1 1 942 788 IenB. Elm leichk & Veit⸗ clbl, d, I Dbrolhsg Mamee uog uu o n eeer iiee öieie i e eu Deh⁵e di⁰ ou ²H v 0 hi eouösneig sanog oun Eabmath ue nui zobing uasouof 3buy O e Ihnu unu a0 0uo 7 .2— iennnseesnsnsnnnsnnnsnlnnnnlnnni Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg 191² 28 9 1 554.—— ** 3 0 Kleine Ausgabe 9 * 2 Stuttgart : Verlagskontor des evangelischen Gesangbuchs 2 —** RR V V NE. V V. HHVEEEEEEEEEeeeeeee V V Vein Leben lang habe Gott vor Augen und im Berzen. Tob. 4, 6. Widmung. N. eiN SSSSSS SS SS AEEEEDEDEEEEEEEEOee P—— 70.——55 5—75 Familien⸗Gedenk⸗Blätter. Ich aber und mein Haus wollen dem Berrn dienen. Geburts⸗ und Tanftage. Selig lind, die reines Berzens lind, denn lie werden Goktt schauen. Malkh. 5, 8. I Konfirmationen, Trauungen etc. Wir willen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum bellen dienen. Römer 8, 28. EII 4520 Anbetung. Bekenntnis Lob und Dank(iehe auch 15. 475. 480) Anrufung und Bitte(siehe auch 426) Fürbitte 30. 31(siehe auch 438) In allgemeiner Not 32 Morgen. Abend Am SW der Woce 87. 8⁸ Tag des Herrn und Gottesdienst(siehe auch 106. 555) Bei Einweihung von Kirchen 89(iehe auch 132, Str. 5. 230 ff.) Schluß des Gottesdienstes 100. 101. 102 Sonntagabend 103 Wort Gottes Taufe und Konfirmation(sehe auch 5500 Abendmahl(siehe auch 552. 553) Advent(siehe auch 535). Beginn des Kirchenjahrs 144 Weihnachten(siehe auch 468472) Jahresschluß(siehe auch 88) und Neujahr (siehe auch 478. 479). Erscheinungsfest(und Sonntage rac v dem Erscheinungsfest) Darstellung Christi 172 Wandel Christi auf Erden 173-176 Passion(siehe auch 552) Begräbnis 202—205 Ostern Emmaus 220 Himmelfahrt und himmlische 5 keit 253997 Pfingsten 81/ 18—29 30—45 46—62 63—88 89—103 10⁴4—109 110—118 119—130⁰ 131—144 14⁵—157 158—166 167176 17720⁵ 206—22⁰0 22¹1—229 230—239 Inhalt Kirche Im Dienst des Evangeliums Ausbreitung des Evangeliums. Mission(siehe auch 109. 168. 171. 251.2820— Mission unter Israel 23 Gemeinschaft der W 35 5 437—440) 3 Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit(ssiehe auch 190 Buße(siehe auch 68. 139) Vertrauen auf Gott(siehe 449— 452. 476. 477) Trost(siehe auch 481. 482. 502— 519 In Krankheit 372-375 Liebe zu Gott und Christus(siehe auch 118. 176. 193. 196. 473) Erneuerung und Heiligung 48 auch 41. 192. 222 Nachfolge Jesu 408— 418 Kampf und Sieg 419—428 Himmlischer Sinn 429— 20 Wandel im Licht Bruder⸗ und Nächstenliebe 457.— 4⁴² Christliche Weisheit 443 Wachsamkeit und Treue 444. 445 Selbstverleugnung und Geduld 446. 447⁷7 Mäßigkeit und Keuschheit 448 Stand und Beruf(siehe auch 37) Fürst und Vaterland(siehe 2 5 2 7 Ehe⸗ und Hausstand 46² Eltern Kinder Hausgemeinde, Kiadergottesdienn, christliche Vereine Nr. 2⁴40—250 25¹2⁵ 259—267 268276 27⁷7—297 298—316 3173⁴⁰ 34¹1—37⁵ 376—394 395—435 436—448 449—452 453—456 457462 463. 464 465—467 468—47⁵ Inhalt In der Fremde Auf der Reise(siehe auch 275 Geburtstag** Gesundheit Alter In Gottes Schöpfung Frühling 485. 486 Sommer 487 Ernte 488-491 Mißernte 491 Herbst 492 Vorbereitung auf den Tod Sterben. Hinscheiden eines Kindes 517519 Begräbniss 13— Zukunft des Herrn, Herich, ewiges Leben.. Liturgischer Anhang Für die Abendmahlsfeier. Für die Konfirmationsfeier Die Gnade. 2*—— Verzeichnis der Liederdichter Die Liederdichter, der Zeit nach deordnet 27 Verzeichnis der Bibelstellen Die Leidensgeschichte Jesu Christi Sonn⸗- und festtägliche und Episteln. Gebete Nr. 47⁶ 47⁷7 478. 479 48⁰ 481. 482 483— 492 493—501 502—519 520—531 532—551 552. 553 5⁵⁴4 5⁵⁵ Seite 1 31 50 Verzeichnis der früheren württember⸗ gischen Gesangbücher. Verzeichnis der Lieder 301 30² Ven den bei jeder Weise genannten Choralbuchnummern bezieht sich die erste auf das große, die zweite, in Klammern stehende, auf das kleine Choralbuch. Der Reinertrag aus dem Verlag des Gesangbuchs kommt dem kirchlichen Hilfs⸗ fonds zugut, woraus bedürftige Kirchen⸗ gemeinden unseres Landes, namentlich bei Kirchen⸗ und Pfarrhausbauten, unterstützt werden. Die Namen der Arheber dieses Werks sind zur Eintragung in die Eintragsrolle zu Leipzig nach dem Arheberrechtsgesetz vom 19. Juni 1901(RGBl. S. 227) angemeldet. Anbetung Choralbuch 6(. Alein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum daß nun und nimmermehr uns rühren kann ein Schade. Gott Wohl⸗ gefallen an uns hat; nun ist groß Fried ohn Anterlaß, all Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir beten an und loben dich für deine Ehr und danken, daß du, Gott Va⸗ ter, ewiglich regierst ohn alles Wanken. Ganz ohne Maß ist deine Macht; all⸗ zeit geschieht, was du be⸗ dacht. Wohl uns des guten Herren! 3. O Jesu Christ, Sohn ein⸗ geborn deines himmlischen Vaters, Versöhner derer, die verlorn, du Stiller un⸗ sers Haders, Lamm Got⸗ tes, heil ger Herr und Gott, nimm an die Bitt in unsrer Not: Erbarm dich unser allerl 4. O heil'ger Geist, du höch⸗ stes Gut, allerheilsamster Tröster, vor Satans Macht nimm uns in Hut, die Jesus Christ erlöset durch Marter groß und bittern Tod; wend allen Jammer ab und Not. Darauf wir uns verlassen. Nikolaus Decius 4 1529. 2 Choralbuch 201((175): Wie schön leuchtet der Morgenstern. Heh Lob, Preis und Ehr sei unsrem Gott je mehr und mehr für alle seine Werke; von Ewigkeit zu Ewigkeit sei in uns allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke. Klinget, singet: Gnädig, herrlich, heilig, heilig, heilig ist Gott, unser Gott, der Herr Ze⸗ baoth. 2. Halleluja! Preis, Ehr und Macht sei auch dem Gotteslamm gebracht, in dem wir sind erwählet, das uns mit seinem Blut er⸗ kauft, damit besprenget und getauft und sich mit uns vermählet. Heilig, selig ist die Freundschaft und Ge⸗ meinschaft, die wir haben und darin wir uns erlaben. 3. Halleluja! Gott heil'ger Geist sei ewiglich von uns gepreist, durch den wir neu geboren, der uns mit Glau⸗ ben ausgeziert, dem Bräu⸗ tigam uns zugeführt, den Hochzeittag erkoren. Heil uns, Heiluns! Da ist Freude, da ist Weide, da ist Manna und ein ewig Hosianna. 4. Halleluja! Lob, Preis und Ehr sei unsrem Gott je mehr und mehr und seinem großen Namen. Stimmt an mit aller Him⸗ mel Schar und singet nun und immerdar mit Freu⸗ den: Amen, amen! Klinget, singet: Gnädig, herrlich, heilig, heilig, heilig ist Gott, unser Gott, der Herr Ze⸗ baoth. Nach Martin Rinckart 1586—1649. 3 Choralbuch 70 G). err Gott, dich loben wir; Herr Gott, wir danken dir; dich, Vater in Ewig⸗ keit, ehrt die Welt weit und breit; all Engel und Himmelsheer und was die⸗ net deiner Ehr, auch Che⸗ rubim und Seraphim singen immer mit hoher Stimm: „Heilig ist unser Gott, heilig ist unser Gott, heilig ist unser Gott, der Herre Ze⸗ baoth.“ 2. Dein' göttlich Macht und Herrlichkeit geht über Him⸗ mel und Erde weit. Der heiligen zwölf Boten Zahl und die lieben Propheten all, die teuren Märt'rer allzumal loben dich, Herr, mit großem Schall; die ganze werte Christenheit rühmt dich auf Erden alle⸗ zeit; dich, Gott Vater, im höchsten Thron, deinen rechten und ein'gen Sohn, Anbetung dein'n heiligen Geist und Tröster wert mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt. 3. Du König der Ehren Jesu Christ, Gott Vaters ew'ger Sohn du bist; der Jungfrau Leib nicht hast verschmäht, zu lösen das menschlich Geschlecht; du hast dem Tod zerstört sein' Macht und all Christen zum Himmel bracht; du sitzt zur Rechten Gottes gleich mit aller Ehr in's Vaters Reich; ein Richter du zukünftig bist alles, das tot und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, die mit dein m teurn Blut erlöset sein; laß uns im Himmel haben teil mit den Heiligen in ew'gem Heil; hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, und segne, das dein Erbteil ist; wart und pfleg ihr'r zu aller Zeit und heb sie hoch in Ewigkeit. 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich und ehrn dein'n Namen stetiglich. Behüt uns heut, o treuer Gott, vor aller Sünd und Missetat! Sei uns gnädig, o Herre Gott, sei uns gnädig in aller Not; zeig uns deine Barm⸗ herzigkeit, wie unser Hoffen zu dir steht. Auf dich hoffen wir, lieber Herr. In Schan⸗ den laß uns nimmermehr! Amen. Martin Luther 1483—1546. Anbetung 4 Choralbuch 209(7): Wunderbarer König. Gett ist gegenwärtig. Las⸗ set uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten! Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge! Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; gebt das Herz ihm wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen. „Heilig, heilig, heiligl“ singen ihm zur Ehre aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm unsre Stimm, da auch wir Geringen unsre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, aller Erden⸗ lust und Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben dir zum Eigentum ergeben. Du allein sollst es sein, unser Gott und Herre; dir gebührt die Ehre. 4. Majestätisch Wesen, möcht ich recht dich preisen und im Geist dir Dienst er⸗ weisen! möcht ich wie die Engel immer vor dir stehen und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir für und für trachten zu gefallen, liebster Gott, in allen. 5. Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder, ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir! Laß mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden. 6. Du durchdringest alles; laß dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Ge⸗ sichte. Wie die zarten Blu⸗ men willig sich entfalten und der Sonne stillehalten, laß mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen. 7. Mache mich einfältig, innig, abgeschieden, sanft und still in deinem Frieden; mach mich reines Herzens, daß ich deine Klarheit schau im Geist und in der Wahr⸗ heit. Laß mein Herz über⸗ wärts wie ein Adlerschweben und in dir nur leben. 8. Herr, komm in mir woh⸗ nen, laß mein Herz auf Erden dir ein Heiligtum noch werden. Komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, daß ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, laß mich dich erblicken und vor dir mich bücken. Gerhard Tersteegen 1697—1769. 5 Choralbuch 166(12). Sieh, hier bin ich, Ehren⸗ könig, lege mich vor dei⸗ nen Thron; schwache Tränen, kindlich Sehnen bring ich dir, du Menschensohn. Laß dich finden, laß dich finden, bin ich gleich nur Asch und Ton. 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt dich, lenke mich nach deinem Sinn; dich alleine ich nur meine, dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, laß dich finden; gib dich mir und nimm mich hin. 3. Ich begehre nichts, o Herre, als nur deine freie Gnad, die du gibest, wo du liebest und man dich liebt in der Tat. Laß dich finden, laß dich finden; der hat alles, der dich hat. 4. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichtum, Wollust, Ehr und Freud, sind nur Schmerzen meinemHerzen, welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden, laß dich finden; großer Gott, ich bin bereit. Joachim Neander 1650—1680. Choralbuch 49(101): Es ist das Heil uns kommen her. (Auch nach Choralbuch 6(0): Allein Gott in der Höh sei Ehr.) Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder tut, dem Gott, der mein Gemüte mit sei⸗ nem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Zammer stillt. Gebt unsrem Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Him⸗ melsheer, o Herrscher aller Anbetung Thronen; und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfermacht, die alles also wohl bedacht. Gebt unsrem Gott die Ehre! 3. Was unser Gott ge⸗ schaffen hat, das will er auch erhalten; darüber will er früh und spat mit seiner Güte walten. In seinem gan⸗ zen Königreich ist alles recht, ist alles gleich. Gebt unsrem Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Not: Ach Gott, ver⸗ nimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod und ließ mir Trost ge⸗ deihen. Drum dank, ach Gott, drum dankich dir; ach danket, danket Gott mit mir. Gebt unsrem Gott die Ehre! 5. Der Herr ist nun und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her. Gebt unsrem Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hilfe mangeln muß, die alle Welt erzeiget, so kommt, so hilft der Aberfluß, der Schöpfer selbst, und neiget die Vateraugen denen zu, die nirgendwo sonst finden Ruh. Gebt unsrem Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, von nun Anbetung an ehren; man soll, Gott, deinen Lobgesang an allen Orten hören; mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Leib erfreue dich. Gebt unsrem Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Ramen nennt, gebt unsrem Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, gebt unsrem Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zu Spott! Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Gebt unsrem Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein An⸗ gesicht, mit Jauchzen Dank zu bringen; bezahlet die ge⸗ lobte Pflicht und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es alles wohl bedacht und alles, alles recht gemacht! Gebt unsrem Gott die Ehre! Johann Jakob Schütz 1640—1690. 7 Choralbuch 68(5). err, dir ist niemand zu vergleichen, kein Lob kann deine Größ erreichen, kein noch so feuriger Verstand. Pracht, Majestät und Ruhm umgeben dich, aller Wesen Quell und Leben; Licht ist dein strahlenvoll Gewand. In hohen, unermeßnen Fer⸗ nen, wohin kein sterblich Auge schaut, hast du weit über allen Sternen dir deinen höchsten Sitz erbaut. Psalm 104,2. 2. Wie bist du, wenn du, Gott der Götter, herabfährst, wenn du in dem Wetter ein⸗ hergehst, uns so fürchterlich! Du kommst, und Wolken sind dein Wagen; dein Wagen donnert; willig tragen die Fittiche des Sturmes dich. Die Engel fliegen, gleich den Winden, vor dir voran, Herr Zebaoth; wie Flammen, die sich schnell entzünden, sind deiner Allmacht Diener, Gott. 3. Dein Odem tötet und be⸗ seelet; die Welt, die deine Huld erzählet, erneuert sich auf dein Gebot. Dein Ruhm, ist ewig. Deine Stärke schuf und bewahret deine Werke; sie sind dein Wohlgefallen, Gott. Du schaust die Erd an, sie erzittert; du tastest an der Berge Höhn, und Berg und Fels, durch dich zersplittert, sind Flammen, dampfen und vergehn. 4. Erheb, erheb, o meine Seele, Gott, meinen Schöp⸗ fer, und erzähle, verkündige sein Lob der Welt! Ihm singe deine Jubellieder; der From⸗ me halle sie ihm wider, ihm, der uns bildet und erhält. Frohlockt ihm alle seine Heere, ihm weihet euern Lob⸗ gesang! Der Herr ist würdig, Preis und Ehre zu nehmen, Lob und Ruhm und Dank. Johann Andreas Cramer 1723— 1788. 8 Ein feste Burg ist unser Choralbuch 39(§). Gott, ein' gute Wehr und Waffen; er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind, mit Ernst er's jetzt meint; groß Macht und viel List sein grausam Rü⸗ stung ist; auf Erd' ist nicht seinsgleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit't für uns der rechte Mann, den Gott hat selbsterkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Ze⸗ baoth, und ist kein andrer Gott; das Feld muß er be⸗ halten. 3. And wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt, tut er uns doch nichts. Das macht: er ist gericht't; ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn und kein'n Dank dazu haben! Er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin! Bekenntnis Sie haben's kein'n Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben. Martin Luther 1483—1546. 9 Choralbuch 49(10)). Es ist das Heil uns kommen her von Gnad und lauter Güte; die Werk, die helfen nimmermehr, sie können nicht behüten. Der Glaub sieht Jesum Christum an; der hat gnug für uns all getan, er ist der Mittler worden. 2. Was Gott im Gsetz ge— boten hat, da man es nicht konnt halten, erhub sich Zorn und große Not vor Gott so mannigfalte. Vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, vom Gsetz erfordert aller⸗ meist; es war mit uns ver⸗ loren. 3. Doch muß das Esetz er⸗ füllet sein, sonst wärn wir all verdorben; drum schickt' Gott seinen Sohn herein, der selber Mensch ist worden. Das ganz Gesetz hat er er⸗ füllt, damit seins Vaters Zorn gestillt, der über uns ging alle. 4. And wenn es nun erfüllet ist durch den, der es konnt halten, so lerne jetzt ein from⸗ mer Christ des Glaubens recht Gestalte; nicht mehr denn:„Lieber Herre mein, Bekenntnis dein Tod wird mir das Leben seinz du hast für mich bezahlet. 5. Daran ich keinen Zweifel trag; dein Wort kann nicht betrügen. Nun sagst du, daß kein Mensch verzag(das wirst du nimmer lügen): Wer glaubt an mich und wird getauft, demselben ist der Himml erkauft, daß er nicht werd verloren.“ 6. Es ist gerecht vor Gott allein, der diesen Glauben fasset; der Glaub gibt aus von ihm den Schein, so er die Werk nicht lasset. Mit Gott der Glaub ist wohl daran, dem Nächsten wird die Lieb Guts tun, bist du aus Gott geboren. 7. Die Hoffnung wart't der rechten Zeit, was Gottes Wort zusage. Wann das geschehen soll zur Freud, setzt Gott kein' gwisse Tage; er weiß wohl, wann's am besten ist, und braucht an uns kein' arge List. Des solln wir ihm vertrauen. 8. Ob sich's anließ, als wollt er nicht, laß dich es nicht erschrecken; denn wo er ist am besten mit, da will er's nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein; und ob dein Fleisch spräch lauter Nein, so laß doch dir nicht grauen! 9. Sei Lob und Ehr mit hohem Preis um dieser Gut⸗ tat willen Gott Vater, Sohn und heil'gem Geist; der woll mit Gnad erfüllen, was er in uns angfangen hat zu Ehren seiner Majestät, daß heilig werd sein Name; 10. sein Reich zukomm; sein Will auf Erd' gscheh wie im Himmelsthrone; das täglich Brot ja heut uns werd; wollst unsrer Schuld ver⸗ schonen, als wir auch unsern Schuldnern tun; laß uns nicht in Versuchung stehn; lös uns vom Abel. Amen. Paul Speratus 1484—1551. Choralbuch 174(110).(Auch 10 nach Choralbuch 49(101): Es ist das Heil.) Such, wer da will, ein ander Ziel, die Selig⸗ keit zu finden; mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr, sein Werk ist klar; sein heil'ger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden. 2. Such, wer da will, Not⸗ helfer viel, die uns doch nichts erworben. Hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. Ans wird das Heil durch ihn zuteil; uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist ge⸗ storben. 3. Ach sucht doch den, laßt alles stehn, die ihr das Heil begehret! Er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzens⸗ grund, sucht ihn allein; denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret. 4. Meins Herzens Kron, mein' Freudensonn sollst du, Herr Jesu, bleiben; laß mich doch nicht von deinem Licht die Eitelkeit vertreiben. Bleib du mein Preis; dein Wort mich speis'. Bleib du mein' Ehr; dein Wort mich lehr, an dich stets fest zu gläuben. 5. Wend von mir nicht dein Angesicht; laß mich im Kreuz nicht zagen. Weich nicht von mir, mein' höchste Zier; hilf mir mein Leiden tragen. Hilf mir zur Freud nach diesem Leid; hilf, daß ich mag nach aller Klag dort ewig Lob dir sagen. Georg Weissel 1590—1635. II Choralbuch 130(88). Nun freut euch, liebe Chri⸗ sten, gmein und laßt uns fröhlich springen, daß wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat, und seine süße Wunder⸗ tat; gar teur hat er's er⸗ worben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich ver⸗ loren; mein' Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren; ich fiel auch immer tiefer drein, es war Bekenntnis kein Guts am Leben mein⸗ die Sünd hatt' mich be⸗ sessen. 3. Mein' gute Werk, die galten nicht, es war mit ihn'n verdorben; der frei Will haßte Gottes Gricht, er war zum Gurtn erstorben. Die Angst mich zu verzwei⸗ feln trieb, daß nichts denn sterben bei mir blieb; zur Hölle mußt ich sinken. 4. Da jammert' Gott in Ewigkeit mein Elend über Maßen; er dacht an sein' Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen; er wandt zu mir das Vaterherz, es war bei ihm fürwahr kein Scherz, er ließ's sein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn:„Die Zeit ist, zu er⸗ barmen; fahr hin, meins Herzens werte Kron, und sei das Heil dem Armen und hilf ihm aus der Sünden Not, erwürg für ihn den bittern Tod und laß ihn mit dir leben.“ 6. Der Sohn dem Vater ghorsam ward, er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau, rein und zart, er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt' er sein“ Gewalt, er ging in meiner armen Gstalt, den Teufel wollt er fahen. 7. Er sprach zu mir:„Halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb mich Bekenntnis selber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein, und du bist mein, und wo ich bleib, da sollst du sein; uns soll der Feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid ich alles dir zugut, das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein' Anschuld trägt die Sünde dein; da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von diesem Leben. Da will ich sein der Meister dein; den Geist will ich dir geben, der dich in Trübnis trösten soll und lehren mich erkennen wohl und in der Wahrheit leiten. 10. Was ich getan hab und gelehrt, das sollst du tun und lehren, damit werd Got⸗ tes Reich gemehrt zu seinem Lob und Ehren; und hüt dich vor der Menschen Gsatz, davon verdirbt der edle Schatz. Das lass' ich dir zur Lehe.* zum Abschied. Martin Luther 1483— 1546. 12 Choralbuch 205(G. Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Him⸗ mels und der Erden, der sich zum Vater geben hat, daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; allem Anfall will er wehren, kein Leid soll uns widerfahren. Er sorget für uns, hüt't und wacht; es steht alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, seinen Sohn und unsern Herren, der ewig bei dem Vater ist, gleicher Gott von Macht und Ehren; von Maria der Jungfrauen ist ein wahrer Mensch ge⸗ boren durch den heil'gen Geist im Glauben; für uns, die wir war'n verloren, am Kreuz gestorben und vom Tod wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heil'⸗ gen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, der aller Blöden Tröster heißt und mit Gaben zieret schöne; die ganz Christenheit auf Erden hält in einem Sinn gar eben; hie all Sünd vergeben werden; das Fleisch soll auch wieder leben. Nach diesem Elend ist bereit uns ein Leben in Ewigkeit. Amen. Martin Luther 1483— 1546. Choralbuch 90(129): 13 Jesu, hilf siegen, du Fürste des Lebens. Jenns ist kommen, Grund ewiger Freude. A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Men⸗ schen so nah! Himmel und Erde, erzählet's den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden! 2. Jesus ist kommen; nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen ent⸗ zwei. Anser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden; er, der Sohn Gottes, der machet recht frei, bringet zu Ehren aus Sünde und Schande. Jesus ist kommen; nun sprin⸗ gen die Bande. 3. Jesus ist kommen, der König der Ehren. Himmel und Erde, rühmt seine Ge⸗ walt! Dieser Beherrscher kann Herzen bekehren; öffnet ihm Tore und Türen fein bald! Denkt doch, er will euch die Krone gewähren. Jesus ist kommen, der König der Ehren. 4. Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden. Sünden der ganzen Welt träget dies Lamm. Sündern die ew'ge Erlösung zu finden, litt es und starb es am blutigen Stamm. Abgrund der Liebe, wer kann dich ergründen? Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden. 5. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden. Komme, wen dürstet, und trinke, wer will! Holet für euern so giftigen Schaden Gnade aus Bekenntnis dieser unendlichen Füll! Alle Verlornen sind hieher ge⸗ laden. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden. 6. Jesus ist kommen, sagt's aller Welt Enden; eilet, ach eilet zum Gnadenpanier! Schwöret ihm Treue mit Herzen und Händen, sprechet: Wir leben und sterben mit dir! Herzensfreund, gürte mit Wahrheit die Lenden! Jesus ist kommen, sagt's aller Welt Enden! Johann Ludwig Konrad Allendorf 1693—1773. Choralbuch 46(104): 4 es glänzet der christen inwendiges Leben. Gu lebet! Sein Name gibt Leben und Stärke, er heißet der Seinigen Sonne und Schild. Sobald ich, so oft ich sein Regen vermerke, so spür ich mich innig mit Kräften erfüllt. Sein bin ich ganz eigen, das muß sich wohl zeigen; laß alles, was widrig und trotzig ist, kommen, mir wird doch mein Ruhm und mein Gott nicht genommen. 2. O Seelen, vernehmet den göttlichen Willen! Das Beste, das Höchste, das gibt er so gern; eröffnet das Herz nur, so wird er es füllen. Versuchet's, erkennet und lobet den Herrn! Seid ihr noch entfernet, so sehet und Bekenntnis lernet, was manche an seinen durchdringenden Gaben, ja selber an ihm, dem Leben⸗ digen, haben. 3. In linden und leichten, erträglichen Tagen ver⸗ meinet ein jedes gefasset zu sein; ist aber ein ernstliches Treffen zu wagen, so stellet sich furchtsame Blödigkeit ein. Nur Gottesbekannte und Schirmesverwandte sind tüchtig, in allerlei Fällen zu stehen und allem, was feindlich, entgegenzugehen. 4. Wer glaubet, der fleucht nicht; es muß ihm wohl gehen, es birget vor ihm sich die Furcht und Gefahr; und ehe die Trägen den Gegner ersehen, so wird er des Siegs und des Preises gewahr. Er sieht sich be⸗ rufen von Stufen zu Stufen; und weil er auf Gottes Ver⸗ heißung sich lehnet, so wird er mit himmlischem Segen gekrönet. Johann d Bengel 1687— 1752. 15 Choralbuch 170(10) und 171(10. ollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut er's mit mir mein'. Ist's doch nichts als lauter Lieben, was sein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Ge⸗ sieder über seine Jungen streckt, also hat auch hin und wieder mich des Höch— sten Arm bedeckt, alsobald in Mutterleibe, da er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer, nein, er gibt ihn für mich hin, daß er mich vom ew'gen Feuer durch sein teures Blut gewinn. O du Brunnen ohn Er⸗ gründen, wie will doch mein schwacher Geist, ob er sich gleich hoch befleißt, deines Grundes Tiefe finden? Alles Ding währt seine Zeit, Got⸗ tes Lieb in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, gibt er mir in seinem Wort, daß er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort, daß er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubens⸗ licht, das des Todes Macht zerbricht und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohl⸗ ergehen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Not entstehen, nimmt er's gleich⸗ falls wohl in acht. Wann mein Können, mein Ver⸗ mögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an, sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Got⸗ tes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt; wo ich nur mein Aug hinkehre, find ich, was mich nährt und hält: Tier' und Kräuter und Getreide; in den Gründen, in der Höh, in den Büschen, in der See, überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Wann ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüt, daß ich jeden lieben Morgen schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, hätte mich sein Angesicht nicht geleitet, wär ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 8. Wie ein Vater seinem Kinde sein Herz niemals ganz entzeucht, ob es gleich bisweilen Sünde tut und aus den Schranken weicht, also hält auch mein Ver⸗ brechen mir mein frommer Gott zugut, will mein Fehlen Bekenntnis mit der Rut und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Got⸗ tes Lieb in Ewigkeit. 9. Seine Strafen, seine Schläge, ob mir's gleich oft bitter scheint, dennoch, wenn ich's recht erwäge, sind es Zeichen, daß mein Freund, der mich liebet, mein gedenke und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Das weiß ich fürwahr und lasse mir's nicht aus dem Sinne gehn: Christen⸗ kreuz hat seine Maße und muß endlich stillestehn. Wann der Winter aus⸗ geschneiet, tritt der schöne Sommer ein; also wird auch nach der Pein, wer's er⸗ warten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Got⸗ tes Lieb in Ewigkeit. 11. Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe find't, ei so heb ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind; bitte, wollst mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu um⸗ fangen Tag und Nacht hier in meinem ganzen Leben, bis ich dich nach dieser Zeit lob und lieb in Ewigkeit. Paul Gerhardt 1607-1676. Bekenntnis Choralbuch 119(123): 16 Mein Jesus lebt! Was soll ich sterben. Gee hin, ihr gläubigen Gedanken, ins weite Feld der Ewigkeit; erhebt euch über alle Schranken der alten und der neuen Zeit; erwägt, daß Gott die Liebe sei, die ewig alt und ewig neu. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, der Him⸗ mel war noch nicht gemacht, so hat Gott schon den Trieb geheget, der mir das Beste zugedacht; als ich noch nicht geschaffen war, da reicht' er schon mir Gnade dar. 3. Sein Ratschluß war: ich sollte leben durch seinen eingebornen Sohn; den wollt er mir zum Mittler geben, den macht' er mir zum Gnadenthron, in dessen Blute soll ich rein, geheiliget und selig sein. 4. O Wunderliebe, die mich wählte vor allem Anbeginn der Welt und mich zu ihren Kindern zählte, für welche sie das Reich bestellt; o Vaterhand, o Gnadentrieb, der mich ins Buch des Lebens schrieb. 5. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüte hinauf zu dieser Quelle steigt, von welcher sich ein Strom der Güte zu mir durch alle Zeiten neigt, daß jeder Tag sein Zeugnis gibt: Gott hat mich je und je geliebt. 6. Wer bin ich unter Mil⸗ lionen der Kreaturen seiner Macht, die in der Höh und Tiefe wohnen, daß er mich bis hieher gebracht! Ich bin ja nur ein dürres Blatt, ein Staub, der keine Stätte hat. 7. Ja freilich bin ich zu geringe der herzlichen Barm⸗ herzigkeit, womit, o Schöp⸗ fer aller Dinge, mich deine Liebe stets erfreut; ich bin, o Vater, selbst nicht mein: dein bin ich, Herr, und bleibe dein. 8. Im sichern Schatten deiner Flügel find ich die ungestörte Ruh. Der feste Grund hat dieses Siegel: wer dein ist, Herr, den kennest du. Laß Erd und Himmel untergehn, dies Wort der Wahrheit bleibet stehn. 9. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden der Seele Mut und Kraft gebricht, so salbest du mein Haupt mit Freuden, so tröstet mich dein Angesicht; da spür ich deines Geistes Kraft, die in der Schwachheit alles schafft. 10. Die Hoffnung schauet in die Ferne durch alle Schatten dieser Zeit; der Glaube schwingt sich durch die Sterne und sieht ins Reich der Ewigkeit. Da zeigt mir deine milde Hand mein Erbteil und gelobtes Land. 11. Osollt ich dich nicht ewig lieben, der du mich unauf⸗ hörlich liebst? Sollt ich mit Andank dich betrüben, da du mir Fried' und Freude gibst? Verließ' ich dich, o Menschenfreund, so wär ich selbst mein ärgster Feind. 12. Ach könnt ich dich nur besser ehren, welch edles Loblied stimmt' ich an! Es sollten Erd und Himmel hören, was du, mein Gott, an mir getan. Nichts ist so köstlich, nichts so schön als, höchster Vater, dich erhöhn. 13. Doch nur Geduld: es kommt die Stunde, da mein durch dich erlöster Geist im höhern Chor mit frohem Munde dich, schönste Liebe, schöner preist. Drum eilt mein Herz aus dieser Zeit und sehnt sich nach der Ewigkeit. Johann Gottfried Herrmann 17⁰7—1791. 17 wunehend n Wandle leuchtender und schöner. Singet Gott! denn Gott ist Liebe, Liebe, die da Lob und Dank Singt durch ewig währt. seines Geistes Triebe, wer es an sich selbst erfährt. Wenn Gott läßt den Eifer brennen, brennt er bis zur Hölle Grund; nun er sich läßt Liebe nennen, wird es allen Himmeln kund. 2. Liebe, die er in Erkennt⸗ nis seines Sohnes uns bezeugt, Liebe, welche das Verständnis aller Menschen übersteigt, du bist weit: ob allen Kindern; du währst lang: auf alle Zeit; du reichst tief: zu armen Sün⸗ dern; du führst hoch: zur Herrlichkeit. 3. Liebe, die mein Herz darf glauben, ob sie mein Verstand nicht faßt, laß den Feind mich dir nicht rauben, der uns als Ge⸗ liebte haßt. Liebe, laß es mir gelingen, dich zu kennen, wie du bist; Liebe, lehr mich ewig singen, daß Gott Lobes würdig ist. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Lob und Dank 18 Choralbuch 128()). Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut getan. 2. Der ewig reiche Gott woll uns bei unsrem Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben, und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort, und uns aus bis hieher hat Lob und Dank aller Not erlösen hier und dort. 3. Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem der beiden gleich im höchsten Himmels⸗ throne, dem einig höchsten Gott, als es anfänglich war und ist und bleiben wird jetzund und immerdar! Martin Ninckart 1586—1649. 19 Choralbuch 105(16). obe den Herren, den mäch⸗ tigen König der Ehren! Stimme, du Seele, mit ein zu den himmlischen Chören! Kommet zuhauf! Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören! 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adlers Gefieder so sicher geführet, der dir be⸗ schert, was dich erfreuet und nährt; dank es ihm innigst gerühret! 3. Lobe den Herren, der tünstlich und fein dich be⸗ reitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet! 4. Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der All⸗ mächtige kann, der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren und seinen hochheiligen Namen Lob ihn, was in mir ist, mit dem erkorenen Samen Er ist dein Licht; Seele, ver⸗ giß es ja nicht! Lob ihn in Ewigkeit! Amen. Joachim Neander 1650—1680. Choralbuch 129(09): 20 Nun danket all und bringet Ehr. ch singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad und ew'ge Quelle seist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Tau und Regen netzt? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Ol und Most zu seiner Zeit gewinnt? 6. Wer gibt uns Leben, Kraft und Mut? Wer hält mit seiner Hand des güld⸗ nen Friedens wertes Gut in unsrem Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt alles tun; du hältst die Wach an unsrer Tür und läßt uns sicher ruhn. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei. 9. Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr: ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht und gibstuns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr gereicht. 11. Du zählst, wie oft ein Frommer wein und was sein Kummer sei; und keine Trän ist dir zu klein, du hebst und legst sie bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in das Himmelshaus, wann uns die Erd entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Arsprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf Lob und Dank und Heil, schafft Rat und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich ge⸗ macht. 16. Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt? Wie manchen schweren Anglückslauf hat er zurückgekehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn in seinem Regi⸗ ment; nein, was er tut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner tun und red ihm nicht dar⸗ ein; so wirst du hier im Frieden ruhn und ewig fröhlich sein. Paul Gerhardt 1607— 1676. 2 Choralbuch 134(9). un lob, mein' Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein, des Gnaden stets sich mehren vergiß es nicht, o Herze mein Er hat die Sünd vergeben, heilt deine Schwachheit groß, beschirmt dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß, mit Trost dich überschüttet, verjüngt dem Adler gleich. Der Herr schafft Recht, be⸗ hütet, die leiden in sein'm Reich. Lob und Dank 2. Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht, dazu sein' Güt ohn Maßen; ihm mangelt's an Erbarmung nicht. Den Zorn läßt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld, die Gnad will er nicht sparen, den Blöden ist er hold. Sein Güt ist hoch erhaben ob dem, der fürchtet ihn; so fern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin. 3. Wie Väter sich erbar⸗ men ob ihrer jungen Kind⸗ lein klein, so tut der Herr uns Armen, so wir ihn kind⸗ lich fürchten rein. Er kennt uns arme Knechte und weiß, wir sind nur Staub, ein bald verwelkt Geschlechte, wie Blum und fallend Laub: der Wind nur drüber wehet, so ist es nimmer da; also der Mensch vergehet, sein End, das ist ihm nah. 4. Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewig⸗ keit; sie bleibt bei der Ge⸗ meine, die steht in seiner Furcht bereit, die seinen Bund behalten; er herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet des Lobs und dient zugleich dem großen Herrn zu Ehren und treibt sein heilig Wort! Mein' Seel soll auch vermehren sein Lob an allem Ort. 14 5. Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und heil'gem Geist! Der woll in uns vermehren, was er aus Gnaden uns verheißt, daß wir ihm fest vertrauen, uns gründen ganz auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, daß unser Mut und Sinn ihm allezeit anhangen. Drauf singen wir zur Stund: Wir werden es erlangen! Amen von Herzensgrund. Johann Gramann 1487—1541. (Str. 5 erstmals 1549.) 22 Choralbuch 106(13). obe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn lo— ben bis in Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen mei⸗ nem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, halleluja! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren, und sinken wieder in den Staub; ihre Anschläge sind auch ver⸗ loren, wenn nun das Grab nimmt seinen NRaub. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, rufe man Gott um Hilfe an. Halleluja, halle⸗ luja! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs ist; welcher vom Glauben sich nicht läßt tren⸗ nen und hofft getrost auf Tat. Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Halleluja, halleluja! 4. Dieser hat Himmel, Meer und die Erden und was darinnen ist, gemacht. Alles muß pünktlich erfüllet wer⸗ den, was er uns einmal zu⸗ gedacht. Er ist's, der Herr⸗ scher aller Welt, welcher uns ewig Glauben hält. Halleluja, halleluja! 5. Sollt er was sagen, und doch nicht halten? Sollt er was reden, und nicht tun? Kann auch der Wahrheit Kraft veralten? Kann auch sein wallend Herze ruhn? Ach nein, dein Gott steht felsenfest; weh aber dem, der ihn verläßt! Halleluja, halleluja! 6. Siehet er Seelen, die Anrecht leiden, er ist's, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er genug bescheiden, was ihnen dient zur Lebenskraft. Die hart Gebundnen macht er frei, und seiner Gnad ist mancher⸗ lei. Halleluja, halleluja! 7. Sehende Augen gibt er den Blinden, erhebt, die tief gebeuget gehn; wo er kann gläubige Seelen finden, die läßt er seine Liebe sehn. Sein' Aufsicht ist des Fremd⸗ lings Trutz; Witwen und Waisen hält er Schutz Halle⸗ luja, halleluja! Lob und Dank 8. Aber der Gottesvergeß nen Tritte kehrt er mit starker Hand zurück, daß sie nur machenverkehrteSchritte und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich; Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Halle⸗ luja, halleluja! 9. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen des, der so große Wunder tut! Alles, was Odem hat, rufe amen und bringe Lob mit frohem Mut! Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heil'gen Geist! Halleluja, halleluja! Johann Daniel Herrnschmidt 1675⁵1723. (Str. 5 stammt aus einem Lied von Johann Job 1664— 1736.) 23 Choralbuch 36(17). Dir, dir, Jehova, will ich singen; denn wo ist doch ein solcher Gott wie du? Dir will ich meine Lieder bringen; ach gib mir deines Geistes Kraft dazu, daß ich es tu im Namen Jesu Christ, so wie es dir durch ihn ge⸗ fällig ist. 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir; dein Geist in meinem Herzen wohne und meine Sinnen und Verstand regier, daß ich den Frieden Gottes schmech rner Sr rN Lob und Dank und fühl und dir darob im Herzen sing und spiel. 3. Verleih mir, Höchster, solche Güte, so wird gewiß mein Singen recht getan, so klingt es schön in meinem Liede, und ich bet dich im Geist und Wahrheit an; so hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, daß ich dir Psalmen sing im höhern Chor. 4. Denn der kann mich bei dir vertreten mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; der lehret mich recht gläubig beten, gibt Zeugnis meinem Geist, daß ich dein Kind und ein Miterbe Jesu Christi sei, daher ich„Abba, lieber Vater!“ schrei. 5. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, das ist nach deinem Willen einge⸗ richt't und wird gewiß von dir erhöret, weil es im Namen deines Sohns ge⸗ schicht, durch welchen ich dein Kind und Erbe bin und nehme von dir Gnad um Gnade hin. 6. Wohl mir, daß ich dies Zeugnis habe! Drum bin ich voller Trost und Freudig⸗ keit und weiß, daß alle gute Gabe, die ich von dir ver⸗ langet jederzeit, die gibst du und tust überschwenglich mehr, als ich verstehe, bitte und begehr. 7. Wohl mir! Ich bitt in Jesu Namen, der mich zu deiner Rechten selbst ver⸗ tritt; in ihm ist alles ja und amen, was ich von dir im Geist und Glauben bitt. Wohl mir, Lob dir jetzt und in Ewigkeit, daß du mir schenkest solche Seligkeit! Bartholomäus Crasselius 1667—1724. 24 Choralbuch 129(J). un danket all und bringet Ehr, ihr Menschen, in der Welt ihm, den da preist der Engel Heer allzeit im Himmelszelt. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unsrem höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge tut; 3. der uns von Mutterleibe an frisch und gesund erhält und, wo kein Mensch mehr helfen kann, sich selbst zum Helfer stellt; 4. der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet güt'gen Muts, die Straf erläßt, die Schuld vergibt und tut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz in Meeres Tiefe hin. 6. Er lasse seinen Frieden ruhn auf unsrem Vaterland; er gebe Glück zu unsrem Tun und Heil zu allem Stand. 7. Er lasse seine Lieb und Güt um, bei und mit uns gehn, was aber ängstet und bemüht, gar ferne von uns stehn. 8. Solange dieses Leben währt, sei er stets unser Heil, und wenn wir scheiden von der Erd, verbleib er unser Teil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, uns unsre Augen zu und zeig uns drauf sein Angesicht dort in der ew'gen Ruh. Paul Gerhardt 1607—1676. 25 Choralbuch 135(23). un preiset alle Gottes Barmherzigkeit! Lob ihn mit Schalle, werteste Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden. Freue dich, Israel, seiner Gnaden! 2. Der Herr regieret über die ganze Welt; was sich nur rühret, alles zu Fuß ihm fällt. Viel tausend Engel um ihn schweben, Psalter und Harfen ihm Ehre geben. 3. Wohlauf, ihr Heiden, lasset das Trauern sein; zur grünen Weiden stellet euch willig ein! Da läßt er uns sein Wort verkünden, machet uns ledig von allen Sünden. 4. Er gibet Speise reichlich und überall; nach Vaters Weise sättigt er allzumal. Er schaffet früh⸗ und syä Lob und Dank Regen, füllet uns alle mit seinem Segen. 5. Drum preis' und ehre seine Barmherzigkeit; sein Lob vermehre, werteste Christenheit! Ans soll hinfort kein Anfall schaden; freue dich, Israel, seiner Gnaden! Apelles von Löwenstern 1594—1648. Choralbuch 38(15).(Auch 26 nach Choralbuch 178(50): Valet will ich dir geben.) Du, meine Seele, singe, wohlauf, und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, so⸗ lang ich leben werd. 2. Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbe⸗ trübt. 3. Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht; das weisen die Ge— schäfte, die seine Hand ge⸗ macht: der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, der Fisch' unzähl'ge Herde im großen, wilden IA—/E I HAW.—*ie Lob und Dank nen, die niemand unrecht tun, all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn. Gott hält sein Wort mit Freuden, und was er spricht, geschicht; und wer Gewalt muß leiden, den schützt er im Gericht. 5. Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Spei⸗ sen zur Zeit der Hungers⸗ not, macht schöne, rote Wangen oft bei geringem Mahl, und die da sind ge⸗ fangen, die reißt er aus der Qual. 6. Er ist das Licht der Blin⸗ den, erleuchtet ihr Gesicht, und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht't; er liebet alle Frommen, und die es treu gemeint, die finden, wenn sie kommen, an ihm den besten Freund. 7. Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm; der Herr allein ist König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt, ist's billig, daß ich mehre sein Lob vor aller Welt. Paul Gerhardt 1607—1676. 27 Choralbuch 141(14). O daß ich tausend Zungen hätte und einen tausend⸗ fachen Mund! So stimmt ich damit um die Wette vom allertiefsten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir getan. 2. Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euern Fleiß und stehet munter im Ge⸗ schäfte zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich und lobe Gott herzinniglich! 3. Ihr grünen Blätter in den Wäldern bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräslein in den Feldern, ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet sein und stim⸗ met lieblich mit mir ein! 4. Ach alles, alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, soll sich mir zum Gehilfen geben; denn mein Vermögen ist zu matt, die großen Wunder zu erhöhn, die allenthalben um mich stehn. 5. Dir sei, o allerliebster Vater, unendlich Lob für Leib und Geist, für alles, mildester Berater, was deine Güte mir erweist, was du in deiner ganzen Welt zu meinem Wohlsein hast bestellt. 6. Mein treuster Jesu, sei gepriesen, daß dein erbar⸗ mungsvolles Herz sich mir so hilfreich hat erwiesen, daß es durch Blut und Todes⸗ schmerz vom Sündenelend mich befreit und dir zum Eigentum geweiht. 7. Auch dir sei ewig Lob und Ehre, o heilig werter Gottesgeist, für deines Trostes süße Lehre, die mich ein Kind des Lebens heißt. Ach, wo ich etwas Guts verricht, das wirket nur dein göttlich Licht. 8. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du bist es, Herr Gott Zebaoth. Du trägst mit meiner Sündenschuld unsäglich gnädige Geduld. 9. Demütig küss' ich deine Rute, die du mir aufgebun⸗ den hast. Wie viel tut sie mir doch zugute und ist mir eine sanfte Last! Sie macht mich fromm und zeugt da⸗ bei, daß ich von deinen Lieben sei. 10. Ich habe ja mein Lebe⸗ tage es schon so manches Mal gespürt, daß du mich unter vieler Plage getreu⸗ lich hast hindurchgeführt. Denn in der größesten Ge⸗ fahr ward ich dein Trost⸗ licht stets gewahr. 11. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden in deinem steten Lobe stehn? Wie wollt ich auch im tiefsten Leiden nicht triumphierend weitergehn? And fiele auch Lob und Dank der Himmel ein, so will ich doch nicht traurig sein. 12. Ich will von deiner Güte singen, solange sich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, so⸗ lange sich mein Herz bewegt; ja wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm ich doch mit Seufzen ein. 13. Ach nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin! Im Himmel soll es besser wer⸗ den, wenn ich bei deinen Engeln bin; da sing ich dir im höhern Chor viel tau— send Halleluja vor. Johann Mentzer 1658—1734. 28 Choralbuch 207(19) und 208 CQ0). Womit soll ich dich wohl loben, mächtiger Herr Zebaoth? Sende mir dazu von oben deines Geistes Kraft, mein Gott! Denn ich kann mit nichts erreichen deine Gnad und Liebes⸗ zeichen. Taͤusend⸗ tausend⸗ mal sei dir, großer König, Dank dafür! 2. Herr, entzünde mein Ge⸗ müte, daß ich deine Wun— dermacht, deine Gnade, Treu und Güte stets erhebe Tag und Nacht, da von deinen Gnadengüssen Leib und Seele zeugen müssen. Tau⸗ send⸗, tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 9eE.6 SE?r92eS„ 3 9 KI. nn 3. Denk ich, wie ich dich verlassen, wie ich häufte Schuld auf Schuld, so möcht ich vor Scham erblassen ob der Langmut und Geduld, womit du, o Gott, mich Armen hast getragen aus Erbarmen. Tausend⸗, tau⸗ sendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 4. Ach ja, wenn ich überlege, mit was Lieb und Gütigkeit du durch so viel Wunder⸗ wege mich geführt die Le⸗ benszeit, so weiß ich kein Ziel zu finden noch die Tie⸗ fen zu ergründen. Tausend⸗,/ tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 5. Du, Herr, bist mir nach⸗ gelaufen, mich zu reißen aus der Glut; denn da mit der Sünder Haufen ich nur suchte irdisch Gut, hießest du auf das mich achten, wo⸗ nach man zuerst soll trachten. Tausend⸗,tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 6. O wie hast du meine Seele stets gesucht zu dir zu ziehn, daß ich aus der Sün⸗ denhöhle möchte zu den Wunden fliehn, die mich ausgesöhnet haben und mir Kraft zum Leben gaben. Tausend⸗tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 7. Ja, Herr, lauter Gnad und Wahrheit sind vor dei⸗ nem Angesicht; du, du trittst hervor in Klarheit, in Ge— Lob und Dank rechtigkeit, Gericht, daß man soll aus deinen Werken dei⸗ ne Güt und Allmacht merken. Tausend⸗,tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 8. Bald mit Lieben bald mit Leiden kamst du, Herr, mein Gott, zu mir, nur mein Herze zu bereiten, ganz sich zu ergeben dir, daß mein gänzliches Verlangen möcht an deinem Willen hangen. Tausend⸗,tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 9. Wie ein Vater nimmt und gibet, nach dem's Kin⸗ dern nützlich ist, so hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist und dich meiner angenommen, wenn's aufs Höchste auch gekommen. Tausend⸗, tau⸗ sendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 10. Mich hast du auf Ad⸗ lersflügeln oft getragen väterlich, in den Tälern, auf den Hügeln wunderbar errettet mich. Schien mir alles zu zerrinnen, ward doch deiner Hilf ich innen. Tausend⸗, tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 11. Fielen tausend mir zur Seiten und zur Rechten zehnmal mehr, ließest du mich doch begleiten durch der Engel starkes Heer, daß den Nöten, die mich drangen, ich je dennoch bin entgangen. Tausend⸗, tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! Ps. 91, 7. 12. Vater, du hast mir er⸗ zeiget lauter Gnad und Gütigkeit, und du hast zu mir geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit, und durch dich, o Geist der Gnaden, werd ich stets noch eingela⸗— den. Tausend⸗, tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 13. Tausendmal sei dir ge⸗ sungen, Herr, mein Gott, Preis, Lob und Dank, daß es mir bisher gelungen. Ach laß meines Lebens Gang ferner doch durch Jesu Leiten nur gehn in die Ewigkeiten; da will ich, Herr, für und für ewig, ewig danken dir. Ludwig Andreas Gotter 1661—1735. 29 Choralbuch 199(2). ie groß ist des All⸗ mächt'gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, der mit verhärtetem Gemüte den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen: vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunder⸗ bar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmut mich ge⸗ Lob und Dank leitet? Er, dessen Rat ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Ist's nicht sein Arm, der alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist, wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, durch Gottes Güte sind sie dein; sieh darum mußte Christus lei⸗ den, damit du könntest selig sein. 4. And diesen Gott sollt ich nicht ehren und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben, sein Wort bestärkt ihn ewig⸗ lich: Gott soll ich über alles lieben und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: ich soll voll⸗ kommen sein wie er. And wenn ich dies Gebot erfülle, stell ich sein Bildnis in mir her. Lebt seine Lieb in mei⸗ ner Seele, so treibt sie mich zu jeder Pflicht, und ob ich schon aus Schwachheit fehle, herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. O Gott, laß deine Güt Anrufung und Liebe mir immerdar vor Augen sein! Sie stärk in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weihn; sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, sie leite Anrufung Choralbuch 155 61): 30 O Welt, ich muß dich lassen. err, höre! Herr, erhöre! Breit deines Namens Ehre an allen Orten aus; behüte alle Stände durch deiner Allmacht Hände, be— schütze Kirche, Land und Haus! 2. Ach laß dein Wort uns allen noch ferner reichlich schallen zu unsrer Seelen Nutz. Bewahr uns vor den Rotten, die deiner Wahr⸗ heit spotten, beut allen deinen Feinden Trutz! 3. Gib du getreue Lehrer und unverdroßne Hörer, die beide Täter sei'n; auf Pflan⸗ zen und Begießen laß dein Gedeihen fließen und Früch⸗ te reichlich ernten ein! 4. Du wollst uns hoch be⸗ glücken, mit hellen Gnaden⸗ blicken auf unsern König sehn, ihn schützen auf dem Throne, auf seinem Haupt die Krone in vollem Glanze lassen stehn! 5. Laß alle, die regieren, und Bitte mich zur Zeit des Glücks, und sie besieg in meinem Herzen die Furcht des letz⸗ ten Augenblicks. Christian Fürchtegott Gellert 1715—1769. und Bitte ihr Amt getreulich führen, schaff jedermann sein Recht, daß Fried und Treu sich müssen in unsrem Lande küssen; ja, segne Mann, Weib, Herrn und Knecht! 6. Erhalt in jeder Ehe beim Glücke wie beim Wehe recht⸗ schaffne Frömmigkeit. In Anschuld und in Tugend gedeihe unsre Jugend, zu deines Reiches Dienst be— reit! 7. O Vater, wend in Gna⸗ den Krieg, Feuer, Wasser⸗ schaden und Sturm und Hagel ab; bewahr des Landes Früchte und mache nicht zunichte, was deine milde Hand uns gab. 8. Laß alle gift'gen Seuchen von unsern Grenzen weichen, gib uns gesunde Luft; laß Mißwachs, teure Zeiten sich nicht bei uns verbreiten, da nach dem Brot der Hunger ruft. 9. Gedenke voll Erbarmen der Leidenden und Armen, Verirrte bring herein! Die Witwen und die Waisen und Bitte Anrufung wollst du mit Troste speisen, wenn sie zu dir um Hilfe schrein. 10. Komm als ein Arzt den Kranken, und die im Glau⸗ ben wanken, laß nicht zu Grunde gehn! Die Alten heb und trage, damit sie ihre Plage geduldig können überstehn. 11. Die Reisenden beschütze, bleib der Verfolgten Stütze; die Sterbenden begleit mit deinen Engelscharen, daß sie im Frieden fahren zu ZionsFreud undHerrlichkeit. 12. Nun, Herr, du wirst er⸗ füllen, was wir nach deinem Willen in Demut jetzt be⸗ gehrt. Wir sprechen gläubig amen in unsers Jesu Namen, so ist gewiß der Wunsch ge⸗ währt. Benjamin Schmolck 1672—1737. Choralbuch 164(172): 31 Schwing dich auf zu dei⸗ nem Gott. orge, Vater, sorge du, sorge für mein Sorgen! Sorge, Jesu, immerzu, sorge heut und morgen; sorge für mich allezeit, sorge für das Deine! O du Gott der Freundlichkeit, sorge du alleine! 2. Sorge, wann der Tag anbricht, sorg für Leib und Seele, daß ich einem an⸗ dern nicht sie als dir befehle. Sorge, lieber Gott, allhier auch für meine Sinne; sorge, daß zuwider dir ich ja nichts beginne. 3. Sorge doch und laß mir auch dein Wort bis ans Ende; laß mir, Herr, den rechten Brauch deiner Sa⸗ kramente! Sorge für die Obrigkeit, Diener deines Wortes, und dazu für alle Leut jedes Stands und Ortes! 4. Sorge großer Menschen⸗ freund, für uns, deine Kin⸗ der; sorge, Herr, für Freund und Feind, sorge für uns Sünder! Sorge für mein Stücklein Brot, sorge doch für alle, die da sind mit mir in Not; sorge, wenn ich falle. 5. Sorge, Herr, wenn mich anficht Satan auf der Erde; sorge, wenn vor dein Ge— richt ich gefordert werde. Sorg für meine Grabesstatt, sorg fürs ew'ge Leben; sorge, wann mein Geist sich hat dir einst übergeben. Ludämilie, Gräfin vonSchwarz⸗ burg⸗Rudolstadt 1640—1672. 32 Choralbuch 192(16). enn wir in höchsten Nöten sein und wis⸗ sen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hilf noch Rat, ob wir gleich sorgen früh und spat, 2. so ist dies unser Trost allein, daß wir zusammen insgemein treuer Gott, aus der Angst und Not 3. und heben unser Aug und Herz zu dir in wahrer dich anrufen, o um Rettung Reu und Schmerz und flehen um Begnadigung und aller Strafen Linde⸗ rung, 4. die du verheißest gnädig⸗ lich allen, die darum bitten dich im Namen deins Sohns Jesu Christ, der unser Heil und Fürsprech ist. 5. Drum kommen wir, o Herre Gott, und klagen dir all unsre Not, weil wir jetzt stehn verlassen gar in großer Trübsal und Ge⸗ fahr. 6. Sieh nicht Sünde groß, sprich uns davon aus Gnaden los; steh uns in unsrem Elend bei, mach uns von allen Plagen frei, 7. auf daß von Herzen lönnen wir nachmals mit Freuden danken dir, gehor— sam sein nach deinem Wort, dich allzeit preisen hie und dort. Paul Eber 1511—1569. an unsre 33 Choralbuch 63(96). Gelt der Vater wohn uns bei und lass' uns nicht verderben, mach uns aller Sünden frei und helf uns selig sterben. Vor dem Teu⸗ fel uns bewahr, halt uns bei festem Glauben; und auf Anrufung und Bitte dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, dir uns lassen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehn des Teufels Listen, mit Waffen Gotts uns fristen. Amen, amen, das sei wahr, so singen wir: Halleluja! 2. Jesus Christus wohn uns bei und lass' uns nicht verderben, mach uns aller Sünden frei und helf uns selig sterben. Vor dem Teu⸗ fel uns bewahr, halt uns bei festem Glauben; und auf dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, dir uns lassen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehn des Teufels Listen, mit Waffen Gotts uns fristen. Amen, amen, das sei wahr, so singen wir: Halleluja! 3. Heil'ger Geist, der wohn uns bei und lass' uns nicht verderben, mach uns aller Sünden frei und helf uns selig sterben. Vor dem Teu⸗ fel uns bewahr, halt uns bei festem Glauben; und auf dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, dir uns lassen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehn des Teufels Listen, mit Waffen Gotts uns fristen. Amen, amen, das sei wahr, so singen wir: Halle⸗ luja! Martin Luther1483—1546. ————— Choralbuch 24(187): JAchristus, der ist meinLeben. A bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindesvist. 2. Ach bleib mit deinen Worten bei uns, Erlöser wert, auf daß uns hier und dorten sei Güt und Heil beschert. 3. Ach bleib mit deiner Klarheit bei uns, du wertes Licht; umgürt uns mit der Wahrheit, damit wir irren nicht. 4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein' Gnad und all Vermögen reichlich in uns vermehr. 5. Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, daß uns der Feind nicht trutze, noch fäll die böse Welt. 6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, du Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not. Josua Stegmann 1588—1632. 35 Choralbuch 178(50): Valet will ich dir geben. Beberrscher aller Welten, im Staube bet ich an. Wie könnt ich dir vergelten, was du an mir getan? War nicht an jedem Morgen, Gott, deine Güte neu und machte mich von Sorgen, von Gram und Kummer frei? Anrufung und Bitte 2. O Gott, wie viele Sün⸗ den hast du mir schon ver⸗ ziehn! Ach laß mich Gnade finden und segne mein Be⸗ mühn, mich selber zu be⸗ zwingen, zu tun, was dir gefällt, das Kleinod zu er⸗ ringen, das ew'gen Wert behält. 3. Gott, alle meine Tage sind Zeugen deiner Huld. Wie oft traf eine Plage mich nur aus eigner Schuld! O möchte doch dein Segen, der mich bisher erfreut, mich dringen und bewegen zur tät'gen Dankbarkeit. 4. Gib, daß ich dir vertraue, der du die Liebe bleibst, auch wenn du mich auf rauhe und steile Pfade treibst. Wenn in Gefahr und Schmerzen mein Geist will mutlos sein, so flöße meinem Herzen Geduld und Hoffnung ein. 5. Zum Besten soll mir dienen das Leiden dieser Zeit; noch ist sie nicht er⸗ schienen, die große Herrlich⸗ keit und Wonne, die die Deinen dereinst beglücken soll: sie säen unter Weinen und ernten freudenvoll. Friedrich Eberhard, Prinz zu Hohenlohe-Kirchherg 1737—1804. 36 Choralbuch 18(135): Aus tiefer Not schrei ich zu dir. err, wie du willst, so schick's mit mir im Le⸗ ben und im Sterben! Allein SIAE S= GEEHia E Anrufung zu dir steht mein Begier; laß mich, Herr, nicht ver⸗ derben! Erhalt mich nur in deiner Huld; sonst, wie du willst! Gib mir Geduld! Dein Will, der ist der beste. 2. Zucht, Ehr und Treu ver⸗ leih mir, Herr, und Lieb zu deinen Worten; behüt mich, Herr, vor falscher Lehr und gib mir hier und dorten, was dient zu meiner Selig⸗ keit; wend ab all Angerech⸗ tigkeit in meinem ganzen Leben. 3. Soll ich einmal nach deinem Rat von dieser Welt abscheiden, verleih mir, Herr, nur deine Gnad, daß es gescheh mit Freuden. Mein'n Leib und Seel befehl ich dir; o Herr, ein selig End gib mir durch Jesum Christum. Amen. Kaspar Bienemann 1540—1591. Choralbuch 144(105) und 37 145(106). O Gott, du frommer Gott, du Brunnquell guter Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben: gesunden Leib gib mir und daß in solchem Leib die Seele unverletzt, rein das Gewissen bleib. 2. Gib, daß ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet. Gib, und Bitte daß ich's tue bald, zu der Zeit, da ich soll; und wenn ich's tu, so gib, daß es ge⸗ rate wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; laß kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden soll und muß, so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn Verdruß. 4. Find't sich Gefährlich⸗ keit, so laß mich nicht ver⸗ zagen; gib einen Helden⸗ mut, das Kreuz hilf selber tragen. Gib, daß ich meinen Feind mit Sanftmut über⸗ wind und, wenn ich Rat bedarf, daß guten Rat ich find. 5. Laß mich mit jedermann in Fried' und Freundschaft leben, soweit es christlich ist. Willst du mir etwas geben an Reichtum, Gut und Geld, so gib auch dies dabei, daß von unrechtem Gut nichts untermenget sei. 6. Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauern Tritt hindurch ins Alter dringen, so gib Geduld; vor Sünd und Schanden mich bewahr, auf daß ich tragen mag mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End auf Christi Tod ab⸗ scheiden; die Seele nimm zu dir hinauf zu—2— Freuden; dem Leib ein Räumlein gönn beifrommer Christen Grab, auf daß er seine Ruh an ihrer Seite hab. 8. Wann du die Toten wirst an jenem Tag er⸗ wecken, wollst du auch deine Hand zu meinem Grab aus⸗ strecken; laß hören deine Stimm, ruf meinen Leib hervor und führ ihn, schön verklärt, zum auserwählten Chor. Johann Heermann 1585—1647. Choralbuch 90(129): 388esu, hilf siegen, du Fürste des Lebens Jedu hilf beten und bete, du Treuer, durch mich und in mir in allerlei Not! Eigenes Opfer mit eigenem Feuer rettet uns nicht vom Verderben und Tod; nein, nur dein Opfer mit Danken und Flehen darf bis ins innerste Heiligtum gehen. 2. Jesu, hilf beten, ach Jesu, hilf beten! Siehe, mir mangelt's an Weisheit und Kraft. Wirst du mich, Mitt⸗ ler, nicht selber vertreten, ist es mit Beten vergeblich geschafft. Soll es gelingen, so mußt du mich lehren und muß dein Geist mir das Abba gewähren. 3. Jesu, hilf beten, ach bleibe mir günstig, tilge die An⸗ lust und wecke mich auf; mache mich munter, andäch⸗ tig und brünstig, bringe Anrufung und Bitte das Wirken des Glaubens in Lauf; mache mein Räuch⸗ werk durch deine Hand steigen, laß dein begleiten⸗ des Fürwort nicht schweigen! 4. Jesu, hilf beten, ach laß es gelingen! Richte Ge— danken und Worte mir ein; lasse mein Beten im Ster⸗ ben und Ringen heftiger, kräftiger, kindlicher sein! Beten kann retten aus jeg⸗ lichen Nöten und aus dem Tode selbst:—Jesu, hilf beten! Philipp Heinrich Weissensee 167³3—1767. Choralbuch 97(152): 309 Zn dich hab ich gehoffet, Herr. A dich hab ich gehoffet, Herr! Hilf, daß ich nicht zu Schanden werd noch ewiglich zu Spotte. Das bitt ich dich: Erhalte mich in dir, dem treuen Gotte! 2. Dein gnädig Ohr neig⸗ her zu mir, erhör mein' Bitt, tu dich herfür, eil, bald mich zu erretten. In Angst und Weh ich lieg und steh; hilf mir in meinen Nöten. 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, sei mir ein? Burg, darin ich frei und ritterlich mög streiten, ob mich gar sehr der Feinde Heer anficht auf beiden Seiten. 4. Du bist mein' Stärk, mein Fels, mein Hort, mein Schild, mein' Kraft, sagt Anrufung mir dein Wort, mein' Hilf, mein Heil, mein Leben, mein starker Gott in aller Not: wer mag mir widerstreben? 5. Mir hat die Welt trüg⸗ lich gericht't mit Lügen und falschem Gedicht viel Netz und heimlich Stricke. Herr, nimm mein wahr in der Gefahr, bhüt mich vor fal⸗ scher Tücke. 6. Herr, meinen Geist be⸗ fehl ich dir; mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, aus aller Not hilf mir am letzten Ende. 7. Lob, Preis und Ehr und Herrlichkeit sei Vater, Sohn und Geist bereit, Lob seinem heil'gen Namen! Die gött⸗ lich Kraft mach uns sieg⸗ haft durch Jesum Christum. Amen. Adam Reusner, geb. 1496, + um 1575. Choralbuch 195(157): 40 Wer nur den lieben Gott läßt walten. Gr gib mir deinen Geist zum Beten, zum Beten ohne Anterlaß, getrost im Glauben hinzutreten, wenn ich dein Wort mit Freuden fass', und auch im Glauben hinzuknien, wenn ich in Furcht und Jammer bin. 2. Im Schrecken über meine Sünde sei dies mein Ruf: Erbarme dich! So oft ich mich so schwach empfinde, sei und Bitte dies mein Seufzer: Stärke mich! Sink ich, so werde dies mein Flehn: Herr, hilf, sonst muß ich untergehn! 3. Fühlt Seel und Leib ein Wohlergehen, so treib es mich zum Dank dafür; läßt du mich deine Werke sehen, so sei mein Rühmen stets von dir; und find ich in der Welt nicht Ruh, so steig mein Sehnen himmelzu. 4. Ist der Versucher in der Nähe, so lehr mich ihn im Beten fliehn; wenn ich den Bruder leiden sehe, so lehr mich bitten auch für ihn; und in der Arbeit meiner Pflicht sei doch mein Herz zu dir gericht't. 5. Am Abend heiß' mich mit dir reden, am Morgen auch noch bei dir sein; und sterb ich, laß in letzten Nöten doch deinen Geist noch in mir schrein. Weckst du mich einst, so bet ich dann dich ewig auch im Himmel an. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 67(119): 4ISerr Christ, der einig Gotts⸗ sohn. Hew Jesu, Gnadensonne, wahrhaftes Lebenslicht, laß Leben, Licht und Wonne mein blödes Angesicht nach deiner Gnad erfreuen und meinen Geist erneuen. Mein Gott, versag mir's nicht. 2. Vergib mir meine 2..5 Anrufung den und wirf sie hinter dich; laß allen Zorn verschwinden und hilf mir gnädiglich; laß deine Friedensgaben mein armes Herze laben. Ach Herr, erhöre mich! 3. Vertreib aus meiner Seelen den alten, eitlen Sinn und laß mich dich erwählen, daß ich mich künf⸗ tighin zu deinem Dienst er⸗ gebe und dir zu Ehren lebe, weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein' Erkennt⸗ nis in mir, mein Seelen⸗ hort, und öffne mein Ver⸗ ständnis durch dein lebendig Wort, damit ich an dich gläube und in der Wahr⸗ heit bleibe zu Trutz der Höllenpfort. 5. Mit deiner Kraft mich rüste, zu kreuz'gen die Be⸗ gier und alle bösen Lüste, auf daß ich für und für der Sündenwelt absterbe und nach dem Fleisch verderbe, hingegen leb in dir. 6. Ach zünde deine Liebe in meiner Seele an, daß ich aus innrem Triebe dich ewig lieben kann und dir zum Wohlgefallen bestän⸗ dig möge wallen auf rechter Lebensbahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, verleih mir Kraft und Mut! Denn das sind Gnadenwerke, die dein Geist schafft und tut; hingegen all mein Sinnen, mein und Bitte Lassen und Beginnen ist böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, du Vater aller Treu, wend allen Seelen⸗ schaden und mach mich täg⸗ lich neu; gib, daß ich deinen Willen gedenke zu erfüllen, und steh mir kräftig bei. Ludwig Andreas Gotter 1661—1735. 42 Choralbuch 144(105): O Gott, du frommer Gott. A Gott, verlaß mich nicht! Gib mir die Gnaden⸗ hände; ach führe mich, dein Kind, daß ich den Lauf voll⸗ ende zu meiner Seligkeit; sei du mein Lebenslicht, mein Stab, mein Hort, meinSchutz. Ach Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach Gott, verlaß mich nicht! Regiere du mein Wallenz ach laß mich nimmer⸗ mehr in Sünd und Schande fallen. Gib mir den guten Geist, gib Glaubenszuver⸗ sicht, sei meine Stärk und Kraft. Ach Gott, verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich ruf aus Herzens⸗ grunde; ach Höchster, stärke mich in jeder bösen Stunde. Wenn mir Versuchung naht und meine Seel anficht, so weiche nicht von mir. Ach Gott, verlaß mich nicht! 4. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ach laß dich doch be⸗ wegen; ach Vater, kröne —. 633ʃ— 4 ————.,„ Anrufung und Bitte doch mit reichem Himmels⸗ segen die Werke meines Amts, die Werke meiner Pflicht, zu tun, was dir gefällt. Ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich bleibe dir ergeben. Hilf mir, o großer Gott, recht glauben, christlich leben und selig scheiden ab, zu sehn dein Angesicht; hilf mir in Not und Tod. Ach Gott, verlaß mich nicht! Salomo Franck 1659—1725. Choralbuch 117(122): 43 Mein Herzens⸗Jesu, meine Lust. Gebe deine Güte reicht so weit, soweit die Wolken gehen; du krönst uns mit Barmherzigkeit und eilst, uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort; denn ich will vor dir beten. 2. Ich bitte nicht um Aber⸗ fluß und Schätze dieser Er⸗ den; laß mir, soviel ich haben muß, nach deiner Gnade werden. Gib mir nur Weis⸗ heit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, sosehr sie Men⸗ schen rühren; des guten Namens Eigentum laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, der Ruhm vor dei⸗ nem Angesicht und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt ich dich, Herr Zebaoth, auch nicht um langes Leben; im Glücke Demut, Mut in Not, das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Barmherzig⸗ keit vor dir im Tode finden. Christian Fürchtegott Gellert 1715—1769. 44 Choralbuch 24(187): Christus, der ist meinveben. Solang ich hier noch walle, soll dies mein Seufzer sein; ich sprech in jedem Falle: Herr, hilf mir, ich bin dein! 2. Wenn morgens ich er— wache und schlafe abends ein, befehl ich Gott die Sache: Herr, hilf mir, ich bin dein! 3. Geh ich an die Geschäfte, so bitt ich zum Gedeihn ihn um Verstand und Kräfte: Herr, hilf mir, ich bin dein! 4. Will sich mein Fleisch vergehen, betrogen von dem Schein, so halt ich an mit Flehen: Herr, hilf mir, ich bin dein! 5. Wenn mich die Sünden kränken, so kann ich noch allein an den Versühner denken: Herr, hilf mir, ich bin dein! 6. Fühl ich mich schwach im Beten und ist mein Glaube klein, soll mich sein Geist Anrufung vertreten: Herr, hilf mir, ich bin dein! 7. Wenn ich in Leidens⸗ tagen bei seiner Rute wein, so will ich kindlich sagen: Herr, hilf mir, ich bin dein! 8. Will Satan mich be⸗ rauben und macht die Welt mir Pein, ruf ich getrost im Glauben: Herr, hilf mir, ich bin dein! 9. Macht auch mein Herz mir Grauen, der Herr sei nicht mehr mein, so seufz ich voll Vertrauen: Herr, hilf mir, ich bin dein! 10. In meinen letzten Stun⸗ den schätz ich mich heil und rein durch meines Heilands Wunden: er hilft mir, ich bin sein. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 169(162): 45 Solt es gleich bisweilen scheinen. Ardwell aller Seligkeiten, die in Strömen sich ver⸗ breiten durch der Schöpfung weit Gebiet, Vater, hör mein flehend Lied! 2. Nicht um Güter dieser Erde, des erhabnern Geists Beschwerde, um die Welt⸗ lust komm ich nicht, Vater, vor dein Angesicht. 3. Schätze, die niemals ver⸗ stäuben, Tugenden, die ewig bleiben, Taten, eines Christen wert, sind es, die mein Herz begehrt. und Bitte 4. Geber aller guten Gaben, festen Glauben möcht ich haben, wie ein Meerfels unbewegt, wenn an ihn die Woge schlägt; 5. Lieb, aus deinem Herzen stammend, immer rein und immer flammend, Liebe, die dem Feind verzeiht und dem Freund das Leben weiht; 6. Hoffnung, die mit hohem Haupte, wenn die Welt ihr alles raubte, hinblickt, wo sie wonnevoll alles wieder finden soll; 7. hohen Mut im Kampf des Christen mit der Welt und ihren Lüsten; Sieg dem Geist und, wenn er siegt, Demut, die im Staub sich schmiegt; 8. Duldung, alle Lebens⸗ plagen mit Gelassenheit zu tragen; stilles Harren, bis der Tod mich erlöst auf dein Gebot; 9. und dann Christenmut im Sterben, wann die Lippen sich entfärben, einen Seufzer noch zu dir: Jesu, nimm den Geist von mir! 10. Willst du, Herr von meinem Leben, diese Selig⸗ keit mir geben, so wird meines Kerkers Nacht mir zum Paradies gemacht. 11. Immer will ich beten, ringen, in den Banden danken, singen, harren, bis es dir gefällt, mich zu holen aus der Welt. Morgen 12. Seele, gib dich nun zu⸗ frieden: Jesus kennt und stärkt dich Müden; nur ver⸗ giß nie sein Gebot: Sei ge⸗ treu bis in den Tod! Christian Schubart 1739-1791. Morgen Choralbuch 133(64): 46 Nun laßt uns Gott, dem Herren. Woch auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem frommen Menschenhüter. 2. Heut, als die dunkeln Schatten mich ganz umgeben hatten, bedecktest du mich Armen mit göttlichem Er— barmen. 3. Du sprachst: Mein Kind, nun schlafe, ich hüte meine Schafe; schlaf wohl, laß dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen. 4. Dein Wort, das ist ge⸗ schehen: ich kann das Licht noch sehen, von Not bin ich befreiet, dein Schutz hat mich erneuet. 5. Du willst ein Opfer haben; hier bring ich meine Gaben: in Demut fall ich nieder und bring Gebet und Lieder. 6. Die wirst du nicht ver⸗ schmähen, du kannst ins Herz mir sehen und weißt wohl, daß zur Gabe ich ja nichts Beßres habe. 7. So wollst du nun voll⸗ enden dein Werk an mir und senden, der mich an diesem Tage auf seinen Händen trage. 8. Sprich ja zu meinen Taten, hilf selbst das Beste raten; den Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende. 9. Mich segne, mich behüte, mein Herz sei deine Hütte, dein Wort sei meine Speise, bis ich gen Himmel reise. Paul Gerhardt 1607-1676. 47 Choralbuch 124 60). Morgengianz der Ewig⸗ keit, Licht vom uner⸗ schaffnen Lichte, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgentau fall auf unser matt Gewissen; laß die dürreLebensau lauter süßen Trost genießen und erquick uns, deine Schar, immerdar. 3. Gib, daß deiner Liebe Glut unsre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut bei erstandner Morgen⸗ röte, daß wir, eh wir gar vergehn, recht aufstehn. 4. Ach, du Aufgang aus der Höh, gib, daß auch am —— Jüngsten Tage unser Leib verklärt ersteh und, entfernt von aller Plage, sich auf jener Freudenbahn freuen kann. 5. Leucht uns selbst in jene Welt, du verklärte Gnaden⸗ sonne; führ uns durch das Tränenfeld in das Land der süßen Wonne, wo die Lust, die uns erhöht, nie vergeht. Christian Knorr von Rosenroth 1636-1689. 48 Choralbuch 150(99): O Jesu Christe, wahres Licht. u Vater in dem Himmel, sprich dein Wort des Segens über mich, auf daß ich froh den neuen Tag be⸗ ginnen, froher enden mag. 2. Was du mir heut, o Gott, bestimmst, was du mir gibst, was du mir nimmst, Glück oder Weh, das gelte mir als Segen und Geschenk von dir. 3. Gib mir ein Herz, durch Gnade fest, das dich in allem walten läßt und unbedingt mit Kindesmut in deinem Vaterwillen ruht. 4. Hilf, daß ich züchtig, klug und treu in Worten, Sinn und Werken sei und alles, was zur Sünde rät, in mir besiege durch Gebet. 5. Laß deines Sohnes Gna⸗ denschein beständig mir im Herzen seinzsein Leben, Wort und Kreuzesbild sei meiner Seele Sonn und Schild. 6. Fällt in mein Herz ein gutes Wort, dann wirke du, Morgen daß es sofort im Innern auf⸗ keimt, Wurzel schlägt und Frucht für mich und andre trägt. 7. Bedroht mich Trübsal und Gefahr, so rette du mich immerdar und laß mich, wenn ich Hilfe fand, demütig küssen deine Hand. 8. Entfällt der Hand der Wanderstab und geht mein Weg ins Tal hinab, so nimm, o Gott, mein Heiland, dann dich meiner Seele herzlich an. 9. Schenk mir im letzten Augenblick ein Vorgefühl von jenem Glück, das du nach Tages Hitz und Last den Müden dort bereitet hast. Samuel Gottlieb Bürde 1753.—1831. Str. 5 erstmals 1841. 49 Choralbuch 17 5). Ais meinesHerzens Grun⸗ de sag ich dir Lob und Dank in dieser Morgen⸗ stunde, dazu meinLeben lang, o Gott in deinem Thron, dir zu Preis, Lob und Ehren durch Christum, unsern Herren, dein'n eingebornen Sohn: 2. daß du mich hast aus Gnaden in der vergangnen Nacht vor Fährlichkeit und Schaden behütet und be⸗ wacht. Ich bitt demütiglich: Wollst mir mein' Sünd ver⸗ geben, womit in diesem Leben ich hab erzürnet dich. 3. Du wollest auch behüten mich gnädig diesen Tag vor Teufels List und Wüten, vor Sünden und vor Schmach, vor Feur⸗ und Wassersnot, vor Armut und vor Schan⸗ den, vor Ketten und vor Banden, vor bösem schnellem Tod. 4. Mein'n Leib und meine Seele, mein Weib, Gut, Ehr und Kind ich deiner Hand befehle, dazu mein Haus⸗ gesind;'s ist dein Geschenk und Gab, mein' Eltern und Verwandten, Geschwister und Bekannten und alles, was ich hab. 5. Gott will ich's lassen raten, der alle Ding vermag; er segne meine Taten, mein Vornehmen und Sach. Ich hab ihm heimgestellt mein'n Leib, mein' Seel, mein Leben und was er sonst gegeben; er mach's, wie's ihm gefällt. 6. Darauf so sprech ich amen und zweifle nicht daran: Gott nimmt es allzusammen mit Wohlgefallen an. Nun streck ich aus mein' Hand, greif an das Werk mit Freuden, das Gott mir wollt bescheiden in mein'm Beruf und Stand. 1589. 50 Choralbuch 33(27). ie güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquicken⸗ des, liebliches Licht. Mein Morgen Haupt und Glieder, die lagen darnieder; aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit mei⸗ nem Gesicht. 2. Mein Auge schauet, was Gott gebauet zu seinen Ehren und uns zu lehren, wie sein Vermögen sei mächtig und groß und wo die Frommen dann sollen hin kommen, wann sie mit Frieden von hinnen geschieden aus dieser Erde vergänglichem Schoß. 3. Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; was wir nur haben, alles sei Gotte zum Opfer gesetzt! Die besten Güter sind unsre Gemüter; Lieder der Frommen, von Herzen ge— kommen, sind Weihrauch, der ihn am meisten ergötzt. 4. Abend und Morgen sind seine Sorgen; segnen und mehren, Anglück verwehren sind seine Werke und Taten allein. Wann wir uns legen, so ist er zugegen; wann wir aufstehen, so läßt er aufgehen über uns seiner Barmherzig⸗ keit Schein. 5. Ich hab erhoben zu dir hoch droben all meine Sin⸗ nen; laß mein Beginnen ohn allen Anstoß und glücklich er⸗ gehn. Laster und Schande, des Seelenfeinds Bande, Fallen und Tücke treib ferne zurücke; laß mich auf deinen Geboten bestehn. 6. Laß mich mit Freuden ohn alles Neiden sehen den Segen, den du wirst legen in meines Bruders und Nächsten Haus. Geiziges Brennen, unchristliches Ren⸗ nen nach Gut mit Sünde, das tilge geschwinde aus meinem Herzen und wirf es hinaus. J. Menschliches Wesen, was ist's? Gewesen! In einer Stunde geht es zu Grunde, sobald die Lüfte des Todes dreinwehn. Alles in allen muß brechen und fallen; Himmel und Erden, die müssen das werden, was sie gewesen vor ihrem Bestehn. 8. Alles vergehet. Gott aber stehet ohn alles Wanken; seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, hei⸗ len im Herzen die tödlichen Schmerzen, halten uns zeit⸗ lich und ewig gesund. 9. Gott, meine Krone, ver⸗ gib und schone! Laß meine Schulden in Gnad und Hul⸗ den aus deinen Augen sein abgewandt. Sonst, Herr, re⸗ giere mich, lenke und führe, wie dir's gefället; ich habe gestellet alles in deine Be⸗ liebung und Hand. 10. Willst du mir geben, womit mein Leben ich kann ernähren, so laß mich hören allzeit im Herzen dies heilige Morgen Wort: Gott ist das Größte, das Schönste und Beste; Gott ist das Süßte und Allerge⸗ wißte, aus allen Schätzen der edelste Hort. 11. Willst du mich kränken, mit Galle tränken, und soll von Plagen ich auch was tragen, wohlan, so mach es, wie dir es beliebt. Was gut und tüchtig, was schädlich und nichtig meinem Gebeine, das weißt du alleine, hast niemals einen zu bitter be⸗ trübt. 12. Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende; nach Meeresbrausen und Win⸗ dessausen leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille darf ich erwarten im himm⸗ lischen Garten; dahin sind meine Gedanken gericht't. Paul Gerhardt 16071676. Choralbuch 195(157): 51 Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mein erst Gebet an diesem Morgen ist: Gib mir, Vater, Kindessinn! Füreins nur laß mich ernstlich sorgen, eins sei mein Zeugnis, mein Gewinn: daß ich an jedem Lebenstag, Herr, nur nach deiner Ehre frag. 2. O leite alle meine Schritte, mach mich gehorsam, still und treu! Gib, daß ich in der Meinen Mitte ein Vorbild in der Tugend sei; daß stünd⸗ lich ich von Jesu lern, von sei⸗ nem Pfad mich nicht entfern. 3. Gib deinen Geist mir und vermehre die Kraft zur Christusähnlichkeit, daß ich auf nichts als deine Ehre, mein Vater, schaue allezeit. O könnt ich einst den Spruch empfahn, mein Wirken sei in Gott getan. 4. In Einsamkeit, im Kinder⸗ kreise, im Weltgewühl, Herr, steh mir bei, daß ich gerecht und sanft und weise, ein treuer Jünger Jesu sei, mein Herz dein reines Eigentum, mein Wandel deines Na⸗ mens Ruhm. 5. And wo ich Böses seh und höre, da reiche mir des Geistes Schwert, daß mutig ich's im Keim zerstöre; wer nicht bekennt, ist dein nicht wert, und wer zur Sünde furchtsam schweigt, den Kaltsinn seinesHerzenszeigt. 6. Soll ich vomKelche Christi trinken, führst du mich, Gott, die Leidensbahn, laß mich in Kleinmut nicht versinken und nimm dich deines Kindes an; in Nacht und Dunkel sprich zu mir: Getrost, getrost! ich bin bei dir. Johann Jakob Schneider 1797-1859. 52 Choralbuch 69(29): Herr Gott, dich loben alle wir. Ed geht daher des Tages Schein; o Brüder, laßt uns dankbar sein dem milden Morgen Gott, der uns die Nacht be⸗ wahrt hat gnädig und be⸗ wacht. 2. Laßt uns Gott bitten diese Stund und singen mit ein⸗ müt'gem Mund, daß er auch heut uns mit Geduld er⸗ halten woll in seiner Huld: 3. O starker Gott von Ewig⸗ keit, der du uns aus Barm⸗ herzigkeit mit deiner großen Kraft und Macht bewahret hast in dieser Nacht, 4. du wollest uns durch dei⸗ nen Sohn an diesem Tag auch Hilfe tun, daß nimmer⸗ mehr ein Feind uns fällt, der unsern Seelen Schlingen stellt. 5. O Herre Gott, nimm unser wahr, sei unser Wächter immerdar, sei Schutzherr, König uns und Held, der uns voranzieht in das Feld. 6. Wir opfern, Herre Gott, uns dir, daß unser Wort, Tat und Begier wollst leiten du nach deinem Mut und unser Werk gerate gut. Michael Weiße, 4 1534. 53 Choralbuch 107(28). Ho den Herren alle, die ihn ehren; laßt uns mit Freuden seinem Namen sin⸗ gen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen! Lobet den Herren! 2. Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auf⸗ erwecket: Lobet den Herren! 3. Daß unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren! 4. Daß Feuersflammen uns nicht allzusammen mit un⸗ sern Häusern unversehns ge⸗ fressen, das macht's, daß wir in seinem Schoß gesessen. Lobet den Herren! 5. Daß Dieb und Räuber unser Gut und Leiber nicht angetastet haben noch ver⸗ letzet, dawider hat sein Engel sich gesetzet. Lobet den Herren! 6. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, ach laß doch ferner über unsrem Leben bei Tag und Nacht dein' Hut und Güte schweben! Lobet den Herren! 7. Gib, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen unverhindert gehen und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren! 8. Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen; lehr uns verrichten heilige Geschäfte, und wo wir schwach sind, da gib du uns Kräfte. Lobet den Herren! 9. Richt unsre Herzen, daß wir ja nicht scherzen mit dei⸗ nen Strafen, sondern fromm zu werden vor deiner Zu⸗ Morgen kunft uns bemühn auf Erden. Lobet den Herren! 10. Herr, du wirst kommen und all deine Frommen, die sich bekehren, gnädig dahin bringen, da alle Engel ewig, ewig singen: Lobet den Herren! Paul Gerhardt 16071676. Choralbuch 84(130): 54 Ich dant dir schon durch deinen Sohn. Mein erst Gefühl sei Preis und Dank; erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang; lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht und Ruhe für die Müden? 3. Du bist es, Gott und Herr der Welt, und dein ist unser Leben; du bist es, der es uns erhält und mir's jetzt neu gegeben. 4. Gelobet seist du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue. 5. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen, und lehre du mich selber tun nach deinem Wohlgefallen. 6. Nimm meines Lebens gnädig wahr, auf dich hofft meine Seele; sei mir ein eenmn Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle. 7. Gib mir ein Herz voll Zu⸗ versicht, erfüllt mit Lieb und Ruhe, ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn und willig tue, 8. daß ich als ein getreuer Knecht nach deinem Reiche strebe, gottselig, züchtig und gerecht durch deine Gnade lebe. 9. Laß mich, dem Nächsten beizustehn, nie Fleiß und Arbeit scheuen, mich gern an andrer Wohlergehn und ihrer Tugend freuen. 10. Laß mich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genießen und meinen Lauf mit Freudigkeit, wann du gebeutst, beschließen. Christian Fürchtegott Gellert 1715 1769. 55 Choralbuch 64(26). ott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heil'ger Geist, der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn und Mond uns scheinenheißt, dessen starke Hand die Welt und was drinnen ist, erhält: 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und bewacht, daß des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Morgen Sünden jetzt mit dieser Nacht vergehn; o Herr Jesu, laß dich finden und dein Herz mir offen stehn, da alleine Hilf und Rat ist für meine Missetat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag und für meine Seele sorgen, daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor er⸗ schrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach dei⸗ nem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als bei dir allein kann ich recht bewahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein' Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum! 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch end⸗ lich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu. Heinrich Albert 1604—1651. 56 Choralbuch 144(105): O Gott, du frommer Gott. O Jesu, süßes Licht, nun ist die Nacht vergangen; nun hat dein Gnadenglanz aufs neue mich umfangen; nun ist, was an mir ist, vom Schlafe aufgeweckt und hat sich, Herr, nach dir ver⸗ langend ausgestreckt. 2. Was soll ich dir denn nun, mein Gott, für Opfer schen⸗ ken? Ich will mich ganz und gar in deine Gnad einsenken mit Leib, mit Seel, mit Geist heut diesen ganzen Tag; das soll mein Opfer sein, weil ich sonst nichts vermag. 3. Drum siehe da, mein Gott, da hast du meine Seele; sie sei dein Eigentum, daß sie nur dich erwähle in deiner Liebe Kraft. Da hast du mei⸗ nen Geist; darinnen wollst du dich verklären allermeist. 4. Da sei denn auch mein Leib zum Tempel dir er⸗ geben; wähl ihn zur Woh⸗ nung dir, ach allerliebstes Leben! Ach wohn, ach leb in mir, beweg und rege mich, so hat Geist, Seel und Leib mit dir vereinigt sich. 5. Dem Leibe hab ich jetzt die Kleider angeleget; laß meiner Seele sein dein Bild⸗ nis eingepräget in güldnem Glaubensschmuck, in der Ge⸗ rechtigkeit, so allen Seelen ist das rechte Ehrenkleid. 6. Mein Jesu, schmücke mich mit Weisheit und mit Liebe, mit Keuschheit, mit Geduld durch deines Geistes Triebe; auch mit der Demut mich vor allem kleide an, so bin Morgen ich wohl geschmückt und köst⸗ lich angetan. 7. Gib, daß mir diesen Tag stets vor den Augen schwebe, daß dein' Allgegenwart mich wie die Luft umgebe, auf daß mein ganzes Tun durch Herz, durch Sinn und Mund dich lobe inniglich, mein Gott, zu aller Stund. 8. Ach segne, was ich tu, ja rede und gedenke; durch deines Geistes Kraft es also führ und lenke, daß alles nur gescheh zu deines Namens Ruhm und daß ich unver— rückt verbleib dein Eigentum. Joachim Lange 1670—1744. 57 Choralbuch 129(0: Nun danket all und bringet Ehr. D äußre Sonnenlicht ist da und leucht't mir ins Gesicht; Gott ist noch mehr dem Geiste nah mit seinem Lebenslicht. 2. Ach wohn in mir, du Gottessonn, mein Geist dein Himmel werd, daß ich, o reine Seelenwonn, werd ganz in dich verklärt. 3.Wenn sich die Sonneoffen⸗ bart, so weicht die Dunkel⸗ heit; vertreib durch deine Gegenwart die Sünd und Eigenheit! 4. Du bist ein Licht und wohnst im Licht; ach mach mich licht und rein, zu schauen, Herr, dein Angesicht und dir vereint zu sein. 5. Der Adler schaut gerade⸗ zu die Sonne fröhlich an; mein Geistesaug eröffne du, daß ich dich schauen kann. 6. Wer dich in deinem Licht erblickt in seiner Seele Grund, ehrt, gleich den Cherubim gebückt, dich, Herr, zu aller Stund. 7. So laß mich wandeln, wo ich bin, vor deinem Ange⸗ sicht; mein Tun und Lassen immerhin sei lauter, rein und licht. 8. Dein Auge leite meinen Gang, daß ich nicht irregeh; ach bleib mir nah mein Leben lang, bis ich dich ewig seh. Gerhard Tersteegen 1697—1769. Choralbuch 64(26): 58 Gott des Himmels und der Erden. HELge Gott, durch deinen Segen konnt ich fröh⸗ lich und gesund diese Nacht zurückelegen; also preist dich Herz und Mund. Denn du willst für alle Treu nichts, als daß man dankbar sei. 2. Segne heute mich von neuem, weil du segnen kannst und mußt; denn mit Wohl⸗ tun zu erfreuen, das ist deine Herzenslust, und du machst die milde Hand täglich aller Welt bekannt. 3. Segne mich mit deinem Geiste, daß er heut mit seiner Kraft meinem Glauben Bei⸗ stand leiste, daß er gute Morgen Werke schafft und den Sün⸗ den insgemein ein geschwor⸗ ner Feind mag sein. 4. Segne mich mit deinem Worte, schreib es in mein Herz hinein, daß es mög an jedem Orte meines Wandels Richtschnur sein. Leuchtet mir dies Lebenslicht, o so fehl und fall ich nicht. 5. Segne mich in meinem Stande, zeuch mein Herz mit Klugheit an, daß ich solchen ohne Schande und mit Ehren führen kann; gib dazu mein täglich Brot und was irgend sonst mir not. 6. Segne mich in Kreuz und Leiden mit Vertrauen und Geduld; segne mich in Glück und Freuden mit dem Reich⸗ tum deiner Huld, daß ich dir im Kreuz getreu und im Glück voll Demut sei. 7. So will ich für allen Segen Lob und Ehre, Preis und Dank dir zu deinen Füßen legen und es tun mein Leben lang, bis ich mit den Engeln dort vor dir jauchze fort und fort. Erdmann Neumeister 1671—1756. Choralbuch 195(157): 59 Wer nur den lieben Gott läßt walten. ein Gott, nun ist es wieder Morgen, die Nacht vollendet ihren Lauf; nun wachen alle meine Sor⸗ gen auf einmal mit mir wieder auf. Die Ruh ist aus, der Schlaf dahin und ich seh wieder, wo ich bin. 2. Ich bin noch immer auf der Erde, wo jeder Tag sein Ende hat, wo ich nur immer älter werde und häufe Sünd und Missetat. O Gott, von dessen Brot ich zehr, wenn ich dir doch auch nütze wär! 3. Du siehst am Morgen mich aufstehen; regier mich auch in dieser Welt! Ich weiß nicht, wie mir's heut wird gehen; mach alles so, wie dir's gefällt. Schließ mich in deine Vorsicht ein; dein will ich tot und lebend sein. 4. Vergib mir, Vater, alle Sünden, die ich bei Tag und Nacht beging, und laß mich vor dir Gnade finden, erhöre, was ich bet und sing; denn wenn ich gut bei dir nur steh, so acht ich gar nicht, wie es geh. 5. Hilf du in allen Sachen raten; denn ich bin selber mir nicht klug. Behüte mich vor Missetaten, vor böser Menschen List und Trug. Laß mich den Tag wohl legen an und Gutes schaf⸗ fen, wo ich kann. 6. Behüte mir mein'n Leib und Leben, Verwandte, Freunde, Hab und Gut und laß den Himmel Segen geben, so meine Hand das Ihre tut. Hilf, daß ich alles Morgen wohl verricht. Du wirst es tun, ich zweifle nicht. Kaspar Neumann 1648—1715. 60 Choralbuch 142(73): O du Liebe meiner Liebe. Golt erleuchte meine Seele mit dem Licht der Ewig⸗ keit; nimm hinweg von mei⸗ nen Augen alle Nacht und Dunkelheit! Rühre die er⸗ wachten Sinne mit dem Geist des Lebens an; mache dieses Leibes Glieder dei— nem Willen untertan! 2. Leite meinen Schritt am Morgen auf den Weg des Friedens hin, daß ich vor dir geh und wandle und am Abend bei dir bin. Führe mich auf rechter Straße, wo ich Jesu Füße seh, daß ich nicht die Spur verlasse und in das Verderben geh. 3. Herr, du siehst mich allenthalben, allerorten, wo ich bin; wo ich wandle, wo ich bleibe, richtet sich dein Auge hin, wie die Sonne dort vom Himmel auf den Kreis der Erde schaut und in jedes Tröpflein leuchtet, das im niedern Grase taut. 4. Dort, wohin den Blick ich richte, ist die Gegenwart des Herrn; seinem Geist und Angesichte ist das Fernste nicht zu fern. Nähm ich Flügel gleich den Winden, flög ans Meer, so bleibst du nah; bettet' ich mir in tiefsten Grund, der Tiefe so bist du da. 5. Großer Gott, laß deine Nähe allezeit mir tröstlich sein; laß vor deinem An⸗ gesichte nicht verschmachten mein Gebein! Laß mich Trost und Gnade finden in dem Glanze deiner Macht; halte mich in deinen Hän⸗ den, wenn mein Geist zu dir erwacht! 6. Sieh herab vom höchsten Sitze auf dein Volk in dieser Welt; neige deines Zepters Spitze über Jakobs Wanderzelt! Laß von dei⸗ nem Angesichte Segen strömen auf die Flur; mach, o Gott, in deinem Lichte fröhlich alle Kreatur! 7. Laß dein Antlitz mit uns gehen in dem Wandel die⸗ ser Zeit, bis einst unsre Füße stehen auf den Höhn der Ewigkeit. Laß in dieser Wallfahrt Grenzen deine Hand uns nahe sein, bis einst unsre Häupter glän⸗ zen in der Klarheit Wider⸗ schein. 8. Herr, dein Wort ist ja und amen; Gott, erhöre mein Gebet, weil ich bitt in dessen Namen, der zu deiner Rech⸗ ten steht. Dein Erbarmen hat kein Ende: sieh herab breite über auf dieses Haus; deine Segenshände deinen Kindern aus! Heinrich Puchta 1808—1858. Morgen Choralbuch 102(56): 61 Kommt und laßt uns Chri⸗ stum ehren. Frih am Morgen Jesus gehet und vor allen Türen stehet, klopfet an, wo man geflehet: Komm, Herr Jesu, unser Gast! 2. Nun, so lasset ihn nicht dorten; tut ihm auf des Herzens Pforten und ruft ihn mit süßen Worten: Eile, Jesu, kehre ein! 3. Wollest täglich bei uns bleiben, alle Feinde von uns treiben, uns ins Buch des Lebens schreiben und der gute Hirte sein, 4. weiden uns auf grüner Auen, daß wir deine Fülle schauen und auf deinen Reichtum bauen, mit dir gehen aus und ein. 5. Amen, ja, es soll ge⸗ schehen. Jesus wird heut mit uns gehen, und wir werden fröhlich sehen, daß er uns nicht läßt allein. Gerhard Stip 1809—1882. Choralbuch 129(4): 62 Nun danket all und bringet Ehr. n deinem Namen, Jesu Christ, steh ich vom Lager auf; zu dir, der allent⸗ halben ist, richt ich mein Herz hinauf. 2. Nun warten wieder viel auf mich Geschäfte, Sorgen, Müh; o lieber Herr, ich flehe dich, lehr mich verrichten sie. 3. Nach deinem Willen, deinem Sinn das kleinste, größte Werk! Sei, wenn ich im Gedränge bin, nur du mein Augenmerk! 4. Du siehest, Herr, ich habe nicht zum Beten lange Zeit, und du verstehst, wenn s Auge spricht: Sieh, Herr, ich bin im Streit. 5. Ja, stärke, Herr, mich in dem Streit mit dem, was dir mißfällt, und siegen werd ich wieder heut, wenn deine Hand mich hält. Abend 6. And drängt mich der Geschäfte Last, will ich ent⸗ laufen dir,— der du den Sturm gestillet hast, still auch den Sturm in mir! 7. Lehr mich in allem dich verstehn, nur sehn auf dei⸗ nen Wink! Heißt du mich auf den Wogen gehn, so halt mich, wenn ich sink. 8. Ach laß im Sinken, Herr, mich nicht! Du weißt, ich bin ja dein. And wenn mir's heut an Mut gebricht, so ruf mir: Du bist mein! Anna Schlatter 1773-1826. Abend Choralbuch 151(180): 63 O Jesu Christ, meins Le⸗ bens Licht. inunter ist der Sonne Schein, die finstre Nacht bricht stark herein; leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht, laß uns im Finstern irren nicht. 2. Dir sei Dank, daß du uns den Tag vor Schaden, Fahr und mancher Plag durch deine Engel hast be⸗ hüt't aus Gnad und väter⸗ licher Güt. 3. Womit wir heut erzürnet dich, das, Herr, verzeih uns gnädiglich und rechn es uns⸗ rer Seel nicht zu; laß schla⸗ fen uns mit Fried und Ruh. 4. Die Engel dein zur Wach bestell, daß uns der böse Feind nicht fäll; vor Schrek⸗ ken, Angst und Feuersnot behüt die Nacht uns, lieber Gott! Nilolaus Herman, geb. um 1480, + 1561. 6⁴4 Choralbuch 155 639: O Welt, ich muß dich lassen. Noen ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder, es schläft die ganze Welt; ihr aber, meine Sinnen, auf, auf, ihr sollt beginnen, was eurem Schöp⸗ fer wohl gefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blie⸗ ben? Die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin! Ein' andre Sonne, mein Je— sus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun ver⸗ gangen, die güldnen Stern⸗ lein prangen am blauen Himmelssaal. Also werd ich auch stehen, wenn mich wird heißen gehen mein Gott aus diesem Jammertal. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, legt Kleider ab und Schuhe, das Bild der Sterb⸗ lichkeit. Die zieh ich aus; dagegen wird Christus mir anlegen das Kleid der Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, daß nun zum Ende die Arbeit kom— men sei. Herz, freu dich! du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, geht hin und legt euch nieder, der Betten ihr begehrt. Es kommen Stund' und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 7. Die Augen stehn ver— drossen, im Nu sind sie ge⸗ schlossen. Wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, sei gut für allen Schaden, du Aug und Wächter Israel. 8. Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich verschlin⸗ gen, so laß die Englein singen: Dies Kind soll un⸗ verletzet sein. 9. Auch euch, ihr meine Abend Lieben, soll heute nicht be⸗ trüben ein Anfall noch Ge⸗ fahr; Gott lass' euch selig schlafen, stell euch die güld⸗ nen Waffen ums Bett und seiner Engel Schar. Paul Gerhardt 1607—1676. 65⁵5 Choralbuch 92(32): Jesu, meine Liebe. Hioo deiner Schafe, der von keinem Schlafe et⸗ was wissen mag, deine Wundermilde diente mir zum Schilde den vergang⸗ nen Tag; sei die Nacht auch auf der Wacht und laß mich von deinen Scharen um und um bewahren. 2. Decke mich von oben vor der Feinde Toben mit der Vaterhuld. Ein versöhnt Ge⸗ wissen sei mein Ruheklissen; drum vergib die Schuld. Jesus Christ mein Mittler ist; er hat das, was ich ver⸗ schuldet, williglich erduldet. 3. Laß auch meine Lieben keine Not betrüben, sie sind mein und dein; schließ uns mit Erbarmen in den Vater⸗ armen ohne Sorgen ein. Du bei mir, und ich bei dir; also sind wir ungeschieden, und ich schlaf im Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer und laß allen Jam⸗ mer ferne von uns sein; sei du Schloß und Riegel; unter deine Flügel nimm dein Küchlein ein; deck uns zu mit Schutz und Ruh! So wird uns kein Grauen wecken noch der Feind uns schrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette heut zum Grabe hätte? Jetzo rot, bald tot! Drum, hast du's beschlossen, sterb ich unverdrossen, Herr, auf dein Gebot. Nicht will ich, Herr, wider dich; hab ich Heil in dir gefunden, sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan, ich tue in vergnügter Ruhe meine Augen zu; Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, treuer Hüter du! Gute Nacht! Nimm mich in acht! And erleb ich dann den Morgen, wirst du weiter sorgen. Benjamin Schmolck 167²17³7. 66 Choralbuch 136 37). Nuenn schläfet man; und wer nicht schlafen kann, der bete mit mir an den großen Namen, dem Tag und Nacht wird von der Himmelswacht Preis, Lob und Ehr gebracht. O Jesu, amen. 2. Weg, Phantasie! Mein Herr und Gott ist hie; du schläfst, mein Wächter, nie, dir will ich wachen. Ich liebe dich, ich geb zum Opfer mich und lasse ewiglich dich mit mir machen. 3. Es leuchte dir der Him⸗ melslichter Zier; ich sei dein Abend Sternlein, hier und dort zu funkeln. Nun kehr ich ein; Herr, rede du allein beim tiefsten Stillesein zu mir im Dunkeln. Gerhard Tersteegen 1697—1769. Choralbuch 155 3): 6758—elt,ich muß dich lassen. err, der du mir das Leben bis diesen Tag gegeben, dich bet ich kindlich an; ich bin viel zu geringe der Treue, die ich singe und die du heut an mir getan. 2. Mit dankendem Gemüte freu ich mich deiner Güte, ich freue mich in dir. Du gibst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke und schaffst ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seelen, nach deines Worts Befehlen einher im Leben gehn, auf deine Güte hoffen, im Geist den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn! 4. Ich weiß, an wen ich glaube, und nahe mich im Staube zu dir, o Gott, mein Heil. Ich bin der Schuld entladen, ich bin bei dir in Gnaden, und in dem Him⸗ mel ist mein Teil. 5. Bedeckt mit deinem Se⸗ gen eil ich der Ruh ent⸗ gegen; dein Name sei ge⸗ preist! Mein Leben und mein Ende ist dein; in deine Hände befehl ich, Vater, meinen Geist. Christian Fürchtegott Gellert 1715—1769. Choralbuch 32 G8) und 68 1480139): O höchster Gott, o unser lieber Herre. er Tag ist hin. Mein Jesu, bei mir bleibe; o Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe; geh auf in mir, Glanz der Gerechtig⸗ keit; erleuchte mich, o Herr, denn es ist Zeit. 2. Lob, Preis und Dank sei dir, mein Gott, gesungen; dir sei die Ehr, daß alles wohl gelungen nach deinem Rat, ob ich's gleich nicht ver⸗ steh; du bist gerecht, es gehe, wie es geh. 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet: Bestän⸗ digkeit im Guten mir noch fehlet. Das weißt du wohl, o Herzenskündiger: ich strauchle noch wie ein An⸗ mündiger. 4. Vergib es, Herr, mir sagt es mein Gewissen: Der Sünde Lust hat mich von dir gerissen. Es ist mir leid, ich stell mich wieder ein; da ist die Hand: du mein, und ich bin dein. 5. Israels Schutz, mein Hüter und mein Hirte, zu meinem Trost dein sieghaft Schwert umgürte, bewahre mich durch deine große Macht und halt um mich mit treuen Augen Wacht. Abend 6. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen; ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen. O Le⸗ benssonn, erquicke meinen Sinn! Oich lass' ich nicht, mein Fels; der Tag ist hin. Joachim Neander 1650—1680. Choralbuch 194(34): 69 Werde munter, mein Gemüte. Heet es ist von meinem Leben wiederum ein Tag dahin; lehre mich nun Ach⸗ tung geben, ob ich fromm gewesen bin; zeige mir's auch selber an, so ich was nicht recht getan, und hilf jetzt in allen Sachen guten Feierabend machen. 2. Freilich wirst du manches finden, was dir nicht ge⸗ fallen hat; denn ich bin noch voller Sünden in Gedanken, Wort und Tat. Ach wie oft verging ich mich, mein Erbarmer, wider dich! Wer kann merken, wer kann zäh⸗ len, wann wir und wie oft wir fehlen? 3. Aber, o du Gott der Gnaden, habe noch einmal Geduld! Ich bin freilich schwer beladen; doch ver⸗ gib mir alle Schuld! Deine große Vatertreu werde die⸗ sen Abend neu, so will ich, Herr, deinen Willen künftig mehr als heut erfüllen. 4. Heilige mir das Gemüte, daß mein Schlaf nicht sünd⸗ lich sei; decke mich mit deiner Güte, und dein Engel steh mir bei. Lösche Feur und Lichter aus und bewahre sonst das Haus, daß ich morgen mit den Meinen nicht im Anglück müsse weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, die im Finstern Böses tun. Sollten sie gleich was bereiten, uns zu schaden, wann wir ruhn, so zerstöre du den Rat und verhindere die Tat; wend auch allen andern Schrecken, den die Bosheit will erwecken. 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, wenn es bei uns Abend wird; denn du blei⸗ best ewig munter und bist wie ein guter Hirt, der auch in der finstern Nacht über seine Herde wacht. Darum hilf uns, deinen Schafen, daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich dann gesund erwachen, wann es rechte Zeit wird sein, daß ich ferner meine Sachen richte dir zu Ehren ein; oder hast du, lieber Gott, heut bestimmet meinen Tod, so befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände. Kaspar Neumann 1648—1715. Choralbuch 122 G5): 70 Mit meinem Gott geh ich zur Ruh. Mein schönste Zier und Kleinod bist auf Erden du, Herr Jesu Christ; dich Abend will ich lassen walten und allezeit in Lieb und Leid im Herzen dich behalten. 2. Dein' Lieb und Treu vor allem geht, kein Ding auf Erd' so fest besteht, das muß man frei bekennen; drum soll nicht Tod, nicht Angst, nicht Not von deiner Lieb mich trennen. 3. Dein Wort ist wahr und trüget nicht und hält gewiß, was es verspricht, im Tod und auch im Leben. Du bist nun mein, und ich bin dein; dir hab ich mich ergeben. 4. Der Tag nimmt ab. Ach schönste Zier, Herr Jesu Christ, bleib du bei mir, es will nun Abend werden; laß doch dein Licht auslöschen nicht bei uns allhier auf Erden. 1597. 71 Choralbuch 194 63J. erde munter, mein Ge⸗ müte, und ihr Sinne, geht herfür, daß ihr preiset Gottes Güte, die er hat ge⸗ tan an mir, da er mich den ganzen Tag vor so mancher schweren Plag durch sein gnadenreiches Walten hat beschirmet und erhalten. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barm⸗ herzigkeit, daß mir ist mein Werk gelungen, daß du mich vor allem Leid und vor Sünden mancher Art so getreulich hast bewahrt, auch die Feind hinweggetrieben, daß ich unbeschädigt blieben. 3. Bin ich gleich von dir gewichen, stell ich mich doch wieder ein; denn dein Sohn ist einst verblichen für mich in der Todespein. Ich ver⸗ leugne nicht die Schuld; aber deine Gnad und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich immer in mir finde. 4. O du Licht der frommen Seelen, o du Glanz der Ewigkeit, dir will ich mich ganz befehlen diese Nacht und allezeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, weil es nunmehr dunkel schier; daß ich nimmer mich betrübe, tröste mich mit deiner Liebe. 5. Wenn sich schondie Augen schließen und ermüdet schla⸗ fen ein, soll mein Herz den⸗ noch beflissen und auf dich gerichtet sein. Meiner Seele mit Begier träume stets, o Gott, von dir, daß ich innig an dir hange und auch schlafend dich umfange. 6. Laß mich diese Nacht empfinden eine sanfte, süße Ruh; alles Abel laß ver⸗ schwinden, decke mich mit Segen zu. Leib und Seele, Mut und Blut, all die Mei⸗ nen, Hab und Gut, Freunde, Feinde, Hansgenossen sei'n in deinen Schutz beschlossen. 7. Ach bewahre mich vor Schrecken, schütze mich vor Aberfall, laß mich Krankheit Abend nicht aufwecken, treibe weg des Krieges Schall; wende Feur und Wassersnot, Pesti⸗ lenz und schnellen Tod; laß mich nicht in Sünden sterben noch an Leib und Seel ver⸗ derben. 8. O du großer Gott, er⸗ höre, was dein Kind gebeten hat; Jesu, den ich stets ver⸗ ehre, bleibe ja mein Schutz und Rat, und mein Hort, du werter Geist, der du Freund und Tröster heißt, höre doch mein sehnlich Fle⸗ hen. Amen, ja, es soll ge⸗ schehen. Johann Rist 1607—1667. 72 Choralbuch 29(191)). Der lieben Sonne Licht und Pracht hat nun den Tag vollführet; die Welt hat sich zur Ruh ge⸗ macht. Tu, Seel, was dir gebühret: tritt an die Him⸗ melstür und bring ein Lied herfür; laß deine Augen, Herz und Sinn auf Jesum sein gerichtet hin. 2. Ihr hellen Sterne leuch⸗ tet wohl und gebet eure Strahlen; ihr macht die Nacht des Lichtes voll: doch noch zu tausend Malen scheint heller in mein Herz die ew'ge Himmelskerz, mein Jesus, meiner Seele Ruhm, mein Schutz, mein Schatz, mein Eigentum. 3. Der Schlaf zwar herrschet Abend in der Nacht bei Menschen und bei Tieren; doch einer ist, der droben wacht, bei dem kein Schlaf zu spüren. Es schlummert, Jesu, nicht dein Aug, auf mich gericht't; drum soll mein Herz auch wachend sein, daß Jesus wache nicht allein. 4. Verschmähe nicht dies arme Lied, das ich dir, Jesu, singe; in meinem Herzen ist kein Fried, bis ich es zu dir bringe. Ich bringe, was ich kann; ach nimm es gnädig an! Es ist doch herzlich gut gemeint, o Jesu, meiner Seele Freund. 5. Mit dir will ich zu Bette gehn, dir will ich mich be⸗ fehlen. Du wirst, mein Schutzherr, auf mich sehn zum Besten meiner Seelen. Ich fürchte keine Not, auch selber nicht den Tod; denn wer mit Jesu schlafen geht, mit Freuden wieder auf⸗ ersteht. 6. So oft die Nacht mein' Ader schlägt, soll dich mein Geist umfangen; so vielmal sich mein Herz bewegt, soll dies sein mein Verlangen, daß ich mit lautem Schall mög rufen überall: Ach Jesu, Jesu, du bist mein, und ich auch bin und bleibe dein. 7. Nun, matter Leib, gib dich zur Ruh und schlafe sanst und stille. Ihr müden Augen, schließt euch zu; denn das ist Gottes Wille. Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu, ich bin dein. So ist der Schluß recht wohl gemacht. Nun, Jesu, Jesu, gute Nacht! Christian Seriver 1629—1693. 73 Choralbuch 155(3)): O Welt, ich muß dich lassen. Wonn sich die Sonn er⸗ hebet, die dieses Rund belebet, bald grüß ich dich, mein Licht. Wann sie sich wieder neiget, mein Geist vor dir sich beuget mit innigster Anbetungspflicht. 2. Die Sonne, Mond und Sterne, was in der Näh und Ferne hier Schönes wird gesehn, was sich auf Erden reget, was Luft und Wasser heget, soll mit mir deine Macht erhöhn. 3. Vor dich mit Ehrfurcht treten, dich loben, dich an⸗ beten, o davon lebet man. Wohl dem, den du erlesen, du seligmachend Wesen, daß er zu dir so nahen kann! 4. Die Zeit ist wie ver⸗ schenket, drin man nicht dein gedenket; da hat man's nir⸗ gend gut. Weil du uns Herz und Leben allein für dich gegeben, das Herz allein in dir auch ruht. 5. Nun sich der Tag ge⸗ endet, mein Herz zu dir sich wendet und danketinniglich. Dein holdes Angesichte zum Segen auf mich richte; er⸗ leuchte und entzünde mich. 6. Ich schließe mich aufs neue in deine Vatertreue und Schutz und Herze ein. Die fleischlichen Geschäfte und alle finstern Kräfte ver⸗ treibe durch dein Nahesein. 7. Daß du mich stets um⸗ gibest, daß du mich herzlich liebest und rufst zu dir hinein, daß du vergnügst alleine so wesentlich, so reine, laß früh und spät mir wichtig sein. 8. Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewig⸗ keit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne! Mein Heim ist nicht in dieser Zeit. Gerhard Tersteegen 1697—1769. 74 Choralbuch 142(J3): O du Liebe meiner Liebe. Hen und Gott der Tag und Nächte, der du wachst im Himmelszelt und voll Gnaden deine Rechte ausstreckst über diese Welt, sieh, wiedeines KindesSeele, da der Tag sich nun geneigt, sich nach deines Worts Be⸗ fehle dankend vor dir nieder⸗ beugt. 2. Vater, ich bin zu geringe aller Treu und Gütigkeit, die du, Wesen aller Dinge, mir in meiner Lebenszeit und auch heute hast erwiesen. O daß ich recht dankbar wär! Herr, dein Name sei geprie⸗ Abend sen, dein Herz ferner zu mir kehr! 3. Sieh nicht an der Sün⸗ den Menge, ach gedenke nicht der Schuld, die du könntest rächen strenge; habe doch mit mir Geduld! Ach Herr, rein'ge mein Gewissen; Leib und Seel dir heilig sei! Dein Geist mache mich be⸗ flissen, dir zu dienen ohne Scheu. 4. Laß mich nicht dahinten⸗ bleiben, laß mich nicht zu⸗ rückesehn; dein Geist müsse mich stets treiben, unverrückt voranzugehn, jenes Kleinod zu erfassen, das mein Hei⸗ land mir erwarb, als er dort am Kreuz, verlassen, unter tausend Qualen starb. 5. Drauf will ich mich schla⸗ fen legen. Laß mich dir emp⸗ fohlen sein; Vater, gönne mir den Segen, halte Leib und Seele rein! Ja, dein Engel mich bewahre, deine Gnade sei mein Schild, bis ich meinem Herrn nachfahre und erwach nach seinem Bild. Nach Johann Anastasius Freylinghausen 1670—1739. 75 Choralbuch 142(73): O du Liebe meiner Liebe. Bleibe, es will Abend wer⸗ den! Jesu, bleibe du bei mir! Mit den Deinigen auf Erden rufe jetzt auch ich zu dir. Bleibe mir statt tausend Sonnen; denn dein Nahesein im Wort hat das Wunder an uns tut. 3. Bleibe! denn du bist mein Leben. Außer dir ist alles tot; außer dir sind wir nur Reben, welchen Gott das Feuer droht. Meiner Seele schwache Triebe gehen nur auf dich allein; wenn nicht Jesus bei mir bliebe, wollt ich lieber gar nicht sein. 4. Bleibe! mußt du mir schon sagen, daß ich unver⸗ ständig sei; denn du kannst auch Toren tragen und bleibst unverändert treu. Ja, ich will es selbst bekennen, ja, ich bin's; doch bleib mir nah, laß mir nur das Herz noch brennen, daß ich fühl, du seiest da. 5. Bleibe! wenn ich gleich im Herzen noch so träg zum Glauben bin; denn ich lege dir mit Schmerzen selbst die Anart redlich hin. Hast du nicht auch mit den Trägen noch erbarmende Geduld? And auf den betrübten We⸗ gen nahst du ihnen voller Huld. 6. Bleibe! hält auch meine Abend Herz mir abgewonnen, und dies läßt dich nicht mehr fort. 2. Bleibe! du bist mein Er⸗ löser; ach, was hab ich ohne dich? Da wird nur mein Elend größer, und die Hölle schrecket mich. Ohne dich bin ich verloren; aber dein Ver⸗ sühnungsblut hat mich wie⸗ der neu geboren, weil es Augen jetzt noch ein ge⸗ heimes Band, daß sie nicht zu schauen taugen dich in dem Verklärungsstand. Off⸗ ne mir indes die Schriften, daß ich Jesum glauben kann; Schauen geht ja bei Geprüf⸗ ten in der neuen Stadt erst an. 7. Bleibe mir stets in Ge⸗ danken, daß mein Herz dich nicht verläßt; mach es, wann es wollte wanken, durch die Gnade wieder fest. Bleibe bei mir, was ich schaffe; bleibe bei mir, wo ich ruh; bleibe bei mir, wann ich schlafe; bleibe du! weicht mir alles, 8. Ja, du bleibst; du hast's versprochen: Ich bin bei euch allezeit. Du hast nie ein Wort gebrochen, brichst's auchnicht in Ewigkeit. Glieder; wache, Seele! Jesus bleibt und hält die Wacht, welchem ich euch froh befehle; das ist eine gute Nacht. Schlaft, ihr Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 32 88): 76 dDer Tag ist hin. Mein Jesu, bei mir bleibe. er Abend kommt, die Sonne sich verdecket, und alles sich zur Ruh und Stille strecket. O meine Seel, merk auf! Wo bleibest du? In Gottes Schoß, sonst nir⸗ gend findst du Ruh. 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder, das Vöglein fleugt nach seinem Nestchen wieder, die Schäf⸗ lein ziehn in ihre Hürden ein: laß mich in dich, mein Gott, gekehret sein. 3. Ach sammle selbst Be⸗ gierden und Gedanken, die noch so leicht aus Schwach⸗ heit von dir wanken; mein Ruhplatz, meine Heimat, tu dich auf, daß ich in dir be⸗ schließe meinen Lauf. 4. Recht väterlich hast du mich heut geleitet, bewahrt, verschont, gestärket und ge⸗ weidet. Ich bin's nicht wert, daß du so gut und treu; mein alles dir zum Dank er⸗ geben sei. 5. Vergib es, Herr, wo ich mich heut verirret und mich zu viel durch dies und das verwirret. Es ist mir leid, es soll nicht mehr geschehn; nimm mich nur ein, so werd ich fester stehn. 6. Da nun der Leib sein Tageswerk vollendet, mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet, zu beten an, zu lieben inniglich, im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich. 7. Die Dunkelheit ist da, und alles schweiget; mein Geist vor dir, o Majestät, sich beuget. Ins Heiligtum, ins Dunkel kehr ich ein; Herr, rede du, laß mich ganz stille sein! 8. Mein Herz sich dir zum Abend Abendopfer schenket, mein Wille sich in dich gelassen senket. Begierden, schweigt! Vernunft und Sinnen, still! Mein müder Geist im Herren ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben; laß nicht den Geist zerstreut in Anruh schweben. Mein treuer Hirt, führ mich in dich hinein; in dir, mit dir kann ich vergnüget sein. 10. Im Finstern sei des Geistes Licht und Sonne, im Kampf und Kreuz mein Bei⸗ stand, Kraft und Wonne. Deck mich bei dir in deiner Hütte zu, bis ich erreich die volle Sabbatruh. Gerhard Tersteegen 1697—1769. 7⁰7 Choralbuch 154(78): O Traurigkeit, o Herzeleid. Der Tag ist hin. Mein Geist und Sinn sehnt sich nach jenem Tage, der uns völlig machen wird frei von aller Plage. 2. Die Nacht ist da. Sei du mir nah, Fesu, mit hellen Kerzen; treib der Sünden Dunkelheit weg aus meinem Herzen. 3. Der Sonne Licht uns jetzt gebricht. Ounerschaffne Sonne, brich mit deinem Licht hervor mir zur Freud und Wonne. 4. Des Mondes Schein fällt nun herein, die Finsternis zu mindern. Ach daß nichts Veränderlichs meinen Lauf möcht hindern! 5. Das Sternenheer zu Gottes Ehr am blauen Him⸗ mel flimmert. Wohl dem, der in jener Welt gleich den Ster⸗ nen schimmert! 6. Was sich geregt, zuvor bewegt, ruht jetzt von seinen Werken. Laß mich, Herr, in stiller Ruh dein Werk in mir merken. J. Ein jeder will bei solcher Still der süßen Ruhe pflegen. Laß die Anruh dieser Zeit, Jesu, bald sich legen. 8. Wann aber soll derWech⸗ sel wohl der Tag und Nächte weichen? Wann der Tag anbrechen wird, dem kein Tag zu gleichen. 9. Alsdann wird nicht der Sonne Licht Jerusalem ver⸗ lieren; denn das Lamm ist selbst das Licht, das die Stadt wird zieren. Offenb. 21, 23. 10. Halleluja! Ei wär ich da, da alles lieblich klinget, da man ohne Anterlaß„Heilig, heilig!“ singet. 11. O Jesu du, mein' Hilf und Ruh, laß mich dahin ge⸗ langen, daß ich mög in dei⸗ nem Glanz vor dir ewig prangen. Johann Anastasius Freylinghausen 1670—1739. 78 Choralbuch 136 G37): Nun schläfet man. ein Auge wacht noch in der stillen Nacht drum ist mein Herz bedacht, dich, Abend Herr, zu loben. Ach schenkes mir, froh zu lobsingen dir mit deinen Kindern hier und Engeln droben. 2. Die stille Zeit sei, Jesu, dir geweiht! Nichts soll die Einsamkeitmit direntweihen; schließ selber du mein Herz vor allem zu, damit es sich in Ruh mag in dir freuen. 3. Wie preis' ich dich, mein Jesu, daß du mich aus Gna⸗ den kräftiglich zu dir gezogen! Ach hätte doch mit größrer Treue noch sich deinem sanften Joch mein Herz gebogen! 4. Es schmerzt mich tief, daß, seit dein Geist mich rief, ich dir noch erst entlief durch Reiz der Sünden. Mein treuer Hirt, wie war ich oft verwirrt und konnte, wie verirrt, die Ruh nicht finden! 5. Doch deine Hand war nicht von mir gewandt, sie zog mich durch das Band der Liebe wieder. Dein Gnadenlicht verließ den Sünder nicht, dein holdes Angesicht sah auf mich nieder. 6. Du riefst,— ich kam, gebeugt und voller Scham; dein Vaterherze nahm mich auf voll Liebe. Da schmolz mein Herz in reuevollem Schmerz; du zogst es him⸗ melwärts im Liebestriebe. du 7. O Gott voll Huld, trägst mich mit Geduld, ver⸗ gabst so oft die Schuld, als ich dich flehte; und dann sprachst du mir wieder freundlich zu und schenk⸗ test süße Ruh mir im Gebete. 8. Herr, ich bin dein und will es ewig sein; ach zeuch mich ganz hinein, daß ich nicht wanke. Wann kommt die Zeit, daß ich dir ganz geweiht, in heil gem Schmuck bereit, als Sieger danke? 9. Doch deine Gnad, die angefangen hat, wird auch nach deinem Rat das Werk vollenden. Ich trau es dir. Ach stärk den Glauben mir! dann lass' ich für und für mich deinen Händen. 10. Mein einzig Gut, in dem mein Sehnen ruht, du machst mich wohlgemut in deiner Liebe. O blase dann das Fünklein stärker an, daß ich dich lieben kann mit vollem Triebe. 11. Im Sturm der Welt sei du mein heimlich Zelt, der Anker, der mich hält, wenn alles zaget. In Not und Pein nimm mich, o Liebe, ein, so harr ich kindlich dein, bis daß es taget. 12. Preis, Lob und Ehr sei dir je mehr und mehr, Je⸗ hova, hoch und hehr, in Jesu Namen, im Staube Abend hie,‚ oft unter Streit und Müh, und einst in Harmonie der Engel. Amen. Johann Wilhelm Berger 17⁴/71829. 7 9 Choralbuch 200(177): Wie nach einer Wasserquelle. Abend ist es; Herr, die Stunde ist noch wie in Emmaus, daß aus deiner Jünger Munde jene Bitte fließen muß: Bleib bei uns im Erdental, halt mit uns dein Abendmahl, und dein Friedensgruß erfülle Herz um Herz mit heil'ger Stille. 2. Hingesunken ist die Sonne; deine Leuchte sinket nicht; Herrlichkeit und ew'ge Won⸗ ne sind vor deinemAngesicht. Weithin schimmert Stern an Stern; aber du, o Glanz des Herrn, überstrahlest alle Sterne in der weiten Him⸗ melsferne. 3. Selig, wem du aufge⸗ gangen, wem du in der armen Welt, wo nur eitle Lichter prangen, friedlich seinen Geist erhellt. Wenn die Tage nun entflohn, blickt er auf zu deinem Thron, und auch auf den dunkeln Wegen strahlt ihm Gottes Heil ent⸗ gegen. 4. Selig, wer am letzten Tage nimmer fürchten muß die Nacht, wenn kein Schrecken, keine Klage, kein Gewissens⸗ blitz erwacht; wenn der Mor⸗ genstern ihm winkt, während er am Abend sinkt; wenn der Geist dem Geiste zeuget, daß nun erst die Sonne steiget. 5. Herr, die Nacht, die nun erschienen, mahnet mich an diesen Tag: ob ich mit ge⸗ trosten Mienen vor dein Ant⸗ litz treten mag? Wandelt' ich im Licht vor dir, oder war es Nacht in mir? Wer den Tag zum Schlaf ge— nommen, solchem kann kein Schlummer frommen. 6. Ist mein Tag ein Tag gewesen, o dann schlaf ich friedlich ein; meine Glieder wirst du lösen und des Hauptes Hüter sein. Dann zum neuen Tageslauf wach ich neu erleuchtet auf, bis mein letzter Tag sich hebet und im ew'gen Licht ver⸗— schwebet. Albert Knapp 1798—1864. 80 Choralbuch 94(77): Jesu, meines Lebens Leben. ott der Tage, Gott der Nächte, meine Seele harret dein, lehnet sich an deine Rechte; nie kannst du mir ferne sein. Auch in stiller Nächte Stunden hat dich manches Herz gefunden und sich aus dem Lärm der Welt einsam bei dir eingestellt. 2. Vater, viele Menschen weinen, viele Kranke schmach⸗ ten nun; aber du verlässest keinen, heißest wachen, heißest ruhn, trocknest viele tausend Tränen und erfüllst das Abend heiße Sehnen unzählbarer Leidenden, die um Ruh und Lindrung flehn. 3. Vater, sende Mut den Schwachen, Licht in jedes dunkle Herz; allen, die be⸗ kümmert wachen, lindre du den heißen Schmerz! Laß die Witwen, laß die Waisen deine Lieb und Treue prei⸗ sen; gönne Kranken sanfte Ruh, Sterbenden sprich Tröstung zu! 4. O du treuer Menschen⸗ hüter, Nacht ist vor dir wie der Tag; allgewaltiger Gebieter, du verwandelst Schmerz und Plag unver⸗ sehns in Dank und Freuden. Ach, laß alle, die jetzt lei⸗ den, bald erlöst aus ihrer Pein deiner Vaterhuld sich freun! 5. Vater! Dieser Nam er⸗ weitert jede Brust voll Angst und Schmerz; wie der Mond die Nacht erheitert, kommt die Ruh in jedes Herz, das nach deinem Troste weinet, eh die Sonne wieder scheinet. O wie oft verwandelst du bangen Schmerz in süße Ruh! 6. Jesus Christus, manche Nächte hast du für uns durch⸗ gewacht und dem mensch⸗ lichen Geschlechte durch dein Wachen Ruh gebracht. Trö⸗ ster, du willst deinen Kindern auch durch Schlaf den Kum— mer lindern; wachen oder schlummern sie, weichst du doch von ihnen nie. Johann Kaspar Lavater 1741—1801. 8¹ Choralbuch 150(09): OJesuchriste, wahresvicht. Wẽ willst du hin, weil's Abend ist, o liebster Pilgrim, JesuChrist? Komm, laß mich so glückselig sein und kehr in meinem Herzen ein! 2. Laß dich erbitten, liebster Freund, dieweil es ist so gut gemeint; du weißt, daß du zu aller Frist ein herzens⸗ lieber Gast mir bist. 3. Es hat der Tag sich sehr geneigt, die Nacht sich schon von ferne zeigt; drum wollest du, o wahres Licht, mich Armen ja verlassen nicht. 4. Erleuchte mich, daß ich die Bahn zum Himmel sicher finden kann, damit die dunkle Sündennacht mich nicht ver⸗ führt noch irre macht. 5. And endlich aus der letzten Not hilf mir durch einen sanften Tod. Herr Jesu, bleib, ich halt dich fest, ich weiß, daß du mich nicht verläßt. 1674. 82 Choralbuch 137 G6): Nun sich der Tag geendet hat. Gezangen ist das Sonnen- licht, still schweiget Feld und Hain, und hell am Fir⸗ mamente bricht Sterne Schein. 2. And hervor der hell aus stiller Abend Seele blitzt ein wundersamer Strahl von dem, der ewig waltend sitzt im hohen Him⸗ melssaal. 3. Wie wäre doch das Men⸗ schenkind so elend, so allein, wenn nicht von oben zart und lind ihm käme dieser Schein! 4. Es wäre nichts als Trug und Wahn, ein zitternd Blatt am Baum, ein Körnlein Sand im Ozean, ein Traum⸗ bild fast vom Traum. 5. Das Leben wallt von Ort zu Ort, hat nimmer Ruh noch Rast und treibt im wilden Fluge fort, geschnellt durch eigne Last. 6. Es brauset wie ein schäu⸗ mend Meer, das keine Afer kennt, wirft uns wie Tropfen hin und her im wilden Ele⸗ ment. 7. Drum komm, o du, der Frieden bringt, o Gott, in stiller Nacht, wo hell die Engelglocke klingt bei gold⸗ ner Sterne Pracht! 8. Komm, wirf den frommen Liebesstrahl mir warm ins armeHerz, und die Gedanken allzumal, o zieh sie himmel⸗ wärts! 9. Drum komm mit deinem Engelheer, du Vater, lieb und gut! Du bist die einzig feste Wehr, die einzig sichre Hut. 10. Gar nichtig ist der Men⸗ schen Macht, die eitle Eitel. keit; was Gott bewacht, ist wohl bewacht hier und in Ewigkeit. Ernst Moritz Arndt 1769—1860. Choralbuch 1793): Vater 83 unser im Himmelreich. Vollendet hat der Tag die Bahn, sein Licht der Abend ausgetan und überall die dunkle Nacht die Zeit der Ruhe hergebracht. Oreicher Gott, nun segne du uns diese Nacht zu guter Ruh! 2. Was du uns Gutes hast beschert, wie du uns heut ver⸗ sorgt, ernährt, in aller Fähr⸗ lichkeit beschützt, uns zuge⸗ wendet, was uns nützt: wir danken dafür inniglich, und Herz und Lippen preisen dich. 3. Was aber Ables wir ge⸗ tan, das rechn aus Gnaden uns nicht an! Wir klagen dir's mit Reu und Schmerz und zeichnen unser Haus und Herz mit deines lieben Soh⸗ nes Blut zu Glaubenstrost und Glaubensmut. 2. Mose 12, 13. 4. Nun gib uns Ruhe, die erquickt, nach der das müde Auge blickt. Des Wächters Hut und Wachsamkeit, der Tor' und Riegel Festigkeit, das Lager, weich und warm und dicht: das alles gibt die Ruhe nicht. 5. Hältst du nicht selbst im Herzen auf der Sorge und Gedanken Lauf, so fährt er aufgeregt einher wie ein vom Sturm bewegtes Meer, und Abend manche Stunde stiller Nacht wird Ruhe suchend hinge⸗ bracht. 6. Drum bring du unser Herz zur Ruh und schließ uns bald die Augen zu; mit deiner Güte decke uns, zur rechten Zeit erwecke uns! Dann sei dir unser Dank ge⸗ bracht für dein Geschenk, die gute Nacht. Philipp Spitta 18011859. Choralbuch 35(Q07): 8⁴4 Die Welt kommt einst zusammen. (Auch nach Choralbuch 15⁵ 60: O Welt, ich muß dich lassen.) E· ist die Nacht gekommen; in Dunkel ist verglommen der Sonne lichter Schein. Herr, Gut und Leib und Seele ich deiner Hut befehle; denn was ich hab, ist alles dein. 2. Wenn sich die Augen schließen, so laß mich dein genießen im Herzen unver⸗ wehrt. Wenn schlummern alle Hüter, so wahre du die Güter, die deine Gnade mir beschert. 3. Sei du mein Stab und Stecken, so kann mich nicht erschrecken des Todes finstres Tal; ja in der Nächte läng⸗ sten kann ich mich nimmer ängsten: ich steh im Lichte allzumal. 4. Du hast ja, die da saßen in Todesschatten, lassen, o Herr, dein Licht erschaun; wie könnten gehn verloren, die du zum Licht erkoren und führst auf deinen Friedens⸗ aun? 5. Hast du mit hellem Sterne das Morgenland, das ferne, nach Bethlehem geführt, so gib, wenn mir es dunkelt, daß mir der Stern dann funkelt, der mit der Gnade Strahl mich rührt. 6. Nun, Herr, dir sei's be⸗ fohlen, was, meinem Aug verhohlen, die dunkle Nacht decktzu. Herr, es will Abend werden; so gib der bangen Erden im Schatten deiner Flügel Ruh. Adolf Harleß 1806—-1879. 85 Choralbuch 137 G6): Nun sich der Tag geendet hat. Gole, der du Gnad und Weisheit hast, hast alles wohl gemacht: du gibst den Tag zu Müh und Last und dann zur Ruh die Nacht. 2. Da geht die Seele nicht mehr aus, zieht Tür und Fenster zu und will wie im verschloßnen Haus allein sein und in Ruh. 3. Wie wohl ruht, wer sich müd geschafft, wen Hitz und Kummer traf; wie fühlt der Kranke neue Kraft auf einen sanften Schlaf! 4. Da soll dir danken, wer sich legt und wer vom Lager steigt, daß Gott, der alle Dinge trägt, so gütig sich bezeugt. 5. Noch mehr soll ich dir Abend dankbar sein in meinem Chri⸗ stenlauf; in Jesu Namen schlaf ich ein und steh mit Jesu auf. 6. Sterb ich, so schlaf ich wie ein Kind, das Gott besorgen mag; denn die im Herrn ent⸗ schlafen sind, weckt er am Jüngsten Tag. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 155(3h): 860 Welt, ich muß dich lassen. Der Mond ist aufgegan⸗ gen, die goldnen Stern⸗ lein prangen am Himmel hell und klar; der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold, als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer ver⸗ schlafen und vergessen sollt! 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost be⸗ lachen, weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolze Menschen⸗ kinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel; wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kom⸗ men weiter von dem Ziel. 5. Gott, laß uns dein Heil schauen, auf nichts lichs trauen, nicht Eitelkeit uns freun; laß uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich sein. 6. Wollst endlich sonder Grämen aus dieser Weltuns nehmen durch einen sanften Tod; und wenn du uns ge⸗ nommen, laß uns in Himmel Am Schluß Choralbuch 141(14): O daß 87 ich tausend Zungen hätte. So ist die Woche nun ge⸗ schlossen, doch, treuer Gott, dein Herze nicht; wie sich dein Segensquell er⸗ gossen, so bin ich noch der Zu⸗ versicht, daß er sich weiterhin ergießt und unerschöpflich auf mich fließt. 2. Ich preise dich mit Hand und Munde, ich lobe dich, so hoch ich kann, ich rühme dich von Herzensgrunde für alles, was du mir getan, und weiß, daß dir durch Jesum Christ mein Dank ein süßer Weihrauch ist. 3. Hat mich bei meinen Wochentagen das liebeKreuz auch mitbesucht, so gabst du auch die Kraft zum Tragen; zudem es ist voll Heil und Frucht durch deine Lieb, o Herr, zu mir, und darum dank ich auch dafür. 4. Nur etwas bitt ich über alles, und du versagst mir solches nicht: Gedenke keines Abend kommen, du unser Herr und unser Gott! 7. So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder; kalt ist der Abend⸗ hauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen und unsern kranken Nachbar auch. Matthias Claudius 1740—1815. der Woche Sündenfalles und geh mit mir nicht ins Gericht, weil Jesus meine Missetat durch seinen Tod gebüßet hat. 5. Dein Schwur ist ja noch nie gebrochen, du brichst ihn nicht in Ewigkeit, da du dem Sünder hast versprochen, daß er, wenn ihm die Sünde leid, nicht sterben, sondern gnadenvoll als ein Gerechter leben soll. Hesek. 33, 11. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen und will also den Wochenschluß vergnügt und froh zurückelegen, da der Trost mich erquicken muß, daß ich ja soll in Christo dein und schon in Hoffnung selig sein. 7. Doch da mein Leben zu⸗ genommen, so bin ich auch der Ewigkeit um eine Woche näherkommen und warte nun der letzten Zeit, da du die Stunde hast bestimmt, die mich zu dir in Himmel nimmt. 8. Wenn aber morgen ich aufs neue den Sonntag wieder sehen kann, so blickt die Sonne deiner Treue mich auch mit neuen Gnaden an; ach ja, da teilt dein Wort und Haus den allerbesten Segen aus. 9. So will ich das im vor⸗ Am Schluß der Woche aus preisen, künft'ge Woche gibst. Du wirst es mit der Tat beweisen, daß du mich je und immer liebst, und leitest mich nach deinem Rat, bis Leid und Zeit ein Ende hat. was du mir Erdmann Neumeister 1671-1756. Am Schluß der Woche, auch des Jahres Choralbuch 51(167): Es 88 ist gewißlich an der Zeit. Gn ein Schritt zur Ewigkeit ist abermals vollendet; zu dir im Fort⸗ gang dieser Zeit mein Herz sich sehnlich wendet, o Quell, daraus meineben fließt und alle Gnade sich ergießt in meine Seel zum Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag' und Jahr', und wird mir allzu lange, bis es erscheine, daß ich gar, o Leben, dich umfange, damit, was sterb⸗ lich ist an mir, verschlungen werde ganz in dir und ich unsterblich werde. 3. Vom Feuer deiner Liebe glüht mein Herz, das du ent⸗ zündet; du bist's, mit dem sich mein Gemüt aus aller Kraft verbindet. Ich leb in dir und du in mir; doch möcht ich, o mein Heil, zu dir noch immer näher dringen. 4. O daß du selber kämest bald! Ich zähl die Augen⸗ blicke. Ach komm, eh mir das Herz erkalt' und sich zum Sterben schicke; komm doch in deiner Herrlichkeit! Schau her, die Lampe steht bereit, die Lenden sind umgürtet. 5. Doch sei dir ganz anheim⸗ gestellt die rechte Zeit und Stunde, wiewohl ich weiß, daß dir's gefällt, wenn ich mit Herz und Munde dich kommen heiße und darauf von nun an richte meinen Lauf, daß ich dir komm ent⸗ gegen. 6. Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann von deiner Liebe trennen und daß ich frei vor jedermann dich mei⸗ nen Freund darf nennen und du dort, teurer Lebensfürst, dich ganz mit mir vereinen wirst und mir dein Erbe schenken. J. Drum preis' ich dich aus Dankbarkeit, daß sich die Woch ldas Jahr! geendet und also auch von dieser Zeit ein Schritt nochmals voll⸗ endet, und schreite hurtig weiter fort, bis ich gelange an die Pfort Jerusalems dort oben. 8. Wenn auch die 328 Tag des Herrn und Gottesdienst lässig sind und meine Kniee wanken, so biet mir deine Hand geschwind in meines Glaubens Schranken, damit durch deine Kraft mein Herz sich stärke und ich himmel⸗ wärts ohn Anterlaß auf⸗ steige. 9. Geh, Seele, frisch im Glauben dran und sei nur unerschrocken; laß dich nicht von der rechten Bahn die Lust der Welt ablocken. So dir der Lauf zu langsam deucht, so eile, wie ein Adler fleugt, mit Flügeln süßer Liebe. 10. O Jesu, meine Seele ist zu dir schon aufgeflogen; du hast, weil du voll Liebe bist, mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit: ich bin schon in der Ewigkeit, weil ich in Jesu lebe. August Hermann Francke 1663—1727. Tag des Herrn und Gottesdienst Choralbuch 149(208): 89 O Jerusalem, du schöne. Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein! Ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir ge⸗ kommen; komme du nun auch zu mir! Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier. Zeuch in mei⸗ nemHerzen ein, laß es deinen Tempel sein! 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, heilige du Leib und Geist, daß mein Singen und mein Beten dir ein lieb⸗ lich Opfer heißt; heilige du Mund und Ohr, zeuch das Herz zu dir empor! 4. Mache mich zum guten Lande, wenn dein Saatkorn in mich fällt. Gib mir Licht in dem Verstande; und was mir wird vorgestellt, präge meinem Herzen ein, laß es mir zur Frucht gedeihn. 5. Stärk in mir den schwachen Glauben; laß dein teures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rauben; halte mir dein Wort stets für, daß es mirzumveitstern dient und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hören, und dein Wille wird erfüllt. Nichts laß meine An⸗ dacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt. Speise mich mit Himmelsbrot, tröste mich in aller Not! Benjamin Schmolck 1672-1737. 90 Choralbuch 149(208): O Jerusalem, du schöne. YH.aem Schöner Mor— gen, schöner, als man denken mag! Heute fühl ich Ee won Tag des Herrn keine Sorgen; denn das ist ein lieber Tag, der durch seine Lieblichkeit recht das Innerste erfreut. 2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist, heller Tag in dun⸗ keln Höhlen, Zeit, in der der Segen fließt, Stunde voller Ewigkeit, du vertreibst mir alles Leid. Z. Ach wie schmeckich Gottes Güte recht wie einen Morgen⸗ tau, der mich führt aus mei⸗ ner Hütte zu des Vaters grüner Au! da hat wohl die Morgenstund edlen Schatz und Gold im Mund. 4. Ruht nur, meine Welt⸗ geschäfte, heute gilt's ein andres Tun; denn ich brauche alle Kräfte, in dem höchsten Gott zu ruhn. Heut schickt keine Arbeit sich als nur Got⸗ tes Wort für mich. 5. Ich will in der Andacht Stille heute voller Arbeit sein; denn da sammle ich die Fülle von den höchsten Schätzen ein, wenn mein Jesus meinen Geist mit dem Wort des Lebens speist. 6. Herr, ermuntre meine Sinnen und bereite selbst die Brust; laß mich Lehr und Trost gewinnen, gib zu dei⸗ nem Manna Lust, daß mir deines Wortes Hall recht tief in mein Herze fall. 7. Segne deiner Knechte Lehren, öffne selber ihren und Gottesdienst Mund; mach mit allen, die dich hören, heute deinen Gnadenbund, daß, wenn man hier fleht und singt, solches in dein Herze dringt. 8. Gib, daß ich den Tag be⸗ schließe, wie er angefangen ist. Segne, pflanze und be⸗ gieße, der du Herr des Sab⸗ bats bist, bis ich einst auf jenen Tag ewig Sonntag halten mag. Jonathan Krause 1701—1762. Choralbuch 118(41): Mein 91 Jesu, dem die Seraphinen. Beschwertes Herz, leg ab die Sorgen, erhebe dich, gebeugtesHaupt! Es kommt der angenehme Morgen, da Gott zu ruhen hat erlaubt, da Gott zu ruhen hat be— fohlen und selbst die Ruhe eingeweiht. Auf, auf, du hast vorhin viel Zeit dem Dienste Gottes abgestohlen! 2. Auf, laß Agyptens eitles Wesen, die Stoppeln und die Ziegel stehn! Du sollst das Himmelsmanna lesen und in des Herren Tempel gehn, ihm zu bezahlen deine Pflichten und zur Vermeh⸗ rung seines Ruhms die Werke deines Priestertums in tiefster Andacht zu ver⸗ richten. 3. Mein Gott, ich bin vor dir erschienen und gebe auf dein Winken acht. Wie kann ich dir gefällig dienen, wenn Tag des Herrn mich dein Geist nicht tüchtig macht? Wie wird mein Herz in dir erfreuet, wenn er nicht stillt der Sünden Qual? Wie bet ich, wenn er meine Schal mit reinem Weihrauch nicht bestreuet? 4. Kann meine Harfe lieb⸗ lich klingen, wenn sie dein Finger nicht berührt? Kann ich die düstre Nacht durch⸗ dringen, wenn dieser Leit⸗ stern mich nicht führt? Kann ich ein süßes Opfer werden, wenn diese Flamm nicht in mich fährt und mich in deiner Lieb verzehrt und hebet von dem Staub der Erden? 5. Mein Jesus hat mein Herz so teuer zu seinem Tem⸗ pel eingeweiht; hier ist dein Herd, hier ist dein Feuer, die Fülle deiner Herrlichkeit, dein Heiligtum, dein Stuhl der Gnade, dein Licht und Recht, das Himmelsbrot; des Geistes Frucht und dein Gebot erfüllen diese Bundes⸗ lade. 6. Wird sich des Lebens Werktag enden, so ruh, von allem Frondienst los, mein Geist in deinen Vaterhänden, mein Leib in seiner Mutter Schoß, bis beide feiern werden droben, wo man in sichrem Frieden ruht, nichts denket, redet oder tut als dich zu lieben, dich zu loben. Christoph Wegleiter 1659—1706. und Gottesdienst 92 Choralbuch 83 69). a, Tag des Herrn, du sollst mir heilig, ein Festtag meiner Seele sein! Gleich jenen ersten Christen heilig will ich den Tag der Ruhe weihn. Weit weg von allen eitlen Dingen, zum Himmel soll mein Geist sich schwingen; froh feir ich mit der Christen⸗ heit den Festtag der An⸗ sterblichkeit. 2. Ja, mit den heiligen Ge⸗ meinen, die heut vor deinem Antlitz stehn, soll meine Seele sich vereinen, Herr, deine Liebe zu erhöhn. Wo sich die Heiligen versammeln, will ich dein Lob mit Ehrfurcht stammeln; dort sing ich in der Engel Chor ein beßres Lied zu dir empor. 3. An diesem Gott geweih— ten Orte erschallt der Gnade Stimme mir; ich höre, Jesu, deine Worte, und stille seufzt mein Herz zu dir. Da wirst du Lehrer mir und Tröster, da kann ich mich, ich, dein Erlöster, Weltheiland, deiner Liebe freun, da lern ich dir ergebner sein. 4. And sammeln sollst du in der Stille, mein Geist, vor deinem Schöpfer dich. Da frage dich: Was sucht mein Wille? was quält und was erfreuet mich? Da, da ergründe dein Bestreben, wäg alle Reden, prüf dein Leben; da, Seele, wenn du redlich bist, vergleiche dich mit Jesus Christ. 5. O Tag des Herrn, du Tag der Wonne, du Tag des Segens für mein Herz! Bestrahle mich, o Lebens⸗ sonne, so hebt mein Geist sich himmelwärts. Gott seg⸗ ne meine Andachtstille; er⸗ füll mit deines Geistes Fülle, mit deines Angesichtes Glanz mich heut, o Jesus Christus, ganz! Johann Kaspar Lavater 17⁴41—1801. Choralbuch 159(109): 93 Ringe recht, wenn Gottes Gnade. Jede Jesu, Brunn des Lebens, stell, ach stell dich bei uns ein, daß wir nun und nie vergebens wir⸗ ken und beisammen sei'n. 2. Du verheißest ja den Deinen, daß du wollest Wun⸗ der tun und in ihrer Mitt erscheinen; ach erfüll's, er⸗ füll's auch nun! 3. Herr, wir tragen deinen Namen, Herr, wir sind auf dich getauft, und du hast zu deinem Samen uns mit deinem Blut erkauft. 4. O so laß uns dich er⸗ kennen; komm, erkläre selbst dein Wort, daß wir dich recht Meister nennen und dir folgen fort und fort. 5. Bist du mitten unter denen, welche sich nach dei⸗ nem Heil mit vereintem Tag des Herrn und Gottesdienst Seufzen sehnen, auch unser Teil. 6. Lehr uns singen, lehr uns beten, hauch uns an mit deinem Geist, daß wir vor den Vater treten, kindlich, wie's dein Mund uns heißt. 7. Sammle die zerstreuten Sinnen, wehr der Flatter⸗ haftigkeit; laß uns Licht und Kraft gewinnen zu der Christen Wesenheit. 8. O du Haupt der rechten Glieder, nimm uns auch zu solchen an; bring das Ab⸗ gefallne wieder auf die frohe Himmelsbahn. 9. Gib uns Augen, gib uns Ohren, gib uns Herzen, die dir gleich; mach uns redlich, neugeboren, Herr, zu dei⸗ nem Himmelreich. 10. Ach ja, laß uns Christen werden, Christen, die ein Licht der Welt, Christen, die ein Salz der Erden, wie's dem Vater wohl gefällt. Hieronymus Annoni 1697—1770. 9⁴ Choralbuch 72(40). Hu Jesu Christ, dich zu uns wend und deinen heil'gen Geist uns send; mit Lieb und Gnad er uns regier und uns den Weg zur Wahr⸗ heit führ. 2. Tu auf den Mund zum Lobe dein, bereit das Herz zur Andacht fein, den Glau⸗ ben mehr, stärk den Verstand, o so sei Tag des Herrn daß uns dein Nam werd wohl bekannt, 3. bis wir singen mit Gottes Heer:„Heilig, heilig ist Gott der Herr!“ und schauen dich von Angesicht im ew'gen Heil und sel'gen Licht. 4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem heil'gen Geist in einem Thron; der heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit. 1648. Choralbuch 72(40): 95 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. err, öffne mir die Herzens⸗ tür, zeuch mein Herz durch dein Wort zu dir, laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe sein. 2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund, dein Wort ist's, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit. Johann Olearius 1611—1684. 96 Choralbuch 104(45). Lier Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort an⸗ zuhören; lenke Sinnen und Begier auf die süßen Him⸗ melslehren, daß die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden. 2. Anser Wissen und Ver⸗ stand ist mit Finsternis ver⸗ hüllet, wo nicht deines Gei⸗ und Gottesdienst stes Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, tun und dichten mußt du selbst in uns verrichten. 3. O du Glanz der Herr⸗ lichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, mach uns allesamt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren. Anser Bitten, Flehn und Singen laß, Herr Jesu, wohlgelingen! Tobias Clausnizer 1618—1684. Choralbuch 94(77): 97 Jesu, meines Lebens Leben. Das ist eine sel'ge Stunde, Jesu, da man dein ge⸗— denkt und das Herz von Herzensgrunde tief in deine Wunden senkt. Wahrlich, nichts als Jesum kennen, Jesum suchen, finden, nennen, das erfüllet unsre Zeit mit der höchsten Seligkeit. 2. Jesu, deine Gnadenquelle fließt so gern ins Herz hinein; deine Sonne scheinet helle, denn du willst genossen sein. And bei aller Segensfülle ist dein Wunsch und ernster Wille, daß man, weil dein Brünnlein voll, unaufhör⸗ lich schöpfen soll. 3. Nun, so laß auch diese Stunde dein Gedächtnis in uns sein; in dem Herzen, in dem Munde leb und herrsche du allein. Laß uns deiner nie vergessen; wie Maria still gesessen, da sie deinen Mund gehört, also mach uns eingekehrt. Ernst Gottlieb Woltersdorf 17²2⁵—1761. Choralbuch 93 76): 98 Jesu, meines Lebens Leben. esu, Seelenfreund der Deinen, Sonne aller Herrlichkeit, wandelnd unter den Gemeinen, die zu deinem Dienst bereit, komm zu uns, wir sind beisammen, gieße deine Geistesflammen, gieße Licht und Leben aus über dies dein Gotteshaus. 2. Komm, belebe alle Glie⸗ der, du, der Kirche heilig Haupt; treibe aus, was dir zuwider, was uns deinen Segen raubt. Komm, entdeck uns in der Klarheit Gottes Herz voll Gnad und Wahr⸗ heit; laß uns fühlen allzu⸗ gleich: ich bin mitten unter euch. 3. Laß sich die Gemüter kehren zu dir, Glanz der Ewigkeit; laß uns innigst nur begehren, was uns dein Erbarmen beut. Laß dein Licht und Leben fließen und in alle sich ergießen; stärke deinen Gnadenbund, Herr, in jedes Herzens Grund. 4. Laß auch unsern Lehrer sehen nur auf dich, Herr Jesu Christ; laß die Hörer tief verstehen, daß du selbst zugegen bist, mild in jedes Herz zu kommen. Was nicht Tag des Herrn und Gottesdienst wird von dir genommen, taugt, und wär es noch so schön, nicht in deine Him⸗ melshöhn. 5. Komm, o Herr, in jede Seele, laß sie deine Woh⸗ nung sein, daß dir einst nicht eine fehle in der Gottes⸗ kinder Reihn. Laß uns deines Geistes Gaben reichlich mit⸗ einander haben; offenbare heiliglich, Haupt, in allen Gliedern dich. 6. Was von dir uns zuge⸗ flossen, müsse Geist und Le⸗ ben sein; was die Seele hat genossen, mache sie gerecht und rein. Komm, o Jesu, uns zu segnen, jedem gnädig zu begegnen, daß in ew'ger Lieb und Treu jedes dir ver⸗ bunden sei. Nach Michael Hahn 1758-1819. 909 Choralbuch 175(42). reuer Heiland, wir sind Tehier in der Andacht Stille; unsre Sinnen und Be⸗ gier lenke sanft dein Wille. Deines Wortes heller Schein strahl in unser Herz hinein, uns mit Licht erfülle. 2. Kehr, o Jesu, bei uns ein, komm in unsre Mitte; wollest unser Lehrer sein, hör der Sehnsucht Bitte: Deines Wortes stille Kraft, sie, die neue Menschen schafft, bilde Herz und Sitte! 3. Von dir lernen möchten wir deiner Sanftmut Milde, möchten ähnlich werden dir, Tag des Herrn deinem Demutsbilde, deiner stillen Tätigkeit, deiner armen Niedrigkeit, deines Wohl⸗ tuns Milde. 4. Zeige deines Wortes Kraft an uns armen Wesen; zeige, wie es neu uns schafft, Kranke macht genesen. Jesu, dein allmächtig Wort fahr in uns zu wirken fort, bis wir ganz genesen. 5. O wie selig ist es, dir kind⸗ lich zu vertrauen; unerschüt⸗ tert können wir auf dich, Fel⸗ sen, bauen. Herr, wir glauben in der Zeit, bis diesel'geEwig⸗ keit uns erhebt zum Schauen. Heinrich Zeller 1779—1860. 100 Choralbuch 178(50): Valet will ich dir geben. L/ mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr; von dir laß mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr. Herr, laß mich nur nicht wanken, gib mir Beständigkeit; dafür will ich dir danken in alle Ewigkeit. Nikolaus Selnecker 1532(2)- 1592. * Choralbuch 34(7%: 103 Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. Der Tag ist wieder hin⸗ gegangen, der dir, o Gott, geheiligt war; wir haben dein Gebot empfan⸗ gen, du legtest uns dein Zeugnis dar. Nun hilf, daß wir dein Wort behalten, auf und Gottesdienst Choralbuch 24(187): 101 Christus, der ist mein Leben. As sei mit deiner Gnade eiuns, Herr Jesu Christ, auf daß uns nimmer schade des bösen Feindes List. 2. Ach sei mit deiner Liebe, Gott Vater, um uns her. Wenn diese uns nicht bliebe, fiel uns die Welt zu schwer. 3. Ach, heil' ger Geist, behalte Gemeinschaft allezeit mit unsrem Geist und walte du bis in Ewigkeit. Bernhard Garve 1763—1841. Choralbuch 104(48): 102 Liebster Jesu, wir sind hier. AE Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen, segne unser täglich Brot, segne unser Tun und Lassen, segne uns mit sel'gem Sterben und mach uns zu Himmelserben. Hartmann Schenet 1634—1681. * welchem die Verheißung ruht, und laß die Liebe nicht erkalten, die fröhlich deinen Willen tut. 2. Still ist's in deinem Haus geworden, es schweigen Predigt und Gesang; doch geht die Kraft von deinen Worten im stillen noch die Welt entlang. Wir heiligen zu deiner Ehre jetzt unser Haus und Kämmerlein; Herr, laß es durch Gebet und Lehre dir einen lieben Tempel sein. 3. Der Geist, der sich aus deinem Munde am lichten Tag hat kundgetan, er zünde noch in später Stunde auf jedem Haupt ein Flämmchen an; der Stern des Heils, den die Gemeine am frühen Morgen angesehn, er möge noch im Abendscheine ob einer jeden Hütte stehn. 4. Wo findet man den Gottesfrieden? Wo ist die auserwählte Statt, die mit⸗ ten in der Welt hienieden die Seligkeit des Himmels hat? Dort, wo man sich dem Kreuze beuget, wo man den Sohn und Vater ehrt, dort, Wort 10⁴ Choralbuch 14²(7³½ O du Liebe meiner Liebe. err, dein Wort, die edle Gabe, dieses Gold er⸗ halte mir; denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist's nicht um tausend Welten, aber um dies Wort zu tun. 2. Halleluja, ja und amen! Herr, du wollest auf mich Wort Gottes wo des Geistes Stimme zeuget, dort ist der Friede eingekehrt. 5. O Gott, verkläre deinen Namen, daß alle Welt dein Antlitz scheut. Herr, gib Gedeihn, gib Frucht dem Samen, den unsre Hand hat ausgestreut, daß jeder als des Herzens Freude dein Wort im stillen treu bewegt, daß keiner mit dem Sonn⸗ tagskleide die Sonntags⸗ gnade von sich legt. 6. Herr Jesu Christ, du wirst zerstören jedwedes Werk der Finsternis. Laß uns dir völlig angehören, mach uns der Seligkeit gewiß! Treib alle sündlichen Gedanken an diesem Abend von uns fern; dann wollen rühmen wir und danken: Gesegnet sei der Tag des Herrn! Heinrich Puchta 1808-1858. Gottes sehn, daß ich mög in deinem Namen fest bei deinem Worte stehn. Laß mich eifrig sein beflissen, dir zu dienen früh und spat und zugleich zu deinen Füßen sitzen, wie Maria tat. Str. 1 von Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1700—1760. Str. 2 erstmals 1754. 105⁵ Choralbuch 92(32): Jesu, meine Liebe. Wot des höchsten Mun⸗ des, Engel unsers Wort Gottes Bundes, Wort, du warst nie stumm; bald, da wir ge⸗ fallen, ließ uns Gott er⸗ schallen Evangelium, eine Kraft, die Glauben schafft, eine Botschaft, die zum veben Jesus uns gegeben. 2. Was sein Wohlgefallen vor der Zeit uns allen fest bestimmet hat, was der Opfer Schatten längst ver⸗ kündigt hatten, das vollführt sein Rat; was die Schrift verspricht, das trifft alles ein in Jesu Namen und ist ja und amen. 3. Alles ist vollendet: Jesu Gnade wendet allen Zorn und Schuld. Zesus ist ge⸗ storben, Jesus hat erwor⸗ ben alle Gnad und Huld. Auch ist dies fürwahr gewiß: Jesus lebt in Preis und Ehre. Ach erwünschte Lehre! 4. Ans in Sünden Toten machen Jesu Boten dieses Leben kund; lieblich sind die Füße und die Lehren süße, teuer ist der Bund. Aller Welt wird vorgestellt durch der guten Botschaft Lehre, daß man sich bekehre. 5. Kommt, zerknirschte Her⸗ zen, die in bittern Schmerzen das Gesetz zerschlug; kommt zu dessen Gnaden, der, für euch beladen, alle Schmerzen trug. Jesu Blut stärkt euern Mut. Gott ist hier, der euch geliebet und die Schuld ver⸗ gibet. 6. Dieser Grund bestehet; wenn die Welt vergehet, fällt er doch nicht ein. Darauf will ich bauen, so soll mein Vertrauen evangelisch sein. Auch will ich nun würdiglich in der Kraft, die mir gegeben, evangelisch leben. J. Jesu, deine Stärke, schaf⸗ fet diese Werke; stehe du mir bei! Nichts kann mich nun scheiden; hilf denn, daß mein Leiden evangelisch sei! Laß auch mich einmal auf dich, als ein Kind mit dir zu erben, evangelisch sterben! Heinrich Kornelius Hecker 1699—1743. Choralbuch 169(162): 106 soltt es gleich bisweilen scheinen. Treuster Meister, deine Worte sind die rechte Himmelspforte; deine Leh⸗ ren sind der Pfad, der uns führt zur Gottesstadt. 2. O wie selig, wer dich höret, wer von dir will sein gelehret, wer zu jeder Zeit und Stund, schaut auf deinen treuen Mund! 3. Sprich doch ein in meiner Seele, gib ihr Weisung und Befehle, lehr sie halten bis in Tod deiner Liebe sanft Gebot. 4. Hilf mir, mich im Lieben üben und Gott über alles lieben; gleich wie mich lieben inniglich. 5. Also werd ich mich ver— binden ganz mit dir und Ruhe finden; also werd ich in der Zeit sein gelehrt zur meinen Nächsten laß mich Ewigkeit. Johann Scheffler 1624—1677. 107 Choralbuch 17⁸(50): Valet will ich dir geben. ch weiß, woran ich glaube; ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub ver⸗ weht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klu— gen hält. 2. Ich weiß, was ewig dauert; ich weiß, was nim⸗ mer läßt. Mit Diamanten mauert mir's Gott im Her⸗ zen fest. Ja, recht mit Edel⸗ steinen von allerbester Art hat Gott der Herr den Sei⸗ nen des Herzens Burg ver— wahrt. 3. Ich kenne wohl die Steine, die stolze Herzenswehr; sie funkeln ja mit Scheine wie Sterne schön und hehr: die Steine sind die Worte, die Worte hell und rein, wo⸗ durch die schwächsten Orte gar feste können sein. 4. Auch kenn ich wohl den Meister, der mir die Feste baut: er heißt der Fürst der Wort Gottes Geister, auf den der HDimmel schaut, vor dem die Sera⸗ phinen anbetend niederknien und dem die Engel dienen. Ich weiß und kenne ihn. 5. Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der diamanten ist, der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchtet hier und dort. 6. Drum weiß ich, was ich glaube; ich weiß, was fest besteht und in dem Erden⸗ staube nicht mit als Staub verweht; ich weiß, was in dem Grauen des Todes ewig bleibt und selbst auf Erden⸗ auen schon Himmelsblumen treibt. Ernst Moritz Arndt 1769—1860. Choralbuch 188(156): 108 Was Gott tut, das ist wohlgetan. ein Wort, o Herr, ist milder Tau für trost⸗ bedürft'ge Seelen. Laß kei⸗ nem Pflänzchen deiner Au den Himmelsbalsam fehlen! Erquickt durch ihn laß jedes blühn und in der Zukunft Tagen dir Frucht und Samen tragen. 2. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert, ein Keil, der Felsen spaltet, ein Feuer, das im Herzen zehrt und Markund Beindurchschaltet. Wort Gottes O laß dein Wort noch fort und fort der Sünde Macht zerscheitern und alle Herzen läutern! 3. Dein Wort ist uns der Wunderstern für unsre Pil⸗ gerreise; es führt auch Toren hin zum Herrn und macht die Einfalt weise. Dein Himmelslicht verlösch uns nicht und leucht in jede Seele, daß keine dich ver⸗ fehle. Jes. 35, 8. 4. Ich suchte Trost und fand ihn nicht; da ward das Wort der Gnade mein Lab⸗ sal, meine Zuversicht, die Fackel meiner Pfade. Sie zeigte mir den Weg zu dir und leuchtet meinen Schritten bis zu den ew'gen Hütten. 5. Auf immer gilt dein Segensbund, dein Wort ist ja und amen. Nie weich' es uns aus Geist und Mund und nie von unsrem Sa⸗ men. Laß immerfort dein helles Wort in allen Lebens⸗ zeiten uns trösten, warnen, leiten! 6. O sende bald von Ort zu Ort den Durst nach deinen Lehren, den Hunger aus, dein Lebenswort und deinen Geist zu hören; und send ein Heer von Meer zu Meer, der Herzen Durst zu stillen und dir dein Reich zu füllen. Bernhard Garve 1763—1841. Choralbuch 131(43): 1009 Nun komm, der Heiden Heiland. (Auch nach Choralbuch 65(54): Gott sei Dank durch alle Welt.) Wernumende allgewaltig Wort des Herrn, wo nur seiner All⸗ macht Ruf Menschen für den Himmel schuf; 2. Wort vom Vater, der die Welt schuf und in den Armen hält und der Sünder Trost und Rat zu uns her gesendet hat; 3. Wort von des Erlösers Huld, der der Erde schwere Schuld durch des heil'gen Todes Tat ewig weggenom— men hat; 4. kräftig Wort von Gottes Geist, der den Weg zum Himmel weist und durch seine heil'ge Kraft Wollen und Vollbringen schafft. 5. Wort des Lebens, stark und rein, alle Völker harren dein; walte fort, bis aus der Nacht alle Welt zum Tag erwacht. 6. Auf, zur Ernt in alle Welt! Weithin wogt das reife Feld; klein ist noch der Schnitter Zahl, viel der Arbeit überall. 7J. Herr der Ernte, groß und gut, weck zum Werke Lust und Mut; laß die Völker allzumal schauen deines Lichtes Strahl! JonathanfriedrichBahnmaier 177⁴—1841. Choralbuch 23(44): 110 Christ, unser Herr, zum Jordan kam. Mehr sieht das Aug im Taufennicht als bloßes Wasser gießen; der Glaube sieht durch höhres Licht das Blut des Bundes fließen. O heilige, o teure Flut, wasch unser krank Gewissen! O Geist, durchs Wasser und durchs Blut laß auf uns Gnade fließen und mach uns rein von Sünden! Württembergisches — Gesangbuch 1791. Choralbuch 119(123): IIIMein Jesus lebt! Was soll ich sterben. ir, Herr, sei dieses Kind empfohlen, dir, dessen Treu unwandelbar! Wir bringen's, wie du selbst be⸗ fohlen, dir in der heil' gen Taufe dar. Gib, Vater, gib an deinem Heil, an Jesu Christo gib ihm Teil! Nach Christoph Friedrich Neander 17241802. Choralbuch 104(45): 1 1 ZeiebsterZesu, wir sind hier. L Jesu, wir sind hier, deinem Worte nachzu⸗ leben; dieses Kindlein kommt zu dir, weil du den Befehl gegeben, frühe sie zu dir zu weisen, denen du dein Reich verheißen. 2. Ja, es schallet allermeist dieses Wort in unsern Ohren: Taufe und Konfirmation Wer durch Wasser und durch Geist nicht zuvor ist neu⸗ geboren, wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. 3. Darum eilen wir zu dir: nimm dies Pfand von unsern Armen; tritt mit deinem Glanz herfür und erzeige dein Erbarmen, daß es dein Kind hier auf Erden und im Himmel möge werden. 4. Hirte, nimm dein Schäf⸗ lein an; Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmels⸗ weg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, seidusein Friede; Weinstock, hilf, daß diese Rebe auch im Glauben dich umgebe. 5. Nun, wir legen an dein Herz, was von Herzen ist gegangen; führ die Seufzer himmelwärts und erfülle das Verlangen. Ja, den Namen, den wir geben, schreib ins Lebensbuch zum Leben! Benjamin Schmolck 167²21737. Choralbuch 95(82): 113 Jesus, meine Zuversicht. wig, ewig bin ich dein, teuer dir, mein Gott, er⸗ kaufet, bin auf dich, um dein zu sein, Vater, Sohn und Geist, getaufet; dessen soll mein Herz sich freun. Ewig, ewig bin ich dein. Johann Andreas Cramer 1723—1788. Taufe und Konfirmation Choralbuch 119(123): 114 Mein Jesus lebt! Was soll ich sterben. 3 bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist; ich bin gezählt zu deinemSamen, zum Voll, das dir geheiligt heißt; ich bin in Ehristum eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt; du hast die Frucht von deinem Ster⸗ ben, mein treuer Heiland, mir gewährt; du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Gehorsam zugesagt und Treu; ich habe dir aus reinem Triebe ge⸗ lobt, daß ich dein eigen sei; hingegen sagt ich bis ins Grab der Sünde schnöden Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt ewig die⸗ ser Bund bestehn; wenn aber ich ihn überschreite, so laß mich nicht verloren gehn. Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen tut. 6. Laß diesen Vorsatz nim⸗ mer wanken, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist; halt mich in deines Bundes Schranken, bis mich dein Wille sterben heißt. So leb ich dir, so sterb ich dir, so lob ich dich dort für und für. Johann Jakob Rambach 1693—1735. Choralbuch 115(196): 115 Mein Glaub ist meines Lebens Ruh. J* bin in dir und du in mir! Nichts soll mich, ew'ge Liebe, dir in dieser Welt entreißen! Auf Erden, wo nur Sünder sind, nennst du mich freundlich schon dein Kind; o laß mich's ewig heißen und treu mit Wandel, Herz und Mund bewahren deinen Friedensbund! 2. Ich bin in dir und du in mir! Dreiein'ger Gott, du hast zu dir mich frühe schon berufen. Was mir, dem Kindlein, war bereit, ergreif ich heut voll Innigkeit an des Altares Stufen und sag: O Liebe, du bist mein, ich will dein Kind auf ewig sein! 3. Ich bin in dir und du in mir! Noch wohn ich völlig nicht bei dir, weil ich auf Erden walle; drum führmich, Jesu, treuer Hirt, daß mich, was locket, schreckt und irrt, nicht bringe je zu Falle. O .„— daß, was ich dir heut ver⸗ sprach, mir gehe tief und ewig nach! 4. Ich bin in dir und du in mir! Komm, Herr, mir deine Tugendzier frühzeitig anzu⸗ legen, daß mir des Lebens Glück und Not, ja selbst der letzte Feind, der Tod, nur lommen mög im Segen. Mit dir will ich durchs Leben gehn, dir leiden, sterben, auf⸗ erstehn. Albert Knapp 1798—1864. Choralbuch 182(204): 116 Wachet auf! ruft uns die Stimme. Gemeinde. Vor dir, Todesüberwin⸗ der, stehn deine teur er⸗ lösten Kinder; ihr Lobgesang sei dir gebracht! Freudig gehn sie dir entgegen, weil du der Liebe reichsten Segen den Kinderseelen zugedacht. Dein Auge sieht sie hier im Jugendschmuckvor dir knien und beten. Herr, sie sind dein! Laß ihre Reihn dir an dein Herz geleget sein! Kinder. 2. Friedefürst, ich ward er⸗ koren am ersten Tag, als ich geboren, zu deinem sel'gen Gnadenkind; du gabst mir des Himmels Gaben, weil wir nichts Gutes eigen haben und ohne dich verloren sind. O Zesu, meine Ruh! Ich greife freudig zu nach den Gaben, die du mir heut zur Taufe und Konfirmation Seligkeit durch dein Erbar⸗ men hast erneut. 3. Laß dich halten und um⸗ fassen; ich will dich ewig nicht verlassen, verlaß auch du mich ewig nicht! Schütze mich vor Welt und Sünde und offenbare deinem Kinde dein gnadenvolles Angesicht, auf daß ich Tag für Tag in dir mich freuen mag still und heilig und mich dein Mund zu jeder Stund erinnre an den Liebesbund. Gemeinde und Kinder. 4. O du Hirt erkaufter See⸗ len! Ich muß des rechten Wegs verfehlen, wenn meine Seele von dir geht; darum gib mir Licht und Stärke und Glaubensmut zum guten Werke, zum Ringen, Wa⸗ chen und Gebet, bis ich den Pilgerstand im ew'gen Va⸗ terland siegreich ende und du, o Sohn, der Treue Lohn mir reichst von deinem Gna⸗ denthron. Albert Knapp 1798 1864. 117 Choralbuch 172 6). tärk uns, Mittler, dein sind wir! Sieh, wir alle flehen: Laß, o laß, Barm⸗ herziger, uns dein Antlitz sehen! Wach über unsre Seelen! Hier stehn und sprechen alle wir: Herr, dein Eigentum sind wir. Heiliger Schöpfer, Gott; heiliger Mittler, Gott; heiliger Gott, Lehrer und Tröster; drei⸗ einiger Gott! Laß uns nie ver⸗ gessen unsern teuern, heil'gen Bund! Erbarm dich unser! 2. In der Todesnot laß uns, deine teur Erlösten, unsers Glaubens Zuversicht unaussprechlich trösten! Zähl uns zu deinen Kindern! Laß Kinder und Erwachsne dein sich im Himmel ewig freun! Heiliger Schöpfer, Gott; hei⸗ liger Mittler, Gott; heiliger Gott, Lehrer und Tröster; dreieiniger Gott! Laß uns nie vergessen unsern teuern, heil'gen Bund! Erbarm dich unser! Nach Balthasar Münter 1735—1793. 118 Choralbuch 142(73): O du Liebe meiner Liebe. Beibt bei dem, der euret⸗ willen auf die Erde niederkam, der, um euern Schmerz zu stillen, tausend Schmerzen auf sich nahm; bleibt bei dem, der einzig bleibet, wenn auch alles untergeht, der, wenn alles auch zerstäubet, siegend überm Staube steht. Für die Konfirmationsfeier Abendmahl 2. Alles schwindet; Herzen brechen, denen ihr euch hier ergabt, und der Mund hört auf zu sprechen, der euch oft mit Trost gelabt, und der Arm, der euch zum Stabe und zum Schilde ward, er⸗ starrt, und das Auge schläft im Grabe, das euch sorgsam einst bewahrt. 3. Alles stirbt; das Ird'sche findet in dem Irdischen sein Grab, alle Lust der Welt verschwindet, und das Herz stirbt selbst ihr ab. Ird'sches Wesen muß verwesen, ird'⸗ sche Flamme muß verglühn, ird'sche Fessel muß sich lö⸗ sen, ird'sche Blüte muß ver⸗ blühn. 4. Doch der Herr stehtüberm Staube alles Irdischen und spricht: Stütze dich auf mich und glaube, hoffe, lieb, und fürchte nicht! Darum bleibt bei dem, der bleibet und der geben kann, was bleibt, der, wenn ihr euch ihm verschrei⸗ bet, euch ins Buch des Lebens schreibt. Philipp Spitta 1801—-1859. siehe auch Anhang Nr. 554. Abendmahl Choralbuch 182(Q04): 110 Wachet auf! ruft uns die Stimme. err, du wollst uns vor⸗ bereiten zu deines Mah⸗ les Seligkeiten; sei mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, mit glaubensvollem Herzen na⸗ hen und sprich uns los von inN ,. Sünd und Tod! Wir sind, o Jesu, dein; dein laß uns ewig sein! Amen, amen. Anbetung dir! Einst feiern wir das große Abendmahl bei dir. Nach Friedrich Gottlieb Klopstock 1724—1803. Choralbuch 210(93): 120 Zeuch ein zu deinen Toren. . her, ihr seid ge⸗ laden, der Heiland ru⸗ fet euch, der süße Herr der Gnaden, an Huld und Liebe reich; der Erd und Himmel lenkt, will Gastmahl mit euch halten und wunderbar ge— stalten, was er in Liebe schenkt. 2. Kommt her, verzagte Sünder, und werft die Angste weg. Kommt her, versöhnte Kinder, hier ist der Lebens⸗ weg. Empfangt die Him⸗ melslust, die heil'ge Gottes⸗ speise, die auf verborgne Weise erquicket jede Brust. 3. Kommt her, betrübte Seelen, die Not und Jam⸗ mer drückt, mit Gott euch zu vermählen, der wunderbar beglückt. Kommt, legt auf ewig ab der Sünde bange Säumnis; empfanget das Geheimnis, das Gott vom Himmel gab. 4. O wunderbare Treue, so lockst du mich zu dir? O wunderbare Weihe, so nahst du selig mir? Ich soll der Sünden Tod in deinem Abendmahl Blute trinken, vergehen und versinken in deiner Liebe, Gott? 5. O Wonne kranker Herzen, die mir von oben kam! Ver⸗ wunden sind die Schmerzen, getröstet ist der Gram. Was von dem Himmel fleußt, hat lieblich sich ergossen; mein Herz ist gar durchflossen vom süßen Liebesgeist. 6. Drum jauchze, meine Seele, hell aus der Sünden Nacht. Verkünde und er⸗ zähle die tiefe Wunder⸗ macht, die unermeßlich süß, ein Born der Liebe, quillet und jeden Jammer stillet, der fast verzweifeln ließ. 7. Drum jauchze, meine Seele, drum jauchze deinem Herrn! Verkünde und er⸗ zähle die Gnade nah und fern, den Wunderborn im Blut, die sel'ge Himmels⸗ speise, die auf verborgne Weise dir gibt das höchste Gut. Ernst Moritz Arndt 1769—1860. Choralbuch 119(123): 121 Wein Zesus lebt! Was soll ich sterben. Laß irdische Geschäfte ste⸗ hen, auf, Seele, mache dich bereit! Du willst zu Got⸗ tes Tische gehen; doch prüfe deine Würdigkeit, ob du dich als ein rechter Gast zum Abendmahl geschicket hast. 2. Es will mir fast der Mut verschwinden, ob ich dabei erscheinen kann; ich finde viele tausend Sünden, ach, die ich wider Gott getan; ich darf zu dieser Tafel nicht, nicht unrein vor sein An⸗ gesicht. 3. Erbarm dich, Gott! Was soll ich sagen? Ich Sünder muß verloren sein! Doch nein, ich darf auch nicht ver⸗ zagen: Gott setzt den Tisch deswegen ein, daß er den Sündern Trost und Kraft für ihre matten Seelen schafft. 4. Wie wohl ist mir in Gott zu Mute! Gott tilget meine Missetat; ich wasche mich in Jesu Blute, der meine Schuld gebüßet hat; mein Glaub erlangt von ihm das Kleid, des Heils und der Gerechtigkeit. 5. In diesem Schmucke will ich gehen als Gottes aus⸗ erwähltes Kind und selig an dem Orte stehen, wo andre Himmelsgäste sind; weil ich mit Jesu angetan, sieht Gott mich nun in Jesu an. 6. Ach wie erquicket mich die Speise, die meine Seele hier genießt, da Jesus wunder⸗ barerweise die teure Speise selber ist. Ach siehe, wie dich Jesus liebt, der dir sich selbst zu eigen gibt. J. Ich kann nur Brot und Wein erblicken; doch sieht der Glaub ein höher Gut: Abendmaͤhl in, mit und unter beiden Stücken empfang ich Christi Leib und Blut. Er sagt es selbst, er ist getreu; drum bleibt mein Glaube fest dabei. 8. Mein Jesus ist für mich gestorben, mein Jesus lebet auch für mich; mein Jesus hat mein Heil erworben. Dar⸗ auf besteh ich festiglich und schließe mich in ihn hinein: mein Freund ist mein, und ich bin sein! Erdmann Neumeister 1671-1756. Choralbuch 11(48): 122 An Wasserflüssen Babylon. ch komme, Herr, und suche dich mühselig und be⸗— laden. O mein Erbarmer, würd'ge mich des Wunders deiner Gnaden. Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, mich deiner zu ge— trösten. Ich fühle meiner Sünden Müh, ich suche Ruh und finde sie im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, du bist das Heil der Sünder; du hast die Hand⸗ schrift abgetan, und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht und an dein Wort: Es ist voll⸗ bracht! Du hast mein Heil verdienet, du hast für mich dich dargestellt, Gott war in 7* SSS‚Scc‚e‚ee.- dir und hat die Welt in dir mit sich versühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! Er tilget deine Sün⸗ den und läßt an seiner Tafel hier dich Gnad um Gnade finden. Du rufst, und er er⸗ hört dich schon, spricht liebͤ⸗ reich:„Sei getrost, mein Sohn, die Schuld ist dir ver⸗ geben; du bist in meinen Tod getauft, und du wirst dem, der dich erkauft, von ganzem Herzen leben. 4. Dein ist das Pfand der Seligkeit; bewahr es hier im Glauben und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, ich ver⸗ eine mich mit dir. Ich bin der Weinstock; bleib an mir, so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg ge— lingen.“ 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot; ich will es treu erfüllen und bitte dich durch deinen Tod um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an eifrig sein, mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn und deinen Tod zu preisen; laß mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt beweisen. Christian 7 Gellert 17151769. Abendmahl 123 Choralbuch 162(46) und 163(d7) Schmücke dich, o liebe See⸗ le, laß die dunkle Sün⸗ denhöhle, komm ans helle Licht gegangen, fange herr⸗ lich an zu prangen! Denn der Herr voll Heil und Gna⸗ den will dich jetzt zu Gaste laden; der den Himmel kann verwalten, will jetzt Herberg in dir halten. 2. Eil, wie Gottvertraute pflegen, deinem großen Herrn entgegen, der bei dir und all den Seinen will mit seiner Gnad erscheinen. Offn ihm bald die Geistespforten, red ihn an mit Glaubens⸗ worten: Komm, ich will dich mit Verlangen als den lieb⸗ sten Freund empfangen. 3. Ach wie hungert mein Gemüte, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach wie pfleg ich oft mit Tränen mich nach diesem Mahl zu sehnen! Ach wie pfleget mich zu dür⸗ sten nach dem Trank des Lebensfürsten, daß in diesem Brot und Weine sich mein Herr mit mir vereine! 4. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen, hier fall ich zu deinen Füßen: Laß mich würdiglich genießen diese deine Himmelsspeise mir zum Heil und dir zum Preise! 5. Herr, es hat dein treues Lieben dich vom Himmel hergetrieben, daß du willig hast dein Leben für mich in den Tod gegeben und dein teures Blut vergossen, wel⸗ ches deine Tischgenossen hier so wunderbar kann tränken, deiner Liebe zu gedenken. 6. Jesu, wahres Brot des Lebens, hilf, daß ich doch nicht vergebens oder gar zu meinem Schaden trete zu dem Mahl der Gnaden. Laß bei diesem Trank und Essen mich dein Lieben recht er⸗ messen, daß ich auch, wie jetzt auf Erden, mög dein Gast im Himmel werden. Johann Franck 1618-1677. Choralbuch 162((6): 124 Scmücke dich, o liebe Seele. omm, mein Herz! In Jesu Leiden strömt auch dir ein Quell der Freuden; stille hier dein sehnlich Dür⸗ sten an dem Mahl des Le⸗ bensfürsten. Daß ich einen Heiland habe und in seinem Heil mich labe und in sein Verdienst mich kleide, das ist meines Herzens Freude. 