——.—.— Kreuz⸗ und Geist die Furcht und Lüste überwind. Du bist mein Al⸗ les; denn dein Sohn ist mein. Dein Geist reg sich ganz kräf⸗ tiglich in mir. Ich brenne nun nach dir in Liebsbegier. Wie oft erquickt mich deiner Klar⸗ heit Schein! 13. Drum muß die Creatur mir immer dienen, Kein En⸗ gel schämt nun der Gemein⸗ schaft sich. Die Geister, die vor dir vollendet grünen, Sind meine Brüder und erwarten mich. Wie oft erquicket meinen Geist ein Herz, Das dich und mich und alle Christen liebt! Ists möglich, daß mich etwas noch betrübt? Komm, Freu⸗ denquell! Weich ewig, aller Schmerz! Gottfr. Arnold, g. 1666, st. 1714. 536. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch ꝰ Gott ist gut, der aus Erbar⸗ men Alle Hülf auf Erden thut, Der mit Macht und starken Armen Machet alles wohl und gut, Gott kann besser, als wir denken, Alle Noth zum Besten lenken. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr⸗Gott noch! 2. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Sollt der schlummern oder schlafen, Der das Aug hat zugerichtꝰ Der die Ohren hat erschaffen, Sollte dieser hören nicht? Gott ist Gott, der hört und siehet, Wo den Frommen Weh geschiehet. Seele, so bedenke Trostlieder. 401 doch: Lebt doch unser Herr⸗ Gott noch! 3. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Der den Erdenkreis verhüllet Mit den Wolken weit und breit, Der die ganze Welt erfüllet, Ist von uns nicht fern und weit. Wer Gott liebt, dem will er senden Hülf und Trost an allen Enden. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr⸗Gott noch! 4. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Bist du schwer mit Kreuz beladen, Nimm zu Gott nur deinen Lauf. Gott ist groß und reich von Gnaden, Hilft dem Schwachen gnädig auf. Got⸗ tes Gnade währet immer, Seine Treu vergehet nimmer. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr⸗Gott noch! 5. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Wenn dich deine Sünden kränken, Dein Verbrechen quält dich sehr: Komm zu Gott, er wird versenken Deine Sünden in das Meer. Mitten in der Angst der Höllen Kann er dich zufrieden stellen. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr⸗Gott noch! 6. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Will dich alle Welt verlassen, Weißt du weder aus noch ein: Gott wird dennoch dich umfassen Und im Leiden bei dir sein. Gott ists, der es herzlich mei⸗ net, Wo die Noth am größten 26 ——?c—i⸗ Unriis/ 2 * +* 2 — . * 42 — *. ** —.—7 —— Ire Ru 40² scheinet. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr⸗ Gott noch! 7. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Laß den Himmel sammt der Er⸗ den Immerhin in Trümmern gehn, Laß die Höll entzündet werden, Laß den Feind erbit⸗ tert stehn, Laß den Tod, den Abgrund blitzen: Wer Gott traut, den will Gott schützen. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr⸗Gott noch! 8. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Mußt du schon geängstet wallen Auf der harten Dornenbahn: Es ist Gottes Wohlgefallen, Dich zu führen himmelan. Gott wird nach dem Jammerleben Friede, Freud und Wonne geben. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr⸗Gott noch! Joh. Friedr. Zihn, g. 1650, st. 1719. Mel. Der lieben Sonne Licht und ꝛc. 537. Frisch, frisch hin⸗ nach, mein Geist und Herz, Auf Jesu Dornenwegen! Be⸗ krieget mich hier Leid und Schmerz: Auf Siegen folget Segen. Nur fröhlich aufge⸗ faßt Die leichte Liebeslast! Das Leiden dieser kurzen Zeit Ist doch nicht werth der Herr⸗ lichkeit. 2. Du kennest, liebster Jesu, wohl Der Schultern Stärk, Vermögen; Du weißt schon, was ich tragen soll, Und was Kreuz⸗ und Trostlieder. du sollst auflegen. Leg auf, ich halte dir! Dein Will ge⸗ scheh in mir! Dein Will, an dem mein Wollen hangt, Das nichts, als was du willst, ver⸗ langt. 3. Du gingest selbst zu Eh⸗ ren ein Durch Schmerz, Ge⸗ duld und Leiden: Sollt ich nun, Jesu, besser sein Und hier in Rosen weiden? Der Himmelslilienglanz Wächst aus dem Dornenkranz. Dem, der den Rock des Kreuzes trägt, Wird dort der Purpur angelegt. 4. Wo blieb des Herzens Gartenpracht, Wenn Süd und Nord stets schliefen? Nur das bewölkte Wehen macht, Daß seine Würze triefen. Indes⸗ sen bleibest du Doch meine Sonn und Ruh, Die mich mit ihrem Licht ergötzt, Wenn mich des Kreuzes Sturm be⸗ netzt. 5. Denn du, mein Gott, bist Sonn und Schild Der Gläubigen auf Erden, Die deinem Kreuz und Marter⸗ bild Hier sollen ähnlich wer⸗ den, Eh sie die Herrlichkeit Mit ihrer Kron erfreut Und der Geduld die Palmen bringt, Die sie nach Sieg des Leidens schwingt. 6. Mein Herz kann diese Leidensehr, O Jesu, fast nicht fassen. So komm, du liebe Last, denn her! Wer will sein Wohlsein hassen? Mit Jesu hier gehöhnt: Mit Jesu dort gekrönt! Mit Jesu hier ans Kreuz gedrückt: Mit Jesu Freude dort erquickt! 7. Wohlan, so will ich in Geduld Nach deinem Willen leiden! Der Becher fließt von deiner Huld, Den du mir wirst bescheiden. Im Kreuz erblick ich schon Die mir ver⸗ heißne Kron. Du leuchtest in Geduld mir vor: Ich folg; es gilt zum Sternenthor. Wolfg Chr. Deßler, g. 1660, st. 1722. Matth. 6, 24—34. Mel. Warum sollt ich mich denn ꝛc. 538. Warum willst du doch für morgen, Armes Herz, Immerwärts Als ein Heide sorgen? Wozu dient dein täglich Grämen, Weil Gott will In der Still Sich der Noth annehmen. 2. Gott hat dir geschenkt das Leben, Seel und Leib; Darum bleib Ihm allein er⸗ geben. Er wird ferner alles schenken. Traue fest, Er ver⸗ leb Nicht, die an ihn den⸗ len 3. Sage nicht: Was soll ich essen? Gott hat dir Schon allhier So viel zugemessen, Daß der Leib sich kann ernäh⸗ ren; Uebriges Wird indeß Gottes Hand bescheren. 4. Es ist mehr, als Trank und Speisen, Dieser Leib; Darum gläub, Daß Gott wird erweisen, Daß er Speis und Trank kann geben Dem, der sich Festiglich Ihm ergiebt im Leben. Kreuz⸗ und Trostlieder. — drmmt ,...—...—....—..— 403 5. Sorgst du, wie du dich sollst kleiden? Jesus spricht: Sorge nicht! Solches thun die Heiden. Schau die Blu⸗ men auf den Feldern, Wie so schön Diese stehn, Und die Bäum in Wäldern. 6. Sorgt ein Vogel auf den Zweigen, Wenn er singt, Hüpft und springt, Wer ihm soll anzeigen, Was er essen soll und trinken? Nein, ach nein: Er allein Folgt des Himmels Winken. 7. Ach der Glaube fehlt auf Erden! Wär er da, Müßt uns ja, Was uns noth ist, werden. Wer Gott kann im Glauben fassen, Der wird nicht, Wenns gebricht, Von ihm sein verlassen. 8. Wer Gerechtigkeit nach⸗ trachtet Und zugleich Gottes Reich Ueber alles achtet, Der wird wahrlich nach Verlan⸗ gen Speis und Trank Le⸗ benslang Wie im Schlaf empfangen. 9. Laß die Welt denn sich bemühen Immerhin! Ach mein Sinn Soll zu Jesu fliehen. Er wird geben, was mir fehlet; Ob ers oft Un⸗ verhofft Eine Weil verhehlet. 10. Will er prüfen meinen Glauben, Und die Gab, Die ich hab, Mir gar lassen rau⸗ ben: So muß mir zum Besten kommen, Wenn Gott mir Alles schier Hat hinwegge⸗ nommen. 11. Er kann alles wieder⸗ geben. Wenn er nimmt, So 40⁴ Kreuz⸗ und bestimmt Er sein Wort zum Leben. Ach wie viele fromme Seelen Leben so Und sind len Ohne Sorg und Quä⸗ en 12. Sie befehlen Gott die Sorgen, Wie er will, Und sind still Immer im Ver⸗ borgen. Was Gott will, ist ihr Vergnügen, Und wies er Ungefähr Will mit ihnen fügen. 13. Doch kann ihnen nicht versagen Gott ihr Brod In der Noth, Wenn er hört ihr Klagen. Er kommt wahrlich sie zu trösten, Eh mans meint, Und erscheint, Wenn die Noth am größten. 14. Ihre Sorg ist für die Seelen, Und ihr Lauf Geht hinauf Zu den Felsenhöhlen, Zu des Herren Jesu Wun⸗ den. Hier sind sie Aller Müh Und der Noth entbunden. 15. Nun, Herr Jesu, meine Freude, Meine Sonn, Meine Wonn, Meiner Seelen Wei⸗ de: Sorge nur für meine Seelen, So wird mir Auch En Nichts am Leibe feh⸗ en. 16. Alles sei dir unverho⸗ len, Was mir fehlt, Was mich quält, Großer Gott befohlen. Sorge du, so will ich schwei⸗ gen Und vor dir Nach Gebühr Meine Kniee beugen. 17. Ich will dir mit Freu⸗ D den danken Fort und fort, Hier und dort, Und will nim⸗ mer wanken. Lob und Preis sei deinem Namen! Sei mein Trostlieder. Theil Hülf und Heil, Lieb⸗ ster Jesu! Amen! Laurentius Laurentii, g. 1660, st. 1722. 539. Gott wills machen, Daß die Sachen Gehen, wie es heilsam ist. Laß die Wellen Sich verstellen, Wenn du nur bei Jesu bist. 2. Wer sich kränket, Weil er denket, Jesus liege in dem Schlaf, Wird mit Klagen Nur sich plagen, Daß der Unglaub leide Straf. 3. Du Verächter, Gott, dein Wächter, Schläfet ja, noch schlummert nicht. Zu den Hö⸗ hen Aufzusehen, Wäre deine Glaubenspflicht. 4. Im Verweilen Und im Eilen Bleibt er stets dein Vaterherz. Laß dein Weinen Bitter scheinen: Dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz. 5. Glaub nur feste, Daß das Beste Ueber dich beschlossen sei. Wenn dein Wille Nur ist stille, Wirst du von dem Kummer frei. 6. Laß dir süße Sein die Küsse, Die dir Jesu Ruthe giebt. Der sie führet Und re⸗ gieret, Hat nie ohne Frucht betrübt. 7. Willst du wanken In Gedanken, Faß dich in Ge⸗ lassenheit. Laß den sorgen, er auch morgen Herr ist über Leid und Freud. 8. Gottes Hände Sind ohn Ende, Sein Vermögen hat kein Ziel. Ists beschwerlich, Scheints gefährlich: Deinem Gott ist nichts zu viel. 9. Seine Wunder Sind der Zunder, Da der Glaube Fun⸗ ken fängt. Alle Thaten Sind gerathen Jedesmal, wie ers verhängt. 10. Wenn die Stunden Sich gefunden, Bricht die Hülf mit Macht herein; Und dein Grämen Zu beschämen, Wird es unversehens sein. 11. Eignen Willen Zu er⸗ füllen, Leidets sich noch ziem⸗ lich wohl. Da ist Plage, Noth und Klage, Wo man leiden muß und soll. 12. Drum wohl denen, Die sich sehnen Nach der stillen Willensruh! Auf das Wol⸗ len Fällt dem Sollen Die Vollbringungskraft bald zu. 13. Mehr zu preisen Sind die Weisen, Die schon in der Uebung stehn, Die das Lei⸗ den Und die Freuden Nur mit Hiobs Aug ansehn. 14. Nun so trage Deine Plage Fein getrost und mit Geduld. Wer das Leiden Will vermeiden, Häufet seine Sündenschuld. 15. Die da weichen Und das Zeichen Ihres Bräutigams verschmähn, Müssen laufen Zu den Haufen, Die zur lin⸗ ken Seite stehn. 16. Aber denen, Die mit Thränen Küssen ihres Jesu Joch, Wird die Krone Auf dem Throne Ihres Heilands werden noch. Kreuz⸗ und Trostlieder. 17. Amen! Amen! In dem Namen Meines Jesu halt ich still. Es geschehe Und ergehe, Wie und wann und was er will. Joh. Dan. Herrnschmidt, g. 1675, st. 1723. Mel. Was Gott thut, das ist ꝛe. 540. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Drum laß dichs nicht betrüben, Wenn Gott versucht mit Kreuz und Pein Die Kin⸗ der, die ihn lieben. Je lie⸗ ber Kind, Je ernster sind Des frommen Vaters Schlä⸗ ge. Schau, das sind Gottes Wege! 2. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Gott wills nicht anders haben. Auch die⸗ ses Lebens Noth und Pein Sind deines Vaters Gaben. Solls denn so sein, So geh es ein. Es kommt von Lie⸗ beshänden; Gott wird nichts Böses senden. 3. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Das Kreuz lehrt fleißig beten, Zieht ab vom eitlen Trug und Schein Und lehrt zu Jesu treten. Drum wirfs nicht hin Mit sprödem Sinn, Wenns nun zu dir gekommen; Es soll der Seele frommen. 4. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Das muß uns immer wecken; Wir schliefen sonst in Sünden ein. Wie müßten wir erschrecken, Wenn unbereit Die Ewigkeit + * 406 Kreuz⸗ und Trostlieder. Und der Posaunen Schallen Uns würde überfallen! 5. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Es lehrt die Sünde hassen Und unsern lieben Gott allein Mit rech⸗ ter Lieb umfassen. Die Welt vergeht, Und Gott besteht. Bedenks und laß dich üben, Das ewge Gut zu lieben. 6. Auch ich will ohne Kreuz nicht sein. Was Gott schickt, will ich tragen. Schickts doch der liebste Vater mein, Sinds doch nur kurze Plagen Und wohlgemeint! Wer gläubig weint, Lebt dort in steten Freuden. Ich will mit Christo leiden. Dav. Nerreter, g. 1640, st. 1726 Pf. 62. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 511. Was von außen und von innen Täglich meine Seele drückt Und hält Herz, Gemüth und Sinnen Unter seiner Last gebückt: In dem allen ist dein Wille, Gott, der aller Unruh wehrt; Und mein Herz hält in der Stille, Bis es deine Hülf erfährt. 2. Denn du bist mein Fels auf Erden, Da ich still und sicher leb. Deine Hülfe muß mir werden, So ich mich dir übergeb. Dein Schutz ist mein Trutz alleine Gegen Sünde, Noth und Tod; Denn mein Leiden ist das deine, Weil ich dein bin, o mein Gott. — w— ttt...s.ssscdsscs 4J— D...... 3. Auf dich harr ich, wenn das Leiden Nicht so bald zum Ende eilt. Dich und mich kanns nimmer scheiden, Wenns gleich noch so lang verweilt. Und auch dies mein gläubges Hoffen Hab ich nur allein von dir; Durch dich steht mein Herz dir offen, Daß du solches schaffst in mir. 4. Bei dir ist mein Heil und Ehre, Meine starke Zuver⸗ sicht. Willst du, daß die Noth sich mehre, Weiß ich doch, du läßt mich nicht. Meint der Feind mich zu erreichen Und zu werfen unter sich, Will ich auf den Felsen weichen; Der wirft alles unter mich. 5. Lieben Leute, traut be⸗ ständig Auf ihn, als auf euern Hort. Er ist Gott und heißt lebendig, Ist euch nah an je⸗ dem Ort. Wann und wo euch Hülfe nöthig, Da klopft an; er ist zu Haus, Kommt und ist zur Hülf erbötig; Schütt das Herz nur vor ihm aus. 6. Aber wie kanns dem ge⸗ lingen, Der auf Fleisch sein Hoffnung richt? Große Leut sind sammt Geringen In der Noth gar ohn Gewicht. Traut doch lieber auf den Einen, Welcher Lieb und Allmacht hat, Daß er helfen kann den Seinen Und beweisets mit der That. 7. Auf dich, mein Gott, bau ich feste, Geh in aller Stille hin; Denn zuletzt kommt doch das Beste Und das End ist .Ii.-D.•....—..—.——.—.—.—...—.—.—.—..—....'?.́ꝗ3W—— — Kreuz⸗ und Trostlieder. 407 mein Gewinn. Deine All⸗ macht hilft mir tragen, Deine Lieb versüßet mir Alles Bit⸗ tre, alle Plagen; Darum bin ich still zu dir. 8. Laß, o Seele, es nur ge⸗ hen, Wie es geht, und sorge nicht. Endlich wirst du den⸗ noch sehen, Daß Gott übt ein recht Gericht. Jetzo ist er deine Stärke, Daß dir gar nichts schaden kann; Dort vergilt er alle Werke, So ein jeder hat gethan. 9. Breit, o Herr, doch deine Güte Ueber mich, nimm mich in dich, So wird hinfort mein Gemüthe Stille bleiben ewig⸗ lich. Werde alles und in al⸗ len, Gieb uns, daß wir dir allein Allzeit trachten zu ge⸗ fallen, So wird alles stille sein. Aug. Herm. Francke, g. 1663, st. 1727. Mel. Nun freut euch, lieben Christen gmein. 542. Wie Gott mich führt, so will ich gehn Ohn alles Eigenwählen. Geschieht, was er mir ausersehn, Wird mirs an keinem fehlen. Wie er mich führt, so geh ich mit Und folge willig Schritt vor Schritt In kindlichem Ver⸗ trauen. 2. Wie Gott mich führt, so bin ich still Und folge seinem Leiten, Obgleich im Fleisch der Eigenwill Will öfters wi⸗ derstreiten. Wie Gott mich führt, bin ich bereit, In Zeit und auch in Ewigkeit Stets seinen Schluß zu ehren. 3. Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt; Ich ruh in sei⸗ nen Händen. Wie er es schickt und mit mir fügt, Wie ers will kehrn und wenden, Sei ihm hiermit ganz heimge⸗ stellt; Er mache, wie es ihm gefällt, Zum Leben, oder Sterben. 4. Wie Gott mich führt, so geb ich mich In seinen Vater⸗ willen. Scheints der Vernunft gleich wunderlich, Sein Rath wird doch erfüllen, Was er in Liebe hat bedacht, Eh er mich an das Licht gebracht: Ich bin ja nicht mein eigen. 5. Wie Gott mich führt, so bleib ich treu Im Glauben, Hoffen, Leiden. Steht er mit seiner Kraft mir bei, Was will mich von ihm scheiden? Ich fasse in Geduld mich fest. Was Gott mir widerfahren läßt, Muß mir zum Besten dienen. 6. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, Es geh durch Dorn und Hecken. Kann ichs auch anfangs nicht verstehn, Zuletzt wird er aufdecken, Wie er nach seinem Vaterrath Mich treu und wohl geführet hat. Dies sei mein Glaubens⸗ anker. Lambert Gedicke, g. 1683 st. 1785. Mel. Jesus meine Zuversicht. 543. Endlich, endlich muß es doch Mit der Noth ein Ende nehmen. Endlich bricht das harte Joch, Endlich schwindet Angst und Grämen, — 8— *. .— — — ———— 408 Endlich wird der Sorgen⸗ nen, Die müde Seele wird stein Doch einmal gehoben im Frieden ruhn. Hier wird sein. mein Geist durch manche Last 2. Endlich bricht man Rosen gedrückt: Dort aber ohne ab, Endlich kommt man durch Ende sanft erquickt. die Wüsten. Endlich kann der 3. Mein täglich Kreuz sind Wanderstab Sich zum Vater⸗meine Sünden, Darunter ich hause rüsten. Endlich bringt oft klagend seufzen muß: Wer die Thränensaat, Was die wird mich Elenden entbin⸗ Freudenernte hat. den, Und wer befreiet den 3. Endlich sieht man Canaan umstrickten Fuß! Dort ist Nach Aegpptens Diensthaus die Sünde völlig abgelegt, liegen. Endlich trifft man Wo sich auch keine böse Lust Tabor an, Wenn der Oelberg mehr regt. überstiegen. Endlich zieht ein 4. Mich will der Tod zu⸗ Jacob ein, Wo kein Esau mehr weilen schrecken; Der letzte wird sein. Kampf, der letzte Fersenstich 4. Eudlich! O du schönes Will mir noch manche Furcht Wortl Du kannst alles Kreuz erwecken; Doch Christi Kampf versüßen. Wenn der Felsen und Blutschweiß stärket mich. ist durchbohrt, Läßt er endlich Dortiist auch dieser letzte Feind Wasser fließen. Ei, mein Herz, besiegt, Wenn er einst unter drum merke dies: Endlich, meinen Füßen liegt. endlich kommt gewiß. 5. Ich muß in Kedars Hüt⸗ Beni. Schmolk, g. 1672, f. 1737. ten wandeln Und unter Mesech noch ein Fremdling sein; Die Mel. Dir, dir, Jehovah, will ich Welt schenkt durch ihr Thun singen. und Handeln Mir manchen 5AA. Ein Blick nach Wermuthsbecher hier noch jenen Zionshöhen Verfüßt ein: Dort wird der alten mir alle Leiden dieser Zeit. Welt nicht mehr gedacht; Wie wird mir da so wohl Gott spricht: Ich habe alles geschehen Nach allem hier be⸗neu gemacht. standnen Kampf und Streit! 6. Mein Geist sehnt sich nach Wie süß wird Hoch nach jenem Tage Und wartet auf Ungemach und Pein Die die frohe Ewigkeit; Und da 511 verheißne ewge Ruhe ich diesen Leib noch trage, So sein! schickt er sich zu der Erlösungs⸗ 2. Hier muß ich in dem Thal zeit, Bis mich mein Heiland der Thränen Noch manche zu sich kommen heißt Und sorgenvolle Tritte thun: Dort aller Last der argen Welt endet sich mein banges Seh⸗ entreißt. Kreuz⸗ und Trostlieder. Kreuz⸗ und Trostlieder. 7. Soll ich indeß auf dieser Erden Auch noch durch manche rauhe Wege gehn, So bleibt in Trübsal und Beschwerden Mein Herz dennoch auf diesem Grunde stehn: Nichts schadet mir, was meines VatersHand Von Leiden mir nur jemals zuerkannt. 8. Ich bin ein Thon in sei⸗ nen Händen Und halte seiner treuen Führung still. Er mag mich drehen, werfen, wenden, So oft und wundersam er immer will; Ja, wenn er sein Gefäß auch gar zerbricht: Verwirft er mich nur nicht, so schadets nicht. 9. Bei allen neuen Leidens⸗ proben Sieht doch mein Auge ihn stets kindlich an. Ich will ihn lieben und auch loben Für alles, was er nur an mir gethan. Bin ich ja blind, die Wege einzusehn, So will ich mit verbundnen Augen gehn. 10. In Hoffnung seh ich doch das Erbe Und freue mich auf jene Herrlichkeit: Und wenn ich endlich selig sterbe, So enden sich die Leiden die⸗ ser Zeit. Wie wohl wird mir die Ewigkeit doch thun! Wie wohl wird sichs dort nach der Arbeit ruhn! Joh. Dan Hense, st, 1753. Mel. Jesu, meine Freude. 545. Weicht, ihr fin⸗ stern Sorgen! Denn auf heut und morgen Sorgt ein andrer Mann. Laßt mich nun mit 409 Frieden! Dem hab ichs be⸗ schieden, Der es besser kann. Schreit die Welt gleich im⸗ mer: Geld! Ich will Hosianna schreien, Glauben und mich freuen. 2. Gott hat zu bezahlen. Das ist ohne Prahlen Mein gewisser Schatz. Alles fällt vom Himmel, Sorgendem Gewimmel Geb ich keinen Platz. Sonnenschein und Fröh⸗ lichsein, Milder Thau und kühler Regen Ist des Him⸗ mels Segen. 3. Hab ich keinen Heller, Weder Brod, noch Teller, Weder Dach, noch Fach; Rei⸗ ßen meine Kleider, Sagen andre: Leider! Schreien Weh und Ach: Sing ich doch und glaube noch. Ich will ruhen, trinken, speisen Und den Va⸗ ter preisen. 4. Der die Haare zählet, Dem kein Sperling fehlet, Der die Raben speist: Der hat mich geschaffen, Der be⸗ darf kein Schlafen, Der ist nicht verreist. Der den Sohn so lange schon Für mein Heil dahin gegeben, Der ist noch am Leben. 5. Mir den Erben schenken Und sich doch bedenken, Wenns an Brode fehlt: Das ist ohne Zweifel Ein Gedicht vom Teufel, Der die Herzen quält. Bösewicht, begreifst dus nichtd Der sein Kind nicht abgeschla⸗ gen, Was wird der versagen? 6. Der die Seele speiset Und ihr mehr erweiset, Als 2 — — *+ —— * 888*— 410 Kreuz⸗ und Trostlieder. den Werth der Welt; Der mir Leib und Leben Wunder⸗ bar gegeben, Wunderbar er⸗ hält; Der es kann und ders gethan, Diesen traget erst zu Grabe, Eh ich Mangel habe. 7. Wenn ich ihn erkenne Und ihn Abba nenne, Wie sein Geist mich lehrt, So bin ich, Der Sünder, In der Zahl der Kinder, Die er bitten hört. Mein Gebet wird nicht ver⸗ schmäht. Vater heißen, Kin⸗ ben haben, Das erfordert Ga⸗ en. 8. Bin ich werth geachtet, Daß man den geschlachtet, Der mein Bürge war; Zählt sein heißes Bluten Unschätz⸗ bare Fluten Mir zur Lösung dar: Giebt er sich zum Flu für mich: O so gelt ich ohne Kronen Mehr als Millionen. 9. Der für mich gefastet. Selten recht gerastet, Oft mit Kummer aß; Der sich arm gegeben Und im ganzen Leben Eignes nicht besaß: Gottes Lamm, Mein Bräutigam, Untersagt mir alle Sorgen. Er sorgt heut und morgen. 10. Er hat mich erkaufet, Durch sein Blut getaufet Und zu sich bekehrt. Ach wie hat sein Lieben Ihn nach mir getrieben, Bis ich ihn ge⸗ hört! Sollt er nun so lieblos thun? Sollt er eins von sei⸗ nen Schafen Mit Verhungern strafend 11. Nein, er wird mich klei⸗ den, Speisen, tränken, weiden, Mein Versorger sein. Steht er gleich von ferne: Wenn ich warten lerne, Kehrt er bei mir ein. Ist es leer, so giebt er her; Und nach überstand⸗ nen Proben Werd ich fröhlich loben. 12. Nun, so weicht, ihr Sor⸗ gen! Denn auf heut und mor⸗ gen Sorgt ein andrer Mann. Ich will ruhig bleiben, Meine Arbeit treiben, Wie ich im⸗ mer kann. Christi Blut stärkt meinen Muth Und läßt mich in Noth und Plagen Nimmer⸗ mehr verzagen. E. G. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund ꝛc. 546. Umschließ mich ganz mit deinem Frieden, Mein treu erkannter Seelen⸗ freund. Halt mich von allem abgeschieden, Was du nicht bist, was dich nicht meint. Ich wünsche mir kein andres Leben, Als das dein Sterben mir gegeben, Und du am Kreuz erworben hast. Drum beug all meinen Eigenwillen, Daß er sich göttlich möge stil⸗ len Bei deines Kreuzes leich⸗ ter Last. 2. Mein König, laß mich nichts vertreiben Aus dieser Burg, die Friede heißt. O laß mirs ewig theuer bleiben, Daß du stets bei den Deinen seist! Kein Heil ist hiermit zu vergleichen; Vernunft, die kann es nicht erreichen, Weils über alles Denken ist. Nur durch des Geistes sanftes We⸗ hen Kann ich etwas davon rE E:- HE:/-E& S?909n Kreuz⸗ und verstehen, Daß du mein ew⸗ ger Friede bist. 3. In dieser Fassung laß mich bleiben, So lang mein Blut in Adern schlägt. Dies laß mich denken, lieben, trei⸗ ben, So lang mich deine Gna⸗ de trägt. Bewahre du selbst Herz und Sinnen; Laß all mein Denken und Beginnen Ein Zeugniß deines Friedens sein. Komm, all dein Wesen in mich lege! Komm, für die Ewigkeiten präge Mir deines Lebens Bildniß ein! Trostlieder. 411 4. Hallelujah! Es sei gewa⸗ get, Durch Noth und Tod dir nachzugehn! Ich folge, Herr, dir unverzaget Mit unabläs⸗ sig heißem Flehn. Ich nehme deines Kreuzes Bürde Und die damit verbundne Würde Und lehne mich auf dich, mein Freund, Ich weiß, du trägst mich durchs Gedränge Mit aller meiner Lasten Menge, Bis mir dein Antlitz einst er⸗ scheint. Gottfr. Clemens, g. 1706, st. 1776. In großer und gemeinsamer Noth. Die Litanei. 5617. Kyrie eleison! Christe, eleison! Kyrie, eleison! Christe, erhöre uns! Herr Gott, Vater im Himmel, Erbarm dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, Er barm dich über uns! Herr Gott, heiliger Geist, Erbarm dich über uns! Sei uns gnädig! Verschon uns, lieber Herre Gott! Sei uns gnä⸗ dig! Hilf uns, lieber Herre Gott! Vor allen Sünden, Vor allem Irr⸗ thum, Vor allem Uebel, Vor des Teufels Trug und List, Vor bösem, schnellem Tod, Vor Pestilenz und theurer Zeit, Vor Krieg und Blut⸗ vergießen, Vor Aufruhr und Zwietracht, Vor Feur und Wassersnoth, Vor Hagel und Ungewitter, Vor dem ewigen Tod Behüt uns, lieber Herre Gott! Durch deine heilige Geburt, Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, Durch dein Kreuz und Tod, Durch dein heiliges Auferstehn und Himmelfahrt, In unserer letzten Noth, Am jüngsten Gericht Hilf uns, lieber Herre Gott! Wir armen Sünder bitten, Du wollest uns erhören, lieber Herre Gott! Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen, Alle Bischöfe, Pfarrherren und Kirchendiener im heilsamen Wort und heiligen Leben er⸗ halten, Allen Rotten und Aergernissen wehren, Alle Irrige und Verführte wieder⸗ bringen, Den Satan unter * ö— * * 28 * 5 * * * 7 41² unsre Füße treten, Treue Arbeiter in deine Ernte sen⸗ den, Deinen Geist und Kraft zum Worte geben, Allen Be⸗ trübten und Blöden helfen und sie trösten, Erhör uns, lieber Herre Gott! Allen christlichen Königen und Für⸗ sten Fried und Eintracht ge⸗ ben, Unserm König steten Sieg wider deine Feinde gönnen, Unsern Landesherrn mit allen seinen Gewaltigen leiten und schützen, Unsern Rath, Schul und Gemeine segnen und behüten, Erhör uns, lieber Herre Gott! Allen, so in Noth und Ge⸗ fahr sind, mit Hülf erscheinen, Allen Schwangern und Säu⸗ gern fröhliche Frucht und Ge⸗ deihen geben, Aller Kinder und Kranken pflegen und warten, Alle unschuldig Ge⸗ fangene los und ledig lassen, Alle Witwen und Waisen vertheidigen und versorgen, Aller Menschen dich erbarmen, Unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und sie bekehren, Die Früchte auf dem Lande segnen und be⸗ wahren Und uns gnädiglich erhören! Erhör uns, lie⸗ ber Herre Gott! O Jesu Christe, Gottes Sohn, Er⸗ hör uns, lieber Herre Gott! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, Erbarm dich über uns! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, Erbarm dich über uns! O du Got⸗ Kreuz⸗ und Trostlieder. teslamm, das der Welt Sün⸗ de trägt, Verleih uns ste⸗ ten Friedl! Christe, erhöre uns! Kyrie, eleison! Chri⸗ ste, eleison! Kyrie eleison! Amen! Von Martin Luther aus dem Lateinischen am 13. März 1529 übersetzt. 2 Chron. 20, 12. Mel. Erhalt uns, Herr, bei ꝛc. 548. Wenn wir in höchsten Nöthen sein Und wis⸗ sen, nicht, wo aus, noch ein, Und finden weder Hülf, noch Rath: Ob wir gleich sorgen früh und spat: 2. So ist dies unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Dich anrufen, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Noth; 3. Und heben unser Aug und Herz Zu dir in wahrer Reu und Schmerz Und suchn der Sünden Vergebung Und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnä⸗ diglich Allen, die darum bit⸗ ten dich Im Namen deins Sohns Jesu Christ, Der un⸗ ser Heil und Fürsprech ist. 5. Drum kommen wir, o Herre Gott, Und klagen dir all unser Noth, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unser Sünden groß, Sprich uns derselbn aus Gnaden los; Steh uns in unserm Elend bei, Mach uns von allen Plagen frei; — V Ss R& – ESE S- 7. Auf daß von Herzen können wir Nachmals mit Freuden danken dir, Gehor⸗ sam sein nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. Paul Eber, g. 1511, st. 1569. Mel. Vater unser im Himmelreich. 549. Nimm von uns, Herr, du treuer Gott, Die schwere Straf und große Noth, Die wir mit Sünden ohne Zahl Verdienet haben allzu⸗ mal! Behüt vor Krieg und theurer Zeit, Vor Seuchen, Feur und großem Leid! 2. Erbarm dich deiner bö⸗ sen Knecht! Wir bitten Gnad und nicht das Recht; Denn so du, Herr, den rechten Lohn Uns geben wollst nach unserm Thun, So müßt die ganze Welt vergehn, Und könnt kein Mensch vor dir bestehn. 3. Ach Herr Gott, durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein! Be⸗ weis an uns dein große Gnad Und straf uns nicht nach un⸗ srer That. Wohn uns mit deiner Güte bei; Dein Zorn und Grimm fern von uns sei. 4. Gedenk an deins Sohns bittern Tod; Sieh an sein heilgen Wunden roth! Die sind ja für die ganze Welt Die Zahlung und das Löse⸗ geld. Deß trösten wir uns allezeit Und hoffen auf Barm⸗ herzigkeit. 5. Leit uns mit deiner rech⸗ In großer und gemeinsamer Noth. 413 ten Hand Und segne gnädig Stadt und Land. Gieb uns allzeit dein heilig Wort; Be⸗ hüt vor Teufels List und Mord. Bescher ein selig Stündelein, Auf daß wir ewig bei dir sein. Martin Moller, g. 1547, st. 1606. Mel. Singen wir aus Herzens⸗ grund. 550. Treuer Wächter Israel, Deß sich freuet Leib und Seel, Der du weißest al⸗ les Leid Deiner armen Chri⸗ stenheit, O du Wächter, der du nicht Schläfst noch schlum⸗ merst: zu uns richt Dein hülf⸗ reiches Angesicht! 2. Schau, wie große Noth und Qual Trifft dein Volk jetzt überall! Täglich wird der Trübsal mehr. Hilf, ach hilf; schütz deine Ehr! Wir verderben, wir vergehn! Nichts wir sonst vor Augen sehn, Wo du nicht bei uns wirst stehn. 3.Hoherpriester JesuChrist, Der du eingegangen bist In den heilgen Ort zu Gott Durch dein Kreuz und bittern Tod, Uns versöhnt mit deinem Blut, Ausgelöscht der Höllen Glut, Wiederbracht das höch⸗ ste Gut; 4. Sitzest jetzt in Vaters Reich, Ihm an Macht und Ehren gleich: Unser einger Gnadenthron, Gottes aller⸗ liebster Sohn, Den er in dem Herzen trägt, Dessen Fürbitt ihn bewegt, Daß er keine Bitt abschlägt: 41⁴ Kreuz⸗ und Trostlieder. 5. Kläglich schreien wir zu dir, Klopfen an die Gnaden⸗ thür, Als die du mit höchstem Ruhm Hast erkauft zum Ei⸗ genthum. Herr, wir sind nach dir genennt! Deines Vaters Zorn abwend, Der jetzt wie ein Feuer brennt. 6. Deine Wunden, die so roth, Halt ihn vor sammt deinem Tod, Und was du hast mehr gethan, Zeig ihm unsert⸗ wegen an. Sage, daß du un⸗ ser Schuld Hast bezahlet in Geduld, Uns erlanget Gnad und Huld. 7. Jesu, der du Jesus heißt, Als ein Jesus Hülfe leist. Hilf mit deiner starken Hand; Menschenhülf hat sich ge⸗ wandt. Eine Mauer um uns bau, Daß dem Feinde davor grau, Er mit Zittern sie an⸗ schau. 8. Höchster Hort, Imma⸗ nuel, Du Beschützer Leibs und Seel, Gott mit uns in aller Noth, Um uns und auch in uns Gott, Gott für uns zu aller Zeit: Trotz dem, der uns thut ein Leid. Gottes Straf ist ihm bereit. 9. Deines Vaters starker Arm, Komm und unser dich erbarm! Laß jetzt sehen deine Macht, Drauf wir hoffen Tag und Nacht! Aller Feinde Rot⸗ ten trenn, Daß dich alle Welt erkenn, Aller Herren Herrn dich nenn. 10. Andre traun auf ihre Kraft, Auf ihr Glück und Ritterschaft: Deine Christen traun auf dich; Wir auch trauen festiglich. Laß uns werden nicht zu Schand! Hilf uns und dem ganzen Land! Unsre Noth ist dir bekannt. 11. Gürte dein Schwert an die Seit, Als ein Held, Und für uns streit. Ach zerschmet⸗ tre deine Feind, Und die uns zuwider sind! Auf die Hälse tritt du ihn'n, Leg sie dir zum Schemel hin Und brich ihren stolzen Sinn! 12. Du bist ja der Held und Mann, Der den Kriegen steuern kann, Der da Spieß und Schwert zerbricht, Der die Bogen macht zunicht, Der die Wagen gar verbrennt Und der Menschen Herzen wendt, Daß der Krieg gewinnt ein End! 13. Jesu, wahrer Friede⸗ fürst, Der der Schlange hat zerknirscht Ihren Kopf durch seinen Tod, Frieden wieder⸗ bracht bei Gott: Gieb uns Frieden gnädiglich: So wird dein Volk freuen sich Und dich preisen ewiglich. Joh. Heermann, g. 1585, st. 1647. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 551. Wir liegen hier zu deinen Füßen, Ach Herr, von großer Güt und Treu, Und fühlen leider im Ge⸗ wissen, Wie sehr dein Zorn entbrennet sei. Das Maß der Sünden ist erfüllt; Ach weh uns, wenn du strafen willtl —2.8 JIIN-———„ —22—.2—9.nHn“- S“hhn In Krankheit. 2. Du bist gerecht; wir lau⸗ ter Sünder. Wie wollen wir D vor dir bestehn? Wir sind die ungerathnen Kinder, Die Wege des Verderbens gehn, Die würdig, daß uns Pest und Schwert Und Hunger längstens aufgezehrt. 3. Doch, Vater, denk an deinen Namen, Gedenk an deinen lieben Sohn! Dein Wort ist immer Ja undAmen, Dein Eidschwur zeuget selbst davon: Du wollst den Tod des Sünders nicht: Drum geh mit uns nicht ins Ge⸗ richt. 4. Wir liegen vor dir in dem Staube, O Vater, mit zerknirschtem Geist. Uns trö⸗ stet ganz allein der Glaube, Daß du doch der Erbarmer seist. Du hast ja noch ein Vaterherz: So siehe denn auf unsern Schmerz. 5. Der Mittler selbst tritt in die Mitten: Ach schaue seine Wunden an! Schau das, was er für uns erlitten, Wodurch er dir schon gnug gethan! Wirst du nicht auf sein Opfer sehn, So müssen wir verlo⸗ ren gehn. 6. Das theure Blutvon dei⸗ nem Sohne Schreit für uns um Barmherzigkeit. Schau nieder von dem Gnadenthrone 41⁵ Und denke doch der alten Zeit, a du auch Gnad und Huld erzeigt, Dein Herz den Sün⸗ dern zugeneigt! 7. Ach laß die wohlver⸗ diente Strafe nicht über un⸗ sre Häupter gehn, Daß wir nicht als verlorne Schafe Von deiner Hut verlassen stehn! Ach sammle uns in deinen Schoß Und mach uns aller Plagen los! 8. Steck ein das Schwert, das uns sollt fressen; Den Würger laß vorüber gehn; Laß uns das Brod in Frie⸗ den essen; Laß keine solche Zeit entstehn, Die uns dein Wort so theuer macht, Daß unser Herz dabei verschmacht. 9. Gieb Fried im Land und im Gewissen, Gesunde Luft, wohlfeile Zeit, Und laß uns deinen Schutz genießen; Be⸗ fördre die Gerechtigkeit; Krön unser Feld mit deinem Gut; Nimm Kirch und Haus in deine Hut. 10. So wollen wir dir Opfer bringen Und dein nur sein mit Leib und Seel. Es soll dein Lob gen Himmel drin⸗ gen, Und dein erlöstes Israel Wird mit vereinten Stim⸗ men schrein: Der Herr soll mein Gott ewig sein! Benjam. Schmolk, g. 1672, st. 1787. In Krankheit. 552. Gott, den ich als Leidens Flut erregst, Daß Liebe kenne, Der du Krank⸗ ich davon hitz und brenne: heit auf mich legst Und des Brenne doch das Böse ab, — *—— . *** 416 Sterbelieder. Das den Geist bisher gehin⸗ dert, Das der Liebe Regung mindert, Die ich öfters von dir hab. 2. In der HenSan sei du kräftig, In den Schmer⸗ zen sei mir süß: Schaffe, daß ich dich genieß, Wenn die Krankheit streng und heftig. Denn was jetzt den Leib be⸗ wegt, Was mein Fleisch und Mark verzehret, Was den Körper jetzt beschweret, Hat die Liebe selbst erregt. 3. Leiden ist jetzt mein Ge⸗ schäfte; Andres kann ich jetzt nicht thun, Als nur in dem Leiden ruhn. Leiden müssen meine Kräfte, Leiden ist jetzt mein Gewinnst; Das ist jetzt des Vaters Wille, Den ver⸗ ehr ich sanft und stille; Lei⸗ den ist mein Gottesdienst. 4. Gott, ich nehms aus dei⸗ nen Händen Als ein Liebes⸗ zeichen an; Denn in solcher Leidensbahn Willst du mei⸗ nen Geist vollenden. Auch die Labung, die man mir Zu des Leibes Nothdurft giebet, Kommt von dir, der mich geliebet; Alles kommt, mein Gott, von dir. 5. Laß nur nicht den Geist ermüden Bei des Leibes Mat⸗ tigkeit, Daß er sich zu aller Zeit In dich senk in Lieb und Frieden. Laß des Leibes Angst und Schmerz Nicht der Seelen Auffahrt hindern Und die Ruhe in mir mindern; Unterstütze du das Herz. 6. Hilf mir, daß ich ganz bescheiden, Ganz in Ruh mit Freundlichkeit, Sanfte mit Gehorsamkeit Mög auf mei⸗ nem Bette leiden. Denn wer hier am Fleische leidt, Wird errettet von den Sünden, So den Körper oft entzünden, Und an seinem Geist erneut. 7. Dir empfehl ich nun mein Leben, Und dem Kreuze mei⸗ nen Leib. Gieb, daß ich mit Freuden bleib An dich völlig übergeben. Denn so weiß ich festiglich, IJch mag leben, oder sterben, Daß ich nicht mehr kann verderben; Denn die Liebe reinigt mich. Chr. Friedr. Richter, g. 1676, st. 1711. XXII. Sterbelieder. 553. Mitten wir im zürnet hat. Heiliger Herre Leben sind Mit dem Tod um⸗Gott, Heiliger, starker Gott, Hüse Wen suchn wir, der Heiliger, barmherziger Hei⸗ Hülfe thu, Daß wir Gnad land, Du ewiger Gott, Laß erlangen? Das bist du, Herr uns nicht versinken In des alleine. Uns reuet unser bittern Todes Noth! Kyrie⸗ Missethat, Die dich, Herr, er⸗ leison! *—„ —— ee. G . —— . 2 S&Æ&e- —— 742253 2 — 2. Mitten in dem Tod an⸗ ficht Uns der Höllen Rachen. Wer will uns aus solcher Noth Frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine. Es jammert dein Barmher⸗ zigkeit Unser Sünd und gro⸗ ßes Leid. Heiliger Herre Gott, Heiliger, starker Gott, Heiliger, barmherziger Hei⸗ land, Du ewiger Gott, Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Höllen Glut! Kyrie⸗ leison! 3. Mitten in der Höllen Angst Unser Sünd uns trei⸗ ben. Wo solln wir denn flie⸗ hen hin, Da wir mögen blei⸗ ben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein theures Blut, Das gnug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott, Heiliger, starker Gott, Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glaubens Trost! Kyrieleison! Martin Luther, g. 1483, st. 1546; nach: Media vita in morte sumus, von Notker Balbulus, st. 912. 55ʃ1. O Welt, ich muß dich lassen! Ich fahr dahin mein Straßen Ins ewge Va⸗ terland. Mein Geist will ich aufgeben, Dazu mein Leib und Leben Setzen in Gottes 9 Hand. 2. Mein Zeit ist nun voll⸗ endet, Der Tod das Leben endet, Sterben ist mein Ge⸗ winn. Kein Bleiben ist auf Sterbelieder. 417 Erden, Das Ewge muß mir werden; Mit Fried und Freud ich fahr dahin. 3. Ob mich gleich hat be⸗ trogen Die Welt, von Gott gezogen Durch Schand und Büberei: Will ich doch nicht verzagen, Sondern mit Glau⸗ ben sagen, Daß mir mein Sünd vergeben sei. 4. Auf Gott steht mein Vertrauen, Sein Antlitz will ich schauen Wahrlich durch Jesum Christ, Der für mich ist gestorben, Des Vaters Huld erworben; Mein Mitt-— ler er auch worden ist. 5. Die Sünd mag mir nicht schaden, Erlöst bin ich aus Gnaden, Umsonst, durch Christi Blut. Kein Werk kommt mir zu frommen: So will ich zu ihm kommen Allein durch wahren Glauben gut. 6. Ich bin ein unnütz Knechte; Mein Thun ist viel zu schlechte, Denn daß ich ihm bezahl Damit das ewge Le⸗ ben; Umsonst will er mirs geben, Und nicht nach meinm Verdienst und Wahl. 7. Drauf will ich fröhlich sterben, Das Himmelreich er⸗ erben, Wie er mirs hat be⸗ reit. Hie mag ich nicht mehr bleiben, Der Tod thut mich vertreiben; Mein Seele sich vom Leibe scheidt. 8. Damit fahr ich von hin⸗ nen. O Welt, thu dich besin⸗ nen; Denn du mußt auch hernach! Thu dich zu Gott bekehren Und von ihm Gnad 27 418 begehren; Im Glauben sei du auch nicht schwach. 9. Die Zeit ist schon vor⸗ handen. Hör auf von Sünd und Schanden Und richt dich auf die Bahn Mit Beten und mit Wachen. Laß fahrn all irdschen Sachen Und fang ein göttlich Leben an. 10. Das schenk ich dir am Ende. Ade! Zu Gott mich wende, Zu ihm steht mein Begehr. Hüt dich vor Pein und Schmerzen; Nimm mein Abschied zu Herzen. Meins Bleibens ist jetzt hie nicht mehr. Joh. Hesse, g. 1490, st. 1547. Mel. Wenn mein Stündlein vor⸗ handen ist. 555. O Mensch, be⸗ denk zu dieser Frist, Was dein Ruhm ist auf Erden; Denn nicht allhie dein Blei⸗ ben ist: Du mußt zur Leiche werden. Es ist dein Leben wie ein Heu Und fleucht da⸗ hin, gleichwie die Spreu, Welche der Wind verjaget. 2. Gedenk, du bist hier nur ein Gast Und kannst nicht länger bleiben. Die Zeit läßt dir nicht Ruh noch Rast, Bis sie dich thut vertreiben. So eile zu dem Vaterland, Das dir hat Christus zugewandt Durch sein heiliges Leiden. 3. D aselbst wird rechte Bürgerschaft Den Gläubigen gegeben, Dazu der Engel Brüderschaft, Ein gar herr⸗ Sterbelieder. liches Leben, Mit solcher Wonne, Freud und Lust, Die auch kein Mensch hier hat gekost, Noch nie kein Herz erfahren. 4. Nun laßt uns wachen alle Stund Und dies gar wohl betrachten. Die Lust der Welt geht gar zu Grund; Die sollen wir verachten Und warten auf das höchste Gut, Das ewig uns erfreuen thut. Das helf unsChristus! Amen. Joh. Hesse, g. 1490, st. 1547. 556. Wenn mein Stünd⸗ lein vorhanden ist, Und soll hinfahrn mein Straße, So gleit du mich, Herr Jesu Christ, Mit Hülf mich nicht verlasse. Mein Seel an mei⸗ nem letzten End Befehl ich, Herr, in deine Händ; Du wollst sie mir bewahren. 2. Mein Sünd mich werden kränken sehr, Mein Gwissen wird mich nagen; Denn ihr sind viel, wie Sand am Meer; Doch will ich nicht verzagen. Gedenken will ich an dein Tod, Herr Jesu, und dein Wunden roth; Die wer⸗ den mich erhalten. 3. Ich bin ein Glied an dei⸗ nem Leib; Deß tröst ich mich von Herzen. Von dir ich unge⸗ schieden bleib In Todesnoth und Schmerzen. Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir; Ein ewigs Leben hast du mir Durch deinen Tod er⸗ worben. 2...—„.2. 4„————— 4. Weil du vom Tod er⸗ standen bist, Werd ich im Grab nicht bleiben. Mein höchster Trost dein Auffahrt ist; Todsfurcht kann sie ver⸗ treiben. Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin: Drum fahr ich hin mit Freuden. 5. So fahr ich hin zu Jesu Sterbelieder. 419 menschlich Hülf zerrinnt: So komm, Herr Christe, mir be⸗ hend Zu Hülf an meinem letzten End Und führ mich aus dem Jammerthal, Ver⸗ kürz mir auch des Todes Qual. 4. Die bösen Geister von mir treib; Mit deinem Geist stets bei mir bleib, Bis sich Christ; Mein Arm thu ich die Seel vom Leib abwendt. ausstrecken. So schlaf ich ein So nimm sie, Herr, in deine und ruhe fein; Kein Mensch Händ. Der Leib hat in der kann mich aufwecken; Denn Erd sein Ruh, Bis naht der Jesus Christus, Gottes Sohn, jüngste Tag herzu. Der wird die Himmelsthür 5. Ein fröhlich Auferstehn aufthun, Mich führn zum ewgen Leben. Nic. Heermann, st. 1561, nach: Turbabor, sed non perturbabor, von Augustinus. verleih; Am jüngsten Gricht mein Fürsprech sei Und mei⸗ ner Sünd nicht mehr gedenk; Aus Gnaden mir das Leben schenk. Wie du hast zugesaget Eigene Melodie. Oder: Vater unser mir In deinem Wort, das im Himmelreich. trau ich dir: 557. Herr Jesu Christ., 6.„Fürwahr, fürwahr, euch wahr Mensch und Gott, Der. sage ich: Wer mein Wort du littst Marter, Angst und hält und glaubt an mich, Der Spott, Für mich am Kreuz wird nicht kommen ins Ge⸗ auch endlich starbst Und mir richt Und den Tod ewig deins Vaters Huld erwarbst: schmecken nicht. Und ob er Ich bitt durchs bittre Leiden schon hier zeitlich stirbt, Mit dein, Du wollst mir Sünder nichten er drum gar verdirbt; gnädig sein. 7. Sondern ich will mit 2. Wenn ich nun komm in starker Hand Ihn reißen aus Sterbensnoth Und ringen des Todes Band Und zu mir werde mit dem Tod; Wenn nehmen in mein Reich: Da mir vergeht all mein Gesicht soll er dann mit mir zugleich Und meine Ohren hören nicht; In Freuden leben ewiglich.“ Wenn meine Zunge nichts Dazu hilf uns ja gnädiglich! mehr spricht Und mir vor 8. Ach, Herr, vergieb all Angst mein Herz zerbricht; unser Schuld; Hilf, daß wir 3. Wenn mein Verstand sich warten mit Geduld, Bis un⸗ nichts besinnt Und mir all ser Stündlein kommt herbei; 420 Auch unser Glaub stets wacker sei, Deinm Wort zu trauen festiglich, Bis wir einschlafen seliglich. Paul Eber, g. 1515, st. 1569. Mel. Vater unser im Himmelreich. 558. In Christi Wun⸗ den schlaf ich ein; Die machen mich von Sünden rein. Christi Blut und Gerechtigkeit, Das ist mein Schmuck und Ehren⸗ kleid; Damit will ich vor Gott bestehn, Wenn ich zum Himmel werd eingehn. 2. Mit Fried und Freud ich fahr dahin; Ein Gotteskind ich allzeit bin. Dank hab, o Tod, du förderst mich; Ins ewge Leben wandre ich, Mit Christi Blut gereinigt fein. Herr Jesu, stärk den Glauben mein. Paul Eber, g. 1515, fl. 1569. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 559. Herr, wie du willst, so schicks mit mir Im Leben und im Sterben. Al⸗ lein zu dir steht mein Begier; Laß mich, Herr, nicht ver⸗ derben. Erhalt mich nur in deiner Huld; Sonst, wie du willst. Gieb mir Geduld; Dein Will, der ist der beste. 2. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, Herr, Und Lieb zu deinem Worte. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr Und gieb mir hier und dorten, Was dient zu meiner Selig⸗ keit. Wend ab all Ungerech⸗ Sterbelieder. tigkeit In meinem ganzen Leben. ö 3. Soll ich einmal nach dei⸗ nem Rath Von dieser Welt abscheiden: Verleih mir, Herr, nur deine Gnad, Daß es ge⸗ scheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir; O Herr, ein selig End gieb mir Durch Jesum Christum! Amen! Casp. Bienemann g. 1540, st. 1591. 560. Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; Ihm hab ich mich ergeben, Mit Freud fahr ich dahin. 2. Mit Freud fahr ich von dannen Zu Christ, dem Bru⸗ der mein, Daß ich mög zu ihm kommen Und ewig bei ihm sein. 3. Nun hab ich überwun⸗ den Kreuz, Leiden, Angst und Noth; Durch seine heilgen Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte bre⸗ chen, Mein Athem hemmt den Lauf, Und kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! 5. Wenn mein Herz und Gedanken Vergehn, als wie ein Licht, Das hin und her thut wanken, Wenn ihm die Flamm gebricht: 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein, Nach deinem Rath und Willen, Wenn kommt mein Stündelein. 7. Und laß mich an dir kle⸗ ben, Wie eine Klett am Kleid, Und ewig bei dir leben Ins Himmels Wonn und Freud. 8. So sing ins Himmels Throne Ich dir Lob, Ehr und Preis, Dieweil ich bei dir wohne Im schönen Para⸗ deis. Vor 1604. Mel. Herr Jesu Christ, meins ꝛc. 561. Ich armer Mensch doch gar nichts bin, Gotts Sohn allein ist mein Ge⸗ winn; Daß er Mensch wor⸗ den, ist mein Trost; Er hat mich durch sein Blut erlöst. 2. O Gott Vater, regier du mich Mit deinem Geist be⸗ ständiglich. Laß deinen Sohn, mein Trost und Lebn, Allzeit in meinem Herzen schwebn. 3. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, Nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ; Denn ich bin dein und du bist mein. Wie gern wollt ich bald bei dir sein! 4. Herr Jesu Christe, hilf du mir, Daß ich ein Zweig⸗ lein bleib an dir Und nach⸗ mals mit dir aufersteh, Zu deiner Herrlichkeit eingeh. Joh. Leo, 1600, nach Phil. Melanchthons: Nil sum, nulla miser novi solatia. 562. Ich hab mein Sach Gott heimgestellt; Er machs mit mir, wies ihm ge⸗ fällt. Soll ich allhier noch länger lebn: Nicht wider⸗ Sterbelieder. 421 strebn; Seinm Willn will ich mich ganz ergebn. 2. Mein Zeit und Stund ist, wann Gott will; Ich schreib ihm nicht vor Maß, noch Ziel. Es sind gezählt all Härlein mein, Beid, groß und klein; Fällt keines ohn den Willen sein. 3. Es ist allhier ein Jam⸗ merthal, Angst, Noth und Trübsal überall. Des Blei⸗ bens ist ein kleine Zeit, Voll Müh und Leid; Und wers bedenkt, ist immr im Streit. 4. Was ist der Mensch? Ein Erdenkloß. Auf Erden kommt er nackt und bloß, Bringt nichts mit sich auf diese Welt, Kein Gut, noch Geld; Nimmt nichts mit sich, wenn er hinfällt. 5. Es hilft kein Reichthum, Geld, noch Gut, Kein Kunst, kein Gunst, noch stolzer Muth; Fürn Tod kein Kraut gewach⸗ sen ist, Mein frommer Christ! Alles, was lebet, sterblich ist. 6. Heut sind wir frisch, ge⸗ sund und stark.,— Morgen todt und liegen im Sarg. Heut blühn wir, wie die Rosen roth, — Bald krank und todt! Ist allenthalben Müh und Noth. 7. Man trägt eins nach dem andern hin: Wohl aus den Augen, aus dem Sinn. Die Welt vergisset unser bald, Jung, oder alt, Auch unser Ehren mannigfalt. 8. Ach Herr, lehr uns be⸗ denken wohl, Daß wir sind — * ** . 2 —77⁵ SS *. 4²2² sterblich allzumal Und wir allhier kein Bleiben habn; Müssu all davon, Gelehrt, reich, jung, alt, oder schön. 9. Das macht die Sünd, o treuer Gott; Dadurch ist kommn der bittre Tod. Der nimmt und frißt all Men⸗ schenkind, Wie er sie findt; Fragt nicht, weß Stands und Ehrn sie sind. 10. Ich hab hier wenig gu⸗ ter Tag; Mein täglich Brod ist Müh und Plag. Wenn mein Gott will, so will ich mit Hinfahrn in Fried; Sterbn ist Gewinn und schadt mir nicht. 11. Und ob mich schon mein Sünd anfsicht, Dennoch will ich verzagen nicht. Ich weiß, daß mein getreuer Gott Für mich in Tod Sein lieben Sohn gegeben hat. 12. Derselbe, mein Herr Jesus Christ, Für all mein Sünd gestorben ist Und auf⸗ erstanden mir zu gut, Der Hölle Glut Gelöscht mit⸗sei⸗ nem theuern Blut. 13. Dem leb und sterb ich allezeit; Von ihm mich auch der Tod nicht scheidt. Ich leb, odr sterb, so bin ich sein; Er ist allein Der einge Trost und Helfer mein. 14. Das ist mein Trost zu aller Zeit, In allem Kreuz und Traurigkeit. Ich weiß, daß ich am jüngsten Tag Ohn alle Klag Werd auferstehn aus meinem Grab. Sterbelieder. 15. Mein lieber, frommer, treuer Gott All mein Gebein bewahren thut; Da wird nicht eins vom Leibe mein, Groß, oder klein, Umkommen, noch verloren sein. 16. Mein lieben Gott von Angesicht Werd ich anschaun, dran zweifl ich nicht, In ew⸗ ger Freud und Herrlichkeit, Die mir bereit. Ihm sei Lob, Preis in Ewigkeit! 17. O Jesu Christe, Gottes Sohn, Der du für mich hast gnug gethan: Ach schleuß mich in die Wunden dein! Du bist allein Der einge Trost und Helfer mein. 18. Amen! Mein lieber, frommer Gott, Bescher uns alln ein selgen Tod. Hilf, daß wir mögen allzugleich Bald in dein Reich Kommen und bleiben ewiglich. Joh. Pappus, g. 1559, st. 1610. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 563. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all Noth und Qual, Weil dich nun Christus, dein Herre, Ruft aus diesem Jammer⸗ thal. Aus Trübsal und gro⸗ ßem Leid Sollst du fahren in die Freud, Die kein Ohr je hat gehöret, Die in Ewigkeit auch währet. 2. Tag und Nacht hab ich gerufen Zu dem Herren, mei⸗ nem Gott, Weil mich stets viel Kreuz betroffen, Daß er mir hülf aus der Noth. Wie ———.— Sterbelieder. 423 sich sehnt ein Wandersmann Nach dem Ende seiner Bahn, So hab ich gewünschet eben, Daß sich enden möcht mein Leben. 3. Denn gleich wie die Rosen stehen Unter Dornen spitzig gar, Also auch die Christen gehen Stets in Aeng⸗ sten und Gefahr. Wie die Meereswellen sind Unter un⸗ gestümem Wind, Also ist all⸗ hier auf Erden Unser Lauf voller Beschwerden. 4. Welt, Tod, Teufel, Sünd und Hölle, Unser eig⸗ nes Fleisch und Blut Plagen stets hier unsre Seele, Lassen uns bei keinem Muth. Wir sind voller Angst und Plag; Lauter Kreuz sind unsre Tag. Wenn wir nur geboren wer⸗ den, Jammer gnug findt sich auf Erden. 5. Wenn die Morgenröth herleuchtet, Und der Schlaf sich von uns wendt, Sorg und Kummer daher streichet; Müh findt sich an allem End. Unsre Thränen sind das Brod, So wir essen früh und spat. Wenn die Sonn nicht mehr thut scheinen, Ist es Klagen nur und Weinen. 6. Drum, Herr Christ, du Morgensterne, Der du ewig⸗ lich aufgehst, Sei von mir jetzund nicht ferne, Weil mich dein Blut hat erlöst. Hilf, daß ich mit Fried und Freud Mög von hinnen fahren heut. Ach sei du mein Licht und Straße; Mich mit Beistand nicht verlasse. 7. In dein Seite will ich fliehen An meinm bittern To⸗ desgang; Durch dein Wun⸗ den will ich ziehen Ins himm⸗ lische Vaterland. In das schöne Paradeis, Drein der Schächer that sein Reis', Wirst du mich, Herr Christ, einfüh⸗ ren Und mit ewger Klarheit zieren. 8. Ob mir schon die Augen brechen, Das Gehör auch gar verschwindt, Ob mein Zung nicht mehr kann sprechen, Mein Verstand sich nicht be⸗ sinnt: Bist du doch mein Licht und Hort, Das Leben, der Weg, die Pfort. Du wirst selig mich regieren Und die Bahn zum Himmel führen. 9. Laß dein Engel mit mir fahren Auf Elias Wagen roth, Und mein Seele wohl be⸗ wahren, Wie Lazarum nach seinm Tod. Laß sie ruhn in deinem Schoß; Fülle sie mit Freud und Trost, Bis der Leib kommt aus der Erde Und mit ihr vereinigt werde. 10. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all Noth und Qual, Weil dich nun Christus, dein Herre, Ruft aus diesem Jammerthal, Seine Freud und Herrlichkeit Sollst du sehn in Ewigkeit. Mit den Engeln jubiliren, In Ewigkeit triumphiren. Caspar v. Warnberg, vor 1620. 2.* 2 — 2 ? V . — —— 2 * —2 2 . 42⁴ Sterb 564N. Herzlich thut mich elieder. 6. Wenn ich auch gleich nun verlangen Nach einem selgen scheide Von meinen Freunden End, Weil ich hier bin um⸗ fangen Mit Trübsal und Elend. Ich hab Lust abzu⸗ scheiden Von dieser argen Welt, Sehn mich nach ewgen Freuden. O Jesu, komm nur bald! 2. Du hast mich ja erlöset Von Sünd, Tod, Teufel, Höll. Es hat dein Blut ge⸗ kostet; Drauf ich mein Hoff⸗ nung stell. Warum sollt mir denn grauen Vor Teufel, Tod und Sünd? Weil ich auf dich kann bauen, Bin ich ein seligs Kind. 3. Wenn gleich süß ist das Leben, Der Tod sehr bitter mir, Will ich mich doch erge⸗ ben, Zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Leben, Da meine Seel fährt hin. Deß freu ich mich gar eben: Sterben ist mein Gewinn. 4. Der Leib zwar in der Erden Zu Staub und Asche kehrt, Doch auferweckt soll werden Durch Christum schön verklärt, Wird leuchten, als die Sonne, Und leben ohne Noth In Himmelsfreud und Leit Das mir und ihn'n bringt eide: Doch tröstet mich mein Muth, Daß wir in großen Freuden Zusammen werden kommn, Wo nichts uns mehr wird scheiden Im himmeli⸗ schen Thron. 7. Ob ich auch hinterlasse Betrübte Waiselein, Dern Noth mich übr die Maße Jammert im Herzen mein: Will ich doch gerne sterben und trauen meinem Gott. Er wird sie wohl versorgen, Retten aus aller Noth. 8. Was thut ihr so verza⸗ gen, Ihr armen Waiselein ꝰ Sollt euch Gott Hülf versa⸗ gen, Der speist die Raben klein? Frommen Witwen und Waisen Ist Gott der Vater treu. Er wird es euch bewei⸗ sen; Das glaubet ohne Scheu. 9. Gesegn euch Gott der Herre, Ihr Vielgeliebten mein! Trauert nicht allzu⸗ sehre Ueber den Abschied mein. Beständig bleibt im Glauben! Wir werdn in kurzer Zeit Einander wiederschauen Bort in der Ewigkeit. Wonne. Was schadt mir denn der Tod? 5. Ob mich die Welt gleich reizet, Länger zu bleiben hier, Und mir auch immer zeiget Ehr, Geld, Gut, all ihr Zier: Doch ich es gar nicht achte; Es währt ein kleine Zeit. Das Himmlisch ich betrachte; Das bleibt in Ewigkeit. 10. Nun ich mich gänzlich wende Zu dir, Herr Christ, allein. Gieb mir ein seligs Ende; Send mir dein Enge⸗ lein; Führ mich ins ewge Leben, Das du erworben hast, Da du dich hingegeben Für meine Sündenlast. 11. Hilf, daß ich ja nicht wanke Von dir, Herr Jesu Sterbelieder. 425 Christ. Den schwachen Glau⸗ ben stärke In mir zu aller Frist. Hilf mir ritterlich ringen. Dein Hand mich halt in Acht, Daß ich mög fröhlich singen: Gott Lob, es ist vollbracht! Christoph Knoll, g. 1563, 6. 1621. 565. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht, Mein höchster Trost, mein Zuver⸗ sicht! Auf Erden bin ich nur ein Gast, Und drückt mich sehr der Sünden Last. 2. Ich hab vor mir ein schwere Reis' Zu dir ins himmlisch Paradeis; Da ist mein rechtes Vaterland, Dar⸗ an du hast dein Blut gewandt. 3. Zur Reis' ist mir mein Herz sehr matt, Der Leib gar wenig Kräfte hat; Allein mein Seele schreit in mir: Herr, hol mich heim, nimm mich zu dir! 4. Drum stärk mich durch das Leiden dein In meiner letzten Todespein. Dein Hohn und Spott, dein Dornenkron Laß sein mein Ehre, Freud und Wonn. 5. Dein Durst und Gallen⸗ trank mich lab, Wenn ich sonst keine Stärkung hab. Dein Angstgeschrei komm mir zu gut, Bewahr mich vor der Höllen Glut. 6. Wenn mein Mund nicht kann reden frei, Dein Geist in meinem Herzen schrei. Hilf, daß mein Seel den Himmel find, Wenn meine Augen werden blind. 7. Dein letztes Wort laß sein mein Licht, Wenn mir der Tod das Herz zerbricht. Behüte mich vor Ungeberd, Wenn ich mein Haupt nun neigen werd. 8. Dein Kreuz laß sein mein Wanderstab, Mein Ruh und Rast dein heilges Grab; Die reinen Grabetücher dein Laß meine Sterbekleider sein. 9. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau, Darauf mein letzte Heimfahrt bau. Thu mir die Himmelsthür weit auf, Wenn ich beschließ meins Lebens Lauf. 10. Am jüngsten Tag erweck mein Leib; Hilf, daß ich dir zur Rechten bleib, Daß mich nicht treffe dein Gericht, Das ein erschrecklich Urtheil spricht. 11. Alsdann mein Leib er⸗ neure ganz, Daß er leucht, wie der Sonne Glanz, Sei ähnlich deinem klaren Leib Und gleich den lieben Engeln bleib. 12. Wie werd ich dann so fröhlich sein! Werd singen mit den Engeln dein Und mit der Auserwählten SchaarSchaun ewiglich dein Antlitz klar! Martin Behemb g. 1557 st. 1622. 566. Valet“) will ich dir geben, Du arge, falsche Welt! Dein sündlich, böses Leben Durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen; Hinauf steht mein Begier. Da wird Gott ehr⸗ lich lohnen Dem, der ihm dient allhier.) Abschied. I. — — 8————888 . 5* 426 Sterbelieder. 2. Rath mir nach deinem Herzen, O Jesu, Gottes Sohn. Soll ich ja dulden Schmerzen, Hilf mir, Herr Christ, davon; Verkürz mir alles Leiden, Stärk meinen blöden Muth; Laß mich selig abscheiden, Setz mich in dein Erbgut. 3. In meines Herzens Grunde Dein Nam und Kreuz allein Funkelt all Zeit und Stunde; Drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du, Herr Christ, so milde Dich hast ge⸗ blut zu Tod. 4. Verbirg mein Seel aus Gnaden In deine offne Seit; Rück sie aus allem Schaden In deine Herrlichkeit. Der ist wohl hie gewesen, Wer kommt ins Himmels Schloß. Der ist ewig genesen, Wer bleibt in deinem Schoß. 5. Schreib meinen Namn aufs beste Ins Buch des Le⸗ bens ein Und bind mein Seel fein feste Ins schöne Bünde⸗ lein Der, die im Himmel grünen Und vor dir leben frei: So will ich ewig rüh⸗ men, Daß dein Herz treue ei Valerius Herberger, g. 1562, st. 1627. 567. Herr Gott, nun schleuß den Himmel auf: Mein Zeit zum End sich nei⸗ get. Ich hab vollendet meinen Lauf, Deß sich mein Seel sehr freuet. Hab gnug gelit⸗ ten, Mich müd gestritten, Schick mich fein zu zur ewgen Ruh; Laß fahren, was auf Erden, Will lieber selig werden. 2. Wie du mir, Herr, be⸗ fohlen hast, Hab ich mit wah⸗ rem Glauben Mein lieben Heiland aufgefaßt In mein Arm, dich zu schauen. Hoff zu bestehen; Will frisch ein⸗ gehen Ausm Thränenthal in Freudensaal; Laß fahren, was auf Erdeu, Will lieber selig werden. 3. Laß mich nur, Herr, wie Simeon, Im Frieden zu dir fahren. Befiehl mich Christo, deinem Sohn; Der wird mich wohl bewahren. Wird mich recht führen, Im Himmel zie⸗ ren Mit Ehr und Kron, fahr drauf davon: Laß fahren, was auf Erden, Will lieber selig werden. Joh. Kiel, g. 1584, st. 1627. 568. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. Hilf mir in meinem Leiden, Ver⸗ sag mir nicht, was ich dich bitt: Wenn sich mein Seel soll scheiden, So nimm sie, Herr, in deine Händ. Ist alles gut, wenn gut das End. 2. Gern will ich folgen, lie⸗ ber Herr: Du wirst mir nichts verderben; Denn du bist ja von mir nicht fern, Ob ich gleich hie muß sterben, Ver⸗ lassen meine lieben Freund, Die's mit mir herzlich gut gemeint. ILIn&E Sterbelieder. 3. Ruht doch der Leib sanft in der Erd, Die Seel zu dir sich schwinget, In deine Hand sie unversehrt Durch Tod ins Leben dringet. Hier ist doch nur ein Thränenthal, Angst, Noth und Trübsal überall. 4. Tod, Teufel, Höll, die Welt und Sünd Mir können nicht mehr schaden. Bei dir, o Herr, ich Rettung find; Ich tröst mich deiner Gnaden. Dein einger Sohn aus Lieb und Huld Für mich bezahlt hat alle Schuld. 5. Warum sollt ich denn traurig sein, Weil ich so wohl bestehe, Bekleidt mit Christi Unschuld rein, Wie eine Braut hergehe? Gehab dich wohl, du schnöde Welt! Bei Gott zu leben mir ge⸗ fällt. Joh. Herm. Schein, g. 1587, st. 1630. Mel. Herzlich thut mich verlangen · 569. Ich hab mich Gott ergeben, Dem liebsten Vater mein. Hier ist kein Immer⸗ leben; Es muß geschieden sein. Der Tod kann mir nicht scha⸗ den, Er ist nur mein Gewinn. In Gottes Fried und Gna⸗ den Fahr ich mit Freud da⸗ hin. 2. Mein Weg geht jetzt vor⸗ über. O Welt, was acht ich dein? Der Himmel ist mir lieber; Da muß ich trachten ein, Mich nicht zu sehr bela⸗ den, Weil ich wegfertig bin. In Gottes Fried und Gna⸗ den Fahr ich mit Freud dahin. 4²⁷ 3. Ach, selge Freud und Wonne Hat mir der Herr be⸗ reit, Da Christus ist die Sonne, Leben und Seligkeit. Was kann mir doch nun schaden, Weil ich bei Christo bin? In Gottes Fried und Gnade Fahr ich mit Freud dahin. 4. Gesegn euch Gott, ihr Meinen, Ihr Liebsten allzu⸗ mal! Um mich sollt ihr nicht weinen: Ich weiß von keiner Qual. Den rechten Port“) noch heute Nehmt fleißig ja in Acht! In Gottes Fried und Freude Fahrt mir bald alle nach.*) Hafen. Joh. Siegfried, g. 1564, st. 1637. Mel. Gottes Sohn ist kommen. 570. Herr, nun laß in Friede, Lebenssatt und müde, Deinen Diener fahren Zu den Himmelsschaaren, Selig und im Stillen, Doch nach deinem Willen. 2. Gerne will ich sterben Und den Himmel erben. Chri⸗ stus mich geleitet, Welchen Gott bereitet Zu dem Licht der Heiden, Das uns setzt in Freuden. 3. Hier hab ich gestritten, Ungemach erlitten, Ritterlich gekämpfet, Manchen Feind gedämpfet, Glauben auch gehalten Richtig mit den Alten. 4. Thränen mußt ich lassen, Weinen ohne Maßen, Schwe⸗ re Gänge laufen Mit der Christen Haufen. Ueber Sün⸗ — 3 2 — ———.. V + *5* . 56.—* * 6 + V 2* 428 de llagen, Kreuz und Trübsal tragen. 5. Nunmehr soll es wen⸗ den, Kampf und Lauf sich enden; Gott will mich erlösen Bald von allem Bösen; Mich soll ganz umgeben Himmlisch Freudenleben. 6. Frieden werd ich finden, Ledig sein von Sünden Und auf allen Seiten Nicht mehr dürfen streiten; Es soll besser werden, Als es war auf Erden. 7. Mir ist beigeleget, Wo man Scepter träget, Eine schöne Krone Mit dem Gna⸗ denlohne; Da werd ich er⸗ götzet Und zur Ruh gesetzet. 8. Mein Erlöser lebet, Der mich selber hebet Aus des Todes Kammer; Da liegt aller Jammer. Fröhlich, ohne Schrecken, Will er mich er⸗ wecken. 9. Dieser Leib soll Weun Und in Klarheit stehen, Wenn die Todten werden Erstehn von der Erden. Christum werd ich schauen; Darauf kann ich trauen. 10. Ihm drum will ich sin⸗ gen, Lob und Ehre bringen, Rühmen seine Güte Mit Seel und Gemüthe, Preisen seinen Namen OhnAufhören. Amen! David Boͤhm, g. 1605, st. 1657. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 571. Die Herrlichkeit Sterbelieder. der Erden Muß Staub und Asche werden; Kein Fels, kein Erz kann stehn. Dies, was uns kann ergötzen, Was wir für ewig schätzen, Wird als ein leichter Traum vergehn. 2. Was sind doch alle Sa⸗ chen, Die uns ein Herze ma⸗ chen, Als schlechte Nichtigkeit? Was ist des Menschen Leben, Das stets umher muß schwe⸗ ben, Als eine Phantasie der Zeit d 3. Der Ruhm, nach dem wir trachten, Den wir un⸗ sterblich achten, Ist nur ein falscher Wahn; Sobald der Geist gewichen, Und dieser Mund erblichen, Fragt kei⸗ ner, was man hier gethan. 4. Es hilft nicht Kunst, noch Wissen; Wir werden hingerissen Ohn einen Unter⸗ scheid. Was nützt der Schlös⸗ ser Menge? Dem hier die Welt zu enge, Dem wird ein enges Grab zu weit. 5. Dies alles wird zerrin⸗ nen, Was Müh und Fleiß gewinnen Und saurer Schweiß erwirbt. Was Menschen hier besitzen, Kann für den Tod nicht nützen; Dies alles stirbt uns, wenn man stirbt. 6. Ist eine Lust, ein Scher⸗ zen, Das nicht ein heimlich Schmerzen Mit Herzensangst vergällt? Was ists, womit wir prangen? Wo wirst du Ehr erlangen, Die nicht in Hohn und Schmach verfällt? 7. Was pocht man auf die Throne, Da keine Macht noch Krone Kann unvergänglich sein? Es mag vom Todten⸗ reihen Kein Scepter dich be⸗ Sterbelieder. 429 freien, Kein Purpur, Gold, noch edler Stein. 8. Wie eine Rose blühet, Wenn sie die Sonne siehet Begrüßen diese Welt, Die, eh der Tag sich neiget, Eh sich der Abend zeiget, Ver⸗ welkt und unversehns ab⸗ fällt: 9. So wachsen wir auf Er⸗ den Und hoffen groß zu wer⸗ den, Von Schmerz und Sor⸗ gen frei; Doch 0 wir zuge⸗ nommen Und recht zur Blü⸗ the kommen, Bricht uns des Todes Sturm entzwei. 10. Wir rechnen Jahr auf Jahre; Indessen wird die Bahre Uns vor die Thür ge⸗ bracht. Drauf müssen wir von hinnen Und, eh wir uns besinnen, Der Erden sagen gute Nacht. 11. Weil uns die Lust er⸗ götzet, Und Stärke frei uns schätzet, Und Jugend sicher macht, Hat uns der Tod be⸗ stricket, Die Wollust fortge— schicket Und Jugend, Stärk und Muth verlacht. 12. Auf! Herz, wach und bedenke, Daß dieser Zeit Ge⸗ schenke Den Augenblick nur dein. Was du zuvor genossen, Ist als ein Strom verschos— sen; Was künftig,— wessen wird es sein? 13. Verachte Welt und Eh⸗ re, Furcht, Hoffen, Gunst und Lehre Und fleuch den Herren an, Der immer König blei⸗ bet, Den keine Zeit ver⸗ treibet, Der einig ewig ma⸗ chen kann. 14. Wohl dem, der auf ihn trauet! Er hat recht fest ge⸗ bauet: Und ob er hier gleich fällt, Wird er doch dort be⸗ stehen Und nimmermehr ver⸗ gehen, Weil ihn die Stärke selbst erhält. Andr. Gryphius, g. 1616, st. 1664. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 572. Ich bin ein Gast auf Erden Und hab hier kei⸗ nen Stand. Der Himmel soll mir werden; Da ist mein Va⸗ terland. Hier reis' ich aus und abe: Dort in der ewgen Ruh Ist Gottes Gnadengabe; Die schleußt all Arbeit zu. 2. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt; Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straße, Die zu der Heimath führt, Da mich ohn alle Maße Mein Vater trösten wird. 3. Mein Heimath ist dort oben, Da aller Engel Schaar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch alles hebt und leget, Nachdems ihm wohlgefällt. 4. Zu dem steht mein Ver⸗ langen; Da wollt ich gerne hin. Die Welt bin ich durch⸗ gangen, Daß ichs fast müde bin. Je länger ich hier walle, 72 I * 8 2 X . * X. * —.. —.—.— —... 430 Je wenger find ich Freud, Die meinem Geist gefalle; Das Meist ist Herzeleid. 5. Die Herberg ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel. Ach komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach ein selig Ende An meiner Wander⸗ schaft, Und was mich kränkt, das wende Durch deinen Arm und Kraft! 6. Wo ich bisher gesessen, Ist nicht mein rechtes Haus. Wenn mein Ziel ausgemes⸗ sen, So tret ich dann hinaus; Und was ich hier gebrauchet, Das leg ich alles ab; Und wenn ich ausgehauchet, So scharrt man mich ins Grab. 7. Du aber, meine Freude, Du, meines Lebens Licht, Du zeuchst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht, Ins Haus der ewgen Wonne, Da ich stets freudenvoll, Gleich als die helle Sonne Nächst andern leuchten soll. 8. Da will ich immer woh⸗ nen, Und nicht nur als ein Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket hast. Da will ich herrlich singen Von deinem großen Thun Und frei von schnöden Dingen In meinem Erbtheil ruhn. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. 573. Welt, ade! Ich bin dein müde; Ich will nach Sterbelieder. dem Himmel zu. Da wird sein der rechte Friede Und die stolze Seelenruh. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Eitelkeit: In dem Himmel allezeit Frie⸗ de, Freud und Seligkeit. 2. Wann ich werde dahin kommen, Bin ich aller Krank⸗ heit los Und der Traurigkeit entnommen, Ruhe sanft in Gottes Schoß. Welt, bei dir ist Angst und Noth, Endlich gar der bittre Tod; Aber dort ist allezeit, Friede, Freud und Seligkeit. 3. Was ist doch der Erden Freude? Nebel, Dampf und Herzeleid. Hier auf dieser schwarzen Haide Sind die Laster ausgestreut. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Eitelkeit: In dem Himmel allezeit Frie⸗ de, Freud und Seligkeit. 4. Unaussprechlich schöne singet Gottes auserwählte Schaar; Heilig! Heilig! Hei⸗ lig! klinget In dem Himmel immerdar. Welt, bei dir ist Spott und Hohn Und ein steter Jammerlohn: In dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 5. Nichts ist hier, denn lau⸗ ter Weinen, Keine Freude bleibet nicht. Will uns gleich die Sonne scheinen, So ver⸗ hemmt die Nacht das Licht. Welt, bei dir ist Angst und Noth, Sorgen und der bittre Tod: In dem Himmel alle⸗ Sterbelieder. 431 zeit Friede, Freud und Se⸗ ligkeit. 6. Nun, es wird dennoch geschehen, Daß ich auch in kurzer Zeit Meinen Heiland werde sehen In der großen Herrlichkeit. Welt, bei dir ist lauter Noth, Müh und Furcht, zuletzt der Tod: In dem Him⸗ mel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 7. O wer nur dahin gelan⸗ get, Wo jetzund der schöne Chor In vergüldten Kronen pranget Und die Stimme schwingt empor! Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Eitelkeit: In dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 8. Zeit, wann wirst du doch anbrechen? Stunden, o wann schlaget ihr, Drinnen ich mich, kann besprechen Mit dem Schönsten für und für? Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Lauter Qual und Traurig⸗ keit: In dem Himmel alle⸗ zeit Friede, Freud und Se⸗ ligkeit. 9. Jetzt will ich mich fertig machen, Daß mein Thun vor Gott besteht, Daß, wenn al⸗ les wird zerkrachen, Es heißt: Kommet! und nicht: Geht! 574. Alle Menschen müssen sterben, Alles Fleisch vergeht, wie Heu. Was da lebet, muß verderben, Soll es anders werden neu. Die⸗ ser Leib der muß verwesen, Wenn er anders soll genesen Der so großen Herrlichkeit, Die den Frommen ist be⸗ reit. 2. Drum so will ich dieses Leben, Wann es meinem Gott beliebt, Auch ganz willig von mir geben; Bin darüber nicht betrübt. Denn in meines Jesu Wunden Hab ich schon Erlösung funden, Und mein Trost in Todesnoth Ist des Herren Jesu Tod. 3. Jesus ist für mich gestor⸗ ben, Und sein Tod ist mein Gewinn. Er hat mir das Heil erworben; Drum fahr ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel In den schö⸗ nen Gotteshimmel, Da ich werde allezeit Schauen die Dreieinigkeit. 4. Da wird sein das Freu⸗ denleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Him⸗ melsglanz umgeben, Dienen Gott vor seinem Thron, Da die Seraphinen prangen Und Welt, bei dir ist Angstge⸗ das hohe Lied anfangen: Hei⸗ schrei, Sorge, Furcht und lig, heilig, heilig heißt Hottl Heuchelei: In dem Himmel der Vater, Sohn und Geist, allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. Joh. Georg Albinus, g. 1624, si. 1679. 5. Da die Patriarchen woh⸗ nen; DiePropheten allzumal; Wo auf ihren Ehrenthro⸗ nen Sitzt der zwölf Apostel Zahl; Wo in so viel tausend — . — — NV. * N * ..v ◻e— 432 Sterbelieder. Jahren Alle Frommen hin⸗ gefahren, Da wir unserm Gott zu Ehren Ewig Hallelu⸗ jah hören. 6. O Jerusalem, du Schöne, Ach wie helle glänzest du! Ach wie lieblich Lobgetöne Hört man da in süßer Ruh! O der großen Freud und Wonne! Jetzo gehet auf die Sonne, Jetzo gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. 7. Ach ich habe schon erblik⸗ ket Diese große Herrlichkeit. Jetzo werd ich schön geschmük⸗ ket Mit dem weißen Himmels⸗ kleid. Mit der güldnen Ehren⸗ krone Steh ich da vor Gottes Throne Schaue solche Freude an, Die ich nicht beschreiben kann. 8. Nun hier will ich ewig wohnen. Meine Lieben, gute Nacht! Eure Treu wird Gott belohnen, Dieihr habt an mir vollbracht. Liebste Kinder und Verwandte, Brüder, Freunde und Bekannte, Lebet wohl, zu guter Nacht! Gott sei Dank, es ist vollbracht! Joh. Georg Albinus, g. 1624, st. 1679. 575. Ach was ist doch unsre Zeit? Flüchtigkeit, Ne⸗ bel, Rauch und Wind und Schatten! Menschen können nicht bestehn, Sie vergehn, Wie die Blumen auf den Matten. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! 2. Menschen sindzerbrechlich Glas, Nichtig Gras, Blumen, die nicht lange stehen. Ach wie bald wird ihre Kraft Hin⸗ gerafft, Wenn die Todeslüfte wehen! Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! 3. Jugend, die den Rosen gleicht, Die verbleicht; Ihre Schöne muß verschwinden. Es vergeht durch Todesnacht Alle Pracht, Die wir an den Menschen finden. Unser Leben fleucht behende: Mensch, be⸗ denke doch das Ende! 4. Menschen sind der Zeiten Spiel Und ein Ziel, Drauf die Todespfeile fliegen. Die wie schlanke Cedern stehn, Groß und schön, Müssen durch den Tod erliegen. Unser Le⸗ ben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! 5. Ach der Tod ist dir ge⸗ wiß; Drum vergiß Alles Eitle dieser Erden. Lenke dich zur Ewigkeit Jederzeit, Willst du dort unsterblich werden. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! 6. Schwinge dein Gemüth und Herz Himmelwärts, Wo nicht Tod, nicht Noth, nicht Leiden, Denk an das, was ewig ist, Lieber Christ, Soll dich einst der Himmel weiden. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! um 1692. Sterbelieder. Mel. Ich hab mein Sach Gott ꝛe. 576. Wie fleugt dahin der Menschen Zeit! Wie eilet man zur Ewigkeit! Doch wer bedenkt die letzte Stund Von Herzensgrund? Wie schweigt hievon der träge Mund! 2. Das Leben ist gleich wie ein Traum, Ein nichtger, lee⸗ rer Wasserschaum. Im Au⸗ genblick es bald vergeht Und nicht besteht, So wie ihr die⸗ ses täglich seht. 3. Nur du Jehovah, blei⸗ best mir Das, was du bist: ich traue dir. Laß Berg und Hügel fallen hin: Mir ists Gewinn, Wenn ich allein bei Jesu bin. 4, So lang ich in der Hüt⸗ ten wohn, So lehre mich, o Gottes Sohn, Gieb, daß ich zähle meine Tag Und munter wach, Daß, eh ich sterb, ich sterben mag. 5. Was hilft die Welt in letzter Noth? Lust, Ehr und Reichthum in dem Tod? O Mensch, du läufst dem Schat⸗ ten zu. Bedenk es du! Du kommst sonst nicht zur wah⸗ ren Ruh. 6. Weg Eitelkeit, der Tho⸗ ren Lust! Mir ist das höchste Gut bewußt; Das such ich nur, das bleibet mir. O mein Begier, Herr Jesu, zeuch mein Herz nach dir! 7. Was wird das sein, wenn ich dich seh Und dort vor dei⸗ nem Throne steh! Du unter⸗ dessen lehre mich, Daß stetig 433 ich Mit klugem Herzen suche dich. Idach. Neander, g. 1610, st. 1680. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 577. Bedenke, Mensch, das Ende! Bedenke deinen Tod! Der Tod kommt oft behende. Der heute frisch und roth, Kann morgen und ge⸗ schwinder Hinweg gestorben sein: Drum bilde dir, o Sünder, Ein täglich Sterben ein. 2. Bedenke, Mensch, das Ende! Bedenke das Gericht! Es müssen alle Stände Vor Jesu Angesicht. Kein Mensch ist ausgenommen; Hier muß ein jeder dran und wird den Lohn bekommen, Nachdem er hat gethan. 3. Bedenke, Mensch, das Ende, Der Höllen Angst und Leid, Daß dich nicht Satan blende Mit seiner Eitelkeit! Hier ist ein kurzes Freuen; Dort aber ewiglich Ein kläg⸗ lich Schmerzensschreien. Ach Sünder, hüte dich! 4. Bedenke, Mensch, das Ende! Bedenke doch die Zeit, Daß dich ja nichts abwende Von jener Herrlichkeit, Wo⸗ mit vor Gottes Throne Die Seele wird gepflegt. Dort ist die Lebenskrone Den From⸗ men beigelegt. 5. Herr, lehre mich bedenken Der Zeiten letzte Zeit, Daß, sich nach dir zu lenken, Mein Herze sei 2— 3 5 mich den 434 Sterbelieder. Tod betrachten Und deinen Richterstuhl; Laß mich auch nicht verachten Der Höllen Feuerpfuhl. 6. Hilf Gott, daß ich in Zei⸗ ten Auf meinen letzten Tag Mit Buße mich bereiten Und täglich sterben mag. Im Tod und vor Gerichte Steh mir, o Jesu, bei, Daß ich im Him⸗ melslichte Zu wohnen würdig ei. Salomo Liscov, g. 1640, st. 1689. 578. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod. Ach wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnoth! Mein Gott, 3: Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, Als es am frühen Morgen war; Denn weil ich leb auf dieser Erden, Leb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott,, Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 3. Herr, lehr mich stets mein End bedenken, Und wennn ich einmal sterben muß, Die Seel in Jesu Wunden senken Und ja nicht sparen meine Buß. Mein Gott,:: Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sei für und für Und sage stets in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir. Mein Gott, ꝛ, Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 5. Mach mir stets honigsüß den Himmel Und gallenbitter diese Welt. Gieb, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott,:: Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 6. Ach Vater, deck all meine Sünde Mit dem Verdienste Christi zu, Darein ich mich fest gläubig winde; Das giebt mir recht gewünschte Ruhl Mein Gott,:; Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 7. Ich weiß, in Jesu Blut und Wunden Hab ich mich recht und wohl gebett, Da find ich Trost in Todesstun⸗ den Und alles, was ich gerne hätt. Mein Gott, ½ Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem En⸗ de gut. 8. Nichts ist, was mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod. Ich leg die Hand in seine Seite Und sage: Mein Herr und mein Gott! Mein Gott, 3 Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe Jesum angezo⸗ gen Schon längst in meiner heilgen Tauf; Du bist mir /a M'& ————2———W— eTfJ.. eh„ auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott. ½ Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 10. Ich habe Jesu Leib ge⸗ gessen, Ich hab sein Blut getrunken hier. Nun kannst du meiner nicht vergessen; Ich bleib in ihm und er in mir. Mein Gott,:, Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 11. So komm mein End heut, oder morgen, Ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt; Ich bin und bleib in allen Sorgen Mit Jesu Blut schön ausgeschmückt. Mein Gott, Ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende ut. 12. Ich leb indeß in dir vergnüget Und sterb ohn alle Kümmerniß; Mir gnüget, wie mein Gott es füget. Ich glaubs und bin es ganz gewiß. Mein Gott, ½: Durch Christi theures Blut Machst dus mit meinem Ende gut. Aemilie Juliane, Gräfin v. Schwarzburg⸗ Rudolstadt, g. 1637, st. 1706. Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. 579. Auf meinen Jesum will ich sterben, Getrost, voll Fried und Freudigkeit. In seinem Blute will ich färben Mein allerschönstes Hochzeits⸗ kleid. Mein Jesus ist mein Trost allein; Auf Jesum leb und schlaf ich ein. Sterbelieder. 43⁵ 2. Auf meinen Jesum will ich sterben. In seinen Wun⸗ den stirbt sichs gut. Er läßt mich Rüumntermen verderben; Ich wasche mich in seinem Blut. Mein Jesus ist mein Trost allein; Auf Jesum leb und schlaf ich ein. 3. Auf meinen Jesum will ich sterben. In seine Seite schließ ich mich, Das Para⸗ dies bald zu ererben. Brich immerhin, mein Herze, brich! Mein Herz und Schatz soll Jesus sein; Auf Jesum leb und schlaf ich ein. 4. Auf meinen Jesum will ich sterben. Er bleibt, wenn alles mich verläßt. Weil er mit Blut mich wollen werben, Steh ich in Treue bei ihm fest. Sein Kreuz soll meine Hoffnung sein; Auf Jesum leb und schlaf ich ein. 5. Auf meinem Jesum will ich sterben, Vergeht mir gleich der Augen Licht. Wenn Mund und Lippen sich entfärben, Und wenn mir auch mein Herze bricht, Soll Jesus Heil und Leben sein; Auf Jesum leb und schlaf ich ein. 6. Auf meinen Jesum will ich sterben. Ach Jesu, hilf in letzter Noth! Laß mich das beste Theil ererben, Versüße mir den bittern Tod. Dein Tod soll mir das Leben sein; Dir leb und schlaf ich selig ein. Solomo Franck, g. 1659, st. 1725. * .* ö 2 2* 28 8 —— .——— 436 Mel. Mein Herzens⸗Jesu, meine Lust. 580. Gott Lob! ein Schritt zur Ewigkeit Ist aber⸗ mal vollendet. Zu dir im Fortgang dieser Zeit Mein Herz sich sehnlich wendet, O Quell, daraus mein Leben fleußt Und alle Gnade sich ergeußt In meine Seel zum Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr, Und wird mir allzu lange, Bis es erscheine, daß ich gar, O Leben, dich um⸗ fange, Damit, was sterblich ist in mir, Verschlungen werde ganz in dir, Und ich unsterb⸗ lich werde. 3. Vom Feuer deiner Liebe glüht Mein Herz, daß sich ent⸗ zündet, Was in mir ist, und mein Gemüth Sich so mit dir verbindet, Daß du in mir und ich in dir, Und ich doch immer noch allhier Will nä⸗ her in dich dringen. 4. O daß du selber kämest bald! Ich zähl die Augen⸗ blicke. Ach komm, eh mir das Herz erkalt Und sichs zum Sterben schicke! Komm doch in deiner Herrlichkeit! Schau, deine Braut hat sich bereit; Die Lenden sind umgürtet! 5. Und weil das Oel des Geistes ja Ist in mir ausge⸗ gossen, Du mir auch selbst von innen nah, Und ich in dir zerflossen: So leuchtet mir des Lebens Licht, Und meine Lamp ist zugericht, Dich fröh⸗ lich zu empfangen. Sterbelieder. 6. Komm! ist die Stimme deiner Braut, Komm! rufet deine Fromme. Sie ruft und schreiet überlaut: Komm bald, ach Jesu, komme! So komme denn, mein Bräutigam! Du kennest mich, o Gotteslamm, Daß ich dir bin vertrauet. 7. Doch sei dir ganz anheim gestellt Die rechte Zeit und Stunde, Wiewohl ich weiß, daß dirs gefällt, Daß ich mit Herz und Munde Dich kom⸗ men heiße und darauf Von nun an richte meinen Lauf, Daß ich dir komm entgegen. 8. Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann Von deiner Liebe trennen, Und daß ich frei vor jedermann Dich darf den Bräutgam nennen, Und du, o theurer Lebensfürst, Dich dort mit mir vermählen wirst Und mir mein Erbe schenken. 9. Drum preis ich dich aus Dankbarkeit, Daß sich der Tag“) geendet, Und also auch von dieser Zeit Ein Schritt nochmals vollendet; Und schreite hurtig weiter fort, Bis ich gelange an die Pfort Jerusalems dort oben. *) die Nacht, die Woch, das Jahr. 10. Wenn auch die Hände lässig sind, Und meine Knie wanken, So beut mir deine Hand geschwind In meines Glaubens Schranken, Damit durch deine Kraft mein Herz Sich stärke und ich himmel⸗ wärts Ohn Unterlaß auf⸗ steige. —— ..,„—— RRRR Sterbelieder. 437 11. Geh, Seele, frisch im Glauben dran Und sei nur unerschrocken. Laß dich nicht von der rechten Bahn Die Lust der Welt ablocken. So dir der Lauf zu langsam däucht, So eile, wie ein Adler fleugt, MitFlügeln süßerLiebe. 12. O Jesu, meine Seele ist Zu dir schon aufgeflogen. Du hast, weil du voll Lebe bist, Mich ganz zu dir gezo⸗ gen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit! Ich bin schon in der Ewigkeit, Weil ich in Jesu lebe. Aug. Herm. Franke, g. 1663, st. 1727. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 581. Ich sterbe täglich, und mein Leben Eilt immer⸗ fort zum Grabe hin. Wer kann mir einen Bürgen ge⸗ ben, Ob ich noch morgen le⸗ bend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her: Ach daß ich immer fertig wär! 2. Ein Mensch, durch Si⸗ cherheit verführet, Ist immer reif zu Sarg und Grab. Die Frucht, die jetzt den Baum noch zieret, Fällt oftmals unversehens ab. Der alte Bund schließt keinen aus. Mein Leib ist ein zerbrechlich Haus. 3. Es schickt der Tod nicht immer Boten; Er kommet oft unangemeldt Und fordert uns ins Land der Todten. Wohl dem, der Haus und Herz be⸗ stellt! Denn ewig Glück und ewig Leid Hängt nur an einer kurzen Zeit. 4. Herr, aller Herren, Tod und Leben Hast du allein in deiner Hand. Wie lange du mir Frist gegeben, Das ist und bleibt mir unbekannt. Hilf, daß ich jeden Glocken⸗ schlag An meinen Abschied denken mag. 5. Es kann vor Abend an⸗ ders werden, Als es am Mor⸗ gen mit mir war. Den einen Fuß hab ich auf Erden, Den andern auf der Todtenbahr. Ein kleiner Schritt ist nur dahin, Wo ich der Würmer Speise bin. 6. Ein einzger Schlag kann alles enden, Und Fall und Tod beisammen sein. Doch schlage nur mit Vaterhänden Und schleuß in Christi Tod mich ein, Daß, wenn der Leib zu Boden fällt, Die Seele sich an Jesum hält. