E S S S II 2* Evängelisch-lutherisches Gesangbuch der Hannoverschen Landeskirche. Hannover. Druck und Verlag der Schlüterschen Buchdruckerei. 1907. Revidiert 1906 Unw.-Siel. Sisssen 2———.—.—— Der Berr ist freundlich und seine x Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für. Pf. 100, 5. —..—.—— Uidmung. Anhalk. „Sonntags⸗ und Festtagslieder. Seite I. Sonniagslieder(Nr. 121)) ũ 1 II. Adventslieder(Nr. 22— 35)) 10 III. Weihnachtslieder(Nr. 36— 577) 18 I. Neujahrslieder(Nr. 58— 66.... 36581 V. Epiphaniaslieder(Nr. 66— 72)7))) 306 VI. Passionslieder(Nr. 738—103). 41:0 VII. Oserlieder(Rr. 104.1260 686 VIII. Himmelfahrtslieder(Nr. 127—1350 69 IX. Pfingstlieder(Ar. 136—1477%: 722 X. Trinitatislieder(Nr. 148—153) 80 XI. Lieder für die kleineren Feste 1. Darstellung Jesu(Nr. 154 15600) 83 2. Verkündigung Mariä(Nr. 157777) 84 3. Fest Johannes des Täufers(Nr. 158 159))84 4. Mariä Heimsuchung(Nr. 160—161) 686 5. Michaelisfest(Nr. 162—164) 387 Lieder von der Kirche und den Gnadenmitteln. Lieder von der christlichen Kirche(Nr. 165 184). 89 Lieder vom Worte Gottes(Nr. 185—198)). 100 .Tauf⸗ und Konfirmationslieder(Nr. 199— 208) 107 Abendmahlslieder(Nr. 209— 2256055112 IV Inhalt. C. Lieder vom christlichen Leben. XVI. Buß⸗ und Beichtlieder(Nr. 226— 261) XVII. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung (Nr. 262— 291)) XVIII. Jesuslieder(Nr. 292— 38800) XIX. Lieder vom christlichen Leben und Wandel (Nr. 334— 3760)*** XX. Lieder vom Gebete(Nr. 377.·383)*** XXI. Kreuz⸗ und Trostlieder(Nr. 384— 4360) In Krankheit(Nr. 432— 4360) XXII. Lob⸗ und Danklieder(Nr. 437— 465) Seite 123 14⁷ 169 197 225 230 264 267 D. Lieder für besondere Stände, Zeiten und Verhältnisse. XXIII. Morgen⸗, Tisch- und Abendlieder a. Morgenlieder(Nr. 466— 49279— b. Tischlieder(Nr. 493— 495) c. Abendlieder(Nr. 496— 517) XXIV. Berufs⸗ und Standeslieder(Nr. 518—54‚0. XXV. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse (Ar. 542— 5099) E. Lieder von den letzten Dingen. XXVI. Sterbe⸗ und Begräbnislieder(Nr. 570— 613). XXVII. Lieder von der Auferstehung(Nr. 614— 617) XXVIII. Lieder vom Gerichte(Nr. 618— 621) XXIX. Lieder vom ewigen Leben(Nr. 622— 6380) Verzeichnis der Dichtrr”rrr ———— 886 Alphabelisches Register. A* Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ Ach bleib mit deiner Gnade 18 Ach erkennet, liebste Seelen 456 Ach Gott, gib du uns deine Gnad 345 Ach Gott, ich muß dirs klagen 234 Ach Gott, ich muß in Trau⸗ Ligleitt 607 Ach Gott und Herrr.. 238 Ach Gott, verlaß mich nicht 364 Ach Gott, vom Himmel sieh darein 166 Ach Gott, wie manches Herzeleid 388 Ach Herre, du gerechter Gott Ach Jesu, dessen Treu im Himmel und auf Erden. Ach lieber Gott, behüte mich Ach mein Herr Jesu, dein 559 297 531 Rahesein: 329 Ach sagt mir nichts von Gold und Schätzen.... 303 Ach treuer Gott, barmherzigs Herz*.— Ach was sind wir ohne Jesus Ach wär ich schon dort droben 635 Ach wie flüchtig, ach wie.. 593 Ach wie laufen doch die Jahre 63 401 254 Ach wir armen Sünder.. Ach wundergroßer Siegesh. Allein Gott in der Höh sei Allein zu dir, Herr Jesu.. Alle Menschen müssen sterben Alles ist an Gottes Segen. Alle Welt, was lebt und webet Als Christus geboren war. Also heilig ist der Tag... Am Grabe stehn wir stille. An dir allein, an dir hab ich gesündigt An Gott will ich gedenken. Auf, auf, ihr Reichsgenossen Auf, auf, mein ganz Gemüte Auf, auf, mein Herz, mit Freuden Auf Christi Himmelfahrt.. Auf dich hab ich gehoffet.. Auf diesen⸗Tag bedenken wir Auferstanden, auferstanden. Auferstehn, ja auferstehn.. Auf Gott nur will ich sehen Auf Gott und nicht auf mei⸗ nen Rat Auf meinen lieben Gott Aus einem tief vor dir ge⸗ beugten Herzen Aus Gnaden soll ich selig werden Nr. 77 133 149 232 597 VI Aus Lieb läßt Gott der Christenheit Aus meines Herzens Grunde Aus tiefer Not laßt uns zu Goit Aus tiefer Not schrei ich zu dir B. Befiehl dem Herren deine W. Befiehl du deine Wege Bei dir, Jesu, will ich bleiben Bescher uns, Herr, das täg⸗ lich Brot Betgemeinde, heilge dich. Bewahre mich, o Freund.. Bis hieher hat mich Gott. Bist du gleich ferne von Bekannten Bringt her dem Herren Lob Brunn alles Heils, dich ehren wir 29—— C. Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeine Christe, du bist der helle Tag Christe, du Lamm Gottes Christ fuhr gen Himmel.. Christ ist erstanden Christ lag in Todesbanden. Christ, unser Herr, zum Jordan kam Christus der ist mein Leben D. Da Christus geboren war. Da Jesus an des Kreuzes. Dank, Jesu, dir! Ach sind wirs werak s Nr. Alphabetisches Register. Nr. Dank sagen wir alle... 16 Dank sei Gott in der Höhe 472 Das alte Jahr vergangen ist 59 Das Jahr geht still zu Ende 65 Das ist eine selge Stunde„196 Das Land wollst du bedenken 556 Das walte Gott, der helfen kann 483 Das walt Gott Vater und Golt Soh 47⁰ Dein Erbe, Herr, das du erlaust 367 Deines Gottes freue dich.. 426 Dein Jesus rufet dich zur BDuße 258 Dein König kommt in nie⸗ dern Huülleennin 35 Dein Wort, Herr, ist die rechte Leh 191 Dein Wort, o Herr, ist milder Tau. 198 Den König schütze deine M. 521 Der Abend kommt, die Sonne sich verdecker 513 Der am Kreuz ist meine Liebe 93 Der Bräutgam wird bald rusen 623 Der du bist drei in Einigkeit 496 Der du, Herr Jesu, Ruh und Rast... 101 Der du zum Heil erschienen 179 Der Glaube macht allein.. 271 Der heilge Christ ist kommen 57 Der Herr ist mein getreuer Hirt 428 Der Herr ist meine Zuversicht 425 Der Hölle Pforten sind... 115 Der lieben Sonne Licht... 504 Der Mond ist aufgegangen. 515 Der Tag der ist so freu⸗ deureich:· 40 Der Tag ist hin, mein Geist 510 Alphabetisches Register. Nr. Der Tag ist hin, mein Jesu 505 Des Morgens, wenn ich früh aufsteh Dich bitt ich, liebster Jesu. Dich Jesum laß ich ewig. Gnade sei mit allen.. Ernt ist nun zu Ende. güldne Sonne helle Sonn leucht jetzt. Die Herrlichkeit der Erden. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre Die Nacht ist hin, wach auf mein Herz Die Nacht ist kommen, drin Die Nacht ist nun vergangen Die schönen Sonntagsstunden Dies ist der Tag, den Gott Dies ist die Nacht, da mir Die Sonn hat sich mit ihrem Glanz gewendet Dies sind die heilgen zehn G. Dir, dir, Jehova, will ich. Du bist ein Mensch, das.. Du bists, dem Ruhmm. Du bist zwar mein Du Brunnguell aller Liebe. Du Friedefürst, Herr Jesu. Du großer Schmerzenmann. Du heilige Dreifaltigkeit.. Du Herr der Seraphinen.. Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ Durch Adams Fall ist ganz Du weinest vor Jerusalem. Du wesentliches Wort E. Ehre sei dir, Christe. Eine Herde und Ein Hirt. Einer ists, an dem wir hang. Die Die Die Die 468 155 328 15 563 477 467 592 461 487 499 478 74 182 180 Eines wünsch ich mir. Ein feste Burg ist unser Gott Ein Kind geborn zu Bethl. Ein Lämmlein geht und trägt Ein reines Herz, Herr, schaff Eins ist not, ach Herr... Ein Wetter steiget auf... Ei wie so sanft entschliefest du Erhalt uns, Herr, bei deinem Erhör, o Gott, das heiße Flehn Ermuntert euch, erquickte Glieder: Ermuntert euch, ihr From⸗ men Ermuntre dich, mein schwacher Eeistt Erneure mich, o ewigs Licht Erschienen ist der herrlich Tag Erstanden ist der heilig Christ 5 Es ist das Heil uns kommen Es ist gewißlich an der Zeit Es ist nicht schwer, ein Christ zu sein Es ist noch eine Ruh.... Es kostet viel, ein Christ zu sein Es mag dies Haus, das aus der Erden Es wolle Gott uns gnädig Ewge Liebe, mein Gemüte Ewge Wahrheit, deren Treue F. Fahre fort, Zion Fang dein Werk mit Jesu an Freu dich sehr, o meine Seele Freuet euch der schönen Erde Freuet euch, ihr Christen alle, freue sich VII Nr. 100 168 36 85 355 312 557 603 169 VIII Nr. Freuet euch, ihr Gotteskinder 69 Freuet euch, ihr Christen alle, Gott schenkt Freut euch sehr, ihr Bergleut alle 541 Fröhlich soll mein Herze.. 48 Früh am Morgen Jesus gehet 492 Früh morgens, da die Sonn 112 Für dich sei ganz V. 4 ff. 327 G. Geh aus, mein Herz. Geh hin nach Gottes Willen 140⁰ 548 375 Geht hin, ihr gläubigen Gedanken 285 Geht nun hin und grabt.. 605 Geist vom Vater und vom Sohne Gelobet sei der Herr, der Gott Israels Gelobet sei der Herr, mein Gelobet sei Israels Gott. Gelobet seist du, Jesu Christ Gen Himmel aufgefahren ist Gesegn uns, Herr, die Gaben dein Gesetz und Evangelium... Gib dich zufrieden und sei Gib mir ein frommes Herz 146 158 448 159 37 129 493 195 402 369 Gnädigster Erbarmer... 538 Gott, deine Güte reicht... 373 Gott, den ich als Liebe kenne Gott, der du Berg und Hügel Gott der Vater, wohn uns bei Gott des Himmels und der Erden Gott, des Zepter, Stuhl und Krone 252 Gott, du Licht, das ewig.. 488 183 13 197 Gottes Stadt ist fest gegründ. Gott ist gegenwärtig.. Gott ist mein Horrt Alphabetisches Register. Nr. Gott ist mein Lied. 463 Gott ist und bleibt getreu„412 Gottlob, der Sonntag kommt 7 Gottlob, die Herbstzeit... 551 Gottlob, die kalte Winterzeit 552 Gottlob, die schöne Sommerz. 550 Gottlob, die Stund ist.. 608 Gottlob, ein Schritt zur Ewigkeit 62 Gottlob, ich bin im Glauben 274 Gottlob, nun ist erschollen„545 Gottlob, nun kommt die.. 549 Gott Lob und Dank, die Nacht ist hin 436 Gott sei Dank durch alle Welt 30 Gott sei gelobet und gebened. 221 Gott und Vater, nimm 205 Gott Vater, denk an Christi 245 Gott Vater, höre unsre Bitt 201 Großer Gott von alten Zeiten 8 Großer Mittler, der zur Rechten. 321 H. Halleluja, jauchzt, ihr Chöre 124 Halleluja, Lob, Preis und 152 Halleluja, schöner Morgen. 12 Halt im Gedächtnis Jesum 315 Harre, meine Seele 431 Heiland, deine Menschenliebe Heilge Einfalt, Gnadenw.. Helft mir Gotts Güte preisen Herr, dein Wort, die edle Gabe Herr, der du mir das Leben Herr, die Erde ist gesegnet. 5 Herr, du wollst uns vorbe⸗ reiten Herr, es ist von meinem Leben Herr Gott, dich loben Herr Gott wir, Alphabetisches Register. Herr Goitt, dich loben wir, regier Herr Gott, nun schleuß den Himmel auf Herr Gott, nun sei gepriesen 5 Herr, höre, Herr, erhöre.. Herr, ich bekenn von Herzens⸗ grunnd Herr, ich bin dein Eigentum Herr, ich habe mißgehandelt Herr Jesu Christ, dein teures Blut Herr Jesu Christ, uns wend Herr Jesu Christ, du hoch⸗ stes Gut, ꝛc., sieh doch Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunngquell aller Gnaden, wir kommen Herr Jesu Christe, mein ge⸗ treuer Hirte Herr Jesu Christe, Prophet Herr Jesu Christ, mein höch⸗ stes Gut dich 97 mein Herr Jesu Christ, meins Lebens Lichkk Herr Jesu Christ, wah Mensch und Gott Herr Jesu, deine Angst und Herr Jesu, dir sei Preis Herr Jesu, Gnadensonne Herr Jesu, Licht der Heiden Herr Jesu, zieh uns für und für Herr, nun laß in Friede. Herr, nun lässest du deinen Herr, öffne mir die Herzenst. Herr, unser Gott, laß nicht Herr von unendlichem Er⸗ barmen ·. Herr, was sind wir, daß. Herr, wie du willst, so... Herr Zebaoth, dein heiligs Herzlich lieb hab ich dich. Herzlich tut mich verlangen Herzliebster Jesu, was hast Herz und Herz vereint. Heut ist des Herren Ruhetag Heut ist uns der Tag er⸗ schienen Heut triumphieret Gottes. Hier bin ich, Herr, du rufest Hier legt mein Sinn sich Hilf, Helfer, hilf in Angst. Hilf, Herr Jesu, laß gelingen Hilf mir, mein Gott, hilf Hilf uns, Herr, in allen. Himmelan geht unsre Bahn Himmelan, nur himmelan. Hinunter ist der Sonne Hirte deiner Schafe 5 Höchster Tröster, komm her⸗ nieder Hört auf mit Trauren und: Hört heut der Weisen große Hosianna, Davids Sohn, der in seines Hosianna! Davids kommt in Hüter, wird die Nacht.. J. Ich armer Mensch doch gar Ich bete an die Macht.. Ich bin ein Gast auf Erden Ich bin getauft auf deinen RNamen 2 Ich bin getrost und freue mich... Ich bin gewiß in meinem Ich bin ja, Herr, in deiner Ich ergebe mich dem Willen Ich erhebe mein Gemüte 261 X Nr. Ich freue mich der frohen„ 616 Ich glaub an Einen Gott. 268 Ich habe nun den Grund.„279 Ich hab in Goites Herz und Sinn:. 395 Ich hab in guten Stunden 435 Ich hab mein Sach Gott„ 580 Ich hab mich Gott ergeben. 588 Ich hab von ferne..... 636 Ich komme, Herr, und suche 219 Ich ruf zu dir, Herr Jesu. 334 Ich sag es jedem, daß er lebt 126 Ich singe dir mit Herz... 446 Ich steh an deiner Krippe. 47 Ich steh in meines Herren.430 Ich sterbe täglich und mein Leben 601 Ich trau auf meinen Gott„434 Ich und mein Haus, wir sind bereit 526 Ich weiß, an wen ich gläube 277 Ich weiß, an wen mein.. 288 Ich weiß ein lieblich Engel⸗ spiel 622 Ich weiß, es kann mir nichts 419 Ich weiß, mein Gott, daß all mein Tun 347 Ich weiß, woran ich glaube 291 Ich will dich lieben, meine 304 Ich will mich mit dir verl. 319 Ich will, o Vater, allezeit. 5 Ich will von meiner Misset. 247 Ich wollt, daß ich daheime 570 Ihr Christen auserkoren.. 45 Ihr Eltern hört, was Christus sprich 529 In allen meinen Taten.. 393 In Angsten ruf ich, Herre. 429 In Christi Wunden schlaf„ 577 In dich hab ich gehoffet.. 336 In dir ist Freudee 293 In Gottes Namen fahren„ 566 Alphabetisches Register. In Gottes Namen fang ich Ist Gott für mich, so trete. Jod. Jauchzet, ihr Himmel Je größer Kreuz, je näher. Jerusalem, du hochgebaute. Jesaia dem Propheten... Jesu, deine tiefen Wunden. Jesu, deine Passion Jesu, der du meine Seele. Jesu, geh voran Jesu, großer Wunderstern.. Jesu, meine Freude... Jesu, meiner Seele Leben Jesu, meines Lebens Leben Jesus Christus herrscht... Jesus Christus, unser Hei⸗ land, der den Tod.. Jesus Christus, unser Hei⸗ land, der von uns.. Jesus, Jesus, nichts als Jesuss Jesus lebt, mit ihm auch ich Jesus, meine Zuversicht Jesus nimmt die Sünder an Jesus soll die Losung sein. Jesu, Trost der armen Seelen K. Keinen hat Gott verlassen Komm, Gottes Geist, komm Komm, heiliger Geist, erfüll die Herzen Komm, heiliger Geist, Herre Komm, o Gott Schöpfer.. Komm, o komm, du Geist Rommst du, kommst du, Licht der Heiden Kommt her zu mir, spricht. Nr. 481 270 Alphabetisches Register. Kommt, Kinder, laßt uns. Kommt, laßt euch den Herren lehren Nr. 372 341 Kommt und laßt uns Christum ehren König, dem kein König König Jesu, streite, siege. Kyrie(Litanei) Laß dich Gott Laß dich, Herr Jesu Christ Lasset die Kindlein kommen Lasset mich voll Freude.. Lasset uns den Herren preisen, o ihr Christen Lasset uns den Herren preisen und vermehren Lasset uns mit Jesu ziehen. Laß mich dein sein und bleiben Laßt mich gehn Laßt uns doch Christo dank⸗ bar sein Liebe, die du mich zum Bilde Liebe, die nicht auszusprechen Liebster Jesu, der du mich. Liebster Jesu, sei willkommen Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Liebster Jesu, wir sind hier, dich Liebster Vater, soll es sein. Litanei Lobe den Herren, den mäch⸗ tigen König Lobe den Herren, o meine Seele Lobe, mein Herz, deinen Gott Lobet den Herren, alle die. Lobet den Herrn, ihr Heiden Lobt Gott, ihr Christen alle M. Mache dich, mein Geist... Machs mit mir, Gott, nach Macht hoch die Tür, die Tor macht weit Mag ich denn nicht von Angst und Pein Man lobt dich in der Stille Meine Lebenszeit verstreicht Meinen Jesum laß ich nicht Mein erst Gefühl sei Preis Meine Seele erhebet den H. Meine Seele, laß dich finden Meine Seel, ermuntre dich Meine Seele senket sich... Meine Seel ist stille.... Meines Lebens beste Freude Mein Gott, die Sonne geht Mein Heiland nimmt die Sünder an-⸗ Mein Heiland sitzet droben. Mein Herz, ach rede mir. Mein Herz, gib dich zu⸗ frieden Mein Herz und Seel den Herren hoch erhebet... Mein Jesu, der du vor dem Scheiden Mein Jesu, süße Seelenlust Mein Jesus kommt, mein Mein Jesus lebt, was soll. Mein Lauf, Gott Lob, ist bald Mein lieber Gott, gedenke. Mein schönste Zier und K. Mein Schöpfer steh mir bei Mir ist Erbarmung wider⸗ sahren 5 Mir nach, spricht Christus. Mit Ernst, o Menschen⸗ zünder Mit Freude will ich heben an Mit Fried und Freud ich. 218 313 600⁰ 120⁰ 590 359 298 206 290 349 26 540 572 XII Mit meinem Gott geh ich. Mitten wir im Leben sind. Morgenglanz der Ewigkeit Müde bin ich, geh zur Ruh N. Nichts Betrübters ist.... Nicht so traurig, nicht so sehr Nie bist du, Höchster.... Nimm von uns, Herr. Nimm von uns, Herre Gott Nun bitten wir den heiligen Nun bricht die finstre Nacht Nun danket alle Gott Nun danket alle Gott Nun danket all und bringet Nun freut euch, liebe Christ. Nun Nun Nun Nun Nun Nun jauchzet all, ihr From. jauchzt dem Herren.. kommt das neue Kirch. laßt uns den Leib.. laßt uns gehn und.. Nun laßt uns Gott dem. Nun lieg ich armes Würme⸗ lein Nun lob, mein Seel, den. Nun preiset alle Nun ruhen alle Wälder.. Nun schlaf, mein liebes.. Nun sich der Tag geendet hat Nun sich der Tag geendet, mein Herz Nun singet und seid froh.. Nun iret ich wieder Nun triumphieret Jesus Chr. O. O Bergwerksschöpfer. O daß ich tausend Zungen hilf uns, o Herr Jesu! Nr. 507 571 482 53⁴4 Alphabetisches Register. O du Liebe meiner Liebe.. O du Schöpfer aller Dinge O Ewigkeit, du Donnerwort O Ewigkeit, du Freudenwort O frommer und getreuer Gott O gläubig Herz, gebenedei. O Gott, der du das Firma⸗ ment O Gott, du frommer Gott. O Gott, du höchster Gnaden⸗ hort Gottes Sohn, Herr Jesu Gott, von dem wir alles Gott, wir ehren deine Macht Haupt voll Blut und.. heilige Dreifaltigkeit... heilger Geist, kehr bei.. hilf, Christe, Gottes Sohn Jesu Christe, wahres Licht Jesu Christ, mein schön⸗ stes Licht Jesu Christ, meins Lebens Licht Jesu, du mein Bräutigam Jesu, Jesu, Gottes Sohn Jesu, meines Lebens Licht Jesu, meine Wonne... Jesu, süßes Licht.... Jesu süß, wer dein gedenkt König aller Ehren König, dessen Majestät. Lamm Gottes, unschuldig Lebensbrünnlein tief und Liebe, die den Himmel hat zerrissen meine Seel, du sollst den Herren preisen selig Haus, wo man dich aufgenommen Tod, wo ist dein Stachel 89— 88899899993098 9 98880500 899 heilige Dreieinigkeit, erhalt? Nr. 94 248 626 62⁷ 243 439 560 340 5⁴4 527 114 Alphabetisches Register. Traurigkeit, o Herzeleid. treuer Heiland, Jesu.. Vater, allmächtiger Gott Vater, deine Sonne. Vater der Barmherzigkeit Vaterherz, o Licht, o Leben Vater, unser Gott, es ist Welt, ich muß dich lassen Welt, sieh hier dein Leben wie fröhlich, o wie selig wie selig seid ihr doch. wir armen Sünder P. Preis, Ehr und Lob sei dir R. Rede, liebster Jesu, rede. Reich des Herrn Ringe recht, wenn Gottes Rüstet euch, ihr Christenleute S. Schaffet, schaffet, Menschenk. Schaff in mir, Gott, ein Schmücke dich, o liebe Seele Schmückt das Fest mit Maien Schönster Herr Jesu 2.. dessen starke Rechte B. 3 ff Swiug dich auf, mein ganz Schwing dich auf zu deinem Seele, geh auf Golgatha.. Seele, mach dich heilig auf. Seelenbräutigm Seele, was ermüdst du dich Sei getreu bis an das Ende Sei Gott getreu, halt seinen Sei Lob, Ehr, Preis und. 5888 Nr. 102 342 226 554 244 370 378 574 86 630 62⁵5 77 164 459 398 98 9⁵ 311 316 346 348 150 Sei Lob und Ehr dem höchst. Sei mir tausendmal gegrüßet Sei stille, müdgequältes Herz Sei willkommen, Davids. Sende, Vater, deinen Geist Siegesfürste, Ehrenkönig.. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig Sieh, wie lieblich und wie fein So führst du doch selig, Herr So hab ich nun den Fels. So hab ich obgesieget... So hoff ich denn mit festem Mut So jemand spricht, Gott So ist die Woche nunn Soll es, liebster Gott Sollt es gleich bisweilen.. Sollt ich meinem Gott nicht singen So nimm denn meine Hände recht ich liebe Sorge doch für meine Kinder 5 So ruhest du, o meine Ruh So tret ich demnach an.. So wahr ich lebe, sprichte. Speis uns, Vater, deine Kind. Stark ist meines Jesu Hand Steht auf, ihr lieben Kinderl. Straf mich nicht in deinem Such, wer da will, ein.. — T. Tag des Zorrs Teures Wort aus Gottes Tut mir auf die schöne Treuer Gott, ich muß dir Treuer Hirte deiner Herde. Treuer Jesu, wache du... Treuer Wächter Israel... XIII Nr. 449 87 427 33 382 135 251 XIV u. Nr. Unsern Ausgang segne Gott 19 Unter Lilien jener Freuden 602 Unumschränkte Liebe 280 Unverfälschtes Christentum Valet will ich dir geben.. 585 Vater, laß mich Gnade finden 249 Vater unser im Himmelreich 377 Verleih uns Frieden gnädigl. 519 Versuchet euch doch selbst.. 272 Verzage nicht, du Häuflein. 171 Vollendet hat der Tag die„ 516 Vom Himmel hoch da komm ich her Vom Himmel kam der Engel Schar Von Gott will ich nicht lassen 386 Vor deinen Thron tret ich. 474 Vor G'richt, Herr Jesu, steh ich hie 237 W. Wach auf, du Geist der ersten Zeugern 178 Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin*** 119 Wach auf, mein Herz, und singe 8 47⁵ Wachet auf, ruft uns die Süummee 62¹1 Wacht auf, ihr Christen alle 619 Wär Gott nicht mit uns diese. 3eiin 167 Wärn meiner Sünd auch noch so viiee 265 Warum betrübst du dich, mein Herd 385 Alphabetisches Register. Warum sollt ich mich denn Zrämen ··· Warum willst du draußen stehen Was alle Weisheit in der Weltt Was Gott tut, das ist wohl⸗ getan, es bleibt Was Gott tut, das ist wohl⸗ getan, so denken Was ists, daß ich mich quäle Was mein Gott will, das Yicheh allzeit Was mich auf dieser Welt betrübt Was willst du dich betrüben Weicht, ihr Berge, fallt ihr Hügel Weil ich Jesu Schäflein bin Weine nicht, Gott lebet noch Welt ade, ich bin dein müde! Wenn alle untreu werden. Wenn dein herzliebster Sohn, o Gott Wenn dich 5 hat be⸗ treten Wenn ich ihn nur habe Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht Wenn kleine Himmelserben Wenn mein Stündlein vor⸗ handen ist Wenn meine Sünd mich. Wenn wir in höchsten Nöten Wenn wir in Wassersnöten sein Werde licht, du Staddt. Werde munter, mein Gemüte Wer Gott vertraut, hat wohl Wer ist wohl wie du.. Wer nur den lieben Gott.. Wer sind die vor Gottes. Alphabetisches Register. Werter Tröster, komm... Wer weiß, wie nahe mir. Wie fleugt dahin der Men⸗ schen Zeit Wie Gott mich führt, so will Wie groß ist des Allmächtgen Wie lieblich ist der Maien. Wie lieblich sind doch deine Wie mein getreuer Vater will Wie mit grimmgem Unver⸗ stand Wie schön ists doch, Herr Wie schön leucht uns der. Wie selig ist der Ort. Wie soll ich dich empfangen Wie wird mir dann, o dann Wie wohl hast du gelabet Wie wohl ist mir, o Freund der Seele Willkommen, Held im Streite Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du unser Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du vom Tod Wir danken Gott für seine Wir glauben all an Einen. Nr. 147 599 598 420⁰ 465 547 117⁷ 404 569 524 292 9 28 634 222 309 121 78 500 110 494 263 Wir liegen hier zu deinen. Wir Menschen sind zu dem Wir singen dir, Immanuel. Wohlauf, mein Herz, zu Gott Wohl einem Haus, wo Jesus Wo ist ein solcher Gott... 2 Womit soll ich dich wohl.. 453 Wort des höchsten Mundes. 194 Wo soll ich fliehen hin... 240 Wo willst du hin, weils Abend iftt 118 Wunderanfang, herrlichs.. 410 Wunderbarer Gnadenthron„ 51 Wunderbarer König 451 3Z. Zeuch, Ehrenkönig, bei mir 34 Zeuch ein zu deinen Toren„142 Zeuch hin, mein Kind... 612 Zeuch uns nach dir 134 Zion, gib dich nur zufrieden 175 Zion klagt mit Angst und Schmerzen 173 Zu deinen Füßen liege ich. 225 Zu dir, Herr Jesu, komme ich 257 Zween der Jünger gehn mit Sehnen. 122 Psalm 92, 2. Das ist ein köstlich Ding dem Herrn danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster. Epheser 5, 18— 20. Werdet voll Geistes, und redet untereinander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in eurem Herzen; und saget Dank allezeit für Alles, Gott und dem Vater, in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi. id on zet zet m A. Sonntags⸗ und Festtagslieder. I. Sonntagslieder. 1 dort und hier, und seine Wahrheit 2 für und für. Psalm 100. 7. Gott Vater in dem höchsten Eigene Melodie. Thron und Jesus Christ, sein ein⸗ sun jauchzt dem Herren, alle ger Sohn, samt Gott dem werten Welt, kommt her, zu seinem heilgen Geist sei nun und immer⸗ Dienst euch stellt; kommt mit dar gepreist. Frohlocken, säumet nicht, kommt David denicgeez Delte. vor sein heilig Angesicht! 2. Erkennt, daß Gott ist unser 2. Herr, der uns erschaffen ihm zur Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. Ehr, und nicht wir selbst, durch Heut ist des Herren Ruhetag, ver⸗ Gottes Gnad ein jeder Mensch sein 9 gesset Sorge, Müh und Plag, Leben hat. treibt eure Wochenarbeit nicht, 3. Er hat uns ferner wohl be⸗ kommt vor des Höchsten Angesicht! dacht und uns zu seinem Volk ge⸗Halleluja! macht, zu Schafen, die er ist bereit 2. Kommt her und fallt auf eure zu führen stets auf gute Weid. Knie vor Gottes Majestät allhie! 4. Die ihr nun wollet bei ihm Es ist sein Heiligtum und Haus, sein, kommt, geht zu seinen Toren wer Sünde liebt, gehört hinaus. ein mit Loben durch der Psalmen Halleluja! Klang, zu seinem Vorhof mit 3. Ganz unerträglich ist sein Gesang. Grimm, doch hört er gern der 5. Dankt unserm Gott, lobsin⸗ Armen Stimm; deswegen lobt ihn get ihm, rühmt seinen Nam mit allesamt, das ist der Christen rech⸗ lauter Stimm, lobsingt und danket tes Amt. Halleluja! allesamt! Gott loben das ist unser 4. Rühmt unsers Gottes Meister⸗ Amt. tat, da er aus nichts erschaffen 6. Er ist voll Güt und Freund⸗ hat den Himmel und die ganze lichkeit, voll Lieb und Treu zu Welt und was dieselbe in sich hält. jeder Zeit; sein Gnade währet Halleluja! 1 2 Sonntagslieder. 5. Denkt auch, daß heut ge⸗ schehen ist die Auferstehung Jesu ruh und Freud erlangen drauf in Ewigkeit. Halleluja! Christ, dadurch die wahre Freu⸗ Hannov. Gsb. 1646. digkeit in aller Not uns ist bereit. Halleluja! 3. 6. Drum wollen wir begehn Eigene Melodie. mit Fleiß den Tag nach rechter Hen Jesu Christ, dich zu uns Christen Weis, wir wollen auftun wend, den heilgen Geist du zu unsern Mund und sagen dies von uns send, mit Hülf und Gnad, Herzensgrund: Halleluja, Herr, uns regier und uns den 7. O Gott, der du den Erdenkreis Weg zur Wahrheit führ! erschaffen hast zu deinem Preis, 2. Tu auf den Mund zum Lobe uns auch bewahrt so manches Jahr dein, bereit das Herz zur Andacht in vieler Trübsal und Gefahr, fein, den Glauben mehr, stärk den Halleluja, Verstand, daß uns dein Nam werd 8. Hilf, daß wir alle deine Werk wohl bekannt; voll Weisheit, Güte, Macht und 3. Bis wir singen mit Gottes Stärk erkennen und je mehr und Heer: Heilig, heilig ist Gott der mehr ausbreiten deines Namens Herr! und schauen dich von An⸗ Ehr. Halleluja! gesicht in ewger Freud und selgem 9. O liebster Heiland Jesu Licht. Christ, der du vom Tod erstanden 4. Ehr sei dem Vater und dem dist, richt uuͤfre Herzen auf zu dir, Sohn, dem heilgen Geist in Einem daß sich der Sündenschlaf verlier. Thron, der heiligen Dreieinigkeit Halleluja! sei Lob und Preis in Ewigkeit! 10. Gib deiner Auferstehung W Lerman) g. 1918 11652.3 Kraft, daß dieser Trost ja bei uns 2—9— 515 haft, und wir uns drauf verlassen 4. f 8 2 sest, wenn uns nun alle Welt Pfalm 100. verläßt. Halleluja! Mel. Gott des Himmels und der Erden, 11. O heilger Geist, laß uns oder Eigene Melodie. dein Wort so hören heut I Alle Welt, was lebt und webet, immerfort, daß sich in uns durch was in Feld und Häusern deine Lehr Glaub, Lieb und Hoff⸗ ist, was nur Stimm und Zung nung reichlich mehr. Halleluja! erhebet, jauchze Gott zu jeder Frist! 12. Erleuchte uns, du wahres Dienet ihm, wer dienen kann, Licht, entzieh uns deine Gnade kommt mit Lust zu ihm heran! nicht, all unser Tun auch so regier, 2. Sprecht: Der Herr ist unser daß wir Gott preisen für und für. Meister, er hat uns aus nichts Halleluja! gemacht, er hat unsre Leib und 13. Gott Vater, Sohn und Geister an die lichte Welt gebracht; Geist, verleih, daß dieser Tag dir wir sind seiner Allmacht Ruhm, heilig sei, wir auch die Sabbaths⸗ seine Schaf und Eigentum. rden, Hebet, usern Zung rist! kann, n! unser nichts und racht; uhm, Sonntagslieder. 3 3. Gehet ein zu seinen Pforten, geht durch seines Vorhofs Gang, lobet ihn mit schönen Worten, saget ihm Lob, Preis und Dank! Denn der Herr ist jederzeit voller Gnad und Freundlichkeit. 4. Gott des Himmels und der Erde, Vater, Sohn und heilger Geist, daß dein Ruhm bei uns groß werde, Beistand selbst und Hülf uns leist! Gib uns Kräfte und Begier, dich zu preisen für und für! V. 1—3 Joh. Franck g. 1618 f 1677. V. 4 Hannov. Gsb. 1659. 9. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. I5 will, o Vater, allezeit er⸗ heben deine Gütigkeit, daß du von so viel Jahren mich hast be⸗ hütet wunderbar, wie ichs mein Lebtag immerdar, auch diese Woch erfahren. Singet, bringet Gott dem Herren nah und ferren Dank und Ehre, jedermann sein Lob vermehre! 2. Du führst durch deinen Gna⸗ denschein aus aller Trübsal, Not und Pein den, der zu dir nur schreiet. Durch Christum gibst du deinen Geist, der uns den Weg zur Buße weist und innerlich er⸗ freuet. Laß mich, bitt ich, deine Güte im Gemüte fort empfinden, ohn Anfechtung meiner Sünden. 3. Herr, siehe du doch ja nicht an das, was ich wider dich getan in nächstverwichnen Tagen. Nimm zur Versöhnung Christi Blut, der uns gelitten hat zu gut und völlig abgetragen, was sich täglich noch für Sünden in uns finden; drum wir Schwachen zu dem Gnaden⸗ thron uns machen. 4. Mein'n Leib, mein Seel und all das Mein, laß dir, o Herr, befohlen sein, ich will mich dir ergeben. Wend ab Not, Angst und Herzeleid, du Vater der Barmher⸗ zigkeit, in meinem ganzen Leben, daß ich fröhlich deinen Willen mög erfüllen, stets dich lieben, auch die Lieb am Nächsten üben. 5. Gib, daß mir deiner Ruhe Tag mein innre Ruh befördern mag durch deines Wortes Stärke; daß mir dasselb ins Herze dring und hundertfältig Früchte bring, des Glaubens rechte Werke. Von dir laß mir Brünnlein fließen, sich ergießen, daß ich bleibe stets ein Glied an deinem Leibe. 6. Verleihe, daß in dieser Welt mein Hoffnung sei auf dich gestellt und ich dir ganz vertraue, daß ich die wahre Ruh und Freud erlange dort ohn einig Leid, wenn ich Gott immer schaue. Durch dich werd ich große Gaben ewig haben bei dir oben; deinen Namen will ich loben. Hannov. Gsb. 1657. * 6. Eigene Melodie. —4—— Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören, lenke Sinne und Begier auf die süßen Himmelslehren, daß die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis verhüllet, wo nicht deines Geistes Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes . denken, tun und dichten mußt du selbst in uns verrichten. 3. O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, mach uns allesamt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren! Unser Bitten, Flehn und Singen laß, Herr Jesu, wohl gelingen! Tobias Clausnitzer g. 1618 4 1684. 7. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. Heu Lob, der Sonntag kommt herbei, die Woche wird nun wieder neu; heut hat mein Gott das Licht gemacht, mein Heil hat mir das Leben bracht. Halleluja! 2. Das ist der Tag, da Jesus Christ vom Tod für mich erstan⸗ den ist und schenkt mir die Ge⸗ rechtigkeit, Trost, Leben, Heil und Seligkeit. Halleluja! 3 Das ist der rechte Sonnentag, da man sich nicht gnug freuen mag, da wir mit Gott versöhnet sind, daß nun ein Christ heißt Gottes Kind. Halleluja! 4. Mein Gott, laß mir dein Lebenswort, führ mich zur Him⸗ melsehrenpfort, laß mich hier leben heiliglich und dir lobsingen ewig⸗ lich! Halleluja! Joh. Olearius g. 1611 4 1684. ᷓ. Mel. Gott des Himmels und der Erden. Broßer Gott von alten Zeiten, dessen Hand die Welt regiert, dessen Treu auf allen Seiten mich von Jugend auf geführt, heute weckt des Tages Lauf mich zu lauter Andacht auf. Sonntagslieder. 2 2. Ach wie lieb ich diese Stun⸗ den, denn sie sind des Herren Fest, das mit so viel Trost ver⸗ bunden, da mein Gott mich ruhen läßt und durch seinen guten Geist mir den Weg zum Leben weist. 3. Habe Dank für diesen Mor⸗ gen, der mir Zeit zum Guten schenkt; das sind unsre besten Sor⸗ gen, wenn der Mensch an Gott gedenkt und von Herzen bet und singt, daß es durch die Wolken dringt. 4. Was ist schöner als Gott die⸗ nen, was ist süßer als sein Wort, da wir sammeln wie die Bienen und den Honig tragen fort? Selig ist, wer Tag und Nacht also nach dem Himmel tracht. 5. O mein Gott, sprich selber Amen, denn wir sind dein Eigen⸗ tum. Alles preise deinen Namen, alles mehre deinen Ruhm, bis es künftig wird geschehn, daß wir dich im Himmel sehn. Kasp. Neumann g. 1648 + 1715. 9. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Nel. 2. Wie selig ist der Ort zu nennen, Nwo Gottes Wort im Schwange geht, wo Licht und Recht ganz helle brennen, und Zion niemals wüste steht, da man im Schmuck der Heiligkeit dem Herren opfert allezeit! 2. Weh aber, wo die Lebens⸗ worte so rar und teuer worden sind, daß man an solchem wüsten Orte von Gott nur dunlle Spuren findt! Wie billig wird der Ort en. Sonntagslieder. beweint, wo Gottes Wort ent⸗ fernet scheint. 3. Wir dürfen keinen Zweifel tragen, als wär allhier nicht Gottes Haus; wo wir nach Gottes Worte fragen, da macht er eine Kirche draus: sie sei nun zahlreich oder klein, so muß sie ihm doch heilig sein. 4. So treten wir im Geist zusammen, so singen wir des Herren Lied, so bringen wir die Opferflammen, auf welche Gott in Gnaden sieht; und hören an, was Gottes Wort uns lehren kann. 5. Ach Herr, gib selber das Gedeihen, laß doch kein Wort vorüber gehn, laß uns die Seelen⸗ speis erfreuen, laß unser Herz erquicket stehn, gib unsrer Einfalt deutlich ein das, was uns kann erbaulich sein! 6. Erhalt uns bei dem Glau⸗ bensgrunde, den du den Eckstein hast genennt, daß man dich nicht nur mit dem Munde, auch mit dem Herzen selbst bekennt. Wenn uns die Welt Verfolgung dräut, so gib, o Herr, Beständigkeit! 7. Ja bau du selbst in unsrer Seele dir ein lebendig Gotteshaus, so wird in dieser Jammerhöhle ein angenehmer Sabbath draus, bis wir in jenen Tempel gehn und vor des Lammes Stuhle stehn. Benjamin Schmolck g. 1672 4 1737. 10. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. Mein Gott, die Sonne geht herfür, sei du die Sonne selbst in mir, du Sonne der * Gerechtigkeit, vertreib der Sünden Dunkelheit! 2. Mein erstes Opfer ist dein Ruhm, mein Herz ist selbst dein Eigentum; ach kehre gnädig bei mir ein, du mußt dir selbst den Tempel weihn. 3. Gib, daß ich meinen Fuß bewahr, eh ich mit deiner Kirchen⸗ schar zum Hause Gottes wallen geh, daß ich auch heilig vor dir steh. 4. Bereite Herze, Mund und Hand und gib mir Weisheit und so lesen wir Verstand, daß ich dein Wort mit Andacht hör, zu deines Namens Ehr. 5. Schreib alles fest in meinen Sinn, daß ich nicht nur ein Hörer bin; verleihe deine Kraft dabei, daß ich zugleich ein Täter sei. 6. Hilf, daß ich diesen ganzen Tag mit Leib und Seele feiern großen mag; bewahr mich vor der argen Welt, hält. 7. So geh ich denn mit Freude hin, wo ich bei dir zu Hause bin. Mein Herz ist willig und bereit, die deinen Sabbath sündlich o heilige Dreieinigkeit! Benjamin Schmolck g. 1672 t 1737. 11. Mel. Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel. UVut mir auf die schöne Pforte. führet mich in Zian ein! Ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir ge⸗ kommen, komme du nun auch zu mir! Wo du Wohnung hast ge⸗ nommen, da ist lauter Himmel 6 hier. Zeuch in meinem Herzen ein, laß es deinen Tempel sein! 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, heilige du Leib und Geist, daß mein Singen und mein Beten ein gefällig Opfer heißt. Heilige du Mund und Ohr, zeuch das Herze ganz empor! 4. Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn auf mich fällt; gib mir Licht in dem Verstande, und was mir wird vorgestellt, präge du im Herzen ein, laß es mir zur Frucht gedeihn! 5. Stärk in mir den schwachen Glauben, laß dein teures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rau⸗ ben, halte mir dein Wort stets für, daß es mir zum Leitstern dient und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hören, und dein Wille werd er⸗ jüllt; nichts laß meine Andacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt; speise mich mit Himmelbrot, tröste mich in aller Not! 7. Offne mir die grünen Auen, daß dein Lamm sich weiden kann; lasse mir dein Manna tauen, zeige mir die rechte Bahn hier in die⸗ sem Jammertal, Herr, zu deinem Ehrensaal! Benjamin Schmolck g. 1672 + 1737. 12 Mel. Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel. Hals mar schöner Morgen, schöner als man denken mag, heute fühl ich keine Sorgen, denn das ist ein lieber Tag, der durch seine Lieb⸗ lichkeit recht das Innerste erfreut. Sonntagslieder. 2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist, heller Tag der dunkeln Höhlen, Zeit, in der der Segen fließt! Stunde voller Seligkeit, du vertreibst mir alles Leid. 3. Ach wie schmeck ich Gottes Güte recht als einen Morgentau, die mich führt aus meiner Hütte zu des Vaters grüner Au; da hat wohl die Morgenstund edlen Schatz und Gold im Mund. 4. Ruht nur, meine Weltge⸗ schäfte, heute hab ich sonst zu tun, denn ich brauche alle Kräfte, in dem höchsten Gut zu ruhn. Heut schickt keine Arbeit sich als nur Gotteswerk für mich. 5. Wie soll ich mich heute schmücken, daß ich Gott gefallen mag? Jesus wird die Kleider schicken, die ich ihm zu Ehren trag. Sein Blut und Gerechtig⸗ leit ist das schönste Sonntags⸗ kleid. 6. Ich will in der Zionsstille heute voller Arbeit sein, denn da sammle ich die Fülle von den höchsten Schätzen ein, wenn mein Jesus meinen Geist mit dem Wort des Lebens speist. 7. Herr, ermuntre meine Sinnen und bereite selbst die Brust, laß mich Lehr und Trost gewinnen, gib zu deinem Manna Lust, daß mir deines Wortes Hall recht tief in mein Herze fall. 8. Segne deiner Knechte Lehren, öffne selber ihren Mund; mach mit allen, die dich hören, heute deinen Gnadenbund, daß wenn man hier bet und singt, solches in dein Herze dringt. Sonntagslieder. 7 9. Gib, daß ich den Tag be⸗ schließe, wie er angefangen ist; segne, pflanze und begieße, der du Herr des Sabbaths bist, bis ich einst auf jenen Tag ewig Sabbath halten mag. Jon. Krause g. 1701 4 1762. 13. Mel. Unumschränkte Liebe, oder Wunderbarer König. ott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten! Gott ist in der Mitten, alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge! Wer ihn lennt, wer ihn nennt, schlagt die Augen nieder, kommt, ergebt euch wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht ge⸗ bücket dienen; heilig, heilig, heilig singen ihm zur Ehre aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm unsre Stimm, da auch wir Geringen unsre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, aller Erdenlust und Freuden; da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben dir zum Eigentum ergeben. Du allein sollst es sein, unser Gott und Herre, dir gebührt die Ehre. 4. Majestätisch Wesen, möcht ich recht dich preisen und im Geist dir Dienst erweisen! die Engel immer vor dir stehen und dich gegenwärtig sehen! Laß Möcht ich wie zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, laß mich so, still und froh, deine Strah⸗ len fassen und dich wirken lassen! 6. Mache mich einfältig, innig, abgeschieden, sanfte und im stillen Frieden; mach mich reines Her⸗ zens, daß ich deine Klarheit schauen mag im Geist und Wahr⸗ heit; laß mein Herz überwärts wie ein Adler schweben und in dir nur leben! 7. Herr, komm in mir woh⸗ nen, laß mein'n Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden. Komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, daß ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, laß mich dich erblicken und vor dir mich bücken! Gerh. Terstegen g. 1697 τ 17⁰01 14. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. Prunn alles Heils, dich ehren wir und öffnen unsern Mund vor dir; aus deiner Gottheit Heiligtum dein hoher Segen auf uns komm! 2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib, er segne uns nach Seel und Leib, und uns behüte seine Macht vor allem Übel Tag und Nacht! 3. Der Herr, der Heiland, unser Licht, uns leuchten laß sein Angesch, daß wir ihn schaun mich dir für und für trachten zu und glauben frei, daß er uns gefallen, liebster Gott, in allen! 5. Du durchdringest alles, laß dein schönstes Lichte, Herr, be⸗ ewig gnädig sei. 4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb, sein Antlitz über uns rühren mein Gesichte! Wie die erheb, daß uns sein Bild werd 8 eingedrückt, unverrückt. Jehova! Vater, Sohn und Geist, o Segensbrunn, der ewig 5. deins Lobs und Segens voll! Gerh. Tersteg 15. Offenb. 22, 21. Mel. Christus der ist mein Leben. Die Gnade sei mit allen, die Gnade unsers Herrn, des Herrn, dem wir hier wallen und sehn sein Kommen gern. 2. Auf dem so schmalen Pfade gelingt uns gar kein Tritt, es gehe seine Gnade denn bis zum Ende mit. 3. Auf Gnade darf man trauen, man traut ihr ohne Reu; und wenn uns ja will grauen, so bleibts: Der Herr ist treu. 4. Wird stets der Jammer größer, so glaubt und ruft man noch: Du mächtiger Erlöser, du kommst; so komme doch! 5. Damit wir nicht erliegen, muß Gnade mit uns sein; denn sie flößt zu den Siegen Geduld und Glauben ein. 6. So scheint uns nichts ein en g. 1697 + 1769. Schade, was man um Jesum mißt, der Herr hat eine Gnade, die über alles ist. 7. Bald ist es überwunden nun durch des Lammes Blut, das Sonntagslieder. und geb uns Frieden Gnade sei mit allen, fleußt, durchfleuß Herz, Sinn und Wandel wohl, mach uns die Gnade sei mit mir! Phil. Friedr. Hiller g. 1699 4 1769. 16. Eigene Melodie. Daent sagen wir alle Gott unserm Herren Christo, der uns mit seinem Wort hat erleuchtet und uns erlöset hat mit seinem Blute von des Teufels Gewalt. Den sollen wir alle mit seinen Engeln loben mit Schalle, singen: Preis sei Gott in der Höhe! Alttircht. Deutsch 1821. 17. Mel. Herzlich tut mich verlangen. Gab mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr, von dir laß mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr! Herr, laß mich nur nicht wanken, gib mir Beständigkeit, dafür will ich dir danken in alle Ewigkeit. Nikol. Selnecker g 1532 1592. 18. Mel. Christus der ist mein Leben. bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List. 2. Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, daß uns beid hier und dorte sei Güt und Heil beschert. in den schwersten Stunden die größten Taten tut. 8. Herr, laß es Noch immer rufen dir gefallen! wir: Die 3. Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht, dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht. nn Sonntagslieder. 9 4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr, dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr! 5. Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, daß uns der Feind nicht trutze, noch fäll die böse Welt. 6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not! Josua Stegmann g. 1588 4 1632. 19. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. A.sern Ausgang segne Gott un⸗ sern Eingang gleichermaßen, segne unser täglich Brot, segne unser Tun und Lassen, segne uns mit selgem Sterben und mach uns zu Himmelserben! Hartmann Schenck g. 1634 4 1081. Am Sonntag Abend. 20. Mel. Nun sich der Tag geendet hat. Nn bricht die finstre Nacht her⸗ ein, des Tages Glanz ist tot; jedoch, mein Herz, schlaf noch nicht ein, geh, rede erst mit Gott! 2. O Gott, du großer Herr der Welt, den niemand sehen kann, du siehst ja mich in deinem Zelt, hör auch mein Seufzen an! 3. Der Tag, den ich nunmehr vollbracht, der war besonders dein; drum hat er auch bis in die Nacht mir sollen heilig sein. 4. Vielleicht ist dieses nicht ge⸗ schehn, denn ich bin Fleisch und Blut und pfleg es öfters zu ver⸗ sehn, wenn gleich der Wille gut. 5. Nun such ich deinen Gnaden⸗ thron, sieh meine Schuld nicht an und denke, daß dein lieber Sohn für mich genug getan. 6. Schreib alles, was man heut gelehrt, in unsre Herzen ein und lasse die, so es gehört, dir auch gehorsam sein. 7. Erhalte ferner noch dein Wort und tu uns immer wohl, damit man stets an diesem Ort Gott diene, wie man soll. 8. Indessen such ich meine Ruh; o Vater, steh mir bei und gib mir deinen Engel zu, daß er mein Wächter sei. 9. Gib allen eine gute Nacht, die heute recht gelebt, und beßre den, der unbedacht hat wider dich gestrebt. 10. Wofern dir auch mein Tun gefällt, so hilf mir morgen auf, daß ich noch ferner in der Welt vollbringe meinen Lauf. 11. Und endlich führe, wenn es Zeit, mich in den Himmel ein, da wird in deiner Herrlichkeit mein Sabbath ewig sein Kaspar Neumann g. 1648 + 1715 21. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. Die schönen Sonntagsstunden sind nun dahingeschwunden, uns grüßt die Abendruh; nun will ich all mein Dichten zu dir nach oben richten, Anfang und Ende bleibest du. 10 2. Herr, dir sei Preis und Ehre für alle Lieb und Lehre, die ich empfangen heut; du bist allein zu loben für jedes Licht von oben, das diesen Tag hat eingeweiht. 3. Der Glanz von deinem Throne, das Wort von deinem Sohne, der Hauch von deinem Geist, was unser Sinn gespüret, was unser Herz gerühret— für alles, alles sei gepreist. 4. Laß diesen Strahl des Lebens, dies Licht doch nicht vergebens für uns entzündet sein! Noch in den dunklen Stunden, wenn alles sonst verschwunden, leucht es in unser Herz hinein! 5. Was dieses Licht verdunkelt, obs noch so gleißt und funkelt, das bleib uns ewig fern. Sei du allein die Sonne des Lebens Adventslieder. und die Wonne des Herzens und des Auges Stern! 6. Wenn sich die Augen senken, dann laß dein Angedenken nicht völlig schlafen ein! Laß in den Finsternissen dein Wort und mein Gewissen die beiden treuen Wächter sein! 7. Ein Strahl von deinem Lichte erleuchte mein Gesichte auch in der finstern Nacht! Im iiefsten Schoß der Stille entschlummert jeder Wille, du aber bists, der ewig wacht. 8. Herr, schenke mir indessen ein seliges Vergessen von allem eitlen Wahn! Mag auch kein Aug mich schauen, sieh von des Him⸗ mels Auen nur du, mein Gott und Herr, mich an! Chr. Heinr. Puchta g. 1808 + 1856. II. Xdventslieder. 22. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. Run kommt das neue Kirchenjahr, des freut sich alle Christenschar. Dein König kommt, drum freue ben, daß wir dir Lob und Preis sagen für und für. Halleluja! 4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in Einem Thron; der heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit. dich, du wertes Zion, ewiglich! Halleluja! Halleluja! 2. Wir hören noch das Gnaden⸗ wort vom Anfang wieder immer⸗ fort, das uns den Weg zum Leben weist; Gott sei für seine Gnad gepreist. Halleluja! 3. Gott, was uns deine Wahr⸗ Joh. Olearius g. 1611 4 1684. 920 23. Eigene Melodie. Mabt hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der heit lehrt, die unsern Glauben Herr der Herrlichkeit, ein König stets vermehrt, laß in uns blei⸗ aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat! 2. Er ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Ge⸗ fährt, sein Königskron ist Heilig⸗ keit, sein Zepter ist Barmherzig⸗ keit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat! 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insge⸗ mein, da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat! 4. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, eur Herz zum Tempel zubereit! die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud, so kommt der König auch zu euch, ja Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll Tat, voll Gnad! 5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist; ach zeuch mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr! Georg Weissel g. 1590 + 1635. Adventslieder. 24. Mel. Aus meines Herzens Grunde. Muf, auf, ihr Reichsgenossen, eur König kommt heran, empfahet unverdrossen den großen Wunder⸗ mann! Ihr Christen, geht herfür, laßt uns vor allen Dingen ihm Ho⸗ sianna singen mit heiliger Begier. 2. Auf, ihr betrübten Herzen, der König ist gar nah; hinweg all Angst und Schmerzen, der Helfer ist schon da; seht, wie so mancher Ort hochtröstlich ist zu nennen, da wir ihn finden können, im Nacht⸗ mahl, Tauf und Wort. 3. Auf, auf, ihr Vielgeplagten, der König ist nicht fern; seid fröh⸗ lich, ihr Verzagten, dort kommt der Morgenstern; der Herr will in der Not mit reichem Trost euch speisen, er will euch Hülf erweisen, ja dämpfen gar den Tod. 4. Nun hört, ihr frechen Sün⸗ der: Der König merket drauf, wenn ihr verlornen Kinder im vollen Lasterlauf auf Arges seid bedacht, ja es tut ohne Sorgen; gar nichts ist ihm verborgen, er gibt auf alles acht. 5. Seid fromm, ihr Unter⸗ tanen, der König ist gerecht. Laßt uns die Weg ihm bahnen und machen alles schlicht. Für⸗ wahr, er meint es gut, drum lasset uns die Plagen, die er uns schickt, ertragen mit unerschrock⸗ nem Mut. 6. Frisch auf in Gott, ihr Armen, der König sorgt für euch, er will durch sein Erbarmen euch machen groß und reich; der an ein Tier gedacht, der wird auch euch 12 ernähren; was Menschen nur be⸗ gehren, das steht in seiner Macht. 7. Frisch auf, ihr Hochbetrüb⸗ ten, der König kommt mit Macht; an uns, sein Herzgeliebten, bat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst noch Pein noch Zorn hinfür uns schaden, dieweil uns Gott aus Gnaden läßt seine Kinder sein. 8. So lauft mit schnellen Schrit⸗ ten, den König zu besehn, dieweil er kommt geritten stark, herrlich, sanft und schön; nun tretet all heran, den Heiland zu begrüßen, der alles Kreuz versüßen und uns erlösen kann. 9. Der König will bedenken die, welch er herzlich liebt, mit köstlichen Geschenken, als der sich selbst uns gibt durch seine Gnad und Wort. Ja, König, hoch erhoben, wir alle wollen loben dich freudig hier und dort. 10. Nun, Herr, du gibst uns reichlich, wirst selbst doch arm und schwach; du liebest unver⸗ gleichlich, du jagst den Sündern nach; drum wolln wir all in ein die Stimmen hoch erschwingen, ein Hosianna singen und ewig dankbar sein. Johann Rist g. 1607 + 1667. 25. Mel. Aus meines Herzens Grunde. N'n jauchzet all, ihr Frommen, in dieser Gnadenzeit, weil unser Heil ist kommen, der Herr der Herrlichkeit; zwar ohne stolze Pracht, doch mächtig, zu verheeren und gänzlich zu zerstören des Teu⸗ fels Reich und Macht. Adventslieder. 2. Er kommt zu uns geritten auf einem Eselein und stellt sich in die Mitten für uns zum Opfer ein. Er bringt kein zeitlich Gut, er will allein erwerben durch seinen Tod und Sterben, was ewig währen tut. 3. Kein Zepter, keine Krone sucht er auf dieser Welt, im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht und Majestät derhüllen, bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht. 4. Ihr Mächtigen auf Erden, nehmt diesen König an, wollt ihr beraten werden und gehn die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet des Höchsten Zorn euch rührt. 5. Ihr Armen und Elenden in dieser bösen Zeit, die ihr an allen Enden müßt haben Angst und Leid, seid dennoch wohlgemut, laßt eure Lieder klingen und tut dem König singen, der ist eur höchstes Gut. 6. Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit und all eur Klag und Weinen verwandeln ganz in Freud. Er ist, der helfen kann; halt eure Lampen fertig und seid stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn. Mich Schirmer g. 1606 1 1673. 26. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. Miit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt, damit das Heil der Sünder, der große Wunderheld, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben gesendet und gegeben, bei euch auch kehre ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast, macht seine Steige richtig, laßt alles, was er haßt; macht alle Bahnen recht, die Tal laßt sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlecht! 3. Ein Herz, das Demut übet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut liebet, mit Angst zu Grunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht be⸗ reiten, zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit! Zeuch in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein. Nach Val. Thilo d. Jüng g. 1607 f 1662. 27. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Warun willst du draußen stehen,“) du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, wohl ge⸗ fallen, du mein Stern! Du mein Jesu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit, hilf, o Heiland, mei⸗ nem Herzen von den Wunden, die mir schmerzen!) 1. Mos. 24, 31. 2. Meine Wunden sind der Jammer, welchen oftmals Tag und Nacht des Gesetzes starker Hammer mir mit seinem Schrecken macht. O der schweren Donnerstimm, die Adventslieder. 13 mir Gottes Zorn und Grimm also tief ins Herze schläget, daß sich all mein Blut beweget! 3. Dazu kommt des Teufels Lügen, der mir alle Gnad absagt, als müßt ich nun ewig liegen in der Hölle, die ihn plagt. Ja auch, was noch ärger ist, so zermartert und zerfrißt mich mein eigenes Gewissen mit vergiften Schlangen⸗ bissen. 4. Will ich denn mein Elend lindern und erleichtern meine Pein bei der Welt und ihren Kindern, fall ich vollends tief hinein: da ist Trost, der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mir Herzleid machen, gute Freunde, die mein lachen. 5. In der Welt ist alles nichtig, nichts ist, das nicht kraftlos wär; hab ich Hoheit, die ist flüchtig; hab ich Reichtum, was ists mehr als ein Stücklein armer Erd? hab ich Lust, was ist sie wert? was ists, das mich heut erfreuet, das mich morgen nicht gereuet? 6. Aller Trost und alle Freude ruht in dir, Herr Jesu Christ; dein Erfreuen ist die Weide, da man sich recht fröhlich ißt. Leuchte mir, o Freudenlicht, ehe mir mein Herze bricht, laß mich, Herr, an dir erquicken, Jesu, komm, laß dich erblicken! 7. Freu dich, Herz, du bist erhöret, jetzo zeucht er bei dir ein; sein Gang ist zu dir gekehret, heiß ihn nur willkommen sein und be⸗ reite dich ihm zu, gib dich ganz zu seiner Ruh, öffne dein Gemüt und Seele, klag ihm, was dich drück und quäle. 14 8. Was du Böses hast be⸗ gangen, das ist alles abgeschafft: Gottes Liebe nimmt gefangen deiner Sünde Macht und Kraft. Christi Sieg behält das Feld, und was Böses in der Welt sich will wider dich erregen, wird zu lauter Glück und Segen. 9. Alles dient zu deinem From⸗ men, was dir bös und schädlich scheint, weil dich Christus ange⸗ nommen und es treulich mit dir meint. Bleibst du dem nur wieder treu, ists gewiß und bleibt dabei, daß du mit den Engeln droben ihn dort ewig werdest loben. Paul Gerhardt g. 1607 1 1676. 28. Nel. Valet will ich dir geben. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier? O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergetze, mir kund und wissend sei. 2. Dein Zion streut dir Pal⸗ men und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud? Als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid, als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kom⸗ men und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; Adventslieder. ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, wie irdisch Reichtum tut. 5. Nichts, nichts hat dich ge⸗ trieben zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest um⸗ fangen hast. 6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr; seid unverzagt, ihr habet die Hülfe vor der Tür, der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht; er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht er⸗ schrecken vor eurer Sündenschuld, nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zum Trost und wahren Heil, schafft, daß bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Teil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind und ihrer Tück? Der Herr wird sie zer⸗ streuen in Einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, dem wahrlich alle Feind auf Erden viel zu wenig zum Widerstande seind. 10. Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht, mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ewgen Licht und Wonne in deinen Freudensaal! Paul Gerhardt g. 1607 + 1676. 29. Eigene Melodie. KRewmst du, kommst du, Licht ider Heiden? Ja du kommst und säumest nicht, weil du weißt, was uns gebricht; o du starker Trost im Leiden, Jesu, meines Herzens Tür steht dir offen, komm zu mir! 2. Ja du bist bereits zugegen, du Weltheiland, Jungfraunsohn; meine Sinne spüren schon deinen gnadenvollen Segen, deine Wun⸗ derseelenkraft, deine Frucht und Herzenssaft. 3. Adle mich durch deine Liebe, Jesu, nimm mein Flehen hin, schaffe, daß mein Geist und Sinn sich in deinem Lieben übe; sonst zu lieben dich, mein Licht, steht in meinen Kräften nicht. 4. Jesu, rege mein Gemüte, Jesu, öffne mir den Mund, daß dich meines Herzens Grund innig preise für die Güte, die du mir, o Seelengast, lebenszeit erwiesen hast. 5. Laß durch deines Geistes Gaben, Liebe, Glauben und Ge⸗ duld, durch Bereuung meiner Schuld, mich zu dir sein hoch⸗ erhaben. Dann so will ich für und für Hosianna singen dir. Ernst Christ. Homburg g. 1605 + 1681. Adventslieder. 30. Eigene Melodie. Hett sei Dank durch alle Welt, der sein Wort beständig hält und der Sünder Trost und Rat zu uns hergesendet hat! 2. Was der alten Väter Schar höchster Wunsch und Sehnen war, und was sie geprophezeit, ist er⸗ füllt nach Herrlichkeit. 3. Zions Hülf und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jungfrau Sohn, der wohl zweigestammte Held hat sich treulich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Dir Hosianna, o mein Teil! Richte du auch eine Bahn dir in meinem Herzen an! 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, es gehöret dir allein; mach es, wie du gerne tust, rein von aller Sünden Wust! 6. Und gleich wie dein Ankunft war voller Sanftmut, ohn Gefahr, also sei auch jederzeit deine Sanft⸗ mut mir bereit! 7. Tröste, tröste meinen Sinn, weil ich schwach und blöde bin, und des Satans schlaue List sich zu hoch für mich vermißt. 8. Tritt der Schlange Kopf entzwei, daß ich aller Angste frei dir im Glauben um und an selig bleibe zugetan, 9. Daß, wenn du, du Lebens⸗ fürst, prächtig wieder kommen wirst, ich dir mög entgegen gehn und vor dir gerecht bestehn. Henr. Held um 1650. 16 Mel. Alle Menschen müssen sterben. Mel. 2. Psten Jesu, sei willkommen hier in dieser bösen Welt, da du kaum wirst aufgenommen, da man dich verächtlich hält. Ich, ich will dich nicht verscherzen, wohne nur in meinem Herzen! Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. 2. Zwar du kommest gar nicht prächtig, aber ich bin schon ver⸗ gnügt; du bist dennoch reich und mächtig, hast mir alles zugefügt, was mich Sünder, was mich Schwachen kann gerecht und selig machen. Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. 3. Dein so armes Kummer⸗ leben soll mein steter Reichtum sein; bin ich dir nur ganz er⸗ geben und vertrau ich dir allein, so wirst du mir schon gewähren, was mein Herz nur kann begehren. Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. 4. Will dich alle Welt gleich meiden, dennoch find ich mich zu dir; dich und mich soll nie was scheiden, sondern ich will für und für in dir leben, an dich gläuben, tot und lebend dein verbleiben. Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. 5. Deine Schmach und deine Schande, so dir diese Welt antut, dienet mir zum höchsten Pfande und versichert meinen Mut, daß du mir in jenem Leben wirst die höchste Ehre geben. Du bist mein, Adventslieder. und ich bin dein, ich will keines andern sein. 6. Nun, mein Herze steht dir offen, zeuch, mein Heiland, bei mir ein, laß mich nicht vergeblich hoffen, laß mich stets dein eigen sein! Tilge du all mein Ver⸗ brechen, so kann ich stets fröhlich sprechen: Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. Friedr. Fabricius g. 1642 1 1703. 32. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. 1. Hu Davids Sohn kommt 'in Zion eingezogen; ach be⸗ reitet ihm den Thron, setzt ihm tausend Ehrenbogen, streuet Pal⸗ men, machet Bahn, daß er Einzug halten kann. 2. Hosianna, sei gegrüßt! Komm, wir gehen dir entgegen; unser Herz ist schon gerüst, will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu unsern Toren ein, du sollst uns willkommen sein. 3. Hosianna, Friedensfürst, Eh⸗ renkönig, Held im Streite! Alles, was du schaffen wirst, das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, und dein Reich allein besteht. 4. Hosianna, lieber Gast! Wir sind deine Reichsgenossen, die du dir erwählet hast; ach so laß uns unverdrossen deinem Zepter dienst⸗ bar sein, herrsche du in uns allein! 5. Hosianna! Steh uns bei! O Herr, hilf, laß wohl gelingen, daß wir ohne Heuchelei dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, der dir nicht gehorchen kann. Adventslieder. 17 6. Hosianna! Laß uns hier an den Slberg dich begleiten, bis wir einstens für und für dir ein Psalmenlied bereiten; dort ist unser Bethphage: Hosianna in der Höh! 7. Hosianna nah und fern! Eile bei uns einzugehen, du Ge⸗ segneter des Herrn, warum willst du draußen stehen?“) Hosianna! Bist du da? Ja du kommst, Halleluja!) 1. Mos. 24, 31. Benjamin Schmolck g. 1672 4 1737. 0 33. Eigene Melodie. Lei willkommen, Davids Sohn, der in seines Vaters Namen sich erhebet auf den Thron über Jakobs Haus und Samen, welchem Gott ein Reich bestimmt, dem die Reiche dieser Erden alle müssen dienstbar werden, das kein Ende zjemals nimmt. 2. Sei gesegnet, teures Reich, das ein solcher Herr besitzet, dem kein Herr auf Erden gleich, der das Recht mit Nachdruck schützet. Schwinge dich in stetem Flor groß durch Frieden, reich an Freuden unter Juden, unter Heiden mit vermehrtem Glanz empor! 3. Deines Königs Majestät müsse jedes Volk verehren, und so weit die Sonne geht, müsse sich sein Ruhm vermehren. Selbst der kleinen Kinder Mund mache zum Verdruß der Feinde und zur Freude seiner Freunde seinen großen Namen kund. 4. Schreibe mich, Herr, auch mit an unter deinen Untertanen; ich will dir, so gut ich kann, in mein Herz die Wege bahnen; ich geselle mich im Geist zu denselben großen Reihen, die das Hosianna schreien, wo man dich willkommen heißt. 5. Jauchzt, ihr Kräfte, freuet euch, seid ermuntert, meine Sin⸗ nen! Jesus und sein Gnaden⸗ reich wird bei euch nun Raum gewinnen. Kommt und schwört den Huldgungseid, kommt und küßt den Sohn der Liebe! Ach daß niemand außen bliebe, hier, ach hier ist Seligkeit. Joh. Jak. Rambach g. 1693 4 1735. 34. Mel. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich. Seuch, Ehrenkönig, bei mir ein, komm, komm, verweile nicht! Komm, laß mich ganz dein eigen sein, komm, o mein Gnadenlicht! 2. Komm, Jesu, meiner Seele Teil, ach komm, ich liebe dich. Ja komm, Herr Jesu, komm, mein Heil, mach ewig selig mich! 1735(2). — 35. Eigene Melodie. Dein König kommt in niedern Hüllen, ihn trägt der lastbarn Eslin Füllen, empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenspalmen, bestreu den Pfad mit grünen Halmen! So ists dem Herren angenehm. 2. O mächtger Herrscher ohne Heere, gewaltger Kämpfer ohne Speere, o Friedensfürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren den Weg zu deinem Throne sperren, doch du gewinnst ihn ohne Schlacht. 2 18 Weihnachtslieder. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, doch aller Erde Reiche wer⸗ den dem, das du gründest, unter⸗ tan. Bewaffnet mit des Glau⸗ bens Worten zieht deine Schar nach den vier Orten der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommest her⸗ gezogen, da ebnen sich des Meeres Wogen, es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, auf den empörten Triften des Lebens neuen Bund zu stiften, und schlägst in Fessel Sünd und Tod. 36. Eigene Melodie. Ein Kind geborn zu Bethlehem, des freuet sich Jerusalem. Halleluja, n 2. Hier liegt es in dem Krippe⸗ lein, ohn Ende ist die Herrschaft sein. Halleluja, Halleluja! 3. Für solche gnadenreiche Zeit sei Gott gelobt in Ewigkeit. Halle⸗ luja, Halleluia! 4. Lob, Eyr der heiligen Drei⸗ faltigkeit von nun an bis in Ewig⸗ keit. Halleluja! Halleluja! Nach dem Lateinischen Puer natus in Bethlehem. 37. Eigene Melodie. det seist du, Jesu Christ, daß du Mensch geboren bist von einer Jungfrau, das ist wahr, des III. Weihnachtslieder. 5. O Herr von großer Huld und Treue, o komme du auch jetzt aufs neue zu uns, die wir sind schwer verstört. Not ist es, daß du selbst hienieden kommst zu er⸗ neuen deinen Frieden, dagegen sich die Welt empört. 6. O laß dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finsternis erliegen und lösch der Zwietracht Glimmen aus, daß wir, die Völ⸗ ker und die Thronen, vereint als Brüder wieder wohnen in deines großen Vaters Haus. Friedrich Rückert g. 1789 f 1806. freuet sich der Engel Schar. Halle⸗ luja! 2. Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippe findt; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewge Gut. Halleluja! 3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein wor⸗ den klein, der alle Ding erhält allein. Halleluja! 4. Das ewge Licht geht da herein, gibt der Welt ein neuen Schein; es leucht wohl mitten in der Nacht und uns zu Lichtes Kindern macht. Halleluja! 5. Der Sohn des Vaters, Golt von Art, ein Gast in der Welt hie ward und führt uns aus dem Jammertal, er macht uns Erb'n in seinem Saal. Halleluja! Weihnachtslieder. 19 6. Er ist auf Erden kommen arm, daß er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Halleluja! 7. Das hat er alles uns ge⸗ tan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit! Halleluja! Martin Luther g. 1483 4 1546. 38. Eigene Melodie. Bou Himmel hoch da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will. 2. Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau aus⸗ erkorn, ein Kindelein so zart und fein; das soll eur Freud und Wonne sein. 3. Es ist der Herr Christ unser Gott, der will euch führn aus aller Not, er will eur Hei⸗ land selber sein, von allen Sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott der Vater hat bereit, daß ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich. 5. So merket nun das Zeichen recht, die Krippe, Windelein so schlecht, da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt. 6. Des laßt uns alle fröhlich sein und mit den Hirten gehn hinein, zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt. 7. Merk auf, mein Herz, und sieh dort hin: was liegt doch in dem Krippelein? Wes ist das schöne Kindelein? Es ist das liebe Jesulein. 8. Willkommen sei, du edler Gast! Den Sünder nicht ver⸗ schmähet hast und kommst ins Elend her zu mir; wie soll ich immer danken dir? 9. Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, wie bist du worden so gering, daß du da liegst auf dürrem Gras, davon ein Rind und Esel aß. 10. Und wär die Welt vielmal so weit, von Edelstein und Gold bereit, so wär sie doch dir viel zu klein, zu sein ein enges Wiegelein. 11. Der Sammet und die Seide dein das ist grob Heu und Winde⸗ lein, darauf du König, groß und reich, herprangst, als wärs dein Himmelreich. 12. Das hat also gefallen dir. die Wahrheit anzuzeigen mir: Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut. 13. Ach mein herzliebes Jesu⸗ lein, mach dir ein rein sanft Bette⸗ lein, zu ruhn in meines Herzens Schrein, daß ich nimmer vergesse dein. 14. Davon ich allzeit fröhlich sei, zu springen, singen immer frei das rechte Wiegenliedlein schön, mit Herzenslust den süßen Ton. 15. Lob, Ehr sei Gott im höch⸗ sten Thron, der uns schenkt seinen eingen Sohn! Des freuen sich der Engel Schar und singen uns solch neues Jahr. Martin Luther g. 1433 + 15-6. 2* 20 Weihnachtslieder. 39. Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. Bem Himmel kam der Engel Schar, erschien den Hirten offenbar; sie sagten ihn'n: Ein Kindlein zart das liegt dort in der Krippe hart, 2. Zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha) das ver⸗ kündet hat; es ist der Herre Jesus Christ, der euer aller Heiland ist. Mich. 5, I. 3. Des sollt ihr billig fröhlich sein, daß Gott mit euch ist worden ein. Er ist geborn eur Fleisch und Blut, eur Bruder ist das ewge Gut. 4. Was kann euch tun die Sünd und Tod? ihr habt mit euch den wahren Gott. Laßt zürnen Teufel und die Höll, Gotis Sohn ist worden eur Gesell. 5. Er will und kann euch lassen nicht, setzt ihr auf ihn eur Zu⸗ versicht. Es mögen euch viel fechten an, dem sei Trotz, ders nicht lassen kann. 0. Zuletzt müßt ihr doch haben Recht; ihr seid nun worden Gotts Geschlecht. Des danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit! Martin Luther g. 1483 + 1546. 40. Eigene Melodie. Der Tag der ist so freudenreich aller Kreature, denn Gottes Sohn vom Himmelreich über die Nature von einer Jungfrau ist geborn; Maria, du bist auser⸗ korn, daß du Mutter wärest. Was geschah so wundergleich? Gottes Sohn vom Himmelreich der ist Mensch geboren. 2. Ein Kindelein so löbelich ist uns geboren heute von einer Jung⸗ frau säuberlich, zu Trost uns armen Leuten. Wär uns das Kindlein nicht geborn, so wärn wir allzu⸗ mal verlorn, das Heil ist unser aller. Ei, du süßer Jesu Christ, daß du Mensch geboren bist, behüt uns vor der Hölle. Nach dem Latein. Dies est laetitiae. 41. Eigene Melodie. Gobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron, der heut schleußt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn. 2. Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein, er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein. 3. Er äußert sich all seiner G'walt, wird niedrig und gering und nimmt an sich eins Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding. 4. Er liegt an seiner Mutter Brust, ihr Milch die ist sein Speis, an dem die Engel sehn ihr Lust, denn er ist Davids Reis, 5. Das seinem Stamm ent⸗ sprießen sollt in dieser letzten Zeit, durch welchen Gott auf⸗ richten wollt sein Reich, die Christenheit. 6 Er wechselt mit uns wun⸗ derlich, Fleisch und Blut nimmt er an und gibt uns in seins Vaters Reich die klare Gottheit dran. 7 Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel Weihnachtslieder. sein! Wie könnt er doch sein freundlicher, das Herzejesulein. 8. Heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis, der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis! Niklas Herman 5 1561. 42. Eigene Melodie. Da Christus geboren war, freute sich der Engel Schar, sangen all mit Haufen schön: Ehr sei Gott im höchsten Thron! Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat ver⸗ söhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid. 2. Die Hirten erschraken ganz vor des Engels hellem Glanz, hörten fröhlich neue Mär, daß Christus geboren wär. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat ver⸗ söhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid. 3. Sie suchten das Kindelein, eingehüllt in Windelein, wie der Engel hatt vermeldt, welches trägt die ganze Welt. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid. 4. Sie fanden das Kindlein zart liegen in der Krippe hart bei dem Vieh im finstern Stall, das die Stern erschaffen all. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat ver⸗ söhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid. 5. Aus der Mutter Brust so rein nähret sich das Kindelein, das durch seine göttlich Kraft allem Vieh sein Futter schafft. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat ver⸗ 21 söhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid. 6. Solche groß Barmherzigkeit laßt uns preisen allezeit, in Gotts⸗ furcht und Glauben rein mit Ge⸗ duld gehorsam sein. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid. 1560. N. d. Latein. In natali Domini. 43. Eigene Melodie. Wreret euch, ihr Christen alle, freue sich, wer immer kann, Gott hat viel an uns getan! Freuet euch mit großem Schalle, daß er uns so hoch geacht, sich mit uns befreundt gemacht. Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne. 2. Siehe, siehe, meine Seele, wie dein Heiland kommt zu dir, brennt in Liebe für und für, daß er in der Krippe Höhle harte lieget dir zu gut, dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne. 3. Jesu, wie soll ich dir dan⸗ ken? Ich bekenne, daß von dir meine Seligkeit herrühr. So laß mich von dir nicht wanken, nimm mich dir zu eigen hin, so empfindet Herz und Sinn Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnaden⸗ sonne. 41 22 Weihnachtslieder. 4. Jesu, nimm dich deiner Glieder ferner auch in Gnaden an, schenke, was man bitten kann, zu erquicken deine Brüder, gib der ganzen Christenschar Friede und ein selges Jahr! Freude, Freude über Freude: Christus weh⸗ ret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne. Christ. Keymann g. 1607 + 1602. 44. Eigene Melodie. Nin singet und seid froh, jauchzt all und saget so: Unsers Herzens Wonne liegt in der Krippe bloß und leucht doch als die Sonne in seiner Mutter Schoß. Du bist A und O, du bist A und O. 2. Sohn Gottes in der Höh, nach dir ist mir so weh, tröst mir mein Gemüte, o Kindlein zart und rein, durch alle deine Güte, o liebstes Jesulein, zeuch mich hin nach dir ½7 3. Groß ist des Vaters Huld, der Sohn tilgt unsre Schuld. Wir warn all verdorben durch Sünd und Eitelkeit, so hat er uns erworben die ewge Himmels⸗ freud; eia, wärn wir da, 4. Wo ist der Freudenort? Nirgend sonst als dort, da die Engel singen mit den Heilgen all, und die Psalmen klingen im hohen Himmelssaal. Eia, wärn wir da Hannov. Gsb. 1646. Nach dem Lateinischen In dulei jubilo. — 45. Mel. Valet will ich dir geben. Abr Christen auserkoren, freut euch von Herzen sehr: der Hei⸗ land ist geboren! Recht gute neue Mär! Des freuen sich dort oben der heilgen Engel Schar und Gott den Vater loben jetzt und fort immerdar. 2. So singen sie mit Schalle: Ihr Christen insgemein, freut euch von Herzen alle ob diesem Kindelein! Euch, euch ist es ge⸗ geben und hat das Heil bereit, daß ihr bei Gott sollt leben in steter Seligkeit. 3. Kein Mensch sich ja betrübe, denn dieses Kindelein euch bringet süße Liebe; was wollt ihr traurig sein? Den Himmel wills dem schenken, der an ihn gläubet fest; daran sollt ihr gedenken, euch freuen auf das best. 4. Nun seid ihr wohl gerochen an eurer Feinde Schar, denn Christus hat zerbrochen, was euch zuwider war. Tod, Teufel, Sünd und Hölle sind ganz und gar ge⸗ schwächt, bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht. 5. Drum wir auch nun dich loben, Jesu, zweistammger Held, daß du herab von oben bist kom⸗ men in die Welt. Komm auch in unsre Herzen und bleibe für und für, daß weder Glück noch Schmer⸗ zen uns trennen ab von dir. V. 1—4. G. Werner g. 1589 4 1643. V. 5. Hannov. Gsb. 1657. Weihnachtslieder. b 46 „ Eigene Melodte. rmuntre dich, mein schwacher Geist, und trage groß Ver⸗ langen, ein kleines Kind, das Vater heißt,“) mit Freude zu empfangen. Dies ist die Nacht, darin es kam und menschlich Wesen an sich nahm, dadurch die Welt mit Treuen als seine Braut zu freien. Jes. 9, 6. 2. Willkommen, süßer Bräuti⸗ gam, du König aller Ehren, will⸗ kommen, Jesu, Gottes Lamm, ich will dein Lob vermehren, ich will dir all mein Lebenlang von Herzen sagen Preis und Dank, daß du, da wir verloren, für uns bist Mensch geboren. 3. O großer Gott, wie konnt es sein, dein Himmelreich zu lassen, zu kommen in die Welt hinein, da nichts denn Neid und Hassen? Wie konntest du die große Macht, dein Königreich, die Freudenpracht, ja dein er⸗ wünschtes Leben für deine Feind hingeben? 4. Ist doch, Herr Jesu, deine Braut ganz arm und voller Schan⸗ den, dennoch hast du sie dir ver⸗ traut am Kreuz in Todesbanden; ist sie doch ganz und gar befleckt, mit dem Verderben angesteckt, und du willst ihretwegen den Zepter von dir legen! 5. Du Fürst und Herrscher dieser Welt, du Friedenswiederbringer, du kluger Rat und tapfrer Held, du starker Höllenzwinger, wie war es möglich, daß du dich erniedrig⸗ test so jämmerlich, als wärest du — 2 23 sim Orden der Bettler Mensch geworden? 6. O Freudenzeit, o Wunder⸗ nacht, dergleichen nie gefunden, du hast den Heiland hergebracht, der alles überwunden, du hast gebracht den starken Mann, der Feur und Wolken zwingen kann, vor dem die Himmel zittern und alle Berg erschüttern. 7. O liebes Kind, o süßer Knab, holdselig von Geberden, mein Bruder, den ich lieber hab als alle Schätz auf Erden, komm, Schonseer, in mein Herz hinein, komm eilend, laß die Krippe sein, komm, komm, ich will bei Zeiten dein Lager dir bereiten. 8. Sag an, mein Herzens⸗ bräutigam, mein Hoffnung, Freud und Leben, mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, was soll ich dir doch geben? Ach nimm von mir Leib, Seel und Geist, nimm alles, was Mensch ist und heißt: ich will ten ganz verschreiben, dir ewig treu zu bleiben. 9. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ, sei dir von mir ge⸗ sungen, daß du mein Bruder wor⸗ den bist und hast die Welt be⸗ zwungen; hilf, daß ich deine Gütigkeit stets preis in dieser Gnadenzeit und mög hernach dort oben in Ewigkeit dich loben. Johann Rist g. 1607 + 1667. 47. Mel. Es ist gewißlich an der Beit. EV steh an deiner Krippe hier, — ich o Jesu, du mein Leben, ich komme, bring und schenke dir, 24 was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und laß dirs wohlgefallen! 2. Du hast mit deiner Lieb erfüllt mein Adern und Geblüte; dein schöner Glanz, dein süßes Bild liegt mir ganz im Gemüte. Und wie mag es auch anders sein, wie könnt ich dich, o Herze mein, aus meinem Herzen lassen? 2 3. Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden. 4. Ich lag in tiefster Todes⸗ nacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht, wie schön sind deine Strahlen! 5. Ich sehe dich mit Freude an und kann mich nicht satt sehen, und weil ich nun nichts weiter kann, so tu ich, was geschehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär, und meine Seel ein weites Meer, daß ich dich möchte fassen! 6. Wo nehm ich Weisheit und Verstand, mit Lobe zu erhöhen die Auglein, die so unverwandt nach mir gerichtet stehen? Der volle Mond ist schön und klar, schön ist der güldnen Sterne Schar, dies' Auglein sind viel schöner. 7. O daß doch ein so lieber Stern soll in der Krippe liegen! Weihnachtslieder. Für edle Kinder großer Herrn gehören güldne Wiegen. Ach Heu und Stroh ist viel zu schlecht, Samt, Seide, Purpur wären recht, dies Kindlein drauf zu legen. 8. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu, ich will mir Blumen holen, daß meines Hei⸗ lands Lager sei auf Kränzen und Violen; mit Rosen, Nelken, Ros⸗ marin aus schönen Gärten will ich ihn von oben her bestreuen. 9. Zur Seite will ich hie und dar viel weiße Lilien stecken, die sollen seiner Auglein Paar im Schlafe sanft bedecken. Doch liebt viel mehr das dürre Gras dies Kindelein als alles das, was ich hier nenn und denke. 10. Du fragest nicht nach Lust der Welt noch nach des Leibes Freuden; du hast dich bei uns ein⸗ gestellt an unsrer Statt zu leiden, suchst meiner Seele Herrlichkeit durch dein selbsteignes Herzeleid, das will ich dir nicht wehren. 11. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht ver⸗ sagen: daß ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein, komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden! 12. Zwar sollt ich denken, wie gering ich dich bewirten werde; du bist der Schöpfer aller Ding, ich bin nur Staub und Erde. Doch bist du ein so frommer Gast, daß du noch nie verschmähet hast den, der dich gerne siehet. Paul Gerhardt g. 1607 1 1676. Weihnachtslieder. 48. Eigene Melodie. Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Choren alle Luft laute ruft: 22 8 ist geboren. „Heute geht aus seiner Kam⸗ mer Gottes Held, e die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir, Mensch, zu gute, Gottes Kind das verbindt sich mit unserm Blute. 3. Sollt uns Gott nun können hassen, der uns gibt, was er liebt über alle Maßen? Gott gibt, unserm Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren. 4. Sollte von uns sein gekehret, der sein Reich und zugleich sich selbst uns verehret? Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, der jetzt kömmt, von uns nimmt, was uns will betrüben? Hätte vor der Menschen Orden unser Heil einen Greul, wär er nicht Mensch worden; hätt er Lust zu unserm Schaden, ei so würd unsre Bürd er nicht auf sich laden. 6. Er nimmt auf sich, was auf Erden wir getan, gibt sich an, unser Lamm zu werden, unser Lamm, das für uns stirbet und bei Gott für den Tod Gnad und Fried erwirbet. 7. Nun, er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen: Lasset fahrn, o lieben Brüder, 25 was euch quält, was euch fehlt, ich bring alles wieder. 8. Ei so kommt und laßt uns laufen, stellt euch ein, Groß und Klein, eilt mit großen Haufen. Liebt den, der vor Liebe brennet, schaut den Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet. 9. Die ihr schwebt in großem Leide, sehet, hier ist die Tür zu der wahren Freude. Faßt ihn wohl, er wird euch führen an den Ort, da hinfort euch kein Kreuz wird rühren. 10. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, wer empfindt seine Sünd und Gewissensschmerzen, sei ge⸗ trost: hie wird gefunden, der in Eil machet heil die vergiften Wunden. 11. Die ihr arm seid und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände: hier sind alle guten Gaben und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben. 12. Süßes Heil, laß dich um⸗ fangen, laß mich dir, meine Zier, unverrückt anhangen! Du bist meines Lebens Leben; nun kann ich mich durch dich wohl zufrieden geben. 13. Meine Schuld kann mich nicht drücken, denn du hast meine Last all auf deinem Rücken. Kein Fleck ist an mir zu finden, ich bin gar rein und klar aller meiner Sünden. 14. Ich bin rein um deinet⸗ willen, du gibst gnug Ehr und Schmuck, mich darein zu hüllen. Ich will dich ins Herze schließen, o mein Ruhm, edle Blum, laß dich recht genießen! 26 15. Ich will dich mit Fleiß bewahren, ich will dir leben hier, dir will ich abfahren. Mit dir will ich endlich schweben voller Freud ohne Zeit dort im andern Leben. Paul Gerhardt g. 1607 1676. 49. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. singen dir, Immanuel, du Lebensfürst und Gnadenquell, du Himmelsblum und Morgen⸗ — stern, du Jungfrausohn, Herr aller Herrn. Halleluja! 2. Wir singen dir in deinem Heer aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, daß du, o lang gewünsch⸗ ter Gast, dich nunmehr eingestellet hast. Halleluja! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, hat so manch Herz nach dir gewacht; dich hat gehofft so lange Jahr der Väter und Pro⸗ pheten Schar. Halleluja! 4. Ach daß der Herr aus Zion käm und unsre Bande von uns nähm! Ach daß die Hülfe bräch herein, so würde Jakob fröhlich sein.) Halleluja! Pf. 14, 7. 5. Nun, du bist hier, da liegest du, hältst in dem Kripplein deine Ruh; bist klein und machst doch alles groß, bekleidst die Welt und kommst doch bloß. Halleluja! 6. Du kehrst in fremder Hau⸗ sung ein, und sind doch alle Him⸗ mel dein; trinkst Milch aus deiner Mutter Brust und bist doch selbst der Engel Lust. Halleluja! 7. Du bist der süße Menschen⸗ freund, doch sind dir so viel 1 Weihnachtslieder. Menschen feind; Herodis Heer hält dich für Greul, und bist doch nichts als lauter Heil. Halleluja! 8. Ich aber, dein geringster Knecht, ich sag es frei und mein es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, als ich dich gerne lieben will. Halleluja! 9. Der Will ist da, die Kraft ist klein, doch wird dir nicht zu⸗ wider sein mein armes Herz, und was es kann, wirst du in Gnaden nehmen an. Halleluja! 10. Darum so hab ich guten Mut, du wirst auch halten mich für gut. O Jesulein, dein from⸗ mer Sinn macht, daß ich so voll Trostes bin. Halleluja! 11. Bin ich gleich sünd⸗ und lastervoll, hab ich gelebt nicht wie ich soll, ei kommst du doch des⸗ wegen her, daß sich der Sünder zu dir kehr. Halleluja! 12. So faß ich dich nun ohne Scheu; du machst mich alles Jammers frei; du trägst den Zorn, du würgst den Tod, ver⸗ kehrst in Freud all Angst und⸗ Not. Halleluja! 13. Du bist mein Haupt, hin⸗ wiederum bin ich dein Glied und Eigentum und will, so viel dein Geist mir gibt, stets dienen dir, wie dirs beliebt. Halleluja! 14. Ich will dein Halleluja. hier mit Freuden singen für und für, und dort in deinem Ehren⸗ saal solls schallen ohne Zeit und Zahl. Halleluja! Paul Gerhardt g. 1607 1 1676. FSn 7 — Weihnachtslieder. 27 50. Eigene Melodie. Kmt und laßt uns Christum MX ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren, singet fröhlich, laßt euch hören, wertes Volk der Christenheit! 2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen, wir, die unser Heil an⸗ nehmen, werfen allen Kummer hin. 3. Sehet, was hat Gott gegeben! Seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud. 4. Seine Seel ist uns gewogen, 5. Jakobs Stern ist aufgegan⸗ gen, stillt das sehnliche Verlangen, bricht den Kopf der alten Schlan⸗ gen und zerstört der Hölle Reich. 6. Unser Kerker, da wir saßen und mit Sorgen ohne Maßen uns das Herze selbst abfraßen, ist ent⸗ zwei, und wir sind frei. 7. O du hoch gesegn'te Stunde, da wir das von Herzensgrunde gläuben und mit unserm Munde danken dir, o Jesulein! 8. Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle dich der Engel Heer erhöht. Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. — 51. Mel. Da Christus geboren war. Gnadenthron, Got⸗ tes und Marien Sohn, Gott und Mensch, ein kleines Kind, das man in der Krippe findt! Großer Held von Ewigkeit, dessen Macht und Herrlichkeit rühmt die ganze Christenheit! 2. Du bist arm und machst zugleich uns an Leib und Seele reich, du wirst klein, du großer Gott, und machst Höll und Tod zu Spott. Aller Welt wird offen⸗ bar, ja auch deiner Feinde Schar, daß du, Gott, bist wunderbar. 3. Laß mir deine Güt und Treu täglich werden immer neu, Gott, mein Gott, verlaß mich nicht, wenn mich Not und Tod anficht. Laß mich deine Herrlichkeit, deine Wundergütigkeit schauen in der Ewigkeit! Joh. Olearius g. 1611 1+ 1684 Re 52. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. Mies ist die Nacht, da mir er⸗ schienen des großen Gottes Freundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit, und dieses Welt⸗ und Himmelslicht weicht hunderttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gna⸗ denschein! Der Glanz in dieser lleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein, er treibet weg der Hölle Macht, der Sünde und des Kreuzes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Selig⸗ leit; wenn Sonne, Mond und Stern vergehen, vielleicht noch in gar kurzer Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein alles sein. 28 4. Laß nur indessen helle schei⸗ nen dein Glaubens⸗ und dein Liebeslicht; mit Gott mußt du es treulich meinen, sonst hilft dir diese Sonne nicht; willst du ge⸗ nießen diesen Schein, so darfst du nicht mehr dunkel sein. 5. Drum, Jesu, schöne Weih⸗ nachtssonne, bestrahle mich mit deiner Gunst! Dein Licht sei meine Weihnachtswonne und lehre mich die Weihnachtskunst, wie ich im Lichte wandeln soll und sei des Weihnachtsglanzes voll. Kasp. Friedr. Nachtenhöfer g. 1624 4 1685. 53. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 1. D* wesentliches Wort, von An⸗ fang her gewesen, du Gott, von Gott gezeugt, von Ewigkeit erlesen zum Heil der ganzen Welt, o mein Herr Jesu Christ, will⸗ kommen, der du mir zum Heil geboren bist. 2. Komm, o selbständigs Wort, und sprich in meiner Seelen, daß mirs in Ewigkeit an Trost nicht solle fehlen; im Glauben wohn in mir und weiche nimmer nicht, laß mich auch nicht von dir abweichen, schönstes Licht! 3. Du wesentliches Wort warst bei Gott, eh geleget der Grund der großen Welt, da sich dein Herz beweget zur Liebe gegen mich; ja du warst selber Gott, damit du machtst im Fleisch Sünd, Höll und Tod zu Spott. 4. Was hat, o Jesu, dich von Anfang doch bewogen? Was hat vom Himmelsthron dich in die Weihnachtslieder. Welt gezogen? Ach deine große Lieb und meine große Not hat deine Glut entflammt, die stärker als der Tod. 5. Du bist das Wort, wodurch die ganze Welt formieret, denn alle Dinge sind durch dich ans Licht geführet. Ach so bin ich, mein Heil, auch dein Geschöpf und Gab, der alles, was ich bin, von dir empfangen hab. 6. Gib, daß ich dir zum Dienst mein ganzes Herz ergebe, auch dir allein zum Preis auf dieser Erde lebe; ja, Jesu, laß mein Herz ganz neu geschaffen sein und dir bis in den Tod gewidnet sein allein! 7. Ach laß nichts in mir sein, was du nicht hast geschaffen, reut alles Unkraut aus und brich des Feindes Waffen! Was bös, ist nicht von dir, das hat der Feind getan, du aber führ mein Herz und Fuß auf ebner Bahn! 8. Das Leben ist in dir und alles Licht des Lebens; laß an mir deinen Glanz, mein Gott, nicht sein vergebens! Weil du das Licht der Welt, so sei mein Lebenslicht, o Jesu, bis mir dort dein Sonnenlicht anbricht. Laurent. Laurenti g. 1660 f 1722. — 54. Eigene Melodie. 0 Liebe, die den Himmel hat Wzerrissen, die sich zu mir ins Elend niederließ, was für ein Trieb hat dich bewegen müssen, der dich zu mir ins Jammertal verwies? Die Liebe hat es selbst getan, sie schaut als Mutter mich in meinem Jammer an. Weihnachtslieder. 29 2. Die Liebe ist so groß in dei⸗ nem Herzen, daß du für mich das größte Wunder tust; die Liebe macht dir meinetwegen Schmerzen, daß mir zu gut du unter Dornen ruhst. O unerhörter Liebesgrad, der selbst des Vaters Wort ins Fleisch gesenket hat! 3. Die Liebe ist mein Anver⸗ wandter worden, mein Bruder ist selbst die Barmherzigkeit, der Gottheit Quell lebt nun in meinem Orden, die Ewigkeit vermählt sich mit der Zeit, das Leben selbst ist Mensch geborn, der Glanz der Herrlichkeit, das Licht, das wir verlorn. 4. In ihm wird nun die Menschheit ausgesöhnet, die Rei⸗ nigkeit der Seele wiederbracht; sie wird als Braut der Gottheit nun gekrönet, da sie der Himmel selbst so angelacht. Die Mensch⸗ heit wird nun ganz erneut und als ein reiner Thron der Gottheit eingeweiht. 5. Die Weisheit spielt nun wieder auf der Erden,“) dadurch das Paradies im Menschen grünt; nun können wir aus Gott geboren werden, weil die Geburt des Herren dazu dient; die wohl ge⸗ borne Seele spürt, daß sie ein andrer Geist aus ihrem Ursprung rührt.„Sprüche 8, 30. 31. 6. Kein Elend kann nun un⸗ serm Herzen schaden, Immanuel ist bei uns in der Not. Ich gehe nur zu ihm, dem Quell der Gnaden, so dient mir selbst das Elend und der Tod; der Jammer hängt mir nur noch an, der mir in Christo doch nicht schädlich werden kann. 7. Die Sünde kann mich auch nicht mehr verdammen, dieweil sie selbst durch ihn verdammet ist. Was schaden nun der Seele ihre Flammen, weil Christi Blut und Wasser in sie fließt? Im⸗ manuel löscht ihren Trieb, er läßt die Seele nicht, er hat sie viel zu lieb. 8. Ich habe nun ein ewig Leben funden, viel Reichtum, Ehr und Wohllust schenkt er mir; ich bin mit ihm, er ist mit mir ver⸗ bunden, den ich in mir mit Liebes⸗ wirkung spür. Ich bin vergnügt und ganz gestillt, weil mich der lautre Strom aus seiner Lieb erfüllt. 9. Auf, auf, mein Geist, ver⸗ giß die Trauerlieder, erfreue dich in dieser Liebesmacht! Des Him⸗ mels Kraft und Glanz bestrahlt dich wieder, und der Verlust ist völlig wiederbracht. O ewig, ewig wohl ist mir, daß ich in Christo nun ein Wohlgefallen spür. Chr. Fr. Richter g. 1076 1 1711. 1 55. Mel. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Auuchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr englischen Chöre! Singet dem Herren, dem Heiland der Menschen zur Ehre! Sehet doch da, Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren. 2. Jauchzet, ihr Himmel, froh⸗ locket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder die sollen zu 30 Freunden nun werden; Friede und Freud wird uns verkündiget heut; freuet euch, Hirten und Herden! 3. Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget; sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget! Gott wird ein Kind, träget und hebet die Sünd. Alles anbetet und schweiget. 4. Gott ist im Fleische: wer kann dies Geheimnis verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen; gehet hinein, macht euch dem Kinde gemein, die ihr zum Vater wollt gehen. 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herze der Liebe mir schenken; sollt nicht mein Sinn innigst sich freuen darin und sich in Demut ersenken? 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, dem ich auch wieder mein Herze in Liebe ver⸗ binde, du sollst es sein, den ich erwähle allein: ewig entsag ich der Sünde. 7. Süßer Immanuel, werd auch geboren inwendig, komm doch, mein Heiland, und laß mich nicht länger elendig! Wohne in mir, mach mich ganz eines mit dir und mich belebe beständig! 8. Menschenfreund, Jesu, dich lieb ich, dich will ich erheben, laß mich doch einzig nach deinem Ge— fallen nun leben: gib mir auch bald, Jesu, die Kindergestalt, an dir alleine zu kleben. Gerh. Terfstegen g. 1697 4 1769. Weihnachtslieder. 56. Mel. Vom Himmel hoch da kommich her. Dies ist der Tag, den Gott ge⸗ macht, sein werd in aller Welt gedacht, ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein ge⸗ harrt, bis daß die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb un⸗ endlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir;„ich komm, im Buche steht von mir: Gott, deinen Willen tu ich gern.“ Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friede⸗ fürst, auf den die Väter hoffend sahn, dich, Gott Messias, bet ich an. 7. Du unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt, Ein Mittler ists, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, der in des Vaters Schoße sitzt? RN Neujahrslieder. 9 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt, und Erde, die ihn heute sieht, sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 10. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, sein werd in aller Welt gedacht, ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. Chr. F. Gellert g. 1715 1 1769. 57. Mel. Aus meines Herzens Grunde. Der heilge Christ ist kommen, der fsüße Gottessohn, des freun sich alle Frommen am höchsten Himmelsthron; auch was auf Erden ist muß preisen hoch und loben mit allen Engeln droben den Kinder, kommt herein! lieben heilgen Christ. 2. Das Licht ist aufgegangen, die lange Nacht ist hin, die Sünde ist gefangen, erlöset ist der Sinn, die Sündenangst ist weg, und Liebe und Entzücken baun weite Himmelsbrücken aus jedem schmal⸗ sten Steg. 3. Verwaiset sind die Kinder nicht mehr und vaterlos, Gott rufet selbst die Sünder in seinen Gnadenschoß; er will, daß alle, rein von ihren alten Schulden, vertrauend seinen Hulden, gehn in den Himmel ein. 4. Drum freuet euch und preiset, ihr Kindlein fern und nah! Der euch den Vater weiset, der heilge Christ ist da; er ruft so freund⸗ lich drein mit süßen Liebesworten: Geöffnet sind die Pforten, ihr Crnst Moritz Arndt g. 1709: 1800. IV. Reujahrslieder. 58. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. 5² mir Gotts Güte preisen, D ihr Christen insgemein, mit G'sang und andern Weisen ihm allzeit dankbar sein, vornehmlich zu der Zeit, da sich das Jahr geendet, die Sonn sich zu uns wendet, das neu Jahr ist nicht weit. 2. Erstlich laßt uns betrachten des Herren reiche Gnad und so gering nicht achten sein unzählig Wohltat; stets führen zu Gemüt, wie er dies Jahr gegeben Notdurft diesem Leben und uns vor Leid behüt; 3. Lehramt, Schul, Kirch er⸗ halten in gutem Fried und Ruh; Nahrung den Jung und Alten bescheret auch dazu und mit gar milder Hand sein Güter aus⸗ gespendet, Verwüstung abgewendet von diesem Ort und Land. 4. Er hat unser verschonet aus väterlicher Gnad; wenn er sonst hätt gelohnet all unsre Missetat mit gleicher Straf und Pein, wir wären längst gestorben, in mancher Not verdorben, die wir voll Sün⸗ all den sein. 32 Neujahrslieder. 5. Nach Vaters Art und Treuen er uns so gnädig ist; wenn wir die Sünd bereuen und glaubn an Jesum Christ herzlich ohn Heuchelei, tut er all Sünd vergeben, lindert die Straf daneben, steht uns in Nöten bei. 6. All solch dein Güt wir prei⸗ sen, Vater im Himmelsthron, die du uns tust beweisen durch Chri⸗ stum, deinen Sohn, und bitten ferner dich: Gib Fried in diesem Jahre, vor allem Leid bewahre und nähr uns mildiglich! Paul Eber g. 1511 4 1569. E 59. Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. Das alte Jahr vergangen ist, wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du in Not uns und Gefahr bewahret hast viel Zeit und Jahr 2. Wir bitten dich, den ewgen Sohn des Vaters in dem höch⸗ sten Thron, du wollst dein arme Christenheit bewahren ferner alle⸗ zeit. 3. Daneben gib uns Fried und Ruh und was uns nötig ist dazu, durch deine starke Gnadenhand be⸗ schütze uns und unser Land! 4. All Sünd und Schwachheit uns verzeih, ein gut Gewissen stets verleih, gib, daß wir deines Namens Ehr ausbreiten immer mehr und mehr. 5. Und wenn es dir, o Herr, gefällt, uns abzufordern aus der Welt, so gib ein selig Ende hier, daß wir dort ewig sein bei dir. 6. O Jesu Christ, erbarme dich, hör unsre Bitte gnädiglich, durch dein Verdienst, durch deinen Tod erlöse uns aus aller Not! Hannov. Gsb. 1646. Nach einem älteren Liede. 60. Eigene Melodie. Hilf, Herr Jesu, laß gelingen, 9 hilf, das neue Jahr geht an; laß es neue Kräfte bringen, daß aufs neu ich wandeln kann; neues Glück und neues Leben wollest du aus Gnaden geben! 2. Meiner Hände Werk und Taten, meiner Zunge Red und Wort müssen nur durch dich ge⸗ raten und ganz glücklich gehen fort; neue Kraft laß mich erfüllen, zu verrichten deinen Willen. 3. Was ich dichte, was ich mache, das gescheh in dir allein; wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr, bei mir sein; geh ich aus, wollst du mich leiten; komm ich heim, steh mir zur Seiten! 4. Laß mich beugen meine Knice nur zu deines Namens Ehr; hilf, daß ich mich stets bemühe, dich zu preisen mehr und mehr; laß mein Bitten und mein Flehen doch im Himmel vor dir stehen! 5. Laß mich, Herr, in deinem Namen fröhlich nehmen Speis und Trank; Güter, die von dir her⸗ kamen, fordern ja von mir den Dank. Deine Weisheit kann mich stärken zu der Lieb und guten Werken. 6. Mein Gebet das müß auf⸗ steigen, Herr, vor deinen Gnaden⸗ ha ch NV Neujahrslieder. 33 thron; dann wirst du zu mir dich neigen wie zu deinem lieben Sohn. Herr, ich weiß, es wird vor allen dies mein Opfer dir gefallen. 7. Laß dies sein ein Jahr der Gnade, laß mich büßen meine Sünd, hilf, daß sie mir nimmer schade und ich bald Verzeihung find, Herr, in dir; denn du, mein Leben, kannst die Sünd allein vergeben. 8. Tröste mich mit deiner Liebe, nimm, o Gott, mein Flehen hin, weil ich mich so sehr betrübe, ja voll Angst und Zagen bin; stärke mich in meinen Nöten, daß mich Sünd und Tod nicht töten. 9. Herr, du wollest Gnade geben, daß dies Jahr mir heilig sei, und ich christlich könne leben sonder Trug und Heuchelei, daß ich noch allhie auf Erden fromm und selig möge werden. 10. Laß mich armen Sünder ziehen deinen Weg der Frömmig⸗ keit, laß mich Stolz und Hoffart fliehen, eifrig beten jederzeit; laß mich Schand und Unzucht meiden, laß mich willig Unglück leiden! 11. Jesus richte mein Beginnen, Jesus bleibe stets bei mir, Jesus zähme mir die Sinnen, Jesus sei nur mein Begier, Jesus sei mir in Gedanken, Jesus lasse nie mich wanken. 12. Jesu, laß mich fröhlich enden dieses angefangne Jahr, trage stets mich auf den Händen, halte bei mir in Gefahr! Freudig will ich dich umfassen, wenn ich soll die Welt verlassen. Johann Rist g. 1607 + 1667. 61. Mel. Nun laßt uns Gott dem Herren. A' laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wan⸗ dern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen, 3. Durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müt⸗ tern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden, 5. Also auch, und nichts minder läßt Gott ihm seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, in seinem Schoße sitzen. 6. Ach Hüter unsers Lebens, für⸗ wahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, wo nicht dein Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden. 8. Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden! 9. Gib mir und allen denen, die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde. 10. Schleuß zu die Jammer⸗ pforten und laß an allen Orten, wo Krieg und Blutvergießen, die Freudenströme fließen! 3 34 Neujahrslieder. 11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen! 12. Sei der Verlaßnen Vater, der Irrenden Berater, der Un⸗ versorgten Gabe, der Armen Gut und Habe! 13. Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hoch⸗ betrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen. 14. Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe. 15. Das alles wollst du ge⸗ ben, o meines Lebens Leben, mir und der Christenschare zum selgen neuen Jahre! Paul Gerhardt g. 1607 1 1676. 62. Mel. Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ, oder Es ist gewißlich an der Zeit. enllob, ein Schritt zur Ewigkeit Wist abermals vollendet; zu dir im Fortgang dieser Zeit mein Herz sich sehnlich wendet, o Quell, daraus mein Leben fleußt und alle Gnade sich ergeußt in meine Seel zum Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr, und wird mir allzu lange, bis es erscheine, daß ich gar, o Leben, dich umfange, damit, was sterblich ist in mir, verschlungen werde ganz in dir, und ich un⸗ sterblich werde. 3. Doch sei dir ganz anheim⸗ wiewohl ich weiß, daß dirs gefällt, daß ich mit Herz und Munde dich kommen heiße und darauf von nun an richte meinen Lauf, daß ich dir komm entgegen. 4. Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann von deiner Liebe trennen, und daß ich frei vor jedermann dich darf den Bräut⸗ gam nennen, und du, o teurer Lebensfürst, dich dort mit mir vermählen wirst und mir dein Erbe schenken. 5. Drum preis ich dich aus Danlbarkeit, daß sich das Jahr geendet, und also auch von dieser Zeit ein Schritt nochmals vollendet, und schreite hurtig weiter fort, bis ich gelange an die Pfort Jerusa⸗ lems dort oben. 6. Wenn auch die Hände lässig sind und meine Kniee wanken, so biet mir deine Hand geschwind in meines Glaubens Schranken, damit durch deine Kraft mein Herz sich stärke, und ich himmel⸗ wärts ohn Unterlaß aussteige. 7. Geh, Seele, frisch im Glau⸗ ben dran und sei nur unerschrocken, laß dich nicht von der rechten Bahn die Lust der Welt ablocken! So dir der Lauf zu langsam deucht, so eile, wie ein Adler fleugt, mit Flügeln süßer Liebe! 8. O Jesu, meine Seele ist zu dir schon aufgeflogen, du hast, weil du voll Liebe bist, mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit, ich bin schon in der Ewigkeit, weil ich in Jesu lebe. gestellt die rechte Zeit und Stunde, Aug Herm. Francke g. 1663 1 17²7. Neujahrslieder. 35 63. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Uch wie laufen doch die Jahre, wie verschwindet doch die Zeit, und ich bleibe von der Bahre noch bis diesen Tag befreit. Ich weiß wohl, o Lebenslicht, daß ein Tag zum andern spricht: Alles, was von Adams Erben, Groß und Kleine müssen sterben. 2. Doch du hast durch deine Güte wie ein Wächter mich be⸗ wacht, daß der Tod die Leibes⸗ hütte noch nicht in das Grab ge⸗ bracht. Ach wie soll ich das ver⸗ stehn, da doch andre schlafen gehn, und gar viele schon begraben, die noch nicht mein Alter haben? 3. Herr, ich bin ja zu geringe dieser großen Gütigkeit. Wenn ich mein Verzeichnis bringe der bisher genoßnen Zeit, so entfällt mir aller Mut, weil die Rechnung gar nicht gut. Wie viel Jahre sind verdorben, da ich nicht der Welt gestorben! 4. Doch ich will auf Mittel denken und auf Buße sein be⸗ dacht; Jesus kann die Schuld versenken, die ich bis hieher ge⸗ macht. Lieber Vater, steh mir bei, daß nur keine Heuchelei sich in meinem Herzen finde, wenn ich des mich unterwinde. 5. Willst du mich noch ferner lassen hier in dieser bösen Welt, ach so hilf mir alles hassen, was dem Geiste nicht gefällt. Stärke mich von deiner Höh, so wird auch das größte Weh, das mir oft zu schwer geschienen, mir zu meinem Besten dienen. 6. Steh mir allezeit zur Rech⸗ ten, denn du bist ja Sonn und Schild; hilf uns, deinen armen Knechten, wie und wo und wann du willt. Wenn die Tage böse sein, ach so ruf ins Herz hinein: Lernt euch in die Zeiten schicken, so wird alles heilsam glücken. 7. Endlich, wenn der Lauf zu Ende, so befehl ich meinen Geist dir in deine treuen Hände, der du Gott und Vater heißt. Ach ich freu mich schon darauf, daß ich nach vollbrachtem Lauf dort der Freude soll genießen, wo wir keine Zeit mehr wissen. Christoph Pfeiffer g. 1689 4 1758. 64. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. 1. Jesus soll die Losung sein, da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein denen zum Paniere dienen, die in seinem Bunde stehn und auf seinem Wege gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort soll bei uns in Zion schallen, und so oft wir an den Ort, der nach ihm genennt ist, wallen, mache seines Namens Ruhm unser Herz zum Heiligtum! 3. Unsre Wege wollen wir nur in Jesu Namen gehen. Geht uns dieser Leitstern für, so wird alles wohl bestehen, und durch seinen Gnaden⸗ schein alles voller Segen sein. 4. Alle Sorgen, alles Leid soll der Name uns versüßen, so wird alle Bitterkeit uns ein Segen wer⸗ den müssen. Jesu Nam sei Sonn und Schild, welcher allen Kummer stillt. Benjamin Schmolck g. 1672 1 1737. 3* — 65. Mel. Herzlich tut mich verlangen. D³² Jahr geht still zu Ende, nun sei auch still mein Herz. In Gottes treue Hände leg ich nun Freud und Schmerz und was dies Jahr umschlossen, was Gott der Herr nur weiß, die Tränen, die geflossen, die Wunden brennend heiß. 2. Warum es so viel Leiden, so kurzes Glück nur gibt? warum denn immer scheiden, wo wir so sehr geliebt? So manches Aug ge⸗ brochen und mancher Mund nun stumm, der erst noch hold gespro⸗ chen— du armes Herz, warum? 3. Daß nicht vergessen werde, was man so gern vergißt: daß diese arme Erde nicht unsre Hei— mat ist. Es hat der Herr uns allen, die wir auf ihn getauft, Epiphaniaslieder. in Zions goldnen Hallen ein Heimatrecht erkauft. 4. Hier gehen wir und streuen die Tränensaat ins Feld, dort werden wir uns freuen im selgen Himmelszelt; wir sehnen uns hie⸗ nieden dorthin ins Vaterhaus und wissens: Die geschieden, die ruhen dort schon aus. 5. O das ist sichres Gehen durch diese Erdenzeit: nur immer vor⸗ wärts sehen mit selger Freudigkeit; wird uns durch Grabeshügel der klare Blick verbaut, Herr, gib der Seele Flügel, daß sie hinüberschaut. 6. Hilf du uns durch die Zeiten und mache fest das Herz, 9 1 selber uns zur Seiten und führ uns heimatwärts! Und ist es uns hienieden so öde, so allein, o laß in deinem Frieden uns hier schon selig sein! Eleonore Fürstin Reuß geb. Gräfin zu Stolberg g. 1835 + 1903. Epiphaniaslieder. 66. Mel. Valet will ich dir geben. 0 König aller Ehren, Herr Jesu, Davids Sohn, dein Reich soll ewig währen, im Himmel ist dein Thron; hilf, daß allhier auf Erden den Menschen weit und breit dein Reich bekannt mög werden zur Seelen Seligkeit. 2. Von deinem Reich auch zeu⸗ gen, die Leut aus Morgenland, die Knie sie vor dir beugen, weil du ihn'n bist bekannt; der neu Stern auf dich weiset, dazu das göttlich Wort. Drum man dich billig preiset, daß du bist unser Hort. 3. Du bist ein großer König, wie uns die Schrift vermeldt, doch achtest du gar wenig ver⸗ gänglich Gut und Geld, prangst nicht auf teurem Rosse, trägsß keine güldne Kron, sitzst nicht im steinern Schlosse, hier hast du Spott und Hohn. 4. Doch bist du schön gezieret, dein Glanz erstreckt sich weit, dein Güt allzeit regieret und dein Ge⸗ rechtigkeit. Du wollst die From⸗ men schützen durch dein Macht N* Sdo e * Epiphaniaslieder. 37 und Gewalt, daß sie im Frieden fbricht! Gott hat derer nicht ver⸗ sitzen, die Bösen stürzen bald. gessen, die im Finstern sind ge⸗ 5. Du wollst dich mein er⸗ sessen. barmen, in dein Reich nimm mich 2. Ach wie waren wir ver⸗ auf, dein Güte schenk mir Armen blendet, ehe noch dies Licht brach und segne meinen Lauf! Den an! Ja da hatte sich gewendet Feinden wollst du wehren, dem schier vom Himmel jedermann; Teufel, Sünd und Tod, daß sie unsre Augen und Geberden klebten mich nicht versehren: rett mich einzig an der Erden. aus aller Not! 3. Gottes Rat war uns ver⸗ 6. Du wollst in mir entzünden borgen, seine Gnade schien uns dein Wort, den schönen Stern, nicht; Klein und Große mußten daß falsche Lehr und Sünden sorgen, jedem fehlt' es an dem sein meinem Herzen fern. Hilf, Licht, das zum rechten Himmels⸗ daß ich dich erkenne und mit der leben seinen Glanz uns sollte geben. Christenheit dich meinen König 4. Aber wie hervorgegangen ist nenne jetzt und in Ewigkeit. der Aufgang aus der Höͤh, haben Martin Behm g. 1557 1 1622. wir das Licht empfangen, welches 17 so viel Angst und Weh aus der 67. Welt hinweggetrieben, daß nichts Dunkles überblieben. 5. Jesu, reines Licht der Seele, du vertreibst die Finsternis, die in dieser Sündenhöhle unsern Tritt macht ungewiß; Jesu, deine Lieb und Segen leuchten uns auf unsern Wegen. 6. Nun, du wollest hie ver⸗ bleiben, liebster Jesu, Tag und Nacht, alles Finstre zu vertreiben, sein Wahrheit, Gnad und Gütig⸗ das uns so viel Schrecken macht; keit erscheinet Jung und Alten und laß uns nicht im Dunkeln wallen währet bis in Ewigkeit, schenkt noch ins Sündenmeer verfallen! uns aus Gnad die Seligkeit, drum 7. Schenk uns⸗ Herr, das Licht der Gnaden, das ein Licht des Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. Zobet den Herrn, ihr Heiden all, lobt Gott von Herzensgrunde, preist ihn, ihr Völker allzumal, dankt ihm zu aller Stunde, daß er euch auch erwählet hat und mitgeteilet seine Gnad in Christo, seinem Sohne. 2. Denn seine groß Barmherzig⸗ keit tut über uns stets walten, inget Halleluja! 0 9——— 5 Lebens ist, ohne welches leicht in 68. Scrren fallen kann ein frommer Christ; laß uns dieses Licht er⸗ Eigene Melodie. freuen, wenn wir aus der Tiefe Rerde licht, du Stadt der Heiden, schreien. und du Salem, werde licht! 8. Gib, Herr Jesu, Kraft und Schaue, welch ein Glanz mit Stärke, daß wir dir zu jeder Freuden über deinem Haupt an⸗ Zeit durch geliebte Glaubenswerke 38 Epiphaniaslieder. folgen in Gerechtigkeit und hernach im Freudenleben heller als die Sterne schweben. 9. Dein Erscheinung müß er⸗ füllen mein Gemüt in aller Not, dein Erscheinung müsse stillen meine Seel auch gar im Tod; Herr, in Freuden und im Weinen müsse mir dein Licht erscheinen. 10. Jesu, laß mich endlich gehen freudig aus der bösen Welt, dein so helles Licht zu sehen, das mir dort schon ist bestellt, wo wir sollen unter Kronen in der schönsten Klarheit wohnen. Johann Rist g. 1607 + 1667. 69. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Preuet euch, ihr Gotteskinder, preiset mit mir Gottes Macht, freuet euch, ihr armen Sünder, laßt der Welt den Stolz und Pracht! Freut euch, daß euch Gott regiert und zu seiner Kirche führt, daß wir armen Heiden können uns nun Gottes Kinder nennen. 2. Seine Herrschast sich erstrecket über alles, was da lebt, seine Hand schützt und bedecket, was sich reget, lebt und schwebt; wenn er spricht, so geht sein Wort schnell wie Blitz und Donner fort; das durchdringet Geist und Leben; das kann Trost und Leben geben. 3. Nun, ihr Sünder hier auf Erden, wollt ihrs endlich haben gut, wollt ihr Gottes Kinder werden, ei so ändert euren Mut, preiset Gottes Güt und Macht, so wird er euch geben Kraft, daß ihr auch zu ihm könnt kommen und euch freuen mit den Frommen. 4. Aller Heiden Trost ist kom⸗ men, Jesus, unser Freudenlicht, der Beschirmer aller Frommen, unser Schutz und Zuversicht; preiset seine Güt und Treu, die uns noch wird immer neu, so wird er euch allen geben, hier und dort mit ihm zu leben. Joh. Olearius g. 1611 + 1634. 70. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Jesu, großer Wunderstern, der Aaus Jakob ist erschienen, meine Seele will so gern dir an deinem Feste dienen; nimm doch, nimm doch gnädig an, was ich Armer schenken kann. 2. Nimm das Gold des Glau⸗ bens hin, wie ichs von dir selber habe und damit beschenket bin; so ist dirs die liebste Gabe. Laß es auch bewährt und rein in dem Kreuzesofen sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, laß ihn gnädig dir ge⸗ nügen; Herz und Lippen sollen stets, ihn zu opfern vor dir liegen. Wenn ich bete, nimm es auf und sprich Ja und Amen drauf! 4. Nimm die Myrrhen bittrer Reu! Ach mich schmerzet meine Sünde, aber du bist fromm und treu, daß ich Trost und Gnade finde und nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. Erdmann Neumeister g. 1671 1 1756. 71. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. Her Jesu Christe, mein Prophet, der aus des Vaters Schoße geht, mach mir den Vater offenbar und seinen liebsten Willen klar! Epiphaniaslieder. 2. Lehr mich in allem, weil ich blind; mach mich gehorsam wie ein Kind, andächtig und stets eingekehrt, so werd ich wahrlich gottgelehrt. 3. Gib, daß ich auch vor jedermann von deiner Wahrheit zeugen kann und allen zeig mit Wort und Tat den schmalen, selgen Himmelspfad. 4. Mein Hoherpriester, der für mich am Kreuzesstamm geopfert sich, mach mein Gewissen still und frei, mein ewiger Erlöser sei! 5. Gesalbter Heiland, segne mich mit Geist und Gnade kräftig⸗ lich, schließ mich in deine Fürbitt ein, bis ich werd ganz vollendet sein. 6. Ich opfre auch, als Priester, dir mich selbst und alles für und für; schenk mir viel Andacht zum Gebet, die stets im Geist zu dir aufgeht. 7. Mein Himmelskönig, mich regier, mein Alles unterwerf ich dir; rett mich von Sünde, Welt und Feind, die mir sonst gar zu mächtig seind. 8. So kehr du in mein Herz hinein und laß es dir zum Throne sein, vor allem Ubel und Gefahr mich als dein Eigentum bewahr! 9. Hilf mir im königlichen Geist, mich selbst beherrschen allermeist, Begierden, Willen, Lust und Sünd, und daß mich nichts Geschaffnes bind. 10. Du hoch erhabne Majestät, mein König, Priester und Prophet, sei du mein Ruhm, mein Schatz und Freud von nun an bis in Ewigkeit! Gerh. Terstegen g. 1097 1 1769. 72. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 3. 9⁵² heut der Weisen große DFrage: Wo ist das neugeborne Kind? Wo sind die Weisen heutzu⸗ tage, die fragen, wo man Jesum findt? Von heut an soll mir dies allein die allerhöchste Weisheit sein. 2. Bis ich ihn ganz in meiner Nähe, bis ich ihn selbst von An⸗ gesicht, im Glauben hier, dort wirklich sehe, bis ich ihn finde ruh ich nicht. Von heut an soll mir dies allein die allergrößte Sorge sein. 3. Behalte, Welt, die tollen Freuden, womit dein Volk sein Herz berauscht; es haben heut die weisen Heiden das Jesuskind drum eingetauscht, und Jesum finden soll allein auch meine höchste Freude sein. 4. Erbebt vor ihm, ihr Ma⸗ jestäten, die ihm nicht herzlich untertan, und kommt, dies Kind⸗ lein anzubeten, nicht in Herodis Sinn, heran! Vor ihm sich beu⸗ gen wird allein die Ehre seiner Heilgen sein. Chr. K. L. v. Pfeil g. 1712 + 18. 73. Eigene Melodie. Ebriste, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser! 2. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser! 3. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, gib uns deinen Frieden! Amen. 1526. Nach d. Lateinischen Acnus Dei. 74. Mel. O wir armen Sünder. Ebre sei dir, Christe, der du littest Not, an dem Stamm des Kreuzes für uns bittern Tod, herrschest mit dem Vater in der Ewigkeit; hilf uns armen Sündern zu der Seligkeit! Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! Aus dem 14. Jahrhundert. Nach dem Latein. Laus tibi Christe. 75. Eigene Melodie. 0 Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes ge⸗ schlachtet, all Zeit erfunden ge— duldig, wiewohl du wurdest ver⸗ achtet, all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Er⸗ barm dich unser, o Jesu! 2. O Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlach⸗ tet, all Zeit erfunden geduldig, wiewohl du wurdest verachtet, all VI. Passionslieder. sonst Erbarm Sünd hast du getragen, müßten wir verzagen. dich unser, o Jesu! 3. O Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlach⸗ tet, all Zeit erfunden geduldig, wiewohl du wurdest verachtet, all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Gib uns dein'n Frieden, o Jesu! Nicolaus Decius 4 1541. 76. Mel. Christus, der uns selig macht. ◻ hilf, Christe, Gottes Sohn, durch dein bitter Leiden, daß wir dir stets untertan all Un⸗ tugend meiden, deinen Tod und sein Ursach fruchtbarlich bedenken, dafür, wiewohl arm und schwach, dir Dankopfer schenken. Böhmische Brüder. * 77. Eigene Melodie. 0 wir armen Sünder, unsre Missetat, darin wir empfan⸗ gen und geboren sind, hat gebracht uns alle in solch große Not, daß wir unterworfen sind dem ewgen Tod. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! 2. Aus dem Tod wir konnten durch unser eigen Werk nimmer werdn gerettet, die Sünde war zu stark; daß wir würdn erlöset, so konnts nicht anders sein, denn Gotts Sohn mußt leiden des Todes bittre Pein. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! nicht wär gekommen 3. So Christus in die Welt und an sich genommen unsre arm Gestalt und für unsre Sünde gestorben willig⸗ lich, so hätten wir müssen werden verdammet ewiglich. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! 4. Solche große Gnade und väterliche Gunst hat uns Gott er⸗ zeiget lauterlich umsonst in Christo, seinem Sohne, der sich geben hat in den Tod des Kreuzes zu unsrer Seligkeit. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! 5. Des solln wir uns trösten gegen Sünd und Tod und ja nicht verzagen vor der Hölle Glut; denn wir sind gerettet aus aller Fährlich⸗ keit durch Christum unsern Herren, gelobt in Ewigkeit. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! 6. Darum wolln wir loben und danken allezeit dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geist, bitten, daß sie wollen behüt'n uns vor Gefahr, und daß wir stets bleiben bei seinem heilgen Wort. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! Hermann Bon g. 1504 + 1548. 78. Eigene Melodie, oder Nun laßt uns den Leib begraben. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut. 2. Und bitten dich, wahr Mensch und Gott, durch deine heilgen Wunden rot: Erlös uns von dem Passionslieder. 41 ewgen Tod und tröst uns in der letzten Not! 3. Behüt uns auch vor Sünd und Schand und reich uns dein allmächtge Hand, daß wir im Kreuz geduldig sein, uns trösten deiner schweren Pein; 4. Und schöpfen draus die Zu⸗ versicht, daß du uns werdst ver⸗ lassen nicht, sondern ganz treulich bei uns stehn, daß wir durchs Kreuz ins Leben gehn. Christoph Vischer g. 1544 + 1597. 79. Eigene Melodie. 5˙0 iebster Jesu, was hast du Dverbrochen, daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld? In was für Missetaten bist du geraten? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, ins Angesicht ge⸗ schlagen und verhöhnet, du wirst mit Essig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenket. 3. Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach meine Sün⸗ den haben dich geschlagen; ich, ach Herr Jesu, ich hab dies verschuldet, was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe, die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, der Böse lebt, der wider Gott miß⸗ handelt; der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen, du wirst gefangen. 42 Passions 6. Ich war von Fuß auf voller Schand und Sünden, bis zu der Scheitel war nichts Guts zu fin⸗ den; dafür hätt ich dort in der Hölle müssen ewiglich büßen. 7. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, und du mußt leiden. ö 8. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, wie kann ich gnugsam solche Treu ausbreiten? Keins Menschen Herz vermag es aus⸗ zudenken, was dir zu schenken. 9. Ich kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, womit doch dein Erbarmung zu vergleichen; wie kann ich dir denn deine Liebes⸗ taten im Werk erstatten? 10. Doch ist noch etwas, das dir angenehme: wenn ich des Fleisches Lüste dämpf und zähme, daß sie aufs neu mein Herze nicht ent⸗ zünden mit alten Sünden. 11. Weils aber nicht besteht in eignen Kräften, fest die Begierden slieder. in Gnaden wirst du dies von mir annehmen, mich nicht beschämen. 15. Wenn, o Herr Jesu, dort vor deinem Throne wird stehn auf meinem Haupt die Ehrenkrone, da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 80. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Aesu, deine tiefen Wunden, deine Qual und bittrer Tod geben mir zu allen Stunden Trost in Leibs- und Seelennot. Fällt mir etwas Arges ein, denk ich bald an deine Pein: die verleidet meinem Herzen, mit der Sünde nicht zu scherzen. 2. Will sich denn in Wollust weiden mein verderbtes Fleisch und Blut, so gedenk ich an dein Leiden: bald wird alles wieder gut. Kommt der Satan und setzt mir heftig zu, halt ich ihm für deine Gnad und Gnadenzeichen: bald muß er von dannen weichen. an das Kreuz zu heften, so gib 3. Will die Welt mein Herze mir deinen Geist, der mich regiere, führen auf die breite Wollustbahn, zum Guten führe. da nichts ist als Jubilieren, als⸗ 12. Alsdann so werd ich deine dann schau ich emsig an deiner Huld betrachten, aus Lieb zu dir Marter Zentnerlast, die du aus⸗ die Welt für gar nichts achten, gestanden hast: so kann ich in bemühen werd ich mich, Herr, Andacht bleiben, alle böse Lust deinen Willen stets zu erfüllen. vertreiben. 13. Ich werde dir zu Ehren 4. Ja für alles, das mich kränket, alles wagen, kein Kreuz nicht geben deine Wunden Kraft; wenn achten, keine Schmach und Plagen, mein Herz hinein sich senket, krieg nichts von Verfolgung, nichts von ich neuen Lebenssaft. Deines Tro⸗ Todesschmerzen nehmen zu Herzen. stes Süßigkeit wendt in mir das 14. Dies alles, ob es zwar bittre Leid, der du mir das Heil für schlecht zu schätzen, wirst du erworben, da du für mich bist es doch nicht gar beiseite setzen; gestorben. S....7..‚ 5. Auf dich setz ich mein Ver⸗ trauen, du bist meine Zuversicht; dein Tod hat den Tod zerhauen, daß er mich kann töten nicht. Daß ich an dir habe Teil, bringet mir Trost, Schutz und Heil; deine Gnade wird mir geben Auf⸗ erstehung, Licht und Leben. 6. Hab ich dich in meinem Herzen, du Brunn aller Gütigkeit, so empfind ich keine Schmerzen auch im letzten Kampf und Streit. Ich verberge mich in dich, welch Feind lann verletzen mich? Wer sich legt in deine Wunden, der hat glücklich überwunden. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. ᷓl. Eigene Melodie. Da Jesus an des Kreuzes Stamm der ganzen Welt Sünd auf sich nahm, sprach er in seinen Schmerzen noch sieben Wort, die lasset uns erwägen wohl im Herzen. 2. Zum ersten: Vater, strafe nicht an ihnen, was mir jetzt ge⸗ schicht, weil sie es nicht verstehen. Vergib uns, Gott, wenn wir auch noch aus Irrtum Sünd begehen. 3. Zum andern er des Schä⸗ chers dacht: Fürwahr, du wirst noch vor der Nacht in meinem Reich heut leben. O Herr, nimm uns auch bald zu dir, die wir im Elend schweben. 4. Zum dritten: Deinen Sohn sieh, Weib; Johannes, ihr zu Dienste bleib und sie als Mutter liebe! Versorg, Herr, die wir lassen hier, daß niemand sie betrübe. 5. Zum vierten sagte er: Mich dürst. O Jesu, großer Lebens⸗ Passionslieder. 43 fürst, du hast Durst und Verlan⸗ gen nach unsrer Seligkeit, drum hilf, daß wir sie auch empfangen. 6. Zum fünften: O mein Gott, mein Gott, wie läßt du mich so in der Not! Hier wirst du, Herr, verlassen, daß uns Gott wieder dort aufnähm; den Trost laß uns wohl fassen! 7. Zum sechsten: Hiemit ists vollbracht und alles nunmehr gut gemacht. Gib, daß wir auch durch⸗ dringen, und was du, Herr, uns auferlegst, hilf seliglich vollbringen! 8. Zum letzten: Ich nun meine Seel, o Gott mein Vater, dir befehl zu deinen treuen Händen. Dies Wort sei unser letzter Wunsch, wenn wir das Leben enden. 9. Wer oft an diese Worte denkt, wenn seine Missetat ihn kränkt, der wird es wohl genießen, weil er durch Gottes Gnad erlangt ein ruhiges Gewissen. 10. Verleih uns dies, Herr Jesu Christ, der du für uns ge⸗ storben bist, gib, daß wir deine Wunden, dein Leiden, Marter, Kreuz und Tod betrachten alle Stunden. Hann. Gsb. 1646 nach Joh. Böschenstain g. 1472 1540. 8². Eigene Melodie. Laßt uns doch Christo dankbar sein, daß er für uns in große Pein sich willig hat gegeben; auch laßt uns sein der Sünde feind, weil wir mit Gott versühnet seind, nach seinem Willen leben; die Lieb erzeigen jedermann, wie Christus hat an uns getan mit seinem 44 bittern Leiden. O Menschenkind, betracht das recht, wie Gottes Zorn die Sünde schlägt, bemüh dich, sie zu meiden. Hann. Gsb. 1648 nach Seb. Heyden g. 1494 + 1561. 83. Eigene Melodie. Wenn meine Sünd mich kränken, o mein Herr Jesu Christ, so laß mich wohl bedenken, wie du ge⸗ storben bist und alle meine Schulden⸗ last am Stamm des heilgen Kreuzes auf dich genommen hast. 2. O Wunder ohne Maßen, wenn mans betrachtet recht: es hat sich martern lassen der Herr für seinen Knecht; es hat sich selbst der wahre Gott für mich verlornen Menschen gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, die Schuld ist allzumal bezahlt durch Christi teures Blut, daß ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Glut. 4. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Lebenlang für deine Pein und Schmerzen, o Jesu, Lob und Dank, für deine Not und Angstgeschrei, für dein unschuldig Sterben, für deine Lieb und Treu. 5. Herr, laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Begier; daß mir nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich ge⸗ kostet, daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, sollts auch sein Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen; gib, Passionslieder. o mein Herr und Gott, daß ich verleugne diese Welt und folge dem Exempel, das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an andern üben, was du an mir getan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen jeder⸗ mann ohn Eigennutz und Heuchler⸗ schein und, wie du mir erwiesen, aus reiner Lieb allein. 8. Laß endlich deine Wunden mich trösten kräftiglich in meiner letzten Stunden und des versichern mich: Weil ich auf dein Verdienst nur trau, du werdest mich anneh⸗ men, daß ich dich ewig schau. Justus Gesenius g. 1601 4+ 1673. 84. Eigene Melodie. D9 großer Schmerzenmann, vom Vater so geschlagen, Herr Jesu, dir sei Dank für alle deine Plagen, für deine Seelenangst, für deine Band und Not, für deine Geiße⸗ lung, für deinen bittern Tod. 2. Ach das hat unsre Sünd und Missetat verschuldet, was du an unsrer Statt, was du für uns erduldet. Ach unsre Sünde bringt dich an das Kreuz hinan, o unbeflecktes Lamm, was hast du sonst getan? 3. Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben; in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben; dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil, dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil. 4. O hilf, daß wir uns auch zum Kampf und Leiden wagen und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen; hilf tragen mit Geduld durch deine Dornenkron, wenns kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn. 5. Dein Angst komm uns zu gut, wenn wir in Angsten liegen; durch deinen Todeskampf laß uns im Tode siegen; durch deine Bande, Herr, bind uns, wie dirs gefällt; hilf, daß wir kreuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt. 6. Laß deine Wunden sein die Heilung unsrer Sünden, laß uns auf deinen Tod den Trost im Tode gründen, o Jesu, laß an uns durch dein Kreuz, Angst und Pein dein Leiden, Kreuz und Angst ja nicht verloren sein!“ Adam Thebesius g. 1596 + 1652. R 85. Eigene Melodie. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und büßet in Geduld die Sͤnden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würge⸗ bank, begibt sich aller Freuden; es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: Ich wills gern leiden. 2. Das Lämmlein ist der große Freund und Heiland meiner Seelen, den, den hat Gott zum Sünden⸗ feind und Sühner wollen wählen. Geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die ich aus⸗ getan zur Straf und Zornesruten; die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, du kannst und sollst sie Passionslieder. 4⁵ machen los durch Sterben und durch Bluten. 3. Ja, Vater, ja von Herzens⸗ grund, leg auf, ich will dies tra⸗ gen; mein Wollen hängt an deinem Mund, mein Wirken ist dein Sagen. O Wunderlieb, o Liebes⸗ macht, du kannst, was nie kein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen; o Liebe, Liebe, du bist stark, du streckest den ins Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen; 4. Du marterst ihn am Kreu⸗ zesstamm mit Nägeln und mit Spießen, du schlachtest ihn als wie ein Lamm, machst Herz und Adern fließen, das Herze mit der Seufzer Kraft, die Adern mit dem edlen Saft des purpurroten Blutes. O süßes Lamm, was soll ich dir erweisen dafür, daß du mir er⸗ weisest so viel Gutes? 5. Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen, dich will ich stets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen fassen; du sollst sein meines Herzens Licht, und wenn mein Herz in Stücke bricht, sollst du mein Herze bleiben; ich will mich dir, mein höchster Ruhm, hiemit zu deinem Eigentum beständiglich verschreiben. 6. Ich will von deiner Lieb⸗ lichkeit bei Nacht und Tage singen, mich selbst auch dir zu aller Zeit zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir und deinem Namen für und für in Dankbarkeit ergießen; und was du mir zu gut getan, das will ich stets, so tief ich kann, in mein Gedächtnis schließen. 46 Passionslieder. 7. Erweitre dich, mein Herzens⸗ schrein, du sollst ein Schatzhaus werden der Schätze, die viel größer sein als Himmel, Meer und Erden. Weg Ehr und Stand der eitlen Welt, weg Reichtum, Gold und alles Geld, ich hab ein Bes⸗ sers funden; mein großer Schatz, Herr Jesu Christ, ist dieses, was geflossen ist aus deines Leibes Wunden. 8. Das soll und will ich mir zu Nutz zu allen Zeiten machen, im Streite soll es sein mein Schutz, in Traurigkeit mein Lachen, in Fröhlichkeit mein Saitenspiel, und wenn mir nichts mehr schmecken will, soll mich dies Manna speisen; im Durst solls sein mein Wasser⸗ quell, in Einsamkeit mein Sprach⸗ gesell zu Haus und auch auf Reisen. 9. Was schadet mir des Todes Gift? dein Blut das ist mein Leben. Wenn mich der Sonne Hitze trifft, so kanns mir Schat⸗ ten geben; setzt mir der Schmerz der Wehmut zu, so find ich bei dir meine Ruh, wie auf dem Bett ein Kranker; und wenn des Kreuzes Ungestüm mein Schifflein treibet um und um, so bist du dann mein Anker. 10. Wenn endlich ich soll treten ein in deines Reiches Freuden, so soll dies Blut mein Purpur sein, ich will mich darin kleiden; es soll sein meines Hauptes Kron, in welcher ich will vor den Thron des höchsten Vaters gehen und dir, dem er mich anvertraut, als eine wohlgeschmückte Braut an deiner Seite stehen. Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. 86. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 0 Welt, sieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben, dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren läßt willig sich beschweren mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße: Sein Leib ist ganz mit Schweiße des Blutes überfüllt, aus seinem edlen Herzen vor un⸗ erschöpften Schmerzen ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschlagen, mein Heil, und dich mit Plagen so übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder wie wir und unsre Kinder, von Übeltaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das dich schläget, und das betrübte Marterheer. 5. Ich bins, ich sollte büßen an Händen und an Füßen gebunden in der Höll; die Geißeln und die Banden und was du ausgestanden, das hat verdienet meine Seel. 6. Du nimmst auf deinen Rücken die Lasten, die mich drücken viel schwerer als ein Stein; du wirst ein Fluch, dagegen verehrst du mir den Segen, dein Schmerzen muß mein Labsal sein. 7. Du setzest dich zum Bürgen, ja lässest dich gar würgen für mich und meine Schuld; mir lässest du dich krönen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest alles mit Geduld. Passionslieder. 47⁷ 8. Du springst ins Todes was meinem Fleisch gelüst. Was Rachen, mich frei und los zu deine Augen hassen, das will ich machen von solchem Ungeheur; du fliehn und lassen, so viel mir stirbst, daß ich nicht sterbe noch immer möglich ist. ewiglich verderbe; o unerhörtes 16. Dein Seufzen und dein Liebesfeur! Stöhnen und die viel tausend 9. Ich bin, mein Heil, ver⸗Tränen, die dir geflossen zu, die ö T bunden all Augenblick und Stun-(sollen mich am Ende in deinen den dir überhoch und sehr; was Schoß und Hände begleiten zu Leib und Seel vermögen, das soll der ewgen Ruh. ich billig legen allzeit an deinen ö Paul Gerhardt g. 1607 f 1676. Dienst und Ehr. 87 10. Nun, ich kann nicht viel 7. geben in diesem armen Leben, eins aber will ich tun: Es soll Sei mir tausendmal gegrüßet, der dein Tod und Leiden, bis Leib mich je und je geliebt, Jesu, und Seele scheiden, mir stets in der du selbst gebüßet das, womit meinem Herzen ruhn. ich dich betrübt. Ach wie ist mir 11. Ich wills vor Augen setzen, doch so wohl, wenn ich knien und mich stets daran ergetzen, ich sei liegen soll an dem Kreuze, da du auch wo ich sei; es soll mir sein stirbest und um meine Seele wirbest. ein Spiegel der Unschuld und ein 2. Ich umfange, herz und küsse Siegel der Lieb und unverfälschten der gekränkten Wunden Zahl und Treu. die purpurroten Flüsse, deine Füß 12. Wie heftig unsre Sünden und Nägelmal. O wer kann doch, den frommen Gott entzünden, wie schönster Fürst, den so hoch nach Rach und Eifer gehn, wie grausam uns gedürst, deinen Durst und seine Ruten, wie zornig seine Flu⸗Liebsverlangen völlig fassen und ten, will ich aus diesen Leiden sehn. umfangen? 13. Ich will daraus studieren, 3. Heile mich, o Heil der See⸗ wie ich mein Herz soll zieren mit len, wo ich krank und traurig bin; stillem, sanftem Mut und wie nimm die Schmerzen, die mich ich die soll lieben, die mich doch quälen, und den ganzen Schaden sehr betrüben mit Werken, so die hin, den mir Adams Fall ge⸗ Bosheit tut. bracht und ich selder mir gemacht. 14. Wenn böse Zungen stechen, Wird, o Arzt, dein Blut mich mir Glimpf und Namen brechen, netzen, wird sich all mein Jammer so will ich zähmen mich; das Un- setzen. recht will ich dulden, dem Nächsten 4. Schreibe deine blutgen Wun⸗ seine Schulden verzeihen gern und den mir, Herr, in das Herz hinein, williglich. daß sie mögen alle Stunden bei 15. Ich will mich mit dir schla- mir unvergessen sein. Du bist gen ans Kreuz und dem absagen, doch mein liebstes Gut, da mein Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 48 Passionslieder. ganzes Herze ruht, laß mich hie zu deinen Füßen deiner Lieb und Gunst genießen! 5. Diese Füße will ich halten auf das best Schaue meiner Hände Falten und mich selber freundlich an von dem hohen Kreuzesbaum und gib mei⸗ ner Bitte Raum, sprich: Laß all dein Trauern schwinden, ich, ich tilg all deine Sünden. Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. 88. Mel. Herzlich tut mich verlangen. 0 Haupt voll Blut und Wun⸗ den, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott ge⸗ bunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret, gegrüßet seist du mir! 2. Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte, wie bist du so be⸗ speit! wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht? 3. Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen; des blassen Todes Macht hat alles hingenommen, hat alles hingerafft, und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft. 4. Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last, ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat; gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad! ich immer kann. 5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts getan; dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust. 6. Ich will hie bei dir stehen, verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht; wenn dein Herz wird erblassen im letzten Todesstoß, als⸗ dann will ich dich fassen in meinen Arm und Schoß. 7. Es dient zu meinen Freuden und tut mir herzlich wohl, wenn ich in deinem Leiden, mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deines Todes Schmerzen, da dus so gut gemeint. Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, und wenn ich nun erkalte, in dir mein Ende sei. 9. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür! Wenn mir am aller⸗ bängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Angsten kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot! Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken: wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt g. 1607 f 1676. 89. Mel. Christus, der uns selig macht. Tesu, deine Passion will ich jetzt bedenken; wollest mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken! In dem Bilde jetzt er⸗ schein, Jesu, meinem Herzen, wie du, unser Heil zu sein, littest alle Schmerzen. 2. Meine Seele sehen mach deine Angst und Bande, deine Speichel, Schläg und Schmach, deine Kreuzesschande, deine Geißel, Dornenkron, Speer- und Nägel⸗ wunden, deinen Tod, o Gottes⸗ sohn, der mich dir verbunden. 