2. Zwar hab ich ihn alle Tage, wenn ich Sehnsucht nach ihm trage; er ist auf der Himmelsreise täglich meine Seelenspeise. Daß ich einen Heiland habe, bleibt mein alles bis zum Grabe, Abendmahl und ich mag nichts andres wissen, als sein Leiden zu genießen. 3. Aber ich will mit Ver⸗ langen auch sein Abend⸗ mahl empfangen. Darf ich da mich ihm verbinden, werd ich's tiefer noch empfinden, daß ich einen Heiland habe, der am Kreuz und in dem Grabe, wie sein Wort mir sagt und schreibet, mein Er⸗ löser war und bleibet. 4. Ach wie werd ich oft so müde, wie entweicht der süße Friedel Sünd und Welt kann mich verwunden, wenn mir dieses Licht entschwunden, daß ich einen Heiland habe, der mit seinem Hirtenstabe sanft und mild und voll Ver⸗ geben mir nichts ist als Heil und Leben. 5. Sei gesegnet, ew'ge Lie⸗ be, daß du mir aus treuem Triebe, da das Mißtraun mich vergiftet, solch ein Denk⸗ mal selbst gestiftet, daß ich einen Heiland habe, der den Gang zum Kreuz und Grabe, ja den Schritt in Todes Rachen gern getan, mich loszumachen. 6. Heil'ges Brot, sei mir gesegnet, weil mir der mit dir begegnet, der mit seinen heil'gen Wunden die Er⸗ lösung mir erfunden. Daß ich einen Heiland habe, der erblaßt und tot im Grabe auch für meine Schuld ge— = — 5 2e8 legen, will ich schmecken und erwägen. 7. Heil'ger Kelch, sei mir gesegnet, weil mir der in dir begegnet, dessen Blut mich lässet finden die Vergebung aller Sünden. Daß ich einen Heiland habe, der die matte Seele labe, muß dies nicht mein Dürsten stillen und mein Herz mit Wonne füllen? 8. Gott, was brauch ich mehr zu wissen, ja, was will ich mehr genießen? Wer kann nun mein Heil ermessen, werd ich das nur nicht ver⸗ gessen, daß ich einen Heiland habe? Ich bin frei vom Tod und Grabe; wenn mich Sünd und Hölle schrecken, so wird mich mein Heiland decken. 9. Will hinfort mich etwas quälen, oder wird mir etwas fehlen, oder wird die Kraft zerrinnen, so will ich mich nur besinnen, daß ich einen Hei⸗ land habe, der vom Kripplein bis zum Grabe, bis zum Thron, wo man ihn ehret, mir, dem Sünder, zugehöret. Ernst Gottlieb Woltersdorf 1725—1761. Choralbuch 162(d46): 125 Schmücke dich, o liebe Seele. Jisher Freund der Men⸗ schenkinder, Heiland der verlornen Sünder, der zur Sühnung unsrer Schulden Kreuzesschmach hat wollen dulden, wer kann fassen das Abendmahl Erbarmen, das du trägest mit uns Armen? In der Schar erlöster Brüder fall ich dankend vor dir nieder. 2. Ja, auch mir strömt Heil und Segen, Herr, aus deiner Füll entgegen: in dem Elend meiner Sünden soll bei dir ich Hilfe finden; meine Schuld willst du bedecken, mich be⸗ frein von Furcht und Schrek⸗ ken, willst ein ewig sel' ges Leben als des Glaubens Frucht mir geben. 3. Mich, den Zweifelnden, den Schwachen, willst du fest im Glauben machen; ladest mich zu deinem Tische daß mein Herz sich hier er⸗ frische. So gewiß ich Wein genossen, ist dein Blut für mich geflossen; so gewiß ich Brot empfangen, soll ich Heil in dir erlangen. 4. Ja, du kommst, dich mit den Deinen in dem Nacht⸗ mahl zu vereinen; du, der Weinstock, gibst den Reben Mut und Kraft zum neuen Leben; durch dich muß es mir gelingen, reiche, gute Frucht zu bringen und durch Frömmigkeit zu zeigen, daß ich gänzlich sei dein eigen. 5. Nun so sei der Bund er⸗ neuet und mein Herz dir ganz geweihet! Auf dein Vorbild will ich sehen und dir nach, mein Heiland, gehen: was du hassest, will ich hassen, stets von dir mich leiten lassen; Abendmahl was du liebest, will ich lie⸗ ben, nie durch Antreu dich betrüben. 6. Doch ich kenne meine Schwäche; schwer ist, was ich dir verspreche. Werd ich dir auch Glauben halten und im Guten nie erkalten? O steh du mir bei und stärke mich zu jedem guten Werke! Hilf, daß ich die Lust zur Sünde durch dich kräftig überwinde. 7. Gib, daß ich und alle Christen uns auf deine Zu⸗ kunft rüsten, daß, wenn heut der Tag schon käme, keinen, Herr, dein Blick beschäme. Schaff ein neues Herz den Sündern; mache sie zu Got⸗ teskindern, die dir leben, leiden, sterben, deine Herr⸗ lichkeit zu erben. 8. Großes Abendmahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirst du kommen, daß wir mit der Engel Chören, Herr, dich schaun und ewig ehren? Halleluja, welche Freuden sind die Früchte deiner Leiden! Danket, dan⸗ ket, fromme Herzen, ewig ihm für seine Schmerzen! Nach Johann Kaspar Lavater 17⁴41—1801. Choralbuch 49(109): 126 es ist das Heit uns kommen her. H² im Gedächtnis Jesum Christ, o Seele, der auf Erden vom Himmelsthron gekommen ist, ein Heiland dir zu werden. Vergiß nicht, daß er dir zugut hat ange⸗ nommen Fleisch und Blut; dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtnis Je⸗ sum Christ! Er hat für dich gelitten und dir, da er ge⸗ storben ist, das Heil am Kreuz erstritten. Errettung von der Sündennot erwarb er dir durch seinen Tod; dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtnis Je⸗ sum Christ, der, von dem Tod erstanden, nunmehr zur Rechten Gottes ist und von des Todes Banden die Sei⸗ nigen auch frei gemacht und ew'ges Leben dir gebracht; dank ihm für diese Liebe! 4. Halt im Gedächtnis Je⸗ sum Christ! Er wird einst wieder kommen, zu richten, was auf Erden ist, die Sün⸗ der und die Frommen. Drum sorge, daß du dann bestehst und mit ihm in den Him⸗ mel gehst, ihm ewiglich zu danken. 5. Mein Heiland, den der Himmel preist, dich will ich ewig loben. O stärke dazu meinen Geist mit neuer Kraft von oben! Dein Abendmahl vermehr in mir des Glau⸗ bens Kraft, damit ich dir mit neuer Treue diene. Nach Cyriakus Günther 1650—1704. Str. 5 erstmals 1765. — 6„76„— Choralbuch 117(122): 127 Mein Herzens⸗Jesu, meine Lust. DO Jesu, dir sei ewig Dank für deine Treu und Ga⸗ ben! Ach laß durch diese Speis' und Trank auch mich das Leben haben! Sei mir willkommen, edler Gast! Den Sünder nicht verschmähet hast; wie soll ich Dank dir sagen? 2. O Jesu Christ, du kannst allein mir Leib und Seele laben. Nun bin ich dein, und du bist mein mit allen dei⸗ nen Gaben. Hier hab ich, was ich haben soll; dein Gnadenbrünnlein ist stets voll, hier find ich Trost und Leben. Johann Olearius 1611—1684. Choralbuch 76(15½%: 128 Herzlich tut mich ver⸗ langen. Wie könnt ich sein ver⸗ gessen, der mein noch nie vergaß? wie seine Lieb ermessen, durch die mein Herz genas? Ich lag in bit⸗ tern Schmerzen, er kommt und macht mich frei, und stets quillt aus dem Herzen ihm neue Lieb und Treu. 2. Wie sollt ich ihn nicht lieben, der mir so hold sich zeigt? wie einmal ihn be⸗ trüben, der so zu mir sich neigt? er, der ans Kreuz gehoben für mich ging him⸗ melan und täglich nun von Abendmahl oben mich segnend will um⸗ fahn. 3. Ich darf, ich darf ihn lieben, der mir aus Todes⸗ nacht, von meinem Schmerz getrieben, Ansterblichkeit ge⸗ bracht, der noch zur letzten Stunde mir reicht die treue Hand, bis auch die letzte Wunde ausheilt, die mich gebrannt. 4. Er gibt zum treuen Pfande mir selbst sein Fleisch und Blut, hebt mich vom Erdentande, füllt mich mit Himmelsmut, will selber in mir thronen mit Trost und Licht und Schein: sollt ich nicht in ihm wohnen, in ihm nicht selig sein? 5. Bei Freuden und bei Schmerzen durchleuchtemich dein Bild, wie du, o Herz der Herzen, geblutet hast so mild. Mein Lieben und mein Hoffen, mein Dulden reich ich dir; laß mir die Heimat offen und dein Herz für und für! Christian Gottlob Kern 1792—1835. Choralbuch 119(123): 129 Mein Jesus lebt! Was soll ich sterben. Nimm hin den Dank für deine Liebe, du, mein Erlöser, Jesu Christ! Gib, daß ich dich nicht mehr be⸗ trübe, der du für mich ge⸗ storben bist; laß deines Lei⸗ dens Angst und Pein mir immer in Gedanken sein! Georg Sonchut 759.1735. 30—1788. 130 Choralbuch 96(49). m Frieden dein, o Herre mein, laß ziehn mich meine Straßen. Wie mir dein Mund gegeben kund, schenkst Gnad du ohne Ma⸗ ßen, hast mein Gesicht das sel'ge Licht des Heilands schauen lassen. 2. Mir armem Gast be— Advent reitet hast das reiche Mahl der Gnaden. Das Lebens⸗ brot stillt Hungers Not, heilt meiner Seele Schaden. Ob solchem Gut jauchzt Sinn und Mut mit alln, die du geladen. 3. O Herr, verleih, daß Lieb und Treu in dir uns all verbinden, daß Hand und Mund zu jeder Stund dein' Freundlichkeit verkünden, bis nach der Zeit den Platz be⸗ reit't an deinem Tisch wir finden. Gesangbuch für Elsaß-Lothringen auf Grund eines Liedes von Johannes Englisch, + 1577. Für die Abendmahlsfeier siehe auch Anhang Nr. 552 und 553. Advent 131 Choralbuch 178 6⁰). Valet will ich dir geben. Wie soll ich dich empfan⸗ gen und wie begegnen dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier? O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Leuchte bei, damit, was dich ergötze, mir kund und helle sei. 2. Dein Zion streut dir Pal⸗ men und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud? Als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid, als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kom⸗ men und hast mich froh ge⸗ macht. 4. Ich lag in schweren Ban⸗ den, du kommst und machst mich los; ich stund in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren und schenkstmir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, wie ird'scher Reichtum tut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Him⸗ melszelt als das geliebte 2 2 — 2 Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großer Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr. Seid unverzagt! ihr habet die Hilfe vor der Tür: der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht be⸗ mühen noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht. Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht er⸗ schrecken vor eurer Sünden Schuld; nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb. und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zu Trost und wahrem Heil, schafft, daß bei Gottes Kindern ver⸗ bleib ihr Erb und Teil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind und ihrer · Tück? Der Herr wird sie zerstreuen in einem Augen⸗ blick. Er kommt, er kommt, ein König, dem aller Feinde Hand auf Erden viel zu wenig vermag zum Wider⸗ stand. 10. Er kommt zum Welt⸗ Advent gerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht; mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ew'gen Licht und Wonne in deinen Freudensaal! Paul Gerhardt 16071676. 132 Choralbuch 111 62). Mocht hoch die Tür, die Tor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlich⸗ keit, ein König aller König⸗ reich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer, reich von Rat! 2. Er ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein' Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit. All unsre Not zum End er bringt; der⸗ halben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland, groß von Tat! 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat! 4. Macht hoch die Tür, die Advent Tor macht weit! Eur Herz zum Tempel zubereit't! Die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud! So kommt der König auch zu euch, ja Heil und Leben mit zugleich. Ge⸗ lobet sei mein Gott, voll Rat, voll Tat, voll Gnad! 5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zeuch mit deiner Gnade ein, dein' Freundlichkeit auch uns er— schein. Dein heil'ger Geist uns führ und leit den Weg zur ew'gen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr! Georg Weissel 1590—1635. Choralbuch 180(62): 133 Vom Himmel hoch, da komm ich her. omm, Himmelsfürst, komm, Wunderheld, du Jakobstern, du Licht der Welt! Laß abwärts flam⸗ men deinen Schein, der du willst Mensch geboren sein. 4. Mose 24, 17. 2. Komm an von deinem Himmelsthron, wir harren dein, o Gottes Sohn; komm, o du zwiefach edler Held, geh mutig durch dies Tal der Welt. 3. Du nahmest erdwärts dei⸗ nen Lauf und stiegest wieder himmelauf. Die Abfahrt war zum Todestal, die Rück⸗ fahrt war zum Sternensaal. Schmerzen! 4. O höchster Fürst, dem Vater gleich, besieg allhier des Fleisches Reich; denn unser Geist, in Fleisches Haft, sehnt sich nach deiner Him⸗ melskraft. 5. Von deiner Krippe glänzt ein Strahl, der leuchtet durch dies finstre Tal; er gibt der Nacht so hellen Schein, der stets wird unverlöschlich sein. 6. Entzünd auch unsers Glaubens Licht, damit die Lieb erlösche nicht zu dir die ganze Lebenszeit, o Sonne der Gerechtigkeit! Württembergisches Gesangbuch 1842, nach Johann Franck 1618-1677. 134 Choralbuch 17(25): Aus meines Herzens Grunde. Auf, auf, ihr Reichs- genossen! Eur König kommt heran. Empfahet un⸗ verdrossen den großen Wun⸗ dermann! Ihr Christen, geht herfür, laßt uns vor allen Dingen ihm hosianna singen mit heiliger Begier. 2. Auf, ihr betrübten Her⸗ zen! Der König ist gar nah. Hinweg, all Angst und Der Helfer ist schon da. Seht, wie so man⸗ cher Ort hochtröstlich ist zu nennen, da wir ihn finden können im Nachtmahl, Tauf und Wort. 3. Auf, auf, ihr Vielge⸗ plagten! Der König ist nicht fern. Seid fröhlich, ihr Ver⸗ zagten! Dort kommt der Morgenstern. Der Herr will in der Not mit reichem Trost euch speisen; er will euch Hilf erweisen, ja dämpfen gar den Tod. 4. So lauft mit schnellen Schritten, den König zu be⸗ sehn, dieweil er kommt ge⸗ ritten stark, herrlich, sanft und schön. Nun tretet all heran, den Heiland zu be— grüßen, der alles Kreuz versüßen und uns erlösen kann. 5. Der König will bedenken die, so er herzlich liebt, mit köstlichen Geschenken, als der sich selbst uns gibt durch seine Gnad und Wort. Ja, König hoch erhoben, wir alle wollen loben dich freudig hier und dort. 6. Nun, Herr, du gibst uns reichlich, wirst selber arm und schwach; du liebest unver— gleichlich, du gehst den Sün⸗ dern nach. Drum wolln wir all in ein die Stimmen hoch erschwingen, dir hosianna singen und ewig dankbar sein. Johann Rist 1607—1667. 135 Choralbuch 17(25): Aus meines Herzens Grunde. Nemiauchdet, all ihr From⸗ men, in dieser Gnaden⸗ zeit, weil unser Heil ist kommen, der Herr der Herr⸗ lichkeit; zwar ohne stolze Pracht, doch mächtig, zu ver⸗ heeren und gänzlich zu zer— Advent stören des Teufels Reich und Macht. 2. Kein Zepter, keine Krone sucht er auf dieser Welt; im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen, bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, nehmt diesenKönig san, wollt ihr beraten werden und gehn die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet, des Höchsten Zorn euch rührt. 4. Ihr Armen und Elenden zu dieser bösen Zeit, die ihr an allen Enden müßt haben Angst und Leid, seid dennoch wohlgemut; laßt eure Lieder klingen, dem König zu lob— singen, der euer höchstes Gut. 5. Er wird nun bald er⸗ scheinen in seiner Herrlich— keit und euer Klag und Wei⸗ nen verwandeln ganz in Freud; er ist's, der helfen kann. Macht eure Lampen fertig und seid stets sein ge⸗ wärtig! Er ist schon auf der Bahn. Michael Schirmer 1606—1673. 136 Choralbuch 65(50). Gelt sei Dank in aller Welt, der sein Wort beständig hält und der Sünder Trostund Rat zu uns her gesendet hat. Schar höchster Wunsch und Sehnen war und was sie einst prophezeit, ist erfüllt in Herrlichkeit. 3. Zions Hilf und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jungfrau Sohn, Wunder⸗ bar, Rat, Kraft und Held hat sich treulich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Dir hosianna, o mein Teil! Richte du auch eine Bahn dir in meinem Her⸗ zen an. 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, es gehöret dir allein; mach es, wie du gerne tust, rein von aller Sündenlust. 6. Tritt der Schlange Kopf entzwei, daß ich, aller Angste frei, dir im Glauben um und an selig bleibe zugetan; J. daß, wenn du, o Lebens⸗ fürst, prächtig wieder kom⸗ men wirst, ich dir mag entgegengehn und vor dir gerecht bestehn. Heinrich Held 1620—1659. 37 Choralbuch 113(67): Mei⸗ nen Jesum lassẽ ich nicht. Hmmt Davids Sohn kommt in Zion einge⸗ zogen; ach, bereitet ihm den Thron, setzt ihm tausend Ehrenbogen, streuet Palmen, machet Bahn, daß er Einzug halten kann. 2. Hosianna! Sei gegrüßt. Komm, wir gehen dir ent⸗ gegen; unser Herz ist schon Advent 2. Was der alten Väter gerüst't, will sich dirzu Füßen legen. Zeuch zu unsern Toren ein, du sollst uns willkommen sein. 3. Hosianna! Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite, alles, was du schaffen wirst, das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, und dein Reich allein besteht. 4. Hosianna! Lieber Gast, wir sind deine Reichsge⸗ nossen, die du dir erwählet hast. Ach, so laß uns unver⸗ drossen deinem Zepter dienst⸗ bar sein, herrsche du in uns allein. 5. Hosianna! Steh uns bei; o Herr, hilf, laß wohl gelin⸗ gen, daß wir ohne Heuchelei dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, der dir nicht ge⸗ horchen kann. 6. Hosianna nah und fern! Eile, bei uns einzugehen. Du Gesegneter des Herrn, warum willst du draußen stehen? Hosianna! Bist du da? Ja, du kommst. Halle⸗ luja! 1. Mose 24, 31. Benjamin Schmolck 16721737. Choralbuch 200(177): Wie 138 nach einer Wasserquelle. Worun willst du draußen stehen, du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, wohl gefallen, du mein Stern. Du mein Jesu, meine Freud, Helfer ——7838-3 ———⁵5 *.. in der rechten Zeit, hilf, o Heiland, meinemHerzen von den Wunden, die mich schmer⸗ zen. 1. Mose 24, 31. 2. In der Welt ist alles nichtig; nichts ist, das nicht kraftlos wär. Hab ich Hoheit, die ist flüchtig; hab ich Reich⸗ tum, was ist's mehr als ein Stücklein armer Erd? Hab ich Lust, was ist sie wert? Was ist's, das mich heut er⸗ freuet, das mich morgen nicht gereuet? 3. Aller Trost und alle Freude ruht in dir, Herr Jesu Christ. Dein Erfreuen ist die Weide, da man satt und fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, ehe mir mein Herze bricht. Laß mich, Herr, an dir erquicken; Jesu, komm, laß dich erblicken! 4. Freu dich, Herz, du bist erhöret, jetzo zeucht er bei dir ein. Sein Gang ist zu dir ge⸗ kehret, heiß ihn nur will⸗ kommen sein und bereite dich ihm zu, gib dich ganz zu seiner Ruh, öffne dein Gemüt und Seele, klag ihm, was dich drück und quäle. 5. Nun hast du ein süßes Leben; alles, was du willst, ist dein. Christus, der sich dir ergeben, legt sein'n Reich⸗ tum bei dir ein. Seine Gnad ist deine Kron, und du bist sein Hütt und Thron; er hat dich in sich geschlossen, nennt dich seinen Hausgenossen. Advent 6. Seines Himmels güldne Decke spannt er um dich rings herum, daß dich fort nicht mehr erschrecke deines Fein⸗ des Angestüm. Seine Engel stellen sich dir zur Seiten; wenn du dich hier willst oder dort hin wenden, tragen sie dich auf den Händen. J. Was du Böses hast be⸗ gangen, das ist nun hinweg⸗ geschafft; GottesvLiebe nimmt gefangen deiner Sünden Macht und Kraft. Christi Sieg behält das Feld; und was Böses in der Welt sich will wider dich erregen, wird zu lauter Glück und Segen. 8. Alles dient zu deinem Frommen, was dir bös und schädlich scheint, weil dich Christus angenommen und es treulich mit dir meint. Bleibest du dem wieder treu, ist's gewiß und bleibt dabei, daß du mit denEngeln droben ihn dort ewig werdest loben. Paul Gerhardt 1607-1676. 130G5e win Ph n(145): Von Gott will ich nicht lassen. Mii Ernst, o Menschen⸗ kinder, das Herz in euch bestellt, damit das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen und ge— geben, bei allen kehre ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast: macht seine Steige richtig; Advent laßt alles, was er haßt; macht eben jeden Pfad; die Tale rings erhöhet; macht niedrig/ was hoch stehet; was krumm ist, machet grad. 3. Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zu Grunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen zu dieser heil'gen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zeuch in mein Herz hinein, mach es zu deiner Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein. Valentin Thilo 1607—1662. 140 Choralbuch 178(50): Valet will ich dir geben. Ermuntert euch, ihr From⸗ men, zeigt eurer Lampen Schein! Der Abend ist ge⸗ kommen, die finstre Nacht bricht ein. Es hat sich auf⸗ gemachet der Bräutigam mit Pracht. Auf, betet, kämpft und wachet! Bald ist es Mitternacht. 2. Macht eure Lampen fertig und füllet sie mit l und seid des Heils gewärtig, bereitet Leib und Seel. Die Wächter Zions schreien: Der Bräuti⸗ gam ist nah; begegnet ihm im Reihen und singt halle⸗ luja! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, hebt nun das Haupt empor mit Jauchzen und mit Schalle zum frohen Engel⸗ chor. Die Tür ist aufge⸗ schlossen, die Hochzeit ist bereit. Auf, auf, ihr Reichs⸗ genossen! Der Bräut'gam ist nicht weit. 4. Er wird nicht lang ver⸗ ziehen, drum schlafet nicht mehr ein. Man sieht die Bäume blühen; der schöne Frühlingsschein verheißt Er⸗ quickungszeiten; die Abend— röte zeigt den schönen Tag von weitem, davor das Dunkel weicht. 5. Begegnet ihm auf Erden, ihr, die ihr Zion liebt, mit freudigen Gebärden und seid nicht mehr betrübt! Es sind die Freudenstunden gekom⸗ men, und der Braut wird, weil sie überwunden, die Krone nun vertraut. 6. Die ihr Geduld getragen und mit gestorben seid, sollt nun nach Kreuz und Klagen in Freuden sonder Leid mit leben und regieren und vor des Lammes Thron mit Jauchzen triumphieren in eurer Siegeskron. 7. Hier sind die Sieges⸗ palmen, hier ist das weiße Kleid; hier singt man Freu⸗ denpsalmen in Frieden nach dem Streit; hier steht nach Wintertagen der Weizen wieder grün, und die im Tode lagen, sieht man zum Leben ziehn. 8. O Jesu, meine Wonne, komm bald und mach dich aufl Geh auf, verlangte Sonne, und fördre deinen Lauf! O Jesu/ mach ein Ende und führ uns aus dem Streit; wir heben Haupt und Hände nach der Erlösungszeit. Lorenz Lorenzen 1660—1722. Choralbuch 155(30): 141 8 Welt, ich muß dich lassen. Wie lieblich klingt's den Ohren, daß du bist Mensch geboren und mein Erlöser bist! Wie lieblich, wie erquickend, wie selig, wie entzückend ist doch dein Name, ZJesu Christ! 2. Wie groß ist deine Stärke, wie wunderbar die Werke, wie heilig ist dein Wort! Wie ist dein Tod so tröstlich, wie seine Frucht so köstlich, mein Fels des Heils, mein Lebens⸗ hort! 3. Wie bist du von den Ban⸗ den des Todes auferstanden, hast Höll und Tod besiegt, bist unter Himmelsscharen so herrlich aufgefahren, bis alles dir zu Füßen liegt! 4. Wie reich sind deine Ga⸗ ben, wie hoch bist du erhaben auf deinem Königsthron! Es jauchzen, singen, dienen dir alle Seraphinen, du wahrer Gott und Menschensohn. Advent 5. Wie süß ist deine Lehre, wie groß ist deine Ehre, wie herrschest du allein! Wer wollte nicht, o König, in Ehr⸗ furcht untertänig und stets in deiner Gnade sein? 6.„Erweitert Tor und Türen, laßt Ehrenpforten zieren, empfangt ihn in der Welt und jauchzet ihm entgegen, damit zu eurem Segen der Ehrenkönig Einzug hält!“ 7. Wer ist's, wer läßt sich hören als König aller Ehren? „Der Herr der Herrlichkeit! Der ist es, der kommt präch⸗ tig, der Herr, der stark und mächtig, der Herr, der mächtig ist im Streit.“ 8. Sei hoch gelobt den From⸗ men! Du kommst, sei uns willkommen im Namen un⸗ sersHerrn! Der Herrist Gott, der eine, der uns erleucht't alleine als unser Licht und Morgenstern. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 26(163): 142 Her du das Los von meinen Tagen. Dein König kommt in nie⸗ dern Hüllen, ihn trägt der lastbarn Eslin Füllen; empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegenFriedens⸗ palmen, bestreu den Pfad mit grünen Halmen! So ist's dem Herren angenehm. 2. O mächt'ger Herrscher ohne Heere, Kämpfer ohne Speere, o Friedensfürst von großer Macht, es wollen dir der Erde Herren den Weg zu deinem Throne sperren; doch du gewinnst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden; doch aller Erde Reiche werden dem, das du gründest, untertan. Bewaff⸗ net mitdes Glaubens Worten zieht deine Schar nach den vier Orten der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. And wo du kommest her gezogen, da ebnen sich des Meeres Wogen, es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, aufdenempörten Triften des Lebens neuen Bund zu stiften, und schlägst in Fessel Sünd und Tod. 5. O Herr von großer Huld und Treue, o komme du auch jetzt aufs neue zu uns, die wir sind schwer verstört; not ist es, daß du selbst hienieden kommst, zu erneuen deinen Frieden, dagegen sich die Welt empört. 6. O laß dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finster⸗ nis erliegen und lösch der Zwietracht Glimmen aus, daß wir, die Völker und die Thronen, vereint als Brüder wieder wohnen in deines großen Vaters Haus. Friedrich Rückert 1788-1866. Advent 143 Choralbuch 95(S52): Jesus, meine Zuversicht. Sieh dein König kommt zu dir; Seele, das sind frohe Worte. Sprich: Mein König, komm zu mir; sieh, ich öffne dir die Pforte. Zeuch mit deiner Sanftmut ein; was du findest, das ist dein. 2. Komm, ich bin dein Eigentum schon seit deinem Wasserbade; komm, dein Evangelium werde mir ein Wort der Gnade. Du schickst ja dein Wort voran, daß mein König kommen kann. 3. Komm und räume alles aus, was du hassest und mich reuet; komm und reinige dein Haus, das die Sünde hat entweihet. Mach mit deinem Opferblut alles wieder rein und gut. 4. Komm in deinem Abend⸗ mahl, das du uns zum Heil gegeben, daß wir schon im Erdental mit dir als im Himmel leben. Komm, Herr Jesu, leb in mir, und mein Leben sei in dir. 5. Komm und bring den Geist auch mit, deinen Geist, der dich verkläret, der mich im Gebet vertritt und des Königs Willen lehret, daß ich bis aufjenen Tag:„Komm, Herr Jesu!“ rufen mag. Philipp V695 Hiller 1769. 1 1 — eeeeRNeR —52..—..———„‚.———& n — W e Choralbuch 130(88): 144 Nun freut euch, liebe Christen, gmein. Goleh lein neues Kirchen⸗ jahr macht uns die große Treue des alten Gottes offen⸗ bar, und nun will er aufs neue den alten, treu beschwor⸗ nen Bund, den einzig festen Glaubensgrund durch seinen Geist uns lehren. 2. Auf, Zion, Preis und Ehr und Ruhm dem höchsten Gott zu singen! Dein könig⸗ liches Priestertum muß Dank zum Opfer bringen. Ge— lobt sei Gott, der durch sein Wort die Christenheit und diesen Ort zuseinem Tempel weihet. 3. Wir sind nicht wert der neuen Huld des Gottes aller Gnaden: des alten Menschen alte Schuld, die wir auf uns geladen, nimmt unsern eig⸗ nen Ruhm dahin; denn sie beweist den alten Sinn noch stets mit neuen Sünden. 4. Ach Herr, gib uns den neuen Geist und mach uns durch die Güte, die sich an uns Weihnachten aufs neu erweist, erneuert im Gemüte. Den neuen Men⸗ schen zieh uns an, der dir allein gefallen kann in seinem neuen Leben. 5. Hiezu erhalt uns, Herr, dein Wort samt Tauf und Abendmahle, so wandern wir mit Freuden fort in die⸗ sem finstern Tale. Herr, segne dieses Kirchenjahr, laß Kanzel, Taufstein und Altar uns deine Wege zeigen. 6. Gib deinen Hirten Kraft und Geist zu reiner Lehr und Leben, dein Wort, das Gottes Weide heißt, der Herde rein zu geben. Laß alle Hörer Täter sein, damit kein heuch⸗ lerischer Schein des Glau— bens Kraft verleugne. 7. So halten und vollenden wir das Kirchenjahr auf Erden; dabei befehlen wir es dir, wie wir es enden werden. Hier bleibt die Kirche noch im Streit; kommt aber einst die Ewigkeit, dann wird sie triumphieren. Heinrich Kornelius Hecker 1699.—1743. Weihnachten Choralbuch 31(60): 145 Oer Tag, der ist so freudenreich. allelujalenn unsistheut ein göttlich Kind geboren. Von ihm kommt unsre Selig⸗ keit, wir wären sonst ver⸗ loren. Am Himmel hätten wir nicht teil, wenn nicht zu unser aller Heil dies Kind geboren wäre. Liebster Hei⸗ land, Jesu Christ, der du unser Bruder bist, dir sei Lob, Preis und Ehre! Johann Peter Az Weihnachten 146 Choralbuch 59(55). elobet seist du, JesuChrist, O daß du Mensch geboren bist von einer Zungfrau. Das ist wahr; des freuet sich der Engel Schar. Halleluja! 2. Des ew'gen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippe find't; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Halleluja! 3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Halleluja! 4. Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein'n neuen Schein; es leucht't wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Halleluja! 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hie ward und führt uns aus dem Jammertal, er macht uns Erben in sein'm Saal. Halleluja! 6. Er ist auf Erden kommen arm, daß er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich und seinen liebenEngeln gleich. Halleluja! 7. Das hat er alles uns ge⸗ tan, seinꝰ groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alleChristen⸗ heit und dank ihm des in Ewigkeit. Halleluja! Martin Luther 1483—1546. Choralbuch 5/7(53) und 147˙⁸6 6459. Warum sollt ich mich denn grämen. Tröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen. Erd und Himmel, nehmt's zu Ohren! Jauchzend ruft alle Luft: Christus ist geboren! 2. Sollt uns Gott nun können hassen, der uns gibt, was er liebt über alle Maßen? Gott gibt, unsrem Leid zu wehren, seinen Sohn von dem Thron seiner Macht und Ehren. 3. Sollte von uns sein ge⸗ kehret, der sein Reich und zugleich sich uns selbst be⸗ scheret? Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, der er⸗ schien und nimmt hin, was uns will betrüben? 4. Er nimmt auf sich, was auf Erden wir getan, gibt sich dran, unser Lamm zu werden, unser Lamm, das für uns stirbet und bei Gott für den Tod Gnad und Fried erwirbet. 5. Nun, er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen: Lasset fahren, liebe Brüder, was euch quält, was euch fehlt; ich bring alles wieder. 6. Ei so kommt mit offnen Händen, stellt euch ein, groß und klein, kommt von allen Enden! Liebt den, der vor Liebe brennet; schaut den S — Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet. 7. Die ihr schwebt in großem Leiden, sehet, hier ist die Tür zu den wahren Freuden. Faßt ihn wohl; er wird euch führen an den Ort, da hinfort euch kein Kreuz wird rühren. 8. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, wer empfind't seine Sünd und Gewissens⸗ schmerzen, sei getrost: hier wird gefunden, der in Eil machet heil deine tiefsten Wunden. 9. Die ihr arm seid und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände! Hier sind alle guten Gaben und das Gold, dran ihr sollt eure Herzen laben. 10. Süßes Heil, laß dich um⸗ fangen; laß mich dir, meine Zier, unverrückt anhangen. Du bist meines LebensLeben; nun kann ich mich durch dich wohl zufriedengeben. 11. Meine Schuld kann mich nicht drücken; denn du hast meine Last all auf deinem Rücken. Kein Fleck ist an mir zu findenz ich bin gar rein und klar aller meiner Sünden. 12. Ich bin rein um deinet⸗ willen; du gibst gnug Ehr und Schmuck, mich darein zu hüllen. Ich will dich ins Herze schließen; o mein Ruhm, edle Blum, laß dich recht ge⸗ nießen. 13. Ich will dich mit Fleiß Weihnachten bewahren, ich will dir leben hier, dir will ich heimfahren. Mit dir will ich endlich schwe⸗ ben voller Freud ohne Zeit dort im andern Leben. Paul Gerhardt 1607—1676. 148 Choralbuch 109(59): Lobt Gott, ihr Christen. Also hat Gott die Welt ge⸗ liebt, daß er aus freiem Trieb uns seinen Sohn zum Heiland gibt. Wie hat uns Gott so lieb! 2. Was sein erbarmungs⸗ voller Rat schon in der Ewig⸗ keit zu unsremHeil beschlossen hat, vollführt er in der Zeit. 3. Er, unser Freund und bestes Gut, der alle segnen kann, des Höchsten Sohn, nimmt Fleisch und Blut, doch ohne Sünde an. 4. Ich freue mich, mein Heil, in dir; du wirst ein Mensch wie ich, daß ich mit Gott sei, Gott mit mir. Wie sehr be⸗ glückst du mich! 5. Du, Sohn des Allerhöch⸗ sten, wirst auch mir durch Rat und Tat ein Helfer und mein Friedefürst auf dieses Lebens Pfad. 6. Was mir zum Seligsein gebricht, schafft deine Lieb auch mir: Versöhnung, Le⸗ ben, Trost und Licht. Wie viel hab ich an dir! 7. Dein Mangel wird mein reiches Teil, dein Leiden stillt mein Leid; durch deine De⸗ mut, Herr, mein Heil, gewinn ich Herrlichkeit. 8. Gelobt sei Gott, gelobt sein Sohn, durch den er Gnad erweist; lobt, Engel, ihn vor seinem Thron, erheb ihn auch mein Geist! Nach Heinrich Kornelius Hecker 1699—1743. Choralbuch105(16): Lobe 149 den Herren, den mäch⸗ tigen König der Ehren. IIdchel, ihr Himmel, froh⸗ locket, ihr Engel, in Chö⸗ ren, singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren! Sehet doch da: Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren. 2. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Er⸗ den! Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden. Friede und Freud wird uns verkündiget heut; freuet euch, Hirten und Herden! 3. Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beu⸗ get! Sehet die Liebe, die ganz sich als Liebe nun zeiget! Sie wird ein Kind, träget und hebet die Sünd; alles anbetet und schweiget. 4. Gott ist im Fleische. Wer kann dies Geheimnis ver⸗ stehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen. Gehet hinein, eins mit dem Kinde zu sein, die ihr zum Vater wollt gehen. Weihnachten 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen ge⸗ denken? Du willst dich selber, dein Herz voll Erbarmen mir schenken. Sollt nicht mein Sinn innigst sich freuen darin und sich in Demut versenken? 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, dem ich auch wieder mein Herze in Liebe verbinde, du sollst es sein, den ich erwähle allein; ewig entsag ich der Sünde. 7. Süßer Immanuel, werd auch in mir nun geboren! Komm, o mein Heiland; denn ohne dich bin ich ver⸗ loren! Wohne in mir, mach mich ganz eines mit dir, der du mich liebend erkoren. 8. Menschenfreund Jesu, dich lieb ich, dich will ich er⸗ heben; laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun leben! Herr, nimm mich hin; hilf mir, in kindlichem Sinn ewiglich dir nur zu leben. Gerhard Tersteegen 1697—1769. Choralbuch 45(57): Er⸗ 150 schienen ist der herrlich Tag, und 59(55): Ge⸗ lobet seist du, Jesu Christ. Wir singen dir, Imma⸗ nuel, du Lebensfürst und Gnadenquell, du Him⸗ melsblum und Morgenstern, du Jungfrausohn, Herr aller Herrn. Halleluja! 2. Wir singen dir in deinem Heer aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, daß du, o lang gewünschter Gast, dich nunmehr eingestellet hast. Halleluja! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, hat so manch Herz nach dir gewacht; dich hat gehofft so lange Jahr der Väter und Propheten Schar. Halleluja! 4. Vor andern hat dein hoch begehrt der Hirt und König deiner Herd, der Mann, der dir so wohl gefiel, wenn er dir sang auf Saitenspiel. Halleluja! 5.„Ach daß der Herr aus Zion käm und unsre Bande von uns nähm! Ach daß die Hilfe bräch herein, so würde Jakob fröhlich sein!“ Halleluja! 6. Nun, du bist hier; da liegest du, hältst in dem Kripplein deine Ruh, bist klein, und machst doch alles groß, bekleidst die Welt, und kommst doch bloß. Hal⸗ leluja! 7. Du kehrst in fremder Wohnung ein, und sind doch alle Himmel dein; du liegst an einer Menschenbrust, und bist doch aller Engel Lust. Halleluja! 8. Du bist der Arsprung aller Freud, und duldest so viel Herzeleid; bist aller Weihnachten Heiden Trost undvicht, suchst selber Trost, und findst ihn nicht. Halleluja! 9. Du bist der süße Men⸗ schenfreund, doch sind dir so viel Menschen feind; Hero⸗ des' Heer hält dich für Greul, und bist doch nichts als lauter Heil. Halleluja! 10. Ich aber, dein geringster Knecht, ich sag es frei und mein es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, als ich dich gerne lieben will. Hal⸗ leluja! 11. Der Will ist da, die Kraft ist klein; doch wird dir nicht zuwider sein mein armes Herz, und was es kann, wirst du in Gnaden nehmen an. Halleluja! 12. And bin ich gleich der Sünde voll, hab ich gelebt nicht, wie ich soll: ei, kommst du doch deswegen her, daß sich der Sünder zu dir kehr. Halleluja! 13. So fass' ich dich nun ohne Scheu: du machst mich alles Jammers frei, du trägst den Zorn, erwürgst den Tod, verkehrst in Freud all Angst und Not. Halle⸗ luja! 14. Ich will dein Halleluja hier mit Freuden singen für und für, und dort in deinem Ehrensaal soll's schallen ohne Zeit und Zahl. Halleluja! Paul Gerhardt 1607-1676. Choralbuch 51(167): 151 Es ist gewißlich an der Zeit. ch steh an deiner Krippe hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut; nimm alles hin und laß dir's wohl ge⸗ fallen! 2. Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, er⸗ koren. Eh ich durch Gottes Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden. 3. Ich lag in tiefster Todes⸗ nacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Son⸗ ne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht't, wie schön sind deine Strahlen! 4. Ich sehe dich mit Freu⸗ den an und kann nicht satt mich sehen, und weil ich nun nicht weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, daß ich dich möchte fassen! 5. Wann oft mein Herz vor Kummer weint und keinen Trost kann finden, da ruft mir's zu:„Ich bin dein Weihnachten Freund, ein Tilger deiner Sünden. Was trauerst du, o Bruder mein? Du sollst ja guter Dinge sein, ich sühne deine Schulden.“ 6. Du fragest nicht nach Lust der Welt noch nach des Leibes Freuden; du hast dich bei uns eingestellt, an unsrer Statt zu leiden, suchst meiner Seele Herrlichkeit durch dein selbsteignes Herzeleid; das will ich dir nicht wehren. 7. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen: daß ich dich möge für und für in meinem Her⸗ zen tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden! 8. Zwar sollt ich denken, wie gering ich dich bewirten werde: du bist der Schöpfer aller Ding, ich bin nur Staub und Erde. Doch bist du so ein frommer Gast, daß du noch nie verschmähet hast den, der dich gerne siehet. Paul Gerhardt 1607-1676. 152 Choralbuch 102(56). HDrmn. und laßt uns Chri⸗ stum ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren; singet fröhlich, laßt euch hören, wertes Volk der Christenheit! 2. Sehet, was hat Gott ge⸗ geben! Seinen Sohn zum ew'gen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid in's Himmels Freud. 3. Jakobs Stern ist aufge⸗ gangen, stillt das sehnliche Verlangen, bricht den Kopf der alten Schlangen und zerstört der Hölle Reich. 4. Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freund⸗ lich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle dich der Engel Heer erhöht. Paul Gerhardt 1607—1676. 153 Choralbuch 108(58). o Gott, ihr Christen, all⸗ zugleich in seinem höch⸗ sten Thron, der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn. 2. Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein; er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein. 3. Er wird ein Knecht, nnd ich ein Herr: das mag ein Wechsel sein! Wie könnt er doch sein freundlicher, der liebe Jesus mein! 4. Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür: Gott sei Lob, Ehr und Preis! Nikolaus Herman, geb. um 1480, + 1561. 154 Choralbuch 55(61). reuet euch, ihr Christen alle! Freue sich, wer Weihnachten immer kann; Gott hat viel an uns getan. Freuet euch mit großem Schalle, daß er uns so hoch geacht't, sich mit uns befreund't gemacht. Freude, Freude über Freudel Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonneüber Wonnel Christus ist die Gnadensonne. 2. Siehe, siehe, meine Seele, wie dein Heiland kommt zu dir, brennt in Liebe für und für, daß er in der Krippen⸗ höhle liegt als Kindlein dir zugut, dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude über Freude! Christus weh⸗ ret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne! Chri⸗ stus ist die Gnadensonne. 3. Jesu, wie soll ich dir danken? Ich bekenne, daß von dir meine Seligkeit her⸗ rühr; so laß mich von dir nicht wanken. Nimm mich dir zu eigen hin, so empfindet Herz und Sinn Freude, Freude über Freude. Chri⸗ stus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Won⸗ ne! Christus ist die Gnaden⸗ sonne. 4. Jesu, nimm dich deiner Glieder ferner auch in Gna⸗ den an; schenke, was man bitten kann, zuerquickendeine Brüder. Gib der ganzen Christenschar Frieden und ein sel'ges Jahr! Freude, Freude über Freude! Chri⸗ stus wehret allem Leide. Weihnachten Wonne, Wonneüber Wonnel Christus ist die Gnadensonne. Christian Keimann 1607-1662. Choralbuch 141(14): 155 O daß ich tausend Zungen hätte. Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkel⸗ heit; und dieses Welt⸗ und Himmelslicht weicht hun— derttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gnadenschein. Der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein; er treibet weg der Hölle Macht, der Sünden und des Kreuzes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit. Wenn Sonne, Mond und Stern' vergehen vielleicht noch in gar kurzer Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein alles sein. 4. Laß nur indessen helle scheinen dein Glaubens⸗ und dein Liebeslicht; mit Gott mußt du es treulich meinen, sonst hilft dir diese Sonne nicht. Willst du genießen diesen Schein, so darfst du nicht mehr dunkel sein. 5. Drum, Jesu, schöne Weih⸗ nachtsonne, bestrahle mich mit deiner Gunst. Sein vicht sei meine Weihnachtswonne und lehre mich die Weih⸗ nachtskunst, wie ich im Lichte wandeln soll und sei des Weihnachtsglanzes voll. Kaspar Friedrich Nachtenhöfer 1624—1685. Choralbuch 180(62): 156 Vom Himmel hoch, da komm ich her. Dies ist der Tag, den Gott gemacht. Sein werd in aller Welt gedacht; ihnpreise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit er⸗ füllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an, und er ermißt, daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 5. Herr, der du Mensch ge⸗ boren wirst, Immanuel und Friedefürst, auf den die Väter hoffend sahn, dich, Gott, mein Heiland, bet ich an. 6. Du, unser Heil und höch⸗ stes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. Jahresschluß 7. Durch eines Sünde fiel die Welt, ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, der in des Vaters Schoße sitzt? 8. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt; und Erde, die ihn heute sieht, sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 9. Dies ist der Tag, den Gott gemacht. Sein werd in aller Welt gedacht; ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. Christian Fürchtegott Gellert 1715—1769. Choralbuch 17(25): 157 Aus meines Herzens Grunde. Der heil'ge Christ ist kom⸗ men, der teure Gottes⸗ sohn; des freun sich alle Frommen am höchsten Him— melsthron. Auch was auf Erden ist, soll preisen hoch Jahresschluß C Übuch 210(93): 158 Seuch ein 30 veinen Tore Toren. D Anfang sonder Ende, Herr Gott, du A und O, wir küssen deine Hände und sind von Herzen froh, weil du uns noch ein Jahr mit Segen läßt beschließen, daß wir bekennen müssen, dein Tun sei wunderbar. und Neujahr und loben mit allen Engeln droben den lieben, heil'gen Christ. 2. Das Licht ist aufgegan⸗ gen, die lange Nacht ist hin; die Sünde ist gefangen, er⸗ löset ist der Sinn. Die Sün⸗ denangst ist weg, und Liebe und Entzücken baun weite Himmelsbrücken aus jedem schmalsten Steg. 3. Verwaiset sind die Kin⸗ der nicht mehr und vaterlos; Gott rufet selbst die Sünder in seinen Gnadenschoß. Er will, daß alle, rein von ihren alten Schulden, vertrauend seinen Hulden, gehn in den Himmel ein. 4. Drum freuet euch und preiset, ihr Kinder, fern und nah! Der euch den Vater weiset, der heil'ge Christ ist da. Er ruft so freundlich drein mit süßen Liebeswor⸗ ten: Geöffnet sind die Pfor⸗ tenzihr Kinder, kommt hereinl Ernst Moritz Arndt 1769—-1860. und Neujahr 2. Die Kirch ist fest gegrün⸗ det durch Wort und Sakra⸗ ment, darin stets neu ent⸗ zündet dein Licht und Recht noch brennt. Dein Sohn ist hier der Stein, an dem die Feinde fallen, er, der den Deinen allen ein Auferstehn muß sein. 3. Das Land ist voller Segen Jahresschluß und trieft von l und Most; man schmecket allerwegen der Felder edle Kost. Ist da und dort ein Schwert durch unsre Seele gangen, so hast du nach Verlangen auch wieder Trost beschert. 4. Die Häuser sind voll Güte, die alle Morgen neu; wo man sich treulich mühte, da stund dein Sorgen bei. Die Kinder wuchsen auf und wurden stark am Geiste, weil Gottes Kind sie weiste auf seiner Jugend Lauf. 5. Die Herzen sind voll Gnaden, ob wir gleich Zorn verdient; doch hast du allen Schaden durch Christum aus⸗ gesühnt. Wenn wir bei Tag und Nacht mit Seufzen und mit Beten vor deinen Thron getreten, hast du es gut gemacht. 6. Nun, Herr, dein ist die Ehre, du heißest Wunder⸗ bar; drum unser Flehen höre, daß wir das alte Jahr, befreit von aller Not, in deiner Gnade schließen und in dem neuen wissen, du seist der alte Gott. J. Laß dir die Alten dienen wie Hanna, Simeon; gib, daß die Jungen grünen wie dein und Davids Sohn! Nimmt eins an Jahren zu, das soll sich auch nicht schä⸗ men, im Guten zuzunehmen. Dies alles wirke du! 8. And wann wir das voll⸗ und Neujahr endet, was uns dein Wort gesagt, und unser Lauf sich endet jung oder wohl betagt/ dann führ uns zu der Schar der Deinigen dort oben; dann wollen wir dich loben im ew'gen Friedensjahr. Benjamin Schmolck 1672-1737. Choralbuch 34(7½): 159 Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. Ab wiederum ein Jahr verschwunden, ein Jahr, und kommt nicht mehr zurück! Ach mehrals achtmaltausend Stunden sind weg als wie ein Augenblick! Weg meine Tugenden und Sündenl Doch nein: der Richter aller Welt läßt jegliche mich wieder finden, wenn er vor seinen Thron mich stellt. 2. Gedanken, Worte, Taten⸗ heere,— wie? dürft ihr Gottes Licht nicht scheun? Wennichdies Jahr gestorben wäre, wo würd jetzt meine Seele sein? Stünd ich ver⸗ klärt bei Gottes Kindern? Wär ich von seiner Lieb ent⸗ flammt? Wie? oder hätte mit den Sündern der All⸗ gerechte mich verdammt? 3. Den Gott, der liebt, wie Väter lieben, hat ihn mein Andank nie betrübt? Den Gott, der mir so treu ge⸗ blieben, hab ich ihn auch so treu geliebt? Lebt ich für ihn nach seinem Willen, stets als vor seinem Angesicht, Jahresschluß fromm öffentlich und fromm im stillen, treu dem Gewissen und der Pflicht? 4. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, die Sünden dieses Jahres, nein! Wie kann ich's dir und mir verhehlen? Ich bin nicht wert, noch hier zu sein. Zu oft ließ ich mein Herz erkalten, zu oft verletzt ich meine Pflicht. Ich darf vor dir nicht Rechnung hal⸗ ten; ich zittre,— geh nicht ins Gericht! 5. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, die Gnaden dieses Jahres, nein! Wie kann ich's dir und mir verhehlen? Ich bin nicht wert, mehr hier zu sein. Wo fang ich an? Gott, welche Menge vom ersten bis zum letzten Tag! Ich weiß, daß, wenn ich Jahre sänge, ich dir zu danken nicht vermag. 6. Verzeih den Andank, schenk Erbarmen, gedenke meiner Sünden nicht und zeig dem Reuenden und Armen, der Gnade sucht, dein Angesicht! Wie freudig will ich dann mein Leben von nun an deinem Dienste weihn! Wie eifrig will ich mich bestreben, durch deinen Geist ein Christ zu sein! 7. Ich danke dir für alle Gnaden, die du dies Jahr der Welt erzeigt. Ach eile, Herr, die zu entladen, die noch das Elend niederbeugt. und Neujahr Ja aller, aller Menschen Seelen will ich, mein Hei⸗ land, Jesus Christ, aufs neue deiner Huld empfehlen, weil du doch aller Heiland bist. Johann Kaspar Lavater 17⁴11801. 160 Choralbuch 165(120): Seelenbräutigam. Iluur Ewigten wallt zur Ewigkeit; Tage, kaum erst angebrochen, wer⸗ den, eh man's denkt, zu Wochen. Wohl dem, der mit Fleiß sie zu nützen weiß. 2. Flüchtig durch die Zeit schweben Freud und Leid. Wohin sind die Freu⸗ denstunden, Wohin Sorg und Schmerz entschwun⸗ den? Zielt nicht Freud und Schmerz auf Gewinn fürs Herz? 3. Ob die Welt vergeht, ein Gewinn besteht. Daß vor jedem Gut der Erde die⸗ ser Schatz erworben werde, dies sucht Christenfleiß als des Lebens Preis. 4. Hab ich, halt ich ihn, wenn die Zeiten fliehn, die⸗ sen Schatz vor allen Schätzen, den nicht Raub noch Rost verletzen, mehr als alles Gold, das die Erde zollt? 5. Schatz von ew'gem Wert, Schatz, von Gott geehrt, ach zu oft durch Lust und Sorgen vor des Menschen Blick ver⸗ borgen, sei du mein Gewinn! Sonst fahr alles hin! Jahresschluß und Neujahr 6. Wohl mir, bist du mein! nieden dorthin ins Vater⸗ Weh mir, darb ich dein! haus und wissen's: die ge⸗ Werd im heil'gen Gott⸗ schieden, die ruhen dort vereine alle Tage mehr der schon aus. Meine! So eilt meine Zeit 5. O das ist sichres Gehen froh zur Ewigkeit. durch diese Erdenzeit: nur Bernhard Garve 1763—1841. immer vorwärts sehen mit Choralbuch 76(154): sel'ger Freudigkeit. Wird 161 Herzlich ut mich 922. uns durch Grabeshügel der langen. klare Blick verbaut, Herr, De Jahr geht still zu gib der Seele Flügel, daß Ende, nun sei auch still, sie hinüberschaut. mein Herz! In Gottes treue 6. Hilf du uns durch die Hände leg ich nun Freud Zeiten und mache fest das und Schmerz und was dies Herz; geh selber uns zur Jahr umschlossen, was Gott Seiten und führ uns heimat⸗ der Herr nur weiß, die wärts! And ist es uns hie⸗ Tränen, die geflossen, die nieden so öde, so allein, o Wunden brennend heiß. laß in deinem Frieden uns 2. Warum es so viel Leiden, hier schon selig sein! so kurzes Glück nur gibt? Eleonore, Fürstin von Neuß Warum denn immer schei⸗ 1835—1903. den, wo wir so sehr geliebt? Choralbuch 145(106): So manches Aug gebrochen 162 S Sott, du frommer und mancher Mund nun Gott. stumm, der erst noch hold Dr halfst bis diesen Tag gesprochen,— du armes und wirst auch weiter Herz, warum? helfen; so hör ich froh den 3. Daß nicht vergessen wer⸗ Schlag der mitternächt'gen de, was man so gern ver⸗ Zwölfen. Das alte Zahr gißt: daß diese arme Erde hinab mit seiner Nacht und nicht unsre Heimat ist. Es Helle, und aus der Fluten hat der Herr uns allen, die Grab steigt eine neue Welle. wir auf ihn getauft, in Zions 2. Wenn deine Ewigkeit goldnen Hallen ein Heimat⸗ nicht unser Dasein trüge und recht erkauft. über alle Zeit dein Herz in 4. Hier gehen wir und Liebe schlüge, wär unsers streuen die Tränensaat ins Lebens Pracht nur wie des Feld; dort werden wir uns Glühwurms Funken, ineiner freuen im sel'gen Himmels⸗ Sommernacht aufblitzend zelt. Wir sehnen uns hie⸗ und versunken. —55 4L/ ᷣ— r Jahresschluß und Neujahr 3. Doch du, unwandelbar an Kraft und an Gemüte, führst jedes neue Jahr zum Preise deiner Güte; die alte Vatertreu geht auf mit jedem Morgen, beschämend stets aufs neu all unser Flehn und Sorgen. 4. O Gnade ohne Maß für so viel Schuld und Fehle! Daß unser Stundenglas er⸗ weckte unsre Seele und wir die kurze Frist nicht länger mehr verdürben, die uns noch übrig ist, und lebten, eh wir stürben! 5. O Herr der Herrlichkeit, weit über Menschen Sinnen! Auch nicht ein Tropfen Zeit kann deiner Hand entrinnen. Dir ist der Zeiten Meer nur eine volle Schale und aller Sonnen Heer gleich einem lichten Strahle. 6. O der du alles weißt und alles wohlregierest, was du in deinem Geist und deinem Willen führest: zu einer Perlenschnur wirst du die Tränen sammeln, in Jauchzen der Natur ver⸗ wandeln unser Stammeln. 7. So komme, was da mag; du kommst ja mit entgegen, sei es im Donnerschlag, sei es in sanftem Regen. And haben wir nur dich, mag sich die Erde spalten; denn mild und königlich bleibt immerdar dein Walten. Alhert Zeller I0. Choralbuch 133(64): 163 Nun laßt uns Gott, dem Herren. Nen laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unsrem Leben bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern; wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen, 3. durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern in schweren An⸗ gewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß be⸗ wahret werden, 5. also auch und nichtminder läßt Gott sich seine Kinder, wann Not und Trübsal blitzen, in seinem Schoße sitzen. 6. Ach Hüter unsers Lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unsrem Tun und Machen, wo nicht dein' Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden. 8. Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unsrem Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden. 9. Gib mir und allen denen, Jahresschluß die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde. 10. Schließ zu die Jammer⸗ pforten und laß an allen Orten auf so viel Blutver⸗ üreen die Freudenströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern We⸗ gen; laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. 12. Sei der Verlaßnen Va⸗ ter, der Irrenden Berater, der Anversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe. 13. Hilf gnädig allen Kran⸗ ken; gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen. 14. And endlich, was das Meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich Ziere und dort zum Himmel führe. 15. Das alles wollst du ge⸗ ben, o meines Lebens Leben, mir und der Christen Schare zum sel'gen neuen Jahre. Paul Gerhardt 1607 1676. Choralbuch 95(82): 164 Jesus, meine Zuversicht. Jeda soll die Losung sein, da ein neues Jahr er⸗ schienen; Jesu Name soll allein denen zum Paniere dienen, die in seinem Bunde stehn und auf seinen Wegen gehn. und Neujahr 2. Jesu Name, Jesu Wort soll in der Gemeinde schallen; und so oft wir an den Ort, der nach ihm genanntist, wal⸗ len, mache seines Namens Ruhm unser Herz zum Heiligtum. 3. Sein Versühnen und sein Heil wollen wir im Glauben ehren; also wird es uns zu⸗ teil, wird sich täglich bei uns mehren. Auch fürs neue Jahr uns beut Jesu Name Seligkeit. 4. Ansre Wege wollen wir nun in Jesu Namen gehen; geht uns dieser Leitstern für, so wird alles wohl bestehen und durch seinen Gnaden⸗ schein alles voller Segen sein. 5. Alle Sorgen, alles Leid soll sein Name uns versüßen; so wird alle Bitterkeit uns zu Honig werden müssen. Jesu Nam sei Sonn und Schild, welcher allen Kum⸗ mer stillt. 6. Jesus, aller Bürger Heil, unsrem Ort ein Gnaden⸗ zeichen, unsers Landes bestes Teil, dem kein Kleinod zu vergleichen, Jesus, unser Trost und Hort, sei die Lo⸗ sung fort und fort. Benjamin Schmolck 167²2-1737. Choralbuch 176(110: 165 Anser ITom unser His Herr Dain, laß ge⸗ lingen, hilf! das neue Jahr geht an. Laß es neue Jahresschluß und Neujahr Kräfte bringen, daß aufs neu ich wandeln kann. Neues Glück und neues Leben wol⸗ lest du aus Gnaden geben. 2. Was ich dichte, was ich mache, das gescheh in dir allein. Wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr, bei mir sein. Geh ich aus, bleib mir zur Seiten; kehr ich heim, wollst mich be⸗ gleiten. 3. Laß mich beugen meine Kniee nur zu deines Namens Ehr. Hilf, daß ich mich stets bemühe, dich zu preisen mehr und mehr. Laß mein Bitten und mein Flehen doch gen Himmel zu dir gehen. 4. Laß dies sein ein Jahr der Gnade; laß bereun mich meine Sünd. Hilf, daß sie mir nimmer schade und ich bald Verzeihung find, Herr, bei dir; denn du, mein Leben, kannst die Sünd allein ver⸗ geben. 5. Tröste mich mit deiner Liebe, nimm, o Gott, mein Flehen hin, weil ich mich so sehr betrübe und voll Angst und Zagen bin. Stärke mich in meinen Nöten, daß mich Sünd und Tod nicht töten. 6. Herr, du wollest Gnade geben, daß dies Jahr mir heilig sei und ich christlich könne leben sonder Trug und Heuchelei, daß ich noch allhie auf Erden fromm und selig möge werden. 7. Jesu, richte mein Begin⸗ nen, Jesu, bleibe stets bei mir, Jesu, zäume mir die Sinnen, Jesu, sei nur mein' Begier, Jesu, sei mir in Ge⸗ danken, Jesu, lasse nie mich wanken! 8. Jesu, laß mich fröhlich enden dieses angefangne Jahr, trage stets mich auf den Händen, halte bei mir in Gefahr! Freudig will ich dich umfassen, wenn ich soll die Welt verlassen. Johann Rist 1607—1667. Choralbuch 182(20J): 166 Wachet auf! ruft uns die Stimme. Eb die Berge sind gegrün⸗ det, eh sich der Sonnen Glanz entzündet, bist du, o Gott, von Ewigkeit. Wir sind Spreu auf deiner Wage, Jahrtausende sind dir wie Tage, dasLeben eine Spanne breit. Wer ist dir, Höchster, gleich? Dein unsichtbares Reich währet ewig. Gott Zebaoth! Auf dein Gebot geht unser Weg durch Freud und Not. 2. Kurz und flüchtig ist das Leben; mit Sorgen wird es uns gegeben, und sollt es noch so köstlich sein; käm es auch zu langen Jahren und wär es hoch einhergefahren, so wär es Arbeit, Müh und Pein. Du führst uns hin wie Rauch und sprichst mit einem Hauch: Kommet wieder! Erscheinungsfest Wir sind nur Staub, ein fallend Laub, des Todes, der Verwesung Raub. 3. Wer vernimmt dein ern⸗ stes Dräuen? Wer ist so weise, dich zu scheuen? Wie bald verrinnt die Gnadenzeit! Lehr uns doch das Ziel be⸗ denken, daß wir nicht unser Herz versenken in dieser Zei⸗ ten Eitelkeit! Wer will auf Menschen baun? Du bist es, dem wir traun: sei uns gnä⸗ dig! Dein Wort ist wahr, dein Licht ist klar und deine Treu unwandelbar. 4. Was du sprichst, das wird geschehen; der Himmel und die Welt vergehen; du bleibst alleine, der du bist. Wie ein Kleid wird es veralten, wie ein Gewand sich umgestalten, was deiner Hände Schöpfung ist. Doch ewig dauert fort dein Licht und Lebenswort Jesus Christus; des Höchsten Sohn im Himmelsthron ist unser Schild und großerLohn. 5. Herr, du gabst uns Jesu Namen als Licht und Trost, als Ja und Amen, als Schirm und Zuflucht immer⸗ dar. Anter seinem Schutz und Horte laß uns zur offnen Gnadenpforte eintreten in das neue Jahr. Herr Jesu, starker Held, behalte du das Feld, bleibe bei uns! Denn was wir sehn, das wird ver⸗ gehn; dein Wort allein bleibt ewig stehn. Heinrich Puchta 1808-1858. Erscheinungsfest (lund Sonntage nach dem Erscheinungsfest) Choralbuch 4(66): 167ch was soll ich Sünder machen. Wer im Herzen will er⸗ fahren und darum be⸗ mühet ist, daß der König Jesus Christ sich in ihm mög offenbaren, der muß suchen in der Schrift, bis er diesen Schatz antrifft. 2. Er muß gehen mit den Weisen, bis der Morgen⸗ stern aufgeht und im Herzen stillesteht; so kann man sich seligpreisen, weil des Herren Angesicht glänzt von Klar⸗ heit, Recht und Licht. 3. Denn wo Zesus ist ge⸗ boren, da erweiset sich gar bald seine göttliche Gestalt, die im Herzen war verloren; seine Klarheit spiegelt sich in der Seele kräftiglich. 4. Alles Fragen, alles Sa⸗ gen wird von diesem Jesus sein und von dessen Gnaden⸗ schein, dem sie fort und fort nachjagen, bis die Seele in der Tat diesen Schatz ge— funden hat. 5. Ach wie weit sind die zu⸗ rücke, die nur fragen in der Welt:„Wo ist Reichtum, Gut und Geld? wo ist An⸗ sehn bei dem Glücke? wo ist Wollust, Ruhm und Ehr?“ und nach solcher Torheit mehr. 6. Ja, unselig sind die Her⸗ zen und in ihrem Wandel blind, die also beschaffen sind, weil sie diesen Schatz ver⸗ scherzen und erwählen einen Schein, der nichts hilft in Todespein. J. Jesu, laß mich auf der Erden ja nichts suchen als allein, daß du mögest bei mir sein und ich dir mög ähnlich werden in dem Leben dieser Zeit und in jener Ewigkeit. 8. Nun so will ich mit den Weisen, welche die verkehrte Welt höhnet und für Toren hält, dich anbeten, rühmen, preisen, liebster Jesu, und vor dir christlich wandeln für und für. Lorenz Lorenzen 1660—1722. 168 Choralbuch 193(65). Wede Licht, du Stadt der Heiden, und du, Sa⸗ lem, werde Licht! Schaue, welch ein Glanz mit Freuden über deinem Haupt anbricht! Gotthat derer nicht vergessen, die im Finstern sind gesessen. 2. Dunkelheit, die mußte weichen, als dies Licht kam in die Welt, dem kein and⸗ res zu vergleichen, welches alle Ding erhellt. Die nach diesem Glanze sehen, dürfen nicht im Finstern gehen. Erscheinungsfest 3. Ach wie waren wir ver⸗ blendet, ehe noch dies Licht brach an! Ja, da hatte sich gewendet schier vom Him⸗ mel jedermann; Fleisch und Welt hatt' uns betrogen und vom Himmel abgezogen. 4. Aber wiehervorgegangen ist der Aufgang aus der Höh, haben wir das Licht empfan⸗ gen, welches so viel Angst und Weh aus der Welt hin⸗ weggetrieben, daß nichts Dunkles überblieben. 5. Dieses Licht läßt unsnicht wanken in der rechten Glau⸗ bensbahn. Ewig, Herr, will ich dir danken, daß du hast so wohl getan und uns die⸗ sen Schatz geschenket, der zu deinem Reich uns lenket. 6. Dein' Erscheinung müss' erfüllen mein Gemüt in aller Not; dein' Erscheinung müsse stillen meine Seel auch gar im Tod. Herr, in Freuden und im Weinen müsse mir dein Licht erscheinen. 7. Jesu, laß mich endlich gehen freudig aus der bösen Welt, dein so helles Licht zu sehen, das mir dort schon ist bestellt, wo wir sollen unter Kronen in der schön⸗ sten Klarheit wohnen. Johann Rist 1607—-1667. Choralbuch 113(67): 169 Meinen Jesum lass' ich nicht. esu, großer Wunderstern, der aus Jakob ist erschie⸗ nen, meine Seele will so gern dir an deinem Feste dienen. Nimm doch, nimm doch gnädig an, was ich Armer schenken kann. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin, wie ich's von dir selber habe und damit beschenket bin; so ist dir's die liebste Gabe. Laß es auch bewährt und rein in dem Trübsalsfeuer sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, laß denselben zu dir dringen; Herz und Lippen sollen stets ihn als Opfervordichbringen. Wenn ich bete, nimm es auf und sprich ja und amen drauf. 4. Nimm die Myrrhen bitt⸗ rer Reu; ach mich schmerzet meine Sünde! Aber du bist fromm und treu, daß ich Trost und Gnade finde und nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. Erdmann Neumeister 167117⁵6. Choralbuch 109(59): 170 sobt Gott, ihr Christen, alle gleich. A, Seele, auf, und säume nicht! Es bricht das Licht herfür; der Wunderstern gibt dir Bericht, der Held sei vor der Tür. 2. Geh aus von deinem Vaterland, zu suchen solchen Herrn; laß deine Augen sein gewandt auf diesen Mor⸗ genstern. Erscheinungsfest 3. Gib acht auf diesen hellen Schein, der aufgegangen ist; er führet dich zum Kind hinein, das heißet Jesus Christ. 4. Drum mache dich behende auf, befreit von aller Last, ja, laß nicht ab von deinem Lauf, bis du dies Kindlein hast. 5. Halt dich im Glauben an das Wort, das fest ist und gewiß; das führet dich zum Lichte fort aus aller Fin⸗ sternis. 6. Drum sinke nur vor sei⸗ nem Glanz in tiefste Demut ein und laß dein Herz er⸗ leuchten ganz von solchem Freudenschein. J. Gib dich ihm selbst zum Opfer dar mit Geist und Leib und Seel und singe mit der Engel Schar: Hier ist Immanuel! 8. Hier ist das Ziel, hier ist der Ort, wo man zum Leben geht; hier ist des Para⸗ dieses Pfort, die wieder offen steht. 9. Hier fallen alle Sorgen hin, zur Lust wird jede Pein; es wird erfreuet Herz und Sinn, denn Gott ist wieder dein. 10. Der zeigt dir einen an⸗ dern Weg, als du vorhin gekannt: den stillen Ruh⸗ und Friedensteg zum ew'gen Michael Müller 167³3170ʃ4. Vaterland. 171 Choralbuch 178 G0): Valet will ich dir geben. Der du zum Heil erschie— nen der allerärmsten Welt und von den Cheru⸗ binen zu Sündern dich gesellt; den sie mit fre⸗ chem Stolze verhöhnt für seine Huld, als du am dür⸗ ren Holze versöhntest ihre Schuld! 2. Damit wir Kinder wür⸗ den, gingst du vom Vater aus, nahmst auf dich unsre Bürden und bautest uns ein Haus. Von Westen und von ö Süden, von Morgen ohne ö Zahl sind Gäste nun be⸗ schieden zu deinem Abend⸗ . mahl. Luk. 13, 29. ö 3. Im schönen Hochzeit— kleide, von allen Flecken rein, führst du zu deiner Freude die Völkerscharen ein; und welchen nichts verkündigt, kein Heil verheißen war, die bringen nun entsündigt dir é Preis und Ehre dar. 4. Du hast dem ärmsten Sklaven, wo heiß die Sonne glüht, wie deinen andern Schafen zuliebe dich gemüht und selbst den öden Norden, Darstellung Christi deines Himmels Pforten erbarmend hingerückt. 5. Drum kann nicht Ruhe werden, bis deine Liebe siegt, bis dieser Kreis der Erden zu deinen Füßen liegt, bis du im neuenLeben die ausgesöhnte Welt dem, der sie dir gege⸗ ben, vors Angesicht gestellt. 6. And siehe, tausend Für⸗ sten mit Völkern ohne Licht stehn in der Nacht und dürsten nach deinem Angesicht! Auch sie hast du gegraben in deinen Priesterschild, am Brunnquell sie zu laben, der dir vom Herzen quillt. J. So sprich dein göttlich Werde! laß deinen Odem wehn, daß auf der finstern Erde die Toten auferstehn; daß, wo man Götzen frönet und vor den Teufeln kniet, ein willig Volk, versöhnet, zu deinem Tempel zieht. 8. Wir rufen, du willst hören; wir fassen, was du sprichst; dein Wort muß sich bewäh⸗ ren, womit du Fesseln brichst. Wie viele sind zerbrochen! Wie viele sind's noch nicht! O du, der's uns versprochen, werd aller Heiden Licht! Albert Knapp 1798-1864. Darstellung Christi den ew'ges Eis bedrückt, zu Choralbuch 178 Go): 172 Valet will ich dir geben. err Jesu, Licht der Heiden, der FrommenSchatz und Lieb, wir kommen jetzt mit Freuden durch deines Gei— stes Trieb in diesen deinen Tempel und suchen mit Be⸗ gier nach Simeons Exempel dich, Gottes Sohn, allhier. 2. Du wirst von uns ge⸗ funden, o Herr, an jedem Erscheinungsfest Ort, wo man mit dir ver⸗ gedrückt, nachdem ich schon bunden durch dein Ver⸗ hienieden den Heiland hab heißungswort; vergönnst erblickt. noch heutzutage, daß man 5. Ja, ja, ich hab im Glau⸗ dich gleicherweis auf Glau⸗ ben, mein Jesu, dich ge⸗ bensarmen trage wie hier schaut; kein Feind kann dich der fromme Greis. mir rauben, dräut er auch 3. Sei unser Glanz in Wonne, noch so laut. Ich wohn in ein helles Licht in Pein, in deinem Herzen, und in dem Schrecken unsre Sonne, im meinen du; uns scheiden Kreuz ein Gnadenschein, in keine Schmerzen, nicht Angst Zagheit Glut und Feuer, in Not ein Freudenstrahl, in Krankheit ein Befreier, ein Stern in Todesqual. 4. Herr, laß auch uns ge⸗ lingen, daß einst wie Si⸗ meon ein jeder Christ kann singen den schönen Schwa⸗ noch Tod dazu. 6. Hier will es oft mir schei⸗ nen, du sehst mich strafend an, daß ich vor Angst und Weinen dich kaum erkennen kann; dort aber wird's ge⸗ schehen, daß ich von Ange⸗ sicht zu Angesicht soll sehen nenton: Mir werden nun dein immer klares Licht. mit Frieden die Augen zu⸗ Johann Franck 1618-1677. Wandel Christi auf Erden Choralbuch 162(dé): 173 Schmücke dich, o liebe Seele. eiland, deine Menschen⸗ liebe war die Quelle dei⸗ ner Triebe, die dein treues Herz bewogen, dich in unser Fleisch gezogen, dich mit Schwachheit überdecket, dich vom Kreuz ins Grab gestrek⸗ ket. Oder ungemeinen Triebe deiner treuen Menschenliebe! 2. Aber seine Feinde weinen, jedermann mit Hilf erschei⸗ nen, sich der Blinden, Lah⸗ men, Armen mehr als väter⸗ lich erbarmen, der Betrüb⸗ ten Klagen hören, sich in and⸗ rer Dienst verzehren, sterben voll der reinsten Triebe, das sind Proben wahrer Liebe. 3. O du Zuflucht der Elen⸗ den, wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hilf und Heil genommen, der gebeugt zu dir gekommen? O wie ist dein Herz gebrochen, wann dich Kranke angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, das Gebetne mitzuteilen! 4. Die Betrübten zu er— quicken, zu den Kleinen dich zu bücken, die Anwissenden zu lehren, die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, ernst und liebreich zu dir locken, das war Wandel Christi auf Erden täglich dein Geschäfte mit Verzehrung deiner Kräfte. 5. O wie hoch stieg dein Er⸗ barmen, da du für die ärm⸗ sten Armen dein unschätzbar teures Leben in den ärgsten Tod gegeben, da zur Marter du erlesen aller Schmerzen Ziel gewesen und, den Segen zu erwerben, als ein Fluch hast wollen sterben. 6. Deine Lieb hat dich ge⸗ trieben, Sanftmut und Ge⸗ duld zu üben, ohne Schelten, Drohen, Klagen andrer Schmach und Last zu tragen, allen freundlich zu begegnen, für die Lästerung zu segnen, für der Feinde Schar zu beten und die Mörder zu vertreten. 7. Herr, laß deine Liebe del⸗ ken meiner Sünden Meng und Flecken. Du hast das Gesetz erfüllet, des Gesetzes Fluch gestillet. Laß mich wider dessen Stürmen dei⸗ ner Liebe Schild beschirmen. Heil'ge meines Herzens Trie⸗ be, salbe sie mit deiner Liebe. Johann Jakob Rambach 1693—1735. Choralbuch 109(59): 174 Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich. Der Herr, der einst auf Erden war, uns her⸗ gesandt von Gott, der war ein Retter in Gefahr, ein Helfer in der Not. 2. Er zog umher von Haus zu Haus in niedriger Ge— stalt, und eine Kraft ging von ihm aus, die heilte jung und alt. Mark. 5, 30. 3. Wer elend war, blieb schüchtern stehn und klagte ihm sein Leid; ein Wort, ein Blick, dann war's ge⸗ schehn. Das war ein' selge Zeit. 4. O liebster Jesu, wärest du bei uns noch sichtbarlich, wir liefen alle auf dich zu und hingen uns an dich; 5. wir rühreten in jeder Not dein Kleid vertrauend an und horchten still auf dein Gebot— und alles wär ge⸗ tan. Matth. 14, 36. 6. Doch, liebster Heiland, Jesu Christ, wenn du auch gleich nicht mehr sichtbar auf dieser Erde bist, bist du doch unser Herr. 7. Du lebst und siehst uns gnädig an, bist bei uns für und fuͤr; der Himmel ist dir untertan, die Welt gehöret dir. 8. Drum freuen wir uns herzlich dein und glauben festiglich: wie du einst warst, mußt du noch sein. Im Him⸗ mel schaun wir dich. Berliner Liederschatz (Str. 1—3 nach Matthias Claudius 1740—1815). Choralbuch 65(54): Gott 17 5 sei Dank durch alle Welt. Jesel Christus gab sich uns selbst zum Vorbild alles Tuns; sein Wort stellet ihn uns dar: ich soll sein, wie Jesus war. 2. Sein Verleugnen lehrt mich klein, seine demut nied⸗ rig sein, seine Sanftmut— stete Huld, sein Gehorsam — die Geduld. 3. Wie er ohne Haß geliebt, stets getröstet, nie betruͤbt und auch Feinden Guts getan, weist er mich zu gleichem an. 4. Wenn er Gottes Willen tat, wenn er stets zum Vater bat, wenn er nichts als Wahrheit sprach, heißt das: Folge du mir nach! 5. Wenn er allzeit standhaft blieb, nur das Wort vom Reiche trieb, so bezeugt er mir dabei, daß mir das ein Beispiel sei. 6. Wenn er mäßig aß und trank und es heiligte mit Dank, spricht mir sein Exem⸗ pel zu: Wie er lebte, lebe du! J. Lieber Meister, lehr mich's nun! Ohne dich kann ich nichts tun; unter deines Geistes Zucht bringt mein Glaube solche Frucht. 8. Viele folgen ihrem Sinn; aber, Herr, wo soll ich hin? Du bist Christus, Gottes Sohn; wer dir folgt, hat großen Lohn. 9. Gabst du nach vollbrach⸗ tem Lauf deinen Geist mit Beten auf, gib auch, daß durch deine Treu mein End wie dein Ende sei. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Erscheinungsfest Choralbuch 93(76): 176 Jesu, meines Lebens Leben. Jepe frommer Menschen— herden guter und ge⸗ treuer Hirt, laß mich eins von denen werden, die dein Ruf und Stab regiert. Ach du hast aus Lieb dein Leben für die Deinen hingegeben, und du gabst es auch für mich: laß mich wieder lie⸗ ben dich! 2. Herden ihren Hirten lie⸗ ben, und ein Hirt liebt seine Herd; laß uns auch so Liebe üben, du im Himmel, ich auf Erd'. Schallet deine Lieb her⸗ nieder, soll dir meine schallen wieder. Wenn du rufst:„Ich liebe dich“, ruft mein Herz: „Dich liebe ich“. 3. Schafe ihren Hirten ken⸗ nen, dem sie auch sind wohl bekannt; laß mich auch für dich entbrennen, wie du bist für mich entbrannt. Da der Wolf mit offnem Rachen mich zur Beute wollen ma⸗ chen, riefest du:„Ich kenne dich“; ich ruf auch:„Dich kenne ich“. 4. Herden ihren Hirten hören, folgen seiner Stimm allein; Hirten sich zur Herde kehren, wenn sie rufen groß und klein. Wenn du rufest, laß mich eilen, wenn du dräuest, nicht verweilen. Laß mich achten stets auf dich; Jesu, achte du auf mich! 5. Höre, Jesu, und erhöre meines schwachen Glaubens Stimm; mich auch zu dir rufen lehre, wenn sich naht des Wolfes Grimm. Laß mein Rufen dir gefallen, deinen Trost hernieder schal⸗ len. Wenn ich bete:„Höre mich“, Jesu sprich:„Ich höre dich“. 177 Choralbuch 152(68). O Lamm Gottes unschul⸗ dig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit funden geduldig, wiewohl du warest verachtet: all Sünd hast du getragen; sonst müßten wir verzagen. Er⸗ barm dich unser, o Jesu! 2. OLamm Gottes unschul⸗ dig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit funden geduldig, wiewohl du warest verachtet: all Sünd hast du getragen; sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 3. O Lamm Gottes unschul⸗ dig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit funden geduldig, wiewohl du warest verachtet: all Sünd hast du getragen; sonst müßten wir verzagen. Gib uns den Frie⸗ den, o Jesu! Nikolaus Decius 4 1529. Passion Passion 6. Höre, Jesu, und erhöre, wenn ich ruf, anklopf und bitt; Jesu, dich von mir nicht kehre, bald in Gnaden zu mir tritt. Ja, du hörst; in deinem Namen ist ja alles ja und amen. Nun ich glaub und fühle schon deinen Trost, o Gottes Sohn. 1675. Str. 6 erstmals 1698. 178 40(69).(Auch nach Choralbuch 11(48): An Wasserflüssen Babylon.) Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und büßet in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank, entzieht sich al⸗ len Freuden; es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: Ich will's gern leiden. 2. Das Lämmlein ist der große Freund und Heiland meiner Seelen; den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen: „Geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die ich ausgetan zu Straf und Zornesruten. Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß; Passion du kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten.“ 3.„Ja, Vater, ja, von Her⸗ zensgrund, leg auf, ich will dir's tragen. Mein Wollen hängt an deinem Mund, mein Wirken ist dein Sagen.“ O Wunderlieb, o Liebesmacht, du kannst, was nie ein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen! O Liebe, Liebe, du bist stark, du strek⸗ kest den in Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen! 4. Du lässest ihn amKreuzes⸗ stamm der Sünde Greuel büßen; du läßt ihn schlachten als ein Lamm, daß Herz und Adern fließen: das Herze mit der Seufzer Kraft, die Adern mit dem edeln Saft des purpurroten Blutes. O süßes Lamm, was soll ich dir erweisen dafür, daß du mir erweisest so viel Gutes? 5. Mein' Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen; dich will ich stets, gleichwie du mich, mitviebes⸗ armen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht; und wenn mein Herz in Stücke bricht, sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, hiemit zu deinem Eigentum be⸗ ständiglich verschreiben. 6. Ich will von deiner Lieb⸗ lichkeit bei Nacht und Tage singen, mich selbst auch dir nach Möglichkeit zum Freu⸗ denopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir und deinem Namen für und für in Dankbarkeit ergießen; und was du mir zugut getan, das will ich stets, so tief ich kann, in mein Gedächtnis schließen. J. Auf, armes Herz, er⸗ weitre dich! Dir soll ein Kleinod werden; kein Schatz wie dieser findet sich im Him⸗ mel und auf Erden. Weg mit den Schätzen dieser Welt, Demanten, Perlen, Gold und Geld! Ich hab ein Beßres funden: Herr Jesu Christ, mein großes Gut ist dein für mich vergoßnes Blut, das Heil in deinen Wunden. 8. Das soll und will ich mir zunutz zu allen Zeiten ma⸗ chen: im Streite soll es sein mein Schutz, in Traurigkeit mein Lachen, in Fröhlichkeit mein Saitenspiel; und wenn mir nichts mehr schmecken will, soll mich dies Manna speisen; im Durst soll's sein mein Wasserquell, in Ein⸗ samkeit mein Sprachgesell zu Haus und auch auf Reisen. 9. Wann endlich ich soll tre⸗ ten ein in deines Reiches Freuden, so soll dies Blut mein Purpur sein, ich will mich darein kleiden; es soll sein meines Hauptes Kron, in welcher ich will vor den Thron des höchsten Vaters gehen und dir, dem er mich GUS anvertraut, als eine wohl— geschmückte Braut an deiner Seite stehen. Paul Gerhardt 1607—1676. Choralbuch 164(172): 179 Schwing dich auf zu deinem Gott. Jesch deine Passion will ich jetzt bedenken; wol⸗ lest mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, wie du, unser Heil zu sein, littest alle Schmerzen. 2. Gib, daß ich recht sehen mag deine Angst und Bande, deine Schläge, deine Schmach, deine Kreuzesschande, deine spitze Dornenkron, deine tie⸗ fen Wunden und den Tod, o Gottessohn, den du dort empfunden. 3. Aber laß mich nicht allein deine Marter sehen: laß mich auch die Arsach fein und die Frucht verstehen. Ach, die Arsach war auch ich, ich und meine Sünde! Diese hat ge⸗ martert dich, daß ich Gnade finde. 4. Jesu, lehr bedenken mich dies mit Buß und Reue; hilf, daß ich mit Sünde dich martre nicht aufs neue. Sollt ich dazu haben Lust und nicht wollen meiden, was mein Heiland büßen mußt mit so großem Leiden? 5. Wenn mich meine Sünde will schrecken mit der Hölle, Passion Jesu, mein Gewissen still', dich ins Mittel stelle. Dich und deine Passion laß mich gläubig fassen. Liebet mich sein lieber Sohn, wie kann Gott mich hassen? 6. Gib auch, Jesu, daß ich gern dir das Kreuz nach⸗ trage; daß ich Demut von dir lern und Geduld in Plage; daß ich dir geb Lieb um Lieb. Indes laß dies Lallen, bis es kommt aus reinrem Trieb, Jesu, dir gefallen. Siegmund von Birken 1626—1681. Choralbuch 164(172): 180 Schwing dich auf zu deinem Gott. Siehe, mein geliebter 42 Knecht, der wird weis⸗ lich handeln, ohne Tadel, schlecht und recht auf der Erde wandeln. Sein ge— treuer, frommer Sinn wird in Einfalt gehen; aber den⸗ noch wird man ihn an das Kreuz erhöhen. 2. Hoch am Kreuze wird mein Sohn große Marter leiden, viele werden ihn mit Hohn als ein'n Greuel mei⸗ den; aber seiner LeidenKraft wird die Welt durchdringen und den Geist, der Leben schafft, in die Herzen brin⸗ gen.“ 3. Nun was hat er denn getan? Was sind seineSchul⸗ den, daß er muß von jeder⸗ mann solche Schmach erdul⸗ den? Hat er etwa Gott be⸗ trübt bei gesunden Tagen, daß ihm dieser jetzo gibt seinen Lohn mit Plagen? 4. Was ihn also trifft und schlägt, trifft ihn unsert⸗ wegen; daß er solche Bürden trägt, ist für uns zum Segen und befreit uns vom Gericht, daß wir Frieden haben und in seinem Angesicht Leib und Seele laben. 5. Wie ein Lamm läßt er sich hin zu der Schlachtbank leiten und hat in dem from⸗ men Sinn gar kein Wider⸗ streiten. Er sinkt in den Tod hinab, den er selbst doch bin⸗ det, weil er sterbend Tod und Grab mächtig überwindet. 6. Er wird aus der Angst und Qual bald herausgeris⸗ sen, tritt den Feinden allzu⸗ mal ihren Kopf mit Füßen. Wer will seines Lebens Läng irgendwo umschränken? Sei⸗ ner Tag und Jahre Meng ist nicht auszudenken. J. Ja, er ist für fremde Sünd in den Tod gegeben, auf daß du, o Menschenkind, durch ihn möchtest leben, daß er mehrte sein Geschlecht, den gerechten Samen, der Gott dient' und Opfer brächt sei⸗ nem heil'gen Namen. 8. Denn das ist ihm höchste Freud und des Vaters Wille, daß den Erdkreis weit und breit sein' Erkenntnis fülle, damit der gerechte Knecht, Passion der vollkommne Sühner, gläubig mache und gerecht alle Sündendiener. 9. Große Menge wird dir Gott zur Verehrung schenken dafür, daß du dich mit Spott für uns lassen kränken. Hilf, Herr, daß wir mehr und mehr auf dich sehn und hören und mit Lust zu deiner Ehr unsern Glauben mehren. Paul Gerhardt 1607 1676. Choralbuch 77(7): 181 Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. err, stärke mich, dein Lei⸗ den zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu ver⸗ senken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen. 2. Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden, an unsrer Statt gemartert und geschla⸗ gen die Sünde tragen: 3. welch wundervoll hoch— heiliges Geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen; Gott ist die Lieb und läßt die Welt erlösen; dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. 5. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder, es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder, lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. O Herr, mein Heil, an dessen Blut ich glaube, ich liege hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüte in deine Güte. 7. Da du dich selbst für mich dahingegeben, wie könnt ich noch nach meinem Willen leben und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, zu deiner Ehre? 8. Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, wenn Kreuz mich trifft, gelaßnen Herzens werden, da du so viel für uns, die wir's ver⸗ schuldet, liebreich erduldet? 9. Für welche du dein Leben selbst gelassen, wie könnt ich sie, sie, meine Brüder, hassen und nicht wie du, wenn sie mich untertreten, für sie noch beten? 10. Ich will nicht Haß mit gleichemHaßvergelten, wenn man mich schilt, nicht rächend wiederschelten: du Heiliger, du Herr und Haupt der Glie⸗ der, schaltst auch nicht wieder. 11. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, dies ist der Dank für deines Kreu⸗ zes Schmerzen; und Gott gibt uns die Kraft in deinem Namen, dich nachzuahmen. 12. Anendlich Glück! Du Passion littest uns zugute; ich bin versöhnt mit deinem teuren Blute; du hast mein Heil, da du für mich gestorben, am Kreuz erworben. 13. Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken, so laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken; dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide, mir Fried und Freude. Christian Fürchtegott Gellert 1715—1769. 182 Choralbuch 93(76). esu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennot, in das äußerste Verderben, nur daß ich nicht möchte sterben: Tausend⸗„tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 2. Du, ach du hast ausge⸗ standen Lästerreden, Spott und Hohn, Schmach und Schläge, Strick und Bande, du gerechter Gottessohn, nur mich Armen zu erretten von des Teufels Sündenketten. Tausend⸗,tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 3. Hast dir lassen Wunden schlagen, dich erbärmlich richten zu, um zu heilen meine Plagen, um zu setzen mich in Ruh. Ach, du hast zu meinem Segen lassen dich mit Fluch belegen. Tausend⸗, tausend⸗ mal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, dich mit großem Schimpf belegt, gar mit Dor⸗ nen dich gekrönet. Was hat dich dazu bewegt? Daß du möchtest mich ergötzen, mir die Ehrenkron aufsetzen. Tau⸗ send⸗, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 5. Du hast wollen sein ge⸗ schlagen, zu befreien mich von Pein, fälschlich lassen dich anklagen, daß ich könnte sicher sein. Daß ich möchte trostreich prangen, hast du sonder Trost gehangen. Tau⸗ send⸗, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 6. Du hast dich mit Not be⸗ decket, hast gelitten mit Ge⸗ duld, gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld. Daß ich würde losgezählet, hast du wollen sein gequälet. Tausend⸗, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 7. Deine Demut hat ge⸗ büßet meinen Stolz undüber⸗ mut, dein Tod meinen Tod versüßet; es kommt alles mir zugut. Dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend⸗, tau⸗ sendmal sei dir, liebster Zesu, Dank dafür! 8. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für die ganze Not. Für die Wunden, für die Schmerzen, für den her⸗ ben, bittern Tod, für dein Passion Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Plagen, für dein' Angst und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein. Ernst Christoph Homburg 1605—1681. 183 Choralbuch 37(75). Dy gehest in den Garten betenzmein trauter Jesu, nimm mich mit! Laß mich an deine Seite treten, ich weiche von dir keinen Schritt. Ich will an dir, mein Lehrer, sehn, wie mein Gebete soll ge— schehn. 2. Du gehst mit Zittern und mit Zagen und bist bis in den Tod betrübt. Ach, dieses soll ans Herz mir schlagen, daß mir die Sünde so beliebt. Drum willst du, daß ein Herz voll Reu mein Anfang zum Gebete sei. 3. Du reißest dich von allen Leuten und suchst die stille Einsamkeit; so muß auch ich mich wohl bereiten und fliehen, was mein Herz zer⸗ streut. Zeuch mich von aller Welt allein, daß nur wir zwei beisammen sei'n. 4. Du wirfst dich knieend hin zur Erden, fällst nieder auf dein Angesicht. So muß die Demut sich gebärden; drum brüst ich Erd und Staub mich nicht und beuge mich in Niedrigkeit, wie du, voll Trauer, Angst und Leid. 5. Du betest zu dem lieben Vater, rufst: Abba, Abba! wie ein Kind. Dein Vater ist auch mein Berater, sein Vaterherz ist treu gesinnt; drum halt ich mich getrost an dich und rufe: Abba, höre mich! 6. Du wirfst voll Zuversicht und Liebe dem Vater dich ans treue Herz und rufst aus stärkstem Herzenstriebe mit heißen Tränen himmelwärts. Ach, Glaub und Liebe sind mir not, sonst ist mein Beten alles tot. 7. Geduldig Lamm, wie hältst du stille und im Gebete dreimal an; dabei ist auch für mich dein Wille, daß ich soll tun, wie du getan. Hilft Gott nicht gleich aufs erste Flehn, so darfich wiedervorihngehn. 8. Dein Wille senkt sich in den Willen des allerbesten Vaters ein; darein muß ich auch mich verhüllen, dafern ich will erhöret sein. Drum bet ich in Gelassenheit: Was meinGott will, gescheh allzeit. 9. Obgleich die Jünger dein vergessen, gedenkst du doch getreu an sie; und da dich alle Martern pressen, sorgst du für sie mit steter Müh. Mein Beten bleibet ohne Frucht, wenn es des Nächsten Heil nicht sucht. 10. Nun, du erlangest auf dein Flehen Trost, Kraft, Sieg, Leben, Herrlichkeit. Da⸗ Passion mit hast du auf mich gesehen, daß ich zur angenehmen Zeit auf ernstlich Beten freuden⸗ voll den gleichen Segen ernten soll. 11. Mein Jesu, hilf mir stets so beten, wie mich dein heilig Vorbild lehrt. So kann ich frei zum Vater treten und werde stets von ihm erhört; so bet ich mich zum Himmel ein und will dir ewig dank⸗ bar sein. Johann Mentzer 1658—1734. 184 Choralbuch 77(79. erzliebsteresu, was hast du verbrochen, daß man ein solch scharf Arteil hat ge⸗ sprochen? Was ist die Schuld? In was für Missetaten bist du geraten? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, ins An⸗ gesicht geschlagen und ver⸗ höhnet; du wirst mit Essig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenket. 3. Was ist die Arsach aller solcher Plagen? Ach meine Sünden haben dich geschla⸗ gen; ach ich, Herr Jesu, ich hab dies verschuldet, was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe; die Schuld bezahlt der König, der Gerechte, für seine Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt; der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt. Der Mensch ver⸗ wirkt den Tod und ist ent⸗ gangen, der Herr gefangen. 6. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, und du mußt leiden! 7. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, wie kann ich gnugsam solche Treu aus⸗ breiten? Kein Menschenherz vermag es auszudenken, was dir zu schenken. 8. Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen, wo⸗ mit doch dein Erbarmen zu vergleichen. Wie kann ich dir denn deine Liebestaten im Werk erstatten? 9. Doch ist noch etwas, das dir angenehme: wenn ich des Fleisches Lüste dämpf und zähme, daß sie aufs neu mein Herze nicht entzünden mit alten Sünden. 10. Weil aber dies nicht steht in eignen Kräften, fest die Begierden an das Kreuz zu heften, so gib mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe. 11. Alsdann so werd ich deine Huld betrachten, aus Lieb zu dir die Welt für gar nichts achten; bemühen werd ich mich, Herr, deinen Willen stets zu erfüllen. Passion 12. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, kein Kreuz mehr achten, keine Schmach und Plagen, nichts von Verfol⸗ gung, nichts von Todes⸗ schmerzen nehmen zu Herzen. 13. Dies alles, ob's für schlecht zwar ist zu schätzen, wirst du es doch nicht gar bei⸗ seite setzen; in Gnaden wirst du dies von mir annehmen, mich nicht beschämen. 14. Wann, o Herr Jesu, dort vor deinem Throne wird stehn auf meinem Haupt die Ehrenkrone, da will ich dir, wenn alles wird wohlklingen, Lob und Dank singen. Johann Heermann 1585—1647. Choralbuch 166(12): 185 Sieh, hier bin ich, Ehren⸗ könig. Rode hier, mein Geist, ein wenig und beschau dies Wunder groß, wie dein Herr und Ehrenkönig hängt am Kreuze bleich und bloß, den sein Lieben hat getrieben zu dir aus des Vaters Schoß. 2. Ob dich Jesus liebt von Herzen, kannst du hier am Kreuze sehn: schau, wie bittre Todesschmerzen ihm bis in die Seele gehn, wie die Schrecken ihn bedecken; höre doch sein Klaggetön! 3. Dies sind meiner Sünden Früchte, die, mein Heiland, ängsten dich; dieser Leiden schwer Gewichte sollt zum Abgrund drücken mich; diese —.— 2 2 8.——. 6———2— 2. Nöten, die dich töten, sollt ich fühlen ewiglich. 4. Doch du hast für mich besieget Sünde, Tod und Höllenmacht; du hast Gottes Recht genüget, seinen Willen ganz vollbracht, durch dein Sterben mich zum Erben deines Lebens dort gemacht. 5. Ach ich Sündenkind der Erden! Jesu, stirbst du mir zugut? Soll dein Feind erlöset werden durch dein eigen Herzensblut? Ich muß schweigen und mich beugen für dies unverdiente Gut. 6. Seel und Leben, Leib und Glieder, alles gibst du für mich hin; sollt ich dir nicht schenken wieder alles, was ich hab und bin? Ich bin deine ganz alleine, dir ver⸗ schreib ich Herz und Sinn. 7. Laß in allen Leidens⸗ wegen deine Leiden stärken mich, daß mein Leiden mir zum Segen mag gedeihen stetiglich, daß mein Herze auch im Schmerze ohne Wan⸗ ken liebe dich. 8. Wenn mich schrecken meine Sünden, wenn mich Satans List anficht, ich nicht Kraft noch Gnad kann finden, wollst du mich verlassen nicht; laß dein Sterben mir er⸗ werben Trost im Tod und im Gericht. 9. Zeuch durch deines Todes Kräfte mich in deinen Tod hinein; laß mein Fleisch und Passion sein Geschäfte, Herr, mit dir gekreuzigt sein, daß mein Wille sanft und stille und die Liebe werde rein. Gerhard Tersteegen 16971769. Choralbuch 200(177): 186 Wie nach einer Wasser⸗ quelle. Sei mir tausendmal ge⸗ grüßet, der mich je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet das, womit ich dich betrübt! Ach wie ist mir doch so wohl, wenn ich knien und liegen soll an dem Kreuze, da du stirbest und um meine Seele wirbest. 2. Heile mich, o Heil der Seelen, wo ich krank und trau⸗ rig bin; nimm die Schmerzen, die mich quälen, und den ganzen Schaden hin, den mir Adams Fall gebracht und ich selber mir gemacht. Wird, o Arzt, dein Blut mich netzen, wird sich all mein JFammer setzen. 3. Schreibe deine blut'gen Wunden mir, Herr, in das Herz hinein, daß sie mögen alle Stunden bei mir unver⸗ gessen sein. Du bist doch mein liebstes Gut, da mein ganzes Herze ruht; laß mich hier zu deinen Füßen deiner Lieb und Gunst genießen! 4. Diese Füße will ich halten, auf das best ich immer kann. Schaue meiner Hände Falten und mich selber freundlich an deoere ed * und gib meiner Bitte Raum; sprich: Laß all dein Trauern schwinden; ich, ich tilg all deine Sünden. Paul Gerhardt 1607—1676. Choralbuch 76(154): 187 Herzlich tut mich ver⸗ langen. Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn; o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron; o Haupt, sonst schön geschmücket mit höchster Ehr und Zier, doch nun von Schmach gedrücket: gegrüßet seist du mir! 2. Du edles Angesichte, da⸗ vor das Reich der Welt er⸗ schrickt und wird zunichte, wie bist du so entstellt! Wie bist du so erbleichet! Wer hat dem Augenlicht, dem sonst kein Licht mehr gleichet, solch Dunkel zugericht't? 3. Die Farbe deinerWangen, der roten Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen: des blassen Todes Macht hat alles hingenommen, hat alles hingerafft, und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft. 4. Mein Heil, was du er⸗ duldet, ist alles meine Last; ich, ich hab es verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hie steh ich Armer, der Zorn verdienet hat; gib mir, o mein Erbarmer, den An⸗ blick deiner Gnad! Passion 5. Erkenne mich, mein Hüter; mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts getan: dein Mund hat mich gelabet mit wunderbarem Trost, dein Geist hat mich begabet mit reicher Himmelskost. 6. Ich will hier bei dir stehen; verachte mich doch nicht Von dir will ich nicht gehen, wann dir dein Herze bricht. Wann dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, als⸗ dann will ich dich fassen in meinen Arm und Schoß. 7. Es dient zu meinen Freu⸗ den und kommt mir herzlich wohl, wenn ich in deinem Leiden, mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, o ZJesu, liebster Freund, für deine Todesschmerzen, da du's so gut gemeint. Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu und, wann ich nun erkalte, in dir mein Ende sei. 9. Wann ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wann ich den Tod soll leiden, so tritt du dann her⸗ für; wann mir am allerbäng⸗ sten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Angsten kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in mei⸗ nem Tod und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzes⸗ not! Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubens⸗ voll fest an mein Herz dich drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt 1607 1676. Choralbuch 155 30): 188 8 Welt, ich muß dich lassen. O Welt, sieh hier deinLeben am Stamm des Kreuzes schweben, dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren läßt willig sich be⸗ schweren mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße: sein Leib ist ganz mit Schweiße des Todes überfüllt; aus seinem edlen Herzen vor unerschöpften Schmerzen ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschla— gen, mein Heil, und dich mit Plagen so übel zugericht't? Du bist ja nicht ein Sünder wie wir und unsre Kinder; von Abeltaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das dich schläget, und das betrübte Marterheer. 5. Ich bin's, ich sollte büßen, an Händen und an Füßen Passion gebunden in der Qual; die Geißeln und die Banden und was du ausgestanden, hab ich verdienet allzumal. 6. Du setzest dich zum Bür⸗ gen, ja lässest dich erwürgen für mich und meine Schuld; mir lässest du dich krönen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest alles mit Geduld. 7. Ich bin, mein Heil, ver⸗ bunden all Augenblick und Stunden dir überhoch und sehr; was Leib und Seel ver⸗ mögen, das soll ich billig legen allzeit an deinen Dienst und Ehr. 8. Nun, ich kann nicht viel geben in diesem armenveben, eins aber will ich tun: es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. 9. Ich will's vor Augen setzen, mich stets daran er⸗ götzen, ich sei auch, wo ich sei; es. soll mir sein ein Spiegel der Anschuld und ein Siegel der Lieb und unverfälschten Treu. 10. Wie heftig unsre Sün⸗ den den frommen Gott entzünden, wie Rach und Eifer gehn, wie strenge seine Ruten, wie zornig seine Fluten, will ich aus diesem Leiden sehn. 11. Ich will daran erblicken, wie ich mein Herz soll schmük⸗ ken mit stillem, sanftem Mut und wie ich die soll.0 —.— die mich so sehr betrüben mit Werken, so die Bosheit tut. 12. Wenn böse Zungen stechen, mir Glimpf und Na⸗ men brechen, so will ich zäh⸗ men mich; das Anrecht will ich dulden, dem Nächsten seine Schulden verzeihen gern und williglich. 13. Ich will ans Kreuz mich schlagen mit dir und dem ab⸗ sagen, was meinem Fleisch gelüst't. Was deine Augen hassen, das will ich fliehn und lassen, soviel mir immer möglich ist. 14. Dein Seufzen und dein Stöhnen und die viel tausend Tränen, die dir geflossen zu, die sollen mich am Ende in deinen Schoß und Hände be⸗ gleiten zu der ew'gen Ruh. Paul Gerhardt 1607-1676. 189 Choralbuch 3(72). A sieh ihn dulden, bluten, sterben! O meine Seele, sag ihm frommen Dank! Sieh Gottes ein'gen Sohn und Erben, wie mächtig ihn die Menschenliebe drang! Wo ist ein Freund, der je was er getan? der so wie er für Sün⸗ der sterben kann? 2. Wie dunkel waren jene Stunden, o Herr, und welche Lasten drückten dich! Wie quoll das Blut aus deinen Wunden! And ach, es floß zum Heil und Trost für mich und ruft noch heute mir er— Passion munternd zu, daß du mich liebst, dufrommer Dulder, du. 3. So sollt es sein, du muß⸗ test leiden; dein Tod macht mir des Vaters Liebe kund. Er wird für mich ein Quell der Freuden, ein Siegel auf den ew'gen Friedensbund. So wahr dich Gott für mich zum Opfer gibt, so feste steht's, daß er mich ewig liebt. 4. Dein bin ich nun und Gottes Erbe; ich sehe in sein Vaterherz hinein. Wenn ich nun leide, wenn ich sterbe, kann ich unmöglich je ver⸗ loren sein. Wenn Sonn und Mond und Erde untergehn, so bleibt mir Gottes Gnade ewig stehn. 5. Was fürcht ich noch des Todesschrecken? Duschliefst auch einst im Grab, o Seelen⸗ freund! Mag sie doch meine Asche decken, die Erde, wann des Todes Nacht erscheint: der Gott, der dir das Leben wieder gab, wälzt einstens auch den Stein von meinem Grab. 6. Nimm hin den Dank für deine Plagen, mein Retter, den die treuste Liebe bringt! Dort will ich dir's noch besser sagen, wann dich mein Geist im Engelchor besingt. Dann stimmen alle Sel'gen fröhlich ein, der ganze Himmel soll dann Zeuge sein. Johann August Hermes 1736—1822. Choralbuch 67(119): 190 Herr Christ, der einig Gottssohn. enn meine Sünd' mich kränken, o mein Herr Jesu Christ, so laß mich wohl bedenken, wie du gestorben bist und alle meine Schulden⸗ last am Stamm des heil' gen Kreuzes auf dich genommen hast. 2. O Wunder ohne Maßen, wenn man's betrachtet recht: es hat sich martern lassen der Herr für seinen Knecht; es hat sich selbst mein Herr und Gott fürmich verlornen Men⸗ schen gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden; die Schuld ist allzu⸗ mal bezahlt durch Christi teures Blut, daß ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Dual und Glut. 4. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Leben lang für deine Pein und Schmerzen, o Jesu, Lob und Dank, für deine Not und Angstgeschrei, für dein un⸗ schuldig Sterben, für deine Lieb und Treu. 5. Herr, laß dein bitter Lei⸗ den mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Begier, daß mir nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. Passion 6. Mein Kreuz und meine Plagen, sollt's auch sein Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen. Gib, o mein Herr und Gott, daß ich verleugne diese Welt und folg dem heil'gen Bilde, das du mir vorgestellt. J. Laß mich an andern üben, was du an mir getan, und meinen Nächstenlieben, gern dienen jedermann ohnEigen⸗ nutz und Heuchelschein und, wie du mir erwiesen, aus reiner Lieb allein. 8. Laß endlich deineWunden mich trösten kräftiglich in meinen letzten Stunden und des versichern mich, weil ich auf dein Verdienst nur trau, du werdest mich annehmen, daß ich dich ewig schau. Justus Gesenius 1601—1673. 191mach er 200(177): Wie nach einer Wasserquelle. Jede deine tiefen Wunden, deine Qual und bittrer Tod geben mir zu allen Stunden Trost in Leibs⸗ und Seelennot. Fällt mir etwas Arges ein, denk ich bald an deine Pein, die verleidet meinem Herzen, mit der Sünde je zu scherzen. 2. Will sich dann in Lüsten weiden mein verderbtes Fleisch und Blut, so gedenk ich an dein Leiden; bald wird alles wieder gut. Kommt der Feind und setzet mir heftig zu, halt ich ihm für deine Gnad und Gnadenzeichen; bald muß er von dannen weichen. 3. Will die Welt mein Herze führen auf die breite Sündenbahn, da nichts ist als Jubilieren, alsdann schau ich emsig an deiner Marter Zentnerlast, die du ausge⸗ standen hast; so kann ich in Andacht bleiben, alle böse Lust vertreiben. 4. Ja, für alles, das mich kränket, geben deine Leiden Kraft; wenn mein Herz hinein sich senket, schöpf ich neuen Lebenssaft. Deines Trostes Süßigkeit wendet mir das bittre Leid, der du mir das Heil erworben, da du für mich bist gestorben. 5. Auf dich setz ich mein Ver⸗ trauen, du bist meine Zu⸗ versicht; dein Tod hat den Tod zerhauen, daß er mich kann töten nicht. Daß ich an dir habe teil, bringet mir Trost, Schutz und Heil; deine Gnade wird mir ge⸗ ben Auferstehung, Licht und Leben. 6. Hab ich dich in meinem Herzen, du Brunn aller Gütigkeit, so empfind ich keine Schmerzen auch im letzten Kampf und Streit. Ich verberge mich in dich; wer kann da verletzen mich? Wer da flieht zu deinen Wunden, der hat selig überwunden. Johann Heermann 15851647. Passion Choralbuch 200(177): Wie 192 nach einer Wasserquelle. Richet auf des Heilands Leiden die Vernunft ihr Denken hin, mag sie wohl von außen weiden sich an eigner Dichtung Sinn; oder kommt es hoch, so kann sie viel Klagen heben an über Christi Pein und Schmerzen: doch es geht ihr nicht von Herzen. 2. Aber meines Geistes Sehnen zielt auf die Gemein⸗ schaft hin, stets zum Sterben zu gewöhnen den so tief ver⸗ derbtenSinn. Mir soll Christi Schmach und Pein nicht ein rührend Bild nur sein; nein, ins Herz will ich ihn schließen, seines Todes Kraft genießen. 3. Dies Geheimnis ist ver⸗ borgen, wird als Torheit an⸗ gesehn; aber meine größten Sorgen sollen auf dies Wun⸗ der gehn. Meine Schuld und Sündennot tilgt nur Christi bittrer Tod; nur durch ihn wird uns gegeben, aufzu⸗ stehn zum neuen Leben. 4. Drum in meines Herzens Grunde trag ich ihn, den Seelenfreund, der zum ew'⸗ gen Gnadenbunde mit dem Glauben sich vereint und durch seines Todes Kraft neues Wesen in uns schafft, wie die Rosen in dem Lenzen nach dem Tod des Winters glänzen. 5. Dies drückt mich in Hoffart nieder, in Betrübnis hält's empor, gibt in Schwachheit Stärke wieder, aus Ver⸗ zweiflung zieht's hervor, hält mich zwischen Lieb und Leid in der rechten Mäßigkeit; ja, ich find die tiefste Stille, wenn am Kreuze hängt mein Wille. 6. O geheimnisreiche Liebe, die sich im Verborgnen schenkt, wecke neue Lebens⸗ triebe, wenn mein Sinn zum Kreuz sich lenkt. Alle Kraft und alles Heil deinesLeidens sei mein Teil; alles andre mag vergehen, bleibt dein Kreuz nur in mir stehen. Nach Gottfried Arnold 1666—1714. Choralbuch 194(34): 193 Werde munter, mein Gemüte. Der am Kreuz ist meine Liebe und sonst nichts in dieser Welt! O daß er's doch ewig bliebe, der mir jetzt so wohl gefällt! Nun, mein Herz soll immerfort fest be⸗ stehn auf diesem Wort, sei es heiter oder trübe: der am Kreuz ist meine Liebe! 2. Zwar es ist mir unver⸗ borgen, was die Lieb oft nach sich zieht: Schmach, Verfolgung, Not und Sor⸗ gen, Kreuz und Armut bringt sie mit; ja, wenn er, mein Heiland, will, ist kein bittrer Tod zu viel. Doch es komme noch so trübe: der am Kreuz ist meine Liebe! Passion 3. Lieber wähl ich solche Plage und der Liebe schwe⸗ ren Stand als ohn ihn die besten Tage und der Ehre eitlen Tand. Heißt mich immer wunderlich, spotte man auch über mich, daß ich, was er haßt, nicht übe: der am Kreuz ist meine Liebe! 4. Aber wißt ihr meine Stärke und was mich so mu⸗ tig macht, daß mein Herz des Fleisches Werke und des Satans Grimm verlacht? Jesu Lieb ist mir gewiß, seine Lieb ist stark und süß. Was ist, das mich noch betrübe? Der anKreuz ist meine Liebe! 5. Diese Liebe lohnetendlich, führt zu ihm ins Vaterhaus, ist zur letzten Zeit erkenntlich und teilt Kränz und Kronen aus. Ach, ach wollte Gott, daß doch alle Welt dereinst sich noch dieses in das Herz einschriebe: der am Kreuz ist meine Liebe! 17¹². Choralbuch 162(46): 194 Schmücke dich, o liebe Seele. Sünder⸗ freue dich von Herzen über deines Jesu Schmerzen; laß bei seinem Blutvergießen stille Dankes⸗ tränen fließen! Er hat sich für dich gegeben! Such in seinem Tod das Leben; nur von seinem Kreuze quillet, was dein Herz auf ewig stillet. 2. Ach wie groß ist dein Ver⸗ derben! Ohne Jesum mußt du sterben: blind und tot sind deine Kräfte; Sünde, das ist dein Geschäfte; dein Verdienstist Zorn und Rache. Es ist aus mit deiner Sache; ja, im Himmel und auf Er⸗ den kann dir nicht geholfen werden. 3. Nichts kann all dein Opfer gelten vor dem Richter aller Welten. Den der Dornen⸗ kranz gekrönet, Gottes Sohn, hat dich versöhnet; seine Trä⸗ nen, seine Wunden haben Rat für dich gefunden, und ihm bleibt allein die Ehre, daß er deinen Tod zerstöre. 4. Fühlst du nun die Macht der Sünden, wie sie deine Seele binden, wie sie dein Gewissen quälen, wie der Jammer nicht zu zählen: o so komm mit deinen Ketten, wag es nicht, dich selbst zu vetten; sieh am Kreuze Jesum hängen, er muß deine Fesseln sprengen. 5. Sünder macht der Hei— land selig, seine Gnaden sind unzählig; er gibt Buße, er gibt Glauben, hilft den Lah⸗ men, Blinden, Tauben. Wer sich nur will retten lassen, der soll das Vertrauen fassen: Gnade strömt ausJesu Wun⸗ den, Gnad ist auch für mich gefunden. 6. Glaube nur dem Wort der Gnaden, so ist deinem Seelenschaden schon gehol⸗ fen, und die Liebe schafft Passion in dir ganz neue Triebe. Sind die Sünden erst ver⸗ geben, so kannst du auch heilig leben, und der Gnade treues Walten wird dich fördern und erhalten. 7. O so gib dem Sohn die Ehre, daß ihm aller Ruhm gehöre; suche nicht erst zu verdienen, was am Kreuz vollbracht erschienen; suche nicht, was schon gefunden; preise fröhlich seine Wunden und bekenn es bis zum Grabe, daß er dich erlöset habe. Ernst Gottlieb Woltersdorf 17²51761. Choralbuch 34(7a): 195 Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. O drückten Jesu Todes⸗ mienen sich meiner Seel auf ewig ein! O möchte stündlich sein Versühnen in meinem Herzen kräftig sein! Denn ach, was hab ich ihm zu danken! Für meine Sünden floß sein Blut; das heiletmich, den Armen, Kranken, und kommt mir ewiglich zugut. 2. Ein Glaubensblick auf Jesu Leiden gibt auch dem blödsten Herzen Mut; die Quelle wahrer Geistesfreu⸗ den ist sein vergoßnes teures Blut, wenn seine Kraft das Herz durchfließet, sein Lieben unsern Geist durchdringt, die Glaubenshand sein Kreuz umschließet und uns sein An⸗ blick Frieden bringt. ö 3. Für mich starb Jesus; meine Sünden sind's, die ihn in den Tod versenkt. Drum läßt er Gnade mir verkünden, die mich mit Lebenswasser tränkt. O Strom so lauter, klar und helle, mein Herz soll offen stehn für dich; du unerschöpfte Gnadenquelle, ergieße dich doch stets in mich! 4. Herr Jesu, nimm zum Lohn der Schmerzen mich Armen an, so wie ich bin! Ich setze dir in meinem Her⸗ zen ein Denkmaldeiner Liebe hin, die dich für mich in Tod getrieben, die mich aus mei⸗ nem Jammer riß. Ich will dich zärtlich wieder lieben; du nimmst es an, ich bin's gewiß. 5. Wann einst mein Herz wird stillestehen, so schließ mich ins Erbarmen ein! Dann werd ich dich von nahem sehen in deiner Klar⸗ heit ew'gem Schein. Die Seele, die durch dich genesen, ruht dann in deinen Armen aus und lässet gern den Leib verwesen; er wird dereinst ihr neues Haus. Nach einem von verschiedenen Verfassern stammenden Lied der Brüdergemeine, 1778. 196 Choralbuch 142(73). du Liebe meiner Liebe, du erwünschte Seligkeit, die du dich aus höchstem Passion Triebe in das jammervolle Leid deines Leidens mir zu⸗ gute als ein Opfer einge⸗ stellt und bezahlt mit deinem Blute alle Missetat der Welt; 2. Liebe, die mit heißen Trä⸗ nen an dem Olberg sich be⸗ trübt; Liebe, die mit Sorg und Sehnen unaufhörlich fest geliebt; Liebe, die den eignen Willen in des Vaters Willen legt und, den Fluch der Welt zu stillen, treu die Last des Kreuzes trägt; 3. Liebe, die mit starkem Herzen Schmach und Läste⸗ rung gehört; Liebe, die in Angst und Schmerzen bis zum Tod blieb unversehrt; Liebe, die sich liebend zeiget, wo der Atem geht zu End; Liebe, die sich liebend neiget, da sich Leib und Seele trennt; 4. Liebe, die mitihren Armen mich zuletzt umfangen wollt; Liebe, welche mit Erbarmen mich so treulich und so hold ihrem Vater übergeben, die noch sterbend für mich bat, daß ich ewig möchte leben, weil mich vollihr Tod vertrat; 5. Liebe, die für mich ge⸗ storben und ein immerwäh⸗ rend Gut an dem Kreuzes⸗ holz erworben: ach wie dank ich deinem Blut! ach wie dank ich deinen Wunden, schmerzenreiche Liebe du, wenn ich in den Leidens⸗ stunden sanft in deinen Armen ruh! 6. Liebe, die sich tot ge⸗ kränket und für mein erkaltet Herz in ein kaltes Grab ge⸗ senket: ach wie dank ich dei⸗ nem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, daß ich ewig leben kann und der Seele Heil erworben! Nimm mich ewig liebend an! Elisabeth von Senitz 1629-1679. Herzlich tut mich 197 verlangen. D ich der Dornenkrone um meines Heilands Haupt, so dankt dem Men⸗ schensohne mein Herz, das an ihn glaubt; es wallt von heißem Triebe, ruft ihm be⸗ wundernd zu: O Jesu, welche Liebe, o welch ein Mensch bist du! 2. Mein Herr, das ist die Schande, die mein Stolz hat verdient; doch in so niedrem Stande hast du mich aus⸗ gesühnt. So wird die Schuld vergeben, die Strafe geht dahin, daß ich in jenem Leben der Ehre fähig bin. 3. Mein Heil, was soll ich sagen? Ich bin auf ewig dein! Lehr mich für solche Plagen dir herzlich dankbar sein! Mir sei vor deinem Throne dein ew'ger Ruhm erlaubt und die erworbne Krone des Lebens auf dem Haupt. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 76(154): Passion Choralbuch 74(70): 198 Herr und Ältster deiner Kreuzgemeine. Eines wünsch ich mir vor allem andern, eine Speise früh und spät; selig läßt's im Tränental sich wan⸗ dern, wenn dies eine mit uns geht: unverrückt auf einen Mann zu schauen, der mit blut'gem Schweiß und Todesgrauen auf sein Antlitz niedersank und den Kelch des Vaters trank. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, wie er als ein stilles Lamm dort so blutig und so bleich zu sehen, hän⸗ gend an des Kreuzes Stamm; wie er dürstend rang um mei⸗ ne Seele, daß sie ihm zu sei⸗ nem Lohn nicht fehle, und dann auch an mich gedacht, als er rief: Es ist vollbracht! 3. Ja, mein Jesu, laß mich nie vergessen meine Schuld und deine Huld! Als ich in der Finsternis gesessen, tru⸗ gest du mit mir Geduld; hattest längst nach deinem Schaf getrachtet, eh es auf des Hirten Ruf geachtet, und mit teurem Lösegeld mich erkauft von dieser Welt. 4. Ich bin dein; sprich du darauf ein Amen! Treuster Jesu, du bist mein! Drücke deinen süßen Jesusnamen brennend in mein Herz hin⸗ ein! Mit dir alles tun und alles lassen, in dir leben und in dir erblassen, das sei bis zur letzten Stund unser Wan⸗ del, unser Bund. Albert Knapp 1798—- 1864. Choralbuch 76(15%: 199 erzlich tut mich verlangen. u meines Lebens Leben, du meines Todes Tod, für mich dahingegeben in tiefe Seelennot, in Martern, Angst und Sterben aus heißer Liebsbegier, das Heil mir zu erwerben: nimm Preis und Dank dafür! 2. Ich will jetzt mit dir gehen den Weg nach Golgatha; laß mich im Geiste sehen, was da für mich geschah. Mit in⸗ nig zartem Sehnen begleitet dich mein Herz, und meine Augen tränen um dich vor Liebesschmerz. 3. Ich komm erst zu der Stätte, wo Jesus für mich rang, und Blutschweiß beim Gebete ihm aus den Glie— dern drang. Der Tod, mit dem er ringet, wär mein verdientes Teil; die Angst, die ihn durchdringet, ist mir zu meinem Heil. 4. Mein Heiland wird ver⸗ raten, geführt zu Spott und Qual. Ach, meine Misse⸗ taten, die brachten allzu⸗ mal ihn vors Gericht des Heiden und in der Feinde Hand; ich war's, ich sollte leiden, was da mein Bürg empfand. Passion 5.„Seht, welch ein Mensch!“ Er stehet geduldig wie ein Lamm, und nun wird er er⸗ höhet, ein Fluch, am Kreu⸗ zesstamm; vollendet da sein Büßen, der Welt, auch mir zugut; aus Seite, Händ' und Füßen strömt sein Versöh⸗ nungsblut. 6. Du bittest für die Feinde; mein Jesu, wer war ich? Du denkst an deine Freunde; ge⸗ denk, Herr, auch an mich! Du machst denSchächer selig, verheißest ihm dein Reich; das macht mich Sünder fröh⸗ lich, mich, der dem Schächer gleich. 7. Du klagst voll Angst im Herzen:„MeinGott, verläßt du mich!“ Du dürstest in den Schmerzen, und niemand labet dich. Nun kommt der Leiden Ende; du rufst:„Es ist vollbracht!“ befiehlst in Vaters Hände den Geist. Es war vollbracht. 8. Ich seh mit Lieb und Beugen des Heilands letzten Blick, ich seh sein Haupt sich neigen; das war mein ewig Glück. Mein Bürge stirbt; ich lebe, so todeswert ich bin. Er gibt sich mir; ich gebe mich ihm zu eigen hin. 9. O du, an den ich glaube und den mein Geist umfaßt, der du im Todesstaube für mich gelegen hast: auf dein Verdienst und Leiden ver⸗ trau ich ganz allein; darauf werd ich einst scheiden und ewig bei dir sein. 10. Erhalt mir deinen Frie⸗ den und deines Heils Ge⸗ nuß, solang ich noch hie⸗ nieden in Schwachheit wal⸗ len muß, bis endlich dir zu Ehren, der mich mit Gott versöhnt, dort in den obern Chören mein Halleluja tönt. Ernst Wilhelm von Wobeser 17²7 1795 und Heinrich von Bruiningk 17381785. Choralbuch 77(70: 200 Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. A mein Herr Jesu, wenn ich dich nicht hätte und wenn dein Blut nicht für die Huunee red'te, wo sollt ich Armster unter den Elenden mich sonst hin wenden? 2. Ich wüßte nicht, wo ich vor Jammer bliebe; denn wo ist solch ein Herz wie deins, voll Liebe? Du, du bist meine Zuversicht alleine; sonst weiß ich keine. Christian Gregor 1723—1801. Choralbuch 24(187): 201 Eie ehen ist mein Sein Kampf—5 nun ge⸗ endet, errungen war die Passion Kron; er hat mit Preis voll⸗ endet, der eingeborne Sohn. 2. Nimm, spricht er, meine Seele, mein Vater, jetzt von mir; du, dem ich sie befehle, nimm sie hinauf zu dir! 3. Der Vater Jesu hörte und riß ihn aus der Pein und nahm, wie er begehrte, ihn in die Ruhe ein. 4. Ach wann ich einst am Ende von meiner Laufbahn bin, nimm auch in deine Hände, Herr, meine Seele hin! 5. Die Summe meiner Tage ist, Jesu, dir bekannt; mein Glückund meine Plage stehn, Herr, in deiner Hand. 6. Mach mich nur fromm und weise in meiner Prü⸗ fungszeit, und auf derPilger⸗ reise noch reif zur Ewigkeit! 7. Nur dir, dir laß mich leben und immer wachsam sein! So darf ich nicht er⸗ beben, mein Heil, ich bin ja dein. 8. So geh ich froh entgegen dem Tod und dem Gericht; er ist durch dich mein Segen, Herr, meine Zuversicht. Johann Heinrich Röding 1732—1800. Für die Passionszeit siehe auch Anhang Nr. 552. Begräbnis Christi beklagen? Gott des Vaters einig Kind wird ins Grab getragen. 2. O große Not! Der Herr 202 Choralbuch 154(78). D Traurigkeit, o Herze⸗ leid! Ist das nicht zu liegt tot, am Kreuz ist er ge⸗ storben, hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben. 3. O Menschenkind! Nur deine Sünd hat dieses an⸗ gerichtet, da du durch die Missetat warest ganz ver⸗ nichtet. 4. O süßer Mund, o Glau⸗ bensgrund, wie bist du doch zerschlagen! Alles, was auf Erden lebt, muß dich ja be⸗ klagen. 5. O selig ist zu aller Frist, der dieses recht bedenket, wie der Herr derHerrlichkeit wird ins Grab versenket! 6. O Jesu, du mein' Hilf und Ruh, ich bitte dich mit Tränen: Hilf, daß ich mich bis ins Grab nach dir möge sehnen. Johann Rist 1607—1667. Choralbuch 154(78): 203 O Traurigkeit, o Herzeleid. Se ruhest du, o meine Ruh, in deiner Grabeshöhle und erweckst durch deinen Tod meine tote Seele. 2. Man senkt dich ein nach vieler Pein, du meines Lebens Leben. Dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. O Lebensfürst, ich weiß: du wirst mich wieder aufer⸗ wecken. Sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? Begräbnis Christi 4. Sie wird mir sein ein Kämmerlein, da ich auf Ro⸗ sen liege, weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab besiege. 5. Gar nichts verdirbt, der Leib nur stirbt; doch wird er auferstehen und in ganz ver⸗ klärter Zier aus dem Grabe gehen. 6. Indes will ich, o Jesu, dich in meine Seele senken und an deinen bittern Tod bis ins Grab gedenken. Salomo Franck 1659—1725. Choralbuch 132(180): 20⁴4 Nun laßt uns den Leib begraben. Der du, Herr Jesu, Ruh und Rast in deinem Grab gehalten hast, gib, daß wir in dir ruhen all und unser Leben dir gefall. 2. Verleih, o Herr, uns Stärk und Mut, die du er⸗ kauft mit deinem Blut, und führ uns in des Himmels Licht zu deines Vaters An⸗ gesicht. 3. Wir danken dir, o Gottes⸗ lamm, getötet an des Kreuzes Stamm. Laß ja uns Sündern deine Pein den Eingang in das Leben sein. Georg Werner 1589—1643. 205 Choralbuch 178 G0): Valet will ich dir geben. J3 geh zu deinem Grabe, du großer„sterfürst, weil ich die Hoffnung habe, daß du mir zeigen wirst, wie und fröhlich auferstehn, auch mit den Himmelserben ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegest in der Erde und hast sie eingeweiht; wenn ich begraben werde, daß sich mein Herz nicht scheut, auch in den Staub zu legen, was Staub und Asche ist, weil du doch allerwegen der Herr der Erde bist. 3. Du schläfest in dem Grabe, daß ich auch meine Ruh an diesem Orte habe; du drückst die Augen zu. So soll mir gar nicht grauen, wenn mein Gesicht vergeht; ich werde den wohl schauen, der mir zur Seite steht. 4. Dein Grab war wohl ver⸗ Ostern man kann fröhlich sterben verriegelt, so bin ich dennoch frei. Du wirst den Stein schon rücken, der auch mein Grab bedeckt; da werd ich den er⸗ blicken, der mich vom Tode weckt. 5. Du fährest in die Höhe und zeigest mir die Bahn, wohin ich endlich gehe, da ich dich finden kann. Dort ist es sicher wohnen, wo lauter Glanz um dich; da warten lauter Kronen in deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Leben, o meines Todes Tod, ich will mich dir ergeben in meiner letzten Not. Ich will mein Bette machen in deine liebe Gruft; da werd ich schon er⸗ wachen, wann deine Stimme siegelt, doch brichst du es ent⸗ ruft. Benjamin Schmolck zwei; wenn mich der Tod 167²2—1737. Ostern 206 Choralbuch 22(79). Cbnist lag in Todesbanden, für unsre Sünd gegeben; der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben. Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein und singen: Halleluja! Halle⸗ luja! 2. Den Tod niemand zwin⸗ gen konnt bei allen Men⸗ schenkindern. Das macht al⸗ les unsre Sünd; kein' An⸗ schuld war zu finden. Davon kam der Tod so bald und nahm über uns Gewalt, hielt uns in sein'm Reich gfangen. Halleluja! 3. Jesus Christus, Gottes Sohn, an unsrer Statt ist kommen und hat die Sünd abgetan, damit dem Tod ge⸗ nommen all sein Necht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods Gestalt, den Stachel hat er verloren. Halleluja! 4. Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß, ein Spott aus dem Tod ist wor⸗ den. Halleluja! 5. Hie ist das rechte Oster⸗ lamm, davon wir sollen leben; das ist an des Kreu⸗ zes Stamm aus heißer Lieb gegeben. Des Blut zeichnet unsre Tür; das hält der Glaub dem Tod für, der Würger kann uns nicht rüh⸗ ren. Halleluja! 6. So feiern wir das hohe Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen läßt. Er ist selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleucht't unsre Herzen ganz; der Sün⸗ den Nacht ist vergangen. Halleluja! 7. Wir essen und leben wohl, zum süßen Brot geladen; der alt Sauerteig nicht soll sein bei dem Wort der Gna⸗ den. Christus will die Koste sein und speisen die Seel allein; der Glaub will keins andern leben. Halleluja! Martin Luther 1483—1546. 207 Choralbuch 21 G0). Coaist ist erstanden von der Marter alle. Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! 2. Wär er nicht erstanden, Ostern die Welt, die wär vergangen. Seit daß er erstanden ist, loben wir den Vater Jesu Christ. Halleluja! 3. Halleluja, halleluja, halle⸗ luja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! 12. Jahrhundert. 208 Choralbuch 204(8J). illkommen, Held im Streite, aus deines Grabes Kluft! Wir trium⸗ phieren heute um deine leere Gruft. 2. Der Feind wird schau⸗ getragen und heißt nunmehr ein Spott; wir aber können sagen: Mit uns ist unserGott. 3. In der Gerechten Hütten schallt schon das Siegeslied; du trittst selbst in die Mitten und bringst den Osterfried'. 4. Ach teile doch die Beute uns deinen Gliedern aus; wir alle kommen heute ver⸗ langend in dein Haus. 5. Schwing deine Sieges⸗ fahne auch über unser Herz und zeig uns einst die Bahne vom Grabe himmelwärts. 6. Laß unser aller Sünden mit dir begraben sein, uns einen Schatz hier finden, der ewig kann erfreun. 7. Wir sind mit dir gestorben, so leben wir mit dir; was uns dein Tod erworben, das stell uns täglich für. 8. Wir wollen hier ganz fröh⸗ Ostern lich mit dir zu Grabe gehn, wenn wir nur dort einst selig mit dir auch auferstehn. 9. Der Tod kann uns nicht schaden, sein Pfeil ist nun⸗ mehr stumpf; wir stehn bei Gott in Gnaden und rufen schon: Triumph! Benjamin Schmolck 16721737. Choralbuch 79(83): 209 Heut triumphieret Gottes Sohn. rühmorgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufersteht. Halle⸗ luja, halleluja! Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja, halleluja! 2. Nicht mehr als nur drei Tage lang bleibt Gottes Sohn im Todeszwang. Halle⸗ luja, halleluja! Den dritten Tag durchs Grab er dringt und hoch die Siegesfahne schwingt. Halleluja, halle⸗ luja! 3. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt mit Schmach am Kreuz gefangenhält. Halle⸗ luja, halleluja! Drauf folgt der Sabbat in dem Grab, darin ich Ruh und Frieden hab. Halleluja, halleluja! 4. In kurzem wach ich fröh⸗ lich auf, mein Ostertag ist schon im Lauf. Halleluja, halleluja! Ich wach auf durch des Herren Stimm, veracht den Tod und seinen Grimm. Halleluja, halleluja! 5. Der Herr den Tod zu Boden schlägt, da er selbst tot und sich nichts regt. Halle⸗ luja, hallelujal Geht aus dem Grab in eigner Kraft; Tod, Teufel, Höll nichts an ihm schafft. Halleluja, halleluja! 6. OWunder groß, ostarker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Halleluja, halleluja! Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Tür. Halleluja, halleluja! 7. Wie tief Kreuz, Trübsal oder Pein, mein Heiland greift allmächtig drein. Halleluja, halleluja! Führt mich heraus mit seiner Hand wer mich will halten, wird zu Schand'. Halleluja, halle⸗ luja! 8. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Halle⸗ luja, halleluja! Wenn mir gleich alle Welt stürb ab: gnug, daß ich Christum bei mir hab. Halleluja, halleluja! 9. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; sterb ich, so nimmt er mich zu sich. Halle⸗ luja, halleluja! Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, weil seines Leibes Glied ich bin. Halleluja, halleluja! 10. Mein Herz darf nicht entsetzen sich: Gott und die Engel lieben mich. Halle—⸗ luja, halleluja! Die Freude, die mir ist bereit, vertrei⸗ bet Furcht und Traurigkeit. Halleluja, halleluja! 11. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Halle— luja, halleluja! Dort wollen wir mit größrem Fleiß er⸗ heben deinen Ruhm und Preis. Halleluja, halleluja! Johann Heermann 15851647. Choralbuch 170(10): 210 Sollt ich meinem Gott nicht singen I. (Auch nach Choralbuch 171(10): Sollt ich meinem Gott nicht 5 singen II.) Anindn nimm die Pal⸗ men, die dein Volk dir heute bringt, das mit frohen Osterpsalmen den erkämpf⸗ ten Sieg besingt. Wo ist nun der Feinde Pochen und der Würger Mordgeschrei, da des Todes Nacht vorbei und sein Stachel ist zerbrochen? Tod und Hölle liegen da; Gott sei Dank! Halleluja! 2. Stecke nun dein Sieges⸗ zeichen auf der dunkeln Gruft empor. Was kann deiner Krone gleichen? Held und König, tritt hervor! Laß dir tausend Engel dienen; denn nach harter Leidenszeit ist dein Tag der Herrlichkeit, höchste Majestät, erschienen. Erd und Himmel jauchzen da: Gott sei Dank! Halleluja! 3. Teile, großer Fürst, die Beute deiner armen Herde mit, die in froher Sehnsucht Ostern heute vor den Thron der Gnade tritt. Deinen Frieden gib uns allen, o so jauchzet Herz und Mut, weil das Los uns wundergut und aufs Lieblichste gefallen; denn der Olzweig grünet da. Gott sei Dank! Halleluja! 4. Laß, o Sonne der Ge⸗ rechten, deinen Strahl ins Herze gehn; gib Erleuchtung deinen Knechten, daß sie geistlich auferstehn. Hält der Schlaf uns noch gefangen, ei so fördre selbst den Lauf, rufe mächtig:„Wachet auf! denn die Schatten sind ver⸗ gangen, und der helle Tag ist da.“ Gott sei Dank! Halleluja! 5. Tilg in uns des Todes Grauen, wenn die letzte Stunde schlägt, weil uns in den Himmelsauen schon die Krone beigelegt; gib uns in den höchsten Nöten, gib uns mitten in der Pein deinen Trost und Glauben ein! O so kann der Tod nicht töten, denn die Hoffnung blühet da. Gott sei Dank! Halleluja! 6. Zeige, wenn der blöde Kummer über Sarg und Grüften weint, wie die Schwachheit nach dem Schlummer dort in voller Kraft erscheint. Sind wir sterblich hier geboren, ei so nimmt das kühle Grab nur, was irdisch ist, uns ab, und der Staub ist unverloren. Anser Hirte hütet da. Gott sei Dank! Halleluja! 7. Rufe die zerfallnen Glie⸗ der endlich aus der dunkeln Nacht, bis der Deinen Asche wieder in verklärtem Glanz erwacht. Dann wirst du die Krone geben, dann wird die verjüngte Brust, Herr, in engelgleicher Lust ewig dei⸗ nen Sieg erheben, und wir sprechen auch allda: Gott sei Dank! Halleluja! Christian Ludwig Taddel 17⁰06—1775. Choralbuch 207(19): 21I Womit sol ich dich wohl loben. erzog der erlösten Sünder, dir dankt deine Christen⸗ heit, dir, du Todesüberwin⸗ der, dir, du Herr der Herr⸗ lichkeit! Der du tot warst, lebest wieder, mit dir leben deine Glieder; uns, die Tod und Grab erschreckt, hat Gott mit dir auferweckt. 2. O mit welchen Gottes⸗ freuden steigst du aus des Todes Nacht! Ewig fern ist alles Leiden, ganz dein großes Werkvollbracht. Lieb⸗ reich eilest du, den Deinen im Triumphe zu erscheinen: „Seht mich, Freunde, die ihr bebt; jauchzet, euer Jesus lebt!“ 3. Jesu, deines Lebens Zeu⸗ gen sagen laut:„Er lebt!“ der Welt;„ihm soll jedes Knie sich beugen; er ist's, der Ostern Gericht einst hält!“ rufen laut in Schmerz und Banden: „Jesus ist vom Tod erstan⸗ den!“ Sie, die lebend dich gesehn, heißen Tote aufer⸗ stehn. 4. Jesus lebt! Wer an ihn gläubet, ob er stürbe, stirbet nicht; keiner, der ihm treu verbleibet, keiner kommt in sein Gericht. Wer hier starb, wird auferstehen, wird un⸗ sterblich Jesum sehen: freu⸗ dig, wer sich ihm ergibt, zitternd, wer ihn hier nicht liebt. 5. Haupt der Deinen, unser Leben, Herr der Menschen, Jesu Christ, unser Herz sei dir ergeben, der du aufer⸗ standen bist; frei und rein von allen Sünden laß uns, deiß du lebst, empfinden! Tief im Staube singen wir Dank und Halleluja dir. Johann Kaspar Lavater 1741—1801. 21²2 Choralbuch 158(66). reis dem Todesüberwin⸗ der! Sieh, er starb auf Golgatha. Preis dem Retter aller Sünder, Preis ihm und Halleluja! Sieh, er starb auf Golgatha; singt, des neuen Bundes Kinder! Aus dem Grab eilt er empor; singet ihm in höhrem Chor! 2. Laßt des Dankes Harfe klingen, daß die Seele freudig bebt! Laßt uns, laßt uns rr rren n eenV. mächtig singen dem, der starb und ewig lebt, daß das Herz vor Wonne bebt! Preis und Ehre laßt uns bringen dem, der starb und ewig lebt! dem, der starb und ewig lebt! Friedrich Gottlieb Klopstock 17²⁴1803. 21¹3 Choralbuch 184(8). Wonole leuchtender und schöner, Ostersonne, deinen Lauf! Denn dein Herr und mein Versöhner stieg aus seinem Grabe auf. Als das Haupt er sterbend beugte, bargst du dich in nächt'gem Flor; doch jetzt komm hervor und leuchte, denn auch er stieg längst empor. 2. Erde, breite dich in Frie⸗ den unter deinem Himmel aus; denn dein Herr ist nicht geschieden, er zerbrach des Todes Haus. Deine starken Felsen bebten, als er seinen Geist verhaucht; grüße nun den Neubelebten, wonnevoll in Licht getaucht. 3. Doch du selber, meine Seele, sag, wie feierst du den Tag, da der Herr des Grabes Höhle mit gewalt'gem Arm durchbrach? Feierst du sein Auferstehen auch in rechter Osterfreud?ꝰ Kann man an dir selber sehen, welch ein hoher Festtag heut? 4. Bist du mit ihm auf⸗ erstanden aus der Sünde Todesnacht? Hast du dich Ostern von ihren Banden losge⸗ rungen, freigemacht? Oder liegst du noch verborgen und in deinen Sünden tot? Kün⸗ det deinen Ostermorgen noch kein helles Morgenrot? 5. O dann laß dich nicht be decken länger mehr die finstre Nacht! Sieh, dein Herr ist, dich zu wecken, von dem Tode auferwacht. Komm, vom Schlaf dich zu erhebenzkomm— der Fürst des Lebens ruft; wache auf zum neuen Leben, steig herauf aus deiner Gruft! 6. Sieh, er reicht dir hilfreich, gnädig die durchbohrten Hände hin, macht dich der Betäubung ledig, weckt mit Liebesruf den Sinn. Keine Strafe sollst du scheuen, dar⸗ um bleibe nicht zurück; raff dich auf, dich zu erfreuen an des neuen Lebens Glück! 7. Steig empor zum neuen Leben, denn du schliefest lang genug; Kraft zum Leben wird dir geben, der für dich den Tod ertrug. Fang nur an, erst aufzustehen, fühlst du dich auch noch so matt; der wird dir zur Seite gehen, der dich auferwecket hat. 8. O bedenke und erwäge, wie du gehn magst, nicht so lang! Solch Bedenken macht nur träge, macht dich mehr noch schwach und krank. Keine Hilfe wird versagen er, wenn du nur erst begannst, wird dich auf den Armen tragen, wo du selbst nicht gehen kannst. 9. Sieh, dein Herr ist aufer⸗ standen, daß du könntest auf⸗ erstehn, aus der Sünde Haft und Banden in die schönste Freiheit gehn. Willst du ihm dich nur ergeben, streift er deineKetten ab, und du siehst dein altes Leben hinter dir als leeres Grab. Philipp Spitta 1801—1859. Choralbuch 6(1): Allein 2¹⁴ Gott in der Höh sei Ehr. Woßh auf, mein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen! Ermuntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu empfangen, der heute durch des Todes Tor gebrochen aus dem Grab her⸗ vor der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf und such ein neues Leben; vollführe dei⸗ nen Glaubenslauf und laß dein Herz sich heben gen Himmel, da dein ZJesus ist, und such, was droben, als ein Christ, der geistlich aufer— standen. 3. Quält dich ein schwerer Sorgenstein, dein Jesus wird ihn heben; es kann ein Christ bei Kreuzespein in Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn und sorge nicht; er ist nicht fern, weil er ist auferstanden. Ostern 4. Es hat der Leu aus Judas Stamm heut siggeich über⸗ wunden, und das erwürgte Gotteslamm hat uns zum Heil gefunden dasveben und Gerechtigkeit, weil er nach überwundnem Streit die Feinde schaugetragen. 5. Drum auf, mein Herz, fang an den Streit, weil Je⸗ sus überwunden; er wird auch überwinden weit in dir, weil er gebunden der Feinde Macht, daß du aufstehst und in ein neues Leben gehst und Gott im Glaͤuben dienest. 6. Scheu weder Teufel, Welt noch Tod noch gar der Hölle Rachen! Dein Jesus lebt, es hat kein' Not, er ist noch bei den Schwachen und den Ge— ringen in der Welt als ein gekrönter Siegesheld; drum wirst du überwinden. 7. Ach mein Herr Jesu, der du bist vom Tode auferstan⸗ den, rett uns aus Satans Macht und List und aus des Todes Banden, daß wir zusammen insgemein zum neuen Leben gehen ein, das du uns hast erworben. 8. Sei hoch gelobt in dieser Zeit von allen Gotteskindern und ewig in der Herrlichkeit von allen Aberwindern, die überwunden durch dein Blut; Herr Jesu, gib uns Kraft und Mut, daß wir auch über⸗ winden. Lorenz Lorenzen 1660—1722. 215 cooralbuch 12(85). uf, auf, mein Herz! Mit Freuden nimm wahr, was heut geschicht! Wie kommt nach großem Leiden nun ein so großesLicht! Mein Heiland war gelegt da, wo man uns hin trägt, wenn von uns unser Geist gen Himmel ist gereist. 2. Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei. Eh er's vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft Viktoria, schwingt fröh⸗ lich hier und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält. 3. Das ist mir anzuschauen ein rechtes Freudenspiel. Nun soll mir nicht mehr grauen vor allem, was mir will ent⸗ nehmen meinen Mut zusamt dem edlen Gut, so mir durch Jesum Christ aus Lieb er⸗ worben ist. 4. Die Höll und ihre Rotten, die krümmen mir kein Haar; der Sünden kann ich spotten, bleib allzeit vhn Gefahr. Der Tod mit seiner Macht wird nichts bei mir geacht't; er bleibt ein totes Bild, und wär er noch so wild. 5. Die Welt ist mir einLachen mit ihrem großen Zorn: sie zürnt, und kann nichts machen, all Arbeit ist ver⸗ lorn. Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Ange⸗ Ostern sicht; das Anglück ist mein Glück, die Nacht mein Son⸗ nenblick. 6. Ich hang und bleib auch hangen an Christo als ein Glied; wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd, durch Not; er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell. 7. Er dringt zum Saal der Ehren; ich folg ihm immer nach und darf mich gar nicht kehren an irgend Angemach. Es tobe, was da kann: mein Haupt nimmt sich mein an; mein Heiland ist mein Schild, der alles Toben stillt. 8. Er bringt mich an die Pforten, die in den Himmel führt, daran mit güldnen Worten der Reim gelesen wird: Wer dort wird mit⸗ verhöhnt, wird hier auch mit⸗ gekrönt; wer dort mitsterben geht, wird hier auch mit⸗ erhöht. Paul Gerhardt 1607—1676. 21¹6 Choralbuch 92 6²7r Jesu, meine Liebe. us des Todes Banden ist der Herr erstanden, Mensch und Gottes Sohn! Jesus hat gesieget, daß nun alles lieget unter seinem Thron. Anser Freund hat alle Feind siegreich auf das Haupt geschlagen und sie schaugetragen. Ostern 2. Daß er wollen sterben, war, uns zu erwerben Heil und Seligkeit. Solches ist geschehen; und wir dürfen sehen, daß auf kurze Zeit Jesus sich wahrhaftiglich in den Tod um unser Leben hat dahingegeben. 3. Freiheit von den Sünden sollen wir nun finden und recht werden frei, weil der wiederkommen, der die Schuld genommen auf sein Haupt so treu. Er kann nun gnug für uns tun; wenn wir nur in ihm erfunden, bleibt uns Gott verbunden. 4. Was will uns nun scha⸗ den, wenn uns Gott zu Gna⸗ den bei sich selbst gebracht? Mag die Hölle dräuen, dür⸗ fen wir nicht scheuen ihre kurze Macht. Hier ist der, vor dem das Heer aller Feinde muß erbeben und hinweg sich heben. 5. Laß mit allen Schrecken nun die Hand ausstrecken wider uns den Tod: seine Pfeil und Bogen finden sich betrogen, es hat keine Not. Ob er trifft, ist's drum kein Gift; nein, er muß mit seinen Pfeilen uns vielmehr nur heilen. 6. Darum mir nicht grauet, wenn mein Geist anschauet, daß ich in das Grab meine müden Glieder werde legen nieder, weil ich dieses hab: daß mein Hort mir diesen Ort selbst mit seinem Leibe weihe, daß ich ihn nicht scheue. 7. Lasset uns als Christen sterben allen Lüsten und der Eitelkeit! Denn so wir uns haben lassen mitbegraben hier in dieser Zeit, so wird er, der große Herr, uns hervor auch mit sich führen und mit Kronen zieren. 8. O der großen Freude! Hängst du noch am Kleide dieser Sterblichkeit? Sollst du nicht hingegen es getrost ablegen, weil nach kurzer Zeit Jesus Christ voll Wil⸗ lens ist, uns zu kleiden mit der Sonne in des Himmels Wonne? Nach Philipp Jakob Spener 1635—1705. Choralbuch 184(81)): 21 Wandle leuchtender und schöner. Din, wie der Erde nie ein Morgen noch er⸗ wacht, seit des Schöpfers Ruf:„Es werde!“ ihr den ersten Tag gebracht. Ja, von einer Welt vollKlarheit zeigst du uns das Morgenrot, einer Welt der Wesenswahrheit ohne Sünde, ohne Tod. 2. Denn der Herr, der auf⸗ erstanden, trat nun an den Siegesgang, er, der sich zuerst den Banden dieser Todes⸗ welt entrang, der ihr auch die Seinen alle in des Geistes Macht entreißt, bis er mit Posaunenschalle eine neue kommen heißt. 3. O wie wird auf jener neuen Erde sich ein neu Ge⸗ schlecht dann um ihn, den Erstling, reihen, strahlend ganz in Licht und Recht! Selig unter Friedenspalmen wandelt's in der Liebe Bund, und von Freud und Freuden⸗ psalmen überströmen Herz und Mund. 4. Herr, für diese Welt be⸗ reite uns durch deine Gottes— macht! Kleid uns mit der Anschuld Kleide, das du aus der Grabesnacht uns ge— bracht als Ostergabe; laß es allzeit fleckenrein unsers Glaubens beste Habe, unsern Ruhm im Tode sein! 5. Laß der Auferstehung Leben, deiner Auferstehung Kraft mächtig sich in uns er⸗ heben, sprengen alle Sün⸗ denhaft, ohne Rast voran uns treiben dir nach, großer Osterheld, und schon hier im Staube bleiben Bürger dei⸗ ner ew'gen Welt! Gottlob Kemmler 1823-1907. 218 Choralbuch 95(82). Jeind meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben! Dieses weiß ich; sollt ich nicht darum mich zufrie⸗ den geben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er mein Heiland, Ostern lebt! Ich werd auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt; warum soll⸗ te mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoff⸗ nung Band zu genau mit ihm verbunden; meine starke Glaubenshand wird in ihn gelegt befunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher auch einmal zu Asche werden. Das gesteh ich; doch wird er mich erwecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit um ihn sein mög allezeit. 5. Dieser meiner Augen Licht wird ihn, meinen Heiland, kennen; ich, ich selbst, kein Fremder nicht, werd in seiner Liebe brennen. Nur die Schwachheit um und an wird von mir sein abgetan. 6. Was hier kranket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen; irdisch werd ich ausgesät, himmlisch werd ich auferstehen; hier sink ich natürlich ein, nachmals werd ich geistlich sein. 7. Seid getrost und hoch er⸗ freut: Jesus trägt euch, seine Glieder. Gebt nicht Statt der Traurigkeit: sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, wann einst die Posaun er⸗ klingt, die auch durch die Gräber dringt. 8. Lacht der finstern Erden⸗ kluft, lacht des Todes und der Höllen; denn ihr sollt euch aus der Gruft eurem Heiland zugesellen. Dann wird Schwachheit und Ver⸗ druß liegen unter eurem Fuß. 9. Nur daß ihr den Geist erhebt von den Lüsten dieser Erden und euch dem schon jetzt ergebt, dem ihr beige⸗ fügt wollt werden. Schickt das Herze da hinein, wo ihr ewig wünscht zu sein. 1653. 2109 Choralbuch 95(82): Jesus, meine Zuversicht. Jesch lebt! mit ihm auch ich; Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er ver⸗ klärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt ge⸗ geben; mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zu⸗ versicht. 3. Jesus lebt! Wer nun ver⸗ zagt, kränket ihn und Gottes Ehre; Gnade hat erzugesagt, daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein; sein sei auch mein ganzes Leben. Reines Her⸗ Ostern zens will ich sein und den Lüsten widerstreben. Er ver⸗ läßt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt! Ich bin gewiß, nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben, wenn sie gläu⸗ big zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Christian Fürchtegott Gellert 1715—1769. * 220 emes Le 93(76): Jesu, meines Lebens Leben. 3.⁵⁰ der Jünger gehn mit Sehnen über Feld nach Emmaus; ihre Augen sind voll Tränen, ihre Seele voll Verdruß, und sie wechseln Klageworte; doch es ist von ihrem Orte unser Jesus gar nicht weit und vertreibt die Traurigkeit. 2. Ach es gehn noch manche Herzen ihrem stillenummer nach; sie bejammern voller Schmerzen ihre Not und An⸗ gemach. Manches wandert ganz alleine, daß es nur zur Gnüge weine; doch mein Jesus ist dabei, fragt, was man so traurig sei. 3. Oft schon hab ich's auch empfunden: Jesus läßt mich nie allein; Jesus stellt zur rechten Stunden sich mit sei⸗ nem Beistand ein. Wenn ich mich bei ihm beschwere, gleich als ob er ferne wäre, o so ist er mehr als nah und mit seiner Hilfe da. 4. Treuster Freund von allen Freunden, bleibe ferner doch bei mir! Kommt die Welt, mich anzufeinden, ach so sei du auch allhier! Wenn mich Trübsalswetter schrek⸗ ken, wollst du mächtig mich bedecken. Komm, in meinem Geist zu ruhn; was du willst, das will ich tun. 5. Bin ich traurig und be⸗ trübet, so gib mir in meinen Sinn, daß mich deine Seele liebet und daß ich der Deine bin. Laß dein Wort mich feste Himmelfahrt und himmlische Herrlichteit Christi gründen, laß es auch mein Herz entzünden, daß es voller Liebe brennt und dich immer besser kennt. 6. Tröst auch andre, die voll Jammer einsam durch die Fluren gehn oder in der stillen Kammer tiefbeküm⸗ mert zu dir flehn. Wenn sie von der Welt sich trennen, daß sie satt sich weinen kön⸗ nen, sprich dann ihren See⸗ len zu: Liebes Kind, was trauerst du? 7. Kannst du bei der Welt nicht weilen, ach so nimm mich auch mit dir; laß mich deine Freuden teilen, sei und bleibe stets bei mir. Bleibe doch in unsrer Mitten, wie dich deine Kinder bitten; Dank sei dir, o lieber Gast, daß du mich getröstet hast. Johann Neunherz 1653—173/7. Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit Christi Choralbuch 201(175): 221 Wie schön leuchtet der Morgenstern. A wundergroßer Sieges⸗ held, du Sündenträger aller Welt, heut hast du dich gesetzet zur Rechten Gottes in der Kraft, hast deinem Reich denSieg verschafft, den Feind zum Tod verletzet. Mächtig, prächtig triumphierest, jubi⸗ lierest; Tod und Leben, dir ist alles untergeben. 2. Du, Herr, bist unser Haupt, und wir sind deine Glieder; nur von dir kommt auf uns Heil undLeben. Trost, Friede, Freude, Licht und Kraft und was dem Herzen Labsal schafft, wird uns durch dich gegeben. Neige, beuge, ew'ge Güte, mein Gemüte, dich zu preisen und mich dankbar zu beweisen. 3. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns zu dir; hilf, daß wir Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit Christi künftig für und für nach dei⸗ nem Reiche trachten. Laß unsern Wandel himmlisch sein, daß wir der Erde leeren Schein und Appigkeit ver⸗ achten; Anart, Hoffart laß uns meiden, christlich leiden, wohl ergründen, wo die Gnade sei zu finden. 4. Sei, Jesu, unser Schirm und Hort und gründ uns auf dein göttlich Wort, so sind wir nie verlassen. Laß suchen uns, was droben ist: auf Erden wohnet Trug und List, es ist auf allen Straßen Lü⸗ gen, Trügen, Angst und Plagen, die da nagen, die da quälen stündlich arme Christenseelen. 5. Herr Jesu, komm! du Gnadenthron, du Sieges⸗ fürst, Held, Davids Sohn, komm, stille das Verlangen! Du, du bist allen uns zugut, o Jesu, durch dein teures Blut ins Heiligtum gegangen. Komm doch, hilf noch. Als⸗ dann sollen, alsdann wollen wir ohn Ende jauchzend heben unsre Hände. Ernst Christoph Homburg 1605—1681. Choralbuch 15(89): 222 Auf diesen Tag, so denken wir. Auf diesen Tag bedenken wir, daß Christ gen Him⸗ mel gfahren, und danken Gott aus höchstr Begier, mit Bitt, er woll bewahren uns arme Sünder hie auf Erd', die wir von wegen mancher Gfährd ohn Hoffnung han kein'n Troste. Halleluja, hal⸗ leluja! 2. Drum sei Gott Lob, der Weg ist gmacht, uns steht der Himmel offen. Christus schleußt auf mit großer Pracht; vorhin war all's ver⸗ schlossen. Wer's glaubt, des Herz ist Freuden voll, dabei er sich doch rüsten soll, dem Herren nachzufolgen. Halle— luja, halleluja! 3. Wer nicht folgt und sein'n Willen tut, dem ist's nicht Ernst zum Herren; denn er wird auch vor Fleisch und Blut sein Himmelreich ver⸗— sperren. Am Glauben liegt's; wird der sein recht, so wird auch g'wiß das Leben recht zu Gott im Himmel grichtet. Halleluja, halleluja! 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, wenn wir den Vater finden und fliehen stets der Welt ihr' Bahn, tun uns zu Gottes Kindern. Die sehn hinauf, der Vatr herab, an Treu und Lieb geht ihn'n nichts ab, bis sie zusammen— kommen. Halleluja, hallelujal 5. Dann wird der Tag erst freudenreich, wann Gott uns zu sich nehmen und seinem Sohn wird machen gleich, als wir denn jetzt bekennen. Da wird sich finden Freud und Mut zu ew'ger Zeit beim höchsten Gut. Gott woll, daß wir's erleben! Halleluja, halleluja! Johann Zwick, geb. um 1496, 4+ 1542. 225 Choralbuch 27(87). Der Herr fährt auf gen Himmel mit frohem Jubelschall, mit prächtigem Getümmel und mit Posau⸗ nenhall. Lobsingt, lobsinget Gott! Lobsingt, lobsingt mit Freuden dem Könige derHHei⸗ den, dem Herren Zebaothl 2. Wir wissen nun vom Siege, der unser Haupt er⸗ höht; wir wissen zur Genüge, wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, will uns zurück nicht lassen, er zeiget uns die Straßen, er bricht uns sichre Bahn. 3. Wir sollen himmlisch werden, derHerr selbst schafft uns Platz; wir gehen von der Erden dorthin, wo unser Schatz. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hin gegangen, dahin sei das Ver⸗ langen, dahin sei euer Lauf. 4. Laßt uns gen Himmel dringen mit herzlicher Be⸗ gier; laßt uns zugleich auch singen: Dich, Jesu, suchen wir, dich, o du Gottes Sohn, dich, Weg, dich, wahres Le⸗ ben, dem alle Macht gegeben, dich, unsers Hauptes Kron. 5. Fahr hin mit deinenSchät⸗ zen, du trugesvolle Welt! Dein Tand kann nicht er⸗ Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit Christi götzen. Weißt du, was uns gefällt? Der Herr ist unser Preis, der Herr ist unsre Freude und köstliches Ge— schmeide; zu ihm geht unsre Reis'. 6. Wann soll es doch ge— schehen? Wann kommt die liebeZeit, daß wir ihnwerden sehen in seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du sein, daß wir den Heiland grüßen und fallen ihm zu Füßen? O Tag, brich bald herein! Gottfried Wilhelm Sacer 1635—1699. Choralbuch 207(19): 224 Womit soll ich dich wohl loben. Siegesfürst und Ehren⸗ könig, höchstverklärte Majestät! Alle Himmel sind zu wenig, du bist drüber hoch erhöht. Sollt ich nicht zu Fuß dir fallen und mein Herz vor Freude wallen, wenn mein Glaubensaug betracht't deine Glorie, deine Macht? 2. Weit und breit, du Him⸗ melssonne, deine Klarheit sich enthüllt und mit neuem Glanz und Wonne alle Him⸗ melsgeister füllt. Prächtig wirst du aufgenommen, freu⸗ dig heißt man dich willkom⸗ men; schau, ich armes Kind auch hier rufe hosianna dir. 3. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, da ich deine Klarheit seh? Sollt mein Mut noch wollen sinken, da ich deine Macht versteh? Meinem König will ich trauen ohne Furcht und ohne Grauen, nur in Jesu Namen Uch beugen hier und ewig⸗ lich. 4. Geist und Kraft nun über⸗ fließen; drum wirk in mir kräftiglich, bis zum Schemel deiner Füße alle Feinde legen sich. Aus Zion dein Zepter sende weit und breit bis zum Weltende; mache dir auf Erden Bahn, alle Herzen untertan. 5. Du kannst alles allerorten nun erfülln und nahe sein. Meines Geistes ew'ge Pfor⸗ ten stell ich offen; komm her⸗ ein! Komm, du König aller Ehren, du mußt auch bei mir einkehren; ewig in mir leb und wohn als in deinem Himmelsthron! 6. Deine Auffahrt bringt mir eben Gott und Himmel innig nah; lehr mich nur den Geist erheben als vor deinen Augen da, fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, bei dir abgeschieden drinnen, in den Himmel mitversetzt, wo mich Jesus nur ergötzt. Gerhard Tersteegen 16971769. Choralbuch 130(88): 225 Nun freut euch, liebe Christen, gmein. Osuf Christi Himmelfahrt allein ich meine Nach⸗ fahrt gründe und allen Zwei⸗ Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit Christi fel, Angst und Pein hiemit stets überwinde; denn weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nach⸗ holen. 2. Weil er gezogen himmel⸗ an und große Gab empfan⸗ gen, mein Herz auch nur im Himmel kann, sonst nirgends, Ruh erlangen. Denn wo mein Schatz gekommen hin, da ist auch stets mein Herz und Sinn; nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach Herr, laß diese Gna⸗ de mich von deiner Auffahrt spüren, daß mit dem wahren Glauben ich mög meine Nachfahrt zieren und dann einmal, wann dir's gefällt, mit Freuden scheiden aus der Welt; so will ich dir lob⸗ singen. Ernst Sonnemann 1630—1670, nach Josua Wegelin 1604—1640. Choralbuch 6(0): 22 Allein Gott in der Höh sei Ehr. err Jesu, deiner Glieder Ruhm, du starkesHaupt der Schwachen! Du hast ein ewig Priestertum, kannst allzeit selig machen; du bist es, der Gebet erhört und der des Glaubens Wunsch gewährt, sobald wir zu dir kommen. 2. Du läßt uns durch die Himmelfahrt den Himmel offen stehen; du hast den rrsei Weg geoffenbart, wie wir zum Himmel gehen. Der Glaube weiß und hofft ge⸗ wiß, du habest uns im Paradies die Stätte zu⸗ bereitet. 3. Geht unser Haupt zum Himmel ein, so werden auch die Glieder gewiß nicht aus⸗ geschlossen sein, du bringst sie alle wieder; sie werden da sein, wo du bist, und deine Herrlichkeit, HerrChrist, einst als Verklärte sehen. 4. Du gingst ins Heiligtum hinein kraft deiner heil'gen Wunden und hast ein ewi⸗ ges Befrein, Verherrlichter, erfunden; du hast allein durch deine Macht uns die Gerechtigkeit gebracht, die unaufhörlich währet. 5. Zeuch uns dir nach, so laufen wir; laß uns ein himmlisch Wesen in Worten, Werken und Begier von nun an, Herr, erlesen; zeuch unser Herz dem Himmelzu, laß uns den Wandel, Schatz und Ruh nur in dem Himmel haben. 6. Was droben ist, laß künf⸗ tighin uns unablässig suchen; was drunten ist, das laß uns fliehn, laß uns die Sünd verfluchen. Weg, Welt! Dein Trost und Lust und Schein ist viel zu elend, viel zu klein für himmlische Gemüter. 7. O Kleinod, das im Him⸗ mel strahlt, ich will nach dir nur laufen; o Perle, die die Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit Christi Welt nicht zahlt, ich will dich hier noch kaufen; o Erbteil voll Zufriedenheit, oHimmel voller Seligkeit, sei mein aus Jesu Gnaden! Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 207(19): 227 Womit soll ich dich wohl loben. Großer Mittler, der zur Rechten seines großen Vaters sitzt und die Schar von seinen Knechten in dem Reich der Gnade schützt, den auf dem erhabnen Throne in der königlichen Krone alles Heer der Ewigkeit mit ver⸗ hülltem Antlitz scheut! 2. Dein Erlösungswerk auf Erden und dein Opfer ist vollbracht; was vollendet sollte werden, das voll⸗ führtest du mit Macht. Da du bist für uns gestorben, ist uns Gnad und Heil er⸗ worben; und dein siegreich Auferstehn läßt uns in die Freiheit gehn. 3. Nun ist dieses dein Ge⸗ schäfte in dem obern Heilig⸗ tum: die erworbnen Segens⸗ kräfte durch dein Evangelium allen denen mitzuteilen, die zum Thron der Gnade eilen. Nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zu⸗ gewandt. 4. Alle Namen deiner Frommen trägst du stets auf deiner Brustz und die gläubig zu dir kommen, sind und blei⸗ ben deine Lust. Du vertrittst, die an dich glauben, daß sie nichts dir möge rauben, bit⸗ test in des Vaters Haus ihnen eine Wohnung aus. 5. Doch vergißt du auch der Armen, die der Welt noch dienen, nicht, weil dein Herz dir vor Erbarmen über ihrem Elend bricht. Daß dein Vater ihrer schone, daß er nicht nach Werken lohne, daß er ändre ihren Sinn, ach da zielt dein Bitten hin. 6. Großer Mittler, sei ge⸗ priesen, daß du in demHHeilig⸗ tum so viel Treu an uns be⸗ wiesenz dir sei Ehre, Dank und Ruhm. Laß uns dein Ver⸗ dienst vertreten, wenn wir zu dem Vater beten; sprich für uns in letzter Not, wenn den Mund verschließt der Tod. Johann Jakob Rambach 1693—1735. Choralbuch 10(153): 228 Ales ist an Gottes Segen. Jer Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Jede Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muß. 2. Nur in ihm, o Wunder⸗ gaben! können wir Erlösung haben, die Erlösung durch sein Blut. Hört's: das Le⸗ ben ist erschienen, und ein Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit Christi ewiges Versühnen kommt in Jesu uns zugut. 3. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen, sagt, ihr Armen, ihm die Not! Wun⸗ den müssen Wunden heilen, Reichtum weiß er aus⸗ zuteilen, Leben schenket uns sein Tod. 4. Eil, es ist nicht Zeit zum Schämen! Willst du Gnade? Du sollst nehmen. Willst du leben? Das soll sein. Willst du erben? Du wirst's sehen. Soll der Wunsch aufsHöchste gehen: willst du Jesum? Er ist dein. 5. Allen losgekauftenSeelen soll's an keinem Gute fehlen; denn sie glauben, Gott zum Ruhm. Werte Worte, teure Lehren! Möcht doch alle Welt dich hören, süßes Evangelium! 6. Zwar auch Kreuz drückt Christi Glieder hier auf kurze Zeiten nieder, und das Lei⸗ den gehtzuvor. Nur Geduld! Es folgen Freuden; nichts kann sie von Jesu scheiden, und ihr Hauptzieht sie empor. J. Ihnen steht ein Himmel offen, welcher über alles Hoffen, über alles Wünschen ist. Die geheiligte Gemeine weiß, daß eine Zeit erscheine, da sie ihren König grüßt. 8. Jauchz ihm, Menge heil'- ger Knechte, rühmt, voll⸗ endete Gerechte und du 5SSI‚ Schar, die Palmen trägt, und ihr Märt'rer mit der Krone und du Chor vor seinem Throne, der die Gottes⸗ harfen schlägt. 9. Ich auch auf den tiefsten Stufen, ich will glauben, reden, rufen, ob ich schon noch Pilger bin: Jesus Christus herrscht als König! Alles sei ihm untertänig; ehret, liebet, lobet ihn! Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 201(175): 229 Wie schön leuchtet der Morgenstern. alleluja! Wie lieblich stehn hoch über uns die Himmelshöhn, seit du im Himmel sitzest, seit du vom ew'gen Zion dort aussendest dein lebendig Wort und deine Herde schützest! Fröh⸗ lich, selig schaut der Glaube von dem Staube auf zum Sohne: meine Heimat ist am Throne! 2. Die Sterne leuchten ohne Zahl; was ist ihr tausend⸗ facher Strahl? Was ist der Glanz der Sonne? Ein Schat⸗ ten nur von jenem Licht, das dir vom holden Angesicht ausgeht mit ew'ger Wonne. Sende, spende deine hellen Lebensquellen reichlich nie⸗ der, großes Haupt, auf deine Glieder! 3. Verhüllt den Erdkreis düstre Nacht, ich weiß, daß dort ein Auge wacht, das Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit Christi einst um uns geweinet, das einst für uns im Tode brach: es ist dein Aug; es bleibet wach, bis neu die Sonne scheinet. O wer nunmehr nimmer klagte, nimmer zagte, seit du wachest und aus Nächten Tage machest! 4. Wohin wir ziehn durch Land und Meer, ein Him⸗ mel neigt sich drüber her, dein Himmel voller Gnaden. Da steigt erhörlich das Gebet, da wallt man sicher früh undspät vor Feindeslist und Schaden. Keiner deiner Auserwählten, Geistbeseelten bleibt verlas⸗ sen; treu will ihn dein Arm umfassen. 5. Wir fliehn zu dir mit al⸗ lem Schmerz, zu dir, wenn sich das arme Herz abhärmt in bittrer Reue. Du brichst nicht das zerstoßne Rohr; und wenn der Docht sein Ol verlor, so tränkst du ihn aufs neue. Im Licht soll nicht eine fehlen von den Seelen, die zum Leben dir dein Vater übergeben. 6. O sel'ger König, Jesu Christ! Wie wundervoll und heilig ist, was uns in dir ge⸗ schenket! In dir, der Gottes Kinder schirmt, bleibt unser Anker, wenn es stürmt, auf ewig eingesenket. Hier, hier sind wir festgebunden. Ansre Stunden fliehn in Eile; dann hinauf zum ew'gen Heile! Albert Knapp 1798-1864. 230 Choralbuch 126(O00). Nenm bitten wir den heili⸗ gen Geist um den rech⸗ ten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unsrem Ende, wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Erbarm dich, Herr! 2. Du wertes Licht, gib uns deinen Schein, lehr uns Je⸗ sum Christ kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vater⸗ land. Erbarm dich, Herr! 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, laß uns empfin⸗ den der Liebe Brunst, daß wir uns von Herzen einander lieben und im Frieden auf einem Sinn bleiben. Er⸗ barm dich, Herr! 4. Du höchster Tröster in al⸗ ler Not, hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, daß in uns die Sinne nicht gar verzagen, wenn der Feind wird das Leben ver⸗ klagen. Erbarm dich, Herr! Martin Luther 1483-1546. 231 Choralbuch 100(9). omm, heiliger Geist, Herre Gott! Erfüll mit deiner Gnaden Gut deiner Gläub'⸗ gen Herz, Mut und Sinn; dein' brünstig Lieb entzünd in ihn'n! O Herr, durch dei⸗ Pfingsten nes Lichtes Glast zu dem Glauben versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen; das sei dir, Herr, zu Lob gesungen. Halleluja, halleluja! 2. Du heiliges Licht, edler Hort, laß uns leuchten des Lebens Wort und lehr uns Gott recht erkennen, von Her⸗ zen Vater ihn nennen. OHerr, behüt vor fremder Lehr, daß wir nicht Meister suchen mehr denn Jesum mit rechtem Glauben und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja, halleluja! 3. Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns, fröhlich und getrost in dein'm Dienst beständig bleiben, die Trüb⸗ sal uns nicht abtreiben. O Herr, durch dein' Kraft uns bereit und stärl des Fleisches Blödigkeit, daß wirhieritter⸗ lich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen. Halle— luja, halleluja! Martin Luther 1483—1546. Choralbuch 201(175): 232 Wie schön leuchtet der Morgenstern. Obeib ges Ceeist, kehr bei uns ein und laß uns deine Wohnung sein; o komm, du Herzenssonne! Du Him⸗ melslicht, laß deinen Schein bei uns und in uns kräftig sein zu steter Freud und Wonne. Pfingsten Sonne, Wonne, himmlisch Leben willst du geben, wenn wir beten; zu dir kommen wir getreten. 2. Du Duell, draus alle Weisheit fließt, die sich in fromme Seelen gießt, laß deinen Trost uns hören, daß wir in Glaubenseinigkeit auch können alle Christenheit dein wahres Zeugnis lehren. Höre, lehre, daß wir können Herz und Sinnen dir er⸗ geben, dir zum Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rat und führ uns selbst auf rechtem Pfad, die wir den Wegnicht wissen. Gib uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, wenn wir uns leiden müssen. Schaue, baue, was zerrissen und geflissen, dich zu schauen und auf deinen Trost zu bauen. 4. Stärk uns mit deiner Gotteskraft, zu üben gute Ritterschaft in Drangsal und Beschwerden, auf daß wir unter deinem Schutz begeg⸗ nen aller Feinde Trutz mit freudigen Gebärden. Laß dich reichlich auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfin⸗ den, alles Anglück über⸗ winden. 5. Gib Kraft und Nachdruck deinem Wort, laß es wie Feuer immerfort in unsern Herzen brennen, daß wir uns mögen nimmermehr von dei⸗ ner weisheitreichen Lehr und treuen Liebe trennen. Schen⸗ ke, senke deine Güte ins Ge⸗ müte, daß wir können Chri⸗ stum unsern Heiland nennen. 6. Du süßer Himmelstau, gib dich in unsre Herzen kräf⸗ tiglich und schenk uns deine Liebe, daß unser Sinn ver⸗ bunden sei dem Nächsten stets mitviebestreu und sich darin⸗ nenübe. Kein Neid, kein Streit dich betrübe; Fried und viebe müss'umschweben und durch⸗ dringen unser Leben. 7J. Gib, daß in reiner Heilig⸗ keit wir führen unsre Lebens⸗ zeit; sei unsers Geistes Stärke, daß uns forthin sei unbewußt die Eitelkeit, des Fleisches Lust und seine toten Werke. Rühre, führe unser Sinnen und Beginnen von der Erden, daß wir Himmelserben werden. Michael Schirmer 1606—1673. 233 Choralbuch 210(93). euch ein zu deinen Toren, sei meines Herzens Gast, der du, da ich geboren, mich neu geboren hast, o hoch— geliebter Geist des Vaters und des Sohnes, mit beiden gleichen Thrones, mit bei⸗ den gleich gepreist. 2. Zeuch ein, laß mich emp⸗ finden und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hilf und 0 schafft. Entsünd'ge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste dir Ehr und Dienste leiste, die ich dir schuldig bin. 3. Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll. Dein Beten wird er⸗ höret, dein Singen klinget wohl; es steiget himmelan und läßt nicht ab im Stei⸗ gen, bis der sich möge nei⸗ gen, der allen helfen kann. 4. Du bist ein Geist der Freuden, das Trauern liebst du nicht, erleuchtest uns im Leiden mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manches Mal hast du mit süßen Wor⸗ ten mir aufgetan die Pforten zum güldnen Freudensaal. 5. Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund derFreund⸗ lichkeit, willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feind⸗ schaft bist du feind, willst, daß durch Liebesflammen sich wieder tu zusammen, was unversöhnlich scheint. 6. Du, Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt, kannst Menschenherzen wenden, wie es dir wohl ge⸗ fällt: so gib doch deine Gnad zu Fried' und Liebesbanden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet hat. 7. Erhebe dich und steure dem Herzleid auf der Erd; bring wieder und erneure die Wohlfahrt deiner Herd. Laß Pfingsten blühen wie zuvor die Länder, so verheeret; die Kirchen, so zerstöret, richt aus der Asch empor. 8. Beschirm die Obrigkeiten, bau unsers Fürsten Thron, steh ihm und uns zur Seiten; schmück als mit einer Kron die Alten mit Verstand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottesfurcht und Tugend das Volk im ganzen Land. 9. Erfülle die Gemüter mit reiner Glaubenszier, die Häu⸗ ser und die Güter mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, der dir sich wider⸗ setzet und, was dein Herz er⸗ götzet, aus unsern Herzen reißt. 10. Richt unser ganzes Le⸗ ben allzeit nach deinem Sinn; und wann wir's sollen geben in Todes Rachen hin, wann's mit uns hie wird aus, so hilf uns fröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ew'gen Lebens Haus. Paul Gerhardt 16071676. Choralbuch 211(17½0: 234 Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen. Kemn⸗ o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunkeln Herzen sein. 2. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Ver⸗ stand und Zucht, daß wir anders nichts beginnen, als was nur dein Wille sucht. Dein' Erkenntnis werde groß und mach uns vom Irrtum los. 3. Stets laß unser Herz emp⸗ finden, daß wir Gottes Kin⸗ der sei'n, die bei ihm nur Hilfe finden in der Not und Seelenpein; lehr uns, daß des Vaters Zucht einzig unser Bestes sucht. 4. Reiz uns, daß wir zu ihm treten frei, mit aller Freudig⸗ keit; seufz auch in uns, wenn wir beten, und vertritt uns allezeit. So wird unsre Bitt erhört und die Zuversicht vermehrt.— 5. Wird uns dann um Trost auch bange, seufzt das Herz voll Traurigkeit:„Ach mein Gott, mein Gott, wie lange!“ o so wende unser Leid; sprich der Seele tröstlich zu und gib Mut, Geduld und Ruh. 6. O du Geist der Kraft und Stärke, du gewisser, neuer Geist, fördre in uns deine Werke, wenn des Satans Macht sich weist; schenk uns Waffen in den Krieg und er⸗ halt in uns den Sieg. 7. Herr, bewahr auch unsern Glauben, daß kein Teufel, Tod noch Spott uns densel⸗ ben möge rauben; du bist unser Schutz, o Gott. Sagt das Fleisch gleich immer nein, laß dein Wort gewisser sein. Pfingsten 8. Wenn wir endlich sollen sterben, so versichre uns je mehr als des Himmelreiches Erben jener Herrlichkeit und Ehr, die Gott gibt durch Jesum Christ und die unaus⸗ sprechlich ist. Heinrich Held 1620—1659. Choralbuch 44(90): 235 erquicke mich, du Heil der Sünder. DO Gott, o Geist, o Licht des Lebens, das uns im Todesschatten scheint, du scheinst und lockst so lang ver⸗ gebens, weil Finsternis dem Lichte feind. O Geist, dem keiner kann entgehen, ich lass' dich gern mein Innres sehen. 2Z. Entdecke alles und ver⸗ zehre, was nicht in deinem Lichte rein, wenn mir's gleich noch so schmerzlich wäre; die Wonne folget nach der Pein: du wirst mich aus dem finstern Alten in Jesu Klarheit um⸗ gestalten. 3. Ich kann nicht selbst der Sünde steuern; das ist dein Werk, du Quell des Lichts. Du mußt von Grund auf mich erneuern, sonst hilft mein eignes Trachten nichts. O Geist, sei meines Geistes Leben: ich kann mir selbst kein Gutes geben. 4. Du Atem aus der ew'gen Stille, durchwehe sanft der Seele Grund, füll mich mit aller Gottesfülle; und da, wo Sünd und Greuel stund, 65 Glauben, Lieb und Ehrfurcht grünen, in Geist und Wahr⸗ heit Gott zu dienen. 5. Mein Wirken, Wollen und Beginnen sei kindlich folgsam deinem Trieb; be⸗ wahr mein Herz und alle Sinnen untadelig in Gottes Lieb; dein In⸗mir⸗Beten, Lehren, Kämpfen laß mich auf keine Weise dämpfen. 6. O Geist, o Strom, der uns vom Sohne eröffnet und kristallenrein aus Gottes und des Lammes Throne nun quillt in stille Herzen ein: ich öffne meinen Mund und sinke hin zu der Quelle, daß ich trinke. 7. Ich lass' mich dir und bleib indessen, von allem ab⸗ gekehrt, dir nah; ich will die Welt und mich vergessen, dies innigst glauben: Gott ist da. O Gott, o Geist, o Licht des Lebens, man harret dei⸗ ner nie vergebens. Gerhard Tersteegen 1697-1769. Choralbuch 200(177): 236 Wie nach einer Wasserquelle. DO du allersüßte Freude, o du allerschönstes Licht, der du uns in Lieb und Leide unbesuchet lässest nicht, Geist des Höchsten, höchster Fürst, der du hältst und halten wirst ohn Aufhören alle Dinge: höre, höre, was ich singe. 2. Du bist ja die beste Gabe, die ein Mensch nur nennen Pfingsten kann; wenn ich dich erwünsch und habe, geb ich alles Wün⸗ schen dran. Ach ergib dich, komm zu mir in mein Herze, das du dir, da ich in die Welt geboren, selbst zum Tempel auserkoren. 3. Du wirst als ein milder Regen ausgegossen von dem Thron, bringst uns nichts als lauter Segen von dem Vater und dem Sohn. Laß doch, o du werter Gast, Gottes Segen, den du hast und ver⸗ waltst nach deinem Willen, mich an Leib und Seel er⸗ füllen. 4. Du bist weise, voll Ver⸗ standes, was geheim ist, istdir kund, zählst den Staub des kleinen Sandes, gründest auch des Meeres Grund. Nun du weißt auch zweifels⸗ frei, wie verderbt und blind ich sei; drum gib Weisheit und vor allen, wie ich möge Gott gefallen. 5. Du bist heilig, läßt dich finden, wo man rein und redlich ist, fliehst hingegen Schand und Sünden, weil du lauter Klarheit bist. Mache mich, o Gnadenquell, durch dein Waschen rein und hell; laß mich fliehen, was du fliehest; gib mir, was du gerne siehest. 6. Du bist, wie ein Schäf⸗ lein pfleget, frommen Her⸗ zens, sanften Muts, bleibst im Lieben unbeweget, tust uns Bösen alles Guts. Ach verleih und gib mir auch diesen edlen Sinn und Brauch, daß ich Freund' und Feinde liebe, keinen, den du liebst, betrübe. 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, wenn du mich nur nicht verstößt; bleib ich von dir ungeschieden, ei so bin ich gnug getröst't. Laß mich sein dein Eigentum; ich ver⸗ sprech hinwiederum, hier und dort all mein Vermögen dir zu Ehren anzulegen. 8. Nur allein, daß du mich stärkest und mir treulich stehest bei. Hilf, mein Helfer, wo du merkest, daß mir Hilfe nötig sei. Brich des bösen Fleisches Sinn, nimm den alten Willen hin, mach ihn allerdinge neue, daß mein Gott sich meiner freue. 9. Halt mich, wenn die Kniee beben; wenn ich sinke, sei mein Stab; wenn ich sterbe, sei mein Leben; wenn ich liege, sei mein Grab! Wenn ich wieder aufersteh, ei so hilf mir, daß ich geh hin, da du in ew'gen Freu⸗ den wirst die Auserwählten weiden. Paul Gerhardt 1607—1676. Choralbuch 65(54): 237 Gotrt sei Sant durch alle Welt. Geit vom Vater und vom Sohn, weihe dir mein Herz zum Thron; schenke Pfingsten dich mir immerdar so wie einst der Jüngerschar. 2. Geist der Wahrheit, leite mich; eigne Leitung täuschet sich, sie, die leicht des Ziels verfehlt und für Heil sich Anglück wählt. 3. Geist des Glaubens, mehr in mir meinen Glauben für und für, der mich Christo einverleibt und durch Liebe Früchte treibt. 4. Geist der Andacht, schenke mir Salbung, Inbrunst, Glut von dir; laß mein Bitten innig, rein und vor Gott erhörlich sein. 5. Geist der Liebe, Kraft und Zucht, wenn mich Fleisch und Welt versucht, o dann unterstütze mich, daß ich ringe ritterlich. 6. Geist der Heiligung, ver⸗ klär Jesum in mir mehr und mehr und erquicke innerlich durch den Frieden Gottes mich. 7. Geist der Hoffnung, führe du mich dem Himmelserbe zu; laß mein Herz sich deiner freun und in Hoffnung selig sein. Heinrich Julius Tode 7331797. Choralbuch 53(92): 238 Es sind doch selig alle, die. auchz, Erd, und Himmel, juble hell, die Wunder groß mit Freud erzähl, die Gott heut hat begangen an dem trostlosen Häuflein klein das saß in friedsamer Ge⸗ mein und betet' mit Ver⸗ langen, daß es mit Geist getaufet werd. Der kam mit Feuersglut zur Erd, mit starkem Sturmestoben; das Haus erfüllt' er über⸗ all, zerteilt man Zungen sah im Saal, und all den Herren loben. 2. Ach Herr, nun gib, daß uns auch find in Friedꝰ und Flehn dein sel'ger Wind; weh' rein von Sündenstaube ganz das Gemüt und füll das Haus der Heil'gen dein, richt dein Werk aus, daß aufgeh rechter Glaube und unsre Zung ganz Feuer werd, red nichts denn dein Lob hie auf Erd' und was den Näch⸗ sten bauet. Brenn rein die sündige Natur, mach uns zur neuen Kreatur, ob auch dem Fleische grauet. 3. Komm, Balsam Gottes, heil'ger Geist, erfüll die Her⸗ zen allermeist mit deiner Liebe Brennen. Von dir allein muß sein gelehrt, wer sich durch Buß zu Gott be⸗ kehrt; gib himmlisches Er⸗ kennen. Derfleischlich Mensch sich nicht versteht auf göttlich Ding und irregeht; in Wahr⸗ heit wollst uns leiten und uns erinnern aller Lehr, die uns gab Christus, unser Herr, daß wir sein Reich aus⸗ breiten. 4. Durch dich besteht der Pfingsten neue Bund, ohn dich wird Gott niemanden kund, du neuerst unsre Herzen und rufst darin dem Vater zu, schaffst uns viel Fried und große Ruh und tröstest uns in Schmerzen, daß uns auch Leiden Ehre ist, da du durch Lieb gegossen bist in unser Herz ohn Klage. Du leitest uns auf ebnem Weg und führst uns hier den rechten Steg, weckst uns am Jüng⸗ sten Tage. 5. Du, der lebend'ge Brun⸗ nenquell, der Gottes Stadt durchfließet hell, erquickest das Gemüte. Durch dich besteht des Vaters Bau; du willst und gibst, daß man dir trau, du bist die Gottesgüte. Irden Geschirr nur sind wir weich, brechen gar leicht von jedem Streich; du selbst wollst uns bewahren, uns brennen wohl in deiner Glut, daß uns der Feind nicht schaden tut, so wir von hin⸗ nen fahren. 6. Laß uns nicht sünd'gen wider dich, zum Tempel weih uns ewiglich, lehr uns mit Glauben beten, daß Jesus Christus hier auf Erd' durch dich in uns verkläret werd; all Schwachheit wollst ver— treten. Der Welt Art stark noch in uns ist, und unsrem Fleisch danach gelüst't; drum wollst uns täglich strafen um Sünd und um Gerechtigkeit Pfingsten und um Gericht mit Gütig⸗ keit, daß wir in Gott ent⸗ schlafen. Joh. 16, S. Nach Ambrosius Blarer 1492—1564. Choralbuch 93(76): 2309 Jesu, meines Lebens Leben. Geis des Lebens, heil'ge Gabe, du, der Seelen Licht und Trost, Erntesegen, aus dem Grabe unsers Hei⸗ lands aufgesproßt, uns ge⸗ sandt vom Himmelsthrone, vom erhöhten Menschen⸗ sohne, Geist der Kraft und Herrlichkeit, mache dir mein Herz bereit! 2. Einst bist du herabgefah⸗ ren als ein Sturmwind aus den Höhn, ließest dich in wunderbaren Feuerzungen herrlich sehn; aber jetzowehst du stille, ohne Zeichen, ohne Hülle auf der Erde nah und fern als ein Atemzug des Herrn. 