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, Wenn Auge, Mund und Ohr sich schleußt. Drum bet ich bei gesunden Tagen: Herr, dir befehl ich meinen Geist! Ver⸗ schließen meine Lippen sich, So rede Christi Blut für mich. 8. Seh ich dann sterbend auf die Meinen, So segne du sie mehr als ich; Und wenn sie um mich stehn und weinen, O Tröster, so erbar⸗ me dich Und laß doch der Verlaßnen Schrein Vor dir o Gott, erhöret sein. — IE 2 * 28 2 X —— V . 5 2 * N * 40 . NX . 438 9. Dringt mir der letzte Stoß zum Herzen, So schlie⸗ ße mir den Himmel auf. Ver⸗ kürze mir die Todesschmerzen Und hole mich zu dir hinauf, So wird mein Abschied keine Pein Und eine Thür zum Himmel sein. Benj. Schmolk, g. 1672, st. 1787. Mel. Die Tugend wird durchs ꝛc. 582. Laß mir, wenn meine Augen brechen, Herr, deinen Frieden fühlbar sein. Komm, deinen Trost mir zu⸗ zusprechen, Und segne du mein matt Gebein. Gieb Ruhe mir in deinen Armen, Darin ich Gnad und Frieden fand, Und trag mich vollends mit Er⸗ barmen Sanft zu dir heim ins Vaterland. Chr. Ren. v. Zinzendorf g. 1727, st. 1752. Mel. Christus, der ist mein Leben. 583. Ach wär ich doch schon droben! Mein Heiland, wär ich da, Wo dich die Schaa⸗l 1bl Und säng Hallelu⸗ ja 2. Wo wir dein Antlitz schauen, Da sehn ich mich Lauen da will ich Hütten auen; Denn dort ist gut zu sein. 3. Da werd ich alles sehen: Den großen Schöpfungsrath, Was durch dein Blut gesche⸗ hen, Und deines Geistes That. 4. Da feiern die Gerechten, Die ungezählte Schaar, Mit Sterbelieder. allen deinen Knechten Das große Jubeljahr. 5. Mit göttlich süßen Weisen Wird mein verklärter Mund Dich ohne Sünde preisen, Du, meines Lebens Grund. 6. Da werden meine Thrä⸗ nen Ein Meer voll Freude sein. Ach stille bald mein Sehnen Und hole mich hin⸗ ein! Ernst Gottl. Woltersdorf, g. 1725, st. 1761. Mel. Nun laßt uns Gott, dem ꝛc. 581. Der Hirt, am Kreuz gestorben, Hat Fried und Heil erworben; Nun heißt bei seinen Schafen Das Sterben ein Entschlafen. 2. Sie gehn nicht als Ver⸗ brecher Zur Strafe vor den Rächer; Sie gehn nur hin und liegen, Wie Streiter nach dem Kriegen. 3. Ohn Angst vor ewgem Jammer Gehn sie in ihre Kammer, Zur Ruh sich zu begeben Auf frohes Wieder⸗ eben. 4. Sie legen ihre Glieder In Ruhebettlein nieder Und fallen ohne Kummer, Wie Kindlein, in den Schlummer. 5. Auf göttliches Erbarmen, In des Erlösers Armen, Er⸗ wählt zu Gottes Erben, Läßt sichs gar sanft hinsterben. 6. O Jesu, deine Gnade Macht, daß kein Sterben schade. Laß auf dein Todes⸗ leiden Mich einst im Frieden scheiden. Ef—eern SSeE Sterbelieder. 439 7. Laß mir auf dein Ver⸗ sprechen Mein Herz im Glau⸗ ben brechen. Bewahre mein Gebeine, Bis ich vor dir er⸗ scheine. 8. Dann laß mich froh er⸗ wachen, Mach meinen Mund voll Lachen Und Ar mir, daß ich glänze, Wie Lilien in dem Lenze. Phil. Friedr. Hiller, g. 1699, st. 1769. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 585. Herz, freue dich der Ewigkeit: Du sollst auf Jesum sterben! Was dich als Kind im Hoffen freut, Wirst du vollkommen erben. Was du gewünscht, Das soll ge⸗ schehn; Den du geglaubt, den wirst du sehn, Und so solls ewig bleiben. 2. Ein Blick auf unsers Heilands Thron, Ein Strahl von jener Sonne, Ein schwa⸗ cher Klang vom Harfenton, Ein Vorschmack jener Wonne, Ein Tröpflein von dem Le⸗ bensquell Ist hier schon wunderschön und hell; Doch kanns hier so nicht bleiben. 3. Es ist ein froher Augen⸗ blick, Der bald uns muß ver⸗⸗ lassen. Das Sterbliche hält uns zurück; Wir könnens jetzt nicht fassen. Doch feurt er uns den Glauben an, Daß sich das Herz erfreuen kann; Dort soll es ewig bleiben. 4. Nimm, Jesu, mir das Herz ganz ein Mit diesen gro⸗ lich und allein Zur Ewigkeit zu schwingen. Bleibst du mit deinem Geist in mir, So blei⸗ bet auch mein Herz in dir; Und so wirds ewig bleiben. Phil. Friedr. Hiller, g. 1699, st. 1769. Mel. Christus, der ist mein Leben. 586. Wie Simeon ver⸗ schieden, Das liegt mir oft im Sinn: Ich führe gern im Frieden Aus diesem Leben in. 2. Ach laß mir meine Bitte, Mein treuer Gott, geschehn: Laß mich aus dieser Hütte In deine Wohnung gehn. 3. Dein Wort ist uns ge⸗ schehen, An diesem nehm ich Theil: Wer Jesum werde se⸗ hen, Der sehe Gottes Heil. 4. Ich seh ihn nicht mit Augen, Doch an der Augen Statt Kann mir mein Glaube taugen, Der ihn zum Heiland at. 5. Ich hab ihn nicht in Ar⸗ men, Wie jener Fromme da; Doch ist er voll Erbarmen Auch meinem Herzen nah. 6. Mein Herz hat ihn ge⸗ funden; Es rühmt: Mein Freund ist mein. Auch in den letzten Stunden Ist meine Seele sein. 7. Ich kenn ihn als mein Leben; Er wird mir nach dem Tod Bei sich ein Leben ge⸗ ben, Dem nie der Tod mehr droht. 8. Mein Glaube darf ihn ßen Dingen, Mich unaufhör⸗fassen; Sein Geist giebt Kraft 2* 2 — 2 ** ————————— — 440 Sterbelieder. dazu. Er wird auch mich nicht lassen, Er führt mich ein zur Ruh. 9. Wenn Aug und Arm er⸗ kalten, Hängt sich mein Herz an ihn. Wer Jesum nur kann 9. Der fährt im Frieden in. Friedr. Hiller, g. 1699, ft. 1769. Mel. Thu, Herr, mein Geschrei ꝛc. 587. Unter Lilien jener Freuden Sollst du weiden: Seele, schwinge dich empor! Als ein Adler fleug behende! Jesu Hände Oeffnen schon das Perlenthor. 2. Laßt mich gehen, laßt mich laufen Zu den Haufen Derer, die des LammesThron Nebst dem Chor der Sera⸗ phinen Schon bedienen Mit dem reinsten Jubelton. 3. Löse, erstgeborner Bru⸗ der, Doch die Ruder Meines Schiffleins; laß mich ein In den sichern Friedenshafen, Zu den Schafen, die der Furcht entrücket sein. 4. Nichts soll mir am Her⸗ zen kleben, Süßes Leben, Was die Erde in sich hält. Sollt ich noch in dieser Wüsten Län⸗ ger fristen? Nein, ich eil ins Himmelszelt. 5. Herzensheiland, schenke Glauben Deiner Tauben, Glauben, der durch alles dringt. Nach dir girret meine Seele In der Höhle, Bis sie 6. O wie bald kannst du es machen, Daß mit Lachen Unser Mund erfüllet seil Du kannst durch die Todesthüren Träumend führen Und machst uns auf einmal frei. 7. Du hast Sünd und Straf getragen, Furcht und Zagen Muß nun ferne von mir gehn. Tod, dein Stachel liegt darnieder! Meine Glieder Werden fröhlich auferstehn. 8. Herzenslamm, dich will ich loben Hier und droben In der zartsten Liebsbegier. Du hast dich zum ewgen Le⸗ ben Mir gegeben; Hole mich, mein Lamm, zu dir. J. Lud. Conr. Allendorf, g. 1693, st. 1778. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 588. Meine Lebenszeit verstreicht; Stündlich eil ich zu dem Grabe. Und was ists, das ich vielleicht, Das noch zu leben habe? Denk, o Mensch, an deinen Tod! Säume nicht; denn Eins ist noth! 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, Nichts wird dich im Tod erfreun; Diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, Nur ein ruhiges Ge⸗ wissen, Das vor Gott dir Zeugniß giebt, Wird dir dei⸗ — sich von hinnen schwingt. nen Tod versüßen. Dieses Sterbelieder. 441 Herz, von Gott erneut, Giebt zum Tode Freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten Noth Freunde hülflos um dich beben, Dann wird über Welt und Tod Dich dies reine Herz erheben; Dann erschreckt dich kein Gericht: Gott ist deine Zuversicht. 5. Daß du dieses Herz er⸗ wirbst, Fürchte Gott und bet und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst: Deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheun, Lern auch seiner dich erfreun. 6. Ueberwind ihn durch Ver⸗ traun: Sprich: Ich weiß, an wen ich gläube, Und ich weiß, ich werd ihn schaun Einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: Es ist vollbracht! Nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich: Herr, daß ich Erde bin, Lehre du mich recht bedenken; Lehre du michs jeden Tag, Daß ich weiser werden mag. Chr. Fürcht. Gellert, g. 1715, st. 1769. Mel. Nun laßt uns den Leib ꝛc. 589. Wie sicher lebt der Mensch, der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub; Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der Tag des To⸗ des sei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel, Der Greis zu vielen noch ein Jahr, Und keiner nimmt den Irrthum wahr. 3. Sprich nicht: Ich denk in Glück und Noth Im Her⸗ zen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, Hat nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewig⸗ keit, Zu thun, was uns der Herr gebeut; Und unsers Le⸗ bens kleinster Theil Ist eine Frist zu unserm Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vors Gericht; Da bringt Gott alles an das Licht Und macht, was hier verhorgen war, Den Rath der Herzen offenbar. 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, So sei doch wacker und bereit. Prüf dei⸗ nen Glauben als ein Christ, Ob er durch Liebe thätig ist. 7. Ein Seufzer in der letz⸗ ten Noth, Ein Wunsch, durch des Erlösers Tod Vor Gottes Thron gerecht zu sein, Dies macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, Ihm folgt und sich vom Bösen kehrt, Ein gläubig Herz, von Lieb er⸗ füllt: Dies ist es, was in Christo gilt. 9. Die Heiligung erfordert Müh. Du winrkst sie nicht, Gott wirket sie; Du aber — V Hur *—**——2 V. E. 4⁴² ringe stets nach ihr, Als wäre sie ein Werk von dir. 10. Der Ruf des Lebens, das du lebst, Dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, Und was dir ewig Glück ver⸗ schafft, Ist Tugend in des Glaubens Kraft. 11 Ihr alle seine Tage weihn, Heißt eingedenk des Todes sein; Und wachsen in der Heiligung Ist wahre Todserinnerung. 12. Wie oft vergeß ich diese Pflicht! Herr, geh mit mir nicht ins Gericht! An meinen Tod erinnre mich, Daß ich dir wandle würdiglich. 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag Vor dir, o Gott, erforschen mag, Ob Glaube, Demuth, Lieb und Treu, Die Frucht des Geistes in ihm sei. 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh, Stets meiner Schwachheit widersteh Und einstens in des Glaubens Macht Mit Freuden ruf: Es ist vollbracht! Ehr. Fürcht. Gellert, g. 1715, ft. 1769. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 590. Die auf der Erde wallen, Die Sterblichen, sind Staub; Sie blühen auf und fallen, Des Todes sichrer Raub. Verborgen ist die Stunde, Da Gottes Stim⸗ me ruft; Doch jede, jede Stunde Bringt näher uns der Gruft. Sterbelieder. 2. Getrost gehn Gottes Kin⸗ der Die öde, dunkle Bahn, Zu der verstockte Sünder Verzweiflungsvoll sich nahn, Wo selbst der freche Spötter Nicht mehr zu spotten wagt, Vor dir, Gott, seinem Retter, Erzittert und verzagt. 3. Wenn diese Bahn zu gehen Dein Will einst mir gebeut, Wenn nahe vor mir stehen Gericht und Ewigkeit, Wenn meine Kräfte beben Und schon das Herz mir bricht: Herr über Tod und Leben, O dann verlaß mich nicht! 4. Hilf, Todesüberwinder, Hilf dem in solcher Angst, Für den du, Heil der Sün⸗ der, Selbst mit dem Tode rangst. Und wenn des Kam⸗ pfes Ende Gewaltiger mich faßt, Nimm mich in deine Hände, Den du erlöset hast. 5. Des Himmels Wonn und Freuden Ermißt kein sterblich Herz. O Trost für kurze Lei⸗ den, Für kurzen Todesschmerz! Dem Sündenüberwinder Sei ewig Preis und Dank! Preis ihm, der für uns Sünder Den Kelch des Todes trank! 6. Heil denen, die auf Er⸗ den Sich schon dem Himmel weihn, Die aufgelöst zu wer⸗ den Mit heilger Furcht sich freun! Bereit, es ihm zu ge⸗ ben, Wenn Gott, ihr Gott, gebeut, Gehn sie getrost durchs Leben Hin zur Unsterblichkeit. Gottfr. Bened. Funk, g. 1784, st. 1814. Mel. Ich hab mein Sach Gott ꝛe. 591I. O selig, wer das Heil erwirbt, Daß er im Herrn, in Christo stirbt! O selig, wer, vom Laufe matt, Die Gottesstadt, Die droben ist, gefunden hat! 2. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und— Eins ist noth! Die Welt beut ihre Güter feil; Denk an dein Heil Und wähl in Gott das beste Theil. 3. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brachtest du, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Lust und Schmerz. melwärts! Da, wo der Schatz ist, sei dein Herz. 4. Mit Gott bestell dein Haus bei Zeit, Eh dich der Tod an Todte reiht. Sie ru⸗ fen: Gestern wars an mir, Heut ists an dir! Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. 5. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, Aus Wieg und Bett in Sarg und Grab: Sterbelieder. Schau him⸗- sti mehr.“ Dein Kreuz, dein 4⁴³ Wann, wo und wie, ist Gott bewußt. Schlag an die Brust! Du mußt von dannen, Mensch, du mußt! 6. Da ist kein Sitz zu reich, zu arm, Kein Haupt zu hoch, tein Herz zu warm; Da blüht zu schön kein Wangenroth: Im Finstern droht Der Tod und überall der Tod. 7. Ach banges Herz im Lei⸗ chenthal, Wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist es, Jesu, der mit Macht Aus Grabesnacht Das Leben hat ans Licht gebracht. 8. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr:„Wer an mich glaubt, stirbt nimmer⸗ Grab, dein Auferstehn, Dein Himmelgehn Läßt uns den Himmel offen sehn. 9. Wohl dem, der Jesu sich vertraut, Schon hier die ew- gen Hütten baut! Er sieht das Kleinod iu der Fern Und kämpfet gern Und harrt der Zukunft seines Herrn. Chr. Friedr. Heinr. Sachse, g. 1785. XXIII. Begrähnisslieder. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. 592. Hört auf mit Trauern und mit Klag; Ob solchem Tod niemand ver⸗ zag. Er ist gestorben als ein Christ, Sein Tod ein Gang zum Leben ist. 2. Drum Sarg und Grab auch wird geziert; Der Leib in Ehr begraben wird, Zu zeigen an, er ist nicht todt, Er schläft und ruhet sanft in Gott. 4⁴⁴ Begräbnißlieder. 3. Wohl scheints, es sei nun alles hin, Weil er da liegt ohn Muth und Sinn; Doch sollen neuer Lebenskraft Die Glieder werden bald theil— haft. 4. Bald werden diese Tod⸗ tenbein Erwarmen und sich fügen fein Zusammen, daß sie neu belebt Aufschwingen sich, wo Christus lebt. 5. Der Leichnam, der jetzt liegt und starrt, Wird bald gar hoch in schneller Fahrt Schweben in Lüften unver⸗ sehrt, Gleichwie die Seele leicht hinfährt. 6. Ein Waizenkörnlein in der Erd Liegt erst ganz todt, dürr und unwerth; Doch kommts hervor gar schön und zart Und bringt viel Frucht nach seiner Art. 7. Der Leib, gemacht vom Erdenklos, Soll liegen in der Erden Schoß Und soll da ru⸗ hen ohne Leid, Bis auf die liebe jüngste Zeit. 8. Er war der Seelen Häu⸗ selein, Die blies Gott mit seinm Odem drein; Ein edel Herz, recht Muth und Sinn War durch die Gabe Christi drin. 9. Den Körper nun die Erd bedeckt, Bis ihn Gott wieder auferweckt, Der seins Ge⸗ schöpfs gedenken wird, Das er mit seinem Bild geziert. 10. Ach daß nun käm derselbig Tag, Da Christus nach seiner Zusag Hervor wird bringen ganz und gar, Was in der Erd verscharret war! Nie. Heermann, st. 1561. Nach: Iam moesta quiesce querela, von Aurelius Prudentius, st. 405 Mel. Schwing dich auf zu deinem Gott. 593. Einen guten Kampf hab ich Auf der Welt ge⸗ kämpfet; Denn mein Gott hat gnädiglich All mein Leid gedämpfet, Daß ich meinen Lebenslauf Seliglich vollen⸗ det Und die Seele himmelauf Christo zugesendet. 2. Forthin ist mir beigelegt Der Gerechten Krone, Die mir wahre Freud erregt In des Himmels Throne; Fort⸗ hin meines Lebens Licht, Dem ich hier vertrauet, Nämlich Gottes Angesicht, Meine Seele schauet. 3. Dieser schnöden, bösen Welt Jämmerliches Leben Mir nun länger nicht gefällt. Drum ich mich ergeben Mei⸗ nem Jesu, da ich bin Jetzt in lauter Freuden; Denn sein Tod ist mein Gewinn, Mein Verdienst sein Leiden. 4. Gute Nacht, ihr meine Freund! Ihr, o meine Lieben, Alle, die ihr um mich weint, Laßt euch nicht betrüben Die⸗ sen Hingang, den ich thu In die Erde nieder. Schaut, die Sonne geht zur Ruh, Kommt doch morgen wieder! Heinr. Albert, g 1604, fl. 1668. Begräbnißlieder. 4⁴⁵ 59. Nun laßt uns den 595. So grabet mich Leib begraben Und dran kei⸗ nen Zweifel haben: Er wird am jüngsten Tag aufstehn Und unverweslich hervor gehn. 2. Erd ist er und von der Erden, Wird auch wieder zu Erd werden Und von der Erd wieder aufstehn, Wenn Got⸗ tes Posaun wird angehn. 3. Sein Seele lebt ewig in Gott, Der sie allhier aus lau⸗ ter Gnad Von aller Sünd und Missethat Durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Sein Jammer, Trübsal und Elend Ist kommen zu einm selgen End: Er hat ge⸗ tragen Christi Joch, Ist ge⸗ storben und lebet noch. 5. Die Seele lebt ohn alle Klag; Der Leib schläft bis zum jüngsten Tag, An wel⸗ chem Gott ihn verklären Und ewger Freud wird gewäh⸗ ren. 6. Hier ist er in Angst ge⸗ wesen; Dort aber wird er genesen, In ewger Freud und Wonne Leuchten, wie die helle Sonne. 7. Nun lassen wir ihn hie schlafen Und gehn all heim unser Straßen, Schicken uns auch mit allem Fleiß: Denn der nun immerhin, Da ich so lang verwahret bin, Bis Gott, mein treuster Seelen⸗ hirt, Mich wieder auferwecken wird. 2. Ja freilich werd ich durch den Tod Zu Aschen, Erden, Staub und Koth; Doch wird das schwache Fleisch und Bein Von meinem Gott verwahret sein. 3. Mein Leib wird hier der Würmer Spott, Die Seele lebt bei meinem Gott, Der durch seins Todes Bitterkeit Sie hat erlöst zur Seligkeit. 4. Was hie für Trübsal mich verletzt, Wird jetzt mit Him⸗ melslust ersetzt. Die Welt ist doch ein Jammerthal: Dort ist der rechte Freudensaal. 5. Wenn alle Welt durchs Feur zerbricht, Und Gott wird halten sein Gericht, So wird mein Leib verkläret stehn Und in das Himmelreich eingehn. 6. Wie manche Widerwär⸗ tigkeit Betraf mich in der Lebenszeit; Nun aber ist mir nichts bewußt, Denn ewig⸗ liche Himmelslust. 7. So laßt mich nun in mei⸗ ner Ruh Und geht nach euern Häusern zu. Ein jeder denke Nacht und Tag, Wie er auch Tod kommt uns gleicherweis. selig sterben mag. 8. Das helf uns Christus, unser Trost, Der uns durch sein Blut hat erlöst Von Teufels Gwalt und ewger Pein. Ihm sei Lob, Preis und Ehr allein! Mich. Weiße, um 1540. Georg Neumark, g. 1621, st. 1681. —————————— — !‚.. .E:e:.—. i ee::e———. —.——— ö— — V ö2 —— Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 596. Komm, Sterb⸗ licher, betrachte mich! Du lebst, ich lebt auf Erden. Was du jetzt bist, das war auch ich; Was ich bin, wirst du werden. Du mußt hernach, ich bin vor⸗ hin. Gedenke nicht in deinem Sinn, Daß du nicht dürfest sterben. 2. Bereite dich, stirb ab der Welt, Denk an die letzten Stunden. Wenn man den Tod verächtlich hält, Wird er sehr oft gefunden. Es ist die Reihe heut an mir; Wer weiß, vielleicht gilts morgen dir. Noch mancher stirbt heut Abend. 3. Sprich nicht: Ich bin noch gar zu jung, Ich kann noch lange leben. Ach nein, du bist schon alt genug, Den Geist von dir zu geben. Es ist gar bald um dich gethan. Es sieht der Tod kein Alter an. Auch junge Leute ster⸗ ben. 4. Dein Leben ist ein Rauch, ein Schaum, Ein Wachs, ein Schnee, ein Schatten, Ein Thau, ein Laub, ein leerer Traum, Ein Grab auf dürren Matten. Wenn mans am we⸗ nigsten bedacht, So heißt es wohl schon: Gute Nacht! Ich bin nun hier gewesen! 5. Indem du lebest, lebe so, Daß du kannst selig sterben. Du weißt nicht, wann, wie, oder wo Der Tod wird um Begräbnißlieder. dich werben. Ach denk, ach denke doch zurück! Ein Zug, ein kleiner Augenblick Führt dich in Ewigkeiten. 6. Du seist dann fertig oder nicht, So mußt du gleichwohl wandern, Wenn deines Le⸗ bens Ziel einbricht; Es geht dir, wie den andern. Drum laß dirs eine Warnung sein! Dein Auferstehn wird überein men. 7. Ach denke nicht: Es hat nicht Noth; Ich will mich schon bekehren, Wenn mir die Krankheit zeigt den Tod; Gott wird mich wohl erhören. Wer weiß, ob du zur Krankheit kömmst, Ob du nicht schnell ein Ende nimmst! Wer hilft alsdann dir Armen? 8. Zudem, wer sich in Sün⸗ den freut Und doch auf Gnade bauet, Der wird mit Unbarm⸗ herzigkeit Der Hölle anver⸗ trauet. Drum lerne sterben, eh du stirbst, Damit du ewig nicht verdirbst, Wenn Gott die Welt wird richten. 9. Zum Tode mache dich geschickt. Gedenk in allen Dingen: Werd ich hierüber hingerückt, Sollt mir es auch gelingen? Wie, könnt ich jetzt zu Grabe gehn? Wie, könnt ich jetzt vor Gott bestehn? So wird dein Tod zum Le⸗ ben. 10. So wirst du, wenn mit Feldgeschrei Der große Gott wird kommen, Von allem Mit deinem Sterben kom⸗ Begräbnißlieder. 4⁴7 Sterben los und frei Sein ewig aufgenommen. Bereite dich, auf daß dein Tod Be⸗ schließe deine Pein und Noth. O Mensch, gedenk ans Ende! Gottfr. Wilh. Saecer, g. 1635, st. 1699. Wer. Nun sich der Tag geendet hat. 597. Ach wie so sanfte schläfest du Nach manchem schweren Stand Und liegst nun da in süßer Ruh, In deines Heilands Hand! 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht Von aller Angst und Pein: Sein letztes Wort: Es ist vollbracht! Das singt dich lieblich ein. 3. Du läßt dich zur Ver⸗ wandelung In diese Felder sän, Mit Hoffnung und Ver⸗ sicherung, Viel schöner aufzu⸗ tehn. 4. Verbirg dich unserm An⸗ gesicht Im kühlen Erdenschoß. Du hast das Deine ausgericht, Empfängst ein selig Loos. 5. Wir wissen, daß der Bräutigam Und allerliebste Hirt Dich, sein schon hier ge⸗ liebtes Lamm, Dort schön empfangen wird. 6. Er führe seine ganze Heerd, Die sich zu ihm gesellt Und die ihm doch so theur und werth, Auch vollends durch die Welt. Gottfr. Neumann, g. 1736. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 598. Heute mir und morgen dir! So hört man die Glocken klingen, Wenn wir die Verstorbnen hier Auf den Gottesacker bringen. Aus den Gräbern rufts herfür: Heute mir und morgen dir! 2. Heute roth und morgen todt! Unser Leben eilt auf Flügeln: Und wir habens täglich noth, Daß wir uns an andern spiegeln. Wie bald ruft des Herrn Gebot, Heute roth und morgen todt! 3. Einer folgt dem andern nach. Niemand findet einen Bürgen; Und was Adam einst verbrach, Wird uns alle noch erwürgen. Jeder findt sein Schlafgemach. Einer folgt dem andern nach. 4. Mensch, es ist der alte Bund; Und der Tod zählt keine Jahre. Bist du heute noch gesund, Denk an deine Todtenbahre. Jedem kommt die letzte Stund. Mensch, das ist der alte Bund. 5. Ach wer weiß, wie nah mein Tod! Ich will sterben, eh ich sterbe; So wird mir die letzte Noth, Wenn sie kommt, doch nicht so herbe. Rüste mich dazu, mein Gott! Ach wer weiß, wie nah mein Tod! 6. Selig, wer in Christo stirbt! Denn ihm wird der Tod zum Leben. Der das Leben hier erwirbt, Dem nur wird es dort gegeben. Wer nicht lebet, der verdirbt. Se⸗ lig, wer in Christo stirbt! Benj. Schmolk, g. 1672, st. 1737. . . — * 2 *—e Mel. Nun kommt der Heiden Heiland. 599. Aller Gläubgen Sammelplatz Ist da, wo ihr Herz und Schatz, Wo ihr Heiland Jesus Christ, Und ihr Leben hier, schon ist! 2. Eins geht da, das andre dort In die ewge Heimath fort, Ungefragt, ob die und der Uns nicht hier noch nütz⸗ lich wär. 3. Doch der Herr kann nichts versehn. Läßt er etwas denn geschehn, Hat man nichts da⸗ bei zu thun, Als zu schweigen und zu ruhn. 4. Manches Herz, das nicht mehr da, Geht uns freilich innig nah; Doch, o Liebe, wir sind dein, Und du willst uns alles sein. V. 1, 3 4Nie. 4700 ft1760. Zinzendorf 9. 1700, st. V. 2 Ch. Gregor, g. 1723, st. 1801. Mel. Der lieben Sonne Licht und ꝛc. 600. Die Christen gehn von Ort zu Ort Durch man⸗ nigfaltgen Jammer, Und kom⸗ men in den Friedensport Und ruhn in ihrer Kammer. Gott nimmt sie nach dem Lauf in seinen Armen auf. Das Wai⸗ zenkorn wird in sein Beet ei Hoffnung schöner Frucht esät. 2. Wie seid ihr doch so wohl gereist! Gelobt sein eure Schritte, Du friedevoll be⸗ freiter Geist, Du jetzt ver⸗ laßne Hütte! Du, Seele, bist Begräbnißlieder. Morgenstern. Euch, Glieder, deckt mit sanfter Ruh Der Liebe stiller Schatten zu. 3. Wir freun uns in Ge⸗ lassenheit Der großen Offen⸗ barung. Indessen bleibt das Pilgerkleid In heiliger Ver⸗ wahrung. Wie ist das Glück so groß In Jesu Arm und Schoß! Die Liebe führt uns gleiche Bahn, So tief hinab, so hoch hinan. Nic. Ludw. Gr af v. Zinzendorf, 9. 1700, st. 1760. 601. Auferstehn, ja auf⸗ erstehn wirst du, Mein Staub, nach kurzer Ruh! Unsterblichs Leben Wird, der dich schuf, dir geben. Gelobt sei er! 2. Wieder aufzublühn werd ich gesät. Der Herr der Ernte geht Und sammelt Garben Uns ein, die in ihm starben. Gelobt sei er! beim Herrn; Dir glänzt der 3. Tag des Danks, der Freu⸗ denthränen Tag! Du meines Gottes Tag! Wann ich im Grabe Genug geschlummert habe, Erweckst du mich. 4. Wie den Träumenden wirds dann uns sein. Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden. Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 5. Ach insAllerheiligste führt mich Mein Mittler, dann lebt ich Im Heiligthume Zu sei⸗ nes Namens Ruhme, Halle⸗ lujah! Fr. Gottl. Klopstock, g. 1724, st. 1803. Begräbnißlieder. 4⁴9 Mel. Jesus, meine Zuversicht. 602. Geht nun hin und grabt mein Grab; Denn ich bin des Wanderns müde. Von der Erde scheid ich ab; Denn mir ruft des Himmels Friede, Denn mir ruft die süße Ruh Von den Engeln droben zu. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab. Meinen Lauf hab ich vollendet, Lege nun den Wanderstab Hin, wo alles Irdsche endet; Lege selbst mich nun hinein In das Bette son⸗ der Pein. 3. Was soll ich hienieden noch In dem dunklen Thale machen? Denn wie mächtig, stolz und hoch Wir auch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand zergehn, Wenn die Winde drüber wehn. 4. Darum, Erde, fahre wohl! Laß mich nun in Frieden schei⸗ den. Deine Hoffnung, ach, ist hohl, Deine Freuden selber Leiden, Deine Schönheit Un⸗ bestand, Eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn und Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit eurer Pracht; Denn ich reis in weite Ferne, Reise hin zu jenem Glanz, Worin ihr ver⸗ schwindet ganz. 6. Die ihr nun in Trauern geht, Fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben nie⸗ derweht, Tröstet ja des Herrn Gemeinde. Weint nicht ob dem eitlen Schein; Droben nur kann ewig sein. 7. Weinet nicht, daß nun ich will Von der Welt den Abschied nehmen; Daß ich aus dem Irrthum will, Aus den Schatten, aus den Schemen, Aus dem Eitlen, aus dem Nichts Hin ins Land des ew⸗ gen Lichts. 8. Weinet nicht! Mein sü⸗ ßes Heil, Meinen Heiland hab ich funden, Und ich habe auch mein Theil In den war⸗ men Herzenswunden, Wor⸗ aus einst sein heilig Blut Floß der ganzen Welt zu gut. 9. Weint nicht! Mein Er⸗ löser lebt! Hoch vom finstern Erdenstaube Hell empor die Hoffnung schwebt, Und der Himmelsheld, der Glaube, Und die ewge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht. Ernst Moritz Arndt, g. 1769, st. 1860. Mel. Nun laßt uns den Leib be⸗ graben. 603. Nun bringen wir den Leib zur Ruh Und decken ihn mit Erde zu, Den Leib, der nach des Schöpfers Schluß Zu Staub und Erde werden muß. ö 2. Er bleibt nicht immer Asch und Staub, Nicht im⸗ mer der Verwesung Raub; Er wird, wenn Christus einst erscheint, Mit seiner Seele neu vereint. 3. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist. Schau hier, was 29 84 ————— 4⁵0 Begräbnißlieder. unser Leben ist: Nach Sorge, Furcht und mancher Noth Kommt endlich noch zuletzt der Tod. 4. Schnell schwindet unsre Lebenszeit, Aufs Sterben folgt die Ewigkeit. Wie wir die Zeit hier angewandt, So folgt der Lohn aus Gottes Hand. 5. So währen Reichthum, Ehr und Glück, Wie wir selbst, einen Augenblick; So währt auch Kreuz und Trau⸗ rigkeit, Wie unser Leben, kurze Zeit. 6. O sichrer Mensch, besinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich. In allem, was du denkst und thust, Bedenke, daß du sterben mußt. 7. Hier, wo wir bei den Gräbern stehn, Soll jeder zu dem Vater flehn: Ich bitt, o Gott, durch Christi Blut, Machs einst mit meinem En⸗ de gut. 8. Laßt alle Sünden uns bereun, Vor unserm Gott uns kindlich scheun. Wir sind hier immer in Gefahr; Nehm je⸗ der seiner Seele wahr. 9. Wenn unser Lauf vollen⸗ det ist, So sei uns nah, Herr Jesu Christ. Mach uns das Sterben zum Gewinn, Zeuch unsre Seelen zu dir hin. 10. Und wenn du einst, du Lebensfürst, Die Gräber mächtig öffnen wirst, Dann laß uns fröhlich auferstehn Und ewiglich dein Antlitz sehn. Mel. Nun laßt uns den Leib ꝛe. 60ʃN. So gieb denn jetzt, du Christenschaar, Der Erde das, was Erde war; Ver⸗ schaff dem Müden in dem Sand Die Ruh, die er bisher nicht fand. 2. O Ruhe, Wunsch des Kämpfenden, Du letzter Trost des Weinenden, Wo Erden⸗ noth zu Ende ist, Wo keine Thräne weiter fließt! 3. Hier endigt sich der Feinde Trutz, Hier findet der Gedrängte Schutz; Hier wird im süßen Schlaf erquickt, Den manche Hitz und Last gedrückt. 4. Doch hier ist auch die düstre Pfort Zum ungesehnen Schreckensort, Wo, wer sein Heil nicht hat gesucht, In ew⸗ ger Pein sich selber flucht. 5. Hier weichet Hoheit, Ruhm und Glück; Der bloße Mensch bleibt nur zurück. Die Bretter und das Leichenkleid Sind nun die ganze Herrlich⸗ keit. 6. Hier hört der Kampf des Christen auf, Vollendet ist sein saurer Lauf. Der Geist eilt in sein Vaterland, Ist ganz beglückt in Gottes Hand. 7. Gebracht zur Schaar der Siegenden Und zu der Engel Tausenden, Schaut solcher Gott nun, wie er ist, In sei⸗ nem Heiland Jesu Christ. 8. Hier fängt die Qual der Sünder an, Die nicht im Glauben Buß gethan. Hier Bei Kindern. 451 legt man viele ruhig ein, Die in der Hölle Wehe schrein.— 9. So nimm auch diesen Leib, o Gruft, Bis ihn einst Jesus Christus ruft Und stellt in seiner Wahrheit Licht Die Todten alle vors Gericht. 10. Und uns erinnre jeder⸗ zeit, O Gott, an Tod und Ewigkeit, Damit wir deinen Ruf verstehn Und freudig in das Grab einst gehn. Bei Kindern. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 605. Gott Lob! die Stund ist kommen, Da ich werd aufgenommen Ins schö⸗ ne Paradeis. Ihr Eltern dürft nicht klagen; Mit Freuden sollt ihr sagen: Dem Höch⸗ sten sei Lob, Ehr und Preis! 2. Kurz ist mein irdisch Le⸗ ben; Ein bessers wird mir geben Gott in der Ewigkeit. Da werd ich nicht mehr ster⸗ ben, In keiner Noth verder⸗ ben; Mein Leben wird sein lauter Freud. 3. Gott eilet mit den Sei⸗ nen, Läßt sie nicht lange wei⸗ nen In diesem Thränenthal. Ein schnell und selig Sterben Ist schnell und glücklich erben Des schönen Himmels Ehren⸗ saal. 4. Wie öfters wird verfüh⸗ ret Mauch Kind, an dem man spüret Rechtschaffne Fröm⸗ migkeit! Die Welt voll List und Tücke Legt heimlich ihre Stricke Bei Tag und Nacht, zu jeder Zeit. 5. Ihr Netze mag sie stel⸗ len; Mich wird sie nun nicht fällen, Sie wird mir thun kein Leid. Denn wer kann den verletzen, Den Christus hier wird setzen Ins Schloß vollkommner Sicherheit? 6. Zuvor bracht ich euch Freude, Jetzt, nun ich von euch scheide, Betrübt sich euer Herz. Doch, wenn ihr recht betrachtet Und, was Gott thut, hoch achtet, Wird sich bald lindern aller Schmerz. 7. Gott zählet alle Stun⸗ den, Er schlägt und heilet Wunden, Er kennet jeder⸗ mann. Nichts ist ja je gesche⸗ hen, Was er nicht vorgesehen; Und was er thut, ist wohl ge⸗ than. 8. Wenn ihr mich werdet finden Vor Gott, frei aller Sünden, In weißer Seide stehn Und tragen Siegespal⸗ men In Händen, und mit Psalmen Des Herren Lob und Ruhm erhöhn: 9. Da werdet ihr euch freuen, Es wird euch herzlich reuen, Daß ihr euch so be⸗ trübt. Wohl dem, der Gottes Willen Gedenket zu erfüllen Und in Geduld sich ihm er⸗ giebt! 10. Lebt wohl nun, seid ge⸗ segnet! Was euch jetztund be⸗ gegnet, Ist andern auch ge⸗ schehn. Viel müssens noch 44 * .** 2 SSI . 4⁵² erfahren. Nun, Gott woll euch bewahren! Dort wollen wir uns wiedersehn. Joh. Heermann, g. 1585, st-⸗1647. Mel. Ermuntre dich mein schwacher Geist. 606. Du bist zwar mein und bleibest mein; Wer will mirs anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein: Der Herr von ewgen Tagen, Der hat das meiste Recht an dir, Der fordert und erhebt von mir Dich, o mein Sohn, mein Wille, Mein Herz und Wunsches Fülle! 2. Ach, gält es wünschen, wollt ich dich, Du Sternlein meiner Seelen, Vor allem Weltgut ewiglich Mir wün⸗ schen und erwählen! Ich woll⸗ te sagen: Bleib bei mir! Du sollst sein meines Hauses Zier; An dir will ich mein Lieben Bis an mein Sterben üben. 3. So sagt mein Herz und meint es gut; Gott aber meints noch besser. Groß ist die Lieb in meinem Muth; In Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr: Gott ist der Väter Haupt und Ehr, Ein Quell, draus Alt und Jungen In aller Welt entsprungen. 4. Ich sehne mich nach mei⸗ nem Sohn, Und, der mir ihn gegeben, Will, daß er nah an seinem Thron Im Himmel solle lebe. Ich sprech: Ach weh, mein Licht verschwindt! Gott spricht: Willkomm, du Begräbnißlieder. liebes Kind; Dich will ich bei mir haben Und ewig reichlich laben. 5. O süßer Rath, o schönes Wort Und heilger, als wir denken! Bei Gott ist ja kein böser Ort, Kein Unglück und kein Kränken, Kein Angst, kein Mangel, kein Versehn; Bei Gott kann keinem Leid ge⸗ schehn; Wen Gott versorgt und liebet, Wird nimmer⸗ mehr betrübet. 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht, Die Unsrigen zu zieren; Wir gehn und sorgen Tag und Nacht, Wie wir sie wollen führen In einen fei⸗ nen, selgen Stand, Und ist doch selten so bewandt Mit dem, wohin sie kommen, Als wirs uns vorgenommen. 7. Wie manches junges, frommes Blut Wird jäm⸗ merlich verführet Durch bös Exempel, daß es thut, Was Christen nicht gebühret. Da hats denn Gottes Zorn zu Lohn, Auf Erden nichts, als Spott und Hohn; Der Vater muß mit Grämen Sich seines Kindes schämen. 8. Ein solches darf ich ja nun nicht An meinem Sohn erwarten; Der steht vor Got⸗ tes Angesicht Und geht in Christi Garten, Hat Freude, die ihn recht erfreut, Und ruht von allem Herzeleid; Er sieht und hört die Schaaren, Die uns allhie bewahren. 9. Er sieht und hört der Engel Mund, Sein Münd⸗ Bei Kindern. 4⁵3 lein hilft selbst singen; Weiß alle Weisheit aus dem Grund Und redt von solchen Dingen, Die unser keiner noch nicht weiß, Die auch durch unsern Fleiß und Schweiß Wir, vollbracht! Ich bin gar wohl vergnüget, Zu tausend guter Nacht! Ihr aber, meine Lie⸗ ben, Thut nicht so ängstiglich. Was wollt ihr euch betrüben? Stehts doch sehr gut um weil wir sind auf Erden, mich Nicht ausstudiren werden. 10. Ach sollt ich doch von ferne stehn und nur ein we⸗ nig hören, Wenn deine Sin⸗ ne sich erhöhn Und Gottes Namen ehren, Der heilig, heilig, heilig ist, Durch den auch du geheiligt bist! Ich weiß, ich würde müssen Vor Freuden Thränen gießen. 11. Ich würde sprechen: Bleib allhier! Nun will ich nicht mehr klagen: Ach mein Sohn, wärst du noch bei mir! Nein, sondern: komm, du Wa⸗ gen Eliä, hole mich geschwind Und bring mich dahin, da mein Kind Und so viel liebe Seelen So schöne Ding er⸗ zählen! 12. Nun, es sei ja und bleib also, Ich will dich nicht mehr weinen. Du lebst und bist von Herzen froh, Siehst lau⸗ ter Sonnen scheinen, Die Sonnen ewger Freud und Ruh. Hier leb und bleib nur immerzu! Ich will, wills Gott, mit andern Recht balde dir nachwandern. Paul Gerhardt, g. 1606, st. 1676. Mel. Valet will ich dir geben. 607. So hab ich ob⸗ gesieget, Mein Lauf ist nun ich. 2. Denkt, Vater, wie viel Sorgen, Wie manche wache Nacht, Wie manchen düstern Morgen Ein liebes Kind oft macht! Was ihm kann wi⸗ derfahren, Das fürchtet, der es liebt. Den Kummer könnt ihr sparen; Drum seid nicht so betrübt. 3. Auch Mutter, laßt die Zähren, Stellt eure Klagen ein! Des höchsten Gotts Be⸗ gehren, Das muß erfüllet sein. Warum ihr jetzo weinet Und gar zu kläglich thut, Das ist sehr wohl gemeinet; Gott machet alles gut. 4. Die Freude, die sich reget Bei einem Wandersmann, Wenn er die Reis' hinleget Und kommet glücklich an; Die Freude, die empfindet Ein Schiffer, wenn er schier Den sichern Hafen findet: Die spür ich jetzt bei mir. 5. Fahr hin, o Angst und Schmerzen, Fahr immer, im⸗ mer hin! Ich freue mich von Herzen, Daß ich erlöset bin. Ich leb in tausend Freuden In meines Schöpfers Hand; Da trifft, noch rührt kein Leiden, So dieser Welt be⸗ kannt. 6. Die noch auf Erden wal⸗ len In irrthumsvoller Zeit, 2 ‚. —.... — 45⁴ Vermögen kaum zu lallen Von froher Ewigkeit. Viel besser wohl gestorben, Als in der Welt gelebt. Die Schwach⸗ heit ist verdorben, Worinnen ich geschwebt. 5. Schmückt meinen Sarg mit Kränzen, Wie sonst ein Siegsmann prangt. Aus je⸗ nen Himmelslenzen Hat mei⸗ ne Seel erlangt Die ewig grüne Krone. Die werthe Siegespracht Rührt her von Gottes Sohne; Der hat mich so bedacht. 8. Noch netzet ihr die Wan⸗ gen, Ihr Eltern, über mir; Euch hat das Leid umfangen, Das Herze bricht euch schier. Des Vaters treue Liebe Sieht sehnlich in mein Grab, Die Mutter siehet trübe Und kehrt die Augen ab. 9. Ich war euch nur gelie— hen Auf eine kurze Zeit. Will Gott mich zu sich ziehen, So werfet hin das Leid Und sprecht: Gott hats gegeben! Gott, nimms; du hast das Recht. Bei dir steht Tod und Leben; Der Mensch ist Got⸗ tes Knecht. 10. Daß ihr mein Grab müßt sehen, Zeigt unsern schwachen Stand; Daß es so bald geschehen, Thut Gottes Vaterhand. Gott wird das Leid euch stillen. Ich sterbe nicht zu jung; Wer stirbt nach Gottes Willen, Der stirbt schon alt genung. 11. Schein ich zu früh entnommen? Sag jemand: Begräbnißlieder. Kann man auch Zu früh in Himmel kommen? Gott blei⸗ bet bei dem Brauch: Er eilet mit den Seinen Zur schönen Himmelspracht. Wer mag nun den beweinen, Der bei den Engeln lacht. Nachruf der Betrübten. 12. Fahr wohl, o liebe See⸗ le! Geneuß der süßen Lust! Uns in der Trauerhöhle Ist nichts hievon bewußt. Wann wird doch angelangen Dessel⸗ ben Tages Schein, Daß du uns wirst empfangen? O möcht es heute sein! Gottfr. Wilh. Sacer, g. 1635, st. 1699. Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. 608. Wie kurz ist doch der Menschen Leben, Wie schleunig wird es hingerafft! Wir sind mit Sterblichkeit umgeben. Wie bald versiegt der Lebenssaft! Wir blühen auf und fallen ab, Wir stei⸗ gen aus der Wieg ins Grab. 2. Wohl aber dem, der also stirbet, Daß ihn sein Sterben nicht betrübt; Den Gott ent⸗ rückt, eh er verdirbet, Und ihm ein ewges Leben giebt, Ein Leben in der bessern Welt, Die keinen Jammer in sich hält! 3. Ach weinet nicht, daß ich gestorben. Ich habe ja nun ausgekrankt. Was mir mein Jesus hat erworben, Das hab ich in dem Tod erlangt. Ich bin an einen Ort gebracht, Wo meine Seel in Frieden lacht. 4. Wie wohl bin ich dort aufgehoben! Wie wohl hat mich doch Gott versorgt! Ihn soll ich nun mit Freuden lo⸗ ben; Euch war ich nur von ihm geborgt. Nun hat er mich der Erd entwandt Und mir den Himmel zuerkannt. 5. Verwelkt der Leib gleich in der Erden, Er wird doch künftig wieder blühn, Von Jesu schön verkläret werden; Der wird ihm seinen Glanz anziehn; Da werd ich wie ein Engel sein. Deß sollt auch ihr euch noch erfreun. 6. Ich bin der bösen Welt entflogen, In welcher ihr euch oft betrübt. Mich hat der Herr zu sich gezogen, Der mich viel mehr, als ihr, geliebt. Ich schaue Jesu Angesicht. Daran gedenkt und weinet nicht. Mel. Es ist genug! So nimm ꝛc. 609. Zeuch hin, mein Kind! Denn Gott selbst for⸗ dert dich Aus dieser argen Welt. Ich leide zwar, Dein Tod betrübet mich; Doch weil es Gott gefällt, So unterlaß ich alles Klagen Und will mit stillem Geiste sagen: Zeuch hin, mein Kind! 2. Zeuch hin, mein Kind! Der Schöpfer hat dich mir Nur in der Welt geliehn. Die Zeit ist weg; Darum be⸗ fiehlt er dir, Jetzt wieder fortzuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so ersehen; Was die⸗ ser will, das muß geschehen. Bei Kindern. 4⁵⁵ 3. Zeuch hin, mein Kind! Im Himmel findest du, Was dir die Welt versagt; Denn nur bei Gott Ist wahrer Trost und Ruh, Da wird kein Schmerz erfragt. Hier müssen wir in Aengsten schweben, Dort kannst du ewig fröh⸗ lich leben. Zeuch hin, mein Kind! 4. Zeuch hin, mein Kind! Wir folgen alle nach, Sobald es Gott befiehlt. Du eilest fort, Eh dein Herz Ungemach In spätern Jahren fühlt. Wer lange lebt, steckt lang im Leide. Wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude. Zeuch hin, mein Kind! 5. Zeuch hin, mein Kind! Die Engel warten schon Auf deinen frommen Geist. Du siehest auch, Wie Gottes lie⸗ ber Sohn Dir schon die Krone weist. Nun wohl, dein Seelchen ist entbunden, Du hast im Herren überwunden. Zeuch hin, mein Kind! Gottfr. Hoffmann, g. 1658, st. 1712. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 610. Wenn kleine Him⸗ melserben In ihrer Unschuld sterben, So büßt man sie nicht ein; Sie werden nur dort oben Vom Vater aufgehoben, Damit sie unverloren sein. 2. Sie sind ja in der Taufe Zu ihrem Christenlaufe Für Jesum eingeweiht Und noch bei Gott in Gnaden: Was sollt es ihnen schaden, Wenn Zeuch hin, mein Kind! er nun über sie gebeut? 8—— ———— Aeeteee—e— 456 Das Reich der Herrlichkeit. 3. Der Unschuld Glück ver⸗ scherzen, Stets kämpfen mit Und die die Welt nicht fällte, Ja, wohl noch jetzt im Netze a den Schmerzen, Mit so viel hatꝰ Seelennoth, Im Angstgefühl der Sünden Das Sterben schwer empfinden:— Davor bewahrt ein früher Tod. 4. Zwar wer in seiner Ju⸗ gend Den Weg zur wahren Tugend Durch Jesum Chri⸗ stum findt Und sich den ersten Glauben Hat niemals lassen rauben, Der lebt und stirbt auch wie ein Kind. 5. Allein, wo sind die Rei⸗ nen, Die jetzt noch so erschei⸗ nen, Wie sie das Wasserbad Vor Gottes Augen stellte, 6. Wie leicht geht nicht bei Kindern Von uns erwachsnen Sündern Das fremde Feuer an! Sind sie der Welt ent⸗ rissen, Dann können wir erst wissen, Daß sie die Welt nicht fällen kann. 7. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu geschwinde. Zeuch hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen Und bleibest bei den Schafen, Die ewig un⸗ sers Jesu sind. Joh. Andr. Rothe, g. 1688, st. 1758. XXIV. Pas Reich der Berrlichktit. Christi Wiederkunft; Auferstehung der Todten; jüngstes 611. Tag des Zornes, den wir gläuben, Wirst die Welt in Asche stäuben, Wie uns die Propheten schreiben. 2. Welch ein Zittern wird dann werden, Wenn der Rich⸗ ter kommt auf Erden, Rächer aller Sünd zu werden! 3. Die Posaun mit mächt⸗ gem Schalle, Rufend durch der Gräber Halle, Treibet vor den Thron hin alle. 4. Tod und Schöpfung wer⸗ den beben, Wenn die Leichen Gericht. sich erheben, Antwort im Ge— richt zu geben. 5. Und ein Buch wird sich entfalten, Drin der Menschen Schuld enthalten, Wonach Gott Gericht wird halten. 6. Wird der Herr nun rich⸗ tend sitzen, Dann wird Licht ins Dunkle blitzen, Nichts vor seinem Zorne schützen. 7. Was soll dann ich Ar-— mer sagen? Welchen Für⸗ sprech mir erfragen, Wo selbst die Gerechten zagen? Christi Wiederkunft. 8. König, schrecklich, groß von Ehren, Du rettst, was errett soll werden; Rett au mich, Heiland der Erden! 9. Treuer Jesu, wollst be⸗ denken, Daß du kamst, mir Heil zu schenken! Wollst mich nicht zum Abgrund senken! 10. Hast gesucht mich Zeit des Lebens, Mich erlöst am Kreuz voll Bebens; So viel Müh sei nicht vergebens. 11. Richter der gerechten Rache, Deiner Huld mich theilhaft mache, Eh ich zum Gericht erwache. 12. Schwer beseufz ich mei⸗ nen Schaden, Ich erröth von Schuld beladen; Schenk dem Flehenden, Herr, Gnaden! 13. Du, der lossprachst einst Marien Und dem Schä⸗ cher hast verziehen, Hast auch mir Hoffnung verliehen. 14. Mein Gebet gilt zwar nicht theuer; Doch, du Gna⸗ denvoller, Treuer, Rette mich vom ewgen Feuer! 15. Von den Böcken weg mich stelle, Zu den Schafen mich geselle, Mich zu deiner Rechten stelle. 16. Wann die Flammen heiß entglommen, Die Verdamm⸗ ten hingenommen, Dann ruf mich mit deinen Frommen. 17. Mit zerknirschtem Her⸗ zen wende Flehend ich zu dir die Hände; Sorge gnädig für mein Ende! 18. Ach, wenn wir an je⸗ nem Tage Auferstehn mit Thrän und Klage Zum Ge— 45⁷ richt beschwert mit Sünden: Herr Gott, laß uns Gnade ch finden! Frommer Jesu, ach schenk uns Ewge Ruh in dei⸗ nem Namen! Amen! Uebersetzung des Dies irae, dies IIa, von Thomas v Celano, um 1250. 612. Es ist gewißlich an der Zeit, Daß Christ, der Herr, wird kommen In sei⸗ ner großen Herrlichkeit, Zu richten Bös und Frommen. Da wird das Lachen werden theur, Wenn alles wird ver⸗ gehn durchs Feur, Wie Got⸗ tes Wort bezeuget. 2. Posaunen wird man hö⸗ ren gehn An aller Welten Ende; Denn Gott wird for⸗ dern vor sein Thron All Menschen gar behende. Da wird der Tod erschrecken sehr, Wenn er wird hören neue Mähr, Daß alles Fleisch soll leben. 3. Ein Buch wird da gele⸗ sen bald, Darin so steht ge⸗ schrieben, Wie Gott will rich⸗ ten Jung und Alt; Soll nichts verborgen liegen. Da wird einm Jeden kommn zu Haus, Was er hie hat gerichtet aus In seinem ganzen Leben. 4. Was werd ich armer Sünder dann Vor deinem Richtstuhl sagen? Was werd ich für ein Fürsprech habn, Der mein Sach wird austra⸗ gen? Das wirst du thun, Herr Jesu Christ, Dieweil daß du gekommen bist, All Sünder zu erlösen. 458 Das Reich der Herrlichkeit. 5. O Jesu, hilf zur selben Zeit, Von wegen deiner Wun⸗ den, Daß ich im Buch der Seligkeit Werd angezeichnet funden. Nun, Herr, ich dran auch zweifle nicht: Denn du hast ja den Feind gericht Und meine Schuld bezahlet. 6. Herr Jesu Christ, du machst es lang In diesen bösen Tagen. Auf Erden ist den Leuten bang; Laß sie doch nicht verzagen. Schick den Tröster, den heilgen Geist, Der sie in alle Wahr⸗ heit leit, Durch Jesum Chri⸗ stum. Amen! Frederus, 1550, und Barthol. Ringwaldt, g. 1531, st. 1598, nach: Dies irae, dies illa, von Thomas v. Celano, st. 1255. 613. Wachet auf! ruft uns die Stimme Der Wäch⸗ ter sehr hoch auf der Zinne, Wach auf, du Stadt Jerusa⸗ lem! Mitternacht heißt diese Stunde! Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohl⸗ auf, der Bräutgam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Hallelujah! Macht euch bereit Zu der Hochzeit: Ihr müsset ihm entgegen gehn. 2. Zion hört die Wächter singen, Das Herz thut ihr vor Freuden springen: Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Him⸗ mel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all Zum Freu⸗ densaal Und halten mit das Abendmahl. 3. Gloria sei dir gesungen Mit Menschen⸗ und mit En⸗ gelzungen, Mit Harfen und mit Cymbeln schön! Von zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt; wir stehn im Chore Der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je gespürt, Kein Ohr hat je gehört Solche Freude. Drum jauchzen wir Und sin⸗ gen dir Das Hallelujah für und für. Phil. Nieolat, geb. 1556, st. 1608. 614. Wach auf, wach auf, du sichre Welt! Der letzte Tag wird wahrlich kom⸗ men! Denn was im Himmel ist bestellt Wird durch die Zeit nicht hingenommen. Ja, was der Heiland selbst ge⸗ schworen, Soll endlich allzu⸗ mal geschehn. Obgleich die Welt muß untergehn, So wird sein Wort doch nicht verloren. 2. Wach auf, der Herr kommt zum Gericht! Er wird sehr prächtig lassen schauen Sein richterliches Angesicht, Das die Verdammten machet grauen. Seht, den der Vater lässet sitzen Zu seiner Rech⸗ ten, der die Welt Zu sei⸗ nen Füßen hat gestellt, Der kommt mit Donner, Feur und Blitzen. 2—22—8—————— Christi Wi 3. Wach auf, wach auf, du sichre Welt! Gar schnell wird dieser Tag einbrechen. Wer weiß, wie bald es Gott ge⸗ fällt? Sein Will ist gar nicht auszusprechen. Ach hüte dich vor Geiz und Prassen! Gleich⸗ wie das Vöglein wird berückt, Noch eh es seinen Feind er⸗ blickt; So schnell wird dieser Tag dich fassen. 4. Der Herr verzeucht die letzte Zeit, Dieweil er uns so herzlich liebet Und nur aus lauter Freundlichkeit Uns Frist und Raum zur Buße giebet. Er weiß gar sanft mit uns zu fahren, Hält auf den lieben jüngsten Tag, Daß sich der Frommen Glauben mag Sammt Lieb und Hoff⸗ nung offenbaren. 5 Erscheinen wird das lieb⸗ lich Theil, Der Tag des Rich⸗ ters euch, ihr Frommen, An welchem eur erwünschtes Heil, ederkunft. 459 7. Der Frühling ist schon vor der Thür, Der Feigen⸗ baum will Laub gewinnen, Die Blümlein schießen auch herfür, Die Zeit erneuert uns die Sinnen. Bald kommt das rechte Sommerleben, In wel⸗ chem unser Leib wird sein Verkläret, wie der Sonnen⸗ schein. Den uns der jüngste Tag wird geben. 8. Wohlan, wir wollen Tag und Nacht Im Geist und un⸗ ablässig beten; Wir wollen immer geben Acht Auf unsern Herrn und vor ihn treten. Kommt, lasset uns entgegen gehen Dem Bräutigam zu rechter Zeit, Damit wir in der Ewigkeit Sammt allen Engeln vor ihm stehen. Joh. Rist, g. 1607, st. 1667. Mel. Valet will ich dir geben. 615. Laßt ab von Sün⸗ den alle! Laßt ab und zweifelt nicht, Daß Christus wird mit Euch frei zu machen, ist ge⸗ kommen. Der rechte Josua wird bringen Die Seinigen mit starker Hand In das ge⸗ wünschte Vaterland, Ein Sie⸗ geslied daselbst zu singen. 6. Sind auch die Zeiten so verkehrt, Daß wir vor Un⸗ muth schier vergehen; Wird schon die Trübsal so vermehrt, Daß kaum ein Ziel davon zu sehen: Geduldet euch! Bald wird sich enden Des Lebens Schalle Bald kommen zum Gericht! Sein Stuhl ist schon bereitet. Der Herr kommt of⸗ fenbar; Er kommt, und wird begleitet Von einer großen Schaar. 2. Erschrick, o sichre Seele! Dies ist der letzte Tag. Dein Leib kommt aus der Höhle, Darin er schlafend lag. Da mußt du stehn entkleidet Und hören an mit Scheu, Wie schwere Pilgerschaft, Bald werden wir dahin gerafft, Wo sich die Plagen von uns wenden. Christus selber scheidet Den Weizen von der Spreu. 3. Wohl dir, wenn du ge⸗ schmücket In wahrem Glau⸗ 460 Das Reich der Herrlichkeit. ben bist! Alsdann wirst du gerücket Hinauf zu JesuChrist. Weh aber deinem Herzen, Wo du bist unbereit! Du mußt erleiden Schmerzen Und Pein in Ewigkeit. 4. Was wird der Richter machen? Der richtet nicht allein; Er wird zugleich in Sachen Dein wahrer Zeuge sein. Dann wirst du sehr erschrecken, Wenn auf dem Urtheilsplan DerRichter wird aufdecken, Was heimlich du gethan. 5. Wie willst du doch beste⸗ hen Vor seinem großen Zorn, Wenn er dich lässet sehen Die Wunden, Schläg und Dorn, Und was er mehr getragen, O schnöder Mensch, für dich ꝰ Da wird dich Christus fragen: Marum, Mensch, schlugst du michꝰ 6. Hab ich nicht gern ver⸗ gossen Mein Blut für deine Schuld? Ward ich nicht fest geschlossen? Litt ich nicht mit Geduld Die nie verdienten Strafen Und Marter Tag und Nacht, Bis ich, am Kreuz entschlafen, Hab alles vollen⸗ bracht? 7. Wie hast du nun vergol⸗ ten Mir, was ich dir gethan? Oft hast du mich gescholten, Bist oft die Sündenbahn Mit dem verfluchten Haufen, Nur mir zu Spott und Hohn, In Sicherheit gelaufen! War das dafür mein Lohn? 8. Wie wird der Sünder schreien, Wenn ihn der Rich— ter fragt, Warum er nicht mit Treuen Gethan, was ihm gesagt! Wie wird er können schauen Ein solches Angesicht, Das ihm mit Angst und Grauen Leib, Seel und Geist zerbricht? 9. O Himmel! Es erschallet Der Sünder Klaggeschrei: Ihr Berg und Hügel, fallet Und knirschet uns entzwei! Bedeckt uns vor dem Pfuhle, Dieweil zu dieser Frist Das Lamm auf Gottes Stuhle So sehr ergrimmet ist! 10. Herr, lehre mich beden⸗ ken Doch diesen großen Tag, Daß ich zu dir mich lenken Und christlich leben mag. Und wenn ich dort soll stehen Vor deinem Angesicht, So laß mich alsdann sehen Dein klares Himmelslicht. Joh. Rist. g. 1607, st 1667. Mel. Kommt her zu mir, spricht ꝛc. 616. Du siehest, Mensch, wie fort und fort Der eine hier, der andre dort Uns gute Nacht muß geben. Der Tod hält keinen andern Lauf; Er sagt zuletzt ie Wohnung auf Uns allen, die wir leben. 5. Bedenk es weislich in der Zeit Und fleuch den Schlaf der Sicherheit, Sei augen⸗ blicklich wacker; Denn wiß, es bleibet nicht dabei, Daß hier dein Leib vergraben sei Auf einem Gottesacker. 3. Wir werden aus den Gräbern gehn Und alle vor selbst wird hegen, Wenn auf der Engel Feldgeschrei Die Glut das große Weltgebäu Wird in die Asche legen. 4. Alsdann wird erst der ganzen Welt Belohnung wer⸗ den zugestellt. Die Sünder sollen büßen, Und ihnen ohn Betrug und Schein Selbst Kläger, Richter, Henker sein, Verdammt durch ihr Gewis⸗ sen. 5. Ach Gott, kommt mir dies Urtheil vor, So steigen mir die Haar empor; Mein Herz fühlt Angst und Schrecken. Ihr hohen Hügel, heb ich an, Ihr Berg, und was sich stür⸗ zen kann, Fallt her, mich zu bedecken! 6. Herr Jesu, meine Zuver⸗ sicht, Ach laß dein strenges Weltgericht, Ach laß es mir nicht schaden! Zeig an dem Vater den Vertrag, Damit ich künftig hören mag Den süßen Spruch der Gnaden. 7. Gieb, daß ich mich bei gutem Sinn, Und weil ich noch bei Kräften bin, Bereite zum Absterben, Auf daß ich mag nach dieser Zeit Der Seelen Heil und Seligkeit Aus lauter Gnad ererben. Simon Dach, g. 1605, st. 1659. Mel. Valet will ich dir geben. 617. Ermuntert euch, ihr Frommen! Zeigt eurer Lampen Schein! Der Abend ist gekommen, Die finstre Christi Wiederkunft. Gerichte stehn, Das Christus aufgemachet Der Bräutigam mit Pracht. Auf, betet, kämpft und wachet! Bald ist es Mit⸗ ternacht. 2. Macht eure Lampen fer⸗ tig Und füllet sie mit Oel Und seid des Heils gewärtig; Bereitet Leib und Seel. Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah! Begeg⸗ net ihm im Reihen Und singt Hallelujah! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, Hebt nun das Haupt empor Mit Jauchzen und mit Schalle Zum frohen Engel⸗ chor. Die Thür ist aufge⸗ schlossen, Die Hochzeit ist bereit! Auf, auf, ihr Reichs⸗ genossen, Der Bräutgam ist nicht weit! 4. Er wird nicht lang ver⸗ ziehen; Drum schlafet nicht mehr ein. Man sieht die Bäume blühen; Der schönste Frühlingsschein Verheißt Er⸗ quickungszeiten; Die Abend⸗ röthe zeigt Den schönen Tag von weiten, Davor das Dunkle weicht. 5. Wer wollte denn nun schlafen? Wer klug ist, der ist wach. Gott kömmt, die Welt zu strafen, Zu üben Grimm und Rach An allen, die nicht wachen Und die des Thieres Bild Anbeten sammt dem Drachen. Drum auf! Der Löwe brüllt. 6. Begegnet ihm auf Erden, Ihr, die ihr Zion liebt, Mit Nacht bricht ein. Es hat sich freudigen Geberden Und seid nicht mehr betrübt. Es sind —* die Freudenstunden Gekom⸗ men, und der Braut Wird, weil sie überwunden, Die Krone nun vertraut. 7. Die ihr Geduld getragen Und mit gestorben seid, Sollt nun nach Kreuz und Plagen In Freuden sonder Leid Mit leben und regieren Und vor des Lammes Thron Mit Jauchzen triumphiren In eu⸗ rer Siegeskron. 8. Hier sind die Siegespal⸗ men, Hier ist das weiße Kleid; Hier stehn die Waizenhalmen In Frieden nach dem Streit Und nach den Wintertagen; Hier grünen die Gebein, Die dort der Tod erschlagen; Hier schenkt man Freudenwein. 9. Hier ist die Stadt der Freuden, Jerusalem, der Ort, Wo die Erlösten weiden; Hier ist die sichre Pfort, Hier sind die güldnen Gassen; Hier ist das Hochzeitsmahl, Hier soll sich niederlassen Die Braut im Rosenthal. 10. O Jesu, meine Wonne, Komm bald und mach dich auf! Geh auf, verlangte Sonne, Befördre deinen Lauf! O Jesu, mach ein Ende Und führ uns aus dem Streit! Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit. Laurentius Laurentii, g. 1660, st. 1722. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. 61 S. Erhöhter Jesu, Gottes Sohn, Der du schon 462 Das Reich der Herrlichkeit. längst der Himmel Thron Als Herrscher eingenommen, Du wirst dereinst zu rechter Zeit In großer Kraft und Herr⸗ lichkeit Vom Himmel wieder⸗ kommen. Gieb, daß dann froh und mit Vertraun Dich, Herr, auch meine Augen schaun. 2. Wer faßt, o Heiland, jetzt die Pracht, Die deinen Tag einst herrlich macht? Wie groß wirst du dich zeigen, Wenn du auf lichten Wolken einst Mit deiner Engel Heer erscheinst, Die sich vor dir, Herr, beugen! Wann sieht die Welt die Majestät, Dazu dich Gott, dein Gott, erhöht. 3. Dann tönt dein Ruf in jedes Grab Mit allmachts⸗ voller Kraft hinab Und schafft ein neues Leben. Auf deinen Wink muß Erd und Meer Das große unzählbare Heer Der Todten wiedergeben. Sie stehn durch dich, Herr, neu beseelt Nun alle auf, und keiner fehlt. 4. Du sammelst sie vor dei⸗ nen Thron, Um jedem den bestimmten Lohn Nach seiner That zu geben. Dann trifft den Bösen Schmach und Pein, Den Frommen aber führst du ein In das verheißne Leben. Wer leugnet dann noch, Jesu Christ, Daß du der Erde Richter bist? 5. O gieb, wenn nun dein Tag erscheint, Daß ich in dir dann meinen Freund Und Heiland wiederfinde; Daß ich Christi Wiederkunft. 463 mit Freuden vor dir steh Und mit dir in den Himmel geh, Ganz frei von Fluch und Sünde! Laß mich im Glau⸗ ben wachsam sein Und auch die kleinste Sünde scheun. 6. Dein Name sei mir ewig werth, Und was dein Wort von mir begehrt, Das laß mich treulich üben. Niemals ermüde hier mein Geist, Dich, den schon jetzt der Himmel preist, Aus aller Kraft zu lie⸗ ben: So hab ich in der Ewig⸗ keit Auch Theil an deiner Herrlichkeit. Chr. Sam. Ulber, g. 1714, st. 1776. Mel. Es ist das Heil uns kommen ꝛc. 619. Schon ist der Tag von Gott bestimmt, Da, wer auf Erden wandelt, Sein Loos aus Gottes Händen nimmt, Nach dem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des Menscheu Sohn! Er kommt, und Wolken sind sein Thron, Der Erden Kreis zu richten. 2. Hier an dem Rand der Ewigkeit, Hier stehn die Mil⸗ lionen. Die seit dem ersten Tag der Zeit Auf dieser Erde wohnen, Nur dem Allwissen⸗ den bekannt, Unzählbar, wie am Meer der Sand; Hier stehn sie vor dem Richter. 3. Hier muß der falsche Wahn der Welt Der Wahr⸗ heit unterliegen. Hier, wo das Recht die Wage hält, Wird keine Sünde siegen. Hier ist zur Buße nicht mehr Frist; Hier gilt nicht mehr Betrug und List; Hier gilt kein falscher Zeuge. 4. Der Richter spricht, der Himmel schweigt, Und alle Völker hören Erwartungsvoll und tief gebeugt: Kommt, erbt das Reich der Ehren! So spricht er zu der frommen Schaar; Doch die, die wi⸗ derspenstig war, Heißt er nun von sich weichen. 5. OHerr, mit welcher Ma⸗ jestät Wirst du dies Urtheil fällen! Die Sünder, die dich hier verschmäht, Gehn dann gewiß zur Höllen. Dort trifft sie unerforschte Pein. Wer wird dann noch ihr Retter sein? Ihr Warten ist ver⸗ loren. 6. Sie, die Gerechten, leuch⸗ ten dann So, wie der Glanz amHimmel. Du selbst nimmst sie zu Ehren an. O welch ein froh Getümmel! Nun sehn sie mit erstauntem Blick, Daß Glaub und Lieb das höchste Glück Aus Gottes Gnad er⸗ erben. 7. Sie gehn nun in das selge Reich, Das Gott für sie bereitet, Und sehn auf ewig, Engeln gleich, Ihr Wohlsein ausgebreitet. Das Stückwerk wird Vollkommenheit, Kein Kummer, keine Traurigkeit Stört ihre ewge Freude. 8. Mein Heiland, laß mich dein Gericht Oft und mit Ernst bedenken! Es stärke meine Zuversicht, Wenn mich —— 464 Das Reich der Herrlichkeit. die Leiden kränken. Es reize gedenk der Rechenschaft Nach mich, gewissenhaft Und ein⸗ deinem Wort zu wandeln. Joh. Sam. Diterich, 9. 1721, st. 1797. Die Ewigkeit. Mel. Vater unser im Himmelreich 620. O Ewigkeit, o Ewigkeit, Wie lang bist du, o Ewigkeit! Doch eilt zu dir schnell unser Zeit, Gleichwie das Heerpferd zu dem Streit, Nach Haus der Bot, das Schiff zum Port, Der schnelle Pfeil vom Bogen fort. 2. O Ewigkeit, o Ewigkeit, Wie lang bist du, o Ewigkeit! Gleich wie an einer Kugel rund Kein Anfang und kein End ist kund, Also, o Ewigkeit, an dir Nicht Ein⸗noch Ausgang finden wir. 3. O Ewigkeit, o Ewigkeit, Wie lang bist du, o Ewigkeit! Du bist ein Ring, unendlich weit, Dein Mittelpunkt heißt „Allezeit“,„Niemal“ der wei⸗ te Umkreis dein, Weil deiner nie kein End wird sein. 4. O Ewigkeit, o Ewigkeit, Wie lang bist du, o Ewigkeit! Wegnehmen könnt ein Vög⸗ lein klein All ganzer Welt Sand, Berg und Stein, Wenns auch nur käm all tau⸗ send Jahr: Von dir wär noch nichts weg, fürwahr! Wasser solche Meng, Daß Erd und Himmel wär zu eng. 6. O Ewigkeit, o Ewigkeit, Wie lang bist du, o Ewigkeit! Hör Mensch: So lange Gott wird sein, So lang wird sein der Höllen Pein, So lang wird sein des Himmels Freud! O lange Freud, o langes Leid! 7. O Ewigkeit, o Ewigkeit, Wie lang bist du, o Ewigkeit! Verständig ist, der dich be⸗ tracht, Des Fleisches Lust er leicht veracht; Bei ihm die Welt nicht Platz mehr findt; Die Lieb zum Eiteln bald verschwindt. Wie lang bist du, o Ewigkeit! Wer sich besinnt, zu Gott so spricht: Hie brenn, hie schneid, hie straf und richt, Hie handle nach Gerechtigkeit; Verschon nur in der Ewigkeit! 9. O Ewigkeit, o Ewigkeit, Wie lang bist du, o Ewigkeit! O Mensch, oft deine Sinnen stell, Zu denken an die Qual der Höll Und an der From⸗ men Herrlichkeit: Es währet 5. O Ewigkeit, o Ewigkeit! Wie lang bist du, o Ewigkeit! In dir, wenn nur all tausend Jahr Ein Aug vergöß ein kleine Zähr, Würd wachsen beides ohne Zeit! Bedenk, o Mensch, die Ewigkeit! V. 1—6 v. e. Unbekannten aus d. 16. Jahrh. V. 7—9 von Dan. Wülffer, g. 1617, st. 1685. 8. O Ewigkeit, o Ewigkeit, 5 Mel. Jesus, meine Zuverficht. 621. Ebwig, ewig! heißt das Wort, Das wir wohl be⸗ denken müssen. Zeitlich hier und ewig dort, Das ist, was wir alle wissen; Denn nach dieser kurzen Zeit Folgt die lange Ewigkeit. 2. Es wird endlich alle Zeit Von der Ewigkeit verschlun⸗ gen; Diese bringet Freud und Leid. Wie man hier darnach gerungen, Was wir in der Zeit gethan, Schreibt die Ewigkeit uns an. 3. Ewig wird das Erbe sein Derer, die an Christum gläu⸗ ben Und ohn allen Heuchel⸗ schein Treu in seiner Liebe bleiben. Für das Leiden die⸗ 165 Zeit Krönet sie die Ewig⸗ eit. 622. O Ewigkeit, du Donnerwort! O Schwert, das durch die Seele bohrt! O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit! Ich weiß vor großer Trau⸗ rigkeit Nicht, wo ich mich hinwende. Mein ganz er⸗ schrocknes Herz erbebt, Daß mir die Zung am Gaumen klebt. 2. Kein Unglück ist in dieser Welt, Das endlich mit der Zeit nicht fällt Und ganz wird aufgeboben. Die Ewigkeit nur hat kein Ziel! Sie trei⸗ bet fort und fort ihr Spiel, Läßt nimmer ab zu toben. Ewiger Tod. Ewiger Tod. 465 4. Ewig aber ist verflucht, Wer die Zeit in seinem Leben Zu verschwenden hat gesucht Und sich eitler Lust ergeben. Diesem bringt die Ewigkeit Endlich ein unendlich Leid. 5. Mein Gott, laß mich in der Zeit An die Ewigkeit ge⸗ denken, Und durch keine Si⸗ cherheit Mir das rechte Ziel verschränken, Daß mich, eh die Zeit verläuft, Nicht die Ewigkeit ergreift. ). Ewig, ewig! Süßer Schall, Wenn man hier hat fromm gelebet! Ewig, ewig! Schreckenshall, Wenn man Gott hat widerstrebet! Steh mir, Gott, in Gnaden bei, 16. das Wort mir Jubel ei. Benj. Schmolk, g. 1672, st. 1787. Ja wie mein Heiland selber spricht: Aus ihr ist kein Er⸗ lösung nicht. 3. O Ewigkeit, du machst mir bang! O ewig, ewig ist zu lang! Hier gilt fürwahr kein Scherzen. Drum, wenn ich diese lange Nacht Zusammt der großen Pein betracht, Er⸗ schreck ich recht von Herzen. Nichts ist zu finden weit und breit So schrecklich als die Ewigkeit. 4. Wenn der Verdammten große Qual So manches Jahr, als an der Zahl Hier Menschen sich ernähren, Als manchen Stern der Himmel 30 2 2 466 Das Reich der Herrlichkeit. hegt, Als manches Laub das Erdreich trägt, Noch endlich sollte währen: So wäre doch der Pein zuletzt— recht be⸗ stimmtes Ziel gesetzt. 5. Nun aber, wenn du die Gefahr Viel hundert tausend tausend Jahr Hast kläglich ausgestanden Und von der Pein zu solcher Frist Ganz grausamlich gemartert bist, Ist doch kein Schluß vorhan⸗ den. Die Zeit, so niemand zählen kann, Die fänget stets von neuem an. 6. Ach Gott, wie bist du so gerecht! Wie strafest du die bösen Knecht Im heißen Pfuhl der Schmerzen! Auf kurze Sünden dieser Welt Hast du so lange Pein gestellt. Ach nimm es wohl zu Herzen Und merk auf dies, o Menschen⸗ kind: Kurz ist die Zeit, der Tod geschwind! 7. Ach fliehe doch des Teu⸗ fels Strick! Die Wollust kann ein Augenblick, Und länger nicht, ergötzen. Dafür willst du dein arme Seel Hernach⸗ mals ewig in der Höll In große Trübsal setzen? Ja, schöner Tausch! Ja, wohl gewagt, Das bei dem Teufel wird beklagt! 8. Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf! Ermuntre dich, verlornes Schaf, Und bessre bald dein Leben! Wach auf! Es ist sehr hohe Zeit! Es kommt heran die Ewigkeit, Tag! Wer weiß, wie man noch sterben mag? 9. Ach laß die Wollust die⸗ ser Welt, Pracht, Hoffart, Reichthum, Ehr und Geld Dir länger nicht gebieten! Schau an die große Sicher⸗ heit, Die salsche Welt und böse Zeit Zusammt des Teu⸗ fels Wüthen! Vor allen Din⸗ gen hab in Acht Die vorer⸗ wähnte lange Nacht! 10. OEwigkeit, du Donner⸗ wort! O Schwert, das durch die Seele bohrt! O Anfang, sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit! Ich weiß vor großer Traurigkeit Nicht, wo ich mich hin wende. Nimm du mich, wenn es dir gefällt, Herr Jesu, in dein Himmels⸗— zelt! Joh. Rist, g. 1607, fl. 16067. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 623. Viel besser, nie geboren, Als ewiglich verlo⸗ ren, Von Gott getrennt sich sehn, Von keinem Heil nichts wissen, Vom Licht zu Fin⸗ sternissen, Vom Leben zu dem Tode gehn. 2. Vom Singen in das Klagen, Vom Hoffen ins Ver⸗ zagen, Von Freuden in die Pein, Von Freiheit in die Banden, Von Ehren in die Schanden, Von Ruhe in die Qual hinein; 3. Im Fluch auf ewig bren⸗ nen, Gott seinen Gott nicht nennen: O das ist hoch be⸗ Dir deinen Lohn zu geben! Vielleicht ist heut der letzte trübt! Ach Gott, ich flieh ge⸗ rade Allein zu deiner Gnade, 0 6 0 6 Mein Gott, der du die Welt geliebt. 4. Du hast den Sohn ge⸗ geben, Im Sohn ein ewig Leben; Im Sohn will ich dich flehn, Dich flehn um deine Liebe, Dich flehn aus heißem Triebe: Laß mich das Heil in Jesu sehn! Ewiges Leben. 467 5. Ich war dem Tod zum Raube: Nun gieb mir, daß ich glaube. Wer glaubt, wird selig sein. So geh ich nicht verloren, So bin ich neu ge⸗ boren, So dring ich in das Leben ein. Phil. Friedr. Hiller, g. 1699, ft. 1709. Ewiges Leben. 624. Jerusalem, Du hochgebaute Stadt, Wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnlich Herz So groß Ver⸗ langen hat Und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Thale, Weit über blaches Feld Schwingt es sich über alle Und eilt aus dieser Welt. 2. O schöner Tag Und noch viel schönre Stund, Wann wirst du kommen schier, Da ich mit Lust, Mit freiem Freu⸗ denmund Die Seele geb von mir In Gottes treue Hände Zum auserwählten Pfand Daß sie mit Heil anlände In jenem Vaterland! 3. Im Augenblick Wird sie erheben sich Bis an das Fir⸗ mament, Wenn sie verläßt So sanft, so wunderlich Die Stätt der Element; Fährt auf Eliä Wagen Mit froher Engelschaar, Die sie in Hän⸗ den tragen, Umgeben ganz und gar. 4. O Ehrenburg, Sei nun gegrüßet mir! Thu auf der Gnaden Pfort! Wie große Zeit Hat mich verlangt nach dir, Eh ich bin kommen fort Aus jenem bösen Leben, Aus jener Nichtigkeit, Und mir Gott hat gegeben Das Erb der Ewigkeit! 5. Was für ein Volk, Was für ein edle Schaar Kommt dort gezogen schon? Was in der Welt Von Auserwählten war, Seh ich; die beste Kron, Die Jesus mir, der Herre, Entgegen hat gesandt, Da ich noch war so ferne In meinem Thränenland. 6. Propheten groß Und Pa⸗ triarchen hoch, Auch Christen insgemein, Die weiland dort Trugen des Kreuzes Joch Und der Tyrannen Pein, Schau ich in Ehren schweben, In Freiheit überall, Mit Klarheit hell umgeben, Mit sonnenlichtem Strahl. 7. Wenn dann zuletzt Ich angelanget bin Im schönen Paradeis: Von höchster Freud Erfüllet wird der Sinn, Der Mund voll Lob und Preis. Das Hallelujah reine Singt man in Heiligkeit, Das Ho⸗ sianna feine Ohn End in Ewigkeit. SII 468 Das Reich der Herrlichkeit. 8. Mit Jubelklang, Mit Instrumenten schön, In Chö⸗ ren ohne Zahl, Daß von dem Schall Und von dem süßen Ton Erbebt der Freudensaal; Mit hunderttausend Zungen, Mit Stimmen noch vielmehr, Wie von Anfang gesungen Des Himmels selig Heer. Meyfart, g. 1590, st. 1642. 625. O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgan⸗ gen Aller Noth, die uns noch hält gefangen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben. Was wir hier ken⸗ nen, Ist nur Müh und Her⸗ zeleid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in eurer Kammer Sicher und befreit von allem Jammer; Kein Kreuz und Leiden Ist euch hinderlich in euren Frenden. 4. Christus wischet ab euch alle Thränen, Habt das schon, wonach wir uns erst sehnen; Euch wird gesungen, Was durch keines Ohr allhier ge⸗ drungen. 5. Ach wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt hier bleiben, Sich den Jammer länger lassen treiben? 6. Komm, o Christe, komm, uns auszuspannen! Lös uns auf und führ uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, Ist der formmen Seelen Freud und Wonne. Simon Dach, geb. 1605, st. 1659. Mel. Valet will ich dir geben. 626. Ein Tröpflein von den Reben der süßen Ewigkeit Kann mehr Erquickung ge⸗ ben, Als dieser eitlen Zeit Gesammte Wollustflüsse; Und wer nach jenem strebt, Tritt unter seine Füße, Was hier die Welt erhebt. 2. Wer von dir möchte se⸗ hen, Nur einen Blick, o Gott, Wie wohl würd ihm gesche⸗ hen! Die Welt wär ihm ein Spott Mit allem ihrem We⸗ sen. So herrlich nnd so rein, So lieblich, so erlesen Ist deiner Augen Schein. 3. Den wahren Gott zu schauen, Das ist die Seligkeit Und aller Himmelsauen Ihr schönstes Blumenkleid. Wie war nach seinen Blicken Doch Abraham sofroh! Wie wünscht er zu erquicken Sich an dir, A und O! 4. Du reichlichste Belohnung Der Auserwählten Zahl, Wie lieblich ist die Wohnung, Da deiner Gottheit Strahl Sich offenbarlich zeiget! O herr⸗ lich edler Tag, Dem diese Sonne steiget Und ihn er⸗ leuchten mag! 5. O Licht, das ewig bren⸗ net, Dem keine Nacht bewußt, Das keinen Nebel kennet, Ge⸗ sellschaft, reich an Lust, Da Gott und Engel kommen Mit Menschen überein, Und ewig⸗ Wre Wrr Ewiges lich die Frommen Gesegnet werden sein! 6. Vollkommne Liebe brin⸗ get Dort immer neue Freud; Aus ewger Lieb entspringet Ein ewge Fröhlichkeit. Gott selbst ist solche Wonne, Ist solcher Liebe Preis, Ist seiner Blumen Sonne Im bunten Paradeis. 7. Sein Licht wird in uns leuchten, Sein Oel und Ho⸗ nigsaft Soll unsre Lippen feuchten Von seiner Stärke Kraft. Mit Weisheit, Schön⸗ heit werden Wir ganz er⸗ füllet sein Und spiegeln die Geberden In seinem hellen Schein. 8. Was wünschest du für Gaben? Du wirst sie finden dort Und in dir selber haben Den Reichthum fort und fort; Denn Gott, vor welchem Kro⸗ nen Und Perlen Staub und Spott, Wird selber in uns wohnen, Und wir in unserm Gott. 9. Wann werd ich einmal kommen Zu solcher Freuden⸗ quell? Wär ich doch aufge⸗ nommen Und schon bei dir zur Stell! Herr Christe, nimm mein Flehen So lang indessen an, Bis ich dich selbst ersehen Und recht beschauen kann. Crasm Franeisci, g. 1627, st. 1694. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. 627. O Emigkeit, du Freudenwort, Das mich er⸗ quicket fort und fort! O An⸗ fang sonder Ende! O Ewig⸗ Leben. 469 keit, Freud ohne Leid! Ich weiß vor Herzensfröhlichkeit Gar nichts mehr vom Elende, Das sonst in diesem Leben plagt, Weil mir die Ewigkeit behagt. 2. Kein Herrlichkeit ist in der Welt, Die endlich mit der Zeit nicht fällt Und gänzlich muß vergehen, Die Ewigkeit nur hat kein Ziel, Sie trei⸗ bet fort und fort ihr Spiel, Bleibt unverändert stehen; Ja, wie der heilge Petrus spricht: Ihr Erbe das ver— welket nicht. 3. O Ewigkeit, du währest lang! Wenn mir auf Erden gleich ist bang, Weiß ich, daß dies aufhöret. Drum, wenn ich diese lange Zeit Erwäge sammt der Seligkeit, Die nichtes nicht zerstöret: So acht ich alles Leiden nicht, Welchs kaum ein Augenblick anficht. 4. Was ist doch aller Chri⸗ sten Qual, Die Pein der Märtrer allzumal, So vieles Kreuz und Leiden! Wenn man es gleich zusammen trägt Und alles auf die Wage legt, Sodann zur andern Seiten Dort jenes Lebens Herrlich— keit: Wie wird es überwogen weit! 5. Sieht man dann die Ver⸗ dammten an, Wie lang ihr Marter währen kann, Wie grausam sie geplaget, Nur immer sterben ohne Tod, Und leben in der höchsten Noth, Vom Feur und Wurm be⸗ * X 7 * — 5 —— . +2 V 7 —.— 470 naget: Was ist das nicht für Herrlichkeit, Von diesem allen sein befreit! 6. Im Himmel lebt der Christen Schaar Bei Gott viel tausend tausend Jahr Und werden deß nicht müde; Sie stimmen mit den Engeln ein, Sie sehen stets der Gott⸗ heit Schein, Sie haben güld⸗ nen Frieden, Da Christus giebt, wie er verheißt, Das Manna, das die Engel speist. 7. Ach wie verlanget doch nach dir Mein mattes Herze mit Begier, Du überselig Leben! Wann werd ich doch einmal dahin Gelangen, wo mein schwacher Sinn Stets pfleget nach zu streben! Ich will der Welt vergessen ganz, Mich sehnen nach des Him-— mels Glanz. 8. Fahr hin, du schnöde Zucht und Pracht, Du tolle Hoffartskleidertracht: Fahr hin, du sündlich Wesen, Du falsch entzündte Liebesbrunst, Du Gold- und Gilberreich⸗— thumsdunst, Und was die Welt erlesen Gleich als ihr einig höchstes Gut! Das Ewge macht mir bessern Muth. 9. O Ewigkeit, du Freuden⸗ wort, Das mich erquicket fort und fort! O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Freud ohne Leid! Ich weiß von kei⸗ ner Traurigkeit, Wenn ich mich zu dir wende. Herr Jesu, gieb mir solchen Sinn Be⸗ harrlich, bis ich komm dahin. Frasm. Franeisei, g. 1627, st. 1694. Das Reich der Herrlichkeit, 628. Wie schön ist un⸗ sers Königs Braut, Wenn man sie nur von ferne schaut! Wie wird sie nicht so herrlich sein, Wenn sie mit ihm einst bricht herein! Triumph! Wir sehen sie, wir singen ihr. Wohl dem, der mit dazu ge⸗ hört schon hier! 2. Ich grüße dich, du goldne Stadt, Die lauter Thor von Perlen hat. Führ deine Mau⸗ ern hoch hervor; Sie heben deine Pracht empor. Dein Licht ists Lamm; es deckt dich keine Nacht. O wär ich nur bald auch dahin gebracht! 3. Ach wundre sich nur nie⸗ mand nicht, Daß ich darauf allein gericht. Ein Brautherz kann in sonst nichts ruhn; Es hat mit seinem Schmuck zu thun. Wer seinen Hoch⸗— zeitstag schon vor sich sieht, Der ist um andern Tand nicht mehr bemüht. 4. Wenn ich nun vollends umgekehrt Und klein, als wie ein Kindlein werd, So ist Jerusalem auch mein; Denn solche Bürger müssens sein. Da bin ich dann daheim in Gottes Haus Und darf auch ewiglich nicht mehr heraus. Gottfr. Arnold, g. 1666, st. 17 14. Ps. 126. 629. Wenn endlich, eh es Zion meint, Die sehr er⸗ wünschte Stund erscheint, Da Gott wird die Erlösung ge— ben, Die unsern Kerker bricht entzwei Und machet die Ge⸗ fangnen frei: Was Freude wird man da erleben! 2. Die plötzlich eingebrochne Zeit Und übergroße Seligkeit Wird über unsre Sinne ge⸗ hen; Wir werden sein, wie Träumende, Erstaunt, obs in der That gescheh, Obs wahr sei, was die Augen sehen. 3. Das Volk, das jetzt uns nur verlacht Und unsre Hoff⸗ nung gar nicht acht, Wird dann voll Reu bekennen müs⸗ sen, Daß Zions Reich nicht Narrethei, Kein süßer Traum gewesen sei, Wie sie es jetzt zu lästern wissen. 4. Die ganze Welt wird Zeuge sein, Wenn sich die große Freud allein Wird über Gottes Volk verbreiten. Der Herr hat große Ding gethan An ihnen, wie man sehen kann, Das wird man sagen bei den Heiden. 5. Vielmehr bei deinem Israel Wird alles, was an Leib und Seel, Das große Hallelujah singen: Der Herr hat Großes uns gethan, Deß sind wir fröhlich! Jedermann Laß dieses ewiglich erklingen. 6. Ach aber, Herr, ach Herr, wie lang Geschieht uns noch in Babel Drang! Erlöse uns von ihren Banden! Das ist dir eine leichte Sach, Als wenn du einen seichten Bach Vertrocknest in den Mittags⸗ landen.— 7. Allein es ist dein Gna⸗ denrath, Daß erst gescheh die Thränensaat, Eh man die Ewiges Leben. 47¹ Ernte seh der Freuden. Jetzt tragen wir nach deinem Sinn Annoch den edlen Samen hin, Da viele Thränen uns be⸗ gleiten. 8. Der Winter ist nun bald davon, Die volle Blüthe zeigt sich schon. Wie wenig Tage sind zu zählen, So kommt der ganze Hauf erfreut, Bringt seine Garben heim und schreit: Ach unsre Hoffnung konnt nicht fehlen! Gottl. Aug. Astmann, g. 1696, st. 1745. Mel. Lasset uns den Herren preisen. 630. Oeffne mir die Perlenthoren, O du Schmuck der Himmelsstadt, Licht vom Licht, zum Licht erkoren, Eh die Welt den Anfang hatt. Eile, Liebster, heimzuführen Meine Seele, deine Braut, Die du dir hast anvertraut. Laß mich diese Klarheit zieren, Wo mich keine Sündennacht Mehr betrübt und finster macht. 2. Ich lieg schon in deinen Armen Durch den Glauben festgeschränkt, Und durch dei⸗ ner Lieb Erbarmen Wird mir Freude eingeschenkt, Die nach Himmelsmanna schmek⸗ ket, Das du in der Ewigkeit Meiner Seele hast bereit. Aber diese Lust erwecket Durst, den nichts, mein Gott, als du, Sättiget in voller Ruh. 3. Es verlanget mich zu se⸗ hen Ohne Decke dein Gesicht Und von Sünden frei zu ste⸗ hen, Reines Lamm, in deinem NRNT 27* V 7 2. 47² Das Reich der Herrlichkeit. Licht. Doch ich will dir nichts vorschreiben, Und mein Him⸗ mel ist schon hier, Wirst du, meiner Seele Zier, Nur mit mir vereinigt bleiben. Denn wie sollt auch ohne dich Him⸗ melslust vergnügen mich? 4. Du bist meiner Seelen Wonne, Wenn mich Angst be⸗ trüben will. Mein Herz nennt dich seine Sonne, Und das Sorgenmeer wird still, Wenn mir deine Blicke lachen, De⸗ ren liebumglänzter Strahl Trennet alle Nacht und Qual. Du kannst mich vergnüget machen; In dir hab ich Him⸗ melsfreud, Außer dir Ver⸗ druß und Leid. 5. Laß mich, Baum des Lebens, bleiben An dir einen grünen Zweig, Der, wenn ihn hier Stürme treiben, Stärker werd und höher steigt, Auch im Glauben Früchte bringe; Und versetz mich nach der Zeit In das Feld der Ewigkeit, Da ich mich in dir verjünge, Wenn des Leibes welkes Laub Wieder grünt aus seinem Staub. 6. Gieß indessen in die See⸗ le Deinen süßen Lebenssaft, Leben, dem ich mich vermähle, Und laß deiner Liebe Kraft Mich ganz gnadenvoll erla⸗ ben. Bleibe mein, ich bleibe dein; Dein will ich auch ewig sein. Dich, mein Jesu, will ich haben. Erd und Himmel acht ich nicht Ohne dich, mein Trost und Licht! Wolfg. Chr. Deßler, g. 1660, st. 1722 Mel. Gott des Himmels und der ꝛc. 631. Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schaar? Träget je⸗ der eine Krone, Glänzen, wie die Sterne klar; Hallelujah singen all, Loben Gott mit hohem Schall. 2. Wer sind die, so Palmen tragen, Wie ein Sieger, in der Hand, Wenn er seinen Feind geschlagen, Hingestrek⸗ ket in den Sand? Welcher Streit und welcher Krieg Hat gezeuget diesen Sieg? 3. Wer sind die in reiner Seide Göttlicher Gerechtig⸗ keit, Angethan mit weißem Kleide, Das bestäubet keine Zeit, Das veraltet nimmer⸗ mehr? Wo sind diese kommen er? 4. Es sind die, so wohl ge⸗ rungen Für des großen Got⸗ tes Ehr, Haben Welt und Tod bezwungen, Folgend nicht dem sündgen Heer; Die erlanget auf den Krieg Durch des Lammes Blut den Sieg. 5. Es sind die, so viel er⸗ litten, Trübsal, Schmerzen, st und Noth, Im Gebet aueh ft gestritten Mit dem hochgelobten Gott. Nun hat dieser Kampf ein End; Gott hat all ihr Leid gewendt. 6. Es sind Zweige eines Stammes, Der uns Huld und Heil gebracht; Habeni in dem Blut des Lammes Ihre Kleider hell gemacht; Sind Ewiges geschmückt mit Heiligkeit, Bew. nun im Ehren⸗ kleid. 7. Es sind die, so stets er⸗ schienen Hier als Priester vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit zu dienen, Leib und Seel geopfert gern. Nun sie stehen all herum Vor dem Stuhl im Heiligthum. 8. Wie ein Hirsch am Mit⸗ tag lechzet Nach dem Strom, der frisch und hell, So hat ihre Seel geächzet Nach dem rechten Lebensquell. Nun ihr Durst gestillet ist, Da sie sind bei Jesu Christ. 9. Auf dem Zionsberg sie weidet Gottes Lamm, die Lebenssonn, Mitten in dem Stuhl sie leitet Zu dem rech⸗ ten Lebensbronn; Hirt un Lamm, das ewge Gut, Lieb⸗ lich sie erquicken thut. 10. Dahin streck auch ich die Hände, O Herr Jesu, zu dir aus. Mein Gebet ich zu dir wende, Der ich noch in dei⸗ nem Haus Hier auf Erden steh im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit. 11. Hilf mir in dem Kampfe siegen Wider Sünde, Höll und Welt. Laß mich nicht darnieder liegen, Wenn ein Sturm mich überfällt. Führe mich aus aller Noth, Herr, mein Fels, mein treuer Gott. 12. Gieb, daß ich sei neu geboren, An dir als ein grü⸗ nes Reis Wachse und sei aus⸗ erkoren, Durch dein Blut Leben. 473 gewaschen weiß, Meine Klei⸗ der wahre rein, Meide allen falschen Schein; 13. Daß mein Theil sei bei den Frommen, Welche, Herr, dir ähnlich sind, Und auch ich, der Noth entnommen, Als dein dir getreues Kind Dann, genahet zu dem Thron, Neh⸗ me den verheißnen Lohn. 14. Welches Wort faßt diese Wonne, Wenn ich mit der heilgen Schaar In demStrahl der reinen Sonne Leucht auch, wie die Sterne klar! Amen! Lob sei dir bereit, Dank und Preis in Ewigkeit! Theodor Schenk, st. 1727. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. d 632. Nach einer Prü⸗ fung kurzer Tage Führst du uns, Gott, zur Ewigkeit. Dort endet sich der Deinen Klage In himmlischer Zufrie⸗ denheit. Hier übt der Glaube seinen Fleiß, Und dort reichst du ihm selbst den Preis. 2. Du schenkst dem From⸗ men zwar auf Erden Schon manchen selgen Augenblick; Doch alle Freuden, die ihm werden, Sind ihm noch kein vollkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh Nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des Kör⸗ pers Schmerzen, Bald das Geräusche dieser Welt, Bald kämpft in seinem eignen Her⸗ 47⁴ zen Ein Feind, der öfter siegt, als fällt; Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld In Kum⸗ mer und in Ungeduld. 4. Hier, wo der Fromme öfters leidet, Der Böse öfters glücklich ist, Wo man den Glücklichen beneidet Und des Bekümmerten vergißt, Hier kann der Mensch nie frei von Pein, Nie frei von eigner Schwachheit sein. 5. Hier such ichs nur, dort werd ichs finden; Dort werd ich heilig und verklärt Des Glaubens ganzen Werth em— pfinden, Den unaussprechlich großen Werth. Dich, Gott der Liebe, werd ich sehn, Dich lieben, ewig dich er— höhn. 6. Da wird, o Herr, dein heilger Wille Mein Will und meine Wohlfahrt sein, Und lieblich Wesen, Heil die Fülle, An deinem Throne mich er⸗ freun; Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn Mich füh— len, daß ich ewig bin. 7. Da werd ich das im Licht erkennen, Was ich auf Erden dunkel sah; Das wunderbar und heilig nennen, Was un⸗ erforschlich hier geschah; Da denkt mein Geist mit Preis und Dank Die Schickung im Zusammenhang. 8. Da werd ich zu dem Throne dringen, Wo Gott, mein Heil, sich offenbart; Ein Heilig, Heilig, Heilig singen Dem Lamme, das erwürget ward. Und Cherubim und Das Reich der Herrlichkeit. Seraphim Und alle Himmel jauchzen ihm. 9. Da werd ich in der Engel Schaaren Mich ihnen gleich und heilig sehn, Das nie ge⸗ störte Glück erfahren, Mit Frommen stets fromm um⸗ zugehn. Da wird in jedem Augenblick Ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 10. Da werd ich dem den Dank bezahlen, Der Gottes Weg mich gehen hieß, Und ihn zu millionen Malen Noch segnen, daß er mir ihn wies; Da find ich, Herr, in deiner Hand, Den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft(o möchtest du es geben!) Vielleicht auch mir ein Selger zu: Heil sei dir! denn du hast mein Leben, Die Seele mir gerettet, du! O Gott, wie muß dies Glück erfreun, Der Retter einer Seele sein! 12. Was seid ihr Leiden dieser Erden Doch gegen jene Herrlichkeit, Die an uns offen⸗ bar soll werden Von Ewigkeit zu Ewigkeit! Wie nichts, wie gar nichts gegen sie Ist doch ein Augenblick voll Müh! Chr. Fürcht. Gellert, g. 1715, st. 1769. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund ꝛc. 633. Die Seele ruht in Jesu Armen, Der Leib schläft sanft im Erdenschoß. Nun kann sich Herz an Herz erwarmen. Die Ruh ist un⸗ aussprechlich groß, Die sie nach wenig Kampfesstunden Ewiges Bei ihrem holden Freund gefunden: Sie schwimmt im stillen Friedensmeer. Gott hat die Thränen abgewischet, Ihr Geist wird durch und durch erfrischet, Des Lammes Glanz ist um sie her. 2. Sie ist nun aller Noth entnommen, Ihr Schmerz und Seufzen ist dahin; Sie ist zur Frendenkrone kommen, Sie steht als Braut und Kö⸗ nigin Im Golde ewger Herr⸗ lichkeiten Dem großen König an der Seiten, Sie sieht sein klares Angesicht. Sein freu⸗ denvolles, lieblich Wesen Macht sie nun durch und durch genesen; Sie ist ein Licht im großen Licht. 3. Sie jauchzt den Sterb⸗ lichen entgegen: Ja, ja, nun ist mir ewig wohl! Ich bin durch meines Mittlers Segen Des Lebens, Lichts und Freu⸗ de voll. Mein schönes Erb— theil ist mir worden, Viel Tausend aus der Selgen Orden Bewundern jauchzend meine Pracht. Man kann in allen Himmelschören, Gleich— wie mit Donnerstimmen, hö— ren: Der Herr hat alles wohl gemacht. 4. Ja, wohl gemacht durchs ganze Leben! Recht wohl in meiner Todespein! Sein mütterliches Tragen, Heben Bracht mich heraus, hindurch, hinein: Heraus aus dieser Erden Lüsten, Hindurch durch die Versuchungswüsten, Hin⸗ ein ins schöne Canaan, Da Leben. ich auf Milch-und Honigauen Den rechten Josua kann schauen, Der große Ding an mir gethan. 5. Das war ein Tag der süßten Wonne! Das war ein lang gewünschtes Heut, Da Jesus, meine Lebenssonue, Den ersten Blick der Herr⸗ lichkeit Zum freudenvollen Uebergehen Ließ meine Seel durchdringend sehen! Ich eilte meinem Freunde zu; Mein Geist schwang sich mit Jubel⸗ schaaren, Die um mein Ster⸗ bebette waren, Ins Vaters Haus, zur stolzen Ruh. 6. Nun kann das Kind den Vater sehen, Es fühlt den süßen Liebestrieb. Nun kann es Jesu Wort verstehen: Er selbst, der Vater, hat dich lieb! Ein unergründlich Meer des Guten, Ein Abgrund ewger Segensfluten Entdeckt sich dem verklärten Geist; Er schauet Gott von Angesichte Und weiß, Was Gottes Erb im Lichte Und ein Miterbe Christi heißt. 7. Der matte Leib ruht in der Erden, Er schläft, bis Je⸗ sus ihn erweckt. Da wird der Staub zur Sonnen werden, Den jetzt die finstre Gruft bedeckt. Wie fröhlich wird er auferstehen, Wie wird man ihn vereinigt sehen Mit dem verklärten Seelengeist! Da wird an den erlösten beiden, An jenem Tag der Hochzeits⸗ frenden, Des Lammes Herr⸗ lichkeit gepreist. ** * — ——‚‚...—m—...—.!ͤ—ͤ—ͤ].——— 476 jenes schöne Brautgemach, Allwo wir mit der Schaar der Frommen, Wer weiß, wie bald! zusammen kommen Und bei dem Herrn sein alle⸗ zeit. Da wollen wir ihn ewig sehen. Wie wohl, wie wohl wird uns geschehen! Herr Jesu, komm, mach uns be⸗ reit! J. L. Conr. Allendorf, g. 1693, st. 1773. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund ꝛc. 634. Es ist noch eine Ruh s vorhanden! Auf, müdes Herz, und werde licht! Du seufzest hier in deinen Ban⸗ den, Und deine Sonne schei⸗ net nicht. Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden Dort wird vor seinem Stuhle wei⸗ den. Wirf hin die Last und eil herzu. Bald ist der heiße Kampf geendet, Bald, bald der saure Lauf vollendet: So gehst du ein zu deiner Ruh. 2. Die Ruhe hat Gott aus⸗ erkoren, Die Ruhe, die kein Ende nimmt. Es hat, da noch kein Mensch geboren, Die Liebe sie uns schon bestimmt. Das Gotteslamm wollt dar⸗ um sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben; Es ruft, es locket weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr Frommen, Versäumet nicht, heut einzu⸗ kommen Zu meiner Ruhe Das Reich der Herrlichkeit. 8. Wir, die wir noch durch Mara reisen, Wir sehnen uns im Glauben nach. Wir den⸗ ken unter Thränenspeisen An 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt. Eilt, eilt aus euren Kummerhöh⸗ len, Geht nicht mehr müde und gebückt! Ihr habt des Tages Last getragen; Dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruhstatt. sein. Ihr seid sein Volk, ge⸗ zeugt von oben; Ob Sünde, Welt und Teufel toben, Seid nur getrost und gehet ein. 4. Was mag wohl einen Kranken laben Und einen mü⸗ den Wandersmann? Wenn jener nur ein Bettlein haben Und sanfte darauf ruhen kann; Wenn dieser sich darf nieder⸗ setzen, An einem frischen Trunk ergötzen: Wie sind sie beide dann vergnügt! Doch dies sind kurze Ruhestunden; Es wird noch eine Ruh gefunden Dort, wo an Jesu Brust man liegt. 5. Da wird man Freuden⸗ garben bringen; Denn unsre Thräneusaat ist aus. O welch ein Jubel wird erklingen Und süßer Ton ins Vaters Haus! Schmerz, Seufzen, Leid, Tod und dergleichen Wird müssen fliehn und von uns weichen. Wir werden auch das Lamm dort sehn. Es wird beim Brünnlein uns erfrischen, Die Thränen von den Augen wischen. Wer weiß, was sonst noch soll geschehn! 6. Kein Durst, noch Hunger wird uns schwächen; Denn die Erquickungszeit ist da. Lieblichkeit! Die Sonne wird uns nicht — Ewiges mehr stechen. Das Lamm ist seinem Volke nah; Es will selbst über ihnen wohnen Und ihre Treue wohl belohnen Mit Licht und Trost, mit Ehr und Preis. Es werden die Gebeine grünen. Der große Sabbath ist erschienen, Da man von keiner Arbeit weiß. 7. Da ruhen wir und sind in Frieden Und leben ewig sorgenlos. Ach fasset dieses Wort, ihr Müden; Legt eu dem Lamm in seinen Schoß! Ach Flügel her! Wir müssen eilen Und uns nicht länger hier verweilen; Dort wartet schon die frohe Schaar. Fort, fort, mein Geist, zum Jubi⸗ liren! Auf, gürte dich zum Triumphiren! Auf, auf, es kommt das Ruhejahr! Joh. Sigism. Kunth, g. 1700, ft. 1779. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. 635. Mein ganzer Geist, Gott, wird entzückt, Wenn er nach jenem Himmel blickt, Den du für uns bereitet; Wo deine milde Vaterhand Aus neuen Wundern wird erkannt, Die du daselbst ver⸗ breitet. Mächtig Fühl ich Mich erhoben, dich zu loben, der zum Leben, Das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die Freuden l dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, Die dort bei dir zu finden! Du stellst uns hier auf Erden zwar Viel Wunder Leben. 477 deiner Güte dar, Zum fröh⸗ lichen Empfinden: Doch hier Sind wir Bei den Freuden noch mit Leiden stets umgeben. Dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Kein Tod ist da mehr und kein Grab. Dort wischest du die Thränen ab Von deiner Kinder Wangen. Da ist kein Leid mehr, kein Geschrei; Denn du, o Herr, machst alles neu; Das Alte ist ver⸗ ch gangen. Hinfort Sind dort Von gerechten Gottesknechten keine Plagen Mehr zur Prü⸗ fung zu ertragen. 4. In unsers Gottes Heilig⸗ thum Schallt seines Namens hoher Ruhm Von lauter fro⸗ hen Zungen. Hier strahlt die Herrlichkeit des Herrn; Hier schaut man sie nicht mehr von fern; Hier wird sie ganz be⸗ sungen, Völlig Giebt sich, Sie zu trösten, den Erlösten zu erkennen Der, den sie schon Vater nennen. 5. Vor seinem Antlitz wan⸗ deln sie, Auf ewig frei von aller Müh, Und schmecken seine Güte. Hier stört den Frieden ihrer Brust Und ihre tausendfache Lust Kein feind⸗ liches Gemüthe. Kein Neid, Kein Streit Hemmt die Trie⸗ be reiner Liebe unter Seelen, Die hinfüro nicht mehr feh⸗ en. 6. Gott, welche Schaar ist dort vereint! Die Frommen, die ich hier beweint, Die find ich ewig wieder. Dort sam⸗ ——— Ii‚P‚P‚i‚ititieieieieieieieieieieieieieieieieieieieieieieieitiiiiiieiiiiiiieieieieieieieieeiieieieieieieeeeeeeeeeee..... 47⁸ Das Reich der Herrlichkeit. melt deine Vaterhand, Die deine Liebe hier verband, Herr, alle deine Glieder. Ewig Werd ich, Frei von Mängeln, selbst mit Engeln Freundschaft pflegen. O ein Umgang voller Segen! 7. Dort ist mein Freund, des Höchsten Sohn, Der mich geliebt. Wie glänzt sein Thron In jenen Himmels⸗ höhen! Da werd ich dich, Herr Jesu Christ, So men⸗ schenfreundlich, als du bist, Auch mit Entzücken sehen. Da wird, Mein Hirt, Von den Freuden nichts mich schei⸗ den, die du droben Deinen Freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich ist die neue Welt, Die Gott den From⸗ men vorbehält! Kein Mensch kann sie erwerben. O Jesu, Herr der Herrlichkeit, Du hast die Stätt auch mir bereit; Hilf sie mir auch ererben! Laß mich Eifrig Darnach streben und so leben auf der Erde, Daß ich dort dein Erbe werde. Joh. Sam. Diterich, g., 1721, st. 1797. Nach Ahasverus Fritsch, g. 1629, st. 1701. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 636. O wie fröhlich, o wie selig Werden wir im Himmel sein! Droben ernten wir unzählig Unsre Freuden⸗ garben ein. Gehen wir hier hin und weinen, Dorten wird die Sonne scheinen; Dort ist Tag und keine Nacht, Dort, wo man nach Thränen lacht. 2. Es ist doch um dieses Leben Nur ein jämmerliches Thun, Und die Noth, die uns umgeben, Lässet uns gar sel⸗ ten ruhn. Von dem Abend bis zum Morgen Kämpfen wir mit lauter Sorgen, Und die überhäufte Noth Heißet unser täglich Brod. 3. Ach wer wollte sich nicht sehnen, Dort in Zion bald zu stehn Und aus diesem Thal der Thränen An den Freu⸗ denort zu gehn, Wo das Kreuze sich in Palmen, Unser Klagelied in Psalmen, Unsre Last in Lust verkehrt Und das Jauchzen ewig währt! 4. Da wird unser Aug er⸗ blicken, Was ganz unver⸗ gleichlich ist; Da wird unsern Mund erquicken, Was aus Gottes Herzen fließt; Da wird unser Ohr nur hören, Was die Freude kann ver⸗ mehren; Da empfindet un⸗ ser Herz Lauter Labsal ohne Schmerz. 5. O wie werden wir so schöne Bei der Klarheit Got⸗ tes sein! Wie wird uns das Lobgetöne Seiner Engel⸗ schaarn erfreun! Wie wird unsre Krone glänzen Bei so vielen Siegeskränzen! Wie wird unser Kleid so rein, Heller, als die Sonne sein! 6. Manna wird uns dorten thauen, Wo Gott selbst den Tisch gedeckt, Auf den immer grünen Auen, Die kein Gift⸗ hauch mehr befleckt. Wonne wird wie Ströme fließen, 6 Und wir werden mit den Füßen Nur auf lauter Rosen gehn, Die in Edens Garten stehn. 7. Ach wann werd ich dahin kommen, Daß ich Gottes Antlitz schau! Werd ich nicht bald aufgenommen In den schönen Himmelbau, Dessen Grund den Perlen gleichet, Dessen Glanz die Sonne weichet, Dessen wundervolle Pracht Alles Gold beschämet machtꝰ 8. Nun, so stille mein Ver⸗ langen, O du großer Lebens⸗ fürst! Laß mich bald dahin gelangen, Wo du mich recht trösten wirst. Unterdessen laß auf Erden Schon mein Herze himmlisch werden, Bis mein Loos in jener Welt Auf das Allerschönste fällt. Bensam. Schmolk, g. 1672, st. 1787. Mel. Nun preiset alle. 637. Ich hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt Und hätte gerne Mein Herz vorausgeschickt Und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben. 2. Das war so prächtig, Was ich im Geist gesehn. Du bist allmächtig; Drum ist dein Licht so schön. Könnt ich an diesen hellen Thronen Doch schon von heute an ewig woh⸗ nen! 3. Nur ich bin sündig, Der Erde noch geneigt. Das hat Ewiges Leben. 479 mir bündig Dein heilger Geist gezeigt. Ich bin noch nicht genug gereinigt, Noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 4. Doch bin ich fröhlich, Daß mich kein Bann erschreckt. Ich bin schon selig Seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben Und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 5. Ich bin zufrieden, Daß ich die Stadt gesehn; Und ohn Ermüden Will ich ihr näher gehn Und ihre hellen, goldnen Gassen Lebenslang nicht aus den Augen lassen. Joh. Timoth. Hermes, g. 1788, st. 1821. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 638. Auf, du priesterlich Geschlechte, Das den Bund des Herrn bewahrt, Und ihr, unsers Gottes Knechte, Schaut auf eure Himmelfahrt! Su⸗ chet doch nur das, was dro⸗ ben; Es verdients ja ganz allein. Sollt ich das nach Würden loben, Müßt ich mehr, als Engel sein. 2. Die ihr sonst die Harfen hinget An die Weiden Baby⸗ lon, Nehmt sie wieder ab und singet Zions Lied im Sieges⸗ ton. Sollt uns unser Jam⸗ mer hindern, Der ja nur zur Welt gehört, Uns, ein Volk aus Königskindern? Wer ist, der die Freude stört? 3. Droben seht zur Rech⸗ ten sitzen Jesum Christ voll Glanz und Licht; Sehet seine PII .. 48⁰ Augen blitzen Und sein Son⸗ nen⸗Angesicht! A und O, Anfang und Ende, Erst⸗ und Letzter nennt er sich; Er be⸗ herrscht die Höllenschlünde Als ein Sieger königlich. 4. Droben, wenn wir über⸗ winden, Wird im Paradiese schon Sich das Holz des Le⸗ bens finden Und die goldne Lebenskron. Himmlisch Man⸗ na, neue Namen, Die nur der weiß, der sie trägt, Gu⸗ tes Zeugniß; dies zusammen Wird den Siegern beigelegt. 5. Droben sind sie ange⸗ schrieben In dem Lebensbuch des Herrn Alle, die den Hei⸗ land lieben Und bei aller Schmach sich gern Doch nach seinem Namen nennen. Diese ziert das weiße Kleid, Und er wird sie laut bekennen Auf dem Thron der Herrlichkeit. 6. Droben soll in Salems Höhen, Wo der Tempel Got⸗ tes prangt, Als ein Grund und Pfeiler stehen, Wer den Siegeskranz erlangt. Wessen Streiter er gewesen, Dessen Name wird man hell Einst auf seiner Stirne lesen: Zion! Gott! Immanuel! 7. Droben sind unzählge Namen, Palmenträger, weiß gekleidt, Die aus großer Trübsal kamen, Und nun sin⸗ gen sie erfreut: Heil sei Gott Das Reich der Herrlichkeit. und unserm Lamme, Das in Gnaden uns erwählt, Und aus jedem Volk und Stamme Uns den Seinen zugezählt! 8. Droben schickt sich, neu zu werden, Schon der weite Himmel an. Dann wird Him⸗ mel, Meer und Erden Als veraltet abgethan. Bald wird sie hernieder kommen, Neu⸗ Jerusalem, die Braut, Als die Königsstadt der From⸗ men, Die Gott ihnen selbst erbaut. 9. Droben ruft er voll Ver⸗ langen: Höre, Braut, ich kom⸗ me bald! Selig, wem, ihn zu empfangen, Schon das Herz entgegen wallt! Er wird nim⸗ mer lang verweilen Und bringt seinen Lohn mit sich. Komm! Dein Zion heißt dich eilen; Meine Seel erwartet dich! Friedr. Christ. Steinhofer, g. 1640, st. 1692. Mel. Jerusalem, du hochgebaute ꝛc. 639. Stadt unsres Herrn, Wir schaun zu dir empor So lechzend, müd und matt. Wann ziehn wir ein In dein hochheilig Thor, Du stille Friedensstadt! Wann enden unsre Plagen, Wann bricht sich Pharaos Macht! Wann darf Israel sagen: Aegypten, gute Nacht! Gebete für enangelische Christen. auf alle Wochen⸗, Sonn⸗ und Festtage, sowie bei besondern Feiern und Anlässen. I. Morgen⸗ und Abendsegen. Morgensegen. Herr, unser Gott, der du den Schlummer der Nacht von uns verscheucht und uns versammelt hast, unsere Hände aufzuheben zu dir und deine Gerichte zu preisen: nimm an unser Gebet und Fle⸗ hen und schenke uns Glauben, der nicht zu Schanden wird, zuver⸗ sichtliche Hoffnung und unge⸗ heuchelte Liebe. Segne unsern Eingang und Ausgang, unsere Gedanken, Worte und Werke, und laß uns diesen Tag beginnen unter Lob, Preis und Ruhm der unaussprechlichen Süßigkeit dei⸗ ner Güte. Geheiliget werde dein Name; dein Reich komme, das Reich des Vaters und des Soh⸗ nes und des heiligen Geistes. Amen. Griechische Kirche. 2. Herr, unser Gott, heilig und unbegreiflich, der du das Lich scheinen lässest aus der Finster⸗ niß, der du uns erquickt durch den nächtlichen Schlaf und wie⸗ der aufgeweckt hast, deinen Ruhm zu preisen und deine Gnade anzu⸗ rufen: nimm jetzt von uns an, nach deiner grundlosen Barm⸗ herzigkeit, das Opfer unserer Anbetung und unsers Danks und gewähre uns alle uns heil⸗ samen Bitten. Richte uns zu, o Herr, zu Kindern des Lichts und des Tages und zu Erben deiner ewigen Güter. Gedenke, Herr, nach der Menge deiner Erbarmungen deines ganzen Volks, aller, die mit uns beten und aller unserer Brüder, die zu Lande und zu Meer oder wo sonst in deinem weiten Reich deiner Gnade und Hülfe bedür⸗ fen, und schütte über sie alle aus den Reichthum deiner Barm⸗ herzigkeit; auf daß wir erlöset nach Seel und Leib, unverrückt in festem Glauben deinen heili⸗ gen und wunderbaren Namen rühmen mögen. Amen. Griechische Kirche. 3. Herr Jesu Christe, Sohn Gottes, der du zu aller Zeit und Stunde im Himmel und auf Er⸗ tden angebetet und gepriesen wirst, du Gnädiger, on dir Gere und Geduldiger, der du die Gerechten liebst und der Sünder dich er⸗ barmst, der du alle zur Seligkeit rufst durch die Verheißung der zukünftigen Güter; Herr Christe, nimm selbst zu dieser Morgen⸗ stunde unser Gebet an und richte den Weg unsers Lebens nach dei⸗ 31 * V. 2 Morgensegen. nen Geboten. Heilige unsere See⸗ len, reinige unsere Leiber, lenke unsere Gedanken, läutere unsere Sinnen und erlöse uns von allem Trübfal, Leid und Schmerz. Be⸗ schirme uns durch deine heiligen Engel damit wir, durch ihre Wacht beschützt, zur Einigkeit des Glaubens und zur Erkennt⸗ niß deiner unzugänglichen Herr⸗ lichkeit gelangen mögen. Dir sei Preis und Lob in Ewigkeit! Amen. Griechische Kirche. 4. Herr, himmlischer Vater, ewiger Gott, gelobt sei deine göttliche Kraft und Allmacht, deine grundlose Güte und Barm⸗ herzigkeit, deine ewige Weisheit und Wahrheit, daß du mich in dieser Nacht mit deiner Hand bedecket und unter dem Schatten deiner Flügel hast sicher ruhen und schlafen lassen, auch vor dem bösen Feind bewahrt und ganz väterlich beschirmet. Darum lobe ich dich um deine Güte und um deine Wunder, die du an den Menschenkindern thust, und will dich in der Gemeine preisen. Dein Lob soll allewege in meinem Munde sein. Meine Seele soll allezeit dich, meinen Herrn, rüh⸗ men, und was in mir ist, dei⸗ nen heiligen Namen preisen; nimmermehr will ich vergessen, was du mir Gutes gethan hast. So laß nun dir gefallen das Lobopfer aus meinem Munde, welches ich dir des Morgens früh in Einfalt meines Herzens bringe. Ich rufe zu dir von ganzem Gemüth; du wollest mich heut diesen Tag behüten vor aller Gefahr Leibes und der Seelen und deinen lieben Engeln über mir Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen We⸗ gen. Umgieb mich rings mit deinem Schild und führe mich auf den Steig deiner Gebote, daß ich unstraflich wandle in deinem Dienst, wie die Kinder des Tags, zu deinem Wohlge⸗ fallen. Wehre dem bösen Feind und allen Aergernissen dieser Welt; dazu steure meinem Fleisch und Blut, daß ich nicht, von ihnen überwältigt, wider dich handle und dich mit meinen Sünden erzürne. Regiere mich mit deinem heiligen Geist, daß ich nichts vornehme, thue, rede oder gedenke, denn allein, was dir gefällig ist und zu Ehren dei⸗ ner göttlichen Majestät gereicht. Siehe, mein Gott, ich über⸗ gebe und opfere mich ganz und gar zu eigen in deinen Willen, mit Leib und Seele, mit allem Vermögen und Kräften, inner⸗ lich und äußerlich. Mache du mich dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohl⸗ gefällig sei, damit ich dir einen vernünftigen und angenehmen Gottesdienst leiste. Darum, du heiliger Vater, allmächtiger Gott, laß mich dein Eigenthum sein, regiere mein Herz, Seel und Ge⸗ müth, daß ich nichts denn dich wisse und verstehe. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken, frühe will ich dich loben und des Abends nicht aufhören, durch Jesum Christum. Amen. Johann Habermann, g. 1516, st. 1590 5. Allmächtiger, barmherziger Gott, Vater voller Gnade und Liebe! Ich armer, elender, sün⸗ diger Mensch erkenne in dieser Morgenstunde deine väterliche Gnade und Huld, dadurch du mir von der Geburt an bis auf diese Stunde alles Gute an Leib und — tR t — — Seele reichlich erwiesen hast. Ich preise dich, gnädiger Vater, für alle solche deine unzählige Wohl⸗ that; insonderheit aber, daß du mich in deinem Sohne Jesu, ehe noch der Welt Grund gelegt wor⸗ den, so herzlich geliebet und ihn um meinetwillen am Stamme des Kreuzes hast sterben lassen. Ach Vater! ich danke dir, daß du mich hast in der wahren christ⸗ lichen Kirche lassen geboren wer⸗ den und mich zu derselben Gliede gemacht, auch durch dein heili⸗ ges Wort erweckest, lehrest und tröstest. Ich bitte dich herzlich, ieb, daß ich solcher deiner gro⸗ den Gnade nimmermehr vergesse, sondern dich dafür mit stetem Dank ehre. Schenke mir auch, ich bitte dich demüthig, deine Heligen 365—— Kdaß ich wi eiligen Geistes, daß ich mi aller solcher himmlischen Güter durch mein sündliches Leben ja nicht verlustig mache. Laß mich stets vor dir, o Gott, wandeln und fromm sein. Vergieb mir, ich bitte dich mit Thränen, alle meine Sünde und Missethat, damit ich die ganze Zeit meines Lebens hindurch in Gedanken, Worten und Werken dich erzürnt. Gedenke nicht, o Herr, der Sün⸗ den meiner Jugend und meiner Uebertretungen; gedenke aber mei⸗ ner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Verwirf nicht im Zorne dein Kind, das sich auf das theure Verdienst deines eingebornen Sohnes ver⸗ läßt. Und weil der Satan stets suchet, mich von dir abzuführen, so stehe du, allmächtiger Gott, mir bei, daß seine Tücke und List an mir vergeblich sein müssen. Ach, lieber himmlischer Vater, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. So müsse denn auch Morgensegen. heute gesegnet sein alle mein Thun. In deinem Namen fange ich es an; sei mit mir und laß es wohl gerathen zu deiner Ehre, meines Nächsten Nutzen und meiner Seligkeit. Auf dich, Herr, verlaß ich mich. Laß mich in meinem Amt und Beruf treulich wandeln und über alles dich su⸗ chen. Mehre in mir deine Er⸗ kenntniß und erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Segne auch, nach deiner Zusage, den irdischen Vorrath, den du mir gegeben hast, auf daß ich für mich und die Meinigen die tägliche Noth⸗ durft haben möge, und laß mei⸗ nen Samen nicht nach Brod gehen. Willst du, nach deiner Liebe, heute oder sonst Kreuz, Drangsal, Verfolgung oder eine andere Noth über mich verhängen, so reiche mir nur deine Hand, daß ich nicht erliege, und lehre mich in Geduld auf dich hoffen. Erbarme dich nach deiner un⸗ endlichen Güte aller Menschen, die dich suchen und lieben. Schütze deine bedrängte Kirche und er⸗ halte dir zu dieser letzten bösen Zeit ein Häuflein wahrer Gläu⸗ bigen, die dich anbeten und ehren. Laß bei dir erhörlich sein das Schreien der Verlassenen und Elenden und schaffe ihnen Rath und Trost. Gieb dem Lande, darinnen ich dein Pilger bin, den Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, und laß uns alle darin die Gaben deiner Güte mit Danksagung empfangen und mäßig gebraͤuchen. Insonderheit gieb mir, deinem Knecht, ein Herz, das dich ehret und liebet und dir vertraut. Verlaß mich nicht, mein Gott; denn ich hoffe auf dich. Meinen Leib und Seele, meine Angehörigen, meine äußern ** * 28 K . ** * — 55 —— 240* — Güter, meine Ehre, Stand und Gut, ja alles das Meine befehle ich jetzt und allezeit in deine Hände. Sichre du es oor. aller Fährlichkeit und laß mich diesen Tag und immerdar in deiner Gnade bleiben, daß ich mich bis an mein Ende unverrückt deiner Huld und deines göttlichen Bei⸗ standes zu getrösten und zu er⸗ freuen habe. Erhöre mich, mein Bater, um Jesu Christi, deines geliebten Sohnes, willen! Amen. Joh. Lassenius, g. 1636, st. 1692. 6. Lieber himmlischer Vater, ich lobe und preise dich auch für diese Nacht, die du mich über⸗ leben, und für diesen Tag, den du mich erleben lassen. Laß das rechte göttliche, geist⸗ liche und himmlische Leben, das aus dir ist, durch den Geist der Gnaden in mir neu werden da⸗ mit nicht ich lebe, sondern Chri⸗ stus in mir, und ich im Glau⸗ ben des Sohnes Gottes stets erneuert werde, als eine Pflanze der Gerechtigkeit zu grünen und zu blühen, dir zum Preise, und auszubrechen in lebendige und dir wohlgefällige Früchte des Geistes, meinem Nächsten zu Nutz und Dienst. Ich ergebe mich dir aufs neue, o Vater! mache mit mir, was dir wohlgefällt. Rei⸗ nige, läutere und bewähre mich, daß ich ein rechtschaffener Christ sei und zu dem Israel Gottes gehöre, über welchem ist Friede und Barmherzigkeit. Ich begehre keine Ehre, als deine Kindschaft, keinen Reichthum als die Gerech⸗ tigkeit Jesu Christi, keine Freude, als die gnadenreiche Einwohnung des heiligen Geistes, Für mein Leibliches wirst du wohl sorgen, denn du hast ge⸗ saget: Ich will dich nicht ver⸗ Morgensegen. lassen, noch versäumen. Doch bewahre mich vor Müßiggang. Laß mich arbeiten nicht aus Geiz, sondern aus herzlicher Liebe ge⸗ gen meinen Nächsten. Laß deine Barmherzigkeit sich ausbreiten über alle Menschen, die auf dem ganzen Erdboden wohnen, und deine Güte über alle deine Geschöpfe. Gedenke deiner Kinder, die dich kennen und in der Einigkeit des Geistes verbunden sind als lebendige Glie⸗ der an ihrem hochgelobten Ober⸗ haupte Jesu Christo. Laß unser aller Gebet Ein Gebet sein vor dir durch Christum, in welchem du uns dir selbst angenehm ge⸗ macht hast. Sei du selbst eine ewige Vergeltung allen denen, die mir Liebe beweisen. Meine Be⸗ leidiger siehe mit erbarmendem Auge an und vergieb ihnen, gleich wie ich ihnen von Herzen vergebe. Alle meine Anver⸗ wandte lege ich in deine Liebes⸗ arme. Kirchen und Schulen, Obrigkeit und Unterthanen be⸗ fehle ich dir, mein Gott. Ach siehe an den elenden Zustand in allen Ständen, mache dich auf und hilf uns, daß deine Ehre gerettet und des gottlosen We⸗ sens ein Ende werde. Hilf den Armen und Elenden, die zu dir schreien. Herr, mein Gott, ver⸗ schmähe mein Gebet nicht, son⸗ dern erhöre mich um Jesu Christi willen. Amen. Aug. Herm Francke, g. 1663, st. 1727. 7. Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. O du barmherziger Gott, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist: ich sage dir mit Herz und Mund Lob und Dank, daß du mich diesen Morgen wieder⸗ um gesund hast lassen von mei⸗ nem Lager aufstehen und meinen Leib vor Schaden und meine Seele vor Sünden bewahret hast. Wie groß ist deine Güte, Herr, daß Menschen unter dem Schat⸗ ten deiner Flügel trauen und unter demselben so mächtig be⸗ wahret werden! Ich schaue nach der Finsterniß wiederum das Sonnenlicht. Gieb mir Gnade, daß ich diesen ganzen Tag in deinem Lichte wandle und alle Werke der Finsterniß fliehe. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedient und mich nach der Welt Gewohn⸗ heiten und Thorheiten gerichtet habe, wofür ich einst vor deinem Gericht eine schwere Rechenschaft geben muß. Ich opfere mich hin⸗ gegen dir ganz zu deinem Dienst mit Leib und Seele. Laß mich nichts wollen, nichts vornehmen und gedenken, als was dir ge⸗ fällt, auf daß der ganze Tag dir möge geheiliget sein. Ja, laß mich allezeit 10 leben, reden und thun, als ob ich heute noch ster⸗ ben müßte. Und da ich nach der finstern Nacht, darin ich als dein Kind in deinen Armen gelegen, nun wiederum von neuem lebe, so weiß ich nirgends hin, als zu dir. Ich klopfe an deine Gna⸗ denthür, ich wende mich wieder zu der Segensquelle, aus wel⸗ cher ich nehme einen Segen nach dem andern, eine Hülfe nach der andern; denn was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewiglich; wenn du deine Hand aufthust, so wird alles gesättigt mit Wohl⸗ gefallen. Gieb mir guten Rath, wenn ich Rath bedarf, richte meine Anschläge und Vornehmen nach deinem Willen. Entzünde in mir die Flamme deiner gött⸗ lichen Liebe, daß ich diesen Tag Morgensegen. 5 meinen Glaͤuben in den Werken zeige und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissens⸗ wunden den Abend erreiche. Wenn ich rufe zu dir, Herr, mein Gott, so schweige mir nicht. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich die Hände aufhebe zu deinem heiligen Chor. Laß das Gebet der Elenden, Traurigen, Kran⸗ ken und auch das Gebet der Mei⸗ nigen und aller Frommen vor deinem Gnadenstuhl Erhörung finden. Amen. Joh. Friedr. Stark, g. 1680, st. 1756. Am Sonntage. 8. O vu Vater des Lichts, der du das natürliche Licht dieser Welt uns scheinen lässest, sende doch auch heute und alle Zeit das wahrhaftige Licht, Jesum Christum, in unser Herz und lasse ihn darin leuchten und alle Finsterniß vertreiben, damit wir dich, ewiger Gott, in deinem lie⸗ ben Sohne erkennen und lieb gewinnen mögen. Siehe, wir sind durch die Sünde in der Fin⸗ sterniß der Eitelkeit gefangen und verdunkelt; darum lehre du uns selber durch deinen heiligen Geist aus deinem Worte, wie wir uns dir bekehren und dir im Glau⸗ en gehorsam werden können. So werden wir uns erst recht mit Lob und Dank zu dir wen⸗ den und dir in deinem Lichte dienen und gefallen können. Lieber himmlischer Vater! wir danken dir im Namen Jesu Christi, deines lieben Sohnes, durch deinen heiligen Geist, daß du uns in dieser vergangenen Nacht durch den Schutz deiner heiligen Engel aus unverdienter Liebe vor allem Unfall so väter⸗ . . 2 6 Abendsegen. lich bewahret und gesund an die⸗ sen Tag hast kommen lassen. O getreue Liebe, laß doch mit der vergangenen Nacht das Ge⸗ dächtniß ünserer Sünden vor deinem Angesicht vergangen sein. Erwecke uns nun in dieser Früh⸗ stunde vom Schlaf der Thorheit und Traͤgheit unsers Herzens zu einem neuen Leben durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten. O Vater des Lich⸗ tes und Geber aller guten und vollkommenen Gaben, gönne uns heute dein gütiges Wort und laß es unsers Herzens höchste Freude und Wonne sein. Zeuge uns durch dasselbige als durch ein Wort der Wahrheit nach deinem Willen, daß wir Erstlinge wer⸗ den deiner Creaturen. Gieb uns zu diesem Ende reichlich die Gnade deines heiligen Geistes, daß wir schnell und aufmerksam seien, zu hören dein köstliches Wort, langsam aber zu reden allerlei eitle Dinge, faule Ge⸗ schwätze, die nicht zur Besserung nöthig und nicht holdselig sind si hören, sondern nur den hei⸗ igen Geist betrüben in unsern Herzen, sowohl in dem Hause Gottes, als außer demselbigen. Ach, allmächtiger Vater! schenke uns sehende Augen, hörende Oh⸗ ren, verständige Herzen, zu mer⸗ ken, wo es uns sehlet, und zu nehmen, was deine Hand heut für uns ausgestreuet hat. Pflanze dein Wort selbst in uns, daß es unsre Seelen auch heute selig mache. Gieb allen denen, die hier und an andern Orten der gan⸗ zen Christenheit deinen Namen predigen, die Gabe des heiligen Geistes, daß sie deine und nicht ihre Worte predigen. Ja, komme selbst mit deinem lieben Sohn und heiligen Geist 0 uns und halte deinen Sab⸗ ath, Ruhe⸗ und Feiertag in unsern Seelen. Laß unser Herz deinen Tempel sein, in welchem der heilige Geist Jesum mit allen seinen Verdiensten im wahren Glauben uns zueigne, uns in wahrer Liebe gegen dich entzünde und zu dankbarem Gehorsam an⸗ führe, und wir also den dir ge⸗ fälligen Gottesdienst unablässig verrichten. Führe uns aus Glau⸗ ben in Glauben, aus Liebe in Liebe, aus Kraft in Kraft, aus Leben in Leben, aus Licht in Licht, bis an das Ende unserer Wallfahrt, bis wir würdig wer⸗ den, jene Welt zu erlangen und den ewigen Sabbath mit dem Volke Gottes, allen heiligen Engeln und Auserwählten in der stolzen Ruhe, in den sichern Wohnungen des Friedens zu feiern; so wollen wir dich für alle deine Liebe und Wohlthaten herzlich lieben, loben und prei⸗ sen ewiglich, durch Jesum Chri⸗ stum, unsern Herrn. Amen. Joh. Christ. Storr, 1756 Abendsegen. Herr, Herr, der du uns er⸗ löset hast von allen Pfeilen, die am Kalt fliegen, erlöse uns auch von allem Verderben, das im Finstern schleichet. Nimm unser Abendopfer an, unserer Hände Aufheben. Gieb uns Gnade, daß wir auch die die nächtliche Bahn untadelig wandeln mögen, un⸗ berührt vom Uebel; und befreie uns von aller Unruhe und Furcht, die uns vom Teufel bereitet wer⸗ den möchte. Schenke aus Gnaden unsern Herzen Zerknirschung und lenke unsre Gedanken ernstlich auf die letzte Rechenschaft am Tage dei Abendsegen. 7 nes furchtbaren und gerechten Gerichts. Kreuzige durch deine Furcht unser Fleisch und Blut Und ertödte unsre irdischen Glie⸗ der, damit wir auch in der Ruhe des Schlafs durch den Anblick deiner Gerichte erinnert werden mögen Treibe ab von uns alle unheiligen Bilder und alle un⸗ reine Luͤst und wecke uns auf zur Stunde des Gebets, gestärkt im Glauben zu laufen den Weg dei⸗ ner Gebote, um der Liebe und Barmherzigkeit deines eingebor⸗ nen Sohnes willen, mit demn und dem heiligen Geist dir Preis und Lob sei in Ewigkeit. Amen. Basilius, g. 329, st. 379. 10. Gelobet seist du, o Gott, allmächtiger Herrscher, der du den Tag erleuchtest durch dein Son⸗ nenlicht und die Nacht durch feurige Strahlen erhellst, der du uns die Bahn des Tages durch⸗ wandeln lassen und uns zur stil⸗ len Nacht gebracht: höre auf unser Gebet und auf das Gebet deines ganzen Volkes und ver⸗ gieb uns allen unsere wissent⸗ lichen und unwissentlichen Ueber⸗ tretungen.Nimm an unsreAbend⸗ gebete und schütte aus über uns, dein Erbe, die Fülle deiner Barm⸗ herzigkeit und deiner Erbarmun⸗ gen. Umschirme uns mit den heiligen Engeln, rüste uns mit den Waffen der Gerechtigkeit, umschanze uns mit deiner Wahr⸗ heit, bewache uns mit deiner Macht, rette uns vor allem Un⸗ fall und allen Nachstellungen des Widersachers und gieb Gnade, daß wir diesen Abend und diese Nacht, sowie alle Tage unsers Lebens untadelig, heilig, fried⸗ lich, frei von Sünde, Anstoß und Schrecken verleben mögen. Denn bei dir ist Erbarmung und Erlösung, Herr Jesu Christe, unser Gott, und dir bringen wir Ruhm und Preis. Amen. Griechische Kirche. 11. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater, ich sage dir Lob und Dank, daß du Tag und Nacht geschaffen, Licht und Finsterniß unterschieden hast, den Tag zur Arbeit und die Nacht zur Ruhe, auf daß sich deine Creatur darin erquicken möchte. Ich lobe und preise dich in allen deinen Wohlthaten und Werken, daß du mich durch deine gött⸗ liche Gnade und Schutz den ver⸗ angenen Tag hast vollenden, und seme Last und Plage überwinden und zurück legen lassen Es ist ja genug, lieber Vater, daß ein jeder Tag seine eigne Plage habe. Du hilfst ja immer eine Last nach der andern ablegen, bis wir endlich zur Ruhe und zu dem ewigen Tage kommen, da alle Plage und Noth aufhören wird. Ich danke dir von Herzen für alles das Gute, das ich diesen Tag von deiner Hand empfangen habe. Ach Herr, ich bin zu geringe aller deiner Barmherzigkeit, die du täglich an mir thust. Ich danke dir auch für die Abwendung des Bösen, so mir diesen Tag hätte begegnen können, und dafür, daß ich un⸗ ter dem Schatten des Höchsten und dem Schirme des Allmäch⸗ tigen vor allem Unglück und vor schweren Sünden behütet geblieben bin. Ich bitte dich herz⸗ lich und kindlich: vergieb mir alle meine Sünde, die ich diesen Tag begangen habe mit Gedan⸗ ken, Worten und Werken. Viel Böses habe ich gethan, viel Gu⸗ tes habe ich versäumt. Ach sei mir gnädig, mein Gott, sei mir gnädig! Laß heute alle meine 2 .—— 0 25 . — — — 2. * * * * — * — 8 Abendsegen. Sünde mit mir absterben und gieb, daß ich immer gottesfürch⸗ tiger, heiliger, frömmer und ge⸗ rechter wieder aufstehe, daß mein Schlaf kein Sündenschlaf sei, sondern ein heiliger Schlaf, daß meine Seele und Geist immer u dir wache mit dir rede und handie. Segne meinen Schlaf wie den des Erzvaters Jacob, da er im Traume die Himmels⸗ leiter sah und die heiligen En⸗ gel und den Segen empfing; daß ich von dir rede, wenn i mich zu Bette lege, an dich ge⸗ denke, wenn ich erwache, daß dein Name und Gedächtniß in meinem Herzen bleibe, ich wache oder schlafe. Gieb mir, daß ich nicht erschrecke vor dem Grauen des Nachts, daß ich mich nicht fürchte vor dem plötzlichen Schrecken, sondern sanft schlafe. Behüte mich Traumen, vor Einbruch der Feinde, vor Feuers⸗und Wassers⸗ efahr. Siehe, der uns behütet, chlafet nicht; siehe, der Hüter Israel schläft noch schlummert nicht! Sei du, o Gott, mein Schatten über meiner rechten Hand, daß mich des Tags die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Laß deine heiligen Wächter mich behüten und deine Engel sich um mich lagern und mir aushelfen. Wecke mich morgen zur rechten Zeit wieder auf zu deinem Lobe und Preise, daß ich mit neuen Kräf⸗ ten dir dienen möge. Wenn aber diese Nacht nach deinem uner⸗ forschlichen Rathschluß die letzte sein soll, und mein Stundlein oorhanden ist, so verleihe mir einen seligen Schlaf und eine selige Ruhe in Jesu Christo, meinem Herrn. Amen. Johann Arndt, g. 1555, st. 1621. vor schrecklichen 12. Herr Jesu, mein Heiland und Seligmacher, nachdem die liebe Sonne mit ihrem Glanz von uns gewichen ist, treten an ihrer Stelle so viel tausend hell⸗ leuchtende, liebliche Sterne auf, welche mir alle von deiner un⸗ begreiflichen großen Güte predi⸗ gen. Denn die Himmel erzählen deine Ehre, und die Feste ver⸗ kündiget deiner Hände Werk. So stimme denn nun auch ich billig ch ein in den Preis deiner Creatur mit Lob und Dank für deine über⸗ schwängliche Gnade, welche auch diesen Tag mein Himmel, meine Decke und mein Schutz gewesen ist. Denn von Rechtswegen hät⸗ ten meine mannigfaltigen Sün⸗ den und Uebertretungen nichts denn eitel Strafe verdient. Die wollest du mir aber um deiner heiligen Wunden, deines ver⸗ gossenen Biuts und ganzen theu⸗ ren Verdienstes willen gnädiglich vergeben und mir diese Nacht eine friedliche Ruhe und sanften Schlaf verleihen. Ich lege mich schlafen, mein Herr Jesu, mit dem Leib ins Bette, mit der Seele aber an dein gnädiges Herz. Du bist bei mir iuch in der Finster⸗ niß der Nacht mit deiner Macht und Gnade. Wolltest du aber etwa diese Nacht mich aus der Welt abfordern, wie ich denn deinen verborgenen Willen, zu meinem eignen Besten, nicht wis⸗ sen kann; so wollest du mich, erhöhter Heiland, gezeichnet mit deinem Blut zum ewigen Leben einführen. Wo nicht, soll ich nach deinem göttlichen Gefallen noch länger leben, so laß mich mor⸗ gen durch deine Gnade gesund und fröhlich wieder aufwachen und aufstehen und dich mit freu⸗ digem Herzen loben und preisen. Hilf, daß die höllischen Feinde, die du selbst überwunden hast, in dieser Nacht und alle Zeit, weder an mir, noch an den lie⸗ ben Meinigen, noch an allen frommen Christen einige Macht und Gewalt finden mögen. So segne mich denn nun, Gott Vater, der du mir Leib und Seele gegeben und mich bisher gnä⸗ dig erhalten hast. Es segne mich Gottes Sohn, Christus Jesus, der meinen Leib und Seele durch sein Blut sich zum Eigenthum erkauft hat. Es segne mich Gott der heilige Geist, der meinen Leib und Seele durch sich selbst zum ewigen Leben versiegelt hat! Die⸗ sem dreieinigen Gott sei Lob, Preis und Dank in Ewigkeit! Amen. Christian Seriver, g. 1629, st. 1693. 13. O Vater des Lichtes, wie viel Dank bin ich dir schuldig für alle deine Wohlthaten, welche du heute mir und den Meinigen, allen den Deinen, ja der ganzen Welt erzeiget hast. So viel Wohl⸗ thaten, so viel Zeugen deiner überschwänglichen Liebe gegen uns Elende. Darum liebe ich dich, den Geber; aber auch deine Ga⸗ ben, als deine Liebe. Meine Lip⸗ pen preisen dich. Ach daß sich doch alle Klagestimmen der Un⸗ geduld in ein Danklied verwan⸗ delten! Denn wenn du auch ver⸗ zeuchst mit deiner Hülfe, so ist dieser Verzug die nächste Wohl⸗ that, daß wir ernstlicher bitten, suchen und anklopfen und dei⸗ ner weisen Schickung in Geduld warten. So laß mich denn auch diese Nacht, Herr Jesu, deiner von Herzen begehren. Schläfet schon der Leib, so laß meine Seele su dir wachen alle Zeit. In dein iebevolles hohepriesterliches Herz Abendsegen, ergebe ich mich und die Meini⸗ gen, meine Freunde und auch meine Feinde und insbesondere alle, die sich meiner schwachen Fürbitte empfohlen habe. Bitte du für sie und für mich immer⸗ dar. Amen. Joh. Christ. Storr, 1756. 14. Ich preise und lobe deinen heiligen Namen, ewiger dreieini⸗ ger Gott, daß du mich erhöret und mein Gebet nicht versch mä⸗ het hast, das ich heute in der Morgenstunde vor dein heiliges Angesicht gebracht habe. Zwar ist mir von deiner wunderbaren Güte um meiner Schwachheit willen noch das Meiste verbor⸗ en; darum kann ich dich nicht 10 völlig und kräftig loben, als ich schuldig bin, ja als ich durch deine Gnade wünsche und ver⸗ lange. Doch preise ich dich mit meinen Lippen, nach dem Maße deiner Gnade, die du mir dazu darreichest, beides für die erkann⸗ ten und unerkannten Wohltha⸗ ten, bis ich dahin gelange, da ich sie alle erkennen, ja dich selber von Angesicht zu Angesicht an⸗ schauen werde. Dieweil ich hier bin, will ich dich insonderheit preisen für das liebe Kreuz, wel⸗ ches du mir als einem Jünger Christi täglich auflegest, um meine Seele von den Lusten dieser Welt recht zu entwöhnen und zu dir zu gewöhnen. Nun ist ja dieses Tages Last und Hitze überstanden unter dei⸗ nem gnädigen Beistande. So wird ein Schritt nach dem an⸗ dern aus diesem Elende heraus zurückgelegt, und wir kommen immer näher hin zu unsrer ewi⸗ gen Herrlichkeit. Indessen hast du Geduld mit uns, und ver⸗ giebst uns täglich und reichlich ien ——.— * EE 2 * 4 E V. + X ae::ee... 10 Abendsegen. alle unsre Sünden. Darum habe ich auch einen freien Zutritt zu dir, mein Vater, in dem Blute Jesu Christi, welches mich ab⸗ gewaschen und von allen mei⸗ nen Sünden gereiniget hat. Wie groß ist deine Liebe, daß du mich also aus Gnaden selig gemacht hast, mein Vater! Ich werfe deine Gnade nicht weg, ob ich wohl meine Gebrechen und Un⸗ tugenden an mir erkenne. Auch weißt du, daß es meines Herzens Verlangen ist, völlig davon be⸗ freit zu werden, und daß mich darum vornehmlich diese sterb⸗ liche Hütte drückt, weil ich mich in derselben nicht recht zu dir aufschwingen, noch mich völlig mit dir vereinigen kann, sondern immer von der mir anklebenden Sünde träge gemacht werde. Doch laß mir nur diese Gnade wider⸗ fahren, mein Vater, daß mein Christenthum bis an mein Ende rechtschaffen sei, und daß ich deine Gnade zu meinem täglichen Wachsthum nicht vergeblich em⸗ pfahe, so genüget mir. Nun, so nimm mich denn zur Ruhe, lieber Vater! Denn ich lege mich in deine Arme, in gläu⸗ bigem Vertrauen auf deine Gna⸗ de. Schließe du mir mit deiner segnenden Vaterhand meine Au⸗ gen zu und bleibe indessen ver⸗ einigt mit meinem Geist, daß der Satan keine Macht an mir finde. Behüte gnädiglich meinen Leib und Seele und alles, was du mir gegeben hast. Erbarme dich auch aller Menschen in der Welt, insonderheit aller deiner Kinder, meiner Brüder und Schwestern in Christo Jesu, und laß sie auch an diesem Abende meines armen Gebets mitgenie⸗ ßen. Oeffne mir dann an dem morgenden Tage mwieder meine Augen und erfülle meinen Mund aufs neue mit deinem Lobe, da⸗ mit ich so lange dich preise und dir zu Ehren lebe, bis der Abend dieses zeitlichen Lebens heran⸗ komme, darnach ich mich herzlich sehne, und du mich ins Grab zur Ruhe legest und mich dann wieder auferweckest an dem rech⸗ ten Ruhe⸗ und Freudentage dei⸗ ner Kinder, da meine Sonne ewiglich nicht untergehen wird, sondern in ewiger Wahrheit und Klarheit vor dir leben werde. Amen. Aus Porst, 1756. Sonntag Abend. 15. Wir loben und preisen dich, Herr Gott, Vater Himmels und der Erden, daß du uns an dem heutigen Tage aus lauter Güte und Barmherzigkeit reichlich ver⸗ sorget hast, nicht allein dem Leibe nach mit dem täglichen Brode, sondern auch an unsern Seelen mit der himmlichen Speise dei⸗ nes Wortes. Verleihe, o treuer Gott, daß dieses himmlische Saatkorn aufkeime und wurzele in unsern Herzen und Hni Nutzen schaffe, zu deiner Ehre und unserer Seligkeit. Wir bit⸗ ten auch deine väterliche Gnade, du wollest uns ja dein lauteres Wort und reinen Kirchendienst nicht entziehen. Laß uns auch, barmherzigerVater, unsere Schuld und Sünden, mit welchen wir diesen heutigen Tag möchten ver⸗ unheiliget haben, nicht entgelten, sondern vergieb sie und wende sie uns zu Gnaden durch das bittere Leiden und Sterben deines lie⸗ ben Sohnes Jesu Christi. Du wollest auch auf die ganze übrige Zeit unsers kurzen Lebens in die⸗ sem Jammerthal uns dir in dei⸗ nen göttlichen Schutz und väter⸗ lichen Segen befohlen sein lassen. Abendsegen. Laß deine heiligen Engel sich um der lebendigen Quelle zu trinken uns her lagern, damit der böse gegeben; dein Wort ist meinem Feind keine Macht an uns finde. Munde süßer gewesen denn Weil aber der Abend dieserWelt Honig und Honigseim. Ach laß mehr und mehr herbei nahet und dein Wort mein ganzes Leben sich der Tag geneiget hat, so ver⸗ hindurch ein Licht auf meinen leihe uns die Gnade deines Gei⸗ Wegen bleiben, daß ich darnach stes, damit wir stets wachen, und meinen Gang richte, so werde ich in lebendigem Glauben, in brün⸗ nicht straucheln, oder aus deiner stiger Liebe, fester Hoffnung und Gnade fallen. Du bist auch mein 11 heiligem Wandel warten der se⸗ ligen Erscheinung der Herrlich⸗ keit des großen Gottes und un⸗ seres Heilandes Jesu Christi, wenn er kommen wird, zu rich⸗ ten die Lebendigen und die Tod⸗ ten: auf daß wir ihn alsdann würdig und mit Freuden em⸗ pfahen, ins ewige Leben mit ihm eingehen und den ewigen Feier⸗ und Freudentag mit allen Aus⸗ erwählten erlangen und ohn Ende halten mögen. Erbarme dich, o Herr, der ganzen Chri⸗ stenheit, und befreie deine arme verfolgte Gemeine von aller Be⸗ drängniß, Spott und Tyrannei. Tröste alle geängstete, betrübte Gewissen durch den wahren Trö⸗ ster, den heiligen Geist, und sende uns allen deinen Frieden durch Jesum Christum, unsern Für⸗ sprecher und einigen Mittler. Amen. Aus Cubach, 1689. 16. Herr, bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. O du lebendiger, allmächtiger Gott, wie unbegreif⸗ lich sind deine Werke, wie unaus⸗ sprechlich ist deine Güte, welche du den Menschenkindern erzeigest! Ich kann von Gnade und Wahr⸗ heit, von Liebe undBarmherzigkeit Erretter, mein Beistand im Leib⸗ lichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreicht habe. Ich bin nicht werth aller Barmher⸗ zigkeit, die du an mir gethan hast. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt du, o mein Hüter, mir zur Seiten; hab Acht auf mich und schließ mich in deinen Schutz ein. Laß mich beständig ein Licht in dem Herrn sein und keine Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß. Laß dein Wort, das ich gehöret, in mir als einen heiligen Samen auf⸗ gehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Fröm⸗ migkeit, Gottesfurcht, Absterben der Welt und einer heiligen Hingebung san dich wahrnehmen möge. Sei mein Schirm und Schatten wider die Hitze und Anfechtung und wider die feu⸗ rigen Pfeile des Satans. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten! Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen! Wende Feuers⸗ und Wassersnoth und alles Unglück von mir und den Meinigen ab und laß alle Betrübten, Kranken und Sterbenden deine reiche sagen, indem du den vergangenen Gnade genießen: so soll morgen Tag mir viel Gutes an Leib und früh unser aller Mund deines Seele erwiesen hast. Du hast Ruhmes voll sein, und wir meine Seele gespeiset mit dem wollen erzählen, was du Gutes Brode des Lebens und mir aus uns an Leib und Seele gethan —— —II— SꝗSCSCSS 12 Geb ete für die Festzeiten. hast. Verzeihe, wenn ich nicht mit ich mehr um die Seele, als mit solchem Eifer dir heute um den Leib bekümmert sei. Ich gedienet, wie ich billig gesollt‚ sehe mich, mein Gott, nach mei⸗ und nimm deswegen deine Gnade ner Ruhestatt um ich liege und nicht von mir. Laß in der neuen schlafe ganz mit Frieden, denn Woche alles neu an mir sein, allein du, Der, hilfst mir, daß schenke mir neue Liebe und Ver⸗ich sicher wohne. Also werd ich langen nach dir, neuen Trieb dir auch ruhen in meinem Grabe, bis zu dienen und zu gehorchen; laß du mich an dem frohen jüngsten mich die in der vorigen Woche Tag zum ewigen Leben erwecken begangenen Sünden meiden und wirst. Dahin, zu dieser Ruhe, fliehen, damit jedermann erkenne, die du deinem Volke bereitet hast, daß ich den Sonntag nicht ver⸗ wollest du mich vollbereiten, stär⸗ gebens hingebracht habe. Hilf, ken, kräftigen, gründen, um dei⸗ daß ich fleißig erwäge, daß ich ner Gnade willen. Amen. eine unsterbliche Seele habe, da⸗Joh. Friedr. Stark, g. 1680, st. 1756. II. Gebete für die Festzeiten. ja so sanftmüthig und armselig Advent. Iu mir, wie sollte ich denn nicht 17. Sei willkommen, HerrJesu Lust zu dir gewinnen? Du bist Christe, der du dich durch deine von Herzen demüthig, warum wunderbare Zukunft uns armen sollte ich mich schämen, dir mein verlornen Menschen so nahe thust Elend zu klagen und mich aller und deine ewige Erlösung uns Strafen schuldig zu geben? Bist anbietest. Siehe, die Tochter Zion,. du doch dazu erschienen, unsere eine jede gedemüthigte und gläu⸗ Sünde wegzunehmen. O so komm big hungrige Seele soll dich mit und hebe auf die Feindschaft, Freuden empfangen als ihren die wischen Gott und mir ist Bräutigam, und mein Herz soll durch den Fall, und versöhne dir auch entgegengehen. Laß mich mich in Buße wieder bei dem nur gerne meines Vaters, des alten Vater. Komme in mein Herz Adams, Haus und Unart verges⸗und bringe mit den Geist der sen, und an dir Lust gewinnen.] Gnaden und des Gebets, der Komm herein, du Gesegneter mich vertrete. Komm und schenke deines himmlischen Vaters, stehe mir deine ganze Erlösung, um nicht draußen vor meines Herzens welcher willen du gekommen bist. Thüre. Ach klopfe nicht vergeblich Erfünle nun an mir die Frucht an mit deinem Worte, sondern deiner Zukunft, löse auf meine thue du dir selbst auf. Wecke böse Natur von den Banden mich mit den klugen Jungfrauen der Eitelkeit und Sünden und aus aller Sicherheit, Trägheit, bringe sie unter dein sanftes Joch. Fleischeslust, Weltliebe und Ei⸗Regiere meinen ganzen Men⸗ telkeit auf, daß ich dir munter schen, wie du willst, zum Ge⸗ und begierig entgegengehe, und horsam der Wahrheit. Bist du mich mit Loths Weib nicht wie⸗nicht unser König? O so be⸗ der nach meinen alten Sünden herrsche auch unsern Willen, daß umsehe. O Herr Jesu, du kommstwir deinem sanften Stabe gerne Auf Advent, Weihnachten. 8 und treulich folgen, und dein Abgeschiedenheit von der Welt. h Stepter ein gerades Scepter in Komm, bereite dir selbst einen ⸗ und über uns werde. Kommst Menschen nach deinem Herzen d du nicht zu uns als ein Lehrer aus mir und erzeige deine groͤße n von Gott, der uns den Weg Erlösungskraft, wie mächtig du 5 recht lehren will? O so leuchte seist, alle deine Feinde zu unter⸗ h doch in unsere Herzen als ein treten. O Herr, wenn du in mei⸗ 8 helles Licht, daß wir dir nach⸗ ner Seele recht Platz nimmst, so n folgen und nicht mehr in der muß dir Sünde und Tod, Hölle n Finsterniß unsers blinden Her⸗ und Teufel weichen, und nichts , zens dahin gehen, sondern das kann mich mehr gefangen halten. t, Licht des Lebens haben. Willst Darum komme alsbald mit aller ⸗ du nicht, o Immanuel, zu uns deiner Kraft in mich. Siehe, i⸗ kommen als Unser Versöhner und mein Herz ist dir offen: nimm Vertreter? Ach komme, es ist Zeit, es ganz ein, brauche mich, wie 6. daß wir los werden vom bösen du willst, laß mich dir weiter Gewissen und eine Freudigkeit nicht widerstreben. empfangen, durch dich einzugehen Komme mit deiner Gnaden⸗ ů zum Vater mit Gebet und Glau⸗ gegenwart zu mir, so werde ich 0 ben und deine ewige Erlösung vor deiner Zukunft zum Gericht t in der That geniehei Darum nicht erschrecken, sondern mein st komm, o Jeiu, unsere Gerechtig⸗ Haupt getrost emporheben und m keit, und demüthige unsere stolze dir entgegenkommen. Nun, mein in Natur zur Buße und Bekehrung. Geist spricht: Komm! und du er Komme, unsere Weisheit, reiße antworte mir auch in Gnaden: ist uns aus unserer Thorheit heraus, Ja, ich komme bald. Amen, ja, re daß wir dich und deinen Vater so komm, Herr Jesu, alle Augen⸗ 3 lebendig erkennen. Komme, un⸗ blicke und bleibe bei mir ewig⸗ 1„ sere Heiligung, laß uns nicht lich unverrückt. Amen. ist länger im Schlamm der eitlen Gottfried Arnold, g. 1665, st. 1714. ne Lüste und irdischen Begierden m umhertreiben, sondern wasche, rei⸗ Auf Weihnachten rz nige, heilige uns in deinem Na⸗ der men durch den Geist der Heili⸗ 18. Herr Jesu Christe, mein der gung. Komm, o Erlöser, und Heiland, deß Güte nicht zu ib⸗ ike erlöse uns von allem Uebel, was len, ich bete dich an als die aller⸗ im uns naget und plaget. Komm, theuerste Gabe des himmlischen ist. du bester Freund, kehre ein in Vaters, die er mir und aller Welt cht unsere verwüsteten Herzen, gehe mit dir geschenkt hat, daß er dich me ein in deine Tempel, treibe aus in der Fülle der Zeit zu uns ar⸗ en die unreinen Gedanken und Be⸗ men Sündern als den Sohn der nd wegungen und eifere über dein Liebe aus seinem Schoß vom ch. Haus, das dir gehöret. Komm, Himmel auf die Erde gesendet n⸗ meine Seele wartet dein, als eine und von der Jungfrau Maria e⸗ Braut ihre Bräutigams. Bringe hat lassen geboren werden. Nun du mit deine süße Liebe, deine tiese bist du ganz unser mit deiner be⸗ Demuth, deine große Geduld, Gottheit und Menschheit. Einen daß deine Sanftmuth und Freund⸗ solchen Heiland sollten wir ha⸗ lichkeit deine Lammesnatur und ben, der uns tiefgefallne Sünder 14 von allen unsern Sünden und dem damit verbundenen Elend des Leibes und der Seelen in Zeit und Ewigkeit vollkommen erlösete. Nun können wir mit Freuden ausrufen: Alles und in allem Christus! Denn du bist das wahre Lebensbrod, so kann meine Seele nicht hungern. Du bist der Brunnen des lebendigen Wassers, so kann meine Seele nicht dürsten. Du bist mein Licht, so kann sie nicht in Finsterniß bleiben. Du bist meine Freude, wer kann mich betrüben? Du bist mein Beistand, wer kann mirs abgewinnen? Du bist meine Wahrheit, wer kann mich ver⸗ führen? Du bist mein Weg, wie kann ich mich verirren? Du bist meine Weisheit, wer kann mich betrügen? Du bist meine Gerechtigkeit, wer kann mich ver⸗ dammen? Du bist meine Heili⸗ gung, wer kann mich verwerfen? Du bist meine Erlösung, wer kann mich gefangen halten? Du bist mein Friede, wer kann mich unruhig machen? Du bist mein Gnadenthron, wer kann mich rich⸗ ten? Du bist mein Mittler, wer kann mich bei Gott in Ungnade bringen? Du bist mein Fürspre⸗ cher, wer kann mich verklagen? Du bist mein König, wer kann mich aus deinem Reiche stoßen? Du bist mein Hoherpriester, wer kann dein Opfer verwerfen? Du bist mein Seligmacher, wer kann mich unglücklich machen? Wie könnte ich ein größer Geschenk haben? Dies Geschenk ist mehr werth, als ich nichtswürdiger Sünder, als alle Menschen, als alle Welt, als aller Welt Sünde, Jammer und Elend. Ach senke doch einen Strahl von deiner Herrlichkeit aus dei⸗ ner Krippe in mein finsteres Herz, Gebete für die Festzeiten. daß ich dich in völligem Glauben erkennen lerne. Dann wäre mir kein Unfall zu groß und kein Kreuz zu schwer. Denn du bist in mir alles, und in dir ist alles mein, es sei das Leben oder der Tod, es sei das Gegenwärtige oder das Zukünftige. Alles ist mein; ich aber bin dein; du aber bist Gottes. Ach so laß mich denn dieses großen Heils recht wahrnehmen. Heilige mich dir selbst zum Opfer dafür. Laß mich stets in dieser deiner Liebe ruhen; laß mich durch die Freude an dir all meines Elendes vergessen, die Sünde hassen, die Welt verschmä⸗ hen mit ihrer Lust, dir im Glau⸗ ben gehorsam und in meinem letzten Stündlein nur in dir er⸗ funden werden: Alles um deines Namens willen, du Seligmacher aller in sich selbst verlornen Sünder. Gottfried Arnold, g. 1665, st. 1714. Zum Jahresschluß. 19. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Liebe und Treue, die er an mir gethan? Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Also, o du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, spricht meine in deiner Gnade sich freuende Seele, da ich nun abermals un⸗ ter deinem Schutz und Beistande ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott, wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flü⸗ gel trauen! Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du tränkest sie mit Wol⸗ lust, als mit einem Strom; denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Mein Gott, der Tage TT TTC TCTC TCTCTCRC —— r nEu à — im Jahre sind viel, aber der Wohlthaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahre kann man zählen, aber deine Wohlthaten, die du mir erwie⸗ sen, sind unzählig. Ich danke dir, daß du mir die⸗ ses Jahr dein heilig Wort hast lassen lauter und rein predigen und darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil anweisen. Ach versiegle alles, was ich gehört habe, in meinem erzen und gieb mir deinen hei⸗ ligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich in deinem h. Mahle mit deinem h. Leib und Blut hast gespeiset und getränkt; ach laß es mir zur dauernden Glaubensstärkung und Lebens⸗ heiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir oft die Sünde vergeben und die verdienten Stra⸗ fen abgewendet hast. Ach gieb mir Kraft, daß ich mich im neuen Jahre davor hüte und sie nicht wieder vorsätzlich begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf el dasch mir Nahrung und Klei⸗ der beschert, mir Gesundheit ver⸗ liehn, das Unglück abgewendet, mein Kreuz erleichtert, in meinem Elend mich in Gnaden angesehen hast. Du hast mich behütet wie einen Augapfel im Auge. Du hast in Noth mich erhoͤret und mein Gebet durch die Wolken vor deinen Thron lassen dringen. Du hast in meiner Trübsal mir Hülfe gesendet vom Heiligthum und mich gestärkt aus Zion. Du hast deinen Segen über mich aus⸗ geschüttet, du hast dein Angesicht nicht vor mir verborgen, da ich zu dir schrie. Du liebreicher Va⸗ ter hast mich, dein Kind, an dei⸗ ner Hand geführt; du mächtiger König hast mich, deinen Unter⸗ Zum Jahresschluß. 15 than, wider meine Feinde be⸗ schützt; du Rein, aur ar hast mich, dein Schäflein, auf grüner Aue geweidet. Deine Weisheit hat mich das ganze Jahr durch ge⸗ leitet, deine Liebe hat mich bedeckt, deine Gnade hat mich erfreut, deine Gnade hat mich erhalten, deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen, deine milde Vater⸗ hand hat mir alles gegeben, was ich bedurfte, dein allsehendes Auge hat Acht auf mich gehabt und meinen Aus⸗ und Eingang be⸗ hütet, daß mir kein Uebel begeg⸗ nete. Hast du mich auch zuweilen erfahren lassen viele und große Angst, so hast du mich doch wie⸗ der Landeit gemacht. Hatte ich auch zuweilen viele Bekümmer⸗ nisse in meinem Herzen, so ha⸗ ben doch deine Tröstungen meine Seele ergötzt. War mir oftmals Gefahr und Noth nahe, so war auch deine Hülfe nahe, und dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen. Ach, mein Gott, verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach, alle Sünden, die ich in diesem Jahre gethan habe. Ach, strafe mich deswegen nicht in dem neuen Jahr, sondern verzeihe sie mir um Jesu willen. Herr, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzig⸗ keit, um deiner Güte willen. Herr, Herr, so beschließe ich denn das Jahr mit Danken, Lo⸗ ben und Beten, und flehe dich demüthig an: bleibe auch mein Schutz und gnädiger Gott in dem neuen Jahre; halte deine Hand über mich, und laß mich deinem Schutz, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen sein. Amen. Joh. Friedr. Stark, g. 1680, st. 1756. .— * 8—9—9—— 80 16 Gebete für die Festzeiten. Auf Neujahr. 20. Sei hochgelobet, du süßester Heiland, für deine heilbringende Erlösung, zu welcher du hast den ersten Grund gelegt, indem du in deiner Beschneidung dich dem Gesetz unterworfen und dein Lei⸗ den begonnen hast. Du ließest dich dabei einen Jesum nennen, und versprachst damit, dein Volk selig zu machen von ihren Sün⸗ den. Herr, dir sei Dank, daß du diesen deinen heilsvollen Namen auch dieses Jahr über an uns bewiesen und uns aus so man⸗ cher Noth errettet und vor man⸗ cher Versuchung und Gefahr kraft deines Namens bewahret hast. Sei auch ferner unser lebendiger Jesus, unser Heiland in der That And Wahrheit. Erlöse uns vor allen Dingen von unsern geist⸗ lichen Feinden und von den Sün⸗ den, als dem ärgsten und gefähr⸗ lichsten Schaden. Dein Blut tilge die Ungerechtigkeit des alten Men⸗ schen und erneure uns im Geiste unsers Gemüthes, daß wir dich, Herr Jesu, mit aller deiner Gnade und Kraft anziehn und in dir mit der neuen Zeit neue Men⸗ schen werden mögen. Siehe, un⸗ ser Herz sehnet sich nach deiner neuen Schöpfung, darin du alles neu machen willst. Ach, so schaffe in uns einen neuen, gewissen Geist, damit das Alte alles ver⸗ gehe, das uns geplagt und be⸗ unruhigt, auch dich an deinem Segen gehindert hat. O Jesu, erneure nun mit diesem Wechsel des Jahres dein Gedächtniß in uns, daß du nun von neuem uns vor Augen gemalt werdest durch den Glauben, den Gott selber wirket. Werde uns, was dein Name mit sich bringt, näm⸗ lich lauter Heil und Seligkeit. Schenke uns zum neuen Jahr neue Gerechtigkeit, neue Heilig⸗ keit, neue Weisheit, neue Erlö⸗ sung. Laß uns mit ganz neuem Sinn und Ernst dies Jahr an⸗ fangen und nicht in dem alten Sauerteig der Heuchelei und Schalkheit, nicht in den alten Sunden und Gewohnheiten. Ach, daß wir nun alle ein Herz er⸗ fleheten, das dich kindlich fürchte, herzlich liebe, brünstig anrufe und treulich kämpfe. Daß wir deiner Liebe anhangen, deine Bekanntschaft suchen, deine Süßigkeit schmecken im Herzen, und so nach dir alle Tage und Stunden dürsten möch⸗ ten. Ach werde uns alles in allem, denn in dir liegt alles, was wir bedürfen. Werde unserer Obrigkeit das rechte Gesetzbuch in deinem heiligen Namen, der da ist Gottes Wort; sei ihr ge⸗ rades Scepter, daß dein Wille nur durch sie geschehe, und ihr Schirm und Schutz, Lohn und Krone. Sei du allen Lehrern das wahrhafte Licht, das allen Menschen vorleuchte und die Ir⸗ rigen zurechtweise, die Unwissen⸗ den lehre, die Schwachen stärke, die Traurigen tröste. Allen Ge⸗ meinden werde mit deinem hei⸗ ligen Namen ein Tempel, darin sie in Einigkeit des Geistes ver⸗ sammelt werden, zur gemeinsa⸗ men Besserung. Dein Name sei und bleibe der Armen Schatz, der Kranken Heilung, der Elenden Zuflucht, der Verlassenen Rath Und Trost, der Wittwen Versor⸗ ger, der Waisen Vater, ja allen alles. Du himmlisches Manna, gieb dich einer jeden Seele auch dieses Jahr so zu genießen, wie sie es bedarf und begehret. Denn du theilst dich gern mit allen, die dich suchen und anrufen. Verehre uns die köstlichste Perle deines Reichs, daran wollen wir ewig genug haben. Stille den Hunger unsrer Seelen nach dir und führe das Werk deiner Er⸗ lösung an uns völlig aus, so wollen wir uns an dir genügen lassen. Denn du kannst uns im Tode erwecken, uns in Schwach⸗ heit neue Kraft geben, den Zorn in Liebe und den Fluch in Se⸗ gen verwandeln. Durch dein ver⸗ gossenes Blut lösche das Feuer der verderbten Natur, und durch dein Licht erleuchte unsre Fin⸗ sterniß und führe uns dies ganze Jahr auf rechter Straßen, daß wir nicht mehr irren. Ja, lehre du uns selbst dein Wohlgefallen, und ohne dich laß uns nichts reden, thun oder denken. Wir empfehlen uns dir ganz mit allem, was wir sind und haben auf ewig. Amen. Gottfr. Arnold, g. 1665, st. 1714. Zu Epiphanias. 21. Mache dich auf, werde Licht; Herlichte 458 Sehh, bet uf errlichkeit des Herrn, gehet au Über dir. Denn siehe, Finsterniß bedecket das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr und seine Herrlich⸗ keit erscheinet über dir. O du moricht der Herrlichkeit, Licht vom Licht aus Gott gebo⸗ ren, ich lege mich mit beschäm⸗ tem Herzen vor den Thron deiner Gnaden, daß du mich nicht nur das heutige Tages⸗ licht, sondern auch mit dem naͤ⸗ türlichen Licht dieses Tages dich selbst als das wahrhaftige Licht des Lebens in deinem Evan⸗ gelio erblicken lässest. Nun ist die Verheißung deines Vaters erfüllt, da er zu dir sprach: Es Auf Neujahr, zu Epiphanias. 17 ist ein Geringes, daß du mein Knecht bist, die Stämme Jacob aufzurichten und das Verwahr⸗ loste in Israel wieder zu brin⸗ gen; sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, daß du seist mein Heil bis an der Welt Ende. Hienach bist du auch der Heiden Heiland wor⸗ den. So bist du auch mein Licht. Darum lobe ich dich auch an diesem Tage mit den Heiden und singe deinem Namen. Ich freue mich nach deinem Wort mit dei⸗ nem Volk. Mein armes mit Sünden verwundetes Herz eilet zu dir als der Wurzel Sesse die nun durch die Predigt des Evan⸗ gelii als ein Panier, als eine Fahne allen Völkern aufgestecket ist, damit ich auch Ruhe und Herrlichkeit in und bei dir finden möge. O du mein Licht, was hilfts mir, daß ich geboren bin, wenn ich dich nicht sehe, habe und genieße? Und wenn du mich nicht erleuchtest, so ist alles ver⸗ gebens, was ich beginne und vor⸗ nehme, mir selbst zu rathen oder zu helfen. Darum erleuchte mich, Herr, mein Licht, daß ich dich nicht verliere. Ach, ich bin lei⸗ der auch von Natur todt in der Eitelkeit meines Sinnes, wie alle Heiden; darum mache mich leben⸗ dig, du Licht der Welt. Ich bin verfinstert am Verstand und ent⸗ fremdet von dem Leben, das aus Gott ist, gleichwie sie, wegen der Unwissenheit, die in mir ist; da⸗ rum sprich du: Es werde Licht! so bin ich ein Licht in dir. O mache mich dem Zug deiner Gnade auch so gehorsam, wie die Weisen aus dem Morgenlande. Ich habe nicht so weit zu dir wie jene. Das Wort von deiner Gnade ist mir nahe in meinem Munde und in meinem Herzen. Ach, so öffne 32 18 Gebete für die Festzeiten. mir doch meine Augen, daß ich sehen möge die Wunder deiner Menschenliebe gegen uns arme Sünder in deinem Evangelio. Bewege mein Herz kräftiglich, daß ich dir auch so ungesäumt, wie sie, als meinem Licht ein⸗ mal nachfolgen möge und in dir das Leben habe. Ich weiß ja nicht, wie lange du mir noch als das Licht des Lebens in dieser Zeitlichkeit nahe bist; darum er⸗ wecke mein Herz kräftiglich, dich als mein Licht in völligem Glau⸗ ben zu ergreifen, damit mich die Finsterniß nicht überfalle. Die Finsterniß und die Liebe zur Fin⸗ sterniß hat mich schon lang und hart genug gequälet. Ach, Herr Jesu, mache mich einmal frei davon, daß ich in deinem Licht das Licht sehe. O daß dieser Tag, an dem du dich den Erstlingen aus den Heiden offenbaret hast, auch mir ein Tag deiner Offen⸗ barung in meinem Herzen würde! So erscheine mir denn aus Gna⸗ den, du heller Morgenstern. Gehe mir auf, du Sonne der Gerech⸗ tigkeit, und gehe mir niemals mehr unter. Heilige vielmehr durch deine göttliche Liebe den Weg, den ich gehe nach deinem Wort, zu einem Pfad, der da glänzet wie ein Licht, das da fortgehet und leuchtet bis auf den vollen Mittag, bis kein Wechsel mehr sein wird des Lichtz und der Finsterniß, und ich würdig werde, dich als mein Licht, mein Lamm und meinen Tempel zu schauen vonAngesicht zu Angesicht. Amen. Joh. Chr. Storr, 1756. Zur Fastenzeit. 22. O du unschuldiges Lamm Gottes, der du unser aller Sün⸗ den am Stamme des Kreuzes getragen hast, erbarme dich un⸗ er jetzt und immerdar. Wir arme, uchwürdige Sünder wollen uns in tiefer Demuth beugen vor dei⸗ nem heiligen und Ln dich An⸗ esicht. ir wollen dich an⸗ sunmen, wie du da um unsrer Sünden willen und um uns zu erlösen am Stamme des Kreuzes hängest, und dir unser Bekennt⸗ niß zu Füßen legen. Ach ja, du unschuldiges Lamm. du leidest nicht deiner Sünden wegen; wir, wir mit unsern Sün⸗ den sind die Ursache deiner Pein und deiner Schmerzen. Wir ha⸗ ben mißgehandelt! Wir haben gesündiget und dadurch die ewige Strafe verdienet. Wir haben ge⸗ sündiget, oHerr, durch Vergessung deiner heiligen und gerechten Wege. Wir haben gesündiget durch falsche Liebe der Welt und durch sündliche Liebe unser selbst, indem wir nicht dich, sondern die Creaturen hochgeschätzet. Wir haben gesündiget mit unserm Willen, da wir ihn dir entgegen⸗ gesetzt, da wir nach dem Gut⸗ dünken unsers Herzens und nicht nach dein Wink deiner heiligen Augen gewandelt haben. Wir haben gesündiget, indem wir der Zucht deiner Gnade und deines heiligen Geistes widerstanden, indem wir so viele theure Mit⸗ tel der Gnade versäumet und gering geachtet und nicht die Frucht davon gebracht haben, wozu du uns dieselben gegeben hattest. Wir haben dosen L et, Herr, mit unsern gottlosen Tha⸗ ten, mit unsern unnöthigen und sündlichen Worten, mit unsern eiteln Begierden, die uns von dir abgewendet haben. Alle diese und unzählig andre unbenannte und uns unbekannte Sünden sind es die du getragen hast. Ja, mein⸗ und der ganzen Welt Sünde tru⸗ gest du, o Lamm Gottes; darum eben drückte dich das Leiden so schwer, daß du in der großen Angst deines Herzens ausrufen mußtest: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? So littest du, daß wir nicht ewi von Gott und seinem freudevollen Anblick dürften verlassen sein. O Jesu, du Sohn Gottes des Allerhöchsten, selbst ewiger Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Wer kann diese Wundergeheimnisse deines Leidens ergründen und diese unerforschliche Menschenliebe be⸗ greifen, daß du der ewige Sohn Gottes selber, daß du um unsert⸗ willen ein so tiefes und entsetz⸗ liches Leiden hast über dich ge⸗ nommen, um dadurch für uns eine vollkommene und ewige Ver⸗ söhnung und Erlösung zu stif⸗ b ten! O laß dies Leiden uns aufs neue tief ins Herz eingedrückt werden, damit wir deine Liebe recht verehren und nicht nur mit den Lippen und äußerlichen Ge⸗ berden, sondern im Geist und in der Wahrheit dir dafür Dank sagen, dir Ehre geben und unser Herz und alles, was wir haben, fortan nicht mehr uns, oder ir⸗ gend einer Creatur, sondern dir allein gehöre. Ja, Herr, laß dein Leiden un⸗ sere Herzen aufs neue erweichen zu Laite Reue und Schmerz über alle unsere Sünden, die es verursacht haben. Drücke uns durch seinen Anblick einen tiefen Abscheu vor allen, auch den klein⸗ sten Sünden ein. O daß wir d wenigstens von jetzt an dir keine Last mehr auflegen und dich nicht von neuem kreuzigen möchten mit unsern Sünden Und deine Wun⸗ den erneuern mit unsern Misse⸗ thaten! O lieber Herr, laß mir ö Zur Fasten zeit. 19 bleibend eingedrückt werden das große Gewicht der Sünde und die Heiligkeit Gottes, die sich durch dein Leiden offenbaret. Er⸗ fülle uns mit heiliger Furcht vor deiner göttlichen Majestät, daß wir in derselben vor dir wan⸗ gdeln und fromm sein mögen in dieser Fremdlingschaft, damit wir dereinst ohne Furcht und Schrecken vor Gott als unserm Gott er⸗ scheinen können. Bringe uns in die wahre Gemeinschaft mit dei⸗ nem Leiden, Kreuz und Sterben, daß wir deinem Tode ähnlich werden, indem wir der Welt und allen weltlichen Lüsten, der Sünde und allen Eitelkeiten absterben, und daß wir durch willige Auf⸗ opferung, auch des Liebsten, dir, der uns so unendlich viel gege⸗ ben, auch unsern schwachen Hank eweisen und dir dadurch den Lohn für deine Schmerzen dar⸗ bringen mögen. O Herr, laß deine Beständig⸗ keit in deinem Kreuz auch uns beständig machen in allen innern und äußern Leiden, daß wir dir hier in deinem Kreuze treu ver⸗ bleiben, damit wir auch endlich mit dir alle Noth überwinden und Erben werden mögen dei⸗ nes himmlischen Reiches. Ja, Herr Jesu, laß uns dir nachfolgen, wo du auch hingehest. Du willst uns als Mittler ja wieder zu Gott als zu unserm Gott hinführen. Nun, so nimm mich armes Kind, nimm uns alle bei der Hand in der Finsterniß dieser arhen Welt. Führe uns, amit wir uns nicht verirren, sondern den richtigen Pfad, den Pfad der Absterbung unser selbst und aller Sünden, den Pfad des wahren Herzensgebets erwählen und festhalten mögen, auf daß wir durch dich, unsern einigen +. * —8 *8 . * 4 20 Gebete für die Festzeiten. Weg und Führer, in lebendigem Glauben zu Gott, zu unserm Gott und Vater hingeführt wer⸗ den und eindringen in das Aller⸗ heiligste deiner innigen und ewi⸗ gen Gemeinschaft. O Jesu, wann uns alles ver⸗ läßt, dann laß uns nicht von dir verlassen sein. Dann, wann wir nichts mehr haben, so laß uns nur dich im Herzen haben und an dir mit wahrem unver⸗ rücktem Glauben hangen, um mit dir als unserm Heilande einzugehn in dein ewiges Reich. egne, o Herr Jesu, alle die Deinigen. Ach, laß doch keinen verloren werden. Halte fest, die du erkaufet hast mit deinem Blute, und laß unsre Seelen dir doch theuer sein in deinen Augen. Stehe bei allen bedrückten und verlassenen Herzen. Ja, Herr, segne dein ganzes Zion, die Heerde deiner Weide. Deine Liebe, o Herr, sei stets uns nahe, damit wir einst in die ewige Freude gelangen mögen. Erhöre, o Herr, erhöre unsere Bitte. Alles nicht um unserer Würdigkeit willen, sondern aus freier Barmherzig⸗ keit, zur Verherrlichung deines großen Namens in Zeit und Ewigkeit. Amen. Gerhard Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Für die stille Woche. 23. Herr JesuChriste, du Lamm Gottes, das der Welt Sünde weggenommen hat, erbarme dich über uns und gieb uns deinen Frieden. Amen. Gott, man lobet dich in der Stille zu Zion: ach, so mache denn auch mein Herz durch dei⸗ nen sanften heiligen Geist in der Wahrheit stille zu deinem Lob. Meine Seele singet dir, und meine Lippen preisen deinen heiligen Namen, daß du mich, nach dei⸗ ner ewigen Erbarmung, diesen ersten Tag der großen Und stil⸗ len Woche hast erleben lassen, in welcher du deinen eingebornen Sohn der Liebe für die ganze Welt, und auch für mich elen⸗ den Sünder insonderheit, in so unzählige Marter und Pein Lei⸗ bes und der Seelen bis zum Tod am Kreuz dahin gegeben. Nun, so müsse mir denn in dieser gro⸗ ßen Woche aufs neue groß wer⸗ den meine ewige Erlösung, die mir durch diesen deinen einigen Sohn, Jesum Christum, meinen lieben Herrn, geworden ist. Herr Jesu, ach daß alle Welt vor dir, der du nun durch Leiden des Todes mit Preis und Ehren ge⸗ krönet in deinem heiligen Tem⸗ pel zur Rechten des Vaters sitzest, stille würde in dieser Woche, stille in den Häusern, stille auf den Straßen und Gassen, stille bei Tag und Nacht. Doch mache nur vor allem andern mein Herz, das unruhige Uebel, stille, zů, in und vor dir, du stiller Jesus. Sammle durch deinen ewigen Geist, in welchem du dich deinem Vater geopfert hast, mein zer⸗ streutes Herz, daß ich deine Stimme mit hörenden Ohren höre, wenn du mir insbesondere in mein Inneres rufest: Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sün⸗ den und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missethaten; ich aber, ich tilge deine Uebertretung um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht. Ja, daß auf dei⸗ nen himmlischen Zuruf: Daran gedenke, Jacob; Israel, vergiß mein nicht! aus dem innersten Grund meines neuen Herzens widerschalle: Ich denke daran, lieber Herr Jesu, und will dir dafür von heute an aufs neue dankbar sein. Ich will dein Lei⸗ den und Sterben nicht mißbrau⸗ chen, sondern mit allem Ernst verehren. Ich begehre, deinem Kreuz unterthänig, gleichförmig und gehorsam zu werden, bis ich in der Wahrheit sagen kann: Ich bin mit Christo gekreuzigt; ich bin mit ihm gestorben, auf daß ich Gott lebe; ich lebe, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebet in mir. Dein erster Ein⸗ gang in diese Welt und ganzer Wandel darin in Gehorsam, Ar⸗ muth und Niedrigkeit verpflich⸗ tet mich armen Sünder schon sattsam zu deinem Opfer und Eigenthum. Aber da dich die Leiden ohne Zahl bis zum Tod am Kreuz ergriffen, und so gar nichts an deiner heiligen Mensch⸗ heit ist verschont geblieben im göttlichen Gericht, hast du mich Elenden dir so verbunden, daß, wenn ich dich verleugnete und dein vergäße, du mit allem Recht mein ewiglich vergäßest und mich vor deinem Vater und vor sei⸗ nen Engeln verleugnetest. So segne denn, erbarmender Heiland, deines Leidens Anfang, Fortgang und Ausgang an mir Elenden. Segne den Anfang desselben zu einem gründlichen Anfang des ersten und völligen Glaubens mit wahrhaftigem Herzen an deinen Namen. Segne den Fort⸗ gang deiner Leiden zur Grün⸗ dung in der Erkenntniß des Ge⸗ heimnisses deines Kreuzes, zur Einwurzelung in der Liebe und zur willigen Einsenkung in die Gemeinschaft deines Todes. Seg⸗ ne den Ausgang deiner Leiden an mir durch die Geduld in der Hoffnung, daß ich dir stille bleibe Für die stille Woche. unter allen Widerwärtigkeiten, deinem Willen mich lediglich in meinen äußeren und inneren Um⸗ ständen aufopfere und so aus⸗ halte durch Großes und Kleines, durch Böses und Gutes bis ans Ende, daß ich mich dann ewig⸗ lich bei dir in deiner Herrlich⸗ keit erfreuen könne, um deines allertheuersten Verdienstes wil⸗ len. Amen. Joh. Christ. Storr, 1756 Zum stillen Freitage. 24. Ach Herr, du ewiger und gütiger Gott und Vater, siehe doch an deinen lieben Sohn, was er für große Schmerzen meinet⸗ halben hat müssen leiden! Ach Vater, siehe doch, wer solches leidet, und gedenke doch gnädig⸗ lich, für wen er leidet. Ists nicht, ach treuester Vater, dein Sohn, das unschuldige Lamm Gottes, das du für den Knecht gegeben hast? Ist nicht das der Herr der Ehren und des Lebens, der wie ein Lamm zur Schlachthank geführet und dir bis in den Tod ehorsam gewesen, ja den aller⸗ schmählich en Tod auf sich ge⸗ nommen hat? Ach gedenke doch, o Gott, der du der Welt Leben begehrest, dein geliebter und eini⸗ ger Sohn ists, den du aus dei⸗ nem Herzen geboren und meiner Schwachheit theilhaftig gemacht hast. Ach fürwahr, das ist deine Gottheit, die meine Natur hat an sich genommen und sich an das Kreuz hat lassen heften und die schwere Strafe unserer Sün⸗ den getragen hat. Ach Herr, wende deine Augen auf dieses große Werk deiner Gnade und Gütigkeit. Siehe an deinen lie⸗ ben Sohn, wie er an seinem ganzen Leibe ausgedehnt und ausgespannt ist. Siehe an seine Hände, wie das Blut daraus * . 22 Gebete für die Festzeiten. wie aus einer Quelle fließet, und vergieb mir gnädiglich die Misse⸗ that, die meine Hände begangen haben! Siehe an, Herr, wie seine Seite durchstochen ist, und er⸗ quicke mich mit dem Blute, das daraus geflossen! Siehe an seine Füße, die doch nicht auf dem Wege der Sünde gegangen sind, sondern allezeit in deinem Gesetz gewandelt haben, wie dieselben mit Nägeln durchgraben sind, und verleihe mir Gnade, daß meine Füße in deinen Wegen gehen! Thue weg von mir den Weg der Bosheit und laß mich allezeit auf deiner Bahn wan⸗ deln. Amen. Augustinus, g. 354, st. 430. Auf Ostern. 25. Herr Jesu Christe, du starker Löwe vom Stamm Juda, du unüberwindlicher Held, du mächtiger Siegesfürst, du Sün⸗ dentilger, ULeberwinder des Todes, du Schlangentreter und Zerstörer der Hölle, ich sage dir herzlichen Dank für deine sieghafte, fröh⸗ liche Auferstehung, dadurch du dem Tode die Macht genommen und ewiges, unvergängliches We⸗ sen wieder ans Licht gebracht. Du hast dich bewiesen als ein allmächtiger Herr, der da hat die Schlüssel der Hölle und des Todes, der da aufschließt und niemand zuschließt. Du warest todt, und siehe, nun lebest du von Ewigkeit zu Ewigkeit. Du hast dein Volk vom Tode er⸗ rettet und aus der Hölle erlöset. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Dir sei Dank, daß du uns den Sieg gegeben hast. Du hast den Tod verschlun⸗ en ewiglich, und alle unsere Thränen von unsern Augen ab⸗ gewischet. Kommet, lasset un⸗ zum Herrn gehen: er hat und geschlagen, er wird uns wieder verbinden. Er hat uns verwun⸗ det, er wird uns wieder heilen. Er wird uns wieder aufrichten nach dreien Tagen; er wird uns lebendig machen, daß wir vor ihm leben werden. Darum freuet sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich. Denn Gott hat seine Seele nicht in der Hölle gelassen und nicht zugegeben, daß sein Heiliger die Verwesung sehe. Du bist eine kleine Zeit von Gott verlassen gewesen, aber nun mit Ehren und Schmuck gekrö⸗ net. Du bist aus der Angst und Gericht hinweggerissen, wer will deines Lebens Länge ausreden? Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein worden; und das ist vom Herrn geschehen, und ist ein Wunder vor unsern Augen. Man singet mit Freuden in den Hütten der Gerechten: Die rechte Hand des Herrn ist erhöhet; die rechte Hand des Herrn behält den Sieg. J werde nicht sterben, sondern le⸗ ben und des Herrn Werk ver⸗ kündigen. Du bist wahrhaftig die Auferstehung und das Leben. Wer an dich glaubt, wird leben, ob er gleich stürbe. Du bist der Gläubigen Leben, darum können sie nimmermehr sterben. Denn du, ihr Leben, stirbest nicht, da⸗ rum können sie ihr Leben nicht verlieren. Ach mein Herr, du bist her⸗ vorgebrochen wie die schöne Mor⸗ genröthe. Nun giebst du deinen Gläubigen deinen ewigen Frie⸗ den, welcher alle himmlische Gü⸗ ter in sich begreift, Gottes Huld und Gnade, Vergebung der Sün⸗ den, Gerechtigkeit, Sieg, Trost, ewige Freude, ewiges Leben. O liebreicher, holdseliger, tröstlicher, lebendiger, ewiger Friede, du edle Frucht der Auferstehung Jesu Christi, komm in mein Herz, er⸗ freue meine Seele. Denn über diesen Frieden wird man sich freuen, wie man sich freuet in der Ernte; wie man fröhlich ist, wenn man Beute austheilt. Laß uns auch, Herr, mit dir durch wahre Buße auferstehen. Laß uns Theil haben an der ersten Auferstehung, auf daß der andere Tod an uns nicht Macht habe. Stehe du in uns auf, lebe du in uns, siege und überwinde in uns die Welt, Sünde, Tod, Teufel und Hölle. Tröste unsere Seele in Angst und Traurigkeit durch dein Wort und den Geist des Friedens. Erwecke auch am jüngsten Tage durch Kraft dei⸗ ner Auferstehung meinen Leib zum ewigen Leben. Ja, Herr, da wirst du sagen: Wachet auf und rühmet, die ihr schlafet un⸗ ter der Erde! Denn mein Thau ist ein Thau eines grünen Fel⸗ des. Alsdann wird mein nich⸗ tiger, verweslicher, sterblicher Leib anziehen Unverweslichkeit, Un⸗ sterblichkeit, Kraft und Ehre und wird ähnlich sein deinem ver⸗ klärten Leibe; denn unser Leben ist in dir verborgen. Wenn du aber, unser Leben, wirst offenbar werden, so werden wir auch mit dir offenbar werden in der Herr⸗ lichkeit. Amen. Johann Arndt, g. 1555, st. 1621. Auf Himmelfahrt. 26. O Heiland, der du aus Liebe si uns dich aller deiner Herr⸗ ichkeit entäußert und Knechts⸗ gestalt angenommen hattest und gehorsam worden warest bis zum Tode am Kreuz, dem aber auch Auf Ostern, auf Himmelfahrt. 23 Gott einen Namen gegeben hat, der über alle Namen ist, o laß die Kraft deiner Herrlichkeit un⸗ sern Herzen bekannt werden, da⸗ mit auch wir in deinem Namen uns beugen und dir, unserm Könige, dienen und anhangen. Wir danken dir, Herr Jesu, daß du durch deine Himmelfahrt uns den Weg zum Himmel gebahnt und deines Vaters Dus uns aufgeschlossen hast. Du sitzest zur Rechten der Kraft Gottes, damit dir alle Herzen als ihrem rechtmäßigen Könige unterthan werden sollen. Siehe, hier sind Herzen, worüber du als Herr, als triumphirender König, herr⸗ schen und regieren solltest; ach sende einen Blick deiner Freund⸗ lichkeit auf uns herab. ö 25 Jesu, gieb uns ein himm⸗ lisches Herz und laß uns durch deine Gnade bewahret werden vor allen eitlen irdischen Gedanken; sammle uns in deiner Gegen⸗ wart; stille unser Gemüth durch deine gnadenreiche Mittheilung; laß uns vor deinem Angesichte gesegnet sein. Herr, der du den rechten Schlüssel der Erkenntniß hast, schließe durch die Salbung deines heiligen Geistes unsere Augen auf, daß wir sehen mö⸗ gen die Größe deiner Herrlich⸗ keit und die Ueberschwänglichkeit deiner Liebe; damit wir anfan⸗ gen mögen, mit ganzem Herzen, Sinn und Gemüthe gen Him⸗ mel zu wandeln, vor deinem Angesichte heilig zu leben und dich zu lieben, der du uns so hoch geliebet hast und unendlich liebenswürdig bist. O Herr, vergieb um deiner Liebe willen, daß wir so oft von dir und von deiner Auffahrt zur Herrlichkeit gehört, und noch so wenig ihre Kraft in unseren * 2 V * * * 2⁴ Gebete für die Festzeiten. Herzen erfahren haben. O daß wir dir die Ehre geben und uns deinem allmächtigen Scepter un⸗ terwerfen möchten! Verherrlichter Jesus, verherr⸗ liche dich an unseren Herzen. Werde erkannt in deiner Größe, werde geehrt und geliebt von uns, und ziehe ein in unsere Herzen. Laß sie deine Werkstatt sein; schleuß sie auf, daß wir mögen ermuntert werden, dir ge⸗ trost nachzuwandeln, wie du uns vorangegangen bist und das Ziel erreicht hast. Erhöte unser schwa⸗ ches Seufzen, o großer Hoher⸗ priester zur Rechten Gottes; er⸗ wirb uns kraft deiner Verdienste ein kräftiges Ja und Amen. Gerhard Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Auf Pfingsten. 