3. Laß mich aber nicht allein deine Marter sehen, laß mich auch die Ursach fein und die Frucht verstehen. Ach die Ursach war auch ich, ich und meine Sünde, diese hat gemartert dich, daß ich Gnade fünde. 4. Jesu, lehr bedenken mich dies in Buß und Reue, hilf, daß ich mit Sünde nicht martre dich aufs neue. Sollt ich dazu haben Lust und nicht wollen meiden, was du selber büßen mußt mit sof großem Leiden? 5. Wenn mir meine Sünde will machen heiß die Hölle, Jesu, mein Gewissen still, dich ins Mittel stelle, dich und deine Passion laß mich gläubig fassen! Liebet mich sein lieber Sohn, wie kann Gott mich hassen? 6. Gib auch, Jesu, daß ich gern dir das Kreuz nachtrage, daß ich Demut von dir lern und Ge⸗ duld in Plage, daß ich dir geb Lieb um Lieb. Indes laß dies Passionslieder. 49 Lallen,(bessern Dank ich dorten geb,) Jesu, dir gefallen! Sigism. v. Birken g. 1626 1 1681. 90. Eigene Melodie. Iesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennot, in das äußerste Ver⸗ derben, nur daß ich nicht möchte sterben, tausendtausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 2. Du, ach du hast ausgestan⸗ den Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Ban⸗ den, du gerechter Gottessohn, nur mich Armen zu erretten von des Teufels Sündenketten. Tausend⸗ tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 3. Du hast lassen Wunden schlagen, dich erbärmlich richten zu, um zu heilen meine Plagen, um zu setzen mich in Ruh. Ach du hast zu meinem Segen lassen dich mit Fluch belegen. Tausendtausend⸗ mal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 4. Man hat dich sehr hart ver⸗ höhnet, dich mit großem Schimpf belegt, gar mit Dornen dich ge⸗ krönet; was hat dich dazu bewegt? daß du möchtest mich ergetzen, mir die Ehrenkron aufsetzen. Tausend⸗ tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 5. Du hast wollen sein geschla⸗ gen zu Befreiung meiner Pein, fälschlich lassen dich anklagen, daß ich könnte sicher sein; daß ich möchte trostreich prangen, hast du sonder Trost gehangen. Tausendtausend⸗ 4 mal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 6. Du hast dich in Not ge⸗ stecket, hast gelitten mit Geduld, gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld; daß ich würde losgezählet, hast du wollen sein gequälet. Tausend⸗ tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 7. Deine Demut hat gebüßet meinen Stolz und Übermut, dein Tod meinen Tod versüßet, es kommt alles mir zu gut; dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend⸗ tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 8. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesamte Not, für die Wunden, für die Schmer⸗ zen, für den herben, bittern Tod; für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Plagen, für dein Ach und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein. Ernst Christ. Homburg g. 1605 +½ 1081. 91. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 9²⁷ Jesu Christ, dein teures Blut ist meiner Seele höchstes Gut, das stärkt, das labt, das macht allein mein Herz von allen Sünden rein. 2. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, dein Unschuld und Gerechtigkeit macht, daß ich kann vor Gott bestehn und zu der Himmelsfreud eingehn. 3. O Jesu Christe, Gottes Sohn, mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron, dein teures Blut, Passionslieder. dein Lebenssaft mir neue Lebenskraft. 4. Herr Jesu, in der letzten Not, wenn mich schreckt Teufel, Höll und Tod, so laß ja dies mein Labsal sein: dein Blut macht mich von Sünden rein. Joh. Olearius g. 1611 ù1 1684. 92. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 1. 9¹ Jesu, deine Angst und Pein 2und dein betrübtes Leiden laß mir vor Augen allzeit sein, die Sünde zu vermeiden. Laß mich an deine große Not und deinen herben bittern Tod, dieweil ich lebe, denken! 2. Laß deiner Seele Höllenqual, dein Angst und blutig Schwitzen und übrig Elend allzumal, darin du mußtest sitzen, mir öftermalen fallen ein und eine starke Warnung sein vor Sünd und Missetaten! 3. Die Wunden alle, die du hast, hab ich dir helfen schlagen, auch meine große Sündenlast dir aufgelegt zu tragen. Ach liebster Heiland, schone mein, laß diese Schuld vergessen sein, laß Gnade vor Recht gehen! 4. Du hast verlassen deinen Thron, bist in das Elend gangen, ertrugest Schläge, Spott und Hohn, mußtest am Kreuze hangen, auf daß du für uns schafftest Rat und unsre schwere Missetat bei Gott versöhnen möchtest. 5. Drum will ich jetzt zur Dank⸗ barkeit von Herzen dir lobsingen, und wenn du zu der Seligkeit mich wirst hinkünftig bringen, so gibt stets will ich daselbst noch viel mehr, zusamt dem ganzen Himmelsheer, dich ewig dafür loben. 6. Herr Jesu, deine Angst und Pein und dein betrübtes Leiden laß meine letzte Zuflucht sein, wenn ich von hier soll scheiden. Ach hilf, daß ich durch deinen Tod sein sanft beschließe meine Not und selig sterbe. Amen. Nach Tob. Clausnitzer g. 1618 4 1684. 93. Mel. Werde munter, mein Gemüte. Der am Kreuz ist meine Liebe, meine Lieb ist Jesus Christ. Weg ihr argen Seelendiebe, Satan, Welt und Fleisches List! Eure Lieb ist nicht von Gott, eure Lieb ist gar der Tod. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 2. Der am Kreuz ist meine Liebe. Frevler, was befremdet dich, daß ich mich im Glauben übe? Jesus gab sich selbst für mich. So ward er mein Friede⸗ schild, aber auch mein Lebens⸗ bild. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glau⸗ ben übe. 3. Der am Kreuz ist meine Liebe. Sünde, du verlierst den Sturm. Weh mir, wenn ich den betrübe, der statt meiner ward ein Wurm! Kreuzigt' ich nicht Gottes Sohn? trät ich nicht sein Blut mit Hohn? Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe. Schweig, Gewissen, Gott vergibt. Daran preist Gott seine Passionslieder. 51 Liebe, daß sein Sohn stirbt, der mich liebt. Wer verdammt nun? Gott ist hier, Gott verzeiht durch Christum mir. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 5. Der am Kreuz ist meine Liebe. Keine Not, schwer, hart und groß, Hunger, Blöße, Hen⸗ kershiebe, nichts macht mich von Jesu los, nicht Gewalt, nicht Gold, nicht Ruhm, Engel nicht, kein Fürstentum. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 6. Der am Kreuz ist meine Liebe. Komm, Tod, komm, mein bester Freund! Wenn ich wie ein Staub zerstiebe, wird mein Jesus mir vereint; da, da schau ich Gottes Lamm, meiner Seele Bräutigam. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. Ahasverus Fritsch g. 1629 4 1701. 94. Eigene Melodie. du Liebe meiner Liebe, du erwünschte Seligkeit, der du dich aus höchstem Triebe in das jammervolle Leid deines Leidens mir zu gute als ein Schlachtschaf eingestellt und bezahlt mit deinem Blute alle Missetat der Welt; 2. Liebe, die mit Schweiß und Tränen an dem Olberg sich be⸗ trübt, Liebe, die mit Blut und Sehnen unaufhörlich fest geliebt, Liebe, die mit allem Willen Gottes Zorn und Eifer trägt, den sonst niemand konnte stillen, den hat dein Tod hingelegt. 52 Passionslieder. 3. Liebe, die mit starkem Herzen alle Schmach und Hohn gehört, Liebe, die nicht Angst und Schmer⸗ zen noch der strenge Tod versehrt, Liebe, die sich liebend zeiget, als sich Kraft und Atem endt, Liebe, die sich liebend neiget, als sich Leib und Seele trennt; 4. Liebe, die mit so viel Wun⸗ den gegen mich als seine Braut unauflöslich sich verbunden und auf ewig anvertraut: Liebe, laß auch meine Schmerzen, meines Lebens Jammerpein in dem blut⸗ verwundten Herzen sanft in dir gestillet sein! 5. Liebe, die für mich gestorben und ein immerwährend Gut an dem Kreuzesholz erworben, ach wie dank ich deinem Blut, ach wie dank ich deinen Wunden, du ver⸗ wundte Liebe du, wenn ich in den Leidensstunden sanft in deiner Seite ruh! 6. Liebe, die sich tot gekränket und für mein erkaltet Herz in ein kaltes Grab gesenket, ach wie dank ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, daß ich ewig leben kann, und der Seele Heil erworben: nimm mich ewig lie— bend an! Elisabeth v. Senitz g. 1629 4 1679. 95 2. Mel. Christus, der uns selig macht. Seele, mach dich heilig auf, Jesum zu begleiten gen Jerusalem hin⸗ auf,‚ tritt ihm an die Seiten! In der Andacht folg ihm nach zu dem bittern Leiden, bis du aus dem Ungemach zu ihm wirst verscheiden. 2. Seele, siehe, Gottes Lamm gehet zu dem Leiden, deiner Seele Bräutigam als zu Hochzeitfreuden. Geht, ihr Töchter von Zion, Jesum zu empfangen, sehet ihn in seiner Kron unter Dornen prangen! 3. Du ziehst als ein König ein, wirst auch so empfangen, aber Bande warten dein, dich damit zu fangen. Für die Ehre Hohn und Spott wird man dir, Herr, geben, bis du durch des Kreuzes Tod schließen wirst dein Leben. 4. Das Kreuz ist der Königs⸗ thron, drauf man dich wird setzen, dein Haupt mit der Dornenkron bis in Tod verletzen. Jesu, dein Reich auf der Welt ist in lauter Leiden; so ist es von dir bestellt bis zum letzten Scheiden. 5. Du wirst, Herr der Herrlich⸗ keit, ja wohl müssen sterben, daß des Himmels Ewigkeit ich dadurch mög erben. Aber ach, wie herr⸗ lich glänzt deine Kron von ferne, die dein siegreich Haupt bekränzt, schöner als die Sterne! 6. Liebster Jesu, nun Glück zu! Es muß dir gelingen; nach der Stillen⸗Freitags-Ruh wirst du Freude bringen. Tritt nur auf die Todesbahn, die gestreuten Pal⸗ men bilden dir den Sieg voran aus den Osterpsalmen. 7. Laß mich diese Leidenszeit fruchtbarlich bedenken voller An⸗ dacht, Reu und Leid, mich darüber kränken! Auch dein Leiden tröste mich bei so vielem Jammer, bis nach allem Leiden ich geh zur Ruhekammer. Abraham Klesel g. 1636 4 1702. 96. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. Mleine Seel, ermuntre dich, deines Jesu Lieb bedenke; wie er für dich gibet sich, darauf deine An⸗ dacht lenke! Ach erwäg die große Treue und dich deines Jesu freue! 2. Sieh, der wahre Gottes Sohn ist für dich ans Holz gehänget, sein Haupt trägt die Dornenkron, sein Leib ist mit Blut vermenget, er läßt sich für dich verwunden; wo ist größre Lieb gefunden? 3. Du, du solltest große Pein ewig leiden in der Hölle und von Gott verstoßen sein wegen vieler Sünden⸗ fälle; aber Jesus trägt die Sünden, läßt dich wieder Gnade finden. 4. Durch sein Leiden ist gestillt“ deines Gottes Zorn und Rache, er hat das Gesetz erfüllt, gut gemacht die böse Sache, Sünde, Teufel, Tod bezwungen und den Himmel dir errungen. 5. Ich kann nimmer, nimmer⸗ mehr das Geringste nur vergelten, er verbindt mich allzusehr; meine Trägheit muß ich schelten, daß ich ihn so schlecht geliebet und noch gar mit Sünd betrübet. 6. Du, mein Jesu, du, mein Heil, dir will ich mich ganz ver⸗ schreiben, daß ich dir als meinem Teil einzig will getreu verbleiben, dir zu leben, dir zu leiden, dir zu sterben, dir zu meiden. 7. Du, mein Jesu, sollst es sein, den ich mir zum Zweck gesetzet, wie du mein, so will ich dein bleiben stets und unverletzet; was du liebest, will ich lieben, was dich kränkt, soll mich betrüben. Passionslieder. 53 8. Was du willst, das sei mein Will, dein Wort meines Herzens Spiegel; wenn du schlägest, halt ich still. Dein Geist bleibt mein Pfand und Siegel, daß ich soll den Himmel erben; darauf kann ich freudig sterben. 9. Nun, so bleibt es fest dabei: Jesus soll es sein und bleiben, dem ich lebe, des ich sei, nichts soll mich von Jesu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht lassen, ewig will ich dich umfassen. Joh. Kasp. Schade g. 1666 + 1698. 97. Eigene Melodie, oder Warum sollt ich mich denn grämen. Jesu, Trost der armen Seelen, du läßt 905 williglich meinet⸗ wegen quälen. Ach wie kann ich nun verzagen? denn du hast alle Last meiner Schuld getragen. 2. Dein Blut rann mit reichen Flüssen, dessen Kraft uns ver⸗ schafft, daß wir Trost genießen. Laß mich diese Flut erquicken, meinen Geist, der dich preist, zu dir hin zu rücken. 3. Dieser Strom führt in den Himmel; dort, ach dort ist der Ort, wo kein Weltgetümmel. Da⸗ hin steht nun mein Verlangen; Ehr und Gut soll den Mut nimmer wieder fangen. 4. Dein Blut soll mich stets vergnügen, ich will nun in dir ruhn und ganz sicher liegen. Ich will zu den Wunden eilen, denn hier kann jedermann seine Krank⸗ heit heilen. 5. Krank bin ich an Sünden⸗ wunden; krank und schwach schrei 5⁴ Passionslieder. ich nach dir, bis ich dich funden. Ich will zu dir, Jesu, fliehen, doch du mußt aus dem Wust mich selbst zu dir ziehen, 6. Wie du an dem Kreuze tatest, als du dort, liebster Hort, für die Feinde batest. Ob mich spät die Sünden reuen, hoff ich doch mich wird noch deine Gnad erfreuen. 7. Ich will mich mit Tränen netzen und mein Herz soll im Schmerz sich zum Kreuze setzen. Hier will ich dich ganz umfassen, Gottes Lamm, Bräutigam, du wirst mich nicht lassen. 8. Laß mich nicht am letzten Ende! Da hilf mir, wenn zu dir ich mich gläubig wende; da laß mich dein Blut erquicken! So kann ich seliglich mich zum Ster⸗ ben schicken. Ph. Balth. Sinold g. 1657 4 1742. 98. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Seele, geh auf Golgatha, setz dich unter Jesu Kreuze und bedenke, was dich da für ein Trieb zur Buße reize. Willst du unem⸗ pfindlich sein, o so bist du mehr als Stein. 2. Schaue doch das Jammer⸗ bild zwischen Erd und Himmel hangen, wie das Blut mit Strö⸗ men quillt, daß ihm alle Kraft oergangen. Ach der übergroßen Not: es ist gar mein Jesus tot! 3. O Lamm Gottes ohne Schuld, alles das hatt ich verschuldet, und du hast aus großer Huld Pein und Tod für mich erduldet; daß ich nicht verloren bin, gibst du dich ans Kreuze hin. 4. Unbeflecktes Gotteslamm, ich verehre deine Liebe; schaue von des Kreuzes Stamm, wie ich mich um dich betrübe; dein im Blute wallend Herz setzet mich in tau⸗ send Schmerz. 5. Nun was schenk ich dir da⸗ für? Ich will dir mein Herze geben, dieses soll beständig hier unter deinem Kreuze leben. Wie du mein, so will ich dein lebend, leidend, sterbend sein. 6. Laß dein Herz mir offen stehn, öffne deiner Wunden Türe; da hinein will ich stets gehn, wenn ich Kreuz und Not verspüre, wie ein Hirsch nach Wasser dürst, bis du mich erquicken wirst. 7. Kreuzige mein Fleisch und Blut, lehre mich, die Welt ver⸗ schmähen, laß mich dich, du höch⸗ stes Gut, immer vor den Augen sehen, führ in allem Kreuze mich wunderlich, nur seliglich! 8. Endlich laß mich meine Not auch geduldig überwinden, nirgend sonst wird mich der Tod, als in deinen Wunden finden; wer darin sein Bette macht, spricht zuletzt: Es ist vollbracht. Benjamin Schmolck g. 1672 1737. 2. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. Du Brunngquell aller Liebe gabst dich aus Liebestriebe für uns in tiefe Not; du wolltest Blut und Leben für uns zum Opfer geben, uns zu erretten von dem Tod. 2. Du liebtest die Gemeine und machtest sie ganz reine von Sünden durch dein Blut; du heiligtest die ch 3 ch st 18 Passionslieder. 55 Seelen, die dich zum Schatz er⸗ wählen, durch diese teure Lebens⸗ flut. 3. Ach laß dein heilig Leiden auch unsre Seelen kleiden mit Schmuck der Heiligkeit, laß deinen Geist und Gaben auch unsre Herzen laben in wahrer Glaubensfreu⸗ digkeit! 4. Die alte Lust der Sünden hilf uns nun überwinden als dein erlöste Schar! Da deine Gnad er⸗ schienen, so stell uns, dir zu dienen voll neuer Kraft und Lebens dar! Peter Busch g. 1682 4 1741. 100. Eigene Melodie. dines wünsch ich mir vor allem andern, Eine Speise früh und spät; selig läßts im Tränental sich wandern, wenn dies Eine mit uns geht: Unverrückt auf Einen Mann zu schauen, der mit blutgem Schweiß und Todesgrauen auf sein Antlitz niedersank und den Kelch des Vaters trank. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, wie er als ein stilles Lamm dort so blutig und so bleich zu sehen, hängend an des Kreuzes Stamm; wie er dürstend rang um meine Seele, daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, und dann auch an mich gedacht, als er rief: Es ist vollbracht. 3. Ja, mein Jesu, laß mich teurem Lösegeld mich erkauft von dieser Welt. 4. Ich bin dein, sprich du darauf ein Amen! Treuster Jesu, du bist mein. Drücke deinen süßen Jesusnamen brennend in mein Herz hinein! Mit dir alles tun und alles lassen, in dir leben und in dir erblassen, das sei bis zur letzten Stund unser Wandel, unser Bund. Albert Knapp g. 1798 + 1864. Begräbnis Jesu. 101. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. Ner du, Herr Jesu, Ruh und Rast in deinem Grab gehalten hast, gib, daß wir in dir ruhen all, und unser Leben dir gefall. 2. Verleih, o Herr, uns Stärk und Mut, die du erkauft mit dei⸗ nem Blut, und führ uns in des Himmels Licht zu deines Vaters Angesicht! 3. Wir danken dir, o Gottes⸗ lamm, getötet an des Kreuzes Stamm. Laß ja uns Sündern deine Pein den Eingang in das Leben sein! Georg Werner g. 1589 4 1643. Nach d. Lat. Qui jacuisti mortuus. 102. Eigene Melodie. Traurigkeit, o Herzeleid, ist Odas nicht zu beklagen? Gott nicht vergessen meine Schuld und des Vaters einzig Kind wird ins deine Huld. Als ich in der Grab getragen. Finsternis gesessen, trugest du mit mir Geduld, hattest längst nach deinem Schaf getrachtet, eh es auf 2. O große Not, des Todes Tod ist selbst am Kreuz gestorben, hat dadurch das Himmelreich uns des Hirten Ruf geachtet, und mitaus Lieb erworben. 56 3. O Menschenkind, nur deine Sünd hat dieses angerichtet, da du durch die Missetat warest ganz vernichtet. 4. Dein Bräutigam, das Gottes⸗ lamm, liegt hie mit Blut beflossen, welches es ganz mildiglich hat für dich vergossen. 5. O süßer Mund, o Glaubens⸗ grund, wie bist du doch zerschlagen! Alles, was auf Erden lebt, muß dich ja beklagen. 6. O lieblichs Bild, schön, zart und mild, du Schmerzsohn der Jungfrauen! Niemand kann dein heißes Blut sonder Reu anschauen. 7. Hochselig ist zu jeder Frist, der dieses recht bedenket, wie der Herr der Herrlichkeit wird ins Grab versenket. 8. O Jesu, du mein Hülf und Ruh, ich bitte dich mit Tränen: Hilf, daß ich mich bis ins Grab möge nach dir sehnen. Johann Rist g. 1607 + 1667. 103. Mel. O Traurigkeit. ruhest du, o meine Ruh, in deiner Grabeshöhle, und er⸗ S⁵ Osterlieder. weckest durch den Tod meine tote Seele! 2. Man senkt dich ein nach vieler Pein, du meines Lebens Leben! dich hat jetzt ein Felsen⸗ grab, Fels des Heils, um⸗ geben. 3. Ach bist du kalt, mein Trost und Halt! Das macht die heiße Liebe, die dich in das kalte Grab durch ihr Feuer triebe. 4. O Lebensfürst, ich weiß, du wirst mich wieder auferwecken; sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? 5. Sie wird mir sein ein Kämmerlein, da ich auf Rosen liege, weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab besiege. 6. Gar nichts verdirbt, der Leib nur stirbt, doch wird er auferstehen und in ganz verklärter Zier aus dem Grabe gehen. 7. Indes will ich, mein Jesu, dich in meine Seele senken und an deinen bittern Tod bis in Tod gedenken. Salomo Franck g. 1659 f 1725. VII. Osterlieder. 104. Eigene Melodie. Ro heilig ist der Tag, daß Christ selber. ihn niemand mit Loben er⸗ füllen mag; denn der einige Gottessohn, der die Hölle über⸗ wand und den leidigen Teufel darinnen band, damit erlöst der Herr die Christenheit, das war Kyrieleis! Aus dem 15. Jahrhundert. Nach dem Lateinischen des Venantius Fortunatus im 6. Jahrhundert: Salve, festa dies. Osterlieder. 105. Eigene Melodie. von der Ebus ist erstanden Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! 2. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit daß er erstanden ist, so lob'n wir den Vater Jesu Christ. Halleluja! 3. Halleluja, Halleluja, Hal⸗ leluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! Aus dem 13. Jahrhundert. 106. Eigene Melodie. Ersanden ist der heilig Christ, Halleluja, Halleluja, der aller Welt ein Tröster ist, Halleluja, Halleluja! 2. Und wär er nicht erstanden hehr, Halleluja, Halleluja, die Welt alsdann vergangen wär, Halleluja, Halleluja! 3. Doch seit daß er erstanden ist, Halleluja, Halleluja, so loben wir den Herren Christ, Halleluja, Halleluja! 4. O Jesu, lieber Herre Gott, Halleluja, Halleluja, behüt uns vor der Sünden Not, Halleluja, Halleluja! 5. Gib, daß wir von dem Tod erstehn, Halleluja, Halleluja, mit dir ins neue Leben gehn, Halleluja, Halleluja! 6. Zu dieser österlichen Zeit, Halleluja, Halleluja, sei Gott der Herr gebenedeit. Halleluja, Halleluja! Aus dem 14. Jahrhundert. Nach d. Lat. Surrexit Christus hodie. 57 107. Eigene Melodie. 2 esus Christus unser Heiland, der den Tod überwand, ist auferstanden, die Sünd hat er gefangen. Halleluja! 2. Der ohn Sünden war ge⸗ born, trug für uns Gottes Zorn; hat uns versöhnet, daß uns Gott sein Huld gönnet. Halleluja! 3. Tod, Sünd, Leben und Genad, alls in Händen er hat; er kann erretten alle, die zu ihm treten. Halleluja! Martin Luther g. 1483 + 1546. 108. Eigene Melodie. Ebrist lag in Todesbanden, für unsre Sünd gegeben, der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben; des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dank⸗ bar sein und singen Halleluja. Halleluja! 2. Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern; das macht' alles unsre Sünd, kein Unschuld war zu finden. Davon kam der Tod so bald und nahm uüͤber uns Gewalt, hielt uns in sein'm Reich gefangen. Halleluja! 3. Jesus Christus, Gottes Sohn, an unser Statt ist kommen und hat die Sünd abgetan; damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods Gestalt, den Stachel hat er verloren. Halleluja! 4. Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat 58 Osterlieder. den Tod verschlungen. Die Schrift all seine Macht, Christ hat das hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß, ein Spott aus dem Tod ist worden. Halleluja! 5. Hie ist das recht Osterlamm, davon wir sollen leben, das sich an des Kreuzes Stamm in heißer Lieb gegeben; des Blut zeichnet unsre Tür, das hält der Glaub dem Tod für, der Würger kann uns nicht rühren. Halleluja! 6. So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen läßt. Er selber ist die Sonne, der durch seiner Gnade Glanz erleucht't unsre Herzen ganz; der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja! 7. Wir essen und leben wohl zum süßen Brot geladen, der alt Sauerteig nicht soll sein bei dem Wort der Gnaden. Christus will die Speise sein und speisen die Seel allein; der Glaub will keins andern leben. Halleluja! Martin Luther g. 1483 1 1546. 109. Eigene Melodie. dran sich niemand gnug freuen mag; Christ, unser Herr, heut triumphiert, all seine Feind ge⸗ fangen führt. Halleluja! 2. Die alte Schlang, die Sünd und Tod, die Höll, all Jammer, Angst und Not hat überwunden Jesus Christ, der heut vom Tod erstanden ist. Halleluja! 3. Sein Raub der Tod mußt geben her, das Leben siegt und ward ihm Herr, zerstört ist nun Leben wiederbracht. Halleluja! 4. Die Sonn, die Erd, all Kreatur, alls, was betrübet war zuvor, das freut sich heut an diesem Tag, da der Welt Fürst darnieder lag. Halleluja! 5. Drum wir auch billig fröh⸗ lich sein, singen das Halleluja fein und loben dich, Herr Jesu Christ; zu Trost du uns erstanden bist. Halleluja! Niklas Herman 4 1561. 110. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du vom Tod erstanden bist und hast dem Tod zerstört sein Macht und uns das Leben wiederbracht. Halleluja! 2. Wir bitten dich durch deine Gnad, nimm von uns unsre Misse⸗ tat und hilf uns durch die Güte dein, daß wir dein treuen Diener sein. Halleluja! 3. Gott Vater in dem höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, dem heilgen Geist in glei⸗ scher Weis in Ewigkeit sei Lob Eribienen ist der herrlich Tag, und Preis. Halleluja! Thomas Hartmann um 1604. 111¹½. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag, oder⸗ Eigene Melodie, wenn man die einge⸗ klammerten Halleluja mitsingt. Her triumphieret Gottes Sohn, der vom Tod ist erstanden schon(Halleluja, Halleluja,] mit großer Pracht und Herrlichkeit; des dank'n wir ihm in Ewigkeit. Halleluja.[Halleluja!] y Osterlieder. 59 2. Dem Teufel hat er all sein x Sünden Nacht, Licht, Heil und Macht zerstört und ihn zu Boden Leben wiederbracht. Halleluja! bracht[Halleluja, Halleluja,] wie pflegt zu tun ein großer Held, der seinen Feind gewaltig fällt. Halleluja.(Halleluja! 3. O auferstandner Jesu Christ, der du der Sünder Heiland bist Halleluja, Halleluja,] führ uns durch dein Barmherzigkeit mit Freuden in dein Herrlichkeit. Halleluja.(Halleluja!] 4. Hie ist doch nichts als Angst und Not, von Kindheit an bis in den Tod(Halleluja, Halleluja, dort aber in des Himmels Thron solgt auf den Kampf die Ehren⸗ kron. Halleluja. IHalleluja!] 5. Nun kann uns kein Feind schaden mehr; ob er gleich murrt, ists ohn Gefähr Halleluja, Halle⸗ luja.] darnieder liegt der arge Feind, wir aber Gottes Kinder seind. Halleluja. IHalleluja!) 6. Des danken wir ihm allzu⸗ gleich und sehnen uns ins Himmel⸗ reich Halleluja, Hallelujal. Es ist am End, Gott helf uns alln, so singen wir mit großem Schalln: Halleluja.[Halleluja!] 7. Gott Vater in dem höchsten Thron, samt seinem eingebornen Sohn,[Halleluja, Halleluja,] dem heilgen Geist in gleicher Weis in Ewigkeit sei Lob und Preis! Halleluja.(Halleluja!] Kasp. Stolshagius(7) 1591. 11¹². Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. Bruh morgens, da die Sonn leluja! 2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen gleich als wär ich tot, läßt du mir früh die Gnadensonn aufgehn, nach Trau⸗ ren Freud und Wonn. Halleluja! 3. Nicht mehr als nur drei Tage lang mein Heiland bleibt im Todeszwang; am dritten Tag durchs Grab er dringt, mit Ehren seine Siegsfahn schwingt. Halleluja! 4. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt mit Schmach am Kreuz gefangen hält, drauf folgt der Sabbath in dem Grab, darin ich Ruh und Frieden hab. Halleluja! 5. In kurzem wach ich fröhlich auf, mein Ostertag ist schon im Lauf; ich wach auf durch des Herren Stimm, veracht den Tod mit seinem Grimm. Halleluja! 6. Der Herr den Tod zu Boden schlägt, da er selbst tot, und sich nichts regt; geht aus dem Grab in eigner Kraft, Tod, Teufel, Höll an ihm nichts schafft. Hal⸗ leluja! 7. O Wunder groß, o starker Held, wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Tür. Hal⸗ 8. Kein Kreuz und keine Not sich findt, die Christi Sieg nicht überwindt. Er führt heraus mit seiner Hand, wer mich will halten, wird zu Schand. Halleluja! 9. Lebt Christus, was bin ich aufgeht, mein Heiland Chri⸗ betrübt? Ich weiß, daß er mich stus aufersteht. Vertrieben ist der herzlich liebt; wenn mir gleich 60 alle Welt stürb ab, gnug, daß ich Christum bei mir hab. Hal⸗ leluja! 10. Er nährt, er schützt, er tröstet mich. Sterb ich, so nimmt er mich zu sich; wo er jetzt lebt, da muß ich hin, weil ich ein Glied seins Leibes bin. Hal⸗ leluja! 11. Durch seiner Auferstehung Kraft komm ich zur Engelbrüder⸗ schaft; durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, die Feindschaft ist ganz abgelehnt. Halleluja! 12. Mein Herz darf nicht ent⸗ setzen sich, Gott und die Engel lieben mich; die Freude, die mir ist bereit, vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja! 13. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Dort wollen wir mit grö⸗ ßerm Fleiß erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja! Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 1¹3. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht singen. Laer uns den Herren preisen! o ihr Christen überall! Kommet, daß wir Dank erweisen unserm Gott mit süßem Schall! Es ist frei von Todesbanden Simson, der vom Himmel kam, und der Löw aus Juda Stamm; Christus Jesus ist erstanden, nun ist hin der lange Streit. Freue dich, o Christenheit! 2. Christus selbst hat über⸗ wunden des ergrimmten Todes Macht. Der in Tüchern lag ge⸗ bunden, hat die Schlang jetzt umgebracht; Satans Reich ist ganz Osterlieder. verheeret, Christus hat es nach der Ruh ausgetilget und dazu Belial sein Schloß zerstöret, daß wir haben frei Geleit. Freue dich, o Christenheit! 3. Warest du, o Held, gestor⸗ ben? warest du ins Grab gelegt? Ei du bleibest unverdorben; da sich nur der Fels erregt, Held, da bist du wieder kommen, hast das Leben und die Macht aus der schwarzen Gruft gebracht und des Todes Raub genommen, schenist uns nun die Seligkeit. Freue dich, o Christenheit! 4. Tod, wo sind nun deine Waf⸗ fen? Hölle, wo ist dein Triumph? Satan konnte gar nichts schaffen, seine Pfeile wurden stumpf. Chri⸗ stus ist sein Gift gewesen, ja der Hölle Seuch und Pest; Welt und Sünde liegen fest, und wir Men⸗ schen sind genesen nur durch seinen tapfern Streit. Freue dich, o Christenheit! 5. Er ist aus der Angst gerissen und mit Ehren angetan; wer ist, der sein Leben wissen und die Läng ausreden kann??“) Christus ist der Eckstein worden. Gott, das ist von dir geschehn, wie wir jetzt vor Augen sehn; wir sind aus der Sünder Orden hingerissen durch den Streit. Freue dich, o Christenheit! Jes. 53, 8. 6. Gib, Herr Jesu, deine Gnade, daß wir stets mit Reue sehn, wie so groß sei unser Schade, daß wir dir gleich auferstehn. Brich hervor in unsern Herzen, überwinde Sünde, Tod, Teufel, Welt und Höllennot, dämpf in uns Pein, Angst und Schmerzen Osterlieder. 61 samt der Seele Traurigkeit! Freue zerbricht der Hölle Schloß und dich, o Christenheit! 7. Meinen Leib wird man ver⸗ graben, aber gleichwohl ewig nicht; bald werd ich das Leben haben, wenn das letzte Weltgericht alle Gräber wird aufdecken, und der Engel Feldgeschrei zeigen, was vorhanden sei; dann wird mich mein Gott aufwecken und be⸗ schließen all mein Leid. Freue dich, o Christenheit! 8. Dann so werden meine Glie⸗ der, die jetzt Staub und Asche sein, unverweslich leben wieder und erlangen solchen Schein, dessen gleichen hier auf Erden nimmer⸗ mehr zu finden ist. Ja, mein Leib, Herr Jesu Christ, soll dem deinen ähnlich werden, voller Pracht und Herrlichkeit. Freue dich, o Christenheit! Johann Rist g. 1607 + 1667. 114. Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. ◻2 Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel tun, wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat nach diesem Krieg durch Jesum Christ gegeben! 2. Wie sträubte sich die alte Schlang, da Christus mit ihr kämpfte! Mit List und Macht sie auf ihn drang, jedennoch er sie dämpfte. Ob sie ihn in die Fer⸗ sen sticht, so sieget sie doch darum nicht, der Kopf ist ihr zertreten. 3. Lebendig Christus kommt her⸗ für, die Feind nimmt er gefangen, Tür, trägt weg den Raub mit Prangen. Nichts ist, das in dem Siegeslauf den starken Held kann halten auf, alls liegt da über⸗ wunden. 4. Des Herren Rechte die be⸗ hält den Sieg und ist erhöhet, des Herren Rechte mächtig fällt, was ihr entgegen stehet. Tod, Teufel, Höll und alle Feind durch Christi Sieg gedämpfet seind, ihr Zorn ist kraftlos worden. 5. Es war getötet Jesus Christ, und sieh, er lebet wieder! Weil nun das Haupt erstanden ist, stehn wir auch auf, die Glieder. So jemand Christi Worten gläubt, im Tod und Grabe der nicht bleibt; er lebt, ob er gleich stirbet. 6. Wer täglich hier durch wahre Reu mit Christo auferstehet, ist dort vom andern Tode frei; der⸗ selb ihn nicht angehet. Genom⸗ men ist dem Tod die Macht, Un⸗ schuld und Leben wiederbracht und unvergänglich Wesen. 7. Das ist die reiche Oster⸗ beut, der wir teilhaftig werden: Fried, Freude, Heil, Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, bis unser Leib wird ähnlich dort Christi verklärtem Leibe. 8. O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel tun, wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat in diesem Krieg durch Jesum Christ gegeben! Hannov. Gsb. 1657. Nach Ge. Weissel g. 1590 + 1635. 62 Osterlieder. 11⁵. das Haupt geblieben ist, da müssen auch zu aller Frist die andern Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. Glieder wohnen. Der Hölle Pforten sind zerstört, ö Mich. Schirmer g. 1608 f 1678. der Tod ist nun verschlungen‚, des Satans Reich ist ganz ver⸗ 116 heert, Lob sei dir, Gott, gesungen. Der Sünde Macht ist abgetan, Eigene Melodie. durch Christum ist die Himmels⸗ Huf, auf, mein Herz mit Freu⸗ bahn uns wieder aufgeschlossen. den nimm wahr, was heut 2. Was uns des alten Adams geschicht! Wie kommt nach gro⸗ Schuld im Paradies verloren, das ßem Leiden nun ein so großes und noch mehr hat Christi Huld Licht! Mein Heiland war gelegt uns wiederum erkoren. Der starke da, wo man uns hinträgt, wenn Held aus Davids Stamm hat von uns unser Geist gen Himmel seines Vaters Zornesflamm ge⸗ ist gereist. löscht mit seinem Blute. 2. Er war ins Grab gesenket, 3. Heut ist er aus dem Grab der Feind trieb groß Geschrei. herfür mit großer Macht gebrochen Eh ers vermeint und denket, ist und stecket auf des Heils Panier, Christus wieder frei und ruft gleichwie er hat versprochen. Er Victoria! schwingt fröhlich hier bringt nach wohlgeführtem Streit und da sein Fähnlein als ein uns wieder Fried und Freudig⸗ Held, der Feld und Mut behält. keit, ja alle Himmelsschätze. 3. Das ist mir anzuschauen 4. Drum lasset uns in Fröh⸗ ein rechtes Freudenspiel; nun soll lichkeit Herz und Gemüt erheben, mir nicht mehr grauen vor allem, weil uns ist diese Gnadenzeit vom was mir will entnehmen meinen Himmel wiedergeben. Wir haben Mut zusamt dem edlen Gut, so Christi Reich und Macht; er ist mir durch Jesum Christ aus Lieb hinweg, der Tag und Nacht vor erworben ist. Gott uns hat verklaget. 4. Ich hang und bleib auch 5. Der alle Welt verführt in hangen an Christo als ein Glied; Not, liegt in dem Staub der wo mein Haupt durch ist gangen, Erden, der vormals starke Seelen⸗da nimmt er mich auch mit. Er tod hat müssen kraftlos werden; reißet durch den Tod, durch Welt, des Lammes Blut hat ihn be⸗ durch Sünd, durch Not, er reißet kriegt, sein wahres Zeugnis ob⸗ durch die Höll; ich bin stets sein gesiegt und uns zum Heil er⸗ Gesell. halten. 5. Er dringt zum Saal der 6. Wir werden auch nach dieser Ehren, ich folg ihm immer nach Zeit wie Christus auferstehen und und brauch mich nicht zu kehren an mit ihm in die Herrlichkeit und einzig Ungemach; es tobe, was Himmelsfreud eingehen; denn wo da kann, mein Haupt nimmt sich N mein an, mein Heiland ist mein Schild, der alles Toben stillt. 6. Er bringt mich an die Pforten, die in den Himmel führt, daran mit güldnen Worten der Reim gelesen wird: Wer dort wird mit verhöhnt, wird hier auch mit ge⸗ krönt; wer dort mit sterben geht, wird hier auch mit erhöht. Paul Gerhardt g. 1607 t 1676. 11⁷. Mel. Du Friedefürst, Herr Jesu Christ. ie lieblich sind doch deine Füß, wie freundlich ist dein Mund! Wie tröstet mich dein Wort so süß, o meines Glaubens Grund, du guter Bot, du Todes Tod, du Friedenswiederbringer! 2. Nun ist des Höchsten Wort erfüllt, sei froh mein ganzer Sinn; nun ist des Herren Zorn gestillt, nun ist das Zagen hin. Mein Jesus hat an meiner Statt die Sündenschuld gebüßet. 3. Der Friede Gottes herrscht in mir, der über die Vernunft; mir öffnet sich des Himmels Tür, weg, weg, du Höllenzunft! Du schreckst mich nicht, mein Heiland spricht, mit mir soll sein der Friede. 4. Wenn mich die Welt er⸗ bärmlich plagt und setzt mir heftig zu, von einem Ort zum andern jagt, so schafft mir Jesus Ruh. Die Welt schreckt nicht, mein Heiland spricht, mit mir soll sein der Friede. 5. Wenn mich die Not und Trübsal drückt, wenn mich mein Freund verstößt, werd ich doch kräftiglich erquickt, mir bleibt des Herren Trost. Die Not schreckt Osterlieder. 63 nicht, mein Heiland spricht, mit mir soll sein der Friede. 6. Wenn mich mein Fleisch un⸗ ruhig macht und reizt zur Sünden⸗ bahn, wird doch sein Wille nicht vollbracht, ruf ich nur Jesum an. Das Fleisch schreckt nicht, mein Heiland spricht, mit mir soll sein der Friede. 7. Wenn auf mich dringt der grimme Tod und rufet: Du bist mein, so will auch in der Todes⸗ not mein Heiland bei mir sein. Der Tod schreckt nicht, mein Hei⸗ land spricht, mit mir soll sein der Friede. 8. Dank sei dir, o du Friede⸗ fürst, für das erworbne Gut, das du mir wohl erhalten wirst; in dir mein Herze ruht; und wenn es bricht, erschreck ich nicht, ich fahre hin im Frieden. Gottfr. Wilh. Sacer g. 1635 + 1699. 1¹8. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. W' willst du hin, weils Abend Mist, o liebster Pilgrim Jesu Christ? Komm, laß mich so glückselig sein, und kehr in mei⸗ nem Herzen ein! 2. Laß dich erbitten, liebster Freund, dieweil es ist so gut gemeint; du weißt, daß du zu aller Frist ein herzenslieber Gast mir bist. 3. Es hat der Tag sich sehr geneigt, die Nacht sich schon von ferne zeigt; drum wollest du, o wahres Licht, mich Armen ja verlassen nicht. 4. Erleuchte mich, daß ich die Bahn zum Himmel sicher finden 6⁴ Osterlieder. kann, damit die dunkle Sünden⸗ nacht mich nicht verführt noch irre macht. 5. Bevorab aus der letzten Not hilf mir durch einen sanften Tod! Herr Jesu, bleib, ich halt dich fest, ich weiß, daß du mich nicht verläßt. 1674. 119. Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. W auf, mein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufge⸗ gangen, ermuntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu empfangen, der heute durch des Todes Tür gebrochen aus dem Grab herfür der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Sünde auf und such ein neues Le⸗ ben, vollführe deinen Glaubens⸗ lauf und laß dein Herz sich heben gen Himmel, da dein Jesus ist, und such, was droben, als ein Christ, der geistlich auferstanden. 3. Vergiß das, was dahinten ist, und tracht nach dem, was droben, damit dein Herz zu jeder Frist zu Jesu sei erhoben. Tritt unter dich die böse Welt und strebe nach dem Himmelszelt, wo Jesus ist zu finden. 4. Quält dich ein schwerer Sorgenstein, dein Jesus wird ihn heben; es kann ein Christ bei Kreuzespein in Freud und Wonne leben. Wirf dein An⸗ liegen auf den Herrn und sorge nicht, er ist nicht sern, weil er ist auferstanden. 5. Geh mit Maria Magdalen und Salome zum Grabe, die früh dahin aus Liebe gehn mit ihrer Salbungsgabe, so wirst du sehn, daß Jesus Christ vom Tod heut auferstanden ist und nicht im Grab zu finden. 6. Es hat der Löw aus Juda Stamm heut siegreich überwun⸗ den, und das erwürgte Gottes⸗ lamm hat uns zum Heil gefun⸗ den das Leben und Gerechtigkeit, weil er nach überwundnem Streit die Feinde schaugetragen.“) ) Col. 2, 15. 7. Drum auf, mein Herz, sang an den Streit, weil Jesus uüber⸗ wunden; er wird auch überwinden weit in dir, weil er gebunden der Feinde Macht, daß du aufstehst und in ein neues Leben gehst und Gott im Glauben dienest. 8. Scheu weder Teufel, Welt noch Tod, noch gar der Hölle Rachen, dein Jesus lebt, es hat kein Not, er ist noch bei den Schwachen und den Geringsten in der Welt als ein gekrönter Siegesheld; drum wirst du über⸗ winden. 9. Ach mein Herr Jesu, der du bist von Toten auferstanden, rett uns aus Satans Macht und List und aus des Todes Banden, daß wir zusammen insgemein zum neuen Leben gehen ein, das du uns hast erworben. 10. Sei hochgelobt in dieser Zeit von allen Gotteslindern, und ewig in der Herrlichkeit von allen überwindern, die überwunden durch dein Blut: Herr Jesu, gib uns Kraft und Mut, daß wir auch überwinden. Laurent. Laurenti g. 1660 4 17²². 120. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 2. Mein Jesus lebt, was soll ich sterben? Hier steht mein Haupt und triumphiert. So muß ich ja. das Leben erben, weil Not und Tod die Macht verliert. Kein Trauerbild erschreckt mich mehr, mein Jesus lebt, das Grab ist leer. 2. Mein Jesus siegt, drum liegt zu Füßen, was mir das Leben rauben kann. Der Tod wird völlig weichen müssen, mir wird der Satan untertan. Der Hölle Abgrund selber bebt, denn überall schallt: Jesus lebt. 3. Mein Jesus lebt, das Grab ist offen, so geh ich freudig in die Gruft. Hier kann ich auch im Tode hoffen, daß mich sein Wort ins Leben ruft. Wie süß erschallt die Stimme hier: Ich leb, und ihr lebt auch in mir. 4. Mein Jesus bleibt also mein Leben, er lebt in meinem Herzen hier; und soll ich ihm das Leben geben, kommt mir mein Tod nicht schrecklich für, weil er mich in den Himmel hebt, so wahr als Jesus ist und lebt. Benjamin Schmolck g. 1672 + 1787. 121. Rel. Christus der ist mein Leben. gilltommen Held im Streite, aus deines Grabes Kluft! Wir triumphieren heute um deine leere Gruft. Osterlieder. 65 2. Der Feind wird schauge⸗ tragen“) und heißt nunmehr ein Spott, wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott. Kol. 2, 15. 3. In der Gerechten Hütten schallt schon das Siegeslied; du trittst selbst in die Mitten und bringst den Osterfried. 4. Ach teile doch die Beute bei deinen Gliedern aus, wir alle kommen heute deswegen in dein Haus. 5. Laß unser aller Sünden ins Grab verscharret sein und einen Schatz hier finden, der ewig kann erfreun. 6. Wir sind mit dir gestorben, so leben wir mit dir; was uns dein Tod erworben, das stell uns täglich für! 7. Wir wollen hier ganz fröh⸗ lich mit dir zu Grabe gehn, wenn wir nur dorten selig mit dir auch auferstehn. 8. Der Tod kann uns nicht schaden, sein Pfeil ist nunmehr stumpf, wir stehn bei Gott in Gnaden und rufen schon Triumph! Benjamin Schmolck g. 1672 4 1787. 122. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Iween der Jünger gehn mit Sehnen über Feld nach Em⸗ maus; ihre Augen sind voll Trä⸗ nen, ihre Seele voll Verdruß, man hört ihre Klageworte; doch es ist von ihrem Orte unser Jesus gar nicht weit und vertreibt die Traurigkeit. 2. Ach es gehn noch manche Her⸗ zen ihrem stillen Kummer nach, sie 5 , Ln=zͤ 66 bejammern ihre Schmerzen, ihre Not und Ungemach; manches wandert gar alleine, daß es nur zur Gnüge weine; doch mein Jesus ist dabei, fragt, was man so traurig sei. 3. Wenn zwei Seelen sich be⸗ sprechen, so ist er der dritte Mann; er bemerket die Gebrechen, redet, was uns trösten kann. Denn er kann uns nicht versäumen, wie wir glaubenslos oft träumen, er hat alles im Gesicht, seine Treu ver⸗ läßt uns nicht. 4. Jesus ist mir nachgegangen, wenn ich meiner Eitelkeit und der Sünde nachgehangen; o der un⸗ glückselgen Zeit, die man dergestalt verloren! Doch er hat mich neu geboren, Jesus hat an mich gedacht und das Schäflein wieder bracht. 5. Hat sich eine Not gefunden, so ließ er mich nicht allein; Jesus stellt zur rechten Stunden sich mit seinem Beistand ein. Wenn ich mich bei ihm beschwere, gleich als ob er ferne wäre, o so ist er mehr als nah und mit seiner Hülfe da. 6. Treuster Freund von allen Freunden, bleibe ferner noch bei mir! Kommt die Welt, mich anzu⸗ feinden, ach so sei du auch allhier! Will der Teufel mich betrügen, laß in deinem Schutz mich liegen! Komm, in meinem Geist zu ruhn: was du willst, das will ich tun. 7. Bin ich traurig und betrübet, so gib nur in meinen Sinn, daß mich deine Seele liebet, und daß ich der Deine bin. Laß dein Wort mich feste gründen, laß es auch mein Herz entzünden, daß es voller Liebe brennt und dich immer besser kennt. Osterlieder. 8. Tröst auch andre fromme Seelen, wenn sie tief in Kummer stehn; wenn sie in verborgnen Höhlen, Kammern, Feld und Wäldern gehn, ihrem Kummer nachzusinnen, daß sie satt sich weinen können, so sprich ihrer Seele zu: Liebes Kind, was trauerst du? 9. Kannst du bei der Welt nicht weilen, ach so nimm mich auch mit dir, laß mich deine Freuden teilen, sei und bleibe stets bei mir! Bleibe doch in unsrer Mitten, wie dich deine Kinder bitten. Dank sei dir, o lieber Gast, daß du mich getröstet hast. Ludw. Neunherz g. 1053 + 1787. 123. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Aesus lebt, mit ihm auch ich; A Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten aufer⸗ wecken, er verklärt mich in sein Licht: dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt; ihm ist das Reich über alle Welt gegeben, mit ihm werd ich auch zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht: dies ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt; wer nun ver⸗ zagt, lästert ihn und Gottes Ehre; Gnade hat er zugesagt, daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht: dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt; sein Heil ist mein, sein sei auch mein ganzes Leben; reines Herzens will ich sein und den Lüsten widerstreben. Er ver⸗ läßt den Schwachen nicht: dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt; ich bin gewiß, nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Seine Treue wanket nicht: dies ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt; nun ist der Tod mir ein Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot wird es meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Chr. F. Gellert g. 1715 + 1769. 124. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. Hemenin„ jauchzt„ihr Chöre, singt 2Jesu Christo Lob und Ehre! Wie groß, wie heilig ist sein Tag! Er, der Held, zerriß die Banden des Todes und ist auferstanden, er, der für uns im Grabe lag. Sein ist Gewalt und Macht, Preis ihm, er hats vollbracht! Halle⸗ luja! Er hats vollbracht, er, der die Macht des Todes und des Grabes hat. 2. Glorreich hat der Held ge⸗ rungen, hat mächtig Satans Reich bezwungen, von Todesketten uns befreit. Wir von Gott gefallne Sünder sind nun mit ihm ver⸗ söhnt, sind Kinder und Erben seiner Seligkeit. Bald, bald ent⸗ schlafen wir, entschlafen, Christe, dir, ruhn im Frieden die kurze Nacht, bis deine Macht den Tag der Ewigkeiten ruft. Osterlieder. 67 3. Unsern Staub mag Staub bedecken, du wirst ihn herrlich auferwecken, der du des Staubes Schöpfer bist. Du wirst unver⸗ gänglich Leben und Kraft und Herrlichkeit ihm geben, dem Staube, der dir teuer ist. Wir werden ewig dein, gerecht und selig sein, Halleluja! Tod und Gericht erschreckt uns nicht, denn Jesus, unser Mittler, lebt. 4. Tag des Lebens, Tag der Wonne, wie wird uns sein, wenn Gottes Sonne durch unsers Grabes Dunkel bricht! O was werden wir empfinden, wenn Nacht und Finsternis verschwinden, und uns umstrahlt des Himmels Licht! Vollender, führe du uns diesem Tage zu, uns, die Deinen! Die Todesbahn gingst du voran, wir folgen dir in deine Ruh. Gottfr. Bened. Funk g. 1734 1 1814. 125. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht singen. FWennn auferstanden ist der Herr, der uns versöhnt. O wie hat nach Schmerz und Ban⸗ den Gott mit Ehren ihn gekrönt! Dort zu seines Vaters Rechten über Schmach und Tod erhöht herrscht er nun in Majestät. Freut euch seiner, ihr Gerechten, und ihr, seine Feinde, bebt! Halleluja, Jesus lebt! Singt dem Herrn, er ist er⸗ standen, er, der starb auf Golgatha. Rühmt es, rühmts in allen Lan⸗ den: Was sein Wort verhieß, ge⸗ schah. Wer, wer kann ihm wider⸗ streben? Mächtig dringt der Held 5* 68 empor, im Triumph bricht er hervor; und des Abgrunds Pforten beben, da ihr Sieger sich erhebt. Halleluja, Jesus lebt! 3. Uns vom Tode zu befreien, sank er in des Gzabes Nacht; uns zum Leben einzuweihen, stand er auf durch Gottes Macht. Tod, durch ihn bist du bezwungen, deine Schrecken sind zerstreut, von der Furcht sind wir befreit, uns ist Leben neu errungen; jauchzt ihr, die man einst begräbt, jauchzt dem Höchsten, Jesus lebt! 4. Aus dem Grab uns zu er⸗ heben, ging er zu dem Vater hin. Laßt uns ihm zur Ehre leben, dann ist Sterben uns Gewinn. Haltet unter Lust und Leiden im Gedächtnis Jesum Christ, der vom Tod erstanden ist. Unvergänglich sind die Freuden des, der nach dem Himmel strebt. Singet, prei⸗ set, Jesus lebt! 5. Freut euch seiner, Gottes Kinder, er sei euer Lobgesang! Bringt dem Todesüberwinder ewig Ehre, Lob und Dank! Rühmts in der Versuchung Stunden, wenn euch Sünd und Elend droht, rühmts in eurer Todesnot: Unser Herr hat überwunden! und wenn er euch zu sich hebt, dann rühmts ewig: Jesus lebt! Joh. Casp. Lavater g. 1741 4 1801. Osterlieder. 126. Mel. Nun danket all und bringet Ehr. sag es jedem, daß Er lebr Aund auferstanden ist, daß Er in unsrer Mitte schwebt und ewig bei uns ist. 2. Ich sag es jedem, jeder sagt es seinen Freunden gleich, daß bald an allen Orten tagt das neue Himmelreich. 3. Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn erst wie ein Vater⸗ land, ein neues Leben nimmt man hin entzückt aus seiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Meer versank des Todes Graun, und jeder kann nun leicht und hehr in seine Zukunft schaun. 5. Der dunkle Weg, den er betrat, geht in den Himmel aus, und wer nur hört auf seinen Rat, kommt auch ins Vaterhaus. 6. Nun weine keiner mehr allhie, wenn eins die Augen schließt; vom Wiedersehn, spät oder früh, wird dieser Schmerz versüßt. 7. Es kann zu jeder guten Tat ein jeder frischer glühn, denn herrlich wird ihm diese Saat in schönern Fluren blühn. 8. Er lebt und wird nun bei uns sein, wenn alles uns ver⸗ läßt, und so soll dieser Tag uns sein ein Weltverjüngungsfest. Friedr. v. Hardenberg g. 1772 4 1801. * 127. Eigene Melodie. hrist fuhr gen Himmel. Was sandt er uns hernieder? Den Tröster, den heiligen Geist, zu Trost der armen Christenheit. Halleluja! Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des sollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! Aus dem 15.(2) Jahrhundert. 128. Eigene Melodie, oder ohne Halleluja Nun freut euch, liebe Christen g'mein. R diesen Tag bedenken wir, daß Christ gen Himm'l ge⸗ fahren, und danken Gott aus höchster B'gier, mit Bitt, er woll bewahren uns arme Sünder hie auf Erd, die wir von wegen mancher G'fährd ohn ihn kein Hoffnung haben. Halleluja, Halleluja! 2. Drum sei Gott Lob, der Weg ist g'macht, uns steht der Himmel offen, Christus schließt auf mit großer Pracht, vorhin war alls verschlossen. Wers glaubt, des Herz ist freudenvoll, dabei er sich doch rüsten soll, dem Herren nachzufolgen. Halleluja, Halleluja! 3. Wer nicht folgt und sein Willen tut, dem ists nicht Ernst zum Herren; denn der wird auch vor Fleisch und Blut sein Him⸗ melreich versperren. Am Glau⸗ ben liegts, wird der sein recht, wird auch gewiß das Leben recht VIII. Himmelfahrtslieder. zu Gott im Himmel Halleluja, Halleluja! 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, wenn wir den Vater finden und fliehen stets die welt⸗ lich Bahn, tun uns zu Gottes Kindern; die sehn hinauf, der Vater h'rab, an Treu und Lieb geht ihn'n nichts ab, bis sie zusammen kommen. Halleluja, Halleluja! 5. Dann wird der Tag erst freudenreich, wenn uns Gott zu ihm nehmen und seinem Sohn wird machen gleich, wie wir denn jetzt bekennen. Da wird sich finden Freud und Mut zu ewger Zeit beim höchsten Gut. Gott woll, daß wirs erleben! Halleluja, Halleluja! Johann Zwick g. um 1496 1 1542. 129. Eigene Melodie. Hen Himmel aufgefahren ist, Halleluja, der König der Ehren, Jesus Christ. Halleluja! 2. Er sitzt zu Gottes rechter Hand, Halleluja, herrscht über Himm'l und alle Land. Halleluja! 3. Nun ist erfüllt, was g'schrie⸗ ben ist, Halleluja, in Psalmen von dem Herren Christ. Halleluja! 4. Nun sitzt beim Herren Da⸗ vids Herr, Halleluja, wie zu ihm g'sprochen hat der Herr. Halleluja! 5. Drum jauchzen wir mit großem Schalln, Halleluja, dem Herren Christ zum Wohlgefalln. Halleluja! g'richtet. 6. Der heilgen Dreieinigkeit, Halleluja, sei Lob und Preis in Ewigkeit! Halleluja! 1609. Nach dem Lateinischen Coelos ascendit hodie. 130. Mel. Ermuntre dich, mein schwacher Geist. Herr Jesu, zieh uns für und für, 2 daß wir mit den Gemütern nur oben wohnen stets bei dir, in deinen Himmelsgütern; laß unsern Sitz und Wandel sein, wo Fried und Wahrheit gehn herein; laß uns in deinem Wesen, das himmlisch ist, genesen. 2. Hilf, daß wir suchen unsern Schatz nicht hier in diesem Leben, hingegen dort, wo du den Platz wirst Gottes Kindern geben; ach laß uns streben fest und wohl nach dem, was künftig werden soll, so können wir ergründen, wo dein Gezelt zu finden. 3. Zieh uns dir nach, so lau⸗ fen wir, gib uns des Glaubens Flügel: hilf, daß wir fliehen weit von hier auf Zions Freudenhügel! Mein Gott, wann fahr ich doch dahin, wo ich ohn Ende fröhlich bin? Wann werd ich vor dir stehen, dein Angesicht zu sehen? 4. Wann soll ich hin ins Para⸗ dies zu dir, Herr Jesu, kommen? wann kost ich Engelfreude süß? wann werd ich aufgenommen? Mein Heiland, komm und nimm mich an, auf daß ich fröhlich jauchzen kann und klopfen in die Hände: Gelobt sei Gott ohn Ende! Johann Rist g. 1607 + 1667. Himmelfahrtslieder. Chin, da ist auch stets mein Herz 131. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. Mein Heiland sitzet droben zu Gott des Vaters rechter Hand, woselbst ihn herrlich loben der Engel Chor; in solchem Stand ist unser Fleisch zu finden; o welch ein Ruhm und Ehr! Es müsse nun verschwinden, was uns be⸗ trübt so sehr; denn unser Haupt regieret in großer Herrlichkeit, wohin er uns auch führet nach unsrer Wallfahrtszeit. 2. Lob sei dir, Herr, gesungen, daß du dich aus selbsteigner Macht gen Himmel hast geschwungen und den Triumph davon gebracht, daß du hast aufgeschlossen des Him⸗ mels güldne Tür und uns zu Reichsgenossen verordnet für und für. Ach laß es uns gelingen, den lieben Engeln gleich ein Loblied dir zu singen in deines Vaters Reich! Johann Rist g. 1607 1667 132. Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. Af Christi Himmelfahrt allein ich meine Nachfahrt gründe und allen Zweifel, Angst und Pein hiermit stets überwinde; denn weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmelan und große Gab empfangen, mein Herz auch nur im Himmel kann, sonst nirgends, Ruh erlangen; denn wo mein Schatz gekommen und Sinn, nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach Herr, laß diese Gnade mich von deiner Auffahrt spüren, daß mit dem wahren Glauben ich mag meine Nachfahrt zieren und dann einmal, wenns dir ge⸗ fällt, mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre doch mein Flehen! Nach Josua Wegelin g. 1004 + 1640. 133. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. wundergroßer Siegesheld, du 9 Sündenträger aller Welt, heut hast du dich gesetzet zur Rechten von des Vaters Kraft, der Feinde Schar gebracht zur Haft, bis auf den Tod verletzet; mächtig, präch— tig triumphierest, jubilierest; Tod und Leben, dir ist alles untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, viel tausend hohe Seraphim dich großen Siegsmann loben, weil du den Segen wiederbracht, mit Majestät und großer Macht zur Glorie bist erhoben. Singet, klin⸗ get, rühmt und ehret den, so fähret auf gen Himmel mit Po⸗ saunen und Getümmel. 3. Du bist das Haupt, hingegen wir sind Glieder, ja es kommt von dir auf uns Licht, Trost und Leben; Heil, Fried und Freude, Stärk und Kraft, Erquickung, Labsal, Herzenssaft wird uns von dir gegeben; bringe, zwinge mein Gemüte, mein Geblüte, daß es preise, dir als Siegsherrn Ehr erweise. 4. Zeuch, Jesus, uns, zeuch uns nach dir, hilf, daß wir forthin für Himmelfahrtslieder. 71 und für nach deinem Reiche trach⸗ ten. Laß unser Tun und Wandel sein, wo Zucht und Demut tritt herein, all üppigkeit verachten. Unart, Hoffart laß uns meiden, christlich leiden, wohl ergründen, wo die Gnade sei zu finden. 5. Sei, Jesus, unser Schutz und Schatz, sei unser Ruhm und fester Platz, darauf wir uns ver⸗ lassen; laß suchen uns, was droben ist; auf Erden wohnet Trug und List, es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Pla⸗ gen, die da nagen, die da quälen stündlich arme Christenseelen. 6. Herr Jesu, komm, du Gna⸗ denthron, du Siegesfürst, Held, Davids Sohn, komm, stille das Verlangen! Du, du bist allen uns zu gut, o Jesu, durch deir teures Blut ins Heiligtum ge⸗ gangen. Komm schier, hilf mir! Dann so sollen, dann so wollen wir ohn Ende fröhlich klopfen in die Hände. Ernst Christ. Homburg g. 1605 4 1681. 134. Mel. Ach Gott und Herr. Peuch uns nach dir, so kommen wir mit herzlichem Verlangen hin, da du bist, Herr Jesu Christ, aus dieser Welt gegangen. 2. Zeuch uns nach dir, Herr Christ, und führ uns deine Him⸗ melsstege! Wir irrn sonst leicht, sind abgeneigt vom rechten Lebens⸗ wege. 3. Zeuch uns nach dir, so folgen wir dir nach in deinen Himmel, daß uns nicht mehr allhier be⸗ schwer das böse Weltgetümmel. 72 Pfingstlieder. 4. Zeuch uns nach dir nur für und für und gib, daß wir nach⸗ fahren dir in dein Reich, und mach uns gleich den auserwählten Scharen! Friedr. Funcke g. 1642 4 1699. 135. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Mel. 1. Siegesfürste, Ehrenkönig, höchst⸗ verklärte Majestät, alle Him⸗ mel sind zu wenig, du bist drüber hoch erhöht; sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, und mein Herz vor Freude wallen, wenn mein Glau⸗ bensaug betracht deine Glorie, deine Macht? 2. Seh ich dich gen Himmel fahren, seh ich dich zur Rechten da, seh ich, wie der Engel Scharen alle rufen Gloria, sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, und mein Herz vor Freude wallen, da der Himmel jubiliert, weil mein König triumphiert? 3. Weit und breit, du Him⸗ melssonne, deine Klarheit sich er⸗ geußt und mit neuem Glanz und Wonne alle Himmelsgeister speist; prächtig wirst du eingenommen, freudig heißt man dich willkommen; schau, ich armes Kindlein hier schrei auch Hosianna dir. 4. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, da ich deine Glorie seh? Sollt mein Mut noch wollen sin⸗ ken, da ich deine Macht versteh? Meinem König will ich trauen, nicht vor Welt noch Teufel grauen, nur in Jesu Namen mich beugen hier und ewiglich. 5. Geist und Kraft nun über⸗ fließen; drum wirk in mir kräf⸗ tiglich, bis zum Schemel deiner Füßen alle Feinde legen sich. Aus Zion den Zepter sende, weit und breit bis zur Welt Ende, mache dir auf Erden Bahn, alle Herzen untertan! 6. Du kannst alles aller Orten nun erfülln und nahe sein; mei⸗ nes armen Herzens Pforten stell ich offen, komm herein! Komm, du König aller Ehren, du mußt auch bei mir einkehren; ewig in mir leb und wohn als in deinem Himmelsthron! Gerh. Terstegen g. 1697 + 1769. IX. Pfingstlieder. 136. Fomm, heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünd in ihnen das Feuer deiner Einigkeit des Glaubens. Halleluja, Halleluja! Altkirchlich. Eigene Melodie. göttlichen Liebe, der du durch Man⸗ KRemm, o Gott Schöpfer, heilger nigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt hast in Geist, besuch das Herz der Menschen dein, mit Gnade sie füll, wie du weißt, daß dein Geschöpf soll vor dir sein. 2. Denn du der Tröster bist genannt, des Allerhöchsten Gabe teur, ein geistlich Salb an uns gewandt, des Lebens Brunnen, Lieb und Feur. 3. Zünd uns ein Licht an im Verstand, gib uns ins Herz der Liebe Brunst, des Fleisches Schwach⸗ heit, dir bekannt, stärk allzeit durch dein Kraft und Gunst! 4. Du bist mit Gaben man⸗ nigfalt der Finger Gottes rechter Hand, des Vaters Zusag mit Gewalt durch alle Land. 5. Des Feindes List treib von uns fern, den Frieden gib durch deine Gnad, daß, wie du führst, wir folgen gern und meiden, was der Seele schadt. 6. Den Vater uns wohl kennen lehr und Jesum Christum, seinen Sohn, daß wir auch geben gleiche Ehr dir, beider Geist, in Einem Thron. 7. Gott unser Vater, sei allzeit aus Herzensgrund von uns ge⸗ preist, Lob sei, Herr Jesu, dir bereit mit Gott dem werten heil⸗ gen Geist! Martin Luther g. 1488 4 1546. 138. Eigene Melodie. Bomm, heiliger Geist, Herre X Gott, erfüll mit deiner Gnade Gut deiner Gläubgen Herz, Mut und Sinn, dein brünstig Lieb entzünd in ihn'n! O Herr, durch deines Lichtes Glanz zu dem Zungen geht in getrost in dein'm Dienst beständig Pfingstlieder. 73 Glauben versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen; das sei dir, Herr, zu Lob gesungen. Hal⸗ leluja, Halleluja! 2. Du heiliges Licht, edler Hort, laß uns leuchten des Lebens Wort und lehr uns, Gott recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen! O Herr, behüt vor frem⸗ der Lehr, daß wir nicht Meister suchen mehr denn Jesum Christ mit rechtem Glauben und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Hal⸗ leluja, Halleluja! 3. Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns fröhlich und bleiben, die Trübsal uns nicht abtreiben! O Herr, durch dein Kraft uns bereit und stärk des Fleisches Blödigkeit, daß wir hie ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen. Halleluja, Halleluja! Martin Luther g. 1483 + 1546. 139. Eigene Melodie. Nin bitten wir den heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unserm Ende, wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Kyrieleis! 2. Du wertes Licht, gib uns deinen Schein, lehr uns Jesum Christ kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis! 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, laß uns empfinden der Liebe Brunst, daß wir uns von Herzen einander lieben und 74 Pfingstlieder. im Friede auf Einem Sinn blei⸗ ben. Kyrieleis! 4. Du höchster Tröster in aller Not, hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, daß in uns die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind wird das Leben ver⸗ klagen. Kyrieleis! Martin Luther g. 1483 4 1546. 140. Mel. Aus meines Herzens Grunde. reut euch, ihr Christen alle, WGott schenkt uns seinen Sohn; lobt ihn mit großem Schalle, er schickk vom Himmelsthron uns seinen werten Geist, der uns durchs Wort recht lehret, des Glaubens Licht vermehret und uns auf Christum weist. 2. Es lässet offenbaren Gott, unser höchster Hort, uns, die wir unweis waren, sein himmlisch Gnadenwort. Wie groß ist seine Güt! Nun können wir ihn kennen und unsern Vater nennen, der uns allzeit behüt. 3. Verleih, daß wir dich lieben, o Gott von großer Huld, durch Sünd dich nicht betrüben, vergib uns unsre Schuld, führ uns auf ebner Bahn, hilf, daß wir dein Wort hören und tun nach deinen Lehren. Das ist recht wohl getan. 4. Von oben her uns sende den Geist, den edlen Gast, der stärket uns behende, wenn uns drückt Kreuzeslast; tröst uns in Todespein, mach auf die Him⸗ melstüre, uns mit einander führe zu deinem Freudenschein! Georg Werner g. 1589 4 1643. 141. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. ◻ heilger Geist, kehr bei uns ein und laß uns deine Woh⸗ nung sein, o komm, du Herzens⸗ sonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein bei uns und in uns kräftig sein zu steter Freud und Wonne! Sonne, Wonne, himmlisch Leben willst du geben, wenn wir beten; zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, draus alle Weis⸗ heit fließt, die sich in fromme Seelen gießt, laß deinen Trost uns hören, daß wir in Glaubens⸗ einigkeit auch können aller Christen⸗ heit dein wahres Zeugnis lehren. Höre, lehre, daß wir können Herz und Sinnen dir ergeben, dir zu Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rat und führ uns selbst den rechten Pfad, die wir den Weg nicht wissen. Gib uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, wenn wir uns leiden müssen. Schaue, baue was zerrissen und geflissen, dich zu schauen und auf deinen Trost zu bauen. 4. Laß uns dein edle Balsam⸗ kraft empfinden und zur Ritter⸗ schaft dadurch gestärket werden, auf daß wir unter deinem Schutz be⸗ gegnen aller Feinde Trutz mit freudigen Geberden. Laß dich reichlich auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinden, alles Unglück überwinden. 5. O starker Fels und Lebens⸗ hort, laß uns dein himmelsüßes Wort in unsern Herzen brennen, daß wir uns mögen nimmermehr von deiner weisheitreichen Lehr und reinen Liebe trennen. Fließe, gieße deine Güte ins Gemüte, daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 6. Du süßer Himmelstau, laß dich in unsre Herzen kräftiglich und schenk uns deine Liebe, daß unser Sinn verbunden sei dem Nächsten stets mit Liebestreu und sich darinnen übe; kein Neid, kein Streit dich betrübe, Fried und Liebe müssen schweben, Fried und Freude wirst du geben. 7. Gib, daß in reiner Heilig⸗ keit wir führen unsre Lebenszeit, sei unsers Geistes Stärke, daß uns forthin sei unbewußt die Eitelkeit, des Fleisches Lust und seine toten Werke. Rühre, führe unser Sinnen und Beginnen von der Erden, daß wir Himmels⸗ erben werden. Mich. Schirmer g. 1606 4 1673. 142. Eigene Melodie, oder Aus meines Herzens Grunde. Zeuch ein zu deinen Toren, sei meines Herzens Gast, der du, da ich geboren, mich neu geboren hast, o hochgeliebter Geist des Vaters und des Sohnes, mit beiden gleiches Thrones, mit bei⸗ den gleich gepreist! 2. Zeuch ein, laß mich empfin⸗ den und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hülf und Errettung schafft. Ent⸗ sundge meinen Sinn, daß ich mit Pfingstlieder. 75 reinem Geiste dir Ehr und Dienste leiste, die ich dir schuldig bin. 3. Ich war ein wilder Reben, du hast mich gut gemacht; der Tod durchdrang mein Leben, du hast ihn umgebracht und in der Tauf erstickt als wie in einer Flute mit dessen Tod und Blute, der uns im Tod erquickt. 4. Du bist das heilge Ole, da⸗ durch gesalbet ist mein Leib und meine Seele dem Herren Jesu Christ zum wahren Eigentum, zum Priester und Propheten, zum König, den in Nöten Gott schützt vom Heiligtum. 5. Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll; dein Beten wird erhöret, dein Singen klinget wohl, es steigt zum Him⸗ mel an, es steigt und läßt nicht abe, bis der geholfen habe, der allen helfen kann. 6. Du bist ein Geist der Freu⸗ den, von Trauren hältst du nichts, erleuchtest uns in Leiden mit dei⸗ nes Trostes Licht. Ach ja, wie manches mal hast du mit süßen Worten mir aufgetan die Pforten zum güldnen Freudensaal. 7. Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freund⸗ lichkeit, willst nicht, daß uns be⸗ trübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feindschaft bist du feind, willst, daß durch Liebesflammen sich wieder tun zusammen, die voller Zwietracht seind. 8. Du, Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt, kannst Menschenherzen wenden, wie dir es wohlgefällt; so gib doch 76 Pfingstlieder. deine Gnad zum Fried und Liebes⸗ banden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet hat. 9. Erfülle die Gemüter mit reiner Glaubenszier, die Häuser und die Güter mit Segen für und für! Vertreib den bösen Geist, der dir sich widersetzet und, was dein Herz ergetzet, aus unserm Herzen reißt. 10. Gib Freudigkeit und Stärke, zu stehen in dem Streit, den Satans Reich und Werke uns täglich anerbeut. Hilf kämpfen ritterlich, damit wir überwinden, und ja zum Dienst der Sünden kein Christ ergebe sich. 11. Richt unser ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn wirs sollen geben ins Todes Rachen hin, wenns mit uns hie wird aus, so hilf uns fröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ewgen Lebens Haus! Paul Gerhardt g. 1607 + 1676. 1⁴3. Eigene Melodie, oder Gott des Himmels und der Erden. Kenm⸗ o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit, so wird Geist und Licht und Schein in dem dunkeln Herzen sein. 2. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, daß wir andres nichts beginnen, als nur was dein Wille sucht; dein Erkenntnis werde groß und mach uns vom Irrtum los! 3. Zeige, Herr, die Wohlfahrts⸗ stege! Das, was wider dich ge— tan, räume ferner aus dem Wege, schlecht und recht sei um und an; wirke Reu an Sünde Statt, wenn der Fuß gestrauchelt hat. 4. Laß uns stets dein Zeugnis fühlen, daß wir Gottes Kinder sind, die auf ihn alleine zielen, wenn sich Not und Drangsal findt. Denn des Vaters liebe Rut ist uns allewege gut. 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten frei mit aller Freudigkeit, seufz auch in uns, wenn wir beten, und vertritt uns allezeit, so wird unsre Bitt erhört und die Zuver⸗ sicht vermehrt. 6. Wird uns auch nach Troste bange, daß das Herz oft rufen muß: Ach mein Gott, mein Gott, wie lange? ei, so mach uns den Beschluß, sprich der Seele tröstlich zu und gib Mut, Geduld und Ruh! 7. O du Geist der Kraft und Stärke, du gewisser, neuer Geist, fördre in uns deine Werke, wenn des Satans Macht sich weist; schenk uns Waffen in den Krieg und erhalt in uns den Sieg! 8. Herr, bewahr auch unsern Glauben, daß kein Teufel, Tod noch Spott uns denselben möge rauben; du bist unser Schutz und Gott. Sagt das Fleisch gleich immer nein, laß dein Wort ge⸗ wisser sein! 9. Wenn wir endlich sollen sterben, so versichre uns je mehr, als des Himmelreiches Erben, jener Herrlichkeit und Ehr, die uns unser Gott erkiest und nicht aus⸗ zusprechen ist. Henrich Held um 1650. 144. Mel. Jesu, meine Freude. Hmitt das Fest mit Maien), lasset Blumen streuen, zündet Opfer an! Denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen; machet ihm die Bahn, nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen. Pf. 118, 27. 2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rat und Tat, starker Gottesfinger, Frie⸗ densüberbringer, Licht auf unserm Pfad, gib uns Kraft und Lebens⸗ saft, laß uns deine teuren Gaben zur Genüge laben! 3. Laß die Zungen brennen, wenn wir Jesum nennen; führ den Geist empor, gib uns Kraft zu beten und vor Gott zu treten, sprich du selbst uns vor, gib uns Mut, du höchstes Gut, tröst uns kräftiglich von oben bei der Feinde Toben! 4. Güldner Himmelsregen, schütte deinen Segen auf das Kirchenfeld, lasse Ströme fließen, die das Land begießen, wo dein Wort hinfällt, und verleih, daß es gedeih, hun⸗ dertfältig Früchte bringe, es ihm stets gelinge. 5. Schlage deine Flammen über uns zusammen, wahre Liebesglut, laß dein sanftes Wehen auch bei uns geschehen, dämpfe Fleisch und Blut, laß uns doch das Sünden⸗ joch nicht mehr wie vor diesem ziehen und das Böse fliehen! 6. Gib zu allen Dingen Wol⸗ len und Vollbringen, führ uns ein und aus, wohn in unsrer Pfingstlieder. 77 Seele, und des Herzens Höhle sei dein eigen Haus! Wertes Pfand, mach uns bekannt, wie wir Jesum recht erkennen und Gott Vater nennen. 7. Mach das Kreuze süße, und durch Finsternisse sei du unser Licht, trag nach Zions Hügeln uns mit Glaubensflügeln und verlaß uns nicht, wenn der Tod, die letzte Not, mit uns will zu Felde liegen, daß wir fröhlich siegen. 8. Laß uns hier indessen nim⸗ mermehr vergessen, daß wir Gott verwandt. Dem laß uns stets dienen und im Guten grünen als ein fruchtbar Land, bis wir dort, du werter Hort, bei den grünen Himmelsmaien ewig uns erfreuen. Benjamin Schmolck g. 1672 + 1737. 145⁵. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. nm, Gottes Geist, komm, * höchster Gast, Herr, den der Himmel nicht umfaßt, noch dieser Kreis der Erde! Komm, offen⸗ bare dich auch mir, Gott heilger Geist, daß ich in dir Ein Geist mit Christo werde. Leite heute Geist und Sinnen, mein Beginnen und mein Leben, deiner Liebe nachzustreben. 2. Komm, teures Gut, komm, höchster Schatz, komm in mein Herz und mache Platz, dich gläu⸗ big einzunehmen. Ich glaube fest, mein Heil und Licht, du teurer Tröster wirst dich nicht der armen Hütte schämen. Eile, heile Herz und Seele mit dem Ole deiner Gnaden, mache gut den Sünden⸗ schaden! 3. Entzünd in mir die Liebes⸗ glut und mache brünstig Geist und Mut, du Flamme reiner Liebe! Laß mich mit dir ver⸗ siegelt sein, damit in Not und Todespein ich steten Glauben übe. Rühre, führe mein Gemüte, Got⸗ tes Güte zu erkennen, Christum meinen Herrn zu nennen. 4. Erquicke mich, du sanfter Wind, du Brunn, wo Lebens⸗ wasser rinnt, du süße Freuden⸗ quelle, die allen Durst der Seele stillt und aus der Gottheit Tiefe quillt ganz rein und ewig helle. Fließe, gieße deine Gaben, mich zu laben, wenn ich sitze in der Angst und Seelenhitze. 5. Sei meiner Ohnmacht Kraft und Macht, mein helles Licht in dunkler Nacht, mein Weg, wenn ich verführet, mein Lehrer in Un⸗ wissenheit, mein starker Beistand in dem Streit, bis mich die Krone zieret. Schütze, stütze, Herr, mich Schwachen, stark zu machen meinen Glauben, laß mir nichts die Krone rauben! 6. Hilf mir in meiner letzten Not, versüße mir den bittern Tod! Wenn Herz und Augen brechen, so sei du meines Lebens Licht, laß, wenn die Zunge nichts mehr spricht, dein Seufzen für mich sprechen! Laß mich endlich selig scheiden zu den Freuden aller Frommen! Ach wann werd ich dahin kommen! Joh. Ernst Wenigk g. 1701 1 1745. Pfingstlieder. 146. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Heis vom Vater und vom Sohne, der du unser Tröster bist und von unsers Gottes Throne hülf⸗ reich auf uns Schwache siehst, stehe du mir mächtig bei, daß ich Gott ergeben sei, daß mein ganzes Herz auf Erden mög ein Tempel Gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner Wege deine Weisheit mit mir sein und, daß ich nicht irren möge, deine Wahrheit mich erfreun! Suchen laß mich in der Welt nichts, als was dir wohlgefällt: lehrst du mich, was recht ist wählen, werd ich nie mein Heil verfehlen. 3. Hilf, daß ich, von dir ge⸗ trieben, meinem Gott und Vater treu, ihn mög über alles lieben, und mir nichts so wichtig sei, als mich seiner Huld zu freun und drum Sünden stets zu scheun, seinen Namen zu erhöhen, seine Wege gern zu gehen. 4. Stärke mich, wenn zu der Sünde mein Gemüt versuchet wird, daß sie mich nicht überwinde. Hab ich irgend mich verirrt, o so stärke selbst mein Herz, daß ich unter Reu und Schmerz mich vor Gott demütig beuge, meinen Sinn zur Beßrung neige. 5. Fehlt mir Kraft zu guten Werken, treibe zum Gebet mich an, das zur Tugend Schwache stärken, Träge neu beseelen kann. Laß mich aber mein Vertraun nie auf meine Tugend baun, nie der Taten Lohn verlangen, was Gott gibt, als Gnad empfangen. Pfingstlieder. 79 6. Steh in allen meinen Leiden mir mit deinem Troste bei, daß ich auch alsdann mit Freuden deiner Führung folgsam sei. Still im Sterben Angst und Schmerz, daß noch da mein brechend Herz deines Trostes Kraft empfinde, männlich kämpf und überwinde. Hannov. Gsb. nach G. Hoffmann und S. Diterich. 147. Mel. Jesu, Trost der armen Seelen. Hbser Tröster, komm hernieder, 9 Geist des Herrn, sei nicht fern, salbe Jesu Glieder! Er, der nie sein Wort gebrochen, Jesus hat deinen Rat seinem Volk ver⸗ sprochen. 2. Schöpfer unsers neuen Le⸗ bens, jeder Schritt, jeder Tritt ist ohn dich vergebens. Ach das Seelenwerk ist wichtig: wer ist wohl, wie er soll, treu zu han⸗ deln tüchtig? 3. Herr, wir fallen dir zu Fuße. Eins ist not für den Tod: Buße, wahre Buße. Zeig uns selbst den Greul der Sünde, daß das Herz Angst und Schmerz, Reu und Scham empfinde. 4. Zeig uns des Erlösers Wun⸗ den, ruf uns zu: Ihr habt Ruh, ihr habt Heil gefunden; eure Sünd ist schon gerochen, Jesu Blut machet gut, was die Welt verbrochen. 5. Weck uns auf vom Sünden⸗ schlafe, rette doch heute noch die verlornen Schafe, reiß die Welt aus dem Verderben, laß sie nicht im Gericht der Verstockung sterben! 6. Geist der Weisheit, gib uns allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott gefallen. Lehr uns, recht vor Gott zu treten, sei uns nah und sprich Ja, wenn wir gläubig beten. 7. Hilf den Kampf des Glau⸗ bens kämpfen, gib uns Mut, Fleisch und Blut, Sünd und Welt zu dämpfen. Laß uns Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Not, Schmerz und Tod nicht von Jesu scheiden! 8. Hilf uns nach dem Besten“) streben, schenk uns Kraft, tugend⸗ haft und gerecht zu leben. Gib, daß wir nie stille stehen, treib uns an, froh die Bahn deines Worts zu gehen.) 1. Kor. 12, 31. 9. Sei bei Schwachheit unsre Stütze, steh uns bei, mach uns treu in der Prüfungshitze! Führ, wenn Gott uns nach dem Leide sterben heißt, unsern Geist freudig in die Freude! Ehrenfr. Liebich g. 1713 1 1780, 1⁴8. Eigene Melodie. der Vater, wohn uns bei und laß uns nicht verderben, mach uns aller Sünden frei und hilf uns selig sterben! Vor dem Teufel uns bewahr, halt uns bei festem Glauben und auf dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, dir uns lassen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehn des Teufels Listen, mit Waffen Gotts uns fristen! Amen, Amen, das sei wahr, so singen wir Halleluja! 2. Jesus Christus, wohn uns bei und laß uns nicht verderben, u, s. w. 3. Heiliger Geist, wohn uns bei und laß uns nicht verderben, u. s. w. Martin Luther g. 1483 + 1546. 149. Eigene Melodie. Gllein Gott in der Höh sei Ehr Vund Dank für seine Gnade, darum daß nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlaß, all Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preisn, anbeten dich für deine Ehr, wir danken, daß du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessn ist deine Macht, fort g'schieht, was dein Will hat be⸗ dacht: wohl uns des feinen Herren! X. Trinitatislieder. 3. O Jesu Christ, Sohn ein⸗ geborn deines himmlischen Vaters, Versöhner der, die warn verlorn, du Stiller unsers Haders, Lamm Gottes, heilger Herr und Gott, nimm an die Bitt von unsrer Not, erbarm dich unser aller! 4. O heilger Geist, du größtes Gut, du all'rheilsamster Tröster, vors Teufels G'walt fortan be⸗ hüt, die Jesus Christ erlöset durch große Mart'r und bittern Tod, abwend all unsern Jamm'r und Not! Dazu wir uns verlassen. N. Decius 1 1541.(Gloria in excelsis) 150. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend Lei Lob, Ehr, Preis und Herr⸗ lichkeit dem Vat'r in alle Ewigkeit, der alle Ding erschaffen hat und sie erhält durch seine Gnad. 2. Ehr sei auch seinem lieben Sohn, der alles Gute uns ge⸗ tan, der an dem Kreuze für uns starb und so den Himmel uns erwarb. 3. Ehr sei auch Gott dem heil⸗ gen Geist, der uns durch sein Gnad allermeist die Wahrheit machen woll bekannt und uns eröffnen den Verstand. 4. O heilige Dreifaltigkeit, o wahre einige Gottheit, erhör uns aus Barmherzigkeit und führ uns zu der Seligkeit! 1566• Trinitatislieder. 151. Mel. Christ unser Herr zum Jordan kam. Wos alle Weisheit in der Welt bei uns hier kaum kann lallen, das läßt Gott aus dem Himmels⸗ zelt in alle Welt erschallen, daß er alleine König sei, hoch über alle Götter, groß, mächtig, freund⸗ lich, fromm und treu, der From⸗ men Schutz und Retter, Ein Wesen, drei Personen. 2. Gott Vater, Sohn und heil⸗ ger Geist heißt sein hochheilger Name; so kennt, so nennt, so rühmt und preist ihn der gerechte Same, Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, den er liebet, Herr Zebaoth, der Nacht und Tag uns alle Gaben gibet und Wunder tut alleine. 3. Der Vater hat von Ewig⸗ keit den Sohn, sein Bild, er⸗ zeuget; der Sohn hat in der Füll der Zeit im Fleische sich gezeiget; der Geist geht ohne Zeit herfür vom Vater und vom Sohne, mit beiden gleicher Ehr und Zier, gleich ewig, gleicher Krone und ungeteilter Stärke. 4. Sieh hier, mein Herz, das ist dein Gut, dein Schatz, dem keiner gleichet; das ist dein Freund, der alles tut, was dir zum Heil gereichet, der dich gebaut nach seinem Bild, für deine Schuld gebüßet, der dich mit wahrem Glauben füllt und all dein Kreuz durchsüßet mit seinen heilgen Worten. 5. Erhebe dich, steig zu ihm zu und lern ihn recht erkennen! Denn solch Erkenntnis bringt dir 0⁰ 1 Ruh und macht die Seele brennen in reiner Liebe, die uns nährt zum ewgen Freudenleben, da, was all⸗ hier kein Ohr gehört,“) Gott wird zu schauen geben den Augen seiner Kinder.„) 1. Kor. 2, 9. 6. Weh aber dem verstockten Heer, das sich hie selbst verblendet, Gott von sich stößt und seine Ehr auf Kreaturen wendet! Dem wird gewiß des Himmels Tür einmal verschlossen bleiben; denn wer Gott von sich treibt allhier, den wird er dort auch treiben von seinem heilgen Throne. 7. Ei nun, so gib, du großer Held, Gott Himmels und der Erden, daß alle Menschen in der Welt zu dir bekehret werden. Er⸗ leuchte, was verblendet geht, bring wieder, was verirret, reiß aus, was uns im Wege steht und freventlich verwirret die Schwachen in dem Glauben. 8. Auf daß wir also allzugleich zur Himmelspforte dringen und dermaleins in deinem Reich ohn alles Ende singen, daß du alleine König seist, hoch über alle Götter, Gott Vater, Sohn und heilger Geist, der Frommen Schutz und Retter, Ein Wesen, drei Personen. Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. 152. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. Henelaia: Lob, Preis und Ehr sei unserm Gott je mehr und mehr für alle seine Werke! Von Ewigkeit zu Ewigkeit sei in uns allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke. Klinget, singet: Heilig, heilig, hoch und herrlich, 6 82 Trinitatislieder. heilig ist Gott, unser Gott, der Herr Zebaoth! 2. Halleluja! Preis, Ehr und Macht sei auch dem Gotteslamm gebracht, in dem wir sind er⸗ wählet; der uns mit seinem Blut erkauft, damit besprenget und ge⸗ tauft und sich mit uns vermählet. Heilig, selig ist die Freundschaft und Gemeinschaft, die wir haben und darinnen uns erlaben. 3. Halleluja! Gott heilger Geist sei ewiglich von uns gepreist, durch den wir neu geboren, der uns mit Glauben ausgeziert, dem Bräuti⸗ gam uns zugeführt, den Hochzeit⸗ tag erkoren. Heil uns, Heil uns, da ist Freude, da ist Weide, da ist Manna und ein ewig Hosianna. 4. Halleluja! Lob, Preis und Ehr sei unserm Gott je mehr und mehr und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmels⸗ schar und singet nun und immer⸗ dar mit Freuden: Amen, Amen! Klinget, singet: Heilig, heilig, hoch und herrlich, heilig ist Gott, unser Gott, der Herr Zebaoth! Nach Rinkart. 1698. * 1⁵²„ Mel. Es wolle Gott uns gnädig sein. JGott, wir ehren deine Macht und Gnade zu uns Armen, nach welcher du uns wert geacht, dich unser zu erbarmen. Wir sind voll Sünde, du voll Gnad, wir tot, du bist das Leben und hast nach deinem Gnadenrat dich uns zu eigen geben, o Abgrund aller Liebe! 2. Wir beten dich als Vater an, du liebest uns als Kinder; so hast du dich ja kund getan, zum Trost der armen Sünder. Dein Zorn weicht deiner Lieb und Huld, dein väterlich Gemüte ist voll Erbarmen, voll Geduld, voll Langmut, Treu und Güte, o lieb⸗ reich Vaterherze! 3. O Jesu, teurer Gottessohn; du Licht vom wahren Lichte, vor dir, dem rechten Gnadenthron, wird Sünd und Tod zunichte; du bist der Grund der Seligkeit, worauf wir Armen hoffen, dein Gnaden⸗ brunn steht allezeit für unsre Seelen offen, du Ausfluß alles Segens! 4. O Geist der Gnade, wahrer Gott, komm, steure dem Verderben, laß uns durch Christi Kreuzestod der Welt und uns absterben, ja schlag das ganze Höllenreich in unsrer Seel danieder, damit wir Jesu Christo gleich und seines Leibes Glieder durch deine Gnade bleiben. 5. So ehren wir in Einem Thron dich, unsern Gott und Vater, samt Christo deinem lieben Sohn, als unserm Heilserstatter, und Gott dem werten heilgen Geist von gleicher Macht und Wesen. Hilf, der du dreimal heilig heißt, daß wir in dir genesen und dich dort ewig loben. Ludw. Andr. Gotter g. 1661 1 1735, XI. Lieder für die kleineren Teste. 1. Darstellung Jesu. 154. Lobgesang Simeons. (Nunc dimittis.) Ev. Luc. 2, 29— 32. Eigene Melodie. Hern nun lässest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesaget hast; 2. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehn, den du bereitet hast vor allen Völkern, 3. Ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volks Israel. 4. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geiste, 5. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 155. Mel. Vom Himmel hoch da lomm ich her. Dich bitt ich, liebster Jesu mein, komm zu mir in mein Herz herein, daß ich an dir hab Lust und Freud wie Simeon im Tempel heut. 2. Denn du mein Heil und Leben bist, so mir von Gott ge⸗ geben ist; mach rein mein Herz, rein meinen Mut, auf deinem Weg mich halt in Hut! Himmels nicht; wend ab von mir all Straf und Pein und laß mich ganz dein eigen sein! 4. Dein Antlitz sei auf mich gericht, im Tod und Leben laß mich nicht, so will ich gern aus dieser Welt zu dir heimgehn, wenn dirs gefällt. Joh. Mylius. 1596. 2 156. Mel. Valet will ich dir geben. He˙r Jesu, Licht der Heiden, der Frommen Schatz und Lieb, wir kommen jetzt mit Freuden durch deines Geistes Trieb in diesen deinen Tempel und suchen mit Begier, nach Simeons Exempel, dich großen Gott allhier. 2. Du wirst von uns gefunden, o Herr, an jedem Ort, dahin du dich verbunden durch dein Ver⸗ heißungswort; vergönnst noch heut⸗ zutage, daß man dich gleicher⸗ weis auf Glaubensarmen trage, wie hier der alte Greis. 3. Sei unser Glanz in Wonne, ein helles Licht in Pein, in Schrecken unsre Sonne, im Kreuz ein Gnadenschein, in Zagheit Glut und Flamme, in Not ein Freu⸗ denstrahl, in Krankheit Arzt und Amme ein Stern in Todesqual! 4»8. Herr, laß auch uns gelin⸗ gen, daß letzt wie Simeon ein jeder Christ kann singen den schönen Schwanenton: Mir werden nun mit Frieden mein Augen zuge⸗ 3. Zeig mir die Bahn mit drückt, nachdem ich schon hienieden deinem Licht, daß ich ja fehl des den Heiland hab erblickt. 6* Lieder für die 5. Ja, ja ich hab im Glauben, mein Jesu, dich geschaut; kein Feind kann dich mir rauben, wie heftig er auch dräut. Ich wohn in deinem Herzen, und in dem meinen du, uns scheiden keine Schmerzen, kein Angst, kein Tod dazu. 6. Hier blickst du zwar zuweilen so streng und hart mich an, daß oft vor Angst und Heulen ich dich nicht kennen kann; dort aber wirds geschehen, daß ich von Angesicht zu Angesicht soll sehen dein immer klares Licht. Johann Franck g. 1618 4 1677. 2. Verkündigung Mariä. 157⁷. Mel. Werde licht, du Stadt der Heiden. * ist uns der Tag erschienen, 2worauf Adam schon so oft, wie auch Jakob und samt ihnen aller Väter Schar gehofft, dran sich Abraham erquicket, als er ihn im Geist erblicket. 2. O des Tages voller Wonne und dem sonst kein Tag nicht gleicht, seit von Anbeginn die Sonne hat um dieses Rund geleucht, o der vielgewünschten Stunden, die sich nunmehr eingefunden! 3. O du Anfang unsrer Freu⸗ den, sei gegrüßt, gewünschtes Licht, als mit dem uns armen Heiden jetzt ein neuer Trost anbricht, und vor welchem wir indessen stets in lauter Nacht gesessen. 4. Nunmehr trieft ein Heiles⸗ regen oben durch den Himmel ab, auch die Wolken schütten Segen und Gerechtigkeit herab: Gott der kleineren Feste. Herr kommt selbst auf Erden und beginnt ein Mensch zu werden. 5. Gott wird Mensch und trägt die Sünde, Allmacht kehrt bei Schwachheit ein, selbst der Schöpfer wird zum Kinde, sein Geschöpf soll Mutter sein. Herr⸗ lichkeit kommt zu uns Armen, aus der Rache wird Erbarmen. 6. O Geheimnis, dessen gleichen man auf Erden nie gesehn! Dieses ist ein Wunderzeichen, das von Gott heut ist geschehn, welches kein vernünftig Sinnen kann be⸗ greifen noch gewinnen. 7. Vater, und doch Kind da⸗ neben,“) unser Bruder, Fleisch und Blut, ach was können wir dir geben für dies allzu große Gut? Hilf, daß wir mit Herz und Sinnen geistlich dich empfangen können.) Jes. 9, 6. Johann Franck g. 1618 4 1677. 3. Cest Johannes des Täufers. 1⁵58. Lobgesang des Zacharias. (Das Benedietus.) Ev. Luc. 1, 68— 79. Eigene Melodie. Gelabet sei der Herr, der Gott IJIsraels, denn er hat besucht und erlöset sein Volk, 2. Und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners David; 3. Wie er vor Zeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, Lieder für die 4. Daß er uns errettete von unsern Feinden und von der Hand aller, die uns hassen, 5. Und die Barmherzigkeit er⸗ zeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund 6. Und an den Eid, den er ge⸗ schworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, 7. Daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Lebenlang 8. In Heiligkeit und Gerechtig⸗ keit, die ihm gefällig ist. 9. Und du Kindlein wirst ein Prophet des Höchsten heißen, du wirst vor dem Herrn her⸗ gehen, daß du seinen Weg bereitest 10. Und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk, die da ist in Vergebung ihrer Sünde, 11. Durch die herzliche Barm⸗ herzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besuchet hat der Aufgang aus der Höhe, 12. Auf daß er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. 13. Lob und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geiste, 14. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. leineren Feste. 159. Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. Belobet sei Israels Gott, der Herr, der sein Volk in der Not und, da es gänzlich war verflucht, mit großen Gnaden hat besucht. 2. Er hat uns seinen Sohn gesandt, der allen Zorn ganz ab⸗ gewandt und uns erlöset kräftig⸗ lich; des kann Israel freuen sich. 3. Da mit uns schon war alles aus, in seines Dieners Davids Haus hat er ein Horn der Seligkeit gesetzt zu Trost der Christenheit, 4. Wie uns vor Zeiten machte kund der heiligen Propheten Mund; dadurch er uns hat angemeldt, er woll uns retten als ein Held. 5. Der Feinde Trutz, des Hassers Hand, ob sie vor Zorn gleich sind entbrannt, woll er zer⸗ brechen als der Mann, der Tod und Teufel zwingen kann. 6. Hierzu hat ihn sein Herz bewegt, das sich mit Gnad und Güte trägt; er hat an seinen Bund gedacht, vorlängst mit Abraham gemacht, 7. Wie auch an dieses, was er hat geschworen ihm an Eides Statt, zu geben denen, die da sind von ihm gezeugt, auch Kindes⸗ Kind, 8. Auf daß, wenn wir erlöset sein vom Teufel, Tod und Höllen⸗ pein, ihm dienete sein Leben lang ein jeder ohne Furcht und Zwang, 9. Gerecht und heilig in der Welt nach solcher Art, die ihm gefällt, nicht, wie es Menschen Witz erdenkt, damit man sich ver⸗ gebens kränkt. 86 Lieder für die 10. Du Kindlein, du wirst ein Prophet des Höchsten heißen, der da geht vor seinem Herren fein voran und macht ihm richtig seine Bahn. 11. Du wirst verkündigen das Heil, an dem der Mensch soll haben teil, dem seine Sünd und Missetat der fromme Gott ver⸗ geben hat, 12. Aus herzlicher Barmher⸗ zigkeit, kraft deren uns in unserm Leid der Aufgang aus der Höh besucht. Das ist der Liebe Gab und Frucht, 13. Auf daß, die er im Fin⸗ stern findt, und die ins Todes Schatten sind, des Lichtes Kinder können sein durch seinen hellen Glanz und Schein, 14. Daß ihre Füße richtig stehn und auf dem Weg des Friedens gehn, ja endlich allesamt zugleich mit Freuden gehn ins Himmelreich. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 4. Marii Heimsuchung. 160. Lobgesang der Maria. (Das Magnificat.) Ev. Luc. 1, 46— 55. Eigene Melodie. Mene Seele erhebet den Herren, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes, 2. Denn er hat seine elende Magd angesehen; siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindes⸗Kind, 3. Denn er hat große Ding an mir getan, kleineren Feste. der da mächtig ist, und des Name heilig ist, 4. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. 5. Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. 6. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl und erhebet die Niedrigen. 7. Die Hungrigen füllet er mit Gütern und lässet die Reichen leer. 8. Er denket der Barmherzig⸗ keit und hilft seinem Diener Jsrael auf, 9. Wie er geredt hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. 10. Lob und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geiste, 11. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkleit. Amen. 161. Eigene Melodie. Mein Herz und Seel den Herren hoch erhebet, den großen Gott, der ewig herrscht und lebet; mein Geist in mir sich meines Heilands freut und seinen Ruhm vermehret allezeit. 2. Denn er hat mich Elenden angesehen und mein Gebet erhöret und mein Flehen; es hat der Herr mich Armen nicht veracht, Lieder für die er hat mit Gnad und Rettung mich bedacht. 3. Gott, dessen Macht nicht kann ergründet werden, und dessen Nam im Himmel und auf Erden hochheilig ist, hat große Ding getan an mir, die ich nicht alle zählen kann. 4. In keiner Not hat er mich je verlassen, Barmherzigkeit ist bei ihm ohne Maßen und währet von Geschlecht fort zu Geschlecht, wo man ihn fürcht und hoch hält seine Recht. 5. Er übt Gewalt mit seines Armes Stärke, daß jedermann muß spüren seine Werke; die stolz und hoch in ihren Herzen seind, zer⸗ streuet er, und ist denselben feind. 6. Er stößet, die gewaltig sind vor allen, von ihrem Stuhl, daß sie erschrecklich fallen; die Niedrigen erhebet er davor und stellet sie ganz unverhofft empor. 7. Die Hungrigen, die ihn vor Augen haben, erfüllet er mit Gütern und mit Gaben; die Reichen läßt er leer beim Überfluß, daß Not und Angst darauf er⸗ folgen muß. 8. Er denket der Barmherzigkeit und Güte, daß er fortan uns väterlich behüte und seine Kirch im ganzen Erdenkreis erhalt und schütz zu seines Namens Preis. 9. Die Treu, die er im neuen Bund und alten geredet hat, die wird er ewig halten, der Herr verläßt uns, seine Kinder, nicht weil zu ihm steht all unsre Zu⸗ versicht. 10. Gott Vater, dir sei Dank gesagt und Ehre, Herr Jesu Christ,‚ kleineren Feste. den Glauben in uns mehre, o heilger Geist, erneu uns Herz und Mund, daß wir dein Lob aus⸗ breiten jede Stund. David Denicke(7) g. 1603 + 1680. 5. Michaelisfet. 162. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 2. 8 Lieb läßt Gott der Christen⸗ heit viel Gutes widerfahren, aus Lieb hat er ihr zubereit viel tausend Engelscharen. Darum man fröhlich singen mag: Heut ist der guten Engel Tag, die uns gar wohl bewahren. 2?. Sie lagern sich, wenn kommt ö die Not, in Eil gefaßt sich machen und reißen die, so fürchten Gott, aus ihrer Feinde Rachen. Darum man fröhlich singen mag: Heut ist der guten Engel Tag, die immer für uns wachen. 3. Sie führen auf den Straßen wohl die Großen und die Kleinen, auf daß ihr Fuß nicht straucheln soll im Stoßen an den Steinen.“) Darum man fröhlich singen mag: Heut ist der guten Engel Tag, die uns mit Treue meinen. Ps. 91, 12. 483. Solch Wohltat denen wird erzeigt, die nach dem Herren fragen; die Engel ihnen sind ge⸗ neigt, den Satan sie verjagen. Darum man fröhlich singen mag: Heut ist der guten Engel Tag, die uns gen Himmel tragen. Georg Re imann g. 1570 4 1615. 163. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. Du Herr der Seraphinen, dem taufend Engel dienen und zu Gebote stehn, du übergroßer Meister der wunderschönen Geister, mein Mund soll deinen Ruhm erhöhn. 2. Die Fürsten und die Thro⸗ nen, die in dem Himmel wohnen, gibst du zu meiner Wacht; sie sehn dein Angesichte in höchst voll⸗ kommnem Lichte, doch nehmen sie mich auch in acht. 3. Das sind die starken Helden, die deinen Rat vermelden, du Herr in Israel! Das sind die Feuerflammen, die schlagen stets zusammen um frommer Christen Leib und Seel. 4. Ich preise deine Güte mit dankbarem Gemüte für diese Wun⸗ derschar, ich rühme deine Rechte für diese Gnadenknechte, die mich behüten vor Gefahr. 5. Laß ferner mich behüten vor aller Feinde Wüten durch diese Himmelswach, laß sie auf meinen Wegen die Hand mir unterlegen, so bleib ich frei von Ungemach. 6. Doch sollen sie nicht weichen, so laß mich ihnen gleichen in wahrer Heiligkeit; wie sie die Kinder lieben und sich in Demut uben, so mach auch mich dazu bereit! 7. Sie tun ja deinen Willen, den laß mich auch erfüllen; sie leben keusch und rein, o laß mich nichts beflecken und mich an allen Ecken vor diesen reinen Geistern scheun! Lieder für die kleineren Feste. 8. Und endlich, wenn ich scheide, so führe mich zur Freude auf ihren Armen ein! Da werd ich dich erst loben und in dem Him⸗ mel droben dir und den Engeln ähnlich sein. Benjamin Schmolck g. 1672 1 1737. 16⁴4 Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Herr was sind wir, daß du 9 Engel uns zu unsern Wächtern gibst? Menschen sind wir voller Mängel, Menschen, die du den⸗ noch liebst. Engel, die dich allzeit sehn, sollen uns zu Diensten stehn; Engel hüten uns als Kinder, heilge Engel schützen Sünder. 2. Engel sinds, die nach den Proben nun beständig Gutes tun, die dich unaufhörlich loben, die in deinem Himmel ruhn, die ge⸗ horsam, keusch und rein, die der Menschen Freunde sein, die ihr Antlitz ohne Flecken doch vor dir in Demut decken. 3. Heere, welche die bewachen, die dich fürchten, großer Gott, die ein schrecklich Lager machen gegen aller Feinde Rott, diese sehn in deinem Licht, Vater, stets dein Angesicht, Diener, die zu deinen Füßen dir in Ehrfurcht dienen müssen. 4. Gott der Engel, Herr der Helden, ach was sind wir Men⸗ schen doch, daß wir so viel vor dir gelten? O wie hältst du uns so hoch! Deine Engel dienen uns, sind die Zeugen unsres Tuns. Laß uns auch mit diesen Chören ewig dich im Himmel ehren! Phil. Friedr. Hiller g. 1699 4 1769. ———2..—— B. Lieder von der Kirche und den Gnadenmitteln. XII. Lieder von der christlichen Rirche. * 165. Psalm 67. Eigene Melodie. E wolle Gott uns gnädig sein und seinen Segen geben, sein Antlitz uns mit hellem Schein er⸗ leucht' zum ewgen Leben, daß wir erkennen seine Werk und was ihm lieb auf Erden, und Jesus Christus Heil und Stärk bekannt den Heiden werden und sie zu Gott bekehren. 2. So danken, Gott, und loben dich die Völker überalle, und alle Welt die freue sich und sing mit großem Schalle, daß du auf Erden Richter bist und läßt die Sünd nicht walten; dein Wort die Hut und Weide ist, die alles Volk er⸗ halten, in rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Taten; das Land bringt Frucht und bessert sich, dein Wort ist wohl geraten. Uns segne Vater und der Sohn, uns segne Gott der heilge Geist! Dem alle Welt die Ehre tu, vor ihm sich fürchte allermeist! Nun sprecht von Herzen Amen! Martin Luther g. 1483 + 1546. 166 Psalm 12. Eigene Melodie. A Gott, vom Himmel sieh darein und laß dich des erbar⸗ men, wie wenig sind der Heilgen dein, verlassen sind wir Armen. Dein Wort man läßt nicht haben wahr, der Glaub ist auch verloschen gar bei allen Menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche List, was eigen Witz erfindet; ihr Herz nicht Eines Sinnes ist, in Gottes Wort gegründet. Der wählet dies, der andre das, sie trennen uns ohn alle Maß und gleißen schön von außen. 3. Gott woll ausrotten ganz und gar, die falschen Schein uns lehren und deren Zung stolz offen⸗ bar spricht: Trotz! wer wills uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein, was wir setzen, das gilt gemein; wer ist, der uns soll meistern? 4. Darum spricht Gott: Ich muß auf sein, die Armen sind verstöret; ihr Seufzen dringt zu mir herein, ich hab ihr Klag er⸗ höret. Mein heilsam Wort soll auf den Plan, getrost und frisch sie greifen an und sein die Kraft der Armen. 5. Das Silber, durchs Feuer siebenmal bewährt, wird lauter funden; am Gotteswort man war⸗ ten soll desgleichen alle Stunden. Es will durchs Kreuz bewähret sein; da wird sein Kraft erkannt und Schein und leucht stark in die Lande. 6. Das wollst du, Gott, be⸗ wahren rein vor diesem argen G'schlechte, und laß uns dir be⸗ fohlen sein, daß sichs in uns nicht flechte. Der gottlos Hauf sich umher findt, wo diese losen Leute sind in deinem Volk erhaben. Martin Luther g. 1483 + 1546. 167. Psalm 124. Eigene Melodie. Wor Gott nicht mit uns diese Zeit, so soll Israel sagen, wär Gott nicht mit uns diese Zeit wir hätten müßn verzagen, die so ein armes Häuflein sind, veracht von so viel Menschenkind, die an uns setzen alle. 2. Auf uns so zornig ist ihr Sinn; hätt Gott es zugegeben, verschlungen hätten sie uns hin mit ganzem Leib und Leben; wir wärn, als die ein Flut ersäuft, und über die groß Wasser läuft aie mit Gewalt verschwemmet. Gott Lob und Dank, der nicht zugab, daß ihr Schlund uns möcht fangen. Wie ein Vogel des Stricks kommt ab, ist unsre Seel entgangen. Strick ist entzwei, und Lieder von der christlichen Kirche wir sind frei; des Herren Name steht uns bei, des Gottes Himm els und Erden. Martin Luther g. 1483 + 1546. 168. Psalm 46. Eigene Melodie. Ein seste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen, er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind mit Ernst ers jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, auf Erd ist nicht seins Gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald ver⸗ loren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst er⸗ koren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt, tut er uns doch nichts; das macht, er ist gericht, ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stan und kein Dank dazu haben. Er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn, das Reich muß uns doch bleiben. Martin Luther g. 1483 f 1546. T...— 169. Eigene Melodie. arhalt uns, Herr, bei deinem Wort, und steure deiner Feinde Mord, die Jesum Christum deinen Sohn wollen stürzen von deinem Thron. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, der du Herr aller Herren bist, beschirm dein arme Christenheit, daß sie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott heilger Geist, du Tröster wert, gib dein'm Volk ein'rlei Sinn auf Erd, steh bei uns in der letzten Not, g'leit uns ins Leben aus dem Tod! Martin Luther g. 1483 + 1546. 170. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist; dein göttlich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht! 2. In dieser schwern betrübten Zeit verleih uns, Herr, Bestän⸗ digkeit, daß wir dein Wort und Sakrament behalten rein bis an das End 5. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt, wir sind sonst sicher, faul und kalt; gib Glück und Heil zu deinem Wort, gib, daß es schall an manchem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort und wehr des Teufels Trug und Mord, gib deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einig⸗ leit, Mut und Geduld! Lieder von der christlichen Kirche. 91 5. Ach Gott, es geht gar übel zu, auf dieser Erd ist keine Ruh, viel Sekten und groß Schwärmerei auf einen Haufen kommt herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, die sich mit G'walt er⸗ heben hoch und bringen stets was Neues her, zu fälschen deine rechte Lehr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, nicht unser, sondern dein ja ist; darum so steh du denen bei, die sich auf dich ver⸗ lassen frei. 8. Dein Wort ist unsers Her⸗ zens Trutz und deiner Kirche wahrer Schutz, dabei erhalt uns, lieber Herr, daß wir nichts andres suchen mehr. 9. Gib, daß wir lebn in deinem Wort und darauf ferner fahren fort von hinnen aus dem Jammertal zu dir in deinen Himmelssaal. Nach Nik. Selnecker g. 1532 4 1592. 17¹. Mel. Kommt her zu mir, spricht G. S. Bewage nicht, du Häuflein klein, obschon die Feinde willens sein, dich gänzlich zu verstören, und suchen deinen Untergang, davon dir wird recht angst und bang; es wird nicht lange währen. 2. Tröste dich nur, daß deine Sach ist Gottes, dem befiehl die Rach und laß es ihn nur walten! Er wird durch seinen Gideon), den er wohl weiß, dir helfen schon, dich und sein Wort erhalten. ) Richter 6, 13. 92 Lieder von der christlichen Kirche. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, muß Welt, Teufel und Höllenpfort und was dem tut anhangen endlich werden zu Schand und Spott. Gott ist mit uns und wir mit Gott: den Sieg wolln wir erlangen. (Dies Lied ließ Gustav Adolf am Morgen der Schlacht bei Lützen, am 16. November 1632, beim Feldgottesdienst singen.) 172. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. ◻ Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Herd, daß ihre Seel auch selig werd. 2. Erfülle mit dem Gnaden⸗ schein, die in Irrtum verführet sein; auch die, so heimlich noch ficht an in ihrem Sinn ein falscher Wahn. 3. Und was sich sonst ver⸗ laufen hat von dir, das suche du mit Gnad und ihr verwundt Gewissen heil, laß sie am Himmel haben teil! 4. Den Tauben öffne das Gehör, die Stummen richtig reden lehr, die nicht bekennen wollen frei, was ihres Herzens Glaube sei. 5. Erleuchte, die da sind ver⸗ blendt, bring her, die sich von uns getrennt, versammle, die zer⸗ streuet gehn, mach feste, die im Zweifel stehn. 6. So werden sie mit uns zu⸗ gleich auf Erden und im Himmel⸗ reich, hier zeitlich und dort ewiglich für solche Gnade preisen dich. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 173. Jesaias 49. Eigene Melodie. Rion klagt mit Angst und Schmer⸗ zen, Zion, Gottes werte Stadt, die er trägt in seinem Herzen, die er ihm erwählet hat. Ach, spricht sie, wie hat mein Gott mich ver⸗ lassen in der Not und läßt mich so harte pressen! Meiner hat er ganz vergessen. 2. Der Gott, der mir hat ver⸗ sprochen seinen Beistand jederzeit, der läßt sich vergebens suchen jetzt in meiner Traurigkeit. Ach will er denn für und für so gar grau⸗ sam zürnen mir? Kann und will er sich der Armen jetzt nicht wie vorhin erbarmen? 3. Zion, o du Vielgeliebte, sprach zu ihr des Herren Mund, zwar bist du jetzt die Betrübte, Seel und Geist ist dir verwundt, doch stell alles Trauren ein! Wo mag eine Mutter sein, die ihr eigen Kind kann hassen und aus ihrer Sorge lassen? 4. Ja wenn du gleich möchtest finden einen solchen Muttersinn, da die Liebe kann verschwinden, so bleib ich doch, der ich bin. Meine Treue bleibet dir, Zion, o du meine Zier; mein Herz hast du mir be⸗ sessen, deiner kann ich nicht vergessen. 5. Laß dich nicht den Satan blenden, der sonst nichts als schrecken kann; siehe, hier in meinen Händen hab ich dich geschrieben an. Wie mag es denn anders sein? Ich muß ja gedenken dein, deine Mauren muß ich bauen und dich fort und fort anschauen. 6. Du bist stets mir vor den Augen, du liegst mir auf meinem Schoß, wie die Kindlein, die noch saugen; meine Treu zu dir ist groß. Dich und mich kann keine Zeit, keine Not, Gefahr und Streit, ja der Satan selbst nicht scheiden; bleib getreu in allem Leiden! Joh. Heermann g. 1585 4 1647. 174. Eigene Melodie, oder Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. Ebriste, du Beistand deiner Kreuz⸗ gemeine, eile, mit Hülf und Rettung uns erscheine! Steure den Feinden, ihre Blutgedichte mache zunichte! 2. Streite doch selber für uns arme Kinder, wehre dem Teufel, seine Macht verhinder, alles, was kämpfet wider deine Glieder, stürze darnieder! 3. Friede bei Kirch und Schulen uns beschere, Friede zugleich der Obrigkeit gewähre, Friede dem Herzen, Friede dem Gewissen gib zu genießen! 4. Also wird zeitlich deine Güt erhoben, also wird ewig und ohn Ende loben dich, o du Wächter deiner armen Herde, Himmel und Erde. Matth. Apelles v. Löwenstern g. 1594 + 1648. +R 175⁵. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. Zion, gib dich nur zufrieden, Gott ist noch bei dir darin, du bist nicht von ihm geschieden, er hat einen Vatersinn. Wenn er straft, so liebt er auch, dies ist sein beliebter Brauch; Zion, Lieder von der christlichen Kirche. 93 lerne dies bedenken, warum willst du dich so kränken? 2. Treiben dich die Meeres⸗ wellen in den wilden tiefen See, wollen sie dich gar zerschellen, mußt du rufen Ach und Weh, schweigt dein Heiland still dazu gleich als in der sanften Ruh: Zion, laß dich nicht bewegen, diese Flut wird sich bald legen. 3. Berge, Felsen möchten wei⸗ schen, ob sie noch so feste stehn, ja die ganze Welt desgleichen möchte gar auch untergehn: dennoch hat es keine Not in dem Leben und im Tod; Zion, du kannst doch nicht wanken aus den wohlgefaßten Schranken. 4. Müssen schon allhie die Tränen deine schönsten Perlen sein, muß das Seufzen und das Stöhnen schon das beste Lied dir sein, muß dein Purpur sein das Blut, und der Mangel Hab und Gut: Zion laß dir doch nicht grauen, du kannst deinem Gott vertrauen. 5. Dräut man dir mit Schmach und Banden, mit dem Tod und Herzeleid, ei du wirst doch nicht zu schanden, denk nur an die Ewigkeit! Sei nur fröhlich, wohl⸗ gemut, denn der Herr ists, der es tut. Zion, Gott wird dich schon stärken, dieses mußt du eben merken. 6. Freue dich, nun ist das Ende und der Abend schon herbei; gib dich nur in Gottes Hände, der dich nun will machen frei. Für die Trübsal, Spott und Hohn, gibt er dir die Freudenkron. Zion, du wirst wieder lachen, drum so laß die Welt nur machen! 9⁴ Lieder von der christlichen Kirche. 7. Halleluja! deine Wonne, lie⸗ bes Zion, wird nun groß, denn die schöne Gnadensonne nimmt dich recht in ihren Schoß, gibt dir einen Freudengruß und den rechten Liebeskuß. Zion, wo ist nun dein Klagen? Jetzt kannst du von Freude sagen. 8. O ihr Engel, Himmelserben, freuet euch mit Zion hier! Denn die jetzt hat wollen sterben, soll nun leben für und für und sich freuen ohne Zahl in dem schönen Himmelssaal. Zion, wer will dich nun scheiden von dem Lamm und ewgen Freuden? Joach. Pauli g. um 1636 4 nach 1674. 176. Offenb. Joh. 2 und 3. Eigene Melodie. WBabre fort, fahre fort, Zion, fahre fort im Licht! Mache deinen Leuchter helle, laß die erste Liebe nicht, suche stets die Lebens⸗ quelle! Zion, dringe durch die enge Pfort, fahre fort, fahre fort! 2. Leide dich, leide dich, Zion, leide ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne, sei bis in den Tod getreu, siehe auf die Lebenskrone! Zion, fühlest du der Schlangen Stich, leide dich, leide dich! 3. Folge nicht, folge nicht, Zion, solge nicht der Welt, die dich suchet groß zu machen; achte nichts ihr Gut und Geld, halt am Beten und am Wachen! Zion, wenn sie dir viel Lust verspricht, folge nicht, folge nicht! 4. Prüfe recht, prüfe recht, Zion, prüfe recht den Geist, der dir ruft zu beiden Seiten; tue nicht, was er dich heißt, laß nur deinen Stern dich leiten! Zion, beides das, was krumm und schlicht, prüfe recht, prüfe recht! 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott, stärke dich mit Geist und Leben, sei nicht wie die andern tot, sei du gleich den grünen Reben! Zion, in die Kraft, für Heuchelschein, dringe ein, dringe ein! 6. Brich herfür, brich herfür, Zion, brich herfür in Kraft, weil die Bruderliebe brennet, zeige, was der in dir schafft, der als seine Braut dich kennet. Zion, durch die dir gegebne Tür brich herfür, brich herfür! 7. Halte aus, halte aus, Zion, halte deine Treu, laß dich ja nicht laulich finden! Auf, das Kleinod rückt herbei, auf, verlasse, was dahinten! Zion, in dem letzten Rampf und Strauß halte aus, halte aus! Joh. Eusebius Schmidt g. 1670 4 1745. 177. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. .——0 Hirte deiner Herde, deiner „Glieder starker Schutz, sieh doch, wie die Asch und Erde, großer Gott, mit Grimm und Trutz tobt und wütet wider dich und vermißt sich freventlich, deine Kirche zu zerstören und dein Erbteil zu verheeren. 2. Du, Herr, bist ja unser König, wir sind dein mit Leib S— und Seel, Menschenhülf ist hier zu wenig, wo nicht du, Immanuel, zu der Deinen Rettung wachst und dich selbst zu Felde machst, für dein wahres Wort zu kämpfen und der Feinde Rat zu dämpfen. 3. Es trifft deines Namens Ehre, deiner Wahrheit Heiligtum, Jesu, deine Glaubenslehre, deines Leidens Kraft und Ruhm und den Dienst, den dir allein wir zu leisten schuldig sein; dazu kannst du ja nicht schweigen, deine Machthand wirst du zeigen. 4. Stärke nur den schwachen Glauben, den bei so betrübter Zeit Fleisch und Satan uns zu rauben und mit Furcht und Blödigkeit uns zu schrecken sind bemüht. Deine Weisheit kennt und sieht deiner Kinder schwach Vermögen und wird nicht zu viel auflegen. Lieder von der christlichen Kirche. 95 vertritt uns dort bei dir, bis wir auf der neuen Erden mit ihm triumphieren werden. Henr. Kath. v. Gersdorf g. 1648 + 1726. Il 178. Mel. Dir, dir, Jehova, will ich singen. Woch auf, du Geist der ersten Zeugen, die auf der Maur als treue Wächter stehn, die Tag' und Nächte nimmer schweigen und die getrost dem Feind entgegen gehn, ja deren Schall die ganze Welt durchdringt und aller Völker Scharen zu dir bringt. 2. O daß dein Feur doch bald entbrennte, o möcht es doch in alle Lande gehn! Ach Herr, gib doch in deine Ernte viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn. O Herr der Ernt, ach siehe doch 5. Hilf den Deinen und bekehre darein: die Ernt ist groß, da der Verfolger blindes Heer, der wenig Knechte sein. Verfolgung steur und wehre, daß sie uns nicht werd zu schwer. Nimm dich der Bedrängten an, leit auch die auf rechter Bahn, die noch jetzt durch Satans Lügen sich selbst um ihr Heil betrügen. 6. Laß uns recht und redlich handeln und in Taubeneinfalt dir ganz gelassen heilig wandeln, doch dabei uns klüglich hier schicken in die böse Zeit und vor falscher Heiligkeit, auch der Feinde List uns selbst und Wüten uns mit Schlangen⸗ lugheit hüten. 7. Laß mit Beten und mit Wachen stets uns stehn auf unsrer Hut und nur dich, Herr, lassen machen, so wird alles werden gut. Jesus streitet für uns hier und Evangelisten sein; laß eilend Hülf 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten uns diese Bitt in unsern Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich hierum herzinbrünstig anzu⸗ flehn; drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn. 4. Wie kannst du uns denn dies versagen, was uns dein Sohn selbst deutlich bitten heißt? Wie denkst du dieses abzuschlagen, wozu du treibst durch deinen Geist? Denn daß wir hierum brünstig zu dir flehn, das ist allein durch deinen Geist geschehn. 5. So gib dein Wort mit großen Scharen, die in der Kraft uns widerfahren und brich in Satans Reich mit Macht hinein! O breite, Herr, auf weitem Erden⸗ kreis dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 6. Ach daß die Hülf aus Zion käme! O daß dein Geist so, wie dein Wort verspricht, dein Volk aus dem Gefängnis nähme! O würd es doch nur bald vor Abends licht! Ach reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei) und komm herab zur Hülf und mach uns frei!„ Jes. 64, 1. 7. Ach laß dein Wort recht schnelle laufen, es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein! Ach führe bald dadurch mit Haufen der Heiden Füll in allen Toren ein! Ja wecke doch auch JIsrael bald auf und also segne deines Wortes Lauf! 8. O bessre Zions wüste Stege, und was dein Wort im Laufe hindern kann, das räum, ach Vertilg, räum aus jedem Wege! o Herr, den falschen Glaubens⸗ wahn und mach uns bald von jedem Mietling frei, daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sei. 9. Laß jede hoh und niedre Schule die Werkstatt deines guten Geistes sein, ja sitze du nur auf dem Stuhle und präge dich der Jugend selber ein, daß treuer Lehrer viel und Beter sein, die für die ganze Kirche flehn und schrein. 10. Du hast uns Hirten ja versprochen, die du nach deinem Herzen geben willt; nun wird dein Wort niemals gebrochen, ein jedes Wort wird Punkt für Punkt erfüllt; drum halt ich dieses klare Lieder von der christlichen Kirche. Wort dir vor, ach denke dran und neig uns Herz und Ohr! 11. Herr, zürne nicht, daß ich so bitte, da ich vor dir nur Staub und Asche bin. Du, als der Brunnguell aller Güte, gibst selber mir etwas von deinem Sinn, daß mich der Menschen Elend jam⸗ mern kann; drum bitt ich, Herr, o nimm mein Bitten an! Karl Heinr. v. Bogatzky g. 1690 4 1774. 179. Mel. Valet will ich dir geben. Der du zum Heil erschienen der allerärmsten Welt und von den Cherubinen zu Sündern dich ge⸗ sellt, den sie mit frechem Stolze verhöhnt für seine Huld, als du am dürren Holze versöhntest ihre Schuld: 2. Damit wir Kinder würden, gingst du vom Vater aus, nahmst auf dich unsre Bürden und bautest uns ein Haus; von Westen und von Süden, von Morgen ohne Zahl sind Gäste nun beschieden zu deinem Abendmahl. 3. Im schönen Hochzeitkleide, von allen Flecken rein, führst du zu deiner Freude die Völker⸗ scharen ein; und welchen nichts verkündigt, kein Heil verheißen war, die bringen nun entsündigt dir Preis und Ehre dar. 4. Drum kann nicht Ruhe werden, bis deine Liebe siegt, bis dieser Kreis der Erden zu deinen Füßen liegt, bis du im neuen Leben die ausgesöhnte Welt dem, der sie dir gegeben, vors Angesicht gestellt. 5. Und siehe, tausend Fürsten mit Völkern ohne Licht stehn in der Nacht und dürsten nach deinem Angesicht; auch sie hast du ge⸗ graben in deinen Priesterschild,“) am Brunnquell sie zu laben, der dir vom Herzen quillt. 92.Mos. 28,29. 6. So sprich dein göttlich Werde, laß deinen Odem wehn, daß auf der finstern Erde die Toten auferstehn; daß, wo man Götzen frönet und vor den Teufeln kniet, ein willig Volk versöhnet zu deinem Tempel zieht. Albert Knapp g. 1798 + 1864. 180. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. Einer ists, an dem wir hangen, der für uns in den Tod ge⸗ gangen und uns erkauft mit seinem Blut. Unsre Leiber, unsre Herzen gehören dir, o Mann der Schmer⸗ zen, in deiner Liebe ruht sichs gut. Nimm uns zum Eigentum, bereite dir zum Ruhm deine Kinder, ver⸗ birg uns nicht das Gnadenlicht von deinem heilgen Angesicht! 2. Nicht wir haben dich er⸗ wählet, du selbst hast unsre Zahl gezählet nach deinem ewgen Gna⸗ denrat. Unsre Kraft ist schwach und nichtig, und keiner ist zum Werke tüchtig, der nicht von dir die Stärke hat. Drum brich den eignen Sinn, denn Armut ist Gewinn für den Himmel; wer in sich schwach, folgt, Herr, dir nach und trägt mit Ehren deine Schmach. 3. O Herr Jesu, Ehrenkönig, die Ernt ist groß, der Schnitter wenig, drum sende treue Zeugen Lieder von der christlichen Kirche. 97 aus! Sende sie hinaus in Gna⸗ den, viel frohe Gäste einzuladen zum Mahl in deines Vaters Haus. Wohl dem, den deine Wahl beruft zum Abendmahl im Reich Gottes! Da ruht der Streit, da währt die Freud heut, gestern und in Ewig⸗ keit. Albert Knapp g. 1795 4 1864. 181. Mel. Fahre fort. Mio des Herrn, Reich des Herrn, brich hervor in vollem Tag, deiner Strahlen Macht er⸗ helle, was in Todesschatten lag. Wolk und Zweifelsnebel fälle, sende Licht und Wärme nah und fern, Reich des Herrn, Reich des Herrn! 2. Siege bald, siege bald, komm, das kalte Reich der Nacht aller Enden zu zerstören! Sieh, es sammelt seine Macht, doch wer kann den Sieg dir wehren? denn die Sonne der Gerechtigkeit führt den Streit, führt den Streit. 3. Gottes Held, Gottes Held, mit der Gnade Siegsgewalt schlage Feind an Feind darnieder, bring in deine Herrschaft bald alles Ab⸗ gefallne wieder! Dann umarmen Freud und Friede sich ewiglich, ewiglich. 4. Überall, überall laß bis an der Welten Rand, laß durch jeden Kreis der Erden deinen Namen hell erkannt, deine Kraft verherr⸗ licht werden, bis du als der Völker Friedefürst herrschen wirst, herr⸗ schen wirst. 5. Menschenhuld, Menschenhuld klopft in deiner milden Brust, unter Menschenkindern wohnen, das 7 98 Lieder von der christlichen Kirche. ist deines Herzens Lust. Nimm, o nimm die Nationen, nimm zum Wohnsitz alle Länder ein, sie sind dein, sie sind dein. 6. Aber ihr, aber ihr, die der König ausgesandt, geht voran in alle Zonen, bahnt die Weg und macht bekannt unter allen Nationen, wie die Gnade, wo der Herr regiert, triumphiert, 7. Welch ein Herr, welch ein Herr! ihm zu dienen, welch ein Stand! Wenn wir seines Dienstes pflegen, lohnt er unsrer schwachen Hand armes Werk mit reichem Segen. Wallen wir, so wallt sein Friede mit Schritt vor Schritt, Schritt vor Schritt. 8. Kommt herbei, kommt her⸗ bei, frohe Zeiten, säumet nicht, daß der Herr sich offenbare als der Völker Recht und Licht. Kommt, daß alle Welt erfahre, wie die Menschenherd ihr großer Hirt weiden wird, weiden wird. Karl Bernh. Garve g. 1763 f 1841. 182. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Rine Herde und Ein Hirt! Wie E wird dann dir sein, o Erde, wenn sein Tag erscheinen wird! Freue dich, du kleine Herde, mach dich auf und werde licht: Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, und die Herrlichkeit des Herrn nahet dämmernd sich den Heiden, blinde Pilger flehn um Licht: Jesus hält, was er ver⸗ 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, daß die Nacht zum Tage werde. Ach wie manches Schäf⸗ lein irrt fern von dir und deiner Herde! Kleine Herde, zage nicht: Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht vor des Morgenrotes Helle, und der Sohn der Wüste kniet dürstend an der Lebensquelle, ihn umleuchtet Morgenlicht: Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber stehen aufgetan; rauscht, verdorrete Gebeine, macht dem Bundesengel Bahn, großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlich⸗ keit! Jesus Christus, du die Sonne, und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Wonne! Mach dich auf! es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. Frdr. Ad. Krummacher g. 1767 1845. 183. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. Gottes Stadt ist fest gegründet auf heilgen Bergen, es ver⸗ bündet sich wider sie die ganze Welt; dennoch steht sie und wird stehen, man wird an ihr mit Staunen sehen, wer hier die Hut und Wache hält. Der Hüter Israels ist ihres Heiles Fels. Halleluja! Lobsingt und sprecht: Wohl dem Geschlecht, das in ihr 222 das Bürgerrecht! „Zions Tore liebt vor allen der Herr mit gnädgem Wohlge⸗ spricht. fallen, macht ihre Riegel stark Lieder von der christlichen Kirche. und fest, segnet, die darinnen wohnen, weiß überschwenglich dem zu lohnen, der ihn nur tun und walten läßt. Wie groß ist seine Huld, wie trägt er mit Geduld all die Seinen! O Gottes Stadt, du reiche Stadt, die solchen Herrn und König hat! 3. Große, heilge Dinge werden in dir gepredigt, wie auf Erden sonst unter keinem Volk man hört. Gottes Wort ist deine Wahrheit, du hast den Geist und hast die Klarheit, die alle Finsternis zer⸗ stört. Da hört man fort und fort das teuer werte Wort ewger Gnade. Wie lieblich tönt, was hier ver⸗ söhnt und dort mit ewgem Leben krönt! 4. Auch die nichts davon ver⸗ nommen, die fernsten Völker wer⸗ den kommen und in die Tore Zions gehn. Denen, die im Fin⸗ stern saßen, wird auch der Herr noch predgen lassen, was einst für alle Welt geschehn. Wo ist der Gottessohn, wo ist sein Gnaden⸗ thron? wird man fragen. Dann kommt die Zeit, wo weit und breit erscheint der Herr in Herr⸗ lichkeit. 5. Darum stellet ein die Klagen, man wird noch einst zu Zion sagen: Wie mehrt sich deiner 99 Bürger Zahl! Voll Erstaunen wird man schauen, wie Gott sein Zion mächtig bauen und herrlich weitern wird einmal. Erhebet Herz und Sinn! Es ist die Nacht schier hin für die Heiden; es kommt ihr Tag, sie werden wach, und Israel folgt ihnen nach. 6. Gottes Stadt, du wirst auf Erden die Mutter aller Völker werden, die ewges Leben fanden hier. Welch ein Jubel, wie am Reigen, wird einst von dir zum Himmel steigen! Die Lebens⸗ brunnen sind in dir. In dir das Wasser quillt, das alles Dürsten stillt. Halleluja! Von Sünd und Tod, von aller Not erlöst nur Einer, Zions Gott! K. J. Phil. Spitta g. 1801 4 1859. 18⁴. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. Kvig Jesu, streite, siege, daß X alles bald dir unterliege, was lebt und webt in dieser Welt. Blick auf deine Friedensboten, laß wehen deinen Lebensodem durchs ganze weite Totenfeld! Erhöre unser Flehn und laß es bald geschehn! Amen, Amen! So rühmen wir und jauchzen dir ein Halleluja für und für! 1882.(7) 185. Eigene Melodie. Dien sind die heilgen zehn Gebot, die uns gab unser Herre Gott durch Mosen, seinen Diener treu, hoch auf dem Berg Sinai. Kyrieleis! 2. Ich bin allein dein Gott der Herr, kein Götter sollst du haben mehr; du sollst mir ganz ver⸗ trauen dich, von Herzensgrund lieben mich. Kyrieleis! 3. Du sollst nicht führen zu Un⸗ ehrn den Namen Gottes, deines Herrn; du sollst nicht preisen recht noch gut, ohn was Gott selbst redt und tut. Kyrieleis! 4. Du sollst heilgen den siebten Tag, daß du und dein Haus ruhen mag; du sollst von dein'm Tun lassen ab, daß Gott sein Werk in dir hab. Kyrieleis! 5. Du sollst ehrn und gehor⸗ sam sein dem Vater und der Mutter dein und wo dein Hand ihn'n dienen kann, so wirst du langs Leben habn. Kyrieleis! 6. Du sollst nicht töten zor⸗ niglich, nicht hassen noch selbst rächen dich, Geduld haben und sanften Mut und auch dem Feind tun das Gut. Kyrieleis! 7. Dein Eh sollst du bewahren rein, daß auch dein Herz kein andre mein', und halten keusch das Leben dein mit Zucht und Mäßigkeit fein. Kyrieleis! 8. Du sollst nicht stehlen Geld noch Gut, nicht wuchern jemands XIII. Lieder vom Worte Gottes. Schweiß und Blut; du sollst auf⸗ tun dein milde Hand den Armen in deinem Land. Kyrieleis! 9. Du sollst kein falscher Zeuge sein, nicht lügen auf den Näch⸗ sten dein; sein Unschuld sollst auch retten du und seine Schand decken zu. Kyrieleis! 10. Du sollst deins Nächsten Weib und Haus begehren nicht, noch etwas draus; du sollst ihm wünschen alles Gut, wie dir dein Herz selber tut. Kyrieleis! 11. Die G'bot all uns gege⸗ ben sind, daß du dein Sünd, o Menschenkind, erkennen sollst und lernen wohl, wie man vor Gott leben soll. Kyrieleis! 12. Das helf uns der Herr Jesus Christ, der unser Mittler worden ist; es ist mit unsrem Tun verlorn, verdienen doch eitel Zorn. Kyrieleis! Martin Luther g. 1483 4 1546. 186. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. ◻ Gott, du höchster Gnaden⸗ hort, verleih, daß uns dein göttlich Wort von Ohren so zu Herzen dring, daß es sein Kraft und Schein vollbring. 2. Der einge Glaub ist diese Kraft, der fest an Jesu Christo haft; die Werk der Lieb sind dieser Schein, dadurch wir Christi Jünger sein. 3. Verschaff bei uns auch, lieber Herr, daß wir durch deinen Geist SN je mehr in dein'r Erkenntnis nehmen zu und endlich bei dir finden Ruh. Konrad Huber g. 1507 + 1577. 187. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Pede, liebster Jesus, rede, denn dein Kind gibt acht darauf. Stärke mich, denn ich bin blöde, daß ich meines Lebens Lauf dir zu Ehren setze fort. Ach so laß dein heilig Wort in mein Herze sein verschlossen, dir zu folgen unverdrossen. 2. Ach wer wollte dich nicht hören, dich, du liebster Menschen⸗ freund? Sind doch deine Wort und Lehren alle herzlich wohl ge⸗ meint. Sie vertreiben alles Leid; auch des Honigs Süßigkeit muß vor deinen Worten weichen, ihnen ist nichts zu vergleichen. 3. Deine Worte sind mein Stecken, dessen ich mich trösten kann, wenn der Teufel mich will schrecken auf der schmalen Lebens⸗ bahn; diese führen ohne Qual mich hin durch des Todes Tal, diese sind mein Schirm und Stütze wider alle Kreuzesblitze. 4. Jesu, dein Wort soll mich laben, deine trostgefüllte Lehr will ich in mein Herz vergraben. Ach nimm sie ja nimmermehr hier von mir in dieser Zeit, bis ich in der Ewigkeit werde kommen zu den Ehren, dich, o Jesu, selbst zu hören. 5. Unterdes vernimm mein Flehen, liebster Jesu, höre mich: laß mich fest bei dir bestehen! Lieder vom Worte Gottes. 10¹ Ich, ich will dich ewiglich preisen mit Herz, Sinn und Mund, ich will dir zu jeder Stund Ehr und Dank in Demut bringen und dein hohes Lob besingen. Anna Sophia, Landgräfin zu Hessen⸗ Darmstadt g. 16388 + 1683. 188. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. Wir Menschen sind zu dem, o Gott, was geistlich ist, un⸗ tüchtig; dein Wesen, Wille und Gebot ist viel zu hoch und wichtig; wir wissens und verstehens nicht, wo uns dein göttlich Wort und Licht den Weg zu dir nicht weiset. 2. Drum sind vor Zeiten aus⸗ gesandt Propheten, deine Knechte, daß durch dieselben würd bekannt dein heilger Will und Rechte; zum letzten ist dein einger Sohn, o Vater, von des Himmels Thron selbst kommen uns zu lehren. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist! Laß uns dabei verbleiben und gib uns deinen heilgen Geist, daß wir dem Worte gläuben, dasselb annehmen jederzeit mit Sanftmut, Ehrfurcht, Lieb und Freud als Gottes, nicht der Menschen. 4. Hilf, daß der losen Spöt⸗ ter Hauf uns nicht vom Wort abwende; denn ihr Gespött samt ihnen drauf mit Schrecken nimmt ein Ende. Gib du selbst deinem Worte Kraft, daß deine Lehre in uns haft, auch reichlich bei uns wohne. 5. Öffn uns die Ohren und das Herz, daß wir das Wort recht fassen, in Lieb und Leid, in 102 Freud und Schmerz es aus der Acht nicht lassen; daß wir nicht Hörer nur allein des Wortes, son⸗ dern Täter sein, Frucht hundert⸗ fältig bringen. 6. Am Weg der Same wird sofort vom Teufel hingenommen; in Fels und Steinen kann das Wort die Wurzel nicht bekommen; der Sam, so in die Dornen fällt, von Sorg und Wollust dieser Welt verdirbet und ersticket. 7. Ach hilf, Herr, daß wir werden gleich dem guten frucht⸗ barn Lande und sein an guten Werken reich in unserm Amt und Stande, viel Früchte bringen in Geduld, bewahren deine Lehr und Huld im feinen, guten Herzen. 8. Laß uns, so lang wir leben hier, den Weg der Sünder meiden, gib, daß wir halten fest an dir in Anfechtung und Leiden. Rott aus die Dornen allzumal, hilf uns die Weltsorg überall und böse Lüste dämpfen! 9. Dein Wort, o Herr, laß allweg sein die Leuchte unsern Füßen, erhalt es bei uns klar und rein, hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rat und Trost in aller Not, daß wir im Leben und im Tod beständig darauf trauen. 10. Gott Vater, laß zu deiner Ehr dein Wort sich weit aus⸗ breiten, hilf, Jesu, daß uns deine Lehr erleuchten mög und leiten, o heilger Geist, dein gött⸗ lich Wort laß in uns wirken fort und fort Glaub, Lieb, Geduld und Hoffnung! David Denicke g. 1603 + 1680. Lieder vom Worte Gottes. 189. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. H'err, öffne mir die Herzenstür, zeuch mein Herz durch dein Wort zu dir, laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe sein! 2. Dein Wort bewegt des Her⸗ zens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund, dein Wort ists, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit. 3. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in Einem Thron! Der heiligen Dreieinig⸗ keit sei Lob und Preis in Ewig⸗ keit! 5 Joh. Olearius g. 1611 1 1684. 190. Mel. Hilf mir, mein Gott, hilf, daß nach dir. Her Zebaoth, dein heiligs Wort, das du uns hast gegeben, daß wir darnach an allem Ort solln richten Lehr und Leben, ist worden kund aus deinem Mund und in der Schrift beschrieben rein, schlecht und recht durch deine Knecht, vom heilgen Geist getrieben. 2. Dies Wort, das jetzt in Schriften steht, ist fest und un⸗ beweglich; zwar Himmel und die Erd vergeht, Gotts Wort bleibt aber ewig; kein Höll, kein Plag noch jüngster Tag vermag es zu vernichten; drum denen soll sein ewig wohl, die sich darnach recht richten. 3. Es ist vollkommen hell und klar, ein Richtschnur reiner Lehre; es zeigt uns auch ganz offenbar Gott, seinen Dienst und Ehre und wie man soll hier leben wohl, Lieb, Hoffnung, Glauben üben; drum fort und fort wir dieses Wort von Herzen sollen lieben. 4. Im Kreuz gibts Luft, in Traurigkeit zeigt es die Freuden⸗ quelle; den Sünder, dem die Sünd ist leid, entführet es der Hölle; gibt Trost an Hand, macht auch bekannt, wie man soll willig ster⸗ ben, und wie zugleich das Himmel⸗ reich durch Christum zu ererben. 5. Sieh, solchen Nutz, so große Kraft, die nimmer ist zu schätzen, des Herrn Wort in uns wirkt und schafft; darum wir sollen setzen zurück Gold, Geld und was die Welt sonst herrlich pflegt zu achten, und jederzeit in Lieb und Leid nach dieser Perle trachten. 6. Nun, Herr, erhalt dein hei⸗ ligs Wort, laß uns sein Kraft empfinden, den Feinden steur an allem Ort, zeuch uns zurück von Sünden! So wollen wir dir für und für von ganzem Herzen dan⸗ ken. Herr, unser Hort, laß uns dein Wort fest halten und nicht wanken! 1608. 191. Mel. Hilf mir, mein Gott, hilf, daß nach dir. Mein Wort, Herr, ist die rechte Lehr, ein Licht, das uns er⸗ leuchtet, ein Schild zu unsrer Gegenwehr, ein Tau, der uns befeuchtet, ein Stärkungstrank, wenn wir uns krank an Seel und Geist befinden, ein festes Band, das unsre Hand mit deiner kann verbinden. Lieder vom Worte Gottes. 103 2. So führe denn auf rechtem Pfad durch dies dein Licht mich Blinden, laß mich durch deinen Schutz und Rat den Satan über⸗ winden! Die Süßigkeit laß allezeit von deinem Wort mich schmecken, und deine Gunst in mir die Brunst der Gegenlieb erwecken! 3. Verleih auch deinen guten Geist, der alles das versiegle, worin dein Wort mich unterweist, daß ich mich drin bespiegle, und immerdar dies, was ich war und was ich bin, erkenne, auch niemals mehr von deiner Lehr in Sünd und Irrtum renne. 4. Gib meinem Glauben Stärk und Kraft, die alles kann voll⸗ bringen, damit durch dessen Ei⸗ genschaft ich ritterlich kann ringen und Kreuz und Not, ja gar den Tod viel lieber woll erleiden, als daß ich hier vom Wort und dir mich ließ aus Kleinmut scheiden. 17¹⁴4. 192. Mel. Gott des Himmels und der Erden. Veures Wort aus Gottes Munde, das mir lauter Segen trägt, dich allein hab ich zum Grunde meiner Seligkeit gelegt; in dir treff ich alles an, was zu Gott mich führen kann. 2. Will ich einen Vorschmack haben, welcher nach dem Him⸗ mel schmeckt, so kannst du mich herrlich laben, weil bei dir ein Tisch gedeckt, der mir lauter Manna schenkt, mich mit Lebens⸗ wasser tränkt. 3. Du, mein Paradies auf Erden, schließ mich stets im 104 Lieder vom Worte Gottes. Glauben ein, laß mich täglich klüger werden, daß dein heller Gnadenschein mir bis in die Seele dringt und die Frucht des Lebens bringt. 4. Geist der Gnade, der im Worte mich an Gottes Herze legt, öffne mir des Himmels Pforte, daß mein Geist hier recht erwägt, was für Schätze Gottes Hand durch sein Wort ihm zugesandt. 5. Lasse mich in diesen Schran⸗ ken sonder eitle Sorgen sein, schließe mich mit den Gedanken in ein stilles Wesen ein, daß die Welt mich gar nicht stört, wenn mein Herz dich reden hört. 6. Gib dem Samkorn einen Acker, der die Frucht nicht schul⸗ dig bleibt; mache mir die Augen wacker, und was hier dein Finger schreibt, präge meinem Herzen ein, laß den Zweifel ferne sein! 7. Was ich lese, laß mich merken; was du sagest, laß mich tun! Wird dein Wort den Glauben stärken, laß es nicht dabei beruhn, sondern gib, daß auch dabei ihm das Leben ähn⸗ lich sei. 8. Hilf, daß alle meine Wege nur nach dieser Richtschnur gehn. Was ich hier zum Grunde lege, müsse wie ein Felsen stehn, daß mein Geist auch Rat und Tat in den größten Nöten hat. 9. Laß dein Wort mir einen Spiegel in der Folge Jesu sein, drücke drauf ein Gnadensiegel, schließ den Schatz im Herzen ein, daß ich fest im Glauben steh, bis ich dort zum Schauen geh. Benjamin Schmolck g. 1672 + 1757. 193. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 6 err, dein Wort, die edle Gabe, 9 diesen Schatz erhalte mir, denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ists nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun. 2. Halleluja, Ja und Amen! Herr, du wollest auf mich sehn, daß ich mög in deinem Namen fest bei deinem Worte stehn; laß mich eifrig sein beflissen, dir zu dienen früh und spat und zugleich zu deinen Füßen sitzen, wie Maria tat. V. 1. N. L. v. Zinzendorf g. 1700 4 1760. V. 2. Chstn. Gregor g. 1733 + 1801. 194. Mel. Jesu, meine Freude. W Rort des höchsten Mundes, Engel meines Bundes, Jesu, unser Ruhm, bald, da wir gefallen, ließest du erschallen Evangelium, eine Kraft, die Glauben schafft, eine Botschaft, die zum Leben uns von dir gegeben. 2. Was sein Wohlgefallen vor der Zeit uns allen fest bestimmet hat, was der Opfer Schatten längst verkündet hatten, das voll⸗ führt sein Rat. Was die Schrift verspricht, das trifft alles ein in Jesu Namen und ist Ja und Amen. 3. Alles ist vollendet, Jesu Gnade wendet allen Zorn und Schuld. Jesus ist gestorben, Jesus hat erworben alle Gnad und Huld. Auch ist dies fürwahr gewiß: Jesus lebt in Preis und Ehre; ach erwünschte Lehre! 4. Uns in Sünden Toten machen Jesu Boten dieses Leben kund. Lieblich sind die Füße, und die Lehren süße, teuer ist der Bund. Aller Welt ist nun ver⸗ meldt durch der guten Botschaft Lehre, daß man sich bekehre. 5. Kommt, zerknirschte Herzen, die in bittern Schmerzen das Gesetz zerschlug, kommt zu dessen Gnaden, der für euch beladen alle Schmerzen trug. Jesu Blut stärkt euren Mut, Gott ist hier, der euch geliebet und die Schuld vergibet. 6. Dieser Grund bestehet; wenn die Welt vergehet, fällt er doch nicht ein. Darauf will ich bauen; so soll mein Vertrauen evangelisch sein; auch will ich nun würdiglich dieser Kraft, die mir gegeben, evangelisch leben. 7. Jesu, deine Stärke schaffet diese Werke, stehe du mir bei! Nichts kann mich nun scheiden, hilf denn, daß mein Leiden evan⸗ gelisch sei. Laß auch mich einmal auf dich, als ein Kind mit dir zu erben, evangelisch sterben! Heinr. Cornelius Hecker g. 1699 4 1748. 195. Mel. Es ist das Heil uns kommen her, oder Es ist gewißlich an der Zeit. Resetz und Evangelium sind beide Gottes Gaben, die wir in un⸗ serm Christentum beständig nötig haben; doch bleibt ein großer Unter⸗ schied, den nur ein solches Auge sieht, das Gottes Geist erleuchtet. 2. Was Gott in dem Gesetz gebeut, ist uns ins Herz ge⸗ schrieben: Wir sollen nämlich jederzeit Gott und den Nächsten Lieder vom Worte Gottes. 105 lieben. Daß aber Gott die Welt geliebt und seinen Sohn für Sün⸗ der gibt, das muß er selbst ent⸗ decken. 3. In dem Gesetz wird unsre Pflicht uns ernstlich vorgetragen; das Evangelium kann nicht als nur von Gnade sagen; jens zeigt dir, was du tun sollst, an, dies lehrt, was Gott an dir getan; jens fordert, dieses schenket. 4. Was das Gesetz dir guts verspricht, wird dir nicht zuge⸗ wendet, es sei denn, daß du deine Pflicht vollkommen hast voll⸗ endet; was Christi Gnade guts verheißt, wird dem, der gläubig sich erweist, frei und umsonst gegeben. 5. Wo das Gesetz den Sünder findt, da schlägt es ihn danieder; das Evangelium verbindt und heilt die Wunden wieder; jens predigt Sünde, Zorn und Fluch, dies öffnet dir das Lebensbuch in des Erlösers Wunden. 6. Jens decket dir dein Elend auf, dies saget von Erbarmen; jens schläget unbarmherzig drauf, dies hebt und trägt die Armen; jens zeigt und drohet dir den Tod, dies hilfet dir aus Tod und Not und bringt dir Geist und Leben. 