3. Ihn, den armen Naza⸗ rener, der gering auf Erden ging, ihn, den Mittler und Versöhner, der am Kreuz die Welt umfing, allen Herzen zu verklären, ihn, den großen Gott der Ehren, dessen Herz von Liebe flammt, groß zu machen, ist dein Amt. 4. Ja, du nimmst es von dem Seinen, wenn du Le⸗ bensworte sprichst, wenn du bald durch Flehn undWeinen bald durch Psalmen Herzen brichst. Du bist seines We⸗ sens Spiegel, seiner Werk und Worte Siegel, Zeuge, daß er lebt und liebt, Zeuge, daß er Leben gibt. 5. Ja, dein Strafen und Erschüttern, das des Lebens Grund erregt, das wie Strahlen aus Gewittern stolze Geister niederschlägt, mahnet, ihm das Herz zu geben; und dein gnaden⸗ volles Weben richtet in dem Glaubenslauf matte Kniee tröstend auf. 6. Was die Welt nicht kann erlangen, was kein eitles Auge sieht, soll von dir ein Herzempfangen, das die Lust der Erde flieht: Frieden, von dem Kreuze quillend, Frie⸗ den, alle Klagen stillend, hel⸗ len BlickinGottes Rat, Frucht aus Jesu blut' ger Saat. 7. Was die Welt uns nie gelehret, lehrest du den Glauben tun: beten, bis der Herr erhöret, und in stiller Hoffnung ruhn. Fleht die Seele bang und schwächlich, ach dann seufzest unaus⸗ sprechlich du durch alle Him⸗ mel hin, und er kennet deinen Sinn. 8. Was kein Mensch, kein eigner Wille, keine Kraft der Welt vermag, wirkst du mühelos und stille, Geist des Herrn, am Gnadentag: Buße gibst du, Glauben, Liebe, Sanftmut, Demut, keusche Triebe; ach wer ändert, reinigt sich, bleibt beim Heiland ohne dich? 9. O du Pfand des Neuen Bundes, Geist des Vaters, mild und rein, heil'ger Odem seines Mundes, zeuch in unsre Herzen ein! Leib und Seele, Haupt und Glieder kehren aus dem Tode wie⸗ der, wo sich deine Gottes⸗ kraft einen Sitz und Tempel schafft. 10. O wer innig möchte dürsten und zum Gnaden⸗ throne gehn, würde bald vom Lebensfürsten dich, du Kirche höchstes Gut, erflehn. Selig, wer von dir geleitet sich auf Christi Tag bereitet, wer dich, wann sein Stündlein schlägt, unbetrübt im Herzen trägt! 11. Droben soll wie Gottes Sterne leuchten Christi Jüngerschar. O wer strebt aus dieser Ferne nach dem großen Jubeljahr? Lehr uns, Herr, der Welt ent⸗ rinnen, halt in Jesu Herz und Sinnen, zeig uns hier im Glaͤuben ihn, stell uns dort zum Schauen hin! Albert Knapp 1798—1864. Kirche 240 Choralbuch 42(97). Erbalt uns, Herr, bei dei⸗ nem Wort und steure deiner Feinde Mord, die Je⸗ sum Christum, deinen Sohn, wollen stürzen von deinem Thron. 2. Beweis' dein' Macht, Herr Jesu Christ, der du Herr aller Herren bist; be⸗ schirm dein' arme Christen⸗ heit, daß sie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott heil'ger Geist, du Tröster wert, gib dein'm Volk einen Sinn auf Erd'; steh bei uns in der letzten Not, gleit uns ins Leben aus dem Tod. Martin Luther 1483—1546. 241 cooratbuch 150 00). O Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Herd, daß ihre Seel auch selig werd. 2. Erfüll mit deinem Gna⸗ denschein, die in Irrtum verführet sein, auch die, so heimlich noch ficht an in ihrem Sinn ein falscher Wahn. 3. And was sich sonst ver⸗ laufen hat von dir, das suche du mit Gnad, und ihr ver⸗ wund't Gewissen heil; laß sie am Himmel haben teil. 4. Den Tauben öffne das Gehör; die Stummen richtig reden lehr, die nicht bekennen wollen frei, was ihres Her⸗ zens Glaube sei. 5. Erleuchte, die da sind ver⸗ blend't; bring her, die sich von uns getrennt; versammle, die zerstreuet gehn; mach feste, die im Zweifel stehn. 6. So werden sie mit uns zugleich auf Erden und im Himmelreich hier zeitlich und dort ewiglich für solche Gnade preisen dich. Johann Heermann 1585—1647. 242 Choralbuch 2(102). Vs. 12. A Gott vom Himmel, sieh darein und laß dich des erbarmen! Wie wenig sind der Heil'gen dein! Ver⸗ lassen sind wir Armen. Dein Wort man läßt nicht haben wahr; der Glaub ist auch erloschen gar bei allen Menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche List, was eigen Witz er⸗ findet. Ihr Herz nicht eines Sinnes ist in Gottes Wort gegründet. Der wählet dies, der andre das; sie trennen uns ohn alle Maß und gleißen schön von außen. 3. Gott woll ausrotten alle gar, die falschen Schein uns lehren, dazu ihr Zung stolz offenbar spricht:„Trotz! wer will's uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein; was wir setzen, das gilt gemein. Wer ist, der uns sollt meistern?“ Kirche 4. Darum spricht Gott:„Ich muß auf sein, die Armen sind verstöret; ihr Seufzen dringt zu mir herein, ich hab ihr' Klag erhöret. Mein heil⸗ sam Wort soll auf den Plan, getrost und frisch sie greifen an und sein die Kraft der Armen.“ 5. Das Silber, durchs Feur siebenmal bewährt, wird lauter funden; am Gottes⸗ wort man warten soll des⸗ gleichen alle Stunden. Es will durchs Kreuz bewähret sein; da wird sein' Kraft erkannt und Schein und leucht't stark in die Lande. 6. Das wollst du, Gott, be⸗ wahren rein vor diesem argen Gschlechte, und laß uns dir befohlen sein, daß sich's in uns nicht flechte. Der gottlos Hauf sich umher find't, wo diese losen Leute sind in deinem Volkerhaben. Martin Luther 14831546. Choralbuch 42(7): 243 Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. A bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist; dein gött⸗ lich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht. 2. In dieser letzten, bösen Zeit gib uns des Glaubens Bständigkeit, daß wir dein Wort und Sakrament rein bhalten bis an unser End. 3. Herr Jesu, hilf, dein' Kirch erhalt! Wir sind sicher, arg, träg und kalt. Gib Glück und Heil zu deinem Wort, daß es erschall an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei dei⸗ nem Wort und wehr des Teufels Trug und Mord. Gib deiner Kirche Gnad und Huld, Fried', Einigkeit, Mut und Geduld. 5. Ach Gott, es geht gar übel zu; auf dieser Erd ist keine Ruh. Viel Sekten und viel Schwärmerei auf einen Haufen kommt herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, die sich mit Macht erheben hoch und bringen stets was Neues her, zu fälschen deine rechte Lehr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, nicht unser, sondern dein ja ist; darum so steh du denen bei, die sich auf dich verlassen frei. 8. Dein Wort ist unsers Herzens Trutz und deiner Kirche starker Schutz; dabei erhalt uns, lieber Herr, daß wir nichts Beßres suchen mehr. 9. Gib, daß wir leben in dem Wort und darauf mutig fahren fort von hinnen aus dem Jammertal zu dir in deinen Freudensaal. Erstmals 1611; Str. 3—9 von Nikolaus Selnecker 1532(2)—-1592. Kirche Choralbuch 107(28): 24⁴4 Lobet den Herren alle die ihn ehren. Heu unser Gott, laß nicht zu Schanden werden die, so in ihren Nöten und Beschwerden bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen und zu dir rufen. 2. Mache zu Schanden alle, die dich hassen, die sich allein auf ihre Macht verlassen. Ach kehre dich mit Gnaden zu uns Armen, laß dich's erbarmen. 3. And schaff uns Beistand wider unsre Feinde. Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde; sie müssen Wehr und Waffen nieder⸗ legen, kein Glied mehrregen. 4. Wir haben niemaͤnd, dem wir uns vertrauen; ver⸗ gebens ist's, auf Menschen⸗ hilfe bauen. Mit dir wir wollen Taten tun und kämp⸗ fen, die Feinde dämpfen. 5. Du bist der Held, der sie kann untertreten und das bedrängte kleine Häuflein retten. Wir traun auf dich, wir schrein in Jesu Namen: Hilf, Helfer! Amen. Johann Heermann 1585—1647. Choralbuch 78(100): 245 Heut singt die liebe Christenheit. erzage nicht, du Häuflein klein, obschon die Feinde willens sein, dich gänzlich zu verstören, und suchen deinen Antergang, davon dir wird recht angst und bang; es wird nicht lange währen. 2. Tröste dich nur, daß deine Sach ist Gottes; dem befiehl die Rach und laß es ihn nur walten. Er wird durch einen Gideon, den er wohl weiß, dir helfen schon, dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, muß Teufel, Welt und Höllenpfort und was dem tut anhangen, end⸗ lich werden zu Schand und Spott. Gott ist mit uns, und wir mit Gott; den Sieg wolln wir erlangen! Michael Altenburg 1584—1640. Choralbuch 212 O8): 246 Zion klagt mit Angst und Schmerzen. (Auch nach Choralbuch 200(177): Wie nach einer Wasserquelle.) ion, gib dich nur zufrie⸗ den! Gott ist noch bei dir darin, du bist nicht von ihm geschieden; er hat einen Vatersinn. Wenn er straft, so liebt er auch; dies ist Gottes heil'ger Brauch. Zion, lerne dies bedenken! Warum willst du dich so kränken? Ps. 46, 6. 2. Treiben dich die Meeres⸗ wellen in der wilden, tiefen See, wollen sie dich gar zer⸗ schellen, mußt du rufen ach und weh, schweigt dein Heiland still dazu, gleich Kirche als schlief er sanft in Ruh: Zion, laß dich nicht bewegen! Diese Flut, die wird sich legen. 3. Berge, Felsen mögen weichen, ob sie noch so feste stehn, ja die ganze Welt desgleichen möge gar auch untergehn: dennoch hat es keine Not in dem Leben und im Tod; Zion, du kannst doch nicht wanken aus den wohlgefaßten Schranken. 4. Müssen schon allhier die Tränen deine schönsten Per⸗ len sein; muß das Seufzen und das Stöhnen auch dein bestes Lied oft sein; muß dein Purpur sein das Blut und der Mangel Hab und Gut: Zion, laß dir doch nicht grauen; du kannst deinem Gott vertrauen. 5. Dräut man dir mit Schmach und Banden, mit dem Tod und Herzeleid, ei du wirst doch nicht zu Schan⸗ den; denk nur an die Ewig⸗ keit! Sei nur fröhlich, wohl⸗ gemut, daß der Herr dir solches tut. Zion, Gott wird dich schon stärken; auf den Herrn mußt du nur merken. 6. Freue dich: es ist das Ende und der Abend schon herbei; gib dich nur in Gottes Hände, der dich nun will machen frei. Für die Trübsal, Spott und Hohn gibt er dir die Freudenkron. Zion, du wirst wieder lachen; drum so laß die Welt nur machen. 7. O ihr Engel, Himmels⸗ erben, freuet euch mit Zion hier; denn die jetzt hat wollen sterben, soll nun leben für und für und sich freuen ohne Zahl in dem schönen Himmelssaal. Zion, wer will dich nun scheiden von dem Lamm und ew'gen Freuden? Joachim Pauli 1635(oder 1636)—1708. Choralbuch 127(05): 247 Nun bitten wir den heiligen Geist. Die Kirche Christi, die er geweihtzu seinemHause, ist weit und breit in der Welt zerstreuet, in Nord und Süden, in Ost und West, und doch so hienieden als droben eins. 2. Sie sind einander nicht all bekannt, und dennoch sind sie sich nah verwandt: einer ist ihr Heiland, ihr Vater einer, ein Geist regiert sie, und ihrer keiner lebt mehr sich selbst. 3. Dem leben sie, der sie mit Blut erkauft und mit dem heiligen Geiste tauft; und im wahren Glauben und treuer Liebe gehn ihrer Hoffnung lebend'ge Triebe aufs Ewige. 4. Die unumschränkete Hand des Herrn besorgt sie all in der Näh und Fern; und wenn in der Demut sie ihn Kirche nur meinen, eilt er, im Geiste sie zu vereinen zu einem Leib. 5. So wandelt er durch die Gemeinden hin, die schaun wie Stern um die Sonn auf ihn; und wo Glaube wohnet, da steht er mitten und füllt die Seinen in Pilgerhütten mit Gnad und Licht. 6. O Geist des Herrn, der das Leben schafft, walt in der Kirche mit deiner Kraft, daß die Gotteskinder ge⸗ boren werden gleichwie der Morgentau, schon auf Erden zu Christi Preis. Nach August Gottlieb Spangenberg 1704—1792. Choralbuch 10(153): 248 Ales ist an Gottes Segen. Großer Hirte aller Herden in dem Himmel und auf Erden, liebster Heiland, Jesu Christ, laß in diesen letzten Zeiten sich dein Reich noch mehr ausbreiten, als bisher geschehen ist. 2. Laß es sich zu deinen Ehren in mir selbst zuerst vermehren; breite es in meinem Haus, unter mei⸗ nen Anverwandten, unter Freunden und Bekannten, ja im ganzen Lande aus! 3. Gib dich allen zu erken⸗ nen, die sich darum Christen nennen, weil sie sind auf dich getauft. Laß dein Wort auch kräftig wirken unter Drene Juden, Heiden, Türken; du hast ja auch sie erkauft. 4. Gib dazu von Jahr zu Jahren immer mehr in großen Scharen Lehrer auf dem Predigtstuhl, welche ihre Pflicht verstehen und ihr Amt getreu versehen, und so auch in jeder Schul. 5. Flöße früh der zarten Jugend zu der Wissenschaft und Tugend auch noch dein' Erkenntnis ein; gib ihr Leben, nicht nur Wissen, und behalt von Ärgernissen Lehrer mit den Schülern rein. 6. Laß dein Wort die Toten wecken und die Sicheren er⸗ schrecken, stürz die Selbst⸗ gerechtigkeit; mach die geist⸗ lich Blinden sehend, mach die geistlich Lahmen gehend, mach dir selbst den Weg bereit. 7. Welchen ihre Schuld ver⸗ geben, die laß nun im Glauben leben, der mit Geistesfrüchten prangt; laß sie niemals stillestehen, treibe sie, stets fortzugehen, bis sie zu dem Ziel gelangt. 8. Die am Ende sich be⸗ finden, denen hilf selbstüber⸗ winden; zeig dem Glauben jene Kron, die du denen auf⸗ gehoben, so nach ausgestand⸗ nen Proben siegend stehen vor dem Thron. 9. Herr, so sammle alle Glieder; alsdann komm und zeig dich wieder als der Kirche ewig gute Hirt, da aus so viel tausend Herden eine Gottesherde werden und um dich sich stellen wird. Johann Jakob Moser 1701-1785. Choralbuch 199(2): 249 wie groß ist des All⸗ mächt'gen Güte. ch lobe dich, mein Auge schauet, wie du auf diesem Erdenkreis dir eine Kirche hast erbauet zu deines Namens Lob und Preis: daß alle sich zusammenfinden in einer heiligen Gemein, wo sie, erlöst von ihren Sünden, sich, Jesu, deines Reiches freun. 2. Du rufest auch noch heut⸗ zutage, daß jedermann er⸗ scheinen soll; doch hört man stets auch deine Klage: Noch immer ist mein Haus nicht voll! Zwar viele sind von dir geladen, doch wenige nur auserwählt; sie wandeln auf des Weltsinns Pfaden, und mancher, den du rufest, fehlt. 3. Herr, unter Völkern vie⸗ ler Zungen hast du dein Haus nun aufgeführt, in dem dein Preis dir wird gesungen, das Glaube, Lieb und Hoffnung ziert, wo alle unter CEhristo stehen als ihrem königlichen Haupt, auf den sie alle freudig sehen, sie, deren Herz an Christum glaubt. 4. Nicht eignem Werk gilt ihr Vertrauen, es ruht auf dir und deinem Sohn: er ist der Fels, auf den sie bauen er ist der Weg zu Sieg und Lohn; er ist der Weinstock, sie die Reben, in ihm nur reifet ihre Frucht; er ist ihr Licht, ihr Heil und Leben durch Wahrheit, Lieb und fromme Zucht. 5. Ein Herr, ein Glaub und eine Taufe vereinigt sie zum heil'gen Bund; ein Ziel erglänzt dem Pilger⸗ laufe, ein Fels ist ihres Friedens Grund; ein Vater waltet über allen, und allen, Gott, bist Vater du; dir streben alle zu gefallen, und du gibst ihnen Heil und Ruh. 6. So weih uns denn zum neuen Leben, daß wir nur deine Wege gehn, zuerst nach deinem Reiche streben und niedern Lüsten wider⸗ stehn. Gib, daß wir als ge⸗ treue Glieder festhalten an dem Haupt und Herrn und dann auch allesamt als Brü⸗ der in Lieb ihm folgen treu und gern. J. Erhalt uns, Herr, in rechtem Glauben noch fer⸗ nerhin bis an das End; laß nichts uns deine Schätze rauben, dein heilig Wort und Sakrament. Erfüll die Herzen deiner Christen mit Gnade, Segen, Fried' und Freud, mit Liebesfeuer sie Kirche zu rüsten Einigkeit. Nach Friedrich Konrad Hiller 1662—1726. 250 Choralbuch 54(103). Offenb. 2 u. 3. (Tahre fort, fahre fort, V wandle, Volk des Herrn, im Licht; mache deinen Leuchter helle, laß die erste Liebe nicht, suche stets die Lebensquelle! Volk des Herrn, dring durch die enge Pfort; fahre fort, fahre fort! 2. Leide dich, leide dich, Gottes Voll, leid ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne; sei bis in den Tod getreu, siehe auf die Lebenskrone! Leide, wenn du fühlst der Schlange Stich; leide dich, leide dich! 3. Folge nicht, folge nicht, folge nicht der eitlen Welt, die dich suchetgroßzu machen; achte nichts ihr Gut und Geld, nichts ihr Drohen, nichts ihr Lachen! Sieh dich für, wenn sie viel Lust verspricht; folge nicht, folge nicht! 4. Prüfe recht, prüfe recht, Gottes Voll, prüf recht den Geist, der dir ruft zu beiden Seiten. Tue nicht, was er dich heißt; laß nur deinen Stern dich leiten! Beide, das was gut scheint und was schlecht, prüfe recht, prüfe recht! 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott! zur ungefärbten Stärke dich mit Geist und Leben, sei nicht wie die andern tot; sei du gleich den grünen Reben! In die Gotteskraftfür Heuchelschein dringe ein, dringe ein! 6. Brich herfür, brich her⸗ für, Gottes Voll, herfür in Kraft! Laß die Bruderliebe brennen; zeige, was der in dir schafft, der dich als sein Volt will kennen! Auf! er Im Dienst des Evangeliums selbst hat aufgetan die Tür; brich herfür, brich herfür! 7. Halte aus, halte aus, Gottes Volk, halt deine Treu; laß doch ja nicht lau dich finden! Auf! das Klei⸗ nod rückt herbei; auf! ver⸗ lasse, was dahinten. Gottes Volk, im letzten Kampf und Strauß halte aus, halte aus! Johann Eusebius Schmidt 1670—1745. Im Dienst des Evangeliums 251 cooratbuch 21s E/. Die Sach ist dein, Herr ZJesu Christ, die Sach, an der wir stehn; und weil es deine Sache ist, kann sie nicht untergehn. Allein das Weizenkorn, bevor es frucht⸗ bar sproßt zum Licht empor, muß sterben in der Erde Schoß, zuvor vom eignen Wesen los, durch Sterben los, vom eignen Wesen los. 2. Du gingst, o Jesu, unser Haupt, durch Leiden him⸗ melan und führest jeden, der da glaubt, mit dir die gleiche Bahn. Wohlan, so nimm uns allzugleich zum Teil am Lei⸗ den und am Reich! Führ uns durch deines Todes Tor samt deiner Sach zum Licht empor, zum Licht empor, durch Nacht zum Licht empor! 3. Du starbest selbst als Weizenkorn und sankest in das Grab. Belebe denn, o Lebensborn, die Welt, die Gott dir gab. Send Boten aus in jedes Land, daß bald dein Name werd be⸗ kannt, dein Name voller Seligkeit. Auch wir stehn dir zum Dienst bereit, zum Dienst bereit, zum Dienst in Kampf und Streit. Samuel Preiswerk 1799—1871. Str. 3 von Felizian, Graf von Zaremba 1794-1874. Choralbuch 36(17): 52 Dir, dir, Jehova, will 2 ich singen. Weh auf, du Geist der ersten Zeugen, der Wächter, die auf Zions Mauern stehn, die Tag' und Nächte nimmer schweigen und die getrost dem Feind entgegengehn, ja deren Schall die ganze Welt durch⸗ dringt und aller Völker Scharen zu dir bringt. ö Im Dienst des Evangeliums 2. O daß dein Feuer bald entbrennte, o möcht es doch in alle Lande gehn! Ach Herr, gib doch in deine Ernte viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn. O Herr der Ernte, siehe doch darein: die Ernt ist groß, der Knechte Zahl ist klein! 3. Dein Sohn hat ja mit llaren Worten uns diese Bitte in den Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich herzin⸗ brünstig darum anzuflehn; drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn! So gib dein Wort mit großen Scharen, die in der Kraft Evangelisten sei'n! Laß eilend Hilf uns wider⸗ fahren und brich in Satans Reich mit Macht hinein! O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Ach laß dein Wort recht schnelle laufen, es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein; ach führe bald da⸗ durch mit Haufen der Heiden Füll zu allen Toren ein; ja wecke doch auch Israel bald auf und also segne deines Wortes Lauf! 6. O beßre deines Zions Stege; und was dein Wort im Laufe hindern kann, das räum, ach räum aus jedem Wege; vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn und mach uns bald von jedem Mietling frei, daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sei. 7. Laß jede hoh' und niedre Schule die Werkstatt deines guten Geistes sein; ja, sitze du drin auf dem Stuhle und präge dich der Jugend selber ein, daß treuer Lehrer viel und Beter sei'n, die für die ganze Kirche flehn und schrein. 8. Ach wird dein Herze nicht beweget, da du, o Gott, die Liebe selber bist und, was von Lieb in uns sich reget, aus deinem Liebes⸗ feur ein Fünklein ist? Da wir in schwacher Liebe nun so flehn, was soll nicht von der Liebe Quell geschehn! 9. Du wirst dein herrlich Werk vollenden, der du der Welten Heil und Richter bist; du wirst der Menschheit Jammer wenden, so dunkel jetzt dein Weg, o Heil'ger, ist. Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn; du tust doch über Bitten und Verstehn. Karl Heinrich von Bogatzty 1690—1774. 253 Choralbuch 178 60): Valet will ich dir geben. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein; verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein! Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, daß jeglicher getreuer den Herrn beken⸗ nen kann. 2. Es gilt ein frei Geständ⸗ nis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit; trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium. 3. Fern in der Heiden Lande erschallt dein kräftig Wort: sie werfen Satans Bande und ihre Götzen fort; von allen Seiten kommen sie in das Reich herein. Ach soll es uns genommen, für uns verschlossen sein? 4. Du heil'ger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern; mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn! O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, daß wir in Freud' und Schmerzen das Heil ihr machen kund. Philipp Spitta 1801—1859. Choralbuch 182(204): 254 Wachet auf! ruft uns die Stimme. Konig Jesu, streite, siege, daß alles bald dir unter⸗ liege, was lebt und webt in dieser Welt. Blick auf deine Friedensboten, laß wehen deinen Lebensodem durchs ganze weite Toten⸗ feld. Erhöre unser Flehn und laß es bald geschehn. Im Dienst des Evangeliums Amen, amen! So rühmen wir und jauchzen dir ein Halleluja für und für. 1827. Choralbuch 201(175): 255 Wie schön leuchtet der Morgenstern. ier stehen wir von nah und fern in einem Geist, vor einem Herrn, vereint zu Dank und Bitte. O Jesu, sel'ge Majestät, ge⸗ kreuzigt einst und nun erhöht, tritt ein in unsre Mitte! Stimm an, nimm an unsre Lieder, die wir wieder vor dich bringen, deiner Liebe Tun zu singen. 2. Was ein verborgnes Senfkorn war, das breitest du von Jahr zu Jahr nun aus mit mächt'gen Zwei⸗ gen. Zu Tausenden erwächst dein Bund und öffnet Herz und Hand und Mund, für Gottes Heil zu zeugen, dei⸗ nen reinen Lebenssamen, deinen Namen durch die Weiten aller Länder aus⸗ zubreiten. 3. Dein sind wir, dein in Ewigkeit; drum wollen wir, du Held im Streit, an deinem Auge hängen. Wohlauf! mit Macht umgürte dich, du Arm des Herrn, so werden sich die Völker um dich drängen. Alsdann wird man fröhlich singen, Palmen schwingen, wenn man schauet, wie Je⸗ hova Zion bauet. Albert Knapp 1798-1864. Choralbuch 83(39): 256 Ja, Tag des Herrn, du sollst mir heilig. A mich mit neuen Kräften in meinem Amt, Beruf und Stand, stärk in den wichtigen Ge⸗ schäften mit deiner Kraft die schwache Hand! Lehr du mich, so werd ich gelehret; bekehr mich, so werd ich be— kehret; hilf mir, so wird von dir allein mir in der Tat geholfen sein. 2. Laß auf mein Pflanzen, Säen, Bauen des Geistes Kraft von obenher dein himmlisches Gedeihen tauen; vermehr dein Reich je mehr und mehr! Laß in der um⸗ gebrochnen Erden dein Wort ein Wort des Lebens werden, daß es auf jener Ernte Tag die Früchte hundertfältig trag. 3. Gib, daß von deiner ganzen Herde, die du mir Armen anvertraut, kein ein⸗ ziges verloren werde; mach auch die Wüsten angebaut. Laß mich, Herr, als ein Vor⸗ bild wandeln; begleite du mein Tun und Handeln; mach mich für jeden Fall be⸗ reit mit Weisheit und mit Heiligkeit. 4. Dein Wort laß einem Strome gleichen, der mächtig durch die Lande fleußt, dem alle Felsen müssen weichen, Im Dienst des Evangeliums der alle Dämme niederreißt, der alles reinigt, alles bessert, der alle dürren Gründe wäs⸗ sert, der alle harten Felder zwingt und in die tiefsten Risse dringt. 5. Ach schärfe deines Geistes Waffen, der Feinde Grimm zu widerstehn; laß doch beim Mahnen oder Strafen auf keine Menschenfurcht mich sehn. Gib, wenn ich lehre, Aberzeugung; gib, wenn ich warne, tiefe Beu⸗ gung; gib, wenn ich tröste, Kraft und Licht und felsen⸗ feste Zuversicht! 6. Wohlan, ich traue deiner Liebe, die mich bisher mit Rat und Tat aus lauterem Erbarmungstriebe in mei⸗ nem Amt geleitet hat; du wirst selbst sehn zu deinen Sachen und deinen Segen größer machen. Denn diese Schafe sind nicht mein; nein, trauter Jesu, sie sind dein. J. Sie sind mit deinem Blut erkaufet, so denke an dein teures Blut; sie sind in deinen Tod getaufet, so schütze dein erstrittnes Gut. Du hast sie dir zur Braut erwählet und deinen Kin— dern zugezählet, so weide sie mit treuer Hand, an die du so viel Müh gewandt. David Samson Georgii 1697—1756. Ausbreitung des Evangeliums. Mission Choralbuch 129(4): 257 Nun danket all und bringet Ehr. Non aufwärts froh den Blickgewandt und vor⸗ wärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit. 2. Vergesset, was dahinten liegt und euern Weg be— schwert; was ewig euer Herz vergnügt, ist wohl des Opfers wert. 3. Und was euch noch ge— fangenhält— o werft es von euch ab! Begraben sei die ganze Welt für euch in Christi Grab! 4. So steigt ihr frei mit ihm hinan zu lichten Himmels⸗ höhn. Er uns vorauf, er bricht uns Bahn— wer will ihm widerstehn? 5. Drum aufwärts froh den Blickgewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit. August Hermann Franke 1853—1891. 258 Choralbuch 222(2). ir wolln uns gerne wa⸗ gen, in unsern Tagen der Ruhe abzusagen, die's Tun vergißt. Wir wolln nach Arbeit fragen, wo welche ist, nicht an dem Amt verzagen, uns fröhlich plagen und unsre Steine tragen aufs Baugerüst. Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1700—1760. Ausbreitung des Evangeliums. Mission Choralbuch 182(204): 259 Wachet auf! ruft uns die Stimme. Eien ist's, an dem wir hangen, der für uns in den Tod gegangen und uns erkauft mit seinem Blut. Ansre Leiber, unsre Herzen gehören dir, o Mann der Schmerzen; in deiner Liebe ruht sich's gut. Nimm uns zum Eigentum, bereite dir zum Ruhm deine Kinder! Verbirg uns nicht das Gna⸗ denlicht von deinem heil'gen Angesicht! 2. Nicht wir haben dich er⸗ wählet; du selbst hast unsre Zahl gezählet nach deinem ew'gen Gnadenrat. Ansre Kraft ist schwach und nichtig, und keiner ist zum Werle tüchtig, der nicht von dir die Stärke hat. Drum brich den eignen Sinn; denn Armut ist Gewinn für den Himmel. Wer in sich schwach, folgt, Herr, dir nach und trägt mit Ehren deine Schmach. 3. O Herr Jesu, Ehrenkönig, die Ernt ist groß, der Schnit⸗ ter wenig; drum sende treue Ausbreitung des Evangeliums. Mission Zeugen aus. Send auch uns hinaus in Gnaden, viel frohe Gäste einzuladen zum Mahl in deines Vaters Haus. Wohl dem, den deine Wahl beruft zum Abend⸗ mahl im Reich Gottes! Da ruht der Streit, da währt die Freud heut, gestern und in Ewigkeit. Offenb. 19, 9. 4. Schau auf deine Millio⸗ nen, die noch im Todes⸗ schatten wohnen, von dei⸗ nem Himmelreiche fern! Seit Jahrtausenden ist ihnen kein Evangelium erschienen, kein gnadenreicher Morgenstern. Glanz der Gerechtigkeit, geh auf; denn es ist Zeit! Komm, Herr Jesu! Zeuch uns vor⸗ an und mach uns Bahn; gib deine Türen aufgetan! 5. Deine Liebe, deine Wun⸗ den, die uns ein ew'ges Heil erfunden, dein treues Herz, das für uns fleht, wollen wir den Seelen preisen und auf dein Kreuz so lange wei⸗ sen, bis es durch ihre Herzen geht. Denn kräftig ist dein Wort; es richtet und durch⸗ bohrt Geist und Seele; dein Joch ist süß, dein Geist ge⸗ wiß, und offen steht dein Paradies. 6. Heiland, deine größten Dinge beginnest du still und geringe; was sind wir Armen, Herr, vor dir? Aber du wirst für uns streiten und uns mit deinen Augen leiten; auf deine Kraft vertrauen wir. Dein Senfkorn, arm und klein, wächst endlich ohne Schein doch zum Baume, weil du, Herr Christ, sein Hüter bist, dem es von Gott vertrauet ist. Albert Knapp 1798—1864. Choralbuch 64(26): 260 Gott des Himmels und der Erden. Ps. 19. Licht, das in die Welt ge⸗ kommen, Sonne voller Glanz und Pracht, Morgen— stern, aus Gott entglommen, treib hinweg die alte Nacht; zeuch in deinen Wunder⸗ schein bald die ganze Welt hinein! 2. Gib dem Wort, das von dir zeuget, einen recht ge⸗ priesnenLauf, daß noch man⸗— ches Knie sich beuget, sich noch manches Herz tut auf, eh die Zeit erfüllet ist, wo du richtest, Jesu Christ. 3. Heile die zerbrochnen Herzen, baue dir Jerusalem und verbinde ihre Schmer⸗ zen; laß, was vor dir an⸗ genehm, durch der Bundes⸗ schriften Zucht noch erblühn zu ew'ger Frucht. 4. Wo du sprichst, da muß zergehen, was der starre Frost gebaut; denn in deines Geistes Wehen wird es linde, schmilzt und taut. Herr, tu auf des Wortes Tür, rufe, Heiland, laut zu dirl Ps.147,18. 5. Es sei keine Sprach noch Ausbreitung des Evangeliums. Mission Rede, da man nicht die Stimme hört, und kein Land so fern und öde, wo nicht dein Gesetzbuch lehrt. Laß den hellenFreudenschall sieg⸗ reich ausgehn überall! 6. Geh, du Bräut'gam, aus der Kammer, laufe deinen Heldenpfadz; strahle Tröstung in den Jammer, der die Welt umdunkelt hat; o er⸗ leuchte, ew'ges Wort, Ost und West und Süd und Nord! 7. Komm, erquick auch unsre Seelen, mach die Augen hell und klar, daß wir dich zum Lohn erwählen; vor den Stolzen uns bewahr; ja, laß deinen Himmelsschein unsers Fußes Leuchte sein! Nudolf Stier 1800—1862.& Choralbuch 93(76): 261 Jesu, KErben Lebens eben. üter, ist die Nacht ver⸗ schwunden? Hüter, ist die Nacht schier hin? Ach wir zählen alle Stunden, bis die Morgenwolken blühn, bis die Finsternis entweichet, bis der Sterne Schein er⸗ bleichet und der Sonne war⸗ mer Strahl leuchtet über Berg und Tal. 2. O du Gott der Macht und Stärke, sieh uns hier ver⸗ wundert stehn über deinem großen Werke, das vor unsrem Blick geschehn. Man⸗ ches Tor hast du entriegelt, viele Seelen dir versiegelt, gabst uns für das Heiden⸗ land manches teure Anter⸗ pfand. 3. Immer tiefer, immer wei⸗ ter in das feindliche Gebiet dringt das Häuflein deiner Streiter, dem voran dein Banner zieht. Wo wir's kaum gewagt zu hoffen, stehn nun weit die Türen offen; mühsam folgt der schwache Tritt deinem raschen Sieges⸗ schritt. 4. Langsam und durch Schwierigkeiten waren wir gewohnt zu gehn; plötzlich bricht in alle Weiten deine Hand aus lichten Höhn. Staunend sehn wir dein Be⸗ ginnen; keine Zeit ist's, lang zu sinnen. Geh voran, wir folgen nach, wo dein Arm die Bahnen brach. 5. Breitest du in unsern Tagen, Herr, dein Werk noch weiter aus, laß uns mutig Steine tragen zu dem großen Tempelhaus. Aber laß es unsern Seelen nicht an tiefrer Gründung feh⸗ len; gib uns den Verleug⸗ nungsinn, nimm die Herzen völlig hin. 6. Ach wenn wir uns selber suchen und nicht deine Ehr allein, müßtest du uns nicht verfluchen? könnte unser Tun gedeihn? Schenk uns einen reinen Eifer, mach uns lauterer und reifer; brich des eignen Geistes Tun, laß in deinem Sinn uns ruhn. 7. Welch ein Segen wird ersprießen, wenn wir gehn an deiner Hand! Wenn uns deine Quellen fließen, grünet bald das dürre Land. Natio⸗ nen allerorten strömen her zu deinen Pforten, fallen auf ihr Angesicht, jubeln laut im ew'gen Licht. Christian Barth 1799—1862. Choralbuch 178 G0): 262 Valet will ich dir geben. Der du in Todesnächten erkämpft das Heil der Welt und dich als den Ge— rechten zum Bürgen darge— stellt; der du den Feind be⸗ zwungen, den Himmel auf⸗ getan: dir stimmen unsre Zungen ein Halleluja an. 2. Im Himmel und auf Er⸗ den ist alle Macht nun dein, bis alle Völker werden zu deinen Füßen sein, bis die von Süd und Norden, bis die von Ost und West sind deine Gäste worden bei deinem Hochzeitfest. 3. Noch werden sie geladen, noch gehn die Boten aus, um mit dem Ruf der Gnaden zu füllen dir dein Haus. Es ist kein Preis zu teuer, es ist kein Weg zu schwer, hinaus⸗ zustreun dein Feuer ins weite Völkermeer. 4. Fern an der Knechtschaft Strande erwacht ein Durst nach Licht, und aus dem Ausbreitung des Evangeliums. Mission engen Bande manch tiefer Seufzer bricht. Da fahren tausend Funken in schwarzer Sklaven Herz; wer von dem Licht getrunken, ist frei von Todesschmerz. 5. Und hoch am starren Nor⸗ den, wo ew'ger Schnee noch ruht, da ist es warm gewor⸗ den durch dieses Feuers Glut. Die Herzen sind zerflossen, das Eis ist aufgetaut; in knospenreichen Sprossen sich mild der Sommer baut. 6. So ziehen deine Flam⸗ men wie Sonnen um die Welt; Getrenntes fließt zu⸗ sammen, das Dunkle wird erhellt; und wo dein Name schallet, du König Jesus Christ, ein selig Häuflein wallet dahin, wo Friede ist. 7. So sammle deine Herden dir aus der Völker Zahl, daß viele selig werden und ziehn zum Abendmahl. Schließ auf die hohen Pforten! Es strömt dein Volt heran; wo's noch nicht Tag geworden, da zünd dein Feuer an. Lut. 14, 16—23; Offenb. 19, 9. Christian Barth 1799—1862. Choralbuch 211(17½%: 263 Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen. asserströme will ich 2 gießen“, spricht der Herr,„aufs dürre Land; kühlend sollen Quellen fließen in der Wüste heißem Sand; wo jetzt Wandrer schmach— Ausbreitung des Evangeliums. Mission tend ziehn, soll ein Gottes⸗ garten blühn.“ 2. Ach noch ist die Zeit der Dürre! Schwerer Fluch be⸗ deckt das Land; Israel geht in der Irre, seine Kraft ist ausgebrannt; wo der Blick auch sehnend schweift, spär⸗ lich kaum ein Früchtlein reift. 3. Dennoch wird das Wort des Treuen herrlich in Er⸗ füllung gehn; jauchzend werden dann sich freuen, die jetzt still mit Tränen sän, wann der Segensstrom des Herrn alles füllet nah und fern. 4. Darum mutig stets, ihr Brüder! Eilet dem Verlor⸗ nen nach; sucht des Volkes Gottes Glieder liebend auf in ihrer Schmach; ladet ihre ganze Zahl zu des Königs Hochzeitmahl! 5. Scheint es oft vergeblich Mühen, segenslose Arbeit euch, denkt: auf rauhem Pfade ziehen alle in dem Kreuzesreich; doch wer sei⸗ nem König dient, dem hat stets ein Kranz gegrünt. 6. Hör uns, Herr, wir flehn, und sende deinen heil'gen Geist uns zu, der uns Mut im Kampfe spende, in der Trübsal stille Ruh. Ja, wir wollen dir ver⸗ traun: du wirst Zion wie⸗ der baun. Sophie Herwig 1810—1836. Choralbuch 49(101): 264 es ist das Heil uns kommen her. (Auch nach Choralbuch 130 G8): Nun freut euch, liebe Christen, gmein.) Wi sind vereint, Herr Jesu Christ, in deinem heil'gen Namen. Der Men⸗ schensohn allein du bist, der säet guten Samen; der Acker ist die ganze Welt. Opflanze selbst im wüsten Feld dir deines Reiches Kinder! 2. Ja, Erstgeborner, ew'ger Fürst der Könige auf Erden, von allen Heiden sollst und wirst du angebetet werden. Das glauben und drum hof⸗ fen wir, die du zum Werke rufst, von dir auch unsrer Saat Gedeihen. 3. Schon sproßt manch Säm⸗ lein zart und still, verspricht einst vollen Weizen. Wir danken, und solch Danken will alsbald zum Bitten reizen. Klein ist dein Garten noch zurzeit, die Wildnis rings so öd und weit; o Heiland, hilf uns weiter! 4. Gib uns aus deines Gei⸗ stes Kraft, Herr Jesu, heiße Liebe, die Eintracht, Mut und Eifer schafft, daß sich ein jeder übe, für sich und andre stets zugleich nach dem verheißnen Gottesreich vor allem Ding zu trachten. 5. Was wird's doch einst für Freude sein, wenn deine Schnitter ernten und alle die sich ewig freun, die dei⸗ ner harren lernten! Wir har⸗ ren deiner; siege du in dei⸗ nen Gliedern, bis die Ruh für Gottes Volk erscheinet. Rudolf Stier 1800—-1862. Choralbuch 131(43): 265 Nun komm, der Heiden Heiland. (Auch nach Choralbuch 65(54): Gott sei Dank durch alle Welt.) olk des Herrn, erhebe dich, laß des Kreuzes Fahnen wehn! Sieh, dein König rüstet sich, siegreich dir voranzugehn. 2. Zieh getrost hinaus ins Feld, fürchte nichts, wenn er dich führt; ihm gehört die ganze Welt, und er ist's, der sie regiert. Christian Barth 1799—1862. Choralbuch 95(82): 266 Jesus, meine Zuversicht. Fin e Herde und ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, wann sein Tag er⸗ scheinen wird! Freue dich, du kleine Herde; mach dich auf und werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, und die Herr⸗ lichkeit des Herrn nahet dämmernd sich den Heiden; blinde Pilger flehn um Licht. Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, daß die Nacht zum Tage Ausbreitung des Evangeliums. Mission werde. Ach wie manches Schäflein irrt fern von dir und deiner Herde! Kleine Herde, zage nicht! Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht vor des Morgenrotes Helle, und der Sohn der Wüste kniet dürstend an der Lebensquelle; ihn umleuch⸗ tet Morgenlicht. Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren aufgetan; rauscht, verdorrete Gebeine! Macht dem Bundesengel Bahn; großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlich— keit! Jesus Christus, du die Sonne, und auf Erden weit und breit Licht und Wahr⸗ heit, Fried und Wonne. Mach dich auf, es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. Friedrich Adolf Krummacher 17671845. Choralbuch 221(13): 267 Wenn Christus, der Herr. ieht fröhlich hinaus zum heiligen Krieg! durch Nacht und durch Graus er⸗ glänzet der Sieg. Ob Wetter auch toben, erschrecket nur nicht, blicktimmernach oben! Bei ZJesus ist Licht. 2. And ob auch das Herz sich dunkel umzieht mit trü⸗ bendem Schmerz, der Friede Gemeinschaft der Gläubigen entflieht; wenn Mißmut und Zagen die Freudigkeit bricht: o stillet die Klagen! Bei Jesus ist Licht. 3. Wenn rings um euch bang die Götzennacht steht, und würd's euch zu lang, bis daß sie vergeht, so sei euer Hof⸗ fen nach oben gericht't; der Himmel bleibt offen. Bei Jesus ist Licht. Christian Barth 1799—1862. Gemeinschaft der Gläubigen 268 Choralbuch 142 C3): O du Liebe meiner Liebe. erz und Herz, vereint zusammen, sucht in Got⸗ tes Herzen Ruh. Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder; er das Licht und wir der Schein; er der Meister, wir die Brüder; er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach kommt, ihr Gotteskinder, und erneuert euern Bund; schwöret un⸗ srem Aberwinder Lieb und Treu von Herzensgrund. And wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, o so flehet um die Wette, bis sie Jesus wieder stählt. Tragt es unter euch, ihr Glieder, auf so treues Lieben an, daß ein jeder für die Brü⸗ der auch das Leben lassen kann. So hat uns der Herr geliebet, so vergoß er dort sein Blut. Denkt doch, wie es ihn betrübet, wenn ihr selbst euch Eintrag tut. 4. Einer reize doch den an⸗ dern, kindlich, leidsam und gering unsrem Heiland nach⸗ zuwandern, der für uns am Kreuze hing. Einer soll den andern wecken, alle Kräfte Tag für Tag ohne Sträuben darzustrecken, daß er ihm gefallen mag. 5. Halleluja! Welche Höhen, welche Tiefen reicher Gnad, daß wir dem ins Herze sehen, der uns so geliebet hat; daß der Vater aller Geister, der der Wunder Abgrund ist, daß du, unsichtbarer Meister, uns so fühlbar nahe bist! 6. Ach du holder Freund, vereine deine dir geweihte Schar, daß sie sich so herz⸗ lich meine, wie's dein letzter Wille war. Ja, verbinde in der Wahrheit, die du selbst im Wesen bist, alles, was von deiner Klarheit in der Tat erleuchtet ist. 7. So wird dein Gebet er⸗ füllet, daß der Vater alle die, denen du dein Herz enthüllet, auch in seine Liebe zieh, und daß, wie du eins mit ihnen, also sie auch eines sei'n, sich in wahrer Liebe dienen und einander gern erfreun. Gemeinschaft der Gläubigen 8. Friedefürst, laß deinen Frieden stets in unsrer Mitte ruhn; Liebe, laß uns nie er⸗ müden, deinen sel'gen Dienst zu tun. Denn wie kann die Last auf Erden und des Glau⸗ bens Ritterschaft besser uns versüßet werden als durch deiner Liebe Kraft? 9. Liebe, hast du es geboten, daß man Liebe üben soll, o so mache doch die toten, trägen Geister lebensvoll; zünde an die Liebesflamme, daß ein jeder sehen kann: wir, als die von einem Stamme, stehen auch für einen Mann. 10. Laß uns so vereinigt werden, wie du mit dem Vater bist, bis schon hier auf dieser Erden kein ge⸗ trenntes Glied mehr ist; und allein von deinem Brennen nehme unservicht den Schein. Also wird die Welt erkennen, daß wir deine Jünger sei'n. Nach Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1700—1760. Str. 8 von Karl Friedrich Harttmann 1743—1815. Choralbuch 74(70): 269 Herr und Altster deiner Kreuzgemeine. Die wir uns allhier bei⸗ sammen finden, schla⸗ gen unsre Hände ein, uns auf deine Marter zu verbin⸗ den, dir auf ewig treu zu sein. And zum Zeichen, daß dies Lobgetöne deinem Her⸗ zen angenehm und schöne, sage: Amen! und zugleich: Friede, Friede sei mit euch! Christian Renatus, Graf von Zinzendorf 17²/7- I752. 270 Choralbuch 17⁸(50): Valet will ich dir geben. s kennt der Herr die Sei⸗ nen und hat sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land; er läßt sie nicht ver⸗ derben, er führt sie aus und ein; im Leben und im Ster⸗ ben sind sie und bleiben sein. 2. Er kennet seine Scharen am Glauben, der nicht schaut und doch dem Ansichtbaren, als säh er ihn, vertraut; der aus dem Wort gezeuget und durch das Wort sich nährt und vor dem Wort sich beuget und mit dem Wort sich wehrt. 3. Er kennt sie als die Seinen an ihrer Hoffnung Mut, die fröhlich auf dem einen, daß er der Herr ist, ruht. In seiner Wahrheit Glanze sich sonnet frei und kühn die wunderbare Pflanze, die immerdar ist grün. 4. Er kennt sie an der Liebe, die seiner Liebe Frucht und die mit lautrem Triebe ihm zu gefallen sucht; die an⸗ dern so begegnet, wie er das Herz bewegt; die segnet, wie er segnet, und trägt, wie er sie trägt. 5. So kennt der Herr die Seinen, wie er sie stets ge⸗ Gemeinschaft der Gläubigen kannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land: am Werk der Gna⸗ dentriebe durch seines Gei⸗ stes Stärk, an Glauben, Hoffnung, Liebe als seiner Gnade Werk. 6. So hilf uns, Herr, zum Glauben und halt uns fest dabei; laß nichts die Hoff⸗ nung rauben; die Liebe herz⸗ lich sei. And wird der Tag erscheinen, da dich die Welt wird sehn, so laß uns als die Deinen zu deiner Rech⸗ ten stehn. Philipp Spitta 1801—1859. Choralbuch 137 G/): 271 Nun sich der Tag ge⸗ endet hat. Des du noch in der letzten Nacht, eh du für uns erblaßt, den Deinen von der Liebe Macht so schön ge— predigt hast, 2. erinnre deine kleine Schar, die sich so leicht entzweit, daß deine letzte Sorge war der Glieder Einigkeit. Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1700—1760. Choralbuch16(190: Auf⸗ 272 erstebn, ja, auferstehn; und Choralbuch 82(22). a fürwahr, uns führt mit sanfter Hand ein Hirt durchs Pilgerland der dun⸗ keln Erde, uns, seine kleine Herde. Halleluja! Halleluja! 2. Wenn in Dunkel auch sein Häuflein irrt, er wacht, der treue Hirt, und läßt den Sei⸗ nen ein freundlich Sternlein scheinen. Halleluja! 3. Sicher leitet aus des To⸗ des Graun er uns auf grüne Aun, aus Sturm und Wellen zur Kühlung leiser Quellen. Halleluja! 4. Freundlich blickt sein Aug auf uns herab. Sein sanfter Hirtenstab bringt Trost und Friede; er wachet sich nicht müde. Halleluja! 5. Ja fürwahr, er ist getreu und gut; auch unsre Heimat ruht in seinen Armen. Sein Name ist Erbarmen. Halle—⸗ luja! Friedrich Adolf Krummacher 1767-1845. Choralbuch 117(122): 273 Mein Herzens⸗ZJesu, meine Lust. Jc glaube, daß die Heiligen im Geist Gemeinschaft haben, weil sie in einer Gnade stehn und eines Geistes Gaben. So viele Christus machet rein, die haben all sein Gut gemein und alle Himmelsschätze. 2. Zwar nicht das gleiche Schicksal fällt hienieden je⸗ dem Gliede, es dauern noch in dieser Welt die äußern AUnterschiede: dem einen fällt ein armes Los, der andre ist geehrt und groß; das will ein Christ nicht ändern. 3. Doch in der neuen Krea⸗ tur ist keiner klein noch größer; wir haben einen Gemeinschaft der Gläubigen Christus nur, den einigen Erlöser, das Licht, das Heil, den Morgenstern; Wort, Tauf und Nachtmahl unsers Herrn ist allen gleich ge⸗ schenket. 4. Da ist kein Knecht noch Freier mehr, denn sie sind alle Kinder; der Reichtum macht hier keine Ehr, die Armut keinen Sünder. Gott siehet die Person nicht an: ein Reicher hier schon arm sein kann, der Arme reich an Gnaden. 5. Die Sonne der Gerechtig⸗ keit will allen Gnade geben, der Geist gibt allen allezeit als Gottes Odem Leben, weil uns der Vater alle liebt, so wie der Himmel uns umgibt; wir haben gleiche Güter. 6. Ein Himmel, eine Seligkeit, ein Vorbild und ein Hoffen, ein Recht, ein Vaterherz im Leid, ein Segen steht uns offen; uns führt ein Weg dem Himmel zu, wir hoffen alle eine Ruh allein durch einen Glauben. 7. Wir haben alle überdies Gemeinschaft an dem Leiden, am Kreuz, an der Beküm⸗ mernis, an Spott und Trau⸗ rigkeiten; wir tragen, doch nicht ohne Ruhm, allzeit das Sterben Jesu um an unsrem Todesleibe. 8. Wir leiden mit, wir ziehen an ein herzliches Erbarmen, und wenn das Herz nichts weiter kann, so seufzt es für die Armen; denn solch ein Glied, das nicht empfind't, wenn andre Glieder schmerz⸗ haft sind, das hat gewiß kein Leben. 9. So trägt ein Glied des andern Last um seines Haup⸗ tes willen; wer seiner Brü⸗ der Lasten faßt, lernt das Gesetz erfüllen. Der Herr voran als Vorbild geht; sein königlich Gebot besteht in einem Wörtlein: Liebe. 10. Ich will mich der Ge⸗ meinschaft nicht der Heiligen entziehen; wenn meine Brü⸗ der Not anficht, so will ich sie nicht fliehen. Hab ich Ge⸗ meinschaft an dem Leid, so laß mich an der Herrlich⸗ keit auch einst Gemeinschaft haben. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 182(204): 274 Wachet auf! ruft uns die Stimme. Z˙ im Frieden eure Pfade! mit euch des großen Gottes Gnade und seiner heil'gen Engel Wacht! Wenn euch Jesu Hände schir⸗ men, geht's unter Sonnen⸗ schein und Stürmen getrost und froh bei Tag und Nacht. Lebt wohl, lebt wohl im Herrn! Er sei euch nimmer fern spät und frühe. Vergeßt uns nicht in seinem Licht und wenn ihr sucht sein Angesicht. Gustav Knak 1806—1878. Gemeinschaft der Gläubigen Choralbuch 76(154): 275 Herzlich tut mich verlangen. Wos macht ihr, daß ihr weinet und brechet mir mein Herz? Im Herrn sind wir vereinet und blei⸗ ben's allerwärts. Das Band, das uns verbindet, löst we⸗ der Zeit noch Ort; was in dem Herrn sich findet, das währt in ihm auch fort. 2. Man reicht sich wohl die Hände, als sollt's geschieden sein, und bleibt doch ohne Ende im innigsten Verein. Man sieht sich an, als sähe man sich zum letztenmal, und bleibt in gleicher NRähe dem Herrn doch überall. 3. Man spricht:„Ich hier, du dorten; du ziehest, und ich bleib“, und ist doch allerorten ein Glied an einem Leib. Man spricht vom Scheide— wege und grüßt sich einmal noch, und geht auf ein em Wege in gleicher Richtung doch. 4. Was sollen wir nun wei⸗ nen und so gar traurig sehn? Wir kennen ja den Einen, mit dem wir alle gehn, in einer Hut und Pflege, geführt von einer Hand auf einem sichern Wege ins eine Vaterland. 5. So sei denn diese Stunde nicht schwerem Trennungs⸗ leid, nein, einem neuen Bunde mit unsrem Herrn ge⸗ weiht! Wenn wir uns ihn erkoren zu unsrem höchsten Gut, sind wir uns nicht ver⸗ loren, wie weh auch Schei⸗ den tut. Philipp Spitta 1801—1859. 27 Oluus, der inmein Chri⸗ stus, der ist mein Leben. Die Gnade sei mit allen, die Gnade unsers Herrn, des Herrn, dem wir hier wal⸗ len und sehn sein Kommen gern. 2. Auf dem so schmalen Pfade gelingt uns ja kein Tritt, es geh denn seine Gnade bis an das Ende mit. 3. Auf Gnade darf man trauen, man traut ihr ohne Reu; und wenn uns je will grauen, so bleibt's: der Herr ist treu. 4. Die Gnade, die den Alten ihr Weh half überstehn, wird uns ja auch erhalten, die wir in unsrem flehn. 5. Wird stets der Jammer größer, so glaubt und ruft man noch: Du mächtiger Er⸗ löser, du kommst; so komme doch! 6. Damit wir nicht erliegen, muß Gnade mit uns sein; sie flößet zu dem Siegen Ge⸗ duld und Glauben ein. 7. So scheint uns nichts ein Schade, was man um Jesum mißt; der Herr hat eine Gnade, die über alles ist. 8. Bald ist es überwunden nur durch des Sohnes Blut, Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit das in den schwersten Stun⸗ Gnade sei mit allen, die ö den die größten Taten tut. Gnade sei mit mir! 9. Herr, laß es dir gefallen, noch immer rufen wir: Die Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit Choralbuch 178 650): 277 Valet will ich dir geben. Röm. 8, 31—39. st Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm's auch ohne Scheu, daß Gott, der Höchst und Beste, mir herzlich gün⸗ stig sei und daß in allen Fäl⸗ len er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wel⸗ len und was mirbringet Weh. 3. Der Grund, darauf ich gründe, ist Christus und sein Blut; das machet, daß ich finde das ew'ge, wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert. 4. Mein Jesus ist mein'Ehre, mein Glanz und schönesicht; wenn der nicht in mir wäre, könnt ich bestehen nicht. In ihm kann ich mich freuen, hab einen Heldenmut, darf kein Gerichte scheuen, wie sonst ein Sünder tut. 5. Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts macht hinfort mir Schmerz; die Höll und ihre Flammen, sie ängsten nicht mein Herz; kein Arteil mich erschrecket, kein Anheil mich betrübt, weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt. 6. Sein Geist wohnt mir im Herzen, regieret meinen Sinn, vertreibet Sorg und Schmerzen, nimmt allen Kummer hin, gibt Segen und Gedeihen dem, was er in mir schafft, hilft mir das Abba schreien aus aller meiner Kraft. J. And wenn an meinem Orte sich Furcht und Schrek⸗ ken find't, so seufzt und spricht er Worte, die un⸗ aussprechlich sind mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, der an des Herzens Grunde ersiehet seine Lust. 8. Sein Geist sprichtmeinem Geiste manch süßes Trost⸗ wort zu: wie Gott dem Hilfe leiste, der beiihm suchet Ruh, 4 Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit und wie er hab erbauet ein' edle, neue Stadt, da Aug und Herze schauet, was es ge⸗ glaubet hat. 9. Da ist mein Teil und Erbe mir prächtig zugericht't; wennich gleich fall und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten mit Tränen meine Zeit, mein Jesus und sein Leuchten durchsüßet alles Leid. 10. Die Welt, die mag zer⸗ brechen, du stehst mir ewig⸗ lich: kein Brennen, Hauen, Stechen soll trennen mich und dich; kein Hunger und kein Dürsten, kein' Armut, keine Pein, kein Zorn der großen Fürsten soll mir ein' Hindrung sein. 11. Kein Engel, keine Freu⸗ den, kein Thron, kein' Herr⸗ lichkeit, kein Lieben und kein Leiden, kein' Angst und Fähr⸗ lichkeit, was man nur kann erdenken, es sei klein oder groß, der keines soll mich lenken aus deinem Arm und Schoß. 12. Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist. Paul Gerhardt 1607—1676. Choralbuch 119(123): 278 Hein Jesus lebt! Was soll ich sterben. J habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält. Wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt/ der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbar⸗ men, das alles Denken über⸗ steigt; es sind die offnen Liebesarme des, der sich zu den Sündern neigt, dem stets das Herz vor Mitleid bricht, wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden; Gott will, uns soll geholfen sein. Deswegen kam der Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein; deswegen klopft er für und für so stark an unsers Herzens Tür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden; da findet kein Verdammen statt, weil Christi Blut be⸗ ständig schreit: Barmherzig⸗ keit, Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, dem will ich mich getrost vertraun und, wenn mich meine Sünden kränken, nur bald nach Gottes Herzen schaun; da findet sich zu aller Zeit Barmherzigkeit. 6. Wird alles andre weg⸗ gerissen, was Leib und Seel erquicken kann; darf ich von keinem Troste wissen und scheinevölligausgetanz istdie Errettung noch so weit: mir bleibet die Barmherzigkeit. 7. Beginnt das Irdische zu drücken; ja häuft sich Kum⸗ mer und Verdruß, daß ich mich noch in vielen Stücken mit eitlen Dingen mühen muß; werd ich dadurch oft sehr zerstreut: so hoff ich auf Barmherzigkeit. 8. Muß ich an meinen besten Werken, darinnen ich gewan⸗ delt bin, viel Anvollkommen⸗ heit bemerken, so fällt wohl alles Rühmen hin; doch ist auch hier der Trost bereit: ich hoffe auf Barmherzigkeit. 9. Es gehe nur nach dessen Willen, bei dem so viel Er⸗ barmen ist; er wolle selbst mein Herze stillen, damit es das nur nicht vergißt. So stehet es in Lieb und Leid in, durch und auf Barmherzig⸗ keit. 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, solange mich die Erde trägt; das will ich den⸗ ken, tun und treiben, solange sich ein Glied bewegt. So unendliche sing ich einstens hocherfreut: OAbgrund der Barmherzig⸗ Johann Andreas Nothe 1688—1758. keit! Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit 279 Choralbuch 75(114). erzlich lieb hab ich dich, o Herr. Ich bitt, wollst sein von mir nicht fern mit deiner Güt und Gnaden. Die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Erd und Himmel frag ich nicht, wenn ich nur dich kann haben. And wenn mir gleich mein Herz zerbricht, bist du doch meine Zuversicht, mein Teil und meines Her⸗ zens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nim⸗ mermehr! 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab mein Leib und Seel und was ich hab in diesem armen Leben. Damit ich's brauch zum Lobe dein, zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, wollst mir dein' Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr; des Sa⸗ tans Mord und Lügen wehr; in allem Kreuz erhalte mich, auf daß ich's trag geduldig⸗ lich. Herr ZJesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, tröst mir mein' Seel in Todesnot! 3. Ach Herr, laß dein' lieb' Engelein am letzten End die Seele mein in Abrahams Schoß tragen, den Leib in seinmSchlafkämmerlein gar sanft ohn ein'ge Qual und Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit Pein ruhn bis am Jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, daß meine Augen sehen dich in aller Freud, o Gottes Sohn, mein s Heiland und mein Gnaden⸗ thron. Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich! Ich will dich preisen ewiglich. Martin Schalling 1532—1608. Choralbuch 192(169): 280 Wenn wir in höchsten Nöten sein. Chuisti Blut und Gerechtig⸗ keit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid; damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich in Himmel werd eingehn. 2. Drum soll auch dieses Blut allein mein Trost und meine Hoffnung sein; ich bau im Leben und im Tod allein auf Jesu Wunden rot. 3. And wenn ich durch des Herrn Verdienst noch so treu würd in seinem Dienst, ge⸗ wönn den Sieg dem Bösen ab und sündigte nicht bis ins Grab, 4. so will ich, wenn ich zu ihm komm, nicht denken mehr an gut und fromm, sondern: Da kommt ein Sünder her, der gern fürs Lösgeld selig wär. 5. Wird dann die Frag an mich gebracht: Was hast du in der Welt gemacht? so sprech ich: Dank sei meinem Herrn! Konnt ich was Guts tun, ich tat's gern. 6. And weil ich wußte, daß sein Blut die Sünd weg⸗ schwemmt mit seiner Flutund daß man nicht muß will' gen ein, ließ ich mir's eine Freude ein. J. Wenn nun kam eine böse Lust, so dankt ich Gott, daß ich nicht mußt; ich sprach zur Lust, zum Stolz, zum Geiz: Dafür hing unser Herr am Kreuz. 8. DemLamm gebühret alles gar, weil es für uns ge⸗ schlachtet war; es hat die Sünde weggebracht und uns Gott angenehm gemacht. 9. Gelobet seist du, Jesu Christ, daß du ein Mensch geboren bist und hast für mich und alle Welt bezahlt ein ew'ges Lösegeld. Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1700—1760. Choralbuch 176(119: 281 Anser Herrscher, unser König. Weicht,ihr Berge fallt,ihr Hügel! Gottes Gnade weicht mir nicht; und der Friede hat dies Siegel, daß Gott seinen Bund nichtbricht. Dieses macht mich unver⸗ zagt, weil es mein Erbarmer sagt. 2. Das sind Worte für die Blöden, die sind alles Glau⸗ bens wert; das heißt an die Herzen redenz das ist Trost, wie man begehrt: Gottes Gnade weicht dir nicht, weil es dein Erbarmer spricht. — 7 3. Hier ist Kraft für alle Müden, die so manches Elend beugt; man find't Gnade, man hat Frieden, welcher alles übersteigt. Mein Er⸗ barmer, sprich mir du dies in allen Nöten zu! 4. Wenn mich meine Sünden schmerzen und der Strafen lange Pein, ach so rede mei⸗ nemHerzen deinen Trost und Frieden ein, daß du mir in Jesu Christ ewig ein Erbar— mer bist. 5. Gib mir einen starken Glauben, der dein Wort mit Freuden faßt, so kann mir der Tod nicht rauben, was du mir geschenket hast. Auch die Hölle nimmt mir nicht, was mein Heiland mir verspricht. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. 282 Choralbuch 90(129): Jesu, hilf siegen. Coaisten erwarten in aller⸗ lei Fällen Jesum mit seiner allmächtigen Hand; mitten in Stürmen und tobenden Wellen sind sie ge⸗ bauet auf felsiges Land. Wenn sie bekümmerte Näch⸗ te bedecken, kann doch ihr Grauen sie wenig erschrecken. 2. Jauchzen die Feinde zur Rechten und Linken, drohet und hauet das blinkende Schwert, lassen doch Christen die Häupter nicht sinken, de⸗ nen sich Jesus im Herzen ver⸗ klärt. Wüten die Feinde mit Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit Schnauben und Toben, ler⸗ nen sie Gottes Gerechtigkeit loben. 3. Geben die Felder den Samen nicht wieder, bringen die Gärten und Auen nichts ein, schlagen die Schloßen die Früchte darnieder, brennen die Berge von hitzigem Schein: kann doch ihr Herze den Frieden erhalten, weil es den Schöpfer in allem läßt walten. 4. Viele verzehren in ängst⸗ lichen Sorgen Kräfte, Ge⸗ sundheit und Kürze der Zeit, da doch im Rate des Höchsten verborgen, wann und wo jedem sein Ende bereit. Sind es nicht alles unnötige Schmerzen, die ihr euch machet, o törichte Herzen? 5. Zweifel und Sorgen ent⸗ stellen die Frommen; Glau⸗ ben und Hoffen bringt Ehre bei Gott. Seele, verlangst du zur Ruhe zu kommen, hoffe, der Angst und dem Zweifel zum Spott! Ob auch die göttliche Hilfe verborgen, traue dem Höchsten und meide die Sorgen. 6. Gutes und alle erbetenen Gaben folgen dir, bis man dich leget ins Grab; ja du wirst selber den Himmel noch haben. Ei, warum sagst du den Sorgen nicht ab? Werde doch in dir recht ruhig und stille! Dies ist des Vaters, des ewigen, Wille. N N S Fe er —* J. Freue dich, wenn du statt freundlichen Blicken man⸗ cherlei Jammer, Anfechtung und Not duldest, und wisse, was Gott will erquicken, muß erst mit Jesu durch Leiden und Tod. Willst du mitleben, so mußt du mitsterben; anders kann keiner den Himmel er⸗ erben. 8. Völlige Wonne, verklärete Freude, himmlische Güter, undenkliches Heil werden dereinst dir auf ewigerWeide unter den Engeln und Men⸗ sehen zuteil, wann Christus prächtig am Ende wird kom⸗ men und zu sich sammeln die Herde der Frommen. 9. Seine allmächtige Stärke beweiset in den Ohnmäch⸗ tigen mächtige Kraft; dann wird alleine sein Name ge⸗ preiset, wann er den Zagen⸗ den Freudigkeit schafft. Dar⸗ um, o Jesu, gib, daß ich dir traue, wenn ich die Hilfe nicht sichtbarlich schaue. Christian Ludwig Edeling 16781742. 283 Choralbuch 28(117). Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn: wir dürfen ihn in Demut Vater nennen; wenn wir nur treu auf seinen Wegen gehn, so sehn wir ihn vor zarter Liebe brennen. Dies Wort gibt uns im Kampfe Kraft und Mut: Der Herr ist gut. Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit 2. Der Herr ist gut und will der Sünder Schuld nicht un⸗ erbittlich mit dem Schwerte rächen; es ist bei ihm ein Reichtum der Geduld, er heilet gern der Irrenden Ge⸗ brechen; er ist versöhnt durch seines Sohnes Blut. Der Herr ist gut. 3. Der Herr ist gut und teilt sich willig mit; sein Wesen ist ein Brunnen guter Gaben. Er geht uns nach und fragt bei jedem Schritt, ob wir nicht was von ihm zu bitten haben. Wo ist ein Herr, der so mit Knechten tut? Der Herr ist gut. 4. Der Herr ist gut. Kein Elend ist so groß, er hat so Kraft als Neigung, uns zu schützen. Amschließet uns der ew'gen Liebe Schoß, so kön⸗ nen wir im stillen Frieden sitzen. Das macht sein Schutz, daß man hier sicher ruht. Der Herr ist gut. 5. DerHerr ist gut. Wer dies im Glauben schmeckt, wird nimmermehr aus seinen Diensten gehen. Hier wird erst recht, was Freiheit sei, entdeckt; hier kann der Geist im rechten Adel stehen. Nichts ist umsonst, was hier der Glaube tut. Der Herr ist gut. 6. Der Herr ist gut und sieht in Gnaden an den armen Dienst der Knechte, die ihn lieben. Er gibt mehr Lohn, als man erwarten kann; 77— kühler Trunk ist unvergolten blieben: er gibt dafür die ganze Segensflut. Der Herr ist gut. 7. DerHerr ist gut und bleibt es bis zum Tod. Wir sollen ihm in seinen Armen sterben; er will uns führen aus der letzten Not und alles, was er hat, uns lassen erben und Ruhe geben, wie er selber ruht. Der Herr ist gut. 8. Der Herr ist gut. Fallt nieder vor dem Thron! Wir sind zum Segen herzlich ein⸗ geladen. Lobt unsern Gott, lobt seinen lieben Sohn, lobt seinen heil'gen Geist, den Geist der Gnaden! Lobt ihn für alles, was er ist und tut! Der Herr ist gut. Johann Jakob Rambach 1693—1735. Strophe/ und 8 Albert Knapp 1798—1864. Choralbuch 201(175): 284 Wie schön leuchtet der Morgenstern. Es ist etwas, des Heilands sein,„ich dein, o Jesu, und du mein“ in Wahrheit sagen können, ihn seinen Bürgen, Herrn und Ruhm und sich sein Erb und Eigen⸗ tum ohn allen Zweifel nen⸗ nen. Selig, fröhlich sind die Seelen, die erwählen, ohn Bedenken ihrem Jesu sich zu schenken. 2. Schau an die Welt mit ihrer Lust und alle, die an Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit ihrer Brust in heißer Liebe liegen: sie essen, und sind doch nicht satt, sie trinken, und das Herz bleibt matt; denn es ist lauter Trügen. Träume, Schäume, Stich im Herzen, Höllenschmerzen, ew'ges Quälen ist die Lust betrogner Seelen. 3. Ganz anders ist's, bei Jesu sein, mit seinen Herden aus und ein auf seinen Mat⸗ ten gehen. Auf diesen Auen ist die Lust, die Gottesmen⸗ schen nur bewußt, im Aber⸗ fluß zu sehen: Weide, Freu⸗ de, reine Triebe süßer Liebe, Fried und Leben, Stärke, Licht und viel Vergeben. 4. Schau, armer Mensch, zu diesem Glück ruft dein Erlöser dich zurück von jenem Grundverderbenz er kam des⸗ wegen in die Welt und gab für dich das Lösegeld durch Leiden und durch Sterben. Laß dich willig doch um⸗ armen! Sein Erbarmen, Blut und Leiden sind ein Meer der Seligkeiten. 5. Von Stund an kann ich nicht mehr mein, der Welt und ihrer Lüste sein, die mich bisher gebunden. MeinHerr, den ich so sehr betrübt, der aber mich viel mehr geliebt, der hat mich überwunden. Nimm mich gänzlich, meine Freude, dir zur Beute und zum Lohne deiner blut'gen Dornenkrone! 6. Ach mach mich von mir selber frei und stehe mir in Gnaden bei; stärk meinen schwachen Willen durch dei⸗ nes werten Geistes Kraft, zu üben gute Ritterschaft, den Vorsatz zu erfüllen, bis ich endlich, schön geschmücket und entrücket allem Leiden, bei dir darf in Salem weiden. Johann Christian Storr 17¹⁷²1773. 285 Choralbuch 167(107). Sẽ führst du doch recht selig, Herr, die Deinen, ja, selig, und doch meist ver⸗ wunderlich. Wie könntest du es böse mit uns meinen, da deine Treu nicht kann ver⸗ leugnen sich? Die Wege sind oft krumm, und doch gerad, darauf du läßt die Kinder zu dir gehn. Da pflegt es wun⸗ derseltsam auszusehn; doch triumphiert zuletzt dein hoher Rat. 2. Du willst dein Werknicht auf Gesetze bauen, so die Vernunft und gute Meinung stellt; du kannst den Knoten mit dem Schwert zerhauen, und sanft auflösen, wie es dir gefällt. Du reißest wohl die stärksten Band' entzweizwas sich entgegensetzt, muß sinken hin; ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn: dann geht dein Fuß auch durch An⸗ wege frei. 3. Was unsre Klugheit will Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit zusammenfügen, teilt dein Verstand in Ost und Westen aus; was mancher unteroch und Last will biegen, setzt deine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt, und du verknüpfst in Kraft; sie bricht, du baust; sie baut, du reißest ein; ihr Glanz muß dir ein dunkler Schatten sein; dein Geist bei Toten Kraft und Leben schafft. 4. Wen die Vernunft oft fromm und selig preiset, den hast du schon aus deinem Buch getan; und wem die Welt dies Zeugnis nicht er⸗ weiset, den führst du in der Still doch himmelan. Den Tisch der Pharisäer läßt du stehn und speisest mit den Sündern, sprichst sie frei. Wer weiß, was öfters deine Absicht sei? Wer kann der tiefsten Weisheit Abgrund sehn? 5. Was alles ist, gilt nichts in deinen Augen; was nichts ist, hast du, großer Gott, recht lieb; der Worte Pracht und Ruhm mag dir nicht taugen, du gibst die Kraft durch dei⸗ nes Geistes Trieb. Die besten Werke bringen dir kein Lob: sie sind versteckt, der Blinde geht vorbei; wer Augen hat, sieht sie, doch nie so frei,—die Sachen sind zu klar, der Sinn zu grob. 6. O Herrscher, sei von uns gebenedeiet, der du uns tötest und lebendig machst. Wenn uns dein Geist der Weisheit Schatz verleihet, so sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst. Die Weisheit spielt mit uns, wir spielen mit; bei uns zu wohnen ist ihr lauter Lust, die reget sich in deiner Vaterbrust und gängelt uns mit zarter Kinder Schritt. Spr. 8, 30. 31. 7. Bald scheinst du etwas hart uns anzugreifen, bald fährest du mit uns ganz säuberlich; geschieht's, daß unser Sinn sucht auszu⸗ schweifen, so weist die Zucht uns wieder hin auf dich. Da gehn wir dann mit blöden Augen hin, du blickst uns an, wir sagen Beßrung zu; drauf schenkt dein Geist dem Herzen wieder Ruh und hält im Zaum den ausgeschweiften Sinn. 8. Du kennst, o Vater, wohl das schwache Wesen, die An⸗ macht und der Sinne Anver⸗ stand; man kann uns fast an unsrer Stirne lesen, wie es um schwache Kinder sei be⸗ wandt. Drum greifst du zu und hältst und trägest sie, brauchst Vaterrecht und zei⸗ gest Muttertreu; wo nie⸗ mand meint, daß etwas dei⸗ ne sei, da hegst du deine Schaf' und läßt sie nie. 9. Also gehst du nicht die gemeinen Wege, dein Fuß wird selten öffentlich gesehn, Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit damit du sehst, was sich im Herzen rege, wenn du in Dunkelheit mit uns willst gehn. Das Widerspiel legst du vor Augen dar von dem, was du in deinem Sinne hast; wer meint, er habe deinen RNat gefaßt, der wird am End ein andres oft gewahr. 10. O Auge, das nicht Trug noch Heucheln leidet, gib mir des scharfen Blickes Sicher⸗ heit, der die Natur von Gna⸗ de unterscheidet, das eigne Licht von deiner Heiterkeit. Laß doch mein töricht Herz dich meistern nicht; brich ganz entzwei den Willen, der sich liebt; erweck die Lust, die sich nur dir ergibt und tadelt nie dein heimliches Gericht. 11. Will etwa die Vernunft dir widersprechen und schüt⸗ telt ihren Kopf zu deinem Weg, so wollst du ihre Fe⸗ stung so zerbrechen, daß ihre Höhe sich beizeiten leg. Kein fremdes Feur entzünde sich bei mir, das ich vor dich in Torheit bringen möcht, wo⸗ mit ich gar dir zu gefallen dächt. Ach selig, wer seinLicht empfängt von dir! 2. Kor. 10, 4. 5; 3. Mose 10, 1.2. 12. So zieh mich denn hin⸗ ein in deinen Willen und trag und heg und führ dein armes Kind! Dein innres Zeugnis soll den Zweifel stillen; dein Geist die Furcht und Lüste überwind! Du bist Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit mein alles, denn dein Sohn ist mein; dein Geist regt sich ganz kräftiglich in mir: ich brenne nur nach dir in Heils⸗ begier. Wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein! 13. Drum muß die Kreatur mir immer dienen, kein Engel schämt nun der Gemeinschaft sich; die Geister, die vor dir vollendet grünen, sind meine Brüder und erwarten mich. Wie oft erquicket meinen Geist ein Herz, das dich und mich und alle Christen liebt! Ist's möglich, daß mich et— was noch betrübt? Komm, Freudenquell! Weich ewig, aller Schmerz! Gottfried Arnold 1666—1714. 286 Choralbuch 114(125). ein Friedefürst, dein freundliches Regieren stillt alles Weh, das meinen Geist beschwert. Wenn sich zu dir mein blödes Herze kehrt, so läßt sich bald dein Friedensgeist verspüren; dein Gnadenblick zerschmel⸗ zet meinen Sinn und nimmt die Furcht und Anruh von mir hin. 2. Gewiß, mein Freund gibt solche edle Gaben, die alle Welt mir nicht verschaffen kann. Schau an die Welt, schau ihren Reichtum an: er kann ja nicht die müden Seelen laben. Mein Jesus kann's; er tut's im Aberfluß, wenn alle Welt zurückestehen muß. 3. O Seelenfreund, wie wohl ist dem Gemüte, das im Gesetz sich so ermüdet hat und nun zu dir, der Lebens⸗ quelle, naht und schmeckt in dir die wundersüße Güte, die alle Angst, die alle Not ver⸗ schlingt und unsern Geist zu sanfter Ruhe bringt. 4. Je mehr das Herz sich zu dem Vater kehret; je mehr es Kraft und Seligkeit genießt, daß es dabei der Eitelkeit vergißt, die sonst den Geist gedämpfet und beschweret; je mehr das Herz des Vaters Liebe schmeckt, je mehr wird es zur Heiligkeit erweckt. 5. Wenn sich in mir des Herren Klarheit spiegelt und seines Angesichtes milder Schein, dann wird das neue Leben recht gedeihn; die Heimlichkeit der Weisheit wird entsiegelt, ja selbst mein Herz in solches Bild verklärt und alle Kraft der Sünde abgekehrt. 6. Was dem Gesetz unmög⸗ lich war zu geben, das bringt alsdann die Gnade selbst herfür: sie wirket Lust zur Heiligkeit in mir und ändert nach und nach mein ganzes Leben, indem sie mich aus Kraft in Kräfte führt und mit Geduld und Langmut mich regiert. 7. O ZJesu, laß mein Herz auf dich nur schauen; besuche mich, du Aufgang aus der Höh, daß ich das Licht in deinem Lichte seh und könne ganz auf deine Gnade trauen. Kein Fehler sei so groß und schwer in mir, der mir die Tür verschlösse, Herr, zu dir. 8. Wenn meine Schuld vor dir mich niederschläget und deinen Geist der Kindschaft in mir dämpft; wenn das Gesetz mit meinem Glauben kämpft und lauter Angst und Furcht in mir erreget: so laß dein mütterliches Herz mich sehn und neue Kraft und Zu⸗ versicht entstehn. 9. So ruh ich nun, mein Heil, in deinen Armen; du selbst sollst mir mein ew'ger Friede sein. Ich hülle mich in deine Gnade ein; mein Element ist einzig dein Er⸗ barmen. And weil du mir mein ein und alles bist, so ist's genug, wenn dich mein Geist genießt. Christian c, Richter 1676—1711. 287 Choralbuch 46(104). Eꝰ glänzet der Christen in⸗ wendiges Leben, ob— gleich sie von außen die Son⸗ ne verbrannt. Was ihnen der König des Himmels ge⸗ geben, ist keinem als ihnen nur selber bekannt. Was nie⸗ mand verspüret, was nie⸗ Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit mand berühret, hat ihre er⸗ leuchteten Sinne gezieret und sie zu der göttlichen Würde geführet. 2. Sie scheinen von außen oft arm und geringe, ein Schauspiel den Engeln, ein Spott für die Welt; und innerlich sind sie voll herr⸗ licher Dinge, der Zierat, die Krone, die Jesu gefällt, das Wunder der Zeiten, die hier sich bereiten, dem König, der unter den Lilien weidet, zu dienen, mit heiligem Schmuk⸗ ke bekleidet. 3. Sonst sind sie wohl Adams natürliche Kinder und tragen das Bildnis des Irdischen auch; sie leiden am Fleische wie andere Sün⸗ der, sie essen und trinken nach nötigem Brauch; in eiblichen Sachen, in Sehla⸗ fen und Wachen sieht man sie vor andern nichts Sonder⸗ lichs machen, nur daß sie die Torheit der Weltlust verlachen. 4. Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme, die Gott durch sein kräftig Wort selber gezeugt, ein Funke, entzün⸗ det von göttlicher Flamme, ein Leben, von obenher freundlich gesäugt. Die En⸗ gel sind Brüder, die ihre Loblieder mit ihnen hold⸗ selig und wonniglich singen; das muß denn ganz herrlich, ganz prächtig erklingen. Christeustand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit 5. Sie wandeln auf Er⸗ den, und leben im Himmel; sie bleiben unmächtig, und schützen die Welt; sie schmek⸗ ken den Frieden bei allem Getümmel; sie haben, die Armsten, was ihnen gefällt. Sie stehen in Leiden, und bleiben in Freuden; sie scheinen ertötet den äußeren Sinnen, und führen das Le⸗ ben des Glaubens von innen. 6. Wann Christus, ihr Le⸗ ben, wird offenbar werden, wann er sich einst dar in der Herrlichkeit stellt, so werden sie mit ihm als Fürsten der Erden auch herrlich erschei— nen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren, mit ihm triumphieren, den Him⸗ mel als prächtige Lichter auszieren; da wird man die Freude gar offenbar spüren. 7. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, dieweil du den göttlichen Samen geneußt! Denn das ist des Ewigen göttliches Siegel zum Zeugnis, daß er dir noch Segen verheißt: du sollst noch mit ihnen aufs prächtigste grünen, wann erst ihr verborgenes Leben erscheinet, wonach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 8. O Jesu, verborgenes Leben der Seelen, du heim⸗ liche Zierde der inneren Welt, laß deinen verbor⸗ genen Weg uns erwählen, wenngleich uns die Schmach deines Kreuzes entstellt! Hier übel genennet und wenig erkennet, hier heim⸗ lich mit Christo im Vater gelebet, dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet! Christian Friedrich Richter 1676—1711. ** Choralbuch 141(14): 288 O daß ich tausend Zungen hätte. err, von unendlichem Er⸗ barmen, du unergründ⸗ lich Liebesmeer, ich danke dir mit andern Armen, mit einem ganzen Sünderheer, für deine Huld in Jesu Christ, die vor der Welt gewesen ist. 2. Für dein so allgemein Erlösen, für die Bezahlung aller Schuld, für deinen Ruf an alle Bösen und für das Wort von deiner Huld, ja für die Kraft in deinem Wort dankt dir mein Herze hier und dort. 3. Für deinen heil'gen Geist der Liebe, der Glauben wirkt in unsrem Geist, für dieses Glaubens Kraft und Triebe, wodurch sich deine Macht er⸗ weist, für die Befestigung darin dankt dir mein neu⸗ geschaffner Sinn. 4. Für dein so tröstliches Versprechen, daß deine Gnade ewig sei(wenn Berge stürzen, Hügel brechen, so bleibt dein Bund und deine Treu; wenn Erd und Him⸗ mel weicht und fällt, so lebt doch Gott, der Glauben hält); 5. für deine teuren Sakra⸗ mente, die Siegel deiner wahren Schrift, wo Gott, damit ich glauben könnte, ein Denkmal seiner Wunder stift't: für diese Gnaden in der Zeit dankt dir mein Herz in Ewigkeit. 6. Ja, Mund und Herze soll dir danken; doch bittet auch mein Herz und Mund: Laß weder Mund noch Herze wanken und gründe mich auf diesen Grund; erhalte nur durch deine Treu mich bis ans Ende auch dabei! 7. Laß mir dein allgemein Erbarmen, das allgemeine Lösegeld, den allgemeinen Ruf der Armen, den all⸗ gemeinen Trost der Welt, die Mittel, welche allgemein, den festen Grund des Glau⸗ bens sein! 8. Du gabst ja mir auch solche Gnaden, auch ich, ich habe teil daran; ich lag ja mit in gleichem Schaden, für mich ist auch genug ge⸗ tan; an deinen Worten, Trost und Heil gehört mir mein besondres Teil. 9. An diesem kann ich nun erkennen, daß ich dein Kind in Gnaden bin; du willst mir selbst die Ehre gönnen, du gabst den Sohn für mich Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit dahin; der war den Sün⸗ dern zugezählt, in dem die Sünder auserwählt. 10. Laß mich in Liebe heilig leben, unsträflich dir zum Lobe sein; versichere mein Herz daneben: es reiße keine Lust noch Pein mich von der Liebe Gottes hin, weil ich in Jesu Christo bin. 11. Tod, Leben, Trübsal, Angst und Leiden, was Welt und Hölle in sich schließt, nichts soll mich von der Liebe scheiden, die da in Christo Jesu ist. Ja, amen, Vater aller Treu, zähl mich den Auserwählten bei! Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 200(177): 289 Wie nach einer Wasser⸗ quelle. w'ge Liebe! Mein Ge⸗ müte waget einen kühnen Blick in den Abgrund deiner Güte. Send ihm einen Blick zurück, einen Blick voll Heiterkeit, der die Finster⸗ nis zerstreut, die mein blödes Auge drücket, wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe, daß du dich beweget hast und aus einem freien Triebe den erwünschten Schluß ge— faßt: der im Fluch versenk⸗ ten Welt durch ein teures Lösegeld, durch des eignen Sohnes Sterben, Gnad und Freiheit zu erwerben. Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit 3. O ein Ratschluß voll Er⸗ barmen, voller Huld und Freundlichkeit, der solch einer Welt voll Armen Gnade, Trost und Hilfe beut; Liebe, die den Sohn nicht schont, der in ihrem Schoße wohnt, um die Sünder zu erretten aus den schweren Sündenketten! 4. Doch du hast, o weise Liebe, eine Ordnung auch bestimmt, daß sich der dar— innen übe, der am Segen Anteil nimmt: wer nur an den Mittler gläubt und ihm treu ergeben bleibt, der soll nicht verloren ge⸗ hen, sondern Heil und Le⸗ ben sehen. 5. Diesen Glauben anzu⸗ zünden, der ein Werk des Himmels heißt, lässest du dich willig finden, deinen teuren, guten Geist denen, die gebeuget stehn und ihr Anvermögen sehn und zum Thron der Gnade ei⸗ len, gern und reichlich mit⸗ zuteilen. 6. Liebe, laß mich dahin streben, meines Heils gewiß zu sein; richte selbst mein ganzes Leben so nach dei— nem Willen ein, daß des Glaubens Frucht und Kraft, den dein Geist in mir ge⸗ schafft, mir zum Zeugnis dienen möge, daß ich auf dem Himmelswege. 7. Laß mich meinen Namen schauen in dem Buch des Lebens stehn, alsdann werd ich ohne Grauen selbst dem Tod entgegengehn; keine Kreatur wird mich als dein Erbgut ewiglich deiner Hand entreißen können noch von deiner Liebe trennen. Johann Jakob Rambach 1693—1735. Choralbuch 195(157): 290 Wer nur den lieben Gott läßt walten. ch weiß von keinem an⸗ dern Grunde, als den der Glaub in Christo hat ich weiß von keinem andern Bunde, von keinem andern Weg und Rat, als daß man elend, arm und bloß sich legt in Christi Arm und Schoß. 2. Ich bin zu meinem Hei⸗ land kommen und eil ihm immer besser zu; ich bin auch von ihm aufgenommen und finde bei ihm wahre Ruh. Er ist mein Schatz, mein Erb und Teil, und außer ihm weiß ich kein Heil. 3. Ich bleib in Christo nun erfunden und bin in ihm gerecht und rein; bleib ich mit ihm nur stets verbunden, so kann ich immer sicher sein. Gott sieht mich auch in Christo an: wer ist's, der mich verdammen kann? 4. Ich fühle zwar noch in mir Sünde. Allein die scha⸗ det mir nicht mehr, dieweil ich mich in Christo finde; doch aber beuget sie mich sehr. Ich halte nichts gering und klein, sonst dringt ein sichres Wesen ein. 5. Ich kämpfe gegen mein Verderben, doch gläubig und in Christi Kraft; der alte Mensch muß täglich sterben, der noch nicht tot am Kreuze haft't. Jedoch dies macht mich arm und klein und lehrt nach Christo ernstlich schrein. 6. And da ich so in Christo bleibe, stets vor ihm wan⸗ delnd auf ihn seh, das Wort des Friedens immer treibe und unablässig zu ihm fleh, so bleib ich stets im Grunde stehn; da kann mein Wachstum vor sich gehn. 7. Ich bleib im tiefsten Demutsgrunde und will von Christo nimmer gehn; ich bleib im allgemeinen Bunde, in allgemeiner Liebe stehn und hang an Christo ganz allein; dies soll mein Grund auf ewig sein. 8. O Jesu, laß mich in dir bleiben und nie von deiner Seite gehn; laß mich den Geist des Glaubens treiben und fest in deinem Frieden stehn, stets wachsam, still und niedrig sein: so reißet nichts den Grund mir ein. Karl Heinrich von Bogatzly 1690—1774. Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit Choralbuch 129 C0): Nun danket all und bringet Ehr.(Auch nach Choralbuch 109(59): Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich.) Die Gnade wird doch ewig sein, die Wahrheit doch gewiß, bräch auch des Him⸗ mels Feste ein und sänk in Finsternis. 2. Gott ist kein Mensch, den etwas reut, und sein Wort bricht er nie; die Gnade währt nicht kurze Zeit, auf ewig währet sie. 3. Hat er uns Gnade zu⸗ gesagt, so bleibt er fest da⸗ bei; und wenn uns Furcht und Zweifel plagt, so bleibt doch er getreu. 4. Mein Herz, so stelle dich getrost auf diese Gnade hin, daß Gott mich ewig nicht verstoßt, weil ich in Zesu bin. 5. In Jesu liegt der Gnade Grund, da nimmt der Glaͤube teil; mein Heiland, an dem Kreuz verwund't, macht meine Seele heil. 6. O Gnade, daß mein Glaube dich recht herzhaft fassen könnt, so lang, bis meine Seele sich von meinem Leibe trennt! J. Herr, deine Gnade mache mich in mir recht arm und klein; denn nur in dir allein kann ich erst groß und herr⸗ lich sein. 8. Herr, lasse nichts von mir geschehn, die Gnade sei Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit denn mit; laß deine Gnade mit mir gehn bis zu dem letzten Schritt. 9. Kommt dann dein großer Tag herbei, so laß im Auf⸗ erstehn, daß deine Gnade ewig sei, mich auch im Him- mel sehn. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 119(123): 292 Mein ZJesus lebt! Was soll ich sterben. As Gnaden soll ich selig werden! Herz, glaubst du's, oder glaubst du's nicht? Was willst du dich so blöd gebärden? Ist's Wahrheit, was die Schrift verspricht, so muß auch dieses Wahr⸗ heit sein: Aus Gnaden ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen, die eignen Werke fallen hin. Er, der aus Lieb im Fleisch erschie⸗ nen, hat diese Ehre zum Gewinn, daß uns sein Tod das Heil gebracht und uns aus Gnaden selig macht. 3. Aus Gnaden! Merk dies Wort: Aus Gnaden! so hart dich deine Sünde plagt, so schwer du immer bist be⸗ laden, so oft dich dein Ge⸗ wissen nagt. Was die Ver⸗ nunft nicht fassen kann, das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden und über⸗ nahm die Sündenlast. Was nötigt' ihn, dein Freund zu werden? Sag's, wo du was zu rühmen hast? War's nicht, daß er dein Bestes wollt und dir aus Gnaden helfen sollt? 5. Aus Gnaden! Dieser Grund wird bleiben, so⸗ lange Gott wahrhaftig heißt. Was alle Knechte Jesu schrei⸗ ben, was Gott in seinem Worte preist, worauf all unser Glaube ruht, ist Gnade durch des Lammes Blut. 6. Aus Gnaden! Doch, du sichrer Sünder, denk nicht: Wohlan, ich greif auch zu! Wahr ist's, Gott ruft ver⸗ lorne Kinder aus Gnaden zur verheißnen Ruh; doch den geht seine Gnad nicht an, der noch auf Gnade sünd'gen kann. 7. Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret, tret ab von aller Heuchelei. Nur wenn der Sünder sich bekehret, dann lernt er erst, was Gnade sei. Beim Sünd'gen scheint die Gnad gering; dem Glau⸗ ben ist's ein Wunderding. 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen das Herz des Vaters aufgetan, wenn's unter den Verzweiflungs⸗ schmerzen nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm ich oftmals Stärkung her, wenn Gnade nicht mein Anker wär? 9. Aus Gnaden! will ich sterben. Hierauf Ich fühle Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit nichts, doch mir ist wohl; ich kenn mein sündliches Ver⸗ derben, doch den auch, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, die Seele lacht, weil mich die Gnade selig macht. Christian Ludwig Scheidt 17⁰9—1761. Choralbuch 119(123): 293 Mein Jesus lebt! Was soll ich sterben. ch glaube, Herr(hilf mei⸗ nem Glauben!), daß du der große Jesus bist, der, unsrem Feind den Raub zu rauben, vom hohen Himmel kommen ist. Omach in diesem Glauben stark mein Herz und all mein Lebensmark! 2. Der Glaube machet arme Sünder getrost, erhöht, und dennoch klein; sie sollen Gottes liebe Kinder, Ge⸗ schwister seines Sohnes sein. Ach schenk mir solchen Glau⸗ ben, Herr; hilf mir zu sol⸗ chem Glück und Ehr! 3. Der Glaub ist tätig durch die Liebe: wer glaubt, der liebet ganz gewiß. Die Liebe wirket Lichtestriebe, man lebt nicht mehr in Finsternis, man hat und liebt die Gei⸗ steszucht. Herr, hilf zur Wurzel und zur Frucht! 4. Der Glaube flieht das Erdgetümmel, das eitle We⸗ sen dieser Welt, daß man sich an den ew'gen Himmel, als wenn man ihn schon sähe, hält; man krieget einen an⸗ dern Sinn. Herr, hilf, daß ich so gläubig bin! 5. Der Glaube stärkt in Not und Schmerzen und schenket einen Heldenmut. Durch ihn wohnt Christus in dem Her⸗ zen; man fühlt die Kraft von seinem Blut und spricht: Das Himmelreich ist mein. Herr, laß mich immer gläu⸗ big sein! 6. Der Glaub macht willig zu dem Sterben, versüßt des Todes Angst und Pein; man soll des Heilands Güter erben und schläfet drauf im Frieden ein; die Seele kommt in ihre Ruh. Herr Jesu, hilf auch mir dazu! J. Der Glaube hat ein teures Ende, das ist der Seelen Seligkeit. Man drückt den Freunden noch die Hände und spricht:„Nun, seid auch ihr bereit; ich gehe vor, folgt munter nach!“ Herr, gib mir diese Glaubenssprach! 8. Der Glaub ist not; es ist unmöglich, daß man sonst Gott gefallen kann. Doch ist das Vaterherz beweglich; er gibt, klopft man nur herzlich an, den Glauben gern in reichem Maß. Herr, hilf, ich bitt ohn Anterlaß! 9. Ich glaube; Herr, hilf mir zum Glauben! O mach ihn von der rechten Art, daß mir kein Feind ihn könne rau⸗ ben und daß ich bleibe drin bewahrt, bis ich nach meiner Christenstand. Nechtfertigung und Heilsgewißheit Glaubenszeit dich schauen darf in Ewigkeit. Hieronymus Annoni 1697—1770. Choralbuch 195(157): 294 Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mir ist Erbarmung wider⸗ fahren, Erbarmung, deren ich nicht wert. Das zähl ich zu dem Wunder⸗ baren; mein stolzes Herz hat's nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. 2. Ich hatte Gottes Zorn verdienet, und soll bei Gott in Gnaden sein; er hat mich mit sich selbst versühnet und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Wo kam dies her? Warum geschicht's? Erbar⸗ mung ist's und weiter nichts! 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen; das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt. Ich kann es nur Er⸗ barmung nennen, so ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut und rühme die Barmher⸗ zigkeit. J. Dies lass' ich kein Geschöpf mir rauben, dies soll mein einzig Rühmen sein; auf dies Erbarmen will ich glau⸗ ben, auf dieses bet ich auch allein; auf dieses duld ich in der Not, auf dieses hoff ich in dem Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, nimm dein Er⸗ barmen nicht von mir und führe durch den Tod mich Armen durch meines Hei⸗ lands Tod zu dir! Da bin ich ewig recht erfreut und rühme die Barmherzigkeit. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. 295 Choralbuch 115(196). Mein Glaub ist meines Lebens Ruh und führt mich deinem Himmel zu, o du, an den ich glaube! Ach gib mir, Herr, Beständigkeit, daß diesen Trost der Sterb⸗ lichkeit nichts meiner Seele raube. Tief präg es meinem Herzen ein, welch Glück es ist, ein Christ zu sein. 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht zu deiner Ewig⸗ keit ein Recht durch deinen Tod erworben. Nun bin ich nicht mehr Asch und Staub, nicht mehr des Todes ew'ger Raub: du bist für mich ge⸗ storben. Mir, der ich dein Erlöster bin, ist dieses Leibes Tod Gewinn. 3. Ich bin erlöst und bin ein Christ; mein Herz ist ruhig und vergißt die Schmerzen dieses Lebens. Ich dulde, was ich dulden soll, und bin des hohen Trostes voll: ich leide nicht vergebens. Gott selber mißt mein Los mir zu: hier kurzen Schmerz, dort ew'ge Ruh. 4. Gelobt sei Gott! Ich bin ein Christ, und seine Gnad und Wahrheit ist an mir auch nicht vergebens. Sein Wort hilft mir zur Heili⸗ gung; die Gnade wirkt Er⸗ neuerung des Herzens und des Lebens. Gott, präg es meinem Herzen ein, welch Glück es ist, ein Christ zu sein! Balthasar Münter 1735— 1793. Choralbuch 166(12): 296 Sieh, bier bin ich, Ehrenkönig. Die Beschwerden dieser Erden häufen sich noch immerzu, und im Streiten dieser Zeiten hat man nir⸗ gend wahre Ruh. Wo ist Friede für uns Müde? Du bist's, treuer Jesu, du. 2. Sünden schmerzen oft im Herzen, und kein Fried ist im Gebein; unverbunden sind die Wunden; Jesu, dein Blut heilt allein. Dein Ver⸗ sühnen kann uns dienen; du mußt unser Friede sein. 3. In der Eile fahren Pfeile oft vom Argen auf uns dar; Jesus schützet, Glaube nützet als ein Schild uns in Gefahr. So ist Frie⸗ den uns beschieden, weil der Heiland Sieger war. 4. Ans bekriegen Haß und Lügen zwar von außen in der Welt; doch von innen kann's gewinnen, wer Ge⸗ duld und Glauben hält. Nichts heißt Schade, wenn Christenstand. Rechtfertigung und Heilsgewißheit nur Gnade unser Herz zu⸗ 5. O Erlöser! Noch viel größer ist der Friede jener sind Palmen, die ein Aber⸗ winder hat. Nimm mich Mü⸗ wird niemand lebenssatt. Philipp Friedrich Hiller Choralbuch 155 39: O Welt, ich muß dich ie Sünden sind vergeben! Das ist ein Wort zum Geist; sie sind's in Jesu Na⸗ men, in dem ist ja und amen, verheißt. 2. Das ist auch mir geschrie⸗ Lieben, weil Gott die Welt geliebt; auch ich kann für die finden; ich glaube, daß er mir vergibt. Erden soll die Vergebung werden, so wird mein Tod den sterben ist ewiges Ver⸗ derben! Denn wer will dann 4. Hier ist die Zeit der Gna⸗ den, der Angst sich zu ent⸗ ruhn, die Seele zu erretten, zu glauben und zu beten, und friedenstellt. Stadt; da sind Psalmen, da den hin im Frieden! Dort 1699—1769. 297⁷ lassen. Leben für den gequälten was Gott uns Sündern je ben: auch ich bin von den Sünden bei Gott noch Gnade 3. Mein Hauptgesuch auf nicht schwer. O, in den Sün⸗ bestehen, wer? laden, auf Gottes Wort zu das in Jesu Namen tun. 7* Buße 5. Ach Gott, laß meiner Seelen den Trost doch nie⸗ mals fehlen, daß du die Schuld vergibst. Wenn ich mich betend beuge, so sei dein Geist mein Zeuge, daß du dein Kind in Christo liebst. 6. Wenn ich von hinnen scheide, so mach mir das zur Freude, daß ich begnadigt bin. Im Glauben der Ver⸗ gebung, in Hoffnung der Belebung geh ich alsdann im Frieden hin. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Buße Choralbuch 18(135), 298 und 19(13). Ps. 130. Ais tiefer Not schrei ich zu dir. Herr Gott, er⸗ hör mein Rufen; dein gnä⸗ dig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt es öffne! Denn so du willst das sehen an, was Sünd und Anrecht ist getan, wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben; es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir nie⸗ mand sich rühmen kann; des muß dich fürchten jedermann und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hof⸗ fen ich, auf mein Verdienst nicht bauen; auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein wertes Wort; das ist mein Trost und treuer Hort, des will ich allzeit harren. 4. And ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, doch soll mein Herz an Gottes Macht verzwei⸗ feln nicht noch sorgen. So tu Israel rechter Art, der aus dem Geist erzeuget ward und seines Gottes harre. 5. Ob bei uns ist der Sün⸗ den viel, bei Gott ist viel mehr Gnade; sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. Martin Luther 1483- 1546. 299 Choralbuch 7(137). A zu dir, Herr Jesu Christ, mein' Hoffnung steht auf Erden; ich weiß, daß du mein Heiland bist, kein Trost mir sonst mag werden. Kein Menschenkind ward je geborn, wie auch kein Engel auserkorn, der mir aus Nöten helfen kann; dich ruf ich an, dem ich mich ganz vertrauen kann. 2. Mein' Sünd ist schwer und übergroß und reuet mich von Herzen; derselben mach mich frei und los durch dei⸗ nen Tod und Schmerzen. Ach zeig mich deinem Vater an, daß du für mich hast gnug getan, so werd ich los der Sündenlast; mein Glaube faßt, was du mir, Herr, ver⸗ sprochen hast. 3. Gib mir durch dein' Barmherzigkeit den rechten Christenglauben und daß ich hier dein' Gütigkeit mög in⸗ niglich beschauen, vor allem herzlich lieben dich und mei⸗ nen Nächsten gleich als mich. Dein' Hilf mir send am letzten End, damit behend des Teufels Trug sich von mir wend. 4. Ehr sei Gott in dem höch⸗ sten Thron, dem Vater aller Güte, und Jesu Christo, sei⸗ nem Sohn, der woll uns all behüten, auch Gott, dem werten heil'gen Geist, der uns sein' Hilfe allzeit leist, damit wir ihm gefällig sei'n hier in der Zeit und folgen ihm in Ewigkeit. Str. 1—3 von Konrad Hubert 1507—1577; Str. erstmals 1540. Choralbuch 18(135): 300 Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Ps. 51, 11—14. Sbaff in mir, Gott, ein reines Herz! Mein Herz ist ganz verderbet; es fühlet von der Sünde Schmerz, die ihm ist angeerbet und die es Buße noch tut ohne Scheu. Ach mache, daß es wieder sei, wie du's zuerst erschaffen. 2. Gib mir auch einen neuen Geist, der wie du sei ge⸗ sinnet, der stets dir anhang allermeist und, was du willst, beginnet; gib, daß ich hasse Fleisch und Blut, den Glauben üb in sanftem Mut, Zucht, Demut, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem An⸗ gesicht, ob ich es gleich ver⸗ dienet, mich, o getreuer Va⸗ ter, nicht, weil Jesus mich versühnet. Ach laß doch nun und nimmermehr mich, dein Kind, fallen also sehr, daß du es von dir stoßest. 4. Den heil'gen Geist nimm nicht von mir; den bösen Geist vertreibe, damit er mich nicht nehme dir und ich stets deinebleibe.Beherrschet mein Herz, Sinn und Mut der heil'ge Geist, so ist es gut im Leben und im Sterben. 5. Mit deiner Hilfe tröste mich, hilf und vergib die Sünden; wenn meine Seele suchet dich, so laß dich von ihr finden und dein Ver⸗ dienst, Herr Jesu Christ, dar⸗ innen Trost und Leben ist, trotz Sünde, Tod und Teufel. 6. Dein freud'ger Geist er⸗ halte mich und stärke meine Seele, damit sie nun und nimmer sich mit Furcht und Zweifeln quäle. Sei meine Buße Freude du allein; ach laß mich deine Freude sein und führe mich zur Freude! Ludämilie, Gräfin von Schwarz— burg⸗Rudolstadt 1640—1672. 301 Choralbuch 1(15). A Gott und Herr, wie groß und schwer sind mein'begangneSünden! Da ist niemand, der helfen kann, auf dieser Welt zu finden. 2. Lief ich gleich weit zu dieser Zeit bis an der Welt ihr Ende und wollt los sein des Kreuzes mein, würd ich es doch nicht wenden. 3. Zu dir flieh ich; verstoß mich nicht, wie ich's wohl hab verdienet. Ach geh doch nicht, Gott, ins Gericht! Dein Sohn hat mich ver— sühnet. 4. Soll's ja so sein, daß Straf und Pein auf Sünde folgen müssen, so fahr hie fort; nur schone dort und laß mich hie wohl büßen. 5. Gib, Herr, Geduld, ver⸗ giß der Schuld; schaff ein gehorsam Herze, daß ich nur nicht, wie's wohl geschicht, murrend mein Heil ver⸗ scherze. 6. Handle mit mir, wie's dünket dir,— durch dein' Gnad will ich's leiden; nur wollst du mich nicht ewig⸗ lich, mein Gott, dort von dir scheiden. 1613. 302 Cooralbuch 81(130. üter, wird die Nacht der Sünden nicht verschwin⸗ den? Hüter, ist die Nacht schier hin? Wird die Fin⸗ sternis der Sinnen bald zer⸗ rinnen, darein ich verhüllet bin? Jes. 21, 11. 2. Möcht ich wie das Rund der Erden lichte werden! Seelensonne, gehe auf! Ich bin finster, kalt und trübe; komm, o Liebe, komm, be⸗ schleunige den Lauf! 3. Wir sind ja im Neuen Bunde, da die Stunde der Erscheinung kommen ist; und ich muß mich stets im Schat⸗ ten so ermatten, weil du mir so ferne bist. 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, da du kommen; aber ich bin lauter Nacht. Darum wollst du mir, dem Deinen, auch erscheinen, der nach Licht und Rechte tracht't. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke ohne Stärke in der Finsternis vollziehn? Wie kann ich die Liebe üben, Demut lieben und der Nacht Geschäfte fliehn? 6. Hilf doch, daß sich meine Seele nicht so quäle, zünd dein Feuer in mir an; laß mich finstres Kind der Erden helle werden, daß ich Gutes wirken kann. 7. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht geben; Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblik⸗ ken und erquicken, Jesus muß die Sonne sein. 8. Nur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, seine Klarheit kann nicht ein; wenn sein helles Licht den Seinen soll erscheinen, so muß rein das Auge sein. 9. Jesu, gib gesunde Augen, die was taugen; rühre meine Augen an! Denn das ist die größte Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann. Christian Friedrich Richter 1676—1711. 303 Choralbuch 99(133). Keore wieder, kehre wie⸗ der, der du dich ver— loren hast; sinke reuig bit⸗ tend nieder vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen und wirst gnädig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, und sein heilig Wort verspricht dir Ver⸗ gebung, Heil und Segen. Kehre wieder, zaudre nicht! 2. Kehre aus der Welt Zer⸗ streuung in die Einsamkeit zurück, wo in geistiger Er⸗ neuung deiner harrt ein neues Glück, wo sich bald die Stürme legen, die das Herz so wild bewegen, wo des heil'gen Geistes Mahnen Buße du mit stillem Beben hörst und von neuem zu den Fahnen ZJesu Christi heilig schwörst. 3. Kehre wieder, irre Seele! Deines Gottes treues Herz beut Vergebung deinem Fehle, Balsam für den Sün⸗ denschmerz. Sieh auf den, der voll Erbarmen dir mit ausgestreckten Armen winket von dem Kreuzesstamme. Kehre wieder, fürchte nicht, daß der Gnäd'ge dich ver⸗ damme, dem sein Herz vor Liebe bricht. 4. Kehre wieder! Neues Leben trink in seiner Liebes⸗ huld; bei dem Herrn ist viel Vergeben, große Langmut und Geduld. Fass' ein Herz zu seinem Herzen: er hat Trost für alle Schmerzen, er kann alle Wunden heilen, macht von allen Flecken rein. Darum kehre ohne Weilen zu ihm um und bei ihm ein! 5. Kehre wieder, endlich kehre in der Liebe Heimat ein, in die Fülle aus der Leere, in das Wesen aus dem Schein, aus der Lüge in die Wahrheit, aus dem Dunkel in die Klarheit, aus dem Tode in das Leben, aus der Welt ins Himmel⸗ reich! Doch, was Gott dir heut will geben, nimm auch heute,— kehre gleich! Philipp Spitta 1801—1859. Buße 30 4 Choralbuch 95(82): Jesus, meine Zuversicht. esus nimmt die Sünder an! Sagt doch dieses Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf ver⸗ kehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Je⸗ sus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade sind wir wert; doch er hat in seinem Worte klar und liebreich sich erklärt. Sehet nur, die Gna⸗ denpforte ist hier völlig auf⸗ getan: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergißt, suchet treulich das Verirrte, daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an. 4. Kommet alle, kommet her, kommet, ihr betrübten Sün⸗ der! Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Got⸗ tes Kinder. Glaubet's doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Ich Betrübter komme hier und bekenne meine Sünden; laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade zur Ver⸗ gebung finden, daß dies Wort mich trösten kann: Je⸗ sus nimmt die Sünder an. 6. Ich bin ganz getrosten Muts; ob die Sünden blut⸗ rot wären, müssen sie kraft deines Bluts dennoch sich in Schneeweiß kehren, da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 7. Jesus nimmt die Sünder an! Mich hat er auch an⸗ genommen, mir den Him⸗ mel aufgetan, daß ich selig zu ihm kommen und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. Erdmann Neumeister 1671175⁵6. Choralbuch 18(135): 305 Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Num hin meinHerz, Gott, nimm es an! Ich bring es dir zur Gabe; ich bring es dir, so gut ich's kann, so schwach und arm ich's habe. Ich weiß doch, du ver⸗ schmähst es nicht, soviel dem Opfer auch gebricht, das ich dir willig weihe. 2. Nimm, o mein Heiland, nimm es hin, du Herz voll ew'ger Liebe! Mein Herz ist voller Eigensinn und voll verkehrter Triebe; es hängt an Welt und eitler Lust. Doch ist dir's auch, o Herr, bewußt, ich kann's nicht selbst be⸗ kehren. 3. Mach du's zu deinem rei⸗ nen Haus, das dir gefallen könne; was dir zuwider, reiß heraus, daß dich und mich nichts trenne. Entsünd'ge mich mit deinem Blut, gib mir den Geist, dann werd ich gut, dann fang ich an zu leben. 4. Herr, gib— und kost es immerhin dem Fleische tau⸗ send Schmerzen—, Herr, gib mir einen neuen Sinn, ein Herz nach deinem Herzen, ein Herz, das dich mit Freu⸗ den ehrt, das kindlich deine Stimme hört und deinen Namen fürchtet. 5. Gib mir ein Herz, das dich forthin mit Vorsatz nie betrübet; ein Herz, das dich mit lautrem Sinn aus allen Kräften liebet; ein Herz, das nur für dich entbrennt und keine falsche Liebe kennt; ein Herz voll Kraft und Glauben. 6. Gib mir ein Herz, das deine Zucht, wenn sich's ver⸗ fehlt, bald spüret; ein Herz, das keine Straße sucht, als die zum Himmel führet; ein Herz, das auch in Not und Pein zu dir die Zuflucht nimmt allein und auch im Kreuz dich preiset; 7. ein Herz, das Freund' und Feinde liebt und nichts haßt als die Sünden; ein Herz, das täglich mehr sich übt, sich stets in dir zu fin⸗ den; ein Herz, das immer droben ist, dort, wo du bist, Herr Jesu Christ, zu deines Vaters Rechten. 8. Herr, gibst du mir ein solches Herz, was will ich mehr verlangen? Dann bleib ich fest in Freud und Schmerz an deinerLiebe hangen; dann Buße bin ich dein, und du bist mein; dann werd ich einst dort oben sein und selig dich umfangen. 1763. Choralbuch 18(135): 306 Aus tiefer Not schrei ich zu dir. err Jesu Christ, du höch⸗ stes Gut, du Brunn⸗ quell aller Gnaden, sieh doch, wie ich in meinem Mut mit Schmerzen bin beladen und in mir hab der Pfeile viel, die im Gewissen ohne Ziel mich armen Sünder quälen. 2. Erbarm dich mein in sol⸗ cher Last, nimm sie aus mei⸗ nem Herzen, dieweil du sie gebüßet hast am Holz mit Todesschmerzen, auf daß ich nicht vor großem Weh in meinen Sünden untergeh und ewiglich verzage. 3. Fürwahr, wenn mir das kommet ein, was ich mein' Tag' begangen, so fällt mir auf das Herz ein Stein und bin mit Furcht umfangen; ja ich weiß weder aus noch ein und müßte gar verloren sein, wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Allein dein heilsam Wort, das macht mit seinem süßen Singen, daß mir das Herze wieder lacht und neu be— ginnt zu springen, dieweil es alle Gnad verheißt denen, die mit zerknirschtem Geist zu dir, o Jesu, kommen. 5. So komm ich denn zu dir Buße allhie in meiner Angst ge⸗ schritten und will dich mit gebeugtem Knie von ganzem Herzen bitten: Verzeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Lebtag wider dich auf Erden hab begangen. 6. O Herr, vergib, vergib mir's doch um deines Na⸗ mens willen; du wollst ab⸗ tun das schwere Joch, der Sünden Jammer stillen, daß sich mein Herz zufriedengeb und dir hinfort zu Ehren leb mit kindlichem Gehorsam. 7. Stärk mich mit deinem Freudengeist, heil mich durch deine Wunden, tröst mich durch deinen Tod, zumeist in meiner letzten Stunden, und nimm mich einst, wann dir's gefällt, im rechten Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten. Bartholomäus 1550. 809. 530—1599. Choralbuch 18(135): 307 Aus tiefer Not schrei ich zu dir. — Vater der Barmherzig— keit, ich falle dir zu Fuße: Verstoß den nicht, der zu dir schreit und tut noch endlich Buße; was ich begangen wider dich, verzeih mir alles gnädiglich durch deine große Güte. 2. Durch deiner Allmacht Wundertat nimm von mir, was mich quälet; durch deine Weisheit schaffe Rat, wor— innen mir's sonst fehlet; gib Willen, Mittel, Kraft und Stärk, daß ich mit dir all meine Werk anfange und vollende. 3. O Jesu Christe, der du hast am Kreuze für mich Armen getragen aller Sün⸗ den Last, wollst meiner dich erbarmen! O wahrer Gott, o Davids Sohn, erbarm dich mein und mein verschon, sieh an mein kläglich Rufen! 4. O heil'ger Geist, du wah⸗ res Licht, Regierer der Ge⸗ danken, wenn mich die Sün⸗ denlust anficht, laß mich von dir nicht wanken. Verleih, daß nun und nimmermehr Begier nach Wollust, Geld und Ehr in meinem Herzen herrsche. 5. And wenn mein Stünd⸗ lein kommen ist, so hilf mir treulich tämpfen, daß ich des Satans Trutz und List durch Christi Sieg mög dämpfen. auf daß mir Krankheit, Angst und Not und dann der letzte Feind, der Tod, nur sei die Tür zum Leben. Hannoverisches Gesangbuch 1646. 308 Choralbuch 101(138). Kemmt her zu mir,“ — spricht Gottes Sohn, „ihr, denen mit der Sünde Lohn das Herz ist schwer beladen. Ihr Jungen, Alten, Frau und Mann, ich will euch geben, was ich kann. will heilen euern Schaͤden. 2. Mein Joch ist sanft, leicht meine Last; und jeder, der sie willig faßt, der wird der Höll entrinnen. Ich helf ihm tragen, was zu sehwer; mit meiner Hilf und Kraft wird er das Himmelreich ge— winnen. 3. Was ich gelitten und getan in meinem Leben, schauet an, das sollt ihr auch erfüllen. Was ihr gedenket, sprecht und tut, das geht nur selig, recht und gut, wenn's geht nach Gottes Willen.“ 4. Gern wollt die Welt auch selig sein, wenn nur nicht wär die schwere Pein, die alle Christen leiden. Doch mag es anders ja nicht sein; darum ergeb sich nur darein, wer ew'ge Pein will meiden. 5. Heut ist der Mensch schön, jung und schlank, sieh, mor⸗ gen ist er schwach und krank, bald muß er auch gar sterben; gleichwie die Blumen auf dem Feld, also wird diese schöne Welt in einem Nu verderben. 6. Die Welt erzittert ob dem Tod; wenn einer liegt in letzter Not, dann will er erst fromm werden. Er schaffte dies, er schaffte das, der armen Seel er ganz vergaß, dieweil er lebt' auf Erden. 7. And wenn er nimmer Buße leben kann, so hebt er große Klage an, will sich erst Gott ergeben. Ich fürcht fürwahr, die göttlich Gnad, die er allzeit verschmähet hat, werd schwerlich ob ihm schweben. 8. Dem Reichen hilft doch nicht sein Gut, dem Jungen nicht sein stolzer Mut, er muß aus diesem Maien. Wenn einer hätt die ganze Welt, Silber und Gold und alles Geld, doch muß er an den Reihen. 9. Gelehrten hilft nicht große Kunst, die weltlich Pracht ist gar umsonst: wir müssen alle sterben. Wer sich in Christo nicht bereit't, weil er lebt in der Gnadenzeit, ewig muß er verderben. 10. Höret und merkt, ihr lieben Kind', die jetzo Gott ergeben sind, laßt euch die Müh nicht reuen; bleibt fest am heil'gen Gotteswort, das ist eur Trost und höchster Hort; Gott wird euch schon erfreuen. 11. Schaut, daß ihr Guts um Ables gebt; schaut, daß ihr hie unschuldig lebt; laßt euch die Welt nur schelten; gebt Gott die Rach und alle Ehr; den schmalen Weg geht immer her! Der Welt wird Gott vergelten. 12. Wenn es ging' nach des Fleisches Mut, in Gunst, Gesundheit, großem Gut, ihr würdet bald erkalten. Darum Buße schickt Gott die Trübsal her, damit eur Fleisch gezüchtigt wär, zur ew'gen Freud er⸗ halten. 13. And was der ewig güt'ge Gott in seinem Wort ver⸗ sprochen hat, geschworn bei seinem Namen, das hält und gibt er euch fürwahr. Er helf uns zu der Engel Schar durch Jesum Chri⸗ stum! Amen. Georg Grünwald, 1 1530. Choralbuch 195(157): 309 Wer nur den lieben Gott läßt walten. D hast ja dieses meiner Seele, o Herr, gleich an⸗ fangs eingesenkt, daß sie in dieser Leibeshöhle nach was Anendlichem sich lenkt. Sie sucht und wünschet immerzu und findet nirgends ihre Ruh. 2. Gerechter Gott, wie hat die Sünde mir doch das Ziel so sehr verrückt, daß ich nun⸗ mehr auch gar nichts finde, was meine Seele recht er⸗ quickt. In dir alleine ist die Ruh; hilf, daß mein Herze komm dazu! 3. Ach mache von den Eitel⸗ keiten der Welt, o Herr, mich ganz befreit und ziehe mich von allen Seiten zurück von der Vergänglichkeit, damit ich durch solch Stillesein zur wahren Ruhe kehre ein. 4. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne,(sonst bin ich ein verloren Kind), daß er durch Glauben in mir wohne und ich in ihm die Ruhe find; denn durch den Glauben ist er mein, und ich bin durch den Glauben sein. 5. Sonst alles ist für nichts zu schätzen, es mag auch heißen, wie es will; Pracht, Reichtum kann mich nicht er⸗ götzen noch meine Seele machen still; was Kinder dieser Welt erfreut, bringt Gottes Kindern Traurigkeit. 6. Drum laß mich dich allein behalten, o Herr, mein aller⸗ höchstes Gut! O Jesu, wann ich soll erkalten, so stärke meinen blöden Mut und rede meiner Seele zu: Komm, gehe ein in deine Ruh! Str. 1—5 Johann Alrich Frommann 1669—1715; Str. 6 nach Freylinghausens Gesangbuch. Choralbuch 148(139): 310 O höchster Gott, o unser lieber Herre. (Auch nach Choralbuch 32(38): Der Tag ist hin.) Gul rufet noch. Sollt ich nicht endlich hören? Wie lass' ich mich bezaubern und betören! Die kurze Freud, die kurze Zeit vergeht, und meine Seel noch so gefähr— lich steht. 2. Gott rufet noch. Sollt ich nicht endlich kommen? Ich hab so lang die treue Stimm vernommenzich wußt es wohl, ich war nicht, wie ich sollt; er winkte mir, ich habe nicht gewollt. 3. Gott rufet noch. Wie, daß ich mich nicht gebe! Ich fürcht sein Joch und doch in Banden lebe! Ich halte Gott und meine Seele auf; er ziehet mich; mein armes Herze, lauf! 4. Gott rufet noch. Ob ich mein Ohr verstopfet, er stehet noch an meiner Tür und klopfet; er ist bereit, daß er mich noch empfang; er war⸗ tet noch auf mich. Wer weiß, wie lang? 5. Gib dich, mein Herz, gib dich einmal gefangen! Wo willst du Trost, wo willst du Ruh erlangen? Laß los, laß los; brich alle Band ent⸗ zwei! Dein Geist wird sonst in Ewigkeit nicht frei. 6. Gott locket mich. Nun länger nicht verweilet! Gott will mich ganz. Nun länger nicht geteilet! Fleisch, Welt, Vernunft, sag immer, was du willt, meins Gottes Stimm mir mehr als deine gilt. 7. Ich folge Gott, ich will ihn ganz vergnügen; die Gnade soll im Herzen end— lich siegen. Ich gebe mich; Gott soll hinfort allein und unbedingt mein Herr und Meister sein. 8. Ach nimm mich hin, du Langmut ohne Maße; er⸗ greif mich wohl, daß ich dich nie verlasse. Herr, rede nur/ Buße ich geb begierig acht; führ, wie du willst, ich bin in dei⸗ ner Macht. Gerhard Tersteegen1697—1769. Choralbuch 166(12): 3II Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig. Meine Seele voller Fehle suchet in dem Dunkeln Licht. Jesu, neige dich und zeige mir dein tröstlich An⸗ gesicht! Auf mein Flehen laß dich sehen und verbirg dich länger nicht! 2. Ich empfinde, meine Sünde sei an allem Kum⸗ mer schuld; ich gestehe dies und flehe um Vergebung, um Geduld. Du, mein Leben, kannst mir geben neue Gnade, neue Huld. 3. Ach von Herzen und mit Schmerzen such ich dich, mein Trost und Heil. Wie so lange ist es bange mei⸗ ner Seele! Komm in Eil, laß dich nieder, komme wie⸗ der, meines Herzens bestes Teil! 4. Richtig wandeln, weise handeln wollst du künftig mir verleihn; gib die Triebe reiner Liebe voller in mein Herz hinein. Welcher Segen ist zugegen, wenn es heißt: Du mein, ich dein! 5. Führe, leite, vollbereite mich, wie du mich haben willt; gib mir Klarheit, Geist und Wahrheit, daß ich gleich sei deinem Bild, daß man Buße merke, meine Stärke sei in dir, und du mein Schild, 6. bis im Lichte dein Ge⸗ sichte mir sich droben völlig zeigt, wann die Deinen nicht mehr weinen und die Klage⸗ stimme schweigt. Drum so zeige Weg und Steige, da man auf zum Himmel steigt. Magdalena Sibylla Rieger 17071/8⁸⁶. Choralbuch 182(20%): 312 Wachet auf! ruft uns die Stimme. ott, der du allen gütig, barmherzig, gnädig und langmütig, voll Treu, Ge⸗ duld und Liebe bist: schau, wie ich meine Sünde mit reuendem Gemüt empfinde, die groß und viel und greu⸗ lich ist. Schau, wie mich die⸗ ses schmerzt! Ich hab ver⸗ säumt, verscherzt deine Gna⸗ de, so große Huld, so viel Geduld, und zwar aus mei⸗ ner eignen Schuld. 2. Vergib mir dies Ver⸗ brechen! Denn, willst du unsre Sünden rächen, wer will vor deinem Zorn be— stehn? Du drohst, nach vie⸗ lem Locken ein Herz mit Blindheit zu verstocken, das nicht auf deinen Wink will sehn. Verstocke nur mich nicht! Mein Herze seufzt und spricht: Gnade, Gnade! Ach lasse du zu deiner Ruh und deinem Abendmahl mich zu. 3. Ich bleibe stets im Dun⸗ keln, wo nicht der Gnade Strahlen funkeln, die meine Finsternis vertreibt. Wirst du mich nicht bekehren, wird nicht dein Geist mein Herze lehren, so weiß ich, daß es töricht bleibt. Mein Vater, wo du mich nicht leitest, irre ich; Jesu Gnade und deren Schein muß stets allein mir Leitstern, Licht und Weis⸗ heit sein. 4. Laß alle meine Kräfte, mein Denken, Reden, mein Geschäfte nur Wirkungen der Gnade sein. Laß meinen bösen Willen nichts wollen, lieben und erfüllen: was dieser wirkt, kann nicht ge⸗ deihn. Nehm ich mir etwas für, zu solchem schenke mir Geist und Gnade; denn was beruht auf Fleisch und Blut, ist, guter Gott, vor dir nicht gut. 5. Die Kraft von deinen Gnaden wirkt alles Guts, heilt allen Schaden; denn sie ist nur wahrhaftig gut. Laß sie mir Demut geben, Ge⸗ duld im Kreuz, die Kraft zum Leben, bei Feinden einen sanften Mut, des Fromm⸗ seins güldne Kunst, der An⸗ dacht reine Brunst. Ohne Gnade ist alles Pein; sie kann allein mein Leben und mein Himmel sein. 6. Ach gib mir ein Ver⸗ langen, an deiner Gnade nur zu hangen, wie sich ein Schiff am Anker hält. Ach laß bei deinem Fügen an deiner Gna⸗ de mir genügen in Schmach und Armut dieser Welt. Was schwer und bitter ist, erleich⸗ tert und versüßt Christi Gna⸗ de. Der hat schon satt, wer Gnade hat; sie ist an alles Reichtums Statt. 7. Ich gehe, wo ich gehe, ich sitze, liege oder stehe, ich wache oder schlafe ein, ich lebe oder sterbe: laß die Barmherzigkeit mein Erbe, das Gute meine Folge sein. Ich will in dieser Zeit und in der Ewigkeit nichts als Gnade. Mein Herze schließt in Jesu Christ, der aller Gnaden Arquell ist. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 169(162): 313 Soue es gleich bis⸗ weilen scheinen. Ar will ich von Sünden stehen und zu meinem Vater gehen. Seele, Seele, es ist Zeit: Tod ist nah und Ewigkeit. 2. Sieh mich wieder zu dir kehren; Gott, ich will dein Rufen hören, will in Zu⸗ kunft dir allein eigen und geheiligt sein. 3. Vater, ich will nimmer fehlen, ich will jene Straße wählen, die du mit des Kreuzes Last und mit Blut bezeichnet hast. 4. Ich will jene Freuden Buße meiden, die von deiner Liebe scheiden, dir mich ganz von Herzen weihn, mich in dir, mein Gott, erfreun. 5. Ich will Sünde fliehn und hassen, nie dich, meinen Gott, verlassen, nie mich rich⸗ ten nach der Welt, niemals tun, was dir mißfällt. 6. Halt mich fest in deiner Gnade, führe mich auf rech⸗ tem Pfade, daß ich dir be⸗ ständig treu und im Guten standhaft sei. J. Auf will ich von Sün⸗ den stehen und zu meinem Vater gehen. Seele, Seele, es ist Zeit: Tod ist nah und Ewigkeit. Württ. Gesangbuch 1791. 31⁴4 Choralbuch 116(132). ein Heiland nimmt die Sünder an, die unter ihrer Last der Sünden kein Mensch, kein Engel trösten kann, die nirgends Ruh und Rettung finden. Die mit sich selber imGedräng, daß ihnen alle Welt zu eng, weil über sie der Stab gebrochen, der Himmel ihnen abgesprochen, die sehn die Freistatt auf⸗ getan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Sein mehr als mütter⸗ liches Herz trieb ihn von seinem Thron auf Erden; ihn drang der Sünder Weh und Schmerz, an ihrer Statt ein Fluch zu werden. Er Buße senkte sich in ihre Not und litt für sie den bittern Tod. Nun, da er denn sein eigen Leben für sie zur Lösung hingegeben und für die Welt genuggetan, so heißt's: Er nimmt die Sünder an. 3. Nun ist sein aufgetaner Schoß ein sichres Schloß be⸗ drängter Seelen; er spricht sie vom Gerichte los und lilget bald ihr ängstlich QZuä⸗ len. Es wird ihr ganzes Sündenheer ins unergründ— lich tiefe Meer durch sein Verdienst hinabgesenket; der Geist, der ihnen wird ge— schenket, schwingt über sie die Gnadenfahn. Mein Hei⸗ land nimmt die Sünder an. 4. O solltest du sein Herze sehn, wie sich's nach armen Sündern sehnet, sowohl wenn sie noch irregehn, als wenn ihr Auge vor ihm tränet! Er streckt die Hand nach Zöllnern aus, er eilet in Zachäi Haus; wie stillet sanft er Magdalenen den milden Fluß der Reuetränen und denkt nicht, was sie sonst getan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 5. Wie freundlich blickt er Petrus an, ob er gleich noch so tief gefallen! Nun, dies hat er nicht nur getan, da er auf Erden mußte wallen, nein, er ist immerdar sich gleich, gerecht, an Treu und Gnade reich; und wie er unter Schmach und Leiden, so ist er auf dem Thron der Freuden den Sündern lieb⸗ reich zugetan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 6. So komme denn, wer Sünder heißt und wen sein Sündengreul betrübet, zu dem, der keinen von sich weist, der sich gebeugt zu ihm be⸗ gibet. Wie? Willst du dir im Lichte stehn und ohne Not verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, da dich zu retten er erschie⸗ nen? O nein, verlaß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 7. Komm nur mühselig und gebückt, komm nur, so gut du weißt zu kommen, wenn gleich die Last dich nieder⸗ drückt, du wirst auch zitternd angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht, und wie er dir entgegengeht! Wie lang hat er mit vielem Flehen sich liebend nach dir umge⸗ sehen! So komm denn, armer Mensch, heran! Mein Hei⸗ land nimmt die Sünder an. 8. Sprich nicht:„Jch hab's zu arg gemacht, ich hab die Güter seiner Gnaden so lang und schändlich umgebracht; er hat mich oft umsonst ge⸗ laden.“ Wofern du's nurjetzt redlich meinst und deinen Fall mit Ernst beweinst, so soll ihm nichts die Hände binden, und du sollst doch noch Gnade finden. Er hilft, wenn sonst nichts helfen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 9. Doch sprich auch nicht: „Es ist noch Zeit; ich muß erst diese Lust genießen; Gott wird ja eben nicht gleich heut die offnen Gnadenpforten schließen.“ Nein, weil er ruft, so höre du und greif mit beiden Händen zu! Wer sei⸗ ner Seele Heut verträumet, der hat die Gnadenzeit ver⸗ säumet; ihm wird hernach nicht aufgetan. Heut komm, heut nimmt dich Jesus an! 10. Ja, zeuch uns selberrecht zu dir, holdsel'ger Heiland aller Sünder! Erfüll mit sehnender Begier uns, die von Gott gewichnen Kinder! Zeig uns bei unsrem Seelen⸗ schmerz dein aufgeschloßnes Liebesherzz; und wenn wir unser Elend sehen, so laß uns ja nicht stillestehen, bis daß ein jedes sagen kann: Gott⸗ sus an. Leopold Franz Friedrich Lehr Choralbuch 200(177): Wie nach einer esu, laß mich nicht dahin⸗ ten! Suche dein verirr⸗— endlich finden; wecke mich aus meinem Schlaf! Laß lob! auch mich nimmt Je— 1709—1744. 31 3 Wasserquelle. tes Schaf, bis du mich wirst hinfort mir Ruhe nicht, bis Buße mein Herz dir fest verspricht, daß es nun im Tod und Leben dir sich wolle ganz ergeben. 2. O wieviel und große Gnaden hast du mir schon zugedacht! Doch mir selbst zu Schand und Schaden nehm ich sie nicht treu in acht. Deine Wahrheit halt ich auf, lass' der Sünde ihren Lauf; ich erweck nicht meine Gaben und hab oft mein Pfund vergraben. 3. Ach wie manchen guten Funken hat dein Geist in mir erregt, den mein Herz, in Lust versunken, wieder zu er⸗ sticken pflegt! Was ich nicht will, tu ich dann, fange wie⸗ der vorne an; und eh ich recht angefangen, ist der Vorsatz schon vergangen. 4. Reg zum Bösen, träg zum Guten zeigt sich mein verkehrter Sinn: will mir Satan was zumuten, reißt er mich gar leicht dahin, denn mein Kampf ist schlecht be⸗ stellt; und daß er und Fleisch und Welt desto eher mich berücken, bau ich ihnen wohl die Brücken. 5. Sorge, Zorn und Eigen— liebe und der argen Lüste viel geben oft dem bösen Triebe beimir ein gewonnen Spiel. Alles, was ich hab und bin, sollt für Gott ich geben hin, und ich kann oft ihm zu Ehren kaum ein Wörtlein überhören. Buße 6. Jesu, laß dich nicht er⸗ müden, suche mich noch wie bisher; rufe mich zu deinem Frieden, ziehe mich je mehr und mehr! Ach bestraf auch durch den Geist, was du Sündlichs an mir weißt, daß ich stets an diesem Werke deinen Gnadenzug vermerke. 7. Gib mir fleißig zu be⸗ trachten meines Lebens Flüchtigkeit; lehre mich es wichtig achten, täglich sein zum Tod bereit. Ach das Ziel der Gnadenzeit ist viel⸗ leicht schon nicht mehr weit, und ich hab noch so viel Sün⸗ den, so viel Feind zu über⸗ winden! 8. Laß mich nicht so lange säumen, bis die Sünde mich verläßt und der Tod nach eitlem Träumen erst die Reue aus mir preßt. Laß mich Buße fangen an, weil ich Sünde tun noch kann; Buß soll mich zum Tod be⸗ reiten, nicht der Tod zur Buße leiten. 9. Stell die Welt und ihre Lüste mir in ihrer Blöße vor, daß ich mich in diese Wüste nicht vergaffe als ein Tor, der das Wesen haben kann, und nimmt dafür Schatten an, den du rufst zum ew'gen Ziele, und er zankt um Kinderspiele. 10. Treuer Jesu, miß dem Willen auch Vollbringungs⸗ kräfte zu! Hilf den Vorsatz balderfüllen, meine Schwach⸗ heit stärke du, meine Träg⸗ heit muntre auf, bis ich schließe meinen Lauf; hilf mir siegen, hilf mir kämpfen, Satan, Welt und Fleisch zu dämpfen. 11. Heile mich durch deine Wunden, mach mich rein mit deinem Blut, daß ich in den letzten Stunden fröhlich bleib in meinem Mut, daß ich mit getrostem Sinn Ster⸗ ben achte für Gewinn, durch den Tod ins Leben dringe und so alles wohl vollbringe. Johann Martin Wieland 1685- 1725. Choralbuch 173(140): 316 Straf mich nicht in deinem Zorn. Moche dich, mein Geist, bereit, wache, fleh und bete, daß dich nicht die böse Zeit unverhofft betrete; denn es ist Satans List über viele Frommen zur Ver⸗ suchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf von demSündenschlafez; denn es folget sonst darauf eine lange Strafe, und die Not samt dem Tod möchte dich in Sünden unvermutet finden. 3. Wache auf, sonst kannst du nicht Christi Klarheit sehen; wache, weil sonst wird dein Licht stets dir ferne stehen; denn Gott will für die Füll seiner Gnadengaben offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List nicht im Schlaf erblicke, weil er sonst behende ist, daß er dich berücke; und Gott gibt, die erliebt, oft in seine Strafen, wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt durch Gewalt be⸗ zwinge oder, wenn sie sich verstellt, wieder an sich bringe. Wach und sieh: es fehlt nie hier an falschen Brü⸗ dern unter Christi Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, für dein Fleisch und Herze, damit es nicht freventlich Gottes Gnad verscherze; denn es ist voller List, kann bald Schwachheit heucheln bald in Stolz sich schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei Vertrauen auf Gott mitten in dem Wachen; denn der Herr, der muß dich frei von dem allem machen, was dich drückt und bestrickt, daß du schläfrig bleibest und sein Werk nicht treibest. 8. Ja, er will gebeten sein, wenn er was soll geben; er verlanget unser Schrei'n, wenn wir wollen leben und durch ihn unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden kräftig überwinden. 9. Drum so laßt uns immer⸗ dar wachen, flehen, beten, weil die Angst, Not und Ge⸗ fahr immer näher treten; denn die Zeit ist nicht weit, da uns Gott wird richten und die Welt vernichten. Johann Burkhard Freystein 1671—1718. Vertrauen auf Gott Choralbuch 76(154½): 317 Herzlich tut mich verlangen. Ps. 3/, 5. B efiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf der wird auch da dein Fuß und Bahn, Wege finden, gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dir's soll wohl ergehn; auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbst⸗ eigner Pein läßt Gott sich gar nichts nehmen: es muß erbeten sein. 3. Dein' ew'ge Treu und Gnade, o Vater, siehet recht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geschlecht; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und We⸗ sen, was deinem Rat gefällt. 4. Weg' hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht; dein Tun ist lauter Segen, Vertrauen auf Gott dein Gang ist lauter Licht. Dein Werk kann niemand f hindern, dein' Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun. 5. And obgleich alle Teufel hie wollten widerstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurückegehn. Was er sich vorgenommen und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken. Er⸗ warte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf, auf! gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht; laß fahren, was das Herze betrübt und traurig macht. Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll; Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß tun und walten! Er ist ein weiser Fürst und wird sich so ver⸗ halten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm ge⸗ bühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinausgefüh⸗ ret, das dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn und tun an seinem Teile, als hätt in seinem Sinn er deiner ich begeben und solltst du für und für in Angst und Nöten schweben, als frag er nichts nach dir. 10. Wird's aber sich befin⸗ den, daß du ihm treu ver⸗ bleibst, so wird er dich ent⸗ binden, da du's am mindsten gläubst; er wird dein Herz entladen von der so schweren Last, die du zu keinem Scha⸗ den bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Duhastundträgst davon mit Ruhm und Dank⸗ geschreie den Sieg und Ehrenkron. Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende an aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu befohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt 1607-1676. Choralbuch 142(73): 31 O du Liebe meiner Liebe. Wos von außen und von innen täglich meine Seele drückt und hält Herz, Gemüt und Sinnen unter seiner Last gebückt, in dem allem ist dein Wille, Gott, der aller Anruh wehrt 5— — Vertrauen auf Gott mein Herz hält in der Stille, bis es deine Hilf erfährt. 2. Denn du bist mein Fels auf Erden, da ich still und sicher leb; deine Hilfe muß mir werden, so ich mich dir übergeb. Dein Schutz ist mein Trutz alleine gegen Sünde, Not und Tod; denn mein Leiden ist das deine, weil ich dein bin, o mein Gott. 3. Auf dich harr ich, wenn das Leiden nicht so bald zum Ende eilt; dich und mich kann's nimmer scheiden, wenn's gleich noch so lang verweilt. And auch dies mein gläubig Hoffen hab ich nur allein von dir; durch dich steht mein Herz dir offen, daß du solches schaffst in mir. 4. Bei dir ist mein Heil und Ehre, meine starke Zuver⸗ sicht; willst du, daß die Not sich mehre, weiß ich doch, du läßt mich nicht. Meint der Feind mich zu erreichen und zu werfen unter sich, will ich auf den Felsen weichen, der wirft alles unter mich. 5. Liebe Leute, traut bestän⸗ dig auf ihn als auf euern Hort! Er ist Gott und heißt lebendig, ist euch nah an je⸗ dem Ort. Wann und wo euch Hilfe nötig, da klopft an: er ist zu Haus, kommt und ist zur Hilf erbötig; schüttet euer Herz nur aus! 6. Aber wie kann's dem ge⸗ lingen, der auf Fleisch die Hoffnung richt't? GroßeLeut sind samt geringen in der Not gar ohn Gewicht. Traut doch lieber auf den einen, welcher Lieb und Allmacht hat. Daß er helfen will den Seinen, das beweist er mit der Tat. 7. Auf dich, mein Gott, bau ich feste, geh in aller Stille hin; denn zuletzt kommt doch das Beste, und das End ist mein Gewinn. Deine All⸗ macht hilft mir tragen, deine Lieb versüßet mir alles Bit⸗ tre, alle Plagen; darum bin ich still zu dir. 8. Laß, o Seele, es nur gehen, wie es geht, und sorge nicht! Endlich wirst du den⸗ noch sehen, daß Gott übt ein recht Gericht. Jetzo ist er deine Stärke, daß dir gar nichts schaden kann; dort vergilt er alle Werke, so ein jeder hat getan. 9. Breit, o Herr, doch deine Güte über mich, nimm mich in dich, so wird hinfort mein Gemüte stillebleiben ewig⸗ lich. Werde alles und in allen; gib uns, daß wir dir allein trachten allzeit zu ge⸗ fallen, so wird alles stille sein. August Hermann Francke 1663—17²⁷. Choralbuch 142(73): 319 O du Liebe meiner Liebe. enn ich an mir selbst verzage, tröstet mich noch Gottes Macht, daß ich's Vertrauen auf Gott in dem Glauben wage, bis ich meinen Lauf vollbracht. Hab ich seine Macht erfahren, da mir mancher Fall gedräut, o so wird sie mich bewahren bis zu meiner Seligkeit. 2. Gottes Macht, die mich bekehrte, die den Glauben in mir schuf, beten, kämpfen, dulden lehrte, ist mir nahe, wenn ich ruf. Daß ich schwach bin, wird er wissen; daß er stark ist, weiß auch ich. Der mich aus dem Tod gerissen, ist noch dieser Gott für mich. 3. Hang, mein Herz, an seinen Händen! Was du nicht kannst, wird er tun; was er anfing, wird er enden; bäl⸗ der wird er ja nicht ruhn. Herr, ich glaube deinen Wor⸗ ten, deiner Macht vertrau ich noch: streiten auch der Hölle Pforten, sieget deine Rechte doch. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. 320 Choralbuch 189(155). Wos mein Gott will, ge⸗ scheh allzeit: sein Will, der ist der beste; zu helfen dem er ist bereit, der an ihn glaubet feste. Er hilft aus Not, der fromme Gott, und züchtiget mit Maßen. Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nicht ver⸗ lassen. 2. Gott ist mein Trost, mein' Zuversicht, mein' Hoffnung und mein Leben. Was mein Gott will, daß mir ges chicht, will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr, daß all mein Haar er selber hat gezählet; er hüt't und wacht, stets für uns tracht't, auf daß uns gar nichts fehlet. 3. Drum will ich gern von dieser Welt hinfahrn nach Gottes Willen zu meinem Gott; wann's ihm gefällt, will ich ihm halten stille. Mein' arme Seel ich Gott befehl in meiner letztenStun⸗ den. Du frommer Gott! Sünd, Höll und Tod hast du mir überwunden. Herzog Albrecht von Preußen 1490—1568. Choralbuch 189(155): 3 Was mein Gott will, das gscheh allzeit. Der Glaube bricht durch Stahl und Stein und kann die Allmacht fassen; er wirket alles und allein, wenn wir ihn walten lassen. Wenn einer nichts als glau⸗ ben kann, so kann er alles machen; der Erde Kräfte sieht er an als ganz geringe Sachen. 2. Die Zeugen Jesu, die vordem auch Glaubenshel⸗ den waren, hat man in Ar⸗ mut wandeln sehn, in Trüb⸗ sal und Gefahren. And des die Welt nicht würdig war, der ist im Elend gangen; den Fürsten über Gottes Schar hat man ans Kreuz 3. Gelobet seidie Tapferkeit der Streiter unsers Fürsten; verlacht sei die Verwegen⸗ heit, nach ihrem Blut zu dürsten! Wie gut und sicher dient sich's nicht dem ewigen Monarchen! Im Feuer ist er Zuversicht, fürs Wasser baut er Archen. 4. Drum wolln wir unter seinem Schutz, den Satan zu vertreiben, und seinem Hohngeschrei zum Trutz mit unsern Vätern gläuben. Wenn man den Herrn zum Beistand hat und's Herz voll seiner Freuden, so läßt sich's auch durch seine Gnad um seinetwillen leiden. Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1700—1760. Choralbuch 195(157) 322 und 196(158). er nur den lieben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser An⸗ gemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Zu Gott sei deine Seele Vertrauen auf Gott stille und stets mit seinem Rat vergnügt; erwarte, wie sein guter Wille zu deinem Wohlergehn es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, weiß doch am besten, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freu⸗ denstunden, er weiß wohl, was uns nützlich sei; wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt er, eh wir's uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshitze, daß du von Gott verlassen bist und daß ihm der im Schoße sitze, der reich und groß und mächtig ist. Die Zukunft ändert oft sehr viel und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott geringe Sachen, und seiner Allmacht gilt es gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich. Er ist's, der Wunder stets ge⸗ tan und stürzen und erhöhen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verrichte dei⸗ ne Pflicht getreu; trau ihm und seinem reichen Segen, so wird er täglich bei dir neu. Denn wer nur seine Zuver⸗ sicht auf Gott setzt, den ver⸗ läßt er nicht. Georg Neumark 1621—1681. Vertrauen auf Gott 323 cooralbuch 181(145). Ven Gott will ich nicht lassen; denn er läßt nicht von mir, führt mich zur rechten Straßen, wenn ich geh in der Irr. Er reicht mir seine Hand; den Abend wie den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch bin im Land. 2. Wenn sich der Menschen Treue und Wohltat all ver⸗ kehrt, so wird mir bald aufs neue die Huld des Herrn be⸗ währt; er hilft in aller Not, befreit von Sünd' und Schan⸗ den, von Ketten und von Banden, und wenn's auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; es kann mich nicht gereuen, er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt! Mein Leib, mein' Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben; er schaff's, wie's ihm gefällt. 4. Es kann ihm nichts ge⸗ fallen, denn was mir nütz⸗ lich ist. Er meint's gut mit uns allen, schenkt uns den Herren Christ, sein'n einge⸗ bornen Sohn; durch ihn er uns bescheret, was Leib und Seel ernähret. Lobt ihn im Himmelsthron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, die er uns beide schenkt! Das ist ein' sel'ge Stunde, darin man sein ge⸗ denkt; denn sonst verdirbt all Zeit, die wir zubringn auf Erden. Wir sollen selig wer⸗ den und bleibn in Ewigkeit. 6. Darum, ob ich schon dulde hie Widerwärtigkeit, wie ich auch wohl verschulde, kommt doch die Ewigkeit, die aller Freuden voll; dieselb ohn Ziel undEnde, dieweil ich Christum kenne, mir wider⸗ fahren soll. J. Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat. Sein Sohn hat Guts die Fülle er⸗ worben und groß Gnad. Auch Gott der heil'ge Geist im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel füh⸗ ret. Ihm sei Lob, Ehr und Preis! Ludwig Helmbold 1532—1598. Choralbuch 155(3): 324 O Welt, ich muß dich lassen. In allen meinen Taten lass' ich den Höchsten ra⸗ ten, der alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, soll's anders wohl gelingen, selbst geben(guten) Rat und Tat. 2. Nichts ist es spät und frühe um alle meine Mühe; mein Sorgen ist umsonst. Er mag's mit meinen Sachen nach seinem Willen machen; ich stell's in seine ¶ Bnad und) Gunst. 3. Es kann mir nichts ge⸗ schehen, denn was Gott hat ersehen und was mir selig ist. Ich nehm es, wie er's gibet; was ihm von mir be⸗ liebet, das hab auch ich(ge⸗ trost) erkiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, die mich vor allem Schaden, vor allem Abel schützt. Leb ich nach seinen Sätzen, so wird mich nichts verletzen (und gar) nichts fehlen, was mir nützt. 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durchstreichen meine Schuld; er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Arteil spre⸗ chen und haben noch(mit mir) Geduld. 6. Leg ich mich späte nieder, erwach ich frühe wieder, lieg oder zieh ich fort, in Schwach— heit und in Banden und was mir stoßt zu Handen, da tröstet mich sein(heiligs) Wort. 7. Hat er es denn beschlos⸗ sen, so will ich unverdrossen an mein Verhängnis gehn. Kein Unfall unter allen wird mir zu hart je fallen; ich will (mit Gott) ihn überstehn. 8. Ihm hab ich mich er⸗ geben, zu sterben und zu leben, so wie er mir's gebeut. Es sei heut oder morgen, da⸗ für lass' ich ihn sorgen; er weiß die rechte(Stund und) Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine und traue dem alleine, der dich geschaffen hat. Es gehe, Vertrauen auf Gott wie es gehe; dein Vater in der Höhe weiß allen(deinen) Sachen Rat. Paul Fleming 1609—1640. Choralbuch 195(157): 325 Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mein Gott, wie bist du so verborgen, wie ist dein Rat so wunderbar! Was helfen alle meine Sorgen? Du hast gesorget, eh ich war. Mein Vater, führ mich immerdar nur selig, wenn auch wunderbar. 2. Kein Mensch kann, Herr, dein Antlitz sehen, wir blik⸗ ken dir nur hintennach; was du bestimmt, das muß ge⸗ schehen bei unsrem Glück und Angemach. Mein Vater, führ mich immerdar nur selig, wenn auch wunderbar. 2. Mose 33, 23. 3. Herr! wer kann deinen Rat ergründen? Dir bleibt allein der Weisheit Preis; du kannst viel tausend Wege finden, wo die Vernunft nicht einen weiß. Mein Vater, führ mich immerdar nur selig, wenn auch wunderbar. 4. Gott, deine heiligen Ge⸗ danken sind himmelweit von Menschenwahn; drum leite mich in deinen Schranken und führe mich auf rechter Bahn. Mein Vater, führ mich immerdar nur selig, wenn auch wunderbar. 5. Dir will ich mich ganz Vertrauen auf Gott überlassen mit allem, was ich hab und bin; ich werfe, was ich nicht kann fassen, auf deine Macht und Weisheit hin. Mein Vater, führ mich immerdar nur selig, wenn auch wunderbar. 6. Hilf, daß ich nie von dir mich kehre in Glück und An⸗ glück, Freud und Leid. Schick alles, Herr, zu deiner Ehre und meiner Seele Seligkeit. Ja, Vater, führ mich immer⸗ dar nur selig, wenn auch wunderbar. Salomo Franck 1659—1725. 326 Choralbuch 66(169). ott will's machen, daß die Sachen gehen, wie es heilsam ist; laß die Wellen höher schwellen, wenn du nur bei Jesu bist. 2. Wer sich kränket, weil er denket, Jesus liege in dem Schlaf, wird mit Kla⸗ gen nur sich plagen, daß der Anglaub leide Straf. Matth. 8, 23—27. 3. Du Verächter! Gott, dein Wächter, schläfet ja und schlummert nicht; zu den Höhen aufzusehen wäre dei⸗ ne Glaubenspflicht. 4. Im Verweilen und im Eilen bleibt er stets ein A Vaterherz; laß dein Weinen bitter scheinen: dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz. 5. Glaub nur feste, daß das Beste über dich beschlossen sei; wenn dein Wille nur ist stille, wirst du von dem Kum⸗ mer frei. 6. Willst du wanken in Ge⸗ danken, senk dich in Gelassen⸗ heit. Laß den sorgen, der auch morgen Herr ist über Leid und Freud. 7. Gottes Hände sind ohn Ende, sein Vermögen hat kein Ziel. Ist's beschwerlich, scheint's gefährlich, deinem Gott ist nichts zu viel. 8. Seine Wunder sind der Zunder, da der Glaube Fun⸗ ken fängt; alle Taten sind geraten jedesmal, wie er's verhängt. 9. Wenn die Stunden sich gefunden, bricht die Hilf mit Macht herein und, dein Grä⸗ men zu beschämen, wird es unversehens sein. 10. Eignen Willen zu er⸗ füllen, leidet sich's noch ziem⸗ lich wohl; da ist Plage, Not und Klage, wo man leiden muß und soll. 11. Drum wohl denen, die sich sehnen nach der stillen Willensruh! Auf das Wol⸗ len fällt dem Sollen bald auch das Vollbringen zu. 12. Mehrzu preisen sind die Weisen, die schon in der bung stehn, die das Leiden und die Freuden nur mit Hiobs Augen sehn. 13. Nun so trage deine Pla⸗ ge fein getrost und mit Ge⸗ duld. Wer das Leiden will vermeiden, häufet seine Sün⸗ denschuld. 14. Aber denen, die mit Tränen küssen ihres Jesu Joch, wird die Krone vor dem Throne ihres Heilands werden noch. 15. Amen, amen! In dem Namen meines Jesu halt ich still; es geschehe und ergehe, wie und wann und was er will. Johann Daniel Herrnschmidt 1675-1723. 327 Choralbuch 139(166). Noer frisch hinein! Es wird so tief nicht sein; das Rote Meer wird dir schon Platz vergönnen. Was wim⸗ merst du? Sollt der nicht helfen können, der nach dem Blitz gibt heitern Sonnen⸗ schein? Nur frisch hinein! 2. Der Himmelsheld hat einen Weg bestellt, den nie⸗ mand weiß. Eh sein Volk sollte sinken, muß selbst das Meer auf dieses Helden Win⸗ ken zur Mauer sein. Er herrscht im Flutenfeld, der Himmelsheld. 2. Mose 14, 22. 3. Die Tapferkeit ist jeder⸗ zeit bereit, durch Kreuz und Schmach und durch die grau⸗ sen Wellen zu dringen durch. Kein Sturmwind kann sie fäl⸗ len; sie hält uns fest in steter Sicherheit, die Tapferkeit. 4. Des Kreuzes Pein wird ja nicht ewig sein: es ist ein Kelch, der seinen Boden zei⸗ Vertrauen auf Gott get; man sieht den Grund, wenn alles ausgeneiget. Drum laß dir einen Trank des Lebens sein des Kreuzes Pein! 5. Die Zentnernot zerbricht der kalte Tod. Hindurch, hindurch! und folge deinem Führer. Dein ZJesus ist der Erd⸗ und Meerregierer; der winket nur, da weicht auf sein Gebot die Zentnernot. 6. Auf! schwacher Sinn, wirf allen Kummer hin und schicke dich, die Tiefe zu durchschreiten. Kommt schon ein Sturm: dein Jesus wird dich leiten und helfen aus. Der Tod ist dein Gewinn. Auf! schwacher Sinn. 7. Der Christenstand ist hier also bewandt: es muß ein Kreuz das andre Kreuz ver⸗ jagen. So ging es dem, der unser Kreuz getragen am Kreuzesstamm. Es ist kein Kindertand der Christen⸗ stand. 8. Wer wandern soll, muß oftmals Trauerns voll durch Berg und Tal und tiefe Gründe dringen; so muß ein Christ auch nach dem Him⸗ mel ringen und leiden viel. Der muß oft geben Zoll, der wandern soll. 9. Ach Herre Christ, wenn du nur bei mir bist, so will ich auch mit dir mein Leiden enden; zu dir, mein Gott, will ich mich gänzlich wenden Vertrauen auf Gott und tragen, was mir aufer⸗ leget ist, ach Herre Christ! Michael Kongehl 1646-1710. Choralbuch 43(142): 32 Ermuntre dich, mein schwacher Geist. Di bist ein Mensch, das weißt du wohl. Was strebst du denn nach Dingen, die Gott, der Höchst, alleine soll und kann zuwege bringen? Du fährst mit dei⸗ nem Witz und Sinn durch so viel tausend Sorgen hin und denkst: Wie will's auf Erden doch endlich mit mir werden? 2. Es ist umsonst; du wirst fürwahr mit allem deinem Dichten und aller Sorgen großer Schar das Kleinste nicht ausrichten, und dient dein Gram sonst nirgend zu, als daß du dich aus deiner Ruh in Angst und Schmer⸗ zen stürzest und selbst das Le⸗ ben kürzest. 3. Willst du was tun, das Gott gefällt und dir zum Heil gedeihet, so wirf dein Sorgen auf den Held, den Erd und Himmel scheuet, und gib dein Leben, Tun und Stand nur fröhlich hin in Gottes Hand; so wird er deinen Sachen ein fröhlich Ende machen. 4. O siehe doch, wieviel und oft ist kläglich umgeschlagen, was du gewiß und fest gehofft mit Händen zu erjagen; hin⸗ gegen wie so manches Mal ist das geschehn, das überall kein Mensch, kein Rat, kein Sinnen sich hat ersinnen kön⸗ nen. 5. Wie oft bist du in große Not durch eignen Willen kommen, da dein verblend'⸗ ter Sinn den Tod fürs Leben angenommen. And hätte Gott dein Werk und Tat er⸗ gehen lassen nach dem Rat, in dem du's angefangen, du wärst zu Grunde gangen. 6. Der aber, der uns ewig liebt, macht gut, was wir verwirren, erfreut, wo wir uns selbst betrübt, und führt uns, wo wir irren. And dazu treibt ihn sein Gemüt und die so reine Vatergüt, in der uns arme Sünder er trägt als seine Kinder. 7. Ach wie so oftmals schweigt er still, und tut doch, was uns nützet, da unterdes⸗ sen unser Will und Herz in Angsten sitzet, sucht hier und da, und findet nichts, will sehn, und mangelt doch des Lichts, will aus der Angst sich winden, und kann den Weg nicht finden! 8. Gott aber geht gerade fort auf seinen weisen We⸗ gen; er geht und bringt uns an den Ort, da Wind und Sturm sich legen. Hernach⸗ mals, wenn das Werk ge⸗ schehn, so kann der Mensch alsdann erst sehn, was der, so ihn regieret, in seinem Nat geführet. 9. Drum, liebes Herz, sei wohlgemut und laß vonSorg und Grämen! Gott hat ein Herz, das nimmer ruht, dein Bestes vorzunehmen. Er kann's nicht lassen, glaube mir; sein Vaterherz ist gegen dir und uns hier allzusam⸗ men voll süßer Liebesflam⸗ men. 10. Tu als ein Kind und lege dich in deines Vaters Arme, bitt ihn und flehe, bis er sich dein, wie er pflegt, er⸗ barme: so wird er dich durch seinen Geist auf Wegen, die du jetzt nicht weißt, nach wohlgehaltnem Ringen aus allen Sorgen bringen. Paul Gerhardt 1607-1676. 329 Choralbuch 160(197): Ruhe ist das beste Gut. Seecle, ruh in jeder Nacht still in Gottes Schoß; was dir so viel Kummer macht, ist dein Denken bloß. Er sorgt ja noch, weiß ja al⸗ les, was er tut; scheint es bös, es ist dir gut. Otrau ihm dochl 2. Sag, erzwingst du ein Geschick, wenn du ihm nicht traust? Ach, weil du mit trü⸗ bem Blick wenig überschaust, so schau hinauf! Er, dein Gott von Ewigkeit, lenkt durch alle Himmel weit der Dingevauf. 3. Arm war einst der reich⸗ ste Herr, der nur Gutes tat. Ach, nichts Eignes hatte er, keine Lagerstatt nur für sein Haupt. Er, des Vaters Huld Vertrauen auf Gott gewiß, hat sich durch die Fin⸗ sternis hinausgeglaubt. 4. Droben lebt er stark und reich, führt die Seinen nach. „Ich bin alle Tag bei euch!“ — Der dies ernstlich sprach, bei dir ist er. Gottes Gnad und Kindesrecht hat sein gläubiges Geschlecht. Was willst du mehr? 5. Vater, dem ich, was ich bin, in die Hände leg, nimm den kummerhaften Sinn aus dem Herzen weg. Ich halte dich. Wird der Glaube wieder schwach, läßt der Trost bald wieder nach, so halt du mich! 6. Du, der seinen Sohn mir gab, mache mir's gewiß, wel⸗ chen Wert im Sohn ich hab; mich erfülle dies mit Zuver⸗ sicht. Wenn du diesen Trost mir reichst, nicht von deinem Kinde weichst, so zag ich nicht. 7. Trauen und gehorsam sein ist der Kinder Art. Bei⸗ des präg mir täglich ein. Scheint ein Weg mir hart: ich bleib ja Kind, greif nach deiner Vaterhand, denk, du bist im Prüfungstand noch treugesinnt. 8. Mache doch nur mich recht treu und der Hoffnung voll, daß ich sünd⸗ und sorgenfrei einst dich loben soll. Ich eile fort, freu mich auf den Tag des Lichts; Erdenleiden sind dann nichts. O wär ich dort! Johann Gottfried Schöner 17⁴49—1818. Vertrauen auf Gott 330 cCooralbuch 48(68). Es jammre, wer nicht glaubt! Ich will mich stillen: mir fällt kein Haar vom Haupt ohn Gottes Wil⸗ len. In Jesu hab ich hier das beste Leben; und sterb ich, wird er mir ein beßres geben. 2. Es sorge, wer nicht traut! Mir soll genügen: wovor mir jetzo graut, das wird Gott fügen. Er weiß, was nötig sei: so mag er sorgen; mir ist des Vaters Treu auch nicht verborgen. 3. Es zage, wer nicht hofft! Ich will mich fassen; er hat mich's schon so oft erfahren lassen: er hört Gebet in Not, wann sie am größten; sein Geist kann auch im Tod mit Jesu trösten. 4. So wein ich, wenn ich wein, doch noch mit Loben; das Loben schickt sich fein zu solchen Proben. Man kann den Kummer sich vom Her⸗ zen singen. Nur Jesus freuet mich. Dort wird es klingen. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 188(156): 331 Was Gott tut, das ist wohlgetan. Mein Gott, du bist und bleibst mein Gott; das macht mir tausend Freuden. Es kann mich weder Not noch Tod von deiner Liebe schei⸗ den; denn hab ich dich, so werden mich die Flammen nicht ergreifen, die Fluten nicht ersäufen. 2. Du bist mein Gott von Jugend auf in Freud und Leid gewesen; es war mein ganzer Lebenslauf zum Se⸗ gen auserlesen. Wie manche Not, die mir gedroht, hat deine Hand gewendet und Hilfe mir gesendet! 3. Du bist mein Gott, und bis hieher willst du noch im⸗ mer walten. Da meiner längst vergessen wär, hast du mich doch erhalten, gespeist, getränkt und sonst beschenkt mit vielen Gnadengaben, die Leib und Seele laben. 4. Du bist mein Gott auch noch jetzund; kein Augenblick verschwindet, der nicht zu— gleich mir Herz und Mund zu neuem Dank verbindet. AUnd seh ich an, was du ge⸗ tan auf allen meinen Wegen, so ist es lauter Segen. 5. Du bist mein Gott auch künftighin; darauf vertrau ich feste. Du änderst nie den treuen Sinn und sorgst für mich aufs beste; in Lieb und Leid bist du bereit, mir Rat und Tat zu geben, solang ich werde leben. 6. Du bist mein Gott; kein Elend kann mir diesen Trost benehmen. And geh ich gleich auf rauher Bahn, will ich mich doch nicht grämen; der Weg zu dir ist dornicht hier, und führt mich doch zum Ziele, wenn ich auch Schmer⸗ zen fühle. 7. Du bist mein Gott, auch wenn der Tod mir alles andre raubet; stirbt gleich der Leib, es hat nicht Not: wer nur an Jesum glaubet, der findet dort den sichern Ort, wo uns ein beßres Le⸗ ben auf ewig wird gegeben. 8. Du bist mein Gott; drum freu ich mich: ich werde zu dir kommen, sobald nach meinem Sterben ich der letz⸗ ten Angst entnommen. Mein Gott ist mein, und ich bin sein! Nichts soll mir diesen Glauben aus meinem Her⸗ zen rauben. Benjamin Schmolck 16721737. 332 Choralbuch 10(153). Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad ge⸗ legen, über alles Geld und Gut. Wer auf Gott die Hoff⸗ nung setzet, der behält ganz unverletzet einen freien Hel⸗ denmut. 2. Der mich hat bisher er⸗ nähret und so manches Gut bescheret, ist und bleibet ewig mein; der mich wunderbar geführet und noch leitet und regieret, wird hinfort mein Helfer sein. 3. Viele mühen sich um Sachen, die nur Sorg und Anruh machen und ganz un⸗ beständig sind; ich will nach Vertrauen auf Gott den Gütern ringen, die mir wahre Ruhe bringen, die man in der Welt nicht find't. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, wird sich schicken, so es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben hab ich seiner Gnad ergeben und ihm alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach sei⸗ nem Willen mein Verlangen zu erfüllen; es hat alles seine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuschreiben: wie Gott will, so muß es bleiben; wann Gott will, bin ich bereit. 6. Soll ich hier noch länger leben, will ich ihm nicht widerstreben; ich verlasse mich auf ihn. Ist doch nichts, das lang bestehet; alles Ir⸗ dische vergehet und fährt wie ein Strom dahin. 1676. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, ohn alles Eigenwählen; geschieht, was er mir ausersehn, wird mir's an keinem fehlen. Wie er mich führt, so geh ich mit und folge willig Schritt vor Schritt in kindlichem Ver⸗ trauen. 2. Wie Gott mich führt, so bin ich still und folge seinem Leiten, obgleich im Fleisch der Eigenwill will öfters widerstreiten. Wie Gott Vertrauen mich führt, bin ich bereit, in Zeit und auch in Ewig⸗ keit stets seinen Schluß zu ehren. 3. Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt ich ruh in seinen Händen; wie er es schickt und mit mir fügt, wie er's will kehren, wen⸗ den, sei ihm hiemit ganz heimgestellt; er mach es, wie es ihm gefällt, zum Leben oder Sterben. 4. Wie Gott mich führt, so geb ich mich in seinen Vater⸗ willen. Scheint's der Ver⸗ nunft gleich wunderlich, sein Rat wird doch erfüllen, was er in Liebe hat bedacht, eh er mich an das Licht ge— bracht; ich bin ja nicht mein eigen. 5. Wie Gott mich führt, so bleib ich treu im Glauben, Hoffen, Leiden. Steht er mit seiner Kraft mir bei, was will mich von ihm scheiden? Ich fasse in Geduld mich fest; was Gott mir widerfahren läßt, muß mir zum Besten dienen. 6. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, es geh durch Dorn' und Hecken. Sein An⸗ gesicht läßt Gott nicht sehn; zuletzt wird er aufdecken, wie er nach seinem Vaterrat mich treu und wohl geführet hat. Dies sei mein Glaubens⸗ anker. 2. Mose 33, 22. 23. Lambert Gedicke 1683-1736. auf Gott Choralbuch 188(156): 334 Was Gott tut, das ist wohlgetan. Air Gott und nicht auf meinen Rat will ich mein Glück stets bauen und dem, der mich erschaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewig⸗ keit, wie viel mir nützen würde, bestimmte meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, der zu des Glau⸗ bens Ehre nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, und hätte, was ich bitte, mir gnädig, eh ich's bat, gewährt, wenn's seine Weisheit litte. Er sorgt für mich stets väterlich. Nicht, was ich mir ersehe, sein Wille, der geschehe! 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft zu tragen als selbst das widrige Geschick, bei dessen Last wir klagen? Die größte Not hebt doch der Tod, und Ehre, Glück und Habe verläßt uns doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, läßt Gott es keinem fehlen; Gesund⸗ heit, Ehre, Glück und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rat vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trüb⸗ sal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's überwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern. Seid fröhlich, ihr Gerechten! Der Herr hilft seinen Knech⸗ ten. Christian Fürchtegott Gellert 17151769. 335 Choralbuch 26((163). Der du das Los von mei⸗ nen Tagen und meines Lebens Glück und Plagen mit Güt und Weisheit mir bestimmt, dir, Gott, dank ich mit frohem Herzen, das seine Freuden, seine Schmerzen gleich gern aus deinen Hän⸗ den nimmt. 2. Du hast im Lauf von meinem Leben mehr Glück als Leiden mir gegeben, mehr Guts, als ich verdient, beschert. Muß ich den Abend lang auch weinen, läßt du mir doch die Sonne scheinen, wenn kaum der Morgen wiederkehrt. 3. Soll ich nach deinem Wohlgefallen durch mancher Prüfung Enge wallen, die Fleisch und Blut mir schwe⸗ rer macht, so darf mein Herz doch nicht verzagen; ich weiß, du bist bei meinen Vertrauen auf Gott stets auf mein wahres Wohl bedacht. 4. Selbst aus des Lebens Bitterkeiten weißt du mein Glück mir zu bereiten und Plagen schaffst aus Finsternissen Licht; du bahnst vor mir die rauhen Stege und leitest mich auf meinem Wege, wenn Licht und Leitung mir gebricht. 5. Drum soll vor dir mein Herz sich stillen; ich weiß, daß ohne deinen Willen kein Haar von meinem Haupte fällt. Auf dich allein kann ich vertrauen und meiner Zu⸗ kunft Hoffnung bauen in dieser unbeständ'gen Welt. 6. Ja, Herr, es sei mein künftig Leben ganz deiner Leitung übergeben, bis dieses Körpers Bau zer⸗ bricht. Ob Berge fallen, Hügel weichen und Welten sich zum Einsturz neigen, so weicht doch deine Gnade nicht. Johann Samuel Patzke 17²7—1787. Choralbuch 51(167): 336 es ist gewißlich an der Zeit. ch steh in meines Herren Hand und will drin stehen bleiben; nicht Erden⸗ not, nicht Erdentand soll mich daraus vertreiben. And wenn zerfällt die ganze Welt, wer sich an ihn und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben. Vertrauen auf Gott 2. Er ist ein Fels, ein sichrer Hort, und Wunder sollen schauen, die sich auf sein wahrhaftig Wort verlassen und ihm trauen. Er hat's gesagt, und darauf wagt mein Herz es froh und un⸗ verzagt und läßt sich gar nicht grauen. 3. And was er mit mir machen will, ist alles mir gelegen; ich halte ihm im Glauben still und hoff auf seinen Segen. Denn was er tut, ist immer gut; und wer von ihm behütet ruht, ist sicher allerwegen. 4. Ja, wenn's am schlimm⸗ sten mit mir steht, freu ich mich seiner Pflege; ich weiß, die Wege, die er geht, sind lauter Wunderwege. Was böse scheint, ist gut gemeint; er ist doch nimmermehr mein Feind und gibt nur Liebes⸗ schläge. 5. And meines Glaubens Anterpfand ist, was er selbst verheißen: daß nichts mich seiner starken Hand soll je und je entreißen. Was er verspricht, das bricht er nicht; er bleibet meine Zuversicht. Ich will ihn ewig preisen. Philipp Spitta 1801—1859. Choralbuch 35(07): 337 Die Welt kommt einst zusammen. Wos ist's, daß ich mich quäle? Harr Gottes, meine Seele, harr und sei unverzagt! Du weißt nicht, was dir nützet; Gott weiß es, und Gott schützet: er schützet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kannte, eh ich ihn Vater nannte, war er mir schon mit Hilfe nah. 3. Die kleinste meiner Sor⸗ gen ist dem Gott nicht ver⸗ borgen, der alles sieht und hält; und was er mir be⸗ schieden, das dient zu mei⸗ nem Frieden, wär's auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, um glücklich hier zu werden; die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen den Grund zum Glück zu legen, das ewig wie mein Geist besteht. 5. Was dieses Glück ver⸗ mehret, sei mir von dir ge⸗ währet; Gott, du gewährst es gern! Was dieses Glück verletzet, wenn's alle Welt auch schätzet, sei, Herr, mein Gott, mir ewig fern. 6. Sind auch der Krankheit Plagen, der Mangel schwer zu tragen, noch schwerer Haß und Spott, so harr ich und bin stille zu Gott; denn nicht mein Wille, dein Wille nur gescheh, o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich. Was kann mir wider⸗ fahren, wenn Gott mich will bewahren? And er, mein Gott, bewahret mich. Christian Fürchtegott Gellert 1715—1769. Choralbuch 200(177): 338 Wie nach einer Wasserquelle. O mein Herz, gib dich zu⸗ frieden! O verzage nicht so bald! Was dein Gott dir hat beschieden, nimmt dir keiner Welt Gewalt. Keiner hindert, was er will: harre nur, vertraue still; geh des Wegs, den er dich sendet! Er begann, und er vollendet. 2. Hüllt er dich in Dunkel⸗ heiten, so lobsing ihm aus der Nacht; sieh, er wird dir Licht bereiten, wo du's nim⸗ mermehr gedacht. Häuft sich Not und Sorg umher, wird die Last dir allzu schwer, faßt er plötzlich deine Hände und führt selber dich ans Ende. 3. Wär auch alle Welt dir feindlich, rottete sich wider dich: dank ihm: o der Herr ist freundlich, seine Huld währt ewiglich. Sind auch Trauer, Angst und Leid seines Segens dunkles Kleid, dank ihm: er schickt seinen Segen auf geheimnisvollen Wegen. 4. Endlich wird dein Mor⸗ Vertrauen auf Gott gen grauen; kennst du nicht sein Morgenrot? Darfst du zagend rückwärts schauen, wenn dich Glut und Sturm bedroht? Denn auch Feuer⸗ flamm und Wind Boten seines Willens sind; und kann's nur ein Wunder wenden: auch ein Wunder kann er senden. 5. O so laß denn alles Bangen, wirke frisch, halt mutig aus! Was mit ihm du angefangen, führet er mit dir hinaus. And ob alles widersteht: in Vertraun und in Gebet bleib am Werke deiner Hände, so führt er's zum schönsten Ende. Viktor von Strauß und Torney 1809—- 1899. Choralbuch 133(64): 339 Nun laßt uns Gott, dem Herren. Die ihr bei Zesu bleibet, des Wort euch führt und treibet, die ihr nicht von ihm gehet, dieweil ihr Wunder sehet: 2. was speist euch doch, ihr Armen? Das göttliche Er⸗ barmen; das segnet ganz verborgen auch ohne eure Sorgen. 3. Wenn wir von Tag zu Tagen, was da ist, über⸗ schlagen und rechnen dann die Menge, so sind wir im Gedränge. 4. Doch wenn wir mit Ver⸗ trauen ihm auf die Hände Trost schauen, so nähret allerwegen uns ein geheimer Segen. 5. Wie dieses mag ge⸗ schehen, das kann man nicht verstehen; allein man sieht am Ende: es ging durch Gottes Hände. 6. Man wundert sich und preiset den Herrn, der so uns speiset; man glaubt von Herzensgrunde und dankt mit frohem Munde. 7. Kommt her und singt zu⸗ sammen: Wir rühmen dei⸗ nen Namen! Du, Herr, bist unser König, dir sind wir untertänig. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. 340 Choralbuch 219(222). o nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt; wo du wirst gehn und stehen, danimm mich mit. 2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es endlich stille in Freud und Schmerz. Laß ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind; es will die Augen schließen und glau⸗ ben blind. 3. Wenn ich auch gar nichts fühle von deiner Macht, du bringst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Julie von Hausmann 1825—1901. Trost 341 Choralbuch 50(150): Es ist genug. Goe ist getreu. Sein Herz, sein Vaterherz ist voller Redlichkeit. Gott ist getreu bei Wohlsein und beiSchmerz in gut⸗und böser Zeit. Weicht, Berge, weicht, fallt hin, ihr Hügel! Mein Glaubens⸗ grund hat dieses Siegel: Gott ist getreu. 2. Gott ist getreu. Er ist mein treuster Freund; dies weiß, dies glaub ich fest. Ich bin gewiß, daß er mich keinen Feind zu hart ver⸗ suchen läßt. Er wiegt bei jeder Prüfungstunde die Kraft von meinem Glaubens⸗ pfunde. Gott ist getreu. 3. Gott ist getreu. Er tut, was er verheißt; er hält, was er verspricht. Wenn mir sein Wort den Weg zum Leben weist, so gleit und irr ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht lügen, sein Wort der Wahr⸗ heit kann nicht trügen. Gott ist getreu. 4. Gott ist getreu. Er han⸗ delt väterlich bei allem, was er tut. Sein Liebesschlag erweckt und bessert mich, die Rute meint es gut. Das Kreuz wird mir zur Himmels⸗ leiter, der Kampf macht mich zum guten Streiter. Gott ist getreu. 5. Gott ist getreu. Er gibt der bösen Welt sein ein⸗ gebornes Kind; der Heiligste bezahlt das Lösegeld für die, die Sünder sind. Gott macht den liebsten Sohn zum Bür⸗ gen, er läßt ihn martern und erwürgen. Gott ist getreu. 6. Gott ist getreu. Mein Vater, des ich bin, sorgt für mein Seelenwohl; sein Will und Wunsch, sein Zweck und sein Bemühn ist, daß ich leben soll. Er reinigt mich von allen Sünden, er läßt mich Ruh in Christo finden. Gott ist getreu. 7. Gott ist getreu. Sein göttlich treuer Blick gibt sorgsam auf mich acht; er sieht mit Lust, wenn mich ein zeitlich) Glück erfreut und dankbar macht. Was mir zu schwer ist, hilft er tra⸗ gen. Mein Gott, was soll ich weiter sagen? Gott ist getreu. 8. Gott ist getreu. Mein Herz, was fehlt dir noch, dich stets im Herrn zu freun? Gott ist getreu. Sei unver⸗ zagt, mag doch die Welt voll Falschheit sein. Der falschen Brüder Neid und Tücke wirkt mit zu Josephs Ehr und Glücke. Gott ist getreu. 1. Mose 50, 20. Trost 9. Gott ist getreu. Vergiß, o Seel, es nicht, wie zärtlich treu Gott ist; Gott treu zu sein sei deine frohe Pflicht, solang du denkst und bist. Halt! fest an Gott, sei treu im Glauben, laß dir den starken Trost nicht rauben: Gott ist getreu. Ehrenfried Liebich 17131780. Choralbuch 49(101): 342 es ist das Heil uns kommen her. Es muß ein treues Herze sein, das uns so hoch kann lieben, da wir doch alle, groß und klein, was gar nicht gut ist, üben. Gott muß nicht anders sein als gut; daher fließt seiner Güte Flut auf alle seine Werke. 2. Drum, Herr, so sollen dir auch nun all deine Werke danken; voraus die Heil'gen, deren Tun sich hält in deinen Schranken, die sollen deines Reichs Gewalt und unver⸗ gängliche Gestalt mit vollem Munde rühmen. 3. Sie sollen rühmen, daß der Ruhm durch alle Welt erklinge, daß jedermann im Heiligtum dir Dienst und Opfer bringe. Dein Reich, das ist ein ewig Reich, dir selbst ist deine Herrschaft gleich, der du kein End er⸗ reichest. 4. Der Herr ist bis in unsern Tod beständig bei uns allen, erleichtert unsers Kreuzes u V Not und hält uns, wenn wir fallen; er steuert man⸗ chem Unglückslauf und hilft uns wieder freundlich auf, wenn wir dahingesunken. 5. Herr, aller Augen sind nach dir und deinem Stuhl gekehret. Denn du bist's ja, der alles hier so väterlich er⸗ nähret; du tust auf deine milde Hand, machst froh und satt, was auf dem Land, in Meer und Lüften lebet. 6. Du meinst es gut und tust uns Guts, auch da wir's oft nicht denken. Wie man⸗ cher ist betrübten Muts, ver⸗ zehrt sein Herz mit Kränken, besorgt und fürchtet Tag und Nacht, Gott hab ihn gänz⸗ lich aus der Acht gelassen und vergessen. 7. Nein, Gott vergißt der Seinen nicht; er hat zu große Treue. Sein Herz ist stets dahin gericht't, daß er zuletzt erfreue. Geht's gleich bisweilen etwas schlecht, ist er doch heilig und gerecht in allen seinen Wegen. 8. Der Herr ist nah und stets bereit, wo man ihn kind⸗ lich ehret; und wer nur ernst⸗ lich zu ihm schreit, der wird gewiß erhöret. Gott weiß wohl, wer ihm hold und treu; und solchem steht er dann auch bei, wenn ihn die Angst umtreibet. 9. Den Frommen wird kein Trost Trost versagt; Gott tut, was sie begehren. Er mißt das Anglück, das sie plagt, und zählt all ihre Zähren und reißt sie endlich aus der Last; den aber, der sie kränkt und haßt, den stürzet er zu Boden 10. Dies alles und was sonsten mehr Lob, Dank und Preis kann bringen, das soll mein Mund zu Ruhm und Ehr des Höchsten täg⸗ lich singen. And also tu auch immerfort, was lebt und webt an jedem Ort; das wird Gott wohl gefallen. Paul Gerhardt 1607-1676. 343 Choralbuch 188(156). Wadennr⸗ getan. Es bleibt ge⸗ recht sein Wille; wie er fängt meine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten; drum lass' ich ihn nur walten. 2. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Er wird mich nicht betrügen; er führet mich auf rechter Bahn. So lass' ich mir genügen an seiner Huld und hab Geduld; er wird mein Anglück wen⸗ den, es steht in seinen Händen. 3. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Er wird mich wohl bedenken; er als mein Arzt, der helfen kann, wird mir nicht Gift einschenken für Arzenei. Gott ist getreu; drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann. Ich will mich ihm ergeben in Freud und Leid; es kommt die Zeit, da öffent⸗ lich erscheinet, er es meinet. 5. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, lass' ich mich doch nicht schrek⸗ ken, weil doch zuletzt ich werd ergötzt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väter⸗ lich in seinen Armen halten; drum lass' ich ihn nur walten. Samuel Rodigast 1649—1708. 344 Choralbuch 186(159) und 1587(160). Worum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch! Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben? 2. Nichts hab ich hieher ge⸗ nommen, da ich klein bin wie treulich Trost herein in die Welt gekom⸗ men; nichts wird einst auch mit mir ziehen, wann ich werd von der Erd wie ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben ist nicht mein; Gott allein ist es, der's ge⸗ geben. Will er's wieder zu sich kehren, nehm er's hin; ich will ihn dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; er weiß wohl, wie er soll all mein Anglück enden. 5. Gott hat mich in guten Tagen oft ergötzt; sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier tun als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, wird in Eil sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der Tod auf⸗ reiben, sollder Mut dennoch gut und fein stille bleiben. 8. Kann doch selbst kein Tod uns töten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöten, schließt das Tor der bittern Leiden und macht Bahn, da man kann gehn zu Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schätzen ich mein Herz auf den Schmerz ewiglich er— götzen. Hier ist kein recht Gut zu finden; was die Welt in sich hält, muß im Nu ver⸗ schwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand voller Sand, Kummer der Ge— müter. Dort, dort sind die edeln Gaben, da mein Hirt Christus wird mich ohn Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein; niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zugut in den Tod gegeben; 12. du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Her⸗ zen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, da du mich und ich dich ewig werd umfangen. Paul Gerhardt 1607-1676. Choralbuch 188(156): 345 Was Gott tut, das ist wohlgetan. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Drum laß dich's nicht betrüben, wenn Gott versucht mit Kreuz und Pein die Kinder, die ihn Trost lieben. Je lieber Kind, je ernster sind des frommen Vaters Schläge; schau, das sind Gottes Wege! 2. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Gott will's nicht anders haben; auch dieses Lebens Not und Pein sind deines Vaters Gaben. Soll's denn so sein, so geh es ein. Es kommt von Liebes⸗ händen; Gott wird nichts Böses senden. 3. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Das Kreuz lehrt fleißig beten, zieht ab von eitlem Trug und Schein und lehrt zu ZJesu treten. Drum wirf's nicht hin mit sprödem Sinn, wenn's nun zu dir gekommen; es soll der Seele frommen. 4. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Das muß uns immer wecken, wir schliefen sonst in Sünden ein. Wie müßten wir erschrecken, wenn unbereit die Ewigkeit und der Posaune Schallen uns würde überfallen! 5. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Es lehrt die Sünde hassen und unsern lieben Gott allein mit rechter Lieb umfassen. Die Welt vergeht, und Gott besteht; bedenk's und laß dich üben, das ew'ge Gut zu lieben. 6. Auch ich will ohne Kreuz nicht sein. Was Gott schickt, will ich tragen; schickt's doch der liebe Vater mein, sind's doch nur kurze Plagen und wohlgemeint! Wer gläubig weint, lebt dort in steten Freuden; ich will mit Christo leiden. David Nerreter 1649—1726. 346 Choralbuch 164(172). Schwing, dich auf zu dei⸗ nem Gott, du betrübte Seele! Warum liegst du, Gott zum Spott, in der Schwermutshöhle? Merkst du nicht des Feindes List? Er will durch sein Kämp⸗ fen deinen Trost, den Jesus Christ dir erworben, dämpfen. 2. Auf, ermanne dich und sprich: Fleuch, du alte Schlange! Was erneust du deinen Stich, machst mir angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt, und ich bin durchs Leiden meines Heilands dir entrückt in den Saal der Freuden. 3. Hab ich, was nicht recht, getan, ist mir's leid von Herzen; dafür nehm ich gläubig an Christi Blut und Schmerzen. Denn das ist das Lösegeld meiner Misse⸗ taten; dadurch ist der ganzen Welt und auch mir geraten. 4. Stürmet, Feind und Welt und Tod, was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Not Gott mit seinen Gnaden, der Gott, Trost der mir seinen Sohn selbst geschenkt aus Liebe, daß der ew'ge Spott und Hohn mich nicht dort betrübe. 5. Was ist unterm Him⸗ melszelt, was im tiefen Meere, was ist Gutes in der Welt, das nicht mir gut wäre? Wem erglänzt das Sternenlicht? Wozu ist ge⸗ geben Luft und Wasser? Dient es nicht mir und mei⸗ nem Leben? 6. Meine Seele lebt in mir durch die süßen Lehren, so die Christen mit Begier alle Tage hören. Gott eröffnet früh und spat meinen Geist und Sinnen, daß sie seines Geistes Gnad in sich ziehen können. J. Ich bin Gottes, Gott ist mein! Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein mit dem bit⸗ tern Leide, laß es dringen! Kommt es doch von gelieb⸗ ten Händen; schnell zerbricht des Kreuzes Joch, wenn es Gott will wenden. 8. Kinder, die der Vater soll ziehn zu allem Guten, die gedeihen selten wohl ohne Zucht und Ruten. Bin ich denn nun Gottes Kind, warum will ich fliehen, wenn er mich von meiner Sünd will aufs Gute ziehen? 9. Es ist herzlich gut ge⸗ meint mit der Christen Pla⸗ gen. Wer hier zeitlich wohl darf nicht ewig geweint, klagen; wem das Kreuz hier recht bewußt, hat in Gottes Garten ewiglich vollkommne Lust endlich zu gewarten. 10. Gottes Kinder säen zwar traurig und mit Trä⸗ nen; aber endlich bringt das Jahr, wonach sie sich sehnen. Denn es kommt die Erntezeit, da sie Garben machen; da wird all ihr Gram und Leid lauter Freud und Lachen. 11. Ei so faß, o Christenherz, alle deine Schmerzen, wirf sie fröhlich hinterwärts; laß des Trostes Kerzen dich er⸗ leuchten mehr und mehr; gib dem großen Namen deines Gottes Preis und Ehr! Er wird helfen. Amen. Paul Gerhardt 1607-1676. 34⁴7 Choralbuch 169(162). Solle es gleich bisweilen scheinen, als wenn Gott verließ' die Seinen, o so glaub und weiß ich dies: Gott hilft endlich noch gewiß. 2. Hilfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht auf⸗ gehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenn's nötig ist. 3. Gleichwie Väter nicht bald geben, wonach ihre Kinder streben, so hält Gott auch Maß und Ziel; er gibt, wem und wann er will. 4. Seiner kann ich mich ge⸗ trösten, wenn die Not am Trost allergrößten; er ist gegen mich, sein Kind, mehr als väterlich gesinnt. 5. Will mir Satan bange machen: ich kann seine Macht verlachen; schwer sei auch des Kreuzes Joch: Gott, mein Vater, lebet noch. 6. Laß die Welt nur immer neiden! Will sie mich nicht länger leiden, ei so frag ich nichts darnach: Gott ist Richter meiner Sach. 7. Will sie mich gleich von sich treiben, muß mir doch der Himmel bleiben; ist der Himmel mein Gewinn, geb ich alles andre hin. 8. Ja, Herr, wenn ich dich nur habe, frag ich nichts nach andrer Gabe; legt man mich gleich in das Grab: gnug, Herr, wenn ich nur dich hab. Christoph Tietze 1641—1703. 