27. Großer und erhabner Gott, du Vater in der Höhe, der du auch verheißen hast, zu wohnen bei denen, die eines demüthigen Herzens sind und sich fürchten vor deinem Worte: o schaffe in uns solch demüthig Herz, gieb uns heilige Furcht vor deinen Geboten. Was hülfe uns das Leben der Natur, wenn wir nicht deines göttlichen Lebens durch den Geist Jesu Christi sollten theilhaftig werden? Was wür⸗ den wir am Ende dieses zeitlichen Lebens übrig haben, wenn wir dich nicht haben sollten, du wah⸗ res und ewiges Leben unserer unsterblichen Seele? Herr, du weißt, welche zerstreute Herzen wir haben: o sammle uns! Du weißt, welche harte und todte Herzen wir haben: o rühre und erwecke uns! Du weißt, wie wir noch widerstreben deinem Worte, und wie wir uns von Natur nicht unter dein Scepter beugen wollen. Darum, o Herr, beweise deine Macht; sende dei⸗ nen Geist aus der Höhe, daß er unter uns wirke, dir unsere Her⸗ zen unterthan und uns tüchtig mache, ganz mit dir, unserm Heil, vereinigt zu leben und dei⸗ d. O Geist, der du die Tiefe der Gottheit erforschest, laß uns er⸗ fahren, was wir an unserm Gott und Heiland haben, damit wir durch' seine lebendig machende Erkenntniß in der Liebe brünstig gemacht und durch dieselbe ihm unbeweglich anzuhangen kräftig gestärket werden. O wirke in uns die Befreiung von allem Irdischen und reine Liebe gegeneinander; wirke in uns die Aufrichtung des Königreichs Jesu Christi durch die Mitthei⸗ sung deiner Gerechtigkeit, deines Friedens und deiner heiligen Freude. Komm, du Strom der Ewigkeit, der von dem Throne Gottes mächtig hervorbricht, und uberströme unsere Herzen; tilge in uns alles Wesen der Welt, alles, was im Paradiese Gottes nicht bestehen kann. Komm und gieße dich aus in tausend Her⸗ zen, die bis dahin ohne Leben und Gnade gewesen sind. Laß dir Kinder geboren werden, wie der Thau aus der Morgenröthe. Laß den Thau deiner Gnaden auf die dürren Herzen reichlich niederfallen, daß noch viele mö⸗ gen erwecket, viele vum Himmel⸗ reich geboren werden. O Gott, du höchstes Gut, mache dich uns bekannt und verherrliche dich an unserem Inwendigen. Erbarme dich über uns; laß unserer Ge⸗ rechtigkeit wegen deinen Segen von uns nicht abgewendet wer⸗ den; thue mehr, als wir zu bit⸗ ten vermögen. Begleite mit dei⸗ ner Kraft unsere Herzen, damit sie reiche Frucht bringen zu dei⸗ nes Namens Ehre. Erhöre uns um dein selbst willen, nicht um unsers armen Gebets willen; erhöre uns um Jesu Christi wil⸗ len. Er, unser Mittler, vereinige sein kräftiges Gebet mit unsern schwachen Seufzern, und du, o Herr, versiegle es mit einem ewigen Ja und Amen. Gerhard Tersteegen, g. 1697, st. 1769. Auf Michaelis. 28. Herr Jesu, du großer Engel des Bundes, hilf, daß ich mich zu dir bekehre, von ganzem Her⸗ lin Buße thue und deinem Evan⸗ ium glaube, daß sich die Engel im Himmel freuen. Deine Engel sind heilig und rein; hilf auch mir, daß ich sei heilig und un⸗ sträflich vor dir; daß ich mich reinige von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes und fortfahre mit der Heiligung in deiner Furcht. Deine Engel sind geistlicher und himmlischer Na⸗ tur; Hif daß auch ich mich im Geistlichen und Himmlischen übe und mit meinem Gemüthe im Auf Michaelis, auf das Reformationsfest. 25 Himmel wohne. Sie sind de⸗ müthez; gieb mir, daß ich auch von Herzen demüthig sei. Laß mich in meinem Beruf bleiben und desjenigen, was mir befoh⸗ len, stets getreulich mich anneh⸗ men. Befiehl deinen Engeln, daß sie mich behüten auf allen mei⸗ nen Wegen. Verleihe mir den Geist der Gnaden und des Ge⸗ bets, daß ich dich allezeit anrufe im Geist und in der Wahrheit, auch dein Lob immerdar in mei⸗ nem Munde sei, und mit den Engeln allezeit sage: Ehre sei Gott in der Höhe! Heilig, hei⸗ lig ist unser Gott, der Herr Ze⸗ baͤoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Laß mich ihnen auch dort gleich werden, und wenn meine Seele von diesem Leibe wird scheiden, so laß deine hei⸗ ligen Engel mich tragen in Abra⸗ hams Schooß, daß ich dein An⸗ gesicht schaue in Gerechtigkeit. Beschütze auch in dieser Welt die ganze Christenheit durch diese deine heiligen Wächter; behüte durch sie meinen Eingang und Ausgang bis in Ewigkeit. Erhöre mich, Jesu, mein Herr und mein Gott, um dein selbst willen. Amen. Johann Lassenius, g. 1636, st. 1692. Auf das Reformationsfest. 29. Barmherziger Vater, du Liebhaber der Menschen, ich danke dir, daß du vom Anfang der Welt aus dem menschlichen Geschlecht dir allezeit eine heilige christliche Kirche gesammelt und berufen hast, welche dich, den Vater und den Sohn und den heiligen Geist recht erkannt, an dich geglaubet, dich angerufen, geehret, gelobet und gepreiset hat; und daß du mit derselben einen ewigen Gna⸗ denbund gemacht hast, daß du 2 . 30 30 SS V * 26 Gebete für die Festzeiten. ihr gnädiger Gott sein wollest und ihre Sünden vergeben, um des theuren Verdienstes Christi, deines lieben Sohnes willen; der du auch deinen heiligen Geist verheißen, der sie erleuchte, lehre, stärke, tröste, heilige, in alle Wahr⸗ heit leite und erhalte, der sie er⸗ neure, daß sie dir im heiligen Leben, in Weisheit und Gerech⸗ tigkeit diene; die du auch ver⸗ heißen hast aus Gnaden selig und heilig zu machen; zu wel⸗ cher du gesagt hast durch deinen lieben Sohn: Fürchte dich nicht, du kleine Heerde, es ist des Va⸗ ters Wille, dir das Reich zu be⸗ reiten; welcher du die herrliche, gnadenreiche Verheißung gegeben der Vereinigung mit dir: J will mich mit dir verloben in Ewigkeit, ich will mich mit dir vertrauen in Gericht und Ge⸗ rechtigkeit, ja im Glauben will ich mich mit dir verloben, und du sollst den Herrn erkennen; welche du dir gereinigt hast durchs Wasserbad im Wort und dir zu⸗ gerichtet eine Gemeine, die herr⸗ lich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel, sondern daß sie heilig sei und unsträflich; welche du berufen hast und sie verordnet, daß sie ähnlich soll sein dem Ebenbilde deines lie⸗ ben Sohnes; welche du auch hast gerecht gemacht und auch herrlich machen wirst; welche du auch mit so vielen holdseligen Namen nen⸗ nest, daß sie sei eine Braut deines lieben Sohnes Jesu Christi, und er ihr ewiger Bräutigam; sie sein geistlicher Leib, und er ihr einiges, ewiges Haupt, von wel⸗ chem sie alle Gaben und Fülle empfähet, Licht, Leben, Trost, Stärke, Kraft, Sieg; daß sie sei sein königlich Priesterthum, ein Volk des Eigenthums, das aus⸗ erwählte Geschlecht, welchem er allein König und Hoherpriester ist, sein Schafstall, da er allein Hirt ist; eine schöne Stadt Got⸗ tes und himmlisches Jerusalem, ein Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit, auf den Eckstein Je⸗ sum Christum gegründet; ein Weinberg, darin Christus der lebendige Weinstock und wir seine Reben sind, welchen du deine Gegenwart verheißen hast bis ans Ende der Welt. Ich danke dir auch insonder⸗ heit von Herzen, daß du auch mich zur Gemeinschaft dieser dei⸗ ner heiligen Kirche berufen hast, daß ich derselben Glied und Bür⸗ ger bin des himmlischen Jeru⸗ ch salems, in der Gemeinschaft vieler tausend Heiligen; in welcher ich alle himmlische Güter und Gna⸗ denschätze in Christo mit allen Heiligen gemein habe, nämlich Einen Erlöser und Seligmacher, Ein Haupt, Einen Hirten, Eine Taufe, Ein Nachtmahl, Einen Glauben, Einen Gott und Va⸗ ter unser aller, der da ist in uns allen, durch uns alle und über uns alle; da alle Glieder der Gläubigen wahrhaftigen Trost, Licht, Leben, Erquickung, Weide und Schutz haben. Und wenn gleich die Welt un⸗ terginge und die Berge mitten ins Meer sänken, dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen und hilft ihr frühe; da⸗ rum wird sie wohl bleiben. ilf uns nun und stärke uns, leber Gott, daß wir in Kreuz und Verfolgung uns deiner Ge⸗ genwart troͤsten, für deine Ehre ritterlich streiten, deinen Namen und dein Wort freudig beken⸗ Zum Todtenfest. 27 nen, und so es sein soll, mit unserm Blut bezeugen, und daß wir auch endlich aus dieser strei⸗ tenden Kirche aufgenommen wer⸗ den in die siegende Kirche, da aus Engeln und Menschen Eine Kirche wird werden, die dich in Ewigkeit wird loben und prei⸗ sen. O selig sind, die in deinem Hause wohnen immer und ewig⸗ lich. Amen. Johann Arndt, g. 1555, st. 1621. Zum Todtenfest. 30. Nach der Herrlichkeit deines Hauses sehnet sich mein Geist, o Vater, und dein unwürdiges Kind begehret, zum Anschauen deiner Klarheit zu gelangen. Wann werde ich kommen vor dein Angesicht, wann werde ich vollendet werden? Und werde ich würdig sein, dein Heiligthum zu betreten? Du allein, o Herr, kannst mir die Pforten öffnen, die mich zu deinem Lichte füh⸗ ren, und nur du kannst machen, daß meine Hoffnung nicht zu Schanden wird. O Lalchmäße mich nicht und erbarme dich mein, des Werkes deiner Hände; hilf mir durch deinen mächtigen Arm, gütiger Vater, und laß mich nicht verloren gehen vor deinem An⸗ gesicht durch meine Sünden; mich, den du bereitest, um zur Herr⸗ lichkeit deiner Wohnung zu kom⸗ men, mich, den du geschaffen hast zu deinem Bilde. O wann erscheint der Tag der Freude, da ich dich schaue und all mein Verlangen erfüllt wird! Nach dir dürstet meine Seele, nach dir, dem lebendigen Gotte! Wann werde ich von der dürren Erde zu den Wassern des ewigen Heils gelangen! Wann wirst du meinen Durst stillen und mich tränken vor deinem An⸗ gesicht, du Quelle alles Lebens! Herrlicher und schöner Tag, den kein Abend endet; wo die Stimme des Lobes und des Froh⸗ lockens gehört wird; wo Freude ohne Traurigkeit kund wird, Freude der Ewigkeit. Dort ist alles vollkommen, und nichts ist dort, was du nicht willst. Kein Feind, kein Fallstrick drohet mehr, sondern die höchste Ruhe, der stillste Frieden und ungetrübte Seligkeit sind das ewige Erbe aller derer, die in deinem Anschauen versammelt sind. O wann werde ich eingehen und dich schauen! Wann wird die große Erscheinung deiner Herrlichkeit mein Theil! Ich warte meines Heilandes Jesu Christi, welcher meinen nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem ver⸗ klärten Leibe. Ich warte meines Herrn, daß er sich erhebe und mich einführe als seinen Gast zu dem Mahl des Himmelreichs. Komm, Herr, und säume nicht, besuche mich in Frieden. Komm, Herr Jesu, und führe mich, so wird mir wohl sein. Führe meine Seele aus ihren Banden, daß sie deines heiligen Namens sich freue. Höre mich, Herr, und leite mich aus den Unruhen des zeitlichen Lebens in den Hafen der ewigen Seligkeit. Selig sind, welche die Gefahren des stürmischen Mee⸗ res dieses Lebens überwunden haben, und zu dir, dem sichern Hafen, zu gelangen gewürdigt wurden. Sie erfreuen sich des Friedens und frohlocken in dei⸗ ner Herrlichkeit. Von allem Uebel befreit, haben sie erreicht das unverwelkliche Erbe, das behal⸗ ten wird im Himmel, und prei⸗ sen deine Gnade, o Gott, die sie hinaufgehoben hat in dein Reich. . — * * — . — * 4 V 28 Gebete für die Festzeiten. O Reich des Lichtes und des göttlichen Friedens, der höher ist denn alle Vernunft, wo die See⸗ len der Verklärten ruhen, und ewige Freude ihr Haupt um⸗ schwebt, und Trauern und Seuf⸗ zen nicht mehr sind; wo die Ge⸗ rechten deinen Thron umgeben, mein Gott, und mit dir leben und regieren; wo du sie erfüllest mit dem überschwänglichenReich⸗ thum deiner Güter, und dein Anschauen ihre Kräfte stärkt; o du mein Vaterland! nach dir blicke ich noch aus der Ferne; dich, süße Heimath, grüße ich aus dem Thal meiner Wallfahrt und begehre dich zu erreichen. Hoffnung der Sterblichen, Je⸗ sus Christus, du meine Zuflucht, du mein leuchtender Stern in den Finsternissen des Lebens, lenke mein Schiff durch die Wellen, daß mich die Tiefe nicht ver⸗ schlinge, daß ich zu dir komme, Sonne der Gerechtigkeit, daß du mich empfangest an der Gränze meines himmlischen Vaterlandes. Ich rufe zu dir, mein einiger Trost, und halte mich am Stamm und Vater un deines Kreuzes, an dir, du Hei⸗ land aller, die mühselig und be⸗ laden sind. Hilf mir und er⸗ Seligkeit, welcher das himmlische Jerusalem erfüllet. Was du zu⸗ selten wirst du halten und ver⸗ gelten und lohnen nach deiner gnädigen Verheißung. Dann werde ich haben, was ich suchte, und was du bereitet hast denen, die dich lieben, was du bewah⸗ rest für die, so dich fürchten und dein Angesicht immerdar suchen. Herr, ich suche dein Angesicht und die Pforten des Himmel⸗ reichs, daß ich eingehe in deine Freude und dich preise und deine Barmherzigkeit. Ich stehe an dei⸗ ner Thür, und vor dir ist all mein Verlangen, und mein Seuf⸗ zen ist dir nicht verborgen. Wende dein Antlitz zu mir und sieh mich an in Barmherzigkeit. Laß mich schauen die Gnadenfülle deines Reiches, und nimm mich auf zu deinen ewigen Freuden. In deine Hände befehle ich meinen Geist. Amen. Augustinus, g. 354, st. 430. Am Buß⸗ und Bettage. 31. Barmherziger, ewiger Gott sers Herrn Jesu Christi, ein Herr des Himmels und der Erden, wir arme, elende Sünder bekennen vor deinem rette mich und nimm mich auf allerheiligsten Angesichte, daß wir in deine verborgene Herrlichkeit. O wenn ich zu dir, dem Quell der Weisheit, dem nie erlöschen⸗ den Lichte gelangt bin, wenn die Nacht endet vor dem Anblick dei⸗ nes Angesichtes, dann wird mein Verlangen nach demhöchsten Gute gesättigt sein, denn du selber bist der Lohn aller Seligen. Ich werde erkennen, wie ich erkannt bin, deine Wahrheit und deine Herr⸗ lichkeit und Theil haben an der Freude der Engel und aller Se⸗ ligen, an dem Lohn des ewigen Lebens, an dem Reichthum der leider mit unsern Vätern gesün⸗ digt, daß wir mißgehandelt und gottlos gewesen mit unsern viel⸗ fältigen und schweren Sünden, auch deinen gerechten Zorn und allerlei Strafen, ja den endlichen Untergang gar wohl verdienet haben. Solche unsere begangene Sünden aber reuen uns LDn Her⸗ zen; und weil du unser aller Vater und liebreicher Gott bist, der du dich in deinem Worte also er⸗ klärt hast:„So wahr als ich lebe, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen!“ so flie⸗ hen wir zu deiner inbrünstigen und herzlichen Barmherzigkeit mit demüthiger Bitte: du wollest nicht gedenken der Sünden unserer Ju⸗ gend, noch aller unserer Ueber⸗ tretung, sondern vielmehr einge⸗ denk sein deiner grundlosen Güte, Gnade und Barmherzigkeit. Ach Vater und Herr, strase Uns nicht in deinem Zorn, züchtige uns nicht in deinem Grimm! Ach Herr, sei uns gnädig! Verstoß uns nicht von deinem Angesicht und laß es nicht mit uns gar aus sein; sondern wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, also er⸗ barme du dich auch über uns. Erweise uns deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die auf dich hoffen, und laß unser An⸗ gesicht nicht zu Schanden wer⸗ den. Sei du unsere Hülfe in den großen Nöthen, die uns be⸗ treffen. Ach, Herr Gott Zebaoth, sei du mit uns; ach Gott, sei du unser Gott! Mache dich auf zu richten und hilf allen Elen⸗ den und Bedrängten auf Erden. Gestatte ja nicht, getreuer Gott und Vater, daß dein Weinberg, den du unter uns gepflanzet hast, verwüstet werde. Stehe auf, Herr, und hilf uns mit deiner starken Hand und allmächtigem Arm, thue wohl diesem und allen an⸗ deren Landen, in welchen du mit deinem Wort deine Wohnung hast. O lieber Herr und Gott, sei und bleibe du bei uns und unter uns. Stärke und erweitere dein Reich, das du aufgerichtet hast, denn es ist dein Werk. Er⸗ halte uns und unsere lieben Nach⸗ kommen bei reiner, gesunder Lehre und bei gewünschtem Frieden. Verschone unser, o treuer Gott und Vater, mit Krieg, Aufruhr und Empörung, mit Pestilenz und anderen gefährlichen Seu⸗ Am Buß⸗ und Bettage, am Erntefeste. 29 chen. Wende ab alle Theuerung, Mißwachs, schädliches Gewitter und andere Plagen. Erleuchte unsere Herzen, daß wir recht⸗ schaffene, wahre Buße thun, alle wissentliche und vorsätzliche Sün⸗ den fliehen und meiden, hingegen dich und dein heiliges Wort stets vor Augen haben und also dem wohlverdienten Verderben zeit⸗ lich und 65 wot entgehen mögen. Das alles wollest du thun, e treuer, barmherziger Gott und Vater, um des Wemn Verdien⸗ stes und der kräftigen Fürbitte deines geliebten Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn und Heilan⸗ des willen. Amen. Joh. Gottlob Heym, st. 1788. Am Erntefeste. 32. Herr Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, du bist der allmächtige Gott Himmels und der Erden, und in dir leben, weben und sind wir. Du hast aber gewollt, daß der Mensch lebe vom Brode, und hast des⸗ halb imAnfange der Welt die Erde fruchtbar gemacht durch dein all⸗ mächtiges Wort und nach den Tagen der Sündflut verheißen, daß, so lange die Welt stehen werde, nicht mehr aufhören solle Saat und Ernte. Daher, o Herr, währet diese einmal von dir fest⸗ Rochti Ordnung noch immer fort. och immer krönest du das Jahr mit deinem Gut. Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutze der Menschen. Also bringest du Brod aus der Erde und erfüllest unsere Herzen mit Speise und Freude. Herr, wie hast du alles so weislich geoednet! Wie groß ist auch deine Güte gegen uns, die wir deines Brodes nicht werth sind! Wie 30 Gebete für die Festzeiten. wunderbar deine Allmacht, wenn du aus wenigem viel machest, wenn du reichlich Frucht schaffest aus dem Samen, der in der Erde verweset. Deine unaussprechliche Güte, Barmherzigkeit und Allmacht ist es, o du treuer Gott, die auch wiederum in diesem Jahr unser Land heimgesucht hat. Die Men⸗ schen hatten ihren Samen auf Hoffnung gesäet, und du hast dieselbe erfüllt, hast die Saat auf dem Felde gesegnet und uns wie⸗ der die Zeit erleben lassen, da man erntet und einsammelt deine Gaben. Ach Herr, es ist ja alles dein, wir können ja nichts aus der Erde hervorbringen. Dazu ist es, es sei viel oder wenig, doch unendlich mehr, als wir ver⸗ dienet haben. Darum, Dank sei dir und deinem heiligen Namen für alles, was du uns dieses Jahr über auf dem Acker bescheret hast. Wir bitten dich aber auch, o liebreicher Vater, nimm uns nicht wieder in deinem Zorn, was du uns in deiner Gnade gegeben. Erhalte uns vielmehr das täg⸗ liche Brod, was du jetzt reich⸗ lich austheilest. Bewahre uns alles, was uns deine Güte hat einsammeln lassen, vor aller Ge⸗ fahr und allem Unfall und ver⸗ leihe uns dabei Leben und Ge⸗ sundheit, Ruhe und Friede, es zu genießen. Vor allem aber gieb uns ein dankbares Herz, das deine Gaben nicht mißbrauche, sondern sie zu deiner Ehre anwende, da⸗ mit sie nicht nur Kraft geben dem Leibe, sondern auch der Seele heilsam sind. Laß uns dieselben nicht verschwenden und andern gerne davon mittheilen. Sache noch ferner unser Land heim in Gnaden. es sehr reich. Tränke seine Fur⸗ Baue es und mache chen, gieb Sonnenschein und Regen zu rechter Zeit und laß wohlgerdthen, was man wieder säen wird, damit auch im künf⸗ tigen Jahre das Land sein Ge⸗ wächs gebe und unsere Auen dick stehen mit Korn, daß man jauch⸗ zet und singet und deinen Ruhm verkündiget immerdar. Erbarme dich auch aller un⸗ serer Brüder, o Herr, insonder⸗ heit zu dieser fröhlichen Ernte⸗ zeit. Du bist ja Gott, der täg⸗ lich seine milde Hand aufthut und sättigt alles, was da lebet, mit Wohlgefallen. Gedenke der Armen, die nicht haben, was sie einernten können, und lasse die, denen du reichlich bescheret hast, mit für sie einsammeln. Wo wenig ist, da segne den kleinen Vorrath, daß er genüge, und wo viel vorhanden ist, da verhüte, daß es nicht zum Bösen gemiß⸗ braucht werde. Erhalte, o Herr, uns Ruhe und Frieden im Laͤnde, damit nicht Fremde in unsere Ernte kommen und sie„Hii ren. Behüte überall vor Miß⸗ wachs, theuern Zeiten und Hun⸗ gersnoth. Vor allem aber schenke jedem Zufriedenheit mit dem, was du ihm beschieden, damit Reiche und Arme deine Kraft erkennen, und dich preisen mögen immerdar. Endlich aber, o Herr, lehre uns bedenken, daß wir selbst dein geist⸗ liches Ackerfeld sind, und du der Herr der Ernte, welche in deiner Kirche bevorsteht. Darum bitten wir dich: sende Arbeiter in diese Ernte. Hilf, daß überall guter Same ausgestreuet und die reine Lehre gepredigt werde in deiner Christenheit. Behüte die Welt vor dem Unkraut, was der Feind eschäftig ist auszustreuen. Be⸗ ehre die, welche noch auf das Fleisch säen, daß sie nicht von Die christliche Buße. 31 ihm das Verderben ernten. Hei⸗ lige uns dagegen alle, daß wir christlich gesinnt sein und auf den Geist säen und dereinst von ihm ernten das ewige Leben. Ja, wenn einmal die ganze Welt reif sein wird zur letzten Ernte, so hilf auch, daß wir alle als reiner Weizen in deine Scheuern ge⸗ sammelt und bewahret werden zur ewigen Freude. Da werden wir ohne Aufhören ernten, wie du gesagt hast, und uns freuen mit unaussprechlicher, ewiger Freude. Erhöre uns, o Herr, um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Amen. Casp. Neumann, g. 1648, st. 1715. III. Buß⸗, Beicht⸗ und Communiongebete. Die christliche Buße. * 33. Gerecht bist du, o Herr, und recht ist dein Gericht. Alle deine Gerichte sind gerecht und wahr. Darum flehe ich zu dir in Demuth, daß du mir nicht thuest nach meinen Sünden, die deine Strafe verdienen, sondern nach deiner großen Barmherzig⸗ keit, die allen Reuigen verzeihen will. Erbarme dich meiner und hilf mir nach der Liebe, womit du mich in Jesu deinem Sohne geliebet hast, und würdige mich deiner Gnade in dem Verdienste meines Heilandes. Ich bekenne dir meine Unge⸗ rechtigkeit und verschweige nicht, wie die Sünde auf mir lastet. Meine Fehltritte kann ich nicht ählen, und meiner Vergehungen sind viel. Wo soll ich hingehen, mein Gott, wenn du dich nicht zu mir wendest? Wo soll ich mich verbergen, wenn du mir nicht gnädig bist und dich mei⸗ ner annimmst? Züchtige mich, aber vergieb mir; strafe mich, aber laß mich nicht verloren gehen. Kann auch eine Mutter vergessen des Sohnes ihres Lei⸗ bes, so willst du, o Vater, doch mein nicht vergessen. Darum rufe ich zu dir, und komme vor dein Angesicht, und meine Klage hofft Erhörung. Ich habe gesündigt, und mein. Gewissen verdammet mich, und meine Reue kann nicht genu thun deiner Gerechtigkeit. J kann nicht bestehen an jenem Tage, da du alle Werke der Menschen vor Gericht bringest und einem jeglichen geben wirst nach seinen Werken. Bann werde ich verstum⸗ men müssen, und meine Sünde wird wider mich zeugen und meine Ungerechtigkeit wider mich auf⸗ stehn. Dann ist all mein Rüh⸗ men eitel, und wollte ich mich selbst rechtfertigen, so würde das Zeugniß deiner Allwissenheit mich verdammen. Doch du, o Herr, willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Du sandtest Jesum Christum, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. In seinem Tode sollen sie aufleben und Ver⸗ söhnung empfangen und der Ver⸗ gebung gewiß sein. Darum komme ich zu dir und setze meine Zuversicht auf dich, und hoffe auf deine helfende Gnade. Dich soll ich suchen, o Herr, und du willst dich von mir finden lassen. Wenn ich dich rufe, hast du Erhörung zugesagt. Siehe, ich klopfe an, daß du mich auf⸗ nehmest und mir dein Angesicht leuchten lassest. Sei mir gnädig, —— N — * * * 2* 2 32 Beichtgebete. wenn ich mich deiner Hand über⸗ gebe. Wenn ich mich dir nahe mit allen meinen Sünden, so verwirf mich nicht. Nimm mich auf und ziehe mich zu dir, daß ich dein sei und bleibe, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Dir, o Vater, befehle ich mich und dem gnädigen Walten dei⸗ nes heiligen Geistes. Wache über meine Sinne und Gedanken, ver⸗ tilge alle Hoffart in mir, und gieb mir Demuth und Beugung des Herzens. Lehre mich thun nach deinem Willen und laß mich erkennen die Tiefe deiner Güte. Stehet deine Kraft mir bei, so lebe ich, denn ohne dich kann ich nichts thun. Heilest du mich, so wird meine Seele gesund, und sendest du mir dein Licht, so wird mich die Finsterniß nicht über⸗ winden. Schaue herab auf mich, o Herr, von der Wohnung deiner Herr⸗ lichkeit und laß alles Dunkel mei⸗ ner Seele vor dem Strahl deines Glanzes verschwinden. Erfülle mich mit heiliger Liebe und thue mir auf die Schätze deiner Er⸗ kenntniß. Alle meine Begierde ist dir bekannt; darum vollende, was du begannst und was du mich durch die Erweckung deines Geistes bitten ließest. Ich suche dein Angesicht; wende dein An⸗ gesicht zu mir und enthülle mir deine Herrlichkeit. Dann wird meine Sehnsucht gestillt, dann wird meine Freude vollkommen sein. Amen. Augustinus, g. 354, st. 430. Vor der Beichte. 34. Siehe, mein Gott, ich bin derselbe Mensch, der hinab ging gen Jericho und fiel unter die Mörder. Ach Herr, wie kläglich haben sie mich verwundet und halb todt liegen lassen! Komm, Herr, du treuer Helfer, nimm mich auf und heile mich. Ich habe schwer gesündigt in meinem ganzen Leben und übel vor dir gethan. Ich habe mich nicht geübet in deiner Erkennt⸗ niß. Ich bin undankbar gewesen für deine vielfältigen Wohltha⸗ ten. Ich habe deinen Namen nicht gepreiset, wie billig. Oft und viel habe ich deine Wahr⸗ heiten verschwiegen. Wenn du vor der Thür meines Herzens ge⸗ standen und angeklopfet hast, so bin ich träg gewesen und habe dich nicht gehorsamlich angenom⸗ men, wie ich schuldig war. Mei⸗ nen Leib, der doch vergehet wie ein Schatten und der Würmer Speise wird, habe ich gar zu sehr geliebet. Ich habe mich berun⸗ und un mit unzüchtigen Worten und bin unfleißig und nachlässig gewesen, dein heilsames Wort zu etrachten. Meine Augen habe ich nicht stets und überall abge⸗ wendet von der Eitelkeit dieser Welt und meine Ohren auf unnütze Dinge merken lassen. Manchmal habe ich meinem Nächsten in seiner Noth mit meinen Händen nicht gedienet, und meine Füße sind schnell ge⸗ wesen zur Sünde. Was soll ich viel sagen, mein Gott? Von den Fußs H7 an bis auf die Scheitel meines Hauptes ist nichts Ge⸗ sundes an mir. Ach mein Herr Jesu, wenn du nicht für mich am Stamme des Kreuzes gestor⸗ ben wärest und mich erlöset hät⸗ test, so hätte meine Seele in der Hölle ewig verderben müssen. Nun aber bin ich auch theilhaftig, o gütiger Herr Jesu, deiner großen Eklösung. O verschmähe und ver⸗ wirf den nicht, mein Heiland, den Vor der du mit deinem heiligen Blute so theuer erkaufet. Siehe, ich bin ein verirret Schaf; o suche mich, du guter, frommer Hirt, und trage mich zu deinem Schafstall, nach deinem Worte. Du hast mir zugesagt, mein Helfer, in welcher Stunde der arme Sünder zu dir seufzet, soll ihm geholfen werden. Siehe doch an, daß ich von Herzen be⸗ trübt bin und erkenne meine Sünde, und meine Missethat ist immer vor mir. Freilich bin ich nicht werth, daß ich dein Sohn heiße; denn ich habe gesündigt im Himmel und vor dir. Aber dennoch, mein Heiland, laß mich hören Freud und Wonne und wende dein Antlitz von mei⸗ nen Sünden. Tilge alle meine Missethat nach deiner großen Barmherzigkeit und verwirf mich nicht von deinem Angesicht. Handle nicht mit mir nach mei⸗ nen Sünden und vergilt mir nicht nach meiner Missethat. Hilf mir, o Gott meines Heils, und erlöse mich um deines Namens Ehre willen. Thue Barmherzig⸗ keit an mir nach deinem Wohl⸗ gefallen, daß ich wohne in deinem Hause immerdar, und sammt allen, die darin wohnen, dich rühme und preise bis in Ewig⸗ keit. Stehe auf und komme zu mir, o du Bräutigam meiner Seele. Siehe nicht an, daß ich so mit Sünden beflecket bin, son⸗ dern komm und zeige mir deine Gestaͤlt. Laß mich hören deine Stimme, denn deine Stimme ist süß und deine Gestalt lieblich. Wende dein Antlitz nicht von mir. Mache mir mein Weinen zu Freu⸗ den. Neige zu mir deine Ohren. Eile mir beizustehen, Herr, meine ülfe. O du Sohn des lebendigen Beichte. 33 Gottes, der du allein von deinem Vater geboren bist vor der Welt von Ewigkeit, selig sind, die dich lieben und nichts anders, als dich allein begehren! Selig sind die, die täglich an dich gedenken und deiner würdig genießen! Se⸗ lig sind die in dir bleiben und alle deine Wege ihr Lebenlang bewahren! Fürwahr, mein Herr Jesu, wer dich findet, der findet das Leben, ja ein solches Leben, das ewig währet und kein Ende hat. Du bist die wunderbare Speise unserer Seelen, ganz herr⸗ lich und süß, ganz lieblich und köstlich und besser, denn alles an⸗ dere Labsal. Wie lieblich erweisest du dich durch so viele Gnaden⸗ zeichen, wie wunderbarlich und kräftig kannst du erquicken! Du tröstest und labest auf allerlei Weise und schaffest, daß wir an allen Gnaden und Gaben zu⸗ nehmen. Herr, du heiliges Him⸗ melsbrod, wie reich und milde bist du, wie überfließend sind deine Gnaden! Denn du schließest kei⸗ nen Menschen aus, es sei denn, daß er dich verachte und zu dir nicht komme. Ist jemand noch jung und klein, der komme nur getrost zu dir und esse, so wird er zunehmen und groß werden, er wird seinen kindischen Verstand lassen und wandeln auf den We⸗ gen der rechten Weisheit. Ist jemand noch schwach, der eile zu dir und esse, so wird er bald stark werden. Ist jemand krank, dem wird geholfen werden. Ist je⸗ mand in Sünden todt und höret dich nur, so wird er das ewige Leben erlangen. Und obgleich je⸗ mand groß Und stark wäre, wird er dennoch viel sehen, das er be⸗ darf; denn er findet in dir über⸗ flüssig, dadurch er täglich zuneh⸗ men soll. Ohne dich kann nie⸗ 33 4 . 8* —* * =*v— 34 Beichtgebete. mand einen Augenblick leben. Du bist es allein, der allen Crea⸗ turen das Leben giebt. O Gott, meines Herzens Labsal und Wonne, in dir freuet sich meine Seele, und mein Geist verlanget nach dir. Denn alle die sich von dir wenden, werden ewi'g ver⸗ schmachten. Komin, mein Herr, und laß deine Hülfe nicht ferne von mir sein. Demte zu mir die Ohren deiner Barmherzigkeit, laß mich Armen und Hungrigen dei⸗ nes Trostes genießen, daß ich satt werde und ebe und danach dei⸗ nen Namen ꝛwiglich lobe. O du wahres unsichtbares Licht, das nimmermehr verlöscht, siehe hie hin ich auch, wie ein armer Blin⸗ der am Wege und rufe zu dir: Jesu, du Sohn David, rbarme dich mein, thue mir auf die Augen meines Herzens, daß ich dich sehe! Herr, sei gnädig mir armen Sün⸗ der! Du bist ja meine Hülfe und meine Zuversicht: o hilf mir zur ewigen Seligkeit. Herr, mein Arzt, hilf mir. Ich bin nackt und leide Frost; o du reicher Herr, be⸗ kleide mich mit dem Kleide dei⸗ ner Gerechtigkeit. Meine Seele hungert in diesem Elend; du, Herr, bist die rechte Speise, er⸗ quicke mir mein Herz. Meine Seele dürstet; Herr, du bist der rechte heilsame Trank; tränke und labe mir meine Seele mit deinem heilsamen Troste. Hie stecke ich noch in tiefem Schlamm und habe keine Kraft mehr. Ich bin ge⸗ kommen auf die Höhe des Mee⸗ res, und die Flut will mich ver⸗ schlingen. Ich habe geschrieen, daß ich müde und heiser bin, und das Wasser des Todes geht mir an die Seele. Erlöse mich von diesen Banden, Herr, mein Schutz und Erretter, mein Trost, meine Zuflucht, meine Stärke, mein Kö⸗ nig und mein Gott, um deiner Gͤte willen. Amen. Hieronymus, g. 329, st. 420. Nach der Beichte. 35. Ach, liebster Herr Jesu, ich danke dir von Grund meines Her⸗ zens, daß du mir armen Sün⸗ der durch den Diener deines Wor⸗ tes abermal die gnädige Ver⸗ gebung meiner Sünden hast ankündigen lassen. Siehe, um Trost war mir sehr bange; du aber hast dich meiner Seelen herz⸗ lich angenommen, daß sie nicht verdürbe; denn du wirfest alle meine Sünden hinter dich zurück. Ach, verleihe mir nun auch ferner deine Gnade, daß ich auf meine Zusage möge anfangen, frömmer zu werden. Schaffe doch du, o Gott, in mir ein reines Herz und gieb mir einen neuen, gewissen Geist; verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir; tröste mich wieder mit dei⸗ ner Hülfe, und der freudige Geist enthalte mich. Ach, laß mich doch ablegen nach dem vorigen Wan⸗ del den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet. Und laß mich hingegen erneuert werden im Geist meines Gemüths und anziehen den neuen Men⸗ schen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Laß mich ablegen von mir den Zorn, Grimm, Bos⸗ heit,‚ Lästerung und schandbare Worte. Laß mich tödten alles, was der Erde angehört, alle Un⸗ reinigkeit, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei. Hingegen, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem Am Abend des Beichttages. laß mich nachdenken. Gieb, daß ich verleugne das ungöttliche We⸗ sen und die weltlichen Lüste und züchtig, gerecht und gottselig lebe in dieser Welt und warte auf die selige Hoffnung und Erschei⸗ nung deiner Herrlichkeit, um deines allerheiligsten Namens willen. Amen. Joh. Quirsfeld, g. 1642, st. 1686. Am Abend des Beichttages. 36. O Herr Gott, himmlischer Vater, der du gnädig, barmherzig und von großer Güte bist, ich danke dir für deine große Güte, daß du dich über mich elenden Sünder so gnädiglich erbarmt und mir heute die Vergebung aller meiner Sünden mitgetheilt hast. Mit Schmerzen und Trauern bin ich heute von meinem Lager aufgestanden, mit Freuden aber kann ich mich niederlegen; denn deine Gnade ist groß über mich gewesen. Ich hatte deinen Zorn verdienet, und du hast mich mit Gnade gekrönet. Ich sollte ver⸗ flucht sein, und du hast mich mit viel Segen überschüttet. Ich sollte zur Hölle verstoßen werden, und du hast mich in den Himmel ge⸗ oben. Denn indem ich durch deinen Diener der Sünden bin ledig worden, bin ich ja bei dir in Gnaden und bin ein Gesegneter des Herrn; ja, ich soll nun haben Theil mit den Auserwählten am ewigen Heil. Ach, wie lieblich klang doch die Stimme in mei⸗ nen Ohren, da ich hörte: Gehe hin mit Frieden, dir sind deine Sünden vergeben! Wie süß schmecket dieser Trost noch in mei⸗ nem Herzen, daß in Christi Blut und Tod mir alle meine Sünden vergeben sind! 35 Nun kann ich mich ja mit Freu⸗ den niederlegen, nachdem ich dei⸗ nem Namen gedanket und mich in deinen gnädigen Vaterschutz befohlen habe. Ach, laß ja die⸗ sen herzlichen Trost der gnädigen Vergebung aller meiner Sünden niemand aus meinem Herzen reißen. Laß mich in Frieden darauf einschlafen und mit Freu⸗ den und gesund wieder erwachen. damit ich morgen in dein Haus könne wallen und dir in deinen Vorhöfen weiter danken, auch zur Stärkung meines Glaubens mich speisen und tränken lassen mit meines Herrn Jesu Leib und Blut, mir zum Leben und zur ewigen Seligkeit. Amen. Gottfr. Arnold, g. 1665, st. 1714. Vor dem h. Abendmahl. 57. Herr Jesu Christe, ewiger Gottessohn, der du in deiner wahren Menschheit für uns den Tod erlitten und uns von Sünden und der ewigen Verdammniß er⸗ löset hast; damit wir solcher deiner Treue nimmermehr möchten ver⸗ gessen, hast du in deinem letzten Abendmahl uns gestiftet ein ewi⸗ ges Gedächtniß und aufgerichtet einen neuen Bund, darin der Gläubigen Sünden in Ewigkeit nicht mehr sollen gedacht wer⸗ den, da du uns verordnet hast, deinen Leib im Brod zu essen und dein heiliges Blut im Wein u trinken, mit beigefügter Ver⸗ eißung der Vergebung der Sünden. Wir arme, elende Menschen kommen zu dir, dem Brunn aller Gnaden und Barmherzigkeit, und bitten dich, du wollest uns ab⸗ waschen alle unsre Sünde und Flecken, unsre Seelen reinigen und erquicken, auf daß wir mit —* * * —— . 2. * 8 . — 36 Communi wahrer Reue und Leid im rech⸗ ten festen Glauben mit aller Ehr⸗ erbietung, geschickt und würdig, deinen allerheiligsten Leib und dein Blut zu unserer Seligkeit empfangen. Hilf, daß durch dies Geheim⸗ niß des neuen Testaments der Glaube in uns gemehrt, die Hoff⸗ nung gestärkt, die Liebe entzün⸗ det, das schwache Gewissen ge⸗ tröstet, alle Anfechtung überwun⸗ den werde, und wir in unsern Herzen deiner göttlichen Huld und der ewigwährenden Erlösung unserer Seelen allenthalben ver⸗ sichert und versiegelt sein und bleiben mögen, damit wir also empfinden die überschwängliche Gnade, welche in diesem Sakra⸗ ment verborgen ist. O gütiger Gott, gieb uns er⸗ leuchtete Augen unsers Verstan⸗ des, daß wir erkennen mögen, welches da sei die Hoffnung un⸗ sers Erbes, und welches da sei der Reichthum deines herrlichen Abendmahles, in welchem du uns H mit deinem wahren Leibe und Blute ausspendest die Vergebung der Sünden, wahre Gerechtigkeit und alle himmlische Güter, auf ongebete. 38. Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirt und Bischof mei⸗ ner Seele, der du gesagt hast: Ich bin das Brod des Lebens; wer von mir isset, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubet, den wird nimmermehr dürsten: Ich komme zu dir und bitte dich demüthiglich, du wollest mich durch wahren Glauben bereiten und zum würdigen Gaste machen dieser himmlischen Mahlzeit. Du wollest mich, dein armes Schäf⸗ lein, heute weiden auf deiner grünen Aue und zum frischen Wasser des Lebens führen. Du wollest meine Seele erquicken und mich auf rechter Straße führen, um deines Namens willen. Du wollest mich würdig machen zu deinem Tisch und mir voll ein⸗ schenken den Becher deiner Liebe und Gnade. Ich armes Schäf⸗ lein komme zu deiner Weide, zum Brod des Lebens, zum lebendigen Brunnen. Ach du wahres, süßes immelsbrod, erwecke in mir ei⸗ nen geistlichen Hunger und heili⸗ gen Durst, daß ich nach dir schreie, wie ein Hirsch schreiet nach fti⸗ schem Wasser. Vor allen Dingen aber gieb mir daß wir mit herzlicher Begierde und Verlangen würdig dies heilige wahre herzliche Reue undLeid über Sakrament empfangen und deinemeine Sůnde, und lege mir an das Süßigkeit schmecken. rechte hochzeitliche Kleid des Glau⸗ Nimm von uns weg alles, bens, durch welchen ich dein heili⸗ was dir mißfällt und uns hin⸗ dert oder von dir wendet, und ieb uns, was uns zu dir wen⸗ det und hinzieht, damit wir der Frucht dieses heilbringenden Tisches theilhaftig, unsre hung⸗ rige und durstige Seelen allhier ge⸗ speist und getränket werden, und wir nach dieser Zeit auch in jenem es Verdienst ergreife und dasselbe festhalte und bewahre, damit ich nicht ein unwürdiger Gast bin. Gieb mir ein demüthiges, ver⸗ söhnliches Herz, daß ich meinen Feinden von Herzensgrund ver⸗ gebe. Tilge aus meinem Herzen die Wurzel aller Bitterkeit und Feindseligkeit. Pflanze dagegen in meine Seele Liebe und Barm⸗ Leben das himmlische Brod mit dir ewiglich essen. Amen. Johann Habermann, g. 1516, st. 1590. herzi keit, daß ichmeinen Nächsten, ja alle Menschen in dir lieb habe. Das Himmelsbrod mußte in einem goͤldenen Gefäße aufge⸗ hoben werden zum Gedächtniß in der Lade des Bundes. Ach, wollte Gott, ich möchte dich in einem ganz reinen Herzen be⸗ wahren! Ach, mein Herr, du hast ja selbst gesagt: die Starken be⸗ dürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ach, ich bin krank, ich bedarf deiner, als meines himmlischen Seelenarztes. Du hast ja gesagt: kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch er⸗ quicken. Ach, Herr, ich komme, mit vielen Sünden beladen; nimm sie von mir, erledige mich dieser großen Bürde. Ich komme als ein Unreiner, reinige mich; als ein Blinder, erleuchte mich; als ein Armer, mache mich an mei⸗ ner Seele reich; als ein Ver⸗ lorener, suche mich; als ein Ver⸗ dammter, mache mich selig. Ach Jesu, treuester Freund meiner Seele, führe mich von mir selber ab und nimm mich auf zu dir, ja in dich. Denn in dir lebe ich; in mir selber bin ich todt. In dir bin ich gerecht; in mir bin ich eitel Sünde. In dir bin ich selig; in mir bin ich lauter Ver⸗ dammniß. In dir habe ich volle Genüge, du bist mir alles. Bleibe ewig in mir, und laß mich ewig in dir bleiben, wie du gesagt hast: Wer mein Fleisch isset und mein Blut trinket, der bleibet in mir und ich in ihm und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Amen. Johann Arndt, g. 1555, st. 1621. Nach dem heil. Abendmahl. 39. O allmächtiger, barmher⸗ ziger Gott und Vater, der du mich nun abermal um deines Nach dem heiligen Abendmahl. 37 Sohnes willen zu Gnaden an⸗ genommen und deiner Huld und aller himmlischen Gnadenschätze von neuem im heiligen Abend⸗ mahl versichert hast, wie soll ich doch diese hohen Wohlthaten vergelten und mich gegen dich dankbar erzeigen? Liebster Vater, du forderst ja nichts von mir, als daß ich dich fürchte und in allen deinen Wegen wandle, daß ich dich liebe, dir von ganzem Herzen und von ganzer Seele diene, deine Gebote halte und dir anhange, auf daß es mir wohlgehe; denn es ist mir ja deutlich gesagt, was gut ist und was du, Herr, von mir forderst; nämlich dein Wort halten, Liebe üben und demüthig sein vor dir. Ja, Vater, meine Begierde wäre wohl, von Sünden zu lassen und nach deinem Willen zu leben, ich finde aber so viel Stärke und Vermögen nicht in mir. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen finde ich nicht. Darum beuge ich meine Kniee vor dir und bitte demüthiglich, du wollest mir ein anderes Herz, nämlich statt des alten steiner⸗ nen, ein neues fleischernes Herz und einen neuen Geist geben und einen solchen Menschen aus mir machen, der dich erkenne, dir treulich folge und in deinen Geboten wandle und darnach thue. Gieb mir, o Herr, dein Gesetz und deine Furcht in mein Herz, daß ich nicht mehr von dir abweiche, sondern deinem Wort und deiner Stimme ge⸗ horche, dir treulich und recht⸗ schaffen diene und dir allein an⸗ hange. Hilf, daß ich den alten Menschen ablege, des Fleisches Geschäftetödte, hingegen im Geist meines Gemüths mich erneure und den neuen Menschen anziehe, der * 2— . 2** * * 38 Communiongebete. nach dir geschaffen ist in recht⸗ schaffener Gerechtigkeit und Hei⸗ ligkeit. Regiere mich, o Vater, mit deinem heiligen Geist, daß ich mich hinfort nicht mehr ver⸗ unreinige mit allerlei Sünden und Lastern und dadurch mich selbst verwerflich mache, sondern daß ich solche Greuel von dei⸗ nem Angesicht wegthue, meine Hand vom Unrechten kehre und nach deinen Geboten wandle. Gieb, daß ich hinfort nicht mir selbst lebe, sondern dir und dei⸗ nem lieben Sohne Jesu Christo, der für mich gestorben und auf⸗ erstanden ist, und jetzt wiederum mich mit seinem Fleisch und Blut zu einem neuen Leben ge⸗ speiset und getränket hat. Gieh, daß ich an meinem Leib und in meinem Geist dich preise und dir diene die ganze Zeit meines Le⸗ bens in Heiligkeit und Gerech⸗ tigkeit, die dir gefällig ist. Dazu verleih mir deine göttliche Gnade und Kraft um Jesu Christi willen Amen. Joh. Habermann, g. 1516, st. 1590. 40. Ach du freundlicher, lieb⸗ reicher Herr Jesu Christe! dir sage ich von Herzen Dank, daß du mich mit der köstlichen und theuren Speise und dem Trank deines heiligen Leibes und Blu⸗ tes gespeiset und erquicket hast. Ach, wer bin ich, daß du mich Unwürdigen gewürdiget hast, von deinem Tische zu essen! Ach, wie könntest du mir doch ein höheres Pfand geben deiner Liebe und eine größere Versicherung meiner Erlösung, der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens! Gieb, daß ich deine große Liebe nimmermehr vergesse, deines hei⸗ ligen Todes stetiglich gedenke. Dein heiliger Leib und dein theu⸗ res Blut heilige und segne mei⸗ nen Leib und meine Seele und behüte mich vor allen Sünden. Ach, mein Erlöser und Selig⸗ macher, lebe du in mir und ich in dir, bleibe du in mir und ich in dir. Vertreib aus meinem Herzen alle Untugend; behalte Und besitze du allein das Haus meines Herzens. Meine arme Seele hat sich mit dir verbunden als deine Braut, und du hast dich mit ihr ver⸗ lobet und vereiniget in Ewig⸗ keit, und ist nun eine Königin worden, weil du selbst, der König aller Könige, dich mit ihr ver⸗ mählet hast. Wie sollte sie sich wieder zur Dienstmagd erniedri⸗ gen so vieler Sünden und Un⸗ sauberkeit! Wie sollte sie sich ihres Adels wieder verlustig ma⸗ chen durch die Eitelkeit und Nich⸗ tigkeit der Sünden und sich selbst unwürdig einer so hohen Ehre. Ach, schmücke und ziere meine Seele mit geistlichem Schmuck, mit himmlischer Schönheit, mit starkem Glauben, feuriger Liebe, brennender Hoffnung, mit tiefer Demuth, heiliger Geduld, brün⸗ stigem Gebet, holdseliger Sanft⸗ muͤth, sehnlichem Verlangen nach dir allein und nach dem ewigen Leben, daß ich mit dir allein Gemeinschaft habe, ich esse oder trinke, schlafe oder wache, lebe oder sterbe; daß du bei mir und in mir, und ich bei dir und in dir ewig bleibe, in dir esse und trinke, von dir rede, singe und sage, ohne Unterlaß an dich ge⸗ denke; daß ich möge in diesem Glauben einschlafen, am jüng⸗ sten Tage fröhlich auferstehen und in die ewige Freude einge⸗ hen. Amen. Johann Arndt, g. 1555, st. 1621. 41. Preiswürdigster Herr Jesu Christe, du hast dich heute un⸗ endlich tief zu mir herabgelassen, indem du deinen wahren Leib und Blut unter dem Brod und Wein mir zu essen und zu trinken Beroen denn damit hast du mir ergebung der Sünden, Leben und Seligkeit geschenkt, obschon ich der keines werth und würdig bin. Großes hast du an mir ge⸗ than, das erkennet meine Seele wohl. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat! Wie soll ich dem Herrn vergel⸗ ten alle seine Wohlthat, die er an mir thut! Siehe, ich kann nichts thun, o Herr, als mich selber dir geben mit allem, was ich habe und bin, dir zur Gabe und Opfer, das da lebendig, hei⸗ lig und Gott wohlgefällig sei. Und das thue ich denn auch heute und thue es mit aufrichtigem Sinn O Herr, nimm mich nur Nach dem heiligen Abendmahl. in Gnaden an und verwirf mich nicht von deinem Angesichte. Siehe, ich entsage hiermit der Welt und allem, was in der Welt ist, der Fleischeslust, der Augenlust und allem hoffärtigen Wesen und will dawider strei⸗ ten für und für, will alle Tage den Harnisch Gottes anziehen und um so sorgfältiger wachen listiger und grausamer der Feind ist und je mehr er es mit Ernste bi, Herr, ar agegen dir, Herr, sage ich zu von ganzem Herzen. Dein will ich sein und bleiben. Mit dir will ich es halten, du König der Ehren. Dir, meinem angebore⸗ nen Herrn, der mich auch erlöst hat von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teu⸗ Verfolgung leiden. Aber, o welch ein Kreuz und Tulbsal und um so brünstiger beten, je i 39 fels, dir will ich bis in den Tod getreu und unterthänig sein und an deinen Namen, an dein Evan⸗ ben. O. Blut und Tod fest glau⸗ en. Dich will ich überall vill ch und wo du nicht bist, da will ich auch nicht sein. Wenn ich mich zu Bette lege, will ich an dich denken, und wenn ich erwache, will ich von dir reden. Wenn ich u Tische sitze, sollst du mein Gast sein, und wenn ich an die Arbeit gehe, will ich dich hinzurufen. Wenn ich unter Menschen bin, will ich deiner Gegenwart mich erinnern, und wenn ich alleine bin, will ich mit dir sprechen. Man spotte meiner, oder man — mir, so will ich es doch rei vor jedermann bekennen: Ich armer, fündiger Mensch bin des Herrn Eigenthum: ich lebe nicht mehr mir selbst, ich sterbe nicht mehr mir selbst; lebe ich, so lebe ich dem Herrn, sterbe ich, so sterbe ich dem Herrn; darum, ich lebe oder sterbe, so will ich doch ewig des Herrn sein. Es mag sein, Herr, mein Gott, daß in deiner Nachfolge ich mit Kreuz und Trübsal heimgesucht werde; alle, die gottselig leben wollen in der Welt, müssen ja err, nach deinem Wohlgefallen mich auch treffen mag, dennoch bleibe ch stets an dir; denn du hältst mich bei deiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rath und nimmst mich endlich 0 Ehren an. Gieb mir nur Geduld, deine Geduld, damit ich meinen Mund nicht aufthue, und laß nur deine Gnade nicht von mir weichen; sonst ganz nach deinem Willen! Damit ich dir recht dienen 150 nach deinem Wohlgefallen, so 40 Kreuz⸗ und stehe mir bei, daß ich alle Men⸗ schen liebe, wie mich selbst. Ja, hilf mir, daß ich auch liebe meine Feinde, segne, die mir fluchen, thue wohl denen, die mich hassen, und bitte für die, so mich belei⸗ digen und verfolgen. Deine große Liebe, o Herr, die du uns erwiesen, soll mir ein steter Antrieb und ein Spiegel sein. Ich lege hiemit ab zu deinen Füßen allen Neid, allen Stolz, allen Geiz, alle Unreinigkeit und Unkeuschheit, alle Lieblosigkeit, allen Zorn, allen Groll, alle Un⸗ freundlichkeit, alle Lüge, Falsch⸗ heit und Heuchelei. Ich will Nie⸗ manden vervortheilen, Nieman⸗ den kränken, Niemandes spotten, Niemanden ärgern und hassen. Nimmer will ich meinen Näch⸗ sten richten und übel von ihm reden. Ich will die Wunder⸗ lichen, die Schwachen, die Un⸗ eduldigen, die Zornigen, meine einde und Widersacher tragen und über ihre Fehler hinweg und auf 0 sehen, wie du alle Schmach und Pein stille gelitten und für deine Feinde liebreich gebeten hast. So will ich auch nicht drohen, wenn ich leide. sondern es dir heimstellen und auf die Erlösung hoffen. Ich will Niemanden verachten, die Armen nicht abweisen, sondern sie für deine und meine Brüder ansehen. Wittwen und Waisen will ich Trostgebete. will— gern und oftmals beten. Ich will festhalten an der Gemein⸗ schaft der Gläubigen, die an allen Enden der Erde sind. Laß auch die sich zu mir halten, die dich fürchten und deine Erschei⸗ nung lieb haben. Dich will ich gerne hören in deinem Worte, dein süßes Evangelium will ich oft und mit Lust betrachten. O Herr, ein 1000 in deinen Vor⸗ höfen ist ja besser, denn sonst tausend. ö Ich will täglich gläubiger, demüthiger, stiller, wachsamer, reiner, heiliger und dir, Herr, ähnlicher und gleichgesinnter wer⸗ den. Allezeit will ich am ersten trachten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; dann will ich im Glauben mei⸗ nen Beruf mit aller Gewissen⸗ haftigkeit ausrichten. Ich will mich freuen, aber nur in dir; ich will sorgen, aber nur für meine Seele; ich will mich gern verleugnen, aber nur um deinet⸗ willen. Ich will in der Welt leben, aber nicht mit der Welt. Ich will meine Sünde erkennen, an dich will ich glauben, dir will ich leben, dir will ich sterben, dir will ich dienen ewiglich. Hilf du mir nur, o Herr, zu dem allen. Stehe du mir zur Seite und laß deine Kraft in mir Schwachen mächtig sein; denn ohne dich kann ich nichts thun. trösten, berathen und ihnen helfen. Für alle Menschen, für deine Verlaß mich nimmermehr! Amen. Wilh. Gottlieb Reiz, g. 1750. Kinder und Knechte insonderheit, IV. Kreuz⸗ und Trostgebete. In äußerer Noth. 42. Barmherziger Gott, der du bist die Stärke der Schwachen, die Kraft der Mühseligen, der Trost der Betrübten, die Freude der Traurigen, die Zuflucht der Verlassenen, die Hülfe der An⸗ gefochtenen, das Leben der Ster⸗ benden: ich weiß, daß denen, die . — .——————.—..—..— dich lieben, alle Dinge, und also auch allerlei Trübsal und Wider⸗ wärtigkeit, zum Besten dienen müssen. Denn Trübsal bringt Geduld, Geduld bringt Erfah⸗ rung, Erfahrung bringt Hoff⸗ nung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Darum danke ich dir, daß du mit dem lieben Kreuz mich auch so väter⸗ lich heimsuchst, und bitte dich herzlich, du wollest mich im Glau⸗ ben und christlicher Geduld fest erhalten, daß ich allein darauf hoffe, daß du so gnädig bist, und mein Herz sich freue, daß du so gern hilfst. Du, Herr, bist mein Theil, spricht meine Seele, darum will ich auf dich hoffen; denn du bist freundlich dem, der auf dich har⸗ ret, und der Seele, die nach dir fragt. Es ist ein köstlich Ding einem Manne, daß er das Joch seiner Jugend trage, daß ein Ver⸗ lassener geduldig sei und in der Hoffnung harre. Denn du wirst des Armen nicht so ganz ver⸗ gessen, und die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich; sondern ihr Verlangen hörst du, Herr, ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr darauf merket. Darauf will ich leben und ster⸗ ben; stärke, o Herr, das in mir angefangene Werk im Glauben und meine Arbeit in der Liebe und meine Geduld in der Hoff⸗ nung, welche ist mein Herr Jesus Christus, mein Leben und ewiger Trost. Amen. Dr. Georg Zämann(aus Cubach), 1689. 43. O unendlich tiefe Erbar⸗ mung, die du dich in Christo allen Menschen eröffnet und dar⸗ geboten hast, erbarme dich doch meiner in allen meinen Anliegen. In äußerer Noth. 41 Du weißt es ja am besten, was mich drückt und jetzt in große Versuchungen bringen will. Wem soll ichs auch klagen als dir, der du in der Zeit der Noth willst angerufen sein und mich zu deinem Preise gern erhörest? Niemand empfindet auch mein Elend so genau und so mitleidig als du, barmherziger Hoherprie⸗ ster, der du auch allenthalben versucht bist. Ach, so sieh mich doch mit den Augen deiner Gnaden an, so wie du am Oelberg in der Angst des Geistes von deinem Vater ange⸗ schauet und gestärket wurdest. Ich bitte dich um deiner Zusage willen, du wollest mich nach deinem Wohlgefallen aus diesem Elend erretten. Ach, Herr, laß dir dein Herz erweichen, daß du dich mein erbarmest. Ach, neige deine Ohren zu meinem Geschrei und verstoße mich nicht, um deines Namens willen. Herr, hilf mir, ich verderbe sonst. Ja, ich lasse dich auch nicht und halte dich bei deinem Wort, daß wir dein Antlitz suchen sollen; darum segne mich auch. Gedenke doch an deinen Bund und welchen Eid du geschworen hast, daß du des Sünders Tod nicht wollest. Warum solltest du mich denn also in meiner Unreinigkeit da⸗ hin raffen, ehe ich von dir zur Ewigkeit recht bereitet wäre? Laß ab von mir, daß ich mich noch einst erhole und dich noch hier dafür preise, weil man im Tode dein nicht gedenkt. Ich bin zwar deiner Rettung nicht werth, das weiß ich wohl; aber hochbedürftig bin ich ihrer doch und müßte ohne deine Hülfe vergehn. Das weißt du nun, lieber Vater, darum kannst du nicht zusehn deines Geschöpfes 42 Untergang, sondern du mußt dich sein erbarmen. Siehe, ich schütte alle meine Noth in dei⸗ nen erbarmenden Schoß und allen meinen Kummer werfe ich zu dei⸗ nen Füßen. Ich schreie mit dem fdes Teufels zerstörest: cananaͤischen Weibe: Herr, hil mir! Ach Herr, höre! Ach Herr, sei gnädig! Ach Herr, schone um deiner Ehre willen, daß der Feind sich nicht rühme, er sei mein mächtig geworden. O Herr Jesu, durch alle deine Todesangst, durch den bittern Leidenskelch, durch dein Zittern, Trauern und Zagen bitte ich dich, errette mich. Hilf mir aus die⸗ ser Stunde. Durch dein Angst⸗ geschrei und deine Thränen, da⸗ durch du zum Vater riefest, hilf mir auch aus diesem Tod, wie dir ausgeholfen ward. Ach, opfere du dem Vater all dein Leiden für mich zur Versöhnung und Stil⸗ lung des Zorns, bis er vorüber⸗ gehe. Ach, wirke in mir solche Gelassenheit, solche Aufopferung und Uebergabe meines Willens, daß ich von ganzem Herzens⸗ grund mit dir sagen lerne: Ists möglich, o Vater, so überhebe mich dieses Kelches! Nicht wie ich will, sondern wie du willst. Nun, Vater, es ist dir alles möglich, das glaube ich festiglich, und bin gewiß, daß mich weder dies gegenwärtige Elend noch zukünftiges scheiden soll von dei⸗ ner Liebe, die in Christo Jesu ist. Also geschehe dein vollkommener Wille an mir in Ewigkeit. Du wirsts wohl machen! Amen. Gottfried Arnold, g. 1665, st. 1714. In innerer Anfechtung. 44. Herr Christe, du treuer Ho⸗ herpriester, der du versuchet bist allenthalben gleich wie wir, auf Kreuz⸗Gund Trostgebete. daß du helfen könntest denen, die versucht werden: ich hebe mein Herz, Augen und Hände auf zu dir, o du Anfänger und Vollen⸗ der des Glaubens, der du dazu erschienen bist, daß du die Werke auf dich traue ich, zu dir flehe ich, laß mich doch nimmermehr zu Schanden werden, daß sich meine Feinde nicht über mich freuen. Denn ich habe nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, näm⸗ lich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um des⸗ willen so ziehe mir an den Har⸗ nisch Gottes und den Krebs der Gerechtigkeit und umgürte meine Lenden mit Wahrheit, daß ich Widerstand thun und bestehen könne gegen die listigen Anläufe des Teufels und alles wohl aus⸗ richten und das Feld behalten möge. Vor allen Dingen aber rüste mich mit dem Schild des Glaubens, mit welchem ich aus⸗ löschen könne alle feurige Pfeile des Bösewichts, und setze mir auf den Helm des Heils und gieb mir das Schwert des Gei⸗ stes, welches ist das Wort Gottes, damit ich alle Streiche der gefähr⸗ lichen Gedanken, so mir der Satan eingiebt, abwehren könne. Denn unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet. Laß mich keine Versuchung, kein Kreuz, Angst, Traurigkeit oder Anfechtung von deinem Wort und seligmachenden Glauben ab⸗ treiben; sondern verleihe mir Be⸗ ständigkeit, daß ich sowohl am bösen, als am guten Tage dir beharrlich diene, dich fürchte und liebe, dir vertraue, deinen Namen inbrünstiglich anrufe und dein Wort vor aller Welt freudig bekenne. Am guten Tage aber, wenn es mir wohl gehet, erhalte mich durch deinen heiligen Geist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, daß ich fest bleibe und mit Furcht und Zittern nach mei⸗ ner Seligkeit strebe, damit ich nicht sicher werde und also von neuem in Unglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster gestürzet werde. Zerstöre alle Werke des Teufels, damit er mir das Ziel der Selig⸗ keit gern verrücken wollte, und vollführe das gute Werk, das du in mir angefangen hast, daß ich lauter und unanstößig bleibe bis auf den Tag deiner Erscheinung, erfüllet mit Früchten der Gerech⸗ tigkeit, die durch dich in mir geschehen zur Ehre und Lobe Gottes, wie geschrieben stehet: Getreu ist Gott, der euch berufen hat zur Gemeinschaft seines Soh⸗ nes Jesu Christi, der wird euch vollbereiten, stärken, kräftigen und gründen, demselben sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bernh. Albrecht, g. 1569, st. 1636. In Krankheit. 45. Wamachagen Gott, himm⸗ lischer Vater, weil du uns geboten hast und gesprochen:„Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erhören, und du sollst mich prei⸗ sen,“ deswegen schreie ich zu dir in dieser meiner großen Noth, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, und bitte dich, du wollest mich armen sündigen Menschen nicht verlassen. So nun diese meine Krankheit nicht zum Tode ist, so hilf mir auf, daß ich genese, um deiner Barm⸗ In Krankheit. herzigkeit willen, auf daß ich deine Macht und Kraft an mir verkün⸗ dige und preise. Wo es mir aber nützlicher ist, zeitlich zu sterben, denn allhier in diesem Jammer⸗ thal und elenden Leben zu blei⸗ ben, so geschehe, Herr, dein gött⸗ licher Wille, wie im Himmel, also auch auf Erden. Verleihe mir nur Gnade, daß ich mich in deinen Willen, der allezeit der beste ist, gänzlich ergebe. Erhalte mich fest im christlichen Glau⸗ ben und wahrer Erkenntniß bis an mein Ende. Laß mich von dir nimmermehr abgeschieden wer⸗ den, sondern nimm meine Seele dir in dein Reich, durch deinen ieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Joh. Habermann, g. 1516, st. 1590. 46. Herr Jesu Christe, du hast deinen Boten zu mir geschickt, nämlich diese meine Krankheit, und mich zur Buße ermahnen lassen. Sieh, mein Herr, ich erkenne deinen gnädigen Willen, bin gehorsam und kehre mich zu dir. Mein Gott, ich sende dir wieder einen Boten: nämlich mein armes Gebet und Seufzen. O Herr, nimm mein Flehen an und laß mein Seufzen vor dich kommen! Gefällt es dir, mein Erlöser, ists mir gut und selig, daß ich leben soll: nun, so richte mich auf und hilf, daß es ein neues, gesundes, christliches Leben sei bis an mein Ende. Gefällt dirs nicht, daß ich lebe, sondern daß dies mein Ende sein soll: nun, so sei es ein seliges. So komm, o Herr Jesu, und nimm meine Seele in deine Hände. Amen. Martin Moller, g. 1547, st 1606. 44 Kreuz⸗ und Trostgebete. 47. Mein Gott, es hat dir nach deinem heiligen Rath und Willen gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen und dadurch nicht allein mich don meinen Ge⸗ schäften, meinen Sünden und fündlichen Gewohnheiten abzu⸗ schneiden, sondern mich auch an meinen Tod zu erinnern, mich aufmerksam zu machen, daß ich ein sterblicher Mensch sei. Siehe, meine Tage sind eine Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir; ach, wie gar nichts sind doch alle Menschen, die doch so sicher leben! Ich weiß auch, daß dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht. Doch vergesse ichs nur zu leicht wieder. Darum bitte ich dich: Ach, Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich alles muß verlassen, meine Habe, Gut, Ehre, Glück und was ich in der Welt besitze. Ich habe hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suche ich. Daran möge mich meine Krank⸗ heit erinnern, damit ich mich mit Gebet, mit Buße und Glauben, mit wahrer Prüfung meines bis⸗ herigen Lebens zum seligen Ster⸗ ben bereite und also von Welt und Sünden abgezogen, und mein Leben, Geist und Seele dir geheiligt werde. Siehe, mein Gott, hie bin ich, nimm meine Seele hin; aber bereite mich zu⸗ zor recht in der Zeit, daß, wenn ich sterbe, ich mög in deiner Gnade und selig sterben. Amen. Joh. Friedr. Stark, g. 1680, st. 1756. Für Sterbende. 48. Du frommer und getreuer Gott und Vater unseres lieben Herrn Jesu Christi, ich bitte dich von Herzen, du wollest mich in meiner Noth nicht verlassen, son⸗ dern mit dem Licht deiner wahren Erkenntniß erleuchten, daß ich in demselben aus dieser Finsterniß zu dir, dem ewigen Licht, möge wandeln. O Herr, sei du bei mir, wenn ich sterben soll, stehe du mir zu meiner rechten Hand, wenn ich soll meinen Geist auf⸗ geben; errette mich aus der Hand des Feindes, tröste und stärke mich, erhalte mich in deiner Er⸗ kenntniß und festem, starken Ver⸗ trauen auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Ach, Herr Gott, laß das letzte Wort deines lieben Sohnes am Stamme des Kreuzes auch mein letztes Wort sein, daß ich mit starkem und gläubigem Vertrauen im Herzen darf sagen: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist; denn du hast mich erlöset, du getreuer Gott. Und wenn ich aus Schwachheit und Größe meiner Krankheit solches mit dem Munde nicht könnte aus⸗ reden, so laß doch mein Herz also in der Stille zu dir rüfen und seufzen. Amen. Andreas Musculus, g. 1514, st. 1581. 49. Ewiger Gott, du barm⸗ herziger und getreuer Schö fer, siehe, ich stehe nun vor der Pforte der Ewigkeit. In wenig Stun⸗ den oder Augenblicken bin ich vielleicht schon aus dieser sicht⸗ baren Welt geschieden. Ach, ver⸗ lasse mich doch nicht in diesem schweren Durchgang! Ach, sei mein Geleitsmann auf dem Wege zu dir! Ach Jesu, du Sohn —— —— — é David, erbarme dich mein! Ach, du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt und wegnimmt, sei mir gnädig und gieb mir deinen Frieden! Ach, thue mir auf die Thüre der Gnaden! Ach, schließ auf dein Paradies, das durch die Sünde verschlossen ist, und nimm mich aus Gnaden ein, wie den bekehrten Schächer; denn du hast die Schlüssel der Hölle und des Todes. O Jesu, deine Wunden mögen mir bereiten einen Durchbruch durch die enge Pforte; dein Blut helfe mir überwinden. Ich liege da in großer Angst und krümme mich unter deiner Hand. löse du, o mein Erlöser, alle Bande meiner Sünden auf, daß ich ritterlich ringe und mit dir frei und getrost eindringe durch den Tod ins Leben. Für Sterbende. Ach, heiliger Geist, du höchster Tröster in aller Noth und auch in dieser letzten Noth, thue mir doch aus Gnaden auf die Thür der göttlichen Barmherzigkeit. Ach, öffne mir das Herz des Vaters; denn du, als der Geist des Sohnes, hast den Schlüssel zu demselben, du, der aufschließt, daß niemand zuschließen kann. Darum laß mich den Eingang zur wahren Ruhe finden und nicht zu Schanden werden. Ich weiß sonst keine Zuflucht noch Rath im Himmel und auf Erden, als deine lautere Gnade, o Gott, mein Erlöser. Auf diese laß mich allein leben und sterben in ernster Buße. Ja, laß mich an dich, o Jesu, glauben, damit ich den Tod nicht sehe ewiglich. Amen. Gottfr Arnold, g. 1665, st. 1714. ———— ——— ö Erbaulicher Bericht von dem Leiden und Sterben unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi zur Erlösung des menschlichen Geschlechts, nach den heiligen Evangelien für die Passionszeit geordnet. Erstes Hauptstück. Das Osterlamm. Siehe ich komme; im Buche ist von mir geschrieben. Ps. 40, 8. Ich vill sie erlösen aus der Hölle und vom Tode erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein; Hölle, ich will dir eine Pestilenz sein. Hos. 13, 14 Nr. 101. V. 1. Meine Seel, ermuntre dich, Deines Jesu Lieb bedenke: Wie er für dich giebet sich, Darauf deine Andacht lenke. Ach erwäg die große Treue Und dich deines Jesu freue. Da versammelten die Hohen⸗ streuet waren, zusammenbrächte. priester und die Pharisäer einen Von dem Tage an rathschlageten Rath und sprachen Was thun sie, wie sie ihn tödteten. wir? Dieser Mensch thut viele Zeichen. Lassen wir ihn also, soMel Christus, der uns selig macht. werden sie alle an ihn glauben. Christus ist für fremde Sünd So kommen dann die Römer und In den Tod gegeben, nehmen uns Land und Leute. Ruf daß du, o Menschenkind, Einer aber unter ihnen, Caiphas, Durch ihn möchtest leben; der desselben Jahrs Hoherpriester Daß er mehrte sein Geschlecht, war, sprach zu ihnen: Ihr wisset Den gerechten Samen, nichts, bevenket auch nichts; 6 Der Gott dient und Opfer brächt ist uns besser, ein Mensch sterbe Seinem heilgen Namen. für das Volk, denn daß das ö ganze Volk verderbe. Solches Denn das ist sein höchste Freud aber redete er nicht von sich Und des Vaters Wille, selbst sondern dieweil er dessel⸗Daß den Erdkreis weit und breit bigen Jahrs Hoherpriester war, Sein Erkenntniß fülle; weissagete er. Denn Jesus sollte Damit der gerechte Knecht, sterben für das Volk, und nicht Der vollkommne Sühner, für das Volk allein, sondern daß Gläubig mach und recht gerecht er die Kinder Gottes, die zer⸗ Alle Sündendiener. — Und Jesus zog hinauf gen Jerusalem und nahm zu sich die zwölf Jünger besonders auf dem Wege und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überant⸗ wortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmähet und verspeiet werden; und sie werden ihn geißeln und tödten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keins, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Nr. 86. V. 4. 5. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute leidet für die ů chafe; Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, Für seine Knechte. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt; Der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt. Der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen: Du wirst gefangen. Sechs Tage vor den Ostern kam Jesus gen Bethanien, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen Jesus auferwecket hatte von den Todten. Daselbst mach⸗ ten sie ihm ein Abendmahl im Hause Simonis, des Aussätzigen, und Martha dienete; Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tische saßen. Da trat zu ihm Maria, die hatte ein Glas mit ungefälschtem und köstlichem Narden⸗Wasser, und Passionsgeschichte. sie zerbrach das Glas und goß es auf sein Haupt, da er zu Tische saß. Da das seine Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Was soll doch dieser Unrath? Man könnte das Wasser mehr, denn um dreihundert Gro⸗ schen verkauft haben und dasselbe den Armen geben, und murreten über sie. Da das Jesus merkete, sprach er zu ihnen: Lasset sie zu⸗ frieden, was bekümmert ihr das Weib? Sie hat ein gut Werk an mir gethan. Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wann ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes thun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat gethan, was sie gekonnt. Denn daß sie das Wasser hat auf meinen Leib gegossen, damit ist sie zuvorkom⸗ men, meinen Leichnam zu sal⸗ ben, zu meinem Begräbniß. Wahrlich, ich sage euch Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtniß, was sie jetzt gethan hat. Nr. 92. V. 9. Ich bin, mein Heil, verbunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr. Was Leib und Seel vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit an deinen Dienst und Ehr. Es war aber der Satanas efahren in den Judas, genannt scharioth, der da war aus der Zahl der Zwölfen. Und er ging hin und redete mit den Hohen⸗ luttm und mit den Haupt⸗ euten, daß er ihn verrieth, und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch ver⸗ rathen. Da sie das höreten, wurden sie froh, und sie boten ihm dreißig Silberlinge; und er versprach sich. Und von dem an — 9. N SS * V 48 überantwortete ohne Rumor. Aber am ersten Tage der sü⸗ ßen Brode, auf welchen man mußte opfern das Osterlamm, traten die Jünger zu Jesu und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir hin ehen und dir berei⸗ ten, das Osterlamm zu essen? Und er sandte Petrum und Jo⸗ hannem und sprach: Gehet hin in die Stadt; sehet, wann ihr hinein kommt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folget ihm nach in das Haus, da er hinein gehet, und faget dem Hauswirth: Der Meister läßt dir sagen, meine Zeit ist herbei kommen; ich will dei dir die Ostern halten; wo ist das Gasthaus, darinnen ich das Osterlamm essen möge mit mei⸗ nen Jüngern? Und er wird euch einen großen, gepflasterten Saal zeigen; daselbst bereitet es. Sie ingen hin, und fanden, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Osterlamm. Und am Abend kam er und setzte sich n Tische mit den zwölf Aposteln. Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlanget, dies Oster⸗ lamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß es erfüllet werde im Reich Gottes. Nr. 229. P. 1. Schmücke dich, o liebe Seele! Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen; Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt 51 Gaste laden. Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt 108 nan in dir halten. Und Jesuüs nahm den Kelch, dankete und sprach: Nehmet den⸗ Passionsgeschichte. suchte er Gelegenheit, daß er ihn selbigen und theilet ihn unter euch. Denn ich sage euch, ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Wein⸗ stocks trinken, bis an den Tag, da ichs neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. Ich bin ein rechter Weinstock und mein Vater ein Weingärtner. Einen jeglichen Reben an mir, der nicht Frucht bringet, wird er wegnehmen; und einen jeg⸗ lichen, der da Frucht bringet, wird er reinigen, daß er mehr Frucht bringe. Ihr seid jetzt rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibet in mir, und ich in euch. Gleichwie der Rebe kann keine Frucht brin⸗ gen von ihm selber, er bleibe denn am Weinstock: also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibet, und ich in ihm, der bringet viele Frucht; denn ohne mich könnet ihr nichts thun. Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen, wie ein Rebe, und verdorret, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und muß brennen. So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch wider⸗ fahren. Darinnen wird mein Vater geehret, daß ihr viele Frucht bringet, und werdet meine Jünger. Gleichwie mich mein Va⸗ ter liebet, also liebe ich euch 17 Bleibet in meiner Liebe. So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, daß ihr euch E.L ——..—.—'''. unter einaͤnder liebet, gleichwie ich euch liebe. Dabei wird jeder⸗ mann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habet. Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. Jesu, der du deine Liebe Lässest durch des Geistes Triebe In die Herzen sich ergießen, Und im Glauben dich genießen: Wer kann sagen und beschreiben, Was es sei, in dir stets bleiben, Dir im Glauben anzuhangen, Dich in Liebe zu empfangen! Und indem sie aßen in der Nacht, da er verrathen ward, nahm der Herr Jesus das Brod, dankete, brachs und gabs den Jüngern und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches thut zu meinem Gedächtniß. Dessel⸗ bigen gleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dan⸗ kete, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Und sie tranken alle daraus. Nr. 226. V. 1. Herr Jesu, dir sei Preis und Dank a Für diese Seelenspeis und Trank, Damit du uns begabet. Im Brod und Wein dein Leib und Blut Kommt uns wahrhaftig wohl zu ut Und unsre Hertin labet. Daß wir In dir et Lass....... Passionsgeschichte. 49 Und nach allem Wohlgefallen heilig leben, Solches wollest du uns geben. Vor dem Feste aber der Ostern, das ist, auf denselbigen Abend, da Jesus erkennete, daß seine Zeit kommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater, wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebete er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juda Simonis Ischarioth ins Herz gegeben, daß er ihn verrieth, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott gekommen war und zu Gott ging, stand er vom Abendmahl auf, legte seine Klei⸗ der ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petro; und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das Weißt du jetzt nicht, du wirsts aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmer⸗ mehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Theil an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräther wohl, darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. 34 ——— — ——F—I————————4 —— —p—— 50 Passtonsgeschichte. Mel. Marter Gottes ꝛc. Ja, er liebt die Seinen bis ans Ende, Wüßte sie gern alle rein, Streckt zu ihnen aus die heilgen Hände, Reinigt sie, sein Volk zu sein. Herr und Meister, du, an den ich glaube, Wasch auch mich von jedem rdenstaube, Und an Lieb und Demuth reich Mach mein Herz dem deinen gleich Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich.n habe? Ihr heißet mich Meister und Herr und saget recht daran, denn ich bins auch. So nun ich, euer Meister und Herr, euch die Füße gewaschen habe, sollt ihr auch euch unter einander die Füße waͤschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr es thut. Nr. 88. V. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn Eigennutz und Heuchel⸗ chein, Und, wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. Nicht sage ich von euch allen, ich weiß welche ich erwählet habe; sondern daß die Schrift erfullet werde. Der mein Brod isset, der tritt mich mit Füßen. Jetzt sage ichs euch, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es geschehen ist, daß ihr glaubet, daß ichs bin. Wahrlich, wahr⸗ lich, ich sage euch: Wer auf⸗ nimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im Geist und zeugete und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isset, wird mich verrathen. Siehe, die Hand meines Verräthers ist mit mir über Tisch. Und die Jünger wurden sehr traurig, sahen sich unter einander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und sie fingen an zu fragen unter sich selbst, welcher es doch wäre unter ihnen, der das thun würde, und sagten zu ihm, einer nach dem andern: Herr, bin ichs? Und der andere: Bin ichs? Er antwortete und sprach: Einer aus den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel tauchet, der wird mich verrathen. Des Menschen Sohn gehet zwar dahin, wie von ihm beschlossen und geschrieben ist; doch wehe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verrathen wirdl, Es wäre ihm besser, daß der⸗ selbige Mensch noch nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verrieth, und sprach: Bin ichs, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagest es. Mel. Jesus, meine Zuverficht. O Herr, habe Acht auf mich, Daß ich nicht verloren gehe. Hab ich doch gekostet dich Viele Müh und Arbeitswehe, Drum wär um so größre Pein Doch verloren einst zu sein. — reeennhn,::;:.:.::.::: T T TCTCTTCTTTDD....‚.‚.‚.‚..‚————— 2—— Passionsgeschichte. 51 Es war aber einer unter sei⸗ nen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte. Dem winkete Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte. Denn derselbige lag an der Brust Jesu, und sprach zu ihm: Herr, wer ists? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen ein⸗ tauche und gebe. Und er tauchte den Bissen ein, und gab ihn Ju⸗ das Simonis Ischarioth. Und nach dem Bissen fuhr der Sa⸗ tan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du thust, das thue bald. Dasselbige aber wußte niemand über dem Tisch, wozu er es ihm sagte. Etliche meineten, dieweil Judas den Beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe, was uns noth ist auf das Fest; oder, daß er den Armen etwas gäbe. Da er nun den Bissen o Eae hatte, ging er so bald hinaus. Und es war Nacht. err, erbarme dich! hriste, erbarme dich! Herr, erbarme dich! Da aber Judas hinaus gegan⸗ gen war, erhob sich ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größesten gehal⸗ ten werden. Er aber svrach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißet man gnädige Herren. Ihr aber nicht alsoz sondern der Grö⸗ ßeste unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist der Größeste? Der zu Tische sitzet, oder der da dienet? Ist es nicht also, daß, der zu Tische sitzet? Ich aber bin mitten unter euch wie ein Diener. Ihr aber seid es, die ihr beharret habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich be⸗ scheiden, wie mirs mein Vater beschieden hat; daß ihr essen und trinken sollt über meinem Tische in meinem Reich und sitzen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels. Da sprach aber Jesus: Nun ist des Men⸗ schen Sohn verkläret, und Gott ist verkläret in ihm. Ist Gott verkläret in ihm, so wird ihn Gott auch verklären in ihm selbst und wird ihn bald verklären. Liebe Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr wer⸗ det mich suchen, und wie ich zu den Juden sagte: Wo ich hin⸗ gehe, da könnet ihr nicht hin⸗ kommen. ů Nr. 483. V. 11. Liebe, zeuch uns in dein Sterben! Laß mit dir gekreuzigt sein, Was dein Reich nicht kann er⸗ * erben, Führ ins Paradies uns ein, Rein und frei und ganz voll⸗ kommen, Nach dem besten Bild gebildt. Der hat Gnad um Gnad genom⸗ men, Wer aus deiner Füll sich füllt. Spricht SimonPetrus zu ihm: Herr, wo gehest du hin? Jesus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir auf dies Mal nicht folgen, aber du wirst mir her⸗ nachmals folgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann 9 dir auf dies Mal nicht folgen Ich will mein Leben bei dir las⸗ sen. Jesus antwortete ihm: Soll⸗ test du dein Leben bei mir las⸗ sen. Simon, Simon, siehe, der Satan hat euer begehret, daß er euch möͤchte sichten, wie den Wei⸗ zen. Ich aber habe für dich ge⸗ beten, daß dein Glaͤube nicht aufhöre. Und wenn du dich der⸗ 52 Passionsgeschichte. maleinst bekehrest, so stärke deine Brüder. Er sprach aber zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängniß und in den Tod zu gehen. Er aber sprach. Wahr⸗ lich, wahrlich, Petre, ich sage dir, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest. Nr. 362. V. 7 Führ uns, Herr, in Versuchung nich t, Wenn uns der böse Feind anficht. Zur linken und zur rechten Hand Hilf uns thun starken Widerstand, Im Glauben fest und wohl gerüst, Und durch des heiligen Geistes Trost. Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Taschen und ohne Schuhe, habt ihr auch je Man⸗ gel gehabt? Sie sprachen: Nie keinen. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desselbigen glei⸗ chen auch die Tasche; wer aber nicht hat, der verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch, es muß noch das auch vollendet werden an mir, das geschrieben stehet: Er ist un⸗ ter die Uebelthäter gerechnet. Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie spra⸗ chen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug. Nr. 362. V. 8. Von allem Uebel uns erlös; Es sind die Zeit und Tage bös. Erlös uns von dem ewgen Tod Und tröst uns in der letzten Noth. Bescher uns auch ein selig End; Nimm unsre Seel in deine Händ. Zweites Hauptstück. Vom geistlichen Leiden Christi am Oelberge. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Joh. 1, 29. Und da sie den Lobgesang ge⸗ sprochen hatten, ging Jesus hin⸗ aus nach seiner Gewohnheit über den Bach Kidron, an den Oel⸗ berg. Es solgeten ihm aber seine Jünger nach. Da sprach er zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir. Denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Heerde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auf⸗ erstehe, so will ich vor euch hin⸗ gehen in Galiläam. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich an dir ärgerten, so will ich mich doch nimmermehr ärgern. Jesus sprach H zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er aber redete noch weiter: Ja, wenn ich auch mit dir sterben müßte, wollte ich dich nicht ver⸗ leugnen. Desselbigen gleichen sag⸗ ten alle Jünger. Mel Wie nach einer Wasserquelle. Laß mich beten, laß mich wachen, Bis mein letzter Tag anhricht; Laß mich ja nichts schläfrig machen Bleibe du bei mir, mein Licht; Laß stets deiner Gnaden Schein Leuchten in mein Herz hinein; ilf mir ringen, hilf mir kämpfen Und die falsche Regung dämpfen. 4 eereeer...‚.·.···· N Passionsgeschichte. 