7. Was das Gesetz zu sagen hat, gehört für rohe Herzen, für Heuchler, die schon reich und satt, die mit der Sünde scherzen; des Gnadenwortes Balsamöl senkt sich in eine kranke Seel, die elend und beladen. 8. Wenn das Gesetz den Zweck erreicht, so hört es auf zu fluchen; 106 Lieder vom Worte Gottes. sein Zwang, sein Blitz, sein Drohen weicht, wenn man will Gnade suchen; es treibt zum Kreuz des Mittlers hin, wenn ich an diesen gläubig bin, so hat der Trost kein Ende. 9. Mein Gott, laß diesen Un⸗ terschied mich in der Tat erfahren, nach Sündenangst laß Trost und Fried sich in der Seele paaren! Treib mich durch des Gesetzes Fluch, daß ich die Gnade gläubig such in des Erlösers Armen. 10. Gib aus dem Evangelio mir Kräfte, dich zu lieben und als dein Kind mich frei und froh in dem Gesetz zu üben. Gib Gnade, daß ich meine Pflicht mit Heiligkeit und Zuversicht in Lieb und Glauben leiste. Joh. Jak. Rambach g. 1693 1735. 196. Mel. Jesu, meines Lebens Leben ⁴⁷ ist eine selge Stunde, Jesu, da man dein gedenkt und das Herz von Herzensgrunde tief in deine Wunden senkt. Wahrlich, nichts als Jesum kennen, Jesum suchen, finden, nennen, das erfüllet unsre Zeit mit der höchsten Selig⸗ keit. 2. Jesus, deine Gnadenquelle fließt so gern ins Herz hinein, deine Sonne scheinet helle, denn du willst genossen sein; und bei aller Segensfülle ist dein Wunsch und ernster Wille, daß man, weil dein Brünnlein voll, unaufhörlich schöpfen soll. 3. Nun, so laß auch diese Stunde dein Gedächtnis in uns sein, in dem Herzen, in dem Munde leb und herrsche du allein! Laß uns deiner nie vergessen! Wie Maria still gesessen, da sie deinen Mund gehört, also mach uns eingekehrt! E. G. Woltersdorf g. 1725 + 1761. 197. Mel. Ach Gott und Herr. Beit ist mein Hort, und auf sein Wort soll meine Seele trauen. Ich wandle hier, mein Gott, vor dir im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; laß immerdar mich seine Kräfte schmecken, laß keinen Spott, o Herr mein Gott, mich von dem Glauben schrecken! 3. Wo hätt ich Licht, wofern mich nicht dein Wort die Wahr⸗ heit lehrte? Gott, ohne sie ver⸗ stünd ich nie, wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der Seele Wert, Unsterblichkeit und Leben. Zur Ewigkeit ist diese Zeit von dir mir übergeben. 5. Dein ewger Rat, die Misse⸗ tat der Sünder zu versühnen, den kennt ich nicht, wär mir dies Licht nicht durch dein Wort er⸗ schienen. 6. Nun darf mein Herz in Reu und Schmerz der Sünden nicht verzagen. Nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist ein gläubig Abba sagen. 7. Mich zu erneun, mich dir zu weihn, ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh vermag ichs nie, dein Wort gibt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, laß uns dies Wort, denn du hasts uns ge⸗ geben. Es sei mein Teil, es sei mir Heil und Kraft zum ewgen Leben! Chr. F. Gellert g. 1715 4 1769. 198. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. HDein Wort, o Herr, ist milder Tau für trostbedürftge Seelen. Laß keinem Pflänzchen deiner Au den Himmelsbalsam fehlen; eraquickt durch ihn laß jedes blühn und in der Zukunft Tagen dir Frucht und Samen tragen! 2. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert, ein Keil, der Felsen spaltet, ein Feuer, das im Herzen zehrt und Mark und Bein durchschaltet. O laß dein Wort noch fort und fort der Sünde Macht zerscheitern und alle Herzen läutern! 3. Dein Wort ist uns der Wunderstern für unsre Pilgerreise, es führt auch Toren hin zum Herrn und macht die Einfalt weise. Dein Himmelslicht verlösch uns nicht und leucht in jede Seele, daß keine dich verfehle. Tauf⸗ und Konfirmationslieder. 107 4. Ich suchte Trost und fand ihn nicht; da ward das Wort der Gnade mein Labsal, meine Zu⸗ versicht, die Fackel meiner Pfade. Sie zeigte mir den Weg zu dir und leuchtet meinen Schritten bis zu den ewgen Hütten. 5. Nun halt ich mich mit festem Sinn zu dir, dem sichern Horte. Wo wendet ich mich an⸗ ders hin? Herr, du hast Lebens⸗ worte. Noch hör ich dein: Komm, du bist mein! Das rief mir nicht vergebens ein Wort des ewgen Lebens. 6. Auf immer gilt dein Segens⸗ bund, dein Wort ist Ja und Amen. Nie weich es uns aus Geist und Mund und nie von unserm Samen, laß immerfort dein helles Wort in allen Lebenszeiten uns trösten, warnen, leiten! 7. O sende bald von Ort zu Ort den Durst nach deinen Lehren, den Hunger aus, dein Lebenswort und deinen Geist zu hören; und send ein Heer von Meer zu Meer, der Herzen Durst zu stillen und dir dein Reich zu füllen. Karl Bernh. Garve g. 1768 4 1841. XIV. Cauf⸗ und Ronsirmationslieder. Bei der Taufe. 199. Eigene Melodie. Ebrist unser Herr zum Jordan kam nach seines Vaters Willen, von sanct Johanns die Taufe nahm, sein Werk und Amt zu erfüllen. Da wollt er stiften uns ein Bad, zu waschen uns von Sünden, er⸗ säufen auch den bittern Tod durch sein selbs Blut und Wunden; es galt ein neues Leben. 2. So hört und merket alle wohl, was Gott heißt selbst die Taufe, und was ein Christe glau⸗ 108 Tauf⸗ und Konfirmationslieder. ben soll, zu meiden Ketzerhaufen. Gott spricht und will, daß Wasser sei, doch nicht allein schlecht Wasser, sein heiligs Wort ist auch dabei mit reichem Geist ohn Maßen: der ist allhie der Täufer. 3. Solchs hat er uns bewiesen klar mit Bildern und mit Worten. Des Vaters Stimm man offenbar daselbst am Jordan hörte; er sprach: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich hab Gefallen; den will ich euch befohlen habn, daß ihr ihn höret alle und folget seinem Lehren. 4. Auch Gottes Sohn hie selber steht in seiner zarten Menschheit, der heilge Geist herniederfährt, in Taubenbild verkleidet, daß wir nicht sollen zweifeln dran: Wenn wir getaufet werden, all drei Per⸗ son getaufet habn und so bei uns auf Erden zu wohnen sich begeben. 5. Sein' Jünger heißt der Herre Christ: Geht hin, all Welt zu lehren, daß sie verlorn in Sünden ist, sich soll zur Buße kehren; wer gläubet und sich taufen läßt, soll dadurch selig werden; ein neu⸗ geborner Mensch er heißt, der nicht mehr könne sterben, das Himmel⸗ reich soll' erben. 6. Wer nicht gläubt dieser großen Gnad, der bleibt in seinen Sünden und ist verdammt zum ewgen Tod tief in der Hölle Grunde. Nichts hilft sein eigne Heiligkeit, all sein Tun ist ver⸗ loren, die Erbsünd machts zur Nichtigkeit, darin er ist geboren; er kann ihm selbst nicht helfen. 7. Das Aug allein das Wasser sieht, wie Menschen Wasser gießen, der Glaub im Geist die Kraft ver⸗ steht des Blutes Jesu Christi; und ist für ihn ein rote Flut, von Christus Blut gefärbet, die allen Schaden heilen tut, von Adam her geerbet, auch von uns selbst begangen. Martin Luther g. 1483 + 1546. 200. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. Laset die Kindlein kommen zu mir, spricht Gottes Sohn, sie sind mein Freud und Wonne, ich bin ihr Schild und Kron; auch für die Kinderlein, daß sie nicht wärn verloren, bin ich ein Kind geboren, drum sie mein eigen sein. 2. Der Herr gar freundlich küsset und herzt die Kinderlein, bezeugt mit Worten süße, der Himmel ihr soll sein, dieweil sein teures Blut, das aus den heilgen Wunden am Kreuzesstamm ge⸗ ronnen, auch ihnen kommt zugut. 3. Drum nach Christi Ver⸗ langen bringet die Kinder her, damit sie Gnad erlangen, niemand es ihnen wehr! Führet sie Christo zu, er will sich ihr erbarmen; legt sie in seine Arme, darin sie finden Ruh. 4. Ob sie gleich zeitlich sterben, ihr Seele Gott gefällt; denn sie sind Gottes Erben, lassen die schnöde Welt. Sie sind frei aller G'fahr, brauchen hie nicht zu leiden und loben Gott mit Freuden dort bei der Engel Schar. Cornelius Becker g. 1561 + 1604. 201. Mel. Auf dich hab ich gehoffet, Herr. Rott Vater, höre unsre Bitt: Teil diesem Kind den Segen mit, erzeig ihm deine Gnade, es sei dein Kind, nimm weg die Sünd, daß ihm dieselb nicht schade. 2. Herr Christe, nimm es gnä⸗ dig auf durch dieses Bad der heil⸗ gen Tauf zu deinem Glied und Erben, damit es dein mög allzeit sein im Leben und im Sterben. 3. Und du, o allerwertster Geist, samt Vater und dem Sohn ge⸗ preist, wollst gleichfalls zu uns kommen, damit jetzund in deinen Bund es werde aufgenommen. 4. O heilige Dreieinigkeit, dir sei Lob, Ehr und Dank bereit für diese große Güte! Gib, daß dafür wir dienen dir, vor Sünden uns behüte! Joh. Bornschürer g. 1625 + 1677. 202. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. Pebsier Jesu, wir sind hier, dei⸗ nem Worte nachzuleben. Dieses Kindlein kommt zu dir, weil du den Befehl gegeben, daß man sie zu Christo sühre, denn das Himmel⸗ reich ist ihre. 2. Ja es schallet allermeist die⸗ ses Wort in unsern Ohren: Wer durch Wasser und durch Geist nicht zuvor ist neu geboren, wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. 3. Darum eilen wir zu dir; nimm dies Pfand von unsern Armen, tritt mit deinem Glanz Tauf⸗ und Konfirmationslieder. 109 herfür und erzeige dein Erbarmen, daß es dein Kind hier auf Erden und im Himmel möge werden. 4. Wasch es, Jesu, durch dein Blut von den angeerbten Flecken, laß es bald nach dieser Flut deinen Purpurmantel decken, schenk ihm deiner Unschuld Seide, daß es sich in dich verkleide. 5. Mache Licht aus Finsternis, setz es aus dem Zorn in Gnade, heil den tiefen Schlangenbiß durch die Kraft im Wunderbade, laß hier einen Jordan rinnen, so ver⸗ geht der Aussatz drinnen. 6. Hirte, nimm dein Schäflein an, Haupt, mach es zu deinem Gliede, Himmelsweg, zeig ihm die Bahn, Friedefürst, schenk ihm den Friede, Weinstock, hilf, daß diese Rebe auch im Glauben dich umgebe. 7. Nun, wir legen an dein Herz, was von Herzen ist ge⸗ gangen; führ die Seufzer himmel⸗ wärts und erfülle das Verlangen, ja den Namen, den wir geben, schreib ins Lebensbuch zum Leben. Benjamin Schmolck g. 1672 4 1787. 203. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Laset mich voll Freude sprechen: Ich bin ein getaufter Christ, der bei menschlichen Gebrechen dennoch ein Kind Gottes ist. Was sind alle Schätze nütze, da ich einen Schatz besitze, der mir alles Heil gebracht und mich ewig selig macht. 2. Keine Sünde macht mir bange, ich bin ein getaufter Christ; denn ich weiß gewiß: So lange dieser Trost im Herzen ist, kann 110 ich mich von Angst der Sünden, Jesu, durch dein Blut entbinden, weil das teure Wasserbad mich damit besprenget hat. 3. Satan, laß dir dieses sagen: Ich bin ein getaufter Christ, und damit kann ich dich schlagen, ob du noch so grausam bist. Da ich bin zur Taufe kommen, ist dir alle Macht genommen, und von deiner Tyrannei machet Gottes Bund mich frei. 4. Freudig sag ich, wenn ich sterbe: Ich bin ein getaufter Christ; denn das bringet mich zum Erbe, das im Himmel droben ist. Lieg ich gleich im Todesstaube, so versichert mich der Glaube, daß mir auch der Taufe Kraft Leib und Leben wieder schafft. 5. Nun so soll ein solcher Segen mir ein Trost des Lebens sein. Muß ich mich zu Grabe legen, schlaf ich auch auf solchen ein. Ob mir Herz und Augen brechen, soll die Seele dennoch sprechen: Ich bin ein getaufter Christ, der nun ewig selig ist. Erdmann Neumeister g. 1671 4 1756. 204. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 8. 25 bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist, ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir ge⸗ heiligt heißt; ich bin in Christum eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, Tauf⸗ und Konfirmationslieder. mich erklärt, du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt, du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Treu und Gehorsam zugesagt; ich habe mich aus reinem Triebe dein Eigentum zu sein ge⸗ wagt; hingegen sagt ich bis ins Grab des Satans schnöden Wer⸗ ken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn über⸗ schreite, so laß mich nicht ver⸗ loren gehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin, erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen tut. 6. Weich, weich, du Fürst der Finsternisse, ich bleibe mit dir unvermengt. Hier ist zwar ein befleckt Gewissen, jedoch mit Jesu Blut besprengt. Weich, eitle Welt, du Sünde, weich! Gott hört es, ich entsage euch. 7. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Halt mich in deines Bundes Schranken, bis mich dein Wille sterben heißt. So leb ich dir, so sterb ich dir, so lob ich dich dort für und für. Joh. Jak. Rambach g. 1693 f 1785. 205. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. Belt und Vater, nimm jetzund dieses Kind von unsern Armen, nimm es auf in deinen Bund und erzeig ihm dein Erbarmen, daß es alle Lebenstage deiner Kindschaft Zeichen trage. 2. Wasche es mit deinem Blut, treuer Jesu, von den Sünden, laß in seiner Taufe Flut den geerbten Fluch verschwinden und sein Leben auf der Erden deinem Vorbild ähnlich werden. 3. Und du, werter heilger Geist, schenk ihm deine Gnadenkräfte, treibe, wie dein Bund verheißt, selbst in ihm das Heilsgeschäfte, daß es stets an Jesu Leibe ein lebendig Gliedmaß bleibe. Joh. Jak. Spreng g. 1699 4 1768. Bei der Konfirmation. 206. Eigene Melodie. W ein Schöpfer, steh mir bei, sei meines Lebens Licht; dein Auge leite mich, bis mir mein Auge bricht. Hier leg ich Herz und Glieder vor dir zum Opfer nieder und widme meine Kräfte für dich und dein Geschäfte. Du willst, daß ich der Deine sei, mein Schöpfer, steh mir bei! 2. Mein Heiland wasche mich mit deinem reinen Blut, das alle Flecken tilgt und lauter Wunder tut. Schließ die verirrte Seele in deine Wundenhöhle, daß sie von Zorn und Sünde hier wahre Frei⸗ heit finde. Ich bin voll Sünden ohne Tauf⸗ und Konfirmationslieder. 111 3. Mein Troster, gib mir Kraft, wenn sich Versuchung zeigt, regiere meinen Geist, wenn er zur Welt sich neigt. Lehr mich den Sohn erkennen, ihn meinen Herren nennen, sein Gnadenwort verstehen, auf seinen Wegen gehen. Du bist, der alles Gute schafft, mein Trö⸗ ster, gib mir Kraft! 4. Gott Vater, Sohn und Geist, dir bin ich, was ich bin. Ach drücke selbst dein Bild recht tief in meinen Sinn, erwähle mein Gemüte zum Tempel deiner Güte, verkläre an mir Armen dein gnadenreich Erbarmen! Wohl mir, wenn du der Meine heißt, Gott Vater, Sohn und Geist! Joh. Jak. Rambach g. 1693 T 1735. Konfirmationslied, wie es die Gemeinde singt. 207. Mel. Komm, heilger Geist, Herre Gott. Erdör, o Gott, das heiße Flehn der Kinder, die hier vor dir stehn! Erbarmend blick auf sie hernieder, denn dein sind sie, sind Christi Glieder. Gib ihnen, Vater, Sohn und Geist, den Segen, den dein Wort verheißt, erfülle sie mit deinen Gaben, laß sie mit dir Gemeinschaft haben, erbarme dich, erbarme dich! Wie es die Konfirmanden singen. Erbör, o Gott, das heiße Flehn rvon uns, die wir hier vor dir stehn! Erbarmend blick auf dich, mein Heiland, wasche mich! uns hernieder, denn dein sind wir, 112 Abendmahlslieder. sind Christi Glieder. Gib uns, Gott Vater, Sohn und Geist, den Segen, den dein Wort verheißt, erfüll uns du mit deinen Gaben, laß uns mit dir Gemeinschaft haben, erbarme dich, erbarme dich! Elieser Küster g. 1732 4 1799. 208. Mel. O du Liebe meiner Liebe. Bẽei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn, nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn. Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft. 2. Könnt ichs irgend besser haben als bei dir, der allezeit so viel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getroster werden als bei dir, Herr Jesu Christ, dem im Himmel und auf Erden alle Macht ge⸗ geben ist? 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, der, was Jesus tat, mir tut, mich erkauft von Tod und Sünden mit dem eignen teuren Blut? Sollt ich dem nicht ange⸗ hören, der sein Leben für mich gab, sollt ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich so in Freude wie in Leid; bei dir bleib ich, dir verschreib ich mich für Zeit und Ewigkeit. Deines Winks bin ich gewärtig, auch des Rufs aus dieser Welt; denn der ist zum Sterben fertig, der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nah auf dieser Erden, bleib auch, wenn mein Tag sich neigt, wenn es nun will Abend werden, und die Nacht herniedersteigt. Lege segnend dann die Hände mir aufs müde, schwache Haupt, sprechend: Sohn, hier gehts zu Ende, aber dort lebt, wer hier glaubt. 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, graut mir vor dem kalten Tod als dem kühlen, scharfen Wehen vor dem Himmelsmorgen⸗ rot. Wird mein Auge dunkler, trüber, dann erleuchte meinen Geist, daß ich fröhlich zieh hin⸗ über, wie man nach der Heimat reist. K. J. Phil. Spitta g. 1801 4 1859. XV. Abendmahlslieder. 209. Eigene Melodie. Aesus Christus, unser Heiland, Ader von uns den Gotteszorn wandt, durch das bittre Leiden sein half er uns aus der Hölle Pein. 2. Daß wir nimmer des ver⸗ gessen, läßt er seinen Leib uns essen mit dem Brot und uns zu⸗ gut auch trinken mit dem Wein sein Blut. 3. Wer sich will zu dem Tisch machen, der hab wohl acht auf sein Sachen; wer unwürdig hin⸗ Vo V zugeht, für das Leben den Tod empfäht. 4. Du sollst Gott den Vater preisen, daß er dich so wohl wollt speisen und für deine Missetat in den Tod sein Sohn geben hat. 5. Du sollst glauben und nicht wanken, daß es Speise sei den Kranken, deren Herz von Sünden schwer und vor Angst ist betrübet sehr. 6. Solch groß Gnad und Barm⸗ herzigkeit sucht ein Herz in großer Arbeit;“) ist dir wohl, so bbeib davon, daß du nicht kriegest bösen Lohn.) d. i. in Seelennot. 7. Er spricht selber: Kommt, ihr Armen, laßt mich über euch erbarmen; kein Arzt ist dem Starken not, sein Kunst wird an ihm gar ein Spott. 8. Hättst du dir was konnt er⸗ werben, was braucht ich für dich zu sterben? Dieser Tisch auch dir nicht gilt, so du selber dir helfen willt. 9. Glaubst du das von Her⸗ zensgrunde und bekennst es mit dem Munde, so bist du recht wohl geschickt, und die Speise dein Seel erquickt. 10. Die Frucht soll auch nicht ausbleiben: deinen Nächsten sollst du lieben, daß er dein genießen kann, wie dein Gott an dir hat getan. Martin Luther g. 1483 f 1546. 210. Jes. 6. Eigene Melodie. Tesia dem Propheten das geschah, daß er im Geist den Herren sitzen sah auf einem hohen Thron,. eleison! Abendmahlslieder. 113 in hellem Glanz. Seines Kleides Saum den Chor füllet ganz. Es standen zween Seraph bei ihm daran, sechs Flügel sah er einen jeden habn. Mit zween verbargen sie ihr Antlitz klar, mit zween bedeckten sie die Füße gar und mit den andern zween sie flogen frei. Gen ander riefen sie mit großem Schrei: Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth, Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth, Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth, Sein Ehr die ganze Welt er⸗ füllet hat. Von dem Schrei zittert Schwell und Balken gar, das Haus auch ganz voll Rauchs und Nebel war. Martin Luther g. 1483 + 1546. 211¹. Mel. Gott sei gelobet und gebenedeiet. HBerr Jesu Christe, mein getreuer Hirte, komm, mit Gnaden mich bewirte! Bei dir alleine find ich Heil und Leben, was mir fehlt, kannst du mir geben. Kyrieleison! Dein arm Schäflein wollest du weiden auf Israels Bergen mit Freuden und zum frischen Wasser führn, da das Leben her tut rührn. Kyrieleison! 2. All andre Speis und Trank ist ganz vergebens, du bist selbst das Brot des Lebens, kein Hun⸗ ger plaget den, der von dir isset, alles Jammers er vergisset. Kyri⸗ Du bist die lebendige Quelle, zu dir ich mein Herz⸗ 8 114 krüglein stelle; laß mit Trost es ließen voll, so wird meiner Seele wohl. Kyrieleison! 3. Laß mich recht trauren über meine Sünde, doch den Glauben auch anzünde, den wahren Glau⸗ ben, mit dem ich dich fasse, mich auf dein Verdienst verlasse. Ryri⸗ eleison! Gib mir ein recht buß⸗ fertig Herze, daß ich mit der Sünde nicht scherze noch durch meine Sicherheit mich bring um die Seligkeit. Kyrieleison! 4. Heftig beschwert find ich mein Gewissen; ach laß reichen Trost drein fließen aus deinen Wunden, welche du empfangen, da du bist am Kreuz gehangen. Kyrieleison! Wenn mein Herz damit wird ge⸗ rühret, wirds von Stund an still und gezieret durch dein Blut mit Glauben schön, kann in dir vor Gott bestehn. Kyrieleison! 5. Der b'darf des Arztes, den die Krankheit plaget, mit Begier er nach ihm fraget. O süßer Jesu, schau, wie tiefe Wunden werden auch in mir gefunden! Kyrieleison! Du bist ja der Arzt, den ich rufe, auf den mit Ver⸗ langen ich hoffe. Hilf, o wahrer Mensch und Gott! Hilfst du nicht, so bin ich tot. Kyrieleison! 6. Du rufest alle, Herr, zu dir in Gnaden, die mühselig und be⸗ laden; all ihre Missetat willst du verzeihen, ihrer Bürden sie be⸗ freien. Kyrieleison! Ach komm selbst, leg an deine Hände und die schwere Last von mir wende, mache mich von Sünden frei, dir zu dienen Kraft verleih! Kyri⸗ eleison! Abendmahlslieder. mit 7. Mein Geist und Herze wollst du zu dir neigen, nimm mich dir, gib mich dir eigen! Du bist der Weinstock, ich bin deine Rebe, nimm mich in dich, daß ich lebe. Kyri⸗ eleison! Ach in mir find ich eitel Sünden, in dir müssen sie bald verschwinden; in mir find ich Höllenpein, in dir muß ich selig sein. Kyrieleison! 8. Komm, meine Freude, komm, du schönste Krone, Jesu, komm und in mir wohne! In mir will ich dich mit Gebet oft grüßen, ja Lieb und Glauben küssen. Kyrieleison! Bringe mit, was alle Welt erfreut: deiner Liebe süße Lieblichkeit, deine Sanftmut und Geduld, die Frucht deiner Gnad und Huld. Kyrieleison! 9. Dies sind die Blümlein, die mich können heilen und mir Le⸗ benssaft erteilen, daß ich aus mir nun all Untugend reiße, dir zu dienen mich befleiße. Kyrieleison! In dir hab ich alles, was ich soll, deiner Gnade Brünnlein ist stets voll. Laß mich ewig sein in dir und bleib ewig auch in mir! Kyri⸗ eleison! Joh. Heermann g. 1585 f 16 N. 21². Eigene Melodie ◻ Jesu, du mein Bräutigam, der du aus Lieb am Kreuzes⸗ stamm für mich den Tod gelitten hast, genommen weg der Sünden Last, 2. Ich komm zu deinem Abend⸗ mahl, verderbt durch manchen Sündenfall; ich bin krank, unrein, Abendmahlslieder. nackt und bloß, blind und arm; ach mich nicht verstoß! 3. Du bist der Arzt, du bist das Licht, du bist der Herr, dem nichts gebricht; du bist der Brunn der Heiligkeit, du bist das rechte Hochzeitskleid. 4. Drum, o Herr Jesu, bitt ich dich, in meiner Schwachheit heile mich; was unrein ist, das mache rein durch deinen hellen Gnadenschein! 5. Erleuchte mein verfinstert Herz, zünd an die schöne Glau⸗ benskerz, mein Armut in Reich⸗ tum verkehr und meinem Fleische steur und wehr, 6. Daß ich das wahre Him⸗ melsbrot, dich, Jesu, wahrer tensch und Gott, mit solcher Ehrerbietung nehm, wie mir es heilsam, dir genehm. 7. Lösch alle Laster aus in mir, mein Herz mit Lieb und Glauben zier, und was sonst ist von Tugend mehr, das pflanz in mir zu dei⸗ ner Ehr! 8. Gib, was mir nütz an Seel und Leib, was schädlich ist, fern von mir treib, komm in mein Herz, laß mich mit dir vereinigt bleiben für und für! 9. Hilf, daß durch dieses Mah⸗ les Kraft das Bös in mir werd abgeschafft, erlassen alle Sünden⸗ schuld, erlangt des Vaters Lieb und Huld. 10. Vertreibe alle meine Feind, die sichtbar und unsichtbar seind, den guten Vorsatz, den ich führ, durch deinen Geist mach sest in mir! 11. Mein Leben, Sitten, Sinn und Pflicht nach deinem heilgen Willen richt, ach laß mich meine Tag in Ruh und Friede christ⸗ lich bringen zu, 12. Bis du mich, o du Lebens⸗ fürst, zu dir in Himmel nehmen wirst, daß ich bei dir dort ewig⸗ lich an deiner Tafel freue mich. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 213. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. He Jesu, dir sei Preis und 2Dank für diese Seelenspeis und Trank, damit du uns be⸗ gabet! Im Brot und Wein dein Leib und Blut kommt uns wahr⸗ haftig wohl zu gut und unsre Herzen labet. Daß wir nun dir in dem allen wohl gefallen, heilig leben; solches wollest du uns geben! 2. Du kehrest, o Immanuel, ja selber ein in unsre Seel, dir Wohnung da zu machen; drum uns ein solches Herz verleih, das von der Weltlieb ledig sei und allen eitlen Sachen. Bleibe, treibe unser Sinnen und Beginnen, daß wir trachten, alles Irdsche zu verachten. 3. Ach Herr, laß uns doch nehmen nicht dein wertes Nacht⸗ mahl zum Gericht! Ein jeder recht bedenke, daß er mit diesem Lebens⸗ brot im Glauben stille seine Not; der Fels des Heils uns tränke,“) züchtig, tüchtig dich dort oben stets zu loben, bis wir werden zu dir kommen von der Erden. 1 Kor. 10, 4. 4. O daß wir solche Seligkeit erwarten möchten allezeit in Hoff⸗ nung und Vertrauen, und folgends aus dem Jammertal gelangen in den Himmelssaal, da wir Gott werden schauen tröstlich, köstlich, uns als Gäste auf das beste bei ihm laben und ganz volle Gnüge haben. 5. Das gib du uns von deinem Thron, o Jesu Christe, Gottes Sohn, gibs durch dein bitter Leiden! Dasselbe, weil wir leben hier, laß uns betrachten für und für, all Böses darum meiden! Amen, Amen, hilf uns kämpfen, hilf uns dämpfen alle Sünden, hilf uns fröhlich überwinden! V. 1, 3, 4 Bernh. Derschow g. 1591 4 1639, V. 2 u. 5 Han. Gsb. 1657. 21⁴. Eigene Melodie, oder Herr Jesu Christ, du höchstes Gut. Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ, kann dich ein Sünder haben, der nach dem Himmel hungrig ist und sich mit dir will laben, so bitt ich dich demütiglich, du wollest so bereiten mich, daß ich recht würdig werde. 2. Auf grüner Aue wollest du mich diesen Tag, Herr, leiten, den frischen Wassern führen zu, den Tisch für mich bereiten. Ich bin zwar sündlich, matt und krank, doch laß mich deinen Gnadentrank aus deinem Becher schmecken! 3. Du angenehmes Himmels⸗ brot, du wollest mir verzeihen, daß ich in meiner Seelennot zu dir muß kläglich schreien. Dein Glaubens⸗ rock bedecke mich, auf daß ich möge würdiglich an deiner Tafel sitzen. 4. Tilg allen Haß und Bitter⸗ keit, o Herr, aus meinem Herzen, laß mich die Sünd in dieser Zeit bereuen ja mit Schmerzen! Des Abendmahlslieder. neuen Bundes Osterlamm, du mei⸗ ner Seele Bräutigam, laß mich dich recht genießen! 5. Zwar bin ich deiner Gunst nicht wert, als der ich jetzt er⸗ scheine mit Sünden allzuviel be⸗ schwert, die schmerzlich ich beweine. In solcher Trübsal tröstet mich, Herr Jesu, daß du gnädiglich der Sünder dich erbarmest. 6. Ich bin ein Mensch, krank von der Sünd, laß deine Hand mich heilen! Erleuchte mich, denn ich bin blind, du kannst mir Gnad erteilen. Ich bin verdammt, er⸗ barme dich! Ich bin verloren, rette mich und hilf aus lauter Gnade! 7. Mein Bräutigam, komm her zu mir und wohn in meiner Seele, daß sie dich liebe für und für und sich mit dir vermähle. Ach laß doch deine Süßigkeit für meine Seele sein bereit, und stille ihren Jammer! 8. Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ, komm, selbst dich mir zu schenken! O Blut, das du ver⸗ gossen bist, komm eiligst, mich zu tränken! Ich bleib in dir, du bleibst in mir, drum wirst du, meiner Seele Zier, mich einst auch auferwecken. Johann Rist g. 1007 + 1667. 21⁵. Eigene Melodie. . dich, o liebe Seele, laß die dunkle Sündenhöhle, komm ans helle Licht gegangen, fange herrlich an zu prangen! Denn der Herr voll Heil und Gnaden will dich jetzt zu Gaste laden; der den im ige Her ill Abendmahlslieder. 117 Himmel kann verwalten, will jetzt Herberg in dir halten. 2. Eile, wie Verlobte pflegen, deinem Bräutigam entgegen, der da mit dem Gnadenhammer klopft an deine Herzenskammer. Offn ihm bald die Geistespforten, red ihn an mit schönen Worten: Komm, mein Heil, laß dich umfassen, von dir kann ich nimmer lassen. 3. Zwar in Kaufung teurer Waren pflegt man sonst kein Geld zu sparen; aber du willst für die Gaben deiner Huld kein Geld nicht haben,“) weil in allen Bergwerks⸗ gründen kein solch Kleinod ist zu finden, das den Trank in diesen Schalen und dies Manna kann bezahlen.) Jes. 55, 1. 4. Ach wie hungert mein Ge⸗ nüte, Menschenfreund, nach dei⸗ ner Güte; ach wie pfleg ich oft mit Tränen mich nach deiner Kost zu sehnen; ach wie pfleget mich zu dürsten nach dem Trank des Lebensfürsten, wünsche, daß er als der meine mich durch sich mit Gott vereine. 5. Beides, Zittern und Ergetzen, will mich in Bewegung setzen; das Geheimnis dieser Speise und die unerforschte Weise machet, daß ich früh vermerke, Herr, die Größe deiner Stärke. Ist auch wohl ein Mensch zu finden, der dein Allmacht sollt ergründen? 6. Nein, Vernunft die muß hier weichen, kann dies Wunder nicht erreichen, daß dies Brot nie wird verzehret, ob es gleich viel Tausend nähret, und daß mit dem Saft der Reben uns wird Christi Blut keiten, die nur Gottes Geist kann deuten! 7. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen, hier fall ich zu deinen Füßen, laß mich würdiglich genießen dieser deiner Himmelsspeise mir zum Heil und dir zum Preise! 8. Herr, es hat dein treues Lieben dich vom Himmel hergetrie⸗ ben, daß du willig hast dein Leben in den Tod für uns gegeben und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, das uns jetzt kann kräftig tränken, deiner Liebe zu gedenken. 9. Jesu, wahres Brot des Lebens, hilf, daß ich doch nicht vergebens oder mir vielleicht zum Schaden sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich durch dies Seelenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie jetzt auf Erden, mag dein Gast im Himmel werden. Johann Franck g. 1618 f 1877. 216. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Mleine Seele, laß dich finden auf der wahren Glaubensbahn, dich mit Christo zu verbinden; tu ihm auf, er llopfet an. Den die Himmel nicht umfassen, will in dir sich nieder lassen, Jesus will im Brot und Wein wesentlich zu⸗ gegen sein. 2. O geheimnisvolle Weise, die kein Menschenwitz ermißt! Hier gibt sich ein Lamm zur Speise, das der Erzhirt selber ist; hier gegeben. O der großen Heimlich⸗ will zu der Gäste Leben sich der 118 Abendmahlslieder. Wirt zur Speise geben, und zum Opfer stellt sich hier selbst der Hohepriester für. 3. O wie hungert nach den Seelen selbst das wahre Lebens⸗ brot! Selig, die dies Brot er⸗ wählen für des Geistes Hungers⸗ not! Seht, an dieser heilgen Stelle lechzet selbst die Lebensquelle nach der armen Sünder Heil. Jesus ist ihr bestes Teil. 4. Sieh, o Mensch, den Schatz der Gnade, den dir Jesus auf⸗ getan; rühre nicht die Bundeslade mit verwegnen Händen an! Soll nicht Gottes Grimm erwachen und dich gar zunichte machen, armer Sünder, so tritt du zitternd und mit Furcht herzu! 5. Jesu, mache meine Sinnen und mein ganzes Herze rein, laß jetzt deine Wunden rinnen, senke tief mein Herz hinein! Komm, du König aller Ehren, eile, bei mir einzukehren unter meines Herzens Dach, obs gleich niedrig, arm und schwach. 6. Jesu, laß mich Gnade finden und vertreib mir alles Weh, laß die purpurroten Sünden weißer sein als Woll und Schnee! Komm, mein Herz voll Glauben, Hoffen, Lieb und Sehnsucht steht dir offen, laß dein Herz, das ewig rein, und mein Herz Ein Herze sein! Salomo Franck g. 1059 + 1725. 217. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. Henr Jesu Christ, du höchstes Gut, 2du Brunnquell aller Gnaden, wir kommen, deinen Leib und Blut, wie du uns hast geladen, zu deiner Liebe Herrlichkeit und unsrer Seelen Seligkeit zu essen und zu trinken. 2. O Jesu, mach uns selbst bereit zu diesem hohen Werke, schenk uns dein schönes Ehren⸗ kleid durch deines Geistes Stärke! Hilf, daß wir würdge Gäste sein und werden dir gepflanzet ein zum ewgen Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir auch bis ans Ende bleiben; laß Sünd und Not uns für und für nicht wieder von dir treiben, bis wir durch deines Nachtmahls Kraft in deines Himmels Bürger⸗ schaft dort ewig selig werden. 1713. 218. Eigene Melodie. Mein Jesu, der du vor dem Scheiden in deiner letzten Trauernacht uns hast die Früchte deiner Leiden in einem Testament vermacht, es preisen gläubige Ge⸗ müter dich, Stister dieser hohen Güter. 2. So oft wir dieses Mahl genießen, wird dein Gedächtnis bei uns neu; man kann aus frischen Proben schließen, wie brünstig deine Liebe sei. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen ver⸗ neuern sich in unserm Herzen. 3. Es wird dem zagenden Gewissen ein neues Siegel auf⸗ gedrücht, daß unser Schuldbrief sei zerrissen, daß unsre Hand⸗ schrift sei zerstückt, daß wir Ver⸗ gebung unsrer Sünden in deinen blutgen Wunden finden. ‚ N. n Abendmahlslieder. 119 4. Das Band wird fester zu⸗ gezogen, das dich und uns zu⸗ sammenfügt; die Freundschaft, die wir sonst gepflogen, fühlt, wie sie neue Stützen kriegt; wir werden mehr in solchen Stunden mit dir zu Einem Geist verbunden. 5. Dies Brot kann wahre Nah⸗ rung geben, dies Blut erquicket unsern Geist; es mehrt sich unser innres Leben, wenn unser Glaube dich geneußt; wir fühlen neue. Kraft und Stärke in unserm Kampf und Glaubenswerke. 6. Wir treten in genaure Bande mit deines Leibes Gliedern ein, mit denen wir in solchem Stande Ein Herz und Eine Seele sein; der Geist muß mehr zusammen⸗ fließen, da wir Ein Fleisch und Blut genießen. 7. Dein Fleisch muß uns zum Pfande dienen, daß unser Fleisch, das schwachheitvoll, einst herrlich aus dem Staube grünen und un⸗ verweslich werden soll, ja daß du uns ein ewig Leben nach diesem lurzen werdest geben. 8. O teures Lamm, so edle Gaben hast du in dieses Mahl gelegt. Da wir dich selbst zur Speise haben, wie wohl ist unser Geist verpflegt! Dies Mahl ist unter allen Leiden ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sei Lob, Ehr und Preis gesungen! Ein solcher hoher Liebes⸗ schein verdient, daß aller Engel Zungen zu dessen Ruhm geschäftig sein. Wird unser Geist zu dir erhoben, so wird er dich voll⸗ kommner loben. Joh. Jak. Rambach g. 1693 T 1735. 219. Mel. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld. 45 komme, Herr, und suche dich, mühselig und beladen. Gott, mein Erbarmer, würdge mich des Wunders deiner Gnaden! Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, mich deiner zu getrösten; ich fühle meiner Sünden Müh, ich suche Ruh und finde sie im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, du bist das Heil der Sünder, du hast die Handschrift abgetan, und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du hast mein Heil verdienet, du hast für mich dich dargestellt, Gott war in dir und hat die Welt in dir mit sich versühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! Er ülget deine Sünden und läßt an seiner Tafel hier dich Gnad um Gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, spricht liebreich: Sei getrost, mein Sohn, die Schuld ist dir vergeben, du bist in meinen Tod getauft und du wirst dem, der dich erkauft, von ganzem Herzen leben. 4. Dein ist das Glück der Selig⸗ leit, bewahr es hier im Glauben und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben! Sieh, ich vereine mich mit dir, ich bin der Weinstock, bleib an mir, so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. 120 Abendmahlslieder. 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot, ich will es treu erfüllen und bitte dich durch deinen Tod um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig sein, mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn und deinen Tod zu preisen. Laß mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt beweisen! Chr. F. Gellert g. 1715 4 1769. 220. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. Her, du wollst uns vorbereiten 2zu deines Mahles Seligkeiten, sei mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, mit glaubensvollem Herzen nahen und sprich uns los von Sünd und Tod! Wir sind, o Jesu, dein; dein laß uns ewig sein! Amen, Amen! Anbetung dir! Einst feiern wir das große Abendmahl bei dir. Nach Fr. Gottl. Klopstock g. 1724 4 1803. Nach dem Abendmahle. 221. Eigene Melodie. Hett sei gelobet und gebenedeiet, der uns selber hat gespeiset mit seinem Fleische und mit seinem Blute; das gib uns, Herr Gott, zu gute! Kyrieleison! Herr, durch deinen heiligen Leichnam, der von deiner Mutter Maria kam, und das heilige Blut hilf uns, Herr, aus aller Not! Kyrieleison! 2. Den heilgen Leib hat er für uns gegeben zum Tod, daß wir dadurch leben. Nicht größre Güte konnte er uns schenken, dabei mir vollgemessen den edlen Kelch, wir sein solln gedenken. Kyri⸗ eleison! Herr, dein Lieb so groß dich g'zwungen hat, daß dein Blut an uns groß Wunder tat und bezahlt“ unsre Schuld, daß uns Gott ist worden hold. Kyrieleison! 3. Gott geb uns allen seiner Gnade Segen, daß wir gehn auf seinen Wegen in rechter Lieb und brüderlicher Treue, daß uns die Speis nicht gereue. Kyrieleison! Herr, dein heilig Geist uns nim⸗ mer laß, der uns geb zu halten rechte Maß, daß dein arm Christen⸗ heit leb in Fried und Einigkeit. Kyrieleison! Martin Luther g. 1483 4 1546. 222. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. Wie wohl hast du gelabet, o liebster Jesu, deinen Gast, ja mich so reich begabet, daß ich jetzt fühle Freud und Rast. O wundersame Speise, o süßer Lebens⸗ trank, o Liebmahl, das ich preise mit einem Lobgesang, indem es hat erquicket mein Leben, Herz und Mut; mein Geist der hat er⸗ blicket das allerhöchste Gut. 2. Du hast mich jetzt geführet, o Herr, in deinen Gnadensaal, daselbst hab ich berühret dein edlen Güter allzumal; da hast du mir gegeben umsonst und mildiglich das werte Brot zum Leben, das sehr erquicket mich; du hast mir zugelassen, daß ich den Seelenwein im Glauben möchte fassen und dir vermählet sein. 3. Bei dir hab ich gegessen die Speise der Unsterblichkeit; du hast IIIR —— ee r.... 8x „unrn n Abendmahlslieder. 121 der mich erfreut. Ach Gott, du hast erzeiget mir Armen solche Gunst, daß billig jetzt sich neiget mein Herz vor Liebesbrunst. Du hast mich lassen schmecken das köstlich Himmelsbrot; hinfort kann mich nicht schrecken Welt, Teufel, Sünd und Tod. 4. So lang ich leb auf Erden, o liebster Jesu, preis ich dich, daß du mich lässest werden gesättigt von dir und durch dich. Du hast mich selbst getränket mit deinem teuren Blut und dich zu mir ge⸗ lenket, o unvergleichlichs Gat! Nun werd ich ja nicht sterben, weil mich gespeiset hat der nimmer kann verderben, mein Trost, Schutz, Hülf und Rat. 5. Wie kann ichs aber fassen, Herr Jesu, daß du mit Begier dich hast so tief gelassen vom Himmels⸗ saal herab zu mir? Du Schöpfer aller Dinge besuchest deinen Knecht; ach hilf, daß ich dir bringe ein Herz, das fromm und recht, das gläubig dir vertraue, damit nach dieser Zeit ich ja dein Antlitz schaue dort in der Ewigkeit. 6. Du bists, der ewig bleibet, ich aber bin dem Schatten gleich, den bald ein Wind vertreibet; Herr, ich bin arm, und du bist reich. Du bist sehr groß von Güte, kein Unrecht gilt bei dir; ich, sündhaft von Gemüte, kann fehlen für und für. Doch kommest du hernieder und nimmst dich meiner an; was geb ich dir doch wieder, das dir gefallen kann? 7. Ein Herz durch Reu zer⸗ schlagen, ein Herz, das ganz zer⸗ behagen, mein Heiland, dir zu jeder Frist. Du wirst es nicht verachten; demnach ich emsig bin, nach deiner Gunst zu trachien; nimm doch in Gnaden hin das Opfer meiner Zungen, denn billig wird jetzund dein teurer Ruhm besungen, Herr Gott, durch mei⸗ nen Mund. 8. Wohl mir, ich bin versehen mit Himmelspeis und Lebenstrank; nun will ich rüstig stehen, zu singen dir Lob, Ehr und Dank. Fahr hin, du Weltgetüm mel, du bist ein eitler Tand, ich seufze nach dem Himmel, dem rechten Vaterland. Fahr hin, dort werd ich leben ohn Unglück und Verdruß; mein Gott, du wirst mir geben der Wohllust Überfluß. Johann Rist g. 1607 t 1667. 223. Mel. Nun laßt uns Gott dem Herren. 0 Jesu meine Wonne, du meiner Seele Sonne, du Freundlichster auf Erden, laß mich dir dankbar werden! 2. Wie kann ich gnugsam schätzen dies himmelsüß Ergetzen und diese teuren Gaben, die uns gestärket haben? 3. Wie soll ich dir es danken, o Herr, daß du mich Kranken gespeiset und getränket, ja selbst dich mir geschenket? 4. Ich lobe dich von Herzen für alle deine Schmerzen, für deine Schläg und Wunden, der du so viel empfunden. 5. Dir dank ich für dein Leiden, knirschet ist, das, weiß ich, wird den Ursprung meiner Freuden; dir 12² dank ich für dein Sehnen und heiß vergoßnen Tränen. 6. Dir dank ich für dein Lieben, das standhaft ist geblieben; dir dank ich für dein Sterben, das mich dein Reich läßt erben. 7. Jetzt schmecket mein Gemüte dein übergroße Güte; dies teure Pfand der Gnaden ulgt allen meinen Schaden. 8. Herr, laß michs nicht ver⸗ gessen, daß du mir zugemessen die kräftge Himmelspeise, wofür mein Herz dich preise. 9. Du wollest ja die Sünde, die ich annoch empfinde, aus meinem Fleische treiben und kräftig in mir bleiben. 10. Nun bin ich los gezählet von Sünden und vermählet mit dir, mein liebstes Leben. Was kannst du Werters geben? 11. Laß, Schönster, meine Seele doch stets in dieser Höhle des Leibes mit Verlangen an deiner Liebe hangen! 12. Laß mich die Sünde meiden, laß mich geduldig leiden, laß mich mit Andacht beten und von der Welt abtreten! 13. Nun kann ich nicht ver⸗ derben; drauf will ich selig sterben und freudig auferstehen, o Jesu, dich zu sehen. Johann Rist g. 1607 4 1667. 224. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. Mank, Jesu, dir! Ach sind wirs wert, daß so viel Heil uns widerfährt, du unser so gedenkest? Erst bis zum Tod am Kreuz uns Abendmahlslieder. liebst, nun solch ein Pfand der Lieb uns gibst, ach dich so ganz uns schenkest? Heil uns! Heil uns! Wir empfinden, rein von Sünden, Gottes Frieden. Mehr noch ist uns dort beschieden. Vor der Abendmahlsfeier eines Kranken. 225. Mel. Vater unser im Himmelreich. Ia deinen Füßen liege ich, mein Jesu, blicke doch auf mich! Du bist der Arzt und Wunder⸗ mann, der allezeit erretten kann; drum, bin ich gleich von Hülfe bloß, so ist doch mein Vertrauen groß. 2. Mein Trost und meines Herzens Teil, mach erstlich meine Scele heil, besprenge sie mit deinem Blut und mache mein Verbrechen gut, und dann gib, nach vergebner Schuld, bei meiner Schwachheit auch Geduld! 3. Berühre mich mit deiner Hand, die so viel Böses abge⸗ wandt. Dein Leib mich speise, da ich krank, dein Blut sei meiner Seele Trank! Ich will, wie Lazarus, allein, auch wenn ich krank, der Deine sein. 4. Wenns meiner ist, so heile mich, Herr Jesu Christ; soll sterben aber besser sein, wohl mir, auf Jesum schlaf ich ein. Mach du es, Jesu, durch dein Blut mit mir an Leib und Seele gut! Christ. Heinr. Zeibich g. 1677 4 1716. Seele selig ———— 7„* 22——— C. Lieder vom christlichen Leben. XVI. Buß⸗ und Beichtlieder. 226. Eigene Melodie. Vater, allmächtiger Gott, zu dir schreien wir in der Not: Durch deine große Barmherzigkeit erbarm dich über uns! Christe, wollst uns erhören, für uns bist du geboren von Maria. Erbarm dich über uns! Vergib uns all unsre Sünde, hilf uns in der letzten Stunde, für uns bist du gestorben. Erbarm dich über uns! O heilger Geist, wollst uns geben, dich allzeit herzlich zu lieben und nach deinem Willen zu leben. Erbarm dich über uns! Altkirchl. Deutsch d. g. 1484 227. Eigene Melodie. limm von uns, Herre Gott, all unsre Sünd und Missetat, auf daß wir mit rechtem Glauben und reinem Herzen in deinem Dienst erfunden werden. 2. Erbarm dich, erbarm dich, erbarm dich deines Volls, o Christe, das du erlöset hast mit deinem teuren, heilgen Blute. 3. Erhör uns, erhör uns, er⸗ höre unsre Bitt, Gott Vater, Schöpfer aller Dinge, hilf uns und sei uns gnädig! 4. Erhör uns, erhör uns, er⸗ höre unsre Bitt, o Christe, aller Welt Heiland, bitt für uns und sei uns gnädig! 5. Erhör uns, erhör uns, er⸗ höre unsre Bitt, Gott heilger Geist, du einger Tröster, erleucht uns und sei uns gnädig! Chor. 6. So wahr ich lebe, spricht Gott der Herre, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Amen. Alttirchlich. 228. Psalm 130. Eigene Melodie. eus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen, dein gnädig Ohren kehr zu mir und meiner Bitt sie öffne! Denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist getan, wer kann, Herr, vor dir bleiben? 124 Buß⸗ und 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben; es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, des muß dich fürchten jedermann und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen; auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein wertes Wort. Das ist mein Trost und treuer Hort, des will ich allzeit harren. Beichtlieder. 4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, doch soll mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. So tu Israel rechter Art, der aus dem Geist erzeuget ward, und seines Gottes harre! 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade; sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, der Jsrael er⸗ lösen wird aus seinen Sünden allen. Martin Luther g. 1483 1 1546. 229. Die Sitanei. Eigene Melodie. Erster Chor: Byrie, Christe, Kyrie, Christe, Herr Gott Vater im Himmel, Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, Herr Gott heiliger Geist, Sei uns gnädig, Sei uns gnädig, Vor allen Sünden, vor allem Irrsal, vor allem Übel Vor des Teufels Trug und List, vor bösem schnellem Tod, vor Pestilenz und teurer Zeit Vor Krieg und Blutvergießen, vor Aufruhr und Zwietracht, vor Hagel und Ungewitter, vor Feuer- und Wassersnot, vor dem ewigen Tod Zweiter Chor: Eleison!“) Eleison! Eleison! Erhöre uns! ) Erbarme dich. Erbarm dich über uns! Erbarm dich über uns! Erbarm dich über uns! Verschon uns, lieber Herre Gott! Hilf uns, lieber Herre Gott! Behüt uns, lieber Herre Gott! Behüt uns, lieber Herre Gott! Behüt uns, lieber Herre Gott! 2 ?2 C 1 Buß⸗ und Erster Chor: Durch deine heilige Geburt, durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, durch dein Kreuz und Tod, durch dein heiliges Auferstehn und Himmelfahrt In unsrer letzten Not, am jüngsten Gericht Wir armen Sünder bitten: Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen, alle ihre Diener, Wächter und Hirten im heilsamen Wort und heiligen Leben erhalten, Allen Rotten und Argernissen wehren, alle Irrige und Verführte wieder⸗ bringen, den Satan unter unsere Füße treten, Treue Arbeiter in deine Ernte senden, deinen Geist und Kraft zum Worte geben, allen Betrübten und Blöden helfen und sie trösten, Allen Königen und Fürsten Friede und Eintracht geben, unserm Kaiser und König steten Sieg wider deine Feinde gönnen, und ihn mit allen seinen Gewal⸗ tigen leiten und schützen, unsere Obern Schule und Ge⸗ unsern Rat meinde segnen und behüten, Beichtlieder. Zweiter Chor: Hilf uns, lieber Herre Gott! Hilf uns, lieber Herre Gott! Du wollest uns erhören, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Goit! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! 126 Buß⸗ und Veichtlieder. Erster Chor: Allen, so in Not und Gefahr sind, mit Hülfe erscheinen, allen Schwangern und Säugenden fröhliche Frucht und Ge⸗ deihen geben, aller Kinder und Kranken pflegen und warten, alle unschuldig Gefangenen los und ledig lassen, alle Witwen und Waisen vertei⸗ digen und versorgen, Aller Menschen dich erbarmen, Unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und sie bekehren, die Früchte auf dem Lande geben und bewahren,“) und uns gnädiglich erhören, O Jesu Christe, Gottes Sohn, O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, Christe, Kyrie, Christe, Zweiter Chor: Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erbarm dich über uns! Erbarm dich über uns! Verleih uns steten Fried! Erhöre uns! Eleison! Eleison! Beide Chöre zusammen: Kyrie, Eleison! Amen. Altkirchlich. Deutsch durch Martin Luther g. 1483 + 1546. »)N unsere Deiche, Dämme und Schleusen in deine gnädige Obhut nehmen(fur Gemeinden, welche am Wasser wohnen) und dieses Bergwerk gnädiglich erhalten und segnen(für die Gemeinden auf dem Harz). S ESS S —&& Buß⸗ und * 230. Eigene Melodie. Durc Adams Fall ist ganz ver⸗ derbt menschlich Natur und Wesen, dasselb Gift ist auf uns geerbt, daß wir nicht konnten g'nesen ohn Gottes Trost, der uns erlöst hat von dem großen Schaden, darein die Schlang Eva bezwang, Gotts Zorn auf sich zu laden. 2. Weil denn die Schlang Eva hat bracht, daß sie ist abgefallen von Gottes Wort, das sie veracht, dadurch sie in uns allen bracht hat den Tod, so war ja not, daß uns auch Gott sollt geben sein lieben Sohn, der Gnaden Thron, in dem wir möchten leben. 3 Wie uns nun hat ein fremde Schuld in Adam all verhöhnet, also hat uns ein fremde Huld in Christo all versöhnet; und wie wir all durch Adams Fall sind ewigs Tods gestorben, also hat Gott durch Christi Tod verneut, was war verdorben. 4. So er uns denn sein Sohn geschenkt, da wir sein Feind noch waren, der für uns ist ans Kreuz gehenkt, getöt, gen Himm'l ge⸗ fahren, dadurch wir sein von Tod und Pein erlöst, so wir vertrauen auf diesen Hort, des Vaters Wort: wem wollt vor Sterben grauen? 5. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, die Wahrheit und das Leben, des Vaters Rat und ewigs Wort, den er uns hat gegeben zu einem Schutz, daß wir mit Trutz an ihn fest sollen glauben; darum uns bald kein Macht noch G'walt aus seiner Hand wird rauben. Beichtlieder. 127 6. Der Mensch ist gottlos und verflucht, sein Heil ist auch noch ferne, der Trost bei einem Men⸗ schen sucht und nicht bei Gott dem Herren; denn wer sich will ein andres Ziel ohn diesen Tröster stecken, den mag gar bald des Teufels G'walt mit seiner List erschrecken. 7. Wer hofft auf Gott und dem vertraut, wird nimmermehr zu schanden; denn wer auf diesen Felsen baut, ob ihm gleich geht zuhanden viel Unfalls hie, hab ich doch nie den Menschen sehen fallen, der sich verläßt auf Gottes Trost; er hilft sein'n Gläubgen allen. 8. Ich bitt, o Herr, aus Herzens⸗ grund, du wollst nicht von mir nehmen dein heilges Wort aus meinem Mund, so wird mich nicht beschämen mein Sünd und Schuld; denn in dein Huld setz ich all mein Vertrauen; wer sich nun fest darauf verläßt, der wird den Tod nicht schauen. 9. Mein'n Füßen ist dein heil⸗ ges Wort ein Leuchte nah und serne, ein Licht, das mir den Weg weist fort; so dieser Morgensterne in uns aufgeht, so bald versteht der Mensch die hohen Gaben, die Gottes Geist denen verheißt, die Hoffnung darauf haben. Lazarus Spengler g. 1479 + 1534. 231. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 1. Rud tiefer Not laßt uns zu Gott von ganzem Herzen schreien, bitten, daß er durch seine Gnad uns woll vom Übel freien und 128 Buß⸗ und Beichtlieder. alle Sünd und Missetat, die unser Fleisch begangen hat, uns väter⸗ lich verzeihen; 2. Und sprechen: Vater, sieh doch an uns Armen und Elenden, sehr übel haben wir getan mit Herzen, Mund und Händen; ver⸗ leih uns, daß wir Buße tun und die in Christo, deinem Sohn, zur Seligkeit vollenden. 3. Zwar unsre Schuld ist groß und schwer, von uns nicht aus⸗ zurechen; doch deiner Gnade ist viel mehr, die kein Mensch kann aussprechen; die suchen und be⸗ gehren wir, hoffend, du wirst es, Herr, an dir nicht lassen uns gebrechen. „Du willst nicht, daß der Sünder sterb und in Verdammnis fahre, sondern daß er mehr Gnad erwerb und sich darin bewahre: so hilf uns nun, o Herre Gott, damit uns nicht der ewge Tod in Sünden widerfahre. 5. Vergib, vergib und hab Geduld mit uns Armen und Schwachen, laß deinen Sohn all unsre Schuld durch sein Verdienst gut machen! Nimm unsrer Seele eben wahr, daß ihr kein Schaden widerfahr, wollst gnädig sie be⸗ wachen! 6. Wenn du nun vor Gerichte gehn und mit uns wolltest rechten, wie würden wir vor dir bestehn, und wer würd uns verfechten? O Herr, sieh uns barmherzig an und hilf uns wieder auf die Bahn zur Pforte der Gerechten! 7. Wir opfern uns dir arm und bloß, durch Reue tief geschlagen; o nimm uns auf in deinen Schoß und laß uns nicht verzagen! O hilf, daß wir getrost und frei, ohn arge List und Heuchelei dein Joch zum Ende tragen. 8. Sprich uns durch deine Boten zu, gib Zeugnis dem Gewissen, stell unser Herz durch sie zu Ruh, iu uns durch sie zu wissen, wie Christus vor dein'm Angesicht all unsre Sachen hab geschlicht; des Trosts laß uns genießen! 9. Erhalt in unsers Herzens Grund dein Wort, den edlen Samen, und hilf, daß wir den neuen Bund in deines Sohnes Namen vollenden mit Beständig⸗ keit und so der Kron der Herr⸗ lichkeit versichert werden. Amen. Böhmische Brüder. 232. Eigene Melodie. Klein zu dir, Herr Jesu Christ, Wmein Hoffnung steht auf Erden. Ich weiß, daß du mein Tröster bist, kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erkorn, auf Erden war kein Mensch geborn, der mir aus Nöten helfen kann: Ich ruf dich an, zu dem ich mein Vertrauen hab. 2. Mein Sünd sind schwer und übergroß und reuen mich von Herzen; derselben mach mich quitt und los durch deinen Tod und Schmerzen und zeig mich deinem Vater an, daß du hast gnug für mich getan, so werd ich los der Sünden Last; Herr, halt mir fest, wes du dich mir versprochen hast. 3. Gib mir nach dein'r Barm⸗ herzigkeit den wahren Christen⸗ V —— ⏑&᷑ 66 2 glauben, auf daß ich deine Süßig⸗ keit mög inniglich anschauen, vor allen Dingen lieben dich und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End dein Hülf mir send, damit behend des Teufels List sich von mir wend. 4. Ehr sei Gott in dem höchsten Thron, dem Vater aller Güte, und Jesu Christ, sein'm liebsten Sohn, der uns allzeit behüte, und Gott dem werten heilgen Geist, der uns sein Hülfe allzeit leist,‚ damit wir ihm gefällig sein hier in der Zeit und vollends in der Ewigkeit. Konr. Huber g. 1507 + 1577. 233. 2. Chronika 20. Eigene Melodie. nenn wir in höchsten Nöten sein Nund wissen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hülf noch Rat, ob wir gleich sorgen früh und spat, 2. So ist dies unser Trost allein, daß wir zusammen insgemein an⸗ rufen dich, o treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Not, 3. Und heben unser Aug und Herz zu dir in wahrer Reu und Schmerz und flehen um Begna⸗ digung und aller Strafen Linde⸗ rung, 4. Die du verheißest gnädiglich all denen, die drum bitten dich Buß- und Beichtlieder. 129 6. Sieh nicht an unsre Sünde groß, sprich uns davon aus Gnade los, steh uns in unserm Elend bei, mach uns von allen Plagen frei, 7. Auf daß von Herzen können wir nachmals mit Freude danken dir, gehorsam sein nach deinem Wort, dich allzeit preisen hie und dort. Paul Eber g. 1511 + 1569. 234. Mel. Herzlich tut mich verlangen. sch Gott, ich muß dirs klagen, daß ich so elend bin: Mein Herz will mir verzagen, mein Sünd liegt mir im Sinn; ich kann ihr nicht vergessen, sie ist zu groß und schwer, sie hat mich ganz besessen, sie kränkt und quält mich sehr. 2. In Sünd bin ich empfan⸗ gen, in Sünden auch geborn, viel Sünd hab ich begangen, darum bin ich verlorn; ich kann nicht freudig werden, den Himmel an⸗ zusehn, und schäme mich, auf Erden vor dir, mein Gott, zu stehn. 3. Nun sollt ich ja vertrauen dein'm Sohne Jesu Christ, auf sein Verdienst fest bauen, weil er mein Fürsprach ist; doch schreckt mich mein Gewissen, das zweifelt immerdar und spricht, dich werd verdrießen, daß ich die Sünd nicht spar. 4. Ich wollt auch herzlich gerne im Namen deins Sohns Jesu Christ, bessern das Leben mein, mit Werk, der unser Heil und Fürsprech ist. Wort und Geberden fromm und 5. Drum kommen wir, o Herre gehorsam sein; ich kanns so nicht Gott, und klagen dir all unsre vollbringen, wie ichs oft hab be⸗ Not, weil wir jetzt stehn verlassen dacht, ich laß mich davon dringen gar in großer Trübsal und Gefahr. durch Satans List und Macht. 9 130 Buß⸗ und Beichtlieder. 5. Was soll ich denn nun machen? Wie kann ich doch bestehn? Ich fall der Höll in Rachen, wenn ich dir will entgehn. Herr, zu dir komm ich wieder und such Barmherzig⸗ keit, ich falle vor dir nieder, mein Sünde ist mir leid. 6. Du hast dein Sohn gegeben für aller Menschen Sünd, daß jedermann sollt leben, der an ihn glauben könnt. Will gleich mein Herz nicht trauen, so glaub ich dennoch fest; hilf du meinem Un⸗ glauben, dein Hülfe ist die best. 7. Ich bin nicht wert der Güte, die du an mir getan, daß für mich mit sein'm Blute bezahlt dein lieber Sohn; bedarf es doch not⸗ wendig und glaub dem Worte dein, das mir zusagt beständig: Wer glaubt, wird selig sein. 8. So wahr, als ich selbst lebe, sprichst du, mein Herr und Gott, ungern ich übergebe den Sünder in den Tod; ich will, daß er umkehre und ewig leb bei mir. Darum komm ich, mein Herre, ich komm wieder zu dir. 9. Mit deinem heilgen Geiste den schwachen Glauben mehr, mir Hülf und Beistand leiste zu deines Namens Ehr! Leit mich auf dei⸗ nem Stege, vor aller Sünd und Schand, vors Teufels Strick und Wege bewahr mich deine Hand! 10. Segne mein Leib und Leben, auch mein Beruf und Werk, was du mir hast gegeben, behüt durch deine Stärk! Erhör, o Herr, mein Schreien und mein furchtsames Wort, daß ich mich dein kann freuen, verachten Satans Mord. 11. Zuletzt laß mich abscheiden mit einem selgen End und nimm aus diesem Leiden mein Seel in deine Händ! Dafür will ich dich preisen mit steter Dankbarkeit; du wirst mir Gnad erweisen und helfn in Ewigkeit. Hann. Gsb. 1646 nach einem ält. Liede. 235. Mel. Vater unser im Himmelreich. Mimm von uns, Herr, du treuer Gott, die schwere Straf und große Not, die wir mit Sünden ohne Zahl verdienet haben allzu⸗ mal. Behüt vor Krieg und teurer Zeit, vor Seuchen, Feur und großem Leid! 2. Erbarm dich deiner bösen Knecht; wir bitten Gnad und nicht das Recht; denn so du, Herr, den rechten Lohn uns geben wolltst nach unserm Tun, so müßt die ganze Welt vergehn, und könnt kein Mensch vor dir bestehn. 3. Ach Herr Gott, durch die Treue dein mit Trost und Ret⸗ tung uns erschein! Beweis an uns dein große Gnad und straf uns nicht auf frischer Tat, wohn uns mit deiner Güte bei, dein Zorn und Grimm sfern von uns sei! 4. Gedenk an deins Sohns bittern Tod, sieh an sein heilgen Wunden rot! Die sind ja für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld; des trösten wir uns allezeit und hoffen auf Barm⸗ herzigkeit. 5. Leit uns mit deiner rechten Hand und segne unsre Stadt und — FT Land; gib uns allzeit dein heiligs Wort, behüt vors Teufels List und Mord; verleih ein selig Stünde⸗ lein, auf daß wir ewig bei dir sein. Martin Moller g. 1547 14 1606. 236. Eigene Melodie. Her Jesu Christ, du höchstes Gut du Brunnguell aller Gnaden, sieh doch, wie ich in meinem Mut mit Schmerzen bin beladen und in mir hab der Pfeile viel, die im Gewissen ohne Ziel mich armen Sünder drücken. 2. Erbarm dich mein in solcher Last, nimm sie aus meinem Her⸗ zen, dieweil du sie gebüßet hast am Holz mit Todesschmerzen, auf daß ich nicht vor großem Weh in meinen Sünden untergeh und ewiglich verzage. 3. Fürwahr, wenn mir das kommet ein, was ich mein Tag' begangen, so fällt mir auf das Herz ein Stein, und bin mit Furcht umfangen; ja ich weiß weder aus noch ein und müßte stracs verloren sein, wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Aber dein heilsam Wort das macht mit seinem süßen Singen, daß mir das Herze wieder lacht und neu beginnt zu springen; dieweil es alle Gnad verheißt denen, die mit zerknirschtem Geist zu dir, o Jesu, kommen. 5. Und weil ich denn in meinem Sinn, wie ich zuvor geklaget, auch ein betrübter Sünder bin, den sein Gewissen naget, und gerne möcht im Blute dein von Sünden abge⸗ Buß⸗ und Beichtlieder. 131 waschen sein, wie David?) und Manasse,“*) 2 Sam. 12, 13.„) 2 Chron. 33, 13. 6. So komm ich auch zu dir allhie in meiner Not geschritten und tu dich mit gebeugtem Knie von gaͤnzem Herzen bitten: Ver⸗ zeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Lebtag wider dich auf Erden hab begangen. 7. O Herr, vergib, vergib mirs doch um deines Namens willen und tu in mir das schwere Joch der Übertretung stillen, daß sich mein Herz zufrieden geb und dir hinfort zu Ehren leb mit kind⸗ lichem Gehorsam. 8. Stärk mich mit deinem Freudengeist, heil mich mit deinen Wunden, tröst mich mit deinem Todesschweiß in meiner letzten Stunden und nimm mich einst, wenn dirs gefällt, im rechten Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten! Barthol. Ringwaldt g. 1532 4 1599. 237. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. Ror G'richt, Herr Jesu, steh ich hie, zu dir beug ich meins Herzens Knie, kann mir selbst gar nicht raten. Mein groß und viele Missetat mich hier und dort ver⸗ dammet hat. Doch will ich nicht verzagen. Herr Jesu Christ, dein Blut allein macht mich von allen Sünden rein, weil ich in wahrer Reu und Buß an dich gläub und dir fall zu Fuß. Herr Jesu Christ, des dank ich dir, des dank ich dir, ich will mich bessern, hilf du mir! Hann. Gsb. 1646 nach einem ält. Liede. 9* 238. Eigene Melodie. Gott und Herr, wie groß und schwer sind mein begangnen Sünden! Da ist niemand, der helfen kann, in dieser Welt zu finden. 2. Lief ich gleich weit zu dieser Zeit bis an der Welt ihr Ende und wollt los sein des Elends mein, würd ich es doch nicht wenden. 3. Zu dir flieh ich, verstoß mich nicht, wie ichs wohl hab verdienet. Ach Gott, zürn nicht, geh nicht ins G'richt, dein Sohn hat mich versühnet. 4. Solls ja so sein, daß Straf und Pein auf Sünde folgen müssen, so fahr hie fort, nur schone dort und laß mich hier wohl büßen! 5. Gib, Herr, Geduld, vergiß die Schuld, gib ein gehorsam Herze, laß mich ja nicht, wies oft geschicht, mein Heil murrend verscherzen! 6. Handle mit mir, wies dünket dir, durch dein Gnad will ichs leiden; wollst mich nur nicht dort ewiglich von deiner Liebe scheiden! 7. Gleichwie sich fein ein Vöge⸗ lein in hohle Bäum verstecket, wenns trüb hergeht, die Luft unstet Menschen und Vieh er⸗ schrecket, 8. Also, Herr Christ, mein Zu⸗ flucht ist die H den; wenn Sünd und Tod mich bracht in Not, hab ich mich drein gefunden. 9. Darin ich bleib; ob Seel und Leib hie von einander scheiden, so Buß⸗ und Beichtlieder. Höhle deiner Wun⸗ werd ich dort bei dir, mein Hort, sein in ewigen Freuden. 10. Ehre sei nun Gott Vater, Sohn und heilgem Geist zusammen! Ich zweifle nicht, weil Christus spricht: Wer glaubt, wird selig. Amen. V. 1—6 Rutilius(7) g. 1550 + 1618. V. 7—10 Joh. Groß(2) g. 1564 + 1654. 9 239. Mel. Vater unser im Himmelreich. S² wahr ich lebe, spricht dein Gott, mir ist nicht lieb des Sünders Tod; vielmehr ist dies mein Wunsch und Will, daß er von Sünden halte still, von seiner Bosheit kehre sich und lebe mit mir ewiglich. 2. Dies Wort bedenk, o Men⸗ schenkind, verzweifle nicht in dei⸗ ner Sünd! Hier findest du Trost, Heil und Gnad, die Gott dir zugesaget hat, und zwar mit einem teuren Eid. O selig, dem die Sünd ist leid! 3. Doch hüte dich vor Sicher⸗ heit, denk nicht: Zur Buß ist noch wohl Zeit, ich will erst fröhlich sein auf Erd; wenn ich des Lebens müde werd, alsdann will ich be⸗ kehren mich, Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ists, Gott ist wohl stets bereit dem Sünder mit Barm⸗ herzigkeit, doch wer auf Gnade sündigt hin, fährt fort in seinem. bösen Sinn und seiner Seele selbst nicht schont, dem wird mit Ungnad abgelohnt. 5. Gnad hat dir zugesaget Gott von wegen Christi Blut und Tod, zusagen hat er nicht gewollt, oh N. u EF rr.. er Buß⸗ und du bis morgen leben sollt. Daß du mußt sterben, ist dir kund, verborgen ist des Todes Stund. 6. Heut lebst du, heut bekehre dich! Eh morgen kommt, kanns ändern sich; wer heut ist frisch, gesund und rot, ist morgen krank, ja wohl gar tot. So du nun stirbest ohne Buß, dein Seel und Leib dort brennen muß. 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, daß ich noch heute komm zu dir und Buße tu den Augen⸗ blick, eh mich der schnelle Tod hinrück, auf daß ich heut und jederzeit zu meiner Heimfahrt sei bereit. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 240. Mel. Auf meinen lieben Gott. Wẽ' soll ich fliehen hin, weil ich beschweret bin mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt her käme, mein Angst sie nicht wegnähme. 2. O Jesu voller Gnad, auf dein Gebot und Rat kommt mein betrübt Gemüte zu deiner großen Güte, laß du auf mein Gewissen ein Gnadentröpflein fließen! 3. Ich, dein betrübtes Kind, werf alle meine Sünd, so viel ihr in mir stecken uno mich so heftig schrecken, in deine tiefen Wunden, da ich stets Heil ge⸗ funden. 4. Durch dein unschuldig Blut, vergossen mir zu gut, wasch ab all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde und ihrer nicht ge⸗ denke, ins Meer sie tief versenke! Beichtlieder. 133 5. Du bist der, der mich tröst, weil du mich selbst erlöst; was ich gesündigt habe, hast du ver⸗ scharrt im Grabe; da hast du es verschlossen, da wirds auch bleiben müssen. 6. Ist meine Bosheit groß, so werd ich ihr doch los, wenn ich dein Blut auffasse und mich darauf verlasse. Wer sich zu dir nur findet, all Angst ihm bald verschwindet. 7. Mir mangelt zwar sehr viel; doch was ich haben will, ist alles mir zu gute erlangt mit deinem Blute, damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll und Sünde. 8. Und wenn des Satans Heer mir ganz entgegen wär, darf ich doch nicht verzagen; mit dir kann ich sie schlagen. Dein Blut darf ch nur zeigen, so muß ihr Trutz ö bald schweigen. 9. Dein Blut, der edle Saft, hat solche Stärk und Kraft, daß auch ein Tröpflein kleine die ganze Welt kann reine, ja gar aus Teufels Rachen frei, los und selig machen. 10. Darum allein auf dich, Herr Christ, verlaß ich mich. Jetzt kann ich nicht verderben, dein Reich muß ich ererben, denn du hast mirs erworben, da du für mich gestorben. 11. Führ auch mein Herz und Sinn durch deinen Geist dahin, daß ich mög alles meiden, was mich und dich kann scheiden, und ich an deinem Leibe ein Gliedmaß ewig bleibe. Joh. Heermann g. 1585 4 1647. 134 Buß⸗ und Beichtlieder. 241. Mel. Werde munter, mein Gemüte. — Gott, ich muß dir klagen meines Herzens Jammerstand, ob dir wohl sind meine Plagen besser als mir selbst bekannt; große Schwachheit ich bei mir in Anfech⸗ tung oftmals spür, wenn der Satan allen Glauben will aus meinem Herzen rauben. 2. Du, Gott, dem nichts ist verborgen, weißt, daß ich nichts von mir hab, nichts von allen meinen Sorgen; alles ist, Herr, deine Gab. Was ich Gutes find an mir, das hab ich allein von dir; auch den Glauben mir und allen gibst du, wie dirs mag gefallen. 3. O mein Gott, vor den ich trete jetzt in meiner großen Not, höre, wie ich sehnlich bete, laß mich werden nicht zu Spott, mach zunicht des Teufels Werk, meinen schwachen Glauben stärk, daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage. 4. Jesu, du Brunn aller Gna⸗ den, der du niemand von dir stößt, der mit Schwachheit ist beladen, sondern deine Jünger iröst, sollt ihr Glaube auch so klein wie ein kleines Senfkorn sein, wolltst du sie doch würdig schätzen, große Berge zu versetzen: 5. Laß mich Gnade vor dir finden, der ich bin voll Traurigkeit; hilf du mir selbst überwinden, so oft ich muß in den Streit; mei⸗ nen Glauben täglich mehr, deines Geistes Schwert verehr, damit ich den Feind kann Pfeile von mir jagen. schlagen, alle 6. Heilger Geist ins Himmels Throne, gleicher Gott von Ewigkeit mit dem Vater und dem Sohne, der Betrübten Trost und Freud, der du in mir angezündt, so viel ich an Glauben find, über mir mit Gnade walte, ferner deine Gab erhalte! 7. Deine Hülfe zu mir sende, o du edler Herzensgast, und das gute Werk vollende, das du an⸗ gefangen hast. Blas das kleine Fünklein auf, bis ich nach voll⸗ brachtem Lauf allen Auserwähl⸗ ten gleiche und des Glaubens Ziel erreiche. 8. Gott, groß über alle Götter, heilige Dreieinigkeit, außer dir ist kein Erretter, tritt mir selbst zur rechten Seit, wenn der Feind die Pfeil abdrückt, meine Schwachheit mir aufrückt, mir will allen Trost verschlingen und mich in Ver⸗ zweiflung bringen. 9. Zeuch du mich aus seinen Stricken, die er mir geleget hat, laß ihm fehlen seine Tücken, drauf er sinnet früh und spat. Gib Kraft, daß ich allen Strauß ritter⸗ lich mög stehen aus, und so oft ich noch muß kämpfen, hilf mir meine Feinde dämpfen! 10. Reiche deinem schwachen Kinde, das auf matten Füßen steht, deine Gnadenhand ge⸗ schwinde, bis die Angst vorüber geht. Wie die Jugend gängle mich, daß der Feind nicht rühme sich, er hätt ein solch Herz ge⸗ fället, das auf dich sein Hoffnung stellet. 11. Du bist meine Hülf, mein Leben, mein Fels, meine Zuver⸗ Buß⸗ und Beichtlieder. Leib und Seel Gott, mein Gott, ver⸗ zeuch doch nicht! Eile, mir zu stehen bei, brich des Feindes Pfeil entzwei, laß ihn selbst zu⸗ rücke prallen und mit Schimpf zur Hölle fallen! 12. Ich will alle meine Tage rühmen deine starke Hand, daß du meine Plag und Klage hast so herzlich abgewandt. Nicht nur in der Sterblichkeit soll dein Ruhm sein ausgebreit, ich wills auch her⸗ nach erweisen und dort ewiglich dich preisen. Joh. Heermann g. 1585 4 1647. 242. Eigene Melodie, oder Jesu, meines Lebens Leben. sicht, ergeben; dem ich „der du meine Seele hast als dein herber Tod allein. Aesu durch deinen bittern Tod aus des Teufels finstrer Höhle und der schweren Sündennot kräftiglich herausgerissen und mich solches lassen wissen durch dein angenehmes Wort, sei doch jetzt, o Gott, mein Hort! 2. Herr, ich muß es ja be⸗ kennen, daß nichts Gutes wohnt in mir; das zwar, was wir Wollen nennen, halt ich meiner Seele für; aber Fleisch und Blut zu zwingen und das Gute zu voll⸗ bringen folget gar nicht, wie es soll; was ich nicht will, tu ich wohl. 3. Aber, Herr, ich kann nicht wissen, wie viel meiner Fehler sein; mein Gemüt ist ganz zer⸗ rissen durch der Sünden Schmerz und Pein, und mein Herz ist matt von Sorgen; ach vergib mir, was verborgen, rechne nicht die und dich meiner nehmen an. allein, daß 135 Missetat, hat. 4. Jesu, du hast weggenommen meine Schulden durch dein Blut; laß es, o Erlöser, kommen meiner Seligkeit zu gut, und dieweil du so zerschlagen hast die Sünd am Kreuz getragen, ei so sprich mich endlich frei, daß ich ganz dein eigen sei. 5. Wenn ich vor Gericht soll treten, da man nicht entfliehen kann, ach so wollest du mich retten Du Herr, kannst es wehren, ich nicht den Fluch darf hören: Ihr zu meiner linken Hand seid von mir noch nie erkannt. 6. Du ergründest meine Schmer⸗ zen, du Herr, kennest meine Pein. Es ist nichts in meinem Herzen Dies mein Herz, mit Leid vermenget, durch dein teures Blut besprenget, so am Kreuz vergossen ist, geb ich dir, Herr Jesu 4 7. Nun ich weiß, d stillen mein Gewissen, das mich plagt; es wird deine Treu er⸗ füllen, was du selber hast gesagt: daß auf dieser weiten Erden keiner je verloren werden, sondern ewig leben soll, wenn er nur ist glau⸗ bensvoll. 8. Herr, ich glaube, hilf mir Schwachen, laß mich ja verderben nicht! Du, du kannst mich stärker machen, wenn mich Sünd und Tod anficht. Deiner Güte will ich trauen, bis ich fröhlich werde schauen dich, Herr Jesu, nach dem Streit in der süßen Ewigkeit. Johann Rist g. 1607 1667. die dich, Herr, erzürnet du wirst mir Buß⸗ und Beichtlieder. 243. Willen, Mittel, Kräft und Stärk, daß ich mit dir all meine Werk Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. anfange und vollende. frommer und getreuer Gott, 3. O Jesu Christe, der du hast Nich hab gebrochen dein Gebot am Kreuze für mich Armen ge⸗ und sehr gesündigt wider dich: das tragen aller Sünden Last, wollst ist mir leid und reuet mich. meiner dich erbarmen! O wahrer 2. Du aber, o mein gnädger Gott, o Davids Sohn, erbarm Gott, hast nicht Gefalln an meinem dich mein und mein verschon, sieh Tod, und ist dein herzliches Be⸗an mein kläglich Rufen! gehrn, daß ich soll Buß tun, mich 4. Laß deiner Wunden teures bekehrn. Blut, dein Todespein und Sterben 3. Auf dies Wort, lieber Vater mir kommen kräftiglich zu gut, daß fromm, ich armer Sünder zu dir ich nicht müß verderben. Bitt du komm, hilf mir durch Christi bittern den Vater, daß er mir im Zorn Tod und heilige jünf Wunden rot! nicht lohne nach Gebühr, wie ich 4. Ja, Herr, ich bitt durch Jesum es hab verschuldet. Christ, der mir zu gut Mensch wor⸗ 5. O heilger Geist, du wahres den ist: Laß deine Gnad und Gütig⸗ Licht, Regierer der Gedanken, wenn keit mehr gelten denn Gerechtigkeit! mich die Sündenlust anficht, laß 5. Verschon, o Herr, laß deine mich von dir nicht wanken! Ver⸗ Huld zudecken alle meine Schuld, leih, daß nun doch nimmermehr so werd ich arm verlornes Kind Begierd nach Wollust, Geld und ledig und los all meiner Sünd. Ehr in meinem Herzen herrsche. 6. Ich will, o Herr, nach dei⸗ 6. Und wenn mein Stündlein nem Wort mich bessern, leben kommen ist, so hilf mir treulich fromm hinfort, damit ich mög kämpfen, daß ich des Satans Trotz nach dieser Zeit gelangen zu der und List durch Christi Sieg mög 11 V 3 7 7 N„ GEu 1 Seligkeit. 1643. Nach Johann Leon. dämpfen, auf daß mir Kranlheit, Angst und Not und dann der letzte Feind, der Tod, nur sei die — Tür zum Leben. Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh 1. David Denicke g. 1603 + 1680. 5 Vater der Barmherzigkeit, ich falle dir zu Fuße, verstoß den 245 0 nicht, der zu dir schreit und tut noch endlich Buße. Was ich began⸗ Mel. Vater unser im Himmelreich. gen wider dich, verzeih mir alles ö MRott Vater, denk an Christi Tod, gnädiglich durch deine große Güte! sieh an deins Sohnes Wunden 2. Durch deiner Allmacht Wun- rot, die sind ja für die ganze Well dertat nimm von mir, was mich die Zahlung und das Lösegeld; des quälet; durch deine Weisheit schaffe trösten wir uns allezeit und hoffen Rat, worin es mir sonst fehlet; gib auf Barmherzigkeit. * 2. Den König leit mit deiner Hand, beschütz und segne unser Land, gib überall dein heilig Wort, wend ab Pest, Teurung, Krieg und Mord, all denen, die in Nöten sein, mit Rettung, Hülf und Trost erschein! 3. Amen, dies alles werde wahr, erhör und hilf uns immer⸗ dar, o Vater in dem höchsten Thron, durch Christum deinen eingen Sohn, daß du, dein Sohn und beider Geist in allem von uns werd gepreist. Hannoversches Gsb. 1657. 246. Eigene Melodie. Her, ic habe mißgehandelt, ja 0 mich drich der Sünden Last, ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget hast, und jetzt wollt ich gern aus Schrecken mich vor deinem Zorn verstecken. 2. Doch wie könnt ich dir ent⸗ fliehen? du wirst allenthalben sein; wollt ich über See gleich ziehen, stieg ich in die Gruft hinein, hätt ich Flügel gleich den Winden, gleichwohl würdest du mich finden. 3. Drum, ich muß es nur be⸗ kennen, Herr, ich habe mißgetan, darf mich nicht dein Kind mehr nennen. Ach nimm mich zu Gnaden an, laß die Menge meiner Sünden deinen Zorn nicht ganz entzünden! 4. Könnt ein Mensch den Sand gleich zählen an dem großen, weiten Meer, dennoch würd es ihm wohl fehlen, daß er meiner Sünden Heer, daß er alle mein Gebrechen Buß⸗ und Beichtlieder. 137 5. Wein', ach wein' jetzt um die Wette, meiner beiden Augen Bach! O daß ich gnug Zähren hätte zu betrauern meine Schmach! O daß aus dem Tränenbronnen käm ein starker Strom geronnen! 6. Dir will ich die Last auf⸗ binden, wirf sie in die tiefste See, wasche mich von meinen Sünden, mache mich so weiß als Schnee, laß den guten Geist mich treiben, einzig stets bei dir zu bleiben. Johann Franck g. 1618 4 1677 247. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 4³ will von meiner Missetat zum Herren mich bekehren; du wollest selbst mir Hülf und Rat hiezu, o Gott, bescheren und deines guten Geistes Kraft, der neue Herzen in uns schafft, aus Gnade mir gewähren! 2. Ein Mensch kann von Natur doch nicht sein Elend selbst em⸗ pfinden; er ist ohn deines Geistes Licht blind, taub, ja toi in. Sünden, verkehrt ist Will, Ver⸗ stand und Tun. Des großen Jammers wollst du nun, o Vater, mich entbinden! 3. Klopf durch Erkenntnis bei mir an und führ mir wohl zu Sinnen, was Böses ich vor dir getan; du kannst mein Herz ge⸗ winnen, daß ich aus Kummer und Beschwer laß über meine Wangen her viel heiße Tränen rinnen. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt den Reichtum deiner Gna⸗ den! Mein Leben dank ich deiner sollte wissen auszusprechen. Hand, du hast mich überladen 138 Buß⸗ und Beichtlieder. mit Ehr, Gesundheit, Ruh und Brot, du machst, daß mir noch keine Not bis hieher können schaden. 5. Hast auch in Christo mich erwählt tief aus der Hölle Fluten, daß niemals mir es hat gefehlt an irgend einem Guten; und daß ich ja dein eigen sei, hast du mich auch aus großer Treu ge⸗ stäupt mit Vaterruten. 6. Hab ich denn nun auch gegen dich Gehorsams mich be— flissen? Rein, eines andern zeihet mich mein Herz und mein Ge⸗ wissen; darin ist leider nichts gesund, an allen Orten ist es wund, vom Sündenwurm gebissen. 7. Die Torheit meiner jungen Jahr und alle schnöden Sachen verklagen mich zu offenbar; was soll ich Armer machen? Sie stellen, Herr, mir vors Gesicht dein un⸗ erträglich Zorngericht und deiner Hölle Rachen. 8. Bisher hab ich in Sicherheit ganz unbesorgt geschlafen, gesagt: Es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht bald zu strafen, er fähret nicht mit unsrer Schuld so strenge fort, es hat Geduld der Herr mit seinen Schafen. 9. Dies alles jetzt zugleich er⸗ wacht, mein Herz will mir zer⸗ springen; ich sehe deines Donners Macht, dein Feuer auf mich drin⸗ gen; du regest wider mich zugleich des Todes und der Hölle Reich, die wollen mich verschlingen. 10. Herr Jesu, nimm mich zu dir ein, ich flieh in deine Wunden; laß mich da eingeschlossen sein und bleiben alle Stunden; dir ist ja, o du Gotteslamm, all meine Schuld am Kreuzesstamm zu tragen aufgebunden. 11. Dies stelle deinem Vater für, daß er sein Herze lenke und gnädig sich kehr her zu mir, nicht meiner Sünden denke, auf daß er meine Sündenlast, die du auf dich genommen hast, ins tiefe Meer versenke. 12. Hierauf will ich zu jeder Zeit mit Ernst und Sorgfalt meiden der bösen Lüste Eitelkeit und lieber alles leiden, denn daß ich Sünd aus Vorsatz tu; ach Herr, gib du stets Kraft dazu, bis ich einst werd abscheiden. V. 1—10 Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg(e) g. 1627 4 1667, V. 11 u. 12 Hannov. Gsb. 1657. 248. Mel. Werde munter, mein Gemüte. 0 du Schöpfer aller Dinge, höre, höre mein Gebet, das ich jetzo vor dich bringe, weil mein Herz in Angsten steht. Meine Sünden ängsten mich, darum komm ich auch vor dich und bekenne meine Sünden, ach Herr, laß mich Gnade finden! 2. Weil du heißest alle kommen, die beladen sind, zu dir, bin ich auch nicht ausgenommen noch ge⸗ wiesen von der Tür deiner Gnade, sondern du willst und wirst mich noch dazu von den Sünden, die mich drücken, ganz entbinden und erquicken. 3. Dein Wort bleibet unge⸗ brochen, das du einmal hast ge⸗ redt; nun hast du, o Gott, ge⸗ sprochen Such mein Antlitz im Gebet! Darum komm ich auch vor Llao&— FFre r? D.. Buß⸗ und dich, such dein Antlitz; ach laß mich bei dir Trost und Gnade finden, sprich mich los von meinen Sünden! 4. Sieh die Handschrift, die ich gebe dir in deine nd, o Gott! Drin sprichst du: wahr ich lebe, ich will nicht des Sünders Tod, sondern daß er sich bekehr von den Sünden und begehr ewig⸗ lich mit mir zu leben, so will ich die Sünd vergeben. 5. Nun wohlan, du wirst nicht lügen, ich halt mich an deine Wort, will darauf in Demut biegen meine Knie an diesem Ort und bekennen meine Sünd; ich bin das verlorne Kind, das vom Teufel oft verblendet deine Güter hat verschwendet. 6. Weiter will ich nichts mehr sagen und allein an meine Brust mit dem armen Zöllner schlagen: Gott, es ist dir wohl bewußt, daß ich hab gesündigt dir; aber sei doch gnädig mir! Ich fall dir in deine Arme, ach Herr, meiner dich erbarme! 7. Ich verleugne nicht die Sün⸗ den, ich verleugne nicht die Schuld; aber laß mich Gnade finden, trage, Herr, mit mir Geduld! Alles, was ich schuldig bin, zahlt mein Jesus, nimm nur hin die Bezahlung meines Bürgen, der sich ließ für mich erwürgen. 8. Nun, o Vater aller Gnaden, siehe dessen Leiden an! Dieser hat ersetzt den Schaden und für mich genug getan; durch ihn bin ich ganz erlöst, dessen ich mich gänzlich tröst, weil in seinen tiefen Wunden ich nun Fried und Ruh gefunden. Beichtlieder. 139 9. Ich will auch hierauf ge— nießen, Jesu, deinen Leib und Blut meiner Seele und Gewissen zur Erquickung und zu gut. Gib, daß würdig ich genieß dich, o Herr, und schmeck, wie süß und wie freundlich du bist denen, die sich nach dir herzlich sehnen. Christoph Tietze g. 1641 4 1703. 249. Miel. Werde munter, mein Gemüte. Rater, laß mich Gnade finden, tröste meinen blöden Sinn, der ich wegen meiner Sünden so betrübt und traurig bin. Siehe, mein Gott, wie ich hier jetzt vor deiner Gnadentür mit dem Zöllner schamrot stehe und dich um Ver⸗ gebung flehe. 2. Du bist heilig, ich hingegen bin voll Ungerechtigkeit, muß mich bloß aufs Bitten legen und auf deine Gütigkeit setzen meine Zuver⸗ sicht; denn so du, Herr, dein Ge⸗ richt ließest ohne Gnad ergehen, würd es übel um mich stehen. 3. Aber, Herr, nach deiner Lehre willst du keines Sünders Tod, son⸗ dern daß er sich bekehre und frei werde seiner Not. Dieser Trost erquicket mich, als der ich auch ängstiglich Reu und Leid bei mir empfinde über meine schwere Sünde. 4. Denke, daß dein Sohn auf Erden drum vergossen hat sein Blut, auf daß könne selig werden, wer im Glauben Buße tut. Ach sein Kreuz und Dornenkron bring ich hier vor deinen Thron, seinen Tod und Blutvergießen laß mich Armen auch genießen! 140 Buß⸗ und Beichtlieder. 5. Zwar ich sollte längst sein kommen, da es noch war rechte Zeit; doch ist dadurch nichts be⸗ nommen deiner großen Gütigkeit. Keine Buße ist zu spät, wenn sie nur von Herzen geht, darum wird dir auch mein Flehen jetzo noch zu Herzen gehen. 6. Großer Gott, voll Lieb und Treue, laß durch Jesu Wunden doch meine späte Buß und Reue vor dir etwas gelten noch! Denke doch nicht weiter dran, was ich habe mißgetan, laß mein arges Sündenleben mir aus Gnade sein vergeben! 7. Wirst du nun mir armen Sünder, o mein Gott, barmherzig sein und in die Zahl deiner Kinder wiederum mich nehmen ein, so will ich von Herzen dich dafür preisen ewiglich. Drum in Jesu Christi Namen wollst du mich erhören! Amen. Christ. Gensch v. Breitenau g. 1638 + 1732. 250. Psalm 6. Eigene Melodie. Hui mich nicht in deinem Zorn, großer Gott, verschone! Ach laß mich nicht sein verlorn, nach Verdienst nicht lohne! Hat die Sünd dich entzündt, laß um Christi willen deinen Zorn sich stillen! 2. Herr, wer denkt im Tode dein? Wer dankt in der Höllen? Rette mich aus jener Pein der verdammten Seelen, daß ich dir für und für dort an jenem Tage, höchster Gott, Lob sage. 3 3. Zeig mir deine Vaterhuld, stärk mit Trost mich Schwachen! Ach Herr, hab mit mir Geduld, wollst gesund mich machen, heil die Seel mit dem Ol deiner großen Gnaden, wend ab allen Schaden! 4. Ach sieh mein Gebeine an, wie sie all erstarren; meine Seele gar nicht kann deiner Hülfe har⸗ ren; ich verschmacht, Tag und facht muß mein Lager fließen von den Tränengüssen. 5. Ach ich bin so müd und matt von den schweren Plagen, mein Herz ist der Seufzer satt, die nach Hülfe fragen. Wie so lang machst du bang meiner armen Seele in der Schwermutshöhle! 6. Weicht, ihr Feinde, weicht von mir, Gott erhört mein Beten; nunmehr darf ich mit Begier vor sein Antlitz treten. Teufel, weich, Hölle, fleuch! Was mich vor ge⸗ kränket, hat mir Gott geschenket. 7. Vater, dir sei ewig Preis hier und auch dort oben, wie auch Christo gleicherweis, der allzeit zu loben, heilger Geist, sei gepreist, hoch gerühmt, geehret, daß du mich erhöret. Joh. Ge. Albinus g. 1621 1679. 251. Eigene Melodie. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig, lege mich vor deinen Thron, schwache Tränen, kindlich Sehnen bring ich dir, du Menschensohn. Laß dich finden, laß dich finden von mir, der ich Asch und Ton. 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt dich, lenke mich nach deinem Sinn! Dich alleine ich nur meine, I Buß⸗ und dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, laß dich finden, gib dich mir und nimm mich hin! 3. Ich begehre nichts, o Herre, als nur deine freie Gnad, die du gibest, den du liebest und der dich liebt in der Tat. Laß dich finden, laß dich finden, der hat alles, wer dich hat. 4. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichtum, Wollust, Ehr und Freud sind nur Schmerzen meinem Her⸗ zen, welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden, laß dich finden, großer Gott, ich bin bereit. Joachim Neander g. 1650 4+ 1680. 252. Nel. Freu dich sehr, o meine Seele. Bott, des Zepter, Stuhl und Krone herrschet über alle Welt, der du deinem Herzenssohne eine Hochzeit hast bestellt, dir sei Dank ohn End und Zahl, daß zu diesem Liebesmahl von der breiten Sün⸗ denstraßen du mich auch hast laden lassen. 2. Herr, wer bin ich? Und hin⸗ gegen wer bist du? Was deine Pracht? Ich dem Wurm gleich an den Wegen, du der König großer Macht; ich Staub, Erde, schwach, voll Not, du der Herr Gott Ze⸗ baoth; ich ein Scherz und Spiel der Zeiten, du der Herr der Ewigkeiten. 3. Ich grundbös und ganz ver⸗ dorben, du die höchste Heiligkeit; ich verfinstert und erstorben, du des Lebens Licht und Freud; ich ein armes Sündenkind, lahm und sprachlos, taub und blind, du das Wesen aller Wesen, ganz vollkom⸗ men, auserlesen. Beichtlieder. 14¹ 4. Und doch lässest du mich laden zu dem großen Hochzeit⸗ mahl. O der übergroßen Gnaden: ich soll in des Himmels Saal mit dem lieben Gotseslamm, mei⸗ ner Seele Bräutigam, bei der Engel Chor und Reihen mich in Ewigkeit erfreuen! 5. Wen nun dürstet, soll sich laben mit dem Quell, der ewig fleußt, wen nun hungert, der soll haben Brots genug für seinen Geist. O ein angenehmer Ort, da sich Gottes Herz und Wort seiner Braut und Hochzeitgästen gibt als Speis und Trank zum besten! 6. O du großer Herr und König, der du rufst: Kommt, kommt herbei! ich bin zu gering und wenig aller deiner Lieb und Treu; ach ich kann dir nimmer⸗ mehr danken gnug und also sehr, wie ich schuldig bin und sollte, wie ich auch wohl gerne wollte. 7. Zeuch du mich, dein Mahl zu schmecken, aus der finstern Erden⸗ kluft, laß mein Ohr die Stimme wecken, die so hell und liebreich ruft: Komm, o Mensch, komm eilend, komm zu dem Lebensquell und Strom! Komm zum Brot, davon zu zehren und den Geist damit zu nähren. 8. Offne, Herr, mir doch die Ohren zu dem Ruf, der also klingt, der zu deinen Freuden⸗ toren, o Jerusalem, mich bringt; laß den, den du teur erkauft und auf dich selbst hast getauft, ja nicht in der Toren Reihen sich der eitlen Weltlust freuen! 9. Laß das eitle Weltgetümmel, diese Dämpfe, die bald fliehn, 142 Buß⸗ und Beichtlieder. von des Lammes Mahl im Him⸗ mel, das stets bleibt, mich nicht abziehn! Kleide, Jesu, in der Zeit mich mit deinem Hochzeit⸗ kleid, daß ich deine Hochzeit⸗ ehren möge feiern ohn Aufhören. Heinr. Georg Neuß g. 1654 1 1716. 253. Psalm 51, 12— 14. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 8⁰ haff in mir, Gott, ein reines Herz, mein Herz ist ganz ver⸗ derbet; es fühlet von der Sünde Schmerz, die ihm ist angeerbet und die es noch tut ohne Scheu. Ach mache, daß es wieder sei, wie du es erst erschaffen. 2. Gib mir auch einen neuen Geist, der wie du sei gesinnet, der stets dir anhang allermeist und was du willst, beginnet. Gib, daß er hasse Fleisch und Blut, und Glauben übe in Demut, Zucht, Sanftmut, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem Ange⸗ sicht, ob ich es gleich verdienet, mich, allerliebster Vater, nicht, weil Jesus dich versühnet; laß nimmer, nimmer, nimmermehr mich dein Kind also fallen sehr, daß du es von dir würfest. 4. Den heilgen Geist nimm nicht von mir, den bösen Geist vertreibe, damit er mich nicht nehme dir, und ich stets dein verbleibe; be⸗ herrschet mein Herz, Sinn und Mut der heilge Geist, so ist es gut im Leben und im Sterben. 5. Mit deiner Hülfe tröste mich, hilf und vergib die Sünden! Wenn meine Seele suchet dich, so laß dich von ihr finden und dein Verdienst, Herr Jesu Christ, darinnen Trost und Hülfe ist trotz Sünde, Tod und Teufel. 6. Dein freudger Geist erhalt mich doch mit seinem Freudenöle, damit nicht das Verzweiflungsjoch verderbe meine Seele. Sei meine Freude du allein, ach laß mich deine Frend. sein und führe mich zur Freude! Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzb.⸗Rudolstadt g. 1640 + 1672 254. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. was sind wir ohne Jesus? dürftig, jämmerlich und arm; ach was sind wir? voller Elend. Ach Herr Jesu, dich erbarm! Laß dich unsre Not bewegen, die wir dir vor Augen legen. 2. Wir sind nichts ohn dich, Herr Jesu, hier ist lauter Finster⸗ nis; dazu quälet uns gar hestig jener giftge Schlangenbiß; dieses Gift steigt zu dem Herzen und verursacht stete Schmerzen. 3. Ach ohn dich, getreuer Jesu, schreckt der Teufel und die Höll, die Verdammnis macht mich zittern, da ich steh auf dieser Stell; mein Gewissen ist erwachet, und der Abgrund flammt und krachet. 4. Ohne dich, herzliebster Jesu, kommt man nicht durch diese Welt; sie hat fast auf allen Wegen unsern Füßen Netz gestellt, sie kann trotzen, sie kann heucheln und hält uns mit ihrem Schmeicheln. 5. Ach wie kraftlos, Herzens⸗ jesu, richten sich die Kranken aufz unsre Macht ist lauter Ohnmacht Buß⸗ und in dem müden Lebenslauf. Denn man sieht uns, da wir wallen, öfters straucheln, oftmals fallen. 6. Darum stärk uns, liebster Jesu, sei in Finsternis das Licht, öffne unsre Herzensaugen, zeig dein freundlich Angesicht! Strahl, o Sonn, mit Lebensblicken, so wird sich das Herz erquicken. 7. Tritt den Satan, starker Jesu, unter unsern schwachen Fuß, komm zu deiner Braut gegangen, biet ihr deinen Friedensgruß, daß sie Himmelsfreud verspüre und kein Leid sie mehr berühre. 8. Faß uns an, o süßer Jesu, führ uns durch die Pilgerstraß, daß wir auf den rechten Wegen gehen fort ohn Unterlaß; laß uns meiden alle Stricke und nicht wieder sehn zurücke! 9. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, geben unserm Geiste Kraft, daß wir brünstig dir nach⸗ wandeln nach der Liebe Eigen⸗ schaft; ach Herr, mach uns selber tüchtig, so ist unser Leben richtig. 10. Dann wird Lob und Dank, Herr Jesu, schallen aus des Her⸗ zens Grund; dann wird alles jubilieren, und dir singen Herz und Mund; dann wird auf der ganzen Erden Jesus hoch gelobet werden. Peter Lackmann g. 1659 + 1718. I 255. Mel. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld. ◻ù König, dessen Majestät weit über alles steiget, dem Erd und Meer zu Dienste steht, vor dem die Welt sich neiget, der Himmel Beichtlieder. 143 ist dein helles Kleid, du bist voll Macht und Herrlichkeit, sehr groß und wundertätig; ich armer Wurm vermag nichts mehr, als daß ich ruf zu deiner Ehr: Gott, sei mir Sünder gnädig! 2. Hier steh ich, wie der Zöll⸗ ner tat, beschämet und von ferne, ich suche deine Hülf und Gnad, o Herr, von Herzen gerne; doch weil ich voller Fehler bin und, wo ich mich nur wende hin, des Ruhmes vor dir ledig, so schlag ich nieder mein Gesicht vor dir, du reines Himmelslicht. Gott, sei mir Sünder gnädig! 3. Die Schulden, der ich mir bewußt, durchängsten mein Ge⸗ wissen; drum schlag ich reuig an die Brust und will von Herzen büßen. Ich bin, o Vater, ja nicht wert, daß ich noch wandle auf der Erd; doch weil du winkst, so bet ich mit ganz zerknirschtem, bangem Geist, der gleichwohl dich noch Abba heißt: Gott, sei mir Sünder gnädig! 4. Mein Vater, schaue Jesum an, den Gnadenthron der Sünder, der für die Welt genug getan, durch den wir Gottes Kinder im gläubigen Vertrauen sind, der ists, bei dem ich Ruhe find, sein Herz ist ja guttätig. Ich fasse ihn und laß ihn nicht, bis Gottes Herz mitleidig bricht. Gott, sei mir Sünder gnädig! 5. Regiere doch mein Herz und Sinn in diesem ganzen Leben! Du bist mein Gott, und was ich bin, bleibt ewig dir ergeben. Ach heilige mich ganz und gar, laß meinen Glauben immerdar sein 144 Buß⸗ und Beichtlieder. durch die Liebe tätig! Und will es nicht fort, wie es soll, so ruf ich, wie mein Herz ist voll: Gott, sei mir Sünder gnädig! 6. Mein Leben und mein Ster⸗ ben ruht allein auf deiner Gnade; mir geh es gleich bös oder gut, gib nur, daß es nicht schade. Rommt dann das letzte Stündlein an, so sei mir auf der Todes⸗ bahn, mein Jesu, selbst beirätig! Und wenn ich nicht mehr sprechen kann, so nimm den letzten Seufzer an: Gott, sei mir Sünder gnädig! Valent. Ernst Löscher g. 1678 + 1749. — 256. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten Mel. 1. Wir liegen hier zu deinen Füßen, Mach Herr von großer Güt und Treu, und fühlen leider im Ge⸗ wissen, wie sehr dein Zorn ent⸗ brennet sei. Das Maß der Sünden ist erfüllt, ach weh uns, wenn du strafen willt. 2. Du bist gerecht, wir lauter Sünder, wie wollen wir vor dir bestehn? Wir sind die ungeratnen Kinder, die auf verkehrten Wegen gehn. Kein Wunder, wenn uns Pest und Schwert und Hunger längst schon aufgezehrt. 3. Doch, Vater, denk an deinen Namen, gedenk an deinen lieben Sohn! Dein Wort heißt immer Ja und Amen, dein Eidschwur zeuget selbst davon. Du willst der Glaube, daß du dich doch erbarmen wirst. Ach hast du noch ein Vaterherz, so siehe doch auf unsern Schmerz! 5. Der Mittler steht ja in der Mitten, wir schaun zu seinen Wunden auf; er hat für unsre Schuld gelitten und leistet dir die Zahlung drauf. Verbirgst du deinen Gnadenschein, so muß sein Blut verloren sein. 6. Das teure Blut von deinem Sohne schreit für uns um Barm⸗ herzigkeit. Schau doch von deinem Gnadenthrone und denke noch der alten Zeit, da du auch Gnade hast erzeigt, dein Herz dem Sünder zugeneigt. 7. Ach laß die wohlverdiente Strafe nicht über unsre Häupter gehn, daß wir nicht als verlorne Schafe von deiner Hut verlassen stehn. Ach sammle uns in deinen Schoß und mach uns aller Plagen los! 8. Steck ein das Schwert, das uns will fressen, den Würger laß vorübergehn, gib deinen Kindern Brot zu essen, laß keine solche Zeit entstehn, daß man dein Wort uns teuer macht, und unser Herz dabei verschmacht. 9. Gib Fried im Land und im Gewissen, gesunde Luft, wohl⸗ jeile Zeit, laß Lieb und Treu sich stetig küssen und fördre die Gerechtigkeit, krön unser Feld mit deinem Gut, nimm Kirch und der Sünder Tod ja nicht. Ach geh nicht mit uns ins Gericht! 4. Wir liegen vor dir in dem Staube, und unser Herz ist ganz zerknirscht; nur tröstet uns allein Haus in deine Hut! 10. So wollen wir dir Opfer bringen, dein eigen sein mit Leib und Seel. Es soll dein Lob gen Himmel dringen, und dein er⸗ Sed 8. SESSE 28= 29 88 löstes Israel stimmt in den Jubel Zions ein: Der Herr soll mein Gott ewig sein! Benjamin Schmolck g. 1672 + 1737. 257. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. dir, Herr Jesu, komme ich, nachdem du so gar freundlich mich zu dir hast heißen kommen. Mich drücket meiner Sünden Last, sie läßt mir keine Ruh noch Rast; würd sie mir nicht benommen, so müßt darunter ich vergehn, ich könnte nicht vor Gott bestehn, vor dem die Himmel selbst nicht rein, ich müßt ein Kind des Todes sein. Herr Jesu Christ, mein Trost und Licht, mein Trost und Licht, erquicke mich und laß mich nicht! 2. Das Sündenjoch ist mir zu schwer, es drückt mein Herze allzusehr, du, Herr, wollst es zer⸗ brechen! Gedenke, daß du diese Last darum für mich getragen hast, damit nicht möchte rächen der Vater, was ich hab verschuldt, vielmehr, daß seine Gnad und Huld mir Armen wieder würd zuteil. Mach mich durch deine Wunden heil, Herr Jesu Christ, und für mich bitt, und für mich bitt, wenn Satan wider mich auftritt. 3. Zu dir steht meine Zuversicht, ich weiß von keinem Helfer nicht ohn dich, o Arzt der Sünder. All andre Helfer sind zu schlecht, du bist allein vor Gott gerecht, des Todes Überwinder, die Freistatt und der sichre Ort, das seste Schloß, der Schild und Hort, der Mittler und der Gnadenthron, des Vaters Herz und liebster Sohn. Herr Buß⸗ und Beichtlieder. 145⁵ Jesu Christ, das glaube ich, das glaube ich, ach stärk in solchem Glauben mich! 4. Hinfort will ich nun jeder⸗ zeit auf mich zu nehmen sein bereit dein Joch, die sanfte Bürde; darunter find ich Fried und Ruh, ich wachs und nehm im Guten zu. Und ob ich drunter würde aus Schwachheit, die dir ist bekannt, ermüden, wird doch deine Hand mir immer wieder helfen auf, um zu vollenden meinen Lauf. Herr Jesu Christ, durch dich allein, durch dich allein kann ich hier und dort selig sein. J. Anast. Freylinghausen g. 1670 4 1739. 258. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten Mel. 1. Dein Jesus rufet dich zur Buße, komm, bring dein armes Herz herbei! Komm, falle ihm doch bald zu Fuße und zeig ihm deiner Seele Reu, die das Gesetz in uns erregt, wenn man Leid über Sünde trägt. 2. Dein Jesus ruft dich auch zum Glauben durchs süße Evan⸗ gelium und will aus Gnade dir erlauben, zu werden ganz sein Eigentum, daß du nun durch sein wertes Wort sollst selig werden hier und dort. 3. So säubre, Jesu, meine Sinnen und schaff in mir das Herze rein, laß mich von neuem nur beginnen, was dir, mein Jesu, lieb kann sein, und hilf, daß ich nach deinem Sinn recht gläubig und auch heilig bin. 1734. 10 146 Buß⸗ und BVeichtlieder. 250. Eigene Melodie. n dir allein, an dir hab ich gesündigt und übel oft vor dir getan; du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt, sieh, Gott, auch meinen Jammer an! 2. Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen, und meine Tränen sind vor dir. Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sor⸗ gen? Wie lang entfernst du dich von mir? 3. Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, vergilt mir nicht nach meiner Schuld! Ich suche dich; laß mich dein Antlitz finden, du Gott der Langmut und Geduld! 4. Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit! Erfreue mich um deines Namens willen, du bist ein Gott, der gern erfreut. 5. Laß deinen Weg mich wieder freudig Wallen und lehre mich dein heilig Recht, mich täglich tun nach deinem Wo hlgefallen; du bist mein Gott, ich bin dein Knecht. 6. Herr, eile du, mein Schutz, mir beizustehen und leite mich auf ebner Bahn! Er hört mein Schrein, der Herr erhört mein Flehen und nimmt sich meiner Seele an. Chr. F. Gellert g. 1715 1 1769. 260. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du ver⸗ brochen. 6us einem tief vor dir gebeugten Herz en ruf ich zu dir in mei⸗ nen Sündenschmerzen: O mach mich, Gott, meines Kummers ledig und sei mir gnädig! 2. Beschämt erkenn und fühl ich meine Sünden, laß, Vater, mich Erbarmung vor dir 9 75 Willst du auf Schuld und üÜbertretung sehen, wer wird bestehen? 3. Bei dir allein, Herr, steht es, zu vergeben, du willst nicht, daß wir sterben, sondern leben; uns soll die Größe deiner Liebe lehren, dich treu zu ehren. 4. Verzeihe mir in Christo meine Fehle! Dein harrt im Glauben meine müde Seele; laß Trost und Ruh um des Versöhners willen mein Herz erfüllen! 5. Vom Abend an bis zu dem frühen Morgen hoff ich auf dich, o stille meine Sorgen! Du schen⸗ kest ja Beladenen und Müden gern deinen Frieden. 6. Ja hoffe nur, mein Herz, auf Gottes Gnade, sie ist v größer als dein Seelenschade, und endlich wird sie dich von allem Bösen gewiß erlösen. Nach Frdr. K. v. Moser von Joh. Sam. D 261. Mel. Jesu, meines 723 1798, g. Lebens Leben. 2 erhebe mein Gemüte sehn⸗ suchtsvoll, mein Gott, zu dir, denn ich kenne deine Güte, o wie teuer ist sie mir! Gott der Liebe und des Lebens, keiner harrt auf dich vergebens, nur Verächter deiner Huld stürzet ihre eigne Schuld. 2. Lehre mich, Herr, deine Wege, zeige deinen Willen mir, daß ich nicht mehr irren möge; führe du mich selbst zu dir! Gott, du siehent est mein Vertrauen; sicher kann ich auf. dich bauen, deine Vatertreue ist ewig, wie du selber bist. ö 3. Ach gedenke an die Sünden meiner Jugendjahre nicht, laß mich Armen Gnade finden, Gott, vor deinem Angesicht! Alle Sünden, die uns reuen, willst du, Vater ja verzeihen, o so höre denn auch mich, meine Seele hofft auf dich. 4. Gott, du willst des Sünders Leben, seine Seele ist dir wert. Gnädig willst du ihm vergeben, wenn er sich zu dir bekehrt. Mitten auf dem Sündenwege machst du sein Gewissen rege. Wohl dem, der zu seiner Pflicht umkehrt, den verwirfst du nicht. ieder vom Glauben und von der XVII. Lieder vom Glauben und von der 8 Rechtfertigung 147 5. Du erquickest die Elenden, deren Herz sich dir ergibt, die sich flehend zu dir wenden über ihre Schuld betrübt. Freude schenkei deine Güte dem geängsteten Ge⸗ müte, welchem du die Sündenlast liebreich abgenommen hast. 6. Dir will ich mich denn er⸗ geben; Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! Laß mich immer heilig leben, Herr, vor deinem Angesicht! Keine schnöde Lust der Sünden müsse mich mehr überwinden! Ach be⸗ wahr, ich bitte dich, meinen Geist und stärke mich! Nach J. Kasp. Lavater g. 741 1 1801, von Joh. Sam. Diterich. Rechtfertigung. 262. Eigene Melodie. MN;n freut euch, liebe Christen g'mein, und laßt uns fröhlich springen, daß wir getrost und al in ein mit Lust und Liebe singen,‚ was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teur hat ers erworben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren; mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren; ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hatt' mich besessen. 3. Mein guten Werk die galten nicht, es war mit ihn'n verdorben; der frei Will haßte Gotts Gericht, er war zum Gut'n erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, daß nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Hölle mußt ich sinken. 4. Da jammert Gott in Ewig⸗ keit mein Elend übermaßen; er dacht an sein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen. Er wandt zu mir das Vaterherz; es war bei f ihm fürwahr kein Scherz, sein Bestes ließ ers kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: Die Zeit ist hie, zu er⸗ barmen; fahr hin, meins Herzens werte Kron, und sei das Heil dem Armen und hilf ihm aus der Sün⸗ den Not, erwürg für ihn den bittern Tod und laß ihn mit dir leben! 10* 148 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 6. Der Sohn dem Vater g'hor⸗ sam ward; er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau rein und zart, er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, er ging in meiner arm Gestalt; den Teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: Halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein, und du bist mein, und wo ich bleib, da sollst du sein, uns soll der Feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid ich alles dir zu gut; das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünde dein; da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von diesem Leben; da will ich sein der Meister dein, den Geist will ich dir geben, der dich in Trübnis trösten soll und lehren, mich erkennen wohl, und in der Wahrheit leiten. 10. Was ich getan hab und gelehrt, das sollst du tun und lehren, damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen Ehren. Und hüt dich vor der Menschen Satz, davon verdirbt der edle Schatz! Das laß ich dir zur Letze.“) zum Abschied. Martin Luther g. 1483 + 1546. 263. Eigene Melodie. Wir glauben all an Einen Gott, Schöpfer Himmels und der hat, daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; allem Unfall will er wehren, kein Leid soll uns widerfahren. Er sorget für uns, hüt und wacht, es steht alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, seinen Sohn und unsern Herren, der ewig bei dem Vater ist, gleicher Gott von Macht und Ehren, von Maria der Jungfrauen ist ein wahrer Mensch geboren durch den heilgen Geist im Glauben; für uns, die wir warn verloren, am Kreuz gestorben und vom Tod wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, der aller Blöden Tröster heißt und mit Gaben zieret schöne, die ganz Christenheit auf Erden hält in Einem Sinn gar eben; hie all Sünd vergeben werden; das Fleisch soll auch wieder leben; nach diesem Elend ist bereit uns ein Leben in Ewigkeit. Amen. Martin Luther g. 1483 + 1546. 264. Römer 3, 23— 28. Eigene Melodie. Eꝰ ist das Heil uns kommen her von Gnad und lauter Güte, die Werk die helfen nimmermehr, sie können nicht behüten; der Glaub sieht Jesum Christum an, der hat gnug für uns all getan, er ist der Mittler worden. 2. Was Gott im G'setz geboten hat, da man es nicht konnt halten, Erden, der sich zum Vater geben erhub sich Zorn und große Not vor — 2E= e —..—..—..— ——...— ** Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 149 Gott so mannigfalte; vom Fleisch der Glaub gibt aus von ihm wollt nicht heraus der Geist, vom den Schein, so er die Werk nicht G'setz erfordert allermeist; es war lasset; mit Gott der Glaub ist mit uns verloren. wohl daran, dem Nächsten wird 3. Es war ein falscher Wahn die Lieb Guts tun, bist du aus dabei: Gott hätt sein G'setz drum Gott geboren. geben, als ob wir könnten selber frei nach seinem Willen leben. So ist es nur ein Spiegel zart, der uns zeigt an die sündig Art in unserm Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war, dieselbig Art aus eignen Kräften lassen; wiewohl es oft versuchet ward, doch mehrt sich Sünd ohn Maßen; denn Gleißners Werk Gott hoch verdammt, und jedem Fleisch der Sünde Schand allzeit war an⸗ geboren. 5. Doch mußt das G'setz er⸗ füllet sein, sonst wärn wir all ver⸗ dorben. Drum schickt Gott seinen Sohn herein, der selber Mensch ist worden; das ganz Gesetz hat er erfüllt, damit seins Vaters Zorn gestillt, der über uns ging alle. 6. Und wenn es nun erfüllet ist durch den, der es konnt halten, so lerne jetzt ein frommer Christ des Glaubens recht Gestalte. Nicht mehr denn: Lieber Herre mein, dein Tod wird mir das sein, du hast für mich bezahlet. 7. Daran ich keinen Zweifel trag, dein Wort kann nicht be⸗ trügen. Nun sagst du, daß kein Mensch verzag(das wirst du nimmer lügen): Wer glaubt an mich und wird getauft, demselben ist der Himm'l erkauft, daß er nicht werd verloren. 8. Er ist gerecht Leben 9. Es wird die Sünd durchs G'setz erkannt und schlägt das G'wissen nieder; das Evangelium kommt zu Hand und stärkt den Sünder wieder. Es spricht: Nur kreuch zum Kreuz herzu, im G'setz ist weder Rast noch Ruh mit allen seinen Werken. 10. Die Werk die kommen g'wißlich her aus einem rechten Glauben; denn das nicht rechter Glaube wär, wolltst ihn der Werk berauben. Doch macht allein der Glaub gerecht; die Werk die sind des Nächsten Knecht, dabei wirn Glauben merken. 11. Die Hoffnung wart't der rechten Zeit, was Gottes Wort zusage; wann das geschehen soll zu Freud, setzt Gott kein g'wisse Tage. Er weiß wohl, wanns am besten ist, und braucht an uns kein arge List, des solln wir ihm vertrauen. 12. Ob sichs anließ, als wollt er nicht, laß dich es nicht er⸗ schrecken, denn wo er ist am besten mit, da will ers nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Fleisch spräch lauter Nein, so laß doch dir nicht grauen. 13. Sei Lob und Ehr mit hohem Preis um dieser Guttat willen Gott Vater, Sohn und heilgem Geist! Der woll mit Gnad er⸗ füllen, was er in uns ang'fangen vor Gott hat, zu Ehren seiner Majestät, allein, der diesen Glauben fasset; daß heilig werd seine Name. 150⁰ Lieder vom Glauben und 14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd g'scheh wie im Himmelsthrone, das täglich Brot ja heut uns werd; wollst unsrer Schuld verschonen, als wir auch unsern Schuldnern tun, laß uns nicht in Versuchung stehn, lös uns vom Übel! Amen. x Paul Speratus g. 1484 + 1551. 265. el. Auf dich hab ich gehoffet, Herr. M zagen will, Christ will ich lassen walten; der alle Sünd weg nimmt und trägt, der wird mich auch erhalten. 2. Sein tröstlich Wort hab ich gehört, damit hat er mein Herz gerührt; wer glaubet seinem Sohne, der wird verloren werden nicht, empfängt der Freuden Krone. 3. Es traure, wer da trauren will, mein Herz aufspringt vor Freude viel, kein Leid kann mich nicht rühren; kein Unfall mich abwenden soll von Christo, mei⸗ nem Herren. 4. O Jesu Christ, mein Herr und Gott, dir trauen hilft allein aus Not, hilf meinem schwachen Glauben, so kann mich auch der bittre Tod aus deiner Hand nicht rauben. 5. Frisch und fröhlich, mein liebe Seel, dir ist beschert das ewge Heil, dein' Feind sind all gedämpfet! Den Streit der nicht verlieren kann, der in dem Glau⸗ ben kämpfet. 6. Dank sei dir, Gott, in Ewig⸗ keit, o Vater der Barmherzigkeit, von der Rechtfertigung. samt Christo, meinem Herren: Dein Lob ich allzeit preisen will, stets deinen Namen ehren. Aus dem Niederdeutschen des H. Wepse, um 1580. 266. Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh darein, oder st gewißlich an der Zeit. Wenn dein herzliebster Sohn, o Gott, nicht wär auf Erden kommen üund hätt, da ich in Sünden tot, mein Fleisch nicht irn meiner Sünd auch noch angenommen, so müßt ich armes so viel, dennoch ich nicht ver⸗ Würmelein zur Hölle wandern in die Pein um meiner Sünde willen. 2. Jetzt aber hab ich Ruh und Nast, darf nimmermehr verzagen, weil er die schwere Sündenlast für mich hat selbst getragen. Er hat mit dir versöhnet mich, da er am Kreuz ließ töten sich, auf daß ich selig würde. 3. Drum ist getrost mein Herz und Mut mit kindlichem Ver⸗ trauen; auf dies sein rosenfarbnes Blut will ich mein Hoffnung bauen, das er für mich vergossen hat, gewaschen ab die Missetat und mir das Heil erworben. 4. In seinem Blut erquick ich mich und komm zu dir mit Freu⸗ den; ich suche Gnad demütiglich, von dir soll mich nichts scheiden. Was mir erworben hat dein Sohn durch seinen Tod und Marterkron, kann mir kein Teufel rauben. 5. Nichts hilst mir die Gerech⸗ tigkeit, die vom Gesetz herrühret, wer sich in eignem Werk erfreut, wird jämmerlich verführet. Des Herren Jesu Werk allein das machts, daß ich kann selig sein, der ichs mit Glauben fasse. (H 17 + EWONSe Lieder 6. Gott Vater, der du alle Schuld auf deinen Sohn geleget, Herr Jesu, dessen Lieb und Huld all meine Sünde träget, o heilger Geist, des Gnad und Kraft allein das Gute in mir schafft, laß mich ans End beharren! N. 1—5 V. 1—5. — 267. Eigene Melodie. bekenn von zuch mit dem Mund, rr, ich Herzens⸗ grund, nichts soll mich davon wenden, daß niemand sonst mein Heiland ist als Jesus Christ, der wahre Gott ohn Ende, der mir zugut mein Fleisch und Blut genommen an, drum er nicht kann mich armen Sünder hassen. 2. Geborn ist er ein kleines Kind für meine Sünd, in Windeln ein⸗ gehüllet; die Jugend mit Müh⸗ seligkeit, Armut und Leid ist wor⸗ den ganz erfüllet; er hat gewacht, sich matt gemacht; er ward ge⸗ Darte sein heilig Haupt mit ornen scharf gekrönet. 18. Er ward ans Kreuzesholz vom Glauben und von der Rechtfertigung. 151 Knecht erlöst, wer sich des tröst, den kannst du nicht verdammen. 5. Der treue Hirt jetzt kommt vor dich und träget mich, sein Schaf, auf seinem Rücken, das Schaf, das ganz verirret war, ging mit Gefahr, es war in Satans nnn das hat er bracht aus eigner Macht, wie du begehrt, zu deiner Herd, zur Herde der Gerechten. 6. Mich, den die Welt ganz listiglich von dir zu sich mit ihrer Lust gezogen, bringt jetzt dein Sohn in deinen Schoß von Sünden los, aus Lieb hierzu bewogen. Ich, der sich weit durch Eitelkeit von deiner Gnad entfernet hat, ich bin jetzt wieder kommen. 7. Was Satanas mit bösem Sinn geraubet hin und von dir weggetrieben,d das bringt dein Sohn zu deiner Herd aufs neu bekehrt, zu denen, die dich lieben. Er stellet dir jetzt wieder für dein Kind, das sich mutwilliglich von dir ver⸗ laufen hatte 8. Also hab ich nun Gnad, Gott, durch Christi Tod, den er 0 für mich erduldet. Und ob ich wohl bei mir befind, daß meine Sünd gehenkt, mit Gall getränkt und all Höllenpein verschuldet, so hab fiel in Todesbanden; doch derum am dritten Tag nach seiner Plag ist er von Tod erstanden, mit Herrlichkeit e Weiaes. gegangen ein, frei aller Pein, ge⸗ setzt zu deiner Rechten. 4. So schaue deinen Sohn doch an, was er getan, laß Gnad in ihm mich finden! Du hast mich Armen nicht veracht, ganz frei gemacht von meinen schweren Sünden. Durchs Sohnes Tod hast du aus Not den wie⸗ ich doch die Hoffnung noch durch deinen Sohn, den Gnadenthron: ich werd nicht sein verloren. ). Die Tür zum schönen Pa⸗ radies hat er gewiß durch sein Blut aufgeschlossen, das aus den Wun⸗ den mildiglich am Kreuze sich mit Strömen hat ergossen. Ich glaube sest, daß du nicht läßt, o frommer Gott, in Angst und Not, der dies mit Glauben fasset. Joh. Heermann g. 1585 + 16⁴⁷ 268. Eigene Melodie. glaub an Einen Gott allein, A der alle Dinge groß und klein, den Himmel nebst der Erden aus nichts hat lassen werden, der auch mich sel—0 aus lauter Gnad zu seinem Dienst erschaffen hat, mir Leib und Seel gegeben, Sinn und Vernunft daneben. Durch seine Weisheit, Macht und Güt all sein Sehnpi er behüt. Er ist mein Vater und mein Gott, der mir zu Hülfe kommt in Not, mich schützett und ernähret. 2. Ich glaube auch an Jesum Christ, der Gott vom Vater ewig ist und dann ein Mensch geboren, daß ich nicht würd verloren; der mir des Vaters Huld erwarb, am Stamm des Kreuzes für mich starb, fuhr zu der Hölle nieder, stund auf vom Tode wieder. Und zu vollenden seinen Lauf, fuhr er zum Himmelsthron hin⸗ auf; von da er kommen wird ein⸗ mal, daß er die Menschen richte all, die Lebenden und Toten. 3. Ich glaub auch an den heil⸗ gen Geist, der gleich ist wahrer Gott und heißt ein Lehrer unsrer Sinnen, der ewig ohn Beginnen vom Vater und vom Sohn aus⸗ geht, der den Betrübten hier bei⸗ steht, daß sie Vergebung finden von allen ihren Sünden. Ich glaube, daß erhalten werd ein allgemeine Kirch auf Erd, bei der stets bleib des Geistes Gab. Ich glaub, daß dieses Fleisch vom Grab werd auferstehn zum Leben. Justus G senius g. 1601 + 1678, oder David Denicke g. 1603 1 1080. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 269. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. ◻ Gottes Sohn, Herr Jesu Christ, daß man recht könne gläuben, nicht jedermannes Ding so ist, noch star whaft zu verbleiben. Drum hilf du mir von oben her, des wahren Glaubens mich gewähr und daß ich drin beh harre. 2. Lehr du und unterweise mich, daß ich den Vater kenne, daß ich, dich den Sohn daß ich auch o Jesu Christe, des Höchsten nenne, ehr den heilgen Geist, zugleich lobet und gepreist in dem dreieingen Wesen. 3.Laß mich vom großen Gnaden⸗ heil die wahr Erkenntinis finden, wie der nur an dir habe teil, dem du vergibst die Sünden. Hilf, daß e⸗ ichs such, wie mirs gedhnt du bist der Weg, der mich recht führt, Leben. die Wahrheit und das 4. Gib, daß ich traue deinem Wort, es wohl ins Herze fasse, daß sich mein Glaube immerfort auf dein Verdienst verlasse, daß zur Gerechtigkeit mir werd, wenn ich von Sünden bin beschwert, dein Kreuztod zugerechnet. 5. Den Glauben, Herr, laß trösten sich des Bluts, so du ver⸗ gossen, auf daß in deinen Wunden ich bleib allzeit eingeschlossen und durch den Glauben auch die Weli und was dieselb am höchsten hält, allzeit für Schaden achte. 6. Wär auch mein Glaube noch so klein, und daß man ihn kaum merke, wollst du doch in mir mächtig sein, daß deine Gnad mich stärke, die das zerstoßne +εT1wꝓͤãͤ—— Rohr nicht bricht, das glimmend Docht auch vollends nicht aus⸗ löschet in den Schwachen. 7. Hilf, daß ich stets sorgfältig sei, den Glauben zu behalten, ein gut Gewissen auch dabei, und daß ich so mög walten, daß ich sei lauter jederzeit, ohn Anstoß, mit Gerechtigkeit erfüllt und ihren Früchten. 8. Herr, durch den Glauben wohn in mir, laß ihn sich immer stärken, daß er sei fruchtbar für und für und reich an guten Wer⸗ len daß er sei tätig durch die Lieb, mit Freude und Geduld sich üb, dem Nächsten fort zu dienen. 9. Insonderheit gib mir die Kraft, daß vollends bei dem Ende ich übe gute Ritterschaft, zu dir allein mich wende in meiner letzten Stund und Not, des Glaubens End durch deinen Tod, die Selig⸗ keit, erlange. 10. Herr Jesu, der du angezündt das Fünklein in mir Schwachen: was sich vom Glauben in mir findt, das wollst du stärker machen. Was du gefangen an, vollführ bis an das End, daß dort bei dir auf Glauben folg das Schauen. David Denicke g. 1603 + 1680. — 270. Röm. 8. Mel. Valet will ich dir geben. Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott? Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 153 2. Nun weiß und glaub ich feste, ich rühms auch ohne Scheu, daß Gott, der Höchst und Beste, mir gänzlich günstig sei, und daß in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut; das machet, daß ich finde das ewge, wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, mein Glanz und schönes Licht. Wenn der nicht in mir wäre, so dürft und könnt ich nicht vor Gottes Augen stehen und vor dem Sternensitz, ich müßte stracks ver⸗ gehen, wie Wachs in Feuershitz. 5. Der, der hat ausgelöschet, was mit sich führt den Tod; der ists, der mich rein wäschet, macht schneeweiß, was ist rot. In ihm kann ich mich freuen, hab einen Heldenmut, darf kein Gerichte scheuen, wie sonst ein Sünder tut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmet mir mein Herz; die Höll und ihre Flammen, die sind mir nur ein Scherz; kein Urteil mich erschrecket, kein Unheil mich betrübt, weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der micht liebt. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, regiert mir meinen Sinn, vertreibet Sorg und Schmerzen. nimmt allen Kummer hin; gibt Segen und Gedeihen dem, was er in mir schafft, hilft mir das Abba schreien aus aller meiner Kraft. 15⁴4 Lieder vom Glauben und 8. Und wenn an meinem Orte sich Furcht und Schrecken findt, so seufzt und spricht er Worte, die unaussprechlich sind mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, der an des Herzens Grunde ersiehet seine Lust. 9. Sein Geist spricht meinem Geiste manch süßes Trostwort zu: wie Gott dem Hülfe leiste, der bei i suchet Ruh; und wie er hab erbauet ein edle neue Stadt, da Aug und Herze schauet, was es aubet hat. 0. Da ist mein Teil und Erbe mir prächtig zugericht; wenn ich gleich fall und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten mit Tränen meine Zeit, mein Jesus und sein Leuchten durchsüßet alles Leid. 11. Wer sich mit dem verbindet, den Satan fleucht und haßt, der wird verfolgt und findet ein hohe schwere Last zu leiden und zu tragen, gerät in Hohn und Spott, das Kreuz und alle Plagen die sind sein täglichs Brot. 12. Das ist mir nicht verborgen, doch bin ich unverzagt; Gott will ich lassen sorgen, dem ich mich zugesagt. Es koste Leib und Leben und alles, was ich hab, an dir will ich fest kleben und nimmer 3. Die Welt die mag zer⸗ brechen, du stehst mir ewiglich; kein Brennen, Hauen, Stechen soll trennen mich und dich; kein Hunger und kein Dürsten, kein Armut, keine Pein, kein Zorn der großen Fürsten soll mir ein Hindrung sein. von der Rechtfertigung. 14. Kein Engel, keine Freuden, kein Thron, kein Herrlichkeit, kein Lieben und kein Leiden, kein Angst und Fährlichkeit, was man nur kann erdenken, es sei klein oder groß, der keines soll mich lenken aus deinem Arm und Schoß. 15. Mein Herze geht in Sprün⸗ gen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ, das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist. Paul Gerhardt g. 1607 4+ 1676. 271. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. Der Glaube macht allein gerecht durch Christum, ders erworben; kein Werk erwirbt das Himmel⸗ recht, weil alls an uns verdorben. Doch ist ohn Lieb der Glaube tot; drum willst du meiden ewge Not, so glaub, tu Buß, üb Liebe! 2. Die Liebe sei des Nächsten Knecht, die iu aus gutem Her⸗ zen. Dabei nun glaube recht und schlecht, daß bloß durch Christi Schmerzen und seinen Tod du seist gerecht, und flieh, zu sein der Sünde Knecht. Gott woll uns all bekehren! Christoph Runge g. 1619 + 1681 272. 2. Kor. 13, 5. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 1. Mersuchet euch doch selbst, ob ihr im Glauben stehet, ob Christus in euch ist, ob ihr ihm auch nach⸗ gehet in Demut und Geduld, in Sanftmut, Freundlichkeit, in Lieb. dem Nächsten stets zu dienen seid bereit. 2. Der Glaube ist ein Licht im Herzen tief verborgen, bricht als ein Glanz hervor, scheint als der helle Morgen, erweiset seine Kraft, macht Christo gleich gesinnt, er⸗ neuert Herz und Mut, macht uns zu Gottes Kind. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben, und tut in Einfalt es dem Nächsten wie⸗ der geben; dieweil er überreich in Christo worden ist, preist er die Gnade hoch, bekennet Jesum Christ. 4. Er hofft in Zuversicht, was Gott im Wort zusaget; drum muß der Zweifel fort, die Schwermut wird verjaget; sieh, wie der Glaube bringt die Hoffnung an den Tag, hält Sturm und Wetter aus, be⸗ steht im Ungemach. 5. Aus Hoffnung wächst die Lieb, weil man aus Gottes Hän⸗ den nimmt alle Dinge an, nicht zürnet, tut nicht schänden, denn alles uns zu Nutz und Besten ist gemeint, drum dringt die Liebe durch auf Freunde und auf Feind. 6. Wir waren Gottes Feind, er gibt uns in dem Sohne sein eingebornes Kind zu einem Gnaden⸗ throne, setzt Liebe gegen Haß. Wer gläubig dies erkennt, wird bald in Lieb entzündt, die allen Haß verbrennt. 7. Wie uns nun Gott getan, tun wir dem Nächsten eben; droht er uns mit dem Tod, wir zeigen ihm das Leben; flucht er, so segnen wir; in Schande, Spott und Hohn ist unser bester Trost des Himmels Ehrenkron. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 15⁵ 8. Setzt uns Gott auf die Prob, ein schweres Kreuz zu tragen, der Glaube bringt Geduld, erleichtert alle Plagen; statt Murren, Un⸗ geberd wird das Gebet erweckt, weil aller Angst und Not von Gott ein Ziel gesteckt. 9. Man lernet nur dadurch sein Elend recht verstehen wie auch des Höchsten Güt, hält an mit Bitten, Flehen, verzaget an sich selbst, er⸗ kennet sich für nichts, sucht bloß in Christo Kraft, im Ursprung alles Lichts, 10. Hält sich an sein Verdienst, erlanget Geist und Stärke, in solcher Zuversicht zu üben gute Werke; steht ab vom Eigensinn, flieht die Vermessenheit, hält sich in Goitessurcht in Glück und schwerer Zeit. 11. So prüfe dich denn wohl, ob Christus in dir lebet, denn Christi Leben ists, wonach der Glaube strebet; erst machet er ge⸗ recht, dann heilig, wirket Lust zu allem guten Werk; sieh, ob du auch so tust. 12. O Herr, so mehre doch in mir den wahren Glauben, so kann mich keine Macht der guten Werk berauben; wo Licht ist, geht der Schein freiwillig davon aus. Du bist mein Gott und Herr, bewahr mich als dein Haus! Joach. Just. Breithaupt g. 1658 + 1732. 273. Mel. Was mein Gott will, das g'scheh. A bin getrost und freue mich, A weil ich hab Jesus funden; ich lieg und schlafe sicherlich in seinem Schoß und Wunden. Dies 156 ist der Ort, allwo mich nicht Sünd, Tod und Hölle schrecket, weil mir in Christo nichts ge⸗ bricht, und seine Macht mich decket. 2. Er spricht zu mir: Ich bin ganz dein, und du bist mein hinwieder, ich mache dich frei aller Pein, darum singe Friedens⸗ lieder! Ich fülle dich mit meiner Freud und kröne dich mit Wonne, dich schmückt mein schönes Un⸗ schuldskleid viel schöner als die Sonne. 3. Was will mich nun von Christi Huld und seiner Liebe scheiden? Verklagt mich Sündenschuld, so faß ich Christi Leiden; dies stellet mich in Sicher⸗ heit und stillet mein Gewissen; so krieg ich Fried und Freudigkeit zum Schild und sanften Kissen. 4. Hab Dank, o Jesu, Gottes⸗ sohn, der du den Frieden bringest, der du den höchsten Allmachts⸗ thron verlässest und bezwingest, was uns den teuren Frieden stört. Laß mich zum Tempel werden, wo nichts als Fried und Freud einkehrt, sei selbst mein Fried auf Erden! 1714. 274. Mel. Valet will ich dir geben. Rottlob, ich bin im Glauben, wer will mir Eintrag tun? Wenn Höll und Satan schnauben, so kann ich sicher ruhn. Mich schrecket kein Getümmel, kein Fall, der sonst verletzt; mein Wandel ist im Himmel, mein Glaube fest gesetzt. 2. Fragt dem jemand nach Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. meine Herzen und mit Munde zur Rechenschaft bereit. Der Grund, auf den ich baue, ist Christus ganz allein, und weil ich dem vertraue, so muß ich selig sein. 3. Auf mein Verdienst und Werke vertrau und bau ich nicht, im Herren hab ich Stärke und feste Zuversicht. Was mir den Tod verschuldet und mich in Not gebracht, dafür hat er geduldet und mich gerecht gemacht. 4. Dies bleibet meine Freude, wenn ich in Angsten bin; ja risse mich noch heute ein schneller Tod dahin, so laß ich mir nicht grauen, dieweil mein Glaube spricht: Geh, eile, Gott zu schauen, dein Hoffen trüget nicht. 5. Drum will ich nimmer wanken, mein Heiland, halte mich! Erhalte die Gedanken, wenn Furcht und Schrecken sich zu meinem Fall verbinden, wenn die Verfolgung blitzt, Gefahr und Not sich finden, und sich die Höll erhitzt. 6. Wenn ich sodann am schwäch⸗ sten, wiewohl nicht trostlos bin, so sei du mir am mächsten und stärke meinen Sinn, daß ich dabei ge⸗ lassen und voller Mutes sei, mich als ein Christ zu fassen; hilf, Herr, und steh mir bei! 7. Ich will dich feste halten, wenn Trübsalshitze sticht; und wenn ich werd erkalten, so laß ich dich doch nicht. Dein Geist spricht meinem Geiste Trost und Erquickung ein, Herr, stärke mich und leiste mir Kraft, dir treu zu sein! 8. Nun, Herr, du gibst den Grunde, dem bin ich allezeit mit Willen, verleihe mir zugleich auch Kräfte zum Erfüllen, so bin ich ewig reich. Drum reiche mir die Hände, so bleib ich unverletzt und bis zum Lebensende im Glauben festgesetzt. Martin Günther um 1720. 08 275. Eigene Melodie, oder Gott des Himmels und der Erden. Reicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel, brechet, alle Felsen, ein: Gottes Gnade hat das Siegel, sie will unverändert sein. Laß die Welt zu Trümmern gehn, Gottes Gnade wird bestehn. 2. Gott hat mir ein Wort ver⸗ sprochen, Gott hat einen Bund gemacht, der wird nimmermehr gebrochen, bis er alles hat voll⸗ bracht. Er, die Wahrheit, trüget nicht, was er saget, das geschicht. 3. Seine Gnade soll nicht wei⸗ chen, wenn gleich alles bricht und fällt, sondern ihren Zweck er⸗ reichen, bis sie mich zufrieden stellt. Gott ist fromm und gut und treu, ob die Welt voll Heuchelei. 4. Will die Welt den Frieden brechen, hat sie lauter Krieg im Sinn, Gott hält immer sein Ver⸗ sprechen; so fällt aller Zweifel hin, als wär er nicht immerdar, was er ist und was er war. 5. Laßt sein Antlitz sich ver⸗ stellen, ist sein Herz doch treu ge⸗ sinnt und bezeugt in allen Fällen, daß ich sein geliebtes Kind, dem er beide Hände reicht, wenn auch Grund und Boden weicht. 6. Er will Friede mit mir halten, wenn die Welt gleich Lärmen macht; ihre Liebe mag Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 15⁷ erkalten, ich bin bei ihm wert geacht, und wenn Höll und Ab⸗ grund brüllt, bleibt er mir doch Sonn und Schild. 7. Er, der Herr, ist mein Er⸗ barmer, so hat er sich selbst ge⸗ nennt; das ist Trost, so werd ich Armer nimmermehr von ihm ge⸗ trennt. Sein Erbarmen läßt nicht zu, daß er mir was Leides tu. 8. Nun es bleibt mein ganz Vertrauen auf ihn ankerfest ge⸗ richt; auf ihn will ich Felsen bauen, denn ich weiß, daß es geschicht. Erd und Himmel kann vergehn, sein Bund bleibet feste stehn. Benjamin Schmolck g. 1672 + 1737. 2 276. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 2. Ach 4 bin gewiß in meinem Glau⸗ ben, der mich in Christum einverleibt. Wer kann mir dieses Kleinod rauben, das mir sein Blut und Tod verschreibt? Sein teures Wort bekräftigt dies, drum sagt mein Glaub: Ich bin gewiß. 2. Ich bin gewiß in meiner Liebe, die nur an meinem Jesu klebt, daß, wenn ich mich im Lieben übe, mein Jesus in dem Herzen lebt. Sein Lieben ist mein Paradies, er liebet mich, ich bin gewiß. 3. Ich bin gewiß in meinem Leben, daß Jesu Gnade bei mir ist; die hilft mir allen Kummer heben. Wenn sich mein Herz an seines schließt, so acht ich keiner Hindernis, Gott sorgt für mich. ich bin gewiß. 158 Lieder vom Glauben und 4. Ich bin gewiß in meinem Leiden; kein Engel und kein Fürstentum mag mich von mei⸗ nem Jesu scheiden, er ist mein Heil, mein Teil, mein Ruhm. So schadet mir kein Schlangen⸗ biß, Geduld sagt doch: Ich bin gewiß. 5. Ich bin gewiß in meinem von der Rechtfertigung. Schrift allein; was diese mich läßt hören, muß unbetrüglich sein. 2. Herr, stärke mir den Glau⸗ ben, denn Satan trachtet Nacht und Tag, wie er dies Kleinod rauben und um mein Heil mich bringen mag. Wenn deine Hand mich führet, so werd ich sicher gehn; wenn mich dein Geist re⸗ Hoffen; was gegenwärtig ist, ver⸗ geht, mein künftig Erbteil steht Ach mir offen, dahin sich auch mein bleib Geist erhöht. Die Hoffnung macht die Wermut süß, weil sie stets singt: Ich bin gewiß. 6. Ich bin gewiß in meinem Sterben, daß mich der Tod nicht töten kann. Nach ihm macht mich mein Gott zum Erben von dem beglückten Kanaan. Ein ander Leben folgt auf dies: Mein Jesus lebt, ich bin gewiß. 7. Ich bin gewiß, so soll es heißen, bis aus dem Glauben Schauen wird; es soll mich nichts von Jesu reißen, ich bin sein Schaf, er ist mein Hirt. In Ewigkeit folgt hier kein Riß, die Losung bleibt: Ich bin gewiß. Benjamin Schmolck g. 1672 1 1737. V 277. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. A weiß, an wen ich gläube: Mein Jesus ist des Glaubens Grund; bei dessen Wort ich bleibe, und das bekennet Herz und Mund. Vernunst darf hier nichts sagen, sie sei auch noch so klug; wer Fleisch und Blut will fragen, der fällt in Selbstbetrug. Ich folg in Glaubenslehren der heilgen gieret, wirds selig um mich stehn. segne mein Vertrauen und mit mir vereint, so laß ich mir nicht grauen und fürchte keinen Feind. 3. Laß mich im Glauben leben! Soll auch Verfolgung, Angst und Pein mich auf der Welt umgeben, so laß mich treu im Glauben sein! Im Glauben laß mich sterben, wenn sich mein Lanf beschließt, und mich das Leben erben, das mir verheißen ist. Nimm mich in deine Hände bei Leb- und Sterbenszeit, so ist des Glaubens Ende der Seele Seligkeit. Erdmann Neumeister g. 1671 + 1756, 278. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. 2. Aeuns nimmt die Sünder an. A Saget doch dies Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade sind wir wert; doch hat er in seinem Worte eidlich sich dazu erklärt. Sehet nur, die Gnadenpforte ist hier völlig aufge⸗ tan: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 159 der uns nie vergißt, suchet treulich der Zeit der Welt, der Grund, das Verirrte, daß es nicht ver⸗der unbeweglich steht, wenn Erd derben kann: Jesus nimmt die und Himmel untergeht. Sünder an. 2. Es ist das ewige Erbarmen, 4. Kommet alle, kommet her, das alles Denken übersteigt; es kommet, ihr betrübten Sünder! sind die offnen Liebesarme des, Jesus rufet euch, und er macht aus der sich zu dem Sünder neigt, Sündern Gottes Kinder. Glaubt dem allemal das Herze bricht, es doch und denket dran: Jesus wir kommen oder kommen nicht. nimmt die Sünder an. 3. Wir sollen nicht verloren 5. Ich Betrübter komme hier werden, Gott will, uns soll ge⸗ und bekenne meine Sünden; laß, holfen sein; deswegen kam der mein Heiland, mich bei dir Gnade Sohn auf Erden und nahm hernach zur Vergebung finden, daß dies ö den Himmel ein, deswegen klopft Wort mich trösten kann: Jesus er für und für so stark an unsers nimmt die Sünder an. Herzens Tür. 6. Ich bin ganz getrostes Muts; 4. O Abgrund, welcher alle ob die Sünden blutrot wären, Sünden durch Christi Tod ver⸗ müßten sie kraft deines Bluts schlungen hat! Das heißt die dennoch sich in schneeweiß kehren, Wunde recht verbinden, da findet da ich gläubig sprechen kann: kein Verdammen statt, weil Christi Jesus nimmt die Sünder an. Blut beständig schreit: Barm⸗ 7. Mein Gewissen schreckt mich herzigkeit! Barmherzigkeit! nicht; will mich das Gesetz ver⸗ 5. Darein will ich mich gläubig klagen, der mich frei und ledig senken, dem will ich mich getrost spricht hat die Schulden abgetragen,‚ vertraun und, wenn mich meine daß mich nichts verdammen kann: Sünden kränken, nur bald nach Jesus nimmt die Sünder an. Gottes Herzen schaun; da findet 8. Jesus nimmt die Sünder sich zu aller Zeit unendliche an, mich hat er auch angenommen Barmherzigkeit. und den Himmel aufgetan, daß 6. Wird alles andre weggerissen, ich selig zu ihm kommen und auf was Seel und Leib erquicken kann, den Trost sterben kann: Jesus soll ich von keinem Troste wissen nimmt die Sünder an. und scheine völlig ausgetan, ist Erdmann Neumeister g. 1671 4 1756. die Errettung noch so weit: mir bleibet die Barmherzigkeit. 279. 7. Beginnt das Irdische zu drücken, ja häuft sich Kummer Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. ö und Verdruß, daß ich mich noch 45 habe nun den Grund ge- in vielen Stücken mit eitlen Din⸗ funden, der meinen Anker gen mühen muß, werd ich dadurch ewig hält. Wo anders, als in oft sehr zerstreut, so hoff ich doch Jesu Wunden? Da lag er vor Barmherzigkeit. 160⁰ Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 9. Muß ich an meinen besten viel Millionen Schulden und dazu Werken, darinnen ich gewandelt ohne Ruh lieben für das Hassen, in, viel Unvollkommenheit be⸗Herr, wer kann das fassen! merken, so fällt wohl alles Rüh⸗4. Du vergibest Sünde, hörst men hin, doch ist auch dieser der Sünder Flehen, wenn sie Trost bereit: ich hoffe auf Barm⸗ weinend vor dir stehen. Deine herzigkeit. Rechte dräuet und erbarmt sich 9. Es gehe nur nach dessen wieder, legt die Pfeile gerne nie⸗ Willen, bei dem so viel Erbarmen der,“) welche doch immer noch neue ist. Er wolle selbst mein Herze Schuld erreget, wenn sie kaum stillen, damit es das nur nicht geleget.) Ps. 7, 14. vergißt; so stehet es in Lieb und 5. Herr, es hat noch keiner, der Leid in, durch und auf Barm⸗ zu dir gegangen, statt der Gnade herzigkeit. Recht empfangen; wer zu deinen 10. Bei diesem Grunde will Füßen sich mit Tränen senket, ich bleiben, so lange mich die Erde dem wird Straf und Schuld ge⸗ trägt; das will ich denken, wun euket. Unser Schmerz rührt dein und treiben, so lange sich ein Glied Herz, und du willst der Armen bewegt. So sing ich einstens höchst gnädig dich erbarmen. erfreut: O Abgrund der Barm⸗ 6. König, sei gepriesen, daß du herzigkeit! so verschonest und uns nicht nach Joh. Andr. Rothe g. 1688 4 1758. Werken lohnest. Deiner Hand sei 28⁰0 Ehre, die so wohl regieret und 1 mit Ruhm den Zepter führet. Eigene Melodie. Fahre fort, Zions Hort, Langmut Anumschränkte Liebe, gönne blö⸗ auszuüben und die Welt zu lieben. den Augen, die sonst kaum auf Joh. Jak. Rambach g. 1093 4 1585„ Erden taugen, daß sie in die 281 Strahlen deiner Langmut blicken, 201. die den Erdkreis wärmend schmücken Mel. Werde munter, mein Gemüte. und zugleich freudenreich Bösen und Euge Liebe, mein Gemüte waget den Deinen mit der Sonne scheinen. Eeinen kühnen Blick in den Ab⸗ 2. Wasser, Luft und Erde, ja grund deiner Güte; send ihm einen dein ganz Gebiete ist ein Schau⸗ Blick zurück, einen Blick voll Heiter⸗ platz deiner Güte. Deiner Lang⸗ keit, der die Finsternis zerstreut, mut Ehre wird durch neue Proben die mein blödes Auge drücket, wenn immer herrlicher erhoben. O wie es nach dem Lichte blicket. weit, o wie breit über Berg und 2. Ich verehre dich, o Liebe, Hügel streckt sie ihre Flügel! daß du dich beweget hast und aus 3. Was wir davon denken, was einem reinen Triebe den erwünsch⸗ wir sagen können, ist ein Schatten ten Schluß gefaßt, der im Fluch nur zu nennen. Tag für Tag zu versenkten Welt durch ein teures leiden, Tag für Tag zu dulden so Lösegeld und des eignen Sohnes . Sterben Gnad und Freiheit zu rwerben. 3. O ein Ratschluß voll Er⸗ barmen, voller Huld und Freund⸗ lichkeit, der so einer Welt voll Armen Gnade, Trost und Hülfe beut. Liebe, die den Sohn nicht schont, der in ihrem Schoße wohnt, um die Sünder zu erretten aus den schweren Sündenketten. 4. Doch du hast, o weise Liebe, eine Ordnung auch bestimmt, daß sich der darinnen übe, der am Segen Anteil nimmt. Wer nur an den Mittler gläubt und ihm treu ergeben bleibt, der soll nicht verloren gehen, sondern Heil und Leben sehen. 5. Diesen Glauben anzuzünden, der ein Werk des Himmels heißt, lässest du dich willig finden, deinen teuren, guten Geist denen, die ge⸗ beuget stehn, die ihr Unvermögen sehn und zum Thron der Gnade eilen, gern und willig mitzuteilen. 6. Wo du nun vorher gesehen, daß ein Mensch auf dieser Erd deinem Geist nicht widerstehen noch sein Werk verhindern werd, sondern ohne Heuchelschein werd im Glau⸗ ben feste sein, diesen hast du aus⸗ erwählet und den Deinen zu⸗ gezählet. 7. Du hast niemand zum Ver⸗ derben ohne Grund in Bann ge⸗ tan; die in ihren Sünden sterben, die sind selber schuld daran. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, der hat Fluch und Tod zum Lohn, sein mutwillig Widerstreben schließt ihn aus vom Heil und Leben. 8. Liebe, dir sei Lob gesungen für den höchst gerechten Schluß, Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 161 den die Schar verklärter Zungen rühmen und bewundern muß, den der Glaub in Demut ehrt, die Vernunft erstaunet hört und um⸗ sonst sich unterwindet, wie sie dessen Tief ergründet. 9. Liebe, laß mich dahin stre⸗ ben, meiner Wahl gewiß zu sein; richte selbst mein ganzes Leben so nach deinem Willen ein, daß des Glaubens Frucht und Kraft, den dein Geist in mir geschafst, mir zum Zeugnis dienen möge, daß ich auf dem Himmelswege. 