— .— 247 5 8 2 4—47:.—.— *——— Rrr— —.—* -- rre —9—9—9—9———————— Selt ——— I 2w·5277.772 ITili. A* Cieder und Gedichte für freireligiose Erbauung herausgegeben imn Fuftrage der deutschkatholischen(freireligiosen) Gemeinde zu Offenbach am Main ◻+ Offenbach am Main Selbstverlag der deutschkatholischen(freireligiosen) 6emeinde 19¹1²2 q— n Dorwort. Zur Einführung in das Buch und zum Derständnis desselben. ——— D vorliegende Buch soll nicht nur dem Ge⸗ meindegesang in den Erbauungen der Frei⸗ religiösen Gemeinde dienen; es soll vielmehr auch ein Erbauungsbuch für jedes einzelne Mitglied der Gemeinde und eine Gedichtsammlung für unsere schulpflichtige Jugend sein. Darum wurden neben Liedern und Chorgesängen auch„nicht singbare“ Dichtungen aufgenommen, welche imstande sind, das freireligiöse Gemüt zu erheben und zu erbauen. Die Herausgeber glaubten ferner, sich auch nicht auf solche Dichtungen beschränken zu sollen, in welchen die derzeitig vorherrschenden Anschauungen der Freireligiösen zum Ausdruck kommen. Es war vielmehr eine Pflicht der Pietät gegen alles frei⸗ religiöse Leben und Streben in der Vergangenheit, auch solche Gedichte zu berücksichtigen, welche zwar dem Freireligiösen unserer Tage vielleicht als ver⸗ altet in Ausdrucksform und Gedankengang erscheinen, welche aber aus den Reihen der Freireligiösen Be⸗ wegung heraus im Laufe ihrer nunmehr sechsund⸗ sechzigjährigen Geschichte entstanden sind und so in ihrer Zusammenstellung ein Bild von der religiösen Weiterentwicklung innerhalb unserer Bewegung geben, oder welche schon in den Zeiten vor der Entstehung unserer Bewegung freiere religiöse An⸗ IV —.ů.—4——4——t6.———..—.3—.——4.————————2—3K—542..2Yz.—1. schauungen als die alten dogmatischen zum Aus⸗ druck zu bringen wagten. Darum enthält die vor⸗ liegende Sammlung neben Gedichten aus der neuesten und allerneuesten Zeit auch die schönsten Dichtungen der geistigen Führer der deutsch⸗ katholischen und der freireligiösen Bewegung vom Beginn ihrer Entstehung an und ebenso eine An⸗ zahl von Gedichten aus dem Zeitalter der Auf⸗ klärung und unserer deutschen Klassiker. Eine Reihe von geschichtlich interessanten und bedeutsamen alten Kirchenliedern wurde in einem Anhang dem Buche angefügt. Diejenigen Lieder und Gedichte, bei welchen ein Autor⸗Name fehlt, sind älteren frei⸗ religiösen Gesangbüchern entnommen, in welchen sie ebenfalls bereits ohne den Namen des Dichters er⸗ scheinen. Offenbach, im März 1912. Die mit der herausgabe eines Gesangbuches beauftragte Kommission 1. d. V. Otto Bloch Prediger der deutschkatholischen(freireligiösen) Gemeinde. Inhalts⸗Derzeichnis“. I. Erhebung und Erbauung im Nllgemeinen. 1 Wir glauben— ja an einen Morgen— Schles. Gsb. 2 Geist der Liebe, Geist der Welten. Hessemer Du Geist der Welten, wir erkennen. Marie Quit 4 Zur Natur flücht' ich, wenn Menschen Köhler 5 Herr, Gott, der du von uns nicht fern. Ed. Baltzer 6 Geist der Andacht mach uns frei 7Komm', Geist der Andacht und der' Ruh'. 8 Nicht blos in Worten, die verhallen. 9 Ich will den Geist erheben zu dem. Uhl. Gsb. 10 Du suchst und möchtest gern es finden. Fr. Baltzer 11 O großer Gott, du reines Wesen. 12 Allmächtiger, wir preisen. Dul. Gsb. 13 Vater aller Liebe du. Dul. Gsb. 14 Gott, gib mir ferner Kraft und Stärke. 15 Gib deinen Frieden uns, o Herr. Garve 16 Geist der Weisheit, Geist der Liebe. 17 Heilige Liebe, führ' uns. Schünemann 18 Zu dir, du ew'ge Liebe, strebet. 19 Ich bete an die Macht der Liebe. Georg Welker 20 Ich möchte gern erringen. 21 Licht von Gottes Weltenthron. 22 Ich suche Licht für meinen Geist. 23 Gott, wenn uns der Hang zur Sünde. 24 Zum rechten Leben wollst du leiten. 25 In der Menschheit laß uns dich. 26 Hinaus, hinaus in die Natur. Heribert Rau 27 Vater unser, der im Himmel.„Heribert Rau 28 Erheb' ich mein Gemüte. Friedrich Albrecht 29 O führe mich, Vernunft. A. Westphal *Abkürzungen: Dul. Gsb. Dullers Gesangbuch.— Bitterl. Gsb. Bitter⸗ ling's Gesangbuch.— Uhl. Gsb. Uhlich's Gesangbuch.— Königsb. Gsb. Königs⸗ berger Gesangbuch.— Nordhäus. Gsh. Nordhäuser Gesangbuch. ö eee......222eeeeee.........——————‚Ä —....——ͤ— 2. Gottheit— Weltall— Menschheit. 30 Sag an, mein Herz, wo suchst du deinen Gott. ů 31 Ob ich dich kenne, ew'ger Geist. Friedr. Baltzer 32 Trag' nicht blos den Blick hinüber. H. Oelbermann 33 Wer darf ihn nennen. Goethe(Faust) 34„Großer Gott“, kein Mensch sah dich. — .. 35 Erhab'ner Geist, den Gott ich nenne. Dul. Gsb. 36 Ich suche dich, durch den ich bin. Dul. Gsb. 37 Noch einmal, eh' ich weiterziehe. Fr. Nietzsche 38 Ob Sturm und Wetter toben. Dul. Gsb. ö 39 Ob die Schuld in Nächten schleicht. Dul. Gsb. 40 O, der du über jenen Sternen. Fr. Albrecht 41 Die Himmel rühmen. Chr. F. Gellert 42 Gott ist mein Hirt. 43 Welche Tiefen, welche Höhen. Dul. Gsb. 44 Erhaben reckt der Berg sein Haupt. Uhl. Gsb. 45 O du schönes Weltgebäude. Spitta 46 Mein Auge tief bewundernd schaut. Ed. Baltzer 47 Schön bist mit Reizen ohne Zahl. Pflaume 48 Der Morgenröte Feuerflügel. Bitterl. Gsb. 49 In rauher Felsenhöhle. Joh. Gottfr. Herder 50 Die fernen Flöten hör' ich schallen. Emanuel Geibel ö 51 Der Weltkreis ist voll Geist des Herrn. Neuhof 52 Der du in Myriaden Welten. Dul. Gsb. 53 Durch der Seele Tiefen schallet. Dul. Gsb. 54 Gewalt'ger Geist, der Leben schafft. Hessemer 55 Wenn trauernd durch der Wolken Hülle. Dul. Gsb. Der große Astronom sprach. Rückert Ein Mensch sein— heiliger Gedanke. Dul. Gsb. ———.—— — ree — 64 Was hat denn Christus Neues uns gebracht. Sallet Noch steht dein Tempel unvollendet. Lieder einer Verborgenen Auf Erden Wahrheit auszubreiten. Koppe 56 Du hast uns, Gott, Vernunft gegeben. Dul Gsb. 59 Wer bin ich, daß mit kühnen Schwingen. K. Georgi 4 60 Wie nichtig wär' all' unser Streben. Hammer 41 61 Im fernen Morgenlande. Hessemer 4 62 Wo blüht das Glück. Karl Kerbler 3. Jesus. x 63 Sie streiten seit viel hundert Jahren. ½1: V — n VII Welch hohes Beispiel gabst du mir. Weiße Du sprachst das ew'ge Wort des Lebens. Dul. Gsb. Mit Menschen bist du hier gewandelt. Hessemer Du fühltest, Herr, in deinem Herzen. Dul. Gsb. O sucht ihn nicht im Gottheitsglanze. Dul. Gsb. Wer ist das hohe Wesen. L. Knack Ach, wo strömt der Born des Lebens. Dul. Gsb. Wo ist dein Geist, du ew'ges Wort. Dul. Gsb. Du bist das Licht von Gott gesendet. J. Sturm Kommet Alle, die ihr müde. Dul. Gsb. Laß deinen Geist mich stets. Chr. F. Gellert O du, der bis zum Tode. Niemeyer q. Feiertage und Festzeiten. Das ist der Tag des Herrn. Uhland Wie reinigst du die Seele mir. Emanuel Geibel Wunderbarer Sieger du. Sprüling O seht das Recht gebeuget. Du bist mein Lied, o Todesheld. J. Bösser Wie bist du, Heiland, mit der Krone. Dul. Gsb. O Golgatha, zu deinen Höhen. Dul. Gsb. Es steht ein Kreuz auf Golgatha. Ed. Baltzer Ihr habet nicht umsonst gestritten. Duller Christ ist erstanden. Goethe(Faust) Ostern, Ostern, Frühlingswehen. Schenkendorf Fest des Lebens sei willkommen. Um's Grab des Auferstand'nen schlinget. Dur⸗ 605 ul. Vom Leichentuch bedecket. sb. Es steht das Kreuz. Dul. Gsb. Die Lerche stieg am Ostermorgen. Em. Geibel Ostern rufet: Auferstehe. Jul. Hammer Steig herauf! du Ostersonne. Puchta Laut erschallt durch die Natur. Marie Quit So hat mir nie ein Fest gefallen. L. Köhler Nun webt die Sonn' aus lichtem. Golde. ů Joh. Proelß Wer ist der heil'ge Gottesgeist. Albin Du Sturm, der mächtig brausend. Dul. Gsb. Heiligend und schaffend webet. Dul. Gsb. Schon längst schwand ein Jahrtausend. Dul. Gsb. Feuer, ja ist deine Seele. K. Steiger Nach langem, bangem Winter⸗ schweigen. Em. Geibel —— ————n ......— * 2 ů ö 4 4 ö . 140 2 * 44 — 4 55 5 4 4 2 4 —..—..—3.—1. 2 O Geist des Lichtes komm' hernieder. J. Papst Ein Morgenglanz geht auf vom Ed. Baltzer Herrn. Wie klopft der Geist der neuen Zeit. Marschall Es geht ein großer Drang. O sprich, wohin willst du uns senden. Aderhold O saget mir, wer der Messias ist. Ed. Baltzer Es weht der Geist durch alle Lande. Burkhardt O komm du Geist der Wahrheit. Spitta Die Blumen blühn auf Flur und ö ů Höhen. Marie Quit Ew'ger Geist, o leuchte segnend. Dul. Gsb. Es weht ein Sturm durch unsre Zeit. Fr. Albrecht Woll' uns deinen Tröster senden. Em. Geibel Alle gute Gabe kommet. Dul. Gsb. Das Erntefest, das Fest der Freude. Marie Quit Ein' feste Burg ist unser Gott. Luther Brüder, denket gern der Stunde. Fr. Baltzer Reicht, Brüder, euch zum Schwur die Hand. Ed. Baltzer Wir lagen lang von Nacht umfangen. Dul. Gsb. Von deinem Geist erhoben. Dul. Gsb. Sturm auf Sturm. Rasche Ein zarter Sproß entkeimt. Rasche Die alten Tempel sind gefallen. Fr. Baltzer Heraus, heraus, du gutes Schwert.* Die Erde harrt der Sonn' entgegen.—— Wir haben uns gefunden.—— Die Wahrheit siegt. Wenn, kleine Schar, du einst verwaist. Pflaume Nicht an den steinernen Altären. Fr. Blau Brüder, reicht die Hand zum Bunde. Goethe Brüder, Schwestern, hebet eure Blicke. Kerbler An Roma's Felsen angekettet. G. Gräve Ein' feste Burg ist unser Gott. Tag der Weihnacht, uns beschieden. Heil'ge Nacht, auf Engelschwingen. R. Prutz Sei uns gegrüßt von Herzensgrunde. Köthe Du Stern der Weihnacht, freundlich scheine. Bitterl. Gsb. Stern von Bethlehem, o scheine. Dul. Gsb. Dein König kommt! O arme Erde. Fr. Baltzer IX 144 Dein König kommt in niedern Hüllen. Fr. Rückert 145 Stille Nacht, heilige Nacht. 146 Ehre sei Gott in der Höhe! Der Herr ist geboren. Niemeyer 147 Geist vom Geiste, Licht vom Lichte. Dul. Gsb. 148 Als auf des Lebens dunklem Pfad. Mahlmann 149 Wann endlich wird zur Wahrheit werden. 150 Und wieder neigt ein Jahr zum Ende. A. Träger 151 Hab' Dank für deine Treue. 152 Wir beten dich, du Ew'ger, an. Dul. Gsb. 153 Fühle, Mensch, des Lebens Eil'. Gellert 154 Noch steh' ich an der offnen Pforte. Lieder einer Verborgenen 155 Ein Jahr dahin, wie flieht die Zeit. ö 156 In diesen starren Wintertagen. Robert Seidel 157 Des Jahres erster Morgen. 158 Gott ruft der Sonne, ruft dem Mond. Gellert 159 Mit der Freude zieht der Schmerz. Hebel 160 Höher hebt sich Gottes Sonne. Münter 161 Es strömt aus dunklen Waldesschatten. Dul. Gsb. 162 Es baut, o Gott, auf dein Geheiß. Münter 163 Rund um mich her ist Alles Freude. Cramer 164 Nicht für der Felder Segen nur. Dul. Gsb. 165 Mein erst' Gefühl sei Preis und Dank. Gellert 166 Verklärt vom jungen Morgenlichte. K. Georgi 167 Der Abendröte Purpurschwingen. Hessemer 168 P Friedlich ist die Brust gehoben.— 169 Es ist so still geworden. G. Kinkel 170— Sinke nieder, Sonne. Kerbler 171 Erhebe dich, mein Herz. Kerbler 5. Besondere Feiern: Kindesweihe, Jugendweihe, Trauung(Ehe, Familie). Kindesweihe.(Taufe). 172 Holdes Kind, lieblich und mild. Rasche 173 Willkommen, zarte Erdenblüte. Dul. Gsb. 174 Laßt die Kindlein, laßt sie kommen. Ed. Baltzer IJugendweihe.(Konfirmation). Herr, zu deines Reiches Bürgern. Dul. Gsb. Geist der Wahrheit, Geist der Liebe. Das Wort habt Ihr gegeben. Ed. Baltzer Reichet uns die Hand zum Bunde. Schröder Wir heißen froh willkommen heute. Marie Quit Die schönste Zeit des Lebens. Friedr. Albrecht So wie der Winter finster flieht. Fr. Lunert Nur Wahrheit suche alle Zeit. G. S. Schäfer Inn'ge treue Elternliebe. Th. Hofferichter Es ist ein reines Herz, das ich gelobe. Fr. Albrecht Blick ich zurück in meiner Kindheit Tage.—— Vereint sind wir in weihevoller Stunde. Georg Kramer Trauung.(Ehe. Familie.) Wie heilig ist die Stunde. Wohl dem, der in der Ehe Bunde. Dul. Gsb. O selig, wenn die Herzen. Heil'ger Bund der Lieb' und Treue. Sontag. Wohnt das Glück in Purpurhülle. Ich höre trauern euch und klagen. Al. Träger Wenn ich den kleinen Keim betrachte. Ebert Die Mutter klagt, sie habe. K. Steiger Die Kinder, deren wir uns freun. Dul. Gsb. Wir flehn für uns'rer Eltern Leben. 2 Schön wie's Lied der Nachtigallen. Hoffmann von Fallersleben Was eine Kindesseele. Hoffmann v. Fallersleben Stör' nicht den Traum der Kinder.— Julius Hammer Von allen Bildern weiß ich keines. R. Reither Drei Sterne weiß ich. Immermann 6. Neues Glauben, Neue Religion. Frisch auf zum neuen Leben. Auf denn! So laßt uns schaffen. Ed. Baltzer Die Freiheit läßt sich nicht gewinnen. R. E. Prutz Auf, der Völker Frühling naht. SD VDD D D NAIIXNꝗNAE& NAINA NAINIRN VXXX XI 206 Und dräut der Winter noch so sehr. Em. Geibel 207 Freiheit, die ich meine. Schenkendorf 208 Wer wagt's, den Geist zu dämpfen. Dul. Gsb. 209 O Geist des Lebens und der Wahrheit. J. E. Voß 210 Für Recht und Wahrheit will ich streiten. 211 Es spricht zu allen Zeiten der Geist. 212 Es hofft der Mensch zu allen Zeiten. 213 Ich wandle ruhig meine Pfade. 214 Es blitzt und flammt an allen Enden. 215 Aus Lebensnacht und Staube steiget. 216 Wir wollen jeden anerkennen. Hessemer 217 Wir wollen nicht den alten Glauben. E. Duller 218 O kehre wieder schlichter Geist. 219 Gott selber rief: Es werde Licht. Friedr. Albrecht 220 Gleich tausend Sonnen strahlt die Wahrheit.. Pott 221 Trachtet nach Wahrheit, ihr Menschen. Leberecht Uhlich 222 Gott, der du die Wahrheit bist. 223 Sie sollen uns nicht rauben. Ed. Baltzer 224 Endlich muß das Gute siegen. Neuhafer 225 Sei gegrüßet heil'ge Zeit. Heribert Rau 226 Faß, deutsches Volt, ein Lutherherz. Ed. Baltzer 227 Noch immer schwingt zu dieser Frist. Marschall 228 Die Herzen werden sich versöhnen. Lenau 229 Am Baum der Menschheit drängt ö sich.. ö F. Freiligrath 230 Glück auf! ein neuer Frühling naht. Marschall 231 Im Hintergrund der Zeitenferne. Hessemer 232 Noch immer herrscht der alte Zweifel. Fr. Baltzer 233 So ist der lange Wahn zerrissen. Fr. Baltzer 234 Ihr goldenen Sterne, aus himmlischen—..— öh'n. G. Friedlieb 235 Blickt auf zu denen, die vorangegangen. K. Scholl 236 Das Vorrecht edler Seelen war es immer. ö Arthur Pfungst 237 Kein Jammertal ist uns're Erde. 238 O Nächstenlieb' du viel mißbrauchtes ort. Fr. Krasser 239 Der Bahn, die Galilei kühn. Ludwig Fulda 240 Macht Wissenschaft, wie sich das Licht. zerstreue. Wilh. Jordan ů —— 4 . 2112 —t..— Jetzt ist die Zeit der dunkeln Welt⸗ „verächter. ö Heinrich Bulthaupt Die Nacht vergeht, der Tag bricht an. Cassel Licht und Wahrheit in der Hütte. Nach E. Stiller Habe Mut zum eig'nen Fühlen. Robert Seidel Neuer Tag mit deinen Strahlen. ö Otto Erich Hartleben Drei Worte nenn' ich euch inhaltschwer. Schiller Es reden und träumen die Menschen viel. Schiller So steh' ich da, ein Kind der Erde. Nicht über's Grab hinaus soll sich erheben. Cassel Mach zum Himmel dir die Erde. W. Houtz Der Erdenkreis ist mir genug bekannt. Goethe Es gibt nur einen Himmel. Heribert Rau Nein, ich fürchte nicht die Höllen⸗ pein. Arthur Pfungst menschenwürde, Sittliches, tüchtiges Ceben. Vernimm, o Gott, mein Fleh'n. Niemeyer Im unermess'nen Schöpfungschor. Wessenberg Vom Südpol bis zum Nordpol kreist. Wessenberg Das sei des Menschen Stolz. Dul. Gsb. Dem Menschen glänzt der Gottheit Licht. Bitterl. Gsb. Das Wort soll werden Fleisch einmal. Hofferichter Nie leichter fühlt der Mensch die ů Bitterl. Gsb. Bürde. Ich will des Menschen hohen Bitterl. Gsb. Wert. Umsonst suchst du des Guten Quelle. ö Nordhäus. Gsb. Es geht ein Wort durch die Geschichte. Wandle bei uns mit dem Palmen⸗ zweige. ul. Gsb. Vorwärts den Blick und aufrecht stehe. Hammer Im Glauben, Hoffen und Lieben. Kerbler Was ist das Göttlichste auf dieser Welt. Steiner Horch' auf des Innern heil'ge Stimme. Jul. Bösser Gesegnet sei die heil'ge Stunde. Bösser D V 27 270 27¹ 272 273 274 27⁵ 276 277 278 279 280 28¹ 282 283 284 285 286 287 288 289 290 29¹ 292 293 294 29⁵ 296 297 298 299 300 30¹ 30² 303 304 30⁵ 306 307 308 309 310 311 XIII Der du für Freiheit streitest. Bösser Das Leben lieben und den Tod nicht scheuen. Fr. Blau Rastlos vorwärts, festen Sinnes. Dul. Gsb. Weh' dem, der in kaltem Herzen. Sontag Der Quell von meines Gottes Segen. Getrost! Der Wahrheit tapfre Zeugen. Salis Frohe Arbeit nur ist Leben. b ul. In meiner Brust, du Geist des Herrn. Aderholdt Auf Pilger, laßt uns eilen. Tersteegen Willst du Christ dich nennen. Dul. Gsb. Beglückt, beglückt ist, wer auf Erden.—— Mag die Welt mich immer hassen.—— Allen ist ein Heil beschieden. Königsb. Gsb. Ein treues Herz bleibt stark. Nordhäus. Gsb. Vereinigt laßt uns Gutes wirken. Demme Dein ist, o Gott, das Reich. Dul. Gsb. Reicht euch, Brüder, treu die Hände.—— Des Menschen höchstes Recht zu achten.—— Der Mensch hat nichts so eigen. S. Dach Wollt ihr des Trostes Fülle haben. Aschenbach Stern der Hoffnung, leuchte mild. Dul. Gsb. Fasse Mut, betrübtes Herz.—— Ich blick' empor zu dir.—— O laß den Freund mich finden.—— Heil'ge Freundschaft, Himmelsfunken. Kerbler Vollkommner stets zu werden. Dul. Gsb. Nur in des Herzens heilig ernster Stille. Hessemer O selig, wen der Lenz erfreut. Dräsecke Herrliche Welt, o wie freu' ich mich. Uhl. Gsb. Wohlauf, noch strahlet mir die Sonné. Uhl. Gsb. Was plagst du dich mit deinen Sorgen.—— Du kleiner Mensch, den großen Gang.—.— Mächt'ger Bund vereinter Hände.—— Wie nach milden Himmelstropfen.—— Frisch auf, frisch auf mit raschem Flug. Th. Körner as soll das törichte Verzagen. Platen O halt) das Herz dir mild und rein. Ender Das ist die köstlichste der Gaben. Geibel Nie zu hoch und nie zu tief. Ed. Baltzer Mensch zu sein auf dieser Erde. Fr. Baltzer Aus dem eignen Herzen quillet. Mutter Erde, heilig Leben. Hofferichter 323 Nur menschlich in Beschränkung.— 324 Dies ist unsre größte Bitte.— 325 Du Trösterin der Armen.— 326 Schön ist der Mut, der aus dem Brand.—— 327 Heil dem Mann, der immerdar. K. Georgi 328 Quäle nicht mit Ach und Jammer.—— 329 Wer da ein echter Priester ist. R. Waldmüller ö 312 Das Leben wird oft trübe. Rasche 313 Verzage nicht! Hast du geübet. Freyberg 314 Verzage nicht in dieses Lebens Stürmen. 315 O Menschenherz, verzage nicht. Wander 316 Der du von dem Himmel bist. Goethe 317 Grünt dir auch der Hoffnung Saat. Ed. Baltzer 318 Vor dir liegt die Bahn des Lebens. 319 Vertraue dich dem Licht der Sterne. Hammer 320 Wohl schön ist es, in Einsamkeit. Fr. Blau . 321 Echte Tugend liebt die Stille. v. Beulwitz 322 Wenn schaffend im Gemüte. Hessemer 3 ö 330 Sei treu der Pflicht. Hohlfeldt 331 Warm in Worten und Gefühlen. K. Georgi . 332 Was ist die Erde, was das Leben. Pfeilschmidt 333 Das allerweichste Ruhekissen. ö K. Georgi 334 Als hätt' uns lang' ein Zwist geschieden. P. Heyse 335 Was ist das Herrlichste in unserm Sein. 336 O sage nicht, dir sei von Schmerzen. Hammer 337 Göttlich Denken, menschlich Handeln. K. Georgi 338 Sei milde stets und halte fern. T. Fontane 339 Es zieht ein stiller Engel. Spitta 4 340 Heilig, heilig ist das Band. Cramer 3 341 Erfülle redlich deine Pflicht. Demme . 342 Wer stets mit heiligem Entzücken. Dul. Gsb. 0 343 Liebe ist die schönste Gabe.— 068* 344 Alle, denen Gott gegeben.—— 345 Noch glänzt so hell der Sonne Strahl. Fr. Blau * 346 Schlichter Sinn und Herzenstreu'. Hessemer 347 ÄArmes Herz, kannst immer noch. Uhl. Gsb. 348 Wenn du in guten Stunden. Ed. Baltzer . 349 Wohl dem, der in sich selber findet. ö ö 350 Wie vor der Sonne Purpurlicht. ö 351 Aus der finstern Welten Nacht. Köhler 352 Wenn dich die böse Welt bedrängt. Mahlmann 353 Gott ist die Liebe! Sein Gebot. Hammer 354 Es ist ein tiefer Segen. XV Seht, wie die Tage sich sonnig verklären. Salis O senk' den Blick nicht nieder. Kerbler Tief drängt dich's zum Verständnis. Hammer Was wir tief im Herzen ahnen. Hessemer Die Liebe hält im Mutterarm—— Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Goethe Sei stets gerecht mit Herz und mit Verstand. Arthur Pfungst Hehre Natur! o wie lebst du. Humanität! Dein heilig Leben. O Brüder liebt und liebt getreu. Eduard Duller Willst du wissen, was auf* Erden. Friedrich Albrecht Treu bewahre im Gemüte. Zeisig Wie wär' so arm mein Leben. Siehst du, daß einer trauert. Nicht fleh' ich um den Segen ew'gen „Glückes. Em. Rittershaus Siehst du den Stern im fernsten Blau.—— Gottfried Keller Willst du nicht dich schließen. Gottfried Keller Rechtschaffenheit, sie sei der feste rund. Julius Hammer Wo eilt ihr hin, ihr Lebensstunden. Hast du in's Herz geschlossen. Was morsch und alt zusammenbrach. Kletke Hast du deine Pflicht getan. L. Würkert Es sei des Menschen Majestät. Theod. Hofferichter Du dunkle Macht in meiner Brust. Leberecht Uhlich. Hinaus, mein Schiff, hinaus. Robert Seidel Frage nicht, woher du bist. Fr. Baltzer Das längste Leben ist nur kurz. Binder Traue nicht den süßen Weisen. Nicht ziemt's dem Sterblichen, voraus⸗ zusagen. Arthur Pfungst Ein altes Wort, ein gutes Wort. Theodor Hofferichter „Lebendigsein“ heißt„tätig“ sein. Julius Hammer 8. Cebensweisheit. Der Mensch gleich' einem Baume Ludwig Pfau Wer vor dem Kampfe mit sich selbst nicht zittert. Tiedge Jeden Tag wird neu geboren. Robert Seidel Rufe nicht vergang'ne Tage. H. Zeise Du lebst nur, wenn du fröhlich lebst. R. Waldmüller Es gibt so Schönes in der Welt. Hermann Hesse Wie auch der Jahre Würfel mir fällt. Ferdinand Avenarius. Hab' Sonne im Herzen. Cäsar Flaischlen Was soll dies kindische Verzagen. August Graf von Platen Rastlos vorwärts mußt du streben. Schiller Es glänzen Viele in der Welt. Schiller Tröste dich, die Stunden eilen. Theodor Fontane Die Zeit geht nicht, sie stehet still. ů Gottfried Keller Es ist das Glück ein kurzer Traum. Julius Rodenberg Dreifach ist der Schritt der Zeit. Schiller Sturm und Stille, Früh⸗ und ö Abendrot. Julius Hammer Wer weiß zu leben. D. F. Strauß Ich kann euch eures Alltags Last nicht ö nehmen. Cäsar Flaischlen Erscheint dir etwas unerhört. Theodor Fontane Ist dir versunken Glück und Stern. Friedr. Albrecht Weil dir ein goldner Traum zerronnen. Cäsar Flaischlen Wohl hast du oft in stiller Nacht. Hast du noch nie recht bitterlich geweint. Hermann Allmers Wer nie sein Brot mit Tränen aß. Goethe Auf mit der Brust! und sei's dem ö Jammer. ö Ludwig Pfau Dulde, gedulde dich fein. Paul Heyse Es wogen Schmerz und Leid. Heribert Rau Und immer wieder sinkt der Winter. Cäsar Flaischlen —4¹4 4¹⁵ 416 41⁷ 4¹8 419 4²2⁰ —42¹ 42² —423 —424 —4²2⁵ 4²⁰ 4²2⁷ 4²28 429 430 43¹ 432 —433 43⁴ 43⁵ 436 437 438 439 XVII 9. Der Lod und die Toten. Unsterblichkeit. Es ist bestimmt in Gottes Rat Ernst v. Feuchtersleben Es ist bestimmt in Gottes Rat. Friedrich Albrecht Der schnellste Reiter ist der Tod. Emanuel Geibel Im Grabe ist Ruh! O lieb' solang du lieben kannst. Ferdinand Freiligrath In dir, dem Einen, ruh'n. Dul. Gsb. Wie sie so sanft ruh'n. Stockmann Nur einem Traumbild gleicht. Geiger Vor des Friedhofs dunkler Pforte. Hauf Meine Lebenszeit verstreicht. Chr. F. Gellert Es schlägt der Puls, es rinnt die Zeit. Dul. Gsb. O Geist, wir glauben an dein Licht. Wir schwimmen in dem Strom der Zeit. Joh. Gottfr. Herder Noch ist das Leben nicht verloren. Prutz Gute Nacht, du schöne Welt. Paul Heyse Du Wandrer, der im Lichte. Ludwig Pfau Wir Toten, wir Toten sind 9. Ferdi Heere. Conrad Ferdinand Meyer Trüb' Erinnern eint uns hier. Robert Brauner Wenn einer starb, den du geliebt hienieden. Emanuel Geibel Eh' in die Schollen wir den Leib versenken. Paul Heyse Ob kalt und stumm, sie leben doch. Robert Prutz Begrabe deine Toten. Carl Siebel 10. Anhang: Einige alte Kirchenlieder. Großer Gott, wir loben dich. Uebersetzung des alg. 1779 Lobe den Herren, den mächtigen Köni Joachim Neander 4650— 1680 Nun danket alle Gott. Martin Rinkart 1586—1649 Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht. Christian Fürchtegott Gellert 1715—-1769 —— ——— —...ñ—.—..——‚.——‚‚.‚‚.‚JJ—— 1 4 ö * —.—— 2..—.—...—.—..— XVIII 4⁴⁰ 4⁴¹ 4⁴² 4⁴38 4⁴⁴ 4⁴⁵ 4⁴6 4⁴⁷ Was Gott tut, das ist wohlgetan Samuel Rodigast 1649—1708 Wer nur den lieben Gott läßt walten. Georg Neumark 1621—1681 Auf Gott und nicht auf meinen Rat. Chr. F. Gellert Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. Chr. F. Gellert In allen meinen Taten. ö ö Paul Fleming 1609—1640 Befiehl du deine Wege. Paul Gerhardt 1607-1676 Mir nach spricht Christus Johann Scheffler 1624—1677 O Haupt voll Blut und Wunden. Paul Gerhardt ◻+ 1. Erhebung und Erbauung im Hllgemeinen. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. ö 1. Wir glauben— ja an einen Morgen, an einen Sonntag hell und licht, der, blöden ö Augen noch verborgen, die Wolken endlich doch durchbricht! Wir beten— doch unausgesprochen; ein Hauch, der unsre Brust durchweht, ein stummer ö Schwur, ein Herzenspochen und eine Tat: das ist Gebet. 2. Drum sollt ihr uns nicht gottlos schmähen, nennt uns nicht Ketzer, treibt nicht Spott! Ob wir auf anderm Pfad auch gehen: der freie Geist ist auch ein Gott. Von allem Finsterm, allem Bösen, von Sklavenketten groß und klein wird er noch einmal uns erlösen, noch einmal unser Heiland sein! Mel. Welche Tiefen. 2. Geist der Liebe, Geist der Welten, laß uns unsern Bund erneu'n; deinem Preise soll er gelten, deiner Lieb' ein Opfer streu'n; nicht geknechtet dir zu Füßen, nein, wir wollen klar und frei dich in unserm Bund begrüßen, daß er deiner würdig sei. 2. Hast du doch uns freigegeben, unsrer Wahl es anvertraut, wie der Blick aus diesem Leben fromm zu dir hinüber schaut; hast du doch es zugelassen, daß in mannigfacher Art wir ver⸗ suchen aufzufassen, was sich ewig offenbart. —.u—⸗;... ‚H‚‚HH‚i‚i‚iciii‚e‚l·. uu— ——.— 3. Wohl auf tausend fremden Wegen wird zu deinem Licht gestrebt, das als heil'ger Vater⸗ segen uns die weite Welt belebt; aber bunt und vielgestaltig wird des Lichtes Widerschein; denn du wolltest mannigfaltig menschlich angebetet sein. 4. Und wie wir am besten meinen, daß man dir sich gibt und weiht, lasse nur in uns erscheinen edle, reine Menschlichkeit; immer höher, immer freier wirkend gebe sie sich kund; und so nah'n wir deiner Feier und erneuern unsern Bund. Hessemer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 3. Du Geist der Welten, wir erkennen klar deines ew'gen Waltens Spur rings um uns her in Höh'n und Tiefen, in der geschmückten Blüten⸗ flur; im hehren Kreislauf der Gestirne, wie in des Vogels Liederlust, und in des Meeres Wogen⸗ rauschen, doch tiefer in der eignen Brust. 2. Und überall im Menschenleben, auch in vergangner ferner Zeit, wo sich der Brüder Wohl und Glücke in edler Lieb' der Mensch geweiht; wo in dem Kampf mit Geistesdunkel der Wahrheit Licht sich brach die Bahn,— erkennen wir dein mächtig Walten, und beten still und froh dich an. 3. Doch dürfen nicht in hohe Hallen zum Altar wir erst beten gehn, weil selbst im kleinsten Raum der Erde wir deinen heil'gen Tempel sehn; weil nicht in Worten nur,— in Werken der wahre Gottesdienst besteht, weil schon des Herzens reinste Freude, die Tat der Liebe ein Gebet. Marie Quit. Mel. Alle Menschen müssen. 4. Zur Natur flücht' ich, wenn Menschen meines Herzens Lieb' verschmäh'n; flieh' zu ihr, wenn meiner Seele kühnen Schwung sie nicht versteh'n. In dem ernsten Waldesrauschen, fern vom Wahn der Götzenbilder, die dem klaren Geist ein Spott, such' ich gläubig meinen Gott. 2. Und ich find' ihn aller Wegen, und er füllt mein Herz mit Lust; und zum stillen Gottes⸗ tempel wölbt sich meine Menschenbrust. Auf zum Himmel jauchzt die Freude; gottdurchglüht, vom Staub geläutert, schwingt mein Geist sich sonnen⸗ wärts; tief zur Erde sinkt der Schmerz. Köhler. Mel. Wie schön leucht uns. 5. H err, Gott, der du von uns nicht fern! Dein Psalm ist jeder Himmelsstern, dein Engel jede Seele! Dir gilt auch heut mein Andachtsgruß, dir, dessen Geist zum Genius ich täglich mir erwähle. Ew'ge Liebe, hilf' uns Allen, die wir wallen hier auf Erden, deines Wortes Täter werden. Ed. Baltzer. Mel. Liebster Jesu. 6. Geist der Andacht mach' uns frei von der Erde engen Schranken! Die befreite Seele sei voll von himmlischen Gedanken; in des Sabbaths Feierstille heil'ge, Gott, sich unser Wille. Mel. Wie schön leucht uns. 7. Komm'/ Geist der Andacht und der Ruh', beleb' auch uns, entferne du, was stört die heil'ge Stille. Mach' unsern Geist vom Irrtum frei, in allem Guten fest und treu, das Herz mit Trost erfülle. Fromme Liebe, Br udertreue laß auf's neue uns beleben, Jesu Urbild nachzustreben. Mel. Wer nur den lieben. 8. sIlicht blos in Worten, die verhallen, mach' ich des Höchsten Ehre kund; solch Opfer kann ihm nicht gefallen, denn würdig preiset ihn kein Mund. Mein Lob, o Gott, sei dir geweiht in meines Lebens Tätigkeit. Mel. Allmächtiger, wir. 9. 16 will den Geist erheben zu dem, was ewig steht. Nicht dem weih' ich mein Leben, was morgen schon vergeht. Die Seele suchet Klarheit, verschmäht den Dämmerschein. O kehre, heil'ge Wahrheit, in meiner Seele ein! 2. Das Herz in seinem Schwanken begehret festen Halt. Kommt, ewige Gedanken, gewinnt bei mir Gestalt! Und in der Welt Getriebe brauch' ich für's Rechte Mut. So komm, du heil'ge Liebe, und nimm mein Herz in Hut. Uhl. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen. 10. Du suchst und möchtest gern es finden, was deine Seele selig macht; du suchst es in des Wissens Gründen und in der Berge tiefem Schacht'. Du suchst es über fernen Meeren, in einer andern Sonne Licht; du schmückest dich mit Ruhm und Ehren; doch das Ersehnte hast du nicht. 2. O, so verlaß das eitle Drängen, laß ab von törichter Begier! Tönt's nicht in reineren Gesängen: das Himmelreich ist nah bei dir? Such's nicht in Höhen, nicht in Gründen, nicht in der schnell verblühten Lust; willst du den wahren Himmel finden, such' ihn, o Mensch, in deiner Brust! Fr. Baltzer. Mel. Wer nur den lieben Gott. 11¹. großer Gott! Du reines Wesen, der du die reinen Herzen dir als schönstes Opfer auserlesen; o, schaff' ein reines Herz in mir; ein Herz, das von dem Sinn der Welt sich rein und unbefleckt erhält. Eigene Melodie. 12. Hllmächtiger, wir preisen dich, Schöpfer der Natur! Wir schaun in Sonnengleisen, o Ew'ger, deine Spur! Noch tönt dein Wort: „Es werde!“ dem einst das Licht entquoll, und Himmel, Meer und Erde sind deiner Liebe voll. 2. Dich fühlend, Geist der Geister, im Weltall und in sich, kam einst der hohe Meister und offenbarte dich. Er lehrt' uns, dich verstehen, er lehrte uns, dir nah'n, wenn wir die Wege gehen, die er uns ging voran. 3. O wirke, Geist der Wahrheit, du unsres Geistes Hort, den wir erkannt in Klarheit, von Herz zu Herzen fort! Leicht wird des Lebens Bürde und licht des Lebens Nacht, wenn Lieb' und Menschenwürde dir näher uns gebracht. Dul. Gsb. Mel. Jesus meine Zuversicht. 13. Dater aller Liebe du, laß uns deinen Geist beleben; send' uns deinen Frieden zu, daß wir ihn der Welt auch geben, daß kein Hassen die zerreißt, die ein Vater Kinder heißt. 2. Sei gegrüßet, sel'ge Zeit, wo die letzten Schranken fallen, und, von einem Geist geweiht, wir zu einem Altar wallen. Lange harrten wir schon dein— großer Morgen, brich herein! Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 14. Gott, gib mir ferner Kraft und Stärke, das Leben würdig durchzugeh'n. Die Liebe heil'ge meine Werke, sie lehr' mich, jeden Kampf besteh'n, daß ich am Ziele meiner Tage, froh segnend den durchlauf'nen Pfad, ein Leben in dem Herzen trage, das selig ist in seiner Tat. Mel. Herzliebster Jesu. 15. Gib deinen Frieden uns, o Herr der Stärke! Im Frieden nur gedeihen deine Werke. Daß wir im Kampf mit Sünde nicht ermüden, stärk' uns dein Frieden! s — — 7 2. Des Lebens Tag ist schwül; des Lebens Abend oft stürmisch noch und Wenige nur labend, ach, es bedarf das Herz im Staub hienieden, Herr, deinen Frieden! 3. Gib Frieden, daß die fromme, dir getreue, oft schwergeprüfte Seele sich erneue; daß sie nicht mutlos hingerissen werde vom Geist der Erde. 4. Gib, wie den Vätern, die dir wohlgefallen, auch uns den Frieden, die im Kampf noch wallen! Gib Hoffnung, daß des Glaubens Ehrenkrone dem Sieger lohne! 5. Das ganze Leben auf der dunklen Erde ist, ach, ein Streit mit Sorgen und Beschwerde; o birg uns, Herr, in deines Friedens Schatten, wenn wir ermatten. 6. Und wenn zuletzt wir mit dem Tode ringen, deck' uns dein Engel, Herr, mit mächt'gen Schwingen, und trag' uns hin, von allem Kampf geschieden, zum ew'gen Frieden! Garve. Mel. Freu' dich sehr, o meine. 16. Geist der Weisheit, Geist der Liebe, fülle ganz du mein Gemüt! Gib, daß jeder meiner Triebe für die Tugend rein erglüht. Schenke Licht mir immerdar, mache all mein Denken klar. Wahrheit, Freude, Mut und Kräfte gib zu meines Heils Geschäfte. 17. Heilige Liebe, führ' uns auf des Lebens Pfad, mach' uns stark zu edler Tat, treu und warm, still und rein, heilige Liebe! 2. Seliger Friede, walle nieder lind und leis' durch der Erde weiten Kreis; heile mild jeden Schmerz, seliger Friede! Schünemann. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 18. Zu dir, du ew'ge Liebe, strebet das Herz in heißem Sehnsuchtsdrang! Der Geist, der kühnen Fluges schwebet, sucht dein Gesetz im Weltengang. O, laß uns dich hienieden finden in Allem, was da göttlich ist; und innig uns durch dich verbinden zum Bund, der liebend all' um⸗ schließt! 2. O, sei mit uns auf allen Wegen, du Geist der Wahrheit und der Kraft; gib, Geist der Lieb', uns deinen Segen zu jedem Werk, das Liebe schafft. Laß, Geist des Lebens, uns das Leben erfassen in des Geistes Licht; laß deinen Frieden uns um⸗ schweben, wenn unser Herz im Tode bricht! Eigene Melodie. 19. Ich bete an die Macht der Liebe, die Men⸗ schenherzen warm durchfließt, die selbst⸗ los rein, in heil'gem Triebe den Feind gleich wie den Freund umschließt. Die Liebe, die nichts will als geben, der Liebe dien' mein ganzes Leben! 2. Ich bete an der Wahrheit Sonne, die hell des Irrtums Nacht durchbricht: sie schafft dem Geiste höchste Wonne, sie schenkt dem Herzen Trost und Licht, der Wahrheit, die uns kann erheben, der Wahrheit gilt mein heißes Streben! 9 3. Ich bete an der Freiheit Sterne, ihr Glanz erhellt der Knechtschaft Bahn; noch funkeln sie in weiter Ferne, doch unaufhaltsam wir uns nah'n. Für Freiheit, für des Menschen Adel, Kämpf' furchtlos ich und ohne Tadel. 4. Ich bete an der Tugend Walten, die Freiheit, Recht und Wahrheit liebt, die nie im Guten kann erkalten, die ganz sich ihrer Pflicht hingibt. Die Tugend, die nicht fragt nach Lohne, sie wünsch ich mir als Lebenskrone! 5. Ich bete an, was hehr und prächtig des Lebens Mühsal überragt, ich bete an, was geistes⸗ mächtig hervor aus Nacht zum Licht sich wagt. Das Wahre, Gute und das Schöne sind meines Herzens Jubeltöne! Georg Welker. Mel. So nimm denn meine Hände. 20. Ich möchte gern erringen, was selig macht, ich möchte gern durchdringen des Irrtums Nacht, möcht' baden meine Seele so weiß wie Schnee, möcht' wandeln sonder Fehle, ohn' Schuld und Weh'! ö 2. Drum will ich, heil'ge Wahrheit, stets suchen dich, zu immer größ'rer Klarheit durch⸗ ringen mich! Und wenn mein Geist auch nimmer dich ganz enthüllt,— von dir stets hell'rer Schimmer mein Sehnen stillt! Eigene Melodie. 21. Cicht von Gottes Weltenthron, uns ge⸗ bracht vom Menschensohn, Licht, das stets in heil'ger Klarheit uns enthüllt die ew'ge Wahr⸗ heit, heil'ges Licht, erleuchte mich! 10 2. Liebe, die gern Schmerzen teilt, gern der Brüder Wunden heilt, Liebe, die in Jesu Herzen, trug der ganzen Menschheit Schmerzen, Liebe, wohn' in meiner Brust! 3. Kraft, die aus der Höhe stammt und zum Guten uns entflammt, Kraft, die nimmer unter⸗ lieget, Kraft, die selbst die Welt besieget, Kraft aus Gott, erfülle mich! Mel. Herr Gott, dich loben alle. 22. Ich suche Licht für meinen Geist, und Nahrung, die das Herz mir speist, und Kraft, die mich zum Rechten stärkt, und Warnung, die den Irrweg merkt. 2. Nicht leben mag ich bloß fürs Brot nicht sorgen bloß um äußre Not. Zu hoch bin ich als Mensch gestellt, zu dienen bloß der Sinnenwelt. 3. Drum, Freunde, bin ich euch vereint, die ihr mit mir dasselbe meint, die ihr gleich mir das Haupt erhebt und nach dem rechten Leben strebt. 4. Komm, Wahrheit, gib uns hellen Schein! Komm, Kraft, und nimm die Herzen ein! Komm, Liebe, all' uns zu umfahn, daß wir dem schönen Ziele nahn! Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 23. Gott, wenn uns der Hang zur Sünde reizet wider uns're Pflicht, Heiligster! so über⸗ winde uns der Hang zur Sünde nicht. Lehr' uns, mutig ihn bekämpfen und die Macht der Lüste dämpfen; steh' uns in Versuchung bei und erhalt' uns dir getreu. 11 Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 24. Zum rechten Leben woll'st du leiten, o Vater, deine Christenheit, und seinen Segen weit verbreiten durch deines Geistes Innig⸗ keit. Gib, daß der Deinen Schar sich mehre durch deines Wortes Kraft und Licht, und daß dein Wort uns Eintracht lehre; wir hoffen's, Herr! mit Zu⸗ versicht. Mel. Großer Gott, wir loben dich. 25. In der Menschheit laß uns dich, ew'ger Geist des Weltalls, finden! Laß die ganze Menschheit sich, Heiliger, durch dich verbinden! Daß sie selbst, von dir durchweht, sich erhebt voll Majestät! ö 2. Gottesgeist! von dir allein werde jedes Herz durchdrungen! Dann wird rings ein Himmel sein, allen Völkern aller Zungen; dann wird Frieden, Glück und Heil jedem Menschensohn zu Teil! 26. Hinaus, hinaus in die Natur! Wo Berge ragen, Wälder rauschen, wo auf der bunten Wiesenflur die Blumen liebend Küsse tauschen, wo über Flüsse, Seen und Land der Himmel seine Kuppel spannt! 2. Hinaus, hinaus und aufgeschaut, wie hier die Bienen Honig suchen, der Vogel sich sein Nest⸗ chen baut, die Rehe aus den Büschen lugen, und alle Wesen, groß und klein, sich ihres schönen Da⸗ seins freu'n. 3. Hinaus, hinaus! Hier ist mein Dom, hier fühl' den Gottesgeist ich walten, ihm braust der Sturm, ihm rauscht der Strom, Millionen Blüten sich entfalten und hauchen ihren süßen Duft zum Preis des Schöpfers in die Luft. 4. Und groß und selig wird es mir und froh im Herzen, ungemessen, und all' mein Denken, Fühlen hier ist ein Gebet, das unvergessen und ewig in der Seele ruht als heilgen Dankes reine Glut! 5. Hinaus, hinaus! Wenn still die Nacht den Sternenschleier ausgebreitet, in ihrer hohen, heil'gen Pracht die Blicke nach dem Himmel leitet, und all' der Sonnen funkelnd Licht ein stilles „Vater unser“ spricht! Dann fühl' auch ich: Du bist mir nah, du ewig unerforschlich Walten!— Bist, wie vor Ewigkeiten, da, um ewig Neues zu gestalten; dein Auge nur vermag zu seh'n, wie Sonnen kommen, Sonnen gehn! 7. Und schlagen Töne an mein Ohr, er⸗ habener Harmonien Rauschen, so tragen sie mein Herz empor, und betend möcht' ich ihnen lauschen. Und in Entzücken still versenkt mein Geist der ew'gen Liebe denkt. 8. Und was die Kunst sonst Großes schafft, was herrlich sie weiß zu gestalten; was genial mit Geisteskraft bekundet schöpferisches Walten, ich ehr' in ihm den Schöpfergeist, der schaffend durch das Weltall kreist. 9. Ich fühl' ihn in des Dichters Sang, wenn er auf der Begeisterung Schwingen in seiner Seele heil'gem Drang auch mir mag Herz und Geist bezwingen, auch mich für Edles froh belebt und zu dem Ewigen erhebt. RRRSRAS v N 13 10. Ich fühl' ihn in des Denkers Wort, das neue Welten mir erschließet, das für der Wahrheit heil'gen Hort in mächt'gem Strome sich ergießet, das klar, vernünftig, rein und hell Entsprudelt dem Gedankenquell. 11. Ich bete, wie man beten kann, wenn selbst ich schaffend Gutes tue; wenn ich als wack'rer Biedermann auf wohlverdientem Lorbeer ruhe; ich bet' so recht im schönsten Sinn, wenn ich ver⸗ gnügt und glücklich bin. 12. So denk' ich, bet' ich schlicht und recht; halt' Gottesdienst im Herzensfrieden, bin keines Priesters feiger Knecht und hab den Himmel schon hienieden. Ich bin mir ja in tiefster Brust. der Gottesfülle selbst bewußt! Heribert Rau. 27. Dater unser, der im Himmel geistiger Vollendung wohnt, und in jedem Men⸗ schenherzen still verborgen selig thront; heilig sei uns stets dein Name,— doch der Name tut es nicht, heiliger sei uns dein Wille, sei Gesetz uns, Recht und Pflicht. Laß dein Reich in's Herz uns kommen! Stiller Liebe Seligkeit, das Bewußt⸗ sein edler Taten, Milde und Zufriedenheit; und dein Wille wird geschehen, denn du willst nur⸗ unser Glück, führst uns auch auf dunklen Pfaden immer auf uns selbst zurück. Unser Brot, gib es uns heute, daß der Geist, von Sorgen frei, rüstig seine Bahnen schreite, nicht des Staubes Diener sei. O vergib uns, was verschuldet wir in töricht⸗ eitlem Wahn, so wie wir auch gern verzeihen, was man Unrecht uns getan. Führe uns nicht in. 14 Versuchung, denn der Mensch aus Staub ist schwach, und selbst bei dem besten Willen bleibt die Tor⸗ heit ewig wach! So erlöse uns vom Uebel. Von der Geistestyrannei, von der Sünde Sklaven⸗ ketten werde unsre Seele frei; dann wird sich auch leichter tragen jedes and're Mißgeschick, und im Leben und im Sterben ruht auf dir der innre Blick. Heribert Rau. 28. Erheb⸗ ich mein Gemüte, o Gott, zu dir empor, fühl' ich, daß deine Güte nicht mich allein erkor. Du bist ja aller Vater, der meine nicht allein, drum bet' ich: Unser Vater, wir Menschen all' sind dein. 2. Aus irdischem Getümmel flücht' ich o Gott zu dir. Wo du bist, dort ist Himmel Allüberall, auch hier. Empfind' ich heil'gen Frieden mit dir in meiner Brust, dann überall beschieden ist mir des Himmels Lust. ů 3. Wie ehrt mein Herz dein Walten und heiligt, Vater, dich? Kniebeugen, Händefalten ist doch nur äußerlich. Im Geist nach Jesu Lehre und durch mein Tun allzeit, so geb' ich dir die Ehre in alle Ewigkeit. 4. Lehr' uns das Böse meiden dem treuen Heiland gleich, dann mit der Tugend Freuden kehrt ein bei uns dein Reich. Wo dein allheil'ger Wille geschieht, wie dir's gefällt, da ist des Him⸗ mels Fülle auch hier auf dieser Welt. 5. Der du die Lilien kleidest, du allerhabener Gott, und alles Leben weidest, auch uns gib Kleid und Brot. Vor Darben und Vergeuden bewahre Jedermann, daß jeder auch mit Freuden dich, Vater, preisen kann. 15⁵ 6. Du ew'ger Gott bist heilig, und wir sind voller Schuld. O du, der ewig heilig, hab du mit uns Geduld! O heil'ger Gott, wir wollen auch uns der Liebe weih'n und allzeit ohne Grol⸗ len dem Feinde gern verzeih'n. 7. Führ' in Versuchung nimmer das schwache Menschenherz. Der Sünde falscher Schimmer bringt tausendfachen Schmerz. Mach uns, du Gott der Güte, von allem Uebel frei, daß schuldlos das Gemüte, und froh das Leben sei. 8. Und ruft ein Friedensengel, der Tod, von hier uns ab aus dieser Welt voll Mängel in unser stilles Grab, was wir dann auch erwerben, uns darf nicht bange sein, wir leben oder sterben, so sind wir Vater dein. Friedrich Albrecht. 29. V führe mich, Vernunft, in Stärke und in Schwäche, wenn ich zusammenbreche, gib du mir Kraft und Trost. Wandle in Freuden mein Kümmern und Leiden, wenn ganz ich verzage, scheuche die Klage von meinen Lippen fort. 2. O leite mich, Gefühl, für meiner Brüder Jammern, in meines Herzens Kammern laß ein dein Sonnenlicht! Mach' mich erweichen und laß mich erreichen des Edelsinns Höhen, will fest dort stehen, von Selbstsucht befreiet. A. Westphal. 2. Gottheit— Weitall— Menschheit. 30. dag an, mein Herz, wo suchst du deinen Gott? Im Tempel nur, wo sich die Knie biegen? Am Altar nur, wo Weihrauchwolken fliegen? Ueber den Wolken, wo die Sterne glänzen? Hinter den Sternen, wo des Denkens Grenzen? O nein, o nein! Mein Gott ist überall; wo der Strom blaut, wo der Himmel taut, wo die Wolken sich jagen, wo die Nachtigallen schlagen, wo die Erde schweigend in Schnee sich hüllt, wo der Lenz aus Millionen Knospen quillt— ist er mir nah! Im freien Geist ist er; am herrlichsten da, wo die Liebe blüht, wo Gedanken wun⸗ dervoll entstehen, wo die Seelen miteinander gehen, wo Begeisterung flammt und Wahrheits⸗ mut, wo die Herzen ringen um's höchste Gut: da ist das Ewige nah, da ist Gott selber da, Halleluja! 31. Oo ich dich kenne, ew'ger Geist, zu dem viel tausend Herzen beten? Den man in tausend Zungen preist, vor den die Priester feiernd treten? 2. Im Staube knie' ich nicht vor dir, ich baue dir nicht Tempelhallen, im Bilde nicht er⸗ scheinst du mir, ich lasse dir nicht Opfer wallen. 3. Nicht in mein kleines Menschenlos will deine Hand ich niederlenken, nicht mich in deiner Gnade Schoß in kräftigem Gebet versenken. 17 4. Doch bin ich näher dir vielleicht als jene auserwählten Frommen, in deren Brust die Liebe schweigt, wenn sie von deinem Tempel kommen; 5. Die dich als Götzen hingestellt auf ihre wunderbaren Schreine, die dich verkünden vor der Welt im Wahne bald, und bald zum Scheine. 6. Nicht als der himmlische Despot erscheinst du mir, im Strahlenglanze, ich fühle dich im Morgenrot und in der Blumen frischem Kranze. 7. Da, wo es atmet, wo es lebt, wo Wesen sich im Lichte sonnen, wo sich die Seele froh er⸗ hebt, da find' ich deines Wesens Bronnen. 8. Wo die Natur mich froh umfließt, wo alle Kräfte freudig streben, wo mich des Lichtes Strom umschließt, da ist die Liebe, ist das Leben. 9. Und wo es in der Menschenbrust sich regt von einem heil'gen Triebe, da bist du, in des Lieh Lust, in Wahrheit, Schönheit, Kraft und iebe. 10. Hinweg den Tempel und Altar! Wo Menschen nach dem Höchsten streben, wird mir dein Wesen offenbar, es ist der Menschheit ew'ges Leben. 11. Und wer ihr dienet, sie erhebt, das ist der Mensch, der fromme, reine, wer einem andern Dienste lebt, der dienet„Gott“ doch nur zum Scheine. 12. Nicht bei den Heuchlern mag ich sein, nicht bei den auserwählten Frommen, im Geiste stark, im Herzen rein, möcht' ich zu deinem Tempel kommen. 13. Dort sei die Freude mein Gebet, das rechte Tun die Opfergabe, dann weiß ich, daß ich nichts erfleht, und doch des Lebens Fülle habe. 3 * 18 ö 14. Dann hat mit mir der beste Teil von ö deinem Wesen sich verbunden, und von dem Wahn * des Glaubens heil, hab' ich in mir dich selbst gefunden. F. Baltzer. Mel. Warm in Worten. 32. Trag' nicht blos den Blick hinüber, fern dem Pfad der Creaturen! Nahe geht dir Gott vorüber in viel sanften Segensspuren! Seufze nicht:„daß ich ihn sähe, tronend ob den ew'gen Sternen!“ Das Geheimnis seiner Nähe mußt du hier erkennen lernen. 2. Wo die Mutter, sorgend, leise, wacht bei ihrem kranken Kinde; wo die Jugend froher Weise Reigen schlinget um die Linde; wo die Saiten tief ertönen in den Herzen, die sich fanden; wo die Feinde sich versöhnen, die sich grollend wider⸗ standen. 3. Wo der Forscher mitternächtig wandelt auf des Geistes Firne; ein Gedanke, stolz und prächtig, fernhin glänzt von einer Stirne; auf der Menschheit weiten Auen, bei des Lebens schöner Sitte, kannst du Gottes Wandel schauen; habe Acht auf seine Schritte! 4. Da, mit ahnendem Gemüte, schärfe deines Auges Klarheit; pflücke des Gebetes Blüte, so im Geist, wie in der Wahrheit. Suche in den kleinen Dingen deines Gottes große Züge; und der Friede mag gelingen, deiner Sehnsucht wird Genüge! H. Oelbermann. —5563——— 19 33 Der darf ihn nennen? und wer bekennen: WMich glaub' ihn? Wer empfinden und sich unterwinden, zu sagen: ich glaub' ihn nicht? Der Allumfasser, der Allerhalter, faßt und erhält er nicht dich, mich, sich selbst? Wölbt sich der Himmel nicht da droben? Liegt die Erde nicht hier unten fest? Und steigen freundlich blickend ewige Sterne nicht herauf? Schau ich nicht Aug' in Auge dir, und drängt nicht Alles nach Haupt und Herzen dir und webt in ewigem Geheimnis unsichtbar sichtbar neben dir? Erfüll davon dein Herz, so groß es ist, und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist, nenn' es dann, wie du willst, nenn's Glück! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen dafür! Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch, umnebelnd Himmelsglut. Goethe Mel. Jesus meine Zuversicht. 34. Großer Gott, kein Mensch sah dich, Keiner kann dich recht benennen! Wahn und Torheit brüsten sich, dich, dein Wesen ganz zu kennen: ich schau dunkel nur dein Kleid ewiger Unendlichkeit. 2. Großer Gott, wer bist du mir? Du bist mir der Wahrheit Quelle, meiner Seele Kampf⸗ panier; mich trägt deiner Allmacht Welle; du zeigst mir, was gut und schön, laß mich meine Flecken sehn. 3. Großer Gott, wo bist denn du? Meine Seele möcht' dich finden, und mein Geist strebt ohne Ruh' deine Heimat zu ergründen: Großer 5180 du bist in mir, wie ich bin ein Teil von ir! 3* 4. Großer Gott, mein Herz dient dir, wenn es, voll der reinsten Triebe, findet seine höchste Zier nur in Wahrheit, Freiheit, Liebe,— wenn es nicht nach oben schaut, in sich selbst den Himmel baut. Georg Welker. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen. 35. Erhabner Geist, den Gott ich nenne mit meiner Sprache dürft'gem Klang, den ich im Innersten erkenne, der sich mir zeigt im Welten⸗ gang. Erhabner Geist, ich sinke nieder und weihe dir mein ganzes Sein, und stimme in die Jubel⸗ lieder der weiten Schöpfung fröhlich ein. 2. Du bist zu groß, und dich zu fassen, vermag ein Herz im Staube nicht; es muß sich völlig leiten lassen von deinem Glanz, von deinem Licht. Und doch, es fühlt sein tiefstes Wesen, du bist in ihm, es lebt in dir, in dir kann es allein genesen, be⸗ siegen seine Schwachheit hier. 3. Je freier sich der Geist entfaltet, je herr⸗ licher gehst du ihm auf; wenn deine Liebe in ihm waltet, verkläret sich sein Lebenslauf. Er wird, wie von geheimem Zuge, zu dir gezogen wunder⸗ bar, und läßt er von dem Sinnentruge, wirst du ihm klar, wird er sich klar. Dul. Gsb. x Mel. Es ist das Heil uns komm. 36. lch suche dich, durch den ich bin, auf Höhen und in Weiten, und lasse von dem äußern Sinn zur innern Welt mich leiten. Auch da, Geist Gottes, find' ich dich; auch da umschwebt dein Wesen mich; du bist's, den ich empfinde. 2¹1 2. Du sendest deinen Sonnenstrahl; ihn trinken Flur und Haide. Auch mich erweckt im Lebenstal dein Segensblick zur Freude. Ich rufe, wie's mein Herz mich heißt:„Geist Gottes, heil'ger Freude Geist, verlaß, verlaß mich nimmer!“ 3. Geist Gottes, du, der Liebe Geist, der sich in dem Gefilde, wie in des Menschen Brust erweist durch segensvolle Milde, ermunt're mich zur schön⸗ sten Pflicht! o, wär' auf Erden Liebe nicht, wo wär' für uns ein Himmel? 4. Geist Gottes, du, des Mutes Geist, dich hat mein Herz empfunden, fühlt' ich in Nöten mich verwaist, von Reue mich umwunden; du gabst mir Trost von oben her und heil'gen Mut zur Wiederkehr in meines Vaters Arme. 5. Geist Gottes, du, der Hoffnung Geist, du schwebst auch um die Guten, wenn Trennung ihnen Wunden reißt, die bis zum Grabe bluten; dann lehrest du sie, Gott versteh'n, und senkst den Trost vom Wiederseh'n in die zerriss'nen Herzen. 6. Auf, meine Seele, lob' den Herrn! ihn preist des Haines Blüte; es tönet laut von Stern zu Stern:„wie groß ist Gottes Güte!“ so nahe, Gott, bist du auch mir; ich flehe kindlich fromm zu dir:„dein Geist verlaß mich nimmer.“ Dul. Gsb. Dem unbekannten Gott. 37. Hoch einmal, eh ich weiterziehe und meine Blicke vorwärts sende, heb ich vereinsamt meine Hände zu dir empor, zu dem ich fliehe, dem ich in tiefster Herzenstiefe Altäre seierlich ge⸗ weiht, daß allezeit mich deine Stimme wieder 22 riefe. Darauf erglüht tiefeingeschrieben das Wort: dem unbekannten Gotte. Sein bin ich, ob ich in der Frevler Rotte auch bis zur Stunde bin ge⸗ blieben: sein bin ich— und ich fühl die Schlingen, die mich im Kampf darniederziehn und, mag ich fliehn, mich doch zu seinem Dienste zwingen. Ich will dich kennen, Unbekannter, du tief in meine Seele Greifender, mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender, du Unfaßbarer, mir Verwandter! Ich will dich kennen, selbst dir dienen. Friedrich Nietzsche. Mel. Allmächtiger wir. 38. Ob Sturm und Wetter toben, und ob die Erde bebt, ich weiß, daß ewig oben ein heil'ger Wille lebt! Er gibt sich in den Bahnen der Welten herrlich kund; er spricht als leises Mahnen tief aus des Herzens Grund. 2. Laut in der Weltgeschichte macht er sich offenbar, wenn spurlos wird zunichte, was groß und herrlich war; wenn sich zur Lebensfülle, zur Siegesmacht erhebt, was einst, in Grabeshülle ver⸗ schlossen, doch gelebt. 3. Welch Wort nennt ihn auf Erden dem sterblichen Geschlecht? Er soll der Menschheit werden lebendig kund als Recht. Das spricht aus jedem Sehnen, aus jedes Geist's Begehr; das strahlt in Märt'rertränen weit auf die Welt umher. 4. Ob Kerkergrau'n umnachtet, wer sich dem Licht geweiht; ob auch in Fesseln schmachtet, wer kühn den Geist befreit; ob hier auf Erden sichtbar nur Herr noch sind und Knecht— doch lebt, lebt unvernichtbar der Gotteswille: Recht! V * pt 23 5. Ob Frevel es verhöhnen, es leugnen mag die Macht: sein Ruf wird doch ertönen aus tiefster Völkernacht; dann läßt es von den Toten erstehn ein neu Geschlecht als seinen Siegesboten,— das ew'ge heil'ge Recht! Dul. Gsb. Mel. Jesus meine Zuversicht. 39. O·0 die Schuld in Nächten schleicht, und kein Mensch sie je entdecket; ob kein Richter je erreicht den, der sich mit ihr beflecket,— Einem, der dein Urteil spricht, frevelnd Herz, entrinnst du nicht! 2. Ahnst du's? In dir selber tief waltet er, der heilig schlichtet; er, der einst dir warnend rief er ist's, der dich jetzo richtet; er, der in die eig'ne Tat das Gericht gelegt schon hat. 3. Er, deß Wesen kund dir ward in der Welten ew'gen Bahnen, er ist's, der sich offenbart dir in des Gewissens Mahnen; der mit seiner heil'gen Kraft in dir Höll' und Himmel schafft. 4. Schlage auf der Menschheit Buch! jedes Blatt der Weltgeschichte offenbart im klaren Spruch seine ewigen Gerichte; wie die Schuld, die trium⸗ phiert, durch sich selbst vernichtet wird. 5. Ob auch oft der Gegenwart sich der Heil'ge noch verhülle,— in der Zukunft offenbart sicher herrlich sich sein Wille; hoch o n über Aller Zeit ewige Gerechtigkeit! N 2 15 & dal 290 2 —*8 — * 40. O, der du über jenen Sternen, doch auch auf unsrer Erde tronst, der du in un⸗ ermess'nen Fernen, doch auch in meinem Herzen wohnst! Ein schwaches Erdenkind verehre ich dich in deiner Majestät. Der du mein Vater bist, er⸗ höre mein frommes, kindliches Gebet. 2. Was du bestimmst, das umzuwandeln, das wähn' ich nimmer durch mein Flehn. Ich weiß, allweise ist dein Handeln und was du willst, das muß gescheh'n. Ein Frevel wär's, dir zuzumuten, daß deine Weisheit ab sich lenkt von deinem Plan, dem ewig guten, weil meine Selbstsucht anders denkt. 3. Drum bitt' ich nicht: Herr, gib mir Freuden! Ich bitte nicht: wend' ab den Schmerz! Doch bitt' ich: was du willst bescheiden, gib mir zu dem ein dankbar Herz! Nie will ich mich darüber kränken, wenn mir gebricht, was Andre freut. Es bleib' in Glück und Leid mein Denken dem selbstgewählten Ziel geweiht. 4. Was ich in Stunden der Erhebung gelobt, dem laß getreu mich sein. Ich will in liebender Ergebung nicht mir— dem Menschenwohl mich weih'n. Und werd' ich schwach bei solchem Werke, des Mißmuts und des Zweifels Raub, dann denkt an dich und fühlet Stärke der Geist in diesem Leib von Staub. 5. Und mag ich Vieles auch vermissen, was sonst das Leben hier verschönt, hab ich nur Frieden im Gewissen, wenn einst mein letztes Stündlein tönt. Und fühl' ich, daß ich nicht vergebens ge⸗ strebt, geliebt so treu und warm, flücht' ich getrost am Schluß des Lebens in Gottes treuen Vaterarm. Friedrich Albrecht. KN. 2⁵ Chorgesang. 41. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre; ihr Schall pflanzt seinen Namen fort; ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere; ver⸗ nimm, o Mensch, ihr göttlich Wort! Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne? Wer führt die Sonn' aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne, und läuft den Weg gleich als ein Held. Christian Fürchtegott Gellert. Chorgesang. 42. Gott ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln; er lagert mich auf grüner Weide; er leitet mich an stillen Bächen, er labt mein schmachtendes Gemüt, und führt mich auf gerechtem Steige zu seines Namens Ruhm. Und wall' ich auch im Todes⸗ schatten-Tale, so wall' ich ohne Furcht; denn du begleitest mich; dein Stab und deine Stütze sind immerdar mein Trost; du richtest mir ein Freuden⸗ mahl im Angesicht der Feinde zu; du salbst mein Haupt mit Oele und schenkst mir volle Becher ein; mir folget Heil und Seligkeit in diesem Leben nach; einst ruh' ich ew'ge Zeit dort in des Ew'gen Haus. Eigene Melodie. 