348 Choralbuch 125(17). Niche so traurig, nicht so sehr, meine Seele, sei betrübt, daß dir Gott Glück, Gut und Ehr nicht so viel wie andern gibt. Nimm vorlieb mit deinem Gott! Hast du Gott, so hat's nicht Not. 2. Du nicht und kein Menschenkind habt ein Recht in dieser Welt: alle, die ge⸗ schaffen sind, sind nur Gäst im fremden Zelt. Gott ist Herr in seinem Haus: wie er will, so teilt er aus. 3. Bist du doch nicht darum hier, daß du Erde haben sollt; schau den Himmel über dir! Da, da ist dein edles Gold; da ist Ehre, da ist Freud, Freud ohn End, Ehr ohne Neid. 4. Der ist albern, der sich kränkt um ein' Hand voll Eitelkeit, wenn ihm Gott dagegen schenkt Schätze der Beständigkeit. Bleibt der Zentner dein Gewinn, fahr der Heller immer hin. 5. Schaue alle Güter an, die dein Herz für Güter hält: keines mit dir gehen kann, wenn du gehest aus der Welt; alles bleibet hinter dir, wenn du trittst in's Grabes Tür. 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, wird von kei⸗ ner Zeit verzehrt, ist und bleibet allzeit gut. Erdengut zerfällt und bricht, Seelen⸗ gut, das schwindet nicht. J. Ach wie bist du doch so blind und im Denken unbe⸗ dacht! Augen hast du, Men⸗ schenkind, und hast doch noch nie betracht't deiner Augen helles Glas; siehe, welch ein Schatz ist das! 8. Zähle deine Finger her und der andern Glieder Zahl: keins ist, das dir unwert wär, ehrst und liebst sie allzumal; keines gäbst du weg um Gold, wenn man dir's abnehmen wollt. Trost 9. Nun so gehe in den Grund deines Herzens, das dich lehrt, wieviel Gutes alle Stund dir von oben wird be⸗ schert. Du hast mehr als Sand am Meer, und willst doch noch immer mehr. 10. Gott ist deiner Liebe voll und von ganzem Herzen treu. Wenn du wünschest, prüft er wohl, wie dein Wunsch be⸗ schaffen sei: ist dir's gut, so geht er's ein; ist's dein Schade, spricht er: Nein. 11. Ei so richte dich empor, du betrübtes Angesicht! Laß das Seufzen, nimm hervor deines Glaubens Freuden⸗ licht! Das behalt, wenn dich die Nacht deines Kummers traurig macht. 12. Setze als ein Himmels⸗ sohn deinem Willen Maß und Ziel; rühre stets vor Gottes Thron deines Dan⸗ kens Saitenspiel, weil dir schon gegeben ist mehr, als je du würdig bist. 13. Führe deines Lebens Lauf allzeit Gottes einge⸗ denk; wie es kommt, nimm alles auf als ein wohlbe⸗ dacht Geschenk. Geht dir's widrig, laß es gehn: Gott und Himmel bleibt dir stehn. Paul Gerhardt 1607-1676. 349 Choralbuch 185(143). Worum betrübst du dich, meinHHerz, bekümmerst dich und trägest Schmerz nur Trost um das zeitlich Gut? Ver⸗ trau du deinem Herrn und Gott, der alle Ding erschaf⸗ fen hat. 2. Er kann und will dich las⸗ sen nicht, er weiß gar wohl, was dir gebricht; Himmel und Erd ist sein,— mein Va⸗ ter und mein Herre Gott, der mir beisteht in aller Not. 3. Weil du mein Gott und Vater bist, dein Kind wirst du verlassen nicht, du väter⸗ liches Herz. Ich bin ein ar⸗ mer Erdenkloß, auf Erden weiß ich keinen Trost. 4. Der Reich' verläßt sich auf sein Gut; ich aber will dir traun, mein Gott. Ob ich gleich werd veracht't, so weiß ich und glaub festiglich: Wer dir vertraut, dem mangelt nicht. 5. Ach Gott, du bist so reich noch heut, als wie du warst von Ewigkeit; mein Trauen steht zu dir. Mach reich an meiner Seele mich, so gnügt mir hie und ewiglich. 6. Zeitlicher Ehr will ich ent⸗ behrn; du wollst das Ew'ge mir gewährn, das du erwor⸗ ben hast durch deinen herben, bittern Tod. Das bitt ich dich, mein Herr und Gott. 7. Alles, was ist auf dieser Welt, es sei Gold, Silber oder Geld, Reichtum und zeitlich Gut, das währt nur eine kleine Zeit und hilft doch nichts zur Seligkeit. 8. Ich dank dir, Christ, o Got; tes Sohn, daß du mir solches kundgetan durch dein gött⸗ liches Wort. Verleih mir auch Beständigkeit zu mei⸗ ner Seelen Seligkeit! 9. Lob, Ehr und Preis sei dir gesagt, daß du mich allzeit wohl bedacht. Ich bitt demü⸗ tiglich: Laß mich nicht von dein'm Angesicht verstoßen werden ewiglich! Am 1560. 350 Choralbuch 13(147) und 14(148). Ai den Nebel folgt die Sonn, auf das Trau⸗ ern Freud und Wonn; auf die schwere, bittre Pein stellt sich Trost und Labsal ein. Meine Seele, die zuvor sank bis zu dem Höllentor, steigt nun bis zum Himmelschor. 2. Oer, vor dem die Welt erschrickt, hat mir meinen Geist erquickt; seine hohe, starke Hand reißt mich aus der Hölle Band; alle seine Lieb und Güt überschwemmt mir mein Gemüt und er⸗ frischt mir mein Geblüt. 3. Hab ich vormals Angst gefühlt, hat der Gram mein Herz zerwühlt, hat der Kum⸗ mer mich beschwert, hat der Satan mich betört: ei so bin ich nunmehr frei; Heil und Rettung, Schutz und Treu steht mir wieder treulich bei. 4. Gott läßt keinen traurig stehn noch mit Schimpf zu⸗ rückegehn, der sich ihm zu eigen schenkt und ihn in sein Herze senkt. Wer auf Gott die Hoffnung setzt, findet end⸗ lich und zuletzt, was ihm Leib und Seel ergötzt. 5. Kommt's nicht heute, wie man will, sei man nur ein wenig still: ist doch morgen auch ein Tag, da die Wohl⸗ fahrt kommen mag. Gottes Zeit hält ihren Schritt; wann die kommt, kommt unsre Bitt und die Freude reichlich mit. 6. Ach wie oftmals dacht ich doch, da mir noch der Trüb⸗ sal Joch auf dem Haupt und Halse saß und das Leid mein Herze fraß: Nun ist keine Hoffnung mehr, auch kein Ruhen, bis ich kehr in das schwarze Totenmeer. J. Aber mein Gott wandt es bald, heilt' und hielt mich dergestalt, daß ich, was sein Arm getan, nimmermehr gnug preisen kann. Da ich weder hie noch da einenWeg zur Rettung sah, hatt' ich seine Hilfe nah. 8. Als ich furchtsam und verzagt mich selbst und mein Herz geplagt, als ich manche liebe Nacht mich mit Wachen krank gemacht, als mir aller Mut entfiel, tratst du, mein Gott, selbst ins Spiel, gabst dem Anfall Maß und Ziel. 9. Nun, solang ich in der Welt haben werde Haus und Zelt, soll mir dieser Wunderschein stets vor mei⸗ Trost nen Augen sein; ich will all mein Leben lang meinem Gott mit Lobgesang hiefür bringen Lob und Dank. 10. Allen Jammer, allen Schmerz, den des ew'gen Vaters Herz mir schon jetzo zugezählt oder künftig auser⸗ wählt, will ich hier in diesem Lauf meines Lebens allzu⸗ hauf frisch und freudig neh⸗ men auf. 11. Ich will gehn in Angst und Not, ich will gehn bis in den Tod, ich will gehn ins Grab hinein und doch allzeit fröhlich sein. Wem der Stärkste will beistehn, wen der Höchste will erhöhn, kann nicht ganz zu Grunde gehn. Paul Gerhardt 1607-1676. 351 Choralbuch 51(167): Es ist gewißlich an der Zeit. Ab treuer Gott, barmher⸗ zigs Herz, des Güte sich nicht endet, ich weiß, daß mir dies Kreuz und Schmerz dein' Vaterhand zusendet; ja, Herr, ich weiß, daß diese Last du mir aus Lieb erteilet hast und gar aus keinem Hasse. 2. Denn das ist allzeit dein Gebrauch: wer Kind ist, muß was leiden; und wen du liebst, den stäupst du auch, schickst Trauern vor denFreu⸗ den, führst uns in Tiefen, tust uns weh und führst uns wie⸗ der in die Höh; und so geht eins ums andre. Trost 3. Das hat, Herr, dein ge⸗ liebter Sohn selbst wohl er⸗ fahrn auf Erden; denn eh er kam zum Ehrenthron, mußt er gekreuzigt werden. Er ging durch Trübsal, Angst und Not; ja durch den her⸗ ben, bittern Tod drang er zur Himmelsfreude. 4. Ach, liebster Vater, wie so schwer ist's der Vernunft, zu gläuben, daß du demsel⸗ ben, den du sehr schlägst, soll⸗ test günstig bleiben! Wie macht doch Kreuz so lange Zeit! Wie schwer will sich doch Lieb und Leid zusam⸗ men lassen reimen! 5. Was ich nicht kann, das gib du mir, o höchstes Gut der Frommen: gib, daß mir nicht des Glaubens Zier durch Trübsal werd entnom⸗ men; erhalte mich, o starker Hort, befest'ge mich in dei⸗ nem Wort, behüte mich vor Murren! 6. Bin ich ja schwach, laß deine Treu mir an die Seite treten; hilf, daß ich unver⸗ drossen sei zum Rufen, Seuf⸗ zen, Beten. Solang ein Herze hofft und gläubt und im Ge⸗ bet beständig bleibt, so lang ist's unbezwungen. 7. Greif mich auch nicht zu heftig an, damit ich nicht vergehe; du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben stehe. Ich bin ja weder Stahl noch Stein; und weht ein Lüftlein nur herein, so fall ich hin und sterbe. 8. Ach Jesu, der du worden bist mein Heil mit deinem Blute, du weißt gar wohl, was Kreuze ist und wie dem sei zu Mute, den Kreuz und großes Anglück plagt; drum wirst du, was mein Herze klagt, gar gern zu Herzen fassen. 9. Sprich meiner Seele herz⸗ lich zu und tröste mich aufs beste; denn du bist ja der Müden Ruh, der Schwa⸗ chen Turm und Feste, ein Schatten vor der Sonne Hitz, ein' Hütte, da ich sicher sitz im Sturm und Angewitter. 10. O heil'ger Geist, du Freudenöl, das Gott vom Himmel schicket, erfreue mich, gib meiner Seel, was Markund Bein erquicket. Du bist der Geist der Herrlichkeit, weißt, was für Freud und Seligkeit mein in dem Him⸗ mel warte. 11. Ach laß mich schauen, wie so schön und lieblich sei das Leben, das denen, die durch Trübsal gehn, du dermal⸗ eins wirst geben, ein Leben, gegen welches hier die ganze Welt mit ihrer Zier durch⸗ aus nicht zu vergleichen. 12. Daselbst wirst du in ew'⸗ ger Lust gar liebreich mit mir handeln, mein Kreuz, das dir und mir bewußt, in Freud und Ehre wandeln. Da wird mein Trauern Sonnenschein, mein Äehzen lauter Jauchzen sein. Das glaub ich; hilf mir! Amen. Paul Gerhardt 1607—1676. Choralbuch 195(157): 352 Wer nur den liebenGott läßt walten. e größer Kreuz, je näher Himmel! Wer ohne Kreuz, ist ohne Gott; bei dem verlarvten Weltgetümmel vergißt man Hölle, Fluch und Tod. O selig ist der Mensch geschätzt, den Gott in Kreuz und Trübsal setzt! 2. Je größer Kreuz, je beßre Christen! Gott prüft uns an dem Probestein. Wie man⸗ cher Garten liegt gleich Wü⸗ sten, fällt nicht ein Tränenre⸗ gen drein! Das Gold wird auf dem Feuerherd, ein Christ in mancher Not bewährt. 3. Je größer Kreuz, je stärk⸗ rer Glaube! Die Palme wächset bei der Last; die Süßigkeit fließt aus der Traube, wenn du sie wohl gekeltert hast; im Kreuze wächset uns der Mut, wie Perlen in gesalzner Flut. 4. Je größer Kreuz, je größ⸗ re Liebe! Der Wind bläst nur die Flammen auf; und scheinet gleich der Himmel trübe, so lachet doch die Sonne drauf. Das Kreuz ver⸗ mehrt der Liebe Glut, gleich⸗ wie das Ol im Feuer tut. Trost 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete! Geriebne Kräuter riechen wohl; wenn um das Schiff keinsturmwind wehte, so fragte man nicht nach dem Pol; wo kämen Davids Psal⸗ men her, wenn er nicht auch versuchet wär? 6. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen! Im Tale steiget man bergan; wer durch die Wüste oft gegangen, der seh⸗ net sich nach Kanaan; das Täublein findet hier nicht Ruh, so flieht es nach der Arche zu. J. Je größer Kreuz, je lieber Sterben! Man freut sich recht auf seinen Tod; denn man entgehet dem Verder⸗ ben, es stirbt auf einmal alle Not. Das Kreuze, das die Gräber ziert, bezeugt, man habe triumphiert. 8. Getreuzigter, laß mir dein Kreuze je länger und je lieber sein! Daß mich die AUngeduld nicht reize, so pflanz ein sol⸗ ches Herz mir ein, das Glaube, Lieb und Hoffnung hegt, bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Benjamin Schmolck 167²2-1737. 353 Choralbuch 61(164). Gib dich zufrieden und sei stille in dem Gotte dei⸗ nes Lebens! In ihm ruht aller Freuden Fülle; ohn ihn mühst du dich vergebens. Er ist dein Quell und deine Trost Sonne, scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gib dich zu⸗ frieden! 2. Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden, ungefärbten, treuen Herzens; wo er steht, tut dir keinen Schaden auch die Pein des größten Schmer⸗ zens; Kreuz, Angst und Not kann er bald wenden, ja auch den Tod hat er in Händen. Gib dich zufrieden! 3. Wie dir's und andern oft ergehe, ist ihm wahrlich nicht verborgen: er sieht und ken⸗ net aus der Höhe der betrüb⸗ ten Herzen Sorgen; er zählt den Lauf der heißen Tränen und faßt zuhauf all unser Sehnen. Gib dich zufrieden! 4. Wenn gar kein einz' ger mehr auf Erden, dessen Treue du darfst trauen, alsdann will er dein Treuster wer⸗ den und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid und heimlich Grämen; auch weiß er Zeit, dir's abzuneh⸗ men. Gib dich zufrieden! 5. Er hört die Seufzer dei⸗ ner Seelen und des Herzens stilles Klagen; und was du keinem darfst erzählen, magst du Gott gar kühnlich sagen. Er ist nicht fern, steht in der Mitten, hört bald und gern der Armen Bitten. Gib dich zufrieden! 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen, halt an Gott, so wirst du siegen; ob alle Fluten einhergingen, dennoch mußt du oben liegen. Denn wenn du wirst zu hoch beschweret, hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gib dich zu⸗ frieden! 7. Was sorgst du für dein armes Leben, wie du's hal⸗ ten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, wird auch Anterhalt besche— ren: er hat ein' Hand voll aller Gaben, dran See und Land sich müssen laben. Gib dich zufrieden! 8. Der allen Vöglein in den Wäldern ihr bescheidnes Körnlein weiset, der Schaf' und Rinder auf den Feldern alle Tage tränkt und speiset, der wird vielmehr dich Einz'⸗ gen füllen und dein Begehr und Notdurft stillen. Gib dich zufrieden! 9. Sprich nicht:„Ich sehe keine Mittel; wo ich such, ist nichts zum besten“; denn das ist Gottes Ehrentitel: helfen, wenn die Not am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, da schickt er zu, uns wohl zu führen. Gib dich zufrieden! 10. Bleibt gleich die Hilf in etwas lange, wird sie den⸗ noch endlich kommen; macht dir das Harren angst und bange, glaube mir: es ist dein Frommen. Was lang⸗ sam schleicht, faßt man ge⸗ wisser, und was verzeucht, ist desto süßer. Gib dich zu⸗ frieden! 11. Es kann und mag nicht anders werden: alle Men⸗ schen müssen leiden; was webt und lebet auf der Er⸗ den, kann das Anglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden bis in das Grab; da wird sich's enden. Gib dich zu— frieden! 12. Es ist ein Ruhetag vor⸗ handen, da uns unser Gott wird lösen; er wird uns rei⸗ ßen aus den Banden dieses Leibs und allem Bösen. Es wird einmal der Tod her⸗ springen und aus der Qual uns sämtlich bringen. Gib dich zufrieden! 13. Er wird uns bringen zu den Scharen der Erwählten und Getreuen. Die hier mit Frieden abgefahren, sich auch nun im Frieden freuen, da sie den Grund, der nicht kann brechen, den ew'gen Mund selbst hören sprechen: Gib dich zufrieden! Paul Gerhardt 1607-1676. 354 Choralbuch 1(151): Ach Gott und Herr. Klag deine Not dem lie⸗ ben Gott, wenn alle dich verlassen und keiner hört, was dich verzehrt, und dei⸗ nen Schmerz kann fassen. 2. Eh du's gesagt, eh du's geklagt, hat er es schon er⸗ fahren; mehr denn die Hut Trost der Mutter tut, will er dein Haupt bewahren. 3. Er hat die Welt auf Lieb gestellt; so faßt er auch die Seinen: nach Nacht und Leid und Traurigkeit muß dir sein Antlitz scheinen. 4. Sein ist die Zeit, die Ewigkeit, dein Leben und dein Sterben; und wir sind hier zu seiner Zier, und seines Reiches Erben. 5. So herrlich denkt, der uns geschenkt in seinem Sohne alles und nicht gedacht in Vatermacht des tiefen Sün⸗ denfalles. 6. Von Anbeginn war das sein Sinn, und dennoch kannst du zagen? So hier wie dort gilt nur sein Wort, und dar⸗ auf sollst du's wagen. 7. Was dein, ist sein, was sein, ist dein, o Meeresstrom von Liebe! Wie da auch nur noch eine Spur von Not und Jammer bliebe! Albert Zeller 1804-1877. Choralbuch 113(67): 355 Meinen Jesum lass' ich nicht. Meine Seele senket sich hin in Gottes Herz und Hände und erwartet ruhig⸗ lich seiner Wege Ziel und Ende, liegt fein still und wil⸗ lenlos in des liebsten Va⸗ ters Schoß. 2. Meine Seele murret nicht, ist mit allem wohl zufrieden; was der eigne Wille spricht, Trost ist zum Tode schon beschie⸗ den; was die Angeduld er⸗ regt, ist in Christi Grab gelegt. 3. Meine Seele sorget nicht, will vielmehr an nichts ge⸗ denken, was gleich spitzen Dornen sticht und den Frie⸗ den nur kann kränken. Sor⸗ gen kommt dem Schöpfer zu; meine Seele sucht nur Ruh. 4. Meine Seele grämt sich nicht, liebt hingegen Gott im Leiden; Kummer, der das Herze bricht, trifft und äng⸗ stet nur die Heiden. Wer Gott in dem Schoße liegt, bleibt in aller Not vergnügt. 5. Meine Seele klaget nicht; denn sie weiß von keinen Nö⸗ ten, hängt an Gottes Ange⸗ sicht auch alsdann, wann er will töten. Wo sich Fleisch und Blut beklagt, wird das Freudenlicht verjagt. 6. Meine Seel ist still zu Gott, und die Zunge bleibt gebunden; also hab ich allen Spott, alle Schmerzen über⸗ wunden, bin, gleichwie ein stilles Meer, voll von Gottes Preis und Ehr. Johann Joseph Winckler 1670—1722. 356 Choralbuch 91(170): Jesu, meine Freude. Meide Seel ist stille zu Gott, dessen Wille mir zu helfen steht. Mein Herz ist vergnüget mit dem, wie's Gott füget, nimmt's an, wie es geht. Geht die Bahn nur himmelan, und bleibt Jesus ungeschieden, so bin ich zu⸗ frieden. 2. Meine Seele hanget an dir und verlanget, Gott, bei dir zu sein aller Ort' und Zeiten, und mag keinen lei⸗ den, der ihr rede ein. Von der Welt Ehr, Lust und Geld, dessen viele so beflissen, mag sie nichts mehr wissen. 3. Nein, ach nein, nur einer, sagt sie, und sonst keiner wird von mir geliebt: Jesus, der Getreue, in dem ich mich freue, sich mir ganz ergibt. Er allein, er soll es sein, dem ich wieder mich ergebe, dem ich einzig lebe. 4. Gottes Güt erwäge und dich gläubig lege sanft in seinen Schoß; lerne ihm vertrauen, so wirst du bald schauen, wie die Ruh so groß/ die da fleußt aus stillem Geist. Wer sich weiß in Gott zu schik⸗ ken, den kann er erquicken. 5. Meine Seele senket alles, was sie kränket, tief in Jesu Brust. Sie wird stark durch Hoffen; was sie je betroffen, träget sie mit Lust, fasset sich ganz kräftiglich durch Geduld und Glauben feste: endlich lommt das Beste. 6. Amen, es geschiehet. Wer zu Jesu fliehet, wird des Zeuge sein, wie Gott seinen Kindern pflegt das Kreuz zu lindern und ein froh Ge⸗ deihn aufbewahrt, bis, wer da harrt, endlich aus dem schweren Leide übergeht in Freude. Johann Kaspar Schade 1666—1698. Choralbuch 35(207): 357 Die Welt kommt einst zusammen. ein Herz, gib dich zufrie⸗ den und bleibe ganz ge⸗ schieden von Sorge, Furcht und Gram: die Not, die dich jetzt drücket, hat Gott dir zu⸗ geschicket. Sei still und halt dich wie ein Lamm! 2. Mit Sorgen und mit Za⸗ gen und unmutvollen Kla⸗ gen häufst du nur deine Pein; durch Stillesein und Hoffen wird, was dich jetzt betroffen, erträglich, sanft und lieblich sein. 3. Kann's doch nicht ewig währen! Oft hat Gott unsre Zähren mit einmal abge⸗ wischt. Wenn's bei uns hieß: Wie lange wird mir so angst und bange! so hat er Leib und Seel erfrischt. 4. Gott pflegt es so zu ma⸗ chen: nach Weinen schafft er Lachen, nach Regen Sonnen⸗ schein; nach rauhen Winter⸗ tagen muß uns der Lenz be⸗ hagen; er führt in Höll und Himmel ein. 5. Indes ist abgemessen die Last, die uns soll pressen, auf daß wir werden klein. Was aber nicht zu tragen, darf sich nicht an uns wagen, und sollt's auch noch so wenig sein. Trost 6. Denn es sind Liebes⸗ schläge, wenn ich es recht er⸗ wäge, womit er uns belegt; nicht Schwerter, sondern Ru⸗ ten sind's, damit Gott zum Guten die Seinigen hienie⸗ den schlägt. 7. Er will uns dadurch zie⸗ hen zuKindern, die da fliehen das, was er untersagt, den alten Menschen schwächen, den Eigenwillen brechen, die Lust ertöten, die uns plagt. 8. Er will uns dadurch leh⸗ ren, wie wir ihn sollen ehren mit Glauben und Geduld und, sollt er uns in Nöten auch lassen, ja gar töten, uns doch getrösten seiner Huld. 9. Denn was will uns auch scheiden von Gott und seinen Freuden, dazu er uns ersehn? Man lebe odersterbe, so blei⸗ bet uns das Erbe des Him⸗ mels ewiglich doch stehn. 10. Ist Christus unser Le⸗ ben, so muß uns, seinen RNe⸗ ben, der Tod sein ein Ge⸗ winn; er mag die Leibes⸗ höhle zerbrechen, doch die Seele fliegt auf zum Bau des Himmels hin. 11. Drum gib dich ganz zufrieden, mein Herz, und bleib geschieden von Sorge, Furcht und Leid! Vielleicht wird Gott bald senden, die dich auf ihren Händen hintragen in die Herrlichkeit. Johann Anastasius Freylinghausen 1670-1739. Trost 358 Choralbuch 50(150): Es ist genug. Seistil zu Gott, dem Gott, der helfen wird, der dein zu sein verheißt. Sei still zu Gott, der uns all unsre Bürd durch Jesum bald entreißt. Dein Heiland hat sie all getragen in seinen bittern Leidenstagen. Sei still zu Gott! 2. Sei still zu Gott! Dein Heiland ist bei dir, der nim⸗ mer dich verläßt. Er sendet dir von offner Himmelstür die Engel mauerfest um dich und über dir zum Schutze, daß dir's gelingt, dem Feind zum Trutze. Sei still zu Gott! 3. Sei still zu Gott, der wunderbar zu sein noch nicht vergessen hat. Harr seiner fest und glaub's, daß er er⸗ schein und zeige mit der Tat, wie leicht ihm's ist, in allen Dingen das Herrlichste noch zu vollbringen. Sei still zu Gott! 4. Sei still zu Gott! Es kommt gewiß die Zeit, wie sie verheißen ist. Sie kommt, sie kommt, da sich die Herr⸗ lichkeit in Jesu, unsrem Christ, noch allem Fleisch wird offenbaren und dann auch du sollst Hilf' erfahren. Sei still zu Gott! 5. Sei still zu Gott! Die Zeit kommt schon heran, da aller Tauben Ohr durch sei⸗ nen Geist im Nu wird aufge— tan. Der starke Held dringt vor! Sein Hephatha wirst du vernehmen, und weg wird sein dein langes Grä⸗ men. Sei still zu Gott! Mark. 7, 34. 35. Christoph Blumhardt 1805—1880. Choralbuch 211(17½): 359 Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen. S deinem Wal⸗ ten, stillehalten deiner Zucht, deiner Liebe stille⸗ halten, die von je mein Heil gesucht, ja das will ich, wie's auch geh, wie's auch tu dem Herzen weh; 2. stillehalten ohne Klage, ohne Murren, ohne Trotz; was dazu die Welt auch sage, ich will spotten ihres Spotts, weiß ich doch, wie gut mir's war, stillehalten immerdar. 3. Wo ich's selber wollte zwingen und es wagen ohne dich, ach da sanken mir die Schwingen meines Mutes jämmerlich; aber wo ich stillehielt, hast du stets mein Heil erzielt. 4. Ward es anders auch ge⸗ wendet, ging's durch banges Dunkel oft: immer hat es gut geendet, besser, als ich je gehofft, besser, als bei Tag und Nacht ich's im Herzen ausgedacht. 5. Darum will ich stillehalten Tag und Nacht, jahrein und -zaus, bricht auch neues zu dem alten Kreuz und•3 Trost herein ins Haus. Weiß ich nur, es kommt von dir, nun, es sei willkommen mir! 6. Du, o Herr, gibst Kraft den Deinen und den Schwa—⸗ chen allermeist; darum gib mir deinen reinen, deinen guten, stillen Geist, daß, es gelte wo und wann, ich dir stillehalten kann. 7. In der wellenlosen Stille überm tiefen Meeresgrund tut sich mir dein Gotteswille in dem klarsten Spiegel kund da nur kann dein Odem wehn, wo die Stürme schlafen gehn. 8. Wie das Weltmeer seine Masten sicher trägt auf stil⸗ ler Flut, so, Herr, laß mich deine Lasten tragen mit er⸗ gebnem Mut. Kehr mit deinem Frieden ein, laß mich stille, stille sein! Karl Rudolf Hagenbach 1801—1874. Choralbuch 192(161ʃ): 360 Wenn wir in höchsten Nöten sein. on dir, o Vater, nimmt mein Herz Glück, An⸗ glück, Freuden oder Schmerz, von dir, der nichts als lieben kann, voll Dank und voll Vertrauen an. 2. Nur du, der du allweise bist, nur du weißt, was mir heilsam ist; nur du siehst, was mir jedes Leid für Heil bringt in der Ewigkeit. 3. Ist alles dunkel um mich her, die Seele müd und freu⸗ denleer: bist du doch meine Zuversicht, bist in der Nacht, o Gott, mein Licht. 4. Verzage, Herz, verzage nie! Gott legt die Last auf, Gott kennt sie; er weiß den Kummer, der dich quält, und geben kann er, was dir fehlt. 5. Wie oft, Herr, zagt ich, und wie oft half deine Hand mir unverhofft! Den Abend weint ich, und darauf ging mir ein froher Morgen auf. 6. Oft sah ich keinen Aus⸗ gang mehr; da weint ich laut und klagte sehr: Ach schaust du, Gott, mein Elend nicht? verbirgst du gar dein An⸗ gesicht? 7. Dann hörtest du, o Herr, mein Flehn und eiltest, bald mir beizustehn; du öffnetest mein Auge mir: ich sah mein Glück und dankte dir. 8. Sagt's alle, die Gott je geprüft, die ihr zu ihm um Hilfe rieft, sagt's, Fromme, ob er das Gebet geduldig Leidender verschmäht. 9. Die Stunde kommt früh oder spät, wo Freud und Dank aus Leid entsteht; viel⸗ leicht, daß, eh du ausgeweint, dir Gott mit seiner Hilf er⸗ scheint. 10. Wenn niemand dich er⸗ quicken kann, so schaue dei⸗ nen Heiland an; schütt aus dein Herz in seinen Schoß, denn seine Huld und Macht ist groß. Trost 11. Einst hat er auch, der Menschenfreund, im Trä⸗ nentale hier geweint; auf deine Tränen gibt er acht, und dir zu helfen hat er Macht. 12. And helfen will er, zweifle nicht! Hör, was der Treue dir verspricht: Nicht lassen will ich, Seele, dich; sei guten Muts und glaub an mich! Johann Kaspar Lavater 1741-1801. Choralbuch 4(66): 36ach was soll ich Sünder machen. (Tortgekämpft und fortge⸗ rungen, bis zum Lichte durchgedrungen muß es, bange Seele, sein. Durch die tiefsten Dunkelheiten kann dich Jesus hinbegleiten; Mut spricht er den Schwachen ein. 2. Bei der Hand will er dich fassen; scheinst du gleich von ihm verlassen, glaube nur, und zweifle nicht! Bete, kämpfe ohne Wanken; bald wirst du voll Freude danken, bald umgibt dich Kraft und Licht. 3. Bald wird dir sein Ant⸗ litz funkeln; hoffe, harre, glaub im Dunkeln! Nie ge⸗ reut ihn seine Wahl. Er will dich im Glauben üben; Gott, die Liebe, kann nur lieben; Wonne wird bald deine Qual. 4. Weg von aller Welt die Blicke! Schau nicht seit⸗ wärts, nicht zurücke, nur auf Gott und Ewigkeit; nur zu deinem Jesus wende Aug und Herz und Sinn und Hände, bis er himmlisch dich erfreut. 5. Aus des Jammers wil⸗ den Wogen hat dich oft her⸗ ausgezogen seiner Allmacht treue Hand. Nie zu kurz ist seine Rechte; wo ist einer seiner Knechte, der bei ihm nicht Rettung fand? 6. Schließ dich ein in deine Kammer, geh und schütte deinen Jammer aus in Got⸗ tes Vaterherz. Kannst du gleich ihn nicht empfinden, Worte nicht, nicht Tränen finden: klage schweigend dei⸗ nen Schmerz. 7. Kräftig ist dein tiefes Schweigen: Gott wird sich als Vater zeigen; glaube nur, daß er dich hört. Glaub, daß Jesus dich vertreten; glaube, daß, was er gebeten, Gott, sein Vater, ihm gewährt. 8. Drum so will ich nicht ver⸗ zagen, mich vor Gottes Ant⸗ litz wagen, flehen, ringen fort und fort. Ja ich werd ihn überwinden; wer ihn sucht, der wird ihn finden; er gelobt's in seinem Wort. Johann Kaspar Lavater 1741—1801. Choralbuch 201(175): 362 Wie schön leuchtet der Morgenstern. Die ihr den Heiland kennt und liebt, ihn, der uns Seligkeiten gibt, die 9— die kein Ohr vernommen, noch kein Aug gesehen hat, die noch, wie sehr es auch drum bat, in keines Herz ge⸗ kommen: freut euch! sein Reich bleibt euch allen. Bald wird's schallen: Nehmt zum Lohne eures Kampfs die Siegerkrone! 2. Was klagt ihr denn? was zagt das Herz? Kurz ist und leicht der Erxde Schmerz und wirket ew'ge Freude. Ach groß und herrlich ist das Ziel, der Wonne so unendlich viel, getrübt von keinem Leide. Traurig, schaurig ist's hie⸗ nieden; ew'ger Frieden ist nur droben, wo die Aber⸗ winder loben. 3. And dieses Friedens Se⸗ ligkeit füllt unser Herz mit Fröhlichkeit und tausend⸗ fachem Segen, erquickt uns wie der Morgentau die dürre, fast versengte Au, wie milder Frühlingsregen. Tränen, sehnen Aug' und Herzen voller Schmerzen, — strahlt doch immer uns der ew'gen Wonne Schim⸗ mer. 4. Drum sind wir froh; wir gehn im Licht, und heiter ist das Angesicht, wir sind ge⸗ trost hienieden. Im Heilig⸗ tum des Himmels liebt uns Jesus Christus, und er gibt der Seele heil'gen Frieden. Wer kennt, wer nennt, was wir erben nach dem Ster⸗ Trost ben? was uns gibet der, der uns zuerst geliebet? 5. Was klagst du denn, der du ihn kennst, der du dich Christi Jünger nennst? Was ist's, das dich betrübet? Froh kannst und sollst du immer sein und dich des ew'gen Lebens freun, dich freun, daß er dich liebet. O sei nur treu! O sei fröhlich, hof⸗ fend selig schon im Staube: Gotteskraft sei dir dein Glaube! Gottfried Menken 1768-1831. Choralbuch 77(70: 363 Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. Der Weg ist gut, der durch 1 das Leiden führet: man findet Gott, wenn man sich selbst verlieret; Gefahr und Not treibt die beherzten Streiter beständig weiter.“ 2. So spricht der Glaube, der sich mutig waget, wenn die Vernunft bei eigner Kraft verzaget. Der in sich selber zügellose Wille wird nie⸗ mals stille, 3. bis Kreuz und Leiden ihm den Weg verzäunen und Proben, die oft unerträglich scheinen, an das sich selbst gelaßne Herze treten. Dann lernt man beten. 4. Gott, welcher stets mit uns in Liebe handelt, mit manchem ungewohnte Wege wandelt; man lernt, wenn Angst und Weh auf einem Trost liegen, zum Kreuz sich schmiegen. 5. Sein Zweck ist nicht, die schon geplagten Seelen mit überflüss'ger Not noch mehr zu quälen. Derin sich Selige zwingt seine Gaben nie— mand zu haben. 6. Ist aber wo ein Herz, das ihm gehöret und das sich noch mit halbem Willen wehret, das reißt er dann — die Seelen sind ihm teuer — als Brand vom Feuer, J. und sucht, durch die von außen harten Leiden dem armen Geist die Weltlust zu entleiden; er selbst erweckt bei Seufzen, Schmerz und Tränen ein himmlisch Seh⸗ nen. 8. O selige, o ewig süße Wehen, da solche Wünsche in dem Geist entstehen! Das Herz empfindet bei des Leibs Ermüden göttlichen Frieden. 9. Dann wird den Seelen, die mit ihmverbunden, nichts mehr zu schwer; dann sind die Leidensstunden nur lau⸗ ter segensvolle, leichte Wege und Liebesschläge. 10. Das Gold durch Glut von Schlacken wird gereinigt, das Herz mit ihm noch in⸗ niger vereinigt, und die ihm schon zuvor ergebne Treue stärkt sich aufs neue. 11. And wenn auch finstre Kraft den Sinn verdunkelt, erweckt das Kleinod, das von oben funkelt, aufs neu den Mut; die Hoffnung samt dem Glauben läßt sich nicht rauben. 12. Durch Leiden bist du in den sel'gen Orden der Kreuzgeschwister eingezeich⸗ net worden: dein Glück ist groß, der Weg ist zwar be⸗ schwerlich, doch nicht ge— fährlich. 13. Ihn ist der Herr des Lebens selbst gegangen; wer einst in seinem Hochzeit⸗ schmuck will prangen, muß seiner Schmach und Leiden noch auf Erden gewürdigt werden. 14. Blick auf die Wolke der verklärten Zeugen, die jetzt vor seinem Thron die Pal⸗ men neigen! Wie kamen sie zum Sammelplatz der Freu⸗ den?— War's nicht durch Leiden? 15. Kein Tränlein wird um⸗ sonst allhier vergossen: sie bleiben droben sorgsam wohl verschlossen und wer⸗ den, wenn's einst gilt, die Treu zu lohnen, Perlen zu Kronen. 16. Zuletzt geht alles gut: auf kurzes Leiden folgt eine Ewigkeit voll Himmelsfreu⸗ den; dann wird der Geist, den hier sein Wohnhaus drücket, selig beglücket. Friedrich Karl von Moser 17²23-1798. Choralbuch 155(31): 364 8 Welt, ich muß dich lassen. J* hab in guten Stunden des Lebens Glück emp⸗ funden und Freuden ohne Zahl. So will ich denn ge⸗ lassen mich auch im Leiden fassen; welch Leben hat nicht seine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafst du gelinder, als es der Mensch verdient. Will ich, beschwert mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich ergeben, nicht meine Ruh, mein Leben mehr lieben als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen und nicht auf Menschen bauen; du hilfst und du errettest gern. 4. Laß du mich Gnade fin⸗ den, mich alle meine Sün⸗ den erkennen und bereun! Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; sein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mir Trost im Leben sein. 5. Wenn ich in Christo sterbe, bin ich des Himmels Erbe; was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade vertrau ich deiner Gnade; du, Herr, bist bei mir in der Not. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld Trost verehren, im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken; der Herr wird alles lenken, und was mir gut ist, wird geschehn. Christian Fürchtegott Gellert 171⁵5—1769. Choralbuch 133(G0): Nun laßt uns Gott, 365 DemhHerren ch will nicht alle Morgen mein Herz mit schweren Sorgen und kummervollem Zagen zu Gottes Anehr plagen. 2. Es ist ihm größre Ehre, wenn ich dem Kummer wehre und ruhig im Ge⸗ müte mich tröste seiner Güte. 3. Es läßt sich nicht er⸗ ringen, nicht durchs Gebet erzwingen; es läßt sich nicht erlaufen, nicht durchs Ge— schenk erkaufen. 4. Beim Glauben, Warten, Hoffen steht uns der Him⸗ mel offen; die ganze Gottes⸗ fülle genießt man in der Stille. 5. Sieh, wie in deinem Garten die Blumen ruhig warten, der Sonne stille⸗ halten und so sich froh entfalten: 6. so wächst man in der Liebe durch sanfte Glau⸗ benstriebe, wird stark in Gottes Frieden und darf sich nicht ermüden. 7. Des Geistes Gottes Trei⸗ Trost ben lehrt uns bei Christo bleiben, Gott herzhaft Vater nennen und immer besser kennen. 8. So geht man hin im Frieden, nimmt an, was Gott beschieden, und geht auf Pilgerwegen dem frohen Ziel entgegen. 9. Ach wären wir dort oben, daß wir ihn könnten loben mit den verklärten Zungen, mehr als wir hier gesungen! 10. Doch wollen wir uns rüsten im Geist mit frommen Christen, daß uns sein Lob auf Erden das Süßeste mög werden. Wilhelm Ludwig Hosch 1750—1811. Choralbuch 76(154): 366 Herdzlich tut mich verlangen. I* habe viel gelitten, doch Jesus litt noch mehr; was er so hart erstritten, ist mir nun Kraft und Wehr. Hinan zu seinem Hügel, du müder Sinn, hinan! und lern in diesem Spiegel, wie man ertragen kann. 2. Geh ein in seine Leiden, geh ein in seinen Tod und laß dich willig scheiden von aller deiner Not. Sei dir in ihm gestorben, so weicht, was dich betrübt; der hat die Ruh erworben, der sich sein selbst begibt. 3. Was ist es, das mir fehle, schweigt erst mein Anspruch still? Osüßes Los der Seele, die Gottes Rat nur will! Dies duldende Verlangen führt' Jesum himmelein; und wo er hin gegangen, da soll sein Diener sein. 4. Nur eines, was ich heische, sei mir noch hier gewährt: Hilf, daß der Welt Ge— räusche nicht meine Seele stört. Doch kommt's nach deinem Willen, so laß mich kindlich klein auch dann dein Bild erfüllen durch Harren und Verzeihn. 5. Ich hab ein neu Ver⸗ langen: Was du willst, will auch ich; nicht rauben, nur empfangen mag ich mein Wohl durch dich. Gott wohnt in meiner Seele, erquickt mich täglich viel; umsonst, daß ich mich quäle: sein Himmel ist mein Ziel. Johann Friedrich von Meyer 1772—1849. Choralbuch 73(146): 3678err Jesu Christ, wahr'r Mensch und Gott. Di Himmel hängt voll Wolken schwer, ich seh das blaue Zelt kaum mehr; doch über Wolken, hell und klar, nehm ich ein freund⸗ lich Auge wahr. 2. Es tobt der Sturm mit wilder Macht, sie wird so dunkel oft, die Nacht; doch wenn auch meine Seele bebt, sie weiß, daß dort ein Hei⸗ land lebt. 3. Sie zöge gar zu gern hin⸗ aus ins große, weite Vater⸗ haus; doch hält in seiner Kraft sie still, bis er, bis er sie lösen will. 4. Die Erd ist mir ein mor⸗ sches Boot, das unter mir zu sinken droht; ich steh, nach oben hingewandt, mit einem Fuß auf seinem Rand. 5. Gebeutst du, Herr, mit einem Blick, so sechleudr ich's hinter mich zurück und schwinge mich an deiner Hand hinauf, hinauf und jauchze: Land! 6. Ich ginge gern, so gern zu dir! Doch wenn du mich noch länger hier in Sturm und dunkeln Näch— ten läßt, so halt du meine Seele fest, 7. daß sie in Sturm und Nächten treu, zu deiner Ehre wacker sei, bis du mir rufst: Nun ist mir's recht, nun kannst du kommen, treuer Knecht! Heinrich Möwes 1793-1834. Choralbuch 200(177): 368 Wie nach einer Wasserquelle. Ps. 126. Waan der Herr einst die Gefangnen ihrer Ban⸗ de ledig macht, o dann schwinden die vergangnen Leiden wie ein Traum der Nacht; dann wird un⸗ ser Herz sich freun, unser Mund voll Lachens sein; Trost jauchzend werden wir er⸗ heben den, der Freiheit uns gegeben. 2. Herr, erhebe deine Rechte, richt auf uns den Vaterblick; rufe die zerstreuten Knechte in das Vaterhaus zurück. Ach der Pfad ist steil und weit. Kürze unsre Pilgerzeit; führ uns, wenn wir treu ge⸗ stritten, in des Friedens stille Hütten. 3. Ernten werden wir mit Freuden, was wir weinend ausgesät; jenseits reift die Frucht der Leiden, und des Sieges Palme weht. Anser Gott auf seinem Thron, er, er selbst ist unser Lohn; die ihm lebten, die ihm starben, bringen jauchzend ihre Gar— ben. Samuel Gottlieb Bürde 17⁵³3—1831. 369 on L. 224.(177½. Wie nach einer Wasser⸗ quelle ein Hirsch schrei⸗ et mit Begier, also auch mein' arme Seele ruft und schreit, Herr Gott, zu dir; nach dir, o lebend'ger Gott, sie Durst und Verlangen hat: ach wann soll es denn geschehen, daß dein Antlitz ich mag sehen! 2. Alle deine Wasserwogen, deine Wellen allzumal über mir zusammenschlagen; doch tröst ich mich in Trübsal, daß du helfen wirst bei Tag, daß des Nachts ich singen mag, Trost dich als meinen Heiland preise, anruf und anbet mit Fleiße. Ambrosius Lobwasser 1515—1585. 370 Choralbuch 60(149). Gib dich dahin in Gottes Sinn, laß alles andre schwinden; schreit' immer zu in dieser Ruh, dann wirst du überwinden. 2. Sei sanft und still, hör, was er will, fall ihm nicht in die Rede: so wird dein Mut gar frisch und gut, und aus ist Kampf und Fehde. 3. Die Welt so schön, sie muß vergehn, ich kann sie drum nicht schelten; was soll denn sie die Sorg und Müh und unsre Not ent⸗ gelten? 4. Sie hält auch Freud ge⸗ nug bereit, den Wandrer zu erquicken; nur mußt du dich auch sänftiglich in ihre Dor⸗ nen schicken. 5. Das Angemach hält frisch und wach, das Heil nicht zu versäumen; das eitle Herz ohn Sorg und Schmerz würd es gar bald ver⸗ träumen. 6. So geht die Zeit zur Ewigkeit gehorsam in die Lehre, und alles führt, wie sich's gebührt, zu Gottes Preis und Ehre. Albert Zeller 1804—1877. 371 Choralbuch 91(170): Jesu, meine Freude. eimat meiner Liebe, Ziel der heil' gen Triebe, Ort der sel'gen Ruh, wo mein Jesus weilet, Friedensstadt, es eilet dir mein Sehnen zu. Herr, wie lang werd ich noch bang, an die Erdennot ge⸗ bunden, zählen Tag und Stunden? 2. Zwar sollt ich nicht zählen, sollte mich nicht quälen; denn die Zeit ent⸗ flieht, und ich kann mit Freuden sehn, wie durch das Leiden mich mein Je— sus zieht. Näher stets zur Heimat geht's. Folgt ich nur dem Liebeszuge auch im Liebesfluge! 3. Doch ich geh so träge auf dem Lebenswege meinem Jesu nach, dankend halb, halb zagend, nach dem Aus⸗ gang fragend und mit man⸗ chem Ach. O wie schwer ward mir's bisher, ganz mir selber abzusagen und mein Kreuz zu tragen! 4. Lehr mich stiller gehen, treuer auf dich sehen, den ich oft betrübt. Jesu, voll Erbarmen hast du ja mich Armen je und je geliebt. Lauter Güt ist's, die mich zieht hin zum Ziel der heil'gen Triebe, zu dir, meine Liebe. Franz Härter 1797—1874. Trost In Krankheit Choralbuch 85(203): 372 Ich hab mein' Sach Gott heimgestellt. Im Anfang der Krankheit. ilf, Herr Gott, hilf in die⸗ ser Not! An meine Tür klopft an der Tod. Steh du mir bei zu dieser Frist, Herr Jesu Christ, der du des Todes Sieger bist. 2. Ist es dein Will, zieh aus den Pfeil, der mich ver⸗ wundet; hilf und heil! Rufst du zum frühen Tode mich, der Ton bin ich; mach ganz ihn oder ihn zerbrich! 3. Nimmst du den Geist von dieser Erd, tust du's, daß er nicht böser werd und daß er frommen Herzen nicht mit falschem Licht entwende Trost und Zuversicht. Inmitten der Krankheit. 4. Tröst, Herr Gott, tröst! Die Krankheit steigt, und Seel und Leib dem Schmerz sich beugt. Nach deiner Gnad steht mein Begehr; zu mir dich kehr, denn außer dir ist Hilf nicht mehr. 5. Hin rinnt mein Leben, es ist um; still wird es bald; mein' Zung ist stumm, mag nicht mehr stammeln nur ein Wort. Die Kraft ist fort, all meine Sinne sind verdorrt. 6. Darum, o Herr, nun ist es Zeit, führ selbst hinfürder meinen Streit! Ich bin gar schwach, du stärke mich; fest halt ich dich, wie grimm der Feind auch stelle sich. In der Besserung. 7. Gesund, Herr Gott, ich bin gesund! Es preiset dich mein Herz und Mund. Ins Leben wiederum ich kehr; dein Lob und Lehr will ich aussprechen immer mehr. 8. Wie es auch geh, dein ist mein Herz, bis einst mich faßt des Todes Schmerz. Wohl muß ich einmal ihn bestehn mit schwerern Wehn vielleicht, als jetzo wär ge⸗ schehn. 9. Noch will ich fröhlich tragen doch den Trutz der Welt und ihr Gepoch um dein Entgelt, o Herre mein, mit Hilfe dein, ohn den nichts mag vollkommen sein. Nach Huldreich Zwingli 1484—1531. Choralbuch 164(172): 373 Schwing dich auf zu deinem Gott. Hut⸗ ein ganzer Leidenstag ist nun überwunden. Ach, wie viel der Mensch vermag, das hab ich empfunden. Wie gebrechlich ist die Kraft, wie verzagt der Glaube! Wenn dein Arm nicht Hilfe schafft, liegen wir im Staube. 2. Ach, wie könnt ich diese NVN.. In Krankheit Nacht ohne dich bestehen? Ohne deine Huld und Macht müßt ich ganz vergehen. Trübe fällt der Abend ein, stille wird's auf Erden; doch in diesem Kämmerlein wird's so still nicht werden. 3. Jedes Auge tut sich zu, alles sucht den Schlummer; doch hier ist noch keine Ruh, denn es wacht der Kummer. O so komm und bleibe hier bei dem armen Kranken; liebster Jesu, schenke mir tröstliche Gedanken! 4. Zeuch empor das matte Herz aus der finstern Höhle; salbe diesen Leib voll Schmerz mit dem Lebensöle! Herr, du kannst die Furcht und Pein in der Seele stillen. Laß mich ganz ergeben sein in des Vaters Willen! 5. Wenn ich diese ganze Nacht wachen muß und wei⸗ nen: Herr, du bist's, der bei mir wacht; du wirst mir er⸗ scheinen; du wirst in der Dunkelheit freundlich mit mir sprechen, sollte gleich vor Traurigkeit mir das Wort gebrechen. 6. Wo ich auch gebettet bin, lieg ich dir in Händen; wo mein Auge siehet hin, wird's zu dir sich wenden. Mein Gebet bestärke du, laß es nicht ermatten; laß mich fin⸗ den sanfte Ruh unter dei⸗ nem Schatten! Heinrich Puchta 1808-1858. 374⁴4 Choralbuch 62(141). Gen, den ich als Liebe kenne, der du Krankheit auf mich legst und des Lei⸗ dens Flamm erregst, daß ich davon glüh und brenne: o verbrenne doch in mir alles, was den Geist ver⸗ hindert und der Liebe Re⸗ gung mindert, die mich zie⸗ hen soll zu dir. 2. In der Schwachheit sei du kräftig, in den Schmer⸗ zen sei mir süß; schaffe, daß ich dich genieß, wenn die Krankheit streng und heftig. Denn was mich so sehr be⸗ wegt, was mein Fleisch und Mark verzehret, was den Körper jetzt beschweret, hast du, Liebe, selbst erregt. 3. Leiden ist jetzt mein Ge⸗ schäfte, andres kann ich jetzt nicht tun als nur in dem Leiden ruhn. Leiden müssen meine Kräfte, Leiden ist jetzt mein Gewinst; das ist jetzt des Vaters Wille, den ver⸗ ehr ich sanft und stille; Lei⸗ den ist mein Gottesdienst. 4. Gott, ich nehm's aus dei⸗ nen Händen als ein Liebes⸗ zeichen an; denn in solcher Leidensbahn willst du mei⸗ nen Geist vollenden. Auch die Labung, die man mir zu des Leibes Stärkung gibet, kommt von dir, der mich ge⸗ liebet; alles kommt, mein Gott, von dir. 5. Laß nur nicht den Geist ermüden bei des Leibes Mat⸗ tigkeit, daß er sich zu aller Zeit in dich senk in Lieb und Frieden; laß des Leibes Angst und Schmerz nicht der Seele Auffahrt hindern und die Ruhe in mir min⸗ dern, unterstütze du das Herz. 6. Hilf mir, daß ich ganz bescheiden und mit aller Freudigkeit, Ruhe und Ge⸗ lassenheit mög auf meinem Bette leiden. Denn wer hier am Fleische leid't, wird ge⸗ reinigt von den Sünden und durch schmerzliches Empfin⸗ den nur an seinem Geist erneut. 7. Dir empfehl ich nun mein Leben und dem Kreuze mei⸗ nen Leib; gib, daß ich mit Freuden bleib an dich völlig übergeben. Denn so weiß ich festiglich, ich mag leben oder sterben, daß ich nicht mehr kann verderben; denn die Liebe reinigt mich. Christian Friedrich Richter 1676—1711. Choralbuch 4(66): 375 uch was soll ich Sünder machen. ndlich bricht der heiße Tiegel, und der Glaub empfängt sein Siegel, als im Feur bewährtes Gold, da der Herr durch tiefe Lei⸗ den uns hier zu den hohen Freuden jener Welt berei⸗ ten wollt. Trost 2. Anter Leiden prägt der Meister in die Seelen, in die Geister sein allgeltend Bildnis ein. Wie er dieses Leibes Töpfer, will er auch des künft'gen Schöpfer auf dem Weg der Leiden sein. 3. Leiden bringt empörte Glieder endlich zum Gehor— sam wieder, macht sie Christo untertan, daß er die gebroch⸗ nen Kräfte zu dem Heili⸗ gungsgeschäfte sanft und still erneuern kann. 4. Leiden sammelt unsre Sinne, daß die Seele nicht zerrinne in den Bildern die⸗ ser Welt, ist wie eine Engel⸗ wache, die im innersten Ge⸗ mache des Gemütes Ord⸗ nung hält. 5. Leiden stimmt des Her⸗ zens Saiten für den Psalm der Ewigkeiten, lehrt mit Sehnsucht dorthin sehn, wo die sel'gen Palmenträger mit dem Chor der Harfen⸗ schläger preisend vor dem Throne stehn. 6. Leiden fördert unsre Schritte, Leiden weiht die Leibeshütte zu dem Schlaf in kühler Gruft; es gleicht einem frohen Boten jenes Frühlings, der die Toten zum Empfang des Lebens ruft. 7. Leiden macht das Wort verständlich, Leiden macht in allem gründlich; Leiden, wer ist deiner wert? Hier heißt man dich eine Bürde; eerr Liebe zu Gott und Christus droben bist du eine Würde, die nicht jedem widerfährt. 8. Brüder, solche Leidens⸗ gnade wird in mannig⸗ fachem Grade Jesu Jüngern kundgemacht, wenn sie man⸗ cher Schmerz durchwühlet, wenn sie manchen Tod ge⸗ fühlet, Nächte seufzend durchgewacht. 9. Wenn auch die gesunden Kräfte zu des guten Herrn Geschäfte wurden willig sonst geweiht, o so ist's für sie kein Schade, daß sie ihres Führers Gnade läutert in der Prüfungszeit. 10. Im Gefühl der tiefsten Schmerzen dringt das Herz zu seinem Herzen immer lie⸗ Liebe zu Gott 376 Choralbuch 201(175) und 202(176). Wie schön leuchtet der Morgenstern, voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn uns herrlich aufge⸗ gangen! O guter Hirte, Da— vids Sohn, mein König auf dem Himmelsthron, du hast mein Herz umfangen: lieb⸗ lich, freundlich, schön und prächtig, groß und mächtig, reich an Gaben, hoch und wundervoll erhaben. 2. O Kleinod, dem kein Kleinod gleicht, Sohn Got⸗ tes, den kein Lob erreicht, bender hinan; und um eins nur fleht es sehnlich: Mache deinem Tod mich ähnlich, daß ich mit dir leben kann! Phil. 3, 10. 11. Endlich mit der Seufzer Fülle bricht der Geist durch jede Hülle, und der Vorhang reißt entzwei. Wer ermisset dann hienieden, welch ein Meer von Gottesfrieden droben ihm bereitet seil 12. Jesu, laß zu jenen Höhen heller stets hinauf uns sehen, bis die letzte Stunde schlägt, da auch uns nach treuem Ringen heim zu dir auf lich⸗ ten Schwingen eine Schar der Engel trägt. Nach Karl Friedrich Harttmann 1743—1815. und Christus vom Vater uns gegeben! Mein Herz zerfließt in dei⸗ nem Ruhm; dein süßes Evangelium ist lauter Geist und Leben. Dich, dich will ich ewig fassen, nimmer lassen; Brot des Lebens, dein begehr ich nicht ver⸗ gebens. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, du Gotteslicht und Himmelsschein, die Flamme deiner Liebe; und stärk mich, daß ich ewig bleib, o Herr, ein Glied an deinem Leib in frischem Lebens⸗ triebe. Nach dir wallt mir mein Gemüte, ew'ge Güte, bis es findet dich, des Liebe mich entzündet. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, wenn mich dein heilig Angesicht mit Freundlichkeit anblicket. O Herr Jesu, mein trautes Gut, dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut mich inner⸗ lich erquicket. Nun ich bitt dich: Nimm mich Armen voll Erbarmen an mit Gna⸗ den! Auf dein Wort komm ich geladen. 5. Herr Gott, Vater, du starker Held, du hast mich ewig vor der Welt in dei⸗ nem Sohn geliebet. Dein Sohn hat sich mit mir ver⸗ traut; mein Herz auf ihn mit Freuden schaut, in dem mich nichts betrübet. Preis dir, Heil mir! Himmlisch Leben wird er geben mir dort oben; ewig soll mein Herz ihn loben. 6. Spielt unsrem Gott mit Saitenklang und laßt den süßesten Gesang ganz freu⸗ denreich erschallen! Ich will mit meinem Jesus heut und morgen und in Ewigkeit in steter Liebe wallen. Singet, klinget, jubilieret, trium⸗ phieret, dankt dem Herren, ihm, dem König aller Ehren! 7. Wie freu ich mich, Herr Jesu Christ, daß du der Erst und Letzte bist, der Anfang und das Ende! Du, der sein Liebe zu Gott und Christus Leben für mich ließ, nimmst mich einst in dein Paradies; drauf fass' ich deine Hände. Amen, amen! Komm, o Sonne, meine Wonne, bleib nicht lange, daß ich ewig dich umfange. Nach Philipp Nicolai 1556-1608. Choralbuch 201(175): 377 Wie schön leuchtet der Morgenstern. O Sesu, Jesu, Gottes Sohn, mein Bruder auf dem Himmelsthron, mein' höchste Freud und Wonne! Du weißest, daß ich rede wahr; vor dir ist alles sonnenklar und klarer als die Sonne. Herzlich lieb ich mit Gefallen dich vor allen; nichts auf Erden kann und mag mir lieber werden. 2. Dies ist mein Schmerz, dies kränket mich, daß ich nicht gnug kann lieben dich, wie ich dich lieben wollte. Ich werd von Tag zu Tag entzünd't; je mehr ich lieb, je mehr ich find, daß ich dich lieben sollte. Von dir laß mir deine Güte ins Ge⸗ müte lieblich fließen, so wird sich die Lieb ergießen. 3. Durch deine Kraft treff ich das Ziel, daß ich, soviel ich soll und will, dich allzeit lieben möge. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Pracht, Wollust, Ehre, Freud und Geld, wenn ich es recht er— wäge, kann mich ohn dich Liebe zu Gott und Christus gnugsam laben; ich muß haben reine Liebe, die tröst't, wenn ich mich betrübe. 4. Denn, wer dich liebt, den liebest du, schaffst seinem Herzen Fried' und Ruh, er⸗ freuest sein Gewissen. Es geh ihm, wie es woll, auf Erd', wenn ihn gleich ganz das Kreuz verzehrt, soll er doch dein genießen. Ewig selig nach dem Leide große Freu⸗ de wird er finden; alles Trauern muß verschwinden. 5. Kein Ohr hat dies je⸗ mals gehört, kein Mensch gesehen noch gelehrt, es kann's niemand beschreiben, was denen dort für Herrlich⸗ keit bei dir und von dir ist bereit, die in der Liebe blei⸗ ben. Was hier von dir wird gegeben, unser Leben zu ergötzen, ist dagegen nichts zu schätzen. 6. Drum lass' ich billig dies allein, o Jesu, meine Sorge sein, daß ich dich herzlich liebe; daß ich in dem, was dir gefällt und mir dein klares Wort vermeld't, aus Liebe mich stets übe, bis ich endlich werd abscheiden und mit Freuden zu dir kom⸗ men, aller Trübsal ganz ent⸗ nommen. 7. Da werd ich deine Süßig⸗ keit, die jetzt gerühmt ist weit und breit, in reiner Liebe schmecken und sehn dein liebreich Angesicht mit un⸗ verwandtem Augenlicht ohn alle Furcht und Schrecken. Reichlich werd ich sein er⸗ quicket und geschmücket vor dem Throne mit der schö⸗ nen Himmelskrone. Johann Heermann 1585—1647. 378 Choralbuch 92 62): Jesu, meine Liebe. Aem Wesen, das ich hab erlesen mir zum höchsten Gut! Du vergnügst alleine völlig, innig, reine Seele, Geist und Mut. Wer dich hat, ist still und satt; wer dir kann im Geist an⸗ hangen, darf nichts mehr verlangen. 2. Wem du dich gegeben, kann im Frieden leben, er hat, was er will; wer im Herzensgrunde lebt mit dir im Bunde, liebet und ist still. Bist du da und innig nah, muß das Schönste bald er⸗ bleichen und das Beste weichen. 3. Höchstes Gut der Güter, Ruhe der Gemüter, Trost in aller Pein! Was Ge⸗ schöpfe haben, kann den Geist nicht laben; du vergnügst allein: was ich mehr als dich begehr, kann mein Selig⸗ sein nur hindern und den Frieden mindern. 4. Was genannt kann wer⸗ den droben und auf Erden, alles reicht nicht zu. Einer kann mir geben Freude, Ruh und Leben; eins ist not: nur du. Hab ich dich nur wesentlich, so mag Leib und Seel verschmachten, ich will's doch nicht achten. 5. Komm, du sel'ges Wesen, das ich mir erlesen, werd mir offenbar; meinen Hun⸗ ger stille, meinen Grund er⸗ fülle mit dir selber gar. Bleib nur du mein Gut und Ruh, bis du wirst in jenem Leben dich mir völlig geben. Gerhard Tersteegen 1697—1769. Choralbuch 86(179): 379 Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. D Jesu Christ, mein schön⸗ stes Licht, der du in deiner Seelen so hoch mich liebst, daß ich es nicht aus⸗ sprechen kann noch zählen: gib, daß mein Herz dich wie⸗ derum mit Lieben und Ver⸗ langen mög umfangen und als dein Eigentum nur ein⸗ zig an dir hangen. 2. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel als deine Liebe wohne; gib, daß ich deine Lieb erwähl als meinen Schatz und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, was mich und dich will tren⸗ nen und nicht gönnen, daß all mein Mut und Sinn in deiner Liebe brennen. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön ist, Jesu, deine Liebe! Wenn diese steht, kann nichts entstehn, das mei⸗ Liebe zu Gott und Christus nen Geist betrübe. Drum laß nichts andres denken mich, nichts sehen, fühlen, hören, lieben, ehren als deine Lieb und dich, der du sie kannst vermehren. 4. O daß ich wie ein kleines Kind mit Weinen dir nach— ginge so lange, bis dein Herz entzünd't mit Armen mich umfinge, und deine Seel in mein Gemüt in vol⸗ ler, süßer Liebe sich erhübe, und also deiner Güt ich stets vereinigt bliebe! 5. Du bist allein die rechte Ruh, in dir ist Fried und Freude; gib, Jesu, gib, daß immerzu mein Herz in dir sich weide. Sei meine Flamm und brenn in mir, mein Balsam, wollest eilen, lin⸗ dern, heilen den Schmerzen, der mich hier mit Seufzen lässet weilen. 6. Was ist's, o Schönster, das ich nicht in deiner Liebe habe? Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht, mein Quell, da ich mich labe, mein süßer Wein, mein Himmels⸗ brot, mein Kleid vor Gottes Throne, meine Krone, mein Schutz in aller Not, mein Haus, darin ich wohne. 7. Ach Jesu, wenn du mir entweichst, was hilft mir sein geboren? Wenn du mir deine Lieb entzeuchst, ist all mein Gut verloren. So gib, daß ich dich, meinen Gast, Liebe zu Gott und Christus wohl such und bestermaßen möge fassen und, wenn ich dich gefaßt, in Ewigkeit nicht lassen. 8. Du hast mich je und je geliebt und auch nach dir gezogen; eh ich noch etwas Guts geübt, warst du mir schon gewogen. Ach laß doch ferner, edler Hort, mich diese Liebe leiten und begleiten, daß sie mir immerfort bei⸗ steh auf allen Seiten. 9. Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zieren und, wo ich etwa irre⸗ geh, alsbald zurecht mich führen. Laß sie mich allzeit guten Rat und gute Werke lehren, steuern, wehren der Sünd und nach der Tat bald wieder mich bekehren. 10. Dein Lieben sei mir Freud in Leid, in Schwach⸗ heit mein Vermögen; und wenn ich nach vollbrachter Zeit mich soll zur Ruhe legen, alsdann laß deine Liebestreu, Herr Jesu, bei mir stehen, Luft zuwehen, daß ich getrost und frei mög in dein Reich eingehen. Paul Gerhardt 1607—1676. Choralbuch 91˙(170). 380 (Auch nach Choralbuch 92 632): Jesu, meine Liebe.) Jeso meine Freude, mei⸗ nes Herzens Weide, Jesu, meine Zier, ach wie lang, ach lange ist dem Her⸗ zen bange und verlangt nach dir! Du bist mein, und ich bin dein; außer dir soll mir auf Erden nichts sonst lieber werden. 2. Anter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Laß von Angewittern rings die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Wenn die Welt in Trümmer fällt, wenn gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken. 3. Trotz des Feindes Lauern, Trotz des Todes Schauern, Trotz der Furcht dazu! Zürne, Welt, und tobe: ich steh hier und lobe Gott in sichrer Ruh. Seine Macht hält mich in acht; Erd und Abgrund muß sich scheuen, ob sie noch so dräuen. 4. Weg mit allen Schätzen! Du bist mein Ergötzen, Jesu, meine Lust. Weg, ihr eitlen Ehren! Ich mag euch nicht hören, bleibt mir unbewußt. Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, ob ich viel muß leiden, nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen; mir gefällst du nicht. Gute Nacht, ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, du Stolz und Pracht; dir sei ganz, du gottlos Leben, gute Nacht gegeben. 6. Weicht, ihr Trauergeister! denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, muß auch ihr Betrüben lauter Freude sein. Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. Johann Franck 1618-1677. Choralbuch 211(174): 38 Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen. die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht; Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 2. Liebe, die du mich erkoren, eh als ich geschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zubleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich ge⸗ litten und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat er⸗ stritten ew'ge Lust und Selig⸗ keit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 4. Liebe, die mich hat ge— bunden an ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden und mein Herz hat ganz dahin: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu blei⸗ ben ewiglich. 5. Liebe, die mich ewig lie⸗ bet, die für meine Seele litt; Liebe zu Gott und Christus Liebe, die das Lösgeld gibet und mich kräftiglich vertritt: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 6. Liebe, die mich wird ent⸗ rücken aus dem Grab der Sterblichkeit; Liebe, die mein Haupt wird schmücken mit dem Laub der Herrlich⸗ keit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. Johann Scheffler 1624—1677. 382 Choralbuch 157(127). O wie selig sind die Seelen, die mit Jesu sich ver⸗ mählen, die sein Lebenshauch durchweht, daß ihr Herz mit heißem Triebe stündlich nur auf seine Liebe und auf seine Nähe geht! 2. O wer fasset ihre Würde, die bei dieses Leibes Bürde im Verborgnen schon sie schmückt! Alle Himmel sind zu wenig für die Seele, der ihr König solches Siegel aufgedrückt. 3. Wenn die Seraphim mit Schrecken sich vor seinem Glanz bedecken, spiegelt sich sein Angesicht in der Seele, die ihn kennet und von seiner Liebe brennet, hier schon mit enthülltem Licht. Jes. 6, 2; 2. Kor. 3, 18. 4. Nach Zehovas höchsten Ehren wird in allen Him⸗ melschören nichts, das herr— licher, geschaut als ein Herz, das er erlesen und mit dem Liebe zu Gott das höchste Wesen sich zu einem Geist vertraut. 1. Kor. 6, 17. 5. Drum, wer wollte sonst was lieben und sich nicht beständig üben, dieses Kö⸗ nigs Freund zu sein? Muß man gleich dabei was leiden, sich von allen Dingen schei⸗ den, bringt's ein Tag doch wieder ein. 6. Schenke, Herr, auf meine Bitte mir ein göttliches Ge⸗ müte, einen königlichen Geist, mich als dir verlobt zu tragen, allem freudig ab⸗ zusagen, was nur Welt und irdisch heißt. 7. So will ich mich selbst nicht achten; sollte gleich der Leib verschmachten, bleib ich Jesu doch getreu; sollt ich keinen Trost erblicken, will ich mich damit erquicken, daß ich meines Jesu sei. 8. Ohne Fühlen will ich trauen, bis die Zeit kommt, ihn zu schauen, und vorbei die letzte Nacht, da mein Geist zum obern Leben aus der Tiefe darf entschweben und nach seinem Bild erwacht. Nach Christian Friedrich Richter 1676—1711. Choralbuch 113(67). (Auch nach Choral⸗ 38³3 buch 95(82): Jesus meine Zuversicht.) V einen Jesum lass' ich nicht! Weil er sich für mich gegeben, so erfordert und Christus meine Pflicht, in ihm und für ihn zu leben. Er ist mei⸗ nes Lebens Licht: meinen Jesum lass' ich nicht! 2. Jesum lass' ich nimmer nicht, weil ich soll auf Erden leben; ihm hab ich voll Zu⸗ versicht, was ich bin und hab, ergeben. Alles ist auf ihn gericht't: meinen Jesum lass' ich nicht! 3. Laß vergehen das Ge⸗ sicht, Hören, Fühlen mir entweichen; laß das letzte Tageslicht mich auf dieser Welt erreichen; wann der Lebensfaden bricht: meinen Jesum lass' ich nicht! 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, wann ich nun dahin gelanget, wo vor seinem An⸗ gesicht meiner Väter Glaube pranget. Mich erfreut sein Angesicht: meinen Jesum lass' ich nicht! 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meine Seel in mir sich sehnet; Jesum wünscht sie und sein Licht, der mich hat mit Gott ver⸗ söhnet, der mich frei macht vom Gericht: meinen Jesum lass' ich nicht! 6. Jesum lass' ich nicht von mir, geh ihm ewig an der Seiten; Christus wird mich für und für zu dem Lebens⸗ brunnen leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum lass' ich nicht! Christian Keimann 1607—1662. Liebe zu Gott und Christus 384 Choralbuch 16⁵(120): Seelenbräutigam. Dir ergeb ich mich, Jesu, ewiglich. Habe Dank für deine Liebe, die mich zieht aus reinem Triebe. Jesu, ewiglich dir ergeb ich mich. 2. Deiner Liebe Glut stärkt mir Herz und Mut; wenn du freundlich mich anblickest und mit deinem Geist er⸗ quickest, macht mich wohl⸗ gemut deiner Liebe Glut. 3. Meines Glaubens Licht laß verlöschen nicht; salbe mich mit Freudenöle, daß hinfort in meiner Seele ja verlösche nicht meines Glau— bens Licht. 4. So werd ich in dir blei⸗ ben für und für; deine Liebe will ich ehren und dein hohes Lob vermehren, weil ich für und für bleiben werd in dir. 5. Deinen Frieden gib aus so großer Lieb uns, den Dei⸗ nen, die dich kennen und nach dir sich Christen nennen; denen du bist lieb, deinen Frieden gib. 6. Wer der Welt abstirbt, emsig sich bewirbt, auf den Glauben fest zu bauen, der wird bald mit Freuden schauen, daß niemand ver⸗ dirbt, der der Welt abstirbt. 7. Nun ergreif ich dich, du mein ganzes Ich; nimmer⸗ mehr will ich dich lassen, sondern gläubig dich um⸗ fassen, weil im Glauben ich nun ergreife dich. 8. Hier durch Spott und Hohn, dort die Ehrenkron; hier im Hoffen und Ver⸗ trauen, dort im Haben und im Schauen; denn die Ehren⸗ kron folgt auf Spott und Hohn. 9. Jesu, hilf, daß ich allhie ritterlich alles durch dich überwinde und in deinem Sieg empfinde, wie so ritter⸗ lich du gekämpft für mich. 10. Du mein Preis und Ruhm, werte Himmels⸗ blum! In mir soll nun nichts erschallen, als was dir nur kann gefallen, werte Him⸗ melsblum, du mein Preis und Ruhm. Adam Drese 1620—1701. 385 Choralbuch 165(120): Seelenbräutigam. er ist wohl wie du, Jesu, süße Ruh? Anter vie⸗ len auserkoren, Leben derer, die verloren, und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! 2. Leben, das den Tod, mich aus aller Not zu erlösen, hat geschmecket, meine Schulden zugedecket und mich aus der Not hat geführt zu Gott! 3. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit zum Erlöser uns geschenket und in unser Fleisch versenket nach erfüllter Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld! Tod, Liebe zu Gott und Christus Sünd, Höll und Welt hast du mächtig überwunden und ein ewig Heil erfunden durch das Lösegeld deines Bluts, o Held! 5. Höchste Majestät, König und Prophet! Deinen Zep⸗ ter will ich küssen, ich will sitzen dir zu Füßen, wie Maria tät, höchste Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm als dein Eigentum durch des Geistes Licht erkennen, stets in deiner Liebe brennen als dein Eigentum, aller⸗ schönster Ruhm! 7. Deiner Sanftmut Schild, deiner Demut Bild mir an⸗ lege, in mich präge, daß kein Zorn noch Stolz sich rege. Vor dir sonst nichts gilt als dein eigen Bild. 8. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, daß ich nicht mög von dir wanken, sondern bleiben in den Schranken; sei du mein Ge⸗ winn, gib mir deinen Sinn! 9. Wecke mich recht auf, daß ich meinen Lauf unver⸗ rückt zu dir fortsetze, und mich nicht in seinem Netze Satan halte auf; fördre meinen Lauf! 10. Deines Geistes Trieb in die Seele gib, daß ich wachen mög und beten, freudig vor dein Antlitz treten; ungefärbte Lieb in die Seele gib! 11. Wenn der Wellen Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, wollst du deine Hand aus⸗ strecken; habe auf mich acht, Hüter, in der Nacht! 12. Einen Heldenmut, der da Gut und Blut gern um deinetwillen lasse und des Fleisches Lüste hasse, gib mir, höchstes Gut, durch dein teures Blut! 13. Soll's zum Sterben gehn, wollst du bei mir stehn, mich durchs Todestal be⸗ gleiten und zur Herrlichkeit bereiten, daß ich einst mag sehn mich zur Rechten stehn. Johann Anastasius Freylinghausen 1670—1739. 386 Choralbuch 203(178). Wie wohl ist mir, o Freund der Seele, wenn ich in deiner Liebe ruh! Ich steige aus der Schwer⸗ mutshöhle und eile deinen Armen zu. Da muß die Nacht des Trauerns schei⸗ den, wenn mit der Fülle sel'ger Freuden die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden; dem muß ja volle Gnüge werden, der in dir suchet Ruh und Lust. 2. Die Welt mag meine Feindin heißen; es sei also! Ich trau ihr nicht, wenn sie mir gleich will Lieb erweisen bei einem freundlichen Ge⸗ sicht. In dir vergnügt sich meine Seele; du bist mein Freund, den ich erwähle; du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, weil in den stärksten Anglückswellen mir deine Treu den Anker reicht. 3. Will des Gesetzes Last mich drücken, blitzt auf mich seines Fluches Weh, droht Straf und Hölle meinem Rücken, so steig ich gläubig in die Höh und flieh zu dir und deinen Wunden; da hab ich schon den Ort ge— funden, wo mich kein Fluch⸗ strahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen, du bist mein Heil. Wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Lenkst du durch Wüsten meine Reise, ich folg und lehne mich auf dich; du gibst mir aus den Wolken Speise und labest aus den Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, sie enden sich in Lieb und Segen; ge⸗ nug, wenn ich dich bei mir hab. Ich weiß: wen du willst herrlich zieren und über Sonn und Sterne führen, den führest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag andern düster scheinen, mir nicht, weil Seele, Herz und Mut in dir, der du verlässest kei⸗ nen, o allerliebstes Leben, ruht. Wen macht des Weges Liebe zu Gott und Christus End erzittern, wenn aus Ge⸗ fahr und Angewittern er ein⸗ geht in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich auch mit Freuden aus dieser finstern Wildnis scheiden zu deiner Ruh der Ewigkeit. Wolfgang 5105 991/½2. —172 387 Choralbuch 87(173). ch will dich lieben, meine Stärke, ich will dich lie⸗ ben, meine Zier; ich will dich lieben mit dem Werke und immerwährender Begierz ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund; ich will dich lieben und erheben, so⸗ lange mich dein Glanz be— scheint; ich will dich lieben, Gottes Lamm, mit reiner Liebesflamm. 3. Ach daß ich dich so spät erkennet, du hochgelobte Liebe du, und dich nicht eher mein genennet, du höchstes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid, ich bin betrübt, daß ich so spät geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet, ich suchte dich, und fand dich nicht; ich hatte mich von dir gewendet und liebte das geschaffne Licht; nun aber ist's durch dich geschehn, daß ich dich hab ersehn. ee,. NV. Liebe zu Gott und Christus 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; ich danke dir, du Himmelswonne, daß du mich froh und frei ge⸗ macht; ich danke dir, du heil'⸗ ger Mund, daß du mich machst gesund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen und laß mich nicht mehr irregehn; laß meinen Fuß in deinen Wegen nicht straucheln oder stillestehn; erleucht mir Leib und Seele ganz, du starker Himmels⸗ glanz! 7. Ich will dich lieben, meine Krone, ich will dich lieben, Herr und Gott; ich will dich lieben ohne Lohne auch in der allergrößten Not; ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht. Johann Scheffler 16²2⁴1677. Choralbuch 155(31): 388 O Welt, ich muß dich lassen. Mein alles, was ich liebe, mein alles, was ich übe, sei mein Herr Jesus Christ, weil ich in ihm besitze, was einer Seele nütze, was einem Menschen köstlich ist. 2. Das Herz kann nichts ergründen, das nicht in ihm zu finden; da wird es satt und voll. Denn dies ist Gottes Wille, daß alle Gottesfülle in ihm leibhaf⸗ tig wohnen soll. 3. Ich wünsche und begehre ohn Jesum keiner Ehre und keines andern Lichts; von Weisheit, von Ergötzen, von Herrlichkeit und Schätzen begehrich ohne Jesum nichts. 4. Nur er soll mir auf Er⸗ den zur Kunst und Weisheit werden, zum Leitstern in der Zeit, zum Schatz, der ewig währe, zur Herrlichkeit und Ehre, zum Himmel und zur Seligkeit. 5. Wird einst die Seele scheiden, daß sie aus diesem Leiden in Salems Tore tritt, bring ich zum Schmuck und Krone sonst nichts vor Gottes Throne als meines Jesu Namen mit. 6. Wenn ich das Welt⸗ getümmel, die Erde und den Himmel, nur Jesum nicht verlier, so kann ich im Er⸗ kalten das Beste doch be⸗ halten; an diesem Schatz genüget mir. 7. Ich will mich ihm ergeben, in diesem Namen leben und in ihm gläubig sein, in ihm auch herzlich lieben, Geduld in ihm nur üben; in Jesu bet ich auch allein. 8. Ich will in Jesu sterben, ich will in Jesu erben, in Jesu auferstehn, in ihm gen Himmel fahren und mit den sel'gen Scharen in seinem Licht ihn ewig sehn. Philipp 99 Hiller 1699—1769. Liebe zu Gott und Christus 389 Choralbuch 190(14½%. Wenn ich ihn nur habe, wenn er mein nur ist, wenn mein Herz bis hin zum Grabe seine Treue nie ver⸗ gißt, weiß ich nichts von Leide, fühle nichts als An⸗ dacht, Lieb und Freude. 2. Wenn ich ihn nur habe, lass' ich alles gern, folg an meinem Wanderstabe treu⸗ gesinnt nur meinem Herrn, lasse still die andern breite, lichte, volle Straßen wan⸗ dern. 3. Wo ich ihn nur habe, ist mein Vaterland, und es fällt mir jede Gabe wie ein Erbteil in die Hand; längst vermißte Brüder find ich nun in seinen Jüngern wieder. Friedrich von Hardenberg 1772-1801. Choralbuch 127(O9ᷓ): 390 Nun bitten wir den heiligen Geist. A˖ mein Herr Jesu, dein Nahesein bringt großen Frieden ins Herz hinein, und dein Gnadenanblick macht uns so selig, daß Leib und Seele darüber fröhlich und dankbar wird. 2. Wir sehn dein freund⸗ liches Angesicht voll Huld und Gnade wohl leiblich nicht; aber unsre Seele kann's schon gewahren, du kannst dich fühlbar gnug offenbaren, auch ungesehn. 3. O wer nur immer bei Tag und Nacht dein zu ge⸗ nießen recht wär bedacht! Der hätte ohne Ende von Glück zu sagen, und Leib und Seele müßt immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, ge⸗ duldig sein, uns täglich reich⸗ lich die Schuld verzeihn, heilen, stillen, trösten, er⸗ freun und segnen und unsrer Seele als Freund begegnen ist deine Lust. 5. Ach gib an deinem kost⸗ baren Heil uns alle Tage vollkommnen Teil und laß unsre Seele sich immer schik⸗ ken, aus Not und Liebe nach dir zu blicken ohn Anterlaß. 6. And wenn wir weinen, so tröst uns bald mit deiner Friedens-⸗ und Siegsgestalt; laß dein Bild uns immer vor Augen schweben und dein wahrhaftiges In-uns⸗ Leben zu sehen sein. 7. Ein herzlich Wesen und Kindlichkeit sei unsre Zierde zu aller Zeit; und die heil' ge Tröstung aus deinen Wun⸗ den erhalt uns Frieden zu allen Stunden bei Freud und Leid. 8. So werden wir bis in Himmel hinein mit dir ver⸗ gnügt wie die Kinder sein. Muß man gleich die Wangen noch manchmal netzen, wenn sich das Herz nur an dir er⸗ götzen und stillen kann! 9. 3 Liebe zu Gott 9. Du reichst uns deine durch⸗ grabne Hand, die so vie Treue an uns gewandt, daß wir beim Drandenken be⸗ schämt dastehen und unser Auge muß übergehen vor Lob und Dank. Christian Gregor 1723—1801. Choralbuch 129(0): 391 Nun danket all und bringet Ehr. Dir dankt mein Herz, dir jauchzt mein Lied, dein freut mein Glaube sich: im Himmel, den mein Aug einst sieht, lebst, Heiland, du für mich. 2. Du hast dies Tränental gesehn, wo ich ein Pilger bin; dort, wo du jetzo thronest, gehn des Pilgers Wege hin. 3. Auf Erden warst auch du geprüft durch Leiden überall. O Trost, wenn ich, in Angst vertieft, durch schwere Pro⸗ ben wall! 4. Ich weiß: voll Mitleid neigst du dich zu deiner Brüder Schmerz; wär alles fühllos gegen mich, nie wird's dein göttlich Herz. 5. Herr, nirgends find ich eine Lieb wie deine, nah und fern: du liebst bis in den Tod! O gib, daß ich's recht glauben lern. 6. Der Liebe unerhörte Macht, für wen hat sie so treu den Kampf mit Welt und Tod vollbracht? Für mich; nun bin ich frei. lich Ruh und Christus 7. Ich fürchte nichts, solang in deiner Gnade find; dein Geist ruft meinem Geiste zu: Sieh, du bist Gottes Kind! 8. Bricht dann ein Wetter bei mir ein, so tröst ich mich mit dir und spreche: Ich bin nicht allein, der Vater ist bei mir. 9. Was ich noch kämpfe, bahnet mir den Weg zum Himmelreich; du machst mich erst im Kampfe dir und dann im Siege gleich. 10. Einst zieh ich mit dem Sterbekleid mein Elend alles aus; mein Schmuck wird deine Herrlichkeit, mein Ort des Vaters Haus, 11. mein Amgang aller Himmel Heer, die Freude mein Gefühl, mein Tagwerk ewig Preis und Ehr, die ich dir sing und spiel. Johann Gottfried Schöner 17⁴49—1818. Choralbuch 201(175): 392 Wie schön leuchtet der Morgenstern. Wos freut mich noch, wenn du's nicht bist, Herr Gott, der doch mein alles ist, mein Trost und meine Wonne? Bist du nicht Schild, was decket mich? Bist du nicht Licht, wo finde ich im Finstern eine Sonne? Keine reine, wahre Freude, auch im Leide, auch für Sünden, ist, Herr, außer dir zu finden. 2. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, mein Herr, Erlöser, Jesu Christ, mein Friede und mein Leben? Heilst du mich nicht, wo find ich Heil? Bist du nicht mein, wo ist mein Teil? Gibst du nicht, wer wird geben? Meine eine wahre Freude, wahre Weide, wahre Gabe hab ich, wenn ich Jesum habe. 3. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, o Geist, der uns gegeben ist zum Führer der Erlösten? Bist du nicht mein, was sucht mein Sinn? Führst du mich nicht, wo komm ich hin? Hilfst du nicht, wer will trösten? Meine eine wahre Freude, Trost im Leide, Heil für Schaden ist in dir, o Geist der Gnaden. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769; Strophe 3 von Albert Knapp 1798—1864. Choralbuch 119(123): 393 Mein Zesus lebt! Was soll ich sterben. Der beste Freund ist in dem Himmel, auf Erden sind die Freunde rar; denn bei dem falschen Weltgetüm⸗ mel ist Redlichkeit oft in Ge⸗ fahr. Drum hab ich's immer so gemeint: mein Zesus ist der beste Freund. 2. Die Menschen sind wie eine Wiege; mein ZJesus Liebe zu Gott und Christus stehet felsenfest, daß, wenn ich gleich darniederliege, mich seine Freundschaft doch nicht läßt. Er ist's, der mit mir lacht und weint: mein Jesus ist der beste Freund. 3. Die Welt verkaufet ihre Liebe dem, der am meisten nützen kann; und scheinet dann das Glücke trübe, so steht die Freundschaft hinten⸗ an. Doch hier ist es nicht so gemeint: mein Jesus ist der beste Freund. 4. Er läßt sich selber für mich töten, vergießt für mich sein eigen Blut; er steht mir bei in allen Nöten, er spricht für meine Schulden gut. Er hat mir niemals was ver⸗ neint: mein Jesus ist der beste Freund; 5. mein Freund, der mir sein Herze gibet; mein Freund, der mein ist und ich sein; mein Freund, der mich beständig liebet; mein Freund bis in das Grab hin⸗ ein. Ach, hab ich's nun nicht recht gemeint? Mein Jesus ist der beste Freund. 6. Behalte, Welt, dir deine Freunde! Sie sind doch gar zu wandelbar. And hätt ich hunderttausend Feinde, so krümmen sie mir nicht ein Haar. Hier immer Freund und nimmer Feind: mein Jesus ist der beste Freund. Benjamin Schmolck 1672-1737. — 0 x K Erneuerung und Heiligung Choralbuch 216(219): 394 Ich bete an die Macht der Liebe. Tür dich sei ganz mein Herz V und Leben, mein süßer Gott und all mein Gut! Für dich hast du mir's nur ge⸗ geben; in dir es nur und selig ruht. Hersteller mei⸗ nes schweren Falles, für dich sei ewig Herz und alles! 2. Ich liebt und lebte recht im Zwange, wie ich mir lebte ohne dich. Ich wollte dich nicht, ach so lange! Doch liebtest du und suchtest mich, mich böses Kind aus bösem Samen, im hohen, holden Jesusnamen. 3. Des Vaterherzens tiefste Triebe in diesem Namen öffnen sich; ein Brunn der Freude, Fried und Liebe quillt nun so nah, so mildig⸗ lich. Mein Gott, wenn's doch der Sünder wüßtel Sein Herz alsbald dich lieben müßte. 4. Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesu offen⸗ bart; ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward; ich will, anstatt an mich zu den⸗ ken, ins Meer der Liebe mich versenken. 5. Wie bist du mir so zart gewogen, und wie verlangt dein Herz nach mir! Durch Liebe sanft und tief gezogen neigt sich mein alles auch zu dir. Du traute Liebe, gutes Wesen, du hast mich und ich dich erlesen. 6. Ich fühl's, du bist's, dich muß ich haben, ich fühl's, ich muß für dich nur sein; nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben, mein Platz, der ist in dir allein. Hier ist die Ruh, hier ist Vergnügen; drum folg ich deinen sel'gen Zügen. 7. Ehr sei dem hohen Jesus⸗ namen, in dem der Liebe Quell entspringt, von dem hier alle Bächlein kamen, aus dem der Sel'gen Schar dort trinkt. Wie beugen sie sich ohne Ende! Wie falten sie die frohen Hände! 8. O Jesu, daß dein Name bliebe im Grunde tief ge⸗ drücket ein! Möcht deine süße Jesusliebe in Herz und Sinn gepräget sein! Im Wort, im Werk und allem Wesen sei Je⸗ sus und sonst nichts zu lesen! Gerhard Tersteegen 1697—1769. Erneuerung und Heiligung Choralbuch 11(48): An Wasserflüssen Babylon. 395 Sinnen; sag an, ich höre willig zu, ja lehre frei von innen. So schweigt Ver⸗ u Wort des Vaters, rede nunft mit ihrem Tand, und du und stille meine du bekommst die Oberhand nach deinem Recht und Wil⸗ len. Dir räum ich all mein Innres ein, das wollest du, ja, du allein mit deinem Geist erfüllen. 2. Am eins, mein Jesu, bitt ich dich, um das laß dich er⸗ bitten: Dein Herz, dein Herz, das gib in mich, ein Herz von guten Sitten; ein Herz, das wie ein kleines Kind, keusch, niedrig, gütig, rein, gelind, einfältig und bedächtig; ein Herz, das heimlich Leide trägt und sich in Staub und Asche legt; ein Herz/ in Liebe mächtig; 3. ein Herz, das Gott in Lau⸗ terkeit und Gottes Kinder liebe; ein Herz, das sanfte Folgsamkeit und wahre De⸗ mut übe; ein Herz, das mä⸗ ßig, wachsam, klug, das ohne Murren, ohne Trug, mit dem wohl auszukommen; ein Herz, das allenthalben frei und ganz von nichts ge⸗ fangen sei, die Liebe ausge⸗ nommen. 4. Nur dies bitt ich, o Herr, von dir und bitt es deinet⸗ wegen; ach siehe, diese Bitt ist mir vor allem angelegen. Du bist mein Schöpfer, steh mir bei; du bist mein Hei⸗ land, voller Treu, auf dich bin ich getaufet; du hast mich dir, o höchster Ruhm, zu dei⸗ nem Erb und Eigentum mit eignem Blut erkaufet. 5. Du bist der Bürg und Erneuerung und Heiligung Bräutigam; zu deinen Mit⸗ genossen bin ich gezählt, aus deinem Stamm, aus dir bin ich entsprossen; ich bin zu deinem Bild gemacht und als dein Kind bei dir geacht't, ein Werk, das ewig bleibet, an dem du Wohlgefallen trägst, zu dem du zarte Nei⸗ gung hegst, das sich vom Himmel schreibet. 6. Du bist, mein Jesu, mir zugut vom Vater aus⸗ gegangen und, wie man sonst den Mördern tut, für mich am Holz gehangen. Nun denn, so überwind in mir des Satans Werk, der Welt Begier und meines Fleisches Pochen; führ dein Gericht hinaus zum Sieg, bring mich zur Ruhe nach dem Krieg! du hast mir's ja versprochen. 7. O Leben, Arbeit, Leiden, Not des Heilands meiner Seelen, o meines Zesu Angst und Tod, euch will ich mich befehlen! Geht in mich ein und laßt mich sehn das Le— ben aus dem Tod erstehn in allen meinen Kräften! Hilf mir, o du erwürgtes Lamm, an deines heil'gen Kreuzes Stamm den Leib des Todes heften. 8. Ach präge deinen Tod in mich, der all mein böses Wesen in mir ertöte kräftig⸗ lich, so werd ich recht genesen. Gieß aus dir selber in mich S.CCFJ....——*⁵H . S Erneuerung und Heiligung ein dein Leben, das so heilig, rein, holdselig, ohne Tadel; mach mich von aller Heu⸗ chelei, ja allen Missetaten frei und schenk mir deinen Adel! 9. Alsdann wird deine Maje⸗ stät mich ganz zum Tempel haben, darin sie ihren Ruhm erhöht durch ihre hohen Gaben. Es wird an solchem stillen Ort die Weisheit ihr geheimes Wort nach ihrem Willen führen und ihren Sitz je mehr und mehr mit ihren Wundern, Pracht und Ehr und großen Taten zieren. 10. Wohlan, so lebe Gott in mir! In ihm ich leb und webe, damit mein Herz ihn für und für nach Würden hoch erhebe, und meine Liebe ganz allein in Lieb und Leid, in Lust und Pein an seiner Liebe hange, bis ich nach ausgestandner Prob in vol⸗ lem Licht zu Gottes Lob die Gottesschau erlange. Johann Albrecht Bengel 16871752. Choralbuch 117(122): 396 Mein Herzens-Jesu, meine Lust. err, laß mich deine Heili⸗ gung durch deinen Geist erlangen! Du hast die Sin⸗ nesänderung selbst in mir an⸗ gefangen; dein Geist wirkt Heiligung allein, dein Blut allein macht Herzen rein, seit du zum Vater gangen. 2. Ich kann mich selber vor der Welt nicht unbefleckt be⸗ wahren; ich kann nicht tun, was dir gefällt, das hab ich oft erfahren. Ich will mich übergeben dir; mach, was du willst, o Herr, aus mir in meinen Lebensjahren. 3. Ich stehe immer in Ge⸗ fahr, das Kleinod zu ver⸗ lieren; der Feind versucht mich immerdar und will mich dir entführen. Herr Zesu, nimm dich meiner an, er⸗ halt mich auf der Lebens⸗ bahn; nur du wollst mich regieren! 4. Dein heil'ges, teures Op⸗ ferblut laß mich in Kraft durchdringen, dein Leben, allerhöchstes Gut, in meine Seele bringen, damit die edle Seele dein alleine sei das Leben mein; so wird es mir gelingen. 5. Laß mich in deiner Lieb allein die Lebensnahrung finden; vertreib aus mir den Lügenschein der angewohn⸗ ten Sünden! Die Lichtge⸗ meinschaft laß allein mir Herzenslust und Freude sein, so kannst du mich vollenden. 6. Ach lösche alles Feuer aus, das in mir möchte bren⸗ nen; mach mich zu deinem reinen Haus, laß dich im Geist erkennen; verbinde dich im Geist mit mir, die Lichtnatur in mich einführ, nach dir mich auch zu nennen. Erneuerung und Heiligung 7J. Laß mich in deiner Gegen⸗ wart verharren und ver⸗ bleiben; mach mein Gefühl mir rein und zart, das Böse abzutreiben; in dir laß mich stets grünend sein, so reife ich zum Leben fein, wird gleich mein Leib zerstäuben. Michael Hahn 1758-1819. 397 Choralbuch 14⁴ C3): O du Liebe meiner Liebe. D Durchbrecher aller Ban⸗ de, der dueimmer bei uns bist, bei dem Schaden, Spott und Schande lauter Lust und Himmel ist, übe ferner dein Gerichte wider unsern Adamsinn, bis uns dein so treu Gesichte führet aus dem Kerker hin. 2. Ist's doch deines Vaters Wille, daß du endest dieses Werk; hiezu wohnt in dir die Fülle aller Weisheit, Lieb und Stärk, daß du nichts von dem verlierest, was er dir geschenket hat und es von dem Treiben führest zu der süßen Ruhestatt. 3. Ach so mußt du uns voll⸗ enden, willst und kannst ja anders nicht; denn wir sind in deinen Händen, dein Herz ist auf uns gericht't, sind wir gleich gering geachtet beidenLeuten allezeit, schnöd gemacht und gar verachtet in des Kreuzes Niedrigkeit. 4. Schau doch aber unsre Ketten, da wir mit der Krea⸗ tur seufzen, ringen, schreien, beten um Erlösung von Na⸗ tur, von dem Dienst der Eitelkeiten, der uns noch so hart bedrückt, ob auch schon der Geist in Zeiten sich auf etwas Beßres schickt. 5. Ach erheb die matten Kräfte, daß sie sich doch reißen los und, durch alle Weltgeschäfte durchgebro— chen, stehen bloß. Weg mit Menschenfurcht und Zagen, weich', Vernunftbedenklich— keit, fort mit Scheu vor Schmach und Plagen, weg des Fleisches Zärtlichkeit! 6. Herr, zermalme, brich, zerstöre diese Macht der Finsternis! Der preist nicht mehr deine Ehre, den sie fort zum Tode riß. Heb uns aus dem Staub der Sünden, wirf die Schlangenbrut hin⸗ aus; laß uns wahre Frei⸗ heit finden, Freiheit in des Vaters Haus! 7. Wir verlangen keine Ruhe für das Fleisch in Ewigkeit; wie du's nötig findest, tue noch vor unsrer Abschieds⸗ zeit. Aber unser Geist, der bindet dich im Glauben, läßt dich nicht, bis er die Erlö⸗ sung findet, die dein treuer Mund verspricht. 8. Herrscher, herrsche; Sie⸗ ger, siege; König, brauch dein Regiment; führe deines Rei⸗ ches Kriege, mach der Skla⸗ verei ein End! Denn die Last treibt uns, zu rufen, alle fle⸗ Erneuerung und Heiligung hen wir dich an: Zeig doch nur die ersten Stufen der gebrochnen Freiheitsbahn! 9. Laß, die teuer sind erwor⸗ ben, nicht der Menschen Knechte sein! Denn so wahr du bist gestorben, mußt du uns auch machen rein, rein und frei und ganz vollkom⸗ men und verklärt ins beste Bild. Der hat Gnad um Gnad genommen, welchen deine Füll erfüllt. 10. Liebe, zeuch uns in dein Sterben; laß mit dir gekreu⸗ zigt sein, was dein Reich nicht kann ererben; führ ins Paradies uns ein! Doch wohlan, du wirst nicht säu⸗ men, laß nur uns nicht lässig sein; werden wir doch als wie träumen, wann die Frei⸗ heit bricht herein. Gottfried Arnold 1666—1714. Choralbuch 159(109): 398 Ringe recht, wenn Gottes Gnade. O wer alles hätt verloren, auch sich selbst, und alle⸗ zeit nur das ei ne hätt erko⸗ ven, welches Geist und Herz erfreut! 2. O wer alles hätt vergessen und nichts wüßt als Gott allein, dessen Güte, unermes⸗ sen, macht das Herz still, ruhig, rein! 3. O wer alles könnte lassen, daß er, frei vom Eitlen all, wanderte die Friedenstraßen durch dies tränenvolle Tal! 4. O wär unser Herz ent⸗ nommen dem, was lockt durch eitlen Glanz und hält ab, zu Gott zu kommen, in dem alle Güt ist ganz! 5. O daß Gott wir möchten finden in uns durch der Liebe Licht und uns ewig ihm ver⸗ binden! Alles andre sättigt nicht. 6. O wär unser Aug der See⸗ len stetig nur auf Gott ge⸗ wendt! So hätt auch das bange Quälen im Gewissen ganz ein End. 7. O du Abgrund aller Güte, zeuch durchs Kreuz in dich hinein Geist und Sinne und Gemüte, ewig mit dir eins zu sein. Vielleicht von Gottfried Arnold 1666—1714. Choralbuch 113(67): 3909 Meinen Jesum lass' ich nicht. Mein Erlöser, schaue doch, wie mein armer Geist verstrickesfc mit geheimen Banden noch ganz be— dränget und bedrücket; will ich los, so sinkt mein Herz bald in Ohnmacht nieder⸗ wärts. 2. Zwar es hat mich deine Gnad groben Sünden längst entrissen; ich hab auch nach deinem Nat schon zu wan⸗ deln mich beflissen, daß viel⸗ leicht ein andrer wohl mich für fromm schon halten soll. 3. Aber dein genaues Licht Erneuerung und Heiligung zeigt mir tiefer mein Verder⸗ ben und wie ich nach meiner Pflicht muß mir selbst und allem sterben und in wahrer Heiligkeit vor dir leben alle⸗ zeit. 4. Dies ist auch mein Wille wohl; aber, ach! es fehlt Vollbringen. Was ich auch verrichten soll, tu ich noch mit Last und Zwingen; seh ich dann mein Bestes an, so ist's doch nicht rein getan. 5. Ach wo ist der neue Geist, den du wolltst den Deinen ge⸗ ben, der den Sünden uns entreißt und uns bringt dein reines Leben, der mit Her⸗ zenslust und Kraft alles in und durch uns schafft? 6. Ach wann wird mein Herze frei über alles sich er⸗ heben und in reiner Liebes⸗ treu nur von dir abhängig leben, abgeschieden, willen⸗ los, von mir selbst und allem bloß? 7. Komm, du lang verlangte Stund, komm, du Lebens⸗— geist von oben! Ach wie soll mein froher Mund, Jesu, deine Treue loben, wenn mich deine Liebesmacht, dir zu dienen, freigemacht. 8. Laß dein Evangelium mir Gefangnem Freiheit schenken; ich will als dein Eigentum mich in dein Er⸗ barmen senken; ich will hof⸗ fen, warten, ruhn, du wollst alles in mir tun. 9. Eignes Wirken reicht nicht zu, du mußt selbst die Hand anlegen; ich will still sein, wirke du, dämpfe, was sich sonst will regen. Kehr zu meiner Seele ein, so wird mir geholfen sein. Gerhard Tersteegen 16971769. Choralbuch 41(115): 400 eins ist not! Ach Herr, dies eine. Heuc unsrer Seligkeiten, zeuch uns in dein Heilig⸗ tum, da du uns die Statt bereiten und zu deines Na⸗ mens Ruhm als deine Er⸗ lösten siegprächtig willst füh⸗ ren. Laß unsere Bitte dein Herze jetzt rühren! Wir wol⸗ len dem Vater zum Opfer da⸗ stehn und mit dir durch Lei⸗ den zur Herrlichkeit gehn. 2. Er hat uns zu dir gezogen und du wieder zu ihm hin; Liebe hat uns überwogen, daß an dir hängt Herz und Sinn. Nun wollen wir gerne mit dir auch absterben dem ganzen natürlichen Sünden⸗ verderben. Ach laß in dein Sterben versetzet uns sein, sonst dringen wir nimmer ins Leben hinein. 3. Aber hier erdenkt die Schlange so viel Ausflucht überall; bald macht sie dem Willen bange, bald bringt uns die Lust zu Fall. Es blei⸗ bet das Leben am Kleinsten oft kleben und will sich nicht völlig zum Sterben hinge⸗ ich zu Erneuerung und Heiligung ben; es schützet die besten Absichten noch vor und bauet so Höhen und Festung em⸗ por. 4. Drum, o Fürst des Le⸗ bens, eile, führ das Todes⸗ urteil aus, brich entzwei des Mörders Pfeile, wirf die Schlangenbrut hinaus! Ach laß sich dein neues, erstande⸗ nes Leben in unsern erstor⸗ benen Herzen erheben; er⸗ zeig dich verkläret und herr⸗ lich noch hier und bringe dein neues Geschöpfe herfür! 5. Kehre die zerstreuten Sinnen aus der Vielheit in das Ein, daß sie wiederRaum gewinnen, nur von dir er⸗ füllt zu sein. Ach wirf du die Mächte der Finsternis nieder, erneure die Kräfte des Geistes uns wieder, daß er aus der Fülle der Gnaden sich nähr und ritterlich gegen Versuchung sich wehr. 6. Lebe denn und lieb und labe in der neuen Kreatur, Lebensfürst, durch deine Gabe die genesene Natur! Erwecke dein Eden uns wie⸗ der im Grunde der Seelen und bringe noch näher die Stunde, da du dich in allen den Deinen verklärst, sie hier noch des ewigen Lebens ge⸗ währst. 7. Gönne uns noch Frist auf Erden, Zeugen deiner Kraft zu sein, deinem Bilde gleich zu werden, in den Tod zu nehmen ein des Lebens voll⸗ kommene Freiheit und Rechte als eines vollendeten Hei⸗ lands Geschlechte. Der An⸗ glaub mag denken, wir bitten zu viel: du hörst unsre Bit⸗ ten, tust über ihr Ziel. Gottfried Arnold 1666—1714. 401 Choralbuch 80(126). Hdir uieder⸗ Sinn sich vor dir nieder; mein Geist sucht seinen Arsprung wieder. Laß dein erfreuend Angesicht zu meiner Armut sein ge⸗ richt't. 2. Schau her, ich fühle mein Verderben; laß mich in dei⸗ nem Tode sterben! O könnte doch in deiner Pein die Eigenheit ertötet sein! 3. Du wollest, Jesu, mei⸗ nen Willen mit der Gelas⸗ senheit erfüllen; brich der Natur Gewalt entzwei und mache meinen Willen frei. 4. Ich fühle wohl, daß ich dich liebe und mich in dei⸗ nen Wegen übe; nur ist von der Anlauterkeit die Liebe noch nicht ganz befreit. 5. Ich muß noch mehr auf dieser Erden durch deinen Geist geheiligt werden; der Sinn muß tiefer in dich gehn, der Fuß muß unbeweglich stehn. 6. Ich weiß mir zwar nicht selbst zu raten; hier gelten nichts der Menschen Taten. Wer macht sein Herz 100 selber rein? Es muß durch dich gewirket sein. 7. Doch kenn ich wohl dein treues Lieben; du bist noch immer treu geblieben. Ich weiß gewiß, du stehst mir bei und machst mich von mir sel⸗ ber frei. 8. Indessen will ich treulich kämpfen und stets die falsche Regung dämpfen, bis du dir deine Zeit ersiehst und mich aus solchen Netzen ziehst. 9. In Hoffnung kann ich fröhlich sagen: Gott hat der Hölle Macht geschlagen, Gott führt mich aus dem Kampf und Streit in seine Ruh und Sicherheit. 10. Drum will die Sorge meiner Seelen ich dir, mein Vater, ganz befehlen. Ach drücke tief in meinen Sinn, daß ich in dir schon selig bin. Christian Friedrich Richter 1676—1711. 402 Choralbuch 52(12)). Es kostet viel, ein Christ zu sein und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; denn der Natur geht es gar sauer ein, sich immerdar in Christi Tod zu geben; und wenn man einen Kampf auch wohl ausficht, das macht's noch nicht. 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, die leicht ihr Gift in unsre Fersen bringen; da kostet's Müh, Erneuerung und Heiligung auf seiner Hut zu stehn, daß nicht das Gift kann in die Seele dringen. Wenn man's versucht, so spürt man mit der Zeit die Wichtigkeit. 3. Doch ist es wohl derMühe wert, wenn man mit Ernst die Herrlichkeit erwäget, die ewiglich ein solcher Mensch erfährt, der sich hier stets aufs Himmlische geleget. Es hat wohl Müh; die Gnade aber macht, daß man's nicht acht't. 4. Man soll ein Kind des Höchsten sein, ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte. Wie wird der Leib so stark, so hell und rein, so herrlich sein, so lieblich von Gesichte, dieweil ihn da die wesentliche Pracht so schöne macht! 5. Da wird das Kind den Vater sehn, im Schauen wird es ihn mit Lust empfin⸗ den; der lautre Strom wird es da ganz durchgehn und es mit Gott zu einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird geschehn? Wer mag's verstehn? 6. Da gibt sich ihm die Weis⸗ heit ganz, die es hier stets als Mutter hat gespüret; sie krönet es mit ihrem Perlen⸗ kranz und wird als Braut der Seele zugeführet. Die Herrlichkeit wird da ganz offenbar, die in ihr war. 7. Was Gott genießt, ge⸗ Erneuerung und Heiligung nießt es auch; was Gott be⸗ sitzt, wird ihm in Gott 90 ben; der Himmel steht be⸗ reit ihm zum Gebrauch. Wie lieblich wird es doch mit Jesu leben! Nichts höher wird an Kraft und Würde sein als Gott allein. 8. Auf, auf, mein Geist, er⸗ müde nicht, dich durch die Macht der Finsternis zu rei⸗ ßen! Was sorgest du, daß dir's an Kraft gebricht? Be⸗ denke, was für Kraft uns Gott verheißen. Wie gut wird sich's doch nach der Ar⸗ beit ruhn! Wie wohl wird's tun! Christian Friedrich Richter 1676—-1711. Choralbuch 85(Q03): 403 Ich hab mein' Sach Gott heimgestellt. um Leben führt ein schma⸗ ler Weg, ein' rauhe Bahn und enger Steg; nur in dem ernsten Schrankenlauf geht's himmelauf, wovon nichts weiß der große Hauf. 2. Ihr Weg ist lustig, weit und breit, darauf sie gehn zur Ewigkeit. O Spott aufs Evangelium! Ein Christen⸗ tum, das nur ein Schatten um und um. 3. Wie teuer, Gott, ist deine Güt, daß du erleuchtet mein Gemüt und selbst zur Buße mich gebracht, als ich in Nacht mit jenen fortging unbedacht! 4. Laß mich nun desto treuli⸗ cher den Weg des Lebens gehn, o Herr; und stehe mir allmächtig bei, daß täglich neu dein Werk bei mir im Fortgang sei. 5. Wenn nur um ihre Lei⸗ beshütt sind andere zuerst bemüht, so laß mich achten allermeist auf meinen Geist und daß ich dir Gehorsam leist. 6. Wenn jene Schar des Fleisches pflegt, es wartet, schont und zärtlich hegt, so gib mir neue Kräfte, daß ich's ernstlich hass' und kreuzige ohn Anterlaß. 7. Herr, mach du mich, wie ich soll sein; ich weiß wohl, daß hier gilt kein Schein. Gib in mich deine Lichtnatur; denn die gilt nur und eine neue Kreatur. 8. Nach dieser Regel laß mich gehn, so daß auch andre können sehn, wie mich der heil'ge Geist regier, Gott wohne hier und Christus Jesus leb in mir. 9. Nun, mir geschehe, wie du willt! Ich will dir einst in deinem Bild, wann ich dar⸗ nach werd sein erwacht und neu gemacht, lobsingen: Nun, es ist vollbracht! Am 1720. Choralbuch 52(12)): 40⁴4 Es kostet viel, ein Christ zu sein. Ed ist nicht schwer, ein Christ zu sein und nach dem Sinn des reinen Lic:— leben. Zwar der Natur geht es gar sauer ein, sich immer⸗ dar in Christi Tod zu geben; doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit den schwerenStreit. 2. Du darfst ja nur ein Kind⸗ lein sein, du darfst ja nur die leichte Liebe üben. O blöder Geist, schau doch, wie gut er's mein'! Das kleinste Kind kann ja die Mutter lie⸗ ben; drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr: es ist nicht schwer. 3. Dein Vater fordert nur das Herz, daß er es selbst mit reiner Gnade fülle. Der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz, die Anlust schafft in dir dein eigner Wille; drum übergib ihn willig in den Tod, so hat's nicht Not. 4. Wirf nur getrost den Kum⸗ mer hin, der nur dein Herz vergeblich schwächt und pla⸗ get; erwecke nur zum Glau⸗ ben deinen Sinn, wenn Furcht und Weh dein schwa⸗ ches Herze naget; sprich: Vater, schau mein Elend gnä⸗ dig an! so ist's getan. 5. Erhalt dein Herze in Ge⸗ duld, wenn du nicht gleich des Vaters Hilfe merkest. Ver⸗ siehst du's oft und fehlst aus eigner Schuld, so siehe nur, daß du dein Herze stärkest; so wird's gewiß mit seiner Hilf erfreut zu seiner Zeit. 6. Laß nur dein Herz im Erneuerung und Heiligung Glauben ruhn, wenn dich wird Nacht und Finsternis bedecken; dein Vater wird nichts Schlimmes mit dir tun, vor keinem Sturm und Wind darfst du erschrecken; ja siehst du endlich ferner keine Spur, so glaube nur! 7. So wird dein Licht aus Nacht entstehn, du wirst dein Heil mit größrer Klar⸗ heit schauen. Was du ge⸗ glaubt, wirst du dann vor dir sehn. Drum darfst du nur dem frommen Vater trauen. O Seele, sieh doch, wie ein wahrer Christ so selig ist. 8. Auf, auf, mein Geist! Was säumest du, dich dei⸗ nem Gott ganz kindlich zu er⸗ geben? Geh ein, mein Herz, genieß die süße Ruh; im Frieden sollst du vor dem Vater schweben. Die Sorg und Last wirf nur getrost und kühn allein auf ihn! Christian Friedrich Richter 1676—1711. Großer König, den ich ehre, der durch seines Geistes Lehre mir sein Sonnenlicht anzünd't, der jetzt und in allen Zeiten mit viel tausend Gütigkeiten meines Herzens Lieb gewinnt! 2. Sollt ich denn nicht auch gedenken, dir mich wieder⸗ um zu schenken, der du über Erneuerung und Heiligung mich hältst Wacht, schützest mich auf allen Seiten wider meiner Feinde Streiten, bist mein Licht auch in der Nacht? 3. Herr, ich will mein Herz dir geben; das soll dir aufs neue leben, denn du for⸗ derst's auch von mir; das soll sich mit dir verbinden und den angewohnten Sünden ganz entsagen für und für. 4. Laß es deinen Geist er⸗ neuen, dir zu einem Tempel weihen, der auf ewig heilig sei. Ach verbrenne doch dar⸗ innen alle Lust und Furcht der Sinnen; opfre mich dem Vater frei! 5. Laß beständig von der Er⸗ den mich zu dir gezogen werden und verein'ge mich und dich, daß ich, in dich ein⸗ gekehret, von dir immer werd gelehret und gestärket mächtiglich. 6. Mach mein Herz zu einem Garten, wo der Tugend schönste Arten stehn in voller Lieblichkeit; öffne drin die Lebensquelle, die ohn Ende sanft und helle fließet in die Ewigkeit. 7. Nun so will ich dir mein Leben, Jesu, ganz zu eigen ge⸗ ben; stehe mir in Gnaden bei; gib, daß ich, zu allen Stunden inniglich mit dir verbunden, dir zur ew'gen Freude sei. Aus Schöbers Liedersegen 1769, nach Johann Scheffler 162⁴—1677. Choralbuch 137 G6): 406 Nun sich der Tag geendet hat. Mein Gott, das Herz ich bringe dir als Gabe und Geschenk; du forderst dieses ja von mir, des bin ich eingedenk. 2.„Gib mir, mein Kind, dein Herz,“ sprichst du,„das ist mir lieb und wert; du findest anders keine Ruh im Him⸗ mel und auf Erd'.“ 3. Nun, du mein Vater, nimm es an, mein Herz; veracht es nicht! Ich geb's, so gut ich's geben kann; kehr zu mir dein Gesicht! 4. O rein'ge du, Herr Jesu Christ, mich durch dein teu⸗ res Blut! Ich glaub, daß du gekreuzigt bist der Welt und mir zugut. 5. In dich wollst du mich kleiden ein, dein' Anschuld zieh mir an, daß ich, von allen Sünden rein, vor Gott bestehen kann. 6. O heil' ger Geist, nimm du auch mich in die Gemein⸗ schaft ein, ergieß um Jesu willen dich tief in mein Herz hinein. 7. Dein göttlich Licht ström in mich aus und Glut der reinen Lieb; lösch Finsternis, Haß, Falschheit aus, schenk mir stets deinen Trieb. 8. Hilf, daß ich sei von Her⸗ zen fromm, ohn alle Heu⸗ chelei, damit mein ganzes Christentum dir wohlgefäl⸗ lig sei. 9. Nimm ganz, o Gott, zum Tempel ein mein Herz hier in der Zeit, ja laß es auch dein Wohnhaus sein in jener Ewigkeit. Johann Kaspar Schade 1666-1698. Choralbuch 159(109): 407 Ringe recht, wenn Gottes Gnade. NI mich an, du Gott der Gnaden, denn mein Herz verlangt nach dir; ich bin matt und schuldbeladen, nimm die Bürde weg von mir! Erneuerung und Heiligung 2. Nimm mich an, Herr, der gegeben Leib und Leben für mein Heil; nimm mich an! Dem wilden Reben gib an dir, dem Weinstock, Teil! 3. Nimm mich an, du Geist der Höhe; spreng du meines Kerkers Haft, daß ich selig auferstehe, froh erneut durch deine Kraft! 4. Nimm mich an, du Hirt der Herde, dich begehr ich und nur dich; bau dein Reich auf dieser Erde! Segne alle, segne mich! August Hermann Franke 1853—1891. Nachfolge Christi 408 Choralbuch 146(12). D Gottes Sohn, du Licht und Leben, o treuer Hirt, Immanuel! Nur dir hab ich mich übergeben, nur dir gehöret Leib und Seel. Ich will mich nicht mehr selber führen, du sollst als Hirte mich regieren; so geh denn mit mir aus und ein! Ach Herr, erhöre meine Bitten und leite mich auf allen Tritten! Ich gehe kei⸗ nen Schritt allein. 2. Wenn du mich führst, kann ich nicht gleiten, dein Wort muß ewig feste stehn; du sprichst:„Mein Auge soll dich leiten, mein Angesicht soll vor dir gehn.“ Ja, dein Erbarmen, deine Güte um⸗ faß allmächtig mein Gemüte! O daß ich nur recht kindlich sei, bei allem zu dir gläu⸗ big flehe und stets auf dei⸗ nen Wink nur sehe, so ste⸗ hest du mir täglich bei. 3. Du weißt allein die Frie⸗ denswege, auch das, was mir den Frieden stört; drum laß mich meiden alle Stege, wo Welt und Sünde mich versehrt. Ach daß ich nim⸗ mer von dir irrte noch durch Zerstreuung mich verwirrte, auch nicht durch einen guten Schein! O halte meine Seele feste, hab acht auf mich aufs allerbeste, lehr beten mich und wachsam sein! 4. Herr, mach mich kindlich, treu und stille, daß ich dir immer folgen kann; nur dein, nur dein vollkommner Wille sei für mich Schranke, Ziel und Bahn. Nichts soll mich ohne dich vergnügen; laß mir nichts mehr am Herzen liegen als deines großen Namens Ruhm! Das sei allein mein Ziel auf Erden; laß mir's durch nichts verrücket werden, denn ich bin ja dein Eigen⸗ tum. 5. Laß deinen Geist mich täglich treiben, Gebet und Flehen dir zu weihn! Laß mir dein Wort im Herzen bleiben und in mir Geist und Leben sein, daß ich nach deinem Wohlgefallen in Ehrfurcht möge vor dir wal⸗ len; zeuch ganz zu dir die Seele hin! Vermehr in mir dein innres Leben, dir un⸗ aufhörlich Frucht zu geben, und bilde mich nach deinem Sinn! 6. So lieb und lob ich in der Stille und ruh als Kind in deinem Schoß; ich schöpfe Heil aus deiner Fülle; das Herz ist aller Sorgen los; ich sorge nur vor allen Dingen, wie ich zum Himmel möge dringen; ich bin zu deinem Dienst bereit. Ach zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; was du nicht bist, das laß zerrinnen, o reiner Glanz der Ewigkeit! Nach Karl Heinrich von Bogatzty 1690—1774. Nachfolge Christi 409 Choralbuch 165(120): Seelenbräutigam. esu, geh voran auf der Lebensbahn; und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen. Führ uns an der Hand bis ins Vaterland! 2. Soll's uns hart ergehn, laß uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen nie⸗ mals über Lasten klagen! Denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden! Richte unsern Sinn auf das Ende hin! 4. Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang! Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöt'ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf! Nach Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1700-1760. Choralbuch 182 Q04): 410 Wachet auf! ruft uns die Stimme. eil'ger Jesu, Heil'gungs⸗ quelle, mehr als Kri⸗ stall rein, klar und helle, du lautrer Strom der Heilig⸗ keit! Aller Glanz der Che⸗ rubinen und Heiligkeit der Seraphinen ist gegen dich nur Dunkelheit. Ein Vor⸗ bild bist du mir; ach bilde mich nach dir, du mein al⸗ les! O Jesu du, hilf mir dazu, daß ich mag heilig sein wie du. 2. Stiller Jesu, wie dein Wille dem Willen deines Vaters stille und bis zum Tod gehorsam war, also mach auch gleichermaßen mein Herz und Willen dir gelassen; ach stille meinen Willen gar! Mach mich dir gleichgesinnt, wie ein ge⸗ horsam Kind, stille, stille! O ZJesu du, hilf mir dazu, daß ich fein stille sei wie du. 3. Wacher Jesu, ohne Schlummer, in großer Ar⸗ beit, Müh und Kummer bist du gewesen Tag und Nacht, mußtest täglich viel aus⸗ stehen, des Nachts lagst du vor Gott mit Flehen und hast gebetet und gewacht. Gib mir auch Wachsamkeit, daß ich wie du allzeit wach und bete. O Jesu du, hilf mir dazu, daß ich stets wach⸗ am sei wie du. 4. Güt'ger Jesu, ach wie gnädig, wie liebreich, freund⸗ lich und guttätig bist du doch gegen Freund und Feind! Deine Sonne scheinet allen, dein Regen muß auf alle fallen, ob sie dir gleich un⸗ dankbar sein. Mein Gott, ach lehre mich, damit hier⸗ innen ich dir nacharte. O Zesu du, hilf mir dazu, daß ich auch gütig sei wie du. Erneuerung und Heiligung 5. Sanfter Jesu, warst un⸗ schuldig und littest alle Sehmach geduldig, vergabst und ließt nicht Rachgier aus. Wer kann deine Sanftmut messen, bei der kein Eifer dich gefressen als der um deines Vaters Haus? Mein Heiland, ach verleih mir Sanftmut und dabei rechten Eifer! O ZJesu du, hilf mir dazu, daß ich sanftmütig sei wie du. 6. Armer Jesu, Ehrenkönig! Du suchtest deine Ehre wenig und wurdest niedrig und ge⸗ ring, wandeltest ertieft auf Erden in Demut und in Knechtsgebärden, erhubst dich selbst in keinem Ding. Herr, solche Demut lehr mich auch je mehr und mehr stetig üben! O ZJesu du, hilf mir dazu, daß ich demütig sei wie du. 7. Liebster Jesu, liebstes Leben, mach mich in allem dir ergeben und deinem heil⸗ gen Vorbild gleich! Gib, daß mich dein Geist durch⸗ dringe, daß ich viel Glau⸗ bensfrüchte bringe und tüch⸗ tig werd zu deinem Reich. Ach zeuch mich ganz zu dir, behalt mich für und für, treuer Heiland! Zesu, Jesu, laß mich wie du und wo du bist, einst finden Ruh. Vielleicht von Bartholomäus Crasselius 1667—1724. * ——— ————+———————— „ 248 s Nachfolge Christi Choralbuch 26(163): 411 Der du das Los von meinen Tagen. err, lehre du mich deinen Willen mit Kindes⸗ freude treu erfüllen: dein Will ist lauter Seligkeit. An dir laß meine Seele hangen, sei du mein einziges Ver⸗ langen, du Freude mir, die nie gereut! 2. O Liebe, lehre du mich lieben, in Demut und Ge— duld mich üben, mich jeder fremden Freude freun! Die Liebe ist der Menschheit Ehre; o Liebe, Jesus Chri⸗ stus, lehre mein Herz dem deinen ähnlich sein! 3. Mein Herz, das oft sich sträubt und wendet, sich oft mit Schein der Liebe blendet und, o wie oft, noch haßt und dräut,— o wer wird dies mein Herz entzünden? Wer lehrt mich schnell und tief empfinden die Freuden der Versöhnlichkeit? 4. Du kennest meiner Liebe Schwäche; nur auf des Her⸗ zens Oberfläche schwebt sie, — und all mein Herz willst du! Ganz reine Lieb ist, Gott, dein Wille; o ströme mir aus deiner Fülle der Liebe Himmelsfreuden zu! 5. O Liebe, lehre mich mit Freuden das Beste tun, das Schlimmste leiden und im⸗ mer froh in Liebe sein! O Liebe, du bist Gottes Leben, o Liebe, deine Lust ist: geben, und deine Freude: still er⸗ freun! 6. O Jesus Christus, das Entzücken der Liebe quillt aus deinen Blicken, aus dei⸗ nem Herzen Freundlichkeit! O Liebe, daß ich Liebe wäre! O Liebe, Jesus Christus, lehre mich deiner Liebe Seligkeit! Johann Kaspar Lavater 1741—1801. 412 Choralbuch 56(128). Triede, ach Friede, ach gött⸗ V licher Friede vom Vater durch Christum im heiligen Geist, welcher der Frommen Herz, Sinn und Gemüte in Christo zum ewigen Leben aufschleußt! Den sollen die gläubigen Seelen erlangen, die alles verleugnen und Jesu anhangen. 2. Richte deswegen, fried⸗ liebende Seele, dein Herze im Glauben zu Jesu hinan! Was da ist droben bei Christo, erwähle; verleugne dich selbst und den irdischen Wahn. Nimm auf dich das sanfte Joch Christi hienieden, so findest du Ruhe und gött⸗ lichen Frieden. 3. Nahm doch der Mittler des Friedens viel Schmer⸗ zen, die Sünder mit Gott zu versühnen, auf sich. Nimm dies, o Seele, recht fleißig zu Herzen und siehe, was tut nicht dein Zesus für dich! Am Kreuze dort bringt er dir Frieden zuwege und machet, daß alle Anruhe sich lege. 4. Nun dafür bist du ihm ewig verbunden, du sollst dafür gänzlich sein Eigentum sein. Er hat dir ew'ge Er⸗ lösung erfunden und schließt in den Bund seines Friedens dich ein; drum siehe, daß du dich ihm gänzlich ergebest und nun in der Liebe von Herzen ihm lebest. 5. Siehe, von all seinen Friedensgenossen erfordert er herzliche Liebe und Treu; drum sollst du treulich und tapfer ausstoßen, was Jesus dir zeiget, das wider ihn sei. Welt, Teufel und Sünde, die mußt du bestreiten, was Jesu zuwider ist, fliehen und meiden. 6. Weislich und fleißig mußt du dich entschlagen der bö⸗ sen Gesellschaft und sündigen Rott, welche den weltlichen Lüsten nachjagen, nicht fürch⸗ ten noch lieben den heiligen Gott. Denn die sich zu sol⸗ chen Gottlosen gesellen, die fahren mit ihnen hinunter zur Höllen. 7. Liebe und übe, was Je⸗ sus dich lehret; und was er dir saget, dasselbige tu. Hasse und lasse, was sein Wort verwehret, so findest du Frieden und ewige Ruh. Denn selig, die also sich Jesu Erneuerung und Heiligung ergeben und gläubig und heilig nach seinem Wort leben. 8. Jesu, du Herzog der Friedensheerscharen, o Kö⸗ nig des Friedens, ach zeuch uns nach dir, daß wir den Friedensbund treulich be⸗ wahren, im Wege des Frie⸗ dens dir folgen allhier; ach laß uns doch deinen Geist kräftig regieren und dir nach im Frieden zum Vater hin⸗ führen! Bartholomäus Crasselius 16671724. Choralbuch 129(Y: 413 Nun danket all und bringet Ehr. erk, Seele, dir dies große Wort: Wenn Jesus winkt, so geh; wenn Jesus zieht, so eile fort; wenn Jesus hält, so steh! 2. Wenn er dich lobet, bücke dich; wenn er dich liebt, so ruh; wenn er dich aber schilt, so sprich:„Ich brauch's, Herr, schlage zu!“ 3. Wenn Jesus seine Gna⸗ denzeit bald hie bald da verklärt, so freu dich der Barmherzigkeit, die andern widerfährt. 4. Wenn er dich aber brau⸗ chen will, so steig in Kraft empor. Wird ZJesus in der Seele still, so nimm du auch nichts vor. 5. Kurz: mein und unser aller Herz sei von dem Tage an bei Schmach, bei Mangel Nachfolge Christi und bei Schmerz dem Heiland zugetan! Nikolaus Ludwig, Graf vonZinzendorf 1700—1760. 414 Choralbuch 30(112). Ver schmale Weg ist breit genug zum Leben; wenn man nur sacht und grad und stille geht, so wird man nicht so leichtlich umgeweht. Man muß sich recht hineinbegeben, so ist er breit genug zum frommen Leben. 2. Des Herren Weg ist voller Süßigkeiten, wenn man es nur im Glauben recht be⸗ denkt, wenn man das Herz nur fröhlich dazu lenkt; man muß sich recht dazu bereiten, so ist der schmale Weg voll Süßigkeiten. 3. Du mußt erst Geist aus Geist geboren werden, dann wandelst du des Geistes schmale Bahn; sonst ist es schwer und gehet doch nicht an. Weg, schnöder Sinn, du Schaum der Erden! Ich muß erst Geist aus Geist geboren werden. 4. Wer die Geburt aus Christo hat erlanget, der folgt allein dem Herren treu⸗ lich nach; er leidet erst, er trägt erst seine Schmach, eh er mit ihm im Lichte pranget, wer die Geburt aus Christo hat erlanget. 5. Er wird mit ihm in sei⸗ nen Tod begraben, er wird im Grab auf eine Zeit ver⸗ wahrt, er stehet auf und hält die Himmelfahrt; er kriegt darauf des Geistes Gaben, wenn er zuvor mit Christo ward begraben. 6. Derselbe Geist, der Chri⸗ stum hier geübet, derselbe übt die Jünger Christi auch; der eine Geist hält immer einen Brauch, kein andrer Weg wird sonst beliebet: der Jünger wird wie Chri⸗ stus hier geübet. 7. And ob es gleich durch Tod und Dornen gehet, so trifft's doch nur die Ferse, nicht das Herz; die Trau⸗ rigkeit läßt keinen tiefen Schmerz dem, der getrost und feste stehet, ob es auch schon durch Tod und Hölle gehet. 8. Das sanfte Joch kann ja so hart nicht drücken, es wird dadurch das Böse nur gedrückt; der Mensch wird frei, damit er nicht erstickt. Wer sich nur weiß darein zu schicken, das sanfte Joch kann ja so hart nicht drücken. 9. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüte; das Herz hebt sich darunter hoch empor, es tritt der Geist mit freier Kraft hervor und schmeckt dabei des Herren Güte. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüte. 10. Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen; zeuch mich dir nach, zeuch mich, ich bin noch weit! Dein schmaler Weg ist voller Süßigkeit, des Zeuch, ZJesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen. 1676—1711. 4¹⁵ Choralbuch 110(113): nach deiner Güt. Mir nach!“ spricht Chri⸗ nach, ihr Christen alle! Ver⸗ leugnet euch, verlaßt die Schalle; nehmt euer Kreuz und Angemach auf euch, folgt 2. Ich bin das Licht, ich leucht euch für mit heil'gem kommt und folget mir, darf nicht im Finstern schweben. wohl, wie man wahrhaftig wandeln soll. mütigkeit, voll Liebe mein Gemüte; mein Mund, der Sanftmut und von Güte; mein Geist und Wille, Kraft schaut auf ihn. 4. Ich zeig euch das, was meiden und euer Herz von arger List zu rein gen und zu Fels und Hort und führ euch zu der Himmelspfort. Guten Füll ist hier zu sehen. Christian Friedrich Richter Mach's mit mir, Gott, stus, unser Held,„mir Welt, folgt meinem Ruf und meinem Wandel nach! Tugendleben; wer zu mir Ich bin der Weg, ich weise 3. Mein Herz ist voll De⸗ fließt zu jeder Zeit von und Sinn ist Gott ergeben, schädlich ist, zu fliehen und zu scheiden; ich bin der Seelen 5. Fällt's euch zu schwer, Erneuerung und Heiligung ich geh voran, ich steh euch an der Seite; ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still mag stehn, sieht er voran den Feldherrn gehn. 6. Wer seine Seel zu finden meint, wird sie ohn mich verlieren; wer sie hier zu verlieren scheint, wird sie nach Hause führen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, ist mein nicht wert und meiner Zier.“ J. So laßt uns denn dem lieben Herrn mit unsrem Kreuz nachgehen und wohl⸗ gemut, getrost und gern in allem Leiden stehen! Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron des ew'gen Lebens nicht davon. Johann Scheffler 1624—1677; Strophe 4 erstmals um 1695. Choralbuch 194(3J): 416 Werde munter, mein Gemüte. Aderwandt auf Christum sehen bleibt der Weg zur Seligkeit; allen, welche zu ihm flehen, ist gewisses Heil bereit. Siehet man im Herzen an, was er für die Welt getan, und man glaubt daran mit Beugen, so be⸗ kommt man es zu eigen. 2. Wenn doch alle Seelen wüßten, wie es dem so wohl ergeht, welcher in der Zahl der Christen, wahrer Glie⸗ Nachfolge Christi der Jesu, steht! Da geht man in seinem Glück immer fort und nie zurück; man ist auf dem Lebenspfade und nimmt immer Gnad um Gnade. 3. Aber freilich kann nichts taugen als nur das, was Christus tut. Lassen wir ihn aus den Augen, finden wir was Fremdes gut, so er⸗ fahren wir gewiß, unser Licht sei Finsternis, unser Helfen sei Verderben, unser Leben lauter Sterben. 4. Wären wir doch völlig seine! Regte sich doch keine Kraft, da der Heiland nicht alleine, was sie wirkte, selbst geschafft! Zesu, richte unsern Sinn ungeteilt auf dich nur hin. Dann belebt uns deine Wahrheit, und das Auge wird voll Klarheit. 5. Bring uns völlig in die Schranken, die dein Liebes⸗ rat gesetzt. Weder Worte noch Gedanken werden sonst für gut geschätzt. Herr, nur wer auf deiner Spur geht als neue Kreatur, kann dich lieben und erhöhen und in deine Freud eingehen. Johann Andreas Rothe 1688—1758. Choralbuch 171(150): 417 Sollt ich meinem Gott nicht singen. 85 uns mit Jesu ziehen, seinem Vorbild folgen nach, in der Welt der Welt entfliehen, auf der Bahn, die er uns brach, immerfort zum Himmel reisen, irdisch noch schon himmlisch sein, glauben recht und leben rein, Glauben durch die Lieb er⸗ weisen. Treuer Jesu, bleib bei mir; geh voran, ich folge dir. 2. Lasset uns mit Jesu lei⸗ den, seinem Vorbild werden gleich. Nach dem Leide fol⸗ gen Freuden, Armut hier macht dort einst reich. Trä⸗ nensaat, die erntet Lachen, Hoffnung tröstet mit Geduld; es kann leichtlich; Gottes Huld aus dem Regen Sonne ma⸗ chen. Jesu, hier leid ich mit dir, dort teil deine Freud mit mir. 3. Lasset uns mit Jesu ster⸗ ben! Sein Tod wehrt dem andern Tod, reißt die Seel aus dem Verderben und der ewiglichen Not. Lasset uns, dieweil wir leben, unsrem Fleische sterben ab, so wird er uns aus dem Grab in das Himmelsleben heben. Jesu, sterb ich, sterb ich dir, daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesu leben! Weil er auferstanden ist, muß das Grab uns wieder⸗ geben. Jesu, unser Haupt du bist; wir sind deines Lei⸗ bes Glieder; wo du lebst, da leben wir. Ach erkenn uns für und für, trauter Freund, für deine Brüder. n.n. Dir, o Jesu, leb ich hier, dort auch ewig einst bei dir. Siegmund von Birken 1626—1681. 418 Choralbuch 142 C3): O du Liebe meiner Liebe. Bei dir, Jesu, will ich blei⸗ ben, stets in deinem Dienste stehn; nichts soll mich von dir vertreiben, deine Wege will ich gehn. Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft. 2. Könnt ich's irgend besser haben als bei din, der alle⸗ zeit so viel tausend Gnaden⸗ gaben für mich Armen hat bereit? Könnt ich je ge⸗ troster werden als bei dir, Herr Jesu Christ, dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist? 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, der, was Jesus tat, mir tut, mich erkauft von Tod und Sünden mit dem eignen, teuren Blut? Sollt ich dem nicht angehören, der sein Leben für mich gab? Sollt ich ihm nicht Treue Erneuerung und Heiligung schwören, Treue bis in Tod und Grab? 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich, so in Freude wie in Leid; bei dir bleib ich, dir verschreib ich mich für Zeit und Ewigkeit. Deines Winks bin ich gewärtig, auch des Rufs aus dieser Welt; denn der ist zum Sterben fertig, der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nah auf dieser Erden, bleib auch, wann mein Tag sich neigt, wann es nun will Abend werden und die Nacht herniedersteigt. Lege segnend dann die Hände mir aufs müde, schwache Haupt, sprich dann: Kind, hier geht's zu Ende; aber dort lebt, wer hier glaubt. 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, graut mir vor dem kalten Tod als dem kühlen, scharfen Wehen vor des Himmels Morgenrot. Wird mein Auge dunkler, trüber, dann erleuchte meinen Geist, daß ich fröhlich zieh hin— über, wie man nach der Heimat reist. Philipp Spitta 1801—1859. Kampf und Sieg Choralbuch 182 C04): 419 Wachet auf! ruft uns die Stimme. Ristet euch, ihr Christen⸗ leute! Die Feinde su⸗ chen euch zur Beute, ja Satan selbst hat eur begehrt. Wappnet euch mit Gottes Worte und kämpfet frisch an jedem Orte, damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell, hier — ν E S rr — NSS r * Kampf und Sieg ist Immanuel. Hosianna! Der Starke fällt durch die⸗ sen Held, und wir behalten mit das Feld. 2. Reinigt euch von euern Lüsten; besieget sie, die ihr seid Christen, und stehet in des Herren Kraft! Stärket euch in Jesu Namen, daß ihr nicht strauchelt wie die Lahmen. Wo ist des Glau⸗ bens Ritterschaft? Wer hier ermüden will, der schaue auf das Ziel! Da ist Freude. Wohlan, so seid zum Kampf bereit! So krönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wen' gen Zahre, eh ihr kommt auf die Totenbahre; kurz, kurz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott wird die Toten wecken und Christus wird die Welt erschrecken, so stehen wir mit Freuden auf. Gottlob! wir sind versöhnt. Daß uns die Welt noch höhnt, währt nicht lange, und Gottes Sohn hat längstens schon uns beigelegt die Ehren⸗ kron. 4. Jesu, stärke deine Kinder und mach aus denen Aber⸗ winder, die du erkauft mit deinem Blut. Schaffe in uns neues Leben, daß wir uns stets zu dir erheben, wenn uns entfallen will der Mut. Geuß aus auf uns den Geist, dadurch die Liebe fleußt in die Herzen! So halten wir getreu an dir im Tod und Leben für und für. Wilhelm Erasmus Arends 16771721. Choralbuch 194 64): 420 Werde munter, mein Gemüte. Nicht der Anfang, nur das Ende krönt des Christen Glaubensstreit. Ach ge— treuer Gott, vollende mei⸗ nen Lauf in dieser Zeit! Hab ich dich einmal erkannt, so verleih mir auch Bestand, daß ich, bis ich einst erkalte, Glauben, Lieb und Hoff⸗ nung halte. 2. Laß mich einem Felsen gleichen, der in Sturm und Wellen steht; laß mich nicht zurückeweichen, wenn mich Not und Tod umfäht. Sei mein Anker, der nicht bricht, sei mein Stern und helles Licht, daß ich nie von dir mich scheide und am Glau⸗ ben Schiffbruch leide. 3. Es ist gut, ein Christ zu werden, besser noch, ein Christ zu sein; doch den besten Ruhm auf Erden gibt der Herr nur dem allein, der ein Christ beständig bleibt und den Kampf zum Siege treibt; solchen wird mit ew'⸗ gen Kronen Christus droben einst belohnen. 4. Laß mich halten, was ich habe, daß mir nichts die Krone nimmt. Es ist deines Geistes Gabe, daß mein Glaubensdocht noch glimmt. Lösche nicht dies Fünklein aus, mach ein helles Feuer draus; laß es ungestöret brennen, dich vor aller Welt bekennen! 5. Du hast meinen Grund geleget; Zesus, der mein Grundstein ist, wird durch keine Macht beweget, ihn verrücket keine List. Laß mich fest auf ihm bestehn, nimmer⸗ mehr zu Grunde gehn, wenn sich Macht und List bemühen, mich von Christo abzuziehen. 6. Jesu, hilf mir dir an⸗ hangen, wie das Schaf am Hirten hängt, stets im Glau⸗ ben dich umfangen, wie mich deine Gnad umfängt. Kommt es dann zur letzten Not, so versiegle mir im Tod, was ich dir geglaubt auf Erden, und laß es zum Schauen werden. Benjamin Schmolck 1672—1737. 421 Choralbuch 90(129). Ide hilf siegen, du Fürste des Lebens! Sieh, wie die Finsternis dringet herein, wie sie ihr drohendes Heer nicht vergebens mächtig auf⸗ führet, mir schädlich zu sein. Schau, wie sie sinnet auf allerlei Ränke, daß sie mich sichte, verstöre und kränke. 2. Jesu, hilf siegen! Ach wer muß nicht sagen: Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir! Hilf, wenn mich Sünden der Erneuerung und Heiligung Jugend verklagen, die mein Gewissen mir täglich hält für. Ach laß mich schmecken dein kräftig Versühnen und dies zu meiner Demütigung dienen! 3. Jesu, hilf siegen, wenn in mir die Sünde, Eigenlieb, Hoffart und Mißgunst sich regt, wenn ich die Last der Begierden empfinde und sich mein tiefes Verderben darlegt. Hilf dann, daß ich vor mir selber erröte und durch dein Leiden die Sün⸗ denlust töte. 4. Jesu, hilf siegen und lege gefangen in mir die Lüste des Fleisches und gib, daß in mir lebe des Geistes Ver⸗ langen, aufwärts sich schwin⸗ gend durch heiligen Trieb. Laß mich eindringen ins gött⸗ liche Wesen, so wird mein Geist, Leib und Seele genesen. 5. Jesu, hilf siegen, damit auch mein Wille dir, Herr, sei gänzlich zu eigen geschenkt und ich mich stets in dein Wollen verhülle, wo sich die Seele zur Ruhe hin lenkt. Laß mich mir sterben und alle dem Meinen, daß ich mich zählen kann unter die Deinen. 6. Jesu, hilf siegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lüge aufblähn und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, laß doch viel heller dann deine Iaeꝰ˙'Nn — Fr.ree Kampf und Sieg Kraft sehn. Steh mir zur Rechten, o König und Mei⸗ ster; lehre mich kämpfen und prüfen die Geister! 7. Jesu, hilf fiegen im Wachen und Beten! Hüter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein. Laß dein Gebet mich unendlich vertreten, der du versprochen, Fürsprecher zu sein. Wenn mich die Nacht mit Ermüdung will decken, wollst du mich, Jesu, er⸗ muntern und wecken. 8. Jesu, hilf siegen! Wenn alles verschwindet und ich mein Nichts und Verderben nur seh; wenn kein Ver⸗ mögen zu beten sich findet; wenn ich muß sein ein ver⸗ schüchtertes Reh: ach Herr, so wollst du im Grunde der Seelen dich mit dem inner⸗ sten Seufzen vermählen! 9. Jesu, hilf siegen und laß mir's gelingen, daß ich das Zeichen des Sieges erlang. So will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang. Wie wird dein Name da werden gepriesen, wo du, o Held, dich so mächtig er⸗ wiesen! Johann Heinrich Schröder 1667—1699. Choralbuch 200(177): 422 Wie nach einer Wasserquelle. Setan bis an das Ende, daß nicht Marter, Angst und Not dich von deinem Jesu wende; sei ihm treu bis in den Tod! Ach das Leiden dieser Zeit ist nicht wert der Herrlichkeit, die dein Jesus dir will geben dort in jenem Freudenleben. 2. Sei getreu in deinem Glauben; laß dir dessen festen Grund ja nicht aus dem Herzen rauben! Sage den Gewissensbund, so ge⸗ schlossen in der Tauf, deinem Gott nicht wieder auf; was du deinem Gott versprochen, bleibe bei dir ungebrochen. 3. Sei getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt; an dem Nächsten Gutes übe, und ob er dich hat betrübt. Denke, wie dein Heiland tat, als er für die Feinde bat; so mußt du verzeihen eben, soll Gott anders dir ver⸗ geben. 4. Sei getreu in deinem Leiden; lasse dich kein An⸗ gemach von der Liebe Jesu scheiden; murre nicht in Weh und Ach! Hilft denn was die Angeduld? Ach sie häu⸗ fet nur die Schuld. Der trägt leichter, wer das träget mit Geduld, was Gott auf⸗ leget. 5. Sei getreu in deinem Hoffen, hilft Gott gleich nicht, wie du willt; Mittel hat er bald getroffen, daß dein Wünschen werd erfüllt. Denke, wie er manche Zeit dir zu helfen war bereit, ob⸗ schon du dein Ohr verstopfet, wenn er bei dir angeklopfet. 6. Sei getreu im Todes⸗ ringen, kämpfe frisch den letzten Streit; laß dich nicht den Feind bezwingen, ist es doch das letzte Leid. Wer alsdann mit Jesu ringt und das sünd'ge Fleisch bezwingt, der wird Sieg und Lob er⸗ langen und die Lebenskron empfangen. Nach Benjamin Prätorius, geb. 1636,4um 1674. Choralbuch 4(66): 423 Ach was soll ich Sünder machen. Aus, ihr Streiter, durch⸗ gedrungen! Auf, und folgt dem Lamme nach, das durch Marter, Hohn und Schmach sich auf Zions Burg geschwungen. Nach! Das Haupt hat schon ge⸗ siegt. Weh dem Glied, das müßig liegt! 2. Fort! Nur nach mit Wachen, Beten! Fort! Was seid ihr so verzagt? Christus hat den Sieg erjagt und der Schlange Kopf zertreten; tretet nach in seiner Kraft! Christus ist's, der Sieg ver⸗ schafft. 3. Niemand soll in Zion sprechen:„Ich bin elend, arm und schwach, und durch so viel Angemach kann kein armer Sünder brechen.“ Denn der Herr ist's, der uns heilt und den Schwachen Kraft erteilt. Erneuerung und Heiligung 4. Sind wir schwach: der Herr hat Stärke; sind wir arm: der Herr ist reich. Wer ist unsrem König gleich? Anser Gott tut Wunder⸗ werke. Sagt, ob der nicht helfen kann, dem die Himmel untertan. 5. Nun so wachet, kämpft und ringet, streitet mit Ge⸗ bet und Flehn, bis wir auf dem Berge stehn, wo das Lamm die Fahne schwinget. Ist das Wochenwerk getan, alsdann geht der Sabbat an. Johann Simon Buchta 17051752. Choralbuch 110(113): 424 Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt. uf, Christenmensch, auf, auf, zum Streit, auf, auf, zum Aberwinden! In dieser Welt, in dieser Zeit ist keine Ruh zu finden. Wer nicht will streiten, trägt die Kron des ew'gen Lebens nicht davon. 2. Der Satan kommt mit seiner List, die Welt mit ihrem Prangen, das Fleisch, durch Lust dich, wo du bist, zu fällen und zu fangen; streitst du nicht wie ein tapf⸗ rer Held, bist du dahin und schon gefällt. 3. Gedenke, daß du zu der Fahn des Feldherrn hast geschworen; gedenke, daß du als ein Mann zum Streit bist auserkoren; gedenk, daß Kampf und Sieg ohne Streit und Sieg noch keiner zum Triumphe stieg. 4. Wie schmählich ist's, wenn ein Soldat dem Feind den Rücken kehret! Wie schänd⸗ lich, wenn er seine Statt verläßt und sich nicht wehret! Wie spöttlich, wenn er noch mit Fleiß vor Trägheit wird dem Feinde preis! 5. Wer überwindet und den Raum der Laufbahn hat durchmessen, der wird im Paradies vom Baum des ew'gen Lebens essen; er wird fürwahr von keinem Leid noch Tod berührt in Ewigkeit. Offenb. 2,7. 11. 6. Wer überwindet, der soll nicht aus Gottes Tempel gehen, soll drinnen als ein himmlisch Licht und goldne Säule stehen; der Name Gottes und des Herrn soll leuchten von ihm weit und fern. Offenb. 3, 12. 7. So streit denn wohl, streit keck und kühn, daß du mögst überwinden; streng an die Kräfte, Mut und Sinn, daß du dies Gut mögst finden. Wer nicht will streiten um die Kron, bleibt ewiglich in Spott und Hohn. Johann Scheffler 1624-1677. Choralbuch 204(4): 425 Willkommen, Held im Streite. indurch, hindurch mit Freuden! das soll die Losung sein. Hindurch durch alle Leiden, durch Kreuz und Not und Pein! 2. Hindurch, hindurch mit Freuden mit Gottes Helm und Sieg durch Leiden und durch Streiten in seinem heil'gen Krieg! 3. Hindurch die öden Strek⸗ ken von unsrer Wander— schaft, durch Klüfte und durch Schrecken mit seinem starken Schaft! 4. Hindurch durch das Ge— strüppe, das an uns zerrt und reißt, und wie die ganze Sippe von kleinem Jammer heißt! 5. Und wenn es schwül und traurig und trostlos allwärts steht und das Gewölke schaurig fast bis zur Erde geht: 6. Hindurch mit Adlerflü⸗ geln, mit Danken und Gebet, hin, wo auf ew'gen Hügeln der Tempel Gottes steht! 7. Hindurch, hindurch mit Freuden selbst durch des Todes Nacht, hin durch die letzten Leiden, bis daß es heißt: Vollbracht! Albert Zeller 18041877. 426 Choralbuch 71(165). err, habe acht auf mich und reiß mich kräftig⸗ lich von allen Dingen! Denn ein gefesselt Herz kann sich ja himmelwärts durchaus nicht schwingen. 2. Herr, habe acht auf mich! Schaff, daß mein Herze sich im Grund bekehre; trifft vom verborgnen Bann dein Auge noch was an, Herr, das zer⸗ störe! Jos. 7, 13. 3. Herr, habe acht auf mich! Hast du allmächtiglich den Strick zerrissen, so laß, dem Feind zum Trutz, mich dei⸗ nen starken Schutz nun stets genießen! 4. Herr, habe acht auf mich! Die Schlange mühet sich, mit ihren Tücken ein Herz, das du befreit, von der Ein⸗ fältigkeit bald zu verrücken. 2. Kor. 11, 3. 5. Herr, habe acht auf mich! Die Welt legt listiglich in solchen Dingen, die sie un⸗ schuldig nennt, weil sie sich selbst nicht kennt, viel Netz und Schlingen. 6. Herr, habe acht auf mich! Töt in mir mächtiglich die Eigenliebe, Trägheit, Lust, Furcht und Neid, Menschen⸗ gefälligkeit, unlautre Triebel J. Herr, habe acht auf mich und laß mich ritterlich den Kampf bestehen; wenn Sa⸗ tan, Sünd und Welt mich stürmend überfällt, nicht übergehen! 8. Herr, habe acht auf mich! Die Liebe nennet dich Is⸗ raels Hüter; du schläfst und schlummerst nicht, dein blit⸗ zend Angesicht schlägt Feinde nieder. 9. Herr, habe acht auf mich! Erneuerung und Heiligung Dein Herz ist mütterlich, das heißt dich wachen; das Kind liegt sorgenlos, sanft in der Mutter Schoß, die wird's schon machen. 10. Herr, habe acht auf mich! O zeuch mich ganz in dich mit Leib und Seele! Dein bin ich, du bist mein, du, den ich mir allein zum Hort er⸗ wähle. 11. Herr, habe acht auf mich beim letzten Kampf, wann ich von hinnen scheide; führ mich durch dein Geleit in deine Herrlichkeit, zur ew'⸗ gen Freude! Johann Ludwig Konrad Allendorf 1693-1773. 427 Choralbuch 159(109). Ringe recht, wenn Gottes Gnade dich nun ziehet und bekehrt, daß dein Geist sich recht entlade von der Last, die ihn beschwert. 2. Ringe! denn die Pfort ist enge, und der Lebens⸗ weg ist schmal; hier bleibt jeder im Gedränge, der nicht zielt zum Himmelssaal. 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, dring hinein in Gottes Reich; will der Feind dir widerstreben, werde we⸗ der matt noch weich. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe, daß die erste Liebe dich von der ganzen Welt abziehe; halbe Liebe hält nicht Stich. 5in Kampf und Sieg 5. Ringe mit Gebet und Schreien, halte damit feurig an; laß dich keine Zeit ge⸗ reuen, wär's auch Tag und Nacht getan. 6. Hast du dann die Perl errungen, denke ja nicht, daß du nun alles Böse hast be⸗ zwungen, das uns Schaden pflegt zu tun. 7. Nimm mit Furcht ja dei⸗ ner Seele, deines Heils mit Zittern wahr; denn in dieser Leibeshöhle schwebst dutäg⸗ lich in Gefahr. 8. Halt ja deine Krone feste, halte männlich, was du hast. Recht beharren ist das Beste; Rückfall ist ein böser Gast. 9. Laß dein Auge ja nicht gaffen nach der schnöden Eitelkeit; bleibe Tag und Nacht in Waffen, fliehe träge Sicherheit. 10. Laß dem Fleische nicht den Willen, gib der Lust den Zügel nicht; willst du die Begierden stillen, so verlischt das Gnadenlicht. 11. Wahre Treu führt mit der Sünde bis ins Grab be⸗ ständig Krieg, richtet sich nach keinem Winde, sucht in jedem Kampf den Sieg. 12. Wahre Treu liebt Christi Wege, steht beherzt auf ihrer Hut, weiß von keiner Flei⸗ schespflege, hält sich selber nichts zugut. 13. Wahre Treu kommt dem Getümmel dieser Welt niemals zu nah, ist ihr Schatz doch in dem Himmel; drum ist auch ihr Herz allda. 14. Dies bedenket wohl, ihr Streiter! Streitet recht und fürchtet euch; geht doch alle Tage weiter, bis ihr kommt ins Himmelreich. Johann Joseph Winckler 167⁰0—1722. Choralbuch 178 G0): 428 Valet wil ich dir geben. Wer ausharrt bis ans Ende, wird endlich selig sein; doch treffen harte Stände noch bis zum Ende ein. Viel Feinde sind zu dämpfen, viel Proben durch⸗ zugehn; der Glaube muß im Kämpfen bis an sein Ende stehn. 2. Nur etlich Gänge wagen, und dann im härtsten Streit erst noch am Sieg verzagen, ist nicht die rechte Zeit; da wird man erst zu Schanden. Hingegen wer getreu, dem steht, der beigestanden, auch bis zum Ende bei. 3. Das frischt uns an, ihr Brüder; verliert nur nicht den Mut, legt nicht die Waffen nieder und fechtet bis aufs Blut! Wenn wir nur nicht erliegen in seiner Gegenwart, so werden wir doch siegen, wenn uns die Hand erstarrt. 4. Herr, du kennst meine Schwäche; nur deiner harre tröstet mich. lassen Hände Erneuerung und Heiligung ich. Nicht das, was ich ver⸗ spreche,— was du sprichst, Richt auf die hie! und stärk die müden Knie, und sage mir am Ende: Die Seligkeit ist Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Himmlischer Sinn Choralbuch 210(93): 429 Zeuch ein zu deinen Toren. (Auch nach Choralbuch 17(25): Aus meines Herzens Grunde.) Kemeu, Brüder, laßt uns gehen, der Abend kommt heran; es ist gefährlich stehen auf dieser öden Bahn. Kommt, stärket euern Mut, zur Ewigkeit zu wandern von einer Kraft zur andern; es ist das Ende gut. 2. Es soll uns nicht gereuen der schmale Pilgerpfad; wir kennen ja den Treuen, der uns gerufen hat. Kommt, folgt und trauet dem! Ein jeder sein Gesichte mit ganzer Wendung richte stracks gen Jerusalem. 3. Der Ausgang, der ge⸗ schehen, ist uns fürwahr nicht leid; es soll noch besser gehen zur stillen Ewigkeit. Ihr Lieben, seid nicht bang, ver⸗ achtet tausend Welten, ihr Locken und ihr Schelten, und geht nur euern Gang. 4. Geht der Natur entgegen! So geht's gerad und fein; gie Fleisch und Sinne pflegen, noch schlechte Pilger fein. Verlaßt die Kreatur und was euch sonst will binden, laßt gar euch selbst dahinten; es geht durchs Sterben nur. 5. Man muß wie Pilger wandeln frei, bloß und wahr⸗ lich leer; viel Sammeln, Halten, Handeln macht unsern Gang nur schwer. Wer will, der trag sich tot! Wir reisen abgeschieden, mit wenigem zufrieden; wir brauchen's nur zur Not. 6. Schmückt euer Herz aufs beste, weit mehr als Leib und Haus; wir sind hier fremde Gäste und ziehen bald hinaus. Das Kinder⸗ spiel am Weg laßt uns nicht viel besehen; durch Säumen und durch Stehen wird man verstrickt und träg. J. Ist gleich der Weg gar enge, so einsam, krumm und schlecht, der Dornen rings in Menge und manches Kreuze trägt: es ist doch nur ein Weg. Laßt sein! Wir gehen weiter, wir folgen unsrem Leiter und brechen durchs Geheg. 8. Kommt, Brüder, laßt uns gehen, der Vater gehet mit. Er selbst will bei uns stehen bei jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süßen Sonnen⸗ Himmlischer Sinn blicken uns locken und er⸗ quicken: ach ja, wir haben's gut. 9. Kommt, Brüder, laßt uns wandern, wir gehen Hand in Hand; eins freuet sich am andern in diesem fremden Land. Kommt, laßt uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten; die Engel selbst begleiten als Brüder unsre Reihn. 10. Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu; man trag, man helfe al⸗ len, man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, schließt euch fester an; ein jeder sei der Kleinste, doch auch wohl gern der Reinste auf unsrer Pilgerbahn. 11. Kommt, laßt uns munter wandern, der Weg kürzt immer ab. Ein Tag, der folgt dem andern; bald fällt das Fleisch ins Grab. Nur noch ein wenig Mut, nur noch ein wenig treuer, von allen Dingen freier, gewandt zum ew'gen Gut! 12. Es wird nicht lang mehr währen— harrt noch ein wenig aus! es wird nicht lang mehr währen, so kom⸗ men wir nach Haus. Da wird man ewig ruhn, wann wir mit allen Frommen heim zu dem Vater kommen; wie wohl, wie wohl wird's tun! 13. Drauf wollen wir's denn wagen— es ist wohl wagens⸗ wert— und gründlich dem absagen, was aufhält und beschwert. Welt, du bist uns zu klein! Wir gehn durch Jesu Leiten hin in die Ewig⸗ keiten; es soll nur Jesus sein. Gerhard Tersteegen 16971769. 430 Choralbuch 41(115). Luk. 10, 38—42; 1. Kor. 1, 30; Ps. 139, 23.24. Eins ist not! Ach Herr, dies eine lehre mich erkennen doch! Alles andre, wie's auch scheine, ist ja nur ein schweres Joch, darunter das Herze sich naget und plaget und dennoch kein waͤh⸗ res Vergnügen erjaget. Er⸗ lang ich dies eine, das alles ersetzt, so werd ich mit einem in allem ergötzt. 2. Seele, willst du dieses finden, such's bei keiner Kreatur; laß, was irdisch ist, dahinten, schwing dich über die Natur. Wo Gott und die Menschheit in einem vereinet, wo alle vollkom⸗ mene Fülle erscheinet, da, da ist das beste, notwendige Teil, mein ein und mein alles, mein seligstes Heil. 3. Wie, dies eine zu ge⸗ nießen, sich Maria dort be⸗ fliß, da sie sich zu Jesu Füßen voller Andacht niederließ— ihr Herze entbrannte, dies einzig zu hören, was Jesus, ihr Heiland, sie wollte be⸗ lehren; ihr alles war gänz⸗ lich in JZesum versenkt, und wurde ihr alles in einem geschenkt—, 4. also ist auch mein Ver⸗ langen, liebster Jesu, nur nach dir; laß mich treulich an dir hangen, schenke dich zu eigen mir. Ob viele zum größesten Haufen auch fallen, so will ich dir dennoch in Liebe nachwallen; denn dein Wort, o ZJesu, ist Leben und Geist. Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle in dir ja verborgen liegt. Gib nur, daß sich auch mein Wille fein in solche Schranken fügt, worinnen die Demut und Einfalt re⸗ gieret und mich zu der Weis⸗ heit, die himmlisch ist, führet. Ach wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, so hab ich der Weisheit voll⸗ kommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen als nur dich, mein höchstes Gut; Jesu, es muß mir gelingen durch dein heil'ges, teures Blut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, da du bist am Stamme des Kreuzes ge⸗ storben; die Kleider des Heils ich da habe erlangt, worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun so gib, daß meine Seele auch nach deinem Bild erwacht; du bist ja, den ich Erneuerung und Heiligung erwähle, mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Le⸗ ben, ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben. Entreiße mich aller vergänglichen Lust; dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt. 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich beströmt der Gnade Flut. Du bist einmal eingegangen in das Heil'ge durch dein Blut; da hast du die ew'ge Erlösung erfunden, daß ich nun von Tod und Verdammnis ent⸗ bunden; dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, im kindlichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Volles Gnügen, Fried und Freude jetzo meine Seel ergötzt, weil auf eine frische Weide mein Hirt, Jesus, mich gesetzt. Nichts Süßes kann also mein Herze er⸗ laben, als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 10. Drum auch, Jesu, du alleine sollst mein ein und alles sein. Prüf, erfahre, wie ich's meine; tilge allen Heuchelschein. Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, und leite mich, Höch⸗ ster, auf ewigem Wege. Gib, daß ich nichts achte, nicht Leben noch Tod, und Jesum gewinne: dies eine ist not. Johann Heinrich Schröder 1667—1699. 431 Choralbuch 160(197): Ruhe ist das beste Gut. His der⸗ nur himmelan soll der Wandel gehn! Was dieFrommenwünschen, kann dort erst ganz geschehn, auf Erden nicht: Freude wechselt hier mit Leid; richt hinauf zur Herrlichkeit dein Angesicht. 2. Himmelan schwing dei— nen Geist jeden Morgen auf! Kurz, ach kurz ist, wie du weißt, unser Pilgerlauf. Fleh täglich neu: Gott, der mich zum Himmel schuf, präg ins Herz mir den Be— ruf, mach mich getreu! 3. Himmelan hat er dein Ziel selbst hinaufgestellt. Sorg nicht mutlos, nicht zu viel um den Tand der Welt! Flieh diesen Sinn! Nur was du dem Himmel lebst, dir von Schätzen dort erstrebst, das ist Gewinn. 4. Himmelan erheb dich gleich, wenn dich Kummer drückt, weil dein Vater, treu und reich, stündlich auf dich blickt.Was quält dich so? Dro⸗ ben in dem Land des Lichts weiß man von den Sorgen nichts; sei himmlisch froh! 5. Himmelan wallt neben dir alles Volk des Herrn, trägt im Himmelsvorschmack Himmlischer Sinn hier seine Lasten gern. O schließ dich an! Kämpfe drauf, wie sich's gebührt; denke: Auch durch Leiden führt die Himmelsbahn. 6. Himmelan ging Jesus Christ mitten durch die Schmach; folg, weil du sein Jünger bist, seinem Vor⸗ bild nach! Er litt und schwieg. Halt dich fest an Gott wie erz statt zu klagen, bete mehr; erkämpf den Sieg! 7. Himmelan führt seine Hand durch die Wüste dich, ziehet dich im Prüfungstand näher hin zu sich im Him⸗ melssinn. Von der Welt⸗ lust freier stets und mit ihm vertrauter geht's zum Him⸗ mel hin. 8. Himmelan führt dich zu⸗ letzt selbst die Todesnacht. Sei's, daß sie dir sterbend jetzt kurze Schrecken macht, — harr aus, harr aus! Auf die Nacht wird's ewig hell; nach dem Tod erblickst du schnell des Vaters Haus. 9. Halleluja! Himmelan steig dein Dank schon hier! Einst wirst du mit Scharen nahn, und Gott naht zu dir in Ewigkeit. Aller Jammer ist vorbei, alles jauchzt, ver⸗ klärt und neu, in Ewigkeit. 10. Halleluja singst auch du, wenn du Zesum siehst, unter Jubel ein zur Ruh in den Himmel ziehst. Gelobt sei er! Der vom Kreuz zum Throne stieg, hilft auch dir zu deinem Sieg; gelobt sei er! Johann 4. Wal Schöner 749—1818. 432 Choralbuch 160(197). Nihe ist das beste Gut, das man haben kann; Stille und ein guter Mut steiget himmelan. Die suche du! Hier und dort ist keine Ruh als bei Gott; ihm eile zu! Gott ist die Ruh. 2. Ruhe suchet jedes Ding, allermeist ein Christ. Du, mein Herz, nach Ruhe ring, wo du immer bist. O suche Ruh! In dir selber wohnt sie nicht; such in Gott, was dir gebricht. Gott ist die Ruh. 3. Ruhe gibt dir nicht die Welt, ihre Freud und Pracht; Ruhe gibt nicht Gut und Geld, Lust, Ehr, Gunst und Macht. Keins reichet zu. Wenn du recht bekümmert bist, suchst du das, was droben ist. Gott ist die Ruh. 4. Ruhe geben kann allein Jesus, Gottes Sohn, der uns alle ladet ein vor des Himmels Thron zur wahren Ruh. Wer den Ruf ver⸗— nommen hat, dringe ein zur Gottesstadt. Gott ist die Ruh. 5. Ruhe beut er allen an, die beladen sind. Arm' und Reiche, kommt heran, Mann und Weib und Kind: Ihr fin⸗ Erneuerung und Heiligung det Ruh! Traget ihr des Lei⸗ des viel, Gott setzt allem Leid ein Ziel. Gott ist die Ruh. 6. Ruhe kommt aus Glau⸗ ben her, der nur Jesum hält. Jesus machet leicht, was schwer, richtet auf, was fällt. Sein Geist bringt Ruh; gib im Glauben Herz und Sinn seinem Geist zu eigen hin. Gott ist die Ruh. 7. Ruhe findet sich zumeist, wo Gehorsam blüht; ein in Gott gesetzter Geist macht ein still Gemüt und Seelen⸗ ruh. Darum selig, wer sich gibt, daß er Gottes Willen übt. Gott ist die Ruh. 8. Ruhe wächset aus Ge— duld und Zufriedenheit, die in Gottes Zorn und Huld und in Lieb und Leid sich gibt zur Ruh. Je zufriedener du bist, desto näher Gott dir ist. Gott ist die Ruh. 9. Ruhe hat, wer williglich Christi sanftes Joch hin⸗ gebücket nimmt auf sich; ist es lieblich doch und schaffet Ruh. Folge deinem Hei⸗ land gern, dann ist nie dein Friede fern. Gott ist die Ruh. 10. Ruhe nirgends lieber bleibt, als wo Demut blüht; was zur Niedrigkeit fein treibt und hinunterzieht, gibt wahre Ruh. Darum bleibe arm und klein, so wird Gott dir nahe sein. Gott ist die Ruh. 11. Ruh entspringet aus dem Quell, wo die Liebe fleußt; ist das Herz nur klein und hell, sanft und still der Geist, da strömt die Ruh. Liebe, wenn du Ruh be⸗ gehrst, bis du seliglich er⸗ fährst: Gott ist die Ruh. 12. Ach du Gott der wahren Ruh, gib auch Ruhe mir! Was ich denke, red und tu, streb nach Ruh in dir. Gib Ruh dem Geist! Schließt sich dann mein Auge zu, so führ Leib und Seel zur Ruh, dem Himmel zu! Nach Johann Kaspar Schade 1666—1698; Strophe 12 erstmals 1734. 43³3 Choralbuch 95(82): Jesus, meine Zuversicht. Serle⸗ was ermüdst du dich in den Dingen dieser Erden, die doch bald ver— zehren sich und zu Staub und Asche werden? Suche Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, laß ihn sich zu Gott aufschwingen, richt ihn stets zum Himmel hin, laß ihn in die Gnad eindringen. Suche Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh, dein betrübtes Herz zu laben; eil der Lebens⸗ quelle zu, da kannst du sie reichlich haben. Suche Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. 4. Geh in Einfalt stets ein⸗ Himmlischer Sinn her, laß dir nichts das Ziel verrücken; Gott wird aus dem Liebesmeer dich, den Kranken, wohl erquicken. Suche Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. 5. Weißt du nicht, daß diese Welt ein ganz ander Wesen heget als dem Höchsten wohl gefällt und dein Arsprung in sich träget? Suche Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. 6. Du bist ja ein Hauch aus Gott und aus seinem Geist geboren, bist erlöst durch Christi Tod und zu seinem Reich erkoren. Suche Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. 7. Schwinge dich fein oft im Geist über alle Himmels⸗ höhen; laß, was dich zur Erde reißt, weit von dir ent⸗ fernet stehen. Suche Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. 8. Nahe dich dem lautern Strom, der vom Thron des Lammes fließet und auf die, so keusch und fromm, sich in reichem Maß ergießet. Suche Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. 9. Laß dir seine Majestät immerdar vor Augen schwe⸗ ben; laß mit brünstigem Ge⸗ bet sich dein Herz zu ihm er⸗ heben. Suche Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. Erneuerung und Heiligung 10. Sei nur, meine Seele, still, du wirst schon zum Ziel gelangen; glaube, daß sein Liebeswill stillen werde dein Verlangen. Drum such Jesum und sein Licht: alles andre hilft dir nicht. Jakob Gabriel Wolf 1684—1754. 434 Choralbuch 47(198). Eꝰ halten eitele Gemüter die Erde für ihr Vater⸗ land; wer aber Jesum hat erkannt und die wahrhaften Himmelsgüter, der sieht den ganzen Kreis der Erden für eine fremde Hütte an und seh⸗ net sich, erlöst zu werden von dieser rauhen Pilgerbahn. 2. Kein Fluß kann so zum Meere laufen, kein Stein eilt so der Tiefe zu, als wie ein Christ zur Himmelsruh hinwegeilt von dem Erden⸗ haufen. Ob seine Füß die Welt berühren, so ist das Haupt doch in der Höh; er sucht den Wandel so zu führen, daß Herz und Sinn im Himmel steh. 3. Dies Heimweh gottver⸗ lobter Herzen vermehrt sich bei der Kreuzeslast; man find't auf Erden keine Rast bei Leibes⸗ oder Seelen⸗ schmerzen. Wenn sich die Trübsalsflut ergießet, so wird der engen Brust ganz bang, bis daß die Lebens⸗ zeit verfließet; ach Gott, heißt es, wie lang, wie lang! 4. Da hat ein Paulus Lust zu scheiden; ein Abraham ist lebenssatt; ein Hiob wird ganz müd und matt vor langem Sehnen in dem Lei⸗ den; Elias wünscht bei sei⸗ nem Wandern, zu schließen den bet übten Lauf; von einem Morgen bis zum andern sieht David nach der Hilfe auf. 5. Doch ist dies Eilen zu dem Himmel gemäßigt mit Gelassenheit. Man wartet auf die rechte Zeit, die zur Erlösung vom Getümmel des Allerhöchsten Rat be⸗ liebet; man setzt Gott weder Maß noch Ziel; und wird das Herz gleich lang be⸗ trübet, so ist es ihm doch nie zu viel. 6. Der Herr, der über Tod und Leben die unumschränkte Herrschaft hat, wird seinen Kindern nie zu spat die lang verlangte Freiheit geben. Ein selig End muß alles wenden, was anfangs uner⸗ träglich war; und Gott reicht selbst mit seinen Händen den Lohn für allen Zammer dar. 7. Wir, die wir auf der Erde wallen, verlangen, daß zu rechter Zeit auch unser Abschied aus dem Streit dem frommen Gott mög wohl gefallen. Du, Zesu, wollst uns Gnad erweisen, daß wir dazu bereitet stehn und uns auch so der Welt ö Wandel im Licht entreißen, damit wir froh gen Himmel gehn. Bernhard Walter Marperger 1682—1746. Choralbuch 84(130): 435 3ch dant dir schon durch deinen Sohn. Erheo⸗ o Seele, deinen Sinn! Was hängst du an der Erden? Hinauf, hin⸗ auf, zum Himmel hin! denn du mußt himmlisch werden. 2. Was hat die Welt, was beut sie an? Nur Tand und eitle Dinge. Wer einen Himmel hoffen kann, der schätzet sie geringe. 3. Wer Gott erkennt, kann der wohl noch den Wunsch aufs Niedre lenken? Wer Gott zum Freund hat, den⸗ ket hoch; so müssen Chri⸗ sten denken. 4. Kein Leiden, wenn's auch schwer mich drückt, schlägt meine Hoffnung nieder; ich schau empor, und mich er⸗ quickt der Herr doch endlich wieder. 5. Mein Teil ist nicht in dieser Welt, ich bin ein Gast Wandel Choralbuch 129(4): 436 Nun danket all und bringet Ehr. (Auch nach Choralbuch 109(59): Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich.) Wie gut ist's, von der Sünde frei! Wie selig, Christi Knecht! Im Sünden⸗ auf Erden; ich soll, wann diese Hütte fällt, ein Him⸗ melsbürger werden. 6. Dort ist das rechte Kanaan, wo Lebensströme fließen; blick oft hinauf! Der Anblick kann den Leidens⸗ kelch versüßen. 7. Dort oben ist des Vaters Haus. Er teilt zum Gna⸗ denlohne den Aberwindern Kronen aus; kämpf auch um Ruh und Krone! 8. Dort ist's den Engeln süße Pflicht, Gott ihren Dank zu bringen. O Seele, sehnest du dich nicht, mit ihnen Lob zu singen? 9. Dort herrscht dein Hei⸗ land, Jesus Christ; und du, frei von Beschwerden, sollst ihm, durch den du selig bist, an Klarheit ähnlich werden. 10. Laß denn, Erlöser, mich schon hier mein Herz zu dir erheben; laß mich, entschlaf ich einst in dir, dort ewig mit dir leben! Württ. Gesangbuch 1791 (nach Ehrenfried Liebich 1713—1780. im Licht dienst ist Sklaverei, in Christo Kindesrecht. 2. Im Sündendienst ist Finsternis, den Weg erkennt man nicht; bei Christo ist der Gang gewiß, man wan⸗ delt in dem Licht. 3. Im Sündendienst ist Wandel im Licht Haß und Leid, man plagt und wird betrübt; in Christi Reich ist Freudigkeit, man liebt und wird geliebt. 4. Die Sünde gibt den Tod zum Lohn, das heißt ja schlimm gedient; das Leben aber ist im Sohn, der uns mit Gott versühnt. 5. O Heiland, dir nur dien ich gern, denn du hast mich erkauft; ich weiß und will sonst keinen Herrn, auf dich bin ich getauft. 6. Wen du frei machst, der ist recht frei: du schenkst ihm alle Schuld; und darum dank ich deiner Treu und rühme deine Huld. 7. Ich bete an, Herr Jesu Christ, und sage: Ich bin dein! Nimm mich zu dir; denn wo du bist, soll auch dein Diener sein. Philipp Friedrich Hiller 1699.—1769. Bruder⸗ und Nächstenliebe 437 Choralbuch 209 7 Wunderbarer König. ommt ins Reich der Liebe, o ihr Gotteskin⸗ der, ihr durchs Blut erlöste Sünder! Lernt von eurem Heiland eure Brüder lieben und euch recht darinnen üben! Folgt dem Herrn; traget gern seines Leibes Glieder, auch die schwachen Brüder! 2. Sünde zu vergeben und auch zu vergessen, das hat keiner so besessen als der Freund der Sünder, der mit eignem Blute, seinen Fein⸗ den selbst zugute, alle Schuld — o der Huld!— auf sich hat genommen und getilgt vollkommen. 3. Wirft der Feind der Seelen zwischen eure Her⸗ zen Streit, Verdacht und Haderschmerzen, o so seid nicht stille, wartet nicht so lange, bis zum Sonnenunter⸗ gange; tötet bald die Ge⸗ walt aller Zwistigkeiten, die den Fall bereiten! 4. Bleibt nicht so beständig auf dem eignen Rechte; werdet gern der andern Knechte! Denn die süße Liebe deckt der Sünden Menge, duldet ohne Maß der Länge. Liebt euch sehr, liebet mehr; nährt das Liebesfeuer alle Tage treuer! 5. Abba, lieber Vater, Sohn und Geist der Gnaden, heile allen unsern Schaden! Falschheit, Schein und Tücke, Stolz und Eigenliebe kreu⸗ zige durch deine Triebe! Sa⸗ tans Macht wird verlacht, wenn wir dich nur kennen und in Liebe brennen. Ernst Gottlieb Woltersdorf 17²⁵—1761. Bruder⸗ nnd Choralbuch 4(66): 438 uch was soll ich Sünder machen. Je der du bist alleine Haupt und König der Gemeine, segne mich, dein armes Glied. Wollst mir neuen Einfluß geben deines Geistes, dir zu leben; stärke mich durch deine Güt. 2. Ach dein Lebensgeist durchdringe, Gnade, Kraft und Segen bringe deinen Gliedern allzumal, wo sie hier zerstreuet wohnen unter allen Nationen, die du ken⸗ nest überall. 3. O wie lieb ich, Herr, die Deinen, die dich suchen, die dich meinen! O wie köst⸗ lich sind sie mir! Du weißt, wie mich's oft erquicket, wenn ich Seelen hab erblicket, die sich ganz ergeben dir. 4. Ich umfasse, die dir die⸗ nen; ich verein'ge mich mit ihnen; und vor deinem An⸗ gesicht wünsch ich Zion tausend Segen. Stärke sie in deinen Wegen, führ sie selbst nach deiner Pflicht. 5. Die in Kreuz und Leiden leben, stärke, daß sie ganz ergeben ihre Seel in deine Hand. Laß sie dadurch wer— den kleiner und von allen Schlacken reiner, lauterlich in dich gewandt. Nächstenliebe Kinder schön, abgeschieden, klein und stille, sanft, ein⸗ fältig, wie dein Wille, und wie du sie gern willst sehn. 7. Sonderlich gedenke deren, die es, Herr, von mir be⸗ gehren, daß ich für sie beten soll. Auf dein Herz will ich sie legen; gib du jedem solchen Segen, wie es not. Du kennst sie wohl. 8. Ach du hast uns teur er⸗ worben, da du bist am Kreuz gestorben; denke, Jesu, wir sind dein! Halt uns fest, so⸗ lang wir leben und in dieser Wüste schweben; laß uns nimmermehr allein, 9. bis wir einst mit allen Frommen dort bei dir zu⸗ sammenkommen und, von allen Flecken rein, da vor deinem Throne stehen, uns in dir, dich in uns sehen, ewig eins in dir zu sein. Gerhard Tersteegen 1697— 1769. Choralbuch 122 G5): 439 Mit meinem Gott geh ich zur Ruh. A komm, füll unsre See⸗ len ganz, du gnaden⸗ reicher Liebesglanz, du vä⸗ terlich Erbarmen! Von dei⸗ ner Glut laß Herz und Mut recht inniglich erwarmen. 2. Du willst den Tod des Sünders nicht, du gehst mit 6. Laß die Deinen noch auf uns nicht ins Gericht; wie Erden ganz nach deinem Herzen werden; mache deine dürften wir denn richten? Laß immer mild des Bru⸗ Wandel im Licht ders Bild durch unser Wort sich lichten. 3. Das ist der Liebe freund⸗ lich Amt, daß sie zurecht⸗ bringt, nicht verdammt; ach wer steht unbescholten? And was sind wir, Herr Gott, vor dir, daß wir verdam⸗ men sollten? 4. Herr, leucht in uns mit deiner Gnad, wenn uns des Nächsten Wort und Tat bringt Kränkung, Leid und Schmerzen. Laß ganz und rein uns ihm verzeihn in Wahrheit und von Herzen. 5. Du reicher Geber aller Hab, all unser Gut ist deine Gab; o hilf das Herz er⸗ schließen! Laß sie gemein durch Liebe sein und reich der Armut fließen. 6. Ach komm, füll unsre Seelen ganz, du gnaden⸗ reicherLiebesglanz, duväter⸗ lich Erbarmen! Von deiner Glut laß Herz und Mut recht inniglich erwarmen. Viktor von Strauß und Torney 1809—1899. Choralbuch 77 C: 440 Serzliebster Zesu, was hast du verbrochen. Di gingst, o Heiland, hin, für uns zu leiden, er⸗ warbst uns allen deines Him⸗ mels Freuden und starbst, vom Fluche und von allem Bösen uns zu erlösen. 2. Des sollen deine Jünger nie vergessen: wir sind, die wir von einem Brote essen, aus einem Kelche trinken, alle Brüder und deine Glieder. 3. Wenn wir wie Brüder bei⸗ einander wohnten und, irrt' ein Bruder, seiner Schwäche schonten, wie würden wir dir ähnlich schon auf Erden, wie selig werden! 4. Auch dazu müsse deine Lieb uns dringen! Duwollest, Herr, dies große Werk voll⸗ bringen, daß unter einem Hirten eine Herde aus allen werde. Johann Andreas Cramer 17²23—1788. Choralbuch 76(154): 441 Serzich tut mich verlangen. Nicht Opfer und nicht Ga⸗ ben, auch Ruhm und Ehre nicht noch was sonst Sünder haben, befreit uns vom Gericht. Nur Jesu Liebe bleibet, sie ist von Ewigkeit; was außer ihr uns treibet, verschwindel mit der Zeit. 2. Sie gibt uns Kraft und Leben, bricht jeden Bann entzwei, lehrt helfen, trösten, geben, macht von der Lüge frei. Sie muß gerecht uns machen, los von der Sün⸗ denlust, zum Beten und zum Wachen bewegen unsre Brust. 3. Sie ist die höchste Zierde, des Christentumes Kern; sie 727141 gilt als schönste Würde und Krone vor dem Herrn. Was hift's, mit Engelzungen hoch reden ohne Herz? Wen Liebe nicht durchdrungen, der ist ein totes Erz. 4. Geheimnisvolle Lehren und starker Glaubenssinn stehn nicht bei Gott in Ehren, wenn Liebe nicht darin. Der treibt nur arm Geschwätze, wer kalt und liebeleer der größten Weisheit Schätze darleget um sich her. 5. Der Vater ist die Liebe, der Sohn ist Lieb allein, des heil'gen Geistes Triebe sind Liebe, heiß und rein. Das ist die Lebensquelle vom Vater und vom Sohn: mach unsre Seelen helle, du Strom von Gottes Thron! Nach Johannes Rothen 17971876. Choralbuch 113(67): 442 Meinen Jesum lass' ich nicht. Seelen, laßt uns Gutes tun, Gutes, und nicht müde werden! Wann es Zeit ist, wird man ruhn, o wie sanft! von den Beschwer⸗ Christliche Choralbuch 211(174½): 443 Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen. Ede wollen, eines wissen: Jesum, Gottes Herrlich-⸗ keit, alles andre fliehn und missen, heißt mit Recht Ein⸗ Christliche Weisheit den; aber ruhen nicht allein: dort wird auch die Ernte sein. 2. O daß wir an unsrer Zeit auf die Ewigkeit hin lernten! Wer hier kärglich ausge⸗ streut, wird auch wieder kärglich ernten; wer hier reichlich Gutes tut, sammelt dort auch reiches Gut. 3. O daß nach dem Augen⸗ schein keiner bloß das Säen richte! Manches Körnlein scheinet klein und trägt zehenfältig Früchte. Klein gesät und dennoch dicht, fehlet in der Ernte nicht. 4. Lehr, o Gott, mich Gutes tun und im Treusein nicht erliegen! Denn die Zeit dazu ist nun, und sie wird so schnell verfliegen. Wenn man gleich was Kleines tut: ist's nur gut, so ist es gut. 5. Stelle mir die Ernte für, daß ich darf auf Hoffnung säen. Was wir tun und tun es dir, läßt du nicht um⸗ sonst geschehen; hat man kein Verdienst davon, gibt die Gnade dennoch Lohn. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Weisheit fältigkeit. Ist ein Herze so gestellt, dann gefällt es nicht der Welt. 2. Dies heißt Klugheit einer Seelen, dies heißt geistli⸗ cher Verstand. Wird ein Mensch das Beste—11— Wandel und ausstrecken seine Hand nach dem Lebensbaum allein: könnte er dann weiser sein? 3. Einfalt ist es: eins er⸗ blicken, das dem Herzen ist genug; das, was ewig kann erquicken, nur verlangen, das ist klug. Sei man vor der Welt alsdann wie ein Tor, was liegt daran? 4. Was die Menschen Klug⸗ heit nennen, ist oft blinder Anverstand; was der Welt⸗ sinn heißt: gewinnen, bringt um jenes Vaterland. Sollte das nicht Torheit sein? Die⸗ ses sieht die Einfalt ein. 5. Lieber aller Welt miß⸗ fallen als zum Himmel un⸗ geschickt! Wo ist in den Dingen allen etwas, das den Geist erquickt? Gar nichts ist in dieser Welt, das der Einfalt wohl gefällt. 6. Menschenaugen, die noch schielen hin und wieder in der Welt, haben den verkehrten Willen, der noch dies und jenes wählt; diese kommen nicht zur Rast, ob's schon manchmal wird zur Last. 7. Klugheit weiß sich vor⸗ zusehen, sammelt auf die im Licht Zeit der Not; wenn sie soll von hinnen gehen, gehet sie nicht ohne Gott. Dies ist Einfalt, das heißt klug; denn wer Gott hat, hat genug. 8. Einfalt trachtet, dem vor allen, der sie teuer hat erkauft, ihrem Jesu, zu gefallen, wel⸗ chem sie entgegenlauft. Es liegt wenig ihr daran, ob sie jemand leiden kann. 9. Treuer Jesu, meine Liebe sei alleine dir geweiht; mei⸗ nes Seelengeistes Triebe lasse nimmer sein zerstreut. Eines wollen, eines sehn heißt dem rechten Ziel nach⸗ gehn. 10. Kommt mir etwas unter Augen, das mir wollte schäd⸗ lich sein und dem Geiste nicht sollt taugen, das laß nicht in mich hinein, ob es noch so scheinbar wär; halte dir mein Herze leer! 11. Wohne du in meiner Seelen und erfülle meinen Grund. Hab ich dich, kann mir nichts fehlen, ob ich krank sei, ob gesund. Jesus, Herr der Herrlichkeit, du bist meine Seligkeit. Michael Hahn 175818ʃ19. Wachsamkeit und Treue 4⁴4 Choralbuch 147(199). Obne Rast und unverweilt, Strömen gleich, o Seele, eilt deine kurze Pilgerzeit in das Meer der Ewigkeit. 2. Nimm auch Stunden wohl in acht! Wirke Gutes; denn die Nacht, da man nicht mehr wirken kann, kommt und rückt oft schnell heran. 3. Jetzt noch ist der Tag des soll t sie sist henn ig. vor juft, wel⸗ Es Heils, frei die Wahl des besten Teils. Stell dich die⸗ ser Welt nicht gleich, werd an guten Werken reich. 4. Gott, du meiner Tage Herr, hilf mir, daß ich Sterb⸗ licher, eingedenk der Ewig⸗ keit, weislich nütze diese Zeit. 5. Steh mit deiner Kraft mir bei, daß ich, meiner Pflicht getreu, dir zum Preis und mir zum Glück nütze jeden Augenblick. 6. Dann vertausch ich diese Zeit ruhig mit der Ewigkeit, finde da vor deinem Thron meiner Arbeit Gnadenlohn. Nach Johann Adolf Schlegel 17²¹11793. Choralbuch 76(154): 445 Herzlich tut mich verlangen. in Ausblick in die Ferne der lichten Ewigkeit macht, daß ich Vorsicht lerne in dem Gebrauch der Zeit. Wie bald ist viel verloren, wie leicht das Heil verscherzt, das mich wie andre Toren zu spät am Ende schmerzt! 2. In den Zerstreuungstun⸗ den, die nach der Weltart sind, holt man oft tiefe Wun⸗ Selbstverleugnung und Geduld den und wird am Geiste blind; man fühlt erst in der Stille und durch der Gnade Zucht, daß da des Fleisches Wille die Weide nur ge⸗ sucht. 3. Herr, zieh mich gleich den Kindern, die man zu Haus behält, das Böse zu ver⸗ hindern, worein der Leicht⸗ sinn fällt; und bin ich dann alleine, so lehre mich dein Geist zu aller Zeit das eine, das gut und selig heißt. 4. Da sag mir von dem Himmel, wie's dort so herr⸗ lich klingt und wie das Lust⸗ getümmel der Welt nur Jammer bringt; so halten mich die Blicke nach jener Herrlichkeit von allem dem zurücke, was hier den Welt⸗ sinn freut. 5. Ziehst du mir die Ge⸗ danken jetzt in die Stille ein, so wird es auch dem Kranken einst etwas Süßes sein. Ich bin an dich ge⸗ wöhnet, mit dir nur umzu⸗ gehn; mein Herz, das nach dir sehnet, darf in den Him⸗ mel sehn. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Selbstverleugnung und Geduld Choralbuch 181(145): 446 Von Gott will ich nicht lassen. Geduld ist euch vonnöten, wenn Sorge, Gram und Schmerz und was euch mehr will töten, euch schneidet in das Herz. O auserwählte Zahl! Soll euch der Tod nicht töten, ist euch Geduld vonnöten auch in der tief⸗ sten Qual. 11• VJ Wandel 2. Geduld ist Gottes Gabe und seines Geistes Gut; der schenket sie zur Habe, so⸗ bald er in uns ruht. Der edle, werte Gast erlöst uns von dem Zagen und hilft uns treulich tragen die große Bürd und Last. 3. Geduld kommt aus dem Glauben und hängt an Got⸗ tes Wort; das läßt sie sich nicht rauben, das ist ihr Heil und Hort; das ist ihr hoher Wall, da hält sie sich verbor⸗ gen, läßt Gott den Vater sor⸗ gen und fürchtet keinen Fall. 4. Geduld ist wohl zufrie⸗ den mit Gottes weisem Rat, läßt sich nicht leicht ermü⸗ den durch Aufschub seiner Gnad, hält frisch und fröh⸗ lich aus, läßt sich getrost beschweren und denkt: Wer will's ihm wehren? Ist er doch Herr im Haus. 5. Geduld kann lange war⸗ ten, vertreibt die Langeweil in Gottes schönem Garten, durchsucht zu ihrem Heil das Paradies der Schrift und schützt sich früh und späte mit eifrigem Gebete vor Satans List und Gift. 6. Geduld tut Gottes Wil⸗ len, erfüllet sein Gebot und weiß sich wohl zu stillen bei aller Feinde Spott. Es lache, wem's beliebt! Wird sie doch nicht zu Schanden; es ist bei ihr vorhanden ein Herz, das nichts drauf gibt. im Licht 7. Geduld dient Gott zu Ehren und läßt sich nim⸗ mermehr von seiner Liebe kehren; und schlüg er noch so sehr, so ist sie doch bedacht, sein' heil'ge Hand zu loben, spricht: Der im Himmel dro⸗ ben hat alles wohl gemacht. 8. Geduld erhält das Le⸗ ben, vermehrt der Jahre Zahl, vertreibt und dämpft daneben manch Angst und Herzensqual, ist wie ein schönes Licht, davon, wer an ihr hanget, mit Gottes Hilf erlanget ein fröhlich Angesicht. 9. Geduld ist mein Ver⸗ langen und meines Herzens Lust, nach der ich oft gegan⸗ gen; das ist dir wohl bewußt, Herr, voller Gnad und Huld. Ach gib mir und gewähre mein Bitten; ich begehre nichts andres als Geduld. 10. Geduld ist meine Bitte, die ich sehr oft und viel aus dieser Leibeshütte zu dir, Herr, schicken will. Kommt dann der letzte Zug, so gib durch deine Hände auch ein geduldig Ende; so hab ich alles gnug. Paul Gerhardt 16071676. Choralbuch 144((05): 4⁴47 O Gott, du frommer Gott. H. d geht Christi Weg. And du und dein Be⸗ ginnen willst aus vermeß⸗ nem Stolz bis an des Him⸗ Mäßigkeit und Keuschheit mels Zinnen? steigst unge⸗ nügsam auf? Dein Heiland stieg herab. Wer mit ihm aufwärts will, muß erst mit ihm hinab. 2. Darum, mein Sinn, hinab! Verlerne nur dein Steigen! Was leicht ist, hebt sich schnell; was schwer ist, muß sich beugen. Die Quelle, die sich sentt, ver⸗ mehret ihre Hab und wird zuletzt zum Strom; darum, mein Sinn, hinab! 3. Hinab, mein Aug, hinab! Gott selber schaut hernieder vom Thron aufs Niedrige; der Stolz ist ihm zuwider. Je höher hier ein Aug, je näher ist's dem Grab und sinkt in Todesnacht; darum, mein Aug, hinab! 4. Hinab, ihr Händ, hinab! Hier stehen arme Brüder; neigt euch zur Niedrigkeit und labet Christi Glieder. Greift nicht in hohe Luft nach Ruhm und stolzer Hab. Christ tat den Armsten wohl; darum, ihr Händ, hinab! 5. Hinab, mein Herz, hinab! So wird Gott in dir wohnen; die Demut lohnet er mit goldnen Himmelskronen. Im Demutstale liegt des heil'⸗ gen Geistes Gab; o wohl dem, der sie sucht!l Darum, mein Herz, hinab! 6. Hinab auch du, mein Leib! Du bist gemacht aus Erden; du sollst durch Jesu Kraft dereinst verkläret wer⸗ den. O Gott, bereite mich zum Himmel und zum Grab. Ich sehne mich hinauf, ich sehne mich hinab. Nach Andreas Ingolstätter 1633—1711. Mäßigkeit und Keuschheit Choralbuch 34(7½): 448 Hie Sugend wird durchs Kreuz geübet. Mein Herr und Haupt, du reine Seele, in reinem Leib ein Mensch wie wir, versucht wie wir, doch ohne Fehle, mein Vorbild, ach wann gleich ich dir? Auch unter unsrer Sünden Bürde bliebst du stets rein und un⸗ befleckt, damit durch dich ge⸗ heiligt würde, was sich nach deiner Hilfe streckt. 2. Komm, läutre Neigung und Gedanken, komm, läutre meine Seele dir, erhalt in Zucht und heil'genSchranken ein jedes Leibesglied an mir! Halt Aug und Zunge zuge⸗ schlossen verbotnem Blick und schnödem Scherz, und stets mit Maß und Dank ge⸗ nossen beschwere kein Ge— nuß mein Herz! 3. O hilf, daß ich nach Seel und Leibe die Wohnung deines Geistes sei, ein Tem⸗ pel, der ihm heilig bleibe, von jedem Schmutz der Sünde frei. Sollt ich ein Heiligtum entehren, das Gottes Hand mir anver⸗ traut? Sollt ich des Herrn Gebäu versehren, das er voll Weisheit aufgebaut? 4. Durchdringe mich mit deiner Liebe! Durch sie bin ich im Kampf ein Held und widerstehe jedem Triebe und jedem Reiz der Sünd und Welt. Durchdringe mir mit deinem Leben auch diesen Leib der Sterblichkeit! Das Stand und Beruf wird ihm Kraft zum Wa⸗ chen geben, wenn ihn der Sünde Lust bedräut. 5. Der kurze Streit, gekrönt mit Siege, bringt unaus⸗ sprechlich süße Ruh. O wel⸗ ches Friedens Vollgenüge fließt treubewahrten Seelen zu, die alles Dinges sich ent⸗ halten und rühren nichts An⸗ reines an! Herr, laß in mir dein Leben walten, das Welt und Tod bezwingen kann. Bernhard Garve 1763—1841. Stand und Beruf 4⁴49 Choralbuch 25(20. as walte Gott, der hel⸗ fen kann! Mit Gott fang ich die Arbeit an; mit Gott nur geht es glücklich fort; drum ist auch dies mein erstes Wort: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Tun und Werk erfordert Gottes Kraft und Stärk; mein Herz sucht Gottes Angesicht; drum auch mein Mund mit Freu⸗ denspricht: Das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts; wo Gott nicht gibet, da gebricht's. Gott gibt und tut mir alles Guts; drum sprech ich nun auch guten Muts: Das walte Gott! 4. Will Gott mir etwas ge⸗ ben hier, so will ich dank⸗ bar sein dafür; auf sein Wort werf ich aus mein Netz und sag in meiner Ar⸗ beit stets: Das walte Gott! 5. Anfang und Mitte samt dem End stell ich allein in Gottes Händ; er gebe, was mir nützlich ist; drum sprech ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Se⸗ gen bei nach seiner großen Güt und Treu, so gnüget mir zu jeder Stund; drum sprech ich auch von Herzens⸗ grund: Das walte Gott! 7. Trifft mich ein Anglück, — unverzagt! Ist doch mein Werk mit Gott gewagt; er wird mir gnädig stehen bei; drum dies auch meine Losung sei: Das walte Gott! 8. Er kann mich segnen früh und spat, bis all mein Tun ein Ende hat; er gibt und nimmt, macht's, wie er will; drum sprech ich auch fein in der Still: Das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Not und gibt mir auch mein täglich Brot; nach seinem alten Vaterbrauch tut er mir Guts; drum sprech ich auch: Das walte Gott! 10. Ohn ihn ist all mein Tun umsonst, nichts hilft Ver⸗ stand, Witz oder Kunst; mit Gott geht's fort, gerät auch wohl, daß ich kann sagen glaubensvoll: Das walte Gott! 11. Teilt Gott was mit aus Gütigkeit, so acht ich keiner Feinde Neid; laß hassen, wer's nicht lassen kann, ich stimme doch mit Freuden an: Das walte Gott! 12. Tu ich denn was mit Gottes Rat, der mir bei⸗ stehet früh und spat, dann alles wohl geraten muß; drumsprech ich nochmalszum Beschluß: Das walte Gott! Johann Betichius 1650—1722. Choralbuch 97(152): 450 In dich hab ich gehoffet, Herr. Ich weiß, mein Gott, daß all mein Tun und Werk auf deinem Willen ruhn, von dir kommt Glück und Segen. Was du regierst, das geht und steht auf rech⸗ ten, guten Wegen. Stand und Beruf 2. Es steht in keines Men⸗ schen Macht, daß sein Rat werd ins Werk gebracht und ihn sein Gang erfreue; des Höchsten Rat, der macht's allein, daß Menschenrat gedeihe. 3. Gib mir Verstand aus deiner Höh, auf daß ich ja nicht ruh und steh auf mei⸗ nem eignen Willen; sei du mein Freund und treuer Rat, was recht ist, zu erfüllen. 4. Was dir gefällt, das laß auch mir, o meiner Seele Sonn und Zier, gefallen und belieben; was dir zu⸗ wider, laß mich nicht in Werk und Tat verüben. 5. Ist's Werk von dir, so hilf zu Glück; ist's Men⸗ schentun, so treib zurück und ändre meine Sinnen. Was du nicht wirkst, pflegt von sich selbst in kurzem zu zer⸗ rinnen. Tritt du zu mir und mache leicht, was mir sonst fast un⸗ möglich deucht, und bring zum guten Ende, was du selbst angefangen hast, durch Weisheit deiner Hände! 