10. Laß mich meinen Namen schauen in dem Buch des Lebens stehn, dann so werd ich ohne Grauen selbst dem Tod entgegen gehn. Keine Kreatur wird mich, den du liebest, ewiglich deiner Hand entreißen können noch von deiner Liebe trennen. Joh. Jak. Rambach g. 1693 + 1735. 282. Eigene Melodie. I2 ein Heiland nimmt die Sünder an, die unter ihrer Last der Sünden kein Mensch, kein Engel trösten kann, die nirgends Ruh und Rettung finden. Denen die weite Welt zu klein, die sich und Gott ein Greuel sein, den'n Moses schon den Stab gebrochen und sie der Hölle zugesprochen, wird diese Freistatt aufgetan: mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Sein mehr als mütterliches Herz trieb ihn von seinem Thron auf Erden, ihn drang der Sün⸗ der Weh und Schmerz, an ihrer Statt ein Fluch zu werden. Er senkte sich in ihre Not und schmeckte 11 16² Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. den verdienten Tod; nun, da er denn sein eigen Leben zur teuren Zahlung hingegeben und seinem Bater gnug getan, so heißts: Er nimmt die Sünder an. 3. Nun ist sein aufgetaner Schoß ein sichres Schloß gejagter Seelen; er spricht sie von dem Urteil los und tilget bald ihr ängstlich Quälen. Es wird ihr ganzes Sündenheer ins unergründlich tiefe Meer durch seinen Tod und Blut versenket und ihnen Gottes Geist geschenket, der freudig Abba rufen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 4. So bringt er sie dem Vater hin in seinen starken Liebesarmen; das neiget denn den Vatersinn zu lauter ewigem Erbarmen. Er nimmt sie an an Kindes Statt; ja alles, was er ist und hat, wird ihnen eigen übergeben, und selbst die Tür zum ewgen Leben wird ihnen fröhlich aufgetan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 5. O solltest du sein Herze sehn, wie sichs nach armen Sündern sehnet, sowohl wenn sie noch irre gehn als wenn ihr Auge vor ihm tränet! Wie streckt er sich nach Zöllnern aus, wie eilt er in Zachäi Haus, wie sanft stillt er der Magdalenen den milden Fluß erpreßter Tränen und denkt nicht, was sie sonst getan! Mein Hei⸗ land nimmt die Sünder an. 6. Wie freundlich blickt er Pe⸗ trum an, ob er gleich noch so tief gefallen! Nun, dies hat er nicht nur getan, da er auf Erden mußte wallen, nein, er ist immer einerlei, gerecht und fromm und ewig treu; und wie er unter Schmach und Leiden, so ist er auf dem Thron der Freuden den Sündern liebreich zugetan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 7. So komme denn, wer Sünder heißt, und wen sein Sündengreul betrübet, zu dem, der keinen von sich weist, der sich gebeugt zu ihm begibet. Wie? willst du dir im Lichte stehn und ohne Not ver⸗ loren gehn? willst du der Sünde länger dienen, da dich zu retten er erschienen? O nein, verlaß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Komm nur mühselig und gebückt, komm nur so gut du weißt zu kommen. Wenn gleich die Last dich niederdrückt, du wirst auch kriechend angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht und wie er dir entgegen geht! Wie lang hat er mit vielem Flehen sich brünstig nach dir um⸗ gesehen! So komm denn, armer Wurm, heran! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 9. Sprich nicht: Ich habs zu grob gemacht, ich hab die Güter seiner Gnade zu lang und schänd⸗ lich durchgebracht, er hat mich ost umsonst geladen. Wofern dus nur jetzt redlich meinst und deinen Fall mit Ernst beweinst, so soll ihm nichts die Hände binden, du sollst auch jetzt noch Gnade finden, er hilft, wenn sonst nichts helfen kann Mein Heiland nimmt die Sünder an. 10. Doch sprich auch nicht: Es ist noch Zeit, ich muß erst diese Lust genießen, Gott wird ja eben rrt: S... NGV Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 163 nicht gleich heut die offnen Gnaden⸗ pforten schließen. Nein, weil er ruft, so höre du und greif mit beiden Händen zu! Wer seiner Seele heut verträumet, der hat die Gnadenzeit versaͤumet, ihm wird hernach nicht aufgetan. Heut komm, heut nimmt dich Jesus an. 11. Ja zeuch uns selber recht zu dir, holdselig süßer Freund der Sünder, erfüll mit sehnen⸗ der Begier auch uns und alle Adamskinder, zeig uns bei unserm Seelenschmerz dein aufgeschloßnes Liebesherz! Und wenn wir unser Elend sehen, so laß uns ja nicht stille stehen, bis daß ein jeder sagen kann: Gott Lob, auch mich nimmt Jesus an! Leop. Franz Friedr. Lehr g. 1709 4 1744. 5 283. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele. o hab ich nun den Fels erreichet, worauf mein matter Glaube ruht. Ein Fels, der keinen Stür⸗ men weichet, ein Fels, an dem die wilde Flut, und wärs die ganze Macht der Höllen, entkräftet muß zurücke prellen, schließt mich Mein Herz, verbanne Furcht und Grauen, in seine Schutzwehr ein. hier mußt du dir nun Hütten bauen, hier muß dein ewig Wohn⸗ haus sein. 2. Mich warf die Menge meiner Sünden als ein erbostes Meer herum, ich ward ein traurig Spiel den Winden und des Verderbens Eigenmum, mir drohte mein befleckt Gewissen mit ewig bangen Finster⸗ nissen und einem vollen Maß der Not, ich schwamm auf diesen wilden Wellen verzagend an dem Rand der Höllen und rang mit Leben und dem Tod. 3. Doch mitten in den Todes⸗ nöten erblickte Jesus meinen Schmerz, ihm drang mein trä⸗ nenvolles Beten in sein erbarmend Mutterherz. Er zeigte mir die offnen Wunden, die er als Mittler hat empfunden; er rief: Erlöster, eil herzu, komm, komm, dies sind die Felsenritzen, die dich vor Fluch und Hölle schützen, eil, Seele, eil, hier findst du Ruh. 4. Nun laß die Tiefen immer brausen, seid, Wind und Meer, nur ungestüm, laß selbst des Todes Fluten rauschen, verdopple, Satan, deinen Grimm! Ihr werdet mich nicht viel erschrecken, mein Fels weiß mich schon zu bedecken auch in der allerschlimmsten Zeit. Laß alle Berge untergehen, mir bleibt mein Felsen ewig stehen und wird die Tür zur Seligkeit. Leop. Franz Friedr. Lehrig. 1709 4 1744. 284. Epheser 2, 8. 9. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 3 Aus Gnaden soll ich selig werden. Herz, glaubst dus, oder glaubst dus nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Ists Wahrheit, was die Schrift verspricht, so muß auch dieses Wahrheit sein: Aus Gnade ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! Merk dies Wort: Aus Gnaden, so oft dich deine Sünde plagt, so oft du immer 11 164 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. bist beladen, so oft dich dein Ge⸗ wissen nagt; was die Vernunft nicht fassen kann, das beut dir Gott aus Gnade an. 3. Aus Gnaden! Dieser Grund wird bleiben, so lange Gott wahr⸗ haftig heißt. Was alle Knechte Jesu schreiben, was Gott in seinem Wort anpreist, worauf all unser Glaube ruht, ist: Gnade durch des Sohnes Blut. 4. Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret, tret ab von aller Heuchelei! Dann, wenn der Sün⸗ der sich bekehret, so lernt er erst, was Gnade sei; beim Sündgen scheint die Gnad gering, dem Glauben ists ein Wunderding. 5. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen das Herz des Vaters auf⸗ getan, wenns unter größter Angst und Schmerzen nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm ich oftmals Stärkung her, wenn Gnade nicht mein Anker wär? 6. Aus Gnaden! Hierauf will ich sterben; ich fühle nichts, doch mir ist wohl. Ich kenn mein sünd⸗ liches Verderben, doch auch den, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, die Seele lacht, weil mich die Gnade selig macht. Christ. Ludw. Scheidt g. 1709 4 1761. 285. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. U hin, ihr gläubigen Gedanken, ins weite Feld der Ewigkeit, erhebt euch über alle Schranken der alten und der neuen Zeit, erwägt, daß Gott die Liebe sei, die ewig alt und ewig neu. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, der Himmel war noch nicht gemacht, da hat Gott schon den Trieb geheget, der mir das Beste zugedacht; da ich noch nicht geschaffen war, da reicht' er mir schon Gnade dar. 3. Sein Ratschluß war, ich sollte leben durch seinen eingebornen Sohn; den wollt er mir zum Mittler geben, den macht' er mir zum Gnadenthron, in dessen Blute sollt ich rein, geheiliget und selig sein. 4. O Wunderliebe, die mich wählte vor allem Anbeginn der Welt und mich zu ihren Kindern zählte, für welche sie das Reich bestellt! O Vaterhand, o Gnaden⸗ trieb, der mich ins Buch des Lebens schrieb! 5. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüte empor zu dieser Quelle steigt, von welcher sich ein Strom der Güte zu mir durch alle Zeiten neigt, daß jeder Tag sein Zeugnis gibt: Gott hat mich je und je geliebt. 6. Wer bin ich unter Millionen der Kreaturen seiner Macht, die in der Höh und Tiefe wohnen, daß er mich bis hieher gebracht! Ich bin ja nur ein dürres Blatt, ein Staub, der keine Stätte hat. 7. Ja freilich bin ich zu ge⸗ ringe der herzlichen Barmherzig⸗ keit, womit, o Schöpfer aller Dinge, mich deine Liebe stets er⸗ freut; ich bin, o Vater, selbst nicht mein, dein bin ich, Herr, und bleibe dein. 8. Im sichern Schatten deiner Flügel find ich die ungestörte Ruh. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 165⁵ Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du. Laß Erd und Himmel unter⸗ gehn, dies Wort der Wahrheit bleibet stehn. 9. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden der Seele Mut und Kraft gebricht, so salbest du mein Haupt mit Freuden, so tröstet mich dein Angesicht; da spür ich deines Gei⸗ stes Kraft, die in der Schwachheit alles schafft. 10. Du lässest auch vom Gut der Erden mir, was du willst nach deinem Sinn, jedoch weit mehr zu teile werden, als ich im kleinsten würdig bin. Mein Herz zerfließt, wenn es bedenkt, wie treulich mich dein Auge lenkt. 11. Die Hoffnung schauet in die Ferne durch alle Schatten dieser Zeit, der Glaube schwingt sich durch die Sterne und sieht ins Reich der Ewigkeit; da zeigt mir deine milde Hand mein Erbteil und gelobtes Land. 12. O sollt ich dich nicht ewig lieben, der du mich unaufhörlich liebst? Sollt ich mit Undank dich betrüben, da du mir Fried und Freude gibst? Verließ ich dich, o Menschenfreund, so wär ich selbst mein ärgster Feind. 13. Ach könnt ich dich nur besser ehren, welch edles Loblied stimmt ich an! Es sollten Erd und Him⸗ mel hören, was du, mein Gott, an mir getan; nichts ist so köst⸗ lich, nichts so schön als, höchster Vater, dich erhöhn. 14. Doch nur Geduld! Es kommt die Stunde, da mein durch dich erlöster Geist im höhern Chor mit frohem Munde dich, schönste Liebe, schöner preist; drum eilt mein Herz aus dieser Zeit und sehnt sich nach der Ewigkeit. Joh. Gottfr. Herrmann g. 1707 f 1791. 286. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. W' ist ein solcher Gott wie du? Du schaffst den Müden süße Ruh, Ruh, die nicht zu ergründen. Ein Abgrund der Barmherzigkeit verschlingt ein Meer voll Herzeleid; du, Herr, vergibst die Sünden. Jesu, du, du läßt dich würgen, als den Bürgen, aller Sünden mich auf ewig zu entbinden. 2. Herr, unsere Gerechtigkeit, wie hoch wird dessen Geist erfreut, der dich im Glauben kennet! Du bist sein Schmuck, die Gottespracht, die ihn vollkommen herrlich macht, die ihm das Herz entbrennet. Laß mich ewig, Himmels-Sonne, Seelenwonne, dich genießen und in deinem Lob zerfließen. 3. Holdselig süßer Friedefürst, wie hat dich nach dem Heil ge⸗ dürst der abgewichnen Kinder! Du stellest dich als Mittler dar, ver⸗ bindest, was getrennet war, Gott und verdammte Sünder. Freude! beide werden eines; ungemeines Werk der Güte! Jesu, du bist unser Friede. 4. O süßes Lamm, dein treuer Sinn nimmt Schuld und Strafe von mir hin, sie liegt auf deinem Rücken. Du blutest an des Kreu⸗ zes Pfahl, da muß dich unerhörte Qual nach Leib und Seele drücken; diese süße Flut der Gnaden heilt 166 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. den Schaden, durch die Wunden hab ich Heil und Frieden funden. 5. Mitleidender Immanuel, es ist mein Leben, Leib und Seel voll Mängel und Gebrechen; doch ist dein Herz auch voller Gnad, willst weder Sünd noch Missetat am armen Staube rächen; deine reine Mutterliebe steht im Triebe, hier im Leben täglich reichlich zu ver⸗ geben. 6. Die Gnade führt das Regi⸗ ment, sie macht der Sklaverei ein End, besiegt Gesetz und Sünden; drum, willst du frei und fröhlich sein, laß Jesum und die Gnade ein, so kannst du überwinden; all dein Selbstpein, Kümmernisse, Finsternisse, Sündenwerle weichen vor der Gnade Stärke. 7. Gib, Jesu, Blut und Wasser her und nimm dadurch je mehr und mehr die Schlacken recht herunter! Du hast mich dir, Gnade teil, teil an dem Himmel haben! Im Herzen durch den Glauben rein dich lieben und ver⸗ sichert sein von deines Geistes Gaben! 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, wirkt göttliche Zufrieden⸗ heit, wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, versüßet uns des Lebens Ruh und stärkt uns in Gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr mein Hort, den Glauben an dein gött⸗ lich Wort, um deines Namens willen, laß ihn mein Licht auf Erden sein, ihn täglich mehr mein Herz erneun und mich mit Trost erfüllen! Chr. F. Gellert g. 1715 + 1769. 288. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. Ach weiß, an wen mein Glaub Immanuel, gar teur erkauft mit sich hält, kein Feind soll mir Leib und Seel, zum Preise deiner ihn rauben. Kleiner, reiner muß ich bessern Welt leb ich hier nur im Wunder. Als Bürger einer werden noch auf Erden, bis ich Glauben, dort schau ich, was ich droben dich kann ohne Sünden hier geglaubt. loben. J. Ludw. Konr. Allendorf g. 1693 + 1778. 287. Mel. Kommt her zu mir, spricht. St hoff ich denn mit festem Mut auf Gottes Gnad und Christi Blut, ich hoff ein ewig Leben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, hat mir das Recht zur Seligkeit in seinem Sohn gegeben. 2. Herr, welch ein unaus⸗ Krieges! Wer ist, der mir mein Erbteil raubt? Es ruht in Jesu Händen. 2. Mein Leben ist ein kurzer Streit, lang ist der Tag des Sieges. Ich kämpfe für die Ewigkeit. Erwünschter Lohn des Der du für mich den Tod geschmeckt, durch deinen Schild werd ich bedeckt; was kann mir denn nun schaden? 3. O Herr, du bist mein ganzer Ruhm, mein Trost in diesem Leben, in jener Welt mein Eigen⸗ sprechlich Heil, an dir, an deiner tum, du hast dich mir gegeben. r e no Von fern lacht mir mein Kleinod zu, drum eile ich ihm freudig zu, du reichst mir meine Krone. 4. Herr, lenke meines Geistes Blick von dieser Welt Getümmel auf dich, auf meiner Seele Glück, auf Ewigkeit und Himmel. Die Welt mit ihrer Herrlichkeit ver⸗ geht und währt nur kurze Zeit; im Himmel sei mein Wandel! 5. Jetzt, da mich dieser Leib beschwert, ist mir noch nicht er⸗ schienen, was jene beßre Welt ge⸗ währt, wo wir Gott heilig die⸗ nen. Dann, wenn mein Auge nicht mehr weint, und mein Er⸗ lösungstag erscheint, dann werd ichs froh empfinden. 6. Im Dunkeln seh ich hier mein Heil, dort ist mein Antlitz heiter; hier ist die Sünde noch mein Teil, dort fühl ich sie nicht weiter. Hier ist mein Wert mir noch verhüllt, dort wird er sicht⸗ bar, wenn dein Bild mich, Gott, vollkommen schmücket. 7. Zu diesem Glück bin ich erkauft, o Herr, durch deine Lei⸗ den; auf deinen Tod bin ich getauft; wer will mich von dir scheiden? Du zeichnest mich in deine Hand; Herr, du bist mir, ich dir bekannt. Mein sind des Himmels Freuden. 8. Wie groß ist meine Herr⸗ lichkeit! Empfinde sie, o Seele, vom Tand der Erde unentweiht erhebe Gott, o Seele! Der Erde glänzend Nichts vergeht, nur des Gerechten Ruhm besteht durch alle Ewigkeiten. Nach Christ. Chr. Sturm g. 1740 + 1786. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 167 289. Mel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. Rie bist du, Höchster, von uns fern, du wirkst an allen Enden. Wo ich nur bin, Herr aller Herrn, bin ich in deinen Händen. Durch dich nur leb und atme ich, denn deine Rechte schützet mich. 2. Was ich gedenke, Gott, weißt du, du prüfest meine Seele, du siehst es, wenn ich Gutes tu, du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann deinem Aug entfliehn und nichts mich deiner Hand entziehn. 3. Du merkst es, wenn des Herzens Rat verkehrte Wege wäh⸗ let; und bleibt auch eine böse Tat vor aller Welt verhehlet, so weißt du sie und strafest mich zu meiner Beßrung väterlich. 4. Wenn ich in stiller Einsam⸗ keit mein Herz an dich ergebe und über deine Huld erfreut lob⸗ singend dich erhebe, so hörst du es und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer sei. 5. Du hörest meinen Seufzern zu, daß Hülfe mir erscheine; voll Mitleid, Vater, zählest du die Tränen, die ich weine; du siehst und wägest meinen Schmerz und stärkst mit deinem Trost mein Herz. 6. O drück, Allgegenwärtiger, dies tief in meine Seele, daß, wo ich bin, nur dich, o Herr, mein Herz zur Zuflucht wähle, daß ich dein heilig Auge scheu und fromm zu leben eifrig sei. 7. Laß überall gewissenhaft nach deinem Wort mich handeln und stärke mich dann auch mit 168 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. Kraft, vor dir getrost zu wan⸗ deln. Daß du, o Gott, stets um mich seist, das tröst und beßre meinen Geist! Nach C. C. Sturm von David Bruhn g. 1727 + 1782. 290. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 3. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; das zähl ich zu dem Wun⸗ derbaren, mein stolzes Herz hats nicht begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. 2. Ich hatte nichts als Zorn verdienet und soll bei Gott in Gnaden sein, Gott hat mich mit ihm selbst versühnet und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Wo kam dies her? warum geschichts? Erbarmung ists und weiter nichts. 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; ich kann es nur Erbarmung nennen, so ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. 4. Dies laß ich kein Geschöpf mir rauben, dies soll mein ein⸗ zig Rühmen sein; auf dies Er⸗ barmen will ich glauben, auf dieses bet ich auch allein, auf dieses duld ich in der Not, auf dieses hoff ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, nimm dein Erbarmen nicht von mir und führe durch den Tod mich Armen durch mei⸗ nes Heilands Tod zu dir! Da bin ich ewig recht erfreut und rühme die Barmherzigkeit. Phil. Friedr. Hiller g. 1699 4 1789. 291. Mel. Valet will ich dir geben. E weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht, wann alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt. 2. Ich weiß, was ewig dauret, ich weiß, was nimmer läßt, mit Diamanten mauret mirs Gott im Herzen fest, ja recht mit Edelsteinen von allerbester Art hat Gott der Herr den Seinen des Herzens Burg verwahrt. 3. Ich kenne wohl die Steine, die stolze Herzenswehr, sie funkeln ja mit Scheine wie Sterne schön und hehr; die Steine sind die Worte, die Worte hell und rein, wodurch die schwächsten Orte gar feste können sein. 4. Auch kenn ich wohl den Meister, der mir die Feste baut, er heißt der Fürst der Geister, auf den der Himmel schaut, vor dem die Seraphinen anbetend niederknien, um den die Engel dienen: Ich weiß und kenne ihn. 5. Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der dia⸗ manten ist, der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchten hier und dort. 6. So weiß ich, was ich glaube, ich weiß, was fest besteht und in dem Erdenstaube nicht mit als Staub verweht; ich weiß, was Jesuslieder. 169 in dem Grauen des Todes ewig bleibt und selbst auf Erdenauen schon Himmelsblumen treibt. Ernst Moritz Arndt g. 1769 + 1860. XVIII. Jesuslieder. 292. Psalm 45. Eigene Melodie. Wie schön leucht uns der Mor⸗ genstern voll Gnad und Wahr⸗ heit von dem Herrn, die süße Wurzel Jesse! Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, hast mir mein Herz besessen. Lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich von Gaben hoch und sehr prächtig erhaben. 2. O meines Herzens werte Kron, wahr Gottes und Marien Sohn, ein hochgeborner König! Mit Freude rühm ich deine Ehr, deins heilgen Wortes süße Lehr ist über Milch und Honig. Herz⸗ lich will ich dich drum preisen und erweisen, daß man merke in mir deines Geistes Stärke. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, o du mein Herr und Gott allein, die Flamme deiner Liebe, daß ich in dir nun immer bleib, und mich kein Zufall von dir treib, nichts kränke noch betrübe. In dir laß mir ohn Aufhören sich vermehren Lieb und Freude, daß der Tod uns selbst nicht scheide. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, wenn du mit deinem Angesicht mich gnädig tust an⸗ blicken;o Jesu, du mein trautes Gut, dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut mich innerlich erquicken. Tröst mich freundlich, hilf mir Armen mit Erbarmen, hilf in Gnaden, auf dein Wort komm ich geladen. 5. Gott Vater, o mein starker Held, du hast mich ewig vor der Welt in deinem Sohn geliebet; dein Sohn hat mich ihm selbst ver⸗ traut, er ist mein Schatz, ich seine Braut, kein Unglück mich betrübet. Ei ja, ei ja, himmlisch Leben wird er geben mir dort oben, ewig soll mein Herz ihn loben. 6. Singt unserm Gotte oft und viel und laßt andächtig Saiten⸗ spiel ganz freudenreich erschallen, dem liebsten Jesu nur allein, dem wunderschönen Bräutgam mein, zu Ehren und Gefallen. Singet, sprin⸗ get, jubilieret, triumphieret, dankt dem Herren, groß ist der König der Ehren. 7. Wie bin ich doch so herzlich froh, daß mein Schatz ist das A und O, der Anfang und das Ende. Er wird mich auch zu seinem Preis aufnehmen in das Paradeis, des klopf ich in die Hände. Amen, Amen, komm, du schöne Freuden⸗ krone, bleib nicht lange, deiner wart ich mit Verlangen. Nach Phil. Nicolai g. 1558 1608. Hannov. Gesangbuch 1646. 293. Eigene Melodie. n dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesus Christ! Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist; hilfest von Schanden, rettest von Ban⸗ den; wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben, Halle⸗ luja! Zu deiner Güte steht unser Gemüte, an dir wir kleben im Tod und Leben, nichts kann uns scheiden. Halleluja! 2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hasts in Hän⸗ den, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde, Halleluja! Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort oben mit Herz und Munde. Halle⸗ 2 1¹ luja! Joh. Lindemann(7) 4 nach 1634. 294. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. M Jesu süß, wer dein gedenkt, des Herz mit Freude wird ge⸗ tränkt, doch süßer über alles ist, wo du, Herr Jesu, selber bist. 2. Jesu, der Herzen Freud und Wonn, des Lebens Brunn, du wahre Sonn, dir gleichet nichts auf dieser Erd, in dir ist, was man je begehrt. Dein Lieb, o süßer Jesu Christ, des Herzens beste Labung ist; sie machet satt, doch ohn Verdruß, der Hunger wächst im Überfluß. Jesuslieder. 4. O Jesu, meine Süßigkeit, du Trost der Seel, die zu dir schreit, die heißen Tränen suchen dich, das Herz zu dir schreit inniglich. 5. Ja wo ich bin auf Erden hier, so wollt ich, Jesus wär bei mir; Freud über Freud, wenn ich ihn fänd, selig, wenn ich ihn halten könnt! 6. In dir mein Herz hat seine Lust, Herr, mein Begierd ist dir bewußt, auf dich ist all mein Ruhm gestellt, Jesu, du Heiland aller Welt. 7. Du Brunnquell der Barm⸗ herzigkeit, dein Glanz erstreckt sich weit und breit; der Traurigkeit Gewölk vertreib, das Licht der Glorie bei uns bleib! 8. Dein Lob im Himmel hoch erklingt, kein Chor ist, der nicht von dir singt; Jesus erfreut die ganze Welt, die er bei Gott zu Fried gestellt. 9. Jesus in Fried regieren tut, der übertrifft all zeitlich Gut; der Fried bewahr mein Herz und Sinn, so lang ich hier auf Erden bin. 10. Und wenn ich ende meinen Lauf, so hole mich zu dir hinauf, Jesu, daß ich da Fried und Freud bei dir genieß in Ewigkeit. 11. Jesu, erhöre meine Bitt, Jesu, verschmäh mein Seufzen nicht, Jesu, mein Hoffnung steht zu dir, o Jesu, Jesu, hilf du mir! Hannov. Gsb. 1646. Nach Bernhard v. Clairvaux: Jesu duleis memoria. Jesuslieder. 171 295 und läßt niemand verderben. Gib 8 é ir i jiner Tiil. ——— der ich aus deiner Füll mit Psalm 65, 10. rechtem Glauben schöpfen will, Eigene Melodie. Trost wider Tod und Sterben, Lebensbrünnlein tief und groß, daß ich blüh wie ein Röselein zu Eentsprungen aus des Vaters Saron?) und durch dich allein das Schoß, ein wahrer Gott ohn Ende, ewge Leben erbe. der du dich uns hast offenbart in„) Jesala 35, 2. Hohelied 2, 1. 2. unsre Menschheit, rein und zart, 6. Mein Herz ist brünstig mir dein lieb Herz zu uns wende! Denn und heiß nach dem himmlischen wie ein Hirsch nach frischer Quell, Paradeis, des ich hoff zu genießen. so schreit zu dir mein arme Seel Denn ich weiß, wenn ich dahin aus dieser Welt Elende. komm, da wird ein ewger Freuden⸗ 2. O Lebensbrünnlein, durch strom ohn Maßen sich ergießen. dein Wort hast du dich uns an Freu dich, mein Seel, und wenn allem Ort ergossn mit reichen Ga-gleich Gott dich kommen läßt in ben, voll Wahrheit und göttlicher Angst und Not, so laß dichs nicht Gnad, die uns erscheinen früh und spat, das matte Herz zu laben. 7. All unser Leid auf dieser O frischer Quell, o Brünnelein, Erd ist nicht im allerg'ringsten erquick und laß die Seele mein wert, wenn wir das recht be⸗ in dir das Leben haben! denken, der übergroßen Herrlichkeit 3. Wie ein Blümlein im dürren und wunderschönen Himmelsfreud, Land, durch Sommerhitz sehr aus⸗ die Christus uns wird schenken. gebrannt, vom Tau sich tut er⸗Da, da wird er uns allzugleich quicken, also wenn mein Herz in in seines lieben Vaters Reich mit der Not verschmacht, hält sichs an seinem Gott und läßt sich nicht ersticken, ja wie ein grüner Speis und Trank, mein Ruhm, Palmenbaum unter der Last ihm mein Lied, mein Lobgesang, mein ewger Wonne tränken. machet Raum, lässet sichs 55 und Wohlgefallen, mein 8. Gott selbst wird sein mein erdrücken. Reichtum, Zierd und werte Kron, 4. O Lebensbrünnlein, Jesu mein Klarheit, Licht und helle Christ, dein Güte unerschöpflich ist, Sonn, in ewger Freud zu wallen; niemand kann sie ermessen; darum ja daß ichs sag mit einem Wort, mir auch nichts mangeln wird, was mir Gott wird bescheren dort: wenn mich versorgt der treue Hirt,‚ Er wird sein alls in allen. der mir mein Herz besessen. Mit 9. Hüpf auf, mein Herz, spring, seinem Evangelio macht er mein tanz und sing, in deinem Gott sei Herz im Leib so froh, daß ich guter Ding, der Himmel steht dir sein nicht vergesse. offen. Laß dich Schwermut nicht 5. O Lebensbrünnlein tief und nehmen ein, denn auch die liebsten weit, du stillest Durst in Ewigkeit Kinder sein allzeit das Kreuz hat 172 troffen. Drum sei getrost und gläube fest, daß du noch hast das allerbest in jener Welt zu hoffen. Joh. Mühlmann g. 1573 1 1313. 296. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. M Jesu, Jesu, Gottes Sohn, mein Bruder und mein Gnaden⸗ thron, mein Schatz, mein Freud und Wonne, du weißt es, daß ich rede wahr, vor dir ist alles sonnen⸗ klar und klarer als die Sonne. Herzlich lieb ich mit Gefallen dich vor allen, nichts auf Erden kann und mag mir lieber werden. 2. Dies ist mein Schmerz, dies kränket mich, daß ich nicht gnug kann lieben dich, wie ich dich lieben wollte. Ich werd von Tag zu Tag entzündt, je mehr ich lieb, je mehr ich find daß ich dich lieben sollte. Von dir laß mir deine Güte ins Gemüte lieblich fließen, so wird sich die Lieb ergießen. 3. Durch deine Kraft treff ich das Ziel, daß ich, so viel ich soll und will, dich allzeit lieben möge. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Pracht, Wollust, Ehre, Freud und Geld, wenn ich es recht be⸗ sinne, kann mich ohn dich gnugsam laben; ich muß haben reine Liebe; die tröst, wenn ich mich betrübe. 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, schaffst seinem Herzen Fried und Ruh, erfreuest sein Gewissen. Es geh ihm, wie es woll auf Erd, wenn ihn gleich ganz das Kreuz verzehrt, soll er doch dein genießen. In Glück ewig nach dem Leide große Freude Jesuslieder. Trauren alles wird er finden, muß verschwinden. 5. Kein Ohr hat jemals dies gehört, kein Mensch gesehen noch gelehrt, es kanns niemand be⸗ schreiben, was denen dort für Herr⸗ lichkeit bei dir und von dir ist bereit, die in der Liebe bleiben. Gründlich läßt sich nicht erreichen noch vergleichen den Weltschätzen dies, was uns dort wird ergetzen. 6. Drum laß ich billig dies allein, o Jesu, meine Sorge sein, daß ich dich herzlich liebe, daß ich in dem, was dir gefällt und mir dein klares Wort vermeldt, aus Liebe mich stets übe, bis ich endlich werd abscheiden und mit Freuden zu dir kommen, aller Trübsal ganz entnommen. 7. Da werd ich deine Süßig⸗ keit, die jetzt gerühmt ist weit und breit, in reiner Liebe schmecken und sehn dein liebreich Angesicht mit unverwandtem Augenlicht ohn alle Furcht und Schrecken. Reichlich werd ich sein erquicket und ge⸗ schmücket vor dein'm Throne mit der schönen Lebenskrone. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 297. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. E. Jesu, dessen Treu im Him⸗ Vmel und auf Erden durch keines Menschen Mund kann gnug gepriesen werden, ich danke dir, daß du, ein wahrer Mensch geborn, hast von mir abgewandt, daß ich nicht bin verlorn. 2. Vornehmlich wird in mir all Herzensangst gestillet, wenn mich Jesuslieder. dein süßer Nam mit seinem Trost erfüllet. Kein Trost so lieblich ist, als den mir gibt dein Nam, der süße Jesusnam, du Fürst aus Davids Stamm! 3. O Jesu, höchster Schatz, du kannst nur Freude bringen, es kann nichts lieblicher als Jesu Name klingen. Ich kann nicht traurig sein, weil Jesus heißt so viel als Heiland oder Held, der selig machen will. 4. Wenn Satan sich bei mir mit Anfechtung will regen, so ist mir Jesu Nam zum Trost, Schutz, Fried und Segen, zur Weisheit und Arznei in aller Angst und Not, daß ich nicht fürchten darf den Teufel und den Tod. 5. Daß ich ein Zornkind bin, das macht die schnöde Sünde, dein Jesusnam macht mich zu einem Gnadenkinde, er nimmt von mir hinweg die Schuld und Missetat, bringt mir die Seligkeit und deines Vaters Gnad. 6. Ei nun so heilge mich, der ich bin ganz beflecket, der heilge Jesusnam, der alle Sünde decket; er kehre ab den Fluch, den Segen zu mir wend, sei meine Stärk, dadurch sich alle Schwachheit end. 7. Er sei mein Licht, das mich in Finsternis erleuchte; er sei des Himmels Tau, der mich in Hitz anfeuchte; er sei mein Schirm und Schild, mein Schatten, Schloß und Hut, mein Reichtum, Ehr und Ruhm, er sei mein höchstes Gut. 8. Er sei mein Himmelsweg, die Wahrheit und das Leben und wolle mir zuletzt aus Gnaden 173 dieses geben, daß ich alsdann in ihm dies Leben schließe wohl, wenn meine Sterbenszeit und Stunde kommen soll. 9. Inmittelst helf er mir, so lang ich hier noch wandle, daß ich in meinem Tun treu und aufrichtig handle; er steh mir all⸗ zeit bei mit seines Geistes Gab, wenn ich in meinem Amt was zu verrichten hab. 10. Jesu, in deinem Nam bin ich heut aufgestanden, in ihm vollbring ich heut, was mir kommt unter Handen. In deinem Namen ist der Anfang schon gemacht, das Mittel und der Schluß wird auch durch ihn vollbracht. 11. Dir leb ich und in dir, in dir will ich auch sterben; Herr, sterben will ich dir; in dir will ich ererben das ewge Himmel⸗ reich, das du erworben mir; von dir verklärt will ich dir dienen für und für. Hannov. Gsb. 1648, nach Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 298. Eigene Melodie, oder Auf dich hab ich gehoffet, Herr. Mein schönste Zier und Kleinod bist auf Erden du, Herr Jesu Christ, dich will ich lassen walten und allezeit in Lieb und Leid in meinem Herzen halten. 2. Dein Lieb und Treu vor allem geht, kein Ding auf Erd so sest besteht, solchs muß man frei bekennen; drum soll nicht Tod, nicht Angst, nicht Not von deiner Lieb mich trennen. 3. Dein Wort ist wahr und trüget nicht und hält gewiß, was es verspricht, im Tod und auch im Leben. Du bist nun mein, und ich bin dein, dir hab ich mich ergeben. 4. Der Tag nimmt ab, ach schönste Zier, Herr Jesu Christ, bleib du bei mir, es will nun Abend werden; laß doch dein Licht auslöschen nicht bei uns allhie auf Erden! 299. Eigene Melodie, oder Es ist gewißlich an der Zeit. Such wer da will ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden, mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christum sich zu gründen; sein Wort ist wahr, sein Werk ist klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu über⸗ winden. 2. Such wer da will Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben, hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu teil, uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben. 3. Ach sucht doch den, laßt alles stehn, die ihr das Heil be⸗ gehret! Er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzens⸗ grund, sucht ihn allein, denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret. 4. Meins Herzens Kron, mein Freudensonn sollst du, Herr Jesu, bleiben, laß mich doch nicht von 16397 Jesuslieder. treiben, bleib du mein Preis, dein Wort mich speis, bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr, an dich stets fest zu gläuben. 5. Wend von mir nicht dein Angesicht, laß mich in Kreuz nicht zagen! Weich nicht von mir, mein höchste Zier, hilf mir mein Leiden tragen! Hilf mir zur Freud nach diesem Leid, hilf, daß ich mag nach dieser Klag dort ewig dir Lob sagen. Georg Weissel g. 1590 f 1635. 300. Eigene Melodie. Aesu, meine Freude, meines Her⸗ zens Weide, Jesu, meine Zier, ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräuti⸗ gam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden. 2. Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Laß die Erde zittern, laß die Welt erschüttern, mir steht Jesus bei. Ob es itzt gleich kracht und blitzt, obgleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken. 3. Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe, ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh. Gottes Macht hält mich in acht, Erd und Ab⸗ grund muß sich scheuen, ob sie noch so dräuen. 4. Weg mit allen Schätzen, du bist mein Ergetzen, Jesu, meine Lust. Weg, ihr eitlen Ehren, ich deinem Licht durch Eitelkeit ver⸗ mag euch nicht hören, bleibt mir Jesuslieder. unbewußt! Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, muß ich gleich viel leiden, nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gefällst du nicht. Gute Nacht, ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, o Stolz und Pracht, dir sei ganz, o Lasterleben, gute Nacht gegeben. 6. Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lie⸗ ben, muß auch ihr Betrüben lauter Freude sein. Duld ich schon hie Spott und Hohn, den⸗ noch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. Johann Franck g. 1618 4 1677. 301. Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. 0 Jesu Christ, mein schönstes Licht, der du in deiner Seelen so hoch mich liebst, daß ich es nicht aussprechen kann noch zählen, gib, daß mein Herz dich wiederum mit Lieben und Verlangen mög um⸗ fangen und als dein Eigentum nur einzig an dir hangen. 2. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel als deine Liebe wohne; gib, daß ich deine Lieb erwähl als meinen Schatz und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, was mich und dich will trennen und nicht gönnen, daß all mein Mut und Sinn in deiner Liebe brennen. 3. hrn sreundlich, selig, süß und schön ist, Jesu, deine Liebe! 17⁵ Wenn diese steht, kann nichts entstehn, das meinen Geist be⸗ trübe. Drum laß nichts andres denken mich, nichts sehen, fühlen, hören, lieben, ehren als deine Lieb und dich, der du sie kannst vermehren. 4. Mein Heiland, du bist mir zulieb in Not und Tod gegangen und hast am Kreuz als wie ein Dieb und Mörder da gehangen, verhöhnt, verspeit und sehr ver⸗ wundt. Ach laß mich deine Wun⸗ den alle Stunden mit Lieb im Herzensgrund auch schmerzen und verwunden! 5. Du hast mich je und je geliebt und auch nach dir ge⸗ zogen; eh ich noch etwas Guts geübt, warst du mir schon ge⸗ wogen. Ach laß doch ferner, edler Hort, mich diese Liebe leiten und begleiten, daß sie mir immerfort beisteh auf allen Seiten. 6. Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zieren und, wo ich etwa irre geh, als⸗ bald zurechte führen; laß sie mir allzeit guten Rat und gute Werke lehren, steuren, wehren der Sünd und nach der Tat bald wieder mich bekehren! 7. Laß sie sein meine Freud im Leid, in Schwachheit mein Vermögen; und wenn ich nach vollbrachter Zeit mich soll zur Ruhe legen, alsdann laß deine Liebestreu, Herr Jesu, bei mir stehen, Luft zuwehen, daß ich getrost und frei mög in dein Reich eingehen. Paul Gerhardt g. 1607 1676. »wünscht und sehnet, Jesum wünscht 302. Eigene Melodie. Meinen Jesum laß ich nicht; weil er sich für mich gegeben, so erfordert meine Pflicht, kletten⸗ weis an ihm zu kleben. Er ist meines Lebens Licht, meinen Jesum laß ich nicht. 2. Jesum laß ich nimmer nicht, weil ich soll auf Erden leben; ihm hab ich voll Zuversicht, was ich bin und hab, ergeben. Alles ist auf ihn gericht, meinen Jesum laß ich nicht. 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Fühlen weichen, laß das letzte Tageslicht mich auf dieser Welt erreichen: wenn des Lebens Faden bricht, meinen Jesum laß ich nicht. 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, wenn ich nun dahin ge⸗ langet, wo vor seinem Angesicht meiner Väter Glaube pranget. Mich erfreut sein Angesicht, meinen Jesum laß ich nicht. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meine Seel sich sie und sein Licht, der mich hat mit Gott versöhnet, mich befreiet vom Gericht; meinen Jesum laß ich nicht. 6. Jesum laß ich nicht von mir, geh ihm ewig an der Seiten; Christus läßt mich für und für zu dem Lebensbächlein leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. Jesuslieder. 303. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. A sagt mir nichts von Gold und Schätzen, von Pracht und Schönheit dieser Welt; es kann mich ja kein Ding ergetzen, das mir die Welt vor Augen stellt. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 2. Er ist alleine meine Freude, mein Gold, mein Schatz, mein schönstes Bild, in dem ich meine Augen weide und finde, was mein Herze stillt. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 3. Die Welt vergeht mit ihren Lüsten, des Fleisches Schönheit dauert nicht, die Zeit kann alles das verwüsten, was Menschen⸗ hände zugericht. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 4. Sein Schloß kann keine Macht zerstören, sein Reich vergeht nicht mit der Zeit, sein Thron bleibt stets in gleichen Ehren von nun an bis in Ewigkeit. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 5. Sein Reichtum ist nicht zu ergründen, sein allerschönstes An⸗ gesicht und was von Schmuck um ihn zu finden, verbleichet und veraltet nicht. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 6. Er kann mich über alls er⸗ heben und seiner Klarheit machen gleich, er kann mir so viel Schätze geben, daß ich werd unerschöpflich Christian Keymann g. 1607 + 1662. reich. Ein jeder liebe, was er ———.—— Jesuslieder. will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. ö 7. Und ob ichs zwar noch muß 177 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, daß mir dein Glanz hat enibehren, so lang ich wandre in der Zeit, so wird er mirs doch wohl gewähren im Reiche seiner Herrlichkeit. Drum tu ich billig, was ich will, und liebe Jesum, der mein Ziel. Johann Scheffler g. 1624 1677. 304. Eigene Melodie, oder, wenn man die eingeklammerten Worte mitsingt, Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 1. Ich will dich lieben, meine Stärke, Aich will dich lieben, meine Zier, ich will dich lieben mit dem Werke und immerwährender Begier, ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir(der Tod] das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund, ich will dich lieben und erheben, so lange mich dein Glanz bescheint, ich will dich lieben, Gotteslamm, als meinen[Seelen⸗ Bräutigam. 3. Ach daß ich dich so spät er⸗ kennet, du hochgelobte Schönheit du, und dich nicht eher mein ge⸗ nennet, du höchstes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid und bin betrübt, daß ich so spät[dich hab] geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet, ich suchte dich und fand dich nicht; ich hatte mich von dir gewendet und liebte das geschafsne Licht; nun aber ists durch dich geschehn, daß ich dich lendlich! hab ersehn. Licht gebracht; ich danke dir, du Himmelswonne, daß du mich froh und frei gemacht; ich danke dir, du güldner Mund, daß du mich [wieder] machst gesund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen und laß mich nicht mehr irre gehn, laß meinen Fuß in deinen Wegen nicht straucheln oder stille stehn, erleucht mir Leib und Seele ganz, du sewig! starker Himmelsglanz! 7. Gib meinen Augen süße Tränen, gib meinem Herzen heilge Brunst, laß meine Seele sich gewöhnen zu üben in der Liebe Kunst, laß meinen Geist, Sinn und Verstand stets sein zu dir lallein! gewandt! 8. Ich will dich lieben, meine Krone, ich will dich lieben, meinen Gott, ich will dich lieben ohne Lohne auch in der allergrößten Not, ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir[(der Tod!] das Herze bricht. Johann Scheffler g. 1624 1 1677. 305. Mel. Gott des Himmels und der Erden. Ziebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht, Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 2. Liebe, die du mich erkoren, eh als ich geschaffen war, Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar, Liebe, dir er⸗ geb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 12 3. Liebe, die für mich gelitten empfing; dir bin ich schon an⸗ und gestorben in der Zeit, Liebe, gehangen, als an Mutterbrust ich die mir hat erstritten ewge Lust hing; dein Schoß hat mich auf⸗ und Seligkeit, Liebe, dir ergeb ich genommen, wenn mein Herz nur mich, dein zu bleiben ewiglich. zu dir kommen. Ich bin dein, 4. Liebe, die du Kraft und und du bist mein, ich will keines Leben, Licht und Wahrheit, Geist andern sein. und Wort, Liebe, die sich bloß 3. Auf der Kindheit wilden ergeben mir zum Heil und Seelen⸗ Wegen folgte mir stets deine Güͤt; hort, Liebe, dir ergeb ich mich, deines Geistes Trieb und Regen dein zu bleiben ewiglich. regte mir oft das Gemüt, so ich 5. Liebe, die mich hat gebunden etwa ausgetreten, daß ich wieder an ihr Joch mit Leib und Sinn, käm mit Beten. Ich bin dein, Liebe, die mich überwunden und und du bist mein, ich will keines mein Herze hat dahin, Liebe, andern sein. dir ergeb ich mich, dein zu blei⸗ 4. Ja in meinem ganzen Leben ben ewiglich. hat mich stets dein Licht geführt; 6. Liebe, die mich ewig liebet, du hast, was ich hab, gegeben, du die für meine Seele bitt, Liebe, hast meinen Lauf regiert; deine die das Lösgeld gibet und mich Güt, die täglich währet, hat mie kräftiglich vertritt, Liebe, dir er⸗immerdar ernähret. Ich bin dein, geb ich mich, dein zu bleiben und du bist mein, ich will keines ewiglich. andern sein. 7. Liebe, die mich wird erwecken 5. Irr ich, sucht aus dem Grab der Sterblichkeit,‚ Liebe; fall ich, hilfet sie mir auf. Liebe, die mich wird umstecken Ist es, daß ich mich betrübe, tröst mit dem Laub der Herrlichkeit, sie mich in meinem Lauf. Bin ich Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu arm, gibt sie mir Güter; haßt bleiben ewiglich. man mich, ist sie mein Hüter. Johann Scheffler g. 1624 4 1677. Ich bin dein, und du bist mein, 306 sich will keines andern sein. 5 6. Dein Geist zeiget mir das Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Erbe, das im Himmel beigelegt; esu, meiner Seele Leben, meines ich weiß, wenn ich heute sterbe, Herzens höchste Freud, dir will wo man meine Seel hinträgt: zu ich mich ganz ergeben jetzo und dir, Jesu, in die Freude; Trotz, in Ewigkeit; meinen Gott will daß mich was von dir scheide. ich dich nennen und vor aller Ich bin dein, und du mein, Welt bekennen. Ich bin dein, und ich will keines andern sei du bist mein, ich will keines 7. Drum ich sterbe oder lebe, andern sein. bleib ich doch dein Eigentum, an 2. Deine Güt hat mich um⸗ dich ich mich ganz ergebe, du bist fangen, als mich erst die Welt meiner Seele Ruhm, meine Zu⸗ mich deine 8 e —.— V versicht und Freude, meine Süßig⸗ leit im Leide. Ich bin dein und du bist mein, ich will keines andern sein. 8. Höre, Jesu, noch ein Flehen, „ schlag mir diese Bitt nicht ab: Wenn mein Augen nicht mehr sehen, wenn ich keine Kraft mehr hab, mit dem Mund was vorzu⸗ tragen, laß mich doch zuletzt noch sagen: Ich bin dein, und du bist mein, ich will keines andern sein. Nach Christ. Seriver g. 10 2 NI 30 7. Mel. Gott des Himmels und der Erden. Aele⸗ Jesus, nichts als Jesus 20 7 1693. soll mein Wunsch sein und mein Ziel. Jetzund mach ich ein Ver⸗ bündnis, daß ich will, was Jesus will; denn mein Herz mit ihm erfüllt rufet nun: Herr, wie du willt! 2. Einer ist es, dem ich lebe, den ich liebe früh und spat; Jesus ist es, dem ich gebe, was er mir gegeben hat. Ich bin in dein Blut verhüllt, führe mich, Herr, wie du willt! 3. Scheinet was, es sei mein Glücke, und ist doch zuwider dir, ach so nimm es bald zurücke, Jesu, gib, was nützet mir. dir! Herr, wie du willt! 4. Und vollbringe deinen Willen in, durch und an mir, mein Gott, deinen Willen laß erfüllen mich im Leben, Freud und Not, sterben als dein Ebenbild, Herr, wann,‚ wo und wie du willt! 5. Sei auch, Jesu, stets ge⸗ priesen, daß du dich und viel Jesus Gib dich mir, Herr Jesu mild, nimm mich 179 dazu mir geschenket und erwiesen, daß ich fröhlich singe nu: Mir geschehe, Gott, mein Schild, wie du willt! Herr, wie du willt! Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt, g. 1640 + 1672. 308. Mel. Gott des Himmels und der Erden. V eines Lebens beste Freude ist der Himmel, Gottes Thron; meiner Seele Trost und Weide ist mein Jesus, Gottes Sohn. Was mein Herze recht ersreut, ist in jener Herrlichkeit. 2. Andre mögen sich erquicken an den Gütern dieser Welt, ich will nach dem Himmel blicken und zu Jesu sein gesellt; denn der Erde Gut vergeht, Jesus und sein Reich besteht. 3. Reicher kann ich nirgends werden, als ich schon in Jesu bin; alle Schäte dieser Erden sind ein schnöder Angstgewinn. Jesus ist das rechte Gut, das der Seele sanfte tut. 4. Glänzet gleich das Welt⸗ gepränge, ist es lieblich anzusehn währt es doch nicht in die Länge, und ist bald damit geschehn; plötz⸗ lieder. lich pfleget aus zu sein dieses Lebens Glanz und Schein. 5. Aber dort des Himmels Gaben, die mein Jesus inne hat, können Herz und Seele laben, machen ewig reich und satt; es vergeht zu keiner Zeit jenes Lebens Herrlichkeit. 6. Rost und Motten, Raub und Feuer schaden auch der Freude nicht, die mein Jesus, mein Ge⸗ treuer, und sein Himmel mir 12 verspricht. Dort ist alles abge⸗ tan, was die Seele kränken kann. 7. Einen Tag bei Jesu sitzen ist viel besser, als die Welt tau⸗ send Jahr in Freuden nützen; aber ewig sein gestellt zu des Herren rechter Hand bleibt ein auserwählter Stand. 8. Trinken, essen, tanzen, sprin⸗ gen labet meine Seele nicht, aber nach dem Himmel ringen und auf Jesum sein gericht, ist der Seele schönste Zier, geht auch aller Freude für. 9. Ach so gönne mir die Freude, Jesu, die dein Himmel hegt; sei du selber meine Weide, die mich hier und dort verpflegt, und in dir recht froh zu sein, nimm mich in den Himmel ein! Salomo Liscow g. 1640 + 1689. 309. Eigene Melodie. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele, wenn ich in deiner Liebe ruh. Ich steige aus der Schwermutshöhle und eile deinen Armen zu. Da muß die Nacht des Traurens scheiden, wenn mit so angenehmen Freuden die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist Himmel schon auf Erden; wollte nicht vergnüget wer⸗ den, der in dir suchet Ruh und Lust? 2. Die Welt mag meine Fein⸗ din heißen, es sei also; ich trau ihr nicht, wenn sie mir gleich will Lieb erweisen bei einem freund⸗ lichen Gesicht. In dir vergnügt sich meine Seele, du bist mein Freund, den ich erwähle, du bleibst Jesuslieder. mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, weil in den stärksten Unglückswellen mir deine Treu den Anker reicht. 3. Will mich der Sünde Last erdrücken, blitzt auf mich des Gesetzes Weh, droht Straf und Hölle meinem Rücken, so steig ich gläubig in die Höh und flieh zu deinen heilgen Wunden; da hab ich schon den Ort gefunden, wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen, du bist mein Heil. Wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Führst du mich in die Kreu⸗ zeswüsten, ich folg und lehne mich auf dich. Du nährest aus den Wolkenbrüsten und labest aus dem Felsen mich.“) Ich traue deinen Wunderwegen, sie enden sich in Lieb und Segen; genug, wenn ich dich bei mir hab. Ich weiß: Wen du mit Ehr willst zieren und über Sonn und Sterne sühren, den sührest du zuvor hinab. *) 1. Kor. 10, 2— 4. 5. Der Tod mag andern düster scheinen, mir nicht, weil Seele, Herz und Mut in dir, der du verlässest keinen, o allerliebstes Leben, ruht. Wen kann des Weges End erschrecken, wenn er aus⸗ mördervollen Hecken gelanget in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich auch mit Freuden aus dieser finstern Wildnis scheiden zu deiner Ruh der Ewigkeit. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, so wohl, wenn ich mich lehn auf dich! Mich kann N Jesuslieder. 181 elt, Not und Tod nicht quälen, weil du, mein Gott, vergnügest mich. Laß solche Ruh in dem Ge⸗ müte nach deiner unumschränkten Güte des Himmels süßen Vor⸗ schmack sein. Weg, Welt, mit allen Schmeicheleien! Nichts kann, als Jesus, mich ersreuen. O reicher Trost: Mein Freund ist mein! Wolfg. Christ. Deßler g. 1000 4 122. 310. Eigene Melodie. Schönster Herr Jesu, Herrscher Maller Enden, Gottes und Marien Sohn, dich will ich lieben, dich will ich ehren, du meiner Freud und Kron! 2. Schön sind die Wälder, noch schöner die Felder in der schönen Frühlingszeit; Jesus ist schöner Jesus ist reiner, der unser traurig Herz erfreut. 3. Schön leucht die Sonne, noch schöner der Monde und die Sterne Seele allzumal; Jesus leucht schöner, Jesus leucht reiner als all die Engel im Himmelssaal. 4. Alle die Schönheit Himmels und der Erde ist nur gegen ihn wie Schein, keiner auf Erden lieber kann werden als der schönste Jesus mein. 1071. 31¹. Eigene Melodie. Haunt, watr Jesu, Gottes Lamm, habe Dank für deine Liebe, die mich zieht aus reinem Triebe von der Sünde Schlamm, Jesu, Gottes Lamm! 2. Deine Liebesglut stärket Mut und Blut; wenn du freundlich mich anblickest und an deine Brust mich drückest, macht mich wohl⸗ gemut deine Liebesglut. 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Not und Tod, du bist darum Mensch geboren, zu ersetzen, was verloren, durch dein Blut so rot, wahrer Mensch und Gott. 4. Meines Glaubens Licht laß verlöschen nicht, salbe mich mit Freudenöle, daß hinfort in meiner Seele ja verlösche nicht meines Glaubens Licht. 5. So werd ich in dir bleiben für und für; deine Liebe will ich ehren und in ihr dein Lob ver⸗ mehren, weil ich für und für bleiben werd in dir. 6. Deinen Frieden gib aus so großer Lieb uns, den Deinen, die dich kennen und nach dir sich Christen nennen; denen du bist lieb, deinen Frieden gib! 7. Nun ergreif ich dich, du mein ganzes Ich; ich will nimmermehr dich lassen, sondern gläubig dich umfassen, weil im Glauben ich nun ergreife dich. 8. Hier durch Spott und Hohn, dort die Ehrenkron; hier im Hoffen und im Glauben, dort im Haben und im Schauen; denn die Ehren⸗ kron folgt auf Spott und Hohn 9. Jesu, hilf, daß ich allhier ritterlich alles durch dich überwinde und in deinem Sieg empfinde, wie so ritterlich du gekämpft für mich. 10. Du mein Preis und Ruhm, werte Himmelsblum, in mir soll nun nichts erschallen, als was dir nur kann gefall en, werte Himmels⸗ blum, du mein Preis und Ruhm! Adam Drese g. 1620 + 1701- 31². Cv. Luc. 10, 42. Eigene Melodie. not, ach Herr, dies Eine erkennen doch! Alles 9—0 wies auch scheine, ist ja nur ein schweres Joch, darunter das Herze sich naget und plaget 3⁰ 1. Kor. 1, 30. l und dennoch kein wahres Ver⸗ —— 251 zen erjaget. Erlang ich dies „das alles ersetzt, so werd ich mit Einem in allem ergetzt. 2. Seele willst du dieses fin⸗ den, suchs bei keiner Kreatur, laß, was irdisch ist, dahinten, schwing dich über die Natur! Wo Gott und die Menschheit in Einem ver⸗ einet, wo alle vollkommene Fülle erscheinet, da, da ist das beste, notwendige Teil, mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. 3. Wie Maria war beflissen auf des Einigen Genieß, da sie sich zu Jesu Füßen voller Andacht nieder⸗ ließ: ihr Herze entbrannte, dies einzig zu hören, was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren, ihr Alles war gänzlich in Jesum ver⸗ senkt, und wurde ihr alles in Einem geschenkt: 4. Also ist auch mein Verlan⸗ gen, liebster Jesu, nur nach dir; laß mich treulich an dir hangen, schenke dich zu eigen mir! Ob viel auch umkehrten zum größesten Haufen, so will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen, denn dein Wort, o Jesu, Was ist wohl, Jesu geneußt? das man nicht in fein in ist Leben und Geist. auch mein Wille Schranken fügt, Demut und Einfalt worinnen die regieret und mich zu der Weis⸗ heit, die himmlisch ist, führet. Ach wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, so hab ich der Weisheit vollkommenen Preis 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen als nur dich, mein höchstes Gut. Jesu, es muß mir gelingen durch dein rosenfarbes Blut. Die höchste Gerechtig⸗ keit ist mir erworben, da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben; die Kleider des Heils ich da habe erlangt, worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun so gib, daß meine Seele auch nach deinem Bild erwacht; du bist ja, den ich erwähle, mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum gött⸗ lichen Wandel und Leben, ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; entreiße mich aller ver⸗ gänglichen Lust, dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt! 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich beströmt die Gnadenflut. Du bist einmal eingegangen in das Heilge durch dein Blut; da hast du die ewge Erlösung erfunden, daß ich nun der höllischen Herrschaft ent⸗ bunden; dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, im kindlichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Volles Gnügen, Fried und Freude jetzo meine Seel ergetzt, weil auf eine frische Weide mein 5. Aller Weisheithöchste Fülle in dir ja verborgen liegt. Gib Süßes Hirt Jesus mich gesetzt. Nichts kann also mein Herze I — S. S + erlaben, als wenn ich nur, 900 dich immer soll haben; nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 10. Drum auch, alleine sollst mein Ein und Alles sein; prüf, erfahre, wie ichs m ine, tilge allen Heuchelschein! Sieh, ob ich auf bösem, betrüg⸗ lichen Stege, und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege, gib, daß ich nichts achte, nicht Leben noch Tod, und Jesum gewinne: dies Eine ist not. Joh. Heinr. Schröder g. 1667 1 1699. 313. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. ein Jesu, süße Seelenlust, mir ist nichts außer dir bewußt, wenn du mein Herz erquickest, dieweil dein Blick so lieblich ist, daß man auch seiner selbst vergißt, wenn du den Geist entzückest, daß ich in dich aus dem Triebe reiner Liebe von der Erde über gezogen werde. 2. Was hatt ich doch für Trost und Licht, als ich dein holdes Angesicht, mein Jesu, noch nicht kannte? Wie blind und töricht ging ich hin, da mein verkehrter Fleischessinn von Weltbegierden brannte, bis mir von dir Licht und Leben ward gegeben, dich zu kennen, herzlich gegen dich zu brennen. 3. Die arme Welt hat zwar den Schein, als wär ihr schlechtes Fröhlichsein ein herrliches Ver⸗ gnügen. vorbei; da sieht man, daß Jesu, du mich der Tod, von deinem Dienst ab⸗ slieder. 183 Blendwerk sei, wodurch wir uns betrügen. Drum muß Jesus mit den Schätzen mich ergetzen, die bestehen, muß vergehen. ö Seelenhort, steckest;?) du tust vor mir die decken, und feiner, als sein und Allein wie eilend gehts es man wenn die Weltlust 4. Wer Jesum fest im Glau⸗ ben hält, der hat die Kraft der andern Welt hier allbereit zu schmecken. Pflegt Jesus gleich zu mancher Zeit bei großer Herzens⸗ traurigkeit sein Antlitz zu ver⸗ ist doch sein Joch sanft wenn einer auf dem Bette dieser Welt zu schlafen hätte. 5. So weiß ich auch aus dei⸗ nem Wort, daß du dich, liebster nicht ewiglich ver⸗ Augen zu, auf daß du desto größre Ruh hernach in mir er⸗ weckest, wenn ich treulich als ein Rebe an dir klebe auch im Leide, nicht nur in der süßen Freude. Jesaia 54, 7. S. Johannes 14, 18. 19 und 16, 16— 22. 6. Derhalben soll mich keine Not, mein Jesu, wär es auch schrecken. Ich weiß, daß mich dein Herze liebt, darum so geh ich unbetrübt mit dir durch Dorn und Hecken. Plage, schlage, ich bin stille, ists dein Wille, mich zu kränken, du wirst meiner doch gedenken. 7. Und sollt ich auch, mein Hort, in mir dein süßes Manna nicht allhier in dieser Zeit em⸗ pfinden, so will ich doch zufrieden werde deinen Gnaden⸗ schein in jenem Leben finden, da stets kann, sich zu laben, 18⁴4 Jes Jesum haben, stets erblicken und ihn in die Arme drücken. 8. Allein, du holder Menschen⸗ sohn, ich kenne deine Liebe schon, wenn uns die Dornen stechen; dein Herz, das mich in Trauren setzt und sich verschließt, muß doch zuletzt vor lauter Liebe brechen; drum füllt und quillt in mein Herze nach dem Schmerze deine Süße, die ich noch allhier genieße. 9. Du salbest mich mit Freu⸗ denöl, so daß sich öfters Leib und Seel recht inniglich erfreuen. Ich weiß wohl, daß du mich betrübst, ich weiß auch, was du denen gibst, die sich davor nicht scheuen. Drum gib den Trieb, unab⸗ wendig und beständig treu zu bleiben und recht fest an dich zu gläuben. 10. Der Glaub ist eine starke Hand und hält dich als ein festes Band, ach stärke meinen Glauben! Im Glauben kann dich niemand mir, im Glauben kann mich niemand dir, o starker Jesu, rauben, weil ich fröhlich Welt und Drachen kann ver⸗ lachen und die Sünden durch den Glauben überwinden. Joh. Christ. Lange g. 1669 4 1756. 31⁴. Mel. Seelenbräutigam. W 11 wohl wie du, Jesu, ße Ruh? Unter vielen audtrhren, Leben derer, die ver⸗ loren, und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! 2. Leben, das den Tod, mich aus aller Not zu erlösen, hat uslieder. geschmecket, meine Schulden ju⸗ gedecket und mich aus der Not hat geführt zu Gott. 3. Glanz der Herrlichkeit, du bist vor der Zeit zum Erlöser uns geschenket und in unser Fleisch versenket in der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld, Tod, Sünd, Höll und Welt, alle Kraft des großen Drachen hast du wolln zu schanden machen durch das Löfegel ld deines Bluts, o Held! 5. Höchste Majestät, König und Prophet, deinen Zepter will ich küssen, ich will sitzen dir zu Füßen, wie Maria tät, höchste Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm als mein Eigentum durch des Geistes Licht erkennen, stets in deiner Liebe brennen als dein Eigentum, allerschönster Ruhm! 7. Deiner Sanftmut Schild, deiner Demut Bild mir anlege, in mich präge, daß kein Zorn noch Stolz sich rege; vor dir sonst nichts gilt als dein eigen Bild. 8. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, daß ich nicht mög von dir wanken, sondern bleiben in den Schranken; sei du mein Gewinn, gib mir deinen Sinn! 9. Wecke mich recht auf, daß ich meinen Lauf unverrückt zu dir fortsetze, und mich nicht in seinem Netze Satan halte auf; fördre meinen Lauf! 10. Deines Geistes die Seele gib, daß mög und beten, freudig vor dein Antlitz treten; ungefärbte Lieb in die Seele gib! er LN Jesusl 11. Wenn der Wellen Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, wollst du deine Hand ausstrecken; habe auf mich acht, Hüter, in der Nacht! 12. Einen Heldenmut, der da Gut und Blut gern um deinet⸗ willen lasse und des Fleisches Lüste hasse, gib mir, höchstes Gut, durch dein teures Blut! 13. Solls zum Sterben gehn, du bei mir stehn, mich 8 Todestal begleiten und zur Herrlichkeit geleiten, daß ich einst mag sehn mich zur Rechten stehn. Joh. Anast. Freylinghausen g. 1670 1 1739. 51 315. 2. Timoth. 2, 8. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. H alt im Gedächtnis Jesum Christ, 9⁰ Mensch, der auf die Erden vom Thron des Himmels kommen ist, dein Bruder da zu werden; vergiß nicht, daß er dir zugut hat angenommen Fleisch und Blut, dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der für dich hat gelitten, ja gar am Kreuz gestorben ist und dadurch hat bestritten Welt, Sünde, Teufel, Höll und Tod und dich erlöst aus aller Not, dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der auch am dritten Tage siegreich vom Tod erstanden ist, befreit von Not und Plage. Be⸗ denke, daß er Fried gemacht, sein Unschuld Leben wieder bracht, dank ieder. 185 Halt im Gedächtnis Jesum Cheid der nach den Leidenszeiten gen Himmel aufgefahren ist, die Stätt dir zu bereiten, da du sollst bleiben allezeit und sehen seine Herr⸗ lichkeit, dank ihm für diese Liebe! 5. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der einst wird wieder⸗ kommen und sich, was tot und lebend ist, zu richten vorgenommen. O denke, daß du da bestehst und mit ihm in sein Reich eingehst, ihm ewiglich zu danken. 6. Gib, Jesu, gib, daß ich dich kann mit wahrem Glauben fassen und nie, was du an mir getan, mög aus dem Herzen lassen, daß dessen ich in aller Not mich trösten mög und durch den Tod zu dir ins Leben dringen. Cyriacus Günther g. 1650 + 1701. 316. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. 2. , was ermüdst du dich in den Dingen dieser Erden, die doch bald verzehren sich und zu lauter nichts dir werden? Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilst dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, laß ihn sich zu Gott auf⸗ schwingen, richt ihn stets zum Himmel hin, laß ihn in die Gnad eindringen! Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh, dein betrübtes Herz zu laben: eil zur Lebensquell hinzu, da kannst du sie reichlich haben. Suche Jesum und sein Licht, alles andre ihm für diese Liebe! hilft dir nicht. Fliehe die unselge Pein, so das finstre Reich gebieret; laß nur den dein Labsal sein, der zur Glaubensfreude führet. Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 5. Ach es ist ja echt genug, daß du sonst viel Zeit verdorben mit nichtswürdigem Gesuch, dabei du fast bist erstorben. Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilst dir nicht. 6. Geh einfältig stets einher, laß dir nichts das Ziel verrücken; Gott wird aus dem Liebesmeer dich, den Kranken, wohl erquicken. Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 7. Weißt du nicht, daß diese Welt ein ganz ander Wesen heget, als dem Höchsten wohlgefällt und dein Ursprung dir vorleget? Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 8. Du bist ja ein Hauch aus Gott und aus seinem Geist ge⸗ boren, darum liege nicht im Tod, bist du nicht zum Reich erkoren? Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 9. Schwinge dich sein oft im Geist über alle Himmelshöhen, laß, was dich zur Erde reißt, weit von dir entfernet stehen! Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 10. Nahe dich dem lautern Strom, der vom Thron des Lammes fließet und auf die, so keusch und fromm, sich in reichem Maß ergießet. Suche Jesum und sein Licht, alles andre hiljt dir nicht. Jesuslieder. 11. Laß dir immerdar vor laß mit Majestat schwehen, Gebet sich Suche alles andre seine Augen brünstigem dein Herz zu ihm erheben! Jesum und sein Licht, hilft dir nicht. 12. Sei im übrigen ganz still, du wirst schon zum Ziel gelangen, glaube, daß sein Liebeswill stillen werde dein Verlangen. Drum such Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. Jak. Gabr. Wolf g. 1683 4 1754. 31². Mel. Werde munter, mein Gemüte. die nicht auszusprechen! sus hebt, was schwach, m Seine Hand will nicht zerbrechen das zerstoßne Glau⸗ bensrohr, seine Huld verschmähet nicht meines Glaubens schwaches Licht, das nur einem Döchtlein gleichet, das kaum glimmt und fast erbleichet. 2. Ob ich gleich mit Petro sinke,) gibt mir Jesus doch die Hand und die süßen Liebeswinke, er erkennt den schwachen Stand. Wie ein Vaterherz gesinnt gegen sein noch kleines Kind, so trägt Gott auch mit Erbarmen schwache Kinder auf den Armen. „ Matth. 14, 30. 3. Beut mein Hirte nicht den Rücken seinem schwachen Schäflein an? Kranke Seelen zu erquicken, tritt er auf die Todesbahn. Selbst die höchste Kraft verschmacht, da sie ruft: Es ist vollbracht, daß ich Schwacher möge siegen in den letzten Todeszügen. Jesuslieder. 1 4. Jesu, starke Krast der —⁰½ 7 rauher Bahn nimmst du mich Schwachen, stärke mich, denn dort mit Ehren an, wo mich ich bin schwach. Du, du kannst mich stärker machen, höre doch mein seufzend Ach! Hebe du das schwache Rohr meines Glaubens selbst empor, daß es bei dem Sturm der Sünde um dein Kreuz sich feste winde. 5. Feuchte mit dem Gnadenöle meines Glaubens Döchtlein an in der Lampe meiner Seele auf der dunkeln Todesbahn! Stehe mir, o Allmacht, bei, daß ich stark in Schwachheit sei, daß ich dich, bis ich erkalte, fest mit schwachen Händen halte. Salomo Franck g. 1659 4 1725. 318. Psalm 73, 23— 28. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. Berr Jesu Christ, mein höchstes ? Gut, mein Seelenschatz, mein Herzensmut und aller Sinne Frende, ich bleibe dennoch stets an dir; so ist auch nichts, das dich von mir und unsre Liebe scheide. Du machst mir deinen Weg bekannt, hältist mich bei meiner rechten Hand, regierst und und führst den Lebenslauf und hilfest meiner Schwachheit auf. Herr Jesu Christ, du bist mein Licht, du bist mein Licht; ich solge dir, so irr ich nicht. 2 Du leitest mich nach deinem Rat, der andres nichts beschlossen hat, als was mir Segen bringet. Gehts gleich zu Zeiten wunder⸗ lich, so weiß ich dennoch, daß durch dich der Ausgang wohl gelinget. Nach hartem Tritt auf vor deinem Thron erfreut die Krone der Gerechtigkeit. Herr Jesu Christ, ach mit Begier, ach mit Begier wünsch ich zu sein, mein Gott, bei dir. 3. Mein Alles ist auf dich gericht; hab ich nur dich, so frag ich nicht nach Himmel und nach Erden. Denn wär der Himmel ohne dich, so könnte keine Lust für mich in tausend Himmeln werden. Wärst du nicht schon auf Erden mein, möcht ich auch nicht auf Erden sein, denn auch die ganze weite Welt hat nichts, das mir wie du gefällt. Herr Jesu Christ, wo du nicht bist, wo du nicht bist, ist nichts, das mir erfreulich ist. 4. Und sollte mir durch Kreuz und Not, durch Marter, durch Gewalt und Tod auch Seel und Leib verschmachten, dies alles wird, wenns auch noch mehr, ja gar wie eine Hölle wär, mein Glaube doch nichts achten. Du bist und bleibest doch mein Heil und meines Herzens Trost und Teil; so wird und muß durch dich allein auch Leib und Seele selig sein. Herr Jesu Christ, ich hoffe fest, ich hoffe fest, daß deine Kraft mich nicht verläßt. 5. Drum halt ich mich getrost zu dir, du aber hälist dich auch zu mir, und das ist meine Freude. Ich setze meine Zuversicht auf dich, mein Fels, der nicht zer⸗ bricht, in Freud und auch im Leide. Dein Tun soll alles und allein in meinem Herz und Munde 188 sein, bis ich dich lann mit Augen sehn. Ach möchte solches bald geschehn! Herr Jesu Christ, ich warte drauf, ich warte drauf, komm, komm, mein Schatz, und nimm mich auf! Erdmann Neumeister g. 1671 1 1756. 319. Eigene Melodie, oder Ach erkennet, liebste Seelen. 45 will mich mit dir verloben, süßer Jesu, du allein wirst von mir aus Lieb erhoben, und ich bin nun gänzlich dein. Zwar die Welt wird mich stets hassen, denn sie hasset dich zugleich; kann ich aber dich umfassen, so bin ich vergnügt und reich. 2. Alles soll mir Ekel machen, was zur Eitelkeit gehört, und in allen meinen Sachen werde Jesus nur geehrt. Sollt ich Jesum denn nicht lieben, der mich vor der Welt erwählt? Sollt ich Jesum noch betrüben, der mich ihm schon zugezählt? 3. Nein, die ganze Welt soll wissen, daß ihr Tun mir nicht gefällt; alles andre will ich missen, weil er mich in Armen hält. Seine Lieb hat mich gefangen, und ich will die Freiheit nicht, denn mein sehnliches Verlangen ist allein auf ihn gericht. 4. O wie lang hab ich verzogen, wie lang hab ich dich veracht! O wie oft ward ich betrogen und von dir hinweggebracht! Aber nun soll uns nichts scheiden, nicht das Leben, nicht der Tod, nicht das Kreuz, nicht Schmach und Leiden, weder Unglück, Schmerz noch Not. Jesuslieder. 5. Stärke du mir meinen Willen wider meiner Feinde List, denn du mußt in mir erfüllen, was dem Fleisch unmöglich ist; laß mich nicht mehr von dir wanken, ach wo soll ich auch sonst hin? weil ich nicht nur in Gedanken, sondern wirklich bei dir bin. 6. So sei tausendmal gegrüßet, Jesu, meine süße Lust! Sei auch tausendmal geküsset, sei du mir allein bewußt, sei mein Wunsch und mein Verlangen, sei mein Bräutigam und Hort, sei du meiner Seele Prangen, sei mein Alles hier und dort! Ph. Balth. Sinold g. 1657 1 1˙12. 320. Mel. Seelenbräutigam. Tesu, geh voran auf der Lebens⸗ A hahn, und wir wollen nicht verweilen dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland! 2. Solls uns hart ergehn, laß und feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen, denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden, richte unsern Sinn auf das Ende hin! 4. Ordne unsern Gang, Liebster, lebenslang! Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nötge Pflege! Tu uns nach dem Lauf deine Türe auf! Nik. Ludw. v. Zinzendorf g. 1700 + 1760. Jesuslieder. 321. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Mel. 2. Broßer Mittler, der zur Rechten seines großen Vaters sitzt und die Schar von seinen Knechten in dem Reich der Gnade schützt, den auf dem erhabnen Throne, in der königlichen Krone, alles Heer der Ewigkeit mit verhülltem Antlitz scheut, 2. Dein Geschäft auf dieser Erden und dein Opfer ist voll⸗ bracht, was vollendet sollen wer— den, das ist gänzlich ausgemacht. Da du bist für uns gestorben, ist uns Gnad und Heil erworben, und dein siegreich Auferstehn läßt uns in die Freiheit gehn. 3. Nun ist dieses dein Geschäfte in dem obern Heiligtum, die er⸗ worbnen Segenskräfte durch dein Evangelium allen denen mitzu⸗ teilen, die zum Thron der Gnade eilen, nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. 4. Deines Volkes werte Namen trägest du auf deiner Brust*), und an den gerechten Samen denkest du mit vieler Lust. Du vertrittst, die an dich gläuben, daß sie dir vereinigt bleiben, und bittst in des Vaters Haus ihnen eine Wohnung aus.*) 2. Mos. 39, 14. 5. Doch vergißt du auch der Armen, die der Welt noch dienen, nicht, weil dein Herz dir vor Er⸗ barmen über ihrem Elend bricht; daß dein Vater ihrer schone, daß er nicht nach Werken lohne, daß er ändre ihren Sinn, ach da zielt dein Bitten hin. 189 6. Zwar in deines Fleisches Tagen, da die Sünden aller Welt dir auf deinen Schultern lagen, hast du dich vor Gott gestellt, bald mit Seufzen, bald mit Weinen für die Sünder zu erscheinen, o mit welcher Niedrigkeit batest du zur selben Zeit! 7. Aber nun wird deine Bitte von der Allmacht unterstützt, da in der vollkommnen Hütte) die verklärte Menschheit sitzt. Nun kannst du des Satans Klagen majestätisch nieder schlagen, und nun macht dein redend Blut unsre böse Sache gut. Hebr. 9, 11. 8. Die Verdienste deiner Leiden stellsst du dem Vater dar und vertritist nunmehr mit Freuden deine teur erlöste Schar, daß er wolle Kraft und Leben deinem Volk auf Erden geben und die Seelen zu dir ziehn, die noch deine Freundschast fliehn. 9. Großer Mittler, sei gepriesen, daß du in dem Heiligtum so viel Treu an uns bewiesen, dir sei Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienst vertreten, wenn wir zu dem Vater beten, sprich für uns in letzter Not, wenn den Mund verschließt der Tod. Joh. Jak. Rambach g. 1693 f 1735. 322. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. H deine Menschenliebe war Ddie Quelle deiner Triebe, die dein treues Herz bewogen, dich in unser Fleisch gezogen, dich mit Schwachheit überdecket, dich vom Kreuz ins Grab gestrecket. O der 190⁰ Jesuslieder. ungemeinen Triebe deiner treuen Menschenliebe! 2. Über seine Feinde weinen, jedermann mit Hülf erscheinen, sich der Blinden, Lahmen, Armen mehr als väterlich erbarmen, der Betrübten Klagen hören, sich in andrer Dienst verzehren, sterben für die ärgsten Sünder, das ist Lieb, o Menschenkinder! 3. O du Zuflucht der Elenden, wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hülf und Heil genommen, der gebeugt zu dir gekommen? O wie ist dein Herz gebrochen, wenn dich Kranke angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, das Gebeine mitzuteilen! 4. Die Betrübten zu erquicken, zu den Kleinen sich zu bücken, die Unwissenden zu lehren, die Ver⸗ führten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, täglich lieb⸗ reich zu sich locken, war mit Schwächung deiner Kräfte dein gewöhnliches Geschäfte. 5. O wie hoch stieg dein Er⸗ barmen, da du für die ärmsten Armen dein unschätzbar teures Leben in den ärgsten Tod gegeben, da du in der Sünder Orden aller Schmerzen Ziel geworden und, den Segen zu erwerben, als ein Fluch hast wollen sterben! 6. Deine Lieb hat dich ge⸗ trieben, Sanftmut und Geduld zu üben, ohne Schelten, Drohen, Schlagen andrer Schmach und Last zu tragen, allen freundlich zu begegnen, für die Lästerung zu segnen, für der Feinde Schar zu beten und die Mörder zu dertreten. 7. Demut war bei Spott und Hohne deiner Liebe Schmuck und Krone; diese machte dich zum Knechte einem sündlichen Ge⸗ schlechte, diese war gleich wie die Tauben ohne Falsch, voll Treu und Glauben, mit Gerechtigkeit gepaaret, durch Vorsichtigkeit be⸗ wahret. 8. Komm, laß deine Liebe decken meiner Sünden Meng und Flecken! Du hast das Gesetz er⸗ füllet und desselben Fluch gestillet; laß mich wider dessen Stürmen deiner Liebe Schild beschirmen! Heilge meines Herzens Triebe, salbe sie mit deiner Liebe! Joh. Jak. Rambach g. 1693 4 1735. 323. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. Fönig, dem kein König gleichet, AR dessen Ruhm kein Mund er⸗ reichet, dem als Gott das Reich gebühret, der als Mensch das Zepter führet, dem das Recht ge⸗ hört zum Throne als des Vaters eingem Sohne, den so viel Voll⸗ kommenheiten krönen, zieren und begleiten: 2. Himmel, Wasser, Luft und Erde nebst der ungezählten Herde der Geschöpfe in den Feldern, in den Seeen, in den Wäldern sind, Herr über Tod und Leben, dir zum Eigentum gegeben; Tiere, Menschen, Geister scheuen, Men⸗ schensohn, dein mächtig Dräuen. 3. In des Gnadenreiches Gren⸗ zen sieht man dich am schönsten glänzen, wo viel tausend treue Seelen dich zu ihrem Haupt x Jesuslieder. 191 erwählen, die durchs Zepter deines Mundes nach dem Recht des Gnadenbundes sich von dir regie⸗ ren lassen und wie du das Unrecht hassen. 4. In dem Reiche deiner Ehren kann man stets dich loben hören von dem himmlischen Geschlechte, von der Menge deiner Knechte, die dort ohne Furcht und Grauen dein verklärtes Antlitz schauen, die dich unermüdet preisen und dir Ehr und Dienst erweisen. 5. Herrscher du in dreien Reichen, dir ist niemand zu ver⸗ gleichen an dem Überfluß der Schätze, an der Ordnung der Ge⸗ setze, an Vortrefflichkeit der Gaben, welche deine Bürger haben; du beschützest deine Freunde, du be⸗ zwingest deine Feinde. 6. Herrsche auch in meinem Herzen über Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen, laß mich deinen Schutz genießen, laß mich dich im Glauben küssen, ehren, fürchten, loben, lieben und mich im Ge⸗ horsam üben, hier mit ringen, dulden, streiten, dort mit herr⸗ schen dir zur Seiten! Joh. Jak. Rambach g. 1693 T 1735. 324. Mel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. Mlein Herz, ach rede mir nicht drein, ich muß von hinnen eilen, ich muß bei meinem Jesu sein. Was soll ich hier ver⸗ weilen, wo Eitelkeit, wo keine Ruh? Himmel zu. Mein Geist eilt nach 208 2. Mein Herzensfreund, dich laß ich nicht, ich kann nichts Bessers haben, in dir ist Freude, Trost und Licht, du kannst voll⸗ kommen laben. Nichts ist, das mir Vergnügen gibt, als wenn mich Jesus herzlich liebt. 3. Du, du bist mein, und ich bin dein, wir sind in eins ver⸗ bunden; dies gute Teil hab ich allein durch deine heilgen Wun⸗ den. Du bist mein Fels, der mich nicht läßt, auf dir ruht meine Seele fest. 4. Herr Jesu, ohne dich muß mir die Welt zur Hölle werden; ich habe, hang ich nur an dir, den Himmel schon auf Erden. Es quillt mein Lebenstrank von dir, das Lebensmanna gibst du mir. 5. O selge Stunde, da man dich kann recht ins Herze schlie⸗ ßen! Wie läßt du da so süßig⸗ lich Heil, Gnad und Friede fließen! So oft das Herze nach dir blickt, wird es mit Himmels⸗ lust erquickt. 6. Das schwerste Kreuz wird leicht und klein, denn du selbst hilsst es tragen; du richtest es zum besten ein, kannst nicht von Herzen plagen. Dein Rutenstreich ist voller Huld, du forderst von uns nur Geduld. 7. Führst du mich nun gleich wunderlich, mein Freund, durch Leid und Freude, weiß ich den⸗ noch, daß alles mich von deiner Lieb nicht scheide. Es führet mich dein Wunderpfad zu dir, in meines Vaters Stadt. J. Ludw. Konr. Allendorf g. 1693 f 1773. — 325. Mel. Wer nur den 16.. 5 Gott läßt walten. Mel. 3. Her von unendlichem Erbarmen, Du unergründlich Liebesmeer, ich danke dir mit andern Armen, mit einem ganzen Sünderheer für deine Huld in Jesu Christ, die vor der Welt gewesen ist. 2. Für dein so allgemein Er⸗ lösen, für die Bezahlung aller Schuld, sür deinen Ruf an alle Bösen und für das Wort von deiner Huld, ja für die Kraft in deinem Wort dankt dir mein Herze hier und dort. 3. Für deinen heilgen Geist der Liebe, der Glauben wirkt in unserm Geist, weil doch des Glaubens Kraft und Triebe ein Werk der Allmacht Gottes heißt; für die Befestigung darin dankt dir mein neugeschaffner Sinn. 4. Für dein so tröstliches Ver⸗ sprechen, daß deine Gnade ewig sei; wenn Berge bersten, Hügel brechen, steht doch dein Bund und deine Treu; wenn Erd und Himmel weicht und fällt, so lebt doch Gott, der Glauben hält. 5. Für deine teuren Sakra⸗ mente als Siegel deiner wahren Schrift, wo Gott, damit ich glauben könnte, ein Denkmal seiner Wunder stift: für diese Gnaden in der Zeit dankt dir mein Herz in Ewigkeit. 6. Ja Mund und Herze soll dir danken, doch bittet auch mein Herz und Mund: Laß weder Mund noch Herze wanken und gründe mich auf diesen Grund! Jesuslieder. Erhalte nur durch deine Treu mich bis ans Ende auch dabei! 7. Laß mich in Liebe heilig leben, unsträflich, dir zum Lobe, sein; versichere mein Herz dar⸗ neben, es reiße keine Lust noch Pein mich von der Liebe Gottes hin, weil ich in Jesu Christo bin. 8. Tod, Leben, Trübsal, Angst und Leiden, was Welt und Hölle in sich schließt, nichts soll mich von der Liebe scheiden, die da in Christo Jesu ist. Ja Amen, Vater aller Treu, zähl mich den Auserwählten bei! Phil. Friedr. Hiller g. 1699 4 1769. 326. Eph. 1, 21. 22. Eigene Melodie. oder Alles ist an Gottes Aesus Christus herrscht als König, Aalles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Alle Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muß. 2. Fürstentümer und Gewal⸗ ten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit. Alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst bereit. 3. Engel und erhabne nen, die beim ewgen Lichte wohnen, nichts ist gegen Jesum groß. Alle Namen hier auf Erden, wie sie auch vergöttert werden, sie sind Teil aus sei⸗ nem Los. 4. Gott ist Herr; der Herr ist Einer, und demselben gleichet teiner, nur der Sohn der ist Segen. Thro⸗ Jesuslieder. 193 ihm gleich. Dessen Stuhl ist un⸗ umstößlich, dessen Leben unauf⸗ löslich, dessen Reich ein ewig Reich. 5. Gleicher Macht und gleicher Ehren sitzt er unter lichten Chö⸗ ren über allen Cherubim. In der Welt und Himmel Enden hat er alles in den Händen; denn der Vater gab es ihm. 6. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen, sagt, ihr Armen, ihm die Not! Er kann alle Wunden heilen, Reichtum weiß er auszuteilen, Leben schenkt er nach dem Tod. 7. Zwar auch Kreuz drückt Christi Glieder hier auf kurze Zeit darnieder, und das Leiden geht zuvor. Nur Geduld, es folgen Freuden, nichts kann sie von Jesu scheiden, und ihr Haupt zieht sie empor. 8. Jauchz ihm, Menge heilger Knechte, rühmt, vollendete Gerechte, und du Schar, die Palmen trägt, und du Blutvolk in der Krone und du Chor vor seinem Throne, der die Gottesharfen schlägt! 9. Ich auch auf der tüessten Stufen, ich will glauben, reden, rufen, ob ich schon noch Pilgrim bi. Jesus Christus herrscht als König, alles sei ihm untertänig! Ehret, liebet, lobet ihn! Phil. Friedr. Hiller g. 1699 4 1769. 327. Eigene Melodie. 20. bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesu offenbart; ich geb a hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward; ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken. 2. Wie bist du mir so zart gewogen, und wie verlangt dein Herz nach mir! Durch Liebe sanft und tief gezogen neigt sich mein Alles auch zu dir; du traute Liebe, gutes Wesen, du hast mich und ich dich erlesen. 3. Ich fühls: du bists, dich muß ich haben; ich fühls: ich muß für dich nur sein. Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben, mein Ruhplatz ist in dir allein. Hier ist die Ruh, hier ist Ver⸗ gnügen, drum folg ich deinen selgen Zügen. 4. Für dich sei ganz mein Herz und Leben, mein süßer Gott, und all mein Gut; für dich hast du mirs nur gegeben, in dir es nur und selig ruht. Hersteller meines schweren Falles, für dich sei ewig Herz und alles! 5. Ehr sei dem hohen Jesus⸗ namen, in dem der Liebe Quell entspringt, von dem hier alle Bächlein kamen, aus dem der Selgen Schar dort trinkt. Wie beugen sie sich ohne Ende, wie falten sie die frohen Hände! 6. O Jesu, daß dein Name bliebe im Grunde süef gedrücket ein! Möcht deine süße Jesusliebe in Herz und Sinn gepräget sein! Im Wort, im Werk und allem Wesen sei Jesus und sonst nichts zu lesen! Gerh. Terstegen g. 1007 4 1769. 13 194 328. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Dich Jesum laß ich ewig nicht, dir bleibt mein Herz ergeben. Du kennst dies Herz, das redlich spricht: Nur Einem will ich leben. Du, du allein, du sollst es sein, du sollst mein Trost auf Erden, mein Glück im Himmel werden. 2. Dich Jesum laß ich ewig nicht; ich halte dich im Glauben. tichts kann mir meine Zuversicht und deine Gnade rauben. Der Glaubensbund hat festen Grund: die deiner sich nicht schämen, die kann dir niemand nehmen. 3. Dich Jesum laß ich ewig nicht; aus göttlichem Erbarmen gingst du für Sünder ins Gericht und büßtest für mich Armen. Aus Dankbarkeit will ich erfreut um deines Leidens willen die Pflicht der Treu erfüllen. 4. Dich Jesum laß ich ewig nicht, du stärkest mich von oben. Zu dir steht meine Zuversicht, wenn meine Feinde toben. Ich flieh zu dir, du eilst zu mir, wenn mich die Feinde hassen, wirst du mich nicht verlassen. 5. Dich Jesum laß ich ewig nicht, das Kreuz soll uns nicht scheiden. Es bleibet jedes Glie⸗ des Pflicht, mit seinem Haupt zu leiden. Doch all mein Leid währt kurze Zeit, bald ist es überstanden, und Ruh ist dann vorhanden. Dich Jesum laß nicht, nie soll mein Glaube wanken. Und wenn des Leibes Hütte bricht, sterb ich mit dem ich ewig Jesuslieder. Gedanken: und ich bin sein; er ist mein Schutz, mein Tröster, und ich bin sein Erlöster. Ehrenfried Liebich g. 1713 1 1780. 329. Eigene Melodie. ech mein Herr Jesu, dein Nahe sein bringt großen Frieden ins Herz hinein, und dein Gnaden⸗ anblick macht uns so selig, daß Leib und Seele darüber fröhlich und dankbar wird. 2. Wir sehn dein freundliches Angesicht voll Huld und Gnade wohl leiblich nicht, aber unsre Seele kanns schon gewahren, du kannst dich fühlbar gnug offen⸗ baren, auch ungesehn 3. O wer nur immer bei Tag und Nacht dein zu genießen recht wär bedacht! Der hätt ohne Ende von Glück zu sagen, und Leib und Seele müßt immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, ge⸗ duldig sein, uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, heilen, stilln und trösten, erfreun und segnen und unsrer Seele als Freun begegnen, ist deine Lust. 5. Ach gib an deinem kost⸗ baren Heil uns alle Tage voll⸗ kommen Teil und laß unsre Seele sich immer schicken, aus Not und Liebe nach dir zu blicken ohn Unterlaß. 6. Und wenn wir weinen, so tröst uns bald mit deiner bluti⸗ gen Todsgestalt, ja die laß uns immer vor Augen schweben und 4 Mein Freund ist mein, 8* ο Se n Jesuslieder. 19⁵ dein wahrhaftiges Inunsleben zu sehen sein! ö 7. Ein herzlichs Wesen und Kindlichkeit sei unsre Zierde zu aller Zeit, und die Blutbespren⸗ gung aus deinen Wunden erhalt uns solche zu allen Stunden bei Freud und Leid! 8. So werden wir bis in Himm'l hinein mit dir vergnügt wie die Kindlein sein; muß man gleich die Wangen noch manchmal netzen: wenn sich das Herz nur an dir stets letzen und stillen kann. 9. Du reichst uns deine durch⸗ grabne Hand, die so viel Treue an uns gewandt, daß wir beim Drandenken beschämt dastehen, und unser Auge muß übergehen vor Lob und Dank. Christian Gregor g. 1723 4 1801. 330. Eigene Melodie. Wern ich ihn nur habe, wenn » mein nur ist, wenn mein Herz bis hin zum Grabe seine Treue nie vergißt, weiß ich nichts von Leide, sühle nichts als An⸗ dacht, Lieb und Freude. 2. Wenn ich ihn nur habe, laß ich alles gern, folg an mei⸗ nem Wanderstabe treugesinnt nur meinem Herrn, lasse still die andern breite, lichte, volle Straßen wandern. 3. Wenn ich ihn nur habe, schlaf ich fröhlich ein; ewig wird zu süßer Labe seines Herzens Flut mir sein, die mit sanftem Zwingen alles wird erweichen und durchdringen. 4. Wenn ich ihn nur habe, hab ich auch die Welt, und des Himmels reiche Gabe meinen Blick nach oben hält; hingesenkt im Schauen, kann mir vor dem Irdischen nicht grauen. 5. Wo ich ihn nur habe, ist mein Vaterland, und es fällt mir jede Gabe wie ein Erbteil in die Hand; längst vermißte Brüder find ich nun in seinen Jüngern wieder. Friedr. v. Hardenberg g. 1772 4 1501. 331. Mel. Herzlich tut mich verlangen. Menn alle untreu werden, so 10 bleib ich dir doch treu, daß Dankbarkeit auf Erden nicht aus⸗ gestorben sei. Für mich umsing dich Leiden, vergingst für mich in Schmerz; drum geb ich dir mit Freuden auf ewig dieses Herz. 2. Oft muß ich bitter weinen, daß du gestorben bist, und mancher von den Deinen dich lebenslang vergißt. Von Liebe nur durch⸗ drungen hast du so viel getan, der Welt das Heil errungen, doch keiner denkt daran. 3. Du stehst voll treuer Liebe noch immer jedem bei, und wenn dir keiner bliebe, so bleibst du dennoch treu; die treuste Liebe sieget, am Ende fühlt man sie, weint bitterlich und schmieget sich kindlich an dein Knie. 4. Ich habe dich empfunden; o lasse nicht von mir! Laß innig mich verbunden auf ewig sein mit dir! Einst schauen meine Brüder auch wieder himmelwärts 13 196 Jesuslieder. und sinken liebend nieder und fallen dir ans Herz. Friedr. v. Hardenberg g. 1772 1 1801. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 0 ist meines Jesu Hand, und er wird mich ewig fassen, hat zu viel an mich gewandt, um mich wieder loszulassen. Mein Erbarmer läßt mich nicht, das ist meine Zuversicht. 2. Sieht mein Kleinmut oft Gefahr, fürcht ich auch zu unter⸗ liegen: Christus beut den Arm mir dar, Christus hilft der Ohn⸗ macht siegen. Daß mich Gottes Held verficht, das ist meine Zuversicht. 3. Wenn der Kläger mich ver⸗ klagt, Christus hat mich schon ver⸗ treten; wenn er mich zu sichten wagt, Christus hat für mich ge⸗ beten. Daß mein Bürge für mich spricht, das ist meine Zuversicht. 4. Würd es Nacht vor meinem Schritt, daß ich keinen Ausgang wüßte und mit ungewissem Tritt ohne Licht verzagen müßte: Chri⸗ stus ist mein Stab und Licht, das ist meine Zuversicht. 5. Mag die Welt im Miß⸗ ohne Halt ist all ihr Glück, wahr⸗ lich sie hat Grund zu zagen. Daß mein Anker nie zerbricht, das ist meine Zuversicht. 6. Will mein Herr durch sanfte Zucht mich nach seinem Bild ge— stalten, o so will ich ohne Flucht seiner Hand nur stiller halten. Dann erschreckt mich kein Gericht, das ist meine Zuversicht. 7. Seiner Hand entreißt mich nichts, sollt ich ihn mit Kleinmut schmähen? Mein Erbarmer selbst versprichts, sollt ich ihm sein Wort verdrehen? Nein, er läßt mich ewig nicht, das ich meine Zuversicht. Karl Bernh. Garve g. 1763 4 1841. 335. Eigene Melodie. bant mich gehn, laßt mich gehn, daß ich Jesum möge sehn! Meine Seel ist voll Verlangen, ihn auf ewig zu umfangen und vor seinem Thron zu stehn. 2. Süßes Licht, süßes Licht, Sonn, die durch die Wolken bricht! O wann werd ich dahin kommen, daß ich dort mit allen Frommen schau dein holdes Angesicht! 3. Ach wie schön, ach wie schön ist der Engel Lobgetön! Hätt ich Flügel, hätt ich Flügel, flög ich über Tal und Hügel heute noch nach Zions Höhn. 4. Wie wirds sein, wie wirds sein, wenn ich zieh in Salem ein, in die Stadt der goldnen Gassen! geschick leben oder ängstlich klagen, Herr mein Gott, ich kanns nicht fassen, was das wird für Wonne sein. 5. Paradies, Paradies, wie ist deine Frucht so süß! Unter deinen Lebensbäumen wird uns sein, als ob wir träumen. Bring uns, Herr, ins Paradies! Gust. Frdr. Ludw. Knal g. 1806 + 1878. XIX. Eieder vom christlichen Leben und Wandel. 334. Ein Lied zu bitten um Glauben, Hoffnung, Liebe und ein seliges Ende. Eigene Melodie. 4 ruf zu dir, Herr Jesu Christ, ich bitt, erhör mein Klagen, verleih mir Gnad zu dieser Frist, laß mich doch nicht verzagen! Den rechten Glauben, Herr, ich mein, den wollest du mir geben, dir zu leben, dem Nächsten nütz zu sein, dein Wort zu halten eben. 2. Ich bitt noch mehr, o Herre Gott, du kannst es mir wohl geben, daß ich nicht wieder werd zu Spott: die Hoffnung gib daneben, voraus wenn ich muß hie davon, daß ich dir mög ver⸗ trauen und nicht bauen auf all mein eigen Tun; sonst wirds mich ewig reuen. 3. Verleih, daß ich aus Her⸗ zensgrund den Feinden mög ver⸗ geben; verzeih mir auch zu dieser Stund, schaff mir ein neues Leben! Dein Wort mein Speis laß allweg sein, damit mein Seel zu nähren, mich zu wehren, wenn Unglück schlägt herein, das mich bald möcht verkehren. 4. Laß mich kein Lust noch Furcht von dir in dieser Welt abwenden, beständig sein ans End gib mir, du hasts allein in Händen; und wem dus gibst, der hats umsonst, es mag nie⸗ mand erwerben noch ererben durch Werke deine Gnad, die uns errett vom Sterben. 5. Ich lieg im Streit und widerstreb, hilf, o Herr Christ, dem Schwachen! An deiner Gnad allein ich kleb, du kannst mich stärker machen. Kommt nun An⸗ sechtung her, so wehr, daß sie mich nicht umstoße. Du kannst machen, daß mirs nicht bringt Gefahr; ich weiß, du wirsts nicht lassen. Johann Agricola g. 1492 4 1506. 335. Ev. Matth. 11, 28. Eigene Melodie. KReumt her zu mir, spricht Gottes Sohn, all die ihr seid be— schweret nun, mit Sünden hart beladen, ihr Jungen, Alten, Frau und Mann, ich will euch geben, was ich hab, will heilen euren Schaden. 2. Mein Joch ist süß, mein Bürd gering; wer mirs nachträgt, in dem Beding wird er der Höll entweichen; ich will ihm treulich helfen tragn, mit meiner Hülf wird er erjagn das ewge Himmel⸗ reiche. 3. Was ich getan und g'litten hie in meinem Leben spat und früh, das sollt ihr auch erfüllen. Was ihr gedenkt, ja redt und tut, das wird euch alles recht und gut, wenns g'schieht nach Gottes Willen. 4. Gern wollt die Welt auch selig sein, wenn nur nicht wär 198 die schwere Pein, die alle Chri⸗ sten leiden; nun aber kanns nicht anders sein, darum ergib dich nur darein, willst ewge Pein du meiden. 5. All Kreatur bezeuget das; was lebt in Wasser, Luft und Gras, sein Leiden kanns nicht meiden. Wer denn in Gottes Nam nicht will, der muß zuletzt des Teufels Ziel mit schwerem Gewissen leiden. 6. Heut ist der Mensch schön, jung und schlank, sieh, morgen ist er schwach und krank, bald muß er auch gar sterben; gleich wie die Blumen auf dem Feld, also wird auch die schöne Welt in einem Nu verderben. 7. Die Welt erzittert ob dem Tod; liegt einer in der letzten Not, dann will er gleich fromm werden; der schaffet dies, der andre das, sein'r armen Seel er ganz vergaß, dieweil er lebt' auf Erden. 8. Und wenn er nicht mehr leben kann, hebt eine große Klag er an, will sich nun Gott erge⸗ ben; ich fürcht fürwahr, die gött⸗ lich Gnad, die er allzeit ver⸗ spottet hat, wird schwerlich ob ihm schweben. 9. Dem Reichen hilft doch nicht sein Gut, dem Jungen nicht sein stolzer Mut; er muß aus diesem Maien; wenn einer hätt die ganze Welt, Silber und Gold und alles Geld, doch muß er an den Reihen. 10. Dem G''lehrten hilft doch nicht sein Kunst, die weltlich Pracht ist gar umsonst, wir Lieder vom christlichen Leben und Wandel. müssen alle sterben. Wer sich in Christo nicht bereit, weil er lebt in der Gnadenzeit, ewig muß der verderben. 11. Höret und merkt, ihr lie⸗ ben Kind, die jetzo Gott ergeben sind: Laßt euch die Müh nicht reuen, halt't stets am heilgen Gotteswort, das ist eur Trost und höchster Hort, Gott wird euch schon erfreuen. 12. Nicht Übel ihr um übel gebt! Schaut, daß ihr hie un⸗ schuldig lebt, laßt euch die Welt nur äffen, gebt Gott die Rach und alle Ehr, den engen Steig geht immer her! Gott wird die Welt schon strafen. 13. Wenn es ging nach des Fleisches Mut in Gunst, Gesund⸗ heit, großem Gut, würdt ihr gar bald erkalten; darum schickt Gott die Trübsal her, damit eur Fleisch gezüchtigt wär, zu ewger Freud erhalten. 14. Ist bitter euch das Kreuz und schwer, gedenkt, wie heiß die Hölle wär, darein die Welt tut rennen, mit Leib und Seel muß leidend sein ohn Unterlaß die ewge Pein und kann doch nicht verbrennen. 15. Ihr aber sollt nach dieser Zeit mit Christo haben ewge Freud; dahin sollt ihr gedenken. Kein Mann lebt, der aussprechen kann die Wonne und den ewgen Lohn, den euch der Herr wird schenken. 16. Und was der ewig gütge Gott in seinem Wort versprochen hat, geschworn bei seinem Namen, das hält und gibt er g'wiß helf uns zu der üurch Jesum Chri⸗ fürwahr. Engel Sch stum! 2 tat(7) 1530. Eigene Melodie. dich hab ich gehoffet, Herr, hilf, d daß ich nicht zu schan⸗ den werd noch ewiglich zu Spotte. Das bitt ich dich: Erhalte mich in deiner Treu, Herr Gotte! 2. gnädig Ohr neig her zu mir, erhör mein Bitt, tu dich herfür, eil bald, mich zu er⸗ retten! In Angst und Weh ich lieg un nd steh, N ent 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, sei meine Burg, darin ich frei und ritterlich mög streiten wider mein' Feind, der gar viel seind an mir auf beiden Seiten. Du bist mein Stärk, mein „mein Hort, mein Schild, mein Kraft, sagt mir dein Wort, mein Hülf, mein Heil, mein Leben, mein starker Gott in aller wer kann mir widerstreben? 5. Mir hat die Welt trüglich gericht mit Lügen und durch falsch Gedicht viel Retz und heimlich Stricke; Herr, nimm mein wahr in der Gefahr, hüt mich vor falscher Tücke! Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 199 Sohn bereit, dem heilgen Geist mit Namen! Die göttlich Kraft mach uns sieghaft durch Jesum Christum! Amen. 2 Reusner g. um 1500 F nach 1572. 337. Eigene Melodie. Aächrt lieb hab ich dich, o Herr; ich bitt, wollst sein von mir nicht fern mit deiner Güt und Gnaden. Die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Erd und Himmel frag ich nicht, wenn ich dich nur kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, bist du doch meine Zuversicht, mein hilf mir aus meinen Teil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nimmermehr! 2. Es ist ja, Herr, dein G'schenk und Gab mein Leib und Seel und was ich hab in diesem armen Leben; damit ichs brauch zum Lobe dein, zu Nutz und Not; Dienst des Nächsten mein, wollst mir dein Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, des Satans Mord und Lügen wehr, in allem Kreuz erhalte mich, auf daß ichs trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, tröst mir 6. Herr, meinen Geist befehl ich mein Seel in Todesnot! dir, mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, aus aller Not hilf mir am letzten Ende! 3. Ach Herr, laß deine Enge⸗ lein an meinem End die Seele mein in Abrahams Schoß tragen, den Leib in sein'm Schlafkämmer⸗ 7. Lob, Preis und Ehr und lein gar sanft ohn einge Qual Herrlichkeit sei Gott Vater und und Pein ruhn bis zum jüngsten 200 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. Tage. Alsdann vom Tod erwecke Begier, wenn mir wird angst mich, daß meine Augen sehen und bange. Verleih, daß ich dich in aller Freud, o Gottessohn, mein Heiland und mein Gnaden⸗ thron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich, ich will dich preisen ewiglich. Martin Schalling g. 1532 4 338. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 2. Her, wie du willst, so schicks 2 mut mir im Leben und im Sterben, allein zu dir steht mein Begier, laß mich, Herr, nicht verderben! Erhalt mich nur in deiner Huld, sonst wie du willst; gib mir Geduld, denn dein Will ist der beste. 2. Zucht, Ehr und Treu ver⸗ leih mir, Herr, und Lieb zu deinem Worte, behüt mich, Herr, vor falscher Lehr und gib mir hier und dorte, was dient zu meiner Seligkeit, wend ab all Honis⸗ keit in meinem ganzen Leben! 3. Sollt ich einmal nach deinem Rat von dieser Welt abscheiden, verleih mir, Herr, nur deine Gnad, daß es gescheh mit Freu⸗ den. Mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr, ein seligs End gib mir durch Jesum Christum! Amen. Caspar Bienemann g. 1540 4 1591. 339. Eigene Melodie, oder Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. Hei mir, mein Gott, hilf, daß nach dir von Herzen mich perlange und ich dich suche mit fleißig sei in dem, 1608. mit Freude dich in meiner Angst bald finde; gib mir den Sinn, daß ich forthin meid alle Schand und Sünde. 2. Hilf, daß ich stets mit Reu und Schmerz mich deiner Gnad ergebe, hab täglich ein zerknirsch⸗ tes Herz, in wahrer Buße lebe, vor dir erschein, herzlich bewein all meine Missetaten, die Hände fein laß milde sein, dem Dürf⸗ tigen zu raten. 3. Die Lust des Fleisches dämpf in mir, daß sie nicht überwinde; rechtschaffne Lieb und Lust zu dir in meinem Sinn anzünde, daß ich in Not bis in den Tod dich und dein Wort bekenne; und mich kein Trutz noch Eigennutz von deiner Wahr⸗ heit trenne. 4. Behüte mich vor Zorn und Grimm, mein Herz mit Sanft⸗ mut ziere, auch alle Hoffart von mir nimm und mich zur Demut führe! Was sich noch findt von alter Sünd durch deinen Geist ausfege, gib, daß allzeit Trost, Fried und Freud sich in mir Armen Zge. 5. Den Glauben stärk, die Lieb erhalt, die Hoffnung mache feste, daß ich von dir nicht wanke bald, Beständigkeit ists Beste; den Mund bewahr, daß nicht Gefahr durch ihn mir werd er⸗ wellet, gib Brot dem Leib, doch daß er bleib von Wollust unbe⸗ flecket. 6. Gib, daß ich treu und was mir gebühret, daß ich auch nicht durch Heuchelei und Ehrgeiz werd ver⸗ führet. Leichtfertigkeit, Haß, Zank und Neid laß in mir nicht ver⸗ bleiben, verstocßten Sinn und Diebsgewinn wollst du fern von mir treiben. 7. Hilf, daß ich folge treuem Rat, von falscher Meinung trete, dem Armen helfe mit der Tat, für Freund und Feind stets bete, dien jedermann, soviel ich kann, das Böse haß und meide nach deinem Wort an allem Ort, bis ich von dannen scheide. Joh. Heermann g. 1585 4 1647. 340. Eigene Melodie. 0 Gott, du frommer Gott, du Brunnquell guter Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben, gesunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib. 2. Gib, daß ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret, wozu Lieder von christlichen Leben und Wandel. 201 tragen! Gib, daß ich meinen Feind mit Sanftmut überwind, und wenn ich Rat bedarf, auch guten Rat erfind. 5. Laß mich mit jedermann in Fried und Freundschaft leben, so⸗ weit es christlich ist. Willst du mir etwas geben an Reichtum, Gut und Geld, so gib auch dies dabei, daß von unrechtem Gut nichts untermenget sei. 6. Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauren Tritt hindurch ins Alter dringen, so gib Ge⸗ duld, vor Sünd und Schanden mich bewahr, daß ich mit El trag all meine grauen Haar. 7. Laß mich an meinem End auf Christi Tod abscheiden, die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freuden, dem Leib ein Räumlein gönn bei frommer Christen Grab, auf daß er seine Ruh an ihrer Seite hab. 8. Wenn du die Toten wirst an jenem Tag erwecken, so tu auch deine Hand zu meinem mich dein Befehl in meinem Stande Grab ausstrecken, laß hören deine führet. Gib, daß ichs tue bald, zu der Zeit, da ich soll; und wenn ichs tu, so gib, daß es gerate wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; laß kein unnützlich Wort aus meinem Munde gehen, und wenn in mei⸗ nem Amt ich reden soll und muß, so gib den Worten Kraft und Nachdruck, ohn Verdruß! 4. Findt sich Gefährlichkeit, so Stimm und meinen Leib weck auf und fü 25 auserwählten Hauf! hr ihn schön verklärt Joh. Heermann g. 1585 + 1047 341. Ev. Matth. 5. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Kemmt, laßt euch den Herren lehren, kommt und lernet all⸗ zumal, welche die sind, die gehören laß mich nicht verzagen, gib einen zu der rechten Christen Zahl Heldenmut, das Kreuz hilf selber die bekennen mit dem Mund, 202 Lieder vom christlichen Leben und 2 glauben fest von und bemühen sich daneben, Gr zu tun, solang sie leben. Selig sind, die Demut haben und sind allzeit arm im Geist, rühmen sich gar keiner Gaben, daß Gott werd allein gepreist, danken dem auch für und für, denn das Himmelreich ist ihr. Gott wird noch zu Ehren setzen, die sich selbst gering hier schätzen. 3. Selig sind, die Leide tragen, da sich göttlich Trauren findt, die beseufzen und beklagen ihr und andrer Leute Sünd, die deshalben traurig gehn, Gott mit Tränen stehn. Diese sollen noch auf Erden und dann dort getröstet werden. 4. Selig sind die frommen Herzen, da man Sanftmut spüren kann, welche Hohn und Trutz verschmerzen, weichen gerne jeder⸗ mann, die nicht suchen eigne Rach und befehlen Gott die Sach. Diese will der Herr so schützen, daß sie noch das Land besitzen. 5. Selig sind, die sehnlich streben nach Gerechtigkeit und Treu, daß an ihrem Tun und Leben nicht Gewalt noch Unrecht sei, die da lieben gleich und recht‚ sind aufrichtig, fromm und schlecht, Geiz, Betrug und Unrecht hassen. Die wird Gott satt werden lassen. 6. Selig sind, die aus Erbar⸗ men sich annehmen fremder Not, sind mitleidig mit den Armen, bitten treulich für sie Gott; die behülflich sind mit Rat, auch wo möglich mit der Tat, wieder Hülf empfangen und Barmherzigkeit erlangen. Herzensgrund oft vor werden Wandel. 7. Selig sind, die funden wer⸗ den reines Herzens jederzeit, die in Werk, Wort und Geberden lieben Zucht und Heiligkeit. Diese, welchen nicht gefällt die unreine ö 1.— der Welt, sondern sie mit Ernst vermeiden, werden schauen mit Freuden. 8„Selig sind, die Friede machen und drauf sehn ohn Unterlaß, daß man möͤg in allen Sachen fliehen Hader, Streit und Haß; die da stiften Fried und Ruh, allerseits dazu, sich auch selbst befleißen, werden raten Friedens Gottes Kinder heißen. 9. Selig 196 die müssen dulden Schmach, Ver folgung, Angst und Pein, da sie doch nicht ver⸗ 1 schulden 105 gerecht be efunden sein. Ob des Kreuzes gleich ist viel, setzet Gott doch Maß und Ziel, und hernach wird ers belohnen ewig mit den Ehrenkronen. · 10. Herr, regier zu allen Zeiten meinen Wandel hier auf Erd, daß ich solcher Seligkeiten auch aus Gnaden fähig werd. Gib, daß ich mich acht gering, meine Klag oft vor dich bring, Sanst⸗ mut auch an Feinden übe, die Gerechtigkeit stets liebe; 11. Daß ich Armen helf und diene, immer hab ein reines Herz, die in Unfried stehn, versühne, dir anhang in Freud und Schmerz. Vater, hilf von deinem Thron, daß ich glaub an deinen Sohn und durch deines Geistes Stärke mich befleiße rechter Werke. Hannov. Gsb. 1648, nach Joh. Heermann g. 1585 + 1617. 342. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. treuer Heiland, Jesu Christ, der du auch mir geboren, ja auch für mich gestorben bist, laß doch nicht sein verloren an mir das groß Erlösungswerk, vielmehr gib Gnade, Kraft und Stärk, inbrünstig dir zu danken! 2. Gib Gnade, daß ich dich hinfort als meinen Heiland liebe, dir lebe und in deinem Wort mich treu und fleißig übe. Und wie du, Herr, gestorben bist, so hilf mir auch, zu jeder Frist den Sünden abzusterben. 3. Du standest von den Toten auf, brachst durch des Grabes Türen; drum laß mich einen neuen Lauf voll Geist und Tugend führen, laß mich von Sünden auf⸗ erstehn, in deinen heilgen Wegen gehn und dir zu Ehren leben! 4. Laß hier in deinem Reiche mich dir treu, beständig dienen, in guten Werken fruchtbarlich stets wachsen, blühn und grünen, bis du nach meinem Pilgrimslauf mich nimmst in deinen Himmel auf, wo du zur Rechten sitzest. 16392 343. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht singen. Zasset uns mit Jesu ziehen, seinem Vorbild folgen nach, in der Welt der Welt entfliehen auf der Bahn, die er uns brach, immer⸗ fort zum Himmel reisen, irdisch noch schon himmlisch sein, glauben recht und leben fein, in der Lieb den Glauben weisen. Treuer Jesu, bleib bei mir, gehe vor, ich folge dir. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 2. Lasset uns mit Jesu leiden, seinem Vorbild werden gleich; nach dem Leide folgen Freuden, Armut hier macht dorten reich, Tränensaat die erntet Lachen, Hoffnung tröstet mit Geduld; es kann leichtlich Gottes Huld aus dem Regen Sonne machen. Jesu, hier leid ich mit. dir, dort teil deine Freud mit mir! 3. Lasset uns mit Jesu sterben; sein Tod uns vom andern Tod rettet und vom Seelverderben, von der ewiglichen Not. Laßt uns töten, weil wir leben, unser Fleisch, ihm sterben ab, so wird er uns aus dem Grab in das Himmels⸗ leben heben. Jesu, sterb ich, sterb ich dir, daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesu leben; weil er auferstanden ist, muß das Grab uns wiedergeben. Jesu, unser Haupt du bist, wir sind deines Leibes Glieder, wo du lebst, da leben wir; ach erkenn uns für und für, trauter Freund, für deine Brüder! Dir, o Jesu, leb ich hier und dort ewig auch bei dir. Sigism. v. Birken g. 1626 4 1681. 344. ö Psalm 118. Mel. Werde munter, mein Gemüte. Hil uns, Herr, in allen Dingen, 2daß wir unser Amt und Werk wohl anfangen und vollbringen, gib uns Weisheit, Kraft und Stärk! Ohne deine Hülf und Gunst ist all unser Werk um⸗ sonst; hilf uns, Herr, in allen Dingen und laß alles wohl ge⸗ lingen! 204 Lieder vom christlichen Leben un 2. Hilf uns, Herr, an allen Orten, wo wir dein bedürftig sein, brich der Hölle Macht und Pforten und gib deinem Häufelein, deiner armen Christenheit, Liebe, Fried und Einigkeit! Hilf uns, Herr, in allen Dingen und laß alles wohl gelingen! 3. Hilf uns, Herr, in allen Nöten, aller Trübsal und Gefahr, laß uns keine Drangsal töten, nimm doch unser also wahr, daß Kreuz, Elend und Verdruß uns zum Besten dienen muß. Hilf uns, Herr, in allen Dingen und laß alles wohl gelingen! 4. Hilf uns, Herr, aus allem Leide in der letzten Todesnot, laß uns fahren hin mit Freude und durch deinen bittern Tod kommen in das Paradeis, uns zur Freude, dir zum Preis! Hilf uns, Herr, in allen Dingen und laß alles wohl gelingen! 5. Hilf uns, Herr, in letzten Zügen, hilf! Nach unsrer Zuver⸗ sicht laß uns ritterlich obsiegen und zu schanden werden nicht! O Herr Jesu, deine Hand leist uns Hülfe und Beistand, daß wir nach vollbrachtem Ringen Lob und Dank dir ewig singen. Nach Martin Rinkart g. 1586 + 1640. 345. Mel. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. E Golt, gib du uns deine Gnad, daß wir all Sünd und Missetat bußfertiglich erkennen und glauben fest an Jesum Christ, der uns zu helfn ein Meister ist, wie er sich selbst tut nennen. Wandel. 2. Hilf, daß wir auch nach dei⸗ nem Wort gottselig leben immerfort zu Ehren deinem Namen; daß uns dein guter Geist regier, auf ebner Bahn zum Himmel führ durch Jesum Christum. Amen. Samuel Zehner g. 1594 1635. 346. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. He getreu bis an das Ende, damit keine Qual und Not dich von deinem Jesu wende, sei ihm treu bis in den Tod! Ach das Leiden dieser Zeit ist nicht wert der Herrlichkeit, die dein Jesus dir will geben dort in seinem Freudenleben. 2. Sei getreu in deinem Glau⸗ ben, laß dir dessen festen Grund ja nicht aus dem Herzen rauben, halte treulich deinen Bund, den dein Herz durchs Wasserbad fest mit Gott geschlossen hat. Ewig ist der Mensch verloren, der ihm treulos hat geschworen. 3. Sei getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt; auch die Lieb am Nächsten übe, wenn er dich gleich oft betrübt. Denke, wie dein Heiland tat, als er für die Feinde bat; du mußt, soll dir Gott vergeben, auch verzeihn und liebreich leben. 4. Sei getreu in deinem Leiden und laß dich kein Ungemach, keine Not von Jesu scheiden, murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld größer durch die Ungeduld; selig ist, wer willig träget, was sein Gott ihm auferleget. *nn N Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 205 5. Hat dich Kreuz und Notf betroffen, und Gott hilft nicht alsofort, bleibe treu in deinem Hoffen, traue fest auf Gottes Wort! Hoff auf Jesum festiglich, sein H bricht ihm gegen dich, seine Hülf ist schon vorhanden; Hoffnung machet nie zu schanden. 6. Sei getreu in allen Sachen, in dem Anfang, Mittel, Schluß, fürchte Gott und laß ihn machen, hüte dich vor Joabs Kuß,“) such in allem Gottes Ruhm, führ ein wahres Christentum, sei zwar klug in deinem Glauben und doch ohne Falsch wie Tauben! *) 2. Sam. 20, 9. 7. Sei getreu in Todesstunden, halt dich glaubensvoll an Gott, flieh getrost in Christi Wunden, sei getreu bis in den Tod! Wer mit Jesu gläubig ringt, ihn wie Jakob hält und zwingt, dem will er in jenem Leben seine Freuden⸗ krone geben. 8. Nun wohlan, ich bleib im Leiden, Glauben, Lieb und Hoff⸗ nung fest, ich bin treu bis an das Scheiden; Jesus, der mich nicht verläßt, ist, den meine Seele liebt, dem sie sich im Kreuz ergibt; ihm befehl ich meine Sachen, denn ich weiß, er wirds wohl machen. Nach Benj. Prätorius g. 1636 4 1674(7). 34⁴7⁷. Mel. Auf dich hab ich gehoffet, Herr. E weiß, mein Gott, daß all mein Tun und Werk in deinem Willen ruhn, von dir kommt Glück und Segen; was du regierst, das geht und steht auf rechten, guten Wegen. 2. Es steht in keines Menschen Macht, daß sein Rat werd ins Werk gebracht und seines Gangs sich freue; des Höchsten Rat der machts allein, daß Menschenrat gedeihe. 3. Oft denkt der Mensch in seinem Mut, dies oder jenes sei ihm gut, und ist doch weit ge⸗ fehlet; oft sieht er auch für schädlich an, was doch Gott selbst erwählet. 4. So fängt auch mancher weise Mann ein gutes Werk zwar fröhlich an und bringts doch nicht zum Stande; er baut ein Schloß und festes Haus, doch nur auf lauterm Sande. 5. Wie mancher ist in seinem Sinn fast über Berg und Spitzen hin, und eh er sichs versiehet, so liegt er da, und hat sein Fuß vergeblich sich bemühet. 6. Drum, lieber Vater, der du Kron und Zepter trägst in deinem Thron und aus den Wolken blitzest, vernimm mein Wort und höre mich vom Stuhle, da du sitzest. 7. Verleihe mir das edle Licht, das sich von deinem Angesicht in fromme Seelen strecket und da der rechten Weisheit Kraft durch deine Kraft erwecket. 8. Gib mir Verstand aus deiner Höh, auf daß ich ja nicht ruh und steh auf meinem eignen Willen; sei du mein Freund und treuer Rat, was recht ist. zu erfüllen. ausgefüllt; doch wer ihn freudig 206 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 9. Prüf alles wohl, und was mir gut, das gib mir ein; was Fleisch und Blut erwählet, das verwehre! Der höchste Zweck, das beste Teil sei deine Lieb und Ehre! 10. Was dir gefällt, das laß auch mir, o meiner Seele Sonn und Zier, gefallen und belieben; was dir zuwider, laß mich nicht in Werk und Tat verüben! 11. Ists Werk von dir, so hilf zu Glück, ists Menschentun, so treib zurück und ändre meine Sinnen! Was du nicht wirkst, pflegt von ihm selbst in kurzem zu zerrinnen. 12. Sollt aber dein und unser Feind an dem, was dein Herz gut gemeint, beginnen sich zu rächen, ist das mein Trost, daß seinen Zorn du leichtlich könnest brechen. 13. Tritt zu mir zu und mache leicht, was mir sonst fast un⸗ möglich deucht, und bring zum guten Ende, was du selbst an⸗ gefangen hast durch Weisheit deiner Hände. 14. Ist ja der Anfang etwas schwer, und muß ich auch ins tiefe Meer der bittern Sorgen treten, so treib mich nur ohn Unterlaß zu seufzen und zu beten. 15. Wer fleißig betet und dir traut, wird alles, da ihn sonst vor graut, mit tapfrem Mut be⸗ zwingen; sein Sorgenstein wird in der Eil in tausend Stücke springen. 16. Der Weg zum Guten ist gar wild, mit Dorn und Hecken gehet, kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, wo Freud und Wonne stehet. 17. Du bist mein Vater, ich dein Kind; was ich bei mir nicht hab und find, hast du zu aller Gnüge. So hilf nur, daß ich meinen Stand wohl halt und herrlich siege. 18. Dein soll sein aller Ruhm und Ehr, ich will dein Tun je mehr und mehr aus hocherfreuter Seelen vor deinem Volk und aller Welt, solang ich leb, erzählen. Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. 348. Mel Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. Sei Gott getreu, halt seinen Bund, o Mensch, in deinem Leben, leg diesen Stein zum ersten Grund, bleib ihm allein ergeben! Denk an den Kauf in deiner Tauf, da er sich dir verschrieben bei seinem Eid, in Ewigkeit als Vater dich zu lieben. 2. Sei Gott getreu, laß keinen Wind des Kreuzes dich abkehren! Ist er dein Vater, du sein Kind, was willst du mehr begehren? Dies höchste Gut macht rechten Mut; kann seine Huld dir wer⸗ den, nichts Bessers ist, mein lieber Christ, im Himmel noch auf Erden. 3. Sei Gott getreu von Ju⸗ gend auf, laß dich nicht Lust noch Leiden in deinem ganzen Lebenslauf von seiner Liebe schei⸗ den! Sein alte Treu wird täglich neu, sein Wort steht nicht auf Schrauben; was er verspricht, das GSRSSISII‚ Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 207 bricht er nicht; das sollst du kühnlich glauben. 4. Sei Gott getreu in deinem Stand, darein er dich gesetzet; wenn er dich hält mit seiner Hand, wer ist, der dich verletzet? Wer seine Gnad zur Brustwehr hat, kein Teufel kann ihm schaden; steht diese Wehr um einen her, dem bleibet wohl geraten. 5. Sei Gott getreu, sein liebes Wort standhaftig zu bekennen, steh fest darauf an allem Ort, laß dich davon nicht trennen! Was diese Welt in Armen hält, muß alles noch vergehen; sein liebes Wort bleibt ewig fort ohn alles Wanken stehen. ö 6. Sei Gott getreu, als welcher sich läßt treu und gnädig finden; streit unter ihm nur ritterlich, laß über dich den Sünden ja wider Pflicht den Zügel nicht! Wär je der Fall geschehen, so sei bereit, durch Buß beizeit nur wieder aufzustehen. 7. Sei Gott getreu bis in den Tod und laß dich nichts abwenden! Er wird und kann in aller Not dir treuen Beistand senden. Und käm auch gleich das höllisch Reich mit aller Macht gedrungen, wollt auf dich zu, so glaube du, du bleibest unbezwungen. 8. Wirst du Gott also bleiben treu, wird er sich dir erweisen, daß er dein lieber Vater sei, wie er dir hat verheißen, und eine Kron zum Gnadenlohn im Him⸗ mel dir aufsetzen; da wirst du dich fort ewiglich in seiner Treu ergetzen. Michael Franck g. 1609 + 1667. 349. Mel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. Klir nach, spricht Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlaßt die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle! Nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt meinem Wandel nach! 2. Ich bin das Licht, ich leucht euch für mit heilgem Tugendleben; wer zu mir kommt und folget mir, soll nicht im Finstern schweben. Ich bin der Weg, ich weise wohl, wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll Demütig⸗ keit, voll Liebe meine Seele; mein Mund der fließt zu jeder Zeit von süßem Sanftmutsöle; mein Geist, Gemüte, Kraft und Sinn ist Gott ergeben, schaut auf ihn. 4. Ich zeig euch, das was schädlich ist zu fliehen und zu meiden und euer Herz von arger List zu reingen und zu scheiden. Ich bin der Seele Fels und Hort und führ euch zu der Himmelspfort. 5. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, ich steh euch an der Seite, ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still mag stehn, wenn er den Feldherrn an sieht gehn. 6. Wer seine Seel zu finden meint, wird sie ohn mich ver⸗ lieren; wer sie hier zu verlieren scheint, wird sie in Gott ein⸗ führen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, ist mein nicht wert und meiner Zier. 208 7 „So laßt uns denn dem lieben Herrn mit unserm Kreuz nachgehen und wohlgemut, ge⸗ trost und gern in allem Leiden stehen. Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon. Johann Scheffler g. 1624 4 1077. — 350. Eigene Melodie. Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen, über alles Geld und Gut. Wer Gott sein Hoffnung setzet, behält ganz unverletzet freien Heldenmut. 2. Der mich hat bisher er⸗ nähret und so manches Glück bescheret, ist und bleibet ewig mein. Der mich wunderlich geführet und noch leitet und regieret, wird forthin mein Helfer sein. 3. Viel bemühen sich um Sa⸗ chen, die nur Sorg und Unruh machen und ganz unbeständig sind; ich begehr nach dem zu ringen, was Vergnügung pflegt zu bringen und man jetzt gar selten findt. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken: was ich wünsche, wird sich schicken, so es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und auf der einen Leben hab ich seiner Gnad er⸗ geben und ihm alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen mein Verlangen zu er⸗ füllen, es hat alles seine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuschreiben, wie Gott will, so muß es blei⸗ ben, wann Gott will, bin ich bereit. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 6. Soll ich länger allhier leben, will ich ihm nicht widerstreben, ich verlasse mich auf ihn; ist doch nichts, das lang bestehet, alles Irdische vergehet und fährt wie ein Strom dahin. 10706. 351. Matth. 26, 41. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. R lache dich, mein Geist, bereit, wache, fleh und bete, daß dich nicht die böse Zeit unver⸗ hofft betrete; denn es ist Satans List über viele Frommen Versuchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf von dem Sündenschlafe, denn es folget sonst darauf eine lange Strafe, und die Not samt dem Tod möchte dich in Sünden un⸗ vermutet finden. 3. Wache auf, sonst kann dich nicht unser Herr erleuchten; wache, sonsten wird dein Licht dir noch ferne deuchten; denn Gott will für die Füll seiner Gnadengaben offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List nicht im Schlaf mag finden, weils ihm sonst ein Leichtes ist, dich zu überwinden; und Gott gibt, die er liebt, oft in seine Strafen, wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die ö Welt durch Gewalt bezwinge oder, * sie sich verstellt, wieder an zur sich bringe; wach und sieh, damit nie viel von falschen Brüdern unter deinen Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, für dein. Fleisch und Herze en, en, och les wie 676. rn. eit, daß her⸗ ans zur auf es nge dem un⸗ dich che, ioch will ben ans den, ist, Bott eine sen. die der, an mit Hern ich, erze Lieder vom christlichen Leben und Wandel. damit es nicht freventlich Gottes Gnad verscherze; denn es ist voller List und kann sich bald heucheln und in Hoffart schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei mitten in dem Wachen, denn der Herre muß dich frei von dem allen machen, was dich drückt und be⸗ strickt, daß du schläfrig bleibest und sein Werk nicht treibest. 8. Ja er will gebeten sein, wenn er was soll geben; er ver⸗ langet unser Schrein, wenn wir wollen leben und durch ihn un⸗ sern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden kräftig überwinden. 9. Doch wohl gut, es muß uns schon alles glücklich gehen, wenn wir ihn durch seinen Sohn im Gebet anflehen, denn er will uns mit Füll seiner Gunst be⸗ schütten, wenn wir glaubend bitten. 10. Drum so laßt uns immer⸗ dar wachen, flehen, beten, weil die Angst, Not und Gefahr immer näher treten. Denn die Zeit ist nicht weit, da uns Gott wird richten und die Welt vernichten. Joh. Burch. Freystein g. 1671 4 1718. 352. Eigene Melodie. Herr Jesu, Gnadensonne, wahr⸗ haftes Lebenslicht, laß Leben, Licht und Wonne mein blödes Angesicht nach deiner Gnad er⸗ freuen und meinen Geist erneuen, mein Gott, versag mirs nicht! 2. Vergib mir meine Sünden und wirf sie hinter dich, laß allen Zorn verschwinden und hilf mir gnädiglich laß deine Friedens⸗ 209 gaben mein armes Herze laben, ach Herr, erhöre mich! 3. Vertreib aus meiner Seelen den alten Adamssinn und laß mich dich erwählen, auf daß ich mich forthin zu deinem Dienst ergebe und dir zu Ehren lebe, weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkenntnis in mir, mein Seelenhort, und öffne mein Verständnis, Herr, durch dein heilig Wort, damit ich an dich gläube und in der Wahrheit bleibe zu Trutz der Höllenpfort. 5. Mit deiner Kraft mich rüste zu kreuzgen mein Begier und alle bösen Lüste, auf daß ich für und für der Sündenwelt absterbe und nach dem Fleisch verderbe, hin⸗ gegen leb in dir. 6. Ach zünde deine Liebe in meiner Seele an, daß ich aus innrem Triebe dich ewig lieben kann und dir zum Wohlgefallen beständig möge wallen auf rechter Lebensbahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, verleih mir Kraft und Mut, denn das sind Gnaden⸗ werle, die dein Geist schafft und tut; hingegen meine Sinnen, mein Lassen und Beginnen ist böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gna⸗ den, du Vater aller Treu, wend allen Seelenschaden und mach mich täglich neu! Gib, daß ich deinen Willen gedenke zu erfüllen, und steh mir kräftig bei! Ludw. Andr. Gotter g. 1661 1 1735. 14 21⁰ Lieder vom christlichen 353. Phil. 2, 12. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Hunde, schaffet, Menschen⸗ kinder, schaffet eure Seligkeit, bauet nicht, wie freche Sünder, nur auf gegenwärtge Zeit, son⸗ dern schauet über euch, ringet nach dem Himmelreich und be⸗ mühet euch auf Erden, wie ihr möget selig werden. 2. Daß nun dieses mög ge⸗ schehen, müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut und nach dessen Neigung gehen, sondern was Gott will und tut, das muß ewig und allein eures Lebens Richt⸗ schnur sein, es mag Fleisch und Blut in allen übel oder wohl gefallen. 3. Ihr habt Ursach zu be⸗ kennen, daß in euch noch Sünde steckt, daß ihr Fleisch vom Fleisch zu nennen, daß euch lauter Elend deckt, und daß Gottes Gnaden⸗ kraft nur allein das Gute schafft, ja daß außer seiner Gnade in euch nichts denn Seelenschade. 4. Selig, wer im Glauben kämpfet, selig, wer im Kampf besteht und die Sünde in sich dämpfet, selig, wer die Welt ver⸗ schmäht. Unter Christi Kreuzes⸗ schmach jaget man dem Frieden nach, wer den Himmel will er⸗ erben, muß zuvor mit Christo sterben. 5. Werdet ihr nicht treulich ringen, sondern träg und lässig sein, eure Neigung zu bezwingen, so bricht eure Hoffnung ein. Ohne tapfern Streit und Krieg folget Leben und Wandel. niemals rechter Sieg, Siegern wird die Krone nur beigelegten Lohne. 6. Mit der Welt sich lustig machen hat bei Christen keine Statt, fleischlich reden, tun und lachen schwächt den Geist und macht ihn matt. Kreuzesfahn geht es wahrlich niemals an, daß man noch mit frechem Herzen sicher wolle tun und scherzen. Furcht muß man vor Gott stets tragen, denn er kann mit Leib und Seel uns zur Hölle niederschlagen, er ists, der des Geistes Ol und nach dem es ihm beliebt Wollen und Vollbringen gibt. O so laßt uns zu ihm gehen, ihn um Gnade anzuflehen. 8. Und dann schlagt die Sün⸗ denglieder, welche Adam in euch regt, in den Kreuzestod danieder, bis ihm seine Macht gelegt. Hauet Händ und Füße ab, was euch ärgert, senkt ins Grab'“) und denkt oftmals an die Worte: Dringet durch die enge Pforte! — Matth. 5, 50. 9. Zittern will ich vor der Sünde und dabei auf Jesum sehn, bis ich seinen Beistand finde, in der Gnade zu bestehn. Ach mein Heiland, geh doch nicht mit mir Armen ins Gericht, gib mir deines Geistes Waffen, meine Seligkeit zu schaffen! 10. Amen, es geschehe, Amen! Gott versiegle dies in mir, daß wahren zum ich so in Jesu Namen meinen Glaubenskampf vollführ. Er, er gebe Kraft und Stärk und regiere selbst das Werk, daß ich wache, Ach bei Christi Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 211 bete, ringe und also zum Himmel dringe. Ludw. Andr. Gotter g. 1661 4 1735. 354. Eigene Melodie. Sieh, wie lieblich und wie fein ists, wenn Brüder friedlich sein, wenn ihr Tun einträchtig ist, ohne Falschheit, Trug und List. 2. Diesen ja verheißt der Herr reichen Segen nach Begehr und das Leben in der Zeit und auch dort in Ewigkeit. 3. Aber ach, wie ist die Lieb so verloschen, daß kein Trieb mehr auf Erden wird gespürt, der des andern Herze rührt. 4. Jedermann lebt für sich hin in der Welt nach seinem Sinn, denkt an keinen andern nicht; wo bleibt da die Liebespflicht? 5. O Herr Jesu, Gottes Sohn, schaue doch von deinem Thron, schaue die Zerstreuung an, die ein Mensch nicht bessern kann. 6. Sammle, großer Menschen⸗ hirt, alles, was sich hat verirrt, laß in deinem Gnadenschein alles ganz vereinigt sein! 7. Gieß den Balsam deiner Kraft, der dem Herzen Leben schafft, tief in unser Herz hinein, strahl in uns den Freudenschein! 8. Bind zusammen Herz und Herz, laß uns trennen keinen Schmerz, knüpfse selbst durch deine Hand das geweihte Bruderband! 9. So wie Vater, Sohn und 10. Was für Freude, was für Lust wird ihr da nicht sein be⸗ wußt! Was sie wünschet und be⸗ gehrt, wird von Gott ihr selbst gewährt. 11. Alles, was bisher ver⸗ wundt, wird mit Lob aus Einem Mund preisen Gottes Liebesmacht, wenn er alls in eins gebracht. 12. Kraft, Lob, Ehr und Herr⸗ lichkeit sei dem Höchsten allezeit, der, wie er ist drei in ein, uns in ihm läßt eines sein. V.1—2 Mich. Müller g. 1673 1704. V.3—12 J. Christ. Nehring 4 1786. 52 355. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. Ein reines Herz, Herr, schaff in mir, schließ zu der Sünde Tor und Tür, vertreibe sie und laß nicht zu, daß sie in meinem Herzen ruh. 2. Dir öffn ich, Jesu, meine Tür, ach komm und wohne du bei mir, treib all Unreinigkeit hinaus aus deinem Tempel und Wohnhaus! 3. Laß deines guten Geistes Licht und dein hellglänzend An⸗ gesicht erleuchten mein Herz und Gemüt, o Brunnen unerschöpfter Güt! 4. Und mache dann mein Herz zugleich an Himmelsgut und Segen reich, gib Weisheit, Stärke, Rat, Verstand aus deiner milden Gna⸗ denhand! 5. So will ich deines Namens Ruhm ausbreiten als dein Eigen⸗ Geist drei und doch nur eines heißt, wird vereinigt ganz und gar deine ganze Liebesschar. tum und dieses achten für Gewinn, wenn ich nur dir ergeben bin. Heinr. Georg Neuß g. 1654 1 1716. 14* — 356. Eigene Melodie. 3s kostet viel, ein Christ zu sein und nach dem Sinn des reinen Geistes leben, denn der Natur geht es gar sauer ein, sich immerdar in Christi Tod zu geben; und ist hier gleich Ein Kampf wohl aus⸗ gericht, das machts noch nicht. 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, die ihren Gift in unsre Fersen bringen; da kostets Müh, auf seiner Hut zu stehn, daß nicht der Gift kann in die Seele dringen. Wenn mans ver⸗ sucht, so spürt man mit der Zeit die Wichtigkeit. 3. Doch ist es wohl der Mühe wert, wenn man mit Ernst die Herrlichkeit erwäget, die ewiglich ein solcher Mensch erfährt, der sich hier stets aufs Himmlische geleget. Es hat wohl Müh, die Gnade aber macht, daß mans nicht acht. 4. Man soll ein Kind des Höchsten sein, ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte; wie wird der Leib so stark, so hell und rein, so herrlich sein, so lieblich im Gesichte, dieweil ihn da die wesentliche Pracht so schön gemacht. 5. Da wird das Kind den Vater sehn, im Schauen wird es ihn mit Lust empfinden; der lautre Strom wird es da ganz durchgehn und es mit Gott zu Einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird geschehn? Wer mags verstehn? 6. Da gibt sich ihm die Weis⸗ heit ganz, die es hier stets als Lieder vom christlichen Leben und Wandel. Mutter hat gespüret,) sie krönet es mit ihrem Perlenkranz und wird als Braut der Seele zugeführet. Die Heimlichkeit wird da ganz offenbar, die in ihr war.“) „) Spr. 8, 1. 31. ½) 1. Kor. 2, 9. 10. 7. Was Gott genießt, genießt es auch, was Gott besitzt, wird ihm in Gott gegeben; der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch, wie lieblich wird es doch mit Jesu leben! Nichts höher wird an Kraft und Würde sein als Gott allein. 8. Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht, dich durch die Macht der Finsternis zu reißen. Was sorgest du, daß dirs an Kraft gebricht? Bedenke was für Kraft uns Gott verheißen. Wie gut wird sichs doch nach der Arbeit ruhn,“) wie wohl wirds tun! Offenb. 14, 18. Chr. Friedr. Richter g. 1676 + 1711. 357. Mel. Es kostet viel, ein Christ zu sein. E⸗ ist nicht schwer, ein Christ zu sein und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; zwar der Natur geht es gar sauer ein, sich immerdar in Christi Tod zu geben, doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit den schweren Streit. 2. Du darfst ja nur ein Kind⸗ lein sein, du darfst ja nur die leichte Liebe üben. O blöder Geist, schau doch, wie gut ers mein', das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben. Drum fürchte dich⸗ nur ferner nicht so sehr, es ist. nicht schwer. 3. Dein Vater fordert nur das⸗ Herz, daß er es selbst mit reinen e nre Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 213 Gnade fülle; der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz, die Unlust schafft in dir dein eigner Wille. Drum übergib ihn willig in den Tod, so hats nicht RNot. 4. Wirf nur getrost den Kum⸗ mer hin, der nur dein Herz ver⸗ geblich schwächt und plaget; er⸗ wecke nur zum Glauben deinen Sinn, wenn Furcht und Weh dein schwaches Herze naget; sprich: Vater, schau mein Elend gnädig an! so ists getan. 5. Faß nur dein Herze in Geduld, wenn du nicht gleich des Vaters Hülfe merkest. Versiehst dus oft und fehlst aus eigner Schuld, so sieh, daß du dich durch die Gnade stärkest; so ist dein Fehl und kindliches Versehn als nicht geschehn. 6. Laß nur dein Herz im Glau⸗ ben ruhn, wenn dich wird Nacht und Finsternis bedecken; dein Vater wird nichts Schlimmes mit dir tun; vor keinem Sturm und Wind darfst du erschrecken, ja, siehst du endlich ferner keine Spur, so glaube nur! 7. So wird dein Licht aufs neu entstehn, und wirst dein Heil mit größrer Klarheit schauen; was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn; drum darfst du nur dem frommen Vater trauen. O Seele, sieh doch, wie ein wahrer Christ so selig ist. 8. Auf,‚ auf, mein Geist, was säumest du, dich deinem Gott ganz kindlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, genieß die süße Ruh, in Friede sollst du vor dem Vater schweben. Die Sorg und Last wirf nur getrost und kühn allein auf ihn. Christ. Friedr. Richter g. 1676 4 1711. 358. Eigene Melodie. Hier legt mein Sinn sich vor Ddir nieder, mein Geist sucht seinen Ursprung wieder; laß dein erfreuend Angesicht zu meiner Armut sein gericht! 2. Schau her, ich fühle mein Verderben, laß mich in deinem Tode sterben; o könnte doch in deiner Pein die Eigenheit ertötet sein! 3. Du wollest, Jesu, meinen Willen mit der Gelassenheit er⸗ füllen, brich der Natur Gewalt entzwei und mache meinen Willen frei! 4. Ich fühle wohl, daß ich dich liebe und mich in deinen Wegen übe, nur ist von der Un⸗ lauterkeit die Liebe noch nicht ganz befreit. 5. Ich muß noch mehr auf dieser Erden durch deinen Geist geheiligt werden, der Sinn muß tiefer in dich gehn, der Fuß muß unbeweglich stehn. 6. Ich weiß mir zwar nicht selbst zu raten, hier gelten nichts der Menschen Taten; wer macht sein Herz wohl selber rein? Es muß durch dich gewirket sein. 7. Doch kenn ich wohl dein treues Lieben, du bist noch immer treu geblieben; ich weiß gewiß, du stehst mir bei und machst mich von mir selber frei. 214 8. Indessen will ich treulich kämpfen und stets die falsche Regung dämpfen, bis du dir deine Zeit ersiehst und mich aus solchen Netzen ziehst. 9. In Hoffnung kann ich fröh⸗ lich sagen: Gott hat der Hölle Macht geschlagen, Gott führt mich aus dem Kampf und Streit in seine Ruh und Sicherheit. 10. Drum will die Sorge mei⸗ ner Seelen ich dir, mein Vater, ganz befehlen; ach drücke tief in meinen Sinn, daß ich in dir schon selig bin. 11. Wenn ich mit Ernst hieran gedenke und mich in deinen Ab⸗ grund senke, so werd ich von dir angeblickt, und mein Herz wird von dir erquickt. 12. So wächst der Eifer mir im Streite, so schmeck ich schon die süße Beute und fühle, daß es Wahrheit ist, daß du, mein Gott, die Liebe bist. Christ. Friedr. Richter g. 1676 4 1711. — 359. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 3. Mein lieber Gott, gedenke meiner im besten jetzt und allezeit, denn außer dir ist nirgend keiner, der mich mit Rat und Trost er⸗ freut. Dein Wort macht mich voll Zuversicht und sagt mir: Du vergißt mein nicht. 2. Gedenke meiner, wenn ich höre dein süßes Evangelium, und mache mir die Himmelslehre zu Saft und Kraft im Christentum, daß so dein Same wohl geling und hundertfältig Früchte bring. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 3. Gedenke meiner, wenn ich bete, und merke stets in Gnaden drauf! Weil ich in Christo vor dich trete, so schließ dein Herz und Ohren auf, doch gib mir nichts als dies allein, was mir kann gut und selig sein. 4. Gedenke meiner, wenn ich falle, und wirf mich nicht im Zorne hin! Weil ich wie andre Menschen alle im Fleische schwach und blöde bin, so fördre meinen Gang und Stand durch Kraft und Stärke deiner Hand! 5. Gedenke meiner, wenn ich leide! Wen hab ich sonst als dich allein, der bei der Menschen Haß und Neide mein Freund und Tröster könnte sein? Und hab ich dich, so lacht mein Mut, wenn Welt und Teufel böse tut. 6. Gedenke meiner auch in allen, woran ich nicht gedenken kann, und blicke mich mit Wohl⸗ gefallen in meinem ganzen Leben an! Denn gibst du mir, was dir gefällt, so ists um mich recht gut bestellt. 7. Gedenke meiner, wenn ich sterbe, und wenn mich alle Welt vergißt; versetze mich in jenes Erbe, wo du mein Teil und Leben bist. Denn bliebst du nicht im Himmel mein, so wollt ich nie geboren sein. 8. Ich will mich über nichts betrüben, in deine Hände hast du mich zu Heil und Segen ange⸗ schrieben; drum sieht die Hoffnung bloß auf dich und denkt, im Glau⸗ ben ungekränkt, daß Gott im besten meiner denkt. Erdmann Neumeister g. 1671 T 1756 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 21 360. Mel. Ferr Jesu Christ, meins Lebens Licht. Err neure mich, o ewigs Licht, und laß von deinem Angesicht mein Herz und Seel mit deinem Schein durchleuchtet und erfüllet sein! 2. Ertöt in mir die schnöde Lust, feg aus den alten Sünden⸗ wusl, ach rüst mich aus mit Kraft und Mut, zu streiten wider Fleisch und Blut. 3. Schaff in mir, Herr, den neuen Geist, der dir mit Lust Gehorsam leist und nichts sonst, als was du willst, will, ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll! 4. Auf dich laß meine Sinnen gehn, laß sie nach dem, was droben, stehn, bis ich dich schau, o ewigs Licht, von Angesicht zu Angesicht. Joh. Friedr. Ruopp 4 1708. + 361. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 1 bler Jesu, der du mich selber durch dein Blut erkaufet, und auf dessen Namen ich als ein Christe bin getaufet, laß mich deinen Geist regieren, solchen Namen recht zu führen. 2. Laß mich meiner Taufe Bund ernstlich immerdar betrach— ten, laß mich doch von Herzens⸗ grund Satan, Welt und Fleisch verachten, laß hingegen stets mich üben, Gott und Menschen recht zu lieben. 3. Laß mich, Herr, den schma⸗ len Weg durch die enge Pforte gehen, laß auf deines Wortes besieget sie, die ihr * Steg einzig meine Augen sehen, gib Geduld in Kreuz und Leiden, daß sie nie mich von dir scheiden. 4. Komm, vermähle selber dich, liebster Jesu, meiner Seelen, gönne, daß auf ewig ich dich zu meiner Lust mag wählen, gib, daß keine Trübsalsfluten löschen unsrer Liebe Gluten. 5. Laß mich hier in dieser Welt als ein wahrer Christe leben und sodann, wenn dirs gefällt, christlich meinen Geist aufgeben, auch im Himmel zu den From⸗ men und den wahren Christen kommen. 6. Ehre, Glücke, Kunst und Ruhm laß ich dieser Welt da⸗ hinten, aber nur mein Christen⸗ tum werde ich dort wiederfinden, wo mit schönen Ehrenkronen Gott will wahren Christen lohnen. Hnr. Jon. Wehrenberg g. 1651 +4 1713. 362. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. R. euch, ihr Christenleute! Die Feinde suchen euch zur Beute, ja Satan selbst hat eur begehrt; wappnet euch mit Gottes Worte und kämpfet frisch an jedem Orte, damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell, hier ist Immanuel. Hosianna! Der Starke fällt durch diesen Held, und wir behalten mit das Feld. 2. Reinigt euch von euren Lüsten, seid Christen, und stehet in des Herren Kraft! Stärket euch in Jesu Namen, daß ihr nicht strauchelt wie die Lahmen. 216 Wo ist des Glaubens Eigenschaft? Wer hier ermüden will, der schaue auf das Ziel, da ist Freude. Wohlan, so seid zum Kampf be⸗ reit, so krönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wenig Jahre, eh ihr kommt auf die Totenbahre; kurz, kurz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott wird die Toten wecken, und Christus wird die Welt erschrecken, so stehen wir mit Freuden auf. Gott Lob, wir sind versöhnt! Daß uns die Welt noch höhnt, währt nicht lange, und Gottes Sohn hat längstens schon uns beigelegt die Ehrenkron. 4. Jesu, stärke deine Kinder und mach aus denen Überwinder, die du erkauft mit deinem Blut. Schaffe in uns neues Leben, daß wir uns stets zu dir erheben, wenn uns entfallen will der Mut. Gieß aus auf uns den Geist, da⸗ durch die Liebe fleußt in die Herzen, so halten wir getreu an dir im Tod und Leben für und für. Wilh. Erasmus Arends 4 1721. 363. Eigene Melodie. R.e recht, wenn Gottes Gnade Edich nun ziehet und bekehrt, daß dein Geist sich recht entlade von der Last, die ihn beschwert. 2. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, dring hinein in Gottes Reich; will der Satan widerstreben, werde weder matt noch weich! 3. Ringe, daß dein Eifer glühe, und die erste Liebe dich von der ganzen Welt abziehe; halbe Liebe hält nicht Stich. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 4. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, deines Heils mit Zittern wahr; hier in dieser Leibeshöhle schwebst du täglich in Gefahr. 5. Halt ja deine Krone feste, halte männlich, was du hast; recht beharren ist das beste, Rück⸗ fall ist ein böser Gast. 6. Laß dein Auge ja nicht gaffen nach der schnöden Eitelkeit, bleibe Tag und Nacht in Waffen, fliehe Träg⸗ und Sicherheit! 7. Wahre Treu liebt Christi Wege, steht beherzt auf ihrer Hut, weiß von keiner Wollustpflege, hält sich selber nichts zu gut, 8. Denkt bei jedem Augenblicke, obs vielleicht der letzte sei, bringt die Lampen ins Geschicke, holt stets neues Öl herbei. 9. Liegt nicht alle Welt im Bösen? Steht nicht Sodom in der Glut? Seele, wer soll dich erlösen? Eilen, eilen ist hier gut. 10. Eile, wo du dich erretten und nicht mit verderben willt, mach dich los von allen Ketten, fleuch wie ein gejagtes Wild! 11. Lauf der Welt doch aus den Händen, dring ins stille Zoar?) ein, eile, daß du mögst vollenden, mache dich von allem rein!„1 Mose 19, 22. 28. 12. Laß dir nichts am Herzen kleben, fleuch vor dem verborg⸗ nen Bann, such in Gott geheim zu leben, daß dich nichts beflecken kann. 13. Eile, zähle Tag und Stun⸗ den, bis dein Bräutgam kommt und winkt und, wenn du nun überwunden, dich zum Schauen Gottes bringt. Æ Lieder vom christlichen 14. Eile, lauf ihm doch entgegen, sprich: Mein Licht, ich bin bereit nun mein Hüttlein abzulegen, mich dürst nach der Ewigkeit. Joh. Jos. Winckler g. 1670 1 1722. 2 364. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 1. 5 Gott, verlaß mich nicht, gib mir die Gnadenhände, ach führe mich, dein Kind, daß ich den Lauf vollende zu meiner Selig⸗ keit, sei du mein Lebenslicht, mein Stab, mein Hort, mein Schutz, ach Gott, verlaß mich Richt! 2. Ach Gott, verlaß mich nicht, regiere du mein Wallen, ach laß mich nimmermehr in Sünd und Schande fallen; gib mir den guten Geist, gib Glaubenszuver⸗ sicht, sei meine Stärk und Kraft, ach Gott, verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht, ich ruf aus Herzensgrunde, ach Höchster, stärke mich in jeder bösen Stunde! Wenn mich Ver⸗ suchung plagt und meine Seel anficht, so weiche nicht von mir, ach Gott, verlaß mich nicht! 4. Ach Gott, verlaß mich nicht, ach laß dich doch bewegen, ach Vater, kröne doch mit reichem Himmelssegen die Werke meines Amts, die Werke meiner Pflicht, zu tun, was dir gefällt, ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht, ich bleibe dir ergeben; hilf mir, o großer Gott, recht glauben, christlich leben und selig scheiden ab, zu sehn dein Angesicht; hilf mir in Not und Tod, ach Gott, verlaß mich nicht! Salomo Franck(e) g. 1659 + 1725. Leben und Wandel. 522 365. Mel. O du Liebe meiner Liebe. Hen und Herz vereint zusammen, Dsucht in Gottes Herzen Ruh! Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht, und wir der Schein, er der Meister, wir die Brüder; er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach kommt, ihr Gna⸗ denkinder, und erneuert euren Bund, schwöret unsrem Überwin⸗ der Lieb und Treu von Herzens⸗ grund! Und wenn eurer Liebes⸗ kette Festigkeit und Stärke fehlt, o so flehet um die Wette, bis sie Jesus wieder stählt. 3. Legt es unter euch, ihr Glieder, auf so treues Lieben an, daß ein jeder für die Brüder auch das Leben lassen kann. So hat uns der Herr geliebet, so vergoß er dort sein Blut; denkt doch, wie ihr ihn betrübet; wenn ihr selbst euch Eintrag tut. 4. Halleluja! welche Höhen, welche Tiefen reicher Gnad, daß wir dem ins Herze sehen, der uns so geliebet hat, daß der Vater aller Geister, der der Wunder Abgrund ist, daß du, unsichtbarer Meister, uns so fühlbar nahe bist. 5. Ach du holder Freund, ver⸗ eine deine dir geweihte Schar, daß sie sich so herzlich meine, wies dein letzter Wille war; ja verbinde in der Wahrheit, die du selbst im Wesen bist, alles, was von deiner Klarheit in der Tat erleuchtet ist. 6. So wird dein Gebet erfüllet, daß der Vater alle die, welche du 218 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. in dich verhüllet, auch in seine Liebe zieh, und daß, wie du eins mit ihnen, also sie auch eines sein, sich in wahrer Liebe dienen und einander gern erfreun. 7. Liebe, hast du uns geboten, daß man Liebe üben soll, o so mache doch die toten trägen Geister lebensvoll, zünde an die Liebes⸗ flamme, daß ein jeder sehen kann: wir, als die von Einem Stamme, stehen auch für Einen Mann. 8. Laßt uns so vereinigt wer⸗ den, wie du mit dem Vater bist, bis schon hier auf dieser Erden kein getrenntes Glied mehr ist, und allein von deinem Brennen nehme unser Licht den Schein; also wird die Welt erkennen, daß wir deine Jünger sein. Nach N. L. von Zinzendorf g. 1700 + 1760 von Ch. Gregor. 366. Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade. Hmi Einfalt, Gnadenwunder, tiefste Weisheit, größte Kraft, schönste Zierde, Liebeszunder, Werk, das Gott alleine schafft! 2. Alle Freiheit geht in Ban⸗ den, aller Reichtum ist nur Wind, alle Schönheit wird zu schanden, wenn wir ohne Einfalt sind. 3. Wenn wir in der Einfalt stehen, ist es in der Seele licht; aber wenn wir doppelt sehen, so vergeht uns das Gesicht. 4. Einfalt ist ein Kind der Gnade, eine kluge Ritterschaft, die auf ihrem schmalen Pfade nicht nach dem und jenem gafft. 5. Einfalt denkt nur auf das Eine, in dem alles andre steht; Einfalt hängt sich ganz alleine an den ewigen Magnet. 6. Einfalt quillt aus Jesu Wun⸗ den mit dem teuren Gottesblut; wer sie da nicht hat gefunden, der ist fern von diesem Gut. 7. Wer nur hat, was Jesus gibet, wer nur lebt aus seiner Füll, wer nur will, was ihm be⸗ liebet, wer nur kann, was Jesus will; 8. Wer nur geht auf seinem Pfade, wer nur sieht bei seinem Licht, wer nur stets verlangt nach Gnade und mag alles andre nicht; 9. Wer ihn so mit Inbrunst liebet, daß er seiner selbst vergißt, wer sich nur um ihn betrübet und in ihm nur fröhlich ist; 10. Wer allein auf Jesum trauet, wer in Jesu alles findt: der ist auf den Fels erbauet und ein seligs Gnadenkind. A. G. Spang genderg 1701 17⁰. V. Kvon9 N. L. v. Binzendorf. 367. Eigene Melodie. Dein Erbe, Herr, das du erkaust, mit dem du Freundschaft auf⸗ gerichtet, das, als es ward auf dich getauft, sich zu des Satans Haß verpflichtet, sieht, wie es selbst sich nicht beschirmen kann, und rufet dich um Sieg und Bei⸗ stand an. 2. Du hast der Schlange Kopf zerstört, ihr Gift gedämpft, ihr Reich bezwungen; es hat dein Tod den Tod verheert und ihn in frohem Sieg verschlungen, die Schuld getilgt, die freche Welt Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 219 besiegt, daß nun der Feind zu deinen Füßen liegt. 3. Doch weil hier noch die Probezeit, hast du ihm so viel Macht gelassen, daß er uns kann durch Kampf und Streit bei un⸗ serm Fleisch und Blute fassen. Es stimmt die Welt, als die ihm folgt, mit ein; hier ist es not, auf seiner Hut zu sein. 4. Mit so viel Feinden finden wir, o Herr, uns überall umge⸗ ben. Der eine reizt und schmei⸗ chelt hier, dort droht ein andrer unserm Leben, ja allesamt sind sie darauf bedacht, daß unser Geist werd um sein Heil gebracht. 5. Wer ist hier tüchtig, zu be⸗ stehn und über Lust und Furcht zu siegen? Soll es durch unsre Rraft geschehn, so werden wir bald unterliegen. Die Feinde sind zu listig, stark und groß, wir aber stehn von Macht und Weis⸗ heit bloß. 6. Doch was uns fehlt, das finden wir, erwürgtes Lamm, in deinen Schätzen; dein Beistand ist uns gut dafür; daß uns kein Satan kann verletzen; du ziehest uns mit Kraft und Weisheit an, daß unser Geist weit überwinden kann. 7. Gib nur, daß wir nicht träge sein noch selbst die Waffen niederlegen; flöß uns die Kraft des Glaubens ein, damit wir mutig streiten mögen; bewahre uns vor weicher Zärtlichkeit, wenn Fleisch und Blut sich vor dem Kreuze scheut. 8. So wollen wir, wenn nach dem Streit die frohen Sieges⸗ lieder klingen, in jener stillen Ewigkeit, o Heiland, deinen Ruhm besingen, wenn du den Tod, den letzten Feind, besiegt, und alles nun zu deinen Füßen liegt. Joh. Jak. Rambach g. 1693 + 1735. 368. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. Hir bin ich, Herr, du rufest mir, 7du ziehest mich, ich folge dir. Du forderst von mir Herz und Sinn, mein Schöpfer, nimm, ach nimm es hin! 2. Ich hab oft deinen Wink verschmäht, es ist mir leid, ich komme spät; doch ist mir lieb, daß deine Güt noch auf mich armen Sünder sieht. 3. Ich wag es aber länger nicht, zu unterlassen meine Pflicht, ich komme, Herr, voll Reu und Buß; ach aber, ach wie wankt mein Fuß! 4. Es geht mir, wie es Petro ging: dort kommt ein Sturm, ich sink, ich sink. Ach reiche mir die starke Hand, so wird das Sinken abgewandt. 5. Du riefest mich, nun ruf ich dir. Mein Heiland, komm zu Hülfe mir! Mein matter Fuß kann nirgend fort, ach trage mich an Stell und Ort! 6. Flößt du mir Matten Kräste ein, so werd ich künftig stärker sein, so folg ich dir, mein Herr und Gott, durch Flut und Glut, durch Not und Tod. Joh. Jak. Rambach g. 1693 4 1735. 369. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. Hid mir ein frommes Herz, du Geber aller Gaben! Das soll mein Reichtum sein, den ich be⸗ gehr zu haben, das ist mein höch⸗ ster Ruhm, mein Schmuck und schönste Pracht, denn fromm sein wird bei Gott und Engeln hoch geacht. 2. Gib mir ein frommes Herz in allem meinem Denken, wenn sich mein eitler Sinn auch will zum Bösen lenken. Ach schrecke mich doch ab von der Gottlosen Weg und führe mich, o Gott, den rechten Himmelssteg! 3. Gib mir ein frommes Herz, das sich nicht läßt verführen, laß deinen guten Geist dasselbe kräftig rühren! Herr, laß mich nimmer⸗ mehr auf böses Beispiel sehn, vielmehr mit aller Treu in Christi Stapfen gehn! 4. Gib mir ein frommes Herz, wenn ich viel Böses höre, daß die Gewohnheit nicht mich auch zuletzt betöre; schließ meine Ohren zu, gib deinem Worte Kraft, das sagt, du forderst auch von Worten 10 Rechenschaft. 5. Gib mir ein frommes Herz, wenn ich die Welt betrachte, daß ich die Eitelkeit und Sündenlust verachte. Es muß die schnöde Welt mit ihrer Lust vergehn, den Frommen aber bleibt der Himmel offen stehn. 6. Gib mir ein frommes Herz, daß ich fromm sei und bleibe und nur, was dir gefällt, in meinem Leben treibe. Heut fromm sein, Lieder vom christlichen Leben und Wandel. morgen bös, und so in Wankel⸗ mut bald Guts, bald Böses tun, stürzt in die Höllenglut. 7. Gib mir ein frommes Herz, daß ich nicht von dir weiche und nicht der schnöden Welt in ihren Sünden gleiche. Ich will von ihrem Tun mich sondern gänzlich ab und in der Gottesfurcht be⸗ harren bis ins Grab. 8. Gib mir ein frommes Herz, so wird mirs auch wohlgehen; du wirst mein Beistand sein, wenn Unglückswinde wehen. Den From⸗ men ist ja Gnad und Hülfe zu⸗ gesagt, wenn die verdiente Straf der Bösen Rotte plagt. 9. Gib mir ein frommes Herz, so kann ich selig sterben und als ein Golteskind das Himmelreich ererben. Im Himmel wird ja einst die Frömmigkeit gekrönt, die auf der Erden nur von Bösen wird verhöhnt. 10. Gib mir ein frommes Herz! Wenn du mir das wirst geben, so will ich dankbar sein in meinem ganzen Leben, so wird mein Herz und Sinn sich lenken himmelwärts. Drum bitt ich noch einmal: Gib mir ein frommes Herz! 4 Joh. Friedr. Starck g. 1680 + 1756. 370. Eigene Melodie. ◻ù Vaterherz, o Licht, o Leben, o treuer Hirt, Immanuel, dir bin ich einmal übergeben, dir, dir gehöret meine Seel. Ich will mich nicht mehr selber führen, der Vater soll das Kind regieren; so geh nun mit mir aus und ein und leite mich nach allen Tritten! Ich geh, ach hör, o Herr, mein Bitten, für mich nicht einen Schritt allein. 2. Was kann dein schwaches Kind vollbringen? Ich weiß mir gar in keinem Rat; drum sei in groß und kleinen Dingen mir immer selber Rat und Tat. Du willst dich meiner gar nicht schämen, ich kann dich ja zu allem nehmen, du willst mir selber alles sein; so sollst du denn in allen Sachen den Anfang und das Ende machen, dann stellt sich lauter Segen ein. 3. Du gängelst mich, ich kann nicht gleiten; dein Wort muß ewig feste stehn: du sprichst, dein Auge soll mich leiten, dein An⸗ gesicht soll vor mir gehn, ja deine Güt und dein Erbarmen soll mich umfangen und umarmen. O daß ich nur recht kindlich sei, bei allem gläubig zu dir flehe und stets auf deinen Wink nur sehe, so spür ich täglich neue Treu. 4. O daß ich auch im Kleinsten merke auf deine Weisheit, Güt und Treu, damit ich mich im Glauben stärke, dich lieb und lob und ruhig sei und deine Weis⸗ heit lasse walten, stets Ordnung, Maß und Ziel zu halten; sonst lauf ich vor, da lauf ich an. Drum mach im Besten mich ge⸗ lassen, nichts ohne dich mir an⸗ zumaßen; was du nur tust, ist wohlgetan. 5. Ach mach einmal mich treu und stille, daß ich dir immer folgen kann; nur dein, nur dein vollkommner Wille sei mir hier Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 221 Schranke, Lauf und Bahn! Laß mich nichts mehr für mich ver⸗ langen, ja laß mir nichts am Herzen hangen als deines großen Namens Ruhm; der sei allein mein Ziel auf Erden; ach laß mirs nie verrücket werden, denn ich bin ja dein Eigentum. 6. Laß mich in dir den Vater preisen, wie er die Liebe selber ist; laß deinen Geist mir klärlich weisen, wie du von ihm geschenkt mir bist. Ach offenbare deine Liebe und wirke doch die heißen Triebe der wahren Gegenlieb in mir, durchdringe dadurch Herz und Sinnen, daß ich hinfort mein ganz Beginnen in deiner Lieb und Lob nur spür. 7. Ich sehne mich, nur dir zu leben, der du mein Herr und Bräutgam bist. Was dir sich nicht will ganz ergeben und was nicht deines Willens ist, das strafe bald in dem Gewissen, laß Blut und Wasser auf mich fließen und tilge, was nicht lauter heißt. Laß nur dein Lob zur Lust mir werden und dann das Heil der armen Herden, nach einer reinen Lieb im Geist! 8. So lob und lieb ich in der Stille und ruh als Kind in dei⸗ nem Schoß. Das Schäflein trinkt aus deiner Fülle, die Braut steht aller Sorgen bloß; sie sorget nur allein in allen, dir, ihrem Bräut⸗ gam, zu gefallen, sie schmückt und hält sich dir bereit. Ach zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; was du nicht bist, laß ganz zerrinnen, o reiner Glanz der Ewigkeit! Karl Heinr. v. Bogatzky g. 1690 4 1774. 371. 1. Petri 1, 4. 5. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele. Bure mich, o Freund der Seele, durch deine Macht zur Seligkeit; hier gibts noch mörder⸗ volle Höhlen, von außen Furcht, von innen Streit, viel tausend Mängel und Gebrechen, die Mut und Glauben können schwächen. Gewiß ich würde noch gefällt bei so viel Schlingen, Netz und Stricken, damit der Feind sucht zu berücken, wenn mich Gottes Macht erhält. 2. Der Schutz steht nicht in meinen Händen noch in der Kreaturen Macht, zu dir, zu dir will ich mich wenden, dein Aug und Herz hat auf mich acht. Wie du mir nun das Heil er⸗ worben, da du für mich am Kreuz gestorben, so mußt du wahrlich auch allein vor aller Macht der Höllenscharen mich zu der Seligkeit bewahren und mir mein Schild und Sonne sein. 3. Mein Vater, du hast mir das Erbe von Ewigkeit ja zu⸗ bereit; ach sorge, daß ich nicht verderbe durch schnöde Träg⸗ und Sicherheit, was du dem Glauben beigeleget. Wenn Feindes List und Macht sich reget, mir das geschenkte gute Teil aus Herz und Händen sucht zu bringen, so laß mich wachen, beten, ringen, ja wache selber für mein Heil! 4. Immanuel, in deine Hände ergeb ich mich mit Leib und Seel; mein A und O, Anfang und Ende, du bist mein Teil, das ich erwähl; Lieder vom christlichen Leben und Wandel. nicht uns schützt, ein Quell, der auf du bist im stand, mich zu erhalten und so in deiner Macht zu walten, daß Feindes Macht zu schanden wird. Er muß trotz allem Grimm und Hassen dein Schaf dir in den Händen lassen; du, du, Jehova, bist mein Hirt. 5. Dein Geist, der ewig bei uns bleibet, dein Geist, der alle Dinge schafft, dein Geist, der uns belebt und treibet, ist unser mit der Salbungskraft. Er ist der Mahlschatz, Pfand und Siegel, ein starker Beistand, Schloß und Riegel, die Wehr und Mauer, so die Dürren fließet, den Traurigen das Leid versüßet, und der die Schwachen unterstützt. 6. Ist Gottes Macht da zum Bewahren, so lach der Sünd und Hölle Macht! Du wirst zu dei⸗ nem Heil erfahren, wenn alles stürmet, blitzt und kracht, wie Gottes Wort dich nicht betrüget, wie seine Hand gewaltig sieget; verzage nur an eigner Kraft! Wirst du mit deinem Unver⸗ mögen in Gottes Macht dich gläubig legen, so übst du gute Ritterschaft. 7. Auf jenes Kleinod mußt du schauen, das Kleinod deiner Seligkeit, und hör nicht auf, ihm zu vertrauen, der täglich dir die Hände beut; du wirst wahrhaftig überwinden und endlich alles, alles finden, Gerechtigkeit und Heiligkeit, verklärt bei Gott und Engeln wohnen, in höchster Ehr mit Christo thronen, voll Lob, voll Licht, voll Fried und Freud. „Ludw. Konr. Allendorf g. 1693 + 1778. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 372². Mel. Von Gott will ich nicht lassen. Kumt. Kinder, laßt uns gehen, der Abend kommt herbei; es ist gefährlich stehen in dieser Wüstenei; kommt, stärket euren Mut, zur Ewigkeit zu wandern, von einer Kraft zur andern; es ist das Ende gut. 2 Es soll uns nicht gereuen der schmale Pilgerpfad; wir kennen ja den Treuen, der uns gerufen hat; kommt, folgt und trauet dem, ein jeder sein Gesichte mit ganzer Wendung richte fest nach Jerusalem! 3. Kommt, Kinder, laßt uns gehen, der Vater gehet mit. Er selbst will bei uns stehen in jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süßen Sonnenblicken uns locken und erquicken; ach ja, wir habens gut. 4. Ein jeder munter eile, wir sind vom Ziel noch fern. Schaut auf die Feuersäule,“) die Gegen⸗ wart des Herrn! Das Aug nur eingekehrt, da uns die Liebe winket und den, der folgt und sinket, den wahren Ausgang lehrt. 2 Mose 13, 21. 5. Kommt, Kinder, laßt uns wandern, wir gehen Hand an Hand, eins freuet sich am andern in diesem wilden Land. Kommt, laßt uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten;“) die Engel uns begleiten als unsre Brüderlein. 1 Mose 45, 21. 6. Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu, man trag, man helfe allen, man 223 pflanze Lieb und Ruh! Kommt, bindet fester an, ein jeder sei der Kleinste, doch auch wohl gern der Reinste, auf unsrer Liebesbahn! 7. Kommt, laßt uns munter Iapren der Weg kürzt immer ab; ein Tag der folgt dem an⸗ dern, bald fällt das Fleisch ins Grab; nur noch ein wenig Mut, nur noch ein wenig treuer, von allen Dingen freier, gewandt zum ewgen Gut! 8. Es wird nicht lang mehr währen, halt't noch ein wenig aus! Es wird nicht lang mehr währen, so kommen wir nach Haus; da wird man ewig ruhn, wenn wir mit allen Frommen daheim zum Vater kommen; wie wohl, wie wohl wirds tun! 9. Drauf wollen wirs denn wagen, es ist wohl Wagens wert, und gründlich dem absagen, was aufhält und beschwert. Welt, du bist uns zu klein, wir gehn durch Jesu Leiten hin in die Ewigkeiten, es soll nur Jesus sein. 10. O Freund, den wir er⸗ lesen, o allvergnügend Gut, o ewigbleibend Wesen, wie reizest du den Mut! Wir freuen uns in dir, du unsre Wonn und Leben, worin wir ewig schweben, du unsre ganze Zier! Gerh. Terstegen g. 1697 1 1769. 373. Miel. Es ist gewißlich an der Zeit. Gort, deine Güte reicht so weit, O so weit die Wolken gehen; du krönst uns mit Barmherzigkeit und eilst uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein 224 Hort, vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, denn ich will vor dir beten. 2. Ich bitte nicht um Überfluß und Schätze dieser Erden, mir, soviel ich haben muß, nach deiner Gnade werden; gib mir nur Weisheit und Verstand, dich Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, so sehr sie Menschen rühren, des guten Namens Eigen⸗ tum laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt ich dich, Herr Zebaoth, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demut, Mut in Not, das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Barmherzigkeit vor dir im Tode finden! Chr. F. Gellert g. 1715 4 1769. II 37⁴. Nel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. He jemand spricht, ich liebe Gott, und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und reißt sie ganz darnieder. Gott ist die Lieb und will, daß ich den Rächsten liebe gleich als mich. 2. Wir haben Einen Gott und Herrn, sind Eines Leibes Glieder, drum diene deinem Nächsten gern, denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für laß Lieder vom christlichen Leben und Wandel. mich, mein Nächster ist sein Kind wie ich. 3. Ein Heil ist unser aller Gut. Ich sollte Brüder hassen, die Gott durch seines Sohnes Blut so hoch erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich versühnt, hab ich dies mehr als sie verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen, ich aber sollte nicht Ge⸗ duld mit meinen Brüdern tragen? dem nicht verzeihn, dem du ver⸗ gibst, und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den Frommen hier getan, dem Kleinsten auch von diesen, das sieht er, mein Erlöser, an, als hätt ichs ihm erwiesen. Und ich, ich sollt ein Mensch noch sein und Gott in Brüdern nicht erfreun? 6. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihn flehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist. Chr. F. Gellert geb. 1715 4 1769. 58 375. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. (H² hin nach Gottes Willen in Demut und Vertraun, lern das Gebot erfüllen, sein großes Feld zu baun. Frag nach der Ernte nicht, du darfst den Lohn nicht messen, mußt Freud und Lust vergessen, nur sehn auf deine Pflicht. 2. Willst du nur sein geborgen und vor der Welt geehrt, so . . Lieder vom Gebete. 22⁵ kannst du nicht besorgen, was 376 N— z 2 2 7 0 deinem Herrn gehört; sieht Ie⸗ Eigene Melodie mand auf Gewinn, sucht Schätze e nimm denn meine Hände nur auf Erden, um glücklicher und führe mich bis an mein Bamn. der hat den Lohn selig Ende, und ewiglich! Ich dahin. x llein nicht geh icht ei 9 mag allein nicht gehen, nicht einen 3. Doch hast du deine Gaben Schritt; irst dem Dienst des Herrn geweiht, hchen, n Eien———.— 298 so wirst du Augen haben zu 2 In dein Erbarmen hülle sehn, was er gebeut. Das tue mein schwaches Her sil und gern, du darfst michnsesta lich Rite m uend uud und gen, es gänzlich stille in Freud und zaudernd wählen, nicht rechnen Schmerz. Laß ruhn 5U deinen und nicht zählen; er ruft, du Füßen dein armes Kind: es wird 194. H meish en End die Augen schließen und glauben 4. Nur frisch an allen Enden blind 7. die Arbeit angefaßt! Mit un⸗ 3. Wenn ich auch gleich nichts mnin— 1. wirksam juͤhle von deiner Macht, du führst 00 Hen un Dene Ael Samen u mich doch zum Ziele, auch durch Str 2 dlen Samen und die Nacht. So nimm denn meine wirk in Gottes Namen, so keimt Hände und führe mich bis an und wächst es gut. mein selig Ende, und ewiglich! Joh. Friedr. Möller g. 1789 4 1861. Julie von Hausmann g. 1825 4 1901. XX. Lieder vom Gebete. 377 3. Es komm dein Reich zu 2ar* dieser Zeit und dort hernach in Ee Ewigkeit, der heilge Geist uns Ber unser im Himmelreich, wohne bei mit seinen Gaben der du uns alle heißest gleich mancherlei, des Satans Zorn Brüder sein und dich rufen an und groß Gewalt zerbrich, vor und willst das Beten von uns ihm dein Kirch erhalt! habn, gib, daß nicht bet allein 4. Dein Will gescheh, Herr der Mund, hilf, daß es geh von Gott, zugleich auf Erden wie im Herzensgrund. Himmelreich, gib uns Geduld 2. Geheiligt werd der Name in Leidenszeit, gehorsam sein in dein, dein Wort bei uns hilf Lieb und Leid, wehr und steur halten rein, daß auch wir leben allem Fleisch und Blut, das wider heiliglich, nach deinem Namen deinen Willen tut. würdiglich. Behüt uns, Herr, 5. Gib uns heut unser täglich vor falscher Lehr, das arm, ver⸗ Brot und was man braucht zur führte Volk bekehr! Leibesnot, behüt uns, Herr, vor 15 226 Unfried, Streit, vor Seuchen und vor teurer Zeit, daß wir in gutem Friede stehn, der Sorg und Geizes müßig gehn. 6. All unsre Schuld vergib uns, Herr, daß sie uns nicht betrübe mehr, wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern; zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit! 7. Führ uns, Herr, in Ver⸗ suchung nicht! Wenn uns der böse Geist anficht, zur linken und zur rechten Hand hilf uns tun starken Widerstand, im Glauben fest und wohl gerüst und durch des heilgen Geistes Trost! 8. Von allem Übel uns erlös, es sind die Zeit und Tage bös. Erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Not, bescher uns auch ein seligs End, nimm unsre Seel in deine Händ! 9. Amen, das ist, es werde wahr, stärk unsern Glauben im⸗ merdar, auf daß wir ja nicht zweifeln dran, was wir hiemit gebeten habn auf dein Wort, in dem Namen dein; so sprechen wir das Amen fein. Martin Luther g. 1483 + 1516. * 378. Mel. Wär Gott nicht mit uns diese Zeit. Vater, unser Gott, es ist un⸗ möglich auszusinnen, wie du recht anzurufen bist, man kanns nicht eins beginnen. Deshalben geuß, wie du verheißt, selbst über uns aus deinen Geist der Gnad und des Gebetes, Lieder vom Gebete. 2. Daß er bei dir uns kräftig⸗ lich mit Seufzen mög vertreten, so oft wir kommen, Herr, vor dich é zu danken und zu beten. Laß nicht nur plappern unsern Mund, hilf, daß zu dir aus Herzensgrund, o großer Gott, wir rufen. 3. Zeuch unser Herz zu dir hinauf im Beten und im Singen und tu uns auch die Lippen auf, ein Opfer dir zu bringen, das dir gefalle, wenn allda das Herz ist mit den Lippen nah und nicht von dir entfernet. 4. Im Geist und Wahrheit laß zu dir das Herz uns immer richten, mit Andacht beten für und für, ohn fremdes Denkn und Dichten. Gib uns des Glaubens Zuversicht, daß wir die Bitte zweifeln nicht durch Christum zu erhalten. 5. Hilf, daß wir keine Zeit und Maß im Beten dir vor⸗ schreiben, anhalten ohne Unter⸗ laß, bei dem allein auch bleiben, was dein Will ist, was deine Ehr und unsre Wohlfahrt uns noch mehr befördert hier und ewig. 6. Laß uns im Herzen und Gemüt auf unsre Werk nicht bauen, auf deine unaussprechlich Güt laß einzig uns vertrauen. Ob wir es gleich nicht würdig sein, wollst du aus lauter Gnad allein uns doch die Bitt gewähren! 7. Du, Vater, weißt, was uns gebricht, solang wir sind im Leben; es ist dir auch verborgen nicht, in was Gefahr wir schweben. Um Beistand flehen wir dich an, dein Vaterherze uns nicht kann ver⸗ lassen, deine Kinder. Lieder vom Gebete. 22⁷ 8. Wir haben ja die Freudig⸗ keit in Jesu Christ empfangen, der Gnadenstuhl ist da bereit, die Hülfe zu erlangen. Drum laß hier und an allem End uns stets aufheben heilge Händ, zu dir gen Himmel schreien! 9. Dein Nam, o Gott, geheiligt werd, dein Reich laß zu uns kom⸗ men, dein Will geschehe auch auf Erd, gib Brot, Fried, Nutz und Frommen, all unsre Sünden uns verzeih, steh uns in der Versuchung bei, erlös uns von dem Übel! 10. Dies alles, Vater, werde wahr, du wollest es erfüllen. Erhör und hilf uns immerdar um Jesu Christi willen, denn dein, o Herr, ist allezeit von Ewigkeit zu Ewigkeit das Reich, die Macht und Ehre. David Denicke g. 1603 + 1680, oder Justus Gesenius g. 1601 1 1678. 379. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. Wol auf, mein Herz, zu Gott dein Andacht fröhlich bringe, daß dein Wunsch und Gebet durch alle Wolken dringe, weil dich Gott beten heißt, weil dich sein lieber Sohn so freudig treten heißt vor seinen Gnadenthron. 2. Dein Vater ists, der dir befohlen hat zu beten; dein Bruder ists, der dich vor ihn getrost heißt treten; der werte Tröster ists, der dir die Wort gibt ein: drum muß auch dein Gebet gewiß er⸗ höret sein. 3. Da siehst du Gottes Herz, das dir nichts kann versagen. Sein Mund, sein teures Wort vertreibt ja alles Zagen. Was dich unmöglich deucht, kann seine Vaterhand noch geben, die von dir so viel Not abgewandt. 4. Komm nur, komm freudig her in Jesu Christi Namen, sprich: Lieber Vater, hilf, ich bin dein Kind, sprich Amen! Ich weiß, es wird geschehn, du wirst mich lassen nicht,(du wirst, du willst, du kannst tun, was dein Wort verspricht. Joh. Olearius g. 1611 4 1684. 380. Mel. Werde munter, mein Gemüte. Wenn dich Unglück hat betreten, Mwenn du steckst in Angst und Not, mußt du fleißig zu Gott beten, beten hilft in Not und Tod, daß du Gottes Angesicht auch im Kreuz auf dich gericht kannst aus seinem Wort erblicken und dein Herz mit Trost er⸗ quicken. 2. Keiner wird jemals zu⸗ schanden, der sich seinem Gott vertraut; kommt dir gleich viel Not zuhanden, hast du auf ihn wohl gebaut. Obs gleich scheint, als hört er nicht, weiß er doch, was dir gebricht; deine Not mußt du ihm klagen und in keiner Not verzagen. 3. Rufen, schrein, anklopfen, beten ist der Christen beste Kunst, allzeit freudig vor ihn treten findet Hülfe, Gnad und Gunst. Wer Gott fest vertrauen kann, ist der allerbeste Mann; der wird allzeit Rettung finden, kein Feind wird ihn überwinden. 15² 228 4. Lerne Gottes Weise merken, die er bei den Seinen hält: er will ihren Glauben stärken, wenn sie Unglück überfällt. Unser Gott der lebt ja noch, schweigt er gleich, so hört er doch. Schrei getrost, du mußt nicht zagen, dein Gott kann dir nichts versagen. 5. Laß dich Gottes Wort regie⸗ ren, merke, was die Wahrheit lehrt; Satan wird dich nicht ver⸗ führen, der die ganze Welt ver⸗ kehrt. Gottes Wahrheit ist dein Licht, dein Schutz, Trost und Zuversicht. Trau nur Gott, der kann nicht lügen, bet, du wirst gewiß obsiegen. 6. Lob sei Gott für seine Gnade! Seine große Güt und Treu macht, daß mir kein Feind nicht schade, sie ist alle Morgen neu. Drum will ich mein Lebenlang immer sagen Lob und Dank meinem Gott in allen Dingen, fröhlich Halleluja singen. Joh. Olearius g. 1611 + 1684. 381. Ev. Joh. 16, 23— 30. Eigene Melodie. Dir, dir, Jehova, will ich singen, denn wo ist doch ein solcher Gott wie du? Dir will ich meine Lieder bringen, ach gib mir deines Geistes Kraft dazu, daß ich es tu im Namen Jesu Christ, so wie es dir durch ihn gefällig ist. 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir, dein Geist in meinem Herzen wohne und meine Sinne und Verstand regier, daß Lieder vom Gebete. ich den Frieden Gottes schmeck und fühl und dir darob im Herzen sing und spiel. 3. Verleih mir, Höchster, solche Güte, so wird gewiß mein Singen recht getan, so klingt es schön in meinem Liede, und ich bet dich im Geist und Wahrheit an, so hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, daß ich dir Psalmen sing im höhern Chor. 4. Denn der kann mich bei dir vertreten mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; der lehret mich recht gläubig beten, gibt Zeugnis meinem Geist, daß ich dein Kind und ein Miterbe Jesu Christi sei, daher ich Abba, lieber Vater! schrei. 5. Wenn dies aus meinem Herzen schallet durch deines heil⸗ gen Geistes Kraft und Trieb, so bricht dein Vaterherz und wallen ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb, daß mirs die Bitte nicht versagen kann, die ich nach deinem Willen hab getan. 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, das ist nach deinem Willen eingericht und wird gewiß von dir erhöret, weil es im Namen deines Sohns geschicht, durch welchen ich dein Kind und Erbe bin und nehme Gnad um Gnade hin. 7. Wohl mir, daß ich dies Zeugnis habe! Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit und weiß, daß alle gute Gabe, die ich von dir verlange jederzeit, die ů gibst du und tust überschwenglich mehr, als ich verstehe, bitte und; begehr. von dir' Lieder vom Gebete. 229 8. Wohl mir, ich bitt in Jesu Namen, der mich zu deiner Rechten selbst vertritt; in ihm ist alles Ja und Amen, was ich von dir im Geist und Glauben bitt. Wohl mir, Lob dir jetzt und in Ewig⸗ keit, daß du mir schenkest solche Seligkeit! Barthol. Crasselius g. 1667 1 1724. 38² Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. Lende, Vater, deinen Geist, da ich vor dein Antlitz trete, daß, wie du mich selber heißt, ich im Geist und Wahrheit bete. Lehre mich, dich recht erkennen und dich Abba, Vater nennen. 2. Süßer Jesu, hilf du mir, daß ich bet in deinem Namen, daß, was Gott verheißt in dir, mir auch werde Ja und Amen. Sprich für mich und laß mich sehen dich zur Rechten Gottes stehen! 3. Heilger Geist„erleuchte mich und entzünde mein Verlangen, daß ich Gottes Huld durch dich voller Inbrunst mög empfangen. Brich die Trägheit, zieh die Sinnen aus der Welt zu dir von hinnen! 4. Heilige Dreieinigkeit, Ur⸗ sprung aller guten Gaben, laß mich wahre Freudigkeit und im Herzen Zeugnis haben, daß du stets nach deinem Willen wollest meine Bitt erfüllen. Joh. Herm. Schrader g. 1684 1737. 383. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. Bedeneinde h heilge dich mit dem heilgen Ole, Jesu Geist ergieße sich dir in Herz und Seele, laß den Mund alle Stund von Gebet und Flehen heilig übergehen! 2. Heilige den heilgen Brand, deines Geists Verlangen, dem, ders Blut an dich gewandt, heilig anzuhangen. Heilger Rauch sei es auch, der zu Gott aufgehet, wenn dein Herze flehet. 3. Das Gebet der frommen Schar, was sie fleht und bittet, das wird auf dem Rauchaltar vor Gott ausgeschüttet, und da ist Jesus Christ Priester und Ver⸗ sühner aller seiner Diener. 4. Kann ein einiges Gebet Einer gläubgen Seelen, wenns zum Her⸗ zen Gottes geht, seines Zwecks nicht fehlen, was wirds tun, wenn sie nun alle vor ihn treten und zusammen beten? 5. Wenn die Heilgen dort und hier, Sn mit den Kleinen, Engel, Menschen mit Begier alle sich vereinen, und es geht Ein Gebet aus von ihnen allen, wie muß das erschallen! 6. O der unerkannten Macht von der Heilgen Beten, ohne das wird nichts vollbracht so in Freud als Nöten; Schritt für Schritt wirkt es mit, wie zum Sieg der Freunde so zum End der Feinde. 7. O so betet alle drauf, betet immer wieder, heilge Hände hebet auf, heiligt eure Glieder, heiliget das Gebet, das zu Gott sich schwinget, betet, daß es dringet! 8. Betet, daß die letzte Zeit vollends übergehe, daß man Christi Herrlichkeit ofenbaret sehe; stimmet ein insgemein mit der Engel Sehnen nach dem Tag, dem schönen! Kreuz⸗ und 9. Eure Bitten, die ihr tut zu Gott von der Erden, sollen eine heilge Glut des Altares werden. Aber eur eignes Feur lasset weit von dannen von der heilgen Pfannen.“) „ 8. Mos. 9, 23. 24; 10, 1. 2. 10. Das Gebet hat Christi Gunst, wo mans ernstlich übet; Trostlieder. bitten, wie ers liebet, daß gescheh je und je, wie ers vorgenommen auf sein endlichs Kommen. 11. Dies Verlangen muß vor⸗ her in der Seele glimmen, so macht aus dem Bitten er Donner, Blitz und Stimmen; die ergehn und geschehn, daß die Feinde beben und Gott Ehre geben. und das ist der Heilgen Kunst: XXI. Rreuz⸗ 38⁴4. Eigene Melodie. Ras mein Gott will, gescheh Nallzeit, sein Will der ist der beste. Zu helfen ist er dem bereit, der an ihn glaubet feste. Er hilst aus Not, der fromme Gott, und tröst die Welt ohn Maßen; wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nicht verlassen. 2. Gott ist mein Trost und Zuversicht, mein Hoffnung und mein Leben; was mein Gott will daß mir geschicht, will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr, denn all mein Haar er selber hat gezählet. Er hüt und wacht, stets für uns tracht, auf daß uns gar nichts fehlet. 3. Drum, muß ich Sünder von der Welt hinfahrn nach Gottes Willen zu meinem Gott, wanns ihm gefällt, will ich ihm halten stille. Mein arme Seel ich Gott befehl in meiner letzten Stunden, du frommer Gott, Sünd, Höll und Tod hast du mir überwunden. Chr. Karl Ludw. v. Pfeil g. 1712 4 1784. und Trostlieder. 4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, du wirst mirs nicht versagen: Wenn mich der böse Geist ansicht, laß mich, Herr, nicht verzagen, hilf und auch wehr, ach Gott, mein Herr, zu Ehren deinem Namen! Wer das begehrt, dem wirds gewährt. Drauf sprech ich fröhlich: Amen. Um 1554. 385. Eigene Melodie. Won betrübst du dich, mein Herz, bekümmerst dich und trägest Schmerz nur um das zeitlich Gut? Vertrau du deinem Herrn und Gott, der alle Ding erschaffen hat. 2. Er kann und will dich lassen nicht, er weiß auch wohl, was dir gebricht, Himmel und Erd ist sein. Mein Vater und mein Herre Gott, der mir beisteht in aller Not! 3. Weil du mein Gott und Vater bist, wirst du dein Kind Kreuz⸗ und verlassen nicht, du väterliches Herz. Ich bin ein armer Erden⸗ kloß, auf Erden weiß ich keinen Trost. 4. Der Reich derläßt sich auf sein Gut, ich aber will dir traun, ö mein Gott; ob ich gleich werd veracht, so weiß ich und glaub Trostlieder. 231 da ich sonst irrte sehr. Er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land. 2. Wenn sich der Menschen Hulde und Wohltat all verkehrt, so findt sich Gott gar balde, sein jestiglich, wer dir vertraut, dem Macht und Gnad bewährt; hilft mangelts nicht. mir in aller Not, errett von 5. Ach Gott, du bist noch heut Sünd und Schanden, von Keiten so reich, als du gewesen ewiglich, und von Banden, und wenns mein Traun steht ganz zu dir. Mach mich an meiner Seele reich, so hab genug ich ewiglich. 6. Zeitlich Ehr will ich ganz entbehrn, wollst mir das Ewge nur gewährn, das du erworben hast durch deinen herben bittern Tod; das bitt ich dich, mein Herr und Gott! 7. Alles, was ist auf dieser Welt, es sei Gold, Silber oder Geld, Reichtum und zeitlich Gut, das währt nur eine kleine Zeit und hilft doch nicht zur Seligkeit. 8. Ich dank dir, Christ, o Gottes Sohn, daß du mir solches kund getan durch dein göttliches Wort. Verleih mir auch Beständigkeit zu meiner Seele Seligkeit! 9. Lob, Ehr und Preis sei dir gesagt für alle dein erzeigt Wohl⸗ tat; ich bitt demütiglich: Laß mich nicht von dein'm Angesicht verstoßen werden ewiglich! 1565. Eigene Melodie. Non Gott will ich nicht lassen, denn er läßt nicht von mir, führt mich auf rechter Straßen, auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; es kann mir gar nicht grauen, er wendet alles Leid. Ihm sei es heim⸗ gestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben, er schaffs, wies ihm gefällt. 4. Es tut ihm nichts gefallen, denn was mir nützlich ist. Er meints gut mit uns allen, schenkt uns den Herren Christ, ja, seinen lieben Sohn; durch ihn er uns bescheret, was Leib und Seel er⸗ nähret, lobt ihn ins Himmels Thron! 5. Lob ihn mit Herz und Munde, welchs er uns beides⸗ schenkt; das ist ein selge Stunde, darin man sein gedenkt; sonst⸗ verdirbt alle Zeit, die man zu⸗ bringt auf Erden. Wir sollen selig werden und bleibn in Ewigkeit, 6. Auch wenn die Welt ver⸗ gehet mit ihrer stolzen Pracht, nicht Ehr noch Gut bestehet, das vor war groß geacht. Wir werden nach dem Tod tief in die Erd begraben; wenn wir geschlafen haben, will uns erwecken Gott. 232 Kreuz⸗ und 7. Die Seel bleibt unverloren, geführt in Abrams Schoß; der Leib wird neu geboren, von allen Sünden los, ganz heilig, rein und zart, ein Kind und Erb des Herren; daran muß uns nicht irren des Teufels listge Art. 8. Darum ob ich schon dulde hier Widerwärtigkeit, wie ich auch wohl verschulde, kommt doch die Ewigkeit, die aller Freude voll; dieselb ohn einigs Ende, dieweil ich Christum kenne, mir wider⸗ fahren soll. 9. Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat; sein Sohn hat Guts die Fülle erworben uns und Gnad; auch Gott der heilge Geist im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr und Preis! Ludwig Helmbold g. 1532 4 1598. — 387. Eigene Melodie, oder Was mein Gott will, das g'scheh. Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut im Himmel und auf Erden; wer sich verläßt auf Jesum Christ, dem muß der Himmel werden. Darum auf dich all Hoffnung ich ganz fest allzeit tu setzen, Herr Jesu Christ, mein Trost du bist in Todes Not und Schmerzen. 2. Und wenns gleich wär dem Teufel sehr und aller Welt zu⸗ wider, dennoch so bist du, Jesu Christ, der sie all schlägt dar⸗ nieder. Und wenn ich dich nur hab um mich mit deinem Geist und Gnaden, so kann fürwahr Trostlieder. mir ganz und gar nicht Tod noch Teufel schaden. 3. Dein tröst ich mich ganz sicherlich, denn du kannst mirs wohl geben, was mir ist not, getreuer Gott, in dies'm und jenem Leben. Gib wahre Reu, mein Herz erneu, errette Leib und Seele! Ach höre, Herr, dies mein Begehr und laß mein Bitt nicht fehlen! V. 1. Joach. Magdeburg g. 1525 3. 2 u. 3 15⁷ + nach 1583. B. 388. Mel. Vater unser im Himmelreich. X Gott, wie manches Herzeleid begegnet mir zu dieser Zeit; der schmale Weg ist trübsalvoll, den ich zum Himmel wandern soll; wie schwer doch lässet Fleisch und Blut sich zwingen zu dem ewgen Gut! 2. Wo soll ich mich denn wen⸗ den hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn; bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rat allzeit gewiß gefunden hat; niemand jemals verlassen ist, der hat ge⸗ traut auf Jesum Christ. 3. Du bist der große Wunder⸗ mann, das zeigt dein Amt und dein Person. Welch Wunderding hat man erfahrn, daß du, mein Gott, bist Mensch geborn und führest uns durch deinen Tod ganz wunderlich aus aller Not. 4. Jesu, mein Herr und Gott allein, wie süß ist mir der Name dein! Es kann kein Trauren sein so schwer, dein süßer Nam erfreut viel mehr; kein Elend kann so bitter sein, dein süßer Trost der linderts fein. — Kreuz⸗ und 5. Ob mir gleich Leib und Seel verschmacht, so weißt du, Herr, daß ichs nicht acht; wenn ich dich hab, so hab ich wohl, was ewig mich erfreuen soll. Dein bin ich ja mit Leib und Seel, was kann mir tun Sünd, Tod und Höll? 6. Kein beßre Treu auf Erden ist, denn nur bei dir, Herr Jesu Christ; ich weiß, daß du mich nicht verläßt, dein Wahrheit bleibt mir ewig fest, du bist mein rechter treuer Hirt, der ewig mich behüten wird. 7. Jesu, mein Freud, mein Ehr und Ruhm, meins Herzens Schatz und mein Reichtum, ich kanns doch ja nicht zeigen an, wie hoch dein Nam erfreuen kann; wer Glaub und Lieb im Herzen hat, der wirds erfahren mit der Tat. 8. Drum hab ichs oft und viel geredt: Wenn ich an dir nicht Freude hätt, so wollt den Tod ich wünschen her, ja daß ich nie geboren wär; denn wer dich nicht im Herzen hat, der ist gewiß lebendig tot. 9. Jesu, du edler Bräutgam wert, mein höchste Zier auf dieser Erd, an dir allein ich mich ergetz weit über alle güldnen Schätz; so oft ich nur gedenk an dich, all mein Gemüt erfreuet sich. 10. Wenn ich mein Hoffnung stell zu dir, so fühl ich Fried und Trost in mir; wenn ich in Nöten bet und sing, so wird mein Herz recht guter Ding; dein Geist bezeugt, daß solches frei des ewgen Lebens Vorschmack sei. Trostlieder. 233 11. Drum will ich, weil ich lebe noch, das Kreuz dir fröhlich tragen nach. Mein Gott, mach mich dazu bereit, es dient zum besten allezeit; hilf mir, mein Sach recht greifen an, daß ich mein Lauf vollenden kann. 12. Hilf mir auch zwingen Fleisch und Blut, vor Sünd und Schanden mich behüt, erhalt mein Herz im Glauben rein, so leb und sterb ich dir allein. Jesu, mein Trost, hör mein Begier: o mein Heiland, wär ich bei dir! Rartin Moller g. 1517 4 1606. 389. Eigene Melodie. euf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not. Der kann mich allzeit retten aus Trübsal, Angst und Nöten, mein Unglück kann er wenden, steht alls in seinen Händen. 2. Ob mich mein Sünd an⸗ sicht, will ich verzagen nicht; auf Christum will ich bauen und ihm allein vertrauen; ihm tu ich mich ergeben im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, ist Sterben mein Gewinn, und Christus ist mein Leben; dem tu ich mich ergeben. Ich sterb heut oder morgen, mein Seel wird er versorgen. 4. O mein Herr Jesu Christ, der du geduldig bist für mich am Kreuz gestorben, mir hast das Heil erworben, führ uns alle zu⸗ gleiche zum ewgen Himmelreiche! 5. Amen zu aller Stund sprech ich aus Herzensgrund. Du wollest 234 selbst uns leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, auf daß wir deinen Namen ewiglich preisen. Amen. 390. Eigene Melodie, oder Herzlich tut mich verlangen. Keinen hat Goit verlassen, der ihm vertraut allzeit; ob ihn darum viel hassen, so bringis ihm doch kein Leid. Gott will die Seinen schützen, zuletzt erheben hoch, geben, was ihnen nützet hie zeitlich und auch dort. 2. Allein ichs Gott heimstelle, er machs, wies ihm gefällt, zu Nutze meiner Seele. In dieser argen Welt ist doch nur Not und Leiden, und muß auch also sein, denn die zeitliche Freude bringt uns in ewge Pein. 3. Treulich will ich Gott bitten und nehmen zum Beistand in allen meinen Nöten, ihm beßr als mir bekannt; wie könnt er mich denn lassen, der treu Nothelfer mein? Ja wenn die Not am größten, so will er bei mir sein. 4. All Unglück und all Glücke das kommt allein von Gott; ich weiche nicht zurücke und fleh in meiner Not. Um G'duld tu ich stets bitten in allm Anliegen mein, er wird mich wohl behüten und mein Nothelfer sein. 5. Reichtum und alle Schätze, was sonst der Welt gefällt, drauf ich mein Sinn nicht setze in dieser argen Welt. Ein Schatz ist mir im Himmel, der Jesus Christus heißt; er ist üb'r alle Schätze, schenkt uns den heilgen Geist. Kreuz⸗ und Trostlieder. 6. Ihn hab ich eingeschlossen in meines Herzens Schrein. Sein Blut hat er vergossen für mich arms Würmelein, mich damit zu erlösen aus ewger Angst und Pein; wie könnt auf dieser Erde doch größre Liebe sein? 7. Nun sollt ich mich erzeigen dankbar für solche Gnad: ich geb mich Gott zu eigen mit allem, was ich hab. Wie ers will weiter machen, sei ihm alls heimgestellt; ich b'fehl ihm all mein Sachen, er machs, wies ihm gefällt. 8. Amen, nun will ich schließen dies schlichte Liedelein. Herr, durch dein Blutvergießen laß mich dein Erben sein, so hab ich alls auf Erden, was mich erfreuet schon, im Himmel soll mir werden die ewge Gnadenkron. 391. Mel. Allein zu dir, Herr Jesu Christ. Du weinest vor Jerusalem, Herr Jesu, lichte Zähren, bezeugst, es sei dir angenehm, wenn Sünder sich bekehren; wenn ich vor dir mit Buß erschein und über meine Sünden wein, so wäschst du ab aus lauter Gnad die Missetat, die mich bisher ge⸗ quälet hat. 2. Wenn deines Vaters Zorn entbrennt von wegen meiner Sünde, zu deinen Tränen ich mich wend; da ich Erquickung finde. Vor Gott sind sie so hoch geschätzt; wer damit seine Sünde netzt, den blickt Gott an mit Gütigkeit zu jeder Zeit und sein betrübtes Herz erfreut. 1611. Kreuz⸗ und 3. Hier muß ich auch im Tränenhaus vor großer Angst oft weinen, der Welt aushalten manchen Strauß, sie martert stets die Deinen. Auf allen Seiten, wo sie kann, fängt sie mit mir zu hadern an. Dies tröstet mich zu aller Frist, Herr Jesu Christ: in Not du auch gewesen bist. 4. Du zählest alle Tränen mein; ich weiß, sie sind gezählet; und ob sie nicht zu zählen sein, dennoch dir keine fehlet. So oft vor dir sie regen sich, so oft be⸗ wegen sie auch dich, daß du dich mein erbarmen mußt. Dir ist bewußt mein Kreuz, drum hilsst du mir mit Lust. 5. Wer jetzund säet Tränen aus, hält in Geduld Gott stille, wird fröhlich sein in deinem Haus, wo Freude ist die Fülle, ja solche Freude, die kein Mann mit seiner Zung aussprechen kann, und die da bleibt in Ewigkeit. Mein Kreuz und Leid wird werden dort zu lauter Freud. 6. Für diese Tränen dank ich dir, daß du die Freudenkrone, Herr Christ, dadurch erworben mir bei dir ins Himmels Throne. Wenn du mich holen wirst hinauf zu deiner Auserwählten Hauf, dann will ich recht lobsingen dir, o höchste Zier, für deine Tränen für und für. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 392. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. Ras willst du dich betrüben, o meine liebe Seel? Tu Trostlieder. 235 Immanuel. Vertrau dich ihm allein, er wird gut alles machen und fördern deine Sachen, wie dirs wird selig sein. 2. Denn Goit verlässet keinen, der sich auf ihn verläßt; er bleibt getreu den Seinen, die ihm ver⸗ trauen fest. Läßt sichs an wunder⸗ lich, so laß dir doch nicht grauen; mit Freude wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. 3. Auf ihn magst du es wagen getrost mit frischem Mut, mit ihm wirst du erjagen, was dir ist nütz und gut. Denn was Gott haben will, das kann niemand verhindern aus allen Menschenkindern, soviel ihr sind im Spiel. 4. Wenn auch gleich aus der Höllen der Satan selber sich dir wollt entgegenstellen und unter⸗ treten dich, so muß er doch mit Spott von seinen Ränken lassen, womit er dich will fassen, denn dein Werk fördert Gott. 5. Er richts zu seinen Ehren und deiner Seligleit. Solls sein, kein Mensch kanns stören, wenns ihm wär noch so leid. Will Gott es aber nicht, so kanns niemand sorttreiben, es muß zurücke bleiben. Was Gott will, das geschicht. 6. Drum ich mich ihm ergebe, dem sei es heimgestellt; nach nichts mehr sonst ich strebe denn nur, was ihm gefällt. Sein Will ist mein Begier; der ist und bleibt der beste, das glaub ich steif und feste. Wohl dem, der glaubt mit mir! Joh Heermann g. 1585 + 1647. den nur herzlich lieben, der heißt Kreuz⸗ und 393. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. I allen meinen Taten laß ich den Höchsten raten, der alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, solls anders wohl ge⸗ lingen, mir selber geben Rat und Tat. 2. Nichts ist es spät und frühe um alle meine Mühe, mein Sorgen ist umsonst; er mags mit meinen Sachen nach seinem Willen machen, ich stells in seine Vatergunst. 3. Es kann mir nichts ge⸗ schehen, als was er hat versehen und was mir selig ist: ich nehm es, wie ers gibet; was ihm von mir beliebet, dasselbe hab auch ich erkiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, die mich vor allem Schaden, vor allem Übel schützt; leb ich nach seinen Sätzen, so wird mich nichts verletzen und nichts mir fehlen, was mir nützt. 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durch⸗ streichen meine Schuld; er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urteil sprechen und haben noch mit mir Geduld. 6. Leg ich mich späte nieder, erwach ich frühe wieder, lieg oder zieh ich fort, in Schwachheit und in Banden und was mir stößt zuhanden, so tröstet allzeit mich sein Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, so will ich unverdrossen an mein Ver⸗ hängnis gehn; kein Unfall unter allen wird mir zu harte fallen, mit Gott will ich ihn überstehn. 236 Trostlieder. 8. Ihm hab ich mich ergeben zu sterben und zu leben, sobald er mir gebeut; es sei heut oder morgen, dafür laß ich ihn sorgen, er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, deine und traue dem alleine, der dich geschaffen hat. Es gehe, wie es gehe, dein Vater in der Höhe der weiß zu allen Sachen Rat. Auf der Reise. 10. Ich zieh in ferne Lande, zu nützen einem Stande, an den er mich bestellt; sein Segen wird mich lassen was gut und recht ist fassen, zu dienen treulich seiner Welt. 11. Bin ich in wilder Wüste, so bin ich doch bei Christo, und Christus ist bei mir; der Helfer in Gefahren der kann mich doch bewahren, wie dorten so auch sicher hier. 12. Er wird zu diesen Reisen Harenattnn Fortgang weisen, wohl helfen hin und her, Gesundheit, Heil und Leben, Zeit, Wind und Wetter geben und alles, was ich sonst begehr. 13. Sein Engel, der getreue, macht meine Feinde scheue, tritt zwischen mich und sie; durch seinen Zug, den frommen, sind wir so weit nun kommen und wissen selber fast nicht wie. 14. Gefällt es seiner Güte, und sagt mir mein Gemüte nicht was Vergeblichs zu, so werd ich Gott noch preisen mit manchen schönen Weisen daheim in meiner stillen Ruh. 15. Indes wird er den Meinen mit Segen auch erscheinen, ihr Kreuz⸗ und Schutz wie meiner sein, wird beiderseits gewähren, was unser Wunsch und Zähren ihn bitten werden überein. Paul Fleming g. 1609 + 1640. 394. Mel. Herr, ich bekenn von Herzensgrund. M ich denn nicht von Angst und Pein befreiet sein, muß noch im Unglück schweben, so weiß ich doch, daß meine Schuld durch Gottes Huld in Christo ist vergeben. Gott ist nicht weit, ein kleine Zeit tritt er was fern, doch rettet gern, die seinem Wort nachleben. 2. Der Menschen Hülf in meiner Sach ist viel zu schwach, darinnen Rat zu finden; der Trost des Höchsten ist der best und bleibet sest, das Zeitliche muß schwinden. Das ewge Gut macht rechten Mut; dabei ich bleib, wag Gut und Leib; Gott helf mir überwinden! 3. Allein zu dir mein Hoffnung ist, Herr Jesu Christ, du wirst mir stehn zur Seiten und sehen auf das Unglück mein, als wär es dein, wenns wider mich iut streiten. Ich bitte dich, erlöse mich! Herr, wie du willt, du bist mein Schild und wirst mich wohl begleiten. Hannov. Gsb. 1646 nach einem ältern Liede. 50 395. Mel. Hilf mir, mein Gott, hilf, daß nach dir, oder Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. 4 hab in Gottes Herz und 87 3 2 7 Sinn mein Herz und Sinn ergeben. Was böse scheint, ist Trostlieder. 237 mir Gewinn, der Tod selbst ist mein Leben. Ich bin ein Sohn des, der den Thron des Himmels aufgezogen; ob er gleich schlägt und Kreuz auflegt, bleibt doch sein Herz gewogen. 2. Das kann mir fehlen nim⸗ mermehr, mein Vater muß mich lieben. Wenn er mich auch gleich wirft ins Meer, so will er mich nur üben und mein Gemüt in seiner Güt gewöhnen fest zu stehen; halt ich denn stand, weiß seine Hand mich wieder zu erhöhen. 3. Ich bin ja von mir selber nicht entsprungen noch formieret, mein Gott ists, der mich zugericht, an Leib und Seel gezieret; es ist sein Arm, der alles warm, gesund und fröhlich machet; was er nicht hält, das bricht und fällt; was er erfreut, das lachet. 4. Zudem ist Weisheit und Verstand bei ihm ohn alle Ma⸗ ßen; Zeit, Ort und Stund ist ihm bekannt zu tun und auch zu lassen. Er weiß, wann Freud, er weiß, wann Leid uns, seinen Kindern, diene; und was er tut, ist alles gut, obs noch so traurig schiene. 5. Du denkest zwar, wenn du nicht hast, was Fleisch und Blut begehret, als sei mit einer großen Last dein Glück und Heil be⸗ schweret, hast spat und früh viel Sorg und Müh, an deinen Wunsch zu kommen, und denkest nicht, daß, was geschicht, gescheh zu deinem Frommen. 6. Fürwahr, der dich geschaffen hat und ihm zur Ehr erbauet, 238 der hat schon längst in seinem Rat ersehen und beschauet aus wahrer Treu, was dienlich sei dir und den Deinen allen; laß ihm doch zu, daß er nur tu nach seinem Wohlgefallen. 7. Wenns Gott gefällt, so muß es sein, es wird dich letzt erfreuen; was du jetzt nennest Kreuz und Pein, wird dir zum Trost ge⸗ deihen. Wart in Geduld, die Gnad und Huld wird sich doch endlich finden; all Angst und Qual wird auf einmal gleich wie ein Dampf verschwinden. 8. Ei nun, mein Gott, so fall ich dir getrost in deine Hände; nimm mich und mach es du mit mir bis an mein letztes Ende, wie du wohl weißt, daß meinem Geist dadurch sein Nutz entstehe, und deine Ehr je mehr und mehr sich in ihr selbst erhöhe. 9. Willst du mir geben Sonnen⸗ schein, so nehm ichs an mit Freuden; solls aber Kreuz und Unglück sein, will ichs geduldig leiden. Soll mir allhier des Lebens Tür noch ferner offen stehen, wie du mich führst und führen wirst, so will ich gern mitgehen. 10. Soll ich denn auch des Todes Weg und finstre Straße reisen, wohlan, so tret ich Bahn und Steg, den mir dein Augen weisen. Du bist mein Hirt, der alles wird zu solchem Ende kehren, daß ich einmal in deinem Saal dich ewig möge ehren. Paul Gerhardt g. 1607 1676. Kreuz⸗ und Trostlieder. 396. Eigene Melodie. A' so nicht so sehr, meine Seele, sei betrübt, daß dir Gott Glück, Gut und Ehr nicht so viel wie andern gibt. Nimm fürlieb mit deinem Gott! Hast du Gott, so hats nicht not. 2. Du noch sonst ein Menschen⸗ kind habt ein Recht in dieser Welt; alle, die geschaffen sind, sind nur Gäst im fremden Zelt; Gott ist Herr in seinem Haus, wie er will, so teilt er aus. 3. Bist du doch darum nicht hier, daß du Erden haben sollt; schau den Himmel über dir, da, da ist dein edles Gold; da ist Ehre, da ist Freud, Freud ohn End, Ehr ohn Neid. 4. Der ist albern, der sich kränkt um ein Hand voll Eitelkeit, wenn ihm Gott dagegen schenkt Schätze der Beständigkeit. Bleibt der Zentner dein Gewinn, fahr der Heller immer hin! 5. Schaue alle Güter an, die dein Herz für Güter hält: keines mit dir gehen kann, wenn du gehest aus der Welt; alles bleibet hinter dir, wenn du trittst ins Grabes Tür. 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, wird von keiner Zeit verzehrt, ist und bleibet allzeit gut. Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut das schwindet nicht. 7. Ach wie bist du doch so blind und im Denken unbedacht! Augen hast du, Menschenkind, und hast doch noch nie betracht Kreuz⸗ und deiner Augen helles Glas: siehe, welch ein Schatz ist das! 8. Zähle deine Finger her und der andern Glieder Zahl: keins ist, das dir unwert wär, ehrst und liebst sie allzumal; keines gäbst du weg um Gold, wenn man dirs abnehmen wollt. 9. Nun so gehe in den Grund deines Herzens, das dich lehrt, wieviel Gutes alle Stund dir von oben wird beschert; du hast mehr als Sand am Meer und willst doch noch immer mehr. 10. Wüßte der im Himmel lebt, daß dir wäre nütz und gut, wonach so begierig strebt dein ver⸗ blendet Fleisch und Blut, würde seine Frömmigkeit dich nicht lassen unerfreut. 11. Gott ist deiner Liebe voll und von ganzem Herzen treu; wenn du wünschest, prüft er wohl, wie dein Wunsch beschaffen sei; ist dirs gut, so geht ers ein, ists dein Schade, spricht er nein. 12. Unterdessen trägt sein Geist dir in deines Herzens Haus Manna, das die Engel speist, ziert und schmückt es herrlich aus, ja erwählet dir zum Heil dich zu seinem Gut und Teil. 13. Ei so richte dich empor, du betrübtes Angesicht, laß das Seufzen, nimm hervor deines Glaubens Freudenlicht! Das be⸗ halt, wenn dich die Nacht deines Kummers traurig macht. 14. Setze als ein Himmelssohn deinem Willen Maß und Ziel, rühre stets vor Gottes Thron deines Dankens Saitenspiel, weil Trostlieder. 239 dir schon gegeben ist mehr noch, als du würdig bist. 15. Führe deines Lebens Lauf allzeit Gottes eingedenk; wie es kommt, nimm alles auf als ein wohlbedacht Geschenk! Geht dirs widrig, laß es gehn, Gott und Himmel bleibt dir stehn. Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. 397. Eigene Melodie. Wam sollt ich mich denn grä⸗ Nmen? Hab ich doch Christum noch, wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn bei⸗ gelegt im Glauben? 2. Nackend lag ich auf dem Boden, da ich kam, da ich nahm meinen ersten Odem; nackend werd ich auch hinziehen, wenn ich werd von der Erd als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben ist nicht mein, Gott allein ist es, ders gegeben. Will ers wieder zu sich kehren, nehm ers hin, ich will ihn dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt ich drum ver⸗ zagen? Der es schickt, der wird es wenden; er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen oft ergetzt, sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. 240 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier tun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, wird in Eil sie zu schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der Tod aufreiben, soll der Mut dennoch gut und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht töten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöten, schließt das Tor der bittern Leiden und macht Bahn, da man kann gehn zu Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schätzen ich mein Herz auf den Schmerz ewiglich ergetzen; hier ist kein recht Gut zu finden; was die Welt in sich hält, muß im Nu verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand voller Sand, Kummer der Gemüter. Dort, dort sind die edlen Gaben, da mein Hirt, Christus, wird mich ohn Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zugut in den Tod gegeben; 12. Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, da du mich, und ich dich leiblich werd umfangen. Kreuz⸗ und Paul Gerhardt g. 1607 1+ 1676. Trostlieder. 398. Eigene Melodie, oder Christus, der uns selig macht. Sowing dich auf zu deinem Gott, du betrübte Seele! Warum liegst du Gott zum Spott in der Schwermutshöhle? Merkst du nicht des Satans List? Er will durch sein Kämpfen deinen Trost, den Jesus Christ dir erworben, dämpfen. 2. Schüttle deinen Kopf und sprich: Fleuch, du alte Schlange! Was erneust du deinen Stich, machst mir angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt und ich bin durchs Leiden meines Heilands dir entrückt in den Saal der Freuden. 3. Wirsst du mir mein Sünd⸗ gen für? Wo hat Gott befohlen,‚ daß mein Urteil ich bei dir über mich soll holen? Wer hat dir die Macht geschenkt, andre zu ver⸗ dammen, der du selbst doch liegst versenkt in der Hölle Flammen? 4. Hab ich was nicht recht ge⸗ tan, ist mirs leid von Herzen; dahingegen nehm ich an Christi Blut und Schmerzen; denn das ist das Lösegeld meiner Misse⸗ taten; bring ich dies vor Gottes Thron, ist mir wohl geraten. 5. Christi Unschuld ist mein Ruhm, sein Recht meine Krone, sein Verdienst mein Eigentum, da ich frei in wohne als in einem jesten Schloß, das kein Feind kann fällen, brächt er gleich davor Geschoß und Gewalt der Höllen. 6. Stürme, Teufel und du Tod: was könnt ihr mir schaden? Kreuz⸗ und Deckt mich doch in meiner Not Gott mit seiner Gnaden, der Gott, der mir seinen Sohn selbst verehrt aus Liebe, daß der ewge Spott und Hohn mich nicht dort betrübe. 7. Schreie, tolle Welt, es sei mir Gott nicht gewogen. Es ist lauter Täuscherei und im Grund erlogen; wäre Gott mir gram und feind, würd er seine Gaben, die mein eigen worden seind, wohl behalten haben. 8. Denn was ist im Himmels⸗ zelt, was im tiefen Meere, was ist Gutes in der Welt, das nicht mir gut wäre? Für wen brennt das Sternenlicht? Wozu ist ge⸗ geben Luft und Wasser? Dient es nicht mir und meinem Leben? 9. Ich bin Gottes, Gott ist mein, wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein mit dem bittern Leide, laß es dringen, kommt es doch von ge⸗ liebten Händen, und geschwind zerbricht sein Joch, wenn es Gott will wenden. 10. Kinder, die der Vater soll ziehn zu allem Guten, die gedeihen selten wohl ohne Zucht und Ruten. Bin ich denn nun Gottes Kind, warum will ich fliehen, wenn er mich von meiner Sünd auf was Guts will ziehen? 11. Es ist herzlich gut gemeint mit der Christen Plagen; wer hie zeitlich wohl geweint, darf nicht ewig klagen, sondern hat voll⸗ kommne Lust dort in Christi Garten(dem er einig recht be⸗ wußt) endlich zu gewarten. 12. Gottes Kinder säen zwar traurig und mit Tränen, aber Trostlieder. 241 endlich bringt das Jahr, wonach sie sich sehnen; denn es kommt die Erntezeit, da sie Garben machen; da wird all ihr Gram und Leid lauter Freud und Lachen. 13. Ei so faß, o Christenherz, alle deine Schmerzen, wirf sie fröh⸗ lich hinterwärts, laß des Trostes Kerzen dich entzünden mehr und mehr, gib dem großen Namen deines Gottes Preis und Ehr! Er wird helfen. Amen. Paul Gerhardt g. 1607 + 1676. 399. Psalm 37, 5. Mel. Herzlich tut mich verlangen. B du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dirs soll wohl er⸗ gehn, auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll be⸗ stehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott ihm gar nichts nehmen, es muß erbeten sein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterb⸗ lichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt. 4. Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dirs nicht; dein Tun ist lauter Segen, dein 16 Kreuz⸗ und 242 Gang ist lauter Licht; dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun. 5. Und ob gleich alle Teufel hie wollten widerstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; was er ihm vor⸗ genommen und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, laß fahren, was das Herze betrübt und traurig macht! Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß tun und walten, er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunder⸗ hinaus⸗ ret, das dich bekümmert hat. ird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn und tun an seinem Teile, als hätt in seinem Sinn er deiner sich begeben; und, solltst du für und für in Angst und Nöten schweben, barem Rat das Werk gefüh 9. Er w' so frag er nichts nach dir. 10. Wirds aber sich befinden, daß du ihm tren verbleibst, so wird er dich entbinden, da dus Trostlieder. am mindsten gläubst; er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue, du hast und trägst davon mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenkron; Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du singst Freuden⸗ psalmen dem, der dein Leid ge⸗ wandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende an aller unsrer Not! Stärk unsre Füß und Hände und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt g. 1607 + 1676. 400. Mel. Ermuntre dich, mein schwacher Geist. Du bist ein Mensch, das weißt du wohl „was strebst du denn nach Dingen, die Gott der Höchst alleine soll und kann zu Werke bringen? Du fährst mit deinem Witz und Sinn durch so viel tausend Sorgen hin und denkst: Wie wills auf Erden doch endlich mit mir werden? 2. Es ist umsonst. Du wirst fürwahr mit allem deinem Dichten auch nicht ein einges kleinstes Haar in aller Welt ausrichten, und dient dein Gram sonst nirgend zu, als daß du dich aus deiner Ruh in Angst und Schmerzen stürzest und selbst das Leben kürzest. 3. Willst du was tun, was Gott gefällt und dir zum Heil gedeihet, so wirf dein Sorgen auf Kreuz⸗ und den Held, den Erd und Himmel scheuet, und gib dein Leben, Tun und Stand nur sröhlich hin in Gottes Hand, so wird er deinen Sachen ein fröhlich Ende machen. 4. Durch wessen Kunst steht dein Gebein in ordentlicher Fülle? Wer gab den Augen Licht und Schein, dem Leibe Haut und Hülle? Wer zog die Adern hie und dort ein jed an ihre Stell und Ort? Wer setzte hin und wieder so viel und schöne Glieder? 5. Heb auf dein Haupt, schau überall hier unten und dort oben, wie Gottes Sorg auf allen Fall vor dir sich hab erhoben: Dein Brot, dein Wasser und dein Kleid war eher noch als du bereit; die Milch, die du erst nahmest, war auch schon, da du kamest. 6. Und dennoch soll dein An⸗ gesicht dein ganzes Leben führen; du traust und gläubest weiter nicht, als was dein Augen spüren. Was du beginnst, da soll allein dein Kopf dein Licht und Meister sein; was der nicht auserkoren, das hältst du als verloren. 7. Nun siehe doch, wie viel und oft ist schändlich umgeschlagen, was du gewiß und fest gehofft mit Händen zu erjagen; hingegen wie so manches Mal ist das ge⸗ schehn, was überall kein Mensch, kein Rat, kein Sinnen ihm hat ersinnen können. 8. Wie oft bist du in große Not durch eignen Willen kommen, da dein verblendter Sinn den Tod fürs Leben angenommen; und hätte Gott dein Werk und Tat ergehen lassen nach dem Rat, 243 in dem dus angesangen, du wärst zugrunde gangen. 9. Der aber, der uns ewig liebt, macht gut, was wir ver⸗ wirren, erfreut, wo wir uns selbst betrübt, und führt uns, wo wir irren; und dazu treibt ihn sein Gemüt und die so reine Vatergüt, in der uns armen Sünder er trägt als seine Kinder. 10. Ach wie so oftmal schweigt er still und tut doch, was uns nützet, da unterdessen unser Will und Herz in Angsten sitzet, sucht hier und da und findet nichts, will sehn und mangelt doch des Lichts, will aus der Angst sich winden und kann den Weg nicht finden. 11. Gott aber geht gerade fort auf seinen weisen Wegen, er geht und bringt uns an den Ort, da Wind und Sturm sich legen. Hernachmals, wenn das Werk ge⸗ schehn, so kann alsdann der Mensch erst sehn, was der, so ihn regieret, in seinem Rat geführet. 12. Drum, liebes Herz, sei wohlgemut und laß von Sorg und Grämen! Gott hat ein Herz, das nimmer ruht, dein Bestes vorzunehmen; er kanns nicht lassen, glaube mir; sein Innerstes ist mir und dir und uns hier allzusammen voll allzusüßer Flammen. 13. Tu als sein Kind und lege dich in deines Vaters Arme, bitt ihn und flehe, bis er sich dein, wie er pflegt, erbarme, so wird er dich durch seinen Geist auf Wegen, die du jetzt nicht weißt, nach wohlgehaltnem Rin⸗ gen aus allen Sorgen bringen. Trostlieder. Paul Gerhardt g. 1607 4+ 1676- 16² Kreuz⸗ und 401. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 2. treuer Gott, barmherzigs gherz, des Güte sich nicht endet, ich weiß, daß mir dies Kreuz und Schmerz dein Vater herze sendet. Ja, Herr, ich weiß daß diese Last du mir aus Lieb erteilet hast und gar aus keinem Hasse. 2. Denn das ist allzeit dein Gebrauch: wer Kind ist, muß was leiden, und wen du liebst, den stäupst du auch, schicksst Trauren vor den Freuden; führst uns zur Hölle, tust uns weh und führst uns wieder in die Höh; und so geht eins ums ander. 3. Das hat, Herr, dein ge⸗ liebter Sohn selbst wohl erfahrn auf Erden, denn eh er kam zum Ehrenthron, mußt er gekreuzigt werden; er ging durch Trübsal, Angst und Not, ja durch den herben, bittern Tod drang er zur Himmelsfreude. 4. Hat nun dein Sohn, der fromm und recht, so willig sich ergeben, was will ich armer Sündenknecht dir viel zuwider streben? Er ist der Spiegel der Geduld, und wer sich sehnt nach seiner Huld, der muß ihm ähn⸗ lich werden. 5. Ach liebster Vater, wie so schwer ists der Vernunst, zu gläuben, daß du demselben, den du sehr schlägst, solltest günstig bleiben! Wie macht doch Kreuz so lange Zeit, wie schwerlich will sich Lieb und Leid zusammen lassen reimen. Trostlieder. 6. Was ich nicht kann, das gib du mir, o höchstes Gut der Frommen, gib, daß mir nicht des Glaubens Zier durch Trübsal werd entnommen. Erhalte mich, o starker Hort, befestge mich in deinem Wort, behüte mich vor Murren! 7. Vin ich ja schwach, laß deine Treu mir an die Seite ireten, hilf, daß ich unverdrossen sei zum Rufen, Seufzen, Beten. Solang ein Herze hofft und gläubt und im Gebet beständig bleibt, solang ists unbezwungen. 8. Ach Jesu, der du worden bist mein Heil mit deinem Vlute, du weißt gar wohl, was Kreuze ist, und wie dem sei zumute, den Kreuz und großes Unglück plagt; drum wirst du, was mein Herze klagt, gar gern zu Herzen fassen. 9. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn mit mir Mitleiden haben und mich, wie ichs jetzt dürstig bin, mit Gnad und Hülfe laben. Ach stärke meine schwache Hand, ach heil und bring in bessern Stand das Straucheln meiner Füße! 10. Sprich meiner Seel ein Herze zu und tröste mich aufs beste, denn du bist ja der Müden Ruh, der Schwachen Turm und Beste, ein Schatten vor der Sonnen Hitz, ein Hütte, da ich sicher sitz im Sturm und Ungewitter. 11. Und weil ich ja nach deinem Rat hie soll ein wenig leiden, so laß mich auch in deiner Gnad als wie ein Schäflein weiden, daß ich im Glauben die Geduld und durch Geduld die edle Huld nach schwerer Prob erhalte. Kreuz⸗ und 12. O heilger Geist, du Freu⸗ denöl, das Gott vom Himmel schicket, erfreue mich, gib meiner Seel, was Mark und Bein er⸗ quicket! Du bist der Geist der Herrlichkeit, weißt, was für Freud und Seligkeit mein in dem Himmel warte. 13. Daselbst wirst du in ewger Lust aufs süßte mit mir handeln, mein Kreuz, das dir und mir bewußt, in Freud und Ehre wan⸗ deln. Da wird mein Weinen lauter Wein, mein Achzen lauter Jauchzen sein. Das glaub ich, hilf mir! Amen. Paul Gerhardt g. 1607 1676. 402. Eigene Melodie. Hid dich zufrieden und sei stille Min dem Gotte deines Lebens! In ihm ruht aller Freude Fülle, ohn ihn mühst du dich vergebens; er ist dein Quell und deine Sonne, scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gib dich zufrieden! 2. Er ist voll Lichtes, Trosis und Gnaden, ungefärbtes, treuen Herzens; wo er steht, tut dir keinen Schaden auch die Pein des größten Schmerzens. Kreuz, Angst und Not kann er bald wenden, ja auch den Tod hat er in Händen. Gib dich zufrieden! 3. Wie dirs und andern oft ergehe, ist ihm wahrlich nicht verborgen; er sieht und kennet aus der Höhe der betrübten Herzen Sorgen. Er zählt den Lauf der heißen Tränen und faßt zuhauf all unser Sehnen! Gib dich zu⸗ frieden! Trostlieder. 245 4. Wenn gar kein einger mehr auf Erden, dessen Treue du darfst trauen, alsdann will er dein Treuster werden und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid und heimlich Grämen; auch weiß er Zeit, dirs zu benehmen. Gib dich zufrieden!— 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen und des Herzens stilles Klagen, und was du keinem darfst erzählen, magst du Gott gar kühnlich sagen. Er ist nicht sern, steht in der Mitten, hört bald und gern der Armen Bitten. Gib dich zufrieden! 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen, halt an Gott, so wirst du siegen; ob alle Fluten einher gingen, dennoch mußt du oben liegen. Denn wenn du wirst zu hoch beschweret, hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gib dich zufrieden! 7. Was sorgst du für dein armes Leben, wie dus halten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, wird auch Unterhalt bescheren. Er hat ein Hand, voll aller Gaben, da See und Land sich muß von laben. Gib dich zufrieden! 8. Der allen Vöglein in den Wäldern ihr bescheidnes Körnlein weiset, der Schaf und Rinder in den Feldern alle Tage tränkt und speiset, der wird ja auch dich eingen füllen, den Hunger dir zur Notdurft stillen. Gib dich zufrieden! 9. Sprich nicht: Ich sehe keine Mittel, wo ich such, ist nichts zum Besten. Denn das ist Gottes 246 Kreuz⸗ und Ehrentitel: helfen, wenn die Not am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, da schickt er zu, uns wohl zu führen. Gib dich zufrieden! 10. Bleibt gleich die Hülf in etwas lange, wird sie dennoch endlich kommen; macht dir das Harren angst und bange, glaube mir, es ist dein Frommen. Was langsam schleicht, faßt man ge⸗ wisser, und was verzeucht, ist desto süßer. Gib dich zufrieden! 11. Nimm nicht zu Herzen, was die Rotten deiner Feinde von dir dichten; laß sie nur immer weidlich spotten, Gott wirds hören und recht richten. Ist Gott dein Freund und deiner Sachen, was kann dein Feind, der Mensch, groß machen? Gib dich zufrieden! 12. Hat er doch selbst auch wohl das Seine, wenn ers sehen könnt und wollte. Wo ist ein Glück so klar und reine, dem nicht etwas fehlen sollte? Wo ist ein Haus, das könnte sagen: Ich weiß durchaus von keinen Plagen? Gib dich zufrieden! 13. Es kann und mag nicht anders werden, alle Menschen müssen leiden; was webt und lebet auf der Erden, kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Len⸗ den bis in das Grab; da wird sichs enden. Gib dich zufrieden! 14. Es ist ein Ruhetag vor⸗ handen, da uns unser Gott wird lösen; er wird uns reißen aus den Banden dieses Leibs und allem Bösen. Es wird einmal der Tod herspringen und aus der Trostlieder. Qual uns sämtlich bringen. Gib dich zufrieden! 15. Er wird uns bringen zu den Scharen der Erwählten und Getreuen, die hier mit Frieden abgefahren, sich auch nun im Frieden freuen, da sie den Grund, der nicht kann brechen, den ewgen Mund selbst hören sprechen: Gib dich zufrieden! Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. 403. Eigene Melodie. Wer nur den lieben Gott läßt NRwalten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderlich erhalten in aller Not und Traurig⸗ keit. Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schwe⸗ ren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gna⸗ denwille, wie sein Allwissenheit es fügt; Gott, der uns ihm hat aus⸗ erwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freuden⸗ stunden, er weiß wohl, wann es nützlich sei. Wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh wirs uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn. Kreuz⸗ und 5. Denk nicht in deiner Drang⸗ salshitze, daß du von Gott ver⸗ lassen seist, und daß Gott der im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist; die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen, und ist dem Höchsten alles gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich; Gott ist der rechte Wundermann, der bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Him⸗ mels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn wer nur seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Georg Neumark g. 1621 + 1081. 404. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut. Wie mein getreuer Vater will in allen diesen Sachen, so halt ich ihm auch gerne still und laß es ihn nur machen. Gott weiß wohl, was mir nütz und gut, und wird aus väterlichem Mut für meine Wohlfahrt wachen. 2. Ob ich gleich denke dies und das, was ich doch soll beginnen, und gräme mich ohn Unterlaß mit hochbetrübten Sinnen, so kann ich durch mein Herzeleid der großen Widerwärtigkeit doch nie was ab⸗ gewinnen. 3. Drum laß ichs gehen, wie Trostlieder. 247 doch wiederum einmal nach dieser schweren Herzensqual der Gütigkeit erwähnen. 4. Indessen leid ich mit Geduld, bis Gott sich wiederfinde, denn alles dies hab ich verschuldt mit meiner großen Sünde. Ich weiß, Gott wird mich wunderbar er⸗ retten aus der Angstgefahr, was ich jetzt nicht ergründe. 5. Wird mich mein Gott, mein Seelenlicht, vom Zweifel nur be⸗ freien und nur des Glaubens Zuversicht mir gnädiglich ver⸗ leihen, so muß mir dieses große Leid samt aller Widerwärtigkeit doch endlich wohl gedeihen. Georg Neumark g. 1621 4 1681. 405. Eigene Melodie. . es gleich bisweilen scheinen, als wenn Gott verlaß die Seinen, o so glaub und weiß ich dies: Gott hilft endlich doch gewiß. 2. Hülfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenns nötig ist. 3. Gleich wie Väter nicht bald geben, wonach ihre Kinder streben, so hält Gott auch Maß und Ziel, er gibt, wem und wann er will. 4». Seiner kann ich mich ge⸗ trösten, wenn die Not am aller⸗ größten; er ist gegen mich, sein Kind, mehr als väterlich gesinnt. 5. Laß die Welt nur immer neiden! Will sie mich nicht länger es geht, und sende meine Tränen leiden, ei so frag ich nichts vor Gottes hohe Majestät mit darnach, Gott ist Richter meiner bitterm Herzenssehnen. Gott wird Sach. 248 Kreuz⸗ und 6. Will sie mich gleich von sich treiben, muß mir doch der Him⸗ mel bleiben, wenn ich nur den Himmel krieg, hab ich alles zur Genüg. 7. Ach Herr, wenn ich dich nur habe, sag ich allem andern abe; legt man mich gleich in das Grab, ach Herr, wenn ich dich nur hab! Christoph Tietze g. 1641 4 1703. 406. Eigene Melodie. E5 dich Gott, du Verlaßner, still dein Sorgen, deine Qual und deine Not ist dem Höchsten unverborgen, hilft er heut nicht, hilft er morgen. Laß dich Gott! 2. Halt Gott still, denn er brauchet Liebesschläge, wodurch er dich bessern will, daß sich Kindes⸗ furcht errege. Traue seiner Vater⸗ pflege, halt Gott still! 3. Gott ist nah, wenn er dir entfernet scheinet; ist nicht gleich die Rettung da, ist es dir zum Nutz gemeinet; er hilft, wenn du gnug geweinet. Gott ist nah. 4. Gott ist dein, so du ihm dich nur ergibest; deine Pein wird Freude sein, wenn du ihn vor allem liebest und mit Unmut nicht betrübest. Gott ist dein. 5. Lehr Gott nicht, wie und wann er dich soll hören. Sein Aug steht auf dich gericht. Währt dein Kreuz lang, laß es währen, endlich wird es sich doch kehren. Lehr Gott nicht! 6. Liebst du Gott, wandelst treu auf seinen Wegen, wird kein Kreuz, kein Not, kein Tod dein Vertrauen Trostlieder. niederlegen. Alles dienet dir zum Segen, liebst du Gott. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig⸗ Wolfenbüttel g. 1633 4 1714. 407. Eigene Melodie. W Gott tut, das ist wohl⸗ getan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt meine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten, drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott tut, das ist wohl⸗ getan, er wird mich nicht betrügen, er führet mich auf rechter Bahn; so laß ich mir genügen an seiner Huld und hab Geduld, er wird mein Unglück wenden, es steht in seinen Händen. 3. Was Gott tut, das ist wohl⸗ getan, er wird mich wohl bedenken; er als ein Arzt und Wundermann wird mir nicht Gift einschenken für Arzenei; Gott ist getreu, drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott tut, das ist wohl⸗ getan, er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann; ich will mich ihm ergeben in Freud und Leid, es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie treulich er es meinet. 5. Was Gott tut, das ist wohl⸗ getan; muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken, weil doch zuletzt ich werd ergetzt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen. *** — S? Kreuz⸗ und 6. Was Goit tut, das ist wohlgetan, dabei will ich ver⸗ bleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten, drum laß ich ihn nur walten. Samuel Rodigast g. 1649 4 1708. 408. Eigene Melodie. Was mich auf dieser Welt betrübt, das währet kurze Zeit, was aber meine Seele liebt, das bleibt in Ewigkeit. Drum fahr, o Welt, mit Ehr und Geld und deiner Wollust hin, in Kreuz und Spott kann mir mein Gott erquicken Mut und Sinn. 2. Die Torenfreude dieser Welt, wie süß sie immer lacht, hat schleu⸗ nig ihr Gesicht verstellt und den in Leid gebracht, der auf sie baut; wer aber traut allein auf Gottes Treu, der siehet schon die Himmelskron und freut sich ohne Reu. 3. Mein Jesus bleibet meine Freud, was frag ich nach der Welt? Welt ist nur Furcht und Traurigkeit, die endlich selbst zer⸗ fällt. Ich bin ja schon mit Gottes Sohn im Glauben hier vertraut, der droben sitzt und hier beschützt sein auserwählte Braut. 4. Ach Jesu, töt in mir die Welt und meinen alten Sinn, der sich dir stets entgegenstellt; Herr, nimm mich selber hin und binde mich ganz festiglich an dich, o Herr, mein Hort, so irr ich nicht in deinem Licht bis an die Himmelspfort. Joh. Jak. Schütz g. 1640 f 1690. er Gott mißfallen tut; Trostlieder. 409. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht singen. 45 ergebe mich dem Willen mei⸗ nes Gottes ganz und gar; der wird wohl an mir erfüllen, was mir nützet immerdar. Siehe, höchster Gott, hernieder, was ich lege vor dich hin, Herz, Gedanken, Mut und Sinn, mich und alle meine Glieder; mache daraus, was du willt, was du willt, mein Gott und Schild! 2. Ach ich kenne dich ja eben, daß du selbst mein Vater bist; ich kenn auch mein liebstes Leben, das allein ist Jesus Christ; und weiß einen treuen Führer, der den rechten Weg mir weist, der ist Gott, der heilge Geist. Hab ich denn nun zum Regierer dich, o du dreieinger Gott, so erschreckt mich keine Not. 3. Und wie könnt ich doch ver⸗ zagen, ging es noch so wunderlich, da ich kann bis heute sagen, daß Gott wohl geführet mich. Soll ich denn erleben morgen, ei so lebet Gott auch noch, bei dem ich ver⸗ sichert doch, daß er sein Kind wohl versorgen und sein Schäflein führen wird, weil er Vater ist und Hirt. 4. Ginge mir es, wie ich wollte, stünd es wohl gar selten gut, wenn mein Wunsch geschehen sollte, da ach wie würde mein Verderben ich erwählen gar zu oft, wenn was Gutes ich gehofft; darum will ich mich be⸗ werben, meinem Gott zu halten still. Mir geschehe, was Gott will. 5. Was Gott will, geschehe immer; was ich will und schädlich 250 ist, das laß ja geschehen nimmer, Gott, der du so gütig bist; und weil dir mein Unvermögen, was du willst zu tun, bekannt, ach so laß doch deine Hand meiner Schwachheit Kraft beilegen, daß ich könne folgen dir. Was du willst, geschehe mir. Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzb.-Rudolstadt g. 1640 + 1672. 410. Mel. Alles ist an Gottes Segen. Werderaufang, herrlichs Ende, wo die wunderweisen Hände Kreuz⸗ und Gottes führen ein und aus! Wunderweislich ist sein Raten, wunderherrlich seine Taten, und du sprichst: Wo wills hinaus? 2. Denke doch: Es muß so gehen, was Gott weislich heißt geschehen, ihm und dir zur Herr⸗ lichkeit. Ob der Anfang seltsam scheinet, ist das End doch gut gemeinet, Friede folget nach dem Streit. 3. Gottes Weg ist in den Flüssen und in großen Wasser⸗ güssen, und du spürst nicht seinen Fuß:) so auch in dem Meer der Sorgen hält Gott seinen Pfad verborgen, daß man nach ihm suchen muß. Ps. 77, 20. 4. Kein Besinnen kann ersinnen, wo man könne Hülf gewinnen, die Vernunft ist hier zu blind; ihre halb gebrochnen Augen nicht in das Verborgne taugen, dem sie allzu⸗ blöde sind. 5. Gott muß man in allen Sachen, weil er alles wohl kann machen, End und Anfang geben frei. Er wird, was er angefan⸗ Trostlieder. gen, lassen so ein End erlangen, daß es wunderherrlich sei. 6. Drum so laß dir nimmer grauen, lerne deinem Gott ver⸗ trauen, sei getrost und gutes Muts! Er fürwahr, er wird es führen, daß dus wirst am Ende spüren, wie er dir tut lauter Guts. 7. Du wirst an den Fingern zählen und nicht vor der Welt verhehlen, was die blinde Welt nicht kennt. Er wird dir dein Kreuz versüßen, daß du wirst be⸗ kennen müssen: Wunderanfang, herrlichs End! H. A. Stockfleth g. 1643 + 1708. 411¹. Mel. Jesu, meine Freude. Meine Seel ist stille zu Gott, dessen Wille mir zu helfen steht; mein Herz ist vergnüget mit dem, wies Gott füget, nimmt an, wie es geht. Geht es nur dem Himmel zu, und bleibt Jesus un⸗ geschieden, so bin ich zufrieden. 2. Meine Seele hanget an dir und verlanget, Gott, bei dir zu sein aller Ort und Zeiten, und mag keinen leiden, der ihr rede ein; von der Welt Ehr, Lust und Geld, wornach so viel sind be⸗ flissen, mag sie gar nichts wissen. 3. Nein, ach nein, nur Einer, sagt sie, und sonst keiner wird von mir geliebt; Jesus der getreue, in dem ich mich freue, sich mir ganz ergibt. Er allein, er soll es sein, dem ich wieder mich er⸗ gebe und ihm einzig lebe. 4. Gottes Güt erwäge und dich gläubig lege sanft in seinen Schoß! * Kreuz⸗ und Lerne ihm vertrauen, so wirst du bald schauen, wie die Ruh so groß, die da fleußt aus stillem Geist. Wer sich weiß in Gott zu schicken, den kann er erquicken. 5. Meine Seele senket alles, was sie kränket, tief in Jesu Brust; sie wird stark durch Hoffen; was sie je betroffen, träget sie mit Lust, fasset sich ganz männiglich durch Geduld und Glauben feste; am End kommt das Beste. 6. Amen, es geschiehet; wer zu Jesu fliehet, wird es recht erfahrn, wie Gott seinen Kindern pflegt das Kreuz zu mindern und das Glück zu sparn bis zu End; als⸗ dann sich wendt das zuerst gekoste Leiden, und gehn an die Freuden. Joh. Kasp. Schade g. 1666 + 1698. 4¹². Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 1. Helt ist und bleibt getreu, sein Herze bricht von Lieben, pflegt er gleich öftermal die Seinen zu betrüben. Er prüfet durch das Kreuz, wie rein der Glaube sei, wie standhaft die Geduld; Gott ist und bleibt getreu. 2. Gott ist und bleibt getreu; er hilst ja selber tragen, was er uns auferlegt, die Last der schweren Plagen. Er braucht die Ruten ost und bleibet doch dabei ein Vater, der uns liebt; Gott ist und bleibt getreu. 3. Gott ist und bleibt getreu; er weiß, was wir vermögen; er pfleget nie zu viel den Schwachen aufzulegen. Er macht sein Israel von Last und Banden frei, wenn Trostlieder. 251 große Not entsteht; Gott ist und bleibt getreu. 4. Gott ist und bleibt getreu; er tröstet nach dem Weinen; er läßt aus trüber Nacht die Freu⸗ densterne scheinen. Es geht der Kreuzessturm im Augenblick vor⸗ bei; sei, Seele, nur getrost! Gott ist und bleibt getreu. 5. Gott ist und bleibt getreu; er stillet dein Begehren, er will dein Glaubensgold in Trübsals⸗ glut bewähren. Nimm an von Gottes Hand den Kreuzkelch ohne Scheu, der Lebensbecher folgt; Gott ist und bleibt getreu. 6. Gott ist und bleibt getreu. Laß alle Wetter krachen, Gott wird der Trübsal doch ein solches Ende machen, daß alles Kreuz und Not dir ewig nützlich sei. So liebt der Höchste dich. Gott ist und bleibt getreu. 1695. 413. Eigene Melodie. Se führst du doch recht selig, Herr, die Deinen, ja selig und doch meistens wunderlich. Wie könntest du es böse mit uns meinen, da deine Treu nicht kann verleugnen sich? Die Wege sind oft krumm und doch gerad, darauf du läßt die Kinder zu dir gehn; da pflegt es wunderseltsam aus⸗ zusehn, doch triumphiert zuletzt dein hoher Rat. 2. Dein Geist hängt nie an menschlichen Gesetzen, so die Ver⸗ nunft und gute Meinung stellt. Den Zweifelsknoten kann dein Schwert verletzen und lösen auf, 292 Kreuz⸗ und nach dem es dir gefällt. Du reißest wohl die stärksten Band entzwei; was sich entgegensetzt, muß sinken hin; ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn; dann geht dein Fuß auch durch Un⸗ wege frei. 3. Was unsre Klugheit will zu⸗ sammenfügen, teilt dein Verstand in Ost und Westen aus; was mancher unter Joch und Last will biegen, setzt deine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt, und du verknüpfst in Kraft; sie bricht, du baust; sie baut, du reißest ein; ihr Glanz muß dir ein dunkler Schatten sein, dein Geist bei Toten Kraft und Leben schafft. 4. Will die Vernunft was fromm und selig preisen, so hast dus schon aus deinem Buch ge⸗ tan; wem aber niemand will dies Zeugnis weisen, den führst du in der Still selbst himmelan. Den Tisch der Pharisäer läßt du stehn und speisest mit den Sün⸗ dern, sprichst sie frei. Wer weiß, was öfters deine Absicht sei? Wer kann der tiefsten Weisheit Abgrund sehn? 5. Was alles ist, gilt nichts in deinen Augen; was nichts ist, hast du, großer Herr, recht lieb. Der Worte Pracht und Ruhm kann dir nicht taugen, du gibst die Kraft durch deines Geistes Trieb. Die besten Werke brin⸗ gen dir kein Lob: sie sind ver⸗ steckt, der Blinde geht vorbei, wer Augen hat, sieht sie doch nicht so frei; die Sachen sind zu fein, der Sinn zu grob. Trostlieder. 6. O Herrscher, sei von uns gebenedeiet, der du uns tötest und lebendig machst. Wenn uns dein Geist der Weisheit Schatz verleihet, so sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst. Die Weisheit spielt“) bei uns, wir spielen mit; bei uns zu wohnen ist dir lauter Lust, die reget sich in deiner Vaterbrust und gängelt uns mit zartem Kinderschritt.) Sprüche 8, 30. 31. 7. Bald scheinst du etwas hart uns anzugreifen, bald fährest du mit uns ganz säuberlich. Ge⸗ schiehts, daß unser Sinn sucht auszuschweifen, so weist die Zucht uns wieder hin auf dich. Da gehn wir denn mit blöden Augen hin, du küssest uns, wir sagen Beßrung zu; drauf schenkt dein Geist dem Herzen wieder Ruh und hält im Zaum den aus⸗ geschweiften Sinn. 8. Du kennst, o Vater, wohl das schwache Wesen, die Ohn⸗ macht und der Sinne Unverstand; man kann uns fast an unsrer Stirn ablesen, wie es um schwache Kinder sei bewandt. Drum greifst du zu und hältst und trägest sie, brauchst Vaterrecht und zeigest Muttertreu; wo niemand meint, daß etwas deine sei, da hegst du selbst dein Schäflein je und je. 9. Also gehst du nicht die ge⸗ meinen Wege, dein Fuß wird selten öffentlich gesehn, damit du sehst, was sich im Herzen rege, wenn du in Dunkelheit mit uns willst gehn. Das Widerspiel legst du vor Augen dar von dem, was du in deinem Sinne hast; wer meint, er habe deinen Rat gefaßt, Kreuz⸗ und der wird am End ein andres oft gewahr. 10. O Auge, das nicht Trug noch Heucheln leidet, gib mir der Klugheit scharfen Unterscheid, dadurch Natur von Gnad man unterscheidet, das eigne Licht von deiner Heiterkeit. Laß doch mein Herz dich niemals meistern nicht, brich ganz entzwei den Willen, der sich liebt, erweck die Lust, die sich nur dir ergibt und tadelt nie dein heimliches Gericht. 11. Will etwa die Vernunft dir widersprechen und schüttelt ihren Kopf zu deinem Weg, so wollst du die Befestung nieder⸗ brechen, daß ihre Höh sich nur beizeiten leg. Kein fremdes Feuer sich in mir anzünd, das ich vor dich in Torheit bringen möcht“) und dir wohl gar so zu gefallen dächt. Ach selig, wer dein Licht ergreift und findt! *) 3. Mos. 10, 1. 12. So zieh mich denn hinein in deinen Willen und trag und heg und führ dein armes Kind! Dein innres Zeugnis soll den Zweifel stillen, dein Geist die Furcht und Lüste überwind! Du bist mein Alles, denn dein Sohn ist mein, dein Geist regt sich ganz kräftiglich in mir, ich brenne nun nach dir in Liebsbegier, wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein! 13. Drum muß die Kreatur mir immer dienen, kein Engel schämt nun der Gemeinschaft sich; die Geister, die vor dir vollendet grünen, sind meine Bruüder und erwarten mich. Wie oft erquicket Trostlieder. 253 meinen Geist ein Herz, das dich und mich und alle Christen liebt! Ists möglich, daß mich etwas noch betrübt? Komm, Freuden⸗ quell, weich ewig, aller Schmerz! Gottfried Arnold g. 1663 + 1714. 414. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Meine Seele senket sich hin in Gottes Herz und Hände und erwartet ruhiglich seiner Wege Ziel und Ende, liegt fein stille, nackt und bloß in des liebsten Vaters Schoß. 2. Meine Seele murret nicht, ist mit allem wohl zufrieden; was der eigne Wille spricht, ist zum Tode schon beschieden. Was die Ungeduld erregt, ist in Christi Grab gelegt. 3. Meine Seele sorget nicht, will vielmehr an nichts gedenken, was gleich spitzen Dornen sticht und den Frieden nur kann kränken. Sorgen hört dem Schöpfer zu, meine Seele sucht nur Ruh. 4. Meine Seele grämt sich nicht, liebt hingegen Gott im Leiden; Kummer, der das Herze bricht, trifft und ängstet nur die Heiden. Wer Gott in dem Schoße liegt, bleibt in aller Not vergnügt. 5. Meine Seele klaget nicht, denn sie weiß von keinen Nöten, hängt an Gottes Angesicht, auch alsdann, wenn er will töten. Wo sich Fleisch und Blut beklagt, wird das Freudenlicht verjagt. 6. Meine Seel ist still zu Gott, und die Zunge bleibt gebunden. 254 Kreuz⸗ und Also hab ich allen Spott, alle Marter überwunden, bin gleich wie ein stilles Meer, voll von Gottes Preis und Ehr. Joh. Jos. Winckler g. 1670 1 1722. 4¹5⁵. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 1. Besiehl dem Herren deine Wege und mache dich von Sorgen los, vertraue seiner Vaterpflege, vor ihm ist nichts zu schwer und groß, das er zu seines Namens Preis nicht herrlich auszuführen weiß. 2. Wo du ihn hast nur raten lassen, da hat er alles wohl ge⸗ macht; denn was dein Denken nicht kann fassen, das hat er längst zuvor bedacht; wie dirs sein Rat hat ausersehn, so und nicht anders muß es gehn. 3. Wie werden deine Lebens⸗ tage so manches Kummers sein befreit, wie leicht wird alle Not und Plage dir werden hier in dieser Zeit, wenn du nichts wünschest in der Welt, als was Gott will und ihm gefällt. 4. Dir wirds an keinem Gute fehlen, wenn du dein Herz ge— wöhnst und lehrst, nur Gottes Willen zu erwählen, und deinem eignen Willen wehrst, den stets sein eigne Wahl betreugt, so gut ihm oft sein Wollen deucht. 5. Gib meinem Herzen solche Stille, mein Jesu, daß ich sei vergnügt mit allem, was dein Gnadenwille mit mir und meinem Leben fügt. Nur nimm dich meiner Trostlieder. Seele an, so hab ich, was ich wünschen kann. 6. Ich weiß, du tusts; sie ist die deine und kostet dir dein teures Blut; behalt sie dir nur schön und reine, laß dies dein mir vertrautes Gut nur einzig meine Sorge sein, so trifft mein ganzes Wünschen ein. 7. Indes sei stets, mein Heil, gepriesen für alle Sorgfalt, die du mir, noch eh ich war, schon hast erwiesen, da du, mein süßer Jesu, dir zum Eigentum mich hast erwählt und deinen Schafen zugezählt. 8. Dir sei auch ewig Lob ge⸗ geben, daß du so unermüdet hast für mich gesorgt in meinem Leben. Solang ich bin der Erde Gast, ist alles liebreich, nütz und gut, was deine Schickung mit mir tut. 9. Dort werd ich deiner Liebe Taten erst preisen in Voll⸗ kommenheit, wenn nun mein Hoffen ist geraten, daß ich kann in der Seligkeit erkennen, wie dein Wille mir so gut gewesen für und für. Henr. Kath. v. Gersdorf g. 1618 4 17²8. 416. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. MNen Gott will ich gedenken, denn Wer gedenkt an mich. Wenn mich die Sorgen kränken, so hebt mein Herze sich zu meinem Gott empor; bald weichen alle Schmer⸗ zen, denn er stellt meinem Herzen nichts als Vergnügen vor. 2. Denk ich an seine Liebe, wie werd ich doch entzückt, daß ——————— ——— S— Kreuz⸗ und wenn es noch so trübe, mir gleich die Sonne blickt. Da kommt mir immer ein: Er hat sich hoch ver⸗ messen, er will mich nicht vergessen. Wie könnt ich traurig sein? 3. Denk ich an seine Güte, die alle Morgen neu, so freut sich mein Gemüte bei solcher Vater⸗ treu; die Last werf ich auf ihn, so wird die Arbeit süße, wenn ich den Schweiß vergieße, denn Gott ist mein Gewinn. 4. Denk ich an sein Erbarmen: er schenket mir sein Kind, o Gnade für mich Armen! Heißt das nicht treu gesinnt? Gott ist in Christo mein; Gott müßte Jesum hassen, wenn er mich wollte lassen, das kann unmöglich sein. 5. Drum will ich an Gott denken; die Welt mag immerhin den Sinn aufs Eitle lenken, hier ist ein andrer Sinn. Ich trage Gott allein im Herzen und im Munde, so kann mir keine Stunde allhier zu lange sein. 6. An Gott will ich gedenken, solang ich denken kann. Wird man ins Grab mich senken, so geh ich zwar die Bahn, da mein die Welt vergißt, doch glaub ich dieses feste, Gott denket mein aufs beste, wo sein Gedächtnis ist. Benjamin Schmolck g. 1672 1737. 417. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. Weine nicht, Gott lebet noch, du betrübte Seele! Drückt dich gleich ein hartes Joch in der Trauerhöhle, nur Geduld, Gottes Huld läßt oft nach dem Weinen auch die Sonne scheinen. Trostlieder. 25⁵ 2. Weine nicht, Gott denkt an dich, ob dus gleich nicht denkest. Oftermals verbirgt er sich, wenn du dich sehr kränkest, da die Welt eh zerfällt, eh er dich wird hassen, oder gar verlassen. 3. Weine nicht, Gott siehet dich, scheint er gleich verstecket. Wenn du nur geduldiglich seinen Kelch geschmecket, reichet er Labsal her und gibt nach dem Leiden wieder Trost und Freuden. 4. Weine nicht, Goit höͤret dich, wenn dein Herz nur girret.“) Hast du dich gleich wunderlich in der Not verwirret, ruf ihn an, denn er kann deinen Unglückswellen Ziel und Grenzen stellen.) Fes. 38, 14. 5. Weine nicht, Gott liebet dich, wenn die Welt betrübet und so manchen Schlangenstich deinem Herzen gibet. Nichts betrübt, den Gott liebt; will gleich alles krachen, Gott kann fröhlich machen. 6. Weine nicht, Gott sorgt für dich, ei, was kann dir fehlen? Was willst du dich stetiglich mit den Sorgen quälen? Wirf auf ihn alles hin, er wird deine Sachen gut und besser machen. 7. Weine nicht, Gott tröstet dich nach den Tränengüssen; endlich wird der Kummer sich ganz ver⸗ lieren müssen. Durch den Tod stirbt die Not, und wenn der erscheinet, hast du ausgeweinet. Nach Benj. Schmolck g. 1672 1 1737. 418. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 1. Ae größer Kreuz, je näher Himmel. 3 7 Wer ohne Kreuz, ist ohne 256 Gott. Bei Kreuz⸗ und Sündenlust und Welt⸗ getümmel vergißt man Hölle, Fluch und Tod. O selig ist der Mann geschätzt, den Gott in Kreuz und Trübsal setzt. 2. Je größer Kreuz, je stärker Glaube. Die Palme wächset bei der Last, die Süßigkeit fleußt aus der Traube, wenn du sie wohl gekeltert hast. Im Kreuze wächset uns der Mut, wie Perlen in gesalzner Flut. 3. Je größer Kreuz, je mehr Gebete. Geriebne Kräuter riechen wohl; wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, so fragte man nicht nach dem Pol. Wo kämen Davids Psalmen her, wenn er nicht auch versuchet wär? 4. Je größer Kreuz, je lieber Sterben. Man freut sich recht auf seinen Tod, denn man ent⸗ gehet dem Verderben, es stirbt auf einmal alle Not. Das Kreuze, das die Gräber ziert, bezeugt, man habe triumphiert. 5. Je größer Kreuz, je schöner Krone, die Gottes Schatz uns beigelegt, und die einmal vor seinem Throne der Überwinder Scheitel trägt. Ach dieses teure Kleinod macht, daß man das größte Kreuz nicht acht. 6. Gekreuzigter, laß mir dein Kreuze je länger und je lieber sein! Daß mich die Ungeduld nicht reize, so pflanz ein solches Herz mir ein, das Glaube, Lieb und Hoffnung hegt, bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Benjamin Schmolck g. 1672 4 1787. Trostlieder. 419. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 3. 4 weiß, es kann mir nichts geschehen in meiner ganzen Lebenssrist, als was des Höchsten Rat versehen, und was mir nütz und selig ist. Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch stets an dir. 2. Du leitest mich bei meiner Rechten und führest mich durch Wohl und Weh, du bist mein Licht in Trübsalsnächten, mein Leitstern auf der wilden See. Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch stets an dir. 3. Du magst mich küssen oder schlagen, ich weiß doch, daß du Vater bist; dein Herze kann mir nichts versagen, was hier und dort mir selig ist. Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch stets an dir. 4. Drum soll mein Herze stand⸗ haft stehen, ob mancher Wind des Kreuzes weht; es kann mir nie⸗ mals übel gehen, wenn es nach Gottes Willen geht. Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch stets an dir. 5. Mein Gott, dir bleib ich ganz ergeben, Herr, leite mich auf rechter Bahn und nimm mich einst nach diesem Leben mit Gnaden und mit Ehren an! Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch stets an dir. Salomo Franck g. 1659 4 1725. .....RUEcc‚‚.eet RR Kreuz⸗ und 420. Mel. Aus tiefer 1019. schrei ich zu dir. Mel. 2. Wie Gott mich führt, so will ich gehn ohn alles Eigen⸗ wählen; geschieht, was er mir ausersehn, wird mirs an keinem fehlen. Wie er mich führt, so geh ich mit und folge willig Schritt vor Schritt in kindlichem Vertrauen. 2. Wie Gott mich führt, so bin ich still und folge seinem Leiten, obgleich im Fleisch der Eigenwill will öfters widerstreiten. Wie Gott mich führt, bin ich bereit in Zeit und auch in Ewigkeit, stets seinen Schluß zu ehren. 3. Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt, ich ruh in seinen Hän⸗ den. Wie er es schickt und mit mir fügt, wie ers will kehren, wenden, sei ihm hiermit ganz heimgestellt; er mach es, wie es ihm gefällt, Trostlieder. 257 Gott nicht sehn, zuletzt wird ers aufdecken,?) wie er nach seinem Vaterrat mich treu und wohl ge⸗ führet hat. Dies sei mein Glau⸗ bensanker.)2. Mose 33, 23. Lampertus Gedicke g. 1683 4 1735. 421. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. E sein Herz, gib dich zufrieden und bleibe ganz geschieden von Sorge, Furcht und Gram! Die Not, die dich jetzt drücket, hat Gott dir zugeschicket; sei still und halt dich wie ein Lamm! 2. Mit Sorgen und mit Zagen und unmutsvollen Klagen häufst du nur deine Pein; durch Stille⸗ sein und Hoffen wird, was dich jetzt betroffen, erträglich, sanft und lieblich sein. 3. Kanns doch nicht ewig währen; oft hat Gott unsre Zäh⸗ ren, eh mans meint, abgewischt; zum Leben oder Sterben. 4. Wie Gott mich führt, so geb ich mich in seinen Vaterwillen. Scheints der Vernunft gleich wunderlich, sein Rat wird doch erfüllen, was er in Liebe hat be⸗ dacht, eh er mich an das Licht ge⸗ bracht; ich bin ja nicht mein eigen. 5. Wie Gott mich führt, so bleib ich treu im Glauben, Hoffen, Leiden. Steht er mit seiner Kraft mir bei, was will mich von ihm scheiden? Ich fasse in Geduld mich sest; was Gott mir widerfahren läßt, muß mir zum besten dienen. 6. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, es geh durch Dorn und wenns bei uns heißt: Wie lange wird mir so angst und bange! so hat er Leib und Seel erfrischt. 4. Gott pflegt es so zu machen, nach Weinen schafft er Lachen, nach Regen Sonnenschein; nach rauhen Wintertagen muß uns der Lenz behagen: er führt in Höll und Himmel ein. 5. Indes ist abgemessen die Last, die uns soll pressen, auf daß wir werden klein; was aber nicht zu tragen, darf sich nicht an uns wagen, und sollts auch nur ein Quentlein sein. 6. Denn es sind Liebesschläge, wenn ich es recht erwäge, womit Hecken. Von vornen läßt sich er uns belegt; nicht Schwerter, 17 258 sondern Ruten sinds, damit Gott zum Guten die Seinigen hienieden schlägt. 7. Er will uns dadurch ziehen zu Kindern, die da fliehen das, was ihm mißbehagt, den alten Menschen schwächen, den Eigen⸗ willen brechen, die Lust ertöten, die uns plagt. 8. Er will uns dadurch lehren, wie wir ihn sollen ehren mit Glauben und Geduld, und sollt er uns in Nöten auch lassen, ja gar töten, uns doch getrösten seiner Huld. 9. Denn was will uns auch scheiden von Gott und seinen Frenden, dazu er uns Ien n2 Man lebe oder sterbe, so bleibet uns das Erbe des Himmels ewig⸗ lich doch stehn. 10. Ist Christus unser Leben, so muß uns, seinen Reben, der Tod sein ein Gewinn; er mag die Leibeshöhle zerbrechen, doch die Seele fliegt auf zum Bau des Himmels hin. 11. Drum gib dich ganz zu⸗ frieden, mein Herz, und bleib ge⸗ schieden von Sorge, Furcht und Leid! Vielleicht wird Gott bald senden, die dich auf ihren Händen hintragen in die Herrlichkeit. J. Anast. Freylinghausen g. 1670 f 1739. 42². Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 25 Wahrheit, deren Treue unsre Hoffnung stützt und hält, ich bekenne und bereue, daß mich Kreuz⸗ und gründen 2 Zweifelmut befällt. Ach wie hängt mein Herz an Dingen, die mich nicht zur Ruhe bringen; ach wie Trostlieder. leicht vergeß ich dein, wenn mein Trost soll sichtbar sein. 2. Ach vergib mir diese Sünde, nimm die Strafe von mir hin, schenke deinem armen Kinde, Vater, einen andern Sinn, den nicht falsche Hoffnung bindet, die wie dünner Reif verschwindet, die wie leichter Rauch verfleucht und das Herz zur Erde zeucht. 3. Laß mich eitle Sorgen mei⸗ den, weil du für mich sorgst und wachst und im Trauren wie in Freuden dich um mich zur Mauer machst. Laß, Herr, auf dein Wort mich hoffen, das noch all⸗ zeit eingetroffen; Hoffnung, die auf Gott nicht baut, wird zulett beschämt geschaut. 4. Laß den Anker meiner Seelen unter aller Stürme Wut nur dein Herz zum Grund er⸗ wählen, da er fest und sicher ruht, so wird sich kein Zweifel wagen, mir mein Schifflein umzuschlagen; ich werd unbeweglich stehn, wenn selbst Berge untergehn. 5. Laß mein Herz versichert werden, daß dein Wort wahr⸗ haftig sei, o so werd ich auf der Erden vieler Sorg und Unruh frei, so werd ich im Glauben beten und erhöret von dir treten, so wankt meine Zuversicht, so wankt meine Hoffnung nicht. 6. Hoffnung darf ich Vater, auf des Sohnes Tod; sein Verdienst das läßt mich finden Grund und Trost in meiner Not; durch sein siegreich Auferstehen kann ich neu geboren gehen als ein Bürger jener Welt, wenn der Erdenbau zerfällt. 3 .... ISSSe‚ nein nde, hin, ater, lsche uner chter zur mei⸗ und in auer dein all⸗ die letzt einer Wut er⸗ ruht, gen, gen; denn chert ahr⸗ der iruh eten sof ankt ich nes läßt in eich ren zelt, Kreuz- und Trostlieder. 7. Da mein Haupt sich aufge⸗ schwungen und auf Gottes gesetzt, so bin ich mit durchge⸗ drungen und den Engeln gleich geschätzt. Ich besitz ein ewig Leben, das er selber mir gegeben; ich bin in der Hoffnung schon mit versetzt auf seinen Thron. 8. Ich bin nur ein Gast auf Erden, oben ist mein Vaterland; wird die Welt zerstöret werden, so geht an mein Ehrenstand. Ich erwarte nur der Stunden, da ich von der Sünd entbunden meinen Heiland werde sehn und vor ihm verkläret stehn. 9. Unterdessen laß mich hoffen auch in Trübsal auf dein Licht, laß mich sehn den Himmel offen, so schreckt Tod und Grab mich nicht. Laß mich voller Trost und Freuden aus dem Tal der Tränen scheiden und was ich gehofft allhier, mich dort schauen, Herr, bei dir! Joh. Jak. Rambach g. 1693 4 1735. 423. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. 52 Gott und nicht auf meinen Rat will ich mein Glücke bauen und dem, der mich erschaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewigkeit,‚ wieviel mir nützen würde, be⸗ stimmte meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? Thron begehrt, und hätte, wunden! 259 3. Gott kennet, was mein Herz was ich bitte, mir gnädig, eh ichs bat, gewährt, wenns seine Weisheit litte. Er sorgt für mich stets väterlich. Nicht was ich mir ersehe, sein Wille der geschehe. 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbst das widrige Geschick, bei dessen Last wir klagen? Die größte Not hebt doch der Tod, und Ehre, Glück und Habe ver⸗ läßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhast glück⸗ lich macht, läßt Gott es keinem fehlen; Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rat vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübsal auch ver⸗ süßen. 6. Was ist des Lebens Herr⸗ lichkeit? Wie bald ist sie ver⸗ schwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ists über⸗ Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern; seid fröhlich ihr Gerechten! Der Herr hilft seinen Knechten. Chr. F. Gellert g. 1715 + 1769. 424. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. W as ist's, daß ich mich quäle? Harr seiner, meine Seele, harr und sei nmiir Du weißt nicht, was dir nützet, Gott weiß es und Gott schützet, er schützet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh ich 260 Kreuz⸗ und die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kannte, eh ich ihn Vater nannte, war er mir schon mit Hülfe nah. 3. Die kleinste meiner Sorgen ist dem Gott nicht verborgen, der alles sieht und hält; und was er mir beschieden, das dient zu meinem Frieden, wärs auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, um glücklich hier zu werden, die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen den Grund zum Glück zu legen, das ewig wie mein Geist besteht. 5. Was dieses Glück vermehret, sei mir von dir gewähret, Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verletzet, wenns alle Welt auch schätzet, sei, Herr mein Gott, mir ewig fern. 6. Sind auch der Krankheit Plagen, der Mangel schwer zu tragen, noch schwerer Haß und Spott, so harr ich und bin stille zu Gott; denn nicht mein Wille, dein Wille nur gescheh, o Gott. 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, wenn Gott mich will bewahren? Und er, mein Gott, bewahret mich. Chr. F. Gellert g. 1715 4 1769. 42⁵. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Der Herr ist meine Zuversicht, mein einzger Trost im Leben. Dem sehlt es nie an Trost und Licht, der sich dem Herrn ergeben. Gott ist sein Gott, auf sein Gebot Trostlieder. wird seine Seele stille, ihm gnügt des Vaters Wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun? Du bist des Schwachen Stärke. Die Augen, welche auf dich schaun, sehn deine Wunder⸗ werke. Herr, groß von Rat und stark von Tat, mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk voll⸗ enden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, verlassen sehen müssen; du läßt ihn, wenn ihn Not umgibt, doch deinen Trost genießen. Des Frommen Herz wird frei von Schmerz, der Sünder eitles Dichten pflegst du, Herr, zu zernichten. 4. Drum hoff, o Seele, hoff auf Gott! Der Toren Trost ver⸗ schwindet, wenn der Gerechte in der Not das Herz des Schöpfers findet. Wenn jener fällt, ist er ein Held; er steht, wenn jene zittern, als Fels in Ungewittern. 5. Wirf nicht die große Hoff⸗ nung hin, die dir dein Glaube reichet. Verflucht sind, die zu Menschen fliehn, verflucht, wer von Gott weichet. Dein Heiland starb; er, er erwarb auf seinem Todeshügel dir deines Glaubens Siegel. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her sich Ungewitter sammeln. Gott hilft, wenn Christen freuden⸗ leer, zu ihm um Gnade stammeln. Die Zeit der Qual, der Tränen Zahl zählt er, er wiegt die Schmer⸗ zen und wälzt sie von dem Herzen. 7. Herr, du bist meine Zu⸗ versicht, auf dich hofft meine Seele. Du weißt, was meinem Glück gebricht, wenn ich mich sorgend Kreuz⸗ und quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlassen und sich im Kummer fassen? 8. In deine Hand befehle ich mein Wohlsein und mein Leben. Mein hoffend Auge blickt auf dich, dir will ich mich ergeben. Sei du mein Gott und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlitz schaue. Nach Christ. Chr. Sturm g. 1740 1 1786. 426. Mel. Schwing dich auf zu deinem Gott. Heines Gottes freue dich, dank ihm, meine Seele! Sorget er nicht väterlich, daß kein Gut dir sehle? Schützt dich seine Vor⸗ sicht nicht, wenn Gefahren dräuen? Ists nicht Seligkeit und Pflicht, seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Gott, ich hab an dir, was mein Herz begehret, einen Vater, welcher mir, was mir nützt, gewähret, der mich durch sein göttlich Wort hier zum Guten lenket und mit Himmels⸗ wonne dort meine Seele tränket. 3. Wenn ich dich, mein Herr und Gott, kindlich fürcht und liebe, wenn ich redlich dein Gebot und mit Freuden übe, o wie ist mir dann so wohl, wie ist mein Gemüte seliger Empfindung voll, voll von deiner Güte! 4. Dann darf ich mit Zuver⸗ sicht auf zum Himmel blicken, meine Leiden fühl ich nicht, wie sie mich auch drücken; Hoffnung und Zufriedenheit wohnen mir im Herzen, trösten und erhöhn mich weit über alle Schmerzen. 261 5. Du bist mein! so jauchz ich dann, wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ichs rühmen kann: Mein ist deine Gnade! Dir ist meine Wohlfahrt wert, du gabst mir das Leben, wirst auch, was mein Leben nährt und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem Rat in die Welt gekommen, alle meine Missetat hat er weggenommen. Ihm vertrau ich, bet ihn an, glaub an seine Leiden, folg ihm treulich, und so kann nichts von ihm mich scheiden. 7. Dich, du Trost der Sterb⸗ lichkeit, Heil des bessern Lebens, himmlische Vollkommenheit, such ich nicht vergebens. Wenn mein Lauf vollendet ist, und vollbracht mein Leiden, ruft mein Mittler Jesus Christ mich zu seinen Freuden. 8. Gib mir nur, solang ich hier als ein Pilger walle, das Bewußtsein, daß ich dir, Herr mein Gott, gefalle. Diese sanfte Freudigkeit, die zu dir ich habe, sei mein Glück in dieser Zeit und mein T Trostlieder. Trost am Grabe. 9. Laß die Lust zur Sünde nie dieses Heil mir rauben, rüste selbst mich wider sie mit entschloßnem Glauben! Gib mir deinen Geist, der mich und mein Tun regiere, daß ich mein Vertraun auf dich ewig nicht verliere. Balthasar Münter g. 1735 4 1793. 5 427. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. ei stille, müdgequältes Herz, das nur am Kummer klebet, richt 262 die Gedanken himmelwärts, hin, wo dein Vater lebet! Zuletzt ver⸗ zagt, wer immer klagt. In Gott sollst du dich fassen; er kann dich nicht verlassen. 2. Sei stille, sinne nicht zu weit, was willst du dir ersinnen? Was wirst du mit Vermessenheit je gegen Gott gewinnen? Du bist ja Staub; ermann dich, glaub: Gott hat es schon versehen, auch was wir nicht verstehen. 3. Sei stille, such bei Menschen nicht, was Menschen nicht ver⸗ mögen; halt fest an Gott mit Zu⸗ versicht, darauf liegt aller Segen. Folg seinem Rat, geh seinen Pfad, laß dir den Herrn der Welten weit über Menschen gelten! 4. Sei stille, hast du lang ge⸗ weint und wirds noch immer trüber, sag nicht: Weil mir kein Licht erscheint, die Hülfe ist vor⸗ über. O harre fort, du hast sein Wort; er wird, so ists verheißen, dich noch aus allem reißen. 5. Sei stille, laß der Zweifel Macht nicht immer dich besiegen, laß Gottes Wahrheit in der Nacht des Kummers überwiegen! Du suchest Ruh? Die hinderst du, solang dich Zweifel quälen; nur Glaube stillt die Seelen. 6. Sei stille, endlich mit dem Tod muß alle Sorge schweigen; dann wird sich von dem Stand der Not der rechte Anblick zeigen; da, da erscheint, wie gut gemeint die Leidensproben waren. Herr, laß michs froh erfahren! Kreuz⸗ und Joh. Gottfr. Schöner g. 1749 4 1818. Trostlieder. 428. Psalm 23. Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. Der Herr ist mein getreuer Hirt, mir wird kein Gutes fehlen; der Hüter, der nicht schläft noch irrt, kann mir nur Heil erwählen. Er weidet mich auf grüner Au, die Speise gibt vom Lebenstau des Geistes seiner Gnade. 2. Er führet mich zum reinen Quell, der mein Gemüt beglücket, zum Wasser, welches frisch und hell den schwachen Mut erquicket. Er leitet mich auf rechter Bahn, er nimmt sich meines Ganges an um seines Namens willen. 3. Und ob ich wall im finstern Tal, fürcht ich doch keinen Scha⸗ den; sein Auge wachet überall, ich bin der Sorg entladen. Sein Stab und Stecken trösten mich, auf seine Treu und Macht kann ich gar ruhig mich verlassen. 4. Du machst mir einen Tisch bereit im Auge meiner Feinde, verscheuchest Angst und Traurig⸗ keit, sprichst freundlich zu dem Freunde; du salbst mein Haupt mit Ol, du schenkst mir voll den Becher ein und lenkst zum Him⸗ mel hin mein Sehnen. 5. Ja Gutes und Barmherzig⸗ keit wird lebenslang mir werden; ich bleib im Haus des Herrn die Zeit, die ich noch leb auf Erden. Und ist des Lebens Wallfahrt aus, dann trägt mich in sein Vater⸗ haus der Flügel treuer Liebe. Joh. Friedr. v. Meyer g. 1772 1840. Kreuz- und Trostlieder. 263 429. die sich auf sein wahrhaftig Wort verlassen und ihm trauen. Er nel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. hats gesagt, und darauf wagt I. Angsten ruf ich, Herre, dich, mein Herz es froh und unverzagt die Fluten gehen über mich, und läßt sich gar nicht grauen. mit meiner Not bin ich allein; hilf, 3. Und was er mit mir machen Herr, erhöre du mein Schrein!“ will, ist alles mir gelegen; ich halte ihm im Glauben still und 2. Du hast den Himmel aus⸗ hoff auf seinen Segen; denn was gespannt und hältst die Erd in er tut, ist immer gut, und wer deiner Hand, den Sperling achtst von ihm behütet ruht, ist sicher du nicht gering; hilf, daß die Höll allerwegen. mich nicht bezwing!(Kyri* 4. Ja wenns am schlimmsten 3. Zu deinem Fuß die Sün⸗ mit mir steht, freu ich mich seiner derin goß ihre Salb mit Weinen Pflege; ich weiß, die Wege, die hin; Herr, ewger Gott, barm⸗ er geht, sind lauter Wunderwege. herzge Hort, sprich auch ir Was böse scheint, ist gut ge⸗ ein Friedenswort!(Kyrieleis!) meint, er ist doch nimmermehr 4. Der Jünger zu versinken mein Feind und gibt nur Liebes⸗ dacht, da auf dem Meer du gingst schläge. in Macht; laß deine Hand mich 5. Und meines Glaubens Unter⸗ sassen, Gott, und mach den Feind 439— ist, was er selbst verheißen: an mir zu Spott!(Kyrieleis!) daß nichts mich seiner starken Hand 5. Laß sehen, Gott, die Wasser soll je und je entreißen. Was er dich,?) laß sie dich schaun und verspricht, das bricht er nicht. Er ängsten sich, mein Herr, mein bl eibet meine Zuversicht, ich will Heil zu aller Frist, der du für ihn + preisen. mich gestorben bist!(Kyr J. Phil. Spitta g. 1801 T 1889. 2 r. Adolf v. Harleß 06 + 187 G. Chr. Adolf v. Harleß g. 1806 4 1879. 431. 43 0. Eigene Melodie. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Hr meine Seele, harre des Mel. 2. 9 Herrn, alles ihm befehle, hilft steh in meines Herren Hand er doch so gern! Sei unverzagt, und will drin stehen bleiben, bald der Morgen tagt, und ein nicht Erdennot, nicht Erdentand neuer Frühli ing folgt dem Winter soll mich daraus vertreiben; und nach. In allen Stürmen, in aller wenn zerfällt die ganze Welt, wer Not wird er dich beschirmen, der sich an ihm, und wen er hält, treue Gott. wird wohlbehalten bleiben. 2. Harre meine Seele, harre 2. Er ist ein Fels, ein sichrer des Herrn, alles ihm befehle, Hort, und Wunder sollen schauen, hilft er doch so gern! Wenn alles 20 264 Kreuz⸗ und bricht, Gott verläßt uns nicht; größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott! Joh. Friedr. Räder g. 1815 4 1872. In Krankheit. 432. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. Liebster Vater, soll es sein, daß ich heut an diesem Tage letzt⸗ mals mit Gebet erschein und dir meine Not vortrage, ach so richte meine Sinnen zu den hohen Him⸗ melszinnen! 2. Tausend und viel tausend⸗ mal sei du, Vater, hoch gepriesen, daß in deiner Kinder Zahl du mir eine Stell gewiesen, daß ich dich hab lernen kennen und in Christo Vater nennen. 3. Heilig, heilig, heilig sei deines großen Namens Ehre, deine Güte mancherlei, deine Kraft und wahre Lehre! Ich will dich dort ewig loben, wenn ich bin zu dir erhoben. 4. Dein Reich hast du auch zu mir hier in Gnaden lassen kommen, mich berufen und zu dir aus des Satans Macht ge⸗ nommen; Jesus hat mir Heil und Frieden durch sein Blut und Tod beschieden. 5. Darum wart ich mit Vegier ganz getrost aufs Reich der Ehren, nichts durchaus mehr ist allhier, das mich soll davon ablehren; komm, o König, laß erscheinen, was ich wünsch und all die Deinen. Trostlieder. 6. Deinem Willen tu ich mich ganz zu einem Opfer geben. Hab ich hier nicht völliglich nach dem⸗ selben können leben, so werd ich doch dort erfüllen mit den Engeln deinen Willen. 7. Täglich Brot und allerlei, was zu meinem Stand gehöret, hast du, Vater, mild und treu mir zeitlebens auch bescheret; nun du Himmelsbrot willst geben, laß ich gern dies arme Leben. 8. Bleiben gleich die Meinen hier, die mich länger möchten sehen, weiß ich doch, daß nur bei dir steht ihr Weh und Wohl⸗ ergehen. Ich befehle deiner Güte, was mir lieget im Gemüte. 9. Nur, o Vater, laß du mir alle Schulden sein vergeben, daß ich rein und frei zu dir fahr aus diesem Sündenleben. Jesus hat mir Gnad erworben, mit ihm ist die Schuld gestorben. 10. So vergeb ich auch gar leicht, wie du, Vater, hast ge⸗ heißen; aller Zorn und Rach entweicht, ich will lauter Lieb erweisen; weil du, Gott, soviel erlassen, will ich Mensch auch niemand hassen. 11. Rückt der letzte Kampf herzu, tobet heftig Sünd und Hölle, daß sie mir die Himmels⸗ ruh raub und meinen Glauben fälle, so steh du auf meiner Seiten, die Versuchung zu bestreiten. 12. Mach mich alles übels los, gib der Sündennot ein Ende! Ich ergebe ganz und bloß mich in deine Vaterhände; wollest mich von allem Bösen, wie du weißt und kannst, erlösen. &= Kreuz⸗ und 13. An dem allen zweifl ich nicht, denn du bist der Himmels⸗ könig; zu dir ist die Zuversicht, Welt und Höll ist dir zuwenig, deine Kraft wird ewig stehen, deine Herrschaft nie vergehen. Nach V. L. v. Seckendorf g. 1626 + 1692. 433. Eigene Melodie. Hott, den ich als Liebe kenne, der du Krankheit auf mich legst und des Leidens Flamm erregst, daß ich davon hitz und brenne, brenne doch das Böse ab, das den Geist bisher gehindert, das der Liebe Regung mindert, die ich öfters von dir hab. 2. In der Schwachheit sei du kräftig, in dem Schmerze sei mir süß, schaffe, daß ich dich genieß, wenn die Krankheit streng und heftig. Denn was jetzt den Leib bewegt, was mein Fleisch und Mark verzehret, was den Körper jetzt beschweret, hat die Liebe selbst erregt. 3. Leiden ist jetzt mein Geschäfte, andres kann ich jetzt nicht tun, als nur in dem Leiden ruhn. Leiden müssen meine Kräfte, Leiden ist jetzt mein Gewinst, das ist jetzt des Vaters Wille, den verehr ich sanft und stille, Leiden ist mein Gottesdienst. 4. Gott, ich nehms aus deinen Händen als ein Liebeszeichen an, denn in solcher Leidensbahn willst du meinen Geist vollenden. Auch die Labung, die man mir zu des Leibes Notdurft gibet, kommt von dir, der mich geliebet, alles kommt, mein Gott, von dir. Trostlieder. 265 5. Laß nur nicht den Geist ermüden bei des Leibes Mattig⸗ keit, daß er sich zu aller Zeit in dich senk in Lieb und Frieden. Laß des Leibes Angst und Schmerz nicht der Seele Auffahrt hindern und die Ruhe in mir mindern, unterstütze du das Herz! 6. Hilf mir, daß ich ganz bescheiden, ganz in Ruh mit Freundlichkeit, sanfte mit Gehor⸗ samkeit mög auf meinem Bette leiden. Denn wer hier am Fleische leidt, wird errettet von den Sün⸗ den, so den Körper oft entzünden, und an seinem Geist erneut. 7. Dir empfehl ich nun mein Leben und dem Kreuze meinen Leib; gib, daß ich mit Freude bleib an dich völlig übergeben. Dann so weiß ich festiglich, ich mag leben oder sterben, daß ich nicht mehr kann verderben, denn die Liebe reinigt mich. Christ. Friedr. Richter g. 1676 4 1711. * 434. Mel. Auf meinen lieben Gott. Ach trau auf meinen Gott in aller AAngst und Not; hat mich viel Kreuz betroffen, will ich doch auf ihn hoffen; er wird mir Hülfe senden und alles Elend wenden. 2. Ist gleich mein Leib voll Schmerz und ängstet sich mein Herz, will es vor Leid und Plagen fast ganz in mir verzagen, wird Gott nach seinem Willen doch alles wieder stillen. 3. Hält schon die Schwachheit an, daß ich daher nicht kann das Haus des Herren schauen und 266 mich daselbst erbauen, soll mir mein Lager dienen, mit Gott mich zu versühnen. 4. Mein Gott, du hörtest mich so oft und gnädiglich, ach hör mein Flehn und Sehnen, zähl jetzt auch meine Tränen und kehre dies mein Leiden in Trost und süße Freuden! 5. Dies bitt ich, dies geschicht; und kommt die Rettung nicht in diesem Weltgetümmel, so gib mir nur den Himmel, wo lauter Licht und Sonne, wo stete Freud und Wonne. 6. Nun mach es auf der Welt, mein Gott, wie dirs gefällt. Hilf mir aus allen Nöten, und wirst du mich auch töten, will ich im Tod und Leben mich dir doch ganz ergeben. Nach Hann. Gsb. 1740. 435. Nel. O Welt, ich muß dich lassen. 4 hab in guten Stunden des Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Zahl, so will ich denn gelassen mich auch in Leiden fassen; welch Leben hat nicht seine Qual? 2. Ja Herr, ich bin ein Sün⸗ der, und stets strafst du gelinder, als es der Mensch verdient. Will ich, beschwert mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich ergeben, nicht meine Ruh, mein Leben mehr lieben als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen und nicht auf Menschen bauen; du hilsst und du errettest gern. Kreuz⸗ und Trostlieder. 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sünden erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; sein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mir Trost und Leben sein. 5. Wenn ich in Christo sterbe, bin ich des Himmels Erbe; was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade vertrau ich deiner Gnade; du, Herr, bist bei mir in der Not. 6. Ich will dem Kummer weh— ren, Gott durch Geduld verehren, im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken. Der Herr wird alles lenken, und was mir gut ist, wird geschehn. Chr. F. Gellert g. 1715 + 1760. Morgenlied eines Kranken. 436. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. BHott Lob und Dank, die Nacht ist hin, es kommt der liebe Morgen; auf, schwacher Geist und matter Sinn, dir ist ja unver⸗ borgen, wie du die finstre Schmer⸗ zensnacht in Gottes Schutze zuge⸗ bracht und glücklich überstanden. 2. Als ich mich zu der Ruh gelegt, war ich mit Schmerz um⸗ geben; ich sprach, durch Schmerz und Furcht bewegt: Werd ich auch morgen leben? Die fast verdorrte Zunge frug, so oft die Viertel⸗ stunde schlug: Wann wird der Tag erscheinen? 3. Gott hat mir mein Gebet gewährt, ich kann das Licht noch sehen. Drum will ich ihn, der mich erhört, mit Dank und Preis 5 ; Lob- und Danklieder. 267 erhöhen und flehn, daß er e diesen Tag mit mir und meinem Kreuze mag nach seinem Willen machen. 4. Leb ich nicht fröhlich, frisch, gesund, bin ich dennoch zufrieden; hat schon der Schmerz mein Herz verwundt, will ich doch nicht er⸗ müden; ich trage dieses harte Joch auch diesen Tag und weiter noch, solang es Gott beliebet. 5. Mein Elend ist um Tag und Nacht nun gleichwohl kürzer worden; Gott, der mich so getreu bewacht, wird nebst der Engel Orden auch heute mit und bei mir sein und Hülfe, Rat und XXII. Lob⸗ u 7. Eigene Melodie. Her Gott, dich loben wir, 2 Herr Gott, wir danken dir. Dich Vater in Ewigkeit ehrt die Welt weit und breit. All Engel und Himmels Heer und was dienet deiner Ehr, auch Cherubim und Seraphim singen immer mit hoher Stimm: Heilig ist unser Gott, heilig ist unser Gott. Heilig ist unser Gott, der Herre Zebaoth! 2. Dein göttlich Macht und Herrlichkeit geht über Himmel und Erde weit. Der heiligen zwölf Boten Zahl — Trost verleihn; er weiß wohl, was mich drücket. 6. Ihm will ich meinen schwachen Geist und kranken Leib besehlen; was Jesus, der mein Helfer heißt, erwählt, will ich auch wählen; so geht es mir im Leben wohl, und wenn ich heute sterben soll, kann mir der Tod nicht schaden. 7. Ich bin ja, Herr, dein liebes Kind und werd es ewig bleiben, kein Schmerzenssturm, kein Kreu⸗ zeswind soll mich von Jesu treiben. Ach bleib bei mir bis an mein End und nimm die Seel in deine Händ, so bin ich wohl versorget. 1281. ind Zanklieder. loben dich, Herr, mit großem Schall. Die ganze werte Christenheit rühmt dich auf Erden alle Zeit. Dich, Gott Vater im höchsten Thron, deinen rechten und eingen Sohn, den heilgen Geist und Tröster wert mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt. 3. Du König der Ehren, Jesu Christ, Gott Vaters ewiger Sohn du bist; der Jungfrau Leib nicht hast verschmäht, zu'rlösen das menschlich Ge⸗ schlecht. und die lieben Propheten all, die teuren Märtrer allzumal Du hast dem Tod zerstört sein Macht 268 Lob⸗ und und all Christen zum Himmel bracht. Du sitzst zur Rechten Gottes gleich mit aller Ehr ins Vaters Reich. Ein Richter du zukünftig bist all des, was tot und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, die mit dein'm teurn Blut erlöset sein, laß uns im Himmel haben teil mit den Heiligen in ewigem Heil! Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, und segne, das dein Erbteil ist, wart und pfleg ihr zu aller Zeit und heb sie hoch in Ewigkeit! 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich und ehrn dein Namen stetiglich. Behüt uns heut, o treuer Gott, vor aller Sünd und Missetat! Sei uns gnädig, o Herre Gott, sei uns gnädig in aller Not! Zeig uns deine Barmherzigkeit, wie unsre Hoffnung zu dir steht. Auf dich hoffen wir, lieber Herr, in Schanden laß uns nimmer⸗ mehr! Amen. Martin Luther g. 1483 + 1546. Nach dem Latein. Te deum laudamus. 438. Psalm 103. Eigene Melodie. Au lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein! Sein Wohltat tut er mehren, vergiß es nicht, o Herze Danklieder. mein! Hat dir dein Sünd ver⸗ geben und heilt dein Schwachheit groß, errett dein armes Leben, nimm dich in seinen Schoß, mit reichem Trost beschüttet, verjüngt dem Adler gleich; der Kön'g schafft Recht, behütet die Leidenden im Reich. 2. Er hat uns wissen lassen sein heilig Recht und sein Gericht, dazu sein Güt ohn Maßen, es mangelt an Erbarmung nicht. Sein Zorn läßt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld; die Gnad tut er nicht sparen, den Blöden ist er hold. Sein Güt ist hoch erhaben ob den'n, die fürchten ihn; so sern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin. 3. Wie sich ein Vat'r erbarmet ob seiner jungen Kindlein klein, so tut der Herr uns Armen, wenn wir ihn kindlich fürchten rein. Er kennt das arm Geschlechte und weiß, wir sind nur Staub, gleichwie das Gras von Rechte, ein Blum und fallend Laub; der Wind nur drüber wehet, so ist es nimmer da, also der Mensch vergehet, sein End das ist ihm nah. 4. Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit bei seiner lieben G'meine, die steht in seiner Furcht bereit, die seinen Bund behalten. Er herrscht im Himmelreich; ihr starken Engel waltet seins Lobs und dient zu⸗ gleich dem großen Herrn zu Ehren und treibt sein heilig Wort; mein Seel soll auch vermehren sein Lob an allem Ort. 5. Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und —.——55—————————..—ß7 Lob-⸗ und Danklieder. heilgem Geist! Der woll in uns vermehren, was er aus Gnade uns verheißt, daß wir ihm fest vertrauen, uns ganz verlaßn auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, daß unser Herz und Sinn ihm allezeit anhangen. Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir wer⸗ dens erlangen, glaub'n wir von Herzensgrund. V. 1—4 Joh. Gramann g. 1487 4 1541. 439. Nel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. gläubig Herz, gebenedei und gib Lob deinem Herren! Ge⸗ denk, daß er dein Vater sei, welchen du stets sollst ehren, dieweil du keine Stund ohn ihn mit aller Sorg in deinem Sinn dein Leben kannst ernähren. 2. Er ists, der dich von Herzen liebt und sein Gut mit dir teilet, dir deine Missetat vergibt und deine Wunden heilet, dich waffnet zum geistlichen Krieg, daß dir der Feind nicht oben lieg und deinen Schatz zerteile. 3. Er ist barmherzig und sehr gut den Armen und Elenden, die sch von allem Übermut zu seiner Wahrheit wenden; er nimmt sie als ein Vater auf und gibt, daß sie den rechten Lauf zur Seligkeit vollenden. 4. Wie sich ein treuer Vater zeigt und Guts tut seinen Kin⸗ dern, also hat sich auch Gott ge⸗ neigt zu uns, den armen Sündern; er hat uns lieb und ist uns hold, vergibt uns gnädig alle Schuld, macht uns zu Überwindern. 269 5. Er gibt uns seinen guten Geist, verneuet unsre Herzen, daß wir vollbringen, was er heißt, wenns auch das Fleisch mag schmer⸗ zen; er hilft uns hie mit Gnad und Heil, verheißt uns auch ein herr⸗ lich Teil von seinen ewgen Schätzen. Nach unsrer Ungerechtigkeit hat er uns nicht vergolten, viel⸗ mehr erzeigt Barmherzigkeit, da wir verderben sollten; mit seiner Gnad und Gütigkeit ist uns und allen er bereit, die ihn von Herzen lieben. 7. Was Gott nun angefangen hat, das will er auch vollenden. Nur geben wir uns seiner Gnad, opfern uns seinen Händen und tun daneben unsern Fleiß, hof⸗ fend, er werd zu seinem Preis all unsern Wandel wenden! 8. O Vater, steh uns gnädig bei, weil wir sind im Elende, daß unser Tun aufrichtig sei und nehm ein selig Ende. O leucht uns mit dein'm hellen Wort, daß uns an diesem dunklen Ort kein falscher Schein verblende. 9. O Gott, nimm an zu Lob und Dank, was wir in Einfalt singen, und laß dein Wort mit freiem Klang durch unsre Herzen dringen! O hilf, daß wir mit deiner Kraft durch eine gute Ritter⸗ schaft des Lebens Kron erringen. Böhmische Brüder. 440. Eigene Melodie. Nn laßt uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren für alle seine Gaben, die wir empfangen haben. 270 2. Den Leib, die Seel, das Leben hat er allein gegeben; die⸗ selben zu bewahren, tut er nie etwas sparen. 3. Nahrung gibt er dem Leibe; die Seele muß auch bleiben, wie⸗ wohl tödliche Wunden sind kom⸗ men von der Sünde. 4. Ein Arzt ist uns gegeben, der selber ist das Leben, Christus, für uns gestorben; der hat das Heil erworben. 5. Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl dient wider allen Un⸗ fall; der heilge Geist im Glauben lehrt uns darauf vertrauen. 6. Durch ihn ist uns vergeben die Sünd, geschenkt das Leben, im Himmel solln wir haben, o Gott, wie große Gaben! 7. Wir bitten deine Güte, daß sie uns fort behüte, die Großen mit den Kleinen; du kannsts nicht böse meinen. 8. Erhalt uns in der Wahr⸗ heit, gib ewigliche Freiheit, zu preisen deinen Namen durch Jesum Christum. Amen. Ludwig Helmbold g. 1532 + 1598. 441. Psalm 103. Eigene Melodie. 0 meine Seel, du sollst den Herren preisen, was in mir ist, das muß ihm Ehr erweisen, auf, auf, mein Herz, und mache dich bereit! Vergiß ja nicht, vergiß nicht, mein Gemüte, was dir der Herr für wunderbare Güte erwiesen hat die ganze Lebenszeit. Lob⸗ und Danklieder. 2. Denn er hat dich von Sün⸗ den losgesprochen und denkt nicht mehr, was du bisher verbrochen, er machet dich von Schwachheit heil und rein. Es hat der Herr dein Leben vom Verderben erlöst, daß du nicht ewig müssest sterben, dein Gott will dir forthin barm⸗ herzig sein. 3. Er krönet dich mit Gnad und mildem Segen, will deinen Mund mit reicher Fülle pflegen, er machet dich von seinen Gütern satt, daß du mit Lust darüber dich erfreuest und deine Kraft gleich Adlern gar verneuest, weil er mit Heil dich überschüttet hat. 4. Der Herr läßt Recht den⸗ selben widerfahren, die vor bedrängt und unterdrücket waren; er hat sein Tun dem Mose kund getan und seine Recht Israel wissen lassen; er ist voll Güt und will nicht immer hassen noch ewiglich mit Grimm uns sehen an. 5. Der Herr ist fromm, barm⸗ herzig und sanftmütig, voll Gnad und Gunst, geduldig, treu und gütig, er handelt nicht mit uns nach unsrer Schuld, vergilt auch nicht nach unsern schweren Sün⸗ den. So weit die Höh des Him⸗ mels ist zu finden hier von der Erd, so weit reicht seine Huld. 6. So weit der Grund sich scheidet von der Festen, so weit der Ost ablieget von dem Westen, so weit läßt er die Sünden von uns sein. Sein Gnadenblick muß über die stets walten, die ihn mit Furcht für ihren Helfer halten, und rettet sie aus ihrer Not und Pein. E —..