43. Delche Tiefen, welche Höhen! heil'ge Schauer fassen mich. Wieviel tausend Wel⸗ ten drehen dort um ihre Sonnen sich! Und wo sind des Raumes Grenzen, wo sich keine Welt mehr dreht, keine Sonnenstrahlen glänzen, und kein Lebensodem weht? 2. Wie viel Millionen Leben freuen sich in jeder Welt, freuen sich, den zu erheben, der sie schuf und sie erhält! Und wer ist s, der stets sie alle liebend, segnend überschaut? Wer, der seines Tempels Halle in's Unendliche gebaut? 3. Kann mich hier sein Name trügen? Hier mir leuchten ohne Sinn? Er schrieb ihn mit Flam⸗ menzügen; und sein Name heißt: Ich bin! Ja, du bist, den Gott wir nennen, dem das Weltall eigen ist; Seligkeit ist's, dich zu kennen, der du Aller Vater bist! 4. Deine ält're Offenbarung liegt jetzt auf⸗ geschlagen da, und im Lande der Erfahrung fand ich dich mir immer nah. Du, der wölbte diesen Bogen, und der Sterne Kreis bewegt, hast den Puls auch aufgezogen, der in meinen Adern schlägt. 5. Hast den Funken mir gegeben, der in mir die Nacht erhellt, diesen Geist, der höh'rem Leben zustrebt aus der Sinnenwelt; jenem Leben, wo er freier, näher schaut dich, Weltengeist, und in des Gedankens Feier dich,— den Urgedanken, preist! Dul. Gsb. Mel. Wie schön leucht' uns der Morgenstern. 44. Erhaben reckt der Berg sein Haupt, und stattlich ist es rings umlaubt von seiner Wälder Schatten. Weit streckt sich Flur und Au dahin, in farbenreichem Wechsel zieh'n hindurch sich Feld und Matten. Glänzend, rauschend, rollt dazwischen in Gebüschen seine Wellen dort der Fluß, die vorwärts schwellen. 235 Un.-Sio. 8 Ssssen 27 2. Dies Wechselbild von Berg und Tal, dein Auge schaut es überall, so weit die Füße schreiten. Dann stehst du an des Meeres Bord, und staunend schweift dein Auge fort in ungemess'ne Weiten. Prächtig, mächtig, alldurchdringend, allbezwingend innerst Leben zeigt sich da der Urkraft Weben. 3. Wie aber einst, als mächt'ge Kraft die Berge hat emporgerafft aus dunkler Erde Mitten! Wie damals, als des Feuers Glut und tief empör⸗ ter Meere Flut noch um die Herrschaft stritten! Furchtbar Ringen, bis nach langen, harten, bangen Gährungszeiten Berg und Tal sich friedlich breiten. 4. Und wie, als in der frühsten Zeit noch keine Sonne war bereit, als noch kein Stern geglänzet! Als roher Stoffe wirrer Graus die ew'gen Räume füllte aus, nicht in Gestalt begrenzet!— Eins nur weiß ich: Aller Zeiten, aller Orten, Schaffen, Weben ist ein einig, göttlich Leben. 5. Es ist noch heut dieselbe Kraft, die allent⸗ halben Leben schafft, durch alle Räume waltet; und heut noch ist's derselbe Geist, der mir die rechten Wege weist, mir mein Gesetz gestaltet. Wolle, Seele, mit dem Einen dich vereinen; höh'res Leben wird der Ew'ge dir dann geben. Uhl. Gsb. Mel. Welche Tiefen. 45. du schönes Weltgebäude, das der Herr mit Glanz und Pracht uns zum Segen und zur Freude wunderherrlich hat gemacht! O wie wird in allen Stücken da die Liebe offenbar, die, den Menschen zu beglücken, so erfind'risch sorg⸗ sam war. 28 2. Ja, man kann an allen Werken, klein' und großen, nah und fern, die verborg'ne Weis⸗ heit merken des Allgüt'gen, unsers Herrn! Allen ist das Königssiegel ihres Schöpfers aufgedrückt. Erd' und Himmel sind ein Spiegel, d'rin man seine Huld erblickt. 3. In der Nähe, in der Ferne man viel tausend Zeugen trifft; wie die Blumen, so die Sterne sind ja eine heil'ge Schrift, die, dem Kin⸗ dessinn verständlich, wonnevolle Kunde gibt von ri Gott, der uns unendlich segnet, labet, tröstet, iebt. 4. O wie ist es schön, zu lesen in dem auf⸗ geschlag'nen Buch der Natur von jenem Wesen, das man niemals hoch genug kann erheben, prei⸗ sen, loben; das uns liebevoll umschlingt, dem der Chor der Engel droben laut das Dreimalheilig singt. ——ν Spitta. 46. Mein Auge tief bewundernd schaut in dieses Weltalls Herrlichkeiten, das aus sich selbst sich auferbaut von Ewigkeit zu Ewigkeiten; es ist ein ewiges Vergehen, und auch ein ew'ges Auferstehen. 2. So ahn' ich freudig auch den Geist, den ew'gen Wesensgrund der Dinge, der sich als Herrn der Welt erweist, und dem auch ich mit Lust lobͤ⸗ singe, seit ich im innersten Gemüte sein Wehen fühl' und seine Güte. 3. Drum nicht im Bilde dien' ihm noch,— im Geiste nur und in der Wahrheit! hab' ihn in eigner Seele doch; gib ihm auch dich in Kraft und Klarheit! Nur wer den Gott in sich gefunden, dem wird sein Geist in Gott gesunden. Eduard Baltzer. 29 Mel. Was Gott tut. 47. Schön ist mit Reizen ohne Zahl du, Erde, ausgestattet; du bist kein dunkles Jam⸗ mertal, selbst wenn dich Nacht beschattet. Der Sterne Pracht durchstrahlt die Nacht; dich, einen Stern gleich allen, sehn andre glanzvoll wallen. 2. Grün ist dein Kleid am Sommertag, mit goldnem Licht durchsponnen; da leuchten Meer und Fluß und Bach im Widerschein der Sonnen. Zur Winterzeit, o Herrlichkeit! dein Haupt im Silber⸗ kranze, strahlst du in neuem Glanze. 3. Und Alles lebt und webt im Licht, das durch das Weltall dringet; in Menschenbrust wie Tag anbricht und Mut und Freude bringet. Der Morgen schwebt heran, da hebt mit Lust zum neuen Streben sein Haupt das ganze Leben. 4. O Kraft, die Alles, Alles ist in uns, in Näh' und Ferne, die strömend jede Brust durch— fließt, den Raum und alle Sterne! schaff' klaren Sinn und Liebe drin, ein frisch und fröhlich Ringen, das Beste zu vollbringen. Pflaume. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen. 48. Der Morgenröte Feuerflügel, das stille Abendrot— wie schön; heb' auf dein Aug' zum Blumenhügel, der Gottheit Glanz und Pracht zu sehn! Von ihrem erdgeschaffnen Heere darf nur der Mensch sich denkend nah'n. O, bringt der Allmacht Preis und Ehre, die Großes hat an uns getan. 2. O, sei mit uns auf allen Wegen, du Geist der Wahrheit und der Kraft; gib, Geist der Liebe, deinen Segen zu jedem Werk, das Liebe schafft. Laß, Herr des Lebens, uns das Leben erfassen in des Geistes Licht; laß deinen Frieden uns umschweben, wenn unser Herz im Tode bricht! 25 Bitterl. Gsb. Mel. Valet will ich dir. 49. In rauher Felsenhöhle ist Gott der Wieder⸗ hall; im Ton der kleinen Kehle Gesang der Nachtigall. Er ist's, der in der Klage mein Herz zum Mitleid rührt, und in der Andacht Chören es auf zum Ew'gen führt. 2. Merk' auf, o Mensch, und höre der Schöpfung heilig Lied, das Seelen fest an Seelen, zu Herzen, Herzen zieht. In ein Gefühl ver⸗ schlungen, sind wir ein ewig All! in einem Ton verklungen, der Gottheit Wiederhall! Mel. Wie groß ist des Allmächtigen. 50. Die fernen Flöten hör' ich schallen, der Feierhymnus wogt darein; es wälzt sich zu des Tempels Hallen des Volkes Strom im Morgenschein. Aus Allem, was der Tag vollendet, spricht göttlich hoch ein ew'ger Sinn, und meine Seele stürzt, geblendet, vor dieses Reichtums Fülle hin. 2. O du, den ich zu nennen zage, du ew'ger Geist, deß reines Licht noch durch den Dunst der Göttersage in tausend Farben spielend bricht; den sie in tausend Bildern ehren, und dem doch nie ein Bildnis glich, du, den ich nimmer kann ent⸗ behren, du, Einziger, wie fass' ich dich! Herder. CIN MX „ꝗEj 31 3. Im Weltall sucht' ich ohn' Ermatten, dich zu ergründen voll und ganz; doch Nachts verhüllst du dich im Schatten und birgst am Tage dich im Glanz. Und wenn das Morgenrot mich weckte, und, überglüht, aus meinem Traum die Hand ich tastend darnach streckte: es war nur deines Kleides Saum. 4. Wohl ruft der Donner deinen Namen; wohl zeigt der Blitz uns deine Spur; doch, ob sie, deine Boten, kamen, sie bringen halbe Kunde nur. O, was von dir die Dinge stammeln mit dunklem Deuten fort und fort, wirst du's, Er⸗ habner, nie versammeln in ein lebendig klares Wort? ö 5. Wird nie dein liebender Gedanke, voll Wehmut über unser Leid, herab sich neigen in die Schranke der sehnsuchtbangen Sterblichkeit? Wirst nie dein blendend Licht du lassen, dich nah und menschlich kund zu tun, daß wir mit Armen dich umfassen und fromm an deinem Busen ruh'n? 6. Ach, tief in meiner Seele Grunde, da schläft ein Ahnen wundervoll: der Lauf der Zeiten bringt die Stunde, da solches Heil geschehen soll. O selig, denen du dein Wesen dann sichtbar hold entgegensenkst, die du zu himmlischem Genesen aus deines Lebens Adern tränkst! 7. Dann wird der Baum der Menschheit grünen, dann werden ihren alten Zwist der Himmel und die Erde sühnen durch den, der beider teilhaft ist. Ein sanftes Leuchten wird durchdringen des Schicksals unverstand'ne Pein; das Leben wird den Tod verschlingen, und ein Gesetz der Liebe sein. Emanuel Geibel. Mel. Wie schön leucht' uns. 51. Der Weltkreis ist voll Geist des Herrn; er wirkt und schaffet nah und fern in Tiefen und in Höhen. Der Sterne zahlenloses Heer und alle Räume, Land und Meer erfüllt sein mächtig Wehen. Hört ihn! fühlt ihn! Aller Weiten, aller Zeiten ew'ges Leben ist des Gottes⸗ geistes Weben. 2. Er weht: und Alles grünt und blüht. Er weht: und Himmelsfeuer glüht in gottverwandten Herzen! Er weht: aus Irrtums Nächten bricht der Wahrheit sonnenhelles Licht, und Sieg aus Todesschmerzen. Seht ihn! fühlt ihn! hört ihn draußen wehn und brausen; fühlt ihn innen in begeistrungsvollem Sinnen. ů Neuhof. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen. 52. Der du in Myriaden Welten, allmächt' ger Schöpfer, kund dich gibst, als Heil'ger waltest im Vergelten, als Vater alle Wesen liebst; dich schau'n wir in der Weltgeschichte lebendig waltend licht und klar, durch dich wird sie zum Weltgerichte, durch dies wirst du uns offenbar. 2. In aller Nacht hat doch zum Licht nur die Menschheit stets durch dich gestrebt, und, irrend selbst, nur nach der Richtschnur des ew'gen Gottes⸗ geist's gelebt! was da verwest, ward nur zum Staube, weil es zum Geist sich nicht erhob; und was da siegt, dem war's der Glaube an ihn, der Siegeskränze wob. . ger jer st; nd te, nur end tes⸗ zum und der 33 3. Ja, in der Menschheit Selbstentfaltung verkündigst du dich, ew'ger Geist, du, der in ihrer Selbsterhaltung als ihre Seele sich erweist! als ew'ges Recht, als ew'ge Wahrheit, in reinster Menschlichkeit allein erkennt in deiner vollen Klar⸗ heit die Menschheit, Gott, dein ew'ges Sein! Dul. Gsb. Mel. Gott des Himmels. 53. Durch der Seele Tiefen schallet des Ge⸗ wissens ernstes Wort, das bald leis, bald lauter hallet, unbestechlich fort und fort; wenn Versuchung mich umflicht, mahnt es mich an Kraft und Pflicht. 2. Wenn ich stark den Sieg errungen durch des Willens hehre Kraft, fühl' ich mich von Gott durchdrungen, der den Frieden in mir schafft; und den Himmel, froh bewußt, trag' ich in der eignen Brust. 3. Doch, wenn sich der Blick mir trübte, daß ihm Gottes Urbild schwand; wenn mich, da ich Böses übte, die Versuchung überwand, ruft mir das Gewissen zu:„Gott und dich verleugnest du!“ 4. Ew'ges Wesen, du unnennbar, unbegreiflich höchste Macht, ja, du redest unverkennbar durch's Gewissen, das da wacht; das da zeugt zu jeder Frist, daß du heilig, heilig bist! r Dul. Gsb. Mel. Wer ist der heil'ge. 54. Gewalt'ger Geist, der Leben schafft, all⸗ gegenwärt'ger Gott der Kraft, du bist in unsrer Mitte. Dir sind die Herzen aufgetan; du siehst des Dankes Schweigen an und hörst die stumme Bitte. N 2. Es schafft der Mensch sich Raum und Bahn; es spornt dein Geist ihn glühend an, daß er die Welt sich bilde. Such' er dich, oder such' er nicht, du schenkst ihm Leben, Luft und Licht und schirmst ihn mit dem Schilde. 3. So weit der Mensch gestrebt, geschwankt, dich aufgesucht und dir gedankt und ahnend dich gefeiert; so weit ein Traum des Denkers flog und wunderbare Kreise zog, hast du dich gern ent⸗ schleiert. 4. Mit Vaterliebe, gleich geweiht, mit gleicher Gunst zu jeder Zeit sahst du das Leben wogen; und hast nach tief verborg nem Rat an ihrem Streben, ihrer Tat die Menschheit dir erzogen. 5. Du hast der Menschheit es gewährt, daß sie geläutert und verklärt zu dir das Haupt er⸗ hoben; daß sie, beseelt vom heil'gen Drang, des Herzens knecht'sche Furcht bezwang, um liebend dich zu loben. Hessemer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 55. Denn trauernd durch der Wolken Hülle die inn're Lebenssonne scheint; wenn ein⸗ sam in verlass'ner Stille der Wehmut trübes Auge weint; was gibt, wenn alle Freuden schieden, die, ach! so heiß das Herz geliebt, o sage, was dem Herzen Frieden und Kraft dem müden Geiste gibt? 2. Sei mir gesegnet, Lichtgedanke, der grüßend an die Brust mir schlägt, mich durch des Raumes enge Schranke an's große Herz des Vaters trägt: daß auch in meines Lebens Kreise er heiligwaltend niedersteigt; daß er, der unbegreiflich weise, dem Fleh'n der Liebe treu sich neigt. n 35 3. Da, wo geführt von goldnem Strahle, im Riesenschritt Planeten geh'n; dort, wo am Bach im engen Tale der Demut stille Veilchen steh'n; wo nächtlich durch empörte Wogen das Donner⸗ wort des Sturmes braust, und wo, vom Blätter⸗ dach umzogen, des Frühlings kleiner Sänger haust! 4. Hier bist du, Gott, wie dort!— Ich sehe anbetend deines Waltens Spur; ich ahne deines Geistes Nͤähe im hehren Tempel der Natur. Du, der mit Tau die Rose feuchtet, das Würmchen speist, das Hälmchen tränkt, deß Lebenssonne Allen leuchtet, du fühlst auch, wenn mein Herz sich kränkt! 5. Der Sonnenheere Myriaden, der Wesen ungemess'ne Zahl, der Wandrer auf verlornen Pfaden, wie die Libell' im Sonnenstrahl,— sie alle ruh'n mit ihren Schmerzen an deiner großen Vaterbrust; du füllst mit Wonne tote Herzen und sättigst, was da lebt, mit Lust. 6. Auch mich, auch mich hast du erkoren und segnend an das Licht gebracht; ich irrte wankend und verloren, ein Blinder, durch die öde Nacht. Da nahm ein Genius von drüben mich an die fromme Liebeshand; das starre Herz begann zu lieben, und ach! die öde Nacht verschwand. 7. So rolle denn zum Oceane, du gold'ner Lebensstrom, hinab! ich steure mit dem kleinen Kahne durch Nacht und Sturm und Wogengrab. Der ew'ge Geist in lichter Höhe, der helle Leit⸗ stern läßt mich nicht. Getrost, mein Herz, getrost! — Ich sehe am Ziel der dunklen Reise— Licht! Dul. Gsb. 4* ————————— 56. D er große Astronom sprach: Alle Himmels⸗ flur hab' ich durchforscht und nicht ent⸗ deckt von Gott die Spur. 2. Hat er nicht recht gesagt? Bei Mond⸗ und Sonnenflecken, im Sternennebel dort, ist Gott nicht zu entdecken. 3. Des Sehrohrs Scharfblick sieht den Un⸗ sichtbaren nicht, den nicht berechnen kann Zahl, ö Größe, Maß, Gewicht. 4. Wer Gott will finden dort, der muß ihn 7 mit sich bringen; nur wenn er ist in dir, siehst du ihn in den Dingen. Rückert. —.— Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. s 57. Ein Mensch sein,— heiliger Gedanke, der mich zu dir, o Gott, erhebt! Ein freier Geist, der jeder Schranke der Körperwelt bewußt entschwebt; ein Geist aus dir, der dich kann denken, du Weltgeist, der das All beseelt! Ich kann den Flug des Willens lenken, der kühn das Ew'ge sich erwählt. 2. Du bist der Urquell alles Guten, ich bin die Welle, die da fließt. O wie der Strom der Lebensfluten aus dir sich segensreich ergießt. Du 7 bist das Licht, wir dessen Farben; es bleibt, drum tilgt die Nacht uns nicht; wenn ich, wenn meine Lieben starben,— wir strebten nur zurück f zum Licht. ö 3. Das ist mein Trost, mich dein zu wissen; durch Liebe, Ew'ger, bin ich dein! Dies Einheits⸗ band wird nie zerrissen; in dir, dem Geiste, bleibt mein Sein. So will ich freudig Mensch mich nennen, 37 und heilig achtend, wer so heißt, in Menschenwürde dich bekennen, ein freier Geist, dich, ew'ger Geist! Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 58. Du hast uns, Gott, Vernunft gegeben, die dich, o Ew'ger, Vater nennt, weil sie in Myriaden Leben dich als des Lebens Quell erkennt. Du gabst sie uns, dich zu erfassen als unsres Daseins heil'gen Kern; mag alles Ird'sche uns verblassen, sie leuchtet hell als Gottesstern. 2. O, daß wir als der Menschheit Krone sie heilig achten immerdar, wie sie an deinem reinsten Sohne der Gotterfülltheit Spiegel war. O, daß sie dich in uns verkläre, gleichwie der Meister dich verklärt. O, daß dich, Ew'ger, jeder ehre, wenn er der Menschheit Höchstes ehrt. 3. O Gotteslicht, mit deinen Flammen durch⸗ sprüh' des Wahnes Winternacht! O schmilz das Eisesjoch zusammen, das Menschen noch zu Knechten macht! Und endlich laß zum Gottesreiche die Erde wie im Lenz erblühn, in welchem Freie nur und Gleiche für eine Tat der Liebe glühn. Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 59. Der bin ich, daß mit kühnen Schwingen zum Herrn der Welt das Herz mich trägt? Daß, sich der Erde zu entringen, mein Geist die schwachen Flügel regt? Und muß ich doch zum Staub mich neigen in meines Herzens Wunder⸗ drang,— anbetend feiert ihn mein Schweigen, und meine Liebe wird Gesang. 2. Mein Lebensgang sei stiller Segen, der ungesehn hernieder fließt, der als ein linder 38 Sommerregen befruchtend Gottes Saat begießt. So will ich seine Spur betreten und freudig gehn auf seiner Bahn. Dann bet' ich ihn, wie Engel beten, im Geist und in der Wahrheit an. 3. Dem Herrn im Dienst der Pflicht gehören, der Menschen ungefärbter Freund, das Reich des Guten treulich mehren, allein der bösen Sache Feind; mit Huld in alle Kreise treten, doch un⸗ beflecket von der Welt,— ist mehr als Singen mehr als Beten, das ist ein Dienst, der Gott ge⸗ fällt. 4. O Herr der Welt, auch Seraphchöre sind Kindeslallen nur vor dir; ich selbst sei Tempel deiner Ehre, o mache Wohnung du in mir! Mein Wandel unter meinen Brüdern, mein unentweihter Lebensgang, das sei das Lied von meinen Liedern, das sei dir, Herr, ein Hochgesang! K. Georgi. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 60. Die nichtig wär' all unser Streben, ein irres Wandeln freudenleer, wenn, Gott, in dir nicht unser Leben, in dir nicht unsre Heimat wär'! Gleich einem ausgestoßnen Blinden, ach, wär' ich jedes Zufalls Spiel; ich wüßte keinen Weg zu finden und hätte nirgends wo ein Ziel. 2. Wohin ich suchend möchte gehen, verlassen wär' ich und allein; mich selber könnt' ich nicht verstehen, ein sinnlos Scheinbild nur im Schein. Ein dunkles Wirrsal von Geschicken umfing' mich ohne lichte Spur; aus meines eignen Kindes Blicken spräch' mir ein trostlos Rätsel nur. 3. In Gott! O, welche tiefe Wonne aus diesem sel'gen Klange spricht! Nun leuchtet erst des Himmels Sonne, nun wird die Erd' erst schön BISISSISC —————8—.—..—— —— r 6— — 39 und licht; nun wird mein Leben erst zum Leben, nun weiß ich erst, warum ich bin, und all mein Tun und all mein Streben hat nun erquickungs⸗ tiefen Sinn. 4. Allgegenwärtig ist der Eine, ich bin in ihm, wo ich auch sei; in seines Lichtes Wieder⸗ scheine heb' ich das Auge froh und frei; in ihm sind alle meine Tage, in ihm ist meiner Nächte Ruh', und Antwort gibt er jeder Frage, die ich an ihn von Herzen tu'. 5. In jedem Antlitz darf ich lesen, daß zum erhabensten Beruf den Menschen ein allliebend Wesen nach seinem Ebenbilde schuf; und aus der Sprache tiefem Segen, der Herzen bindet fort und fort, tönt mir der heil'ge Laut entgegen:„Ge⸗ denk', im Anfang war das Wort!“ 6. In Gott! Wir stammeln's nicht mit Zit⸗ tern, wir sind uns nicht wie Gras im Feld, das Morgens blühet und den Schnittern am Abend in die Sense fällt; verhallt ist des Entsetzens Stimme, die einst vom Sinai gebot und die mit schwer versöhntem Grimme noch Kind und Kindes⸗ kind bedroht. 7. Wir beten:„Vater! Unser Vater!“ Und, freundlich stets uns zugewandt reicht er, ein trösten⸗ der Berater, uns, wenn wir fehlten, seine Hand. Er hebt uns auf vom tiefsten Falle, strömt sel'ge Lust in Reueschmerz; als seine Kinder hat er Alle gelegt uns an sein Vaterherz. 8. So hat aus seiner Gnadenfülle er uns durch ihn gelehrt, durch ihn, der göttlich in der Menschenhülle zum Heil der bangen Welt erschien; der halberschloss'nem Ahnungstriebe erlösend seine 40 Fesseln brach, da er das Wort:„Gott ist die Liebe!“ das Wort des ew'gen Lebens sprach. 9. So sind wir brüderlich verbunden; wer lebt ist unsers Vaters Kind. O laßt uns ernst und treu bekunden, daß wir des Meisters Jünger sind! Verbinden wollt' er und nicht trennen; von seinem Zeugnis wich er nie; sein Leben war sein Wort:„Erkennen an ihren Früchten sollt ihr sie!“ 10. In Gott! Wir sind in Gott geborgen, ja, in der Liebe leben wir; all' unser Denken, Tun und Sorgen ist, ew'ge Lieb', in dir, in dir! Und wenn wir Staub zu Staube betten, uns schreckt nicht Grab und Todesgraus; wir wissen: „Viele Wohnungsstätten gibt es in meines Vaters Haus!“ 11. Er, der das All' in's Sein gerufen, ver⸗ gißt auch des Geringsten nicht; er führt auf ew'gen Geistesstufen uns allzumal von Licht zu Licht Wo wir auch schaun, wo wir auch streben, die Lieb' ist mit uns fort und fort; in Gott, in Gott ist unser Leben, und uns're Heimat hier und dort! Hammer. Mel. Allmächtiger, wir. 61. Im fernen Morgenlande möcht' ich als Pilger stehn, wo zwischen glüh'ndem Sande die heil'gen Ströme gehn; wo sanft die Palmen rauschen in mahnungsvollem Sang, da möcht ich stehn und lauschen wohl Tage, Nächte lang. 2. Dort, wo zur nächt'gen Stunde die Welt erhaben schweigt, der Mond in seiner Runde hoch bis zum Scheitel steigt; dort wo beim Glanz der Sterne die Luft balsamisch taut, wird aus der Zeiten Ferne wohl manche Stimme laut. 41 3. Dort möcht' ich stehn und fragen nach jener grauen Zeit, nach jenen alten Tagen der Gottvertraulichkeit, da dort in härnem Kleide das Volk der Hirten ging, und fromm auf jeder Weide zu Gast den Herrn empfing. 4. Dort möcht' ich stehn und fragen nach jener andern Zeit, da hoch ein Herz geschlagen in Lieb' und Menschlichkeit, das uns zerbrach die Schranken der Knechtschaft und der Schmach, und große Weltgedanken für alle Völker sprach. 5. Zum dritten möcht' ich fragen nach jener Zeiten Wert, als in des Islam Tagen dort pre⸗ digte das Schwert, als streng und gottbegeistert, in stolzer Traurigkeit, Arabien gemeistert der Christen wüsten Streit. 6. Dies Alles möcht' ich fragen in heißem Seelendrang, wie dort der Quell von Sagen von Gott und Welt entsprang, so daß in ihnen allen sich Eines offenbart, nach Gottes Wohlgefallen in mannigfacher Art. 17 7. In diesen langen Zeiten durch jedes Wechselspiel sehn wir den Menschen schreiten nach einem hohen Ziel, bald jubelvoll erhoben, in Andacht ganz entzückt, bald in den schwersten Proben tief in den Staub gedrückt. 8. Doch immer ist es Eines, das Alles tief durchdringt, wie viel auch stets Gemeines und Schlechtes es umschlingt, und immer ist's der gleiche, derselbe rege Geist, der uns zu Gottes Reiche die Wege suchen heißt. 9. Wie seltsam man in Taten auch um den Himmel warb; wie dann geschmäht, verraten, am Kreuz der Beste starb; durch Schlachten und Ge⸗ fahren, durch Haß und schroffen Hohn läßt Eines sich gewahren:— der Geist der Religion! 10. Er ist die Kraft der Kräfte, voll gött⸗ licher Gewalt, durch alle Weltgeschäfte des Men⸗ schen stärkster Halt; er ist es, der frohlocken und stummes Dulden lehrt und stets sich unerschrocken durch Druck und Qual vermehrt. 11. Er ist's, der alles Große in unsrer Seele webt; der uns zum schönsten Loose, die Kraft zur Tat belebt. Wir bilden, wirken, bauen, von ihm beseelt, voran; und alle Tempel schauen uns gottgemaynend an. 12. Die Wahrheit suchen Alle und Gott ist überall, in jeder Tempelhalle, in jedes Wortes Schall. O mach', daß unsre Erde, du Geist der Religion, zum Gottesreiche werde, der Friede auf ihr wohn'! Hessemer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 62. To blüht das Glück? Wo grünt der Frieden, wonach die Seele heiß begehrt? Wo ist der Himmel schon hienieden? Wo weicht von dir, was dich beschwert? O steig' empor zur Tabor⸗ höhe, auf daß du atmest froh und frei; daß dich der Gottesgeist umwehe und ihm dein Herz geöffnet sei. 2. Getragen von der Andacht Schwingen, begrüßt von stiller Einsamkeit, so magst du wohl zur Höhe dringen, zum Geist, der dich verklärt und weiht. Und was dir lieb und wert auf Erden, es folgt dir treu und bleibt dir nah; auch ihm soll frohe Kunde werden durch ihn, den noch kein Auge sah. ——597—2——7* ——7— 1 VöyI 43 3. Der Vorwelt hehre Lichtgestalten, dein Auge schaut sie wunderbar; ihr segensreiches Liebe⸗ walten und ihre Weisheit wird dir klar. Sie künden dir den Sieg des Guten; sie wecken in dir neuen Mut. Die Edlen, die für Wahrheit bluten, sie alle stehn in Gottes Hut. 4. Und ist auch dir dein Werk gelungen, und hast du deine Pflicht getan; hast du für's Rechte kühn gerungen, ob Menschen es auch nimmer sah'n, — aus goldnen Wolken steiget nieder wie Himmels⸗ tau der Taten Lohn: dem Herzen kehrt der Frie⸗ den wieder; du fühlst, daß du der Gottheit Sohn! Karl Kerbler. 3. Jesus. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 63. Sie streiten seit viel hundert Jahren, ob du je anfingst oder nie, ob du zum Himmel aufgefahren, doch ach! dein Werk vergessen sie. Sie klammern sich an deine Wiege, an deinen Kreuzesstamm und Tod; sie färben deine edlen Züge mit deinem Blute düster rot. 2. Doch Wen'ge streben, dir zu gleichen; zu tun, was du als Mensch getan. Die Wunder preisen sie, die Zeichen, die Selbstsucht geht die alte Bahn. Es will mir fast das Herz verbrennen, seh ich, o du, der Menschheit Licht, wie sie, die stets nach dir sich nennen, oft Alles sind— nur Menschen nicht.— 64. Das hat denn Christus Neues uns gebracht, das nicht schon längst zu sehn, zu hören war? Das Sokrates und Plato nicht gedacht und ausgesprochen, wenn auch minder klar? 2. Ihr Toren! Ist das Göttliche ein Ding, das plötzlich fertig uns vom Himmel fällt? Und das der Erste, der vorüberging, aufliest und zeigt der dummerstaunten Welt? 3. Nein, schon im ersten Menschen war es ganz, ein Keim. Geschlecht enthüllt ihn um Geschlecht. Ward aus der dunkeln Knospe Blütenglanz, ruft ihr dann auch:„Das ist nichts Neues 24— Sprecht! — 4. Es ist nichts Neues. In der Knospe war, was jetzt die Blüte nur entfaltet treu. Doch in der Blüte nur ward's offenbar, und in der Offen⸗ barung ward es neu. Sallet. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 65. Hoch steht dein Tempel unvollendet; die Deinen, Heiland, bauten nicht. Da hast du neu dein Wort gesendet, und in der Nacht wird's endlich Licht. Vom Aufgang und vom Abend schweben uns Tauben mit dem Oelblatt zu; dein Wort ist jedem Volk gegeben, und mit dem Worte siegest du! 2. Du siehst auf fernen Pilgerwegen im Kampfe deine Boten stehn; o jedem einen eignen Segen gewähre heut auf unser Flehn. Und wo auf diesem Erdenrunde einsam der Tränensame fällt, da rausche bald zur guten Stunde ein volles, reiches Aehrenfeld. 3. Weck' überall in der Gemeine den Zeugen⸗ mut, die starke Treu'! Der Liebe großes Werk vereine Getrenntes und Zerrissnes neu. Auch unter uns hast du gesäet ein Senfkorn, noch entsprossen kaum; doch wo dein Lebensodem wehet, da wächst der Keim wohl schnell zum Baum. 4. Vollende, Herr, dein Werk auf Erden! geuß aus in Strömen deinen Geist! Laß feiern deine Menschenherden das Pfingstfest, das dein Wort verheißt. Der Liebe reines Band umschlinge die Herzen alle, fern und nah, und die erlöste Menschheit singe dir jubelnd ihr Hallelujah! Lieder einer Verborgenen. 46 Mel. Wer nur den lieben Gott. 66. Nuf Erden Wahrheit auszubreiten, die Wahrheit, die vom Himmel stammt, und uns zum ew'gen Glück zu leiten, das Herz zu Gottes Lieb' entflammt, dazu erschienst du, Jesus, hier, von Gott gesandt zum Heil auch mir. 2. Fürwahr noch immer ist das Leben, das du auf Erden hast geführt, ein Segen, den uns Gott gegeben, dafür ihm ew'ger Dank gebührt, ein Segen, dessen auch mein Geist sich freut, und dich Erlöser preist. 3. Ja Preis sei dir, du bester Lehrer, auch mir zum Heil von Gott gesandt, o würde Jeder dein Verehrer, der deinen Wert noch nie erkannt! Gib daß ich deiner Wahrheit treu und durch sie ewig selig sei. Koppe. Mel. Mir nach, spricht Christus. 67. Decch hohes Beispiel gabst du mir, o Meister, durch dein Leben! Sollt' ich mit heil'ger Sehnsucht dir nicht nachzufolgen streben? nicht geh'n den Weg, den du betratst, nicht freudig tun, so wie du tatst? 2. Dein Herz, von Sünden nie entweiht, war rein, wie deine Lehre, dein ganzer Wandel Heilig⸗ keit, dein Streben Gottes Ehre. Du gabst mit festem, edlem Sinn dich für das Wohl der Mensch⸗ heit hin. 3. Der Kummervollen Trost zu sein, zu wehren jedem Leide, stets wohlzutun und zu er⸗ freun, war deine Sorg' und Freude; und eines jeden Menschen Schmerz durchdrang dein liebevolles Herz. E-——— —————————— 47 4. Du trugst mit Sanftmut und mit Huld die Schwachheit deiner Freunde; mit Sündern hattest du Geduld, und batest für die Feinde; für Wahrheit littest du den Tod, und ehrtest noch im Tode Gott. 5. O du, der Menschheit Zier und Bild, möcht' ich dir immer gleichen; von Wahrheit, Tugend, wenn es gilt, im Tode selbst nicht weichen; möcht' ich im Leben wie im Tod, gleich dir, treu bleiben meinem Gott. Weiße. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 68. Du sprachst das ew'ge Wort des Lebens, das durch Jahrtausende ertönt, das Lo⸗ sungswort des Menschheitstrebens, das Wort der Liebe, die versöhnt; das Wort des Glaubens, der uns weihet; das Wort der Hoffnung, die erhebt; das Wort der Wahrheit, die befreiet, das Wort der Freiheit, die belebt. 2. Der Schiffer hört es in dem Sturme, die Mutter an des Kindes Grab, wie der Gefang'ne tief im Turme, der Flüchtling mit dem Bettelstab; es hört's, wer festen Schritts entgegen dem Tode eilt für Licht und Recht; er hört, wie der Er⸗ lösung Segen umrauscht ein künftiges Geschlecht! 3. Es hört dein Wort die Schar der Helden, wenn sie der Uebermacht erliegt; ein sterbend Volk will's andern melden, daß die Erlösung dennoch siegt! Ob Schwerter dröhnen, Ketten klirren, und ob der Frevel triumphiert,— die Menschheit läßt sich nicht beirren, daß sie der Freiheit teilhaft wird. 4. Den Völkern nimmst du treu die Bürde vom Nacken, und ihr Joch zerbricht; denn dein 48 Wort ist die Menschenwürde, das jedes Volk einst freudig spricht; dein Wort wird weltbefreiend richten, es ruft das Recht zum Aufersteh'n! Du wirst den Völkermord vernichten, und dann nur wird dein Banner weh'n! 5. O, laß um dich sie all' sich scharen, die Völker, die der Wahn getrennt, die durch die Knechtschaft Feinde waren, daß jedes, frei, nur Freie kennt! In Freiheit führe sie zusammen, du Völkerheiland, Friedensheld und in der Liebe heil'gen Flammen verjünge die erlöste Welt! Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 69. Mit Menschen bist du hier gewandelt, voll Heiligkeit in sel'ger Huld; und als sie feindlich dich behandelt, blieb dir am Kreuze selbst Geduld. Du hast durch Taten und Gebote ge⸗ spendet eine goldne Saat; allein im Leben und im Tode empfing dich doppelter Verrat. 2. Du wolltest trösten, die da leiden, zur Hilfe Jeglichem bereit. Doch meisterte nach deinem Scheiden dich eine blinde Frömmigkeit. Sie ward dein schlimmerer Verräter, entstellte dich durch Schmuck und Zier, und machte dich zum Wunder⸗ täter, als wären Wunder nötig dir. 3. Durch eigne Heiligung zu heilen, was matt und krank ist im Gemüt, dies uns als Richtschnur mitzuteilen, warst du begeistert und erglüht. Doch was im innern freien Walten uns bringen sollte Glück und Heil, das trat in äußere Gestalten und ward der Herrschbegierde feil. TITIX& 4—.—.+2·2„„— 49 4. Daß uns dein Beispiel Heil verkünde, warst du voll Innigkeit bedacht. Allein zum Opferlamm der Sünde hat dich die Priesterschaft gemacht. Zu Gottes Läst'rung auserlesen galt nun dein Blut als Sühnungstrank, und um dein tiefverkanntes Wesen entbrannte blut'ger Glaubenszank. 5. Als dir am Kreuz der Tod erschienen, noch konnten nicht die Frevler ruhn; doch du?„Ver⸗ gib, o Vater ihnen, sie wissen nicht, was sie da tun!“ So sprach dein Herz, und dies zu sagen, dies Wort der Lieb' in Angst und Qual, wie nötig bis zu diesen Tagen wär' es gewesen tausendmal. 6. So war verkannt, entstellt, zerrüttet dein Wesen bis auf jedes Wort; der Quell des Heils war uns verschüttet, und floß nur still geborgen fort. Uns trat er endlich rein entgegen, voll reicher Labung, frisch und mild, daß du für uns der höchste Segen, der Heiland bist, das Musterbild. Hessemer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 70. Du fühltest, Herr, in deinem Herzen der ganzen Menschheit Sehnsuchtsdrang; o du empfand'st all' ihre Schmerzen, wenn nach Er⸗ lösung heiß sie rang. Von Selbstsucht lag sie hart gebunden, Versöhnung suchte sie und Licht; und nimmer ward das Wort gefunden, das ihre Ketten stark zerbricht. 2. Da rauschte, Herr, der Gottheit Quelle in deiner Brust; in dir ertönt war jenes Wort, das morgenhelle, das durch die Lieb' die Welt ver⸗ söhnt; das Wort, das heil'ge, das befreiet, das Wort der Wahrheit ward dir kund; das Wort, 39 50 das neu die Menschheit weihet, zum freien, ew'gen Bruderbund. 3. Nun konnten alle Blinden sehen, des Geistes Tag, er brach ja an; den Tauben war im Frühlingswehen das Weltverständnis aufgetan. Nun schritten, die an Krücken gingen, aufrecht ein⸗ her als rüst'ge Schar; die Zungen, die das Wort empfingen, sie machten's herrlich offenbar. 4. Nun soll kein Gottessohn mehr schweigen, wenn Gottes Stimme in ihm spricht; und Gottes⸗ würde will sich zeigen auf jedem Menschenangesicht. Nicht Herr und Knecht, nur Brüder reichen die Hände sich zum Liebesbund, und den Erlösten, Freien, Gleichen wird ein Recht nur, das ew'ge, kund. 5.„Mir nach!“ so riefst du, hehrer Meister, „das Höchste steht noch aus, die Tat! Ihr gott⸗ erfüllten, edlen Geister, sie blüht durch euch aus meiner Saat. Es wächst aus meinem Liebestode das Leben, das den Tod bezwingt, das siegreich als Erlösungsbote von einem Volk zum andern dringt!“ 6. Ja, Herr, du hast gesiegt! Errungen hast du der Menschheit Sieg zugleich; denn gottent⸗ stammt und gottdurchdrungen ward sie durch dich zum Gottesreich. Dir nach! Uns winkt in deinen Händen das Siegesbanner hehr und rein! Auf, die Erlösung zu vollenden! Du wirst im Geiste mit uns sein! Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 71. 0 sucht ihn nicht im Gottheitsglanze, den Meister, auf dem Weltenthron! Er steht ja, mit dem Dornenkranze gekrönt, bei euch der Menschensohn! Fühlt ihr nicht seines Herzens ———79. 22—9——.— — — ⏑&(— 7 i e 51 Schläge? Nicht seines Odems milden Hauch? ein Bruder zeigt er euch die Wege zum Vater, und nun folget auch. 2. O seht nur seines Auges Leuchten! Er⸗ faßt's nur recht; es blendet nicht. O seht dasselbe Aug' sich feuchten von Tränen, wenn euch was gebricht. All', was ihr fühlen könnt an Schmerzen, All', was ihr fühlen könnt an Lust, er fühlt's im reinsten Menschenherzen; sein Himmel, seht, ist seine Brust. 3. Seht ihn inmitten eurer Kinder, er ruft sie mild zu sich heran. Noch heute winkt er Trost dem Sünder, so wie er's jenem Weib getan. Er nennt sich Gottes Sohn und nennet auch euch so, die er beten lehrt zum Vater, der euch alle kennet und allen gleiche Lieb' gewährt. 4. Noch heute findet ihr die Stätte, wo unser Meister gerne weilt, an eines Kindes Sterbebette, wo er der Eltern Kummer teilt. Noch heute seht ihr, wie er Blinden das Aug' zu vollem Schau'n erschließt; wie er mit jenen, die ihn finden, das heil'ge Liebesmahl genießt. 5. Geht hin und sucht ihn an dem Grabe; er ruft euch zu:„das Grab ist leer; was auch der Staub empfangen habe,— der Geist lebt ewig, rein und hehr! Der Haß ist Nacht! Hell muß es tagen; wacht, Brüder, auf vom schweren Traum! Die Wahrheit werd' an's Kreuz geschlagen: sie macht das Kreuz zum Lebensbaum!“ 6. O hört den Ruf! Er klingt so süße, wie Brüdern klingt beim Wiedersehn der holde Laut der ersten Grüße; o wollt nur seinen Ruf verstehn! Er sprach ja einst:„Ich bin der Dritte, wo zwei 5* 52 versammelt um mich her! So nehmt ihn auf in eure Mitte; er geht von euch gewiß nicht mehr. Dul. Gsb. Mel. Valet will ich dir geben. 72. Der ist das hohe Wesen in armer Knechts⸗ gestalt, das, Lieb' und Treue suchend, an uns vorüberwallt? Aus seinen Blicken leuchtet der Liebe sel'ges Bild; sein Arm ist Jedem offen, sein Gruß so wundermild. 2. Doch viele sehn ihn nahen in seiner Herr⸗ lichkeit, und wollen ihm nicht trauen und bleiben fern und weit; und ihre Brust, so trübe, ver⸗ schmäht des Lebens Licht; sie müh'n sich ab und finden den sichern Hafen nicht. 3. Sie haben ihn vergessen und seine Freund⸗ lichkeit, wie viel er uns gegeben, wovon er uns befreit; daß er für uns gefühlet des tiefsten Schmerzes Pfeil, daß er den Tod erduldet für unsrer Seelen Heil. L. Knack. Mel. Welche Tiefen, welche. 78. Nch, wo strömt der Born des Lebens, der ins ew'ge Leben quillt, wert des edelsten Bestrebens, das des Menschen Sehnen stillt? Ach, aus welcher Sonne quillet uns das reine Gottes⸗ licht, das die Nacht, die uns umhüllet, und ihr Grauen macht zunicht. 2. Ach, wo zeiget sich zum Frieden und zur Freiheit offne Bahn, daß ein irrend Herz hienieden Ruh' und Rettung finden kann? Ach, wo schließt im Todestale sich die Ewigkeit uns auf, daß die Seel' in Gottes Strahle froh vollende ihren Lauf? 53 3. Seele, frage nicht vergebens! Sieh', aus Jesu Lehre quillt alle Fülle wahren Lebens, die dein Sehnen herrlich stillt. Irrst hienieden du im dunkeln, suchst du reiner Wahrheit Licht, sieh', wie ihre Strahlen funkeln dir im Wort, das Jesus spricht. 4. Daß ein irrend Herz hienieden Frieden hoffen könnt' und Ruh', rief der Meister seinen Frieden noch vom Kreuz der Menschheit zu. Ward sein Wort oft tief verhüllet in der Satzung finstrer Gruft, neu ersteht's, es wird erfüllet, wenn's der Geist zum Leben ruft! Dul. Gsb. Mel. Vom Himmel hoch. 74⁴4. O ist dein Geist, du ew'ges Wort? In usern Seelen lebt er fort; du kennest sie, sie einen sich im Geist der Liebe froh um dich. 2. Was aus des Geistes Tiefen quillt, was uns den Durst der Seele stillt, das wogt, ein heil'ges Liebesmeer, aus deiner Fülle zu uns her. 3. Du hast durch deines Geistes Kraft der Wahrheit ew'gen Sieg verschafft; hast das ver⸗ lor'ne Gottesbild an Bruderseelen neu enthüllt. 4. Du reich an Lieb', ein Menschenherz, ver⸗ standest auch des Armen Schmerz; den Sünder selber führst du dem göttlichen Erbarmen zu. 5. Dein ist der Geist, der in uns lebt, dein ist der Trost, der uns erhebt, dein ist die ew'ge Gotteskraft, die Sieg und Heil auch uns verschafft. Dul Gsb. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 75. Du bist das Licht von Gott gesendet, dein ö Wort ist wie die Sonne klar; und wer sich dem hat zugewendet, der wird erleuchtet wunder⸗ bar. Du Licht aus Gott, ich bitte dich, erleuchte mich, erleuchte mich! 2. Du bist die Macht, du bist die Stärke, der Grundstein in dem Bau der Welt, die Kraft zu jedem guten Werke, der Fels, auf den das Werk gestellt. Du starker Held, ich bitte dich, mit deiner Kraft durchdringe mich! ö 3. Du bist die Liebe, die getragen der sünd'gen Menschheit Schuld und Not, die Liebe, die, an's Kreuz geschlagen, mit Freuden starb den Opfer⸗ tod. Du Liebesfürst, ich bitte dich, zu deiner Lieb entflamme mich! 4. Du bist der Quell des ew'gen Lebens, den Gott uns offenbar gemacht, und wen du tränkst, den schreckt vergebens der Sünde und des Grabes Nacht. Du Lebensquell ich bitte dich, in meinen Geist ergieße mich! 5. Du bist die Schönheit, die Vollendung, in der sich Gottes Bild erschloß, als er in liebender Verschwendung des Geistes Fülle auf dich goß. Abglanz von Gott, ich bitte dich, in deinem Geist verkläre mich! J. Sturm. Mel. Allmächtiger, wir. 76.„Kommt Alle, die ihr müde, beladen und bedrückt, nach Ruhe, Glück und Friede um⸗ sonst umher geblickt! Kommt, ich will euch erquicken, ich will euch Trost verleihn! O saugt aus meinen Blicken der Liebe Fülle ein.“ 55 2. Und habt ihr ihn vernommen, und habt ihr ihn geschaut, wie zögert ihr, zu kommen auf solchen Liebeslaut? O, hin in seine Arme, an seine treue Brust, daß unser Herz erwarme in seines Anschau'ns Lust. 3. Wo ist ein Freund, der reiner die Mensch⸗ heit je geliebt? O keiner, auch nicht einer hat solche Treu geübt! Er will die Wunden heilen, die uns das Leben gab, will milden Trost erteilen, nimmt unsre Lasten ab. 4. Ihm sind sie nicht verborgen, die Leiden der Natur; er kennt wohl alle Sorgen, die je ein Herz erfuhr. Er trocknet wohl die Tränen, die Demut vor ihm weint; er stillet wohl das Sehnen, das seine Liebe meint. 5. Kommt! Seines Grußes Segen ist Friede; Friede sprießt auf allen unsern Wegen, wenn er uns Führer ist. Kommt, und des Glückes Trümmer laßt leicht und froh zurück für einen sel'gen Schimmer des Trost's aus seinem Blick. Dul. Gsb. Mel. Herzliebster Jesu. 77. O aß deinen Geist mich stets, o Jesu, lehren, das Opfer deiner Liebe so zu ehren, daß ich getreu in dem Beruf der Liebe mich menschlich übe. 2. Für welche du dein Leben selbst gelassen, wie könnt' ich sie, die meine Brüder, hassen? Dein Beispiel lehrt, wenn sie mich niedertreten, für sie noch beten. 3. So will ich denn nicht Haß mit Haß ver⸗ gelten, wenn man mich schilt nicht rächend wieder 56 schelten, du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder, schalt'st auch nicht wieder. 4. Ein liebend Herz gleich deinem edlen Herzen, dies sei der Dank für deines Todes Schmerzen, und Gott gibt Mut und Kraft, in deinem Namen dir nachzuahmen. Christian Fürchtegott Gellert. Mel. Befiehl du deine Wege. 78. V du, der bis zum Tode am Kreuz auch uns geliebt, der bis zum Tode Treue bei Schmerz und Hohn geübt; wir nah'n voll heil'ger Andacht zu deinem Todesmahl, gedenken deiner Liebe, gedenken deiner Qual. 2. Wir fühlen deine Liebe, o Jesus, heut auf's Neu', empfinden ganz, wie selig dein treuer Jünger sei. Das Bild von deinem Leben erneut sich unserm Blick; wir sehn auf unsre Schwächen mit Scham und Reu' zurück. 3. Mit fester Treue hange das Herz an unsrer Pflicht. Es frag' im Kampf der Tugend nach Lust und Schmerzen nicht. So standhaft, wie du kämpftest, sei unsrer Tugend Streit; so herr⸗ lich, wie du siegtest, der Sieg, der uns erfreut. Niemeyer. 4. Feiertage und Ffestzeiten. (Sonntag, Ceidenszeit und Ostern, Pfingsten, Erntefest, Reformationsfest und Gemeinde⸗ Stiftungsfest, Weihnachten, Jahresschluß und Neujahr, Jahres⸗ und Tageszeiten.) Sonntag. Chorgesang. 79. Das ist der Tag des Herrn! Ich bin allein auf weiter Flur, noch eine Morgen⸗ glocke nur,— nun stille nah und fern. Anbetend knie ich hier. O süßes Grau'n, geheimes Weh'n! Als knieten Viele ungesehn und beteten mit mir. Der Himmel nah und fern, er ist so klar und feierlich, so ganz, als wollt' er öffnen sich: das ist der Tag des Herrn. Uhland. Sonntagsmorgen im Walde. 80. Die reinigst du die Seele mir vom Staube, du blauer, goldbeschwingter Frühlingstag, es prangt die Welt im frisch verjüngten Laube, die Pfade blühn, wohin ich schreiten mag. Und sehnlich schallt der Ruf der wilden Taube und 58 lockt mich tief und tiefer in den Hag, bis um mich her, wo keine Spur mehr leitet, Waldein⸗ samkeit die grünen Schleier breitet. 2. O welch ein Duft hier, welch ein stilles Sprossen, das Veilchen grüßt, die Blume springt am Strauch, von fernen Türmen kommt Geläut geflossen und mischt sich in der Schöpfung Opfer⸗ rauch, und im gelinden Säuseln ausgegossen empfind' und ahn' ich reinsten Lebenshauch. Ich fühl's, ich hab' ein Heiligtum betreten, und all mein Wesen wird ein wortlos Beten. 3. Da spielt vom Geist, der einst in Feuer⸗ zungen herabfuhr, auch um meine Stirn ein Wehn, voll Ehrfurcht lern' ich, was mir fern geklungen, als zeitlich Kleid des Ewigen verstehn; Gedank und Andacht sind in eins verschlungen, wie Farben, die im reinen Licht vergehn, und meiner Brust ist jener Gottesfrieden, der kein Bekenntnis hat, noch braucht, beschieden. Emanuel Geibel. jesu eiden und Tod(Karfreitag). Chorgesang. 8¹. Dunderbarer Sieger du! In Gethsemane, dem stillen, beugst du dich des Höchsten Willen; über bangen Seelenschmerz siegt dein gottergebnes Herz. 2. Wunderbarer Sieger du! In den Ketten vor Gerichte machst die Heuchler du zunichte; über Trug und Leidenschaft siegt der Wahrheit stille Kraft. 3. Wunderbarer Sieger du! Golgatha, die Sterbensstätte, glänzt wie Lebens⸗Morgenröte; über Haß und Rachelust siegt die lieberfüllte Brust. Sprüling. en 59 Mel. Allmächtiger, wir. 82. 0 seht das Recht gebeuget, entweiht das Richteramt, dort, wo die Lüge zeuget, die Bosheit froh verdammt! Von Lästerern um⸗ geben, steht vor dem hohen Rat der Heil'ge, dessen Leben rein war in Wort und Tat. 2. Entweihet ist die Stätte, geschändet das Gericht, in dem man Jesum schmähte; doch seine Unschuld nicht. Er schweigt; es tat sein Schweigen, und selbst der Lästrer Mund, die wider ihn dort zeugen, laut seine Unschuld kund. 3. Doch eilen sie, die Frechen, die längst schon ihn gehaßt, das Arteil ihm zu sprechen; ihr Ratschluß ist gefaßt. Die Unschuld zu verdammen, beschließet ihre Wut; denn ihrer Rachsucht Flam⸗ men, löscht nur der Unschuld Blut. 4. O würde nie mit Ränken der Ungerech⸗ tigkeit, der Unschuld Recht zu kränken, ein Richter⸗ stuhl entweiht! Es sitz' an heil'gem Orte das Recht nur zu Gericht; es wach' auch über Worte der Wahrheit strenge Pflicht. 5. O möchten Lästerungen die Unschuld nie bedroh'n; und sprächen falsche Zungen doch nie dem Rechte Hohn! Mein Mund soll niemals trügen; ich will, von Falschheit rein, Herr, stets ein Feind der Lügen, ein Freund der Wahrheit sein. 6. Auch will ich nicht vergelten, wenn ich gescholten werd'; nicht zornig wieder schelten: so hast du mich gelehrt. Das Böse will ich meiden; und muß ich, ohne Schuld, doch Lästerung erleiden, so schweig ich in Geduld. 60 Mel. Gott ist mein Lied. 88. Du bist mein Lied, o Todesheld der Liebe, du milder Leitstern meiner bessern Triebe, du selbst ein nie verklingend Lied! 2. Wie Harfenton, erzeugt vom Spiel der Lüfte, fort wallt der Geist, birgt auch das Reich der Grüfte längst deinen Leib, o Menschensohn; 3. Noch seh ich dich: die Stirne lichtumflossen, und unterm Dornkranz Himmelsblumen sprossen; im Auge regt die Träne sich. 4. Sie ist mein Lied! Sie gilt nicht eig'nen Schmerzen, steigt, eine Perle, aus dem reinsten Herzen, das je für Menschenwohl geglüht. 5. So seh' ich dich, wie sie zum Kreuz dich leiten: trüb' schwimmt dein Aug' und schweift in fernen Weiten; wehmüt'gen Lächelns grüßt es mich. 6.„Ich geh' zum Tod, doch“— sprichst du —„komm' ich wieder!“ Du kamst und starbst im Leibe jüng'rer Brüder noch oft für's künft'ge Morgenrot. 7. Noch oft, noch oft! Und dennoch will's nicht tagen?— Die Morgenröte kommt mit leisem Zagen; sie bringt den Tag, den du erhofft. 8. Sie ist umhaucht vom Schimmer deines Blutes; sie ist erwärmt vom Strahle deines Mutes, in ew'gen Frieden eingetaucht. 9. Du bist mein Lied, du Todesheld der Liebe, du milder Leitstern meiner bessern Triebe, bis eine Menschen⸗Sonne glüht! J. Bösser. 61 Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 84. Die bist du, Heiland, mit der Krone der Leiden hoch und hehr geschmückt, dem Dornenkranz, den dir im Hohne der Frevel auf das Haupt gedrückt! Wie leuchtet hell aus deinem bleichen, blutüberströmten Angesicht, nur heller unter 2.— und Streichen hervor der Seele göttlich Licht! 2. In sanftem Schimmer durch die Nächte glänzt überschwänglich deine Huld; gelästert stehst du, der Gerechte, ein Lamm in schweigender Geduld. Es tobt um dich des Volks Getümmel, das laut nach deinem Blute schreit; du aber trägst in dir den Himmel voll Mut und Ruh' und Seligkeit. 3. Du klagest nicht, du duldest stille aus freier Liebe, göttlich groß, was über dich der heil'ge Wille, den du in dir erkannt, beschloß. In einen Kranz aus lichten Strahlen der innern Herrlichkeit zerfließt die Krone, die, zu herben Qualen be⸗ stimmt, dein edles Haupt umschließt. 4. Wohl Viele sieht man gierig rennen nach Kronen, wie aus Flittergold, drin falsche Edelsteine brennen, die Welt sie ihren Götzen zollt. Wohl flattern leicht gepflückte Kränze des Lorbeers Manchem um das Haupt, die, bald verwelkt im ird'schen Lenze, des Todes kalte Hand entlaubt. 5. Mich laß im dunklen Tal der Erden, wo Kampf und Seufzen stets ertönt, dir, hoher Meister, ähnlich werden, mit Dornen, gleich wie du, gekrönt. Das wilde Dorngestrüpp der Sünde reiß aus des Herzensgrunde ganz; durch der Entsagung Schmer⸗ zen winde sich um die Stirn ein Dornenkranz. FKFEIKEFEnsenenntyts‚rrr''e'FTFe'F''?FTFTJ— 62 6. Wenn langsam unter ihm die Hülle, die staubgeborne, sich verzehrt, dann bricht aus ihr in Kraft und Fülle der Geist, stets herrlicher verklärt, bis alle Dornen in der Krone ein Blick von deinem Angesicht aufglühen macht vor Gottes Throne in Strahlen, Herr, aus deinem Licht! Dul. Gsb. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 85. 0 Golgatha, zu deinen Höhen erheb' ich ehrfurchtsvoll mein Herz. Ich will den Menschheitshelden sehen in seines Opfertodes Schmerz; gedenkend seiner Todespein will ich mich ganz der Menschheit weih'n. 2. Wie herrlich scheidet der Gerechte, im Tod als Mensch aus Gott verklärt! Zwar leidet er den Tod der Knechte, von Frevlern noch am Kreuz entehrt; doch seines Mut's Erhabenheit bezeugt des Menschen Göttlichkeit. 3. Er fleht für die, die ihn verkannten, mit himmlischer Gelassenheit; bemerkt die traurigen Verwandten, und sorgt für sie voll Zärtlichkeit; spricht Frieden, Trost und Seelenruh den Kummer⸗ vollen liebend zu. 4. Stets freudig, Gottes heil'gen Willen, auch wenn er Leiden vor sich sah, durch Lehr' und Taten zu erfüllen, fühlt er sich nun dem Ziele nah; und Demut auf dem Angesicht, freut er sich der vollbrachten Pflicht. 5. Seht, wie er jetzt in jener Stunde, wo mancher Held nicht Fassung hielt, mit Gott im klarerkannten Bunde, dem Weltgeist seinen Geist empfiehlt, und uns'rer Seele hohen Wert durch dieses letzte Wort verklärt. E 63 6. So stirbt der Meister, seine Lehren von Tugend und Unsterblichkeit der Welt als göttlich zu bewähren! Er macht die Menschen all' bereit, der Wahrheit Zeugen treu zu sein, den Tod nicht für die Lieb' zu scheu'n. 7. Schon viele tausend Brüder schieden dir, Jesus, nach mit Freudigkeit; sie fühlten jenen heil'gen Frieden, den Gottbewußtsein nur verleiht. Das soll auch mir das Leben weih'n; so wird mein Tod wie deiner sein. Dul. Gsb. Mel. Wie schön leucht' uns der Morgenstern. 86. Es steht ein Kreuz auf Golgatha, in düstern Schauern steht es da, voll Schmach und Blut und Schrecken. Der„Juden König“, sagte man, der„Läst'rer Gottes“ muß daran den Kelch des Todes schmecken. Heilig, heilig, bist du Meister! Gute Geister sprechen Amen, preisen ewig deinen Namen. 2. Es steht ein Kreuz hoch über Rom im Sonnenglanz auf Peters Dom, und auf der Welt Altären. Der„Herrgott selber“ starb daran, so sagt die Welt und betet an, als ob sie Heiden wären. Wehe! Wehe! finst're Nächte, Wahnes Mächte, ach, sie kamen, zu entweihen deinen Namen. 3. Es steht ein Kreuz nun wieder heut im Morgenrot der neuen Zeit, mit Rosen froh um⸗ wunden. Dein Zeichen ist's, du Gottesheld, deß Geist die wahnbetörte Welt doch endlich über⸗ wunden. Heil mir! Preis dir! Führe wieder nun die Brüder; führ' die Feinde allversöhnend zur Gemeinde! Ed. Baltzer. 6⁴4 Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 87. 1Ihr habet nicht umsonst gestritten, ihr Märtyrer, für Recht und Licht! Ihr habet nicht umsonst gelitten, umsonst gestorben seid ihr nicht! Erprobt in Glut der Scheiterhaufen, die euch wie Morgenrot umweht, kommt ihr, mit Licht und Geist zu taufen jed' Volk, das eure Wege geht. 2. O schwebt um uns, ihr lichten Geister, kämpft uns voran im heil'gen Krieg! Du bist der Erste, hoher Meister, der du errangst den größten Sieg! O rüste uns mit jener Stärke des Mutes, welcher dich beseelt, daß er beim Welterlösungswerke, das wir vollenden, uns auch stählt! 3. Ihr ersten Christen, die mit Tieren das stolze Rom einst kämpfen ließ, das Leben wolltet ihr verlieren, ihr war't des ew'gen Sieg's gewiß. Die ihr in Folterqual bekanntet den Christus, der die Welt befreit,— dem Geist, den euren Herrn ihr nanntet, dem haben wir auch uns geweiht. 4. Ihr, die ihr in der Kirche Nächte der Wahrheit helle Fackel trugt, wohl hat der stolze Knecht der Knechte, dem Kön'ge dienten, euch ver⸗ flucht. Doch ob auch Flammen euch umhüllten, die Geister schwebten draus hervor; bald sprengten sie, die gotterfüllten, des Vatikanes eh'rnes Tor. 5. Die Wahrheit trug von Land zu Lande der Scheiterhaufen Funken fort; bald sprühten sie im neuen Brande, zur Tat entflammten sie das Wort. Das Wort der Freiheit, Tat geworden, erlösend schwebt es um die Welt, schafft Menschen Naus Barbarenhorden, und die Bastillen hat's zerschellt. 6⁵ 6. Wer ganz der Menschheit Dienst sich weihte, der lebt der Menschheit immerdar. So stehst auch du uns noch zur Seite, lebendig, edle Märt'rerschar! Ihr Weisen all', seit dem Athener, der ruhiggroß den Giftkelch trank, euch wird, ihr Menschlichkeits⸗ ersehner, der Menschheit Sieg dereinst zum Dank. 7. Und ihr, ihr göttlichen Gemüter, die ihr das Leben, stolz bewußt, hinopfernd für das Gut der Güter, die Speere drücktet in die Brust; ihr, aller Völker Freiheitshelden, ihr kämpft mit uns den letzten Krieg, und über unsern Leichen melden sollt ihr der Freiheit ew'gen Sieg! 8. Erstanden seid ihr von den Toten, die ihr das Leben ausgesä't; schon wächst empor im Menschheitsboden all' eure Saat: Humanität! In euch, in uns, im Guten, Wahren, schafft lebend fort der Gottestrieb; er will, er wird sich offen⸗ baren in Menschenwürde, Freiheit, Lieb'! Duller. Osterfeier. Chorgesang. Chor der Engel. 88. Christ ist erstanden! Freude den Sterblichen, die die verderblichen, schleichenden, erb— lichen Mängel umwanden. Chor der Frauen! Mit Spezereien hatten wir ihn gepflegt; wir, seine Treuen, hatten ihn hingelegt; Tücher und Binden reinlich umwanden wir; ach, und wir finden Christ nicht mehr hier! 66 Chor der Engel. Christ ist erstanden! Selig der Liebende, der die betrübende, heilsam' und übende Prüfung be⸗ standen! Chor der Jünger. Hat der Begrabene schon sich nach oben, lebend Erhabene, herrlich erhoben; ist er in Werdelust schaffender Freude nah:— ach, an der Erde Brust sind wir zum Leide da! Ließ er die Seinen schmach⸗ tend uns hier zurück: ach, wir beweinen, Meister, dein Glück! Chor der Engel. Christ ist erstanden aus der Verwesung Schoß! Reißet von Banden freudig euch los! Tätig ihn Preisenden, Liebe Beweisenden, brüderlich Speisen⸗ den, Wonne Verheißenden, euch ist der Meister nah, euch ist er da! Goethe. Mel. Alles ist an Gottes. 89. Ostern, Ostern, Frühlingswehen! Ostern, Ostern, Auferstehen aus der tiefen Grabes⸗ nacht; Blumen sollen fröhlich blühen, Herzen sollen himmlisch glühen, denn der Heiland ist erwacht! 2. Trotz euch, höllische Gewalten! Hättet ihn wohl gern behalten, der euch in den Abgrund zwang! Mochtet ihr das Leben binden? Aus des Todes düstern Gründen dringt hinan sein ew'ger Gang. 3. Der im Grabe lag gebunden, hat die Lüge überwunden, und der dunkle Kerker bricht. Frühling blühet auf der Erden; Frühling soll's im Herzen werden, herrschen soll das ew'ge Licht. 67 4. Alle Schranken sind entriegelt; alle Hoff⸗ nung ist besiegelt, und beflügelt jedes Herz; und es klagt bei Freundesleiche nimmermehr der kalte, bleiche, gottverlass'ne Heidenschmerz. Schenkendorf. Mel. Sollt ich meinen Gott. 90. Fest des Lebens sei willkommen! Heil'ges Fest, sei uns gegrüßt! Also jauchzt die Schar der Frommen, die aus Gott geboren ist. Aus der Gottheit ew'gen Fülle wogt ein tiefes Lebensmeer in dem Weltkreis weit umher, dringt auch in des Grabes Stille. Aller Christen Preis⸗ gesang tönt dir, Gott, des Lebens Dank. 2. Heil uns! Wir auch werden leben, ob das Herz im Tode bricht, werden siegreich uns erheben zu des Himmels ew'gem Licht. Des ver⸗ klärten Lebens Sonne heilt dann jeden Erdenschmerz, und des müden Pilgers Herz fühlet sel'ger Geister Wonne; dann erst wird uns offenbar, welch ein Gut dies Leben war. 3. Auf! Nach jenem höhern Leben laßt uns in der Prüfungszeit, duldend, kämpfend, wirkend streben, stark durch Lieb' und Heiligkeit. Wer da hat, dem wird gegeben; jedes Werk in Gott getan treibt mit neuer Kraft uns an, fröhlicher in Gott zu leben. Wer so geistig aufersteht, wird mit Christus einst erhöht. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 91. Um's Grab des Auferstand'nen schlinget des Frühlings schönste Blüte sich; die Wahr⸗ heit, die die Welt bezwinget; aus dir, o Gott, 6*³ 68 blüht sie durch dich! Es hütet sie in Lichtgewanden dein Geist; er ruft:„Das Grab ist leer; sucht den Lebend'gen, der erstanden, fortan nicht bei den Toten mehr!“ 2. Die Wahrheit kann nicht untergehen, die Wahrheit ist der helle Tag; stets muß sie wieder auferstehen, wenn sie auch lang begraben lag. Da sie aus Gott, kann sie nicht enden, sie herrscht mit ihm für alle Zeit: sie wirkt mit nimmermüden Händen am Werke, das die Welt befreit. 3. Die Wahrheit ist die Geistessonne, die Wahrheit ist des Lebens Quell, sie spendet immer Licht und Wonne, und was da siecht, verjüngt sie hell; selbst ihren Feinden strömt sie Segen, sie löst des Hasses nächt'ges Grau'n und läßt sie froh auf allen Wegen das Weltgesetz der Liebe—.— Dul. Gsb. Mel. Valet will ich dir geben. 92. Dom Leichentuch bedecket lag schlummernd die Natur; du, Herr, hast neu erwecket jedwede Kreatur. Durch dich quillt frisches Leben, das stark gefesselt lag; viel tausend Keime streben dich kündend an den Tag. 2. Auch uns hielt Winterschlummer gar lang in harter Haft. Wir dachten schon voll Kummer, erstarrt sei uns're Kraft, versiegt des Lichtes Bronnen, die Lieb' von Frost verzehrt; da ist die Nacht zerronnen, die Lieb' zurückgekehrt. 3. Nun sind wir All' von Banden des geist'gen Tod's befreit, durch Christus neu er⸗ erstanden, durch Christus neu geweiht. Er, der uns lang verborgen in dunklen Nächten war, zeigt uns am Ostermorgen sein Antlitz mild und klar. 69 4. Er hat den Tod bezwungen, der heil'ge Gottesheld; siegreich hat er gerungen mit aller Macht der Welt; sie wird den Geist nicht töten, der stark den Zwang bezwang; d'rum sei in Sorg' und Nöten kein Herz mehr Todesbang. 5. So singt mit lautem Schalle nun All': „Hallelujah! der Herr ist für uns Alle erstanden, wieder da. In seiner ganzen Klarheit, so zog er bei uns ein; im Geist und in der Wahrheit wird er stets bei uns sein.“ Dul. Gsb. Mel. Vom Himmel hoch. 93. Es steht das Kreuz im Morgenrot; ver⸗ schwunden ist des Todes Not. Der Heiland ging zum Himmel ein; von dort dringt's her wie Morgenschein. 2. Verschwunden ist die finst're Nacht, die wir im herben Schmerz durchwacht; die Höhen steh'n schon purpurhell; wie kräftig rauscht des Lebens Quell! 3. Die Ferne dehnt sich aus wie weit, ver⸗ liert sich in Unendlichkeit, und der beschränkte Lebenslauf blüht neu im Garten Gottes auf. 4. Was tief in unserm Innern ruht, das bleibt ein unverlierbar Gut; was wir errungen und erlebt, ist für die Ewigkeit erstrebt. 5. O Herz, harr' aus in dieser Zeit! Der ew'ge Morgen ist nicht weit! Schon steht das Kreuz im Morgenschein; dort muß die wahre Heimat sein. Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 94. Die Lerche stieg am Ostermorgen empor in's klarste Luftgebiet, und schmettert', hoch im Blau verborgen, ein freudig Auferstehungs⸗ lied. And wie sie schmetterte, da klangen es tausend Stimmen nach im Feld: wach' auf, das Alte ist vergangen, wach' auf, du frisch verjüngte Welt! 2. Wacht auf und rauscht durch's Tal, ihr Bronnen, und lobt den Herrn mit frohem Schall! Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen, ihr grünen Halm' und Lauben all'! Ihr Veilchen in den Waldesgründen, ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot, ihr sollt es alle mit verkünden: die Lieb ist stärker als der Tod! 3. Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen, die ihr im Winterschlafe säumt, in dumpfen Lüsten, dumpfen Schmerzen gebannt, ein welkes Dasein träumt. Die Kraft des Herrn weht durch die Lande wie Jugendhauch; o laßt sie ein! Zerreißt, wie Simson, eure Bande, und wie die Adler sollt ihr sein. 4. Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen ge⸗ brochen an den Gräbern steht; ihr trüben Augen, die vor Tränen ihr nicht des Frühlings Blüten seht; ihr Grübler, die ihr fern verloren, traum⸗ wandelnd irrt auf wüster Bahn,— wacht auf, die Welt ist neu geboren, hier ist ein Wunder, nehmt es an! 5. Ihr sollt' euch all' des Heiles freuen, das über euch ergossen ward; es ist ein inniges Erneuen im Bild des Frühlings offenbart. Was dürr war, rünt im Weh'n der Lüfte, jung wird das Alte femn und nah; der Odem Gottes sprengt die Grüfte, — wacht auf! Der Ostertag ist da! Gel etbel. „— 8—— Mel. Welche Tiefen. 95. Ostern rufet: Auferstehe aus dem Winter⸗ schlaf, Natur! Holder Frühling, komm' und gehe, geh' an's Werk in Hain und Flur! Laß die Welt nach finstern Tagen, wo die Lust des Lebens schwieg, laß sie wieder freudig fragen: Starker Tod, wo ist dein Sieg? 2. Auferstehe, auferstehe! dich auch weckt der Osterruf! aufersteh' von deinem Wehe, das den Tag zur Nacht dir schuf; aufersteh' zu heit'rer Klarheit; Liebe spricht: Lebendig sei! Ich bin Leben, ich bin Wahrheit, und die Wahrheit macht dich frei. 3. Lieb' ist nicht im Grab gebunden, schlöss' ein Fels auch ihre Gruft; frei und heil von Todeswunden atmet sie des Lebens Luft, zwingt des Zweiflers Herz zum Glauben, und die Blinden sehen sie, und es hören froh die Tauben ihrer Stimme Harmonie. 4. Auferstehe, banger Träumer! Schon er⸗ wacht die junge Welt! Auferstehe, träger Säumer! Denn bestellt sein will dein Feld! Die voll Mühsal und beladen, bang geharret auf das Heil,— auf⸗ ersteht zu neuen Gnaden, nehmt am Siegesfeste Teil. 5. Ach, der Menschheit banges Sehnen, harrt schon eine lange Nacht, lächelnd unter bittern Tränen, bis das Heil der Welt erwacht! Komm', ersehneter Befreier, löse, was in Dämm'rung lag, Tag' der Lieb' und Lebensfeier, großer Aufer⸗ stehungstag! Jul. Hammer. 72 Mel. Welche Tiefen. 96. Steig' herauf! du Ostersonne, zieh einher im Siegeslauf; denn es stieg zu ew'ger Wonne Jesus aus dem Grabe auf! Seit dem schöpferischen Werde, das erfüllt hat Tal und Höh'n, war kein Morgen auf der Erde so erquickend und so schön. 2. In die Grüfte dringt das Leben und er⸗ weckt den Widerhall; Herzen glühen, Geister schwe⸗ ben, Lebensahnung überall. Wo uns sonst ein Abgrund schreckte, wo der letzte Grenzstein stand, reichet jetzt der Auferweckte uns entgegen seine Hand. 3. Fürst des Lebens! Deine Boten zieh'n hinaus im Morgenschein; die Lebend'gen und die Toten schließt dein Wort des Friedens ein. Gieß die edle Friedensgabe über alle Menschen aus! Friede über jedem Grabe, Friede sei in lanegern Puchta. Mel. Großer Gott wir loben dich. 97. Caut erschallt durch die Natur rings ein Auferstehungswerde, und es regt auf Feld und Flur jeder Keim sich in der Erde; auch der kleinste Wurm erwacht aus dem Schlaf der Winternacht. 2. Mit dem ersten Frühlingsweh'n kündet uns der Glocken Läuten auch des Heilands Auf⸗ ersteh'n, der in längst vergang'nen Zeiten wach durch Wort und Tat einst rief, was in Geistesnacht noch schlief. 3. Rufe laut auch fort und fort, Geist der Liebe, Geist der Wahrheit, uns dein Auferstehungs⸗ wort, ruf' uns wach zu Licht und Klarheit, zum Be⸗ wußtsein unsrer Kraft, und zur Tat, die Segen schafft. *VÆ H⏑r N* Ä 4. Daß in froher Frühlingslust, wie da draußen Blüt' und Bäumen, auch in jeder Men⸗ schenbrust allen frischen Lebenskeimen einst nach eis'ger Winternacht hell ein Ostermorgen lacht. Marie Quit. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 98. do hat mir nie ein Fest gefallen, so klang mir's durch die Seele nie, als wenn die Osterglocken hallen in ewig heil'ger Poesie. Du frommer, süßer Kindesglaube von eines Heilands Auferstehn, du reine, lichte Friedenstaube, wie bist du groß, wie bist du schön! 2. Hell klingt der Ruf von Berg zu Berge: der alte Winter ist entfloh'n! Weit durch die Lande trägt die Lerche die Freudenbotschaft jubelnd schon. Das ist ein Flüstern, Beben, Klingen, als ging die alte Welt zu Rüst'; die Knospen an den Bäumen springen, vom jungen Frühling wachgeküßt. 3. Das ist in jeglichem Gemüte ein langer, tiefer Feierklang; zum Lichte drängt sich Blüt' an Blüte, die alte starre Rinde sprang. Vom warmen Lenzeshauch getroffen zerschmilzt wie Schnee der herbste Schmerz; an's Leben wieder und an's Hoffen glaubt das versöhnte Menschenherz. 4. Wen möchte da der Haß berücken, wo sich die Welt in Liebe taucht; wer möcht' den Dolch der Rache zücken, wo Alles Frieden, Freude haucht? Wer wäre gram dem Festeskranze, wo Erd“ und Himmel Segen tauscht, und hoch im gold'nen Sonnenglanze das Banner der Versöhnung rauscht? 5. Die Liebe muß die Welt erlösen; Ver⸗ söhnung ist der Zauberkuß, der aus dem finstern Bann des Bösen sie zu der Freiheit führen muß. Drum nenn' ich, frommer Kindesglaube, so groß dich und so göttlich schön, weil sinnig mit dem Frühlingslaube du läßt den Heiland auferstehn. L. Köhler. 99. Hun webt die Sonn' aus lichtem Golde dem Lenz zum Osterfest ein Kleid, und jede schlichte Blütendolde erstrahlt wie Edel⸗ steingeschmeid. Das ist ein Leuchten rings und Blühen! Und hold, wie Veilchendüfte weh'n, in's Herz auch goldene Träume ziehen von andrem Frühlings⸗Aufersteh'n. 2. Von jenem Lenz, den uns verheißen manch Dichter- und Prophetenwort, von einer Zeit, da nicht das Eisen, da Liebe wirkt als Friedenshort; da, wie im Frühling alle Säfte froh schaffend walten im Verein, sich aller Völker frische Kräfte des Friedens Eintrachtswerken weih'n. 3. Hin stürzen dann die starren Schranken, die Neid und Tyrannei erbaut, was heut' noch keimt nur in Gedanken, entzückt die Welt in Blüte schaut. Getrennt nicht kniet man vor Altären; dann waltet eine Gottheit nur— die Eine, die beseelt den hehren Prachtwunderbau der All-Natur! 4. Ja, kommen wird der Weltbefreier! Der Morgen, der die Völker eint— des Völkerfrüh⸗ lings Osterfeier, den das Prophetenwort gemeint. Und wie des Lenzes blühend Werden im Freien voll nur kann gedeih'n, so kann des Friedens Reich auf Erden auch nur das Reich der Freiheit sein! Joh. Proelß. E 7⁵ Pfingstfeier. Eigene Melodie. 100. Der ist der heil'ge Gottesgeist, der uns —den Weg durch's Leben weist, der Tröster in der Wahrheit? Der Geist ist's, der im Weltall lebt, der in der Menschheit schaffend webt mit seiner Himmelsklarheit. 2. Der Geist ist's, der den Dichter füllt mit schönem, herrlichem Gebild, ihm hebt der Zukunft Schleier; der in dem Denker Großes schafft; der uns erfüllt mit Mut und Kraft, mit heilig reinem Feuer. 3. Es ist der Freiheit hehrer Geist, der don⸗ nernd uns zum Kampfe reißt und sprengt der Knechtschaft Bande. Die Liebe ist's, die göttlich, rein, zum schönen dauernden Verein verbindet alle Lande. 4. Es ist der Wahrheit klares Licht, das mächtig durch das Dunkel bricht mit seinem All⸗ machtswehen. O heil'ger Geist kehr' bei uns ein, und laß uns deine Wohnung sein; erhöre unser Flehen! Albin. 101. Du Sturm, der mächtig brausend der Jünger Haus erfüllt,— den Wahn, den ein Jahrtausend um Christi Tat gehüllt, zer⸗ reiß' ihn; auf, und rüttle das Volk aus dumpfer Ruh, daß es am Zwinger schüttle, so frei und stark wie du! 2. Die stolze Burg muß fallen, d'rin lang der Wahn gethront, dem von den Völkern allen blindgläubig ward gefrohnt. Sturm, sei der Mensch⸗ heit Retter, hinbrause nah und fern! Wir kennen dich im Wetter; du bist der Geist des Herrn! 76 3. Gott! laß in Flammen lodern, wie einst, der Zunge Kraft! Es gilt zurückzufordern das Recht, so Frieden schafft, das Recht, das auszu⸗ sprechen, was die Vernunft erkannt! Schmilz Flamme, will's nicht brechen, des Glaubenszwanges Band. 4. So lod're heil'ges Feuer des Mut's in Wort und Tat, wo je ein Wahrheitstreuer einsam geschmachtet hat. Wogt hin, ihr Gottesflammen, d'rin sich die Lieb' bewährt, und schmelzt den Haß zusammen, der Gottes Reich verheert. 5. In allen Sprachen wand're, o Wahrheit, durch die Welt; jed' Herz versteh' das and're, von einem Geist erhellt! Klar leb' in der Gemeine, die sich dem Licht geweiht, das göttlich Ew'ge, Eine: daß Lieb' die Welt befreit! Dul. Gsb. Mel. Sollt ich meinem Gott. 102. Heiligend und schaffend webet Gottes Geist in unserm Geist, wenn sich das Gemüt erhebet und sich los vom Ird'schen reißt; strebt, zu Gott sich aufzuschwingen, und voll Lieb' und glaubensvoll, das nur übet, was es soll, Gottes Willen zu vollbringen, da empfinden wir den Geist, der aus Gott in alle fleußt. 2. Also kam auf jene Scharen einst der Gottes⸗ geist voll Kraft, die im Herrn versammelt waren, allem Schwanken nun entrafft! Nun der Glaub' in ihnen brannte: Jesus sei der Gottesheld, den gesandt Gott in die Welt, daß er Sünd' und Tod verbannte,— da erkannten sie den Geist, der aus Gott in Alle fleußt. 77 3. Flammen wurden ihre Zungen, Allen faßlich sprach ihr Mund, und von Wahrheitsglut durchdrungen taten sie ihr Inn'res kund; fühlten ganz sich aufgeschlossen, wie ein Hauch den Keim belebt, der im Dunkel lang gestrebt, blühend an das Licht zu sprossen. So empfanden sie den Geist, der aus Gott in Alle fleußt. 4. Geist des Ew'gen, o erfülle das Gemüt der Sterblichen! Flamm' uns an zur Tugend! Stille die Begier des Irdischen! Laß den Geist in uns erblühen, daß er, an das Licht gebracht, sich entwinde jeder Macht, die ihn will zum Niedern ziehen; daß wir fühlen dich, den Geist, der in alle Herzen fleußt! Dul. Gsb. Mel. Valet will ich dir geben. 103. Schon längst schwand ein Jahrtausend, seit jener Jüngerschar der Sturm, ge⸗ waltig brausend, des Geistes Bote war; da flammt' auf ihren Zungen der Wahrheit heil'ges Wort; den Geist, der sie bezwungen, bekannten sie sofort. 2. Und wieder schien verschollen der ew'ge Geist zu sein; da tönt's wie Donnerrollen der Menschheit:„Er ist dein!“ Da kommt der Sturm als Retter; hin braust er nah und fern; da kennt jed' Herz im Wetter den ew'gen Geist des Herrn. 3. Er läßt in Flammen lohen, wie einst, das heil'ge Wort, und, ob die Mächt'gen drohen, doch siegt es fort und fort. Es schmilzt den Haß zu⸗ sammen, es wird die Welt befrei'n, es wird in Läut'rungsflammen zum Gottesreich sie weih'n. 4. Hat die Befreiung endlich vollbracht der Geist des Herrn, dann spricht er mild verständlich im Frühlingssäuseln gern; ob Völker sich befehdet lang in der Knechtschaft Weh'n, jed' Volk, das Freiheit redet, wird dann die Lieb' verstehn! Dul. Gsb. Mel. Geist vom Geiste. 104. Feuer, ja ist deine Seele, Gottesgeist! Dein Kleid ist Licht. O die süße Le⸗ benswärme, die mit dir in's Herze bricht! 2. Winter herrscht in Menschenherzen, bis dein Strahl von oben glüht, Keime weckt und Knospen öffnet, schwache Halme höher zieht. 3. Blumen sind die goldnen Aehren, Strahlen aus der Sonne Glut; Funken leuchten klare Augen; Himmelsfeuer ist der Mut. 4. Chaos war und Nacht die Erde, bis du selbst herabgeschwebt; Fleisch und Moder sind die Menschen, wenn dein Hauch sie nicht belebt. 5. Komm, o Geist, du Licht und Leben, weck' und hebe unsern Mut; komm und weih' all' unser Streben mit der Liebe Himmelsglut! K. Steiger. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 105. Hach langem, bangem Winterschweigen willkommen, heller Frühlingsklang! Nun rührt der Saft sich in den Zweigen, und in der Seele der Gesang; es wandelt unter Blüten⸗ bäumen die Hoffnung über's grüne Feld; ein wundersames Zukunftsträumen fließt wie ein Segen durch die Welt. 79 2. So wirf denn ab, was mit Beschwerden, o Seele! dich gefesselt hielt; du sollst noch wie der Vogel werden, der mit der Schwing' im Blauen spielt. Der aus den kahlen Dornenhecken die roten Rosen blühend schafft, er kann und will auch dich erwecken aus tiefem Leid zu junger Kraft. 3. Und sind noch dunkel deine Pfade, und drückt dich schwer die eig'ne Schuld: o glaube, größer ist die Gnade, und unergründlich ist die Huld! Laß nur zu deines Herzens Toren der Pfingsten vollen Segen ein, getrost, und du wirst neugeboren aus Geist und Feuerflammen sein! Geibel. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 106. O Geist des Lichtes komm' hernieder aus unsers Vaters reinen Höh'n; laß alle Menschen dankbar wieder in deinem Himmelsglanze geh'n. O komm herab, du Geist der Wahrheit, in aller deiner Kinder Brust, daß jedes sich in Gottes Klarheit der eignen Würde sei bewußt. 2. O Geist der Gnade, komm', verbinde die Herzen, welchen Heilung fehlt, wenn uns der Gram um unsre Sünde mit bittern Reueschmerzen quält. O Geist der Liebe, Geist des Lebens, führ' uns in Sanftmut allezeit vom Irrtum unsres Erdenstrebens den stillen Pfad zur Seligkeit. 3. O Geist der Weisheit, komm', verkläre du dich in uns und uns in dir; nach ew'gen Him⸗ melsschätzen mehre du täglich in uns die Begier. O Geist der Kraft, o Geist der Stärke, laß deinen Sieg uns endlich sehn; zertrümm're du der Lüge Werke und laß der Wahrheit Reich erstehn J. Papst. —800 Mel. Ein' feste Burg. 107. Ein Morgenglanz geht auf vom Herrn, die Erde zu beglücken! Die Menschen⸗ kinder nah und fern gewahren's mit Entzücken! Es flieht schon die Nacht; seht, der Tag erwacht; nach Ost, West, Nord, Süd' wird schon das Volk durchglüht vom Strahl des ew'gen Geistes! 2. So flieg' denn aus, der Taube gleich, o Geist, mit reinen Schwingen; laß durch das ganze deutsche Reich dein Wort der Wahrheit dringen. Sei des Volkes Kraft, daß es Gutes schafft! Sei du unser Hort, sei es von Ort zu Ort, du Starker, hilf zum Siege! Ed. Baltzer. Mel. Lobt Gott, ihr Christen. 108. Die klopft der Geist der neuen Zeit mit lautem Schlag an's Tor! Ihr Men⸗ schenkinder weit und breit, auf! öffnet Herz und Ohr. 2. Was bringt der Geist der neuen Zeit dem menschlichen Geschlecht? Versöhnung, Frieden, Einigkeit und Freiheit, Licht und Recht. 3. So nehmt ihn auf, den lieben Gast, der Wohnung sich bestellt; umfaßt mit Liebe euch und laßt den Haß der alten Welt. Marschall. Mel. Nun danket alle Gott. 109. Es geht ein großer Drang nach Frei⸗ heit durch die Lande. Der Geist der neuen Zeit zersprengt die alten Bande. Die stolze Herrlichkeit des Papsttums ist vorbei, sein alter Glanz erbleicht; bald wird die Menschheit frei. 81 2. Die Ritterburgen sind in Trümmern nur zu schauen; bald wird für Priestertum man keinen Dom mehr bauen. So wie der junge Most den alten Schlauch zerreist, so sprengt den alten Wahn der neue Gottesgeist. 3. Geh' aus, du heil'ger Geist, durchfliege alle Lande, und bring' in aller Welt ein Gottes⸗ reich zu Stande, dess' Bürger männiglich sich lieben wahr und echt, und wo sich jeder wahrt sein heil'ges Menschenrecht. Mel. Herr, du bist groß. 110. V sprich, wohin willst du uns senden, Meister? Wozu hat uns erseh'n dein weiser Rat?„O zieht hinaus zum großen Kampf der Geister; stählt eu're Kraft zu kühner, edler Tat! So ihr mit Mut nur wollt im Kampfe ringen, muß euch der Sieg, des Geistes Sieg ge⸗ lingen!“ 2. Mit welchen Feinden sollen wir denn ringen? O Meister sprich, wir sind zum Kampf bereit.„Der Menschheit soll der Kampf die Frei⸗ heit bringen; von Wahn und Lüge werde sie be— freit. Der Wahrheit muß des Irrtums Dunkel weichen; es muß der Tag die finstre Nacht ver⸗ scheuchen.“ 3. Und wollen wir den Sieg mit Ehr' er— fechten, mit welchen Waffen, Meister, kämpfen wir? „Des Geistes Schwert laßt blitzen in der Rechten; es ist bewährt im Kampfe für und für; der Liebe Füllhorn führt in Eurer Linken: so muß euch froh des Sieges Sonne blinken.“ Aderhold. 8² Chorgesang. 111. V saget mir, wer der Messias ist, nach dem die Völker hoffend sahen? Sagt, Freunde, endlich mir, war's Jesus Christ? Sagt, wird er künftig erst uns nahen?— Messias ist der Geist, er ist's mit seinem Allmachtswehen, der seine Boten sich zu allen Zeiten ausersehen! 2. O saget mir, wer all' die Schleier hebt, die uns das Ew'ge noch umfloren? Die Wahr⸗ heit, die verhüllt im Weltall lebt, durch wen wird endlich sie geboren?— Das ist der Geist, Messias ist's, mit seinen Feuerblicken, der's Weltenall durchforscht, ihm selber zum Entzücken! 3. Doch saget mir, ach, all' der Menschheit Not, wer wird sie endlich von uns wenden? Wer wird den Armen denn ihr täglich Brot, und ihrem Geiste Licht und Labsal spenden?— Messias ist allein der Geist! Er wird Erlösung bringen, der Geist aus Gott, der Geist in dir mit seinen Himmels— schwingen! Ed. Baltzer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 112. Cs weht der Geist durch alle Lande vom Aufgang bis zum Niedergang; das ist der heil'ge, gottgesandte, der einst zu Jesu Jüngern drang. In Wetterflammen steigt er nieder; er naht im leisen Frühlingswehn, und es ertönt wie Siegeslieder, wo seine treuen Boten gehn. 2. Du Geist der Wahrheit; Geist der Liebe, du Geist der Freiheit, stolz und kühn; ob auch der Himmel sich umtrübe, und Blitze flammend uns umsprühn: wir fühlen dein allmächtig' Weben, und Siegesmut zieht bei uns ein! O segne uns auf Tod und Leben, und laß uns deine Streiter sein! ö Burkhardt. * —5 Mel. Valet will ich dir geben. 113. O tomm' du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein; verbreite Licht und Klarheit; verbanne Trug und Schein! Gieß aus dein heilig' Feuer, rühr' Herz und Lippen an, daß Jeder dich getreuer und froh bekennen kann. 2. Es gilt ein frei' Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Wider⸗ streit. Du mußt uns Kraft verleihen, Geduld und feste Treu'; du mußt uns ganz befreien von Furcht und Menschenscheu! 3. Du, heil'ger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern! mit deiner Kraft begleite die Kämpfer für den Herrn! O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, daß wir in Freud' und Schmerzen die Wahrheit machen kund. Spitta. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 114. Die Blumen blühn auf Flur und Höhen; der Vogel singt am kleinen Nest; die Felder und die Bäume stehen geschmückt zum frohen Frühlingsfest. Und all' dies Duften, dieses Singen, dies rege Knospen und Erblüh'n, als fromme Dank—⸗ gebete bringen dem großen Weltengeist sie hin. 2. Und drin in hohen Tempelhallen der Mensch sein Pfingstfest fromm begeht; dem Geiste seine Lieder schallen, der brausend einst die Welt durchweht; der Jesu Jüngerschar beseelte, zu kräft'⸗ gem Wort und Werk sie trieb; und ihr den Mut, der ihr noch fehlte, in's Herz mit Flammenzügen schrieb. —— 3. Und dieser Geist, dem jene Lieder gesungen werden weit und breit, kam er nur einst zur Erde nieder, wirkt er nur in vergang'ner Zeit? Nein, heute noch schallt seine Stimme, bald mild, wie leises Frühlingswehn, erschütternd bald mit Sturmes Grimme, will sie das Herz nur recht verstehn. 4. Wohl hat in Zeiten, ernst und trübe, ge⸗ hemmt oft Finsternis und Wahn den Geist der Wahrheit und der Liebe; doch brach er stets sich mächtig Bahn. Und wo ein Herz noch warm er⸗ glühte für Tugend und für Menschenglück; wo noch der Sinn für Edles blühte, und wo noch rein und hell der Blick; 5. Da gab er Kraft zum Vorwärtsstreben, den Mut, der furchtlos weiter drang. Und wo von Freud' und Lust umgeben der Mensch in träge Ruh' versank, da rief der Geist ihn aus dem Wandeln in Finsternis zu klarem Licht, da hieß er denken ihn und handeln und treu erfüllen seine Pflicht. 6. Und laut und ernst ertönet wieder des Geistes Ruf durch unsre Zeit. Auf! hört ihn nicht vergebens, Brüder! Seid ihm zu folgen gern bereit! Laßt uns, das Höchste zu erreichen, nicht säumend stehn auf steiler Bahn; zu bald nur muß der Tag ja weichen der Nacht, da Niemand wirken kann! 65 Marie Quit. Mel. Freu' dich sehr. 115. Ew'ger Geist, o leuchte segnend in des Hasses dunkle Nacht, der die Brüder noch zu Feinden auf der schönen Erde macht. Dring' in alle Herzen ein, daß wir deiner all' uns freu'n, und in Fried' und Eintracht streben, deiner Wahr⸗ heit nachzuleben. Dul. Gsb. N M W SVSe Pfingsten. 116. Es weht ein Sturm durch unsre Zeit, ergreift die Höchsten und Geringsten,— du Schar des Lichts, mach' dich bereit, versäum' es nicht: es naht dein Pfingsten! Der Bau, worin du hast gehaust, er hält nicht länger mehr zu⸗ sammen, die Decke bricht, und niederbraust durch jeden Spalt ein Lichtesflammen. 2. Bei dieses heil'gen Geistes Sturm, wie zittern alte finstre Hallen! Und mancher alte, stolze Turm, er bebt, er wankt,— bald wird er fallen! Laß über solch ein Pfingsten nur den Schwarm der Finsterlinge heulen,— du tritt hinaus! In der Natur— dort ragen deines Tempels Säulen! 3. Dort findest du vom heil'gen Geist ein einzig Dogma aufgeschrieben,— kennst du die Schrift? Die heil'ge heißt: Mensch, du sollst denken, du sollst lieben! Und hast du dieses eine Wort in deinem Herzen recht verstanden, dann laß es tönen fort und fort, in allen Sprachen, allen Landen! 4. Du wack're Schar, ermatte nie, mag auch der Irrtum dich befehden; schon ruft's im Volk: „Wir hören sie die großen Taten Gottes reden!“ Und was so hell, so laut erklang, gepredigt jetzt mit Feuerzungen, ist's nicht die Sprache, die schon lang in unsern Herzen still erklungen? 5. Bleibt auch der Spott gefühllos, blind für der Begeist'rung heil'gen Funken, zeigt er auf uns und spricht:„Es sind nur Schwärmer, süßen Weines trunken!“ Nun ja! der Geist ist Wein, so rein, daß er der Stumpfheit uns entledigt, es ist der Wahrheit Feuerwein, der in uns glüht, und aus uns predigt. ö 6. Auch ist die alte Feigheit jetzt verbreitet weithin noch auf Erden, sie ahnt den Geist und ruft entsetzt, wie einst sie rief:„Was soll das werden?“ Tag werden soll's nach langer Nacht! Der Frühling kommt, der große Meister, und weckt mit seiner Wundermacht, wie die Natur, so auch die Geister! 7. Und ist auch klein die Pfingstenschar, zählt sie doch tausend Bundsgenossen, auf jeder Blume hell und klar hat rings der Geist sich ausgegossen. Sie predigten an uns'rer Statt, wenn uns der Mund verschlossen bliebe, zur Zunge wird das Blütenblatt, verkündigend den Geist der Liebe! 8. Zum Missionär wird jeder Baum und ruft's mit seinen tausend Zungen, wie Menschen⸗ herz und Weltenraum von neuem Geist sich fühlt durchdrungen. Drum Mut, du kleine Freiheitsschar! Halt' aus, vom Aeltsten bis zum Jüngsten! Auf⸗ bau' im Herzen den Altar, im Geiste fei're du dein Pfingsten! Fr. Albrecht. 117. Wolib uns deinen Tröster senden, Herr, in dieser schweren Zeit, da die Welt an allen Enden durstig nach Erlösung schreit! Denn es geht ein heilig Sehnen durch der Völker bangen Sinn, und sie seufzen unter Tränen: Hüter, ist die Nacht bald hin? 2. Ach, sie fühlen's: alles Wissen, ob's den Stoff der Welt umfaßt, bringt, vom Ew'gen los⸗ gerissen, kein Genügen, keine Rast. Doch die Suchenden, Beschwerten treibt levitisch Schwert⸗ gezück, treibt der Spruch der Schriftgelehrten hart und eng in sich zurück. 87 3. Was einst Trost und Heil den Massen, ward zur Satzung dumpf und schwer, dieser Kirche Formen fassen dein Geheimnis, Herr, nicht mehr. Tausenden, die fromm dich rufen, weigert sie den Gnadenschoß; wandle denn, was Menschen schufen, denn nur du bist wandellos. 4. Aus den dunklen Schriftbuchstaben, aus der Lehr' erstarrter Haft, drin der heil'ge Geist begraben, laß ihn auferstehn in Kraft! Laß ihn über's Rund der Erde wieder fluten froh und frei, daß der Glauben Leben werde, und die Tat Be⸗ kenntnis sei! 5. Flammend zeug' er, was vereinigt einst der Boten Mund getönt, wie's vom Zeitlichen ge— reinigt, sich dem Menschengeist versöhnt; zeug' es, bis vor solcher Kunde jede Zweifelsstimme schweigt, und empor vom alten Grunde frei die neue Kirche steigt. ö Emanuel Geibel. Erntefeier. Mel. Welche Tiefen. 118. Hue gute Gabe kommet, ew'ge Liebe, nur von dir! Dich in unsrer Felder Segen, ew'ge Lieb', erkennen wir. Dich verkündet jede Aehre, dich die Frucht in heitrer Pracht; dir, o Geber alles Guten, dir sei unser Dank gebracht! 2. Dankend für des Segens Fülle denken wir auch jener Saat, die der gotterfüllte Meister aus⸗ gestreut der Menschheit hat. O, sein Wort war edler Same, und ihn tränkte treu sein Blut; Men⸗ schenliebe soll d'raus reifen in der Gottesliebe Hut. 3. Wachse in uns, Saat des Geistes, die der Meister ausgesät, daß von Herz zu Herzen Segen allen Darbenden ersteht; jener Segen ew'ger Wahr⸗ heit, der, je mehr er Herzen labt, um so voller nur und reicher euch sich mehrt, die ihr ihn gabt. 4. Laßt uns dann den Segen spenden, den der Vater uns geschickt, Frucht der Wahrheit, Frucht der Liebe, die den Feind auch reich erquickt. Laßt uns Segensfrucht des Friedens aussä'n weit in alle Welt, und die ganze Menschheit werde einst ein heil'ges Erntefeld! Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 119. Das Erntefest, das Fest der Freude, dem, weithin schallend durch die Luft, der Glocken feierlich Geläute den Morgengruß entgegen— ruft; das Erntefest, das Fest voll Segen, dem reich und warm mit stiller Lust so manches Herz heut schlägt entgegen aus einer frohbewegten Brust. 2. Es breitet leuchtend seine Schwingen hin über Wald und Feld und Flur; und fromme Dankeshymnen klingen der segenspendenden Natur; und dir, o Gott, der jungen Keimen die Wolken Regen spenden hieß, der ihnen seine Sonne scheinen und wachsen sie und reifen ließ. 3. O freut, ihr Menschen alle, freuet des schönen Erntefestes euch! Folgt seinem Mahnruf, streut, o streuet auch Saaten für der Zukunft Reich! Und ob bei eurer Arbeit Mühen die Welt voll Undank euch verläßt, ermattet nicht! Es muß er— blühen für Jeden einst ein Erntefest. 89 4. Drum legt getrost nur eure Saaten hin in das Feld der Ewigkeit; streut sie hinaus in guten Taten, die ihr dem Menschenglücke weiht. Und ob der Himmel auch noch trübe, ob rings die Luft noch eisigkalt, getrost! der warme Strahl der Liebe, er bricht durch Nacht und Eis doch bald! Marie Quit. Gemeindestiftungsfeier. Reformationslieder. Eigene Mel. 120. Ein⸗ feste Burg ist unser Gott, ein' gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt' böse Feind mit Ernst er's jetzt meint; groß' Macht und viel List sein grausam' Rüstung ist auf Erd'n ist nicht sein's Gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit't für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ. Der Herr Zebaoth, es ist kein andrer Gott, das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär', und wollt'n uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie sau'r er sich stellt, tut er uns doch nichts; das macht, er ist gericht't; ein Wört⸗ lein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stah'n, und kein'n Dank dazu haben! Er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehm'n 7 sie uns den Leib, Gut, Ehr', Kind und Weib, laß fahren dahin, sie haben's kein Gewinn, das Reich muß uns doch bleiben. Luther. Mel. Alles ist an Gottes. 121. Brüder, denket gern der Stunde, wo einst aus vereintem Munde unser Bundes⸗ wort erscholl; wo das Wort, den freien Glauben solle keine Macht uns rauben, freudig aus der Seele quoll. ö 2. Ja, wir denken dran mit Wonne; schöner leuchtet uns die Sonne, seit uns dieses Band um⸗ schließt, und die Kraft der ersten Weihe unge⸗ brochen durch die Reihe schöner Tage sich ergießt. 3. Ob auch Wolken schwer sich türmten, Un⸗ gewitter feindlich stürmten, lieblich grünt der junge Baum. Denn was wir vereint erstreben, ist der Seele tiefstes Leben, nennt's die Welt auch Wahn und Traum. 4. Wie zum Anfang, so zum Ende reichen wir uns heut die Hände, fest soll dieser Bund be⸗ stehn; fest, so lang die ew'gen Sterne dort in unermess'ner Ferne ruhig auf und untergehn. Fr. Baltzer. Mel. Ein' feste Burg. 1½. Reicht, Brüder, euch zum Schwur die Hand, daß uns die Wahrheit eine zum Heil für Volk und Vaterland; die Wahrheit tut's alleine! dem Freunde zum Schutz, dem Feinde zum Trutz steht fest Mann für Mann; schon bricht der Tag uns an; der Sieg muß uns doch bleiben! 91 2. Es lebt in uns der rechte Gott mit seinem Geist und Reiche; drum fürchten wir nicht Not, nicht Tod, noch unsrer Feinde Streiche. Er rüst't uns mit Kraft, und mit Wissenschaft, mit Liebe und Treu; er hilft und macht uns frei von allen bösen Mächten. 3. Und unser Gott lebt allerwärts, das Wesen aller Wesen; sein Hochaltar ist's Menschen⸗ herz, wenn es in ihm genesen. Sein Licht zündet an, daß es leuchten kann! Sieh, es glänzt ja schon vom Bettler bis zum Thron: es wird die Welt erlösen! Ed. Baltzer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 123. Dir lagen lang von Nacht umfangen und träumten bang, sie ende nie; aus allen Tönen, die da klangen, erwuchs uns keine Harmonie. Des Meisters Geist war uns verborgen, des Meisters Wort war uns entstellt; da hast du für den neuen Morgen, Herr, unsre Blicke aufgehellt! 2. Nur in der Wahrheit ist das Leben; der Haß erlischt in ihrem Glanz. Ob Tausend auch verschieden streben, sie ringen nach demselben Kranz. Entzündet von denselben Flammen des Urlichts, das die Welt besonnt, wie sollten Brüder wir ver⸗ dammen, die nie uns hassen ja gekonnt? 3. So ward das Licht der Liebe Bote, und Langverborgnes ward uns klar; nun ward im Liebes⸗Morgenrote der Meister recht uns offenbar. Nun faßten wir den Sinn der Worte:„Zum Vater kommt ihr nur durch mich!“ Nun war er uns zu Dir die Pforte, du Gottesgeist, zu finden Dich! Dul. Gsb. Mel. Allmächtiger, wir. 124. Don deinem Geist erhoben, gestärkt durch deine Kraft, hat sich, den Blick nach oben, dein Volk emporgerafft. Wir wußten: du wirst retten; wer frei sein will, wird frei; so faßten wir die Ketten und brachen sie entzwei. 2. Nicht Willkür soll mehr knechten den Geist zur Todesruh'; er hält an seinen Rechten, die ewig sind wie Du! Aus deines Wesens Klarheit entstammt und Dir verwandt, ringt kühn er nach der Wahrheit, bis er sie ganz erkannt. Dul. Gsb. Chorgesang. 125. Sturm auf Sturm und Wolk' auf Wolle droht dem jungen Morgenrot; wann fliehn die Wetter? Wann steigt der Welterretter, das Licht, empor? 2. Wenn dir des Gewissens Stimme bebt, daß laut es schallt: Gott lebt! Der Ew'ge richtet! Die Heuchler stehn vernichtet, die Wahrheit siegt! 3. Wenn der Bruder sich dem Bruder weiht zum Bund in Freud' und Leid; wenn mächt'ges Wollen, mag die Gewalt auch grollen, Gemeinden baut! 4. Dann entsteigt die Sonne frei der Nacht; dann strebt, zum Licht erwacht, des Geistes Walten, die Welt neu zu gestalten, zum Himmelreich. 5. Brüder, auf mit Gott und zaget nicht, ob uns das Herz auch bricht. Was wir errungen, ist schon zum Licht gedrungen, der Zukunft Saat! Rasche. 93 Mel. Nun danket alle Gott. 126. Ein zarter Sproß entkeimt der alten deutschen Eiche, und strebt und wächst und grünt im weiten Gottesreiche. O wunderbarer Trieb! Der Winter hemmt ihn nicht, denn der Erlösung Kraft rief ihn empor an's Licht. 2. Wie wenn aus eis'ger Flur ein Quell von warmen Fluten zum Heil der Kranken rinnt mit neuen Lebensgluten, so dringt der Wahrheit Strom, wie feindlich ihr ihn bannt, heilbringend doch her—⸗ vor und rollt frei durch das Land. 3. Ja, frei! Und ob ein Heer von feilen Menschenknechten sich stürzte wider uns mit allen finstern Mächten! Frei heben wir den Blick, frei waltet unser Wort, frei unsrer Liebe Tat, denn Gott ist unser Hort. ö Rasche. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 127. Die alten Tempel sind gefallen, wir bauten uns ein neues Haus, und in der Wahr⸗ heit lichten Hallen geh'n wir als Brüder ein und aus. Da kündet im vertrauten Worte des Freundes Stimme, was uns fehlt, und keinem schließt sich diese Pforte, der„Menschsein“ sich zum Ziel er⸗ wählt. 2. Hier sind wir Alle gleich geworden, hier ist kein Freier und kein Knecht, und sicher vor Ge⸗ dankenmorden übt hier der Geist sein ew'ges Recht. Der heil'gen Liebe, dem Erbarmen, weicht hier des Glaubens stolzer Wahn; sie treten her mit vollen Armen, sie zünden ihre Opfer an. 3. So dienen wir dem ew'gen Wesen auch ohne Tempel und Altar; so schwindet, was wir einst gewesen, der neue Mensch wird offenbar. Einst werden alle Tempel fallen, die noch den Göttern heilig steh'n; die Menschheit wird in deine Hallen, du Geist der Liebe, beten geh'n. Fr. Baltzer. Mel. Vom Himmel hoch. 128. Heraus, heraus, du gutes Schwert, das sich von je im Kampf bewährt, du Schwert des Geistes, scharf und klar, du Wort der Liebe, treu und wahr! 2. Mit solchen Waffen angetan, was hemmt, ihr Kämpfer, eure Bahn? Wer hält in ihrem Siegeslauf die ew'gen Himmelsmächte auf? 3. Wie es auch schleicht in Finsternis, der Wahrheit Auge sieht's gewiß; ihr reiner Flammen⸗ blick verzehrt, was sich von Gott hat abgekehrt. 4. Wie es auch tobt in Haß und Wut, auf⸗ schürend Höllenflammenglut; das Wort der Lieb', ein Gottesheld, es überwindet doch die Welt. Fr. Baltzer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 129. Die Erde harrt der Sonn' entgegen, die Licht und Freiheit bringen soll; zu tief hat sie in Nacht gelegen, zu lange war sie tränenvoll. O Menschen, wallt dem Licht ent⸗ gegen, das himmlische Erlösung bringt, wenn es mit süßem Frühlingsregen allmächtig durch die Seelen dringt. GNNNu 2. Du, deutsches Volk, du sollst es schauen, der Weisheit Erbschaft ist ja dein; du sollst den neuen Tempel bauen, und deine Söhne Priester sein; den Tempel, wo man Gott nur ehret, wenn man den Bruder redlich liebt, wo man den Ein⸗ gang Keinem wehret, der Mensch zu sein sich treu⸗ lich übt. 3. Wo alle Schranken niederfallen, und Priesterhaß kein Feuer schürt, wo zu der Wahr⸗ heit lichten Hallen ein Mensch den andern liebend führt. O, lerne nur dir selbst vertrauen, und wag' es endlich, frei zu sein; dann wirst du die Verheißung schauen. Die Erde, Menschenkind, ist dein! Fr. Baltzer. Mel. Allmächtiger, wir. 130. Dir haben uns gefunden, uns brach das Joch entzwei; im Geist sind wir ver⸗ bunden; von Banden sind wir frei. Wir kennen wohl den Meister, der uns dies Heil gebracht. Er rufet noch die Geister zum Frieden, wie zur Schlacht. 2. Dem Menschlichen, dem Wahren führt er die Seelen zu; und was wir so erfahren, gibt Kraft und Licht und Ruh'. Er schlingt um uns're Herzen der Bruderliebe Band; und leidet Einer Schmerzen, wir reichen ihm die Hand. 3. So wollen wir es halten, im Leben lieb und treu, trotz irdischen Gewalten im Tode stark und frei. So helfen wir begründen das schöne Gottesreich, wo sich die Menschen finden, als Brüder alle gleich. Fr. Baltzer. 96 Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. 101. Die Wahrheit siegt, es ist vollbracht, 32 das Werk ist uns gelungen; d'rum preisen wir dich, Gott der Macht, mit danker— füllten Zungen. O, steh' uns bei: daß fest und frei in deinem Geist wir handeln und deine Wege wandeln. Mel. Mir nach, spricht Christus. 132. Denn, kleine Schaar, du einst verwaist in deiner Feinde Mitte; rings schleicht um dich ein böser Geist, belauert deine Tritte; kein treuer Helfer steht zu dir, du sagst und klagst: was wird mit mir? 2. So höre denn, das mag gescheh'n und dich mit Kraft durchdringen: lern' du auf eig'nen Füßen steh'n, mach' Ernst, so wird's gelingen; auch kleine Schaar hat große Macht; halt' aus, und du gewinnst die Schlacht! 3. Sei du ein Schwert in Gottes Hand, ein Schwert von Geistesflammen. Gehört dem Feinde auch das Land, er bricht vor dir zusammen, vor eiserner Wahrhaftigkeit, vor Gottes Macht im heil'gen Streit. 4. Sei nur bereit, wenn es bedarf, Jeder an seinem Teile, und Alle, einzeln hell und scharf, ein starkes Bündel Pfeile. Du bist in Not, steh selbst dir bei, und zeig' der Welt, was Freiheit sei. Pflaume. —— 9⁷ Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 133. Nicht an den steinernen Altären, in eines Tempels engem Bau, im Freien will ich Gott verehren, hoch über mir des Himmels Blau, wo statt des Orgelklangs die Lüfte der Vögel Jubelklang durchschallt, wo statt der trüben Harle der Blumen Duft zum Himmel wallt. 2. Dort ist der Himmel klar und heiter, ringsum die Flur, sie grünt, sie blüht; da wird das Herz mir freier, weiter, und Frieden zieht in mein Gemüt. Ich sinke betend vor ihm nieder, voll Andacht schau' ich himmelwärts, dem Schöpfer schallen meine Lieder, ihm jubelt Dank mein volles Herz. 3. Dort sinkt des Glaubens enge Schranke, von Menschen klügelnd aufgestellt; es weht ein göttlicher Gedanke durch Gottes freie, schöne Welt. Nur eine einzige Gemeinde steht hier in heißem Herzensdrang; wir sind ja alle Brüder, Freunde bei diesem ein'gen Kirchengang. Fr. Blau. Eigene Melodie. 134. Brüder, reicht die Hand zum Bunde; diese schöne Feierstunde führ' uns hin zu lichten Höh'n. Laßt, was irdisch ist, entfliehen; unsrer Freundschaft Harmonien dauern ewig fest und schön. 2. Preis und Dank dem Weltenmeister, der die Herzen, der die Geister für ein ewig Wirken schuf. Licht und Recht und Tugend schaffen durch der Wahrheit heil'ge Waffen, sei uns göttlicher Beruf. 8 3. Ihr auf diesem Stern die Besten, Menschen all' in Ost und Westen, wie im Süden und im Nord! Wahrheit suchen, Tugend üben, Gott und Menschen herzlich lieben, das sei unser Losungswort. Goethe. Chorgesang. 135. Brüder, Schwestern, hebet eure Blicke mit Vertrau'n zum starken Gott empor, der mit Weisheit lenket die Geschicke; der da will, daß Wahrheit uns beglücke; der zum heil'gen Werke uns erkor. 2. Seid beharrlich! Laßt den Mut nicht sinken! Jeder tue, was die Pflicht gebeut. Laßt die Feinde sich zusammenrotten, laßt sie unsern Tempelbau verspotten: Licht und Liebe siegt zur rechten Zeit! 3. Soll das große, heil'ge Werk gelingen, müssen auch im Kleinsten treu wir sein; müssen freudig jedes Opfer bringen, mit der eig'nen Schwäche siegend ringen, unser Herz der guten Sache weih'n. K. Kerbler. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. 136. An Roma's Felsen angekettet, von fin⸗ stern Hütern streng bewacht, lag noch, in Trug und Wahn gebettet, der Menschengeist in dunkler Nacht. Da tönt' es laut: es werde Licht! Der Weltgeist rief's, und— es ward Licht! 2. Es stieg aus still bescheidner Hütte ein lichter Stern am Himmel auf. Erwärmend drang in uns're Mitte sein Strahl und schloß die Herzen auf. Die Liebe wurde unser Hort, und Wahrheit unser Losungswort. 99 3. Und rings begann das Eis zu tauen, das viele Herzen noch umschloß, und über alle deutsche Gauen ein Frühlingssegen sich ergoß. Es brach die Glaubenstyrannei, der Geist der Menschheit wurde frei. G. Gräve. Mel. Ein' feste Burg ist unser Gott. 137. Ein' feste Burg ist unser Gott im Kampf für Licht und Wahrheit. Der Feinde Arglist wird zum Spott; Wir dringen fort zur Klarheit. Durch Nacht getrost zum Licht, für Wahrheit, Recht und Pflicht! Vernunft und Wissen⸗ schaft, der Menschheit höchste Kraft: sie leiten uns zum Siege! 2. Wir bau'n der Wahrheit Gottesreich. Wer könnte uns besiegen! Es ist vergeblich, will man gleich uns oft mit Macht bekriegen. Verschmäht man unser Tun: Wir wollen doch nicht ruh'n! Ist Undank unser Teil: Wir dringen fort zum Heil! Wer könnt' uns so besiegen! 3. Ist nicht in uns der Gottheit Kraft? Nichts, nichts soll uns erschrecken! Der Feinde große Brüder⸗ schaft soll uns're Kraft nur wecken. And sind wir schwach allein, lass't dann uns im Verein der Menschheit höh'res Sein erstreben fromm und rein. Was sollt' uns dann noch schrecken! Oeihnachten. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 138. Tag der Weihnacht, uns beschieden, uns und allem Volk zur Lust, sende deinen Himmelsfrieden, senk' ihn tief in unsre Brust, daß 8* ö 100⁰ sich rings die Herzen heben, daß der Geist erfüll' das Leben, das, von Menschenliebe voll, göttlich sich gestalten soll. 2. Stern der Wahrheit, überwinde Wahn und Haß! Tritt hell hervor, daß im Licht sich wiederfinde, was in Nacht sich bang verlor! Leucht' ins Dunkel aller Herzen, sende Trost dem Sohn der Schmerzen! Stern der Hoffnung, winke du, wink' Erlösung Jedem zu! 3. Holde, heil'ge Himmelsahnung, töne weiter sanft und mild! Aller Edlen sel'ge Mahnung werde endlich froh erfüllt! Und daß unserm Weiheliede folgen mög' ein Gottesfriede, stimmet treu gelobend ein:„Allen mög' ein Himmel sein!“ Mel. Welche Tiefen. 139. Heilge Nacht, auf Engelschwingen nahst du leise dich der Welt, und die Glocken hör' ich klingen, und die Fenster sind erhellt. Selbst die Hütte trieft von Segen, und der Kinder froher Dank jauchzt dem Himmelskind entgegen, und ihr Stammeln wird Gesang. 2. Mit der Fülle süßer Lieder, mit dem Glanz um Tal und Höh'n, heil'ge Nacht, so kehrst du wieder, wie die Welt dich einst gesehn, da die Palmen lauter rauschten, und, versenkt in Däm⸗ merung, Erd' und Himmel Worte tauschten, Worte der Verkündigung. 3. Da mit Purpur übergossen, aufgetan von Gottes Hand, alle Himmel sich erschlossen, glänzend über Meer und Land; da, den Frieden zu ver⸗ künden, sich der Engel niederschwang, auf den Höhen, in den Gründen die Verheißung wiederklang. —— 10¹ 4. Heil'ge Nacht, mit tausend Kerzen steigst du feierlich herauf; o so geh' in unsern Herzen, Stern des Lebens, geh' uns auf! Schau', im Himmel und auf Erden glänzt der Liebe Rosen⸗ schein: Friede soll's noch einmal werden, und die Liebe— König sein! R. Prutz. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 140. Sei uns gegrüßt von Herzensgrunde, du schöne, freudenreiche Zeit! Du bringst uns neue, frohe Kunde von ihm, dem Herrn der Herrlichkeit, der nun zu unserm Trost erscheint und liebend sich mit uns vereint. 2. Wie die Propheten ihn verheißen, so kehrt er segnend bei uns ein, uns allem Elend zu entreißen, uns Meister, Heiland, Freund zu sein. Er kommt! Von seinem Licht erhellt, wird neu das Leben, neu die Welt. 3. O komm, du Gottessohn, und zeige im Geist auch uns dein Angesicht, daß jedes Herz sich zu dir neige und huld'ge deinem Himmels⸗ licht. Bereit' uns selbst, dich zu empfah'n und still verehrend dir zu nah'n. Köthe. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 141. Du Stern der Weihnacht, freundlich scheine in unsres Lebens dunkle Nacht, daß hoffnungslos kein Herz mehr weine, das deiner Wahrheit je gedacht; daß auch des tiefsten Elends Tränen ein Blick der Freude noch durchbricht, weil ihm der Menschheit schönstes Sehnen aufging in deinem milden Licht. Bitterl. Gsb. 10² Mel. Welche Tiefen. 142. Stern von Bethlehem, o scheine, Stern der Liebe, wieder klar! Licht des Le⸗ bens, o vereine um dich her der Treuen Schar. Stern der Wahrheit, überwinde Wahn und Haß; tritt hell hervor, daß im Licht sich wiederfinde, was in Nacht sich lang verlor. 2. Süße Himmelstöne hallen über die er⸗ wachte Welt; denn den Menschenherzen allen ist der Himmel aufgehellt. Alle Geister jauchzend loben ihn, der uns gesandt den Stern:„Preis und Dank dem Vater droben, Lob und Ehr' und Ruhm dem Herrn!“ 3. Hohe, heil'ge Himmelsmahnung tönt in's Herz und hallt dann nach! aller Edlen lange Ahnung wird erfüllt am nahen Tag. O so stimmt zum Himmelsliede, Erdensöhne, freudig ein:„Allen soll ein Gottesfriede, und die Erde— Himmel sein 1 4. Uebertönt, ihr heil'gen Töne, allen Ruf zu Haß und Streit! Stern von Bethlehem, ver⸗ schöne neu die Welt, dem Licht geweiht! Leucht' in alle Nacht der Schmerzen tröstend, ewiger Liebes⸗ stern! Leucht ins Dunkel aller Herzen, ewig treues Aug' des Herrn. Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 143. Dein König kommt! O arme Erde, froh⸗ locke nun und freue dich! Er kommt, daß er dein Retter werde; all deiner Not erbarmt er sich. Einst ging ihm Juda's Volk entgegen mit Jubelruf und Palmenstreu'n; da brach ein wunder⸗ barer Segen in diese Erdenwelt herein. 103 2. Der Geist, der aus der ew'gen Fülle ge⸗ boren in der Menschheit lebt, er ist es, dessen Kraft und Wille zu schön'rem Dasein dich erhebt. Geh' deinem Retter froh entgegen und mache eben ihm die Bahn; dann wird er dir auf tausend Wegen mit Licht und Kraft und Freude nah'n. Fr. Baltzer. Chorgesang. 144. Dein König kommt in niedern Hüllen, ihn trägt der lastbar'n Es'lin Füllen; empfang' ihn froh Jerusalem! Trag' ihm ent⸗ gegen Friedenspalmen, bestreu' den Pfad mit grünen Halmen, so ist's dem Herren angenehm. 2. O mächt'ger Herrscher ohne Heere, ge⸗ walt'ger Kämpfer ohne Speere, o Friedensfürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren den Weg zu deinem Throne sperren; doch du ge— winnst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden; doch aller Erde Reiche werden dem, was du gründest, untertan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten zieht deine Schar nach den vier Orten der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommest hergezogen, da ebnen sich des Meeres Wogen, es schweigt der Sturm, von dir bedroht; du kommst auf den empörten Triften, des Lebens neuen Bund zu stiften, und schlägst in Fesseln Sünd' und Tod. 5. O Herr von großer Huld und Treue, o komme du auch jetzt auf's Neue zu uns, die wir sind schwer verstört; Not ist es, daß du selbst hienieden kommst, zu erneuern deinen Frieden, da⸗ gegen sich die Welt empört. 10⁴ 6. O laß dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finsternis erliegen, und lösch der Zwie⸗ tracht Glimmen aus; daß wir, die Völker und die Thronen, vereint als Brüder wieder wohnen, in deines großen Vaters Haus. Fr. Rückert. Chorgesang. 145. Stille Nacht, heilige Nacht! Alles schläft, einsam wacht nur das traute, hoch⸗ heilige Paar. Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf' in himmlischer Ruh! 2. Stille Nacht, heilige Nacht! Hirten erst kund gemacht durch der Engel Halleluja, tönt es laut von fern und nah:„Jesus, der Retter, ist da!“ 3. Stille Nacht, heilige Nacht! Gottes Sohn, o wie lacht Lieb' aus deinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund', Jesus, in deiner Geburt. Mel. Lobe den Herrn. 146. Ehre sei Gott in der Höhe! Der Herr ist geboren, Allen zum Heiland vom ewigen Vater erkoren. Lasset uns sein dankvoll, ihr Brüder, uns freu'n; ist er nicht auch uns ge⸗ boren? 2. Schatten und Dunkel bedeckten den Erd⸗ kreis, es irrten Völker umher wie die Herden, verlassen von Hirten. Jesus erschien, Nächte ver⸗ schwanden durch ihn, die auch den Weisen ver⸗ wirrten. 10⁵ 3. Menschen, berufen, sich untereinander zu lieben, folgten der Zwietracht und Bitterkeit feind⸗ lichen Trieben. Jesus erschien, lehrte den Menschen⸗ haß fliehn, lehrte den Frieden uns lieben. 4. Wohltun und Segen entsprossen des Himm⸗ lischen Schritten; Trost und Erquickung trug er in der Weinenden Hütten. Selbst er, ihr Freund, hatte vielfältig geweint, selber geduldet, gelitten. 5. Ehre sei Gott in der Höhe! ein ewiges Leben sollen wir unserm Erlöser nachfolgend er⸗ streben. Bis in das Grab stieg er, sich opfernd, hinab, uns zu dem Licht zu erheben. Niemeyer. Eigene Melodie. 147. Geist vom Geiste, Licht vom Lichte, kamst du nieder in die Welt; und es ward die dunkle Erde wunderbar durch dich erhellt. 2. Von der finstern Macht des Bösen, aus des Geistes tiefster Not deine Brüder zu erlösen, starbst du frei der Liebe Tod. 3. O, wie war des Himmels Wonne und der Menschheit Freude groß? Denn die Armen wurden selig, die Gefang'nen wurden los. 4. Und dein Tod ward uns zum Leben, denn es geht dein Gotteswort, auf zu Gott uns zu er⸗ heben, durch die weite Erde fort. 5. Finst're Nacht, dein Reich wird fallen! Alle Herzen werden rein, alle Seelen frei durch Wahrheit, selig durch die Liebe sein. 106 6. Doch die finster'n Erdenmächte sind in uns noch nicht besiegt, weil in jeder Menschenseele Himmel und auch Erde liegt. 7. Darum leit' uns, Fürst des Lebens, auf der Wahrheit lichter Bahn. Geh' im Leben, geh' im Sterben nur zum Siege uns voran! Dul. Gsb. Mel. Nun freut euch, liebe. 148. Flis auf des Lebens dunklem Pfad, arm aus der ärmsten Hütte, der große Freund der Menschen trat in seiner Brüder Mitte, da pflanzt' er Lieb' und Gottvertrau'n wohltätig in die Tränenau'n des armen Menschenlebens. 2. D'rum hat sich Lieb' und Innigkeit das Weihnachtsfest erkoren, und Freud' und Wohltun dem geweiht, der einst der Welt geboren. Beglückt vereint sich Groß und Klein, um in der Liebe Sonnenschein sein schönes Fest zu feiern. 3. O, segne,— du bist segensreich— du Gott der Mild' und Güte, die zarten Herzen, sanft und weich, der Menschheit neue Blüte, damit das künftige Geschlecht im Lieben treu, im Leben recht, dir deinen Tempel baue. Mahlmann. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 149. Dann endlich wird zur Wahrheit werden der Engelsgruß der Weihnachtszeit, wann wird es Friede sein auf Erden, Verständigung statt blut'gem Streit? Wann wird der Schrei der Not verhallen, die um ihr Recht muß betteln gehn, und auf der Menschen Wohlgefallen der Himmel freundlich niedersehn? 2 10⁷ 2. Schön ist's, zu hoffen und zu träumen, vom Glanz des Festes eingewiegt, wenn unter duft'gen Tannenbäumen die Welt im Kindes⸗ schlummer liegt, doch mahnend tritt schon auf die Schwelle das neue Jahr mit neuem Graus und löscht in kühler Morgenhelle der Weihnachtsfreude Lichter aus. 3. Drum steh'n wir tapfer auf dem Plane nach treuer deutscher Männer Art und halten hoch die alte Fahne, um die wir lange schon geschart. Siegfreudig schlagen uns're Herzen entgegen einer hell'ren Zeit. Der Hoffnungsstrahl der Weihnachts⸗ kerzen erfüllt die Brust mit Freudigkeit. 4. Die Welt befreien und erlösen, das ist auch uns'res Kampfes Ziel. Er gilt dem Schlechten und dem Bösen, des Unrechts frevelhaftem Spiel. Frei soll sich jede Kraft erproben, nicht scheide mehr sich Herr und Knecht. Es beug' so unten sich wie oben, ein Jeder vor dem gleichen Recht! jahresschluß und Neujahr. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 150. Und wieder neigt ein Jahr zum Ende, ein Jahr voll Arbeit, Kampf und Not, verheißungsvoll an seiner Wende strahlt wiederum das Morgenrot, und mahnt zu gläubigem Ver⸗ trauen auf eine Zukunft schön und licht, doch nur der Tapf're wird sie schauen, dem feigen Knecht erblüht sie nicht! 2. Vergeblich muß die Zeit verrinnen, legt ihr die Hände in den Schoß, wer hofft und harrt, kann nichts gewinnen, die Arbeit ist des Menschen 108 Los. Begehrt von keines Mächt'gen Gnade den Lohn, der nur den Fleiß beglückt; der Mann steht aufrecht und gerade, indes der Bettler scheu sich bückt. 3. Aufrecht bleibt auch im Kampfe stehen, im Kampf für unser gutes Recht, seht hoch der Frei⸗ heit Banner wehen, es führt uns wieder zum Ge⸗ fecht; schon schien zu Boden es gesunken, da hat das Volk sich aufgerafft, und an dem Feind, der siegestrunken, bewährt sich neu die alte Kraft! 4. Arbeit und Kampf, Müh' und Beschwerde, dazwischen fließt das Leben hin, und ewig bleibt auf dieser Erde die Not des Menschen Lehrerin. Beneidet den nicht, dessen Wiege auf gold'nem Grunde sicher stand, ihn preiset, der nach schwerem Siege sich und sein Schicksal überwand! 5. Und dies bedenkt: Vom großen Ganzen ist auch der größte nur ein Teil, und unsre Arbeit auf den Schanzen, sie gilt dem allgemeinen Heil. Getrost dem neuen Jahr entgegen geh'n wir ge⸗ schlossen im Verein, und was es bringt an Glück und Segen, soll für die ganze Menschheit sein! A. Träger. Mel. Allmächtiger, wir preisen. 151. Hab Dank für deine Treue, Lob, Ehr' und Preis sei dir, du zeigtest dich auf's neue in deiner Liebe mir. Du warst es, der in Tagen des Kummers Kraft mir gab. Und droh'n mir neue Plagen, du bleibst mein Trost und Stab. 2. Ist noch ein jeder lebend, der heute vor dem Jahr in Lebensfülle strebend, mit Freunden fröhlich war? Gar mancher ist geschieden, o, wünscht ihm Ruh hinab, er liegt und schläft in Frieden. Ihm segne Gott sein Grab. 9 —— rnn 109 3. O, laßt in treuem Bunde uns enden diesen Tag. Des Jahres letzte Stunde tönt bald mit ernstem Schlag. O, hört ihn freudig tönen, der letzten Stunde Gruß, ein allgemein Versöhnen sei unser Jahresschluß. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 152. Dir beten dich, du Ew'ger an, unwandel⸗ bares Wesen, dich, den kein Wechsel treffen kann! Wir werden, sind gewesen, wir blühen, wir vergeh'n durch dich; nur du bist un⸗ veränderlich; du warst, du bist, du bleibest. 2. Es schreckt uns nicht der Zukunft Nacht, die unsern Pfad umhüllet; wir wissen, daß durch deine Macht uns Licht aus Nächten quillet. Und strahlt in uns dein heil'ges Licht, dann bangt uns vor den Stürmen nicht, die in der Zukunft drohen. Dul. Gsb. Mel. Grünt dir auch. 153. Fühle, Mensch, des Lebens Eil'; ach, es flieget wie ein Pfeil; unaufhaltsam. eilt's davon, bald, ja bald ist's ganz entflohn. 2. Drum hab' jeder Stunde Acht; wirke Gutes, denn die Nacht kommt und rücket schon heran, wo man nicht mehr wirken kann. Gellert. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 154. Noch steh' ich an der offnen Pforte, und weit hinaus trägt mich mein Blick; und wohl mit manchem Dankesworte schau' ich still. grüßend noch zurück. Dahin, dahin bist du ge⸗ zogen, du liebes Jahr voll Freud und Leid; nun tragen dich die raschen Wogen in's weite Meer vergangner Zeit. 2. Nun scheidest du und kehrst nicht wieder, ein lieber Freund, der's treu gemeint, und reihst dich an viel tausend Brüder, um die schon längst kein Herz mehr weint. Ich lehne mich in stillem Sinnen zum letzten Mal an deinen Stab; den neuen Lauf seh' ich beginnen; bald sinkt auch er, wie du, hinab. 3. Noch steht der Fremdling an der Grenze, grüßt Manchen wohl mit Tränenblick, trägt manche frische Blütenkränze, manch bräutlich holdes Jugend⸗ glück. Mir ist sein Antlitz noch verborgen; doch fürcht' ich nichts Verborg'nes mehr; denn sieh, es strahlt ein ew'ger Morgen hoch über seinem Haupt daher. 4. Ein Bote ist's der ew'gen Liebe in Tränen wie in Freudenlicht. Wenn jedes Herz doch furcht⸗ los bliebe! Die ew'ge Liebe wanket nicht! Hinauf, hinauf! es hat sich droben der Friedensbogen, ewigklar, der Schild des Heils für uns erhoben, für uns erhoben immerdar. Lieder einer Verborgenen. Mel. Wie schön leucht' uns der Morgenstern. 155. Ein Jahr dahin: wie flieht die Zeit mit aller Lust und allem Leid so schnell an uns vorüber. Bald scheint's, als wär's um uns getan, dann wieder aufwärts steigt die Bahn und dann wird's wieder trüber. Weiter, Streiter, nimm das Leben, wie sich's eben will gestalten. Wechselvoll ist alles Walten. CSöNNRNK. 1 KR 111 2. So trittst du in das neue Jahr, das sein wird, wie das alte war, voll Mühen und voll Sorgen. Darin bleibt sich das Leben gleich, an Wechsel und an Kämpfen reich, heut schön und dunkel morgen. Freuden, Leiden kommen, gehen. Nichts bleibt stehen. Alle Dinge ändern sich im Zeitenringe. 3. Was fürchtest du der Sorgen Zahl? Du hast genug schon Müh' und Qual im Leben über⸗ wunden. Und käm des Herzeleids noch mehr, er⸗ tragen wirst du wie seither die schweren, trüben Stunden. Enden, wenden wird das Leid sich, und die Freud sich wiederfinden. Auch die trübsten Stunden schwinden. 156. In diesen starren Wintertagen kommt warmes Wünschen recht in Fluß, es schmilzt manch eisiges Verzagen durch alter Liebe jungen Gruß; doch wem der Jammer nagt am Herzen um ein verlornes Lebensglück, fließt reicher noch der Quell der Schmerzen, denkt heute er daran zurück. 2. Wem von des Sensenmannes Hieben ein liebes Wesen sank in Staub, wem keine Hoff⸗ nung mehr geblieben auf neuen Frühling, junges Laub: dem wünsche ich ein stolz Entsagen und ein Vergessen endlos, tief, ein kraftvoll Dulden und Ertragen— des Seelenadels echten Brief. 3. Wem eines Jahres dunkles Walten nicht eine Aehre voll gereift, wem durch der Wolken dichte Falten kein Hoffnungsstrahl das Herz ge⸗ streift: dem wünsche ich noch Mut zum Hoffen, 11² noch Kraft zu künft'ger Ernten Saat, noch lieb⸗ reich Herz, noch Hände offen für and'rer Leid, zu guter Tat. 4. Wer sieglos für das Recht gestritten und für des Volkes Gut und Heil, wer für die Wahr⸗ heit hat gelitten der Lüge Gift, des Hasses Pfeil, dem wünsche Stärke ich im Glauben an der Ideen Sieg und Macht, die Henker nicht und Daumen⸗ schrauben, nicht Lug und Trug zu Fall gebracht. 5. Und allem Volk, das seufzt in Ketten, das stöhnet unter Druck und Not: wünsch' starkes Wollen ich, zu retten sich vor der Knechtschaft Schand und Tod. Nicht wünschen kann die Welt erlösen— nein, Wollen nur und frische Tat; denn Wurzel alles mächtig Bösen ist feiger Wünsche faule Saat. Robert Seidel. Mel. Allmächtiger, wir. 157. Des Jahres erster Morgen entstieg dem Strom der Zeit und trug die alten Sorgen in's Meer der Ewigkeit. Jauchzt diesem Tag entgegen, der neues Leben bringt; empfangt mit Dank den Segen, mit dem er uns durchdringt. 2. Da uns ein Rosenleben nicht immer blühen kann, nehmt ohne Widerstreben auch seine Dornen an. Müh'los den Kranz geschlungen, heißt nicht verdient— geraubt! Im Kampfe nur errungen, schmückt er des Weisen Haupt. 3. Laßt drum im neuen Jahre uns Müh' und Kampf nicht scheu'u, und für das Rechte, Wahre den alten Bund erneu'n! Laßt, Brüder, uns auf's Neue am Weisheitstempel bau'n; dann können ohne Reue wir vor⸗ und rückwärts schau'n. 113 Mel. Allein Gott in der Höh'. 158. Gott ruft der Sonne, ruft dem Mond, das Jahr danach zu teilen; er, der im Weltall ewig wohnt, er heißt die Zeiten eilen. Er ordnet Jahr und Tag und Nacht; laßt uns erhöh'n den Gott der Macht und dankbar vor ihm weilen. 2. Herr, der da ist und der da war! Von dankerfüllten Zungen sei dir für das verfloss'ne Jahr ein frohes Lied gesungen; für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rat, für Fried' und Ruh', für jede Tat, die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies Jahr gesegnet sein, das du uns neu gegeben; verleih' uns Kraft, die Kraft ist dein, in deinem Geist zu leben. Zu segnen bist du stets bereit, wenn wir nach der Gerechtig— keit und deinem Reiche streben. 4. Laß Weisheit und Gerechtigkeit regieren auf den Thronen, und Tugend und Zufriedenheit im Vaterlande wohnen; daß Treu' und Liebe bei uns sei, dies, Menschenvater, dies verleih' den Bitten deiner Kinder. Gellert. Chorgesang. 159. Ilit der Freude zieht der Schmerz trau— lich durch die Zeiten; schwere Stürme, milde Weste, bange Sorgen, frohe Feste wandeln sich zur Seite. 2. Und wo manche Träne fällt, blüht auch manche Rose; schon gemischt, noch eh' wir's bitten, ist für Thronen und für Hütten Schmerz und Lust im Lose. 11⁴4 3. War's nicht so im alten Jahr? Wird's im neuen enden? Sonnen wallen auf und nieder; Wolken gehn und kommen wieder, und kein Wunsch wird's wenden. 4. Gebe denn, der über uns wägt mit rechter Wage, jedem Sinn für seine Freuden, jedem Mut für seine Leiden in die neuen Tage. Hebel. n, jahres⸗ und Tageszeiten. Mel. Sollt ich meinem Gott. ů 160. Höher hebt sich Gottes Sonne, länger strahlt uns nun ihr Licht, alles atmet neue Wonne, wenn sie durch die Wolken bricht. Schau', der Frühling senkt sich nieder in die Wälder, auf die Flur! die erstorbene Natur lebet auf und wirket wieder. Opf're deinem Schöpfer 5 Dank! Preis' ihn fröhlich, mein Gesang. 2. Munter zu der Arbeit wallet nun der Landmann hin auf's Feld, und sein frohes Dank⸗ lied schallet laut empor zum Herrn der Welt. Er x vertraut die Saat der Erde; ehrt durch fromme 6 Zuversicht seinen Gott und zweifelt nicht, daß sie wohl geraten werde; bringt schon hoffnungs⸗ voll ihm Dank. Preis' auch du ihn mein Gesang. 3. Glänzend und im Feierkleide prangt die blütenreiche Flur. Jede Blume duftet Freude, 6 preist den Schöpfer der Natur. Und der Vögel bunte Chöre, hier der süßen Nachtigall, dort der munter'n Lerche Schall. Alles bringt dem Schöpfer Ehre. Bring' auch du ihm Lob und Dank, preis“ ihn fröhlich mein Gesang! — 11⁵ 4. Dieser Frühling, wie geschwinde, d wie schnell wird er verblüh'n! Wie die Spreu ver⸗ weht vom Winde, so wird seine Pracht entflieh'n. Aber Gott! vor deinem Throne wird ein ew'ger Frühling sein; ewig wird er uns erfreu'n, ringen wir nach jener Krone, die der Glaube stets errang. Ewig preis' ihn, mein Gesang! Münter. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 161. Es strömt aus dunk'len Waldesschatten ein Meer von Liedern auf mich ein, und den betauten Wiesenmatten entsteigen Opfer⸗ düfte rein, und endlich, bei dem Klang der Töne, erscheint die Sonne wie ein Held, und steht in ihrer Strahlenschöne, und leuchtet hell der frohen Welt. 2. Wer ruft den Lenz, daß er erfreuend uns naht in seiner Lichtgestalt? daß er erweckend und erneuend, ein Engel, uns vorüberwallt? Wer ruft den goldnen Morgenröten? Wer heißt die Sonne aufersteh'n? Wer ist es, dem die Sänger flöten ihr Jubellied auf grünen Höh'n? 3. Das ist der Vater, der allmächtig in's Chaos rief:„Es werde Licht!“ Es wandeln Sonnen groß und prächtig dahin vor seinem An⸗ gesicht; und daß er über jenen Scharen der armen Erde nicht vergißt, muß allen Völkern offen⸗ baren, daß er ein guter Vater ist. 4. Heil mir, ich darf dich frei bekennen, du hoher Weltgeist über mir, darf dich, o Ew'ger Vater nennen, denn Vaterliebe strömt von dir! 9*³ 116 O Herr, Herr, außer dir ist keiner! Wer ist so reich, so groß, wie du! Der Lenz ist deiner Boten Einer und führt uns deiner Liebe zu. 5. Er ist ein Seligkeitverkünder und bringt hernieder Trost und Mut; sein Liebesblick bewegt den Sünder und macht ihn wieder fromm und gut. Wo kann das kalte Herz erwarmen? Wo blüht ihm Lust nach herbem Leid? Natur, Natur in deinen Armen, und Lenz, in deiner Herrlichkeit! Dul. Gsb. Mel. Allein Gott in der Höh'. 162. Es baut, o Gott! auf dein Geheiß der Menschen Hand die Erde, voll Hoffnung, daß ihr reger Fleiß von dir gesegnet werde. Auf dein Versprechen trauen sie: Du sollst dein Brod bei Fleiß und Müh', so lang du lebest, essen. 2. Noch immer traf dies Wort auch ein; gib ferner deinen Segen, daß Saat und Pflanzen wohlgedeih'n; gib Sonnenschein und Regen! Der Landmann baut umsonst das Land, wenn deine milde Vaterhand nicht seine Arbeit segnet. 3. Wir trau'n auf dich, o guter Gott! und lassen dich nur walten; du kennst am besten uns're Not und kannst uns leicht erhalten. So wirst du denn zu deinem Ruhm auch uns, dein Volk und Eigentum, noch ferner wohl versorgen. Münter. )———————⏑—2— 5 2—. XS I„I——2—— — ⏑ ⏑᷑— 117 ö Eigene Melodie. 163. Rund um mich her ist Alles Freude, ver⸗ schönt ist, Schöpfer, deine Welt; es prangt im bunten Feierkleide Gebirg und Tal und Wald und Feld. Wie heilig wird mir jede Stätte! Wohin ich seh', wohin ich trete, erblick' ich dich, o Schöpfer! dich; wohin ich seh', auf allen Fluren, in allen deinen Kreaturen, erblick' ich, Welter— halter, dich. 2. Das Säuseln in belaubten Bäumen ruft: freudig müßt ihr Gott erhöh'n; die Zeit in Schwermut zu verträumen, ist Gottes Welt für euch zu schön. Mir ruft, beglänzt vom Morgen⸗ strahle, der Felder Reichtum in dem Tale und auf den Höhen: lob't den Herrn! Mir rufen Land und Wasserfluten:„Gott ist der Urquell alles Guten, er segnet und erfreut so gern.“ 3. Wie beugen sich der Saaten Spitzen, wie schwellen sie den Segen an, daß kaum der Halm die Aehre stützen, die reiche Last kaum tragen kann! Der Düfte kühle Lieblichkeiten, die Wälder um sich her verbreiten, hat Gott für dich, o Mensch, gemacht. Die Rosen blühen, dich zu schmücken; und tausendfach dich zu erquicken, lacht dir der Blumengärten Pracht. 4. Umringt von hoher Lust und Freude, o freu' auch, meine Seele, dich! In Gottes schönem Weltgebäude freut Alles, was da lebet, sich. Dein Lobgesang in hoher Wonne erhebe sich, wie Gottes Sonne sich hoch hinauf am Himmel hebt; stimm' an die frohen Jubelchöre, und bringe Gott Lob, Preis und Ehre mit allem, was auf Erden lebt. 5. Wie hast du, Gott der Macht und Güte! so liebevoll an uns gedacht. Schön ist des Früh⸗ lings junge Blüte, schön ist des Sommers reiche Pracht. Zum vollen, fröhlichen Genusse empfängt von deinem Ueberflusse, Gott, was da lebet, Speis' und Trank; Gebirge geben, Täler geben, was Allen nötig ist zum Leben, und Alle jauchzen froh dir Dank. Cramer. Mel. Mir nach, spricht. 164. Ilicht für der Felder Segen nur, auch für den Schlummer der Natur, für Frost und Winter danken wir, Herr, unser Gott und Vater, dir! 2. Zwar liegt ihr grüner Schmuck zerstört, von Schnee und Eis und Sturm verheert; ein weites weißes Grabgewand deckt Berge, Hügel, Tal und Land. 3. Doch hegt die Erde, still und groß, die zarte Saat in ihrem Schoß, die sich im Frühling segensvoll entwickeln und uns nähren soll. 4. So nähret liebreich und geheim der holden Tugend ersten Keim die Mutter mit verborg'ner Lust in ihrer zarten Kinder Brust. 5. So tut, was And're segnen kann, der gute, der bescheid'ne Mann, sucht, wenn sein Tun nur Gott gefällt, nicht das Geräusch des Ruhm's der Welt. 6. Doch wachsen soll der Tugend Saat, aufblüh'n, was er im Stillen tat, zu reichen Ernten in der Zeit, zu reicher'n in der Ewigkeit. 7. Mag brausen dann wohl um uns her des Winters Sturm,— auch er, auch er ist deines Segens Diener, Gott, so fürchterlich er immer droht. 119 8. Und wie viel Freuden danken wir selbst in des Winters Tagen dir, der du so väterlich uns trägst, und sättigest, erwärmst und pflegst! 9. Durch alle Zeiten, Vater, sei dir, wer dich kindlich ehrt, getreu! Laß Jeden deinen Ruhm erhöh'n und freudig deine Wege geh'n! Dul. Gsb. Mel. Ich dank dir schon. 165. Mein erst' Gefühl sei Preis und Dank! Erhebe Gott, o Seele, er höret deinen Lobgesang, lobsing' ihm, meine Seele. 2. Gelobet sei'st du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, daß ich, nach einer sanften Nacht, mich dieses Tages freue. 3. Laß deinen Segen auf mir ruh'n, mich deine Wege wallen, und lehre du mich selber tun nach deinem Wohlgefallen. 4. Daß ich das Glück der Lebenszeit mit heiterim Mut genieße, und meinen Lauf mit Freudigkeit, wann du gebeust, beschließe. Gellert. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 166. Dertlärt vom jungen Morgenlichte, durch sanfte Ruh der Nacht erquickt, steh'n wir vor Gottes Angesichte, zum neuen Tagewerk geschick. Dir, der das Lager uns bereitet, der uns an dieses Tages Licht mit treuer Vaterhand geleitet, dir sei geweiht des Tages Pflicht. 2. O laß uns heut und immer wandeln vor deinen Augen fromm und rein, dir unser Denken, unser Handeln, des Herzens beste Kräfte weih'n. Mag dann der Lebenstag sich neigen früh oder spät in Abendglut: war nur der ganze Tag dein eigen, so machst du auch den Abend gut. K. Georgi. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 167. Der Abendröte Purpurschwingen er— bleichen vor dem Hauch der Nacht, und bei der Glocken fernem Klingen sind Sternen⸗ augen aufgewacht. Es zieht der Strom im alten Bette in stets erneuter Wiederkehr, und Well' an Welle schlingt die Kette hinaus ins weite blaue Meer. 2. Mit tausend unsichtbaren Armen zieht uns Natur ans Mutterherz, läßt heimisch kindlich uns erwarmen und stillt des ew'gen Sehnens Schmerz; sie bannt uns zwischen Zauberbildern, sie gibt den steten Sorgen Rast, und weiß des Geistes Durst zu mildern, der nach der höchsten Wahrheit faßt. 3. O Gruß der Stille, sanfter Friede, o labungsvoller Hauch der Ruh, schließt vor dem müden Augenlide sich diese Welt des Tages zu. Das Herz erbebt in heil'ger Feier, es wird be— schwingt zu leisem Flug, und rings der deutungs— reiche Schleier ist seiner Frage schon genug. 4. Der Himmel glänzt; auf weiten Bahnen zieh'n Sterne dort in ew'gem Lauf; und bei des Herzens tiefem Ahnen blickt unser Heimweh still ——2..4E—— 121 hinauf, als rauschten dort des Friedens Palmen, nach denen kühn die Seele greift, indeß der Fuß von schwanken Halmen nur kühlen Tau hernieder— streift. Hessemer. Mel. Welche Tiefen, welche. 168. Friedlich ist die Brust gehoben, und das Herz, es wird beschwingt, da des Tages lautes Toben leiser ward und jetzt ver— klingt; da des Abends duft'ger Schleier dämmernd nun die Welt umwebt, und des Geistes stille Feier uns beginnt, von Gott belebt. 2. Was wir wünschen und erzielen, bleibt wohl lang noch unerreicht. Doch des Tages Wogen spielen nun ans Ufer sanft und leicht. Und es senkt der Sturm die Schwingen; nur ein Säuseln weht uns an; ach, und Gottes Hauche dringen mahnender ans Herz heran. 3. Was uns brüderlich vereinigt, was die Liebe schafft und tut; was uns läutert, was uns reinigt und erfüllt mit Gottesmut; was ein hoch— erhabner Wille je gewirkt in Kraft und Lust, Alles dies belebt die Stille unsrer Feier, unsrer Brust. 4. Höher schlägt das Herz und milder; an den Sternen hängt der Blick; es umschleiern Friedensbilder freundlich jegliches Geschick; und erquickungsreich und labend schließt sich so für uns der Tag, wie sich einst am Feierabend unser Leben schließen mag. Hessemer. 12² 2 Mel. Befiehl du deine Wege. 169. Es ist so still geworden, verrauscht des Abends Wehn; nun hört man aller⸗ orten die Friedensboten gehn. Rings in die Täler senket sich Finsternis mit Macht;— wirf ab, Herz, was dich kränket, und was dir bange macht. 2. Es ruht die Welt im Schweigen, ihr Tosen ist vorbei, stumm ihrer Freude Reigen, und stumm ihr Schmerzensschrei. Hat Rosen sie geschenket, hat Dornen sie gebracht,— wirf ab, Herz, was dich kränket, und was dir bange macht! 3. Und hast du heut gefehlet, o schaue nicht zurück; empfinde dich beseelet von freier Gnade Glück. Auch des Verirrten denket der Herr auf hoher Wacht,— wirf ab, Herz, was dich kränket, und was dir bange macht! 4. Nun stehn im Himmelskreise die Stern' in Majestät; in gleichem festem Gleise der goldne Wagen geht. Und gleich den Sternen lenket er deinen Weg durch Nacht,— wirf ab, Herz, was dich kränket, und was dir bange macht! G. Kinkel. Chorgesang. 170. Dinke nieder Sonne; trinke kühlen Abendtau; Stern der Liebe, leuchte fern im tiefen Himmelsblau. ö 2. Friede Gottes, tön' im Liede, das die Seele hebt; zieh in wunde Herzen, die ein tiefes Weh durchbebt. 3. Süße, heil'ge Ruhe! fließe sanft durch jede Brust, wie ein Bach durch Blumen, die sich guter Tat bewußt. 123 4. Steige leise nieder, zeige dich in deiner Pracht, deck die müde Erde, weck' die Sterne, heil'ge Nacht! K. Kerbler. Mel. Vom Himmel hoch. 171. Erhebe dich, mein Herz, wach' auf! Es steigt der junge Tag herauf. Begrüße froh das Morgenlicht, das durch das nächt'ge Dunkel bricht. 2. Es will der warme Sonnenstrahl aus dir verscheuchen Sorg' und Qual. Drum öffne ihm die weite Brust und fühle neue Lebenslust. 3. Die Sonne geht durch Land und Meer, und schaffet Segen ringsumher. Zum Guten nütz' auch du die Zeit und sei zum Wirken stets bereit. 4. Was gestern du gelitten hast, vergiß es heut, wirf ab die Last! Noch winkt die Freude hier und dort, drum wandre mutig weiter fort! K. Kerbler. 8* 5. Besondere Feiern. (Kindesweihe Taufe Jugendweihe[Konfirmation], Trauung Ehe, Familie]) Kindesweihe(Taufe). Chorgesang. 172. Hordes Kind, lieblich und mild, schaust du ins Leben, der Unschuld Bild. Will— kommen, willkommen in unserm Verein; den Kin⸗ dern gehöret der Himmel allein; bring' uns auch Segen und Heil! 2. Wogt auch die Welt wild wie ein Meer, stürmt auch der Haß durch die Menschen daher, hält doch die Liebe dich sicher und warm; ruhst ja so friedlich der Mutter im Arm; Bote des Friedens, Glück auf! Rasche. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 170. Tilltommen, zarte Erdenblüte, die Gottes Hauch erschloß zum Licht! Dir lächelt Gottes Vatergüte hold aus der Eltern Angesicht. Wie dich die Mutterträne weihte zur Lieb' für's ganze Erdensein, so weiht dich jetzt zum künft'gen Streite für Lieb' und Licht die Taufe ein. ——172523—2———— 5e„„„ N; r 12⁵ 2. Getauft mit Wasser, rein und helle: o halte stets das Herz dir rein. Es soll wie eine klare Quelle stets nur des Himmels Spiegel sein. Treu folge du dem Freund der Kinder, in dessen Namen du geweiht, dem mut'gen Todesüber⸗ winder, der auch dem Feinde gern verzeiht. Dul. Gsb. Mel. Seelenweide. 174. Caßt die Kindlein, laßt sie kommen zu des Meisters Herz und Hand; Eltern wird und Kindern frommen seines Geistes Liebes⸗ band. 2. Helles Aug' auf alles Schöne lenkt dein Kind dann freudenvoll; daß das Herz sich früh gewöhne zu dem Einen, was es soll. 3. Und so wächst zu ächter Jugend uns're Kinderwelt heran, wenn des Meisters hohe Tugend frühe schon ihr Herz gewann. Ed. Baltzer. jugendweihe(Konfirmation). Mel. Welche Tiefen. 47. Herr, zu deines Reiches Bürgern weiht sich dir der Kinder Schar! Laß sie wachsen in der Wahrheit, in der Liebe immerdar; in der Wahrheit, die das Leben frei und froh zum Opfer gibt; in der Liebe, die in allen Brüdern dich, o Vater, liebt! 2. Laß ihr Herz für's Wohl der Menschen schlagen, bis es einstens bricht. Fülle du die jungen Seelen ganz mit deiner Wahrheit Licht. 126 Laß den Mut, der sie durchdringet, auch in unserm Herzen weh'n, daß er uns're auch ver⸗ jünget, daß wir treu zu ihnen steh'n. 3. Laß sie schaffen, laß sie wirken für der Menschheit großen Tag, daß er einst zu deiner Ehre weltversöhnend leuchten mag. Laß sie deines Friedens Boten, deiner Wahrheit Zeugen sein, und in deinem Vaterherzen schließe du sie liebend ein. Dul. Gsb. Eigene Melodie.(Die Konfirmanden). 176. Geist der Wahrheit, Geist der Liebe, den der Herr den Jüngern gab, läut're jeden uns'rer Triebe, Geist der Liebe, Geist der Wahrheit, komm' zu uns herab. 2. Geist der Wahrheit, Geist der Liebe! Nebel hüllt des Menschen Pfad. Führ' ihn du zur Sonnenklarheit, Geist der Liebe, Geist der Wahr⸗ heit, sei uns Licht und Rat. Mel. Allmächtiger, wir. 177. Das Wort habt Ihr gegeben; die Gott⸗ heit geb' Euch Kraft, daß Ihr in treuem Streben dem Wort Erfüllung schafft! O ringt nach Geistesklarheit; bewahrt das Herz Euch rein. Durch Liebe und durch Wahrheit geht Ihr zum Himmel ein. 2. Euch liegt die Zukunft offen in jugend⸗ schöner Pracht; noch dürft Ihr Alles hoffen, was wahrhaft glücklich macht. Frisch auf voll Mut und Treue, mit reinem Herz und Sinn; dann strömet Gottesweihe durch Euer Leben hin. Ed. Baltzer. .IAIAA V— 12⁷ Mel. Gott des Himmels. 178. Reichet uns die Hand zum Bunde, tretet — ein in unsern Kreis! Aus des Herzens tiefstem Grunde bringt ein Jeder treu und heiß ni du jugendliche Schaar, freudiges Willkommen ar. 2. Jetzt eröffnet Eurem Streben weiter, freier sich die Bahn, und es tritt das ganze Leben ernster jetzt an Euch heran. Was auch bringet das Geschick, haltet klar des Geistes Blick. 3. Strebet wacker auf zur Tugend, ist auch rauh und steil die Bahn; mit der frischen Kraft der Jugend dringt zum schönen Ziel hinan! Haltet Euch in Lust und Schmerz frei den Geist und rein das Herz. 4. Jeder Tag in Eurem Leben sei dem Guten zugewandt, und der Wahrheit Dienst er⸗ geben: das gelobt mit Mund und Hand! Haltet treu an Recht und Pflicht, bis im Tod das Auge bricht. Schröder. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 179. Dir heißen froh willkommen heute in unserm Bund, dich junge Schaar; der Geist, dem unser Herz sich weihte, er führt auch euch jetzt zum Altar, hier zu bekennen ernst und frei, was uns'res Lebens Grundsatz sei. 2. O haltet stets mit freud'gem Mute an dem, was ihr erkannt, recht fest! Macht das zu eu'rem höchsten Gute, was euch zu Menschen wer⸗ den läßt! zu rechten Menschen, wahr und rein, die sich dem Edlen, Guten weih'n. 3. Seid frisch und frei im Denken, Handeln, im Geiste frei von Trug und Wahn; und frisch und rastlos auch im Wandeln zum hohen Ziel auf rauher Bahn; seid fromm und froh im wahren Sinn, und gebt euch ganz der Tugend hin. 4. Behaltet, wie sich auch das Leben euch wechseln mag, ob Leid und Schmerz, ob Freud und Lust euch oft umgeben,— behaltet warm und rein das Herz! Dann tragt, des Guten froh bewußt, den Himmel ihr in eurer Brust. 5. Das ist's, wonach wir Alle streben; drum reicht zum Bunde uns die Hand; so geh'n ge⸗ meinsam wir durch's Leben! uns eint ein starkes, schönes Band. Ja, laßt in Lieb' uns einig sein und vorwärts streben im Verein. 6. Groß ist das Ziel, nach dem wir ringen, klein uns're Schar, und steil der Pfad; doch müssen wir zum Lichte dringen durch freies Wort und rechte Tat. Drum, ob auch mancher Sturm uns droht, laßt treu uns sein bis in den Tod. Marie Quit. Mel. Allmächtiger, wir preisen. 180. Die schönste Zeit des Lebens, das ist die Jugendzeit, wo treue Elternliebe uns schützt vor Sorg' und Leid, wo noch das Herz des Kindes in Lust und Wonne schwimmt, noch nie von einer Täuschung verbittert und verstimmt. 2. Bald kommt der Ernst des Lebens und ruft: Mach dich bereit. Mit Sorgen und mit Sünden gilt's nun den heißen Streit. Der Traum der Kinderjahre verweilet länger nicht, es kommt mit ernster Strenge nun das Gebot der Pflicht. —————.— —————————9————— 129 3. O Gott, du bist die Liebe, es nah'n die Kinder nun, ein heiliges Gelübde hier öffent⸗ lich zu tun. Sie kommen und geloben, der Pflicht ihr Herz zu weih'n und bis zu ihrem Tode der Tugend treu zu sein. 4. Willkommen, frohe Jugend, du in der Anschuld Zier, in dieser Feierstunde sei uns will⸗ kommen hier. Du Hoffnung unseres Lebens, du unsrer Zukunft Hort, sei treu und der Gemeinde zum Pfande gib dein Wort. Das Wort ist nun gegeben, nun gib, o Gott, die Kraft, die auch zu allen Zeiten dem Wort Erfüllung schafft. O segne deine Kinder, sie schwuren ew'ge Treu. O, daß von ihnen keines den heil'gen Schwur entweih'. 6. Uns alle laß gedenken an unsre Jugend⸗ zeit, wo wir in heil'ger Anschuld und harmlos uns gefreut. Mach wieder uns're Herzen den Kin⸗ derherzen gleich, dann kommt in uns auch wieder aufs neu dein Himmelreich. Friedrich Albrecht. 181. do wie der Winter finster flieht, in Wettergraus gehüllt und Nacht, wenn Lenzlicht durch die Wolken sprüht, wenn ahnend eine Welt erwacht. 2. So weicht der alte trübe Wahn, so weichet der Gespenster Heer, dumpf witternd tief das Glührotnah'n der neuen Zeit in Macht und Wehr. 3. Nun ist der Frühling eingerückt, in Blau gehüllt, in Grün und Gold; die Vöglein schmettern siegbeglückt: Gegrüßt, gegrüßt, Waldblümlein hold! 10 4. Doch reiner als die Frühlingspracht, die aus dem Kindesauge spricht, im Kindesbusen keimt und wacht, glänzt keine je im Sonnenlicht. 5. Im Herz des Herzens wird's mir still, beim Blick in diese Lenzeswelt, und alles, was ich denk und will, von Frieden ist's und Glück erhellt. 6. Die Weihe dieser Spanne Zeit, sie senkt sich in mein Wesen ein, dringt über alle Welten weit, dringt ruheatmend in mein Sein. 7. Du Kindeslenz, du Knospenhauch, gedeih' zu Glück und Blütenduft! Entfalte dich frucht⸗ spendend auch in heil'ger Freiheit Lebensluft! 8. Wir weih'n dem Kampf dich für das Recht, in dem manch kühner Kämpfer fällt,— für Volk und Menschheit im Gefecht, bist du ge⸗ weiht der ganzen Welt. Fritz Kunert. 182. Nur Wahrheit suche alle Zeit; sie sei dein erstes, höchstes Streben, sie wird dir sein ein treu Geleit, zum Segen werden für das Leben. Weis' von dir Lüg und Heuchelei, nur durch die Wahrheit wirst du frei. 2. Tu Gutes und das Gute tu', schließ gegen Not das Herz nicht zu: Mach' kein Ge⸗ räusch von guter Tat, doch tu' das Gute früh und spat. Wer Gutes stets zu tun gewöhnt, hat's Leben sich damit verschönt. 3. Red' recht, gerad, doch mild zugleich; eh' du verletzest, lieber schweig; kein Mensch ist frei von Fehl und Schuld, da denke dran und üb' Geduld. Eh' du mit Vorwurf andre quälest, geh' hin und sieh', wo du noch fehlest. 131 4. Wer wohl dir will, der ist dein Freund; doch hat auch jeder seinen Feind. Halt' beid' im Auge sie und trachte, daß Freund und Feind dich immer achte. Dem Freunde zeig' dich wahr und echt, dem Feinde aber stets gerecht. 5. Nach Ueberzeugung hand'le nur! Sie sei dir einzig RichteschnFur und deine Leuchte für das Leben, denn sie nur kann dir Frieden geben. Wer hin und herschwankt wie ein Rohr: Bemitleid' ihn, er ist ein Tor. G. S. Schäfer. 183. Inn'ge, treue Elternliebe hat seither für euch gedacht, die Entwicklung eurer Triebe, euer kindlich Tun bewacht, hat den Geist zum Licht, zur Klarheit, ihn zum Denken hinge⸗ lenkt, hat den Sinn für Recht und Wahrheit tief euch in das Herz gesenkt. 2. Mutterlieb' und Vatertreue sorgt wohl weiter noch für euch: Sie bewährt sich stets auf's neue; denn sie bleibt sich immer gleich— und sie wird auf euren Bahnen fürder euch zur Seite steh'n, wird euch hüten und ermahnen, stets den rechten Weg zu geh'n. 3. Doch ihr selber müßt nun lernen, Rater, Führer euch zu sein: Endlich müßt ihr doch ent⸗ fernen euch vom Haus und geh'n allein, müßt euch selber drum nun fragen, was ihr sein und werden wollt; müßt euch selber doch nun sagen, daß ihr Menschen werden sollt. 4. Menschen werdet, die vernünftig! Mensch sein— heißt: vernünftig sein— und die Menschen sollen künftig der Vernunft noch mehr sich weih'n. 10² geht denn stets des Lichtes Wege, forscht und denkt, so viel ihr könnt! Nur die rechte Geistes⸗ pflege macht dem letzten Wahn ein End'. 5. Was ihr denkend habt gefunden, was ihr forschend habt erkannt, sei euch an das Herz ge⸗ bunden und nicht bloß an den Verstand! Prägt der Wahrheit goldne Worte nicht bloß dem Ge⸗ dächtnis ein: Laßt sie durch die Herzenspforte dringen ins Gemüt hinein! 6. Wenn die Wahrheit im Gemüte starke, feste Wurzeln schlägt, dann entfaltet sich zur Blüte, was euch Herz und Sinn bewegt; dann wird auf das Rechte, Gute stets sich richten euer Sinn, frei mit frischem Lebensmute strebt ihr zu dem Höchsten hin. 7. Und der Liebe heil'ges Walten muß kennzeichnen euren Pfad; aus der Liebe muß ent⸗ falten sich die gute, edle Tat. Müßt mit andern euch verbinden, müßt mit der vereinten Kraft der Gesittung Reich begründen, das uns Heil und Frieden schafft. 8. Wollt ihr rechte Menschen werden— Mensch sein— heißt auch: menschlich sein. Müßt kein fremdes Glück gefährden, euch an jedem Glück erfreu'n. Heilig ernst sei euer Streben, euer Herz ein Frühlingsbeet, und das ganze, ganze Leben Zeugnis der Humanität! Theodor Hofferichter. 184. Es ist ein reines Herz, das ich gelobe, denn selig sind, die reines Herzens sind. Es bleibt, ob noch so sehr das Unglück tobe, das höchste Gut für jedes Menschenkind. Zunächst will ich auf meine Eltern schauen. Ich weiß: ein reines —22 ————. 133 Herz muß dankbar sein: Des Vaters Segen kann mir Häuser bauen, im Fluch der Mutter kann kein Glück gedeih'n. 2. Ein reines Herz muß frei sein. Frei und offen sei immerdar, was in mir fühlt und denkt. Frei soll mein Glaube sein und frei mein Hoffen, durch kein Gebot und Satzung eingeschränkt. Und frei so wie der prüfende Gedanke, strahl' auch im Herzen mir der Liebe Stern, und keines Standes, keines Glaubens Schranke halt' mich von meinem Menschenbruder fern. 3. Ein reines Herz muß in der Liebe bleiben. Es trübt sich alsogleich sein reines Licht, wenn es in dieses Lebens wirrem Treiben nur einmal läßt von seiner Ehr' und Pflicht. Die Augen hab' auf Jesus ich erhoben, der mir das schönste Tugend⸗ vorbild gab. So will ich heut' ein reines Herz geloben und treu es mir bewahren bis an's Grab. 4. Und wenn einst von mir scheiden meine Lieben, sucht eine Hand im Sterben segnend mich, dann darf ich sagen: Ich bin treu geblieben in Glück und Trübsal unerschütterlich. Mit einem reinen Herzen voll Vertrauen kann ich bestehn vor jedem Erdenschmerz, kann selbst dem Tod getrost in's Antlitz schauen. Drum ist, was ich gelob', ein reines Herz. Friedrich Albrecht. 185. Blid⸗ ich zurück in meiner Kindheit Tage, so denk' ich alle Zeit mit Rührung dran, wie meine Eltern unter Sorg' und Plage des Guten mir unsäglich viel getan. Sie sorgten treu, auf daß ich sorglos bliebe, geborgen fühlt' 134 ich mich in ihrer Liebe. In dieser Stunde denk ich dankbar dran und frage mich, wie ich's ver⸗ gelten kann. 2. Fürwahr, ich hätt' ein ruhelos Gewissen, fürwahr, ich hätt' ein undankbares Herz, wär' ich mit allem Eifer nicht beflissen, von ihnen fern zu halten jeden Schmerz. Nie sollen Tränen sie um mich vergießen als solche Tränen, die der Freude fließen. Und nimmer will ich rasten, nimmer ruh'n, nur das, was ihnen Freude macht, zu tun. 3. Ich weiß es, wie ich ihnen Freude mache: Wenn ich zur Arbeit geh' mit Fleiß und Mut, wenn ich im Kampf des Lebens sorgsam wache, daß unverdorben bleib' mein Herz und gut, wenn ich schon von der allerfrühsten Jugend nicht wank' und weiche von dem Pfad der Tugend, wenn ich bis in den Tod mit aller Kraft fest halt' an dem, was brav und ehrenhaft. 4. Und bring' ich so auf allen meinen Wegen den Nebenmenschen treue Liebe zu, dann wird mein Leben immer blüh'n im Segen, und in mir selber wohnen Glück und Ruh! And wird dereinst die letzte Stunde schlagen, kann ich getrost und mit Ergebung sagen: Mein Leben war der ew'gen Lieb' geweiht. Die Liebe ruft— wohlan, ich bin bereit. Friedrich Albrecht. 186. Dereint sind wir in weihevoller Stunde in eurem Kreis, die jugendliche Schar; ihr bringt, wir wissen es, aus Herzensgrunde für unser Glück uns eure Wünsche dar. Nehmt unsern Dank dafür!— An erster Stelle ihr, die ihr „= 13⁵ stets uns euer bestes gabt, ihr, liebe Eltern, unsres Lebens Quelle, die ihr so treulich uns behütet habt! 2. Dank auch zu dieser Stunde der Gemeinde, die uns gefördert hat mit Wort und Tat, die uns, zum Trotze aller Freiheitsfeinde, zum Geisteskampfe ausgerüstet hat.— Jetzt, wo wir nach der Kindheit schönen Tagen eintreten in des Lebens ernsten Kreis, laßt uns mit schlichten Worten das euch sagen, was allzeit war der Edlen Ruhm und Preis. 3. Der Wahrheit woll'n wir unser Leben weihen, fern sei uns Lüge, feige Heuchelei! Wir treten mutig in der Kämpfer Reihen, der eignen Ueberzeugung stets getreu. Nicht kommt die Wahr⸗ heit uns vom Himmelsthrone, nicht auf des Priesters Worte schwören wir, in der Erkenntnis reichem Segensstrome fließt herrlich sie, der Menschheit schönste Zier. 4. Und wo die Wahrheit herrscht, muß Frei⸗ heit wohnen, frei sei der Mensch und keines Menschen Knecht! Noch seufzen heut' mit Schmer⸗ zen Millionen, weil man geraubt ihr heil'ges Menschenrecht; nicht müßig wollen wir beiseite stehen, wo es sich handelt um der Brüder Glück, wir kämpfen, wo der Freiheit Banner wehen, ein Vorwärts gibt's für uns, doch kein Zurück. 5. Fort mit des Jenseits nicht gen Traum⸗ gestalten! Wir fragen nichts nach Himmelsselig⸗ keit. Was kümmern uns des Höllenreichs Ge⸗ walten, die Priestermärchen einer alten Zeit? Wir haben unsre Heimat hier auf Erden, die Menschheit ist's, der unsre Kraft wir weih'n, hier sollen endlich alle selig werden, hier soll sich jeder seines Lebens freu'n. 136 6. Daran zu helfen— gibt's ein edler Streben? Ist das nicht besser als der Glaubens⸗ streit? Heißt das nicht, wahrer Menschenliebe leben? Ist das nicht eine schön're Seligkeit? Laßt alle uns die Liebe heilig halten, in ihr das reinste Glück des Lebens seh'n, dann muß sich alles herrlicher gestalten, dann braucht man nicht zu einem Gott zu fleh'n. 7. Auf diesen Glauben wollen fest wir bauen, er leuchte uns als unser Stern voran! Wir folgen ihm mit freudigem Vertrauen, er soll uns führen auf der Lebensbahn. Er wird uns trösten auch in schweren Zeiten, und naht dereinst die letzte Stunde dann, so werden mutig wir den Tod erleiden, da wir getreu des Lebens Pflicht getan. Georg Kramer. Trauung(Ehe, Familie). Mel. Nun ruhen alle Wälder. 187. Wie heilig ist die Stunde, wo sich zum ew'gen Bunde das Herz dem Herzen weiht, das auserwählt vor Allen, in reinem Wohlgefallen, erfüllt der Liebe Seligkeit. 2. Ein Glück, Ein Leid, Ein Leben, Ein Wollen und Ein Streben an Gottes Vaterhand. Am eig'nen lieben Herde ein Himmel auf der Erde, ein heit'rer Blick in's Vaterland. 3. Die Liebe altert nimmer; auch noch im Abendschimmer glänzt uns ihr Angesicht. Muß Eins vom Andern gehen, geschieht's auf Wieder⸗ sehen. Die Liebe stirbt im Tode nicht. 137 Mel. Wer stets mit heiligem. 188. Dohl dem, der in der Ehe Bunde in treuer Lieb' und Eintracht lebt; dem um des Daseins flücht'ge Stunde der Friedens⸗ engel segnend schwebt. Er blickt mit Ruh' und freud'gem Sinn auf Pfad und Ziel des Lebens hin. Ii 2. Wohl dem, dem holder Kinder Segen des Hauses stillen Kreis verschönt, und auf des Wirkens ernsten Wegen ihr treuer Liebesgruß er⸗ tönt; dem in der Kinder frommer Zucht froh reift des eig'nen Lebens Frucht. 3. Wohl denen, deren Hausgenossen des Hauses Glück vor Augen schwebt; wenn Jeder treu und unverdrossen nach seiner Pflicht Er⸗ füllung strebt; wenn Arbeit, Liebe, Einigkeit das Haus zum Sitz des Segens weiht. 4. Wohl wird auch oft der Kelch der Leiden den Deinen, Herr, von dir gesandt; oft muß die Tod und Schicksal scheiden, die Lieb' und Treue fest verband; oft stört der Sorgen bitt're Flut, oft Krankheit ihren heitern Mut. 5. Doch trinken sie den Kelch ergeben, den ja der Vater ihnen beut, und heil'ger wird ihr Liebesleben, wenn Eins das And're dann betreut; so überwinden sie die Not, und selbst sein Grau'n verliert der Tod. Dul. Gsb. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 189. 0 selig, wenn die Herzen, gefaßt auf Freud' und Schmerzen, vereint durch Einen Sinn, sich liebend fest verbinden, das wahre Glück zu finden, den ewig dauernden Gewinn. 138 2. Es wohnet schon hienieden des Himmels süßer Frieden bei stiller Häuslichkeit. Der Liebe reiner Seelen kann keine Freude fehlen, kein Segen der Zufriedenheit. 3. Da keilt man alle Freuden, da teilt man Gram und Leiden, da wallt man Hand in Hand durch's kurze Pilgerleben, geht mit vereintem Streben in's bess're ew'ge Vaterland. Mel. Sollt ich meinen Gott. 190. Heib'ger Bund der Lieb' und Treue, ja, vom Himmel stammest du, und mit deiner hohen Weihe führest du dem Himmel zu. Schön verklärest du das Leben, milderst jeden Lebensschmerz, füllst mit Seligkeit das Herz; aber uns zu Gott zu heben, zu der Tugend Hochge— fühl: dieses ist dein höh'res Ziel. 2. Zu des Lebens Ernst erziehet ernst des Hauses Müh' und Pflicht; und die treue Liebe siehet edel auf das Ihre nicht. Eignes Glück im fremden finden, rastlos um sich her erfreun, still entbehren, mild verzeihn, hohen Sinn's sich über⸗ winden, selig sein in Herzensruh: lehrest, Bund der Ehe, du! 3. In des Hauses trauter Stille keimt das edlere Gefühl, hebet sich der starke Wille über niedres Weltgewühl. Darum ehrt den Bund der Ehe! Sie nur hat zur Menschlichkeit, pflegend, euch zuerst geweiht; sie hebt zu der Menschheit Höhe, zu der sel'gen Geister Chor, mild erziehend uns empor! Sontag. 139 Mel. Seelenweide, meine. 191. Dohnt das Glück in Purpurhülle? Auch der Purpur deckt oft Schmerz. Wohnt es bei des Goldes Fülle? Sorge quält da oft das Herz. 2. Wohnt es in den Fürstenzimmern, bei der Erdengötter Macht? Auch den Glanz, worin sie schimmern, trübt gar oft des Kummers Nacht. 3. Such' es in der frommen Hütte, wo die treue Liebe weilt. Such' es in der Edlen Mitte, die kein Haß und Hader teilt. 4. Eltern, Kinder, Hausgenossen machen sich das Leben süß; da, im engen Kreis geschlossen, blüht der Gottheit Paradies. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 192. ch höre trauern euch und klagen, daß kalt die Welt und liebeleer, und mit⸗ leidsvoll muß ich euch fragen: habt ihr denn keine Mutter mehr? Habt ihr die Mutter schon vergessen, das treue Herz, dran ihr geruht; den Schos, drin ihr so weich gesessen, so sicher, wie in Gottes Hut? 2. Die Mutter seht mit süßem Schauern, die auf dem Arm ihr Kindlein trägt! So lange wird die Liebe dauern, so lang' ein Mutterherz noch schlägt. O Mutterherz, du Born der Milde, du gottgeweihter, heil'ger Ort! Haßt auch die Welt, die rauhe, wilde, in dir weilt still die Liebe fort! 3. Drum, hält euch Gram und Leid um⸗ fangen, seid eigner Schuld ihr euch bewußt, so lehnt die tränenfeuchten Wangen an eurer Mutter 14⁰ treue Brust. Und ist die Mutter auch geschieden, weint ihr allein in finstrer Nacht, o glaubt: ihr Herz ließ sie hinieden, es hält bei ihrem Kinde Wacht! Albert Träger. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 193. Denn ich den kleinen Keim betrachte, aus dem einst frisch die Pflanze dringt, aus dem, wenn Lenzesglut erwachte, die bunte Blume sich entschwingt,— dann tief im innersten Gemüte bestaun' ich still die hohe Kraft, die Frucht erweckt aus Keim und Blüte, im Kleinsten wirkt und Größtes schafft. 2. Doch wenn ein holdes Kind ich sehe, ge⸗ wiegt von treuer Mutterhand,— halb ist's noch in des Himmels Nähe, noch Gast und Fremdling unserm Land,— wenn ich es seh', ein solches Wesen, da faßt mich an ein stark' Gefühl; in seinen Zügen möcht' ich's lesen, was einst sein Los im Weltgewühl. 3. Wird's glücklich sein, wird's Glück ge⸗ währen? Das Aug', das jetzt so selig lacht, wird's nicht, erfüllt von bitt'ren Zähren, durchwachen manche lange Nacht?— O Weisheit, die du Knospenkeime bewahrst vor Frost und vor Ge⸗ würm, noch mehr als Pflanzen, Blumen, Bäume, nimm du das Kind in deinen Schirm! Ebert. Mel. Allmächtiger, wir. 194. Die Mutter klagt, sie habe kein eignes Ackerfeld; o sieh die Kindergabe, die Gott dir zugestellt! Da ist dein Feld, da pflanze, und scheu' nicht Müh', nicht Schweiß, bis mit dem Erntekranze Gott lohnet deinen Fleiß. 2. Der Sonnenschein und Regen dem kleinsten Grashalm gibt, versagt nicht seinen Segen den Kindern, die er liebt. Wer guten Samen streuet in Kinderherzen aus, o wahrlich, dem gedeihet mit Gott sein ganzes Haus. K. Steiger. Mel. Vom Himmel hoch, da komm' ich her. 195. Die Kinder, deren wir uns freun, sind alle, Gott und Vater, dein! Sind deine beste Gab', o Herr; bewahre sie, Allliebender! 2. Wenn treuer Eltern Liebe sucht, sie auf⸗ zuziehen in der Zucht, so steh' mit deinem Geiste bei, daß fruchtbar auch die Mühe sei. 3. Gib uns des Beispiels starke Kraft, die mehr noch als die Lehre schafft; laß unser Leben, edel, rein, der Kinder beste Lehre sein. 4. Gesegnet sei ihr Anterricht; laß schaun sie deiner Wahrheit Licht; mit deiner Lieb' er⸗ freue sie; verlaß sie in Versuchung nie. 5. Laß sie zu Menschen gut und ächt, auf⸗ wachsen, voll Gefühl für Recht, voll freud'gen Mutes für die Pflicht, von Herzen rein, von Sitten schlicht. ö 6. Begeistert und hingebungsvoll für Wahr⸗ heit und für Menschenwohl,— ist ihnen Reich⸗ tum nicht bescheert, laß reich sie sein durch innern Wert. 7. So mögen sie, durch dich geweiht, einst schaffen eine bess're Zeit, und, hüllt das Grab. uns längst schon ein, ein dankbar liebend Herz uns weih'n! Dul. Gsb. 142 Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 196. Dir flehn für unsrer Eltern Leben dich, aller Menschen Vater, an! Du hast sie uns zum Heil gegeben; sie leiten uns auf deiner Bahn. Von ganzem Herzen danken wir für sie, die du uns schenktest, dir. 2. Verleih' uns stets für ihre Lehren ein offnes, sanftes, treues Herz; laß sie uns lieben und verehren, daß niemals Kummer, Gram und Schmerz ihr sorgerfülltes Herz betrübt, das für uns schlägt, uns innig liebt. 3. Ja, Elternlieb' ist ohne Schranken; sie wachte über uns schon früh. Wie können wir ge⸗ nügend danken für alle Sorge, alle Müh', wenn sie in mancher langen Nacht als Engel über uns gewacht. 4. O laß uns ringen, daß die Pflege der Lieb' uns nicht verloren sei; daß wir auf unserm Lebenswege, dem frommen Ruf der Eltern treu, mit reiner Seele vorwärts gehn, bis wir dereinst am Ziele stehn. 5. O, daß wir ganz uns ihnen weihen, als ihres Alters Trost und Stab; o daß wir immer sie erfreuen durch edle Taten bis an's Grab! Laß unser Leben, gut und rein, ganz Dank nur und ganz Treue sein! Dul. Gsb. Mel. Seelenweide, meine. 197. Schön wie's Lied der Nachtigallen, schön wie eines Sternes Licht, ist des Kindes süßes Lallen, ist sein lächelnd Angesicht. Rnh VN on es 2. Aus den klaren Augen schauen Himmels⸗ fried' und sel'ge Ruh; heiter, wie voll Gottver⸗ trauen, lächelt es uns Allen zu. 3. So in Reden und Geberden sei auch du den Kindern gleich; ihnen gab schon hier auf Erden Gott der Herr das Himmelreich. Hoffmann von Fallersleben. Mel. Ach bleib' mit deiner Gnade. 198. Das eine Kindesseele aus jedem Blick verspricht! So reich ist doch an Hoff⸗ nung ein ganzer Frühling nicht. 2. Wie uns den Frühling kündet ein Veilchen schon im März, so ward dein Kind ein Frühling für dich, o Mutterherz! 3. Es wird zur Rose werden, in Zucht und Sittsamkeit und dir erneu'n auf Erden die eigne Frühlingszeit. Hoffmann von Fallersleben. 199. Itör' nicht den Traum der Kinder, wenn eine Lust sie herzt; ihr Weh schmerzt sie nicht minder, als dich das deine schmerzt! 2. Es trägt wohl mancher Alte, des Herz längst nicht mehr flammt, im Antlitz eine Falte, die aus der Kindheit stammt. 3. Leicht welkt die Blum', eh's Abend, weil achtlos du verwischt den Tropfen Tau, der labend am Morgen sie erfrischt. Julius Hammer. 144 200. Don allen Bildern weiß ich keines, das also lieblich vor mir steht, als das vom lieben Vaterhause durch's Leben traulich mit mir geht. Wie wird es Tag im ärgsten Sturme, wenn dieses Bild dem Geist entsteigt, und meiner Jugend heil'ger Engel sich freundlich zu mir nieder neigt! 2. Als wie ein meerumgürtet Eiland, um⸗ weht von würzig süßem Duft, sich golden hebt aus fernen Tiefen, und strahlend glänzt in heller Luft, so stehst du vor mir! Und darinnen, o welches Friedens heil'ge Macht! als wie die un⸗ ergründ'ten Schätze von einer stillen Sommernacht! 3. Des guten Vaters liebreich ernstes, aus warmer Brust ertönend Wort, wie klingt es noch, als hört' ich's eben, durch meine ganze Seele fort! Du Blick der Mutter, süß und selig, wer dein vergessen könnte je, ich glaube wohl, der müßte stürzen in das Verderben schroff und jäh. 4. Und ihr Genossen jenes Lebens, das sich so selig auferbaut: ihr Brüder, Schwestern, Freunde alle, was ist, wohin ihr lieber schaut, als in der Jugend heitre Tage, vom Lebensmorgenrot um⸗ glüht, wo uns im lieben Vaterhause der Un⸗ schuld Paradies geblüht! R. Reither. Mel. Ich dank dir schon. 201. Drei Sterne weiß ich, welche Licht den letzten Nächten spenden; sie leuchten still, sie prahlen nicht, es ist kein eitel Blenden. 2. Das Dunkel lastet tief und schwer; was⸗ lindert deine Scheue? Die Sonn' erlosch, doch nimmermehr der Stern der Muttertreue. /eet GS V V 3. Am Abgrund irrst du, siehst ihn nicht in Finsternis verborgen; wer zeigt ihn dir? Aus Wolken bricht der Stern der Muttersorgen. 4. Wenn alle Welt den Armen läßt, und wenn kein Herz ihm bliebe, am ew'gen Himmel stehst du fest, Stern heil'ger Mutterliebe. 5. O Mutterliebe, Sorg' und Treu', nie aus⸗ geschöpfte Güte, und immer alt, und immer neu, daß dich die Allmacht hüte! Immermann. 41 6. Neues Glauben, Neue Religion. Mel. Befiehl' Du Deine Wege. 202. Frisch auf zum neuen Leben, den Früh⸗ ling in der Brust! Ein neues, freies Streben ist Männern Mut und Lust. Wir freuen uns am Alten, was herrlich sich erweist, doch Neues zu gestalten, treibt mächtig uns der Geist. 2. Ihr sollt uns Dank nicht zollen mit einem Lorbeer⸗Reis! Nein, daß wir etwas wollen, ist unser Ziel und Preis. Was wir in Kunst und Leben als wahr und schön erkannt, das bleibet unser Streben bis an des Grabes Rand. Mel. Ach bleib' mit Deiner Gnade. 203. Huf denn! So laßt uns schaffen das Gute, froh und frei, laßt mit der Wahrheit Waffen uns kämpfen fest und treu! 2. Laßt an der Väter Taten mit Danken uns erfreun, laßt uns der Zukunft Saaten im Geiste Jesu streun! 3. So wird das Herz zufrieden, voll Freude, Kraft und Mut, so allem Volk beschieden des Geistes Erntegut. Ed. Baltzer. 5 e 14⁷ Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 204. Die Freiheit läßt sich nicht gewinnen, sie wird von außen nicht erstrebt, wenn nicht zuerst sie selbst tiefinnen im eignen Busen dich belebt. Willst du den Kampf, den großen, wagen, so setz' zuerst dich selber ein: wer fremde Fesseln will zerschlagen, darf nicht sein eigner Sklave sein. 2. Nur reinen Herzen, reinen Händen ge⸗ bührt der Dienst im Heiligtum; der Freiheit Werk rein zu vollenden, dies, deutsches Volk, dies sei dein Ruhm. Die Lüge winkt, die Schmeichler locken, mit seiner Kette spielt der Knecht: du aber wandle unerschrocken: und deine Waffe sei— das Recht! R. C. Prutz. Mel. Großer Gott wir loben Dich. 205. Nuf, der Völker Frühling naht! Hört sein Brausen aller Orten, ebnet ihm das Feld zur Saat, öffnet freudig ihm die Pforten! Vorwärts, lichtwärts geht sein Lauf, schließet ihm die Herzen auf. 2. Nimmer wird es uns gereu'n, für der Menschheit Wohl zu streiten. Wie auch finstre Mächte dräu'n mit den Waffen dunkler Zeiten, schön ist doch des Kampfes Zeit, die von Trug und Wahn befreit. 3. Vorwärts denn! die Zeit ist da, sich den Streitern anzureihen, die begeistert fern und nah sich dem Dienst der Wahrheit weihen. Ob auch 5 die Wogen gehn, einst wird doch der Abend chön. 11*⁵ 148 206. Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden, und streut er Eis und Schnee umher— es muß doch Frühling werden. 2. Und drängen die Nebel noch so dicht sich vor den Blick der Sonne, sie wecket doch mit ihrem Licht einmal die Welt zur Wonne. 3. Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht, mir soll darob nicht bangen, auf leisen Sohlen über Nacht kommt doch der Lenz gegangen. 4. Da wacht die Erde grünend auf, weiß nicht, wie ihr geschehen, und lacht in den sonnigen Himmel hinauf und möchte vor Lust vergehen. 5. Sie flicht sich blühende Kränze in's Haar und schmückt sich mit Rosen und Aehren und läßt die Brünnlein rieseln klar, als wären es Freuden⸗ zähren. 6. Drum still! und wie es frieren mag, o Herz, gib dich zufrieden! Es ist ein großer Maien⸗ tag der ganzen Welt beschieden. 7. Und wenn dir oft auch bangt und graut, als sei die Höll' auf Erden, nur unverzagt auf Gott vertraut! Es muß doch Frühling werden! Emanuel Geibel. Freiheit, die ich meine. 207. Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt, komm mit deinem Scheine, süßes Engelsbild; die du führst den Reigen dort am Sternenzelt; komm, um dich zu zeigen der be— drängten Welt. 2. Auch bei grünen Bäumen in dem luft'gen Wald, unter Blütenträumen ist dein Aufenthalt! Ach, das ist ein Leben, wenn es weht und klingt, wenn dein stilles Weben wonnig uns durchdringt. 149 3. Wenn die Blätter rauschen süßen Freundes⸗ gruß, menn wir Blicke tauschen, Liebeswort und Kuß. Aber immer weiter nimmt das Herz den Lauf, auf der Himmelsleiter steigt die Sehnsucht auf. 4. Wo sich Gottes Flamme in ein Herz ge⸗ senkt, das am alten Stamme treu und liebend hängt, wo sich Männer finden, die für Ehr' und Recht mutig sich verbinden, blüht ein frei Geschlecht. 5. Das ist rechtes Glühen, frisch und rosen⸗ rot, Heldenwangen blühen schöner auf im Tod. Wollest auf uns lenken, Gottes Lieb' und Lust, wollest gern dich senken in die treue Brust. Schenkendorf. Mel. Valet will ich Dir geben. 208. Der wagt's, den Geist zu dämpfen, der dir, o Herr, entstammt?! Er ist's, um den wir kämpfen, durch dich zum Kampf entflammt; du gabst, Herr, deinen Streitern der Erde höchstes Gut, den Mut, der, ob wir scheitern, doch Geistes⸗ wunder tut. 2. Er weckt ein ew'ges Leben aus todes⸗ starrem Wort, und die's nicht ahnten, heben der Wahrheit heil'gen Hort. O weh' wie Sturmes⸗ wehen, du Mut des Herrn, uns an! Die Wahr⸗ heit muß erstehen und untergeh'n der Wahn. 3. Wohlauf im heil'gen Kriege! Den Geist gilt's zu befrei'n. Gott hilft, der Herr, zum Siege; er will's; d'rum wird's gedeih'n. Der Geist, durch ihn bereitet, sein Wesen hell und rein, soll länger nicht geächtet, soll endlich König sein. 15⁰ 4. Schlingt Hand in Hand zum Bunde und trotzt der ganzen Welt, wenn sie des Meisters Kunde für tote Satzung hält! Der Meister ist lebendig im Geist nur, nicht im Wort; nicht außer uns, inwendig wirkt göttlich er auch fort. 5. Mut, Mut! Was liegt am Staube, wenn der zusammensinkt! Der Geist ist unser Glaube; seht, wie Gott selbst uns winkt! Mut, Mut! Ob die Gewalt'gen des Staub's uns widersteh'n,— erneu'n, vertausendfalt'gen heißt er des Geistes Weh'n. 6. Mut, Mut! Es muß gelingen! Der Geist, der Geist wird frei! Seht: Neue Schaaren dringen zum Geisteskampf herbei. Gott weiht sie ein; sie streben uns nach! d'rum wir voran! Mit Gott: Licht, Liebe, Leben! Gott hilft! es wird getan! Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 209. O, Geist des Lebens und der Wahrheit, Geist der Erkenntnis, lichtentbrannt, der, siegreich durch die Kraft der Klarheit, die Welt, den Tod stets überwand; o, senk in uns're Zeiten wieder, in uns're Herzen dich hernieder, er⸗ füll' die Seelen, dir geweiht, mit Heldenmut und Freudigkeit. 2. O kommet, kommet bess're Zeiten, wo sich der Wahn nicht brüstet mehr, wo Menschlichkeit und Duldung breiten des Friedens Palmen weit umher! Frei soll der Mensch sein Haupt erheben, frei seiner Ueberzeugung leben, und von der Wahr⸗ heit licht und hehr soll uns kein Bannstrahl schrecken mehr! 151 3. Laßt fest uns halten diesen Glauben, dies Freiheitsrecht im Menschenreich, wer dieses Kleinod je will rauben, dem steure Wort und Tat zugleich! Nicht laßt euch kirren Tand und Flimmer, des alten Wahnes bunten Schimmer, verpönt sei Trug und Heuchelei, seid ehrlich, dann nur seid ihr frei! 4. So laßt uns alle rüstig ringen im Leben, Brüder, bis zum Tod, den alten Feind im Kampf zu zwingen, der unser Friedensreich bedroht! Mag dann auch uns're Stunde schlagen, wir sind die letzten Kämpfer nicht, und über unserm Grab wird's tagen, und aufgehn das ersehnte Licht. J. E. Voß. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 210. Für Recht und Wahrheit will ich streiten, so lang sich Leben in mir regt; für Wahrheit, Recht nach allen Seiten, so lang' in mir das Herz noch schlägt. Ja, männlich will ich vorwärts dringen, ob auch so mancher von mir geht; am Ende krönt doch das Gelingen; die Wahrheit siegt, wenn auch erst spät. 2. Es ziemt dem Mann die freie Rede, es ziemt dem Mann das freie Wort; drum scheu' ich mich vor keiner Fehde, ich kämpfe mutig fort und fort! Ob sie deshalb mich töricht nennen, ob man zum Schweigen mir auch rät, zum Freimut will ich mich bekennen. Die Wahrheit siegt— wenn auch erst spät! 3. So will ich tragen durch mein Leben der Wahrheit und des Rechts Panier; ja, diesen beiden gilt mein Streben, sie sind des Lebens Leuchte mir. Ob man dies Leben auch verlache, mein 15² Mut wird deshalb nicht geschwächt. Ich kämpfe für die gute Sache! Für Wahrheit kämpf' ich und für Recht! Mel. Allmächtiger wir preisen. 2¹¹. Es spricht zu allen Zeiten der Geist: es werde Licht! Das läßt er sich nicht streiten, das ist sein Weltgericht. Er scheucht mit diesen Worten tief in sich selbst hinein die Nacht, und aller Orten geht auf des Tages Schein. 2. Sieh, wie sie sich bekämpfen auf jedem Plan und Feld. Die alte Nacht möcht dämpfen den Tag, den jungen Held. Doch flammet alldurch⸗ dringend der Wahrheit Augenpaar, doch schallet allbezwingend des Rechtes Stimme klar. 3. O Held! so werde Sieger auf's neu in uns'rer Zeit! Wir stehen, deine Krieger, hingebend, kampfbereit. Auf! deine Zeichen pflanze in unsre eig'ne Brust! Es siegt im Geistesglanze, wer klar und selbstbewußt. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt ꝛc. 2¹². Es hofft der Mensch zu allen Zeiten auf seine Götter und sein Glück; bald sucht er's in des Himmels Weiten, bald schweift auf Erden rings der Blick. Und doch liegt in der eignen Brust allein der Grund zu wahrer Lust. 2. Du bist ja Mensch! ein einig Wesen, in dem der Geist als Herrscher thront. Wie willst von außen du genesen durch etwas, das nicht in dir wohnt? Such' nur in deiner eignen Brust! Sie ist des Guten sich bewußt. Fr 153 3. Die Selbstsucht ist das nied're Leben der unbewachten Sinnlichkeit. Sie kann nur flücht'ge Lust dir geben, hat oft dich mit dir selbst entzweit. Du fühlst es wohl in eigner Brust! Das Gute nur ist wahre Lust. 4. Ja, sei nur mit dir selber einig in Wahr⸗ heit und Gerechtigkeit, ist dann dein Weg auch steil und steinig, und gibt es Not und Herzeleid: Bist du des einen Siegs bewußt, wird selbst der Schmerz dir hohe Lust. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 2¹. Ich wandle ruhig meine Pfade hin zu dem letzten dunkeln Ziel; nicht bau ich auf des Himmels Gnade, noch auf des Erden⸗ glückes Spiel. Mich schreckt kein Tag des Welt⸗ gerichtes, seitdem ein Ahnen mir erwacht: Ich bin mir selbst der Geist des Lichtes, der Geist des Bösen und der Nacht. 2. Von falschen Göttern abgewendet, die nur der Menschen Glaube schuf, ward meine Seele nicht verblendet und achtet fromm auf jeden Ruf der ew'gen Mutter alles Schönen, die lausendfältig zu uns spricht und den erkenntnisdurst'gen Söhnen aus Sonnenstrahlen Kränze flicht. 3. Denn einen Tempel will die Seele, wo ihres Ursprungs sie gedenkt, und was sie freut und was sie quäle, in ihrer Mutter Herz ver⸗ senkt. Natur lauscht stumm auf alle Schmerzen, wie's eine echte Tröst'rin soll. Stumm und beredt beut allen Herzen sie Antwort, ernst doch liebevoll. 15⁵⁴4 Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 2¹⁴. Es blitzt und flammt an allen Enden, es wetterleuchtet nah und fern. Ihr könnt es nimmer drehn und wenden, und hemmtet ihr es noch so gern. Des Geistes mächt'gen Pionieren verleiht die Wahrheit Sieg auf Sieg; ihr werdet nimmer triumphieren, trotz aller List im heil'gen Krieg. 2. Der Wissenschaft geweihte Fahne weht drohend über eurem Haupt. Der Glanz der Kutten und Korane erlöscht, bevor ihr's selber glaubt. Zu Ende geht das Reich der Lüge, des Truges und der Gaukelei. Der Geist entfaltet seine Flügel und lacht der alten Tyrannei. 3. O Menschengeist, du Lichtgedanke, in dem die Welt sich selbst erkennt, wann fällt dereinst die letzte Schranke, die von dem Herrscherstuhl dich trennt? Doch sehn wir ja dein Schöpferleben, dein herrlich Wandeln Tag für Tag. Dein unauf⸗ haltsam Weiterstreben zeigt sich mit jeder Stunde Schlag. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 2¹⁵. Hus Lebensnacht und Staube steiget zu höh'rem Sinn der Geist empor, der sich als Ziel des Erdenlebens ein göttlich Streben auserkor; der nach Vollendung kräftig ringet, das Herz veredelnd kräftig lenkt und durch sein segens⸗ volles Wirken der Menschheit edle Taten schenkt. 2. Der Geist, der mit gewalt'gen Flügeln sich aufschwingt zu dem ew'gen Licht und, wie der Strahl der goldnen Sonne, sich Bahn durch alle 15⁵⁵ Nebel bricht! Der Geist, der in der Gottheit Tiefen sich ahnungsvoll und liebend senkt und in dem seligsten Entzücken den Urquell alles Lebens denkt. 3. Der Geist, der, was er hier gefunden, voll Liebe glühend wiedergibt, in allen Menschen seine Brüder und in der Menschheit Gott nur liebt! Ihm ist Unsterblichkeit gegeben hier,— nicht im fernen Sternenlicht. Wer so gelebt, wird ewig leben! Solch Leben trifft Vernichtung nicht! 4. Unsterblichkeit, du Himmelsweihe, der Gott⸗ heit lichtes Element, o selig, wer im Erdenleben dich als sein Eigentum erkennt; sei ihrer mit Be⸗ wußtsein würdig, erstehe neu im freien Geist, der 0. und Treue und echte Menschenliebe eißt. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 216. Dir wollen jeden anerkennen, der frei sich regt in seiner Kraft. Wir wollen Jeden Meister nennen, der uns beweist die Meister⸗ schaft. Wir wollen jede Meinung ehren, die nicht verschwistert ist dem Staub, wir wollen nicht die Welt bekehren durch falsche Waffen, List und Raub. ö 2. Wir wollen nicht an Krücken hinken, wo stark wir sind zum freien Flug. Wir wollen aus der Quelle trinken, nicht aus dem altvermorschten Krug. Wir wollen heilig nicht betiteln, was nur unheilig uns umspann. Wir wollen es uns selbst vermitteln, was doch kein Zwischenträger kann. 156 3. Wir wollen nicht im Trüben fischen und nicht gefischt im Trüben sein, wir wollen uns das Herz erfrischen durch lautrer Freude lautren Wein. Wir wollen nicht die Köpfe hängen, zerknirscht in jammerndem Gestöhn, wir wollen fröhlich in Gesängen den Mut erweitern und erhöhn. 4. Wir wollen fest am Boden halten, nicht lüstern in die Wolken schau'n; wir wollen unsern Wert entfalten im freien Geist und mit Vertrau'n. Wir wollen steh'n, vereint und einig mit jedem, der da strebt und schafft, und wollen einzig und alleinig auf Gott vertraun und unsre Kraft. Hessemer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 217. Dir wollen nicht den alten Glauben, der unsrer Zeit nicht mehr entspricht; wir wollen nicht dem Denken rauben, daß siegend es durch Irrtum bricht. Wir wollen nicht die alte Liebe, die, tatlos, oft nur leeres Wort. Zum Wort die Tat als Frucht der Triebe— das führt die Welt zum Bessern fort. 2. Wer kann den Strom des Lichtes dämmen, der durch die Geister sich ergießt? Wer kann die Macht der Liebe hemmen, wodurch sich Seel' an Seele schließt? Und ob man neue Ketten schmiedet, der Geist, der alten los, bleibt frei. Die Liebe, die die Welt befriedet, bricht auch des Hasses Joch entzwei. 3. Das ist die Gotteskraft der Wahrheit, das uns're heil'ge Zuversicht: Siegt einmal erst die Geistesklarheit, dann siegt die Liebe durch das X.S... 68ʃ³⁸„. 15⁷⁵ Licht. Das ist das Ziel, nach dem wir streben: Nach tausendjähr'gem Glaubensstreit sei endlich durch das Licht das Leben dem großen Bruder⸗ bund geweiht. 4. Umtobt von Stürmen noch und Wettern steht mutig unsre kleine Schar zum Trotz den finstern Geisteskettern rings um der Menschheit Hochaltar. Sie baut ihn nicht, er steht schon lange, seit je ein Herz Gott suchend schlug, nur ward er in der Zeiten A umschleiert oft von Lug und Trug. 5. Ja, alle die sich Menschen nennen und in der Selbstsucht Banden noch das Ew'ge in sich selbst verkennen und schmachten unter'm Geistes⸗ joch, sie werden all' einst freudig treten heran zum Weltversöhnungsfest und einig zu dem Einen beten, der nirgends unbezeugt sich läßt. 6. Ob dann die Hüllen längst vermodert der Schar, die kühn den Weg gebahnt, ob, wenn die Opferflamme lodert, die ersten Opfrer niemand ahnt, uns sei's genug, daß wir gestritten für ein Geschlecht, das weiter strebt. Wer für die Mensch⸗ heit treu gelitten, nein, der hat nicht umsonst gelebt. E. Duller. Mel. Eine feste Burg ist ꝛc. 218. O tehre wieder schlichter Geist der Rein⸗ heit und der Treue! Auf daß auch jetzt, was scheint und gleißt, vor Deiner Macht sich scheue. Mancher Glaubensheld zog mit Mut zu Feld. Was auch wankt und bricht, er focht für Recht und Licht und rief: ich kann nicht anders! 158 2. Du Geist der Treue willst, daß wir auch treu der Wahrheit bleiben und nicht ein schnödes Spiel mit ihr aus feiger Rücksicht treiben. Keines Dogma's Knecht stehn wir für das Recht. Unser Glaube sei, wie unser Denken, frei, und ehrlich das Bekenntnis. 3. Der Geist ist ewig und er lebt auch jetzt in unsern Tagen. Wenn ihm zum Dienst ihr euch ergebt, dann gibt's ein fröhlich Wagen. Du zwei⸗ schneidig Schwert: Wahrheit, frei gelehrt! Gute, kühne Tat! Da hilft kein andrer Rat. Das Feld wirst du behalten. Mel. Eine feste Burg ist unser Gott. 219. Gott selber rief: es werde Licht in jeder Menschenseele. O kommt herbei und zaudert nicht, Gott will's, daß keiner fehle. Lange schon genug hielten Lug und Trug das himm⸗ lische Glück der Wahrheit uns zurück. So soll's nicht länger bleiben. 2. Sei noch so groß der Feinde Macht und arg die List der Bösen. Die Wahrheit liegt in Kerkersnacht, wir müssen sie erlösen. Wer steht auf dem Plan leuchtend uns voran? Mut, mein Herz, das ist Dein treuer Jesus Christ, König im Reich der Wahrheit. 3. Der Wahrheit will ich und dem Licht mit allem Eifer dienen. Noch ist so recht auf Erden nicht das Gottesreich erschienen. Wo kein Buch⸗ stab trennt, was da Mensch sich nennt. Gieb zum Kampf uns Kraft, der solches Reich uns schafft, und dazu Deinen Segen. Friedrich Albrecht. NS ————ʃ5— N Mel. Dir, dir, Jehova. 220. Geeich tausend Sonnen strahlt die Wahr⸗ heit, ihr Strahl erleuchtet uns'res Lebens Bahn, und machtlos sind bei seiner Klar⸗ heit, Verwirrung, Zweifel, Finsternis und Wahn. So wandeln wir nun Alle, Hand in Hand, nie ohne Licht bis an des Grabes Rand. Pott. Mel. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. 221. Trachtet nach Wahrheit, ihr Menschen, ihr denkenden alle, singet die Lieder, die reinen, mit lauterem Schalle! Es werde Licht! Seele, vergiß es ja nicht! Nah ist der Wahn seinem Falle. ö 2. Schauet die Sonne, sie strahlet so helle hernieder, glänzt und bescheinet so viele sich streitende Brüder! Weckt Euch ihr Licht denn zur ö Besinnung noch nicht? O ihr erstarreten Glieder! ö 3. Ob auch mit Höll' und mit Teufel man überall dräuet, ob man auch mühsam die Großen und Kleinen entzweiet, fürchtet euch nicht! Wahr⸗ heit verbreiten ist Pflicht, die nie den Weisen ge⸗ reuet. 4. Viele schon sind einst der Wahrheit zum Opfer gefallen, drum soll ihr Aufruf nur lauter zu Herzen uns schallen; nicht träge Ruh, rufet auch Jesus uns zu, wirket nach Kräften vor Allen! Leberecht Uhlich. 160 Mel. Großer Gott wir loben Dich. 222. Gon, der du die Wahrheit bist, gib uns Kraft, nach ihr zu ringen, ob die Lüge mächtig ist, sie durch dich doch zu bezwingen, daß, von ihrer Knechtung frei, unser Herz dein Tempel sei. 2. Drohten uns in Zorneswut mächt'ger Feinde dichte Schaaren, ström' aus dir in uns den Mut, Wahrheit kühn zu offenbaren, mit dem Wort, das ganz sie nennt, mit der Tat, die dich hekennt. 3. Herr, durchstähl' uns Geist und Herz, daß wir froh für Wahrheit leiden, daß uns selbst der herbste Schmerz nicht vermag von ihr zu scheiden. Wahrheit ist des Leidens wert, und durch Leid wird sie verklärt. 4. Sie ist's, die die Welt befreit; gib uns Kraft, für sie zu sterben! Wer für sie dem Tod sich weiht, wird das ewige Leben erben. Vater aller Liebe du, Liebestod führt dich uns zu. Mel. Ach bleib' mit Deiner Gnade. 220. Sie sollen uns nicht rauben des Lebens besten Teil, tief innen unsern Glauben, der freien Wahrheit Heil! 2. O, sparet eure Mühe, schickt keinen Bann⸗ fluch her! Wir beugen unsre Kniee vor keinem Götzen mehr. 3. So lang der Geist im Strome noch kommt auf Kindeskind, so lang im Weltendome wir selbst uns Priester sind. 161 4. So lang soll nichts uns rauben des Lebens besten Teil, tief innen uns'ren Glauben, der freien Wahrheit Heil. Ed. Baltzer. Mel. Alle Menschen müssen. 224. Endlich muß das Gute siegen unter Gottes mächt'gem Schutz; scheint es zeitweis' zu erliegen, dem Verderben beut es Trutz. Gott wird in den rauh'sten Stürmen treu sein Licht und Recht beschirmen. Eine feste Burg ist Gott, aller Frevel wird zu Spott. 2. Menschen können den verdammen, der die Wahrheit liebt und tut; doch sie selbst stirbt nicht in Flammen, sinkt nicht unter in der Flut. Und kein frecher Spott wird hindern, daß sich ihre Feinde mindern; wenn man wähnt, sie sei ent⸗ ehrt, wird sie herrlicher verklärt. 3. Wie des Goldes ächte Währung sich im Feuer erst ergibt, so tritt aus des Streites Gährung auch die Wahrheit ungetrübt. Fruchtlos strebten oft Tyrannen, durch Gewalt sie zu verbannen; fruchtlos nahm oft Menschenwahn selbst den Schein der Wahrheit an. 4. Gott hilft seiner Wahrheit siegen, er, der selbst die Wahrheit ist, mag der Irrtum sie be⸗ kriegen, oder Torheit, Trug und List. Und nichts hat sie mit den Waffen irdischer Gewalt zu schaffen, weil sie nur den Sieg erringt, wenn das Wort zum Herzen dringt. 5. Auf denn, weihet euch dem Wahren, bleibt dem Guten immer treu! Droh'ten ferner auch Ge⸗ fahren, der Befreier kommt herbei. Suchet, Brüder, 12 162² nur hienieden reine Wahrheit, Recht und Frieden, bis euch in der höhern Welt ganz das ew'ge Licht erhellt. Neuhafer. Mel. Großer Gott wir loben Dich. 22⁵. Sei gegrüßet heil'ge Zeit, wo die letzten Schranken fallen, und, von einem Geist geweiht, wir zu einem Altar wallen; lange harren wir schon dein, großer Morgen, brich herein! 2. Brich herein mit Himmelsglanz; festlich wollen wir uns schmücken, und, von dir erfüllet ganz, an das Herz die Brüder drücken. Komm, o komm, wir harren dein, großer Morgen, brich herein! ö 3. Wo kein Glaube uns mehr trennt, uns kein Haß mehr unterscheidet, Bruder nur den Bruder kennt, Liebe nur die Liebe leitet. Lange harren wir schon dein, großer Morgen, brich herein! 4. Großer Morgen, hell und klar, wo der Liebe Sonne scheinet, wo, was heilig ist und wahr, alle Herzen schön vereinet; komm, o komm, wir harren dein, großer Morgen, brich herein! 5. Frei ist dann des Geistes Flug, frei das Hoffen, frei der Glaube, keinem eitlen Priester⸗ trug, keinem Dogmenzwang zum Raube; komm, o komm, wir harren dein, großer Morgen, brich herein! 6. Brich herein mit aller Macht, brich herein und sprich dein„Werde!“ daß nach langer, langer Nacht, endlich Licht auf dieser Erde! Lange harren wir schon dein, Ian. brich herein! Heribert Rau. ... ..——. 163 Mel. Mir nach, spricht Christus. 226. Faß, deutsches Volk, ein Lutherherz, voll Einheit, Freud' und Treue, voll Gottes⸗ mut in tiefstem Schmerz, voll Geist, voll Kraft und Weihe. Dann tut sich auf dein Liederquell, dann wird dein Himmel balde hell. 2. Ein Lutherherz ist Lieb' und Licht, die Wahrheit seine Wehre; ein Lutherherz ergibt sich nicht, es gibt nur Gott die Ehre. Faß, Deutsch⸗ land, solch ein Herze dir, dann ist dein Früh⸗ ling vor der Tür. 3. Dein Herz ist dann Trutznachtigall für alles Volk auf Erden; dein Geist wird dann mit Siegesschall der Welterlöser werden. Denn dann ist siegreich wieder da der Geist vom Kreuz auf Golgatha! Ed. Baltzer. Mel. Wie schön leucht' uns. 227. Hoch immer schwingt zu dieser Frist Mensch gegen Mensch im Bruderzwist die unheilvollen Waffen. Wollt ihr denn nie des Herzens Groll hinopfern, nimmer liebevoll ein Reich des Friedens schaffen? Eilet, heilet all die Leiden; Grimm und Streiten macht ein Ende, reicht versöhnet euch die Hände! 2. O dreimal glückliches Geschlecht, das Jedem gönnt das gleiche Recht und sich in Eintracht freuet; das harmlos wallet Hand in Hand, das nicht um flücht'gen Erdentand mit Menschen sich ent⸗ zweiet! Frieden bieten sich die Brüder, Jubel⸗ lieder laßt in Chören die beglückte Menschheit hören. Marschall. 12 Eigene Melodie. 228. Die Herzen werden sich versöhnen einst unter einem Freudenzelt, und die Natur wird sich verschönen; in Liebe atmen wird die Welt. 2. Es werden sich die Seelen einen in gleichem Geist und Glaubenszug, daß sie nach ew'gen Früh⸗ lingshainen vollbringen ihren Wanderflug. 3. Das Gottesreich, wo Freud' und Frieden und Licht und Kraft wird Allen sein, des Geistes Himmel schon hienieden, o Brüder naht, geht zu ihm ein! Lenau. Chorgesang. 229. Hm Baum der Menschheit drängt sich Blüt' an Blüte; nach ew'gen Regeln wiegen sie sich drauf. Wenn hier die eine matt und welk verglühte, springt dort die andre voll und prächtig auf. Ein ewig Kommen und ein ewig Gehen, und nun und nimmer träger Stillestand! Wir seh'n sie auf⸗, wir seh'n sie niederwehen, und jede Blüte ist ein Volk, ein Land. 2. Kennst du des Weltgeist's ew'gen Sonnen⸗ garten, zu dem sich freudig unser Aug' erhebt, wenn wir die schönsten uns'rer Blumen warten, wenn uns der Freiheit sel'ger Traum umschwebt? Hell liegt er da vor uns'ren trunk'nen Blicken, noch heut ein Eden, ja ein Paradies. Die schönste Stelle drin muß er noch schmücken, er, jener Baum, den Gott noch nicht verließ. 3. O welch ein Sprossen, welch ein reich Ent⸗ falten! Welch frisches Treiben selbst im alten Holz; hier junge Knospen, die sich freudig spalten, im 16⁵ Licht sich wiegend, kräftig, voll und stolz. Und überall noch, trotzend Sturm und Wettern, schwillt jede Wurzel, überreich an Saft; wohl spielt der Wind mit abgewehten Blättern; doch tausend neue zeugt die ew'ge Kraft. 4. Das ist ein Bild von jenem Wunderreiche, in dem wir ewig mitten drin schon sind. And fragt ihr noch, ob sie ihr Ziel erreiche, die Mensch⸗ heit, sie, der Gottheit liebstes Kind? O traut auf ihn! Mag dort ein Ast zersplittern,‚, hier eine Knospe welk zu Grunde gehn: Der Herr ist groß! Auch noch in Angewittern bleibt fest sein Bund und steht, wie Felsen stehn. 5. Drum zage nicht, du Freund des Ewig⸗ schönen, wenn heut Gemeinheit rings noch trium⸗ phiert! Nie wird die Menschheit dessen sich ent⸗ wöhnen, was in ihr lebt and ihr allein gebührt. So wahr, wie dort noch tausend Sonnen funkeln, auch Blüten Gottes, di sein Hauch erfüllt, so wahr kann nichts das heil'ge Licht verdunkeln, dem uns're Sehnsucht stets entgegenschwillt. Freiligrath. Mel. Mir nach, spricht Christus. 230. Glüch auf! ein neuer Frühling naht; es kann uns nimmer fehlen. Wir säen aus die neue Saat in freie Menschenseelen. Und ist der Anfang auch noch klein, wird unser doch die Zukunft sein. 2. Geduldig harrt der Ackersmann auf Sonnenschein und Regen, damit die Saat gedeihen kann und blüh'n der Erntesegen. Auch uns're Ernte stellt sich ein, denn unser wird die Zukunft sein. 166 3. Zwar rüstet sich der Feinde Heer, möcht' unser Werk zerstören, doch fürchten wir uns nicht so sehr; er soll uns nicht betören. Denn mit der Wahrheit im Verein wird unser stets die Zu⸗ kunft sein. 4. Drum hoffen wir getrost und sest, daß einst auf schöner Erde in Nord und Süd, in Ost und West die Menschheit einig werde. Dann wird die Welt sich dessen freu'n, und das wird uns're Zukunft sein. Marschall. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 231. Im Hintergrund der Zeitenferne, von goldnem Schimmer licht umwebt, sehn wir der Menschheit größte Sterne, die gottbe⸗ geistert einst gestrebt. Der Zukunft aber zuge⸗ wendet ist uns'rer Seele laut'rer Mut, der gott⸗ begeistert, nicht verblendet, das Rechte sucht und wohl auch tut. 2. Wir stammeln nicht mit matten Zungen der Vorzeit nach in blöder Scheu. Was sonst dem Menschengeist gelungen, gelingt ihm noch und immer neu. Die Blüten, welche sonst erschienen, um⸗ duften uns auch frisch und rein; es tragen noch des Fleißes Bienen denselben goldnen Honig ein. 3. Was, aus der Menschheit Schooß geboren, als Gottes Offenbarung kam, dies bleibt uns ewig unverloren, da nimmer es ein Ende nahm. Gott ist lebendig, und erschlossen ist sein Gebot in jeder Art, das weiter sich in frischen Sprossen und reichen Blüten offenbart. — 167 4. Wem die Vergangenheit genüge, Be⸗ friedigung der Seele bringt, in frommer Täuschung oder Lüge:— er freue sich, wenn es gelingt. Wir aber seh'n in diesen Tagen des Menschen⸗ geistes Wunder an, und nicht beschämt, nein, freudig wagen wir auch im Glauben uns voran. 5. Die Welt ist Gottes und die Zeiten, und jede Zeit ist seine Zeit. Schon seh'n wir in der Erde Weiten ein höh'res Maß der Frömmigkeit; und immer wächst es fort im Ganzen, nach Gottes Willen, reich und voll, daß wir lebendig weiter pflanzen, was weiter sich gestalten soll. Hessemer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 202. Hoch immer herrscht der alte Zweifel, noch immer lebt der alte Wahn, als seien Gott und auch dem Teufel die Menschen⸗ seelen untertan; als sei ein gold'nes Zelt da drüben für unsre Zukunft ausgespannt, und was hier un⸗ erreicht geblieben, das falle dort uns in die Hand; 2. Als lenke eine Macht von oben des Menschen kleines Erdenlos, und ziehe, um ihn zu erproben, durch Leiden ihn und Strafen groß; als sei dem Guten und dem Bösen der rechte Lohn erst dort gewährt, und, um den Menschen zu er⸗ lösen, zum Sünder Gottes Sohn erklärt. 3. O, warum suchst du in der Ferne, und bist nicht deiner selbst bewußt? Dein Gott, dein Himmel, deine Sterne sie ruh'n in deiner eignen Brust; und kannst du da sie nicht erschauen, und 168 sehnst dich aus dir selbst heraus, so löschen einst in Nacht und Grauen die Sterne deines Himmels aus! ö 4. Aus deinem Innern geh'n die Faden, aus denen sich das Schicksal webt; der geht durch's Leben schwer beladen, der sich nicht selbst zu retten strebt. Mit frohem Herzen mußt du ringen, und auch dem Schicksal stehn als Mann.— was kann der für die Welt vollbringen, der sich nicht selbst erlösen kann! 5. Nicht Strafen sind der Erde Leiden, sie sind notwendig, weil sie sind; nicht erst die Zu⸗ kunft bringt dir Freuden, die deines Herzens Blüte sind. Wer Dornen sät, der harrt vergebens auf eine Frucht, die mild und süß, ihn mahnt die Bitterkeit des Lebens an ein verlornes Paradies. 6. Ja, nicht in eines Andern Blute machst du dich rein von deiner Schuld, wenn du von seinem Heldenmute nichts lernst als Demut und Geduld. Den Himmel gilt es zu erringen, der nicht im Land der Träume liegt,— drum sei, womit sie uns umschlingen, zuerst des Glaubens Wahn besiegt! Fr. Baltzer. 233. do ist der lange Wahn zerrissen, das Dunkel wird in Licht verklärt, wir glauben fortan, was wir wissen, nicht was uns nur der Priester lehrt. Der große Meister sprach bescheiden:„Die Zukunft ist uns tief verhüllt.“ Und nicht in ird'sche Hüllen kleiden mocht' er der„Gottheit“ ew'ges Bild. Doch jeder Priester, dem die Gabe des Geistes und der Wahrheit fehlt, spricht salbungs⸗ 169 voll dem Volk, es habe die Gottheit ihn zum Rat erwählt. Er bauet in den blauen Räumen des Himmels seines„Gottes“ Thron, und, glaubt der Arme seinen Träumen, so nennt er es„Reli⸗ gion.“ Und wie sich vor dem Herrscherstabe des Glaubens stumm die Einfalt beugt, so geht des Volkes Recht zu Grabe, es glaubt und duldet, hofft und schweigt. O. Wahn, dem in der Menschheit Kreisen, das Heiligste zum Opfer fällt, zu lang ertrugen dich die Weisen,— nun baut sich eine neue Welt! Nicht, was die Priester nur ersonnen, und nicht des Träumers dunkles Bild ist uns des wahren Lebens Bronnen, wo sich der Durst der Mensch⸗ heit stillt; nein, ihre ew'gen Güter pflegen, am Glück der Erde liebend bau'n, das bringet einen schönern Segen, als in ein dunkles Jenseits schau'n. Des Armen Not und Tränen stillen, auch dem Geringsten Bruder sein, das heißt des Meisters Wort erfüllen, ein andrer„Gottesdienst“ ist Schein. Mit der Natur im engen Bunde, ihr ewiges Ge⸗ setz verstehn, das ist die wahre Himmelskunde, und wird den Menschengeist erhöh'n. Ist so die Welt erst neu geworden, dann breitet über jedem Haus und über Völkern, die jetzt morden, sich auch ein neuer Himmel aus. Dann sitzt kein Priester zum Gerichte, die Macht trifft nicht des Volkes Fluch, dann schreibt nicht mehr die Weltgeschichte mit blutigroter Schrift ihr Buch, dann steigt in hohem Siegesglanze das Recht, die Wahrheit auf den Tron, und strahlend in der Liebe Glanze seh' ich dein Bild, Religion! Fr. Baltzer. 170 234. Ihr goldenen Sterne, aus himmlischen Döh'n, wie strahlt ihr zur Erde so friedlich und schön! Wie hebt sich die Brust im Schauen zu euch! Wie fühlt sich das Herz so glück⸗ lich und reich! 2. Ihr goldenen Sterne, o strahlet mit Macht hinein auch in finsteren Glaubens Nacht! Er⸗ leuchtet die Geister mit wärmendem Licht, daß end⸗ lich des Wahnes Kette zerbricht! 3. Ihr goldenen Sterne,— Verdammnis und Fluch strahlt nimmer aus eurem hochheiligen Buch! „Ihr alle seid Brüder! O, reicht euch die Hand!“ So tönt es herab, wie aus besserem Land. 4.„Was auch euer Glaube,— o, lasset den Streit! Ist nur euer Leben der Liebe geweiht, der Liebe zum Guten, dem Edlen und Hoh'n, dann habt ihr die ewige Religion!“ 5. Ihr goldenen Sterne, so weckt euer Licht im ahnenden Herzen ein hohes Gesicht: Wir sehen sie dämmern die selige Zeit, von der wir noch heute so weit, ach, so weit.— 6. Die Zeit, wo ihr droben aus himmlischen Höh'n nur Menschen werdet, nur Glückliche sehn, im Geiste frei, und an Würde gleich,— die ganze Erde— ein Himmelreich! G. Friedlieb. 235. Bidt auf zu denen, die vorangegangen, als mut'ge Kämpfer in dem heil'gen Streit, die festgestanden ohne Furcht und Bangen, und sich der Wahrheit selbst im Tod geweiht! Sie mögen uns die Siegespalme zeigen, die Jedem winkt, der ausharrt stark und treu, vor ihrem Bilde laßt die Hand uns reichen, und unsern Schwur geloben uns auf's Neu! 17¹1 2. Vor allem Du, in niedrer Hütt' geboren, auf Golgatha in hohem Tod verklärt, du sei als lichtes Vorbild uns erkoren, dein denken wir, du Held, so treu bewährt! Dich haben auch die Priester einst verdammet, und die von ihnen auf⸗ geregte Welt, doch aus dem Grabe noch ist aufge⸗ deKl dein lichter Geist und hat die Nacht er⸗ ellt! 3. Du führe uns! Wir folgen deiner Fahne. Ob's auch durch Nacht und schwere Stürme geht, du führe uns im Kampf mit frommem Wahne, bis sieggekrönt zuletzt die Wahrheit steht! Und sollen wir den Sieg nicht mehr erschauen, dann sei mit denen, die uns folgen nach,— wir sterben in dem seligsten Vertrauen: Einst ruft der Geist die ganze Menschheit wach! Karl Scholl. 236. Das Vorrecht edler Seelen war es immer, zu schauen in der dunklen Nacht auf Erden mit ihrem geist'gen Auge einen Schimmer, der kündete, einst müsse Morgen werden. Und diese Edlen vor die Menge traten, um dem Geschauten Worte zu verleih'n; sie predigten:„Nur eure eignen Taten vermögen euch vom Leide zu befrei'n.“ Doch ach! Das Volk verlacht ja die Propheten, die ihm gebieten, um das Glück zu ringen; es wähnte stets, durch Fasten und durch Beten sei leicht das Heil vom Himmel zu erzwingen.— Wohl läßt das Himmelslicht die Blumen sprießen und nährt das All mit seinem holden Schein; doch, Liebe in die Seelen auszugießen, vermag es nicht — das kann der Mensch allein. Vergebens blicken 172 wir in unserm Weh zum Himmel auf, zum goldnen Sonnenlicht— ach! Vor der Sonne schmilzt der Winterschnee, allein das Eis in unsern Herzen nicht. Arthur Pfungst. Mel. O, daß ich tausend Zungen hätte. 237. Kein Jammertal ist uns're Erde, nicht Schwachheit nur ist unser Loos, ob Himmel, ob uns Hölle werde, birgt nicht des Jenseits dunkler Schooß, hier sä't der Mensch und erntet hier, ihn führt des Geistes Schutzpanier. 2. Das ist der Geist, der endlich sieget, von dem die rechte Freiheit rührt, der, was gedrückt am Boden lieget, erbarmend auf zum Lichte führt, der in des Weltalls Ordnung tront und auch in Jedes Herzen wohnt. 3. Sein Wesen ist die hohe Liebe, die jedes Leben achtend schützt, die freudig, in selbstlosem Triebe der Menschheit hingegeben, nützt, die Dul⸗ dung predigt, Wahrheit übt, kasteiend nicht das Frohsein trübt. 4. An diese Kraft des Geistes glaube, das macht des Lebens Mühe leicht: daß diese Zuver⸗ sicht nichts raube, drauf, Brüder, fest die Hand gereicht! Dem Geiste dienen wir mit Lust in treuer Arbeit selbstbewußt. Das neue Evangelium. 238. O Nächstenlieb',— du viel mißbrauchtes Wort, mit dem sie ihren Gott zu täuschen wähnen! Wie oft bei bestialem Raub und Mord erstickte dich ein Meer von Blut und 27'—.— 272 —————.„e„*—-— 7e„——y———27 222 ᷑ —425————9—0——————5— 2.˖·⁰D 173³ Tränen! Allüberall gewappnet, Groß und Klein, steht Mann an Mann in voller Rüstung starrend, soll etwa das ein Reich der Liebe sein, auf das die Bessern warten, gläubig harrend? 2. Du heilig Band, das inniglich und traut die Söhne eines Stammes eint und bindet, o, Muttersprache, holder Segenslaut, worin sich früh, das Herz zum Herzen findet, wie hat man dich so oft, so schnöd mißbraucht, so falsch das heiligste Gefühl gedeutet, um dich die Welt in Ströme Bluts getaucht, und dich zum Fluch der Menschheit aus⸗ gebeutet! 3. Religion,— du Führerin zur Höh', du Quell des Ewigguten, Ewigwahren! Welch un⸗ ermeßlich Leid, welch tiefes Weh erfuhr die Welt von deinen Priesterscharen! Gehetzt zu Tode, wie ein scheues Wild,— brahmanisch, muselmännisch, jüdisch, christlich, erstarb die Liebe, nur ihr Fratzen⸗ bild lebt' in der Welt unsterblich, unverwüstlich! 4. So sank die Welt dahin in Gram und Qual, ein Tummelplatz für frommen Wahns Des⸗ poten, die Erde ward ein neues Jammertal von Geistessklaven, von Lebendigtoten! Drum aber Menschenherz verzage nicht, ermanne dich zu einem bessern Leben! Es mahnt der Zukunft helles Morgenlicht: zum letzten Kampfe mußt du dich erheben! 5. Verlaß der Dogmen trügerischen Grund! Laß frei die Denkgesetze sich entfalten, und lachend wird das weite Erdenrund zum blüh'nden Para⸗ diese sich gestalten.— Mit Bruderblut besudelte der Wahn der ersten Menschenheimat heil'ge Schwelle! Das Denken ward der Sünde untertan! Das Wissen eine Aussaat für die Hölle! 17⁴ 6. Das ist nicht wahr, das ist ein Lügennetz, was euch die Pharisäer vorgelogen! Sie haben euch um's reine Denkgesetz mit unerhörter Gaukelei betrogen! In Zukunft müßt ihr, Siegesgöttern gleich, euch um des Wissens lichte Banner scharen, und glänzend wird die Erd' als Himmelreich, der Mensch als Engel drin sich offenbaren! 7. Vergebens, daß die Dummheit tobt und schmäht und sucht zu fesseln, was da frei ge⸗ boren,— gerettet ist des Geistes Majestät, der Aberwitz hat seine Macht verloren! Von jedem Sterne tönt's in Ewigkeit, es kündet's laut die Sonne, die Planeten: Der Wissenschaft gehört die neue Zeit, dem Licht und seinen herrlichen Pro⸗ pheten! 8. Frei ist der Geist, und frei ist das Ge⸗ schlecht, frei ist die Kraft, die Acht und Bann zer⸗ rissen! Vom Himmel holt der Mensch sein ewig Recht, die Wahrheit siegt, und frei sind die Ge⸗ wissen! Hoch oben ist das Evangelium der neuen Zeit in Sternenschrift zu lesen: Nur eine Liebe gibt's, ein Menschentum, ein glücklich Reich von sittlich freien Wesen! Fr. Krasser. Mahnruf. 239. Der Bahn, die Galilei kühn erspäht im weiten All, trotz aller Dunkelmänner Müh'n folgt ihr der Erdenball. Kein Holzstoß schreckt der Wahrheit Glut; denn auf der Folter noch ruft ungebeugter Forschermut: und sie be⸗ wegt sich doch! VRXxo n V 5 r 17⁵ 2. Ihr aber, die ihr täppisch⸗dreist, von kurzer Macht verführt, den ausgewachs'nen Menschengeist in Strafgesetze schnürt, ihr glaubt, wenn ihr nur groß und weit auftut das Kerkerloch, zum Still⸗ 90000 brächtet ihr die Zeit? Und sie bewegt sich och! 3. Ja, sie bewegt sich durch das Land mit hohem Riesenschritt, und stolz an ihrer rechten Hand führt sie die Wahrheit mit, sie steht vielleicht, wenn sie den Duft des Mittelalters roch, zum Scheine 996 11—0 schnappt nach Luft, und sie bewegt sich och! 4. Die Wahrheit lernte freien Flug, und dünket ihr der Lauf der Zeit nicht ungehemmt ge⸗ nug, dann schwingt sie sich hinauf; die Herzen grüßen ihren Schein mit stürmischem Gepoch: schickt 9951. Häscher hinterdrein, und sie bewegt sich och! 5. Des Volkes Seele lauscht empor, erwacht aus Wiegenruh! Und ihr befreites Aug' und Ohr schließt kein Gesetz mehr zu. Selbst wenn sie sich in letzter Not vor euerm Zorn verkroch, selbst wenn sie still, ist sie nicht tot, und sie bewegt sich doch! 6. Drum hütet euch, dem eignen Wahn leicht⸗ mütig zu vertrau'n! Umgebet nicht den Ozean mit einem Bretterzaun! Die Schranke, die vor Sturm euch feit, ist ein zerbrechlich Joch; ihr wähnt, sie trotzt der Ewigkeit, und sie bewegt sich doch! Ludwig Fulda. 176 240. Macht Wissenschaft, wie sich das Licht zer⸗ Rreue, dir minder schön der Himmels⸗ wölbung Bläue? Ich weiß für jeden Ton die — und wen entzückte mehr die Nachti⸗ gall? 2. Ich weiß es, daß mein Stamm als Wurm begann, und juble, daß ich denken, lieben kann. Erst recht die Welt hab' ich ins Herz geschlossen, seitdem ich weiß, von wannen ich entsprossen. 3. So weiß ich auch, daß Er, dem jede Blume von Gott gepredigt, wenn er wiederkäme, die Geißel nochmals in die Rechte nähme, 4. Um fortzupeitschen aus dem Heiligtume die frechen Leugner neuer Offenbarung, die Männer päppeln mit der Säuglingsnahrung. Wilhelm Jordan. 241. Jetzt ist die Zeit der dunkeln Weltver⸗ ächter, die jedes höchste Menschengut zerscherben, dem Leben feind und freund dem ew'gen Sterben, des Nichts Verkünder, der Zerstörung Wächter. 2. Dem Geisteswalten gellt ihr Hohngelächter, und auf die reinsten, keuschen Stirnen kerben ihr Brandmal sie, dem Tode sie zu werben, es ist kein Gott für sie, und kein Gerechter. 3. Und dennoch schlürfen sie in vollen Zügen den Kelch des Lebens aus bis auf die Neige!— so falsche Kunde soll mich nicht betrügen, 4. Und wenn die Menschen alle mich belügen, die ew'gen Güter zeigen mir die Steige und leihen mir ein freundliches Genügen. Heinrich Bulthaupt. — 177 Mel. Was mein Gott will. 242. Die Nacht vergeht, der Tag bricht an, die Truggebild' erbleichen, und keine Macht der Erde kann den Geist der Zeit ver⸗ scheuchen. Gewaltig klopft sein Flügelschlag an alle Herzenspforten, sein Odem ruft die Mensch⸗ heit wach, und licht wird's aller Orten. 2. Vor seinem mächt'gen Strahle flieh'n des Wahnes Truggestalten, und Frieden, Glück und Segen blüh'n, wo Recht und Wahrheit walten. Wohlan, so wollen denn auch wir uns um sein Banner scharen und mutig heben das Panier des Guten, Rechten, Wahren! 3. Und ob die finstern Mächt' auch heut' sich noch entgegenstemmen, sie werden doch den Geist der Zeit auf seiner Bahn nicht hemmen! Wie sie auch warnen, schmäh'n und dräu'n, die frommen Zionswächter, aus ist es mit dem Heil'genschein vergangener Geschlechter. 4. Doch,— wenn die Welt das finstre Joch soll gründlich überwinden, dann müssen viele Kräfte noch zum Kampfe sich verbünden; drum auf, er⸗ greift des Geistes Schwert, ihr zaudernden Ge⸗ müter! Der Preis des Sieges ist es wert, es gilt die höchsten Güter! Cassel. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 243.(icht und Wahrheit in der Hütte, Licht und Wahrheit im Palast, Licht in Geist und Herz und Sitte, laut're Wahrheit:— ohne Rast strebt dies Ziel des Heiles an! Wirke 13 178 Jeder, was er kann, in der Nähe, in der Ferne, dann sehn heller uns die Sterne! 2. Einzeln ist des Menschen Ringen— noch so mächtig— dennoch klein: doch vereinte Kräfte dringen leicht im Schacht der Wahrheit ein. Denkt und strebet Hand in Hand, wandelt so im Geistes⸗ land! Wo sich Kräfte stark gesellen, wird des Irrtums Nacht sich hellen! 3. Rütteln woll'n wir sie und wecken, die des Irrtums Schlaf noch drückt, daß das Haupt empor sie strecken, und ihr Auge vorwärts blickt. Es ist Schande, still zu stehn, wo wir steten Fort⸗ schritt sehn. Vorwärts ist des Menschen Ehre; dort nur grünt der Zukunft Lehre. 4. Laßt uns nimmer, nimmer rasten, jeden schweren Kampf bestehn, bis wir nach des Streites Lasten uns im höhern Lichte sehn. Was ist träge unser Blut? Quill du ewig, neuer Mut, aus der Wahrheit goldnen Schalen trotz Gefahr und Spott und Qualen. Nach E. Stiller. 244. Habe Mut zum eig'nen Fühlen, und du wirst an sich'rer Hand steigen zu den höchsten Zielen in der Schönheit Wunderland; eig'nes Fühlen macht dich frei von der Mode Feld⸗ geschrei. 2. Habe Mut zum eig'nen Denken, denn auch er ist Heldenmut, größ'rer, als den Stahl zu senken in der Schlacht in Brüder Blut; eig'nes Denken macht dich frei von des Wahnes Tyrannei. — n— 179 3. Habe Mut, dich zu verlassen auf das Ur⸗ teil der Vernunft, dann wirst du die Welt erfassen besser als gelehrte Zunft; eig'nes Urteil macht dich frei von der Schule Sklaverei. 4. Eig'nes Fühlen, eig'nes Denken, eig'nes Urteil geben Kraft; die wird dich zur Höhe lenken, wo die Freiheit Wunder schafft. Nur der Eigene ist groß und wirkt an der Menschheit Los. Robert Seidel. 245. Neuer Tag mit deinen Strahlen, töte nun die alte Nacht; löse lind von ihren Qualen alle, die sie bang durchwacht! Ruhe sei der Welt beschieden, Ruhe von des Kampfes Schmerz, denn die Völker wollen Frieden, Frieden jedes Menschenherz. 2. Länger nicht mit Blut und Eisen feste sich der Menschheit Band, Liebe soll uns Pfade weisen, die wir wandeln Hand in Hand. Völker⸗ hader sei gemieden, rosten soll des Kriegers Erz, denn die Völker wollen Frieden, Frieden jedes Menschenherz. 3. Weltenfriede, Weltenfriede, letzter Sieg, den wir erflehn, kling, o kling in unserm Liede, bis wir deine Schönheit sehn! Bis uns deine Ruh' beschieden, laßt uns singen sternenwärts: Alle Völker wollen Frieden, Frieden jedes Menschenherz. Otto Erich Hartleben. 1³³ 246. Drei Worte nenn' ich euch inhaltschwer, sie gehen von Munde zu Munde, doch stammen sie nicht von außen her, das Herz nur gibt davon Kunde; dem Menschen ist aller Wert geraubt, wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt. 2. Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, und würd' er in Ketten geboren! Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei, nicht den Mißbrauch rasender Toren; vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, vor dem freien Menschen erzittert nicht. 3. Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall, der Mensch kann sie üben im Leben, und sollt' er auch straucheln überall, er kann nach der gött⸗ lichen streben, und was kein Verstand der Ver⸗ ständigen sieht, das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt. 4. Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt, wie auch der menschliche wanke, hoch über der Zeit und dem Raume webt lebendig der höchste Gedanke, und ob alles in ewigem Wechsel kreist, es be⸗ harret im Wechsel ein ruhiger Geist. 5. Die drei Worte bewahret euch, inhaltschwer, sie pflanzet von Munde zu Munde, und stammen sie gleich nicht von außen her, euer Inn'res gibt davon Kunde; dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt, so lang' er noch an die drei Worte glaubt. Schiller. e 181 247. Es reden und träumen die Menschen viel von bessern, künftigen Tagen, nach einem glücklichen, goldenen Ziel sieht man sie rennen und jagen; die Welt wird alt und wird wieder jung, doch der Mensch hofft immer Verbesserung. 2. Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein, sie umflattert den fröhlichen Knaben, den Jüng⸗ ling begeistert ihr Zauberschein, sie wird mit dem Greis nicht begraben; denn beschließt er im Grabe den müden Lauf, nah am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf. 3. Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn, erzeugt im Gehirne des Toren, im Herzen kündet es laut sich an: Zu was Besserem sind wir ge⸗ boren! Und was die innere Stimme spricht, das täuscht die hoffende Seele nicht! Schiller. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 248. Fo steh' ich da, ein Kind der Erde, des Lebens froh in tiefster Brust, und grüß' mit lächelnder Geberde Genuß und Arbeit, Lieb' und Lust; und was das Brot mir gibt an Stärke, und was der Wein mir gibt an Glut, es sei be⸗ nutzt zum guten Werke die Kraft, die mir im Busen ruht! 2. Daß ich ein Werkmann bin, gerufen zu jenem Bau, der stolz sich hebt, auf dessen Millionen Stufen die Menschheit ewig aufwärts strebt, daß ich hier nützen soll, erstreben, was sich als recht und gut erweist, und zeigen durch mein ganzes Leben, daß in mir wohnt ein guter Geist,— 182 3. Das ist mein Kultus, ist mein Glaube. Ob er der rechte sei? Getrost! Er hebt mich sieg⸗ reich aus dem Staube und hält mich, wenn der Sturmwind tost. Und hab' ich diesem nachgerungen in meinem Leben, echt und rein, dann wird, ist einst mein Lied verklungen auch Friede meiner Asche sein. 249. Iicht über's Grab hinaus soll sich erheben mein Blick zu einer Welt, die niemand kennt, der schönen Erdenheimat gilt mein Streben, ob auch der Wahn ein Jammertal sie nennt. In ihr soll's heller, schöner, besser werden, soll jeder Mensch sich seines Lebens freu'n, drum will ich mildern helfen die Beschwerden, und freudig mich dem Wohl der Menschheit weihn. 2. Des Geistes Licht soll immer mehr ver⸗ scheuchen des Glaubens Zwietracht und des Irr⸗ tums Nacht, und vor der Wahrheit Fackel soll er⸗ bleichen des finstern Wahnes tausendjähr'ge Macht! Nicht blindlings glauben, sondern selbst erkennen, und tätig sein für Wahrheit, Recht und Licht, die Wirklichkeit vom Wunderbaren trennen, das ist des freien Menschen heil'ge Pflicht. 3. Wohl lassen viele sich noch geistig knechten, weil Trug und Schein ihr Aug' gefesselt hält, doch dringt der Geist des Wahren und des Rechten trotz aller Fesseln siegreich durch die Welt. Der Frühling naht, der Acker ist empfänglich, auf, Brüder, auf, laßt uns nicht müßig steh'n, des Geistes Aussaat sie ist unvergänglich, mag manches Körnchen auch im Sturm verweh'n! 183 4. Einst wird der Liebe Macht in Freiheit walten, der Mensch empfinden lernen seinen Wert, und immer herrlicher wird sich gestalten des reinen Menschentumes heil'ger Herd! So wirkt der Geist durch die gestreuten Saaten noch segensreich bis in die fernste Zeit, so lebt er fort in Worten und in Taten, die wir dem Wohl der Menschheit treu geweiht! 5. So laßt uns denn am Himmelreich auf Erden gemeinsam und mit allen Kräften bau'n, wie auch die finstren Mächte sich geberden, die ihrer eig'nen Sache nicht mehr trau'n! Die Macht der Wahrheit kann nicht unterliegen im Kampfe gegen Selbstsucht, Trug und Schein, drum laßt uns mutig kämpfen, edel siegen, und uns der schönen Erdenheimat freu'n! Cassel. 250. Mach zum Himmel dir die Erde, schaff' mit lebensfroher Lust durch ein selbst⸗ bewußtes„Werde!“ Dir den Himmel in der Brust! 2. Freue dich mit allen Frohen, ohne Neid ob fremdem Glück; und der Wiederschein der hohen Freude strahlt auf dich zurück. 3. Hilfreich trockne Kummers Zähren, fremde Wangen matt und bleich, such' durch Liebe zu ver⸗— klären unser ganzes Erdenreich! 4. Flamme auf in heil'gen Gluten oft ent⸗ täuschtes, armes Herz, und in xeicher Segnung Fluten strahlt das Glück in Lust und Schmerz. 5. Mach' zum Himmel diese Erde, schaff' mit lebensfroher Lust durch ein selbstbewußtes „Werde!“ Dir den Himmel in der Brust! W. Houtz. ö 18⁴ 251. Der Erdenkreis ist mir genug bekannt, nach drüben ist die Aussicht uns ver⸗ rannt; Tor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet, sich über Wolken seinesgleichen dichtet! 2. Er stehe fest und sehe hier sich um! Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm. Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen! Was er erkennt, läßt sich ergreifen. Goethe(Faust). Himmel und hölle. 252. Es gibt nur einen Himmel, den ew'gen Sitz der Lust; sucht ihn nicht über Sternen, sucht ihn nicht in den Fernen, sucht ihn — in eurer Brust! 2. Es gibt nur eine Hölle, ein ewiges Ge⸗ richt; wenn strafend, ohn' Erbarmen, das eigne Herz den Armen verdammt und schuldig spricht! Heribert Rau. 258. Henn, ich fürchte nicht die Höllenpein, nicht die Sühne in den andern Welten, nicht die Mächte, die der Qual uns weih'n, uns're ird'schen Frevel zu vergelten. 2. Ach, ich fürcht' die Totenrichter nicht, die einst meine Taten wägen werden,— die Geschlechter fürcht' ich, die das Licht nach mir schauen dürfen hier auf Erden! 3. Wenn ich längst zur ew'gen Ruh' gegangen, werden sie noch meine Taten seh'n, und ich frage mich mit tiefem Bangen: Kann ich dann vor ihrem Spruch besteh'n? — 129.1— — 18⁵ 4. Ach, sie können messen meine Taten mit dem großen Maß der Ewigkeiten; wenn sie kommen, sind ja meine Saaten längst gereift im Sonnen⸗ brand der Zeiten. 5. All' ihr Leid,— ich hab' es mitverschuldet, denn geschrieben steht mit ew'gen Lettern: Alles Unrecht, das dein Herz geduldet, wird das Glück der Kommenden zerschmettern. 6. Nein, ich fürchte nicht die Totenrichter, die einst meine Taten wägen werden: Doch die Denker fürcht' ich und die Dichter, welche nach mir wandeln auf der Erden. UArthur Pfungst. 7. Menschenwürde. Sittliches, tüchtiges Leben. Mel. Nun danket Alle Gott. 254. Dernimm, o Gott! mein Fleh'n! Ich Pilger hier auf Erden, ich möchte jeden Tag gern weiser, besser werden. Ich möchte deinen Weg, den oft mein Fuß verliert, mit sich'rem Schritte geh'n, weil er zum Ziele führt. 2. Du nur bringst mich an's Ziel. In dir geweihten Stunden, wie oft hat nicht mein Herz es inniger empfunden, daß dein Gesetz, mein Gott, dein größter Segen ist; daß der sein Heil ver⸗ kennt, der dein Gebot vergißt. 3. Doch, ach! ich wanke noch; die Macht betrog'ner Sinne zerstört nur allzu oft, was ich mit Fleiß beginne. Gewohnheit böser Lust kämpft mit der Bess'rung noch; das Rechte kenn' ich wohl, das Schlimme wähl' ich doch. 4. Gib, daß, von dir gestärkt, der Sinn nicht länger wanke! Rein sei das Herz vor dir, und heilig der Gedanke, zugänglich sei mein Ohr der Weisheit treuem Rat; rechtschaffen ohne Falsch mein Wort, wie meine Tat. 18⁷ 5. Fest stehe mein Entschluß, wie Gottes Felsen stehen: Stets auf der sichern Bahn der Frömmigkeit zu gehen. Auch wo kein Mensch mich sieht, auch wo kein Ohr mich hört, sei Tugend heilig mir, die Jesus mich gelehrt. 6. Nah't sich Versuchung mir, hilf du sie überwinden und in beständ'ger Treu' die Ruh' der Seele finden! Wer standhaft kämpft und ringt, dem wird vor Gottes Tron die ew'ge Seligkeit, der Treue Preis zum Lohn. Niemeyer. Mel. Vom Himmel hoch da ꝛc. 255. Im unermess'nen Schöpfungschor ragt edelstolz der Mensch hervor. Seht, wie er da voll Majestät, ein Gott, im Tempel Gottes, geht! 2. Der Kraft und Anmut Fülle strahlt von seiner herrlichen Gestalt; es adelt sie ein hoher Sinn, sie scheint der Erde Staub zu fliehn. 3. Ihr Bau strebt auf zum Sonnenlicht; aus jedem ihrer Züge spricht der Odem, der vom Himmel zeugt, dem alles Irdische sich neigt. 4. Wie spiegeln Geist und Welt so hell sich in des Auges heit'rem Quell! Es blickt mit Macht⸗ gebot umher, und taucht sich in das Sternenheer. 5. Die Stirne wölbet der Verstand; was nah und fern, wird ihm bekannt; den Schatz im dunklen Erdenschooß erspäht er, wie das Alpen⸗ moos. Mel. Vom Himmel hoch da ꝛc. der Menschlichkeit. 2. Geschöpf und Schöpfer allzumal, schafft sie neu in seiner Gotteskraft. Mel. Nun danket Alle ꝛc. es ehrfurchtsvoll vor ew'gem Recht allein. 6. Was lebt und webt im Schöpfungsraum, das bändigt er mit starkem Zaum; selbst der er⸗ grimmte Ozean ward seiner Klugheit untertan. 7. Der Sprache Zauber fließt vom Mund: gestiftet ist der Geister Bund, der durch ein Wunder Welt mit Welt in ew'ger Ebb' und Flut erhält! Wessenberg. 256. Dom Südpol bis zum Nordpol kreist in Wort und Schrift des Menschen Geist; unsterblich sinnt am Strom der Zeit der Genius er nach hohem Ideal; verschönert die Natur und 3. Doch höher noch erhebet ihn des Herzens reiner, edler Sinn! Und seine Liebe, stark und mild, macht ihn zu Gottes Ebenbild. Wessenberg. 2⁵⁷. Das sei des Menschen Stolz, das sei des Menschen Zierde, daß er sich stets be⸗ wahr' die freie Menschenwürde; daß nie das Haupt er beug' vor eitel Macht und Schein; er beug' 2. So laßt uns, Mann an Mann, feststehen all' als Ganze, des heil'gen Menschenrechts un⸗ antastbare Schanze. Gilt's Leben oder Recht, so gebt das Leben hin, nur nicht das Recht, nur nicht den freien Menschensinn. Dul. Gsb. 189 Mel. Allein Gott in der Höhe. 258. Dem Menschen glänzt der Gottheit Licht! Mit heiligen Gedanken naht er sich ihr; ihn fesseln nicht der Tierwelt enge Schranken. Welch' schönstes Bild im Wesenheer'! Mit Sinn und Trieb empfing nur er Vernunft, der Gaben höchste. 2. Vernunft zeigt uns der Gottheit Spur durch aller Welten Ferne, führt uns im Schau⸗ platz der Natur, führt uns im Reich der Sterne, zerstreut um uns des Irrtums Wahn, und weiß des Lebens dunkle Bahn mild freundlich aufzu⸗ hellen. 3. Vernunft gibt Mut, nur sie gibt Kraft, sich selber zu bezwingen, im Kampfe mit der Leidenschaft die Freiheit zu erringen; sie lehrt, daß nur der Tugend Bahn zu einer schöner'n Welt hinan, zu Glück und Frieden führet. 4. Der Gottheit Preis, die so uns schuf, sie mit Vernunft zu ehren, und, ihr getreu, auf ihren Ruf, auf ihr Gesetz zu hören! Dies sei uns Allen heil'ge Pflicht; daß wir im Sinnentaumel nicht den Menschenwert verlieren. Bitterl. Gsb. Mel. Wer ist der heil'ge ꝛc. 259. Das Wort soll werden Fleisch einmal, und Wirklichkeit das Ideal, sichtbar des Gottes Schöne. Gott ist nicht fern und welten⸗ weit, ist in uns selbst voll Herrlichkeit, sind wir nur seine Söhne. 2. Das Wort soll werden Fleisch einmal; sei du nur selbst das Ideal, und schon ist es ge⸗ schehen. Und wer dann dich, den Menschen schaut, mit Gotteskraft so hoch betraut, hat Göttliches gesehen. 3. Du selber, Mensch von Fleisch und Bein, mußt Wort und Geist und Leben sein, daß Gott sich nicht verhehle. Das Wort soll werden Fleisch einmal und Wirklichkeit das Ideal in jeder Men⸗ schenseele! Th. Hofferichter. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 260. ie leichter fühlt der Mensch die Bürde, die ihn so oft zur Erde zieht, nie mehr die Hoheit seiner Würde, als wenn sein Geist zur Gottheit flieht. Drum laßt mit reiner Seelenfülle, und fern des Lebens Trug und Wahn, laßt in des Herzens heil'ger Stille uns oft dem Ew'gen denkend nah'n! Bitterl. Gsb. Mel. Wer ist der heil'ge ꝛc. 261. lch will des Menschen hohen Wert, den mir Vernunft und Schrift erklärt, mit stetem Ernst bedenken, und auf den heiligen Be⸗ ruf, zu dem die Allmacht Menschen schuf, den größten Eifer lenken. 2. Was in mir forscht, was in mir denkt, es sei zum Höchsten stets gelenkt, dem Wahren nur ich's weihe. Des Geistes Kraft, ein Heilig⸗ tum, reich zu entfalten, sei mein Ruhm und meines Wesens Treue. Bitterl. Gsb. — 7 9—2*.3.— ——— — 19¹ Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 262. Unsonst suchst du des Guten Quelle weit außer dir in eitler Lust; selbst trägst du Himmel oder Hölle und deinen Richter in der Brust. Kein Gold ersetzt den innern Frie⸗ den, kein Glanz macht dich der Gottheit gleich. Ist dir Genügsamkeit beschieden, so bist du glück⸗ lich, bist du reich. 2. Sei Mensch und ehre Menschenwürde! Sei frei und laß es Andre sein! Erschwere nicht des Armen Bürde! Bewahre Herz und Zunge rein! Sei Mensch und segne, die dir fluchen! Steh' für die Unschuld wie ein Wall! Und wirst du eine Heimat suchen, so findest du sie überall. Nordhäus. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 263. Es geht ein Wort durch die Geschichte, dringt von Geschlechtern zu Geschlecht; es ruft die Menschen zu Gerichte, verkündet laut das Menschenrecht. Ein Rufen ist's, ein Drängen, Mahnen aus Nacht und Zwang, aus Kampf und Not. O, schreibt das Wort auf eure Fahnen und kämpft dafür bis in den Tod. Eigene Melodie. 264. Dandle bei uns mit dem Palmenzweige, Himmelstochter du, Humanität! Und des Hasses grimmer Aufruhr, schweige, wo, wie Frühlingswind, dein Odem weht! 192 2. Löse von des Menschen Aug' die Binde, daß er auch im Feind den Bruder sieht. Schmilz ö ö der Selbstsucht starre Eisesrinde, die des Herzens laut'ren Quell umzieht. 3. Teile aus des Geistes ew'ge Schätze, daß die Armen werden froh und reich. Vor der Liebe — Gesetze mache Starke du und Schwache gleich. 4. Von des Gottbewußtseins lichtem Glanze sei durch dich der Menschheit Stirn umweht; und den Himmel auf die Erde pflanze, Himmelstochter du, Humanität! Dul. Gsb. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 265. Dorwärts den Blick und aufrecht stehe; sieh' traurig sinnend nicht zurück. Wie dir auch wechsle Freud' und Wehe, der Mut im Herzen ist dein Glück. Es nimmt ein allumfassend Schauen an deinem Leben liebend Teil; ein gott⸗ erfülltes Selbstvertrauen führt dich den sichern Weg zum Heil. 2. Hat dich ein bitt'res Leid getroffen, so scheue nicht ein doppelt Müh'n; am schönsten pflegen Trost und Hoffen im Schweiß der Ar⸗ beit aufzublüh'n. Laß heiß ihn von der Stirne tauen; nicht jeder Pfad ist hart und steil; ein gotterfülltes Selbstvertrauen führt dich den sichern Weg zum Heil. 3. Wer wuchern kann mit eigner Stärke, ist zwiefach stark und zwiefach frei. D'rum sorge, daß zum kleinsten Werke die ganze Kraft gesammelt sei. Vermagst du auf dich selbst zu bauen, so 193 fürchte keines Anheils Pfeil; ein gotterfülltes Heilh ann führt dich den sichern Weg zum Heil. 4. Es wandelt ihrem Ziel entgegen die Menschheit den gemess'nen Gang; zahlloser Kräfte rastlos Regen beseelt der eine mächt'ge Drang. Zu immer mehr erhöhtem Schauen des Ganzen zu befrei'n den Teil, führt gotterfülltes Selbst⸗ vertrauen die Menschheit ihren Weg zum Heil. Hammer. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 266. Im Glauben, Hoffen und im Lieben er⸗ füll', o Mensch, du dein Geschick. Bist du darin dir treu geblieben, bleibt treu dir auch dein wahres Glück. Was unvermeidlich, wirst du tragen, zum schwersten Kampf gerüstet sein; in Not und Tod wirst du nicht zagen und Gott dein ganzes Leben weih'n. 2. Es lohnt die Tugend ihre Söhne mit Selbstgefühl und hohem Mut. D'rum tu' das Rechte; lieb' das Schöne; erwirb in Weisheit hohes Gut. Zum Schaffen nütz' die flücht'gen Stunden; der Arbeit folgt die süße Ruh'. Bleib' treu dem Freund, den du gefunden; er drückt dir einst die Augen zu. K. Kerbler. Chorgesang. 267. Was ist das Göttlichste auf dieser Welt? Was hält uns aufrecht im Gewand vom Staube? Was ist's, das hier schon Engeln gleich⸗ gesellt? Es ist das geistig Herrlichste, der Glaube. 14 19⁴ 2. Wodurch sind wir dem Schöpfer selbst verwandt? Wie nennen wir den göttlichsten der Triebe? Was ist der künft'gen Freuden schönstes Pfand? Es ist des Herzens Seligkeit, die Liebe. ö 3. Was mahnt im Leiden sanft uns zur Ge⸗ duld? Wodurch sehn wir schon hier den Himmel FN offen? Was ist des ew'gen Vaters höchste Huld? Es ist der Seele reinste Labung, Hoffen. 4. O, möchten doch durch jeden Lebenskranz sich diese Blumen fromm und freundlich winden! In ihrem reinen, nie umwölkten Glanz läßt sich das Paradies leicht wieder finden. Steiner. ö Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. 268. Horch auf des Innern heil'ge Stimme, horch auf den Gott in deiner Brust, ob auch der Feind in seinem Grimme dir weckt des Hasses wilde Lust. Dem rechten Tun in Kampf und Leid lohnt innere Zufriedenheit. 2. Du hast das höchste Gut des Lebens, darfst du mit dir zufrieden sein; dir ward der höchste Preis des Strebens, wenn deine Seele licht und rein. Der Größte selbst ist nie beglückt, wenn I schwere Schuld ihn niederdrückt. 3. Wenn man dich lockt mit glatten Worten, I mit hohen Ehren, Pracht und Glanz; o hör' es EV nicht; denn aller Orten winkt dir ein andrer Ruhmeskranz. Der Ehren höchste glänzt daran: wie du gedacht, hast du getan! I. Horch auf des Innern heil'ge Stimme; die rechte Weisheit klingt in ihr; wie auch im * 19⁵ Sturm dein Schifflein schwimme, sie wahrt die Ruh' im Busen dir. Sie führe dich im heil'gen Streit für Wahrheit und für Menschlichkeit. Jul. Bösser. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 269. Gesegnet sei die heil'ge Stunde, wo immer sich ihr Glanz erneut, da ich geheilt die erste Wunde, das erste Menschenherz erfreut! Wie töricht ist das alte Klagen, daß nur das Böse uns gelingt; wie selig ist des Herzens Schlagen, das eine gute Tat vollbringt. 2. Ihr frommen Stunden kehret wieder, ihr Tage, schön und reuelos; rein, wie die Engel, steigt hernieder und macht das Herz mir warm und groß, daß es die ganze Welt umfasse mit seinem edelsten Gefühl, aus tiefstem Grunde glühend hasse der Eigenliebe kaltes Spiel. 3. Die Freude strömt aus tausend Quellen, der milden Gottheit selig Kind; o, ströme lind in Balsamwellen, wo meines Bruders Träne rinnt! Wer Freude will, muß Freude bringen aus vollem Herzen, warm und treu. Heil mir zum fröhlichen Gelingen, daß ich ein andres Herz erfreu'! Bösser. Mel. Befiehl' du deine ꝛc. 270. Der du für Freiheit streitest, die alle Fesseln bricht, und in der Nacht ver⸗ breitest der Wahrheit Morgenlicht,— hol' dir die heil'ge Weihe im lieben Sonnenschein: wo Licht ist, muß auch Wärme in seinen Strahlen sein. 1⁴⁰ 2. So Manches Aug' ist trübe, ihm bringt dein Licht nur Schmerz; erwärm' mit deiner Liebe, erwärme ihm das Herz! Dann schmiegt er sich vertrauter an all' dein Denken an, bis liebend sich sein Auge der Sonne aufgetan. 3. Drückt dich der Unmut nieder in schwüler Kampfeszeit, wie kommt dir dennoch wieder die alte Freudigkeit? Wie könntest du sie finden, die flammend dich erhebt, wenn dir die warme Liebe nicht tief im Herzen lebt? 4. Viel kluge Geister streiten noch für die alte Nacht; Herz, willst du sie beneiden um ihre eitle Macht? Wie kalt sind ihre Herzen! Was hilft der leere Schein? Wo Licht ist, muß auch Wärme in seinen Strahlen sein! Bösser. Chorgesang. 271. Das Leben lieben und den Tod nicht scheuen, mit ganzem Herzen sich der Menschheit weihen, die Liebe üben, nach der Wahr⸗ heit streben, ist wahres Leben. 