53 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hof, der hieß Gethsemane. Da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verrieth, wußte den Ort auch; denn Jesus versam⸗ melte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Mel. Marter Gottes ꝛe. Für uns ging der Herr in To⸗ desnöthen In den Garten dort hinein, Wo wir ihn hörn weinend für uns beten Auch um unser Seligsein; Für uns überfiel ihn Todes⸗ ö schauer; Unser Heil ward seiner Seele auer; Für uns rann sein Fleisch und ut, Alles, alles uns zu gut. Da sprach Jesus zu ihnen: Setzet euch hier, bis daß ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, die zween Söhne Zebedäi, und fing an zu trauern und 3 zittern und zagen. Und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod, blei⸗ bet hier und wachet mit mir; betet, auf daß ihr nicht in An⸗ fechtung fallet. Und er riß sich von ihnen bei einem Steinwurf und kniete nieder, fiel auf sein Angesicht auf die Erde und be⸗ tete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüber ginge, und sprach: bba, mein Vater, es ist dir al⸗ les möglich; überhebe mich die⸗ ses Kelchs. Doch nicht was ich will, sondern was du willst. Nr. 547. Kyrie eleison! Herr Gott, Vater im Himmel, Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, Herr Gott, heiliger Geist, Erbarm dich über uns! Sei uns gnädig! Verschon uns, lieber Herre Gott! Vor allen Sünden, Vor allem Irrsal, Vor allem Uebel, Vor des Teufels Macht und List, Vor dem ewigen Tod Behüt uns, lieber Herre Gott! Und er kam zu seinen Jün⸗ ern und fand sie schlafend und swrad zu Petro: Simon, schlä⸗ fest du? Vermagst du nicht eine Stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Iwillig, d fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andern Mal ging er aber hin, betete und sprach: Mein Vater, ists nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille. Nr. 547 Kyrie eleison! Christ, erhöre uns! Sei uns gnädig! Hilf uns, lieber Herre Gott! Durch deine heilige Geburt, Durch deinen Todeskampf und blutgen Schweiß, Durch dein Kreuz und Tod, Durch dein herrlich Auferstehn und Himmelfahrt, In aller Anfechtung, In unsrer letzten Noth, Am jüngsten Gericht Hilf uns, lieber Herre Gott. Und Jesus kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Au⸗ gen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm ant⸗ worteten. Und er ließ sie, ging aber hin und betete zum dritten Mal dieselbigen Worte und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht 54 Passionsgeschichte. mein, sondern dein Wille ge⸗ schehe. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es war aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Nr. 547. Kyrie eleison! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Erbarm dich über uns! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Erbarm dich über uns! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Verleih uns deinen Frieden! Amen! Und er stand auf vom Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurig⸗ keit und sprach zu ihnen: Ach! wollt ihr nun schlaͤfen und ru⸗ hen? Was schlafet ihr? Es ist genug; sehet, die Stunde ist kom⸗ men, und des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sün⸗ der Hände. Stehet auf, laßt uns gehen; siehe, der mich verräth, ist nahe; betet aber, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Rr. 7. B. 1. Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, Der du dich für mich gegeben In die tiefste Seelennoth, In das äußerste Verderben, Nur, daß ich nicht möchte sterben: Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! Und alsbald, da er noch re⸗ dete, siehe Judas, der Zwölfen einer, da er nun zu sich genom⸗ men hatte die Schaar und Die⸗ ner der Hohenpriester und Pha⸗ risäer, der Aeltesten und Schrift⸗ Scbaar ging er zuvor der chaar und kommt dahin mit Fackeln, Lampen, mit Schwer⸗ tern und Stangen. Der Verrä⸗ ther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küseen werde der ists, den greifet und führet ihn gewiß. Als nun Jesus wußte alles, was ihm be⸗ gegnen sollte, ging er hinaus und syrach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bins. Judas aber, der ihn verrieth, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bins, wichen sie H4 rück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermals: Wen su⸗ chet ihr? Sie sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwor⸗ tete: Ich habs euch gesagt, daß ichs sei. Suchet ihr denn mich, so lafset diese gehen; auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagete: Ich habe der keinen ver⸗ loren, die du mir gegeben hast. Nr. 168. V. 1. Ach bleib mit deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen, und alsbald trat er zu ihm und sprach: Gegrü⸗ ßet seist du, Rabbi, und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du kommen? Juda, verräthest du des Menschen Sohn mit einem Kuß? Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesum und grif⸗ fen ihn. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sol⸗ len wir mit dem Schwert drein schlagen? Da hatte Simon Pe⸗ — trus ein Schwert und zogs aus und schlug nach des Hohenprie⸗ sters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab; und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber ant⸗ wortete und sprach: Lasset sie doch so ferner machen! Und sprach zu Petro: Stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Le⸗ gionen Engel? Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Va⸗ ter gegeben hat? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Und er rührete sein Ohr an und heilete ihn. Nr. 346. V. 2 u. 8. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth Zu erlösen, hat geschmecket. Meine Schulden zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott. Deiner Sanftmuth Schild Deiner Demuth Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn noch Stolz sich rege. Vor dir sonst nichts gilt, Als dein eigen Bild. Passionsgeschichte. 55 Zu der Stunde sprach Jesus 0 den Hohenpriestern und Haupt⸗ euten des Tempels und den Ael⸗ testen, die über ihn kommen wa⸗ ren: Ihr seid, als zu einem Mörder, mit Schwertern und mit Stan⸗ gen ausgegangen, mich zu fahen; bin ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehrt im Tem⸗ pel und ihr habt keine Hand an mich geleget. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Fin⸗ sterniß, auf daß die Schrift er⸗ füllet würde. Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde die Schrift der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüng⸗ ling, der folgete ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut; und die Jüng⸗ linge griffen ihn. Er aber ließ die Leinwand fahren und flohe bloß von ihnen. Nr. 360. V. 1. Wenn alle untreu werden, So bleib ich dir doch treu, Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht ausgestorben sei. Für mich umfing dich Leiden, Vergingst für mich in Schmerz, Drum geb ich dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz. Drittes Hauptstück. Christi Leiden vor Caiphas und dem Hohenrath. Christus hat gelitten für uns und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden; welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet, welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr seid heil geworden. 1 Petri 2, 21—24. Die Schaar aber und der Ober⸗ banden ihn, führeten ihn aufs hauptmann und die Diener der erste Hannas, der war Cai⸗ Juden nahmen Jesum an, und phasSchwäher, welcher des Jahrs * — ** N 56 Passionsgeschichte. Hoherpriester war. Es war aber Caiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und sie führeten ihn zu dem Ho⸗ henpriester Caiphas, das ist zum Fürsten der Priester, dahin alle Hohenpriester und Schriftgelehrte Und Aelteste sich versammelt hat⸗ ten. Simon Petrus aber folgete Jesu von fern und ein anderer Jünger bis an den Palast des Hohenpriesters. Derselbige Jün⸗ ger war dem Hohenpriester be⸗ kannt und ging mit Jesu hin⸗ ein in des Hohenpriesters Pa⸗ last. Petrus aber stand draußen vor der Thür. Da ging der an⸗ dere Jünger, der dem Hohen⸗ priester bekannt war, hinaus und redete mit der Thürhüterin und führete Petrum hinein. Nr. 485. V. 1. Mache dich, mein Geist, bereit; Wache, fleh und bete, Daß dich nicht die böse Zeit Unverhofft betrete; Denn es ist Satans List Ueber viele Frommen Zur Versuchung kommen. Es standen aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohl⸗ feuer gemacht danieden mitten im Palast, denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stand bei ihnen und wärmete sich, auf daß er sehe, wo es hin⸗ aus wollte. Die Magd aber des Hohenpriesters, die Thürhüterin, sahe Petrum bei dem Licht, da er sich wärmete, und sahe eben auf ihn und sprach: Und du warest auch mit dem Jesu von Galiläa. Bist du nicht auch die⸗ ses Menschen Jünger einer? Er leugnete aber vor allen und sprach: Weib, ich bins nicht. Ich kenne sein nicht, ich weiß auch nicht, was du sagest. ö Nr. 346. V. 13. Einen Heldenmuth, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Fleisches Lüste hasse, Gieb mir, höchstes Gut, Durch dein theures Blut. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete: Ich habe frei öffentlich gere— det vor der Welt. Ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Ju⸗ den zusammen kommen, und habe nichts im Winkel geredet. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die es gehöret haben, was ich geredet habe; siehe, die⸗ selbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich und sprach: Solltest du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es un⸗ recht sei; habe ich aber recht ge⸗ redet, was schlägest du mich? Und Hannas hatte ihn gebunden gesandt zu dem Hohenpriester Caiphas. Simon Petrus aber stand und wärmete sich. Und über eine kleine Weile nach dem ersten Verleugnen, als er hinaus ging nach dem Vorhof, krähete der Hahn. Und eine andere Magd sah ihn und hub abermals an zu sagen denen, die dabei stun⸗ den: Dieser war auch mit Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und ein anderer sprach: Du bist auch der einer. Und er leugnete abermals und schwur dazu und sprach: Mensch, DEEEEDEEre..—.....—..—— S TFTTITTTTTTRRReeeeeeeeee-ee ich bins nicht, und kenne auch des Menschen nicht. Mel. Wenn meine Sünd mich kränken. Betrübt ist meine Seele, Erfüllt mit Reu und Schmerz. Was hilfts, daß ichs verhehle? Durchschaust du doch mein Herz. Bekennen will ichs, Jesu, dir: Oft hab ich dich verleugnet,— Vergieb, vergieb es mir! Und über eine kleine Weile, bei einer Stunde, bekräftigets ein anderer mit denen, die da stan⸗ den, und sprach: Wahrlich, du bist auch der einer, denn deine Sprache verräth dich. Spricht des Hohenpriesters Knecht, ein Gefreundter deß, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sahe ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne des Menschen nicht, von dem ihr saget. Und alsbald, da er noch redete, krähete der Hahn zum andern Mal. Und der Herr wandte sich und sah Petrum an. Da gedachte Petrus an die Worte Jesu, als er zu ihm ge⸗ sagt hatte: Ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen, und ging hinaus und weinete bitterlich. Nr. 249. V. 1 u. 2. Wo soll ich fliehen hin, Weil ich beschweret bin Mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme, Mein Angst sie nicht wegnähme. O Jesu, voller Gnad, Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte. Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Passionsgeschich te. 57 Und als es Tag ward, ver⸗ sammelten sich alle Hohenprie⸗ ster und es Volls, z und die Aeltesten des Volks, dazu der ganze Rath über Jesum, daß sie ihm zum Tode hälfen, und führ⸗ ten ihn hinauf vor ihren Rath und sprachen: Bist du Christus? Sage es uns! Er aber sprach zu ihnen: Sage ichs euch, so glau⸗ bet ihr nicht; frage ich euch aber, so antwortet ihr nicht und las⸗ set mich doch nicht los. Und sie suchten falsch Zeugniß wider Je⸗ sum und fanden keins, wiewohl viele falsche Zeugen herzutraten; denn ihre Zeugnisse stimmten nicht überein. Zuletzt traten herzu zween falsche Zeugen und spra⸗ chen: Wir haben gehört, daß er sagte: Ich kann und will abbre⸗ chen den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Und ihre Zeugnisse stimmten noch nicht überein. Und der Hohe⸗ priester stand auf unter sie und fragte Jesum und sprach: Ant⸗ wortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg stille und antwor⸗ tete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten? Ich beschwöre dich bei dem lebendi⸗ gen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn Got⸗ tes. Jesus sprach: Du sagest es; ich bins! Doch sage ich euch! Von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft und kom⸗ men in den Wolken des Himmels Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. O Jesu, Jesu, steh mir bei; Laß mich nicht sicher werden! I ö 4 58 Passionsgeschichte. Dein heilig Blut mich mache frei VonSünd undSchuld auf Erden. Und steh ich einst vor deinem Thron, Dann schone mein, o Gottes 0. Sohn, Wenns Urtheil ist zu hören. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott elästert. Was dürfen wir weiter eugniß? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehört. Was dünket euch? Und sie sprachen alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr saget es; denn ich bin es. Sie aber Die Männer aber, die ihn hiel⸗ ten, verspotteten ihn und speie⸗ ten aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Et⸗ liche aber verdeckten ihn und schlugen ihn ins Angesicht, be⸗ sonders die Knechte, und spra⸗ chen: Weissage uns, Christe, wer ists, der dich schlug? Und viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn. Nr. 97. V. 2. Du, ach du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, sprachen: Was dürfen wir wei⸗ ö Du gerechter Gottessohn, ter Zeugniß? Wir habens ge⸗Mich Elenden zu erretten hört aus seinem Munde. Und sie verdammten ihn alle und spra⸗ Von des Teufels Sündenketten. Tausend, tausendmal sei dir, chen: Er ist des Todes schuldig! Liebster Jesu, Dank dafür! Viertes Hauptstück. Christi Leiden vor Pontio Pilato, als der heidnischen Obrigkeit. Ich muß bezahlen, das ich nicht geraubet habe. Und der ganze Haufe stand auf und banden Jesum, führten ihn vor Caipha vor das Richt⸗ haus und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato; und es war noch frühe. Da das Judas sahe, der ihn verrathen hatte, daß er verdammt war zum D Tode, gereuete es ihn, und brachte er wieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Aeltesten und sprach: Ich habe übel be than, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Sie sprachen: Was gehets uns an? Da siehe du zu. Und er warf die Silber⸗ linge in den Tempel, hub sich davon und erhenkte sich selbst, und ist mitten entzwei geborsten, und sein Eingeweide ausgeschüttet. Ps. 69, 5. Nr. 553. V. 3. Mitten in der Höllen Angst Unsre Sünd uns treiben. Wo solln wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein theures Blut, as gnug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott, eiliger, starker Gott, Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glaubens Trost! Kyrie eleison! Aber die Hohenpriester nah⸗ men die Silberlinge und spra⸗ chen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gottes⸗Kasten legen, denn es ist Blutgeld. Sie hiel⸗ ten aber einen Rath und kauf⸗ ten um diese Silberlinge, um den Lohn der Ungerechtigkeit einen Töpfersacker zum Begräb⸗ niß der Pilger. Und es ist kund worden allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige Acker genennet wird auf ihre Sprache Hakeldama, das ist, ein Blut⸗ acker, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das da gesagt ist durch den Propheten Jeremiam, da er spricht: Sie haben genom⸗ men dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, wel⸗ chen sie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um eines Töpfers Acker, als mir der Herr befohlen hat. Die Ju⸗ den aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht un⸗ rein würden, sondern die Ostern essen möchten. Da ging Pilatus u ihnen heraus und sprach: Was ringet ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antwor⸗ teten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Uebelthäter, wir hätten ihn dir nicht überantwor⸗ tet. Da sprach Pilatus zu ihnen So nehmet ihr ihn hin und rich⸗ tet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand tödten; auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. Matth. 20. Joh. 12. Da fingen an die Hohenpriester und die Ael⸗ testen ihn hart zu verklagen und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet und ver⸗ beut, den Schoß dem Kaiser zu eben, und spricht, er sei Chri⸗ us, ein König. Da ging Pi⸗ latus wieder hinein in das Richt⸗ haus und rief Jesu, und fragte ihn und sprach: Bist du der Ju⸗ Passionsgeschichte. den König? Jesus stand vor ihm und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder habens dir andere von mir gesagt? Pi⸗ latus antwortete Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Ho⸗ henpriester haben dich mir über⸗ antwortet. Was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden drob käm⸗ pfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde. Aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm So bist du dennoch ein König? Je⸗ sus antwortete: Du sagest es. Ich bin ein König, ich bin dazu geboren, und in die Welt kom⸗ men, daß ich die Wahrheit zeu⸗ en soll. Wer aus der Wahr⸗ heit ist, der höret meine Stimme. Nr. 182. V. 1 u. 6. König, dem kein König gleichet, Dessen Ruhm kein Munderreichet. Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch den Scepter führet, Dem das Recht gehört zum Throne, Als des Vaters eingem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten Krönen, zieren und begleiten: Herrsche auch in meinem Herzen Ueber Zorn, Furcht, Lust und ö Schmerzen. Laß mich deinen Schutz genießen; Laß mich dich im Glauben küssen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich im Gehorsam üben, Hier mit leiden, hier mit streiten, Dort mit herrschen dir zur Seiten. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden und sprach zu 6⁰ Passionsgeschichte. ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Nr. 82. V. 1. O Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes ge— schlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du wurdest verachtet: All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, Herr Jesu! Und da er verklaget ward von den Hohenpriestern und Aelte⸗ sten, antwortete er nichts. Pila⸗ tus aber fragte ihn abermals und sprach: Antwortest du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklaͤ⸗ gen? Hörest du nicht? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort mehr, also, daß sich der Landpfleger auch sehr verwun⸗ derte. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk er⸗ reget, damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen Land, und hat in Galiläa an⸗ efangen bis hieher. Da aber Pllatus Galiläam hörete, fragte er, ob er aus Galiläa wäre? Und als er vernahm, daß er un⸗ ter Herodis Obrigkeit war, über⸗ sandte er ihn zu Herodes, wel⸗ cher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber He⸗ rodes Jesum sahe, ward er sehr froh, denn er hätte ihn längst gern gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret, und er hoffete, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn man⸗ cherlei, er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. Aber He⸗ rodes mit seinem Hofgesind ver⸗ lachte und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an, und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit ein⸗ ander; denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Ober⸗ sten und das Volk zusammen und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir bracht, als der das Volk abwende. Und siehe, ich habe ihn vor euch ver⸗ höret und finde an dem Men⸗ schen der Sachen keine, deren ihr ihn beschuldigt; Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihm gesandt. Und siehe, man hat nichts auf ihn bracht, das des Todes werth sei. Darum will ich ihn züchtigen und los lassen. Nr. 82. V. 2. O Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes ge⸗ schlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du wurdest verachtet: All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen, Erbarm dich unser, Herr Jesu! Auf das Fest aber mußte der Landpfleger, nach Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen los geben, welchen sie begehrten. Er hatte aber zu der Zeit einen Ge⸗ fangenen, der war fast rüchtig; nämlich einen Uebelthäter und Mörder, der hieß Barrabas, der mit den Aufrührerischen war ins Gefängniß geworfen, welcher im Aufruhr, der in der Stadt ge⸗ schah, einen Mord begangen hatte. Und das Volk ging hin⸗ auf und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Und da sie versam⸗ melt waren, antwortete ihnen Pilatus: Ihr habt eine Gewohn— heit, daß ich einen los gebe auf Ostern. Welchen wollt ihr, daß ich euch los gebe? Barrabam oder Jesum, den König der Ju⸗ EDDE ,,, eennererer den, den man nennt Christus? Denn er wußte, daß ihn die Ho⸗ henpriester aus Neid überant⸗ wortet hatten. Und da er auf dem Richtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sa⸗ gen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen. Aber die aber⸗ henpriester und Aeltesten über⸗ redeten und reizeten das Volk, daß sie um Barrabam bitten sollten und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Land⸗ pfleger und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll los ge⸗ den? Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem, und gieb uns Barrabam los! Da rief Pilatus abermals zu ih⸗ nen und wollte Jesum los lassen und sprach: Was soll ich denn mit Jesu machen, den man Chri⸗ stus nennet? Sie schrien aber⸗ mals: Kreuzige, kreuzige ihn! Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen: Was hat er denn Uebels gethan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm; darum will ich ihn züchtigen und los lassen. Aber sie schrien noch viel mehr und sprachen: Kreuzige ihn! Und sie lagen ihm an mit großem Geschrei und forderten, daß er gekreuziget würde. Und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. Nr. 82. V. 3. O Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes ge⸗ chlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du wurdest verachtet: All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Gieb uns dein Frieden, o Jesu! Passionsgeschichte. 61 Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Die Kriegsknechte aber des Landpflegers führten ihn hinein in das Richthaus und riefen zusammen die ganze Rotte, und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine Hand und beugten die Knie vor ihm und spotteten ihn, und fingen an ihn zu grüßen und sprachen: Gegrüßet seist du, König der Juden! Und schlugen ihn ins Angesicht und speieten ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt und fielen auf die Knie und beteten ihn an. Nr. 97. V. 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, Dich mit großem Schimpf belegt Und mit Dornen gar gekrönet. Was hat dich dazu bewegt? Daß du möchtest mich ergötzen, Mir die Ehrenkron aufsetzen. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! Da ging Pilatus wieder her⸗ aus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus, und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er sprach zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrien sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus sprach zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er —:— — * . 8 340750 3 2 * * * * 6²2 gemacht. Da 10 ö hörete, fürchtete er sich noch viel mehr und ging wieder hinein in das Richthaus und sprach zu O Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Ant⸗ wort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab ge⸗ geben; darum, der mich dir über⸗ antwortet hat, der hat größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Nr. 363. V. 3. Du König— 8 Ehren, Jesu Shrist, Gott Vaters ewger Sohn du bist; Der Jungfrau Leib nicht hast ö verschmäht, Zu erlösen das menschlich Ge⸗ echt; Du hast dem Tod zerstört sein Macht Und all Christen zum Himmel racht; Du sitzt zur Rechten Gottes gleich, Mit aller Ehr ins Vaters Reich. Ein Richter du zukünftig bist Allem, was todt und lebend ist. Die Juden aber schrien und sprachen: Lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht! Denn wer sich zum König macht, der ist wieder den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesus heraus und setzte Passionsgeschichte. hat sich 196 Pil Gottes Sohn sich auf den Richtstuhl, an der ilatus das Wort Stätte, die da heißet Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in den stern um die sechste Stunde. Und er sprach zu den Juden: Sehet, das ist euer König! Sie schrien aber: Weg, weg mit dem! Kreuzige ihn! Spricht Pi⸗ latus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohen⸗ priester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffete, sondern daß viel ein größer Getümmel ward, ge⸗ dachte er dem Volk genug zu thun und urtheilete, daß ihre Bitte geschehe, nahm Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; sehet ihr zu! Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! Da gab er ihnen Barrabam los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins Ge⸗ — 1— geworfen, um welchen sie baten; Jesum aber, gegeißelt und verspottet, übergab er ihrem Willen, daß er gekreuziget würde. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Jesu, du hast weggenommen Meine Schulden durch dein Blut; Laß es, o Erlöser, kommen Meiner Seligkeit zu gut; Und dieweil du so zerschlagen Hast die Sünd am Kreuz ge⸗ tragen, Ach so sprich mich, endlich frei, Daß ich ganz dein eigen sei. 2 pott, Hilf mir geduldig tragen. Passionsgeschichte. Fünftes Hauptstück. Jesu Kreuzigung, Tod und Begräbniß. Mit Einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiliget werden. Hebr. 10, 14. Da nahmen die Kriegsknechte Jesum, zogen ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führeten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten. Und er trug sein Kreuz. Nr. 90. V. 1. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder; Es geht und träget in Geduld Die Sünden aller Sünder. Es geht dahin, wird matt und rank, Ergiebt sich auf die Würgebank, Verzeiht sich aller Freuden; Es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod, Und spricht: Ich wills gern leiden. Und indem sie hinaus gingen, fanden sie einen Menschen, der vorüber ging, von Cyrene, mit Namen Simon, der vom Felde kam, der ein Vater Alexandri und Rufi war; den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trüge, und legten das Kreuz auf ihn, daß ers Jesu nachtrüge. Nr. 88. V. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Solls auch sein Schmach und Gieb, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese Welt Und folge dem Exempel, Das du mir vorgestellt. Es folgete ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die klagten und beweineten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder. Denn sehet, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfrucht⸗ baren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben! Dann werden sie anfahen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Bedecket uns. Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden? Mel. O Durchbrecher aller Bande. Weint nichtüber Jesu Schmerzen, Weint nicht über Jesu Tod; Weint erst über eurer Herzen Unempfundne Sündennoth. Denn in ihm ist nicht erfunden Eine Sünde, ein Betrug; Nur für euch trägt er die Wunden, Trägt nur eurer Sünde Fluch. Es wurden aber auch hinge⸗ führet zween andere Uebelthäter, daß sie mit ihm abgethan wür⸗ den. Und sie brachten ihn an die Stätte, die da heißt auf Hebräisch Golgatha, das ist ver⸗ 56 gaben Schädelstätte. Und sie gaben ihm Essig oder ver⸗ myrrheten Wein zu trinken, mit Gallen vermischet; und da er es schmeckete, wollte ers nicht trin⸗ ken. Und sie kreuzigten ihn an 64 Passionsgeschichte. der Stätte Golgatha, und zween Uebelthäter mit ihm, einen zur rechten und einen zur linken Hand, Jesum aber mitten inne Und die Schrift ist erfüllet, die da saget: Er ist unter die Uebelthäter ge⸗ rechnet. Nr. 91. V. 1 O Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn; O Haupt, zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron; O Haupt, sonst schön gekrönet Mit höchster Ehr und Zier, Jetzt aber hoch verhöhnet: Gegrüßet seist du mir! Und es war die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten. Jesus aber sprach: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Luc. 23, 34. Nr. 242. V. 2. Mein Sünd sind schwer und übergroß Und reuen mich von Herzen; Derselben mach mich frei und los Durch deinen Tod und Schmerzen; Und zeig mich deinem Vater an, Daß du hast gnug für mich ge⸗ than, So werd ich frei der Sündenlast. Herr, halt mir fest, Weß du dich mir versprochen hast. Pilatus aber schrieb eine Ueber⸗ schrift, geschrieben, was man ihm Schuld gab, die Ursache seines Todes, und setzete sie auf das Kreuz, oben zu seinem Haupt. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Ueberschrift lasen viele Ju⸗ den; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreu⸗ ziget ist. Und es war geschrieben auf hebräische, griechische und chen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreibe nicht: Der Juden König; sondern daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich Euehen habe, das habe ich geschrieben. Die Kriegsknechte, da sie Jesum gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Theile, einem Ien lichen Kriegsknecht ein Theil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Lasset uns den nicht theilen, son⸗ dern darum loosen, weß er sein soll, auf daß erfüllet würde die Schrift, die da saget: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Und saßen allda und hüteten sein. Solches thaten die Kriegsknechte, und das Volk stand und sahe zu. Nr. 91. V. 4. Nun, was du, Herr, erduldet, Ist alles meine Last. Ich, ich hab es verschuldet, Was du getragen hast. Schau her! hier steh ich Armer, Der Zorn verdienet hat. Gieb mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnad! Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, Cleo⸗ phas Weib, und Maria Magda⸗ lena. Da nun Jesus seine Muͤtter sahe und den Jünger dabei stehen, den er sehr lieb hatte, sprach er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach sprach er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von Stund an nahm sie der Jünger lateinische Sprache. Da spraͤ⸗ zu sich. Joh. 19, 25—27. * Passionsgeschichte. 65⁵ Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛe. Ich bins gewiß, mich kann nichts scheiden Von meinem Heil, von meinem ott; Was frag ich nach Welt, Kreuz Jund Leiden, Was acht ich Noth, Tod, Hohn ö ö und Spott? Mir bleibt gewiß, was Gott verspricht; Ich weiß: mein ucht. läßt mich nicht. Die aber vorüber inddie läster⸗ ten ihn und schüttelten die Köpfe und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel und bauest ihn in dreien Tagen! Hilf dir selber. Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz. Des⸗ gleichen auch die Hohenpriester verspotteten ihn unter einander mit den Schriftgelehrten und Aeltesten sammt dem Volk und sprachen: Er hat andern gehol⸗ sen und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Christus, der König von Ifrael, der Auserwählte Gottes, so helf er ihm selber und steige nun vom Kreuz, auf daß wir sehen und glauben ihm. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstet es ihn! Denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Dasselbige rückten ihm auch auf die Mörder, die mit isch gekreu⸗ ziget waren, und ver chmäheten ihn. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber. Aber der Uebelthäter einer, die da ge⸗ henket waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da ant⸗ wortete der andere, strafete ihn dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir sind billig drinnen; denn wir empfaͤhen, was unsere Thaten werth sind; dieser aber hat nichts Ungeschick⸗ tes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahr⸗ lich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Lue. 23, 42. 43. Nr. 278. V. 1. Mein Heiland nimmt die Sün⸗ ö der an, Die unter ihrer Last der Sünden Kein Mensch, kein Engel trösten ů kann, Die nirgend Ruh und Rettung nden. Den selbst die weite Welt zu klein, Die sich und Gott ein Gräuel sein: Den Moses schon den Stab ge⸗ brochen Und sie der Hölle zugesprochen, Wird diese Freistatt aufgethan. Mein Heiland der an die Sün⸗ er an. Und da es um die sechste Stunde kam, ward eine Finster⸗ niß über das ganze Land, bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und y ach: Eli, Eli, Lama Asabthani! Das ist verdolmet⸗ schet: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! Matth. 27, 45. 46. Etliche aber, die da standen, da sie das höre⸗ ten, sprachen sie: Der rufet dem Elias. Nr. 88. V. 2. O Wunder ohne Maßen, und sprach: Und du fürchtest Wenn mans betrachtet recht! 35 66 Passionsgeschichte. Es hat sich martern lassen Der Herr für seinen Knecht; Es hat sich selbst der wahre Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod! Darnach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, sprach er: Mich dürstet. Joh. 19, 28. Da stund ein Gefäß voll Essig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm und füllete ihn mit Essig und Ysopen, und steckte ihn auf ein Rohr und hielts ihm dar zum Mund, und tränkete ihn. Die andern aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elias komme und ihn herab nehme. Nr. 340. V. 7. u. 15. Großer Friedefürst! Wie hast du gedürst Nach der Menschen Heil und Leben Und dich in den Tod gegeben, Als du riefst: Mich dürst! Großer Friedefuͤrst. Du, mein Preis und Ruhm, Werthe Saronsblum, In mir soll nun nichts erschallen, Als was dir nur kann gefallen, Werthe Saronsblum, Du, mein Preis und Ruhm. Da nun Jesus den Essig ge⸗ nommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Joh. 19, 30. Es ist vollbracht, am Kreuze dort, Gesetz und der Propheten Wort, Was wir niemals vollbringen konnten, Das ist vollbracht durch Jesu unden. Was Gottes Rath von Ewigkeit Das ist durch seinen Tod voll⸗ bracht. Und abermals rief er laut und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt, neigte er das Haupt und gab seinen Geist auf. Luc. 23, 46. Nr. 91. B. 9. Wann ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; ann ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür. ann mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aengsten, Kraft deiner Angst und Pein. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an, bis unten aus. Und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, und die Gräber thaten sich auf; und stunden auf viele Leiber der Heiligen, die da schlie⸗ fen, und gingen aus den Grä⸗ bern nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stand gegen ihm über, und die bei ihm waren und bewahreten Jesum, da sie sahen, daß er mit folchem Geschrei verschied und sahen das Erdbeben, und was da geschah, erschraken sie sehr, und preiseten Gott und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch gewesen und Gottes Sohn. Und alles Volk, das dabei war und zusahe, da sie sahen, was da ge⸗ schah, schlugen sie an ihre Brust, und wandten wieder um. Nr. 85. V. 1 u. 2. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist Und hast uns 25 dein theures ut Vor Gott gemacht gerecht und gut. — Und bitten dich, wahr Mensch und Gott, Durch deine heilgen Wunden t roth, Erlös uns von dem ewgen Tod Und tröst uns in der letzten Noth. Es standen aber alle seine Ver⸗ wandte von fern, und viele Wei⸗ ber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget, und sahen das alles. Unter welchen war Maria Magdalena und Maria, des kleinen Jacobs und Joses Mut⸗ ter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedai, welche ihm nach⸗ gefolget waren, da er in Galiläa war, und gedienet, und viel andere, die mit ihm hinauf Hie Jerusalem gegangen waren. Die Juden aber, dieweil es der Rüst⸗ tag war, daß nicht die Leichname an dem Kreuz blieben am Sab⸗ bath(denn desselbigen Sabbaths⸗ tag war groß), baten sie Pilatum, daß ihre Gebeine gebrochen und abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestor⸗ ben war, brachen sie ihm die Beine nicht, sondern der Kriegs⸗ knechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugniß ist wahr, und derselbige weiß, daß er Wahrheit sagt, auf daß auch ihr glaubet. Denn solches daß die Schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen. Und aber⸗ mals spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Passionsgeschichte. ein guter frommer Nr. 95. V. 1 u. 2. Die Seele Christi heilge mich; Sein Geist versenke mich in sich; Sein heilger Leib, für mich ver⸗ wundt, Der mach mir Leib und Seel gesund. Das Wasser, welches auf den Stoß Des Speers aus 958 3 Seiten oßp/ Das sei mein Bad, und all sein Blut Erquicke mir Herz, Sinn und Muth. Darnach am Abend dieweil es Rüsttag war, welcher ist der Vor⸗ Sabbath, kam Josepl, von Ari⸗ mathia, der Stadt der Juden, ein reicher Mann, ein Rathsherr, i Mann; der hatte nicht gewilliget in ihren Rath und Handel; welcher auf das Reich Gottes wartete, denn er war ein Jünger Jesu, doch heimlich aus Furcht vor den Juden. Der wagte es und ging hinein zu Pilato und bat, daß er möchte abnehmen den Leich⸗ nam Jesu. Pilatus aber ver⸗ wunderte sich, daß er schon todt war, und rief den Hauptmann und fragete ihn, ob er längst gestorben wäre? Und als ers erkundet von dem Hauptmann, ab er Joseph den Leichnam Gesu und befahl, man sollte ihm ihn geben. Und Joseph kaufte eine Leinwand. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu kommen war, und brachte Myrrhen und Aloe unter einander, bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu, der abgenommen war, und wickelten ihn in eine reine Leinwand und banden ihn in leinene Tücher mit Specereien, 3.8 — 4 2 * . V 68 Passionsgeschichte. wie die Juden pflegen zu begra⸗ ben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuzigt ward, ein Garten, und im Garten ein neu Grab; das war Josephs, welches er hatte lassen hauen in einen Fels, in welches niemand je geleget ward. Daselbst hin legten sie Jesum, um des Rüst⸗ tags willen der Juden, daß der Sabbath anbrach und das Grab nahe war. Und wälzeten einen Crade Stein vor die Thür des rabes und gingen davon. Nr. 108. V. 1 u. 7. So ruhest du, O meine Ruh, In deiner Grabeshöhle, Und erweckst durch deinen Tod Meine todte Seele. Indeß will ich, Mein Jesu, dich In meine Seele senken, Und an deinen bittern Tod Bis zum Tod gedenken. Es war aber allda Maria Magdalena und Maria Joses, die setzten sich gegen das Grab. Auch andere Weiber, die da Jesu waren nachgefolget von Galiläa, beschaueten, wohin und wie sein Leib geleget ward. Sie kehreten aber um und bereiteten die Spe⸗ cereien und Salben, und den Sabbath über waren sie still nach dem Gesetz. Des andern Tages, der da folget nach dem Rüsttag, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämmtlich zu Pilato und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebete: Ich will nach dreien Tagen aufer⸗ stehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn und sagen zum Volk: Er ist auferstanden von den Todten; und werde der letzte Betrug ärger, denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter; gehet hin und verwah⸗ rets, wie ihr wisset. Sie gingen hin und verwahreten das Grab Hütern und versiegelten den tein. Nr. 97. V. 8. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesammte Noth: Für die Wunden, für die Schmer⸗ zen, Für den herben, bittern Tod, Für dein Zittern, für dein Zagen, Für dein tausendfaches Plagen, Für dein Ach und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. * ESSGO CSENE EDEEA I Bibel⸗Lesetafel. Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr.] Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr. 1. Advent. Neujahr. S. Ps. 93. 95. 3 Matth. 21. 34M.Ps. 46. 146.161 Luk. 2. 61 M. 1 Mos. 1. 2. 2Gal. 1. 270D. 91. 115.507 7. 77 D. 3. 4./ 20 2. 271F. Pr.Sal. 1.2.575 8. 182 M. Jes. 59. 19 3. 281S. 3.4.571 9. 181 5. 1 2227115 23 5 457 Sonntag nach Neujahr. . 49. 24 6. 480 S. Ps. 140 2. 15 2. Advent. 7 Epiphanias. — 4 W. 24 53 Tit 1. 176 N.Se,. Rn0 D. 5 Mof. 18 78 2. 27 D. Pr. Sal. 5.6. 510 Luk. 1 346 M. Hos. 13 140 3. 30 M. 7. 8. 9. 673 1 76 D. 10. 11.12. 275 12. 340 5. Zes. 35 7.½½ 75 1 Ros. e. 6) en. 0 es. 35. 37 2—— 4 4 S. 7. 615 14. 382 S. 61. 2² 3. 456 3. Advent. 1. Sonntag nach Epiphanias. S. Ps. 94. 97.29 Matth. 11.19 S. Ps. 19.27.84.196 Luk. 2. 68 M. Jer. 30.(316 Kol. 4. 179N.% N.14 2815. 2 Wi. 11. 627 10. 11.167 16. 26 D. Dan. 9. 50 3 51 M. 12. 13. 24 17. 71 * aeh 4. Adbent S. 17. 18. 7 20. 275 S. Pf. 24. 99.28 Joh. 1. 312. Sonntag nach Epiphanias. 113. S. Pf. 36. 92. 369Joh. 2. 327 M. Jes 40. 31 Aur 4 1. 29M.]1 Mos. 19, 487 Luk. 21. 61¹1 D. Malch. 3. 4.] 33 Luk. 46 5. 21 1·29. 927 22 346 1. Weihnagtta M. 22. 23. 353 23. 82 M. Jes. 9. 44Luk. 2.45D. 24.25,1-11.395 24. 138 2. Weihnachtstag. F. 25, 12. 26. 304 Joh. 1. 332 D. Pf. S.92.134., 51 Matth. 23. 1S. 27. 28. 888 2. 6328 E. Jer. 31. 341 4. 63273. Sonntag nach Kpiphaniaz, S. 3 ER.. 240/ HRatth. 620 Sonntag nach Weihnachten. M. 1 Mos.29. 30,517 Joh. 3. 346 S. Ps. 2 107.562 Luk. 2. 69 25-43.31. M. Jes. 8 328 5. 279D. 32. 33. 307 4. 313 D. Pf 100.103.386 6. 78M. 35. 57⁴ 5. 320 DPD‚I‚‚ S 70 Bibel⸗Lesetafel. Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr. Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr. D. 1 Mos. 37. 507 Joh. 6. 335 Quinquagesimä. F. 39. 40..508 7. 342 S. 41. 535 8. 340S. Ps. 60. 61. 171 Luk. 18. 57 M. Hiob 29. 30.513 Röm. 12. 454 4. Sonntag nach Epiphanias. 31. S. Ps. 5. 63. 528 Matth. 8. 332 D. 32.33. 146 13. 459 M. 1 Mos.42.43. 252 Joh. 9. 352 M.] 34. 35. 1414. 15, 1-13. 476 44. D. 36. 37. 10015, 14. 16.168 D. 45. 46. 468 10. 341F. 38. 39. 1101 Petr. 1. 395 M. 47. 48.573 11. 117S. 40. 41. 42. 245 7⁴ 5.—— 1.—5 455 Mark. 2 286 1. Sonntag in der Fasten. S. 3. 4. 297 3. 275 S. Ps. 6. 32. 35.247 Matth. 4. 486 ö 1.1. 2,/338 1 Petr. 3. 526 5. Sonntag nach Epiphanias. M. Sam 1•11. 2— 80 S. Ps. 119. 199 Matth. 13.9D. 2, 12-.3.4.559 4. 75 M. Spr. 5. 6, 296 Mark. 4. 467 M.] 5. 6. 17¹ 5. 452 1—19. D. 7. 381½2 Petr. 1. 491 D. 6, 20. 7. 456 5. 332 F. 8. 9. 10. 174 2. 485 M. 8. 9. 4⁵3 6. 334 S. 11. 12. 377 3. 614 5. 12 13. 454 4 2. Sonntag in der Fasten. S. 14. 15. 16. 469 9. 346S. Ps. 51. 38. 245 Matth. 15.482 6. Sonntag nach Epiphanias. M.1—114f5 258 Jak. 1.13 301 S. Ps. 66. 67.187]Matth. 17.274 D. 16. 17. 1612, 14.26..277 M. Spr. 17. 18. 452 Mark. 10. 77 M. 18. 19. 20..343 3. 4⁵⁴ 19. D. 21. 22. 532 4. 5. 483 D. 20. 21.22, 301 11. 37F. 23. 24. 529Hebr. 1. 181 116. S. 25. 26.27.165 2. 9² —2 5 — 225. 26.27. 304 13. 613 3. Sonntag in der Fasten. F. 28. 29, 76 14. 90S. Ps. 85. 69. 244ʃ Luk. 11. 489 S. 30. 31. 80⁰ 15. 92 M. 1 Sam. 28. 536 Hebr. 3. 634 29. Septuagesimä.. 30. 31./507 4. 479 S. Ps. 3. 4. 12.163 Matth. 20.490M. 2 Sam. 1. 575 5. 458 M. Hiob 1. 2. 485 Röm. 1. 21D. 2. 3. 4. 289 6. 8⁷ D. 3. 4. 5.5192. 84 F. 5. 6. 364 7. 8⁵ M. 6. 7. 8.5111 3. 270S. 7. 386 8. 14⁰ 9. 10.573 4. 2⁴2² 5. 11. 12.506 5, 1.11. 307 4. Sonntag in der Fasten. S. 13. 14. 562 5, 12-21. 20S. Ps. 4 1403 240 Joh. 6 467⁷ Sexagesimä. M.]2 Sam. 8.9. 168 Hebr. 9. 273 S. Ps. 7. 64. 53.166Luk. 8. 203 10. M. Hiob 15. 16.541 Röm. 6, 471D. 11. 12 2⁴⁴ 10. 282 17. 114. M. 13. 14,1·24. 247 11. 276 D. 18. 19. 117 6, 15- 7. 469D. 14, 25. 15, 261 12 8⁷ M.] 20. 21. 497 307 1.29. D. 22. 23. 24. 4800 281F. 15, 30-— 16. 240 13 9⁴ F. 25. 26. 8 10 27¹ 17, 1·23 S. 27.28. 338011 364 S. 17, 24. 18. 245 Joh. 12. 101 Se G SDD SOGC Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr. Bibel⸗Lesetafel. 5. Sonntag in der Fasten. S. Ps. 143. 88.249[Joh. 8. 483 M.]2 Sam. 19. 364 13. 96 20. D. 21. 22. 367 14. 90 M. 23. 24.323 15. 104 D. 2 Mos. 1. 2.170 16. 97 F. 3. 4. 528 17. 81 S. 5. 6, 1-13..548 18.ö89 Palmsonntag. S. Ps. 2.40.109.181 Matth. 21.479 M.]2 Mos. 6. 14. 256 22. 23. 284 7. D. 8. 9. 265 24. 282 M. 10. 11. 26625. 99 Gründonnerstag. D. Ps. 111. 230Matth. 26.229 2Mos. 12.13.. 499 Karfreitag. F. Fes. 22. 90Matth. 27.]91 S. 90 114 1Joh. 19. 107 Mos. 14 15, 1·21. 1. Ostertag. S. Ps. 16. 1400 Mark. 16. 111 149. 2. Ostertag. M. Ps. 20. 21.120 Luk. 24. 363 136. D. 2 Mos. 15, 377 Joh. 20. 122 22. 16. M. 17. 18. 374 21. 124 D. 19. 20. 459 Matth. 28. 139 F. 21. 22. 23. 495 Eph. 1. 2, 281 1·10. S. 24. 25. 26.372 2, 11-22..482 1. Sonntag nach Ostern. 88 30. 31. 32. 254 19. 24. 460 E — — * Ps. 16. 117.0117 Joh. 20. 119 2 Mos. 27. 175Eph. 3. 293 4, 1-16. 177 33. 34. 304 4, 17-5, 21..456 23 5, 22-6,9. 454 6, 10-24. 488 4 Mos. 6, 22.5421 Thess. 1. 295 71 Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr. 2. Sonntag nach Ostern. S. Ps. 23. 25. 512 Joh. 10. 339 M. 4Mos. 11.12.4941 Thess. 2. 301 D. 13.14, 1-38. 1723. 292 M. 16. 17. 553 4, 1-12. 456 D. 20. 21. 1624,13.5,1-11.617 .22. 23. 24. 327 5, 12-28..452 S. 25. 31. 32.5432 Th. 1. 2.612 3. Sonntag nach Ostern. S. Ps. 10. 11. 514 Joh. 16. 137 M. 5 Mos. 1.2.3.161ʃ2 Thess. 3. 299 D. 4. 5. 6. 459 Jer. 2. 24³ Buß⸗ und Bettag. M.] Ps. 51. 130.] 240Luk. 15. 278 D. 5 Mos. 7.8.9. 364 Ps. 103. 242 F. 10. 11. 12.168 Röm. 3. 270 S. 13. 14. 15.189 Luk. 7, 36. 249 4. Sonntag nach Ostern. S. Ps. 50. 12. 163 Joh. 16. 146 141. M.5 Mos. 16. 467/1 Tim. 1. 288 17. 18. D. 19. 20.21..172 2. 393 M. 27. 28. 491 3. 176 D. 29. 30. 326 4. 167 F. 31. 32. 563 5. 452 S. 33. 34. 570 6. 493 5. Sonntag nach Ostern. S. Ps. 15. 17. 164 Joh. 16.(362 25 M. Jos. 1. 2. 3..346 Hebr. 11. 146 D. 4. 5, 1.-12..347 12. 137 M. 5, 13. 6. 7.499 13. 459 Christi Himmelfahrt. D. Ps. 47. 68. 130lMark. 16. 129 110. F. Josua. 9. 503 Hebr. 8. 140 S. 10. 11. 12.161ʃ1 Joh. 2. 301 6. Sonntag nach Ostern. S. Ps. 45.65.72.138[Joh. 15. 142 M. Jos. 22. 23.353 1 Joh. 5. 302 24. D. Joel 1. 2, 260 Joh. 17.(388 20. M. 2, 20. 3..159 Hebr. 4. 634 D. Jes. 44. 160 Luk. 11,1-130362 F. Ezch. 36. 157 Apg. 1. 138 S. 37. 150 10. 370 * Ve —— T ä 72 Bibel⸗Lesetafel. Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr.Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr. 1. Pfingsttag. 2. Jes. 44. 40 365 1 Kor. 4 477 45. 46. S.Ps. 144. 145.149 Joh. 14. 145 5. 47.48,1511 5. 1165 2. Psingsttag. S. 49. 170 6. 459 —— 4. 240 Apg. 1. 1389 5.“ Sonntag nach Trinitatis. M 2. 1890 2 1.41. 150S. Ps. 34. 29. 385Luk. 5. 7⁴4 D. 3. 4. 242 2, 42. 3. 140M.Jes. 50. 51.] 191 Kor. 7. 395 F. 5. 491 4, 131. 164D. 52. 53. 105 8. 476 CS. 6. 363 4, 32., 5,/292 M. 54. 55.189 9. 490 1.16. D. 56. 57. 268 10.501 F. 58. 59.501 11. 229 Trinitatis. S. 60. 7⁰ 12. 142 — i7 115 55 200 5 4b4 6. Sonntag nach Trinitatis. 17.42. S. Ps. 33. 52. 383Matth. 5.76 D. 8, 9.9, 1-7. 506. 7. 6²8 M. Jes. 61. 62.1761 Kor. 13. 179 M.] 9, S. 10. 187 8. 187 D. 349 14.117 D. I1. 12. 327 9, 1.30. 280N. 64. 65.57 14. 156 F. 13. 14. 571 9,, 31. 10.270D. 46„ a 17 94 S. 15. 16. 258 1I. 17⁵ 8. Jer. 3 209 2 Kor. 0 150 I nind nn TDinttatie⸗ 7. Sonntag nach Trinitatis. S. Pf. 7. 1.49.,463 Lur. 16ẽ.(622 C. Pf. 30. 106.P373 Mark. 8. 513 N. Jes. 17. 18.0168 Apg. 12. 66 M. Ier. 5. 6. 163 2 Kor. 3. 2 D. 19. 20..242 13. 176 Jer. 5. 6.— Kor. 3. 255 M. 21. 41814. 17³ 2 9. 2 5„ 326 D. 22. 245 15, 1.34. 281 D. 10 254 6. 466 F. 23. 24.171 15,35. 16. 271[ 11. 12 480 7. 298 S. 25. 26.(161 17. 18⁷ C 19.1256 8.460 Hrhldat 14, ao 8. Sonntag nach Trinitatis. PTi. 18. ut. 2 S. Ps. 41. 105.517Matth. 7. 276 M. Jes. 27. 193 Apg. 18. 275M. Jer 14. 15. 260P2 Kor. 9. 455 D. 30. 269 21, 1-15. 507—1 20 19. 162 12 385 F. 31. 32. 1630 21,16. 22. 168 F. 21. 22. 203 13.276 S. 33. 16223. 166S. 23. 163 Phil. 1. 179 „Sonntag nach Trinitatis. 9. Sonntag nach Trinitatis. S. Ps. 32. 13. 522 Luk. 15. 262S. Ps. 95. 37. 520[Luk. 16.(49 M.] Jes. 34. 35.528 Apg. 24. 487M. Jer. 24. 145 Matth. 1. 29 D. 36. 541 25. 146D. 25. 26..176 2. 73 M. 37. 171 26. 176M. 27. 28..199 3. 253 D. 38. 39 376 27. 506D. 29. 528 4. 485 F. 40. 1 28. 307F. 30. 31..365 5. 455 S. 41. 378 Judä. 480 S. 32. 33. 19 6. 545 4. Sonntag nach Trinitatis. 10. Sonntag nach Trinitatis. S. Pf. 28. 112.377 Luk. 6.(454S. Ps. 79. 80. 171Luk. 19. 250 116. 137. M. Jes. 42,1-17.3731 Kor. 1. 275M. Jer. 34. 247 Matth. 7. 494 D. 42, 18. 43. 364 2. 199 D 35. 512 8. 51¹1 * EE GE nEE E E Rnnnn Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr. Bibel⸗Lesetafel. Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr. M.] Jer. 36. D. 37. 38.161 F. 39. 40..509 S. 41. 42. 43. 245 202 Matth. 9. 514 10.J326 11. 262 12.447² 11. Sonntag nach Trinitatis. S. Ps. 131.132.]622Luk. 18. 264 133. ö M.]Jer. 44. 45.472 Matth. 13.203 D. 46. 373 14. 329 M. 47. 48. 385 15.532 D. 49. 387 16.326 F. 50. 51.,254 17.27⁴ S. 5² 548 18.242 12. Sonntag nach Trinitatis. S. Ps. 26. 44. 509 Mark. 7. 280 M. Kl. Jer. 1.2.547 Matth. 19.479 D. 3.4. 5.551 20..452 M. Jonas 1. 2.254 2136 D. 3. 4. 248 22. 340 F. Obadja 1. 533 23..168 S. Nah. 1. 2. 3.)245 24.61⁴ 13. Sonntag nach Trinitatis. S. Ps. 54.55.62.“541[Luk. 10. 275 M. Hab. 1. 2. 3.388 Matth. 25.617 D 4. 370 26. 100 M. Hes. 1. 2. 3.176 27. 88 D. 4. 5. 533 28. 1 F. 6. 7. 5322 Tim. 1. 480 S. 9. 377 2. 7⁵ 14. Sonntag nach Trinitatis. 16. Sonntag nach Trinitatis. S. Ps. 9.31.108.,369ʃLuk. 7. 511 M. Hes. 35. 36. 151 Mark. 4. 199 37. D. 38. 39. 172 5. 332 M. 40. 41. 629 6. 369 D. 42. 43. 388 7. 37⁷ F. 44. 45. 6311 8. 464 S. 46. 47. 48.624 9. 276 17. Sonntag nach Trinitatis. S. Ps. 70. 71. 515Ouk. 14. 301 1⁴3 M. Richt. 1.2.3. 488 Mark. 10. 468 4. 5. 16² 11. 39 M. 6. 7. 8. 161 12. 27⁵ D. 9. 10. 245 13. 480 F. 11. 12. 489 14. 88 S. 13. 14.. 15. 91 16. 18. Sonntag nach Trinitatis. Ps. 56.57.58.,509Matth. 22. 270 Ruth 1. 2. 520 Mark. 16. 139 3. 4. 529 Eph. 4, 17-302 32. 3. 162 5,22.6,1-9.&454 4. 5. 261 Gal. 3. 57⁰0 6. 161 5. 296 19. Sonntag nach Trinitatis. S. Ps. 59.74.75.529 Matth. 9. 452 M. Dan. 7. 8. 9.] 391 Kor. 2. 199 S M D M. Dan. 1. 2. 189 5,1-21.,456 D 1 S D. 10. 11. 12.614 3. 103 S. Ps. 107. 147.,384Luk. 17. 326M. Hos. 1. 2. 3. 33⁴ 11. 225 148. D. 4. 5. 6. 268 13. 303 M.PHes. 10. 11.1512 Tim. 3. 167F. 7. 8. 9. 243 Joh. 1,1-18..1 D. 12. 13. 163 4. 567S. 10. 11. 265 Kol. 1, 1-23.346 M. 4. 15.256/1 Joh. 1. 25420. Sonntag nach Trinitatis. D. 16. 2⁴9 2. 179 17. 18. 19. 248 3. 295S. Ps. 77. 78. 507 Matth. 22.494 V. 18.19. 5 S. 20. 21.22.,163 4. 476 M. Hos. 12. 14. 12 Hebr. 1. 181 15. Sonntag nach Trinitatis. D. Amos 1.2.3. 265 Röm. 3. 270 M. 4. 5. 266 4. 242 S. Ps. 65. 104. 11 Matth. 6. 463 D. 6. 7. 246 5, 111. 307 M. Hes. 23. 24. 211 Joh. 5. 6 F. 8. 9. 242 5, 12. 20 ö 25. 26.D5332 Joh. 297S. Micha 1. 2.4834 6. 471 27. 28. 31. 32. 5713 Joh. 187 566 Mark. 1. 327 21. Sonntag nach Trinitatis. D M. D. 29. 30. C 33. 34. 308 561 2. 74 3. 326 S. Ps. 127. 128.P517[Joh. 4. 5509 seire asn 74 Bibel⸗Lesetafel. Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr.] Tag. Alt. Test. Nr. N. Test. Nr. Micha 3.4.5.] 43 Matth. 5, 465F. 2 Kön. 1. 2,J462 Offb. 3. 495 1·16. 1.14. 7. 3715, 17-48. 459S. 2, 15. 3.573 4. 389 3.174 6, 1-18. 301 ö 2. 488 6, 19.34.526 25. Sonntag nach Trinitatis. ö 3. 29 7, 1-12. 362S. Pf 87. 125.]622 Matth. 24.614 6..163 7, 13-29. 466 Kön. 4. 527 Offb. 5. 139 S M. 2 35. 6. 2. Sonntag nach Trinitatis. 2. 6. 7. 532 7. 631 Ps. 81.82.83. 615 Matth. 18.242D 8. 9. 577 8. 81 Sach. 7. 8. 468 Luk. 1,5-25. 1 10. 11.J555 9. 82 9. 10. 11. 32 1, 57-80..374S. 12. 13.556 10. 4 12. 13. 14. 5263, 1-18. 176 Mal. 1. 2. 352 Foh. 1,6.34. 10326. Sonntag 3. 4. 487 3, 22-36. 472 563 Mark. 6, 631 nach Trinitatis. IPs. 76. 39.[574 Matth. 25.612 2Kön. 14.15..494 Offb. 1 3 S M dien 16.17. 615 12. 3. Sonntag nach Trinitatis. 75. 18 19. 20.5288 13. 192 D + S Ps. 86. 123.168 Matth. 22. 346(2 Chr. 21 24⁴⁴4 14. 161 124. 1 Kön. 2, 12.259 Joh. 5. 618 22. 25, 30. 517 15, 1-4. 1 23,31·—.24. 17015, 5-8. 16.171 e 2— — V 2 — * 3. 4. 5. 6. 472 9 12.59. 346 25. 7. 8. 366 169 9. 10. 345 10 1.21. 34127. Sonntag nach Trinitatis. 11. 12. 1630 10, 21-42. 181 S. Ps. 122. 126. 629 Matth. 25. 613 13. 14. 243 11, 1-46. 117 M. Csra 1 253 466 Ofib. 17. 164 ra 1. 2. 3. 4. Sonntag nach Trinitatis. D. 4. 5. 6. 489 18. 172 Ps. 42. 43. 514 Matth. 9. 553 M.] 7. 8. 9. 10.326 19. 173 1 Kön. 15.16.6161 Kor. 15, 126 D. Neh. 1. 2. 4 490 20. 611 134. 17. 18. 377 15, 35-58. 119[F. 5. 6. 7.. 459 21. 622 19. 20.530Offb. 1. 363S. 9. 10. 11.378 22. 638 21. 22. 553 2. 327 12. 13. Beschreibung, wie das der Stadt Jerusalem angedrohte Gericht Gottes vollzogen und die Stadt zerstört wurde. Als das vormals von Gott so hoch begnadigte Volk der Juden das Maß seiner Sünden durch die Verwerfung des Sohnes Got⸗ tes erfüllt hatte, ward es von den Strafgerichten Gottes ge⸗ troffen, die durch Mosen und die Propheten und von dem Sohne Gottes selber ihm zuvor angedroht waren. Das Werk⸗ zeug hierbei in Gottes Hand waren die Römer, ein Volk von fern her, des Sprache sie nicht kannten, das wie ein Adler flog, ein freches Volk, das nicht an⸗ sah die Person der Alten, noch schonte der Jünglinge; wie denn schon Moses bezeugt hatte, daß ein solches Volk über sie kom⸗ men würde, wenn sie der Stimme ihres Gottes nicht gehorchten. (5 Mos. 28, 49.) Das Straf⸗ gericht selber ward aber also vollzogen. Nachdem die Juden Jesum Christum verworfen und gekreu⸗ zigt hatten, wurden sie hinge⸗ geben in verkehrten Sinn, zu thun, was nicht taugt. Sie übertraten immer augenfälliger die heiligen Gebote Gottes und setzten ihre ganze Religion nur in eine abergläubische Beobach⸗ tung äußerlicher Gebräuche. Die Ungerechtigkeit nahm zu, und die Liebe erkaltete. Vornehme und Geringe überließen sich mit frechem Leichtsinn allen Lastern. Üppigkeit, Unordnungen und Spaltungen zeigten sich allent⸗ halben. Jerusalem und das ganze Land ward mit Räubern und Mördern angefüllt. Der Greuel der Verwüstung stand an der heiligen Stätte. Die römischen Landpfleger steuerten solchen Unordnungen nicht nur nicht, sondern förderten sie wohl gar, um dann bei dem nachhe⸗ rigen Einschreiten desto größere Erpressungen und Gewaltthä⸗ tigkeiten sich erlauben zu können. So nahm z. B. der Landpfleger Gessius Floͤrus einmal bei Un⸗ terdrückung eines Aufstandes einen Teil des Tempelschatzes für sich weg, ließ 3000 Juden in Jerusalem niederhauen und viele Vornehme geißeln und kreuzigen. Solch Verfahren erbitterte denn wieder die Juden und reizte sie um so mehr, das ohnehin ver⸗ haßte Joch der Römer abzuwer⸗ fen, so daß Rotten und Aufruhr nichts seltenes waren. Als nun Lar die Juden über Cestius, den Iandpfleger von Syrien, der auch einmal zur Unterdrückung eines solchen Aufruhrs herbeigekom— men war, einen kleinen Sieg PP ——— . 76 davongetragen hatten und über⸗ dies gerade damals die Ankunft eines weltlichen Messias recht zuversichtlich erwarteten, brach der Aufstand im ganzen Lande aus und ward der Krieg gegen die Römer beschlossen. Die Mauern Jerusalems wurden ausgebessert und befestigt, der Feldherr Josephus mit einem Heere von 100 900 Mann nach Galiläa geschickt, um dort den Römern entgegen zu treten, wenn sie von Syrien aus ins Land kommen würden;: und alles übte sich in den Waffen. Die Chri⸗ sten in Jerusalem jedoch, einge⸗ denk der Weissagung und des Befehls des Herrn, sahen das Gericht Gottes herannahen und flohen über die Berge nach Pella am jenseitigen Ufer des Jordan. Die Römer ließen nicht lange auf sich warten, und die Adler sammelten sich. Der römische Feldherr Vespasian drang mit einem mächtigen Heere in Ga⸗ liläa ein und unterwarf eine Stadt nach der andern. Jose⸗ phus, der sich im offenen Felde nicht halten konnte, warf sich in die starke Feste Jotapata bei Tiberias und widerstand dort 7 Wochen lang dem Feinde. Da erstiegen aber in einer ne⸗ belichten Nacht die römischen Soldaten die Mauern, und alles, was Waffen trug, ward nieder⸗ emetzelt. Josephus selber ent⸗ am und flüchtete mit 29 Juden in die trocknen Wasserleitungen der Stadt, wo einige mitleidige Frauen ihn und seine Begleiter insgeheim ernährten. Er ward jedoch auch hier von den Rö⸗ mern entdeckt; seine 29 Begleiter töteten sich gegenseitig, um nicht den Heiden in die Hände zu fallen; Josephus selber aber Zerstörung der Stadt Jerusalem. ließ sich gefangen nehmen und ward von Vespasian dahin be⸗ gnadigt, daß er als Gefangener in seinem Zelte bleiben mußte. Und das geschah gewiß nicht ohne göttliche Zulassung; denn Gott wollte einen Zeugen haben, der die Erfüllung seiner Ge⸗ richte aller Welt verkündigen könnte; und Josephus war nicht bloß ein Feldherr, sondern auch ein gelehrter Geschichtschreiber und hat denn auch die Geschichte dieses Krieges und der Zerstö⸗ rung Jerusalems als Augen⸗ zeuge beschrieben. Vespasian drang nun weiter siegreich in Judäa ein und war schon in die Nähe von Jerusalem gekommen, als er in Rom zum Kaiser aus⸗ gerufen ward. Er eilte deshalb nach Rom und überließ die wei⸗ tere Führung des Krieges sei⸗ nem Sohne Titus, der um Je⸗ rusalem eine Wagenburg schlug. In Jerusalem selber wimmelte es von allerlei Volk; denn viele tausend Juden waren dorthin eeilt, teils um die Stadt zu schühen, teils um hinter ihren starken Mauern Schutz zu su⸗ chen. Es herrschte aber in der Stadt die größte Zwietracht. Drei Parteien insonderheit stan⸗ den sich einander gegenüber: 1) die Partei Simons, eines vor⸗ maligen Räuberhauptmanns, der die Außenwerke der Stadt inne⸗ hatte; 2) die Zeloten, d. h. Eife⸗ rer, die unter dem Vorwande des Eifers für den Glauben und die Freiheit die gröͤßten Grau⸗ samkeiten verübten, und die unter Anführung des Johannes von Giscala die mittlere Stadt be⸗ setzt hielten, und 3) die Partei Eleasars, der, von 20 000 Idu⸗ mäern unterstützt, des Tempels sich bemächtigt hatte. Diese drei Parteien bekämpften sich gegen⸗ seitig mit Schwert, Feuer und Dolch. Der Hohepriester Ana⸗ nias, den Josephus als den besten Mann seiner Zeit schildert und der Eintracht herzustellen suchte, ward nebst 12 000 angesehenen Einwohnern umgebracht. Jo⸗ hannes von Giscala drang mit seinen Bewaffneten in den Tem⸗ pel ein, den Eleasar geöffnet hatte, um das Volk zum Opfer Tempeis bemächtigte sich des empels, und richtete ein ent⸗ setzliches Blutbad an, worin Tausende umkamen, wie jene Galiläer, deren Blut Pilatus samt ihrem Opfer vermischt hatte. Tag und Nacht hoͤrte man nichts als das Geschrei der Kämpfenden und den Jammer der Trauernden. Die Töchter Jerusalems weinten über sich selbst und über ihre Kinder. Inzwischen hatte nun auch Titus die Stadt von außen be⸗ lagert und an allen Orten ge⸗ ängstet. Am 15. Tage stießen die Römer mit ihren Sturm⸗ böcken, die ein Rabbine jener Zeit das Schwert des Würg⸗ engels nennt, die äußerste Mauer ein; und 9 Tage nachher ward auch die innere Mauer erobert. Die Römer drangen in den zu⸗ nächst gelegenen Teil der Stadt, und Ströme Bluts flossen in den engen Gassen. Darauf richtete Titus seinen Angriff gegen den Tempel und die Burg Antonia. Um den Tempel zu erhalten und das Blutvergießen zu vermeiden, ließ er zuvor den Juden Frieden anbieten, wenn sie sich ergeben wollten; allein die Juden woll⸗ ten nichts von einer Übergabe wissen. Und doch war die Not in der Stadt aufs höchste ge⸗ stiegen. Eine furchthare Hun⸗ Zerstörung der Stadt Jerusalem. 77 gersnot peinigte die Verteidiger. Bewaffnete drangen in alle Häu⸗ ser, Lebensmittel aufzusuchen. Eltern und Kinder rissen ein⸗ ander die Speise vor dem Munde weg. Man aß das Leder der Schuhsohlen und die Riemen an den Schilden. Man suchte in den Düngerhaufen nach Kno⸗ chen. Leichen Verhungerter la⸗ gen in den Straßen und ver⸗ pesteten die Luft. Ja, es ge⸗ schah, was Moses auch zuvor verkündigt hatte: Eine vornehme Frau,„ein Weih, das zuvor zärtlich und in Lüsten gelebt, daß sie nicht hat versucht, ihre Füße auf die Erde zu setzen, vor Zärtlichkeit und Wollust, hat ihr eigen Kind heimlich geschlach⸗ tet und gegessen in dem Man⸗ gel, Angst und Not, womit die Stadt von den Feinden ge⸗ drängt ward.“ Als dies Titus hörte, hob er seine Hände gen Himmel und rief Gott zum Zeu⸗ gen an, daß er unschuldig an diesen Greueln sei, da er wie⸗ derholt Frieden angeboten habe. Viele Juden in Jerusalem such⸗ ten dem Elend dadurch zu ent⸗ ehen, daß sie des Nachts heim⸗ ich aus der Stadt flohen. Al⸗ lein sie wurden von den Rö⸗ mern ergriffen und fanden keine Gnade bei ihnen. Als sich einst das Gerücht verbreitete, die ge⸗ flüchteten Juden hätten Gold verschluckt, schnitten die römi⸗ schen Soldaten in einer Nacht 2000 gefangenen Juden die Bäuche auf, um Gold in ihren Eingeweiden zu suchen. Die meisten der Geflüchteten wurden aber von den Römern gekreu⸗ igt, das Angesicht gegen die empelmauern gerichtet, so daß nach kurzer Zeit die Juden von der Zinne ihres Tempels Tau⸗ — * 8„4 2 . —8 — — —.— X 78 Zerstörung der Stadt Jerusalem. daß an ein Löschen nicht zu sende ihrer Brüder am Kreuze mußten hangen sehen. Das Blut des auf Golgatha von ihnen Gekreuzigten kam über sie und über ihre Kinder. Titus hatte unterdes die Be⸗ lagerung fortgesetzt und auch die Burg Antonia erobert, so daß nur noch der Tempel mit seinen Nebengebäuden und einigen Mauertürmen in der Gewalt der Juden war. Um Tempel und Menschen zu schonen, ließ Titus den Juden nochmals Frie⸗ den anbieten und ihnen nament⸗ lich vorstellen, wie ihr Heilig⸗ tum zu Grunde gehen würde, wenn der Kampf fortgesetzt werde. Allein abermals verge⸗ bens!„Nun, so sei es denn!“ rief Titus.„Wir wollen den Kampf fortsetzen; aber den Tem⸗ pel will ich auch gegen euern Willen erhalten.“ Doch er konnte mit aller seiner Macht nicht das Haus erhalten, von dem der Herr gesagt hatte, daß an ihm kein Stein auf dem an⸗ dern bleiben sollte.— Die Rö⸗ mer berannten von neuem die Mauern und eroberten bald die beiden nördlichen Vorhallen des Tempels, die eine Beute der Flaͤmmen wurden. Nach sechs Tagen unaufhörlichen Stürmens wurden endlich auch die östlichen Vorhaͤllen erobert und nieder⸗ gebrannt. Darauf ging es an den Tempel selbst. Titus hatte verboten, Feuer an das Gebäude zu legen; ein Soldat stieg aber dennoch, als der Kampf am hitzigsten war, einem andern auf die Schultern und warf einen Feuerbrand durch das goldene Fenster in den Tempel. Es zündete; die Flammen griffen um sich, und in kurzer Zeit brannte der Tempel lichterkoh, denken war. Da stieg die Wut und Verzweiflung der Juden aufs höchste. Der ganze Tem⸗ pelberg ward ein Leichenhaufen. In wenigen Stunden lag der Tempel in Asche. 6000 Weiber und Kinder, die ein falscher Prophet auf die flachen Dächer des Tempels, als auf eine sichere Burg, geführt hatte, kamen in den Flammen um. Und das geschah am 10. August des Jah⸗ res 70 nach Christi Geburt. Da Titus sah, daß der Tem⸗ pel,„das Prachtstück des römi⸗ schen Reiches“, wie er ihn nannte, zerstört war, gab er Be⸗ fehl, nun auch die ganze Stadt niederzubrennen und dem Erd⸗ boden gleich zu machen. Nur drei Mauertürme sollten stehen bleiben, aus denen die Juden zuletzt selbst geflohen waren und die so fest waren, daß Titus, als er sie besichtigte, ausrief: „Gott selbst hat die Juden aus diesen Bollwerken getrieben; denn was hätten wir mit unsern Werkzeugen gegen solche Türme ausrichten können!“ Der Befehl des Titus ward so pünktlich vollzogen, daß man, wie Jose⸗ phus berichtet, bald nicht mehr glaͤuben konnte, es habe hier je eine Stadt gestanden. Jerusa⸗ lem ward zertreten von den Hei⸗ den und geschleift, und ward kein Stein auf dem andern gelassen. Mehr als eine Million 300000 Juden sind in diesem Kriege getötet; 97000 sind gefangen und von diesen die einen ge⸗ kreuzigt, die andern den wilden Tieren vorgeworfen, und die jungen Kinder als Sklaven verkauft. Von der Zeit an ist Israel ohne König, ohne Fürsten, ohne Opfer, ohne Altar, ohne Priester und ohne Heiligtum geblieben. (Hos. 3, 4.) Und der Herr hat das Volk zerstreut unter alle Reiche auf Erden.(5 Mos. 28, 25.) Und hat sie unter allen Heiden sichten lassen, gleichwie man mit einem Siebe sichtet. (Amos 9, 9.) Und hat sie zu einem Sprichwort und Spott gemacht unter allen Völkern. (5 Mos. 28, 37.) Und hat ihnen ein bebendes Herz gegeben und verschmachtete Augen und eine verdorrete Seele, daß sie unter den Völkern kein bleibendes We⸗ sen haben und ihre Fußsohlen keine Ruhe finden.(5 Mos. 28, 65.) Ihre Plagen sind wunderlich, groß und langwie⸗ rig gewesen.(5 Mos. 28, 59.) Ihr Haus ist ihnen Bän wder worden. Und das alles ist über Zerstörung der Stadt Jerusalem. 79 sie gekommen darum, daß sie den Ratschluß Gottes von ihrer Se⸗ ligkeit verachtet und, statt sich von dem verheißenen Heiland Jesu Christo sammeln zu lassen unter seine Flügel, ühn, den Sohn Gottes, verworfen und gekreuzigt haben. Und ihr Haus wird ihnen wüste gelassen wer⸗ den, bis sie sprechen: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!(Matth. 23, 39.) Der du dies liesest, siehe dich wohl vor, daß du nicht auch den Sohn Gottes verachtest und mit Sünden kreuzigest. Schaue die Güte und den Ernst Got⸗ tes! Den Ernst an denen, die gefallen sind; die Güte aber an dir, sofern du an der Güte bleibest, sonst wirst du auch abgehauen werden.(Röm. 11, 22.) ————— —— Der kleine Katechismus Dr. Martin Luthers. Erstes Hauptstück. Die Zehn Gebote, wie sie ein Hausvater seinem Gesinde einfältiglich vorhalten soll. 2 Mos. 20, 3 u. f. 5 Mos. 5, 7 u. f. Das erste Gebot. Du sollst nicht andere Götter haben. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ver⸗ trauen. Das zweite Gebot. Du sollst den Namen deines Gottes nicht unnützlich führen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei seinem Na⸗ men nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, son⸗ dern denselben in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken. Das dritte Gebot. Du sollst den Feiertag heili⸗ gen. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, son⸗ dern dasselbige enes halten, gerne hören und lernen. Das vierte Gebot. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohl gehe und du lange lebest auf Erden. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsere Eltern und Herren nicht verachten, noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben. Das fünfte Gebot. Du sollst nicht töten. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid thun, sondern ihm helfen und fördern in allen Leibes⸗Nöten. Das sechste Gebot. Du sollst nicht ehebrechen. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir keusch und züch⸗ tig leben in Worten und Wer⸗ ken, und ein jeglicher sein Ge⸗ mahl liebe und ehre. Das siebente Gebot. Du sollst nicht stehlen. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen, noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten. Das achte Gebot. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsern Nächsten nicht fälschlich belügen, verraten, afterreden oder bösen Leumund machen, sondern sollen ihn ent— schuldigen, Gutes von ihm reden, und alles zum besten kehren. Das neunte Gebot. Du sollst nicht begehren dei⸗ nes Nächsten Haus. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause stehen, noch mit einem Schein des Rechten an uns bringen u. s. w., sondern ihm dasselbige zu behalten för⸗ derlich und dienstlich sein. Zweites Hauptstück. Der kleine Katechismus Luthers. 81 Das zehnte Gebot. Du sollst nicht begehren dei⸗ nes Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh, oder alles, was sein ist. Was ist das? Antwort. Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht sein Weib, Gesinde oder Vieh abspannen, abdringen oder abwendig machen, sondern die⸗ selbigen anhalten, daß sie bleiben und thun, was sie schuldig sind. Was sagt nun Gott von diesen Geboten allen? Antwort. Er sagt also: Ich, der Herr, dein Gott, bin ein starker, eifri⸗ er Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied; aber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, thue ich wohl ins tausendste Glied. Was ist das? Antwort. Gott dräuet zu strafen alle, die diese Gebote übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht wider solche Gebote thun. Er verheißet aber Gnade und alles Gute allen, die solche Gebote halten; darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gerne thun nach seinen Geboten. Der Glaube, wie ein Hausvater denselbigen seinem Gesinde aufs einfältigste vorhalten soll. Der erste Artikel. Von der Schöpfung. Ich glaube an Gott, den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden. Was ist das? Antwort. Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen Krea⸗ turen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne ge⸗ geben hat und noch erhält; dazu 36 — ů * 3 2 5 82 Der kleine Katechismus Luthers. Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und 91 Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter, mit aller Notdurft und Nahrung des Leibes und Lebens reichlich und täglich versorget, wider alle Fährlichkeit beschirmet und vor allem übel behütet und bewahret; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn' all mein Verdienst und Würdig⸗ keit; des alles ich ihm zu danken und zu loben, und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr. Der andere Artikel. Von der Erlösung. Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, ge⸗ litten unter Pontio Pilato, ge⸗ kreuziget, gestorben und begraben; niedergefahren zur Höllen, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Goltes sitzend zur Rechten ottes, des allmächtigen Vaters. von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Was ist das? Antwort. Ich glaube, daß Jesus Chri⸗ stus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich yer⸗ lornen und verdammten Men⸗ schen erlöset hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem hei⸗ ligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben, auf daß ich sein eigen sei und in seinem Reiche unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist gewißlich wahr. Der dritte Artikel. Von der Heiligung. Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige, christliche Kirche, die Gemeinde der Heili⸗ gen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. Was ist das? Antwort. Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft, noch Kraft an Jesum Christum, meinen Herrn, glauben, oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben er⸗ leuchtet, im rechten Glauben geheiliget und erhalten, gleich⸗ wie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, er⸗ leuchtet, heiliget und bei Jesu Christo erhält im rechten, eini⸗ en Glauben. In welcher hristenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünde reichlich vergibt und am jüng⸗ sten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christo ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewißlich wahr. — +* Der kleine Katechismus Luthers. Drittes Hauptstück. a Das Vater Anser, wie ein Hausvater dasselbige seinem Gesinde aufs einfältigste vorhalten soll. Vater unser, der du bist im Himmel. Was ist das? Antwort. Gott will uns damit locken, daß wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater, und wir seine rechten Kinder, auf daß wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater bitten. Die erste Bitte. Geheiliget werde deine Name. Was ist das? Antwort. Gottes Name ist zwar an ihm selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er bei uns auch heilig werde. Wie geschieht das? Antwort. Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehret wird, und wir auch heilig als die Kinder Got⸗ tes danach leben. Das hilf uns, lieber Vater im Himmel! Wer aber anders lehret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen Gottes. Da behüt uns vor, lieber himmlischer Vater! Die andere Bitte. Dein Reich komme. Was ist das? Antwort. Gottes Reich kommt wohl ohn' unser Gebet von ihm selbst; aber wir bitten in diesem Gebet, daß es auch zu uns komme. Wie geschieht das? Antwort. Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, daß wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und göttlich leben, hier zeitlich und dort ewiglich. Die dritte Bitte. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Was ist das? Antwort. Gottes guter, gnädiger Wille geschieht wohl ohne unser Ge⸗ bet; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns ge— schehe. Wie geschieht das? Antwort. Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert, so uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kommen lassen wollen, als da ist des Teufels, der Welt und unsers Fleisches Wille; sondern stärket und behält uns fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende; das ist sein gnädiger, guter Wille. Die vierte Bitte. Unser täglich Brot gib uns heute. Was ist das? Antwort. Gott gibt das tägliche Brot, auch wohl ohne unsere Bitte, allen bösen Menschen, aber wir bitten in diesem Gebet, daß er uns solches erkennen lasse, und wir mit Danksagung empfahen unser täglich Brot. Was heißt denn täglich Brot? Antwort. Alles, was zur Leibes Nah— rung und Notdurft gehört, als Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und treue Oberherren, gut Re⸗ giment, gut Wetter, Friede, 8⁴ Der kleine Katechismus Luthers. Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen. Die fünfte Bitte. Und vergib uns unsere Schuld, als wir vergeben unsern Schul⸗ digern. Was ist das? Antwort. Wir bitten in diesem Gebet, daß der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünde und um derselbigen willen solche Bitte nicht versagen; denn wir sind der keines wert, das wir bitten, haben's auch nicht verdienet; sondern er wolle es uns alles aus Gnaden geben; denn wir täglich viel sündigen und wohl eitel Strafe verdienen. So wollen wir zwar wiederum auch herzlich vergeben und gerne wohlthun denen, die sich an uns versündigen. Die sechste Bitte. Und führe uns nicht in Ver⸗ suchung. Was ist das? Antwort. Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, daß uns Gott wolle behüten und erhalten, auf daß uns der Teu⸗ fel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge, noch verführe in Mißglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und ob wir damit angefochten würden, daß wir doch endlich ge⸗ winnen und den Sieg behalten. Die siebente Bitte. „Sondern erlöse uns von dem übel. Was ist das? Antwort. Wir bitten in diesem Gebet, als in der Summa, daß uns der Vater im Himmel von aller⸗ lei Übel, Leibes und der Seele, Guts und Ehre erlöse und zu⸗ letzt, wenn unser Stündlein kömmt, ein seliges Ende be⸗ schere und mit Gnaden von diesem Jammerthal zu sich nehme in den Himmel. Amen. Was heißt Amen? Antwort. Daß ich soll gewiß sein, solche Bitten sind dem Vater im Him⸗ mel angenehm und erhöret; denn er selbst hat uns geboten, also zu beten, und verheißen, daß er Uns wolle erhören. Amen! Amen! das heißt: Ja! Ja! es soll also geschehen. Viertes Hauptstück. Das Sakrament der heiligen Taufe, wie dasselbige ein Hausvater seinem Gesinde soll ein⸗ fältiglich vorhalten. „Zum ersten. Was ist die Taufe? Antwort. Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasset, und mit Gottes Wort verbunden. Welches ist denn solch Wort Gottes? Antwort. Da unser Herr Christus spricht, Matthäi am letzten: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Matth. Zum andern. Was gibt oder nützet die Taufe? Antwort. Sie wirket Vergebung der — Sünden, erlöset vom Tod und Teufel und gibt die ewige Se⸗ ligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Got⸗ tes lauten. Welches sind solche Worte und Berheißung Gottes? Antwort. Da unser Herr Christus spricht, Marci am letzten: Wer da glau⸗ bet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Mark. 16, 16. Zum dritten. Wie kann Wasser solche große Dinge thun? Antwort. Wasser thut's sreilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so solchem Wort Gottes im Wasser trauet. Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlecht Wasser und keine Taufe, aber mit dem Wort Got⸗ tes ist es eine Taufe, das ist, ein gnaͤdenreich Wasser des Le⸗ bens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist, wie St. Paulus sagt zum Tito am 3. Kap.: Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Der kleine Katechismus Luthers. 85 Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Hei⸗ land, auf daß wir durch des⸗ selbigen Gnaͤde gerecht und Er⸗ ben sein des ewigen Lebens nach der Wabt. 2. Das ist gewiß⸗ lich wahr. Tit. 3, 5—8. Zum vierten. Was bedeutet denn solch Wasser⸗ taufen? Antwort. Es bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reu' und Buße soll ersäuft werden, und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten, und wiederum täglich herauskommen und auf⸗ erstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe. Wo stehet das geschrieben? Antwort. St. Paulus zu den Römern am 6. spricht: Wir sind samt Christo durch die Taufe begra⸗ ben in den Tod, daß, gleichwie Christus ist von den Toten auf⸗ erwecket durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen wir auch in einem neuen Leben wandeln. Röm. 6, 4. Fünftes Hauptstück. Das Salrament des Altars, wie ein Hausvater dasselbige seinem Gesinde ein⸗ fältiglich vorhalten soll. Was ist das Sakrament des Altars? Antwort. Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesu Christi, unter dem Brote und Weine uns Christen zu essen und zu trinken von Christo selbst ein⸗ gesetzt. Wo stehet das geschrieben? Antwort. So schreiben die heiligen Evangelisten, Matthäus, Mar⸗ kus, Lukas und St. Paulus: Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dan⸗ 86 kete und brach's und gab's sei⸗ nen Jüngern und sprach: Neh⸗ met, esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches thut zu meinem Ge⸗ dächtnis. Desselbigen gleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abend⸗ mahl, dankte und gab ihnen den, und sprach: Trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testa⸗ ment in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Ver⸗ gebung der Sünden; solches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis. Was nützet denn solch Essen und Trinken? Antwort. Das zeigen uns diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Nämlich, daß uns im Sakra⸗ ment Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit durch solche Worte gegeben wird; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Der kleine Katechismus Lutheri. Wie kann leiblich Essen und Trinken solche große Dinge thun? Antwort. Essen und Trinken thut's frei⸗ lich nicht, sondern die Worte, so da stehen: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Welche Worte sind neben dem leiblichen Essen und Trinken als das Hauptstück im Sakrament; und wer den⸗ selbigen Worten glaubt, der hat, was sie sagen und wie sie lau⸗ ten, nämlich Vergebung der Sünden. Wer empfähet denn solch Sa⸗ krament würdiglich? Antwort. Fasten und leiblich sich be— reiten ist wohl eine feine äußer⸗ liche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, der den Glauben hat an diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Wer aber diesen Worten nicht glaͤubet oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt; denn das Wort Für euch fordert eitel gläubige Herzen. Wie man die Einfältigen soll lehren beichten. Was ist die Beichte? Antwort. Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: eines, daß man die Sünde bekenne; das andre, daß man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger empfahe, als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel. Welche Sünde soll man denn beichten? Vor Gott soll man aller Sünden sich schuldig geben, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vater Unser thun; aber vor dem Beichtiger sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen. Welche sind die? Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Herr, Frau, Knecht seiest, ob du Uungehorsam, untreu, unfleißig, zornig, unzüchtig, gehässig ge⸗ wesen seiest, ob du jemand Leide gethan hast mit Worten oder Werken, ob du gestohlen, ver⸗ säumet, verwahrloset, Schaden Aber. hast. ieber, stelle mir eine kurze Weise zu beichten. Antwort. * — So sollst du zum Beichtiger sprechen: Würdiger, lieber Herr, ich bitte euch, ihr wollet meine Beichte hören und mir die Vergebung sprechen um Gottes willen. Sage an. Ich armer Sünder bekenne mich vor Gott aller Sünden schuldig, insonderheit bekenn' ich vor euch, daß ich ein Knecht, Magd ꝛc. bin; aber ich diene leider untreulich meinem Herrn; denn da und da habe ich nicht ethan, was sie mich hießen, Habe sie erzürnet und zu fluchen beweget, habe versäumet und Schaͤden lassen geschehen. Bin auch in Worten und Werken schamlos gewesen, habe mit meinesgleichen gezürnet, wider meine Frau gemurret und ge⸗ flucht ꝛc. Das alles ist mir leid und bitte um Gnade, ich will mich bessern. Ein Herr oder Frau sage also: Insonderheit bekenne ich vor euch, daß ich mein Weib, Kind und Gesinde nicht treulich ge⸗ ogen habe zu Gottes Ehren. S0 habe geflucht, böse Exempel mit unzüchtigen Worten und Werken gegeben, meinem Nach⸗ bar Schaden gethan und übel nachgeredet, zu teuer verkauft, falsche und nicht ganze Ware gegeben. Und was er mehr wi⸗ der die Gebote Gottes und sei⸗ nen Stand gethan ꝛc. Wenn aber jemand sich nicht beschweret findet mit solcher oder größeren Sünden, der soll nicht Der kleine Katechismus Luthers. 8⁷ 01 oder weiter Sünde suchen, noch erdichten, und damit eine Marter aus der Beichte machen; sondern erzähle eine, oder zwo, die du weißest. Also: Insonder⸗ heit bekenne ich, daß ich einmal geflucht, item, einmal unhübsch mit Worten gewesen, einmal dies N. versäumet habe ꝛc. Also laß es genug sein. Weißt du aber gar keine(welches doch nicht wohl sollte möglich sein), so sage auch keine insonderheit, sondern nimm die Vergebung auf die gemeine Beichte, so du vor Gott thust gegen den Beich⸗ tiger. Darauf soll der Beichtiger sagen: Gott sei dir gnädig und stärke deinen Glauben! Amen! eiter. Glaubest du auch, daß meine 1 5 Gottes Vergebung ei? Antwort: Ja, lieber Herr. Darauf spreche er: Wie du glaubest, so geschehe dir. Und ich, aus dem Befehl unsers Herrn Jesu Christi, ver⸗ gebe dir deine Sünde, im Na⸗ men des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen! Gehe hin in Frieden. Welche aber große Beschwe⸗ rung des Gewissens haben oder betrübet und angefochten sind, die wird ein Beichtvater wohl wissen mit mehr Sprüchen zu trösten und zum Glauben reizen. Das soll allein eine gemeine Weise der Beichte sein für die Einfältigen. ——. D—————— .