— NI E oXM Lob⸗ und Danklieder. 7. Wie unier uns ein Vaterherz 12. Gott Vater, Sohn und Erbarmen mit Kindern hat, so Geist, sei stets gepriesen für alle tiut der Herr uns Armen, es Güt, die du an mir erwiesen von siehet Gott den Frommen träftig Kindheit an bis jetzt auf diese bei. Er kennet ja uns dürftgen Zeit. Herr, steh mir bei, laß Erdentöpfe,“) ihm ist bewußt, daß deine Gnad sich mehren, so will dieses sein Geschöpfe ein leichter ich drum dir danken und dich ehren Staub und schwaches Werkzeug auf Erden hier und dort in sei.„ Klag. Jer. 4, 2. Ewigkeit! 8. Ein Mensch muß stets des V. 1-—11 Joh. Franck g. 1618 4 1657. Lebens End erwarten, er ist wie B. 12 Hannov. Gsb. 1657. Gras, wie eine Blum im Garten, die sich sehr schön und lieblich lässet 442. an: wenn aber nur der Wind ö Sirach 50, 24. darüber fähret, ist ihre Zier hinweg Eigene Melodie. und so verzehret, daß man die Stätt N danket alle Gott mit Herzen, auch +— mehr finden kann. Mund und Händen, der große 26—65 Daerren Wuad in aber Dinge tut an uns und allen Überschwenglich, währt 550 und Enden, der uns von Mutterleib für 2 Heibet. 5— und Kindesbeinen an unzählig viel Kindeskind wird seine Güt gebracht zu gut und noch jetzund getan. bei denen, die den Gottesbund stets 2. Der ewig reiche Gott woll Win une sein Befehl von ganzem uns bei unserm Leben ein immer aten d h und sein Gebot zu fröhlich Herz und edlen Frieden 25 10 15 i hl im Hi geben und uns in seiner Gnad „Es ist sein Stuhl im Him⸗ erhalten fort und fort und uns mn Aurie; sein Herrschaft ist aus aller Not erlösen hier und um diese Welt gebreitet, sein Reich dort und Thron umschließt den Erden⸗ 3. Lob, Ehr und Preis sei Gott reis Ina kreis. Ihr Engel lobt, lobt ihn, dem Vater und dem Sohne und ihr starken Helden, die ihr sein dem, der beiden gleich im höch⸗ Tun und Willen an müßt melden, sten Himmelsthrone, dem dreimal lobt unsern Gott und sagt ihm Einen Gott, wie es ursprünglich R Preis! 7; Ruhm und Preis:; war und ist und bleiben wird 11. Lobt unsern Gott, ihr alle Dar. ½ 5 jetzund und immerdar. seine Scharen, die ihr ihm dient R. 383 465 7 2 Martin Rinkart g. 1586 T 1649. und hin und her müßt fahren auf ein Geheiß; jed 1² sein Geheiß; lobt ihn an jedem 443. Ort, an dem er herrscht; lobt ihn, ihr seine Werke, rühmt seine X sun danket alle Gott mit Herzen, Kraft, rühmt seiner Allmacht Mund und Händen, der große Stärke; lob ihn, mein Herz, o Dinge tut hier und an allen lob ihn fort und fort! Enden, der lebend uns erhält von Mutterleibe an und tut uns alles Guts, mehr als man zählen kann. 2. Es wolle unser Gott ein fröhlich Herz uns geben, er lasse uns, sein Volk, in Frieden immer leben forthin zu unsrer Zeit, daß seine Gnad und Treu bei uns und unserm Land allweg bestän⸗ dig sei. 3. Der große, starke Gott woll uns von allem Bösen und was uns schaden kann gewaltiglich er⸗ lösen, er schütz und rette uns, er helf uns allezeit, solang er uns allhier das Leben noch verleiht. 4. Gott Vater, dir sei Preis hier und im Himmel oben, Gott Sohn, Herr Jesu Christ, wir wollen dich stets loben, Gott heilger Geist, dein Ruhm erschalle mehr und mehr, o Herr, dreieinger Gott, dir sei Lob, Preis und Ehr! Hannoversches Gsb. 1657. 444. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. Mlan lobt dich in der Stille, du hocherhabner Zions⸗-Gott, des Rühmens ist die Fülle vor dir, o Herr Gott Zebaoth. Du bist doch, Herr, auf Erden der From⸗ men Zuversicht, in Trübsal und Beschwerden läßt du die Deinen nicht. Drum soll dich stündlich ehren mein Mund vor jedermann und deinen Ruhm vermehren, so⸗ lang er lallen kann. 2. Es müssen, Herr, sich freuen von ganzer Seel und jauchzen schnell, die unaufhörlich schreien: Lob- und Danklieder. Gelobt sei der Gott Israel!“) Sein Name sei gepriesen, der große Wunder tut und der auch mir erwiesen das, was mir nütz und gut. Nun, das ist meine Freude, daß ich an ihm stets kleb und niemals von ihm scheide, so⸗ lang ich leb und schweb. Ps. 40, 17. 3. Herr, du hast deinen Namen sehr herrlich in der Welt gemacht, denn als die Schwachen kamen, hast du gar bald an sie gedacht. Du hast mir Gnad erzeiget; nun wie vergelt ichs dir? Ach bleibe mir geneiget, so will ich für und für den Kelch des Heils erheben und preisen weit und breit dich hier, mein Gott, im Leben und dort in Ewigkeit. Johann Rist g. 1607 4 1667. 445. Sirach 50, 24. Eigene Melodie, oder Lobt Gott, ihr Christen alle gleich. M danket all und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeldt. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge tut; 3. Der uns von Mutterleibe an frisch und gesund erhält, und wo kein Mensch nicht helfen kann, sich selbst zum Helser stellt; 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet gutes Muts, die Straf erläßt, die Schuld ver⸗ gibt und tut uns alles Guts. Lob⸗ und 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin. 6. Er lasse seinen Frieden ruhn in unserm Volk und Land, er gebe Glück zu unserm Tun und Heil zu allem Stand. 7. Er lasse seine Lieb und Güt um, bei und mit uns gehn; was aber ängstet und bemüht, gar ferne von uns stehn. 8. Solange dieses Leben währt, sei er stets unser Heil, und wenn wir scheiden von der Erd, ver⸗ bleib er unser Teil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, uns unsre Augen zu und zeig uns drauf sein Angesicht dort in der ewgen Ruh. Paul Gerhardt g. 1607 1676. 446. Eigene Melodie, oder Lobt Gott, ihr Christen alle gleich. 4 singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust, ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad und ewge Quelle seist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne Him⸗ melszelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Tau und Regen netzt? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor Danklieder. 273 dem Wind? Wer macht es, daß man Ol und Most zu seinen Zeiten findt? 6. Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den güldnen, werten, edlen Fried in unserm Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt alles tun, du hältst die Wach an unsrer Tür und läßt uns sicher ruhn. „Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei. „Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr, ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zu Ehren reicht. 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein, und was sein Kum⸗ mer sei; kein Zähr- und Trän⸗ lein ist so klein, du hebst und legst es bei. 12. Du füllst des Lebens Man⸗ gel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut, dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hülf und Heil, schafft Rat und läßt dich nicht. 18 27⁴ Lob⸗ und 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht. 16. Hat er dich nicht von Ju⸗ gend auf versorget und ernährt? Wie manches schweren Unglücks Lauf hat er zurückgekehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment, nein, was er tut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner tun und red ihm nicht darein, so wirst du hier im Frieden ruhn und ewig fröhlich sein. Paul Gerhardt g. 16007 4 1676. 447. Eigene Melodie. ollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut ers mit mir mein. Ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, also hat auch hin und wieder mich des Höchsten Arm bedeckt alsobald im Mutterleibe, da er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer, nein, er gibt ihn für mich hin, daß er mich vom ewgen Feuer Danklieder. durch sein teures Blut gewinn. O du ungegründter Brunnen, wie will doch mein schwacher Geist, ob er sich gleich hoch befleißt, deine Tief ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, gibt er mir in seinem Wort, daß er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort, daß er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht, das des Todes Macht zerbricht und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohlergehen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Not zustehen, nimmt ers gleichfalls wohl in acht. Wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt; wo ich nur mein Aug hinkehre, sind ich, was mich nährt und hält: Tier und Kräuter und Getreide, in den Gründen, in der Höh, in den Büschen, in der See, überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüt, daß ich alle liebe Mor⸗ gen schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewefen, hätte mich sein Angesicht nicht Lob⸗ und geleitet, wär ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 8. Wie so manche schwere Plage wird vom Satan hergeführt, die mich doch mein Lebetage niemals noch bisher gerührt; Gottes Engel, den er sendet, hat das Böse, was der Feind anzurichten war ge⸗ meint, in die Ferne weggewendet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde sein Herz niemals ganz entzeucht, ob es gleich bisweilen Sünde tut und aus den Bahnen weicht, also hält auch mein Verbrechen mir mein frommer Gott zugut, will mein Fehlen mit der Rut und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, ob sie mir gleich bitter seind, den⸗ noch, wenn ichs recht erwäge, sind es Zeichen, daß mein Freund, der mich liebet, mein gedenke und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr und lasse mirs nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße und muß endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein, also wird auch nach der Pein, wers erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. Danklieder. 27⁵ 12. Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe findt, ei so heb ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind, bitte, wollst mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht hier in meinem ganzen Leben, bis ich dich nach dieser Zeit lob und lieb in Ewigkeit. Paul Gerhardt g. 1607 1676. 448. Mel. Nun danket alle Gott. Gelbet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben, mein Schöpfer, der mir hat mein Leib und Seel gegeben, mein Vater, der mich schützt von Mutterleibe an, der alle Augenblick viel Guts an mir getan. 2. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Heil, mein Leben, des Vaters liebster Sohn, der sich für mich gegeben, der mich erlöset hat mit seinem ieuren Blut, der mir im Glauben schenkt das allerhöchste Gut. 3. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Trost, mein Leben, des Vaters werter Geist, den mir der Sohn gegeben, der mir mein Herz erquickt, der mir gibt neue Kraft, der mir in aller Not Rat, Trost und Hülfe schafft. 4. Gelobet sei der Herr, mein Gott, der ewig lebet, den alles rühmt und lobt, was in den Lüften schwebet, gelobet sei der Herr, des Namen heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn und Gott der werte Geist! 5. Dem wir das Heilig jetzt mit Freuden lassen klingen und 18* 276 mit der Engelschar das Heilig, Heilig singen, den herzlich lobt und preist die ganze Christenheit. Gelobet sei mein Gott in alle Ewigkeit! Joh. Olearius g. 1611 4 1684. 449. Mel. Es ist das Heil uns kommen her, oder Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder tut, dem Gott, der mein Gemüte mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmels⸗ heer, o Herrscher aller Thronen, und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfermacht, die alles also wohl bedacht. Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten, darüber will er früh und spat mit seiner Güte walten. In seinem ganzen Königreich ist alles recht, ist alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief zum Herrn in meiner Not: Ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir, ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist noch und nim⸗ mer nicht von seinem Volk ge⸗ schieden, er bleibet ihre Zuversicht, Lob- und Danklieder. ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hülf er⸗ mangeln muß, die alle Welt erzeiget, so kommt, so hilft der Überfluß, der Schöpfer selbst, und neiget die Vateraugen denen zu, die sonsten nirgend finden Ruh. Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, von nun an ehren, man soll, Gott, deinen Lobgesang an allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Leib erfreue dich! Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre, ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zu Spott, der Herr ist Gott, der Herr ist Gott.“) Gebt unserm Gott die Ehre!) 1. Kön. 18, 39. 9. So kommet vor sein Ange⸗ sicht mit jauchzenvollem Springen, bezahlet die gelobte Pflicht und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es alles wohl bedacht und alles, alles recht gemacht. Gebt unserm Gott die Ehre! Joh. Jal. Schütz g. 1640 4+ 1690. 450. Eigene Melodie. * den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine ge⸗ liebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lob⸗ gesang hören! ——— en. die ebt er⸗ Velt der und zu, uh. ben ren, ang 17 (ein nein Bebt nen hre, int, Die ott, ist die 30. ge⸗ en, ind jott es, im Lob⸗ und 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses ver⸗ spüret? 3. Lobe den Herren, der künst⸗ lich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freund⸗ lich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet! 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen! Alles, was Odem hat, lobe mit Abra⸗ hams Samen! Er ist dein Licht, Seele, vergiß es ja nicht, Lobende, schließe mit Amen! Joachim Neauder g. 1650 4+ 1680. 451. Eigene Melodie. Runderbarer König, Herrscher von uns allen, laß dir unser Lob gefallen! Deine Vatergüte hast du lassen triefen, ob wir schon von dir wegliefen. Hilf uns noch, stärk uns doch, laß die Zunge singen, laß die Stimme klingen! 2. Himmel, lobe prächtig deines Schöpfers Taten mehr als aller Menschen Staaten; großes Licht der Sonne, schieße deine Strahlen, die das große Rund bemalen; lobet gern, Mond und Stern, seid bereit zu ehren einen solchen Herren! Danklieder. 277 3. O du meine Seele, singe fröhlich, singe, singe deine Glau⸗ benslieder! Was den Odem holet, jauchze, preise, klinge! Wirf dich in den Staub darnieder! Er ist Gott Zebaoth, er nur ist zu loben hier und ewig droben. 4. Halleluja bringe, wer den Herren kennet, wer den Herren Jesum liebet; Halleluja singe, welcher Christum nennet, sich von Herzen ihm ergibet. O wohl dir! Glaube mir: Endlich wirst du droben ohne Sünd ihn loben. Joachim Neander g. 1650 1680. 452. Mel. Allein Gott in der Höh sei Ehr, oder Nun freut euch, liebe Christen g'mein. Bis hieher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte, bis hieher hat er Tag und Nacht bewahrt Herz und Gemüte, bis hieher hat er mich geleit, bis hieher hat er mich erfreut, bis hieher mir geholfen. 2. Hab Lob und Ehre, Preis und Dank für die bisherge Treue, die du, o Gott, mir lebenslang bewiesen täglich neue. In mein Gedächtnis schreib ich an: Der Herr hat große Ding getan an mir und mir geholfen. 3. Hilf jernerweit, mein treuer Hort, hilf mir zu allen Stunden, hilf mir an all und jedem Ort, hilf mir durch Jesu Wunden, hilf mir im Leben, Tod und Not, durch Christi Schmerzen, Blut und Tod, hilf mir, wie du geholfen. Amilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt g. 1637 + 1706. Lob⸗ und 453. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Wonit soll ich dich wohl loben, mächtiger Herr Zebaoth? Sende mir dazu von oben deines Geistes Krast, mein Gott! Denn ich kann mit nichts erreichen deine Gnad und Liebeszeichen. Tausend⸗ tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 2. Herr, entzünde mein Gemüte, daß ich deine Wundermacht, deine Gnade, Treu und Güte stets er⸗ hebe Tag und Nacht; denn von deinen Gnadengüssen Leib und Seele zeugen müssen. Tausend⸗ tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 3. Vater, wenn mein Herz be⸗ denket, wie dich meine Sünden⸗ schuld ost betrübet, oft gekränket, und wie deine Lieb und Huld mich aus Langmut doch getragen, so muß ich beschämet sagen: Tausend⸗ tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 4. Ach ja, wenn ich überlege, mit was Lieb und Gütigkeit du durch so viel Wunderwege mich geführt die Lebenszeit, so weiß ich kein Ziel zu finden noch den Grund hier zu ergründen. Tau⸗ sendtausendmal sei dir, großer König Dank dafür! 5. O wie hast du meine Seele stets gesucht zu dir zu ziehn, daß ich aus der Sünden Höhle möchte zu den Wunden fliehn, die mich ausgesöhnet haben und mit Kraft zum Leben laben. Tausendtausend⸗ mal sei dir, großer König, Dank dafür! Danklieder. 6. Bald mit Lieben, bald mit Leiden kamst du, Herr mein Gott, zu mir, nur mein Herze zu be⸗ reiten, sich ganz zu ergeben dir, daß mein gänzliches Verlangen möcht an deinem Willen hangen. Tausendtausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 7. Wie ein Vater nimmt und gibet, nachdems Kindern nützlich ist, so hast du mich auch geliebet, Herr mein Gott, zu jeder Frist und dich meiner angenommen, wenns auch gleich aufs höchste kommen. Tausendtausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 8. Mich hast du auf Adlers⸗ flügeln oft getragen väterlich, in den Tälern, auf den Hügeln wunderbar errettet mich. Wenn schien alles zu zerrinnen, ward doch deiner Hülf ich innen. Tau⸗ sendtausendmal sei dir, großer König, Dank dafür. 9. Vater, du hast mir erzeiget lauter Gnad und Gütigkeit, und du hast zu mir geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit, und durch dich, o Geist der Gnaden, werd ich stets noch eingeladen. Tau⸗ sendtausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 10. Tausendmal sei dir gesun⸗ gen, Herr mein Gott, Preis, Lob und Dank, daß es mir bis⸗ her gelungen. Ach laß meines Lebens Gang ferner doch durch Jesu Leiten nur gehn in die Ewigkeiten! Da will ich, Herr, für und für ewig, ewig danken dir. Ludw. Andr. Gotter g. 1001 4 1735. oßer iget und esu, urch perd au⸗ ßer Lob-⸗ und Danklieder. 279 454. 7. Ich hab es ja mein Lebe⸗ tage schon so manch liebes Mal Eigene Melodie. gespürt, daß du mich unter vieler daß ich tausend Zungen hätte Plage durch Not und Trübsal hast Rund einen tausendfachen Mund, geführt, denn in der größesten so stimmt ich damit in die Wette Gefahr ward ich dein Trostlicht vom allertiefsten Herzensgrund ein stets gewahr. Loblied nach dem andern an von 8. Wie sollt ich nun nicht dem, was Gott an mir getan. voller Freude in deinem steten 2. O daß doch meine Stimme Lobe stehn? Wie wollt ich auch schallte bis dahin, wo die Sonne im tiefsten Leide nicht triumphie⸗ steht! O daß mein Blut mit rend einhergehn? Und fiele auch Jauchzen wallte, solang es noch der Himmel ein, so will ich doch im Laufe geht! Ach wär ein nicht traurig sein. jeder Puls ein Dank und jeder 9. Ich will von deiner Güte Odem ein Gesang! singen, solange sich die Zunge 3. Was schweigt ihr denn, ihr regt; ich will dir Freudenopfer meine Kräfte? Auf, auf, braucht bringen, solange sich mein Herz allen euren Fleiß und stehetbewegt; ja wenn der Mund wird munter im Geschäfte zu Gottes kraftlos sein, so stimm ich doch meines Herren Preis! Mein mit Seufzen ein. Leib und Seele, schicke dich und 10. Ach nimm das arme Lob lobe Gott herzinniglich! auf Erden, mein Gott, in allen 4. Ihr grünen Blätter in den Gnaden hin! Im Himmel soll Wäldern, bewegt und regt euch ses besser werden, wenn ich bei doch mit mir! Ihr schwanken deinen Engeln bin. Da sing ich in den Feldern, ihr dir im höhern Chor viel tausend Gräschen Blumen, laßt doch eure Zier zu Halleluja vor. Gottes Ruhm belebet sein und Johann Mentzer g. 1658 T 1784. simmet lieblich mit mir ein! ö—— 455. 5. Ach alles, alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, soll sich mir zum Gehülfen 6 sset uns den Herren preisen geben, denn mein Vermögen ist zu— und vermehren seinen Ruhm, matt, die großen Wunder zu erhöhn, stimmet an die süßen Weisen, die die allenthalben um mich stehn. ihr seid sein Eigentum. Ewig 6. Wer überströmet mich mit währet sein Erbarmen, ewig will Segen? Bist du es nicht, o er uns umarmen mit der süßen reicher Gott? Wer schützet mich Liebeshuld, nicht gedenken unsrer auf meinen Wegen? Du, du, o Schuld. Preiset ewig seinen Herr Gott Zebaoth! Du trägst Namen, die ihr seid von Abrams mit meiner Sündenschuld unsäglich Samen, rühmet ewig seine Werke, gnädige Geduld. gebet ihm Lob, Ehr und Stärke! Eigene Melodie. 280 Lob⸗ und 2. Ehe noch ein Mensch ge⸗ boren, hat er uns zuvor erkannt und in Christo auserkoren, seine Huld uns zugewandt. Selbst der Himmel und die Erden müssen uns zu Dienste werden, weil wir durch sein liebstes Kind seine Kinder worden sind. Ewig solche Gnade währet, die er uns in ihm bescheret; ewig wollen wir uns üben, über alles ihn zu lieben. 3. Ja wir wollen nun mit Freuden zu dem lieben Vater gehn, uns an seiner Liebe weiden, wie die tun, die vor ihm stehn, heilig, heilig, heilig singen. Halleluja soll erklingen unserm Gotte und dem Lamm, unserm holden Bräutigam. Lasset seinen Ruhm erschallen und erzählt sein Werk vor allen, daß er ewig uns erwählet und zu seinem Volk gezählet. 4. Lernet euren Jesum kennen, der euch teur erkaufet hat, lernet ihn fein lieblich nennen euren Bruder, Freund und Rat, euren starken Held im Streiten, eure Lust in Fröhlichkeiten, euren Trost und euer Heil, euer allerbestes Teil. Ewig solche Güte währet, die euch durch ihn widerfähret; ewig soll das Lob erklingen, das wir ihm zu Ehren singen. 5. Tretet nur getrost zum Throne, da der Gnadenstuhl zu sehn; es kann euch von Gottes Sohne nichts als Lieb und Huld geschehn. Er erwartet mit Ver⸗ langen, bis er könne uns um⸗ fangen und das allerhöchste Gut uns mitteilen durch sein Blut. Große Gnad ist da zu finden, Danklieder. er will sich mit uns verbinden, und soll niemals etwas können uns von seiner Liebe trennen. 6. Er hat nunmehr selbst die Fülle seiner Gottheit aufgetan, und es ist sein ernster Wille, daß nun komme jedermann. Keiner soll sich hiebei schämen, sondern Gnad um Gnade nehmen; wer ein hungrig Herze hat, wird aus seiner Fülle satt. Ewig solche Fülle währet, die uns so viel Guts bescheret; Wonne, die uns ewig tränket, wird uns daraus eingeschenket. 7. Nun, du Liebster, unser Lallen, damit wir dir dankbar sein, laß dir gnädig wohlgefallen, bis wir alle insgemein ewig deine Gütigkeiten mit gesamtem Lob ausbreiten, da wir werden Gloria singen und Halleluja. Preis, Ehr, Ruhm, Dank, Macht und Stärke und was rühmet seine Werke werde unserm Gott gegeben! Laßt uns ihm zu Ehren leben! Chr. Jakob Koitsch g. 1671 1 1735. 456. Eigene Melodie. erkennet, liebste Seelen, unsers Gottes Gütigkeit, helfet seinen Ruhm erzählen, die ihr sein Geschöpfe seid. Euch gebühret Dank zu geben dem, der euch viel Guts getan und sich euer noch da⸗ neben nimmt mit solcher Treue an. 2. Denket, da wir gar nichts waren, hat er uns zu was ge⸗ macht, er hat uns von Jahr zu Jahren wunderbarlich fort ge⸗ bracht. Nichts ist, was wir an uns haben, das nicht alles von rr ihm fließt; es sind lauter Gottes⸗ gaben, die der arme Mensch genießt. 3. Wer ist, der ihn hat ver⸗ bunden, dich zu schaffen, Men⸗ schenkind? Wer, daß wir zu diesen Stunden frisch, gesund und fröhlich sind? Wer gibt uns die Leibes⸗ kräfte, das Vermögen, den Ver⸗ stand, zu verrichten die Geschäfte? Nichts denn Gottes Gnadenhand. 4. Ferner will er noch erhalten, was er uns gegeben hat; seine Gnade läßt er walten über alle früh und spat; er will uns vor allem Schrecken, vor des Satans Trug und List unter seinem Schutz bedecken, da man recht gesichert ist. 5. Lasset darum, liebste Seelen, laßt uns alle, groß und klein, ihm den besten Dank erwählen, welcher heißt: gehorsam sein. Lobet sein allweises Fügen, rühmet alles, was er schickt; wer sich läßt daran genügen, bleibet immerfort beglückt. Friedr. Konr. Hiller g. 1662 1726. — 4⁵57. Mel. Es ist das Heil uns kommen her, oder Allein Gott in der Höh sei Ehr. Bingt her dem Herren Lob und Ehr aus freudigem Gemüte, ein jeder Gottes Ruhm vermehr und preise seine Güte. Ach lobet, lobet alle Gott, der uns befreiet aus der Not, und danket seinem Namen! 2. Lobt Gott und rühmet alle⸗ zeit die großen Wunderwerke, die Majestät und Herrlichkeit, die Weisheit, Kraft und Stärke, die er beweist in aller Welt und da⸗ durch alle Ding erhält; drum danket seinem Namen! Lob⸗ und Danklieder. 281 3. Lobt Gott, der uns er⸗ schaffen hat, Leib, Seele, Geist und Leben aus lauter väterlicher Gnad uns allen hat gegeben, der uns durch seine Engel schützt und täglich gibet, was uns nützt; drum danket seinem Namen! 4. Lobt Gott, der uns schenkt seinen Sohn, der für uns ist ge⸗ storben und uns die selge Lebens⸗ kron durch seinen Tod erworben, der worden ist der Hölle Gift, der Frieden hat mit Gott gestift; drum danket seinem Namen! 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist den Glauben angezündet und alles Gute noch verheißt, uns stärket, kräftigt, gründet, der uns erleuchtet durch sein Wort, regiert und treibet fort und fort; drum danket seinem Namen! 6. Lobt Gott, der auch dies gute Werk, so in uns angefangen, vollführen wird und geben Stärk, das Kleinod zu erlangen, das er hat allen dargestellt und seinen Gläubgen vorbehält; drum danket seinem Namen! 7. Lobt Gott, ihr starken Sera⸗ phim nebst Fürstentum und Thro⸗ nen! Es loben Gott mit heller Stimm, die hier auf Erden wohnen! Lobt Gott und preist ihn früh und spat, ja alles, was nur Odem hat, das danke seinem Namen! Cyriacus Günther g. 1650 4 1704. 458. Psalm 146. Eigene Melodie. Tobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in Tod; weil ich noch Stunden auf Lob⸗ und Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat: Halleluja, Halleluja! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren, und kehren um zu ihrem Staub; ihre Anschläge sind auch verloren, wenn nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, rufe man Gott um Hülfe an. Halleluja, Halleluja! Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hülfe der Gott Jakobs ist, welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen und hofft getrost auf Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Tat. Halleluja, Halleluja! „Dieser hat Himmel, Meer und die Erden und was darinnen ist gemacht; alles muß pünktlich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Glauben hält. Halleluja, Halleluja! 5. Zeigen sich welche, die Un⸗ recht leiden, er ists, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er zur Speis bescheiden, was ihnen dient zur Lebenskraft; die hart Gebundnen macht er frei, und seiner Gnad ist mancherlei. Halleluja, Halleluja! 6. Sehende Augen gibt er den Blinden, erhebt die tief gebeuget gehn; wo er kann einige Fromme finden, die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aussicht ist des Fremden Trutz, Witwen und Waisen hält er Schutz. Halleluja, Halleluja! Danklieder. 7. Aber der Gottesvergeßnen Tritte kehrt er mit starker Hand zurück, daß sie nur machen ver⸗ kehrte Schritte und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich, Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Halleluja, Halleluja! 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen des, der so große Wunder tut. Alles, was Odem hat, rufe Amen und bringe Lob mit frohem Mut. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heilgen Geist! Halleluja, Halleluja! J. D. Herrnschmidt g. 1675 4 1723. 459. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Schwing dich auf, mein ganz Gemüte, und geh in den Himmel ein, denn es muß des Höchsten Güte hier und dort ge⸗ priesen sein. Ach mit tausend⸗ tausend Malen kann ich ihm das nicht bezahlen, was er mir durch Rat und Tat lebenslang er⸗ wiesen hat. 2. Herr Gott Vater, lauter Segen trieft von deiner milden Hand, den du mir hast aller⸗ wegen, wie ich wünsche, zuge⸗ wandt; aus wieviel Bekümmer⸗ nissen hast du mich, mein Gott, gerissen! Tausendtausendmal sei dir, treuer Vater, Dank dafür! 3. O Herr Jesu, Heil und Leben ist in deinem Blute mein, alle Sünden sind vergeben, und ich bin gerecht und rein; ja du willst in meiner Seelen deine Wohnung dir erwählen. Tausend⸗ — ßnen Hand ver⸗ selbst ist Gott luja, den roße dem Lob nder ater eist! 17²23. n. ganz den des ge⸗ end⸗ das urch er⸗ iter den ler⸗ ge⸗ er⸗ tt, sei Lob-⸗ und Danklieder. 283 tausendmal sei dir, liebster Heiland, Dank dafür! 4. Heilger Geist, an deinen Gaben spür ich keinen Mangel nicht; und was wollt ich größers haben als dies gnadenvolle Licht, daß ich weiß, an wen ich gläube, und ein Gotteskind verbleibe. Tausendtausendmal sei dir, werter Tröster, Dank dafür! 5. Ach daß alle meine Glieder lauter Zungen möchten sein, daß ich mich durch Lobelieder könnte recht in Gott erfreun, und daß lauter Preis und Ehre so ein süßes Opfer wäre, das ihm würde Tag und Nacht tausend⸗ tausendmal gebracht. 6. Doch du wirst mein schwaches Lallen, o Gott Vater, Sohn und Geist, dir auch lassen wohl ge⸗ sallen, das dich hier auf Erden preist, bis ich dich im Himmel oben mit den Engeln werde loben. Ja da lob und preis ich dich ewig, ewig, ewiglich. Erdmann Neumeister g. 1671 ù1 1756. * 460. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. uf, auf, mein ganz Gemüte, und preise Gottes Güte, die je und ewig währt, die alles hat zu geben, was man im ganzen Leben zum Segen wünschet und begehrt. 2. Gott hat sie lassen walten und mich dadurch erhalten von Mutterleibe an; ich spüre sie noch täglich, daß also mir un⸗ säglich viel Gutes wird durch sie getan. 3. Gott macht sie alle Morgen durch väterlich Versorgen an Leib und Seele neu; er lässet sie des⸗ gleichen bei Nacht nicht von mir weichen, daß sie mein Schild und Sonne sei. 4. Sie fördert meine Werke, daß ich mit Freude merke, wie Gott mir freundlich ist; kein Kummer darf mich stechen noch mein Vergnügen brechen, weil sie mich in die Arme schließt. 5. Wenn durch betrübte Tage manch Kreuz und manche Plage mir an die Seele tritt, so ist sie auch zugegen und bringet Trost und Segen aus meines Gottes Liebe mit. 6. Ja wenn die Not am größ⸗ ten, so folgt, daß man am besten die Güte Gottes spürt; zuletzt muß doch erscheinen, daß Gottes Hand die Seinen zwar wunder⸗ lich, doch selig führt. 7. Drum preise, mein Gemüte, die wunderbare Güte, die dir von Gott geschicht. Im Leben und im Sterben läßt sie dich nicht verderben, denn Gott verläßt die Seinen nicht. Erdmann Neumeister g. 1671 1 1756. 461. Eigene Melodie. ie Himmel rühmen des Ewigen „Ehre, ihr Schall pflanzt seinen Namen fort, ihn rühmt der Erd⸗ kreis, ihn preisen die Meere; ver⸗ nimm, o Mensch, ihr göttlich Wort! 2. Wer trägt der Himmel un⸗ zählbare Sterne? Wer führt die 284 Lob⸗ und Danklieder. Sonn aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne und läuft den Weg gleich als ein Held. 3. Vernimms und siehe die Wunder der Werke, die die Natur dir aufgestellt! Verkündigt Weis⸗ heit und Ordnung und Stärke dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? 4. Kannst du der Wesen un⸗ zählbare Heere, den kleinsten Staub fühllos beschaun? Durch wen ist alles? O gib ihm die Ehre! Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun. 5. Mein ist die Kraft, mein ist Himmel und Erde, an meinen Werken kennst du mich. Ich bins und werde sein, der ich sein werde, dein Gott und Vater ewiglich. 6. Ich bin dein Schöpfer, bin Weisheit und Güte, ein Gott der Ordnung und dein Heil; ich bins, mich liebe von ganzem Gemüte und nimm an meiner Gnade teil! Chr. F. Gellert g. 1115 4 1760. 462. Eigene Melodie. Di bists, dem Ruhm und Ehre gebühret, und Ruhm und Ehre bring ich dir. Du, Herr, hast stets mein Schicksal regieret, und deine Hand war über mir. 2. Wenn Not zu meiner Hütle sich nahte, so hörte Gott der Herr mein Flehn und ließ nach seinem gnädigen Rate mich nicht in meiner Not vergehn. 3. Ich sank in Schmerz und Krankheit danieder und rief: O Herr, errette mich! Da half mir Gott, der mächtige, wieder, und mein Gebein erfreute sich. 4. Wenn mich der Haß des Feindes betrübte, klagt ich Gott kindlich meinen Schmerz. Er half, daß ich nicht Rache verübte, und stärkte durch Geduld mein Herz. 5. Wenn ich verirrt vom rich⸗ tigen Pfade mit Sünde mich um⸗ fangen sah, rief ich zu ihm, dem Vater der Gnade, und seine Gnade war mir nah. 6. Um Trost war meine Seele so bange, denn Gott verbarg sein Angesicht. Ich rief zu ihm: Ach Herr, wie so lange? und Gott verließ den Schwachen nicht. 7. Er half und wird mich ferner erlösen, er hilft, der Herr ist fromm und gut; er hilft aus der Versuchung zum Bösen und gibt mir zu der Tugend Mut. 8. Dir dank ich für die Prü⸗ fung der Leiden, die du mir liebreich zugeschickt, dir dank ich für die häufigern Freuden, womit mich deine Hand beglückt. 9. Dir dank ich für die Güter der Erden, für die Geschenke deiner Treu; dir dank ich, denn du hießest sie werden, und deine Cüt ist täglich neu. 10. Dir dank ich für das Wun⸗ der der Güte: selbst deinen Sohn gabst du für mich; von ganzer Seel und ganzem Gemüte, von allen Kräften preis ich dich. 11. Erhebt ihn ewig, göttliche Werke! Die Erd ist voll der Huld des Herrn. Sein, sein ist Ruhm und Weisheit und Stärke, er hilft und er errettet gern. „ 12. Er hilft; des Abends wäh⸗ ret die Klage, des Morgens die Zufriedenheit. Nach einer Prü⸗ fung weniger Tage erhebt er uns zur Seligkeit. 13. Vergiß nicht deines Gottes, o Seele, vergiß nicht, was er dir getan; verehr und halte seine Befehle und bet ihn durch Gehorsam an! Chr. F. Gellert g. 1715 4 1769. 463. Eigene Melodie. Rott ist mein Lied, er ist der Gott der Stärke, Herr ist sein Nam, und groß sind seine Werke, und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und sprichts, so sind und leben Welten; und er gebeut, so fallen durch sein Schel⸗ ten die Himmel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid, und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste ist Wahrheit und Gerech⸗ tigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten, ohn Anfang Gott, und Gott in ewgen Zeiten! Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war im Him⸗ mel, Erd und Meere, das kennet Gott, und seiner Werke Heere sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe; er schafft, was ich vor oder nachmals tue, und er ersorschet mich und dich. Lob-⸗ und Danklieder. 285 7. Er ist dir nah, du sitzest oder gehest, ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest, so ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn und allen Rat der Seele; er weiß, wie oft ich Gutes iu und fehle, und eilt mir gnädig beizustehn. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte; schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte, da ich noch unbereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, das Gott nicht zugehöre. Herr, immerdar soll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde sein. 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm ist dei⸗ ner Weisheit Spiegel. Du Lust und Meer, ihr Auen, Tal und Hügel, ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 13. Du tränkst das Land, führst uns auf grüne Weiden, und Nacht und Tag und Korn und Wein und Freuden empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen, sollt ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, daß deine Hand mein Leben hält? 15. Ist Gott mein Schutz, will Gott mein Retter werden, so frag ich nichts nach Himmel und nach Erden und biete selbst der Hölle Trutz. Chr. F. Gellert g. 1715 4 1769. 286 464. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. genn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für alle wacht, anbetend überlege, so weiß ich von Bewundrung voll nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater. 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke: Der Himmel, prächtig ausge⸗ schmückt, preist dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schoß der Erde auf, mit Vorrat uns zu segnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken reichen. 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet, der Mensch, ein Geist, den sein Verstand dich zu erkennen leitet, der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt und Größe. Lob-⸗ und Danklieder. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! Gott uuser Vater, sei gepreist, und alle Welt sag Amen! Und alle Welt fürcht ihren Herrn und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen! Chr. F. Gellert g. 1715 4 100. 465. Eigene Melodie. Wie groß ist des Allmächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? der mit ver⸗ härtetem Gemüte den Dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen, vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Lang⸗ mut mich geleitet? Er, dessen Rat ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Ists nicht sein Arm, der alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist, wo du mit Herrlichkeit um⸗ geben Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, durch Gottes Güte sind sie dein: sieh, darum mußte Christus leiden, damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören? den Weg, den er mir zeigt. rarimr Lob-⸗ und Danklieder. 87 nicht gehn? Sein Will ist mir aus Schwachheit fehle, herrscht ins Herz geschrieben, sein Wort doch in mir die Sünde nicht. bestärkt ihn ewiglich: Gott soll 6. O Gott, laß deine Güt und ich über alles lieben und meinen Liebe mir immerdar vor Augen Nächsten gleich als mich. sein, sie stärk in mir die guten 5. Dies ist mein Dank, dies Triebe, mein ganzes Leben dir zu ist sein Wille, ich soll vollkommen weihn, sie tröste mich zur Zeit sein, wie er. Indem ich dies der Schmerzen, sie leite mich zur Gebot erfülle, stell ich sein Bildnis Zeit des Glücks und sie besieg in in mir her. Lebt seine Lieb in meinem Herzen die Furcht des meiner Seele, so treibt sie mich letzten Augenblicks! zu jeder Pflicht, und ob ich schon Chr. F. Gellert g. 1715 f 100. D. Lieder für besondere Stände, Zeiten und Verhältnisse. XXIII. Morgen⸗, Tisch⸗ und Abendlieder. à. Morgenlieder. 466. Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. 5 d. auf, ihr lieben Kinderlein, der Morgenstern mit hellem Schein läßt sich frei sehn gleich⸗ wie ein Held und leuchtet in die ganze Welt. 2. Willkommen sei, du schöner Stern! Du bringst uns Christum, unsern Herrn, der unser lieber Heiland ist; darum du hoch zu loben bist. 3. Ihr Kinder sollt bei diesem Stern erkennen Christum, unsern Herrn, Marien Sohn, den treuen Hort; der leuchtet uns mit sei⸗ nem Wort. 4. Gotis Wort, du bist der Morgenstern, wir können dein gar nicht entbehrn, du mußt uns leuchten immerdar, sonst sitzen wir im Finstern gar. 5. Leucht uns mit deinem Glänzen klar und Jesum Chri⸗ stum offenbar', treib aus der Finsternis Gewalt, daß nicht die Lieb in uns erkalt. 6. Willkommen sei, du lieber Tag, vor dir die Nacht nicht bleiben mag; leucht uns in unsre Herzen sein mit deinem hellen Himmelsschein! 7. O Jesu Christ, wir warten dein: dein heiligs Wort leucht' uns so fein! Am End der Well bleib nicht lang aus und führ uns in deins Vaters Haus! 8. Du bist die liebe Sonne klar, wer an dich gläubt, der ist fürwahr ein Kind der ewgen Seligkeit, die deinen Christen ist bereit. 9. Wir danken dir, wir loben dich hie zeitlich und dort ewiglich für deine groß Barmherzigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Erasmus Alberus g. um 1500 T 1559. 467. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. Die helle Sonn leucht jetzt herfür, Nfröhlich vom Schlaf aufstehen wir; Gott Lob, der uns heut diese Nacht behüt hat vor des Teufels Macht! nic stei 2. Herr Christ, den Tag uns auch behüt vor Sünd und Schand durch deine Güt! Laß deine lie⸗ ben Engelein unsre Hüter und Wächter sein! 3. Daß unser Herz in G'hor⸗ sam leb, dein'm Wort und Willn nicht widerstreb, daß wir dich stets vor Augen habn in allem, das wir fangen an. 4 Laß unser Werk geraten wohl, das ein jeder ausrichten soll, daß unsre Arbeit, Müh und Fleiß gereich zu deinem Lob und Preis. Niklas Herman 1 1561. 468. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. D²² Morgens, wenn ich früh aufsteh, und abends, wenn zu Bett ich geh, sehn meine Augen, Herr, auf dich, Herr Jesu, dir befehl ich mich. 2. In den heilgen fünf Wunden dein da kann ich ruhn und sicher sein mit Leib und Seele, Hab und Gut, mein Schutz ist nur dein n Blut. 3. Denn, o Herr Christ, am Kreuzesstamm dein heilges Blut die Sünd hinnahm, drum, ich wach oder schlafe ein, wollst du, Herr, allzeit bei mir sein! 4. Dein' Engel mir stets halten Wacht, drum ich Tod, Teufel, Höll nicht acht, denn wo ich bin, bist du bei mir, mein Glück und Kreuz kommt alls von dir. „5. Ich leb od'r sterb, so bin ich dein, darum ich dir die Seele mein befehl jetzund und auch im Tod, nimm sie zu dir, o treuer Morgenlieder. 469. Eigene Melodie. Nus meines Herzens Grunde sag ich dir Lob und Dank in dieser Morgenstunde, dazu mein Leben lang, o Gott in deinem Thron, dir zu Lob, Preis und Ehren durch Christum, unsern Herren, dein 81c, Har an Sohn, 2. Daß du mich hast aus Gna⸗ den in der vergangnen Nacht vor G'fahr und allem Schaden behütet und bewacht. Ich bitt demütiglich wollst mir mein Sünd vergeben, womit in diesem Leben ich hab erzürnet dich. 3. Du wollest auch behüten mich gnädig diesen Tag vors Teufels List und Wüten, vor Sünden und vor Schmach, vor Feur und Wassersnot, vor Armut und vor Schanden, vor Ketten und vor Banden, vor bösem schnellen Tod. 4. Mein Leib, mein Seel, mein Leben, mein Ehr und Gut be⸗ wahr! Dir will ich übergeben jetzund und immerdar als dein Geschenk und Gab mein Eltern und Verwandten, Gefreundte und Bekannten und alles, was ich hab. 5. Dein' Engel laß auch bleiben und weichen nicht von mir, den Satan zu vertreiben, auf daß der bös Feind hier in diesem Jammer⸗ tal sein Tück an mir nicht übe, nicht Leib und Seel betrübe und mich nicht bring zu Fall. 6. Gott will ich lassen raten, denn er all Ding vermag. Er segne meine Taten, mein Vor⸗ nehmen und Sach! Ihm hab ich ott! 1593. heimgestellt mein Leib, mein Seel, 19 290 Morgenlieder. mein Leben und was er mir sonst geben; er machs, wies ihm gefällt. 7. Darauf so sprech ich Amen und zweifle nicht daran, Gott wird es alls zusammen ihm wohl⸗ gefallen lan. Und streck nun aus mein Hand, greif an das Werk mit Freuden, dazu mich Gott beschieden in mein'm Beruf und Stand. 15⁰². — 470. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. Das walt Gott Vater und Goit Sohn, Gott heilger Geist ins Himmels Thron! Man dankt dir, eh die Sonn aufgeht, wenns Licht anbricht, man vor dir steht. 2. Drum beug ich diesen Mor⸗ gen früh in rechter Andacht meine Knie und ruf zu dir mit heller Stimm, dein Ohren neig, mein Red vernimm! 3. Ich rühm von Herzen deine Güt, weil du mich gnädig hast behüt, daß ich nun hab die finstre Nacht in Ruh und Friede zu⸗ gebracht. 4. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, nimm mich auch diesen Tag in Hut, laß deine lieben Engelein mein Wächter und Gefährten sein! 5. Dein Geist mein Leib und Seel regier und mich mit schönen Gaben zier, er führ mich heut auf rechter Bahn, daß ich was Guts vollbringen kann. 6. Gib Gnad, daß ich mein Werk und Pflicht mit Freude diesen Tag verricht zu deinem Lob und meinem Nutz und meinem Nächsten tue Guts. 7. Bewahr mein Herz vor Suͤnd und Schand, daß ich vom Übel abgewandt mein Seel mit Sünden nicht beschwer und mein Gewissen nicht versehr. 8. Mein'n Aus⸗ und Eingang heut bewahr, daß mir nichts Übles widerfahr; behüte mich vor schnel⸗ lem Tod und hilf mir, wo mir Hülf ist not. Martin Behm g. 1557 T 1622. 471. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 0 heilige Dreifaltigkeit, o hoch⸗ Ngelobte Einigkeit, Gott Vater, Sohn und heilger Geist; heut diesen Tag mir Beistand leist! 2. Mein Seel, Leib, Ehr und Gut bewahr, daß mir lein Böses widerfahr, daß mich der Satan nicht verletz noch mich in Schand und Schaden setz. 3. Des Vaters Huld mich heut anblick, des Sohnes Güte mich erquick, des heilgen Geistes Glanz und Schein erleucht meins finstern Herzens Schrein! 4. Mein Schöpfer, steh mir träftig bei, o mein Erlöser, bei mir sei, o Tröster wert, weich nicht von mir, mein Herz mit deinen Gaben zier! 5. Herr, segne und behüte mich, erleuchte mich, Herr, gnädiglich, Herr, heb auf mich dein An⸗ gesicht und deinen Frieden auf mich richt! Hann. Gesangbuch 1657. Nach Martin Behm g. 1557 1 16²2. om mit lein ang Hes iel⸗ mir 622. 47 2. Eigene Melodie, oder Herzlich tut mich verlangen. ank sei Gott in der Höhe zu dieser Morgenstund, durch den ich wiedr aufstehe vom Schlaf frisch und gesund. Mich hatte fest ge⸗ bunden mit Finsternis die Nacht, ich hab sie überwunden durch Gott, der mich bewacht. 2. Wiederum tu ich dich bitten, o Schutzherr Israel, du wollst treulich behüten den Tag mein Leib und Seel. All christlich Obrig⸗ keiten, auch Schule und Gemein in diesen bösen Zeiten laß dir befohlen sein! 3. Erhalt uns durch dein Güte bei deiner reinen Lehr, vor Ketzerei behüte, streit für dein Wort und Ehr, daß wir und unser Same hinfort in einem Geist bekennen: Herr, dein Name sei groß und hochgepreist! 4. Dem Leibe gib daneben Rahrung und guten Fried, gesund und mäßig Leben, dazu ein froh Gemüt, daß wir in allen Ständen Tugend und Ehrbarkeit lieben und Fleiß drauf wenden, als rechte Christenleut. 5. Gib mildiglich dein Segen, daß wir nach dein'm Geheiß nur gehn auf guten Wegen, tun unser Amt mit Fleiß, daß jeder seine Netze auswerf und auf dein Wort sein Trost mit Petro setze; so geht die Arbeit fort. 6. Was dir gereicht zu Ehren und der Gemein zu Nutz, das will der Satan wehren mit List und großem Trutz, doch kann Morgenlieder. 291 ers nicht vollbringen, weil du, Herr Jesu Christ, herrschest in allen Dingen und unser Beistand bist. 7. Wir sind die zarten Reben, der Weinstock selbst bist du, daran wir wachsn und leben und bringen Frucht dazu. Hilf, daß wir an dir bleiben und wachsen immer mehr; dein guter Geist uns treibe zu Werken deiner Ehr! Joh. Mühlmann g. 1578 4 1613. — 473. Eigene Melodie. • des Himmels und der Erden, Nater, Sohn und heilger Geist, der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt und was drinnen ist erhält. 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und be⸗ wacht, daß des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden jetzt mit dieser Nacht vergehn; o Herr Jesu, laß mich finden deine Wunden offen stehn, da alleine Hülf und Rat ist für meine Missetat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag und für meine Seele sorgen, daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort, sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort! 19* 292 Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Ver⸗ stand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum! 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes List und Anschlag von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu. Heinrich Albert g. 1604 + 1651. 474. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. Ber deinen Thron tret ich hiemit, V9o Gott, und dich demütig bitt: Wend doch dein gnädig An⸗ gesicht von mir blutarmen Sünder nicht! 2. Du hast mich, o Gott Vater mild, gemacht nach deinem Eben⸗ bild; in dir web, schweb und lebe ich, vergehen müßt ich ohne dich. 3. Errettet hast du mich gar oft ganz wunderbar und unver⸗ hofft, da nur ein Schritt, ja nur ein Haar mir zwischen Tod und Leben war. 4. Verstand und Ehr hab ich von dir, des Lebens Notdurft gibst du mir, dazu auch einen treuen Freund, der mich in Glück und Unglück meint. 5. Gott Sohn, du hast mich durch dein Blut erlöset von der Höllenglut, das schwer Gesetz für mich erfüllt, damit des Vaters Zorn gestillt. Macht, Morgenlieder. 6. Wenn Sünd und Satan mich anklagt und mir mein armes Herz verzagt, alsdann brauchst du dein Mittleramt, daß mich der Vater nicht verdammt. 7. Du bist mein Fürsprach allezeit, mein Heil, mein Trost und meine Freud, ich kann durch dein Verdienst allein hier ruhig und dort selig sein. 8. Gott heilger Geist, du höchste schafft, ist etwas Guts am Leben mein, so ist es wahrlich alles dein. 9. Dein ists, daß ich Gott recht erkenn, ihn meinen Herrn und Vater nenn, sein wahres Wort und Sakrament behalt und lieb bis an mein End; 10. Daß ich fest in Anfechtung steh und nicht in Trübsal untergeh, daß ich im Herzen Trost empfind, zuletzt mit Freude überwind. 11. Drum danke ich mit Herz und Mund dir, Gott, in dieser Morgenstund für alle Güte, Tren und Gnad, die meine Seel empfangen hat, 12. Und bitt, daß deine Gnaden⸗ hand bleib über mir heut aus⸗ gespannt; mein Amt, Gut, Ehr, Freund, Leib und Seel in deinen Schutz ich dir befehl. 13. Hilf, daß ich sei von Her⸗ zen fromm, damit mein ganzes Christentum aufrichtig und recht⸗ schaffen sei, nicht Augenschein und Heuchelei. 14. Erlaß mir meine Sünden⸗ schuld und hab mit deinem Knecht Geduld, zünd in mir Glauben an und Lieb, zu jenem Leben Hoffnung gib! Kraft, des Gnade in mir alles dem Geber aller 15. Ein selig Ende mir bescher am jüngsten Tag erweck mich, Herr, daß ich dich schaue(wiglich. Amen, Amen, erhöre mich! Bodo v. Hodenberg(2) g. 1604 + 1650. 10. Mel. Nun laßt uns Gott dem Herren. Wac auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Di men Eenn er! 2. Heint*), als die dunkeln Schatten mich ganz umgeben hatten, hat Satan mein begehret, Gott aber hats gewehret. heute nacht. 3. Ja, Vaier, als er suchte, daß er mir schaden möchte, lag ich in deinem Schoße, dein Flügel mich umschlosse. 4. Du sprachst: Mein Kind, nun liege, Trotz dem, der dich betrüge! Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen. 5. Dein Wort das ist geschehen, ich kann das Licht noch sehen, von Not bin ich befreiet, dein Schutz hat mich verneuet. 6. Du willst ein Opfer haben: hie bring ich meine Gaben, mein Weihrauch und mein Widder sind mein Gebet und Lieder. 7. Die wirst du schmähen, du kannst ins Herze sehen, denn du weißt, daß zur Gabe ich ja nichts Bessers habe. 8. So wollst du nun vollenden dein Werk an mir und senden, der mich an diesem Tage auf seinen Händen trage. 10 Sprich ja zu meinen Taten, hilf selbst das Veste raten, den nicht ver⸗ Dinge, r Güt ter, dem from⸗ Morgenlieder. 293 Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende! 10. Mich segne, mich behüte, mein Herz sei deine Hütte, dein Wort sei meine Speise, bis ich gen Himmel reise. Paul Gerhardt g. 1607 4+ 1676. 476. Eigene Melodie. 8 Zobet den Herren alle, die ihn fürchten, laßt uns mit Freude seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen! Lobet den Herren! 2. Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket. Lobet den Herren! 3. Daß unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu d Inen seinem Segen. Lobet den Her 4. Daß Feuerflan allzusam mit unsern Häusern unversehns gefressen, das machts, daß wir in seinem Schoß gesessen. Lobet den Herren! 5. Daß Dieb und Räuber unser Gut und Leiber nicht angetast und grausamlich verletzet, dawider hat sein Engel sich gesetzet. Lobet den Herren! 6. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, ach laß doch ferner über unser Leben bei Tag und Nacht dein Hut und Güte schweben. Lobet den Herren! 7. Gib, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern 294 Morgenlieder. Wegen unverhindert gehen und besten Güter sind unsre Gemüter, überall in deiner Gnade stehen. dankbare Lieder sind Weihrauch Lobet den Herren! und Widder, an welchen er sich Treib unsern Willen, dein am meisten ergetzt. Wort zu erfüllen, lehr uns En 4. Abend und Morgen sind richten heilige Geschäfte, und wo seine Sorgen; segnen und mehren, wir schwach sind, da gib du uns Unglück verwehren sind seine Werke Kräfte! Lobet den Herren! und Taten allein. Wenn wir uns 9. Richt unsre Herzen, daß wir legen, so ist er zugegen; wenn wir ja nicht scherzen mit deinen Stra⸗aufstehen, so läßt er aufgehen über sen, sondern fromm zu werden vor uns seiner Barmherzigkeit Schein. deiner Zukunst uns bemühn auf 5. Ich hab erhoben zu dir hoch Erden. Lobet den Herren! droben all meine Sinnen; laß 10. Herr, du wirst kommen mein Beginnen ohn allen Anstoß und all deine Frommen, die sich und glücklich ergehn! Laster und bekehren, gnädig dahin bringen, Schande, des bösen Feinds Bande; da alle Engel ewig, ewig singen: Fallen und Tücke treib ferne Lobet den Herren! zurücke, laß mich auf deinen Ge⸗ Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. boten bestehn! 6.. Laß mich mit Freuden ohn 77. alles Reiden sehen den Segen, den du wirst legen in meines Eigene Melodie. Bruders und Rähesten Haus. ö Die güldne Sonne voll Freud Geiziges Brennen, unchristliches Nund Wonne bringt unsern Rennen nach Gut mit Sünde, Grenzen mit ihrem Glänzen ein das tilge geschwinde von meinem herzerquickendes, liebliches Licht. Herzen und wirf es hinaus! Mein Haupt und Glieder die 7. Menschliches Wesen, was ists lagen darnieder, aber nun steh ich, gewesen? In einer Stunde geht bin munter und fröhlich, schaue es zugrunde, sobald die Lüfte den Himmel mit meinem Gesicht. des Todes drein wehn; alles in 2. Mein Auge schauet, was allen muß brechen und fallen, Gott gebauet zu seinen Ehren und Himmel und Erden die müssen uns zu lehren, wie sein Vermögen das werden, was sie gewesen vor sei mächtig und groß, und wo die ihrem Entstehn. Frommen dann sollen hinkommen, 8. Alles vergehet, Gott aber wann sie mit Frieden von hinnen stehet ohn alles Wanken, seine geschieden aus dieser Erde ver⸗ Gedanken, sein Wort und Wille gänglichem Schoß. hat ewigen Grund. Sein Heil 3. Lasset uns singen, dem und Gnaden, die nehmen nicht Schöpfer bringen Güter und Ga⸗Schaden, heilen im Herzen die ben, was wir nur haben, alles tödlichen Schmerzen, halten uns sei Gotte zum Opfer gesetzt. Die zeilih und ewig gesund. u in A X d i Morgenlieder. 295 9. Goit, meine Krone, vergib 2. Die Himmel all erzählen des und schone, laß meine Schulden höchsten Gottes Ehr; das Haus in Gnad und Hulden aus deinen der frommen Seelen und aller Augen sein abegewandt! Sonsten Engel Heer weist uns durch so regiere mich, lenke und führe, wie viel Sterne die überschöne Pracht, dirs gefället, ich habe gestellet alles auf daß wir hier von ferne dahin in deine Beliebung und Hand. auch sein bedacht. 10. Willst du mir geben, womit 3. Mein Gott, laß mich ver⸗ mein Leben ich kann ernähren, so achten, was irdisch, eitel ist, und laß mich hören allzeit im Herzen nach dem Himmel trachten in dies heilige Wort: Gott ist das dieser Lebensfrist, laß mich den Größte, das Schönste und Beste, Tag hinbringen in der Gottselig⸗ Gott ist das Süßte und Aller-keit und ritterlich durchdringen zur gewißte, aus allen Schätzen der ewgen Himmelsfreud! edelste Hort. Georg Ph. Harsdörfer g. 1607 f 1688. 11. Willst du mich kränken, mit Galle tränken, und soll von Plagen 479 ich auch was tragen, wohlan, so mach es, wie dir es beliebt. Was gut und tüchtig, was schädlich und 8⁰ tret ich demnach an, so gut nichtig meinem Gebeine, das weißt Dich immer kann, mein Amt, du alleine, nie hast die Deinen Beruf und Wesen, dazu mich Gott zu sehr du betruͤbt. erlesen; der wird mir seinen Segen 12. und Elende das auch wissen beizulegen. — 8 2 Lan ud Ue Suie n un n leuchtet der Sonne gewünschtes daß du mein Leben lang so reichlich Gesicht. Freude die Fülle und mich ernähret und manche Gnad 8 7— V 4—— bescheret; laß deine Güt und Gaben seliger Stille hab ich zu warten; 40 5r 3 360 en mich heute ferner laben! im himmlischen Garten; dahin I sind meine Gedanken gericht. 3. Ach mein Herr Jesu Christ, Paul Gerhardt g. 1607 f 1676. der du mein Helfer bist, ach segne meine Werke, mich selbst vom 478 Himmel stärke, damit ich deinen 7 Willen in allem mög erfüllen. Mel. Herzlich tut mich verlangen. 4. Behüte Seel und Leib und Hie Nacht ist nun vergangen, der alles von mir treib, was meine helle Tag bricht an, die Sonn Nahrung hindert und deinen Segen hat angefangen zu laufen ihre mindert; ja laß in Fried und Bahn; mein Herz soll auch auf⸗Freuden mich dann von hinnen steigen, und alles, was ich bin, scheiden! sich zu der Erde neigen aus Joh. Heinr. von Hippen. 1676. demutsvollem Sinn. Mel. Auf meinen lieben Gott. 296 480. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. An tret ich wieder aus der Ruh und geh dem sauren Tage zu, wie mir ist auferleget. Nicht weiß ich, was für neue Plag mir heute noch begegnen mag; doch weiß ich, daß mich träget mein from⸗ mer Gott in seiner Hut, daß mir die Last nicht Schaden tut. 2. Zwar meine Bürd ist täglich neu, doch ist mein Gott auch täglich treu, der träget meine Sorgen. Vor abends keiner recht vernimmt, was ihm den Tag all ist bestimmt; es bahnt ein jeder Morgen mir einen frischen Weg zur Pein, der kann mit Gott erstiegen sein. 3. Wie wenig hab ich oft ge⸗ dacht, daß so würd sein zu End gebracht die saure Tagesbürde; doch hab ich abends wohl gespürt, daß du mich, höchster Gott, geführt, daß mich dein Schein und Würde geleitet, mir geleuchtet hat auf meinen Weg und Kreuzespfad. 4. Weil ich denn des versichert bin, was traurest du, verzagter Sinn, die Bürd auf dich zu legen? Trag, was du kannst, Gott träget mit; der Herr der Welt der strauchelt nicht, bei ihm ist lauter Segen. Mit ihm geh ich denn frisch daran und scheue nicht die Leidensbahn. 5. So ist getrost mein frischer Mut, wenn ich mich in des Höch⸗ sten Hut kann eingeschlossen sehen; doch daß ich des versichert sei, muß ich von Sünden leben frei Morgenlieder. und Gottes Wege gehen; mein Gott geht nimmer meinen Steg, wo ich nicht wandle seinen Weg. 6. Drum, liebster Gott, leit meinen Fuß, daß ich dir folg in wahrer Buß, und läutre mich von Sünden! So kann ich als ein kühner Held bestreiten diese böse Welt, mit dir sie überwinden; so tret ich mutig an den Tag und scheue nicht, was kommen mag. 7. Ich leg auf dich, mein Gott und Herr, was mir zu tragen wird zu schwer, die Last, die mich ge⸗ bogen; ich lege meine Würd und Stand in deine große Allmachts⸗ hand, die du mir nie entzogen; mit der hast du von Jugend auf geleitet meinen Lebenslauf. 8. Ich leg in deinen Schoß hinein, die meine Blutsverwandte sein; da sind sie wohl beschlossen; ich lege meine arme Seel in Jesu sichre Wundenhöhl; du wirst sie nicht verstoßen, wenn sie vom Leibe scheidt der Tod. Ich leg mich ganz in dich, mein Gott. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig⸗ Wolfenbüttel g. 1633 + 1714. 481¹. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. A* Gottes Namen fang ich an, A was mir zu tun gebühret, mit Gott wird alles wohl getan und glücklich ausgeführet. Was man in Gottes Namen tut, ist allenthalben recht und gut und kann uns auch gedeihen. 2. Gott ist, der das Vermögen schafft, was Gutes zu vollbringen, Morgenlieder. 297 er gibt uns Segen, Mut und 482 Krast und läßt das Werk gelingen; ist er mit uns und sein Gedeihn, Eigene Melodie. so muß der Zug gesegnet sein Morgenglanz der Ewigkeit, Licht zum reichen Überflusse. vom unerschöpften Lichte, 3. Wer erst nach Gottes Reiche schick uns diese Morgenzeit deine tracht und bleibt auf seinen Wegen, Strahlen zu Gesichte und vertreib der wird gar leichtlich reich gemacht durch den⸗ Macht unsre Nacht! durch Gottes milden Segen. Da 2. Deiner Güte Morgentau wird der Fromme immer sait, fall auf unser matt Gewissen; daß er von seiner Arbeit hat auch ö laß 4 Dürve Lebenen: Lane Armen Brot zu geben. sußen Deenrn ad auun oern eenersn U dh, vnrr der dun und Lohn, er krönet sie mit ö 173— 8. 1, unsre kalten Werke töte, und er⸗ Gnaden; der bösen Welt ihr 14845 Neid und Hohn kann ihnen gar weck uns Her und Mun dei ut⸗ öů n ge standner Morgenröte, daß wir, nicht schaden. Gott decket sie mit eh wir gar vergehn, recht aufstehn. seiner Hand, er segnet ihre Stadt 4. Ach du Aufgan 42. der und Land und füllet sie mit n' ai WRuslngst Höh, gib, daß auch am jüngsten Freude.. Tage unser Leichnam aufersteh 5. Drum komm, Herr Jesu, und entfernt von aller Plage sich stärke mich, hilf mir in meinen auf jener Freudenbahn freuen kann. Werken, laß du mit deiner Gnade 5. Leucht uns selbst in jene dich bei meiner Arbeit merken, Welt, du verklärte Gnadensonne, gib dein Gedeihen selbst dazu, daß führ uns durch das Tränenfeld ich in allem, was ich iu, ererbe in das Land der süßen Wonne, deinen Segen. da die Lust, die uns erhöht, nie 6. Regiere mich durch deinen vergeht. Geist, den Müßiggang zu meiden, Chr. Knorr v. Rosenroth g. 106 1680. daß das, was du mich schaffen heißt, gescheh mit lauter Freuden; hilf, daß ich dir mit aller Treu 483. auf dein Gebot gehorsam sei und meinen Nächsten liebe. Das walte Gott, der helfen kann! 7. Run, Jesu, komm und bleib Mit Gott fang ich mein Arbeit bei mir! Die Werke meiner an, mit Gott nur geht es glück⸗ Hände befehl ich, liebster Heiland, lich sort, drum ist auch dies mein dir, hilf, daß ich sie vollende zu erstes Wort: Das walte Gott! deines Namens Herrlichkeit, und 2. All mein Beginnen, Tun gib, daß ich zur Abendzeit er⸗Uund Werk erfordert von Gott wünschten Lohn empfange. Kraft und Stärk; mein Herz sucht Salomon Liscow g. 1640 4 1689. Gottes Angesicht, drum auch mein Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 298 Mund mit Freude spricht: Das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts, wo Gott nicht gibet, da gebrichts; Gott gibt und tut mir alles Guts, drum sprech ich nun auch guten Muts: Das walte Gott! 4. Will Gott mir etwas geben hier, so will ich dankbar sein da⸗ für; auf sein Wort werf ich aus mein Netz und sag in meiner Arbeit stets: Das walte Gott! 5. Anfang und Mitte samt dem End stell ich allein in Gottes Händ; er gebe, was mir nützlich ist, drum sprech ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Segen bei nach seiner großen Güt und Treu, so gnüget mirs zu jeder Stund, drum sprech ich auch von Herzensgrund: Das walte Gott! 7. Trifft mich ein Unglück: unverzagt! ist doch mein Werk mit Gott gewagt; er wird mir gnädig stehen bei, drum dies auch meine Losung sei: Das walte Gott! 8. Er kann mich segnen früh und spat, bis all mein Tun ein Ende hat, er gibt und nimmt, machts, wie er will, drum sprech ich auch fein in der Still: Das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Rot und gibt mir auch mein täglich Brot; nach seinem alten Vaterbrauch tut er mir Guts, drum sprech ich auch: Das walte Gott! 10. Ohn Gott nichts glückt und seine Gunst, nichts hilft Verstand, Morgenlieder. Witz oder Kunst; mit Gott gehts fort, gerät auch wohl, daß ich kann sagen glaubensvoll: Das walte Gott! 11. Teilt Gott was mit aus Gütigkeit, so acht ich keiner Feinde Neid; laß hassen, wers nicht lassen kann, ich stimme doch mit Freude an: Das walte Gott! 12. Tu ich denn was mit Gottes Rat, der mir beistehet früh und spat, dann alles wohl geraten muß, drum sprech ich nochmals zum Beschluß: Das walte Gott! Johann Betichius g. 1650 + 1722. 48⁴. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. M Jesu, süßes Licht, nun ist die Nacht vergangen, nun hat dein Gnadenglanz aufs neue mich umfangen, nun ist, was an mir ist, vom Schlafe aufgeweckt und hat nun in Begier zu dir sich ausgestreckt. 2. Was soll ich dir denn nun, mein Gott, für Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar in deine Gnad einsenken mit Leib, mit Seel, mit Geist heut diesen ganzen Tag; das soll mein Opfer sein, weil ich sonst nichts vermag. 3. Drum siehe da, mein Gott, da hast du meine Seele, sie sei dein Eigentum, mit ihr dich heut vermähle in deiner Liebeskraft; da hast du meinen Geist, darinnen wollst du dich verklären allermeist! 4. Da sei denn auch mein Leib zum Tempel dir ergeben, zur Wohnung und zum Haus. Ach allerliebstes Leben, ach wohn, ach Morgenlieder. 299 leb in mir, beweg und rege mich, finster, kalt und trübe; Sesa⸗ so hat Geist, Seel und Leib mit Liebe, tomm, beschleunige den Lauf! dir veminige sich. 3. Wir sind ja im neuen Bunde, 5. Dem Leibe hab ich jetzt die da die Stunde der Erscheinung Kleider angeleget: laß meiner Seele kommen ist, und ich muß mich sein dein Bildnis eingepräget im stets im Schatten so ermatten, güldnen Glaubensschmuck, in der weil du mir so ferne bist. chtigkeit, so allen Seelen ist 4. Wir sind ja der Nacht ent⸗ rechte Ehrenkleid. nommen, da du kommen, aber ich 6. Mein Jesu, schmücke mich bin lauter Nacht; darum wollst mit Weisheit und mit Liebe, mit du mir, dem Deinen, auch er⸗ Keuschheit, mit Geduld durch deines scheinen, der nach Licht und Rechte Gäses Triebe, auch mit der tracht. Demut mich vor allem kleide an, 5. Das Vernunftlicht kann das so bin ich wohlgeschmückt und Leben mir nicht geben, Jesus und köstlich angetan. sein heller Schein, Jesus muß das 7. Gib, daß mir diesen Tag Herz anblicken und erquicken, Jesus stets vor den Augen schwebe, daß muß die Sonne sein. dein Allgegenwart mich wie die 6. Nur die Decke vor den Augen Luft umgebe, auf daß mein ganzes kann nicht taugen, seine Klarheit Tun durch Herz, durch Sinn und kann nicht ein; wenn sein helles Mund dich lobe inniglich, mein Licht den Seinen soll erscheinen, Gott, zu aller Stund. muß das Auge reine sein. 8. Ach segne, was ich tu, ja 7. Jesu, gib gesunde Augen, rede und gedenke; durch deines die was taugen, rühre meine Geistes Kraft es also führ und Augen an! Denn das ist die lenke, daß alles nur gescheh zu größte Plage, wenn am Tage deines Namens Ruhm und daß ich man das Licht nicht sehen kann. unverrückt verbleib dein Eigentum. Christ. Friedr. Richter g. 1676 1 1711. Joachim Lange g. 1670 4 1744. ö 486. 485. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Eigene Melodie. Mel. 2. güter, wird die Nacht der Sün⸗(E Erwunent euch, erquickte Glieder, 2 den nicht verschwinden? Hüter, die dunkeln Schatten sind vor⸗ il die Nacht schier hin? Wird bei; der liebe Morgen zeigt sich die Finsternis der Sinnen bald wieder und machet Gottes Güte zerrinnen, darein ich verwickelt neu, die mich in dieser Nacht be⸗ bin 2 deckt und nun zur Arbeit auf⸗ 2. Möcht ich wie das Rund geweckt. der Erden licht doch werden; 2. Gott Lob, der mich vor allem Seelensonne, gehe auf! Ich bin Schaden bei meiner stillen Ruh 300 bewacht, daß mich der Reichtum seiner Gnaden zu seinem Preise tüchtig macht; ich bin vergnügt, ich bin erquickt und warte, was Gott heute schickt. 3. Sein guter Geist wird mich regieren, der leite mich auf ebner Bahn und helfe mir mein Werk vollführen, in seinem Namen fang ichs an; sein Segen wird mein Sonnenschein und seine Huld mein Schatten sein. 4. Mein Gott, so laß dich gnädig finden, dir hab ich alles heim⸗ gestellt, ach nur behüte mich vor Sünden! Doch wenn das Fleisch aus Schwachheit fällt, so richte mich durch Jesum auf und sei du selbst mein Lebenslauf! 5. Weil jeglicher von unsern Tagen auch seine Plage mit sich führt, mein Gott, so laß mich nicht verzagen, wenn mich ein Kreuz und Unglück rührt. Deck mich durch deine Gnadenhand, so wird es glücklich abgewandt. 6. Nun, Seel und Leib sei dir ergeben, bei dem sie wohl ver⸗ wahret stehn; und soll der Rest von meinem Leben noch diesen Tag zu Ende gehn, so mache du durch Christi Blut auch meinen letzten Abschied gut! 7. Wohlan, des tröst ich mich im Glauben: Im Glück und Un⸗ glück bin ich dein, aus deiner Hand kann mich nichts rauben. Drum soll mein stetes Denkmal sein, das mir im Sinn und Herzen liegt: Was mein Gott fügt, macht mich vergnügt. Erdmann Neumeister g. 1671 + 1750. Morgenlieder. 487. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Die Nacht ist hin, wach auf mein gHerz, du sollst ein Opfer bringen, laß deine Flügel himmel⸗ wärts sich nach den Wolken schwin⸗ gen! Denn Gottes Treu ist wieder neu, er hat dir Licht und Leben von neuem jetzt gegeben. 2. Bring deines Weihrauchs Wohlgeruch vor deines Schöpfers Throne, komm, bitte Segen für den Fluch in Christo seinem Sohne! Die Gnadentür ist offen hier, so lasse denn dein Beten zu Gottes Herzen treten. 3. Du Sonne der Gerechtigkeit, vertreib die Nacht der Sünden und laß an diesem Morgen heut viel Gnadentau mich finden! Hast du die Nacht mich wohl bewacht, so sei auch nun am Tage ein Schutz vor aller Plage! 4. Das Gute wende du zu mir, das Böse laß mich fliehen und deine Hand mich für und für nur nach dem Himmel ziehen! Gib Rat und Tat so früh als spat zu allen meinen Werken, laß deinen Geist mich stärken! 5. Ich werfe meine Last auf dich, ach, hilf sie treulich tragen, machs wie du willst, nur seliglich, ich will es auf dich wagen. Kein Kreuz ist mir zu schwer bei dir. Es tut mir deine Rute auch heute was zugute. 6. Du bist mein Gott, das weiß ich wohl, laß mich nur dein verbleiben und was ich heute wirken soll, zu deinen Ehren treiben! flie Ta wei En ich fre Dein Segen blüh durch meine Müh, daß, wenn ich Schweiß vergieße, er nicht umsonst mir fließe. 7. Laß auch die Meinen diesen Tag dein Gnadenauge leiten! Und weil ich gar nicht wissen mag das Ende meiner Zeiten, so gib, daß ich mich stetiglich des letzten Tages freue und meine Schuld bereue. zenjamin Schmolck g. 1672 + 1737. 488 „ Mel. Werde munter, mein Gemüte. Hott, du Licht, das ewig bleibet, das ohn allen Wechsel ist, as die Finsternis vertreibet, der u bleibest, wie du bist, ich ver⸗ lasse meine Ruh. Rufe: Werde licht! mir zu, daß ich, der ich, Nacht und Erde, durch dein Licht verkläret werde. 2. Wecke, da der Leib geschlafen, auch die Seele geistlich auf, gib ihr deines Lichtes Waffen, richt und leite ihren Lauf, laß mich sein des Lichtes Kind, hilf mir, der ich geistlich blind, Jesu, daß ich wieder sehe und in deinem Lichte gehe. 3. Schenke mir, Herr, und gewähre, was die arme Seele stillt, ach erneure und verkläre stets in mir dein Ebenbild, sende mir den Geist der Kraft, der ein neues Leben schafft, daß ich himm⸗ lisch auf der Erde und Ein Geist mit Christo werde. 4. Segne meiner Hände Werke und befördre meine Pflicht, bleibe meiner Schwachheit Stärke, meines d d Lebens Kraft und Licht, laß mein Morgenlieder. 301 Lebensziel allein deines Namens Ehre sein, hilf, daß ich stets wahre Liebe gegen meinen Näch⸗ sten übe. 5. Führ mich bald zu jenem Lichte deiner höchsten Majestät, wo vor deinem Angesichte die verklärte Seele steht heller als der Sonnenschein, schön, unsterblich, engelrein; laß sie sein mit dir vereinet, wenn mein letzter Tag erscheinet. Salomo Frand g. 1680 f.P.al 489. Mel. Schwing dich auf zu deinem Gott. — gang dein Werk mit Jesu an, Jesus hats in Händen; Jesum ruf zum Beistand an, Jesus wirds wohl enden. Steh mit Jesu mor⸗ gens auf, geh mit Jesu schlafen, führ mit Jesu deinen Lauf, lasse Jesum schaffen! 2. Morgens soll der Anfang sein, Jesum anzubeten, daß er woll dein Helfer sein stets in allen Nöten. Morgens, abends und bei Nacht will er stehn zur Seiten, wenn des Satans List und Macht dich sucht zu bestreiten. 3. Wenn dein Jesus mit dir ist, laß die Feinde wüten, er wird dich vor ihrer List schützen und behüten. Setz nur das Vertrauen dein in sein Allmachtshände und glaub sicher, daß allein er dein Unglück wende. 4. Wenn denn deine Sach mit Gott also angefangen, ei so hat es keine Not, wirst den Zweck er⸗ langen; es wird folgen Glück und Heil hier in diesem Leben, endlich 302 Morgenlieder. wird dir Gott dein Teil auch im Himmel geben. 5. Nun Herr Jesu, all mein Sach sei dir übergeben, es nach deinem Willen mach auch im Tod und Leben! All mein Werk greif ich jetzt an, Herr, in deinem Namen, laß es doch sein wohl⸗ getan! Ich sprech darauf Amen. Um 1734. 490. Eigene Melodie. 0 Jesu, meines Lebens Licht, nun ist die Nacht vergangen; mein Geistesaug zu dir sich richt, dein Anblick zu empfangen. 2. Du hast, da ich nicht sorgen konnt, mich vor Gefahr bedecket und auch vor andern mich gesund nun aus dem Schlaf erwecket. 3. Mein Leben schenkst du mir aufs neu, es sei auch dir ver⸗ schrieben, mit neuem Ernst, mit neuer Treu dich diesen Tag zu lieben. 4. Dir, Jesu, ich mich ganz befehl, im Geiste dich verkläre: dein Werkzeug nur sei meine Seel, den Leib bewahr und nähre! 5. Durchdring mit deinem Lebenssaft Herz, Sinne und Ge⸗ danken, bekleide mich mit deiner Kraft, in Proben nicht zu wanken. 6. Mein treuer Hirte, sei mir nah, steh immer mir zur Seiten, und wenn ich irre, wollst du ja mich wieder zu dir leiten. 7. Sei du alleine meine Lust, mein Schatz, mein Trost und Leben! Kein andres Teil sei mir bewußt, dir bin ich ganz ergeben. 8. Zeig mir in jedem Augen⸗ blick, wie ich dir soll gefallen, zeuch mich vom Bösen stets zurück, regiere mich in allen! 9. Gib, daß ich meinen Wandel führ im Geist, in deinem Lichte, und als ein Fremdling lebe hier vor deinem Angesichte. 10. Ach halt mich fest mit deiner Hand, daß ich nicht fall noch weiche; zeuch weiter durch der Liebe Band, bis ich mein Ziel erreiche. Gerh. Terstegen g. 1697 4 1769. 491. Mel. O Jesu, meines Lebens Licht. Mlen erst Gefühl sei Preis und E Dank, erheb ihn, meine Seele! Der Herr höͤrt deinen Lobgesang, lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicher⸗ heit der Nacht und Ruhe für die Müden? 3. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, sich sicher zu bedecken? Wer rust dem Tag und seinem Licht, die Seele zu erwecken? 4. Du bist es, Herr und Gott der Welt, und dein ist unser Leben; du bist es, der es uns erhält und mirs jetzt neu gegeben. 5. Gelobet seist du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue. 6. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen und lehre du mich selber tun nach deinem Wohlgefallen 7. Nimm meines Lebens gnädig wahr, auf dich hofft meine Seele, sei mir ein Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle. 8. Gib mir ein Herz voll Zu⸗ versicht, erfüllt mit Lieb und Ruhe, ein weises Herz, das seine Pflicht erlenn und willig tue; 9. Daß ich als ein getreuer Knecht nach deinem Reiche strebe, gottselig, züchtig und gerecht durch deine Gnade lebe; 10. Daß ich dem Nächsten beizustehn nie Fleiß und Arbeit scheue, mich gern an andrer Wohlergehn und ihrer Tugend freue; 11. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht ge⸗ nieße und meinen Lauf mit Freudigkeit, wenn du gebeutst, beschließe. Chr. F. Gellert g. 1718 T 1769. Tischlieder. 303 492. Mel. Kommt und laßt uns Christum ehren. HFrüh am Morgen Jesus gehet und vor allen Türen stehet, klopfet an, wo man geflehet: Komm, Herr Jesu, unser Gast! 2. Nun so lasset ihn nicht dorten, tut ihm auf des Herzens Pforten und ruft ihn mit süßen Worten: Eile, Jesu, kehre ein! 3. Wollest täglich bei uns blei⸗ ben, alle Feinde von uns treiben, uns ins Buch des Lebens schreiben und der gute Hirte sein; 4. Weiden uns auf grüner Auen, daß wir deine Fülle schauen und auf deinen Reichtum bauen, mit dir gehen aus und ein. 5. Amen, ja es soll geschehen! Jesus wird heut mit uns gehen und wir werden sröhlich sehen, daß er uns nicht läßt allein. Gerh. Chr. H. Stip g. 1809 T 1882. b. TDilchlieder. 493. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. Geeon uns, Herr, die Gaben dein, die Speis laß unsre Nahrung sein, hilf, daß dadurch erquicket werd der dürftge Leib auf dieser Erd. 2. Doch dies zeitliche Brot allein kann uns nicht gnug zum Leben sein, dein göttlich Wort die Seele speist, hilft uns zum Leben allermeist. 3. Drum gib uns beides, Herre Gott! Hilf endlich auch aus aller Not! So preisen wir dein Gütigkeit hier und auch dort in Ewigkeit. 1561. Vor dem Essen. 494. Mel. Herr Jesu end. dich zu uns wend. Wir danken Gott für seine Gabn, die wir von ihm empfangen habn, und bitten unsern lieben Herrn, er woll uns allzeit mehr beschern, 30⁴4 Abendlieder. 2. Und speisen uns mit seinem Wort, daß wir satt werden hier und dort. Ach lieber Herr, du wollst uns gebn nach dieser Zeit das ewge Lebn! Nach dem Essen. 3. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du uns'r Gast gewesen bist. Bleib du bei uns, so hats nicht Not, du bist das rechte Lebensbrot. 1580. 495. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. Sveis uns, Vater, deine Kinder, tröste die betrübten Sünder, sprich den Segen zu den Gaben, die jwir jetzo vor uns haben, daß sie uns zu diesem Leben Stärke, Kraft und Nahrung geben, bis wir endlich zu den Frommen an die Himmelstafel kommen. Nach Joh. Heermann g. 1585 4 1647. 6. Abendlieder. 496. Eigene Melodie. Der du bist drei in Einigkeit, ein wahrer Gott von Ewigkeit, Die Sonn mit dem Tag von uns weicht, laß leuchten uns dein göttlich Licht! 2. Des Morgens, Gott, dich loben wir, des Abends auch beten vor dir; unser armes Lied rühmet dich jetzund, immer und ewiglich. 3. Gott Vater dem sei ewig Ehr, Gott Sohn, der ist der einge Herr, und dem Tröster, dem heilgen Geist, von nun an bis in Ewigkeit. Martin Luther g. 1483 4 1546, nach dem Lateinischen O Iux, beata trinitas. 497. Eigene Melodie. Ebꝛiste, du bist der helle Tag, vor dir die Nacht nicht bleiben mag, du leuchtest uns vom Vater her und bist des Lichtes Prediger. 2. Ach lieber Herr, behüt uns heint!) in dieser Nacht vorm bösen Feind und laß uns in dir ruhen fein und vor dem Satan sicher sein.) hente nacht. 3. Ob schon die Augen schlafen ein, so laß das Herz doch wacker sein, halt über uns dein rechte Hand, daß wir nicht falln in Sünd und Schand. 4. Wir bitten dich, Herr Jesu Christ, behüt uns vor des Teu⸗ fels List, der stets nach unsrer Seele tracht, daß er an uns hab keine Macht. 5. Sind wir doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein teures Blut; das war des ewgen Vaters Rat, als er uns dir geschenket hat. 6. Befiehl dem Engel, daß er komm und uns bewach, dein Eigentum, gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh. 7. So schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein. Du heilige Dreieinigkleit, wir loben dich in Ewigkeit. Erasmus Alberus g. um 1500 4 1553, nach dem Lateinischen Christe, qui lux es et dies. 498 0 Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 9inenter ist der Sonne Schein, 2 di finstre Nacht bricht stark herein, leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht, laß uns im Finstern tappen nicht! 2. Dir sei Dank, daß du uns den Tag vor Schad, Gefahr und mancher Plag durch deine Engel hast behüt aus Gnad und väter⸗ vergeben, erlös uns! Amen. licher Güt. 3. Womit wir, Herr, erzürnet dich, dasselb verzeih uns gnädig⸗ lich und rechn es unsrer Seel nicht zu, laß schlafen uns mit Fried und Ruh! 4. Die Engel dein zur Wach bestell, daß uns der böse Feind nicht fäll; vor Schrecken, Angst und Feuersnot behüt uns heint“), o lieber Gott!) heute Nacht. Nillas Herman + 1561. 499. Eigene Melodie, oder Herzliebster Jesu. Die Nacht ist kommen, drin wir ruhen sollen; Gott walts zu Frommen nach sein'm Wohlge⸗ sallen, daß wir uns legen, durch sein G'leit und Segen der Ruh zu pflegen. 2. Treib, Herr, von uns fern die unreinen Geister, halt die Rachtwach gern, sei selbst unser Schutzherr, schirm beid, Leib und Abendlieder. Seel, unter deine Flügel, send uns dein Engel! 3. Laß uns einschlafen mit guten Gedanken, fröhlich aufwachen und von dir nicht wanken. Laß uns mit Züchten unser Tun und Dichten zu dein'm Preis richten! 4. Pfleg auch der Kranken durch deinen Geliebten, hilf den Gefangnen, tröste die Betrübten! Pfleg auch der Kinder, sei selbst ihr Vormünder, des Feinds Neid hinder! 5. Vater, dein Name werd von uns gepreiset, dein Reich zukomme, dein Will werd beweiset; frist unser Leben, wollst die Schuld Böhmische Brüder. 500. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du unser Erlöser bist und schützest uns vor aller G'fahr durch deiner lieben Engel Schar. 2. Wir gehn nun hin zu unsrer Ruh; ach rechn es unsrer Seel nicht zu, was leider wir gesündigt habn, vergib uns alls, o Gottes Sohn! 3. Dein' Engel laß stets um uns sein, die allzeit uns bewachen fein, daß Satan habe keine Macht an uns bei Tage noch bei Nacht. 4. Vor Feur, vor Seel⸗ und Leibesnot behüt uns, lieber Herre Gott, in deinem Nam laß schlafen ein uns, deine lieben Kinderlein! 5. Es g'scheh, was mag, wir sind ja dein, erlöst durch dein fünf Wunden rein; dir leben wir, 20 306 dir sterben wir, dein Kinder sind wir für und für. 6. Amen, Amen zu guter Nacht, der Engel Gottes uns bewacht. Gott Lob und Dank in Ewigkeit, wir gehn zur Ruh ohn alles Leid. Nikol. Selnecker g. 1532 4 1502. 501. Eigene Melodie. Werde munter, mein Gemüte, Nund ihr Sinne, geht herfür, daß ihr preiset Gottes Güte, die er hat getan an mir, als er mich den ganzen Tag vor so mancher schweren Plag, vor Betrübnis, Schand und Schaden treu behütet hat in Gnaden. 2. Lob und Dank sei dir ge⸗ sungen, Vater der Barmherzigkeit, daß mir ist mein Werk gelungen, daß du mich vor allem Leid und vor Sünden mancher Art so ge⸗ treulich hast bewahrt, auch die Feind hinweggetrieben, daß ich unbeschädigt blieben. 3. Keine Klugheit kann ver⸗ stehen deine Güt und Wundertat, ja kein Menschenkind kann sehen, was dein Hand erwiesen hat. Deiner Wohltat ist zu viel, sie hat weder Maß noch Ziel. Herr, du hast mich so geführet, daß kein Unfall mich berühret. 4. Dieser Tag ist nun ver⸗ gangen, die betrübte Nacht bricht an; es ist hin der Sonne Pran⸗ gen, so uns all erfreuen kann. Stehe mir, o Vater, bei, daß dein Glanz stets vor mir sei und mir auch im Finstern scheine, denn ich hoff auf dich alleine. Abendlieder. mir aus Gnaden alle Sünd und Missetat, die mein armes Herz beladen und so sehr vergiftet hat; treib des 5. Herr, verzeihe Satans List und Tück, Gott, durch deine Kraft zurück, du alleine kannst mich retten, strafe nicht mein Übertreten! 6. Bin ich gleich von dir ge⸗ wichen, stell ich mich doch wieder ein; hat uns doch dein Sohn verglichen durch sein Angst und Todespein. Ich verleugne nicht die Schuld, aber deine Gnad und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich stets in mir befinde. 7. O du Licht der frommen Seelen, o du Glanz der Ewigkeit, dir will ich mich ganz befehlen diese Nacht und allezeit; bleibe doch, mein Gott, bei mir, weil es nunmehr dunkel schier; tröste mich mit deiner Liebe, daß kein Unfall mich betrübe. 8. Wenn mein Augen schon sich schließen und ermüdet schlafen ein, muß mein Herz dennoch geflissen und auf dich gerichtet sein. Meiner Seele mit Begier träume stets, o Gott, von dir, daß ich rein an Seel und Leibe und auch schlafend dein verbleibe. 9. Laß mich diese Nacht empfin⸗ den eine sanft und süße Ruh, alles Übel laß verschwinden, deske mich mit Segen zu! Leib und Seele, Mut und Blut, Weib und Kinder“), Hab und Gut, Freunde, Feind und Hausgenossen sein in deinen Schutz geschlossen. ) all die Meinen. 10. Ach bewahre mich vor Schrecken, schütze mich vor Überfall, IDI Innnns aus etat, und des ott, du rafe 9e⸗ eder ohn und nicht und nde,‚ men keit, hlen leibe weil röste lein sich ein, issen iner tets, an jend fin⸗ tuh, decke und und nde, in inen. vor fall, Abend laß mich Krankheit nicht aufwecken, treibe weg des Krieges Schall, wend ab Feur und Wassersnot, Pestilenz und schnellen Tod, laß mich nicht in Sünden sterben noch an Leib und Seel verderben! 11. O du großer Gott, erhöre, was dein Kind gebeten hat, Jesu, den ich stets verehre, bleibe ja mein Schutz und Rat! Und mein Hort, du werter Geist, der du Freund und Tröster heißt, höre doch mein sehnlichs Flehen! Amen, ja es soll geschehen. Joh. Rist g. 1607 f 1667. 502. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. Aan ruhen alle Wälder, Vieh, R Menschen, Stadt und Felder, es schläft die ganze Welt; ihr aber, meine Sinnen, auf, auf, ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind; fahr hin, ein andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, die güldnen Sterne prangen am blauen Himmelssaal; also werd ich auch stehen, wenn mich wird heißen gehen mein Gott aus diesem Jammertal. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, legt ab das Kleid und Schuhe, das Bild der Sterblichkeit; die zieh ich aus, dagegen wird Christus mir anlegen den Rock der Ehr und Herrlichkeit. lieder. 307 5. Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, daß nun zum Ende die Arbeit kommen sei; Herz, freu dich, du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht, ihr matten Glie⸗ der, geht hin und legt euch nieder, der Betten ihr begehrt; es kommen Stund und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 7. Mein Augen stehn verdrossen, im Nu sind sie geschlossen; wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, sei gut für allen Schaden, du Aug und Wächter JIsrael! 8. Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich verschlingen, so laß die Eng⸗ lein singen: Dies Kind soll un⸗ verletzet sein. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, soll heute nicht betrüben ein Un⸗ fall noch Gefahr; Gott laß euch selig schlafen, stell euch die güld⸗ nen Waffen ums Bett und seiner Engel Schar! Paul Gerhardt g. 1607 14 1676. 503. Mel. Mein Herz und Seel den Herren hoch erhebet. D hat sich mit ihrem Glanz gewendet und was sie soll auf diesen Tag vollendet. die dunkle Nacht dringt allent⸗ halben zu, bringt Menschen, Vieh und alle Welt zur Ruh. 2. Ich preise dich, du Herr der Nächt und Tage, daß du mich 20 308 Abendlieder. heut vor aller Not und Plage durch deine Gnad und hochgelobte Macht hast unverletzt und frei hindurchgebracht. 3. Vergib, wo ich bei Tage so gelebet, daß ich nach dem, was finster ist, gestrebet, laß alle Schuld durch deinen Gnadenschein in Ewigkeit bei dir erloschen sein! 4. Schaff, daß mein Geist dich ungehindert schaue, indem ich mich der trüben Nacht vertraue, und daß der Leib auf diesen schweren Tag sich seiner Kraft sein sanft erholen mag. 5. Vergönne, daß der lieben Engel Scharen mich vor der Macht der Finsternis bewahren, auf daß ich vor der List und Tyrannei der argen Feind im Schlafe sicher sei. 6. Herr, wenn mich wird die lange Nacht bedecken und in die Ruh des tiefen Grabes strecken, so blicke mich mit deinen Augen an, daraus ich Licht im Tode nehmen kann. 7. Und laß hernach zugleich mit allen Frommen mich zu dem Glanz des andern Lebens kommen, da du uns hast den großen Tag bestimmt, dem keine Racht sein Licht und Klarheit nimmt. 504. Eigene Melodie. Der lieben Sonne Licht und Pracht hat nun den Tag vollführet, die Welt hat sich zur Ruh ge⸗ macht; tu, Seel, was dir ge⸗ bühret, tritt an die Himmelstür und bring ein Lied herfür, laß deine Augen, Herz und Sinn auf Jesum sein gerichtet hin! 10⁴8. 2. Ihr hellen Sterne leuchter wohl und gebet eure Strahlen, ihr macht die Nacht des Lichtes voll; doch noch zu tausend Malen scheint heller in mein Herz die ewge Himmelskerz, mein Jesus, meiner Seele Ruhm, mein Schutz, mein Schatz und Eigentum. 3. Der Schlaf zwar herrschei in der Nacht bei Menschen und bei Tieren; doch Einer ist, der oben wacht, bei dem kein Schlaf zu spüren. Es schlummert, Jesu, nicht dein Aug, auf mich gericht, drum soll mein Herz auch wachend sein, daß Jesus wache nicht allein. 4. Verschmähe nicht dies schlichte Lied, das ich dir, Jesu, singe; in meinem Herzen ist kein Fried, bis ich es zu dir bringe. Ich bringe, was ich kann, ach nimm es gnädig an! Es ist doch herzlich gut gemeint, o Jesu, meiner Seele Freund. 5. Mit dir will ich zu Bette gehn, dir will ich mich besehlen, du wirst, mein Schutzherr, auf mich sehn zum Besten meiner Seelen. Ich fürchte keine Not, auch selber nicht den Tod; denn wer mit Jesu schlafen geht, mit Freude wieder aufersteht. 6. So ost die Nacht mein Ader schlägt, soll dich mein Geist um⸗ fangen; so vielmal sich mein Herz bewegt, soll dies sein mein Ver⸗ langen, daß ich mit lautem Schall möcht rufen überall: Ach Jesu, Jesu, du bist mein, und ich auch bin und bleibe dein. 7. Nun, matter Leib, gib dich zur Ruh und schlafe sanft und stille, ihr müden Augen schließt Abendlieder. 309 euch zu, denn das ist Gottes Wille. Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu, ich bin dein! So wird der Schluß recht wohl gemacht. Nun Jesu, Jesu, gute Nacht! Christian Seriver g. 1629 4 1693. 505. Mel. Mein Herz und Seel den Herren hoch erhebet. Der Tag ist hin, mein Jesu, bei Vmir bleibe! O Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe, geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, erleuchte mich, ach Herr, denn es ist Zeit. 2. Lob, Preis und Dank sei dir, mein Gott, gesungen, dir sei die Ehr, daß alles wohl gelungen nach deinem Rat, ob ichs gleich nicht versteh; du bist gerecht, es gehe, wie es geh. 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet: Beständigkeit im Guten mir noch fehlet. Das weißt du wohl, o Herzenskündiger, ich strauchle noch wie ein Unmündiger. 4. Vergib es, Herr, was mir sagt mein Gewissen; Welt, Teufel, Sünd hat mich von dir gerissen. Es ist mir leid, ich stell mich wieder ein, da ist die Hand: du mein, und ich bin dein. 5. Israels Schutz, mein Hüter und mein Hirte, zu meinem Trost dein sieghaft Schwert umgürte, bewahre mich durch deine große Macht, wenn mir der Feind nach meiner Seele tracht. 6. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen, ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen! O Lebenssonn, erquicke meinen Sinn! Dich laß ich nicht, mein Fels. Der Tag ist hin. Joachim Neander g. 1650 + 1080 506. Eigene Melodie. A sich der Tag geendet hat und keine Sonn mehr scheint, schläft alles, was sich abgematt und was zuvor geweint. 2. Nur du, mein Gott, hast keine Rast, du schläfst noch schlummerst nicht; die Finsternis ist dir ver⸗ haßt, weil du bist selbst das Licht. 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich in dieser schwarzen Nacht und schenke du mir gnädiglich den Schirm von deiner Wacht! 4. Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld, die mich bei dir llagt an; ach aber deines Sohnes Huld hat gnug für mich getan. 5. Den setz ich dir zum Bürgen ein, wenn ich muß vors Gericht; ich kann ja nicht verloren sein in solcher Zuversicht. 6. Drauf tu ich meine Augen zu und schlafe fröhlich ein, mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh, wer wollte traurig sein? 7. Weicht, nichtige Gedanken, hin, wo ihr habt euren Lauf, ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 8. Soll diese Nacht die letzte sein in diesem Jammertal, so führ mich, Herr, in Himmel ein zur auserwählten Zahl! 9. Und also leb und sterb ich dir, mein Gott, Herr Zebaoth, im Tod und Leben hilfst du mir aus aller Angst und Not. Joh. Friedr. Hertzog g. 1347 1 1699. — 507. Mel. Auf dich hab ich gehoffet, Herr. Mit meinem Gott geh ich zur Ruh und iu in Fried mein Augen zu, denn Gott im Himmels⸗ throne über mich wacht bei Tag und Nacht, schafft, daß ich sicher wohne. 2. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, der du allein mein Helfer bist, laß mich kein Leid erfahren, durch deinen Schutz vors Teufels Trutz dein Engel mich bewahren! 3. Befiehl, o Herr, den Engeln dein, daß sie stets um und bei uns sein; all Übel von uns wende! Gott heilger Geist, dein Hülf uns leist an unserm letzten Ende! 4. Herr, meinen Geist befehl ich dir, mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, aus aller Not hilf mir am letzten Ende! 5. Lob, Preis und Ehr und Herrlichkeit sei Gott Vater und Sohn bereit, dem heilgen Geist mit Namen! Die götilich Kraft mach uns sieghaft durch Jesum Christum! Amen. Nach C. Becker u. Adam Reusner. 4 508. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. 2. Gerner Jesu, wache du, denn jetzt geh ich einzuschlafen; gib mir und den Meinen Ruh, bleib, o Hirt, bei deinen Schafen, schließ die Türen selber zu, treuer Jesu, wache du! Abendlieder. 2. Treuer Jesu, weiche nicht, sonst wird Grauen, Furcht und Schrecken, das ost mit der Nacht einbricht, uns mit Ach und Weh erwecken. Bleib bei uns, o Gnaden⸗ licht, treuer Jesu, weiche nicht! 3. Treuer Jesu, steh uns bei, daß in uns der Geist und Glaube, wenn wir schlafen, wacker sei, und kein Feind uns solchen raube. Deine Hülfe mach uns frei, treuer Jesu, steh uns bei. 4. Treuer Jesu, kommt es nun einst einmal mit mir zum Sterben, so bring mich zu deiner Ruh, mache mich zum Himmelserben, schließ mir selbst die Augen zu, treuer Jesu, meine Ruh! 5. Treuer Jesu, nimm zu dir endlich mich und all die Meinen! Bricht dereinst der Tag herfür, da du selber wirst erscheinen, ach so führ uns insgemein, treuer Jesu, zu dir ein! 1000. 509. Mel. Werde munter, mein Gemüte. 9*0 es ist von meinem Leben 9 wiederum ein Tag dahin; lehre mich nun Achtung geben, ob ich fromm gewesen bin; zeige mirs auch selber an, so ich was nicht recht getan, und hilf jetzt in allen Sachen guten Feierabend machen. 2. Freilich wirst du manches sinden, was dir nicht gefallen hat, denn ich bin noch voller Süͤnden in Gedanken, Wort und Tat, und vom Morgen bis jetzund pfleget Herze, Hand und Mund so ge⸗ schwind und oft zu fehlen, daß ichs selber nicht kann zählen. x x Abendlieder. 311 3. Aber, o du Gott der Gna⸗ den, habe noch einmal Geduld! Ich bin freilich schwer beladen, doch vergib mir alle Schuldi Deine große Vatertreu werde die⸗ sen Abend neu, so will ich noch deinen Willen künftig mehr als heut erfüllen. 4. Heilige mir das Gemüte, daß der Schlaf nicht sündlich ö decke mich mit deiner Güte, auch dein Engel steh mir bei! Lösche Feur und Lichter aus und be⸗ wahre sonst das Haus, daß ich morgen mit den Meinen nicht in Unglück müsse weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, die im Finstern Böses tun; sollte man gleich was bereiten, uns zu schaden, wenn wir ruhn, so zer⸗ störe du den Rat und verhindere die Tat! Wend auch alles andre Schrecken, das der Satan kann erwecken. 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, wenn es bei uns dunkel wird, denn du bleibest ewig munter und bist wie ein guter Hirt, der auch in der finstern Nacht über seine Herde wacht; 510. Mel. O Traurigkeit. Der Tag ist hin; mein Geist und Sinn sehnt sich nach jenem Tage, der uns völlig machen wird frei von aller Plage. 2. Die Nacht ist da; sei du mir nah, Jesu, mit hellen Kerzen, treib der Sünden Dunkelheit weg aus meinem Herzen! 3. Der Sonne Licht uns jetzt gebricht; o unerschaffne Sonne, brich mit deinem Licht hervor mir zur Freud und Wonne! 4. Des Mondes Schein fällt nun herein, die Finsternis zu mindern; ach daß nichts Ver⸗ änderlichs meinen Lauf möcht hindern! 5. Das Sternenheer zu Gottes Ehr am blauen Himmel flimmert; wohl dem, der in jener Welt gleich den Sternen schimmert! 6. Was sich geregt, zuvor be⸗ wegt, ruht jetzt von seinen Werken; laß mich, Herr, in stiller Ruh dein Werk in mir merken! 7. Ein jeder will bei solcher Still der süßen Ruhe pflegen; darum hilf uns, deinen Schafen, laß die Unruh dieser Zeit, Jesu, daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich denn gesund er⸗ wachen, wenn es rechte Zeit wird sein, daß ich serner meine Sachen richte dir zu Ehren ein. Oder hast du, lieber Gott, heut bestimmet meinen Tod, so befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände. Kaspar Neumann g. 1048 1 1715. bald sich legen! 8. Halt du die Wach, damit kein Ach und Schmerz den Geist berühre, sende deiner Engel Schar, die mein Beite ziere. 9. Wann aber soll der Wechsel wohl der Tag und Nächte weichen? Wenn der Tag anbrechen wird, dem kein Tag zu gleichen. 10. Alsdann wird nicht der Sonne Licht Jerusalem verlieren, 312 Abendlieder. denn das Lamm ist selbst das Licht, das die Stadt wird zieren. 11. Halleluja! Ei wär ich da, da alles lieblich klinget, da man ohn Abwechselung heilig, heilig singet. 12. O Jesu, du mein Hülf und Ruh, laß mich dahin gelangen, daß ich mög in deinem Glanz vor dir ewig prangen. J. Anast. Freylinghausen g. 1670 t 1730. 511. Mel. Jesu, meine Freude. 9⁰¹⁷⁵ deiner Schafe, der von keinem Schlafe etwas wissen mag, deine Wundergüte war mein Schild und Hütte den vergangnen Tag. Sei die Nacht auch auf der Wacht und laß mich von deinen Scharen um und um bewahren! 2. Decke mich von oben vor der Feinde Toben mit der Vater⸗ huld, ein versöhnt Gewissen sei mein Ruhekissen, drum vergib die Schuld! Denn dein Sohn hat mich davon durch die tief geschlagnen Wunden gnädiglich entbunden. 3. Laß auch meine Lieben keine Not betrüben, sie sind mein und dein; schließ uns mit Erbarmen in den Vaterarmen ohne Sorgen ein! Du bei mir und ich bei dir, also sind wir ungeschieden, und ich schlaf in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kam⸗ mer und laß allen Jammer ferne von uns sein! Sei du Schloß und Riegel, unter deinen Flügel nimm dein Küchlein ein, decke zu mit Schutz und Ruh, so wird uns kein Grauen wecken noch der Satan schrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette heut zum Grabe hätte? Wie bald rot, bald tot! Doch hast du be⸗ schlossen, daß mein Ziel verflossen, kommt die Todesnot, so will ich nicht wider dich; lieg ich nur in Jesu Wunden, sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan, ich tue in vergnügter Ruhe Mund und Augen zu. Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, o du Hüter du! Gute Nacht, nimm mich in acht! Und erleb ich ja den Morgen, wirst du weiter sorgen! Benjamin Schmolck g. 1672 + 1737. 512. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. Niv sich der Tag geendet, mein Herz zu dir sich wendet und danket inniglich; dein holdes An⸗ gesichte zum Segen auf mich richte, erleuchte und entzünde mich! 2. Ich schließe mich aufs neue in deine Vatertreue und Schutz und Herze ein; die fleischlichen Geschäfte und alle finstern Kräfte vertreibe durch dein Nahesein! 3. Daß du mich stets umgibest, daß du mich herzlich liebest und rufst zu dir hinein, daß du ver⸗ gnügst alleine so wesentlich, so reine, laß früh und spat mir wichtig sein! 4. Ein Tag der sagt dem an⸗ dern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit so schöne, mein Herz an dich ge⸗ wöhne! Mein Heim ist nicht in dieser Zeit. Gerh. Terstegen g. 1007 4 1769. 5¹3. Mel. Mein Herz und Seel den Herren hoch erhebet. Der Abend kommt, die Sonne sich verdecket, und alles sich zur Ruh und Stille strecket; o meine Seel, merk auf, wo bleibest du? In Gottes Schoß, sonst nirgend findst du Ruh. 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder, das Vöglein fleugt nach seinem Nestchen wieder, das Schäflein auch in seinen Stall ktehrt ein, laß mich in dich, mein Gott, gekehret sein! 3. Ach sammle selbst Begierden und Gedanken, die noch so leicht aus Schwachheit von dir wanken; mein Ruheplatz und Heimat, tu dich auf, daß ich in dich von allem andern lauf. 4. Recht väterlich hast du mich heut geleitet, bewahrt, verschont, gestärket und geweidet; ich bins nicht wert, daß du so gut und treu; mein Alles dir zum Dank ergeben sei. 5. Vergib es, Herr, wo ich mich heut verirret und mich zu viel durch dies und das verwirret; es ist mir leid, es soll nicht mehr geschehn; nimm mich nur ein, so werd ich fester stehn. 6. Da nun der Leib sein Tages⸗ werk vollendet, mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet, zu beten an, zu lieben inniglich, im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich. 7. Die Dunkelheit ist da, und alles schweiget, mein Geist vor dir, o Majestät, sich beuget; ins Abendlieder 2 Heiligtum, ins Dunkle kehr ich ein, Herr, rede du, laß mich ganz stille sein! 8. Mein Herz sich dir zum Abendopfer schenket, mein Wille sich in dich gelassen senket; Be⸗ gierden schweigt! Vernunft und Sinne, still! Mein müder Geist im Herren ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben, laß nicht den Geist zerstreut in Unruh schweben, mein treuer Hirt, führ mich in dich hin⸗ ein, in dir, mit dir kann ich ver⸗ gnüget sein. 10. Im Finstern sei des Gei⸗ stes Licht und Sonne, im Kampf und Kreuz mein Beistand, Kraft und Wonne, deck mich bei dir in deiner Hütte zu, bis ich erreich die volle Sabbathsruh. Gerh. Terstegen g. 1007 1 1769. 514. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. Her, der du mir das Leben bis diesen Tag gegeben, dich bet ich kindlich an. Ich bin viel zu geringe der Treue, die ich singe, und die du heut an mir getan. 2. Mit dankendem Gemüte freu ich mich deiner Güte, ich freue mich in dir. Du gibst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke und schaffst ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seelen, nach deines Worts Besehlen ein⸗ her im Leben gehn, auf deine Güte hoffen, im Geist den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn! 314 Abendlieder. 4. Ich weiß, an wen ich glaube, und nahe mich im Staube zu dir, o Gott, mein Heil. Ich bin der Schuld entladen, ich bin bei dir in Gnaden, und in dem Himmel ist mein Teil. 5. Bedeckt mit deinem Segen eil ich der Ruh entgegen: dein Name sei gepreist! Mein Leben und mein Ende ist dein, in deine Hände befehl ich, Vater, meinen Geist. Chr. F. Gellert g. 1715 4 1709. 515. Eigene Melodie, eder O Welt, ich muß dich lassen. NDer Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar, der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold, als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolze Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel; wir spinnen Lust⸗ gespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott, laß uns dein Heil schauen, auf nichts Vergänglichs trauen, nicht Eitelkeit uns freun! Laß uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich sein! 6. Wollst endlich sonder Grämen aus dieser Welt uns nehmen durch einen sanften Tod, und wenn du uns genommen, laß uns in Himmel kommen, du unser Herr und unser Gott! 7. So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder! Kalt ist der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen und unsern kranken Nachbar auch! Matthias Claudius g 1740 ½ 181 516. Mel. Vater unser 14 Himmelreich. Vollendet hat der Tag die Bahn, sein Licht der Abend ausgetan, und überall die dunkle Nacht die Zeit der Ruhe hergebracht. O reicher Gott, nun segne du uns diese Nacht zu guter Ruh! 2. Was du uns Gutes hast beschert, wie du uns heut versorgt, ernährt, in aller Fährlichkeit be⸗ schützt, uns zugewendet, was uns nützt: wir danken dafür inniglich, und Herz und Lippen preisen dich. 3. Was aber Übels wir getan, das rechn aus Gnaden uns nicht an; wir klagen dirs mit Reu und Schmerz und zeichnen unser Haus und Herz mit deines lieben Sohnes Blut zu Glaubenstrost und Glaubensmut. 4. Nun gib uns Ruhe, die er⸗ quickt, nach der das müde Auge blickt; des Wächters Hut und Wachsamkeit, der Tor und Riegel N 5 V Abendlieder. 315 das Lager weich und 4. Nur etwas bitt ich über Festigleit, warm und dicht, das alles gibt alles, ach du versagst mir solches die Ruhe nicht. nicht: Gedenke keines Sünden⸗ 5. Hältst du nicht selbst im falles, weil mich mein Jesus auf⸗ Herzen auf der Sorgen und Ge⸗ gericht, mein Jesus, der die Misse⸗ danken Lauf, so fährt es aufgeregt tat auf ewig schon gebüßet hat. einher wie ein von Sturm bewegtes 5. Dein Schwur ist ja noch nie Meer, und manche Stunde stiller gebrochen, und brichst ihn nicht Nacht wird ruhesuchend hingebracht. in Ewigkeit, da du dem Sünder 6. Drum bring du unser Herz hast versprochen, daß er, wenn zur Ruh und schließ uns bald die ihm die Sünde leid, nicht ster⸗ Augen zu, mit deiner Güte decke ben, sondern gnadenvoll als ein uns, zu rechter Zeit erwecke uns! Gerechter leben soll. Dann sei dir unser Dank gebracht 6. Mein Glaube hält an diesem jür dein Geschenk, die gute Nacht. Segen und will also den Wochen⸗ K. J. Phil. Spitta g. 1801 4 1850. schluß vergnügt und froh zurücke Am Schlusse der Woche. legen, da der Trost mich ergetzen muß, daß ich in Christo solle dein 517. und schon in Hoffnung selig sein. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 7. Doch da mein Leben zuge⸗ Mel. 2. nommen, so bin ich auch der Ewig⸗ S² ist die Woche nun geschlossen,‚ keit um eine Woche näher kommen doch, treuer Gott, dein Herze und warte nun der letzten Zeit, nicht. Wie sich dein Segensquell da du die Stunde hast bestimmt, ergossen, so bin ich noch der Zu⸗die mich zu dir in Himmel nimmt. versicht, daß er sich weiterhin er⸗ 8. Und wenn ich morgen früh gießt und unerschöpflich auf mich aufs neue den Sonntag wieder fließt. sehen kann, so blickt die Sonne 2. Ich preise dich mit Hand deiner Treue mich auch mit neuen und Munde, ich lobe dich, so hoch Gnaden an; ach ja, da teilt dein ich kann, ich rühme dich von Her⸗ Wort und Haus den erst und zensgrunde für alles, was du mir besten Segen aus. getan, und weiß, daß dir durch. 9. So will ich das im voraus Jesum Christ mein Dank ein süßer preisen, was du mir künftige Woche Weihrauch ist. gibst. Du wirst es in der Tat 3. Hat mich bei meinen Wochen⸗erweisen, daß du mich je und tagen das liebe Kreuz auch mit immer liebst und leitest mich nach besucht, so gabst du auch die Kraft deinem Rat, bis Leid und Zeit zum Tragen. Zudem, es ist voll ein Ende hat. Heil und Frucht in deiner Liebe, Erdmann Neumeister g. 1671 1 1756. Herr, zu mir, und darum dank Am Sonntag-Abend siehe Nr. 20. 21. Siehe auch Nr. 528. 581. 584. ich auch dafür. XXIV Zerufs⸗ Für die drei Hauptstände. 518. Mel. O Welt, ich muß dich lasseu. gerr, höre, Herr, erhöre, breit deines Namens Ehre an allen Orten aus, behüte die drei Stände durch deiner Allmacht Hände, schütz Kirche, Obrigkeit und Haus! 2. Ach laß dein Wort uns allen noch ferner reichlich schallen zu unsrer Seelen Nutz! Bewahr vor allen Rotten, die deiner Wahrheit spotten, biet allen deinen Feinden Trutz! 3. Gib du getreue Lehrer und unverdroßne Hörer; die beide Täter sein; auf Pflanzen und Begießen laß dein Gedeihen fließen und ernte reiche Früchte ein! 4. Gib unserm König Glücke, laß deine Gnadenblicke auf den Gesalbten gehn, schütz ihn auf seinem Throne und lasse seine Krone allzeit in vollem Glanze stehn! 5. Laß alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen, schaff jeder⸗ mann sein Recht, daß Fried und Treu sich müssen in unserm Lande küssen, und segne beide, Herrn und Knecht! 6. Wend ab in allen Gnaden Krieg, Feuer, Wasserschaden, treib Sturm und Hagel ab, bewahr des Landes Früchte und mache nicht zunichte, was deine milde Hand uns gab. und Standeslieder. 7. Gib uns den lieben Friede, mach alle Feinde müde, verleih gesunde Luft, laß keine teuren Zeiten in unsre Grenzen schrei⸗ ten, daß man nach Brot ver⸗ gebens ruft. 8. Die Hungrigen erquicke und bringe die zurücke, die sonst ver⸗ irret gehn! Die Witwen und die Waisen wollst du mit Troste speisen, wenn sie zu dir um Hülfe flehn. 9. Sei Vater aller Kinder, der Schwangern ihr Entbinder, gib Säugenden Gedeihn, zieh unsre zarte Jugend zur Frömmigkeit und Tugend, daß sich die Eltern ihrer freun. 10. Komm als ein Arzt der Kranken, und die im Glauben wanken, laß nicht zugrunde gehn! Die Alten heb und trage, auf daß sie ihre Plage geduldig mögen überstehn. 11. Bleib der Verfolgten Stütze, die Reisenden beschütze, die Ster⸗ benden begleit mit deinen Engel⸗ scharen, daß sie im Frieden fahren zu Zions Freud und Herrlichkeit. 12. Nun, Herr, du wirst er⸗ füllen, was wir nach deinem Willen in Demut jetzt begehrt. Wir sprechen nun das Amen in unsers Jesu Namen, so ist gewiß der Wunsch gewährt. Benjamin Schmolck g. 1672 1 1757. Berufs⸗ und Fürbitte für den König und die Obrigkeit. 519. Eigene Melodie. Bereid uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten! Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du unser Gott alleine. 2. Gib unserm Könige und aller Obrigkeit Fried und gut Regiment, daß wir unter ihnen ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottselig⸗ leit und Ehrbarkeit. Amen. V. 1 Martin Luther g. 1483 t 1546. V. 2 Johann Walther f 1570. 520. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. ◻ heilige Dreieinigkeit, erhalt uns unsre Obrigkeit, die deine treue Vaterhand gesetzet selbst in diesen Stand. 2. Dein guter Geist sie leit und führ und segne ihr Tun für und für, daß sie voll Weis⸗ heit und Verstand regiere christlich Leut und Land, 3. Damit wir führen unter ihr ein still geruhig Leben hier und dermaleinst mit ihr, mein Hort, bestehen wohl im Himmel dort. Amilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg⸗ Rudolstadt g. 1637 1 1706. 521. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. Den König schütze deine Macht! Er, der für unsre Wohlfahrt wacht, ist uns von dir gegeben. Standeslieder. 317 Du, der in ihm so viel uns gibt, schenk ihm, der väterlich uns liebt, das frohste, längste Leben! Gott, schütt auf ihn und auf sein Haus die besten deiner Segen aus, laß seiner Räte Tun gedeihn, Recht, Ordnung, Treu das Land erfreun! Herr unser Gott, in deiner Hand ist unser Land, beglück es, segne jeden Stand! 2. Vernimm der Leidenden Gebet, dem, der zu dir im Elend fleht, hilf, daß er nicht erliege. Gieß Trost in jedes wunde Herz, die Kranken lab in ihrem Schmerz, hilf Sterbenden zum Siege! Doch du tust mehr als wir verstehn, kannst mehr gewähren als wir flehn, weißt besser, was uns nützt, als wir: wir überlassen ganz uns dir. Herr unser Gott, durch alles Leid der Prüfungszeit führ uns zu deiner Herrlichkeit! Hannov. Gsb. 1740 Am Geburtstage des Landesherrn. 522. Mel. Nun danket alle Gotu. Rreis, Ehr und Lob sei dir, in dessen Schirm und Schatten wir bis zur Stund allhier viel Heil zu schmecken hatten, der auch zu jeder Frist allmächtig nah und fern ein Herr und Helser ist des Königs, unsers Herrn. 2. Du hast ihm lebenslang den Odem treu bewahret und auf manch strengem Gang dich huldvoll offen⸗ baret; du hast in seiner Hand das Zepter stark gemacht und unser Vaterland mit reichem Gut bedacht. 318 Berufs⸗ und 3. Du wollest deinen Geist auf seine Stirne legen, der klar ihn unterweist, des hohen Amts zu pflegen; du wollst Gerechtigkeit und milder Gnade Lust ihm stellen an die Seit, ihm pflanzen in die Brust. 4. Du wollest allezeit in deinem Gleis ihn lenken und Zucht und Frömmigkeit in ihm dem Lande schenken, auf daß er Vorbild sei von jeder Tugendart und Hülf und Schutz verleih, wo man den Glauben wahrt. 5. Du wollest seine Treu ver⸗ gelten durch die Treue, womit ihn täglich neu ein gutes Volk erfreue, daß dein Gebot im Bund von ihm und uns gescheh, und seines Thro⸗ nes Grund in unserm Herzen steh. 6. O segne, was wir flehn an seinem Jahresfeste, und gib zum Wohlergehn ihm deiner Gaben beste! Gib, daß ers nie vergißt noch wir, wie du so gern ein Herr und Helfer bist des Königs, unsers Herrn. Karl G. Grüneisen g. 1802 + 1878. Für den Hausstand, für Eheleute und Eltern. — 523. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. E dich, Herr Jesu Christ, durch mein Gebet bewegen, komm in mein Haus und Herz und bringe mir den Segen! All Arbeit, Müh und Kunst ohn dich nichts richtet aus, wo du mit Gnade bist, kommt Segen in das Haus. Joh. Heermann 9. 1585 4 1647. Standeslieder. 524. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ, im Stande, da dein Segen ist, im Stande heilger Ehe! Wie steigt und neigt sich deine Gab und alles Gut so mild herab aus deiner heilgen Höhe, wenn sich an dich fleißig halten Jung und Alten, die im Orden Eines Lebens einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl verstehn und unverrückt bei⸗ samnien stehn im Bande reiner Treue, da geht das Glück in vollem Lauf, da sieht man, wie der Engel Hauf im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, kein Wurm kann zerschlagen, kann zernagen, was Gott gibet dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Vor allem gibt er seine Gnad, in deren Schoß er früh und spat sein Hochgeliebten heget; da spannt sein Arm sich täglich aus, da faßt er uns und unser Haus, gleich als ein Vater pfleget; da muß ein Fuß nach dem andern gehn und wan⸗ dern, bis sie kommen in das Zelt und Sitz der Frommen. 4. Der Mann, wird einem Baume gleich, an Asten schön, an Zweigen reich, das Weib gleich einem Reben, der seine Träublein trägt und nährt und sich je mehr und mehr vermehrt mit Früchten, die da leben. Wohl dir, o Zier, Mannes Sonne, Hauses Wonne, Ehrenkrone! Gott denkt dein bei seinem Throne. 5. Dich, dich hat er ihm aus⸗ erkorn, daß aus dir ward heraus⸗ su in el Berufs⸗ und geborn das Volk, das sein Reich bauet; sein Wunderwerk geht immerfort, und seines Mundes starkes Wort macht, daß dein Auge schauet schöne Söhne, Töchter züchtig, die fein tüchtig nähn und spinnen und mit Kunst die Zeit gewinnen. 6. Sei gutes Muts! wir sind es nicht, die diesen Orden auf⸗ gericht, es ist ein hoͤhrer Vater; der hat uns je und je geliebt und bleibt, wenn unsre Sorg uns trübt, der beste Freund und Rater; An⸗ fang, Ausgang aller Sachen, die zu machen wir gedenken, wird er wohl und weislich lenken. 7. Zwar bleibts nicht aus, es Lömmt ja wohl ein Stündlein, da man Leides voll die Tränen lässet schießen; jedennoch, wer sich in Geduld ergibt, des Leid wird Goites Huld in großen Freuden schließen. Schweige, beuge dich ein wenig, unser König wird behende machen, daß die Angst sich wende. 8. Wohl her, mein König, nah herzu! Gib Rat in Kreuz, in Röten Ruh, in Angsten Trost und Freude! Des sollst du haben Standeslieder. 319 wär, wie elend wärs, wie arm und leer! 2. Wohl, wenn sich Mann und Weib und Kind in Einem Glau⸗ benssinn verbindt, zu dienen ihrem Herrn und Gott nach seinem Willen und Gebot. 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt ein Vorbild vor die Augen stellt, daß ohne Gottesdienst im Geist das äußre Werk nichts ist und heißt 4. Wohl, wenn das Räuchwerk im Gebet beständig in die Höhe geht, und man nichts treibet fort und fort als Gottes Werk und Gottes Wort. 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand mit fleißiger, getreuer Hand ein jegliches nach seiner Art den Geist der Eintracht offenbart. 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind und wenn sie Kind und Kindeskind versäumen nicht am ewgen Glück. Dann bleibet ihrer keins zurück. 7. Wohl solchem Haus, denn es gedeiht; die Eltern werden hoch⸗ erfreut, und ihren Kindern sieht mans an, wie Gott die Seinen Ruhm und Preis, wir wollen singen bester Weis und danken alle beide, bis wir bei dir, deinen Willen zu erfüllen, deinen Namen ewig loben werden. Amen. Paul Ger 898 525. Jesu Lcht. meins Lebens Mel. Herr gohl einem Haus, Jesus Christ allein das r in allem darinnen Lebenszeit mit Seel und Leib zu ist. Ja wenn er nicht hardt g. 1607 f 1676. segnen kann. 8. So mach ich denn zu dieser Stund samt meinem Hause diesen Bund: Wich alles Volk auch von ihm fern, ich und mein Haus stehn bei dem Herrn. Chr. Karl Lndw. v. Pfeil g. 1712 1 1784. 90 526. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. 5 und mein Haus, wir sind bereit, dir, Herr, die ganze 320 Berufs⸗ und dienen. Du sollst der Herr im Hause sein, gib deinen Segen auch darein, daß wir dir willig dienen. Eine kleine, fromme, reine Haus⸗ gemeine mach aus allen! Dir nur soll sie wohlgefallen. 2. Es wirke durch dein kräftig Wort dein guter Geist stets fort und fort an unser aller Seelen! Es leucht uns wie das Sonnen⸗ licht, damits am rechten Lichte nicht im Hause möge fehlen. Reiche gleiche Seelenspeise auch zur Reise durch dies Leben uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus und alle, die drin wohnen, aus, im Glauben uns verbinde, laß uns in Liebe alle⸗ zeit zum Dulden, Tragen sein bereit, voll Demut sanft und linde! Liebe übe jede Seele, keinem fehle, dran man kennet den, der sich den Deinen nennet. 4. Laß unser Haus gegründet sein auf deine Gnade ganz allein und deine große Güte! Auch laß uns in der Nächte Graun auf deine treue Hülfe schaun mit lindlichem Gemüte, selig, fröhlich selbst mit Schmerzen in dem Her⸗ zen dir uns lassen und dann in Geduld uns fassen. 5. Gibst du uns irdsches Glück ins Haus, so schließ den Stolz, die Weltlust aus, des Reichtums böse Gäste! Denn wenn das Herz an Demut leer und voll von eitler Weltlust wär, so fehlte uns das Beste: jene schöne, tiefe, stille Gnadenfülle, die mit Schätzen einer Welt nicht zu ersetzen. Standeslieder. 6. Und endlich flehn wir aller⸗ meist, daß in dem Haus kein andrer Geist als nur dein Geist regiere. Der ists, der alles wohl bestellt, der gute Zucht und Ord⸗ nung hält, der alles liebreich ziere. Sende, sende ihn uns allen, bis wir wallen heim und oben dich in deinem Hause loben. K. J. Phil. Spitta g. 1801 4 1859. 527. Eigene Melodie. 0 selig Haus, wo man dich auf⸗ genommen, du wahrer Seelen⸗ freund, Herr Jesus Christ, wo unter allen Gästen, die da kom⸗ men, du der gefeiertste und liebste bist; wo aller Herzen dir enigegen schlagen, und aller Augen freudig auf dich sehn, wo aller Lippen dein Gebot erfragen, und alle deines Winks gewärtig stehn. 2. O selig Haus, wo Mann und Weib in Einer, in deiner Liebe Eines Geistes sind, als beide Eines Heils gewürdigt, keiner im Glaubensgrunde anders ist gesinnt; wo beide unzertrennbar an dir hangen, in Lieb und Leid, Gemach und Ungemach, und nur bei dir zu bleiben stets verlangen an jedem guten wie am bösen Tag. 3 O selig Haus, wo man die lieben Kleinen mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, du Freund der Kinder, der sie als die Seinen mit mehr als Mutter⸗ liebe hegt und pflegt; wo sie zu deinen Füßen gern sich sammeln und horchen deiner süßen Rede zu und lernen früh dein Lob mit Berufs⸗ und sich deiner Freuden freun, du lieber Heiland du. 4. O selig Haus, wo Knecht stammeln, und Magd dich kennen und wissend. wessen Augen auf sie sehn, bei allem Werk in Einem Eifer brennen, daß es nach dei⸗ nem Willen mag geschehn; als deine Diener, deine Hausgenossen, in Demut willig und in Liebe srei, das Ihre schaffen froh und unverdrossen, in kleinen Dingen zeigen große Treu 5. O selig Haus, wo du die Freude ieilest. wo man bei keiner Freude dein vergißt; o selig Haus, wo du die Wunden heilest und aller Arzt und aller Tröster bist; bis jeder einst sein Tage⸗ werk vollendet, und bis sie endlich alle ziehen aus dahin, woher der Vater dich gesendet, ins große, freie, schöne Vaterhaus. K. J. Phil. Spitta g. 1801 4 1859. 528. Mel. Nun sich der Tag geendet hat. Uun schlaf, mein liebes Kinde⸗ lein, und tu dein Auglein zu. denn Gott der will dein Vater sein, drum schlaf in guter Ruh! 2. Dein Vater ist der liebe Gott und wills auch ewig sein, der Leib und Seel gegeben hat dir durch die Eltern dein. 3. Er schenkt dir seinen lieben Sohn, den schenkt er in den Tod; der kam auf Erd vom Himmels⸗ thron, half dir aus aller Not. 4. Er schickt dir seine Engelein zu Hütern Tag und RNacht, daß sie bei deiner Wiege sein und halten gute Wacht. 321 5. Dem Vater und der Mutter dein befiehlt er dich mit Fleiß, Standeslieder. daß sie dir treue Pfleger sein, ziehn dich zu Gottes Preis. 6. Das liebe Jesulein will sein dein liebes Brüderlein, drum schlaf, du liebes Kindelein, so wirst du selig sein. 7. Der heilge Geist der segne dich, bewahr dich allezeit, sein heilger Nam behüte dich, schütz dich vor allem Leid! 8. So nimm du recht an Gnade zu, an Alter und Verstand, und halte deine Kindesruh in Jesu Schoß und Hand! Nach Joh. Mathesius g. 1504 + 1565. 529. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. Abr Eltern, hört, was Christus Aspricht: Den Kindern sollt ihr wehren nicht, sondern sie lassen zu mir nahn, daß meine Hand sie segnen kann. 2. Er nimmt sie auf ins Him⸗ melreich, und was ist dem auf Erden gleich? Mit aller Welt Lust, Gut und Ehr hats bald ein End und ists nichts mehr; 3. Das Himmelreich kein Ende nimmt, darein uns Jesus Chri⸗ stus bringt durch seine Lehr, dazu er will, daß man die Kinder senden soll. 4. Gehorchet ihm und bringt sie her, daß man von Jugend auf sie lehr in Kirchen und in Schulen wohl, wie man Gott recht er⸗ kennen soll. 5. Habt ihr sie lieb mit treuem Sinn, so führet sie zu Jesu hin; wer dies nicht tut, ist ihnen 21 322 feind, wie hoch er sie zu lieben meint. 6. Was hilft den Kindern nur viel Geld und Acker viel in jedem Feld? Wer sie von Gott recht auch meiner lehren läßt, der tut für sie das Allerbest. Nach Ludw. Helmbold g. 1582 H 1598. 530. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Sem doch für meine Kinder, Vater, nimm dich ihrer an! Ob sie gleich vor dir sind Sünder, sind sie dir doch zugetan und durch deines Sohnes Blut gleich⸗ wohl dein erworbnes Gut; darum wirst du sie aus Gnaden wohl beschützen und beraten. 2. Sie sind dir von Kindes⸗ beinen und von ihrer ersten Stund zugeworfen als die Dei⸗ nen,“) und durch deinen Gnaden⸗ bund hast du sie in ihrer Tauf väterlich genommen auf, daß sie, wenn sie sollten sterben, wären deines Reiches Erben.) Pf. 22, 11. 3. Du hast sie bisher ernährei und so manchem Unglücksfall mehr als väterlich gewehret, der sie hier und überall hätte leichtlich um⸗ gestürzt, ja das Leben abgekürzt; aber deine Vatertreue bleibt bei ihnen täglich neue. 4. Sollt ich nicht für solche Güte immer dir verpflichtet sein und mit dankbarem Gemüte solchen Glücks⸗ und Segensschein rühmen und vor jedermann deine Wohl⸗ tat zeigen an, ach so müßt ich ganz vermessen Gottes, meines Heils, vergessen. Berufs⸗ und Standeslieder. 2+ 5. Sammeln andre große Schätze, daß ihr Haus in solchem Heil sich an Geld und Gut ergetze, so bist du mein einzig Teil. Bleib Kinder Gott, lasse sie in keiner Not und in keinem Kreuz verderben, bis sie endlich selig sterben. 6. Schütze sie vor bösen Leuten und vor der Verführer Schar, daß ihr Fuß nicht möge gleiten. Laß sie ihre Lebensjahr in der Tugend bringen zu, bis du sie wie mich zur Ruh wirst ins kühle Grab versenken und die Seligkeit uns schenken. 7. Können sie in diesem Leben hier und wo es dir gefällt was zu deinen Ehren geben, so laß in der ganzen Welt ihnen, wo sie immer gehn, deine Furcht vor Augen stehn, daß sie dich im Tun und Lassen stets in ihre Herzen fassen. 8. Endlich wenn die Zeit ver⸗ flossen, daß sie diese Lebenszeit haben ehrlich hier genossen und sie in die Ewigkeit ihren Eintritt sollen tun, so laß alle Schmerzen ruhn und laß sie in ihrem Ster⸗ ben glaubensvoll den Himmel erben! 9. Gönne mir die große Freude, daß am lieben jüngsten Tag nach so vielem Kreuz und Leide ich mit Jauchzen sagen mag: Liebster Vater, ich bin hier und die Kinder, die du mir hast in jener Welt bescheret. Ewig sei dein Nam geehret! Ludw. Heinr. Schlosser g. 1668 1 17²³. ——-—m— Berufs⸗ und Für Kinder. 531. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. A lieber Gott, behüte mich und meine Eltern gnädiglich, auch mein Geschwister vor Gefahr mit deinem starken Arm bewahr! 2. Und alle, die uns sind ver⸗ wandt, beschütz durch deine rechte Hand! Behüte mich vor aller Sünd, hilf, daß ich werd ein frommes Kind. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 532. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. Au hilf uns, o Herr Jesu Christ, der du einst hier gewesen bist ein freundliches und frommes Kind, ohn alle Schuld, ohn alle Sünd. 2. Wir Kinder bitten Eines nur, versags nicht, Herr, der Willen ruhn, lehr uns nach deinem Vorbild tun! 3. Gib deinen Geist in unsre Brust, hilf lernen uns mit Kin⸗ Standeslieder. ich keinen Hunger leide; und so oft ich durstig bin, führt er mich zum Brunnguell hin. 3. Sollt ich nun nicht fröhlich sein, da ich sein bin und er mein? Denn nach diesen schönen Tagen werd ich endlich heimgetragen in des Hirten Arm und Schoß. Amen, ja, mein Glück ist groß! Henr. Luise v. Hayn g. 1724 4 1782. 534. Eigene Melodie. Mide bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Auglein zu; Vater, laß die Augen dein über meinem Bette sein! 2. Hab ich Unrecht heut ge⸗ tan, sieh es, lieber Gott, nicht an, deine Gnad und Jesu Blut macht ja allen Schaden gut. 3. Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand, Kreatur: Hilf uns in deinem alle Menschen groß und klein sollen dir befohlen sein. 4. Kranken Herzen sende Ruh, nasse Augen schließe zu, laß den Mond am Himmel stehn und deslust, damit wir legen rechten Grund und ewig stehn in deinem Bund. 533. Eigene Melodie. Wel ich Jesu Schäflein bin, freu ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten, der mich schön weiß zu bewirten, der mich liebet, der mich kennt und bei meinem Namen nennt. 2. Unter seinem sanften Stab geh ich aus und ein und hab unaussprechlich süße Weide, daß die stille Welt besehn! 1816. Luise Hensel g. 1798 4 1876. Für Witwen. 85 535. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. Ribis Betrübters ist auf Erden, nichts kann so zu Herzen gehn, als wenn arme Witwen werden, wenn verlaßne Waisen stehn ohne Vater, ohne Mut, ohne Freunde, ohne Gut. Witwen sind verlaßne Frauen, wer tut auf die Waisen schauen? 21* 324 2. Witwen sind in Gottes Armen, Waisen sind in Gottes Schoß; ihrer will er sich erbar⸗ men, wär die Not auch noch so groß. Ein solch ungerechter Mann tastet Gottes Augen an, der die armen Waisen drücket und der Witwen Herz bestricket. 3. Wenn sie bleiben in den Schranken, darein Gott sie hat gestellt, und von seiner Treu nicht wanken, weil er sich zu ihnen hält, sollen sie im Himmelsschloß wer⸗ den alles Kummers los. Da soll nicht mehr, wie auf Erden, Wit⸗ wennot gehöret werden. Nach Michael Hunold g. 1621 + 167² * 536. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. Gott nur will ich sehen, er hört der Witwen Flehen, sieht ihre Tränen an; in jedem Schmerz und Leide ist Gott mir Trost und Freude, mein Fels, den ich umfassen kann. 2. Wie viel, die in der Kammer dir klagten ihren Jammer, o Gott, erhörtest du! Dein väterlicher Segen hielt sie; auf ihren Wegen war Friede, Sicherheit und Ruh 3. Wo seit viel tausend Jahren betrübte Witwen waren, die hast du treu gepflegt, wenn sie dich nicht verließen und gläubig dir zu Füßen des Kummers schwere Last gelegt. 4. In dir will ich mich stärken, dein Aug wird auf mich merlen, und auf mein Flehn dein Ohr. Bei Tag und Nacht mit Flehen will, Herr, vor dir ich stehen und seufzen still zu dir empor. Berufs⸗ und Standeslieder. 5. Ich will mein Joch nun tragen; dir, Vater, darf ich sagen, was ja mein Herz bedrückt; bist du nicht in der Nähe du, den ich zwar nicht sehe, und den mein Glaube doch erblickt? 6. Mit Ernst und frohen Mutes will ich nach Kräften Gutes vor deinen Augen tun, will mich der Welt entziehen, Lärm. Tand und Torheit fliehen und nur in dei⸗ nem Schoße ruhn. 7. Dann eilen meine Tage mit jeder Not und Plage leicht wie ein Traum dahin, dann leg ich froh die Glieder aufs Sterbebette nieder, wenn ich zum Himmel reifer bin. 8. Fort auf dem Dornenpfade! Mich sröst des Heilands Gnade, er träget meine Not. Nicht ewig werd ich weinen, ich komme zu den Meinen, bald seh ich sie bei meinem Gott. 9.(Kommt her, ihr meine Waisen, den Herrn mit mir zu preisen, der uns erhalten kann. Dir, Gott, will ich sie bilden; schau. Herr, mit deiner milden Erbarmung deine Schäflein an!l) Nach J. K. Lavater g. 1741 1 1601. Für den Bergmann. Bei der Einfahrt. 537. Mel. Aus meines Herzens Grunde. Heln, der du Berg und Hügel selbst festgesetzet hast, worin du als im Spiegel mir armen Erdengast zeigst deine Gütigkeit, du Schöpfer aller Dinge, hör, was ich jetzo singe, mein Herd ist dir geweiht. — jel in en it, r, rd Berufs⸗ und Standeslieder. 325 2. Dir, Herr, bring ich vor allen mein erelere. hier, ach laß es dir gefal len! Lob, Preis und Dank sei dir, daß du in dieser Nacht auf mein demütig Bitten in meiner armen Hütten mich so getreu bewacht. 3. Nun will ich wieder gehen in meinen Arbeitsschacht, wozu du mich ersehen, eh ich ans Licht gebracht. Ich will von Herzen gern, solang die Kräfte grünen, dir, mein Gott, treulich dienen und meinem Landesherrn. 4. Vergib mir meine Sünden, die ich bisher getan, und laß mich Gnade finden, schau Christi Wunden an! Ach schenk mir deinen Geist, damit ich deinen Willen mag jederzeit ersüllen so, wie dein Wort mich heißt. 5. O Herr, wenn ich einfahre, gib, daß mein Herz bedenkt, wie bald man von der Bahre mich so ins Grab versenkt, bis du, mein Lebensfürst, einst meines Leibes Glieder aus dunklen Grüften wie⸗ der zu Tage führen wirst. 6. Wenn ich mein Werk beginne bei meiner Arbeitsschicht, so lenke Herz und Sinne auf deines Wor⸗ tes Licht! Laß mich so Tag als Nacht nach solchen Schätzen graben, die nichts vom Eitlen haben, das Sorg und Kummer macht. 7. Herr, segne die Gewerken und gib Gedeihen hier, laß deine Kraft mich stärken zur Arbeit für und für! Veredle E Gäͤng und Kluft durch dei⸗ nen milden Segen mit stetigem Ver⸗ mögen in jeder Fahrt und Grust! 8. Laß deiner Engel Scharen dich, meinen preisen und dir Dank erweisen. dein Kind, bewahren, wenn ich fahr an und ein. Laß keine Fahrt eingehn, laß keinen Bau einbrechen, hilf, daß in allen Zechen wir dei⸗ nen Segen sehn. 9. Zuletzt laß mich stets denken an jene Himmelsstadt, wo man ohn Sorg und Kränken dich selbst und alles hat. Da darf ich weiter nicht nach eitlen Schätzen graben, da werd ich alles haben, was mir allhie gebricht. Nach der Aus — 538. Mel. Jesu, meine Freude. Gudigster Erbarmer, zu dir komm ich Armer nach voll⸗ brachter Fahrt Du hast heut aus Gnaden mich vor allem Schaden als dein Kind bewahrt. Keine Not, kein Leid, kein Tod hat, o Vater, mich berühret, weil du mich geführet. 2. O wie war mein Leben von Gefahr umgeben in der tiefen Kluft! Wetter, Bruch und Wände drohten mir das Ende in der finstern Gruft. Doch du hast bei aller Last deinen Schutz an mir erneuet und mich nun befreiet. 3. Herr auf meinen Wegen hab ich deinen Segen überall ge⸗ spürt. Du hast meine Tritte und all meine Schritte gnädiglich regiert. Nun kann ich mit Freude Hort und Helfer, fahrt. 4. Ja dich will ich loben hier und einst dort oben und mich deiner freun. Stets soll mein stets meine Wächter sein, die mich. Gemüte für die große Güte fromm 326 und dankbar sein. Doch, mein Licht, verlaß mich nicht, schütze ferner Leib und Seele, die ich dir befehle. Berufs⸗ und Bei Bergfesten. 539. Mel. Auf dich hab ich gehoffet. U Bergwerksschöpfer, höchster Gott, allmächtiger Herr Zebaoth, sei von uns hoch gepriesen! Zu aller Stund, aus Herzensgrund sei dir Lob, Ehr erwiesen! 2. Dein Allmacht ist doch lobens⸗ wert, du hast geschaffen in der Erd nach deinem Wohlgefallen und schenkst uns frei Gold, Silber, Blei, auch allerlei Metallen. 3. Die Gäng tust du veredeln gar und lässest auch noch immer⸗ dar Erz wachsen in der Erden; dein göttlich Kraft stets Mittel schafft, daß wir erhalten werden. 4. O reicher Gott, wir bitten dich, segn unter Bergwerk mildig⸗ lich, gib Notdurft diesem Leben! Dein Vaterherz woll uns gut Erz, auch reichlich Wasser geben! 5. Dein reines Wort bei uns erhalt, behüt die Bergleut jung und alt, tu reich Ausbeut be⸗ scheren! So wollen wir auch danken dir und deinen Namen ehren. Matthäus Wieser. 1668. 540. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. Miit Freude will ich heben an, Al den höchsten Gott, soviel ich kann, zu loben und zu ehren. Standeslieder. Auf, auf, ihr christlichen Bergleut, rühmt Gottes groß Allmächtigkeit, helft mir sein Lob vermehren! Fröhlich, lieblich jubilieret, trium⸗ phieret, singet alle und lobt Gott mit großem Schalle! 2. Zuvörderst lasset uns mit Fleiß dem Herren sagen Dank und Preis, daß er uns hat ge⸗ schenket sein reines Wort, das höchste Gut, das Leib und Seel erquicken tut, so oft man sein gedenket. Fröhlich, lieblich jubi⸗ lieret, triumphieret, singet alle und lobt Gott mit großem Schalle! 3. Glück, Heil und Segen mannigfalt, Nahrung dazu für jung und alt hat er nach Not⸗ durft geben. Sein Gnade währet immerdar; sie hat nun lange Zeit und Jahr gefristet unser Leben. Fröhlich, lieblich jubilieret, trium⸗ phieret, singet alle und lobt Goti mit großem Schalle! 4. Wenn wir ausfahren oder ein, sendt er uns seine Engelein, die himmlischen Heerscharen, und tut denselbigen Befehl, sie sollen unser Leib und Seel vor allem Leid bewahren. Fröhlich, lieblich jubilieret, triumphieret, singet alle und lobt Gott mit großem Schalle! 5. Herr Jesu Christ, du edler Hort, erhalt uns, Herr, dein reines Wort, drum wir dich herzlich bitten. Tu auf dein reiche milde Hand und segne unser ganzes Land, all Bergwerk und Schmelz⸗ hütten! Hilf, Herr, bescher Glück auf Erden, bis wir werden zu dir kommen, in den Himmel auf⸗ genommen. Matthäus Wieser. 1668. — 541. Mel. Ach erkennet, liebste Seelen. Heeg 10 euch sehr, ihr Bergleut die ihr rechte Christen seid,. Gott mit vollem Schalle, danket seiner Gütigkeit, daß er uns sein Wort gegeben und den heilgen Geist dazu, daß er fristet unser Leben und verleiht uns Fried und Ruh. 2. Lob und Dank solln wir er⸗ veisen der heilgen Dreieinigkeit und des Herren Namen preisen, der uns tteulich Hülfe leiht, in dem Himmel hoch dort ben singen ihm die Engel ein, hier auf Erden solln Gott loben all, die seine Diener sein. 3. Brot und Wein wächst aus der Erde und der Menschen Herz erfreut, daß uns allen sichtbar werde seine Güt und Freundlichkeit; XVV. Bei Krieg und Frieden. 2 73 542. Eigene Melodie. Du Friedefürst, Herr Jesu Christ, wahr Mensch und wahrer Gott, ein starker Nothelfer 0 bist im Leben und im Tod. rum wir allein im Namen dein 436 deinem Vater schreien. 2. Recht große Not uns stößet an von Krieg und Ungemach, daraus uns niemand helfen kann 55 du, drum führ die Sach! Lieder für besondere Zeiten und Verhaältnisse. 327 Gold und Silber, Erz und Steine haut man aus den Bergen viel, davon leben Groß und Kleine, wer sich redlich nähren will. 4. Tief wir Bergleut sind verborgen in den Schächten tief und lang, trauen Gott und wolln nicht sorgen, loben laut ihn mit Gesang; Schlägl und Eisen führn in Händen, das soll unsre Nah⸗ rung sein, Gott woll uns sein Engel senden, fröhlich fahrn wir aus und ein. 5. Wagen müssen wir das Leben in das edle Bergwerk'nein, uns tief unter Klüst begeben, hauen Erz aus festem Stein; Glück und Segn bedürfen alle, ei, das geb uns Gott mit Freud, daß wir loben ihn mit Schalle hier und dort in Ewigtleit. Matthäus Wieser. 1668. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. und hilf uns gnädig allesamt jetzo zu dieser Frist! Laß uns hinfort dein göttlich Wort im Fried noch länger schallen! 4. Verdienet habn wir alles wohl und leidens mit Geduld; doch größer deine Gnad sein soll denn unser Sünd und Schuld; darum vergib nach deiner Lieb, die du fest zu uns trägest. 5. Erleucht doch unsern Sinn und Herz durch den Geist deiner Gnad, daß wir damit nicht treiben Scherz, der unsrer Seele schad. Den Vater bitt, daß er ja nicht im Zorn mit uns woll fahren. 3. Gedenk, Herr, jetzo an dein Amt, daß du ein Friedfürst bist, O Jesu Christ, allein du bist, der solchs wohl kann ausrichten. Jakob Ebert g. 1549 1614. 328 Lieder für besondere 3 3 543. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. Her unser Gott, laß nicht zu 2 schanden werden die, so in ihren Nöten und Beschwerden bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen und zu dir rufen. 2. Mache zu schanden alle, die dich hassen, die sich allein auf ihre Macht verlassen; ach kehre dich mit Gnade zu uns Armen, laß dichs erbarmen! 3. Und schaff uns Beistand wider unsre Feinde! Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde, sie müssen Wehr und Waffen niederlegen, kein Glied mehr regen. 4. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen; vergebens ists, auf Menschenhülfe bauen; mit dir wir wollen Taten tun und kämpfen, die Feinde dämpfen. 5. Du bist der Held, der sie kann untertreten und das bedrängte kleine Häuflein retten. Wir traun auf dich, wir schrein in Jesu Namen: Hilf, Helfer! Amen. Joh. Heermann g. 1585 1647. 544. Mel. Da Christus geboren war. —— Wächter Israel, des sich freuet meine Seel, der du weißest alles Leid deiner armen Christenheit, öo du Wächter, der du nicht schlässt noch schlummerst, zu uns richt dein hülfreiches Angesicht! 2. Schau, wie große Not und Qual trifft dein Volk jetzt überall; eiten und Verhältnisse. täglich wird der Trübsal mehr. Hilf, ach hilf, schütz deine Lehr! Wir verderben, wir vergehn, nichts wir sonst vor Augen sehn, wo du nicht bei uns wirst stehn. 3. Hoherpriester Jesu Christ, der du eingegangen bist in den heilgen Ort zu Gott durch dein Kreuz und bittern Tod, hast versöhnt und durch dein Blut, ausgelöscht der Hölle Glut, wiederbracht das höchste Gut, 4. Sitzst auch heut ins Vaters Reich, ihm an Macht und Ehre gleich, unser einger Gnadenthron, seine höchste Freud und Kron, den er in dem Herzen trägt, wie sich selbst zu lieben pflegt, dem er keine Bitt abschlägt: 5. Kläglich schreien wir zu dir, klopfen an die Gnadentür, wir, die du mit höchstem Ruhm dir erkauft zum Eigentum, dein Er⸗ barmen hat kein End, deines Vaters Zorn abwend, der jetzt wie ein Feuer brennt. 