2. So leuchtet, Jesus Christ, dein Erden⸗ wallen, ein göttlich reines Bild, voran uns Allen. O möchten wir dir Weisen, Liebereichen doch Alle gleichen! Fr. Blau. Eigene Melodie. 274. Rastlos vorwärts! festen Sinnes, Brü⸗ der, auf der Bahn der Pflicht, daß dem Mute des Beginnes die Vollendung auch entspricht! Den Entschluß zur Tatkraft spornen sollen uns des Weges Dornen. —.—8 23——ů—» 22— 197 2. Fest das eigne Herz bezwingen, sprechen, wo die Feigheit schweigt, mit dem Unrecht mann⸗ haft ringen, ob es uns auch Vorteil zeigt, das, was schlecht ist, kühn enthüllen— selig solches Pflichterfüllen! 3. Lieber schmachten in Beschwerden, lieber dulden Schmach und Spott, als der Pflicht ent⸗ wendet werden— das ist: Treu sein sich und Gott. Ganz dem Guten sich ergeben, das allein ist wahres Leben. Dul. Gsb. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 273. Deh/ dem, der in kaltem Herzen stets das eig'ne Wohl nur trägt, seine Freu⸗ den, seine Schmerzen für die Gegenwart nur wägt! Sind wir Schwestern nicht und Brüder? Alle eines Hauptes Glieder? Uns vertraut ward Glück und Recht selbst für's künftige Geschlecht. 2. Der du frevelnd willst zerstören, der du, träge, nicht magst bau'n! Möchtest du die Seufzer hören, möchtest du die Tränen schau'n von den Söhnen und den Töchtern, einst von künftigen Geschlechtern, wenn ihr Elend in die Gruft noch ein„Wehe!“ nach dir ruft. 3. Aber Heil den treuen Händen, Heil dem zarten, milden Sinn, die im Wirken und im Spenden seh'n den eigenen Gewinn! Wachs' auch spät, in fremdem Raume, einst der Kern empor zum Baume, froh doch senken sie ihn ein; Menschen wird er ja erfreu'n. 4. Hätt' uns Dunkel auch umzogen, würde Teu'res auch vermißt, dennoch werde treu er⸗ wogen, was die Pflicht der Zeiten ist. Stürme 198 reinigen die Lüfte, Blumen schmücken auch die Grüfte; unter Druck und Not hervor drängt sich Menschenkraft empor. 5. Nein, ihr sollt uns nicht verklagen, Enkel dieser ernsten Zeit! Nein, wir wollen nicht ver⸗ zagen, was auch drückt, und was auch dräu't! Weisheit rate, Pflicht gebiete dem erhobenen Ge⸗ müte! Freudig gibt ein edler Sinn sich dem Heil der Nachwelt hin. Sontag. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 274. Der Quell von meines Gottes Segen eröffnet sich durch Menschenhand; mich hält auf meiner Wallfahrt Wegen der Menschen eng' verschlung'nes Band; wo ich mich freue, wo ich leide, bei regem Fleiß, für Menschenheil, steh'n mir Verbündete zur Seite, und wirken mit, und nehmen Teil. 2. Auch schlafen friedvoll in dem Grabe so manche, die für mich gewacht, die eig'ne Ruhe, Blut und Habe für mich zum Opfer dargebracht. Noch eh' zum Leben ich erwachte, da wirkte edler Väter Sinn, und was ihr Fleiß zum Dasein brachte, war, unerbeten, mir Gewinn. 3. Sie gründeten des Hauses Schwelle, wo fromme Andacht sich ergießt, und wo des heil'gen Segens Quelle dem Alter und der Jugend fließt. Noch reichet ihre milde Gabe der Witwe und den Waisen Brot, Verlass'nen Zuflucht, Hilf' und Habe, wo Mangel oder Krankheit droht. 4. Getragen auf der Menschen Arme, ge— pflegt auf treuer Eltern Schoß, fiel freundlich mir 199 und frei vom Harme des jugendlichen Alters Los. Ich ruhe in der Vorwelt Schatten, ich ernte ihres Fleißes Saat, vom Glauben, den die Väter hatten, beseligt auf der Tugend Pfad. 5. Und ich, ein Glied vom großen Bunde, den Gottes Vaterliebe schließt, aus dem für jede Lebensstunde mir so viel Wohl und Freude sprießt; ich sollte nehmen und nicht geben? Nicht Gott und Menschen dankbar sein? Nein, auch für And're will ich leben, und für die Nach⸗ welt Segen streu'n. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 275. Getrost! Der Wahrheit tapfre Zeugen, auf der euch angewies'nen Bahn! Der heiße Kampf soll euch nicht beugen, nie müsse Kleinmut sich euch nah'n; blickt hoffend auf zur Schar der Treuen, die Glauben hielt bis in den Tod; auch euch wird hoher Lohn erfreuen nach überstand'ner Erdennot! 2. Getrost! Ihr edlen Unterdrückten, wenn hier kein Hoffnungsstrahl mehr blinkt! Ihr mit dem Opferkranz Geschmückten, die ihr an dem Altare sinkt! Des Ruhmes Flitterkrone werde hier eures Unterdrückers Preis; euch keimt aus blut⸗ gedüngter Erde des ächten Ruhmes Lorbeerreis. 3. Die ihr, verpflanzt in arge Zeiten, mit Finsternis zu kämpfen wagt, um Bahn dem Lichte zu bereiten; ihr bangt und trauert, eh' es tagt. Schau't ruhig an des Feind's Triumphe; bleibt ruhig, wenn die Schlange zischt, und wißt, das Irrlicht aus dem Sumpfe nur trüglich aufglänzt und erlischt. 200 4. Die Wahrheit harr't mit sich'rer Wage im Wolkenzelt der Folgezeit; verweht die Spreu gedung'ner Sage und huldigt der Gerechtigkeit. Sie folget ewigen Gesetzen, die ein gefürchteter Tyrann ein Menschenalter durch verletzen, doch ewig nicht vertilgen kann. Wenn, vom Verhängnis losgerissen, der Hoffnung letzte Trümmer stürzt, sollt ihr den Kelch zu trinken wissen, der uns das Erdenweh verkürzt. Das Recht verbannt, verschmäht, er⸗ würget, erliegend im gerechten Streit, ruft Gottes Spruch herbei, verbürget dem Kämpfer die An⸗ sterblichkeit. 6. Dem Staub' entfloh'n, wirkt eure Seele begeisternd auf der Christen Bund; daß ihrem hohen Mut nichts fehle, tut euer Sinn sich ihnen kund. Behauptet eu're Christenwürde, und dann vertraut dem Herrn der Zeit; tragt standhaft ihr des Druckes Bürde, wird euch am Ziel die Herr⸗ lichkeit. Salis. Mel. Welche Tiefen, welche ꝛc. 276. Frohe Arbeit nur ist Leben, träge Ruh' ist halber Tod. Schaffend nur ver⸗ mag zu heben sich der Geist empor zu Gott. Nimmer rastend, immer tätig waltet ja der ew'ge Geist, der da durch die Menschheit stetig, ihres Lebens Urquell, fleußt. 2. Schaffen sei denn uns're Würde, ruh'los Wirken uns're Lust! Nur wer schafft, der trägt die Bürde der Notwendigkeit bewußt. Nur, wer selbstbewußt die Schwere der Geschicke auf sich nimmt, dem nur wird des Sieges Ehre, dem nur ist der Preis bestimmt. ö 201 3. Laßt uns denn am Lebenswerke, Brü⸗ der, schaffen, froh und frei, und getrost, daß uns're Stärke durch den Geist gesegnet sei; Friede ist der Arbeit Weihe, Freude liegt im Wirken schon; nur die Arbeit schaffet Freie, und die Freiheit ist der Lohn. Dul. Gsb. Mel. Allein Gott in der Höhe. 277. In meiner Brust du Geist des Herrn, du gibst mir Mut und Stärke. Wie folg' ich deinem Triebe gern! Du treibst zum schönsten Werke. Laß spotten, wen die Nacht um⸗ hüllt; der Wahrheit Licht, so klar und mild, ent⸗ hüllst du uns'ren Blicken. 2. Sei frei, o Seele, ring' dich los aus Fesseln dieser Erden. Das Werk ist schön, der Segen groß, es wird dir Friede werden. Die Wahrheit gleicht der Sonne Schein, sie gibt nicht klares Licht allein, gibt Wärme auch und Wonne. Aderholdt. Mel. Von Gott will ich ꝛc. 278. Huf, Pilger! Laßt uns eilen, Gefahr ist im Verzug. Wozu das träge Weilen? Die Zeit enteilt im Flug! Auf! Stärket euren Mut, zum hohen Ziel zu wandern von einer Kraft zur andern, und denkt: das End' ist gut. 2. Es kann uns nie gereuen, sei noch so rauh der Pfad; wir kennen ja den Treuen, der uns gerufen hat. Getrost sei Herz und Sinn, und jeder Pilger richte mit heiter'm Angesichte den Weg zur Heimat hin. 202 3. Der Weg ist oftmals enge, ist einsam, rauh und steil; ihn deckt der Dornen Menge, doch führet er zum Heil; er bringt uns ja an's Ziel! So wandeln wir denn weiter und folgen uns'rem Leiter, mit ihm gelingt uns viel. 4. Auf! Laßt uns fröhlich wallen, eins durch der Liebe Band, dem Herrn zum Wohlgefallen in diesem Pilgerland. Wir wollen friedsam sein, nicht auf dem Wege streiten und uns in bösen Zeiten einander gern erfreu'n. 5. Und sollt ein Schwacher fallen, so tritt der Stärk're zu. Die Liebe dient gern Allen und schaffet Trost und Ruh'. Schließt euch nur fester an, so wird es euch gelingen, das Schwerste zu vollbringen auf eurer Lebensbahn. Tersteegen. Mel. Welche Tiefen. 279. Winst du Christ dich nennen, lerne Mensch zu werden erst! Du bist,— nennst du blos dich Christ,— noch ferne jenem, der dein Meister ist! Näher kommst du erst dem Reinen, den dein Herz den Heiland nennt, wenn's in jedem Menschen deinen allernächsten Bruder kennt! 2. Menschlich war des Heilands Sendung, alle Menschen nannt' er sein; Menschlichkeit wird die Vollendung seines Menschheitswerkes sein. Gotterfüllet wollt' er werben Menschen, alle frei und gleich, Gottessöhn', als seine Erben, Bürger all' im Gottesreich. 3. Erst wenn Namen nicht mehr trennen, wenn in einem Gottesgeist alle die sich Brüder nennen, so ein Vater Kinder heißt, dann hat 20³ Christus ganz durchdrungen aller Herzen sprödes Erz, und die weite Welt umschlungen hat sein heilig liebend Herz. 4. O, so laßt uns recht erfassen jenes Ziel, das er erstrebt, und für das bis zum Erblassen an dem Kreuz' er treu gelebt. O, so laßt uns rüstig schaffen an dem Werk, das er begann, kämpfen mit denselben Waffen, womit er den Sieg gewann. 5. Mit dem Schwert, das er auf Erden brachte, mit des Lichtes Schwert muß der Wahn bezwungen werden, der des Menschen Stirn ent⸗ ehrt, der die gottverlieh'nen Rechte noch dem Juden vorenthält, der die Schwarzen noch als Knechte unter's Joch der Weißen stellt! 6. Mit dem Schwert, das er auf Erden brachte, mit der Liebe Schwert muß der Haß be⸗ zwungen werden, den der Wahn in Völkern nährt. Leuchte, Christus, hellsten Glanzes jedem Volk, das dein sich nennt, daß die Menschheit sich als Ganzes, sich als Bruderbund erkennt! 7. Strahl' in alle Herzen nieder, Licht der Liebe, Geist des Herrn, und geh' auf ob allen wieder, neuentdeckter ew'ger Stern! Wenn die Lieb' die letzte Schranke, die der Wahn gebaut, gefällt, tagt der eine Gottgedanke der befreiten Menschenwelt! Dul. Gsb. Mel. Wer nur den lieben Gott. 280. Beglüctt, beglückt ist, wer auf Erden mit allen seinen Kräften strebt, an edlen Taten reich zu werden, und nicht für diese Welt 20⁴4 nur lebt, stets vorwärts dringt und nie vergißt, daß seine Seel' unsterblich ist. 2. Er forschet nach der Tugend Wegen, was gut und Pflicht ist, schnell zu tun, spricht nicht (so sprechen nur die Trägen): Noch will ich schlummern, will noch ruh'n. Er säet früh und nützt die Zeit zur Aussaat für die Ewigkeit. 3. Erfüllet von der Tugend Sorgen denkt er, und denkt mit Lust daran, wie er hier sicht⸗ bar, dort verborgen, ein gutes Werk vollenden kann, und nützet jeden Augenblick für Tugend und für Bruderglück. 4. Ihn schrecken keine Hindernisse, durch edle Taten stärkt er sich, und seine heiligen Ent⸗ schlüsse sind fest und unerschütterlich. Wie sehr er auch zu kämpfen hat, reift jeder Vorsatz doch zur Tat. 5. Er widersetzt mit festem Mute dem Un⸗ recht sich, gestärkt durch Gott. Träf' ihn im Kampfe für das Gute der Welt Verfolgung oder Spott, so bleibt ihm doch der Preis im Streit; er kämpft, weil es die Pflicht gebeut. 6. So laßt auch uns als Christen handeln, aus reiner Achtung für die Pflicht! Laßt uns die Bahn der Tugend wandeln; da strahlet immer helles Licht, und unser Los in Ewigkeit ist reiner Tugend Seligkeit! Dul. Gsb. Mel. Alles ist an Gottes. 281. Mag die Welt mich immer hassen, kann ich Gott im Geist umfassen, und ver⸗ dammt mein Herz mich nicht, o, so bin ich voller Freude, glücklicher, je mehr ich leide, bleib' ich treu nur meiner Pflicht. VV VXV XV.NV 20⁵ 2. Sittlich frei mich selbst beschränken, deine ew'ge Ordnung denken, und mich selber stets in dir; Schmerzen, die mein Herz durchdringen, durch des Willens Kraft bezwingen, dazu, Gott, gib Stärke mir! 3. Immer neue Lasten tragen werd' ich dann und nicht verzagen, wissend mich in deiner Hand; Liebe, Mut und Freude quillen aus dem ruhigfesten Willen, der sich ganz mit dir verband. 4. Schmerzen brachten mich in's Leben; nimmst du, Gott, so willst du geben; Schmerz gibst du ja, der mich liebt; denn durch ihn wird mir's beschieden, zu erringen mir den Frieden, den die äuß're Welt nicht gibt. Dul. Gsb. Chorgesang. 282. Nllen ist ein Heil beschieden und ein Erbteil auserseh'n: darum lasset uns in Frieden, Brüder, mit einander geh'n. Aller Streit weiche weit auf dem Weg zur Ewigkeit! 2. Eintracht ist vor Allen nütze denen, die selbstständig sind; Eintracht ist die beste Stütze, wenn die Welt den Kampf beginnt. Herz an Herz ist der Schmerz in der Welt nur halber Schmerz. 3. Laßt uns nicht um Worte zanken, sind wir nur im Wesen eins; laßt uns nicht an Miß⸗ trau'n kranken, an dem Trugschluß äuß'ren Scheins. Meister ist Jesus Christ; fort mit allem eitlen. Zwist! 4. Alle Seitenblicke taugen nicht für uns, für And're nicht; habt nur euer Heil vor Augen, überlasset das Gericht dem allein, der in dein und in mein Herz schau't hinein. 206 5. Laßt uns trachten denn vor Allen, wie wir selber früh und spät uns'rem Schöpfer wohl⸗ gefallen, so verschwindet, so vergeht aller Neid, aller Streit, und mit ihm viel Herzeleid. Königsb. Gsb. Chorgesang. 283. Ein treues Herz bleibt stark in Mut und Hoffen, ward auch der Freuden Saat vom Sturm getroffen; sein Glaube hebt es siegend himmelwärts. D'rum wünsch' ich mir, wenn Leiden mich umstürmen, wenn Wolken sich um meinen Himmel türmen, ein treues Herz. 2. Ein treues Herz beharrt im festen Lieben. Wenn And're Täuschung auch und Andank üben, es lächelt mild auch in dem tiefsten Schmerz.— könnt' ich mir solch Kleinod aufbewahren! Er⸗ quickung beut uns noch in späten Jahren ein treues Herz. 3. Ein treues Herz wird, wenn es Spötter kränken, sich nimmer doch von seinem Heile lenken, und feststeh'n bei der Frevler frechem Scherz. D'rum will ich mir es immer treu bewahren, in Lebenssturm, in Kummer und Gefahren, das treue Herz. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 284. Dereinigt laßt uns Gutes wirken! O, Menschen wandelt Hand in Hand! Es schlinge sich um uns're Herzen der Nächstenliebe sanftes Band, und heilig sei uns diese Pflicht, bis einst das Auge sterbend bricht. 3—1— Xe 207 2. Wir sind ja eines Vaters Kinder, wir mögen arm sein oder reich. In jedem Volk, in jedem Stande sind Gottes Kinder alle gleich und sollen sich als Brüder freu'n, und Gott durch Liebe ähnlich sein. 3. So schlage denn für Menschenfreude, für Menschenwohl auch unser Herz, und leidet irgendwo ein Armer, gemildert werde schnell sein Schmerz. Sein heit'rer, dankerfüllter Blick erhöht dann unser eig'nes Glück. 4. O Wonne, Menschen glücklich machen! O Wonne, Menschen glücklich seh'n! Hier wird die schöne Erde Gottes dem Herzen noch einmal so schön; o, eine freudenreich're Pflicht, als Men⸗ schenliebe, gibt es nicht. 5. Erscheint des Todes ernste Stunde dir, Menschenfreund, so naht mit ihr ein Engel Gottes und verkündigt den Lohn der Menschenliebe dir. Des Grabes Nacht wird dir erhellt; du sä'test für die bess're Welt. 6. Ja, Brüder! Wer sein Herz hienieden der reinsten Menschenliebe weiht, der streut zu einer reichen Ernte den Samen für die Ewigkeit. Auf, laßt uns diesen Samen streu'n! Auf! Laßt uns Menschenfreunde sein! Demme. Eigene Melodie. 285. Dein ist, o Gott, das Reich, drin schufst du all' uns gleich; wem könntest du noch Höh'res geben, als Geist aus deinem Geist, der kühn sich los vom Staube reißt, um sich empor zu dir zu heben? — 208 2. Was ist die ird'sche Macht, was ist der Stolz der Pracht vor jener Kraft, die dich kann ahnen, die kühn von Welt zu Welt die Ordnung bahnt, die Alle hält, und sicher mißt der Sterne Bahnen? 3. Was ist der Kronen Schein, trotz Gold und Edelstein, vor jenem heil'gen Würdezeichen der reinen Menschlichkeit, die den geringsten Bruder weiht, der da an Lieb' will keinem weichen? 4. Was ist das Recht?— Dein Ruf, der unser Dasein schuf? Wer kann ein höh'res Recht ihm geben? So wahr du selber bist: Das Recht ist eins für all'; es ist der Gotteskern im Men⸗ schenleben. 5. O, reife d'raus die Frucht Jedwedem, der dich sucht. O, laß die Menschen all' erkennen, daß keiner Herr noch Knecht, daß alle gleich an Würd' und Recht, in freier Lieb' sich Brüder nennen! Dul. Gsb. Mel. Rastlos vorwärts. 286. Reicht euch, Brüder, treu die Hände zu dem Bund, den Liebe weiht. Eigen⸗ nutz und Selbstsucht ende und es ruhe jeder Streit! Froh sei an gemeinsam Streben jeder Einz'le hin⸗ gegeben! 2. Für die Brüder wirke Jeder, dann wirkt er für sich genug,— wer da schafft mit Geist und Feder, wer da schafft mit Axt und Pflug, wer da je durch Fleiß erstarkte in der Werkstätt', auf dem Markte. 3. Freiheit, die im Selbstbeschränken, selbst⸗ bewußt sich offenbart, lehrt der Menschheit Ziel 7 209 uns denken, ihm uns weih'n die Gegenwart. Nur durch freie Selbsthingebung reift die Menschheit zur Erhebung! Dul. Gsb. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 287. Des Menschen höchstes Recht zu achten, ist, Brüder, unsre höchste Pflicht, mag ihn der Irrtum noch umnachten, mag ihn durch⸗ loh'n der Wahrheit Licht. Zu dir, du Aller Vater, strebt ja Jeder, der hienieden lebt! 2. In Jedem loh'n dieselben Flammen, die in uns loh'n; wie dürfen wir den, der dich anders denkt, verdammen? Irrt, Vater, denn nicht Jeder hier? Du einzig weißt, wer dich im Geist erfaßt und wahrhaft würdig preist. 3. Wir sind Jedweder eine Blume im großen Garten, den du schufst,— sind Stimmen nur im Heiligtume, die du zum heil'gen Einklang rufst; mißtönt der Einz'le,— dir doch schallt ein Loblied, das die Welt durchhallt. 4. Das Höchste, was wir uns erringen, ist: Jener Freiheit wert zu sein, die Herz an Herz will sanft umschlingen, bis alle Herzen rein und dein; o stärk' uns, Herr, mit jener Kraft, die uns der Freiheit würdig schafft! 5. Herr, weih' auch uns'rer Brüder Herzen, die noch die Freiheit nicht versteh'n, daß aus der Selbstsucht Knechtschaftsschmerzen sie stark hervor zum Lichte geh'n, daß Jeder, der uns noch ver⸗ kennt, in Freiheit bald uns Bruder nennt. 6. Daß er an uns dieselben Rechte froh anerkennt, die er genießt, der Freiheit Krone dem 15 21⁰ Geschlechte, das deinem Hauche sich erschließt! Und, die der Glaube lang getrennt, verein“' die Lieb', die dich nur kennt! Dul. Gsb. Mel. Valet will ich dir. 288. Der Mensch hat nichts so eigen, nichts steht so wohl ihm an, als daß er Treue zeigen und Freundschaft halten kann, wenn er mit seines Gleichen will schließen einen Bund, gelobend, nicht zu weichen, mit Herz und Hand und Mund. 2. Die Red' ist uns gegeben, damit wir nicht allein für uns nur sollen leben und fern von Menschen sein. Wir sollen uns befragen und sehn auf guten Rat; das Leid einander klagen, das uns betroffen hat. 3. Ich sehe Gott in Allen, die meine Seele liebt; auch der soll mir gefallen, der mir sich herzlich gibt. Mit ihnen treu verbündet besieg' ich Schmerz und Not. Ein Herz, von Lieb' ent⸗ zündet, grüßt lächelnd auch den Tod. Simon Dach. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 289. Woltt ihr des Trostes Fülle haben in dieses Lebens Sorg' und Schmerz, dann nehmt vor allen Himmelsgaben die beste auf in euer Herz; die Liebe ist's; mit ihr allein kehrt reicher Trost im Herzen ein. 2. Wie köstlich ist in jedem Leide ein frommer Glaub' an Gott den Herrn; wie leuchtet er zu Trost und Freude, dem Dulder ein so heller Stern. Doch wer nicht liebt, dem scheint er nicht, die Liebe ist des Glaubens Licht. RnSs—23——9 —— 3au‚‚ e 211 3. Wie köstlich ist ein gut Gewissen, ein Leben voll Gerechtigkeit, wenn wir auf Erden tragen müssen so manches bitt're Herzeleid; doch nur die Liebe macht uns gut und gibt dem Herzen Trost und Mut. 4. Wie köstlich ist's in schweren Stunden zur Stärkung für das arme Herz, wenn gute Menschen wir gefunden, die liebreich teilen unsern Schmerz. Doch wem's an Liebe selbst gebricht, den tröstet Freundesliebe nicht. 5. Wie köstlich, wenn in Nacht und Grauen wir auf zu Gottes Sternen sehn und droben unsre Heimat schauen und hoffend ihr entgegengehn; doch auch des Himmels Trost entbehrt, wer Liebe nicht im Herzen nährt. 6. Drum, wollt ihr Trost in Fülle haben in dieses Lebens Sorg' und Schmerz, dann nehmt von allen Himmelsgaben die beste auf in euer Herz: Die Liebe ist's, mit ihr allein kehrt aller Trost im Herzen ein. Aschenbach. Mel. Großer Gott, wir loben dich. 290. Stern der Hoffnung, leuchte mild in des Kummers öde Kammer! Waisen zeig“ des Vaters Bild; lind're Witwen ihren Jammer. Jedem, der da einsamt weint, wecke einen treuen Freund. 2. Stern der Hoffnung, strahle treu auf den Sterbenden hernieder; zeig' ihm, daß das Leben neu ihm erblüht und schöner wieder, daß der Tod die Pforte ist, die ein edler Sein erschließt. 3. Stern der Hoffnung, laß dein Licht in des Kerkers Nächte dringen; den Gefangenen wird 15² dann nicht der Verzweiflung Macht bezwingen; sende der Erlösung Schein, Stern der Hoffnung, ihm hinein. 4. Stern der Hoffnung, zeig' die Bahn treu den Heimatlosen allen; leuchte ihnen hell voran, die nach neuer Heimat wallen. Durch die Wüsten, über's Meer, schwebe du ob ihnen her. 5. Stern der Hoffnung, o durchbrich hell der Knechtschaft finst're Wolke. Zeig' als Stern der Zukunft dich jedem tiefgebeugten Volke. Künd' ihm, wenn es fast verzagt, daß auch ihm die Frei⸗ heit tagt. Dul. Gsb. Mel. Jesus meine Zuversicht. 291. Fasse Mut, betrübtes Herz! Laß den Sturm rings um dich toben! Sieht die Wolken nur dein Schmerz, licht doch immer bleibt's dort oben; und der Sturm, eh' du's ge⸗ dacht, er vertreibt der Wolken Nacht. 2. Fasse Mut, betrübtes Herz! Will sich deine Not nicht wenden, wird dir leichter doch der Schmerz, und dein Klagen wird sich enden; denn dich stärket Gottes Huld, läßt dich hoffen in Geduld. ö 3. Fasse Mut, betrübtes Herz! So wirst du dein Leid bezwingen; blick' empor in deinem Schmerz; lern' durch Nacht zum Lichte dringen; sei geduldig, sei ein Held, fürchte nichts, besieg' die Welt. Dul. Gsb. 213 Mel. Nun danket Alle Gott. 292. Ich blick' empor zu dir, o Ewiger, der Allen, die auf der Prüfung Weg zum großen Ziele wallen, Vergelter, Richter ist; ich blick' empor zu dir! Ach, wie getrübt ist noch dein reines Bild in mir! 2. Ich schaue prüfend hin auf die ent⸗ floh'nen Tage; sie bringt kein Wunsch zurück und keine bange Klage; doch ihre Taten führt mit strengem Richterblick mir ernst und warnend oft Erinnerung zurück. 3. Die reinste Seligkeit, des Herzens süßen Frieden, das höchste Gut, das hier den Sterb⸗ lichen beschieden,— ich selbst betrog mich d'rum; den bleibenden Gewinn gab ich, vom Schein ge⸗ täuscht, für kurze Lust dahin. 4. Was war's, das mich als Knecht tief in den Staub gezogen, das um die Himmelsruh' des Herzens mich betrogen? Die Selbstsucht war's, die mir den Geist mit Wahn umfloß, die mir den Bruderkreis, den Weg zu dir verschloß. 5. O, weihe meine Kraft, die Selbstsucht zu bezwingen; laß sich mein sehnend Herz zu dir, du Heil'ger, schwingen, daß, Ew'ger, ich mit dir und mit mir selbst versöhnt, ein Ton des Ein⸗ klang's sei, der durch das Weltall tönt. Dul. Gsb. Mel. Allmächtiger wir. 293. V laß den Freund mich finden, der mit mir fühlt und denkt; laß ihm mich ganz verbinden, daß Seel' in Seel' sich senkt! Laß mich dein ew'ges Wesen der Wahrheit und der Treu' in seinem Herzen lesen, worin das meine sei. 2. Solch' Ineinanderleben, solch' wechsel⸗ seit'ges Sein, solch' freibewußt' Ergeben zieht dich in mich herein! Der Herr ist ja, wo zweie in ihm beisammen stehn. Durch jede Liebesweihe rauscht seines Odems Wehn. 3. Nicht, was vom Freund ich habe, nein, was dem Freund ich bin, ist meine reichste Habe, mein köstlichster Gewinn; nicht, was ich ihm kann geben, nein, daß ich ganz bin sein, ein Teil von seinem Leben, das, sagt er, das ist mein! 4. So laß, o Herr, mich leben dem Freund, dem Bruder ganz, und meine Treu' verweben in seines Daseins Kranz; daß bei des Wirkens Mühen er stets sich d'ran erquickt; sie soll ihm heiter blühen, wie sie mich selbst beglückt. Dul. Gsb. Mel. Welche Tiefen. 294. Heibge Freundschaft, Himmelsfunken! Dir ertönet unser Lied. Sieh, wir fühlen wonnetrunken, daß dein Feuer uns durch⸗ glüht. Hast so innig uns verbunden für die ganze Lebenszeit, und erheitert unsre Stunden, uns erquickt nach Müh' und Streit. 2. Weih' zu Priestern deine Treuen, Aller Herz zum Heiligtum. Woll' mit Segen uns er⸗ freuen, uns zum Glück und dir zum Ruhm. Stärk zu Taten unsern Willen; mach' uns leicht die schwerste Pflicht; hilf den letzten Schmerz uns stillen; Todesnacht erhell' dein Licht. K. Kerbler. 2¹⁵ Mel. Allmächtiger, wir. 295. Dollkomm'ner stets zu werden sei uns'res Ringens Ziel, und drohten der Be⸗ schwerden, der Mühen noch so viel! Dem Geiste zuzustreben, dem alles Sein entquillt, das ist das wahre Leben, das uns're Sehnsucht stillt. 2. Sinkt in den Staub ein Müder, o, dann tut eure Pflicht und helft ihm auf, ihr Brüder, und laßt zurück ihn nicht! Nein, führt mit treuen Händen ihn weiter auf dem Pfad, bis er, ihn zu vollenden, die Kraft gewonnen hat. 3. O so vergesse Keiner des Bruders, der da irrt, auf daß ein Jeder reiner, vollkomm'ner, edler wird. Nur solch ein wechselseitig Veredeln ohne Ruh' führt, sei der Glaub' auch streitig, dem Ziel der Liebe zu. Dul. Gsb. Chorgesang. 296. Hur in des Herzens heilig ernster Stille kann schöner erst das Leben sich ge⸗ stalten; nur wo der Eintracht sanfte Geister walten, stärkt sich der Wille. 2. Eintracht und Liebe halten fest zusammen, wie auch im Wechsel steigt und fällt das Leben. Aufwärts die Blicke! Kräftigt euer Streben! Wahret die Flammen! 3. Rastlos und fröhlich treiben unsre Blüten! Wenn schon der Jugend Sterne abwärts zogen, winken sie freundlich doch vom fernen Bogen Ruhe und Frieden. Hessemer. Mel. Mir nach, spricht Christus. 297. V selig, wen der Lenz erfreut mit seinen Wunderstrahlen, die Gottes Huld und Herrlichkeit auf jede Blüte malen! Doch para⸗ diesisch ist die Flur am Busen treuer Liebe nur. 2. O selig, wem der stille Herd zu voller G'nüge giebet; wer mehr als Gold und Goldes⸗ wert den Kreis der Seinen liebet! Doch nur Häl Haus ist wohlbestellt, wo treue Liebe Wache ält. 3. O selig, wer, wenn Gottes Hand die Lebenspfade trennet, des Seelenbundes heilig' Pfand im Herzensgrund erkennet! Doch dieses Pfand, dem keines gleich, nur treue Liebe gibt es euch. Mel. Lobe den Herrn. 298. Herrliche Welt, o wie freu' ich mich deiner Gestalten, die sich dem schauen⸗ den Auge so üppig entfalten! Hier Berg und Tal, dorten Gewächs ohne Zahl, allwärts lebendiges Walten. 2. Herrliche Welt, wie ergötzen mein Ohr deine Klänge, Morgens der Lerche und Abends der Nachtigall Sänge; unten der Bach, oben der hallende Schlag aus dunkler Wolken Ge⸗ dränge. 3. Herrliche Welt, o wie freu' ich mich deiner Genüsse, die mir der Garten, das Feld gibt, der Wald und die Flüsse: Tägliches Brot, liebliche Früchte, so rot, köstlicher Trauben Ergüsse. 217 4. Herrliche Welt, o wie trägst du den Geist in die Weiten, wo sich die Heere der Sterne er⸗ haben verbreiten, wo ew'ges Licht maßlose Räume durchbricht, Sonnen das Weltall durchgleiten! 5. Herrliche Welt, doppelt schön, wenn die strebenden Seelen Wahrheit und Schönheit und Güte zum Ziele erwählen, wenn im Gemüt lieb⸗ lich ein Himmelreich blüht! Seligkeit kann da nicht fehlen. Uhl. Gsb. Mel. Dir, dir Jehova. 299. Dohlauf! Noch strahlet mir die Sonne; noch nährt die Mutter Erde ihren Sohn; noch fühlt mein Herz des Daseins Wonne; noch gibt die Arbeit wackrem Fleiße Lohn. Des Denkens Kraft, noch dringt sie forschend ein; des Willens Kraft, noch kann sie tätig sein. 2. Wohlauf! So will ich um mich schauen, wo es was Tüchtiges zu schaffen gibt; will an dem schönen Reiche bauen, wo man den Menschen als den Bruder liebt. Der Brüder Wohlsein mehren sei mir Lust; und gibt es Kampf, so zage nicht die Brust. 3. Wohlauf! Was außen ist zu schaffen, das ist auch innen ernster Mühe wert. Auch da sind Garben einzuraffen; auch da ist mancher heiße Kampf bescheert, daß das Gemüt von Unrecht werde frei, daß rein das Herz, die Seele heiter sei. 4. Wohlauf! Noch viel ist zu besorgen; und heut' zum Wirken ist der rechte Tag; und folgt nach ihm ein weit'rer Morgen, ich bin bereit, was ö ö IIM ö + Wl 2¹8 er auch fordern mag. Jetzt leb' ich, heut sei meine Pflicht getan! Es kommt die Nacht, da Niemand wirken kann. Uhl. Gsb. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 300. Das plagst du dich mit deinen Sorgen, du armes schwaches Menschenherzꝰ Was bangst du vor dem andern Morgen und zehrest an dem heut'gen Schmerz? Du schlägst nun schon so lange Zeit, und bist noch nicht von Angst befreit? 2. Schau hin auf die vergang'nen Tage; sie sind mit ihrer Not entfloh'n. Gedenke mancher schweren Plage; sie ist verstummt mit ihrem Droh'n. Stets kam auf Regen Sonnenschein, und künftig wird's nicht anders sein. 3. Schau' auf! Siehst du die Wolken schweben? Fühlst du des Windes kühles Wehn? Umblüht dich überall das Leben? Prangt Blum' und Stern noch immer schön? Die ew'ge Kraft, die alles trägt, auch dich in Mutterarmen hegt. 4. Schau' ein! In deines Busens Gründen, da springt ein Quell, der nie versiegt; da kannst du neue Kräfte finden, wenn altes Ringen unterliegt; da ist noch mancher Schatz bereit, daß du ihn hebst zu rechter Zeit. 5. Schau' vor! Was sind die künft'gen Tage? Zum Guten die Gelegenheit. Was ist ihr Glück und ihre Plage? Zu Pflicht und Recht die Uebungs⸗ zeit. Sind so sie treulich angewandt, so wird ihr Segen leicht erkannt. — 219 6. Und nun gib Abschied deinen Sorgen, du wohlbestelltes Menschenherz; erwarte still den andern Morgen und heut verwinde deinen Schmerz. Erfülle treulich deine Pflicht; das And're ist dein Sorgen nicht! Uhl. Gsb. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. 301. Du kleiner Mensch, den großen Gang der Dinge willst du schelten, der ewig in Zusammenhang verbindet alle Welten? Wo Sand und Meer und Sternenheer in wunderbaren Zügen zum Bau des Alls sich fügen? 2. Der Welt erhab'ner Wunderbau, er beut dir deine Stelle. Die Ordnung, die da liegt zur Schau, ist deines Lebens Quelle. Des Atems Zug, des Geistes Flug, es kommt allein ge⸗ ronnen aus diesem ew'gen Bronnen. 3. So nimm denn auch die Stunde hin, die dir nicht will gefallen; zuletzt ist Jedem das Ge⸗ winn, was dient dem All und Allen. Mit kühlem Blut und gutem Mut das Uebel überwinde und Segen darin finde. 4. Und denkst du nicht der kleinen Welt in deines Busens Schranken? Da sei das Herz dir wohlbestellt; da ordne die Gedanken. Fort Zorn und Neid! Fort Haß und Streit! Das sind die bösen Plagen, die Niemand soll ertragen. 5. Ein reines Herz, ein klarer Blick, ein wohl verwendet Leben; in Sorge, Not und Mißge⸗ schick ein redlich Tun und Streben, das baut das Haus! Das dauert aus! Was uns auch sei be⸗ schieden, das gibt der Seele Frieden. Uhl. Gsb. ö 220 Mel. Freu' dich sehr, o. 302. Mãcht'ger Bund vereinter Hände! Großes schaffst du überall, brichst durch finst're Felsenwände, überbrückst das tiefe Tal, weisest Strömen ihren Lauf, gräbst den Schooß der Tiefe auf, wandelst die Gestalt der Erde, daß den Menschen wohler werde. 2. Auf, o Zeit des regen Strebens, schärfe deinen geist'gen Blick! Nicht Genuß des Sinnen⸗ lebens schafft dir jemals volles Glück. Spürst im eigenen Gefühl du nicht selbst ein höh'res Ziel? Kehre deine Kraft nach innen, da ist Großes zu gewinnen. 3. Finstern Mächten will's noch glücken, aus⸗ zustreu'n des Unheils Saat; um die Völker zu berücken, sinnen sie auf schlimmen Rat. Und die Rohheit waltet noch; und die Dummheit trägt ihr Joch, hindert auf der schönen Erde, daß das Leben menschlich werde. 4. Tretet, Menschen, drum zusammen, und vereinigt eure Kraft, daß in edlen Eifers Flammen euer Bund das Rechte schafft; daß der Wahrheit helles Licht allen Wahn und Trug durchbricht; daß zu Kampf und gutem Werke einer sich am andern stärke. 5. Flüchtig ist des Menschen Leben; bald verzehret sich die Kraft; nur ein geistig edles Streben ihm ein ewig Wirken schafft. Noch so Vieles ist zu tun. Einst, im Grabe, ist zu ruh'n. Heut, da noch nicht ist das Ende, reicht zum Wirken euch die Hände. Uhl. Gsb. — E—.2 22¹ Mel. Freu' dich sehr, o. 303. Die nach milden Himmelstropfen dürstet die vergilbte Au, fühl' ich meine Pulse klopfen nach dem schöner'n Himmelstau. Was ist Gold und was ist Ehr'? Mein Gemüt verlanget mehr! Liebe muß die Seele tränken, Liebe kann Erquickung schenken. 2. Wohl, ich kann noch Kräfte regen, und mag's nicht für mich allein. Menschen, euer Wohl und Segen soll mir eig'ne Freude sein. Offen⸗ stehen soll mein Herz eurer Lust und eurem Schmerz; und so mag mir's wohl gelingen, eure Liebe zu erringen. 3. Armes Leben, ödes Leben, wo die treue Liebe fehlt! Eitles, kümmerliches Streben, wo wo man sich in Selbstsucht quält! Nein, ich kenn' ein besser Teil: Lieb' ist Leben, Lieb' ist Heil, schafft den Himmel rings hienieden, und der Seele tiefen Frieden. Uhl. Gsb. Mel. Lobt Gott ihr Christen. 304. Frisch auf, frisch auf mit raschem Flug! Frei vor uns liegt die Welt, wie auch der Feinde List und Trug uns rings umlagert hält. 2. Auf, Brüder; auf, und säumet nicht, dringt vorwärts unverzagt! Auf, Brüder, auf durch Nacht zum Licht; der Wahrheit Morgen tagt! 3. Und ob sie fällt, und ob sie steigt, des Schicksals rasche Bahn, wohin das falsche Glück sich neigt, wir schau'n es ruhig an. 4. Für wahre Freiheit laßt uns stehn! Sei's nun im Grabesschoß, sei's oben auf den Sieges⸗ höh'n: wir preisen unser Los. Th. Körner. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 305. Das soll das törichte Verzagen, das eitle Wünschen ohne Halt? Da du der Welt nicht kannst entsagen, erob're sie dir mit Gewalt! Du kannst dich nicht aus ihr ent⸗ fernen, die Sehnsucht treibt dich stets zurück: Du mußt die Menschen lieben lernen, das ist das einzig wahre Glück. Platen. Mel. Vom Himmel hoch. 306. O, halt' das Herz dir mild und rein, wenn dir des Lebens Sonne scheint, wenn tausend Freuden groß und klein, dich zu be⸗ glücken, sie vereint. ö 2. O, halt' das Herz dir mild und rein, wenn dich die Liebe hold umgibt; laß tief in deine Seele ein den Strahl des Auges, der dich liebt. 3. O, halt das Herz dir mild und rein, wenn Kindesstimme zu dir spricht; bedenk', daß jedes harte Nein von ihrem Baume Blüten bricht. 4. O, halt' das Herz dir rein und mild, wenn hart dich traf des Schicksals Hand; wenn's dich umstürmet rauh und wild, wenn dich um⸗ gibt der Wüste Sand. 5. O, halt' das Herz dir rein und mild im höchsten Glück, im tiefsten Leid; bewahr' in ihm der Liebe Bild in froher wie in 5. 100 21 uder. 6⁴ —— 61 A2.öOo S ⏑½ — 2— EN 223 Chorgesang. 307. Das ist die köstlichte der Gaben, die Gott dem Menschenherzen gibt, die eitle Selbstsucht zu begraben, indem die Seele glüht und liebt. O süß' Empfangen, sel'ges Geben; hier heißt Gewinn, was sonst Verlust. O schönes Ineinanderleben; gib hin dein Herz aus treuer Brust! 2. Es blüht, es ist ein Lenz tief innen, ein Geistesfrühling froh und klar; du fühlst in dir die Ströme rinnen der ew'gen Jugend wunder⸗ bar. O ew'ge Liebe, deine Treue gib tief mir in mein Herz hinein, und laß mich heute es auf's Neue dem edlen Leben treulich weih'n. Geibel. Mel. Liebster Jesu wir. 308. Iie zu hoch und nie zu tief wolle von dir selber halten! Was da Gutes in dir schlief, ließ Natur sich froh entfalten; Alles, was wir sind und haben, sind, Natur, nur deine Gaben. 2. Miß dich selber nur allein nach dem Gott, der in dir lebet. Vieles ist nur flücht'ger Schein, der mit Hochmut dich umwebet; wisse das Ge⸗ setz auf Erden: Mehr als Mensch kann keiner werden. 3. Aber eil' auch Mensch zu sein in des Wortes edlem Sinne; reiß' dich aus der Sünde Pein, werde deiner Gottheit inne; wisse das Ge⸗ setz auf Erden: Jeder Mensch muß Mensch erst werden. 22⁴4 4. Also sei Humanität deines Wesens schönste Blüte, und der Gottheit Majestät leucht' aus deiner Menschengüte. So wirst du auf gleichen Höhen mit der Menschen Besten stehen. Eduard Baltzer. Mel. Seelenweide, meine. 309. Mensch zu sein auf dieser Erde, welche Wonne, welche Lust! Bleibe, bis ich Asche werde, dies Gefühl in meiner Brust. 2. Zu der Wahrheit Sonnenbahnen lenkt die Menschheit ihren Lauf, und die Freiheit pflanzt die Fahnen aller Orten siegreich auf. 3. Alle Herzen fühlen wieder sich von einem Gott bewegt, wenn im Kreise seiner Brüder keiner Sklavenketten trägt. 4. Sieh, es kommt von allen Enden neu das Gottesreich herbei; kommt und helfet es vollenden: Furchtlos seid, und ihr seid frei. + F. Baltzer. Mel. O du Liebe meiner. 310. Hus dem eignen Herzen quillet aller Freuden schönster Quell, der den Durst nach Freude stillet, immer kräftig, rein und hell. Ach, ihr eilt mit Hast vergebens in der Welt nach Lust umher; stockt in euch der Quell des Lebens, ist die Welt euch freudenleer. 2. Still und klar in's Leben sehen, ist des Lebens höchste Lust, und wenn Stürme ringsum wehen, ruhig sein in eigner Brust. Ziehn auch Wolken weit und weiter um den kleinen Erdenball: Ist in dir der Himmel heiter, o, so ist er's überall. 22⁵ Mel. Seelenweide, meine. 311. Mutter Erde, heilig Leben, frohen Da⸗ seins tiefer Quell, nie versiegt dein reiches Geben; ewig flutet Well' auf Well'. 2. Auch mein Leben ist dein Leben, ich auch lebe ganz in dir; du hast Alles mir gegeben und du lebst und webst in mir. 3. Und du selber? Eine Zelle bist du in dem großen All, flutest Welle mit auf Welle, bald im Steigen, bald im Fall. 4. Welten sind der Welt Organe; und so ist's der Weltengeist, der im Lebensozeane pulsend auch mich selbst umkreist. Th. Hofferichter. Mel. Befiehl du deine Wege. 312. Das Leben wird oft trübe, die Brust wird oft so leer, als ob kein Fünkchen Liebe und Glaube in uns wär'. Das Heil, mit Not gefunden, liegt uns auf einmal fern; doch sucht in solchen Stunden das Herz nach Trost so gern. 2. Wenn dich so dürres Wetter einmal ver⸗ öden will, vertrau' dem Gott, dem Retter, er ruhet in dir still, sinkt wie vom Himmel nieder als deines Geistes Tau: Dann blüht die Wüste wieder wie eine frische Au. Rasche. Chorgesang. 3¹13. Derzage nicht! Hast du geübet Recht und Pflicht, und spricht das richtende Gewissen dich frei von Schuld und Kümmernissen, dann bang' und sorg' und grüble nicht: Verzage nicht! 16 2²26 2. Verzage nicht! Denn der Erfahrung Stimme spricht: Es heilt die Zeit die tiefste Wunde, und unverhofft kommt eine Stunde, die führet dich durch Nacht zum Licht: Verzage nicht! 3. Verzage nicht! Nur der Geprüfte lebt im Licht! Im Glücke kann der Mensch nicht reifen. Des Geistes Schlacken abzustreifen ward uns die Not, der Gram, die Pflicht: Verzage nicht! 4. Verzage nicht, wenn dir den Stab die Bosheit bricht. Und solltest schuldlos du auf Erden des irren Urteils Opfer werden, sprich:„Was sie tun, sie wissen's nicht“, und zage nicht! Freyberg. Chorgesang. 31⁴4. Uerzage nicht in dieses Lebens Stürmen! D'ring mutig vor auf dornenvollem Pfad! Wenn über dich sich schwere Wetter türmen, freu' dich der eig'nen kühnen Mannestat! Du ringst ja nach der Wahrheit höherm Licht: Ver⸗ zage nicht! 2. Verzage nicht, wenn Andre dich verkennen, wenn Trug und Hinterlist dich rings bedroht! Ein edles Herz muß für das Rechte brennen; gestählet geht's hervor aus Schmach und Not! Wenn dir nich Lebenskampf das Herz auch bricht: Verzage nicht. 3. Verzage nicht! Das Höchste kannst du hoffen, kämpfst für das Höchste du den Kampf treu aus! Des Sieges Bahnen stehn dir immer offen; brich du nur selber kühn durch Nacht und Graus! Sieh' den Gefahren frei ins Angesicht und zage nicht! 227 4. Verzage nicht! Im Wechsel der Gestalten flicht immer reicher sich der Lebenskranz; das Rechte muß ja doch den Sieg behalten; durch alle Welten strahlt der Wahrheit Glanz! Sei, guten Mut's, treu bleibe deiner Pflicht und zage nicht! Mel. Vom Himmel hoch. 31⁵. V Menschenherz verzage nicht! Es strahlet noch der Liebe Licht mit seinem milden Himmelsschein in deine Lebensnacht hinein. 2. Bau' fest auf dich und habe Mut, denn nur wer kämpft, erringt ein Gut; doch wer nur kraftlos seufzt und klagt, wird wie die Spreu im Wind verjagt. 3. Auf, Menschenherz und werde stark! Gott in dir ist dein Lebensmark! Dich selber lerne recht versteh'n, das wird auch deine Kraft n ander. Chorgesang. 316. Der du von dem Himmel bist, alles Leid und Schmerzen stillest; den, der doppelt elend ist, doppelt mit Erquickung füllest: Ach, ich bin des Treibens müde; was soll all der Schmerz, die Lust? Süßer Friede, komm, o komm in meine Brust. Goethe. Eigene Melodie. 31⁷7. Grünt dir auch der Hoffnung Saat, baue nicht auf Glückes Gunst; nur in eigner freier Tat liegt des Lebens ächte Kunst. 16³ 228 2. Kehrt das Glück auch wirklich ein, traue nicht dem holden Gast; dein Geschick wird doch nur sein, was du bist, nicht was du hast. 3. Liegt des Glückes Fülle dir dann in Trümmer einst zerschellt, sieh, dann blühet über ihr doch noch deine inn're Welt. 4. Darum, über'm Schicksal steh', ob es Glück, ob Unglück sei: So nur bist du, wie's auch geh', ächter Mensch und fromm und frei. Ed. Baltzer. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 318. Dor dir liegt die Bahn des Lebens; tritt nur mutig in sie ein. Laß das Ziel des ernsten Strebens stets die ächte Weisheit sein. Ringe nach der Tugend Krone; und, ob dir auch Niemand lohne, weih' dem Edlen Herz und Sinn, gib für Wahrheit Alles hin. 2. Ohne Kampf und ohne Mühen kam noch Keiner durch die Welt. Mag dich auch Gefahr umziehen, bleib', wohin die Pflicht dich stellt. Zitt're vor dem Unglück nimmer; denn dem Guten wendet immer Alles doch zum Besten sich; nur die Sünde schrecke dich. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 319. Dertraue dich dem Licht der Sterne, beschleicht dein Herz ein bitt'res Weh; sie sind dir nah in weiter Ferne, wenn Menschen fern in nächster Näh'; und hast du Tränen noch, so weine, o, weine satt dich ungesehn; doch vor dem Aug' der Menschen scheine, als wär' dir nie ein Leid geschehn. 229 2. Verdammt die Welt dich in Verblendung, so such' auf stillem Waldespfad dir neuen Mut für deine Sendung, für starke Treu' und freie Tat; um vor dir selber zu bestehen, trägst du den Sieger in der Brust; doch nicht die Menschen laß es sehen, wie schweren Kampf du kämpfen mußt. 3. Ist dir ein schönes Werk gelungen, so sei's zu neuem dir ein Ruf. Hast du ein treues Herz errungen, so denke, daß es Gott dir schuf. Wenn deine süß entzückte Seele ganz voll von heil'ger Freude ist: O nicht den Neid der Menschen wähle zum Zeugen, daß du glücklich bist. 4. Verachte kühn der Selbstsucht Streben, wie oft sie dir Verfolgung schwur. Vor keinem Trone steh' mit Beben; Furcht hegt ein bös' Ge⸗ wissen nur. Demütig wirf in nächt'ger Stille vor deinem Gott dich auf die Knie und bete:„Es gescheh' dein Wille!“ Doch vor den Menschen beug' dich nie. 5. And wenn dir Gottes Ratschluß sendet der schwersten Prüfung höchste Pein, dann hast du's, ganz ihm zugewendet, mit ihm zu tun und dir allein. Davon laß nicht die Lippe sprechen, ob dir das Herz auch brechen will; laß es in tausend Stücke brechen; doch vor den Menschen schweige still! Hammer. Mel. Wie schön leucht' uns ꝛc. 320. Dohl schön ist es, in Einsamkeit, und unberührt vom Strom der Zeit, in Gott sich still versenken, und sel'ger Gottesliebe voll, das Wort, das tief in uns erscholl, das 230 ew'ge, reiner denken. Wahrheit, Klarheit, ewig helle Lichtesquelle, nach dir streben, ist das ächte Geistesleben. 2. Doch schöner ist's, das ew'ge Wort mit reinem Herzen fort und fort hinaus in's Leben tragen. Das ist des Geistes beste Saat, das ist der Liebe ächte Tat, zu still'n der Menschheit Klagen. Selig, wer sich solchem Leben treu ergeben, ihm ist Frieden in des Lebens Sturm beschieden. Fr. Blau. Mel. Welche Tiefen, welche. 321. Hechte Tugend liebt die Stille, lauten Beifall liebt sie nicht; ihr genügt ein reiner Wille und der hohe Ruf der Pflicht. Herzenseinfalt, Herzensgüte machen uns die Tugend wert. Heil dem kindlichen Gemüte, das sie über Alles ehrt. 2. Auf, ihr Brüder, laßt uns handeln edel, bieder, wahr und gut und des Lebens Pfade wandeln unverzagt, mit festem Mut! Bleibt der Tugend treu ergeben; sie gibt uns Gewissensruh, führt im schönen Erdenleben der Vollendung froh uns zu. v. Beulwitz. Mel. Allmächtiger, wir. 322. Denn schaffend im Gemüte wir unsrer Pflicht gedacht, und für des Geistes Blüte gerungen und gewacht, und wenn wir uns erheitert zu Mut und Freudigkeit und uns das Herz erweitert,— dann sind wir Gott geweiht. —— E CVL* 2e 231¹ 2. Nicht in geschloss'nem Kreise gewinnt sich Gottes Huld; er sieht auf jede Weise mit lieben⸗ der Geduld. Da gilt nicht Dieser würdig und Jener ausgezählt, da sind wir ebenbürtig und gleicher Art erwählt. 3. Wir seh'n von Gottes Glanze doch nur den kleinsten Teil; er selbst doch ist das Ganze, ist Leben, Lieb' und Heil; unfaßbar dem Ge⸗ danken, dem Herzen aber klar, und nicht in engen Schranken allein uns offenbar. 4. So schüttelt ab die Schlacken und läutert euern Geist, bis freudig ihr vom Nacken die falsche Satzung reißt. Nicht dumpfes Wahngetriebe, nicht kalte Klügelei,— es feiert ihn nur Liebe, nur Liebe, rein und frei. Hessemer. Mel. Allmächtiger, wir preisen. 323. Nur menschlich, in Beschränkung, wird Gott von uns gedacht. Ihm ist es keine Kränkung, wie man sich Bilder macht. Doch uns ist nicht ersprießlich ein Glaube schroffer Art, als sei nur uns ausschließlich die Wahrheit offenbart. 2. Wir steh'n in engen Schranken, die Gott uns selbst gesteckt. Der Urquell der Gedanken blieb immer unentdeckt. Das höchste Ziel verfehlen wir stets in irrem Lauf. Die Heimat unsrer Seelen weist keine Forschung auf. 3. Was wir da menschlich meinen, wird menschlich auch vergehn. Die Welt im Ewigeinen wird aber fortbestehn. Und wenn die Tempel fallen, wenn jede Form zerstiebt, lebt doch ein Herz in Allen, das Gott, den Ew'gen liebt. 232 4. In dieser Liebe können wir gottvereinigt sein und jedem andern gönnen, was ihm nur gilt allein, und Jedem freudig lassen, was ihm sich offenbart, und dennoch ihn umfassen als Bruder gleicher Art. 5. Dies können und dies sollen gilt uns für Christenpflicht; um Aeußerliches grollen will jene Liebe nicht. Mit einem Jubelliede gibt jedes Herz sich frei, damit der Gottesfriede der Welt begründet sei. Hessemer. Eigene Melodie. 324. Dies ist uns're größte Bitte: Schirm' uns strenge Zucht und Sitte! Schirm' uns, Gott, in Lieb' und Huld Herz und Hand vor finst'rer Schuld. 2. Laß uns stets das Rechte wollen, wenn wir's auch nicht finden sollen, daß sich doch die freie Brust reinen Strebens sei bewußt. 3. Laß uns so zum Guten ringen, wenn wir's auch nicht ganz vollbringen, daß man doch auf sich noch baut, sonder Furcht sich selbst ver⸗ traut. 4. Laß uns so der Erde Wonnen mäßig kosten und besonnen, daß man schwanke nicht in Scheu' zwischen Ueberdruß und Reu'. 5. Laß uns Zucht und Sitte lehren, in uns selbst den Menschen ehren, in uns selber finden Rat und Entschiedenheit zur Tat. 6. Strenge Zucht und Sitte lassen uns das Leben recht erfassen, nicht zu karg und nicht zu weit, aber fest in Frömmigkeit. e r — X—— 233 7. Darum höre uns're Bitte: Schirm' uns strenge Zucht und Sitte; schirm' uns, Gott, in Lieb“ und Huld Herz und Hand vor finst'rer Schuld! Hessemer. Mel. Allmächtiger ꝛc. 32⁵5. Du Trösterin der Armen, die Sorg' und Kummer teilt, die liebend in Er⸗ barmen bei schweren Herzen weilt: Wenn uns dein Blick begegnet, er lacht uns Freude zu; so sei denn uns gesegnet, o Herzensmilde du! 2. Du bettest sanft den Kranken und reichst ihm Labung dar, verscheuchst ihm die Gedanken an drohende Gefahr; du kühlst ihm heiße Wunden und lächelst weg den Schmerz; du lässest ihn ge⸗ sunden und kräftigst ihm das Herz. 3. Du teilst der Witwe Trauer, heimführend sie vom Grab. Den Waisen auf die Dauer bist du der feste Stab. Dem Alter, das in Darben hinlebt, der Freuden bar, dem bringst du frische Farben erneuten Hoffens dar. 4. So lebst du schön beglückend, für Andre nur bedacht, das kahle Leben schmückend mit Blüten, reich an Pracht. So pflegst du froh und heiter der Freuden Blumenflur und suchst dabei nichts weiter, als zu beglücken nur. Hessemer. Mel. Vom Himmel hoch ꝛc. 326. Schön ist der Mut, der aus dem Brand mit leichtem Fuß und sich'rer Hand den Säugling rettet und zurück der Mutter bringt ihr liebstes Glück. 234 2. Schön ist der Mut, wenn er hinaus sich wagt in's Meer bei Sturmesgraus; es war ein Notschuß, der erklang! Er zögert nicht und fragt nicht lang. 3. Schön ist wohl dieser Mut; allein der Mut kann groß und schöner sein, wo nicht ein stürmender Entschluß, wo die Geduld ihm helfen muß. 4. Groß ist der Mut, wenn er den Geist des Bösewichts aus Banden reißt, wenn den Ent⸗ arteten er liebt, ihn bessert und ihm gern vergibt. 5. Der Keinen fallen lassen will, der Gott der Milde segnet still das Menschenherz mit sel'gem Glück, das den Verlornen bringt zurück. Hessemer. Eigene Melodie. 827. H eil dem Mann, der immerdar eins in Wort und Tat und wahr, treu dem Gott im Busen wandelt, nicht nach Menschen— meinung handelt. 2. Der da redet, was er meint, immer der ist, der er scheint, kühn und frei, voll Seelenadel, ohne Furcht und ohne Tadel. 3. Unbesorgt um Menschengunst, um der Eitelkeiten Dunst, unbekümmert, ob's gefalle, wie er seine Straße walle. 4. Kindlich fromm und gut und rein, will er Mensch mit Menschen sein; ohne Gunst und Haß und bieder— Alle sind ihm liebe Brüder. 5. Ohne Falsch und treu gesinnt; Held an Kraft, am Herzen Kind; weich im Herzen, stark in Taten, stark, zu helfen und zu raten. DSFFIIrIfI 2³⁵ 6. Ohne Durst nach Gold und Ehr', steht er wie ein Fels im Meer, und an seiner Brust zerschellen, nied'rer Leidenschaften Wellen. 7. Diesem Bilde gleich zu sein, Gott, das wollest du verleih'n! Voll von dir,— so kann's gelingen, solche Würde zu erringen. K. Georgi. Mel. Welche Tiefen. 328. Quale nicht mit Ach und Jammer dich vom Grau'n des Morgens an; tritt aus deiner Ruhekammer, wie die Sonn' auf ihre Bahn. Trübe Nebelbilder fliehen, und es siegt des Himmels Blau, und des Morgens Rosen glühen, und in Perlen strahlt der Tau. 2. Herz, so bang und schwer und trübe, schon von Grameslast gedrückt! Sieh', es ist die Hand der Liebe, die mit Schmelz die Fluren schmückt. Der mit Glanz die Lilie kleidet, der des Himmels Vögel nährt, der das Reh des Waldes weidet, hat auch Freude dir bescheert. 3. Schmachte nicht nach fremder Wonne, dürste nicht nach fremdem Quell. Sieh', ein Blick von Gottes Sonne macht das kleine Herz schon hell. In der Tiefe, in der Höhe wühlt der angstvoll stiere Blick, und in allergrößter Nähe, in dir selber wohnt das Glück. 4. Heit'rer Rückblick in die Ferne, die sich hinter dir verliert; heit'rer Aufblick zu dem Sterne, der dich weiter, höher führt,— Gottes Freund mit Herz und Munde, Freund der Menschen und der Pflicht: O das kühlet jede Wunde, macht das tiefste Dunkel licht! 236 5. Strahle milder, Morgensonne, Wärm' und Licht in meine Brust, Hoffnungslicht und Liebeswonne, Lebensmut und Tugendlust! Wie die Wolke, glanzumzogen, Perlen weinet auf die Au', male deinen Friedensbogen bunt in meiner Tränen Tau. 6. Oeffnet euch, erstarrte Arme, und um⸗ schließt die junge Flur, daß das kalte Herz er⸗ warme in der strahlenden Natur! Glättet euch, ihr Trauerfalten! Nacht des Busens, werde Licht! Laß den Morgen drinnen walten, Morgenrot im Angesicht! K. Georgi. Mel. Vom Himmel hoch ꝛc. 329. Der da ein echter Priester ist, dem ward ein schönes Amt zu Teil, dem ward ein hoher Wirkungskreis zu Andrer und zu eignem Heil. 2. Sein Wort hat einen Wiederhall, wie wenig andrer Menschen Wort; es tönt hinaus fort wird gehört, und pflanzt sich weit und weiter ort. 3. Der Acker, den sein Geist bebaut, dehnt sich nach allen Seiten hin; wenn er nur rüstig graben mag, fehlt es ihm nie an Schätzen drin. 4. Ihm steht die Zeit gar hoch im Preis; wie man sie nützen soll, er lehrt's; doch das Be⸗ dürfnis auch der Ruh' nach treuem Tagewerk, er ehrt's. 5. Und was er tut, und was er treibt, er tut ein Jedes mit Bedacht; er weiß, wie stark das Beispiel wirkt, er läßt es nimmer außer Acht. 237 6. Der Klügste, Weiseste nicht nur, er strebt, der Beste auch zu sein, und seine klare Stirne kränzt des innern Glückes Sonnenschein. 7. O, wer ein echter Priester ist,— hoch steht er, wo er immer steht; es wuchert zehn⸗ und hundertfach das Saatgut, das er ausgesä't. R. Waldmüller. Eigene Melodie. 330. Sei treu der Pflicht! Dein Ziel nie zu verfehlen, mußt du sie früh zur Führerin erwählen; in Mitternacht strahlt sie wie Morgenlicht; sei treu der Pflicht. 2. Sei treu der Pflicht! Sollst du ihr Opfer bringen, so säume nie, dich mutig zu bezwingen; verschmäh' den Preis, den dir die Welt verspricht; sei treu der Pflicht. 3. Sei treu der Pflicht! Wohl hat die Tugend Feinde! Doch zählt sie auch noch viele edle Freunde, und Gottes Schutz bleibt ihre Zu⸗ versicht; sei treu der Pflicht! 4. Sei treu der Pflicht! Schau' zu den Himmelssternen! Dort glänzt der Lohn in unge⸗ mess'nen Fernen, wenn hier dein Herz bei ihrer Uebung bricht; sei treu der Pflicht! Hohlfeld. Eigene Melodie. 331. Darm in Worten und Gefühlen ringen nach den höchsten Zielen, bis auch die, so irrend fehlen, still die rechte Straße wählen; Saaten, die den Enkel freuen, in den Schoß der Zukunft streuen: Das heißt, nach Vollendung streben, hier schon unvergänglich leben. 2. Leuchtend stets und immer zündend, Näh' und Ferne sanft verbindend ist der Geist, der Gottesfunken, in des Lebens Schoß gesunken, daß er ewig wallend gähre, neue Schöpfungen gebäre, und mit ewig frischem Strahle frisch und schön die Erde male. 3. Rein, wie du dein Herz gegeben, muß dies Herz auf ewig leben, muß nach tausend, tausend Tagen warm in andern Herzen schlagen und in immer neuen Herzen zünden neue Liebes⸗ kerzen; und du bist des Lichtes Bronnen, da sie alle Glanz gewonnen. 4. Ja, so magst du, reich an Jahren, dir der Jugend Glanz bewahren, Jugendfüll' in deinen Taten, Weisheit, wo es gilt, zu raten; Gott in schönen Taten lehrend, Allen nützlich, dich ver⸗ zehrend, siehst du jene Saaten sprossen, die du pflegend selbst begossen. 5. Immerfort in neuen Schlägen wird dein Herz sich lebend regen, wird sich ewig neu ver⸗ jüngen, ewig Blüt' und Früchte bringen und in immer neuen Lenzen frisch und schön wie heute glänzen; und so kann dein Sein und Walten nie verbleichen, nie veralten. K. Georgi. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 332. Das ist die Erde? Was das Leben? Ein Augenblick, ein flücht'ger Ton; ein enges Tal, von Nacht umgeben, durchpilgert von des Staubes Sohn. Er schreitet an dem Wander⸗ stabe dahin, indes die Jahre fliehn; zu seinem nahen Ziel, zum Grabe, begleiten Schmerz und Sorge ihn. — 239 2. Doch ob das Tal auch dunkel, enge, ob Wolkenflut und Sturm mir droht; ob mich der Schmerz, der Sorgen Menge geleiten möge bis zum Tod: Nicht zagt mein Herz; in meinen Händen ruht mir der Hoffnung sich'rer Stab! Mit ihm will ich die Wand'rung enden, auf ihn mich stützen bis an's Grab. Pfeilschmidt. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 333. Das allerweichste Ruhekissen, die friede⸗ vollste Schlummerstatt, das ist der Friede im Gewissen: Wohl dem, der solches Kleinod hat; es ist die Frucht des reichsten Lebens, die Frucht von langem, treuem Fleiß, Bewußtsein edlen, reinen Strebens, und des Gelingens schöner Preis. ö 2. Wie lieblich ruht auf seinen Taten, wer sich des Guten Dienst geweiht! Wie ruhet schön bei seinen Saaten, wer schön'rer Zukunft Samen streut! Dem muß die Ruhe, ach, so labend, der Schlummer so erquickend sein; der schläft am späten Lebensabend zum seligsten Erwachen ein! K. Georgi. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 334. Flis hätt' uns lang' ein Zwist geschieden, der nun geschlichtet wunderbar, so trat ich ein in deinen Frieden, und ward im Tiefsten warm und klar. Ich sah das Meer sich leuchtend dehnen; in Frühlingswonne stand die Flur; da warf ich wieder mich in Tränen an deine Mutter⸗ brust, Natur. 