— 88 Der kleine Katechismus Luthers. Die Lehre vom Amt der Schlüssel des Himmelreichs. Wie man den Einfältigen, und ein Hausvater seinem Gesinde dieselbige vorhalten soll. Welches sind die Schlüssel des Himmelreichs? Antwort. Die Schlüssel des Himmelreichs sind die Gewalt, die unser Herr Jesus Christus auf Erden' im Evangelio eingesetzt hat: den bußfertigen Sündern die Sünde zu vergeben, den unbußfertigen Sündern die Sünde zu behalten; wie die Worte Christi lauten. Wie lauten die Worte Christi? unser Herr Ehius syuch nser Herr ristus spricht, Joh. 20: Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nehmet hin den Heiligen Geist; welchen ihr die Sünde erlasset, denen sind sie erlassen, und wel⸗ chen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Was geben die Schlüssel, oder wozu sind sie nütze? Antwort. as zeigen uns diese Worte: Denen ihr die Sünde erlasset, denen sind sie erlassen. Näm⸗ lich, daß den Gläubigen Ver⸗ ebung der Sünden, im Namen esu Christi, durch seinen Tod und Blut erworben, zugeeignet wird, auf daß der Glaube ge⸗ stärket, das Gewissen versichert und ruhsam Der fole werde; denn dem Glauben folget Friede im Herzen, wenn die Sünde bergeben ist. Wie kann der Mensch Sünde vergeben? Antwort... Der Mensch thut es freilich nicht, ein Mensch von sich selbst, sondern von Amts wegen, auf des Herrn Christi Befehl, wie die Worte lauten: Welchen ihr die Sünde erlasset, denen sind sie erlassen. Nehmet hin den Heiligen Geist. Denn gleich⸗ wie des Menschen Sohn auf Erden Macht hat, Sünde zu vergeben, also hat er dieselbe Macht im Predigtamt eingesetzet, da er spricht: Wie mich mein Vater gesandt hat, also sende ich euch, Joh. 20. Item: Wer euch höret, der höret mich. Luk. 10. Welchen soll man die Sünde vergeben? Antwort. Denen, die in wahrhaftiger Buße ihre Sünde bekennen und mit demütigem, gläubigem Her⸗ zen durch Jesum Christum Gnade und Trost begehren. Wie der Herr Christus spricht zu dem Gichtbrüchigen, Matthäi 9: Mein Sohn, gläube fest, dir sind deine Sünden vergeben. Und zu der bußfertigen Sün⸗— derin, Luk. 7: Dir sind deine Sünden vergeben; dein Glaube hat dir geholfen. Welchen soll man die Sünde behalten? Antwort. Allen Unbußfertigen und Un⸗ gläubigen, die in Sünden mut⸗ willig stecken bleiben, und alle christliche Ermahnung verachten, wie unser Herr Christus lehret, Matth. 18: Sündiget dein Bru⸗ der an dir, so gehe hin und strafe ihn zwischen dir und ihm allein; höret er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Höret er dich nicht, so nimm noch einen oder zween zu dir, auf daß alle Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeu⸗ gen Munde. Hene er die nicht, so sage es der Gemeinde. Butt er die Gemeinde nicht, so halte ihn als einen Heiden oder Zöllner. Der kleine Katechismus Luthers. 89 Wie ein Hausvater sein Gesinde soll lehren morgens und abends sich segnen. Der Morgensegen. Des Morgens, so du aus dem Bette fährest, sollst du dich seg⸗ nen mit dem heiligen Kreuz und sagen: Das walt Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen! Darauf knieend oder stehend den Glauben und Vater Unser. Willst du, so magst du dies Gebetlein dazu sprechen: Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Fahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir alle mein Thun und Leben gefalle; denn ich befehle mich, mein Leib und Seele, und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen! Und alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen, und etwa ein Lied gesungen, als die Zehn aidt⸗ oder was deine Andacht gibt. Der Abendsegen. Des Abends, wenn du zu Bette gehest, sollst du dich seg⸗ nen mit dem heiligen Kreuz und sagen: Das walt Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen! Darauf knieend oder stehend den Glauben und Vater Unser. Willst du, so magst du dies Gebetlein dazu sprechen: Ich danke dir, mein himm⸗ lischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädig⸗ lich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht gethan habe, und mich diese Nacht gnädiglich behüten; denn ich befehle mich, mein Leib und Seele, und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen! Und alsdann flugs und fröh⸗ lich geschlafen. Wie ein Hausvater sein Gesinde soll lehren das Benedicite*) und Gratias“*) sprechen. Die Kinder und Gesinde sol⸗ len mit gefaltenen Händen und sreche vor den Tisch treten und prechen: Aller Augen warten auf dich, Cpei und du giebest ihnen ihre peise zu seiner Zeit; du thust deine milde Hand auf und fät⸗ tigest alles, was lebet, mit Wohl⸗ gefallen. *) Gebet vor Tisch. *ν) Gebet nach Tisch. Erklärung. Wohlgefallen heißet, daß alle Tiere soviel zu essen kriegen, daß sie fröhlich und guter Dinge darüber sind; denn Sorge und Geiz hindern solch Wohlgefallen. Danach das Vater Unser und dies folgende Gebet: Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben, die wir 90 von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen! Das Gratias. Also auch nach dem Essen sollen sie gleicher Weise züchtig und mit gefaltenen Händen sprechen: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich; der allem Fleische Speise gibt, der dem Viehe sein Futter gibt, den jungen Raben, die ihn anrufen. Der kleine Katechismus Luthers. Er hat nicht Lust an der Stärke des Rosses, noch Gefallen an jemandes Beinen. Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten und die auf seine Güte warten. „Danach das Vater Unser und dies folgende Gebet: Wir danken dir, Herr Gott Vater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, für alle deine Wohlthat, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen! Die Haustafel etlicher Sprüche, für allerlei heilige Orden und Stände, dadurch diesel⸗ bigen, als durch eigene Lektion, ihres Amtes und Dienstes zu vermahnen. Den Bischöfen, Pfarrherren und Predigern. Ein Bischof soll unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüch⸗ tern, sittig, mäßig, gastfrei, lehr⸗ haftig, als ein Haushalter Gottes, nicht ein Weinsäufer, nicht beißig, nicht unehrliche antierung treiben; sondern gelinde, nicht haderhaftig, nicht geizig, der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe, mit aller Ehrbarkeit, nicht ein Neuling, der ob dem Worte Worte halte, das gewiß ist, und lehren kann, auf daß er mächtig sei, zu ermahnen durch die heil⸗ same Lehre und zu strafen die Widersprecher. 1 Tim. 3, 2—4. (Tit. 1, 6, 9.) Was ist die Lektion der Zu⸗ hörer? Esset und trinket, was sie haben; denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Luk. 10, 7. 8. Der Herr hat befohlen, daß die, so das Evangelium verkündigen, sollen sich vom Evangelio näh— ren. 1 Kor. 9, 14. Der unter⸗ richtet wird mit dem Wort, der teile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spot⸗ ten. Gal. 6, 6. 7. Die Altesten, die wohl vorstehen, die halte man zwiefacher Ehre wert, son⸗ derlich die da arbeiten im Wort und in der Lehre; denn es spricht die Schrift:„Du sollst dem Ochsen, der da drischet, nicht das Maul verbinden“, und:„Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert.“ 1 Tim. 5, 17. 18. Wir bitten euch, l. Br., daß ihr erkennet, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch ermahnen; habt sie desto lieber um ihres Wortes willen und seid friedsam mit ihnen. 1 Thess. 5, 12. 13. Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen, auf daß sie es mit Freuden thun und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut. Hehr. 13, 17. 2 Von weltlicher Obrigkeit. Jedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat; denn es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrig⸗ keit ist, die ist von Gott ver⸗ ordnet. Wer sich nun wider die Obrigkeit setzet, der wider⸗ strebet Gottes Ordnung; wer aber widerstrebet, wird sein Ur⸗ teil empfahen. Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; sie ist Gottes Dienerin, dir zu gut, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses thut. Röm. 13, 1. 2. 4. Von den Unterthanen. Gebet dem Kaiser, was des Kai⸗ sers ist, und Gotte, was Gottes ist. Matth. 22, 21. So seid nun aus Not unterthan, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens wil⸗ len. Derohalben müsset ihr auch Schoß geben; denn es sind Gottes Diener, die solchen Schutz sollen handhaben. So gebet nun jeder⸗ mann, was ihr schuldig seid, Schoß, dem der Schoß gebühret, Zoll, dem der Zoll gebühret, Furcht, dem die Furcht gebühret, Ehre, dem die Ehre gebühret. Röm. 13, 5. 6. 7. So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst thue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit; denn solches ist gut, dazu auch angenehm vor Gott unserm Heilande, 1 Tim. 2, 1—3. Er⸗ innere sie, daß sie den Fürsten und der Obrigkeit unterthan und gehorsam seien. Tit. 3, 1. * Der kleine Katechismus Luthers. 91 lichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Haupt⸗ leuten, als den Gesandten von ihm, zur Rache über die Übel⸗ thäter und zu Lobe den From⸗ men. 1 Petr. 2, 13. Den Ehemännern. Ihr Männer, wohnet bei euren Weibern mit Vernunft, und gebet dem weiblichen, als dem schwächsten Werkzeuge, seine Ehre, als Miterben der Gnade des Lebens, auf daß euer Gebet nicht verhindert werde. 1 Petr. 3, 7. Und seid nicht bitter gegen sie. Kol. 3, 19. Den Eheweibern. Die Weiber seien unterthan ihren Männern, als dem Herrn, wie Sara Abraham gehorsam war und hieß ihn Herr; welcher Töchter ihr worden seid, so ihr wohl thut und nicht so schüch⸗ tern seid. 1 Petri 3, 5. 6. Den Eltern. Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, daß sie nicht scheu werden, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermah⸗ nung zu dem Herrn. Eph. 6, 4. Den Kindern. Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn, denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter. Das ist das erste Gebot, das Verheißung hat, nämlich, daß dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden. Eph. 6, 1—3. Den Knechten, Mägden, Tage⸗ löhnern und Arbeitern ꝛc. Ihr Knechte, seid gehorsam euren leiblichen Herren, mit Furcht und Zittern, in Ein⸗ fältigkeit eures Herzens, als Seid unterthan aller mensch⸗ Christo selbst; nicht mit Dienst 8— 92 Der kleine Katechismus Luthers. allein vor Augen, als den Men⸗ schen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, daß ihr solchen Willen Gottes thut von Herzen mit gutem Willen. Laßt euch dünken, daß ihr dem Herrn dienet und nicht den Menschen, und wisset, was ein jeglicher Gutes thut, das wird er empfahen, er sei Knecht oder Freier. Eph. 6, 5—8. Den Hausherren und Haus⸗— frauen. Ihr Herren, thut auch das⸗ selbige gegen ihnen, und lasset euer Dräuen und wisset, daß ihr auch einen Herrn im Him⸗ mel habt, und ist bei ihm kein Ansehen der Person. Eph. 6, 9. Der gemeinen Jugend. Ihr Jungen seid den Alten unterthan und beweiset darinnen die Demut; denn Gott wider⸗ stehet den Pafftrti h aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. 1 Petri 5, 5. 6. Den Witwen. Welche eine rechte Witwe und einsam ist, die stellet ihre Hoff⸗ nung auf Gott und bleibet am Gebet Tag und Nacht; welche aber in Wollüsten lebet, die ist lebendig tot. 1 Tim. 5, 6. Der Gemeine. Liebe deinen Nächsten als dich selbst. In dem Worte sind alle Gebote verfasset. Röm. 13, 9. Und haltet an mit Beten für alle Menschen. 1 Tim. 2, 1. Ein jeder lern sein Lektion, So wird es wohl— Hause ehn. „„rr& * Konfession oder Bekenntnis unserer evangelischen Väter, geschehen auf dem Reichs⸗ tage zu Augsburg, am 25. Juni 1530 vor Kaiser und Reich. Artihel des Glaubens und der Lehre. Der erste Artikel. Von Gott. Erstlich wird einträchtiglich elehret und gehalten, laut Be⸗ schluß des Concilii Nicaeni, daß ein einig göttlich Wesen sei, welches genannt wird und wahr⸗ haftig ist Gott, und sind doch drei Personen in demselben eini⸗ gen göttlichen Wesen, gleich ge⸗ waltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist; alle drei ein göttlich Wesen, ewig, ohne Stück, ohne Ende, unermeßlicher Macht, Weisheit und Güte, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und wird durch das Wort Persona ver⸗ standen nicht ein Stück, nicht eine Eigenschaft in einem an⸗ dern, sondern das selbst besteht; wie denn die Väter in dieser Sachen dies Wort gebraucht haben. Derhalben werden verworfen alle Ketzereien, so diesem Artikel zuwider sind, als Manichaei, die zween Götter gesetzt haben, einen bösen und einen guten. Item Valentiniani, Ariani, u- nomiani, Mohametisten, und alle dergleichen, auch Samosateni, alt und neu, so nur eine Person setzen, und von diesen zweien, Wort und Heiligem Geist, So— phisterei machen und sagen, daß es nicht müssen unterschiedene Personen sein, sondern Wort bedeute leiblich Wort oder Stimme, und der Heilige Geist sei erschaffne Regung in Krea⸗ turen. Der zweite Artikel. Von der Erbsünde. Weiter wird bei uns gelehret, daß nach Adams Fall alle Menschen, so natürlich geboren werden, in Sünden empfangen und geboren werden, das ist, daß sie alle von Mutterleibe an voller böser Lust und Neigung sind und keine wahre Gottes⸗ furcht, keinen wahren Glauben an Gott von Natur haben kön⸗ nen; daß auch dieselbige ange⸗ borene Seuche und Erbsünde wahrhaftiglich Sünde sei und verdamme alle die unterm ewi⸗ gen Gottes Zorn, so nicht durch die Taufe und Heiligen Geist wiederum neu geboren werden. Hierneben werden verworfen die Pelagianer und andere, so die Erbfünde nicht für Sünde halten, damit sie die Natur fromm machen durch natürliche Kräfte zu Schmach dem Leiden und Verdienst Christi. ———ß——— 9⁴ Augsburgische Konfession. Der dritte Artikel. Von dem Sohne Gottes. Item, es wird gelehret, daß Gott der Sohn sei Mensch wor⸗ den, geboren aus der reinen Jungfrau Maria, und daß die zwei Naturen, göttliche und menschliche in einer Person, also unzertrennlich vereinigt, ein C hri⸗ stus sind, welcher wahrer Gott und Mensch ist, wahrhaftig ge— boren, gelitten, gekreuziget, ge⸗ storben Und begraben, daß er ein Opfer wäre nicht allein für die Erbfünde, sondern auch für alle andere Sünde, und Gottes Zorn versühnet. Item, daß derselbige Christus sei abgestiegen zur Hoͤlle, wahr⸗ haftig am dritten Tage von den Toten auferstanden, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, daß er ewig herrsche über alle Kreaturen und regiere; daß er alle, so an ihn glauben, durch den Heiligen Geist heilige, rei⸗ nige, stärke und tröste, ihnen auch Leben und allerlei Gaben und Güter austeile und wider den Teufel und wider die Sünde schütze und beschirme. Item, daß derselbige Herr Christus endlich wird öffentlich kommen, zu richten die Lebendi⸗ gen und die Toten, laut des Symboli Apostolorum. Der vierte Artikel. Von der Rechtfertigung. Weiter wird gelehret, daß wir Vergebung der Sünden und Ge⸗ rechtigkeit vor Gott nicht erlan⸗ gen mögen durch unser Verdienst, Werk und Genugthun, sondern daß wir Vergebung der Sünden bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden um Chri⸗ stus' willen durch den Glauben, so wir glauben, daß Christus für uns gelitten hat, und daß uns um seinetwillen die Sünde vergeben, Gerechtigkeit und ewi⸗ ges Leben geschenkt wird. Denn diesen Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen, wie St. Paulus sagt Röm. 3 u. 4. Der fünfte Artikel. Von dem Predigtamte. Solchen Glauben zu erlan⸗ gen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sa⸗ krament gegeben, dadurch er als durch Mittel den Heiligen Geist gibt, welcher den Glauben, wo Und wann er will, in denen, so das Evangelium hören, wirket, welches da lehret, daß wir durch Christus' Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gnädigen Gott haben, so wir solches glauben. Und werden verdammt die Wiedertäufer und andere, so lehren, daß wir ohne das leib⸗ liche Wort des Evangelii den Heiligen Geist durch eigene Be⸗ reitung, Gedanken und Werke erlangen. Der sechste Artikel. Vom neuen Gehorsam. Auch wird gelehret, daß sol⸗ cher Glaube gute Früchte und gute Werke bringen soll, und daß man müsse güte Werke thun allerlei, so Gott geboten hat, um Gottes willen; doch nicht auf solche Werke zu vertrauen, dadurch Gnade vor Gott zu verdienen. Denn wir empfahen Vergebung der Sünde und Ge⸗ rechtigkeit durch den Glauben an Christum, wie Christus selbst spricht: So ihr dies alles ge⸗ than habt, sollt ihr sprechen: Wir sind untüchtige Knechte. Also lehren auch die Väter; denn Ambrosius spricht: Also ist's beschlossen bei Gott, daß wer an Christum glaubet, selig sei, und nicht durch Werke, sondern allein durch den Glau⸗ ben, ohne Verdienst Vergebung der Sünden habe. Der siebente Artikel. Von der Kirche. Es wird auch gelehret, daß allezeit müsse eine heilige christ⸗ liche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut des Evangelii gereicht werden. Oenn dieses ist genug zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, daß da einträchtiglich Augsburgische Konfession. anzeigt: Auf dem Stuhl Mosis sitzen die Pharisäer ꝛ7c. Dero⸗ halben werden die Donatisten und alle andre verdammt, so anders halten. Der neunte Artikel. Von der Taufe. Von der Taufe wird bei uns gelehret, daß sie nötig sei, und daß dadurch Gnade angeboten werde; daß man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig werden. ö Derhalben werden die Wie⸗ dertäufer verworfen, welche leh⸗ ren, daß die Kindertaufe nicht recht sei. Der zehnte Artikel. nach reinem Verstand das Evan⸗ gelium gepredigt und die Sa⸗ kramente dem göttlichen Worte gemäß gereicht werden. Und ist nicht not zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, daß al⸗ lenthalben gleichförmige Zere⸗ monien, von den Menschen ein⸗ gesetzt, gehalten werden, wie Paulus spricht, Eph. 4; Ein Leib, ein Geist, wie ihr berufen seid, zu einerlei Hoffnung eures Berufs; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Der achte Artikel. Was die Kirche sei. Item, wiewohl die christliche Kirche eigentlich nichts anders ist, denn die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch, dieweil in diesem Leben viel fal⸗ scher Christen und Heuchler sind, auch öffentliche Sünder unter den Frommen bleiben, so sind die Sakramente gleichwohl kräf⸗ tig, obschon die Priester, dadurch sie gereicht werden, nicht fromm sind, wie denn Christus selbstgesündigt Vom heiligen Abendmahl. Vom heiligen Abendmahl des Herrn wird also gelehret, daß wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brots und Weins im Abend⸗ mahl gegenwärtig sei, und da ausgeteilet und genommen wird. Derhalben wird auch die Ge⸗ genlehre verworfen. Der elfte Artikel. Von der Beichte. Von der Beichte wird also gelehret, daß man in der Kirche Privatam Absolutionem(Privat⸗ Beichte) erhalten und nicht fallen lassen soll. Wiewohl in der Beichte nicht not ist, alle Misse⸗ that und Sünden zu erzählen, dieweil doch solches nicht mög⸗ lich ist, Ps. 19: Wer kennet die Missethat! Der zwölfte Artikel. Bon der Buße. Von der Buße wird gelehret, daß diejenigen, so nach der Taufe haben, zu aller Zeit, * II 4 4 8 V V*** „ *. 4 . 4 96 Augsburgische Konfession. so sie zur Buße kommen mö⸗ gen, Perdebund der Sünden erlangen und ihnen die Abso⸗ lution von der Kirche nicht soll geweigert werden. Und ist wahre, rechte Buße eigentlich Reue und Leid, oder Schrecken haben über die Sünde, und doch daneben glauben an das Evangelium und Absolution, daß die Sünde vergeben und durch Christum Gnade erworben sei, welcher Glaube wiederum das Herz trö⸗ stet und zufrieden machet. Danach soll auch Besserung folgen, und daß man von Sün⸗ den lasse; denn dies sollen die Früchte der Buße sein, wie Jo⸗ hannes spricht Matth. 3: Wirket rechtschaffene Früchte der Buße. Hier werden verworfen die, so lehren, daß diejenigen, so einst sind fromm worden, nicht wie⸗ der fallen mögen. Dagegen werden auch ver— dammt die Novatiani, welche die Absolution denen, so nach der Taufe gesündigt hatten, weigerten. Auch werden die verworfen, so nicht lehren, daß man durch Glauben Vergebung der Sün⸗ den erlange, sondem durch un⸗ ser Genugthun. und dann recht gebraucht wer⸗ den, so man es im Glauben empfähet und den Glauben da⸗ durch stärket. Der vierzehnte Artikel. Vom Kirchen-Regiment. Vom Kirchen-Regiment wird gelehret, daß niemand in der Kirche öffentlich lehren, oder predigen, oder Sakrament rei⸗ chen soll ohne ordentlichen Beruf. Der fünfzehnte Artikel. Von Kirchen-Ordnungen. Von Kirchen-Ordnungen, von Menschen gemacht, lehret man diejenigen halten, so ohne Sünde mögen gehalten werden und zu Frieden, zu guter Ordnung in der Kirche dienen, als gewisse Feiern, Feste und dergleichen. Doch geschieht Unterricht dabei, daß man die Gewissen nicht damit beschweren soll, als sei solch Ding nötig zur Seligkeit. Darüber wird gelehrt, daß alle Satzungen und Traditionen von Menschen dazu gemacht, daß man dadurch Gott versöhne und Gnade verdiene, dem Evangelio und der Lehre vom Glauben an Christum entgegen sein. Der-— halben sind Kloster-Gelübde und Der dreizehnte Artikel. Vom Gebrauche der Sa— kramente. Vom Brauch der Sakramente wird gelehret, daß die Sakra⸗ mente eingesetzt sind, nicht allein darum, daß sie Zeichen seien, dabei man äußerlich die Chri⸗ sten kennen möge, sondern daß es Zeichen und Zeugnis sind göttlichen Willens gegen uns, unsern Glauben dadurch zu erwecken und zu stärken; der⸗ andere Traditionen von Unter⸗ schied der Speisen, Tage ꝛc., da⸗ durch man vermeinet, Gnade zu verdienen und für Sünde ge⸗ nugzuthun, untüchtig und wider das Evangelium. Der sechszehnte Artikel. Von Polizei⸗ und welt⸗ lichem Regiment. Von Polizei- und weltlichem Regiment wird gelehret, daß alle Obrigkeit in der Welt und ge⸗ ordnete Regiment und Gesete, halben sie auch Glauben fordern gute Ordnung von Gott ge⸗ 191 schaffen und eingesetzt sind, und daß Christen mögen in Obrig⸗ keit⸗, Fürsten⸗ und Richter-⸗Amt ohne Sünde sein, nach kaiser⸗ lichen und andern üblichen Rech⸗ ten Urteil und Recht sprechen, übelthäter mit dem Schwert strafen, rechte Kriege führen, streiten, kaufen und verkaufen, aufgelegte Eide thun, Eigenes haben, ehelich sein ꝛc. ö ier werden verdammet die Wiedertäufer, so lehren, daß der obengezeigten keines christlich sei. Auch werden diejenigen ver⸗ dammet, so lehren, daß christ⸗ liche Vollkommenheit sei, Haus und Hof, Weib und Kind leib⸗ lich verlassen und sich der vor⸗ berührten Stücke äußern; so doch dies allein rechte Vollkom⸗ menheit ist, rechte Furcht Got— tes und rechter Glaube an Gott. Denn das Evangelium lehret nicht ein äußerlich zeitlich, son⸗ dern innerlich ewig Wesen und Gerechtigkeit des Herzens, und stoßt nicht um weltlich Regi⸗ ment, Polizei und Ehestand, sondern will, daß man solches alles halte als wahrhaftig Got⸗ tes Ordnung, und in solchen Ständen christliche Liebe und rechte gute Werke, ein jeder nach seinem Berufe beweise. Dero⸗ halben sind die Christen schul⸗ dig, der Obrigkeit unterthan und ihren Geboten gehorsam zu sein in allem, so ohne Sünde ge⸗ schehen mag. Denn so der Obrigkeit Gebot ohne Sünde nicht geschehen mag, soll man Gott mehr gehorsam sein, denn den Menschen. Apost. 4. Der siebenzehnte Artikel. Von Christi Wiederkunft um Gerichte. Auch wird gelehret, daß unser Augsburgische Konfession. 97 sten Tage kommen wird, zu richten, und alle Todten aufer⸗ wecken, den Gläubigen und Aus⸗ erwählten ewiges Leben und ewige Freude geben, die gott⸗ losen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und ewige Strafe verdammen. Derhalben werden die Wieder⸗ täufer verworfen, so lehren, daß die Teufel und verdammte Men⸗ schen nicht ewige Pein und Qual haben werden. Item, hie werden verworfen etliche jüdische Lehren, die sich auch jetzund eräugen, daß vor der Auferstehung der Toten eitel Heilige, Fromme ein welt⸗ lich Reich haben und alle Gott⸗ losen vertilgen werden. Der achtzehnte Artikel. Vom freien Willen. Vom freien Willen wird ge⸗ lehret, daß der Mensch etlicher⸗ maßen einen freien Willen hat, äußerlich ehrbar zu leben und u wählen unter den Dingen, so die Vernunft begreift. Aber ohne Gnade, Gan und Wirkung des Heiligen Geistes vermag der Mensch nicht, Gott gefällig zu werden, Gott herzlich zu furch⸗ ten, oder zu glauben, oder die angeborne böse Lust aus dem Herzen zu werfen, sondern sol⸗ ches geschieht durch den Heiligen Geist, welcher durch Gottes Wort gegeben wird, denn Pau⸗ lus spricht 1 Kor. 2: Der na⸗ türliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes. Und damit man erkennen möge, daß hierin keine Neuigkeit gelehret werde, so sind das die klaren Worte Augustini vom freien Willen, wie jetzund hiebei geschrieben aus dem 3. Buch Herr Jesus Christus am jüng⸗ Hypognostikon: Wir bekennen, 37 =—.—.—.—.—..—....—.........—.— rrW. 2 * . . daß in allen Menschen ein freier Wille ist, denn sie haben ja alle natürlichen angebornen Verstand und Vernunft; nicht, daß sie etwas vermögen, mit Gott zu handeln, als Gott von Her⸗ en zu lieben, zu fürchten, Deudenn allein in äußerlichen Werken dieses Lebens haben sie Freiheit, Gutes oder Böses zu wählen. Gut mein' ich, das die Natur vermag, als auf dem Acker zu arbeiten oder nicht, zu essen, zu trinken, zu einem Freunde zu gehen oder nicht, ein Kleid an⸗ oder auszuthun, zu bauen, ein Weib zu nehmen, ein Handwerk zu treiben und dergleichen etwas Nützliches und Gutes zu thun, welches alles doch ohne Gott nicht ist, noch bestehet, sondern alles aus ihm und durch ihn ist. Dagegen kann der Mensch auch Böses aus eigner Wahl vornehmen, als vor einem Abgott nieder zu knieen, einen Totschlag zu thun ꝛc. Der neunzehnte Artikel. Von der Ursach der Sünden. Von Ursach der Sünden wird bei uns gelehret, daß, wiewohl Gott der Allmächtige die ganze Natur geschaffen hat und erhält, so wirket doch der verkehrte Wille die Sünde in allen Bö⸗ sen und Verächtern Gottes, wie denn des Teufels Wille ist und aller Gottlosen, welcher als⸗ bald, so Gott die Hand abge⸗ than, sich von Gott zum Argen gewandt hat, wie Christus spricht Joh. 8: Der Teufel redet Luͤgen aus seinem Eigenen. Der zwanzigste Artikel. Vom Glauben und guten erken. Den Unsern wird mit Un⸗ Augsburgische Konfession. wahrheit aufgelegt, daß sie gute Werke verbieten; denn ihre Schriften von den zehn Gebo⸗ ten und andere beweisen, daß sie von rechten christlichen Stän⸗ den und Werken guten nütz⸗ lichen Bericht und Wernrahuung gethan haben, davon man vor dieser Zeit wenig gelehret hat, sondern allermeist in allen Pre⸗ digten auf kindische unnötige Werke, als Rosenkränze, Heili⸗ endienst, Mönchwerden, Wall⸗ fahrten, gesetzte Fasten, Feier, Brüderschaften 20. getrieben. Solche unnötige Werke rühmet auch unser Widerpart nun nicht mehr so hoch, als vor Zeiten; dazu haben sie auch gelernet, nun vom Glauben zu reden, davon sie doch in Vorzeiten gar nichts gepredigt haben, lehren dennoch nun, daß wir nicht al⸗ lein aus Werken gerecht werden vor Gott, sondern setzen den Glauben an Christum dazu, sprechen, Glauben und Werke machen uns gerecht vor Gott, welche Rede mehr Trostes brin⸗ en möge, denn so man allein ehret, auf Werke zu vertrauen. Dieweil nun die Lehre vom Glauben, die das Hauptstück ist in christlichem Wesen, so lange Zeit, wie man bekennen mus, nicht getrieben worden, sondern allein Werklehre an allen Or⸗ ten geprediget ist, so ist davon durch die Unsern solcher Unter⸗ richt geschehen: Erstlich, daß uns unsere Werke nicht mögen mit Gott versöh⸗ nen und Gnade erwerben, son⸗ dern solches geschieht allein durch den Glabuen, so man glaubet, daß uns um Christus' willen die Sünden vergeben werden, wel⸗ cher allein der Mittler ist, den Vater zu versöhnen. Wer nun R y— ⏑ r;yr ln:t:ö;InS“P.ìPꝓↄ ꝶ meinet, solches durch Werke aus⸗ zurichten und Gnade zu verdie⸗ nen, der verachtet Christum und suchet einen eignen Weg zu Gott wider das Evangelium. Diese Lehre vom Glauben ist öffentlich und klar im Paulo an vielen Orten gehandelt, son⸗ derlich zu den Ephesern am 2.: Aus Gnaden seid ihr selig wor⸗ den durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, son⸗ dern es ist Gottes Gabe, nicht aus den Werken, damit sich nie⸗ mand rühme ꝛc. Und daß hierin kein neuer Verstand eingeführt sei, kann man aus Augustino beweisen, der diese Sache fleißig handelt und auch also lehret, daß wir durch den Glauben an Christum Gnade erlangen und vor Gott gerecht werden, und nicht durch Werke, wie sein gan⸗ zes Buch de Spiritu et Litera ausweiset. Wiewohl nun diese Lehre bei unversuchten Leuten sehr verachtet wird, so findet sich doch, daß sie den blöden und erschrockenen Gewissen sehr tröst⸗ lich und heilsam ist; denn das Gewissen kann nicht zu Ruhe und Friede kommen durch Werke, sondern allein durch Glauben, so es bei sich gewiß⸗ lich schließt, daß es um Christus' willen einen gnädigen Gott habe, wie auch Paulus spricht Röm. 5: So wir durch den Glauben sind gerecht worden, so haben wir Frieden mit Gott. Diesen Trost hat man vor Zeiten nicht getrieben in Pre⸗ digten, sondern die armen Ge⸗ wissen auf eigene Werke getrie⸗ ben, und sind mancherlei Werke vorgenommen; denn etliche hat das Gewissen in die Klöster ge⸗ jagt, der Hoffnung, daselbst Gnade zu erwerben durch Rlosterleben; Augsburgische Konfession. 99 etliche haben andere Werke er⸗ dacht, damit Gnade zu verdienen und für die Sünde genug zu thun. Derselbigen viel haben erfahren, daß man dadurch nicht ist zu Frieden kommen. Darum ist not gewesen, die Lehre vom Glauben an Christum zu pre⸗ digen und fleißig zu treiben, daß man wisse, daß man allein durch den Glauben, ohne Ver⸗ dienst, Gottes Gnade ergreifet. Es geschieht auch Unterricht, daß man hier nicht von solchem Glaͤuben redet, den auch die Teu⸗ fel und Gottlosen haben, die auch die Historien glauben, daß Christus gelitten habe und auf⸗ erstanden sei von den Toten; sondern man redet vom wahren Glauben, der da glaubet, daß wir durch Christum Gnade und Vergebung der Sünde erlangen, und der nun weiß, daß er einen bat kenn Gott durch Christum hat, kennet also Gott, rufet ihn an und ist nicht ohne Gott, wie die Heiden. Denn der Teufel und Gottlose glauben diesen Artikel, Vergebung der Sünde, nicht; darum sind sie Gott feind, können ihn nicht anrufen, nicht Gutes von ihm hoffen. Und also, wie jetzt angezeigt ist, redet die Schrift vom Glauben und heißet Glauben nicht ein solches Wissen, das Teufel und gottlose Menschen haben, denn also wird vom Glauben gelehret zu ben bräern am 11: Das Glauben sei nicht allein, die Historien wissen, sondern Zuversicht haben zu Gott, seine Zusage zu em⸗ pfangen. Und Augustinus er⸗ innert uns auch, daß wir das Wort(Glauben) in der Schrift verstehen sollen, daß es heiße Zuversicht zu Gott, daß er uns gnädig sei, und heiße nicht allein, * V 3— ö * 72 * X. * * 3 2 —.—.— —.....— —.—.—— 100 solche Historien wissen, wie auch die Teufel wissen. Ferner wird gelehret, daß gute Werke sollen und müssen geschehen, nicht, daß man dar⸗ auf vertraue, Gnade damit zu verdienen, sondern um Gottes willen und Gott zu Lob. Der Glaube ergreift nn allein Gnade und Vergebung der Sünde. Und dieweil durch den Glaͤuben der Heilige Geist gege⸗ ben wird, so wird auch das Herz geschickt, gute Werke zu thun. Denn zuvorn, dieweil es ohne den Heiligen Geist ist, so ist es zu schwach; dazu ist es ins Teufels Gewalt, der die arme menschliche Natur zu vielen Sünden treibet. Wie wir sehen in den Philosophen, welche sich unterstanden, ehrlich und un⸗ sträflich zu leben, haben aber dennoch solches nicht ausgerich— tet, sondern sind in viel große öffentliche Sünden gefallen. Also gehet es mit dem Menschen, so er außer dem rechten Glauben ohne den heiligen Geist ist und sich allein durch eigene mensch⸗ liche Kräfte regieret. Derhal⸗ ben ist die Lehre vom Glauben nicht zu schelten, daß sie gute Werke verbiete, sondern vielmehr zu rühmen, daß sie lehre, gute Werke zu thun, und Hilfe an⸗ biete, wie man zu guten Wer⸗ ken kommen möge. Denn außer dem Glauben und außerhalb Christo ist menschliche Natur und Vermögen viel zu schwach, gute Werke zu thun, Gott an⸗ zurufen, Geduld zu haben im Leiden, den Nächsten zu lieben, befohlne Amter fleißig auszu⸗ richten, gehorsam zu sein, böse Lust zu meiden. Solche hohe und rechte Werke mögen nicht geschehen ohne die Hilfe Christi, Augsburgische Konfession. wie er selbst spricht Joh. 15: Ohne mich könnet ihr nichts thun ꝛc. Der einundzwanzigsteArtikel. Von dem Dienst der Heiligen. Vom Heiligendienst wird von den Unseren also gelehret, daß man der Heiligen gedenken soll, auf daß wig unsern Glauben stärken, so wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren, auch wie ihnen durch Glauben geholfen ist; dazu, da man Exempel nehme von ihren guten Werken, ein jeder nach seinem Beruf, gleich⸗ wie die Kaiserl. Majestät selig⸗ lich und göttlich dem Exempel Davids folgen mag, Kriege wi⸗ der den Türken zu führen; denn beide sind sie im königlichen Amte, welches Schutz und Schirm ihrer Unterthanen fordert. Durch Schrift aber mag man nicht beweisen, daß man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen soll. Denn es ist allein ein einiger Versöhner und Mitt⸗ ler gesetzt zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, 1 Tim. 2, welcher ist der einige Heiland, der einige oberste Prie⸗ ster, Gnadenstuhl und Fürspre⸗ cher vor Gott, Röm. 8. Und der hat allein zugesagt, daß er unser Gebet erhören wolle. Das ist auch der höchste Gottesdienst nach der Schrift, daß man den⸗ selbigen Jesum Christum in allen Nöten und Anliegen von Herzen suche und anrufe, 1 Joh. 2, 1: So jemand sündiget, ha⸗ ben wir einen Fürsprecher bei Gott, der gerecht ist, Jesum. Dies ist fast die Summa der Lehre, welche in unsern Kirchen zu rechtem christlichen Unterricht und Trost der Gewissen, auch zur Besserung der Gläubigen gepredigt und gelehret ist, wie wir denn unsere eigene Seele und Gewissen ja nicht gern wollten vor Gott mit Mißbrauch göttlichen Namens oder Wortes in die höchste und größte Ge— fahr setzen, oder auf unsere Kin⸗ der und Nachkommen eine an⸗ dere Lehre, denn so dem reinen, göttlichen Wort und christlicher Wahrheit gemäß, fällen oder er⸗ ben. So denn dieselbige in Hei⸗ liger Schrift klar gegründet, und dazu auch gemeiner christlicher, ja auch Römischer Kirchen, so viel aus der Väter Schrift zu vermerken, nicht zuwider, noch entgegen ist, so achten wir auch, unsere Widersacher können in oben angezeigten Artikeln nicht uneinig mit uns sein. Der⸗ halben handeln diejenigen ganz Augsburgische Konfession. 101 unfreundlich, geschwind und wi⸗ der alle christliche Einigkeit und Liebe, so die Unsern derhalben als Ketzer abzusondern, zu ver⸗ werfen und zu meiden, ihnen selbst ohne einigen beständigen Grund göttlicher Gebote oder Schrift vornehmen. Denn die Irrung und Zank ist vornehm⸗ lich über etliche Traditionen und Mißbräuche. So denn nun an den Hauptartikeln kein befind⸗ licher Ungrund oder Mangel, und dies unser Bekenntnis gött⸗ lich und christlich ist, sollten sich billig die Bischöfe, wann schon bei uns der Tradition halben ein Mangel wäre, gelinder er⸗ zeigen, wiewohl wir verhoffen, beständigen Grund und Ursache darzuthun, warum bei uns et⸗ liche Traditionen und Miß⸗ bräuche geändert sind. Artilel, von welchen Zwiespalt ist, da erzählt werden die Mißbräuche, so geändert sind. So nun von den Artikeln des Glaubens in unsern Kir⸗ chen nicht gelehret wird zuwider der Heiligen Schrift, oder ge⸗ meiner christlichen Kirche, son⸗ dern allein etliche Mißbräuche geändert sind, welche zum Teil mit der Zeit selbst eingerissen, zum Teil mit Gewalt aufge⸗ richtet: fordert unsere Notdurft, dieselbigen zu erzählen und Ur⸗ sach darzuthun, warum hierin Anderung geduldet ist, damit Kaiserliche Majestät erkennen möge, daß nicht hierin unchrist⸗ lich oder freventlich gehandelt, sondern daß wir durch Gottes Gebot, welches billig höher zu achten, denn alle Gewohnheit, gedrungen seien, solche Ande⸗ rung zu gestatten. Der zweiundzwanzigste Ar itel. 32 Von beider Gestalt des Sakraments. Den Laien wird bei uns beide Gestalt des Sakraments gereicht, aus dieser Ursach, daß dies ist ein klarer Befehl und Gebot Christi, Matth. 26: Trinket alle daraus. Da gebeut Christus mit klaren Worten von dem Kelch, daß sie alle daraus trin⸗ ken sollen. Und damit niemand diese Worte anfechten und glossieren könne, als gehöre es allein den Priestern zu, so zeiget Paulus 1 Kor. 11 an, daß die ganze Versammlung der Korinther Kirche beide Gestalt gebraͤucht hat. Und dieser Brauch ist lange 10²2 Augsburgische Konfession. Zeit in der Kirche blieben, wie man durch die Historien und der Väter Schriften beweisen kann. Cyprianus gedenkt an vielen Orten, daß den Laien der Kelch die Zeit gereicht sei. So spricht St. Hieronymus, daß die Priester, so daß Sakrament reichen, dem Volk das Blut Christi austeilen. So gebeut Gelasius, der Papst selbst, daß man das Sakrament nicht teilen soll, Distinoet. 2. de Gonsecr. cap. Comperimus. Man findet auch nirgend keinen Kanon, der da gebiete, allein eine Gestalt zu nehmen. Es kann auch nie⸗ mand wissen, wann oder durch welche diese Gewohnheit, eine Gestalt zu nehmen, eingeführt ist, wiewohl der Kardinal Cusanus gedenkt, wann diese Weise approbiert sei. Nun ists öffentlich, daß solche Gewohn⸗ heit, wider Gottes Gebot, auch wider die alten Kanones einge⸗ führt, unrecht ist. Derhalben hat sich nicht gebühret, derjeni⸗ —— Gewissen, so das heilige akrament nach Christus' Ein⸗ setzung zu gebrauchen begehrt hahen, zu beschweren und zu zwingen, wider unsers Herrn Christi Ordnung zu handeln. Und dieweil die Teilung des Sakraments der Einsetzung Christi entgegen ist, wird auch bei uns die gewöhnliche Pro⸗ zession mit dem Sakrament unterlassen. Der dreiundzwanzigste Artikel. zias Vom Ehestande der Priester. Es ist bei jedermann, hohen und niedrigen Standes, eine große und mächtige Klage in der Welt gewesen von großer Unzucht und wildem Wesen und Leben der Lanr. so b. ver⸗ mochten, Keuschheit zu halten, und war auch je mit solchen reulichen Lastern aufs höchste ommen. So viel häßliches groß Une Ehebruch und andere Unzucht zu vermeiden, haben sich etliche und Hea bei uns in ehelichen Stand begeben. Dieselben zeigen an diese Ur⸗ sachen, daß sie dahin gedrungeu und bewegt sind, aus hoher Not ihrer Gewissen, nachdem die Schrift klar meldet, der eheliche Stand sei von Gott dem Herrn eingesetzt, Unzucht zu vermeiden, wie Paulus sagt 1 Kor. 7: Die Kraiher zu vermeiden, hab' ein jeglicher sein eigen Eheweib. Item: Es ist besser, ehelich wer⸗ den, denn brennen. Und nach⸗ dem Christus sagt Matth. 19: Sie fassen nicht alle das Wort, da zeigt Christus an(welcher wohl gewußt hat, was am Men⸗ schen sei), daß wenig Leute die Gabe, keusch zu leben, haben, denn Gott hat den Menschen, Männlein und Fräulein, ge⸗ schaffen, 1 Mos. 1. Ob es nun in menschlicher Macht oder Ver⸗ mögen sei, ohne sonderliche Gabe und Gnade Gottes, durch eigen Vornehmen oder Gelübde, Gottes, der hohen Majestät, Geschöpfe besser zu machen oder zu ändern, hat die Erfahrung allzu klar gegeben. Denn was Gutes, was ehrbar züchtiges Leben, was christlichen, ehrlichen oder redlichen Wandels an vie⸗ len daraus erfolget, wie greu⸗ liche, schreckliche Unruhe und Qual ihrer Gewissen viele an ihrem letzten Ende derhalben gehabt, ist am Tage, und ihrer viele haben es selbst bekannt. So denn Gottes Wort und —————2 Augsburgische Gebot durch kein menschlich Ge⸗ lübde oder Gesetz mag geändert werden, haben aus dieser und andern Ursachen und Gründen die Priester und andere Geist⸗ liche Eheweiber genommen. So ist es auch aus den Hi⸗ storien und der Väter Schriften zu beweisen, daß in der christ⸗ lichen Kirche vor alters der Brauch gewesen, daß die Prie⸗ ster und Diakonen Eheweiber gehabt. Darum sagt Paulus, 1 Tim. 3: Es soll ein Bischof unsträflich sein eines Weibes Mann. Es sind auch in Deutsch⸗ land erst vor vierhundert Jah⸗ ren die Priester zum Gelübde der Keuschheit vom Ehestande mit Gewalt abgedrungen, welche sich dagegen sämtlich auch so anz ernstlich und hart gesetzet Baben, daß ein Erzbischof zu Mainz, welcher das päpstliche neue Edikt derhalben verkün⸗ diget, gar nahe in einer Empö⸗ rung der ganzen Priesterschaft in einem Gedränge wäre umge⸗ bracht. Und dasselbige Verbot ist bald im Anfang so geschwind und unschicklich vorgenommen, daß der Papst der Zeit nicht allein die künftige Ehe den Prie⸗ stern verboten, sondern auch die Ehe derjenigen, so schon in dem Ehestande lange gewesen, zerrissen, welches doch nicht al⸗ lein wider alle göttliche, natür⸗ liche und weltliche Rechte, son⸗ dern auch den Kanonibus(so die Päpste selbst gemacht) und den berühmtesten Konziliis ganz entgegen und zuwider ist. Auch ist bei viel hohen, got⸗ Konfession. 103 Gott selbst eingesetzt und frei gelassen) nie kein Gutes, son⸗ dern viel größere böse Laster und viel Arges eingeführt habe. Es hat auch einer von den Päpsten, Pius II., selbst, wie seine Historie anzeigt, diese Worte oft geredet und von sich schrei⸗ ben lassen: es möge wohl et⸗ liche Ursachen haben, warum den Geistlichen die Ehe verboten sei; es habe aber viel höhere, größere und wichtigere Ursachen, warum man ihnen die Ehe solle wieder frei lassen. Ungezweifelt, es hat Papst Pius als ein ver⸗ ständiger, weiser Mann dies Wort aus großem Bedenken geredet. Derhalben wollen wir uns in Unterthänigkeit zu Kaiserlicher Majestät vertrösten, daß Ihre Majestät als ein christlicher Hochlöblicher Kaiser gnädiglich dey sedte werde, daß jetzund in den letzten Zeiten und Tagen, von welchen die Schrift meldet, die Welt immer je ärger und die Menschen gebrechlicher und schwächer werden. Derhalben wohl hochnötig, nützlich und christlich ist, diese fleißige Einsehung zu thun, da⸗ mit, wo der Ehestand verboten, nicht ärgere und schändlichere Unzucht und Laster in deutschen Landen möchten einreißen. Denn es wird je diese Sachen nie⸗ mand weislicher oder besser än⸗ dern oder machen können, denn Gott selbst, welcher den Ehe⸗ stand, menschlicher Gebrechlichkeit zu helfen und Unzucht zu weh⸗ tesfürchtigen, verständigen Leu⸗ ten dergleichen Rede und Be⸗ denken oft gehört, daß solcher gedrungener Cölibat und Be⸗ raubung des Ehestandes(welchen ren, eingesetzt hat. So sagen die alten Kanones auch, man müsse zu Zeiten die Schärfe und Rigorem lindern und nachlassen, um menschlicher Schwachheit * .— — 705 * .. 9* . 7 6 — . 104 willen und Argeres zu verhüten und zu meiden. Nun wäre das in diesem Fall auch wohl christlich und ganz hoch von nöten. Was kann auch der Priester und der Geistlichen Ehestand der allgemeinen christ⸗ lichen Kirche nachteilig sein, sonderlich der Pfarrherren und anderer, die der Kirche dienen sollen? Es würde wohl künftig an Priestern und Pfarrherren mangeln, so dies harte Verbot sol Ehestandes länger währen ollte. So nun dieses, nämlich, daß die Priester und Geistlichen mögen ehelich werden, gegründet ist auf das göttliche Wort und Gebot, dazu die Historien be⸗ weisen, daß die Priester ehelich gewesen; so auch das Gelübde der Keuschheit so viel häßliche, unchristliche Argernis, so viel. Ehebruch, schreckliche, unerhörte Unzucht und greuliche Laster hat angerichtet, daß auch etliche unter den Domherren, auch Kurtisanen zu Rom solches oft selbst bekannt und kläglich an⸗ Kterden, wie solche Laster im Klero zu greulich, und über Macht Gottes Zorn würde er⸗ reget werden; so ist's je erbärm⸗ Augsburgische Konfession. nicht allein wider göttliche Rechte, sondern auch wider die Kanones. Paulus, der Apostel, 1. Tim. 4, nennet die Lehre, so die Ehe ver⸗ bietet, Teufelslehre. So sagt Christus selbst, Joh. 8: der Teufel sei ein Mörder von An⸗ beginn, welches denn wohl zu⸗ sammen stimmet, daß es freilich Teufelslehren sein müssen, die Ehe verbieten und sich unter⸗ stehen, solche Lehre mit Blut⸗ vergießen zu erhalten. Wie aber kein menschlich Ge⸗ setz Gottes Gebot kann wegthun oder ändern, also kann auch kein Gelübde Gottes Gebot ändern. Darum gibt auch St. Cypria⸗ nus den Rat, daß die Weiber, so die gelobte Keuschheit nicht halten, sollen ehelich werden, und sagt L. I. Epist. 11 also: So sie aber Keuschheit nicht halten wollen, oder nicht ver⸗ mögen, so ist's besser, daß sie ehelich werden, denn daß sie durch ihre Lust ins Feuer fallen, und sollen sich wohl vorsehen, daß sie den Brüdern und Schwe⸗ stern kein Argernis anrichten. Zudem, so brauchen auch alle Kanones größere Gelindigkeit und Aquität gegen diejenigen, so in der Jugend Gelübde ge⸗ ich, daß man den christlichen Ehestand nicht allein verboten, sondern an etlichen Orten aufs geschwindeste, wie um große Abelthat, zu strafen sich unter⸗ standen hat. So ist auch der Ehestand in kaiserlichen Rechten und in allen Monarchien, wo je Gesetz und echt gewesen, ch gelobet. Allein dieser Zeit beginnet man, die Leute unschuldig, allein um der Ehe willen, zu martern, und dazu Priester, der man vor an⸗ dern schonen sollte. Und geschieht than, wie denn Priester und Mönche des mehrern Teils in der Jugend in solchen Stand aus Unwissenheit kommen sind. Der vierundzwanzigste Artikel. Von der Messe. Man legt den Unsern mit Unrecht auf, daß sie die Messe sollen abgethan haben. das ist öffentlich, daß die Messe, ohne Ruhm zu reden, Denn bei uns mit größerer Andacht und Ernst gehalten wird, denn bei den .— VV AM MCeTM —..———nnnn—. Widersachern. So werden auch die Leute mit höchstem Fleiß zum öftern Mal unterrichtet vom heiligen Sakrament, wozu es eingesetzt und wie es zu ge⸗ brauchen sei, als nämlich, die erschrockenen Gewissen damit zu trösten, dadurch das Volk zur Kommunion und zur Messe ge⸗ zogen wird. Dabei geschieht auch Unterricht wider andere unrechte Lehre vom Sakrament. So ist auch in den öffentlichen Zeremonien, der Messe keine merkliche Anderung geschehen, denn daß an etlichen Orten deutsche Gesänge(das Volk da⸗ mit zu lehren und zu üben) neben lateinischem Gesang ge⸗ sungen werden, üntemal alle Zeremonien vornehmlich dazu dienen sollen, daß das Volk daran lerne, was ihm zu wissen von Christo not ist. Nachdem aber die Messe auf mancherlei Weise vor dieser Zeit gemißbraucht, wie am Tage ist, daß ein Jahrmarkt daraus ge⸗ macht, daß man sie gekauft und verkauft hat, und daß sie mehren⸗ teils in allen Kirchen um Geldes willen gebalten worden, ist sol⸗ cher Mißbrauch zu mehrmalen, auch vor dieser Zeit, von ge— lehrten und frommen Leuten gestraft worden. Als nun die Prediger bei uns davon gepredigt und die Priester erinnert sind der schrecklichen Bedräuung, so denn billig einen jeden Christen bewegen soll, daß, wer das Sakra⸗ ment unwürdiglich brauchet, der sei schuldig am Leibe und Blute Christi, darauf sind solche Kauf⸗ messen und Winkelmessen(welche bis anher aus Zwang um Geldes und der Präbenden willen ge⸗ halten worden) in unsern Kirchen gefallen. Augsburgische Konfession. 10⁵ Dabei ist auch der greuliche Irrtum gestrafet, daß man ge⸗ lehret hat, unser Herr Christus habe durch seinen Tod allein für die Erbsünde genug gethan und die Messe eingesetzt zu einem Opfer für die anderen Sünden, und also die Messe zu einem Opfer gemacht für die Leben⸗ digen und Toten, dadurch Sünde wegzunehmen und Gott zu ver⸗ söhnen. Daraus ist weiter ge⸗ folget, daß man disputiert hat, ob eine Messe für viele gehalten, also viel verdiene, als so man für einen jeglichen eine sonder⸗ liche hielte? Daher ist die große unzählige Menge der Messen gekommen, daß man mit diesem Werk hat wollen bei Gott alles erlangen, das man bedurft hat, und ist daneben des Glaubens an Christum und des rechten Gottesdienstes vergessen worden. Darum ist davon Unterricht geschehen, wie ohne Zweifel die Not gefordert, daß man wüßte, wie das Sakrament recht zu ge⸗ brauchen wäre. Und erstlich, daß kein Opfer für Erbsünde und andre Sünde sei, denn der einige Tod Christi, zeiget die Schrift an vielen Orten an. Denn also stehet geschrieben zu den He⸗ bräern, daß sich Christus einmal geopfert hat und dadurch für alle Sünde genug gethan. Es ist eine unerhörte Neuigkeit, in der Kirche lehren, daß Christus' Tod sollte allein für die Erb⸗ sünde, und sonst nicht auch für andere Sünden genuggethan haben; derhalben zu hoffen, daß männiglich verstehe, daß solcher Irrtum nicht unbillig gestraft sei. Zum andern, so lehret St. Paulus, daß wir vor Gott Gnade erlangen durch den Glauben und nicht durch Werke. —————————————— 106 Augsburgische Konfession. Dawider ist öffentlich dieser Mißbrauch der Messe, so man vermeint, durch dieses Werk Gnade zu erlangen, wie man denn weiß, daß man die Messe dazu gebraucht, dadurch Sünde abzulegen und Gnade und alle Güter bei Gott zu erlangen, nicht allein der Priester für sich, sondern auch für die ganze Welt und für andere Lebendige und Tote. Zum dritten, so ist das hei⸗ lige Sakrament eingesetzt, nicht damit für die. Sünde ein Opfer anzurichten(denn das Opfer ist zuvor geschehen), sondern daß unser Glaube dadurch erweckt, und die Gewissen getröstet wer⸗ den, welche durchs Sakrament erinnert werden, daß ihnen Gnade und Vergebung der Sünde von Christo zugesagt ist. Derhalben fordert das Sakra⸗— ment Glauben, und wird ohne Glauben vergeblich gebraucht. Dieweil nun die Messe nicht ein Opfer ist für andere, Le⸗ bendige oder Tote, ihre Sünde wegzunehmen, sondern soll eine Kommunion sein, da der Prie⸗ ster und andere das Sakrament empfahen für sich, so wird diese eise bei uns gehalten, daß man an Feiertagen(auch sonst, so Kommunikanten da sind) Messe hält, und etliche, so das begehren, kommuniziert. Also bleibt die Messe bei uns in ihrem rechten Brauch, wie sie vorzeiten in der Kirche gehal— ten, wie man beweisen mag aus St. Paulo, 1 Kor. 11, dazu auch aus vieler Väter Schriften. Denn Chrysostomus spricht, wie der Priester täglich' stehe und fordere etliche zur Kommu⸗ nion, etlichen verbiete er, hinzu⸗ zutreten. Auch zeigen die alten Kanones an, daß einer das Amt ehaͤlten hat und die andern Prlester und Diakonen kommu⸗ niziert. Denn also lauten die Worte in Canone Nicaeno: Die Diakonen sollen nach den Prie⸗ stern ordentlich das Sakrament empfahen vom Bischof oder Priester. So man nun keine Neuigkeit hierin, die in der Kirche vor alters nicht gewesen, vorgenom— men hat und in den öffentlichen Zeremonien der Messen keine merkliche Anderung geschehen ist, allein, daß die andern un⸗ nötigen Messen, etwa durch einen Mißbrauch gehalten, ne⸗ ben der Pfarrmesse, gefallen sind, soll billig diese Weise, Messe zu halten, nicht für ketzerisch Und unchristlich verdammet wer— den. Denn man hat vor Zeiten auch in den großen Kirchen, da viel Volks gewesen, auch auf die Tage, so das Volk zusammen kam, nicht täglich Messe gehal⸗ ten, wie Tripartita historia lib. 9 anzeiget, daß man zu Alexandria am Mittwoch und Freitag die Schrift gelesen und ausgeleget habe, und sonst alle Gottesdienste gehalten, ohne die Messe. Der fünfundzwanzigste Artikel. Von der Beichte. Die Beichte ist durch die Pre⸗ diger dieses Teils nicht abgethan. Denn diese Gewohnheit wird bei uns gehalten, das Sakrament nicht zu reichen denen, so nicht zuvor verhört und absolviert sind. Dabei wird das Volk fleißig unterrichtet, wie tröstlich das Wort der Absolution sei, wie hoch und teuer die Absolu⸗ tion zu achten; denn es sei nicht 2un des gegenwärtigen Menschen Stimme oder Wort, sondern Gottes Wort, der da die Sünde vergibt, denn sie wird an Gottes Statt, und aus Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schlüssel, wie tröstlich, wie nötig sie sei den erschrockenen Gewissen, wird mit großem Fleiß gelehret, dazu, wie Gott fordert, dieser Absolution zu glauben, nicht weniger, denn so Gottes Stimme vom Himmel erschölle, und uns deren fröhlich trösten und wissen, daß wir durch solchen Glauben Vergebung der Sünden erlangen. Von diesen nötigen Stücken haben vorzeiten die Prediger, so von der Beichte viel lehreten, nicht ein Wörtlein berühret, sondern allein die Ge⸗ wissen gemartert mit langer Er⸗ zählung der Sünden, mit Ge⸗ nugthun, mit Ablaß, mit Wall⸗ fahrten und dergleichen. Und viel unsrer Widersacher bekennen selbst, daß dieses teils von rechter christlicher Buße schicklicher, denn zuvor in langer Zeit geschrieben und gehandelt sei. Und wird von der Beichte also gelehret, daß man niemand drin⸗ gen soll, die Sünde namhaftig zu erzählen, denn solches ist un⸗ möglich, wie der Psalm spricht: Wer kennet die Missethat! Und Jeremias spricht: Des Menschen Hrß ist so arg, daß man es nicht auslernen kann. Die elende menschliche Natur stecket also tief in Sünden, daß sie dieselben nicht alle sehen oder kennen kann, und sollten wir allein von denen absolviert werden, die wir zählen können, wäre uns wenig geholfen. Derhalben ist nicht not, die Leute zu dringen, die Sünde namhafti zu erzählen. Also haben's au die Väter gehalten, wie man Augsburgische Konfession. 107 findet Distinct. 1. de Poenitentia, da die Worte Chrysostomi an⸗ gezogen werden: Ich sage nicht, daß du dich selbst sollst offentlich dargeben, noch bei einem andern dich selbst verklagen, oder schul⸗ dig geben, sondern gehorche dem Propheten, welcher spricht: Offenbare dem Herrn deine Wege. Derhalben beichte Gott dem Herrn, dem wahrhaftigen Richter, neben deinem Gebet, nicht sage deine Sünde mit der Zunge, sondern in deinem Gewissen. Hie siehet man klar, daß Chry⸗ sostomus nicht zwinget, die Sünde namhaftig zu erzählen. So lehret auch die Glossa in Decretis de Poenitentia, daß die Beichte nicht durch die Schrift geboten, sondern durch die Kirche eingesetzet sei. Doch wird durch die Prediger dieses Teils fleißig gelehret, daß die Beichte von wegen der Abso— lution, welche das Hauptstück und das Vornehmste darin ist, zu Trost der erschrockenen Ge⸗ wissen, dazu um etlicher andern Ursachen willen zu erhalten sei. Der sechsundzwanzigste Artikel. Vom Unterschied der Speisen. Vorzeiten hat man also ge⸗ lehret, gepredigt und geschrieben, daß Unterschied der Speisen und dergleichen Traditionen, von Menschen angesetzt, dazu dienen, daß man dadurch Gnade ver⸗ diene und für die Sünde genug⸗ thue. Aus diesem Grunde hat man täglich neue Fasten, neue Zeremonieen, neue Orden und dergleichen erdacht, und auch solches heftig und hart getrieben, als seien solche Dinge nötige Gottesdienste, dadurch man 108 Augsburgische Konfession. Gnade verdiene, so man's halte, und große Sünde geschehe, so man's nicht halte. Daraus sind viel schädliche Irrtümer in der Kirche gefolgt. Erstlich ist dadurch die Gnade Christi und die Lehre vom Glau⸗ ben verdunkelt, welche uns das Evangelium mit großem Ernst vorhält und treibt hart darauf, daß man das Verdienst Christi hoch und teuer achte und wisse, daß Glauben an Christum hoch und weit über alle Werke zu setzen sei. Derhalben hat St. Paulus heftig wider das Gesetz Mosis und menschliche Tradi⸗ tionen gefochten, daß wir lernen sollen, daß wir vor Gott nicht fromm werden aus unsern Wer⸗ ken, sondern allein durch den Glauben an Christum, daß wir Gnade erlangen, um Christus' willen. Solche Lehre ist schier ganz verloschen dadurch, daß man gelehrt, Gnade zu verdienen mit Gesetzen, Fasten, Unterschied der Speise ꝛc. Zum andern haben auch solche Traditionen Gottes Gebot ver— dunkelt. Denn man setzt diese Traditionen weit über Gottes Gebot. Dies hielt man allein für christlich Leben; wer diese Feier also hielte, also betete, also fastete, also gekleidet wäre, das nennet man geistlich, christlich leben. Daneben hielt man andere nötige gute Werke für ein weltlich, ungeistlich Wesen, nämlich diese, so jeder nach seinem Beruf zu thun schuldig ist, als, daß der Hineuer arbeitet, Weib und ind zu ernähren und zu Gottes⸗ furcht aufzuziehen, die Haus⸗ mutter Kinder gebieret und wartet ihrer, ein Fürst und Obrig⸗ keit Land und Leute regieret ꝛc. Solche Werke, von Gott geboten, mußten ein weltlich und unvoll⸗ kommen Wesen sein, aber die Traditionen mußten den präch⸗ tigen Namen haben, daß sie allein heilige, vollkommene Werke heißen. Derhalben war kein Maß noch Ende, solche Traditionen zu machen. Zum dritten sind solche Tra⸗ ditionen zu hoher Beschwerung der Gewissen geraten. Denn es war nicht möglich, alle Tradi⸗ tionen zu halten, und doch waren die Leute der Meinung, als wäre solches ein nötiger Gottesdienst. Und schreibt Gerson, daß viele hiemit in Verzweiflung gefallen, etliche haben sich auch selbst um⸗ gebracht, derhalben, daß sie keinen Trost von der Gnade Christi ehöret haben. Denn man siehet bei den Summisten und Theo⸗ logen, wie die Gewissen ver⸗ wirret, welche sich unterstanden haben, die Traditionen zusammen⸗ zuziehen und Swierelag(mil⸗ dernde Deutungen) gesucht, daß sie den Gewissen hülfen, haben soviel damit zu thun gehabt, daß, dieweil alle heilsame christ⸗ liche Lehre von nötigern Sachen, als vom Glauben, von Trost in hohen Anfechtungen und der⸗ gleichen darnieder gelegen ist. Darüͤber haben auch viele fromme Leute vor dieser Zeit sehr ge— klagt, daß solche Traditionen viel Zanks in der Kirche anrichten, und daß fromme Leute damit verhindert, zur rechten Erkenntnis Christi nicht kommen möchten. Gerson und etliche mehr haben heftig darüber geklagt. Ja, es hat auch Augustinus mißfallen, daß man die Gewissen mit soviel traditionibus beschweret, derhal⸗ ben er dabei Unterricht gibt, daß man's nicht für nötige Dinge halten soll. SSEEEE 2 — SEEEEESAEEE Ir. eT —7 Darum haben die Unsern nicht aus Frevel oder Verachtung geistlicher Gewalt von diesen Sachen gelehret, sondern es hat die hohe Not gefordert, Unter⸗ richt zu thun von oben ange— zeigten Irrtümern, welche aus Mißverstand der Tradition er⸗ wachsen sind. Denn das Evan⸗ gelium zwinget, daß man die Lehre vom Glauben solle und müsse in der Kirche treiben, welche doch nicht mag verstanden werden, so man vermeint, durch eigene erwählte Werke Gnade zu verdienen. Und ist also davon gelehret, daß man durch Haltung gedachter menschlicher Tradition nicht kann Gnade verdienen, oder Gott versöhnen, oder für Sünde genug thun; und soll derhalben kein nötiger Gottes⸗ dienst daraus gemacht werden. Dazu wird Ursach aus der Heili⸗ gen Schrift angezogen. Christus, Matth. 15, entschuldigt die Apostel, daß sie gewöhnliche Tra⸗ ditionen nicht gehalten haben, und spricht dabei: Sie ehren mich vergeblich mit Menschen⸗ geboten. So er nun dies einen vergeblichen Dienst nennet, muß er nicht nötig sein. Und bald hernach: Was zum Munde ein⸗ gehet, verunreinigt den Menschen nicht. Item spricht Paulus, Röm. 14: Das Himmelreich stehet nicht in Speise oder Trank; Kol. 2: Niemand soll euch richten in Speise, Trank, Sabbath ꝛc. Apost. 15 spricht Petrus: Wa⸗ rum versuchet ihr Gott mit Auflegung des Jochs auf der Jünger Hals, welches weder unsere Väter, noch wir haben mögen tragen? sondern wir glauben, durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi selig zu werden. Da verbeut Petrus, Augsburgische Konfession. daß man die Gewissen nicht be⸗ schweren soll mit mehr äußer⸗ lichen Zeremonieen, es sei Mosis oder andern. Und 1. Tim. 4 werden solche Verbote, als Speise verbieten, Ehe verbieten ꝛc. Teu⸗ felslehre genennet. Denn dies ist stracks dem Evangelio ent⸗ gegen, solche Werke einsetzen, oder thun, daß man damit Ver⸗ gebung der Sünden verdiene, oder als möge niemand Christ sein ohne solche Dienste. Daß man aber den Unsern die Schuld gibt, als verböten sie Kasteiung und Zucht, wie Jo⸗ vinianus, wird sich viel anders aus ihren Schriften befinden. Denn sie haben allezeit gelehret vom heiligen Kreuz, das Christen zu leiden schuldig sind, und dieses ist rechte, ernstliche und nicht erdichtete Kasteiung. Da⸗ neben wird auch gelehret, daß ein jeglicher schuldig ist, sich mit leiblicher übung, als Fasten und anderer übung, also zu halten, daß er nicht Ursach zu Sünden gebe, nicht daß er mit solchen Werken Gnade verdiene. Diese leibliche Übung soll nicht allein etliche bestimmte Tage, sondern stetig getrieben werden. Davon redet Christus: Hütet euch, daß eure Herzen nicht be⸗ schweret werden mit Völlerei. Ferner: Die Teufel werden nicht ausgeworfen, denn durch Fasten und Gebet. Und Paulus spricht: Er kasteie seinen Leib und bringe ihn zu Gehorsam, damit er an⸗ zeigt, daß Kasteiung dienen soll, nicht damit Gnade zu verdienen, sondern den Leib geschickt zu halten, daß er nicht verhindere, was einem jeglichen nach seinem Beruf zu schaffen befohlen ist. Und wird also nicht das Fasten verworfen, sondern daß man 110 einen nötigen Dienst daraus, auf bestimmte Tage und Speisen, zur Verwirrung der Gewissen gemacht hat. Auch werden dieses Teils viel Zeremonieen und Traditionen gehalten, als, Ordnung der Messe und andere Gesänge, Feste ꝛc., welche dazu dienen, daß in der Kirche Ordnung gehalten werde. Daneben aber wird das Volk unterrichtet, daß solcher äußer⸗ licher Gottesdienst nicht fromm macht vor Gott, und daß man's ohne Beschwerung des Gewissens halten soll, also, daß, so man es nachläßt ohne Argernis, nicht daran gesündigt wird. Diese Freiheit in äußerlichen Zeremo⸗ nieen haben auch die alten Väter gehalten. Denn im Orient hat man das Osterfest auf andere Zeit, denn zu Rom, gehalten; und da etliche diese Ungleichheit für eine Trennung in der Kirche halten wollten, sind sie vermahnet von andern, daß nicht not ist in solchen Gewohnheiten Gleichheit zu halten, und spricht Jrenäus also: Ungleichheit in Fasten trennt nicht die Einigkeit des Glaubens. Wie auch Distinct. 12 von solcher Ungleichheit in menschlichen Ordnungen ge⸗ schrieben, daß sie der Einigkeit der Christenheit nicht zuwider sei. Und Tripartita historia lib. 9 zeucht zusammen viele ungleiche Kirchen⸗Gewohnheiten und setzt einen nützlichen, christlichen Spruch: Der Apostel Meinung ist nicht gewesen, Feiertage ein⸗ Aüsten, sondern Glauben und iebe zu lehren. Der siebenundzwanzigste Artikel. Von Kloster⸗Gelübden. Von Kloster-Gelübden zu reden, ist not, erstlich, zu be⸗ Augsburgische Konfession. denken, wie es bis anher damit gehalten, welch Wesen sie in Klöstern gehabt, und daß sehr viel darin täglich nicht allein wider Gottes Wort, sondern auch päpstlichen Rechten entgegen ge⸗ handelt ist. Denn zu St. Au⸗ gustini Zeiten sind Klosterstände rei gewesen, folgend, da die rechte Zucht und Lehre zerrüttet, hat man Kloster-Geluͤbde er— dacht, und damit eben, als mit einem erdachten Gefängnis, die Zucht wieder aufrichten wollen. überdies hat man neben den Kloster-Gelübden viel andere Stücke mehr aufgebracht, und mit solchen Banden und Be⸗ schwerden ihrer viele, auch vor gebührenden Jahren, beladen. So sind auch viele Personen aus Unwissenheit zu solchem Klosterleben gekommen, welche, wiewohl sie sonst nicht zu jung gewesen, haben doch ihr Ver⸗ mögen nicht genugsam ermessen und verstanden. Dieselben alle, also verstrickt und verwickelt, sind gezwungen und gedrungen, in solchen Banden zu bleiben, ungeachtet des, daß auch päpst⸗ liches Recht ihrer viele frei gibt. Und das ist beschwerlicher ge⸗ wesen in Jungfrauen-Klöstern, denn in Mönchs-⸗Klöstern, so sich doch geziemet hätte, der Weibsbilder, als der Schwachen, zu verschonen. Dieselbe Strenge und Härtigkeit hat auch vielen frommen Leuten in vorigen Zeiten mißfallen; denn sie haben wohl gesehen, daß beide, Knaben und Mägdlein, um Erhaltung willen ihres Leibes in die Klöster sind versteckt worden. Sie haben auch wohl gesehen, wie übel dasselbe Vornehmen geraten ist, was Argernis, was Beschwerung der Gewissen es gebracht, und SE — n—2= ⏑—⏑— haben viel Leute geklagt, daß man in solcher gefährlichen Sache die Kanones so gar nicht geachtet. Zudem, so hat man eine solche Meinung von den Kloster-Gelübden, die unver⸗ borgen ist, die auch vielen Mönchen übel gefallen hat, die ein wenig Verstand gehabt haben. Denn sie gaben vor, daß Kloster⸗Gelübde der Taufe gleich wären, und daß man mit dem Klosterleben Vergebung der Sünde und Rechtfertigung vor Gott verdiente, ja, sie setzten noch mehr dazu, daß man mit dem Klosterleben verdiente nicht allein Gerechtigkeit und Fröm⸗ migkeit, sondern auch, daß man damit hielte die Gebote und Räte, so im Evangelio verfaßt; und wurden also die Kloster⸗ Gelübde höher gepreiset, denn die Taufe. Ferner, daß man mehr verdiente mit dem Kloster⸗ leben, denn mit allen andern Ständen, so von Gott geordnet sind, als Pfarrherren- und Prediger-Stand, Obrigkeit⸗-, Fürsten⸗, Herren-Stand und dergleichen, die alle nach Gottes Gebot, Wort und Befehl in ihrem Beruf ohne erdichtete Geistlichkeit dienen; wie denn dieser Stücke keines verneint werden mag, denn man findet's in ihren eigenen Büchern. über⸗ dies, wer also gefangen und ins Kloster gekommen, lernet wenig von Christo. Ehemals hat man Schulen der Heiligen Schrift und anderer Künste, so der christlichen Kirche dienstlich sind, in den Klöstern ehalten, da man aus den Klöstern Pfarrherren und Bischöfe ge⸗ nommen hat. Jetzt aber hat's eine viel andere Gestalt. Denn vorzeiten kamen sie der Mei⸗ Augsburgische Konfession. 111 nung zusammen im Kloster⸗ leben, daß man die Schrift ler⸗ nete. Jetzt geben sie vor, das Klosterleben sei ein solch Wesen, daß man Gottes Gnade und Frömmigkeit vor Gott damit verdiene, ja, es sei ein Stand der Vollkommenheit, und setzen's den andern Ständen, so von Gott eingesetzt, weit vor. Das alles wird darum angezogen, ohne alle Verunglimpfung, da⸗ mit man je desto besser ver⸗ nehmen und verstehen möge, was und wie die Unsern pre⸗ digen und lehren. Erstlich lehren sie bei uns von denen, die zur Ehe greifen, also, daß alle die, so zum le⸗ digen Stande nicht Rucht sind, Macht, Fug und Recht haben, sich zu verehelichen. Denn die Gelübde vermögen nicht, Gottes Ordnung und Gebot aufzu⸗ heben. Nun lautet Gottes Gebot also, 1. Cor. 7: Um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann. Dazu dringet, zwinget und treibet nicht allein Gottes Gebot, sondern auch Gottes Geschöpf und Ord⸗ nung alle die zum Ehestand, die ohne sonder Gottes Werk mit der Gabe der Jungfrauschaft nicht begnadet sind, laut dieses Spruches Gottes selbst, 1. Mos.2: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; wir wollen ihm einen Gehilfen machen, der um ihn ei Was mag man nun dawider aufbringen? Man rühme das Gelübde und Pflicht, wie hoch man wolle, man mutze es auf, so hoch man kann, so mag man dennoch nicht erzwingen, daß Gottes Gebot dadurch aufge⸗ hoben werde. Die Doktoren 3280 112 Augsburgische Konfession. sagen, daß die Gelübde, auch wider des Papstes Recht, un⸗ bündig sind, wie viel weniger sollen sie denn binden, Statt und Kraft haben wider Gottes Gebot! Wo die Pflichten der Gelübde keine andere Ursachen hätten, daß sie möchten aufgehoben werden, so hätten die Päpste auch nicht dawider dispensieret oder erlaubt; denn es gebühret keinem Men⸗ schen, die Pflicht, so aus gött⸗ lichen Rechten herwächst, zu zerreißen. Darum haben die Päpste wohl bedacht, daß in dieser Pflicht eine Aquität soll gebraucht werden, und haben zum öftern dispensiert, als mit einem Könige von Arragon und vielen andern. So man nun zur Erhaltung zeitlicher Dinge dispensiert hat, 10ll viel billiger dispensiert werden um Notdurft willen der Seelen. Folgendes, warum treibet der Gegenteil so hart, daß man die Gelübde halten muß, und siehet nicht zuvor an, ob das Gelübde seine Art habe? Denn das Ge⸗ lübde soll in möglichen Sachen willig und ungezwungen sein. Wie aber die ewige Keuschheit in des Menschen Gewalt und Vermögen stehe, weiß man wohl. Auch sind wenige, beide, Manns⸗ und Weibspersonen, die von sich selbst, willig und wohlbedacht, das Kloster-Gelübde gethan haben. Ehe sie zum rechten Verstande kommen, so überredet man sie zum Kloster-Gelübde. Zuweilen werden sie auch dazu gezwungen und gedrungen. Darum ist es je nicht billig, daß man so geschwind und hart von der Gelübde⸗Pflicht dispu⸗ tiere, angesehen, daß sie alle be⸗ kennen, daß solches wider die Natur und Art des Gelübdes ist, da es nicht williglich und mit gutem Rat und Bedacht gelobet wurde. „Etliche Kanones und päpst⸗ liche Rechte zerreißen die Gelübde, die unter fumfzehn Jahren ge⸗ schehen sind; denn sie halten's dafür, daß man vor derselbigen Zeit so viel Verstand nicht hat, daß man die Ordnung des gan⸗ zen Lebens, wie dasselbe anzu⸗ stellen, beschließen könne. Ein andrer Kanon gibt der menschlichen Schwachheit noch mehr Jahre zu; denn er verbeut, das Kloster⸗Gelübde unter acht⸗ zehn Jahren zu thun. Daraus hat der meiste Teil Entschuldi⸗ gung und Ursache, aus den Klöstern zu gehen; denn sie des mehrern Teils in der Kindheit vor diesen Jahren in Klöster kommen sind. Endlich, wenn⸗ gleich die Brechung des Kloster⸗ Gelübdes möchte getadelt werden, so könnte aber dennoch nicht daraus erfolgen, daß man der⸗ selben Ehe zerreißen sollte. Denn St. Augustinus sagt, 27. quaest. 1 cap. Nuptiarum, daß man solche Ehe nicht zerreißen soll. Nun ist ja St. Augustin nicht im geringen Ansehn in der christlichen Kirche, obgleich etliche hernach anders gehalten. Wiewohl nun Gottes Gebot von dem Ehestande ihrer sehr viele vom Kloster-Gelübde frei und ledig gemacht, so wenden doch die Unsern noch mehr Ur⸗ sachen vor, daß Kloster⸗Gelübde nichtig und unbündig seien. Denn aller Gottesdienst, von den Menschen ohne Gottes Gebot und Befehl eingesetzt und er⸗ wählet, Gerechtigkeit und Gottes Gnade zu erlangen, sei wider Gott und dem Evangelio und vin eeee VV rer*— Augsburgische Konfession. 113 D.n Chrsm 47 bt ot enn ristus se agt, Matth. 15: Sie dienen mir ver⸗ geblich mit Menschen-Geboten. So lehret's auch St. Paulus überall, daß man Gerechtigkeit nicht soll suchen aus unsern Geboten und Gottesdiensten, so von Menschen erdichtet sind, sondern daß Gerechtigkeit und Frömmigkeit vor Gott kommt aus dem Glauben und Ver⸗ trauen, daß wir glauben, daß uns Gott um seines einigen Sohnes Christus willen zu Gna⸗ den annimmt. Nun ist es je am Tage, daß die Mönche gelehret und gepredigt haben, daß die er⸗ dachte Geistlichkeit genug thue für die Sünde und Gottes Gnade und Gerechtigkeit erlange. Was ist nun dies anders, denn die Herrlichkeit und Preis der Gna⸗ den Christi vermindern und die Gerechtigkeit des Glaubens ver⸗ leugnen? Darum folget aus dem, daß solche gewöhnliche Ge⸗ lübde unrechte, falsche Gottes⸗ dienste gewesen. Derhalben sind sie auch unbündig. Denn ein gottlos Gelübde, und das wider Gottes Gebot geschehen, ist un⸗ bündig und nichtig, wie auch die Kanones lehren, daß der Eid nicht soll ein Band zur Sünde ein. St. Paulus sagt, Gal. 5: Ihr seid ab von Christo, die ihr durch das Gesetz rechtfertig werden wollt, und habt der Gnaͤden ge⸗ fehlet. Derhalben auch die, so durch Gelübde wollen rechtfertig werden, sind von Christo ab und fehlen der Gnade Gottes. Denn dieselben rauben Christo seine Ehre, der allein gerecht macht, und geben solche Ehre ihren Gelübden und Klosterleben. Man kann auch nicht leugnen, daß die Mönche gelehrt und ge⸗ predigt haben, daß sie durch ihre Gelübde und Klosterwesen und Weise gerecht werden und Ver⸗ gebung der Sünden verdienen, ja, sie haben noch wohl unge⸗ schicktere Dinge erdichtet und ge⸗ sagt, daß sie ihre guten Werke den andern mitteilen. Wenn nun einer dies alles wollte un⸗ glimpflich treiben und aufmutzen, wie viel Stücke könnte er zu⸗ sammen bringen, deren sich die Mönche jetzt selbst schämen und nicht wollen gethan haben? Über das alles haben sich auch die Leute überredet, daß die er⸗ dichteten geistlichen Ordensstände sind christliche Vollkommenheit. Dies ist ja die Werke rühmen, daß man dadurch gerecht werde. Nun ist es nicht ein gering Argernis in der christlichen Kirche, daß man dem Volk einen solchen Gottesdienst vorträgt, den die Menschen ohne Gottes Gebot erdichtet haben, und lehren, daß ein solcher Gottesdienst die Menschen vor Gott fromm und beit ve macht. Denn Gerechtig⸗ eit des Glaubens, die man am meisten in der Kirche treiben soll, wird verdunkelt, wenn den Leuten die Augen aufgesperrt werden mit dieser seltsamen Engels-Geistlichkeit undfalschem Vorgeben der Armut, Demut und Keuschheit. Überdies werden auch die Ge⸗ bote Gottes und der rechte und wahre Gottesdienst dadurch ver⸗ dunkelt, wenn die Leute hören, daß allein die Mönche im Stande der Vollkommenheit sein sollten. Denn die christliche Vollkommen⸗ heit ist, daß man Gott von Herzen und mit Ernst fürchtet, und doch auch eine herzliche Zuversicht und Glauben, auch 38 11⁴ Augsburgische Konfession. Vertrauen fasset, daß wir um Christus' willen einen gnädigen, barmherzigen Gott haben, daß wir mögen und sollen von Gott bitten und begehren, was uns not ist, und Hilfe von ihm in allen Trübsalen gewißlich nach eines jeden Beruf und Stand gewarten. Daß wir auch indes sollen äußerlich mit Fleiß gute Werke thun und unsers Berufs warten: darin stehet die rechte Vollkommenheit und der rechte Gottesdienst, nicht im Betteln, oder in einer schwarzen oder grauen Kappe ꝛc. Aber das gemeine Volk fasset viel schäd⸗ liche Meinung aus falschem Lob des Klosterlebens. So sie es hören, daß man den ledigen Stand so über alle Maß lobet, folget, daß es mit beschwertem Gewissen im Ehestand ist. Denn daraus, so der gemeine Mann höret, daß die Bettler allein sollen vollkommen sein, kann er nicht wissen, daß er ohne Sünde Güter haben und hantieren möge. So das Volk höret, es sei nur ein Rat, nicht Rache üben, folget, daß etliche ver⸗ meinen, es sei nicht Sünde, außerhalb des Amts Rache zu üben. Etliche meinen, Rache gezieme den Christen gar nicht, auch nicht der Obrigkeit. Man lieset auch der Exempel viel, daß etliche Weib und Kind, auch ihr Regiment verlassen, und sich in Klöster gesteckt haben. Dasselbe, haben sie gesagt, heißt aus der Welt fliehen und ein solch Leben suchen, daß Gott besser gefiele, denn der andern Leben. Sie haben auch nicht können wissen, daß man Gott dienen soll in den Geboten, die er gegeben hat, und nicht in den Geboten, die von Menschen erdichtet sind. Nun ist je das ein guter und vollkommener Stand des Lebens, welcher Gottes Gebot für sich hat; das aber ist ein gefährlicher Stand des Lebens, der Gottes Gebot nicht für sich hat. Von solchen Sachen ist von nöten gewesen, den Leuten guten Bericht zu thun. Es hat auch Gerson in Vorzeiten den Irr⸗ tum der Mönche von der Voll⸗ kommenheit gestraft und zeucht an, daß bei seinen Zeiten dieses eine neue Rede gewesen sei, daß das Klosterleben ein Stand der Vollkommenheit sein soll. So viel gottloser Meinung und Irrtum kleben in den Kloster⸗ Gelübden, daß sie sollen recht— fertigen und fromm vor Gott machen, daß sie die christliche Vollkommenheit sein sollen, daß man damit beide, des Evan⸗ geliums Räte und Gebot halte, daß sie haben das Übermaß der Werke, die man Gott nicht schul⸗ dig sei. Dieweil denn solches alles falsch, eitel und erdichtet ist, so macht es auch die Kloster-Ge⸗ lübde nichtig und unbündig. Der achtundzwanzigste Artikel. Von der Bischöfe Gewalt. Von der Bischöfe Gewalt ist vorzeiten viel und mancherlei geschrieben und haben etliche unschicklich die Gewalt der Bi⸗ schöfe und das weltliche Schwert untereinander gemengt, und sind aus diesem unordentlichen Ge⸗ meng sehr große Kriege, Auf⸗ ruhr und Empörung erfolget, aus dem, daß die Bischöfe im Schein ihrer Gewalt, die ihnen von Christo gegeben, nicht allein neue Gottesdienste angerichtet haben und mit Borbehattung ³„ Weuu A etlicher Fälle und mit gewalt⸗ samem Bann die Gewissen be⸗ schwert, sondern auch sich unter⸗ wunden, Kaiser und Könige zu setzen und entsetzen ihres Ge⸗ fallens. Welchen Frevel auch lange Zeit hievor gelehrte und Eüriunhentae Leute in der hristenheit gestraft haben. Der⸗ halben die Unsern zu Trost der Gewissen gezwungen sind worden, den Unterschied der geistlichen und weltlichen Gewalt, Schwerts und Regiments anzuzeigen, und haben gelehret, daß man beiderlei Regiment und Gewalt um Gottes Gebots willen mit aller Andacht ehren und wohl halten soll als zwo höchste Gaben Gottes auf Erden. Nun lehren die Unsern also, daß die Gewalt der Schlüssel oder der Bischöfe sei, laut des Evangeliums, eine Gewalt und Befehl Gottes, das Evangelium zu predigen, die Sünde zu ver⸗ geben und zu behalten, Und die Sakramente zu reichen und zu andeln. Denn Christus hat die postel mit dem Befehl ausge⸗ sandt: Gleich wie mich mein Vater gesandt hat, also sende ich euch auch. Nehmet hin den Suümden Geist. Welchen ihr die ünden erlassen werdet, denen sollen sie erlassen sein, und denen ihr sie vorbehalten werdet, denen sollen sie vorbehalten sein. Die⸗ selbe Gewalt der Schlüssel oder Bischöfe übet und treibet man allein mit der Lehre und Predigt Gottes Worts und mit Hand⸗ reichung der Sakramente gegen viele oder einzelne Personen, danach der Beruf ist. Denn damit werden gegeben nicht leib⸗ liche, sondern ewige Dinge und Güter, als nämlich ewige Ge⸗ rechtigkeit, der Heilige Geist und Augsburgische Konfession. das ewige Leben. Diese Güter kann man anders nicht erlangen, denn durch das Amt der Predigt und durch die Handreichung der Rauins Sakramente. Denn St. Paulus spricht: Das Evange— lium ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben. Dieweil nun die Gewalt der Kirchen oder Bischöfe ewige Güter gibt und allein durch das Predigtamt geübt und ge⸗ trieben wird, so hindert sie die Polizei und das weltliche Regi⸗ ment nichts überall. Denn das weltliche Regiment gehet mit vielen andern Sachen um, denn das Evangelium; welche Gewalt schützt nicht die Seelen, sondern Leib und Gut wider äußerlicher Gewalt mit dem Schwert und leiblichen Pönen. Darum soll man die zwei Regimente, das geistliche und weltliche, nicht in einander men⸗ gen und werfen. Denn die geist⸗ liche Gewalt hat ihren Befehl, das Evangelium zu predigen und die Sakramente zu reichen, soll auch nicht in ein 1— Amt fallen, soll nicht Könige setzen oder entsetzen, soll weltlich Gesetz und Gehorsam der Obrigkeit nicht aufheben oder zerrütten, soll weltlicher Gewalt nicht Gesetze machen und stellen von weltlichen Händeln. Wie denn auchChristus selbst gesagt hat: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Item: Wer hat mich zu einem Richter zwischen euch gesetzt. Und St. Paulus, Philipp. 3: Unsere Bürgerschaft ist im Himmel. Und in 2. Kor. 10: Die Waffen unsrer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, zu verstören die Anschläge und alle Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes. * 116 Augsburgische Konfession. Diesergestalt unterscheiden die Unsern beiderlei Regiment und Gewaltamt, und heißen sie beide, als die höchste Gabe Gottes auf Erden, in Ehren halten. Wo aber die Bischöfe weltlich Regi⸗ ment und Schwert haben, so haben sie dieselben nicht als Bischöfe aus göttlichen Rechten, sondern aus menschlichen, kaiser⸗ lichen Rechten, geschenkt von Kaisern und Königen zu welt⸗ licher Verwaltung ihrer Güter, und gehet das Amt des Evan⸗ eliums gar nichts an. Der⸗ Halben ist das bischöfliche Amt nach göttlichen Rechten, das Evangelium predigen, Sünde vergeben, Lehre urteilen und die Lehre, so dem Evangelio ent⸗ egen, verwerfen und die Gott⸗ osen, deren gottlos Wesen offen⸗ bar ist, aus christlicher Gemeinde aus schließen, ohne menschliche ewalt, sondern allein durch Gottes Wort. Und diesfalls sind die Pfarrleute und Kirchen schuldig, den Bischöfen gehorsam zu sein, laut dieses Spruchs Christi, Luk. 10: Wer euch höret, der höret mich. Wo sie aber etwas dem Evangelio entgegen lehren, setzen, oder aufrichten, haben wir Gottes Befehl in solchem Fall, daß wir nicht sollen gehorsam sein, Matth. 7: Se⸗ het euch vor vor den falschen Propheten. Und St. Paulus Gal. 1: So auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch ein ander Evangelium predigen würde, denn das wir euch ge⸗ predigt haben, der sei verflucht. Und in 2 Korinther 13: Wir haben keine Macht wider die Wahrheit, sondern für die Wahr⸗ heit. Item: Nach der Macht, welche mir der Herr zu bessern und nicht zu verderben gegeben hat. Also gebeut auch das geistliche Recht in dap. Sacer⸗ dotes und in cap. Oves. Und St. Augustin schreibt in der Epistel wider Petilianum: Man soll auch den Bischöfen, so or⸗ dentlich gewählet, nicht folgen, wo sie irren, oder etwas wider die Heilige göttliche Schrift lehren oder ordnen. Daß aber die Bischöfe sonst Gewalt und Gerichtszwang haben in etlichen Sachen, als nämlich Ehesachen oder Zehn⸗ ten, dieselben haben sie aus Kraft menschlicher Rechte. Wo aber die Ordinarien nachlässig in solchem Amt, so sind die Fürsten schuldig, sie thun es gern oder ungern, hierin ihren Unterthanen um Friedens willen Pon Iin sprechen, zur Verhütung von Unfrieden und großer Un⸗ ruhe in Ländern. Weiter disputiert man: Ob auch Bischöfe Macht haben, Zeremonieen in der Kirche auf⸗ zurichten, desgleichen Satzungen von Speise, Feiertagen, von unterschiedlichen Orden der Kir⸗ chendiener? Denn die den Bi⸗ schöfen diese Gewalt geben, ziehen diesen Spruch Christi an, Joh. 16: Ich habe euch noch viel zu sagen, ihr aber könnet's jetzt nicht tragen, wenn aber der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit führen. Dazu führen sie auch das Exempel Apsilg. 15 an, da sie Blut und Ersticktes verboten haben. So zeucht man auch das an, daß der Sabbath in Sonntag ist verwandelt wor⸗ den wider die zehn Gebote, da⸗ für sie es achten, und wird kein Exempel so hoch getrieben und angezogen, als die Verwandlung des Sabbaths, und wollen damit * — n HAën E N Augsburgische Konfession. 