6. Jesu, der du Jesus heißt, als ein Jesus Hülfe leist! Hilj mit deiner starken Hand, Menschen⸗ hülf hat sich gewandt. Eine Mauer um uns bau, daß dem Feinde davor grau und mit Zittern sie anschau. 7. Treuer Hort Immanuel, du Beschützer meiner Seel, Gott mit uns in aller Not, neben uns und in uns Gott, Gott für uns zu aller Zeit, Trutz dem, der uns tu ein Leid! Gottes Straf ist ihm bereit. 8. Deines Vaters starker Arm, komm und unser dich erbarm! Laß jetzt sehen deine Macht, drauf eee— Lieder für besondere Ze wir hoffen Tag und Nacht, unsrer 329 grünet der freche, schnöde Sünden⸗ iten und Verhältnisse. Feinde Schar zertrenn, daß dich dorn. Wir sind fürwahr geschlagen alle Welt erkenn, aller Herren Herren nenn. ö 9. Andre traun auf ihre Kraft, auf ihr Glück und Ritterschaft, deine Christen traun auf dich, auf dich traun sie festiglich. Laß se werden nicht zu schand, bleib ihr Helfer und Beistand, sind sie dir doch all bekannt. 10. Du bist ja der Held und Mann, der den Kriegen steuern kann, der da Spieß und Schwert zerbricht, der die Bogen macht zu⸗ nicht, der die Wagen gar verbrennt und der Menschen Herzen wendt, daß der Krieg gewinnt ein End. 11. Jesu, wahrer Friedensfürst,‚ der der Schlange hat zerknirscht ihren Kopf durch seinen Tod,. wiederbracht den Fried bei Gott, gib uns Frieden gnädiglich! So wird dein Volk freuen sich, dafür ewig preisen dich. Joh. Heermann g. 1585 4 1647. 545. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. ott Lob, nun ist erschollen das edle Fried-⸗ und Freudenwort, daß nunmehr ruhen sollen die Spieß und Schwerter und ihr Mord. Wohlauf und nimm nun wieder dein Saitenspiel hervor, o Deutschland, und sing Lieder im hohen, vollen Chor! Erhebe dein Gemüte zu deinem Gott und sprich: Herr, deine Gnad und Güte bleibt dennoch ewiglich. 2. Wir haben nichts verdienet als schwere Straf und großen mit harter, scharser Rut, und dennoch muß man fragen: Wer ist, der Buße tut? Wir sind und bleiben böse, Gott ist und bleibet treu, hilft, daß sich bei uns löse der Krieg und sein Geschrei. 3. Sei tausendmal willkommen, du teure, werte Friedensgab! Jetzt sehn wir, was für Frommen dein Beiunswohnen in sich hab. In dir hat Gott versenket all unser Glück und Heil; wer dich betrübt und kränket, der drückt sich selbst den Pfeil des Herzleids in das Herze und löscht aus Unverstand die güldne Freudenkerze mit seiner eignen Hand. 4. Das drückt niemand besser in unsre Seel und Herz hinein als ihr zerstörten Schlösser und Städte voller Schutt und Stein, ihr vormals schönen Fel⸗ der, mit frischer Saat bestreut, jetzt aber lauter Wälder und dürre, wüste Heid, ihr Gräber voller Leichen und blutgen Heldenschweiß der Helden, deren gleichen auf Erden man nicht weiß 5. Hier trübe deine Sinnen, o Mensch, und laß den Tränen⸗ bach aus beiden Augen rinnen, geh in dein Herz und denke nach! Was Gott bisher gesendet, das hast du ausgelacht; nun hat er sich gewendet und väterlich bedacht, vom Grimm und scharfen Drin⸗ gen zu deinem Heil zu ruhn, ob er dich möchte zwingen mit Lieb und Gutestun. 6. Ach laß dich doch erwecken! uns Zorn, weil stets noch bei uns Wach auf, wach auf, du harte 330 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. Welt, eh als das harte Schrecken dich schnell und plötzlich überfällt. Wer aber Christum liebet, sei unerschrocknes Muts, der Friede, den er gibet, bedeutet alles Guts. Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu, bei Gott leben in ewgem Fried und Ruh. Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. 546. Mel. Nun danket alle Gott. H Gott, mi loben wir, regier, Herr, unsre Stimmen, laß deines Geistes Glut in unsern Herzen glimmen! Komm, komm, o edle Flamm, ach komm zu uns allhier, so singen wir mit Lust: Herr Gott, dich loben wir. 2. Herr Gott, dich loben wir, wir preisen deine Güte, wir rüh⸗ men deine Macht mit herzlichem Gemüte. Es steiget unser Lied bis an des Himmels Tür und tönt mit großem Schall: Herr Gott, dich loben wir. 3. Herr Gott, dich loben wir für deine großen Gnaden, daß du das Vaterland von Kriegeslast entladen, daß du uns blicken läßt, des güldnen Friedens Zier; drum jauchzet alles Volk: Herr Gott, dich loben wir. 4. Herr Gott, dich loben wir, die wir in vielen Jahren der Waffen schweres Joch und frechen Grimm erfahren. Jetzt rühmet unser Mund mit herzlicher Be⸗ gier: Gott Lob, wir sind in Ruh! Herr Gott, wir danken dir. 5. Herr Gott, dich loben wir, daß du die Pfeil und Wagen, da sollt ihr Schild, Bogen, Spieß und Schwert zerbrochen und zerschlagen. Der Strick ist nun entzwei, darum so singen wir mit Herzen, Zung und Mund: Herr Gott, wir danken dir. 6. Herr Gott, dich loben wit, daß du uns zwar gestrafet, jedoch in deinem Zorn nicht ganz hast weggeraffet; es hat die Vaterhand uns deine Gnadentür jetzt wieder aufgetan: Herr Gott, wir danken dir. 7. Herr Gott, wir danken dir, daß du Land, Kirch und Häuser, den edlen Fürstenstamm und dessen grüne Reiser bisher erhalten hast; gib ferner Gnad allhier, daß auch die Nachwelt sing: Herr Gott, wir danken dir. 8. Herr Gott, wir danken dir und bitten, du wollst geben, daß wir auch künftig stets in stolzer Ruhe leben. Krön uns mit deinem Gut, erfüll jetzt nach Begier, o Vater, unsern Wunsch! Herr Gott, wir danken dir. Johann Franck g. 1618 4 1077. Jahreszeiten. 547. Mel. Valet will ich dir geben. die lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, daß sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit 81296 Herr, dir sei Lob und Chnt * solche Gaben dein! Die Blüt zur Frucht vermehre, laß sie er⸗ sprießlich sein! Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß, drum wollst du widerwenden Meltau, Frost, Reif und Schloß! 3. Herr, laß die Sonne blicken ins finstre Herze mein, damit sichs möge schicken, fröhlich im Geist zu sein, die größte Lust zu haben allein an deinem Wort, das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort. 4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein und laß mir wohl gelingen, im Geist frucht⸗ bar zu sein, die Blümlein laß aufgehen von Tugend mancherlei, damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei. Martin Behm g. 1557 + 1622. 548. Eigene Melodie. H˙5 aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Som⸗ merzeit an deines Gottes Gaben, schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben. 2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissen und die Tulipan die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fleugt aus seiner Klust?) und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergetzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 4. Die Glucke führt ihr Völk⸗ lein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälb⸗ lein speist die Jungen; der schnelle Hirsch, das leichte Reh ist froh und kommt aus seiner Höh ins tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich in ihrem Rand mit schattenreichen Myrten; die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lust⸗ geschrei der Schaf und ihrer Hirten. 6. Die unverdroßne Bienenschar fleugt hin und her, sucht hie und dar ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise. 7. Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt und rühmt die große Güte des, der so überflüssig labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk ich, bist du hier so schön und läßt dus uns so lieblich gehn auf dieser armen Erden, was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden? 10. Welch hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein? Wie muß es da wohl klingen, da so viel tau⸗ ) Jerem. 48, 28. und Felder. send Seraphim mit eingestimmtem 332 Mund und Stimm ihr Halleluja singen? 11. O wär ich da! O stünd ich schon, ach süßer Gott, vor deinem Thron und trüge meine Palmen! so wollt ich nach der Engel Weis erhöhen deines Na⸗ mens Preis mit tausend schönen Psalmen. 12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht ganz stille, schweigen; mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, daß ich dir stetig blühe; gib, daß der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrücht erziehe. 14. Mach in mir deinem Geiste Raum, daß ich dir werd ein guter Baum, und laß mich wohl be⸗ kleiben). Verleihe, daß zu dei⸗ nem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.*) fest wurzeln. 15. Erwähle mich zum Para⸗ deis und laß mich bis zur lethten Reis an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen. Paul Gerhardt g. 1607 + 1676. 549. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. Rott Lob, nun kommt die Früh⸗ lingszeit, da sich die ganze Welt erneut, es grünt, es blüht, es singt und springt, daß Gottes Lob und Ruhm erklingt. Halleluja! Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 2. Mein Gott, gib mir bei dieser Freud des Herzens wahre Dankbarkeit, daß ich dir diene für und für und sing dir fröhlich dort und hier. Halleluja! Joh. Olearius g. 1611 4+ 1681. 550. el. Erschienen ist der herrlich Tag. Hn Lob, die schöne Sommerzeit ist da, die mir mein Herz erfreut, Laub und Gras steht in voller Pracht, weil Gott hat alles wohl gemacht! Halleluja! 2. Mein Gott, laß mich die Erntefreud erinnern meiner Herr⸗ lichkeit, wenn kommt der letzte Sommertag, daß man dir ewig singen mag. Halleluja! Joh. Olearius g. 1611 4 168ʃ. 551. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. G• Lob, 19 Herbstzeit zeiget sich, Gott segnet das Land Hinmr was Nahrung bringt, was uns erfreut, das schenkt uns Gott zu dieser Zeit. Halleluja! 2. Mein Gott, laß deine Güt und Gnad mich dankbar finden früh und spat, gib mir, was hier mein Herz erfreut, gib mir dort deine Seligkeit! Halleluja! Joh. Olearius g. 1611 ù4 1684. 552. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. Helt Lob, die kalte Winterzeit bringt uns die werte Weih⸗ nachtsfreud, das Jahr geht aus, die Freud ist da, das Licht, das neue Jahr ist da! Halleluja! Sn 2. Mein Gott, gib mir das wahre Licht! Wenn mir gleich Licht und Freud gebricht, sei du mein Trost, mein Licht und Freud, daß ich dir sing in Ebwigkeit. Halleluja! Joh. Olear g. 1611 + 1684. — 553. Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade. Hreuet euch der schönen Erde, denn sie ist wohl wert der Freud. O was hat für Herr⸗ lichkeiten unser Gott da ausge⸗ streut! 2. Und doch ist sie seiner Füße reichgeschmückter Schemel nur, ist nur eine schön begabte wunder⸗ reiche Kreatur. 3. Freuet euch an Mond und Sonne und den Sternen allzu⸗ mal, wie sie wandeln, wie sie leuchten über unserm Erdental. 4. Und doch sind sie nur Ge⸗ schöpfe von des höchsten Gottes Hand, hingesät auf seines Thro⸗ nes weites, glänzendes Gewand. 5. Wenn am Schemel seiner Füße und am Thron schon solcher Schein, o was muß an seinem Herzen erst für Glanz und Wonne sein] K. J. Phil. Spitta g. 1801 4 1859. Zur Hagelfeier. 554. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. ater, deine Sonne scheint auf Bös und Fromme, Freund und Feind, es wird die ganze Welt erleucht, mit Tau und Regen und Wein, auch beseucht. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 333 2. Du machst die Berg und Auen naß und läßt drauf wach⸗ sen Laub und Gras, damit die Tiere mannigfalt im Feld sich nähren und im Wald. 3. Uns Menschen gibst du Brot daß unser Herz kann fröhlich sein; du machst, daß es die Erde bring, und unsre Arbeit uns geling. 4. Wir bitten deine Gnad und Güt: Dein eigne Wohltat uns behüt, die Frücht der Erde uns nahr und gib uns ein gesegnet Jahr! 5. Ein fruchtbar Wetter uns bescher, Frost, Hagel, Mißwachs von uns kehr! Wind, Regen, Tau und Sonnenschein muß deinem Wort gehorsam sein. 6. Wiewohl sich Sünde bei uns findt, denk, daß wir deine Kinder sind, und tu auf deine milde Hand, dein Fußstapf segne unser Land! Um Sonnenschein. 7. Den Himmel mach von Wol⸗ ken rein, auf daß die Sonn be⸗ ständig schein und bald erwärme und aufricht, was sonst verdirbt und wird zunicht. Um Regen. Gott, erhöre unsre Bitt und teil uns milden Regen mit, daß wir genießen deine Gab, und auch das Vieh sein Futter hab. 9. Wenn deine Gnad das Jahr denn krönt, sind wir mit deinem Gut belehnt; tu aber dieses noch dazu und gib Gesundheit, Fried und Ruh! ö 334 10. Bei dir steht alles, Herr, allein, wir wolln dir treu und dank⸗ bar sein und deines großen Namens Ehr dafür ausbreiten mehr und mehr. Hannov. Gsb. 1646. Nach Niklas Herman 1 1561. — 555. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. Besher uns, Herr, das täglich Brot, vor Teurung und vor Hungersnot behüt uns durch dein lieben Sohn, Gott Vater in dem höchsten Thron! 2. O Herr, tu auf dein milde Hand, mach uns dein Gnad und Güt bekannt, ernähr uns, deine Kinder⸗ lein, der du speist alle Vögelein. 3. Erhörst du doch der Raben Stimm, drum unsre Bitt, Herr, auch vernimm, denn aller Ding du Schöpfer bist und allem Vieh sein Futter gibst. 4. Gedenk nicht unsrer Misse⸗ tat und Sünd, die dich erzürnet hat; laß scheinen dein Barmherzig⸗ keit, daß wir dich lobn in Ewigkeit. 5. O Herr, gib uns ein frucht⸗ bars Jahr, den lieben Kornbau uns bewahr, vor Teurung, Hun⸗ ger, Seuch und Streit behüt uns, Herr, zu dieser Zeit! 6. Du unser lieber Vater bist, weil Christus unser Bruder ist; drum trauen wir allein auf dich und wolln dich preisen ewiglich. Niklas Herman 1 1561. 556. Mel. Herr Jesu, Gnadensonne. Das Land wollst du bedenken mit deinem Segen reich und sein Gepflügtes tränken, mit Regen Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. machen weich; laß sein Gewächs es geben zur Notdurft diesem Leben! Wir wolln dir dankbar sein. Vincentins Schmuck g. 1565 4 1628. Beim Gewitter. 557. Mel. Auf meinen lieben Gott. Ein Wetter steiget auf. Herz, zu Gott hinauf! Fall ihm geschwind zu Fuße durch wahre Reu und Buße, damit gleich deine Sünden durch Christi Tod verschwinden. 2. Herr, der du gut und fromm, zu dir ich gläubig komm, bitt mir aus dein Erbarmen, hab Christum auf den Armen; um dessentwillen schone, mir nicht nach Sünden lohne! 3. Durch Christi teures Blut mach mir ein Herz und Mut, das sich nicht knechtisch scheue, das vielmehr deiner Treue in allem kindlich traue und auf dein Helfen baue. 4. Ich will mit dem, was mein, dir ganz ergeben sein; dein Flügel wird uns decken, verjagen alles Schrecken und lassen uns aus Gnaden das Wetter gar nicht schaden. 5. Wohlan, verlaß uns nicht, bleib unsre Zuversicht und laß dein Vaterlieben auch jetzt an uns sich üben! So wolln wir, weil wir leben, dir Preis und Ehre geben. Amilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg⸗ Rudolstadt g. 1637 f 1706. Mein . ——— V*— Nach dem Gewitter. 558 508. Mel. Herr Jesu, Gnadensonne. Heu Gott, nun sei gepriesen, daß Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. du zu dieser Zeit uns Schutz und Schirm erwiesen in der Ge⸗ fährlichkeit des Donners, der uns schreckte, des Blitzes, der sich streckte auf unser Hof und Haus. 2. Wir haben klar gesehen, Herr, deine große Macht, vor dir kann nichts bestehen; denn wenn dein Donner kracht, und sich dein Blitz entzündet, ach Gott, ach so befindet sich alles in Ge fahr. 3. Das Wetter ist vergangen, 335 und Menschen traurig sein. Wenn du zuschließt den Himmel dein, dann müssen wir verschmachten. 2. Herr, unsre Sünd erkennen wir, die wollst du uns verzeihen; all unsre Hoffnung steht zu dir, Trost, Hülf tu uns verleihen; gib Regen und den Segen dein um deines Namens willn allein, Herr, unser Gott und Tröster! 3. Gedenke, Herr, an deinen Bund! Um deines Namens willen bitten wir dich von Herzensgrund, tu unsre Not doch stillen vom Himmel mit dem Regen dein! Dein ist der Himmel ja allein, vorbei ist die Gefahr, wir haben Schutz empfangen durch Gott, der bei uns war; Haus, Hof, Gut, Leib und Leben und was er sonst ge⸗ geben blieb uns ganz unversehrt. 4. So voller Güt und Gnaden ist der getreue Gott, der uns be⸗ wahrt vor Schaden in so sehr großer Rot; drum wir ihn herzlich loben, sein Ruhm sei hoch erhoben, so⸗ weit der Erdkreis geht. 5. Laßt uns uns ferti daß, wenn der jüngste Tag mit Donnern und mit Krachen viel⸗ leicht bald kommen mag, wir alle so bestehen, daß wir mit Gott ein⸗ gehen zur ewgen Seligkeit. 110. Bei anhaltender Dürre. 559. Mel. Aus 2 121. 1.³ ich zu dir. A5 Herre, 5 Gehier Gott, wir habens wohl verdienet mit unsrer Sünd und Missetat, 1—05 unser Feld nicht grünet, daß Vieh g machen, ohn dich kann es nicht 4. Es steht in keines andern Hand, daß er sollt Regen geben; den Himmel hast du ausgespannt, darinnen du willst schweben. All⸗ mächtig ist der Name dein, solchs kannst du alles tun allein, Herr, unser Gott und Tröster! regnen. Bei anhaltender Nässe. 560. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 1 0 Gott, der du das Firmament mit Wolken tust bedecken, der du imgleichen kannst behend das Sonnenlicht erwecken, halt doch mit vielem Regen ein und gib uns wieder Sonnenschein, daß unser Land sich freue. 2. Die Felder trauern weit und die Früchte leiden Schaden, weil sie von vieler Feuchtigkeit und Nässe sind beladen; dein Segen, Herr, den du gezeigt uns Armen, sich zur Erde neigt und will fast ganz verschwinden. breit, E E 3. Das machet unsre Missetat und ganz verkehrtes Leben, so deinen Zorn entzündet hat, daß wir in Nöten schweben; Herr, wir be⸗ kennen unsre Schuld: weil wir die Buße nicht gewollt, so muß der Himmel weinen. 4. Doch denke wieder an die Treu, die du uns hast versprochen, und wohne uns in Gnade bei, die wir dich kindlich suchen. Wie hält so hart sich dieser Zeit dein Herz und sanste Freundlichkeit; du bist ja unser Vater. 5. Gib uns von deinem Him⸗ melssaal dein klares Licht und Sonne und laß uns wieder überall empfinden Freud und Wonne, daß alle Welt erkenne frei, daß außer dir kein Segen sei im Himmel und auf Erden. Mich. Schirmer g. 1606 4 1678. Am Erntedankfest. 561. Eigene Melodie. RI preiset alle Gottes Barm⸗ 4H herzigkeit, lob ihn mit Schalle, werteste Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden, freue dich JIsrael, seiner Gnaden! 2. Der Herr regieret über die ganze Welt; was sich nur rühret, alles zu Fuß ihm fällt. Viel tau⸗ send Engel um ihn schweben, Psalter und Harfen ihm Ehre geben. 3. Wohlauf, ihr Heiden, lasset das Trauern sein, zur grünen Weide stellet euch willig ein! Da läßt er uns sein Wort verkün⸗ den, machet uns ledig von allen Sünden. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 4. Er gibet Speise und überall, nach Vaters Weise sättigt er allzumal; er schaffet früh und späten Regen, füllet uns alle mit seinem Segen. 5. Drum preis und ehre seine Barmherzigkeit, sein Lob vermehre, werteste Christenheit! Uns soll hinfort kein Unfall schaden, freue dich, Israel, seiner Gnaden! Matthäus Apelles v. Löwenstern g. 1594 + 1648. 562. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. J Gott, von dem wir alles haben, die Welt ist ein sehr großes Haus, du aber teilest deine Gaben recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich, ach lieber Gott, wer ist dir gleich? 2. Wer kann die Menschen alle zählen, die heut bei dir zu Tische gehn? Doch muß die Notdurst keinem fehlen, denn du weißt allen vorzustehn und schaffest, daß ein jedes Land sein Brot bekommt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet und endlich auch die Frucht genießt; der Wind, der durch die Felder wehet, die Wolke, so das Land begießt, des Himmels Tau, der Sonne Strahl sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Men⸗ schen Speise, der Acker selbst wird ihm zu Brot, es mehret sich viel⸗ fältger Weise, was anfangs schien als wär es tot, bis zu der Ernte jung und alt erlanget seinen Unterhalt. reichlich sern ie 8 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 5. Nun, Herr, was soll man 4. Er hat sein Herz geneiget, erst bedenken? Der Wunder ist uns Sünder zu erfreun, genug⸗ hier gar zu viel. So viel als sam sich bezeuget durch Tau und du kann niemand schenken, und Sonnenschein. Wards aber nicht dein Erbarmen hat kein Ziel, geacht, so hat er sich verborgen denn immer wird uns mehr und durch verborgne Sorgen zum beschert, als wir zusammen alle wert. 6. Wir wollens auch keinmal vergessen, was uns dein Segen Beten uns gebracht. 5. O allerliebster Vater, du hast viel Dank S verdient; du mildester Berater machst, daß uns träget ein; ein jeder Bissen, den Segen grünt. Wohlan, dich loben wir essen, soll deines Namens wir für abgewandten Schaden, Denkmal sein, und Herz und für viel und große Gnaden; Herr Mund soll lebenslang für unsre Nahrung sagen Dank. Kaspar Neumann g. 1648 + 1715. Nach der Ernte. — 563. Mel. Von Gott will ich nicht lassen, oder Aus meines Herzens Grunde. Die Ernt ist nun zu Ende, der Segen eingebracht, woraus Gott alle Stände satt, reich und fröhlich macht. Der alte Gott lebt noch, man kann es deutlich merken an so viel Liebeswerken, drum preisen wir ihn hoch. 2. Wir rühmen seine Güte, die uns das Feld bestellt und oft uns ohne Bitte getan, was uns gefällt; die immer noch ge⸗ schont, ob wir gleich gottlos leben, die Fried und Ruh gegeben, daß jeder sicher wohnt. 3. Zwar manchen schönen Segen hat böses Tun verderbt, den wir auf guten Wegen sonst hätten noch ö ererbt; doch hat Gott mehr getan aus unverdienter Güte, als Mund, Herz und Gemüte nach Würden rühmen kann. Gott, wir danken dir. 6. Zum Danken kommt das ö Bitten: Du wollest, frommer Gott, vor Feuer uns behüten und aller andern Not, gib friedensvolle Zeit, erhalte deine Gaben, daß wir uns damit laben, regier die Obrigkeit! 7. Besonders laß gedeihen dein reines, wahres Wort, daß wir uns dessen freuen, und auch an unserm Ort dies gute Sam⸗ körnlein verlangte Früchte bringe, und wir in allem Dinge recht fromme Leute sein. 8. Gib, daß zu dir uns lenket, was du zum Unterhalt des Leibes hast geschenket, daß wir dich mannigfalt in deinen Gaben sehn, mit Herzen, Mund und Leben dir Dank und Ehre geben. O laß es doch geschehn! 9. Kommt unser Lebensende, so nimm du unsern Geist in deine Vaterhände, wo er der Ruh ge⸗ neußt, wo ihm kein Leid bewußt; so ernten wir mit Freuden, nach ausgestandnem Leiden die Garben voller Lust. Gottfried Tollmann g. 1680 4 1766. 22 337 338 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. Bei reichlicher Ernte. 564. Mel. Ach erkennet, liebste Seelen. Herr, die Erde ist gesegnet von dem 9 Wohltun deiner Hand, Güt und Milde hat geregnet, dein Geschenk bedeckt das Land. Auf den Hügeln, in den Gründen ist dein Segen aus⸗ gestreut; unser Warten ist gekrönet, unser Herz hast du erfreut. 2. Aller Augen sind erhoben, Herr, auf dich zu jeder Stund, daß du Speise gibst von oben und ver⸗ sorgest jeden Mund. Und du öffnest deine Hände, dein Vermögen wird nicht matt, deine Hülfe, Gnad und Spende machet alle froh und satt. 3. Gnädig hast du ausgegossen deines Überflusses Horn, ließest Gras und Kräuter sprossen, ließest wachsen Frucht und Korn. Mäch⸗ tig hast du abgewehret Schaden, Unfall und Gefahr, und das Gut steht unversehret, und gesegnet ist das Jahr. 4. Herr, wir haben solche Güte nicht verdient, die du getan; unser Wissen und Gemüte klagt uns vieler Sünden an. Herr, verleih, daß deine Gnade jetzt an unsre Seelen rührt, daß der Reichtum deiner Milde unser Herz zur Buße führt. 5. Hilf, daß wir dies Gut der Erden treu verwalten immerfort; alles soll geheiligt werden durch Gebet und Gottes Wort. Alles, was wir Gutes wirken, ist gesät in deinen Schoß, und du wirst die Ernte senden unaussprechlich reich und groß. Chr. Rud. Heinr. Puchta g. 1808 F 1858. Bei sparsamer Ernte. — 565. Mel. Was Gott tut, das ist wohl getan. 5 Gott tut, das ist wohl getan, so denken Gottes Kinder. Wenn man nicht reichlich ernten kann, liebt er uns doch nicht minder. Er zieht das Herz doch himmelwärts, ob wir gleich oft auf Erden bei Mangel traurig werden. 2. Was Gott tut, das ist wohl getan. Im Nehmen und im Geben sind wir bei ihm stets wohl daran und können ruhig leben. Er nimmt und gibt, weil er uns liebt, und seine Hände müssen wir stets in Demut küssen. 3. Was Gott tut, das ist wohl getan. Er zeigt uns oft den Segen, und ehe man ihn ernten kann, muß sich die Hoffnung legen; weil er allein der Schatz will sein, so nimmt er andre Güter und bessert die Gemüter. 4. Was Gott tut, das ist wohl getan. Es geh nach seinem Willen. Läßt sich es auch zum Hunger an, weiß er ihn doch zu stillen, obgleich das Feld nicht viel enthält. Man kann bei wenig Brocken salt werden und frohlocken. 5. Was Gott tut, das ist wohl getan. Das Feld mag traurig stehen, wir gehn getrost auf seiner Bahn und wollen ihn erhöhen. Sein Wort verschafft uns Lebens⸗ kraft, es nennt uns Gottes Erben, wie können wir verderben? 6. Was Gott tut, das ist wohl getan, so wollen wir stets schließen. Ist gleich bei uns kein Kanaan, 8——— an. ohl ttes lich doch Herz eich urig vohl im vohl ben. uns issen vohl gen, ann, weil so ssert vohl llen. nger llen, häͤlt. satt wohl urig einer hen. ens⸗ ben, wohl en. aan, Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 339 wo Milch und Honig fließen, doch ists genung zur Sättigung, wenn Gott das Wenge segnet und uns mit Huld begegnet. Lüneb. Gsb. 1767. Nach Benj. Schmolck g. 1672 1 1787. Auf Reisen. 566. Eigene Melodie, oder Dies sind die heilgen zehn Gebot. I Gottes Namen fahren wir, sein heilger Engel geh uns für wie dem Volk in Agypten⸗ Land, das entging Pharaonis Hand. Kyrieleis! 2. Herr, du wollst unser G'leits⸗ mann sein und mit uns gehen aus und ein und zeigen alle Steig und Steg, wehre dem Unfall auf dem Weg! Kyrieleis! 3. So wird kein Berg noch tieses Tal, kein Waßr uns irren überall; fröhlich kommn wir an unsern Ort, wenn du uns gnädig hilfest fort. Kyrieleis! 4. Herr Christ, du bist der rechte Weg zum Himmel und der einge Steg; hilf uns Pilgrim ins Vaterland, weil du dein Blut hast dran gewandt. Kyrieleis. Niklas Herman 1 1561. 567. Eigene Melodie. BiI du gleich ferne von Be⸗ kannten, was schadets, da dir früh und spät ein Heer von glänzenden Trabanten umher um deinen Wagen steht? 2. Was schadets, wenn die Freunde scheiden, und kein Ge⸗ fährte mit dir geht, da dich die Engel selbst begleiten, und Jesus dir zur Seite steht? 3. Die finstre Nacht darf dich nicht schrecken, die über Land und Meere fällt; will gleich die Sonne sich verstecken, dein Jesus ist das Licht der Welt. 4. Er, der die Sonne selbst formieret, bedarf des fremden Lichtes nicht; wenn dessen weise Hand dich führet, ist dir die Nacht auch selbst ein Licht. 5. Ich weile hier im fremden Lande, allein in Gottes Eigen⸗ tum; find ich gleich lauter Un⸗ bekannte, so kennt mich doch mein höchster Ruhm. 6. Mein Hort, in dem mein Herz versenket, zeigt mir sein holdes Angesicht und spricht: Mein Kind, sei ungekränket, dein treuer Vater läßt dich nicht. Siehe auch Nr. 393, V. 10 bis 15. 0 Bei Sturm und Wassersnot. 568. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. Wern wir in Wassersnöten sein, so rufen wir zu dir allein, o treuer Gott, und bitten dich: Hilf uns doch jetzo gnädiglich! 2. Der Sturmwind braust und saust gar sehr, das Meer bewegt und schlägt noch mehr, das Wasser steiget in die Höh und dräuet uns bei voller See. 3. Die Deiche sind gar nicht imstand, zu schützen unser festes Land, wo nicht, o Gott, dein Allmachtshand befestigt unser Land und Strand. 22 340 4. Drum steur und wehr, o Vater, ab, daß nicht das Meer werd unser Grab; verhüte, daß durch deinen Grimm wir nicht im 7—5— kommen um! 5. Dein Schutz sei unser Damm und Deich, so sind beschützet arm und reich; dein Schutz halt aller Orten Wach, sonst ist verloren unsre Sach. 6. Sieh, Herr, nicht unsre Sünden an und was der Mensch versehen kann, durch Jesum laß uns gnädig nach die Sünd und alles Ungemach! 7. Des Wassers schreckliche Gewalt in Gnaden hemm und rett uns bald! So soll dich preisen Kindeskind, wir auch, wenn wir erlöset sind. Christian von Stöcken g. 1633 4 1684. 569. Eigene Melodie. Wie mit grimmgem Unverstand Wellen sich bewegen! Nirgends Reitung, nirgends Land vor des Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. Sturmwinds Schlägen! Einer ist, der in der Nacht, Einer ist, der uns bewacht: Christ Kyrien), komm zu uns auf die See! Herr. 2. Wie vor unserm Angesicht Mond und Sterne schwinden! Wenn des Schiffleins Steuer bricht, wo nun Rettung finden? Wo sonst als nur bei dem Herrn? Seht ihr nicht den Abendstern? Christ Kyrie, komm zu uns auf die See! 3. Einst, in meiner letzten Not, laß mich nicht versinken! Sollt ich von dem bittern Strom Well auf Welle trinken, reiche mir dann liebentbrannt, Herr, Herr, deine Glaubenshand! Christ Kyrie, komm zu uns auf die See! 4. Nach dem Sturme fahren wir sicher durch die Wellen, lassen, großer Schöpfer, dir unser Lob erschallen, loben dich mit Herz und Mund, loben dich zu jeder Stund. Christ Kyrie, ja dir gehorcht die See! Joh. Daniel Falk g. 1768 1826. is, uns zu derr. sicht en! uer en? rn? rnꝰ auf ʒten en! rom iche err, rist die ren sen, Lob erz der dir 8²6• E. Lieder von den letzten Dingen. XXVI. Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 570. Eigene Melodie. A5 wollt, daß ich daheime wär und aller Welt Trost hätt nicht mehr. 2. Ich mein, daheim im Himmelreich, da ich Gott schaue ewiglich. 3. Wohlauf, mein Seel, und richt dich dar, dort wartet dein der Engel Schar. 4. Denn alle Welt ist dir zu klein, du kommest denn erst wie⸗ der heim. 5. Daheim ist Leben ohne Tod, und ganze Freud ohn alle Not. 6 Da ist Gesundheit ohne Weh und währet heut und je und je. 7. Da sind doch tausend Jahr wie heut, und nichts, das dich verdrießt und reut. 8. Wohlauf, mein Herz und all mein Mut, und such das Gut ob allem Gut! 9. Was das nicht ist, das schätz gar klein und sehn' dich allzeit wieder heim. 10. Du hast doch hie kein Bleiben nicht, obs morgen oder heut geschicht. 11. Da es denn anders nicht kann sein, so fleuch der Welt viel salst en Schein! 12. Bereu dein Sünd und beßre dich, als wolltst du heut gen Himmelreich. 13. Ade, Welt, Gott gesegne dich! Ich fahr dahin gen Him⸗ melreich. Nach Heinrich v. Laufenberg 1 1455. 571. Eigene Melodie. Mlihen wir im Leben sind mit dem Tod umfangen. Wen suchn wir, der Hülfe tu, daß wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unsre Missetat, die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht versinken in des bittern Todes Not! Kyri⸗ eleison!(Erbarm dich unser.) 2. Mitten in dem Tod anfsicht uns der Hölle Rachen. Wer will uns aus solcher Not frei und ledig machen? Das tust du, Herr, alleine. Es jammert dein Barm⸗ herzigkeit unsre Sünd und großes Leid. Heiliger Herre Gott, heiliger, 342 starker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht verzagen vor der tiefen Hölle Glut! Kyrieleison!(Erbarm dich unser.) 3. Mitten in der Hölle Angst unsre Sünd uns treiben. Wo solln wir denn fliehen hin, da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein teures Blut, das gnug für die Sünde tut. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht entfallen von des rechten Glau⸗ bens Trost! Kyrieleison!(Erbarm dich unser.) Martin Luther g. 1483 1 1546. Nach dem Lateinischen Notkers des älteren Media vita in morte sumus. 1 572. Ev. Luc. 2, 29— 32. Eigene Melodie. Mit Fried und Freud ich fahr dahin in Gottes Wille, getrost ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille. Wie Gott mir verheißen hat; der Tod ist mein Schlaf worden. 2. Das macht Christus, wahr Gottes Sohn, der treue Heiland, den du mich, Herr, hast sehen lan und g'macht bekannt, daß er mir das Leben sei und Heil in Not und Sterben. 3. Den hast du allen vorge⸗ stellt mit großen Gnaden, zu seinem Reich die ganze Welt heißen laden durch dein teuer heilsam Wort, an allem Ort erschollen. Sterbe- und Begräbnislieder. 4. Er ist das Heil und selge Licht für die Heiden, zu erleuchten, die dich kennen nicht, und zu weiden. Er ist deins Volks Israel Preis, Ehre, Freud und Wonne. Martin Luther g. 1483 + 1546. 573. Eigene Melodie. Gemeinde. M laßt uns den Leib begraben und daran kein Zweifel haben, er werd am jüngsten Tag ausstehn und unverweslich hervorgehn. 2. Erd ist er und von der Erden, wird auch zu Erd wieder werden und von der Erd wieder aufstehn, wenn Gotts Posaune wird angehn. 3. Sein Seele lebt ewig in Gott, der sie allhie aus lauter Gnad von aller Sünd und Misse⸗ tat durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Sein Jammer, Trübsal und Elend ist kommen zu ein'm selgen End. Er hat getragen Christi Joch, ist gestorben und lebet doch. 5. Die Seele lebt ohn alle Klag, der Leib schläft bis an jüngsten Tag, an welchem ihn Gott verklären und ewge Freude wird gewähren. 6. Hie ist er in Angst gewesen, dort aber wird er genesen, in ewiger Freud und Wonne leuchten wie die helle Sonne. 7. Nun lassen wir ihn hie schlafen und gehn all heim unsre Straßen schicken uns auch mit allem Fleiß, denn der Tod kommt uns gleicher Weis. Böhmische Brüder. aben iben, stehn der ieder ieder aune in uter liss⸗ hat. ibsal in'm agen und alle an ihn eude esen, in hien hie nste mit umt üder. Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 343 Chor. 1. So iraget mich nun immer hin, da ich so lang verwahret bin, bis Gott, mein treuer See⸗ lenhirt, mich wieder auferwecken wird. 2. Ja freilich durch den Tod ich werd zu Asche wieder und zu Erd, doch wird das schwache Fleisch und Bein von meinem Gott verwahret sein. 3. Mein Leib bleibt hie der Würmer Spott, die Seele lebt bei ihrem Gott, der sie durch sein so bittres Leid erlöset hat 34 Seligkeit. „Was mich für Trübsal hat Erachs, wird nun in höchste Lust versetzt; die Welt ist nur ein Jammertal, dort ist ein rechter Freudensaal. 5. Wenn alle Welt zu Trüm⸗ mern bricht, und Gott wird halten sein Gericht, so wird mein Leib verkläret stehn und in das Him⸗ melreich eingehn. 6. Wie manche Widerwärtigkeit hatt ich bei meiner Lebenszeit! Nun aber ist mir nichts bewußt als aller Auserwählten Lust. 7. So laßt mich denn in sanfter Ruh und geht nach eurer Wohnung zu, Tag für Tag, wie er auch selig werden mag. Gemeinde und Chor. Das helf uns Christus, unser Trost, der uns hat durch sein Blut erlöst vons G'walt und ewger Pein. Ihm sei Lob, Preis und Ehr allein! Georg Neumark. V Teufels hen, das 574. Eigene Melodie. Welt, ich muß dich lassen, ich fahr dahin mein Straßen ins ewge Vaterland. Mein Geist will ich aufgeben, dazu mein Leib und Leben setzen in Gottes gnädge Hand. 2. Mein Zeit ist nun vollendet, der Tod das Leben endet, Sterben ist mein Gewinn; kein Bleiben ist auf Erden, das Ewge muß mir werden, mit Fried und Freud fahr ich dahin. 3. Ob mich gleich hat betrogen die Welt, von Gott gezogen durch Schand und Büberei, will ich doch nicht verzagen, sondern mit Glauben sagen, daß mir mein Sünd vergeben sei. 4. Auf Gott steht mein Ver⸗ trauen, sein Antlitz will ich schauen wahrlich durch Jesum Christ, der für mich ist gestorben, des Vaters Huld erworben, mein Mittler er auch worden ist. 5. Die Sünd kann mir nicht schaden, erlöst bin ich aus Gnaden umsonst durch Christi Blut. Kein Werk kommt mir zu Frommen, so ich will zu ihm kommen; allein ein jeder Renn christlich Glaube gut. Ich bin ein unnütz Knechte, 980 Tun ist viel zu schlechte, denn daß ich ihm bezahl damit das ewge Leben; umsonst will er mirs geben und nicht nach meinm 6 und Wahl. „Drauf will ich fröhlich ster⸗ Himmelreich ererben, wie er mirs hat bereit; hie kann s Martin Luther. ich nicht mehr bleiben, der Tod 344 Sterbe⸗ und tut mich vertreiben, mein Seele sich vom Leibe scheidt. 8. Damit fahr ich von hinnen. O Welt, tu dich besinnen, denn du mußt auch hernach; tu dich zu Gott bekehren und von ihm Gnad begehren, im Glauben sei du auch nicht schwach! 9. Die Zeit ist schon vorhanden, hör auf von Sünd und Schanden und richt dich auf die Bahn mit Beten und mit Wachen, sonst all irdische Sachen sollst du gutwillig geben dran. 10. Das schenk ich dir am Ende: Ade, zu Gott dich wende! Zu ihm steht mein Begehr. Hüt dich vor Pein und Schmerzen, nimm mein Abschied zu Herzen! Meins Bleibens ist jetzt hie nicht mehr. Johann Hesse() g. 1490 4 1547. — 575. Eigene Melodie. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, und soll hinfahrn mein Straße, so g'leit du mich, Herr Jesu Christ, mit Hülf mich nicht verlasse! Mein Seel an meinem letzten End befehl ich dir in deine Händ, du wollst sie mir bewahren! 2. Mein Sünd mich werden kränken sehr, mein G'wissen wird mich nagen, denn ihr sind viel wie Sand am Meer; doch will ich nicht verzagen, gedenken will ich an dein Tod, Herr Jesu, und dein Wunden rot, die werden mich erhalten. 3. Ich bin ein Glied an dei⸗ nem Leib, des tröst ich mich von Begräbnislieder. Herzen; von dir ich ungeschieden bleib in Todesnot und Schmer⸗ zen; wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir, ein ewigs Leben hast du mir mit deinem Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, werd ich im Grab nicht bleiben; mein höchster Trost dein Auffahrt ist, Tods Furcht kann sie vertreiben; denn wo du bist, da komm ich hin, daß ich stets bei dir leb und bin, drum fahr ich hin mit Freuden. 5. Ich fahr dahin zu Jesu Christ, mein Arm tu ich aus⸗ strecken; so schlaf ich ein und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken denn Jesus Christus, Gottes Sohn; der wird die Himmelstür auftun, mich führn zum ewgen Leben. V. 1— Nitlas Herman 1 1331. B. 5 1570 576. Mel. Vater unser im Himmelreich. Herr Jesu Christ, wahr Mensch 9 und Gott, der du littst Mar⸗ ter, Angst und Spott, für mich am Kreuz auch endlich starbst und mir deins Vaters Huld er⸗ warbst, ich bitt durchs bittre Leiden dein, du wollst mir Sün⸗ der gnädig sein. 2. Wenn ich nun komm in Sterbensnot und ringen werde mit dem Tod, wenn mir vergeht all mein Gesicht und meine Ohren hören nicht, wenn meine Zunge nicht mehr spricht und mir vor Angst mein Herz zerbricht, ieden mer⸗ „ so Leben Tod nden nicht dein kann bist, stets fahr Jesu aus⸗ und mich tus, die ihrn 1531. 1574• Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 345 3. Wenn mein Verstand Z*2 577 nicht besinnt und mir all mensch 2 lich Hülf zerrinnt: so komm, o Herr Christ, mir behend zu Hülf an meinem letzten End und führ mich aus dem Jammertal, ver⸗ kürz mir auch des Todes Qual! 4. Die bösen Geister von mir treib, mit deinem Geist stets bei mir bleib, bis sich die Seel vom Leib abwendt. So nimm sie, Herr, in deine Händ! Der Leib hab in der Erd sein Ruh, bis 3—5 der jüngst Tag naht herzu. „Ein fröhlich Auferstehn ver⸗ lah, am jüngsten G'richt mein Fürsprech sei und meiner Sünd nicht mehr gedenk, aus Gnade mir das Leben schenk! Wie du hast zugesaget mir in deinem Wort, das trau ich dir: 6. Fürwahr, fürwahr, euch sage ich: Wer mein Wort hält und glaubt an mich, der wird nicht kommen ins Gericht und ewig C den Tod schmecken nicht; und ob er gleich hie zeitlich stirbt, mit nichten er drum ganz verdirbt; 7. Sondern ich will mit starker Hand ihn reißen aus des Todes Band und zu mir nehmen in mein Reich; da soll er denn mit mir zugleich in Freude leben ewiglich. Dazu hilf uns ja gnädiglich! 8. Ach Herr, vergib all unsre Schuld! Hilf, daß wir warten mit Geduld, bis unser Stündlein kommt herbei, auch unser Glaub slets wacker sei, dein'm Wort zu trauen festiglich, bis wir ent⸗ schlafen seliglich. Mel. Vater unser im Himmelreich. I Christi Wunden schlaf ich ein die machen mich von Sünden rein, Christi Blut und Gerechtig⸗ keit das ist mein Schmuck und Ehrenkleid; damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn. 2. Mit Fried und Freud fahr ich dahin, ein Gotteskind ich allzeit bin. Dank hab, mein Tod, du führest mich, ins ewge Leben wandre ich mit Christi Blut ge⸗ reinigt sein. Herr Jesu, stärk den Glauben mein! Paul Eber(7) g. 1511 1 1569. 578. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. 9⁵⁷ auf mit Trauren und Kla⸗ gen, ob dem Tod soll niemand Abeik⸗ er ist gestorben als ein Thrist, sein Tod ein Gang zum Leben ist. 2. Der Sarg und Grab drum wird geziert, der Leib ehrlich be⸗ graben wird, damit wir glaubn, er ist nicht tot, er schläft und ruhet sanft in Gott. 3. Wohl scheints, es sei nun alls dahin, weil er da liegt ohn Mut und Sinn; doch soll ihm bald kehren wieder Lebn und Kraft in alle Glieder. 4. Bald werden diese Toten⸗ bein erwarmen und sich fügen sein zusammen mit Kraft und Leben, Gott wirds herrlich wieder geben. 5. Ein Weizenkörnlein in der Paul Eber g. 1511 4 1569.] Erd liegt erst ganz tot, dürr und 346 unwert, doch kommts hervor gar schön und zart und bringt viel Frucht nach seiner Art. 6. Der Leib gemacht vom Erdenkloß soll liegen in der Erde Schoß und soll da ruhen ohne Leid, bis daß er wieder aufersteht. 7. Der Seele Haus sollt er hier sein, die blies Gott mit sein'm Atem drein, ein edles Herz, recht Mut und Sinn war durch die Gabe Christi drin. 8. Den Körper nun die Erd bedeckt, bis ihn Gott wieder auf⸗ erweckt, der seins Geschöpfs ge⸗ denken wird, welchs war nach seinem Bild formiert. 9. Ach daß nun käm der selge Tag, da Christus nach seiner Zusag hervor wird bringen ganz und gar, was in der Erd ver⸗ scharret war. 1561. Nach dem Latein. des Aurelius Prudentius Jam moesta quiesce querela. 579. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. 45 armer Mensch doch gar nichts bin, Gotts Sohn allein ist mein Gewinn; daß er Mensch worden ist mein Trost, er hat mich durch sein Blut erlöst. 2. O Gott Vater, regier du mich mit deinem Geiste stetiglich, laß deinen Sohn, mein Trost und Lebn, allzeit in meinem Herzen schwebn! 3. Und wenn die Stund vor⸗ handen ist, nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ, denn ich bin dein, und du bist mein, wie gern wollt ich bald bei dir sein! Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 4. Herr Jesu Christe, hilf du mir, daß ich ein Zweiglein bleib an dir und nachmals mit dir aufersteh, zu deiner Herrlichkeit eingeh. V. 1—3 J. Heune g. 1514 t 1581, V. 4 W. Moller g. 1547 1 1606. Nach dem Latein. des Ph. Melanchthon Nil sum, nulla miser novi solatia. 580. Eigene Melodie. I hab mein Sach Gott heim⸗ gestellt, er machs mit mir, wies ihm gefällt; ich will, soll ich hier länger lebn, nicht wider⸗ strebn, sein'm Willn tu ich mich ganz ergebn. 2. Mein Zeit und Stund ist, wann Gott will; ich schreib ihm nicht vor Maß noch Ziel. Es sind gezählt all Härlein mein, beid groß und klein, fällt keines ohn den Willen sein. 3. Es ist allhie ein Jammer⸗ tal, Angst, Not und Trübsal überall; des Bleibens ist ein kleine Zeit, Mühseligkeit, und wers bedenkt, ein steter Streit. 4. Was ist der Mensch? Ein Erdenkloß, von Mutterleib her nackt und bloß, er bringt nichts mit auf diese Welt, kein Gut noch Geld, nimmt nichts mit sich, wenn er hinfällt. 5. Es hilft kein Reichtum, Geld noch Gut, kein Kunst noch Gunst noch stolzer Tod kein Kraut gewachsen ist, mein frommer Christ, alles, was lebet, sterblich ist. 6. Heut sind wir frisch, gesund und starkt, und liegen morgen tol Mut; fürn „ f du bleib dir chkeit 1561, 606. hthon atia. Sterbe⸗ und Begräbnislieder. im Sarg; heut blühn wir wie die Rosen rot, bald krank und tot; ist allenthalben Müh und Not. 7 Man trägt eins nach dem andern hin, wohl aus den Augen und dem Sinn; die Welt ver⸗ gisset unser bald, ob jung, ob alt, auch unsrer Ehren mannigfalt. 8. Ach Herr, lehr uns bedenken wohl, daß wir sind sterblich all⸗ zumal, auch wir allhie kein Blei⸗ bens habn; müssn all davon, ge⸗ lehrt, reich, jung, alt oder schön. 9. Das macht die Sünd, du treuer Gott, dadurch ist kommn der bitire Tod, der nimmt und frißt all Menschenkind, wie er sie findt, fragt nicht, wes Stands und Ehrn sie sind 10. Ich hab hier wenig guter Tag, mein täglich Brot ist Müh und Klag. Wenn mein Gott will, so will ich mit hinfahrn in Fried; sterbn ist mein G'winn und schadt mir nicht. 11. Und ob mich schon mein Sünd ansicht, dennoch will ich verzagen nicht; ich weiß, daß mein getreuer Gott für mich in Tod sein liebsten Sohn gegeben hat. 12. Derselbe mein Herr Jesus Christ für all mein Sünd ge⸗ storben ist und auferstanden mir zugut, der Hölle Glut gelöscht mit seinem teuren Blut. 13. Dem leb und sterb ich allezeit, von ihm der Tod selbst mich nicht scheidt. Ich leb od'r sterb, so bin ich sein, er ist allein der einig Trost und Helfer mein. 14. Das ist mein Trost zu aller Zeit, in allem Kreuz und Traurigkeit. Ich weiß, daß ich 347 am jüngsten Tag ohn alle Klag werd auferstehn aus meinem Grab. 15. Mein lieben Gott von An⸗ gesicht werd ich anschaun, dran zweifl ich nicht, in ewger Freud und Seligkeit, die mir bereit; ihm sei Lob, Preis in Ewigkeit! 16. O Jesu Christe, Gottes Sohn, der du für mich hast gnug getan, ach schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einig Trost und Helfer mein. 17. Amen, mein lieber from⸗ mer Gott, bescher uns alln ein selgen Tod! Hilf, daß wir mögen allzugleich in deinem Reich bald mit dir leben ewiglich. Johann Leon 1 1597. 58ʃ1. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. Hih; Helfer, hilf in Angst und 9 Not, erbarm dich mein, du treuer Golt! Ich bin ja doch dein liebes Kind trotz Teufel, Welt und aller Sünd. 2. Ich trau auf dich, o Gott mein Herr. Wenn ich dich hab, was will ich mehr? Ich hab ja dich, Herr Jesu Christ, du mein Gott und Erlöser bist. 3. Des freu ich mich von Her⸗ zen sein, bin gutes Muts und harre dein, verlaß mich gänzlich auf dein Wort. Hilf, Helfer, hilf, du treuer Hort! Nach Nik. Selnecker. 1593. 582. Eigene Melodie. HBerzlich tut mich verlangen nach 49 einem selgen End, weil ich hie bin umfangen mit Trübsal 3⁴48 und Elend. Ich hab Lust abzu⸗ scheiden von dieser argen Welt, sehn mich nach ewgen Freuden; o Jesu, komm nur bald! 2. Du hast mich ja erlöset von Sünd, Tod, Teufel, Höll, es hat dein Blut gekostet; drauf ich mein Hoffnung stell. Warum sollt mir denn grauen vor Hölle, Tod und Sünd? Weil ich auf dich iu bauen, bin ich ein selges Kind. 3. Wenn gleich süß ist das Leben, der Tod sehr bitter mir, will ich mich doch ergeben, zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Leben, da meine Seel fährt hin; des freu ich mich gar eben, Sterben ist mein Gewinn. 4. Der Leib zwar in der Erden von Würmern wird verzehrt, doch auferwecket werden durch Christum schön verklärt, wird leuchten als die Sonne und leben ohne Not in Himmelsfreud und Wonne; was schadt mir denn der Tod? 5. Ob mich die Welt auch reizet, zu bleiben länger hier, und mir auch immer zeiget Ehr, Geld, Gut, all ihr Zier, doch ich das gar nicht achte, es währt nur kurze Zeit; das Himmlisch ich betrachte, das bleibt in Ewigkeit. 6. Wenn ich auch gleich nun scheide von meinen Freunden gut, was mir und ihn'n bringt Leide, doch tröst mir meinen Mut, daß wir in größern Freuden zu⸗ sammen werden kommn und bleiben ungeschieden im himme⸗ lischen Thron. 7. Ob ich auch hinterlasse be⸗ trübte Waiselein, dern Not mich über Maße jammert im Herzen Sterbe-⸗ und Begräbnislieder. mein, will ich doch gerne sterben und trauen meinem Gott; er wird sie wohl versorgen, retten aus aller Not. 8. Was tut ihr s o sehr zagen, ihr armen Waleleinr Sollt euch Gott Hülf versagen, der speist die Raben klein? Frommer Witwen und Waisen ist er der Vater treu, er kann und will sie speisen; das glaubt ohn alle Scheu. 9. Gesegn euch Gott der Herre, ihr Vielgeliebten mein! Trauert nicht allzu sehre über den Ab⸗ schied mein! Beständig bleibt im Glauben! Wir werdn in kurzer Zeit einander wieder schauen dort in der Ewigkeit. 10. Nun will ich mich ganz wenden zu dir, Herr Christ, allein: Gib mir ein seligs Ende, send mir die Engel dein, führ mich ins ewge Leben, das du erworben hast durch dein Leiden und Sterben und blutiges Verdienst. 11. Hilf, daß ich ja nicht wanke von dir, Herr Jesu Christ, den schwachen Glauben stärke in mir zu aller Frist! Hilf mir ritterlich ringen, dein Hand mich halt mit Macht, daß ich mög fröhlich singen: Gottlob, es ist vollbracht! Christoph Knoll g. 1503 + 1650. 583. Philipper 1, 21. Eigene Melodie. ü der ist mein Leben, und Sterben mein Gewinn; ihm hab ich mich ergeben, mit Freud fahr ich dahin. —+2—.—22...... Sterbe- und Begräbnislieder. 2. Mit Freud fahr ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, daß ich mag zu ihm kom⸗ men und ewig bei ihm sein. 3. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Not, durch seine heilgen Wunden bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, mein Atem geht schwer aus, wenn ich nicht mehr kann sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! 5. Mein Herz, Sinn und Ge⸗ danken zergehn schon als ein Licht, das hin und her tut wanken, wenn ihm die Flamm gebricht. 6. Drum laß mich an dir kleben wie eine Kleit am Kleid, und ewig bei dir leben in deiner Seligkeit! 7. Fein selig, sanft und stille, gleich als vom süßen Ton, schlaf ich, weils Gottes Wille, mein Trost ist Gottes Sohn. 8. Ich sing im Himmelsthrone ihm nun Lob, Ehr und Preis, wo ich nun ewig wohne in jenem Paradeis. 1009. Nach dem Hannov. Gsb. 1740. 584. Eigene Melodie. 59²⁷⁵ Jesu Christ, meins Lebens Licht, mein Hort, mein Trost, mein Zuversicht, auf Erden bin ich nur ein Gast, und drückt mich sehr der Sünden Last. 2. Ich hab vor mir ein schwere Reis zu dir ins himmlisch Para⸗ deis; da ist mein rechtes Vater⸗ land, woran du hast dein Blut gewandt. 349 3. Zur Reis ist mir mein Herz sehr matt, der Leib gar wenig Rräfte hat, allein mein Seele schreit in mir: Herr, hol mich heim, nimm mich zu dir! 4. Drum stärk mich durch das Leiden dein in meiner letzten Todespein, dein Blutschweiß mich tröst und erquick, mach mich frei durch dein Band und Strick! 5. Dein Backenstreich und Ruten frisch der Sünden Strie⸗ men mir abwisch, dein Hohn und Spott, dein Dornenkron, laß sein mein Ehr, mein Freud und Wonn! 6. Dein Durst und Gallentrank mich lab, wenn ich sonst keine Stärkung hab, dein Angstgeschrei komm mir zugut, bewahr mich vor der Höͤlle Glut! 7. Wenn mein Mund nicht kann reden frei, dein Geist in meinem Herzen schrei, hilf, daß mein Seel den Himmel find, wenn meine Augen werden blind. 8. Dein letztes Wort laß sein mein Licht, wenn mir der Tod das Herze bricht, behüte mich vor Ungeberd, wenn ich mein Haupt nun neigen werd. 9. Dein Kreuz laß sein mein Wanderstab, mein Ruh und Rast dein heilges Grab, die reinen Grabetücher dein laß meinen Sterbekittel sein! 10. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau, darauf mein letzte Heim⸗ fahrt bau; tu mir die Himmels⸗ tür weit auf, wenn ich beschließ meins Lebens Lauf. 11. Am jüngsten Tag erweck mein Leib, hilf, daß ich dir zur Rechten bleib, daß mich nicht 350 Sterbe- und Begräbnislieder. treffe dein Gericht, welchs das erschrecklich Urteil spricht. 12. Alsdann mein Leib ver⸗ neure ganz, daß er leucht wie der Sonne Glanz und ähnlich sei dein'm klaren Leib, auch gleich den lieben Engeln bleib. 13. Wie werd ich dann so fröhlich sein, werd singen mit den Engeln dein und mit der Auser⸗ wählten Schar dein Antlitz schauen ewig klar! Martin Behm g. 1537 1 1622. 585. Eigene Melodie. Balet will ich dir geben, du arge, falsche Welt, dein sündlich böses Leben durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen, hinauf steht mein Begier; da wird Gott herrlich lohnen dem, der ihm dient allhier. 2. Rat mir nach deinem Her⸗ zen, o Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, hilf mir, Herr Christ, davon, verkürz mir alles Leiden, stärk meinen blöden Mut, laß selig mich abscheiden, setz mich in dein Erbgut! 3. In meines Herzens Grunde dein Nam und Kreuz allein fun⸗ kelt all Zeit und Stunde, drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde zu Trost in meiner Not, wie du, Herr Christ, so milde dich hast geblut zu Tod. 4. Verbirg mein Seel aus Gnaden in deiner offnen Seit, rück sie aus allem Schaden zu deiner Herrlichkeit! Der ist wohl hie gewesen, wer kommt ins himmlisch Schloß; ewig ist der genesen, wer bleibt in deinem Schoß. 5. Schreib meinen Nam aufs beste ins Buch des Lebens ein und bind mein Seel gar feste ins schöne Bündelein der, die im Himmel grünen und vor dir leben frei, so will ich ewig rühmen, daß dein Herz treue sei. Valerius Herberger g. 1562 f 1027, 586. Eigene Melodie. Herr Gott, nun schleuß den 9 Himmel auf, mein Zeit zum End sich neiget; ich hab vollendet meinen Lauf, des sich mein Seel sehr freuet. Hab gnug gelitten, mich müd gestritten, schick mich fein zu zur ewgen Ruh, laß fahren, was auf Erden, will lieber selig werden. 2. Wie du mir, Herr, befohlen hast, hab ich mit wahrem Glau⸗ ben mein lieben Heiland auf⸗ gefaßt in mein Arm, dich zu schauen. Hoff zu bestehen, will frisch eingehen vom Tränental zum Freudensaal, laß fahren, was auf Erden, will lieber selig werden. 3. Laß mich nur, Herr, wie Simeon im Frieden zu dir fah⸗ ren! Befehl mich Christo deinem Sohn; der wird mich wohl be⸗ wahren, wird mich recht führen, im Himmel zieren mit Ehr und Kron; fahr drauf davon, laß fahren, was auf Erden, will lieber selig werden. Tobias Kiel g. 1584 4 1626. —— — n — —2— e“ der nem aufs ein feste im ben nen, 1627. den um idet Seel ten, lich laß vill len au⸗ uf⸗ zu vill tal en, lig vie ih⸗ em he⸗ n, nd aß ill 26. Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 587. Eigene Melodie. —— dich sehr, o meine Seele, Mund vergiß all Not und Qual, weil dich nun Christus, dein Herre, ruft aus diesem Jammer⸗ tal. Aus der Trübsal, Angst und Leid sollst du fahren in die Freud, die kein Ohr je hat ge⸗ höret, die in Ewigkeit auch währet. 2. Tag und Nacht hab ich ge⸗ rufen zu dem Herren, meinem Gott, weil mich stets viel Kreuz betroffen, daß er mir hülf aus der Not. Wie sich sehnt ein Wandersmann, daß sich ende seine Bahn, so hab ich gewünschet eben, daß sich enden mög mein Leben. „Denn gleich wie die Rosen stehen unter Dornenspitzen gar, also auch die Christen gehen stets in Angsten und Gefahr. die Meereswellen sind und der ungestüme Wind, also ist allhier auf Erden unser Lauf voll von Beschwerden. 4. Welt und Teufel, Sünd und Hölle, unser eigen Fleisch und Blut plagen stets hier unsre Seele, lassen uns bei keinem Mut. Wir sind voller Angst und Plag, lauter Kreuz sind unsre Tag; wenn wir nur ge⸗ boren werden, findt sich Jammer gnug auf Erden. 5. Wenn die Morgenröt her⸗ leuchtet, und der Schlaf sich von uns wendt, Sorg und Kummer daher schleichet, Müh sich findt an allem End. Unsre Tränen sind das Brot, so wir essen früh und spat; wenn die Sonn nicht Wie 351 mehr mut scheinen, ist auch lauter Klag und Weinen. 6. Drum, Herr Christ, du Morgensterne, der du ewiglich aufgehst, sei von mir jetzund nicht ferne, weil dein Blut mich hat er⸗ löst. Hilf, daß ich mit Fried und Freud mög von hinnen fahren heut, ach sei du mein Licht und Straße, mich mit Beistand nicht verlasse. 7. In dein Seite will ich fliehen bei dem bittern Todesgang, durch dein Wunden will ich ziehen in das himmlisch Vaterland. In das schöne Paradeis, drein der Schächer tat sein Reis, wirst du mich, Herr Christ, einführen und mit ewger Klarheit zieren. 8. Ob mir schon die Augen brechen, das Gehör auch ganz verschwindt, meine Zung nicht mehr lann sprechen, mein Ver⸗ stand sich nicht besinnt, bist du doch mein Licht und Hort, Leben, Weg und Himmelspfort, du wirst selig mich regieren und die Bahn zum Himmel führen. 9. Laß dein Engel mit mir fahren auf Elias Wagen rot, meine Seele wohl bewahren, wie einst Lazarum im Tod. Laß sie ruhn in deinem Schoß und er⸗ fülle sie mit Trost, bis der Leib kommt aus der Erden und sie beid vereinigt werden. 10. Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all Not und Qual, weil dich nun Christus, dein Herre, rust aus diesem Jam⸗ mertal. Seine Freud und Herr⸗ lichkeit sollst du sehn in Ewigkeit, mit den Engeln jubilieren und auf ewig triumphieren. 1020. — 588. Mel. Herzlich tut mich verlangen. 4 hab mich Gott ergeben, dem liebsten Vater mein; hier ist kein Immerleben, es muß ge⸗ schieden sein. Der Tod kann mir nicht schaden, er ist nur mein Gewinn, in Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud dahin. 2. Mein Weg geht jetzt vor⸗ über; o Welt, was acht ich dein? Der Himmel ist mir lieber, da muß ich trachten ein, mich nicht zu sehr beladen, weil ich wegfertig bin, in Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud dahin. 3. Ach selge Freud und Wonne hat mir der Herr bereit, da Christus ist die Sonne, Leben und Seligkeit. Was kann mir doch nun schaden, weil ich bei Christo bin? In Gottes Fried und Gna⸗ den fahr ich mit Freud dahin. 4. Gesegn euch Gott, ihr Meinen, ihr Liebsten allzumal! Um mich sollt ihr nicht weinen, ich weiß von keiner Qual. Den rechten Port noch heute nehmt fleißig ja in acht, in Gottes Fried und Freude fahrt mir bald alle nach!. 1. Johann Leon + 15097. V. 2-4 Joh. Siegfried g. 1564 4 1637. 589. Eigene Melodie. Mcs mit mir, Gott, nach deiner Güt, hilf mir in meinem Leiden! Ruf ich dich an, versag mirs nicht! Wenn meine Seel will scheiden, so nimm sie, Herr, in deine Händ! Ist alles gut, wenn gut das End. Sterbe- und Begräbnislieder. 2. Gern will ich folgen, liebster Herr, du wirst mirs nicht ver⸗ derben. Ach du bist doch von mir nicht fern, wenn ich gleich hier muß sterben, verlassen meine liebsten Freund, die's mit mir herzlich gut gemeint. 3. Ruht doch der Leib sanst in der Erd, die Seel zu dir sich schwinget, in deine Hand si— unversehrt durch Tod ins Leben dringet. Hier ist doch nur ein Tränental, Angst, Not, Müh, Arbeit überall. 4. Tod, Teufel, Höll, die Welt, die Sünd mir können nichts mehr schaden, an dir, o Herr, ich Rettung find, ich tröst mich deiner Gnaden. Dein einger Sohn aus Lieb und Huld für mich bezahlt hat alle Schuld. 5. Was wollt ich denn lang traurig sein, weil ich so wohl bestehe, bekleidt mit Christi Un⸗ schuld rein wie eine Braut her⸗ gehe? Gehab dich wohl, du schnöde Welt, bei Gott zu leben mir gefällt. Joh Herm. Schein g. 1586 4 1680. 590. Mel. Herr, ich bekenn von Herzensgrund. Mein Lauf, Gott Lob, ist bald vollbracht. Welt, gute Nacht, wir müssen uns nun scheiden. In Jesu Namen sanst und still ich wandern will zur Seligkeit mit Freuden. In dieser Welt war mir bestellt nur Angst und Not, zuletzt der Tod, jetzt endet sich mein Leiden. 2. In Jesu Namen schlaf ich ein, er führt allein mich aus dem Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 35² Rede nehmen ab, die Augen werden Kreuz vergoßnes Blut kommt mir mir ein Grab, doch kränkt die zugut, macht fröhlich mich da⸗ Sünde mich vor allen, des Satans neben. Der edle Saft bringt Anklag hat nicht Ruh, setzt mir rechte Kraft, stärkt mir mein Herz auch mit Versuchung zu. in Todesschmerz, kann Freud und 4. Ich höre der Posaunen Ton Wonne geben. und seh auch den Gerichtstag 3. In Jesu Namen fahr ich schon, der mir auch wird ein hin, denn mein Gewinn ist Urteil fällen. Hier weiset mein Christus, wenn ich sterbe. Ich Gewissensbuch, da aber des Ge⸗ weiß, daß er mich nicht verläßt, setzes Fluch mich Sündenkind und glaube fest: Im Tod ich hinab zur Höllen. Wer hilft mir nicht verderbe, mir ist bereit in nun in dieser Not, wo du nicht, Ewigkeit von Gottes Sohn die Gott, du Todes Tod? Ehrenkron, das rechte Himmels⸗ 5. Der Teufel hat nicht Macht erbe. an mir, ich habe bloß gesündigt dir, dir, der du Missetat ver⸗ Tod ins Leben; sein an dem ö Georg Werner g. 1589 4 1643. 591 gibest. Was maßt sich Satan 205 dessen an, der kein Gesetz mir Eigene Melodie. geben kann, nichts hat an dem, 9 bin ja, Herr, in deiner Macht, was du, Herr, liebest? Er nehme du hast mich an dies Licht das, was sein ist, hin, ich weiß, gebracht, du unterhältst mir auch daß ich des Herren bin. das Leben; du kennest meiner 6. Herr Jesu, ich, dein teures Monden Zahl, weißt, wann ich Gut, bezeugs mit deinem eignen diesem Jammertal auch wieder Blut, daß ich der Sünde nicht gute Nacht muß geben; wo, wie gehöre. Was schont denn Satan und wann ich sterben soll, das meiner nicht und schreckt mich weißt du, Vater, mehr als wohl. durch das Zorngericht? Komm, 2. Wen hab ich nun, als dich rette deines Leidens Ehre! Was allein, der mir in meiner letzten gibest du mich fremder Hand und Pein mit Trost und Rat weiß hast soviel an mich gewandt? beizuspringen? Wer nimmt sich 7. Nein, nein, ich weiß gewiß, meiner Scele an, wenn nun mein Heil, du lässest mich, dein mein Leben nichts mehr kann, wahres Teil, zu tief in deinen und ich muß mit dem Tode Wunden sitzen. Hie lach ich aller ringen, wenn aller Sinne Kraft Macht und Not, es mag Gesetz, gebricht? Tust du es, Gott mein Höll oder Tod auf mich her Heiland, nicht? donnern oder blitzen. Dieweil 3. Mich dünkt, da lieg ich schon ich lebte, war ich dein, jetzt kann dor mir in großer Hitz, ohn ich keines Fremden sein. Kraft, ohn Zier, mit höchster Simon Dach g. 1665 1659. Herzensangst befallen, Gehör und 35⁴4 Sterbe-⸗ und Begräbnislieder. 592. Nel. O Welt, ich muß dich lassen. Die Herrlichkeit der Erden muß Rauch und Asche werden, kein Fels, kein Erz kann stehn. Dies, was uns kann ergetzen, was wir für ewig schätzen, wird als ein leichter Traum vergehn. 2. Was sind doch alle Sachen, die uns so trotzig machen, als schlechte Nichtigkeit? Was ist des Menschen Leben, der immer um muß schweben, als nur ein Schattenbild der Zeit? 3. Der Ruhm, nach dem wir trachten, den wir unsterblich achten, ist nur ein falscher Wahn; sobald der Geist gewichen, und dieser Mund erblichen, fragt keiner, was man hier getan. 4. Es hilft kein weises Wissen, wir werden hingerissen ohn einen Unterschied. Was nützt der Schlösser Menge? Dem hie die Welt zu enge, dem wird ein enges Grab zu weit. 5. Dies alles wird zerrinnen, was Müh und Fleiß gewinnen und saurer Schweiß erwirbt. Was Menschen hier besitzen, kann für den Tod nicht nützen; dies alles stirbt uns, wenn man stirbt. 6. Ist eine Lust, ein Scherzen, das nicht ein heimlich Schmerzen mit Herzensangst vergällt? Was ists, womit wir prangen? Wo wirst du Ehr erlangen, die nicht in Hohn und Schmach verfällt? 7. Was pocht man auf die Thrcne, da keine Macht noch Krone kann unvergänglich sein?“ Es mag vom Totenreihen kein Zepter dich befreien, kein Pur⸗ pur, Gold noch edler Stein. 8. Wie eine Rose blühet, wenn man die Sonne siehet begrüßen diese Welt, die, eh der Tag sich neiget, eh sich der Abend zeiget, verwelkt und unversehns abfällt, 9. So wachsen wir auf Erden und denken groß zu werden und schmerz- und sorgenfrei, doch eh wir zugenommen und recht zur Blüte kommen, bricht uns des Todes Sturm entzwei. 10. Wir rechnen Jahr auf Jahre, indessen wird die Bahre uns vor die Tür gebracht. Drauf müssen wir von hinnen und, eh wir uns besinnen, der Erde sagen gute Nacht. 11. Auf, Herz, wach und be⸗ denke, daß dieser Zeit Geschenke den Augenblick nur dein. Was du zuvor genossen, ist als ein Strom verschossen, und wessen wird das Künftge sein? 12. Verlache Welt und Ehre, Furcht, Hoffen, Gunst und Lehre und geh den Herren an, der immer König bleibet, den keine Zeit ver⸗ treibet, der einzig ewig machen kann. 13. Wohl dem, der auf ihn trauet, er hat recht fest gebauet. Und ob er hier gleich fällt, wird er doch dort bestehen und nim⸗ mermehr vergehen, weil ihn die Stärke selbst erhält. Andreas Gryphius geb. 16156&+ 1064. 593. Eigene Melodie. ch wie flüchtig, ach wie nichtig ist des Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet und auch Sterbe- und Begräbnislieder. 35⁵ wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet! 2 Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Tage! flüchtig schen! Der durch Macht ist hoch gestiegen, 10. Ach wie nichtig, ach wie ist des Menschen Herr⸗ muß zuletzt aus Un⸗ Wie ein Stron beainnt zu rinnen vermögen in dem Grab erniedrigt und mit Laufen nichi hält innen, so fährt unsre Zeit von hinnen. 3. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Freude! Wie sic wechseln Stund Tund Zeiten, Licht und Dunkel, Fried und Streiten, so sind unsre Fröh⸗ lichkeiten. 4. Ach wie nichtig, ach Wie flüchtig ist der Menschen Schöne! Wie ein Blümlein bald vergehet, wenn ein rauhes Lüftlein wehet, so ist unsre Schöne, sehet! 5. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Glücke! Wie sich eine Kugel drehet, die bald da, bald dorten stehet, so ist unser Glücke, sehet! 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Ehre! über den, dem man hat müssen heut die Hände höflich küssen, geht man morgen gar mit Füßen. 7. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Wissen! Ler das Wort konnt prächtig führen und vernünftig diskurieren, muß bald allen Witz verlieren. 8. Ach wie nichtig, ach wie lchtig ist der Menschen Dichten! Der, so Kunst hat lieb gewonnen und manch schönes Werk ersonnen, ist dem Tode nicht entronnen. 9. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Prangen! Der in Purpur hoch vermessen ist als wie ein Gott gesessen, dessen wird im Tod vergessen. Kampf und L 17911. Ach wie flüchtig, ach wie 8108 sind der Menschen Schätze! Es kann Glut und Flut ent⸗ stehen, dadurch, ehe wir uns ver⸗ sehen, alles muß zu Trümmern gehen. 12. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, das muß fallen und vergehen; wer Gott fürcht, wird ewig stehen. Michael Franck g. 1609 4 1667. 594. Eigene Melodie. H rr, nun laß in Friede, lebens⸗ satt und müde, deinen Diener fahren zu den Himmelsscharen selig und im stillen, doch nach deinem Willen! 2. Gerne will ich sterben und den Himmel erben; Christus mich geleitet. welchen Gott bereitet zu dem Licht der Heiden, das uns setzt in Freuden. 3. Hier hab ich gestritten, Un⸗ gemach erlitten, ritterlich gekämpfet, manchen Feind gedämpfet, Glau⸗ ben auch gehalten richtig mit den Alten. 4. Tränen muß ich lassen, weinen ohne Maßen, schwere Gänge laufen mit der Christen Haufen, über Sünde klagen, Kreuz und Trübsal tragen. 5. Nunmehr soll sich wenden, Lauf sich enden, Gott 23 356 Sterbe⸗ und Begräbnislieder. will mich erlösen bald von allem Bösen; es soll besser werden, als es war auf Erden. 6. Frieden werd ich finden, ledig sein von Sünden und auf allen Seiten nicht mehr müssen streiten; mich soll ganz umgeben himmlisch Freudenleben. 7. Mir ist beigeleget, wo man Zepter träget, eine schöne Krone schon zum Gnadenlohne; da werd ich ergetzet und zur Ruh gesetzet. 8. Mein Erlöser lebet und mich selber hebet aus des Todes Kammer; da liegt aller Jammer. Fröhlich, ohne Schrecken, will er mich aufwecken. 9. Dieser Leib soll gehen und in Klarheit stehen, wenn die Toten werden erstehn von der Erden; Christum werd ich schauen, darauf kann ich trauen. 10. Christo will ich singen, Lob und Ehre bringen, rühmen seine Güte mit Seel und Gemüte, preisen seinen Namen ohn Auf⸗ hören. Amen. David Behme g. 1605 4 1657. 595. Pfalm 119, 19. Mel. Herzlich tut mich verlangen. bin ein Gast auf Erden und A hab hier keinen Stand, der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland. Hier reis ich aus und abe, dort in der ewgen Ruh ist Gottes Gnadengabe, die schließt all Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an als Müh und Not gewesen? Solang ich denken kann, hab ich so manchen Morgen, so manche liebe Racht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht. 3. Mich hat auf meinen Wegen manch harter Sturm erschreckt, Blitz, Donner, Wind und Regen hat mir manch Angst erweckt; Verfolgung, Haß und Neiden, ob ichs gleich nicht verschuld, hab ich doch müssen leiden und tragen mit Geduld. 4. So gings den lieben Alten, an deren Fuß und Pfad wir uns noch täglich halten, wenns fehlt am guten Rat; sie zogen hin und wieder, ihr Kreuz war immer groß, bis daß der Tod sie nieder legt in des Grabes Schoß. 5. Ich habe mich ergeben in gleiches Glück und Leid; was will ich besser leben als solche große Leut? Es muß ja durchgedrungen, es muß gelitten sein; wer nicht hat wohl gerungen, geht nicht zur Freud hinein. 6. So will ich zwar nun trei⸗ ben mein Leben durch die Welt, doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt, da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird. 7. Mein Heimat ist dort dro⸗ ben, da aller Engel Schar den großen Herrscher loben, der alles ganz und gar in seinen Händen träget und für und für erhält, auch alles hebt und leget, nach⸗ dems ihm wohlgefällt. 8. Zu dem steht mein Ver⸗ langen, da wollt ich gerne hin; die Welt bin ich durchgangen, Sterbe- und Begräbnislieder. 35 daß ichs fast müde bin. Je län⸗ ger ich hier walle, je wenger find ich Freud, die meinem Geist ge⸗ falle, das meist ist Herzeleid. 9. Die Herberg ist zu böse, der Trübsal ist zu viel. Ach komm, mein Gott, und löse mein Herz, wenn dein Herz will. Komm, mach ein selges Ende an meiner Wanderschaft, und was mich kränkt, das wende durch deinen Arm und Kraft! 10. Wo ich bisher gesessen, ist nicht mein rechtes Haus; wenn mein Ziel ausgemessen, so tret ich dann hinaus, und was ich hier gebrauchet, das leg ich alles ab, und wenn ich ausgehauchet, so scharrt man mich ins Grab. 11. Du aber, meine Freude, du, meines Lebens Licht, du ziehst mich, wenn ich scheide, hin vor dein Angesicht, ins Haus der ewgen Wonne, da ich stets freuden⸗ voll, gleich als die helle Sonne, nebst andern leuchten soll. 12. Da will ich immer wohnen, und nicht nur als ein Gast, bei denen, die mit Kronen du aus⸗ geschmücket hast; da will ich herr⸗ lich singen von deinem großen Tun und frei von schnöden Din⸗ gen in meinem Erbteil ruhn. Paul Gerhardt g. 1607 4 1676. —* 596. Eigene Melodie. Relt ade, ich bin dein müde, ich will nach dem Himmel zu; da wird sein der rechte Friede und die stolze Seelenruh. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts denn lauter Eitelkeit, in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 2. Wenn ich werde dahin kom⸗ men, bin ich aller Krankheit los und der Traurigkeit entnommen, ruhe sanft in Gottes Schoß. In der Welt ist Angst und Not, endlich gar der bittre Tod; aber dort ist allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 3. Was ist doch der Erde Freude? Nebel, Dampf und Herze⸗ leid; hier auf dieser schwarzen Heide sind die Laster ausgestreut. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts denn lauter Eitelkeit, in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 4. Unaussprechlich schöne sin⸗ get Gottes auserwählte Schar, Heilig, heilig, heilig klinget in dem Himmel immerdar. Welt, bei dir ist Spott und Hohn und ein steter Jammerton; aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. 5. Nichts ist hier denn lauter Weinen, keine Freude bleibet nicht; will uns gleich die Sonne scheinen, so verhemmt die Nacht das Licht. Welt, bei dir ist Angst und Not, Sorgen und der bittre Tod, in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 6. Nun, es wird dennoch ge⸗ schehen, daß ich auch in kurzer Zeit meinen Heiland werde sehen in der großen Herrlichkeit. Denn bei uns ist lauter Not, Müh und Furcht, zuletzt der Tod; aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. 7. O wer nur dahin gelanget, wo jetzund der schöne Chor in 358 vergüldten Kronen pranget und die Stimme schwingt empor! Denn die Welt hat Krieg und Streit, all ihr Tun ist Eitelkeit; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 8. Zeit, wann wirst du doch anbrechen? Stunden, o wann schlaget ihr, drinnen ich mich kann besprechen mit dem Schön⸗ sten für und für? Welt, du hast nur Sturm und Streit, lauter Qual und Traurigkeit; aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. 9. Jetzt will ich mich fertig machen, daß mein Tun vor Gott besteh, daß, wenn alles wird zer⸗ lrachen, es heißt: Komme! und nicht: Geh! Welt, bei dir ist Angstgeschrei, Sorge, Furcht und Heuchelei, in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. Joh. Georg Albinus g. 1624 4 1679. * 507. Eigene Melodie. Ale Menschen müssen sterben, alles Fleisch vergeht wie Heu; was da lebet, muß verderben, soll es anders werden neu. Dieser Leib der muß verwesen, wenn er anders soll genesen zu der großen Herrlichkeit, die den Frommen ist bereit. 2. Drum so will ich dieses Leben, weil es meinem Gott be⸗ liebt, auch ganz willig von mir geben, bin darüber nicht betrübt. Denn in meines Jesu Wunden hab ich schon Erlösung funden, und mein Trost in Todesnot ist des Herren Jesu Tod. Sterbe- und Begräbnislieder. 3. Jesus ist für mich gestorben, und sein Tod ist mein Gewinn, er hat mir das Heil erworben; drum fahr ich mit Freud dahin, hin aus diesem Weltgetümmel in den schönen Gotteshimmel, da ich werde allezeit schauen die Dreieinigkeit. 4. Da wird sein das Freuden⸗ leben, da viel tausend Seelen schon sind mit Himmelsglanz umgeben, dienen Gott vor seinem Thron; da die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. 5. Da die Patriarchen wohnen, die Propheten allzumal; wo auf ihren Ehrenthronen sitzet der zwölf Boten Zahl; wo in so viel tau⸗ send Jahren alle Frommen hin⸗ gefahren; da wir unserm Gott zu Ehrn ewig Halleluja hörn. 6. O Jerusalem, du schöne, ach wie helle glänzest du! Ach wie lieblich Lobgetöne hört man da in sanfter Ruh! O der großen Freud und Wonne, jetzund gehet auf die Sonne, jetzund gehet an der Tag, der kein Ende nehmen mag! 7. Ach ich habe schon erblicket alle diese Herrlichkeit, jetzo werd ich schön geschmücket mit dem wei⸗ ßen Himmelskleid, mit der güldnen Ehrenkrone, stehe da vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die kein Ende nehmen kann. Joh. Rosenmüller geb. 1615 4 1686, 598. Mel. Ich hab mein Sach Gott heimgestellt. Wie fleucht dahin der Menschen Zeit, wie eilet man zur Ewig⸗ leit! Wie wenig denken an die — Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 359 Stund von Herzensgrund, 19 2. Es kann vor Nacht leicht schweigt hievon der träge Mund! anders werden, als es am frühen 2. Das Leben ist gleich wie ein Morgen war; denn weil ich leb Traum, ein nichtger, leerer Wasser⸗Uauf dieser Erden, leb ich in steter schaum; im Augenblick es bald Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt vergeht und nicht besteht, gleichwie durch Christi Blut: Machs nur ihr dieses täglich seht. 3. Nur du, Jehova, bleibest mir das, was du bist, ich traue mit meinem Ende gut! 3. Herr, lehr mich stets mein End bedenken und, wenn ich ein⸗ dir; laß Berg und Hügel fallen stens sterben muß, die Seel in hin, mir ist Gewinn, wenn ich Jesu Wunden senken und ja nicht allein bei Jesu bin. 4. Solang ich in der Hütte wohn, so lehre mich, o Gottes Sohn, gib, daß ich zähle meine Tag und munter wach, daß, eh ich sterb, ich sterben mag. 5. Was hilst die Welt in letzter Not? Lust, Ehr und Reichtum in dem Tod? O Mensch, du läusst dem Schatten zu, bedenk es nu, du lommst sonst nicht zur wahren Ruh. 6. Weg Eitelkeit, der Narren Lust, mir ist das höchste Gut bewußt, das such ich nur, das bleibet mir. O mein Begier, Herr Jesu, zieh mein Herz nach dir! 7. Was wird das sein, wenn ich dich seh und bald vor deinem Throne steh! Du unterdessen lehre mich, daß stetig ich mit klugem Herzen suche dich. Joachim Neander g. 1050 4+ 1680. 599. Eigene Melodie. er weiß, wie nahe mir mein Ende? Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; ach wie ge⸗ schwinde und behende kann kom⸗ men meine Todesnot! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! sparen meine Buß. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich beizeit mein Haus bestellen, daß ich bereit sei für und für und sage frisch in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir! Mein Gott, ich zän durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 5. Mach immer süßer mir den Himmel und immer bittrer mir die Welt, gib, daß mir in dem Weltgetümmel die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 6. Ach Vater, deck all meine Sünde mit dem Verdienste Jesu zu, darein ich mich festgläubig winde; das gibt mir recht er⸗ wünschte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 7. Ich weiß, in Jesu Blut und Wunden hab ich mir recht und wohl gebett; da find ich Trost in Todesstunden und alles, was ich gerne hätt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 360 Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 8. Nichts ist, das mich von Wie soll ich aber wohl und selig Jesu scheide, nichts, es sei Leben sterben, dein Reich ererben? oder Tod; ich leg die Hand in seine Seite und sage: Mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 9. Ich habe Jesum angezogen schon längst in meiner heilgen Tauf; du bist mir auch daher gewogen, hast mich zum Kind ge⸗ nommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 10. Ich habe Christi Leib ge⸗ gessen, ich hab sein Blut getrunken hier; nun kannst du meiner nicht vergessen, ich bleib in ihm und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 11. So komm mein End heut oder morgen, ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt, ich bin und bleib in deinen Sorgen, mit Jesu Blut schön ausgeschmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 12. Ich leb indes in dir ver⸗ gnüget und sterb ohn alle Küm⸗ mernis. Mir gnüget, wie mein Gott es füget; ich glaub und bin des ganz gewiß: Durch deine Gnad und Christi Blut machst dus mit meinem Ende gut. Amilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg⸗ Rudolstadt g. 1637 + 1706. 600. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. Mein Jesus kommt, mein Ster⸗ ben ist vorhanden, ich werde frei von dieses Leibes Banden. 2. Wie du, mein Jesus, bist am Kreuz gestorben und hast da⸗ durch das Leben uns erworben, so laß auf deinen Tod mich auch abscheiden zu deinen Freuden. 3. Und was du noch zuletzt hast ausgesprochen und deines Vaters Herz damit gebrochen, das will ich dir, indem die Augen brechen, getrost nachsprechen: 4. Vergib, o Vater, denen, die mich hassen, die wider mich Neid, Eifer ausgelassen; vergib doch, weil die Feinde nicht verstehen, was sie begehen. 5. Vergib auch mir, o Vater, meine Sünde und was ich jetzt noch Böses an mir finde; ich bin von Fleisch und Blut oft übereilet von dir geteilet. 6. Ich hab, o Jesu, Seele, Leib und Leben in meinem Testament dir übergeben, du wirst die Meinen auch heut oder morgen hier wohl versorgen. 7. Ich übergebe sie zu deinen Handen, behüte sie vor Sünden, Schmach und Schanden; du wirst, o Vater, diesen meinen Willen an mir erfüllen. 8. Drauf wendet sich mein Herz von dieser Erden. Dein Paradies das soll mir eigen werden, dein Paradies, das schöne, das wird heute mir stehn zur Beute 9. Ach Jesu, zeige mir jetzt deine Güte, gib mir ein him⸗ meldringendes Gemüte, daß ich ergreife dort zum Gnadenlohne die schöne Krone Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 361 10. Zwar Hölle, Teufel fangen an zu quälen und streben mir nach meiner armen Seelen, weil ich dein Wort in dieser Sünden⸗ hütten hab überschritten. 11. Ich aber will die Seufzer tiefer fassen: Mein Gott, mein Gott, du wirst mich nicht verlassen, dieweil du selbst von Gott verlassen hingest und mich umfingest. 12. Mein Herze dürstet nach dir und ich ächze, ich seufze nach dem Himmel, ach ich lechze nach dir, nach dir mit großem Durst, ich Armer, du mein Erbarmer! 13. Ach laß mich nicht in meiner Rot versinken, laß mich die Kraft aus deinen Wunden trinken, ich dürste wie ein Hirsch, laß dich erblicken, mich zu erquicken. 14. Jetzt kommt der Trost, mein Herz hat sich gelabet, Jesu, mit deinem Blut bin ich begabet; es ist vollbracht, was übrig ist gewesen, ich bin genesen. 15. Nun ist vollbracht mein Leiden, Kreuz und Jammer; mein schwacher Leib schläft sanft in seiner Kammer und wartet nur, bis Jesus diese Glieder mir gibet wieder. 16. Ich gebe dir den Geist in deine Hände, o Jesu, löse nun des Leibes Bande! Ich bleibe dir, ich sterbe deinem Namen. Jesu, sprich Amen! Michael Hunold g. 1621 4 1672. 60¹. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 1. 5 sterbe täglich, und mein Leben eilt immerfort zum Grabe hin. Wer kann mir einen Bürgen geben, ob ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her; ach wer nur immer fertig wär! 2. Ein Mensch, der sich mit Sünden träget, ist immer reif zu Sarg und Grab; der Apfel, der den Wurm schon heget, fällt endlich unversehens ab. Der alte Bund schließt keinen aus, mein Leib ist auch ein Totenhaus. 3. Es kann vor Abend anders werden, als es am Morgen mit mir war; den einen Fuß hab ich auf Erden, den andern auf der Totenbahr. Ein einzger Schritt ist nur dahin, wo ich der Würmer Speise bin. 4. Es schickt der Tod nicht immer Boten, er kommet oft un⸗ angemeldt und fordert uns ins Land der Toten. Wohl dem, der Haus und Herz bestellt, denn ewig Unglück oder Glück hängt nur an Einem Augenblick. 5. Herr aller Herren, Tod und Leben hast du allein in deiner Hand; wie lange du mir Frist gegeben, das ist und bleibt mir unbekannt. Hilf, daß ich jeden Glockenschlag an meinen Abschied denken mag. 6. Ein einzger Schlag kann alles enden, wenn Fall und Tod beisammen sein. Doch schlage nur mit Vaterhänden und schließ in Christi Tod mich ein, daß, wenn der Leib zu Boden fällt, die Seel an Jesu Kreuz sich hält. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, wenn Auge, Mund und Ohr sich schleußt; drum bet ich bei gesunden Tagen: Herr, 362 Sterbe⸗ und Begräbnislieder. ich befehl dir meinen Geist. Ver⸗ schließen meine Lippen sich, so schreie Jesu Blut für mich. 8. Kann ich nicht segnen mehr die Meinen, so segne du sie, Herr, für mich, und wenn sie bittre Tränen weinen, o Tröster, so erbarme dich und lasse der Ver⸗ laßnen Schrein durch deinen Trost erhörlich sein! 9. Dringt mir der letzte Stoß zum Herzen, so schließe mir den Himmel auf, verkürze mir des Todes Schmerzen und hole mich zu dir hinauf, so wird mein Ab⸗ schied keine Pein, zwar eilig, dennoch selig sein. Benjamin Schmolck g. 1672 + 1737. 602. Eigene Melodie. Maier Lilien jener Freuden sollst du weiden, Seele, schwinge dich empor! Als ein Adler fleug behende! Jesu Hände öffnen schon das Perlentor. 2. Laßt mich gehen, laßt mich laufen zu dem Haufen derer, die des Lammes Thron nebst dem Chor der Seraphinen schon be— dienen mit dem reinsten Jubelton. 3. Löse, erstgeborner Bruder, doch die Ruder meines Schiffleins, laß mich ein in den sichern Frie⸗ denshafen zu den Schafsen, die der Furcht entrücket sein. 4. Nichts soll mir am Herzen kleben, süßes Leben, was die Erde in sich hält. Sollt ich in der Wüste weilen und nicht eilen? Nein, ich eil ins Himmelszelt. 5. Herzensheiland, laß den Glau⸗ ben mir nichts rauben, Glauben, der durch alles dringt. Nach dir sehnt sich meine Seele in der Höhle, bis sie sich von hinnen schwingt. 6. O wie bald kannst du es machen, daß mit Lachen unser Mund erfüllet sei, du kannst durch des Todes Türen träu⸗ mend führen und machst uns auf einmal frei. 7. Du hast Sünd und Straf getragen, Furcht und Zagen muß nun ferne von mir gehn. Tod, dein Stachel liegt danieder, meine Glieder werden fröhlich auferstehn. 8. Gotteslamm, dich will ich loben hier und droben mit der herzlichsten Begier. Du hast dich zum ewgen Leben mir gegeben, hole mich, mein Gott, zu dir! J. Ludw. Konr. Allendorf g. 1693 4 1778. 603. Mel. Nun sich der Tag geendet hat. Ei wie so sanft entschliefest du nach manchem schweren Stand und liegst nun da in süßer Ruh in deines Heilands Hand. 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht von aller Angst und Pein, sein letztes Wort: Es ist voll⸗ bracht, das singt dich lieblich ein. 3. Du läßt dich zur Verwan⸗ delung in dies Gefilde sän mit Hoffnung und Versicherung, viel schöner aufzustehn. 4. Verbirg dich unserm Ange⸗ sicht im kühlen Erdenschoß! Du hast das deine ausgericht, empfängst ein selig Los. 5. Wir wissen, daß der Bräu⸗ tigam, der ewig treue Hirt, dich, sein schon hier geliebtes Lamm, auch dort nicht lassen wird. 6. Er führe seine ganze Herd, die sich zu ihm gesellt und die ihm ist so teur und wert, auch vollends durch die Welt! Nach Gottfr. Neumann g. um 1688 4 1782. 604. Mel. Jesus, meine Zuversicht. I eine Lebenszeit verstreicht, stündlich eil ich zu dem Grabe; wenig Tage sind vielleicht, die ich noch zu leben habe. Denk, o Mensch, an deinen Tod, säume nicht, denn Eins ist not. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst gelebt zu haben. Güter, die du hier er⸗ wirbst, Würden, die dir Menschen gaben, nichts wird dich im Tod erfreun, diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das der wahre Glaube gibt, wird dir deinen Tod versüßen. Dieses Herz, von Gott erneut, ist des Todes Freudigkeit. 4. Daß du dieses Herz er⸗ wirbst, fürchte Gott und bet und wache! Sorge nicht, wie früh du stirbst, deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur, den Tod nicht scheun, lern auch, seiner dich erfreun. 5. Überwind ihn durch Ver⸗ traun, sprich: Ich weiß, an wen ich gläube, und ich weiß, ich werd ihn schaun einst in diesem meinen Leibe. Er, der rief: Es ist vollbracht, nahm dem Tode seine Macht. Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 363 6. Tritt im Geist zum Grab oft hin, siehe dein Gebein ver⸗ senken, sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich selbst bedenken! Lehre du michs jeden Tag, daß ich weiser werden mag. Chr. F. Gellert g. 1715 + 1709. 605. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Geht nun hin und grabt mein Grab, denn ich bin des Wanderns müde, von der Erde scheid ich ab, denn mir ruft des Himmels Friede, denn mir ruft die süße Ruh von den Engeln droben zu. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab; meinen Lauf hab ich vollendet, lege nun den Wander⸗ stab hin, wo alles Irdsche endet, lege selbst mich nun hinein in das Bette sonder Pein. 3. Was soll ich hienieden noch in dem dunklen Tale machen? Denn wie mächtig, stolz und hoch wir auch stellen unsre Sachen, muß es doch wie Sand zergehn, wenn die Winde drüber wehn. 4. Darum, Erde, fahre wohl, laß mich nun in Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist hohl, deine Freuden werden Leiden, deine Schönheit Unbestand, eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn und Mond und liebe Sterne, fahret wohl mit eurer Pracht, denn ich reis in weite Ferne, reise hin zu jenem Glanz, worin ihr erbleichet ganz. 6. Ihr, die nun in Trauren geht, fahret wohl, ihr lieben —E— 364 Sterbe- und Begräbnislieder. Freunde! Was von oben nieder⸗ weht, tröstet froh des Herrn Gemeinde; weint nicht ob dem eitlen Schein, droben nur kann ewig sein. 7. Weinet nicht, daß nun ich will von der Welt den Abschied nehmen, daß ich aus dem Irr⸗ tum will, aus den Schatten, aus den Schemen), aus dem Eitlen, aus dem Nichts hin ins Land des ewgen Lichts. ) Wesenlose Bilder. Pf. 39, 7. 8. Weinet nicht: mein süßes Heil, meinen Heiland hab ich funden und ich habe auch mein Teil in den warmen Herzens⸗ wunden, woraus einst sein from⸗ mes Blut floß der ganzen Welt zugut. 9. Weint nicht: mein Erlöser lebt; hoch vom finstern Erden⸗ staube hell empor die Hoffnung schwebt, und der Himmelsheld, der Glaube, und die ewge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! Ernst Moritz Arndt g. 1769 f 1830. 606. Mel. Christus der ist mein Leben. E Grabe stehn wir stille und säen Tränensaat, des lieben Pilgers Hülle, der ausgepilgert hat. 2. Er ist nun angekommen, wir pilgern noch dahin; er ist nun angenommen, der Tod war ihm Gewinn. 3. Er schaut nun, was wir glauben, er hat nun, was uns fehlt, ihm kann der Feind nichts rauben, der uns versucht und quält. 4. Ihn hat nun als den Sei⸗ nen der Herr dem Leid entrückt, und während wir hier weinen, ist er so hoch beglückt. 5. Er trägt die Lebenskrone und hebt die Palm empor und singt vor Gottes Throne ein Lied im höhern Chor. 6. Wir armen Pilger gehen hier noch im Tal umher, bis wir ihn wiedersehen und selig sind wie er. K. J. Phil. Spitta g. 1801 + 1839 Siehe auch Nr. 432 bis 436. Beim Tode der Ehefrau. 607. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. ch Gott, ich muß in Traurigkeit emein Leben nun beschließen, dieweil der Tod von meiner Seit so eilends hat gerissen mein treues Herz, der Tugend Schein, des muß ich jetzt beraubet sein. Wer kann mein Elend wenden? 2. Wenn ich an ihre Freund⸗ lichkeit gedenk in meinem Herzen, die sie mir hat zu jeder Zeit in Freud und auch in Schmerzen erwiesen ganz beständiglich, mein Kreuz und Weinen mehret sich, vor Angst möcht ich vergehen. 3. Bei wem soll ich auf dieser Welt rechtschaffne Liebe sinden! Der meiste Teil nicht Glauben hält, die Treu will gar der⸗ schwinden. Ich glaub und red es ohne Scheu: Die best ist doc getraute Treu, die muß ich jehi entraten. 4. Fürwahr mir geht ein schar⸗ jes Schwert jetzund durch meine muß ann ind⸗ zen, in rzen lein sich eser en? ben er⸗ red och eht Seele, die abzuscheiden oft begehrt aus ihres Leibes Höhle. Wo du nicht, Herre Jesu Christ, in solchem Kreuz mein Tröster bist, muß ich in Leid verzagen. 5. O treugeliebtes, selges Herz, zu dir will ich mich wenden in diesem meinem großen Schmerz, ob sich mein Angst möcht wenden. Ich will betrachten deinen Stand, wie Gott dir alles Kreuz gewandt in höchste Freud und Wonne. 6. Kein Angst, kein Trübsal, Weh und Not kann dich jetzund verletzen; im Himmel tut der fromme Gott mit Liebe dich er⸗ getzen. Die Seele schaut mit Lust und Freud die heilige Dreifaltigkeit mit allen Auserwählten. 7. Du kommst nicht wieder her zu mir in dies betrübte Leben, ich aber komm hinauf zu dir. Da werd ich mit dir schweben in höchster Freude, Wonn und Lust, die deine Seele täglich kost, drauf ich mich herzlich freue. 8. O wie mit großer Freudig⸗ keit wolln wir einander kennen! Da wird uns dann zu keiner Zeit der bittre Tod mehr trennen. Ach welche Freude wird dann sein, wenn ich die, die ich jetzt bewein, mit Freude werd um⸗ sangen! 9. Dies will ich stets in mei⸗ nem Leid mir zu Gemüte führen, erwarten in Geduld die Zeit, wie Christen will gebühren. Gott alles Trostes steh bei mir und mich durch seinen Geist regier zu seines Namens Ehre! Joh. Heermann 9. 1585 + 1647. Sterbe⸗ und Begräbnislieder. Tod und Begräbnis von Kindern. 608. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. (Hert Lob, die Stund ist kommen, da ich werd aufgenommen ins schöne Paradeis. Ihr Eltern dürft nicht klagen, mit Freude sollt ihr sagen: Dem Höchsten sei Lob, Ehr und Preis! 2. Kurz ist mein irdisch Leben, ein bessers wird mir geben Gott in der Ewigkeit. Da werd ich nicht mehr sterben, in keiner Not verderben, mein Leben wird sein lauter Freud. 3. Gott eilet mit den Seinen, läßt sie nicht lange weinen in diesem Tränental. Ein schnell und selig Sterben ist schnell und glücklich erben des schönen Him⸗ mels Ehrensaal. 4. Wie öfters wird verführet manch Kind, an dem man spüret rechtschaffne Frömmigkeit! Die Welt voll List und Tücke legt heimlich ihre Stricke, bei Tag und Nacht, zu jeder Zeit. 5. Ihr Netze mag sie stellen, mich wird sie nun nicht fällen, sie wird mir tun kein Leid. Denn wer kann den verletzen, den Christus jetzt wird setzen ins Schloß vollkommner Sicherheit? 6. Zuvor bracht ich euch Freude, jetzt, nun ich von euch scheide, betrübt sich euer Herz. Doch wenn ihrs recht betrachtet und was Gott tut, hoch achtet, wird sich bald lindern aller Schmerz. 366 Sterbe- und Begräbnislieder. 7. Gott zählet alle Stunden, er schlägt und heilet Wunden, er kennet jedermann. Nichts ist jemals geschehen, das er nicht vorgesehen, und was er tut, ist wohlgetan. 8. Wenn ihr mich werdet fin⸗ den vor Gott, frei aller Sünden, in weißer Seide stehn und tragen Siegespalmen in Händen und mit Psalmen des Herren Lob und Ruhm erhöhn, 9. Da werdet ihr euch freuen, es wird euch herzlich reuen, daß ihr euch so betrübt. Wohl dem, der Gottes Willen gedenket zu erfüllen und ihm sich in Geduld ergibt. 10. Ade, nun seid gesegnet! Was jetzund euch begegnet, ist andern auch geschehn, viel müs⸗ sens noch erfahren. Nun, Gott woll euch bewahren! Dort wollen wir uns wiedersehn. Joh. Heermann g. 1585 + 1647. 609. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. Nin lieg ich armes Würmelein und ruh in meinem Kämmer⸗ lein, ich bin durch einen sanften Tod entgangen aller Angst und Not. 2. Was schadet mirs, daß mein Gebein muß in das Grab ver⸗ scharret sein? Mein Seele schwebet ohne Leid in Himmelsglanz und Herrlichkeit. 3. In solchem Schmuck, in solcher Zier prang ich vor Gottes Thron allhier; mein Jesus ist all meine Lust, mein Labsal, meine 4. Was frag ich nun nach jener Welt? Mein Jesus hier mich küßt und hält, in ihm er⸗ freu ich mich allein, ohn ihn kann ich nicht fröhlich sein. 5. Mit Weinen war ich erst geborn, zum Jauchzen bin ich aus⸗ erkorn; ich singe mit der Engel⸗ schar das ewig neue Jubeljahr. 6. Nichts Liebers meine Zunge singt, nichts reiner meinen Ohren klingt, nichts Süßers meinem Herzen ist, als mein herzliebster Jesus Christ. 7. Drum, liebe Eltern, höret auf, zu klagen meinen kurzen Lauf, ich bin vollkommen wor⸗ den bald; wer selig stirbt, ist gnugsam alt. 8. Drum legt die Hand auf euren Mund und seht auf Gott, der euch verwundt, der euch zu heilen ist bereit, wenns dienel eurer Seligkeit. 9. An jenem Tag wir werden gehn, da vor Gott Groß und Kleine stehn, zur himmelischen Christtagsfreud mit höchster Ehr und Herrlichkeit. Mich. Schirmer g. 1606 4 1678. * 610. Mel. Ermuntre dich, mein schwacher Geist. D² bist zwar mein und bleibest mein,(wer will mir anders sagen?) doch bist du nicht nur mein allein, der Herr von ewgen Tagen der hat das meiste Recht an dir, der fordert und erhebt von mir dich, o mein Sohn, mein Wille, mein Herz und beste Kost. Wunsches Fülle. 2. Ach gält es wünschen, wollt ich dich, du Sternlein meiner Seelen, vor allem Weltgut willig⸗ lich mir wünschen und erwählen. Ich wollte sagen: Bleib bei mir, du sollst sein meines Hauses Zier, an dir will ich mein Lieben bis in mein Sterben üben. So sagt mein Herz und meint es gut, Gott aber meints noch besser. Groß ist die Lieb in meinem Mut, in Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr, Gott ist der Väter Haupt und Ehr, ein Quell, da Alt und Jungen in aller Welt entsprungen. 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn, und der mir ihn gegeben, will, daß er nah an seinem Thron im Himmel solle leben. Ich sprech: Ach weh, mein Licht ver⸗ schwindt, Gott spricht: Willkomm, du liebes Kind, dich will ich bei mir haben und ewig reichlich laben. 5. O süßer Rat, o schönes Wort und heilger, als wir den⸗ ken! Bei Gott ist ja kein böser Ort, kein Unglück und kein Kränken, kein Angst, kein Man⸗ gel, kein Versehn, bei Gott kann keinem Leid geschehn; wen Gott versorgt und liebet, wird nim⸗ mermehr betrübet. 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht die Unsrigen zu zieren; wir gehn und sorgen Tag und Racht, wie wir sie wollen führen in einen feinen, selgen Stand, und ist doch selten so bewandt mit dem, wohin sie kommen, als wirs uns vorgenommen. Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 367 7. Wie manches junges, from⸗ mes Blut wird jämmerlich ver⸗ führet durch bös Exempel, daß es tut, was Christen nicht ge⸗ bühret. Da hats denn Gottes Zorn zu Lohn, auf Erden nichts als Spott und Hohn, der Vater muß mit Grämen sich seines Kindes schämen. 8. Ein solches darf ich ja nun nicht an meinem Sohn erwarten; der steht vor Gottes Angesicht und geht in Christi Garten, hat Freude, die ihn recht erfreut, und ruht von allem Herzeleid; er sieht und hört die Scharen, die uns allhier bewahren. 9. Er sieht und hört der Engel Mund, sein Mündlein hilft selbst singen; weiß alle Weisheit aus dem Grund und redt von solchen Dingen, die unser keiner noch nicht weiß, die auch durch unsern Fleiß und Schweiß wir, weil wir sind auf Erden, nicht ausstudieren werden. 10. Ach sollt ich doch von ferne stehn und nur ein wenig hören, wenn deine Sinne sich erhöhn und Gottes Namen ehren, der heilig, heilig, heilig ist, durch den du auch geheiligt bist: ich weiß, ich würde müssen vor Freude Tränen gießen; 11. Ich würde sprechen: Bleib allhier, nun will ich nicht mehr klagen: Ach mein Sohn, wärst du noch bei mir! nein, sondern: Komm, du Wagen Elias, hole mich geschwind und bring mich dahin, da mein Kind und sof viel liebe Seelen so schöne Ding erzählen! 368 Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 12. Nun es sei ja und bleib also, ich will dich nicht mehr weinen; du lebst und bist von Herzen froh, siehst lauter Sonnen scheinen, die Sonnen ewger Freud und Ruh; hier leb und bleib nun immerzu, ich will, wills Gott, mit andern auch bald hinüber wandern. Paul Gerhardt g. 1607 f 1676. 61¹. Mel. Herzlich tut mich verlangen. Se hab ich obgesieget, mein Lauf ist nun vollbracht, ich bin gar wohl vergnüget, zu tausend guter Nacht! Ihr aber, meine Lieben, tut nicht so ängstiglich! Was wollt ihr euch betrüben? Stehts doch sehr gut um mich. 2. Denkt, Vater, wie viel Sor⸗ gen, wie manche wache Nacht, wie manchen düstern Morgen ein liebes Kind oft macht. Was ihm kann widerfahren, das fürchtet, wer es liebt. Den Kummer könnt ihr sparen, drum seid nicht so betrübt. 3. Ach Mutter, laßt die Zähren, stellt euer Klagen ein, des Höchsten sein Begehren das muß erfüllet sein. Warum ihr jetzo weinet und gar zu kläglich tut, das ist sehr wohl gemeinet: Gott machet alles gut. 4. Die Freude, die sich reget bei einem Wandersmann, wenn er die Reis hinleget und kommet glücklich an; die Freude, die empfindet ein Schiffer, wenn sich schier ein sichrer Hafen findet, die spür ich jetzt bei mir. 5. Fahr hin, o Angst und Schmerzen, fahr immer, immer hin! Ich freue mich von Her⸗ zen, daß ich erlöset bin. Ich leb in tausend Freuden in meines Schöpfers Hand; da trifft und rührt kein Leiden, so dieser Welt bekannt. 6. Schmückt meinen Sarg mit Kränzen, wie sonst ein Siegs⸗ mann prangt. Aus jenem Him⸗ melslenzen hat meine Seel er⸗ langt die ewig grüne Krone; die werte Siegespracht rührt her von Gottes Sohne, der hat mich so bedacht. 7. Doch netzet ihr die Wangen, ihr Eltern, über mir, euch hat das Leid umfangen, das Herze bricht euch schier; des Vaters treue Liebe sieht sehnlich in mein Grab, die Mutter stehet trübe und kehrt die Augen ab. 8. Ich war euch nur geliehen auf eine kurze Zeit, will Gott mich zu sich ziehen, so werfet hin das Leid und sprecht: Gott hats gegeben, Gott, nimms, du hast das Recht, bei dir steht Tod und Leben, der Mensch ist Gottes Knecht. 9. Daß ihr mein Grab müßt sehen, zeigt unsern schwachen Stand; daß es sobald geschehen, tut Gottes Vaterhand. Gott wird das Leid euch stillen; ich sterbe nicht zu jung, wer stirbt nach Gottes Willen, der ssirbi schon alt genung. (Nachruf der Betrübten.) 10. Fahr wohl, o liebe Seele, genieß der süßen Lust! Uns in der Trauerhöhle ist nichts hievon bewußt. Wann wird doch ange⸗ at —=——— er S „ B F.eee—.‚5p5 ttes üßt hen hen, Bott ich irbt rbt langen desselben Tages Schein, daß du uns wirst empfangen? O möcht er heute sein! Gottfr. Wilh. Sacer g. 1635 + 1699. * 61². Eigene Melodie. Zeuch hin, mein Kind, denn Gott selbst fordert dich aus dieser argen Welt. Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich, doch weil es Gott gefällt, so unterlaß ich alles Klagen und will mit stillem Geiste sagen: Zeuch hin, mein Kind! 2. Zeuch hin, mein Kind, der Schöpfer hat dich mir nur in der Welt geliehn. Die Zeit ist aus, darum befiehlt er dir jetzt wieder fortzuziehn. Zeuch hin, Gott hat es so versehen, was dieser will, das muß geschehen Zeuch hin, mein Kind! 3. Zeuch hin, mein Kind, im Himmel findest du, was dir die Welt versagt; denn nur bei Gott ist wahrer Trost und Ruh, da wird lein Schmerz erfragt. Hier müssen wir in Angsten schweben, dort kannst du ewig fröhlich leben. Zeuch hin, mein Kind! 4. Zeuch hin, mein Kind, hin⸗ auf in Gottes Schul, da Gott selbst Lehrer ist, da lauter Lust, da du vor Gottes Stuhl beim Chor der Engel bist. Da kannst du deinem Jesu singen, die Him⸗ melslieder lassen klingen. Zeuch hin, mein Kind! Sterbe⸗ und Begräbnislieder. 5. Zeuch hin, mein Kind, wir folgen alle nach, so bald es Gott befiehlt. Du eilest fort, eh sich das Ungemach in deine Jahre spielt. Wer lange lebt, steckt lang im Leide, wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude. Zeuch hin, mein Kind! 6. Zeuch hin, mein Kind, die Engel warten schon auf deinen frommen Geist. Du siehest auch, wie Gottes lieber Sohn dir schon die Krone weist. Nun wohl, dein Seele ist entbunden, du hast im Herren überwunden Zeuch hin, mein Kind! Gottfr. Hoffmann g. 1658 1 1712. 613. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. Renn kleine Himmelserben in ihrer Unschuld sterben, so büßt man sie nicht ein, sie werden nur dort oben vom Vater aufge⸗ hoben, damit sie unverloren sein. 2. Sie sind ja in der Taufe zu ihrem Christenlaufe für Chri⸗ stum eingeweiht und noch bei Gott in Gnaden; was sollt es ihnen schaden, daß Jesus sie zu sich entbeut? 3. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbl nicht zu geschwinde. Zeuch hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen und bleibest bei den Schafen, die ewig unsers Jesu sind. Johann Andreas Rothe g. 1688 T 1758. 370 XXVII. Lieder von der Auferstehung. 6¹⁴. Eigene Melodie. Tefus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben. Dieses weiß ich; soll ich nicht darum mich zufrieden geben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er mein Heiland, lebt, ich werd auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm ver⸗ bunden, meine starke Glaubens⸗ hand wird in ihm gelegt befunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher auch einmal zu Asche wer⸗ den; das gesteh ich, doch wird er mich erwecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit um ihn sein mög allezeit. 5. Dieser meiner Augen Licht wird ihn, meinen Heiland, ken⸗ nen, ich, ich selbst, kein Fremder nicht, werd in seiner Liebe bren⸗ nen; nur die Schwachheit um und an wird von mir sein abgetan. 6. Was hie kranket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herr⸗ lich gehen; irdisch werd ich aus⸗ gesät, himmlisch werd ich auf⸗ erstehen; hie geh ich natürlich ein, dort da werd ich geistlich sein. 7. Seid getrost und hoch er⸗ freut, Jesus trägt euch, meine Glieder! Gebt nicht statt der Traurigkeit! Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, wann die letzt Posaun erklingt, die auch durch die Gräber dringt. 8. Lacht der finstern Erden⸗ kluft, lacht des Todes und der Höllen, denn ihr sollt euch durch die Luft eurem Heiland zuge⸗ sellen.“) Dann wird Schwachheit und Verdruß liegen unter eurem Fuß. 1 Thess. 4, 17. 9. Nur daß ihr den Geist er⸗ hebt von den Lüsten dieser Erden und euch dem schon jetzt ergebt, dem ihr beigefügt wollt werden. Schickt das Herze da hinein, wo ihr ewig wünscht zu sein. Luise Henriette, Kurfürstin von Branden⸗ burg(7) g. 1627 + 1667. 61⁵. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. E mag dies Haus, das aus der Erden, nur immerhin zer⸗ brochen werden, ein andres Haus wird uns erbaut. Gott selbst will diesen Bau vollführen, mit ewger Himmelsklarheit zieren, dran man nichts Unvollkommnes schaut. Hin⸗ weg, was irdisch heißt! Mein Herz und ganzer Geist fleugt von hinnen, ergreift dies Wort und ist schon dort an jenem selgen Freudenort. 2. Da wird kein Vorhang an⸗ getroffen, das Allerheiligste steht offen; o seligste Zufriedenheit! SE 28 iden⸗ mme. aus zer⸗ aus will vger nan hin⸗ tein von und lgen an⸗ teht eit! Hier, wo sich Fried und Freude küssen, gibt süße Wonne zu ge⸗ nießen die heiligste Dreieinigkeit. Es naht uns freundlich hier der Engel schöne Zier, alle Frommen umfassen sich recht brüderlich; o Herz und Seele, freue dich! 3. Hier ist nur lauter Licht und Freude, hier kleidet uns nur weiße Seide der allerreinsten Hei⸗ ligkeit; wir tragen lauter güldne Kronen, wir sitzen hier auf güld⸗ nen Thronen, hier wechselt sich gar keine Zeit. Hör auf, mein blöder Sinn, wo willst du endlich hin? Siülle, stille! Geh ruhig ein, wo Gott allein wird alles und in allem sein. Jalob Baumgarten g. 1668 + 1722. 616. Mel. Was Gott tut, das ist wohlgetan. IE freue mich der frohen Zeit, da ich soll auferstehen und Gott in schönster Herrlichkeit und meinen Heiland sehen, da ich soll sein in der Gemein der auser⸗ wählten Frommen und zu den Vätern kommen. 2. Ach käme bald der Tag her⸗ an, der Tag, dran mein Erlösung, der Tag, an dem ich hoffen kann die Freiheit und Genesung; da Engeln gleich im Engelreich ich werd ein Leben haben, wo Loben, Lieben, Laben. 3. Ich weiß durch meinen Je⸗ sum Christ, an den ich herzlich gläube, der meine Auferstehung Lieder von der Auferstehung. 371 ist, daß ich im Tod nicht bleibe, und dieser Tag mir nicht sein mag ein Tag der Schmach und Schmerzen, wie den verruchten Herzen. 4. Ich hoffe dann den Gnaden⸗ lohn durch Christum zu erlangen und vor des Allerhöchsten Thron im schönsten Schmuck zu prangen. Komm, süße Zeit! Herr, mich bereit, daß sie mich mög erquicken und ewiglich beglücken. Peter Busch g. 1682 1 1744. 61⁷. Eigene Melodie. Kujerstehn, ja auferstehn wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh. Unsterblichs Leben wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! 2. Wieder aufzublühn werd ich gesät. Der Herr der Ernte geht und sammelt Garben uns ein, uns ein, die starben. Halleluja! 3. Tag des Danks, der Freu⸗ dentränen Tag, du meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe genug geschlummert habe, erweckst du mich. 4. Wie den Träumenden wirds dann uns sein. Mit Jesu gehn wir ein zu seinen Freuden. Der müden Pilger Leiden sind dann nicht mehr. 5. Ach ins Allerheiligste führt mich mein Mittler dann. Lebt ich im Heiligtume zu seines Namens Ruhme! Halleluja! Fr. Gottl. Klopstock g. 124 4 1803. 24* 372 XXVIII. Lieder vom Gerichte. 618. Eigene Melodie. Caa des Zorns, o Tag voll Grauen, da die Welt den Herrn soll schauen nach dem Wort, dem wir vertrauen! 2. Zittern in der Erde Grün⸗ den wird des Richters Nahn ver⸗ künden, der die Herzen will er⸗ gründen. 3. Wunderbar Posaunenhallen wird durch jedes Grab erschallen, auf, zum Throne! rufend allen. 4. Erd und Tod wird sehn mit Beben das Geschöpf der Gruft entschweben, Antwort seinem Herrn zu geben. 5. Und ein Buch wird sich ent⸗ falten, drin die Schuld der Welt enthalten, über die Gericht zu halten. 6. Wenn er nun sitzt auf dem Throne, kommt alsbald vor Gottes Sohne alles zu verdientem Lohne. 7. Was soll dann ich Armer sagen? wer mich zu vertreten wagen, wo selbst die Gerechten zagen? 8. Furchtbar hoch erhabner Rönig, Quell der Liebe, Heiland gnädig, mach du mich der Sün⸗ den ledig! 9. Jesu, deiner Lieb gedenke, daß du für mich kamst, bedenke, darum einst mir Gnade schenke! 10. Bist voll Schmerz mich suchen gangen, hast für mich am Kreuz gehangen, nicht umsonst ser Tod und Bangen. 11 Richter der gerechten Rache, deiner Huld mich teilhaft mache, eh der Tag des Zorns erwache. 12. Gleich Verworfnen fühl ich Bangen, Schuld macht glühen meine Wangen; mein Gebet laß Gnad erlangen! 13. Du, der lossprach einst Marien und dem Schächer hast verziehen, hast auch Hoffnung mir verliehen. 14. Gar unwürdig ist mein Flehen, laß du, Heiland, Gnad mich sehen, nicht ins ewge Feuer gehen! 15. Von den Böcken wollst mich scheiden, zu den Schafen mich geleiten, stelln zu deiner rechten Seiten. 16. Ruf, wenn in die ewgen Flammen sinken, die du willst verdammen, mit den Deinen mich zusammen! 17. Sieh, nach dir streck ich die Hände, zum Zerknirschten, Herr, dich wende, o gib mir ein selges Ende! 18. Tag voll Tränen, wo mit Grauen Gott die Kreatur soll schauen, auferstehend aus dem Grabe! Nimm die Schuld, Herr, allen abe! Frommer Jesu, Hei⸗ land du, schenke alln die ewge Ruh! Aus dem Lateinischen des Thomas von Celands um 1280: Dies irae, dies iIla. übersetzung von Bunsen. 619. Eigene Melodie. Wacht auf, ihr Christen alle, wacht auf und seid bereit in diesem Jammertale, wacht auf, es ist schon Zeit! Der Herr wird nun bald kommen und zum Gerichte gehn, die Sünd'r wird er verdammen; wer wird vor ihm bestehn? 2. Geld, Gut kann da nicht raten, es hilft nicht hoher Mut, du mußt es kurz verlassen, wenn kommt der bittre Tod. Vist du gleich schön von Farben, bist du gleich jung und reich, Gott kann dich bald verderben im Augenblick der Zeit. 3. Darum ihr Christen alle, die hier beisammen seid, laßt euxren Hochmut fallen und wartet auf die Zeit! Wollt ihr bei Jesu leben, so sucht das ewge Gut, er wirds euch reichlich geben und helfen aus der Not. 4. Gotts Wort ist uns gegeben aus groß'r Barmherzigkeit, daß wir darnach solln leben und machen uns bereit. So laßt uns das nun fassen und halten fest daran; wolln wir das nun verlassen, so ists mit uns getan. 5. Ach wär der nicht geboren, der Gottes Wort veracht! Es ist mit ihm verloren, er wandert ganz in Nacht, voll Laster und voll Schande und spottet mit Gotts Wort; o weh, die Höllenbande erwarten ihn schon dort. 6. Der Armen Not und Grämen laßt euch zu Herzen gehn, daß Lieder vom Gerichte. sie euch nicht beschämen, wenn 373 ihr vor G'richt sollt stehn. Denn wer den Armen gibet, erlangt den Gnadenlohn; den, der sie hier betrübet, verdammt einst Gottes Sohn. 1545. Nach dem hannov. Gsb. 1648. 620. Eigene Melodie. Es ist gewißlich an der Zeit, daß Gottes Sohn wird kom⸗ men in seiner großen Herrlichkeit, zu richten Bös und Fromme. Da wird das Lachen werden teur, wenn alles wird vergehn im Feur, wie Petrus“) davon schreibet. ) 2 Petri 8, 7. 2. Posaunen wird man hören gehn an aller Welten Ende, darauf bald werden auferstehn all Toten gar behende; die aber noch das Leben habn, die wird der Herr von Stunde an verwandeln und verneuen. 3. Darnach wird man ablesen bald ein Buch, darin geschrieben, was alle Menschen, jung und alt auf Erden habn getrieben; da denn gewiß ein jedermann wird hören, was er hat getan in seinem ganzen Leben. 4. O weh demselben, welcher hat des Herren Wort verachtet und nur auf Erden früh und spat nach großem Gut getrachtet! Er wird fürwahr gar schlecht bestehn und mit dem Satan müssen gehn von Christo in die Hölle. 5. O Jesu, hilf zur selben Zeit von wegen deiner Wunden, daß ich im Buch der Seligkeit werd angezeichnet funden. Daran ich denn auch zweifle nicht, denn du 37⁴4 Lieder vom ewigen Leben. hast ja den Feind gericht und meine Schuld bezahlet. 6. Derhalben mein Fürsprecher sei, wenn du nun wirst erscheinen, und lies mich aus dem Buche frei, darinnen stehn die Deinen; auf daß ich samt den Brüdern mein mit mir geh in den Himmel ein, den du uns hast erworben. 7. O Jesu Christ, du machst es lang mit deinem jüngsten Tage; den Menschen wird auf Erden bang von wegen vieler Plage; komm doch, komm doch, du Richter groß, und mach uns bald in Gnaden los von allem übel! Amen. Barthol. Ringwaldt g. 1539 4 1592. Nach dem Lateinischen Dios irae, dies illa. 621. Ev. Matth. 25. Eigene Melodie. Rachet auf! ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde; sie rusen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jung⸗ frauen? Wohlauf, der Bräutgam kömmt, steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit, ihr müssen ihm entgegengehn! 2. Zion hört die Wächter sin⸗ gen, das Herz tut ihr vor Freude springen, sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnade stark, von Wahrheit mächtig, ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werte Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Ho⸗ sianna! Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl. 3. Gloria sei dir gesungen mit Menschen- und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Cymbeln schön! Von zwölf Perlen sind die Tore an deiner Stadt; wir stehn im Chore der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je gesehn, kein Ohr hat je gehört solche Freude. Drum jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für. Philipp Nicolai g. 1556 + 1608. XXIX. Lieder vom ewigen Leben. 622. Eigene Melodie. 4 weiß ein lieblich Engelspiel, A da ist alls Leid zergangen; im Himmelreich ist Freude viel ohn Endesziel, dahin soll uns ver⸗ langen. 2. Weil uns Gott durch die Gnade sein wollt lieblich dahin weisen, so steh auf, edle Seele mein, tracht da hinein, sein Lob sollst immer preisen. 3. Der Winter kalt, der Süͤn⸗ den Zeit die haben bald ein Endez kehr dich zu Gott, der dir verzeiht;; SIIIIIIIcD‚t darum ihn bitt mit Herzen und mit Händen! 4. Schlaf oder wach, lieg oder geh, so steh allzeit in Sorgen, bitt Gott, daß er dir gebe Reu all Tage neu den Abend und den Morgen. 5. Aus Herzen tief andächtiglich sollst du mit Reue sprechen: Ach reicher Gott vom Himmelreich, nun wollst du dich an meiner Sünd nicht rächen! 6. Ich weiß, daß Gott ist also gut, daß er dir Gnad will geben, kehrst du von Sünden deinen Mut. Wer also tut, der kommt ins ewge Leben. Nach Heinrich v. Loufenberg 4 1455. 623. Mel. Valet will ich dir geben. Der Bräutgam wird bald rufen: Kommt all, ihr Hochzeitgäst! Hilf Gott, daß wir nicht schlafen, in Sünden schlummern fest, bald habn in unsern Händen die Lampen, Ol und Licht und uns nicht müssen wenden von deinem Angesicht. 2. Da werden wir mit Freu⸗ den den Heiland schauen an, der durch sein Blut und Leiden den Himmel aufgetan, die lieben Patriarchen, Propheten allzumal, die Märtrer und Apostel bei ihm in großer Zahl. 3. Die werden uns annehmen als ihre Brüderlein, sich unser gar nicht schämen, uns mengen mitten ein. Wir werden alle teten zur Rechten Jesu Christ, als unsern Gott anbeten, der unsers Fleisches ist. Lieder vom ewigen Leben. 37⁵ 4. Gott wird sich zu uns keh⸗ ren, ein'm jeden setzen auf ein güldne Kron der Ehren und herzen freundlich drauf, wird uns an sein Brust drücken aus Lieb ganz väterlich, an Leib und Seel uns schmücken mit Gaben mildiglich. 5. Da wird man hören klingen das rechte Saitenspiel, die Musik⸗ kunst wird bringen in Gott der Freuden viel, die Engel werden singen, all Heilgen Gotts zugleich, mit himmelischen Zungen ewig in Gottes Reich. 6. Er wird uns fröhlich leiten ins ewge Paradeis, die Hochzeit zubereiten zu seinem Lob und Preis; da wird sein Freud und Wonne in rechter Lieb und Treu aus Gottes Schatz und Bronne und ewig werden neu. 7. Also wird Gott erlösen uns gar von aller Not, vom Teufel, allem Bösen, von Trübsal, Angst und Spott, von Trauren, Weh und Klagen, von Krankheit, Schmerz und Leid, von Schwer⸗ mut, Sorg und Zagen, von aller bösen Zeit. Nach Johann Walther g. 1493 4 1570. 624. Eigene Melodie. Teruselem du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnlich Herz so groß Ver⸗ langen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Tale, weit über blaches Feld schwingt es sich über alle und eilt aus dieser Welt. 2. O schöner Tag und noch viel schönre Stund, wann wirst du kommen schier, da ich mit Lust, mit freiem Freudenmund die Seele geb von mir in Gottes treue Hände zum auserwählten Pfand, daß sie mit Heil anlände in jenem Vaterland? 3. Im Augenblick wird sie er⸗ heben sich bis an das Firmament, wenn sie verläßt so sanft, so wunderlich die Stätt der Element, fährt auf Elias Wagen mit heil⸗ ger Engelschar, die sie in Händen tragen, umgeben ganz und gar. 4. O Ehrenburg, sei nun ge⸗ grüßet mir, iu auf der Gnade Pfort! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, eh ich bin kommen fort aus jenem bösen Leben, aus jener Nichtigkeit, und Gott mir hat gegeben das Erb der Ewigkeit. 5. Was für ein Volk, was für ein edle Schar kommt dort ge⸗ zogen schon? Was in der Welt von Auserwählten war, seh ich, die beste Kron, die Jesus mir, der Herre, entgegen hat gesandt, da ich noch war so ferne in meinem Tränenland. 6. Propheten groß und Patri⸗ archen hoch, auch Christen ins⸗ gemein, die weiland dort trugen des Kreuzes Joch und der Ty⸗ rannen Pein, schau ich in Ehren schweben, in Freiheit überall, mit Klarheit hell umgeben, mit son⸗ nenlichtem Strahl. 7. Wenn dann zuletzt ich an⸗ gelanget bin im schönen Paradeis, von höchster Freud erfüllet wird der Sinn, der Mund von Lob Lieder vom ewigen Leben. und Preis. Das Halleluja reine singt man in Heiligkeit, das Ho⸗ sianna feine ohn End in Ewigkeit, 8. Mit Jubelklang, mit In⸗ strumenten schön, mit Chören ohne Zahl, daß von dem Schall und von dem süßen Ton sich regi der Freudensaal, mit hundert tausend Zungen, mit Stimmen noch viel mehr, wie von Anfang gesungen das große Himmelsheer. Joh. Matth. Meyfart g. 1590 4 1612. 62⁵. Eigene Melodie. 0 wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen aller Not, die uns noch hält gefangen. 2. Muß man doch hier wie im Kerker leben, da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; was wir hie kennen, ist nur Müh und Herzeleid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in eurer Kammer sicher und befreit von allem Jammer, kein Kreuz und Leiden ist euch hinderlich in euren Freuden. 4. Christus wischet ab euch alle Tränen, ihr habt schon, wonach wir uns erst sehnen, euch wird gesungen, was durch keines Ohr allhie gedrungen. 5. Ach wer wollte denn nicht gerne sterben und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt hier bleiben, sich den Jam⸗ mer länger lassen treiben? 6. Komm, o Christe, komm, uns auszuspannen, lös uns auf und führ uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, ist der from⸗ men Seelen Freud und Wonne. Simon Dach g. 1605 + 1659. 626. Eigene Melodie. ◻ Ewigleit, du Donnerwort, o Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, ich weiß vor großer Trau⸗ rigkeit nicht, wo ich mich hin⸗ wende. Mein ganz erschrocknes Herz erbebt, daß mir die Zung am Gaumen klebt. 2. Kein Unglück ist in aller Welt, das endlich mit der Zeit 00 fällt und ganz wird auf⸗ gehoben; die Ewigkeit nur hat kein Ziel, sie treibet fort und sort ihr Spiel, läßt nimmer ab zu toben, ja wie mein Heiland selber spricht, aus ihr ist kein Erlösung nicht. 3. O Ewigkeit, du machst mir bang, o ewig, ewig ist zu lang, hier gilt fürwahr kein Scherzen. Drum, wenn ich diese lange Nacht zusamt der großen Pein betracht, erschreck ich recht von Herzen; nichts ist zu finden weit und breit o schrecklich als die Ewigkeit. 4. Ach Gott, wie bist du so gerecht, wie strafest du die bösen Knecht so hart im Pfuhl der Schmerzen; auf kurze Sünden dieser Welt hast du so lange Pein bestellt. Ach nimm dies wohl zu Herzen und merk auf dies, o Menschenkind: kurz ist die Zeit, der Tod geschwind. 5. Wach auf, o Mensch, vom Lieder vom ewigen Leben. 377 lornes Schaf, und beßre bald dein Leben! Wach auf, es ist doch hohe Zeit, es kommt heran die Ewigkeit, dir deinen Lohn zu geben. Vielleicht ist heut der letzte Tag: wer weiß doch, wie man sterben mag? 6. O Ebwigkeit, wort, o Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang sonder Ende! O Ebwigkeit, Zeit ohne Zeit, ich weiß vor großer Trau⸗ rigkeit nicht, wo ich mich hin⸗ wende. Nimm du mich, wenn es dir gefällt, Herr Jesu, in dein Freudenzelt! Johann Rist g. 1607 4+ 1667. * 627. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. & Ewigkeit, du Freudenwort, das mich erquicket fort und fort, o Anfang sonder Ende! O Ewig⸗ keit, Freud ohne Leid, ich weiß vor Herzensfröhlichkeit gar nichts mehr vom Elende, das sonst in diesem Leben plagt, weil mir die Ewigkeit behagt. 2. Kein Herrlichkeit ist in der Welt, die endlich mit der Zeit nicht fällt und gänzlich muß ver⸗ gehen; die Ewigkeit nur hat kein Ziel, sie treibet fort und fort ihr Spiel, bleibt unverändert stehen, ja wie der heilge Petrus spricht, ihr Erbe das verwellet nicht.“) ) 1 Petri 1, 4. 3. O Ewigkeit, du währest lang! Wenn mir auf Erden gleich ist bang, weiß ich, daß dies aufhöret. Drum, wenn ich diese lange Zeit erwäge samt du Donner⸗ Sündenschlaf, ermuntre dich, ver⸗ der Seligkeit, die gar nichts mehr 378 Lieder vom ewigen Leben. zerstöret, so acht ich alles Leiden nicht, das kaum den Augenblick anficht. 4. Im Himmel lebt der Chri⸗ sten Schar bei Gott viel tausend⸗ tausend Jahr und werden des nicht müde. Sie stimmen mit den Engeln ein, sie sehen stets der Gottheit Schein, sie haben güldnen Friede, da Christus gibt, wie er verheißt, das Manna, das die Engel speist. 5. Ach wie verlanget doch nach dir mein mattes Herze mit Be⸗ gier, du überselges Leben! Wann werd ich doch einmal dahin ge⸗ langen, wo mein schwacher Sinn stets pfleget nach zu streben! Ich will der Welt vergessen ganz, mich sehnen nach des Himmels Glanz. 6. O Ewigkeit, du Freuden⸗ wort, das mich erquicket fort und sort, o Anfang sonder Ende! O Ebwigkeit, Freud ohne Leid, ich weiß von keiner Traurigkeit, wenn ich mich zu dir wende. Herr Jesu, gib mir solchen Sinn beharrlich, bis ich komm dahin. Kaspar Heunisch g. 1620 + 1690. 6²8. Mel. Da Christus geboren war. Lbe, mein Herz, deinen Gott, der dir hilft aus aller Not, der dir alle Sündenschuld schenkt aus lauter Gnad und Huld, der dir hier Gerechtigkeit, Gnade, Trost und Heiligkeit und dort gibt die Seligkeit. 2. Da ist Leben, Fried und Freud, da ist Ehr und Herrlich⸗ keit, da ist deines Vaters Haus, kein Aug sieht jederzeit, was kein Ohr hört weit und breit, hast du dort in Ewigkeit. 3. Da will dein Gott alles sein, da wird Gott, dein Freuden⸗ schein, Leib und Seel verneuen ganz gleich dem schönen Sonnen⸗ glanz; da ist Gott dein Trost und Schild, der dein Herz mit Freude füllt, weil du bist sein Ebenbild. 4. Dir, Herr, zu Lob, Ehr und Dank will ich meinen Lobgesang fröhlich singen immerdar mit der Auserwählten Schar, wenn mein Leib und Seel erfreut in des Himmels Herrlichkeit wohnen wird in Ewigkeit. Joh. Olearius g. 1611 14 1684. 629. Mel. Valet will ich dir geben. Ermmert euch, ihr Frommen, zeigt eurer Lampen Schein, der Abend ist gekommen, die finstre Nacht bricht ein. Es hat sich aufgemachet der Bräutigam mit Pracht; auf, betet, kämpft und wachet, bald ist es Mitternacht. 2. Macht eure Lampen fertig und füllet sie mit Ol und seid des Heils gewärtig, bereitet Leib und Seel! Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah, begegnet ihm im Reihen und singt Halleluja! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, hebt nun das Haupt empor mit Jauchzen und mit Schalle zum frohen Engelchor! Die Tür ist aufgeschlossen, die Hochzeit ist be⸗ reit; auf, auf, ihr Reichsgenossen, da ist alles Weinen aus; was der Bräutgam ist nicht weit. Lieder vom ewigen Leben. 379 4. Er wird nicht lang verziehen, Freudengarben ein. Gehen wir drum schlafet nicht mehr ein; hier hin und weinen, dorten wird man sieht die Väume blühen, der die Sonne scheinen, dort ist Tag schönste Frühlingsschein verheißt und keine Nacht, wo man nach Erguickungszeiten; die Abendröte den Tränen lacht. uen zeigt den schönen Tag von weiten, 2. Es ist doch um dieses Leben en⸗ vor dem das Dunlkle weicht. nur ein jämmerliches Tun, und rost 5. Begegnet ihm auf Erden, die Not, die uns umgeben, lässet mit ihr, die ihr Zion liebt, mit freu⸗ uns gar selten ruhn. Von dem sein digen Gebärden und seid nicht Abend bis zum Morgen kämpfen mehr betrübt! Es sind die Freu- wir mit lauter Sorgen, und die uind denstunden gekommen, und der überhäufte Not heißet unser täg⸗ ang Braut wird, weil sie überwunden, lich Brot. der die Krone nun vertraut. 3. Ach wer sollte sich nicht ein 6. Die ihr Geduld getragen sehnen, bald in Zion dort zu des und mit gestorben seid, sollt nun stehn und aus diesem Tal der ird nach Kreuz und Klagen in Freude Tränen in den Freudenort zu sonder Leid mit leben und regieren gehn, wo das Kreuze sich in Pal⸗ 084. und vor des Lammes Thron mitmen, unser Klagelied in Psalmen, Jauchzen triumphieren in eurer unsre Last in Lust verkehrt, und Siegeskron. das Jauchzen ewig währt! 7. Hier sind die Siegespalmen, 4. Da wird unser Aug er⸗ len, hier ist das weiße Kleid, hier blicken, was ganz unvergleichlich in, sehn die Weizenhalmen im Frie- ist; da wird unsern Mund er⸗ stre den nach dem Streit und nach quicken, was aus Gottes Herzen x sich den Wintertagen, hier grünen die fließt; da wird unser Ohr nur nit Gebein, die dort der Tod erschlagen, hören, was die Freude kann ver⸗ ind hier schenkt man Freudenwein. mehren; da empfindet unser Herz ö 8. O Jesu, meine Wonne, komm lauter Wohllust ohne Schmerz. lig bald und mach dich auf, geh auf, 5. O wie werden wir so schöne eid verlangte Sonne, und fördre deinen bei der Klarheit Gottes sein! eib Lauf! O Jesu, mach ein Ende Wie wird da das Lobgetöne seiner ⁸ und führ uns aus dem Streit, Engel uns erfreun! Wie wird H, wir heben Haupt und Hände nach unsre Krone glänzen bei so vielen gt der Erlösungszeit. Siegeskränzen, wie wird unser Laurentius Laurenti g. 1660 4 1722. Kleid so rein, heller als die le, Sonne sein! lit 630. 6. Ach wann werd ich dahin m kommen, daß ich Gottes Antlitz ist Mel. 1. Alle Menschen müssen sterben. schau? Werd ich nicht bald auf⸗ ⸗ U wie fröhlich, o wie selig genommen in den schönen Him⸗ n/ werden wir im Himmel sein! melsbau, dessen Grund den Perlen Droben ernten wir unzählig unsre gleichet, dessen Glanz die Sonne 380⁰ Lieder vom ewigen Leben. weichet, dessen wundervolle Pracht alles Gold beschämet macht? 7. Nun, ich sterbe vor Ver-⸗ langen, o du großer Lebensfürst, laß mich bald dahin gelangen, wo du mich recht trösten wirst. Unterdessen laß auf Erden schon mein Herze himmlisch werden, bis mein Los in jener Welt auf das allerschönste fällt. Benjamin Schmolck g. 1672 14 1737. 631. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Hinnelen geht unsre Bahn, 3 wir sind Gäste nur auf Erden, bis wir hin nach Kanaan durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrimstand, droben unser Vaterland. 2. Himmelan schwing dich, mein Geist, denn du bist ein himmlisch Wesen und kannst das, was irdisch heißt, nicht zu deinem Zweck erlesen. Ein von Gott erleuchter Sinn kehrt in seinen Ursprung hin. 3. Himmelan! Die Welt kann dir nur geborgte Güter geben, deine himmlische Begier muß nach solchen Schätzen streben, die uns bleiben, wenn die Welt in ihr erstes Nichts zerfällt. 4. Himmelan! Ich muß mein Herz auch bei meinem Schatze haben, denn es kann mich ander⸗ wärts kein so großer Reichtum laben, weil ich schon im Himmel bin, wenn ich nur gedenk an ihn. 5. Himmelan! ruft er mir zu, ich dieses Wort bewahrt, halt ich eine Himmelfahrt. 6. Himmelan! denk ich allzeit, wenn er mir die Tafel decket, und mein Geist hier allbereit eine Kraft des Himmels schmecket. Nach der Kost im Jammertal folgt des Lammes Hochzeitmahl. 7. Himmelan! Mein Glaube zeigt mir das schöne Los von ferne, daß mein Herz schon auf⸗ wärts steigt über Sonne, Mond und Sterne, denn ihr Licht ist viel zu klein gegen jenen Glanz und Schein. 8. Himmelan wird mich der Tod in die rechte Heimat führen, da ich über alle Not ewig werde triumphieren; Jesus geht mir selbst voran, daß ich freudig folgen kann. 9. Himmelan! ach himmelan! das soll meine Losung bleiben, ich will allen eitlen Wahn durch die Himmelslust vertreiben. Him⸗ melan nur steht mein Sinn, bis ich in dem Himmel bin. Benjamin Schmolck g. 1672 + 1737. 632. Offenb. Joh. 7, 9— 17. Mel. Weicht, ihr Berge, sallt, ihr Hügel. Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schar? Träget jeder eine Krone, glänzen wie die Sterne klar, Halleluja singen all, loben Gott mil hohem Schall. 2. Wer sind die, so Palmen tragen wie ein Sieger in det Hand, welcher seinen Feind ge⸗ wenn ich ihn im Worte höre; das weist mir den Ort der Ruh, wo ich einmal hingehöre. Wenn schlagen, hingestrecket in den Sand! Welcher Streit und welcher Krieg hat gezeuget diesen Sieg? 3. Wer sind die in reiner Seide, welche ist Gerechtigkeit,“) angetan mit weißem Kleide, das bestäubet keine Zeit und veraltet nimmermehr? Wo sind diese lommen her?) Off. 19, 8. 4. Es sind die, so wohl ge⸗ rungen für des großen Gottes Ehr, haben Welt und Tod be⸗ zwungen, folgend nicht dem sünd⸗ gen Heer, die erlanget auf den Sonne Lammes Blut klar! Amen, Lob sei dir bereit, Krieg durch des den Sieg. 5. Es sind die, so viel erlitten, Trübsal, Schmerzen, Angst und Not, im Gebet auch oft gestritten mit dem hochgelobten Gott; nun hat dieser Kampf ein End, Gott hat all ihr Leid gewendt. 6. Es sind Zweige eines Stammes, der uns Huld und Heil gebracht, haben in dem Blut des Lammes ihre Kleider hell ge⸗ macht; sind geschmückt mit Heilig⸗ leit, prangen nun im Ehrenkleid. 7. Es sind die, so stets erschienen hier als Priester vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit zu dienen, Leib und Seel geopfert gern; nunmehr stehn sie all herum vor dem Stuhl im Heiligtum. 8. Dahin streck auch ich die Hände, o Herr Jesu, zu dir aus, mein Gebet ich zu dir wende, der ich noch in deinem Haus hier auf Erden steh im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit! 9. Hilf mir in dem Kampfe siegen wider Sünde, Höll und Welt, laß mich nicht darnieder liegen, wenn ein Sturm mich überfällt. Führe mich aus aller Not, Herr, mein Fels, mein treuer Gott! Lieder vom ewigen 381 Leben. 10. Daß mein Teil sei bei den Frommen, welche, Herr, dir ähnlich sind, und auch ich der Not entnommen als dein dir getreues Kind dann genahet zu dem Thron nehme den verheißnen Lohn. 11. Welches Wort faßt diese Wonne, wenn ich mit der heilgen Schar in dem Strahl der reinen leucht auch wie die Sterne Dank und Preis in Ewigkeit! Heinr. Theobald Scheuck g. 1656 1 1727. * 633. Hebr. 4, 9. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele. E ist noch eine Ruh vorhanden, auf, müdes Herz, und werde licht! Du seufzest hier in deinen Banden, und deine Sonne scheinet nicht. Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden dort wird vor seinem Stuhle weiden, wirf hin die Last und eil herzu! Bald ist der schöne Kampf geendet, bald, bald der saure Lauf vollendet, so gehst du ein zu deiner Ruh. 2. Die Ruhe hat Gott aus⸗ erkoren, die Ruhe, die kein Ende nimmt; es hat, da noch kein Mensch geboren, die Liebe sie uns schon bestimmt. Das Gotteslamm wollt darum sterben, uns diese Ruhe zu erwerben; es ruft, es locket weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr frommen, ver⸗ säumet nicht, heut einzukommen zu meiner Ruhe Lieblichkeit. So kommet denn, ihr mat⸗ ten Seelen, die manche Last und 382 Lieder vom ewigen Leben. Bürde drückt, eilt, eilt aus euren Kummerhöhlen, geht nicht mehr traurig und gebückt! Ihr habt des Tages Last getragen, dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruhstatt sein; ihr seid mein Volk, gezeugt von oben, ob Sünde, Welt und Teufel toben, seid nur getrost und gehet ein! 4. Was mag wohl einen Kran⸗ ken laben und einen müden Wan⸗ dersmann? Wo jener nur ein Bettlein haben und sanfte darauf ruhen kann, wenn dieser sich darf niedersetzen, an einem frischen Trunk ergetzen, wie sind sie beide so vergnügt! Doch dies sind kurze Ruhestunden; es ist noch eine Ruh erfunden, da man auf ewig stille liegt. 5. Da wird man Freuden⸗ garben bringen, denn unsre Trä⸗ nensaat ist aus. O welch ein Jubel wird erklingen und süßer Ton im Vaterhaus! Schmerz, Seufzen, Leid, Tod und derglei⸗ chen wird müssen fliehn und von uns weichen. Wir werden auch das Lamm dort sehn, es wird beim Brünnlein uns erfrischen, die Tränen von den Augen wischen; wer weiß, was sonst noch soll geschehn? 6. Kein Durst noch Hunger wird uns schwächen, denn die Erquickungszeit ist da; die Sonne wird uns nicht mehr stechen, das Lamm ist seinem Volke nah, es will selbst über ihnen wohnen und ihre Treue wohl belohnen mit Licht und Trost, mit Ehr und Preis. Es werden die Gebeine grünen; der große Sabbath ist erschienen, da man von keiner Arbeit weiß. 7. Da ruhen wir und sind im Frieden und leben ewig sorgenlos. Ach fasset dieses Wort, ihr Müden, legt euch dem Lamm in seinen Schoß! Ach Flügel her, wir müssen eilen und uns nicht länger hier verweilen, dort wartet schon die frohe Schar. Fort, fort, mein Geist zum Jubilieren! Begürte dich zum Triumphieren! Auf, auf, es kommt das Ruhejahr! Joh. Sigism. Kunth g. 1700 4 110. 634. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenstern. Rie wird mir dann, o dann mir sein, wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, in ihm ent⸗ schlafen werde, von keiner Sünde mehr entweiht, entladen von der Sterblichleit, nicht mehr der Mensch von Erde! Freu dich, Seele, stärke, tröste dich, Erlöste, mit dem Leben, das dir dann dein Gott wird geben. 2. Ich freue mich und bebe doch: so drückt mich meines Elends Joch, der Fluch der Sünde nieder. Der Herr erleichtert mir mein Joch, es stärkt durch ihn mein Herz sich doch, glaubt und erhebt sich wieder. Jesus Christus, laß mich streben dir zu leben, dir zu sterben, deines Vaters Reich zu erben. 3. Verachte denn des Todes Graun, mein Geist, er ist ein Weg zum Schann, der Weg im finstern Tale. Er sei dir nicht mehr fürchterlich, ins Allerheiligste führt dich der Weg im finstern Tale. Gottes Ruh ist unvergäng⸗ lich, überschwenglich; die Erlösten wird sie unaussprechlich trösten. 4. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, die mich, wenn nun mein Auge bricht, zu deinen Toten sammelt. Vielleicht um⸗ gibt mich ihre Nacht, eh ich dies Flehen noch vollbracht, mein Lob dir ausgestammelt. Vater, Vater, ich befehle meine Seele deinen Händen, jetzo, Vater, deinen Händen. 5. Vielleicht sind meiner Tage viel, ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, an dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, die Hütte meiner Sterblichkeit wird sie erst spät zer⸗ trümmert, laß mich, Vater, gute Taten, gute Taten mich begleiten vor den Thron der Ewigkeiten! 6. Wie wird mir dann, ach dann mir sein, wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, ihn dort anbeten werde, von keiner Sünde mehr entweiht, ein Mit⸗ genoß der Ewigkeit, nicht mehr der Mensch von Erde! Heilig, heilig, heilig singen wir dir, bringen Preis und Ehre dir, der war und sein wird, Ehre! Fr. Gottl. Klopstock g. 1724 1 1803. 635. Mel. Christus der ist mein Leben. Lieder vom ewigen Leben. 2. Wo wir dein Antlitz schauen, da sehn ich mich hinein, da will ich Hütten bauen, denn dort ist gut zu sein. 3. Da werd ich alles sehen, den großen Schöpfungsrat, was durch dein Blut geschehen, und deines Geistes Tat. 4. Da feiern die Gerechten, die ungezählte Schar, mit allen deinen Knechten das große Jubel⸗ jahr. 5. Mit göttlich süßen Weisen wird mein verklärter Mund dich ohne Sünde preisen, du meines Lebens Grund! 6. Da werden meine Tränen ein Meer voll Freude sein. Ach stille bald mein Sehnen und hole mich hinein! E. G. Woltersdorf g. 125 1 1761. V 636. Eigene Melodie. 4 hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt und hätte gerne mein Herz vorausgeschickt und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben. 2. Das war so prächtig, was ich im Geist gesehn; du bist all⸗ mächtig, drum ist dein Licht so schön. Könnt ich an diesen hellen Thronen doch schon von heute an ewig wohnen! 3. Nur ich bin sündig, der Erde noch geneigt; das hat mir bündig dein heilger Geist gezeigt. Ich bin noch nicht genug gereinigt, A wär ich schon dort droben, mein Heiland, wär ich da, wo dich die Scharen loben, und säng Halleluja! noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 4.8. Doch bin ich fröhlich, daß mich kein Bann erschreckt; ich 38⁴4 Lieder vom ewigen Leben. bin schon selig, seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 5. Ich bin zufrieden, daß ich die Stadt gesehn, und ohn Er⸗ müden will ich ihr näher gehn und ihre hellen goldnen Gassen lebenslang nicht aus den Augen lassen. Joh. Tim. Hermes g. 1738 4 1821. 637. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. Her; ich bin dein Eigentum, dein ist auch mein Leben, mir zum Heil und dir zum Ruhm hast du es gegeben. Väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen. 2. Einst kommst du mit großer Kraft zum Gericht auf Erden, und ich soll zur Rechenschaft dann gerufen werden. Dein Gericht schonet nicht, Richter aller Welten; du, du willst vergelten. 3. Weh dann mir in Ewigkeit, wenn ich deine Gabe, meine Kräfte, meine Zeit hier gemiß⸗ braucht habe. Wehe mir, hab ich hier sie nicht treu verwendet, sorglos sie verschwendet. 4. Möchte täglich dein Gericht mir vor Augen schweben, möcht ich immer meiner Pflicht treu zu bleiben streben, daß ich nie töricht sie außer Augen setze, nie sie frech verletze. 5. Lehre mich gewissenhaft meine Tage zählen, eingedenk der Rechenschaft nur was gut ist wählen. Gib, daß ich ernstlich mich täglich und auch heute darauf vorbereite. 6. Zeigt sich erst die Ewigkeit furchtbar in der Nähe, o dann ist es nicht mehr Zeit, daß ich Gnad erflehe. Wenn der Tod schon mir droht, kann ich deinen Willen, Herr, nicht mehr erfüllen. 7. Mein Gewissen strafe mich gleich bei jeder Sünde, daß ich, Mittler, bald durch dich Gnade such und finde. Rufe du dann mir zu: Such in mir dein Leben, dann ist dir vergeben. 8. Einst am Tage des Gerichts werd ich mit den Frommen zu dem Anschaun deines Lichts gnädig aufgenommen. Wonnevoll, Jesu, soll dich im höhern Leben dann mein Dank erheben. Balthasar Münter g. 1735 4 1793. Nach Bayr. Gib. 638. Eigene Melodie. Hinmelan⸗ nur himmelan soll der Wandel gehn. Was die Frommen wünschen, kann dort erst ganz geschehn, auf Erden nicht; Freude wechselt hier mit Leid. Richt hinauf zur Herrlich⸗ keit dein Angesicht! 