2. Ich kannte dich, und doch im Stillen trotzt' ich der Liebe, die mich zwang, die um den spröden Eigenwillen so zarte Fesseln freundlich schlang. Am Geiste sucht' ich mein Genügen, und eine Schwäche schien mir's nur, mich unter deine Zucht zu fügen und still zu wandeln deine Spur. 3. So nimm mich wieder, hehres Leben; in deinem Schoße birg den Sohn! Du lächelst mir, du hast vergeben und segnest den Verirrten schon. Du übertönst mit Vogelstimmen die Beichte, die dein Ohr vernahm, und in des Morgens Glühn und Glimmen begräbst du dieses Rot 4* Hente P. Heyse. Chorgesang. 335. Das ist das Herrlichste in unserm Sein? Was schließet wohl in dunkle, kleine Räume die höchste Lust und Höllenqualen ein und Erdenglück und Paradiesesträume? Was schläget hoch bei reiner Freud' und Lust, was ist so leicht, so innig zu betrüben? Es ist das Herz in uns'rer Brust mit seinem Hoffen, seinem Lieben. 2. Und wenn du einsam in dem Leben stehst, wenn vieles Liebe von dir weg geschieden, du sinnig still allein zum Ziele gehst: Was gibt, Verlass'ner, da dir dennoch Frieden? Was tröstet dich in jeglichem Verlust? Das Eine nur, was, Armer, dir geblieben: Das reine Herz in treuer Brust mit seinem Hoffen, seinem Lieben. 3. Sei hoch beglückt durch Ehre, Rang und Gold, durch Alles, was die Erde kann erringen; hab' eine ganze Welt in deinem Sold, und alles Aeuß're möge dir gelingen. Wenn aber du dabei 24¹ entbehren mußt das Höchste, was der Himmel dir gegeben, ein reines Herz in deiner Brust, bist du der Aermste doch im Leben. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 386. O, sage nicht, dir sei von Schmerzen be⸗ schieden allzuschwere Last, wenn du am treuen Mutterherzen noch eine Ruhestätte hast! Zu solcher Stätte schwebt von oben der Engel gern, der einst den Stein von des Erlösers Gruft gehoben; er wird auch dir die Brust befrei'n. 2. Was dich dein Leben läßt erfahren am hohen Tag, wie schön er wär', nichts Bess'res kann er dir bewahren, als Licht von deinem Morgen her; beginnt dein Haar auch zu ergrauen, die Kindheit sank nicht ganz in Nacht, darfst du noch Der in's Auge schauen, die deinen ersten Traum bewacht. 3. Du schauderst, wenn dem Sinnentriebe, dem Eigennutz in dieser Welt die kaum entspross'ne Saat der Liebe auf's Neue stets zum Opfer fällt? Sieh', stets auf's Neu' drängt sie entgegen dem Lichte sich in heil'gem Schmerz, und ihren reichen Ernte⸗ segen verbürgt dir deiner Mutter Herz. 4. O dank' es Gott in tiefster Tiefe, daß er dir solches Kleinod ließ; welch' Glück für dich im Keim auch schliefe, kein rein'res blüht dir doch als dies! Es wird dir Frucht auf Frucht erwerben, wenn längst im Grab die Mutter ruht, und gibt zuletzt ein fried'voll Sterben in ihrer treuen Liebes⸗ hut. Hammer. 47 242 Mel. Warm in Worten ꝛc. 337. Göttlich denken, menschlich handeln, treu⸗ lich Mensch mit Menschen wandeln, Edles schaffen, Gutes mehren, Gottes Wort durch Taten lehren; Himmelswerke lächelnd üben, Gott den Herrn, in Menschen lieben, Aller Vorbild, Aller Lehrer:— So bist du des Himmels Mehrer. 2. So nur lebst du in die Weite, schaffest morgen, so wie heute, dauerst fort in deinen Taten, grünest fort in deinen Saaten. So bist du ein Ton geworden in den ewigen Accorden; in dem Reich des ewig Schönen mußt du unvergänglich tönen. 3. Mag, was irdisch ist, verfallen, mag die Frucht, die reife, fallen, und zu kurzem Sein er⸗ lesen, in der Erde Schoß verwesen. Drinnen schläft d geheim und leise künft'gen Lebens neue Weise, schlafen neue Bildungskeime, künft'ger Lenze Blütenbäume. 4. Laß die Jahre, laß sie fliehen, Wolken gleich vorüberziehen; mag zuletzt auf ihren Wellen auch der kleine Kahn zerschellen;— du, der Lenker, du, der Meister, dauerst in dem Reich der Geister nach vollbrachter Lebensreise ewig jung in deiner Weise. K. Georgi. Mel. Ich dank' Dir schon. 338. Sei milde stets und halte fern von Hof⸗ fart deine Seele; wir wandeln alle vor dem Herrn des Wegs in Schuld und Fehle. 2. Woll' einen Spruch, woll' ein Geheiß dir in die Seele schärfen:„Es möge, wer sich schuld— los weiß, den Stein auf Andre werfen.“ 243 3. Die Tugend, die voll Stolz sich gibt, ist eitles Selbsterheben; wer alles Rechte wahrhaft liebt, weiß Unrecht zu vergeben. Th. Fontane. Mel. Allmächtiger. 339. Es zieht ein stiller Engel durch dieses Erdenland; zum Trost für Erden⸗ mängel hat ihn der Herr gesandt. In seinem Blick ist Frieden und milde sanfte Huld; o folg' ihm stets hinieden, dem Engel der Geduld! 2. Er führt dich immer treulich durch alles Erdenleid und redet so erfreulich von einer schönern Zeit. Und willst du ganz verzagen, hat er doch guten Mut; er hilft das Kreuz dir tragen und macht noch Alles gut. 3. Er macht zur linden Wehmut den herbsten Seelenschmerz und taucht in stille Demut das ungestüme Herz. Er macht die finstre Stunde all⸗ mählich wieder hell; er heilet jede Wunde ge⸗ wiß, wenn auch nicht schnell. 4. Er zürnt nicht deinen Tränen, wenn er dich trösten will; er tadelt nicht dein Sehnen, nur macht er's fromm und still. Und wenn im Sturmes⸗ toben du murrend fragst: Warum? So deutet er nach oben, mild lächelnd, aber stumm. 5. Er hat für jede Frage nicht Antwort gleich bereit; sein Wahlspruch heißt: Ertrage, die Ruhstatt ist nicht weit! So geht er dir zur Seite und redet gar nicht viel und denkt nur in die Weite an's schöne, große Ziel! Spitta. 17*⁷ 244 Chorgesang. 340. Heilig, heilig ist das Band, das die Menschen bindet, ist geknüpft von dessen Hand, der die Welt gegründet; ist geknüpft zur Freude mir, wo ich immer walle; Einen Schöpfer haben wir, Einen Vater Alle. 2. Unser Schöpfer, der uns Brod und Ge⸗ sundheit giebet, der in Glück und in der Not uns als Vater liebet, blickt nicht nur mit Gütigkeit auf der Fürsten Tronen, segnet die auch und er⸗ freut, die in Hütten wohnen. 3. Menschen, wie und wo sie sind, Alle sind sie Brüder, und Gott sieht, als auf sein Kind, stets auf Jeden nieder. O, wie könnt' ich ihn mit Lust meinen Vater nennen, fühlt' ich nicht in meiner Brust Menschenliebe brennen? 4. Fühle darum tief, o Herz, andrer Menschen Leiden; lindre willig fremden Schmerz, freu' dich fremder Freuden! Glücklich oder elend, ihr seid mir alle Brüder; nur noch teurer seid ihr mir, drückt euch Leiden nieder. 5. Liebreich will ich, wenn ich kann, es euch helfen tragen, und kann ich es nicht, v, dann euch ein Trostwort sagen; dann sollt ihr an meiner Brust euern Gram verweinen, bis die Sonne neue Lust euch in's Herz wird 601300 6 ramer. Mel. O Gott wie ist die ꝛe. 3841. Erfülle redlich deine Pflicht und hoffe dann mit Zuversicht: Gott sorgt mit Vaterliebe für deines Lebens wahres Glück. Zu ihm erhebe dann den Blick, sei auch dein Himmel trübe. 24⁵ 2. Die Wolken werden sich verziehn, und unter Sonnenstrahlen blühn dir wieder neue Freuden. Oft wird zur Wohltat dir der Schmerz; veredelt werden Geist und Herz durch Prüfungen und Leiden. 3. Oft führt die dornenvolle Bahn weit sichrer dich zum Ziel hinan, als sanfte Blumen⸗ pfade. Drum dulde stets mit festem Mut! Was Gott, der Menschen Vater, tut, ist Weisheit, Huld und Gnade. 4. Doch deines Gottes dich zu freu'n, im Eigene Melodie. 1 342. Der stets mit heiligem Efitzüch Tugend reine Schönheit: sieht Gutes, weil es gut ist, übet, und 5n bös ist, flieht, der ahnt, der fühlt, sich, o Arquell aller Tugend, dichh ,. 2. O, laß mich stets das Gute lieben, beil ich mich drin als dein erkannt, weil ich in seiner hehren Schöne begeistert dich, den Ew'gen, fand. O laß das Schöne mich verstehn und stets mich drin das Gute sehn. 3. So will ich, wenn ich Tugend übe, dich in mir machen offenbar; sei du mir, wenn ich ihr mich opf're, in ew'ger Schönheit herrlich klar! Nicht Lohn ist's, nur ihr eigner Wert, worin die Tugend sich verklärt. Dul. Gsb. 246 Mel. Welche Tiefen. 343. Ciebe ist die schönste Gabe, die der Geist dem Menschen gibt. Wenn ich alle Weisheit habe, habe aber nicht geliebt, bin ich nichts als eine Schelle, oder nur ein tönend Erz; denn die Stimme klingt wohl helle, aber ach, es fehlt das Herz. 2. Ja, des Lebens Gaben alle werden erst durch Liebe schön. Liebe lehrt im Weltenalle uns ein Gottesherz verstehn; Liebe ist des Bundes Siegel, den uns Jesus offenbart; Lieb' ist seines Herzens Spiegel, das in Lieb' vergöttlicht ward. Dul. Gsb. Mel. Welche Tiefen. 344. Hue, denen Gott gegeben, Alle, die nicht Sorge quält, denen nicht das nackte Leben schwere Arbeit zugezählt, Männer, Frauen, — Herz und Hände lasset Helfer sein der Not; 2510 Herz soll Liebesspende, eure Hand soll reichen rot. 2. Brüder in der Armut Ketten, die der Erde Qual gelost, soll die Menschenliebe retten, retten mit dem reichsten Trost. Sonnenschein des Hoffens, Strebens, und den Boden, fest zu stehn, gebe sie, soll nicht vergebens guten Willens Tat gescheh'n. 3. Sucht das redliche Gewissen, dessen Not die Nacht verhehlt; sucht den Mann, des Herz zerrissen unter gutem Rock sich quält! Sucht die Ehre, deren Darben nicht den Stolz der Tugend bricht; schenkt dem Gram des Mitleids Garben, sucht ihn auf,— er bettelt nicht. 2⁴47 4. Um des Elends Qual zu dämpfen, Brü⸗ der, teilet euer Glück, wo ihr seht den Bruder kämpfen um den nächsten Augenblick. Die Ge⸗ bete der Erfreuten, jeder Dank erquickter Not, Engel sind's, die uns begleiten und umstehn im eig'nen Tod! Dul. Gsb. Mel. Vom Himmel hoch, da komm' ich her. 345. Noch glänzt so hell der Sonne Strahl; frisch auf drum, Menschen allzumal, benutzt mit ernstem Fleiß die Zeit zu Werken für die Ewigkeit. 2. Wie bald muß sich der Sonne Pracht ver⸗ bergen in der dunklen Nacht; dann bringt den günst'gen Augenblick kein Flehen, keine Reu' zurück. Fr. Blau. Mel. Grünt Dir auch ꝛc. 346. Schlichter Sinn und Herzenstreu' sonder Hochmut, sonder Scheu, frommer Wan⸗ del, frischer Mut stehn dem echten Menschen gut. 2. Fröhlich bei lebend'gem Fleiß, nicht er⸗ hitzt, wenn noch so heiß, fest und bieder, ernst und wahr finde man uns immerdar. 3. Eitler Flitter lockt uns nicht, doch uns lockt der Wahrheit Licht; spornt der Ehrgeiz uns nicht an, hat's der Seele Drang getan. Hessemer. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 347. Hrmes Herz, kannst immer noch nicht be⸗ wält'gen deine Sorgen. Trüber Geist, mußt immer noch bangen vor dem andern Morgen? 248 Ist zu leben denn so schwer? Drückt das Vebel denn so sehr? 2. Sieh, so lange lernst du schon in der Schule deines Lebens. Jahr auf Jahr ist hinge⸗ floh'n zur Bericht'gung deines Strebens. Lerne endlich klarer schau'n! Lerne auf dich selbst ver⸗ trau'n! 3. Aus dem ew'gen Geist der Welt ist in dich ein Strahl geflossen. Was die Welt zusammen⸗ hält, hat in dich auch Kraft ergossen. Bau' dir nun in eig'ner Brust deine Welt voll Licht und Lust. 4. O, da innen ist ein Feld, d'rauf zu ackern reichlich lohnet. Ist's da innen wohl bestellt, wenn da erst der Friede wohnet, dann ist auch das Glück erreicht, dem ein jedes and're weicht. 5. Dann greif' in die Welt hinein, schaue, wirke, baue, kämpfe. Ob dir lacht der Sonnen⸗ schein, ob den Strahl ein Wetter dämpfe,— recht tun kannst du immerdar; dann bleibt's auch im Geiste klar. 6. Menschengeist, so eng umschränkt, kannst zu freier Höh' dich schwingen. Menschenherz, so leicht bedrängt, kannst den schlimmsten Feind be⸗ zwingen. Lerne deine Kraft versteh'n, bald wirst du Erfolge seh'n. Uhl. Gsb. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 348. Denn du in guten Stunden im Herzen froh empfunden des Lebens tiefste Kraft, dann hebt der Geist die Schwingen, dann krönet süß' Gelingen, was deine Seele sehnend schafft. —2 249 2. Und wenn in bösen Stunden du in dir selbst gefunden den Gott voll Kraft und Ruh', dann kommt dein Frieden wieder, dann singen stille Lieder dir innern Trost und Labung zu. 3. D'rum suche gern die Stunden, wo du, der Sorg entbunden, dich selbst, o Seele, weih' st; dann machst du, nimmer müde, dein Leben selbst zum Liede, zum neuen Lied dem ew'gen Geist! Ed. Baltzer. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 349. Dohl dem, der in sich selber findet, was ihm die Welt nicht geben kann, sein Glück auf das Bewußtsein gründet, daß er der Liebe Pflicht getan; der höher als den Ruhm der Welt, dich, freudiges Gewissen, hält. Mel. Allein Gott in der Höh'. 350. Die vor der Sonne Purpurlicht die dunklen Schatten weichen, so kann der Wahrheit Angesicht die Nacht des Wahnes scheuchen. Was macht uns von der Tyrannei der mächt'gen Vorurteile frei? Das klare tiefe Denken! 2. O, nütz' dazu die gold'ne Zeit! Nur Wahrheit kann uns zieren, und Menschen zur Glückseligkeit mit Friedenshänden führen. Das „Gottesreich voll Lieb' und Treu', wie wird's auf Erden immer neu? Nur durch der Wahrheit Walten! 250 Mel. Grünt dir auch. 351. Hus der finstern Welten Nacht strahlt verjüngt das Morgenrot, aus dem Winter Lenzespracht, Auferstehung aus dem Tod. 2. Ist mein Schmerz auch noch so groß, daß die Seele mir erbebt, dennoch aus des Unglücks Schoß mich ein lichter Stern erhebt. 3. Daß dem Lenz der Winter wich, daß der Tag die Nacht verzehrt, eben dieses tröstet mich, daß mein Frühling wiederkehrt. 9001 ohler. Mel. Ich dank dir schon. 352. Denn dich die böse Welt bedrängt, dir alle Sterne schwinden, dich selbst dein liebstes Leben kränkt, wo willst du Rettung finden? 2. O, greife nicht nach außen hin, die Welt des Scheines wanket; o bau' nicht auf der Men⸗ schen Sinn, der wie das Schilfrohr schwanket. 3. Nein, steige kühn hinab in dich; denn Kräfte, die nur schliefen, verbirgt dein unergründ⸗ lich Ich in seinen eignen Tiefen. 4. Nur du bist Herr in deiner Welt; hab' dich, so hast du Alles. Du lächelst, wenn dein Glück zerfällt, dann selbst des wilden Falles. 5. Und bleibst du so dir selbst getreu, kann dich kein Schicksal ketten; du fühlst, der Gott in dir ist frei; trau' ihm, er wird dich retten. —— Mahlmann. Mel. Ich dank dir schon. 358. Gott ist die Liebe! Sein Gebot zu halten, laßt uns streben; die Liebe sieget über Tod, und ihre Kraft ist Leben. 251 2. O, glaub' an sie und bleib' in ihr, so wirst du Wahrheit finden; du bleibst in Gott, Gott bleibt in dir, die Welt zu überwinden. 3. Nicht Furcht ist, was die Liebe hegt, die Furcht ist Pein des Knechtes; die Liebe, freudig, frei bewegt, ist sicher ihres Rechtes. 4. So jemand spricht:„Ich liebe Gott“, und seinen Bruder hasset, der treibet mit der Wahr⸗ heit Spott, vom Lügengeist erfasset. 5. Wer den nicht liebt, den brüderlich sein Auge kann gewahren, wie trüg' er Liebe wohl in sich für Gott, den Unsichtbaren? Hammer. Mel. Valet will ich dir geben. 354. Es ist ein tiefer Segen, der aus dem Wort dir spricht:„Erfülle allerwegen getreulich deine Pflicht!“ Das nehme wahr dein Wille, wie gleichen Pendelschlag, der nur erst, schweigt er stille, die Ruh' dir stören mag. 2. Welch Ziel du magst erstreben, sei's nah, sei's hoch und fern,— weiht nicht die Pflicht dein Leben, so fehlt dein guter Stern: Der Stern, der wunderhelle, mit reinem Himmelslicht von seiner ew'gen Quelle dir zum Gewissen spricht. 3. Das Glück mag bilden, ründen, erhöh'n und Schmuck verleihn; doch muß, um fest zu gründen, die Pflicht geschäftig sein. Du freust dich an Gestalten und nennst mit Stolz, was dein; doch wahren und erhalten, das kann die Pflicht allein. ö 19 — 4. O, halte sie in Ehren, die fromme Schaffnerin; sie bürgt noch im Entbehren dir köstlichen Gewinn, und rettet dir aus trüber Be⸗ drängnis dieser Welt, was über's Grab hinüber dir Wort und Treue hält. Hammer. Eigene Melodie. 355. Seht, wie die Tage sich sonnig verklären! Blau ist der Himmel, und grünend das Land. Klag' ist ein Mißton im Chore der Sphären; trägt denn die Schöpfung ein Trauergewand? Hebet die Blicke, die trübe sich senken; hebet die Blicke: Des Schönen ist viel! Tugend wird selber zur Freude uns lenken; Freud' ist der Weisheit belohnendes Ziel. 2. Oeffnet die Seele dem Lichte der Freude! Horcht, ihr ertönet des Vogels Gesang; atmet, sie duftet im Rosengestäude; fühlet, sie säuselt am Bächlein entlang; kostet, sie glüht uns im Safte der Traube, würzet die Früchte beim ländlichen Mahl; schauet, sie grünet in Kräutern und Laube, malt uns die Aussicht in's blumige Tal. 3. Mancherlei Sorgen und mancherlei Schmer— zen quälen uns wahrlich aus eigener Schuld. Hoffnung ist Labsal dem wundesten Herzen; Duldende stärket gelass'ne Geduld. Wenn euch die Nebel des Trübsinns umgrauen, hebt zu den Sternen den sinkenden Mut. Heget nur göttliches hohes Vertrauen, Guten ergeht es am Schlusse doch gut. 4. Lasset uns fröhlich die Schöpfungen sehen, Gottes Natur ist entzückend und hehr. Lasset uns stillen des Dürftigen Flehen; Freuden des Wohl⸗ 253 tuns entzücken noch mehr. Edleres bleibt uns noch viel zu verrichten; viel auch des Guten ist noch nicht getan. Heiterkeit lohnt die Erfüllung der Pflichten; Ruhe beschattet das Ende der Bahn. 5. Handelt! Durch Handlungen zeigt sich der Weise; Ruhm und Unsterblichkeit sind ihr Ge⸗ leit; zeichnet mit Taten die schwindenden Gleise unserer flüchtig entrollenden Zeit. Den uns um⸗ schließenden Zirkel beglücken, nützen, so viel als ein jeder vermag, o, das erfüllet mit stillem Ent⸗ zücken, o, das entwölket den düstersten Tag. 6. Mutig! Auch Leiden, sind einst sie ver⸗ gangen, laben die Seele wie Regen die Au. Gräber, von Trauercypressen umhangen, schmücket auch stiller Vergißmeinnicht Blau. Freunde, wir sollen, wir sollen uns freuen; Freud' ist der lieben⸗ den Gottheit Gebot. Freude der Unschuld kann niemals gereuen, lächelt durch Rosen dem nahenden Tod. Salis. Mel. Allmächtiger, wir. 356. O, senk den Blick nicht nieder, weil trüb und schwer dein Herz. Vertrau' und hoffe wieder, schau' mutig himmelwärts. Ob finstre Wolken dräuen, die Sonne kehrt zurück. Mag Vieles dich gereuen, es blüht dir neues Glück. 2. Bewahr' in allen Stunden des Herzens heil'gen Hort: Die Lieb', die du gefunden in treuem Blick und Wort. Sie gibt zu allen Zeiten dir ihren Segen kund, will Frieden dir bereiten in deines Herzens Grund. Karl Kerbler. 25⁴ Mel. Allmächtiger, wir. 357. Tief drängt dich's zum Verständnis der gottgeheimen Spur; doch jeder Strahl Erkenntnis ist neu Geheimnis nur. Und fällt auch Hüll' um Hülle, und strömt auch Licht auf Licht, der Grund und Quell der Fülle des Lichts enthüllt sich nicht. 2. Hinwandle durch Aeonen, dir wird das mächt'ge Wort„Ich will im Dunkeln wohnen“ ertönen fort und fort. Doch aus den Finsternissen strömt Lebensmorgenrot, das tief dir im Gewissen besieget Nacht und Tod. Hammer. Mel. Welche Tiefen. ö 358. Das wir tief im Herzen ahnen, ob es wohl dem Blick erscheint? Was auf weit gezog'nen Bahnen wohl der Geist zu finden meint? Was ein ungezähmter Wille, was dies Sehnen wohl begehrt? Ist es auch des Herzens Stille, ist es unsern Frieden wert? 2. Wonnig ist es, Blumen pflücken froh den Wiesenpfad entlang, kränzend sich das Haupt zu schmücken bei melodischem Gesang; auf des Echos Ruf zu lauschen, der vertraulich wiederklingt, wo des Waldes düst'res Rauschen ahnungsvolle Weisen singt. 3. Tröstend ist es, still geborgen, und dem öden Trachten fern, aus den Hütten kleiner Sorgen aufzuschau'n zum Abendstern; Tag um Tag in gleicher Weise, saurer Schweiß wird süßer Fleiß; der Beschränkung enge Kreise, jeder wird ein Zauberkreis. 25⁵ 4. Selig ist's, im Dämmerlichte fromm er⸗ gebener Geduld spiegeln sanft im Angesichte ew'gen Frieden, Lieb' und Huld; gläubige Gebete lallen, Hände falten, gottentzückt, und dann still hinüber⸗ wallen in dem schönsten Wahn beglückt. 5. Aber wenn des Herzens Pochen, wenn der Geist nach Wahrheit fragt, wenn die Schranken er durchbrochen, seine großen Schritte wagt; mag dann manch ein Wahn zerreißen, fällt dann manch ein Traum zurück: Sich in seiner Kraft beweisen, ist vor Gott das reinste Glück. Hessemer. Mel. Der du mit Tau und.. 359. Die Liebe hält im Mutterarm den zarten Säugling sanft und warm; sie weidet sich, ihn anzuschau'n in hoffnungsvollem Gottver⸗ trau'n. Er wächst empor in Lust und Kraft; er träumt von früher Meisterschaft; er reißt sich los vom Vaterhaus und wagt sich in die Welt hinaus. 2. O Zuversicht, o Jugendglut, wie schön vollendet ihn der Mut! Er reift zum Mann; er kehrt zurück, er baut sein Haus und sucht sein Glück. Zum höchsten Ziel strebt er hinan, setzt rüstig Leib und Leben dran; allein erschöpft ist seine Kraft, bevor er noch sein Werk geschafft. 3. Er schaut zurück auf seine Bahn; sie fing so vielversprechend an; was ist das Ziel? Was ist der Preis? Ach, karge Freude, saurer Schweiß! Sein Leben war ein kurzer Schritt; das Ganze flutend riß ihn mit; es lockte hier, es trieb ihn dort, zog ihn heran, und stieß ihn fort. 256 4. Die Millionen zählen nur, der Einzelne läßt keine Spur; er stirbt; die Lücke füllt sich aus, noch ehe man ihn trägt von Haus. Still ist sein bleiches Angesicht, als wüßt' er und empfänd' er nicht, was unerfüllte Wünsche sind; und über'm Grabe saust der Wind. 5. Doch Klage ziemt deshalb uns nicht: Was Gott gewollt, ist uns're Pflicht; und was wir sind in Tat und Wort, das pflanzt sich lebend weiter fort. In unsres Daseins Sorg' und Qual ist uns gewährt ein Hoffnungsstrahl; wir sehn empor in Seelenruh' und streben der Vollendung zu. 6. Wir schau'n aus dieser kleinen Welt hinaus in Gottes Sternenzelt und leben auf dem Erden⸗ ball das Leben mit im großen All. Wir nützen unsre kurze Zeit zum Wirken für die Ewigkeit. Wer sich des Rechten ist bewußt, der trägt den Himmel in der Brust! Hessemer. 360. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen. 2. Heil den unbekannten höheren Wesen, die wir ahnen! Ihnen gleiche der Mensch; sein Beispiel lehr' uns jene glauben. 3. Denn unfühlend ist die Natur: Es leuchtet die Sonne über Bös' und Gute, und dem Ver⸗ brecher glänzen, wie dem Besten, der Mond und die Sterne. ö 4. Wind und Ströme, Donner und Hagel rauschen ihren Weg und ergreifen vorübereilend einen um den andern. 257⁷ 5. Auch so das Glück tappt unter die Menge, faßt bald des Knaben lockige Unschuld, bald auch den kahlen schuldigen Scheitel. 6. Nach ewigen, ehernen, großen Gesetzen müssen wir alle unseres Daseins Kreise vollenden. 7. Nur allein der Mensch vermag das Un⸗ mögliche: Er unterscheidet, wählet und richtet; er kann dem Augenblick Dauer verleihen. 8. Er allein darf den Guten lohnen, den Bösen strafen, heilen und retten, alles Irrende, Schweifende nützlich verbinden. 9. Und wir verehren die Unsterblichen, als wären sie Menschen, täten im großen, was der Beste im kleinen tut oder möchte. 10. Der edle Mensch sei hilfreich und gut! Unermüdet schaff' er das Nützliche, Rechte, sei uns ein Vorbild jener geahneten Wesen. Goethe. 361. Sei stets gerecht mit Herz und mit Ver⸗ stand, laß das Wahre nie beugen und biegen, dann geh' deinen Weg durch's Erdenland, — in diesem Zeichen wirst du siegen! 2. Den Unterdrückten hilf, den Schwachen, hilf, daß sie nicht im Lebenskampf erliegen, sieh' nicht der Mächt'gen Güter an, die dir entgegen⸗ lachen,— in diesem Zeichen wirst du siegen! 3. Tu' deine Pflicht, lauf' keinen Schatten nach, die ohne Spur nach kurzer Zeit verfliegen, streb' vorwärts, aber sorgsam, nach und nach,— in diesem Zeichen wirst du siegen! 18 25 4. Veracht' die Leidenschaft und ihre Freu⸗ den, die rasch vergeh'n und deine Sinne trügen, beherrsche dich, sei stark zu allen Zeiten,— in diesem Zeichen wirst du siegen! 5. Nimm's Leben, wie es ist, und denk' nicht nach, es ward dir immer zum Vergnügen, und hab' Geduld für jeden Tag,— in diesem Zeichen wirst du siegen! Arthur Pfungst. Mel. Lobe den Herrn. 362. Hehre Natur! O wie lebst du in schaffen⸗ der Stille— kräftigen Dranges durch⸗ brechen die Keime die Hülle. Himmlischer Tau feuchtet die glühende Au: Sehet, welch üppige Fülle! 2. Da in natürlicher Füll' auf geordneten Wegen sehet des Menschen, des Geistes neu⸗ schaffendes Regen. Absicht und Sinn zaubert die Schönheit uns hin: Nun erst wird alles zum Segen! 3. Segnender Geist, wie du Schönheit und Frieden geschaffen, kannst du denn nimmer den Menschen dem Streite entraffen? Ach, auf der Flur immer des Elendes Spur, immer noch droht er in Waffen! 4. Ach wie so schön auf den grünenden Fluren der Frieden, ist es der Himmel doch selbst, der da lagert hinieden. Brüder herbei! Fröhlich und liebend und frei wollet die Händ' ihr euch bieten! Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 363. Humanität! Dein heilig Leben, kein Tempel spendet's, kein Altar! Was meinem Herzen Halt kann geben, wird nicht von — 259 oben offenbar: Aus Menschengeistes Tiefen bricht der Wahrheit heil'ges Sonnenlicht. 2. In ihrem Glanze will ich wandeln, in ihr erst wird für mich die Welt zum Reiche für ein würdig Handeln, so daß der Geist das Feld bestellt. Im Geist laßt uns die Menschheit schau'n und sie, von Selbstsucht frei, erbau'n. 3. O, tritt hervor, des Guten Fülle aus meinem Geiste, wo du wohnst. Wie heilig ist die inn're Stille, wenn du, mein Herz, mich selbst be⸗ lohnst. Ja, in sich selbst nur klar und treu, gibt Kraft und Freude ewig neu. 364. O Brüder liebt und liebt getreu, wie sonst auch euer Glaube sei! Ein Schatz im Schoß der Liebe liegt, der alle Welten über⸗ wiegt. 2. Wär' ich auch jeder Sprache kund, und spräch' ich selbst mit Engelsmund, und schlüg' in Liebe nicht mein Herz,— ich wäre wie ein tönend Erz. 3. Und gäb' ich Armen Hab und Gut, und setz't ich aus den Leib der Glut, und schlüg' mein Herz in Liebe nicht, es hätte alles kein Gewicht. 4. Die Lieb' ist freundlich, nachsichtsvoll, die Liebe hegt nicht Zorn, nicht Groll, die Liebe will nicht böse Lust, sie wirft nicht stolz sich in die Brust. 5. Sie trachtet nicht nach eitlem Tand, sie reicht der Selbstsucht nicht die Hand, sie gibt nicht bitterm Mut sich hin, sie trägt kein Arg im treuen Sinn. 18⁷ 260 6. Sie freut sich nimmer, nimmermehr, des falschen Treibens um sich her, doch Freude füllt 2 9anz Gemüt, sobald sie Recht und Wahrheit ieht. 7. Sie deckt des Nächsten Fehler zu, sie mahnt zum Frieden ihn, zur Ruh', sie glaubt und hofft von ihm das Best' und duldet, was sich dulden läßt. 8. Drum, Brüder, liebt und liebt getreu, wie sonst auch euer Glaube sei! Nur in der Liebe heil'gem Reich lebt ihr in„Gott“ und„Gott“ in euch! Duller. 365. D illst du wissen, was auf Erden dir die schönsten Kronen flicht? Lieben und geliebet werden— größren Segen find'st du nicht. Wärst du noch so sehr beflissen, Glück zu suchen andrerweis: Ein getreues Herze wissen, ist des höchsten Schatzes Preis. 2. Ob ein Paradies dich grüßte, freudlos bleibt es— ungeteilt, doch zum Eden wird die Wüste, wenn die Liebe bei dir weilt. Glanz und Reichtum läßt sich missen, und des Ruhmes Lor⸗ berreis: Ein getreues Herze wissen, ist des höchsten Schatzes Preis. 3. Drückt ein schweres Leid dein Leben, das dich schier zu Boden warf, treue Liebe kann dir geben, was dein zagend Herz bedarf: Mut in allen Kümmernissen, Trost in Kämpfen noch so heiß: Ein getreues Herze wissen, ist des höchsten Schatzes Preis. 4. Fühlst du, daß in rechter Treue stets sich hielt dein eigen Herz, dann trägst du, weil ohne Reue, leicht den letzten Abschiedsschmerz, legst dein 261 müdes Haupt auf's Kissen dann getrost, ein heitrer Greis: Ein getreues Herze wissen, ist des höchsten Schatzes Preis. F. Albrecht. Mel. Welche Tiefen. 366. Treu bewahre im Gemüte und beschirme früh und spät jede Knospe, jede Blüte, die auf deinem Wege steht. Sei's die Knospe hoch am Baume, sei's ein fröhlich plaudernd Kind, seiss am grünen Wiesensaume eine Blume, weich und lind. 2. Halt' den Wurm auf öder Stätte nicht für klein und für gering, in der Schöpfung ew'ger Kette sieh' ihn an als starken Ring. Nach den Sternen magst du trachten, wenn dein Geist den Staub besiegt, doch des Kiesels sollst du achten, ö der zu deinen Füßen liegt. 3. Hoch und herrlich ist die Stärke, die von Seelenadel zeugt, wenn sie sich zum Liebeswerke, ö zu dem Schwachen niederbeugt. Gibst du den ge⸗ ö sunk'nen Ranken neuen Halt und frischen Stand, ö o, dann reichst du auch den Kranken und Ge⸗ fall'nen deine Hand. ö 4. Sei ein Denker oder Dichter, form' in Erzen oder Stein, Eines, Eines nie vergesse: Mensch sollst du vor allem sein. Treu bewahre im Gemüte, und beschirme früh und spät jede Knospe, jede Blüte, die auf deinem Wege steht! ; Zeisig. Mel. Befiehl du deine Wege. 367. Die wär' so arm mein Leben, müßt' ich vereinzelt stehn, und könnt allein mein Streben auf meinen Vorteil gehn! All' 262 meine reichen Gaben, sie dienten mir allein, nur mir das Herz zu laben! Fürwahr! Das kann nicht sein! 2. In einem Menschenherzen ist Raum für bess're Lust. Der Andern Freud' und Schmerzen, sie rühren meine Brust. Der Menschheit echte Blüte, die Liebe ist's allein; drum drängt mich mein Ge⸗ müte, auch And're zu erfreu'n. 3. Du Kreis der lieben Meinen, wie wohl ist mir in dir! Will mir die Freude scheinen, ich teile sie mit dir, und bringt das Leben Plagen, wir tragen sie vereint, bis uns in bess'ren Tagen die Sonne wieder scheint. Mel. Ach bleib mit deiner Gnade. 368. Siehst du, daß Einer trauert, so red' ihn freundlich an; kein Herz ist so ver⸗ mauert, daß dem es trotzen kann. 2. Denn Red' und Antwortgeben, das schließt der Menschen Bund. Nicht lange währt das Leben, und bald verstummt der Mund. 3. Der Mensch hat nichts so eigen, als Red' aus treuer Brust. Laß du die Steine schweigen, die Red' hat Himmelslust. 369. Nicht fleh' ich um den Segen ew'gen Glückes, nicht fleh' ich um ein flüchtig Erdengut; gib, Ew'ger, nur in Stürmen des Ge⸗ schickes dem Geiste Kraft und meinem Herzen Mut! Den Pfad des Rechtes laß mich ruhig schreiten, I N —— 28 „ 263 ob still die Luft, ob wild die Stürme weh'n; und Eines gib mir, Gott, zu allen Zeiten: Laß, die ich lieb', mich glücklich sehn! 2. Nur der ist arm, der einsam zieht die Pfade, von dem hinweg der Liebe Engel flieh'n. Dir, Schicksal, Dank! Du hast in deiner Gnade der Lieb' und Freundschaft Segen mir verlieh'n. O alle, die mir Liebe je gespendet, auf Blumen⸗ auen laß sie ewig gehn, daß nie ihr Glück und ihre Wonne endet,— laß, die ich lieb', mich glück⸗ lich sehn! 3. Sieh, ihre Freuden will ich jubelnd teilen, mich soll bewegen, was ihr Herz bewegt; ich weiß es, meine Wunden werden heilen, so lang sie mild die Hand der Liebe pflegt! An ihrer Freude soll mein Herz sich sonnen, wenn welkend meines Glückes Blumen stehn, und ihre Wonnen seien meine Wonnen,— laß, die ich lieb', mich glücklich sehn! Rittershaus. 370. Siehst du den Stern im fernsten Blau, der flimmernd fast erbleicht? Sein Licht braucht eine Ewigkeit, bis es dein Aug' erreicht. Vielleicht vor tausend Jahren schon zu Asche stob der Stern: 2. Und doch steht dort sein milder Schein noch immer still und fern. Dem Wesen solchen Scheines gleicht, der ist und doch nicht ist, o Lieb', dein anmutvolles Sein, wenn du gestorben bist. Gottfried Keller. An das Herz. 371. Tinsst du nicht dich schließen, Herz, du offnes Haus! Worin Freund und Feinde gehen ein und aus? 2. Schau, wie sie verletzen dir das Haus⸗ recht stets! Fühllos auf und nieder, polternd, lärmend geht's. 3. Keiner putzt die Schuhe, keiner sieht sich um, staubig brechen alle dir in's Heiligtum; 4. Trinken aus den goldnen Kelchen des Altars, schänden Müh' und Segen dir des ganzen Jahr's; 5. Werfen die Penaten wild vom Herde dir, pflanzen drauf mit Prahlen ihr entfärbt Panier. 6. Und wenn zu verwüsten nichts sie finden mehr, lassen sie im Scheiden, dich, mein Herz, so leer! 7. Nein! Und wenn nun alles still und tot in dir, o, noch halt dich offen, offen für und für! 8. Laß die Sonne scheinen heiß in dich herein, Stürme dich durchfahren und den Wetter— schein! 9. Wenn durch deine Kammern so die Windsbraut zieht, laß dein Glöcklein stürmen, schallen Lied um Lied! 10. Denn noch kann's geschehen, daß auf irrer Flucht eine treue Seele bei dir Obdach sucht. Gottfried Keller. Rechtschaffenheit. 372. Reechtschaffenheit, sie sei der feste Grund, auf dem du gehst und stehst; Recht⸗ schaffenheit schafft in dir selbst das Rechte alle— zeit, und ihre beste Segnung wird dir kund, in⸗ dem sie des Vertrauens Fäden webt zu manchem schönen, echten Herzensbund:— Ein Segen, der dich dauernd überlebt, ein Segen, der einst, deines Nachrufs Mund, erzählt, wie du geliebt, wie du gelebt, wie du gewuchert hast mit deinem Pfund. Julius Hammer. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 373. Do eilt ihr hin, ihr Lebensstunden? Zeit, edle Zeit, wo fliehst du hin? Wie mancher Tag ist schon verschwunden, seit ich der Erde Pilger bin. Ein großer Teil von meiner Zeit ist schon im Meer der Ewigkeit. 2. Ermunt're dich aus deinem Schlummer! Auf, auf mein Geist, ermunt're dich! Dies sei dein Gram, dies sei dein Kummer, daß mancher Tag umsonst verstrich. Den ungenützten Augen⸗ blick bringt keine Reue dir zurück. 3. Der Tor durchlebet seine Jahre, eh' er des Lebens Wert versteht. Er nahet früher sich der Bahre, eh' er den Weg der Tugend geht. Was ist das Menschenleben wert, das ungenützt vorüber fährt? 4. Mensch, sei ein Mensch, fang an zu leben und nützlich für die Welt zu sein. Fang an, dem Guten nachzustreben, bring das Versäumte wieder ein, daß, wenn man deinen Leib begräbt, dein Werk und dein Gedächtnis lebt. 5. Sei nicht den kleinsten Zeitpunkt müßig, da du nicht deine Pflicht erfüllst. Du hast den Tag nicht überflüssig, den du so frech verschwenden willst. Wiss', ein Verlust der ewig reut, ist der Verlust der edlen Zeit. 266 6. Gib dir von einem jeden Tage, den Gott dir schenket, Rechenschaft. Durchdenk' ihn, leg ihn auf die Wage: Vollbrachtest du ihn tugendhaft? Hast du nach Möglichkeit getan, was Gott von dir einst fordern kann? Mel. Allmächtiger, wir preisen. 374. Hast du ins Herz geschlossen die Heilig⸗ keit der Pflicht, dann üb' sie unver⸗ drossen, dann weich' und wanke nicht! Ob dir gelingt dein Streben, darauf kommt wenig an; genug, wenn du im Leben stets deine Pflicht getan. ö 2. O glaube nicht, es werde das Gute nicht gedeihin! Mußt in die Gotteserde nur guten Samen streu'n. Zum Segen ist erkoren, was der Vernunft entsprang; kein Wörtlein geht verloren, das aus dem Herzen drang. 3. Es pflanzt sich wunderkräftig gut Wort am rechten Ort, in Liebe stets geschäftig, bei späten Enkeln fort. Ein jedes gute Streben, ver⸗ geblich bleibt es nicht, drum halte fest im Leben das Wort: Tu' deine Pflicht. Pflichterfüllung. 375. Das morsch und alt zusammenbrach, nicht sinn und träum' ihm sehnend nach, steh fest— was um dich fällt und bricht, vor⸗ wärts den Blick, tu deine Pflicht. rryrereee V W H——+ 2 267 2. Rasch rennt die Zeit mit Lust und Leid, die Stunde ruft:'s ist an der Zeit! Der Morgen mahnt, der Abend spricht: Kurz ist der Tag, tu deine Pflicht. 3. Kurz ist der Tag, rasch ist der Tod, drum sei ein Helfer in der Not, und was du tust, mehr tust du nicht— das merke wohl— als deine Pflicht. Kletke. Pflichterfüllung. 376. Hast du deine Pflicht getan: Blick die Menschen offen an, sei dir dann des Werts bewußt, den du trägst in eigner Brust. 2. Hast du deine Pflicht getan: Geh' ge⸗ trost dann deine Bahn, wie's auch stürme— nur Geduld, nicht an dir liegt ja die Schuld. 3. Hast du deine Pflicht getan: Mag der Undank ndir sich nah'n, reichlich fühlst du dich be⸗ lohnt durch das Glück, das in dir wohnt. 4. Hast du deine Pflicht getan: Wenn's auch nicht die Menschen sah'n,— dein Gewissen hat's geseh'n, was durch dich so treu geschehn. 5. Hast du deine Pflicht getan: Frage nicht nach Menschenwahn, ob auch alte Form zer⸗ fiel,— Recht und Wahrheit sei dein Ziel! 6. Hast du deine Pflicht getan: Wird dir einst der Sarg zum Kahn, stark und mutig trittst du ein, mag die Fahrt auch dunkel sein. LWürkert. 268 Mel. Hier liegt vor deiner Majestät. 377. Es sei des Menschen Majestät uns heilig immerdar! Wer sie nicht ehrt und selbst sich schmäht, ist uns nur ein Barbar. Des Menschen Leben göttlich ist. Bedenke, Mensch, wie groß du bist! Und richte deinen ganzen Sinn auf deine Menschengröße hin— den ganzen Sinn auf deine Würde hin! 2. Im Geiste liegt des Menschen Macht; das Denken macht uns groß. Es trägt ja aller Welten Pracht der Geist in seinem Schoß. Der Geist der Weltbeherrscher ist. Bedenke, Mensch, wie groß du bist! Laß sprudeln deinen Geistesquell! Der Geist macht Welt und Leben hell. Des Geistes Quell ist frisch und silberhell. 3. Der Wille macht uns würdevoll, der Wille, rein und frei; wenn Würde dich umkleiden soll, dein eig'ner Meister sei! Dein Wille dein Erlöser ist. Bedenke, Mensch, wie groß du bist! Erhalte deinen Willen gut, erhalte frisch des Herzens Mut! Ja, frisch und gut den Willen und den Mut! 4. Erhaben ist allein die Tat; der Taten Glorienschein sich nur dem edlen Menschen naht, der's weiß, ein Gott zu sein. Die gute Tat das Höchste ist. Bedenke, Mensch, wie groß du bist! Und sinne früh, und sinne spät, zu wahren deine Majestät! Denk früh und spät der Menschen Majestät! 4— Th. Hofferichter. 378. Du dunkle Macht in meiner Brust, die mich noch stets betrogen, mir stets ver⸗ heißen lauter Lust, und mich noch stets belogen, 269 treibst immer noch dein arges Spiel, verrückst noch immer mir das Ziel, das längst mich angezogen! 2. Nein! Länger bleib' ich nicht dein Sklav'! Bin's schon zu lang gewesen! Zum Wachen, nicht zum dumpfen Schlaf steh' ich im Reih'n der Wesen: Und alles um mich wirkt und strebt, und alles ist von dem belebt, wozu es ward erlesen. 3. Ich bin ein Mensch, der denken kann und klar das Rechte schauen, zum Guten strebt der Geist hinan, vor Schlechtem fühlt er Grauen. Das ist das wahre Menschentum, das ist der allbe⸗ währte Ruhm, das heißt: Sein Heil erbauen. 4. Und noch klopft meiner Pulse Schlag, noch taugt die Kraft der Glieder, noch leuchtet mir der Erdentag, noch stärkt die Nacht mich wieder, noch geht mir Arbeit von der Hand, noch trägt mein Schritt mich durch das Land, noch hat mein Atem Lieder. 5. So sei denn meine Kraft gespannt, das Rechte zu vollbringen, und meine Klugheit an⸗ gewandt, das Schlechte zu bezwingen! Auch kurzer Schritt, auch kleiner Krieg gewinnt am Ende doch den Sieg: So soll's mir. e —— L. Uhlich. 379. Hinaus, mein Schiff, hinaus, hinaus, hinaus auf hohe Wogen! Wer nie verließ das enge Haus, wen nie es hingezogen mit Allgewalt auf's ew'ge Meer und auf des Lebens Weiten— des Herz ist kraft- und liebe⸗ leer, ein Sack voll Nichtigkeiten. 2. Hinaus, wo sich die Armut drängt zum Lichte auf die Gassen, und dunkle Heldenschar ge⸗ sprengt den schweren Bann der Massen; hinein 270 in's dichteste Gewühl will meinen Fuß ich lenken — vor guten Kampfes Hochgefühl muß Furcht die Speere senken. 3. Hinaus in's Menschheitsackerfeld, wo's Zukunftsblüten regnet, wer dort in treuer Arbeit fällt, ist über's Grab gesegnet: Und wer darein die Furchen zieht und streut gesunden Samen, dem rauscht die Ernte Dankeslied und preiset seinen Namen. 4. Hinaus zum Streite für das Recht! Hinaus aus ruh'gem Hafen! Zur Höhe stürmt ein neu Geschlecht, derweil die Knechte schlafen. Ich nehme in die Hand mein Los. Und werf' es in die Wogen— nur der ist frei, nur der ist groß, der kämpfend es gezogen. 5. Und schlägt in wucht'gem Wogenprall mein Sturmboot auch in Splitter, so will ich segnen doch den Fall im leuchtenden Gewitter. Weit besser ist es, auf der Höh' in Sturm und Kampf verderben, als in des Hafens toter See scheinlebend langsam sterben. Robert Seidel. 380. Frage nicht, woher du bist, laß dir an dem Sein genügen; das, was gegen⸗ wärtig ist, schöpf' es aus mit vollen Zügen. Frage nicht, wohin du gehst, denn du wirst es nicht er⸗ gründen; wenn du wie das Blatt verwehst, wo willst du dich wiederfinden? 2. Lausche in des Lebens Mai, wie die Nachtigallen singen, in den Aether, hoch und frei, breite deines Geistes Schwingen. Edel sei, was du erstrebst, mild und recht dein Sinn und Wesen, wenn du so das Leben lebst, ist es selbst sein Preis gewesen. XII.IMI..Rxyiti„*. bAXM&NNERxANX —————.— 271 3. Sorgst du, wenn der Abend kommt, ob das Licht auch wiederkehre? Zweifle nicht, daß es auch frommt, Tropfen sein im weiten Meere. Meer ist alles, was da lebt, in den Tiefen, auf den Höhen, über allen Tiefen schwebt doch des ew'gen Geistes Wehen. 4. In der Sterne sanftem Glüh'n, in des Waldes süßem Rauschen, in der Blume duft'gem Blüh'n kannst du seine Spur belauschen. Mehr noch will er sein in dir, wunderbare Menschen⸗ seele! Sorge, daß dein Dasein hier auch sein Dasein nicht verfehle! Fr. Baltzer. Mel. Ein' feste Burg ist unser Gott. 381. Das längste Leben ist nur kurz; es reihet sich zu Stunden schnell der Minuten flücht'ger Sturz! Ob Blumen sie gewunden, ob sie uns Schmerz gebracht, bald deckt die lange Nacht die Lust, den Ruhm, das Glück— und nichts bleibt dann zurück, als nur ein Häufchen — Asche! ö 2. Nur Eines aber ewig bleibt— die Wahrheit und die Liebe! Das Edle, fort und fort es treibt stets neue, frische Triebe; was tiefem Geist entstammt, im Menschenbusen flammt, ist ew'gen Lebens Saat, die nicht zu fürchten hat Vernichtung und Verwesung. 3. Drum wandle, Mensch, nur stets die Bahn des Wahren, Guten, Schönen;— betöret nicht vom eitlen Wahn, wird wahres Glück dich krönen! Bist du so stets bereit, zu adeln deine Zeit, dem Edlen treu vermählt: Hast Bestes du gewählt, der Menschheit dann zur Zierde! 4. Wer aber Rosen pflücken will, darf nicht vor Dornen zittern, vor Kämpfen, offen oder still — und nicht vor Ungewittern! Die Siegespalme winkt meist, wenn die Sonne sinkt.— Den müden ungestörtem Frieden. Prof. Binder. Mel. Ringe recht, wenn. ö 382. Traue nicht den süßen Weisen, die dich rufen zum Genuß, die den Augenblick * dir preisen und der Wonnen flücht'gen Kuß. 2. Nur dem Kämpfer wird erschlossen echtes —* Glück in Lebensnacht, schnell verweht, was wir genossen, ewig wirkt, was wir vollbracht. 383. Iicht ziemt's dem Sterblichen vorauszu⸗ ö sagen die Wirkung seiner Taten in ö der Welt; er gleicht dem Schiffer, der die Fahrt — muß wagen in's Meer hinaus— wo manches 1 Schiff zerschellt; er gleicht dem Landmann, der in ö Lenzestagen den Samen ausstreut und das Land bestellt, und der nicht weiß, ob edle Früchte tragen, ob in der Glut verdorren wird sein Feld. Doch wie der Sämann stets in alter Treue die Körner R7 in den Boden legt auf's neue, den Blick erhellt ö von froher Hoffnung Schimmer, so soll der Mensch auch säen seine Taten; vielleicht wird reicher Herbst aus seinen Saaten. Und für den Guten ist es Kämpfer man versenkt ins Grab alsdann zu Lenz ja immer! Arthur Pfungst. 273 384. Ein altes Wort, ein gutes Wort— halt's im Gedächtnis fort und fort, präg' tief es deinem Herzen ein— es wird zu deinem Segen sein: Wer rastet, rostet. 2. Nach schwerer Arbeit Rast und Ruh be⸗ darf ein jeder Mensch, auch du; doch ruhst und rastest du zu viel, so kommst du niemals an das Ziel: Wer rastet, rostet. 3. Die Arbeit erst und dann die Rast, sonst wird das Leben dir zur Last, wer immer wieder rasten will, der steht zuletzt wohl gänzlich still: Wer rastet, rostet. 4. Geh' auch nicht alten Schlendrian— das ist nicht gut und wohlgetan! Die Welt geht vor⸗ wärts, Schritt für Schritt, schreit' unermüdet vor⸗ wärts mit! Wer rastet, rostet. 5. Und auch im Denken raste nicht! Dein Wahlspruch sei:„Mehr Licht! Mehr Licht!“ Der blinde Glaube bringt kein Heil, bestärkt nur Wahn und Vorurteil. Wer rastet, rostet. 6. Und willst ein edler Mensch du sein, so halte Herz und Sinn dir rein! Und zügle Trieb und Leidenschaft mit deiner ganzen Willenskraft! Wer rastet, rostet. 7. Zum wahren Heil es der nur bringt, der mit sich selber kämpft und ringt, erkämpf' es dir, erring' es dir! Nur rüstig vorwärts für und für! Wer rastet, rostet. Th. Hofferichter. Cebendigsein heißt„tätig“ sein. 385. Hles Geschaffenen Seele ist das Wirken, wirkend ist selbst der tot genannte Stein; lebendig sein, heißt: Rastlos tätig sein in der Natur 19 27⁴ unzähligen Bezirken. Und du, der mit des Geistes Himmelsstrahl, der Lichtkraft der Erkenntnis ist erhellt, der für sein Wirken hat die freie Wahl, und für sich selbst ist eine kleine Welt— du solltest träge säumen, dir ein Leben aus eigner Kraft frohmutig aufzubauen? Verdrossen harren, statt in rüst'gem Streben, der Welt in dir und um dich zu vertrauen? Das Leben nur ist Unglück, Last und Pein, das tatlos kränkelnd sich nicht selbst bestimmt und, wie ein farbeloser Dämmerschein, im Zwielicht zwischen Traum und Wachen schwimmt. O, eile, wenn du säumig noch gewesen, geh' an die Arbeit mit entschloss'nem Sinn, vom Siechtum zur Gesundheit zu genesen, dir und der Welt zum freudigen Gewinn! Julius Hammer. —————.—— S. Cebensweisheit. 386. Der Mensch gleich' einem Baume; so wie dieser muß er die Wurzeln in die Erde senken, und festen Fuß im sichern Grunde fassen, damit ihn nicht des Lebens Stürme schüttern, und er, entwurzelt, welke vor der Zeit. Doch wie der Baum nur deshalb mit den Wurzeln den Boden pflügt, damit er seinen Wipfel mit stolzer Freude in den Aether trage, so soll der Mensch sich an die erd'ge Scholle des Lebens klammern, nur daß er sein Haupt hochragend in des Himmels Frei⸗ heit tauche. Und wie des Baumes helle Blüten⸗ augen mit steter Sehnsucht nach der Sonne schauen, so soll des Menschen Blüte, der Gedanke, sich mächt'gen Drangs empor zum Lichte ringen, denn nur das Streben bringt der Sonne näher, und nur im Lichte reift des Lebens Frucht. L. Pfau. 387. Wer vor dem Kampfe mit sich selbst nicht zittert, nur der ist frei, der uner⸗ schüttert verwirft, was die Vernunft verwarf. Die Torheit wähnt sich frei, wenn sie das Unrecht darf; das Unrecht dürfen und nicht wollen, es fliehn, auch wenn es leuchtend glänzt, das ist der hohe Sieg, nach dem wir ringen sollen, ob ihn auch keine Hand bekränzt. Wohl reizend ist es, hoch im Licht einher zu wandeln, vergöttert dazustehn —— 276 vor seiner Welt; doch leichter ist es, groß, als recht zu handeln; dort siegt der Ruhm, hier siegt der Held; der eitle Wahn küßt seine goldnen Ketten, das Reich der Kraft ist ihm ein fremdes Land. Der freie Geist wird seine Tugend retten, und fiel ihm auch darob das Leben aus der Hand. Nur Recht tun, und nichts andres wollen, ist, Tugend, dein Gesetz, und heilig ist die Pflicht.— Mag uns das Rad des Schicksals niederrollen: Die Welt in uns berührt es nicht. Tiedge. 388. Jeden Tag wird neu geboren feiger Sinn und Herrscherstolz, und so schießt die Knechtschaft immer und die Herrschaft frisch in's Holz. Ewig währt der Kampf der Freiheit um ihr Walten, um ihr Sein— soll die Frei⸗ heit ewig leben, müßt ihr täglich um sie frei'n. Robert Seidel. 389. Rufe nicht vergang'ne Tage, nicht ver⸗ schwund'ne Zeit zurück! Leb' der Gegen⸗ wart und klage nimmer um entschwund'nes Glück! 2. Liegt die Welt doch vor dir offen, lenke kühn des Schiffes Kiel, du sollst kämpfen, dulden, hoffen, und erreichst das ferne Ziel. 3. Weh' dem Manne, der verzagend auf verflossine Stunden schaut, der, die Gegenwart verklagend, nicht der eignen Kraft vertraut! 4. Der mit Wehmut und voll Bangen rück⸗ wärts hält den Blick gewandt; glänzend liegt, du mußt's erlangen, vor dir das gelobte Land! WXNN f 1 277 5. Vorwärts, vorwärts, immer weiter! Such' der Sehnsucht gold'nes Bließ, dann erkämpfst du siegesheiter, was die Jugend dir verhieß! 6. Rufe nicht vergang'ne Tage, nicht ver⸗ schwund'ne Zeit zurück! Leb' der Gegenwart und Hage nimmer um entschwund'nes Glück! H. Zeise. Mel. Vom Himmel hoch da ꝛe. 390. Du lebst nur, wenn du fröhlich lebst, und reinen Herzens, festen Muts den dankbar hellen Blick erhebst, bewußt des schönen Erdenguts. 2. Die andern Stunden zählen nicht, die du in Unmut zugebracht, wo du beim schönsten Sonnenlicht nur Wolken sahst und finstre Nacht. 3. Hast du beleidigt, bitt' es ab! Ihn, den du kränktest, denk' ihn dir im engen Sarg, im stillen Grab, wer weiß, wie lang er weilt noch hier? 4. Wardst du beleidigt, trag's nicht nach! Wie den Verleumder fliehe du, was dich daran erinnern mag, und weis' es, wenn es spricht, zur Ruh! 5. Das eigne Herz nur halte rein, da sei nicht schlaff;, da säume nicht, da magst du hart und strenge sein, hab' keine Sorge, daß es bricht! 6. Und hast du alles das getan, dann laß dem Schicksal seinen Lauf, geh' festen Schrittes deine Bahn und blick' vergnügt zum Himmel auf! R. Waldmüller. Es gibt so Schönes 391. Es gibt so Schönes in der Welt, daran du nie dich satt erquickst und das dir immer Treue hält und das du immer neu erblickst: Der Blick von einer Alpe Grat, am grünen Meer ein stiller Pfad, ein Bach, der über Felsen springt, ein Vogel, der im Dunkel singt, ein Kind, das noch im Traume lacht, ein Sterneglanz der Winter⸗ nacht, ein Abendrot im klaren See, bekränzt von Alm und Firneschnee, ein Lied am Straßenzaun erlauscht, ein Gruß mit Wanderern getauscht, ein Denken an die Kinderzeit, ein immer waches, zartes Leid, das nächtelang mit seinem Schmerz dir weitet das verengte Herz, und über Sternen schön und bleich dir baut ein fernes Heimwehreich. Hermann Hesse. Freud' an der Welt. 392. Die auch der Jahre Würfel mir fällt: Vater bewahre mir Freud' an der Welt. 2. Daß nicht der klügelnde Sinn bewegt, daß mich beflügelnde Liebe trägt! 3. Laß mich im Lebenden nicht einsam stehn, laß im Umgebenden mich Heimat sehn. 4. Gib mir zu allen Klängen der Lust ein Widerhallen aus eigner Brust. 5. Zu aller Schmerzen Trauergesang aus eignem Herzen den Gegenklang! 6. Jubel und Klagen mit allem umher ge⸗ meinsam tragen— was will ich mehr? 7. Glied unter Gliedern im ganzen allein— ach, unter Brüdern Bruder zu sein! Ferdinand Avenarius. Vr u S — 279 393. Habꝰ Sonne im Herzen, ob's stürmt oder schneit, ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit! Hab' Sonne im Herzen, dann komme, was mag! Das leuchtet voll Licht dir den dunkelsten Tag! 2. Hab' ein Lied auf den Lippen, mit fröh⸗ lichem Klang. Und macht auch des Alltags Ge⸗ dränge dich bang! Hab' ein Lied auf den Lippen, dann komme, was mag! Das hilft dir verwinden den einsamsten Tag! 3. Hab' ein Wort auch für andre in Sorg' und in Pein, und sag', was dich selber so froh⸗ gemut läßt sein: Hab' ein Lied auf den Lippen, verlier nie den Mut; hab' Sonne im Herzen, und alles wird gut! Cäsar Flaischlen. Antwort. 394. Das soll dies kindische Verzagen, dies eitle Wünschen ohne Halt? Da du der Welt nicht kannst entsagen, erobre sie dir mit Gewalt! 2. Und könntest du dich auch entfernen; es triebe Sehnsucht dich zurück; denn ach, die Men⸗ schen lieben lernen, es ist das einz'ge wahre Glück! 3. Unwiderruflich dorrt die Blüte, unwider⸗ ruflich wächst das Kind, Abgründe liegen im Ge⸗ müte, die tiefer als die Hölle sind. 4. Du siehst sie, doch du fliehst vorüber, im glücklichen, im ernsten Lauf, dem frohen Tage folgt ein trüber, doch alles wiegt zuletzt sich auf. 5. Und wie der Mond im leichten Schweben bald rein und bald in Wolken steht, so schwinde wechselnd dir das Leben, bis es in Wellen unter⸗ geht. August Graf von Platen. 395. Rastlos vorwärts mußt du streben, nie ermüdet stille stehn, willst du die Vollendung sehn; mußt in's Breite dich entfalten, soll sich dir die Welt gestalten. E. Di die Tiefe mußt du steigen, soll sich dir das Wesen zeigen. Nur Beharrung führt zum Ziel, nur die Fülle führt zur Klarheit, und im Abgrund wohnt die Wahrheit. Schiller. Breite und Tiefe. 396. Cs glänzen viele in der Welt, sie wissen von allem zu sagen, und wo was reizet, und wo was gefällt, man kann es bei ihnen erfragen; man dächte, hört man sie reden laut, sie hätten wirklich erobert die Braut. 2. Doch gehn sie aus der Welt ganz still, ihr Leben war verloren; wer etwas Treffliches leisten will, hätt' gern was Großes geboren, der sammle still und unerschlafft im kleinsten Punkte die höchste Kraft! 3. Der Stamm erhebt sich in der Luft mit üppig prangenden Zweigen, die Blätter glänzen und hauchen Duft, doch können sie Früchte nicht zeugen,— der Kern allein im schmalen Raum verbirgt den Stolz des Waldes, den Baum. Schiller. IV— rrir 281 Trost. 397. Tröste dich, die Stunden eilen, und was all dich drücken mag, auch das Schlimmste kann nicht weilen, und es kommt ein andrer Tag. 2. In dem ew'gen Kommen, Schwinden, wie der Schmerz liegt auch das Glück, und auch heitre Bilder finden ihren Weg zu dir zurück. 3. Harre, hoffe. Nicht vergebens zählest du der Stunden Schlag, Wechsel ist das Los des Lebens, und es kommt ein andrer Tag. Theodor Fontane. Die Zeit geht nicht.. 398. Die Zeit geht nicht, sie stehet still, wir ziehen durch sie hin; sie ist eine Kara⸗ wanserei, wir sind die Pilger drin. 2. Ein Etwas, form⸗ und farbenlos, das nur Gestalt gewinnt, wo ihr drin auf und nie⸗ der taucht, bis wieder ihr zerrinnt. 3. Es blitzt ein Tropfen Morgentau im Strahl des Sonnenlichts; ein Tag kann eine Perle sein und ein Jahrhundert nichts. 4. Es ist ein weißes Pergament die Zeit, und jeder schreibt mit seinem roten Blut darauf, bis ihn der Strom vertreibt. 5. An dich, du wunderbare Welt, du Schön⸗ heit ohne End', auch ich schreib' meinen Liebes⸗ brief auf dieses Pergament. 6. Froh bin ich, daß ich aufgeblüht in deinem runden Kranz; zum Dank trüb' ich die Quelle nicht und lobe deinen Glanz. Gottfried Keller. 282 Das Glück ein Traum. 399. Es ist das Glück ein kurzer Traum; es liebt nicht Glanz und Festesschimmer; es kommt zu dir— du merkst es kaum, so sachte tritt es in dein Zimmer. 2. Es wiegt sich nicht im lauten Tanz, und schwimmt nicht auf des Weines Wogen; aus Morgentau und Sonnenglanz baut es zu dir den Strahlenbogen. 3. Mit Worten fesselst du es nie, nie hat es trunkner Sang beschworen; auf Tönen ferner Melodie rauscht es an die entzückten Ohren. 4. Dem Lärm der Welt und ihrem Scherz, dem bunten Haufen bleibt es ferne; wo zweie sitzen Herz an Herz, da kehrt es ein, da weilt es gerne. 5. Da klingt sein Wort wie Lerchenschlag, sein Atem weht wie Veilchenlüfte; es ist das Glück ein Maientag, ein Frühling voller Glanz und Düfte. 6. Wohl stirbt der Frühling über Nacht, und von dem liebsten mußt du scheiden: Doch was dir Lenz und Lieb' gebracht, wird dir zum Trost in deinen Leiden. 7. Und ist das Glück auch lange tot: Noch bebt in dir erlebte Wonne— du schaust in's ferne Abendrot und denkst an die gesunk'ne Sonne! — Julius Rodenberg. Die Zeit. 400. Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die Zukunft herge⸗ zogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit. VuxV. 283 2. Keine Ungeduld beflügelt ihren Schritt, wenn sie verweilt; keine Furcht, kein Zweifel zügelt ihren Lauf, wenn sie enteilt; keine Reu', kein Zaubersegen kann die stehende bewegen. 3. Möchtest du, beglückt und weise, endigen des Lebens Reise, nimm die zögernde zum Rat, nicht zum Werkzeug deiner Tat; wähle nicht die liehende zum Freund, nicht die bleibende zum Feind. Schiller. Dahrheit. 401. Sturm und Stille, Früh⸗ und Abendrot, Stern' und Blumen, Menschenlust und Not— was du siehst und hörst und mitempfindest, was du unterscheidest und verbindest, alles ist be⸗ reit, von irren Gleisen auf die Bahn der Wahr⸗ heit dich zu weisen. Ueberall durch diese Welt voll Mängel sendet Wahrheit ihre guten Engel, um der Menschen Herzen zu umfrieden.— Dir auch ist der deinige beschieden, ernst und mild auf deinem Gang durch's Leben dir das sicherste Ge⸗ leit zu geben. Wenn er naht— o, weis' ihn nicht zurück, denn nur er bringt dir ein dauernd Glück! Julius Hammer. Wahre Ueisheit. 402. Der weiß zu leben? Wer zu leiden weiß. Wer zu genießen? Der zu meiden weiß. Wer ist der Reiche? Der sich beim Ertrag des eig'nen Fleißes zu bescheiden weiß. Wer lenkt die Herzen? Der den herben Ernst stets in ein heitres Wort zu kleiden weiß. Wer ist der Weise? Der das falsche Gold vom echten schnell zu unter⸗ scheiden weiß. And wer der Fromme? Der von Menschen wohl, doch nichts von Christen oder Heiden weiß. D. F. Strauß. 