117 erhalten, daß die Gewalt der Kirchen groß sei, dieweil sie mit den zehn Geboten dispensieret und etwas daran verändert hat. Aber die Unsern lehren in dieser Frage also: Daß die Bi⸗ schöfe nicht Macht haben, etwas wider das Evangelium zu setzen und aufzurichten, wie denn oben angezeigt ist, und die geistlichen Rechte durch die ganze neunte Distinktion lehren. Nun ist dieses öffentlich wider Gottes Befehl und Wort, der Meinung Gesetze zu machen, oder zu gebieten, daß man dadurch für die Sünde genug thue und Gnade erlange; denn es wird die Ehre des Ver⸗ dienstes Christi verlästert, wenn wir uns mit solchen Satzungen unterwinden, Gnade zu verdie⸗ nen. Es ist auch am Tage, daß um dieser Meinung willen in der Christenheit menschliche Auf— satzungen unzählig überhand ge— nommen haben, und indes die Lehre vom Glauben und die Gerechtigkeit des Glaubens gar ist unterdrückt gewesen. Man hat täglich neue Feiertage, neue Fasten geboten, neue Zeremonieen und neue Ehrerbietung der Heiligen eingesetzt, mit solchen Werken Gnade und alles Guts bei Gott zu verdienen. Item, die mensch⸗ liche Satzung aufrichten, thun auch damit wider Gottes Gebot, daß sie Sünde setzen in der Speise, in Tagen und dergleichen Dingen und beschweren also die Christen⸗ heit mit der us mihte e des Gesetzes, eben als müßte bei den Christen ein solcher Gottesdienst sein, Gottes Gnade zu verdienen, der gleich wäre dem levitischen Gottesdienste, welchen Gott sollte den Aposteln und Bischöfen be⸗ fohlen haben, aufzurichten, wie denn etliche davon schreiben; stehet auch wohl zu glauben, daß etliche Bischöfe mit dem Exem⸗ pel des Gesetzes Mosis sind be— trogen worden, daher so un⸗ zählige Satzungen kommen sind, daß eine Todsünde sein soll, wenn man an Feiertagen eine Handarbeit thue, auch ohne Argernis der andern; daß eine Todsünde sei, wenn man die Siebenzeit nachläßt, daß etliche Speise das Gewissen verunrei⸗ nige, daß Fasten ein solch Werk sei, damit man Gott versöhne, daß die Sünde in einem vorbe⸗ haltenen Fall werde nicht ver⸗ geben, man ersuche denn zuvor den Vorbehalter des Falls, un⸗ angesehen, daß die geistlichen Rechte nicht von Vorbehaltung der Schuld, sondern von Vor⸗ behaltung der Kirchenpön reden. Woher haben denn die Bi⸗ schöfe Recht und Macht, solche Aufsätze der Christenheit auf— zulegen, die Gewissen zu ver⸗ stricken? Denn St. Peter ver⸗ beut in der Apostelgeschichte 15, das Joch auf der Jünger Hälse zu legen, und St. Paulus sagt zu den Korinthern, daß ihnen die Gewalt, zu bessern und nicht zu verderben gegeben sei. Warum mehren sie denn die Sünde mit solchen Aufsätzen? Doch hat man helle Sprüche der göttlichen Schrift, die da verbieten, solche Aufsätze aufzurichten, die Gnade Gottes damit zu verdienen, oder als sollten sie von nöten zur Patt. sein. So sagt St. Paulus, Kolosser 2: So laßt nun niemand euch Gewissen machen über Speise, oder über Trank, oder über bestimmten Tagen, nämlich den Feiertagen, oder neuen Monden, oder Sab⸗ bathen, welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war, 9** * * * . eeensn — 118 Augsburgische Konfession. aber der Körper selbst ist in Christo. Item, so ihr denn ge— storben seid mit Christo von den weltlichen Satzungen, was lasset ihr euch denn fangen mit Satzun⸗ gen, als wäret ihr lebendig, die da sagen: Du sollst das nicht anrühren, du sollst das nicht essen, noch trinken, du sollst das nicht anlegen, welches sich doch alles unter Händen verzehret, und sind Menschengebot und Lehre und haben einen Schein der Wahrheit. Item, St. Pau⸗ lus, Tito 1, verbeut öffentlich, man soll nicht achten auf jü⸗ dische Fabeln und Menschen⸗ gebot, welche die Wahrheit ab— wenden. So redet auch Christus selbst, Matth. 15, von denen, so die Leute auf Menschengebot trei⸗ ben: Laßt sie fahren, sie sind der Blinden blinde Leiter, und verwirft solchen Gottesdienst und sagt: Alle Pflanzen, die mein himmlicher Vater nicht gepflanzet hat, die werden aus⸗ gereutet. So nun die Bischöfe Macht haben, die Kirchen mit unzähligen Aufsätzen zu be⸗ schweren und die Gewissen zu verstricken, warum verbeut dann die göttliche Schrift so oft, die menschlichen Aufsätze zu machen und zu hören? warum nennet sie dieselben Teufelslehren? Sollt' denn der Heilige Geist solches alles vergeblich verwar— net haben? Derhalben, dieweil solche Ordnungen als nötig aufge— richtet, damit Gott zu versöhnen und Gnade zu verdienen, dem Evangelio entgegen sind, so zie⸗ met sich keineswegs den Bischö⸗ fen, solche Gottesdienste zu er⸗ zwingen. Denn man muß in der Christenheit die Lehre von der christlichen Freiheit behalten, als nämlich, daß die Knechtschaft des Gesetzes nicht nötig ist zur Rechtfertigung, wie denn Et. Paulus, Gal. 5, schreibet: So bestehet nun in der Freiheit, da⸗ mit uns Christus befreiet hat, und laßt euch nicht wieder in das knechtische Joch verknüpfen. Denn es muß ja der vornehmste Artikel des Evangeliums erhal⸗— ten werden, daß wir die Gnade Gottes durch den Glauben an Christum ohne unser Verdienst erlangen und nicht durch Dienste, von Menschen eingesetzt, ver— dienen. Was soll man denn halten vom Sonntag und dergleichen andern Kirchen-Ordnungen und Zeremonieen? Darzu geben die Unsern diese Antwort: Daß die Bischöfe oder Pfarrherren mö— gen Ordnung machen, damit es ordentlich in der Kirche zu⸗ gehe, nicht, damit Gottes Gnade zu erlangen, auch nicht, damit für die Sünde genugzuthun, oder die Gewissen damit zu ver⸗ binden, solches für nötigen Got— tesdienst zu halten, und es da⸗ für zu achten, daß sie Sünde thäten, wenn sie ohne Argernis dieselben brechen. Also hat St. Paulus zu den Korinthern ver⸗ ordnet, daß die Weiber in der Versammlung ihr Haupt sollen decken. Item, daß die Prediger in der Versammlung nicht zu⸗ gleich alle reden, sondern ordent⸗ lich einer nach dem andern. Solche Ordnung gebührt der christlichen Versammlung um der Liebe und Friedens willen zu halten, und den Bischöfen und Pfarrherren in diesen Fällen gehorsam zu sein und dieselben sofern zu halten, daß einer den andern nicht ärgere, damit in der — NMyros. e?: SSTSE DA. — —————————— Kirche keine Unordnung oder wüstes Wesen sei. Doch also, daß die Gewissen nicht beschwert werden, daß man's für solche Dinge halte, die not sein sollten zur Seligkeit, und es dafür achte, daß sie Sünde thäten, wenn sie dieselben ohne der andern Är⸗ gernis brechen, wie denn niemand sagt, daß das Weib Sünde thue, die mit bloßem Haupte ohne AÄrgernis der Leute ausgehet. Also ist die Ordnung vom Sonntage, von der Osterfeier, von den Pfingsten und der⸗ gleichen Feier und Weise. Denn die es dafür achten, daß die Ordnung vom Sonntage für den Sabbath als nötig aufge— richtet sei, die irren sehr; denn die Heilige Schrift hat den Sab⸗ bath abgethan und lehret, daß alle Zeremonieen des alten Ge⸗ setzes nach Eröffnung des Evan⸗ geliums mögen nachgelassen wer— den; und dennoch, weil von nöten gewesen ist, einen gewissen Tag zu verordnen, auf daß das Volk wüßte, wann es zusammen kommen sollte, hat die christliche Kirche den Sonntag dazu ver⸗ ordnet und zu dieser Veränderung desto mehr Gefallens und Wil⸗ lens gehabt, damit die Leute ein Exempel hätten der christlichen Freiheit, daß man wüßte, daß weder die Haltung des Sab— baths, noch eines andern Tags von nöten sei. Es sind viel unrichtige Dis⸗ putationen von der Verwand⸗ lung des Gesetzes, von den Zeremonieen des Neuen Testa⸗ ments, von der Veränderung des Sabbaths, welche alle ent⸗ sprungen sind aus falscher und irriger Meinung, als müßte man in der Christenheit einen solchen Gottesdienst haben, der dem Augsburgische Konfession. 119 levitischen oder jüdischen Gottes⸗ dienst gemäß wäre, und als sollte Christus den Aposteln und Bi⸗ schöfen befohlen haben, neue Zeremonieen zu erdenken, die zur Seligkeit nötig wären. Die⸗ selben Irrtümer haben sich in die Christenheit eingeflochten, da man die Gerechtigkeit des Glaͤubens nicht lauter und rein gelehrt und gepredigt hat. Et⸗ liche disputieren also vom Sonn⸗ tag, daß man ihn halten müsse, wiewohl nicht aus göttlichen Rechten, stellen Form und Maß, wiefern man am Feiertage ar⸗ beiten mag. Was sind aber solche Disputationen anders, denn Fallstricke des Gewissens? Denn wiewohl sie sich unter⸗ stehen, menschliche Aufsätze zu lindern und epiizieren, so kann man doch keine Linderung tref— fen, solange die Meinung ste⸗ het und bleibet, als sollten sie von nöten sein. Nun muß die⸗ selbe Meinung bleiben, wenn man nichts weiß von der Ge⸗ rechtigkeit des Glaubens und von der christlichen Freiheit. Die Apostel haben geheißen, man solle sich enthalten des Bluts und Erstickten. Wer hält's aber jetzo? Aber dennoch thun die keine Sünde, die es nicht halten; denn die Apostel haben auch selbst die Gewissen nicht wollen beschweren mit solcher Knechtschaft, sondern haben's um Argernis willen eine Zeitlang verboten. Denn man muß Achtung haben in dieser Satzung auf das Haupt⸗ stück christlicher Lehre, das durch dieses Dekret nicht aufgehoben wird. Man hält schier keine alte Kanones, wie sie lauten, es fallen auch derselben Satzung 12⁰ täglich viel weg, auch bei denen, die solche Auffätze allerfleißigst halten. Da kann man den Ge⸗ wissen nicht raten noch helfen, wo diese Linderung nicht ge⸗ halten wird, daß wir wissen, solche Aufsätze also zu halten, daß man's nicht dafür halte, daß sie nötig seien, daß auch den Gewissen unschädlich sei, obgleich solche Aufsätze fallen. Es würden aber die Bischöfe leichtlich den Gehorsam erhalten, wo sie nicht darauf drängen, diejenigen Satzungen zu halten, so doch ohne Sünde nicht mögen gehalten werden. Jetzo aber thun sie ein Ding und verbieten beide Gestalten des heiligen Sakra— ments, item, den Geistlichen den Ehestand, nehmen niemand auf, ehe er denn zuvor einen Eid gethan habe, er wolle diese Lehre, so doch ohne Zweifel dem hei⸗ ligen Evangelio gemäß ist, nicht predigen. Unsere Kirchen begehren nicht, daß die Bischöfe mit Nachteil ihrer Ehre und Würden wie— derum Friede und Einigkeit machen(wiewohl solches den Bischöfen in der Not auch zu thun gebühret), allein sie bitten darum, daß die Bischöfe etliche unbillige Beschwerungen nach— lassen, die doch vorzeiten auch in der Kirche nicht gewesen und angenommen sind wider den Gebrauch der christlichen ge⸗ meinen Kirche, welche vielleicht im Anheben etliche Ursachen gehabt; aber sie reimen sich nicht zu unsern Zeiten. So ist es auch unleugbar, daß etliche Satzungen aus Unverstand angenommen sind. Darum sollten die Bi⸗ schöfe der Gütigkeit sein, die⸗ selben Satzungen zu mildern, sintemal eine solche Anderung Augsburgische Konfession. nicht schadet, die Einigkeit christ⸗ licher Kirchen zu erhalten; denn viel Satzungen, von den Men⸗ schen aufgekommen, sind mit der Zeit selbst tn r und nicht nötig zu halten, wie die päpst⸗ lichen, Rechte selbst zeugen. Kann's aber je nicht sein, es auch bei ihnen nicht zu erhalten, daß man solche menschliche Satzungen mäßige und abthue, welche man ohne Sünde nicht kann halten, so müssen wir der Apostel Regel folgen, die uns gebeut: Wir sollen Gott mehr gehoörsam sein, denn den Men⸗ schen. St. Peter verbeut den Bischöfen die Herrschaft, als hätten sie Gewalt, die Kirchen, wozu sie wollen, zu zwingen. Jetzt gehet man nicht damit um, wie man den Bischöfen ihre Gewalt nehme, sondern man bittet und begehret, sie wollten die Gewissen nicht zu Sünden zwingen. Wenn sie aber solches nicht thun wer⸗ den und diese Bitte verachten, so möchten sie gedenken, wie sie werden deshalb Gott Antwort geben müssen, dieweil sie mit solcher ihrer Härtigkeit Ursache geben zu Spaltungen und Schisma, das sie doch billig sollen verhüten helfen. Dies sind die vornehmsten Artikel, die für streitig geachtet werden. Denn wiewohl man viel mehr Mißbräuche und Un⸗ richtigkeit hätte anziehen können, so haben wir doch, die Weit⸗ läufigkeit und Länge zu verhüten, allein die vornehmsten vermeldet, daraus die andern leichtlich zu ermessen. Denn man in Vor⸗ eiten sehr geklagt über den lblaß, über Wallfahrten, über Mißbrauch des Bannes. Es hatten auch die Pfarrer unend⸗ —— =————— neeen lich Gezänk mit den Mönchen von wegen des Beichthörens, des Begräbnis, der Leichen⸗ predigten und unzähliger an⸗ derer Stücke mehr. Solches alles haben wir im besten und Glimpfs willen übergangen, damit man die vornehmsten Stücke in dieser Sachen desto besser vermerken möchte. Dafür soll es auch nicht gehalten wer⸗ den, daß in dem jemand etwas zu Haß, wider oder Unglimpf geredet oder angezogen sei, son⸗ dern wir haben allein die Stück erzählet, die wir für nötig an⸗ uchtet und zu vermelden ge⸗ achtet haben, damit man daraus desto besser zu vernehmen habe, daß bei uns nichts, weder mit Lehr noch mit Zeremonieen, an⸗ genommen ist, das entweder der Heiligen Schrift oder gemeiner christlichen Kirche zu entgegen wäre. Denn es ist je am Tage und offenbar, daß wir mit allem Augsburgische Konfession. Ruhm zu reden) verhütet haben, damit je keine neue und gott⸗ lose Lehre sich in unsre Kirche einflechte, einreiße und überhand nehme. Die obgemeldeten Artikel haben wir, dem Ausschreiben nach, übergeben wollen zu einer An⸗ zeigung unser Bekenntnis und der Unsern Lehre. Und ob je⸗ mand befunden würde, der daran Mangel hätte, dem ist man fer⸗ ner Bericht. mit Grund gött⸗ licher Heiliger Schrift, zu thun erbötig. E. Kaiserl. Majestät unterthänigste Johannes, Herzog zu Sachsen, Kurfürst. Georg, Markgraf zu Branden⸗ burg. Ernst, Herzog zu Lüneburg. Philipp, Landgraf zu Hessen. Wolfgang, Fürst zu Anhalt. Die Stadt Nürnberg. Die Stadt Reutlingen. Fleiß mit Gottes Hilfe(ohne * * W.. 4 2 22 1 Melodieen⸗Register, welches zeigt, wie einige Lieder nach verschiedenen Melodieen gesungen werden können. Ach Gott vom Himmel, sieh Aus tiefer Not schrei ich zu dir Ach Herr, mich armen Sünder Befiehl du deine Wege Herzlich thut mich verlangen Valet will ich dir geben Wie soll ich dich empfangen Allein Gott in der Höh sei Ehr Es ist das Heil uns kommen her Es ist gewißlich an der Zeit Es spricht der Unweisen Mund Mein Herzens-Jesu, meine Lust Nun freut euch, lieben Christen Wär Gott nicht mit uns diese Wenn mein Stündlein Wo Gott, der Herr, nicht bei uns Alle Menschen müssen sterben Jesu, meines Lebens Leben An Wasserflüssen Babylon Christ, unser Herr, zum Jordan Es wollte Gott uns gnädig sein Christus, der uns selig macht Schwing dich auf zu deinem Gott Da Jesus an des Kreuzes Stamm In dich hab ich gehoffet, Herr Der am Kreuz ist meine Liebe Werde munter, mein Gemüte Wie nach einer Wasserquelle Zion klagt mit Angst und Der Tag der ist so freudenreich An Wasserflüssen Babylon Ein Kindelein so löbelich Durch Adams Fall ist ganz O Herre Gott, dein göttlich Wort Was mein Gott will, das gscheh Einer ist König, Immanuel sieget Jesu, hilf siegen, du Fürste des Der Tag der ist so freudenreich Erhalt uns, Herr, bei deinem Aus meines Herzens Grunde Helft mir Gotts Güte preisen Aus tiefer Not schrei ich zu dir Ach Gott vom Himmel sieh Befiehl du deine Wege Ach Herr, mich armen Sünder Valet will ich dir geben Wie soll ich dich empfangen. Christ, der du bist der helle Tag Herr Jesu Christ, dich zu uns Herr Jesu Christ, meins Lebens Vom Himmel hoch da komm ich Wo Gott zum Haus nicht gibt Christ, der du bist der helle Tag Herr Jesu Christ, dich zu uns Herr Jesu Christ, meins Lebens Komm, Gott Schöpfer, heiliger Nun laßt uns den Leib begraben Wo Gott zum Haus nicht gibt Es ist das Heil uns kommen her Allein Gott in der Höh sei Ehr Es ist gewißlich an der Zeit Mein Herzens-Jesu, meine Lust Nun freut euch, lieben Christen Es ist gewißlich an der Zeit Nun freut euch, lieben Christen Melodieen⸗Register. 123 Es spricht der Unweisen Mund Komm, Gott Schöpfer, heilger Es ist gewißlich an der Zeit Herr Jesu Christ, dich zu uns Mein Herzens⸗Jesu, meine Lust Herr Jesu Christ, meins Lebens Es wolle Gott uns gnädig sein Nun laßt uns den Leib begraben Christ, unser Herr, zum Jordan Komm, o komm, du Geist des Fröhlich soll mein Herze springen Gott des Himmes und der Erden Warum sollt ich mich denn Kommt her zu mir, spricht Gottes Gott des Himmels und der ErdenHeut singt die liebe Christenheit Komm, o komm, du Geist des Lobet den Herren, alle die ihn Herzliebster Jesu, was hast du Herzliebster Jesu, was hast du Lobet den Herren, alle die ihn Lobt Gott, ihr Christen Helft mir Gotts Güte preisen Nun danket all und bringet Ehr Aus meines Herzens Grunde Meinen Jesum laß ich nicht Herr Christ, der einge Gottssohn Jesus, meine Zuversicht Wenn meine Sünd mich kränken Mein Herzens⸗Jesu, meine Lust Herr Gott, dich loben alle wir Es ist das Heil uns kommen her Nun laßt uns den Leib begraben Es ist gewißlich an der Zeit Herr Jesu Christ, dich zu uns Nun danket alle Gott Herr Jesu Christ, meins Lebens O Gott, du frommer Gott Wo Gott zum Haus nicht gibt Nun danket all und bringet Ehr Herr, ich habe mißgehandelt Lobt Gott, ihr Christen Unser Herrscher, unser König Nun freut euch, lieben Christen Herr Jesu Christ, dich zu unsEs ist das Heil uns kommen her Nun Jesu Christ, meins Lebens Es ist gewißlich an der Zeit Nun laßt uns den Leib begraben Mein Herzens⸗Jesu, meine Lust Herr Jesu Christ, meins Lebens Nun laßt uns den Leib begraben Herr Jesu Christ, dich zu uns Herr Jesu Christ, meins Lebens Herr, zur Zucht in deinem Nun sich der Tag geendet hat Seint„Hn die Nacht ich; Nun danket all und bringet Ehr O daß ich tausend Zungen hätte Heut singt die liebe Christenheit„Wer nur den lieben Gott läßt Kommt he ir,spricht Gottes e O der alles hätt verloren Ich bin ja, Herr, in deiner.(Ringe recht, wenn Gottes Gnade O Gott, der du ei ist„ n O Gott, der du ein Heerfürst bist 41 b inn 3 Ich bin ja, Herr, in deiner Macht Einer ist König, Immanuel sieget O du Liebe meiner Liebe Jesu, meines Lebens Leben O gesegnetes Regieren Alle Menschen müssen sterben O Gott, du frommer Gott Jesus, meine Zuversicht Nun danket alle Gott e Jesum laß ich nicht O Herre Gott, dein göttlich Wort In dich hab ich gehoffet, Herr Durch Adams Fall ist ganz Da Jesus an des Kreuzes Was mein Gott will, das 8* * 566 2 1 ö ö 12⁴ Melodieen-Register. Ringe recht, wenn Gottes Gnade O der alles hätt verloren Schwing dich aufzu deinem Gott Christus, der uns selig macht Unser Herrscher, unser König Herr, ich habe mißgehandelt Valet will ich dir geben Ach Herr, mich armen Sünder Befiehl du deine Wege Wie soll ich dich empfangen Vom Himmel hoch da komm ich Herr Gott, dich loben alle wir Wo Gott zum Haus nicht gibt Wär Gott nicht mit uns diese Es ist gewißlich an der Zeit Mein Herzens-⸗Jesu, meine Lust Wo Gott, der Herr, nicht bei uns Warum sollt ich mich denn Fröhlich soll mein Herze springen Was mein Gott will, das gscheh Durch Adams Fall ist ganz O Herre Gott, dein göttlich Wenn meine Sünd mich kränken Herr Christ, der einge Hilf Gott, daß mirs gelinge Wenn mein Stündlein Es ist gewißlich an der Zeit Mein Herzens⸗Jesu, meine Lust Wenn wir in höchsten Nöten Erhalt uns, Herr, bei deinem Herr Jesu Christ, meins Lebens Nun laßt uns den Leib begraben Wer nur den lieben Gott läßt O daß ich tausend Zungen hätte Werde munter, mein Gemüte Der am Kreuz ist meine Liebe Wie nach einer Wasserquelle Zion klagt mit Angst und Wie soll ich dich empfangen Ach Herr, mich, armen Sünder Befiehl du deine Wege Valet will ich dir geben Wo Gott, der Herr, nicht bei uns Es ist das Heil uns kommen her Es ist gewißlich an der Zeit Mein Herzens-Jesu, meine Lust Wär Gott nicht mit uns diese Zion klagt mit Angst und Der am Kreuz ist meine Liebe Episteln und fũ Enangelien + die Sonn⸗ und Feiertage des Kirchenjahrs. Am 1. Sonntage des Advents. Epistel. Röm. 13, 11—14. Weil wir solches wissen, näm⸗ lich die Zeit, daß die Stunde da ist aufzustehen vom Schlaf, sinte⸗ mal unser Heil jetzt näher ist, denn da wirs glaubten. Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kommen; so lasset uns ablegen die Werke der Fin⸗ sterniß und anlegen die Waffen des Lichts. Lasset uns ehrbarlich wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium. Matth. 21, 1—9. Da sie nun nahe bei Jeru⸗ der Tochter Zion; Siehe, dein König kommt zu dir sanftmüthig, und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen heite, und brachten die Eselin und das Füllen und leg⸗ ten ihre Kleider drauf und setzten ihn drauf. Aber viel Volks brei⸗ tete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgete, schrie und sprach: abet sii dem Sohne David! Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Am 2. Sonntage des Advents. Epistel. Röm. 15, 4—13. salem kamen, gen Bethphage an den Oelberg, sandte Jesus seiner Jünger zween und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden an⸗ ebunden und ein Füllen bei ihr; öset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir, durch Geduld und Trost der Schrift, Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seid unter einander, nach Jesu Christ, auf daß ihr einmüthiglich mit Einem Munde lobet Gott und den Vater 910 bedarf ihrer! sobald wird er unsers Herrn Jesu Christi. Da⸗ e euch lassen. Das geschah aber rum nehmet euch unter einander alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Pro⸗ aufgenommen zu pheten, der da spricht: Saget Ich sage aber, daß Jesus Chri⸗ auf, gleichwie euch Christus hat Gottes Lobe. 126 Episteln und Evangelien. stus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern gesche⸗ hen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen. Und abermal spricht er: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk! Und abermal: Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker! Und abermal spricht Jesaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird, zu herr⸗ schen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihr völlige Hoff— nung habt durch die Kraft des heiligen Geistes. Evangelium. Lue. 21, 25—36. Und es werden Zeichen ge⸗ schehen an der Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brau⸗ sen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden ket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Him⸗ mel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Her⸗ zen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Am 3. Sonntage des Advents. Epistel. 1 Cor. 4, 1—5. Dafür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheim⸗ nisse. Nun suchet man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ists ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darinnen bin ich nicht ge⸗ rechtfertiget. Der Herr ists aber, der mich richtet. Darum richtet sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der so sehet auf und hebeteure Häupter Herzen offenbaren; alsdann wird auf, darum, daß sich eure Erlö⸗ sung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr es an ihnen und mer⸗ einem jeglichen von Gott Lob widerfahren. Evangelium. Matth. 11, 2—10. Da aber Johannes im Ge⸗ fängniß die Werke Christi hörete, Episteln und sandte er seiner Jünger zween und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret. Die Blinden sehen und die Lah⸗ men gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Todten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium geprediget, und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hin⸗ gingen, fing Jesus an zu reden u dem Volk von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegan⸗ Evangelien. 127 Evangelium. Joh. 1, 19—28. Und dies ist das Zeugniß Jo⸗ hannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Le⸗ viten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bins nicht. Bist du ein Prophet? Und er ant⸗ wortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagest du' von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern und fragten ihn und sprachen zu ihm; Warum taufest du denn, so du nicht Chri⸗ stus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete gen zu sehen? Wolltet ihr einen ihnen und sprach: Ich taufe mit Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ists, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Am 4. Sonntage des Advents. Epistel. Phil. 4, 4—7. Freuet euch in dem Herrn alle⸗ wege, und abermal sage ich: Freuet euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget nichts, sondern in allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Her⸗ Wasser, aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht len⸗ net. Dei ists, der nach mir kom⸗ men wird, welcher vor mir ge⸗ wesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auf⸗ löfe. Dies geschah zu Bethabara, jenseit des Jordan, da Johannes taufete. Am 1. Christfesttage. Epistel. Tit. 2, 11—14. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste und üchtig, gerecht und gottselig Iehen in dieser Welt, und war⸗ ten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des zen und Sinne in Christo Jesu. großen Gottes und unsers Hei⸗ ö . 2 2 2 2 * 2 * V * * 72 128 Episteln und Evangelien. landes, Jesu Christil, der sich in seine Stadt. Da machte sich selbst für uns doete hat, auf auf auch Joseph aus Galiläa, daß er uns erlösete von aller aus der Stadt Nazareth, in das Ungerechtigkeit und reinigte ihm jüdische Land, zu der Stadt selbst ein Volk zum Eigenthum, David, die da heißt Bethlehem, das fleißig wäre zu guten Werken darum, daß er bon dem Hause Epistel. Jesaias 9, 2—7. Das Volk, so im Finstern wan⸗ delt, siehet ein roßes Licht, und über die da wohnen im finstern Lande, scheinet es machst du der Freuden nicht viel. Vor dir aber wird man si freuen, wie man sich freuet in der Ernte; wie man fröhlich ist, wenn man Beute austheilet. ö Denn du WW Last und die Ruthe ihrer Schul⸗ ter und den Stecken ihres Trei⸗ Midians. Denn aller Krieg mit Ungestüm und blutiges Kleid wird verbrannt und mit Feuer verzehret werden. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunderbar, Rath, Kraft, Held, Ewig⸗Vater, Friedefürst; auf daß seine Herrschaft groß werde, und des Friedens kein Ende auf dem Stuhl Davids 0 und seinem Königreiche, daß er N ů es zurichte und stärke mit Gericht I und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird thun der Eifer des Herrn Zebaoth. Evangelium. Luc. 2, 1—14. Mnt Es begab sich aber zu der Zeit, AI daß ein Gebot von dem Kaiser M. Augustus ausging, daß alle ö I Welt geschätzet würde. Und diese Schatzung war die aller⸗ II erste und geschah zur Zeit, da ö Cyrenius Landpfleger in Syrien I war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher machst der Heiden Dil, damit h gebären sollte. Und sie gebar ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten und Geschlechte David war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß ihren ersten Sohn, und wickelte sonst keinen Raum in der Her⸗ berge. Und es waren Hirten in hast das Joch hrer def elbigen Gegend auf dem Felde ei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Heerde. Und siehe, bers zerbrochen, wie zur Zeit ö des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuch⸗ tete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach u ihnen: Fürchtet euch nicht! ehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk wider⸗ fahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt David. Und das habt zum Zei⸗ chen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln Haerr und in einer Kripöoe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heer⸗ schaaren, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Am 2. C Stephani, oder 2. Christfesttage. Epistel. Apost. Gesch. 6, 8 bis Cap. 7, 2. 51—59. Stephanus aber, voll Glau⸗ bens und Kräfte, that Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da standen etliche auf ..— ee S ⁰œLese Episteln und von der Schule, die da heißet der Libertiner und der Cyrener und der Alexanderer und derer, die aus Cilicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephanus; und sie vermochten nicht zu wider⸗ stehen der Weisheit und dem Geiste, aus welchem er redete. Da richteten sie zu etliche Män⸗ ner, die sprachen: Wir haben ihn gehöret Lästerworte reden wieder Mosen und wieder Gott. Und bewegten das Volk und die Aelte⸗ sten und die Schriftgelehrten, und traten herzu und rissen ihn hin und führten ihn vor den Rath und stellten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch höret nicht auf zu reden Läster⸗ worte wider die heilige Stätte und das Gesetz. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Na⸗ 129 die Herrlichkeit Gottes, und Je⸗ sum stehen zur Rechten Gottes und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrien aber laut und hiel⸗ ten ihre Ohren zu und stürme⸗ ten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus. Und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf: Er kniete aber nieder und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium. Matth. 23, 34—39. Darum siehe, ich sende zu euch Evangelien. zareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn alle, die im Rath saßen, und sahen sein Angesicht, 901 60de 50 els uner: Iü dem prach der Hohepriester: em also? Er aber sprach: Lieben Brüder und Väter, höret zu:— Ihr Halsstarrigen und Unbe⸗ schnittenen an Herzen und Oh⸗ ren, ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geist, wie eure Väter, also auch ihr. Welche Pro⸗ Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und derselbigen werdet ihr etliche tödten und kreuzigen und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern; auf daß über euch komme alle das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Bluͤt an des gerechten Abel, bis auf das Blut Zacha⸗ rias, Barachias Sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, pheten haben eure Väter nicht verfolget und sie getödtet, die da zuvor verkündigten die Zukunft dieses Gerechten, welches ihr nun Verräther und Mörder geworden seid? Ihr habt das Gesetz em⸗ ich sage euch, daß solches alles wird über dies Geschlecht kom⸗ men. Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die Propheten und steinigest, die zu dir gesandt sind! wie oft habe ich deine Kinder pfangen durch der Engel Geschäfte versammeln wollen, wie eine und habts nicht gehalten. Da sie solches höreten, gings ihnen durchs Herz, und bissen die Zähne zusammen über ihn. Als er aber voll heiligen Geistes war, sahe Henne versammelt ihre Küchlein Unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet er auf gen Himmel und sahe mich von jetzt an nicht sehen, 39 3 * 2 — —.— 8 2 2* 8— 130 Episteln und bis ihr sprechet: Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Evangelium. Luc. 2, 15—20. Und da die Engel von ihnen K gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten unter einander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da ge⸗ schehen ist, die uns der Herr kund gethan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, das sie gehöret und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Am Sonntage nach dem Christ⸗ festtage. Epistel. Gal. 4, 1—7. Ich sage aber: So lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern, bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Satzungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott Evangelien. gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater! Also ist nun hier kein Knecht mehr, sondern eitel inder. Sinds aber Kinder, so sinds auch Erben Gottes durch Christum. Evangelium. Lne. 2, 33—40. Und sein Vater und Mutter wunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auf⸗ erstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem wider⸗ sprochen wird, und es wird ein Schwert durch deine Seele drin⸗ gen, auf daß vieler Herzen Ge⸗ danken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuel, vom Geschlecht Aser, die war wohl betaget und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrauschaft und war nun eine Witwe bei vier und achtzig Jahren, die kam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbe trat auch hinzu zu derselbigen Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die da auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder in Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. Am Reufahrstage. Epistel. Gal. 3, 23—29. Ehe denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Episteln und Evangelien. 131 Gesetz verwahret und verschlossen Evangelium. Matth. 2, 13—23. auf den Glauben, der da sollte Da sie aber hinweg gezogen geoffenbaret werden. Also ist das waren, siehe, da erschien der Engel Gesetz unser Zuchtmeister gewe⸗ des Herrn dem Joseph im Traum sen auf Christum, daß wir durch und sprach: Stehe auf und nimm den Glauben gerecht würden. das Kindlein und seine Mutter Nun aber der Glaube gekommen zu dir und fleuch in Egyptenland ist, sind wir nicht mehr unter und bleib allda, bis ich dir sage; dem Zuchtmeister. Denn ihr seid denn es ist vorhanden, daß He⸗ alle Gottes Kinder durch den rodes das Kindlein suche, das⸗ Glauben an Christo Jesu. Denn selbe umzubringen. Und er stand wie viele euer getauft sind, die auf und nahm das Kindlein haben Christum angezogen. Hier und seine Mutter zu sich bei ist kein Jude noch Grieche, hier der Nacht und entwich in Egyp⸗ ist kein Knecht noch Freier, hier tenland, und blieb allda bis nach ist kein Mann noch Weib: denn dem Tode Herodis; auf daß er⸗ ihr seid allzumal Einer in Christo füllet würde, das der Herr durch Jesu. Seid ihr aber Christi, so den Propheten gesagt hat, der da seid ihr ja Abrahams Samen spricht: aus Egypten habe ich mei⸗ und nach der Verheißung Erben. nen Sohn gerufen. Da Herodes ö nun sahe, daß er von den Weisen Evangelium. Luc. 2, 21. betrogen war, ward er sehr zornig Und da acht Tage um waren, und schickte aus und ließ alle Kin⸗ daß das Kind beschnitten würde, der zu Bethlehem tödten und an da ward sein Name genannt ihren ganden Gränzen, die da Jesus, welcher genannt ward zweijährig und drunter waren, don dem Engel, ehe denn er im nach der Zeit, die er mit Fleiß Mutterleibe empfangen ward. don den Weisen erlernt hatte. Da ist erfüllet, das gesagt ist Am Sonntage nach dem Neu⸗ von dem Propheten Jeremia, der jahrstage. da wwaiw Gesch dem epdneh 1 man ein Geschrei gehöret, vie Epistel. Tit. 3, 4—5. Klagens, Weinens und Heulens. Da aber erschien die Freund⸗ Rahel beweinte ihre Kinder und lichkeit und Leutseligkeit Gottes, wollte sich nicht trösten lassen; unsers Heilandes, nicht um der denn es war aus mit ihnen. Werke willen der Gerechtigkeit, Da aber Herodes gestorben war, die wir gethan hatten. sondern siehe, da erschien der Engel des nach seiner Barmherzigkeit machte Herrn dem Joseph im Traum er uns selig, durch das Bad der in Egyptenland und sprach: Wiedergeburt und Erneurung Stehe auf und nimm das Kind⸗ des heiligen Geistes, welchen er leid und seine Mutter zu dir, ausgegosfen hat über uns reich⸗Wund zeuch hin in das Land Is⸗ lich 97 Jesum Christum, un⸗ rael. Sie sind gestorben, die dem sern—5 and, auf daß wir durch Kinde nach dem Leben standen. desselbigen Gnade gerecht und Und er stand auf und nahm das Erben seien des ewigen Lebens, Kindlein und seine Mutter zu nach der Hoffnung. Das ist je sich und kam in das Land Israel. gewißlich wahr. Da er aber hörete, daß Archelaus 132 Episteln und Evangelien. im jüdischen Lande König war, anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dahin zu kom⸗ men, und im Traum empfing er Befehl von Gott und 309 in die Oerter des galiläischen Landes; und kam und wohnete in der Stadt, die da heißt Nazareth, auf daß erfüllet wuͤrde, das ge⸗ sagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heißen. Am Feste der Erscheinung Christi, Epiphanias. Epistel. Jesaias 60, 1—6. Mache dich auf, werde Licht, h denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir! Denn siehe, Finsterniß bedeckt das Erdreich, und Dunkel die Völker. Aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herr⸗ lichkeit erscheinet uber dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige im Glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf und siehe Umher: diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seiten erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha, Sie werden aus Saba alle kom⸗ men, Gold und Weirauch brin⸗ gen und des Herrn Lob verkün⸗ digen. Evangelium. Matth. 2, 1—12. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, ur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neu⸗ geborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande und sind gekommen ihn anzubeten. Da das der Kö⸗ nig Herodes hörete, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusa⸗ lem. Und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk, und erforschete von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also stehet geschrie⸗ en durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lan⸗ de bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und wies sie gen Bethlehem und sprach: unh hin und for⸗ schet fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihrs findet, saget mirs wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den Kö⸗ nig gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch er⸗ freut, und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fie⸗ len nieder und beteten es an, und thaten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie nicht sollten wieder zu Herodes lenken, und zogen duuh einen andern Weg wieder in ihr Land. X * Episteln und Am 1. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel. Röm. 12, 1—6. Ich ermahne euch, lieben Brü⸗ der, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber be⸗ gebet zum Opfer, das da leben⸗ dig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernunftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneurung eures Sinnes, auf daß ihr prü⸗ fen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von sich halte, denn sichs gebühret zu halten, sondern daß er von sich mäßiglich halte, ein jeglicher, nach dem Gott ausgetheilet hat 133 ten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten un⸗ ter den Lehrern, daß er ihnen zuhörete und sie fragte. Und alle, die ihm zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich, und seine Mut⸗ ter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesucht habt? Wis⸗ set ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab und kam gen Nazareth, und Evangelien. das Maaß des Glaubens. Denn gleicherweise als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Ge⸗ schäfte haben: also sind wir viele ein Leib in Christo, aber unter einander ist einer des andern Glied, und haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. Evangelium. Luc. 2, 41—52. Und seine Eltern gingen alle Jahr gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er R Jahr alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußtens nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise und suchten ihn unter den Gefreund⸗ war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Am 2. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel. Röm. 12, 7—16. Hat jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben ähnlich. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehret jemand, so warte er der Lehre. Ermahnet jemand, so warte er des Ermah⸗ nens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sei er sorgfältig. Uebet jemand Barmherzigkeit, so thue ers mit Lust. Die Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrer⸗ 2 —. 2 ——— 2 2* 28 4 134 bietung zuvor. Seid nicht träge, was ihr thun sollt. Seid brün⸗ stig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoff⸗ nung, geduldig in Trübsal, hal⸗ tet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Nothdurft an. Her⸗ berget gerne. Segnet, die euch verfolgen, segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröh⸗ lichen und weinet mit den Wei⸗ nenden. Habt einerlei Sinn un⸗ ter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Evangelium. Joh. 2, 1—11. Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Cana in Gali⸗ läa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe 10 mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht u den Dienern: Was er euch siget das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüuͤ⸗ dischen Reinigung, und gingen in je einen zwei oder drei Maaß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schö⸗ fet nun und bringets dem Spei⸗ semeister. Und sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war(und wußte nicht, von vannen er kam, die Diener aber wußtens, die das Wasser ge⸗ schöpft hatten), rufet der Spei⸗ semeister dem Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann giebt Episteln und Evangelien. zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiläa, und offenbarete seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Am 3. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel. Röm. 12, 17—21. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ists möglich, so viel an euch ist, so haͤbt mit allen Menschen Frieden. Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet aum dem Zorn! denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse über⸗ winden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium. Matth. 8, 1—13. Da er aber vom Berge her⸗ abging, folgte ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussätziger kam und betete ihn an, und sprach; Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich wills thun, sei gereiniget. Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sage es nie⸗ mand; sondern gehe hin und zeige dich dem Priester, und opfre Episteln und die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugniß üher sie. Da aber Jesus einging zu Caper⸗ naum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig und ha große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, i bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit un⸗ terthan, und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin! so gehet er, und zum andern: Komm her! so kommter, und zu meinem Knechte: Thue das! so thut ers. Da das Jesus hörete, und mit Abraham un und Jacob im Himmelreich sitzen, aber die Kinder des Reichs wer⸗ den ausgestoßen in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du Evangelien. 135 Denn das da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht tödten; du sollst nicht steh⸗ len; du sollst nicht falsch Zeug⸗ niß geben; dich soll nichts ge⸗ lüsten, und so ein ander Gebot tmehr ist, das wird in diesem Wort verfasset: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten ch.nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Evangelium. Matth. 8, 23—27. Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgeten ihm. Und siehe, da erhob sich ein groß Ungestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit verwunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgeten: Wahrlich ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen v d rod net Abraham und Isaat ten sich und sprachen: Was ist Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsami Und stand auf und bedräuete den Wind und das Meer, da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunder⸗ das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? Am 5. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel. Col. 3, 12—17. So ziehet nun an, als die geglaubt hast. Und sein Knecht Auserwählten Gottes, Heiligen ward gesund Stunde. Am 4. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel. Röm. 13, 8—10. Seid niemand nichts schuldig, vergeben hat, also denn daß ihr euch unter einander Ueber alles aber liebet; denn wer den andern lie⸗Liebe, die das zu derselbigen und Geliebten, herzliches Erbar⸗ men, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld. Und ver⸗ trage einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch „auch ihr. iehet an die and ist der bet, der hat das Gesetz erfüllet. Vollkommenheit. Und der Friede ᷣbäĩP‚PPAIAIIII 136 Episteln und Evangelien. Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in einem Leibe, und seid dank⸗ bar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit, lehret und vermah⸗ net euch selbst mit Psalmen und Lobgesaängen und geistlichen, lieb⸗ lichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und alles, was ihr thut, mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu und danket Gott und dem Bater durch ihn. Evangelium. Matth. 13, 24—30. Er legte ihnen ein ander Gleichniß vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf Lante Acker säete. Da aber die eute schliefen, kam sein Feind und säete Unkraut zwischen den Weizen, und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: err, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesäet? woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausgäten? Er sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgätet. Lasset beides mit ein⸗ ander wachsen bis zu der Ernte, und um der Ernte Zeit will ich 1 den Schnittern sagen: Samm⸗ et zuvor das Unkraut und bin⸗ det es in Bundlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuren. Am 6. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel. 2 Petr. 1, 16—21. Denn wir haben nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Christi; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen da er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit, der⸗ maßen: Dies ist mein iieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe! Und diese Stimme haben wir gehöret vom Himmel ge⸗ bracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes, prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet an einem dunkeln Ort, bis der Tag an⸗ breche und der Morgenstern auf⸗ gehe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschiehet aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie keine Weissagung aus mensch⸗ lichem Willen hervorgebracht, sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist. Evangelium. Matth. 17, 1—9. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus und Ja⸗ kobus und Johannes, seinen Bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen Berg; und ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wur⸗ den weiß als ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. r—Re-/ —...——2—.—— Episteln und Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Herr, hier ist gut sein. Willst du, so wollen wir drei Hütten machen, dir eine, Mose eine und Elias eine. Da er aber noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die Jünger hö⸗ reten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand, denn Jesum alleine. Und da 95 vom Berg herab gin⸗ ·0 gebot ihnen Jesus und prach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Men⸗ schen Sohn von den Todten auferstanden ist. Am Sonntage Septuagesimä. Epistel. 1 Cor. 9, 24—27 und Cap. 10, 1—5. Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jegli⸗ cher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges, jene also, daß sie eine vergängliche Krone em⸗ pfahen, wir aber eine unvergäng⸗ liche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse, ich fechte also, nicht als der in die Luft streichet; sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsre Väter sind alle unter der Wolke ge⸗ wesen, und sind alle durchs Evangelien. 137 Meer gegangen, und sind alle unter ose getauft mit der Wolke und mit dem Meer, und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen, und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken;(sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgete, welcher war Christus.) Aber an ihrer vielen hatte Gott kein Wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Evangelium. Matth. 20, 1—16. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Mor⸗ gen ausging, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde und sahe andere an dem Markte müßig stehen und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, ich will euch ge⸗ ben, was recht ist. Und sie gin⸗ gen hin. Abermals ging er aus um die sechste und neunte Stun⸗ de, und that gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus, und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hie den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand ge⸗ dinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Wein⸗ berg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaff⸗ ner: Rufe den Arbeitern und gieb ihnen den Lohn, und hebe an an den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten 138 kamen, meinten sie, sie würden mehr empfahen, und sie empfin⸗ gen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den em⸗ pfingen, murreten sie wider den Hausvater und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Ta⸗ ges Last und Hitze getragen ha— ben! Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht Un⸗ recht. Bist du nicht mit mir eins worden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht, zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die letzten die ersten, und die ersten die letzten sein; denn viele sind beru⸗ fen, aber wenige sind auserwählt. Am Sonntage Sexagesimä. Epistel. 2 Cor. 11, 19—33 und Cap. 12, 1-9. Denn ihr vertraget gern die Narren, dieweil ihr klug seid! Ihr vertraget, so euch jemand zu Knechten machet, so euch je⸗ mand schindet, so euch jemand nimmt, so euch jemand trotzet, so euch jemand in das Angesicht streichet. Das sage ich nach der Unehre, als wären wir schwach geworden. Worauf nun jemand kühn ist, ich rede in Thorheit darauf bin ich auch kühn. Sie sind Ebräer, ich auch. Sie sind Israeliter, ich auch. Sie sind Abrahams Same, ich auch. Sie sind Diener Christi, ich rede thörlich, ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe Episteln und Evangelien. nöthen gewesen. Von den Ju⸗ den habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger eins. Ich bin dreimal gestäupet, ein⸗ mal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe des Meeres. Ich habe oft gereiset, ich bin in Gefahr ge⸗ wesen zu Wasser, in Gefahr un⸗ ter Mördern, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Heiden, in Gefahr in den Städten, in Gefahr in der Wüste, in Ge⸗ fahr auf dem Meer, in Gefahr unter den falschen Brüdern, in Mühe und Arbeit, in viel Wa⸗ chen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Froͤst und Blöße; ohne was sich sonst zuträget, nämlich daß ich täglich werde angelaufen und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich mei⸗ ner Schwachheit rühmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher sei gelobet in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Zu Damaskus, der Land⸗ pfleger des Königs Aretas ver⸗ wahrete die Stadt der Damas⸗ ker, und wollte mich greifen, und ich ward in einem Korbe zum Fenster aus durch die Mauer niedergelassen, und entrann aus seinen Händen. Es ist mir ja das Rühmen nichts nütze; doch will ich kommen auf die Gesichte und Of⸗ fenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo, vor vierzehn Jahren, ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ichs nicht, oder ist er außer dem Leibe ge⸗ wesen, so weiß ichs auch nicht, mehr Schläge erlitten, ich bin öfter gefangen, oft in Todes⸗ Gott weiß es, er ward entzücket bis in den dritten Himmel. Und S SIS u — — Episteln und ich kenne Lem deite Menschen; ob er in dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht, Gott weiß es; er ward entzückt in das Paradies und hörete unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen, von mir selbst aber will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich ent⸗ halte mich aber deß, auf daß nicht jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der bich mit Fäusten schlage, auf daß i mich nicht überhebe. Dafür ich drei⸗ mal den Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwaͤ⸗ chen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. Evangelium. Luc. 8, 4—15. Da nun viel Volks bei ein⸗ ander war, und aus den Städten zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichniß: Es ging ein Säemann aus, zu säen seinen Samen; und indem er säete, fiel etliches an den Weg und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßens auf. Und etliches fiel auf den Fels, Evangelien. 139 nen gingen mit auf und erstick⸗ tens. Und etliches fiel auf ein gut Land, und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger und spra⸗ chen, was dieses Gleichniß wäre. Er aber sprach: Euch ists gegeben zu wissen das Geheimniß des Reichs Gottes, den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleich⸗ niß: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind die es hören; darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben Und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an, und die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glau⸗ ben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld. Am Sonntage Quinquagesima oder Estomihi. é Epistel. 1 Cor. 13, 1—13. Wenn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre und da es aufging, verdorrete ich ein tönendes Erz oder eine es, darum, daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen, und die Dor⸗ klingende Schelle. Und wenn ich wiisfegen könnte, und wüßte alle Geheimnisse und alle Er⸗ 140 kenntniß, und hätte allen Glau⸗ ben, also, daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen Helrr und ließe meinen Leib rennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mirs nichts nütze. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibet nicht Muthwillen. Sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungeberdig, sie suchet nicht das Ihre, sie lässet nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit. Sie verträ⸗ get alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören wer⸗ den, und die Sprachen aufhö⸗ ren werden, und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkom⸗ mene, so wird das Stückwerk si aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, that i ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweise, dann aber werde ich es erkennen, gleich wie ich erkannt bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. Evangelium. Luc. 18, 31—43. Er nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Episteln und Evangelien. Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Hei⸗ den, und er wird verspottet und geschmähet und verspeiet werden, und sie werden ihn geißeln und tödten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörete das Volk, das durch⸗ hin ging, forschete er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vor⸗ über. Und er rief und sprach⸗ Jesu, du Sohn David, erbarme dich mein! Die aber vorne an gingen, bedräueten ihn, er sollte schweigen; er aber schrie viel mehr: Du Sohn David, erbarme dich mein! Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da ie ihn aber nahe bei ihn brach⸗ ten, fragte er ihn und sprach: Was willst du, daß ich dir thun Rhen Er sprach: Herr, daß ich ehen möge. Und Jesus sprach 0 ihm: Sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend und folgete ihm nach und pries Gott. Und alles Colt⸗ das solches sahe, lobete ott. Am 1. Sonntage in der Fasten, Invoeavit. Epistel. 2 Cor. 6, 1—10. Wir ermahnen euch aber, als Mithelfer, daß ihr nicht vergeb⸗ lich die Gnade Gottes habe dich Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils ... ——. Episteln und geholfen. Sehet, jetzt ist die an⸗ genehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils! Lasset uns aber nie⸗ mand irgend ein Aergerniß ge⸗ ben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde; sondern in allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübsalen, in Nö⸗ then, in Aengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fa⸗ sten, in Keuschheit, in Erkennt⸗ niß, in Langmuth, in Freund⸗ lichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Worte der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Ge⸗ rechtigkeit zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Geruchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig, als die Unbe⸗ kannten, und doch bekannt, als die Sterbenden, und siehe, wir leben, als die Gezüchtigten, und doch nicht ertödtet, als die Trau⸗ rigen, aber allezeit fröhlich, als die Armen, aber die doch viele reich machen, als die nichts inne haben, und doch alles haben. Evangelium. Matth. 4, 1—11. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat 0 ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brod werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebet nicht vom Brod allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes gehet. Da führete ihn Evangelien. 141 Stadt, und stellete ihn auf die Zinne des Tempels, und sprach u ihm: Bist du Gottes Sohn, 5 laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen En⸗ geln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht ver⸗ suchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigete ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit, und sprach zu ihm: Das alles will ich dir ge⸗ ben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan; denn es stehet geschrie⸗ ben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teu⸗ fel, und siehe, da traten die En⸗ gel zu ihm und dieneten ihm. Am 2. Sonntage in der Fasten, NReminiscere. Epistel. 1 Thess. 4, 1—7. Weiter, lieben Brüder, bitten wir euch und ermahnen in dem Herrn Jesu, nach dem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Hei⸗ ligung, daß ihr meidet die Hu⸗ rerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche, wie die Hei⸗ den, die von Gott nichts wissen. Und daß niemand zu weit greife, der Teufel mit sich in die heilige noch vervortheile seinen Bruder . * ——— H:33....————————— 142 im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und be⸗ zeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinig⸗ keit, sondern zur Heiligung. Evangelium. Matth. 15, 21—28. Und Jesus ging aus von dannen und entwich in die Ge⸗ gend Tyrus und Sidon. Und siehe, ein cananäisch Weib ging aus derselbigen Gränze und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du Sohn David, er⸗ barme dich mein! Meine Toch⸗ ter wird vom Teufel übel ge⸗ plaget. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlornen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kin⸗ dern ihr Brod nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr! Aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fal⸗ len. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. Am 3. Sonntage in der Fasten, Oculi. Epistel. Eph. 5, 1—9. So seid nun Gottes Nachfol⸗ ger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleich wie Christus uns hat geliehet und sich selbst dargegeben für uns, Episteln und Evangelien. zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz, lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zu⸗ stehet; auch schandbare Worte und Narrentheidinge, oder Scherz, welche euch nicht ziemen, son⸗ dern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Gei⸗ ziger, welcher ist ein Götzendie⸗ ner, Erbe hat an dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeb⸗ lichen Worten, denn um dieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenof⸗ sen; denn ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Evangelium. Luc. 11, 14—-28. Und er trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es ge⸗ schah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus durch Beel⸗ zebub, den Obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber ver⸗ nahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jeglich Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das andere. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich be⸗ stehen? dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beel⸗ zebub. So aber ich die Teufel Episteln und durch Beelzebub austreibe, an: wen treiben sie eure Kinder aus Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewapp⸗ neter seinen Palast bewahret, so bleibt das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Har⸗ nisch, darauf er sich verließ, und theilet den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammlet, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von den Menschen ausfähret, so durch⸗ wandelt er dürre Stätten, suchet Ruhe und findet sie nicht, so spricht er: Ich will wieder umkeh⸗ ren in mein Haus, daraus ich ge⸗ gangen bin. Und wenn er kommt, so findet ers mit Besemen ge⸗ tehrt und geschmückt. Dann gehet er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst, und wenn sie hinein kommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demselbi⸗ gen Menschen ärger denn vorhin. Und es begab sich, da er sol⸗ ches redete, erhob ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Am 4. Sonntage in der Fasten, Lätare. Epistel. Gal. 4, 21—81. Saget mir, die ihr unter dem Gefetz sein wollt, habt ihr das Gesesz nicht gehöret? Denn es stehet geschrieben, daß Abraham Evangelien. 143 der ůꝰ den andern von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleisch gebo⸗ ren, der aber von der Freien ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten etwas. Denn das sind die zwei Testamente: eines von dem Berge Sina, das zur Knechtschaft gebieret, welches ist die Agar, denn Agar heißt in Arabien der Berg Sina, und langet bis gen Jerusalem, das u dieser Zeit ist, und ist dienst⸗ ar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser aller Mutter. Denn es stehet geschrieben: Sei fröhlich, du Un⸗ fruchtbare, die du nicht gebierest, und brich hervor und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die Einsame hat viel mehr Kin⸗ der, denn die den Mann hat. Wir aber, lieben Brüder, sind, Isaak nach, der Verheißung Kinder. Aber gleichwie zu der Zeit der nach dem Fleisch geboren war, verfolgete den, der nach dem Geist geboren war, also gehet es jetzt auch. Aber was spricht die Schrifte Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohn der Freien. So sind wir nun, lieben Bruder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. Evangelium. Joh. 6, 1—15. Darnach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tibe⸗ rias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine zween Söhne hatte, einen von Augen auf und siehet, daß viel 8 144 Episteln und Evangelien. Volks zu ihm kommt, und spricht Philippo: Wo kaufen wir rod, daß diese essen? Das sagte er aber, ihn zu versuchen, denn er wußte wohl, was er thun wollte. Philippus antwor⸗ tete ihm: Zweihundert Pfennige werth Brods ist nicht genug un⸗ ter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, An⸗ dreas, der Bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrode und zween Fische; aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk la⸗ gere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brode, dankete, und gab sie den Jüngern, die Jün⸗ ger aber denen, die sich gelagert hatten; desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammlet die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sam⸗ melten sie und fülleten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroden, die überblieben denen, die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Pro— phet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst alleine. Am 5. Sonntage in der Fasten, Judiea. Epistel. Hebr. 9, 11-15. Christus aber ist gekommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, durch eine größere und vollkommnere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also ge⸗ bauet ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, son⸗ dern er ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige ein⸗ gegangen, und hat eine ewige Erlösüng erfunden. Denn 0 der Ochsen und der Böcke Blut, und die Asche von der Kuh ge⸗ sprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit, wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wan⸗ del duͤrch den heiligen Geist Gotte geopfert hat, unser Ge⸗ wissen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendi⸗ gen Gott! Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Te⸗ staments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertretungen, die un⸗ ter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das ver⸗ heißene ewige Erbe empfangen. Evangelium. Joh. 8, 46—59. Welcher unter euch kann mich einer Sünde Helent So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort, darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da ant⸗ worteten die Juden und spra⸗ chen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teu⸗ fel, sondern ich ehre meinen Va⸗ ter, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da — V— N Episteln und Evangelien. 145 hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich; bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist, und die Propheten sind gestorben was machst du aus dir selbst Je⸗ sus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprecht, er sei euer Gott, und kennet ihn nicht. Ich aber kenne ihn, und so ich würde sagen, ich kenne sein nicht, so würde ich ein Lüg⸗ ner, gleich wie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sahe ihn und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahr alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abra⸗ ham ward, bin ich. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend. Am Palmsonntage. Epistel. Philipp. 2, 5—11. Ein jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war, wel⸗ cher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht für einen Raub, Gotte gleich sein, sondern äußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch und an Geberden als ein Mensch erfunden. Er nie⸗ drigte sich selbst und ward ge⸗ horsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erden sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Chri⸗ stus der Herr sei, zur Ehre Got⸗ tes, des Vaters. (Das Evangelium stehe am ersten Sonntage des Advents.) Am grünen Donnerstage. 1 Cor. 11, 23—32. Ich habe es von dem Herrn empfangen, das ich euch gege⸗ ben habe. sus, in der Nacht, da er verra⸗ then ward, nahm er das Brod, dankete und brachs und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; Denn der Herr Je⸗ solches thut zu meinem Gedächt⸗ niß. Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem Brod esset, und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von die⸗ sem Brod isset, oder von dem Kelch des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leibe und Blute des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isset undtrinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum 40 SSee 146 sind auch so viel Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Theil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, auf daß wir nicht sammt der Welt verdammt werden. Am Charfreitage. Jejaias 53. Siehe, mein Knecht wird weis⸗ lich thun, und wird erhöhet und sehr hoch erhaben sein, daß sich viele über dir ärgern werden, weil seine Gestalt häßlicher ist, denn anderer Leute, und sein Ansehen denn der Menschenkin⸗ der. Aber also wird er viele Fenter besprengen, daß auch önige werden ihren Mund ge⸗ gen ihn zuhalten.„Denn welchen nichts davon verkündiget ist, die⸗ selbigen werden es mit Lust se⸗ hen; und die nichts davon ge⸗ höret haben, die werden es mer⸗ ken. Aber wer glaubt unserer Predigt? und wem wird der Arm des Herrn geoffenbaret? Denn er schießt auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwer⸗ theste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das m aben vor ihm verbarg; darum haben wir ihn nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen, wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missethat willen ver⸗ Episteln und Evangelien. wundet und um unserer Sünde willen zerschlagen; die Strafe liegt aufihm, auf daß wir Frie⸗ den hätten, und durch feine Wun⸗ den sind wir geheilet. Wir gin⸗ gen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sahe auf seinen Weg: aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Da er gestraft und gemartert ward, that er sei⸗ nen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführet wird, und wie ein Schaf, as verstummet vor seinem Scherer und seinen Mund nicht aufthut. Er ist aber aus der Angst und Gericht genommen; wer will seines Lebens Länge ausreden? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggeris⸗ sen, da er um die Missethat meines Volks geplaget war. Und er ist begraben wie die Gottlo⸗ sen, und gestorben wie ein Rei⸗ cher; wiewohl er niemand Un⸗ recht gethan hat, noch Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit; wenn er sein Leben zum Schuldopfer egeben hat, so wird er Samen haben und in die Länge leben, und des Herrn Vornehmen wird durch seine Hand sortgehen. Darum, daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben. Und durch sein Erkenntniß wird er, mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht ma⸗ chen; denn er trägt ihre Sün⸗ den. Darum will ich ihm große er sofr zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben; darum, daß er sein Le⸗ ben in den Tod gegeben hat und den Uebelthätern gleich gerechnet ist und er vieler Sünde getra⸗ gen hat und für die Uebelthäter gebeten. Am heiligen Ostertage. Epistel. 1 Cor. 5, 6—8. Euer Ruhm ist nicht fein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig ver⸗ säuert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ungesäuert seid. Denn wir ha⸗ ben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum lasset uns Ostern hal⸗ ten, nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bos⸗ heit und Schalkheit, sondern in dem Süßteig der Lauterkeit und Wahrheit. Evangelium. Mare. 16, 1—8. Und da der Sabbath vergan⸗ gen war, kauften Maria Mag⸗ dalena und Maria Jakobi und Salome Speecerei, auf daß sie kämen und salbeten ihn. Und sie kamen zum Grabe, an einem Sabbather sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie spra⸗ chen unter einander: Wer wäl⸗ et uns den Stein von des Gra⸗ es Thür? Und sie sahen dahin und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein lang weiß Kleid an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Ent⸗ setzet euch nicht. Ihr suchet Je⸗ sum von Nazareth, den Gekreu⸗ zigten. Er ist auferstanden und ist nicht hier: Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin und saget es seinen Jüngern, und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa; da werdet ihr ihn se⸗ hen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus und Episteln und Evangelien. 147 flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen an⸗ gekommen. Und sagten niemand nichts; denn sie fürchteten sich. Am 2. Ostertage. Epistel. Ap. Gesch. 10, 34—41. Petrus aber that seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet, sondern in allerlei Volk, wer ihn fürch⸗ tet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und verkündigen lassen den Frie⸗ den durch Jesum Christum, welcher ist ein Herr über alles, die durch das ganze jüdische Land geschehen ist und angegan⸗ gen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes predigte; wie Gott denselben Jesum von Nazareth gesalbet hat mit dem heiligen Geiste und Kraft, der umher gezogen ist und hat wohlgethan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles deß, das er gethan hat im jüdischen Lande und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet und an ein Holz gehänget. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volk, son⸗ dern uns, den vorerwählten Zeu⸗ gen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Todten. Evangelium. Luec. 24, 13—35. Und siehe, Zween aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Je⸗ rusalem sechzig Feldweges weit, 148 Episteln und Evangelien. deß Name heißt Emmaus. Und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten und befrageten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen und wan⸗ delte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber 9 ihnen: Was sind das für eden, die ihr zwischen euch handelt unterweges und seid traurig? Da antwortete einer mit Namen Cleophas und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen drinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Wel⸗ ches? Sie aber sprachen zu ihm Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mäch⸗ tig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volk. Wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammniß des Todes und soü Wir aber hoffeten, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt et⸗ liche Weiber der Unsern; die sind frühe beim Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefun⸗ den, kommen und sagen, sie ha⸗ ben ein Gesicht der Engel ge— sehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden also, wie die Weiber sagten; aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Thoren und träges Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten haben! Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an von Moses und allen Pro⸗ pheten und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm ge⸗ sagt waren. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen; und er stellete sich, als wollte er fürder gehen. Und sie nö⸗ thigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich ber n Und er ging hinein, ei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankete, brachs, und gabs ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, kehreten wieder gen Je⸗ rusalem und fanden die Elfe versammelt und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simoni erschienen. Und sie erzähleten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brod brach. Am 1. Sonntage nach Ostern, Quasimodogeniti. Epistel. 1 Joh. 5, 4—10. Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt über⸗ windet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ist's, der da kommt mit eredet Wasser und Blut, Jesus Chri⸗ stus; nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ist's, der da zeu⸗ get, daß Geist Wahrheit ist. 6 Episteln und Evangelien. 149 Denn drei sind, die da zeugen Und über acht Tage waren aber⸗ im Himmel: Der Vater, das Wort und der heilige Geist, und diese drei sind Eins. Und drei find, die da zeugen auf Erden: Der Geist, und das Wasser, und das Blut, und die drei sind bei⸗ sammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so ist Got⸗ tes Zeugniß größer. Denn Got⸗ tes Zeugniß ist das, das er ge⸗ zeuget hat von seinem Sohne. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solch Zeugniß bei ihm. Evangelium. Joh. 20, 19—31. Am Abend aber desselbigen Sabbaths, da die Jünger ver⸗ sammelt und die Thüren ver⸗ schlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein, und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das sagte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an und spricht zu ihnen: h Rehmet hin den heiligen Geist; mal seine Jünger drinnen, und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlos⸗ sen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas ant⸗ wortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich bett dy hast, Thomas, so glau⸗ est du. Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Auch viele andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nch geschrieben sind in diesem Buch Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes, und daß ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. Am 2. Sonntage nach Ostern, Misericordias Domini. Epistel. 1 Petri 2, 21—25. Denn dazu seid ihr berufen. Sintemal auch Christus gelitten at für uns und uns ein Vor⸗ bild gelassen, daß ihr sollet nach⸗ welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und wel⸗ chen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ichs nicht glauben. folgen seinen Fußstapfen, wel⸗ cher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dräuete, da er litt, er stellete es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unsere Sün⸗ den selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Ge⸗ rechtigkeit leben, durch welches Wunden ihr seid heil geworden. Denn ihr waret wie die irren⸗ den Schafe, aber ihr seid nun —— — 150 Episteln und Evangelien. bekehret zu dem Hirten und Bi⸗ schof eurer Seelen. Evangelium. Joh. 10, 12—16. Ich bin ein guter Hirte. Ein guter Hirte lässet sein Leben für die Schafe. Ein Miethling aber, der nicht Hirte ist, deß die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen und verlässet die Schafe und fleucht, und der Wolf er⸗ hascht und zerstreuet die Schafe. Der Miethling aber fleucht, denn er ist ein Miethling und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirte und erkenne die Mei⸗ nen und bin bekannt den Mei⸗ nen, wie mich mein Vater ken⸗ net, und ich kenne den Vater, und ich lasse mein Leben fuͤr die Schafe. Und ich habe noch andere b Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird Eine Heerde und Ein Hirte werden. Am 3. Sonntage nach Ostern, Jubilate. Epistel. 1 Petri 2, 11—20. Lieben Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrimme; Enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten, und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Uebelthätern, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seid unter⸗ than aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Ge- sandten von ihm zur Rache über die Uebelthäter und zu Lobe den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohl⸗ Gott. thun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht, als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bos⸗ heit, sondern als die Knechte Oottes. Thut Ehre jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet ö Ehret den König. Ihr Knechte, seid unterthan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, son⸗ dern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, so jemand um des Gewissens willen zu Gott das Uebel verträgt und leidet das Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhm, so ihr um Missethat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohlthaten willen leidet und erduldet, das ist Gnade ei Gott. Evangelium. Joh. 16, 16—23. Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Wacs ist das, daß er saget zu uns: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, daß er saget: Ueber ein Kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr un⸗ ter einander, daß ich gesagt habe: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen? Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet trau⸗ rig sein; doch eure Traurigkeit Episteln und soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebieret, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen; wenn sie aber das Kind geboren hat, den⸗ ket sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Trau⸗ rigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Am 4. Sonntage nach Ostern, Cantate. Epistel. Jac. 1, 16—21. Irret nicht, lieben Brüder! Alle gute Gabe und alle voll⸗ kommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Verände⸗ rung noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Creaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sei s schnell zu höͤren, langsam aber zu reden und langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum so legetab alle Unsauber⸗ keit und alle Bosheit und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflaͤnzet ist, welches kann eure Seelen selig machen. Evangelium. Joh. 16, 5—15. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und nie⸗ mand unter euch fragt mich: Wo gehest du hin? Sondern, dieweil ich solches zu euch gere⸗ det habe, ist euer Herz voll Trauerns geworden. Aber ich freuen, und eure Freude soll nie⸗ mand von euch nehmen. Und Evangelien. 151 sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe, denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch. So ich aber hingehe, will ich ihn u euch senden. Und wenn der⸗ selbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hin⸗ fort nicht sehet. Um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt ge⸗ richtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünf⸗ tig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er es nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich ge⸗ agt: Er wird es von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. Am 5. Sonntage nach Ostern, Rogate. Epistel. Jac. 1, 22—27. Seid aber Thäter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Manne, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, geht er von Stund an davon und vergisset, wie er estaltet war. Wer aber durch⸗ chauet in das vollkommene Ge⸗ setz der Freiheit und darinnen 152 beharret, und ist nicht ein ver⸗ geßlicher Hörer, sondern ein Thäter, derselbige wird selig sein in seiner That. So aber sich je⸗ mand unter euch läßt dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verfüh⸗ ret sein Herz, deß Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbe⸗ fleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der: Die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal be⸗ suchen und sich von der Welt unbefleckt behalten. Evangelium. Joh. 16, 23—30. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. Bis⸗ her habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so wer⸗ det ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprüchwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprüch⸗ wort mit euch reden werde, son⸗ dern euch frei heraus verkündi⸗ gen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bit⸗ ten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Va⸗ ter für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott aus⸗ egangen bin. Ich bin vom ater ausgegangen und gekom⸗ men in die Welt; wiederum ver⸗ lasse ich die Welt und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger. Siehe, nun redest du frei heraus und sagest kein Sprüch⸗ wort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißest, und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Episteln und Evangelien. Am Feste der Himmelfahrt Christi. Epistel. Ap. Gesch. 1, 1—11. Die erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophilus, von alle dem, das Jesus anfing, bei⸗ des zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln, welche er hatte erwählet, durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte, welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeigt hatte durch mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reiche Gottes. Und alser sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jeru⸗ salem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt Denn— sprach er— von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist ge⸗ tauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zu⸗ sammen gekommen waren, frag⸗ ten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es ge⸗ bühret euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfahen, wel⸗ cher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Und da er sol⸗ ches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen gen Him⸗ mel fahrend, siehe, da standen bei ihnen zween Männer in weißen ———— u fr Episteln und Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet Her Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen ün aese⸗ wird kommen, wie ihr ihn gese⸗ hen habt gen Himmel fahren. Evangelium. Marc. 16, 14—20. Zuletzt, da die Elfe zu Tische saßen, offenbarte er ch und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden. Und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evan⸗ gelium aller Creatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glau⸗ ben, sind die: In meinem Na⸗ men werden sie Teufel austrei⸗ ben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Tödtliches trinken, wirds ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wirds besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sitzet zur rechten Hand Gottes. Evangelien. 