7. Ist gleich der Anfang et⸗ was schwer und muß ich auch ins tiefe Meer der bit⸗ tern Sorgen treten, so treib mich nur, ohn Anterlaß zu seufzen und zu beten. 8. Wer fleißig betet und dir traut, wird alles, davor sonst ihm graut, mit tapfrem Mut Sein Sorgen⸗ bezwingen. stein wird in der Eil in tau⸗ send Stücke springen. 9. Der Weg zum Guten ist gar wild, mit Dorn und Hek⸗ ken ausgefüllt; doch wer ihn freudig gehet, kommt endlich hin durch deinen Geist, wo Freud und Wonne stehet. 10. Du bist mein Vater, ich dein Kind; was ich bei mir nicht hab und find, hast du zu aller Gnüge. So hilf nur, daß ich meinen Stand wohl halt und herrlich siege. 11. Oein soll sein aller Ruhm und Ehr; ich will dein Tun je mehr und mehr aus hocherfreuter Seelen vor deinem Volk und aller Welt, so lang ich leb, er⸗ zählen. Paul Gerhardt 1607—1676. Choralbuch 144(105): O Gott, d 451 ott 0 att 0 omm, Segen aus der Höh, gib, Herr, mir Lieb und Stärke, daß ich nur wachsam geh an jedes mei⸗ ner Werke. Arbeitsam sein ist süß; nur hilf auch du dabei, daß Martha dieser Leib, der Geist Maria sei. 2. Laß alles freundlich sein, voll Demut, was ich sage, es sei groß oder klein; und daß ich lieber trage als mei⸗ nem Nächsten werd aus eigner Schuld zur Last, auf Stand und Beruf daß du Ruhm dabei deinem Kinde hast. 3. Wo meine Füße gehn, was meine Händ arbeiten, da will ich auf dich sehn, als stündst du mir zur Seiten. Dein Geist regiere mich, bis alles, was du willt, in meinem Herzen ist und durch mein Tun erfüllt. Benigna, Gräfin von Neuß 1695—1751. Choralbuch 159(109): 452 Ringe recht, wenn Gottes Gnade. Gebe hin in Gottes Na⸗ men, greif dein Werk mit Freuden an; frühe säe deinen Samen. Was ge⸗ tan ist, ist getan. 2. Sieh nicht aus nach dem Entfernten; was dir nah liegt, mußt du tun. Säen mußt du, willst du ernten; nur die fleiß'ge Hand wird ruhn. 3. Müßigstehen ist gefähr⸗ lich, heilsam unverdroßner Fleiß, und es steht dir abends ehrlich an der Stirn des Tages Schweiß. 4. Weißt du auch nicht, was geraten oder was miß⸗ lingen mag, folgt doch allen guten Taten Gottes Segen für dich nach. 5. Geh denn hin in Gottes Namen, greif dein Werk mit Freuden an; frühe säe von deinen Samen. Was getan ist, ist getan. Philipp Spitta 1801—1859. Fürst und Choralbuch 128(Q): 45³3 Nun danket alle Gott. reis, Ehr und Lob sei dir, in dessen Schirm und Schatten wir bis zur Stund allhier viel Heil zu schmecken hatten, der auch zu jeder Frist allmächtig nah und fern ein Herr und König ist des Königs, un⸗ sers Herrn. 2. Du hast ihm lebenslang den Odem treu bewahret und auf manch strengem Gang dich huldvoll offen⸗ baret. Du hast in seiner Hand das Zepter stark ge⸗ macht und unser Vaterland mit reichem Gut bedacht. 3. Du wollest deinen Geist auf seine Stirne legen, der klar ihn unterweist, des ho⸗ hen Amts zu pflegen; du wollst Gerechtigkeit und mil⸗ der Gnade Lust ihm stellen an die Seit, ihm pflanzen in die Brust. 4. Du wollest allezeit in deinem Gleis ihn lenken und Zucht und Frömmigkeit in ihm dem Lande schenten, auf daß er Vorbild sei von jeder Tugendart und Hilf und Schutz verleih, wo man den Glauben wahrt. 5. Du wollest seine Treu vergelten durch die Treue, womit ihn täglich neu ein Vaterland gutes Volk erfreue, daß dein Gebot im Bund von ihm und uns gescheh und seines Thrones Grund in unsern Herzen steh. 6. O segne, was wir flehn an seinem Jahresfeste, und gib zum Wohlergehn ihm deiner Gaben beste! Gib, daß er's nie vergißt noch wir, wie du so gern ein Herr und König bist des Königs, unsers Herrn. Karl Grüneisen 1802—-1878. Choralbuch 18(135): 454 Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Ps. 85. err, der du vormals hast dein Land mit Gnaden angeblicket und unser Volk aus Feindes Hand erlöset und erquicket; der du die Sünd und Missetat, die alles Volk begangen hat, hast väterlich verziehen; 2. Herr, der du deines Eifers Glut zuvor oft ab⸗ gewendet und nach dem Zorn das süße Gut der Lieb und Huld gesendet, ach from⸗ mes Herz, ach unser Heil, nimm weg und heb auf in der Eil, was uns betrübt und kränket. 3. Willst du, o Vater, uns denn nicht nun einmal wie⸗ der laben? And sollen wir an deinem Licht nicht wieder Fürst und Vaterland Freude haben? Ach geuß seinem Schoße ruhn, die aus deines Himmels Haus, werden davon leben; Ge⸗ Herr, deine Güt und Segen rechtigkeit wird wohl bestehn aus auf uns und unsre und stets in vollemschwange Häuser. gehn zur Ehre seines Na⸗ 4. Ach daß ich hören sollt mens. Paul Gerhardt 16071676. das Wort erschallen bald auf Erden, daß Friede sollt an Choralbuch 128 C): allem Ort, wo Christen woh⸗ 455 Nun danket alle Gott. nen, werden! Ach daß uns HR Gott, dich loben wir. doch Gott sagte zu des Krie⸗ Regier, Herr, unsre Stim⸗ ges Schluß, der Waffen Ruh men, laß deines Geistes Glut und alles Anglücks Ende! in unsern Herzen glimmen. 5. Ach kehrte doch die böse Komm, komm, o edle Flamm, Zeit sich um zu guten Ta⸗ ach komm zu uns allhier, so gen, damit wir in dem gro⸗ singen wir mit Lust: Herr ßen Leid nicht mögen ganz Gott, dich loben wir. verzagen. Doch ist ja Gottes 2. Herr Gott, dich loben wir Hilfe nah, und seine Gnade wir preisen deine Güte, wir stehet da all denen, die ihn rühmen deine Macht mit fürchten. herzlichem Gemüte. Es stei⸗ 6. Wenn wir nur fromm get unser Lied bis an die sind, wird sich Gott schon Himmelstür und tönt mit wieder zu uns wenden, den großem Schall: Herr Gott, Krieg und alle andre Not dich loben wir. nach Wunsch und also enden, 3. Herr Gott, dich loben wir daß seine Ehr in unsrem Land für deine großen Gnaden, und allenthalben werd er⸗ daß du das Vaterland von kannt, ja stetig bei uns Kriegeslast entladen, daß wohne. du uns blicken läßt des gold⸗ 7. Die Güt und Treue wer⸗ nen Friedens Zier; drum den schön einander grüßen jauchzet alles Volk: Herr müssen; Gerechtigkeit wird Gott, dich loben wir. einhergehn, und Friede wird 4. Herr Gott, dich loben wir, sie küssen; die Treue wird mit die wir in bangen Tagen der Lust und Freud auf Erden Waffen schweres Joch und blühn Gerechtigkeit wird frechen Grimm getragen. von dem Himmel schauen. Jetzt rühmet unser Mund 8. Der Herr wird uns viel mit herzlicher Begier: Gott⸗ Gutes tun, das Land wird lob! wir sind in Ruh; Herr Früchte geben, und die in Gott, wir danken dir. 5. Herr Gott, dich loben wir, daß du die Pfeil und Wa⸗ gen, Schild, Bogen, Spieß und Schwert zerbrochen und zerschlagen. Der Strick ist nun entzwei; darumso singen wir mit Herz und Zung und Mund: Herr Gott, wir danken dir. 6. Herr Gott, dich loben wir, daß du uns zwar gestrafet, jedoch in deinem Zorn nicht gar hast weggeraffet. Es hat die Vaterhand uns deine Gnadentür jetzt wieder auf⸗ getan; Herr Gott, wir dan⸗ ken dir. 7. Herr Gott, wir danken dir, daß du Land, Kirch und Häuser und unsers Fürsten Stamm, auch dessen grüne Reiser bisher erhalten hast; gib ferner Gnad allhier, daß auch die Nachwelt sing: Herr Gott, wir danken dir. 8. Herr Gott, wir danken dir und bitten, du wollst ge⸗ ben, daß wir auch künftig stets in guter Ruhe leben. Krön uns mit deinem Gut, erfülle für und für, o Vater, unsern Wunsch! Herr Gott, wir danken dir. Johann Franck 1618-1677. Choralbuch 134(0): 456 Nun lob, mein' Seel, den Herren. ottlob! nun ist erschollen das edle Fried⸗ und Freudenwort, daß nunmehr ruhen sollen die Spieß und Fürst und Vaterland Schwerter und ihr Mord. Wohlauf, und nimm nun wieder dein Saitenspiel her⸗ vor, o Deutschland! und sing Lieder im hohen, vollen Chor. Erhebe dein Gemüte zu deinem Gott und sprich: Herr, deine Gnad und Güte bleibt dennoch ewiglich. 2. Wir haben nichts ver⸗ dienet als schwere Straf und großen Zorn, weil stets noch bei uns grünet der freche, schnöde Sündendorn. Wir sind fürwahr geschlagen mit harter, scharfer Rut, und dennoch muß man fragen: Wer ist, der Buße tut? Wir sind und bleiben böse; Gott ist und bleibet treu, hilft, daß sich bei uns löse der Krieg und sein Geschrei. 3. Sei tausendmal willkom⸗ men, du teure, werte Frie⸗ densgab! Jetzt sehn wir, was für Frommen dein Bei⸗uns⸗Wohnen in sich hab. In dir hat Gott versenket all unser Glück und Heil. Wer dich betrübt und kränket, der drückt sich selbst den Pfeil des Herzleids in das Herze und löscht aus Anverstand die güldne Freudenkerze mit seiner eignen Hand. 4. Das drückt uns niemand besser in unsre Seel und Herz hinein als ihr zerstör⸗ ten Schlösser und Städte voller Schutt und Stein, ihr vormals schönen Felder, mit frischer Saat bestreut, jetzt aber lauter Wälder und dürre, wüste Heid, ihr Gräber voller Leichen und blut'gem Heldenschweiß, der Helden, derengleichen auf Erden man nicht weiß. 5. Hier trübe deine Sinnen, o Mensch, und laß den Trä⸗ nenbach aus beiden Augen rinnen; geh in dein Herz und denke nach: was Gott bisher gesendet, das hast du ausgelacht; nun hat er sich gewendet und väterlich be⸗ dacht, vom Grimm und scharfen Dringen zu deinem Ehe⸗ und Hausstand Heil zu ruhn, ob er dich möchte zwingen mit Lieb und Gutestun. 6. Ach laß dich doch er⸗ wecken! Wach auf, wach auf, du harte Welt, eh denn der harte Schrecken dich schnell und plötzlich überfällt. Wer aber Christum liebet, sei unerschrocknen Muts; der Friede, den er gibet, be⸗ deutet alles Guts. Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu, da sollt ihr bei Gott leben in ew'gem Fried' und Ruh. Paul Gerhardt 1607—1676. Ehe⸗ und Hausstand Choralbuch 201(175): 457 Wie schön leuchtet der Morgenstern. Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ, im Stan⸗ de, da dein Segen ist, im Stande heil'ger Ehe! Wie steigt und neigt sich deine Gab und alles Gut so mild herab aus deiner heil'gen Höhe, wenn sich an dich fleißig halten Jung' und Alte, die im Orden eines Lebens einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl verstehn und un⸗ verrückt zusammengehn im Bande reiner Treue, da geht das Glück in vollem Lauf, da sieht man, wie der Engel Hauf im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, kein Wurm kann zerschlagen, kann zernagen, was Gott gibet dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Seid gutes Muts! Wir sind es nicht, die diesen Orden aufgericht't, es ist ein höhrer Vater; der hat uns je und je geliebt und bleibt, wenn unsre Sorg uns trübt, der beste Freund und Rater. Anfang, Ausgang aller Sachen, die zu machen wir gedenken, wird er wohl und weislich lenken. 4. Zwar bleibt's nicht aus, es kommt ja wohl ein Stünd⸗ lein, da man Leides voll die Tränen lässet fließen; je⸗ dennoch, wer sich in Geduld Ehe⸗ und Hausstand ergibt, des Leid wird Gottes Huld in großen Freuden schließen. Schweige, beuge dich ein wenig; unser König wird behende machen, daß die Angst sich wende. 5. Wohl denn, mein König, nah herzu, gib Rat im Kreuz, in Nöten Ruh, in Angsten Trost und Freude! Des sollst du haben Ruhm und Preis; wir wollen singen besterweis und danken alle beide, bis wir bei dir, dei⸗ nen Willen zu erfüllen, dei⸗ nen Namen ewig loben werden. Amen. Paul Gerhardt 1607—1676. Choralbuch 201(175): 458 Wie schön leuchtet der Morgenstern. ch und mein Haus, wir sind bereit, dir, Herr, die ganze Lebenszeit mit Seel und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause sein; gib deinen Segen nur darein, daß wir dir willig dienen. Eine kleine, fromme, reine Hausgemeine mach aus allen! Dir nur soll sie wohl gefallen. 2. Es wirke durch dein kräf⸗ tig Wort dein guter Geist stets fort und fort an unser aller Seelen; es leucht uns wie das Sonnenlicht, da⸗ mit's am rechten Lichte nicht im Hause möge fehlen. Reiche gleiche Seelenspeise auch zur Reise durch dies Leben uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus und alle, die drin wohnen, aus, im Glauben uns verbinde. Laß uns in Liebe allezeit zum Dulden, Tragen sein bereit, voll Demut, sanft und linde. Liebe übe jede Seele; keinem fehle, dran man kennet den, der sich den Deinen nennet. 4. Laß unser Haus gegrün⸗ det sein auf deine Gnade ganz allein und deine große Güte. Auch laß uns in der Nächte Graun auf deine treue Hilfe schaun mit kind⸗ lichem Gemüte; selig, fröh⸗ lich, selbst mit Schmerzen in dem Herzen dir uns lassen und dann in Geduld uns fassen. 5. Gibst du uns ird'sches Glück ins Haus, so schließ den Stolz, die Weltlust aus, des Reichtums böse Gäste. Denn wenn das Herz an Demut leer und voll von eitler Weltlust wär, so fehlte uns das Beste: jene schöne, tiefe, stille Gnadenfülle, die mit Schätzen einer Welt nicht zu ersetzen. 6. And endlich flehn wir allermeist, daß in dem Haus kein andrer Geist als nur dein Geist regiere. Der ist's, der alles wohl bestellt, der gute Zucht und Ordnung hält, der alles liebreich ziere. Sende, sende ihn uns allen, bis wirwallen heim, und oben dich in deinem Hause loben. Philipp Spitta 1801-1859. Choralbuch 201(175): 459 Wie schön leuchtet der Morgenstern. Von dir, du Gott der Einig⸗ keit, ward einst der Ehe Bund geweiht. O weih auch sie zum Segen, die hier vor deinem Angesicht bereit stehn, dir den Schwur der Pflicht und Eintracht abzu⸗ legen. Laß sie, Vater, dir ergeben einig leben, treu sich lieben, treu die Pflicht der Christen üben. 2. Gott, der du sie verbun⸗ den hast, mach ihnen leicht des Lebens Last; gib, daß kein Gutes fehle. Den Eh⸗ bund laß sie nie entweihn, keusch laß sie, friedsam, zärt⸗ lich sein, ein Herz und eine Seele! Immer laß sie dir ergeben einig leben, einig handeln, fromm und heilig vor dir wandeln. 3. O segne sie, der gern be⸗ glückt und Segen uns von oben schickt, auf allen ihren Wegen! Laß ihr Geschlecht sich deiner freun; gib selbst zu ihrem Fleiß Gedeihn, und ihr Beruf sei Segen! Laß sie, Vater, dir ergeben glücklich leben, freudig ster⸗ ben: so sind sie des Him⸗ mels Erben. Georg Ernst Waldau 1745—1817. Ehe⸗ und Hausstand 460 Choralbuch 153(108). O selig Haus, wo man dich aufgenommen, du wah⸗ rer Seelenfreund, Herr Jesu Christ; wo unter allen Gästen, die da kommen, du der gefeiertste und liebste bist; wo aller Herzen dir entgegen⸗ schlagen und aller Augen freudig auf dich sehn; wo aller Lippen dein Gebot er⸗ fragen und alle deines Winks gewärtig stehn! 2. O selig Haus, wo Mann und Weib in einer, in deiner Liebe eines Geistes sind, als beide eines Heils gewürdigt, keiner im Glau⸗ bensgrunde anders ist ge⸗ sinnt; wo beide unzertrenn⸗ bar an dir hangen in Lieb und Leid, Gemach und An⸗ gemach, und nur bei dir zu bleiben stets verlangen an jedem guten wie am bösen Tag! 3. O selig Haus, wo man die lieben Kleinen mit Hän⸗ den des Gebets ans Herz dir legt, du Freund der Kinder, der sie als die Sei⸗ nen mit mehr als Mutter⸗ liebe hegt und pflegt; wo sie zu deinen Füßen gern sich sammeln und horchen dei⸗ ner süßen Rede zu und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, sich dei⸗ ner freun, du lieber Hei⸗ land, du! ö Ehe⸗ und Hausstand 4. O selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen und, wissend, wessen Augen auf sie sehn, bei allem Werk in einem Eifer brennen: daß es nach deinem Willen mag geschehn; als deine Diener, deine Hausgenossen, in Demut willig und in Liebe frei, das Ihre schaffen froh und unverdrossen, in kleinen Dingen zeigen große Treu! 5. O selig Haus, wo du die Freude teilest, wo man bei keiner Freude dein vergißt! O selig Haus, wo du die Wunden heilest und aller Arzt und aller Tröster bist, bis jeder einst sein Tagewerk vollendet und bis sie endlich alle ziehen aus dahin, wo⸗ her der Vater dich gesendet: ins große, freie, schöne Vaterhaus! Philipp Spitta 1801—1859. Choralbuch 72 Go): 461 serr Zesu Christ, dich zu uns wend. Woobl einem Haus, wo Jesus Christ allein das all in allem ist! Ja, wenn er nicht darinnen wär, wie finster wär's, wie arm und leer! 2. Wohl, wenn da Mann und Weib und Kind im rechten Glauben einig sind, zu dienen ihrem Herrn und Gott nach seinem Willen und Gebot! 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt ein Vor⸗ bild vor die Augen stellt, daß ohne Gottesdienst im Geist das äußre Werknichts ist und heißt! 4. Wohl, wenn das Räuch⸗ werk im Gebet beständig in die Höhe geht und man nichts treibet fort und fort als Gottes Wort, als Gottes Wort! 5. Wohl, wenn im äußer⸗ lichen Stand mit fleißiger, geschickter Hand ein jeg⸗— liches nach seiner Art, was ihm vertraut ist, treu be⸗ wahrt! 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind und wenn sie Kind und Kindeskind ver⸗ säumen nicht am ew'gen Glück! Dann bleibet ihrer keins zurück. 7. Wohl solchem Haus! denn es gedeiht; die Eltern werden hoch erfreut, und ihren Kindern sieht man's an, wie Gott die Seinen segnen kann. 8. So mach ich denn zu die⸗ ser Stund samt meinem Hause diesen Bund: Wich' alles Volk auch von ihm fern, ich und mein Haus stehn bei dem Herrn! Karl, Reichsfreiherr von Pfeil 17¹1²2—1784. Choralbuch 164(172): 462 Schwing dich auf zu deinem Gott. Arne Witwe, weine nicht! Jesus will dich trösten. Er, der Hilf und Trost ver⸗ spricht, wenn die Not am größten, der sieht auch dein Elend an und die Tränen⸗ fluten. O wie weh wird ihm getan, wenn die Her⸗ zen bluten! 2. Arme Witwe, weine nicht! Laß die Sorgen fahren! Ob dir öfters Brot gebricht in betrübten Jahren, Jesus gibt dir Mehl ins Kad, und dein Olkrug quillet; denn durch Gottes weisen Rat wird er bald gefüllet. 1. Kön. 17, 16. Eltern Witwenstand 3. Arme Witwe, weine nicht, wenn du bist verlas⸗ sen. Der sein Aug auf dich gericht't, kann dich ja nicht hassen; der sich deinen Va⸗ ter nennt, weiß wohl, was dir fehlet; und der deine Tränen kennt, hat sie auch gezählet. 4. Arme Witwe, weine nicht! Laß die Welt nur lachen! Jesus, deiner Seele Licht, will dich selig ma⸗ chen. Jesus schleußt den Himmel auf, Jesus reicht die Krone. Eil, befördre deinen Lauf zu des Lam⸗ mes Throne! Johann Christoph Frauenholtz 1684—1754. Eltern Choralbuch 7²2(40): 463 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. hr Eltern hört, was Chri⸗ stus spricht: Den Kindern sollt ihr wehren nicht, daß sie sich seinen Armen nahn; denn er will segnend sie empfahn. 2. Auch ihrer ist das Him⸗ melreich, und was ist dem auf Erden gleich? Mit aller Welt Lust, Gut und Ehr hat's bald ein End und ist nicht mehr. 3. Das Himmelreich kein Ende nimmt, darein uns Jesus Christus bringt durch seine Lehr, das ew'ge Wort, das uns macht selig hier und dort. 4. Gehorchet ihm und bringt sie her, daß man von ZJu⸗ gend auf sie lehr in Kirchen und in Schulen wohl, wie man Gott recht erkennen soll. 5. Habt ihr sie lieb mit treuem Sinn, so führet sie zu Jesu hin. Wer anders tut, der ist ihr Feind, wie groß auch seine Liebe scheint. ern ryN. iue won r Eltern 6. Was hilft den Kindern großes Geld, wenn nicht ihr Herz ist gut beftellt? Wer sie zu Gott recht führen läßt, der tut für sie das Allerbest. Ludwig Helmbold 1532—1598. Choralbuch 194(34): 464 Werde munter, mein Gemüte. Sorge doch für meine Kin⸗ der, Vater, nimm dich ihrer an! Ob sie gleich vor dir sind Sünder, sind sie dir doch zugetan und durch deines Sohnes Blut gleich⸗ wohl dein erworbnes Gut. Darum wirst du sie aus Gnaden wohl beschützen und beraten. 2. Sie sind dir von Kindes⸗ beinen und von ihrer ersten Stund übergeben als die Deinen, und durch deinen Gnadenbund hast du sie in ihrer Tauf väterlich genom⸗ men auf, daß sie, wenn sie sollten sterben, wären deines Reiches Erben. 3. Der du sie bisher er⸗ halten bei so manchem An⸗ glücksfall, wollest über ihnen walten immerdar und über⸗ all. Bricht Gefahr für sie herein, wollst du ihr Be⸗ schützer sein; wenn in Not sie zu dir flehen, laß sie deine Hilfe sehen. 4. Sammeln andre große Schätze, daß ihr Haus in solchem Heil sich an Geld und Gut ergötze, so bist du mein einzig Teil. Bleib auch meiner Kinder Gott, lasse sie in keiner Not und in keinem Kreuz verderben, bis sie endlich selig sterben. 5. Schütze sie vor bösen Leuten und vor der Ver⸗ führer Schar, daß ihr Fuß nicht möge gleiten. Laß sie ihre Lebensjahr in der Tu⸗ gend bringen zu, bis du sie, wie mich, zur Ruh wirst ins kühle Grab versenken und die Seligkeit uns schenken. 6. Können sie auf dieser Erden, wie und wo es dir gefällt, dir und Menschen nützlich werden, so laß in der ganzen Welt ihnen, wo sie immer gehn, deine Furcht vor Augen stehn, daß sie dich im Tun und Lassen stets in ihre Herzen fassen. 7. Gönne mir die großen Freuden, daß am lieben Jüngsten Tag nach so vielem Kreuz und Leiden ich mit Jauchzen sagen mag: Lieb⸗ ster Vater, ich bin hier und die Kinder, die du mir hast in jener Welt bescheret; ewig sei dein Nam geehret! Ludwig Heinrich Schlosser 1663—1723. 465 Choralbuch 220(216). Weil ich Jesu Schäflein bin, freu ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten, der mich wohl weiß zu bewirten, der mich liebet, der mich kennt und bei mei⸗ nem Namen nennt. 2. Anter seinem sanften Stab geh ich aus und ein und hab alle Tage frische Weide, daß ich keinen Hunger leide; und so oft ich durstig bin, führt er mich zum Brunnquell hin. 3. Sollt ich denn nicht fröh⸗ lich sein, nun ich sein bin und er mein? Denn nach diesen schönen Tagen werd ich endlich heimgetragen in des Hirten Arm und Schoß. Amen, ja, mein Glück ist groß! Luise von Hayn 1724—1782. Choralbuch 180(62): 466 Vom Himmel hoch, da komm ich her. hr Kinder, lernt von An⸗ fang gern der Weisheit Grund, die Furcht des Herrn! Was ihr beizeiten lernt und tut, kommt jetzt und ewig euch zugut. 2. Hört die Verheißung, welche Gott als Vater legt auf sein Gebot, wenn er den Himmelsweg euch weist und euch gehorsam werden heißt: 3.„Ehr deine Eltern spät Kinder und früh, dank ihnen ihre Lieb und Müh; dann wird's dir wohl auf Erden gehn, dann wirst du Gottes Him⸗ mel sehn.“ 4. So war auf seiner Erden⸗ bahn den ElternJesus unter⸗ tan; er, dessen Stuhl die Himmel sind, war einst ge⸗ horsam als ein Kind. 5. Des Vaters Segen baut ein Haus, wo Kinder froh gehn ein und aus; der Fluch der Mutter reißt es ein, denn Gott will selbst der Rächer sein. 6. Ein Kind, das seinen Vater schmäht und trotzig von der Mutter geht, wird gleich dem Baume früh ent⸗ laubt und ruft sich Not und Tod aufs Haupt. 7. Doch o wie süß, wenn Vatermund und Mutter⸗ freude geben kund:„Die liebste Blume, die ich find, ist unser treues, frommes Kind“! 8. Den Vater lieb von Her⸗ zensgrund und ehre ihn mit Tat und Mund; vergiß nicht, wie du lange Frist der Mutter sauer worden bist! 9. Gott, sende deinenSegens⸗ strahl Eltern und Kindern allzumal; halt sie verbunden in der Zeit, verbunden in der Ewigkeit! Albert Knapp 1798-1864. Hausgemeinde, Kindergottesdienst, christliche Vereine Choralbuch 219(222): 467 So nimm denn meine Hände. Wie könnt ich ruhig schla⸗ fen in dunkler Nacht, wenn ich, o Gott und Vater, nicht dein gedacht? Es hat des Tages Treiben mein Herz zerstreut; bei dir, bei dir ist Friede und Seligkeit. 2. O decke meine Mängel mit deiner Huld; du bist ja, Gott, die Liebe und die Ge⸗ duld. Gib mir, um was ich flehe: ein reines Herz, das dir voll Freuden diene in Glück und Schmerz. 3. Auch hilf, daß ich ver⸗ gebe, wie du vergibst, und meinen Bruder liebe, wie du mich liebst. So schlaf ich ohne Bangen in Frieden ein und träume süß und stille und denke dein. Agnes Franz 1794-1843. Hausgemeinde, Kindergottesdienst, christliche Vereine 468 Choralbuch 218(215). O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weih⸗ nachtszeit! Welt ging verlo⸗ ren, Christ ist geboren. Freue, freue dich, o Christenheit! 2. O du fröhliche, o du se⸗ lige, gnadenbringende Weih⸗ nachtszeit! Christ ist erschie⸗ nen, uns zu versühnen. Freue, freue dich, o Christenheit! 3. O du fröhliche, o du se⸗ lige, gnadenbringende Weih⸗ nachtszeit! HimmlischeHeere jauchzen dir Ehre. Freue, freue dich, o Christenheit! Strophe 1 von Johannes Falt 1768—-1826. 469 Choralbuch 214(21. Ed ist ein Ros' entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen; aus Jesse kam die Art und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht. Matth. 1, 6. 2. Das Vöslein, das ich meine, davon Jesaias sagt, hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd. Aus Gottes ew'gem Rat hat sie ein Kind geboren wohl zu der halben Nacht. 3. Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß; mit seinem hellen Scheine ver⸗ treibt's die Finsternis. Wahr'r Mensch und wahrer Gott, hilft uns aus allen Leiden, rettet von Sünd und Tod. 16. Jahrhundert; Str. 3 erstmals 1836. V——. 470 Choralbuch 180(62). Vem Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will. 2. Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein; das soll eur' Freud und Wonne sein. 3. Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not, er will eur Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle Selig⸗ keit, die Gott der Vater hat bereit't, daß ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich. 5. So merket nun das Zei⸗ chen recht: die Krippe, Win⸗ delein so schlecht; da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt. 6. Des laßt uns alle fröh⸗ lich sein und mit den Hirten gehn hinein, zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt. 7. Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin: Was liegt doch in dem Krippelein? Wes ist das schöne Kinde⸗ lein? Es ist das liebe Jesulein. 8. Sei mir willkommen, edler Gast! Den Sünder nicht ver⸗ Hausgemeinde, Kindergottesdienst, christliche Vereine schmähet hast und kommst ins Elend her zu mir. Wie soll ich immer danken dir? 9. Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, wie bist du wor⸗ den so gering, daß du da liegst auf dürrem Gras, da⸗ von ein Rind und Esel aß! 10. And wär die Welt viel⸗ mal so weit, von Edelstein und Gold bereit't, so wär sie doch dir viel zu klein, zu sein ein enges Wiegelein. 11. Der Sammet und die Seide dein, das ist grob Heu und Windelein, darauf du, König, groß und reich, her⸗ prangst, als wär's dein Him⸗ melreich. 12. Das hat also gefallen ů dir, die Wahrheit anzuzeigen 2 mir, wie aller Welt Macht, h Ehr und Gut vor dir nichts u gilt, nichts hilft noch tut. 13. Ach mein herzliebes Jesulein, mach dir ein rein, sanft Bettelein, zu ruhn in meines Herzens Schrein, daß ich nimmer vergesse dein. +EGe. SOOO D 14. Davon ich allzeit fröhlich sei, zu springen, singen immer frei das rechte Wie⸗ genliedlein schön mit Her⸗ zenslust, den süßen Ton. 15. Lob, Ehr sei Gott im ü höchsten Thron, der uns x schenkt seinen ein'gen Sohn! ö Des freuen sich der Engel Schar und singen uns solch neues Jahr. Martin Luther 1483—1546. 2. Choralbuch 180(62): 471 Vom Himmel hoch, da komm ich her. Di lieber, heil'ger, from⸗ mer Christ, der für uns Kinder kommen ist, damit wir sollen weiß und rein und rechte Kinder Gottes sein; 2. du Licht, vom lieben Gott gesandt in unser dunkles Erdenland, du Himmelskind und Himmelschein, damit wir sollen himmlisch sein; 3. du lieber, heil'ger, from⸗ mer Christ: weil heute dein Geburtstag ist, drum ist auf Erden weit und breit bei allen Kindern frohe Zeit. 4. O segne mich, ich bin noch klein, o mache mir das Herze rein, o bade mir die Seele hell in deinem reichen Him⸗ melsquell! 5. Daß ich wie Engel Gottes sei in Demut und in Liebe treu, daß ich dein bleibe für und für, du heil'ger Christ, das schenke mir! Ernst Moritz Arndt 1769—1860. 472 Choralbuch 138(63). Nen singet und seid froh, jauchzt alle und sagt so: Ansers Herzens Wonne liegt in der Krippe bloß und leuch⸗ tet als die Sonne in seiner Mutter Schoß. Du bist A und O, du bist A und O! 2. O Kindlein aus der Höh, nach dir ist mir so weh. Tröste mein Gemüte, o Knab voll Hausgemeinde, Kindergottesdienst, christliche Vereine Mildigkeit durch alle deine Güte, o Fürst der Herrlich⸗ keit, zeuch mich hin nach dir, zeuch mich hin nach dir! 3. Du, Davids Herr und Sohn, kamst von des Vaters Thron. Wir wären all ver⸗ dorben in Sünd und Herze⸗ leid, hättst du uns nicht er⸗ worben des Himmels Selig⸗ keit. O der großen Gnad, o der großen Gnad! 4. Wo schallt Halleluja? Nirgend mehr denn da, wo die Engel singen ein neues Lied zumal und die Zimbeln klingen im güldnen König⸗ saal. Eia, wärn wir dal eia, wärn wir da! 15. Jahrhundert.(Die erste Strophe schon im 14. Jahr⸗ hundert bekannt.) 473 Choralbuch 98(13)). n dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ! Durch dich wir ha⸗ ben himmlische Gaben, der du wahrer Heiland bist; hil⸗ fest von Schanden, rettest von Banden. Wer dir ver⸗ trauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja! Zu deiner Güte steht das Gemüte; an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja! 2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teu⸗ fel, Welt, Sünd oder Tod; du hast's in Händen, kannst ———————— In der alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schaͤlle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja! Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein' Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja! Vielleicht von Johann Lindemann, geb. um 1550, 4 nach 1634. 474 choralbuch 215(220). arre, meine Seele, harre des Herrn! Alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Sei unverzagt! Bald der Morgen tagt, und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach. In allen Stürmen, in aller Not wird er dich beschirmen, der treue Gott. 2. Harre, meine Seele, harre des Herrn! Alles ihm be— fehle, hilft er doch so gern. Wenn alles bricht, Gott verläßt uns nicht; größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, In der Choralbuch 140(116): O daß doch bald dein 476 Sdaßde Feuer brennte. Bis du gleich ferne von Bekannten, was scha⸗ det's, da dir früh und spät ein Heer von glänzenden Trabanten umher um deinen Wagen steht? Fremde Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott! Friedrich Räder 1815—-1872. 475 Choralbuch 217(18). LOont froh den Herrn, ihr jugendlichen Chöre! Er höret gern ein Lied zu seiner Ehre. Lobt froh den Herrn, lobt froh den Herrn! 2. Es schallt empor zu dei⸗ nem Heiligtume aus unsrem Chor ein Lied zu deinem Ruhme, du, der sich Kinder auserkor. 3. Vom Preise voll laß unser Herz dir singen; das Loblied soll zu deinem Throne dringen, das Lob, das unsrer Seel entquoll. 4. Wir stammeln hier; doch hörst du unser Lallen und läßt es dir in Gnaden wohl gefallen. Dir jauchzen wir, dir singen wir. 5. Einst kommt die Zeit, wo wir auf tausend Weisen— o Seligkeit!— dich, unsern Vater, preisen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Georg Geßner 1765—1843. Fremde 2. Was schadet's, wenn die Freunde scheiden und kein Gefährte mit dir geht, da dich die Engel selbst be⸗ gleiten und Jesus dir zur Seite steht? 3. Die finstre Nacht darf dich nicht schrecken, die über Land und Menschen fällt; Auf der Reise. will gleich die Sonne sich verstecken, dein Jesus ist das Licht der Welt. 4. Er, der die Sonne selbst bereitet, bedarf des fremden Lichtes nicht; wenn seine weise Hand dich leitet, ist dir die Nacht auch selber Licht. 5. Ich weile hier in frem⸗ dem Lande, allein in Gottes Geburtstag Eigentum; find ich gleich lauter Anbekannte, so kennet mich doch Gott, mein Ruhm. 6. Mein Hort, in den mein Herz versenket, zeigt mir sein holdes Angesicht und spricht: Mein Kind, sei un⸗ gekränket; dein treuer Vater läßt dich nicht. Siegmund Friedrich Lorenz 17²27—1783. Auf der Reise Choralbuch 151(180): 477 O Jesu Christ, meins Lebens Licht. n Gottes Namen fahren wir; sein heil'ger Engel geh uns für wie dem Volk in Ägptenland, das entging Pharaonis Hand. 2. Herr, du wollst unser Gleitsmann sein und mit uns gehen aus und ein und zeigen alle Steig und Steg, wehren dem Anfall auf dem Weg. 3. So wird kein Berg noch tiefes Tal, kein Wass'r uns irren überall; fröhlich kommn wir an unsern Ort, wenn du uns gnädig hilfest fort. 4. Herr Christ, du bist der rechte Weg zum Himmel und der ein'ge Steg; hilf uns Pilgern ins Vaterland, weil du dein Blut hast dran gewandt. Nikolaus Herman, geb. um 1480, 4+ 1561. Geburtstag Choralbuch 155(3)): 478 O Welt, ich muß dich lassen. Dir dank ich für mein Le⸗ ben, Gott, der du mir's gegeben; ich danke dir dafür. Du hast, durch Huld be⸗ wogen, mich aus dem Nichts gezogen; durch deine Güte bin ich hier. 2. Du, Herr, hast mich be⸗ reitet, mich väterlich geleitet bis diesen Augenblick; du gabst mir frohe Tage, und selbst der Leiden Plage ver⸗ wandeltest du in mein Glück. 3. Ich bin, Herr aller Dinge, der Treue zu geringe, mit der du mich bewacht; damit ich Staub und Erde auf ewig glücklich werde, hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein Sehnen und zähltest meine Tränen, eh ich bereitet war; noch eh mir ward das Leben von deiner Hand gegeben, Herr, wogst du schon mein Teil mir dar. 5. Du ließest Trost mich finden und sahft doch meine Sünden vorher von Ewig⸗ keit. O Höchster, welch Er⸗ barmen: du sorgest für mich Armen und bist ein Vater, der verzeiht! 6. Daß du mein Leben fristeft und mich mit Kraft aus⸗ rüstest, dies, Vater, dank ich dir; daß du mich liebreich führest, mit deinem Geist regierest, dies alles, Vater, dank ich dir. 7. Was mir in diesem Leben noch nützt, wirst du mir geben; du gibst's, ich hoff auf dich. Dir, Vater, dir befehle ich meinen Leib und Seele; Herr, segne und be⸗ hüte mich! Nach Chriftian Fürchtegott Gellert 1715-1769. Gesundheit Choralbuch 6(1): 479 AUllein Gott in der Höh sei Ehr Bis hieher bar mich Gott gebracht durch seine große Güte, bis hieher hat er Tag und Nacht bewahrt Herz und Gemüte, bis hie⸗ her hat er mich geleit't, bis hieher hat er mich erfreut, bis hieher mir geholfen. 2. Hab Lob, hab Ehr, hab Preis und Dank für die bis⸗ her'ge Treue, die du, o Gott, mir lebenslang bewiesen täglich neue. In mein Ge— dächtnis schreib ich an: Der Herr hat wohl an mir getan, bis hieher mir geholfen. 3. Hilf fernerhin, mein treuster Hort, hilf mir zu allen Stunden, hilf mir an all und jedem Ort, hilf mir durch Jesu Wunden, damit ich sag bis in den Tod: Durch Christi Blut hilft mir mein Gott; er hilft, wie er ge⸗ holfen. Gmilie, Gräfin von Schwarzburg⸗Rudolstadt 163/7— 1706. Gesundheit 480 Choralbuch 198(18). Woer wohl auf ist und ge⸗ sund, hebe sein Gemüte und erhöhe seinen Mund zu des Höchsten Güte. Laßt uns danken Tag und Nacht mit gesundan Liedern unsrem Gott, der uns bedacht mit gesunden Gliedern. 2. Ein gesundes, frisches Blut hat ein fröhlich Leben; gibt uns Gott dies ein'ge Gut, ist uns gnug gegeben hier in dieser armen Welt, da die schönsten Gaben und des güldnen Himmels Zelt wir noch künftig haben. 3. Hätt ich aller Ehren Pracht, säß im höchsten Alter Stande, wär ich mächtig aller Macht und ein Herr im Lande, reich an allem, was ergötzt: wozu würd es nützen, wenn ich doch unaus⸗ gesetzt müßt in Schmerzen sitzen? 4. Aber nun gebricht mir nichts, was mein Herz er⸗ quicke: ich erfreue mich des Lichts und der Sonnenblicke; mein Gesicht sieht überall, mein Gehör, das höret, wie der Vöglein süßer Schall ihren Schöpfer ehret. 5. Händ und Füße, Herz und Geist sind bei guten Kräften; mein Vermögen sich erweist freudig in Ge⸗ schäften, die mein Herrscher mir bestellt, in der Welt zu treiben, alsolang es ihm ge⸗ fällt, daß ich hier soll bleiben. 6. Ist es Tag, so mach und tu ich, was mir gebühret; kommt die Nacht und süße Ruh, die zum Schlafen führet, schlaf und ruh ich un⸗ bewegt, bis die Sonne wie⸗ der mit den hellen Strahlen regt meine Augenlider. 7. Habe Dank, du milde Hand, die du von dem Throne deines Himmels mir gesandt diese schöne Krone deiner Gnade, die noch grünt, die ich all mein' Tage nie⸗ mals hab um dich verdient und doch freudig trage. 8. Gib, solang ich in mir hab ein lebendig Hauchen, daß ich solche teure Gab auch wohl möge brauchen; hilf, daß mein gesunder Mund und erfreute Sinnen dir zu aller Zeit und Stund alles Liebs beginnen. 9. Halte mich bei Stärk und Kraft, wann ich nun alt werde, bis mein Stündlein hin mich rafft in das Grab der Erde. Gib mir meine Lebenszeit ohne sondres Lei⸗ den, und dort in der Ewigkeit die vollkommnen Freuden. Paul Gerhardt 1607—-1676. Alter Choralbuch 24(187): 481 Christus, der ist mein Leben. Vemief mich nicht im Alter, verlaß mich nicht, mein Gott! Bist du nur mein Erhalter, so werd ich nie zu Spott. 2. Wie oft hab ich erfahren, der Vater sei getreu! Ach mach in alten Jahren mir dieses täglich neu. 3. Wenn ich Berufsgeschäfte von außen schwächlich tu, leg deines Geistes Kräfte dem innern Menschen zu. 4. Wenn dem Verstand und Augen die Schärfe nun gebricht, daß sie nicht viel mehr taugen, sei Jesus noch mein Licht. 5. Will mein Gehör ver⸗ fallen, so laß dies Wort allein mir in dem Herzen schallen: Ich will dir gnädig sein! 6. Wenn mich die Glieder schmerzen, so bleibe du mein Teil und mach mich an dem Herzen durch Christi Wun⸗ den heil. 7. Sind Stimm und Zunge blöde, so schaffe du, daß ich im Glauben stärker rede: mein Heiland spricht für mich. 8. Wenn Händ und Füße beben, als zu dem Grabe reif, gib, daß ich nur das Leben, das ewig ist, ergreif. Philipp Friedrich Hiller 1699.—1769. Choralbuch 155(30: 482 Welt, ich muß dich lassen. D viele große Plagen hat mich der Herr ge⸗ tragen von meiner Jugend auf; ich sah auf meinen Wegen des Höchsten Hand und Segen; er lenkte meines Lebens Lauf. 2. Sein Weg war oft ver⸗ borgen; doch wie der helle Morgen aus dunkeln Näch⸗ ten bricht, so hab ich stets gespüret: der Weg, den Alter Gott mich führet, bringt mich durchs finstre Tal zum Licht. 3. War Menschenhilf ver⸗ gebens, so kam der Herr des Lebens und half und machte Bahn; wußt ich mir nicht zu raten, so tat Gott große Taten und nahm sich mäch⸗ tig meiner an. 4.„Bis in des Alters Ta⸗ gen will ich dich heben, tra⸗ gen und dein Erretter sein.“ Dies hat mir Gott ver⸗ sprochen, der nie sein Wort gebrochen; ich werde sein mich ewig freun. 5. Er wird mir schwachem Alten, was er verheißen, halten, denn er ist fromm und treu; bin ich gleich matt und müde, er gibt mir Trost und Friede und steht mit Mut und Kraft mir bei. 6. Nach wenig bangen Stun⸗ den hab ich ganz überwun— den, ich bin vom Ziel nicht weit. Triumph! o welche Freuden sind nach den letzten Leiden vor Gottes Thron für mich bereit! J. Ich warte froh und stille, bis meines Gottes Wille mich nach dem Kampfe krönt. An meiner Laufbahn Ende sink ich in Jesu Hände; in ihm bin ich mit Gott ver— söhnt. Jakob Friedrich Feddersen 1736—-1788. 224 In Gottes Choralbuch 65(54): 483 Gott sei Dank durch alle Welt. immel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr; meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu! 2. Seht, das große Son⸗ nenlicht an dem Tag die Wolken bricht; auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott in stiller Nacht. 3. Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall. Wälder, Felder, jedes Tier zeiget Gottes Finger hier. 4. Seht, wie fliegt der Vögel Schar in den Lüften Paar bei Paar. Blitz und Donner, Hagel, Wind seines Willens Diener sind. 5. Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf; von der Quelle bis zum Meer rauschen sie des Schöp⸗ fers Ehr. 6. Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar! Drücke stets in meinen Sinn, was du bist, und was ich bin. Joachim Neander 1650—-1680. Schöpfung 484 Choralbuch 209(7). underbarer König, Herrscher von uns allen, laß dir unser Lob ge⸗ fallen! Deine Vatergüte hast du lassen triefen, ob wir schon von dir wegliefen. Hilf uns noch, stärk uns doch! Laß die Zunge singen, laß die Stimm erklingen! 2. Himmel, lobe prächtig deines Schöpfers Stärke, mehr als aller Menschen Werke! Großes Licht der Sonne, schieße deine Strah⸗ len, die das große Rund bemalen! Lobet gern, Mond und Stern; seid bereit, zu ehren einen solchen Herren! 3. O du, meine Seele, singe fröhlich, singe, singe deine Glaubenslieder! Was den Odem holet, jauchze, preise, klinge! Wirf dich in den Staub darnieder! Er ist Gott Zebaoth; er nur ist zu loben hier und ewig droben. 4. Halleluja bringe, wer den Herren kennet, wer den Herren Jesum liebet. Halle⸗ luja singe, welcher Christum nennet, sich von Herzen ihm ergibet. Owohl dir! Glaube mir: endlich wirst du droben ohne Sünd ihn loben. Joachim Neander 1650—1680. In Gottes Schöpfung Frühling Choralbuch 134(9): 485 Nun lob, mein' Seel, den Herren. Dedorngstosen der Winter dünkt uns nun ein Traum. Nun liegt die Welt im Grünen, und schneeweiß schimmert Heck und Baum. Hört, wie so froh die Lerche ihr Lied er⸗ schallen läßt! Die Schwalben und die Störche beziehn ihr altes Nest. Mit fröhlicher Gebärde geht nun der Mensch und streut den Sa⸗ men in die Erde, der er auf Wucher leiht. 2. Wer aber gibt aufs neue dem Samenkörnlein das Ge⸗ bot:„Keim' auf, wachs und gedeihe und werde Halm und Ahr und Brot“? Du sprichst den Segen leise, All⸗ mächtiger, und sieh, es wächst für Menschen Speise, und Futter grünt fürs Vieh. Kein Zweifel soll uns krän⸗ ken: du wirst barmherzig sein, fruchtbaren Regen schenken und mildenSonnen⸗ schein. 3. And wenn sich Wolken türmen und Wetter drohn mit Glut und Flut, wird deine Hand uns schirmen; wir traun auf dich mit frohem Mut. Du hemmst des Sturmes Flügel, du lenkst der Blitze Lauf und stellst als Gnadensiegel den Him⸗ er wölbt sich hoch und schimmert am melsbogen auf; grauen Wolkenzelt, und siehe, unzertrümmert blieb unser Haus und Feld. 4. Freut euch des Herrn, ihr Frommen, und heißt mit lautem Jubelruf das junge Jahr willkommen und preist ihn, der den Frühling schuf. Seht, wie im Blumenkleide die Wiese lieblich prangt! Nur der fühlt wahre Freude, der Gott von Herzen dankt. Auf, jeder pflüg und säe und singe froh dazu: Ehr sei Gott in der Höhe, auf Erden Fried und Ruh! Samuel Gottlieb Bürde 1753—1831. 48 6 Choralbuch 1⁴² C3): O du Liebe meiner Liebe. L5 dich nicht den Frühling täuschen, Herz, der dich mit Luft umringt, wo mit wonnigen Geräuschen Wald und Flur vom Leben klingt. Diese Welt, sie muß ver⸗ gehen; früher noch, der Lüfte Raub, wirst als Asche du verwehen, Herz, wie flücht'⸗ ger Blumenstaub. 2. Willst du bis zum Wesen dringen: wende vom Er⸗ schaffnen dich. Willst du dich ins Leben schwingen: einer zeigt als Führer sich, der an solchem Frühlings⸗ morgen hinter sich ließ die Natur und, dem ird'schen Sommer Blick verborgen, in der Him⸗ mel Himmel fuhr. 3. Was die Jünger dort empfanden, als ihr Auge flog empor, fühl es, Herz, und aus den Banden flüchte durch des Glaubens Tor! Mit den Ewigkeitsgedanken bist du doch von Erde nur, führt nicht er dich aus den Schranken über alle Kreatur. 4. Was auf Erden ihn um⸗ geben, war ihm Bild und Ahnung bloß, und er atmete sein Leben stets nur in des Vaters Schoß. Sieh auch du im Glanz der Erde nur vom Himmel einen Traum; Gleichnis dir des Höchsten werde Haus und Herde, Blum und Baum. 5. Deines innern Lebens Schwingen wachsen aus dem Erdentod; eh er konnt ins Leben dringen, hat auch ihm das Grab gedroht. Wenn aufs Leben du ver⸗ zichtet, dann beginnt dein Lebenslauf; wenn du dich als Staub vernichtet, stehst du erst als Wesen auf. Gustav Schwab 1792—1850. Sommer 487 Choralbuch 58(118). Ger aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an dei⸗ nes Gottes Gaben! Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie fie mir und dir sich ausgeschmücket haben! 2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissen und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salo⸗ monis Seide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fleugt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hoch⸗ begabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder. 4. Die Glucke führt ihr Völl⸗ lein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälblein speist die Jungen; der schnelle Hirsch, das leichte Reh ist froh und kommt aus seiner Höh ins tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich an ihrem Rand mit schatten⸗ reichen Myrten; die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten. 6. Die unverdroßne Bienen⸗ schar fleugt hin und her, sucht hier und dar sich edle Honig⸗ speise; des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise. 7. Der Weizen wächset mit In Gottes Gewalt; darüber jauchzet jung und alt und rühmt die große Güte des, der so über⸗ flüssig labt und mit so man⸗ chem Gut begabt das mensch⸗ liche Gemüte. 8. Jch selber kann und mag nicht ruhn; des großen Got⸗ tes großes Tun erweckt mir alle Sinnen. Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk ich, bist du hier so schön und läßt du's uns so lieblich gehn auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden! 10. Welch hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein! Wie muß es da wohl klingen, wo so viel tausend Seraphim mit unverdroßnem Mund und Stimm ihr Halleluja singen! 11. O wär ich da, o stünd ich schon, ach süßer Gott, vor deinem Thron und trüge meine Palmen! So wollt ich Scehöpfung höhen deines Namens Preis mit tausend schönen Psalmen. 12. Ooch gleichwohl will ich, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht gar stilleschweigen: mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf mir und segne mei⸗ nen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, daß ich dir stetig blühe; gib, daß der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrucht erziehe. 14. Mach in mir deinem Geiste Raum, daß ich dir werd ein guter Baum, den deine Kräfte treiben; ver⸗ leihe, daß zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben. 15. Erwähle mich zum Para⸗ deis und laß mich bis zur letzten Reis' an Leib und Seele grünen! So will ich dir und deiner Ehr allein und keinem andern mehr hier und dort ewig dienen. Paul Gerhardt 1607 1676. Ernte nach der Engel Weis' er⸗ Choralbuch 129(H): 488 Nun danket all und bringet Ehr.(Auch nach Choral⸗ buch 109(59): Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich.) Die Ernt ist da, es winkt der Halm dem Schnit⸗ ter in das Feld; laut schalle unser Freudenpsalm dem großen Herrn der Welt! 2. O der du uns so freund⸗ lich liebst und segnest unser Feld und uns die reiche Ernte gibst, gelobt sei, Herr der Welt! 3. Wer machte diese Men⸗ schenwelt zum Bau der Erde klug? Der Acker wär ein Distelfeld, verlassen von dem ug. 4. O jede Kunst ist, Gott, von dir, du hast sie uns ge⸗ lehrt; vor aller Weisheit danken wir der Weisheit, die uns nährt. 5. Sie legte in ein Korn so klein die sechzigfache Kraft, gab ihm vom Himmel Sonnenschein und milden Lebenssaft. 6. O Höchster, deine Wun⸗ der sind so gut, so zahlenlos, so groß im Regen, Sonn und Wind, im kleinsten Korn so groß. 7. Die Donnerwolke zog einher und droht' Gewitter⸗ schlag; das Kornfeld wallte wie ein Meer, stund auf und glänzt' im Tag. 8. Lobt ihn mit Furcht, den Herrlichen, der in Gewittern wohnt; lobt ihn mit Dank, den Gütigen, der donnernd uns verschont! 9. Des Schnitters Tag ist lang und schwül; doch freu⸗ dig ist sein Mut: sein Auge sieht der Garben viel, den Schöpfer, treu und gut. 10. Dein Segen ist's, der alles tut; wenn Halme kärg⸗ lich stehn, o laß uns mit getrostem Mut auf deinen Reichtum sehn! 11. Bald schien es jüngst Ernte um uns getan Teurung Not; in unsrer er sah die Erde segnend an, da gab sie reichlich Brot. 12. Du öffnetest die reiche Hand, die uns verschlossen schien, und ließest im ent⸗ legnen Land ein Kornfeld für uns blühn. 13. Gott, welch ein Bild: die ganze Welt, wohin das Aug sich dreht, ist nur ein einz'ges großes Feld, mit Menschenbein besät! 14. Wohlauf! das Korn⸗ feld gelbt schon sehr, bald wird die Ernte sein; du sammelst sie, der Ernte Herr, in ew'ge Scheunen ein. Johann Ludwig Huber 1723—1800. Choralbuch 134(0): 489 Nun lob, mein' Seel, den Herren. Numlassetwetten Hanen für seine Gnad und Liebestat und laßt uns wohl bedenken, was er uns jetzt erzeiget hat: die Frucht hat er gegeben gar reichlich auf dem Land und hat mit seinem Segen gefüllet unsre Hand, da alles wohl geraten, was wir gesäet aus, und durch sein“ Macht und Gnaden auch wohl gebracht nach Haus. 2. Wer sollt das nicht er⸗ kennen als Gottes Macht und weisen Rat? Wer sollt es nicht bekennen als unsers In Gottes milden Gottes Tat? Es ist nichts, der da säet, nichts, der da sammelt ein, nichts, der damit umgehet, nichts, der es führet heim: Gott muß mit seinem Segen auch selber dabei sein; an dem ist es gelegen, wenn's wohl soll kommen ein. 3. Da er denn nun gegeben die reiche Frucht in Land und Stadt durch seinen Vatersegen, daß eingebracht man alles hat, so sollen wir ihn preisen und rühmen seine Tat, ihm allzeit Ehr erweisen für solche große Gnad, von Herzensgrund ihm danken und loben mit dem Mund, in Werken auch nicht wanken von ihm zu keiner Stund. 4. Daß solches nun geschehe, das hilf du mir, getreuer Gott; leit mich auf deinem Wege; mich segne und mein täglich Brot; auch laß es mich genießen christlich in meinem Haus, daß Liebes⸗ bächlein fließen zu armen Brüdern aus und ich nicht nur hier zeitlich an Früchten werde reich, nein, einstens dort auch ewig ererb das Himmelreich. Nach Josua Wegelin 1604-1640. Choralbuch 119(123): 490 Mein Zesus lebt! Was soll ich sterben. Gott, von dem wir alles haben, die Welt ist ein sehr großes Haus; du aber Schöpfung teilest deine Gaben recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich; ach lieber Gott, wer ist dir gleich? 2. Wer kann die Menschen alle zählen, die heut bei dir zu Tische gehn? Doch muß die Notdurft keinem fehlen; denn du weißt allem vor⸗ zustehn und schaffest, daß ein jedes Land sein Brot bekommt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet und endlich auch die Frucht genießt. Der Wind, der durch die Felder wehet, die Wolke, so das Land begießt, des Himmels Tau, der Sonne Strahl sind deine Diener allzumal. 4. And also wächst des Men⸗ schen Speise, der Acker selbst wird ihm zu Brot; es mehret sich vielfält'ger Weise, was anfangs schien, als wär es tot, bis in der Ernte jung und alt erlanget seinen Anterhalt. 5. Nun, Herr, was soll man noch bedenken? Der Wunder sind hier gar zu viel. So viel als du kann nie⸗ mand schenken, und dein Erbarmen hat kein Ziel; denn immer wird uns mehr beschert, als wir zusammen alle wert. 6. Wir wollen's auch kein⸗ mal vergessen, was uns den Segen träget ein; ein jeder Mißernte. Herbst Bissen, den wir essen, soll soll lebenslang für unsre deines Namens Denkmal Nahrung sagen Dank. sein, und Herz und Mund Kaspar Neumann 1648—1715. Mißernte Choralbuch 188(156): 491 Was Gott tut, das ist wohlgetan. Es bleibt. WasHotttut dasistwohl⸗ getan. So denken Got⸗ tes Kinder. Er sieht sie oft gar strenge an und liebt sie doch nicht minder; er zieht ihr Herz nur himmelwärts, wenn er sie läßt auf Erden ein Ziel der Plagen werden. 2. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Gibt er, so kann man nehmen; nimmt er, wir sind nicht übler dran, wenn wir uns nur bequemen. Die Linke schmerzt, die Rechte herzt, und beide Händemüssen wir doch in Demut küssen. 3. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Er zeigt uns oft den Segen; doch eh er noch gedeihen kann, muß sich die Hoffnung legen. Weil er allein der Schatz will sein, so macht er andre Güter durch den Verlust uns bitter. 4. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Wenn man nach reichem Säen doch wenig Garben ernten kann, so ist's vielleicht geschehen, weil Gott auch Frucht bei uns ge⸗ sucht und doch hat müssen klagen, daß wir so schlecht getragen. 5. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Das Feld mag traurig stehen, wir gehn ge⸗ trost auf seiner Bahn und wollen ihn erhöhen. Sein Wort ist Brot, so hat's nicht Not; die Welt muß eh ver⸗ derben als wir vor Hunger sterben. 6. Was Gott tut, das ist wohlgetan. So wollen wir stets schließen; und ist bei uns kein Kanaan, wo Milch und Honig fließen, doch ist's genug zur Sättigung, wenn Gott das wen'ge segnet, ob's gleich nicht Manna regnet. Benjamin Schmolck 1672-1737. Herbst Choralbuch 188(156): 492 Was Gott tut, das ist wohlgetan. ir danken dir, o Vater, heut, daß du die Frucht der Reben, den Wein, der unser Herz erfreut, von neuem uns gegeben. Dein ist die Kraft, die alles schafft, daß an den reichen Gaben sich Leib und Seel erlaben. 2. Du ließest deine Sonne glühn und triefen deinen Regen; du kröntest unsrer 2 Vorbereitung Hände Mühn, o Herr, mit deinem Segen. Wie du als Gast in Kana hast erfreut die Hochzeitleute, das ist dein Tun noch heute. 3. Du, treuer Herr, verläßt uns nicht; wir sind's, die dich verlassen. Vor deinem heil'⸗ gen Angesicht wie mancher hat mit Prassen dein Gut verzehrt, das Herz beschwert, daß, so du wolltest rechten, dann weh uns bösen Knech⸗ ten. 4. Doch, Herr voll unbe⸗ grenzter Huld, wer kann das Wunder fassen, die lautre Langmut und Geduld, daß du für alles Hassen uns den⸗ noch nicht vor dein Gericht, daß du mit neuen Gnaden uns an dein Herz willst laden! 5. O präge tief dem Herzen ein die große Treu und Güte Vorbereitung 493 Choralbuch 151(180). O Jesu Christ, meins Le⸗ bens Licht, mein Hort, mein Trost, mein' Zuversicht! Auf Erden bin ich nur ein Gast und drückt mich sehr der Sünden Last. 2. Ich hab vor mir ein' schwere Reis' zu dir ins himmlisch Paradeis; da ist mein rechtes Vaterland, dar⸗ auf du hast dein Blut ge⸗ wandt. auf den Tod Mach uns von Lust und Sünde rein, durchläutre das Gemüte mit deinem Wort, daß wir hinfort zu deinen reichen Gaben dich selber in uns haben. 6. Ja, mach uns du, Herr ZJesu Christ, zu deinen rechten Reben am Weinstock, der du selber bist, daß edle Frucht wir geben, drin sich dein Geist mit Macht erweist, nach⸗ dem wir erst das Schneiden der Trübsal mußten leiden. 7. In deines Vaters Reich zuletzt, wenn du dich mit den Deinen, die ihren Trost auf dich gesetzt, auf ewig wirst vereinen, da schenk uns ein den Freudenwein; den Trank wollst du uns geben, der quillt ins ew'ge Leben. Johannes Riggenbach 18181890. auf den Tod 3. Zur Reis' ist mir mein Herz sehr matt, der Leib gar wenig Kräfte hat; allein mein' Seele schreit in mir: Herr, hol mich heim, nimm mich zu dir! 4. Drum stärk mich durch das Leiden dein in meiner letzten Todespein; dein Durst und bittrer Trank mich lab, wenn ich sonst keine Stär⸗ kung hab. 5. Wenn mein Mund nicht kann reden frei, dein Geist und das Zort, inen elber Herr chten er du rucht Geist nach⸗ eiden iden. Reich mit Trost ewig schenk wein; uns ew'ge enbach 1890. mein ib gar allein mir: nimm durch neiner Durst ch lab, Stär⸗ d nicht Geist Vorbereitung in meinem Herzen schrei; hilf, daß mein' Seel den Him⸗ mel find, wenn meine Augen werden blind. 6. Dein letztes Wort laß sein mein Licht, wenn mir der Tod das Herze bricht; dein Kreuz laß sein mein'n Wanderstab, meinꝰ Ruh und Rast dein heilig Grab. 7. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau, darauf ich meine Heimfahrt bau; tu mir die Himmelstür weit auf, wenn ich beschließe meinen Lauf. 8. Am Jüngsten Tag erweck mein'n Leib, hilf, daß ich dir zur Rechten bleib, daß mich nicht treffe dein Gericht, das aller Welt ihr Arteil spricht. 9. Wie werd ich dann so fröhlich sein, werd singen mit den Engeln dein, und mit der Auserwählten Schar auf ewig schaun dein Antlitz klar! Martin Behm 1557—1622. 494⁴ Choralbuch 197(190). Wer weiß, wie 2——— mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod. Wie unvermutet, wie be⸗ hende kann kommen meine Todesnot! MeinGott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Abend anders werden, als es am frühen auf den Tod Morgen war; solang ich leb auf dieser Erden, schweb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit mei⸗ nem Ende gut! 3. Herr, lehr mich stets mein End bedenken und, ehe denn ich sterben muß, die Seel in Jesu Tod versenken und ja nicht sparen meine Buß. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich beizeit mein Haus bestellen, daß ich be⸗ reit sei für und für und sage frisch in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick's mit mir! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 5. Mach mir stets süße dei⸗ nen Himmel und bitter diese schnöde Welt; gib, daß mir in dem Weltgetümmel die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit mei⸗ nem Ende gut! 6. Ach Vater, deck all meine Sünde mit dem Verdienste Jesu zu, damit ich hier Ver⸗ gebung finde und dort die lang gewünschte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit mei⸗ nem Ende gut! 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, nichts, es sei Leben oder Tod.—7—— Vorbereitung die Hand in seine Seite und sage: Mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! Joh. 20, 27. 28. 8. Ich habe Jesum ange— zogen schon längst in meiner heil'gen Tauf; du bist mir auch daher gewogen, hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 9. Ich habe Jesu Leib ge⸗ gessen, ich hab sein Blut getrunken hier; nun kannst du meiner nicht vergessen, ich bleib in ihm und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 10. So komm mein End heut oder morgen, ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt; ich bin und bleib in seinen Sorgen, mit Jesu Gnaden ausgeschmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 11. Ich leb indes in dir ver⸗ gnüget und sterb ohn alle Kümmernis. Es gehe, wie mein Gott es füget; ich glaub und bin es ganz ge⸗ wiß: Durch deine Gnad und Christi Blut machst du's mit meinem Ende gut. Amilie, Gräfin von Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt 163/71706. auf den Tod 495 Choralbuch 5(200). A wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet! 2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Tage! Wie ein Strom be⸗ ginnt zu rinnen und mit Laufen nicht hält innen, so fährt unsre Zeit von hinnen. 3. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Freude! Wie sich wechseln Stund' und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried und Strei⸗ ten, so sind unsre Fröhlich⸗ keiten. 4. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Schöne! Wie ein Blüm⸗ lein bald vergehet, wenn ein rauhes Lüftlein wehet, so ist unsre Schöne, sehet! 5. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig sind der Menschen Schätze! Es kann Glut und Flut entstehen, dadurch, eh wir's uns versehen, alles muß zu Trümmern gehen. 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Prangen! Der in Purpur, hoch vermessen, ist als wie ein Gott gesessen, dessen wird im Tod vergessen. 7. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig sind der Menschen Vorbereitung auf den Tod Sachen! Alles, alles, was Lust! Mir ist das höchste wir sehen, das muß fallen Gut bewußt; das such ich und vergehen. Wer Gott nur, das bleibet mir. O mein' fürcht't, wird ewig stehen. Begier, Herr Jesu, zieh Michael Franck 1609—1667. mein Herz nach dir! Choralbuch 85(203)j: 7. Was wird das sein, wenn 496 Ich hab mein' SachGott ich dich seh und bald vor heimgestellt. deinem Throne steh! Du Wifliegt dahin der Men⸗ unterdessen lehre mich, daß schen Zeit! Wie eilet stetig ich mit klugem Herzen man zur Ewigkeit! Wie suche dich. wen'ge denken an die Stund Joachim Neander 1650—1680. von Herzensgrund! Wie schweigt hievon der träge 497 Choralbuch 168(20). Mund! So geht's von Schritt zu 2. Das Leben ist gleich wie Schritt zur großenEwig⸗ ein Traum, gleich einem keit! So unvermerktverfließt nicht genWasserschaum, dem die kurze Lebenszeit! Wo Grase gleich, das heute steht blieb so mancher Tag und und schnell vergeht, sobald wo so manches Jahr? Was der Wind darüberweht. hat ein Sterblicher von dem, 3. Nur du, Jehova, bleibest was gestern war? mir das, was du bist; ich 2. Du Gott der Ewigkeit, traue dir. Laß Berg und der mir dies Leben gab, ich Hügel fallen hin: mir ist's geb es dir zurück und was Gewinn, wenn ich allein bei ich bin und hab. Ich will Jesu bin. nur leben dir, dir will ich 4. Solang ich in der Hütte sterben auch; gib, daß ich wohn, so lehre mich, o Got⸗ Zeit und Kraft zu deinem tes Sohn! Gib, daß ich zähle Dienst nur brauch. meine Tag, der Welt entsag, 3. Nun, ich verlass' die Welt daß, eh ich sterb, ich sterben und will zum Vater gehn; mag. hier bin ich nicht zu Haus, 5. Was hilft die Welt in hier will ich nichts ansehn. letzter Not? Lust, Ehr und Der kurze Rest der Zeit soll Reichtum in dem Tod? O dir gewidmet sein; ja, Va⸗ Mensch, du läufst dem Schat⸗ ter, ich bin hier und dort ten zu! Bedenk es du; du auch ewig dein. klommst sonst nicht zu wahrer 4. Bereite mich; und wann Ruh. dies Leben ist vorbei, mein 6. Weg Eitelkeit, der Toren ewig bleibend Gut, mein Vorbereitung wahres Leben seil Verlaß mich denn auch nicht im letzten Augenblick, daß ich mag Jesum sehn und nicht auf mich zurück. 5. Der Feind hat nichts an mir: das Herz in Jesu ruht; tief in mein Nichts versenkt, ist Jesus all mein Gut. O wie verdank ich's dir, daß du zu mir gewandt dein offnes Vaterherz und wurdest mir bekannt! 6. Dich, Vater, Sohn und Geist, ich meinen Gott belenn, den ich als Schöpfer ehr und auch Erlöser nenn. Es ist mir herzlich lieb, daß du bist, der du bist, und daß mein ganzes Heil in deinen Händen ist. 7. Ich zeuge, daß du bist das ewig sel'ge Gut, worin der Geist allein lebt und im Frieden ruht. Dich, Majestät, verehrn, dein Dienst istSelig⸗ keit, und dazu wünsch ich mir die ganze Ewigkeit. 8. Ich lege meinen Geist in deine treue Hand; mein Heiland, du bewahrst dies dir vertraute Pfand. Mein'n letzten Atemzug laß reine Liebe sein; ausgehend geh mein Geist in deine Ruhe ein. Gerhard Tersteegen 1697-1769. Choralbuch 151(180): 498 O Jesu Christ, meins Lebens Licht. J wollt, daß ich daheime wär, den Trost der Welt ich gern entbehr. Daheim auf den Tod im Himmel meine ich, da ich Gott schaue ewiglich. 2. Wohlauf, mein' Seel, und richt dich dar, dort war⸗ tet dein der Engel Schar. Denn alle Welt ist dir zu klein, du kommest denn erst wieder heim. 3. Daheim ist Leben ohne Tod und ganze Freude ohne Not. Da sind doch tausend Jahr wie heut und nichts, was dich verdrießt noch reut. 4. Wohlauf, mein Herz und all mein Mut, und such das Gut ob allem Gut. Was das nicht ist, das schätz gar klein und sehn' dich allzeit wieder heim. 5. Du hast doch hie kein Bleiben nicht, ob's morgen oder heut geschicht. Da es denn anders nicht mag sein, so fleuch der Welt gar fal⸗ schen Schein. 6. Bereu dein' Sünd, als wolltstdu gleich schon morgen ziehn gen Himmelreich. Ade, Welt/ Gott gesegne dich! Gen Himmelreich nun fahre ich. Nach Heinrich von Laufenberg, + 1458(). Choralbuch 197(190): 490 Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. etzt leb ich; ob ich morgen lebe, ob diesen Abend, weiß ich nicht. O Herr, dem ich mein Herz ergebe, lehr du mich selbst die große Pflicht: durch deines heil'⸗ Vorbereitung gen Geistes Kraft stets fertig sein zur Rechenschaft. 2. Die Blume, die am Mor⸗ gen stehet, fällt vor der Abenddämmrung ab; die Luft, die jetzt mich ange⸗ wehet, stürzt mich vielleicht ins nahe Grab; der Jüng⸗ ling, eh er sich's versieht, stirbt, und ist noch nicht auf⸗ geblüht. 3. Entziehe dich dem Welt⸗ getümmel; hier ist der Kampf, dort ist die Ruh. Dein Wandel, Seele, sei im Himmel, dann eilest du dem Leben zu; nach einer kurzen Prüfungszeit ist Ewigkeit, ist Ewigkeit! 4. Verschiebe niemals deine Pflichten; was jetzt zu tun du schuldig bist, denk nicht erst morgen auszurichten: wer weiß, ob's morgen möglich ist? Mensch, dieser Augen⸗ blick ist dein; der künft'ge wird's vielleicht nicht sein. 5. Noch eh ich diesen Tag vollende, ergreift vielleicht mich schon der Tod. Drum lehr mich denken, Herr, ans Ende, an meine letzte Todes⸗ not; o laß, stellt sie sich plötzlich ein, laß Ol in mei⸗ ner Lampe sein! 6. Es sei, o Vater meines Lebens, wann einst die letzte Stunde schlägt, der schwache Seufzer nicht vergebens, der sich in meinem Herzen regt; und sterb ich einen schnellen auf den Tod Tod, sei mir barmherzig, Herr, mein Gott! Theodor Gottlieb von Hippel 17⁴41—1796. Choralbuch 151(180): 500 O Jesu Christ, meins Lebens Licht. Was sind wir arme Men⸗ schen hier? Gleich ei⸗ nem Schatten fliehen wir. Je größer sich der Schatten macht, je früher bricht herein die Nacht. 2. Woher kommt solches Flüchtigsein? Von unsrem Abfall kommt's allein. Seit sich der Mensch vom Licht verlor, seitdem steht ihm der Tod bevor. 3. Doch fürchtet sich der Glaube nicht; er weiß ein andres Lebenslicht. Wenn Jesus in die Seele scheint, so wird man mit dem Licht vereint. 4. Bleibt eine Seele ohne dies, so bleibt sie in der Finsternis, woraus sie auch an jenem Tag nicht zu dem Licht gelangen mag. 5. O ew'ges Licht, ich bitte dich, erleuchte und belebe mich noch hier durch deiner Gnade Schein, ein wahres Kind des Lichts zu sein. 6. Sei du stets meinem Herzen nah; was finster ist, vertreib allda. Liebt gleich die Welt die Finster⸗ nis, mach meinen Gang im Licht gewiß. Vorbereitung 7. So schließ ich sterbend, mir zur Ruh, als Kind des Lichts die Augen zu, und im Erwachen schau ich dann dein Licht mit klaren Augen an. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. 501 Choralbuch 76(154). Hemn tut mich verlan⸗ gen nach einem sel' gen End, weil ich hier bin um⸗ fangen mit Trübsal und Elend. Ich hab Lust, abzu— scheiden von dieser argen Welt, sehn' mich nach ew'⸗ gen Freuden: o Jesu, komm nur bald! 2. Du hast mich ja erlöset von Sünde, Tod und Höll; es hat dein Blut gekostet; drauf ich mein' Hoffnung stell. Warum sollt mir denn grauen vor Hölle, Tod und Sünd? Weil ich auf dich tu bauen, bin ich ein selig Kind. 3. Wenngleich süß ist das Leben, der Tod sehr bitter mir, will ich mich doch er— geben, zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Le⸗ ben, da meine Seel fährt hin; des freu ich mich ohn Beben: Sterben ist mein Gewinn. 4. Der Leib, der in der Erden zum Staube wieder⸗ kehrt, doch auferweckt soll werden, durch Christum schön verklärt, wird leuchten auf den Tod als die Sonne und leben ohne Not in Himmelsfreud und Wonne. Was schadet mir der Tod? 5. Ob mich die Welt auch reizet, länger zu leben hier, und mir auch immer zeiget Ehr, Geld, Gut, all ihr Zier, doch ich das gar nicht achte: es währt ein' kleine Zeit; das Himmlisch ich betrachte, das bleibt in Ewigkeit. 6. Wenn ich auch gleich nun scheide von meinen Freun⸗ den gut, ihnen und mir zu⸗ leide, so tröstet meinen Mut, daß ich in größern Freuden dereinst mit ihnen wohn, und bleiben unge⸗ schieden vor dem himmli⸗ schen Thron. 7. Ob ich auch hinterlasse betrübte Waiselein, ob deren Not ohn Maße sich grämt das Herze mein, will ich doch gerne sterben und trauen meinem Gott; er wird sie wohl versorgen, retten aus aller Not. 8. Gesegn euch Gott der Herre, ihr Vielgeliebten mein! Ach trauert nicht zu sehre über den Abschied mein! Beständig bleibt im Glauben! Wir werdn in lurzer Zeit einander wieder schauen dort in der Ewigkeit. 9. Nun will ich mich ganz wenden zu dir, Herr Christ, allein; gib mir ein selig Ende, send mir die Engel dein; führ mich ins ew'ge Leben, das du erworben hast, da du dich hingegeben für meine Sündenlast. 10. Hilf, daß ich ja nicht wanke von dir, Herr Jesu Choralbuch 120(182) 502 und 121(18)). Luk. 2, 26—32. Mit Fried' und Freud ich fahr dahin in Gotts Wille; getrost ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille. Wie Gott mir ver⸗ heißen hat: der Tod ist mein Schlaf worden. 2. Das machet Christus, Gottes Sohn, der treu Hei— land, den du mich, Herr, hast sehen lan und machst bekannt, daß er sei das Le⸗ ben mein und Heil in Not und Sterben. 3. Den hast du allen vor⸗ gestellt mit groß Gnaden, zu seinem Reich die ganze Welt heißen laden durch dein teuer heilsam Wort, an allem Ort erschollen. 4. Er ist das hell und selig Licht für die Heiden, zu erleuchten, die dich kennen nicht, und zu weiden. Er ist deins VolksIsrael der Preis, Ehr, Freud und Wonne. Martin Luther 1483—1546. Sterben Sterben Christ; den schwachen Glau⸗ ben stärke in mir zu aller Frist. Hilf ritterlich mir ringen, deinꝰ Hand mich halt mit Macht, daß ich mag fröhlich singen: Gottlob, es ist vollbracht! Christoph Knoll 15631650. 50³3 Choralbuch 123(18)). Mitten wir im Leben sind mit dem Tod um⸗ fangen. Wen suchen wir, der Hilfe tu, daß wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Ans reuet unsre Missetat, die dich, Herr, er⸗ zürnet hat. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Hei⸗ land, du ewiger Gott, laß uns nicht versinken in des bittern Todes Not! Erbarm dich unser! 2. Mitten in dem Tod an⸗ ficht uns der Höllen Rachen. Wer will uns aus solcher Not frei und ledig machen? Das tust du, Herr, alleine. Es jammert dein' Barm⸗ herzigkeit unsre Sünd und großes Leid. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Hei⸗ land, du ewiger Gott, laß uns nicht verzagen vor der tiefen Höllen Glut! Erbarm dich unser! Sterben 3. Mitten in der Höllen Angst unsre Sünd' uns trei⸗ ben. Wo solln wir denn fliehen hin, da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein teures Blut, das gnug für die Sünde tut. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Hei⸗ land, du ewiger Gott, laß uns nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost! Er-⸗ barm dich unser! Martin Luther 1483-1546. 504 Choralbuch 178(50). Valet will ich dir geben, du arge, falsche Welt; dein sündlich böses Leben durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen, hinauf steht mein Begier; da wird Gott herrlich lohnen dem, der ihm dient allhier. 2. Rat mir nach deinem Herzen, o Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, hilf mir, Herr Christ, davon; verkürz mir alles Leiden, stärk meinen blöden Mut; laß selig mich abscheiden, setz mich in dein Erbgut. 3. In meines Herzens Grunde dein Nam und Kreuz allein funkelt all Zeit und Stunde; drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde zum Trost in meiner Not, wie du dich, Herr, so milde geblutet hast zu Tod. 4. Verbirg mein' Seel aus Gnaden bei dir vor allem Leid, rück sie aus allem Schaden zu deiner Herrlich⸗ keit. Der ist wohl hie ge⸗ wesen, wer kommt ins himm⸗ lisch Schloß; ewig ist der genesen, wer bleibt in dei⸗ nem Schoß. 5. Herr, meinen Namen schreibe ins Buch des Lebens ein; laß mich an deinem Leibe ein Glied mit jenen sein, die hoch im Himmel grünen und vor dir leben frei; so will ich ewig rüh⸗ men, daß treu dein Herze sei. Valerius Herberger 1562-1627. Choralbuch 76(154): H lich tut mi 90 ene ch bin ein Gast auf Er⸗ den und hab hier keinen Stand; der Himmel soll mir werden, da ist mein Va⸗ terland. Hier reis' ich bis zum Grabe; dort in der ew'gen Ruh ist Gottes Gnadengabe, die schließt all Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes We⸗ sen von meiner Zugend an als Müh und Not gewesen? Solang ich denken kann, hab ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht. 3. Mich hat auf meinen We⸗ gen manch harter Sturm erschreckt; Blitz, Donner, Wind und Regen hat mir manch Angst erweckt; Ver⸗ folgung, Haß und Neiden, ob ich's gleich nicht ver⸗ schuld't, hab ich doch müssen leiden und tragen mit Ge⸗ duld. 4. So ging's den lieben Alten, an deren Fuß und Pfad wir uns noch täglich halten, wenn's fehlt an gutem Rat. Wie mußten sie sich plagen! In was für Weh und Schmerz, in was für Furcht und Zagen sank oft ihr armes Herz! 5. Die frommen, heil'gen Seelen, die gingen fort und fort und änderten mit Zuälen den erstbewohnten Ort; sie zogen hin und wieder, ihr Kreuz war immer groß, bis daß der Tod sie nieder legt' in des Grabes Schoß. 6. Ich habe mich ergeben in gleiches Glück und Leid; was will ich besser leben als solche große Leut? Es muß ja durchgedrungen, es muß gelitten sein; wer nicht hat wohl gerungen, geht nicht zur Freude ein. 7. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt; doch denk ich nicht, zu bleiben in diesem frem⸗ den Zelt. Ich wandre meine Straßen, die zu der Hei⸗ mat führt, da mich ohn alle Sterben Maßen mein Vater trösten wird. 8. Mein' Heimat ist dort oben, da aller Engel Schar den großen Herrscher loben, der alles ganz und gar in seinen Händen träget und für und für erhält, auch alles hebt und leget, nach dem's ihm wohl gefällt. 9. Zu dem steht mein Ver⸗ langen, da wollt ich gerne hin; die Welt bin ich durch⸗ gangen, daß ich's fast müde bin. Je länger ich hier walle, je wen'ger find ich Freud, die meinem Geist gefalle; das meist ist Herzeleid. 10. Die Herberg ist zu böse, der Trübsal ist zu viel. Ach komm, mein Gott, und löse mein Herz, wann dein Herz will. Komm, mach ein selig Ende an meiner Wander⸗ schaft; und was mich kränkt, das wende durch deines Armes Kraft! 11. Wo ich gewohnt indessen, ist nicht mein rechtes Haus. Wenn meine Zeit durch⸗ messen, alsdann tret ich hinaus; und was ich hie gebraͤuchet, das leg ich alles ab; und wenn ich ausge⸗ hauchet, so gräbt man mir ein Grab. 12. Du aber, meine Freude, du, meines Lebens Licht, du zeuchst mich, wenn ich scheide, hin vor dein Angesicht ins Haus der ew'gen Wonne, Sterben da ich stets freudenvoll gleich als die helle Sonne nebst andern leuchten soll. 13. Da will ich immer woh⸗ nen, und nicht nur als ein Gast, bei denen, die mit Kronen du ausgeschmücket hast; da will ich herrlich singen von deinem großen Tun und, frei von schnöden Dingen, in meinem Erbteil ruhn. Paul Gerhardt 1607—1676. 506 Choralbuch 24(187). Christus, der ist mein Le⸗ ben; Sterben ist mein Gewinn. Ihm will ich mich ergeben; mit Frieden fahr ich hin. 2. Mit Freud fahr ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, daß ich mög zu ihm kommen und ewig bei ihm sein. 3. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Not; durch seine heil'gen Wunden bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte bre⸗ chen, mein Atem geht schwer aus, und kann kein Wort mehr sprechen: Herr, nimm mein Seufzen auf! 5. Wenn mir Herz und Ge⸗ danken vergehn als wie ein Licht, das hin und her muß wanken, wenn ihm die Flamm gebricht: 6. alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein, wenn mir dein Rat und Wille mein Stündlein wird verleihn. 7. Laß an dir gleich den Reben mich bleiben allezeit und ewig bei dir leben dort in der Himmelsfreud. Anfang des 17. Jahrhunderts. 507 58 6// nach Choralbuch 93(76): Jesu, meines Lebens Leben.) Ale Menschen müssen ster⸗ ben, alles Fleisch ist gleich wie Heu; was da lebet, muß verderben, soll es anders werden neu. Die⸗ ser Leib, der muß verwesen, wenn er anders soll genesen zu der großen Herrlichkeit, die den Frommen ist bereit. 2. Drum so will ich dieses Leben, weil es meinem Gott beliebt, auch gar willig von mir geben, bin darüber nicht betrübt; denn in meines Jesu Wunden hab ich schon Erlösung funden, und mein Trost in Todesnot ist des Herren Jesu Tod. 3. Jesus ist für mich ge⸗ storben, und sein Tod ist mein Gewinn: er hat mir das Heil erworben; drum fahr ich mit Freuden hin hin aus diesem Weltg mel in des großen Ge Himmel, da ich werde zeit schauen Gottes H lichkeit. 2 4. Da wird sein das Freu⸗ —2J...—— L— L——— denleben, wo viel tausend Seelen schon sind mit Him⸗ melsglanz umgeben, dienen Gott vor seinem Thron; wo die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: „Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist“; 5. wo die Patriarchen woh⸗ nen, die Propheten allzu⸗ mal; wo auf ihren Ehren⸗ thronen sitzet der zwölfBoten Zahl; wo in so viel tausend Jahren alle Frommen hin gefahren; wo man Gott die Ehre bringt, ewig halleluja singt. 6. O Jerusalem, du schöne, ach wie helle glänzest du! Ach wie lieblich Lobgetöne hört man da in sanfter Ruh! O der großen Freud und Wonne: jetzo gehet auf die Sonne, jetzo gehet an der Tag, der kein Ende nehmen mag! 7. Ach ich habe schon er⸗ blicket alle diese Herrlichkeit; jetzo werd ich schön geschmük⸗ ket mit dem weißen Him⸗ melskleid und der güldnen Ehrenkrone, stehe da vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die ich nicht be⸗ schreiben kann. 1652. 508 Choralbuch 156(185). O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott ge⸗ Sterben kommen! Ihr seid entgangen aller Not, die uns noch hält gefangen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, da nur Sorge, Furcht und Sehrecken schweben; was wir hie ken⸗ nen, ist nur Müh und Herze⸗ leid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in eurer Kammer sicher und befreit von allem Jammer; kein Kreuz und Leiden ist euch hinderlich in euren Freuden. 4. Christus wischet ab euch alle Tränen; ihr habt schon, wonach wir uns erst sehnen; euch wird gesungen, was in keines Ohr allhie gedrungen. 5. Ach wer wollte denn nicht gerne sterben und den Him⸗ mel für die Welt ererben? Wer wollt hie bleiben, sich den Jammer länger lassen treiben? 6. Komm, o Christe, komm, uns auszuspannen; lös uns auf und führ uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, ist der frommen SeelenFreud und Wonne. Simon Dach 1605—1659. Choralbuch 133(64): 509 Run laßt uns Gott, dem Herren. Der Hirt, am Kreuz ge⸗ storben, hat Friedꝰ und Heil erworben; nun heißt bei seinen Schafen das Sterben ein Entschlafen. Sterben 2. Sie gehn nicht als Ver⸗ brecher zur Strafe vor den Rächer; sie gehn nur hin und liegen wie Streiter nach dem Kriegen. 3. Ohn Angst vor ew'gem Jammer gehn sie in ihre Kammer, zur Ruh sich zu begeben auf frohes Wieder⸗ leben. 4. Sie legen ihre Glieder in Ruhebettlein nieder und fallen ohne Kummer wie Kinder in den Schlummer. 5. Auf göttliches Erbarmen, in des Erlösers Armen, er⸗ wählt zu Gottes Erben läßt sich's gar sanft hinsterben. 6. O Jesu, deine Gnade macht, daß kein Sterben schade; laß auf dein Blut⸗ vergießen mich einst die Augen schließen. 7. Laß mir auf dein Ver⸗ sprechen mein Herz im Glau— ben brechen; bewahre mein Gebeine, bis ich vor dir erscheine. 8. Dann laß mich froh er⸗ wachen, mach meinen Mund voll Lachen und laß mein neu Kleid glänzen wie Lilien in dem Lenzen. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 197(190): 510 Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. ch fasse, Vater, deine Hände und halte sie im Glauben fest; verwirf den nicht in seinem Ende, der ewig sich auf dich verläßt. Du bist mein Gott von Ju⸗ gend auf, beschließ auch meinen Lebenslauf! 2. Du hast mich je und je geliebet, versorgt, gestärkt, beschützt, regiert, mich oft erquickt, durch Kreuz geübet, oft wunderlich, stets wohl geführt. Nimm, da mir nie⸗ mand helfen kann, dich mei⸗ ner auch im Sterben an! 3. Gott, welche feierliche Stunden, wenn du mich nun der Erd entziehst und, wenn du mich getreu befun⸗ den, erbarmend auf mich niedersiehst! Wer an den Sohn glaubt, kommt ja nicht, Allmächtiger, in dein Gericht. 4. Wie sollt ich vor dem Tode beben, da du, Erlöser, für mich starbst? Er ist durch dich der Weg zum Le⸗ ben, das du am Kreuze mir erwarbst. Wie du ihn sahst, will ich ihn sehn; wie du, so werd ich auferstehn. 5. Laß Qual und Jammer mich umringen und mir die letzten Schrecken dräun: du hilfft mir, Herr, die Welt bezwingen; mit dir darf ich den Tod nicht scheun. So nah dem Lohn, den Gott verspricht, so nah dem Ziele sink ich nicht. 6. Du wachest über meine Seele, wenn ihre Stärke sich verliert, gibst deinem Engel schon Befehle, der sie zu deinen Freuden führt, des Todes Nacht um mich verscheucht und mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, noch an dem Grabe preis' ich dich; denn ewig werd ich vor dir leben. Wie segnet dann dein Antlitz mich! O Tod, o Sterben, mein Ge⸗ winn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! Nach Ehrenfried Liebich 17131780. Choralbuch 197(190): 511 Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. Ar meinen Jesum will ich sterben, der neues Le⸗ ben mir gebracht und mich zu Gottes Kind und Erben durch sein unschuldig Blut gemacht. Mein Zesus ist mein Trost allein: auf Je⸗ sum leb und schlaf ich ein. 2. Auf meinen Jesum will ich sterben. In seinen Wun⸗ den stirbt sich's gut; er läßt mich nimmermehr ver⸗ derben, ich bin erkauft mit seinem Blut. Mein Jesus ist mein Trost allein: auf Jesum leb und schlaf ich ein. 3. Auf meinen Jesum will ich sterben. In sein Erbar⸗ men schließt er mich. Das Paradies heut zu erwerben, brich immerhin, mein Herze, brich! Mein Herz und Schatz soll Jesus sein: auf Jesum leb und schlaf ich ein. Sterben 4. Auf meinen Jesum will ich sterben. Er bleibt, wenn alles mich verläßt; weil er mit Blut mich wollen wer⸗ ben, steh ich bei seiner Fahne fest. Sein Kreuz ist mein Panier allein: auf Jesum leb und schlaf ich ein. 5. Auf meinen Jesum will ich sterben, wenn mir ver⸗ geht der Augen Licht. Wenn Mund und Lippen sich ver⸗ färben und wenn mein Herz im Leibe bricht, soll Jesus Heil und Leben sein: auf Jesum leb und schlaf ich ein. 6. Auf meinen Jesum will ich sterben. Ach Zesu, hilf in letzter Not, laß mich das beste Teil ererben, versüße mir den bittern Tod. Dein Blut soll mir das Leben sein: so leb und schlaf ich selig ein. Salomo Franck 1659—1725. Choralbuch 24(187): 512 Christus, der ist mein Leben. err, meine Leibeshütte sinkt nach und nach zu Grab; gewähre mir die Bitte und brich sie stille ab. 2. Gib mir ein ruhig Ende; der Augen matten Schein und die gefaltnen Hände laß sanft entseelet sein. 3. Laß meine letzten Züge nicht zu gewaltsam gehn und gib, daß ich so liege wie die Entschlafenen. 4. Doch es gescheh dein Sterben Wille! Ich scheide gleich dahin im Kämpfen oder stille, wenn ich nur selig bin. 5. Bleibst du mir in dem Herzen, dein Name mir im Mund, so sind mir auch die Schmerzen im Sterben noch gesund. 6. Dein Blut hat mich ge⸗ reinigt; trennt Leib und Seele sich, so werden sie vereinigt zum Seligsein durch dich. J. Nach deiner Gnaden Größe nimm nur den Geist zur Hand, es reiße oder löse der Tod des Leibes Band. 8. Ich werde auferstehen, da geht's zum Himmel ein; ich werde Jesum sehen, und er mir gnädig sein. Philipp Friedrich Hiller 1699— 1769. 513 Choralbuch 50(150). E⸗ ist genug. So nimm, Herr, meinen Geist zu Zions Geistern hin; lös auf das Band, das allge⸗ mach schon reißt; befreie meinen Sinn, der sich nach seinem Gotte sehnet, der täg⸗ lich klagt, der nächtlich tränet. Es ist genug. 2. Es ist genug des Kreu⸗ zes, das mir fast den Rücken wund gemacht. Wie schwer, o Gott, wie hart ist diese Last! Ich schwemme manche Nacht mein hartes Lager ganz mit Tränen. Wie lang, wie lange muß ich sehnen? Wann ist's genug? 3. Es ist genug, wenn nur mein Jesus will; er kennet ja mein Herz. Ich harre sein und halt indessen still, bis er mir allen Schmerz, der meine sieche Brust zer⸗ naget, abnimmt und endlich zu mir saget: Es ist genug. 4. Es ist genug. Herr, wenn es dir gefällt, so spanne mich doch aus! Mein Jesus kommt; nun gute Nacht, o Welt! Ich fahr ins Him⸗ melshaus; ich fahre sicher hin in Frieden; mein großer Jammer bleibt danieden. Es ist genug. Franz Joachim Burmeister 1633(6.-1672. 514 Choralbuch 191(188). enn mein Stündlein vorhanden ist, zu fah⸗ ren meine Straße, geleit du mich, Herr Jesu Christ, mit Hilf mich nicht verlasse! Mein' Seel an meinem letz⸗ ten End befehl ich dir in deine Händ; du wollst sie mir bewahren. 2. Die Sünde wird mich kränken sehr und mein Ge⸗ wissen nagen, denn sie ist viel wie Sand am Meer; doch will ich nicht verzagen, will denken in der letzten Not, Herr Jesu Christ, an dei⸗ nen Tod, der wird mich wohl erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, des tröst ich mich von Herzen; von dir ich ungeschieden bleib in Todesnot und Schmerzen. Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir: ein ewig Le⸗ ben hast du mir mit dei⸗ nem Tod erworben. 4. Weil du vom Tod er⸗ standen bist, werd ich im Grab nicht bleiben; mein höchster Trost dein' Auf⸗ fahrt ist, kann Todesfurcht vertreiben. Denn wo du bist, da komm ich hin, daß ich stets bei dir leb und bin; drum fahr ich hin mit Freuden. 5. So fahr ich hin zu Jesu Christ, mein' Arme sich ausstrecken; so schlaf ich ein und ruhe fein: kein Mensch kann mich aufwecken als Jesus Christus, Gottes Sohn; der wird die Him⸗ melstür auftun, mich führn zum ew'gen Leben. Nikolaus Herman, geb. um 1480, 4+ 1561. Choralbuch 24(187): 515 Christus, der ist mein Leben. Wie Simeon verschieden, das liegt mir oft im Sinn: ich führe gern im Frie⸗ den aus diesem Leben hin. 2. Ach laß mir meine Bitte, mein treuer Gott, geschehn: Laß mich aus dieser Hütte in deine Wohnung gehn! Sterben 3. Dein Wort ist uns ge⸗ schehen, an diesem nehm ich teil: wer Jesum werde sehen, der sehe Gottes Heil. 4. Ich seh ihn nicht mit Augen; doch an der Augen Statt kann mir mein Glaube taugen, der ihn zum Hei⸗ land hat. 5. Ich hab ihn nicht in Ar⸗ men wie jener Fromme da; doch ist er voll Erbarmen auch meinem Herzen nah. 6. Mein Herz hat ihn ge⸗ funden; es rühmt: Mein Freund ist mein! Auch in den letzten Stunden ist meine Seele sein. J. Ich kenn ihn als mein Leben; er wird mir nach dem Tod bei sich ein Leben geben, dem nie der Tod mehr droht. 8. Mein Glaube darf ihn fassen, sein Geist gibt Kraft dazu; er wird auch mich nicht lassen, er führt mich ein zur Ruh. 9. Wenn Aug und Arm erkalten, hängt sich mein Herz an ihn; wer Jesum nur kann halten, der fährt im Frieden hin. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. Choralbuch 34(7%): 516 Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. Lanwujwam enen brechen, Herr, deinen Frieden fühlbar sein; komm, deinen Trost mir zuzuspre⸗ Sterben chen, und segne mein Ge⸗ beine ein. Gib Ruhe mir in deinen Armen, darin ich Gnad und Frieden fand, und Hinscheiden Choralbuch 43(142): 517 Ermuntre dich, mein schwacher Geist. Di bist zwar mein und bleibest mein;(wer will mir anders sagen?) doch bist du nicht nur mein allein: der Herr von ew'gen Tagen, der hat das meiste Recht an dir, der fordert und erhebt von mir dich, o mein Sohn, mein Wille, mein Herz und Wunschesfülle. 2. Ach gält es wünschen, wollt ich dich, du Sternlein meiner Seelen, vor allem Weltgut williglich mir wün⸗ schen und erwählen. Ich wollte sagen: Bleib bei mir! Du sollst sein meines Hauses Zier; an dir will ich mein Lieben bis in mein Ster⸗ ben üben. 3. So sagt mein Herz und meint es gut; Gott aber meint's noch besser. Groß ist die Lieb in meinem Mut; in Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr; Gott ist der Väter Haupt und Ehr, ein Quell, daraus die Jungen und Alten sind entsprungen. 4. Ich sehne mich nach mei⸗ nem Sohn; und der mir trag mich vollends mit Er⸗ barmen sanft zu dir heim ins Vaterland. Aus der Brüdergemeine 1806. eines Kindes ihn gegeben, will, daß er nah an seinem Thron im Himmel solle leben. Ich sprech: Ach weh, mein Licht verschwind't! Gott spricht: Willkomm, du liebes Kind! Dich will ich bei mir haben und ewig reichlich laben. 5. O süßer Rat, o schönes Wort und heil'ger, als wir denken! Bei Gott ist ja kein böser Ort, kein Anglück und kein Kränken, kein' Angst, kein Mangel, kein Versehn; bei Gott kann keinem Leids geschehn; wen Gott versorgt und liebet, wird nimmer⸗ mehr betrübet. 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht, die Ansrigen zu zieren; wir gehn und sorgen Tag und Nacht, wie wir sie wollen führen in einen feinen, sel'gen Stand, und ist doch selten so be— wandt mit dem, wohin sie kommen, wie wir's uns vorgenommen. 7. Wie manches junge fromme Blut wird jämmer⸗ lich verführet durch bös' Exempel, daß es tut, was Christen nicht gebühret! Da hat's denn Gottes Zorn zu Lohn, auf Erden nichts als Spott und Hohn; der Va⸗ ter muß mit Grämen sich seines Kindes schämen. 8. Ein solches darf ja ich nun nicht an meinem Sohn erwarten: der steht vor Gottes Angesicht und geht in Christi Garten, hatFreude, die ihn recht erfreut, und ruht von allem Herzeleid; er sieht und hört die Scharen, die uns allhie bewahren; 9. er sieht und hört der Engel Mund, sein Mund hilft selber singen, weiß alle Weisheitaus dem Grund und spricht von solchen Dingen, die unser keins noch sieht und weiß, die auch durch unsern Fleiß und Schweiß wir, weil wir sind auf Erden, nicht ausstudieren werden. 10. Ach dürft ich doch von ferne stehn und nur ein wenig hören, wann deine Sinne sich erhöhn und Got⸗ tes Namen ehren, der hei⸗ lig, heilig, heilig ist, durch den du auch geheiligt bist! Ich weiß, ich würde müssen vor Freuden Tränen gießen. 11. Ich würde sprechen: Bleib allhier, nun will ich nicht mehr klagen: Ach mein Sohn, wärst du noch bei mir! Nein, sondern: Komm, du Wagen Eliä, hole mich geschwind und bring mich dahin, da mein Kind und so viel liebe Seelen so schöne Ding erzählen. Hinscheiden eines Kindes 12. Nun, es sei ja und bleib also! Will dich nicht mehr beweinen: du lebst und bist von Herzen froh, siehst lauter Sonnen scheinen, die Sonnen ew'ger Freud und Ruh. Hier leb und bleib nun immerzu! Ich will, will's Gott, mit andern auch bald hinüberwandern. Paul Gerhardt 1607 1676. 518 Choralbuch 50(150): Es ist genug. euch hin, mein Kind! Gott selber fordert dich aus dieser argen Welt. Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich; doch weil es Gott gefällt, so unterlass' ich alles Klagen und will mit stillem Geiste sagen: Zeuch hin, mein Kind! 2. Zeuch hin, mein Kind! Der Schöpfer hat dich mir nur in der Welt geliehn. Die Zeit ist aus; darum be⸗ fiehlt er dir, nun wieder fort⸗ zuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so versehen; was dieser will, das muß geschehen. Zeuch hin, mein Kind! 3. Zeuch hin, mein Kind! Im Himmel findest du, was dir die Welt versagt; denn nur bei Gott ist wahrer Trost und Ruh, kein Schmerz mehr, der uns plagt. Hier müssen wir in Angsten schwe⸗ ben, dort kannst du ewig fröhlich leben. Zeuch hin, mein Kind! Sterben 4. Zeuch hin, mein Kind! Hinauf in Gottes Schul, da Gs̊tt selbst Lehrer ist, da lauter Lust, da du vor Gottes Stuhl beim Chor der Engel bist. Da kannst du deinem Jesu singen, die Himmels⸗ lieder lassen klingen. Zeuch hin, mein Kind! 5. Zeuch hin, mein Kind! Wir folgen alle nach, sobald es Gott gefällt. Du eilest fort, eh dir das Angemach verbittert diese Welt. Wer lange lebt, steht lang im Leide; wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude. Zeuch hin, mein Kind! 6. Zeuch hin, mein Kind! Die Engel warten schon auf deinen zarten Geist. Nun siehest du, wie Zesus, Gottes Sohn, dir schon die Krone weist. Nun wohl, die Seele ist entbunden, du hast durch ZJesum überwunden. Zeuch hin, mein Kind! Gottfried Hoffmann 1658—1712. 5109 Choralbuch 11648): An Wasserflüssen Babylon. Nimm hin, was dein ist, Gott, nimm's hin! Ich will mich drum nicht grä⸗ men; was von dir kommt, ist mir Gewinn, dein Ge⸗ ben und dein Nehmen. Ich lege auf dem Brandaltar das Liebste dir zum Opfer dar, ein Stück von meinem Herzen. Es kam von dir und blieb auch dein und soll nun dein auf ewig sein; hilf du es mir verschmerzen. 2. Ich geb es dir und sage nicht, daß du es mir ent⸗ rissen. Vom Anmut, der dir widerspricht, laß doch mein Herz nichts wissen; das Murren, das den Schmerz vergällt und dir, was dein ist, vorenthält, laß nie ins Herz sich setzen. Was ich dir gab, dafür gib mir ein desto größres Teil an dir und deinen Gnadenschätzen. 3. Du nahmst es hin. Ach Herr, es ist bei dir wohl aufgehoben; obschon mein Aug in Tränen fließt, muß ich dich dennoch loben: das Dort ist besser als das Hier. And komm ich Armer einst zu dir, es wird mich nie gereuen, daß ich dir's hin⸗ gab, als du kamst und das, was dein ist, wieder nahmst; o nein, es wird mich freuen. 4. Den Glauben bitt ich nur für mich, solang ich hier muß wallen, der alle deine Wege sich von Herzen läßt gefallen, der über all dein Tun dich preist, der alles gut und löblich heißt und traut dir unbeweglich, der still sich in den Schoß dir legt, der, was du auflegst, willig trägt, dem nichts ist unerträglich. 5. In diesem Glauben will ich dich, du ewig Treuer, fassen; es soll an deiner 68828 8 SIIV. Begräbnis Gnade sich mein Herz ge⸗ behrung sollst du mein ein nügen lassen. In Wohl und und alles sein Weh, in Lieb und Leid, in Licht und Dunkel, Ruh und Streit, in Fülle und Ent⸗ Choralbuch 50(150): 520 Es ist genug. Es ist vollbracht! Gottlob, es ist vollbracht! Mein Jesus nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt! Ihr Freunde, gute Nacht! Ich ende mei⸗ nen Lauf bei Jesu Kreuz mit tausend Freuden; ich sehne mich, von hier zu scheiden. Es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! Mein Jesus hat auf sich genom⸗ men meine Schuld; er sel⸗ ber hat am Kreuzesstamm für mich— o ungemeine Huld!— gebüßet, und in Jesu Wunden hab ich die rechte Freistatt funden. Es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht! Weg Krankheit, Schmerz und Pein, weg Sorgen, weg Verdruß! Sein Golgatha soll mir ein Tabor sein; mein matter, müder Fuß wird hier auf diesen Friedens⸗ höhen frei von Beschwer und Banden gehen. Es ist vollbracht! Matth. 17, 1—5. 4. Es ist vollbracht! Hier bin ich außer Not, Angst und Gefahr gesetzt; hier Begräbnis bis in die Ewigkeit hinein zur himm⸗ lischen Verklärung. Philipp Spitta 1801—1859. der Herr mit hier bin ich hier hör ich mit der Sel'gen Singen den süßen Ton der Engel klingen. speiset mich Himmelsbrot; hoch geschätzt; Es ist vollbracht! 5. Es ist vollbracht! Der Leib mag immerhin Raub der Verwesung sein(ich weiß ja, daß ich Staub und Asche bin); Gott wird doch mein Gebein, wenn er die Gräber wird aufdecken, an jenem Tage schon erwecken. Es ist vollbracht! 6. Es ist vollbracht! Gott⸗ lob, es ist vollbracht! Mein Jesus nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt! Ihr Freunde, gute Nacht! Ich schließe meinen Lauf und alle Not, die mich getroffen. Wohl mir, ich seh den Himmel offen! Es ist vollbracht! 17²4. 521 eboratbuch 206(uo). Woblauf⸗ wohlan zum letzten Gang! Kurz ist der Weg, die Ruh ist lang. Gott führet ein, Gott führet aus: wohlan, hinaus! Zum Bleiben war nicht dieses Haus. 2. Du Herberg in der Wan⸗ derzeit, gehab dich wohl und laß dein Leid, schließ nur getrost die Pforte zu! Was trauerstdu? Dein Gast geht hin zur ew'gen Ruh. „Tragt ihn fein sanft ins Schlafgemach; ihr Lieben, folgt ihm segnend nach! Hab gute Nacht! Der Tag war schwül im Erd gewühl. Hab gute Nacht! Die Nacht ist kühl. 4. Ein Festschmuck ist der Särge Tuch, ein Siegeszug der Leichenzug. Triumph! der Herr macht gute Bahn: Sein Kreuz voran, das winkt und deutet himmelan. 5. Ihr Glocken, tönet fest⸗ lich drein und läutet hell den Sabbat ein, der nach des Werktags kurzer Frist durch Jesum Christ für Got⸗ tes Volk vorhanden ist. 6. O selig, wer das Heil erwirbt und in dem Herrn, dem Mittler, stirbt! O selig, wer, vom Laufe matt, die Gottesstadt, die droben ist, gefunden hat! 7. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und eins ist not! Die Welt beut ihre Güter feil; denk an dein Heil und wähl in Gott das beste Teil! 8. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brach⸗ Begräbnis test du, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Lust und Schmerz: schau himmelwärts! Da, wo dein Schatz, da sei dein Herz. 9. Mit Gott bestell dein Haus beizeit, eh dich der Tod an Tote reiht. Sie rufen: Gestern war's an mir, heut ist's an dir! Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. 10. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, aus Wieg und Bett in Sarg und Grab! Wann, wie und wo, ist Gott bewußt. Schlag an die Brust! Du mußt von dan⸗ nen, Mensch, du mußt! 11. Da ist kein Sitz zu reich, zu arm, kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, da blüht zu schön kein Wangenrot: im Finstern droht der Tod und überall der Tod. 12. Ach banges Herz im Leichental, wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist's, Herr, der mit Gottesmacht aus Gräbernacht das Leben hat ans Licht gebracht. 13. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr:„Wer an mich glaubt, stirbt nimmer⸗ mehr!“ Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, dein Himmelgehn läßt uns den Himmel offen sehn. 14. Wohl dem, der, Herr, mit dir vertraut, schon hier sich ew'ge Hütten baut! Er sieht das Kleinod in der Fern und kämpfet gern und harrt der Zukunft seines Herrn. 15. Nun, Tor des Friedens, öffne dich! Hinein! Hier schließt die Wallfahrt sich. Ihr Schlafenden im Frie⸗ densreich, gönnt allzugleich dem Staub ein Räumlein neben euch! 16. Viel Gräber sind an diesem Ort, vielWohnungen im Himmel dort; bereitet ist die Stätte schon am Gnadenthron, bereitet uns durch Gottes Sohn. 17. Sein ist das Reich mit Allgewalt; er zeugt und spricht: Ich komme bald. Ja, komm, Herr Jesu, führ uns ein! Wir harren dein. Amen, dein laß uns ewig sein! Christian Friedrich Heinrich Sachse 1785—1860. 522 Choralbuch 95(82): Jesus, meineZuversicht. Gebt nun hin und grabt mein Grab! denn ich bin des Wanderns müde. Von der Erde scheid ich ab; denn mir ruft des Himmels Friede, denn mir ruft die süße Ruh von den Engeln droben zu. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab! Meinen Lauf hab ich vollendet, lege nun den Wanderstab hin, wo alles Ird'sche endet; lege selbst mich nun hinein in das Bette sonder Pein. Begräbnis 3. Was soll ich hienieden noch in dem dunkeln Tale machen? Denn wie mäch⸗— tig, stolz und hoch wir auch stellen unsre Sachen, muß es doch wie Sand zergehn, wann die Winde drüberwehn. 4. Darum, Erde, fahre wohl, laß mich nun in Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist hohl, deine Freuden werden Leiden, deine Schön⸗ heit Anbestand, alles Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn und Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit eurer Pracht! denn ich reis' in weite Ferne, reise hin zu jenem Glanz, worin ihr erbleichet ganz. 6. Die ihr nun in Trauern geht, fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben niederweht, tröstet froh des Herrn Gemeinde. Weint nicht ob dem eitlen Schein; droben nur kann ewig sein. 7. Weinet nicht, daß nun ich will von der Welt den Abschied nehmen, daß ich ans dem Irrsal will, aus den Schatten, aus den Schemen,“ aus dem Eitlen, aus dem Nichts hin ins Land des ew'gen Lichts. 8. Weinet nicht! Mein sü⸗ ßes Heil, meinen Heiland hab ich funden, und ich * wesenlose Bilder. Ps. 39, 7. Begräbnis habe auch mein Teil in den warmen Herzenswun⸗ den, woraus einst sein heilig Blut floß der ganzen Welt zugut. 9. Weint nicht! Mein Er⸗ löser lebt; hoch vom finstern Erdenstaube hell empor die Hoffnung schwebt und der Himmelsheld, der Glaube; und die ew'ge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! Ernst Moritz Arndt 1769—1860. Choralbuch 137 G6): 523 Vaun sich der Tag geendet hat. Ei wie so selig schläfest du nach manchem schweren Stand und liegst nun da in süßer Ruh in deines Heilands Hand! 2. Sein Leiden hat dich frei⸗ gemacht von aller Angst und Pein; sein letztes Wort: Es ist vollbracht! das singt dich lieblich ein. 3. Du läßt dich zur Ver⸗ wandelung in dies Gefilde sän, mit Hoffnung und Ver⸗ sicherung, viel schöner auf⸗ zustehn. 4. Verbirg dein liebes An⸗ gesicht im kühlen Erden⸗ schoß! Wer hier gelebt in Christi Licht, der erbt ein selig Los. 5. Wir hoffen, daß dein Seelenfreund, der ewig treue Hirt, der's hier mit dir so wohl gemeint, dich schön empfangen wird. 6. Er führe, was ihm lieb und wert und was sich zu ihm hält, als seine auser⸗ wählte Herd' auch vollends durch die Welt. Nach Gottfried Neumann 1685—17793 Str. 2 erstmals 1712. 324 Choralbuch 161(192). Ruber wohl, ihr Toten⸗ beine, in der stillen Ein⸗ samkeit! Ruhet, bis das End erscheine, da der Herr euch zu der Freud rufen wird aus euren Grüften zu den freien Himmelslüften. 2. Nur getrost, ihr werdet leben, weil das Leben, euer Hort, die Verheißung hat gegeben durch sein teuer wertes Wort: Die in sei⸗ nem Namen sterben, sollen nicht im Tod verderben. 3. And wie soll im Grabe bleiben, der ein Tempel Gottes war, den der Herr ließ einverleiben seiner aus⸗ erwählten Schar, die er selbst durch Blut und Sterben hat gemacht zu Himmelserben? 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, die des Herren Glieder sind. Muß der Leib im Grab erkalten, da man nichts als Asche find't: wann des Herren Hauch drein⸗ bläset, grünet neu, was hier verweset. 5. Jesus wird, wie er erstan⸗ den, auch die Seinen einst mit Macht führen aus des Todes Banden, führen aus des Grabes Nacht zu dem ew'gen Himmelsfrieden, den er seinem Volk beschieden. 6. Ruhet wohl, ihr Toten⸗ beine, in der stillen Einsam⸗ keit! Ruhet, bis der Herr erscheine an dem Ende dieser Zeit! Da sollt ihr mit neuem Leben herrlich ihm entgegen⸗ schweben. Friedrich Konrad Hiller 1662—1726. Choralbuch 29(19)): 525 Der lieben Sonne Licht und Pracht. Die Christen gehn von Ort zu Ort durch mannig⸗ falt'gen Jammer und kom⸗ men in den Friedensport und ruhn in ihrer Kammer. Gott nimmt sie nach dem Lauf in seinen Armen auf; das Weizenkorn wird in sein Beet auf Hoffnung schöner Frucht gesät. 2. Wie seid ihr doch so wohl gereist! Gelobt sei'n eure Schritte, du friedevoll be— freiter Geist, du jetzt ver⸗ laßne Hütte! Du, Seele, bist beim Herrn; dir glänzt der Morgenstern; euch, Glieder, deckt mit sanfter Ruh der Liebe stiller Schatten zu. 3. Wir freun uns in Ge⸗ lassenheit der großen Offen⸗ barung; indessen bleibt das Pilgerkleid in heiliger Ver⸗ wahrung. Wie ist das Glück so groß in Zesu Arm und Begräbnis Schoß! Die Liebe führ uns gleiche Bahn: so tief hinab, so hoch hinan! Nach Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1700—1760. 526 Choralbuch 112(193). Mos auch die Liebe wei⸗ nen: es kommt ein Tag des Herrn; es muß ein Morgenstern nach dunk⸗ ler Nacht erscheinen. 2. Mag auch der Glaube zagen: ein Tag des Lichtes naht; zur Heimat führt sein Pfad, aus Dämmrung muß es tagen. 3. Mag Hoffnung auch er⸗ schrecken, mag jauchzen Grab und Tod: es muß ein Morgenrot die Schlum⸗ mernden einst wecken. Friedrich Adolf Krummacher 1767-1845. Choralbuch 203(178): 527 Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. ie Seele ruht in Jesu Armen, der Leib schläft sanft im Erdenschoß; am Herzen darf das Herz er⸗ warmen, die Ruh ist unaus⸗ sprechlich groß, die sie nach wenig Kampfesstunden bei ihrem holden Freund gefun⸗ den: sie schwimmt im stillen Friedensmeer. Gott hat die Tränen abgewischet, ihr Geist wird durch und durch erfrischet, des Herren Glanz ist um sie her. 2. Sie ist nun aller Not ent⸗ nommen, ihr Schmerz und Seufzen ist dahin; sie ist zur Freudenkrone kommen, sie steht als Braut und Königin im Golde ew'ger Herrlich⸗ keiten dem großen König an der Seiten; sie sieht sein klares Angesicht. Sein freu⸗ denvoll und lieblich Wesen macht sie nun durch und durch genesen; sie ist ein Licht im großen Licht. 3. Sie jauchzt den Sterb⸗ lichen entgegen: Ja, ja, nun ist mir ewig wohl! Ich bin durch meines Mittlers Segen des Lebens, Lichts und Freu⸗ den voll. Mein schönes Erb⸗ teil ist mir worden; viel tausend aus der Sel'gen Orden bewundern jauchzend meine Pracht. Man kann in allen Himmelschören gleichwie mit Donnerstim⸗ men hören: Der Herr hat alles wohl gemacht! 4. Ja, wohl gemacht durchs ganze Leben, recht wohl in meiner Todespein! Sein mütterliches Tragen, Heben bracht mich heraus, hindurch, hinein: heraus aus dieser Erde Lüsten, hindurch durch die Versuchungswüsten, hin⸗ ein ins schöne Kanaan. Da darf ich auf den grünen Auen den Helden, der mich führte, schauen, der große Ding an mir getan. 5. Das war ein Tag der Begräbnis süßen Wonne, das war ein lang gewünschtes Heut, da Jesus, meine Lebenssonne, den ersten Blick der Herrlich⸗ keit zum freudenvollen Aber⸗ gehen ließ meine Seel durch⸗ dringend sehen. Ich eilte meinem Freunde zu; mein Geist schwang sich mit Jubel⸗ scharen, die um mein Sterbe⸗ bette waren, in's Vaters Haus zur süßen Ruh. 6. Nun kann das Kind den Vater sehen, es fühlt den sanften Liebestrieb; nun kann es Jesu Wort ver⸗ stehen: Er selbst, der Vater, hat dich lieb. Ein unergründ⸗ lich Meer des Guten, ein Abgrund ew'ger Segens⸗ fluten entdeckt sich dem ver⸗ klärten Geist: er schauet Gott von Angesichte und weiß, was Gottes Erb im Lichte und ein Miterbe Christi heißt. 7. Der matte Leib ruht in der Erden; er schläft, bis Jesus ihn erweckt. Da wird der Staub zur Sonne wer⸗ den, den jetzt die finstre Gruft bedeckt; dann werden wir mit allen Frommen— wer weiß, wie bald!— zusam⸗ menkommen und bei dem Herrn sein allezeit; da wer⸗ den wir ihn ewig sehen: wie wohl, wie wohl wird uns geschehenl Herr Jesu, komm, mach uns bereit! Johann Ludwig Konrad Allendorf 1693-1773. SE S C 2„ Begra Choralbuch 24(187): 528 Christus, der ist mein Leben. Die Liebe darf wohl wei⸗ nen, wann sie ihr Fleisch begräbt; kein Christ muß fühllos scheinen, solang er hier noch lebt. 2. Doch lässet gleich der Glaube sein Aug gen Him⸗ mel gehn: was uns der Tod hier raube, soll herrlich auf⸗ erstehn. 3. So ist's uns um die Herzen, die Gnade macht uns so; uns ist noch wohl in Schmerzen, im Trauern sind wir froh. 4. Was tröstet uns? Das Hoffen. Wie gut ist's, Christi sein! Man sieht den Himmel offen und nicht das Grab allein. 5. Herr Jesu, unser Leben, in Tränen dankt man dir, daß du uns Trost gegeben; denn davon leben wir. 6. Was wir in Schwachheit säen, das wird in Herrlichkeit auf dein Wort auferstehen; das ist's, was uns erfreut. 7. Herr, bild aus unsrem Staube den neuen Leib, der dort, nicht mehr dem Tod zum Raube, dich schauet immerfort. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. 529 Choralbuch 9(189). Aler Gläub'gen Sammel⸗ platz ist da, wo ihr Herz und Schatz, wo ihr Heiland bnis Jesus Christ und ihr Leben hier schon ist. 2. Eins geht da, das andre dort in die ew'ge Heimat fort, ungefragt, ob die und der uns nicht hier noch nütz⸗ lich wär. 3. Doch der Herr kann nichts versehn; und wenn es nun doch geschehn, hat man nichts dabeizu tun als zu schweigen und zu ruhn. 4. Manches Herz, das nicht mehr da, geht uns freilich innig nah; doch, o Liebe, wir sind dein, und du willst uns alles sein. Nach Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1700—1760. Choralbuch 132(18H: 530 Nun laßt uns den Leib begraben. un lasset uns den Leib begrabn und daran kei⸗ nen Zweifel habn, er werd am ZJüngsten Tag aufstehn und unverweslich hervor⸗ gehn. 2. Derselb ist Erd und von der Erd, daß er zu Erde wieder werd; und von der Erd wird er aufstehn, wenn die Posaune wird angehn. 3. Sein' Seel lebt ewiglich in Gott, der sie allhie aus lauter Gnad von aller Sünd und Missetat durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Sein Jammer, Trübsal und Elend ist kommen zu einm sel'gen End; er hat ge⸗ tragen Christi Joch, er ist gestorbn und lebet noch. 5. Die Seele lebt ohn alle Klag, der Leib schläft bis zum Jüngsten Tag, an wel⸗ chem Christus ihn verklärt und ew'ge Freude ihm ge⸗ währt. 6. Allhie ist er in Angst ge⸗ wesn; dort aber wird er ganz genesn und wird in ew'ger Freud und Wonn dann leuchten wie die helle Sonn. 7. Nun lassen wir ihn schla⸗ fen fein und gehn all unsre Straßen heim, schicken uns auch mit allem Fleiß, denn der Tod kommt uns gleicher⸗ weis. Michael Weiße, +1534. 531 Choralbuch 16(194). Aferstehn, ja, auferstehn wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh; unsterblich Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben Leben wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! halle⸗ luja! 2. Wieder aufzublühn werd ich gesät; der Herr der Ernte geht und sammelt Garben, uns ein, uns ein, die starben. Halleluja! 3. Tag des Danks, der Freu⸗ dentränen Tag, du meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe genug geschlummert habe, erweckst du mich. 4. Wie den Träumenden wird's dann uns sein: mit Jesu gehn wir ein zu seinen Freuden; der müden Pilger Leiden sind dann nicht mehr. 5. Ach ins Allerheiligste führt mich mein Mittler dann, lebt ich im Heiligtume zu seines Namens Ruhme. Halleluja! Friedrich Gottlieb Klopstock 1724—1803. Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben 532 Choralbuch 182(20½ und 183(205). Wochet auf!“ ruft uns 1 die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne,„wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitter⸗ nacht heißt diese Stunde.“ Sie rufen uns mit hellem Munde:„Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräut'gam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch be⸗ reit zu der Hochzeit! Ihr müsset ihm entgegengehn.“ 2. Zion hört die Wächter singen; das Herz tut ihr vor Freude springen; sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werte Kron, Herr Zesu, Gottes Sohnl! Hosiannal Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abend⸗ mahl. 3. Gloria sei dir gesungen mit Menschen⸗ und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Zimbeln schön! Von zwölf Perlen sind die Tore an deiner Stadt; wir stehn im Chore der Engel hoch vor deinem Thron. Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat je gehört solche Freude. Des jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für. Philipp Nicolai 1556—1608. Choralbuch 137(366): 53 Nun sich der Tag geendet hat. Matth. 25. Der Herr bricht ein um Mitternacht; jetzt ist noch alles still. Wohl dem, der sich nun fertigmacht und ihm begegnen will! 2. Er hat es uns zuvor ge⸗ sagt und einen Tag bestellt; er kommt, wann niemand nach ihm fragt noch es für möglich hält. 3. Wie liegt die Welt so blind und tot! Sie schläft in Sicherheit und meint, des großen Tages Not sei noch so fern und weit. 4. Wer wacht und hält sich stets bereit als ein getreuer Knecht, daß er in jener Rech⸗ nungszeit vor Gott bestehe recht? 5. Wer gibt sein Pfund auf Wucher hin und nützet seinen Tag, daß er mit Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben himmlischem Gewinn vor Jesum treten mag? 6. Wer hält die Lampe rein und voll, wem brennt sein Glaubenslicht, wenn nun der Aufbruch werden soll, daß ihm kein Ol gebricht? 7. So wach denn auf, mein Geist und Sinn, und schlummre nun nicht mehr! Der Bräut'gam kommt,— sieh auf! sieh hin!—er und mit ihm sein Heer. 8. Der Tag der Rache nahet sich, der Herr kommt zum Gericht. Du, meine Seele, schicke dich, steh und ver⸗ zage nicht! 9. Dein Teil und Heil ist schön und groß; steh auf, du hast es Macht! Geh hin, nimm und genieß dein Los, das dir Gott zugedacht. 10. O übergroße Seligkeit nach abgelegter Last, wo dich o Seele, nicht gereut, daß du gestritten hast! 11. Der Herr bricht ein um Mitternacht; jetzt ist noch alles still. Wohl dem, der sich nun fertigmacht und ihm begegnen will! Johann Christoph Rube 1665—1746. 534 Choralbuch 89(211). erusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Tale, weit über blaches Feld schwingt es sich über alle und eilt aus dieser Welt. 2. O schöner Tag und noch viel schönre Stund, wann wirst du kommen mir, da ich mit Lust und freiem Freudenmund die Seele geb von mir in Gottes treue Hände zum auserwählten Pfand, daß sie mit Heil an⸗ lände in jenem Vaterland? 3. O Ehrenburg, sei nun gegrüßet mir, tu auf der Gnaden Pfort! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, eh ich bin kommen fort aus jenem bösen Leben, aus jener Nichtigkeit, und mir Gott hat gegeben das Erb der Ewigkeit! 4. Was für ein Volk, was für ein' edle Schar kommt dort gezogen schon? Was in der Welt von Auser⸗ wählten war, seh ich, die beste Kron, die Jesus mir, der Herre, entgegen hat ge⸗ sandt, da ich noch war so ferne in meinem Tränenland. 5. Propheten groß und Patriarchen hoch, auch Chri⸗ sten insgemein, die weiland dort trugen des Kreuzes Joch und der Tyrannen Pein, schau ich in Ehren schweben, in Freiheitüberall, mit Klarheit hell umgeben, mit sonnenlichtem Strahl. 6. Wenn dann zuletzt ich an⸗ Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben gelangetbin ins schöne Para⸗ deis, von höchster Freud er⸗ füllet wird der Sinn, der Mund von Lob und Preis. Das Halleluja reine man singt in Heiligkeit, das Hosi⸗ anna feine ohn End in Ewig⸗ keit, 7. mit Jubelklang, mit In⸗ strumenten schön, in Chören ohne Zahl, daß von dem Schall und von dem süßen Ton sich regt der Freuden⸗ saal, mit hunderttausend Zungen, mit Stimmen noch viel mehr, wie von Anfang gesungen des Himmels selig Heer. Matthäus Meyfart 1590—1642. Choralbuch 188(156): 535 Was Gott tut, das ist wohlgetan. Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen. Wir wissen dich auf deinem Thron und nen⸗ nen uns die Deinen. Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir ent⸗ gegen; du kommst uns ja zum Segen. 2. Wir warten deiner mit Geduld in unsern Leidens⸗ tagen. Wir trösten uns, daß du die Schuld für uns am Kreuz getragen; so können wir nun gern mit dir uns auch zum Kreuz bequemen, bis du es weg wirst nehmen. 3. Wir warten dein; du hast uns ja das Herz schon hingenommen. Du bist uns zwar im Geiste nah, doch sollst du sichtbar kommen; da willst uns du bei dir auch Ruh, bei dir auch Freude ge⸗ ben, bei dir ein herrlich Leben. 4. Wir warten dein; du kommst gewiß, die Zeit ist bald vergangen. Wir freuen uns schon über dies mit kindlichem Verlangen. Was wird geschehn, wann wir dich sehn, wann du uns heim wirst bringen, wann wir dir ewig singen! Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. 536 Choralbuch 51(167). Es ist gewißlich an der Zeit, daß Gottes Sohn wird kommen in seiner großen Herrlichkeit, zu richten Bös' und Frommen. Da wird das Lachen werden teur, wenn alles wird vergehn im Feur, wie Gottes Wort bezeuget. 2. Posaunen wird man hören gehn an aller Welten Ende. Dann werden als⸗ bald auferstehn die Toten gar behende; die aber noch am Leben sind, die wird des Herren Wort geschwind ver⸗ wandeln und verneuen. 3. Ein Buch wird da gelesen bald, darinnen steht geschrie⸗ ben, was alle Menschen, jung und alt, auf Erden je getrieben; da denn gewißlich jedermann wird hören, was Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben er hat getan in seinem ganzen Leben. 4. O weh dem Menschen, welcher hat des Herren Wort verachtet und nur auf Erden früh und spat nach großem Gut getrachtet! Er wird für⸗ wahr gar schlecht bestehn und mit dem Satan müssen gehn von Christo in die Hölle. 5. O Jesu, hilf zur selben Zeit von wegen deiner Wun⸗ den, daß ich im Buch der Seligkeit werd eingezeichnet funden. Daran ich denn auch zweifle nicht; denn du hast ja den Feind gericht't und meine Schuld bezahlet. 6. Derhalben mein Für⸗ sprecher sei.', wenn du nun wirst erscheinen, und lies mich aus dem Buchefrei, darinnen stehn die Deinen, auf daß ich samt den Brüdern mein mit dir geh in den Himmel ein, den du uns hast erworben. 7. O Jesu Christ, du machst es lang mit deinem Jüngsten Tage; den Menschen wird auf Erden bang von vieler Not und Plage. Komm doch, komm doch, du Richter groß, und mach uns bald in Gnaden los von allem Abel. Amen. Bartholomäus Ringwaldt 1530—1599. 537 Choralbuch 35(207). Die Welt kommt einst zu⸗ sammen im Glanz der ew'gen Flammen vor Christi Richterthron; da muß sich offenbaren, wer die und jene waren: sie kennt und prüft des Menschen Sohn. 2. Der Greul in Finster⸗ nissen, das Brandmal im Gewissen, die Hand, die blutvoll war, das Aug voll Ehebrüche, das frevle Maul voll Flüche, das Herz des Schalks wird offenbar. 3. Das Flehn der armen Sünder, das Tun der Got⸗ teskinder, die Hand, die milde war, das Aug voll edler Zähren, der Mund voll Lob und Lehren, des Christen Herz wird offen⸗ bar. 4. Wo wird man sich ver⸗ stecken? Was will die Blöße decken? Wer schminkt sich da geschwind? Wen kann die Lüge schützen? Wie wird ein Werkruhm nützen? Da sind wir alle, wie wir sind. 5. Herr, diese Offenbarung drück du mir zur Bewahrung beständig in den Sinn, daß ich auf das nur sehe, ich gehe oder stehe, wie ich vor deinem Auge bin. Philipp Friedrich Hiller 1699—1769. 538 Choralbuch 88(206). enen Tag, den Tag der Wehen, wird die Welt im Brand vergehen, wie Prophetenspruch geschehen. Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben 2. Welch Entsetzen vor der Kunde, daß der Richter kommt zur Stunde, prüfend alles bis zum Grunde! 3. Die Posaun im Wunder⸗ tone sprengt die Gräber jeder Zone, sammelt alle vor dem Throne. 4. Erd und Tod wird schaun mit Beben alle Kreatur sich heben, Antwort vor Gericht zu geben. 5. And ein Buch wird auf⸗ geschlagen, drin steht alles eingetragen, wes die Welt ist anzuklagen. 6. Wenn der Richter also sitzet, wird, was dunkel war, durchblitzet, vor der Rache nichts beschützet. 7. Ach wie werd ich Armer stehen, wen zum Anwalt mir erflehen, wenn Gerechte schier vergehen? 8. Hehrer König, Herr der Schrecken! Gnade nur deckt unsre Flecken: Gnade, Gnade laß mich decken! 9. Jesu, milder Heiland, siehe, wie ich Ziel war deiner Mühe, daß ich jenem Zorn entfliehe. 10. Bist so treu mich su⸗ chen gangen, hast am Kreuz für mich gehangen; nicht umsonst sei Müh und Bangen! 11. Richter mit der heil'gen Wage, tilge wider mich die Klage vor dem großen Rachetage! 12. Sieh, ich seufze schuld⸗ beladen, schamrotüberschwe⸗ ren Schaden: Hör mein Flehen, Gott, in Gnaden! 13. Du, der freisprach einst Marien und dem Schächer noch verziehen, hast auch Hoffnung mir verliehen. 14. Mein Gebet gilt nicht so teuer; aber laß mich, o du Treuer, nicht vergehn im ew'gen Feuer! 15. Zu den Schafen mich geselle; fern den Böcken und der Hölle mich zu deiner Rechten stelle! 16. Wenn Verworfne sich entfärben, die du hingibst ins Verderben, rufe mich zu deinen Erben! 17. Tief im Staub ring ich die Hände; zum Zerknirsch⸗ ten, Herr, dich wende! Herr, gedenke mein am Ende! Albert Knapp 1798-1864 (nach Thomas von Celano, um 1250). 539 Choralbuch 143(202). O Ewigkeit, du Donner⸗ wort! O Schwert, das durch die Seele bohrt! O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit! Ich weiß vor großer Trau⸗ rigkeit nicht, wo ich mich hin wende. Mein ganz er⸗ schrocknes Herz erbebt, daß mir die Zung am Gaumen klebt. 2. O Ewigkeit, du machst Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben mir bang! O, ewig, ewig ist zu lang! Hier gilt fürwahr kein Scherzen. Drum wenn ich diese lange Nacht zusamt der großen Pein betracht, erschreck ich recht von Herzen. Nichts ist zu finden weit und breit so schrecklich als die Ewigkeit. 3. Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf! Er⸗ muntre dich, verlornes Schaf, und beßre bald dein Leben! Wach auf! es ist doch hohe Zeit: es kommt heran die Ewigkeit, dir deinen Lohn zu geben. Vielleicht ist heut der letzte Tag; wer weiß noch, wie man sterben mag? 4. O Ewigkeit, du Donner⸗ wort! O Schwert, das durch die Seele bohrt! O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit! Ich weiß vor großer Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende. Nimm du mich, wenn es dir gefällt, Herr Jesu, in dein Freuden⸗ zelt! Johann Rist 1607—1667. Choralbuch 143(202): 5⁴0 O Ewigkeit, du Donnerwort. D Ewigkeit, du Freuden⸗ wort, das mich erquicket fort und fort! O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Freud ohne Leid! Ich weiß vor Herzensfröhlichkeit gar nichts mehr vom Elende, weil mir versüßt die 13* Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben keit, was uns betrübet in ich doch einmal hin zu deiner der Zeit. Bürger Zahl? 2. Im Himmel lebt der 2. Muß ich nicht in Pil⸗ Christen Schar bei Gott viel gerhütten unter strengem tausend, tausend Jahr, und Kampf und Streit, da so werden des nicht müde. Sie mancher Christ gelitten füh⸗ stimmen mit den Engeln ren meine Lebenszeit, da ein, sie sehen stets der oft wird die beste Kraft durch Gottheit Schein, sie haben die Tränen weggerafft? güldnen Frieden, da Chri⸗ 3. Ach wie wünsch ich dich stus gibt, wie er verheißt, zu schauen, Jesu, liebster das Manna, das die Engel Seelenfreund, dort auf dei⸗ speist. nen Salemsauen, wo man 3. Ach wie verlanget doch nicht mehr klagt und weint, nach dir mein mattes Herze sondern in dem höchsten Licht mit Begier, du übersel ges schauet Gottes Angesicht! Leben! Wann werd ich doch 4. Komm doch, führe mich einmal dahin gelangen, wo mit Freuden aus der Fremde mein schwacher Sinn stets hartem Stand; hol mich pfleget nachzustreben? Ich heim nach vielem Leiden in will der Welt vergessen ganz, das rechte Vaterland, wo mich sehnen nach des Him deinLebenswasser quillt, das mels Glanz. den Durst auf ewig stillt. 4. O Ewigkeit, du Freuden⸗ 5. O der auserwählten wort, das mich erquicket fort Stätte voller Wonne, voller und fort! O Anfang sonder Zier! Ach daß ich doch Flü⸗ Ende! O Ewigkeit, Freud gel hätte, mich zu schwingen ohne Leid! Ich weiß von bald von hier nach der neu⸗ keiner Traurigkeit, wenn ich erbauten Stadt, welche Gott mich zu dir wende. Herr zur Sonne hat! Jesu, gib mir solchen Sinn 6. Soll ich aber länger beharrlich, bis ich komm da⸗ bleiben auf dem ungestümen hin. Kaspar Heunisch Meer, wo mich Wind und 1620—1690. Wetter treiben durch so 541 mancherlei Beschwer: ach Choralbuch 149(08). so laß in Kreuz und Pein O Jerusalem, du schöne, Hoffnung meinen Anker da man Gott beständig sein! ehrt und das himmlische 7. Alsdann werd ich nicht Getöne:„Heilig, heilig, hei⸗ ertrinken: Christus ist mein lig!“ hört, ach wann komm Arm und Schild, und sein Pein Anker nicht mein d sein Schifflein kann nicht sinken, wär das Meer auch noch so wild; obgleich Mast und Segel bricht, läßt doch Gott die Seinen nicht. Friedrich Konrad Hiller 1662—1726. 5⁴42 Choralbuch 177(210). Aer Lilien jener Freu⸗ den sollst du weiden; Seele, schwinge dich empor! Als ein Adler fleug be⸗ hende! Jesu Hände öffnen schon das Perlentor. 2. Laßt mich gehen, laßt mich laufen zu dem Hau⸗ fen derer, die des Lammes Thron nebst dem Chor der Seraphinen schon bedienen mit dem reinsten Jubelton. 3. Löse, erstgeborner Bru⸗ der, doch die Ruder mei⸗ nes Schiffleins; laß mich ein in den sichern Friedensha⸗ fen zu den Schafen, die der Furcht entrücket sein. 4. Nichts soll mir am Her⸗ zen kleben, süßes Leben, was die Erde in sich hält. Sollt ich in der Wüste wei⸗ len und nicht eilen? Nein, ich will ins Himmelszelt. 5. Herzensheiland, laß den Glauben mir nichts rauben, Glauben, der durch alles dringt; nach dir sehnt sich meineSeele in der Höhle, bis sie sich von hinnen schwingt. 6. O wie bald kannst du es machen, daß mit Lachen Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben unser Mund erfüllet sei! Du kannst durch des Todes Tü⸗ ren träumend führen und machst uns auf einmal frei. 7. Du hast Sünd und Straf getragen; Furcht und Za⸗ gen muß nun ferne von mir gehn. Tod, dein Sta⸗ chel wird zu Schanden; frei von Banden werd ich fröh⸗ lich auferstehn. 8. Gotteslamm, dich will ich loben hier und droben mit herzinniger Begier. Du hast dich zum ew'gen Leben mir gegeben; hole mich, mein Heil, zu dir! Johann Ludwig Konrad Allendorf 1693-1773. Choralbuch 203(178): 543 Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. Es ist noch eine Ruh vor⸗ handen; auf, müdes Herz, und werde licht! Du seufzest hier in deinen Ban⸗ den, und deine Sonne schei⸗ net nicht. Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden dort wird vor seinem Stuhle weiden; wirf hin die Last und eil herzu! Bald ist der schwere Kampf geendet, bald, bald der saure Lauf vollendet; dann gehst du ein zu deiner Ruh. 2. Die Ruhe hat Gott aus⸗ erkoren, die Ruhe, die kein Ende nimmt; es hat, da noch kein Mensch geboren, die Liebe sie uns 1—5 be⸗ Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben stimmt. Das Gotteslamm, wird kein Tod uns mehr er⸗ es wollte sterben, uns diese reichen; wir werden unsern Ruhe zu erwerben; es ruft, König sehn. Er wird am es locket weit und breit: Brunnquell uns erfrischen, „Ihr müden Seelen und ihr die Tränen von den Augen Frommen, versäumet nicht, wischen. Wer weiß, was heut einzukommen zu meiner sonst noch soll geschehn! Ruhe Lieblichkeit.“ 6. Da ruhen wir und sind 3. So kommet denn, ihr in Frieden und leben ewig matten Seelen, die manche sorgenlos. Ach fasset dieses Last und Bürde drückt! Eilt, Wort, ihr Müden, legt euch eilt aus euern Kummerhöh⸗ dem Heiland in den Schoß! len, geht nicht mehr seufzend Ach, Flügel her! Wir müssen und gebückt! Ihr habt des eilen und uns nicht länger Tages Last getragen; dafür hier verweilen; dort wartet läßt euch der Heiland sagen: schon die frohe Schar. Fort, „Ich selbst will eure Ruhstatt fort, mein Geist, zum Jubi⸗ sein.“ Ihr seid sein Voll, ge⸗ lieren! Auf, gürte dich zum zeugt von oben; ob Sünde, Triumphieren! Auf, auf! es Welt und Satan toben, seid kommt das Ruhejahr. nur getrost und gehet ein! Zohann Siegmund Kunth 4. Was mag wohl einen 1700—1779. Kranken laben und einen 5 44 Choralbuch 135(23): müden Wandersmann? Wo Nun preiset alle. jener nur ein Bettlein haben ch hab von ferne, Herr, und sanfte darauf ruhen deinen Thron erblickt kann; wenn dieser sich darf und hätte gerne mein Herz niedersetzen, an einem fri⸗ vorausgeschickt und hätte schen Trunk ergötzen: wie gern mein müdes Leben, sind sie beide so vergnügt! Schöpfer der Geister, dir hin Doch dies sind kurze Ruhe⸗ gegeben. stunden; es ist noch eine Ruh 2. Das war so prächtig, erfunden, wo man auf ewig was ich im Geist gesehn. stilleliegt. Ou bist allmächtig, drum 5. Da wird man Freuden⸗ ist dein Licht so schön. Könnt garben bringen, denn unsre ich an diesen hellen Thro⸗ Tränensaat ist aus. Owelch nen doch schon von heute ein Jubel wird erklingen an ewig wohnen! und süßer Ton im Vater⸗ 3. Nur bin ich sündig, der haus! Schmerz, Seufzen, Erde noch geneigt; das hat Leid wird ferne weichen, es mir bündig dein heil' ger Geist gezeigt. Ich bin noch nicht genug gereinigt, noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 4. Doch bin ich fröhlich, daß mich kein Bann er⸗ schreckt; ich bin schon selig, seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Lie— ben üben und dich zeit⸗ lebens inbrünstig lieben. 5. Ich bin zufrieden, daß ich die Stadt gesehn; und ohn Ermüden will ich ihr näher gehn und ihre hellen, goldnen Gassen lebenslang nicht aus den Augen lassen. Johann Timotheus Hermes 17381821. 545 Choralbuch 178(50): Valet will ich dir geben. Dert über jenen Sternen, da ist ein schönes Land, mit seinen weiten Fernen dem Herzen wohl bekannt. Da blühen schöne Blüten in ew'ger Herrlichkeit; da winkt dem Kampfesmüden die Ruhe nach dem Streit. 2. Du weißt von keinem Worte, das es beschreiben kann; doch zieht's aus jedem Orte dich wunderbar hinan. Du kannst es nicht vergessen, in Freude nicht und Schmerz; und seine Wonne messen ver⸗ mag kein Menschenherz. 3. Doch ist es allen offen, die nur im Glauben stehn und, was sie irgend hoffen, dort in Erfüllung sehn; und Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben ein unnennbar Sehnen ver⸗ kündigt jeder Brust in ahnungsvollen Tränen von seiner ew'gen Lust. 4. Auch ist er selbst ge⸗ kommen, der dorten ewig war, und machte seinen Frommen im Glauben alles klar. Die Hülle ist gefallen, die vor den Augen lag, und sichtbarlich vor allen er— glänzt der neue Tag. 5. Nun ist die Welt nicht trübe, das Leben nimmer leer; mit ewig treuer Liebe winkt er von obenher. Er ist vorausgegangen und zieht das ganze Herz in glühen⸗ dem Verlangen ihm nach und heimatwärts. 6. O wende deine Blicke nur immer dort hinauf! Dort geht schon deinem Glücke die rechte Zukunft auf. Dort strahlt es dir hernieder, was du in Treu geglaubt, und du siehst alles wieder, was dir die Welt geraubt. 7. Dort bist du bei den Dei⸗ nen, die nichts mehr von dir reißt, die er mit all den Sei⸗ nen dich ewig grüßen heißt. Dort hast du überwunden. O faß es nur, mein Herz! Was ist in kurzen Stunden der bange Erdenschmerz? 8. Ein Traum in schweren Angsten umhüllet noch den Geist; doch wenn es bald am bängsten, sich los die Hülle reißt. Dann strahlt in Glanz und Klarheit des Himmels Morgenlicht. Des Herren ew'ge Wahrheit be— trügt den Glauben nicht. Karl Planck 1801—1825. Choralbuch 74 0): 546 Herr und Ältster deiner Kreuzgemeine. A*H das Meer gibt seine Toten wieder, wenn der Fürst des Lebens ruft, sie, die ohne Glockenschall und Lieder sanken in die nasse Gruft, die verzwei⸗ felnd mit dem Tod gerungen, eh der grause Abgrund sie verschlungen, alle, die seit Noahs Flut bergetief im Meer geruht. Offenb. 20, 13. 2. Weiter Friedhof mit viel tausend Hügeln— keine Hand streut Blumen drauf; aber Sonne, Mond und Sterne spiegeln mild sich in der Wellen Lauf—, du auch sollst den Raub ihm wiedergeben, der die Aufer⸗ stehung und das Leben; über Meer und über Land streckt er seiner Allmacht Hand. 3. Großer König Himmels und der Erden, Herrscher über Meer und Land, keine Seele soll entrissen werden deiner treuen Hirtenhand! Nimm auch sie zu deinem Schutz und Segen, die kein Mensch zur Ruhe durfte legen, bis du, hoher Lebens⸗ fürst, sie und uns erwecken wirst. Karl Gerok 1815—1890. Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben 547 Choralbuch 103(209). Laßt mich gehn, laßt mich gehn, daß ich Zesum möge sehn. Meine Seel ist voll Verlangen, ihn auf ewig zu umfangen und vor seinem Thron zu stehn. 2. Süßes Licht, süßes Licht, Sonne, die durch Wolken bricht, o wann werd ich dahin kommen, daß ich dort mit allen Frommen schau dein holdes Angesicht! 3. Ach wie schön, ach wie schön ist der Engel Lobge⸗ tön! Hätt ich Flügel, hätt ich Flügel, flög ich über Tal und Hügel heute noch nach Zions Höhn. 4. Wie wird's sein, wie wird's sein, wenn ich zieh in Salem ein, in die Stadt der goldnen Gassen! Herr, mein Gott, ich kann's nicht fassen, was das wird für Wonne sein. 5. Paradies, Paradies, wie ist deine Frucht so süß! Anter deinen Lebensbäumen wird uns sein, als ob wir träu⸗ men. Bring uns, Herr, ins Paradies! Gustav Knat 1806—1878. Choralbuch 153(108): 54 O selig Haus, wo man dich aufgenommen. Wie wird uns sein, wenn endlich nach dem schwe⸗ ren, doch nach dem letzten ausgekämpften Streit wir aus der Fremde in die Hei⸗ mat kehren und einziehn in das Tor der Ewigkeit; wenn wir den letzten Staub von unsern Füßen, den letzten Schweiß vom Angesicht ge⸗ wischt und in der Nähe sehen und begrüßen, was oft den Mut im Pilgertal erfrischt! 2. Wie wird uns sein, wenn wir vom hellen Strahle des ew'gen Lichtes übergossen stehn und— o der Wonne! — dann zum ersten Male uns frei und rein von aller Sünde sehn; wenn wir, durch keinen Makel ausgeschlossen und nicht zurückgescheucht von Schuld und Pein, als Himmelsbürger, Gottes Hausgenossen eintreten dür⸗ fen in der Sel'gen Reihn! 3. Wie wird uns sein, wenn wir mit Beben lauschen dem höhern Chor, der uns ent⸗ gegentönt; wenn goldne Harfen durch die Himmel rauschen das Lob des Lam⸗ mes, das die Welt versöhnt; wenn weit und breit die heil'ge Gottesstätte vom Hal⸗ leluja der Erlösten schallt und dort der heil'ge Weih⸗ rauch der Gebete empor zum Thron des Allerhöchsten wallt! 4. Wie wird uns sein, wenn nun dem Liebeszuge zu dem, der uns den Himmel aufge⸗ tan, mit ungehaltnem, sehn⸗ suchtsvollem Fluge die frei⸗ Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben gewordne Seele folgen kann; wenn nun vom Aug des Glaubens lichte Hülle wie Nebel vor der Morgensonne fällt und wir den Sohn in seiner Gottesfülle erblicken auf dem Thron als Herrn der Welt! 5. Wie wird uns sein, wenn wir ihn hören rufen: Kommt ihr Gesegneten! wenn wir, im Licht dastehend an des Gottesthrones Stufen, ihm schauen in sein gnädig An⸗ gesicht; die Augen sehn, die einst von Tränen flossen um Menschennot und Herzens⸗ härtigkeit, die Wunden, die das teure Blut vergossen, das uns vom ew'gen Tode hat befreit! 6. Wie wird uns sein, wenn durch die HDimmelsräume wir Hand in Hand mit Sel'gen uns ergehn am Strom des Lebens, wo die Lebens⸗ bäume frisch wie am dritten Schöpfungstage wehn; da, wo in ew'ger Jugend nichts veraltet, nicht mehr die Zeit mit scharfem Zahne nagt; da, wo kein Auge bricht, kein Herz erkaltet, kein Leid, kein Schmerz, kein Tod die Sel'⸗ gen plagt! 7. Wie wird uns sein, wenn jeder Blick zur Erde, ins dunkle Tal, das uns zu Füßen liegt, und jeder Blick auf jegliche Beschwerde, die wir, im Glauben wallend, Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben einst besiegt, die Herrlichkeit leuchte hell hinein, daß uns des Himmels uns verkläret werde klein das Kleine und und den Genuß des Friedens das Große groß erscheine, seb'ger macht, die Freude sel' ge Ewigkeit! Marie würzet derher Liebe nähret Schmalenbach, geb. 1835. zu dem, der herrlich uns hin⸗ Choralbuch 16(194): durchgebracht! 550 Hduuferstehn 18, 8. Wie wird uns sein? O, auferstehn wirst du. was kein Aug gesehen, kein Isx zeucht hin zu seiner Ohr gehört, kein Menschen⸗ Ruh der ew'gen Heimat sinn empfand, das wird uns zu. Nach dieser Erden er⸗ werden, wird an uns ge⸗ drückenden Beschwerden er⸗ schehen, wenn wir hinein⸗ quickst uns du. Jer. 31,2. ziehn ins gelobte Land. 2. Das ist Balsam auf das Wohlan, den steilen Pfad müde Haupt für den, der hinangeklommen! Es ist der hofft und glaubt; das stärkt Mühe und des Schweißes uns wieder, so oft der Kampf wert, dahin zu eilen und dort die Glieder der Kraft be⸗ anzukommen, wo mehr, als raubt. wir verstehn, der Herr be⸗ 3. Geht es auch durchs tiefe schert. Philipp Spitta Trübsalsmeer, der Gang ist 18011859. nicht zu schwer. Er spricht, 5 49 so stellen sich alle Wasser⸗ Choralbuch 20 1½). wellen zu Mauern her. Brich herein, süßer Schein 4. In der Wüste führt mit sel'ger Ewigkeit! Leucht starker Hand er uns durchs in unser armes Leben, unsern dürre Land, zeigt uns die Füßen Kraft zu geben, unsrer Wege und führt mit sanfter Seele Freud. Pflege zum Vaterland. 2. Hier ist Müh morgens 5. Auf sein Wort entströmt früh und des Abends spät, dem Felsgestein die Quelle, Angst, davon die Augen klar und rein. Er spricht sprechen, Not, davon die und segnet, und sieh, das Herzen brechen; kalter Wind Manna regnet auf uns oft weht. herein. 3. Jesus Christ, du nur bist 6. O so richte nur in allem unsrer Hoffnung Licht; stell Schmerz das Auge himmel⸗ uns vor und laß uns schauen wärts! Des Glaubens Seh⸗ jene immer grünen Auen, nen dringt aufwärts durch die dein Wort verspricht. die Tränen ans Vaterherz. 4. Ewigkeit, in die Zeit 7. Halte dich getrost an deinen Herrn, das Ziel ist nicht mehr fern. Schon kannst du schauen aus dunk⸗ ler Nächte Grauen den Mor⸗ genstern. 8. Was wird sein, wenn du im Lande bist, da Milch und Honig fließt, als Aber⸗ winder im Kreis der Gottes⸗ kinder den Lohn genießt! Otto Schott 1831—1901. 551 Choralbuch 149(208): O Jerusalem, du schöne. Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schar? Träget jeder eine Krone, glänzen gleich den Sternen klar; halleluja singen all, loben Gott mit hohem Schall. 2. Wer sind die, so Palmen tragen wie ein Sieger in der Hand, wenn er seinen Feind geschlagen und ge⸗ leget in den Sand? Welcher Streit und welcher Krieg hat erzeuget diesen Sieg? 3. Wer sind die in reiner Seide, welche ist Gerechtig⸗ keit, angetan mit weißem Kleide, das zerreibet keine Zeit und veraltet nimmer⸗ mehr? Wo sind diese kom⸗ men her? 4. Es sind die, die wohl ge⸗ kämpfet für des großen Got⸗ tes Ehr, haben Fleisch und Blut gedämpfet, folgend nicht dem Sünderheer, die erlanget in dem Krieg durch des Herren Arm den Sieg. Zukunft des Herrn, Gericht, ewiges Leben 5. Es sind Zeugen eines Namens, der uns Huld und Heil gebracht, haben in dem Blut des Lammes ihre Klei⸗ der hell gemacht, sind ge⸗ schmückt mit Heiligkeit, prangen nun im Ehrenkleid. 6. Es sind die, so stets er⸗ schienen hier als Priester vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit zu dienen, Leib und Seel geopfert gern. Nun stehn sie zu Gottes Ruhm vor dem Thron im Heilig⸗ tum. 7. Wie ein Hirsch am Mit⸗ tag lechzet nach dem Strom, der frisch und hell, so hat ihre Seel geächzet nach dem rechten Lebensquell. Nun ihr Durst gestillet ist, denn sie sind bei Jesu Christ. 8. Ach Herr Jesu, meine Hände ich zu dir nun strecke aus, im Gebet mich zu dir wende, der ich noch in dei⸗ nem Haus hier auf Erden steh im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit! 9. Hilf mir Fleisch und Blut besiegen, Teufel, Sünde, Höll und Welt; laß mich nicht darniederliegen, wenn ein Sturm mich überfällt; führe mich aus aller Not, Herr, mein Fels, mein treuer Gott! 10. Gib, daß ich sei neuge⸗ boren, an dir als ein grünes Reis wachse und sei aus⸗ erkoren zu des ew'gen Va⸗ ters Preis; bewahre rein, falschen Schein; Liturgischer Anhang daß ich mich großer meide allen Hilf, daß ich auch überwind alle Trübsal, Not und Tod, Trübsal kommen. 11. daß mein Teil sei bei bis ich komm zu meinem den Frommen, welche, Herr, Gott. dir ähnlich sind und aus Heinrich Theobald Schenk 1656—1727. Liturgischer Anhang Für die Abendmahlsfeier 552 Choralbuch 223(224%). Coriste du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen Frie⸗ den! Amen. 15²8. 553 Choralbuch 225(225). H der heilig, heilig ist der Herr Gott Zebaoth. Alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe! Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe! Altrirchlich. Für die Konfirmationsfeier 554 Choralbuch 226(226). err Jesu, dir leb ich, dir leid ich, dir sterb ich, dein bin ich tot und leben⸗ dig. Mach mich, o Jesu, ewig selig! Amen. Die Gnade 555 Choralbuch 224(223). Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Ge⸗ meinschaft des heiligen Gei⸗ stes sei mit uns allen, mit uns allen! Amen. Albert, Heinrich, geb. 1604 zu Lobenstein(Reuß), widmete sich der weltlichen und geistlichen Musik und Dichtkunst; er wurde Orga⸗ nist in Königsberg, wo er zum Dachischen Sängerbund ge⸗ hörte. 1651. Nr. 55. Allendorf, Johann Lud⸗ wig Konrad, geb. 1693 zu Jos⸗ bach bei Marburg, wurde Hofprediger in Cöthen, Pfar⸗ rer in Wernigerode, zuletzt in Halle. Ein Vertreter des jüngeren hallischen Pietis⸗ mus. Er gab mit andern die Sammlung der„Cöthni⸗ schen Lieder“ heraus. 4 1773. Nr. 13. 426. 527. 542. Altenburg, Michael, geb. 1584 zu Alach bei Erfurt, Lehrer, später Pfarrer in der Gegend von Erfurt, zuletzt Pfarrer in Erfurt selbst. Er komponierte Kirchengesänge und gilt als Verfasser des Lieds Nr. 245: Verzage nicht, du Häuflein klein, das auf die Losung des mdeld(4055) Heers bei Breitenfeld(1631) „Gott mit uns“ gedichtet und als Gustav Adolfs Feldlied⸗ lein vor der Schlacht bei Lützen 71940 angestimmt wurde. 4 1640. Annoni, Hieronymus, geb. 1697 in Basel, Pfarrer Verzeichnis der Liederdichter in Muttenz(Baselland), ge⸗ hörte dem Kreis des schweize⸗ rischen Pietismus an, 41770. Nr. 93. 293. Arends, Wilhelm Eras⸗ mus, geb. 1677 zu Langen⸗ stein bei Halberstadt, dichtete imGeist des hallischen Pietis⸗ mus, als Pfarrer in Halber⸗ stadt 4 1721. Nr. 419. Arndt, Ernst Moritz, geb. 1769 zu Schoritz auf der da⸗ mals schwedischen Insel Rü⸗ gen. Ein Freund des be⸗ rühmten preußischen Staats⸗ manns Freiherrn vom Stein; ein echt deutscher Mann, männlich auch in seinem Christentum. Er übte durch seine Schriften und seine Lie⸗ der während der Zeit der Be⸗ freiungskriege großen Ein⸗ fluß aus. Er verfaßte die für die Erneuerung der Ge⸗ sangbücher wichtige Schrift: „Vom Wort und vom Kir⸗ chenlied“(1819). 4 1860 als Professor der Geschichte in Bonn. Nr. 82. 107. 120. 157. 471. 522. Arnold, Gottfried, geb. 1666 in Annaberg Gönigr. Sachsen), studierte nach har⸗ ter Jugend in Wittenberg Theologie, mit Vorliebe Kir⸗ chengeschichte. Seine Stu⸗ dien über das Archristentum und seine Hinneigung zu mystischen und theosophi⸗ schen Kreisen brachten ihn für längere Zeit in schroffen Gegensatz zu der Theologie und Kirche seiner Zeit. Aus dieser timmung heraus schrieb er seine„Anparteiische Kirchen⸗ und Ketzer⸗Histo⸗ rie“. Später nahm er doch ein kirchliches Amt an, in N Allstedt(Sachsen⸗Weimar), Werben und Perleberg beide in der Altmarh), und atte sich dabei des Schutzes des Königs Friedrich I. von Preußen zu erfreuen. Auch seine Lieder atmen bei hoher dichterischer Begabung my⸗ stischen Geist, aber in abge⸗ klärter Weise. Er starb 17¹4 infolge des Schreckens, als preußische Werber während des Gottesdienstes in seine Kirche eindrangen. Nr. 192². 285. 397. 398(Q. 400. Bahnmaier, Jonathan Friedrich, geb. 1774 in Ober⸗ stenfeld( Württemberg), Pro⸗ fessor der Theologie in Tü⸗ h bingen. Er arbeitete an der Herausgabe des württem⸗ bergischen Gesangbuchs von 1841 mit. 4 1841 als Dekan in Kirchheim u. T. Nr. 109. Barth, Christian, geb. 1799 in Stuttgart, Pfarrer in Möttlingen, legte 1838 sein Amt nieder und wurde Begründer des„Calwer Verlagsvereins“ in Calw zur Herausgabe von Volks⸗ und Jugendschriften; er wirkte für die Belebung des Verzeichnis der Liederdichter Missionsinns in Württem⸗ berg 118767.205.. 258 Nr. 251. 262. 265. 267/. Behm, Martin, geb. 155/ in Lauban(Schlesien), nach harter Jugend zuerst Lehrer, dann Sberpfarrer in seiner Vaterstadt, Verfasser er⸗ baulicher Schriften und 1. 493800 Lieder, 1 1622. . Bengel, Johann Al⸗ brecht, geb. 1687 in Winnen⸗ den(Württemberg), 1713 Präzeptor an dem theologi⸗ schen Seminar zu Denken⸗ dorf, 1741 Prälat von Her⸗ brechtingen, 1749 Prälat von Alpirsbach mit dem Wohn⸗ sitz in Stuttgart. Er übte durch seine Schriftauslegung weitreichenden Einfluß auf die evangelische Theologie und auf die württembergi⸗ schen. Ni. 10 305 aus. + 1752. Nr. 14. 305(nach dem Lateinischen des refor⸗ mierten Peter Poiret, 1 1719). Berger, Johann Wil⸗ elm, geb. 17⁴4/ zu Gräfrath bei Elberfeld, zuerst Lehrer, später Vorstand einer Er⸗ ziehungsanstalt für junge Kaufleute in Mülheim an der Ruhr, 1829 zu Bar⸗ men. Nr. 78. Betichius, Johann, geb. 1650 zu Steckby(Anhalt). Sein Lied Nr. 449 enthält in den Anfangsbuchstaben der Strophen den Spruch: Das walte Gott. 1722 als Diakonus in Zerbst(Anhalt). Bienemann, Kaspar, Verzeichnis der Liederdichter 3 geb. 1540 zu Nürnberg, in seiner Jugend einer kaiser⸗ lichen Gesandtschaft nach Griechenland als Dolmet⸗ scher beigegeben, seitdem griechisch„Melissander ge⸗ nannt, später aus verschie⸗ denen geistlichen mtern um theologischer Streitig⸗ keiten willen vertrieben, 1578 Pfarrer und General⸗ superintendent in Altenburg, +1591. Das Lied Nr. 36 ist auf den Reimspruch der Her⸗ zogin Maria zu Sachsen, „Herr, wie du willst“, ge⸗ dichtet(vgl. die Anfangs⸗ buchstaben der drei Stro⸗ en). Birken, Siegmund von, geb. 1626 zu Wildstein(Böh⸗ men), das er als Kind mit seinen Eltern des Glaubens wegen verlassen mußte, lebte in Nürnberg, wo er Vor⸗ steher des„Blumenordens“ wurde. 1681. Nr. 179. 417. Blarer, Ambrosius, geb. 1492 zu Konstanz, um 1515 Mönch und Prior im Bene⸗ diktinerkloster Alpirsbach, das er 1522 um seiner evan⸗ gelischen Aberzeugung willen verließ, 1525 Prediger in sei⸗ ner Heimatstadt. Er wirkte als Reformator im süd⸗ lichen Schwaben und in der Schweiz, wurde 1534 von Herzog Alrich neben Erhard Schnepf zur Durchführung der Reformation nach Würt⸗ temberg berufen. Nach einem vielbewegten, an Trübsal reichen Leben, in dem er un⸗ gebeugten Glaubensmut be⸗ währte, starb er als Pfarrer in Winterthur 1564. Neben Johann Zwick der bedeu⸗ tendste unter den Konstanzer Sängern der Reformations⸗ zeit. Nr. 238 ‚(ins Hoch⸗ deutsche übertragen von Pro⸗ 1.81 Spitta zu Straßburg). lumhardt, Christoph, geb. 1805 zu Stuttgart, zog sich nach einer stürmischen Erweckungszeit in seiner Ge⸗ meinde Möttlingen vom Pfarramt zurück und wurde in Bad Boll durch eigen⸗ artige Seelsorge und durch Ausbau seiner auf eine große Erlösungszeit gerichteten Ge⸗ danken vielen ein geistlicher Führer, ohne sie in einer be⸗ sonderen Gemeinschaft zu sammeln. Daneben förderte er den Missionsinn in Würt⸗ temberg. 4 1880. Nr. 358. Bo gatzky, Karl Heinrich von, geb. 1690 zu Jantkawe (Schlesien), studierte zuerst die Rechte, dann Theologie, nahm aber wegen Kränklich⸗ keit kein Pfarramt an, lebte seit 1746 in Halle, wo er eine Güter zum Besten des Waisenhauses verkaufte. Verfasser vieler erbaulicher Schriften(Schatzkästleinu. a.). + 1774. Nr. 252. 290. 408. Bruiningk, Heinrich von, geb. 1738 in Riga, Mitglied der Brüdergemeine, Predi⸗ ger in Zeist(Dolland) und in Gnadenfrei(Schlesien), zu⸗ letzt Mitglied der Anitäts⸗ ältestenkonferenz in Herrnhut +* ö ö 9 —:....... 4 Verzeichnis der Liederdichter Königr. Sachsen). Er wirkte ei der Abfassung des Ge⸗ sangbuchs der.291955. meine(1778) mit. 4+ 1785. Nr. 199(gemeinsam mit Wo⸗ beser). Buchka, Johann Simon, geb. 1705 zu Arzberg bei Bayreuth, 1752 als Hilfs⸗ prediger zu Hof im Vogt⸗ land. Nr. 423. Bürde, Samuel Gott⸗ lieb, geb. 1753 in Breslau, Hofrat und Kanzleidirektor, Vertreter der Aufklärung, + 1831. Nr. 48. 368. 485. ⸗401033(KRen ünd chim, geb. 1633() zu Lüne⸗ burg, Prediger daselbst, + 16/2. Nr. 513. Celano, Thomas von, so genannt von seinem Ge⸗ burtsort Celano(Mittel⸗ italien), lebte gleichzeitig mit Franz von Assisi, dem Be⸗ gründer des Franziskaner⸗ ordens, im 13. Jahrhundert. Er gehörte zu dessen nächsten Freunden und Mitarbeitern und war eine Zeitlang auch in Deutschland tätig. Er gilt als Verfasser des lateinischen Liedes: Dies irae. Nr. 538. Die Abersetzung ins Deutsche stammt von Albert Knapp. Claudius, Matthias, geb. 1740 zu Reinfeld(dol⸗ N stein). Obwohl er das schon begonnene theologische Stu⸗ dium nicht fortsetzte, wurde er als geist⸗ und gemütvoller Schriftsteller(unter dem Na⸗ men„Asmus, der Wands⸗ becker Bote“) ein wirkungs⸗ kräftiger Verteidiger des bib· lischen Christentums. Er lebte in Wandsbet bei Ham⸗ burg und starb 1815 in Ham⸗ burg. Nr. 86. 174. Clausnizer, Tobias, geb. 1618 zu Thum(Königr. Sachsen), schwedischer Feld⸗ prediger, später Kirchenrat in Weiden(Oberpfalz), + 1684. Nr. 96. Cramer, Johann An⸗ dreas, geb. 1723 zu Jöhstadt (Königr. Sachsen), Hofpre⸗ diger in Kopenhagen, Ver⸗ treter der Aufklärung. 4 1788 als Professor der Theologie in Kiel. Nr. 7. 113. 440. Crasselius 5.100 Bartholomäus, geb. 166/ zu Wernsdorf(Königr. Sach⸗ sen), Schüler A. H. Franckes, Pfarrer in Süsseldorf, 1724. Nr. 23.410(%)(nach dem Hol⸗ ländischen des Jodokus von Lodenstein(& 1677): Heilge Jesu). 412. Dach, Simon, geb. 1605 in Memel(Ostpreußen), Pro⸗ fessor der Dichtkunst und Be⸗ redsamkeit in Königsberg, weithin bekannt als Verfasser weltlicher und geistlicher Lie⸗ der, Gründer eines Dichter⸗ bundes, welchem u. a. Albert, Nand9 n Maönud 4 1659. v Decius, Nikolaus, wurde im Anfang des 17. Jahrhun⸗ derts als Verfasser der beiden schon 1525 und 1531 gedruck⸗ ten Lieder Nr. 1 und 17/7 ge⸗ nannt. Man vermutet unter diesemNamen Nikolaus Tech C2‚II‚aE S& oder Tecius von Hof in Oberfranken, der früher Propst an einem Nonnen⸗ kloster bei Braunschweig ge⸗ wesen war, 1523 in Witten⸗ berg studierte und 1524 evan⸗ gelischer Prediger in Stettin wurde, wo er 1529 starb. Beide Lieder sind Aberarbei⸗ tungen altkirchlicherGesänge, des Gloria in excelsis Deo(hre sei Gott in der Höhe) und des Agnus Dei (O Lamm Gottes). Deßler, Wolfgang Chri⸗ stoph, geb. 1660 in Nürn⸗ berg, von Jugend auf viel durch Kränklichkeit gehemmt, wurde Konrektor in seiner Vaterstadt. Seine Lieder zei⸗ gen neben der Verwandt⸗ „Du mit dem Nürnberger „Blumenorden“ den Einfluß Speners. 4 1722. Nr. 386. Drese, Adam, geb. 1620 in Thüringen(Weimar?), wurde Kapellmeister an ver⸗ schiedenen thüringischen Hö⸗ fen; später wirkten Speners Schriften bestimmend auf ihn und seine Lieder ein. 4 1701 zu Arnstadt(Schwarzburg⸗ Sondershausen). Nr. 384. Eber, Paul, geb. 1511 in Kitzingen(Bayern), Me⸗ lanchthons Schüler und Freund,‚ Professor der Theo⸗ logie, daneben Stadtpfarrer und Generalsuperintendent in Wittenberg, 41569. Nr. 32 nach dem Lateinischen des Joachim Camerarius. Edeling, Christian Lud⸗ wig, Zinzendorfs Hofmeister, Verzeichnis der Liederdichter 5 geb. 1678 zu Löbejün bei Halle, als Oberpfarrer in Schwanebeck bei Halberstadt + 1742. Nr. 282. Englisch, Johannes, geb. zu Buchsweiler(Elsaß), Pre⸗ diger in Straßburg, 15/7. Nr. 130(ins Hochdeutsche übertragen von Professor Spitta zu Straßburg). Falk, Johannes, 1768 zu Danzig als Sohn eines armen Perückenmachers ge⸗ boren, stiftete in der Napo⸗ leonischen Kriegszeit die„Ge⸗ sellschaft der Freunde in der Not“; als Gründer des „Lutherhofs“ Bahnbrecher in der Fürsorge für verwahr⸗ loste Kinder, 1826 als Lega⸗ tionsrat in Weimar. Nr. 468. Feddersen, Jakob Fried⸗ rich, geb. 1736 zu Schleswig, Domprediger in Braun⸗ schweig, Hauptpastor in Al⸗ tona, 1788. Nr. 482. Fleming, Paul, geb. 1609 zu Hartenstein im Erzgebirge, begleitete als Arzt in hol⸗ steinischen Diensten eine Ge⸗ sandtschaft nach Rußland, eine zweite nach Persien. Zum Beginn der ersten, 1633 unternommenen Reise dichtete er das Lied Nr. 324, die bekannteste seiner zahl⸗ reichen, meist dem weltlichen Gebiet angehörigen Dich— tungen, mit denen er einen Ehrenplatz unter den Dich⸗ tern seiner Zeit errungen hat. + 1640 in Hamburg. Franck, Johann, geb.1618 zu Guben(Brandenburg)// i wo er später Bürgermeister wurde; Schüler von Dach, nach Gerhardt der bedeu⸗ tendste Kirchenliederdichter seiner Zeit, 4 1677. Nr. 123. 133(eine Bearbeitung des auch von Luther ins Deutsche übertragenen Hymnus von Ambrosius: Veni, redemp- tor gentium). 172. 380. J 455. Franck, Michael, geb.1609 zu Schleusingen(Provinz Sachsen), mußte trotz großer Neigung zumStudieren Bäk⸗ ker werden, kam im 30jäh⸗ rigen Krieg um seine ganze Habe, wurde später Lehrer in Koburg und Mitglied des „Elbschwanordens“. 166/. Nr. 495. Franck, Salomo, Kon⸗ sistorialsekretär in Weimar, wo er 1659 geboren und 17²⁵ gestorben ist. Ein inniger, volkstümlicher Liederdichter. Nr. 42. 203. 325. 511. Francke, August Her⸗ mann, geb. 1663 inLübeck, Be⸗ gründer des Waisenhauses in Halle, Mitbegründer des Pietismus. Auch seine Lie⸗ der sind ein Stück des reichen Erbes, das die evangelische Kirche diesem Manne dankt. + 17²7 aäls Professor der Theologie und Pfarrer in Halle. Nr. 88. 318. Das letztgenannte Lied ist auf den Tod der Frau eines Freun⸗ des gedichtet. Franke, August Her⸗ mann, geb. 1853 zu Sundern bei Gütersloh, Verfasser der Verzeichnis der Liederdichter „Oeutschen Psalmen“, Pro⸗ fessor der Theologie in Halle undKiel; 4 1891 in Montreux. Nr. 257. 407. Franz, Agnes, geb. 17⁴ zu Militsch(Schlesien), wirkte im Dienst der Inneren Mis⸗ sion und widmete sich be⸗ sonders der Kinderwelt; 1843 zu Breslau nach langem körperlichem Leiden. Nr. 46/. Frauenholtz, Johann Christoph, geb. 1684, vermut⸗ lich zu Kloster Langheim bei Lichtenfels(Oberfranken), + 1754 als Kapellmeister und Organist an der Neuen Kirche in Straßburg. Nr. 462. Freylinghausen, Jo⸗ hann Anastasius, geb. 1670 zu Gandersheim(Braun⸗ schweig), A. H. Franckes Ge⸗ hilfe, Schwiegersohn und Nachfolger im Pfarramt wie am Waisenhaus in Halle. In dem nach ihm benannten Gesangbuch haterdenreichen Strom der Lieder des Pie⸗ tismus gesammelt. 1739. Nr. 74. 77. 357. 385. Freystein, JohannBurk⸗ hard, geb. 1671 zu Weißen⸗ fels(Provinz Sachsen), Hof⸗ und Justizrat in Dresden, wo er Spener nahe trat. + 1718. Nr. 316. Frommann, Johann Al⸗ rich, geb. 1669 in Tübingen, wo er 1715 starb als Pro⸗ fessor der Theologie. Er wurde auf der Kanzel vom Schlag getroffen. Nr. 309. Garve, Bernhard, geb. 1763 zu Jeinsen bei Han⸗ nover, Prediger der Brüder⸗ gemeine in Berlin und an andern Orten, + 1841 in 445. Nr. 101. 108. 160. Gedicke, Lambert, geb. 1683 zu Gardelegen 1er A. Sachsen), ein Schüler A. H. Franckes, Fals Feldpropst in Berlin 1736. Nr. 333. Gellert, Christian Fürch⸗ tegott, geb. 1715 zu Hai⸗ nichen(Königr. Sachsen), all⸗ gemein beliebt als Professor der Philosophie und Moral wie als Lieder⸗ und Fabel⸗ dichter. Gellert, selbst ein Kind der Aufklärungszeit, war ein großer Verehrer der alten Kirchenlieder. + 1769 in Leipzig. Nr. 29. 43. 54. 67. 122. 156. 181. 219. 334. 337. 364. 478. Georgii, David Samson, geb. 1697 zu Neuffen(Würt⸗ temberg), Pfarrer in Enz⸗ weihingen, Dekan in Back⸗ nang, 1756. Nr. 256. Gerhardt, Paul, geb. 1607 zu Gräfenhainichen bei Wittenberg, wo er studierte; 1643—51 als Kandidat in Berlin tätig, 1651 Propst in Mittenwalde(Branden⸗ burg), 1657 Diakonus von St. Nikolai in Berlin. Hier erlebte er 1666 den schmerz⸗ lichen Zusammenstoß mit dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelmz der luthe⸗ rische Pfarrer wurde vondem reformierten Fürsten seines Amtes entsetzt, weil er seine Verzeichnis der Liederdichter 7 theologischeAberzeugung der von dem Landesherrn schon damals erstrebten Gleichbe⸗ rechtigung beider evangeli⸗ scher Bekenntnisse nicht zum Opfer bringen konnte. Ja Gerhardt verzichtete ge— wissenshalber 1667 auf die ihm angebotene Wiederein⸗ setzung in sein Amt. 1669 wuͤrde er Archidiakonus in Lübben an der Spree(Lau⸗ sitz), wo er 1676 starb. Nach Luther der größte Lieder⸗ dichter der evangelischen Kirche. Seine Dichtergabe betätigte sich ausschließlich im geistlichen Liede; hier aber umspannen seine etwa 130 Lieder den ganzen Amkreis des christlichen Lebens. Ein großer Teil von ihnen ist samt den dazu gehörigen Weisen Gemeingut der deut⸗ schen evangelischen Kirche geworden. Nr. 15. 20. 24. 26. 46. 50. 53. 64. 131. 138. 147. 150. 151. 152. 163. 178. 180. 186. 187.(Die beiden Lieder:„Sei mir tausendmal gegrüßet“ und:„O Haupt voll Blut und Wunden“ sind Amdichtungen aus dem irr⸗ tümlich Bernhard von Clair⸗ vaux zugeschriebenen„Pas⸗ sionssalve an die leidenden Gliedmaßen Christi“, jenes „an die Füße“, dieses„an das leidende Angesicht“ Jesu Christi.) 188. 215. 233. 236. 7. 31/. 328. 342. 344. 346. 348. 350. 351. 353. 379(dieses wie 351 nach Johann Arndts Paradiesgärtlein). 446. 450. 517• 456. 457. 480. 487. 505. 17. Gerok, Karl, geb. 1815 zu Vaihingen a. d. E., zu⸗ letzt Oberhofprediger und Prälat in Stuttgart, ein Mann von milder, biblischer Richtung, in dem Dichter⸗ gabe und Predigtgabe aufs innigste verschwistert waren. Verfasser der, Palmblätter“, der„Pfingstrosen“ und an⸗ derer Gedichtsammlungen. + 1890. Nr. 546 ist auf den Tod eines Bruders beim Brande des Dampfers Au⸗ stria gedichtet. Gesenius, Justus, geb. 1601 zu Esbeck(Hannover), Freund des Theologen Ca⸗ lixtus in Helmstädt(Braun⸗ schweig), Mitglied der „Fruchtbringenden Gesell⸗ schaft“, Mitherausgeber des Hannoverischen Gesang⸗ buchs von 1646, das erstmals grundsätzlich ältere Lieder nach neuerem Geschmack ver⸗ änderte, + 1673 als Hof⸗ 453 prediger und Generalsuperin⸗ tendent in Hannover. Nr.190. Geßner, Georg, geb. 176⁵ zu Dübendorf bei Zürich, Pfarrer und Antistes in Zürich, Schwiegersohn La⸗ vaters, 4 1843. Nr. 475. Gotter, Ludwig Andreas, geb. 1661 in Gotha, 4 1735 als Hofrat daselbst. Ein Mann aus A. H. Franckes Schule. Nr. 28(Ahlands Lieblingslied). 41. Gramann, Johann, geb. 148/7 zu Neustadt am Main Verzeichnis der Liederdichter Anterfranken), Ecks Sekretär ei der Disputation mit Luther 1519, dann Anhänger Luthers und durch dessen Vermittlung nach Königs⸗ berg berufen, wo er mit Speratus die Reformation einführte. 4 1541. Nr. 21. Gregor, Christian, geb. 1723 zu Dirsdorf(Schlesien), Musikdirektor und seit 1789 Bischof der Brüdergemeine, deren Gesangbuch er 1778 mit Unterstützung durch Brui⸗ ningk und von Wobeser be⸗ arbeitete, wobei namentlich auch Zinzendorfs Lieder ihre jetzige Gestalt erhielten. + 1801. Nr. 200. 390. Grüneisen, Karl, geb. 1802 in Stuttgart, Oberhof⸗ prediger und Prälat daselbst, verdient um das Verständ⸗ nis für die Bedeutung der Kunst in der evangelischen Kirche, Mitarbeiter an dem württembergischen Gesang⸗ buch von 1841. + 1878. Nr. 5. Grünwald, Georg, ein Schuhmacher aus Kitzbühl in Tirol, der als eifriges Mitglied der Wiedertäufer⸗ gemeinde auf Befehl der österreichischen Regierung 1530 in Kufstein(Tiroh ver⸗ brannt wurde. Nr. 30 Günther, Cyriakus, geb. 1650 zu Goldbach bei Gotha, + 1704 als Gymnasiallehrer in Gotha. Nr. 126. Härter, Franz, geb. 1797 zu Straßburg, wo er später Pfarrer wurde und das Dia⸗ konissenhaus ins Leben rief. + 18/4. Nr. 371. Hagenbach, Karl Rud⸗ olf, geb. 1801 in Basel, wo er mehr als 50 Jahre Pro⸗ fessor der Theologie war. Sein Interesse war der Ge⸗ chichte der evangelischen Kirche und ihrer Lebens⸗ äußerungen, namentlich auch im Liede, zugewandt. 1874. Nr. 359. Hahn, Michael, geb. 1758 N in Altdorf bei Böblingen, wohnhaft in Sindlingen, ein Landmann, der durch seine an die Theosophie Böhmes erinnernden, auf Heiligung dringenden Vorträge und Schriften tiefen Einfluß aus⸗ übte. Stifter der nach ihm benannten Gemeinschaft, Verfasser zahlreicher Lieder. + 1819. Nr. 98. 396. 443. Hardenberg, Friedrich von(Novalis), geb. 1772 auf dem Gut Ober-Wiederstedt im Mansfeldischen(Provinz Sachsen). Der Dichter der innigen, werbenden Zesus⸗ liebe unter der Dichterschule der Romantiker. 4 1801 als Nr. 389i or in Weißenfels. Nr. 389. Harleß, Adolf, geb. 1806 zu Nürnberg, Professor der Theologie in Erlangen, Prä⸗ sident des protestantischen Oberkonsistoriums in Mün⸗ chen. Vertreter der neubeleb⸗ ten lutherischen Richtung. + 1879. Nr. 84. Harttmann, Karl Fried⸗ rich, geb. 1743 zu Adelberg Verzeichnis der Liederdichter 9 (Württemberg), Professoran der Karlsakademie in Stutt⸗ gart, später Dekan in Lauffen, +1815 in Tübingen. Nr. 375 (ursprünglich ein Gelegen⸗ heitsgedicht für einen ent⸗ schlafenen Freund). 268, 8. Hausmann, Julie von, geb. 1825 zu Mitau(Kur⸗ land), war längere Zeit als Erzieherin tätig und lebte zuletzt in Petersburg. 4 1901. r. 340. Hayn, Luise von, geb.1724 in Idstein(Nassau), trat in die Brüdergemeine ein. + 1782 in Herrnhut. Nr. 465. Hecker, Heinrich Korne⸗ lius, geb. 1699 zu Hamburg, Pfarrer zu Meuselwitz bei Altenburg, 4 1743. Nr. 105. 144. 148. Heermann, Johann, geb. 1585 zu Raudten(Schlesien). Seine früherwachte dichte— rische Begabung und die Freundschaft Valerius Her⸗ bergers(s.d.), in dessen Haus der Jüngling Aufnahme fand, bahnten ihm den Weg zum theologischen Studium und zum Pfarramt, das er in Köben bei Glogau 2/ Jahre lang bekleidete, bis Kränk⸗ lichkeit ihn nötigte, es nieder⸗ zulegen. Seine letztendebens⸗ jahre verbrachte er in dem polnischen Lissa. Er war der bedeutendste Kirchenlie⸗ derdichter in der Zeit zwischen Luther und Gerhardt. Seine zahlreichen Lieder(gegen500) zeigeninihrerFormgewandt⸗ heit denEinfluß der zeitgenös⸗ 10 Verzeichnis der Liederdichter sischen Dichtung(erste schle⸗ siche Dichterschule), wurzeln aber ganz im evangelischen Gemeindeglauben; sie haben die schweren Erfahrungen Heermanns und seiner Ge⸗ meinde während des 30jäh⸗ rigen Kriegs und der schlesi⸗ schen Gegenreformation zum ernsten Hintergrund. 1 164⁴⁷7. Nr. J. 184(nach Augustins Meditationen Kap. 7). 191. 209. 241. 244. 377. Held, Heinrich, geb. 1620in Guhrau(Schlesien), Rechts⸗ anwalt in Fraustadt(Posen), f. Alt⸗ Nr. 63. 153. 477. 514(etzteres Nals Kämmerer von damm(bei Stettin)1659. Ein Dichter aus der älteren schle⸗ sischen Schule. Nr. 136. 34. Helmbold, Ludwig, geb. 1532 zu Mühlhausen in Thü⸗ ringen, Konrektor am Päda⸗ gogium in Erfurt, ein Freund der Jugend, auch in seinen zahlreichen Liedern, die ihm den kaiserlichen Dichterlor⸗ beer eintrugen, zuletzt Super⸗ intendent in seiner Vater⸗ stadt. 4 1598. Nr. 323. 463. Herberger, Valerius, geb. 1562, wurde nach müh⸗ sam erkämpftem Studium zuerst Lehrer, dann Pfarrer in seiner damals zum König⸗ reich Polen gehörigen Vater⸗ stadt Fraustadt. Mit seiner Gemeinde hatte er viel durch den Fanatismus der katho⸗ lischen Polen, durch Feuers⸗ brunst und Kriegsnöte zu er⸗ dulden. Das Lied Nr. 504: Valet will ich dir geben, wor⸗ ein er in den Anfangsbuch⸗ staben der einzelnen Stro⸗ phen seinen Taufnamen hin⸗ einwob, dichtete er wäh⸗ rend einer schweren Pestzeit. + 1627. Herman, Nikolaus, geb. in Altdorf bei Nürnberg um 1480, Kantor zu Joachimstal Böhmen), Freund seines farrers Johann Mathesius und Freund der Kinder, denen viele seiner erst im Ruhestand gedichteten Lie⸗ der gewidmet sind. Auch mehrere Choralmelodien tammen von ihm. 4 1561. nach dem Wort Augustins: Purbabor, sed non per- turbabor, quia vulnerum Christi recordabor). Hermes, Johann August, geb. 1736 in Magdeburg, Oberprediger in Duedlin⸗ burg, entschiedener Vertreter der Aufklärung, + 182 Nr. 189. Hermes, Johann Timo⸗ theus, geb. 1738 zu Petznick (Hommern),Superintendent zu Breslau, 4 1821. Nr. 544. Herrmann, Johann Gottfried, geb. 1707 zu Alt⸗ jeßnitz(Provinz Sachsen), Oberhofprediger in Dres⸗ den, 4 1791. Nr. 16. Herrnschmidt, Johann Daniel, geb. 1675 in Bop⸗ fingen(Württemberg), stand zuerst zu Bopfingen neben seinem Vater im geistlichen Amt und erlebte schwere Drangsale im Spanischen Erbfolgekrieg, später Pro⸗ NEEESs5s SE zust, urg, dlin⸗ eter 8²². Verzeichnis der Liederdichter 11 fessor der Theologie und itdirektor der Franckischen Stiftungen zu Halle. 4 1723. Nr. 22. 326. Herwig, Sophie, geb. 1810 in Eßlingen, wo ihr Vater Dekan war, A nach schwerem Leiden in jugend⸗ lichem Alter 1836. Nr. 263. Heunisch, Kaspar, geb. 1620 zu Schweinfurt(Bay⸗ Teit wo er auch den größten Teil seiner Amtstätigkeit als Pfarrer verbrachte. 4 1690. Nr. 540 Hiller, Friedrich Konrad, geb. 1662 zu Anteröwisheim (damals württembergisch, jetzt badisch), Kanzleiadvokat in Stuttgart, 41726. Nr. 249. 524. 541. Hille oin Migt Friedrich, geb. 1699 in Mühlhausen an der Enz(Württemberg), be⸗ kleidete das Pfarramt in Neckargröningen bei Lud⸗ wigsburg, in seiner Heimat und in Steinheim bei Heiden⸗ heim. Ein geistlicher Sohn von Bengel. Er ist durch sein „Geistliches Liederkästlein“ der Lieblingsdichter nicht bloß der Gemeinschaftskreise sondern des ganzen evangeli⸗ schen Volkes in Württemberg geworden. Er war seit 1751 durch Stimmlosigkeit am Predigen verhindert. 4 1769. Nr. 17. 40. 44. 75. 85. 141. 143. 175. 197. 226. 228. 273. 276. 281. 288. 291. 294. 296. 297. 312. 319. 330. 339. 388. 392. 428. 436. 442. 445. 481. 500. 509. 512. 515. 528. 535. 537. Hippel, Theodor Gott⸗ lieb von, geb. 1741 zu Ger⸗ dauen(Ostpreußen), Bürger⸗ meister in Königsberg, ein Freund des Philosophen Kant, bedeutender Schrift⸗ steller und origineller Mensch, ein Mann von fester christ⸗ licher berzeugung trotz manchen Widersprüchen in seinem Wesen. 11796. Nr. 499. Hoffmann, Gottfried, geboren 1658 zu Plagwitz (Schlesien)) seine Eltern mußten des Glaubens wegen vor den Zesuiten fliehen; er wurde Rektor zu Lauban Lehrerh und als solcher ehrer Schmolcks. Als Rek⸗ tor in Zittau(Sachsen) 41712. Nr. 518. Hohenlohe⸗Kirch⸗= berg, Friedrich Eberhard, Prinz zu, geb. 173/ zu Kirch⸗ berg an der Jagst(Würt⸗ temberg), Verfasser eines Gebetbuchs und mehrerer geistlicher Lieder, starb in einer Stunde mit seiner frommen Gemahlin 1804. Nr. 35. Homburg, Ernst Chri⸗ stoph, geb. 1605 zu Mihla bei Eisenach, Rechtskonsu⸗ lent in Naumburg(Provinz Sachsen). Arsprünglich welt⸗ licher Dichter und als solcher Mitglied der„Fruchtbrin⸗ genden Gesellschaft und des „Elbschwanordens“, wandte er sich später unter dem Ein⸗ fluß schweren Hauskreuzes ganz der geistlichen Dichtung zu. 4 1681. Nr. 182. 221. 12 Verzeichnis der Liederdichter Hosch, Wilhelm Ludwig, geb. 1750 zu Hornberg(da⸗ mals württembergisch, jetzt badisch), Pfarrer in Gä⸗ chingen bei Arach und in Aid⸗ lingen bei Böblingen, 11811. Nr. 365 Huber, Johann Ludwig, geb. 1723 in Großheppach (Württemberg), Oberamt⸗ mann in Tübingen, von Her⸗ zog Karl 1764 willkürlich sei⸗ nes Amtes entsetzt und auf dem Hohenasperg gefangen⸗ gehalten, +1800 in Stuttgart. Nr. 488. Hubert, Konrad, geb. 1507 zu Bergzabern(Pfalz), durch Okolampad für die nen⸗deit 185 Sache gewon⸗ nen, seit 1531Helfer in Straß⸗ burg, treuester langjähriger Sekretär Bucers, wegen der Abendmahlslehre 1563 aus dem Amt entlassen, 157/ in Straßburg. Nr. 299. Ingolstätter, Andreas, geb. 1633, ein gelehrter und reicher Kaufmann, Mitglied des„Blumenordens“, dabei ein edler Menschenfreund, + 1711 zu Nürnberg. Nr. 447, Job, Johann, geb. 1664 zu Frankfurt a. M. als Rats⸗ herr und Baumeister in Leip⸗ zig + 1736. Nr. 22, ö. Keimann, Christian, geb. 1607 zu Pankratz(Böhmen), hat in seiner Jugend die Schrecken des 30jährigen Krieges durchgekostet, wurde Rektor des Gymnasiums in Zittau(Sachsen). Gekrönter Dichter. + 1662. Das Lied Nr. 383 ist aus folgender Veranlassung gedichtet: D. Weller, Beichtvater des Kur⸗ fürsten Johann Georg I. von Sachsen(& 1656), fragte die⸗ sen auf seinem Sterbebett, ob Kurfürstliche Durchlaucht Jesum im Herzen habe. Er antwortete: Meinen Jesum lass' ich nicht. Diesen Spruch geben zunächst die Anfangs⸗ worte der 5 ersten Strophen wieder; in der 6. Strophe aber bedeuten die Anfangs⸗ buchstaben derpersten Zeilen den Namen: Johann Georg Churfürst zu Sachsen und verbinden sich mit den b letz⸗ ten Worten der Strophe (spricht:„Meinen Jesum lass' ich nicht“). Nr. 154. Kemmler, Gottlob, geb. 1823 in Reutlingen, Dia⸗ konus in Nagold und Kirch⸗ heim u. T., Stadtpfarrer in Lauffen a. N., Dekan in Na⸗ gold und in Herrenberg, Verfasser mehrerer Gedicht⸗ sammlungen, 41907 in Cann⸗ statt. Nr. 217. Kern, Christian Gottlob, geb. 1792 in Söhnstetten (Württemberg), Professor am Seminar in Schöntal, Pfarrer in Dürrmenz-⸗Mühl⸗ acker. Ein Freund von Albert Knapp, Mitarbeiter an des⸗ sen„Christoterpe“. 4 1835, Nr. 128. Klopstock, Friedrich Gott⸗ lieb, geb. 1724 zu Quedlin⸗ burg, der Eröffner der klassi⸗ schen Periode deutscher Dich⸗ tung, der Sänger des„Mes⸗ ö SE RS —CH eD= snee—-S8 2 —.—7—7—2 Verzeichnis der Liederdichter 13 sias“, der Herold deutsch⸗ christlichen Empfindens. Er lebte lang in Kopenhagen; +1803 in Hamburg. Nr. 119. 212. 531. Knak, Gustav, geb. 1806 zu Berlin, Prediger an der Bethlehemskirche daselbst, Vertreter des Pietismus der Erweckungszeit, kräftiger Förderer des Missionsinns, 11878. Nr. 274. 547. Knapp, Albert, geb. 1798 zu Tübingen, zuletzt Stadt⸗ pfarrer in Stuttgart. Als Dichter geistlicher Lieder weithin geschätzt und wirk⸗ sam, Herausgeber des, Evan⸗ gelischen Liederschatzes“ und des Jahrbuchs„Christo— terpe“, einer der Hauptmit⸗ arbeiter bei der Erneuerung des Dunhe von 1511.. Ge⸗ sangbuchs von 1841. 4 1864. Nr. 79. 115. 116. 171. 198. 229. 239. 255. 259. 466.(538.) 283, 7 u. 8. 392, 3. Knoll, Christoph, geb. 1563 in Bunzlau(Schlesien), Lehrer und später Diakonus in Sprottau(Schlesien), 1628 durch die Liechtensteinischen Dragoner vertrieben, zuletzt Pfarrer in Wittgendorf Schlesien), 41650. Das Lied r. 501 verfaßte er während einer schweren Pestzeit in Sprottau. Knorrvon Rosenroth, Christian, geb. 1636 zu Alt⸗ raudten(Schlesien), Geheim⸗ rat und Kanzleidirektor bei dem Pfalzgrafen zu Sulz⸗ bach(Oberpfalz), Mystiker wie sein Zeitgenosse und Landsmann Scheffler. 41689. Nr. 47. Kongehl, Michael, geb. 1646 zu Kreuzburg(Ost⸗ preußen), städtischerBeamter in Königsberg, Mitglied des „Blumenordens“, + 1710. Nr. 327. Krause, Jonathan, geb. 1701 zu Hirschberg(Schle⸗ sien), Superintendent zuvieg⸗ nitz, 4+ 1762. Nr. 90. Krummacher, Friedrich Adolf, geb. 176/ zu Tecklen⸗ burg(Westfalen), Profes⸗ sor der Theologie in Duis⸗ burg, dann Pastor in Bre⸗ men. Bekannter Parabel⸗ dichter, der an der Bewe⸗— gung der Erweckungszeit am Anfang des 19. Jahr⸗ hunderts lebendigen Anteil nahm. 4 1845. Nr. 266. 272. 520. Kunth, Johann Sieg⸗ mund, geb. 1700 in Liegnitz, Superintendent in Baruth 513. 5105 4+ 1779. Nr. Lange, Joachim, geb. 1670 zu Gardelegen(Pro⸗ vinz Sachsen), Freund A. H. Franckes, als Professor der Theologie in Halle 1744. Nr. 56. Laufenberg, Heinrich von, 1434 Priester in Zo⸗ fingen(Kanton Aargau), spä⸗ ter Dekan zu Freiburg im Breisgau, trat 1445 in das Johanniterkloster zu Straß⸗ durg. Seine zahlreichen Lie⸗ der, vielfach zu weltlichen 14 Verzeichnis der Liederdichter Melodien gedichtet, gehören zum Innigsten jener Zeit. + 1458(2). Nr. 498(ins Hochdeutsche übertragen von Professor Spitta zu Straß⸗ burg). Lavater, Johann Kaspar, geb. 1741 in Zürich, Prediger dort, ein freimütiger Beken⸗ ner der Liebe zu Jesus bei al⸗ ler Aufgeschlossenheit für die Ideen der Aufklärung, als Schriftsteller und als Per⸗ sönlichkeit hoch geschätzt von den Besten seiner Zeit, 1801 an den Folgen einer schweren Verwundung, die er 1799 bei der Eroberung Zürichs durch die Franzosen erlitt. Nr. 80. 92. 125. 159. 211. 360. 361. 411. Lehr, Leopold Franz Friedrich, geb. 1709 zu Cron⸗ berg am Taunus, Hofmeister und später Diakonus in Cö⸗ then, wo er und sein Ge— sinnungsgenosse Allendorf die„Cöthnischen Lieder“ her⸗ ausgaben, 4 1744. Nr. 314. Liebich, Ehrenfried, geb. 1713 zu Probsthain(Schle⸗ sien), Pfarrer in Lomnitz (Schlesien), Mitherausgeber der„Hirschberger Bibel“, entschiedener Gegner der Veränderung alter Lieder im Geschmack der neuen Zeit, + 1780. Nr. 341. 435. 510. Lindemann, Johann, in Gotha geboren um 1550, soll aus der Familie der Mutter von Martin Luther stammen, als Kantor in Gotha nach 1634. Nr. 473 HQ). Lobwasser, Ambrosius, geb. 1515 zu Schneeberg (Königr. Sachsen), Profes⸗ sor der Rechte in Königs⸗ berg. Er übersetzte die fran⸗ zösischen Psalmen der refor⸗ mierten Kirche ins Deutsche. + 1585. Nr. 369. Löwenstern, Apelles von, geb. 1594 in Neustadt (Schlesien), war zuerst Lehrer in seinerHeimat, später Fürst⸗ licher Rat des Herzogs von Ols(Schlesien). Dabei blieb er Leiter der Kirchenmusik in Neustadt. Ein Mann von echter Dichtergabe, der seine Lieder auch in Musik setzte. + 1648 in Breslau. Nr. 25. Lorenz, SiegmundFried⸗ rich, zu Straßburg i. E. geb. 1727 und + 1783 als Prediger und Professor der Theologie. Das Lied Nr. 476 dichtete er vor einer Reise, auf welcher er dann wirklich Gottes wunderbare Bewahrung erfuhr. Lorenzen, Lorenz(Lau⸗ rentius Laurenti), geb 1660 zu Husum(Schleswig), Kan⸗ tor und Musikdirektor am Dom zu Bremen, der be⸗ deutendste Dichter aus dem Spenerschen Kreise, 4 1722. Nr. 140. 167/. 