403. Ich kann euch eures Alltags Last nicht nehmen, wie mir die meine niemand nehmen kann, und auch nicht nehmen soll.... Ein jeder finde selber sich zurecht, ein jeder trage selbst, womit er sich belädt, und kämpfe selber sich durch Weh und Wohl! Was ich vermag, es ist nicht mehr vielleicht, als euch in stiller Feierabendstunde zu zeigen: Wie es mir, gleich tausend andern, ging; wieis mich geduckt, und wie ich gezuckt und wie ich jede Zuversicht verlor. Und wie ich plötzlich dann trotzig wurde: Was andere zwingen, das zwingst du auch! Es gibt kein Schicksal! Verlust und Gewinn ist nur, was ich selber will und bin! Und wie ich die Arme dann frei mir rang, und wie ich den Kopf wieder hoch bekam, und wie ich mich zu mir selber fand, und wie sich langsam immer klarer, immer freier, voller und wahrer aus der verschütteten Tiefe hob: Alles, was ich seit Knabentagen glühend in der Seele getragen! Und wie es Gestalt und Leben gewann und sich verwuchs und zusammenspann und höher mich und höher trug, Morgen, Sonne und Sommer ent⸗ gegen; und wie's mit immer hellerem Glanze, mit immer freudefroherem Ruf mich umklang und aus des Alltags Last mir Kraft und Freiheit schuf. Cäsar Flaischlen. S nn nrhn— * 6 — — 285 404. Erscheint dir etwas unerhört, bist du tiefsten Herzens empört, Bäume nicht auf, versuch's nicht mit Streit, berühr' es nicht, überlaß es der Zeit. Am ersten Tag wirst du feige dich schelten, am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten, am dritten hast du's über⸗ wunden, Alles ist wichtig nur auf Stunden, Aerger ist Zehrer und Lebensvergifter, Zeit ist Balsam und Friedensstifter. Theodor Fontane. Erinnerung. 405. Ist dir versunken Glück und Stern in wilder Leidensnacht, und ist verloren dir und fern, was einst dir Freude bracht': O, blick zurück, und dir erscheint manch' Bild voll Lust und Scherz: Erinn'rung ist der beste Freund für ein gebeugtes Herz! 2. Wenn keine Hoffnung sich erfüllt, nach der du heiß verlangt, wenn sich die Zukunft dicht verhüllt, und deine Seele bangt, wenn sie sich schon verloren meint in untröstbarem Schmerz: Erinn'rung ist der beste Freund für ein gebeugtes Herz! 3. Hast du was Liebes einst gehabt, das tausend Glück dir gab, das Herz und Auge dir gelabt, nun aber liegt im Grab, und blickt das Aug', das bitter weint, verzweifelnd himmelwärts: Erinn'rung ist der beste Freund für ein gebeugtes Herz! F. Albrecht. 406. Weil dir ein goldner Traum zerronnen, was hast du drum für herbe Qual?ꝰ Es ist doch nicht das erste Mal, daß dich enttäuscht, was du begonnen! 2. Den Kopf hoch! Auf! wozu verzagen kleingläubig gleich und hoffnungslos? Dein Mut schien doch so riesengroß, das Letzte selber kühn zu wagen! 3. Versuch's nur weiter! Ohne Bangen! Und senke schweigend nicht das Haupt! Wer will und an sein Können glaubt, wird immer an sein Ziel gelangen! Cäsar Flaischlen. Mel. Wie schön leucht' uns. 407. Dohl hast du oft in stiller Nacht in Gram versenkt bei dir gedacht: Nicht länger kann ich's tragen. Und heute denkst du nicht mehr so und heute bist du wieder froh, hast keinen Grund zu klagen. Herbe, derbe Schicksalsschläge deine Wege dir erschwerten, doch nie deine Kraft verzehrten. 2. Was hat die Sorgen dir verscheucht, das Herz gemacht dir wieder leicht, den Gram ver⸗ gessen lassen? Zu strenger Arbeit rief die Pflicht. Die Arbeit liebt das Grübeln nicht, ließ neuen Mut dich fassen. Stetig tätig vorwärts dringen, kämpfen, ringen, stärkt die Glieder, gibt den Lebensmut uns wieder. 3. Geh emsig deiner Arbeit nach, dann wirst die Sorgen allgemach, den Kummer du vergessen. Die Arbeit läßt uns keine Zeit, die Sorgen und das Herzeleid nachgrübelnd zu ermessen. Lindert, mildert alles Wehe. Widerstehe nur dem Drange, viel zu klagen, weil dir bange. 287 408. Hast du noch nie recht bitterlich geweint, daß glühnde Tränen dir hervorge⸗ drungen, noch nie mit einem großen Schmerz ge⸗ rungen, noch nie unsäglich elend dich gemeint? 2. Hat hohe Freude nie dein Herz geschwellt? Durchbrausten nie dich stolze Jubelklänge, daß du fast meintest, deine Brust zerspränge, und daß du sei'ꝰst der Seligste der Welt? 3. Wenn solche Schauer nimmer dich durchbebt, hast du die Feuertaufe nicht bekommen, des Da⸗ seins Strahlenhöhen nicht erklommen, und sage nicht du habest schon gelebt. Hermann Allmers. 409. Der nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte auf seinem Bette weinend saß, der kennt euch nicht, ihr himm⸗ lischen Mächte! 2. Ihr führt ins Leben uns hinein, ihr laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt ihr ihn der Pein— denn alle Schuld rächt sich auf Erden. 3. Ihm färbt der Morgensonne Licht den reinen Horizont mit Flammen, und über seinem schuld'gen Haupte bricht das schöne Bild der ganzen Welt zusammen! Goethe. 410. Nuf mit der Brust! And sei's dem Jammer! Empor den Blick! Und sei's zur Sonne! Raum gibt es in der engsten Kammer für eine Welt voll Glück und Schmerz. Wer aus des Daseins tiefstem Bronne nicht Freud' geschöpft und Leid getrunken, bis daß er weinend hinge⸗ 288 sunken— der fühlt dich nicht, o Menschenherz! Nur in dem Wechselkampf der Tage kann eines Lebens Ernte reifen; drum nur hinein in Lust und Plage! Hinaus auf's Meer, das Sturm ver⸗ heißt! Hier gilt es mutig zuzugreifen: Wer mit dem Schicksal nicht gerungen, nicht durch die Nacht zum Licht gedrungen— der kennt dich nicht, o Menschengeist. Ludwig Pfau. 411. Sonne. 2. Ueber den First, wo die Glocken hangen, ist schon lange der Schein gegangen, ging in Türmers Fenster ein; wer am nächsten dem Sturm der Glocken, einsam wohnt er, oft erschrocken, doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein. 3. Wer in tiefen Gassen gebaut, Hüttlein lehnt sich traut, erschüttert, über ihm ist's, wenn's gewittert, spät sein Morgen graut. 4. Höh' und Tiefe hat Lust und Leid, du, sag' ab dem törigen Neid, andrer Gram bringt andre Wonne. 5. Dulde, Stündlein Dulde, gedulde dich fein! Stündlein ist Ueber ein deine Kammer voll gedulde dich fein! Ueber ein ist deine Kammer voll Sonne. Paul Heyse. Klage und Trost. 412. Es wogen Schmerz und Leid gewaltig um mich her, des Lebens Bitterkeit erliegen, gebrochen ist mein Mut! Hütt' an Glocken haben ihn nie aber umrauscht mich wie ein Meer. Ich werd' im Sturm Ich werd' im 289 20— Sturm erliegen, versinken in der Flut!„Hast du denn nie vernommen, daß auch der Taucher sinkt, der aus der Meerestiefe die schöne Perle bringt? Daß er bereichert kehret zum Tageslicht zurück?— Sieh! In des Schmerzes Tiefe, da ruht auch oft dein Glück!“ Heribert Rau. 413. Und immer wieder sinkt der Winter, und immer wieder wird es Frühling, und immer, immer wieder stehst du und freust dich an dem ersten Grün, und wenn die kleinen Veilchen blühn, und immer wieder ist es schön und macht es jung und macht es froh, und ob du's tausendmal gesehn: Wenn hoch in lauen, blauen Lüften die ersten Schwalben lustig zwitschern: Immer wieder.... jedes Jahr.... sag', ist das nicht wunderbar?! 2. Diese stille Kraft der Seele: Immer neu sich aufzuringen aus dem Banne trüber Winter, aus dem Schatten grauer Nächte, aus der Tiefe in die Höhe.. sag', ist das nicht wunderbar?! Diese stille Kraft der Seele, immer wieder sich zur Sonne zu befrei'n, immer wieder stolz zu werden, immer wieder froh zu sein. Cäsar Flaischlen. 20 290 9. Der Lod und die Toten. Unsterblichkeit. 414. Cs isst bestimmt in Gottes Rat, daß man vom Liebsten, was man hat, muß scheiden! Wiewohl doch nichts im Lauf der Welt dem Herzen, ach! So sauer fällt, als schei⸗ den! Ja scheiden! 2. So dir geschenkt ein Knösplein was, so tu' es in ein Wasserglas,— doch wisse: Blüht morgen dir ein Röslein auf, es welkt wohl schon die Nacht darauf; das wisse! Ja wisse! 3. Und hat dir Gott ein Lieb beschert, und hältst du es recht innig wert, das deine: Es wird wohl wenig Zeit um sein, da läßt es dich so gar allein; dann weine! Ja weine! 4. Nur mußt du mich auch recht verstehn, ja recht verstehn: Wenn Menschen auseinander⸗ gehn, so sagen sie: Auf Wiedersehn! Ja Wie⸗ dersehn! Ernst von Feuchtersleben. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. 415. Es ist bestimmt in Gottes Rat und läßt sich nicht vermeiden, daß man vom liebsten, was man hat, einst muß in Tränen scheiden. Ob in der Welt nichts schwerer fällt, als solch' ein Abschiedsagen, doch müssen wir es tragen. ö 29¹ 2. Es soll der Tod in Gottes Welt als Friedensbote kommen. O halte Herz und Haus bestellt, das wird den Deinen frommen und mehr noch dir, dem Gott allhier den Auftrag hat gegeben, treu ihrem Glück zu leben. 3. O lieb, so lang du es vermagst, o lieb, so lang du lebest. Einst kommt die Stunde, wo du klagst, wo du an Gräbern bebest. Dann ruft das Herz in bangem Schmerz: O, daß ich dir im Leben nicht größ'res Glück gegeben. 4. Mach niemand eine Stunde trüb, daß deinethalb er traure, mach' ihm vielmehr das Leben lieb— wer weiß, wie lang es daure. Und wenn er geht, dann ist's zu spät. Was nützt ihm all dein Klagen, ist er zu Grab getragen. 5. Was hilft dir Schönheit, Gold und Pracht einst auf dem Totenkissen. Eins nimmst du in die letzte Nacht und das ist dein Gewissen. O, liebe treu, daß nicht die Reu' ein still getrostes Sterben dir könne einst verderben. 6. Es stirbt sich im Bewußtsein leicht, daß man in Liebe lebte und, wenn man's auch nicht stets erreicht, nach andrer Glück doch strebte. Es ist im Tod nur eines not, und das sollst du nicht missen: Ein ruhiges Gewissen. Friedr. Albrecht. Totentanz. 416. Der schnellste Reiter ist der Tod, er überreitet das Morgenrot, des Wet⸗ ters rasches Blitzen; sein Roß ist fahl und un⸗ geschirrt, die Sehne schwirrt, der Pfeil erklirrt und muß im Herzen sitzen. 20³ 2. Durch Stadt und Dorf, über Berg und Tal, im Morgenrot, im Abendstrahl geht's fort mit wildem Jagen; und wo er floh mit Unge⸗ stüm, da schall'n die Glocken hinter ihm, und Grabeslieder klagen. 3. Er tritt herein in den Prunkpalast, da wird so blaß der stolze Gast, und läßt von Wein und Buhle; er tritt zum lust'gen Hochzeitsschmaus, ein Windstoß löscht die Kerzen aus, bleich lehnt die Braut im Stuhle. 4. Dem Schöffen blickt er ins Gesicht, der just das weiße Stäblein bricht, da sinkt's ihm aus den Händen; ein Mägdlein windet Blüt' und Klee. Er tritt heran— ihr wird so weh— wer mag den Strauß vollenden? 5. D'rum sei nicht stolz, o Menschenkind! Du bist dem Tod wie Spreu im Wind, und magst du Kronen tragen; der Sand verrinnt, die Stunde schlägt, und eh' ein Hauch dies Blatt bewegt, kann auch die deine schlagen! Emanuel Geibel. Chorgesang. 417. Im Grabe ist Ruh! Drum wanken dem tröstenden Ziele der Leidenden viele so sehnsuchtsvoll zu. 2. Hier schlummert das Herz, befreit von betäubenden Sorgen; es weckt uns kein Morgen zu größerem Schmerz. 3. Was weinest denn du? Laß ruhen die Deinen in Frieden! Auch dir winkt hienieden im Grabe einst Ruh! 293 Mel. Vom Himmel hoch da ꝛc. 418. V lieb', so lang du lieben kannst, o lieb', so lang du lieben magst; die Stunde kommt, die Stunde schlägt, wo du an Gräbern stehst und klagst. 2. Und sorge, daß dein Herze glüht, und Liebe hegt und Liebe trägt, so lang ihm noch ein ander Herz in Liebe warm entgegen schlägt. 3. Und wer dir seine Brust erschließt, o tu' ihm, was du kannst, zu lieb, und mach' ihm jede Stunde froh, und mach' ihm keine Stunde trüb. 4. Und hüte deine Zunge wohl. Bald ist ein herbes Wort gesagt.„O Gott, es war nicht bös gemeint!“ Der Andre aber geht und klagt. 5. Dann kniest du nieder an der Gruft und birgst die Augen trüb und naß— sie sehn den Andern nimmermehr— in's lange, feuchte Kirch⸗ hofsgras. 6. Und sprichst:„O schau' auf mich herab, der hier an deinem Grabe weint; vergib, daß ich gekränkt dich hab'; o Gott, es war nicht bös gemeint!“ 7. Er aber sieht und hört dich nicht, kommt nicht, daß du ihn froh empfängst; der Mund, der oft dich küßte, spricht nie wieder:„Ich ver⸗ gab dir längst!“ 8. Er tat's, vergab dir lange schon; doch manche heiße Träne fiel um dich und um dein herbes Wort,— doch still— er ruht, er ist am Ziel. 9. O lieb', so lang du lieben kannst, o lieb', so lang du lieben magst! Die Stunde kommt, die Stunde schlägt, wo du an Gräbern stehst und klagst. Ferdinand Freiligrath. Chorgesang. 419. In dir, dem Einen, ruhn unsre Lieben nun von ihrer Arbeit, die sie getreu vollbracht; und ihre Werke folgen ihnen nach in des ewigen Friedens Hütten. 2. Von ihren Augen trocknest die Tränen du; sie kommen freudig, bringen die Garben ein, die weinend gingen, edlen Samen trugen in Hoff⸗ nung, in Lieb' und Glauben. 3. Dank, Preis und Ehre sei dir, o Gott, gebracht für deine Werke, die du an uns getan; daß, wie die Lieb' uns hier verbunden, in dir, der Liebe, wir ewig leben! Dul. Gsb. Chorgesang. 420. Tie sie so sanft ruh'n, alle die Seligen, zu deren Wohnplatz jetzt meine Seele flieht! Wie sie so sanft ruh'n in den Gräbern, tief zur BVerwesung hinab gesenket. 2. Sie gingen voran auf deinem Wege dir; der fromme Pilger, wallend im Silberhaar, mit schwerer Bürde zog voran dir, müde voran zur ersehnten Ruhe. ö 3. Dort sank der Jüngling blühend in Grabesnacht; hier ruht die Jungfrau schlummernd im Erdenschoß: Spät oder frühe, Staub beim Staube, müßt ihnen folgen, Menschenkinder. 4. Und treu verbunden wandelt ein Freund mit dir im schönen Leben, selig, wie Gott es will; ach aus dem Leben trauernd, stille siehst du ihn scheiden zur Grabesruhe. 0 — 295 5. Und schaust hinunter sinnend und bang in's Grab und schaust voll Hoffnung auf in das Lebensreich. Vom Tod zum Leben ruft die Stimme, die auch vom Leben zum Tode rufet! 6. Nenne mit Namen heute die Lieben dir, die, tot und lebend, alle dein eigen sind. Was du den Toten nicht kannst geben, Lebenden gib es, gib Lieb' und Leben! Stockmann. Chorgesang. 421. Hur einem Traumbild gleicht der Mensch auf Erden; leichtem Gewölk gleich wallet er vorüber. Unsere Seele sucht, den sie ge⸗ liebet,— er ist entschwunden! 2. Ach! Nicht der Müde ruht allein vom Tagwerk; auch frische Tatkraft und im Dienst der Tugend rastlos bemühtes Wollen sinket oft⸗ mals, frühe gebrochen. 3. Fließet ihr Tränen! Klagelaute, tönet! Spendet, ihr Herzen, dem uns, ach! Entriss'nen scheidend den Gruß der ewig unverlorenen Liebe und Treue! Geiger. Mel. Gott des Himmels. 422. Dor des Friedhofs dunkler Pforte bleiben Leid und Schmerzen stehn, dringen nicht zum heil'gen Orte, wo die sel'gen Geister gehn; wo nach heißer Tage Glut unser Freund in Frieden ruht. 4 2. Sehnsucht gießet ihre Zähren auf den Hügel, wo er ruht; doch ein Hauch aus jenen Sphären füllt das Herz mit neuem Mut; nicht 296 zur Gruft hinab,— hinan, aufwärts ging des Freundes Bahn! 3. Drum auf des Gesanges Schwingen steigen wir zu ihm empor unsre Trauertöne dringen aufwärts zu der Sel gen Chor, tragen ihm in stiller Ruh' unsre letzten—.— zu. Hauf. Mel. Jesus meine Zuderiicht 423. Meine Lebenszeit verstreicht, stündlich eil' ich zu dem Grabe; und wie wenig ist's vielleicht, was ich noch zu leben habe! Denk, o Mensch, an deinen Tod; säume nicht, denn eins ist Not. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, nichts wird dich im Tod erfreun; diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Gutes liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das vor Gott dir Zeugnis gibt, wird dir deinen Tod versüßen; wer sein Leben Gott geweiht, hat im Tode Freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten Not Freunde trost⸗ los um dich beben, dann wird über Welt und Tod dich das reine Herz erheben; dann erschreckt dich kein Gericht, Gott ist deine Zuversicht. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott, tu' recht und wache; sorge nicht, wie früh du stirbst; deine Zeit ist Gottes Sache. Lerne nur den Tod nicht scheu'n, lerne seiner dich erfreu'n. 6. Tritt im Geist zum Grabe hin, siehe dein Gebein versenken; sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich selbst bedenken; lehre du mich's jeden Tag, daß ich weiser werden mag. Chr. F. Gellert. 207 Mel. Vom Himmel hoch. 424. Es schlägt der Puls, es rinnt die Zeit; es reiht sich immer Jahr an Jahr. Das Leben ist ein flüchtig Heut; nie kehrt zurück, was gestern war. 2. Die Freude lächelt und verfliegt; die Träne quillt, auch sie versiegt; und Alles blüht und reift und fällt; ein großes Grab ist diese Welt. 3. Doch das, was aus dem Geiste stammt, verweset nimmer hier im Staub; was in dem Menschen himmlisch flammt, wird nicht der flücht'gen Zeiten Raub. 4. Preis ihm, dem Herrn, des Allmachtsruf den Geist des Menschen ewig schuf; Preis ihm in dieser dunklen Zeit! Preis unserm Gott in Ewigkeit. Dul. Gsb. Mel. Wer ist der heil'ge. 425. Geist, wir glauben an dein Licht, das auch die tiefste Nacht durchbricht, das hehr das All durchflutet! Wir glauben an ein ew'ges Sein; wir wissen freudig⸗stark uns dein, ob auch das Herz verblutet! Mel. Mir nach, spricht Christus. 426. Dir schwimmen in dem Strom der Zeit, wie Welle rinnt auf Welle; das Meer der Allvergessenheit ist uns're letzte Stelle. Ge⸗ nug, wenn Welle Welle trieb, und, ohne Namen, Wirkung blieb! 298 2. Wenn dann auch in der Zeiten Bau mich bald ihr Schutt begräbet, und meine Kraft auf Gottes Au' in andern Blumen lebet: Doch nimmer stirbt die Kraft, der Geist, der ewig durch das Weltall fleußt! Joh. Gottfr. Herder. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. 427. och ist das Leben nicht verloren, ob auch der Tod dein Herz besiegt. In jedem Lied wird's neu geboren, das aus der Brust der Lerche fliegt; es rauschet neu im jungen Laube, im Strom, der sich durch Felsen drängt; es glüht im Purpursaft der Traube, der brausend seine Bande sprengt. 2. Und täglich trinkt mit vollen Zügen die Menschheit dieses Leben ein; neu glüht's in ihr, und ihm genügen, nur das kann dir Bestimmung sein. Drum sei nur der als Mensch geachtet, und ihm allein Unsterblichkeit, der stets aus tiefster Seele trachtet, zu tun, was lebensvoll gedeiht! Prutz. Gute Nacht, du schöne Uelt. 428. Gute Nacht, du schöne Welt! Hab' ich nicht gelebt so gold'ne Tage? Und nun will ich ohne Klage hingeh'n, wo mein Ruhebett bestellt. Was die Erde Liebliches enthält, durft ich schauen, durft ich lieben. Dieses Herz von manchem Wunsch geschwellt ist im Leiden nie allein geblieben. Von den Augen, von dem Sinn fielen mir des Wahnes Schleier, und ich strebte frei und freier nach des Lebens hellen Gipfeln hin, X 299 wo man keine Götzen ehrt, wo der Menschheit ew'ge Mächte, still vom Aetherlicht verklärt, walten ihrer Liebesrechte. Hoch vom Berge, wo die Lüfte blauen, durft ich das gelobte Land, selig, mir zu Füßen schauen, das den mut'gen Pilgern nur bekannt; das den Kindern dieser Welt nach so langem Irreschweifen einst zu Erb' und Eigen fällt, wenn die Weltgeschicke reifen. Segen oöb mit dem letzten Blick möcht ich auf euch nieder⸗ Iön tauen, die ihr noch in Erdenauen, wenn ich st scheide, suchet Lieb' und Glück. O, mein Bruder, e,/ könnt ich dir gesellt, bis zum Ende— doch hin⸗ 9t weg die Träne! Werde dir zu Teil, was ich er⸗ e sehne,— gute Nacht; du schöne Welt. Paul Heyse. e ö 429. Du Wand'rer, der im Lichte ob unsern g Häuptern geht, auf dessen Angesichte d das rote Leben steht— o, wolle nicht vergessen r in deinem Sonnenschein der Toten, die indessen bedeckt ein kalter Stein! Wir haben auch dort oben voreinst, wie du, gelebt, von all dem Drang umwoben, gelitten und gestrebt. Wir haben uns're Hände, die fleißigen, geregt, eh' man in diese Wände, die engen, uns gelegt. Die Wege, die du wandelst, die haben wir geweiht; die Stätte, wo du handelst, die haben wir befreit. Wir sind ö in Nacht gestiegen, auf daß dir werde Licht; drum du, bei deinen Siegen, vergiß der Toten nicht! Und wenn, was wir errungen, dir klein und dürftig ist, nachdem du fortgedrungen auf unsern Schultern bist— bald werden andre kommen, die auf die deinen steh'n, den Berg, den du erklommen, nur noch als Hügel seh'n! Drum laß den Kranz 300 der Ehre uns unversehrt und ganz, damit dir nicht versehre die Nachwelt deinen Kranz. And wandelst du dort oben, so denk, wer dich zum Licht, zum Leben dich gehoben— vergiß der Toten nicht! Ludwig Pfau. Chor der Toten. 430. Dir Toten, wir Toten sind größere Heere als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere! Wir pflügten das Feld mit ge⸗ duldigen Taten, ihr schwinget die Sicheln und schneidet die Saaten, und was wir vollendet und was wir begonnen, das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen, und all unser Lieben und Hassen und Hadern, das klopft noch dort oben in sterblichen Adern, und was wir an gültigen Sätzen gefunden, dran bleibt aller irdische Wandel gebunden, und unsere Töne, Gebilde, Gedichte erkämpfen den Lorbeer im strahlenden Lichte, wir suchen noch immer die menschlichen Ziele— drum ehret und opfert! Denn unser sind viele! Conrad Ferdinand Meyer. Mel. Jesus meine Zuversicht. 431. Trüb' Erinnern eint uns hier; Wehmut hält uns bang umfangen. Uns'rer Lieben denken wir, die den Weg vorangegangen. Und es tritt ihr trautes Bild vor die Seele bleich und mild. 2. Was sie Edles hier erstrebt, was sie Treffliches gefunden, Hoffnungen, die sie belebt, — ——— 30¹1 was sie treu mit uns verbunden— ihre Lust, ihr Trost, ihr Schmerz: All' das zuckt durch unser Herz. 3. Wahrlich, spurlos ist ihr Geist nicht von uns hinweggeschwunden! Daß er wirksam sich er⸗ weist, fühlen wir in solchen Stunden. Gute Tat und weises Wort wirkt noch über'm Grabe fort. Robert Brauner. 432. Denn einer starb, den du geliebt hie⸗ nieden, so trag' hinaus zur Einsamkeit dein Wehe, daß ernst und still es sich mit dir ergehe, im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden! 2. Da fühlst du bald, daß jener, der ge⸗ schieden, lebendig dir im Herzen auferstehe, in Licht und Schatten spürst du seine Nähe, und aus den Tränen quillt ein tiefer Frieden. 3. Ja, schöner muß der Tote dich begleiten, ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein, und treuer,— denn du hast ihn alle Zeiten. 4. Das Herz hat auch sein Ostern, wo der Stein vom Grabe springt, dem wir den Staub einst weihten, und was du ewig liebst, ist ewig dein. ö Emanuel Geibel. 433. Eh/ in die Schollen wir den Leib ver⸗ senken, Bruder, wir wollen liebend dein gedenken, in deinem Bilde all die Kraft und Milde soll Trost uns schenken. 2. Adlig tief innen, sonder Furcht und Zagen, nicht wo die Zinnen goldner Schlösser ragen, in armen Hütten, in der Brüder Mitten hast du ge⸗ stritten. 3. Du Auserwählter, den wir stolz beweinen, anmutbeseelter, Freudenquell der Deinen, ach wie geduldig, keiner Klage schuldig seh'n wir dich Reinen! 4. Du bist geschieden, nicht vom Trug ge⸗ blendet, froh, daß hienieden Lust und Leiden endet. Schlaf!— Und wir Andern wollen weiter wandern durch Kampf zum Frieden. P. Heyse. 434. Ob kalt und stumm, sie leben doch, die wir ins stille Grab gesenkt, so lang ein Herz auf Erden noch in Liebe ihrer treu ge⸗ denkt; so lang ihr liebes, bleiches Bild nur einem Auge noch erscheint, so lang in Sehnsucht, unge⸗ stillt, noch eine Träne um sie weint. Wie aus der Erde finstrem Schacht der Lenz die Blumen lockt hervor, so schwingt sich aus des Grabes Nacht der Liebe Fittich kühn empor. Und jeder Gruß, und jedes Wort, das der geliebte Mund einst sprach, wie Engelsstimmen fort und fort tönt es im tiefsten Herzen nach; und weht uns an, so süß, so still, gleichwie der Rose Duft im Mai, und wenn der Mut uns sinken will, die lieben Toten steh'n uns bei. Drum lind're, Liebe, deinen Schmerz! Die wir in's stille Grab gesenkt, sie sind nicht tot, so lang ein Herz in Liebe ihrer treu gedenkt, so lang ihr liebes, bleiches Bild nur einem Auge noch erscheint, so lang in Sehnsucht, ungestillt, nur eine Träne um sie weint. R. Prutz. 303 435. Begrabe deine Toten tief in dein Herz hinein; so werden sie dein Leben, lebendige Tote sein. 2. So werden sie im Herzen stets wieder auf⸗ erstehn, als gute, lichte Engel mit dir durch's Leben gehn. 3. Begrab' dein eigen Leben in andrer Herz hinein; so wirst du, und bist du ein Toter, ein ewig Lebender sein! Karl Siebel. 10. Anhang: Einige alte Kirchenlieder. Eigene Melodie. 436. Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit! 2. Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, stimmen dir ein Loblied an; alle Engel, die dir dienen, rufen dir in selger Ruh: Heilig, heilig, heilig zu. 3. Heilig, Herr Gott Zebaoth, Heilig, Herr der Kriegesheere, starker Helfer in der Not, Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum. 4. Der Apostel heilger Chor, der Propheten große Menge schickt zu deinem Tron empor neue Lob⸗ und Dankgesänge; der Blutzeugen große Schar lobt und preist dich immerdar. 5. Auf dem ganzen Erdenkreis loben Große und auch Kleine dich, Gott Vater, dir zum Preis singt die heilige Gemeine; sie verehrt auf deinem Tron deinen eingeborenen Sohn. 6. Sie verehrt den heilgen Geist, welcher uns mit seinen Lehren und mit Troste kräftig speist, der, o König aller Ehren, der mit dir, Herr Jesu Christ, und dem Vater ewig ist. — ⏑—— en her tig ir, 30⁵ 7. Du, des ew'gen Vaters Sohn, hast die Menschheit angenommen; du bist auch von deinem Tron zu uns auf die Welt gekommen, Gnade hast du uns gebracht, von der Sünde frei ge⸗ macht. 8. Nunmehr steht das Himmelstor allen, welche Glauben, offen; du stellst uns dem Vater vor, wenn wir kindlich auf ihn hoffen. Endlich kommst du zum Gericht, Zeit und Stunde weiß man nicht. 9. Steh, Herr, deinen Dienern bei, welche dich mit Demut bitten; alle machtest du ja frei durch den Tod, so du gelitten. Nimm uns nach vollbrachtem Lauf zu dir in den Himmel auf. 10. Sieh dein Volk in Gnaden an, hilf uns, segne, Herr, dein Erbe; leit' es auf der rechten Bahn, daß der Feind es nicht verderbe. Wart' und pfleg' es in der Zeit, heb' es hoch in Ewigkeit. 11. Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen. Rett' aus Sünden, rett' aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott. 12. Herr, erbarm', erbarme dich! Auf uns komme, Herr, dein Segen; deine Güte zeige sich allen der Verheißung wegen. Auf dich hoffen wir allein, laß uns nicht verloren sein! Uebersetzung des Tedeum, 1779. Eigene Melodie. 437. Cobe den Herren, den mächtigen König der Ehren! Lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören! Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobge⸗ an ören! sang h— 2Æ e e emei:˖i:˖˙:e:.::]; 306 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher ge— führet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret! 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet. 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sicht⸗ bar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der All⸗ mächtige kann, der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren! Was in mir ist, lobe den Namen; alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht, Seele ver⸗ giß es ja nicht, lob ihn in Ewigkeit; Amen! Joachim Neander, 1650—1680. Eigene Melodie. 438. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutter⸗ leib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut und noch jetzund getan. 2. Der ewig reiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort. 3. Lob, Ehr' und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem, der beiden gleich im höchsten Himmelstrone, dem ewig höchsten Gott, als es anfänglich war und ist und bleiben wird jetzund und immerdar. Martin Rinkart, 1586-1649. — 2 8 307 Mel. Allein Gott in der Höh'. 439. Denn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für alle wacht, anbetend überlege, so weiß ich, von Bewundrung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke; der Himmel, prächtig aus⸗ geschmückt, preist dich du Gott der Stärke; wer hat die Sonn' an ihm erhöht, wer kleidet jie mit Majestät, wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf, wer heißt die Himmel regnen, wer schließt den Schoß der Erde auf, mit Vorrat uns zu segnen? O, Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, soweit die Wolken reichen! 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, dich preist der Sand am Meere; bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet, der Mensch, ein Geist, den sein Verstand, dich zu erkennen, leitet, der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täg⸗ licher Beweis von deiner Güt und Größe. 6. Erheb' ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sei gepreist, und alle Welt sag' Amen! Und alle Welt fürcht' ihren Herrn und hoff' auf ihn und dien' ihm gern. Wer wollte Gott nicht dienen? Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. 21¹² Eigene Melodie. 440. Das Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt meine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten; drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott tut, das ist wohlgetan, er wird mich nicht betrügen; er führet mich auf rechter Bahn, so laß ich mich begnügen an seiner Huld und hab Geduld; er wird mein Unglück wenden, es steht in seinen Händen. 3. Was Gott tut, das ist wohlgetan, er wird mich wohl bedenken; er, als mein Arzt und Wundermann, wird mir nicht Gift einschenken für Arzenei. Gott ist getreu; drum will ich auf ihn bauen und seiner Gnade trauen. 4. Was Gott tut, das ist wohlgetan, er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann; ich will mich ihm ergeben in Freud und Leid. Es kommt die Zeit, da öffentlich er— scheinet, wie treulich er es meinet. 5. Was Gott tut, das ist wohlgetan; muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken, weil doch zuletzt ich werd ergötzt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott tut, das ist wohlgetan, dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten; drum laß ich ihn nur walten. Samuel Rodigast, 1649—- 1708. rrre e an. K“ Erer V 309 Eigene Melodie. 441. Der nur den lieben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurig⸗ keit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Unge⸗ mach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein' Allwissenheit es fügt. Gott, der uns sich hat ausgewählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nützlich sei; wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh wirs uns versehn, und lässet uns viel Gut's geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshitze, daß du von Gott verlassen seist, und daß Gott der im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist. Die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen, und ist dem Höchsten alles gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich. Gott ist der rechte Wundermann, der bald erhöh'n, bald stürzen kann. 7. Sing, bet' und geh' auf Gottes Wegen, verricht“' das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Georg Neumark, 1621—1681. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. 442. Huf Gott und nicht auf meinen Rat will ich mein Glücke bauen und dem, der mich erschaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewigkeit, wie viel mir nützen würde, bestimmte meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt; er merkt auf meine Bitte und hätte gnädig sie ge⸗ währt, wenn's seine Weisheit litte. Er sorgt für mich recht väterlich; nicht was ich mir ersehe, sein Wille nur geschehe. 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbst das widrigste Geschick, bei dessen Last wir klagen? Die größte Not hebt einst der Tod, und Ehre, Glück und Habe ver⸗ läßt uns doch im Grabe. 5. An dem, was Seelen glücklich macht, läßt Gott es keinem fehlen. Gesundheit, Reichtum, Ehr' und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rat vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübsal stets versüßen. 311 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's überwunden! Hofft auf den Herrn, er hilft uns gern. Seid fröhlich ihr Gerechten, der Herr hilft seinen Knechten! Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Eigene Melodie. 443. Die groß ist des Allmächt'gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, der mit verhärtetem Gemüte den Dank erstickt, der ihm gebührt! Nein, seine Liebe zu ermessen, sei ewig meine größte Pflicht; der Herr hat mein iht nie vergessen, vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet! Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Lang⸗ mut mich geleitet, Er, dessen Rat ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen, wer gibt dem Geiste neue Kraft, wer lässet mich so Gut's genießen! Ist's nicht sein Arm, der alles schafft! 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist, wo du, mit Herrlich— keit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren und seine Güte nicht verstehn! Er sollte rufen, ich nicht hören, den Weg, den er mir zeigt, nicht geh'n! Sein Will' ist mir in's Herz geschrieben, sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: Ich soll vollkommen sein wie er. Solang ich dies Gebot erfülle, stell' ich sein Bildnis in mir her. Lebt seine Lieb' in meiner Seele, so treibt sie mich zu jeder Pflicht, und ob ich schon aus Schwach— heit fehle, herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. O Gott, laß deine Güt' und Liebe mir immerdar vor Augen sein! Sie stärk' in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weih'n; sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, sie leite mich zur Zeit des Glücks und sie besieg' in meinem Herzen die Furcht des letzten Augenblicks. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 444. In allen meinen Taten laß ich den Höchsten raten, der alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, soll's anders wohl gelingen, selbst geben Rat und Tat. 2. Nichts ist es spät und frühe um alle meine Mühe, mein Sorgen ist umsonst. Er mag's mit meinen Sachen nach seinem Willen machen, ich stell's in seine Gunst. 3. Es kann mir nichts geschehen, als was er hat ersehen und was mir selig ist. Ich nehm' es, wie er's gibet; was ihm von mir beliebet, das hab ich auch erkiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, die mich vor allem Schaden, vor allem Uebel schützt. Leb' ich nach seinen Sätzen, so wird mich nichts verletzen, nichts fehlen, was mir nützt. 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durchstreichen meine Schuld; er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urteil sprechen und haben noch Geduld. 6. Leg' ich mich späte nieder, erwach ich frühe wieder, lieg' oder zieh' ich fort, in Schwachheit und in Banden, und was mir stößt zuhanden, so tröstet mich sein Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, so will ich unverdrossen an mein Verhängnis gehn; kein Un⸗ fall unter allen wird mir zu harte fallen, ich will ihn überstehn. 8. Ihm hab' ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, sobald er mir gebeut; es sei heut oder morgen, dafür laß ich ihn sorgen, er weiß die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, deine und traue dem alleine, der dich geschaffen hat. Es gehe, wie es gehe; dein Vater in der Höhe weiß allen Sachen Rat. Paul Fleming, 1609- 1640. Mel. Herzlich tut mich verlangen. 445. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt, der aller treusten Pflege des, der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dir's soll wohlergehn; auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott sich garnichts nehmen; es muß erbeten sein. 3¹⁴ 3. Dein' ew'ge Treu' und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterb⸗ lichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt. 4. Weg' hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht; dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht, dein Werk kann niemand hindern, dein' Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun. 5. Und ob gleich alle Teufel hie wollten widerstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurückegehn. Was er sich vorgenommen und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff', o, du arme Seele, hoff' und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken. Erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn' der schönsten Freud. 7. Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht! Laß fahren, was das Herze betrübt und traurig macht! Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll; Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß tun und walten; er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn und tun an seinem Teile, als hätt in seinem Sinn er deiner sich begeben, und sollt'st du für und für in Angst und Nöten schweben, als frag' er nichts nach dir. 31⁵ 10. Wird's aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, da du's am mind'sten gläubst; er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon mit Ruhm und Dankge⸗ schreie den Sieg und Ehrenkron'; Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End', o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk' uns're Füß' und Hände und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsfre Wege gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt, 1607—1676. Mel. Mach's mit mir, Gott. 446. Miir nach, spricht Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlaßt die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle; nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt meinem Wandel nach! 2. Ich bin das Licht, ich leucht' euch für mit heilgem Tugendleben; wer zu mir kommt und folget mir, darf nicht im Finstern schweben. Ich bin der Weg, ich weise wohl, wie man wahrhaftig wandeln soll. ö 3. Mein Herz ist voll Demütigkeit, voll Liebe mein Gemüte; mein Mund, der fleußt zu jeder Zeit von Sanftmut und von Güte; mein Geist und Wille, Kraft und Sinn ist Gott er⸗ geben, schaut auf ihn. 316 4. Ich zeig' euch das, was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, und euer Herz von arger List zu rein'gen und zu scheiden. Ich bin der Seelen Fels und Hort und führ' euch zu der Himmelspfort! 5. Fällt's euch zu schwer, ich geh' voran, ich steh' euch an der Seite, ich kämpfe selbst und brech' die Bahn, bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still mag stehn, sieht er voran den Feldherrn gehn. 6. Wer seine Seel' zu finden meint, wird sie ohn' mich verlieren; wer sie hier zu verlieren scheint, wird sie nach Hause führen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, ist mein nicht wert und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn mit uns'rem Kreuz nachgehen und wohlgemut, getrost und gern in allem Leiden stehen; wer nicht ge⸗ kämpft, trägt auch die Kron' des ew'gen Lebens nicht davon. Johann Scheffler, 1624 1677. Mel. Herzlich tut mich verlangen. 447. V Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron', o Haupt, sonst schön gekrönet mit höchster Ehr' und Zier, jetzt aber höchst verhöhnet, gegrüßet seist du mir! 2. Du edles Angesichte, davor die ganze Welt erschrickt und wird zunichte, wie bist du so entstellt, wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht't? ——52....„03U ————— 31⁷ 3. Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen. Des blassen Todes Macht hat alles hingenommen, hat alles hingerafft, und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft. 4. Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last; ich hab' es selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh' ich Armer, der Zorn verdienet hat; gib mir, o mein Er⸗ barmer, den Anblick deiner Gnad'. 5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an. Von dir, OQuell aller Güter, ist mir viel Gut's getan. Dein Mund hat mich ge— labet mit Milch und süßer Kost, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust. 6. Ich will hie bei dir stehen; verachte mich doch nicht. Von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht. Wenn dein Haupt wird er⸗ blassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinen Arm und Schoß. 7. Es dient zu meinen Freuden und kommt mir herzlich wohl, wann ich in deinem Leiden, mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! ö 8. Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deines Todes Schmerzen, da du's so gut gemeint. Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, und wann ich nun er⸗ kalte, in dir mein Ende sei! 9. Wann ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wann ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; wann mir am aller 31⁸ bängsten wird um das Herze sein, so reiß' mich aus den Aengsten kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und laß mich seh'n dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt, 1607-1676. ◻ñ NöCHöCSN HA st 225 Alphabetisches Inhalts⸗Derzeichnis. Ach, wo strömt der Born des Lebens. Aechte Tugend liebt die Stille. Alle, denen Gott gegeben. Alle Gute Gabe kommet Allen ist ein Heil beschieden. Alles Geschaffenen Seele ist das Wirken Allgegenwärtig ist der eine. Allmächtiger, wir preisen dich... Als auf des Lebens dunklem Pfad Als hätt' uns lang ein Zwist geschieden Am Baum der Menschheit drängt sich. An Roma's Felsen angekettet. ‚ Armes Herz kannst immer noch. Auf, der Völker Frühling naht. Auf denn, so laßt uns schaffen Auf Erden Wahrheit auszubreiten Auf Gott und nicht auf meinen Rat Auf mit der Brust! Auf, Pilger, laßt uns eilen Aus dem eignen Herzen quillet Aus der finstern Welten Nacht Aus Lebensnacht und Staube Befiehl du deine Wege. Beglückt, beglückt ist Begrabe deine Toten Blick' ich zurück in meiner Kindheit Tage Blickt auf zu denen, die voran gegangen II Seite Brüder, denket gern der Stunde 90 Brüder, reicht die Hand zum Bunde 97 Brüder, Schwestern, hebet eure Blicssdte.. 98 Christ ist erstanden. 00 Das allerweichste Ruhekissen 239 Das Erntefest, das Fest der Freudde 88 Das ist der Tag des Herrnn r)338 Das ist die köstlichste der Gaben 223 Das längste Leben ist nur kurrzz 27⁴ Das Leben lieben und den Tod nicht soeuen 196 Das Leben wird oft trübe 223 Das sei des Menschen Stolz 138 Das Vorrecht edler Seelien 1 Das Wort habt ihr gegeben.. 3120 Das Wort soll werden Fleisch einmal 2 3 189 Dein ist, o Gott, das Reich.. 20 Dein König kommt in niedern Hüllen. 103 Dein König kommt, o arme Erde 102 Dem Menschen glänzt der Gottheit Licht... 189 Der Abendröte Purpurschwingeaeaen.120 Der Bahn, die Galilei künhnn 14 Der du für Freiheit sireite 1295 Der du in Myriaden Welten 332 Der du von dem Himmel bit 22 Der Erdenkreis ist mir genug bekannt.184 Der große Astronom sprach 3368 Der Mensch gleich' einem Baumnume.275 Der Mensch hat nichts so eigen 210 Der Morgenröte Feuerflugeal 29 Der Quell von meines Gottes Segen..198 Der schnellste Reiter ist der Toðd 291 Der Weltkreis ist voll Geist des Herrn.. 32 Des Jahres erster Morgen 42 n S Des Menschen höchstes Recht. Die alten Tempel sind gefallen. Die Blumen blüh'n 22 Die Erde harrt der Sonn' entgegen Die fernen Flöten hör' ich schallen. Die Freiheit läßt sich nicht gewinnen. Die Herzen werden sich versöhnen. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre. Die Kinder, deren wir uns freu'n Die Lerche stieg am Ostermorgen. Die Liebe hält im Mutterarm. Die Mutter klagt sie habe.. Die Nacht vergeht, der Tag bricht an Dies ist unsre größte Bitte. Die schönste Zeit des Lebens Die Wahrheit siegt, es ist bolbragt Die Zeit geht nicht 435 Dreifach ist der Schritt der Zal Drei Sterne weiß ich. 2517 Drei Worte nenn' ich Euch. Du bist das Licht von Gott gesendet Du bist mein Lied, o Todesheld. Du dunkle Macht in meiner Bruste. Du fühltest Herr, in deinem Herzen. Du Geist der Welten, wir erkennen.. Du hast uns, Gott, Vernunft gegeben. Du kleiner Mensch, den großen Gang. Dulde, gedulde dich fein.. Du lebst nur, wenn du fröhlich lebst Durch der Seele Tiefen schallet. »Du sprachst das ew'ge Wort des Lebens.. Du Stern der Weihnacht freundlich scheine. Du Sturm, der mächtig brausend. Du suchst und möchtest gern es finden. Du Trösterin der Armen. ů Du Wand'rer, der im Lichten. Edel sei der Mensch.. Eh' in die Schollen wir den Leibi. Ehre sei Gott in der Höhe. Ein altes Wort, ein gutes Wort. Ein feste Burg ist unser Gott. Ein feste Burg ist unser Gott Ein Jahr dahin, wie flieht die Zeit. Ein Mensch sein— heiliger Gedanke. Ein Morgenglanz geht auf vom Herrn. Ein treues Herz bleibt stark in Mut. Ein zarter Sproß entkeimt. Endlich muß das Gute siegen. Erfülle redlich deine Pflichte. Erhaben reckt der Berg sein Haupt. Erhabner Geist, den Gott ich nenne. Erhebe dich, mein Herz. Erheb' ich mein Gemüte Erscheint dir etwas unerhört... Es baut, o Gott, auf dein Geheiß Es blitzt und flammt an allen Enden. Es geht ein großer Drang. Es geht ein Wort durch die Gescicte Es gibt nur einen Himmel. Es gibt so Schönes in der Welt Es glänzen Viele in der Welt Es hofft der Mensch zu allen Zeiten. Es ist bestimmt in Gottes Rat Es ist das Glück ein kurzer Traum. Es ist ein reines Herz Es ist ein tiefer Segen. re— AIF- err&Æ Es ist so still geworden. Es reden und träumen die Mensher Miel Es schlägt der Pulss Es sei des Menschen Majestät. Es spricht zu allen Zeiten. Es steht das Kreuz im Morgenrot Es steht ein Kreuz auf Golgatha. Es strömt aus dunk'len Waldesschatten. Es weht der Geist durch alle Lande. Es weht ein Sturm durch unsre Zeit. Es wogen Schmerz und Leid. Es zieht ein stiller Engel. Ew'ger Geist, o leuchte segnend. Faß', deutsches Volk, ein Lutherherz. Fasse Mut, betrübtes Herz.. Fest des Lebens, sei willkommen. Feuer, ja, ist deine Seele. Frage nicht, woher du biste. Freiheit, die ich meine. Frisch auf, frisch auf mit raschem Slus Frisch auf zum neuen Leben.. Friedlich ist die Brust gehoben. Frohe Arbeit nur ist Leben. Fühle, Mensch, des Lebens Eil'.. Für Recht und Wahrheit will ich streiten Geist der Andacht mach' uns frei. Geist der Liebe, Geist der Welten. Geist der Wahrheit, Geist der Liebe. Geist der Weisheit, Geist der Liebe. Geist vom Geiste, Licht vom Lichte. Gesegnet sei die heil'ge Stunde. 477 Getrost! Der Wahrheit tapf're Zeugen. Gewalt'ger Geist, der Leben schafft. VI Gib deinen Frieden uns, o Herr der Stärke!. Gleich tausend Sonnen strahlt. Glückauf, ein neuer Frühling naht. Göttlich denken, menschlich handeln. Gott, der du die Wahrheit bist Gott, gib mir ferner Kraft und Stärke. Gott ist die Liebe! Sein Gebot. Gott ist mein Hirt* Gott ruft der Sonne Gott selber rief, es werde. Gott, wenn uns der Hang zur Sunde Großer Gott, kein Mensch sah dich. Großer Gott, wir loben dich... Grünt dir auch der Hoffnung Saat Gute Nacht, du schöne Welt. Hab' Dank für deine Treue. Habe Mut zum eig'nen Fühlen. Hab' Sonne im Herzen. Hast du deine Pflicht getan. Hast du ins Herz geschlossen. Hast du noch nie recht bitterlich geweint Hehre Natur, o wie lebst du. 2—.— Heil dem Mann, der immerdar. Heil'ge Freundschaft, Himmelsfunken. Heil'ge Nacht, auf Engelsschwingen. Heilger Bund der Lieb' und Treue. Heiligend und schaffend webet. Heilige Liebe, führ' uns auf des Lebens wind. Heilig, heilig ist das Band. Heraus, heraus, du gutes Schwert Herr, Gott, der du von uns nicht fern! Herrliche Welt, o wie freu' ich mich. Herr, zu deines Reiches Bürgern. Hinaus, hinaus in die Natur! Hinaus, mein Schiff, hinaus, hinaus. Höher hebt sich Gottes Sonne. Holdes Kind, lieblich und mild. Horch auf des Innern heil'ge Stimme. Humanität, dein heilig' Leben.. Ich bete an die Macht der Liebe. Ich blick' empoor zu dir. Ich höre trauern Euch. Ich kann Euch Eures Alltags rast mar abmen Ich möchte gern erringen.. Ich suche dich, durch den ich Din Ich suche Licht für meinen Geist. Ich wandle ruhig meine Pfade. Ich will den Geist erheben Ich will des Menschen hohen Wert. Ihr goldenen Sterne, aus himmlischen Höhn Ihr habet nicht umsonst gestritten. Im fernen Morgenlande möcht' ich. Im Glauben, Hoffen und im Lieben. Im Grabe ist Ruh' Im HSintergrund der Zeitenferne Im unermessnen In allen meinen Taten In der Menschheit laß uns dich In diesen starren Wintertagen. In dir, dem Einen, ruh'n In meiner Brust du Geist des Herrn Innige, treue Elternliebe. In rauher Felsenhöhlen. Ist dir versunken Glück und Stern Jeden Tag wird neu geboren.. Jetzt ist die Zeit der dunklen Weltverächter VIII Kein Jammertal ist uns're Erde Komm', Geist der Andacht und der Ruh' Kommet Alle, die ihr müde. Laß deinen Geist mich stets. Laßt die Kindlein, laßt sie kommen Laut erschallt durch die Natur.. Licht und Wahrheit in der Hütte. Licht von Gottes Weltentron. Liebe ist die schönste Gabe. Lobe den Herren Macht Wissenschaft, wie sich das Licht. Mach' zum Himmel dir die Erde. Mächt'ger Bund vereinter Hände. Mag die Welt mich immer hassen. Mein Auge tief bewundernd schaut. Meine Lebenszeit verstreicht.. Mein erst' Gefühl sei Preis und Dank Mensch zu sein auf dieser Erde. Mir nach spricht Christuns Mit der Freude zieht der Schmerz Mit Menschen bist du hier gewandelt. Mutter Erde, heilig Leben Nach langem, bangem Winterschweigen Nein, ich fürchte nicht die Höllenpein. Neuer Tag mit deinen Strahlen. Nicht an den steinernen Altären. Nicht bloß in Worten, die verhallen. Nicht fleh' ich um den Segen. Nicht für der Felder Segen nur. Nicht über's Grab hinaus soll sich erheben Nicht ziemt's dem Sterblichen. Nie leichter fühlt der Mensch die Bürde Nie zu hoch und nie zu tief. Noch einmal, eh ich weiterziehe Noch glänzt so hell der Sonne Strahl Noch immer herrscht der alte Zweifel Noch immer schwingt zu dieser Frist. Noch ist das Leben nicht verloren.. Noch steh' ich an der off'nen Pforte. Noch steht dein Tempel unvollendet. Nun danket alle Gott. Nun webt die Sonn' aus lichtenr Golde Nur einem Traumbild gleichte. Nur in des Herzens heilig ernster Stille Nur menschlich, in Beschränkung. Nur Wahrheit suche alle Zeit Ob die Schuld in Nächten schleicht. Ob ich dich kenne, ew'ger Geisstr Ob kalt und stumm, sie leben doch. O Brüder liebt und liebt getreu. Ob Sturm und Wetter toben O, der du über jenen Sternen. O du, der bis zum Tode O du schönes Weltgebäude. O führe mich Vernunft. O, Geist des Lebens und der Wahrheit O Geist des Lichtes, komm hernieder. O Geist, wir glauben an dein Licht. O Golgatha, zu deinen Höhen O großer Gott, du reines Wesen O halt das Herz dir mild und rein. O Haupt voll Blut und Wunden O kehre wieder, schlichter Geist O komm du Geist der Wahrheit Seite laß den Freund mich findhun 213 O lieb, so lang du lieben kannstt 293 O Menschenherz verzage nicht..227 Nächstenliebblh 112 O sage nicht, dir sei von Schmerzen.. 241 O saget mir, wer der Messias isstt 82 Oseht das Recht gebeuger 39 selio, wen der Lensz erfreutt 216 Oselig, wenn die Herzernen 1337 O senk den Blick nicht nieder 23 O sprich, wohin willst du uns sendn.. 81 Ostern, Ostern, Frühlingsweheen66 Ditern rufet: Auferstehheeee 11 O sucht ihn nicht im Gottheitsglanzzz.... 50 OQuäle nicht mit Ach und Jummer. 235 Rastlos vorwärts! festen Sinnes.. 196 Rastlos vorwärts mußt du streben280 Rechtschaffenheit, sie sei der feste Grund. 264 Reichet uns die Hand zum Bunde 127 Reicht, Brüder, Euch zum Schwur die Hand 90 Reicht Euch, Brüder, treu die Hände 208 Rufe nicht vergang ne Tage 276 Rund um mich her ist alles Freude. 5117 Sag' an, mein Herz, wo suchst du deinen Gott. 16 Schlichter Sinn und Herzenstreuu 247 Schön bist mit Reizen ohne Zahl 29 Schön ist der Mut, der aus dem Brand... 233 Schön wie's Lied der Nachtigallen.. 142 Schon längst schwand ein Jahrtauseen. 77 Seht, wie die Tage sich sonnig verklären... 252 Sei gegrußet, heil ge Jeiit 102 Sei milde stets und halte fern. Sei treu der Pflicht. Sei uns gegrüßt von Herzensgrunde Sei stets gerecht mit Herz und mit Wertand. Siehst du, daß Einer trauert. Siehst du den Stern im fernsten Blau Sie sollen uns nicht rauben. Sie streiten seit viel hundert Jahren. Sinke nieder Sonne. So hat mir nie ein Fest gefallen So ist der lange Wahn zerrissen.. So steh' ich da, ein Kind der Erde. So wie der Winter finster flieht. Steig' herauf du Ostersonne Stern der Hoffnung leuchte mild. Stern von Bethlehem, o scheine. Stille Nacht, heilige Nacht. Stör' nicht den Traum der Kinder. Sturm auf Sturm und Woll' auf Wolke Sturm und Stille, Früh⸗ und Abendrot. Tag der Weihnacht uns beschieden Tief drängt dich's zum Verständnis Trachtet nach Wahrheit, ihr Menschen. Trag' nicht bloß den Blick hinüber Traue nicht den süßen Weisen Treu bewahre im Gemüte Tröste dich, die Stunden eilen. Trüb' Erinnern eint uns hier Um's Grab des Auferstand'nen schlinget Umsonst suchst du des Guten Quelle Und dräu't der Winter noch so sehr Und immer wieder sinkt der Winter Und wieder neigt ein Jahr zum Ende. Vater aller Liebe du. Vater unser, der im Himmel. Vereinigt laßt uns Gutes wirken. Vereint sind wir in weihevoller Stunde. Verklärt vom jungen Morgenlichte. Vernimm, o Gott, mein Fleh'n Vertraue dich dem Licht der Sterne. Verzage nicht! hast du geübet. Verzage nicht in dieses Lebens Stürmen Vollkomm'ner stets zu werden. Vom Leichentuch bedecket.. Vom Südpol bis zum Nordpol kreist. Von allen Bildern weiß ich keins Von deinem Geist erhoben. Vor des Friedhofs dunkler Pforte Vor dir liegt die Bahn des Lebens. Vorwärts den Blick. Wandle bei uns mit dem Palmenzweige Wann endlich wird zur Wahrheit werden. Warm in Worten und Gefühlen Was eine Kindesseele aus jedem Blick verspricht Was Gott tut, das ist wohl getan. 8— Was hat denn Jesus Neues uns gebrachte. Was ist das Göttlichste auf dieser Welt. Was ist das Herrlichste in unserm Sein. Was ist die Erde? was das Leben. Was morsch und alt zusammenbrach. Was plagst du dich mit deinen Sorgen. Was soll das törichte Verzagen Was soll dies kindische Verzagen. Was wir tief im Herzen ahnen. Weh' dem, der in kaltem Herzen. X SIISS NMHAH n 3 e Ore 60 0 5 De — Weil dir ein goldner Traum zerronnen. Welch hohes Beispiel gabst du mir. Welche Tiefen, welche Höhen. Wenn Wenn Wenn Wenn Wenn Wenn Wenn Wenn dich die böse Welt bedrängt. du in guten Stunden. einer starb, den du geliebt. ich den kleinen Keim betrachte. ich, o Schöpfer, deine Macht. kleine Schar du einst verwaist. schaffend im Gemüte trauernd durch der Wolken Hülle Wer bin ich, daß mit kühnen Wer da ein echter Priester ist. Wer darf ihn nennen. Wer Wer ist das hohe Wesen. ist der heil'ge Gottesgeist. Wer nie sein Brot mit Tränen aß Wer nur den lieben Gott läßt walten. Wer stets mit heiligem Entzücken.. Wer vor dem Kampfe mit sich selbst. Wer wagt's den Geist zu 159 n. Wer weiß zu leben?. Wie auch der Jahre Würfel mir fällt Wie bist du, Heiland, mit der Krone. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. Wie heilig ist die Stunde. Wie klopft der Geist der neuen Zeib Wie nach milden Himmelstropfen. Wie nichtig wär' all unser Streben Wie reinigst du die Seele mir. Wie sie so sanft ruh'n Wie vor der Sonne Purpurlicht 250 248 301 140 307 230 236 267 309 245 275 149 283 278 XIII Seite 286 46 25 96 34 37 19 52 7⁵ 61 341 136 80 221 38 57 20⁴ 249 Wie wär' so arm mein Leben Willkommen, zarte Erdenblüte Willst du Christ dich nennen Willst du nicht dich schließen Willst du wissen, was auf Erden Wir beten dich, du Ew'ger, an Wir fleh'n für uns'rer Eltern Leben. Wir glauben— ja an einen Morgen. Wir haben uns gefunden 3100 Wir heißen froh willkommen heute Wir lagen lang von Nacht umfangen Wir schwimmen in dem Strom der Zeit. Wir Toten, wir Toten sind größere Heere Wir wollen jeden anerkennn Wir wollen nicht den alten Glauben Wo blüht das Glülkk Wo eilt ihr hin, ihr Lebensstunden Wohlauf, noch strahlet mir die Sonne Wohl dem, der in der Ehe Bunde Wohl dem, der in sich selber findet Wohl hast du oft in stiller Nacht. Wohl schön ist es, in Einsamkeit Wohnt das Glück in Purpurhülle Wo ist dein Geist, du ew'ges Wort. Wollt ihr des Trostes Fülle haben Woll' uns deinen Tröster senden. Wunderbarer Sieger dtdunn Zu dir, du ew'ge Liebe, strebet. Zum rechten Leben woll'st du leiten Zur Natur flücht' ich, wenn Menschen Seite 27 Dan