153 Menge. Seid gastfrei unter ein⸗ ander ohne Murmeln und die⸗ net einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. So jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort. So Luc ald ein Amt hat, daß er es thue als aus dem Vermögen, das Gott dar⸗ reichet, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Je⸗ sum Christ, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium. Joh. 15, 26 bis Kapitel 16, 4. Wenn aber der Tröster kom⸗ men wird, welchen ich euch sen⸗ den werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch eugen, denn ihr seid von An⸗ sang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Va⸗ ter, noch mich erkennen. Aber Sie aber gingen aus und pre⸗ solches habe ich zu euch geredet, digten an allen Orten, und der auf daß, wenn die Zeit kommen Herr wirkte mit ihnen und be⸗ wird, daß ihr daran gedenket, kraftigte das Wort durch mit⸗ daß ich es euch gesagt habe. folgende Zeichen. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt, denn ich Am 6. Sonntage nach Ostern, war bei euch. Exaudi. Epistel. 1 Petri 4, 8—11. So seid nun mäßig u Am heiligen Pfingsttage. nd nüch⸗ Epistel. Ap. Gesch. 2, 1—13. tern zum Gebet. Bor allen Und als der Tag der Raste e Dingen aber habt unter einan⸗ sten erfüllet war, waren sie a der eine brünstige Liebe, denn einmüthig bei einander. Und es die Liebe decket auch der Sünder ageschah schnell ein Brausen vom — e. 154 Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die Zungen zer⸗ theilet, als wären sie feurig, und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen. Und wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit an⸗ dern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen, Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürch⸗ tige Männer aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wur⸗ den verstürzt; denn es hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläga? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamia und in Judäa und Capadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Pamphylia, Aegyp⸗ ten und an den Enden der Ly⸗ bien bei Cyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Juden⸗ genossen, Creter und Araber: wir hören sie mit unsern Zun⸗ gen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre und spra⸗ chen einer zu dem andern: Was will das werden? Die anderen aber hattens ihren Spokt und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Evangelium. Joh. 14, 23—31. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten, und Episteln und Evangelien. mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, wel⸗ chen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wirds euch alles lehren und euch erin⸗ nern alles deß, das ich euch ge⸗ sagt habe. Den Frieden lassei euch, meinen Frieden gebe i euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz er⸗ schrecke nicht und fürchte si nicht. Ihr habt gehoͤrt, daß i euch gesagt habe; Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so wuͤrdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater: denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun habe ichs euch ge⸗ sagt, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hin⸗ fort nicht mehr viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir. Aber auf daß die Welt er⸗ kenne, daß ich den Vater liebe und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat: Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen! Am 2. Pfingsttage. Epistel. Ap. Gesch. 10, 42—48. Und er hat uns geboten zu pre⸗ digen dem Volk, und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, 2— + — rrnnerr⸗ert Episteln und Vergebung der Sünden empfan⸗ gen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der hei⸗ lige Geist auf alle, die dem Worte zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro gekommen waren, entsetz⸗ ten sich, daß auch auf die Hei⸗ den die Gabe des heiligen Gei⸗ stes ausgegossen ward. Denn sie höreten, daß sie mit Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: Mag auch jemand das Wasser weh⸗ ren, daß diese nicht getauft wer⸗ den, die den heiligen Geist em⸗ pfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Evangelium. Joh. 3, 16—21. Also hat Gott die Welt ge⸗ liebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren wer⸗ den, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon ge⸗ richtet: denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsterniß mehr, denn das Licht; denn ihre Werke waren böse. Wer Arges thut, der hasset das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar wer⸗ den; denn sie sind in Gott ge⸗ than. Evangelien. 15⁵ Am Sonntage Trinitatis oder am Feste der h. Dreieinigkeit. Epistel. Römer 11, 33—-36. O welch eine Tiefe des Reich⸗ thums, beide der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Rath⸗ geber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. Evangelium. Joh. 3, 1—15. Es war ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nico⸗ demus, ein Oberster unter den Juden, der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Mei⸗ ster, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahr⸗ lich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Got— tes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wie⸗ derum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Je⸗ sus antwortete: Wahrlich, wahr⸗ lich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser Und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch ge⸗ boren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren —— 6 156 Episteln und Evangelien. werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sau⸗ sen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wo⸗ hin er fähret. Also ist ein jeg⸗ licher, der aus dem Geist gebo⸗ ren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwor⸗ tete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel, und weißest das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, das wir nissen, und zeugen, das wir ge⸗ ehen haben, und ihr nehmet unser Zeugniß nicht an. Glau⸗ bet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie wür⸗ det ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder kommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Am 1. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1 Joh. 4, 16—21. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleich wie er ist, so Iun auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liehe treibet die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein; wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset sei⸗ nen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. Evangelium. Lue. 16, 19—31. Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thür voller Schwären und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Rei⸗ chen Tische fielen. Doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwaren. Es begab sich aber, daß der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und ward be⸗ graben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf und sahe Abra⸗ am von ferne und Lazarus in seinem Schoß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarus, daß er das Aeußerste seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus da⸗ gegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß die da wollten von hinnen hin⸗ abfahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen —— Episteln und Evangelien. zu uns herüber fahren. Da] Evangelium. Lue sprach er: So bitte ich dich, Va⸗Er aber sprach ter, daß du ihn sendest in mei⸗ war ein Mensch, neö Vaters Haus; denn ich habe groß Abendmahl noch fünf Brüder, daß er ihnen dazu. Und sandte * Abraham sprach zu ihm: Sie 157 14, 16—24. zu ihm: Es der machte ein und lud viele seinen Knecht bezeuge, auf daß sie nicht auch aus zur Stunde des Abendmahls, kommen an diesen Ort der Qual. zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit. Und sie haben Mosen und die Prophe-fingen an alle nach einander sich ten, laß sie dieselben hören. Er zu entschuldigen. Der erste sprach aber sprach: Nein, Vater Abra⸗ zu ihm: Ich habe einen Acker ge⸗ ham; sondern wenn einer von kauft und muß hinausgehen und den Todten zu ihnen ginge, * werden sie auch nicht glauben, hin, sie zu besehen ob jemand von den Todten auf⸗ entschuldige mich. erstände. nommen, darum so ihn besehen; ich bitte dich, ent⸗ würden sie Buße thun. Er schuldige mich. Und der andere sprach zu ihm: Hören sie Mo⸗ sprach: Ich habe fünf Joch Och⸗ sen und die Propheten nicht, so sen gekauft und ch Rien dich z ich bitte dich, Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib ge⸗ kann ich nicht Am 2. Sonntage nach kommen. Und der Knecht kam Trinitatis. und sagte das Verwundert euch nicht, meine Knechte: Gehe a nxꝰ é der. Wer den Bruder nicht lie⸗ Herr, es ist bet, der bleibet im Tode. Wer befohlen hast, seinen Bruder hasset, der ist ein Raum da. Und Todtschläger, und ihr wisset, daß zu dem Knechte: ein Todtschläger nicht hat mI Landstraßen Daran haben wir erkannt die zu kommen, au Rebe, daß er sein Leben für uns voll werde. Ich gelassen hat; und wir sollen auch daß der Männe seinem Herrn ——— wieder. Da ward der Hausherr Epistel. 1 Joh. 3, 1—18. zornig und sprach zu seinem us bald auf die Brüder, ob euch die Welt hasset. Straßen und Gassen der Stadt Wir wissen, daß wir aus dem und führe die Armen und Krüp⸗ pel und Lahmen und Blinden sind, denn wir lieben die Brü⸗ herein. Und der Knecht sprach: geschehen, was du es ist aber noch der Herr sprach Gehe aus auf und an die Zäune, und uf daß sie herein daß mein Haus sage euch aber, r keiner, die ge⸗ das Leben für die Brüder lassen. laden sind. mein Abendmahl Güter hat und siehet seinen ö Daichtien Am 3. Autratis⸗ nach Trinitatis. Herz vor ihm zu, wie bleibet Herz I Evistel. 1 Petri 5, 6—11. Alle eure Sorg denn er sorget ö 2 79 Kindlein, lasset uns nicht lieben So demüthiget euch nun un⸗ mit Worten, noch mit der Zunge, ter die gewaltige Hand Gottes, sondern mit der That und mit daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. e werfet auf ihn, für euch. Seid ö ö 2 * 158 Episteln und Evangelien. nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnadeé, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit lei⸗ det, vollbereiten, stärken, kräfti⸗ Ehr gründen. Demselbigen sei hre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium. Luc. 15, 1—10. Es naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: Dieser nimmt die Sün⸗ der an und isset mit ihnen. Er aber sagte zu ihnen dies Gleich⸗ niß und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er deren eins verlie⸗ ret, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste und hin⸗ gehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn er es efunden hat, so leget ers auf seine Achseln mit Freuden, und wenn er heim kommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und nicht Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welch Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie deren einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, rufet sie ihren Freundinnen und RNachbarin⸗ nen und spricht: Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Gro⸗ schen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den En⸗ geln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. Am 4. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Röm. 8, 18—23. Denn ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlich⸗ keit nicht werth sei, die an uns soll geoffenbaret werden. Denn das ängstliche Harren der Crea⸗ tur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Creatur unterworfen ist der Eitelkeit, ohne ihren Willen, sondern um deßwillen, der sie un⸗ terworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Creatur frei wer⸗ den wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens, zu der herr⸗ lichen Freiheit der Kinder Got⸗ tes. Denn wir wissen, daß alle Creatur sehnet sich mit uns und ängstigt sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kind⸗ schaft und warten auf unseres Leibes Erlösung. Evangelium. Luc. 6, 36—42. Darum seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig is. Rich⸗ tet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammet. Ver⸗ bet⸗ so wird euch vergeben. Ge⸗ et, so wird euch gegeben.„Ein voll, gedrückt, gerüttelt und über⸗ flüssig Maß wird man in euern Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr mit messet, wird man ; 565KAn⁰Nart 23. Episteln und euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er voll⸗ kommen. Was siehest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge und des Balken in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille, Bru⸗ der, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zeuch zu⸗ vor den Balken aus deinem Auge und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Am 5. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1 Petri 3, 8—15. Endlich aber, seid allesammt gleich gesinnet, mitleidig, brü⸗ derlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bö⸗ sem, oder Scheltwort mit Schelt⸗ wort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen beerbet. Denn wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bö⸗ sen und thue Gutes, er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, so Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommt? Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit Evangelien. 159 willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Trotzen nicht, und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in eurem Herzen. Evangelium. Luc. 5, 1—11. Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth und sahe zwei Schiffe am See stehen(die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze), trat er in der Schiffe eins, welches Simonis war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande füh⸗ rete. Und er setzte sich und leh⸗ rete das Volk aus dem Schiffe. Und als er hatte aufgehö⸗ ret zu reden, sprach er zu Si⸗ mon: Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts ge⸗ fangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Ge⸗ sellen, die im andern Schiffe waren, daß sie kämen und hül⸗ sen ihnen ziehen; und sie kamen und fülleten beide Schiffe voll, also, daß sie sanken. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihn ein Schrecken angekommen und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie mit einander gethan hatten; desselbi⸗ gen gleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne Zebedäi, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich 160 Episteln und Evangelien. nicht; denn von nun an wirst du gesagt ist: Du sollst nicht tödten; Menschen fahen. Und sie füh⸗ wer aber tödtet, der soll des Ge⸗ reten die Schiffe zu Lande und ver⸗ richts schuldig sein. Ich aber ließen alles und folgeten im nach. lage euch: Hrer 27—— aahte der zürnet, der ist des Geri hts n eimtatto. 45 schuldig: wer aber zu seinem Epistel. Röm. 6, 3—11. Bruder saget: Racha, der ist des Wisset ihr nicht daß alle die Du Rart isiwer Whilian wir in Jesum Christ getauft sind, ö F7 asch 18 Dar m, weum die sind in seinen Tod getauft? du deme Gabe Auf dem Altar dues weu wen. e auf daß, gleichwie Christus isi ie baber laß kda t denn Dun Haulichten des Baters ahio ö Wtar dene Gabe und: gehe u⸗ 4%Herrlichteit des Vaters, also vor hin und versöhne dich mit Lehen wandeln 1055 wir aber Loneur 35 00 und Gab⸗ komm und opfere deine Gabe. dleichem Tod. so w erden wir Lard dieen deinem—. acher diad der Miferiekung glich sin: auf Hem Wehe vis, aun daß dih alter Mens⸗ fammt Daß—.. der Widersacher nicht dermaleins alter Mensch sammt ihm gekreu⸗ überantworte dem Richter, und ziget ist, auf daß der sündliche der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Ker⸗ ha Sunde u 69 5 wir Dann der Sünde nicht dienen. Denn fer eworfen. Ich sage dir: wer gestorben ist, der ist gerecht⸗ ö Wahrlich, u wüt nich von fertiget von der Sünde. Sind dannen heraus kommen, bis du wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch auch den le6ten Heller bezahlest mit ihm leben werden, und wissen, Am 7. Sonntage nach daß Christus, von den Todten Trinitatis. erwecket, hinfort nicht stirbt; der Epistel. Röm. 6, 19—23. Tod wird hinfort über ihn nicht muß menschlich davon ö ch herrschen. Denn das er gestorben reden, um der Schwachheit wil⸗ ist, das ist er der Sünde gestor⸗ len eures Fleisches. Gleichwie ben, zu einem Mal; das er aber ihr eure Glieder begeben habt lebet, das lehet er Gott. Also um Dienste der Unreinigkeit, und auch ihr, haltet euch dafür, daß zum tfafet ihr der Sünde gestorben seid, und von einer Ungerechtigkeit zu der andern, also begebet nun au lebet Gott in Christo Jesu un⸗ aure Gllder m Diensie det serm Herrn. Gerechtigkeit, daß sie heilig wer⸗ Cvangelium. Matth. 5, 20—26. den. Denn da ihr der Sünde Denn ich sage euch: Es sei Knechte waret, da waret ihr frei denn eure Gerechtigkeit besser, von der Gerechtigkeit. Was hattet denn der Schriftgelehrten und ihr nun zu der Zeit fuͤr Frucht? Pharisäer, so werdet ihr nicht in Welcher ihr euch jetzt schämet; das Himmelreich kommen. Ihr denn das Ende derselbigen ist der habt gehört, daß zu den Alten Tod. Nun ihr aber seid von n . ‚RxxeE„-...N..&œæ æ„ Episteln und der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, se daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünde Sold, aber die Gahe Gottes ist das ewige Leben, in Christo Jesu unserm Herrn. Evangelium. Marc. 8, 1—9. Zu der Zeit, da viel Volks da waͤr und hatten nicht zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jam⸗ mert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir verharret und haben nichts zu essen, und wenn ich sie ungegessen von mir Evangelien. 161 lebet, so werdet ihr sterben müs⸗ en; wo ihr aher durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbige Geist giebt Zeugniß unserm Geist, daß wir Gottetz Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne gekom⸗ men. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brod hier in der Wüste, daß wir sie faͤttigen? Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brod? Sie spra⸗ chen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brode und dankete und brach sie und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten; und sie legten dem Volke vor. Und hat⸗g ten ein wenig Fischlein, und er dankete und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt und hoben die übri⸗ gen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten. Und er ließ sie von sich. Am 8. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Röm. 8, 12—17. So sind wir nun, lieben Brü⸗ der, Schuldner, nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleische leben. Denn wo ihr nach dem Fleische zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium. Matth. 7, 15—23. Sehet euch vor vor den fal⸗ schen Propheten, die in Schafs⸗ kleidern zu euch kommen, inwen⸗ dig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trau⸗ ben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum Ttauler ute Früchte, aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein uter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer Frochten Darum an ihren rüchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Him⸗ melreich kommen, sondern diẽ den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel 41 3 .. — V 2 * ** + . e 162 ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Thaten ethan? Dann werde ich ihnen Dokennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet alle von mir, ihr Uebelthäter! Am 9. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1 Cor. 10, 6—13. Das ist aber uns zum Vor⸗ bilde geschehen, daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene geluͤstet hat. Wer⸗ det auch nicht Abgöttische, gleich wie jener etliche wurden, als ge⸗ schrieben stehet: Das Volk setzte sich nieder zu essen und zu trin⸗ ken und stand auf zu spielen. Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf Einen Tag drei und zwanzig tausend. Lasset uns aber auch Christum nicht versuchen, wie et⸗ liche von jenen ihn versuchten. und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleich wie jener etliche murreten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde. Es ist aber geschrieben uns zur arnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum, wer sich lässet dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung be⸗ treten. Aber Gott ist getreu, der euch nicht lässet versuchen über euer Vermögen, sondern machet, daß die ersuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Evangelium. Luc. 16, 1—9. Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Episteln und Evangelien. Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umge⸗ bracht. Und er forderte ihn, und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht mehr Haus⸗ halter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein Herr nimmt ih ücht, 1 Häm Ich m 9 60 ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Iiihrr, e werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuld⸗ ner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Oels. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreibe flugs fünfzig. Darnach sprach er 1 dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Waizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig. Und der Herr lobete den ungerechten Haushalter, daß er klüglich ge⸗ than hätte; denn die Kinder die⸗ ser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts in ihrem Ge⸗ schlechte. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Am 10. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1 Cor. 12, 1—11. Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen und hin⸗ gegaͤngenzu den stummen Götzen Episteln und wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch kund, daß niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet. Und niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. s Es sind mancherlei Gaben, aber es ist Ein Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist Ein Herr. Und es sind man⸗ cherlei Kräfte, aber es ist Ein i. der da Aicher alles in sch n einem jeglichen erzeigen die Gaben des Geistes zum ge⸗ meinen Nutzen. Einem wird ge⸗ geben durch den Geist zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben zu reden von der Er⸗ kenntniß, nach demselbigen Geist; einem andern der Glaube in dem⸗ selbigen Geist; einem andern die Gabe gesund zu machen, in demsel⸗ bigen Geist; einem andern Wun⸗ der zu thun, einem andern Weis⸗ sagung, einem andern Geister zu unterscheiden, einem andern man⸗ cherlei Sprachen, einem andern die Sprachen auszulegen. Dies aber alles wirket derselbige einige Geist und theilet einem lichen seines zu, nachdem er will. Evangelium. Luc. 19, 41—48. Und als er nahe hinzu kam, sahe er die Stadt an und wei⸗ nete über sie und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet; aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kom⸗ men, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Or⸗ ten ängsten. Und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, darum, daß 163 du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen du heimgesuchet bist. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darin⸗ nen verkauften und kauften, und prach zu ihnen: Es stehet ge⸗ schrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habts gemacht zur Mördergrube. Und lehrete täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehr⸗ ten und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten. Und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten; denn alles Volk hing ihm an und hörete ihn. Am 11. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1 Cor. 15, 1—10. Ich erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verkündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr—5 stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welchergestalt ich es euch ver⸗ kündiget habe, so ihrs behalten habt, es wäre denn, daß ihrs umsonst geglaubet hättet! Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sei für unsere Sünden, nach der Schrift, und daß er begraben sei und daß er auferstanden sei am dritten Tage, nach der Schrift, und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Dar⸗ nach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, deren noch viele le⸗ ben, etliche aber sind entschla⸗ fen; darnach ist er gesehen wor⸗ den von Jakobus, darnach von allen Aposteln. Am letzten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen Evangelien. 164 Episteln und Evangelien. worden. Denn ich bin der geringste dern daß wir tüchtig sind, ist unter den Aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apo⸗ stel heiße, darum, daß ich die Gemeine Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewe⸗ sen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die in mir ist. Evangelium. Luc. 18, 9—14. Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären und verachteten die an⸗ dern, ein solch Gleichniß: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zwier in der Woche und gebe den Zehnten von allem, das ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Him⸗ mel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Am 12. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 2 Cor. 3, 4—11. Ein solches Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu von Gott, welcher auch uns tüch⸗ tig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tödtet, aber der Geist macht le⸗ bendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tödtet und in die Steine ist gebildet, Klar⸗ heit hatte, also daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Mosis, um der Klar⸗ heit willen seines Angesichts, die doch aufhöret: wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist giebt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdammniß prediget, Klarheit hat, vielmehr hat das Amt, das die Gerech⸗ tigkeit prediget, überschwängliche Klarheit. Denn auch jenes Theil, das verkläret war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen die⸗ ser überschwänglichen Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufhöret, vielmehr wird das Klarheit haͤben, das da bleibet. Evangelium. Marc. 7, 31—37. Ind da er wieder ausging von den Gränzen Tyri und Sidon, kam er an das galiläische Meer, mitten unter die Gränze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legete. Und er nahm ihn von dem Volk beson⸗ ders und legete ihm die Finger in die Ohren und spützete und rührete seine Zunge, und sahe auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata! das ist, thue dich auf! Und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot denken als von uns selber; son⸗ ihnen, sie solltens niemand sagen. Episteln und Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und wun⸗ derten sich über die Maße und sprachen: Er hat alles wohlge⸗ macht; die Tauben macht er hö⸗ rend und die Sprachlosen redend. Am 13. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Gal. 3, 15—-22. Lieben Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Ver⸗ achtet man doch eines Menschen Testament nicht, wenn es bestä⸗ tiget ist, und thut auch nichts dazu. Nun ist je die Verheißung Abraham und seinem Samen zugesagt. Er spricht nicht, durch die Samen, als durch viele, son⸗ dern als durch einen, durch dei⸗ nen Samen, welcher ist Christus. Ich sage aber davon: Das Te⸗ stament, das zuvor von Gott be⸗ stätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Ver⸗ heißung sollte durchs Gesetz auf⸗ hören, welches gegeben ist über vierhundert und dreißig Jahr hernach. Denn so das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch die Ver⸗ heißung gegeben. Gott aber hats Abraham durch Verheißung frei geschenkt. Was soll denn das Gesetz? Es ist dazu gekommen um der Sünde willen, bis der Same käme, dem die Verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler ist aber nicht eines einigen Mittler, Gott aber ist einig. Wie? Ist denn das Gesetz wider Gottes Verhei⸗ ßungen? Das sei ferne! Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahr⸗ haftig aus dem Gesetz. Aber die Schrift hat es alles beschlossen Evangelien. 165 unter die Sünde, auf daß die Verheißung käme durch den Glau⸗ ben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangelium. Luc. 10, 23—37. Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonder⸗ heit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch. Viel Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und habens nicht ge⸗ sehen, und hören, das ihr höret, und habens nicht gehöret. Und siehe, da stand ein Schriftgelehr⸗ ter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß n das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschrieben wie liesest du? Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüthe, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet, thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus und und leß ihn, und gingen davon und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ohngefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinabzog, und da er ihn sahe, ging er vorüber. Desselbigen leichen auch ein Levit, da er am bei die Stätte und sahe ihn. ging er vorüber. Ein Sama; riter aber reisete und kam dahin⸗ und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß darein Oel und Wein, und hob ihn auf sein Thier und führete ihn in, die Herberge und pfle⸗ gete sein. Des andern Tages reisete er und 109 heraus zween Groschen und gab sie dem Wirth und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst dar⸗ thun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wieder komme. Wel⸗ cher dünket dich, der unter diesen fst dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder ge⸗ fallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und thue desgleichen. Am 14. Sonntage nach Trinitatis. Epistel Gal. 5, 16—24. Ich sage aber; Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch; dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der Geist, so seid ihr nicht un⸗ ter dem Gesetze. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind Ehebruch, Hurerei, Un⸗ reinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen; von welchen ich euch habe zuvor ge⸗ sagt und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider solche ist das Gesetz nicht. Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Episteln und Evangelien. Fleisch, sammt den Lüsten und Begierden. Evangelium. Luec. 17, 11—19. Und es begab sich, da er rei⸗ sete gen Jerusalem, zog er mit⸗ ten durch Samaria und Galiläg. —ir als er 0 4 aböf kam, egegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und prachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschahe, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund worden war, kehrete er um, und pries Gott mit lauter Stimme und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankete ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber ant⸗ wortete und sprach: Sind ihr nicht zehen rein worden? Wo sind aber die neune? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrete und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen. Am 15. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Gal. 5, 25— 6, 10. So wir im Geiste leben, so lasset uns auch im Geiste wan⸗ deln. Lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein, unter einander zu entrüsten und zu hassen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geist, die ihr eistlich seid. Und siehe auf dich selbst daß du nicht auch versu⸗ chet werdest. Einer trage des —.cc‚we‚‚wee Episteln und andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich jemand lässet dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein und aber prüfe sein selbst Werk, und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine Last tragen. Der aber un⸗ terrichtet wird mit dem Worte, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spot⸗ ten. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ern⸗ ten; wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geist das Evangelien. 167 viel mehr denn sie? Wer ist un⸗ ter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum sor⸗ get ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als dersel⸗ bigen eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und mor⸗ gen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht vielmehr euch thun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, ewige Leben ernten. Lasset uns aber Gutes thun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit wer⸗ H. den wir auch ernten ohne Auf⸗ hören. Als wir nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Evangelium. Matth. 6, 24—34. Niemand kann zween Herren dienen; entweder er wird einen hassen und den andern lieben, oder wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum se 9 ich euch: eben, was Sorget nicht für euer womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allem trachten die eiden; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach sei⸗ ner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern Mor⸗ gen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Am 16. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephes. 3, 13—21. Darum bitte ich, daß ihr nicht ihr essen und trinken werdet müde werdet um meiner Trüb⸗ auch nicht für euren Leib, was sal willen, die ich für euch leide, ihr anziehen werdet. Ist nicht welche euch eine Ehre sind. Der⸗ das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr denn di Kleidung? Sehet die Vögel un halben beuge ich meine Kniee egen den Vater unseres Herrn esu Christi, der der rechte Va⸗ 2 ter dem Himmel an: sie säen ter ist über allea, wa da Kin⸗ nicht, sie ernten nicht, sie samm⸗ der heißet im Himmel und auf len nicht in die Scheunen, und Erden, daß er euch Kraft gebe euer himmlischer Vater nähre sie doch. Seid ihr denn nich tnach dem Reichthum seiner Herr⸗ t lichkeit, start zu werden durch * 4 —9 .. * * * 8 25 * — —* 2 2 * * 8* 2 * * V Le V 2 *„ * X . von ihm erscholl in das ganze 168 Episteln und Evangelien. seinen Geist an dem inwendigen Menschen und Christum zu woh⸗ nen durch den Glauben in euren Herzen und durch die Liebe ein⸗ gewurzelt und gegründet zu wer⸗ den, auf daß ihr begreifen mö⸗ get mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe, auch erkennen, daß Christum lieb haben viel besser ist, denn alles Wissen, auf daß ihr erfüllet wer⸗ det mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich thun kann über alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Ehre in der Gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium. Luc. 7, 11—17. Und es begab sich darnach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging, und seiner Jünger Volter viele mit ihm und viel olks. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man einen Todten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mut⸗ ter; und sie war eine Witwe, und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sahe, jammerte ihn dersel⸗ bigen, und prach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu, und rüh⸗ rete den Sarg an, und die Trä⸗ er standen. Und er sprach: üngling, ich sage dir, stehe auf! Und der Todte richtete sich auf und fing an zu reden, und er ab ihn seiner Mutter. Und es am sie alle eine Furcht an, und priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns in und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede jüdische Land und in alle um⸗ liegenden Länder. Am St. Michaelistage. Epistel. Offenb. Joh. 12, 7—12. Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt und seine Engel, und siegeten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr ge⸗ funden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißet der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführet, und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin ge⸗ worfen. Und ich hörete eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich und die Macht unsers Gottes seines Christus geworden, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklaget Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses, und haben ihr Leben nicht geliebet bis an den Tod. Darum freuet euch, ihr Himmel und die darinnen wohnen! Evangelium. Matth. 18, 1—11. Zu derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu und spra⸗ chen: Wer ist doch der Größeste im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellete das mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst er⸗ niedriget, wie dies Kind, der ist der Größeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind auf⸗ PN&r..—,ete 7 Episteln und Evangelien. 169 nimmt in meinem Namen, der auch berufen seid auf emerler nimmt mich auf. Wer aber är⸗ Hoffnung eures Berufs. Ein gert dieser Geringsten einen, die Herr, Ein Glaube, Eine Taufe, an mich glauben, dem wäre bes⸗ Ein Gott und Vater unser aller, ser, daß ein Mühlstein an sei⸗ der da ist über euch alle und nen Hals gehänget würde, und durch euch alle und in euch allen. er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist. Wehe der Welt Evangelium. Luc. 14, 1—11. der Aergerniß halben! Es muß Und es begab sich, daß er ja Aergerniß kommen; doch wehe kam in ein Haus eines Obersten dem Menschen, durch welchen der Pharisäer auf einen Sabbath, Aergerniß kommt! So aber deine das Brod zu essen, und sie hiel⸗ Hand, oder dein Fuß dich är⸗ ten auf ihn. Und siehe, da war gert, so haue ihn ab und wirf ein Mensch vor ihm, der war ihn von dir; es ist dir besser, wassersüchtig. Und Jesus ant⸗ daß du zum Leben lahm oder woriete und fagte zu den Schrift⸗ ein Krüppel eingehest, denn daß gelehrten und Pharisäern und du zwo Hände oͤder zween Füße sprach: Ists auch recht, auf den habest, und werdest in das ewige Sabbath heilen? Sie aber schwie⸗ Feuer geworfen. Und so dich gen siille. Und er griff ihn an dein Auge ärgert, reiß es aus und heilete ihn und ließ ihn ge⸗ und wirfs von dir; es ist dir hen, und antworteis und sprach besser, daß du einäugig zum Le⸗ zu ihnen: Welcher ist unter euch, ben eingehest, denn daß du zwei dem sein Ochse oder Esel in Augen habest und werdest in das den Brunnen fällt, und er nicht höllische Feuer geworfen. Len d ihn herauszeucht am zu, daß ihr nicht jemand von Sabbathtage? Und sie konnten diesen Kleinen verachtet. Denn ihm darauf nicht wieder Ant⸗ ich sage euch: Ihre. Engel im wort geben. Er sagte aber ein Himmel sehen allezeit das An⸗Gleichniß zu den Gasten, da er gesicht meines Vaters im Him⸗ merkte, wie sie erwähleten oben mel. Denn des Menschen Sohn an zu sitzen, und sprach zu ih⸗ ist gekommen, selig zu machen, nen: Wenn du von jemand ge⸗ das verloren ist. laden wirst zur Hochzeit, so setze dich nicht oben an, daß nicht Am 17. Sonntage nach etwa ein Ehrlicherer, denn du, Lrinitatis. von ihm geladen sei, und so Epistel. Ephes. 4, 1—6. dann kommt, der dich und ihn So ermahne nun euch ich geladen hat, spreche zu dir: Wei⸗ Gefangener in dem Herrn, daß che diesem, und du müssest dann ihr wandelt, wie sichs ebühret mit Scham unten an sitzen. Son⸗ eurem Beruf, darinnen ihr beru⸗dern wenn du geladen wirst, so fen seid, mit aller Demuth und gehe hin und setze dich unten an, Sanftmuth, mit Geduld, und auf daß, wenn da kommt, der vertraget einer den andern in dich geladen hat, spreche zu dir: der Liebe, und seid fleißig zu Freund, rücke hinauf! Dann wirst halten die Einigkeit im Geist,. du Ehre haben vor denen. die durch das Band des Friedens. mit dir zu Tische sitzen. Denn Ein Leib und Ein Geist, wie ihr wer sich selbst erhoͤhet, der soll —3 V * 28 2 .. 2 *. R. 2 8 * 170 Episteln und Evangelien. erniedriget werden, und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. Am 18. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1 Cor. 1, 4—9. Ich danke meinem Gott alle⸗ zeit euerthalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr seid durch ihn an allen Stücken reich ge⸗ macht, an aller Lehre und in aller Erkenntniß. Wie denn die Predig von Christo in euch kräftig geworden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi, welcher auch wird euch fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers intr⸗ Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch wel⸗ chen ihr berufen seid zur Ge⸗ meinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Evangelium. Matth. 22, 34—46. Da aber die Pharisäer höre⸗ ten, daß er den Sudducäern das Maul gestopfet hatte, verfamm⸗ leten sie sich, und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, ver⸗ suchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz? Jesus aber spra zu ihm: Du sollst lieben Gott deinen Herrn von ganzem Her⸗ zen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüthe; dies ist das vornehmste und größeste Gebot. Das andere 2 dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. a nun die Pharisäer beieinander waren, fraate sie Jesus und sprach: Wie dünket euch um Christus? Weß Sohn ist er? Sie sprachen: Da⸗ vids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen Herrn, da er sagt: Der Cere boigesagtzumeinem Hernn: etze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße? So nun David ihn einen Herrn nennt, wie ist er denn sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch nie⸗ mand von dem Tage an hinfort ihn fragen. Am 19. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephes. 4, 22—28. So leget nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der dur Lüste in Irrthum sich verderbet; er⸗ neuert euch aber im Geist eures Gemüths, und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Dar⸗ um leget die Lügen ab und re⸗ det die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir unter einander Glieder sind. Zürnet und sündiget nicht, lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer ch gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Dürftigen. Evangelium. Matth. 9, 1—8. Da trat er in das Schiff, und fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen der lag auf Da nun Jesus Gichtbrüchigen, einem Bette. E E II‚ Episteln und Evangelien. 17¹ ihren Glauben sah, sprach er zu Evangellum. Matth. 22, 1—14. dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, Und Jesus antwortete und re⸗ mein Sohn, deine Sünden sind dete abermals durch Gleichnisse zu dir vergeben. Und siehe, etliche ihnen und sprach: Das Himmel⸗ unter den Schrift elehrten spra⸗reich ist gleich einem Könige, der chen bei sich selbst: Dieser lä⸗ seinem Sohne Rnecht: machte, stert Gott. Da aber Jesus ihre und sandte seine Knechte aus, daß Gedanken sahe, sprach er: War⸗ sie die Gäste zur Hochzeit riefen; um denket ihr so Arges in eu⸗ und sie wollten nicht kommen. ren Herzen? Welches ist leichter Abermal sandte er andere Knechte zu sagen: Dir sind deine Sünden aus und sprach: Saget den Gä⸗ vergeben! oder zu sagen: W hr sten: Siehe, meine Mahlzeit habe auf und wandle? Auf daß ihr ich bereitet, meine Ochen und aber wisset, daß des Menschen mein Mastvieh ist geschlachtet, Sohn Macht habe auf Erden und alles bereit; kommet zur die Sünden zu vergeben, sprach Hochzeit. Aber sie verachteten er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe das, und gingen hin, einer auf aun, hebe dein Bett auf und gehe seinen Acker, der andere zu sei⸗ heim. Und er stand auf und ner Handthierung. Etli e aber sahe heim. Da das Volk das griffen seine Knechte, höhneten ahe, verwunderte es sich und und tödteten sie. Da das der pries Gott, der solche Macht den König hörete, ward er zornig, Menschen gegeben hat. und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und Am 20. Sonntage nach zündete ihre Stadt an. Da sprach Trinitatis. er zu burnte 2* ie 2— zeit ist zwar bereitet, aber ie Cvistel. Evhes. 5. 1—u. Gäste warens nicht wertg. Dar⸗ So sehet nun zu, wie ihr vor⸗um gehet hin auf die Straßen sichtiglich wandelt, nicht als die und ladet zur Hochzeit, wen ihr Unweisen, sondern als die Wei⸗ findet. Und die Knechte gingen sen. Und schicket euch in die aus auf die Straßen, und brach⸗ Zeit, denn es ist böse Zeit. Dar⸗ten zusammen, wen sie fanden, um werdet nicht unverständig, Böse und Gute; und die Tische sondern verständig, was da sei wurden alle voll. Da ging der des Herrn Wille. Und saufet König hinein, die Gäste zu be⸗ euch nicht voll Weins, daraus ein sehen, und sahe allda einen Men⸗ unordentlich Wesen folget, son⸗schen, der hatte kein hochzeitlich dern werdet voll Geistes, und Kleid an, und sprach zu ihm. redet unter einander von Psal⸗Freund, wie bist du hereingekom⸗ men und Lobgesängen und geist⸗ men⸗ und hast doch kein hoch⸗ lichen Liedern, singet und spie⸗Uzeitlich Kleid an? Er aber ver⸗ let dem Herrn in eurem Herzen. stummete. Da sprach der König Und saget Dank allezeit für zu seinen Dienern: Bindet ihm alles Gott und dem Vater, in ihn n und Fuße, und werfet dem Namen unsers Herrn Jesu i n in die äußerste Finsterniß hin⸗ Christi. Und seid unter ein⸗ aus, da wird sein Heulen undZähn⸗ ander unterthan in der Furcht klappen. Denn viele sind berufen, Gottes. aber wenige sind auserwählet. 4*08 — * * V . 2** + * 2 * * 2 2 2.* * * 2 * ** 172 Episteln und Evangelien. Am Neformationsfeste. Epistel. Offenb. Joh. 14, 6—8. Und ich sahe einen Engel fliegen mitten durch den Him⸗ mel, der hatte ein ewiges Evdan⸗ gelium, zu verkündigen denen, die auf Erden sitzen und woh⸗ nen. und allen Heiden und Ge⸗ schlechtern und Sprachen und Völkern, und sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott und ebet ihm die Ehre, denn die eit seines Gerichts ist gekom⸗ men, und betet an den, der ge⸗ macht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrun⸗ nen. Und ein anderer Engel folgte nach, der sprach: Sie ist 101. die sie ist gefallen, Baby⸗ on, die große Stadt, denn sie hat mit dem Wein ihrer Hure⸗ rei getränket alle Heiden. Evangelium. Joh. 6, 63—69. Der Geist ists, der da leben⸗ dig macht, das Fleisch ist kein nütze. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wußte von Anfang wohl, welche Am 21. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephes. 6, 10—17. Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listi⸗ gen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, näm⸗ lich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deß⸗ willen so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun und alles wohl ausrichten und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Lenden mit Wahr⸗ heit und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an den Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergrei⸗ fet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen kön⸗ net alle feurigen Pfeile des Bö⸗ nicht glaubend waren, und wel⸗ cher ihn verrathen würde. Und er sprach. Darum habe ich euch esagt: Niemand kann zu mir G ommen, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben. Von dem an gingeu seiner Jünger viele hinter sich, und wandelten hin⸗ fort nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Hu wohin sollen wir gehen? u hast Worte des ewigen Le⸗ bens; und wir haben geglaubet und erkannt, daß du bist Chri⸗ stus, der Sohn des lebendigen Gottes. sewichts. Und nehmet den Helm des Heils und das Schwerk des Geistes, welches ist das Wort ottes. Evangelium. Joh. 4, 47—54. Und es war ein Königischer, deß Sohn lag krank zu Kaper⸗ naum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Judäg in Galiläa, und ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinab käme und hülfe seinem Sohn, denn er war todt⸗ krank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe 3 ie —28 2. 9——————— 2 nrreeere Episteln und denn mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet. Da forschete er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Va⸗ ter, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubete mit seinem ganzen 15— Das ist nun das andere eichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläa kam. Am 22. Sonntage nach Trinitatis Epistel. Phil. 1, 3—11. Ich danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke,(welches ich allezeit thue in alle meinem Gebet für euch alle, und thue das Gebet mit Freuden,) über eurer Gemeinschaft am Evange⸗ lio, vom ersten Tage an bisher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch ange⸗ fangen hat das gute Werk, der wirds auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich der⸗ maßen von euch allen halte, darum, daß ich euch in meinem Gaane habe in diesem meinem efängniß, darinnen ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade theilhaftig seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlanget von And daram in Jesu Chri⸗ sto. Und darum bete ich, daß Evangelien. 173 eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntniß und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen (in euch) zur Ehre und Lobe Gottes. Evangelium. Matth. 18, 23—35. Darum ist das Himmelreich leich einem Könige, der mit einen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm ehn tausend Pfund schuldig. a ers nun nicht hatte zu be⸗ zahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dirs alles bezahlen. Da jammerte den Herrn dessel⸗ bigen Knechts, und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus, und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig. Und er griff ihn an und würgete ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dirs alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängniß, bis daß er bezahlte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, das sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du 17⁴4 Episteln und Evangelien. Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig und überant⸗ wortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehle. Am 23. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Phil 3, 17—21. Folget mir, lieben Brüder, und sehet buß die, die also wan⸗ deln, wie ihr uns habt zum 5on wach 10— Rgehg von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch wit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi, welcher Ende ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnet sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem ver⸗ kläͤrten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. Evangelium. Matth. 22, 15—22. Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rath, wie sie ihn fingen in seiner Rede; und sandten zu ihm ihre Jünger, sammt Herodis Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und leh⸗ rest den Weg Gottes recht, und du fragest nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen: darum sage uns, was dünket dich? Ists recht, daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schalk⸗ heit, spra er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Weß ist das Bild und die Ueberschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kai⸗ sers. Da sprach er zu ihnen: So ebt dem Kaiser, was des Kai⸗ sers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das höreten, verwun⸗ derten sie sich und ließen ihn und! gingen davon. Am 24. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Col. 1, 9—14. Derhalben auch wir von dem Tage an, da wirs gehöret haben, hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntniß seines Willens in allerlei geist⸗ licher Weisheit und Verstand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen und fruchtbar seid in allen guten Werken und wachset in der Erkenntniß Gottes und gestärket werdet mit aller Kraft nach sei⸗ ner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuden, und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heili⸗ gen im Licht. Welcher uns er⸗ rettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und hat uns ver⸗ setzt in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Evangelium. Matth. 9, 18-— 26. Da er solches mit ihnen re⸗ dete, siehe, da kam der Obersten einer und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stand auf und folgete ihm nach und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutgang gehabt, trat von hin⸗ ten zu ihm und rührete seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um und sahe sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu der⸗ selbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam und sahe die Pfeifer und das Getüm⸗ mel des Volks, sprach er zu ih⸗ nen: Weichet, denn das Mägd⸗ lein ist nicht todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand. Da stand das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erscholl in dasselbige ganze Land. Am 25. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1 Thess. 4, 13—18. Wir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten von de⸗ nen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir Episteln und Evangelien. 17⁵5 leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stim⸗ me des Erzengels und mit der Posaune Gottes hernieder kom⸗ men vom Himmel, und die Todt⸗ ten in Christo werden auferstehen zuerst, darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn ent⸗ gegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten unter einander. Evangelium. Matth. 24, 15—28. Wenn ihr nun sehen werdet den Gräuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er stehet an der heiligen Stätte,(wer das lieset, der merke drauf!), alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen. Und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säu⸗ gern zu der Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter, oder am Sabbath; denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, als nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht wür⸗ den verkürzet, so würde kein Mensch selig; aber um der Aus⸗ erwählten willen werden die Tage verkürzet. So alsdann je⸗ mand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da: so sollt ihrs nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und .. . * DSSSTRTSTIIIIe 176 Episteln und Evangelien. falsche Propheten aufstehen, und es etliche für einen Verzug achten, große Zeichen und Wunder thun, sondern er hat Geduld mit uns daß verführet werden in den und will nicht, daß jemand ver⸗ Irrthum, wo es möglich wäre, loren werde, sondern daß sich auch die Auserwählten. Siehe, jedermann zur Buße kehre. Es ich habe es euch zuvor gesagt. wird aber des Herrn Tag kom⸗ Darum, wenn sie zu euch sagen men als ein Dieb in der Nacht, werden: Siehe, er ist in der Wü⸗ ö in welchem die Himmel zergehen ste, so gehet nicht hinaus; siehe, werden mit großem Krachen, die er ist in der Kammer, so glaubet Elemente aber werden vor Hitze nicht. Denn Aufeua der Blitz schmelzen, und die Erde und die ausgehet von Anfang und schei⸗ Werke, die darinnen sind, werden net bis zum Niedergang, also verbrennen. So nun das alles wird auch sein die Zukunft des soll zergehen, wie sollt ihr denn Menschen Sohnes. Wo aber ein geschickt sein mit heiligem Wan⸗ Aas ist, da sammeln sich die del und gottseligem Wesen, daß Adler. ihr wartet und eilet zu der Zu⸗ kunft des Tages des Herrn, in Am 26. Sonntage nach welchem die Himmel vom Feuer Trinitatis. zergehen und die Elemente vor Epistel. 2 Petri 3, 3—14. Hitze zerschmelzen werden! Wir Und wisset das aufs erste, daß warten aber eines neuen Him⸗ in den letzten Tagen kommen mels und einer neuen Erde, nach werden Spötter, die nach ihren seiner Verheißung, in welchen eigenen Lüsten wandeln und sa⸗Gerechtigkeit wohnet. Darum, gen: Wo ist die Verheißung sei⸗ meine Lieben, dieweil ihr darauf ner Zukunft? Denn nachdem die warten sollet, so thut Fleiß, daß Väter entschlafen sind, bleibt es ihr vor ihm unbefleckt und un⸗ alles, wie es von Anfang der sträflich im Frieden erfunden Creatur gewesen ist. Aber werdet. muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vor⸗ Evangelium. Matth. 25, 31—46. zeiten auch war, dazu die Erde Wenn aber des Menschen aus Wasser und im Wasser be⸗ Sohn kommen wird in seiner standen durch Gottes Wort; Herrlichkeit, und alle heiligen dennoch ward zu der Zeit die Engel mit ihm, dann wird er Welt durch dieselbigen mit der sitzen auf dem Stuhl seiner Herr⸗ Sündfluth verderbet. Also auch lichkeit, und werden vor ihm alle der Himmel jetzt und die Erde Völker versammelt werden, und werden durch sein Wort gespa⸗er wird sie von einander scheiden, ret, daß sie zum Feuer behalten gleich als ein Hirte die Schafe werden am Tage des Gerichts von den Böcken scheidet, und und Verdammniß der gottlosen wird die Schafe zu seiner Rech⸗ Menschen. Eins aber sei euch ten stellen und die Böcke zur unverhalten, ihr Lieben, daß Ein Linken. Da wird dann der Kö⸗ Tag vor dem Herrn ist, wie tau⸗ nig sagen zu denen zu seiner send Jahre, und tausend Jahre Rechten: Kommet her, ihr Ge⸗ wie Ein Tag. Der un ver⸗segneten meines Vaters, ererbet zeucht nicht die Verheißung, wie das Reich, das euch bereitet ist — von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeiset. Ich bin wuch 8 gewesen und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast herberg⸗ und ihr habt mich be⸗ erberget. Ich bin nacket gewe⸗ sen und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besuchet. Ich bin ge⸗ fangen gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeiset? oder durstig und haben dich getränket? Wann n ben wir dich einen Gast gesehen und beherberget? oder nacket und haben dich bekleidet? Wann ha⸗ ben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir gekom⸗ men? Und der König wird ant⸗ worten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich nicht gespeiset. Ich bin durstig gewe⸗ sen und ihr habt mich nicht ge⸗ tränket. Ich bin ein Gast gewe⸗ sen und ihr habt mich nicht beher⸗ berget. Ich bin nacket gewesen und ihr habt mich nicht beklei⸗ det. Ich bin krank und gefan⸗ gen gewesen und ihr habt mich nicht besuchet. Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich ge⸗ sehen hungrig oder durstig, oder einen Gast oder nacket, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird Episteln und Evangelien. 177 er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nicht gethan einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. Am 27. Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1 Thess. 5, 1—11. Von den Zeiten aber und Stunden, lieben Brüder, ist nicht noth, euch zu schreiben. Denn ihr selbst wisset gewiß, daß der Tag des Herrn wird kommen, wie ein Dieb in der Nacht. Denn wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, lieben Brüder, seid nicht in der Finsterniß, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Ihr seid allzumal Kinder des Lichts und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht, noch von der Finsterniß. So lasset uns nun nicht schlafen, wie die an⸗ dern; sondern lasset uns wachen und nüchtern sein. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunken sind, die sind des Nachts trunken. Wir aber, die wir des Tages Kinder sind, sollen nüchtern sein, angethan mit dem Krebs des Glaubens und der Liebe, und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen, durch unsern Herrn Je⸗ sum Christ, der für uns gestor⸗ ben ist, auf daß, wir wachen oder schlafen, zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch 42 —— h SIISISII. De:'—RR 178 Episteln und Evangelien. unter einander und bauet einer den andern, wie ihr denn thut. Evangelium. Matth. 25, 1—13. Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen, und gin⸗ gen aus, dem Bräutigam ent⸗ gegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren klug. Die thörichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Oel mit sich. Die klugen aber nahmen Oel in ihren Ge⸗ fäßen, sammt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wur⸗ den sie alle schläfrig und ent⸗ schliefen. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und schmück⸗ ten ihre Lampen. Die thörich⸗ ten aber sprachen zu den klugen: Gebet uns von eurem Oele, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und spra⸗ chen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam, und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Thür ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und spra⸗ chen: Herr, Herr, thue uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. Darum wachet: denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Men⸗ schen Sohn kommen wird. ——— Alphabetisches Register. A. Nro. Ach bleib bei uns, Herr Jesu 167 Ach bleib mit deiner Gnade ei mir, Herr Jesu Christ. 390 Ach bleib mit deiner nade Bei uns, Herr Jesu Christ. 168 Ach Gott, dir mu ichs klagen 519 A Gott, mich drückt ein... 121 Ach Gott und Herr, Wie roß 2⁴⁵ Ach Gott vom Himmel 30 163 Ach Gott, wie manches Herzeleid 511 — err gieb Acht, in unsrer 500 öchster Gott, verleihe mir 456 1 omm, füll Ses re Seelen. 477 Ach mein euu, ie su dein. 1445 Ach mein Jesu, sieh ich trete. Ach mein Jesu, welch Verderben 221 Ach, sagt 105 nichts von Gold 333 A wär it Doch na droben 583 A„was i st doch unsre Zeit.„ 575 A„was sind wir ohne Jesum 482 A„was soll ich Sünder machen 252 Ach, wenn ich dich, mein Gott 345 A„wie 69 an doch die Jahre 67 we 4. anfte schläfest du. 597 A indet meine Seele.. 282 100 wundergroßer Siegesheld.—14 Allein Gott in der Höh sei Ehr Allein zu dir, Herr Jesu Christ 242 Alle Menschen Auulisch Geer 57⁴ Aller Engel himmlisch Heer.. 18 Aller Gläubgen Sammelpla 599 Alle Welt, was lebt und we et 20⁷ Allgenugsam Wesen.. 351 Also hat Gott die Welt geliebt 272 An Gott will ich gedenken... 387 Auf, auf, ihr Rei Sgenossen 32 Auf, auf, mein Geist, betrachte 493 Auf, auf, mein Geist, danksage 118 Auf, auf, mein Herz, auf rüste 232 Auf, auf, mein erz, mit Freuden 120 Auf, auf, mein Herz, und du mein 403 Chestenmens⸗„auf, auf. 481 Au chrift mcherlic fahrt allein 132 Auf, du priesterlich Geschlechte 638 Auf erstehn, ia en, Chri n wirst 601 488 Auf, ihr Christen, Auf, ihr Streiter 492 Auf meinen ben will 9 579 Auf meinen lieben Gott..514 Auf, Seele, auf und säume* 191 Aus Enaden soll ich selig. Aus meines Herzens Oumde. 40 Aus tiefer Noth schrei ich zu. Desehl Mensch, das Ende iehl du 191 Wege. — iste, der du Hiß 210 21 ste, du Beistand ttes ahr Lamm inmek⸗ 8 in Todesbanden. —————— SSSSSSSE Da Christus geboren war. Danke dem Herren, o Seele Dank sagen wir alle Das alte Jahr vergangen ist. Das it me Sonnenlicht 1 da V. Dein in Lunt Tomm, in niedern 22 — —... * * rr, d 55555 n. rist 305 err il Gott und ar Herr ist mein getreuer. ö 2 * 2 i d 180 Alphabetisches Register. Nro. Der Rhöne Weg ist breit. 294 Der öne Tag bricht an... 412 Der Tag i hin Mein Geist. 447 Der Tag ist hin, Mein Jesu. 440 Der Tod ist todt, das Leben 123 Dich bitten wir, dein Kinder. 424 Die auf der Erde wallen.. 590 Die Christen gehn von Ort zu 600 Die Ernt ist nun zu Ende 401 Die güldne Sonne, Voll Frend 414 Die an rift 10 zerrissen.. 283 Die helle Sonn leucht Ien 407 Die Herrlichkeit der Erden.. 571 Die Na 25 kommen.. 433 Die Seele risti heilge mich 95 Die Seele ruht in Jesu Armen 633 Dies ist der Tag, den Gott. 58 Dies ist die Nacht, da mir. 56 Die Sonn hat sich mit ihrem 436 Die Woche geht zu Ende...450 Dir, dir, chodah, will ich.. 379 Dir ewge Treue zu benew; 221 Du bist allein nur lie enswerth 358 Du 0 ein guter Hirt Du bist ein ensch, das weißt 521 Du bist zwar mein und bleibest 606 Du Lebensfürst, Herr Jesu.. 133 Du, meine Seele, singe.... 371 Durch Adams Fall ist ganz.. 20 Du siehest, Mensch, wie fort. 616 Du Stern in allen Nächten. 192 Du weinest um Jerufsalem 25⁰ Ein Blick nach jenen. 544 Ein Christ kann ohne Kreuz 540 Eine Heerde und ein Hirt... 191 Einen guten Kampf hab ich. 593 Einer Hande Immanuel. 139 Einer ists, an Eines wünsch ich mir vor a 361 Ein feste Burg ist unser Gott. 161 Ein Jahr der Sterblichkeit.. 64 Ein Kindelein so löbelich.. 44 em wir allem 194 G em Ein Lämmlein geht und trägt 90 G Einmal ist die Schuld entrichtet 273 Ein neugebornes Gotteskind. 302 Eins ist noth; ach err, dies. 275 Ein Tröpflein von den Reben 626 Endlich, endlich 1„5 es doch. 543 Erhöht uns, Herr, bei deinem 164 Erhöhter Jesu, Gottes Sohn. 618 Erinnre dich, mein Geist... 125 Er lebtl O frohes Wort. 12⁴ Erleucht mich, Herr, mein Licht 267 Ermuntert euch, ihr Frommen 617 Ermuntre dich, mein chwacher 50 Erneure mich, o ewges Licht. 293 Erschienen ist der herrlich Lag 113 Nro Es fähret heute Gottes Sohn 131 Es glänzet der Christen.. 235 das 5 5 uns kommen. 270 Es ö ist nicht schwer, ein hrist 297 noch eine Ruh vorhanden 634 Es kostet viel, ein hrist zu sein 296 Es lebe Jesu Christi hm.. 198 Es saß ein frommes Häuflein 155 Es wöll uns Gott genädig.. 187 Ewge Liebe, mein Gemüthe 22 Ewig, ewig heißt das Wort 6²¹ ahre fort, fahre fort, Zion„à495 reu dich sehr, o meine Seele 563 reuet euch Ehristen alle. 49 reuet euch, ihr Gotteskinder. 153 ri 0 fris hinnach, mein. 537 röhlich soll mein 1.00 51 rühmorgens, da die Sonn. 115 ür alle Güte sei gepreist... 448 Geh auf, du heller Morgenstern 215 Geh aus, mein Herz, und suche 399 Geht hin n gläubigen.. 24 Geht nun hin und grabt mein 602 Geist vom Vater und vom. 154 Gelobet sei der Herr.. 37⁵ Gelobet seist du, Jesu Christ, Daß du der Sünder 28⁴ Gelobet seist du, Jefu Christ, Daß du Mensch Raen 15 4⁵ e Gesegn uns, Herr, die Gaben 425 Gieb dich zufrieden und sei.. 523 Gott, de Gottes liebste Kinder Gott ist gegenwärtig. 388 Hott ist getre.. 14 Gott ist mein Lieeednd 10 Gott lebet nooohhh. Gott Lob, die Stund che. 604 Gott Lob, ein neues Kirchenjahr 41 itt zur... 580 r sus macht. 71 t erschollen„394 Gott, mein Gott, du ich 38 15 nicht 265 Gott sei Dank durch alle Welt 29 Gott sei gelobet und gebenedeiet 288 Rro. Gott und Vater, nimm jetzund 218 Gott Vater, aller Dinge.. 186 Gott wills machen, daß die.. 539 Großer Gott, wir fallen 1457 389 Großer Mittler, der zur.. 140 allelu ahl 2 Das roße... 127 2—— bei och. 355 llelu ahl t, ihr Chöre 126 allelujahl— reis und.. 378 Schöner Morgen 406 allelujahl Wie lieblich stehn. 184 edã Dien 231 e 2 — — —2 — — eiland, deine nliebe. 77 ilger 2. 06 15 melle 143 deilger Je eilgungsquelle 76 iln Gon der Vater. 5 err, auf Erden muß 5*—90 6 err Gott dich loben wir... 363 Ser 1950 habe 25 25¹ n Christ, dein theures 99 uU Christ, dich zu uns 206 r Jesu Christ, du höchstes Gut, Du Brunngquell aller Gnaden, Sieh 1005 Herr Jesu Christ ꝛc. men... err esuchrifte mein Prophet 467⁷ err— mein ehens 3⁴⁷ ir kom⸗ 228 u Christ, meins Lebens 565 Herr Jesu C rist, wahr Amd 55⁵⁷ Herr Jesu, deine Angst und.. 89 err Jesu, dir sei Preis und. 226 err Jesu, Gnadensonne... 301 err, nicht— deine Rache 2⁴⁷ err, nun laß in Friede.... 570 err, öͤffne mir die erzensthür 20⁸ err, schaue auf uns nieder.. 325 err unser Gott, laß schi 17¹ err, wie du willst, so s 559 err, wie mancherlei Gebrechen 498 Dere, ebaoth, dein heilig Wort 200 reue dich der Ewigkeit. 585 Herzlich lieb hab ich dich, o Herr 326 erzlich thut mich verlangen 564 erzliebster Jesu, was hast du 86 erzog unsrer Seligkeiten... 299 erz und Herz vereint.. 598 eute mir, und morgen dir. Alphabetisches Register. 181 143 Heut ist das rechte Jubelfest. Heut ist des Herren Ruheta 405 Heut triumphiret Gottes Sohn 11⁴ Hier ist mein Herz, Herr, nimm 338 Hier legt mein Sinn sich vor 298 Hilf, Herr 3 In, in Angst und 515 Hilf, Herr Jesu, laß ge ingen. 61 Himmelan geht unsre Bahn 462 Himmelan, nur Sonnen.. 473 Hinunter ist der Sonne 434 Hirte deiner Schafe 446 Hochner e Dreieinigreit 7 Höchster) Priester, der du dich. 45⁵⁸ Höchster Tröster, kommm. 159 Hört auf mit Trauern und mit 592 Hosianna Davids Sohn.. 36 Hüter, wird die Nacht der.. 418 J. 1 35 armer Mensch doch gar. 561 armer Mensch, ich armer. 261 bete an die Macht der.. 352 bin ein Gast auf Erden. 572 bin getauft auf deinen.. 219 abe nun den Grund... 280 ab in Gottes Herz und. 525 ab mein Sach Gott... 562 ab mich Gott ergeben 569 ab von ferne, Herr... 637 omme, Frale. zu. 268 komme, Herr, un suche. 236 komm jetzt als ein armer 230 preise dich, o Herr, mein 237 ruf zu dir, Herr Jesu.. 452 singe dir mit Hip und.. 370 steh an deiner Krippen hier 5² sterhe täglich, und mein. 581 weiß noch keinen bessern. 349 weiß von keinem andern. 287 weiß von keinen Plagen. 314 will dich lieben, meine. 334 will von meiner üi 25⁵⁴ ovah, Herr und König... 393 erusalem, du afinn... 624 a Deine Paston 98 u, deine tiefe Wunden 8⁷7 u, der du meine Seele... 253 u, der du wollen büßen 94 u, frommer Menschenheerden 339 u geh voren 225 roßer Wunderstern. u, 1. hilf siegen, du Fürste des 965 u, Wieine Teude u, meiner Seelen Leben 220 u, meines Lebens Leben. 97 us Christus herrscht als.. 181 sus Christus, unser Heiland, Der den Tod überwand.. 112 r — 182 Alphabetisches Register. Nro. sus Christus ꝛc. Der von.. 225 esus, Jesus, nichts als Jesus 457 esus ist der schonste Nam. 63 esus, meine Zuversicht*117 esus nimmt die Sünder an. 279 us schwebt mir in Gedanken 331 r armen Sünder, kommt zu 262 hr inder des Boch ushände. 141 r Kinder des Höchsten, wie„179 n allen meinen Thaten... 517 n Christi Wunden schlaf ich. 558 In dir ist ich gehoffet, Herr 509 In dir i Freude.. 300 n Gottes Namen fahren wir 451 6 Gottes Namen fang ich an 396 In Gottes Reich geht niemand 300 zZn unsers Königs Namen 466 Ist Gott für mich, so trete.. 307 Kehre wieder, kehre wieder.. 269 Kehr um, kehr um, verlorner. 243 Kinder, die ihr Christi Glieder 460 Komm, du sanfter Gnadenregen 158 Komm, Geist des Vaters und 147 Komm, Gott Schöpfer.. 142 Komm, Heidenheiland.... 25 Komm, heiliger Geist, erfüll„144 eiliger Geist, Zesu. 145 +—— 547 Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit 4 Laß mich dein sein und bleiben 213 Laß mir, wenn meine Augen. 582 Lasset uns den Herren preisen 385 Lasset uns mit Jesu ziehen.. 75 Laßt ab von Sünden alle... 615 300 das in die Welt 196 Li Liebner Liebster Vater, ich dein Kind. 260 Lobe den Herren, den mächtigen 374 Lobe den Herren, o meine. 383 Nro. Lobt Gott, ihr Christen, alle 48 Löwen, laßt euch wiedersaden 48⁴ Mache dich, mein Geist, bereit 485 Machs mit mir, Gott, nach 568 Macht hoch die Thür, die Thor 28 Macht weit die mcht in der 195 Mag ich Unglück nicht 506 Man lobt dich in der Stille 367 Marter Gottes, wer kann dein 104 Mein Alles, was ih liebe 354 Meine offnung stehet feste.. 527 Meine Lebenszeit verstreicht 588 Meinen Zesum laß ich nicht, Ach 344 Meinen Jesum laß ich nicht, Weil 329 Mein erst Geschäft sei Preis. 422 eine Seel, ermuntre dich.. 101 Meine Seel ist stille Meines Lebens beste Freude. 336 Meine Sorgen, Angst und.. 531 Mein ganzer Geist, Gott.. 635 Mein Gott, ach lehre mich.. 292 Mein Gott, das Herz ich.. 259 Mein Heiland, du hast mich. 266 Mein Heiland nimmt die 278 Mein Herr ist überschwänglich 350 Mein Herz ist dennoch.....32 Mein Jesu, dem die Seraphinen 274 Mein Zesu, der du vor dem. 233 Mein Leben ist ein Pilgrimstand 461 MeinSalomo, dein freundliches 309 Mein Trost und Anker in aller 315 Mir ist Erbarmung widerfahren 319 Mir nach, spricht Christus. 74 Mit Ernst, o Menschenkinder. 31 Mit Fried und Freud ich fahr 69 Mitten wir im Leben sind.. 553 Monarche aller Ding. 8 Morgenglanz der Ewigkeit.. 417 Müde bin ich, geh zur Ruh 449 Nach einer Prüfung kur er.. 632 Nach meiner Seelen Seligkeit 305 Nam über alle Namen 35⁷ Nicht so traurig, nicht so sehr 524 Nie bist du, Höchster, von uns 13 Nimm von uns, Herr, du... 549 Nun bitten wir den heiligen.146 Run bringen wir den Leib zur 603 Nun danket alle Gott... 366 Run danket all und bringet. 368 Nun freut euch, Gottes Kinder 130 Nun freut euch, lieben Christen 19 Nun jauchzet all, ihr Frommen 33 Nun ist es alles wohl gemacht 102 Nun kommt das neue 40 Lobet den Herren alle, die ihn 415 Nun laht uns den Leib.... 594 Lob sei dem allmächtigen Gott 27 Nun la t uns gehn und treten 62 Alphabetisches Register. 183 Nro. Nun laßt uns Gott, dem.. 428 Nun lob, mein Seel, den... 364 Nun preiset alle Gottes... 365 Nun ruhen alle Wälder.... 439 Nun sich der Tag geendet hat 442 Nun sich der Tag geendet, Mein 443 Nun singet und seid froh. 43 Nun, so will ich denn mein„ 353 Nun treten wir ins neue Jahr 60 Nun tret ich wieder aus der„419 Nur frisch hinein, es wird so 534 O Christe, Morgensterne.. 246 O daß doch bald dein Feuer 188 O daß ich tausend Zungen.. 384 O du allersüßte Freude... 150 du Liebe meiner Liebe.. 96 O Durchbrecher aller Bande„483 O du Schöpfer aller Dinge 258 Oeffne mir die Perlenthoren. 630 O Ewigkeit, du Donnerwort. 622 O Ewigkeit, du Freudenwort. 627 O Ewigkeit, o Ewigkeit.. 620 O Gott, deß gnadenvoller.. 397 O Gott, du frommer Gott. 454 O Gott, du höchster Gnadenhort 205 O Gottes Lamm, mein Element 316 O Gott, o Geist, o Licht des. 157 O Gott, von dem wir alles 400 O großer Gott, du reines.. 291 roße Seligkeit 31³ aupt voll Blut und.. 91 eilger Geist, kehr bei uns 149 eilige Dreifaltigkeit.... 411 ilf, Christe, Gottes Sohn 83 u Christe, wahres Licht 169 u Christ, mein schönstes 330 u, du mein Bräutigam. 227 u, einig wahres Haupt. 180 u, Herr der Herrlichkeit 185 u, Jesu, Gottes Sohn. 328 u, meine Wonne...239 u, süßes Licht. 420 u, eiland mein 435 ⁰νοάονσ önig, dessen Majestät... 264 O Lamm Gottes, unschuldig. 82 O Lehrer, dem kein andrer. 78 O Liebe, die den Himmel hat 57 O Mensch, bedenk zu dieser.. 555 O selig, wer das Heil erwirbt 591 O Tod, wo ist dein Stachel.119 O Traurigkeit, o Herzeleid.. 107 O Ursprung des Lebens... 342 O Vater der Barmherzigkeit. 257 O Vaterherz, o Licht, o Leben 304 O Welt, ich muß dich geden 554 O Welt Trnchrde dein Leben. 92 1 O werthe t der Christenheit 437 Nro O wie fröhlich, o wie selig. 636 O wie selig seid ihr doch, ihr 625 O wie selig sind die Seelen. 310 O wir armen Sünder 8⁴ P. Q. N. Prediger der süßen ei. 202 reis, Lob und Dank sei Gott 175 nälende Gedanken, Zweifel. 285 Reich des Herrrn 189 Ringe recht, wenn Gottes.. 487 Rüst hier, mein Geist, ein. 106 Rüstet euch, ihr Christenleute. 486 S Schaff in mir, Gott, ein reines Haf„Mein Herz ist ganz.. 290 Schaffe in mir, Gott, ein reines 96 e, Und gieb mir einen. 241 Schaffet, schaffet, Menschenkinder 491 Schatz über alle Schätze.... 337 Schaut, welch ein nder.. 54 Schmücke dich, o liebe Seele. 229 Schmückt das Fest mit Maien 156 Schon ist der Tag von Gott. 619 Schwing dich auf zu deinem. 522 Seelenbräutigmmm 3⁴⁰ Seele, was ermüdst du dich.. 463 Sei 899 u bis an das Ende 480 Sei Lob und Ehr dem höchsten 377 Sei mir tausendmal gegrüßet 93 Selig, wer dich ewig liebet.. 223 Sende, Vater, deinen Geist.. 211 Siegesfürste, Ehrenkönigg... 138 Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig 372 Sie jaüuchzet doch mit Freuden 317 So 70 du doch recht selig. 535 So gehst du Jesu, williglich„100 So gieb denn jetzt, dn.. 60⁴ So grabet mich nun immerhin 595 So 0 obgesiegee... 607⁷ So lange hristus Christus ist 183 Sollt es gleich bisweilen.. 532 Sollt ich jetzt noch, da mir.. 471 Sollt ich meinem Gott nicht. 369 Sorge doch für meine Kinder 398 So rkuhest du, o meine Ruh„ 108 So wahr ich lebe, spricht dein 248 Speise, Vater, deine Kinder„426 Stark ist meines Jesu Hand. 504 Steil und 4 ist der Pfad 502 Straf mich nicht in deinem.. 256 Such, wer da will, ein ander 271 Sünder, freue dich von Herzen 105 T. Tag des Zornes, den wir.. 611 Theurer Bräutigmm. 356 Thut mir auf die schöne Pforte 210 Treuer Hirte deiner Heerde.. 174 .ereee. 184 Alphabetisches Register. Nro Treuer Wächter Israel. 550 Triumph, Triumph, es kommt 116 U. Umschließ mich ganz mit.. 546 Unsern Ausgang segne, Gott. 214 Unter jenen großen Gütern.. 475 Unter Lilien jener Freuden.. 587 Unumschränkte Liebbbe 9 B. Valet will ich dir geben.. 566 Bater unser im Himmelreich 362 Verleih uns Frieden gnädiglich 165 Versuchet euch doch sebß 276 Verzage nicht, du Häuflein.. 172 Viel besser, nie geboren.... 623 Vom Himmel hoch, da komm 46 Von des Himmels Thron... 222 Von Gott will ich 98 lassen 513 Von neuem eilt zum heilgen. 505 Vor Gricht, Herr Jesu, steh ich 255 W. Wach auf, du Geist der ersten 176 Wa auf mein Herz, die Nacht 122 Wach auf, mein auf und singe 416 Wach auf, Awut auf, du sichre 614 Wachet auf, ruft uns die. 613 Walte, walte nah und fern.. 190 Wär Gott nicht mit uns diese 162 Warum betrübst du dich, mein 510 Warum sollt ich mich denn.. 526 Warum willt du doch für.. 538 Warum willst du draußen. 35 Was alle Weisheit in der Welt 6 Was Gott thut, das ist wohlg. 533 Was hinket ihr, betrogne... 494 Was ist des Menschen Leben 289 Was mein Gott will, das gscheh 507 Was von außen und von innen 541 Was wär ich ohne dich gewesen 324 Weicht, ihr finstern Sorgen.. 545 Welt, ade! Ich bin dein müde 573 Wé Wenn alle untreu werden... 360 Wenn dich Unglück hat... 376 Wenn doch alle Seelen wüßten 318 Wenn endlich, eh es Zion.. 629 Wenn ich ihn nur habe... 359 Wenn ich in Angst und Noth. 518 Wenn ich, o Schöpfer, deine. 11 Wenn kleine Himmelserben.. 610 Wenn meine Sünd mich. 88 Wenn mein Stündlein.. 556 Wenn wir in höchsten Nöthen 548 Nro. Wer das Kleinod will erlangen 490 Werde Licht, du Stadt der. 70 Werde munter, mein Gemüthe 438 Wer Gott vertraut, hat wohl 516 Wer im Worlr will erfahren. 73 Wer ist wohl, wie dw.. 46 Wer nur den lieben Gott läßt 529 Wer sich auf seine S wachheit 496 Wer sind die vor Gottes 631 Wer weiß, wie nahe mir mein 578 Wie fleucht dahin der Menschen 576 Wie freu ich mich mit Beben 474 Wie Gott mich führt, so will. 542 Wie groß ist deine Aumachtgen 4²9 Wie groß ist des Allmächtgen 12 Wie hert ists, von der Sünde 469 Wie herrlich ists, ein Schäflein 312 Wie kurz ist doch der Menschen 608 Wie schon ists doch, Herr Jesu 395 Wie schön ist unsers Königs. 628 Wie schön leuchtet der 32⁷7 Wies Gott gefällt, so gfällts. 508 Wie sicher leh Wie soll ich dich empfangen. 34 Wie süß ist doch das Reich der 178 Wie wohl ist mir, o Freund. 311 Wir singen dir, Immanuel.. 55 Wo Gott, der Herr, nicht bei. 166 Wo ist ein solcher Gott, wie. 321 Wo ist Jesus, mein wohl loben 34⁴⁸ Womit soll ich dich wohl loben 386 ort des höchsten Mundes.. 23 Wo soll ich fliehen hin..249 Wunderbarer König... 373 euch hin, mein Kind, denn. 609 euch, Israel, zu deiner Ruh. 499 euch uns n000 dir 136 ion, gieb dich nur zufrieden 528 ion klagt mit Angst und... 170 u dir ist meine Seele stille„286 um Ernst, zum Ernst! ruft. 501 35 ein zu meinen Thoren. 151 ———t—— Ordnung des Gottesdienstes in den evangelischen Kirchen in Bielefeld. Anfangslied. Eingangs-Liturgie. Gstl.: Eingang. n er e d n ne. E tagen) Eh⸗ re sei dem Va⸗ ter I 4—— 4 4 + 37 F V E 1— 24 —.—.—. V r— 1.. 1 1— 1 und dem Soh-ne und dem hei ·li⸗ gen Q 4 1 4⁴⁴α„—— W — e denen e, n Fae, n DSDDi.i... Gei ⸗ ste; wie es war von An⸗ L — 6———+ 6588•47355 D. 2+——— n H e +..—— I.•.E2————— I. E6UUA eee— DZMZM.==— L—— fang, jetzt und im ⸗ mer⸗dar— Q 4 4 EE—— ⁰(S. 1— +; + und von E⸗ wig⸗ keit zu E⸗wig⸗ NII— 4 E Ff E 4 EGOE V— 1 +—4 keit! A ——— N 2 — . Und Frie-den auf Er⸗den und den dich un⸗ser! Herr, er⸗-bar⸗me A 2 Tĩ— Herr, er⸗bar⸗me dich un-ser! Chri⸗ste, er⸗ V —— — — — — — — 15 R 2 — — 2 2— bar⸗ me * —— 4 — Ehre sei Gott in der Höhel 60 V◻ꝗ + * * * Gstl.: Sündenbekenntnis. Gm.: Gstl. Gm. Ordnung des Gottesdienstes. 187 Gstl.:(an hohen Festtagen: Wir loben dich u. s. w.) Der Herr sei mit euch! —* 9— - F Und mit dei⸗ nem Gei⸗ stel Gstl.: Gstl.: Epistel oder Evangelium. Spruch. leluja! +—— —— 5 Gm —* EE ö ö„ Hal⸗le ⸗lu⸗ja! Hal⸗le⸗ ————— SSPIIIII........... — — 30 lu⸗ja! Hal⸗le⸗luu⸗⸗ ja! Gstl: Das apostolische Glaubensbekenntnis. , öx e e Gm.:—1—— — * A⸗ men, A⸗men, A ⸗ men. Ordnung des Gottesdienstes. Predigtlied. Predigt. Nachvers. Kirchliche Ankündigungen. Segenswunsch. Schluß-Liturgie. Gem.: An hohen Festtagen: 366, 1. Nun danket alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Und noch jetzund gethan. In der Adventszeit: 46, 8. Bis willekomm, du edler Gast! Den Sünder nicht verschmähet hast, Und kommst ins Elend her zu mir, Wie soll ich immer danken dir! In der Passionszeit: 83. O hilf, Christe, Gottes Sohn, Durch dein bitter Leiden, Daß wir, dir stets unterthan, All Untugend meiden, Deinen Tod und sein Ursach Furchtbarlich bedenken, Dafür, wiewohl arm und schwach, Dir Dank— opfer schenken. In der Osterzeit: 109, 1. Christ ist erstanden Von der Marter alle! Deß sollen wir alle froh sein; Christus will unser Trost sein. Kyrieleis! In der übrigen Zeit: 168, 2. Ach bleib mit deinem Worte Bei uns, Erlöser wert, Daß uns beid, hie und dorte, Sei Güt und Heil be⸗ schert. * Ordnung des Gottesdienstes. 189 : Erhebet eure Herzen! E 9 2* + A 4„ 2 Ff 4 4— 4——.‚— S-EE Wir er ⸗ he⸗ ben sie zum Herrn. 4 Gstl: Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott! 2* ö— be, EE II.I.. Recht und wür⸗dig ist es. Gstl.: Recht ist es und wahrhaft würdig. Lobgesang: *—. ten eren En, umm. er,, Hrm.in:umr, nt trr- r Ahr—3 2—8——— Hei⸗lig, hei⸗lig, hei=lig I.——— V —4* +—.—..— EE— +—. Al ⸗le Lan ⸗de sind sei ner Anm.: Das„Heilig“ wird auch, wenn nicht schon vorangegangen, bei der Feier des heil. Abendmahles —* gesungen. * ö ö — — 24 Gstl.: Gm.: in 90 Höh! Ge⸗ . V D... AI. GIIIX IIl .—— 2— L L lobt sei der da kommt im eee d:, r. IX. C—*—* Na⸗men des Herrn! Ho ⸗ sian⸗ EEEE na, Ho⸗ sian⸗ na, Ho ⸗ sian-na 1 ö 6— I ——‚e—— in der Höh! 55 6530 Vater unser ö——— — Dent dein ist das Reich und die Ordnung des Gottesdienstes. ———— ——— 7— EH + 2 2 2— Kraft und die Herr⸗lich ⸗-keit in 4 21 1 +— H 2— EII.— 1 II FUCUIA.2—4 ——— 6——— H E⸗ wig„keit! A, men Gstl.: Der Segen. 0 G. AEEDe 0—*——— I A⸗ men, A⸗men, A⸗ ⸗men. 5* O Lamm Gottes, 3üs. — d. 35 O Lanen Gottes, un schul⸗ dig am Stamm des all ⸗ zeit er⸗ fun⸗ den gdul⸗dig wie⸗—..— du V. E— hnmn zunmmn Inmnen l. u. Em m— E.,,.. Kreu⸗-zes ge-schlachtet, all Sünd— du ge⸗ wur⸗dest ver⸗ ach⸗ tet: 0 665 Z.— 1 . . tra- gen, sonst müßten wir ver⸗ za⸗ gen; er⸗ 445 N 1—— 10,, e —— barm dich un ⸗-ser, o Je su! SIIIIIII 25 * / * 23