214. Luther, Martin, geb. am 10. November 1483 zu Eis⸗ leben, ebenda am 18. Fe⸗ bruar 1546, der Reformator Deutschlands, ist auch der Begründer und Meister des deutschen evangelischen Kir⸗ chengesangs,„die Witten⸗ .—.— Sen——...—————— 9828982 ** Verzeichnis der Liederdichter 1⁵ bergisch Nachtigall“. Durch Bearbeitung, Abersetzung und Erweiterung hat er eine Reihe älterer Kirchenge⸗ sänge der evangelischen Ge⸗ meinde in den Mund gelegt. Seine Originallieder sind der treue Spiegel seiner geistes⸗ gewaltigen Persönlichkeit und seines weltüberwinden⸗ den Glaubens, bei der Mit⸗ und Ien von hinrei⸗ ßender Wirkung. Wir ha⸗ ben von ihm im ganzen 37 Lieder. Nr. 3(Abersetzung des sogenannten Ambrosi⸗ anischen Lobgesangs Te deum laudamus). 8. 11. 12. 33(Bearbeitung einer aus dem 15. Jahrhundert stam⸗ menden deutschen Litanei). 146(Str. H lehnt sich an ein vorreformatorisches deut⸗ sches Lied an). 206(Str. lehnt sich an Nr. 20/ an). 230(Str. 1 deutsches Lied aus dem 12. Jahrh.). 231 (Str. 1 nach einer schon vor Luther vorhandenen deut⸗ schen Bearbeitung des alt⸗ lirchlichen Veui, sancte 502.503 240. 242. 298. 470. 502. 503(Str. 1 nach einer schon vor Luther vorhande⸗ nen deutschen Abertragung des angeblich von Notker dem Älteren in St. Gallen stammenden Liedes Media vita). arperger, Bernhard Walter, geb. 1682 zu Ham⸗ burg, Diakonus in Nürn⸗ berg, Oberhofprediger in Dresden. Vertreter der Lie⸗ derdichtung des Pietismus + 1746. Nr. 434. Menken, Gottfried, geb. 1768 in Bremen, später Pre⸗ diger daselbst, Theologe bib⸗ lischer Richtung von eigen⸗ artigem Gepräge, 4 1831. Nr. 362. Mentzer, Johann, geb. 1658 zu Jahmen(Schlesien), Freund von Graf Zinzen⸗ dorf, +als Pfarrer in Kem⸗ nitz(Königr. Sachsen) 1734. Nr. 27. 183. Meyer, Johann Fried⸗ rich von, geb. 1772 in Frank⸗ furt a. M., Doktor der Rechte und der Theologie, belklei⸗ dete verschiedene Staats⸗ ämter seiner Vaterstadt. Bi⸗ belforscher mystisch-theoso⸗ phischer Richtung. 4 1849. Nr. 366. Meyfart, Matthäus, geb. 1590 in Jena, Pfarrer und Professor der Theologie in Erfurt. Viele seiner Schrif⸗ ten handeln von den„letzten Dingen“, so auch sein Lied Nr. 534. 4 1642. Möwes, Heinrich, geb. 1793 zu Magdeburg, Mit⸗ kämpfer in den Befreiungs⸗ kriegen, zuerst Lehrer in sei⸗ ner Vaterstadt, dann Pfar⸗ rer in Altenhausen und Iven⸗ rode(Provinz Sachsen), 1834in Magdeburg. Nr. 36/. Mo ser, Friedrich Karl von, geb. zu Stuttgart 172²3, Sohn von Z. J. Moser, wurde als geschätzter Staats⸗ mann in den Dienst verschie⸗ dener Herrschaften, Hessen⸗ 16 Verzeichnis der Liederdichter Darmstadt, Osterreich u. a., gezogen, erfuhr aber auch viel Anfeindung und Ver⸗ kennung und zog sich schließ⸗ lich ins Privatleben zurück. Ein treuer Anhänger des Pietismus, dessen Grund⸗ sätze er auch im Leben ver⸗ trat. 4 1798 zu Ludwigs⸗ burg. Nr. 363. Moser, Johann Jakob, geb. 1701 zu Stuttgart, der charaktervolle schwäbische Teine Andengsamteit; der seine Anbeugsamkeit gegen⸗ über Herzog Karl mit Fe⸗ awiel 1759. auf dem Hohen⸗ twiel 1759—64 büßen mußte, während deren die meisten seiner Lieder entstanden sind.„ in Stuttgart 1785. Nr. 248. Müller, Michael, geb. 1673 in Blankenburg am Harz, 4 1704 als Kandidat der Theologie und Haus⸗ lehrer in der Familie von Gaisberg aufSchloßSchaub⸗ eck bei Kleinbottwar(Würt⸗ temberg). Nr. 170. Münter, Balthasar, geb. 1735 in Lübeck, Prediger der deutschen Gemeinde in Ko⸗ penhagen, gefeierter Predi⸗ ger des Aufklärungszeital⸗ ters, + 1793. Nr. 117. 295. Nachtenhöfer, Kaspar Friedrich, geb. 1624 zu Halle, +als Pfarrer zu Koburg 1685. Nr. 155. Neander, Christoph Friedrich, geb. 1724 zu Eckau (Kurland), ein Mann der Aufklärung,1802 als Propst der Diözese Kurland in Grenzhof. Nr. 111. Neander, Zoachim, geb. 1650 in Bremen, Rektor in Düsseldorf, sodann Pfarrer in Bremen, wo er früh 1680 4. Einer der bedeu⸗ tendsten Liederdichter des deutsch-reformierten Pietis⸗ mus. Nr. 5. 19. 68. 483. 484. 496. Nerreter, David, geb. 1649 zu Nürnberg, beklei⸗ dete unter vielen Schwiexig⸗ keiten mehrere geistliche Am⸗ ter in Bayern. + 1726 als Generalsuperintendent in 345.(Vommern). Nr. Neumann, Gottfried, geb. 1685 in Meerholz(Hessen⸗ Nassau), gräflicher Frucht⸗ schreiber, Mitglied einer Sekte von„Inspirierten“, durch Zinzendorf für die Brüdergemeine gewonnen, +1779 in Meerholz. Nr. 523 (auf den Tod eines Zjähri⸗ gen Söhnleins von Zinzen⸗ dorf gedichtet in Anlehnung an ein Lied von Zinzendorf selbst). Neumann, Kaspar, geb. 1648 in Breslau, daselbst Pfarrer und theologischer Lehrer an den Gymnasien, + 1715. Nr. 59. 69. 490. Neumark, Georg, geb. 1621 zu Langensalza(Pro⸗ vinz Sachsen), in seiner Ju⸗ gend zu Königsberg in der Amgebung von Dach, später von dem Herzog Wilhelm II., dem Freunde der Oichtkunst Verzeichnis der Liederdichter 17 in Weimar, als Bibliothekar und Sekretär daselbst ange⸗ stellt, 2 1681. Das Lied Nr. 322 dichtete er, als er in sei⸗ ner Jugend, von allen Mit⸗ teln entblößt, zu Kiel eine Hauslehrerstelle fand. Neumeister, Erdmann, geb. 1671 zu Aichteritz(Pro⸗ vinz Sachsen), Hauptpastor zu Hamburg, entschiedener Vertreter des Luthertums, 1756. Nr. 58. 87. 121. 69. 304. Neunherz, Johann, geb. 1653 zu Waltersdorf(Schle⸗ sien), Pfarrer in Geibsdorf bei Lauban, später Ober⸗ farrer in Hirschberg(Schle⸗ sien„4+ 1737. Nr. 220. icolai, Philipp, geb. 1556 in Mengeringhausen (Waldech), lernte in seiner Jugend als Hausprediger der heimlichen evangelischen Gemeinde in Köln die Drang⸗ sale des Evangeliums ken⸗ nen. Später Hofprediger in Wildungen(Waldech, Pre⸗ diger in Anna(Westfalen), Hauptpastor in Hamburg. Neben schroffen theologi⸗ schen Streitschriften verfaßte er den„Freudenspiegel des ewigen Lebens“, in dem seine beiden Lieder sich finden: „Wie schön leuchtet“ und „Wachet auf“, ersteres frei⸗ lich nur in Umdichtung heute noch verständlich. T 1608. Nr. 376. 532. Olearius, Johann, aus der Familie des Olschlä⸗ gers Kupfermann in Wesel (Rheinprovinz), geb. 1611 zu Halle, Oberhofprediger und Generalsuperintendent in Halle, zuletzt in Weißenfels (Provinz Sachsen), Verfasser vieler geistlicher Lieder und Schriften, + 1684. Nr. 95.127. Patzke, Johann Samuel, geb. 17²/7 zu Seelow bei Frankfurt a. d. O., Prediger in Magdeburg, hatte viel unter ÄArmut und Kriegs⸗ nöten zu leiden. Milder Vertreter der Aufklärung. + 1787. Nr. 335. Pauli, Joachim, geb. 1635(oder 1636) zu Wilsnack (Brandenburg), Hauslehrer in Berlin, später Pfarrer in Ostrau bei Bitterfeld, Freund Gerhardts, 4 1708. Nr. 246. Pfeil, Karl, Reichsfrei⸗ herr von, geb. 1712 zu Grün⸗ stadt(Pfalz), stand zuerst unter schwierigen Verhält⸗ nissen im württembergischen Dienst unter Herzog Karl Eugen; 1763 kündigte er ihn auf und trat in den Dienst Friedrichs des Gro⸗ ßen; als dessen Gesandter beim Sehwäbischen Kreis lebte er in Anterdeufstetten (Württemberg), wo er 1784 starb. Ein warmer Freund des württembergischen Pie⸗ tismus. Nr. 461. Planck, Karl, geb. 1801 zu Nennslingen bei Weißen⸗ burg(Bayern), Pfarrverwe⸗ ser in Pfauenfeld, als ehe⸗ maliges Mitglied der Bur⸗ schenschaft in Antersuchungs⸗ haft gezogen und während E dieser in München à 1825. Aus dieser letzten Zeit sei⸗ nes Lebens stammen seine „Lieder eines Gefangenen“; zu ihnen gehört Nr. 545. Prätorius, Benjamin, geb. 1636 zu Obergreißlau (Provinz Sachsen), Geistli⸗ cher in Groß⸗Lissa 29007% + um 1674. Nr. 422. Preiswerk, Samuel, geb. 1799 zu Rümlingen bei Basel, Professor der hebräi⸗ schen Sprache in Genf und Basel, als Antistes in Ba⸗ sel 1871. Nr. 251. Preußen, Albrecht, Her⸗ zog von, geb. 1490 in Ans⸗ bach, Markgraf von Bran⸗ denburg⸗Ansbach, seit 1511 Hochmeister des Seutsch-Or⸗ dens. Auf dem Reichstag zu Nürnberg 1522 für die Sache des Evangeliums ge⸗ wonnen, wandelte er auf Luthers Rat 1525 das preu⸗ ßische Ordensland in ein weltliches Herzogtum um. Bei der Reformation in Preußen waren ihm beson⸗ ders Paul Speratus nnd Johann Gramann behilflich. Einer der bedeutendsten Dich⸗ ter geistlicher Lieder in der Reformationszeit. + 1568 in Königsberg. Nr. 320. Puchta, Heinrich, geb. 1808 im Schlosse Kadolzburg (WMittelfranken), Pfarrer in Augsburg, Mitarbeiter A. Knapps an der„Christo⸗ terpe“, + 1858. Nr. 60. 103. 66. 37³3 Ram ba ch, Johann Ja— Verzeichnis der Liederdichter kob, geb. 1693 in Halle, er⸗ lernte zuerst bei seinem Va⸗ ter das Tischlerhandwerk, studierte nachher unter A. H. Francke Theologie. Ein her⸗ vorragender Vertreter des jüngeren hallischen Pietis⸗ mus. 4 1735 als Professor und Superintendent in Gie⸗ ßen. Nr. 114. 173. 227. 283. 289. Räder, Friedrich, geb. 1815 in Elberfeld, Kaufmann daselbst, 4 1872. Nr. 474. Reusner(Reißner), Adam, geb. 1496 zu Mindel⸗ heim(Bayern), Schüler Jo⸗ hann Reuchlins, Geheimse⸗ kretär des Feldhauptmanns Georg von Frundsberg, in Straßburg Anhänger Kas⸗ par Schwenckfelds, um 1575⁵ in Nen Vaterstadt. Nr. 39. euß, Benigna, Gräfin von, geb. 1695 in Ebersdorf (Reuß j. Linie), Zinzendorfs Schwägerin, 4 1751 zu Pot⸗ tiga bei Ebersdorf. Nr. 451. Reuß, Eleonore, Fürstin von, geb. Gräfin zu Stolberg⸗ Wernigerode, geb. 1835 zu Gedern im Vogelsberg, ver⸗ mählt mit Heinrich LXXIV. Fürsten von Reuß, 4 1903 als Witwe auf Schloß Ilsen⸗ burg am Harz. Nr. 161. Richter, Christian Fried⸗ rich, geb. 1676 zu Sorau randenburg). Schüler und Freund A. H. Franckes, In⸗ spektor des Pädagogiums und Arzt am Waisenhaus in Halle. Der bedeutendste, gedankentiefe Dichter des ..... AIIIoaac r. Au. 285. 2. 302. 5 171¹. r. 286. 287. 302. 374d. 382. 401. 402. 404. 414. Rieger, Magdalena Si⸗ bylla, geb. 170/7 zu Maul⸗ bronn, Tochter des Präla⸗ ten Weissensee, Gattin des Regierungsrats Rieger in Stuttgart, gehörte gleich ihrem Vater zum Kreis des württembergischen Pietis⸗ mus. 1786. Nr. 311. Riggenbach, Johannes, eb. 1818 zu Basel, Pro⸗ fes or der Theologie daselbst und Präsident des Basler Missionskomitees, 4 1890. Nr. 492. Rinckart, Martin, geb. 1 1586 zu Eilenburg(Provinz Sachsen), bekleidete zuerst an einigen anderen Orten, dann in seiner Vaterstadt das geist⸗ liche Amt. In dieser Stellung erlebte er alle Drangsale des 30jährigen Krieges mit, Pest, Hungersnot und feindliche Aberfälle; er war nicht nur der unermüdliche Seelsorger sondern auch ein wahrer Schutzengel seiner Gemeinde. Trotzdem erntete er vielen Andank. In seinen Liedern sehnte er den Frieden her⸗ bei und besang ihn im vor⸗ aus. Sein Lied„Nun danket alle Gott“ dichtete er wahr⸗ scheinlich schon zu Anfang der 1630er Jahre; doch er⸗ lebte er den Frieden noch. + 1649. Nr. 2. 18. Ringwaldt, Bartholo⸗ mäus, geb. 1530 zu Frank⸗ furt a. d. Oder, Prediger in Verzeichnis der Liederdichter 19 Langenfeld(Brandenburg). Als streitbarer Lutheraner kämpfte er für Reinheit der Lehre und als kernhafter deutscher Mann für Zucht und Sitte, auch in seiner⸗ zeit vielgelesenen geistlichen Schauspielen und Lehrge⸗ dichten. + 1599. Nr. 306. 536. Rist, Johann, geb. 1607 in Ottensen(bei Hamburg), Pfarrer in Wedel(Holstein), zu seiner Zeit gefeierter Dich⸗ ter(kaiserlicher Dichterlor⸗ beer, Adelstand, Mitglied⸗ schaft der„Fruchtbringen⸗ den Gesellschaft“), aber auch in der Kreuzschule geübt. 1667. Nr. 71. 134. 165. 168. 202(die erste Strophe stammt aus einem katholi⸗ schen Liede des 17. Jahr⸗ hunderts). 539. Rodigast, Samuel, geb. 1649 zu Gröben(Sachsen⸗ Altenburg), ein Freund Spe⸗ ners, als Rektor an einem Berliner Gymnasium + 1708. Nr. 343. Röding, Johann Hein⸗ rich, geb. 1732 zu Hamburg, Oberlehrer daselbst, 4 1800. Nr. 201. Rothe, Johann Andreas, geb. 1688 zu Lissa bei Gör⸗ litz, 1722—37 Pfarrer in Berthelsdorf; mit Zinzen⸗ dorf, seinem Patron in Ber⸗ thelsdorf, eng verbunden, ohne der Brüdergemeine bei⸗ zutreten. 4 1758 als Pfar⸗ rer zu Thommendorf(Schle⸗ 2 Nr. 278. 416. Rothen, ZJohannes, geb. 2⁰ Verzeichnis der Liederdichter 179/7 zu Neuenegg(Kanton Bern), mußte den Beruf eines Lehrers in Basel krank⸗ eitshalber aufgeben; nach angem Siechtum, während dessen seine Lieder entstan⸗ den, starb er 1876. Nr. 441. Rube, Johann Christoph, geb. 1665 zu Ebra(Schwarz⸗ burg⸗Sondershausen), T1746 als Amtmann zu Battenberg (Hessen⸗Nassau). Nr. 533. Rückert, Friedrich, geb. 1788 in Schweinfurt(Bay⸗ ern), Professor der orien⸗ talischen Sprachen in Er⸗ langen und Berlin, vielseiti⸗ ger, dem Christentum freund⸗ lich gesinnter Dichter, + 1866 in Neuses beiKoburg. Nr.142. Sacer, Gottfried Wil⸗ helm, geb. 1635 zu Naum⸗ burg, studierte Rechtswissen⸗ schaft, machte viele Reisen, wurde Lehrer, Soldat, zuletzt Advokat in Braunschweig und Kammerkonsulent in Wolfenbüttel. Mitglied des „Elbschwanordens“, erhielt den kaiserlichen Dichterlor⸗ beer. + 1699. Nr. 223. Sachse, Christian Fried⸗ rich Heinrich, geb. 1785 zu Eisenberg(Sachsen-Alten⸗ burg), Hofprediger in Alten⸗ burg, 4 1860. Nr. 521. Schade, Johann Kaspar, geb. 1666 zu Kühndorf(Pro⸗ vinz Sachsen), ein Freund Franckes, später Speners Amtsgenosse in Berlin, nach vielen inneren und äußeren Kämpfen 1 1698. Nr. 356. 406. 432. Schalling, Martin, geb. 1532 zu Straßburg i. E., Pfarrer in Regensburg, Hof⸗ prediger und Generalsuper⸗ intendent zu Amberg(Ober⸗ pfalz), zuletzt Prediger in Nürnberg. Ein Schüler Me⸗ lanchthons, dem er zeitle⸗ bens Anhänglichkeit be⸗ wahrte. Anter den theolo⸗ gischen Wirren seiner Zeit hatte er viel zu leiden. +1608. Woran er sich hielt, bezeugt das einzige von ihm bekannt gewordene Lied: Herzlich lieb hab ich dich. Nr. 279. Scheffler, Johann, geb. 1624 zu Breslau, Leibarzt des Herzogs von Ols(Schlesien). Durch das Studium der My⸗ stiker zum Abertritt in die katholische Kirche geführt, nannte er sich von da an Angelus Silesius und wurde Priester und Hofmarschall beim Fürstbischof von Bres⸗ lau. Seine Lieder voll in⸗ niger Jesusliebe haben auch in evangelischen Gesangbü⸗ chern vielfach Aufnahme ge⸗ funden. 41677. Nr. 106. 381. 387. 405. 415. 424. Scheidt, Christian Lud⸗ wig, geb. 1709 zu Walden⸗ burg(Württemberg), Biblio⸗ thekar in Hannover, 1 1761. Nr. 292. Schenck, Hartmann, geb. 1634 zu Ruhla bei Eisenach, Geistlicher zuerst in Bibra (Sachsen⸗Meiningen), dann in Ostheim(Sach en⸗Wei⸗ mar), 4 1681. Nr. 102. Schenck, Heinrich Theo— bald, geb. 1656 zu Heidel⸗ bach Shergesfen Stadt⸗ pfarrer in Gießen, 17²7. Nr. 551. Schirmer, Michael, geb. 1606 zu Leipzig, Konrektor an einem Gymnasium in Berlin, Freund P. Ger⸗ hardts. nach langer Krank⸗ heitszeit 1673. Nr. 135.232. Schlatter, Anna, geb. Bernet, geb. 1773 in St. Gallen, Gattin eines Kauf⸗ manns daselbst, stand mit vie⸗ len Persönlichkeiten der Er⸗ weckungszeit in der Schweiz und in Deutschland in Ver⸗ bindung, förderte namentlich Mission und Bibelverbrei⸗ tung. 4 1826. Nr. 62. Schlegel, Johann Adolf, geb. 1721zu Meißen(Königr. Sachsen), Generalsuperin⸗ tendent in Hannover, ein Gei⸗ stesverwandter von Klop⸗ stock, 4 1793. Nr. 444. Schlosser, Ludwig Hein⸗ rich, geb. 1663 zu Darmstadt, Prediger zu Frankfurt a. M., ein Mann schlichten, kirch⸗ lichen Christentums, 4+ 1723. Nr. 464. Schmalenbach, Marie, geb. Huhold, geb. 1835 in Hausberge bei Minden, lebt als Superintendentenwitwe inLöhne(Westfalen). Nr.549. Schmidt, Johann Euse⸗ bius, geb. 1670 zu Hohen⸗ felden(Sachsen⸗Weimar), Schüler und Freund A. H. Franckes, Pfarrer in Sieb⸗ leben bei Gotha, 4 1745. Nr. 250. Verzeichnis der Liederdichter Schmolck, Benjamin, geb. 1672 zu Brauchitsch⸗ dorf(Schlesien), Oberpfarrer in Schweidnitz(Schlesien); dichtete zahlreiche Lieder und gab eine Reihe Erbauung⸗ schriften heraus. In der 205.208. 331.352.393. 420. 491. Schneider, Johann Ja⸗ kob, geb. 1797 in Basel, 4 1859 als Pfarrer zu Betberg (Baden), Freund von Knapp, Herausgeber der Samm⸗ lung:„Die geistlichen Sän⸗ ger des 19. Jahrhunderts“. Nr. 51. Schöner, Johann Gott⸗ fried, geb. 1749 zu Rüg⸗ heim(Anterfranken), Stadt⸗ pfarrer in Nürnberg. Anter innerer und äußerer Anfech⸗ tung geläutert und vertieft, Gründer der Nürnberger Bi⸗ belgesellschaft. 4 1818. Nr. 329. 391. 431. Schott, Otto, geb. 1831 zu Aichschieß bei Eßlingen, im Dienst der Basler Mis⸗ sionsgesellschaft als theolo⸗ gischer Lehrer, dann als In⸗ spektor, später Dekan in Na⸗ gold, + 1901. Nr. 550. Schröder, Zohann Hein⸗ rich, geb. 1667 zu Springe bei Hannover, Schüler A. H. Franckes, Pfarrer in Mese⸗ berg bei Magdeburg, 1699. Nr. 421. 430. 22 Verzeichnis der Liederdichter Schubart, Christian, geb. 1739 in Obersontheim( Würt⸗ temberg)/ hatte in einem viel⸗ bewegten Leben(1777—87 ohne Verhör auf Hohen⸗ asperg gefangen) Zeiten, in denen die Begeisterung für die Religion ihn ganz durch⸗ drang, während zu anderen Zeiten andere Einflüsse seine leicht erregbare Dichterseele beherrschten. 41791. Nr. 45. Schütz, Johann Jakob, geb. 1640 zu Frankfurt a. M., Rechtskonsulent und Reichs⸗ rat daselbst, Freund Spe⸗ ners, T 1690. Nr. 6. Sch waab, Gustav, geb. 1792 zu Stuttgart; stand im geistlichen Amt, zuerst auf dem Land, später in Stutt⸗ gart, zuletzt wurde er Mit⸗ glied des Konsistoriums. Er arbeitete an der Heraus⸗ gabe des württembergischen Gesangbuchs von 1841 mit. Als Sichter gehörte er mit Ahland und anderen zur schwäbischen Dichterschule. + 1850. Nr. 486. Schwarzburg⸗Rudol⸗ stadt, Ämilie, Gräfin von, geb. 163/ auf der Heidecks⸗ burg bei Rudolstadt als Toch⸗ ter des Grafen zu Barby, vermählte sich mit Albrecht Anton, dem regierenden Gra⸗ fen von Schw.⸗R., dem Bru⸗ der der Gräfin Ludämilie. Dichterin zahlreicher Lieder, treffliche Fürstin. 1706. Nr. 479. 494. Schwarzburg⸗-⸗Rudol⸗ stadt, Ludämilie, Gräfin von, geb. 1640 zu Rudol⸗ stadt, 4 16/72 zu Rudolstadt als Braut. Nr. 31. 300. Scriver, Christian, geb. 1629 zu Rendsburg(Schles⸗ wig), Pfarrer in Stendal dunwudt tnedu semne deburg; bekannt durch seine trefflichen Erbauungschrif⸗ ten. 4 1693 als Hofprediger in Quedlinburg. Nr. 72. Selnecker, Nikolaus, geb. 1532(%0) Zu Hersbruck bei Nürnberg, Melanchthons Schüler und Freund, poetisch und musikalisch begabt, Hof⸗ prediger in Dresden, Profes⸗ sor in Jena, Professor und Superintendent in Leipzig; Mitarbeiter an der Konkor⸗ dienformel; mit Dichten und Sammeln vonKirchenliedern bis ins Alter beschäftigt. 1+1592. Nr. 100. 243.(Str. 1 nach dem Lateinischen von Philipp Melanchthon; Str.2 unbekannten Arsprungs; beide erst 1611 mit dem Lied Selneckers verbunden.) Senitz, Elisabeth von, geb. 1629 zu Rankau(Schle⸗ sien), Hoffräulein zu Brieg und Ols(Schlesien), dichtete in der Art von Johann + 1679. Nr. 196. onnemann, Ernst, eb. 1630 zu Lüneburg, war 658 Konrektor in Celle(Han⸗ nover), später Pfarrer in Einbeck(ebenda), 4 1670. Nr. 225. Spangenberg, August Gottlieb, geb. 1704 zu Klet⸗ tenberg am Harz, Zinzen⸗ FFIFFFF* ——— Verzeichnis der Liederdichter 23 dorfs Gehilfe bei der Grün⸗ dung von Brüdergemeinen in England und Nordame⸗ rika, nach Zinzendorfs Tod der leitende Geist der Brü⸗ dergemeine, + 1792 als Bi⸗ schof in Berthelsdorf. Nr.247. Spener, Philipp Ja⸗ kob, geb. 1635 zu Rappolts⸗ weiler i. E., Prediger in Straßburg, Senior in Frank⸗ furt a. M., Oberhofprediger in Dresden, Propst und In⸗ spektor in Berlin, der Vater des Pietismus und dadurch von tiefgehender Bedeu⸗ tung für die Neubelebung der evangelischen Kirche in Deutschland. +1705. Nr. 216. Speratus, Paul, geb. 1484 zu Rötlen bei Ellwan⸗ gen(Württemberg); nach früherer Wirksamkeit als Priester in Salzburg, Din⸗ kelsbühl, Würzburg trat er auf die Seite der Refor⸗ mation, hielt eine Aufsehen erregende Predigt zu Wien und wirkte dann in evange⸗ lischem Sinn zu Iglau Mäh⸗ ren). Wegen Ketzerei in Ol⸗ mütz eingekerkert, entrann er knapp dem Feuertod und wurde durch Luthers Emp⸗ fehlung Hofprediger des Herzogs Albrecht von Preu⸗ ßen, wo er mit Gramann die Reformation einführte. + 1551. Sein Lied Nr. 9, im Kerker zu Olmütz gedich⸗ tet, wurde an mehr als einem Ort, so in Heidelberg, Mag⸗ deburg, Waiblingen, das Sturmlied der Reformation. Spitta, Philipp, geb. 1801 in Hannover, Abtömm⸗ ling einer Hugenottenfa⸗ milie, Superintendent in Burgdorf(Hannover), 4 1859. Ein Dichter, heraus⸗ gewachsen aus dem Geist der Erweckungszeit(„Psal⸗ ter und Harfe“). Nr. 83. 118. 213. 253. 270. 275. 303. 336. 418. 452. 458. 460. 519. 548. Stegmann, Josua, geb. 1588 zu Sülzfeld bei Mei⸗ ningen, Professor der Theo⸗ logie und Superintendent zu Rinteln(Hessen⸗Nassau), während des 30 jährigen Kriegs eine Zeitlang vertrie⸗ ben, starb unter den Drang⸗ salen des Restitutionsedikts. 1632. Nr. 34. Stier, Rudolf, geb. 1800 in Fraustadt(Posen), Super⸗ intendent in Eisleben. Am die Erneuerung des Gesang⸗ buchwesens und die Schrift⸗ forschung verdienter Mann. + 1862. Nr. 260. 264. Stip, Gerhard, geb. 1809 zu Norden(Ostfriesland), bekleidete mehrere Pfarr⸗— stellen, 4als Privatgelehr⸗ ter in Potsdam 1882. Er förderte durch seinen„An⸗ verfälschten Liedersegen“ den Sinn für die ursprüngliche Gestalt unserer Kirchenlie⸗ der. Nr. 61. Storr, Johann Christian, geb. 1712 in Heilbronn, Schü⸗ ler und Freund Bengels, Hofkaplan, später Stiftspre⸗ diger in Stuttgart, + 1773. Nr. 284. 14 2⁴ Strauß und Torney, Viktor von, geb. 1809 zu Bückeburg, Bevollmächtig⸗ ter von Schaumburg-Lippe beim Frankfurter Bundes⸗ lag, steller in Dresden, 1 1899. Nr. 338. 439. Taddel, Christian Lud⸗ wig, geb. 1706 in Rostock, Kanzleidirektor daselbst, 1775. Nr. 210. Tersteegen, Gerhard, geb. 1697 zu Mörs(Rhein⸗ preußen), hätte gerne Theo⸗ logie studiert, erlernte aber, dem Wunsche seiner Mutter folgend, zunächst die Kauf⸗ mannschaft. Später ver⸗ tauschte er, um„abgeschie— den“ leben zu können, diesen Beruf mit dem eines Band⸗ webers. Daneben erwarb er sich eine umfassende theo⸗ logische und allgemeine Bil⸗ dung. So wurde der hoch⸗ begabte und an innerer Le⸗ benserfahrung reiche Mann durch das, was er in stiller Zurückgezogenheit sich er⸗ sammelte, vielen ein geistli⸗ cher Führer. Er war der be⸗ deutendste Mystiter der deut⸗ schen reformierten Kirche; seine eigentümliche Richtung verleugnet sich auch in seinen Für den an⸗ betenden Verkehr der Seele mit Gott hat er besonders innige und zarte Töne in seiner Dichtung gefunden. + 1769 in Mülheim a. d. R., wo er den größten Teil sei⸗ nes Lebens zugebracht hatte. Liedern nicht. Verzeichnis der Liederdichter Nr. 4. 57. 66. 73. 76. 149. 185. 224. 235. 310. 378. 394. 399. 429. 438. 497. Thilo, Valentin, geb. 1607 zu Königsberg, Pro⸗ fessor der Beredsamkeit da⸗ lebte später als Schrift⸗ f ss selbst neben seinem Freunde Dach, 1662. Nr. Tietze, Christoph, geb. 1641 zu Wilkau bei Breslau. +als Pfarrer zu Hersbruck bei Nürnberg 1703. Nr. 347. Tode, Heinrich Julius, geb. 1733 zu Zollenspieker bei Hamburg, 4 179/ als Hosprediger in Schwerin. Nr. 237/7.. Az, Johann Peter, geb. 1720 in Ansbach, Direktor des Landgerichts, des Konsi⸗ storiums und des Gymnasi⸗ ums daselbst, 4 1796. Nr. 145(eine Amdichtung des im 15. Jahrhundert bekann⸗ ten Lieds: Ein Kindelein so löbelich). Waldau, Georg Ernst, geb. 1745 zu Nürnberg, Pre⸗ diger, später Antistes da⸗ selbst, + 1817. Nr. 459. Wegelin, Josua, geb. 1604, Pfarrer in Augsburg, seiner Vaterstadt; im 30jäh⸗ rigen Krieg zweimal ver⸗ trieben, fand er endlich eine Zufluchtstätte in Preßburg Seniorise wo er 1640 als Senior starb. Nr. 225. 489. Wegleiter, Christoph, geb. 1659 in Nürnberg, Pro⸗ fessor der Theologie und Pfarrer in Altdorf(Bayerm), Mitglied des„Blumenor⸗ dens“, 4 1706. Nr. 91. Verzeichnis der Liederdichter Weiße, Michael, geb. zu Neiße in Schlesien, war früher Mönch, trat zu den Böhmischen Brüdern über und starb 1534 als Pfarrer ihrer Gemeinde in Lands⸗ kron(Böhmen). Er gab das erste deutsche Gesangbuch der Böhmischen Brüder heraus, das neben Abersetzungen al⸗ ter böhmischer Gesänge viele von W. selbst verfaßte Lie⸗ der enthielt. Luther nannte ihn einen„trefflichen deut⸗ schen Poeten“. Nr. 52. 530. Weissel, Georg, geb. 1590 zu Domnau(Ostpreu⸗ gen), Prediger in Königs⸗ berg, in seinen Liedern ein be⸗ gabter Vorläufer von Dach, + 1635. Nr. 10. 132. Weissensee, Philipp Heinrich, geb. 1673 zu Fich⸗ tenberg bei Gaildorf(Würt⸗ temberg), war an den evan⸗ gelischen Klosterschulen von Maulbronn und Blaubeu⸗ ren angestellt, zuletzt Prälat in Denkendorf, wo er noch lurze Zeit mit dem ihm nahe befreundeten Bengel zusam⸗ men war. 1767. Nr. 38. Werner, Georg, geb. 1589 in Preußisch⸗Holland Ostpreußen), Lehrer, später Diakonus in Königsberg, + 1643. Nr. 204(nach dem Lateinischen des Bonaven⸗ tura). Wieland, Johann Mar⸗ N tin, geb. 1685 zu Biberach, Pfarrer in Kleinbottwar 315 + 17²2⁵. Nr. 2⁵ Winckler, Johann Jo⸗ seph, geb. 1670 zu Luͤcka (Sachsen⸗Altenburg), Feld⸗ prediger in den Niederlan⸗ den und Italien, zuletzt Dom⸗ prediger in Magdeburg. Einer der Dichter des hal⸗ lischen Pietismus, + 1722. Nr. 355. 427. Wobeser, Ernst Wil⸗ helm von, geb. 172/ zu Lucken⸗ walde(Brandenburg), zuerst Offizier, später Mitglied der Brüdergemeine, in der er zuletzt der Anitätsältesten⸗ konferenz angehörte. 4 1795 in Herrnhut. Nr. 199(ge⸗ meinsam mit Bruininglh). Wolf, Jakob Gabriel, geb. 1684 zu Greifswald, Professor der Rechte in Halle. 4 1754. Nr. 433. Woltersdorf, Ernst Gottlieb, geb. 1725 zu Fried⸗ richsfelde bei Berlin, Pfar⸗ rer in Bunzlau(Schlesien) und Gründer des dortigen Waisenhauses, fruchtbarer und wirksamer Schriftsteller und Liederdichter im Geiste des Pietismus, 1761. Nr. 97. 124. 194. 437/. Zaremba, Felizian, Graf von, geb. 1794 zu Zaroy in Volen, 56 Jahre lang als Missionar und Missions⸗ prediger im Dienste der Basler Mission, im N. 251. Missionshaus 1874. k. 251. Zeller, Heinrich, geb. 1804 in Heilbronn, Direktor der Irrenanstalt in Winnenden (Württemberg), I 26 Verzeichnis der Liederdichter der„Lieder des Leids“, 1877. Nr. 162. 354. 370. 425. Zeller, Albert, geb. 1779 auf Hohenentringen bei Tü⸗ bingen, Gründer und Inspek⸗ tor der Armen⸗Erziehungs⸗ anstalt in Beuggen(Baden), als Kinder⸗ und Menschen⸗ freund weithin wirksam. + 1860. Nr. 99. Zinzendorf, Christian Renatus, Graf von, geb. 17²/ zu Herrnhut, Sohn und Gehilfe des Gründers der Brüdergemeine, in London g 1752. Nr. 269. Zinzendorf, Nikolaus Ludwig, Graf von, geb. 1700 in Dresden, Gründer der Brüdergemeine in Herrnhut N (7²7), bei aller inneren und äußeren Vielgestaltigkeit sei⸗ nes Wirkens doch von einer „Passion“, der Liebe zu Je⸗ sus, erfüllt und von dem Drange beseelt, die darin mit ihm Gleichgesinnten zu sammeln. Davon zeugen auch seine meist von Christian Gregor überarbeiteten Lie⸗ der. 4 1760. Nr. 104. 258. 268. 271. 280(Str. 1 stammt aus einem schon 1638 be⸗ kannten Lied). 321. 409. 413. 525. 529. Zollitofer, Georg Joa⸗ chim, geb. 1730 zu St. Gal⸗ len, Prediger an der Refor⸗ mierten Kirche in Leipzig, + 1788. Nr. 129. Zwick, Johann, geb. um 1496 in Konstanz, war be⸗ reits Doktor der Rechte, stu⸗ dierte dann, durch die Refor⸗ mation angezogen, Theo⸗ logie, wurde 1522 Prediger in Riedlingen a. d. Donau und, nachdem er 1525 dort vertrieben worden war, in seiner Vaterstadt, wo er als eifriger und um die Jugend besorgter Seelsorger im Se⸗ gen wirkte. Er gab 1536 ein treffliches Gesangbuch her⸗ aus. 4 1542 zu Bischofszell (Kanton Thurgau) bei der Rr. 222 von Pestkranken. r 222. Zwingli, Huldreich, der Züricher Reformator, geb. I. Januar 1484 zu Wild⸗ haus in Toggenburg, 1506 farrer in Glarus, 1516 in Bunderihn Pihn in Pestien n der furchtbaren Pestzeil 1519—1520 ging er treulich zu den Kranken, wurde selbst von der Pest befallen und kam dem Tode nahe; nach erlangter Wiedergenesung dichtete er das Lied Nr. 372 (ins on Dfuts übertra⸗ gen von Pfarrer Weber in Höngg, Kanton Zürich). in der Schlacht bei Kappel am 11. Oktober 1531. 27 Die Liederdichter der Zeit nach geordnet 4. Aus der Liederdichtung der vorreformatorischen Zeit. Celano(7) 1. v. Laufenberg 1. Namenlos: Nr. 207. 472. Zusammen 4 Lieder. B. Das evangelische Kirchenlied. * Luther und seine Zeitgenossen. 15231570. Luther 15. Speratus 1. Eber 1. Gramann 1. Albrecht von Preußen 1. N. Herman 4. Decius 2. Grünwald 1. Zwingli 1. Zwick 1. A. Blarer 1. Hubert 1. Englisch 1. Reusner 1. M. Weiße 2. Lobwasser 1. Namenlos: Nr. 349. Zusammen 36 Lieder. H. Von Luther bis Gerhardt. 15701680. 1. Das nachreformatorische Zeitalter. 1570—1618. Helmbold 2. Selnecker 2. Ringwaldt 2. Schalling! Bienemann 1. Behm 1. Lindemann(7 1. Herberger 1. Nicolai 2. Namenlos: Nr. 49. 70. 301. 469. 506. Zusammen 18 Lieder. 2Z. Die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. 1618—1648. a) Schlesische Dichter. Knoll 1. J. Heermann 7. Löwenstern 1. Held 2. b) Sächsische Dichter. Fleming 1. Rinckart 2. e) Thüringische Dichter. Altenburg 1. Meyfart 1. d) Norddeutsche Oichter. Rist 6. Gesenius 1. Stegmann 1. 28 Die Liederdichter, der Zeit nach geordnet 00 Preußische Dichter. Weissel 2. Werner 1. Albert 1. Dach 1. Thilo 2. ) Süddeutsche Dichter. Wegelin 2. Namenlos: Nr. 94. 3. Das Zeitalter Paul Gerhardts. 1 a) Der Gerhardtsche Dichterkreis. Gerhardt 43. Schirmer 2. Pauli 1. Keimann 2. Prätorius 1. J. Franck 5. M. Franck 1. H. Schenckl. Homburg 2. Neumark 1. Olearius 2. Nachten⸗ höfer 1. Rodigast 1. Burmeister 1. Sacer 1. (Sonnemann Nr. 2²⁵.) b) Der Nürnberger Oichterkreis. v. Birken 2. Wegleiter 1. Kongehl 1. Ingolstätter 1. Elausnizer 1. Heunisch 1. Tietze 1. Deßler 1. e) Der jüngere Schlesische Dichterkreis. Scheffler 6. v. Senitz Ll. Ludämilie von Schwarzburg⸗ Rudolstadt 2, Knorr von Rosenroth 1. Seriver 1. Amilie von Schwarzburg⸗Rudolstadt 2. Namenlos: Nr. 81. 176. 218. 307. 332. 507.& Zusammen 93 Lieder. Zusammen 34 Lieder. 648 1680. III. Das Zeitalter des Pietismus. 1680—1750. 1. Der Spenersche Kreis. Spener 1. Schütz 1. Freystein 1. Schade 3. Orese 1. Lorenzen 3. Zusammen 10 Lieder. 2. Die älteren Hallischen Dichter und Arnold. Francke 2. Freylinghausen 4. Lange 1. Herrn⸗ schmidt 2. Richter 9. Wolf 1. Schröder 2. Winckler 1. Gotter 2. Schmidt J. Arends 1. Nerreter 1. Marperger, 1. Rube 1. Müller 1. Gedicke 1. Crasselius 3. Arnold 3. (Siehe auch Job Nr. 22.) Zusammen 39 Lieder. 3. Die jüngeren Hallischen und die Cöthnischen Dichter. Allendorf 4. Lehr 1. Kunth 1. Buchka 1. Bogatzly 8. B. v. Neuß 1. Scheidt 1. Woltersdorf 4“ Ramhachdd H. Th. Schenck 1. Zusammen 22 Lieder. Die Liederdichter, der Zeit nach geordnet 29 4. Die Schwäbischen Dichter. Frommann 1. F. K. Hiller 3. Wieland 1. Georgii 1. Weissensee 1. Bengel 2. Storr 1. Ph. Fr. Hiller 37. J. J. Moser 1. K. v. Moser 1. v. Pfeil 1. Rieger 1. Namenlos: Nr. 403. Zusammen 52 Lieder. 5. Die Lausitzer Dichter. Edeling 1. Mentzer 2. Rothe 2. Zusammen 5 Lieder. 6. Die Brüdergemeine. N. L. v. Zinzendorf 10. R. v. Zinzendorf 1. G. Neu⸗ mann 1. Spangenberg 1. Namenlos: Nr. 195. Zusammen 14 Lieder. 7. Der Pietismus in der reformierten Kirche. J. Neander 6. Tersteegen 16. Annoni 2. Zusammen 24 Lieder. 8. Die dem Pietismus nicht angehörenden Dichter dieses Zeitalters. Neumeister 5. Günther 1. Schlosser 1. Betichius 1. S. Franck 4. G. Hoffmann 1. Neunherz 1. K. Neu⸗ mann 3. Schmolck 14. Frauenholtz 1. Krause 1. Herr⸗ mann 1. Hecker 3. Taddel 1 Namenlos: Nr. 193. 520. Zusammen 40 Lieder. IV. Das Zeitalter der Aufklärung und die Neuzeit. 1750 bis zur Gegenwart. 1. Das Zeitalter der Aufklärung. 1750—1800. a) Der Gellertsche Dichterkreis. Gellert 12. Patzke 1. Zollikofer 1. Feddersen 1. Waldau 1. Hohenlohe-Kirchberg 1. Bürde 3. Ch. F. Neander 1. Hippel 1. b) Der Klopstocksche Dichterkreis. Klopstock 3. Cramer 3. Münter 2. Röding 1. Schubart 1. Huber 1. J. A. Hermes 1. J. T. Her⸗ mes 1. Tode 1. Az 1. Schlegel 1. e) Dichter biblischer Richtung. Lavater 8. Geßner 1. Lorenz 1. Liebich 3. Schöner 3. Claudius 2. Harttmann 1. Hahn 3. Hosch 1. Berger 1. 30 Die Liederdichter, der Zeit nach geordnet d) Dichter aus der Brüdergemeine. v. Bruiningk und v. Wobeser 1. Gregor 2. v. Hayn 1. Namenlos: Nr. 110. 305. 313. 516. Zusammen 70 Lieder. 2. Das 19. Jahrhundert. a) Norddeutsche Dichter. Garve 4. Krummacher 3. Menken 1. Falk 1. Arndt 6. v. Hardenberg 1. eyer 1. Sachse 1. Möwes 1. Franz 1. Stier 2. Spitta 14. Knak 2. v. Strauß 2. Stip 1. Räder 1. Hausmann 1. E. v. Reuß 1. Schmalenbach 1. Franke 2. b) Bayrische Dichter. Rückert 1. Planck 1. Harleß 1. Puchta 4. e) Württembergische Dichter. Bahnmaier 1. H. Zeller 1. Kern 1. Schwab 1. Knapp 10. Barth 4. Grüneisen 1. A. Zeller 4. Blumhardt 1. Herwig 1. Gerok 1. Schott 1. Kemmler 1. d) Badische Dichter. Schneider 1. e) Elsässische Dichter. Härter 1. 1) Schweizerische Dichter. Schlatter 1. Rothen 1. Preiswerk 1. Hagenbach 1. Riggenbach 1.(Zaremba Nr. 251.) Namenlos: Nr. 254. Dichter der Heimat. Speratus. F. K. Hiller. Weissensee. Herrnschmidt. Wieland. Bengel. Frommann. Georgii— Ph. Fr. Zusammen 90 Lieder. 25 Verzeichnis der Bibelstellen Kap. Vers. 3. Aeder Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. Nr. Str. der. d. Lieder. d. Lieder. . Buch Mose. 2. Buch Mose. 5. Buch Mose. 1 5 2 12 1— 83 3 32 3 1 27 381 1 21—23 206 5 6— 28 2.3 91 1 14 14 259 6 4 37 1 7 375 2 15 26 30 10 336 3 133 6 26 343 3 343— 314806 400 3ö16 4. 15 91 2 11 15 2 1⁵ 105 1 1910 4 19 2 34 1 16 10 136 6 28 10 Buch Josua 152 3 6 144 2 7 426 2 346 2 20 12 466 3 5⁴44 4 423, 2. 14 450 2 24 15 458 1 19 530 2ö23 20 4/% 1 25 401 2 24 153 4 25 16 5 8 6 14 321 3 28 21. 29 1/7½1 6 7.9 der aer 8 352 6 20 227 4 9 13—15 485 3• 30 158 2 1.„Did Samhel 1⁵ 136 3 33 14 408 2 6 166 4 60 7 414 7 16 14 316 5 23 32⁵5 2 7½8 322 6 18 19 461 6 333 6 3 10 89 6 27—— 34 6 312 1 18 323 3 151 8 3. Buch Mose. 326 15 194 17 49 11 9 91 40 333 1. 3 218 31 136 2 2 2 33 72 479— 138e 1s 10 1.2 38 1 14 326 7 25 8 434 4 285 11 20 503 1 32 11 16 7 J. Buch Mose. 2. 8715. 5 74 2 78 7 478 3 10 33-35 265 1 355 0 27 301 8 ä1323 361 5 18 16 6 39 3 449 12 18 20 20½14ö 12 22. 23 517/11.12 40 23 323 2 23 19 22 5 1.)Buch v.d. Königen. 45 24 429 9 201m 2 3 511 43½2—4 47 9 505 10 341 3 5 4.5 456 3 49 10 133 2 24 17/ 133 1 8 91 5 18 130 3 ö 1538 12 76 7 50 20 341 8 109 1 1/ 14 491 6 2. Buch Mose. 17 551 5 462 2 23 3 2⁴4² ö 328 6 18 39 6 8 3 14 497 32 1. 14,7 119 4 434 4 Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. 9•8 Str. 33 Vers. Nr. Str. Buch 1.. Pfal ieder x 60 d. Lieder. 1. Bu 49 8 225 0520 alter. alter. 19 515 6 78-. 10 350 8 2 13 3 8 484 1 132 11.12 10 7 136 5 2 2 d. 5171 515 12— 242— 7—9 141 6. 7 — 22 7„ 25 162 1 6 17 564 19 3 35/ 3 7 421 2 4760 1 14 7 136 3 8 283— 29 15 505— 150 5 11 306 6 „) Buch d. Lhronifa. 16 5 464 4 312 30.—— 32 1—3 5. 6 535 14 144 1 1⁰ 5 6 523 4 1⁵ 401 8 Dch E190 9 524— 05 8 89— 6 17 14. 15 404 4 27 1 3⁴43 4 Buch⸗ Hiob. 15 74 50 5 78 1¹ 161 21 326 12 18 2 279 161 8 449 2 34⁴44 2.3 387 1 28 27 311 5 449 8 2.3 39 4 29 3.4 488 8 518 2 3 43 10308 6 335 2 519— 336 2 350 1 28 10 364 1 6 13 2— 360 5 56 10 11 47⁷ 14 16 12 351 12 6.11 37½j 119„ 200 5 13 47⁵ 12 3⁵517 6 200 6 31 2 39 7 351 3 2. 3 8 108 3 3 8 4 83 5 8. 9 95 2 39 10 9 238 5 260 7 3. 4 39 12 480— 11 104 1 6 36 14 2 500 1 414 2 39 194 w25 118 1 12. 14 260 7 6⁷ 522 9 13 69 2 3²⁰ 25—27 218?— 20— 453— 514 40 4. 5 370 2 6 164 1 534 Psalter. 21 1—8 30 4 16 201 1* 1 412 6 2 5.6 3.5 35⁴4 2— 131. 16 350 6 20 29 13 40 1 37³2 5 21 504 2 142 2 20 31 3 320 3 296 10—12 135 3 2⁵ 360 8 8 57 36 85 4 28 264 2 259 4 4 285 1 23— 272— 408 8 332 1— 465— 10 350 491 3 3 60 2 10.11 334 9 54 2 323 133 33½ 65 3 4 84 3 4 70 46⁷7 3 5 16 9 9 1 684* 234 5 6 282 6 1⁵ 233³ 434 3 312. 7 18 2⁴⁴ 7 513 2 24 7 3 3 34 2 6 Verzeichnis der Bibelstellen ESSseeseeEereereerene? Verzeichnis der Bibelstellen 33 Kap. Vers. 9.8 Str. Kap. Vers. 9.8 Der 8 Vers. Nr. Str. 550 Lieder. N 60 d. Lie Dian d. Lieder. alter. Psalter. Psalter. 34 8 358 2 2⁴6 1 N 5 331 2 40½ 11 6 60 10 455 9 481 1 36 6 42 1 47 2 455 2 9. 17 510 1 8 84 6 69 25 1 3 23—26 336 1 403 3 16 350 2 347 8 10 2800 7 50 14 6 9 2⁴ 87 9 11 318 9 15 32 2 25 162 7 12. 13 318 4 51 3 30⁷7 1 389 1 3, 5 314— 9 303 4 394 6 7 3²²2 3 305 3 25. 26 279 1 338 1 11—14 300— 78— 350 5 12 67 2 74 3.20 235 7 43³ 10 23⁴4 6 16 80 1 2⁵ 4915 399 5 76 455 5 38 3 306 13 349 9 7/7 11 344 4 5 20 438 4 15 358 3 407 1 53 9. 10 349 4 78 13 550 3 16 51 355• 1 15 386 4 2² 42— 23 2¹⁴4 3 15. 16 550 5 39 5.6 494 1 56 20 11 23. 24 386 4 6 166 353 3 550 5 7 5%½ 7 363 15 79 9 244 5 8 3⁴47 4 402 3 84 3 390 1 10 359— 5/7 8.9 19 1 12 14 1 361 6 46 1 355 1 40 21 350 7 9 17. 8 54 185 454— 6 4886 60 13. 14 244 4 11 30 5 10. 11 450 11 62 2 318 1.7 86 1 401 1 42 2 517 337 6 8/7 5 255 3 2.3 309 555 0 3 291 1 21 513 1 356 14 15 28 7 6 346 1 356—: 90— 166— 348 1 8 318 2.4 4 498 3 360 9 9 318 5 5 33²½ 6 8 30 10 318 6 444 1 8.9 369 2 13 318 8 495 2 10 360 6 63 2 331— 5. 6 496 2 11. 12 3/½2 964 6.7 39 5 10 496 1 12 349 1 65 10—12 488— 505 2 43 1 3⁴⁷ 6 10—14 158 3 12 315 7 4 392 1 14 487 5 494 3 5 337 1 68 6 501 791 373 6 44 8 3⁴4⁴4 6 12 248 57 7 45 8 351 10 252 4 6 30 8 384 3 20 360 4 7 28 11 46 2 6 5 21 330 3 9 360 3 1 353 2 10 32⁴4 4 3585 9d7f 5 320 2 11. 12 40 7 34 Psal 104 r Verzeichnis der Bibelstellen Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. Nr. Str. d. Lieder d. Lie 9¹ 11. 12 138 6 33 1⁵ 0 3 1.2 49 1 2 16 12 365 10 1⁴ 396 7 487 1⁵ 1⁷ 37 1. 2 7—10 1 2 11 354 3 3 86 5 4 6 3 17 263 6 27 166 4 — 21— 1.2 19 5 4 43 1 34½ 2 480 7 8 390 4 10 364 2 14 285 8 15. 16 499 2 22 484 3 2 7 1 3 7 2 4 7 2 338 4 14 490 4 1⁵ 492 1 2⁴ 487— 29—32 7 3 33 350 9 33—35 7 4 1 291 1 338 3 — 350 3 4—8 550 4 4.2 224 3 78 8 171 7 2⁴4⁷7 6 4 288 5 4 404 7 5.6 447 3 1 30 1 13 163 11 v. 19 11 118⁸ 119 ter. der. ieder. Psalter. 307 6 15 453 580 353— 5 3571 324 1 310 2 1.2 ʃ0 10 35 1 2 323 2 184 7. 8 324 2 364 3 35 61 7 208 3 128— 45/— 319 3 450— 137 3 1.2 450 1 455 6 130— 8 1. R 156 1. 9 80 1 137 5 47⁴— 440 1 9 434 2 340 6 303 2 318 22 9 250 1 505 4126— 10—4 4 3065• 24 132 44— 139 23 4 58 4 312 7 260 7 8.10 60 4 85 5 12 80 4 30 3 11. 19 12 1 29 2 64 7 478 1 65 1 16 3/ 2 66 2 76 1 68 6 33.24 430 10 600 6 1 2 38 3 2 3 1436 2 87 1 221 7 150 4 426 8 301 3 102 1 10 88 451 3 42 2 426 3 84 5 368— 238 4 397 10 145 8—21 3ʃ2— 581 4 9. 2 1 542 6 37 7 5009 8 16 400 2 39, 41ʃ6 2— 35 5 20— 20³ 30 9 3 3 — — — — — ⁵σ Kap. Vers. Nr. Str. d. L Verzeichnis der Bibelstellen 35 tr. Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. 9.8 Str. Kap. Vers. Nr. Str. er. 0 d. Lieder. 3 d. Lieder. d. Lieder. alt esaja. esaja 10 12 1 4. 20 5 s 4 18 455 8 6 15 2⁰0 2 18 304 6 33 4²³3 3 1 18 200 4 2 4 22 635 1 256 3 0 148— 22 3 229 1 5.6 241 4 2 3.4 484 4 65 351 9 8 108 3 2 10 491 4 10 2385 13 7 455— 26 15 0 36² 2 12 4½5 1 6 2 4 38 1 921 . 13 5 4 382 3 1 149 2 25 3 2 1..4 10—13 235 6 5 150 1 4 4. 14 4 2 6 27— 553— 151⁷ 372 7 1 484 3/ 14 136 3 17 41 2 + 7* Salomos. 156 5 108 4 4 406 1 8 10 17⁰0 7 48²2 3 4 2 328 5 419 1410 5 358 4 1 3 5 59 5 18 464 6 6 308 5 — 5.6 354 1 2 5 136 3 6—8 495 4 1 8 30. 31 285 6 145— 50/7 1 1.2 32² 402 6 156 5 10 510 5 8 10 1 5¹7 7 158 6 11 23 8 7 4 45²2 3 56 42 2 12 162 5 4 22 490 111 1 469 1 12. 13 236 4 4 25⁵ 49⁵5 7 2 25²— 15⁵ 16² 5 3 12 2⁵ 328 2 234 2 166 1 2 16 7 244 3 1 12—15 495 6 29 35/7 7 1 31 3/½ 6% 21 11 2⁰⁷ 30. 31 482 5 2 19 2¹ 328 4 206 31 42⁵ 6 4 23 2 4 1 302 143 1 32⁴4 9 10 305— 21 17 456 6 2 351 1 3 404 3 25 7 545 4 25⁵ 186 4 4 406 1— 8 357 3 44 3 261 7 4 519 4 è26 16 352 5 3.4 205 1 3 Prediger Salomo. 363 3 6 8 2 6 4 20⁰ 361 6 23 149 1 2 3 1 15 7 3 344 5 156 8 5 7 20 86 4 8 16 14 4 28/7 7 4 11 6 420 5 45 2 261 2 . 12 1—6 481 4— 19 j 7 15⁵ 32⁵5 1 1 Hibeclied Salomos. 29 158 1 482 2 7 5 317 8 23 165 3 2 114 10 32⁵— 46 4 482 4 — 2 11. 12 485 1 333 4 5²%7 4 — 16 121 3015 282 6 48 17 340 1 2 257 2 326 5 9 6 17¹1 8 3 393 5 356 5 12 5 10 385 1 357 2 14—16 34/7 1 2. 8 6 193 4 31 9 9 5 50 10 404 6 Verzeichnis der Bibelstellen Kap. Vers. Nr. Wer Kap. Vers. Nr. Str. d. Lied d. Liede L — 6⁰ —— — 98. ZJeremia. 7 SURNE — * * E νπ%== UEI SSEEEOOSEA—* — 88 * 7 — l —8898343— — — 828— SESESSE 889— 23 4⁵0 16 10 5 31⁸ 7 332 1⁴ 2⁵⁶ 6 37² 19 426 9 232 29 10⁸ 14 5 361 11 32⁰ 2 5⁵50 3 16 87 186 37¹ 379 394 18 256 30⁵ 20 27⁸ 30³ 32⁸ 2⁵ 3⁵¹ 33 238 34 40⁸ 19 13² 10. 11 456 Wst 22.25 10. 25 3⁵ 158 16³ 481 32. 33 491 87 439 26 1²⁵ 14⁴⁴4 — nAe 22190 Vers. Nr. 6ber. d. Lieder — — — eν senne TTC — 88 — —88E/— EN Weisheit Salomos. 2 4— 495 1 2 — — SeS — — 88 —. 2 8 S— 1 ν Verzeichnis der Bibelstellen 37 Kap. Vers.—— Str. Kap. Vers. 5.Tieder Kap. Vers. 5.8 Str. Lieder. d. Lieder. d. Lieder. 2 1 Jesus 15 7⁰6 68 70 d. Matthäus. Evang. d. Matthäus. 3⁴⁵ 10 320 1 9 2 302 9 5 352 2 11 58 5 36 227 5 363 10 449 9 37. 38 109 6. 7 358 466 5 14 42²2 3 259 78 2 466 8 46⁷7 3 38 252 2. 3 40 499 5 19. 20 25 3 108 25 138 5 11 14 360 1 160— 28 344 8 170 27 480 1 348 6 20. 30.335 5 18 30 312 4 20 431 3 30 320 2 21 2 402 2 21 223 3 330 1 25 1.2 45/, 2 225 2 33 51 5 30 14. 15 480 3 226 5 37 380 1 25. 26 328 2 42⁷7 13 39 415 6 38 23 521 9 521 8 42 283 6 39 19. 20 21.4 529 1 442 5 40 1 91 6 2² 443 1 118 5 248 6 353 11 25 282 5 194 5 1.2 508 2 353 7 5. 6 241 4. 5 50 24—26 18— 365 1 28 122 1 24— 26 353 8 173 4 Buch Baruch. 27—32 328 1 288 7 2 18 31⁴4 7 33 28 5 308 1 Evang. d. Matthäus. 221 3 43²2 5 2 12 2 249 6 29 179 6 148 4 264 4 286 3 150 1 7 1 439 2 370 5 2 1—12 16/7— 7 316 8 381 4 170— 13 403 2 415 3 9 84 5 13. 14 403 1 432 4 103 3 14 414 1 29. 30 412 2 108 3 1⁷ 487 14 30 78 3 11 151 1 24. 25 412 7 259 5 169 2—4 25⁵ 282 1 308 2 16 150 9 8. 17 558 1 414 8. 9 31 12 488 14 20 320 5 432 9 4 16 259 4 23—27 541 7 12 20 229 5 2⁴ 173 3 2⁴ 2⁴6 2 420 4 5 259 2 385 11. 36 37 3 3—10 395 2 24—26 326 1. 2 13 8 89 4 4 7 26 6²2 6 256 2 13. 14 93 10 142 4 30 531 2 44 188 11 26.27 32²7 5 31.32 255 2 305 7 9 2 122 3 259 6 4⁵ 410 4 9 413 1 37. 38 264 1 48 29 5 10 314 4 43 501 4 6 8 354 2 3 150 1²2 505 12 9—13 9 9. 10 13 173 4 530 6 10 248 1 2⁴ 523 1 44 167 4 3⁵ 439 19 21 17⁵ 20 1—6 310 1—16 258 12 48 22 343 2³3 22⁴ E- EN* ESEE νσ—2* Kap. Vers. Nr. Str. d. Lieder. 15640 d. Matthäus. 13'46 42⁰0 7 5 8986se 4— 14 15—21 339— 28. 29 327 3. 6 28—31 62 7, 8 30 40 2 36 174 5 16 11. 12 11 10 18 245 3 2⁴ 409 1 415 1 25 415 6 26 337 5 443 4 27 533 8 17 1—5 520 3 8 4 5 18 12 315 1 20 93 2 98 2 255 1 27 32⁴4 5 eceanenseSeee . ⁰ 1 —(SE 8028— 0988— ů‚ +7 38 Verzeichnis der Bibelstellen + Kap. Vers. Nr. Str. d. Li Evang. d. Igepäns. 22 299 Kap. Vers. 9.8 Str. d. Lieder. spang,d. Racäge. 67. 68 184 26 184 27.—30 182 29 18⁴4 34 18⁴4 39—50 196 52 2¹3 60⁰ 196 66 20⁵ 2 206 3 2¹⁵ 4 2¹⁵ 206 9. 10 211 18 21¹⁰ 262 4¹⁸ 19 11³ 114 14² 19. 20 25¹ 20 11 7⁵ 17⁴4 320 ö 46³3 Evang. des 74j79 8 47 27 205 28 264 30 17⁴4 41 209 34. 35 358 23 321 24 29³3 44 539 6—9 4»457 13—16 463 14 11¹ 11² 30 389 4⁵ 9 15¹ 190 28⁰ 284⁴ 30⁰ 305 — SSESESsSsesse 2222 — — — EEIEES& — — —E ere Qdee— 2 —+neeeee Verzeichnis der Bibelstellen Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. Nr. 4965 d. Lied d. Lied der. Evang. des Markus. 12 37 472 3 42. 43 442 3. 4 13 31 10⁷7 1 14 8 150 11 32—42 183— 15 3—5 182 5 17—19 187 1 29—32 182 2 33—37 185 2 34 199 7 46 202 1 16 2 205 1 3 209 6 2¹1⁴4 3 9 5 Goanß des Lukas. 32 5⁴ 70⁰ — — — — Al nDEEEENSE 899992883—4— 993883247 13 EE 14 Evang. des Lulas. 29. 3 1 0. 130 29—32 502—. 32 150 8 34. 35 158 2. 37 158 7 40 158 4 5¹ 466 4 4—6 139— 18 128 1 131 3 1717 5 20 106 2 75 449 4 12 80 6 410 3 21¹ 246 6 12. 13 462 1 48 207 1 31⁴4 4 8 48 6 62² 443 6 20 504 5 39 97 3 385 5 430 3 39. 40 104 2 42 378 4 398 1 430 1 444 3 451 1 521 7 2 93 6 13 289 5 28 95 1 463 3 32 2⁴45 1 266 1 272 1 35⁵ 88 4 42 533 4 42—48 499 1 49 252 2 262 5. 24 427 1. 29 171 2 262 2 16. 17 120 1 r. — — E 16 18 19 — —— 39 Kap. Vers. 9.8 Str. d. Lieder. Tüns des Lukas. 16—24 249 2 17 130 2 22. 23 262 3. 7 27 3⁴4⁵5— 33 371 3 398 3 429 13 1.2 285 4 2 304— 314 1 4 2⁴41 3 538 10 46 304 3 13 492 3 17—24 303— 18 313— 20 503 2 10 442 4 22 55 7 279 3 35⁷ 11 375 12 5 78 9 89 5 501 10 7 283 3 7 427 5 8 2⁴²2 1 29 8 4 3 5⁴4⁷7 1 314 4 9 460 1 41 229 3 42 408 3 19 404 5 28 140 8 535 1 29. 30 140 4 26 429 10 30 492 7 31 419 1 421 1 32 421 7 5⁴42 5 41—44 198 1 42 337 6 44 199 3 48 199 4 4⁰0 Kap. Vers. Nr. Str. d. Lie Verzeichnis der Bibelstellen Kap. Vers. Nr. Str. d. Lieder. 8 3 228 701 des 314 25 5 10 2² 18⁴4 26 17 27 199 28 19² 34 17³3 199 42 538 199 538 4⁵ 2¹³3 46 199 201 493 49 199 56 209 24 13—31 220 13—32 75 26 189 29 6⁸ 7⁰ 79 8¹1 8⁴4 2⁴3³3 418 32 390 36 38⁰ 51 22²2 91 20 d. 105 4 195 385 405 235 5 146 15⁵⁵ 9 63³3 260 9. 10 168 12 30⁴ 47¹ 14 9 149 16 23 397 416 18 486 —— esS89S888938ee —2 HνUEα— 11. 23 d. 95145. 6 85 d. 212/ 18 — 6 EE — — — ANS. O O Oo/ N 81 — S — — — Kap. Vers. Nr. Str. 7 d. Lieder. 12⁷ 0 376 4 x 56 494 9 58 89 6 6³ 234 1 376 2 430 4 6⁸ 17⁵5 8 38 13 5 12 133 1 ö 41⁵5 2 ö 476 3 500 3 2¹ 20/7 3 ö 36 13 2 401 3 436 6 4 4⁴4⁴4 2 4 408 1 4²0 6 11 284 3 386 1 430 9 12 61 3 11² 4 184 4 25² 6 1215 10— 16 171 4 24⁴¹1 1 2⁴8 9 266 1. 3 440 4 18 209 5 27—20 176— 28 336 5 344 10 546 3 11 509 1 16 417 1 2¹ 529 2.3 2⁵ 5•4 2 21¹¹1 4 26 521 13 33—35 528 1 3⁵ 360 11 41.42 361 7 13 255 3 Verzeichnis der Bibelstellen 4¹1 1. Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. 9.8 Str. Kap. Vers. Nr. Str. 28. d. Lieder. Lieder. d. Lieder. 21 d. Voßems W d. Bosfenee. Evang. d. Johannes. 12 2¹1 1 19 18 184 2 j; 21⁵ 6. 7 112 4 2⁵ 185— 366 3 115— 28 198 2 436 7 122 4 493 4 28 103 5 125 4 28—30 199 7 6 36 146 4 175 7 30 122 2 155 2 506 7 198 2 5 500 5 13 173 2 501 1⁰0 40 32 2 391 5 520— 2 46 155 4 393 4 523 2 3 500 4 16 259 2 3⁴ 199 5 3 3 7 328 8 18 386 2 42 203 1 1⁴ 268 6 20. 27 253 1 20 1 209 1 7 34 100 3 16 13.14 1 9 17 1 3 34. 35 271 1 8 238 6 19 269— 6 35 268 10 239 5 20 380 6 2 270 4 11 88 3 27 2¹3 6 458 3 13 94 1 390 9 6 14 2 400 1 238 3 27. 28 494 7 3 521 16 392 3 28 279 1..2 2.3 225 2 13. 14 143 5 10 37 2 9 270 14 0 6 ichte 2 238 6 ste 6l. 3 11 7 239 3. 4 9 400 2 2 6 112 4 22 140 5 2— 251 1 0 223 4 209 10 238 1 477 4 473— 253 4 4 7 157 4 27 5²2⁷7 6 223 289 2 1 16 12 3 28 395 6 3 98 1 9 17 239 6 497 3 103 3 3 21 16⁷7 1 32 391 8 2⁴ 141 3 4 37⁷7 4 33 286 1 21 3 5 2³3 4 8 404 4 33 229 2 98 5 17. 12 206 3 236 3 5 26 238 3 397 2 42 100— 0 27 199 10 15 396 2 2⁴3 2 3 210 3 417 1 3 20 140 4 1 268 8 2¹ 268 10 4 12 164 3 1 286 2 271 2 10 1. 2 3 38⁴4 5 22 268 6 5 30. 31 321 2 2 456 6 23 268 7 38. 39 450 5 4 516— 2⁴ 209 9 4¹ 321 4 3 3⁰ 497 75 226 3 344 7 1 15 2.5 492 6 18 36 142 3 7 55 67 3 1 4 5 19 2.8 188 1 229 1 7 118 1 197 1 520 6 3 290 7. 8 199 5 58 45 9 ‚ 38⁴4 4 16 184 1 511— Verzeichnis der Bibelstellen Kap. Vers. 5.8 eDer Kap. Vers. 5.8 Str. Kap. Vers. Nr. Str. 8 d. Lie Lieder. d. Lieder. ö Deuppfedoeshiee. Wrief 10 8 Fmer. 420 5* die 2/ 5 2 — 5099 1 10. 11 148 6 391 7 8 30 295 1 11 294 3 17 23 4 9 1 282 2 12 156 7 95 1 40 21 3 500 2 234 8 10 38 1³3 2 1⁵ 195 3 273 10 139 3 274— 17 206 2 400 1 22 150 4 8 4 292 6 41⁷7 2 14 22 308 4 1—12 192— 5²⁷7 6 327 8 2—11 400 2 18 35 5 409 2 3 983 3 334 6 160 31 461 7 122 3 402 3 33 461 2 256 7 42²2 1 17/ 28 4 5 3. 4 114 1 19 52⁵5 3 395 10 3—11 366 2 19—21 397 4 31 21 3 4 2¹4 2. 5 21. 22 287 7 260 2 414 5 2⁴ 23½ 7 20 29. 30 30 2 6 191 1 2⁵ 835 2 2 13 27⁵5 1 395 7 26 3 4 7 19 211 3 401 2 143 5 2⁵ 449 7 8 208 7 23³3 3 D an die 5326 4¹⁷ 4 234 4 16 2 11 191 1 238 6 18 315 2 14 194 6 27⁷7 7 2¹ 9j6 2 18 456 1 421 8 ö 2 4* 283 2 22 213 9 20. 2) 239 7 315 8 23 436 4 28 138 8 403 3 7 14—24 11 2 3⁴46 5 456 5 18 235 3 380 6 492 4 19 35 3 29 395 5 7 537 3 23. 24 399 1 31 277 1 7. 8 131 10 2⁴ 290 5 31. 32 216 4 16 537 2 24. 25 194 4 288 9 3 3 144 3 8 2 333 5 346 4 2⁴ 194 7 3 2586 6 32 15 3 199 0 3. 4 92.3 147 2 2⁵ 16 3 11 1890 5 289 3 221 5 232 14 32.³ 4 28 9 6 13 236 8 ö 35⁴4 5 5 4 3. 14 22 7 33. 34 277 4. 5 2 14. 15% 6 34⁴ 23 7 1 365 7 38 2 4 408 5 126 3 2 1⁵ 23 4 22⁷7 6 1 430 8 290 3 3 15. 260 38 2 381 5 5 16 23⁴4 3 386 3 — 2. Verzeichnis der Bibelstellen 43 tr. Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers..der Kap. Vers. Nr. Str. er. ö d. Lieder. d. Lieder. d. Lieder. er. Brief an die Römer. 1. 1ozinhergrief. 1I. Korintherbrief. 5 8 35 219 5 27. 285 5§àut 1 26 122 5 7 7 1⁰ 30 312 3 27. 28 119— 4 346 7 28 121 1 1 380 4 430 5— 29 123 6 8 35—37 184 12 2. 2 97 1 ö 12 2798 1 0 193 2 7 286 5 7 12 3 1 35—38 288 11 395 9 9 230 1 2 37 35⁴4 7 8 202 5 26 273 8 6 38. 39 277 11 9 362 13 1—7 441 3—5 5 289 7 37%7 7 437 4 6 494 7 532 3 12 172 6 3 9 16 36⁵5 3 548 8 5²⁷7 6 1 10 6 131 7 14 238 3 13 118 4 3 1⁵ 105 4 3 30 3 270— 4 111 11 255 3 250 35²2 8 7 17 40⁷7 2 264 2 1 3. 4 12⁴4 3 7 2⁵ 252 5 489 2 4 209 2 2 2 361 3 9 258— 2 5 4 33 15 3 448 3 216 1 5 34 285 4 11 290— 2 115 4 3 5•H% 16 56 4 30⁷ 5 4 36 370 6 89 2 27 171 5 6 12 2 408 4 395 9 36—38 525 1 7 444 3 406 9 42 520 5 8 5 275 3 524 3 42. 43 210 6 7 12 551 18 443 3 3 8 15⁵ 441 2 5 8 308 12 42—44 218 6 5 18 4 7„ 43 5²8 6 6 19. 20 308 114 7 206 5 44 203 5 5 21 3⁷ 8 290. 531 1 1 13 1 213 7 213 3 49 287 3 4 12 302 4 17⁷7 382 4 50 222 3 0 14 1 440 3 402 5 51. 52 536 2 4 7 2⁴4² 2 19 230 2 5² 580 2 3 8 198 4 405 4 55⁵ 203 4 2 2⁴⁷7 3 448 3 209 4 3 497 2 20 190 5 216 5 4 511— 720 23 2 219 1 5 554 23 397 9 5⁴42 7 5 ö 15 1 429 109 24 35 2 55—57 206 3. 4 7 437 1 403 208 9 2 1. 1 79 5571 25 448 5 210 1 3 7 10 13 27 3 58 401 5 6 8 551 5 341— 16 9 261 3 3 9 429 2 35/7 5 4. 250 5 5 18 181 13 17 440 2 1 256 5 3 192 6 26 205 2 20 23 7 2 19 285 3ü1 8 517 3 105 2 44 Verzeichnis der Bibelstellen Kap. Vers. Nr. Str. d. Lieder. 2. 0 00 11 20 166 * 5 14. 18 1⁵ Eea —— SSS8ESnsne; — ASEEOEEHSEEEνE— — 17 SH 83 13 13 2 10 20 2. Korlutherdrief 5 15 4¹⁸ — — Lieder. TTTTTT — b ns? E — —8989389e8S 10 Kap. Vers. 900 Str. Kap. Vers. 9.8 Str. d. Lieder. 2 2 9 die Galater. 396 4 3 10 195 1 13 31⁴4 2 386 3 440 1 13. 14 1/3 5 182 3 27 494 8 28 273 4 4 4 385 3 26 521 6 . 6 237 3 293 3 41⁷7 1 20. 22 233 5 436 3 22 2 239 8 2⁴8 7 24 41 5 184 9. 10 188 13 403 6 6. 2 273 9 9 442 1 14⁴ 192 5 193— 1⁵5 403 7 6 403 8 dref a. d.* 1 16 2 151H 2 278 1 288 1 376 5 381 2 9. 10 148 2 12 299 1 14 239 9 284 1 18 316 3 22 438 1 22. 23 221 2 23 224 5 2 3 158 5 4—7 289 2 4—9 194 2 Verzeichnis der Bibelstellen 4⁵ r. Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. 93 Str. r.d ähe Duein d.Wuunner er Drie a. eser. rie 1. pheser. rief a ilipper. 2 10,%3 2 0 5. 7 158 5 15 265 3 1 8 292 1 228 7 7 3 8. 9 9 210 4 13 109 4 9 278 8 4 315 10 5 29²2 2 316 2 326 11 3 22 1/½ 3 205 4 2 7 7 A 539 3 2 286 9 200 14 380 4 3 296 1 19 35 2 8 389 2 6 392 2 2145 7 9 290 5 3 19 5⁴8 2 2 14/7 2 187 7 3 245 6 10 192 2 1 2255 11 255 2¹⁷7 5 5 21.22 247 1 181 375 10 3 3 4202 5 11 17 u 155% 6 1 445 7 1 14 1 14 8 443 11 12. 0 2 7 1 209. 226 5 5 1. 19 17 3 17 51 5 431 1 . 10 20 23 6 42⁵5 2 434 2 3 25²2 9 18 440 5 498 1 6 4 1—6 459%“ç!“ 5 d. 66.— 4 499 3 0 24 400 21 505 8 41 4 27 4 103 4 21 4210 7 5 5 273 3. 6 10 34 2 402 4 5.6 24/7 2?/ 43⁵5 9 7 2⁴9 5 20 36) 6. 7 44⁴⁷ 6 8 é 6 12 1 2 295. 2*7 341 8 r. 7498 2727 315 1 6 947 2 1 8 141 4 35/7 10 7 235 5 2 100 724 1 501 3 18 87 2 2 ö 1 11 4 2123 506— Brief a. d. Kolosser. 1 290 6 25 3⁰/7 3 12 505 13 1 15.16 93 8 434 4 504 2 5 268 1 42— 1797 140— 2 16 2ʃ5 6 501 1 18 98 2 2 57j0 ö 2 2 230 5 218 2 f 438 1 2⁴⁰0 3 19 388 2 0 7. 18 16/7 6 7 15353 35 397 2 1 20—22 412 5 551 2 20 412 5 3 8 144 4 410 6 22 405 20 45/ 3 8 156 4 2'549 5 2 30 2309 10 101. 29 388 2 5 5 4 4⁴8 2 197 2 430 2 5 8 168 3 4110 2 14 2 302 6 10 224 3 19 208 2 2 ö 396 6 260 2 2¹⁴4 4 46 Verzeichnis der Bibelstellen Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. 9.8 eder Kap. Vers. Nr. Str. 3 5 Holosser. 2 2. Thessal ub. 2.— 5 d. Lieder. rief a. d. Kolo ser. essalon 928 Timotheus. 2 15 240 2 N 2 7 89 19 1 25² ö 8 126— 19 249 6 1. Timotheus. 11 282 7 3 1 21 353 278— UV. 12 215 8 226 6 15 135 12 12 219 2 305 7 15. 16 101 5 13 285 1 1.2 218 9 288 8 291 3 2 335 292 3 19 16 8 3 224 660 16 294 1 105 6 28/7 1. 8 18 284 6 270 1 5290 1 419 2 292 7 228 7 19 420 2 476 5 257 422 2 37 5 403 2 535 3 2 1—1 30— 4. 2 256 5 5 42133 159 7 6 504 1 12 273 8 4 278 3 522 1 12. 13 451 2 4—6 288 2 7 520 1 12—14 56 6 5 9 1 522 2 13 188 12 156 7 5⁴43 1 437 2 6 134 5 78 49 3 16 461 4 14⁷7 3 8 193 5 22. 23 460 4 190 2 210 5 45 3 435ꝰ7 199 1 248 8 5 44443 15 158 2 326 14 1. Thessalonicher. 4 3.4 490 6 435 7 1 10 538 9 12 256 3 17 428 2 4 13 528 3—5 6 7 344 2 Brief an Titus. 14 85 6 348 5 2 10 461 5 211 1 521 8 524 5 10 5 4 14. 17 514 4 11 236 5 16 218 7 446 9 538 3 12 428 1 16. 17 136 7 2. 859940 17 14⁷7 13 1 406 8 218 4 463 5 287 8 6 315 2 524 6 7 233 2 5²27 7 234 6 253 306 5 223 345 4 23/7 5 3 20⁷7— 17⁷ 40 1 10 150 13 4 27 450 7 168 6 35. 9 19 235 5 191 ⁵ 5—8 535 4 22 551 10 194 3 6 228 6 23 56 2 372 1 205 3 89 3 521 1²2 6.7 352 3 2. The 1919—997 23 3 42⁷7 14 7 375 1 1 5 415 7 8 390 2 2 2 421 6 424 1. 7 9 125 2 Verzeichnis der Bibelstellen 47 Kap. Vers. 9.8 Str. Kap. Vers. 9.81 Str. Kap. Vers. 5.2 Str. Lieder. d. Lieder. Lieder. +. 1 95 des B3e. 1. 3 7⁰ des e. 4810 Boseenee 5 15 7„0 30 0 19 9 4 18. 19 78 7 550 2 379 1 18 32. 8351 des 415 2 405— 50½% ö 4²²2 3 19 3 4 430 20 39⁵5 3 2⁵ 166 5 4 421 4 5 3 404 1. 2 2 23 414 9 14 512 411 1 6 27 8 19 770 5 6 110— 11 419 2 526 1. 2 14 23 5 429 5 3 9 536 7 30 12 19 312 5 10 538 1 3. NWer 21 17⁵5 1 1² 556 1 3 11 12 14 288 10 Brief an d. Hebrßer 4/ 113165. Jo. 6 +2 3 9j6 3 23 1473 6 11.7/ 2 221 1 181 10 155 5 385 3 410 5 396 5 6 149 3 24 41 5 406 4 155 1 44 10 2 1.2 340 3 2 216 2 14⁷7 8 2 194 3 385 2 186 2 195 1 9.10 351 3 190 1 503 3 10 251 2 228 3 206 6 1. 7 291 5 15. 16 412 5 11 395 5 315 11 16. 17 284 11—14 156 6 417 3 17 337 4 14 146 2 50⁷7 2 521 8 148 3 5 2 181 10 18 243 2.5 206 3 283 8 27⁷7 395 1 209 5 14 380 2 28 118 1 17 216 3 18 381 3 2 29 3 17. 18 351 8 4 1 374 6 222 85 391 3 132 35/, 382 87 303 5 8 175 7 395 10 9 26⁴4 5 437 4 410 1 3⁵³ 12 12 351 4 8 1036 521 5 13 345 6 135 1 9—11 543 1 363 13 15²2 3 10 283 7 14⁴ 351 10 15. 16 181 9 12 108 2 19 37⁴4 7 16 268 3 259 5 5 4 203 5 17 435. 5 13 235 1 3816 18 190 7 1⁵ 148 3 6 432 10 4 3 448 1 7 20 1⁵ 20 27 16 200 2 31— 4 9 149 5 6 6 179 4 328 3 16 10 1. 18. 19 541 6 330 2 17 1 6 355 3 2528 20 225 1 48 Verzeichnis der Bibelstellen Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. Nr. Str. Kap. Vers. 9.8 Str. d. Lieder. d. Lieder. d. Lieder. Brief an d. Hedrder. Brief an d. Hebräer. Brief des Jakobus. 7 24. 25 225 1 12 6 246 1 2 8 273 9 8 1 227 1 336 4 3 6 396 6 9 12 13 4 ö 341 4 4 4 386 2 1246 345 1 7. 40 4 196 5 33 9 den d—21 48 221 5 7 346 8 121 4 226 4 351 2 264 2 2²27 2 10 335 3 7 211 4 259. 5 12 88 8 538 2 385 4 239 5 8 13 1 41²2 4 428 4 158 1 430 8 12. 13 419 2 10 92 1 14 143 3 15 312 1 11 376 7 280 6 314 9 47²2 1 396 4 316 6 16 2⁴4⁷7 5 15 227 60 2² 285 13 17 224 1 23 105 2 22.23 507/7 5 21 1 98 1 10 1 302 3 23 353 13 2⁴4⁷7 5 7 17 2⁴ 200 1 1—7 250 1 14 1947 278 4 4 42⁷7 4 397 3 13 5 360 12 7. 11 424 5 19 280 1 8 164— 8—11 250 2 10. 20 222 2 9 48 3 10 13 3 20 375 1114 75 7 45 1² 2⁴ 268 4 161 9 116 4 36 446 1.6 13 259 2 140 5 11 505 4. 5 414 4 184 14 1 530 4 431 6 197 3 6 293 8 14 161 3 420 3 10 27⁷7 8 505 1 422 1. 6 13 429 6 521 1 510 6 435 5 15⁵ 4 2 12—17 2⁵50 3 13—16 434 1 46 5 17 2 3 1 89 3 540 2 27 270 2 0 248 1 18—21 250 4 2933 4 122 des 8282 us. 28 92⁵5 2 36 2933 5 7 3 1—6 250 5 . 38 321 2 4 122 4 713 250 6 12 1 405 3 6—8 282 5 10 42 3 2 125 1„— 12 35⁴ 1 11 122 4 151 14 315 4 420 4 178 1 400 3 42⁷7 8 361 4 17 37 1 12 424 6 416 1 18 27⁰0 2 14—22 250 7 2—4 191 1—3 28/7 4 19 315 6 4 42⁷7 3 2² 144 6 3511 428 3 27 396 2 20 61 1.2 6 15 9 2. 5 27/8 4 123 2 2/7 9 5 354 4 278 3 — — e 5 72 5 ccTTcT — 22 Verzeichnis der Bibelstellen 49 Kap. Vers. Nr. 5 Kap. Vers. 5.8 Str. Dffer Vers. Nr. Str. d. Liede 2 Lieder. Offenb. d. 12 29 d. Soßames 7.7 d. Sohernte. 2 2 2 1 5 3. 4 900 1 1 45 805 13 1 929 4 4 14⁷7 7 8 4 2 9 12 276 4 247 77 10 12 11 2148 541 3 943. 276 8 5⁴43 5 507 4 419 4 548 6 541 1 13 4⁰ 276 6 5 431 9 8. 9 Hj5„ 296 4 7 402 7 9. 10 107 4 14 1.4. 4283 1.5 550 8 11 7 4 2—3 520 4 10 534 1 5 5 2¹1⁴4 4 534 6. 7 10—27 507 6 8 5⁷7 6 5⁴42 2 11 168 7 91 3 3 47²2 4 50⁷7 3 54½ 8 13 161 4 21 532 3 8—14 548 3 364 5 5⁴2 1 9 2 2 402 8 5⁴44 5 204 2 444 6 5⁴47 4 21⁴4 4 508 1 23 77 250 715 2 228 8 229 2 395 4 37⁵5 5 2⁵ 17⁰0 8 511 2 19.1 150 14 27 536 ö. 6 11 2¹⁰0 2 4.5 199 10 22 1 235 6 12 178 4 5 53 1 238 5 280 8 6 5²⁷7 3 40²2 5 6 30½½ 8 6—9 532 2 433 8 15. 16 537 4 7 2 3 1.17 541 4 1⁷ 538 1 256 7 2 54/7 5 2 376 6 548 6 9 140 7 7.8 V 3.4 548 4 158 8 52/7 2 4 377 7 228 8 8 17/71 383 4 296 5 9 119— 388 5. 8 37⁵5 5 125 8 5 77 8 431 9 259 3• 540 1 438 9 14 3 2 541 5 490 7 16 240 2 12 316 9 507 7 0 2. 3 47000„ 14 88 7 534 4 140 6 16 134 3 9. 10 184 14 287 6 141 8 31⁷ 11 12 159 1 260 1 487 10.11 289 7„ 376 1 9—17 551— 536 3 17 276 5 10 189 6 538 5 20 88 4 12 2 1 13 546 1 140 8 14 2¹⁷7 4 15 16 4 143 5 363 14 61 3 508 6 534 5 112 5 521 17 17 508 118 4 536 7 S2, ei 1 217⁴ 20. 21 276 1 Die Leidensgeschichte Jesu Christi (Aus den vier Evangelien zusammengefaßt.) I. Eingang 1. Sechs Tage vor Ostern kam Jesus gen Bethanien, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen Jesus auf⸗ erweckt hatte von den Toten. Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl im Hause Simons, des Aussätzigen; und Martha diente, Lazarus aber war deren einer, die mit ihm zu Tische saßen. Da trat zu ihm Maria, die hatte ein Glas mit einem Pfund Salbe von ungefälschter, köstlicher Narde. And sie zerbrach das Glas, goß es auf sein Haupt und salbte seine Füße und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe. Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simons Sohn, Ischarioth, der ihn hernach verriet: Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Groschen und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte; sondern er war ein Dieb und hatte den Beutel und trug, was gegeben ward. Es waren auch etliche der anderen Jünger, die wurden unwillig und sprachen: Was soll doch diese Ver⸗ geudung? Dieses Wasser hätte mögen teuer verkauft und den Armen gegeben werden. And sie murrten über sie. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Laßt sie mit Frieden! Was bekümmert ihr das Weib? Sie hat ein gut Werk an mir getan. Denn Arme habt ihr alle⸗ zeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte. Daß sie dies Wasser hat auf meinen Leib gegossen, ist sie zuvorgekommen, meinen Leib zu salben zu meinem Begräbnis. Wahrlich, sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.) ) Joh. 12, 1—8; Matth. 26, 6—13; Mark. 14, 3—9. II. Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern 51 2. Des andern Tages, da viel Volks, das aufs Fest gekommen war, hörte, daß Jesus käme gen Jerusalem, nahmen sie Palmenzweige und gingen hinaus ihm ent⸗ gegen und schrieen: Hosianna! Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand ein Eselein und ritt darauf, wie denn ge⸗ schrieben steht:„Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt, reitend auf einem Eselsfüllen“. Das Volk aber, das mit ihm war, da er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. Darum ging ihm auch das Volk entgegen, da sie hörten, er hätte solches 2531. getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr sehet, daß ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.) 3. Es war aber nahe das Fest der süßen Brote, das da Ostern heißt. And Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr wisset, daß nach zwei Tagen Ostern wird; und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß er gekreuzigt werde. Da versammelten sich die Hohen⸗ priester und Schriftgelehrten und die Altesten im Volk in dem Palast des Hohenpriesters, der da hieß Kaiphas, und hielten Rat, wie sie Jesum mit List griffen und töteten. Sie sprachen aber: Ja nicht auf das Fest, auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volk! And fürchteten sich vor dem Volk.) Da ging hin der Zwölfe einer mit Namen Judas Ischarioth und redete mit den Hohen⸗ priestern und mit den Hauptleuten, wie er ihn wollte ihnen überantworten, und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Da sie das hörten, wurden sie froh und gelobten ihm Geld zu geben; und sie boten ihm dreißig Silberlinge. And er versprach es; und von dem an suchte er Gelegenheit, daß er ihn über⸗ antwortete ohne Lärmen.) II. Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern 1. Aber am ersten Tag der süßen Brote, auf welchen man mußte opfern das Osterlamm, traten die Jünger zu Jesu und sprachen zu ihm: Wo essest du, daß wir dir dereiten, daß du das Osterlamm essest? And er sandte ) Joh. 12, 12—15 und 17—19. 5 Matth. 26, 1—5; Mark. 14, 1.2; Lut. 22, 1. 2. Matth. 26, 14—16; Mark. 14, 10.11; Luk. 22,3—6. 52 II. Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern seiner Jünger zwei, Petrus und Zohannes, und sprach zu ihnen: Gehet hin in die Stadt; siehe, wenn ihr hinein⸗ kommt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser; folget ihm nach in das Haus, da er hineingeht, und saget zu dem Hausherrn: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir Ostern halten mit meinen Jüngern; wo ist die Herberge, darin ich das Osterlamm essen möge? And er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern versehen ist, da⸗ selbst richtet für uns zu. And die Jünger gingen aus und kamen in die Stadt und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Osterlamm.) 2. Am Abend aber kam er mit den Zwölfen, setzte sich nieder und die zwölf Apostel mit ihm. And er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß es erfüllt werde im Reich Gottes. And er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmet ihn und teilet ihn unter euch; denn wahrlich ich sage euch, daß ich hinfort nicht trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis auf den Tag, da ich es neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.“) 3. Es erhob sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren. Ihr aber nicht also; sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist größer, der zu Tische sitzt, oder der da dient? Ist's nicht also, daß der zu Tische sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Ihr aber seid es, die ihr beharret habt bei mir in meinen Anfechtungen. And ich will euch das Reich bescheiden, wie mir's mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt an mei⸗ nem Tisch in meinem Reich und sitzen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels.“) 4. Und da Zesus erkannte, daß seine Zeit gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater: wie er hatte geliebt die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. And bei dem Abendessen, da schon 9 Matth. 26, 17—19; Mark. 14, 12—16; Luk. 22, 7—13. 9) Luk. 22, 14—18; Matth. 23, 20. 29. 30; Mark. 14, 17. 25. ) Luk. 22. 24—30. II. Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern 53 der Teufel hatte dem Judas, Simons Sohn, dem Ischa⸗ rioth, ins Herz gegeben, daß er ihn verriete, und Jesus wußte, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott gekommen war und zu Gott ging: stand er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petrus; und der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße waschen? Zesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der bedarf nichts, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. And ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräter wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach abermals zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch getan habe? Ihr heißet mich Meister und Herr und saget recht daran, denn ich bin es auch. So nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr tut, wie ich euch getan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr's tut. Nicht sage ich von euch allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Aber es muß die Schrift erfüllt werden:„Der mein Brot isset, der tritt mich mit Füßen.“ Jetzt sage ich's euch, ehedenn es geschieht, auf daß, wenn es geschehen ist, ihr glaubet, daß ich es bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf; wer aber Hat⸗N. der nimmt den auf, der mich gesandt hat.). 5. Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im Geist und zeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich 1) Joh. 13, 1—20. 54 II. Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern sage euch: Einer unter euch wird mich verraten! Da sahen sich die Zünger untereinander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. And sie wurden sehr betrübt und hoben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: Herr, bin ich's? und der andere: Bin ich's? Er antwortete und sprach: Einer aus den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel taucht. Zwar des Menschen Sohn gehet hin, wie es beschlossen ist, und wie von ihm ge⸗ schrieben steht; doch wehe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird! Es wäre demselben Menschen besser, daß er nie geboren wäre. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte; dem winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte. Derselbe lag an der Brust Jesu und sprach zu ihm: Herr, wer ist's? Jesus anwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. And er tauchte den Bissen ein und gab ihn Judas, Simons Sohn, dem Ischarioth. Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du 0 es. And nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald. Das aber wußte niemand am Tische, wozu er's ihm sagte. Etliche meinten, dieweil Judas den Beutel hatte, Je⸗ sus spräche zu ihm: Kaufe, was uns not ist auf das Fest; oder, daß er den Armen etwas gäbe. Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. And es war Nacht.) Da aber Judas hinausgegangen war, spricht Jesus: Nun ist des Menschen Sohn ver⸗ klärt, und Gott ist verklärt in ihm. Ist Gott verklärt in ihm, so wird ihn Gott auch verklären in sich selbst, und wird ihn bald verklären.“) 6. Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, sagte Dank, brach's, gab's seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desselbigengleichen nach dem Abendmahl nahm er den Kelch, sagte Dank, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus, das ist mein Blut des neuen Testaments, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden; das tut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis.“) *) Joh. 13, 21—30; Matth. 26, 21—25; Mark. 14, 18—21; Luk. 22, 21—23. ) Zoh. 13, 31. 32. ) Matth. 26, 26—28; Mark. 14, 22—24; Luk. 22, 19. 20. II. Kampf in Gethsemane und Gefangennehmung 55 7. Liebe Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen; und, wie ich zu den Juden sagte; wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen, sage ich jetzt auch euch. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebet habe, auf daß auch ihr einander lieb habet. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt. Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm; Wo ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen: aber du wirst mir nachmals folgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen. Jesus antwortete ihm: Solltest du dein Leben für mich lassen? Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten wie den Weizen; ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. And wenn du dermaleinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.) 8. And er sprach zu ihnen: So oft ich euch ausgesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche; wer aber nichts hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: Es muß noch das auch vollendet werden an mir, was geschrieben steht:„Er ist unter die Abeltäter gerechnet.“ Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.) III. Kampf in Gethsemane und Gefangennehmung 1. And da sie den 1117⁷ gesprochen und Jesus noch vieles(Joh. Kap. 14—17) zu ihnen geredet hatte, ging er hinaus über den Bach Kidron an den Biberg nach seiner Gewohnheit. Es folgten ihm aber seine Jünger nach an den Ort. Da 31 all Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern; denn es steht geschrieben:„Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.“ Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen nach Gali⸗ 9 Joh. 13, 33—38; Luk. 22, 31—33. 2) Luk. 2, 35—38. E 56 III. Kampf in Gethsemane und Gefangennehmung läa. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich an dir ärgerten, so will ich doch mich nimmermehr ärgern. And Jesus sprach zu ihm: Wahr⸗ lich, ich sage dir: Heute in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Petrus aber redete noch weiter: Ja, wenn ich mit dir auch sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen Desgleichen sagten auch alle Jünger.) 2. Da kam Zesus mit ihnen zu einem Hof, der hieß Gethsemane; da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verriet, wußte den Ort auch; denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen JFüngern. And als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Setzet euch hier, bis daß ich dorthin gehe und bete. Betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet! And er nahm zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, die zwei Söhne des Zebedäus, und fing an zu trauern, zu zittern und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibet hier und wachet mit mir. And ging hin ein wenig und riß sich von ihnen einen Steinwurf weit und kniete nieder, fiel nieder auf sein Angesicht und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüberginge, und sprach: Abba, mein Vater, es ist dir alles möglich; willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. And er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du? Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andernmal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist's nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. And es kam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. And er kam wieder und fand sie abermals schlafend vor Traurigkeit; denn ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. And er ließ sie und ging abermals hin und betete zum drittenmal und redete dieselben Worte. Und er stand auf von dem Gebet und kam zum drittenmal zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun schlafen 3) Matth. 26, 30—35; Mark. 14, 36—31; Luk. 22, 39; Joh. 18, 1. *• ö x ö x xů ö 88 II. Kampf in Gethsemane und Gefangennehmung 57 und ruhen? Es ist genug. Siehe, die Stunde ist hier, daß des Menschen Sohn in der Sünder Hände über⸗ antwortet wird. Stehet auf, laßt uns gehen; siehe, er ist da, der mich verrät.) 3. And alsbald, da er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfe einer, welcher zu sich genommen hatte die Schar und der Hohenpriester und Pharisäer Diener mit Fackeln und Lampen, mit Schwertern und mit Stangen, und ging vor ihnen her. Wie nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus spricht zu ihnen: Ich bin's. Judas aber, der ihn verriet, stand auch bei ihnen. Als nun Zesus zu ihnen sprach: Ich bin's, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermals: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe es euch gesagt, daß ich es sei. Suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben hast. Der Verräter aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Wel⸗ chen ich küssen werde, der ist's; den greift und führt ihn sicher! And alsbald trat er zu Jesu und sprach: Gegrüßet seist du Rabbi, Rabbi! und küßte ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du ge⸗ kommen? Judas, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuß?) 4. Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesum und griffen ihn. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? And einer aus ihnen, Simon Petrus, hatte ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein rechtes OIhr ab. And der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so machen. And er rührte sein Ohr an und heilte ihn. And zu Petrus sprach er: Stecke dein Schwert in die Scheide: denn wer das Hh. den nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Oder meinst du, daß ich nicht könnte 40 46.5 18, 1.2; Matth. 26,36—46; Mark. 14, 32—42; Luk. 22, 2) Joh. 18, 3—9; Matth. 26, 47—50; Mark. 14, 43—45 Luk. 22, 47. 48. 18 58 IV. Jesu Verhör vor d. hohen Rat. Petri Verleugnung meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Wie würde aber die Schrift erfüllt? Es muß also gehen.)* 5. Zu der Stunde sprach Jesus zu denen, die über ihn gekommen waren: Ihr seid ausgegangen wie zu einem Mörder mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen. Bin ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehrt im Tempel, und ihr habt mich nicht gegriffen und keine Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis. Dies ist alles geschehen, daß erfüllet würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.) IV. Jesu Verhör vor dem hohen Rat. Petri Ver⸗ leugnung ö 1. Die Schar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn und führten ihn aufs erste zu Hannas; der war Kaiphas Schwiegervater, welcher des Jahrs Hoherpriester war. Es war aber Kaiphas, der den Juden riet, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe frei öffent⸗ lich geredet vor der Welt; ich habe allezeit gelehrt in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammen⸗ kommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du mich darum? Frage die darum, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; olchen diese wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei standen, Zesu einen Backen⸗ streich und sprach: Sollst du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es böse sei; habe ich aber recht ge⸗ redet, was schlägst du mich?/) 2. Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohen⸗ priester Kaiphas, dahin zusammengekommen waren alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten.) Die 9 Joh. 18, 10. 11; Matth. 26, 50—54; Mark. 14, 46. 47; — 2) Matth. 26, 55. 56; Mark. 14, 48-50; Luk. 22, 52. 58. ) Joh. 18, 12—14. 19—23. ) Joh. 18, 24; Matth. 26, 57; Mark. 14, 53; Luk. 22, 54. — IV. Jesu Verhör vor d. hohen Rat. Petri Verleugnung 59 Hohenpriester aber und Altesten und der ganze Rat suchten falsch Zeugnis wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode brächten, und fanden keins. And wiewohl viel falsche Zeugen herzutraten, fanden sie doch keins; ihr Zeugnis stimmte nicht überein. Zuletzt traten herzu zwei falsche Zeugen und sprachen: Wir haben gehört, daß er sagte: Ich will den Tempel, der mit Händen ge⸗ macht ist, abbrechen und in drei Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht sei. Aber ihr Zeugnis stimmte noch nicht überein. 3. Da stand der Hohepriester auf, trat mitten unter sie und fragte Jesum und sprach: Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen? Aber. Jesus schwieg still und antwortete nichts. And die Altesten des Volks, die Hohenpriester und Schriftgelehrten sprachen: Bist du Christus? sage es uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ich's euch, so glaubt ihr's nicht: frage ich aber, so antwortet ihr nicht und laßt mich doch nicht los. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seiest Christus, der Sohn Gottes, des Hochgelobten? Jesus sprach zu ihm: Du sagst es, denn ich bin's. Doch sage ich euch: Von nun an wird es geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohe— priester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert; was bedürfen wir weiteres Zeugnis? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehört. Was dünkt euch? Sie ver⸗ dammten ihn alle und sprachen: Er ist des Todes schuldig.) 4. Simon Petrus aber war Jesu nachgefolgt und ein anderer Jünger. Dieser Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stand draußen vor der Tür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. And er ging hinein und setzte sich zu den Knechten, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Da sprach die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er leug⸗ nete aber und sprach: Ich bin's nicht, ich kenne ihn nicht, weiß auch nicht, was du sagst. And der Hahn krähte. Da aber Simon Petrus bei ihnen stand und sich 9 Matth. 26, 59—66; Mark. 14, 5564; Luk. 22, 67—71. 6⁰ V. Verhandlungen vor Pilatus wärmte, sah ihn eine andere Magd und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? And er leugnete abermals und schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht. And über eine kleine Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrlich, du bist auch einer von denen, ein Galiläer; denn deine Sprache verrät dich und lautet gleich also. Spricht einer von des Hohenpriesters Knechten, ein Gefreundter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da ver⸗ leugnete Petrus abermals, hob an sich zu verfluchen und zu schwören und sprach: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr sagt. And alsbald krähte der Hahn zum andernmal. And der Herr wandte sich und sah Petrus an. Da dachte Petrus an die Worte Jesu, da er zu ihm sagte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. And Petrus ging hinaus, hob an zu weinen und weinte bitterlich.) 5. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn, spieen aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber schlugen ihn ins Angesicht, ver⸗ deckten ihn und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ist es, der dich schlug? And viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn.)„Des Morgens aber hielten alle Hohenpriester und die Altesten des Volks einen Rat über Jesum, daß sie ihn töteten.) V. Verhandlungen vor Pilatus 1. Und der ganze Haufe stand auf und sie banden Jesum und führten ihn von Kaiphas vor das Richthaus und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontius Pilatus. And es war frühe.) Da das sah Judas, der ihn verraten hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereute es ihn und brachte wieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten und sprach: Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe. Sie sprachen: Was geht „. Joh. 18, 15—18. 25—27; Matth. 25, 58. 69—75; Mark. 1, 54. 66—7%; Luk. 22, 54—62. 2) Matth. 26, 67. 68; Mark. 14, 65; Luk. 22, 63-65. ) Matth. 27, 1; Mark. 15, 1. 5) Joh. 18, 28; Matth. 27, 2; Mark. 15, 1; Luk. 23, 1. V. Verhandlungen vor Pilatus 61 uns das an? Da siehe du zu. And er warf die Silber⸗ linge in den Tempel, hob sich davon, ging hin und er⸗ hängte sich selbst. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rat und kauften den Töpfersacker darum zum Begräbnis der Pilger. Daher ist dieser Acker genannt der Blutacker bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremias, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlt ward der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um den Töpfersacker, wie mir der Herr befohlen hat.) 2. Die Juden gingen aber nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was bringt ihr für Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Abeltäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten. Auf daß erfüllet würde das Wort ZJesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde.). 3. And die Hohenpriester und Altesten fingen an ihn zu verklagen und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet und verbietet, den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König.) Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus und rief ZJesum und sprach zu ihm: Bist du der Juden König? Jesus antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben es dir andere von mir gesagt? Pilatus ant⸗ wortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohen⸗ priester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden kämpfen, daß ich den Juden nicht über⸗ antwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Zesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, 9Matth. 277, 310. 5 Joh. 18, 28—32. 2) Lul. 23, 2. V. Verhandlungen vor Pilatus daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? And da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.) 4. Die Hohenpriester aber und Altesten beschuldigten ihn hart. And da er von ihnen verklagt ward, antwortete er nichts. Da fragte ihn Pilatus abermals und sprach zu ihm: Antwortest du nichts? Hörst du nicht, wie hart sie dich verklagen? And er antwortete ihm nicht auf ein Wort, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte.) 5. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erregt, damit daß er gelehrt hat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hieher. Da aber Pilatus Galiläa hörte, fragte er, ob er aus Galiläa wäre. And als er vernahm, daß er unter des Herodes Obrigkeit gehörte, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in den Tagen auch zu Zerusalem war. Da aber Herodes Jesum sah, ward er sehr froh; denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehört und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. And er fragte ihn mancherlei; er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftge⸗ lehrten standen und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an und sandte ihn wieder zu Pilatus, Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit⸗ einander; denn zuvor waren sie einander feind.“) 6. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen und sprach zu ihnen: Ihr habt die⸗ sen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk abwende. And siehe, ich habe ihn vor euch verhört und finde an dem Menschen der Sachen keine, deren ihr ihn beschuldigt; Herodes auch nicht; denn ich habe euch zu ihm gesandt, und siehe, man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes wert sei. Darum will ich ihn züchtigen und loslassen.“) 7. Auf das Osterfest aber hatte der Landpfleger die Gewohnheit, dem Volke einen Gefangenen loszugeben, welchen sie begehrten. And das Volk ging hinauf und bat, daß er täte, wie er pflegte. Es war aber zu der 5 Joh. 18, 33—38; Matth. 27, 11; Mark. 15, 2; Luk. 23, 3. 4. ) Mark. 15, 3—5; Matth. 7, 12—14. ) Luk. 23, 5—12. 5 Luk. 23, 13—16. rsten (die⸗ V. Verhandlungen vor Pilatus 63 Zeit ein Gefangener, genannt Barabbas, ein sonderlicher vor andern, welcher war um eines Aufruhrs, so in der Stadt geschehen war, und um eines Mords willen ins Gefängnis geworfen. Da sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen auf Ostern losgebe; welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe? Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei Christus, der Juden König? Denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten.) 8. And da er auf dem Richtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute viel er⸗ litten im Traum von seinetwegen.) 9. Aber die Hohenpriester und die Altesten über⸗ redeten und reizten das Volk, daß sie um Barabbas bitten sollten und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll losgeben? Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem, und gib uns Barabbas los! Barabbas aber war ein Mörder. Da rief Pilatus abermals ihnen zu und wollte Jesum loslassen und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, von dem gesagt wird, er sei Christus? Sie riefen alle und schrieen: Kreuzige, kreuzige ihn! Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat denn dieser Ables ge⸗ tan? Ich finde keine Arsache des Todes an ihm. Darum will ich ihn züchtigen und loslassen. Aber sie schrieen noch viel mehr: Kreuzige ihn! And ihr und der Hohen⸗ priester Geschrei nahm überhand.) 10. Da nahm Pilatus Jesum und ließ ihn geißeln. Und die Kriegsknechte des Landpflegers nahmen Jesum zu sich und führten ihn hinein in das Richthaus und sammelten über ihn die ganze Schar. And sie zogen Jesum aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und ein Rohr in seine rechte Hand, und beugten die Kniee vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Sei gegrüßet, lieber Judenkönig! And sie gaben ihm Backen⸗ 9 Matth. 7, 15—18; Mark. 15, 6—10; Luk. 23, 17. 19; Joh. 18, 39. 2) Matth. 27, 19. 5 Matth. 27, 20—23; Mark. 15, 11—14; Luk. 23, 18-23; Joh. 18, 40. 64 V. Verhandlungen vor Pilatus streiche und spieen ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt.). 11. Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr er⸗ kennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und ein Purpur⸗ kleid. And er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige! kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er ster⸗ ben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. 12. Da Pilatus das Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe dich zu kreuzigen und Macht habe dich loszugeben? Zesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber sechrieen und sprachen: Läßt du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum König macht, der ist wider den Kaiser. 13. Da Pilatus das Wort hörte, führte er Jesum heraus und setzte sich auf den Richtstuhl an der Stätte, die da heißt Hochpflaster, auf hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag auf Ostern. And er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König! Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem! kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser.) 14. Da aber Pilatus sah, daß er nichts schaffte, son⸗ dern daß ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; sehet ihr zu! Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsre Kinder! Pilatus aber gedachte dem Volk genug zu tun und gab ihnen Barab⸗ bas los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins 5 Joh. 19, 1—3; Matth. 27, 27—30; Mark. 15, 16—19. 2) Joh. 19, 4—15. VI. Kreuzigung und Tod Jesu 65⁵ Gefängnis geworfen, um welchen sie baten; Jesum aber, den er hatte geißeln lassen, übergab er ihrem Willen, daß er gekreuzigt würde.) VI. Kreuzigung und Tod Jesu 1. Da nahmen die Kriegsknechte Jesum, zogen ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine eigenen Kleider an und führten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten. Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha. And als sie ihn hinführten, ergriffen sie einen Menschen, der vor⸗ überging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, der ein Vater war des Alexander und des Rufus; den zwangen sie, daß er Jesu sein Kreuz nachtrüge, und legten das Kreuz auf ihn.) 2. Es folgte ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die beklagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Anfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäugt haben! Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Decket uns! Denn so man das tut am grünen Holz, was will am dürren werden??) Es wurden aber auch hingeführt zwei andere, Abeltäter, daß sie mit ihm hingerichtet würden.“) 3. And da sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, gaben sie ihm Myrrhe im Wein zu trinken; und da er's schmeckte, wollte er nicht trinken, und nahm's nicht zu sich./) Allda kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei Mörder, einen zu seiner Rechten und einen zur Linken, Zesum aber mitten inne. Da ward die Schrift erfüllet, die da sagt:„Er ist unter die Abeltäter gerechnet.“ And es war um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten.“) Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnenz denn sie wissen nicht, was sie tun.) 9 Matth. 27, 2426; Mark. 15, 15; Luk. 23, 24. 25; Joh. 19, 16. 5 Matth. 27, 31.32; Mark. 15, 20.21; Luk. 23, 26; Joh. 10, 16.17. ) Luk. 23,2/7—31. 0 Luk. 23, 32. 5 Matth. 27, 33. 34; Mark. 15, 23. Matth. 27, 38; Luk. 23, 33; Joh. 19,18; Mark. 15, 25. 27. W. 7) Luk. 23, 34. 66 VI. Kreuzigung und Tod Jesu 4. AUnd oben zu seinen Häupten hefteten sie die Ar⸗ sache seines Todes beschrieben. Pilatus nämlich schrieb eine Aberschrift und setzte sie auf das Kreuz; und war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diefe Aberschrift lasen viele Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuzigt ward. And es war geschrieben in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pi⸗ latus: Schreibe nicht:„Der Juden König“, sondern daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.) 5. Die Kriegsknechte aber, da sie Jesum gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Teil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenäht, von oben an gewirkt durch und durch. Da sprachen sie untereinander: Lasset uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wes er sein soll; auf daß erfüllet würde die Schrift, die da sagt: Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über meinen Rock das Los geworfen. Solches taten die Kriegsknechte. And sie saßen allda und hüteten sein.“) 6. Das Volk aber stand und sah zu. And die vorüber⸗ gingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und spra⸗ chen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel Gottes und bauest ihn in drei Tagen! Hilf dir nun selber! Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz! Desgleichen auch die Hohenpriester spotteten sein samt den Schrift⸗ gelehrten und ÄAltesten und sprachen: Andern hat er ge⸗ holfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er Christus, der Auserwählte Gottes, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuze, daß wir sehen, so wollen wir ihm glauben. Er hat Gott vertraut, der erlöse ihn nun, hat er Lust zu ihm; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.d) 7. Aber der Abeltäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: And du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? And wir zwar sind billig darin, denn wir empfangen, was unsre Taten wert sind; dieser aber hat nichts Angeschicktes getan. And er sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du Matth. 27 37; Luk. 23, 38; Mark. 15, 26; Joh. 19, 19—22. Joh. 19, 23. 24; Matth. 27,35. 36; Mark. 15, 24; Luk. 23, 34. ) Luk. 23, 35; Matth. 27, 39—43; Mark. 15, 29—32. VI. Kreuzigung und Tod Jesu 67 in dein Reich kommst. And Jesus sprach zu iUhm: Wahr⸗ lich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.) 8. Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Marig, des Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Da Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! And von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.ꝰ) 9. And es war um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. And um die neunte Stunde rief Zesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asab⸗ thani? das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? And etliche, die dabei standen, da sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elias.9) 10. Sarnach, da Jesus wußte, daß schon alles voll⸗ bracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürstet! Da stand ein Gefäß voll Essig; und bald lief einer unter ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr von Bsop und tränkte ihn. Die andern aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elias komme und ihm helfe.) Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist dollbracht! And rief abermal laut und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! And als er das gesagt, neigte er das Haupt und verschied.ꝰ) 11. And siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus. And die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber laten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und er⸗ schienen vielen.“) 12. Aber der Hauptmann, der dabei stand ihm gegen⸗ über, und die bei ihm waren und bewahrten Jesum, da 9 Luk. 23, 39—43. ) Joh. 19, 2527. Tuk. 23, 44. 45; Matth. 2745.—47; Mart. 15, 383—35. ) ZJoh. 19, 28. 29; Matth. 2/ 48. 49; Mark. 15, 36. ) Joh. 19, 30; Luk. 23, 46; Matth. 27, 503 Mark. 15, 37. Matth. 7, 51-53; Mark. 15, 38; Luk. 23, 45. 68 VII. Begräbnis Jesu sie sahen das Erdbeben, und daß er mit solchem Geschrei verschied, erschraken sie sehr und priesen Gott und spra⸗ chen: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen! And alles Volk, das dabei war und zu⸗ sah, da sie sahen, was da geschah, schlugen sich an ihre Brust und wandten wieder um.)) 13. Es standen aber alle seine Bekannten von ferne und die Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolgt und hatten ihm gedient, und sahen das alles, unter welchen war Maria Magdalena und Maria, Jakobus des Kleinen und des Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder des Zebedäus, und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren.) 14. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichname am Kreuze blieben den Sabbat über latus desselben Sabbats Tag war groß), baten sie Pi⸗ atus, daß ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesu kamen und sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, sondern der Kriegsknechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser her⸗ aus. And der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr; und dieser weiß, daß er die Wahr⸗ heit sagt, auf daß auch ihr glaubet. Denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen. And abermals spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben.ꝰ) VII. Begräbnis Jesu 1. And siehe, am Abend, dieweil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorsabbat, kam ein reicher Mann von Arimathig, der Juden Stadt, mit Namen ZJoseph, ein ehrbarer Natsherr. Der war ein guter, frommer Mann und hatte nicht gewilligt in ihren Rat und Handel; er wartete auch auf das Reich Gottes und war ein Jünger Jesu, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden. Der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat ihn um Matth. 27, 54; Mark. 15, 39; Luk. 23, 47. 48. ) Matth. 27, 55. 56; Mark. 15, 40. 41; Luk. 23, 49. ) Joh. 19, 31—37. VII. Begräbnis Jesu 69 den Leib Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben wäre. And als er es er⸗ kundet von dem Hauptmann, befahl er, man sollte Joseph den Leichnam geben. And er kaufte eine reine Leinwand, kam und nahm den Leichnam Jesu herab.) Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu gekommen war, und brachte Myrrhe und Aloe unter⸗ einander bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in leinene Tücher mit den Spezereien, wie die Juden pflegen zu begraben.) 2. Es war aber an der Stätte, da er gekreuzigt ward, ein Garten und im Garten ein neues Grab, das eigene Grab des Joseph, welches er hatte lassen in einen Fels De Ze in welches niemand je gelegt war. Dahin legten ie Jesum um des Rüsttags willen der Juden, weil der Sabbat anbrach und das Grab nahe war. Es folgten aber die Weiber nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, Maria Magdalena und Maria, des Joses Mutter. Die setzten sich gegen das Grab und schauten zu, wo und wie sein Leib gelegt ward. And Joseph wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes. And sie kehrten um und bereiteten Spezerei und Salben. And den Sabbat über waren sie stille nach dem Gesetz v) 3. Ses andern Tages, der da folgt nach dem Rüst⸗ tage, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämtlich zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn und sagen zum Volk: Er ist auferstanden von den Toten; und werde der letzte Betrug ärger denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter; gehet hin und ver⸗ wahret, wie ihr wißt. Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein.) 9 Matth. 7, 5759; Mark. 15, 42—46; Luk. 23, 50—533; Joh. 19, 38. ) Joh. 19, 39. 40. 3) Joh. 19, 41. 42; Matth. 7, 60. 61; Mark. 15, 46. 47; Luk. 23, 53—56. ½) Matth. 27, 62—66. Sonn⸗ und festtägliche Evangelien und Episteln Erster Jahrgang. Am 1. Advent Evangelium, Matth. 21, 1-9. Da sie nun nahe an Jerusalem kamen, gen Bethphage, an den Olberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. And so euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß er⸗ füllet würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht:„Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.“ Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg, die andern hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, sehrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Epistel, Nöm. 13, 11—14. Weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wir gläubig wurden; die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbei⸗ gekommen: so lasset uns ablegen die Werke der Finster⸗ nis und anlegen die Waffen des Lichtes. Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Anzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesum Christum und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. ,, Am 2. Advent 7¹ Am 2. Advent Evangelium, Matth. 25, 31—46. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. And er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von An⸗ beginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist? oder durstig und haben dich getränkt? Wann haben wir dich als einen Gast gesehen und beherbergt? oder nackt und haben dich be⸗ kleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen ge⸗ sehen und sind zu dir gekommen? And der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Ver⸗ fluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt ge⸗ wesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank »und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder als einen Gast oder nackt oder krank oder gefangen und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich Gai euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir 72 I. Jahrgang auch nicht getan. And sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. Epistel, Nöm. 15, 1—13. Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen und nicht Gefallen an uns selber haben; es stelle sich ein jeglicher unter uns also, daß er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besse⸗ rung. Denn auch Christus nicht an sich selber Gefallen hatte, sondern wie geschrieben steht:„Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“ Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre ge⸗ schrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnt seid unter⸗ einander nach Jesu Christo, auf daß ihr einmütig mit einem Munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch untereinander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Juden um der Wahrhaftigkeit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißungen, den Vätern geschehen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzig⸗ keit willen, wie geschrieben steht:„Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.“ And abermals spricht er:„Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!“ And abermals:„Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker!“ And abermals spricht Jesajas:„Es wird sein die Wurzel Jesse's, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen.“ Der Gott aber der Hoff⸗ nung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habet durch die Kraft des heiligen Geistes. Am 3. Advent Evangelium, Matth. 11, 2-10. Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, fandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret: Die Blinden sehen und die Lahmen ein Am 4. Advent 73 gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da sie hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Zohannes: Was seid ihr hinaus⸗ gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her bewegt? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem ge⸗ schrieben steht:„Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ Epistel, 1. Kor. 4, 1—5. Dasir halte uns jedermann: für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ist's ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Denn ich bin mir nichts bewußt; aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist's aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren. Am 4. Advent Evangelium, Joh. 1, 19—34. Dir. ist das Zeugnis des Johannes, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? And er bekannte und leugnete nicht; und er bekannte: Ich bin nicht Christus. And sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? And er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns ge⸗ sandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der üste: Richtet den Weg des Herrn! wie der Prophet Jesajas 74 I. Jahrgang gesagt hat. And die gesandt waren, die waren von den Pharisäern. And sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, so du nicht Christus bist noch Elias noch der Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, des ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara, jenseit des Jordans, da Johannes taufte. Des andern Tages sieht Johannes Jesum zu ihm kommen und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich. And ich kannte ihn nicht; sondern auf daß er offenbar würde in Israel, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser. And Johannes zeugte und sprach: Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. And ich kannte ihn nicht; aber der mich sandte zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist es, der mit dem heiligen Geist tauft. Und ich sah es und zeugte, daß dieser ist Gottes Sohn. Epistel, Phil. 4, 4—9. (Treuet euch in dem Herrn allewege, und abermals V sage ich: Freuet euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget nichts, sondern in allen Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. And der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu! Weiter, liebe Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was ge⸗ recht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach; welches ihr auch gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut, so wird der Gott des Friedens mit euch sein. Am Christfest Evangelium, Luk. 2, 1—14. E⸗ begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt ge⸗ schätzt würde. And diese Schätzung war die allererste Am zweiten Christfeiertag(Stephanustag) 75 und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. And jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa aus der Stadt Nazareth in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. And als sie da⸗ selbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. And sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. And es waren Hirten in der⸗ selben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. And siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. And der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. And das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln ge⸗ wickelt und in einer Krippe liegen. And alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohl⸗ gefallen! Epistel, Tit. 2, 11—14. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Men⸗ schen und züchtigt uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsres Heilandes Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller Angerechtigkeit, und reinigte sich Wert ein Volk zum Eigentum, das fleißig wäre zu guten erken. Am zweiten Christfeiertag(Stephanustag) Evangelium, Matth. 23, 34—39. Siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und deren werdet ihr etliche töten und kreuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren 76 I. Jahrgang Schulen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern; auf daß über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis aufs Blut des Zacharias, des Sohnes Berechja's, welchen ihr getötet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir ge⸗ sandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sahe euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Epistel, Apostelgesch. 6, 815; 7, 5559. Steybanus aber, voll Glaubens und Kräfte, tat Wun⸗ der und große Zeichen unter dem Volk. Da standen etliche auf von der Schule, die da heißt der Libertiner und der Kyrener und der Alexanderer und derer, die aus Cilicien und Asien waren, und befragten sich mit Stepha⸗ nus. And sie vermochten nicht zu widerstehen der Weis⸗ heit und dem Geiste, aus welchem er redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir haben ihn ge⸗ hört Lästerworte reden wider Moses und wider Gott. And bewegten das Volk und die Ältesten und die Schrift⸗ gelehrten und traten herzu und rissen ihn hin und führten ihn vor den Rat und stellten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch hört nicht auf zu reden Läster⸗ worte wider diese heilige Stätte und das Gesetz. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. And sie sahen auf ihn alle, die im Rat saßen, und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht. Wie er aber voll heiligen Geistes war, sah er auf gen Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesum stehen zur Rechten Gottes und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut und hielten ihre Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein, tießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. And die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Zünglings, der hieß Saulus, und steinigten Stephanus, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Er Am Sonntag nach dem Christfest 77 kniete aber nieder und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! And als er das gesagt, entschlief er. Am Sonntag nach dem Christfest Evangelium, Luk. 2, 15—20. LYd da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. And sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. And alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. And die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Epistel, Gal. 4, 1—7. Solange der Erbe unmündig ist, so ist zwischen ihm und einem Knechte kein Anterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormün⸗ dern und Pflegern bis auf die Zeit, die der Vater be⸗ stimmt hat. Also auch wir, da wir unmündig waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Satzungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz getan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlöste, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater! Also ist nun hier kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder; sind's aber Kinder, so sind's auch Erben Gottes durch Christum. Am Neujahrsfest Evangelium, Luk. 2, 21. Ad da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutter⸗ leibe empfangen ward. 78 I. Jahrgang Prophetische Lektion, Jesaja 9, ö. Ae ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig⸗Vater, Friedefürst. Am Sonntag nach dem Neujahrsfest Evangelium, Joh. 1, 1—14. J Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe ge⸗ macht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. And das Licht scheint in der Fin⸗ sternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. Es ward ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugete, auf daß sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugete von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn 1 auf. Wie viele ihn aber auf⸗ nahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. And das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Epistel, 1. Petri 4, 12—19. hr Lieben, lasset euch die Hitze, so euch begegnet, nicht befremden(die euch widerfährt, daß ihr ver⸗ sucht werdet), als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget. Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über dem Namen Christi; denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch. Bei ihnen ist er verlästert, aber bei euch Am Fest der Erscheinung Christi 79 ist er gepriesen. Niemand gber unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Abeltäter, oder der in ein fremdes Amt greift. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht; er ehre aber Gott in solchem Fall. Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht an dem Hause Gottes. So aber zuerst an uns, was will's für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? And so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Darum, welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen, als dem treuen Schöpfer, in guten Werken. Am Fest der Erscheinung Christi Evangelium, Matth. 2, 1—23. a Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. And sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also steht geschrieben durch den Propheten:„And du Bethlehem im jüdischen Lande bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda's; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei.“ Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und wies sie nach Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so saget mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. And siehe, der Stern, den sie im Morgenland esehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und tand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. And Gott befahl ihnen im Traum, daß 8⁰ I. Jahrgang sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken; und sie zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Da sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und flieh nach Agyptenland und bleib allda, bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. And er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich bei der Nacht und entwich nach Agyptenland; und blieb allda bis nach dem Tod des Herodes, auf daß erfüllet würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da H.„Aus Agypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Da Herodes nun sah, daß er von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder zu Bethlehem töten und an seinen ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernt hatte. Da ist erfüllt, das gesagt ist von dem Propheten Jeremias, der da spricht:„Auf dem Gebirge ha man ein Geschrei gehört, viel Klagens, Weinens und Heulens; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.“ Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum in ÄAgyptenland und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zieh hin in das Land Israel, sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen. And er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich und kam in das Land Israel. Da er aber hörte, daß Archelaus im jüdischen Lande König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich dahin zu kommen. And im Traum empfing er Befehl von Gott und zog in die Orter des galiläischen Landes und kam und wohnte in der Stadt, die da heißt Nazareth; auf daß erfüllet würde, was da gesagt ist durch die Propheten: Er soll. Nazarenus heißen. Prophetische Lektion, Jesaja 60, 1—6. Moche dich auf, werde Licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. And die Heiden werden FIIrendt-. Am 1. Sonntag nach dem Erscheinungsfest 81 in deinem Lichte wandeln und die Könige im Glanz, der über dir aufgeht. Hebe deine Augen auf und siehe umher: Diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arme hergetragen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehrt und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen. Am 1. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Luk. 2, 41—52. Ad seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. And da Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerufalem nach Gewohnheit des Festes. And da die Tage vollendet waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagreise weit und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. And da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. And es begab sich, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. And alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwor en. And da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. And seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. And er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist. And sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. And er ging mit ihnen hinab und lam gen Nazareth und war ihnen untertan. And seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. And Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Epistel, Nöm. 12, 1—5. J5 ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barm⸗ herzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig 8² I. Jahrgang sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. And stellet 91 nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, wohlgefällige und voll⸗ kommene Gotteswille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von sich halte, denn sich's gebührt zu halten; sondern daß er von sich mäßig halte, ein jeglicher, nach dem Gott ausgeteilt hat das Maß des Glaubens. Denn gleicherweise als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäft haben, also sind wir viele ein Leib in Christo, aber unter⸗ einander ist einer des andern Glied. Am 2. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Matth. 3, 13 bis 4, 11. 3¹ der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt also sein; also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu. And da Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser; und siehe, da tat sich der Himmel auf über ihm. And er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen. And siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. And da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. And der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. And er antwortete und sprach: Es steht geschrieben:„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.“ Da führte ihn der Teufel mit sich in die 19 und Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht geschrieben:„Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ Da sprach Jesus zu ihm: —— r.....‚n —22 —‚.—5H—— —7—.—— Am 3. Sonntag nach dem Erscheinungsfest 83 Wiederum steht auch geschrieben:„Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.“ Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan! denn es steht geschrieben:„Du sollft anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen.“ Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm. Epistel, Nöm. 12, 6—16. Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehrt jemand, so warte er der Lehre. Ermahnt jemand, so warte er des Ermahnens. Gibt jemand, so gebe er einfältiglich. Regiert jemand, so sei er sorgfältig. Abt jemand Barmherzigkeit, so tue er's mit Lust. Die Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trüb⸗ sal, haltet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Notdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch ver⸗ folgen; segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden. Habt einer⸗ lei Sinn untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Am 3. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium,‚ Joh. 2, 1—11. m dritten Tag ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. And da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er + sagt, das tut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt nach der Weise 8⁴ I. Jahrgang der jüdischen Reinigung, und ging je in einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu chnen: Füllet die Wasser⸗ krüge mit Wasser. And sie füllten sie bis obenan. And er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister. And sie brachten es. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam(die Diener aber wußten es, die das Wasser geschöpft hatten), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bisher chehane Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. And seine Jünger glaubten an ihn. Epistel, Röm. 12, 17—21. H.3 euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ist's möglich, soviel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn (Gottes); denn es steht geschrieben:„Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr.“ So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Am 4. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Matth. 8, 23—27. I.An trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. And siehe, da erhob sich ein großes Angestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. And die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? And stand auf und be⸗ drohte den Wind und das Meer; da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? Am 5. Sonntag nach dem Erscheinungsfest 8⁵ Epistel, Röm. 13, 8—10. Seid niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter⸗ einander liebet; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist:„Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; dich soll nichts gelüsten“, und so ein anderes Gebot mehr ist, das wird in diesem Wort zusammengefaßt:„Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst.“ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Am 5. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Matth. 13, 24—30. Jeie legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der Lente Samen auf seinen Acker säete. Da aber die eute schliefen, kam sein Feind und säete Ankraut zwischen den Weizen und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Ankraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesäet? Woher hat er denn das Ankraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein! auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Ankraut ausjätet. Lasset beides miteinander wachsen bis zu der Ernte; und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Ankraut und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuer. Epistel, Kol. 3, 12—17. Sꝰ ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freund⸗ lichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, und vertrage einer den andern, und vergebet euch untereinander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Aber alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit; und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in einem Leibe; und seid öam 86 I. Jahrgang dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen, lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. And alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des Herrn Jesu und danket Gott und dem Vater durch ihn. Am 6. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Matth. 17, 1—9. A nach sechs Tagen nahm ZJesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen Berg. And er ward verklärt vor ihnen; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht. And siehe, da erschienen ihnen Mose und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Moses eine und Elias eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. And siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohl⸗ efallen habe; den sollt ihr hören. Da das die Jünger Reine fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht! Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand denn Jesum allein. And da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten auferstanden ist. Epistel, 2. Petri 1, 16—21. Wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt, da wir euch kundgetan haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Christi, sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit:„Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ And diese Stimme haben wir gehört vom Himmel geschehen, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. And wir haben desto fester das prophetische Wort, und ihr tut wohl, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint CRRAR. Am Sonntag Septuagesimä 87 in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. And das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht, sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist. Am Sonntag Septuagesimä Evangelium, Matth. 19, 27 bis 20, 16. WHab antwortete und sprach zu Jesu: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür? Jesus aber sprach zu ihnen: Wahr⸗ lich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir seid nachgefolgt, werdet in der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels. And wer verläßt Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Acker um meines Namens willen, der wird's hundertfältig nehmen und das ewige Leben ererben. Aber viele, die da sind die Ersten, werden die Letzten, und die Letzten werden die Ersten sein. Das Himmel⸗ reich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen aus⸗ ging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. And da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Taglohn, sandte er sie in seinen Weinberg. And er ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markte müßig stehen und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedingt. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter und gib ihnen den Lohn, und heb an an den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde gedingt waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten ßer 0 88 I. Jahrgang würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. And da sie den empfingen, murrten sie wider den Hausvater und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich tue dir nicht un⸗ recht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin! Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht, zu tun, was ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. Epistel, 1. Kor. 9, 24—27. Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlangt das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges; jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs An⸗ gewisse; ich fechte also, nicht als der in die Luft streicht; sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde. Am Sonntag Sexagesimä Evangelium, Luk. 8, 4—15. Da nun viel Volks beieinander war und sie aus den Städten zu Jesu eilten, sprach er durch ein Gleich⸗ nis: Es ging ein Säemann aus zu säen seinen Samen; und indem er säete, fiel etliches an den Weg und ward zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. And etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrte es, darum daß es nicht Saft hatte. And erliches fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. And etliches fiel auf ein gutes Land, und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es Gleich ihn aber seine Jünger und sprachen, was dies Gleichnis wäre? Er aber Meiche Euch ist's gegeben, zu wissen das Geheimnis des Reiches Gottes; den an⸗ dern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie —5 7f„ S&& . Am Sonntag Sexagesimä 89 es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören und gehen hin unter den Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld. Epistel, 2. Kor. 12, 1—10. Eꝰ ist mir ja das Rühmen nichts nütze; doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo; vor vier⸗ zehn Jahren(ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ich's nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich's auch nicht; Gott weiß es) ward derselbe entzückt bis in den dritten Himmel. And ich kenne denselben Menschen (ob er in dem Leibe oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es); er ward entzückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Für denselben will ich mich rühmen, für mich selbst aber will ich mich nichts rühmen, nur meiner Schwachheit. And so ich mich rühmen wollte, täte ich darum nicht töricht; denn ich wollte die Wahr⸗ heit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, auf daß nicht jemand mich höher achte, denn er an mir sieht oder von mir hört. And auf daß ich mich nicht der hohen Offen⸗ barungen überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satanas Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal zum Herrn gefleht habe, daß er von mir wiche; und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf 2 die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich gutes Muts in Schwachheiten, in Mißhandlungen, in Nöten, in Ver⸗ folgungen, in Angsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. 16⸗ 90 J. Jahrgang Am Sonntag Estomihi Evangelium, Luk. 18, 31—43. J'ésoir nahm zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Sehet. wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmäht und verspeit werden, und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber verstanden der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das Gesagte war. Es geschah aber, da er nahe an Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörte das Volk, das hindurchging, forschte er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. And er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Die aber vornean gingen, bedrohten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein! Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe zu ihm brachten, fragte er ihn und sprach: Was willst du, daß ich dir tun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. And Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! dein Glaube hat dir geholfen. And alsobald ward er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. And alles Volk, das solches sah, lobte Gott. Epistel, 1. Kor. 13, 1—13. Wenn ich mit Menschen⸗ und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. And wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. And wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze. Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie vechnet das Böse nicht zu, sie freuet sich nicht der Angerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf, 60D e A&= ——. SFe ‚— — Am Sonntag Invocavit 9¹ so doch die Weissagungen aufhören werden und die Sprachen aufhören werden und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser Weis⸗ sagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Voll⸗ kommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich's stück⸗ weise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Am Sonntag Invocavit Evangelium, Joh. 17. Sotches redete Jesus und hob seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da, daß du deinen Sohn verklärest, auf daß dich dein Sohn auch verkläre; gleichwie du ihm Macht hast gegeben über alles Fleisch, auf daß er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du ge⸗ sandt hast, Jesum Christum, erkennen. Ich habe dich ver⸗ klärt auf Erden und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich es tun sollte. And nun verkläre mich du, Vater, bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Na⸗ men offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir ge⸗ geben, und sie haben dein Wort behalten. Nun wissen ie, daß alles, was du mir gegeben hast, sei von dir. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben; und sie haben es angenommen und erkannt wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen bin, und glau⸗ ben, daß du mich gesandt hast. Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir ge⸗ geben hast; denn sie sind dein. And alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verklärt. And ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Hei⸗ liger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleichwie wir. Die⸗ 9² I. Jahrgang weil ich bei ihnen war in der Welt, erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben hast, die habe ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren, ohne das verlorene Kind, daß die Schrift erfüllet würde. Nun aber komme ich zu dir und rede solches in der Welt, auf daß sie in ihnen haben meine Freude vollkommen. Ich habe ihnen gegeben dein Wort, und die Welt haßte sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Abel. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich auch nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du 2—— esandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiligt seien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt. And ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir ge⸗ Uh in hast, daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ch in ihnen und du in mir; auf daß sie vollkommen seien in eins und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und liebest sie, gleichwie du mich liebst. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir ge⸗ geben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne icht und diese erkennen, daß du mich gesandt hast. And ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und will ihn kundtun, auf daß die Liebe, da⸗ mit du mich liebst, sei in ihnen und ich in ihnen. Epistel, 2. Kor. 6, 1—10. Wir ermahnen aber euch als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfanget. Denn er spricht:„Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen.“ Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. And wir geben niemand irgend ein Argernis, auf daß 1de⸗ Amt nicht verlästert werde; sondern in allen Dingen be⸗ weisen wir uns als die Diener Gottes in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Angsten, in Schlägen, in Ge⸗ —HEEE SV/OE IIA CtS.. Am Sonntag Reminiseere 9³ in Keus en, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlich⸗ keit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die Anbe⸗ kannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts innehaben, und doch alles haben. Am Sonntag Reminiseere Evangelium, Matth. 15, 21—28. 2— ging aus von dannen und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon. And siehe, ein kananäisches Weib kam aus derselben Gegend und schrie ihm na und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme di mein! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. And er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er ant⸗ wortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kin⸗ dern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herren Tisch fallen. Da ant⸗ wortete Jesus und bew zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß! dir geschehe, wie du willst. And ihre Tochter ward gesund zu derselben Stunde. Epistel, 1. Thess. 4, 1—12. eiter, liebe Brüder, bitten wir euch und ermahnen in dem Herrn Jesu(nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollet wandeln und Gott gefallem), daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Gefäß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Brunst der Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; nd daß niemand 11 weit greife und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Anreinigkeit, son⸗ dern zur Heiligung. Wer nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch. Von der brüderlichen Liebe aber ist nicht not euch zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, euch untereinander zu lieben. And das tut ihr auch an allen Brüdern, die in ganz Macedonien sind. Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder, daß ihr noch völliger werdet und ringet darnach, daß ihr stille seid und das Eure schaffet und arbeitet mit euren eignen Händen, wie wir euch geboten haben, auf daß ihr ehrbar bediirret gegen die, die draußen sind, und ihrer keines edürfet. 9⁴ I. Jahrgang 1 Am Sonntag ODeuli Evangelium, Luk. 11, 14-28. Jesus trieb einen Teufel aus, der war stumm. And es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. And das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jeglich Reich, so es mit sich selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das an⸗ dere. Ist denn der Satanas auch mit sich selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? dieweil ihr sagt, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt ja das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahrt, so bleibt das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen 18.0 9 darauf er sich verließ, und teilt den Raub aus. er nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unfaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; so spricht er: —5335--ennr 2Ie.. D Am Sonntag Lätare 9⁵ Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich ge⸗ gangen bin. And wenn er kommt, so findet er's gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind denn er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da, und es wird hernach mit demselben Menschen ärger denn zuvor. And es be⸗ gab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volt die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast! Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Epistel, Eph. 5, 1—9. Se seid nun Gottes Nachfolger als die lieben Kinder und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebt und sich selbst dargegeben für uns als Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Anreinigkeit oder Geiz lasset nicht von euch ge⸗ sagt werden, wie den Heiligen zusteht, auch nicht schand⸗ bare Worte und Narrenteidinge oder Scherze, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Anreiner oder Geiziger, welcher ist ein Götzendiener, Erbe hat in dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeb⸗ lichen Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Anglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsternis; nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts; die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigleit und Wahrheit. Am Sonntag Lätare Evangelium,‚ Joh. 6, 1—7. D fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. And es zog ihm viel Volks nach, darum daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen?(Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er tun wollte.) Philippus antwortete ihm: Für zwei⸗ 9 I. Jahrgang hundert Groschen Brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünf⸗ tausend Mann. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich ge⸗ lagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, wieviel sie wollten. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts um⸗ komme. Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die überblieben denen, die gespeist worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum König machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst alllin. Am Abend aber gingen die Jünger hin⸗ ab an das Meer und traten in das Schiff und kamen über das Meer gen Kapernaum. And es war schon finster geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen. And das Meer erhob sich von einem großen Winde. Da sie nun gerudert hatten bei fünfundzwanzig oder dreißig Feld Wegs, sahen sie Jesum auf dem Meer dahergehen und nahe zum Schiff kommen; und sie fürchteten sich. Er aber sprach zu ihnen: Ich bin es, fürchtet euch nicht. Da wollten sie ihn in das Schiff nehmen, und alsbald war das Schiff am Lande, da sie hinfuhren. Des andern Tages sah das Volk, das diesseit des Meers stand, daß kein anderes Schiff daselbst war denn das eine, darein seine Jünger ge⸗ treten waren, und daß Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Schiff getreten war, sondern allein seine Jünger waren weggefahren. Es kamen aber andere Schiffe von Tiberias nahe zu der Stätte, da sie das Brot gegessen hatten durch des Herrn Danksagung. Da nun das Volk sah, daß Jesus nicht da war noch seine Jünger, traten sie auch in die Schiffe und kamen gen Kapernaum und suchten Zesum. And da sie ihn fanden jenseit des Meers, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du hergekommen? Zesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr suchet mich nicht darum, daß ihr Zeichen gesehen habt, sondern daß ihr von dem Brot gegessen Am Sonntag Judica 9⁷ ö habt und seid satt geworden. Wirket Speise, nicht, die vergänglich ist, sondern die da bleibt in das ewige Leben, welche euch des Menschen Sohn geben wird; denn den hat Gott der Vater versiegelt. Epistel, Kol. 3, 18 bis 4, 1. hra Weiber, seid untertan euren Männern in dem Herrn, wie sich's gebührt. Ihr Männer, liebet eure Weiber und seid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist dem Herrn gefällig. Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, auf daß sie nicht scheu werden. Ihr Knechte, seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfältigkeit des Herzens und mit Gottes⸗ furcht. Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen; und wisset, daß ihr von dem Herrn empfangen werdet die Vergeltung des Erbes; denn ihr dienet dem Herrn Christo. Wer aber unrecht tut, der wird empfangen, was er unrecht getan hat, und gilt kein Ansehen der Person. Ihr Herren, was vecht und billig ist, das beweiset den Knechten, und wisset, daß ihr auch einen Herrn im Himmel habt. Am Sonntag Judiea Evangelium, Joh. 8, 46—59. Weher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet 2 mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes orte; darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast den Teufel? esus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie sucht und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden 215 ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? und die Propheten sind gestorben. 9 I. Jahrgang Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt, von welchem ihr sprecht, er sei euer Gott, und kennet ihn nicht; ich aber kenne ihn. And so ich würde sagen: Ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freute sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus. Epistel, Hebr. 9, 11—15. Cbvistus ist gekommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter und ist durch eine größere und vollkommnere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht, das ist, die nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut und die Asche von der Kuh, gesprengt, heiligt die Anreinen zu der leiblichen Reinigkeit, wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Fehl durch den ewigen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! And darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Abertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. Am Osterfest Evangelium, Mark. 16, 1—8. A da der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Spezerei, auf daß sie kämen und salbten ihn. And sie kamen zum Grabe am ersten Tage der Woche sehr früh, da die Sonne aufging. And sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? And sie sahen dahin und wurden gewahr, Feerr Am Osterfest 99 daß der Stein abgewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Kleid an; und sie entsetzten sich. Er aber sprach ihnen: Entsetzet euch nicht. Ihr suchet Jesum von azareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden und ist nicht hier; siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin und sagt es seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. And sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen angekommen, und sagten nie⸗ mand etwas, denn sie fürchteten sich. Epistel, 1. Kor. 15, 1—20. * erinnere euch aber, liebe Brüder, des Evangeliums, das ich euch verkündigt habe, welches ihr auch an⸗ genommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch wel⸗ ches ihr auch selig werdet, welchergestalt ich es euch ver⸗ kündiget habe, so ihr's behalten habt; es wäre denn, daß ihr's umsonst geglaubt hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, was ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sei für unsre Sünden nach der Schrift, und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage nach der Schrift, und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, deren noch viele leben, etliche aber sind ent⸗ schlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jakobus, daͤrnach von allen Aposteln. Am letzten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, darum daß ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet denn sie alle, nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sei nun ich oder jene, also predigen wir, und also habt ihr geglaubt. So aber Christus gepredigt wird, daß er sei von den Toten auf⸗ erstanden, wie sagen denn etliche unter euch, die Auf⸗ erstehung der Toten sei nichts⸗ Ist aber die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt 100⁰ I. Jahrgang vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden aber auch erfunden als falsche Zeugen Gottes, daß wir wider Gott gezeugt hätten, er hätte Christum auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn so die Toten nicht auferste⸗ hen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden, so sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den schlafe und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen. Am Ostermontag Evangelium, Luk. 24, 13—35. LYd siehe, zwei aus ihnen gingen an demselben Tage in einen Flecken, der war von ZJerusalem sechzig Feld Wegs weit, des Name heißt Emmaus. And sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. And es geschah, da sie so redeten und befragten sich mit⸗ einander, nahte Jesus zu ihnen und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegs, und seid traurig? Da antwortete einer mit Namen Kleophas und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen drinnen geschehen ist? And er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesus von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Taten und Worten vor Gott und allem Volk; wie ihn unsre Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammnis des Todes und gekreuzigt. Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. And über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Ansern; die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. And etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden's also, wie die Weiber sagten; aber ihn sahen sie nicht. And er sprach zu ihnen: O ihr Toren und träges Herzens, zu glauben alle dem, was die Pro⸗ Am Ostermontag 101 pheten geredet haben! Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen? And fing an von Moses und allen Propheten und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. And sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen, und er stellte sich, als wollte er fürder gehen. And sie nöͤtigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, Und der Tag hat sich geneiget. And er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. And es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie er⸗ kannten ihn. And er verschwand vor ihnen. And sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? And sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten wieder gen Jerusalem und fanden die Elf ver⸗ sammelt und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen. And sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brot brach. Epistel, Apostelgesch. 10, 34—41. erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansieht; sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und daß er hat den Frieden verkündigen lassen durch Jesum Christum(welcher ist ein Herr über alles), die durchs ganze jüdische Land geschehen ist und angegangen in Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte: wie Gott diesen Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem heiligen Geist und Kraft; der umhergezogen ist und hat wohlgetan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm. And wir sind Zeugen alles des, das er getan hat im jüdischen Lande und zu Jerusalem. Den haben sie getötet und an ein Holz gehängt. Den hat Gott auferweckt am dritten Tage und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volk, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten. MWeria aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun 10² I. Jahrgang Am Sonntag Quasimodogeniti Evangelium, Joh. 20, 19—23. Ain Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! And als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. And da er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie Palten. und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie be⸗ halten. Epistel, 1. Joh. 5, 413. Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt über⸗ wunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, wenn nicht der da glaubt, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ist's, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut; und der Geist ist's, der da zeuget; denn der Geist ist die Wahrheit. Denn drei sind, die da zeugen, der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugnis an⸗ nehmen, so ist Gottes Zeugnis größer; denn Gottes Zeugnis ist das, das er gezeugt hat von seinem Sohn. Wer da glaubt an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugnis bei sich. Wer Gott nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott zeugt von seinem Sohn. And das ist das Zeugnis, daß uns Gott das ewige Leben hat gegeben, und solches Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Solches habe ich euch ge⸗ schrieben, die ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes, auf daß ihr wisset, daß ihr das ewige Leben habt, und daß ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes. —— ——4H——.——— ni— Am Sonntag Misericordias Domini 10³3 Am Sonntag Misericordias Domini Evangelium,‚ Joh. 10, 12—18. J bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht, und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht. Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. And ich lasse mein Leben für die Schafe. And ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle; und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden. Darum liebt mich mein Vater, daß ich mein Leben lasse, auf daß ich's wieder nehme. Nie⸗ mand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe Macht, es zu lassen und habe Macht, es wieder zu nehmen. Solch Gebot habe ich empfangen von meinem Vater. Epistel, 1. Petri 2, 21—25. Coristes hat gelitten für uns und uns ein Vorbild ge⸗ lassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; welcher keine Sünde getan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohte, da er litt, er stellte es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unsre Sün⸗ den selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtig⸗ keit leben; durch welches Wunden ihr seid heil geworden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer eelen. Am Sonntag Jubilate Evangelium, Joh. 16, 515. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt mich: Wo dabe. du hin? sondern weil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; 10⁴ I. Jahrgang so ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. And wenn derselbe kommt, wird er die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht: um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die Gerechtig⸗ leit aber, daß ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht sehet; um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahr⸗ heit leiten. Denn er wird nicht von sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbe wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. Epistel, 1. Petri 2, 11—17. iebe Brüder, ich ermahne euch als die Fremdlinge und Pilgrime: Enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten, und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden als von Abeltätern, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als die von ihm gesandt sind zur Rache über die Abeltäter und zu Lobe den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohltun verstopfet die Anwissenheit der törichten Menschen, als die Freien, und nicht, als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Tut Ehre jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Am Sonntag Cantate Evangelium, Joh. 16, 16—23. Aer ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern untereinander: Was ist das, was er sagt zu uns: über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich ISDSIA--t‚. AMM Am Sonntag Rogate 10⁵ sehen, und: Ich gehe zum Vater? Da sprachen sie: Was ist das, was er sagt: über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr untereinander, daß ich gesagt habe: über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden. Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit; denn ihre Stunde ist gekommen; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. And ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. And an dem Tage werdet ihr mich nichts fragen. Epistel, Jak. 1, 13—20. Nverius sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod. Irret nicht, liebe Brüder. Alle gute Gabe und alle voll⸗ kommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. Er hat uns ge⸗ zeugt nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen. Darum, liebe Brüder, ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, langsam aber zu reden und langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. Am Sonntag Rogate Evangelium, Joh. 16, 23—33. Wohrlich wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in 10⁶ I. Jahrgang meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprichwörter geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwörter mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An dem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. And ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und sagst kein Sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt und bedarfst nicht, daß dich jemand frage; darum glauben wir, daß du von Gott ausge⸗ gangen bist. Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubet ihr. Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, daß ihr zerstreuet werdet, ein jeglicher in das Seine, und mich allein lasset. Aber ich bin nicht allein; denn der Vater ist bei mir. Solches habe ich mit euch ge⸗ redet, daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt über⸗ wunden. Epistel, Jak. 1, 21—27. Darum so leget ab alle Ansauberkeit und alle Bosheit und nehmet das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist, welches kann eure Seelen selig machen. Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein, da⸗ durch ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts und nicht ein Täter, der ist gleich einem Mann, der sein leiblich Angesicht im Spiegel be⸗ schaut. Denn nachdem er sich beschaut hat, geht er da⸗ von und vergißt von Stund an, wie er gestaltet war. Wer aber durchschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin beharrt und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig sein in seiner Tat. So sich jemand unter euch läßt dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern täuscht sein Herz, des Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich von der Welt unbefleckt erhalten. 2—..A Am Fest der Himmelfahrt Christi 10⁷ Am Fest der Himmelfahrt Christi Evangelium, Joh. 14, 1—6. Iemic sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubet an Gott und glaubet an mich. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. And wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. And wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Epistel, Apostelgesch. I, 1—11. Die erste Rede habe ich getan, lieber Theophilus, von alle dem, das Jesus anfing, beides, zu tun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nach⸗ dem er den Aposteln, welche er hatte erwählt, durch den heiligen Geist Befehl getan hatte, welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeigt hatte durch mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. And als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehört(sprach er) von mir; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geiste getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen⸗ gekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vor⸗ dehalten hat; sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. And da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. And als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen 108 I. Jahrgang Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Zesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren Am Sonntag Exaudi Evangelium, Joh. 15, 26 bis 16, 4. Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir. And ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch ge⸗ redet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann tun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen daß si daran. And solches werden sie euch darum tun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, ihr daran gedenket, daß ich's euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch. Epistel, 1. Petri 4, 8—11. Se seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt untereinander eine in⸗ brünstige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge. Seid gastfrei untereinander ohne Murren. And dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er 1i Suade Gott als die guten Haushalter der mancher⸗ lei Gnade Gottes. So jemand redet, daß er's rede als Gottes Wort. So jemand ein Amt hat, daß er's tue als aus dem Vermögen, das Gott darreicht, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christum, Am em sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeiti men. Am Pfingstfest Evangelium, Joh. 14, 23—31. Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. And das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der Am Pfingstfest 109 mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, so⸗ lange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer als ich“ And nun habe ich es euch gesagt, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen wird, ihr glaͤubet. Ich werde nicht mehr viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir. Aber auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe und ich also tue, wie mir der Vater geboten hat: stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. Epistel, Apostelgesch. 2, 1—18. Als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander. And es geschah schnell ein Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. And es erschienen ihnen Zungen zerteilt wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit an⸗ dern Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn es hörte ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie ent⸗ setzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen untereinander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darin wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und in Zudäa und Kappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Agypten und an den Enden von Libyen bei Kyrene und Ausländer von Rom, Juden und Juden⸗ genossen, Kreter und Araber: wir hören sie mit unsern Zungen die großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre und sprachen einer zu dem 11⁰ I. Jahrgang andern: Was will das werden? Die andern aber hatten's Dant Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Da trat Petrus auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch kundgetan, und lasset meine Worte zu euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, sintemal es ist die dritte Stunde am Tage; sondern das ist's, was durch den Propheten Joel zuvor gesagt ist:„And es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Altesten sollen Träume haben; und auf meine Knechte nnd auf meine Mägde will ich in denselben Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.“ Am Pfingstmontag Evangelium,‚ Joh. 3, 16—21. Aso hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einge⸗ borenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht ge⸗ richtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet; denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finster⸗ nis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Wer Arges tut, der hasset das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraͤft werden. Wer aber die Wahrheit lut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott getan. Epistel, Apostelgesch. 10, 42—48. Der Herr hat uns geboten, zu predigen dem Volk und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott zum Richter der Lebendigen und der Toten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Sa Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten. And die Gläubigen E 8=2 r& Am Dreieinigkeitsfest 111 aus den Juden, die mit Petrus gekommen waren, ent⸗ setzten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heili⸗ gen Geistes ausgegossen ward; denn sie hörten, daß sie mit Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da ant⸗ wortete Petrus: Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben gleichwie auch wir? And befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Am Oreieinigkeitsfest Evangelium,‚ Joh. 3, 1—15. E war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden; der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du kust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß dich's nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Rikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel und weißt das nicht? Wahr⸗ lich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben; und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? And nie⸗ mand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder⸗ gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. And wie Moses in der Wüste eine Schlange 11² I. Jahrgang erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Epistel, Nöm. 11, 33—36. O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weis⸗ heit und Erkenntnis Gottes! Wie gar Pegel Denn sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wegel Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Rat⸗ geber gewesen, oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß ihm werde wiedervergolten? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. Am 1. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 16, 19—31. Eꝰ war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voller Schwären und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach: Vater Abra⸗ ham, erbarme dich mein und sende Lazarus, daß er das Außerste seines Fingers in das Wasser tauche und —— meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus hat dagegen Böses empfangen; nun aber wird er ge⸗ tröstet, und du wirst gepeinigt. And über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, daß, die da wollten von hinnen hinabfahren zu euch, könnten nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüberfahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an Mo Ort der Qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Moses und die Propheten, laß sie Am 2. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 113 dieselben hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham: sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. Er sprach zu ihm: Hören se Moses und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstände. Epistel, 1. Joh. 4, 16—21. Gel ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darinnen ist die Liebe völlig bei uns, daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben; denn er hat uns zuerst geliebt. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? And dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe. Am 2. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 15, 1—10. Ed nahten aber zu Jesu allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn hörten. And die Pharisäer und Schrift⸗ gelehrten muͤrrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines ver⸗ liert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er es finde? And wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden. And wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf ge⸗ funden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? And wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Frenet euch 114 I. Jahrgang mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Epistel, 1. Joh. 3, 13—24. Vl dar euch nicht, meine Brüder, wenn euch die Welt hasset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebt, der bleibt im Tode. Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Totschläger; und ihr wisset, daß ein Totschläger hat nicht das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. Daran erkennen wir, daß wir aus der Wahrheit sind und können unser Herz vor ihm damit stillen, daß, so uns unser Herz verdammt, Gott größer ist denn unser Herz und erkennt alle Dinge. Ihr Lieben, so uns unser Herz nicht ver⸗ dammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott, und was wir bitten, werden wir von ihm nehmen; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm gefällig ist. And das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesu Christi und lieben uns untereinander, wie er uns ein Gebot gegeben hat. And wer seine Ge— bote hält, der bleibt in ihm und er in ihm. And daran erkennen wir, daß er in uns bleibt, an dem Geist, den er uns gegeben hat. Am 3. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 5, 1—16. Da Jesus das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. And er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. —....Ej‚&ÆE&C&E60 Am 4. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 115 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barm⸗ herzigkeit erlangen. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Fried⸗ fertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Ables wider euch, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnt werden. Denn also haben sie verfolgt die Pro⸗ pheten, die vor euch gewesen sind. Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man's salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn daß man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind. Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. Epistel, 1. Petri 5, 5—11. altet fest an der Demut. Denn Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorget für euch. Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. Dem widerstehet, fest im Glauben, und wisset, daß eben dieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo ZJesu, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am 4. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 5, 17—48. 3⁰ sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich 11 I. Jahrgang sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmel⸗ reich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser denn der Schriftgelehrten und Phari⸗ säer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha! der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr! der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder elwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfre deine Gabe. Sei willfährig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Wider⸗ sacher nicht dermaleinst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir wahrlich: Du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Argert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf es von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Argert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Es ist auch gesagt: Wer sich von seinem Weibe scheidet, der soll ihr geben einen Scheidebrief. Ich aber sage euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet, es sei denn um Ehebruch, der macht, daß sie die Ehe bricht; und wer eine Abgeschiedene freiet, der bricht die Ehe. Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten Gottst ist: Du sollst keinen falschen Eid tun und sollst Gott deinen Eid halten. Ich aber sage 2 ——— — 55 ....,ne„32 SSII Am 4. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 11⁷ euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl; noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel; noch bei Jeru⸗ salem, denn sie ist des großen Königs Stadt. Auch sollst du uucht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. Eure Rede aber sei: Ja, ja, nein, nein; was darüber ist, das ist vom Abel. Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Abel, sondern, so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar. And so jemand mit dir rechten will und deinen Nock nehmen, dem laß auch den Mantel. And so dich jemand nötigt eine Meile, so gehe mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem der dir abborgen will. Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Näch⸗ sten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch be⸗ leidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel; denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und läßt regnen über Gerechte und Angerechte. Denn so ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? And so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich tut, was tut ihr Sonder⸗ liches? Tun nicht die Zöllner auch also? Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Epistel, Nöm. d, 18—27. ch halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herr⸗ lichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbaret werden. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen. sondern um deswillen, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung. Denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herr⸗ lichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur Düchte sich mit uns und ängstet ich noch immerdar. icht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns 118 I. Jahrgang auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unsers Leibes Erlösung. Denn wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man des hoffen, das man sieht? So wir aber des hoffen, das wir nicht sehen, so warten wir sein durch Geduld. Desgleichen auch der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt, sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprech⸗ lichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, was des Geistes Sinn sei; denn er vertritt die Heiligen nach dem, das Gott gefällt. Am 5. Sonntag nach dem ODreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 6, 1—18. 0 acht auf eure Almosen, daß ihr die nicht gebet vor den Leuten, daß ihr von ihnen gesehen werdet; ihr habt anders keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler tun in den Schulen und auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf daß dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich. And wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten ge⸗ sehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich. And wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichstellen. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr ihn bittet. Darum sollt ihr also beten: Anser Vater in dem Himmel. Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Anser täglich Brot gib uns Schul. vn chul⸗ And vergib uns unsre Schulden, wie wir unse FFFFI Am 6. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 119 digern vergeben. And führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Abel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht ver⸗ geben. Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer sehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, auf daß sie vor den Leuten scheinen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, auf daß du nicht scheinest vor den. Leuten mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, welcher verborgen ist; und dein Vater, der in das Ver⸗ borgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich. Epistel, 1. Petri 3, 8—15. Seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barm⸗ herzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen erbet. Denn wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn merken auf die Ge⸗ rechten und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn steht wider die, die Böses tun. And wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nach⸗ kommt? And ob ihr auch leidet um Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Trotzen nicht und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. Am 6. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 6, 19—34. Ibs sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, da sie weder Motten noch Rost fressen und da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so 17 12⁰ I. Jahrgang dein ganzer Leib licht sein; ist aber dein Auge ein Schalk, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mam⸗ mon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? And warum forget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie derselben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr euch tun, o ihr Klein⸗ Mäubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Epistel, Röm. 6, 1—11. Was wollen wir hiezu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf daß die Gnade desto mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind? Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christum getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Va⸗ Am 7. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 121 ters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber samt ihm gepflanzt werden zu gleichem Tode, so werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein, dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, und wissen, daß Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herr⸗ chen. Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde ge⸗ storben zu einem Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott. Also auch ihr haltet euch dafür, daß ihr der Sünde ge⸗ storben seid, und lebet Gott in Christo Jesu, unsrem Herrn. Am 7. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 7, 1—12. Rinit nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Bal⸗ kens in deinem Auge? Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen; und siehe, ein Balken ist in deinem Auge. Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bru⸗ ders Auge ziehest. Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da an⸗ klopft, dem wird aufgetan. Welcher ist unter euch Men⸗ schen, so ihn sein Sohn bittet ums Brot, der ihm einen Stein biete? Oder so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete? So denn ihr, die ihr doch arg seid, könnt dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten. Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch; das ist das Gesetz und die Propheten. 12² I. Jahrgang Epistel, Röm. 6, 19—23. 3³ muß menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habet zum Dienst der Anreinigkeit und von einer Angerechtigkeit zu der andern, also begebet auch nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn ihr Ende ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Heunr Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unsrem errn. Am 8. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 7, 13—29. Gebet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführet; und ihrer sind viele, die schmal wandeln. And die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führet; und wenige sind ihrer, die ihn finden. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Wrüchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeg⸗ licher Baum, der nicht guͤte Früchte bringt, wird abge⸗ hauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früch⸗ ten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Abeltäter! Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, den vergleiche Am 9. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 123 ich einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baute. Da nun ein Platzregen fiel und ein Gewässer kam und wehten die Winde und stießen an das Haus, siel es doch nicht; denn es war auf einen Felsen ge⸗ gründet. And wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der ist einem törichten Manne gleich, der sein Haus auf den Sand baute. Da nun ein Platzregen fiel und kam ein 6 da fe und wehten die Winde und stießen an das Haus, da fiel es und tat einen großen Fall. And es begab W— da Jesus diese Rede vollendet hatte, entsetzte sich das Volk über seine Lehre; denn er predigte gewal⸗ tig und nicht wie die Schriftgelehrten. Epistel, Röm. 8, 12—17. o sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbe Geist gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herr⸗ lichkeit erhoben werden. Am 9. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 16, 1—12. Ed war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. And er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Tue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haus⸗ halter sein! Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben kann ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. And er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und schuld zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? 12⁴ I. Jahrgang Er sprach: Hundert Tonnen Ol. And er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, ede dich und schreibe flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. And er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichts in ihrem Ge⸗ schlecht. And ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen? Und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer wird euch geben, was euer ist? Epistel, 1. Kor. 10, 1—13. Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten, daß unsre Väter sind alle unter der Wolke gewesen und sind alle durchs Meer gegangen und sind alle auf Moses getauft mit der Wolke und mit dem Meer und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott kein Wohlgefallen; denn sie wurden niedergeschlagen in der Wüste. Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir nicht uns gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene gelüstet hat. Werdel auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden, wie geschrieben steht:„Das Volk setzte sich nieder, zu essen und zu trinken, und stand auf, zu spielen.“ Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf einen Tag dreiund⸗ wanzigtausend. Lasset uns aber auch Christum nicht ver⸗ suchen, wie etliche von jenen ihn Lersuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleich⸗ wie jener etliche murrten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr jenen zum Vor⸗ bilde; es ist aber. Weit ge uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum, wer äßt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht alle. Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung Am 10. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 125 betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt ver⸗ huchun über euer Vermögen, sondern macht, daß die Ver⸗ suchung so ein Ende gewinne, daß ihr's könnet ertragen. Am 10. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 19, 41—48. Al⸗ Jesus nahe hinzu kam, sah er die Stadt an und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du er⸗ kenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient! Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht erkannt hast die Zeit, darin du heimgesucht bist. And er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darin verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: „Mein Haus ist ein Bethaus“; ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. And er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Vor⸗ nehmsten im Volk trachteten ihm nach, daß sie ihn um⸗ brächten, und fanden nicht, wie sie ihm tun sollten; denn alles Volk hing ihm an und hörte ihn. Epistel, 1. Kor. 12, 1—11. Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, liebe Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen und hingegangen zu den stummen Götzen, wie ihr geführt wurdet. Darum tue ich euch kund, da niemand Jesum verflucht, der durch den Geist Gotte redet; und niemand kann Jesum einen Heren heißen ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherle Ga⸗ ben; aber es ist ein Geist. And es sind mancherlei Am⸗ ter; aber es ist ein Herr. And es sind mancherlei Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirket alles in allen. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nutzen. Einem wird gegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben, zu reden von der Erkenntnis nach demselben Geist; einem andern der Glaube in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in demselben Geist; einem andern, Wunder zu tun; einem andern Weissagung, 12⁰⁶ I. Jahrgang einem andern, Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Sprachen; einem andern, die Sprachen aus⸗ zulegen. Dies aber alles wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeglichen seines zu, nach dem er will. Am 11. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 18, 9—14. Jefro sagte zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären und verachteten die andern, ein solch Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: 80 danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Angerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner; ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe. And der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird er⸗ niedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöhet werden. Epistel, 2. Kor. 5, 1-10. Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbaut, ein Haus, 19 5 mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. And darüber sehnen wir uns auch nach unsrer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlangt, daß wir damit überkleidet werden; so doch, wo wir bekleidet und nicht bloß erfunden werden. Denn dieweil wir in der Hütte sind, sehnen wir uns und sind beschwert; sintemal wir wollten lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, auf daß das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben. Der uns aber da⸗ zu bereitet, das ist Gott, der uns das Pfand, den Geist, gegeben hat. So sind wir denn getrost allezeit und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir ferne vom Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben viel⸗ mehr Lust, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum fleißigen wir uns auch, K2„&/EAVVX Am 12. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 127 wir sind daheim oder wallen, daß wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richt⸗ stuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse. Am 12. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest ö Evangelium, Mark. 7, 31—37. Da Zesus wieder ausging aus der Gegend von Tyrus und Sidon, kam er an das galiläische Meer, mitten in das Gebiet der zehn Städte. And sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. And er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spützte und rührte seine Zunge und sah auf gen Himmel, seufzte und Ibbald zu ihm: Hephatha! das ist: Tue dich auf! And alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und er redete recht. And er verbot ihnen, sie sollten's niemand sagen. ZJe mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. And sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. Epistel, 2. Kor. 3, 4—11. Ein solch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber etwas zu denken als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott, welcher auch uns tüchtig ge⸗ macht hat, das Amt zu führen des neuen THenm der nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die it Hatte, tötet und in die Steine gebildet war, Klarheit hatte, also daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Angesicht des Moses um der Klarheit willen seines Angesichtes, die doch Heit hört, wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist gibt, Klarheit haben! Denn so das Amt, das die Ver⸗ dammnis predigt, Klarheit hat, wievielmehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit predigt, überschwengliche Klarheit. Denn auch jenes Teil, das verklärt war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen diese überschweng⸗ liche Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da auf⸗ hört, wievielmehr wird das Klarheit haben, das da bleibt. 12⁸ I. Jahrgang Am 13. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 10, 23—37. Ison wandte sich zu seinen Jüngern und sprach in⸗ Ur eh. Selig sind die Augen, die da sehen, was ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht 25 und hören, was ihr hört, und haben es nicht ehört. And siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, ver⸗ ihn und sprach: Meister, was muß ich tun, daß ch das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liesest du? Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht eantwortet; tue das, so wirst du leben! Er aber wollte lh selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und siel unter die Mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halb⸗ tot liegen. Es begab sich aber von ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hen auch; und da er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit, da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn ah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine unden und goß darein Ol und Wein und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in die Herberge und pflegte ein. Des andern Tages reiste er und zog heraus zwei Groschen und gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher dünkt dich, der unter diesen dreien der Nächste sei ge⸗ wesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er Beuus Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach esus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen! Epistel, Jak. 3, 1—12. Liebe Brüder, unterwinde sich nicht jedermann, Lehrer zu sein, und wisset, daß wir desto mehr Arteil emp⸗ angen werden. Denn wir fehlen alle mannigfaltig. er aber auch in keinem Wort fehlt, der ist ein voll⸗ kommener Mann und kann auch den ganzen Leib im Am 14. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 129 Zaum halten. Siehe, die Pferde halten wir in Zäumen, daß sie uns gehorchen, und wir lenken ihren ganzen Leib. Siehe, die Schiffe, ob sie wohl so groß sind und von starken Winden getrieben werden, werden sie doch ge⸗ lenkt mit einem kleinen Ruder, wo der hin will, der es regiert. Also ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet es an! And die Zunge ist auch ein Feuer, eine Welt voll Angerechtigkeit. Also ist die Zunge unter unsern Gliedern und befleckt den ganzen Seib und zündet an allen unsern Wandel, wenn sie von der Hölle entzündet ist. Denn alle Natur der Tiere und der Vögel und der Schlangen und der Meerwunder wird gezähmt und ist gezähmt von der menschlichen Natur; aber die Zunge kann kein Men ch zähmen, das unruhige Abel, voll toͤdlichen Giftes. Durch sie loben wir Gott, den Vater, und durch sie fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind. Aus einem Munde geht Loben und Fluchen. Es soll nicht, liebe Brüder, also sein. Quillt auch ein Brunnen aus einem Loch süß und bitter? Kann auch, liebe Brüder, ein Feigenbaum Olbeeren, oder ein Weinstock Feigen tragen? Also kann auch ein Brunnen nicht salziges und süßes Wasser geben. Am 14. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 17, 11—19. Eꝰ begab sich, da Jesus reiste gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläg. And als er in einen Markt kam, begegneten ihm ero aussätzige Män⸗ ner, die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser! And da er sie sah, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. And es geschah, da sie hin⸗ gingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sah, daß er geheilt war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm. And das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? And er Genolf zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. 130 I. Jahrgang Epistel, Gal. 5, 16—24. 3³ sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Gleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch; dieselben sind widereinander, daß ihr nicht tut, was ihr wollt. Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem da fn Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Anreinig⸗ keit, Anzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, RNotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen, von welchen ich euch habe zuvor gesagt und sage noch zuvor, daß, die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Wider solche ist das Gesetz nicht. Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden. Am 15. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 18, 1—11. u derselben Stunde traten die Jünger zu Jesu und sprachen: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? ZJesus rief ein Kind zu sich und stellte das mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß ihr euch umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt wie dies Kind, der ist der Größte im immelreich. And wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist. Wehe der Welt der Argernisse halben! Es muß ja Argernis kommen; doch wehe dem Menschen, durch welchen Argernis kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm oder als ein Krüppel eingehest, denn daß du zwei Hände oder zwei Füße habest und werdest in das ewige Feuer geworfen. And so dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirf es von dir. Es ist dir besser, daß du einäugig . a r e ; Am 16. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 131 zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen alle⸗ zeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, was verloren ist. Epistel, Gal. 5, 25 bis 6, 10. o wir im Geist leben, so lasset uns auch im Geist wandeln. Lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein, einander zu entrüsten und zu hassen. Liebe Brüder, ein Mensch etwa von einem Fehler übereilt würde, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich je⸗ mand läßt dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe sein eigen Werk; und alsdann wird er an sich selber Ruhm haben und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der teile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten! Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Lasset uns aber Gutes tun und nicht müde merden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Am 16. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 7, 11—17. Eꝰ begab sich darnach, daß Jesus in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seiner Jünger gingen viele mit ihm und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadt⸗ tor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der ein einziger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. And als sie der Herr sah, jammerte ihn derselben, und er sprach zu ihr: Weine nicht! And trat hinzu und rührte 13² I. Jahrgang den Sarg an, und die Träger standen. And er sprach: Züngling, ich sage dir, stehe auf! And der Tote richtete sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. And es kam sie alle eine Furcht an und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heim⸗ gesucht. And diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegenden Länder. Epistel, Eph. 3, 14—21. erhalben beuge ich meine Kniee vor dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herr⸗ lichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem in⸗ wendigen Menschen, daß Ehristus wohne durch den Glauben in euren Herzen und ihr durch die Liebe ein⸗ gewurzelt und gegründet werdet, auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe; auch erkennen die Liebe Christi, die doch alle Erkenntnis übertrifft, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich tun kann über alles, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am 17. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 14, 1—11. Es begab sich, daß Jesus kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer an einem Sabbat, das Brot zu essen; und sie hatten acht auf ihn. And siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Phari⸗ säern und sprach: Ist's auch recht, am Sabbat heilen? Sie aber schwiegen stille. And er griff ihn an und heilte ihn und ließ ihn gehen. And antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt, und der nicht alsbald ihn heraus⸗ zieht am Sabbattage? And sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwählten obenan zu sitzen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand ge⸗ Am 18. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 133 laden wirst zur Hochzeit, so setze dich nicht obenan, daß nicht etwa ein Vornehmerer denn du von ihm geladen sei, und dann komme, der dich und ihn geladen hat, und spreche zu dir: Weiche diesem! und du müssest dann mit Scham untenan sitzen. Sondern, wenn du geladen wirst, so gehe hin und setze dich untenan, auf daß, wenn da kommt, der 1˙9 geladen hat, er spreche zu dir: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöhet werden. Epistel, Eph. 4, 1—6. Se ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sich's gebührt eurer Berufung, mit der ihr berufen seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld, und vertraget einer den andern in der Liebe, und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eurer Be⸗ rufung. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Bater unser aller, der da ist über euch allen und durch euch alle und in euch allen. Am 18. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 22, 34—46. Dꝰ aber die Pharisäer hörten, daß er den Sadducäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. And einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach; Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm:„Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.“ Dies ist das vor⸗ nehmste und größte Gebot. Das andere aber ist ont. gleich:„Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst.“ In diesen zwei Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer beieinander waren, fragte sie Jesus und sprach: Wie dünkt euch um Christus? Wes Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennt ihn denn David im Geist einen Herrn, da er sagt:„Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Mechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße“? So nun David ihn 13⁴4 I. Jahrgang einen Herrn nennt, wie ist er denn sein Sohn? And niemand konnte ihm ein Wort antworten, und wagte auch niemand von dem Tage an hinfort, ihn zu fragen. Epistel, 1. Kor. 1,4—9. ch danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntnis; wie denn die Predigt von Christo in euch kräftig geworden ist, also daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn ZJesu Christi, welcher auch wird euch fest erhalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu/ durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Zesu Christi, unsers Herrn. Am 19. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium,‚ Matth. 9, 1—8. Da trat Jesus in das Schiff und fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. And siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun ZJesus ihren Glauben sah, hu 5 er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn; deine Sünden sind dir vergeben. And siehe, etliche unter den Schrift⸗ gelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr so Arges in euren Herzen? Welches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben,— sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bett auf und gehe heim. And er stand auf und ging heim. Da das Volk das sah, verwunderte es sich und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Epistel, Eph. 4, 22—32. So leget nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste im Irrtum sich verderbt. Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott ge⸗ schaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligteit. Darum leget die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir untereinander — EENN 8 ᷓRDSRIIIAAeE ‚ Am 20. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 135 Glieder sind. Zürnet und sündiget nicht; lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Dürftigen. Lasset kein faul Geschwätz aus eurem Munde gehen, sondern was nützlich zur Besserung ist, wo es not tut, daß es holdselig sei zu hören. And betrübet nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung sei ferne von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich, herzlich, und vergebet einer dem andern, gleichwie Gott euch ver⸗ geben hat in Christo. Am 20. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 22, 2—14. Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen. Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist eschlachtet und alles bereit; kommt zur Hochzeit! Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Hantierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhnten und töteten sie. Da das der König örte, ward er zornig und schickte seine Heere aus und rachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren es nicht wert. Darum gehet 11 auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr ndet. And die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Men⸗ lom: der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu hm: Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis hinaus! da wird sein Heulen und Zähneklappen; denn viele sind be⸗ rufen, aber wenige sind auserwählt. 136 I. Jahrgang Epistel, Eph. 5, 15—21. So sehet nun zu, wie ihr vorsichtig wandelt, nicht als die Anweisen, sondern als die Weisen, und kaufet die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht un⸗ verständig, sondern verständig, was da sei des Herrn Wille. And saufet euch nicht voll Wein, daraus ein unordentlich Wesen folgt, sondern werdet voll Geistes; redet unter⸗ einander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euren Herzen und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi, und seid untereinander untertan in der Furcht Gottes. Am 21. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 4, 4754. war ein Königischer, des Sohn lag krank zu Kaper⸗ naum. Dieser hörte, daß Jesus kam aus Judäa nach Galiläa, und ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinab⸗ käme und hülfe seinem Sohn; denn er war todkrank. And Zesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebt. Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. And indem er hinabging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten 10 und sprachen: Dein Kind lebt. Da forschte er von ihnen die Stuͤnde, in welcher es besser mit ihm geworden war. And sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. And er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus tat, da er aus Judäa nach Galiläa kam. Epistel, Eph. 6, 10—20. uletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen An⸗ läufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewal⸗ tigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finster⸗ nis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter Fteett 2.·...*— Am 2. Sonntag nach dem Dreieinigteitsfest 13/ dem Himmel. Am deswillen ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand tun und alles wohl ausrichten und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angezogen mit dem Panzer der Gerechtigkeit und an den Beinen gestiefelt, als fertig, zu treiben das Evan⸗ gelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichtes; und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. And betet stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen und für mich, auf daß mir gegeben werde das Wort mit freudigem Auftun meines Mundes, daß ich möge kundmachen das Geheimnis des Evangeliums, dessen Bote ich bin in der Kette, auf daß ich darin freudig handeln möge und reden, wie sich's gebührt. Am 22. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 18, 21—35. D trat Petrus zu Jesu und sprach: Herr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist's genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir? nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. And als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund schuldig. Da er's nun nicht hatte, zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und be⸗ zahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir's alles bezahlen. Da jammerte den Herrn des Knechts und er ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbe Knecht hinaus und fand einen seiner Mit⸗ enechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an und würgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir's alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis daß er bezahlte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches 138 I. Jahrgang sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da for⸗ derte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, die⸗ weil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch er⸗ barmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? UAnd sein Herr ward zornig und über⸗ antwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlte alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himm⸗ lischer Vater auch kun, so ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler. Epistel, Phil. 1,3—11. J danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke,(welches ich allezeit tue in allem meinem Gebet für euch alle, und tue das Gebet mit Freuden), über eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bisher; und bin desselben in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen bis an den Tag Zesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte, darum daß ich euch in meinem Herzen habe in diesem meinem Gefängnis, darin ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade teilhaftig seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund in Jesu Christo. And darum bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntnis und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig auf den Tag Christi, erfüllt mit Früchten der Gerechtig⸗ keit, die durch Jesum Christum geschehen in euch zu Ehre und Lob Gottes. Am 23. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 22, 15—22. Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie Jesum fingen in seiner Rede; und sandten zu ihm ihre Jünger samt des Herodes Dienern; und sie sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht, und du fragest nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Men⸗ schen. Darum sage uns, was dünkt dich? Ist's recht, daß man dem Kaiser Zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was ver⸗ A==Nx¶LE. Am 24. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 139 suchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze! And sie reichten ihm einen Groschen dar. And er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Aberschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Da sie das hörten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon. Epistel, Phil. 3, 17—21. Tolget mir, liebe Brüder, und sehet auf die, die also V wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, daß sie sind die Feinde des Kreuzes Christi, welcher Ende ist die Verdammnis, welchen der Bauch ihr Gott ist, und deren Ehre zu Schan⸗ den wird, die irdisch gesinnt sind. Anser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Hei⸗ landes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem ver⸗ klärten Leibe nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge sich untertänig machen. Am 24. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 9, 18—26. Da Jesus solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. And Jesus stand auf und folgte ihm nach und seine Jünger. And siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm und rührte seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. And das Weib ward gesund zu derselben Stunde. And als er in des Obersten Haus kam und sah die Pfeifer und das Ge⸗ tümmel des Volks, sprach er zu ihnen: Weichet! denn das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft. And sie verlachten ihn. Als aber das Volk hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff es bei der Hand; da stand das Mägdlein auf. And dies Gerücht erscholl in das⸗ selbe ganze Land. 14⁰ I. Jahrgang Epistel, Kol. 1, 9—14. Don auch wir, von dem Tage an, da wir's ge⸗ hört haben, hören wir nicht auf für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit der Erkenntnis seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Ver⸗ ständnis, daß ihr wandelt würdig dem Herrn zu allem Gefallen und fruchtbar seid in allen guten Werken und wachset in der Erkenntnis Gottes und gestärkt werdet mit aller Kraft nach seiner herrlichen Macht zu aller Ge⸗ duld und Langmütigkeit mit Freuden, und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht; welcher uns errettet hat von der Obrig⸗ keit der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden. Am 25. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 13, 1—9. Es waren zu der Zeit etliche dabei, die verkündigten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihrem Opfer vermischt hatte. And Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meinet ihr, daß diese Galiläer vor allen Gali⸗ läern Sünder gewesen sind, dieweil sie das erlitten haben? Ich sage: Nein; sondern, so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen. Oder meinet ihr, daß die achtzehn, auf welche der Turm in Siloah fiel und er⸗ schlug sie, seien schuldig gewesen vor allen Menschen, die zu Jerusalem wohnen? Ich sage: Nein; sondern, so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also um⸗ kommen. Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg; und er kam und suchte Frucht darauf, und fand sie nicht. Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang alle Jahre gekommen und habe Frucht gesucht auf hmn Feigenbaum und finde sie nicht; haue ihn ab; was hindert er das Land? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies Jahr, bis daß ich um ihn grabe und bedünge ihn, ob er wollte Frucht bringen; wo nicht, so haue ihn darnach ab. Epistel, 1. Thess. 4, 13—18. Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn — 2 4SSS SSEeSe Am 26. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 141 0 wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden st, also wird Gott auch, die da entschlafen sind, durch ZJesum mit ihm führen. Denn das sagen wir euch als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und über⸗ bleiben auf die Zutunft des Herrn, werden denen nicht zuvorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erz⸗ engels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auf⸗ erstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und über⸗ bleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten untereinander. Am 26. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 21, 25-36. s werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen; und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen. And alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. And er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr's an ihnen und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles 2Wodte Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Hütet euh aber, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wach allezeit und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Men⸗ schen Sohn. 14² I. Jahrgang Epistel, 2. Thess. 1,3—10. Wir sollen Gott danken allezeit um euch, liebe Brüder, wie es billig ist; denn euer Glaube wächst sehr, und die Liebe eines jeglichen unter euch allen nimmt zu gegeneinander, also daß wir uns euer rühmen unter den Gemeinden Gottes über eure Geduld und euren Glauben in allen euren Verfolgungen und Trübsalen, die ihr duldet; welches anzeigt, daß Gott recht richten wird, und ihr würdig werdet zum Reich Gottes, um des willen ihr auch leidet; nach dem es recht ist bei Gott, zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal antun; euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der Herr Jesus wird offenbart werden vom Himmel samt den Engeln seiner Kraft und mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelium unsers Herrn Jesu Christi; welche werden Pein leiden, das ewige Ver⸗ derben von dem Angesichte des Herrn und von seiner herrlichen Macht, wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen und wunderbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugnis an euch von diesem Tage habt ihr geglaubt. Am 27. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 25, 1—13. Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Zung⸗ frauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen nicht Ol mit sich. Bie klugen aber nahmen Ol in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Zur Mitternacht aber ward ein Ge⸗ schrei: Siehe, der Bräutigam kommt; geht aus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die körichten aber sprachen zu den klugen; Gebt uns von eurem Ol, denn unsre Lam⸗ pen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; geht aber hin zu den Krämern und kauft für euch selbst. And da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die Am 27. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 143 andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Darum wachet; denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Epistel, 2. Petri 3, 3—14. Wisser das aufs erste, daß in den letzten Tagen kom⸗ men werden Spötter, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zu⸗ kunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Kreatur gewesen ist. Aber aus Mutwillen wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort; dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselben mit der Sint⸗ flut verderbt. Also auch der Himmel, der jetzund ist, und die Erde werden durch sein Wort gespart, daß sie zum Feuer behalten werden auf den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. Eins aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb in der Nacht, an welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gott⸗ seligem Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, an welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden? Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollt, so tut Fleiß, daß ihr vor ihm un⸗ befleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. Sonn⸗ und festtägliche Evangelien und Episteln Zweiter Jahrgang. Am 1. Advent Evangelium, Luk. 17, 20—25. Da Jesus gefragt ward von den Pharisäern: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach; Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden, man wird auch nicht sagen: Siehe hier, oder: da ist es. Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, daß ihr werdet begehren zu sehen einen Tag des Menschensohnes und werdet ihn nicht sehen. And sie werden zu euch sagen: Siehe hier, siehe da. Gehet nicht hin und folget auch nicht. Denn wie der Blitz oben vom Himmei blitzt und leuchtet über alles, was unter dem Himmel ist, also wird des Menschen Sohn an seinem Tage sein. Zuvor aber muß er viel leiden und verworfen werden don diesem Geschlecht. Epistel, Röm. 14, 17—19. D⁵⁵ Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heili⸗ gen Geiste. Wer darin Christo dient, der ist Gott ge⸗ fällig und den Menschen wert. Darum lasset uns dem nachstreben, was zum Frieden dient, und was zur Bes⸗ serung untereinander dient. Am 2. Advent Evangelium, Luk. 12, 35—48. LPte eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter rennen; und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hoch⸗ zeit, auf daß, wenn er kommt und anklopft, sie ihm alsbald auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich aufschürzen und wird sie zu Tisch setzen und qGBGW„ M&Æ Am 2. Advent 14⁵ vor ihnen gehen und ihnen dienen. And so er kommt in der andern Wache und in der dritten Wache und wird's also finden: selig sind diese Knechte. Das sollt ihr aber wissen, wenn ein Hausherr wüßte, zu welcher Stunde der Dieb käme, so wachte er und ließe nicht in sein Haus brechen. Darum seid ihr auch bereit, denn des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihr's nicht meinet. Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns oder auch zu allen? Der Herr aber sprach: Wie ein großes Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe! Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also tun, wenn er kommt. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. So aber der Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr verzieht zu kommen, und fängt an, zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen; so wird des Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn 3 Ungläub und wird ihm seinen Lohn geben mit den Angläubigen. Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viel Streiche leiden müssen. Der es aber nicht weiß, hat aber getan, was der Streiche wert ist, wird wenig Streiche leiden. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und welchem viel be⸗ fohlen ist, von dem wird man viel fordern. Epistel, Röm. 14, 7—12. Aser keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig eworden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei. u aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du anderer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richtstuhl Christi dargestellt werden; denn es steht geschrieben:„So wahr als ich lebe, spricht der Herr, mir sollen alle Kniee gebeugt werden, und alle Zungen sollen Gott bekennen.“ So wird nun ein jeg⸗ licher für sich selbst Gott Rechenschaft geben. 146 II. Jahrgang Am 3. Advent Evangelium, Luk. 3, 2—18. Da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da ge⸗ schah der Befehl Gottes zu Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste. And er dam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Ver⸗ gebung der Sünden; wie geschrieben steht in dem Buch der Reden Jesajas, des Propheten, der da sagt:„Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und machet seine 16. De richtig! Alle Täler sollen voll werden, und alle erge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm Mea richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter eg werden. And alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen.“ Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, daß es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße, und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben dem Abr zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das Jeuer geworfen. And das Volk fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also. Es kamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist. Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: Was sollen denn wir tun? And er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt noch Anrecht und lasset euch genügen an eurem Solde. Als aber das Volk im Wahn war und dachten alle in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht Christus wäre, antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, daß ich die Riemen Geit Schuhe auflöse; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen; in seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheuer sammeln, und die Spreu wird er mit ewigem Feuer r Am 4. Advent verbrennen. And viel anderes mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihnen das Heil. Epistel, Apostelgesch. 3, 19—26. Se tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden vertilgt werden, auf daß da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesicht des Herrn, wenn er senden wird den, der euch jetzt zuvor gepredigt wird, Jesum Christum, welcher muß den Himmel einnehmen bis auf die Zeit, da herwiedergebracht werde alles, was Gott geredet hat durch den Mund aller seiner heiligen Dropheten von der Welt an. Denn Moses hat gesagt zu den Vätern:„Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern, gleichwie mich; den sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagen wird; und es wird geschehen, welche Seele denselben Pro⸗ pheten nicht hören wird, die soll vertilgt werden aus dem Volk.“ And alle Propheten von Samuel an und hernach, wieviel ihrer geredet haben, die haben von diesen Tagen verkündigt. Ihr seid der Propheten und des Bundes Kinder, welchen Gott gemacht hat mit euren Vätern, da er sprach zu Abraham:„Durch deinen Samen sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden.“ Euch zuvörderst hat Gott auferweckt seinen Knecht Jesum und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, daß ein jeglicher sich bekehre von seiner Bosheit. Am 4. Advent Evangelium, Joh. 3, 22—36. Dans kam Jesus und seine Jünger in das jüdische Land und hatte daselbst sein Wesen mit ihnen und taufte. Johannes aber taufte auch noch zu Enon, nahe bei Salim, denn es war viel Wasser daselbst; und sie kamen dahin und ließen sich taufen. Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis gelegt. Da erhob sich eine Frage unter den Jüngern des Johannes mit den Juden über die Reinigung. And sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseit des Jordans, von dem du zeugtest, siehe, der tauft, und jedermann kommt zu ihm. Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel. Ihr selbst seid meine Zeugen, daß ich gesagt habe, ich sei nicht Christus, son⸗ dern vor ihm her gesandt. Wer die Braut hat, der ist 148 II. Jahrgang der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams steht und hört ihm zu und freut sich hoch über des Bräuti⸗ gams Stimme. Diese meine Freude ist nun erfüllt. Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen. Der von oben her kommt, ist über alle. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über alle und zeugt, was er gesehen und gehört hat; und sein Zeugnis nimmt nie⸗ mand an. Wer es aber annimmt, der besiegelt's, daß Gott wahrhaftig sei. Denn welchen Gott gesandt hat, der redet Gottes Worte; denn Gott gibt den Geist nicht nach dem Maß. Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. Epistel, 1. Joh. 1, 1—4. Das da von Anfang war, das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir be⸗ Wart haben und unsre Hände betastet haben, vom ort des Lebens(und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen): was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsre Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesu Christo. And solches schreiben wir euch, auf daß eure Freude völlig sei. Am Christfest Evangelium, Luk. 2, 1—14. Ed begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt ge⸗ schätzt würde. And diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. And jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth in das jüͤdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Beth⸗ lehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, sie daj vertrauten Weibe, die war schwanger. And als ie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Am zweiten Christfeiertag(Stephanustag) 149 And sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. And es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. And siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. And der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk wider⸗ fahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. And das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. And alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen! Epistel, Eph. 1, 3—8. Gelrbes sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum. Wie er uns denn erwählt hat durch denselben, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten sein heilig und un⸗ sträflich vor ihm in der Liebe, And er hat uns verordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst durch Jesum Christum, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lob seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm emacht in dem Geliebten, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, welche uns reichlich widerfahren ist durch allerlei Weisheit und Klugheit. Am zweiten Christfeiertag(Stephanustag) Evangelium, Joh. 1, 14—18. A das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeugt von ihm, ruft und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich. And von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz— durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit ist 15⁰ II. Jahrgang durch Jesum Christum geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündigt. Epistel, Hebr. 12, 1—4. Dan auch wir, dieweil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasset uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht, und lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist, und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete das Kreuz und achtete der Schande nicht und hat sich gesetzt zur Rechten auf den Stuhl Gottes. Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, daß ihr nicht in eurem Mut matt werdet und ab⸗ asset. Denn ihr habt noch nicht bis aufs Blut wider⸗ standen in dem Kämpfen wider die Sünde. Am Sonntag nach dem Christfest Evangelium, Luk. 1, 46—55. aria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindes⸗ kinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist; und seine Barm⸗ herzigkeit währt immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer. Er denkt der Barmherzigkeit und hilft Wätern Diener Israel auf, wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Epistel, 1. Tim. 3, 16. Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschie⸗ nen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. SISI Am Neufjahrsfest Am Neujahrsfest Texte für den Morgengottesdienst. 2. Kor. 13, 13. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen. Hebr. 10, 35. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Hebr. 13, 8. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Hebr. 13, 14. Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Offenb. Joh. 1,4. Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Offenb. Joh. 2, 10. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Texte für den Abendgottesdienst. Psalm 39, 5. 6. err, lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Psalm 90, 2—6. Hede Gott, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewig⸗ keit; der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf; gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird, das da frühe blühet und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und 2——18—— 15² II. Jahrgang Psalm 102, 25—28. Gen, deine Jahre währen für und für. Du hast vor⸗ mals die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, aber du bleibest. Sie werden alle veralten wie ein Gewand; sie werden verwandelt wie ein Kleid, wenn du sie verwan⸗ deln wirst. Du aber bleibest, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. Psalm 119, 19. Ich bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir. Am Sonntag nach dem Neujahrsfest Evangelium, Joh. 12, 44—50. Iuo rief und sprach: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt Har And wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin gekommen in die Welt ein Licht, auf daß, wer an 8e Wonte. nicht in der Finsternis bleibe. And wer meine Worte hört und glaubt nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt selig mache. Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon seinen Richter; das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am jüngsten Tage. Denn ich habe nicht von mir selber geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll. And ich weiß, daß sein Gebot ist das ewige Leben. Darum, was ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gesagt hat. Epistel, 1. Thess. 5, 5—11. hr seid allzumal Kinder des Lichts und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasset uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunken sind, die sind des Nachts trunken. Wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben II Am Fest der Erscheinung Christi 1⁵³ ist, auf daß, wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch untereinander und bauet einer den andern, wie ihr denn tut. Am Fest der Erscheinung Christi Evangelium, Matth. 2, 1—12. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben Ihn an Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, hn anzubeten. Da das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versam⸗ meln alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. And sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also steht geschrieben durch den Propheten: „And du Bethlehem im jüdischen Lande bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei.“ Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und wies sie nach Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so saget mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, dand sie hin. And siehe, der Stern, den sie im Morgen⸗ and gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. And Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken; und sie zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Prophetische Lektion, Jes. 42, 1—8. Sidber das ist mein Knecht, ich erhalte ihn, und mein userwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben, er wird das Necht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das zerstoßene Rohr wird er—991— 15⁴ II. Jahrgang brechen, und den glimmenden Docht wird er nicht aus⸗ löschen. Er wird das Recht wahrhaftig halten lehren. Er wird nicht matt werden noch verzagen, bis daß er auf Erden das Recht anrichte; und die Inseln werden auf sein Gesetz warten. So spricht Gott, der Herr, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk, so drauf ist, den Odem gibt und den Geist denen, die drauf gehen: Ich, der Herr, habe dir gerufen mit Gerechtigkeit und habe dich bei deiner Hand gefaßt und habe dich behütet und habe dich zum Bund unter das Volk gegeben, zum Licht der Heiden; daß du sollst öffnen die Augen der Blinden und die Ge⸗ fangenen aus dem Gefängnis führen, und die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker. Ich, der Herr, das ist mein Name; und will meine Ehre keinem andern geben, noch meinen Ruhm den Götzen. Am 1. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Mark. 10, 13—16. A sie brachten Kindlein zu Jesu, daß er sie anrührte; die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber Jesus sen: ward er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt als ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen. And er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie. Epistel, Eph. 6, 1—4. hr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist billig.„Ehre Vater und Mutter“, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat:„auf daß dir's wohl gehe und du lange lebest auf Erden.“ And ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn. Am 2. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Luk. 4, 14—24. J'uud kam wieder in des Geistes Kraft nach Galiläa, und das Gerücht erscholl von ihm durch alle um⸗ liegenden Orte. And er lehrte in ihren Schulen und ward von jedermann gepriesen. And er kam gen Nazareth, da er erzogen war, und ging in die Schule nach seiner . Am 2. Sonntag nach dem Erscheinungsfest 155 Gewohnheit am Sabbattage, und stand auf und wollte lesen. Da ward ihm das Buch des Propheten Jesajas gereicht. AUnd da er das Buch auftat, fand er den Ort, da geschrieben steht:„Der Geist des Herrn ist bei mir, darum daß er mich gesalbt hat; er hat mich gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen, und den Blinden das Gesicht, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, und zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn.“ And als er das 19 zutat, gab er es dem Diener und setzte sich. And aller Augen, die in der Schule waren, sahen auf ihn. And er fing an zu sagen zu ihnen: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren. And sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich der holdseligen Worte, die aus seinem Munde gingen, und sprachen: Ist das nicht Josephs Sohn? And er sprach zu ihnen: Ihr werdet freilich zu mir sagen dies Sprichwort: Arzt, hilf dir selber! Denn wie große Dinge haben wir gehört zu Kapernaum geschehen! Tu auch also hier in deiner Vaterstadt! Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: Kein Prophet ist angenehm in seinem Vaterlande. Epistel, Röm. 1, 16—25. J schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, die Juden vornehmlich und auch die Griechen. Sintemal darin offenbart wird die Gerechtig⸗ keit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht:„Der Gerechte wird seines Glaubens leben.“ Denn Gottes Zorn vom Himmel wird offenbart über alles gottlose Wesen und Angerechtig⸗ keit der Menschen, die die Wahrheit in Angerechtigkeit aufhalten. Denn was man von Gott weiß, ist ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart, damit, daß Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man des wahrnimmt, an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt; also daß sie keine Entschuldigung haben, dieweil sie wußten, daß ein Gott ist, und haben ihn nicht gepriesen als einen Gott noch ihm gedankt, sondern sind in ihrem Dichten eitel geworden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergäng⸗ 156 II. Jahrgang lichen Gottes in ein Bild gleich dem vergänglichen Men⸗ schen und der Vögel und der vierfüßigen und der krie⸗ chenden Tiere. Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste, in Anreinigkeit, zu schänden ihre eigenen Leiber an sich selbst; sie, die Gottes Wahrheit haben verwandelt in die Lüge und haben geehrt und gedient dem Geschöpf mehr denn dem Schöpfer, der da gelobt ist in Ewigkeit. Amen. Am 3. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Joh. 4, 5—14. Da kam Jesus in eine Stadt Samarias, die heißt Sichar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Joseph gab. Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich also auf den Brunnen; und es war um die sechste Stunde. Da kommt ein Weib aus Samaria, Wasser zu schöpfen. Zesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken. Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß sie Speise kauften. Spricht nun das samaritische Weib zu ihm: Wie bittest du von mir zu trinken, so du ein Jude bist und ich ein samaritisch Weib?(Denn die Juden haben keine Gemein⸗ schaft mit den Samaritern.) Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes, und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser. Spricht zu ihm das Weib: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfest, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn lebendiges Wasser? Bist du mehr denn unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh. Jesus ant⸗ wortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. Epistel, Röm. 5, 1—5. Nen wir denn sind gerecht geworden durch den Glau⸗ ben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, durch welchen wir auch den Zu⸗ gang haben im Glauben zu dieser Gnade, darin wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen ———— 2———— Am 4. Sonntag nach dem Erscheinungsfest 15/ Herrlichkeit, die Gott geben soll. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung aber bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. Am 4. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Joh. 4, 15—26. Spuoicht das Weib zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, auf daß mich nicht dürste und ich nicht herkommen müsse, zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinen Mann und komm her. Das Weib antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann; da hast du recht gesagt. Das Weib spricht zu ihm: Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist. Ansre Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten solle. Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem Berge noch zu Je⸗ rusalem werdet den Vater anbeten. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Bater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Bater will haben, die ihn also anbeten. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Spricht das Weib zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbe kommen wird, so wird er's uns alles ver⸗ edel. Jesus spricht zu ihr: Ich bin es, der mit dir redet. Epistel, Nöm. 2, 1—11. arum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der da richtet. Denn worin du einen andern richtest, verdammst du dich selbst; sintemal du eben dasselbe tust, was du richtest. Denn wir wissen, daß Gottes Arteil ist recht über die, so solches tun. Denkst du aber, o Mensch, der du richtest die, so solches tun, und tust auch dasselbe, daß du dem Arteil Gottes ent⸗ 158 II. Jahrgang rinnen werdest? Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit? Weißt du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? Du aber nach deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufest dir selbst den Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken: Preis und Ehre und un⸗ vergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben; aber denen, die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Angerechtigkeit, Ungnade und Zorn; Trühsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses tun, vornehmlich der Juden und auch der Grie⸗ chen; Preis aber und Ehre und Friede allen denen, die da Gutes tun, vornehmlich den Juden und auch den Griechen. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott. Am 5. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Matth. 9, 35—38. Jesn ging umher in alle Städte und Märkte, lehrte in ihren Schulen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte allerlei Seuche und allerlei Krank⸗ heit im Volk. And da er das Volk sah, jammerte ihn desselben; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende. Epistel, Apostelgesch. 16, 9—15. Mem erschien ein Gesicht bei der Nacht; das war ein Mann aus Macedonien, der stand und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Macedonien und hilf uns! Als er aber das Gesicht gesehen hatte, da trach⸗ teten wir alsobald, zu reisen nach Macedonien, gewiß, daß uns der Herr dahin berufen hätte, ihnen das Evan⸗ gelium zu predigen. Da fuhren wir aus von Troas; und geradeswegs kamen wir gen Samothracien, des an⸗ dern Tages gen Neapolis und von dannen gen Philippi, welches ist die Hauptstadt des Landes Macedonien und eine Freistadt. Wir hatten aber in dieser Stadt unser Wesen etliche Tage. Am Tage des Sabbats gingen wir Beren. vor die Stadt an das Wasser, da man pflegte zu eten, und setzten uns und redeten zu den Weibern, die — 5599529206 SIDDDD/ Am 6. Sonntag nach dem Erscheinungsfest 159 da zusammenkamen. And ein gottesfürchtiges Weib, mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt der Thyatirer, hörte zu; dieser tat der Herr das Herz auf, daß sie darauf achthatte, was von Paulus geredet ward. Als sie aber und ihr Haus getauft ward, ermahnte sie uns und sprach: So ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an den Herrn, so kommt in mein Haus und bleibt allda. Und sie nötigte uns. Am 6. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Luk. 6, 1—10. Es begab sich an einem Sabbat, daß Jesus durchs Ge⸗ treide ging; und seine Jünger rauften Ahren aus und aßen und rieben sie mit den Händen. Erliche aber der Pharisäer sprachen zu ihnen: Warum tut ihr, was sich nicht ziemt zu tun an den Sabbaten? And Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht das ge⸗ lesen, was David tat, da ihn hungerte und die mit ihm waren? wie er zum Hause Gottes einging und nahm die Schaubrote und aß und gab auch denen, die mit ihm waren; die doch niemand durfte essen, als die Priester allein? And er sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist ein Herr auch des Sabbats. Es geschah aber an einem andern Sabbat, daß er ging in die Schule und lehrte. And da war ein Mensch, des rechte Hand war verdorrt. Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer lauerten darauf, ob er auch heilen würde am Sabbat, auf daß sie eine Sache wider ihn fänden. Er aber merkte ihre Gedanken und sprach zu dem Menschen mit der dürren Hand: Steh auf und tritt hervor! And er stand auf und trat dahin. Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch Was ziemt sich zu tun an den Sabbaten, Gutes oder Böses, das Leben erhalten oder verderben? And er sah sie alle umher an und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er tat es; da wand ihm seine Hand wieder zurechtgebracht, gesund wie die andere. Epistel, Apostelgesch. 13,4252. Da aber die Juden aus der Schule gingen, baten die Heiden, daß sie am nächsten Sabbat ihnen die Worte sagten. And als die Gemeinde der Schule von⸗ einander ging, folgten Paulus und Barnabas nach viele Zuden und gottesfürchtige Judengenossen. Sie aber sagten ihnen und vermahnten sie, daß sie bleiben sollten 160 ö II. Jahrgang in der Gnade Gottes. Am folgenden Sabbat aber kam zusammen fast die ganze Stadt, das Wort Gottes zu hören. Da aber die Juden das Volk sahen, wurden sie voll Neides und widersprachen dem, das von Paulus gesagt ward, widersprachen und lästerten. Paulus aber und Barnabas sprachen frei öffentlich: Euch mußte zu⸗ erst das Wort Gottes gesagt werden; nun ihr es aber von euch stoßet und achtet euch selbst nicht wert des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden. Denn also hat uns der Herr geboten:„Zch habe dich den Heiden zum Licht gesetzt, daß du das Heil seiest bis an das Ende der Erde.“ Da es aber die Heiden hörten, wurden sie froh und priesen das Wort des Herrn und wurden gläubig, wieviel ihrer zum ewigen Leben ver⸗ ordnet waren. And das Wort des Herrn ward ausge⸗ breitet durch die ganze Gegend. Aber die Juden be⸗ wegten die andächtigen und ehrbaren Weiber und der Stadt Oberste und erweckten eine Verfolgung über Paulus und Barnabas und stießen sie zu ihren Grenzen hinaus. Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen über sie und kamen gen Ikonion. Die Jünger aber wurden voll Freude und heiligen Geistes. Am Sonntag Septuagesimä Evangelium, Matth. 11, 16—24. Wen soll ich aber dies Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindlein gleich, die an dem Markt sitzen und rufen gegen ihre Gesellen und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklagt, und ihr wolltet nicht weinen. Johannes ist ge⸗ kommen, aß nicht und trank nicht, so sagen sie: Er hat den Teufel. Des Menschen Sohn ist gekommen, ißt und trinkt, so sagen sie: Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer, der Zöllner und der Sünder Geselle! And die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern. Da fing er an die Städte zu schelten, in wel⸗ chen am meisten seiner Taten geschehen waren, und hatten sich doch nicht gebessert: Wehe dir, Chorazin! wehe dir, Bethsaida! Wären solche Taten zu Tyrus und Sidon geschehen, wie bei euch geschehen sind, sie hätten vor⸗ zeiten im Sack und in der Asche Buße getan. Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Sidon erträglicher gehen am jüngsten Gericht als euch. And du, Kapernaum, die rA 5 · Am Sonntag Sexagesimä 161 du bist erhoben bis an den Himmel, du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden. Denn so zu Sodom die Talen eschehen wären, die bei dir geschehen sind, sie stünde noch eutiges Tages. Doch ich sage euch: Es wird der Sodomer Land erträglicher gehen am jüngsten Gericht als dir. Epistel, Apostelgesch. 9, 36—42. u Joppe war eine Jüngerin mit Namen Tabeg (welches verdolmetscht heißt Rehe), die war voll guter Werke und Almosen, die sie tat. Es begab sich aber zu der Zeit, daß sie krank ward und starb. Da wuschen sie dieselbe und legten sie auf den Söller. Nun aber Lydda nahe bei Joppe ist, da die Jünger hörten, daß Petrus daselbst war, sandten sie zwei Männer zu ihm und ermahnten ihn, daß er sich's nicht ließe ver⸗ drießen, zu ihnen zu kommen. Petrus aber stand auf und kam mit ihnen. And als er hingekommen war, führten sie ihn hinauf auf den Söller, und traten um ihn alle Witwen, weinten und zeigten ihm die Röcke und Kleider, welche die Rehe machte, als sie noch bei ihnen war. And da Petrus sie alle hinausgetrieben hatte, kniete er nieder, betete und wandte sich zu dem Leichnam und sprach: Tabea, stehe auf! Und sie tat ihre Augen auf; und da sie Petrus sah, setzte sie sich wieder. Er aber gab ihr die Hand und richtete sie auf und rief die Heiligen und die Witwen und stellte sie lebendig dar. And es ward kund durch ganz Joppe, und viele wurden gläubig an den Herrn. Am Sonntag Sexagesimä Evangelium, Joh. 8, 21—29. Ilihr sprach abermals zu ihnen; Ich gehe hinweg, und ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen. Da sprachen die Zuden: Will er sich denn selbst töten, daß er spricht: Wohin ich gehe, da könnt ihr nicht hinkom⸗ men? And er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben her; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. So habe ich euch gesagt, daß ihr sterben werdet in euren Sünden; denn so ihr nicht glaubet, daß ich es sei, so werdet ihr sterben in euren Sünden. Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du denn? And Jesus sprach zu ihnen: Erstlich der, der ich mit euch rede. Ich habe viel von euch zu reden und zu richten; aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich 16² II. Jahrgang von ihm gehört habe, das rede ich vor der Welt. Sie verstanden aber nicht, daß er ihnen von dem Vater sagte. Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich es sei und nichts von mir selber tue; sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, so rede ich. Und der mich ge⸗ sandt hat, ist mit mir. Der Vater läßt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt. Epistel, Hebr. 10, 19—29. So wir denn nun haben, liebe Brüder, die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige durch das Blut Jesu, welchen er uns bereitet hat zum neuen und lebendigen Wege durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch, und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes: so lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen, in völ-⸗ ligem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von ö dem bösen Gewissen, und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser; und lasset uns halten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie ver⸗ heißen hat; und lasset uns untereinander unser selbst wahrnehmen mit Reizen zur Liebe und guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlung, wie etliche pflegen, sondern einander ermahnen, und das so viel mehr, soviel ihr sehet, daß sich der Tag nahet. Denn so wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir fürder kein anderes Opfer mehr für die Sünden, sondern ein schreck⸗ liches Warten des Gerichts und des Feuereifers, der die Widersacher verzehren wird. Wenn jemand das Gesetz des Moses bricht, der muß sterben ohne Barmherzigkeit durch zwei oder drei Zeugen. Wieviel, meinet ihr, ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Testaments unrein achtet, durch welches er geheiligt ist, und den Geist der Gnade schmäht? Am Sonntag Estomihi Evangelium, Matth. 16, 21—23. on der Zeit an fing Jesus an und zeigte seinen Jüngern, wie er müßte hin gen Jerusalem gehen und viel leiden von den Altesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen. And Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: Herr, schone dein selbst, das widerfahre dir — V 0WRR Am Sonntag Invocavit 163 nur nicht! Aber er wandte sich um und sprach zu Petrus: Hebe dich, Satan, von mir! du bist mir ärgerlich; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Epistel, 2. Kor. 11, 23—30. Sie sind Diener Christi? Ich rede töricht: Ich bin's wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfter gefangen, oft in Todes⸗ nöten gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal emp⸗ fangen vierzig Streiche weniger eins. Ich bin dreimal gestäupt, einmal gesteinigt, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe des Meeres. Ich bin oft gereist; ich bin in Gefahr ge— wesen durch die Flüsse, in Gefahr durch die Mörder, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Heiden, in Gefahr in den Städten, in Gefahr in der Wüste, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter den falschen Brüdern; in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße; ohne was sich sonst zuträgt, nämlich daß ich täglich werde angelaufen und trage Sorge für alle Gemeinden. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird ge⸗ ärgert, und ich brenne nicht? So ich mich ja rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Am Sonntag Invocavit Evangelium, Joh. 2, 13—22. Der Juden Ostern war nahe. And Jesus zog hinauf gen Jerusalem und fand im Tempel sitzen, die da Ochsen, Schafe und Tauben feil hatten, und die Wechsler. And er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern das Geld und stieß die Tische um und sprach zu denen, die die Tauben feil hatten: Traget das von dannen und machet nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause. Seine Jünger aber gedachten daran, daß geschrieben steht:„Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.“ Da antworteten nun die Juden und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für ein Zeichen, daß du solches tun mögest? Jesus ant⸗ wortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel, und am dritten Tage will ich ihn aufrichten. Da spra⸗ chen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut, und du willst ihn in drei Tagen auf⸗ 164 II. Jahrgang richten? Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. Da er nun auferstanden war von den Toten, gedachten seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte, und glaub⸗ ten der Schrift und der Rede, die Jesus gesagt hatte. Epistel, 1. Petri 1, 17—25. Süpemal ihr den zum Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeglichen Werk, so führet euren Wandel, solange ihr hier wallet, mit Furcht und wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väter⸗ licher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes, der zwar zuvor ersehen ist, ehe der Welt Grund gelegt ward, aber offenbart zu den letzten Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubet an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, auf daß ihr Glauben und Hoffnung zu Gott haben möchtet. And machet keusch eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit durch den Geist zu ungefärbter Bruderliebe und habt euch untereinander inbrünstig lieb aus reinem Herzen, als die da wiedergeboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibt. Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist ver⸗ dorrt und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.“ Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist. Am Sonntag Neminiseere Evangelium, Matth. 12, 38—42. Da antworteten etliche unter den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprachen: Meister, wir wollten gerne ein Zeichen von dir sehen. And Zesus antwortete und sprach zu ihnen: Die böse und ehebrecherische Art sucht ein Zeichen; und es wird ihr kein Zeichen gegeben wer⸗ den denn das Zeichen des Propheten Jonas. Denn gleichwie Jonas war drei Tage und drei Nächte in des Walsisches Bauch, also wird des Menschen Sohn drei Tage und drei Nächte mitten in der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten am jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jonas. And siehe, .. Am Sonntag Oculi 16⁵ hier ist mehr denn Jonas. Die Königin von Mittag wird auftreten am jüngsten Gericht mit diesem Ge⸗ schlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende er Erde, Salomos Weisheit zu hören. And siehe, hier ist mehr denn Salomo. Epistel, Jak. 1, 2—12. Meige lieben Brüder, achtet es für eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet, und wisset, daß euer Glaube, wenn er rechtschaffen ist, Geduld wirket. Die Geduld aber soll sest bleiben bis ans Ende, auf daß ihr seid volllommen und ganz und keinen Mangel habet. So aber jemand unter euch Weisheit mangelt, der bitte Gott, der da gibt einfältig jedermann und rücket's nie⸗ mand auf, so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer da zwei⸗ felt, der ist gleich wie die Meereswoge, die vom Winde getrieben und gewebt wird. Solcher Mensch denke nicht, daß er etwas von dem Herrn empfangen werde. Ein Zweifler ist unbeständig in allen seinen Wegen. Ein Bruder aber, der niedrig ist, rühme sich seiner Hhe; und der da reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit; denn wie eine Blume des Grases wird er vergehen. Die Sonne geht auf mit der Hitze, und das Gras verwelkt, und seine Blume fällt ab, und seine schöne Gestalt verdirbt: also wird der Reiche in seinen Wegen verwelken. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Am Sonntag Oeuli Evangelium, Joh. 6, 47—56. Wodelieh, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, auf daß, wer davon isset, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. And das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Da zankten die Zuden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Werdet ihr nicht essen 166 II. Jahrgang das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise und mein Blut ist der rechte Trank. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Epistel, 2. Kor. 1, 3—7. Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unsrer Trübsal, daß wir auch trösten können, die da sind in allerlei Trüb⸗ sal, mit dem Trost, damit wir getröstet werden von Gott. Denn gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, also werden wir auch reichlich getröstet durch Christum. Wir haben aber Trübsal oder Trost, so geschieht es euch zu gute. Ist's Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil; welches Heil sich beweist, so ihr leidet mit Geduld, dermaßen wie wir leiden. Ist's Trost, so geschieht auch das euch zu Trost und Heil; und unsre Hoffnung steht fest für euch, dieweil wir wissen, daß, wie ihr des Leidens teilhaftig seid, so werdet ihr auch des Trostes teilhaftig sein. Am Sonntag Lätare Evangelium, Joh. 6, 57-69. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, also, wer mich isset, der wird auch leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist; nicht, wie eure Väter haben Manna gegessen und sind gestorben. Wer dies Brot isset, der wird leben in Ewigkeit. Solches sagte er in der Schule, da er lehrte, zu Kapernaum. Viele⸗ nun seiner Zünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede, wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte, daß seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Argert euch das? Wie, wenn ihr denn sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin, da er zuvor war? Der Geist ist's, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wußte von Anfang wohl, welche nicht glaubend waren, und welcher ihn verraten würde. And er sprach: Darum habe ich RFFIFFF Am Sonntag Judiea 167 euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben. Von dem an gingen seiner Jünger viele hinter sich und wandelten hinfort nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Epistel, Hebr. 10, 5—18. Daram da Christus in die Welt kommt, spricht er: „Opfer und Gaben hast du nicht gewollt, den Leib aber hast du mir bereitet; Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. Da sprach ich: Siehe, ich komme(im Buch steht von mir geschrieben), daß ich tue, Gott, dei⸗ nen Willen.“ Nachdem er weiter oben gesagt hatte: „Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht“(welche nach dem Gesetz geopfert werden), da sprach er:„Siehe, ich komme, zu tun, Gott, deinen Willen.“ Da hebt er das erste auf, daß er das andere einsetze. In diesem Willen sind wir geheiligt auf einmal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. Und ein jeglicher Priester ist ein⸗ gesetzt, daß er alle Tage Gottesdienst pflege und oft⸗ mals einerlei Opfer tue, welche nimmermehr können die Sünden abnehmen. Dieser aber, da er hat ein Opfer für die Sünden geopfert, das ewiglich gilt, sitzt er nun zur Rechten Gottes und wartet hinfort, bis daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden. Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die ge⸗ heiligt werden. Es bezeugt uns aber das auch der heilige Geist. Denn nachdem er zuvor gesagt hatte:„Das ist das Testament, das ich ihnen machen will nach diesen Tagen“, spricht der Herr:„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben, und in ihren Sinn will ich es schreiben, und ihrer Sünden und ihrer Angerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken.“ Wo aber derselben Vergebung ist, da ist nicht mehr Opfer für die Sünde. Am Sonntag Judiea Evangelium,‚ Joh. 12, 20—-32. Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hin⸗ aufgekommen waren, daß sie anbeteten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Bethsaida aus 168 II. Jahrgang Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Zesum gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagten's weiter Jesu. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, daß des Menschen Sohn verklärt werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. Wer sein Leben lieb hat, der wird's ver⸗ lieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasset, der wird's erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. And wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Jetzt ist meine Seele betrübt. And was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verkläre deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verklärt und will ihn abermals verklären. Da sprach das Volk, das dabeistand und zu⸗ hörte: Es donnerte. Die andern sprachen: Es redete ein Engel mit ihm. Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. Jetzt geht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. And ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen. Epistel, 2. Kor. 5, 14—21. ie Liebe Christi dringet uns also; sintemal wir halten, daß, so einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben, und er ist darum für alle gestorben, auf daß die, so da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Darum kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; und ob wir auch Christum gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr. Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Krea⸗ tur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu ge⸗ worden. Aber das alles von Gott, der uns mit ihm selber versöhnt hat durch Jesum Christum und das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind 28888 Reo„„cctn, Am Osterfest 169 wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ver⸗ mahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Am Osterfest Evangelium, Matth. 28, 1—10. Als aber der Sabbat um war und der erste Tag der Woche anbrach, kam Maria Magdalena und die andere Maria, das Grab zu besehen. And siehe, es ge⸗ schah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein von der Tür und setzte sich darauf. And seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß wie der Schnee. Die Hüter aber erschraken vor Furcht und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel antwortete und sprach zu den Weibern: Fürchtet euch nicht; ich weiß, daß ihr Jesum, den Gekreuzigten, suchet. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und sehet die Stätte, da der Herr gelegen hat; und gehet eilend hin und sagt es seinen Jüngern, daß er auferstanden sei von den Toten. And siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa, da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilend zum Grabe hinaus mit Furcht und großer Freude und liefen, daß sie es seinen Jüngern verkündigten. And da sie gingen, seinen Jüngern zu verkündigen, siehe, da be⸗ gegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! And sie traten zu ihm und griffen an seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht; gehet hin und verkündiget es meinen Brüdern, daß sie gehen nach Galiläa, daselbst werden sie mich sehen. Epistel, 1. Kor. 15, 51—58. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden derwandelt werden. Denn dies Ver⸗ wesliche muß anziehen die Anverweslichkeit, und dies Sterbliche muß anziehen die Ansterblichkeit. Wenn aber —— ę—— 4 ————sesesese‚H——ñ—ñ— 17⁰ II. Jahrgang dies Verwesliche wird anziehen die Anverweslichkeit und dies Sterbliche wird anziehen die Ansterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht:„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Aber der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum. Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unbeweglich, und nehmet immer zu in dem Werk des Herrn, sintemal ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Am Ostermontag Evangelium, Joh. 20, 11—18. Mowie aber stand vor dem Grabe und weinte draußen. Als sie nun weinte, guckte sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Kleidern sitzen, einen zu den Häupten und den andern zu den Füßen, da sie den Leich⸗ nam Jesu hingelegt hatten. And diese sprachen zu ihr: Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. And als sie das sagte, wandte sie sich zurück und sieht Jesum stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Weib, was weinest du? Wen suchest du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo hast du ihn hingelegt? so will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni(das heißt Meister)! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an; denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu mei⸗ nem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria Magdalena kommt und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt. Alttestamentliche Lektion, Psalm 118, 14—24. Da. Herr ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn behält den Sieg; die Rechte des Herrn ist erhöhet; die Rechte des Herrn behält den Sieg. Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen. Der Am Sonntag Quasimodogeniti 17¹ Herr züchtigt mich wohl; aber er gibt mich dem Tode nicht. Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, daß ich dahin eingehe und dem Herrn danke. Das ist das Tor des Herrn; die Gerechten werden dahin eingehen. Ich danke dir, daß du mich demütigst und hilfst mir. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eck⸗ stein geworden. Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen. Dies ist der Tag, den der Herr macht; laßt uns freuen und fröhlich darin sein. Am Sonntag Quasimodogeniti Evangelium, Luk. 24, 36—47. Da sie aber davon redeten, trat er selbst, ZJesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich, meinten, sie sähen einen Geist. And er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken? und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Sehet meine Hände und meine Füße, ich bin es selber; fühlet mich und sehet; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe. And da er das sagte, zeigte er ihnen Hände und Füße. Da sie aber noch nicht glaubten vor Freuden und sich verwun⸗ derten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? And sie legten ihm vor ein Stück von gebratenem Fisch und Honigseim. And er nahm es und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind die Reden, die ich zu euch sagte, da ich noch bei euch war; denn es muß alles er⸗ füllt werden, was von mir geschrieben ist im Gesetz des Moses, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Berständnis, daß sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen: Also ist's geschrieben, und also mußte Christus leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem. Epistel, 2. Tim. 2, 1—13. Se sei nun stark, mein Sohn, durch die Gnade in Christo Jesu. And was du von mir gehört hast durch viele Zeugen, das befiehl treuen Menschen, die da tüchtig sind/ auch andere zu lehren. Leide mit als ein guter Streiter Jesu Christi. Kein Kriegsmann flicht sich in Händel der Nahrung, auf daß er gefalle dem, der ihn angenommen hat. And so jemand auch kämpft, wird er doch nicht ge⸗ 17² II. Jahrgang trönt, er lämpfe denn recht. Es soll aber der Ackermann, der den Acker baut, die Früchte am ersten genießen. Merke, was ich sage! Der Herr aber wird dir in allen Dingen Verstand geben. Halt im Gedächtnis Jesum Christum, der auferstanden ist von den Toten, aus dem Samen Davids, nach meinem Evangelium, für welches ich leide bis zu den Banden wie ein Abeltäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden. Darum erdulde ich alles um der Auserwählten willen, auf daß auch sie die Seligkeit erlangen in Ehristo Jesu mit ewiger Herrlich⸗ keit. Das ist gewißlich wahr: Sterben wir mit, so werden wir mit leben; dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird er uns auch verleug⸗ nen; glauben wir nicht, so bleibt er treu; er kann sich selbst nicht verleugnen. Am Sonntag Misericordias Domini Evangelium, Joh. 10, 22—-30. Ed ward Kirchweihe zu Jerusalem und war Winter. And Jesus wandelte im Tempel in der Halle Salo⸗ mos. Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du unsre Seele auf? Bist du Christus, so sage es uns frei heraus. Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubet nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir. Aber ihr glaubet nicht; denn ihr seid von meinen Schafen nicht, wie ich euch gesagt habe. Denn meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Der Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins. Epistel, Offenb. Joh. 7, 9—17. Dmeh sah ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völ⸗ tern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhl sitzt, unfrem Gott, und dem Lamm! And alle Engel standen um den Stuhl und um die Altesten und um die vier Tiere und fielen vor 72— DN NDOS Am Sonntag ZJubilate 17³ dem Stuhl auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dant und Preis und Kraft und Stärke sei unsrem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. And es antwortete der Ältesten einer und sprach zu mir: Wer sind diese, mit den weißen Kleidern angetan, und woher sind sie ge⸗ kommen? And ich sprach zu ihm: Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lam⸗ mes. Darum sind sie vor dem Stuhl Gottes und dienen ihm Tag und Racht in seinem Tempel; und der auf dem Stuhl sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgend eine Hitze; denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den leben⸗ digen Wasserbrunnen, und Gott wird abwischen alle Trä⸗ nen von ihren Augen. Am Sonntag Zubilate Evangelium, Matth. 10, 16—20. Sichs ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. Hütet euch aber vor den Men⸗ schen; denn sie werden euch überantworten vor ihre Rat⸗ häuser und werden euch geißeln in ihren Schulen. And man wird euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen, zum Zeugnis über sie und über die Heiden. Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorget nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn ihr seid es nicht. die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet. Epistel, Apostelgesch. 4, 8-20. Ooe voll des heiligen Geistes, sprach zu ihnen: Ihr Obersten des Volks und ihr Altesten von Israel! So wir heute werden gerichtet über dieser Wohltat an dem kranken Menschen, durch welche er ist geheilt wor⸗ den, so sei euch und allem Bolk von Israel kundgetan, daß in dem Namen Jesu Christi von Nazareth, welchen ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat, steht dieser allhier vor euch gesund. Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein 17⁴ II. Jahrgang geworden ist; und ist in keinem andern Heil, ist auch tein anderer Name unter dem Himmel den Menschen ge⸗ geben, darin wir sollen selig werden. Sie sahen aber an die Freudigkeit des Petrus und Johannes und ver⸗ wunderten sich; denn sie waren gewiß, daß es ungelehrte Leute und Laien waren, und kannten sie auch wohl, daß sie mit Jesu gewesen waren. Sie sahen aber den Men⸗ schen, der geheilt worden war, bei ihnen stehen und hatten nichts dawider zu reden. Da hießen sie sie hinausgehen aus dem Rat und handelten miteinander und sprachen: Was wollen wir diesen Menschen tun? Denn das offen⸗ bare Zeichen, durch sie geschehen, ist kund allen, die zu Jerusalem wohnen, und wir können es nicht leugnen. Aber auf daß es nicht weiter einreiße unter das Voll, lasset uns ernstlich sie bedrohen, daß sie hinfort keinem Menschen von diesem Namen sagen. And riefen sie und geboten ihnen, daß sie sich allerdinge nicht hören ließen noch lehrten in dem Namen Jesu. Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Richtet ihr selbst, ob es vor Gott recht sei, daß wir euch mehr ge⸗ horchen denn Gott! Wir können es ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehört haben. Am Sonntag Cantate Evangelium, Matth. 10, 24—33. Der Jünger ist nicht über seinen Meister noch der Knecht über den Herrn. Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr. Ha⸗ ben sie den Hausvater Beelzebub geheißen, wie viel mehr werden sie seine Hausgenossen also heißen! So fürchtet euch denn nicht vor ihnen. Es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, das man nicht wissen werde. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was ihr hört in das Ohr, das predigt auf den Dächern. And fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht können töten. Fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in die Hölle. Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Dennoch fällt deren keiner auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählt. So fürch⸗ tet euch denn nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber rrr Am Sonntag Rogate 17⁵ verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. Epistel, 1. Thess. 2, 9—13. Ibe seid wohl eingedenk, liebe Brüder, unsrer Arbeit und unsrer Mühe; denn Tag und Nacht arbeiteten wir, daß wir niemand unter euch beschwerlich wären, und predigten unter euch das Evangelium Gottes. Des seid ihr Zeugen und Gott, wie heilig und gerecht und unsträflich wir bei euch, die ihr gläubig waret, gewesen sind; wie ihr denn wisset, daß wir, wie ein Vater seine Kinder, einen jeglichen unter euch ermahnt und getröstet und bezeugt haben, daß ihr wandeln solltet würdig vor Gott, der euch berufen hat zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit. Darum danken auch wir ohne Anterlaß Gott, daß ihr, da ihr empfinget von uns das Wort gött⸗ licher Predigt, es aufnahmt nicht als Menschen Wort, sondern, wie es denn wahrhaftig ist, als Gottes Wort, welcher auch wirkt in euch, die ihr glaubet. Am Sonntag Rogate Evangelium, Luk. 11, 9—13. Bitter. so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der nimmt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater ums Brot, der ihm einen Stein dafür biete? und so er um einen Fisch bittet, der ihm eine Schlange für den Fisch biete? Oder so er um ein Ei bittet, der ihm einen Skorpion dafür biete? So denn ihr, die ihr arg seid, könnt euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! Epistel, 1. Tim. 6, 11—16. Aber du, Gottesmensch, fliehe solches! Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut; kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen bist und bekannt hast ein gutes Be⸗ kenntnis vor vielen Zeugen. Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christo Jesu, der unter Pontius Pilatus bezeugt hat ein gutes Be⸗ kenntnis, daß du haltest das Gebot ohne Flecken, un⸗ tadelig, bis auf die Erscheinung unsers Herrn Jesu Christi, 176 II. Jahrgang welche wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Ansterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann, welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann; dem sei Ehre und ewiges Reich! Amen. Am Fest der Himmelfahrt Christi Evangelium, Luk. 24, 49—53. Jedie sprach zu ihnen: Siehe, ich will auf euch senden die Verheißung meines Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben, bis daß ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe. Er führte sie aber hinaus bis gen Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. And es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten wieder gen ZJerusalem mit großer Freude und waren allewege im Tempel, priesen und lobten Gott. Epistel, Hebr. 4, 14—16. Dcn wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesum, den Sohn Gottes, der gen Himmel gefahren ist, so lasset uns halten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mit⸗ leiden haben mit unsern Schwachheiten, sondern der ver⸗ sucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde. Darum lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird. Am Sonntag Exaudi Evangelium, Joh. 7, 33-39. De sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und da ich bin, könnt ihr nicht hinkommen. Da sprachen die Juden untereinander: Wo will dieser hin⸗ gehen, daß wir ihn nicht finden sollen? Will er zu den Zerstreuten unter den Griechen gehen und die Griechen lehren? Was ist das für eine Rede, daß er sagte: Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, da könnt ihr nicht hinkommen? Aber am letzten Tag des Festes, der am herrlichsten war, trat Jesus auf, rief Am Pfingstfest 17⁷ und sprach: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der heilige Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verklärt. Epistel, Kol. 3, 1—10. Sẽeid ihr nun mit Chriten auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit. So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Anreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei, um welcher willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Anglaubens; in welchen auch ihr weiland gewandelt habt, da ihr darin lebtet. Nun aber leget alles ab von euch, den Zorn, Grimm. Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde. Lüget nicht untereinander; ziehet den alten Menschen mit seinen Werken aus und ziehet den neuen an, der da erneuert wird zu der Erkenntnis nach dem Ebenbilde des/ der ihn geschaffen hat. Am Pfingstfest Evangelium, Joh. 14, 15—21. Lde ihr mich, so haltet meine Gebote; und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen; denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr aher kennt ihn; denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht Waisen lassen; ich komme zu euch. Es ist noch um ein kleines, so wird mich die Welt nicht mehr sehen; ihr aber sollt mich sehen; denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. An dem Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 17 II. Jahrgang Epistel, Apostelgesch. 2, 32—41. Geh hat Jesum auferweckt, des sind wir alle Zeugen. RNun er durch die Rechte Gottes erhöht ist und empfangen hat die Verheißung des heiligen Geistes vom Vater, hat er ausgegossen dies, das ihr sehet und höret. Denn Savid ist nicht gen Himmel gefahren. Er spricht aber:„Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße.“ So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuzigt habt, zu einem Herrn und Christus gemacht hat. Da sie aber das hörten, ging es ihnen durchs Herz und sprachen zu Petrus und zu den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Zesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und aller, die ferne sind, welche Gott, unser Herr, herzuͤrufen wird. Auch mit vielen andern Worten bezeugte er und Vertehrte und sprach: Lasset euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht! Die nun sein Wort gerne annahmen, ließen sich taufen; und wurden hinzugetan an dem Tage bei dreitausend Seelen. Am Pfingstmontag Prophetische Lektion, Heset. 36, 26. 27. I will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und darnach tun. Epistel, 1. Kor. 2, 716. Wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Welt zu unsrer Herrlichkeit, welche keiner von den Obersten dieser Welt erkannt hat; denn wo sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt; sondern wie geschrieben steht:„Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.“ Ans aber hat es Gott offenbart durch seinen + . ⸗ Am Dreieinigkeitsfest Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im Men⸗ schen ist, ohne der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also auch weiß niemand, was in Gott ist, ohne der Geist Goltes. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist; welches wir auch reden, nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der heilige Geist lehrt, und richten geistliche Sachen geistlich. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich gerichtet sein. Der geistliche aber richtet alles und wird von niemand gerichtet. Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen? Wir aber haben Christi Sinn. Am Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 28, 18—20. Jess trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch 45. Der Welt And siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Epistel, Tit. 3, 4-8. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes,— nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselden Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung. Das ist gewißlich wahr. Am 1. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Mart. 4, 26—32. esus sprach: Das Reich Gottes hat sich also, als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst, daß er's nicht weiß. Denn die Erde bringt von 18⁰ II. Jahrgang selbst zum ersten das Gras, darnach die Ahren, darnach den vollen Weizen in den Ähren. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er bald die Sichel hin; denn die Ernte ist da. And er sprach: Wem wollen wir das Reich Gottes vergleichen? und durch welch Gleichnis wollen wir es vorbilden? Gleichwie ein Senfkorn, wenn das gesäet wird aufs Land, so ist es das kleinste unter allen Samen auf Erden. And wenn es gesäet ist, so nimmt es zu und wird größer denn alle Kohlkräuter und gewinnt große Zweige, also daß die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können. Epistel, Apostelgesch. 2, 42—47. Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam auch alle Seelen Furcht an, und geschaͤhen viel Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig waren geworden, waren beieinander und hielten alle Dinge gemein. Ihre Güter und Habe verkauften sie und teilten sie aus unter alle, nach dem jedermann not war. And sie waren täglich und stets beieinander einmütig im Tempel und brachen das Brot hin und her in Häusern, nahmen die Speise und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeinde. Am 2. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 15, 11—32. Jefun sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. And der jüngste unter ihnen sprach zum Vater: Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört. And er teilte ihnen das Gut. And nicht lange darnach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. Da er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große Teurung durch dasselbe ganze Land, und er sing an zu darben. And ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes, der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. And er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm. Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Taglöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich ver⸗ derbe im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem ö —.——8 N Am 2. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 181 ach Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt ucht gegen den Himmel und vor dir und bin hinfort nicht die mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich als einen eich deiner Taglöhner. And er machte sich auf und kam zu llen seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, das sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel llen ihm um seinen Hals und küßte ihn. Der Sohn aber t es sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Him⸗ sinnt mel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß mel ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebt ihm einen Fingerreif an seine Hand und in Schuhe an seine Füße; und bringet ein gemästet Kalb her bet und schlachtet es; lasset uns essen und fröhlich sein; denn zel dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig ge⸗ die worden; er war verloren und ist gefunden worden. And ten sie fingen an fröhlich zu sein. Aber der älteste Sohn . war auf dem Felde; und als er nahe zum Hause kam, ü hörte er das Gesänge und den Reigen, und rief zu sich der der Knechte einen und fragte, was das wäre. Der aber her sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater mit hat ein gemästet Kalb geschlachtet, daß er ihn gesund bei wieder hat. Da ward er zornig und wollte nicht hinein⸗ die gehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; x und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen er hat, hast du ihm ein gemästet Kalb geschlachtet. Er aber lir, sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und er alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröh⸗ lte lich und gutes Muts sein; denn dieser dein Bruder war er tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren n. und ist wieder gefunden. 10 Epistel, I. Joh. 1, 5 bis 2, 2. er Das ist die Verkündigung, die wir von ihm gehört le haben und euch verkündigen, daß Gott Licht ist und x il in ihm ist keine Finsternis. So wir sagen, daß wir Ge⸗ n. meinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finster⸗ r nis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. So wir ö 2 aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir n Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi, II. Jahrgang seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Antugend. So wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf daß ihr nicht sündiget. And ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. And derselbe ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. Am 3. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 15, 1—14. Da kamen zu ZJesu die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem und sprachen: Warum übertreten deine Jünger der Ältesten Aufsätze? Sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen. Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Gottes Ge⸗ bot um eurer Aufsätze willen? Gott hat geboten: Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Aber ihr lehret: Wer zum Vater oder zur Mutter spricht:„Es ist Gott gegeben, was dir sollte von mir zunutz kommen“, der tut wohl. Damit geschieht es, daß niemand hinfort seinen Vater oder seine Mutter ehrt, und also habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Aufsätze willen. Ihr Heuch⸗ ler, wohl fein hat Jesajas von euch geweissagt und ge⸗ sprochen:„Dies Volk naht sich zu mir mit seinem Munde und ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir; aber vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lehren solche Lehren, die nichts denn Menschengebote sind.“ And er rief das Volk zu sich und sprach zu ihm: Höret zu und fasset es! Was zum Munde eingeht, das verunreinigt den Menschen nicht; sondern was zum Munde ausgeht, das verunreinigt den Menschen. Da traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Weißt du auch, daß sich die Phari⸗ säer ärgerten, da sie das Wort hörten? Aber er ant⸗ wortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht pflanzte, die werden ausgereutet. Lasset sie fahren! sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube. Am 4. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 183 Epistel, Apostelgesch. 5, 34—42. Da stand auf im Rat ein Pharisäer mit Namen Ga⸗ maliel, ein Schriftgelehrter, in Ehren gehalten vor allem Volk, und hieß die Äpostel ein wenig hinaustun und sprach zu ihnen: Ihr Männer von Israel, nehmet euer selbst wahr an diesen Menschen, was ihr tun sollt. Vor diesen Tagen stand auf Theudas und gab vor, er wäre etwas, und hingen an ihm eine Zahl Männer, bei vierhundert; der ist erschlagen, und alle, die ihm zufielen, sind zerstreut und zunichte geworden. Darnach stand auf Zudas aus Galiläa in den Tagen der Schätzung und machte viel Volks abfällig ihm nach; und der ist auch umgekommen, und alle, die ihm zufielen, sind zerstreut. And nun sage ich euch: Lasset ab von diesen Menschen und lasset sie fahren Ist der Rat oder das Werk aus den Menschen, so wird's untergehen; ist's aber aus Gott, so könnt ihr's nicht dämpfen, auf daß ihr nicht erfunden werdet als die wider Gott streiten wollen. Da fielen sie ihm zu und riefen die Apostel, stäupten sie und geboten ihnen, sie sollten nicht reden in dem Namen Jesu, und ließen sie gehen. Sie gingen aber fröhlich von des Rats Angesicht, daß sie würdig gewesen waren, um seines Na⸗ mens willen Schmach zu leiden, und hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hin und her in Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesu Christo. Am 4. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 8, 5—13. Da Jesus einging zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehest, son⸗ dern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe unter mir Kriegsknechte; und wenn ich sage zu einem: Gehe hin! so geht er; und zum andern: Komm her! so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das! so tut er's. Da das Jesus hörte, verwunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom Wofn 18⁴4 II. Jahrgang und vom Abend und mit Abraham und Isaal und Jakob im Himmelreich sitzen; aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappen. And Jesus sprach zu dem Haupt⸗ mann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast. And sein Knecht ward gesund zu derselben Stunde. Epistel, Apostelgesch. 9, 1—20. Saulas aber schnaubte noch mit Drohen und Morden wider die Jünger des Herrn und ging zum Hohen⸗ priester und bat ihn um Briefe gen Damaskus an die Schulen, auf daß, so er etliche dieses Weges fände, Männer und Weiber, er sie gebunden führte gen Jeru⸗ salem. And da er auf dem Wege war und nahe an Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden wider den Stachel lecken. And er sprach mit Zittern und Zagen: Herr, was willst du, daß ich tun soll? Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf und gehe in die Stadt, da wird man dir sagen, was du tun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen und waren erstarrt; denn sie hörten die Stimme und sahen niemand. Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen auftat, sah er niemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn gen Damaskus; und er war drei Tage nicht sehend und aß nicht und trank nicht. Es war aber ein Jünger zu Da⸗ maskus mit Namen Ananias; zu dem sprach der Herr im Gesichte: Ananias! And er sprach: Hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf und gehe hin in die Gasse, die da heißt die gerade, und frage in dem Hause des Judas nach einem namens Saul von Tarsus; denn siehe, er betet, und hat gesehen im Gesicht einen Mann mit Namen Ananiags zu ihm hineinkommen und die Hand auf ihn legen, daß er wieder sehend werde. Ananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört von diesem Mann, wieviel Ables er deinen Heiligen getan hat zu Jerusalem; und er hat allhier Macht von den Hohenpriestern, zu binden alle, die deinen Namen an⸗ rufen. Der Herr sprach zu ihm: Gehe hin; denn dieser ist mir ein auserwähltes Rüstzeug, daß er meinen Na⸗ ISASAE& E ere= Dree SSSSSS Am 5. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 185 men trage vor den Heiden und vor den Königen und vor den Kindern von Israel. Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muß um meines Namens willen. And Ananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, der dir erschienen ist auf dem Wege, da du her⸗ kamst, daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest. And alsobald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er ward wieder sehend und stand auf, ließ sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich. Saulus aber war eine Zeitlang bei den Jüngern zu Damaskus. And alsbald predigte er Christum in den Schulen, daß derselbe Gottes Sohn sei. Am 5. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 10, 38—42. Eꝰ begab sich aber, da sie wandelten, ging Jesus in einen Markt. Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus. And sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. And sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht darnach, daß mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie es auch angreife. Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe; eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. Epistel, Phil. 3,7—14. as mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Ja, ich achte es noch alles für Schaden gegen die überschwengliche Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet und achte es für Kot, auf daß ich Christum gewinne und in ihm erfunden werde, daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, son⸗ dern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, zu erkennen ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, daß ich seinem Tode ähnlich werde, damit ich entgegenkomme zur Auferstehung der Toten. Nicht, daß ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, 29199— 186 II. Jahrgang auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu er⸗ griffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht, daß ich's ergriffen habe. Eines aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, das da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Am 6. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 5, 19—29. Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selber tun, sondern was er sieht den Vater tun; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. Der Vater aber hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, also auch der Sohn macht lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn ge— geben, auf daß sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hin⸗ durchgedrungen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören; und die sie hören werden, die werden leben. Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, also hat er dem Sohne ge⸗ geben, das Leben zu haben in sich selber; und hat ihm Mücht gegeben, auch das Gericht zu halten, darum, daß er des Menschen Sohn ist. Verwundert euch des nicht. Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Ables getan haben, zur Auferstehung des Gerichts. Epistel, Eph. 2, 4-10. A Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebt hat, da wir tot waren in den Sünden, hat er uns samt Christo —— I Am 7. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 18/ lebendig gemacht(denn aus Gnade seid ihr selig ge⸗ worden) und hat uns samt ihm auferweckt und samt ihm in das himmlische Wesen gesetzt in Christo Jesu, auf daß er erzeigte in den zukünftigen Zeiten den überschweng⸗ lichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christo Jesu. Denn aus Gnade seid ihr selig ge⸗ worden durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen. Am 7. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 13, 10—17. Jan lehrte in einer Schule am Sabbat. And siehe, ein Weib war da, das hatte einen Geist der Krank⸗ heit achtzehn Jahre; und sie war krumm und konnte nicht wohl aufsehen. Da sie aber Jesus sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Weib, sei los von deiner Krankheit! And legte die Hände auf sie, und alsobald richtete sie sich auf und pries Gott. Da antwortete der Oberste der Schule und war unwillig, daß Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an ihnen kommt und laßt euch heilen, und nicht am Sabbattage. Da antwortete ihm der Herr und sprach: Du Heuchler! löst nicht ein jeglicher unter euch seinen Ochsen oder Esel von der Krippe am Sabbat und führt ihn zur Tränke? Sollte aber nicht gelöst werden am Sabbat diese, die doch Abrahams Tochter ist, von diesem Bande, welche Satanas gebunden hatte nun wohl achtzehn Jahre? And als er solches sagte, mußten sich schämen alle, die ihm zuwider gewesen waren; und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die von ihm geschahen. Epistel, Hebr. 12, 5—11. Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des 5 Herrn, und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst; denn welchen der Herr lieb hat, den züchtigt er; und er stäupt einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt.“ So ihr die Züchtigung erduldet, so erbietet sich euch Gott als Kindern; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Seid ihr aber ohne Züchtigung, welcher sie alle sind teilhaftig geworden, so seid ihr Bastarde und —xñ 188 II. Jahrgang nicht Kinder. And so wir haben unsre leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt und sie gescheut, sollten wir denn nicht viel mehr untertan sein dem Vater der Geister, daß wir leben? Denn jene haben uns gezüchtigt wenige Tage nach ihrem Dünken; dieser aber zu Nutz, auf daß wir se d Heiligung erlangen. Alle Züchtigung aber, wenn ie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind. Am 8. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 19, 16—26. Yd siehe, einer trat zu Jesu und sprach: Guter Meister, was soll ich Gutes tun, daß ich das ewige Leben möge haben? Er aber sprach zu ihm; Was heißest du mich gut? Niemand ist gut denn der einige Gott. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote. Da sprach er zu ihm: Welche? ZJesus aber sprach: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; ehre Vater und Mutter; und: du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf; was fehlt mir noch? Fesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach. Da der Jüngling das Wort hörte, ging er detrübt von ihm; denn er hatte viele Güter. Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen. And weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. Da das seine Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Ja, wer kann denn selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Men⸗ schen ist's unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Epistel, 1. Tim. 6, 6—10. Es ist aber ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässet sich genügen. Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider ha⸗ ben, so lasset uns genügen. Denn die da reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stricke und viel törichte und Am 9. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 189 schädliche Lüste, welche versenken die Menschen in Ver⸗ derben und Verdammnis. Denn Geiz ist eine Wurzel alles Abels; des hat etliche gelüstet und sind vom Glauben irre gegangen und machen sich selbst viel Schmerzen. Am 9. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 16, 24—28. De sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden. Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse? Denn es wird geschehen, daß des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln; und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken. Wahrlich, ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich. Epistel, Apostelgesch. 17, 22—31. aulus stand mitten auf dem Gerichtsplatz und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, daß ihr in allen Stücken gar sehr die Götter fürchtet. Ich bin herdurchgegangen und habe gesehen eure Gottesdienste und fand einen Altar, darauf war geschrieben: Dem un⸗ bekannten Gott. Nun verkündige ich euch denselben, dem ihr unwissend Gottesdienst tut. Gott, der die Welt ge⸗ macht hat und alles, was darinnen ist, er, der ein Herr ist HDimmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln mit Händen gemacht; sein wird auch nicht von Menschen⸗ händen gepflegt, als der jemandes bedürfe, 1 er selber jedermann Leben und Odem allenthalben gibt. And er hat gemacht, daß von einem Blut aller Menschen Ge⸗ schlechter auf dem ganzen Erdboden wohnen, und hat Ziel gesetzt und vorgesehen, wie lange und wie weit sie doch ih sollen, daß sie den Herrn suͤchen sollten, ob sie doch ihn fühlen und finden möchten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch etliche Poeten bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. So 2 19⁰ II. Jahrgang wir denn göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Ge⸗ danken gemacht. And zwar hat Gott die Zeit der An⸗ wissenheit übersehen; nun aber gebietet er allen Menschen an allen Enden, Buße zu tun, darum, daß er einen Tag gesetzt hat, an welchem er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit durch einen Mann, in wel⸗ chem er's beschlossen hat, und jedermann vorhält den Glauben, nachdem er ihn hat von den Toten auferweckt. Am 10. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 19, 1—10. IRa zog hinein und ging durch Jericho. And siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster der Zöllner und war reich. And er begehrte Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk; denn er war klein von Person. And er lief vor⸗ aus und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn sähe; denn allda sollte er durchkommen. And als Jesus kam an die Stätte, sah er auf und ward sein gewahr und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend hernieder; denn ich muß heute in deinem Hause einkehren. And er stieg eilend hernieder und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murrten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrte. Zachäus aber trat dar und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, sintemal er auch Abra⸗ hams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist gekom⸗ men, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist. Epistel, 1. Tim. 1, 12—17. ch danke unserm Herrn Christo Jesu, der mich stark gemacht und treu geachtet hat und gesetzt in das Amt, der ich zuvor war ein Lästerer und ein Verfolger und ein Schmäher; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan im Anglauben. Es ist aber desto reicher gewesen die Gnade unsers Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Zesu ist. Das ist ge⸗ wißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, un⸗ ter welchen ich der vornehmste bin. Aber darum ist mir SS E. 0 0 — „E= 5 Am 12. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 191 Barmherzigkeit widerfahren, auf daß an mir vornehmlich ZJesus Christus erzeigte alle Geduld, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen König, dem Anvergänglichen und Ansichtbaren und allein Weisen, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen. Am 11. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Mark. 12, 41—44. Jas setzte sich gegen den Gotteskasten und schaute, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten; und viele Reiche legten viel ein. And es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; die machen einen Heller. And er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt denn alle, die eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Aberfluß eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut alles, was sie hatte, ihre ganze Nahrung, eingelegt. Epistel, Jak. 2, 13—17. Ed wird ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; und die Barm⸗ herzigkeit rühmt sich wider das Gericht. Was hilft's, liebe Brüder, so jemand sagt, er habe den Glauben, und hat doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn selig machen? So aber ein Bruder oder eine Schwester bloß wäre und Mangel hätte der täglichen Nahrung, und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berate euch, wärmet euch und sättiget euch! ihr gäbet ihnen aber nicht, was des Leibes Notdurft ist: was hülfe ihnen das? Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selber. Am 12. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 8, 31—36. Isir sprach zu den Juden, die an ihn glaubten: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Fünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Da antworte⸗ ten sie ihm: Wir sind Abrahams Samen, sind niemals jemandes Knechte gewesen; wie sprichst du denn: Ihr sollt frei werden? Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Der Knecht aber bleibt nicht ewiglich im Hause; der Sohn bleibt ewiglich. So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. ùιεͤj 19² II. Jahrgang Epistel, Nöm. 7, 18 bis 8, 4. J weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleisch, wohnt nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber voll⸗ bringen das Gute finde ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. So ich aber tue, was ich nicht will, so tue ich dasselbe nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnt. So finde ich mir nun ein Gesetz, der ich will das Gute tun, daß mir das Böse anhangt. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Ich danke Gott durch Je⸗ sum Christum, unsern Herrn. So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde. So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war(sintemal es durch das Fleisch geschwächt ward), das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und der Sünde halben und verdammte die Sünde im Fleisch, auf daß die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch wan⸗ deln, sondern nach dem Geist. Am 13. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 6, 20—31. I e hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Selig seid ihr, die ihr hier hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr hier weinet; denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, so euch die Men⸗ schen hassen und euch absondern und schelten euch und verwerfen euren Namen als einen bösen um des Men⸗ schensohns willen. Freuet euch alsdann und hüpfet; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Desgleichen taten ihre Väter den Propheten auch. Aber dagegen weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost dahin. Weh euch, die ihr voll seid! denn euch wird hungern. Weh euch, ——. Am 14. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 193 die ihr hier lachet! denn ihr werdet weinen und heulen. Weh euch, wenn euch jedermann wohl redet! Desgleichen taten ihre Väter den falschen Propheten auch. Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebet eure Feinde; tut denen wohl, die euch hassen; segnet die, so euch verfluchen; bittet für die, so euch beleidigen. And wer dich schlägt auf einen Backen, dem biete den andern auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem wehre nicht auch den Rock. Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, da fordere es nicht wieder. And wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, also tut ihnen gleich auch ihr. Epistel, Phil. 2, 1—11. Is⸗ nun bei euch Ermahnung in Christo, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so erfüllet meine Freude, daß ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einhellig seid; nichts tut durch Zank oder eitle Ehre, sondern durch Demut achte einer den andern höher denn sich selbst; und ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was des andern ist. Ein jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war, welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er's nicht für einen Raub, Gott gleich sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden; er erniebrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott er⸗ höht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters. Am 14. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 13, 44—50. Aun ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und ver⸗ barg ihn und ging hin vor Freuden über denselben und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Abermals ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte; und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. Abermals ist gleich das Himmelreich einem 19⁴ II. Jahrgang Netz, das ins Meer geworfen ist, womit man allerlei Gattung fängt. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Afer, sitzen und lesen die guten in ein Gefäß zusammen; aber die faulen werfen sie weg. Also wird es auch am Ende der Welt gehen. Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappen sein. Epistel, 2. Petri 1, 2—11. Gel gebe euch viel Gnade und Frieden durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unsers Herrn! Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, uns geschenkt ist durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch seine Herr⸗ lichkeit und Tugend, durch welche uns die teuren und allergrößesten Verheißungen geschenkt sind, nämlich daß ihr dadurch teilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr fliehet die vergängliche Lust der Welt: so wendet allen euren Fleiß daran und reichet dar in eurem Glau⸗ ben Tugend und in der Tugend Erkenntnis und in der Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Gottseligkeit und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe allgemeine Liebe. Denn wo solches reichlich bei euch ist, wird es euch nicht faul noch unfruchtbar sein lassen in der Er⸗ kenntnis unsers Herrn Jesu Christi. Wer aber solches nicht hat, der ist blind und tappt mit der Hand und vergißt der Reinigung seiner vorigen Sünden. Darum, liebe Brüder, tut desto mehr Fleiß, eure Berufung und Erwählung fest zu machen; denn wo ihr solches tut, werdet ihr nicht straucheln, und also wird euch reichlich dar⸗ gereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. Am 15. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 12, 13—21. s sprach einer aus dem Voll zu Jesu: Meister, sage meinem Bruder, daß er mit mir das Erbe teile. Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschichter über euch gesetzt? And er sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Geiz; denn niemand lebt davon, daß er viele Güter hat. Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Am 16. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 195 Mensch, des Feld hatte wohl getragen. And er gedachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nicht, da ich meine Früchte hinsammle. And sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will drein sammeln alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter; und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut. Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern, und wes wird es sein, das du bereitet hast? Also geht es, wer sich Schätze sammelt und ist nicht reich in Gott. Epistel, 1. Joh. 2, 12—17. Li Kindlein, ich schreibe euch; denn die Sünden sind euch vergeben durch seinen Namen. Ich schreibe euch Vätern; denn ihr kennet den, der von Anfang ist. Ich schreibe euch Jünglingen; denn ihr habt den Böse⸗ wicht überwunden. Ich habe euch Kindern geschrieben; denn ihr kennet den Vater. Ich habe euch Vätern ge⸗ schrieben; denn ihr kennet den, der von Anfang ist. Ich habe euch Jünglingen geschrieben; denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt bei euch, und ihr habt den Bösewicht überwunden. Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. And die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. Am 16. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 15, 1—11. J bin der rechte Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jegliche Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jegliche, die da Frucht bringt, wird er reinigen, daß sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibet in mir, und ich in euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von sich selber, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne mich 196 II. Jahrgang könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weg⸗ geworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und müssen brennen. So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater geehrt, daß ihr viel Frucht bringet und werdet meine Jünger. Gleichwie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe. So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleich⸗ wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in feiner Liebe. Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. Epistel, 1. Joh. 2, 28 bis 3, 8. NYid nun, Kindlein, bleibet bei ihm, auf daß, wenn er offenbart wird, wir Freudigkeit haben und nicht zu Schanden werden vor ihm bei seiner Zukunft. So ihr wisset, daß er gerecht ist, so erkennet auch, daß, wer recht tut, der ist von ihm geboren. Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen! Darum kennt euch die Welt nicht; denn sie kennt ihn nicht. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. And ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt sich, gleichwie er auch rein ist. Wer Sünde tut, der tut auch Anrecht; und die Sünde ist das Anrecht. And ihr wisset, daß er ist erschienen, auf daß er unsre Sünden wegnehme, und es ist keine Sünde in ihm. Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer da sündigt, der hat ihn nicht gesehen noch erkannt. Kindlein, lasset euch nie⸗ mand verführen. Wer recht tut, der ist gerecht, gleichwie er gerecht ist. Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre. Am 17. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 9, 1—7. esus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. And seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gefündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern daß Am 18. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 197/ die Werke Gottes offenbar würden an ihm. Ich muß wirken die Werke des, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Oieweil ich bin in der Welt, bin ich das Licht der Welt. Da er solches gesagt, spützte er auf die Erde und machte einen Kot aus dem Speichel und schmierte den Kot auf des Blinden Augen und sprach zu ihm: Gehe hin zu dem Teich Siloah(das ist verdolmetscht: gesandt) und wasche dich. Da ging er hin und wusch sich und kam sehend. Epistel, Hebr. 4, 9—13. D ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. Denn wer zu seiner Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken, gleichwie Gott von seinen. So lasset uns nun Fleiß tun, einzukommen zu dieser Ruhe, auf daß nicht jemand falle in dasselbe Beispiel des Anglaubens. Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. And keine Kreatur ist vor ihm unsichtbar, es ist aber alles bloß und ent⸗ deckt vor seinen Augen. Von dem reden wir. Am 18. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 9, 24—41. Da riefen sie zum andernmal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete und sprach: Ist er ein Sünder, das weiß ich nicht; eines weiß ich wohl, daß ich blind war und bin nun I. Da sprachen sie wieder zu ihm: Was tat er dir? Wie tat er deine Augen auf? Er ant⸗ wortete ihnen: Ich habe es euch jetzt gesagt; habt ihr's nicht gehört? Was wollt ihr's abermals hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden? Da schalten sie ihn und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind des Moses Jünger. Wir wissen, daß Gott mit Moses geredet hat; von wannen aber dieser ist, wissen wir nicht. Ser Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Das ist ein wunderlich Ding, daß ihr nicht wisset, von wannen er sei; und er hat meine Augen aufgetan. Wir wissen aber, daß Gott die Sünder nicht hört; sondern so jemand gottesfürchtig ist und tut seinen Willen, den 19 II. Jahrgang hört er. Von der Welt an ist's nicht erhört, daß jemand einem geborenen Blinden die Augen aufgetan habe. Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren und lehrst uns? And stießen ihn hinaus. Es kam vor Jesum, daß sie ihn ausgestoßen hatten. And da er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubst du an den Sohn Gottes? Er antwortete und sprach: Herr, welcher ist's, auf daß ich an ihn glaube? Zesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist's. Er aber sprach: Herr, ich glaube; und betete ihn an. And Jesus sprach: Ich bin zum Gericht auf diese Welt gekommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden. And lolches hörten etliche der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind wir denn auch blind? Jesus sprach zu ihnen: Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber sprecht: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde. Epistel, 1. Joh. 4,7—12. hr Lieben, lasset uns untereinander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht lieb hat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, daß Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen. Darin steht die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. Ihr Lieben, hat uns Gott also geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist völlig in uns. Am 19. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 7, 36—50. E bat aber Jesum der Pharisäer einer, daß er mit ihm äße. And er ging hinein in des Pharisäers Haus und setzte sich zu Tisch. And siehe, ein Weib war in der Stadt, die war eine Sünderin. Da die vernahm, daß er zu Tisch saß in des Pharisäers Hause, brachte sie ein Glas mit Salbe und trat hinten zu seinen Füßen und weinte und fing an seine Füße zu netzen mit Tränen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen und Am 19. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 199 nand küßte seine Füße und salbte sie mit Salbe. Da aber abe. das der Pharisäer sah, der ihn geladen hatte, sprach er Sie bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Drodrt wäre, in so wüßte er, wer und welch ein Weib das ist, die ihn ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. Jesus antwortete oßen und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. mübst Er aber sprach: Meister, sage an. Es hatte ein Gläubiger ach: zwei Schuldner. Einer war schuldig fünfhundert Groschen, esus der andere fünfzig. Da sie aber nicht hatten zu bezahlen, dir schenkte er's beiden. age an, welcher unter denen und wird ihn am meisten lieben? Simon antwortete und richt sprach: Ich achte, dem er am meisten geschenkt hat. Er hen, aber sprach zu ihm: Du hast recht gerichtet. And er And wandte sich zu dem Weibe und sprach zu Simon: Siehest und du dies Weib? Ich bin gekommen in dein Haus; du rach hast mir nicht Wasser gegeben zu meinen Füßen; diese nde; aber hat meine Füße mit Tränen genetzt und mit den nde. Haaren ihres Hauptes getrocknet. Du hast mir keinen Kuß gegeben; diese aber, nachdem sie hereingekommen ist, hat sie nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du List hast mein Haupt nicht mit Ol gesalbt; sie aber hat meine hat Füße mit Salbe gesalbt. Derhalben sage ich dir: Ihr ist sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebt; nen welchem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. wir And er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. daß Da fingen an, die mit zu Tische saßen, und sprachen bei hat sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? isre Er aber sprach zu dem Weibe: Dein Glaube hat dir so geholfen; gehe hin mit Frieden. hat Epistel, Jak. 3, 13—18. n8 Wer ist weise und klug unter euch? Der erzeige mit seinem guten Wandel seine Werke in der Sanft⸗ st mut und Weisheit. Habt ihr aber bittern Neid und Zank in eurem Herzen, so rühmet euch nicht und lüget nicht wider die Wahrheit. Das ist nicht die Weisheit, mit die von oben herab kommt, sondern irdisch, menschlich ers und teuflisch. Denn wo Neid und Zank ist, da ist An⸗ var ordnung und eitel böses Ding. Die Weisheit aber von m,/ oben her ist aufs erste keusch, darnach friedsam, Kelinde, hte läßt sich sagen, voll Barmherzigkeit und guter der Ge⸗ zen unparteiisch, ohne Heuchelei. Die Frucht aber der Ge⸗ nd tigkeit wird gesäet im Frieden denen, die den Frieden n alten. 200 II. Jahrgang Am 20. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 18, 1—8. Iieeit sagte ihnen ein Gleichnis davon, daß man alle⸗ zeit beten und nicht laß werden solle, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Witwe in dieser Stadt, die kam zu ihm und sprach: Rette mich von meinem Widersacher! And er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bei sich selbst: Ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, dieweil aber mir diese Witwe so viel Mühe macht, will ich sie retten, auf daß sie nicht zuletzt komme und betäube mich. Da sprach der Herr: Höret hier, was der ungerechte Richter sagt. Sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's mit ihnen verziehen? Ich sage euch: Er wird sie erretten in einer Kürze. Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinst du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden? Epistel, 1. Tim. 2, 1—6. So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zu⸗ erst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unsrem Heiland, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, daß solches zu seiner Zeit gepredigt würde. Am 21. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 11, 32—45. Als nun Maria kam, da Jesus war, und sah ihn, fiel sie zu seinen Füßen und sprach zu ihm: Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Als Jesus sie sah weinen und die Juden auch weinen, die mit ihr kamen, ergrimmte er im Geist und betrübte sich selbst und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprachen zu ihm: Herr, komm und sieh es. And Jesu gingen die Augen über. Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn so lieb gehabt! Etliche aber unter ihnen — EEEEAAEEE Am 21. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 201 sprachen: Konnte, der dem Blinden die Augen aufgetan hat, nicht verschaffen, daß auch dieser nicht stürbe? Da ergrimmte Jesus abermals in sich selbst und kam zum Grabe. Es war aber eine Kluft und ein Stein darauf⸗ gelegt. Jesus sprach: Hebt den Stein ab! Spricht zu ihm Martha, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn er ist vier Tage gelegen. Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen? Da hoben sie den Stein ab, da der Verstorbene lag. Jesus aber hob seine Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. Doch ich weiß, daß du mich allezeit hörst; aber um des Volks willen, das umher steht, sage ich's, daß sie glauben, du habest mich gesandt. Da er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! And der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen und sein Angesicht verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löset ihn auf und lasset ihn gehen. Viele nun der Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn. Epistel, 1. Kor. 15, 35—50. Mochte aber jemand sagen: Wie werden die Toten auferstehen, und mit welcherlei Leibe werden sie kommen? Du Narr, was du säest, wird nicht lebendig, es sterbe denn. And was du säest, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, etwa Weizen oder der andern eines. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, und einem jeglichen von den Samen seinen eigenen Leib. Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, sondern ein anderes Fleisch ist der Menschen, ein anderes des Viehs, ein anderes der Fische, ein anderes der Vögel. And es sind himmlische Körper und irdische Körper. Aber eine andere Herrlichkeit haben die himm⸗ lischen und eine andere die irdischen. Eine andere Klar⸗ heit hat die Sonne, eine andere Klarheit hat der Mond, eine andere Klarheit haben die Sterne: denn ein Stern übertrifft den andern an Klarheit. Also auch die Auf⸗ erstehung der Toten. Es wird gesäet verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesäet in Anehre und wird auferstehen in Herrlichteit. Es wird gesäet in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen 20² II. Jahrgang ein geistlicher Leib. Ist ein natürlicher Leib, so ist auch ein geistlicher Leib. Wie es geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam,„ward zu einer lebendigen Seele“, und der letzte Adam zum Geist, der da lebendig macht. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der andere Mensch ist der Herr vom Himmel. Welcherlei der irdische ist, solcherlei sind auch die irdischen; und welcherlei der himmlische ist, solcherlei sind auch die himmlischen. And wie wir getragen haben das Bild des irdischen, also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben das Anverwesliche. Am 22. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 2, 23—33. Aꝛ dem Tage traten zu Jesu die Saddueäer, die da halten, es sei kein Auferstehen, und fragten ihn und sprachen: Meister, Moses hat gesagt: So einer stirbt und hat nicht Kinder, so soll sein Bruder sein Weib freien und seinem Bruder Samen erwecken. Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste freite und starb; und dieweil er nicht Samen hatte, ließ er sein Weib seinem Bruder; desgleichen der andere und der dritte bis an den siebenten. Zuletzt nach allen starb auch das Weib. Nun in der Auferstehung, wes Weib wird sie sein unter den sieben? Sie haben sie ja alle gehabt. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irret und wisset die Schrift nicht noch die Kraft Gottes. In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien lassen, sondern sie sind gleichwie die Engel Gottes im Himmel. Habt ihr aber nicht gelesen von der Toten Auferstehung, was euch gesagt ist von Gott, der da spricht:„Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“? Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen. And da solches das Volk hörte, entsetzten sie sich über seine Lehre. Epistel, 2. Kor. 4, 11—18. ir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen, auf daß auch das Le⸗ ben Jesu offenbar werde an unsrem sterblichen Fleische. Am 23. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 203 Darum ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch. Dieweil wir aber denselben Geist des Glau⸗ bens haben, nach dem, das geschrieben steht:„Ich glaube, darum rede ich“, so glauben wir auch, darum so reden wir auch und wissen, daß der, so den Herrn Jesum hat auferweckt, wird uns auch auferwecken durch Jesum und wird uns darstellen samt euch. Denn es geschieht alles um euretwillen, auf daß die überschwengliche Gnade durch vieler Danksagen Gott reichlich preise. Darum werden wir nicht müde; sondern ob unser äußerlicher Mensch verdirbt, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wich⸗ tige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sicht⸗ bare, sondern auf das Ansichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Am 23. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 14, 16—24. Es war ein Mensch, der machte ein großes Abend⸗ mahl und lud viele dazu. And sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Ge⸗ ladenen: Kommt, denn es ist alles bereit! And sie fingen an alle nacheinander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. And der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. And der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. And der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. And der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du be⸗ fohlen hast; es ist aber noch Raum da. And der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. 204 II. Jahrgang Epistel, Offenb. 21, 1—8. J— sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. And ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann. And hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen; und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. And der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. And er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß. And er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Wer über⸗ windet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Der Verzagten aber und Angläubigen und Greulichen und Totschläger und Hurer und Zauberer und Abgöttischen und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der andere Tod. Am 24. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 16, 5—12. Da die Jünger Jesu waren hinübergefahren, hatten sie vergessen, Brot mit sich zu nehmen. Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadducäer. Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird es sein, daß wir nicht haben Brot mit uns genommen. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, daß ihr nicht habt Brot mit euch genommen? Vernehmt ihr noch nichts? Ge— denkt ihr nicht an die fünf Brote unter die fünftausend und wie viel Körbe ihr da aufhobt? Auch nicht an die sieben Brote unter die viertausend und wie viel Körbe ihr da aufhobt? Wie versteht ihr denn nicht, daß i euch nicht sage vom Brot, wenn ich sage: Hütet euch Am 25. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 205 vor dem Sauerteig der Pharisäer und Saddueäer? Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß sie sich hüten sollten vor dem Sauerteig des Brots, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadducäer. Epistel, Hebr. 11, 1—10. E ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und nicht zweifeln an dem, das man nicht sieht. Durch den haben die Alten Zeugnis über⸗ kommen. Durch den Glauben merken wir, daß die Welt durch Gottes Wort fertig ist, daß alles, was man sieht, aus nichts geworden ist. Durch den Glauben hat Abel Gott ein größeres Opfer getan denn Kain; durch welchen er Zeugnis überkommen hat, daß er gerecht sei, da Gott zeugte von seiner Gabe; und durch denselben redet er noch, wiewohl er gestorben ist. Durch den Glauben ward Henoch weggenommen, daß er den Tod nicht sähe, und ward nicht gefunden, darum, daß ihn Gott wegnahm; denn vor seinem Wegnehmen hat er Zeugnis gehabt, daß er Gott gefallen habe. Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde. Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche zubereitet zum Heil seines Hauses, da er ein göttliches Wort emp⸗ fing über das, was man noch nicht sah; und verdammte durch denselben die Welt und hat ererbt die Gerechtig⸗ keit, die durch den Glauben kommt. Durch den Glauben ward gehorsam Abraham, da er berufen ward auszu⸗ gehen in das Land, das er ererben sollte; und ging aus und wußte nicht, wo er hin käme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande als in einem fremden und wohnte in Hütten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung; denn er wartete auf eine Stadt, die einen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Am 25. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 21,33—43. E war ein Hausvater, der pflanzte einen Weinberg und führte einen Zaun darum und grub eine Kelter darin und baute einen Turm und tat ihn den Wein⸗ gärtnern aus und zog über Land. Da nun herbeikam die Zeit der Früchte, sandte er seine Knechte zu den 206 II. Jahrgang Weingärtnern, daß sie seine Früchte empfingen. Da nahmen die Weingärtner seine Knechte; einen stäupten sie, den andern töteten sie, den dritten steinigten sie. Abermals sandte er andere Knechte, mehr denn der ersten waren; und sie taten ihnen gleich also. Darnach sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbgut an uns bringen! And sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird, was wird er diesen Weingärtnern tun? Sie sprachen zu ihm: Er wird die Bösewichte übel umbringen und seinen Wein⸗ berg andern Weingärtnern austun, die ihm die Früchte zu rechter Zeit geben. Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift:„Der Stein, den die Bau⸗ leute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Von dem Herrn ist das geschehen, und es ist wunder⸗ barlich vor unsern Augen“? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volke gegeben werden, das seine Früchte bringt. Epistel, Jak. 4, 4-10. Wiseet ihr nicht, daß der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. Oder lasset ihr euch dünken, die Schrift sage umsonst: Der Geist, der in euch wohnt, begehrt und eifert? er gibt aber desto reichlicher Gnade. Darum sagt sie:„Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ So seid nun Gott untertänig; widerstehet dem Teufel, so flieht er von euch. Nahet euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reiniget die Hände, ihr Sünder, und machet eure Herzen keusch, ihr Wankelmütigen. Seid elend und traget Leid und weinet; euer Lachen verkehre sich in Weinen und eure Freude in Traurigkeit. Demütiget euch vor Gott, so wird er euch erhöhen. Am 26. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 25, 14—30. Ein Mensch, der über Land zog, rief seine Knechte — und tat ihnen seine Güter aus; und einem gab er fünf Zentner, dem andern zwei, dem dritten einen, Am 25. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 20/ einem jeden nach seinem Vermögen, und zog bald hin⸗ weg. Da ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann andere fünf Zentner. Desgleichen der zwei Zentner empfangen hatte, gewann auch zwei andere. Der aber einen empfangen hatte, ging hin und machte eine Grube in die Erde und verbarg seines Herrn Geld. Aber eine lange Zeit kam der Herr dieser Knechte und hielt Rechenschaft mit ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte andere fünf Zentner dar und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner ausgetan; siehe da, ich habe damit andere fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu Wer Ei, du frommer und ge⸗ treuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen gehe ein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner aus⸗ getan; siehe da, ich habe mit ihnen zwei andere ge⸗ wonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu ge⸗ wesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wußte, daß du ein harter Mann bist; du schneidest, wo du nicht gesäet hast, und sammelst, da du nicht gestreuet hast; und fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in die Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber ant⸗ wortete und sprach zu ihm: Du Schalk und fauler Knecht! Wußtest du, daß ich schneide, da ich nicht gesäet habe, und sammle, da ich nicht gestreuet habe, so solltest du mein Geld zu den Wechslern getan haben, und wenn ich gekom⸗ men wäre, hätte ich das Meine zu mir genommen mit Zinsen. Darum nehmt von er den Zentner und gebt es dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. And den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zä neklappen. Epistel, Hebr. 12, 18—24. hr seid nicht gekommen zu dem Berg, den man anrüh⸗ ren konnte und der mit Feuer brannte, noch zu dem Sunkel und Finsternis und Angewitter noch zu dem Hall der Posaune und zur Stimme der Worte, welcher sich 1 208 II. Jahrgang weigerten, die sie hörten, daß ihnen das Wort ja nicht gesagt würde; denn sie mochten's nicht ertragen, was da gesagt ward:„And wenn ein Tier den Berg an⸗ rührt, soll es gesteinigt oder mit einem Geschoß erschossen werden“; und also erschrecklich war das Gesicht, daß Moses sprach: Ich bin erschrocken und zittere. Sondern ihr seid gekommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel und zu der Ge— meinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler des neuen Testaments, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das da besfer redet denn Abels. Am 27. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Mark. 13, 33—37. Sebet zu, wachet und betet; denn ihr wisset nicht, wann es Zeit ist. Gleich als ein Mensch, der ber Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Macht, ei⸗ nem jeglichen sein Werk, und gebot dem Türhüter, er sollte wachen. So wachet nun; denn ihr wisset nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob er kommt am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder des Morgens; auf daß er nicht schnell komme und finde euch schlafend. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet! Epistel, 1. Thess. 5, 14—24. Wids ermahnen euch, liebe Brüder, vermahnet die Angezogenen, tröstet die Kleinmütigen, traget die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Sehet zu, daß keiner Böses mit Bösem jemand vergelte, sondern allezeit jaget dem Guten nach, untereinander und gegen jedermann. Seid allezeit fröhlich, betet ohne Anterlaß, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch. Den Geist dämpfet nicht, die Weissagung verachtet nicht; prüfet aber alles, und das Gute behaltet. Meidet allen bösen Schein. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Getreu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun. Sonn⸗ und festtägliche Evangelien und Episteln Dritter Jahrgang. Am 1. Advent I. A. Evangelium, Matth. 21, 1—9. Da sie nun nahe an Jerusalem kamen, gen Bethphage, an den Olberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden ange⸗ bunden und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. And so euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: „Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.“ Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg, die andern hieben Zweige von den Bäu⸗ men und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhel B. Prophetische Lektion, Jes. 40, 1—8. Fröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott; redet mit Zerusalem freundlich, und prediget ihr, daß ihre Ritter⸗ schaft ein Ende hat, denn ihre Missetat ist vergeben; denn sie hat Zwiefältiges empfangen von der Hand des Herrn um alle ihre Sünden. Es ist eine Stimme eines Pre⸗ digers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unsrem Gott! Alle Tale sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen geniedrigt werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlicht werden. Denn 21⁰ III. Jahrgang die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen. Denn des Herrn Mund hat's geredet. Es spricht eine Stimme: Predige! And er sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herrn Geist bläset drein. a, das Volk ist das Gras. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; aber das Wort unsers Gottes bleibt ewiglich. II. Epistel, Offenb. 1, 4—8. Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Stuhl, und von Jesu Christo, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborene von den Toten und der Fürst der Könige auf Erden. Der uns geliebt hat und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut und hat uns zu Königen und riestern ge⸗ macht vor Gott und seinem Vater, demselben sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und die ihn zerstochen haben; und werden heulen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ends, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. Am 2. Advent Evangelium, Matth. 24, 1—14. r ging hinweg von dem Tempel, und seine Jünger traten zu ihm, daß sie ihm zeigten des Tempels Ge⸗ bäude. Jesus aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern hleiben, der nicht zerbrochen werde. And als er auf dem Olberg saß, traten zu ihm seine Jünger besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das geschehen? And welches wird das Zeichen sein deiner Zukunft und des Endes der Welt? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin Christus, und werden viele verführen. Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen; sehet zu und erschrecket nicht. Das muß zum ersten alles geschehen, aber es ist noch nicht das Ende da. rrreernnet Am 3. Advent 2¹¹ Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das andere, und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder. Da wird sich allererst die Not anheben. Alsdann wer⸗ den sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. And ihr müßt gehasset werden um meines Na⸗ mens willen von allen Völkern. Dann werden sich viele ärgern und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. And es werden sich viel falsche Propheten erheben und werden viele verführen. And die⸗ weil die Angerechtigkeit wird überhandnehmen, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig. And es wird gepredigt werden das Evan⸗ gelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker, und dann wird das Ende kommen. Epistel, Nöm. 2, 11—16. Ed ist kein Ansehen der Person vor Gott. Welche ohne Gesetz gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz verloren werden; und welche unter dem Gesetz gesündigt haben, die werden durch's Gesetz verurteilt werden; sinte⸗ mal vor Gott nicht, die das Gesetz hören, gerecht sind, sondern die das Gesetz tun, werden gerecht sein. Denn so die Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun des Gesetzes Werk, sind dieselben, dieweil sie das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz, als die da beweisen, des Gesetzes Werk sei geschrieben in ihrem Herzen, sintemal ihr Gewissen ihnen zeuget, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder entschuldigen, auf den Tag, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesum Christum richten wird laut meines Evangeliums. Am 3. Advent Evangelium, Luk. 1, 57—80. Elllapeth kam ihre Zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. And ihre Nachbarn und Ge⸗ freundten hörten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr. And es begab sich am achten Tage, da kamen sie, zu beschneiden das Kindlein, und hießen ihn nach seinem Vater Zacharias. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. And sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. And sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte 2¹² III. Jahrgang heißen lassen. And er forderte ein Täfelein und schrieb also: Er heißt Johannes. And sie verwunderten sich alle. And alsbald ward sein Mund und seine Zunge aufgetan, und er redete und lobte Gott. And es kam eine Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte ward ruchbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. And alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen: Was, meinst du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. And sein Vater Zacha⸗ rias ward des heiligen Geistes voll, weissagte und sprach: Gelobet sei der Herr, der Gott Israels; denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners David, wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, daß er uns errettete von unsern Feinden und von der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigete unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er ge⸗ schworen hat unsrem Vater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtig⸗ keit, die ihm gefällig ist. And du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen; du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk, das da ist in Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsre Füße auf den Weg des Friedens. And das Kindlein wuchs und ward stark im Geist; und er war in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volk Israel. Epistel, Röm. 3, 10—21. Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer; da ist 1 nicht, der verständig sei; da ist nicht, der nach Gott frage; sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig eworden; da ist nicht, der Gutes tue; auch nicht einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen han⸗ deln sie trüglich. Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit; ihre Füße sind eilend, Blut zu vergießen; in ihren Wegen ist eitel Schaden und Herzeleid, und den Weg des Friedens wissen sie nicht. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren XVIX —————5 E4 Am 4. Advent 2¹³ Augen.“ Wir wissen aber, daß was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, auf daß aller Mund verstopft werde und alle elt Gott schuldig sei; darum daß kein Fleisch durch des Gesetzes Werke vor ihm gerecht sein mag; denn durch das Gesetz kommt Er⸗ kenntnis der Sünde. Nun aber ist ohne Zutun des Ge⸗ setzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart und bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Am 4. Advent Evangelium, Matth. 3, 1—6. u der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste des jüdischen Landes und sprach: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. And er ist der, von dem der Prophet Jesajas gesagt hat und gesprochen:„Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und maͤchet richtig seine Steige.“ Er aber, Johannes, hatte ein Kleid von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wilder Honig. Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan; und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden. Epistel, Hebr. 12, 12—15. Dund richtet wieder auf die lässigen Hände und die müden Kniee und tut gewisse Tritte mit euren Fü⸗ ßen, daß nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde. Jaget nach dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen, und sehet darauf, daß nicht jemand äume; daß nicht etwa eine bittere Wur⸗ Gottes Gnade vers zel aufwachse und Anfrieden anrichte und viele durch die⸗ selbe verunreinigt werden. Am Christfest Evangelium, Luk. 2, 1—14. aß ein Gebot von Eꝰ begab sich aber zu der Zeit, d dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt ge⸗ schätzt würde. And diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. And jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa aus der Stadt Nazareth in 2¹⁴ III. Jahrgang das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethle⸗ hem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Da⸗ vids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, sei⸗ nem vertrauten Weibe, die war schwanger. And als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. And sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. And es waren Hirten in der⸗ selben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüte⸗ ten des Nachts ihre Herde. And siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. And der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. And das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln ge⸗ wickelt und in einer Krippe liegen. And alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen! Epistel, Röm. 8, 28—32. Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten dem Eben⸗ bilde seines Sohnes, auf daß derselbe der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott fuͤr uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Am zweiten Christfeiertag(Stephanustag) a) Als 2. Weihnachtstag. Morgenlektion, Jesaja 11, 1—5. Es wird eine Rute aufgehen von dem Stamm Isai's und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen, auf welchem wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats Am zweiten Christfeiertag(Stephanustag) 215 und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. And Wohlgeruch wird ihm sein die Furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nach dem seine Augen sehen, noch Arteil sprechen, nach dem seine Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und recht Arteil sprechen den Elenden im Lande und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. Ge⸗ rechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein, und der Glaube der Gurt seiner Hüften. Epistel, Hebr. 1, 1—6. . vorzeiten Gott manchmal und mancherleiweise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben über alles, durch welchen er auch die Welt gemacht hat; welcher, sintemal er ist der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat gemacht die Reinigung unsrer Sünden durch sich selbst, hat er sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der Höhe und ist so viel besser geworden denn die Engel, soviel höher der Name ist, den er vor ihnen ererbt hat. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget“? und abermals:„Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein“? und abermals, da er einführt den Erstgebore⸗ nen in die Welt, spricht er:„Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.“ b) Als Stephanustag. Evangelium, Matth. 10, 34—39. Isi. sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frie⸗ den zu senden, sondern das Schwert. Denn ich bin ge⸗ kommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater und die Tochter wider ihre Mutter und die Schwieger⸗ tochter wider ihre Schwiegermutter. And des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert. And wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's—0— 2¹ III. Jahrgang Epistel, Phil. 1, 27—30. Wois nur würdig dem Evangelium Christi, auf daß, ob ich komme und sehe euch oder abwesend von euch höre, ihr stehet in einem Geist und einer Seele und samt uns kämpfet für den Glauben des Evangeliums und euch in keinem Weg erschrecken lasset von den Wider⸗ sachern, welches ist ein Anzeichen, ihnen der Verdamm⸗ nis, euch aber der Seligkeit, und das von Gott. Denn euch ist gegeben um Christi willen zu tun, daß ihr nicht allein an ihn glaubet, sondern auch um seinetwillen leidet, und habet denselben Kampf, welchen ihr an mir gesehen habt und nun von mir höret. Am Sonntag nach dem Christfest Evangelium, Luk. 2, 22—40. A da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Moses kamen, brachten sie ihn gen Jerusalem, auf daß sie ihn darstelleten dem Herrn(wie denn geschrieben steht in dem Gesetz des Herrn:„Allerlei Männliches, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiligt heißen“), und daß sie gäben das Opfer, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn, ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. And siehe, ein Mensch war zu Je⸗ rusalem mit Namen Simeon; und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war in ihm. And ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. And er kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. And da die Eltern das Kind ZJesus in den Tempel brachten, daß sie für ihn täten. wie man pflegt nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel. And sein Vater und seine Mutter wunderten sich des, das von ihm geredet ward. And Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird(und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen), auf daß vieler Herzen Ge— danken offenbar werden. And es war eine Prophetin, i 9 V Am Neujahrsfest 2¹⁷ Hanna, eine Tochter Phanuels, vom Geschlecht Asser; die war wohl betagt und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrauschaft und war nun eine Witwe bei vierundachtzig Jahren; die kam nimmer vom Tempel, diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die da auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. And da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder nach Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. Epistel, Gal. 1, 3—5. Guade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und unsrem Herrn Jesu Christo, der sich selbst für unsre Sünden gegeben hat, daß er uns errettete von dieser gegen⸗ wärtigen argen Welt nach dem Willen Gottes und unsers Vaters, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am Neujahrsfest a) Als Tag der Beschneidung und Namengebung Jesu. Einziger Text Gal. 3, 23—29. Ebe denn der Glaube kam, wurden wir unter dem Ge⸗ setz verwahrt und verschlossen auf den Glauben, der da sollte offenbart werden. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube ge⸗ kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum. Denn wieviel euer auf Christum ge⸗ tauft sind, die haben Christum angezogen. Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freier, hier ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christo Jesu. Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Same und nach der Verheißung Erben. b) Als Tag des Jahreswechsels. 1. Texte für den Morgengottesdienst. Jesaja 40, 28—31. er Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden 20. ö 2¹⁸ III. Jahrgang und Stärke genug dem Anvermögenden. Die Knaben werden müde und matt, und die Jünglinge fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. 1. Kor. 3, 21—23. Es ist alles euer, es sei Paulus oder Apollos, es sei Kephas oder die Welt, es sei das Leben oder der Tod, es sei das Gegenwärtige oder das Zukünftige, alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes. Jak. 4, 13—17. Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir gehen in die oder die Stadt und wollen ein Jahr da liegen und Handel treiben und gewinnen; die ihr nicht wisset, was morgen sein wird. Denn was ist euer Leben? Ein Sampf ist's, der eine kleine Zeit währt, darnach aber verschwindet er. Dafür ihr sagen solltet: So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das tun. Nun aber rühmt ihr euch in eurem Hochmut. Aller solcher Ruhm ist böse. Denn wer da weiß Gutes zu tun, und tut's nicht, dem ist's Sünde. 2. Petri 1, 10. 11. Darum, liebe Brüder, tut desto mehr Fleiß, eure Be⸗ rufung und Erwählung festzumachen; denn wo ihr sol⸗ ches tut, werdet ihr nicht straucheln, und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. Hebr. 13, 9. Es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade. 2. Texte für den Abendgottesdienst. Ps. 103, 17. 18. ie Gnade des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewig⸗ keit über die, so ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, daß sie darnach tun. 1. Kor. 7, 31. Die diese Welt gebrauchen, daß sie dieselbe nicht miß⸗ brauchen; denn das Wesen dieser Welt vergeht. 1. Kor. 16, 13. 14. Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark! Alle eure Dinge lasset in der Liebe geschehen. 'ig⸗ keit ind liß⸗ eid Am Sonntag nach dem Neujahrsfest 2¹9 Hebr. 9, 7. Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, dar⸗ nach aber das Gericht. Hebr. 13, 20. 21. Der Gott des Friedens, der von den Toten aus⸗ Biut d hat den großen Hirten der Schafe durch das lut des ewigen Testaments, unsern Herrn Jesum, der mache euch fertig in allem guten Werk, zu tun seinen Willen, und schaffe in euch, was vor ihm gefällig ist, durch Jesum Christum; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am Sonntag nach dem Neujahrsfest Evangelium, Luk. 13, 6—9. Ileu sagte ihnen dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg; und er kam und suchte Frucht darauf und fand sie nicht. Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang alle Jahre gekommen und habe Frucht gesucht auf diesem Feigenbaum, und finde sie nicht; haue ihn ab; was hindert er das Land? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies Jahr, bis daß ich um ihn grabe und bedünge ihn, ob er wollte Frucht bringen; wo nicht, so haue ihn darnach ab. Epistel, Hebr. 10, 36—39. eduld ist euch not, auf daß ihr den Willen Got⸗ tes tut und die Verheißung empfanget. Denn „noch über eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und nicht verziehen. Der Gerechte aber wird des Glaubens leben. Wer aber weichen wird, an dem wird meine Seele kein Gefallen haben.“ Wir aber sind nicht von denen, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben und die Seele erretten. Am Fest der Erscheinung Christi IA. Evangelium, Matth. 2, 1—12. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes 22⁰ III. Jahrgang hörte, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem; und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schrift⸗ gelehrten unter dem Volk und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. And sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also steht geschrieben durch den Propheten:„And du Bethlehem im jüdischen Lande bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda's; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei.“ Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und wies sie nach Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so saget mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. And siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. And Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken; und sie zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. B. Prophetische Lettion, Haggai 2, 2—9. Dẽs Herrn Wort geschah durch den Propheten Haggai und sprach: Sage zu Serubabel, dem Sohn Seal⸗ thiels, dem Fürsten Juda's, und zu Josug, dem Sohn Jozadaks, dem Hohenpriester, und zum übrigen Volk und sprich: Wer ist unter euch überblieben, der dies Haus in seiner vorigen Herrlichkeit gesehen hat? And wie Ichts ihr es nun an? Ist's nicht also, es dünkt euch nichts zu sein? And nun, Serubabel, sei getrost! Em der Herr; sei getrost, Josua, du Sohn Jozadaks, du oher⸗ priester! sei getrost, alles Volk im Lande! spricht der Herr, und arbeitet; denn ich bin mit euch, spricht der Herr Zebaoth. Nach dem Wort, da ich mit euch einen Bund machte, da ihr aus Ägypten zoget, soll mein Geist unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht! Denn so spricht der Herr Zebaoth: Es ist noch ein kleines dahin, daß ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene bewegen werde. Ja, alle Heiden will ich bewegen. Da Am Fest der Erscheinung Christi 22¹ soll dann kommen aller Heiden Bestes; und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, spricht der Herr Zebaoth. Denn mein ist Silber und Gold, spricht der Herr Zebaoth. Es soll die Herrlichkeit dieses letzten Hauses größer werden, denn des ersten gewesen ist, spricht der Herr Zebaoth; und ich will Frieden geben an diesem Ort, spricht der Herr Zebaoth. II. Epistel, Apostelgesch. 10, 1—33. Eꝰ war ein Mann zu Cäsarea mit Namen Cornelius, ein Hauptmann von der Schar, die da heißt die italische, gottselig und gottesfürchtig samt seinem ganzen Hause, und gab dem Volk viel Almosen und betete immer zu Gott. Der sah in einem Gesicht offenbarlich um die neunte Stunde am Tage einen Engel Gottes zu sich ein⸗ gehen, der sprach zu ihm: Cornelius! Er aber sah ihn an, erschrak und sprach: Herr, was ist's? Er; aber sprach zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind hinauf⸗ gekommen ins Gedächtnis vor Gott. And nun sende Männer gen Joppe und laß fordern Simon, mit dem Zunamen Petrus, welcher ist zur Herberge bei einem Berber Simon, des Haus am Meer liegt; der wird dir sagen, was du tun sollst. And da der Engel, der mit Cornelius redete, hinweggegangen war, rief er zwei seiner Hausknechte und einen gottesfürchtigen Kriegs⸗ tnecht von denen, die ihm aufwarteten, und erzählte es ihnen alles und sandte sie gen Joppe. Des andern Tages, da diese auf dem Wege waren und nahe zur Stadt kamen, stieg Petrus hinauf auf den Söller zu beten, um die sechste Stunde. And als er hungrig ward, wollte er essen. Da sie ihm aber zubereiteten, ward er entzückt und sah den Himmel aufgetan und herniederfahren zu ihm ein Gefäß wie ein großes leinenes Tuch, an vier Zipfeln gebunden, und es ward niedergelassen auf die Erde; darin waren allerlei vierfüßige Tiere der Erde und wilde Tiere und Gewürm und Vögel des Himmels. And es geschah eine Stimme zu ihm: Stehe auf, Petrus, schlachte und iß! Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Gemeines oder Anreines gegessen. And die Stimme sprach zum andernmal zu ihm: Was Gott gereinigt hat, das mache du nicht gemein. And das geschah zu drei Malen; und das Gefäß ward wieder aufgenommen gen Himmel. Als aber Petrus sich in sich selbst bekümmerte, was das Gesicht wäre, — II 2²² III. Jahrgang das er gesehen hatte, siehe, da fragten die Männer, von Cornelius gesandt, nach dem Hause Simons und standen an der Tür, riefen und forschten, ob Simon, mit dem Zunamen Petrus, allda zur Herberge wäre. Indem aber Petrus nachsann über das Gesicht, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich; aber stehe auf, steig hinab und zieh mit ihnen und zweifle nicht; denn ich habe sie gesandt. Da stieg Petrus hinab zu den Männern, die von Cornelius zu ihm gesandt waren, und sprach: Siehe, ich bin's, den ihr suchet; was ist die Sache, darum ihr hier seid? Sie aber sprachen: Cor⸗ nelius, der Hauptmann, ein frommer und gottesfürchtiger Mann und gutes Gerüchts bei dem ganzen Volk der Juden, hat Befehl empfangen von einem heiligen Engel, daß er dich sollte fordern lassen in sein Haus und Worte von dir hören. Da rief er sie hinein und herbergte sie. Des andern Tages zog Petrus aus mit ihnen, und etliche Brüder von Joppe gingen mit ihm. And des andern Tages kamen sie gen Cäsarea. Cornelius aber wartete auf sie und hatte zusammengerufen seine Ver⸗ wandten und Freunde. And als Petrus hineinkam, ging ihm Cornelius entgegen und fiel zu seinen Füßen und betete ihn an. Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Stehe auf, ich bin auch ein Mensch. And als er sich mit ihm besprochen hatte, ging er hinein und fand ihrer viele, die zusammengekommen waren. And er sprach zu ihnen: Ihr wisset, wie es ein unerlaubt Ding ist einem jüdischen Mann, sich zu tun oder zu kommen zu einem Fremdling; aber Gott hat mir gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu heißen. Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich ward her⸗ gefordert. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt lassen fordern? Cornelius sprach: Ich habe vier Tage gefastet bis an diese Stunde, und um die neunte Stunde betete ich in meinem Hause. And siehe, da stand ein Mann vor mir in einem hellen Kleid und sprach: Cornelius, dein Gebet ist erhört, und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. So sende nun gen Joppe und laß herrufen einen Simon, mit dem Zunamen Petrus, welcher ist zur Herberge in dem Hause des Gerbers Simon an dem Meer; der wird, wenn er kommt, mit dir reden. Da sandte ich von Stund an zu dir; und du hast wohlgetan, daß du gekommen bist. Nun sind wir alle hier gegenwärtig vor Gott, zu hören alles, was dir von Gott befohlen ist. Am 1. Sonntag nach dem Erscheinungsfest 223 Am 1. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Matth. 4, 12—17 und 23—25. Da nun Jesus hörte, daß Johannes überantwortet war, zog er in das galiläische Land; und verließ die Stadt Nazareth, kam und wohnte zu Kapernaum, das da liegt am Meer, im Lande Sebulon und Naph⸗ thali; auf daß erfüllet würde, was da gesagt ist durch den Propheten Jesajas, der da spricht:„Das Land Se⸗ bulon und das Land Naphthali, am Wege des Meers, jenseit des Jordans, und das heidnische Galiläa, das Volt, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht ge⸗ sehen, und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen.“ Von der Zeit an fing Jesus an zu predigen und zu sagen: Tut Buße; das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. And Jesus ging umher im ganzen e das e Lande, lehrte in ihren Schulen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte allerlei Seuche und Krankheit im Volk. And sein Gerücht erscholl in das ganze Syrienland. And sie brachten zu ihm allerlei Kranke, mit mancherlei Seuchen und Qual behaftet, die Besessenen, die Mondsüchtigen und die Gichtbrüchigen; und er machte sie alle gesund. And es folgte ihm nach viel Volk aus Galiläg, aus den zehn Städten, von Jerusalem, aus dem jüdischen Lande und von jenseit des Jordans. Epistel, 2. Tim. 3, 14—17. Di aber bleibe in dem, das du gelernt hast und dir vertraut ist, sintemal du weißt, von wem du gelernt hast. And weil du von Kind auf die heilige Schrift weißt, kann dich dieselbe unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an Christum Jesum. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besse⸗ rung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt. Am 2. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Joh. 7, 10—17. Als aber seine Brüder waren hinaufgegangen, da ging Jesus auch hinauf zu dem Fest, nicht offenbarlich, sondern wie heimlich. Da suchten ihn die Juden am Fest und sprachen: Wo ist der? And es war ein großes Gemurmel von ihm unter dem Volk. Etliche sprachen: 2 2²⁴ III. Jahrgang Er ist fromm; die andern aber sprachen: Nein, sondern er verführt das Volk. Niemand aber redete frei von ihm um der Furcht willen vor den Juden. Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. And die ZJuden verwunderten sich und sprachen: Wie kann dieser die Schrift, so er sie doch nicht gelernt hat? Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich gesandt hat. So jemand will des Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede. Epistel, 1. Petri 2, 1—10. So leget nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alles Afterreden, und seid begierig nach der vernünftigen, lautern Milch als die jetzt geborenen Kindlein, auf daß ihr durch dieselbe zu⸗ nehmet, so ihr anders geschmeckt habt, daß der Herr freundlich ist, zu welchem ihr gelommen seid als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott ist er auserwählt und köstlich. And auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geist⸗ lichen Hause und zum heiligen Priestertum, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesum Christum. Darum steht in der Schrift:„Siehe da, ich lege einen auserwählten, köstlichen Eckstein in Zion; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zu Schanden werden.“ Euch nun, die ihr glaubet, ist er köstlich; den Angläubi⸗ Dab aber ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstoßens und ein Fels des Argernisses; denn sie stoßen sich an dem Wort und glauben nicht daran, wozu sie auch gesetzt sind. Ihr aber seid das auserwählte Ge⸗ schlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr weiland nicht ein Volk waret, nun aber Gottes Volk seid, und weiland nicht in Gnaden waret, nun aber in Gnaden seid. Am 3. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Joh. 7, 44-53. E⸗ wollten aber etliche Zesum greifen; aber niemand legte Edie Hand an ihn. Die Knechte kamen zu den Hohenpriestern und Pharisäern; und sie sprachen zu Am 4. Sonntag nach dem Erscheinungsfest 225 ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? Die Knechte antworteten: Es hat nie ein Mensch also geredet wie dieser Mensch. Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid ihr auch verführt? Glaubt auch irgend ein Oberster oder Pharisäer an ihn? sondern das Volk, das nichts vom Gesetz weiß, ist verflucht. Spricht zu ihnen Niko⸗ demus, der bei der Nacht zu ihm kam, welcher einer unter ihnen war: Richtet unser Gesetz auch einen Men⸗ schen, ehe man ihn verhört und erkennt, was er tut? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch ein Galiläer? Forsche und siehe, aus Galiläg steht kein Prophet auf. And ein jeglicher ging also heim. Epistel, Hebr. 3, 12—15. Sedet zu, liebe Brüder, daß nicht jemand unter euch ein arges, ungläubiges Herz habe, das da abtrete von dem lebendigen Gott; sondern ermahnet euch selbst alle Tage, solange es heute heißt, daß nicht jemand unter euch verstockt werde durch Betrug der Sünde. Denn wir sind Christi teilhaftig geworden, so wir anders das angefangene Wesen bis ans Ende fest behalten; in⸗ dem gesagt wird:„Heute, so ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht, wie in der Ver⸗ bitterung geschah.“ Am 4. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Joh. 4, 7—42. 4½ dem kamen seine Jünger, und es nahm sie wunder, daß er mit dem Weibe redete. Doch sprach nie⸗ mand: Was fragest du? oder: Was redest du mit ihr? Da ließ das Weib ihren Krug stehen und ging hin in die Stadt und spricht zu den Leuten: Kommt, sehet einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich getan habe, ob er nicht Christus sei? Da gingen sie aus der Stadt und kamen zu ihm. Indes aber ermahnten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iß! Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisset. Da sprachen die Jünger untereinander: Hat ihm jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. Sagt ihr nicht: Es sind noch vier Monate, so kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte. And 2²⁰⁶ III. Jahrgang wer da sehneidet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich miteinander freuen, der da säet und der da schneidet. Denn hier ist der Spruch wahr: Dieser säet, der andere schneidet. Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit gekommen. Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus der Stadt um des Weibes Rede willen, welches da zeugte: Er hat mir gesagt alles, was ich Paten habe. Als nun die Samariter zu ihm kamen, aten sie ihn, daß er bei ihnen bliebe; und er blieb zwei Tage da. And viel mehr glaubten um seines Wortes willen und sprachen zu dem Weibe: Wir glauben nun hinfort nicht um deiner Rede willen; wir haben selber gehört und erkannt, daß dieser ist wahrlich Christus, der Welt Heiland. Epistel, 2. Kor. 4, 1—6. Darum, dieweil wir ein solch Amt haben, wie uns denn Barmherzigkeit widerfahren ist, so werden wir nicht müde, sondern meiden auch heimliche Schande und gehen nicht mit Schalkheit um, fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern mit Offenbarung der Wahrheit beweisen wir uns wohl an aller Menschen Gewissen vor Gott. Ist nun unser Evangelium verdeckt, so ist's in denen, die verloren werden, verdeckt; bei welchen der Gott dieser Welt der Angläubigen Sinn verblendet hat, daß sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Klarheit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesum Christum, daß er sei der Herr, wir aber eure Knechte um ZJesu willen. Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi. Am 5. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Joh. 1, 35—51. Des andern Tages stand abermals Johannes und zwei seiner Zünger. And als er sah Jesum wandeln, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm. And die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesu nach. Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach Am 5. Sonntag nach dem Erscheinungsfest 227/ zu ihnen: Was suchet ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi(das ist verdolmetscht: Meister), wo bist du zur Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und sehet's. Sie kamen und sahen's und blieben den Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde. Einer aus den zweien, die von Johannes hörten und Jesu nachfolgten, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Der findet am ersten seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden(welches ist ver⸗ dolmetscht: der Gesalbte), und führte ihn zu Jesu. Da ihn Jesus sah, sprach er: Du bist Simon, ZJona's Sohn; du sollst Kephas heißen(das wird verdolmetscht: ein Fels). Des andern Tages wollte Jesus wieder nach Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach! Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus. Philippus findet Nathangel und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Moses im Gesetz und die Pro⸗ pheten geschrieben haben, Jesum, Josephs Sohn von Nazareth. And Nathanael sprach zu ihm: Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh es. Jesus sah Nathanael zu sich kom⸗ men und spricht von ihm: Siehe, ein rechter Ifraeliter, in welchem kein Falsch ist. Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe denn dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. Nathanael antwortete und spricht zu ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel! Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, daß ich di gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst no Größeres denn das sehen. And spricht zu ihm: Wahr⸗ lich, wahrlich, ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn. Epistel, 2. Kor. 6, 14—18. J. De⸗ nicht am fremden Joch mit den Angläubigen. Oenn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Angerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem An⸗ gläubigen? Was hat der Tempel Gottes für Gleichheit mit den Götzen? Ihr aber seid der Tempel des leben · III. Jahrgang digen Gottes; wie denn Gott spricht:„Ich will unter ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“ Darum gehet aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret kein Anreines an, so will ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige Herr. Am 6. Sonntag nach dem Erscheinungsfest Evangelium, Matth. 8, 14—17. JeS kam in des Petrus Haus und sah, daß seine Schwiegermutter lag und hatte das Fieber. Da griff er ihre Hand an, und das Fieber verließ sie. And sie stand auf und diente ihnen. Am Abend aber brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister aus mit Worten und machte allerlei Kranke gesund; auf daß erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesajas, der da spricht:„Er hat unsre Schwachheiten auf sich ge⸗ nommen, und unsre Seuchen hat er getragen.“ Epistel, 2. Kor. 8, 1—9. ch tue euch kund, liebe Brüder, die Gnade Gottes, die in den Gemeinden in Macedonien gegeben ist. Denn ihre Freude war überschwenglich, da sie durch viel Trübsal bewährt wurden; und wiewohl sie sehr arm sind, haben sie doch reichlich gegeben in aller Einfalt. Denn nach allem Vermögen(das bezeuge ich) und über Vermögen waren sie willig und baten uns mit vielem Zureden, daß wir aufnähmen die Wohltat und Gemein⸗ schaft der Handreichung, die da geschieht den Heiligen; und nicht, wie wir hofften, sondern sie ergaben sich selbst zuerst dem Herrn und darnach uns, durch den Willen Gottes, daß wir mußten Titus ermahnen, auf daß er, wie er zuvor hatte angefangen, also auch unter euch solche Wohltat ausrichtete. Aber gleichwie ihr in allen Stücken reich seid, im Glauben und im Wort und in der Erkenntnis und in allerlei Fleiß und in eurer Liebe zu uns, also schaffet, daß ihr auch in dieser Wohltat reich seid. Nicht sage ich, daß ich etwas gebiete; sondern dieweil andere so fleißig sind, versuche ich auch eure Liebe, ob sie rechter Art sei. Denn ihr wisset die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, daß, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf daß ihr durch seine Armut reich würdet. Am Sonntag Septuagesimä Am Sonntag Septuagesimä Evangelium, Joh. 8, 12—16. D redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du zeugest von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. Jesus antwortete und sprach zu ihnen; So ich von mir selbst zeugen würde, so ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, von wannen ich gekommen bin und wo ich hingehe; ihr aber wisset nicht, von wannen ich komme und wo ich hingehe. Ihr richtet nach dem Fleisch; ich richte niemand. So ich aber richte, so ist mein Gericht recht; denn ich bin nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. Epistel, Kol. 2, 1—7. ch lasse euch aber wissen, welch einen Kampf ich habe um euch und um die zu Laodiceg und alle, die meine Person im Fleisch nicht gesehen haben, auf daß ihre Herzen ermahnt und zufammengefaßt werden in der Liebe und zu allem Reichtum des gewissen zarerz, und Tr zu erkennen das Geheimnis Gottes, des Vaters, und Christi, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Ich sage aber davon, auf daß euch niemand betrüge mit vernünftigen Reden. Denn ob ich wohl nach dem Fleisch nicht da bin, so bin ich doch im Geist bei euch, freue mich und sehe eure Ordnung und euren festen Glauben an Christum. Wie ihr nun ange⸗ nommen habt den Herrn Christum Jesum, so wandelt in ihm und seid gewurzelt und erbauet in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt seid, und seid in demselben reichlich dankbar. Am Sonntag Sexagesimä Evangelium, Luk. 9, 51—57. Eꝰ begab sich aber, da die Zeit erfüllt war, daß er sollte von hinnen genommen werden, wendete er sein Angesicht, stracks gen Jerusalem zu wandeln. And er sandte Boten vor sich hin; die gingen hin und kamen in einen Markt der Samariter, daß sie ihm Herberge be⸗ stellten. And sie nahmen ihn nicht an, darum, daß er sein Angesicht gewendet hatte, zu wandeln gen Jerusa⸗ x 230⁰ III. Jahrgang lem. Da aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen. sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie Elias tat? Jesus aber wandte sich und bedrohte sie und sprach: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten. And sie gingen in einen andern Markt. Epistel, Hebr. 5, 7—9. Cbaistus hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert zu dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhört, darum, daß er Gott in Ehren hatte. And wiewohl er Gottes Sohn war, hat er doch an dem, das er litt, Gehorsam gelernt. And da er vollendet war, ist er geworden allen, die ihm gehorsam sind, eine Arsache zur ewigen Seligkeit. Am Sonntag Estomihi Evangelium, Matth. 20, 20—28. Da trat zu ihm die Mutter der Kinder des Zebedäus mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und bat etwas von ihm. And er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Laß diese meine zwei Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken. Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, und euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Jawohl. And er sprach zu ihnen: Meinen Kelch sollt ihr zwar trinken, und mit der Taufe, mit der ich ge⸗ tauft werde, sollt ihr getauft werden; aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben, steht mir nicht zu, ondern denen es bereitet ist von meinem Vater. Da das ie Zehn hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch; sondern, so je⸗ mand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener; und wer da will der Vornehmste sein, der sei euer Knecht. Gleichwie des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. 0 2 7 d X 8 x x Am Sonntag Invocavit 231 Epistel, Hebr. 2, 10—18. Er ziemte dem, um des willen alle Dinge sind und durch den alle Dinge sind, der da viel Kinder hat zur Herr⸗ lichkeit geführt, daß er den Herzog ihrer Seligkeit durch Leiden vollkommen machte. Sintemal sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt und die da geheiligt werden. Darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen, und spricht:„Ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeine dir lobsingen.“ And abermals:„Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen.“ And abermals:„Siehe da, ich und die Kinder, welche mir Gott egeben hat.“ Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut aben, ist er dessen gleichermaßen teilhaftig geworden, auf daß er durch den Tod die Macht nähme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel, und erlösete die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten. Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams nimmt er sich an. Da⸗ her mußte er in allen Dingen seinen Brüdern gleich wer⸗ den, auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hoher⸗ priester vor Gott, zu versöhnen die Sünden des Volks. Denn worin er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen, die versucht werden. Am Sonntag Invocavit Evangelium, Matth. 9, 14—17. ndes kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so viel, und deine Jünger fasten nicht? Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitleute Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es wird aber die Zeit kommen, daß der Bräutigam von ihnen genommen wird; alsdann werden sie fasten. Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Lappen von neuem Tuch; denn der Lappen reißt doch wieder vom Kleid, und der Riß wird ärger. Man faßt auch nicht Most in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche, und der Most wird verschüttet, und die Schläuche kommen um. Sondern man faßt Most in neue Schläuche, so werden sie beide miteinander erhalten. Epistel, 2. Kor. 7, 10. Dis göttliche Traurigkeit wirkt zur Seligkeit eine Reue, die niemand gereut; die Traurigkeit aber der Welt wirkt den Tod. 232 III. Jahrgang Am Sonntag Neminiscere Evangelium, Matth. 15, 21—28. Jipor ging aus von dannen und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon. And siehe, ein kananäisches Weib kam aus derselben Gegend und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. And er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herren Tisch fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß! dir geschehe, wie du willst. And ihre Tochter ward gesund zu derselben Stunde. Epistel, 1. Thess. 4, 1—12. Weiter, liebe Brüder, bitten wir euch und ermahnen in dem Herrn Jesu(nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollet wandeln und Gott weiche daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei und ein jeglicher unter euch wisse sein Ge⸗ fäß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Brunst der Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß niemand zu weit greife und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Anreinig⸗ keit, sondern zur Heiligung. Wer nun verachtet, der ver⸗ achtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch. Von der brüderlichen Liebe aber ist nicht not, euch zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, euch untereinander zu lieben. And das tut ihr auch an allen Brüdern, die in ganz Macedonien sind. Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder, daß ihr noch völliger werdet und ringet darnach, daß ihr stille seid und das Eure schaffet und arbeitet mit euren eigenen Händen, Am Sonntag Oculi 233 wie wir euch geboten haben, auf daß ihr ehrbar wandelt gegen die, die draußen sind, und ihrer keines bedürfet. Am Sonntag Oeuli Evangelium, Luk. 11, 14—28. esus trieb einen Teufel aus, der war stumm. And es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. And das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jeglich Reich, so es mit sich selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das an⸗ dere. Ist denn der Satanas auch mit sich selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? dieweil ihr sagt, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt ja das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahrt, so bleibt das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilt den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. And wenn er kommt, so findet er's gekehrt und ge⸗ schmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind denn er selbst; und wenn sie hineinkom⸗ men, wohnen sie da, und es wird hernach mit demselben Menschen ärger denn zuvor. And es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Epistel, Eph. 5, 1—9. Sꝰ seid nun Gottes Nachfolger als die lieben Kinder und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebt und sich selbst dargegeben für uns als Gabe 234 III. Jahrgang und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Anreinigkeit oder Geiz lasset nicht von euch ge⸗ sagt werden, wie den Heiligen zusteht, auch nicht schand⸗ bare Worte und Narrenteidinge oder Scherze, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Anreiner oder Geiziger, welcher ist ein Götzendiener, Erbe hat in dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Anglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret wei⸗ land Finsternis; nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts; die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Am Sonntag Lätare Evangelium, Joh. 6, 1—27. DDie fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. And es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen JZüngern. Es war aber nahe Ostern, der Juden Fest. Da hob Zesus seine Augen auf und sieht, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen? (Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er tun wollte.) Philippus antwortete ihm: Für zwei⸗ hundert Groschen Brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gersten⸗ brote und zwei Fische; aber was ist das unter 1 viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, wieviel sie wollten. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die überblieben denen, die gespeist worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahr⸗ Ae 358O Am Sonntag Lätare 2³⁵ lich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie lommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum König machten, entwich er abermals auf den Berg, er selbst allein. Am Abend aber gingen die Jünger hinab an das Meer und traten in das Schiff und kamen über das Meer gen Kapernaum. And es war schon finster geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen. And das Meer erhob sich von einem großen Winde. Da sie nun gerudert hatten bei fünfundzwanzig oder dreißig Feld Wegs, sahen sie Zesum auf dem Meer dahergehen und nahe zum Schiff kommen; und sie fürch⸗ teten sich. Er aber sprach zu ihnen: Ich bin's, fürchtet euch nicht. Da wollten sie ihn in das Schiff nehmen; und alsbald war das Schiff am Lande, da sie hinfuhren. ODes andern Tages sah das Volk, das diesseit des Meers stand, daß kein anderes Schiff daselbst war denn das eine, darein seine Jünger getreten waren, und daß Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Schiff getreten war, sondern allein seine Zünger waren weggefahren. Es kamen aber andere Schiffe von Tiberias nahe zu der Stätte, da sie das Brot gegessen hatten durch des Herrn Danksagung. Da nun das Volk sah, daß Jesus nicht da war noch seine Jünger, traten sie auch in die Schiffe und kamen gen Kapernaum und suchten Jesum. And da sie ihn fanden jenseit des Meers, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du hergekommen? Jesus antwortete ihnen und sprach Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr suchet mich nicht darum, daß ihr Zeichen gesehen habt, sondern daß ihr von dem Brot gegessen habt und seid satt geworden. Wirket Speise, nicht, die vergänglich ist, sondern die da bleibt in das ewige Leben, welche euch des Menschen Sohn geben wird; denn den hat Gott der Vater versiegelt. Epistel, Kol. 3, 18 bis 4, 1. Ibn Weiber, seid untertan euren Männern in dem Herrn, wie sich's gebührt. Ihr Männer, liebet eure Weiber und seid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seid gehor⸗ sam den Eltern in allen Dingen; denn das ist dem Herrn gefällig. Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, auf daß sie nicht scheu werden. Ihr Knechte, seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfältigkeit des Herzens und mit Gottesfurcht. Alles, 236 III. Jahrgang was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen und wisset, daß ihr von dem Herrn empfangen werdet die Vergeltung des Erbes; denn ihr dienet dem Herrn Christo. Wer aber unrecht tut, der wird empfangen, was er unrecht getan hat, und gilt kein Ansehen der Person. Ihr Herren, was recht und billig ist, das beweiset den Knechten und wisset, daß ihr auch einen Herrn im Himmel habt. Am Sonntag Judiea Evangelium, Joh. 8, 46—59. Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Worte; darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre, es ist aber einer, der sie sucht und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Pro⸗ pheten, und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt, von welchem ihr sprecht, er sei euer Gott, und kennet ihn nicht; ich aber kenne ihn. And so ich würde sagen: Ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freute sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig ZJahre alt und hast Abraham gesehen? Zesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus. SNaG Am Osterfest 23⁷7 Epistel, Hebr. 9, 11—15. Coristis ist gekommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, und ist durch eine größere und voll⸗ kommenere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut und die Asche von der Kuh, gesprengt, heiligt die Anreinen zu der leiblichen Reinigkeit, wie viel mehr wird das Bluͤt Christi, der sich selbst ohne allen Fehl durch den ewigen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! And darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Abertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. Am Osterfest Evangelium, Luk. 24, 1—9. Ain ersten Tage der Woche sehr frühe kamen die Weiber zum Grabe und trugen die Spezerei, die sie bereitet hatten, und etliche mit ihnen. Sie fanden aber den Stein abgewälzt von dem Grabe und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesu nicht. And da sie darum be⸗ kümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. And sie erschraken und schlugen ihre Angesichter nieder zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenket daran, wie er euch sagte, da er noch in Galiläa war, und sprach: Des Menschen Sohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. And sie gedachten an seine Worte. And sie gingen wieder vom Grabe und verkündigten das alles den Elfen und den andern allen. Epistel, 1. Petri 1,3—9. Gewons sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen 238 III. Jahrgang Erbe, das behalten wird im Himmel euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, welche bereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit. In derselben werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wo es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube recht⸗ schaffen und viel köstlicher erfunden werde denn das ver⸗ ängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lobe, reis und Ehre, wenn nun offenbart wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, und werdet euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude und das Ende eures Glaubens davonbringen, nämlich der Seelen Seligkeit. Am Ostermontag Evangelium, Joh. 21, 1—14. Duned offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern an dem Meer bei Tiberias. Er offenbarte sich aber also. Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der da heißt Zwilling, und Nathanael von Kana in Galiläg und die Söhne des Zebedäus und andere zwei seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will hin fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und traten in das Schiff alsobald, und in derselben Nacht fingen sie nichts. Da es aber jetzt Morgen war, stand Jesus am Afer; aber die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden. Da warfen sie und konnten's nicht mehr ziehen vor der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, wel⸗ chen Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr. Da Simon Petrus hörte, daß es der Herr war, gürtete er das Hemd um sich(denn er war nackt) und warf sich ins Meer. Die andern Jünger aber kamen auf dem Schiff (denn sie waren nicht ferne vom Lande, sondern bei zweihundert Ellen) und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun austraten auf das Land, sahen sie Kohlen gelegt und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz auf das Land voll großer Fische, hundertunddreiundfünfzig. 1 ul w S d g 8 8 8 i X 0 x ö rrrr, Am Sonntag Duasimodogeniti 239 And wiewohl ihrer so viel waren, zerriß doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl. Niemand aber unter den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? denn sie wußten, daß es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische. Das ist nun das drittemal, daß Jesus offenbart ward seinen Jüngern, nachdem er von den Toten auferstanden war. Epistel, Apostelgesch. 2, 22—32. Ibe Männer von Israel, höret diese Worte: Jesum von Nazareth, den Mann, von Gott unter euch mit Taten und Wundern und Zeichen erwiesen, welche Gott durch ihn tat unter euch(wie denn auch ihr selbst bWoz⸗ denselben(nachdem er aus bedachtem Rat und Vor⸗ sehung Gottes übergeben war) habt ihr genommen durch die Hände der Angerechten und ihn angeheftet und er⸗ würget. Den hat Gott auferweckt und aufgelöst die Schmerzen des Todes, wie es denn unmöglich war, daß er sollte von ihm gehalten werden. Denn David spricht von ihm:„Ich habe den Herrn allezeit vorgesetzt vor mein Angesicht; denn er ist an meiner Rechten, auf daß ich nicht bewegt werde. Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge freuet sich; denn auch mein Fleisch wird ruhen in der Hoffnung. Denn du wirst meine Seele nicht dem Tode lassen, auch nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe. Du hast mir kund⸗ getan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freuden vor deinem Angesicht.“ Ihr Männer, liebe Brüder, lasset mich frei reden zu euch von dem Erzvater Oavid. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag. Da er nun ein Prophet war und wußte, daß ihm Gott verheißen hatte mit einem Eide, daß die Frucht seiner Lenden sollte auf seinem Stuhl sitzen, hat er's zuvor gesehen und geredet von der Aufer⸗ stehung Christi, daß seine Seele nicht dem Tode gelassen ist und sein Fleisch die Verwesung nicht gesehen hat. Diesen Jesum hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeugen. Am Sonntag Quasimodogeniti Evangelium, Joh. 20, 2⁴—29. FThomas aber, der Zwölf einer, der da heißt Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. — III. Jahrgang Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ich's nicht glauben. Und über acht Tage waren abermals seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch! Dar⸗ nach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Epistel, Offenb. 1, 17. 18. Türchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte V und der Lebendige. Ich war tot; und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. Am Sonntag Misericordias Domini Evangelium, Joh. 21, 15—24. Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon Jona, hast du mich lieber, denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer! Spricht er wieder zum andern⸗ mal zu ihm: Simon Jona, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht er zum drittenmal zu ihm: Simon Jona, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum drittenmal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich, wahrlith, ich sage dir: Da du jünger warst, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst. Das sagte er aber, zu deuten, mit welchem Tode er Gott preisen würde. And da er das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach! Petrus aber wandte sich um und sah den Zünger folgen, welchen Jesus lieb eeeu-,68323 Am Sonntag Zubilate 2⁴¹ hatte, der auch an seiner Brust am Abendessen gelegen war und gesagt hatte: Herr, wer ist's, der dich verrät? Da Petrus diesen sah, spricht er zu Jesu: Herr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! Da ging eine Rede aus unter den Brü⸗ dern: Dieser Jünger stirbt nicht. And Jesus sprach nicht zu ihm: Er stirbt nicht, sondern: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und dies geschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahrhaftig ist. Epistel, Hebr. 13, 20. 21. Der Gott des Friedens, der von den Toten ausgeführt hat den großen Hirten der Schafe durch das Blut des ewigen Testaments, unsern Herrn Jesum, der mache euch fertig in allem guten Werk, zu tun seinen Willen, und schaffe in euch, was vor ihm gefällig ist, durch Jesum Chri⸗ stum; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am Sonntag Jubilate Evangelium, Joh. 10, 1—11. Wohelwo. wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anders⸗ wo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Der aber zur Tür hineingeht, der ist ein Hirte der Schafe. Dem kut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie aus. And wenn er seine Schafe hat ausgelassen, geht er vor ihnen hin, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm; denn sie kennen der Fremden Stimme nicht. Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was es war, das er zu ihnen sagte. Da sprach Jesus wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Oiebe und Mörder; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. Ich bin die Tür; so jemand durch mich ein⸗ geht, der wird selig werden und wird ein⸗ und ausgehen und Weide finden. Ein Dieb kommt nur, daß er stehle, würge und umbringe. Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen. IITIT 2⁴² III. Jahrgang Epistel, Offenb. 2, 811. K. dem Engel der Gemeinde zu Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich weiß deine Werke und deine Trübsal und deine Armut(du bist aber reich) und die Lästerung von denen, die da sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern sind des Satans Schule. Fürchte dich vor der keinem, das du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf daß ihr versucht werdet, und werdet Trübsal haben zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem andern Tode. Am Sonntag Cantate Evangelium, Joh. 5, 30—38. ch kann nichts von mir selber tun. Wie ich 0 suche richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt hat. So ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr. Ein anderer ist's, der von mir zeugt; und ich weiß, daß das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt. Ihr schicktet zu Johannes, und er zeugte von der Wahrheit. Ich aber nehme nicht Zeugnis von Menschen; sondern solches sage ich, auf daß ihr selig werdet. Er war ein brennend und scheinend Licht; ihr aber wolltet eine kleine Weile fröhlich sein in seinem Licht. Ich aber habe ein größeres Zeugnis denn des Johannes Zeugnis; denn die Werke, die mir der Vater gegeben hat, daß ich sie vollende, eben diese Werke, die ich tue, zeugen von mir, daß mich der Vater gesandt habe. And der Vater, der mich gesandt hat, derselbe hat von mir gezeugt. Ihr habt nie weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen; und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnend; denn ihr glaubet dem nicht, den er gesandt hat. Epistel, Offenb. 3, 713. L dem Engel der Gemeinde zu Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut und niemand schließt zu, der zuschließt und niemand tut auf: Ich weiß deine Werke. Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene 9SE2 2 8.9 — SE nnN39n :VN Am Sonntag Rogate 2⁴3 Tür, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort behalten und has meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich werde geben aus des Satans Schule, die da sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, daß sie kommen sollen Und niederfallen zu deinen Füßen und erkennen, daß ich dich geliebt habe. Dieweil du hast bewahrt das Wort meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden. Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme. Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen; und will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Am Sonntag Nogate Evangelium, Luk. 11, 1—8. 4• es begab sich, daß Jesus war an einem Ort und betete. And da er aufgehört hatte, sprach seiner Zünger einer zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Zohannes seine Jünger lehrte. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Anser Vater im Himmel! Oein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Gib uns unser täglich Brot immerdar. And vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die uns schuldig sind. And führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Abel. And er sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, der einen Freund hat und ginge zu ihm zu Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leihe mir drei Brote; denn es ist mein Freund zu mir ge⸗ kommen von der Straße, und ich habe nicht, was ich ihm vorlege; und er drinnen würde antworten und sprechen: Mache mir keine Anruhez die Tür ist schon zugeschlossen, und meine Kindlein sind bei mir in der Kammerz; ich kann nicht aufstehen und dir geben. Ich sage euch: And ob er nicht aufsteht und gibt ihm, darum daß er sein Freund ist, so wird er doch um seines unverschämten Geilens willen aufstehen und ihm geben, wieviel er bedarf. 2⁴⁴ III. Jahrgang Epistel, Offenb. 3, 14—22. Ad dem Engel der Gemeinde zu Laodicea schreibe: Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahr⸗ haftige Zeuge, der Anfang der Kreatur Gottes: Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts; und weißt nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, daß du reich werdest, und weiße Kleider, daß du dich antust und nicht offenbart werde die Schande deiner Blöße; und salbe deine Augen mit Augensalbe, daß du sehen mögest. Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich. So sei nun fleißig und tu Buße. Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen, wie ich überwunden 9. und mich gesetzt mit meinem Vater auf seinen Stu hl. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Am Fest der Himmelfahrt Christi Evangelium, Matth. 11, 27—30. Ale Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. And niemand kennt den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennt den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erguicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. Epistel, Eph. 1, 17—23. Der Gott unsers Herrn Zesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung zu seiner selbst Erkenntnis und erleuch⸗ tete Augen eures Verständnisses, daß ihr erkennen möget, welche da sei die Hoffnung eurer Berufung und welcher sei der Reichtum seines herrlichen Erbes bei seinen Heiligen und welche da sei die überschwengliche Größe *—. ren Am Sonntag Exaudi 2⁴⁵ seiner Kraft an uns, die wir glauben nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke, welche er gewirkt hat in Christo, da er 955. von den Toten auferweckt hat und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen; und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle des, der alles in allen erfüllt. Am Sonntag Exaudi Evangelium, Joh. 14, 7—14. WeLn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen „Vater. And von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater, so genüget uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der den Vater; wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, daß ich im Vater und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnt, der tut die Werke. Glaubet mir, daß 11 im Vater und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere denn diese tun; denn ich gehe zum Vater. And was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf daß der Vater geehrt werde in dem Sohne. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun. Epistel, Hebr. 6, 17—20. ott, da er wollte den Erben der Verheißung über⸗ schwenglich beweisen, daß sein Rat nicht wankte, hat einen Eid dazu getan, auf daß wir durch zwei Stücke, die nicht wanken(denn es ist unmöglich, daß Gott lüge), einen starken Trost hätten; die wir Zuflucht haben und halten an der angebotenen Hoffnung, welche wir haben als einen sichern und festen Anker unsrer Seele, der auch hinein⸗ geht in das Inwendige des Vorhangs, dahin der Vor⸗ läufer für uns eingegangen, Jesus, ein Hoherpriester geworden in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks. III. Jahrgang Am Pfingstfest Evangelium, Apostelgesch. 2, 1—18. Als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. And es erschie⸗ nen ihnen Zungen zerteilt wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszu⸗ sprechen Es waren aber Zuden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurden bestürzt; denn es hörte ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen untereinander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darin wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopo⸗ tamien und in Judäg und Kappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Agypten und an den Enden von Libyen bei Kyrene und Ausländer von Nom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie mit unsern Zungen die großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hatten's ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Da trat Petrus auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch kundgetan, und lasset meine Worte zu euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, sintemal es ist die dritte Stunde am Tage; sondern das ist's, was durch den Propheten Ioel zuvor gesagt ist:„And es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in den · selben Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.“ Am Pfingstmontag 2⁴⁷ Epistel, Eph. 2, 19—22. Sẽꝰ seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Haus⸗ genossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Pro⸗ pheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchem auch ihr mit erbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist. Am Pfingstmontag Morgenlektion, Jeremia 31, 31—34. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen. Nicht wie der Bund ge⸗ wesen ist, den ich mit ihren Vätern machte, da ich sie bei der Hand nahm, daß ich sie aus Agyptenland führte, welchen Bund sie nicht gehalten haben, und ich sie zwingen mußte, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel machen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben; und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein. And es wird keine den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen:„Erkenne den Herrn“, sondern sie sollen mich alle kennen, beide, klein und groß, spricht der Herr. Denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. Epistel, Röm. 8, 6—11. (Tleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich—0m V sein ist Leben und Friede. Denn fleischlich gesinnt ein ist eine Feindschaft wider Gott, sintemal das Fleisch em Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht. Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. So aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. So nun der Geist des, der Jesum von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird auch derselbe, der Christum von den Toten auferweckt hat, eure sterblichen Leiber lebendig machen um des willen, daß sein Geist in euch—ũ—. 1 III. Jahrgang Am ODreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 11, 25—27. 3¹ der Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Anmündigen offenbart. Ja, Vater; denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Alle Dinge sind mirüber⸗ geben von meinem Vater. Und niemand kennt den Sohn denn nur der Vater und niemand kennt den Vater denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren. Epistel, 2. Kor. 13, 13. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen. Am 1. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 15, 12—16. Das ist mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebet, gleichwie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, so ihr tut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seid; denn ein Rnecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn alles, was ich habe von meinem Vater gehört, habe ich euch kund⸗ getan. Ihr habt mich nicht erwählt, sondern ich habe euch erwählt und gesetzt, daß ihr hingehet und Frucht bringet und eure Frucht bleibe, auf daß, so ihr den Vater bittet in meinem Namen, er's euch gebe. Epistel, 2. Thess. 2, 13—17. Wir sollen Gott danken allezeit um euch, vom Herrn geliebte Brüder, daß euch Gott 9658056 hat von Anfang zur Seligkeit, in der Heiligung des Geistes und im Glauben der Wahrheit, darein er euch berufen hat durch unser Evangelium zum herrlichen Eigentum unsers Herrn Jesu Christi. So stehet nun, liebe Brüder, und haltet an den Satzungen, die ihr gelehrt seid, es sei durch unser Wort oder Brief. Er aber, unser Herr Zesus Ehristus, und Gott, unser Vater, der uns hat ge⸗ liebt und uns gegeben einen ewigen Trost und eine gute Hoffnung durch Gnade, der ermahne eure Herzen und stärke euch in allerlei Lehre und gutem Werk. 0 —* il Am 2. Sonntag nach dem Dreieinigleitsfest 249 Am 2. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 9, 9—13. Da Jesus von dannen ging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und sprach zu ihm: Folge mir! And er stand auf und folgte ihm. And es begab sich, da er zu Tische saß im Hause, siehe, da kamen viel Zöllner und Sünder und saßen zu Tische mit Jesu und seinen Jüngern. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isset euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Da das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Gehet aber hin und lernet, was das sei:„Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.“ Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen, und nicht die Gerechten. Epistel, 2. Tim. 1, 3—7. ch danke Gott, dem ich diene von meinen Voreltern her in reinem Gewissen, daß ich ohne Anterlaß dein gedenke in meinem Gebet Tag und Nacht; und mich verlangt, dich zu sehen, wenn ich denke an deine Tränen, auf daß ich mit Freuden erfüllet würde; und wenn ich mich erinnere des ungefärbten Glaubens in dir, welcher zu⸗ vor gewohnt hat in deiner Großmutter Lois und in deiner Mutter Eunike; ich bin aber gewiß, auch in dir. Am solcher Arsache willen erinnere ich dich, daß du er⸗ weckest die Gabe Gottes, die in dir ist durch die Auf⸗ legung meiner Hände. Denn Gott hat uns nicht ge⸗ geben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. Am 3. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 13, 22—27. esus ging durch Städte und Märkte und lehrte und nahm seinen Weg gen Jerusalem. Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst du, daß wenige selig werden? Er aber sprach zu ihnen: Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das sage ich euch, darnach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht tun können. Von dem an, wenn der Hauswirt aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat, da werdet ihr dann anfangen draußen zu stehen und an die Tür klopfen und sagen: Herr, Herr, tu i2 2⁵⁰ III. Jahrgang And er wird antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid. So werdet ihr dann an⸗ fangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und ge⸗ trunken, und auf den Gassen hast du uns gelehrt. And er wird sagen: Ich sage euch: Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid; weichet alle von mir, ihr Abeltäter! Epistel, Phil. 2, 12—18. Aldo, meine Liebsten, wie ihr allezeit seid gehorsam ge⸗ wesen, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern auch nun viel mehr in meiner Abwesenheit, schaffet, daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist's, der in euch wirket beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel, auf daß ihr seid ohne Tadel und lauter und Gottes Kinder, unsträflich mitten unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlecht, unter welchem ihr scheinet als Lichter in der Welt, damit daß ihr haltet an dem Wort des Lebens, mir zu einem Ruhm an dem Tag Christi, als der ich nicht vergeblich gelaufen noch vergeblich gearbeitet habe. And ob ich geopfert werde über dem Opfer und Gottesdienst eures Glaubens, so freue ich mich und freue mich mit euch allen. Dessen sollt ihr euch auch freuen und sollt euch mit mir freuen. Am 4. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 9, 57—62. E begab sich aber, da sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm; Ich will dir folgen, wo du hingehst. And Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege. And er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; gehe du aber hin und verkündige das Reich Gottes. And ein anderer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich einen Abschied mache mit denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. fi S 1 E EEN Am 5. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 251 Epistel, Apostelgesch. 24, 22—26. Da Felix solches hörte, zog er die Juden hin; denn er wußte gar wohl um diesen Weg und sprach: Wenn Lysias, der Hauptmann, herabkommt, so will ich eure Sache erkunden. Er befahl aber dem Anterhauptmann, Paulus zu behalten und lassen Ruhe haben, und daß er niemand von den Seinen wehrte, ihm zu dienen oder zu ihm zu kommen. Nach etlichen Tagen aber kam Felir mit seinem Weibe Drusilla, die eine Jüdin war, und forderte Paulus und hörte ihn von dem Glauben an Christum. Da aber Paulus redete von der Gerech⸗ tigkeit und von der Keuschheit und von dem zukünftigen Gericht, erschrak Felix und antwortete: Gehe hin auf diesmal; wenn ich gelegene Zeit habe, will ich dich her⸗ rufen lassen. Er hoffte aber daneben, daß ihm von Paulus sollte Geld gegeben werden, daß er ihn losgäbe; darum er ihn auch oft fordern ließ und besprach sich mit ihm. Am 5. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 5, 1—11. Es begab sich, da sich das Volk zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, daß er stand am See Genezareth und sah zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze; da trat er in der Schiffe eines, welches Simons war, und bat ihn, daß er's ein wenig vom Lande führte. And er setzte sich und lehrte das Volk aus dem Schiff. And als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Zug tut. And Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. And da sie das taten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. And sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiff waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. And sie kamen und füllten beide Schiffe voll, also daß sie sanken. Da das Simon Petrus sah, siel er Jesu zu den Knieen und sprach: Herr, gehe von mir hinaus! ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihn ein Schrecken ange ommen, hin und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie miteinander getan hatten; desgleichen auch Jato⸗ bus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons 25² III. Jahrgang Gesellen. And Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen! And sie führ⸗ ten die Schiffe zu Lande und verließen alles und folgten ihm nach. Epistel, Röm. 3, 21—28. Nen aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtig⸗ keit, die vor Gott gilt, offenbart und bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich sage aber von huuben Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesum Christum zu allen und auf alle, die da glauben. Oenn es ist hier kein Anterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten; und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Christum Zesum geschehen ist, welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut, damit er die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, darbiete in dem, daß er Sünde vergibt, welche bisher geblieben war unter göttlicher Geduld; auf daß er zu diesen Zeiten darböte die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt; auf daß er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jesum. Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch der Werke Gesetz? Nicht also, sondern durch des Glaubens Gesetz. So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Am 6. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 5, 39—47. Suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habet das ewige Leben darin; und sie ist's, die von mir zeugt; und ihr wollt nicht zu mir kommen, daß ihr das Leben haben möchtet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen; aber ich kenne euch, daß ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmet mich nicht an. So ein anderer wird in seinem eigenen Na⸗ men kommen, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmet, und die Ehre, die von Gott allein ist, suchet ihr nicht! Ihr sollt nicht meinen, daß ich euch vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt, der 0 tant auf welchen ihr hoffet. Wenn ihr Moses glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. So ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben? Am 7. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 253 Epistel, Apostelgesch. 8, 26—39. Der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Stehe auf und gehe gen Mittag auf die Straße, die von Jerusalem geht hinab gen Gaza, die da wüste ist. And er stand auf und ging hin. And siehe, ein Mann aus Mohrenland, ein Kämmerer und Gewaltiger der Königin Kandace in Mohrenland, welcher war über ihre ganze Schatzkammer, der war gekommen gen Jeru⸗ salem, anzubeten, und zog wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten ZJesajas. Der Geist aber sprach zu Philippus: Gehe hinzu und halte dich zu diesem Wagen. Da lief Philippus hinzu und hörte, daß er den Propheten Jesajas las, und sprach: Verstehst du auch, was du liesest? Er aber sprach: Wie kann ich, so mich nicht jemand anleitet? And er⸗ mahnte Philippus, daß er aufträte und setzte sich zu ihm. Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser:„Er ist wie ein Schaf zur Schlachtung geführt, und still wie ein Lamm vor seinem Scherer, also hat er nicht aufgetan seinen Mund. In seiner Niedrigkeit ist sein Gericht aufgehoben. Wer wird aber seines Lebens Länge ausreden? denn sein Leben ist von der Erde weg⸗ genommen.“ Da antwortete der Kämmerer dem Phi⸗ lippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet solches? von sich selber oder von jemand anders? Philippus aber tat seinen Mund auf und fing von dieser Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesu. And als sie zogen der Straße nach, kamen sie an ein Wasser. And der Kämmerer sprach: Siehe, da ist Wasser; was hindert's, daß ich mich taufen lasse? Philippus aber sprach: Glaubst du von ganzem Herzen, so mag's wohl sein. Er antwortete und sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist. And er hieß den Wagen halten, und stiegen hinab in das Wasser beide, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Da sie aber heraufstiegen aus dem Wasser, rückte der Geist des Herrn Philippus hinweg, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich. Am 7. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 12, 31—37. sage euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die gebenn 21 wider n den Geist wird den Menschen nicht vergeben. d wer 2⁵⁴ III. Jahrgang etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt. Setzet entweder einen guten Baum, so wird die Frucht gut; oder setzet einen faulen Baum, so wird die Frucht faul. Denn an der Frucht erkennt man den Baum. Ihr Otterngezüchte, wie könnt ihr Gutes reden, dieweil ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem guten Schatz des Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz. Ich sage euch aber, daß die Menschen müssen Rechen⸗ schaft geben am jüagsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Epistel, 2. Kor. 2, 14—17. ber Gott sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt in Christo und offenbart den Geruch seiner Erkenntnis durch uns an allen Orten. Denn wir sind Gott ein guter Geruch Christi unter denen, die selig werden, und unter denen, die verloren werden; diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. And wer ist hiezu tüchtig? Denn wir sind nicht wie die vielen, die das Wort Gottes verfälschen, sondern als aus Lauterkeit und als aus Gott reden wir vor Gott in Christo. Am 8. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 6, 30—44. D sprachen sie zu ihm: Was tust du denn für ein Zeichen, auf daß wir sehen und glauben dir? Was wirkest du? Ansre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht:„Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.“ Da sprach Jesus zu ihnen: Wahr⸗ lich, wahrlich, ich sage euch: Moses hat euch nicht das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel. Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allewege solch Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den Am 8. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 255 wird nimmermehr dürsten. Aber ich habe es euch gesagt, daß ihr mich gesehen habt, und glaubet doch nicht. Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht, daß ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt san Das ist aber der Wille des Vaters, der mich ge⸗ andt hat, daß ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich s auferwecke am jüngsten Tage. Senn das ist der Wille des, der mich gesandt hat, daß, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, habe das ewige Leben; und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Da murrten die Juden darüber, daß er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, und sprachen: Ist dieser nicht Zesus, Zosephs Sohn, des Vater und Mutter wir kennen? Wie spricht er denn: Ich bin vom Himmel gekommen? Jesus ant⸗ wortete und sprach zu ihnen: Murret nicht untereinander. Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Epistel, Apostelgesch. 16, 16—34. Es geschah aber, da wir zu dem Gebet gingen, daß eine Magd uns begegnete, die hatte einen Wahr⸗ sagergeist und trug ihren Herren viel Gewinst zu mit Wahrsagen. Die folgte allenthalben Paulus und uns nach, schrie und sprach: Diese Menschen sind Knechte Gottes, des Allerhöchsten, die euch den Weg der Selig⸗ keit verkündigen. Solches tat sie manchen Tag. Paulus aber tat das wehe, und er wandte sich um und sprach zu dem Geiste: Ich gebiete dir in dem Namen Jesu Christi, daß du von ihr ausfahrest. And er fuhr aus zu derselben Stunde. Da aber ihre Herren sahen, daß die Hoffnung ihres Gewinstes war ausgefahren, nahmen sie Paulus und Silas, zogen sie auf den Markt vor die Obersten und führten sie zu den Hauptleuten und sprachen: Oiese Menschen machen unsre Stadt irre; sie sind Juden und verkündigen eine Weise, welche uns nicht ziemt an⸗ zunehmen noch zu tun, weil wir Römer sind. And das Volt ward erregt wider sie; und die Hauptleute ließen ihnen die Kleider abreißen und hießen sie stäupen. And da sie sie wohl gestäupt hatten, warfen sie sie ins Ge⸗ fängnis und geboten dem Kerkermeister, daß er sie wohl 2⁵⁶ III. Jahrgang perwahrte. Der, da er solches Gebot empfangen hatte, warf sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Stock. Am die Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. And es hörten sie die Ge⸗ fangenen. Schnell aber ward ein großes Erdbeben, also daß sich bewegten die Grundfesten des Gefängnisses. And von Stund an wurden alle Türen aufgetan und aller Bande los. Als aber der Kerkermeister aus dem Schlafe fuhr und sah die Türen des Gefängnisses aufgetan, zog er das Schwert aus und wollte sich selbst erwürgen; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen. Pau⸗ lus aber rief laut und sprach: Tu dir nichts Ables; denn wir sind alle hier. Er forderte aber ein Licht und sprang hinein und ward zitternd und fiel Paulus und Silas zu den Füßen und führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was soll ich tun, daß ich selig werde? Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig. And sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren. And er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab; und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsobald. And führte sie in sein Haus und setzte ihnen einen Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig geworden war. Am 9. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Mark. 9, 14—29. A er kam zu seinen Jüngern und sah viel Volks um sie und Schriftgelehrte, die sich mit ihnen befragten. And alsbald, da alles Volk ihn sah, entsetzten sie sich, liefen zu und grüßten ihn. And er fragte die Schrift⸗ gelehrten: Was befragt ihr euch mit ihnen? Einer aber aus dem Volk antwortete und sprach: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprach⸗ losen Geist; und wo er ihn erwischt, so reißt er ihn; und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und verdorrt. Ich habe mit deinen Jüngern geredet, daß sie ihn aus; trieben, und sie können's nicht. Er antwortete ihm aber und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch tragen? Bringet ihn her zu mir! And sie brachten ihn her zu ihm. And alsbald, da ihn der Geist sah, riß er ihn; und er fiel auf die Erde und wälzte sich und schäumte. And Am 9. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 25/ er fragte seinen Vater: Wie lange ist's, daß es ihm widerfahren ist? Er sprach: Von Kind auf; und oft hat er ihn in Feuer und Wasser geworfen, daß er ihn um⸗ brächte. Kannst du aber was, so erbarme dich unser und hilf uns. Jesus aber sprach zu ihm: Wenn du könntest glauben] Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. And alsbald schrie des Kindes Vater mit Tränen und sprach: Ich glaube, lieber Herr; hilf meinem An⸗ glauben! Da nun Jesus sah, daß das Volk zulief, be⸗ drohte er den unsauberen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir, daß du von ihm ausfahrest und fahrest hinfort nicht in ihn! Da schrie er und riß ihn sehr und fuhr aus. And er ward, als wäre er tot, daß auch viele sagten: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf; und er stand auf. And da er heim kam, fragten ihn seine Jünger besonders: Warum konnten wir— nicht aus⸗ treiben? Und er sprach: Diese Art kann mit nichts aus⸗ fahren denn durch Beten und Fasten. Epistel, Röm. 10, 8—17. Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in dei⸗ nem Herzen.“ Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. Denn so du mit deinem Munde be⸗ kennst Jesum, daß er der Herr sei, und glaubst in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig. Denn die Schrift spricht:„Wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden.“ Es ist hier kein Anterschied unter Juden und Griechen; es ist aller zumal ein Herr, reich über alle, die ihn anrufen. Denn „wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll selig werden.“ Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht:„Wie lieblich sind die Füße derer, die den Frieden verkündi⸗ gen, die das Gute verkündigen!“ Aber sie sind nicht alle dem Evangelium gehorsam. Denn Zesajas spricht: „Herr, wer glaubt unsrem Predigen?“ So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. 2⁵ III. Jahrgang Am 10. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Mark. 3, 31—35. E kam Jesu Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. And das Volk saß um ihn. And sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder draußen fragen nach dir. And er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? And er sah rings um sich auf die Jünger, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und meine Brüder. Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. Epistel, 1. Kor. 1, 23—31. Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Ju⸗ den ein Argernis und den Griechen eine Torheit, denen aber, die berufen sind, Zuden und Griechen, pre⸗ digen wir Christum, göttliche Kraft und göttliche Weis⸗ heit. Denn die göttliche Torheit ist weiser, denn die Men⸗ 516 sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, denn ie Menschen sind. Sehet an, liebe Brüder, eure Be⸗ rufung; nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Ge⸗ waltige, nicht viel Edle sind berufen; sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er die Weisen zu Schanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er zu Schanden mache, was stark ist; und das Anedle vor der Welt und das Ver⸗ achtete hat Gott erwählt, und das da nichts ist, daß er zunichte mache, was etwas ist, auf daß sich vor ihm kein Fleisch rühme. Von ihm kommt auch ihr her in Christo Jesu, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlö⸗ sung, auf daß(wie geschrieben steht),„wer sich rühmet, der rühme sich des Herrn“. Am 11. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 14, 25—33. E ging viel Volks mit ihm; und er wandte sich und sprach zu ihnen: So jemand zu mir kommt und hasset nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwe⸗ stern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein. And wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wer ist aber RIRIRIIIAII‚P‚C DD Am 12. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 259 unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzt nicht zu⸗ vor und überschlägt die Kosten, ob er's habe hinauszu⸗ führen? Auf daß nicht, wo er den Grund gelegt hat und kann's nicht hinausführen, alle, die es sehen, fangen an, sein zu spotten, und sagen: Dieser Mensch hob an zu bauen und kann's nicht hinausführen. Oder welcher König will sich begeben in einen Streit wider einen anderen König und sitzt nicht zuvor und ratschlagt, ob er könne mit zehn⸗ tausend begegnen dem, der über ihn kommt mit zwanzig⸗ tausend? Wo nicht, so schickt er Botschaft, wenn jener noch ferne ist, und bittet um Frieden. Also auch ein jeg⸗ licher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein. Epistel, Kol. 2, 6—10. Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christum Jefum, so wandelt in ihm und seid gewurzelt und erbauer in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt seid, und seid in demselben reichlich dankbar. Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen, und nicht nach Christo. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid vollkommen in ihm, welcher ist das Haupt aller Fürstentümer und Obrigkeiten. Am 12. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 17, 5—10. Die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben habt als ein Senfkorn und sagt zu diesem Maulbeerbaum: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer! so wird er euch gehorsam sein. Welcher ist unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflügt oder das Vieh weidet, wenn er heim⸗ kommt vom Felde, daß er ihm sage: Gehe alsbald hin und setze dich zu Tische? Ist's nicht also, daß er zu ihm sagt: Richte zu, was ich zu Abend esse, schürze dich und diene mir, bis ich esse und trinke; darnach sollst du auch essen und trinken? Dankt er auch dem Knechte, daß er getan hat, was ihm befohlen war? Ich meine es nicht. Also auch ihr; wenn ihr alles getan habt, was euch be⸗ fohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. 26⁰ III. Jahrgang Epistel, 1. Kor. 3, 1—15. AYd ich, liebe Brüder, konnte nicht mit euch reden als mit Geistlichen, sondern als mit Fleischlichen, wie mit jungen Kindern in Christo. Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht Speise; denn ihr konntet noch nicht. Auch könnt ihr noch jetzt nicht, dieweil ihr noch fleischlich seid. Denn sintemal Eifer und Zank und Zwie⸗ tracht unter euch sind, seid ihr nicht fleischlich und wan⸗ delt nach menschlicher Weise? Denn so einer sagt: Ich bin paulisch, der andre aber: Ich bin apollisch,— seid ihr nicht fleischlich⸗ Wer ist nun Paulus? wer ist Apollos? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig geworden; und das, wie der Herr einem jeglichen gegeben hat. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der da pflanzt noch der da begießt, etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Der aber pflanzt und der da begießt, ist einer wie der andere. Ein jeglicher aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerwerk und Gottes Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund ge⸗ legt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baue. Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. So aber jemand auf diesen Grund baut Gold, Silber, edle Steine, Holz, Heu, Stop⸗ peln, so wird eines jeglichen Werk offenbar werden: der Tag wird's klar machen. Denn er wird durchs Feuer offenbar werden, und welcherlei eines jeglichen Werk sei, wird das Feuer bewähren. Wird jemandes Werk blei⸗ ben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn emp⸗ fangen. Wird aber jemandes Wert verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird selig werden, so doch, wie durchs Feuer. Am 13. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 15, 18—25. So euch die Welt hasset, so wisset, daß sie mich vor euch gehasset hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt er⸗ wählt, darum hasset euch die Welt. Gedenket an mein ——— Am 14. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest 261 Wort, das ich euch gesagt habe: der Knecht ist nicht größer denn sein Herr. Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort ge⸗ halten, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vor⸗ wenden, ihre Sünde zu entschuldigen. Wer mich hasset, der hasset auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie es gesehen und hassen doch beide, mich und meinen Vater. Doch daß erfüllet werde der Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben: „Sie hassen mich ohne Arsache.“ Epistel, 1. Joh. 4, 1—6. Ibo Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viel falsche Propheten ausgegangen in die Welt. ODaran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: ein jeg⸗ licher Geist, der da bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist von Gott; und ein jeg⸗ licher Geist, der da nicht bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist nicht von Gott. And das ist der Geist des Widerchrists, von welchem ihr habt gehört, daß er kommen werde, und ist jetzt schon in der Welt. Kindlein, ihr seid von Gott und habt jene überwunden; denn der in euch ist, ist größer, denn der in der Welt ist. Sie sind von der Welt; darum reden sie von der Welt, und die Welt hört sie. Wir sind von Gott, und wer Gott erkennt, der hört uns; welcher nicht von Gott ist, der hört uns nicht. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. Am 14. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 5, 1—18. Darnech war ein Fest der Juden, und Jesus zog hin⸗ auf gen Jerusalem. Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda und hat fünf Hallen, in welchen lagen viele Kranke, 26² III. Jahrgang Blinde, Lahme, Verdorrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte. Denn ein Engel fuhr herab zu seiner Zeit in den Teich und bewegte das Wasser. Welcher nun zuerst, nachdem das Wasser bewegt war, hineinstieg, der ward gesund, mit welcherlei Seuche er behaftet war. Es war aber ein Mensch daselbst, achtunddreißig Jahre lang krank gelegen. Da Jesus ihn sah liegen und ver⸗ nahm, daß er so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich bewegt, der mich in den Teich lasse; und wenn ich lomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin! And alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber desselben Tages der Sabbat. GSa sprachen die Juden zu dem, der ge⸗ sund geworden war: Es ist heute Sabbat; es ziemt dir nicht, das Bett zu tragen. Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: Nimm dein Bett ünd gehe hin! Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett und gehe hin? Der aber gesund geworden war, wußte nicht, wer es war; denn Zesus war gewichen, da so viel Volks an dem Ort war. Darnach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Argeres widerfahre. Der Mensch ging hin und verkündigte es den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe. Darum verfolgten die Juden Jesum und suchten ihn zu töten, daß er solches getan hatte am Sabbat. Zesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirket bisher, und ich wirke auch. Darum trachteten ihm die Juden nun viel mehr nach, daß sie ihn töteten, daß er nicht allein den Sabbat brach, sondern sagte auch, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich. Epistel, 2. Kor. 4,7—10. Wir haben aber solchen Schatz in irdenen Gefäßen, auf daß die überschwengliche Kraft sei Gottes und nicht von uns. Wir haben allenthalben Trübsal; aber wir ängsten uns nicht. Ans ist bange; aber wir ver⸗ zagen nicht. Wir leiden Verfolgung; aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt; aber wir Am 15. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 263 kommen nicht um, und tragen allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unsrem Leibe, auf daß auch das Leben des Herrn Jesu an unsrem Leibe offenbar werde. Am 15. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Mark. 1, 35—39. Des Morgens vor Tage stand Jesus auf und ging hinaus. And er ging in eine wüste Stätte und betete Liten it And Petrus mit denen, die bei ihm waren, eilten ihm nach. And da sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. And er sprach zu ihnen: Laßt uns in die nächsten Städte gehen, daß ich daselbst auch predige; denn dazu bin ich gekommen. And er predigte in ihren Schulen in ganz Galiläa und trieb die Teufel aus. Epistel, 1. Tim. 4, 4—8. Illle Kreatur Gottes ist gut, und nichts ist verwerf⸗ lich, das mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet. Wenn du den Brüdern solches vorhältst, so wirst du ein guter Diener Jesu Christi sein, auferzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, bei welcher du immerdar gewesen bist. Aber der ungeistlichen Alt⸗ weiberfabeln entschlage dich; übe dich selbst aber an der Gottseligkeit. Denn die leibliche Abung ist wenig nütz; aber die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nütz und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. Am 16. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 14, 12—15. Jesus sprach zu dem, der ihn geladen hatte: Wenn D du ein Mittags⸗ oder Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde noch deine Brüder noch deine Ge⸗ freundten noch deine Nachbarn, die da reich sind, auf daß sie dich nicht etwa wieder laden und dir vergolten werde; sondern, wenn du ein Mahl machst, so lade die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die Blinden, so bist du selig; denn sie haben's dir nicht zu vergelten; es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten. Da aber solches hörte einer, der mit zu Tische saß, sprach er zu ihm: Selig ist, der das Brot ißt im Reich Gottes. 26⁴ III. Jahrgang Epistel, 2. Kor. 9, 6—11. Wer da kärglich säet, der wird auch kärglich ernten; und wer da säet im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeglicher nach seiner Willkür, nicht mit Anwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, daß allerlei Gnade unter euch reichlich sei, daß ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken; wie geschrieben steht:„Er hat ausgestreut und gegeben den Armen; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.“ Der aber Samen reicht dem Säemann, der wird auch das Brot reichen zur Speise und wird vermehren euren Samen und wachsen lassen das Gewächs eurer Gerech⸗ tigleit, daß ihr reich seid in allen Dingen mit aller Ein⸗ falt, welche wirkt durch uns Danksagung Gotte. Am 17. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 21, 28—-32. Was dünket euch? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge. Er antwortete aber und sprach: Ich will's nicht tun. Dar⸗ nach reute es ihn und er ging hin. And er ging zum andern und sprach gleich also. Er antwortete aber und sprach: Herr, ja, und ging nicht hin. Welcher unter den zweien hat des Vaters Willen getan? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr. Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. And ob ihr's wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, daß ihr ihm darnach auch geglaubt hättet. Epistel, Apostelgesch. 21,814. es andern Tages zogen wir aus, die wir um Paulus waren, und kamen gen Cäsarea und gingen in das Haus Philippus' des Evangelisten, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm. Der hatte vier Töchter, die waren Jungfrauen und weissagten. And als wir mehrere Tage dablieben, reiste herab ein Prophet aus Judäa, mit Namen Agabus, und kam zu uns. Der nahm den Gürtel des Paͤulus und band sich die Hände Am 18. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 265 und Füße und sprach: Das sagt der heilige Geist: Den Mann, des der Gürtel ist, werden die Juden also binden zu Jerusalem und überantworten in der Heiden Hände. Als wir aber solches hörten, baten wir und die des⸗ selben Orts waren, daß er nicht hinauf gen Jerusalem zöge. Paulus aber antwortete: Was macht ihr, daß ihr weinet und brechet mir mein Herz? Denn ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen, sondern— zu sterben zu Jerusalem um des Namens willen des Herrn Jesu. Da er aber sich nicht überreden ließ, schwiegen wir und sprachen: Des Herrn Wille geschehe. Am 18. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 14, 1—12. Zu der Zeit kam das Gerücht von Jesu vor den Vier⸗ fürsten Herodes. And er sprach zu seinen Knechten: Dieser ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden, darum tut er solche Taten. Denn Herodes hatte Johannes gegriffen, gebunden und in das Gefäng⸗ nis gelegt von wegen der Herodias, seines Bruders Philippus Weib. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht recht, daß du sie habest. And er hätte ihn gerne getötet, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn sie hielten ihn für einen Propheten. Da aber Herodes seinen Jahrstag beging, da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das gefiel Herodes wohl. Darum verhieß er ihr mit einem Eide, er wollte ihr geben, was sie fordern würde. And wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet war, sprach sie: Gib mir her auf einer Hönig das Haupt Johannes' des Täufers. And der König ward traurig; doch um des Eides willen und derer, die mit ihm zu Tisch saßen, befahl er's ihr zu geben. And schickte hin und enthauptete Johannes im Gefängnis. And sein Haupt ward hergetragen in einer Schüssel und dem Mägdlein gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter. Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leib und begruben ihn; und kamen und verkündigten das Jesu. Epistel, Jak. 2, 1—10. iebe Brüder, haltet nicht dafür, daß der Glaube an Jesum Christum, unsern Herrn der Herrlichkeit, An⸗ sehung der Person leide. Denn so in eure Versamm⸗ 266 III. Jahrgang lung käme ein Mann mit einem goldnen Ringe und mit einem herrlichen Kleide, es käme aber auch ein Armer in einem unsaubern Kleide, und ihr sähet auf den, der das herrliche Kleid trägt, und sprächet zu ihm: Setze du dich her aufs beste, und sprächet zu dem Armen: Stehe du dort oder setze dich her zu meinen Füßen, ist's recht, daß ihr solchen Anterschied bei euch selbst macht und richtet nach argen Gedanken? Höret zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen auf dieser Welt, die am Glauben reich sind und Erben des Reichs, welches er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? Ihr aber habt dem Armen Anehre getan. Sind nicht die Reichen die, die Gewalt an euch üben und ziehen euch vor Gericht? Verlästern sie nicht den guten Namen, nach dem ihr genannt seid? So ihr das könig⸗ liche Gesetz erfüllet nach der Schrift:„Liebe deinen Nächsten als dich selbst“, so tut ihr wohl. So ihr aber die Person ansehet, tut ihr Sünde und werdet über⸗ ührt vom Gesetz als Abertreter. Denn so jemand as ganze Gesetz hält und sündigt an einem, der ist's ganz schuldig. Am 19. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Luk. 10, 17—20. ie Siebzig kamen wieder mit Freuden und sprachen: Herr, es sind uns auch die Teufel untertan in deinem Namen. Er sprach aber zu ihnen: Ich sah wohl den Satanas vom Himmel fallen als einen Blitz. Sehet, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Sehlangen und Skorpione, und über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch beschädigen. Doch darin freuet euch nicht, daß euch die Geister untertan sind; freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind. Epistel, Nöm. 8, 33—39. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und ver⸗ tritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Fährlichkeit oder Schwert? wie geschrieben Am 20. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 26/ steht:„Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.“ Aber in dem allem überwinden wir weit um des willen, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Am 20. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 16, 13—19. Da kam Jesus in die Gegend der Stadt Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer; die andern, du seiest Elias; etliche, du seiest Zeremias oder der Pro⸗ pheten einer. Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn. And Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, des Jona Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. And ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. And ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. Epistel, Eph. 4, 716. Eidem jeglichen unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi. Darum heißt es:„Er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängnis ge⸗ fangen geführt und hat den Menschen Gaben gegeben.“ Daß er aber aufgefahren ist, was ist's, denn daß er zu⸗ vor ist hinuntergefahren in die untersten Orter der Erde? Der hinuntergefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf daß er alles erfüllte. And er hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, daß die Heiligen zugerichtet werden zum Werk des Amts, 268 III. Jahrgang dadurch der Leib Christi erbaut werde, bis daß wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden, der da sei im Maße des vollkommenen Alters Christi, auf daß wir nicht mehr Kinder seien und uns bewegen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre durch Schalk⸗ heit der Menschen und Täuscherei, womit sie uns er⸗ schleichen, uns zu verführen. Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, von welchem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hanget durch alle Gelenke, dadurch eins dem andern Handreichung tut nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seinem Maß und macht, daß der Leib wächst zu seiner selbst Besserung, und das alles in der Liebe. Am 21. Sonntag nach dem DOreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 18, 15—20. Sündigt aber dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn zwischen dir und ihm allein. Hört er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er dich nicht, so nimm noch einen oder zwei zu dir, auf daß alle Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund. Hört er die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er die Ge⸗ meinde nicht, so halte ihn als einen Heiden und Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein. Weiter sage ich euch: Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, daß sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Epistel, Hebr. 13,79. Gedenken an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach. ZJesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasset euch nicht mit mancher⸗ lei und fremden Lehren umtreiben; denn es ist ein köst⸗ lich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisen, davon keinen Nutzen haben, die damit umgehen. — 8——6 9928 —7— Am 22. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 269 Am 22. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 12, 34—43. D antwortete ihm das Volk: Wir haben gehört im Gesetz, daß Christus ewiglich bleibe; und wie sagst du denn: Ses Menschen Sohn muß erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn? Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, dieweil ihr das Licht habt, daß euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht. Glaubet an das Licht, dieweil ihr's habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid. Solches redete Jesus und ging weg und verbarg sich vor ihnen. And ob er wohl solche Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie doch nicht an ihn; auf daß erfüllet würde der Spruch des Propheten Jesajas, den er sagte:„Herr, wer glaubt unsrem Predigen? And wem ist der Arm des Herrn offenbart?“ Darum konnten sie nicht glauben, denn Je⸗ sajas sagte abermals:„Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, daß sie mit den Augen nicht sehen noch mit dem Herzen vernehmen und sich bekehren und ich ihnen hülfe.“ Solches sagte Jesajas, da er seine Herr⸗ lichkeit sah und redete von ihm. Doch auch der Obersten glaubten viele an ihn; aber um der Pharisäer willen bekannten sie es nicht, daß sie nicht in den Bann getan würden. Denn sie hatten lieber die Ehre bei den Men · schen denn die Ehre bei Gott. Epistel, 2. Tim. 1, 8—14. Sobäme dich nicht des Zeugnisses unsers Herrn noch meiner, der ich sein Gebundener bin, sondern leide mit für das Evangelium wie ich, nach der Kraft Gottes, der uns hat selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Vor⸗ satz und der Gnade, die uns gegeben ist in Christo Jesu vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart durch die Er⸗ scheinung unsers Heilandes Jesu Christi, der dem Tode die Macht hat genommen und das Leben und ein un⸗ vergänglich Wesen ans Licht gebracht durch das Evan⸗ gelium, für welches ich gesetzt bin als Prediger und Apostel und Lehrer der Heiden. Am dieser Arsache willen leide ich auch solches; aber ich schäme mich dessen nicht; denn ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiß, er kann 27⁰ III. Jahrgang mir bewahren, was mir beigelegt ist, bis an jenen Tag. Halte an dem Vorbilde der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christo Zesu. Dies beigelegte Gut bewahre durch den heiligen Geist, der in uns wohnt. Am 23. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 16, 1—3. Da traten die Pharisäer und Sadduzäer zu ihm; die versuchten ihn und forderten, daß er sie ein Zeichen vom Himmel sehen ließe. Aber er antwortete und sprach: Des Abends sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot; und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute Angewitter sein, denn der Himmel ist rot und trübe. Ihr Heuchler, über des Himmels Gestalt könnt ihr urteilen; könnt ihr denn nicht auch über die Zeichen dieser Zeit urteilen? Epistel, Apostelgesch. 20, 17—38. Ven Milet sandte Paulus nach Ephesus und ließ for⸗ dern die Altesten von der Gemeinde. Als aber die zu ihm kamen, sprach er zu ihnen: Ihr wisset, von dem ersten Tage an, da ich bin nach Asien gekommen, wie ich allezeit bin bei euch gewesen und dem Herrn gedient haͤbe mit aller Demut und mit viel Tränen und Anfech⸗ tungen, die mir sind widerfahren von den Juden, so mir nachstellten; wie ich nichts verhalten habe, das da nütz⸗ lich ist, daß ich's euch nicht verkündigt hätte und euch gelehrt öffentlich und sonderlich; und habe bezeugt, beiden, den Juden und Griechen, die Buße zu Gott und den Glauben an unsern Herrn Zesus Christus. And nun siehe, ich, im Geiste gebunden, fahre hin gen Jerusalem, weiß nicht, was mir daselbst begegnen wird, nur daß der heilige Geist in allen Städten bezeugt und spricht, Bande und Trübsale warten mein daselbst. Aber ich achte der keines, ich halte mein Leben auch nicht selbst teuer, auf daß ich vollende meinen Lauf mit Freuden und das Amt, das ich empfangen habe von dem Herrn Jesus, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes. And nun siehe, 4 weiß, daß ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, alle die, bei welchen ich durchgekommen bin und gepredigt habe das Reich Gottes. Darum bezeuge ich euch an — ISIee Am 24. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest 27¹1 diesem Tage, daß ich rein bin von aller Blut denn ich habe euch niehts verhalten, daß ich nicht ver⸗ kündigt hätte all den Nat Gottes. So habt nun che auf euch selbst und auf die ganze Herde, unter welche euch der heilige Geist gesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein eigen Blut erworben hat. Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die der Herde nicht verschonen werden. Auch aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen. Darum seid wach und denket daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und Nacht, einen jeglichen mit Tränen zu vermah⸗ nen. And nun, liebe Brüder, ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu er⸗ bauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt werden. Ich habe euer keines Silber noch Gold noch Kleid begehrt. Denn ihr wisset selber, daß mir diese Hände zu meiner Notdurft und derer, die mit mir ge⸗ wesen sind, gedient haben. Ich habe es euch alles gezeigt, daß man also arbeiten müsse und die Schwachen auf⸗ nehmen und gedenken an das Wort des Herrn ZJesu, daß er gesagt hat:„Geben ist seliger denn Nehmen.“ And als er solches gesagt, kniete er nieder und betete mit ihnen allen. Es ward aber viel Weinens unter ihnen allen, und sie sielen Paulus um den Hals und küßten ihn, am allermeisten betrübt über das Wort, das er sagte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen; und geleiteten ihn in das Schiff. Am 24. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Joh. 11, 1—27. Eꝰ lag einer krank mit Namen Lazarus, von Bethanien, in dem Flecken Marias und ihrer Schwester Martha. (Maria aber war, die den Herrn gesalbt hat mit Salbe und seine Füße getrocknet mit ihrem Haar; deren Bruder, Lazarus, war krank.) Da sandten seine Schwestern zu ihm und ließen ihm sagen: Herr, siehe, den du lieb hast, der liegt krank. Da Zesus das hörte, sprach er: Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehrt werde. Jesus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und Sazarus. Als er nun hörte, daß er krank war, blieb er 27² III. Jahrgang zwei Tage an dem Ort, da er war. Lanach spricht er zu seinen Jüngern: Laßt uns wieder nach Judäa ziehen. Seine Jünger sprachen zu ihm: Meister, jenes Mal wollten die Juden dich steinigen, und du willst wieder dahin ziehen? Jesus antwortete: Sind nicht des Tages zwölf Stunden? Wer des Tages wandelt, der stößt sich nicht; denn er sieht das Licht dieser Welt. Wer aber des Nachts wandelt, der stößt sich; denn es ist kein Licht in ihm. Solches sagte er, und darnach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, daß ich ihn aufwecke. Da sprachen seine Jünger: Herr, schläft er, so wird's besser mit ihm. Jesus aber sagte von seinem Tode; sie meinten aber, er vedete vom leiblichen Schlaf. Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben; und ich bin froh um euretwillen, daß ich nicht da gewesen bin, auf daß ihr glaubet; aber lasset uns zu ihm ziehen. Da sprach Thomas, der genannt ist Zwilling, zu den Jüngern: Laßt uns mitziehen, daß wir mit ihm sterben. Da kam Zesus und fand ihn, daß er schon vier Tage im Grabe gelegen hatte. Bethanien aber war nahe bei Jerufalem, bei fünfzehn Feld Weges; und viele Juden waren zu Martha und Maria gekommen, sie zu trösten über ihren Bruder. Als Martha nun hörte, daß Zesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen. Da sprach Martha zu Jesu: Herr, wärest du hier ge⸗ wesen, mein Bruder wäre nicht gestorben; aber ich weiß auch noch, daß, was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. Zesus spricht zu ihr: Dein Bruder soll auferstehen. Martha spricht zu ihm: Ich weiß wohl, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am jüngsten Tage. Zesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Herr, ja; ich glaube, daß du bist Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. Epistel, 1. Kor. 15, 30—34. Was stehen wir alle Stunde in der Gefahr? Bei unserm Ruhm, den ich habe in Christo Jesu, unserm Herrn, ich sterbe täglich. Habe ich nach mensch⸗ licher Meinung zu Ephesus mit wilden Tieren gefochten, Am 25. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 273 was hilft's mir? So die Toten nicht auferstehen,„lasset uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!“ Lasset euch nicht verführen. Böse Geschwätze verderben gute Sitten. Werdet doch einmal recht nüchtern und sündiget nicht! Denn etliche wissen nichts von Gott das sage ich euch zur Schande. Am 25. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 25, 1—13. Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jung⸗ frauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen nicht Ol mit sich. Die klugen aber nahmen Ol in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Ole, denn unsre Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; geht aber hin zu den Krämern und kauft für euch selbst. And da sie hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hin⸗ ein zur Hochzeit, und die Tür ward verschlossen. Zu⸗ letzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wachet= ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Darum wachet; denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Epistel, Offenb. 22, 10—15. A er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung in diesem Buch; denn die Zeit ist nahe. Wer böse ist, der sei fernerhin böse; und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm; und wer heilig ist, der sei ferner⸗ hin heilig. Siehe, ich lomme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden. Ich bin das A und das O, der Anfang und 27⁴ III. Jahrgang das Ende, der Erste und der Letzte. Selig sind, die seine un Gebote halten, auf daß sie Macht haben an dem Holz Te des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt. 4. Denn draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Totschläger und die Abgöttischen und 1 alle, die lieb haben und tun die Lüge. St Am 26. Sonntag nach dem Oreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 24, 15—28. ih Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwü⸗ w stung(davon gesagt ist durch den Propheten Da⸗ Er niel), daß er steht an der heiligen Stätte(wer das lieset, T der merke daraufl), alsdann fliehe auf die Berge, wer w im jüdischen Lande ist; und wer auf dem Dach ist, der Un steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen; ni und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine tu Kleider zu holen. Weh aber den Schwangern und Säuge⸗ be rinnen zu der Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat. Denn es wird als⸗ dann eine große Trübsal sein, als nicht gewesen ist von An⸗ fang der Welt bis her, und als auch nicht werden wird. And wo diese Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus! oder: da! so sollt ihr's nicht glau⸗ ben. Denn es werden falsche Christi und falsche Pro⸗ pheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, daß verführt werden in den Irrtum, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste! so gehet nicht hinaus,— siehe, er ist in der Kammer! so glaubt nicht. Denn gleichwie der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Nieder⸗ gang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Epistel, Offenb. 21, 10—12 und 21—27. An er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das hei⸗ lige Jerusalem, herniederfahren aus dem Himmel von Gott. Die hatte die Herrlichkeit Gottes, und ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem hellen Jaspis; 82. — — SeöAA öKNF, Am 27. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest 275 und sie hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel, und Namen darauf geschrieben, nämlich der zwölf Geschlechter der Kinder Israel. And die zwölf Tore waren zwölf Perlen, und ein jeglich Tor war von einer Perle; und die Gassen der Stadt waren lauteres Gold wie ein durchscheinend Glas. And ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der all⸗ mächtige Gott, ist ihr Tempel, und das Lamm. And die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. And die Heiden, die da selig werden, wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen. And ihre Tore werden nicht verschlossen des Tages; denn da wird keine Nacht sein. And man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Heiden in sie bringen. And es wird nicht hineingehen irgend ein Gemeines und das da Greuel tut und Lüge, sondern die geschrieben sind in dem Lebens⸗ buch des Lammes. Am 27. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest Evangelium, Matth. 24, 36—42. on dem Tage aber und von der Stunde weiß nie⸗ mand, auch die Engel nicht im Himmel, sondern allein mein Vater. Aber gleichwie es zu der Zeit Noahs war, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns. Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut— sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging; und sie achte⸗ ten's nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin —, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns. Dann werden zwei auf dem Felde sein; einer wird an⸗ genommen, und der andere wird verlassen werden. Zwei werden mahlen auf der Mühle; eine wird angenommen, und die andere wird verlassen werden. Darum wachet; denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kom⸗ men wird. Epistel, 1. Kor. 15, 21—28. Dud einen Menschen kommt der Tod und durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn gleich⸗ wie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden; ein jeglicher aber in seiner 27⁶ III. Jahrgang Ordnung: der Erstling Christus; darnach die Christo an⸗ gehören, wenn er kommen wird; darnach das Ende, wenn er das Reich Gott und dem Vater überantworten wird, wenn er aufheben wird alle Herrschaft und alle Obrig⸗ keit und Gewalt. Er muß aber herrschen, bis daß er„alle seine Feinde unter seine Füße lege“. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod. Denn„er hat ihm alles unter seine Füße getan“. Wenn er aber sagt, daß es alles untertan sei, ist's offenbar, daß ausgenommen ist, der ihm alles untergetan hat. Wenn aber alles ihm unter⸗ tan sein wird, alsdann wird auch der Sohn sebst unter⸗ tan sein dem, der ihm alles untergetan hat, auf daß Gott sei alles in allen. Anleitung zum Gebet (Nach Martin Luther) Wern ich fühle, daß ich durch fremde Geschäfte oder Gedanken bin kalt und unlustig zu beten worden, hebe ich an das Vaterunser, die Zehn Gebot, den Glauben und, darnach ich Zeit habe, etliche Sprüche Christi, Pauli, oder Psalmen mündlich bei mir selbst zu sprechen, aller⸗ dinge wie die Kinder tun. Darum ist's gut, daß man frühe morgens lasse das Gebet das erste und des Abends das letzte Werk sein, und hüte sich mit Fleiß vor diesen falschen, betrüglichen Gedanken, die da sagen: Harr ein wenig, über eine Stunde will ich beten, ich muß dies oder das zuvor fertigen. Denn mit solchen Gedanken kommt man vom Gebet in die Geschäfte, die halten und umfangen dann einen, daß aus dem Gebet des Tags nichts wird. Wenn ich Zeit und Raum habe, so mache ich aus einem jeglichen Gebot ein vierfach gedrehtes Kränzlein, und nehme es zum ersten als eine Lehre, wie es denn an ihm selber ist, und denke, was unser Herr Gott darin so ernstlich von mir fordert. Zum andern mache ich eine Danksagung daraus. Zum dritten eine Beicht. Zum vierten ein Gebet. Zuletzt merke, daß du mußt das Amen allewege stark machen, und nicht zweifeln, Gott höre dir zu, e. And mit allen Gnaden, und sage ja zu deinem Gebet. An denke ja, daß du nicht alleine da knieest und stehest, son⸗ dern die ganze Christenheit, oder alle frommen Christen bei dir, und du unter ihnen, in einmütigem, einträchtigem Gebet, welches Gott nicht verachten kann. And gehe nicht vom Gebet, du habest denn gesagt oder gedacht: Wohlan, dies Gebet ist bei Gott erhöret, das weiß ich gewiß und fürwahr, das heißt: amen. Gebet auf Gottes Gebot und Verheißung (Nach Martin Luther) Lin Herr Gott, du weißt, daß ich ja nicht von mir selbst und aus eigenem Vermessen noch auf meine Würdigkeit vor dich komme. Denn so ich das wollte ansehen, so dürfte ich die Augen nicht vor dir aufheben und wüßte nicht, wie ich anfahen sollte zu beten. Son⸗ dern darauf komme ich, daß du selbst geboten hast und ernstlich forderst, daß wir dich sollen anrufen, und auch Verheißung zugesagt hast; dazu deinen eigenen Sohn esandt, der uns gelehret, was wir beten sollen, und die orte vorgesprochen hat. Darum weiß ich, daß dir solch Gebet gefällt; und mein Vermessen, daß ich mich Gottes Kind vor dir rühmen darf, scheine, wie groß es wolle, 6 muß ich dir gehorsam sein, daß du es so haben willt, amit ich dich nicht Lügen strafe und mich über andere Sünde noch schwerer gegen dich natenbene beides, mit Verachten deines Gebots und Anglauben an deine Verheißung. Lieber Gott, o daß wir so fleißig wären zu beten, zum wenigsten mit Seufzen des Herzens, als du bist mit Reizen, Locken, Gebieten, Verheißen und Nötigen zum Gebet. Ach wir sind ja zu faul und undankbar! Das vergib uns, lieber Gott, und stärke uns den Glauben. Ich soll und will beten auf dein Gebot und Verheißung. Aber ich kann's nicht gut machen; taugt's nun nicht und gilt's nicht in meinem Namen, so laß es gelten und gut sein in meines Herrn Christi Namen. Amen. Gottes Kindschaft (Nach Martin Luther) Hen Gott, himmlischer Vater, ich halte mich für dein liebes Kind und dich für meinen lieben Vater; nicht daher, daß ich's verdiente oder immer mehr verdienen könnte, sondern darum, daß mein lieber Herr, dein ein⸗ geborner Sohn Zesus Christus, will mein Bruder sein und von ihm selbst solches mir verkündigt und anbeut, daß ich ihn soll für meinen Bruder halten, und er mich dafür hält. Solch dein Kind wollest du mich sein und bleiben lassen ewiglich. Amen. ein icht ꝛen in⸗ ein ut, ich nd Gebete 279 Preis der Liebe Gottes (Nach Christian Seriver, 1 1693) Mein Gott, wie reich, wie selig bin ich, daß ich deine Liebe habe! Deine Liebe ist mein Himmel, der mich allenthalben umfängt, meine Sonne, die mich er⸗ leuchtet, meine Quelle, daraus ich mich labe, mein Haus, darin ich wohne, mein Schild, darunter ich streite, meine Krone, damit ich prange, mein Leben, davon und darin ich lebe. Was kann mir denn fehlen, was kann mir schaden, was kann mich betrüben, weil ich deine Liebe habe? Ich will mich dann vor nichts fürchten: nicht vor dem Teufel und der ganzen Hölle, denn ich bin verwahret in deiner Liebe; nicht vor der Welt, denn deine Liebe und mein Glaube hat die Welt überwunden; nicht vor meiner Sünde, denn deine Liebe hat sie getilgt und in die Tiefe des Meeres geworfen; nicht vor meinem Ge⸗ wissen, denn deine Liebe hat es gestillt; nicht vor Armut, denn deine Liebe ist mein Schaß; nicht vor Verfolgung, denn deine Liebe ist meine Zuflucht; nicht vor Schande, denn deine Liebe ist meine Ehre; nicht vor Anfechtung, denn deine Liebe ist meine Hilfe und Trost; nicht vor Krankheit, denn deine Liebe ist meine Arznei, meine Pflegerin und mein Labsal; nicht vor dem Tod, denn deine Liebe ist mein Leben. Führe mich denn, mein Vater, wie du willst, züchtige, läutere, prüfe mich nach deinem Wohlgefallen, laß mir nur die Versicherung deiner ewigen Liebe, so genüget mir. Laß mich Freude oder Traurigkeit haben, laß mich leben oder sterben, nur in und mit deiner Liebe, so ist alles gut. Amen. Gebet für alle Tage der Woche Giliger Gott und Vater! Leben und Wohltat hast du an uns getan, und dein Aufsehen bewahrt unsern Odem. Habe Dank für dein treues Leiten und Behüten und für alles Gute, das du täglich uns bescherst. Auch in der Liebe unserer Mitchristen dürfen wir deine Liebe schmecken. Besonders preisen wir dich für dein Er⸗ barmen in Jesus Christus; durch ihn hast du uns von Sünde und Tod erlöst, zu deiner Gemeinschaft berufen und mit geistlichem Segen in himmlischen Gütern reich⸗ lich gesegnet. 22 Gebete Himmlischer Vater! Mit allen deinen Kindern flehen wir zu dir: Erhalte uns bei deinem Wort, heilige uns durch deinen Geist, 6. 55 uns tüchtig zu jedem guten Werk. Steure allem bösen Wesen. Schaffe deinem Licht und deiner Wahrheit allenthalben eine freie Bahn. Regiere unsere Obrigkeit, daß sie als deine Dienerin ihres Amtes walte. Erhaͤlte unsrem Vaterlande den Frieden nach außen und nach innen; laß Wohlfahrt und Gerechtigkeit unter uns blühen. Gib uns unser täglich Brot und was wir sonst bedürfen. Gedenke gnädig der Kranken, der Betrübten und aller, die mit Not und Sorge beschwert sind. Sei ihnen ein milder Tröster und ein barmherziger Helfer. Ewiger Gott! Ansere Zeit fährt schnell dahin. Lehre uns die Flucht unserer Tage bedenken, damit wir klug werden. Stehe uns bei, daß wir in deiner Furcht leben und dereinst in deinem Frieden von der Erde scheiden. Amen. Morgengebet auf alle Tage der Woche Ah Dante gütiger Gott, lieber himmlischer Vater! Ich danke dir, daß du mich und die Meinigen in dieser Nacht so gnädig behütet und durch einen erquicken⸗ den Schlaf neu gestärkt hast. O Herr, du Schöpfer und Erhalter meines Lebens, ich bin zu gering a ler Barm⸗ herzigkeit und aller Treue, die du an mir getan hast. Deine Güte ist's, daß wir nicht gar aus sind; deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Das ist ein köstlich Ding, dir danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen. Nun darf ich mich wieder zu einem neuen Tagewerk erheben. So hilf, o Gott, daß dieser neue Tag meines Lebens dir geheiligt sei. Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Halte mich fest in der Gemeinschaft meines Seilandes Zesu Christi, daß ich auf ihn schaue, ihm treulich nachfolge und seiner Gnade mich getröste. Bewaͤhre mich vor böfen Gedanken und Begierden. Hilf, daß ich nichts rede oder tue, was dir zuwider ist. Schenke uns auch heute wieder, was wir bedürfen, segne uns unser hen uns iten nem ahn. erin den und glich der und öster ehre klug und men. ater! en in icken⸗ und zarm⸗ hast. deine t alle st ein amen, dachts ewerk ieines Weg, Herz Halte Zesu hfolge ha vor nichts e uns unser Gebete 28¹ täglich Brot, fördere unsre Arbeit und laß sie wohl gelingen. Barmherziger Gott, laß alle, die in mancherlei Not und Sorgen diesen Tag antreten, dir besonders befohlen sein. Tröste die Betrübten, stärke die Schwachen; und welchen du eine besondere Last aufgelegt hast, denen hilf, daß sie ihr Vertrauen nicht wegwerfen und daß sie ausharren in Geduld. Segne auch alles, nah und fern, das Große und das Kleine, was im Dienste der Liebe und zur Verherrlichung deines Namens getan wird. Sei Sonne und Schild allen, die dich anrufen. Laß alle Lande deiner Ehre voll werden. And nun, o getreuer Gott, nimm uns und die Ansri⸗ gen heute in deinen gnädigen Schutz; behüte uns vor allem Abel, behüte unsre Seele. Behüte unsern Aus⸗ gang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Abendgebet auf alle Tage der Woche Eder Gott, barmherziger Vater! Da wiederum ein Tag unsers Lebens zu Ende geht, so komme ich noch einmal mit all den Meinigen vor dein Angesicht, um dir für alles, was du heute an uns getan hast, Lob und Dank zu sagen. Du hast uns gnädig vor Schaden be⸗ wahrt; du hast deine Hand über uns aufgetan und uns mit allerlei Gut gesättigt. Du hast uns schmecken und sehen lassen, wie freundlich du bist. Insbesondere danken wir dir, o Vater, daß du uns auch für den heutigen Tag dein teures Wort gegeben hast, daß es unsers Fußes Leuchte sei und ein Licht auf unsrem Wege. Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht alles wissest. Verzeihe uns in Gnaden, was wir heute versäumt oder in Gedanken, Worten und Werken wider dich gesündigt haben. Nimm alle Schuld von unsrer Seele und laß uns diesen Tag beschließen in deinem Frieden. And wenn wir den kommenden Tag erleben dürfen, so hilf uns, daß wir dir, o Gott, treuer und freudiger dienen, als es bisher geschehen ist. Schaffe in uns, Golt, ein reines Herz und gib uns einen 2——— Gehete gewissen Geist. Mache uns ganz zu deinem Eigentum, auf daß es sich auch an uns bewähre: ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist ver⸗ gangen, siehe, es ist alles neu geworden. Herr, du treuer Gott, all unsre Sorge für Leib und Seele, für uns und die Ansrigen, für Haus und Ge⸗ meinde, für unsre Kirche, für Volk und Vaterland werfen wir auf dich, denn du sorgest für uns. Ganz besonders bitten wir dich für alle, die mit Trübsal heimgesucht sind, die unter ihren Schmerzen seufzen, die den langen Stunden der Nacht mit Bangen entgegensehen: Laß ihnen dein Angesicht leuchten und hilf ihnen ihr Leid tragen. Wie teuer ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne. So nimm uns denn, lieber himmlischer Vater, in dieser Nacht unter deine Obhut, beschirme uns vor allem Schaden und schenke uns eine erquickende Ruhe. Du Hüter Israels, der nicht schläft noch schlummert, wir befehlen uns in deine Hände. Amen. Gott ist getren Ges ist getreu. Sein Herz, sein Vaterherz verläßt die Seinen nie. Gott ist getreu. Im Wohlsein und im Schmerz erfreut und trägt er sie. Mich decket seiner Allmacht Flügel; stürzt ein, ihr Berge, fallt, ihr Hügel! Gott ist getreu. Gott ist getreu. Er ist mein treuster Freund; dies weiß, dies hoff ich fest. Ich weiß gewiß, daß er mich keinen Feind zu hart versuchen läßt; er stärket mich nach seinem Bunde in meiner Prüfung trübsten Stunde. Gott ist getreu. Gebete Gott ist getreu. Er tut, was er verheißt: er sendet mir sein Licht. Wenn dieses mir den Weg zum Leben weist, so irr und gleit ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht lügen, sein Wort der Wahrheit kann nicht trügen. Gott ist getreu. Gott ist getreu. Er handelt väterlich, und was er tut, ist gut, die Trübsal auch; mein Vater bessert mich durch alles, was er tut. Die Trübsal gibt Geduld und Stärke zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getreu. Gott ist getreu. Er hat uns selbst befreit von unsrer Sündennot durch seinen Sohn, durch dessen Heiligkeit und blut'gen Opfertod. Damit wir möchten nicht verderben, ließ er den Eingebornen sterben. Gott ist getreu. Gott ist getreu. Er, des ich ewig bin, sorgt für mein ewig Wohl: er rufet mich zu seinem Himmel hin, will, daß ich leben soll. Er reinigt mich von allen Sünden und läßt mich Trost durch Christum finden. Gott ist getreu. Gott ist getreu. Stets hat sein Vaterblick auf seine Kinder acht. Er sieht mit Lust, auch wenn ein irdisch Glück sie froh und dankbar macht; Gebete was uns zu schwer wird, hilft er tragen, und endlich stillt er alle Klagen. Gott ist getreu. Gott ist getreu. Mein Herz, was fehlt dir noch, dich Gottes stets zu freun? Sei Gott getreu und fürchte nichts, mag doch die Welt voll Falschheit sein! Selbst falscher Brüder Neid und Tücke gereicht am Ende mir zum Glücke. Gott ist getreu. Gott ist getreu. Vergiß, o Seel, es nicht, wie zärtlich treu er ist! Gott treu zu sein sei deine liebste Pflicht, weil du so wert ihm bist. Halt fest an Gott, sei treu im Glauben, laß nichts den starken Trost dir rauben: Gott ist getreu. Württembergisches Gesangbuch 1841 nach E. Liebich; vgl. Lied Nr. 341. Am Sonntagmorgen D sei dir, Vater des Lichts, daß du uns den lieben Sonntag schenkst. Nun dürfen wir so manche Werk⸗ tagsorge auf die Seite legen. Wir werfen sie auf dich, gütiger Gott; du sorgest für uns. Wie deine Sonne uns erquickt mit ihren freundlichen Strahlen und alle Welt mit ihrem Licht erfüllt, so laß heute deine Freund⸗ lichkeit hineinscheinen in unser Herz und das Licht deines Geistes Leben schaffen in unsrem Haus und in der ganzen Gemeinde. Wir danken dir, daß dein Evangelium bei uns auf dem Leuchter steht; gib einen hellen Schein desselben in unsere Seelen, tu uns die Augen auf, daß wir die Wunder deiner Liebe sehen und wachsen in der Erkenntnis mit allen, die dein Angesicht suchen. So viele Menschen kennen dich nicht und gehen dir aus dem Weg; suche sie. So mancher Seele ist der Sonntag ein Tag des Leichtsinns und des Verderbens; rette sie. Millionen sitzen noch in der Finsternis des Heidentums; sende treue Gebete 28⁵ Arbeiter in deine große Ernte, die sie einladen und sammeln zu einer Gemeinde, die mit uns verbunden ist in der Gemeinschaft deines lieben Sohnes. Wir möchten dich anbeten in heiligem Schmuck. Dar⸗ um heilige unsere Seelen, behüte uns vor jeder sünd⸗ haften Zerstreuung und schenke uns einen Segen an diesem Tag, der uns durch die ganze Woche begleitet, ja bis in die Ewigkeit mit uns geht. Dein Name werde ge⸗ heiligt und dein Reich komme zu uns. Amen. Am Sonntagabend Hew Jesus, du selige Ruhe aller gläubigen Seelen, wir danken dir, daß du unter uns gewesen bist an diesem Tag. Wie ist es so köstlich, bei dir Frieden zu finden in der Anruhe dieser Zeit! Wie bist du so freund⸗ lich, daß du in unsrem Hause einkehrst und uns schentst, was uns die Welt nicht geben kann! Wir haben uns aufs neue mit dir verbunden; bleibe bei uns, Herr, da es nun Abend geworden ist. Wir möchten deinen Geist nicht betrüben und uns nicht wieder um den Segen bringen, der uns heute zugeflossen ist. Erinnere uns morgen und in der ganzen kommenden Woche an das Wort, das wir heute gehört, und an das Versprechen, das wir erneuert haben. Dir befehlen wir alle Werke des Glaubens und der Liebe, die in deinem Namen geschehen. Sei mit denen, die daran arbeiten im geistlichen Amt, in der Schule, in den vielen christlichen Vereinen und Anstalten, in der Heidenmission; gib ihnen Geduld, ungefärbte Liebe und den Trost der Gemeinschaft mit deinen Jüngern. Herr, unser Gott, segne uns die kommende Arbeits⸗ woche dazu, daß wir willige Täter deines Wortes werden, unser tägliches Kreuz gern auf uns nehmen und im Lichte wandeln, wie du im Lichte bist. Dir befehlen wir unsern Ausgang und Eingang, unsern Leib und unsere Seele, uns und alle die Ansrigen, alle deine Kinder auf Erden samt denen, die noch ferne von dir sind. Dein guter, gnädiger Wille geschehe bei uns allezeit. Amen. Am Montagmorgen ch danke dir, gütiger Gott und Vater, daß ich mit frischer Kraft an mein Tagewerk gehen darf. In deinem Namen fange ich wieder an; dir zur Ehre möchte 28 Gebete ich gern tun, was ich vermag. Du weißt, lieber Vater, was mir schwer fällt und wo ich es fehlen lasse. Ich möchte es besser machen als bisher, damit ich auch vor den Menschen bestehen kann, denen ich Rechenschaft schuldig bin. Gib mir dazu Weisheit, Freudigkeit und Kraft. Bewahre mich vor Trägheit, Antreue und jeglichem Mißbrauch der Zeit. Du hast mich auf meinen Platz gestellt; so gib mir denn ein gehorsames Herz, daß ich mich gerne drein schicke und tue, was ich schuldig bin. Nimm dich eines jeden an nach seinem Stand und Beruf. Schenke unsrer Obrigkeit Weisheit, Gerechtig⸗ keit und ein zum Wohltun williges Herz, und gib Ge⸗ deihen zu jedem guten Werk. Erhalte unsrem Vaterlande den Frieden. Hilf dem Armen zu seinem Anterhalt, dem Gedrückten zu seinem Recht. Segne jedes ehrliche Ge⸗ werbe mit gutem Fortgang und verhilf jeder treuen Arbeit zu ihrem gerechten Lohn. An deinem Segen ist alles gelegen. Gib uns unser täglich Brot heute und alle Tage. Wir hoffen auf dich; laß uns nicht zu Schan⸗ den werden. Amen. Am Montagabend Wieder ist ein Tag meines Lebens vorüber und ein Tagewerk beendigt. Ich danke dir, getreuer Gott, daß ich das Meinige habe tun dürfen und daß du mir beschert hast, was ich brauche. Ich möchte einen guten Schluß machen. Darum bitte ich im Namen deines lieben Sohnes: Vergib uns unsere Schulden. Du siehst schärfer als wir; wolltest du anfangen mit uns zu rech⸗ nen, wer könnte vor dir bestehen? Auch meine Ver⸗ säumnisse liegen vor dir; du bist ein Richter meiner Worte und meiner geheimsten Gedanken. Wo ich mich mit Lieb⸗ losigkeit und Antreue verfehlt habe, wo ich die guten Vorsätze nicht gehalten, mit denen ich diese Woche be⸗ gonnen habe, das weißt du alles. Ich habe nichts Eigenes, dessen ich mich rühmen könnte vor dir. Seh ich auch mein Bestes an, ist es doch nicht rein getan. Wie ist es so köstlich, daß ich meine Schuld vor dich bringen und dich um völlige Vergebung bitten darf! ülle mich ganz in dein Erbarmen; dann bin ich geborgen. Ich will auch vergessen und vergeben, wo sich Menschen an mir ver⸗ sündigt haben. Wie du die große Schuld wegnimmst, Gebete 287 so will ich die kleine ausstreichen. Laß mich und die Meinigen im Frieden einschlafen und in deinem Schutze sicher ruhen. Amen. Am Dienstagmorgen Giilger Gott, mein erst Gefühl an diesem Morgen sei Preis und Dank! Du gehst mit mir in meine Arbeit hinein und bist allezeit um mich her; das ist meine Zu⸗ versicht und mein Trost. Habe acht auf meine Seele. Es wird heute wieder allerlei kommen, was mich zur Sünde verführen will. Das weißt du besser als ich; du kennst mich besser, als ich mich kenne. Wenn mir meine Arbeit zu viel werden will, wenn ich anfange zu murren über die Last, die mir aufgelegt wird, dann hilf mir zu willigem Gehorsam. Wenn mich Menschen ärgern und zum Zorn reizen, so schenke mir einen sanstmütigen Geist. Soll ich etwas leiden um deinetwillen und weil ich es recht machen will, so wie es dir gefällt, so gib mir Glau⸗ bensmut, mein Kreuz auf mich zu nehmen. Du mutest mir nicht zu viel zu; du versuchst niemand zum Bösen. Hüte mich, daß ich kein böses Beispiel gebe im Tun und im Lassen, mit Reden oder mit Schweigen. Du führst mich hinein in den Kampf gegen die Versuchung; hilf mir streiten und den Sieg behalten. Amen. Am Dienstagabend Freuer Gott, wie viel bin ich dir Dank schuldig am Abend dieses Tages! Du hast mich und die Meinigen behütet und mich vor Gefahren beschützt, die ich vielleicht nicht einmal gesehen habe. Hättest du mich mit deinem starken Arm nicht zurückgehalten, wie oft hätte ich können in meinem bisherigen Leben in schwere Sünde fallen! Deine Gnade ist es, daß ich von treuen Eltern und Lehrern erzogen und zum Guten angehalten worden bin von Kind auf. Ich danke dir dafür von ganzem Herzen. Vergib mir meinen Andank und meine Antreue; lehre mich immer besser verstehen, was ich dir schuldig bin. Nimm dich der Anglücklichen an, die auf schlechte Wege gekommen sind, besonders der jungen Leute, die der Verführung zum Opfer gefallen sind, und der Ge⸗ fangenen, die ihre verdiente Strafe leiden; tue ihnen die 28 Gebete Augen auf, daß sie dich wieder fürchten lernen und um⸗ kehren. Wo aber jemand unschuldig leidet, da stärke ihm den Glauben und hilf ihm zu seinem Rechte. Tröste die Bekümmerten, namentlich auch die, welchen heute schweres Leid widerfahren ist; halte sie fest, daß sie nicht verzagen, und laß ihnen ihre Heimsuchung zum Besten dienen. Du hast immer Gedanken des Friedens mit uns und nicht des Leides und lässest jede Versuchung so ein Ende nehmen, daß wir es können ertragen. Darum bleibst du unsere Zuversicht; täglich harren wir dein. Amen. Am Mittwochmorgen Allgutiger Gott, du schenkst mir wieder einen Tag meines Lebens. Dein Aufsehen bewahrt meinen Odem; auf dich bin ich angewiesen mit Leben und Ge⸗ sundheit, mit allem, was ich bin und habe. Herr, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich sein annimmst! Welch eine Liebe hast du uns erzeiget, daß wir deine Kinder sollen heißen! So will ich mein Kindesrecht auch brauchen und von dem Reichtum deiner Barmherzigkeit leben. Du hast alles, dessen ich heute bedarf. Gib mir einen freudigen Geist, meine tägliche Pflicht zu erfüllen und auch das Kreuz auf mich zu nehmen, das heute auf mich wartet. Schenke mir Liebe zu den Menschen, mit denen du mich zusammen⸗ führst. Fülle meine Armut mit deinem Reichtum; du hast ja verheißen, daß alle, die hungern und dürsten nach deiner Gerechtigkeit, satt werden sollen. Segne mir auch diesen Tag zum Wachstum meines inneren Menschen, damit ich in dieser Zeit ausreife für die Ewigkeit. Amen. Am Mittwochabend Ertorsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich es meine. Siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege! Wie sind wir so töricht, wenn wir uns vor dir verbergen oder irgend etwas vor deinen Augen verstecken wollen! So will ich mich denn in dein Licht stellen an diesem Abend und dich hineinsehen lassen in mein Herz. Den Auf⸗ richtigen lässest du es gelingen, und den Demütigen gibst du Gnade. Ich bitte dich herzlich: Vergib mir alle meine Sünden und habe mit mir Geduld. Ich möchte auf⸗ KöeSeer unSeine EM 1 Gebete 289 richtiger werden gegen dich und gegen die Menschen. Du bist den Lügen gram und hassest alle Heuchelei. Hilf mir Herr werden über jegliche Anlauterkeit in Gedanken, Worten und Werken. Wenn ich an deinen Wegen irre werden will, weil Lüge, Betrug und Gewalttat in dieser Welt regieren, so stärke meinen Glauben. Recht muß doch Recht bleiben, und das letzte Wort behältst du. Laß dich finden von allen, die dich aufrichtig suchen, und hilf den ehrlichen Zweiflern zurecht. Es ist so viel Halbheit und Hinken auf beiden Seiten unter uns. Hilf mir zur Entschiedenheit. Ich möchte dich von ganzem Herzen lieb haben. Laß mich dein Eigentum sein und bleiben in Zeit und Ewigteit. Amen. Am Donnerstagmorgen Gunädiger, liebreicher Gott, deine Güte ist jeden Morgen neu über mir. Du hast mir wieder neue Kraft ge⸗ schenkt, gibst mir mein tägliches Auskommen und trägst mich mit viel Geduld. Nach deinem Bild hast du mich geschaffen, zu deinem Bild willst du mich erneuern. Ich danke dir dafür. Wirke an mir durch deinen heiligen Geist, daß ich dir ähnlicher werde. Du lässest deine Sonne scheinen über die Bösen und über die Guten und lässest regnen über Gerechte und Angerechte. Hilf mir, daß ich auch recht gütig werde, mehr Geduld habe mit den Schwachen, mehr Barmherzigkeit lerne gegen Leute, die mir Anrecht getan haben, sanftmütiger bin gegen die, so mich ärgern. Zu einem Boten deiner Liebe und zum Friedebringer hast du mich berufen. Rüste mich aus mit den Kräften des Lichts, daß ich es immer besser werden kann. Sei denen nahe, die es schwerer haben als ich, namentlich allen, die mit der flege der Kranken und Gebrechlichen, der Rettung der Verirrten, der Ver⸗ sorgung der Armen zu tun haben. Hilf uns allen, völliger werden in der Liebe, ja vollkommen werden, wie du, heiliger Gott, vollkommen bist. Amen. Am Donnerstagabend Liener Vater im Himmel, du hast mir auch heute viel mehr Gutes getan, als ich gesehen und verstanden habe. Wie viel Freundlichkeit darf ich von lieben Menschen 290⁰ Gebete erfahren! Ich erkenne es viel zu wenig und vergelte, was ich Gutes empfangen habe, oft mit Andank. Ver⸗ gib mir's, lieber Herr; erhalte mir die Gemeinschaft treuer Menschen und mehre den Segen, den ich von ihnen haben kann. Mache unser Haus zu einer Stätte, wo du gerne wohnst, unsere Gemeinde zu einem Tempel deines Geistes. Da bist du gern, wo man einträchtig beisammen wohnt; darum wehre dem Geiste des Neides, des Mißtrauens, der Zwietracht in unsrer Mitte. Segne jedes Werk, das Frieden zwischen den Menschen, auch zwischen den Völkern stiftet. Hilf den Anversöhnlichen, daß sie ihren trotzigen Sinn beugen; bringe die Ehegatten zusammen, die miteinander zerfallen sind, wende die Herzen der Kinder, wo es not tut, wieder zum Vater⸗ und Mutterherzen, und hole die verlorenen Söhne und Töchter unsers Volkes heim zu dir. Vergib mir, daß ich so oft versäumt habe, zum Frieden zu reden, zu ent⸗ schuldigen und alles zum Besten zu kehren; und was an argen Gedanken gegen meine Mitmenschen in mir ist, das tilge aus. Du bietest uns immer wieder die Hand zum Frieden; hilf uns, auch im Frieden eins werden mit den Menschen, mit denen wir entzweit sind. Dein Friede, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christo Jesu. Amen. Am Freitagmorgen Gelt meines Heils, du hast mich je und je geliebt und mich zu dir gezogen aus lauter Güte. Als ich noch ein Kind war und es nicht wußte noch verstand, hast du mich schon auf deine Vaterarme genommen. Alles, was zu unsrer Seligkeit gehört, hast du uns schon lange zubereitet, hast deinen lieben Sohn Jesus Christus für uns dahingegeben und eine ewige Erlösung gestiftet für das Menschengeschlecht. Ich danke dir, daß du mich ein Glied deiner Kirche hast werden lassen, in der ich so viel Trost der Liebe, herzliche Ermahnung und Ge⸗ meinschaft des Geistes erfahren durfte. Vergib mir meines Herzens Härtigkeit, die dir so oft widerstrebt hat, und meine Blindheit, die es nicht gesehen hat, daß du immer nur segnen willst, auch wenn deine Hand mir nimmt und mich züchtigt. Habe Geduld mit mir, mit allen den Meinigen, mit meinem ganzen Volk! Laß nicht ab, an uns zu arbeiten, wenn wir dir gleich viel Gebete 291 Mühe machen mit Andank und Widerspenstigkeit. Ziehe die Seelen zu dir, die dich noch nicht kennen, und ver⸗ binde mich mit denen, die deine Güte geschmeckt haben, noch enger durch brüderliche Liebe in der Gemeinschaft mit dir. Laß dir auch meinen schwachen Dienst heute wohl gefallen und lenke meine Schritte nach deinem Willen. Amen. Am Freitagabend himmlischer Vater, wir sind müde von der Arbeit und Last dieses Tags. Darum kommen wir zu dir, der du den Müden Kraft gibst und Stärke genug den Anvermögenden. Du erquickst müde Seelen, und alle Anruhe unsrer Herzen findet Ruhe in dir. Wir müssen immer wieder mit den gleichen Anliegen vor dich kommen; du könntest unser schon lang müde geworden sein. Aber das ist dein ewiges Erbarmen, daß uns dein Herz immer wieder offen steht. Decke zu, was wir gefehlt, mache gut, was wir übel gemacht haben. Wir möchten so gern beständigere Menschen werden, klarer in der Er⸗ kenntnis deines Willens, williger im Gehorsam, treuer in der Liebe. Zünde dein heiliges Feuer in uns an, daß wir einander aufmuntern zur Freudigkeit in deinem Dienst. Nimm dich der Angefochtenen in Gnaden an, stärke die Schwachen, demütige die stolzen Geister. Schenke uns einen erquickenden Schlaf; sei besonders nahe den Kranken, denen vor dieser Nacht bange ist. Ou treuer Hüter Israels, der du nicht schläfst noch schlummerst, wache über uns und allen den Ansrigen, behüte unsere Gemeinde und unser Volk. Dir befehlen wir Leib und Seele. Wie ist es so köstlich, ruhen zu dürfen unter dem Schatten deiner Flügel! Amen. Am Samstagmorgen Nen⸗ treuer Gott, fange ich mein letztes Tagewerk in dieser Woche an. Ich möchte es gern recht machen, auch im Kleinen treu sein und mit dem fertig werden, was meine Schuldigkeit ist. Hilf mir zu einem guten Schluß. Ich danke dir, lieber Vater im Himmel, daß du mir Arbeit in die Hände legst und die Kräfte dazu schenkst. Ich möchte nicht neidis ch und unzufrieden werden, wenn ich auf die sehe, die es leichter haben als 0 Es geht mir ja besser als so vielen Kranken, Gebre — Gebete lichen und Arbeitlosen. Nimm dich auch ihrer in Gnaden an. Laß es dem fleißigen Hausvater gelingen, sich und die Seinen mit Ehren durchzubringen. Fördere alles gute Werk, das Menschenhände tun. Du bleibst den⸗ noch der Herr, auch wenn so viele Tausende nichts nach dir fragen und deine Ordnungen mit Füßen treten. Ich traue deiner Gerechtigkeit, Güte und Weisheit, mit der du regierst. Hilf mir treu sein in allen Stücken, erhalte mich in deiner Furcht und segne meiner Hände Werk. O Herr, hilf! o Herr, laß wohl gelingen! Amen. Am Samstagabend Wir preisen deine ewige Treue, allgütiger Gott, am Schlusse dieser Woche. Du hast uns so viel Gutes getan an Leib und Seele und schenkst einem jeden von uns reichlich ohn all unser Verdienst und Würdigkeit. Wir möchten dir viel besser dafür danken, als wir es vermögen, und dir die Frucht eines Lebens bringen, das ganz dir gehört. Es ist wieder ein Stück unsers Lebens dahingegangen, das nicht wieder kommt und an dem wir nichts mehr anders machen können. Darum ich noch wir: Was ich gelebet hab, das decke zu; was ch noch leben werd, regiere du. Wir danken dir, daß wir vergessen dürfen, was dahinten liegt, und uns aus⸗ strecken nach dem Kleinod unsrer himmlischen Berufung. Schenke uns morgen einen gesegneten Sonntag. Rüste deine Knechte, die uns dein Wort verkündigen sollen, reichlich aus mit deines Geistes Licht und Kraft. Gib, daß uns alle Zeit, gute und böse, Arbeit und Ruhe, Wochen- und Sonntag, Frucht bringe für die Ewigkeit; und wenn sich des Lebens Werktag endet, so laß uns ewige Ruhe finden in dir. Amen. Ich weiß, an wen ich glaube ch weiß, an wen ich glaube; ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Rauch und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen hält. Gebete 293 Das ist das Licht der Höhe, das ist mein Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der diamanten ist, der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchtet hier und dort; er, den man blutbedecket am Abend einst begrub, er, der von Gott erwecket sich aus dem Staub erhub, der meine Schuld versöhnet, der seinen Geist mir schenkt, der mich mit Gnade krönet und ewig mein gedenkt. Orum weiß ich, was ich glaube, ich weiß, was fest besteht und in dem Erdenstaube nicht mit zu Staub verweht. Es bleibet mir im Grauen des Todes ungeraubt, es schmückt auf Himmelsauen mit Kronen einst mein Haupt. Württembergisches Gesangbuch 1841 nach E. M. Arndt; vgl. Lied Nr. 107. Vor der Beichte Ge sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde. Herr, wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Fehle! Ansre Missetaten stellest du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. So du willst, Herr, Sünden zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Siehe, Herr, wir liegen vor dir mit unsrem Gebet, nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Siehe an den Elenden und der zer⸗ Gebete brochnen Geistes ist. Ein geängstet und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten. O Herr, mein Gott, verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Verstoß mich nicht und tu nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Heiliger Gott, barmherziger Vater, meine Seele dürstet nach dem Wort deiner Gnade. So schenke mir den gewissen Trost deines Erbarmens; erwecke und stärke in mir die feste Zuversicht, daß bei dir die Vergebung ist, daß man dich fürchte. Laß um Zesu Christi willen dein Angesicht über mir leuchten und laß mich für Zeit und Ewigkeit ruhen in deinem Frieden. Amen. Nach der Beichte Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Misse⸗ tat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, läßt er unsre Aber⸗ tretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten.(Psalm 103.) ieber himmlischer Vater, ich danke dir vom Grund meines Herzens, daß du meiner Sünden nicht gedenken willst und daß auch mir das Wort deines lieben Sohnes gilt: Sei getrost, mein Sohn, meine Tochter, deine Sünden sind dir vergeben. Hilf mir, diese frohe Bot⸗ schaft täglich in kindlichem Vertrauen zu ergreifen und festzuhalten, auch wenn mein eigen Herz mich verdammen will. Stärke in mir den Entschluß, hinfort im Lichte zu wandeln, wie du im Lichte bist, und schenke mir zum Wollen auch das Vollbringen nach deinem Wohlgefallen. Hilf mir, du treuer Gott, im Glauben von deiner Gnade zu leben und in treuem Gehorsam dir zu dienen, und schaffe du selbst in mir, was vor dir gefällig ist, durch Zesum Christum, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Vor dem Abendmahl Eder Gott, barmherziger Vater, wir sagen dir Lob, Preis und Dank, daß du uns durch Jesum Christum, deinen Sohn, erlöst und zu deiner ewigen Herrlichkeit Gebete 295 berufen hast. Verleih uns durch deinen heiligen Geist, daß wir mit aufrichtiger Buße und wahrem Glauben dies heilige Mahl genießen, darin du uns Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit darreichst. Herr Jesus Christus, du bist das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist; vereinige dich so mit uns, daß niemand uns aus deiner Hand reiße. Du bist der Weinstock, wir sind die Reben. Laß uns so fest⸗ wachsen an dir, daß wir bleiben in dir und du in uns, und Frucht bringen, die ewig bleibt. Amen. Vor dem Abendmahl armherziger Gott, himmlischer Vater, ich danke dir, daß du mich berufen hast zu der Gemeinschaft deines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Da ich nun zu Gaste geladen bin zu dem heiligen Mahl, darin er, mein Heiland, sich aufs neue mit mir vereinigen will, so komme ich im demütigen Gefühl meiner Sünde, aber auch mit aller Freudigkeit und in herzlichem Vertrauen auf deine große Barmherzigkeit. Hilf mir, du getreuer Gott, mit gesammeltem Geist und mit gläubigem Ver⸗ langen auf ihn zu schauen, der mich geliebt und sich selbst für mich in den Tod gegeben hat. Laß mir diese Feier seines heiligen Leidens und Sterbens gesegnet sein zur Stärkung meines Glaubens, zum Trost meines Gewissens, zu gewisser Versicherung der Vergebung meiner Sünden und zur Besserung meines Lebens. Herr Jesus Christus, der du einst die Mühseligen und Beladenen zu dir gerufen hast und mit deinem Heil so gnadenreich bei Sündern eingekehrt bist, kehre heute auch in meiner Seele ein und erquicke sie durch deine selige Gegenwart. Du bist der gute Hirte, der sein Leben für die Schafe gelassen hat. So laß mich jetzt die Frucht deines Todes genießen und leite und weide meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Während der Feier des heiligen Abendmahls Aso hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einge⸗ bornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 296 Gebete Das ist gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sün⸗ der selig zu machen. ch bin der Weinstock, ihr seid die Neben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Herr Jesus Christus, du Lamm Gottes, das der Welt Sünde getragen hat, habe Dank, daß du deinen Leib auch für mich in den Tod gegeben und dein Blut auch für mich vergossen hast zur Vergebung meiner Sünden. Siehe, meine Seele dürstet nach deinem Frieden. Laß mich in deiner Gemeinschaft 5en⸗ und Leben finden. Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Amen. Nach dem heiligen Abendmahl ˙ den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Getreuer Gott und Vater, von ganzem Herzen danke ich dir für das teure Anterpfand deiner Liebe, das du mir im heiligen Abendmahl geschenkt hast. Bist du für mich, wer mag wider mich sein? Du hast deines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahin⸗ gegeben; wie solltest du mir mit ihm nicht alles schenken? Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Eod noch Lede dich zurück. Nun bin ich gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Gegen⸗ wärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes mich von deiner Liebe scheiden kann. Darum freue ich mich, und meine Seele ist fröhlich in dir, meinem Gott; denn du hast mich erlöst, du hast mich bei meinem Namen ge⸗ rufen, ich bin dein. Bewahre mich, barmherziger Vater, durch deines hei⸗ ligen Geistes Macht in deiner Liebe für und für. Herr Jesus Christus, du hast mich zu deinem Eigentum teuer erkauft mit Aufopferung deines Leibes und Vergießung Gebete 29⁷ deines Blutes. Hilf mir dazu, daß ich nun als eine leben⸗ dige Rebe an dir, dem Weinstock, bleibe und viele Frucht bringe. Wohne und wirke in mir, daß 3005 in festem Glau⸗ ben, in herzlicher Liebe, in unermüdlicher Geduld, in treuem Gehorsam, in fröhlicher Hoffnung meinen Wandel führe. And wenn meine irdische Wallfahrt zu Ende geht, so laß mich, mein getreuer Heiland, als dein Glied und Erbe eingehen zu deiner himmlischen Herrlichkeit. Amen. Gebet christlicher Eltern 8 Gott und Vater! Du hast uns die große Freude geschenkt, daß wir ein Kind unser eigen nennen dürfen. Wir preisen deine Güte und Treue, die uns dies Glück beschert hat. Wir danken dir für allen Schutz und alle Bewahrung, die wir bis auf diese Stunde erfahren haben. Aus deiner Hand als ein Werk deiner Schöpfermacht wollen wir unser Kind annehmen. Du bist der rechte Vater über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden; du willst auch unsrem Kinde Anteil geben an deinem Reiche. Darum schenk uns, daß wir nach deinem Willen es aufziehen und nichts an ihm versäumen. Er⸗ alte du sein zartes Leben; laß es fröhlich und gesund heranwachsen zu deiner Ehre und zu unserer Freude und mach ein tüchtiges, frommes Menschenkind aus ihm, das einmal auch andern nützen und dienen kann. Laß uns bei seinem Anblick nie vergessen, daß wir alle werden müssen wie die Kinder. Ansere Kinder sind gar teuer bei dir geachtet. Das halte uns stets vor Augen, daß wir ihnen kein Argernis geben. Laß uns alle miteinander an deiner Vaterhand blei⸗ ben und so unsere Wege wandeln, daß wir einst sagen* können: Siehe da, wir und die Kinder, die du uns ge⸗ geben U 00 wir haben deren keines verloren, die du uns gegeben hast. Amen. Am Geburtstag (auch am Neujahrstag) H D Gott, Vater und Herr meines Lebens! Ich danke dir von Herzensgrund, daß du mir das Leben ge⸗ schenkt und bis auf diese Stunde 21. Gut hast. Du bast mir auch im vergangenen Jahr viel Gutes erzeigt, hast mich väterlich behütet und bewahrt, so daß ich diesen 298 Gebete Tag fröhlich und gesund erleben durfte. Dafür sei dir Lob und Dank gefagt! Wie viel Spuren deiner weisen Leitung und Führung sehe ich in meinem Leben! Ich muß bekennen: ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an mir getan hast! Du hast's auch meiner Seele nicht fehlen lassen an Lehre und Trost, an Mahnung und Warnung. Vergib mir, lieber Vater, alle Antreue und Gleichgültigkeit, alle Verfäumnis und alles Anrecht. Laß mich von neuem den Ernst des Lebens erkennen, gib mir einen tiefen Eindruck von der Flüchtig⸗ keit meiner Tage; laß mich die Zeit, die du mir auf Erden noch schenken willst, mit neuem Fleiß und Eifer aus⸗ nützen, um Gutes zu schaffen und um auszureifen für die Ewigkeit. Lieber Vater, ich weiß nicht, was mir dieses Jahr bringen wird, wie du mich führen willst, ob ich dies Jahr in Gesundheit und Kraft vollenden darf. Ich will dir alles anheimstellen und bitte dich nur um das eine: Bleibe du bei mir allezeit; erhalte mich in deiner Liebe und in deinem Frieden und auf deinen Wegen; schenke mir, daß ich im Guten weiterkomme, damit ich nicht dereinst über ein verlorenes Leben trauern muß, sondern das Ende des Glaubens davonbringe, der Seelen Seligkeit! Amen. In Krankheit On Gott und Vater, du bist der Schöpfer und Herr meines Lebens; Gesundheit und Krankheit steht in deiner Hand; es geschieht nichts ohne deinen Willen und deine Zulassung. Darum will ich auch die Krankheit, die jetzt über mich gekommen ist, aus deiner Hand hin⸗ nehmen. Ich will nicht stehen bleiben bei dem, was die äußere Arsache sein mag, auch nicht bei dem, was ich oder andere versäumt haben. Vergib mir, wo ich ge⸗ fehlt habe; richte meinen Sinn auf das, was nach deinem Willen als Gewinn für mich und andere aus dieser Prüfung hervorgehen soll. Lieber Vater! Wie viel ge⸗ sunde Tage habe ich erlebt und habe dir vielleicht noch nie so recht dafür gedankt! Jetzt aber erkenne ich, was für ein Reichtum die Gesundheit ist. Vergib mir meinen Andank; und wenn dir's gefällt, mich wiederherzustellen, so laß mich die neugeschenkte Gesundheit als deine Gabe zu deiner Ehre benützen. Solang ich aber darnieder⸗ q I— FIFeerh,N Gebete 299 liegen soll, hilf mir, mit Geduld tragen, was du mir auflegst. Erinnere mich auch, wie viel Gutes ich immer noch zu genießen habe, was andere entbehren müssen. Du hast mich in die Stille geführt, um mit mir zu reden. Du willst mir aufdecken, wo es mir fehlt, willst mich prüfen und läutern, willst mich freimachen vom Hangen am Irdischen, willst mir zeigen, wie so gar nichts wir Menschen sind und wie nötig wir deine Hilfe haben. Du willst vor allem mich ziehn zu dir und meinem Hei⸗ land. Lieber Vater, sei mir allezeit nahe; dein Wort sei mir Tröster, Lehrmeister und Mahner, daß ich seine Kraft erfahre und es aufs neue liebgewinne. Ich darf dich mit kindlichem Vertrauen bitten: Mache mich wieder gesund und gib mir wieder meine frühere Kraft; aber ich will dich vor allem auch darum bitten: Laß mir aus dieser ganzen Zeit einen solchen Segen erwachsen, daß ich von Herzensgrund sprechen kann: Ich danke dir, daß du mich demütigest und hilfst mir; es ist mir lieb, daß du mich gedemütigt hast, damit ich deine Rechte lerne. Amen. In sehwerer Krankheit H Gott, himmlischer Vater! Deine Hand liegt schwer auf mir; ich spüre die Macht der Krankheit und weiß nicht, was du mit mir vorhast. Schenke mir den festen Glauben, daß dein Wille allezeit gut ist und daß du auch in diesem Leiden nur Gedanken des Friedens mit mir hast. Ach Herr, ich darf wohl bitten: Erhalte mich dem Leben und den Meinigen und laß mich wieder wirken in meinem Beruf und Stand; aber ich will nichts er⸗ zwingen, ich will sprechen, wie mein Heiland mich's gelehrt hat: Vater, nicht mein, sondern dein Wille ge⸗ schehe! Soll's zum Leben sein, so laß mich mit neuem Ernst und neuer Treue dir dienen; hast du es aber anders beschlossen, so hilf mir, geduldig ausharren und überwinden durch deine Kraft, die in den Schwa⸗ chen mächtig ist. Herr, mein Gott, ich befehle dir Leib und Seele; laß es auch bei mir wahr werden: Leben wir, so leben wir dem Herrnz sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Amen. 300⁰ Gebete Für einen Sterbenden Hede unser Gott, lieber Vater im Himmel! Wir suchen dein Angesicht in dieser schweren Stunde. Menschen⸗ hilfe vermag nichts mehr; du bist unsere einzige Zuflucht. Stehe unsrem lieben Kranken gnädig bei. Hilf ihm, in der Kraft Christi überwinden. Mach unsere Seelen still in dem Glauben, daß denen, die dich lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Herr, erbarme dich unsers Kranken, steh ihm bei in seiner letzten Not, erlöse ihn, wenn sein Stündlein vorhanden ist, von allem Abel und hilf ihm aus zu deinem himmlischen Reiche. Amen. Verzeichnis der früheren württembergischen Gesangbücher. 1. Würtembergisches Kirchen⸗Gesangbuch. Zu Tübingen bey Georgen Gruppenbach 1583. 108 Lieder.) 2. Groß Kirchen⸗Gesang⸗Buch. Stuttgart, Gedruckt und verlegt durch Johann Weyrich Rößlin, Fürstl. Würtemb. bestellten Buchdruckern. 1664. 152 Lieder.) 3. Groß Würtembergisches Neu Vermehrtes Kirchen⸗Gesang⸗Buch. Stuttgart, Gedruckt und verlegt bey Christian Gottlieb Rößlins, Hoch⸗Fürstl. Würtembergischen Hof. und Cantzley⸗ Buchdruckers seel. Wittib. 1711. 214 Lieder. 4. Würtembergisches Gesang⸗Buch. Stuttgart, gedruckt Fa Georg Cotta. 392 Lieder.) 5. Wirtembergisches Gesangbuch. Stuttgart, bey Christoph Friedrich Cotta, Hof⸗ und Kanzleybuchdrucker. 1791. (630 Lieder.] 6. Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg. 1841. Stuttgart. 1842. Verlags⸗-Comptoir der ersten Auflage des neuen evangelischen Gesangbuchs. 651 Lieder.) Nr. Abend ist es; Herr.. 79 Ach bleib bei uns.. 243 Ach bleib mit deiner„ 34 Ach Gott und Herr.. 301 Ach Gott, verlaß.... 42 Ach Gott vom Himmel 242 Ach komm, füll unsre. 439 Ach mein Herr Jesu, dein 390 Ach mein Herr Jesu, wenn 200 Ach sei mit deiner Gnade 101 Ach sieh ihn dulden.. 189 Ach treuer Gott. 35¹ Ach wiederum ein Jahr 159 Ach wie flüchtig.... 495 Ach wundergroßer... 221 Allein Gott in der Höh 1 Allein zu dir, Herr Jesu 299 Alle Menschen müssen 507/ Aller Gläub'gen.... 529 Alles ist an Gottes Segen 332 Allgenugsam Wesen.. 378 Also hat Goaet 148 Arme Witwe, weine nicht 462 Auch das Meer gibt. 546 Aus, duf, Ihr. 13⁴ Auf, auf, mein Herz.. 215 Auf, Christenmensch.. 424 AufcChristiHimmelfahrt 225 Auf den Nebel 350 Auf dich hab ich gehoffet 39 Auf diesen Tag bedenken 222 Auferstehn, jʒ.· 531 Auf Gott und nicht auf 334 Auf, ihr Streiter...423 Vr. Auf meinen Jesum will 511 Auf, Seele, auf... 170 Auf will ich von Sünden 313 Aus des Todes Banden 216 Aus Gnaden soll ich„292 Aus meines Herzens. 49 Aus tiefer Not schrei ich 298 Befiehl du deine Wege 317 BeherrscherallerWelten 35 Bei dir, Jesu, will ich 418 BeschwertesHerz,leg ab 91 Bis hieher hat mich Gott 479 Bist du gleich ferne.. 476 Bleibe, es will Abend 75 Bleibt bei dem, der.. 118 Brich herein, süßer... 549 Christe, duvammGottes 552 Christen erwarten.... 282 Christi Blut und.... 280 Christ ist erstanden... 20/ Ehrist lag im. 206 Christus, der ist m. Leben 506 Das äußre Sonnenlicht 57 Das Jahr geht still... 161 Das isteine sel'geStunde 9/ Das walte Gott. 449 Dein König kommt... 142 Dein Wort, o Herr... 108 Denl ich der 19⁷ Der Abend kommt.. 76 Der am Kreu 193 —— Verzeichnis NPr. Der beste Freund.... 393 Der du das Los 33⁵ Der du, Herr Jesu, Ruh 204 Der du in Todesnächten 262 Der du noch in der letzten 27¹ Der du zum Heil. 171 Der Frühling ist...485 Der Glaube bricht durch 321 Der heil'ge Christ ist. 15⁷ Der Herr bricht ein...533 Der Herr, der einst... 174 Oer Herr fährt auf..223 Der Herr ist guu. 283 Der Himmel hängt... 367 Der Hirt, am Kreuz.. 509 Der lieben Sonne Licht 7²2 Der Mond ise 86 Der schmale Weg.... 414 Der Tag ist hin. M. Geist 77 Der Tag ist hin. M. Jesu 68 Der Tag ist wieder.. 103 Der Weg ist gut, der.. 363 Die Beschwerden dieser 296 Die Christen gehn... 525 Die Ernt ist dd.. 488 Die Gnade sei mit allen 276 Die Gnade unsersHerrn 555 Die Gnade wird doch„291 Die güldne Sonne.. 50 Die ihr bei Jesu bleibet 339 Die ihr den Heiland kennt 362 Die Kirche Christi, die er 24/ Die Liebe darf wohl.. 528 Die Sach ist dein.... 251 Die Seele ruht 5²⁷7 Dies ist der Tag..156 Dies ist die Nacht... 155 Die Sünden sind.. 297 der Lieder 30³3 Ne. Die Welt kommt einst 53/ Die wir uns allhier... 269 Dir dank ich für mein„478 Dir dankt mein Herz.. 391 Dir, dir, Jehova, will ich 23 Dir ergeb ich mich... 384 Dir, Herr, sei diesesKind 111 Dort über jenen Sternen 545 Du bist ein Mensch.. 328 Ou bist zwar mein... 51/ Du gehest in den Garten 183 Ou gingst, o Heiland.. 440 Ou halfst bis diesen Tag 162 Du hast ja dieses.... 309 Du lieber, heil'ger...471 ODu, meine Seele, singe 26 Du meinesLebensLeben 199 Durch viele große. 482 Du Vater in dem. 48 Du Wort des Vaters. 395 Eh die Berge sind.. 166 Ein Ausblickin die Ferne 445 Ein Christ kann ohne. 345 Eine Herde und ein Hirt 266 Einer ist's, an dem wir 259 Eines wollen, eines. 443 Eines wünsch ich mir. 198 Ein' feste Burn 8 Ein Lämmlein geht. 178 Eins ist note 43⁰ Ei wie so selig 5²³3 Endlich bricht der heiße 37⁵ Erhalt uns, Herr..240 Erheb, o Seele, deinen 435 Ermuntert euch, ihr... 140 Es geht daher des Tages 5²2 Es glänzet der Christen 28/ 30⁴ Nr. Es halten eiteleGemüter 434 Es jammre, wer nicht„ 330 Es ist das Heil 9 Es ist die Nacht.. 84 Es ist ein Ros·· 469 Es ist etwas, d. Heilands 284 Es ist genunung....513 Es ist gewißlich an der 536 Es ist nicht schwer... 404 Es ist noch eine Ruh.. 543 Es ist vollbracht..... 5²⁰ Es kennt der Herr die„270 Es kostet viee 40² Es muß ein treues Herze 342 Ew'ge Liebe! Mein.. 289 Ewig, ewig bin ich dein 113 Fahre sor 2⁵⁰ Fortgekämpft und... 361 Freuet euch, ihr Christen 154 Friede, ach Friede... 412 Pröhlich soll mein Herze 14/ Früh sam Morgen Jesus 61 Frühmorgens, da die. 209 Für dich sei ganz mein. 394 Geduld ist euchh... 446 Gegangen ist das.. 82 Geh aus, mein Herz.. 487 Gehe hin in Gottes... 452 Geht hin, ihr gläubigen 16 Geht nun hin und grabt 52²2 Geist des Lebens... 339 Geist vom Vater und. 237 Gelobet seist du, Zesu. 146 Gib dich dahin in Gottes 370 Gib dich zufrieden... 353 Gott, deine Güte reicht 43 Verzeichnis der Lieder Mr. Gott, den ich als Liebe 374 Gott, der du allen gütig 312 Gott, der du Gnad und 85 Gott der Tage, Gott der 80 Gott der Vater wohn. 33 Gott des Himmels.. 55 Gott, erleuchte meine„ 60 Gott, gib mir deinen„ 40 Gott ist gegenwärtih— 4 Gott ist getreu..... 34¹ Gott lebet! Sein Name 14 Gottlob! ein neues... 144 Gottlob! ein Schritt.. 88 Gottlob! nun ist.... 456 Gott rufet noch..... 310 Gott sei Dank 136 Gott will's machen.. 326 Großer Hirte aller.. 248 Großer König, den ich 405 Großer Mittler. 2²⁷ Halleluja! denn uns ist 145 Halleluja! Lob, Preis. 2 Halleluja! Schöner.. 90 Halleluja! Wie lieblich 229 Halt im Gedächtnis.. 126 Harre, meine Seele.. 474 Heiland, deine 17³3 Heirger Zesu. 4¹⁰ Heilig, heilig, heilig.. 553 Heimat meiner Liebe.371 Herr, dein Wort 104 Herr, der du mir das. 67/ Herr, der du vormals„454 Herr, dir ist niemand. 7 Herr, du wollst uns.. 119 Herr, ein ganzer.... 373 Herr, es ist von meinem 69 Verzeichnis der Lieder Nr. Herr Gott, dich loben wir; Herr Herr Gott, dich loben wir. Regier.. 455 Herr, habe acht auf mich 426 Herr, höre! Herr, erhöre 30 Herr Jesu Christ, dich zu 94 Herr Jesu Christ, du„306 Herr Jesu, deiner... 226 Herr Jesu, dir leb ich„554 Herr Jesu, Gnadensonne 41 Herr Jesu, Licht der..172 Herr, laß mich deine.. 396 Herr, lehre du mich.. 411 Herr, meine Leibeshütte 512 Herr, öffne mir die. 95 Herr, stärke mich.... 181 Herr und Gott der Tag 74 Herr, unser Gott, laß.244 Herr, von unendlichem. 288 Herr, wie du willst, so 36 Herzlich lieb hab ich dich 279 Herzlich tut mich.... 501 Herzliebster Jesu, was 184 Herzog der erlösten.. 211 Herzog unsrer. 400⁰ Herz und Herz, vereint 268 Hier legt mein Sinn.. 401 Hier stehen wir von nah 255 Hilf, Herr Gotrtt..372 Hilf, Herr Jesu.... 165 Himmelan, nur 431¹ Himmel, Erde, Luft und 483 Hinab geht Christi Weg 44/ Hindurch, hindurch... 425 Hinunter ist der Sonne 63 Hirte deiner Schafe. 65 Höchster Gott, durch.. 58 3 Hüter, ist die Nacht 30⁵ Nr. 13⁷ 261 302 Hosianna! Davids Hüter, wird die Nacht. Ja fürwahr, uns führt 272 Ja, Tag des Herrn, du 92 Jauchz, Erd, u. Himmel 238 Jauchzet, ihr Himmel.149 Ich bin ein Gast auf.505 Ich bin getauft 11⁴4 Ich bin in dir und du 115 Ich fasse, Vater, deine 510 Ich geh zu deinem... 205 Ich glaube, daß die.273 Ich glaube, Herr, hilf. 293 Ich habe nun den Grund 278 Ich habe viel gelitten 366 Ich hab in guten.... 364 Ich hab von ferne... 544 Ich komme, Herr, und 122 Ich lobe dich 2⁴9 Ich singe dir mit Herz 20 Ich steh an deiner.... 151 Ich steh in meines.. 336 Ich und mein Haus.. 458 Ich weiß, mein Gott„450 Ich weiß von keinem.290 Ich weiß, woran ich. 10/ Ich will dich lieben. 38/ Ich will nicht alle.... 365 Ich wollt, daß ich... 498 Jeder Schritt der Zeit 160 Je größer Kreuz... 352 Jenen Tag, den Tag 538 Jerusalem, dtdt. 53⁴ Jesu, deine Passion. 179 Jesu, deine tiefen.. 191 Jesu, der du bist alleine 43⁸ 306 Nr. Jesu, frommer 176 ZJesu, geh voran.... 409 Jesu, groß. Wunderstern 169 Jesu, hilf beten Jesu, hilf siegen 42¹ Jesu, Jesu, Brunn des 93 Jesu, laß mich nicht.. 315 Jesu, meine Freude.. 380 Jesu, meines Lebens.182 Jesus Christus gab sich 175 Zesus Christus herrscht 228 Jesu, Seelenfreund.. 98 Jesus, Freund 1²⁵ Jesus ist kommen.... 13 Jesus lebt!mit ihm auch 219 Jesus, meine Zuversicht 218 Zesus nimmt die Sünder 304 Jesus soll die Losung„164 Jetzt leb ich; ob ich.. 409 Ihr Eltern, hört.... 463 Ihr Kinder, lernt von 466 Im Frieden dein.. 130 In allen meinen.... 324 In deinem Namen, Jesu 62 In dir ist Freude.. 473 In Gottes Namen. 477 Israel zeucht hin.... 550 Ist Gott für mich, so. 277 Kehre wieder 303 Klag deine Not.... 354 Komm, heiliger Geist.231 Komm, Himmelsfürst.133 Komm, mein Herz! In 124 Komm, o komm, du..234 Komm, Segen aus der 451 Kommt, Brüder, laßt. 429 Kommt her, ihr seid.. 120 Verzeichnis der Lieder Nr. Kommt her zu mir.. 308 Kommt ins Reich der. 43/ Kommt und laßt uns. 152 König Jesu, streite, siege 254 Laß dich nicht den... 486 Lasset uns mit Jesu.. 417 Laß irdische Geschäfte. 121 Laß mich dein sein und 100 Laß mir, wann meine.516 Laßt mich gehn 547 Licht, das in die Welt 260 Liebe, die du mich zum 381 Liebster Jesu, wir sind hier, deinem.. Liebster Zesu, wir sind hier, dich 96 Lobe den Herren, den 19 Lobe den Herren, o meine 22 Lobet den Herren alle 53 Lobt froh den Herrn.475 Lobt Gott, ihr Christen 153 11² Mache dich, mein Geist 316 Macht hoch die Tür. 132 Mag auch die Liebe.. 526 Mehr sieht das Aug. 110 Mein alles, was ich 388 Mein Auge wacht.. 78 Meinen Zesum lass' ich 383 Mein Erlöser, schaue. 399 Mein erst Gebet an.. 51 Mein erst Gefühl sei. 54 Meine Seele senket sich 355 Meine Seele voller.. 311 Meine Seel ist stille.. 356 Mein Friedefürst.... 286 Mein Glaub ist meines 295 Verzeichnis der Lieder Nr. Mein Gott, das Herz 406 Mein Gott, du bist und 331 Mein Gott, nun ist es 59 Mein Gott, wie bist du 325 Mein Heiland nimmt. 314 Mein Herr und Haupt 448 Mein Herz, gib dich.. 35/ Mein schönste Zier... 70 Merk, Seele, dir...413 Mir ist Erbarmung.. 294 Mir nach! spricht... 415 Mit Ernstͤoͤ· 139 Mit Fried' und Freud. 502 Mitten wir imLeben sind 503 Morgenglanz der.. 4/ Nicht der Anfang.. 420 Nicht Opfer und nicht„441 Nicht so traurig, nicht 348 Nimm hin den Dank.. 129 Nimm hin mein Herz. 305 Nimm hin, was dein ist 519 Nimm mich en. 407 Nun aufwärts froh den 257 Nun bitten wir den. 230 Nun danket alle Gott. 18 Nun danket all u. bringet 24 Nun freut euch, liebe.. 11 Nun jauchzet, all ihr.. 135 Nun lasset Gott uns.. 489 Nun lasset uns den Leib 530 Nun laßt uns gehn... 163 Nun lob, mein' Seel.. 21 Nun preiset alle. 2⁵ Nun ruhen alle Wälder 64 Nun schläfet man.. 66 Nun singet und seid froh 47⁴ Nur frisch hinein.. 327 30⁷7 Nr. O Anfang sonder Ende 158 O daß ich tausendZungen 27 O drückten Jesuu. 19⁵ O du allersüßte Freude 236 O du fröhliche 468 O du Liebe meiner Liebe 196 O Durchbrecher aller.. 397 O Ewigkeit, du Donner⸗ worrrr OEwigkeit, du Freuden⸗ worrt OGott, du frommer Gott 37 O Gottes Sohn, du Licht 408 O Gott, o Geist 23⁵5 O Gott, von dem wir„490 O Haupt voll Blut.. 187 O heil'ger Geist, kehr.. 32 Ohne Rast unnd 44⁴ O ZJerusalem, du schöne 541 O ZJesu Christe wahres 241 O Jesu Christ, mein schönstes Licht.. 379 O ZJesu Christ, meins Lebens Licht 493 O Zesu, dir sei ewig Dank 12⁷ O Jesu, Jesu, Gottes. 377 O Jesu, süßes Licht. 56 O komm, du Geist der„253 O Lamm Gottes.. 177 O mein Herz, gib dich„338 O selig Hauunus 460 Ostermorgen 2¹⁷ O Traurigkeeelt 20² O Vater de+r 307 O Welt, sieh hier dein 188 Ower alles hätt verloren 398 O wie selig seid ihr 2 508 O wie selig sind die... 382 Verzeichnis der Lieder Nr. Preis dmmmm.. 2¹² Preis, Ehr und Lob.. 453 Richtet auf des 19² Ringe recchkt 4²⁷ Ruhe hier, mein Geist. 185 Ruhe ist das beste Gut 432 Ruhet wohs Rüstet euch, iihahr. Schaff in mir, Gott.. 300 Schmücke dich, o liebe„123 Schwing dich auf.... 346 Seelen, laßt uns Gutes 442 Seele, ruh in jeder Nacht 329 Seele, was ermüdst du 433 Sei getreu bis an das. 422 Sei Lob und Ehhr.. 6 Sei mir tausendmal. 186 Sein Kampf war nun. 201 Sei still zu Gott.... 358 Siegesfürst undd. 2²⁴ Sieh, dein König kommt 143 Siehe, mein geliebter„180 Sieh, hier bin ich.. 5 Singet Gott! denn Gott 17 So führst du doch.... 285 So geht's von Schritt„497/ So ist die Woche. 87 Solang ich hier noch.. 44 Sollt es gleich... 3⁴⁷7 Sollt ich meinem Gott. 15 So nimm denn meine„ 340 Sorge doch für meine„464 Sorge, Vater 31 So ruhest ddt 2⁰03 Stärk uns, Mittler... 117 Stillehalten deinem... 359 Nr. Such, wer da will.. 10 Sünder, freue dich... 194 Treuer Heiland, wir sind 99 Treuster Meister, deine 106 Tut mir auf die schöne 89 Aberwinder, nimm...210 Amgürte mich. 2⁵⁶ Ansern Ausgang segne 102 Anter vilien 5⁴² Anverwandt auf.... 416 Arquell aller Seligkeiten 45 Valet will ich dir geben 504 Verwirf mich nicht... 481 Verzage nicht 2⁴⁵ Volk des Herrn 26⁵ Vollendet hat der Tag. 83 Vom Himmel hoch... 470 Von dir, du Gott.... 459 Von dir, o Vater... 360 Von Gott will ich nicht 323 Vor dir, Todesüberwind. 116 Wach auf, du Geist.. 252 Wach auf, mein Herz, die Nacht 2¹⁴ Wach auf, mein Herz, und singe 46 Wachet auf! ruft uns.5 Walte, walte nah und. 109 Wandle leuchtender.. 213 Wann der Herr einst.. 368 Wann sich die Sonn.. 73 Warum betrübst du dich 349 Warum sollt ich 34⁴4 Warum willst du... Verzeichnis der Lieder Nr. Was freut mich noch.. 392 Was Gott tut, das ist wohlgetan. Es bleibt 34⁴3 Was Gott tut, das ist wohlgetan. So.. 491 Was ist's, daß ich mich 33/ Was macht ihr, daß ihr 27⁵ Was mein Gott will 320 Wasserströme will ich 2⁰3 Was sind wir arme.. 50⁰0 Was von außen... 318 Weicht, ihr Berge.. 281 Weil ich Zesu Schäflein 465 Wenn ich an mir selbst 319 Wenn ich ihn nur habe 389 Wenn meine Sünd'. 190 Wenn mein Stündlein. 514 Wenn mir in höchsten. 32 Wer ausharrt.. 4²2⁸ Werde Licht, du Stadt 168 Werde munter 7¹ Wer im Herzen. 167 Wer ist wohl wie du. 38⁵ Wer nur den lieben Gott 32² Wer sind die vor Gottes 551 Wer weiß, wie nahe. 494 Wer wohl auf ist... 480 Wie fliegt dahin 496 Wie Gott mich führt. 333 Wie groß ist des 29 Wie gut ists 436 309 Nr. Wie könnt ich ruhig.. 46/ Wie könnt ich sein... 128 Wie lieblich klingt's. 141 Wie nach einer 369 Wie schön ist's doch.. 4/ Wie schön leuchtet... 376 Wie Simeon verschieden 515 Wie soll ich dich... 131 Wie wird uns sein... 548 Wie wohl ist mir. 38 Willkommen, Held... 208 Wir danken dir, o Vater 492 Wir glauben all... 1² Wir sind vereint...204 Wir singen dtr 15⁰ Wir warten dein... 535 Wir wolln uns gerne.258 Wohlauf, wohlan. 5²¹ Wohl einem Haus... 461 Womit soll ich dich... 28 Wort des höchsten... 10⁵ Wo willst du hin 81 Wunderbarer König. 484 Zeuch ein zu deinen 233 Zeuch hin, mein Kind 518 Zieht fröhlich hinaus 267 Zieht im Frieden 27⁴ Zion, gib dich nur... 2⁴ Zum Leben führt. 403 Zwei der Jünger gehn. 2²2⁰ Buchdruckerei Chr. Scheufele, Stuttgart 191² 1.