2. Himmelan schwing deinen Geist jeden Morgen auf! Kurz, ach kurz ist, wie du weißt, unset Pilgerlauf. Fleh täglich neu: Gott, der mich zum Himmel schuf, präg ins Herz mir den Beruf, mach mich getreu! 3. Himmelan hat er dein Ziel selbst hinaufgestellt. Sorg nicht mutlos, nicht zu viel um den Tand der Welt! Flieh diesen Lieder vom ewigen Leben. Sinn! Nur was du dem Himmel lebst, dir von Schätzen dort er⸗ srebst, das ist Gewinn. 4. Himmelan erheb dich gleich, wenn dich Kummer drückt, weil dein Vater treu und reich stünd⸗ lich auf dich blickt. Was quält dich so? Droben, in dem Land des Lichts, weiß man von den Sorgen nichts, sei himmlisch froh! 5. Himmelan wallt neben dir alles Volk des Herrn, trägt im Himmelsvorschmack hier seine Lasten gern. O schließ dich an! Kämpfe drauf, wie sichs gebührt, denke: auch durch Leiden führt die Himmelsbahn. 6. Himmelan ging Jesus Christ mitten durch die Schmach; eil, weil du sein Jünger bist, seinem Vorbild nach! Er litt und schwieg; halt dich fest an Gott wie er, statt zu klagen bete mehr, erkämpf den Sieg! 7. Himmelan führt seine Hand durch die Wüste dich, ziehet dich 385 im Prüfungsstand näher hin zu sich im Himmelssinn. Von der Weltlust freier stets und mit ihm zum Himmel vertrauter, hin. 8. Himmelan führt dich zuletzt selbst die Todesnacht. Seis, daß sie dir sterbend jetzt kurze Schrecken macht, harr aus, harr aus! Auf die Nacht wirds ewig hell, nach dem Tod erblickst du schnell des Vaters Haus. 9. Halleluja! Himmelan steig dein Dank schon hier! Einst wirst du mit Scharen nahn, und Gott naht zu dir in Ewigkeit. Aller Jammer ist vorbei, alles preist verklärt und neu in Ewigkeit. 10. Halleluja singst auch du, wenn du Jesum siehst, unter Jubel ein zur Ruh in den Himmel ziehst. Gelobt sei er! Der vom Kreuz zum Throne stieg, hilft dir aus zu diesem Sieg. Gelobt sei er! Joh. Gotifr. Schöner g. 1749 4 1818. gehts Berjeichnis der Dichker. Agricola, Johann(Schnitter, Magister Grickel), Mitverfasser des Interim, g. 1492 zu Eisleben, 4 1566 als Hofprediger zu Berlin. 334. Albert, Heinrich, g. 1604 zu Lobenstein im Vogtlande, 4 1651 als Organist zu Königsberg i. Pr. 473. Alberus, Erasmus, g. um 1500 zu Engelroth in der Wetterau, 1 1553 nach bewegtem Leben als Superintendent zu Neubrandenburg in Mecklenburg. 466. 497. Albinus, Johann Georg, g. 1624 zu Unternessa bei Weißenfels, 1 1679 als Pfarrer zu Naumburg. 250. 596. Allendorf, Joh. Ludw. Konrad, g. 1693 zu Josbach bei Mar⸗ burg, 1 1773 als Pastor und Scholarch zu Halle. 286. 324. 371. 602. Amilie Juliane, Gemahlin des Grafen Albrecht Anton zu Schwarzburg-Rudolstadt, geb. Gräfin von Barby, g. 1637, 1 1706. 452. 520. 557. 599. Angelus Silesius siehe Scheffler. Anna Sophia, Landgräfin zu Hessen-Darmstadt, g. 1638, f 1683 als Abtissin des Stifts Quedlinburg. 187. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, g. 1633, regierender Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel seit 1685, tral 1710 zu Bamberg öffentlich zur römischen Kirche über, 1 1714 zu Salzdahlum. 406. 480. Arends, Wilh. Erasmus, 4 1721 als Pastor zu Halberstadt. 362. Arndt, Ernst Moritz, g. 1769 zu Schoritz auf Rügen, f 18⁰⁰ als Professor emer. der Geschichte zu Bonn. 57. 291. 605. Verzeichnis der Dichter. 387 Arnold, Gottfried, g. 1666 zu Annaberg im Königreich Sachsen, Professor zu Gießen, 1714 als Pastor und Inspektor zu Perle⸗ berg. 413. Vaumgarten, Jakob, g. 1668 zu Wolmirstedt bei Magdeburg, Inspektor des Pädagogiums in Halle, 4 1722 als Pastor zu Berlin. 615. Becker, Cornelius, g. 1561 zu Leipzig, 1 1604 als Professor der Theologie und Pastor daselbst. 200. 507. Behm, Martin(Behemb, Bohemus), g. 1557 zu Lauban in der Oberlansitz, 1 1622 als Pastor prim. daselbst. 66. 470. 471. 547. 584. Behme, David, g. 1605 zu Bernstadt in Schlesien, 4 1657 als Olsnischer Hofprediger und Konsistorialrat daselbst. 594. Betichius, Johann, g. 1650 zu Steckby in Anhalt-Zerbst, 41722 als Diakonus zu Zerbst. 483. Bienemann, Kaspar(Melissander), g. 1540 zu Nürnberg, 1 1591 als Generalsuperintendent zu Altenburg. 338. von Birken, Sigismund(Betulius), g. 1626 zu Wildstein bei Eger, 4 1681 als Privatgelehrter in Nürnberg. 89. 343. von Bogatzky, Karl Heinrich, g. 1690 zu Jankowe in Schlesien, 1 1774 als Privatmann im Waisenhause zu Halle. 178. 370. Böhmische oder Mährische Brüder. Ihre Lieder Zum Teil aus dem Böhmischen übersetzt) gaben Michael Wei łße(4 1540 in Neutomischl) im Jahre 1531 und Joh. Horn(1 1547 zu Jungbunzlau) im Jahre 1544 heraus. 76. 231. 439. 499. 573. Von, Hermann(Gude), g. um 1504 zu Quakenbrück in Hannover, 1 1548 als Superintendent zu Lübeck. Reformator von Osnabrück. 77. Bornschürer, Johann, g. 1625 zu Schmalkalden, 1 1677 als Dekan zu Thann in Mittelfranken. 201. Vöschenstain, Johann, g. 1472 zu Eßlingen in Württemberg, Lehrer der hebräischen Sprache, 1540 zu Nördlingen. 81. Breithaupt, Joachim Justus, g. 1658 zu Northeim in Hannover, 1 1732 zu Halle als Professor der Theologie, Generalsuperintendent und Abt des Klosters Bergen bei Magdeburg. 272. Bruhn, David, g. 1727 zu Memel, 1 1782 als Pastor zu Berlin. 289. von Bunsen, Christian Karl Josias, g. 1791 zu Korbach, Preuß. Gesandter in Rom und London, in Bonn 1860. Gab 1833 ein Allgemeines evangelisches Gesang- und Gebetbuch heraus. 618. Busch, Peter, g. 1682 zu Lübeck, Pastor zu Hildesheim, 1 1744 als Pastor an der Kreuzkirche zu Hannover. Herausgeber des Hildesheimschen Gesangbuchs von 1719(Liederkerns). 99. 616. 25* 2 388 Verzeichnis der Dichter. Claudius, Matthias, der Wandsbecker Bote, g. 1740 zu Reinseld bei Lübeck, 4 1815 als Bankrevisor zu Altona. 515. Clausnitzer, Tobias, g. 1618 oder 1619 zu Thum bei Anna⸗ berg, 4 1684 als kurpfälzischer Kirchenrat zu Weiden in der Oberpfalz. 6. 92. Crasselius, Bartholomäus(Crasselt), g. 1667 zu Wernsdorf im Königreich Sachsen, 1724 als Pfarrer zu Düsseldorf. 381. Creutzberg, Amadeus, Schriftstellername für Sinold. Dach, Simon, g. 1605 zu Memel, 4 1659 als Professor der Dichtkunst zu Königsberg i. Pr. 591. 625. Decius, Nicolaus(Nik. Tech aus Hof(euria 2]), Mönch im Kloster Steterburg bei Braunschweig, 1523 evang. Prediger in Stettin, + 1541 daselbst. 75. 149.— Denicke, David, g. 1603 in Zittau im Königreich Sachsen, 1 1680 als Kammer- und Konsistorialrat in Hannover, gab in Gemein⸗ schaft mit Gesenins das(New ordentlich) hannöversche Gesangbuch von 1646, 1648, 1652, 1657 ꝛc. heraus. 1. 161. 188. 244. 268. 269. 378. Derschow, Bernhard, g. 1591 zu Königsberg i. Pr., 1 1639 als Professor der Theologie, Konsistorialrat und Oberpfarrer daselbst. 213. Deßler, Wolfgang Christoph, g. 1660 zu Nürnberg, 1 1722 als Konrektor der Schule zum heil. Geist daselbst. 309. Diterich, Johann Samuel, g. 1721 zu Berlin, 2 1797 als Oberkonsistorialrat und Pastor daselbst. Herausgeber der Lieder für den öffentlichen Gottesdienst, Berlin 1765, in welchem Buche er die Kirchenlieder auf das willkürlichste umarbeitete. 146. 260. 261. Drese, Adam, g. 1620 zu Weimar(2), 4. 1701 als jürstlich Schwarzburgischer Kapellmeister zu Arnstadt in Thüringen. 311. Eber, Paul, g. 1511 zu Kitzingen in Unterfranken, Freund Luthers, 4 1569 als Generalsuperintendent und Professor der Theologie zu Wittenberg. 58. 233. 576. 577(0. Ebert, Jakob, g. 1549 zu Sprottau in Schlesien, 7 1614 als Professor der Theologie zu Frankfurt a. O. 542. Eleonore, verw. Fürstin Reuß, geb. Gräfin zu Stolberg, g. 183⁵ zu Gedern, 4 1903 zu Ilsenburg. 65. Fabrieius, Friedrich, g. 1642 zu Stettin, 141703 als Pastor daselbst. 31. Falk, Joh. Daniel, g. 1768 zu Danzig, 1 1826 als Legationsrat zu Weimar. 569. Fischer, siehe Vischer. Fleming, Paul, g. 1609 zu Hartenstein im Königreich Sachsen, 1 1640 als Doktor der Medizin zu Hamburg. 393. ‚— cC Verzeichnis der Dichter. Franck, Johann, g. 1618 zu Guben in der Niederlausitz, 1 1677 als Bürgermeister daselbst. 4. 156. 157. 215. 246. 300. 441. 546. Franck, Michael, g. 1609 zu Schleusingen in Thüringen, 1 1667 als Lehrer an der Stadtschule zu Koburg. 348. 598. Franck, Salomo. g. 1659 zu Weimar, 1 1725 als Oberkonsistorial⸗ sekretär daselbst. 103. 216. 317. 364. 419. 488. Francke, August Hermann, g. 1663 zu Lübeck, Begründer der Franckeschen Stiftungen in Halle, 4 1727 als Professor der Theologie und Pastor zu Halle. 62. Freylinghausen, Johann Anastasius, g. 1670 zu Gandersheim in Braunschweig, Schwiegersohn Franckes, 4 1739 als Pastor und Direktor der Franckeschen Stiftungen zu Halle. 257. 314. 421. 510. Freystein, Johann Burchard, g. 1671 zu Weißenfels, 4 1718 als Hof⸗ und Justizrat zu Dresden. 351. Fritsch, Ahasverus, g. 1629 zu Mücheln bei Merseburg, 1 1701 als Kanzleidirektor und Konsistorialpräsident zu Rudolstadt. 93. Funcke, Friedr., g. 1642 zu Nossen im Erzgebirge, Kantor zu Lüneburg, 1 1699 als Pastor zu Römstedt bei Lüneburg. 134. Funk, Gottfried Benedikt, g. 1734 zu Hartenstein im Königreich Sachsen, 4 1814 als Konsistorialrat und Rektor des Domgymnasiums zu Magdeburg. 124. Garve, Karl Bernhard, 9. 1763 zu Jeinsen bei Hannover, bis 1836 Prediger der Brüdergemeinde zu Neusatz a. d. O., 1 1841 zu Herrnhut. 181. 198. 332. Gedicke, Lampertus, g. 1683 zu Gardelegen in der Altmark, 4 1735 als Feldpropst zu Berlin. 420. Gellert, Christian Fürchtegott, g. 1715 zu Hainichen im sächsischen Erzgebirge, 1769 als außerordentlicher Prosessor der Dichtkunst, Beredsamkeit und Moral zu Leipzig. 56. 123. 197. 219. 259. 287. 373. 374. 423. 424. 435. 461. 462. 463. 464. 465. 491. 514. 604. Gensch von Breitenau, Christoph, 9. 1638 zu Naumburg, Hofrat des Herzogs von Plön und dänischer Geheimrat, 4 1732 als Privatmann zu Lübeck. 249. Gerhardt, Paulus, g. 1607 zu Gräfenhainichen bei Wittenberg, 1651—1657 Propst zu Mittenwalde in Brandenburg, 1657—1667 Diakonus zu Berlin, 1 1676 als Archidiakonus zu Lübben. 27. 28. 47. 48. 49. 50. 61. 85. 86. 87. 88. 116. 142. 151. 270. 301. 347. 395. 396. 397. 398. 399. 400. 401. 402. 445. 446. 447. 475. 476. 477. 502. 524. 545. 548. 5. 610. 390 Verzeichnis der Dichter. von Gersdorf, Henriette Katharina, geb. von Friesen, g. 1648 zu Sulzbach, Gemahlin des kursächsischen Geheimrats v. G. in Dresden, Großmutter Zinzendorfs, 1 1726 zu Großhennersdorj bei Herrnhut. 177. 415. Gesenius, Justus, g. 1601 zu Esbeck in Hannover, 4 1673 als Oberhofprediger und Generalsuperintendent zu Hannover(siehe Denicke). 83. 268. 378. Gigas siehe Heune. Gotter, Ludwig Andreas, g. 1661 zu Gotha, 4 1735 als Hof⸗ und Assistenzrat daselbst. 153. 352. 353. 453. Gramann, Johann(Poliander), g. 1487 zu Neustadt in Bayern, Freund Luthers, 1541 als Pastor zu Königsberg i. Pr. 438. Gregor, Christian, g. 1723 zu Dirsdorf in Schlesien, 1 1801 als Bischof der Brüdergemeinde zu Berthelsdorf. Herausgeber des Brüdergesangbuchs von 1778. 193. 329. Groß, Johann(Major), g. 1564 zu Reinstedt in Thüringen, + 1654 als Professor der Theologie zu Jena. 238(2). Grüneisen, Karl Georg, g. 1802 zu Stuttgart, 1 1878 daselbst als Hofprediger und Oberkonsistorialrat. 522. Gryphius, Andreas, g. 1616 zu Großglogau in Schlesien, 1664. als Landschaftssyndikus daselbst. 592. Günther, Cyriacus, g. 1650 zu Goldbach bei Gotha, 1704 als Lehrer am Gymnasium zu Gotha. 315. 457. Günther, Martin, g. um 1690 im sächsischen Frzgebirge, Haus⸗ lehrer bei Löscher, seit 1721 Pfarrer zu Klingenmünster in der bayr. Pfalz. 274. von Hardenberg, Friedrich Leopold, Freiherr(Novalis), g. 1772 auf Gut Wiederstedt im Mansfeldischen, 41801 als Assessor zu Weißenfels. 126. 330. 331. von Harleß, Gottfried Christoph Adolf, g. 1806 zu Rürnberg, Professor der Theologie zu Erlangen und Leipzig, zuletzt Präsident des protestantischen. Oberkonsistoriums in München, 1 1879 daselbst. 429. Harsdörfer, Georg Philipp, g. 1607 zu Nürnberg, 4 1658 als Ratsherr daselbst. 478. Hartmann, Thomas, war 1604 Archidiakonus zu Eisleben. 110. von Hausmann, Julie, g. 1825 zu Mitau, langjährige Leiterin der St. Annenschule in Petersburg, 4 1901 zu Wösö in Esthland. 376. von Hayn, Henriette Luise, g. 1724 zu Idstein in Nassau, 1782 als Oberin der ledigen Schwestern zu Herrnhut. 538. Hecker, Heinrich Cornelius, g. 1699 zu Hamburg, 1 1743 als Pfarrer zu Meuselwitz bei Altenburg. 194. Verzeichnis der Dichter. 391 Heermann, Johann, g. 1585 zu Raudten im Fürstentum Wohlau in Schlesien, Pastor zu Köben in Schlesien, 1647 zu Lissa in Posen. 79. 80. 112. 159. 172. 173. 211. 212. 239. 240. 241. 266. 267. 296. 297. 339. 340. 341. 391. 392. 495. 523. 531. 543. 544. 607. 608. Heinrich v. Laufenberg, Priester und Dekan zu Freiburg im Breisgau, 1 1455. 570. 622. Held, Henrich, g. zu Guhrau in Schlesien, um 1650 Sachwalter, 1vor 1661 daselbst. 30. 143. Helmbold, Ludwig, g. 1532 zu Mühlhausen in Thüringen, 1 1598 als Superintendent und Pfarrer daselbst. 386. 440. 529. Hensel, Luise, g. 1798 zu Linum bei Fehrbellin, Tochter eines evangelischen Pfarrers, trat 1818 zur römischen Kirche über, Er⸗ zieherin, zu Paderborn 1876. 534(gedichtet 1816). Herberger, Valerius, g. 1562 zu Fraustadt in Posen, 4 1627 als Pfarrer daselbst. 585. Herman, Niklas, 1 1561 in hohem Alter als Kantor zu Joachimsthal in Böhmen. 41. 109. 467. 498. 554. 555. 566. 575. Hermes, Johann Timotheus, g. 1738 zu Petznik bei Stargard in Pommern, 1821 als Oberkonsistorialrat, Superintendent und Pastor prim. zu Breslau. 636. Herrmann, Johann Gottfried, g. 1707 zu Altjeßnitz bei Bitterseld, 11791 als Oberhofprediger und Oberkonsistorialrat zu Dresden. 285. Herrnschmidt, Johann Daniel, g. 1675 zu Bopfingen in Württem⸗ berg, 1 1723 als Professor der Theologie und Mitdirektor der Franckeschen Stiftungen zu Halle. 458. Hertzog, Johann Friedrich, g. 1647 zu Dresden, 1 1699 als Rechtsanwalt daselbst. 506. Hesse, Johann, g. 1490 zu Nürnberg, d 1547 als Pfarrer zu Breslau. 574. Henne, Johann(Gigas), g. 1514 zu Nordhausen, 1 1581 als Pastor zu Schweidnitz in Schlesien. 579. Heunisch, Kaspar, g. 1620 zu Schweinfurt in Unterfranken, 1 1690 als Superintendent daselbst. 627. Heyden, Sebald, g. 1494(2) zu Nürnberg, 1 1561 als Reltor der Sebaldsschule daselbst. 82. diller, Friedrich Konrad, g. 1662 zu Unteröwisheim bei Bruchsal, 1 1726 als Kanzleiadvokat zu Stuttgart. 456. Hiller, Philipp Friedrich, g. 1699 zu Mühlhausen in Württem⸗ berg, 4 1769 als Pfarrer zu Steinheim am Aalbuch in Württem⸗ berg; 1751 verlor er seine Stiimme. 15. 164. 290. 325. 326. 392 Verzeichnis der Dichter. von Hippen, Johann Heinrich, g. zu Wohlau in Schlesien, 1 1676 als Limburgischer(in Schlesien) Rat und Hofmarschall. 479. von Hodenberg, Bodo, g. 1604 zu Celle, 4 1650 als Landdrost zu Osterode a. H. 474. Hoffmann, Gottfried, g. 1658 zu Plagwitz bei Löwenberg in Schlesien, 4 1712 als Reltor des Gymnasiums zu Zittau im Königreich Sachsen. 146. 612. Homburg, Ernst Christoph, g. 1605 zu Mühla bei Eisenach, 1 1681 als Rechtskonsulent zu Naumburg. 29. 90. 133. Horn siehe Böhmische Brüder. Huber, Konrad(Huober, Hubert), g. 1507 zu Bergzabern im Elsaß, 4 1577 als Diakonus zu Straßburg. 186. 232. Hunold, Michael, g. 1621 zu Leißnig im Königreich Sachsen, 1 1672 als Archidiakonus zu Rochlitz a. d. Mulde. 535. 600. Keymann, Christian, g. 1607 zu Pankraz in Böhmen, 1662 als Rektor des Gymnasiums zu Zittau im Königreich Sachsen. 43. 302. Kiel, Tobias, g. 1584 zu Ballstedt bei Gotha, 4 1626 als Pfarrer daselbst. 586. Klesel, Abraham, g. 1636 zu Fraustadt in Posen, 4 1702 als Oberpfarrer zu Jauer in Schlesien. 95. Klopstock, Friedrich Gottlieb, g. 1724 zu Quedlinburg, 1 1803 als badischer Hofrat und dänischer Legationsrat zu Hamburg. 220. 617. 634. Knak, Gustav Friedrich Ludwig, g. 1806 zu Berlin, 4 1878 als Pastor zu Berlin in Dünnow bei Stolpmünde. 333. Knapp, Albert, g. 1798 zu Tübingen, 4 1864 als Stadtpfarrer zu Stuttgart. 100. 179. 180. Knoll, Christoph, g. 1563 zu Bunzlau in Schlesien, 1650 als Pastor zu Witgendorf in Schlesien. 582. Knorr von Rosenroth, Christian, g. 1636 zu Altraudten in Schlesien, 4 1689 als Geheimrat und Kanzleidirektor zu Sulzbach in der bayr. Oberpfalz. 482. Koitsch, Christian Jakob, g. 1671 zu Meißen, Inspektor am Päda⸗ gogium zu Halle, 41735 als Rektor zu Elbing. 455. Krause, Jonathan, g. 1701 zu Hirschberg in Schlesien, 1 1762 als Superintendent zu Liegnitz. 12. Krummacher, Friedrich Adolf, g. 1767 zu Tecklenburg in West⸗ falen, 1 1845 als reform. Pastor emerit. zu Bremen. 182. Kunth, Johann Sigismund, g. 1700 zu Liegnitz, 1 1779 als Superintendent zu Baruth in der Oberlausitz. 633. Rüster, Elieser Gottlieb, g. 1732 zu Watzum im Braunschweigischen, 1 1799 als Pastor und Generalsuperintendent zu Braunschweig. 207. i Li Verzeichnis der Dichter. 393 Lackmann, Peter, g. 1659 zu Lübeck, 4 1713 als Oberpfarrer zu Oldenburg in Holstein. 254. Lange, Joachim, g. 1670 zu Gardelegen in der Altmark, 4 1744 als Professor der Theologie zu Halle. 484. Lange, Johann Christian, g. 1669 zu Leipzig, Professor in Gießen, 1 1756 als Generalsuperintendent zu Idstein in Nassau. 313. Laufenberg siehe Heinrich. Laurenti, Laurentius(Lorenz Lorenzen), g. 1660 zu Husum, f 1722 als Musikdirektor und Kantor zu Bremen. 53. 119. 629. Lavater, Johann Kaspar, g. 1741 zu Zürich, 1801 als reform. Prediger daselbst. 125. 261. 536. Lehr, Leopold Franz Friedrich, g. 1709 zu Kronberg bei Frank⸗ furt a. M., 1 1744 in Magdeburg als Diakonus an der luth. Kirche zu Köthen. 282. 283. Leon, Johann, g. zu Ohrdruf in Thüringen, 1 1597 als Pastor zu Wölfis bei Ohrdruf. 243. 580. 588. Liebich, Ehrenfried, g. 1713 zu Probsthain bei Liegnitz, 1780 als Pastor zu Lomnitz bei Hirschberg in Schlesien. 147. 328. Lindemann, Johann, g. um 1550 zu Gotha, 7 nach 1634 als Kantor daselbst. Er soll aus der Familie der Mutter Luthers stammen. 293(2). Liscow, Salomon, g. 1640 zu Niemitzsch in der Lausitz, 1 1689 als Diakonus zu Wurzen im Königreich Sachsen. 308. 481. Löscher, Valentin Ernst, g. 1673 zu Sondershausen, 1 1749 als Oberkonsistorialrat und Superintendent zu Dresden. 255. von Löwenstern, Matthäus Apelles, g. 1594 zu polnisch Neustadt bei Oppeln in Schlesien, 1648 als kaiserlicher Rat zu Breslau. 174. 561. Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt, g. 1640, 4 1672 als Braut des Grafen Christian Wilhelm von Schwarzburg-Sondershausen. 253. 307. 409. Luise Henriette, Tochter des Prinzen Heinrich Friedrich von Oranien, g. 1627 im Haag, Gemahlin des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, 4 1667 zu Berlin. Es ist zweifelhaft, ob die ihr zugeschriebenen vier Lieder von ihr verfaßt sind. 247. 614. Luther, Martin, g. 10. Nov. 1483 zu Eisleben, 4 am 18. Fe⸗ bruar 1546 daselbst. 37. 38. 39. 107. 108. 137. 138. 139. 148. 165. 166. 167. 168. 169. 185. 199. 209. 210. 221. 228. 229. 262. 263. 377. 437. 496. 519. 571. 572. 573. Magdeburg, Joachim, g. 1525 zu Gardelegen in der Altmark, nach 1583 als Prediger im Ssterreichischen. 387. Major siehe Groß. Verzeichnis der Dichter. Mathesius, Johann, g. 1504 zu Rochlitz im Königreich Sachsen, als Student Luthers Haus- und Tischgenosse, 1565 als Pastot zu Joachimsthal. 528. Melissander siehe Bienemann. Mentzer, Johann, g. 1658 zu Jahma in der Lausitz, 1734 als Pastor zu Kemnitz bei Bernstadt in der Lausitz. 454. von Meyer, Johann Friedrich, g. 1772 zu Frankfurt a. M., + 1849 als Appellationsgerichtspräsident daselbst. 428. Meyfart, Johann Matthäus, g. 1590 zu Walwinkel im Gothaischen, 1 1642 als Professor der Theologie und Pastor zu Erfurt. 624. Moller, Martin, g. 1547 zu Kropstädt bei Wittenberg, 1 1606 als Pastor prim. zu Görlitz in der Lausitz. 235. 388. 579. Möller, Johann Friedrich, g. 1789 zu Erfurt, 1861 als General⸗ superintendent und Konsistorialdirektor zu Magdeburg. 375. von Moser, Friedrich Karl, Freiherr, g. 1723 zu Stuttgart, Hessen-Darmstädtischer Minister, 3 1798 als Privatmann zu Ludwigsburg. 260. Mühlmann, Johann, g. 1573 zu Pegau bei Leipzig, 1 1613 als Professor der Theologie und Archidiakonus zu Leipzig. 295.472 Müller, Michael, g. 1673 zu Blankenburg a. Harz, 1704 als Kandidat der Theologie zu Schaubeck in Württemberg. 354. Münter, Balthasar, g. 1735 zu Lübeck, 4 1793 als Pastor an der deutschen Kirche zu Kopenhagen. 426. 637. Mylius, Johann, aus Themar in Thüringen, 1596 Pastor in Thüringen in Unterfranken. 155. Nachtenhöfer, Kaspar Friedrich, g. 1624 zu Halle, 4 1685 als Pastor zu Koburg. 52. Neander, Joachim, g. 1650 zu Bremen, 1680 als reform. Diakonus daselbst. 251. 450. 451. 505. 598. Nehring, Johann Christian, g. zu Gotha, Inspektor am Waisen⸗ hause zu Halle, 1736 als Pastor zu Morl bei Halle. 354. Neumann, Kaspar, g. 1648 zu Breslau, 1 1715 als Kirchen⸗ inspektor und Pastor prim. daselbst. 8. 20. 509. 562. Reumann, Gotifried, g. um 1688, 4 1782 als Mitglied det Brüdergemeinde. 603. RNeumark, Georg, g. 1621 zu Langensalza in Thüringen, 4 1651 als Bibliothekar und Archivsekretär zu Weimar. 403. 404. 573. Neumeister, Erdmann, g. 1671 zu üchteritz bei Weißenfels, 1 1759 als Hauptpastor zu Hamburg. 70. 203. 277. 278. 318. 359 459. 460. 486. 517.— Neunherz, Johann, g. 1653 zu Waltersdorf in Schlesien, 1 17³⁷ als Oberpfarrer zu Hirschberg. 122. Ri Ri Verzeichnis der Dichter. 395 Reuß, Heinrich Georg, g. 1654 zu Elbingerode im Harz, 1 1716 als Konsistorialrat und Superintendent zu Wernigerode. 252. 355. Ricolai, Philipp, g. 1556 zu Mengeringhausen in Waldeck, 1608 als Hauptpastor zu Hamburg. 292. 621. Rovalis siehe Hardenberg. Olearius, Johann, g. 1611 zu Halle, 4 1684 als Oberhof⸗ prediger und Generalsuperintendent zu Weißenfels. 7. 22. 51. 69. 91. 189. 379. 380. 448. 549. 550. 551. 552. 628. auli, Idachim, g. um 1636 zu Wilsnack in der Mittelmark, 1674 Hauslehrer zu Berlin. 175. Pfeiffer, Christoph, g. 1689 zu GÖls, 1 1758 als Pastor zu Stolz bei Frankenstein in Schlesien. 63. von Pfeil, Christoph Karl Ludwig, g. 1712 zu Grünstadt in der bayr. Pfalz, württembergischer geh. Legationsrat, 1784 als preuß. Geheimrat und Minister zu Deufstetten im Ansbachschen. 72. 383. 525. Poliander siehe Gramann. Prätorius, Benjamin, g. 1636 zu Obergreißlau bei Weißenfels, 4 1674(2) als Pastor zu Großlissa bei Delitzsch in der Provinz Sachsen. 346. Puch ta, Christian Rudolf Heinrich, g. 1808 zu Kadolzburg in Mittelfranken, 1858 als Pastor zu Augsburg. 21. 564. Räder, g. 1815 zu Elberfeld, 4 1872 daselbst als Handlungs⸗ gehülfe. 431. Rambach, Johann Jakob, g. 1693 zu Halle, 1735 als Professor der Theologie und Superintendent zu Gießen. 33. 195. 204. 206. 218. 280. 281 321. 322. 323. 367. 368. 422. Reimann, Georg, g. 1570 zu Leobschütz in Schlesien, 1615 als Professor der Beredsamkeit zu Königsberg in Preußen. 162. Reusner, Adam(Reißner), g. um 1500 zu Mindelheim, Geheim⸗ sekretär Georgs von Frundsberg, ein Anhänger Schwenkseldts, nach 1572 in seiner Vaterstadt. 336. 507. Richter, Christian Friedrich, g. 1676 zu Sorau in der Lausitz, 1711 als Arzt des Waisenhauses zu Halle. 54 356. 357. 358. 433. 485. Ringwaldt, Vartholomäus, g. 1532 zu Frankfurt a. d. Oder, 1 1599 als Pfarrer zu Langenfeld in der Neumark. 236. 620. Rinkart, Martin, g. 1586 zu Eilenburg in der Provinz Sachsen, 41649 als Archidiakonus daselbst. 152. 344. 442. Rist, Johann, g. 1607 zu Ottensen bei Hamburg, 1 1667 als Pastor zu Wedel an der Elbe in Holstein. 24. 46. 60. 68. 102. 113. 130. 131. 214. 222. 223. 242. 444. 501. 626. 396 Verzeichnis der Dichter. Rodigast, Samuel, g. 1649 zu Gröben bei Jena, 1 1708 als Rektor am granen Kloster zu Berlin. 407. Rosenmüller, Johann, g. um 1615 im Kurfürstentum Sachsen, + 1686 oder 1682 als Kapellmeister zu Wolfenbüttel. 597. Rothe, Johann Andreas, g. 1688 zu Lissa bei Görlitz in der Lausitz, Pfarrer zu Berthelsdorf, 4 1758 als lutherischer Pastor zu Thommendorf in der Lausitz. 279. 613. Rückert, Friedrich, g. 1789 zu Schweinfurt am Main, Professor in Erlangen und Berlin, 4 1866 als preußischer Geheimrat zu Neuseß bei Koburg. 35. Runge, Christoph, g. 1619 zu Berlin, Buchdrucker, 11681 daselbst. 271. Ruopp, Johann Friedrich, g. zu Straßburg, 4 1708 als Adjunkt der theologischen Fakultät zu Halle. 360. Rutilius, Martin(Rüdel), g. 1550 zu Düben in der Propinz Sachsen, 4 1618 als Archidiakonus zu Weimar. 238(7). Sacer, Gottfried Wilhelm, g. 1635 zu Naumburg, 1 1699 als Kammeradvokat zu Wolfenbüttel. 117. 611.X Schade, Johann Kaspar, g. 1666 zu Kühndorf bei Meiningen, 1 1698 als Diakonus an St. Nicolai zu Berlin. 96. 411. Schalling, Martin, g. 1532 zu Straßburg, 4 1608 als Pastor zu Nürnberg. 337. Scheffler, Johann(Angelus Silesius), g. 1624 zu Breslau, Leibarzt des Herzogs von Ols, trat 1652 zur römischen Kirche über, geistlicher Rat des Fürstbischofs, 4 1677 im Kloster St. Matthias zu Breslau. 303. 304. 305. 349. Scheidt, Christian Ludwig, g. 1709 zu Waldenburg bei Schwäbisch⸗ Hall in Württemberg, 1 1761 als Hofrat und Bibliothekar zu Hannover. 284. Schein, Johann Hermann, g. 1586 zu Grünhain bei Zwickau im Königreich Sachsen, 4 1630 als Musildirektor zu Leipzig. 589. Scheuck, Hartmann, g. 1634 zu Ruhla bei Eisenach, 4 1681 als Pfarrer zu Ostheim vor der Rhön. 19. Schenck, Heinrich Theobald, g. 1656 zu Heidelbach a. d. Schwalm in Hessen, 1 1727 als Stadtpfarrer in Gießen. 632. Schirmer, Michael, g. 1606 zu Leipzig, 11673 als Konrektor emerit. des Gymnasiums zum grauen Kloster zu Berlin. 25. 115. 141. 560. 609. Schlosser, Ludwig Heinrich, g. 1663 zu Darmstadt, 7 1728 al Prediger zu Frankfurt a. M. 530. Schmidt, Johann Eusebins, g. 1670 zu Hohenfelden bei Erfur, 1 1745 als Pastor zu Siebleben bei Gotha. 176. unkt vinz als Verzeichnis der Dichter. 397 Schmolck, Johann Benjamin, g. 1672 zu Brauchitschdorf bei Liegnitz, 1 1737 als Pastor prim. und Inspektor zu Schweidnitz. 9. 10. 11. 32. 64. 98. 120. 121. 144. 163. 192. 202. 256. 275. 276. 416. 417. 418. 487. 511. 518. 565. 601. 630. 631. Schmuck, Vincentius, g. 1565 zu Schmalkalden, 4 1628 als Professor der Theologie, Pastor und Superintendent zu Leipzig. 556. Schöner, Johann Gottfried, g. 1749 zu Rügheim bei Würzburg, 11818 als Stadtpfarrer zu Nürnberg. 427. 638. Schrader, Johann Hermann, g. 1684 zu Hamburg, 1737 als Propst und Konsistorialrat zu Tondern in Schleswig. 382. Schröder, Johann Heinrich, g. 1667 zu Hamelspringe bei Hannover, 1 1699 als Pfarrer zu Meseberg bei Wolmirstedt in der Provinz Sachsen. 312. Schütz, Johann Jakob, g. 1640 zu Frankfurt a. M., 4 1690 als Advokat und verschiedener Reichsstände Rat daselbst. 408. 449. Seriver, Christian, g. 1629 zu Rendsburg, Pastor zu Magdeburg, 1693 als Oberhofprediger und Kirchenrat zu Quedlinburg. 306. 504. von Seckendorf, Veit Ludwig, Reichsfreiherr, g. 1626 zu Herzogenaurach bei Bamberg, 4 1692 als Brandenburgischer Geheimrat und Kanzler der Universität Halle. 432. elnecker, Nikolaus, g. 1532 zu Hersbruck bei Nürnberg, Schüler Melanchthons, Professor in Leipzig und Jena, auch Superintendent in Hildesheim, Mitarbeiter an der Konkordien⸗ jormel, 41592 als Professor der Theologie und Superintendent zu Leipzig. 17. 170. 500. von Senitz, Elisabeth, g. 1629 zu Rankau in Schlesien, Hof⸗ jräulein am Hofe zu Brieg und zu Ols, 4 1679. 94. Siegfried, Johann, 9. 1564, 1 1637 als Superintendent zu Schleiz. 588. Sinold, Philipp Balthasar, gen. von Schütz(Amadeus Creutzberg), 9. 1657 zu Königsberg bei Gießen, 4 1742 als Solmsscher Geheimrat zu Laubach in der Wetterau. 97. 319. Spangenberg, Johann, g. 1484 zu Hardegsen in Hannover, seit 1524 der erste evang. Prediger an St. Blasien in Nordhausen, 1550 als Generalsuperintendent zu Eisleben. 226. Spangenberg, August Gottlieb, g. 1704 zu Klettenberg bei Walkenried, als Bischof der Brüdergemeinde lange Zeit in Amerika „tätig, 1792 zu Verthelsdorf. 366. Spengler, Lazarus, g. 1479 zu Nürnberg, Rechtsgelehrter und Ratsschreiber daselbst, Freund Luthers und Beförderer der Refor⸗ mation, 41534 zu Nürnberg. 230. 6 — 398 Verzeichnis der Dichter. Speratus, Paul(Spret), g. 1484 zu Rötlen bei Ellwangen, 1524 Hofprediger Herzog Albrechts von Preußen, luth. Bischof von Pomesanien, 4 1551 zu Marienwerder. 264. Spitta, Karl Johann Philipp, g. 1801 zu Hannover, 1859 als Superintendent zu Burgdorf bei Hannover. 183. 208. 430. 516. 526. 527. 553. 606. Spreng, Johann Jakob, g. 1699 zu Basel, reform. Prediger zu Ludweiler bei Saarbrücken, 4 1768 als Professor der Geschichte und griech. Sprache zu Basel. 205. Starck, Johann Friedrich, g. 1680 zu Hildesheim, 1756 als Pastor und Konsistorialrat zu Frankfurt a. M. 369. Stegmann, Josua, g. 1588 zu Sulzfeld bei Meiningen, 4 1632 als Professor der Theologie und Superintendent zu Rinteln. 18. Stip, Gerhard Chryno Herm., g. 1809 zu Norden in Ostfriesland, einige Jahre Pastor in Osteel bei Norden, 7 als Privatmann 1882 zu Potsdam. 492. von Stöcken, Christian, g. 1633 zu Rendsburg, 4 1684 daselbst als Generalsuperintendent von Schleswig-Holstein, Kirchenrat und Propst. 568. Stockfleth, Heinrich Arnold(Dorus), g. 1643 zu Alfeld in Hannover, 1 1708 als Kirchenrat, Oberhofprediger und General⸗ superintendent zu Mönchsberg bei Bayreuth in Mittelfranken. 410, Stolshagius, Kaspar, 1591 Pastor zu Iglau in Mähren. 11109. Sturm, Christoph Christian, g. 1740 zu Augsburg, 7 1786 als Hauptpastor in Hamburg. 288. 289. 425. Terstegen, Gerhard, g. 1697 zu Mörs, 4 1769 als Bandmacher zu Mülheim a. d. Ruhr(reform.). 13. 14. 55. 71I. 135. 327. 372. 490. 512. 513. Thebesius, Adam, g. 1596 zu Seifersdorf in Schlesien, 41652 als Pfarrer zu Liegnitz. 84. Thilo, Valentin, der jüngere, g. 1607 zu Königsberg i. Pr., 4 1662 als Professor der Beredsamkeit daselbst. 26. Tietze, Christoph(Titius), g. 1641 zu Wilkau bei Breslau, + 1703 als Pastor zu Hersbruck bei Nürnberg. 248. 405. Tollmann, Gottfried, g. 1680 zu Lauban in der Lausitz, 4 1765 als Pastor zu Leube bei Görlitz in der Lausitz. 563. Vespasius siehe Wepse. Vischer, Christoph, g. 1544 zu Wittenberg, 1 1597 als General⸗ superintendent zu Celle. 78. Walther, Johann, der alte Luther-Kantor, g. 1496 zu Kahla, 1520 Hofkantor in Torgau, 1 1570 als Kapellmeister zu Dresden. 519. 6²³. Wegelin, Josua, g. 1604 zu Augsburg, + 1640 als evang. Pfarrer zu Preßburg in Ungarn. 132. Verzeichnis der Dichter. Wehrenberg, Heinrich Jonathan, ein Urenkel Ph. Melanchthons, g. 1651 zu Eilenburg, Prov. Sachsen, 4 1713 als Superintendent zu Lüneburg. 361. Weiße siehe Böhmische Brüder. Weissel, Georg, g. 1590 zu Domnau in Ostpreußen, 1 1635 als Prediger zu Königsberg i. Pr. 23. 114. 299. Venigk, Johann Ernst, g. 1701 zu Gotha, 4 1745 als Pfarrer zu Bischleben bei Arnstadt in Thüringen. 145. Wepse, Hermann(Vespasius), um 1580 Prediger in Stade. 265. Werner, Georg, g. 1589 zu Pr.⸗Holland, 4 1643 als Diakonus zu Königsberg i. Pr. 45. 101. 140. 590. Wieser, Matthäus, 1668 Bergmann und Stei bei Hof. 539. 540. 541. Vilhelm II., Herzog zu Sachsen-Weimar, g. 1598 zu Altenburg, 1 1662 zu Weimar. 3(2). Binckler, Johann Josef, g. 1670 zu Lucka in der Lausitz, 1722 als Konsistorialrat und Domprediger zu Magdeburg. 363. 414. Bitzstatt, Hans, aus Wertheim, um 1530. 335(2). Wolf, Jakob Gabriel, g. 1684 zu Greifswald, 4 1754 als Hofrat und Professor emerit. der Rechte zu Halle. 316. Voltersdorf, Ernst Gottlieb, g. 1725 zu Friedrichsfelde bei Berlin, 1 1761 als Stadtpfarrer zu Bunzlau in Schlesien. 1986. 635. Zehner, Samuel, g. 1594 zu Suhl in Thüringen, 4 1635 als Superintendent zu Schleusingen. 345. Zeibich, Christoph Heinr., g. 1677 zu Mölbis bei Leipzig, 1 1748 als Professor der Theologie, Konsistorialassessor und Propst zu Wittenberg. 225. von Zinzendorf, Graf Nikolaus Ludwig, g. 1700 zu Dresden, Stifter der evangelischen Brüdergemeinde, 1 1760 zu Herrnhut. 193. 320. 365. 366. Zwick, Johann, g. um 1496 zu Konstanz, 4 1542 als Pfarrer seiner Vaterstadt zu Bischo der Pest. 128. ger zum Gräßlitz reform. fzell in der Schweiz während Unbekannt sind die Verfasser folgender Lieder: 2. 5. 16. 34. 36. 40. 42. 44. 59. 67. 78. 74. 104. 105. 106 118. 127. 129. 136. 150. 171. 184. 190. 191. 217. 224 227. 234. 237. 245. 258. 273. 298. 310. 342. 350. 384. 385. 389. 390. 394. 412. 434. 436. 468. 469. 489. 493. 494. 503. 508. 521. 532. 537. 538. 558. 559. 567. 581 583. 587. 619. Gebete zum khangelisch⸗lutherischen Gesanghuche der Hannoverschen Pandeskirche. ö Hannover. Druck und Verlag der Schlüterschen Buchdruckerei. 1907. 1. Um Geist und Gnade recht zu beten... Gebete. J. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 2—10. Morgengebete. e 2. Tischgebel 13—21. Abendgebete II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. Gebete für die Früchte des Feldes und den Bergban. 22. 24. 25. 26. „Gebet der Eltern für ihre Kinder 23. Dankgebete. Zum Beginn der Arbeit. 2— Um Gottes Segen in Haus und Beruf Gebet christlicher Eheleute „Gebet nach der Taufe eines Kindes, auch von Gevattern zu beten „Schulgebete. Zwei Gebete für Konfirmanden Für die Kirchen. Für die Obrigkeit „Für die Früchte des Feldes 4— „Um den lieben Sonnenschein „Um einen fruchtbaren Regen „Beim Anfang der Ernte Dankgebet nach der Ernte Um göttlichen Segen zum Vergwerk III. Gebete in allerlei Not. Um Geduld in Leidenszeit „In Anfechtungen.* ‚ »In Kriegszeiten „In teurer Zeit. „Bei großem Ungewitter Bei Sturm und Wasserfluten 16 N 73. Gebete. „Bei Seuchen und in Sterbenszeiten „Um tägliche Bereitschaft zum Sterben. „Gebet für ein krankes Kind Gebete eines Kranken „Dankgebet eines Genesenden* „Um Geduld in langwieriger Krankheit Sprüche aus Gottes Wort für Kranke. Morgengebet eines Kranken 2. Abendgebet eines Kranken „Gebet eines Kranken der sich zum Sterben schick „Gebete der Umstehenden für den Sterbenden Sprüche, dem Sterbenden zuzusprechen.. Abschiedssegen Gebet nach dem Tode eine 8 Kindleins An Begräbnistagen IV. Beicht⸗ und Iendonhlsgeneie. 57—63. An Beichtitagen 64—72. An Abendmahlstagen V. Das allgemeine Kirchengebet. VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche, 74—86. Gebete für die—— 9 Ae des Kirchenjahres „Am Bußtage Am Geburtstage des Kaisers Am Bibelfeste Am Feste der Heidenmif ssion Am Jahresfeste der inneren Mission „Für die Arbeit an den Glaubens genossen in der 7⁴ 94. Für wöchentliche Betstunden Für kirchliche Bibelstunden Kollekten. 148. Für bestimmte Tage und Seiten 49—83. Allgemeine Kollelten. Versikeel ——.—— 353 ◻ e u beten bitten nach uns dich 1 dir ei auf, Seele dir r ferne rechtst ander unser von und alles gewif hoffer sonde allen Herz lieger deine Jesu tuhl zuen werd Gott und Fürt Verh himi lebet Gebete. Herr, tu meine Lippen auf! 1. Um Geist und Gnade recht zu beten. VWewiger, barmherziger Gott, du Vater unsers Herrn Jesu Christi, weil wir nicht wissen noch begreifen können, was und wie wir beten sollen, du aber überschwenglich tun kannst über alles, was wir bitten oder verstehen, so schreien wir zu dir: Gieß über uns aus nach deiner Verheißung den Geist der Gnade und des Gebets, der uns bei dir vertrete mit unaussprechlichem Seufzen, auf daß wir dich mit Mund und Herzen andächtig in rechtem Ernst anrufen und dir ein angenehmes Lobopfer bringen mögen Herr, tu unsre Lippen auf, daß unser Mund deinen Ruhm verkündige. Erwecke unsere Seele und Gemüt, daß wir uns nicht nur mit unserem Munde zu dir nahen und dich allein mit den Lippen ehren, aber das Herz ferne von dir sei, sondern verleih uns Gnade, daß wir als die rechtschaffenen Anbeter dich im Geiste und in der Wahrheit, ohne andere und fremde Gedanken, anrufen mit herzlicher Aufmerkung unseres Gemütes, ohne Heuchelei und Ehrgeiz, und daß wir nichts von dir begehren als nur allein, was dein göttlicher Wille, dein Lob und Ehre, dazu unserer Seelen Seligkeit ist. Verleih auch, daß wir alles dasjenige, was wir von dir bitten, mit starkem Glauben und gewisser Zuversicht von deiner milden Güte zu erlangen ungezweifelt hoffen, auch dir hierin nicht Zeit, Ziel oder Maß der Hülfe setzen, sondern uns deinem gnädigen Willen, der allewege der beste ist, in allen Dingen mit starker Hoffnung und Geduld in Demut unserer Herzen gänzlich unterwerfen. Dazu gib Gnade, daß wir vor dir ligen mit unserm Gebet nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit und in dem Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi, in welchem wir Freudigkeit haben, vor deinen Gnaden⸗ suhl zu treten und dich mit kindlicher Zuversicht unsern lieben Vater zu nennen. Stärke uns auch, daß wir vom Beten nicht abgeschreckt werden um unserer Unwürdigkeit willen. So hilf nun, du heiliger Gott, daß wir an allen Orten aufheben heilige Hände, ohne Zorn und Zweifel, und emsiglich anhalten mit Flehen, mit Bitte. Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, damit wir nach deiner Verheißung und deinem gnaͤdigen Wohlgefallen allerlei zeitliche und himmlische Gaben empfangen in Christo Jesu, unserm Herrn, der da lebet und regieret in Ewigkei Amen J. Gebete zum täglichen Gottesdienste. Morgengebete. Fülle uns frühe mit deiner Gnade. 2. Luthers Morgensegen. Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöhfer Himmels und der Erde. Ich glaube an Jesum Christum, Gottes eingebornen Sohn, unsemn Herrn, der empfangen ist vom heiligen Geist, geboren von der Jung⸗ frau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeine der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. Vater unser, der du bist im Himmel. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmeal, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und ver⸗ gib uns unsere Schuld, als wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung. Sondern erlöse uns von dem Ubel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewih⸗ keit. Amen. Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände; dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. 3. Morgengebet am Sonntag. armherziger, getreuer Gott, du ewiger Vater unsers Herrn Ichu Christi, der du mit deinem Sohne und dem heiligen Geiste regierest in Ewigkeit, wir sagen dir Lob und Dank für alle Wohl⸗ taten, die wir ohne Unterlaß von deiner milden Güte empfangen, daß du uns die ganze Zeit unsers Lebens, wie auch die vergangene Nacht, so väterlich behütet und uns den heutigen Tag gesund haf lassen helle dich crrist du n lomn bleib deine heilit der? Freu Gere daß und diese böser lang mit wer öpfer sern ung⸗ und von „des die irche, des dein nmel, ver⸗ Und Ubel. wig⸗ stum, und auch und und böse Jesu Heiste Bohl⸗ ngen, ugene haft I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 7 lassen erleben. Insonderheit danken wir dir, daß du bei uns das helle Licht deines Evangeliums hast lassen aufgehen, bei welchem wir dich und deinen Willen recht erkennen und lernen mögen, wie wir christlich leben und selig sterben sollen. Wir bitten dich, gütiger Gott, du wollest solch Gnadenlicht des Evangeliums uns und unsern Nach⸗ lommen erhalten; und damit wir dein angenehmes Volk sein und bleiben können, so vergib uns alle unsere Sünde und Missetaten um deines lieben Sohnes, unseres Heilandes Jesu Christi willen, und heilige uns durch deinen heiligen Geist je länger je mehr, daß wir der Welt und allen weltlichen Lüsten von Herzen entsagen und unsere Freude und Lust darin suchen, daß wir dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Offne unsere Ohren und Herzen, daß wir dein heiliges Wort mit Freuden hören, mit Fleiß erwägen und in reinem Herzen behalien, dich getrost anrufen und nicht allein diesen Tag, sondern auch alle übrigen Tage unseres Lebens von allen böͤsen Werken feiern, bis wir endlich zu dem ewigen Sabbathtag ge⸗ langen, da wir mit Engelzungen und ⸗herzen deine großen Taten mit allen Auserwählten, Engeln und Menschen, rühmen und preisen werden in alle Ewigkeit. Amen. 4. Noch ein Morgengebet am Sonntag. Hr unser Gott, heilig und unbegreiflich, der du das Licht scheinen 2 lässest aus der Finsternis, der du uns erquickt hast durch nächt⸗ lichen Schlaf und wieder erweckt, deinen Ruhm zu preisen und deine Gnade anzurufen, nimm jetzt an von uns nach deiner grundlosen Varmherzigkeit das Opfer unserer Anbetung und unsers Dankes und gewähre uns alle heilsamen Bitten. Richte uns, o Herr, zu Kindern des Lichts und des Tages und zu Erben deiner ewigen Güter. Ge⸗ denke, Herr, nach der Fülle deiner Erbarmungen deines ganzen Volks, aller, die mit uns beten, und aller unserer Mitchristen, die zu Lande oder zu Meer oder wo sonst in deinem weiten Reich deiner Gnade und Hülfe bedürfen, und schütte über sie und uns alle aus den Reichtum deiner Barmherzigkeit, auf daß wir, erlöset nach Seel und Leib, unverrückt in festem Glauben, deinen heiligen und wunderbaren Namen ewig rühmen mögen. Amen. 5. Morgengebet am Montag. Bormheriger, mildreichster Gott und Vater, in dieser Morgenstunde erscheine ich vor dem Throne deiner göttlichen Güte mit herz⸗ lichem Danke, daß du nach zurückgelegter finsterer Nacht mich aber⸗ mals gesund und frisch hast ausstehen lassen. O Vater, deine Hand hat mich geschützet, daß mich der Satan nach seinem Willen nicht hat betrüben oder beschädigen können. Damit nun ferner mein Mund J. Gebete zum täglichen Gottesdienste. deines Ruhmes und deines Preises täglich voll sei, so vergib mir alle meine Sünde und tu mir wohl. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend noch meiner Übertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen, und regiere mich heute, diese angehende Woche und die ganze Zeit meines Lebens, daß ich in allem meinem Vornehmen deinem Worte folge. Behüte mich, liebster Vater, vor der Versuchung des Satans und meines eigenen Fleisches und Blutes, daß ich nichts Übels tue noch wider dich sündige. Laß deine heiligen Engel mich auf allen meinen Wegen behüten, daß ich vor allem Schaden väterlich bewahrt werde. Denn dir, o Gott, übergebe ich meinen Leib und Seele(mein Haus und Hof, mein Weib und Kind und alle die Meinen). Behüte, schüͤtze und erhalte mich, daß sich kein Übel zu mir nahe. Sei du mein Schild und Schirm, segne meinen Eingang und Ausgang und verlaß nicht, die deinen Namen kennen. Tröste alle Betrübte und Kranke. Hilf allen Notleidenden und Verlassenen. Und wenn auch eine trübe Unglückswolke nach deinem Willen über mich kommen sollte, so gib mir Geduld und Rat. Gesegne auch, liebster Vater, heute und die ganze Woche über meine Arbeit und Nahrung und die Werke meines Berufs, daß meine Mühe und Arbeit nicht verloren sei. Laß mich stets an dich gedenken, dich in meinem Herzen be⸗ halten und deine Furcht vor Augen haben, daß ich christlich lebe und selig sterbe. Das verleihe mir um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Amen. 6. Morgengebet am Dienstag. elobet seist du, o Gott, mein Schöpfer, gelobet seist du, o Gott, mein Heiland, gelobet seist du, o Gott, mein höchster Tröster, der du mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz bist und mich die vergangene Nacht wiederum vor allen geistlichen und leiblichen Feinden so väterlich bewahret hast. Ich bitte dich demütiglich, du wollest auch diesen Tag deine Güte über mich ausstrecken und mich mit deiner Barmherzigkeit erfüllen, auch vor Sünden und allem übel gnädiglich behüten. Umgib mich, o Herr, rings mit deinem Schilde, daß der böse Feind und seine Werkzeuge mir keinen Schaden zufügen können. Erhalte mich in deiner Furcht, daß ich nicht sündige, sondern dich herzlich liebe und dein Knecht(deine Magd) sei ewig⸗ lich. Verleih mir auch deine Gnade, daß ich die Werke meines Be⸗ rufes treulich und fleißig ausrichte. Gib dein Gedeihen zu meinem Amt und Stand, segne mein Brot und Wasser und richte all mein Vorhaben, Tun und Arbeit zu deinem Lob, auch zu meiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt. Wende von mir alle bösen Krankheiten und was mir an Seel und Leib schädlich sein mag. Insonderheit aber J. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 9 behüte mich vor einem bösen, schnellen Tode und vor allerlei Herze⸗ leid. Dein heiliger Geist weiche nur nicht von mir. Dein guter Engel sei allezeit zwischen mir und allen meinen Feinden, daß sie leine Hand an mich legen können. Deine Gnade und Segen sei ewiglich ob mir. Amen. 7. Morgengebet am Mittwoch. ◻ Herr Gott, Vater und Herr meines Lebens, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du auch in dieser vergangenen Nacht die Hand deiner väterlichen Barmherzigkeit über mich gehalten, mich durch den Schutz deiner heiligen Engel behütet hast und mich zu deinem Lobe wieder aufstehen lassen. Ich bitte dich durch Christum, deinen Sohn, laß mich dir diesen Tag zu gleicher Gnade, Liebe und Fürsorge besohlen sein. Regiere mein Herz, Sinn und Gedanken, Worte und Werke durch deinen werten und heiligen Geist, daß ich nichts Übels tue. Leite mich auf ebner Bahn und laß mein Herz deinen Tempel und Wohnung sein. Ach Herr, allmächtiger Gott, du bist mein Vater, ich dein Kind; verlaß mich nicht, denn auf dich bin ich geworfen aus Mutterleibe, mein Heil steht allein bei dir. In deinem Namen, o Vater, fange ich alles an, gib, daß ich mein Werk in deiner Kraft vollbringe, für deinen väterlichen Beistand dir danke, mit dem, was mir deine Güte verliehen hat, mich kindlich begnügen lasse und nicht nach mehr oder nach Verbotenem trachte. Zeuch mich von der Welt und ihrer Lust ab, ich begehre ihrer nicht. Sei du mir nur, mein Gott, nicht schrecklich in der Not, denn wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Du bist mir werter als alle Schätze der Welt. Ach gib, daß ich dich, du süße Liebe, nimmermehr verlasse. Bleibe diesen Tag und allezeit bei mir. Nimm dich auch nach deiner großen Liebe aller Armen und Notleidenden, aller Bekümmerten und Trostlosen, aller Ver⸗ lornen und Irrenden, insonderheit deiner verlorenen Schafe aus dem Hause Israel an, sei das ewige Heil deiner Kirche und laß auch mich in derselben ein wahres und lebendiges Glied sein, daß, wenn ich aus diesem Leben scheiden soll, ich zu dir in den Himmel auf⸗ gehoben werde. Ach Vater, erhöre mich und gewähre mich meines Gebets, in dem Namen deines Sohnes Jesu. Amen. 8. Morgengebet am Donnerstag. Mir loben, preisen und rühmen dich, wir danken dir, du Gott unserer Väter, daß du uns aus dem Schatten der Nacht heraus⸗ geführt und uns von neuem das Licht des Tages hast sehen lassen. Zu deiner Güte flehen wir: Sei gnädig über unsere Missetat und mimm an unser Gebet nach der Fülle deiner Erbarmung. Denn ————..— . —‚.‚——...—.——— 10 J. Gebete zum täglichen Gottesdienste. du bist unsere Zuflucht für und für, barmherziger, allmächüger Gott. Laß scheinen in unsere Herzen die wahrhaftige Sonne deiner Gerechtigkeit, erleuchte unsern Verstand und behüte unsere Sinne, auf daß wir als am Tage ehrbar wandeln den Weg deiner Gebote und auch dermaleinst im ewigen Freudenlichte dich selig schauen mögen. Amen. 9. Morgengebet am Freitag. Her Jesu, deine Liebe ist in der vergangenen Nacht mein Schild und Schirm gewesen. Ich danke dir für alle deine Güte, dite du an mir armen und elenden Menschen so gnädig bewiesen, und bitte dich, zeige mir auch heute diesen Tag deine Gestalt, denn sie ist lieblich. Erfreue die Seele deines Kindes mit deiner heiligen Gegenwart. Stärke mich mit dem Beistande deines werten heiligen Geistes. Vergib mir alle meine Sünde und Missesat, mit welcher ich bisher wider dich und deine heilige Liebe mißgehandelt habe, und regiere heute und allezeit mein ganzes Leben und meine Werke, daß ich nichts Böses tue, nichts Gutes unterlasse. Herr Jesu, stärke meinen Glauben, mehre meine Liebe zu dir und gib mir ein festes Vertrauen zu deinem heiligen Versöhnungsblute. Zeuch mich nach dir, so werde ich den Weg deiner Gebote nimmermehr vergessen Herr Jesu, der du an dem heutigen Tage deinen heiligen Leib in das Grab hast legen lassen, ach gib mir deine Gnade, daß ich meine Sünde tief vergrabe und sie nimmermehr über mich herrschen lasse. Sei mit mir in allen meinen Verrichtungen, laß sie wohl geraten, wenn sie in dir getan sind. Erbarme dich auch aller, die dir an⸗ hangen, und gib einem jeden sein täglich Brot und verlaß deine Gemeine nicht, deren Erzhirte du bist. Gib uns ferner die Süßig⸗ leit deiner heiligen Liebe zu genießen, und wenn wir endlich am Ende unseres Lebens den Weg des Todes gehen sollen, so laß deinen Tod unser Leben und dein heiliges Grab unsere Ruhe sein. daß wir durch den Tod zum Leben eingehen. Erhöre uns, o Jesu, um deines Namens und um deiner Liebe willen. Amen. 10. Morgengebet am Sonnabend. Berr Gott, himmlischer Vater, in dieser Morgenstunde befehle ich dir meinen Leib und meine Seele in deine liebreiche Regierung, in deinen mächtigen Schutz, in deine väterliche Aussicht und Treue. Laß mir und den lieben Meinigen heute nichts Übels begegnen und teine Plage unserm Hause sich nahen. Laß deinen heiligen Geist uns kräftig regieren und unser Herz zum lindlichen Gehorsam lenlen, daß wir von den Wegen der wahren Gottseligkeit nicht abweichen. Segne mich heute an Leib und Seele, segne meinen Ausgang und I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 11 Eingang, segne meine Haushaltung und Nahrung. Laß mir in allen meinen Geschästen und Vornehmen dein himmlisches Licht leuchten, deine Kraft mich stärken, deine Liebe mich dringen, daß ich in Gerechtigkeit wandle, meinen Tausbund stets vor Augen habe und meinem Nächsten mit aufrichtiger Liebe begegne. Gib, daß ich die Zeit, die ich noch zu leben habe, wohl und christlich anwende, zu deines herrlichen Namens Ehre, meines Nächsten Dienst und meiner selbst Vesserung. Gib mir auch die Gnade, daß ich mich meiner Sterblichkeit stets erinnere und meine Gedanken allezeit aus dem Zeitlichen in das Himmlische und Ewige richte. Und wenn ich dann meinen Lauf vollendet und das Ziel, welches du mir in Gnaden gesetzt, erreicht habe, so verleih mir nach deiner großen Barmherzigkeit um Jesu Christi willen ein sanftes, fröhliches und seliges Ende. Amen. Tischgebete. 11. Vor dem Essen. Nller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise e zu seiner Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigest alles, was da lebet, mit Wohlgefallen. Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben, die wir von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen 12. Nach dem Essen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Guͤte währet ewiglich. Wir danken dir, Herr Golt Vater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, für alle deine Wohltat, der du lebest und regierest in Ewig⸗ leit. Amen. Abendgebete. Herr, bleibe bei uns, denn der Tag hat sich geneiget. 13. Luthers Abendsegen. Dee walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde. 12 I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. Ich glaube an Jesum Christum, Gottes eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom heiligen Geist, geboren von der Jung⸗ frau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeine der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. Vater unser, der du bist im Himmel. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und ver⸗ gib uns unsere Schuld, als wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung. Sondern erlöse uns von dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewig⸗ leit. Amen. Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände; dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. 14. Abendgebet am Sonntag. Zerr, allmächtiger Gott, barmherziger Vater, ich danke dir herzlich, daß du mich heute so gnädig behütet und Gnade verliehen hast, dein Wort zu hören, deinen Namen anzurufen und auch der leib⸗ lichen Ruhe und Erquickung zu genießen. Herr, wie groß ist deine Güte, die du uns armen Menschen erweisest. Vergib mir, o lieber Vater, alle meine Sünde um Christi willen und regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich dem, was ich heute aus deinem hei⸗ ligen Worte gelernt, in beständigem Glauben, gottseligem Leben und fröhlicher Geduld fleißig und von Herzen nachkomme. Und gleichwie dein lieber Sohn, mein einiger Heiland Jesus Christus, an diesem Tage fröhlich von den Toten aujerstanden ist, also verleih mir Gnade, in einem neuen Leben vor dir zu wandeln. Ich bitte dich auch, lieber Vater, du wollest diese Nacht in deinen väterlichen Schutz nehmen meinen Leib und Seele und alles, was du mir ge⸗ geben hast, daß der böse Feind und seine Werkzeuge keine Mact an mir finden. Dein heiliger Geist erleuchte mich, daß ich dein nimmermehr vergesse. Deine allmächtige Hand erhalte mich. Dein essss“s:— 4 I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 13 heiliger Engel beschütze mich. Deine väterliche Güte segne und erquicke mich, damit ich morgen gesund und mit Freuden aufstehen und dir nach deinem Willen dienen möge. Und wenn ich im zeit⸗ lichen Tode werde entschlafen sein, so gib durch die Auferstehung Jesu Christi, daß ich an jenem Tage fröhlich aus dem Tode wie⸗ derum hervorgehen möge zur ewigen Herrlichkeit. Amen. 15. Noch ein Abendgebet am Sonntag. Helobt seist du, o Gott, allmächtiger Herrscher, der du den Tag erleuchtest durch dein Sonnenlicht und die Nacht durch feurige Strahlen erhellst, der du uns gnädig die Bahn des Tages hast durchwandeln lassen und uns zur stillen Nacht gebracht. Höre auf unser Gebet und auf das Gebet deines ganzen Volkes, und vergib uns alle unsere wissentlichen und unwissentlichen Übertretungen. Nimm an unsere Abendgebete und schütte aus über uns, dein Erbe, die Fülle deiner Barmherzigkeit und deiner Siege. Umschirme uns mit den heiligen Engeln, rüste uns mit den Waffen der Gerechtig⸗ leit, umschanze uns mit deiner Wahrheit, bewache uns mit deiner Macht, rette uns vor allem Unfall und allen Nachstellungen des Widersachers und gib Gnade, daß wir diesen Abend und diese Nacht, so wie alle Tage unsers Lebens, untadelig, heilig, friedlich, von Sünde, Anstoß und Schrecken frei verleben mögen. Denn bei dir ist Erbarmung und Erlösung, Herr, dreieiniger Gott, und dir bringen wir Ruhm und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Amen. 16. Abendgebet am Montag. sellmächtiger, treuer Gott, ich danke dir, daß du mich und die Meinigen diesen Tag über väterlich behütet und alles Unglück gnädiglich von uns abgewendet hast. Ich will mich nun in deinem Ramen zur Ruhe begeben und auf meinem Lager unter deinem Schutze sanft entschlafen. Verzeih mir doch, lieber Vater, alle meine Sunden und Fehltritte, mit denen ich dich diesen Tag wissentlich oder unwissentlich beleidigt und erzürnt habe. Gib mir eine ruhige Nacht und einen stillen Schlaf, daß ich nicht erschreckt werde. Du Huͤter Israels, der du weder schlässt noch schlummerst, wache über mich. Bleibe bei mir, denn es ist Abend worden, und der Tag hat sich geneiget. Sei du in Finsternis meiner Seele helles Licht, daß ich mich, ob ich schon im Finstern schlafe, doch nicht fürchte. Laß meine Seele in dir ruhen, und ob mich der Tod erschleichen wollte, so erhalte mein Herz und meinen Geist, daß ich zu dir wache und dein sei im Leben und im Tode. Ich befehle dir auch all die Meinen, meine Freunde und Nachbarn, dazu auch Haus und Hof. Gib, o treuer Vater, eine stille, ruhige Nacht auch allen denen, die: 14 I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. in Kümmernis, Krankheit, Herzeleid, Not und Anfechtung sind, die ohne deine wunderbare Hand vor Leibes und der Seele Schmerzen den Schlaf nicht finden. Behüte uns vor allem Übel. Wecke mich frühe sauft auf zu deines Namens Ehre und lehre mich deinen Willen tun nach deinem Wohlgefallen. Und wenn ich an meinem letzten Ende meine Augen zuschließe und selig in deiner Gnade ein⸗ schlafe, so erwecke mich am Tage der Auferstehung alles Fleisches fröhlich zum ewigen Leben. Amen. 17. Abendgebet am Dienstag. Klnachtiger ewiger Gott, wie freundlich bist du denen, die auf Xdich harren, und der Seele, die nach dir fraget. Wie hast du mich diesen Tag so gnädiglich angesehen, der ich doch alles Guten unwürdig bin, hast nicht mit mir gehandelt nach meinen Sünden und mir nicht vergolten nach meiner Missetat. Das danke ich dir von ganzem Herzen. O Herr, laß dir angenehm sein, was ich diesen Tag in deinem Namen getan habe; vergib mir, was ich wider deinen göttlichen Willen gesündigt habe. Laß in mir nicht verlöschen das Licht des Glaubens und deiner Erkenntnis, laß nicht mich überfallen die grausame Finsternis der Unwissenheit, des Un⸗ glaubens und der Verzweiflung, behüte mich vor der ewigen Nacht. Herr, bleibe bei mir, denn der Tag hat sich geneiget, und es ist niemand, der mich in der Finsternis erhalten möge, denn du allein, mein Gott. Hilf uns, so wir wachen, daß wir in Christo wachen; behüte uns, so wir schlafen, daß wir in Frieden ruhen. Suche heim und regiere dieses Haus und vertreibe davon alle Schrecken des Feindes und laß deine heiligen Engel darin wohnen. Dein heiliger Segen bleibe über uns durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 18. Abendgebet am Mittwoch. 2 sage dir Dank, du wahres, ewiges Licht, daß du mich in dem Glanze deiner göttlichen Gnade und deines Geistes in dieses natürlichen Tages Schein vor schweren Sünden behütet hast. Laß nun, o Gott, der du die Nacht dem gebrechlichen Leibe zur Ruhe verordnet hast, meine mühselige, sündige Seele in dir ruhen und Frieden haben vor aller List und jeglichem Anlauf des bösen Geistes. Meine Sinne und Gedanken laß samt Händen und Füßen feiern, schweigen und stille sein zu dir, der du den Deinen gegenwärtig und unvergessen bist auch im tiefen Schlafe. Laß ja nicht mein träges Fleisch die arme Seele überwältigen, daß sie dein vergesse des Nachts. Dir befehle ich meinen Geist, o Hirte, zu treuen Händen; du hast ihn erlöset, Herr, du treuer Gott. Laß mich don 2 E— —= I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 15 dir nicht sinken, wache über mich, schirme mich mit deinen Flügeln. Wenn Tag und Nacht sich scheiden, so wecke mich und verleih mir wieder das Licht, darin ich hie wandeln und bei dir dort ewig wohnen möchte. Höre und erhöre mich, der du nicht schläfst noch schlummerst, durch Jesum Christum. Amen. 19. Abendgebet am Donnerstag. 9˙¹ Gott Vater, voll Gnade und Güte, der du Barmherzigkeit erweisest bis in das tausendste Glied, wie soll ich deinem Namen genugsam Ehre und Ruhm geben, daß du mich so herzlich geliebt und diesen Tag ohne allen Schaden und Gefahr hast hinbringen lassen. Ach Vater, nimm an meiner Statt das vollkommene Opfer deines liebsten Sohnes Jesu Christi an und sei mir um seinetwillen auch ferner gnädig und barmherzig, denn ohne dich, mein Gott, bin ich in der Finsternis dieser Nacht verloren. Du aber bist mein Licht und starker Hort, nimm mich in deine Gnadenarme, o Gott, der du verheißen, meiner nimmermehr zu vergessen. Vergib mir meine Sünden und schaffe in mir einen neuen, freudigen Geist, daß ich allezeit in kindlichem Vertrauen zu dir rufe: Abba, lieber Vater! Deiner väterlichen Fürsorge übergebe ich auch diese Nacht meinen Leib, Seele und all das Meine. Wache über mich, daß ich vor allem Leid behütet in deiner Gnade wieder erwache und dich preise. Tröste auch in dieser Nacht alle Bekümmerten und Be⸗ trübten und laß allen, die den Namen deines Sohnes Jesu in wahrem Glauben anrufen, Hülfe widerfahren. Und weil der Schlaf ein Vorbote des Todes ist, so verleih mir, o gütiger Vater, deine Gnade und den Beistand deines Geistes, daß ich mich also bereite, daß ich am Ende meiner Tage zur ewigen Ruhe des Himmels aufgenommen werde. Erhöre mich und erbarme dich mein, o Gott, um der kräftigen Fürbitte deines Sohnes Jesu willen. Amen. 20. Abendgebet am Freitag. Herr Jesu Christe, du geduldiges Gotteslamm und heiliges Sühnopfer für alle meine Sünde, ja nicht allein für meine, sondern auch für der ganzen Welt Sünde, dir danke ich abermal von Grund meines Herzens, daß du mich an Leib und Seele durch deinen Schutz diesen Tag so väterlich behütet hast. Dich bitte ich, du wollest mir alle meine Sünden, so ich heute diesen Tag aus Schwachheit meiner verderbten Natur und Anreizung des bösen Geistes getan habe, welche mein Herz und Gewissen sehr beschweren und drücken, gnädiglich verzeihen und vergeben. Und weil ich mich nun zur Ruh und Schlaf will niederlegen, wollest du deine Gnade über mich ausbreiten, daß ich darunter in Fried und Ruh diese 16 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. Nacht mit dem Leibe schlafen, mit der Seele aber allezeit zu dir wachen möge. Laß mich also deiner herrlichen Zukunft zum jüngsten Gericht wahrnehmen und mit herzlichem Seufzen auf dich warten, bis ich dermaleinst gar zu dir selig von hinnen fahre. Dazu hilf mir, treuer Heiland, mit dem Vater und heiligen Geiste hochgelobet in Ewigkeit. Amen. 21. Abendgebet am Sonnabend. Bornherziger Gott und Vater, ich sage dir von Herzen Lob und Dank, daß du dich meiner die Zeit meines Lebens so väterlich angenommen und mich diesen Tag über und sonderlich die ganze Woche bis auf diese Stunde vor allem Unglück Leibes und der Seele gnädig behütet hast. Ich bitte dich ferner, du wollest alle meine Sünden, die ich heut und die ganze Woche wider dich und meinen Nächsten wissentlich und unwissentlich getan, durch deine Gnade, welche alle bußfertigen Sünder bei dir haben, zudecken und ihrer nimmermehr gedenken. Hilf gnädiglich, daß ich aus der alten Woche in ein neu christlich Leben trete, dir und allen Auserwählten im Himmel gefallen möge, und laß mich diese angehende Nacht in deine gnädigen Arme befohlen sein, daß ich sicher ruhen und schlafen, frisch und gesund zu deinem ferneren Lob wieder aufstehen möge; und wenn mein Stündlein vorhanden ist, nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ, denn ich bin dein und du bist mein, wie gern wollt ich bald bei dir sein. Amen. ———— II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. Gebete für die Früchte des Feldes und den Bergbau. Meine Rede müsse ihm wohlgefallen. Ich freue mich des Herrn. 22. Danksagung für Gottes Wohltaten. Ewuiger, allmächliger Gott, du bist mein Leben, meine Wohlfahrt, meine Seligkeit, ich aber bin ein Staub der Erde und unter⸗ winde mich, vor deinem Angesicht allhier zu stehen und dich zu loben. Verwirf mein armes Lobgebet nicht, o Herr, und nimm mein Dankopfer in Christo Jesu gnädig an. Du hast mich von Anfang meines Lebens bis auf diese Stundt an Leib und Seele gespeist und ernährt. Du hast mich vor un⸗ zählbaren Gefährlichkeiten Leibes und der Seele bewahrt oder daraus errettet. Du hast mich mit Langmut getragen, zum Wege meiner I. II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 17 Seligkeit ohne Unterlaß und auf mancherlei Weise gerufen und zu meinem seligen Christenstande bekehrt. Das alles hast du mir getan um Jesu Christi willen, der sich allen meinen Schmerzen, Strafen und Schanden und zuletzt meinem Tode unterworfen hat, auf daß ich endlich bei dir in ewiger Seligkeit fröhlich sein könnte. Wie soll ich dir, o mein Gott und Vater, für alle deine Treue und Barmherzigkeit danken? Wie soll ich dir danken, Herr Jesu, der du mit deinem Verdienste, mit Leben und voller Genüge, ja mit dir selber den armen Sünder speisest und tränkest? Ich vermag allewege nichts Gutes, wie sollte ich danken können? Gib du selbst, o Herr, mir in meine Hände, was ich bin und habe, und verleih mir alsdann, daß ich zum schwachen Danke dir wieder übergebe und opfere, was ich bin und habe, und mein Opfer von deinem Altare nicht wieder raube, solange ich lebe. Dein heiliger Wille allein werde in mir, an mir, durch mich in allen Dingen vollbracht und mein Leben zu deinem Preis vollführt, solange es noch währt. Das hilf mir nach deiner großen Liebe. Amen. 23. Noch ein Dankgebet. ein Gott und Herr, ich sage dir Lob und Dank, daß du mich nach deinem Ebenbilde geschaffen, durch das teure Blut deines Sohnes erlöst, durch die Taufe in die Zahl deiner Kinder aufge⸗ nommen und mit dem Sakramente des Leibes und Blutes Christi mannigmal erquicket hast. Ich sage dir Dank, du treuer Gott, daß du mir von meiner Jugend auf bis auf diese Stunde so viele Suünden zugute gehalten und auf meine Buße gewartet, mich so manches Mal aus großen Nöten errettet, an Leib und Seele behütet und mir Gesundheit, Friede und Wohlfahrt die Zeit meines Lebens verliehen hast. Ich bitte ferner, du wollest mich in solcher deiner Gnade und Gütigkeit erhalten, alles, was dir zuwider ist, von mir abtun und vor allem Übel und Unfall mich behüten. Laß mich mein Leben nach deinem Willen und Wohlgefallen vollenden und endlich mit Freuden zu deiner Herrlichkeit kommen. Das bitte ich dich, du treuer Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi. Amen. 24. Zum Beginn der Arbeit. Ewiger, barmherziger Gott, ich will nun wieder frisch an meine Arbeit gehen und die Werke meines Berufes, darein du mich gesetzet hast, getrost angreifen und nach deiner Gabe ausrichten, meinem Nächsten dadurch zu dienen und mein Brot zu erwerben. Darum bitte ich dich herzlich, du wollest mir zu solchem Werk nach deiner gnadenreichen Verheißung Weisheit und Verstand, Heil und Segen, auch Gesundheit verleihen, damit ich es nicht allein wohl 2 18 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. anfangen, sondern auch durch deine väterliche Hülfe in deinem Namen nützlich vollführen und meines Amtes jederzeit in deiner Furcht mit reinem Gewissen treulich warten möge. Dir befehle ich meine Werke; laß meine Anschläge fortgehen und laß mir gelingen, was ich mir in deinem Namen vornehme, daß das Licht auf meinem Wege immer scheine, dir zu Lob und Preis, mir und den Meinen, auch meinem Nächsten zur Wohlfahrt und Frommen, durch deinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. O Herr Jesu, in deinem Namen und auf dein Wort will ich mein Netz auswerfen. O Herr, hilf, o Herr, laß wohl gelingen. Amen. 25. Um Gottes Segen in Haus und Beruf. 0 allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, dieweil du mit Worten und Werken genugsam bewiesen hast, daß du als ein getreuer Vater für uns sorgest, und hast uns gnädiglich zu Kindern angenommen und einem jeden seinen Beruf gegeben, darinnen er dir und dem Nächsten dienen soll, so bitten wir dich von Herzen, lieber Vater, gib Gnade, daß wir unsers Berufes fleißig wahr⸗ nehmen und im Gehorsam als deine treuen Kinder allezeit erfunden werden. Fördere die Werke unsers Haushaltens also, daß wir ja unsere Herzen nicht an die Güter dieser Welt hängen noch jemand dadurch Argernis geben, sondern laß uns alle zeiilichen Güter und Gaben, so wir durch deinen Segen empfangen haben, in stillem Wesen mit täglicher Danksagung genießen und gebrauchen Wollest auch von uns abwenden allen Müßiggang, unnötige Sorge der Nahrung und alles, was dir mißfällt, und bei uns und in uns fördern alles, was dir wohlgefällt, auf daß wir in all unserm Tun deinem Befehle nachgehen und alle Sorge und Anliegen aus rechtem Glauben auf dich werfen. Denn du weißt alles, was uns mangelt und not ist; das wollest du uns gnädiglich verleihen. Amen. 26. Gebet christlicher Eheleute. Barwherziger, gnädiger Gott, lieber Vater, du hast uns nach deinem gnädigen Willen und göttlicher Vorsehung in den heiligen Ehestand gesetzt, daß wir nach deiner Ordnung darin leben sollen. Darum trösten wir uns auch deines Segens, da dein Wort sagt: Wer eine Ehefrau findet, der sindet was Gutes und bekommt Segen vom Herrn. Ach lieber Gott, laß uns ja in deiner göttlichen Furcht beieinander leben. Laß uns vor allen Dingen dein Wort lieb haben, daß wir sein mögen wie ein Baum am Wasser gepflanzet, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Laß uns miteinander in Frieden II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 19 und Einigleit leben und unsern Ehestand in Zucht und Ehrbarkeit jühren, daß dein Segen bei uns wohne, und wir einen ehrlichen Namen haben mögen.(Gib Gnade, daß wir unsere Kinder in der Furcht und Ermahnung zu deinen göttlichen Ehren auferziehen, daß du aus ihrem Munde dir ein Lob bereiten mögest. Gib ihnen ein gehorsames Herz, daß es ihnen möge wohl gehen, und sie lange leben auf Erden.) Gib uns auch das tägliche Brot und segne unsere Nahrung. Und wenn du uns ja, lieber Gott, Kreuz und Trübsal zusenden willst, so gib uns Geduld, daß wir uns gehor⸗ samlich deiner väterlichen Züchtigung unterwerfen, und mache es Ruddig mit uns. Fallen wir, so wirf uns nicht weg, sondern halt uns bei der Hand und richte uns wieder auf. Lindere uns unser Kreuz und tröste uns wieder und verlaß uns nicht in unserer Not. Gib auch, daß wir das Zeitliche nicht lieber haben denn das Ewige; wir haben ja nichts in die Welt gebracht, werden auch nichts mit hinansbemngen. Laß uns nachjagen dem Glauben und der Liebe und ergreifen das ewige Leben, dazu wir berufen sind. Gott der Vater segne uns und behüte uns. Gott der Sohn erleuchte sein Angesicht über uns und sei uns gnädig. Gott der heilige Geist erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Friede. Die heilige Deienigket bewahre unsern Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. 27. Gebet der Eltern für ihre Kinder. hetreuer, lieber Gott und Vater, Schöpfer und Erhalter aller Kreaturen, wir danken dir han Herzen für die Kinder, die du uns durch deinen Segen gegeben hast, und bitten dich herzlich, weil du gesagt hast, du wollest deinen hell igen Geist geben allen, die dich darum bitten, begnade auch unsere armen Kinder mit deinem heiligen Geiste, der in ihnen die wahre Furcht Gottes anzünde, welche der Weisheit Anfang ist. Beselige sie mit deiner wahren Erkenntnis, laß sie in dem wahren seligmachenden Glauben und in aller Gottseligkeit aufwachsen und darin bis ans Ende verharren. Gib ihnen ein gläubiges, gehorsames, demütiges Herz, auch Weisheit und Verstand, daß sie wachsen und zunehmen an Alter und Gnade bei dir und den Menschen. Pflanze in ihr Herz die Liebe deines göttlichen Wortes, daß sie seien andächtig im Gebet und Gottesdienst, ehrerbietig gegen die Diener des Wortes und gegen jedermann, schamhastig in Worten, treu in Werken, fleißig in Geschäften, glück⸗ selig in Verrichtungen ihres Berufes, verständig in Sachen, 300 in allen Dingen, sanftmütig und freundlich gegen alle Menschen. Behüte sie vor allen Argernissen dieser Welt, sei ihr Schutz in allerlei Gefahr, daß sie nicht plötzlich umkommen. Laß uns ja 9* 20 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. nicht Unehre und Schande, sondern Freude und Ehre an ihnen erleben, daß durch sie auch dein Reich vermehret und die Zahl der Gläubigen groß werde, daß sie auch im Himmel um deinen Tisch her sitzen mögen, als die himmlischen Olzweige und dich mit allen Auserwählten ehren, loben und preisen mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Darauf bete den 127. und 128. Psalm. 28. Gebet nach der Taufe eines Kindes, auch von Gevattern zu beten. KUlmächtiger ewiger Gott, lieber himmlischer Vater, der du der Vrechte Vater bist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, wir sagen dir von Herzen Lob und Dank, daß du dieses Kind uns geschenkt und ihm verliehen hast, daß es durch die heilige Taufe zum ewigen Leben wiedergeboren und deinem lieben Sohne, unserm Herrn Jesu Christo, einverleibt worden ist. Wir bitten dich demütig, du wollest dieses Kind, welches nunmehr dein Kind und Erbe geworden ist, bei der empfangenen Taufgnade bewahren, damit es nach allem deinem Wohlgefallen zur Ehre deines Namens treulich auferzogen werde, im wahren Glauben bis zum seligen Ende beständig verbleibe und endlich das verheißene Erbteil im Himmel mit allen Heiligen empfange, durch Jesum Christum. deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. 29. Schulgebete. 1. Luthers Morgensegen siehe Gebet 2. 2. Lieber Herr und Gott, der du deinem Volke im Gesetz befohlen hast: Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken, laß auch uns in unserer Arbeit deinen heiligen Willen erkennen und alle unsere Werke mit Fleiß und Treue verrichten. Weil aber ohne deinen Segen Mühe und Arbeit vergeblich ist, so bitten wir dich, laß dein himmlisches Gedeihen auf unsere Arbeit reichlich herabfließen gleich dem Morgentau, der das dürre Land befeuchtet. Laß uns unsere Geschäfte in deinem Namen anfangen und in stiller Hoffnung auf deine Hülfe glücklich hinausführen, dit zur Ehre, uns zur Freude und den Menschen zum Wohlgefallen. Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände, ja das Werk unserer Hände wollest du fördern. Amen. 3. Abba, lieber Vater, dir sei Lob und Dank gesagt, daß du uns diesen Tag hast gesund erleben lassen und uns wieder die Gnade verleihst, gemeinsam deinen Namen anzurufen. Dein lieber II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 21 Sohn hat versprochen, daß er mitten unter denen sein wolle, die in seinem Namen versammelt sind. Laß auch jetzt seine gnädige Verheißung an uns erfüllt werden. Weil du aber nur denen nahe bist, die dich fürchten, so gib eine kindliche Furcht vor deiner heiligen Majestät in unsere Herzen. Erleuchte unsern Verstand und lenke unsern Willen zum Gehorsam, daß dir all unser Tun und Lassen wohlgesalle. Laß uns wachsen an Weisheit, Alter und Gnade bei dir und den Menschen nach dem Exempel deines heiligen Kindes Jesu. Amen. 4. In deinem Namen, lieber himmlischer Vater, schicken wir uns jetzt wieder an, die Arbeit unsers Berufes auszurichten und zu lehren und zu lernen, was uns befohlen ist. Sende dazu dein Licht und deine Wahrheit und gib uns erleuchtete Augen unsers Verstandes. Vor allen Dingen aber laß deine Furcht unserer Weisheit Anfang und deinen Geist unser aller Lehrer und Leiter sein. Mache unsere Herzen zu einem tiefen, weichen und reinen Lande und laß guten Samen darauf fallen, daß er darin wurzele und aufgehe und Frucht bringe zum ewigen Leben. Amen. 5. Allgegenwärtiger Gott, deine Augen sehen auf eines jeglichen Weg, und du schauest auf alle unsere Gänge. Du erkennest unser Herz, und es ist alles bloß und aufgedeckt vor deinen Augen. Vor dir ist auch die Finsternis licht, und die Nacht leuchtet wie der helle Tag. Gib uns doch einen tiefen Eindruck davon in unser Herz, daß wir allezeit vor deinen heiligen Augen offenbar sind, damit wir uns vor der Sünde fürchten lernen und vor deinem Angesichte wandeln. Schaffe in uns ein reines Herz, tilge alle heimliche Unlauterkeit aus unserm Leben und mache uns aufrichtig vor dir und den Menschen. Den Aufrichtigen lässest du es gelingen und beschirmest die Frommen. Das erfülle an uns nach deiner Barmherzigkeit. Amen. 6. Wir danken dir, Herr Gott, für alle deine Wohltat, die du uns erzeiget hast, daß du uns zu vernünftigen Menschen geschaffen hast und hast uns erlöset durch das unschuldige Blut deines lieben Sohnes und durch dein Wort und deinen Geist zum ewigen Leben berufen. Wir bitten dich, lieber Vater, verleih uns deine Gnade, dein heiliges Wort wohl zu lernen, christlich zu leben und selig zu sterben, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. 7. Herr, leite uns in deiner Wahrheit und lehre uns, denn du bist der Gott, der uns hilft; täglich harren wir dein. Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist. Gedenke nicht der Sünden unserer Jugend noch unserer Übertretung, gedenke aber unser nach deiner Barmherzigkeit 22 II. Dankgebetie. Berufsgebete. Fürbitten. um deiner Güte willen. Lehre uns tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist unser Gott; dein guter Geist führe uns auf ebener Bahn. Und dein Friede, der höher ist denn alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christo Jesu. Amen. 8. Wir danken dir, lieber himmlischer Vater, daß du den Schlummer der Nacht von uns verscheucht und uns wieder versammelt hast, unsere Hände zu dir aufzuheben. Laß uns nun die Arbeit des Tages mit Freuden angreifen und die Gabe, welche du einem jeden verliehen hast, mit Treue und Demut gebrauchen. Gib uns ein sehendes Auge, ein hörendes Ohr und ein waches Gewissen. Fülle uns frühe mit deiner Gnade und segne die Werke unserer Hände. Deinem heiligen Namen sei Ruhm und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. 9. Herr Jesu Christe, der du die Kinder zu dir zu bringen befohlen und sie in dein Reich aufzunehmen verheißen hast, wir danken dir, daß du uns in der heiligen Taufe zu dir gezogen und mit den Gütern deines Reiches gesegnet hast. Laß uns nun bei dir bleiben und als lebendige, grünende und fruchtbare Reben an dir, dem rechten Weinstock, erfunden werden. Vollführe das gute Werk, das du in uns angefangen hast, und behalte uns in der Aussicht deiner Liebe und unter der Zucht deines Geistes, daß wir geschickt werden, dir hier in deinem Reiche zu dienen, und einst nach wohl vollbrachtem Leben auf Erden den Eingang finden zu deinem ewigen Reiche. Amen. 10. Wir danken dir, lieber himmlischer Vater, für die große Gnade, daß du dein heiliges Wort uns gegeben hast. Drücke es ein und versiegele es in unsern Herzen, daß wir danach tun, leben und sterben. Laß uns in deiner Erkenntnis wachsen und zunehmen, dich, ewiger Gott, anrufen, loben, ehren und preisen und alles, was wir tun und lassen, nach deinen heiligen Geboten anstellen, damit wir hier allezeit als gehorsame Kinder erfunden und zuletzt des ewigen Lebens, das uns durch Jesum Christum erworben ist, teilhaftig werden mögen. Amen. 11.(Am Schlusse der Woche.) Allmächtiger Gott, lieber himmlischer Vater, da wir ohne deines heiligen Geistes Licht und Gnade nichts vermögen, so bitten wir dich, du wollest unsern Ver⸗ stand erleuchten, unser Gedächtnis stärken und unsern Willen regie⸗ ren und heiligen, daß wir alles, was wir lesen und hören, recht verstehen, was wir verstehen, wohl behalten, und was wir behalten, wohl anwenden und in ein christliches Leben verwandeln. Befesige du selbst alles, was wir gehört und gelernt haben, und bestäͤtige das Gute, das du in uns angefangen hast, zu deines Namens Lob und Preis um Jesu Christi, unsers Heilandes, willen. Amen. II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 28 12.(Zum Schlusse der Schule.) Lob und Dank sei dir 1 Gott aller Gnade und Barmherzigkeit, daß du uns bis hieher cchul sen hast. Dein Aufsehen hat unsern Odem bewahrt, du hast uns Gesundheit, Kraft und Freudigkeit zu unserm Werke gegeben, und was an unserer Arbeit nicht vergeblich gewesen, das danken wir allein deiner Güte. Wir sind zu geringe aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an uns getan hast. Tilge alle unsere Sünde und übertretung um Jesu Christi willen. Herr, wer kann merken, wie oft er sehle? Verzeih uns auch die verborgenen Fehler und laß keinen ein böses Gewissen und unvergebene Schuld mit sich hin⸗ wegnehmen. Behalte uns in deiner Gnade, erhalte uns ein fröh⸗ liches Herz, laß uns untereinander durch das Band des Friedens und durch herzliche Liebe verbunden bleiben.(Laß deinen 4— die begleiten, welche von uns scheiden; laß ihn auch bei uns bleiben, die wir erfrischt und gestärkt unser Werk wieder aufzunehmen ge⸗ denken.) Behüte unsern Ausgang und Eingang von nun an bis zu ewigen Zeiten. Amen. 30. Zwei Gebete für Konfirmanden. 1. Ich danke dir, mein himmlischer Vater, daß du mich durch die heilige Taufe in den Bund der Gnade und des Friedens auf⸗ genommen, in deinem Worte mich unterwiesen und nun diese Zeit mich hast erleben lassen, in der ich zu meiner Konfirmation mich bereiten und rüsten soll. Hilf, lieber Vater, daß diese Zeit eine heilige und gesegnete Zeit und ein geistlicher Frühling für mich werde. Mache mich völliger im kindlichen Gehorsam, andächtig im Gebet, eifrig zu deinem Wort, treu in meiner Arbeit, friedsam und ehr⸗ erbietig 958et jedermann. Bewahre mich und alle, die mit mir auf dem We ege sind, vor Ärgernis und allem leichtfertigen Wesen. Laß uns wachsen in deiner Erkenntnis und stark werden durch deinen Geist an dem inwendigen Menschen, daß wir am Tage unserer Kon⸗ firmation ein gutes Bekenntnis tun und würdig zu deinem Tische kommen mögen. Amen. 2. Haat Gott, himmlischer Vater, weil dein lieber Sohn ver⸗ sprochen hat, daß du deinen heiligen Geist denen geben wollest, die dich darum bitten, so bitten wir dich herzlich in dem Namen Jesu Christi, deines geliebten Sohnes, du wollest uns deinen heiligen Geist geben, daß er uns in alle Wahrheit leite, uns zu allem Guten an⸗ treibe, regiere und führe. Heilige uns durch denselben durch und durch und erfülle uns mit seinen Heiligungsgaben, damit wir als deine Kinder wandeln, Christo angehören und deine Rechte halten mögen, um der teuren Verheißung und Fürbitte deines geliebten Sohnes Jesu Christi willen. Amen. 24 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 31. Für die Kirche. U• Vater aller Barmherzigkeit, der du dir eine heilige Gemeine und Kirche auf Erden durch dein Wort und heiligen Geist sammelst und erhältst, wir bitten dich, du wollest deine kleine Herde, das arme Häuflein, so dein Wort durch deine Gnade angenommen hat, ehret und befördert, bei der rechten, erkannten, reinen und allein seligmachenden Lehre, auch bei dem rechten Gebrauche der heiligen Sakramente wider alle Pforten der Hölle, wider alles Wüten und Toben des leidigen Teufels, wider alle Bosheit und Tyrannei der argen Welt beständig und fest erhalten. Erhalte dein Schifflein samt deinen Christen mitten auf dem ungestümen Meere, unter allen Wellen und Wasserwogen, daß es nicht sinke noch untergehe. Laß deine liebe Kirche fest und unbeweglich auf dem Grundfels stehen, darauf sie gebauet ist. O Gott Zebaoth, wende dich doch, schaue vom Himmel und siehe an und suche heim deinen Weinstock und halte ihn im Bau, den deine Rechte gepflanzt hat, und den du dir festiglich erwählt hast, auf daß sein Gewächs ausgebreitet und seine Zweige groß werden. Nimm uns, deine Schafe, in deinen Schutz, daß uns niemand aus deiner Hand reiße. Behüte uns vor allen denjenigen, welche die Vertilgung der rechten Lehre und die Auf⸗ richtung und Bestätigung der schändlichen Abgötterei suchen. Laß dein liebes Wort, das helle und unwandelbare Licht, so uns jett scheint, nicht unterdrückt oder ausgelöscht werden, sondern tu Hülfe durch deinen großen oder ausgestreckten Arm und erhalte deine Kirche und Gemeine unter so viel Anstößen in der Welt, auf daß du unter uns hier auf Erden auch ein Volk habest, das dich erkenne, ehre und anbete und deinem heiligen Namen mit reinem Herzen diene. Ach Herr, schone deines Volkes und laß uns nicht entgelten unsere Sünden, der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volle und alle ihre Sünde bedeckt, der du vormals hast allen deinen Zorn aufgehoben und dich gewendet von dem Grimme deines Zorns, tröste uns, Gott unser Heiland, und laß ab von deiner Ungnade über uns. Beschütze deine Christenheit, welche sich auf dich allein verläßt, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen. Sei und bleibe du mitten unter uns und weiche nicht von deiner Gemeine. Tu solches um deines Namens willen, daß derselbe nicht entheiliget werde, ja tu es um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, willen. Amen. 32. Für die Obrigkeit. Hen aller Herren und König aller Könige, du Herrscher uber den ganzen Erdenkreis, der du alle Obrigkeit eingesetzet und gesagel hast durch deinen werten Apostel: Es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott Ord selb⸗ mit geru Und und Obr Wo Wel ihn wel Laf han Gil keit gett sie Sch un He II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 25 Gott, und wer der Obrigkeit widerstrebet, der widerstrebet Gottes Ordnung, laß uns die Obrigkeit für deine Ordnung erkennen, die⸗ selbe füchten, lieben und ehren. Gib Gnade, daß wir durch sie mit Gerechtigkeit regiert werden und unter ihrem Schutz ein stilles, geruhiges Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Und weil du, lieber Vater, der Könige Herzen in deiner Hand hast und leitest dieselben wie Wasserbäche, so regiere auch unsere liebe Obrigkeit mit deinem heiligen Geist, daß sie vor allen Dingen Gottes Bort lieb haben, ihre Tore weit machen und die Türen in der Velt hoch, daß in ihren Landen der König der Ehren einziehe. Gib ihnen deine himmlische Weisheit, die um deinen Thron ist, durch welche die Könige regieren und die Ratsherren das Recht setzen. Laß sie das Geschrei der Armen hören und Recht und Gerechtigkeit handhaben. Laß sie fürstliche Gedanken haben und darüber halten. Gib ihnen die Liebe der Gerechtigkeit, beständigen Mut und Tapfer⸗ keit wider alle Ungerechtigkeit, glücklichen Fortgang ihrer Anschläge, getreue, verständige, kluge Räte, gesundes und langes Leben. Behüte sie vor Heuchlern und Schmeichlern, vor Kriegen und Blutvergießen. Schütze sie durch deine heiligen Engel. Segne das ganze Land und schaffe unsern Grenzen Friede, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 33. Für die Früchte des Feldes.(Am Tage der Hagelfeier.) Heu, allmächtiger Gott, ein König Himmels und der Erde, der du durch deine überschwengliche Güte den ganzen Erdboden mit allerlei Früchten zierest und erfüllest, von welchen Menschen und Vieh ihre Nahrung haben, wir bitten dich um deiner Barmherzigkeit willen, du wollest unser Land segnen, daß es seine Früchte und Vermögen gebe, sintemal wir von uns selber nicht ein Körnlein aus der Erde hervorbringen oder demselben helfen können, wo du nicht das Gedeihen gibst. Darum verleih den lieben Früchten eine gnädige Witterung, daß sie wachsen und wohl geraten. Behüte sie vor Hagel und Ungewitter, vor Verheerung, vor allem Ungeziefer und Schaden. Laß das Land nicht feiern in deinem Zorne, laß es nicht wüste liegen und unfruchtbar bleiben. Schließ den Himmel in deinem Grimme um unserer Sünde willen nicht zu, daß er nicht wie Eisen, und die Erde so hart wie Erz werde, sondern gib uns Früh⸗ und Spatregen, dazu fruchtbare Zeiten, suche das Land heim und wässere es und mache es sehr reich. Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle, so laß denn unser Getreide wohl geraten und baue selbst das Lond, tränke seine Furchen und segne sein Gewächs und kröne das Jahr mit deinem Gut. Laß dir, lieber Gott, den Samen und alle Früchte des ganzen Erdreichs in deinen gnädigen Schutz befohlen 26 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. sein. Behüte uns vor Mißwachs, Teurung, Hunger und Kummer. Siehe, wir bekennen unsere Sünde mit reuigem Herzen und schreien zu dir, unserm Gott, du wollest hören im Himmel, in dem Sitze, da du wohnest, und gnädig sein der Sünde deines Volkes und uns nicht mit leiblicher Nahrung verlassen, sondern unser Leben erhalten und uns mit aller Notdurft versorgen, auf daß wir in allen Dingen deine göttliche Kraft und milde Hand mit Danksagung erkennen und dich preisen, der du uns an Leib und Seele hier zeitlich und dort ewiglich reichlich ernährest. Amen. 34. Um den lieben Sonnenschein. Kulmichtiger, barmherziger Gott, himmlischer Vater, wir haben es mit unsern Sünden wohl verschuldet, daß du uns jetzt mit vielem überflüssigen Regen und betrübtem nassen Wetter strafest und heimsuchst. Aber hilf doch um deines Namens willen und laß die liebe Sonne wiederum scheinen und leuchten, damit sich die not⸗ leidenden Früchte erholen, und wir solchen deinen Segen zu unserer Notdurft wohl einbringen und mit Danksagung in Frieden genießen mögen. Unsere Hoffnung und Hülfe, unser Trost und unsere Zu⸗ flucht ist und bleibt in dir, der Himmel und Erde gemacht hat. Hilf uns, o Gott unsers Heils. Amen. 35. Um einen fruchtbaren Regen. himmlischer Vater, allmächtiger Gott, du hast in deinem Worte gesagt, wenn wir dir nicht gehorchen, so willst du den Himmel wie Eisen und die Erde wie Erz machen, daß es nicht regnen sol, noch die Früchte auf dem Lande gedeihen. Wiederum aber hast du verheißen, wenn wir dir gehorchen, dich lieben und dir von ganzem Herzen dienen, so wollest du unserm Lande Regen geben zu seiner Zeit. Nun sehen wir leider mit Schmerzen, daß die lieben Früchte, die du aus deiner milden Hand bescheret hast, von der Sonnenhitze hart austrocknen und schier keinen Saft mehr haben, weil die frucht⸗ baren Regen ausbleiben. Solches alles haben wir mit unsern viel⸗ jältigen Sünden als eine Strafe und Rute wohl verdient und wären wohl wert, daß du uns nicht ein Körnlein ließest aus der Erde wachsen. Nun wissen wir kein ander Mittel, mit welchem wir deinen Zorn könnten stillen und die brennende Hitze abwenden, denn daß wir mit einem ernsten, gläubigen Gebet, welches die Wolken durch⸗ dringt und vor dein Angesicht kommt, auch bei dir viel ausrichtet, dir in die Rute fallen. Bitten deshalb deine unendliche Barmherzig⸗ keit, du wollest den Himmel wieder aufschließen und einen lieblichen, fruchtbaren Regen bescheren,(wie denn Elias auch mit seinem Gebete erlangte, daß es regnete,) damit die Früchte der Erde erfrischt und SS= II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 27 erquickt werden, und wir sie mit Danlbarkeit einernten, zur Er⸗ haltung unsers zeitlichen Lebens fruchtbarlich gebrauchen und in deinem Segen vom Himmel an Leib und Seele erhalten werden und dich hie zeitlich und dort ewiglich loben und preisen mögen. Amen. 36. Beim Anfang der Ernte. AImachiiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der du fröhlich machst, was da webet, beide des Morgens und des Abends, bauest selbst das Land und segnest sein Gewächs: wir danken dir, daß du auch dieses Jahr unser Land heimgesucht hast und das Getreide wohl geraten lassen. Wir wollen nun deinen Segen einsammeln und bitten dich herzlich, du wollest uns dazu gute und bequeme Witterung verleihen, das Angesicht der Erde fröhlich machen und deine liebe Sonne scheinen lassen, damit unsere Früchte, vor allem Schaden behütet und zu ihrer Vollkommenheit gebracht, von uns in gutem Frieden fein trocken eingesammelt, mit Dank⸗ sagung aus deiner milden Hand angenommen und zur Notdurft unsers Leibes in guter Gesundheit genossen werden. Du weißt, lieber Vater, daß wir des täglichen Brotes und deines Erdsegens hoch bedürfen, weil du es so geordnet, daß der Mensch vom Brote lebe und sein Herz damit stärke. Darum so gönne uns auch für dieses Jahr deinen gezeigten Segen, und wie du angefangen hast, uns zu segnen, so segne uns noch ferner, gib uns unsere Speise zu deiner Zeit, tu deine milde Hand auf und sättige uns mit deinem Gut. Herr, du erhörest Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir. Hoͤre auch jetzt unser Gebet und vernimm unser Schreien, auf daß wir dein väterliches Herz erkennen und dich für deine Wohltat loben und preisen, solange wir leben. Dazu hilf uns, du frommer Gott, und gib uns, was wir für uns selber nicht vermögen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 37. Dankgebet nach der Ernte(am Erntedaukfeste). Hen Gott Himmels und der Erde, du bedeckest den Himmel mit Wolken, gibst Regen auf Erden und machest sie fruchtbar, daß sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen; du erfüllest die Herzen mit Speise und Freude und gibst uns allerlei Gutes reichlich zu genießen. Du hast verheißen: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Samen und Ernte, und dieses dein Wort hast du, gnä⸗ diger Gott, auch an uns in diesem Jahre kräftiglich erfüllt. Unsern Samen haben wir auf Hoffnung ausgesäet, und siehe, nun ernten wir durch deinen Segen reichlich ein. Für solche deine Gnade und Wohltat danken wir dir heute in deinem Hause mit allem deinem 28 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. Volke und sagen: Nun danket alle Gott, der große Dinge tut an allen Enden, der uns vom Mutterleibe an lebendig erhält und tut uns alles Gutes. Preise, Jerusalem, den Herrn, lobe, Zion, deinen Gott! Dank sei dir, o treuer Gott, daß du unsern Saaten Regen und Sonnenschein verliehen, uns die Ernte so treulich behütet und uns und unsern Kindern wieder für ein Jahr Brot gegeben hast. Bewahre nun ferner, lieber Gott, was du gegeben hast, und gib Gnade, daß wir es anwenden uns und unsern dürstigen Nächsten zur Erhaltung und dir zu Lob und Preis. Hilf, daß wir als deine Kinder dich stets vor Augen haben und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, einst aber wie reife Garben heim⸗ geholt und am jüngsten Tage durch deine heiligen Engel als guter Weizen in deine Scheuern gesammelt werden; so wollen wir dir mit allen Heiligen ein ewiges Dankopfer bringen und sagen: Hoch ge⸗ lobet sei Gott in alle Ewigkeit! Amen. 38. Um göttlichen Segen zum Bergwerk. Kulmächtiger Gott, Schöpfer Himmels und der Erde, in deiner Hand ist, was die Erde bringt, und die Höhen der Berge sind auch dein. Groß sind deine Werke, die Erde füllest du mit Gütern und lässest auch der Berge Gründe nicht leer. Wir sagen deiner Majestät Lob und Preis, daß du diesen unsern Ort mit dem edlen Vergsegen begnadigt, die Gebirge mit fündigen Klüften und Gängen veredelt und(bei den bisherigen schweren Zeiten) den lieben BVerg⸗ bau noch gnädig erhalten hast. Insonderheit danken wir deiner Barmherzigkeit, daß du in dem vergangenen Jahre viel Unglück väterlich abgewendet(nach den schweren Unglücksfällen uns wieder gnädig angesehen), alles in gutem Stande erhalten und das tägliche Brot mildiglich beschert hast. Für diese großen unverdienten Wohl⸗ taten bringen wir heute deinem Namen das Opfer unserer Lippen und rühmen deine Allmacht und Güte mit fröhlichem Munde und dankbarem Herzen. Weil wir aber, lieber Gott und Vater, leider oft undankbar gewesen, deine Gaben nicht gebührlich erkannt und geachtet, dieselben auch nicht zu deinen Ehren und zu Nutzen unsers Nächsten angewandt, sondern vielmehr oft mißbraucht haben, so hast du zur gerechten Strafe oftmals deine Gaben und Schätze zurück⸗ gehalten und deinen Segen entzogen, daß unsere Arbeit an vielen Orten verloren und vergeblich gewesen. Nun, lieber himmlischer Vater, wir bitten dich, gedenke nicht unserer Sünden, sondern ge⸗ denke deiner vorigen Güte und Gnade, die von der Welt her gewesen ist. Gib uns deinen Geist, daß wir nicht bloß mit Worten unsere Missetat bekennen, sondern auch durch seine Hülfe zu wirklicher und tätiger Bußfertigkeit und Besserung des Lebens schreiten mögen. Erhe wirkt Han durc Anbt Brot Krar unse Voch Arbe diger Sche unse und und Sche segn. alles Erd Chri III. Gebete in allerlei Not. 29 Erhebe du durch deine allmächtige Hand, die krästig allenthalben wirkt, dieses unser Bergwerk immer mehr und mehr; iu deine milde Hand auf, beschere gute Anbrüche, reich Erz und Silber, und laß durch deinen Segen die herrli ichen Gaben, die du uns durch schöne Anbrüche zeigst, dauernd sein, daß wir alle dadurch unser täglich Brot haben mögen. Behüte uns vor Feuersbrünsten, vor ansteckenden Krankheiten, vor Wassermangel und schädlichen Wasserfluten. Behüte unsere Bergleute bei ihrem Ein- und Ausfahren, wache über unsere Pochwerke und Hütten und über alle, die darin arbeiten. Laß ihre Arbeit gedeihn, daß jedermann sich deiner väterlichen Güte und gnä⸗ digen Hülse erfreue und die Werke seines Berufs mit Lust verrichte. Schenke den Oberen Weisheit und Liebe, Krast und Treue. Segne unsere Schulen, daß die Weisheit in ihnen gesucht werde wie Silber und erforscht wie die Schätze, auf daß unsere Kinder deine Furcht und Erkenntnis finden. Vor allen Dingen aber laß den edlen Schatz deines reinen Worts und Sakraments bei uns bleiben und segne uns mit den unvergänglichen Gütern deines Reiches, daß wir allesamt endlich unsere Ausfahrt aus den dunklen Gängen dieser Erde mit Freuden halten und dich ewig loben und preisen, durch Christum, unsern Herrn. Amen. III. Gebete in allerlei Rot. Ich hatte viel Bekümmernisse in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergetzten meine Seele. 39. Um Geduld in Leidenszeit. Almächtiger, gütiger Gott, der du bist eine Stärke der Schwachen, ein Trost der Betrübten, eine Zuflucht der Verlassenen, eine Hülfe der Angefochtenen, ein Leben der Sterbenden, ein Gott der Geduld und alles Trostes, du siehest, wie schwach, blöde und verzagt wir sind, und daß wir im Kreuze ohne deine göttliche Hülfe und Beistand nicht bestehen können. Deswegen rufe ich zu dir, wenn du mir Krankheit oder sonst Widerwärtigkeit nach deinem göttlichen Willen und Wohlgefallen zuschickest, du wollest mich darunter fest im Glauben und beständig in der Geduld erhalten. Verleih mir Gnade, daß ich deine väterliche Hand und Züchtigung mit sanftem Geiste und stillem Herzen ertragen möge. Gib mir Geduld in Kidenszeit, welche mir hoch vonnöten ist, und lehre mich, daß ich dir, meinem Gott, stille halte, wenn es mir übel gehet, damit ich die Trübsal nicht achte für ein Zeichen deiner Ungnade und in 30 III. Gebete in allerlei Not. meinem Herzen nicht etwa wider dich murre oder sonst ungeduldig werde, sondern laß mich erkennen, daß, welchen du, Herr, lieb hast, denselben du auch züchtigest zu seiner Besserung; denn die Trübsal bringt Geduld, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu schanden werden, und selig ist der Mann, den du, Gott, züchtigest. Darum soll sich niemand weigern der Züchtigung des Allmächtigen, denn du verletzest und verbindest, du zerschmeißest, und deine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wirst du mich erretten, und in der siebenten wird mich kein Übel rühren. So hilf nun, ewiger, barmherziger Gott, daß ich meine Seele mit Geduld fasse und in gewisser Hoffnung unab⸗ gewendet stets an dir bleibe, auf daß ich mit kindlicher Zuversicht dein väterliches Herz, unter dem Kreuze verborgen, erkennen möge, mit allerlei Kraft mächtig gestärkt werde nach der großen Macht deiner Herrlichkeit, und mit aller Geduld und Langmut in aller Anfechtung und Widerwärtigkeit gewappnet stehe und fröhlich mit dankbarem Gemüte in aller Not samt allen deinen Gläubigen dich preisen möge; auf daß, wie ich mit Christo Jesu, deinem lieben Sohne, allhier leide, also auch mit ihm zur ewigen Herrlichkeit er⸗ hoben werde. Amen. 40. In Anfechtungen. 0 Jesu Christe, du mächtiger Herr und einiger Helfer, der du dich Mum unsertwillen und uns zugut hast lassen versuchen, auf daß du den Teufel überwändest, wir bitten dich, rüste uns mit geistlichen Waffen, damit wir bestehen können unter dem Schilde des Glaubens gegen die listigen Anläufe des Teufels; mach uns stark in der Macht deiner göttlichen Stärke, daß wir der Welt obsiegen; hilf uns das Fleisch durch Fasten und Beten betäuben und im Zaum halten, damit wir unumgestoßen in deinem Dieinste bleiben und als christliche Ritter uns wehren mit dem geistlichen Schwerte deines Wortes und endlich die Krone des Lebens davon bringen, welche du uns geben wirst um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. mein Herr Jesu Christe, ich bitte dich von Grund meines Herzens, sprich mir diese Himmelsfreude allezeit in mein Herz und schreib sie an mit der goldenen Schrift des Glaubens in mein Gemüt, daß du mein Jesus, mein Heiland, mein Helfer, mein Er⸗ löser, mein Gott und Herr seiest, damit ich als ein Kind Gottes und Erbe des ewigen Lebens in diesem Elend dich, den Brunnquell aller Freude und Trostes, allezeit in meinem Herzen trage, auf daß ich alle Anfechtung und Widerwärtigleit mit fröhlicher Geduld über⸗ winde, dem Teufel mit fröhlichem Glauben widerstehe, mit fröhlicher Zuve und nehm Hei uns hörte du deine brau aber Vern unse Herr Sun mun wille dein unse die und Hun Bru dein Frie gnã Chr III. Gebete in allerlei Not. 31 Zuversicht bete, alle Mühseligkeit meines Berufs mit Freuden dulde und einmal, wann du willst, in fröhlicher Hoffnung ein seliges Ende nehmen möge. Amen. 41. In Kriegszeiten. Heliger und barmherziger Gott, erzeige uns uns. Schwere Wetter steigen auf, Kriegsgeschrei ist rings um uns her. Ach daß wir unter dem Toben der Völker deine Stimme hoͤrten und deinen Geist uns strafen ließen! Mit Langmut hast du uns geschont und Geduld mit uns gehabt, aber wir sind über deine Güte um so sicherer geworden, haben deine Wohltaten miß⸗ braucht, dein Wort vergessen, haben viel wider einander gemurrt, aber wenig für einander gebetet, haben mit unserer Weisheit, unserm Vermögen und Werk Götzendienst getrieben, statt auf dich allein unsere Hoffnung zu setzen. Aber nun kommen wir wieder zu dir, deine Gnade und hilf Herr, unser Gott. Laß uns eins werden in Erkenntnis unserer Sünde, daß wir auch eins werden im Vertrauen auf deine Erbar⸗ mung. Nimm von uns, Herr, jegliche Verschuldung,‚ um Christi willen vergib uns unsere Sünde. Deine Gnade sei unser Trost, dein Friede unsere Kampfesrüstung. Sei eine feurige Mauer um unser Vaterland her und erzeige dich herrlich darinnen. Wächst die Not, so macht die Liebe brennender, daß sie rastlos einhergehe und den Verwundeten und Kranken Pflege bringe, den Armen und Hungernden Obdach und Sp Knüpfe durch die Trübsal neue Bruderbande, führe uns durch Kampf und Sieg zu neuen Siegen deines Reiches und laß über unserm deutschen Vaterlande einer Frieden aufgehn, der deines Namens Ehre ist. Herr Gott, sei uns gnädig und erbarme dich über uns, erhöre un Gebet um Jesu Christi willen. Amen. 42. In teurer Zeit. ch Herr, du großer und gewaltiger Gott, reich über alle, die dich anrufen, wir bekennen dir von Grund unserer Herzen, daß wir die Teurung und Hungersnot, die uns betroffen, mit unsern vielfältigen Sünden wohl verdient haben. Du, Herr, hast dich nicht unbezeugt gelassen, sondern uns viel Gutes getan und bisher fruchtbare Zeiten gegeben und unsere Herzen erfüllt mit Speise und Freude. Wir aber haben für solche deine Wohltaten dir nicht gedankt noch Hearent Darum, o gerechter Gott, hast du uns billig solchen Segen entzogen und den Stab des Brotes zer⸗ brochen. Ach Herr, sei uns gnädig und vergib uns unsere Sünden um Jesu Christi willen. Tue deine milde Hand auf und sättige uns wieder nach deinem Wohlgefallen. Suche das Land heim und 32 III. Gebete in allerlei Not. wässere es und mache es fruchtbar, deine Brünnlein, Herr, haben ja Wassers die Fülle. Laß das Getreide wohl geraten, baue das Land und segne sein Gewächs, kröne das Jahr mit deinem Gute. Gott, der du rufen kannst dem, das nicht ist, daß es sei; der du dem Vieh sein Futter gibst, den jungen Raben, die dich anrufen, laß doch uns Menschen, die wir nach deinem Ebenbilde geschaffen, auf deinen Namen getauft, ja mit dem teuren Blute Jesu Christi, deines Sohnes, erkauft sind, nicht verschmachten. Erquicke uns doch wieder, denn unser aller Augen sehen auf dich. Herr Jesu, dich hat ja des Volkes gejammert, das nur etliche Tage bei dir verharrt und Hunger gelitten hatte, so laß dich doch auch unser Elend jammern, die wir jetzt Teurung und Kummer leiden. Hebe doch wieder an zu segnen die Hände deiner Knechte, denn was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewiglich. Verleih auch uns allen wahre, herzliche Buße und regiere uns durch deinen Geist, daß wir deine väterliche Güte besser erkennen und deine Gaben und Wohltaten mit größerer Dankbarkeit gebrauchen. Vor allen Dingen aber speise uns mit dem geistlichen Brote deines heiligen Wortes zu unserer Seligkeit und laß uns trachten nach dem, was droben ist, da Christus ist, damit wir dermaleinst mit ihm seiner himmlischen Güter genießen mögen in alle Ewigkeit. Amen. 43. Bei großem Ungewitter. du großer und erschrecklicher Gott, dem Sturmwinde und Feuerflammen dienen müssen, der du auf den Wolken fährest wie auf einem Wagen und deinen Donner mit Hagel und Blitzen auslässest, wir armen Menschen müßten ja in einem Augenbliche verderben, wenn du deine Donnerstrahlen auf uns gehen ließest. Denn die Erde bebt und wird bewegt, die Grundfesten der Verge regen sich und beben, wenn du zornig bist. Herr, wir sehen und hören deine große Macht und entsetzen uns vor dem erschrecklichen Prasseln deines Donners. Ach gedenke nicht unserer Sünden und Missetaten, sondern sei uns gnädig um deines Sohnes Jesu Christi willen. Verfolge uns doch nicht mit deinem Wetter und zerschmettere uns nicht mit deinen Donnerschlägen; bewahre uns Leib und Seele, Haus, Hof, Vieh und die lieben Früchte auf dem Felde. Behüte uns vor grausamen Schrecken und einem bösen, schnellen Tode. Nimm von uns alle Kleinmütigkeit und ungläubige Furcht. Erhalte und stärke in uns den wahren Glauben, herzliche Buß⸗ jertigkeit, fröhliche Hoffnung und Geduld, damit wir bereit seien, wenn es dein Wille ist, aus diesem Leben selig abzuscheiden. Nimm uns, o Herr, unter den Schatten deiner Flügel, bis das Ungewitter vorübergehe, und behüte uns daß wir die Donnerstimme deines III. Gebete in allerlei Not. 33 grimmigen Zorns, womit du die Gottlosen dermaleinst in das höllische Feuer weisen wirst, in Ewigkeit nimmermehr hören müssen, sondern nimm uns auf in dein Reich, daß wir dich, Vater, samt deinem Sohne Jesu Christo und dem heiligen Geiste, einigen wahren Gott, in Ewigkeit preisen mögen. Amen. 44. Bei Sturm und Wasserfluten. Aellmächtiger, großer und starker Gott, der du Himmel und Erde in deiner Hand hast, sieh doch an unsere große Not und Ge⸗ fahr, darin wir jetzt schweben. Du hast die Winde mit Ungestüm ausgehen lassen und die Wasserfluten daher rauschen, daß uns bange ist, und unsere Herzen wollen verzagen. Ach halt ein, du Gott aller Güte und Barmherzigkeit, vergib uns unsere Sünden und Missetat, um unsers Mittlers und Fürsprechers Jesu Christi willen. Laß vor dich kommen das Seufzen der Bedrängten, behüte die Schiffe und alle, die auf dem Meere fahren, mache unsere Dämme und Deiche fest, bewache unsere Häuser und Habe, laß die Gefahr und Angst gnädig vorübergehn. Du hast einst Noah in der großen Flut wunderbar erhalten und nachher den Regenbogen als Gnaden⸗ zeichen in die Wolken gesetzt, mache auch diesmal den verheerenden Fluten ein Ende und tu ein Zeichen an uns, daß es uns wohl gehe. Du hast dich Elias nach Sturm, Feuer und Erdbeben in stillem, sanftem Sausen offenbart, laß auch jetzt den Sturm sich wieder legen und erquicke unsere bangen Herzen mit friedlicher Stille, daß wir deine Nähe merken. Herr Jesu Christe, du bist der Mann, dem Wind und Meer gehorchen muß, stille das Brausen des Windes und das Toben der Wellen. Sprich nur Ein Wort, so ist uns ge⸗ holfen, so wollen wir dir danken um deine Güte und um deine Wunder, die du an den Menschenkindern tust, und deinen Namen preisen hie zeitlich und dort ewiglich. Amen. 45. Bei Seuchen und in Sterbenszeiten. A Herr Gott, gnädig und barmherzig, von großer Güte und Treue, wir erkennen deinen gerechten Zorn, welchen wir mit unsern Sünden wider uns erweckt haben. Ach schone unser, lieber Vater, um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Strafe uns nicht in deinem Zorn und züchtige uns nicht in deinem Grimm. Ach Herr, sei uns gnädig, sei uns gnädig nach deiner Güte und tlge unsere Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit. Wende deine Plage von uns, daß wir nicht verschmachten von der Strafe deiner Hand. Wende dich, o Herr, und errette uns. Hilf uns um deiner Güte willen. Heile, Herr, alle Schwachen und Kranken. Sei bei ihnen in der Not. Reiße sie heraus und zeige ihnen dein Heil. 2 3 34 III. Gebete in allerlei Not. Nimm dich ihrer Seelen herzlich an und vergib ihnen alle ihre Sünde. Lehre uns hiebei alle bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden und mit Furcht und Zittern unsere Selig⸗ keit schaffen. Laß uns, wenn unser Stündlein kommt, an deinem Worte festhalten, in Frieden hinfahren und den Tod nicht sehen ewiglich. Erhöre uns, erhöre uns, erhöre unsere Bitte, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Darnach lies Psalm 90. 91. 46. Um tägliche Bereitschaft zum Sterben. E lieber Gott und Herr, ich lebe und weiß nicht wie lange, ich muß sterben und weiß nicht wann; du, mein himmlischer Vater, weißt es. Wohlan, soll dieser Tag(oder diese Nacht und Stunde) die letzte meines Lebens sein, Herr, so geschehe dein Wille, der ja allezeit und allewege der beste ist. Nach demselben deinem heiligen Willen laß mich allezeit bereit sein, in wahrem Glauben an meinen Erlöser Jesum Christum zu leben und zu sterben. Allein, mein frommer Gott, gewähre mich dieser Bitte, daß ich nicht plötz⸗ lich in meinen Süͤnden sterben und verderben möge. Stelle sie mir in diesem Leben zu meiner Bekehrung unter Augen, damit sie mir nicht am jüngsten Tage zu meiner Verdammnis vorgestellet und zugerechnet werden mögen. Verleih mir, daß ich noch in der Gna⸗ denzeit meine mannigfaltigen schweren Sünden erkenne, bekenne, sie von Herzen bereue, einen festen Vorsatz fasse, mein Leben zu bessern, und auch Vergebung derselben von dir erlange. Alsdann, mein Gott, geschehe dein heiliger Wille; laß mich sterben, wann es dir gefällt, nur gib mir ein sanstes und vernünftiges Ende. Barm⸗ herziger Gott und Vater, der du bei deinem Leben geschworen haf, du wollest nicht den Tod des Gottlosen, sondern daß er sich von seinem bösen Wesen bekehre und lebe, Gott Sohn, der Welt Heiland, der du alle, die an dich glauben, bei deiner Wahrheit versichert has, was sie den Vater in deinem Namen bitten werden, das wolle er ihnen geben, Gott heiliger Geist, der du unserer Schwachheit auf⸗ hilfst, und wenn wir nicht wissen, was und wie wir erhörlich beten sollen, uns mit unaussprechlichem Seuszen vertrittst, erbarme dich über mich armen Sünder und laß diese meine Bitte ja, amen und erhört sein. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, du getreuer Gott. Amen. 47. Gebet für ein krankes Kind. Heu Jesu, du treuer und barmherziger Heiland, erbarme dic unser und dieses kranken Kindleins. Du hast einst das Kind des Königischen gesund gemacht, da sein Vater dich bat, und haß III. Gebete in allerlei Not. 35 des Jairus Töchterlein vom Tod aufgeweckt; so wissen wir, daß du auch hier gnädiglich helfen kannst. Du guter Hirte, nimm dich in Gnaden dieses deines elenden Schäfleins an. Es ist ja dein Eigentum. Du hast es in der heiligen Taufe angenommen und zu den Deinen hinzugetan; so ziehe doch die Hand nicht ab von dem, was dein ist. Herr, unser Heiland, wir möchten wohl dies Kind⸗ lein noch behalten. Ist es ihm und uns gut, daß es länger lebe, so schenke es uns noch einmal und verleih ihm wieder Krast und Gesundheit, so wollen wir dich loben für deine Treue und Gnade. Hast du aber beschlossen, dies Kindlein aus dieser argen und sünd⸗ haften Welt abzurufen und zu deinem ewigen Frieden und zur Schar deiner Auserwählten heimzuführen, so geschehe dein Wille. Wir weigern uns des Kreuzes nicht, das du uns auflegen willst. Stärke nur unsern Glauben und gib uns den Geist der heiligen Stille, daß wir aus deinen treuen Händen alles dahinnehmen, es gefalle uns oder gefalle uns nicht. Herr, erbarme dich unser. An dein Herz und in deine Hände legen wir dies Kindlein, so ists wohlgeborgen in Zeit und Ewigkeit. Amen. 48. Gebete eines Kranken. 1. O Herr, himmlischer Vater, du bist ja ein getreuer Gott und lässest niemand über sein Vermögen versucht werden, sondern schaffest, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir sie er⸗ wagen mögen, ich bitte dich in meinen großen Nöten und Schmer⸗ zen, laß mir das Kreuz nicht zu schwer werden. Stärke mich, daß ich es mit Geduld ertragen möge und an deiner Barmherzigkeit nimmermehr verzage. O Christe, des lebendigen Gottes Sohn, der du des Kreuzes Pein für mich gelitten hast und endlich für meine Sünde gestorben bist, zu dir rufe ich aus meines Herzens Grunde: Erbarme dich über mich sündigen Menschen, vergib mir alle meine Übertretungen, die ich in meinem ganzen Leben begangen habe. Erhalte mich im wahren Glauben bis an mein Ende. O Gott heiliger Geist, du wahrer Tröster in aller Not, erhalte mich in der Geduld und herzlichen Anrufung Gottes, heilige mich mit wahrer Zuversicht und weiche nicht von mir in meiner letzten Not. Leite mich aus diesem Jammertale in das rechte Vater⸗ land. Amen. 2. Herr Jesu Christe, du hast deinen Boten zu mir geschickt, nämlich diese meine Krankheit, und mich zur Buße ermahnen lassen. Siehe, mein Herr, ich erkenne deinen gnädigen Willen, bin gehor⸗ sam und bekehre mich zu dir. Mein Gott, ich sende dir wieder einen Boten, nämlich mein armes Gebet und mein Seufzen. O Herr, nimm mein Flehen an und laß meine Seufzer vor dich 3* 36 III. Gebete in allerlei Not. kommen. Gefällt dirs, mein Erlöser, und ist mirs gut und selig daß ich leben soll, wohl, so richte mich auf und hilf, daß es 22 neues, gesundes, christliches Leben sei bis an mein Ende. Gefällt dirs nicht, daß ich lebe, sondern soll dies das Ende sein, wohl, so sei es ein seliges Ende. So komm, Herr Jesu, bald und nimm meine Seele in deine Hände. Amen. 3. O allmächtiger, starker Gott, der du bist gnädig und barm⸗ herzig, geduldig und von großer Güte und Treue, vergibest Sünde und Missetat, zu dir rufe ich, du wollest mir alle meine Sünde aus Gnade verzeihen und meine Seele wider alle Anfechtung stärken und erhalten. Komm mir zu Hülse und stehe mir bei, daß der Glaube in mir nicht wanke, die Hoffnung nicht verzage, die Liebe nicht erkalte, menschliche Schwachheit vor Schrecken des Todes nicht versinke. Und wenn mein Stündlein kommt, so laß mich in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. An diesen Heiland glaube ich und auf ihn hoffe ich. Ach Herr, laß mich nicht zu schanden werden, denn du bist meine Hülfe und Stürke. Siehe mich an mit den Augen deiner Barmherzigkeit und wende zu mir deine väterliche Huld, durch Jesum Christum deinen Sohn, der mit seinem heiligen Leiden und Sterben uns eine ewige Erlösung erworben hat. Amen. 49. Dankgebet eines Genesenden. Berr⸗ mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein einiger Nothelfer, dir danke ich von Grund meines Herzens für deine unaussprech⸗ lichen, vielfältigen Wohltaten, die du mir armen Sünder erzeiget hast, sonderlich aber, daß du in meiner großen Not, Krankheit und Elend mich in Gnaden angesehen, mein Herz gestärkt, mein Gebet erhört und mir so väterlich wiederum aufgeholfen hast. Ich danke dir, Herr, daß du zornig über mich gewesen bist, und dein Zorn sich so gewendet hat, daß du mich nun wiederum tröstest. Ach wie gut ist mir es, daß du mich gedemütigt hast. Du hast, o licber Vater, mich gezüchtigt, damit ich nicht mit der gottlosen Welt ver⸗ dammt werde. Um Trost war mir sehr bange, aber, Herr, du hast dich meiner Seele herzlich angenommen, wie soll ich dir vergelten all das Gute, das du an mir getan hast? Ich will dir danken mein Lebelang und deinen Ruhm verkündigen für und für. Da ich dich, Herr, suchte, antwortetest du mir und errettetest mich aus meiner Not. Du verlässest die nicht, die dich suchen. Du erhöres Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir. Du bist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilsst denen, die zerschlagene Gemüter haben. Ach mein Gott, verleihe mir eine herzliche, beständige Vuße durch die Kraft des heiligen Geistes um Jesu Christi willen, damin ich h wider meine Engel ich de erhalt Gotte üͤbern Elen gieße. und Arzn. nicht denn du in deine singe ruter mit wiede helfe vom sich ia Leibg ja v Her mit groß III. Gebete in allerlei Not. 37 ich hinfort nicht mehr sündige, auf daß mir nicht etwas Argeres widerfahre, sondern daß ich mich mein Lebelang vor solcher Betrübnis meiner Seele hüte. Beschütze mich auch hinfort durch deine heiligen Engel, daß sie mich bewahren auf allen meinen Wegen. Und dieweil ich doch endlich dieses Leben werde gesegnen und sterben müssen, so erhalte und vermehre in mir den wahren seligmachenden Glauben, Gottesfurcht, Geduld und Trost, damit ich ritterlich kämpfen, selig uͤberwinden und fröhlich in dein himmlisches Reich eingehen möge, dich, o Vater aller Barmherzigkeit, samt deinem Sohne und heiligem Geist, den einigen wahren Gott, ewiglich zu preisen. Dir, o aller⸗ höchster Gott, sei Lob, Ehre und Dank gesagt in alle Ewigleit. Amen. 50. Um Geduld in langwieriger Krankheit. Herr Jesu Christe, der du in den Tagen deines Fleisches in höchster Geduld all dein Elend ausgestanden und uns unsere Seelen mit Geduld zu fassen befohlen hast, du siehst mein betrübtes Elend, hörst mein Seufzen, das ich auf meinem Angstlager aus⸗ gieße. Du weißt, wie meine Schwachheit und Gebrechlichkeit so groß und heftig ist. Wie soll ich aber tun, du frommer Herr? Keine Arznei weiß ich als das Kräutlein Geduld. Dieweil aber dasselbe nicht wächst in dem ungebauten Garten meines Fleisches und Blutes denn der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach, so stärke du mich mit dem Geiste der Gnade und des Trostes, gib mir Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid, damit ich wider deine Gerichte nicht murre, sondern mit Freuden ein Halleluja darein singe und gewiß dafür halte, du wollest mitten unter deinen Zucht⸗ ruten gedenken deiner väterlichen Barmherzigkeit, mich züchtigen, aber mit Maße, mich strafen, aber nicht in deinem Zorn, mich töten, aber wieder lebendig machen, mir eine Last auflegen, aber wiederum aus⸗ helfen. Du bist ja der Gott, der da hilst, und der Herr Herr, der bom Tode errettet, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Sprüche aus Goktes Wort für Kranhe. Bange Seufzer: Deine große herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen mich.(Jes. 63, 15.) Ach du Herr, wie lange? (Psalm 6, 4.) Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?(Röm. 7, 24.) Demütigung vor Gott: Ach Herr, unsere Missetaten habens ja verdient.(Jer. 14, 7.) So du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?(Psalm 130, 3.) Wir liegen vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Varmherzigkeit.(Dan. 9, 18.) 38 III. Gebete in allerlei Not. Trost des Glaubens: Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.(1 Joh. 1, 7.) Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigleit zu sein, aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind.(Hebr. 12, 11.) Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.(Jak. 1, 12.) Die väterliche Stimme Gottes: Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Siehe, in die Hände hab ich dich gezeichnet. (Jes. 49, 15. 16.) Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. (Hebr. 13, 5.) Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.(Jer. 31, 3.) Die Gnadenstimme Jesu Christi: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.(Joh. 7, 37. 6, 37.) Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2 Kor. 12, 9.) Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.(Offenb. 2, 10.) Auch können folgende längere Abschnitte göttlichen Wortes von dem Kranken gelesen oder ihm vorgelesen werden: 1 Petr. 5, 6—1II. Psalm 130. Psalm 25. Pfalm 42. Psalm 63, 2—9. Psalm 91. Klagelieder 3, 22— 42. Röm. 8, 18— 27. Röm. 8, 28- 39. 1 Petr. 1, 3—9. Psalm 126. Offenb. 7, 9—17. 51. Morgengebet eines Kranken. 0 du getreuer Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, ich sage dir von Herzen Lob und Dank, daß du mich armen tranken Menschen diese Nacht über so gnädig erhalten, gestärket und das erquickende Tageslicht wieder hast sehen und erleben lassen. Gelobt sei deine Gnade und Barmherzigkeit, welche über mich waltet, so hoch der Himmel über der Erde ist. Ich bitte dich, vergib mir alle meine Sünde, verneure, vermehre deine Liebe und Treue diesen Morgen und allezeit an mir armen Menschen und laß deine Güte nicht von mir weichen. Tröste und stärke mich mit deinem heiligen Geiste, daß ich in allem nach deinem Willen leben und leiden möge. Ach Herr, verlaß mich nun und nimmermehr mit deinem Schutze. Laß aufhören die böse Zeit; wenn es, lieber Herr und Gott, dein Wille ist, so mache meinen schwachen Leib gesund, oder bringe mich bald und seliglich aus diesem Elende zu deiner ewigen Herrlichkeit durch das bittere Leiden und Sterben III. Gebete in allerlei Not. 39 und durch die siegreiche Auferstehung Jesu Christi, deines lieben Sohnes, welcher als unser Mittler alle unsere Krankheit getragen, unsere Schmerzen auf sich geladen und uns durch seine Wunden geheilet hat. Nun, ich befehle dir nochmals meinen Leib, Seele und alles, was du mir gegeben, in deinen väterlichen Schutz; dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Der Segen, Schutz und Kraft Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes sei über, in und bei mir jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. 52. Abendgebet eines Kranken. eiliger Herr und Gott, barmherziger himmlischer Vater, ich danke dir, daß du mir bis hieher so gnädig geholfen und mich nun abermals einen beschwerlichen Krankheitstag in diesem Elend hast zurücklegen lassen. Ich bitte dich von Grund des Herzens, vergib mir um Christi, meines höchsten Seelenarztes und Heilandes willen, alle meine Sünde und hilf mir Kranken auch durch diese bevor⸗ sehende Nacht hindurch mit deiner Gnade, Kraft und Trost. Mein Leib will sich zur Ruhe legen, ach dieselbe gönne mir gnädiglich zur Erquickung dieses meines schwachen Leibes. Behüte mich vor der ewigen Nacht um der Angst- und Jammernacht Jesu Christi willen und laß mich das liebe Tageslicht wiederum erfreulich sehen, auch dermaleinst den Glanz des ewigen Tages in himmlischer Herr⸗ lichkeit unaufhörlich schauen. Indessen, weil ich meiner selbst nicht pflegen kann, so lege die Wacht deiner heiligen Engel zu mir, über meine Seele und Leib und alles, was du mir gegeben, daß mir kein Feind noch Unfall schade. Herr Gott Vater, erbarme dich diese Nacht über dein armes Geschöpf. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, siehe gnädiglich an deinen Diener und erkauftes Gut. Herr Gott heiliger Geist, tröste und führe mich seliglich in diesem und nach diesem zu dem ewigen Leben. Deine Gnade und Wahrheit, o du heilige Dreifaltigkeit, walte über mich in Ewigkeit. Amen. 53. Gebet eines Kranken, der sich zum Sterben schickt. ◻ Vater aller Gnade, erbarme dich über meine arme Seele. Vergib mir alle meine Sünde, die ich leider wider dich getan habe. Verachte nicht dein armes Geschöpf, verschmähe mich nicht, der ich deiner Hände Werk bin. Laß den nicht umkommen, welchen du gemacht und geschaffen hast, denn auf dich hoffe ich, du bist meine Hülfe und mein Gott. O Christe, wahrer Heiland, der du bist das Lamm Gottes, welches da trägt die Sünde der Welt, der du mich mit deinem Blute gewaschen und gereinigt hast, ich bitte dich durch dein bitteres Leiden, sonderlich aber durch die Schmerzen, 40 die du zu der Stunde deines Todes empfunden hast: Erbarme dich über meine arme Seele bei ihrem Ausgange und führe sie zum ewigen Leben. O Gott heiliger Geist, du süßer Trost, erhalte mein Herz wider alle Ansechtung des bösen Feindes, stärke meinen Glauben, daß ich festiglich glaube eine Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben. So befehle ich nun, o heilige Dreieinigkeit, meinen Geist in deine Hände. Du treuer Gott, du hast mich erlöset, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. 54. Gebete der Umstehenden für den Sterbenden. Ellmächtiger, gütiger Gott, der du unser Leben erhältst im Tod und Sterben, wir bitten dich, du wollest die Augen der Barm⸗ herzigkeit wenden zu diesem kranken Menschen und ihn erquicken an Leib und Seele und ihm alle seine Sünden aus Gnaden vergeben. Nimm an das Opfer des unschuldigen Todes Jesu Christi, deines lieben Sohnes, für die Bezahlung seiner Missetat. Er ist ja auch auf desselbigen Namen getauft und mit desselbigen Blut gewaschen und gereinigt. So errette ihn nun von des Leibes Qual und Pein. Verkürze ihm seine Schmerzen, erhalte ihn wider die Anklage des Gewissens und wider alle Anfechtung des bösen Feindes, auf daß er im Glauben ritterlich kämpfe und überwinde. Verleihe ihm eine selige Heimfahrt zum ewigen Leben. Schicke deine heiligen Engel her, daß sie ihn begleiten zur Versammlung aller Auserwählten, in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen. ◻ Herr Jesu Christe, der du allein bist die Tür zum ewigen Leben, daß, wer durch dich eingeht, selig werden mag, wir bitten dich von Herzen, du wollest solche Gnadentür diesem Dahin⸗ sterbenden auftun und ihn aus der Anfechtung der Sünde und des Teufels List und Macht bald erlösen. Ach Herr, hilf ihm, daß er im finstern Tale und Schatten des Todes nicht irre gehe noch der⸗ derbe, sondern du, als ein getreuer Hirte, nimm auf dieses verlorene Schaf und deinen Knecht, laß ihm dein Wort in seinem Herzen leuchten, stehe ihm in aller Not bei und zeige ihm dein Heil, laß ihn nicht entfallen aus des rechten Glaubens Trost, nimm seine Seele in deine Hände und pflege ihrer mit Gnaden, auf daß sie keine Qual anrühre, und gib also ihm das ewige Leben. Amen. Sprüche, dem Sterbenden zuzulprechen. ˙⁰ ich schon wanderte im finstern Tale, fürchte ich kein Unglüch denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Psalm 23, 4. Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Phil. 1, 21. III. Gebete in allerlei Not. III. Gebete in allerlei Not. 41 Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Jes. 43, 1. Der Herr wird dich erlösen von allem übel und dir aushelfen zu seinem himmlischen Reiche; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 2 Tim. 4, 18. Herr, ich warte auf dein Heil. 1 Mos. 49, 18. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt uberwunden. Joh. 16, 33. Verlaß mich nicht, Herr, mein Gott, sei nicht ferne von mir. Eile mir beizustehen, Herr, meine Hülfe. Psalm 38, 22. 23. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Psalm 68, 21. Vater, in deine Hände befehl ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott. Psalm 31, 6. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Ap.⸗Gesch. 7, 58. Abschiedslegen. Der allmächtige Gott stärke dich, wider alle Anfechtung ritterlich zu kämpfen und im wahren Glauben bis ans Ende zu verharren! Der Herr Jesus Christus sei mit dir und begleite dich in das ewige Leben und verleihe dir am jüngsten Tage eine fröhliche Auferstehung. Amen, Amen, Amen. 55. Gebet nach dem Tode eines Kindleins. Hen Jesu Christe, du ewiger Gott und Heiland, der du so freund⸗ lich der Kindlein dich angenommen und sie zu dir gerufen und gesegnet hast, wir zweifeln nicht, daß du auch dieses unser liebes Kindlein zu dir in deine ewige Freude gerusen und mit Leben und Seligkeit gesegnet habest. Aber, Herr, unser Gott und Heiland, unsre Seele ist betrübt, und wir tragen Leid, weil du unser liebes Rind so frühe dahingenommen. Wenn wir schon wissen, daß du es wohl meinest, da du mit ihm aus diesem bösen Leben geeilet, so will es uns doch fast schwer werden, uns stille in deinen heiligen Willen zu fügen. So hilf du selbst uns durch deinen heiligen Geist und stärke unsern Glauben, daß wir deinen Rat ehren und preisen, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Wir danken dir, daß du unser liebes Kindlein in der heiligen Taufe zu deinem Kinde angenommen, es zum ewigen Leben wiedergeboren und ihm das Erbe des Himmels zugesprochen hast. Darum sind wir der guten Zuversicht, daß es nunmehr in deinem Frieden und in der ewigen Ruhe ist. Hilf, lieber 42 IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. Herr, daß wir umkehren und werden wie die Kinder, auf daß auch wir dereinst mit Freuden einschlafen und zur ewigen Ruhe der Heiligen gelangen mögen durch deine ewige Gnade und Barmherzigkeit. Amen. 56. An Begräbnistagen. Bormherziger⸗ gnädiger Gott, der du nach deinem unerforschlichen, aber gewißlich gnädigen Ratschluß uns mit schwerem Leid heim⸗ gesucht hast, wir sagen dir Lob und Dank, daß du uns auch deine heiligen Tröstungen darreichest im Worte des Lebens. So sind wir nun nicht wie die andern, die keine Hoffnung haben, sondern wir wissen es, daß du unsere sterblichen Leiber zur Herrlichkeit und zum ewigen Leben auferwecken willst am jüngsten Tage. Dessen getrösten wir uns auch heute, da wir ein edles Samenkorn in deinen heiligen Acker legen auf den Tag der Auserstehung. Ach Herr, deine Wege sind wunderbar, wer kann sie verstehen? Deine Gerichte sind heilig und hoch, wer darf darüber murren? Du hast alles wohlgemacht, und dein Wille ist gut und gnädig, auch wenn du uns heimsuchst mit Trauer und Herzeleid. Darum wollen wir stille sein und dir unsere Sache befehlen. Tröste uns, Gott, unser Heiland, und verlaß uns nicht in unserm Leide. Du bist uns nahe, und dein Erbarmen hat noch kein Ende. Bleibe bei uns und sei unsers Herzens Trost und unser Teil. Gib, daß uns nichts von dir und deiner Liebe scheide. In deine Hände befehlen wir uns ganz und gar. Erbarme dich unser und sei uns gnädig jetzt und im letzten Stündlein und am Tage des Gerichts, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Darnach lies 1 Thess. 4, 13— 18. Offenb. 7, 9.—17. IV. Beicht⸗ und Abendmahlsgebete. So wir unsere Sünde bekennen, so ist er tren und gerecht, daß er uns die Sünde vergibt und reiniget uns von aller Untugend. Biblische Abschnitte, deren je etliche an Beichttagen zu lesen und zu betrachten: Pfalm 32. 51. 130. Jes. 55, 1—11. Jer. 2, 13. 3, 12. 13. Matth. 5. Luc. 15. Luc. 18, 9—14. Eph. 4, 22—5, 9. Hebr. 10, 19—27. Offenb. 3, 14—22. 57. Um rechtschaffene Buße. Ondiger und barmherziger Gott, du bist geduldig, von großer Gute Mund Treue, du berufest uns täglich durch die Gnadenpredigt deines Wortes zur christlichen Bekehrung; du lässest in deinem Namen alle hast leit in i rech Fri dich verl ewis heit maf uns ich mic mir was rein nich von sehe herz als lich mit Bu Rei Zei nic spa IV. Beicht⸗ und Abendmahlsgebete. 43 allen Menschen Buße und Vergebung der Sünden verkündigen. Dazu hast du auch nach deiner Langmut und unaussprechlichen Barmherzig⸗ keit Geduld mit uns, indem du die Sünder nicht auf frischer Tat in ihren Übertretungen plötzlich überfällst, dieselben mit deinem ge⸗ rechten Zorn und Gerichte zu strafen; sondern du gibst Raum und Frist zur Bekehrung, also, daß niemand über dich zu klagen hat und dich beschuldigen kann. Denn es ist ja nicht dein Wille, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre und das ewige Leben habe. O lieber Gott, du weißt unsers Fleisches Träg⸗ heit und des Herzens Härtigkeit, daß wir durch die Erbschuld der⸗ maßen verderbt und so tief in die Sünde gefallen sind, daß wir von uns selber nicht aufstehen oder wiederlehren können. Darum bitte ich dich durch die Wunden Jesu Christi, unsers Herrn: Bekehre du mich, so werde ich bekehrt; heile du mich, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. Entsündige mich, daß ich rein werde, wasche mich, daß ich schneeweiß werde. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. O lieber Gott, siehe mich so gnädig an, wie du ange⸗ sehen hast die bußsertige Sünderin, als sie zu deinen Füßen lag und herzlich über ihre Missetat weinte, und wie den Zöllner im Tempel, als er an seine Brust schlug und um Gnade bat. Verleih mir ernst⸗ liche Reue und Leid über meine Sünde, auch einen wahren Glauben mit rechter Zuversicht auf deine Gnade, dazu würdige Früchte der Buße. Laß mich die Zeit meiner Heimsuchung erkennen und den Reichtum deiner Güte nicht verachten, auf daß ich die angenehme Zeit und den Tag des Heils nicht versäume, daß ich meine Buße nicht von einem Tage auf den andern noch auf das letzte Stündlein spare, sondern jetzt diesen Tag mich zu dir bekehre. Amen. 58. Um wahre Erkenntnis der Sünde. Jbeiliger und gerechter Gott, barmherziger Vater, ich bekenne und betlage dir meine angeborene Blindheit, daß ich meine Sünde nicht so vollkommen erkenne noch so herzlich bereue, als es wohl sein sollte. Ach Herr, du stellest unsere unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesichte. Gib mir die Größe und Mannigfaltigkeit meiner Sünden zu erkennen, stelle sie mir in diesem Leben unter die Augen, damit sie mir nicht am jüngsten Tage unter die Augen ge⸗ stellt und ich dadurch vor Engeln und Menschen zu schanden werden möge. Ach Herr, du siehest und weißt meines Herzens Härtigkeit, die mir angeboren ist; nimm dieselbe von mir hinweg und erweiche mein Herz durch dein heiliges Wort, daß ich meine Sünde inniglich bereuen möge. O Herr Jesu, der du dein heiliges Blut am 44 IV. Beicht⸗ und Abendmahlsgebete. Stamme des Kreuzes vergossen hast, auf daß du mein Herz dadurch erweichen möchtest, laß dieses dein heiliges Blut und teures Leiden an mir nicht verloren sein. Du treuer Lehrer hast in den Tagen deines Fleisches gerufen: Tut Buße! du wollest jetzo auch krästiglich in mein Herz rufen: Tu Buße und bereue deine Sünde! Du stehest vor der Tür meines Herzens und klopfest an, ach gib Gnade, daß ich deine Stimme höre, daß ich nicht mein Herz verschließe, sondern die Tür auftue. O heiliger Geist, du ewiges himmlisches Licht, erleuchte mein finsteres Herz, daß ich in deinem Lichte die Finsternis meiner Sünden erkennen und herzlich bereuen möge. Amen. 59. Bekenntnis der Sünde vor Gott. Hen Jesu Christe, du einiger Arzt der Kranken, du Genesung der Nverwundeten Gewissen, der du in der Fülle der Zeit auf Erden gekommen bist, nicht die Gerechten, sondern die Sünder zur Buße zu rufen, wir armen, vom Stachel der Sünde tödlich verwundeten Menschen kommen zu dir in Zuversicht auf deine unaussprechliche Güte und Liebe, welche du an uns bis in den bittern Tod des Kreuzes gewendet hast. O du, von dem Vater uns zaghaften, er⸗ schrockenen Sündern zum Gnadenstuhle aufgerichtet, vor dein Angesicht bringen wir unser sündiges Herz. In uns wohnt das heimliche Laster des Unglaubens, der Eigenliebe, des Ungehorsams wider deinen heiligen Willen, der Verachtung deiner ewigen Güter. Wie hängt das Herz so fest an dieser Welt und ihren vergänglichen Gütern! Welch eine große Sorge wenden wir auf dieses arme Leben und unser sterbliches Fleisch! Darin stehen wir ganz verkieft und vergessen der geistlichen Güter und Gaben. Dazu gilt uns unsere Blindheit für Licht, und wollen in nichts vor dir unrecht haben. Kalt sind wir und ohne deinen heiligen Geist, ohne Gerech⸗ tigkeit, Friede und Freude, ohne Demut, ohne Furcht und Schrecken vor deinen gerechten Gerichten. Verachtung deiner Herrlichkeit, Un⸗ dank gegen deine zahllosen Wohltaten ist all unser Leben. Wir bekennen dir nun diese mannigfaltigen, ungestümen Wellen der bösen Begierde. Wir geben uns schuldig aller Früchte des bösen Baumes, unsers Herzens, von dem dein Mund mit Wahrheit ge⸗ sprochen hat, daß nur böse Gedanken und Werke von ihm kommen. Du kennst den bösen Baum, alle seine Wurzeln und Aste und Früchte, unser arges Herz mit allen seinen Krümmungen und Winkeln. Nimm uns wieder in deine schaffenden, allmächtigen Hände; gib uns ein neues Herz, daß wir nicht ewig Dornen und Disteln tragen. Fülle uns bald mit deiner Gnade, welche besser ist als Leben. Laß durch Gnade unsere Sünde bedeckt, unsern Geist zu deiner Liebe und Furcht IV. Beicht⸗- und Abendmahlsgebete. 4⁵ erneut werden. Laß ihn deiner Gnade Herrlichkeit preisen im Lande der Lebendigen und im Tale des Todes und in der Menge der Seligen und Auserwählten! Amen. 60. Um Vergebung der Sünde. H˙. du hast gesagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht 9 hinausstoßen. Auf solche deine Verheißung komme ich zu dir und glaube festiglich, ich werde nicht hinausgestoßen werden. Ich lomme aber, weil ich mühselig und beladen bin. Es drückt und beschweret mich der Sünden Last, welche ich in demütiger Beichte vor deinem Angesicht niederlege. Ach Vater, ich habe gesündigt in den Himmel und vor dir, ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Kind heiße. Ich mag nicht alle meine Sünden erzählen, es gereut mich, daß ich sie begangen habe; ich schäme mich, viel Worte davon zu machen. Dies eine sage ich, daß ich viel und große Strafe verdienet habe, welche ich mit meinen Kräften nicht abwenden kann. Du aber bist gnädig und barmherzig und von großer Güte. Darum trete ich mit gläubiger Zuversicht zu deinem Gnadenstuhle und begehre demütiglich Gnade. Erlaß mir, o Gott, was ich dir schuldig bin, ich kann nicht zahlen aus Unvermögen, du aber kannst es mir erlassen aus Gnade. Geh nicht, ach geh nicht mit deinem Knechte(mit deiner Magd) ins Gericht. Rechne mir die Sünden nicht zu, die mein Gewissen beschweren, und verzeih mir auch die verborgenen Fehler. Siehe an das Blut deines Sohnes, dasselbe ist vergossen sür die Sünde der Welt. Ich bin auch in der Welt und bin ein Sünder, darum ist es auch für mich vergossen. Ach Herr, du hast mich geschlagen, verbinde mich; du hast mich zerrissen, heile mich. Gib mir Glauben und Beständigkeit, daß ich an deinem Tische ein würdiger Gast sei und in der Gottseligleit zunehme. Führe und regiere mich hinfort, daß ich das Gute, so ich mir vorgenommen, ins Werk richten möge. Beuge das Herz zur Gottesfurcht, öffne die Ohren zur fleißigen Aufmerkung deines Wortes, die Lippen zum Lobe deines Namens. Segne meine Arbeit, verleih Frieden im Hause und öffentlich, wende ab die Argernisse, behüte die Meinen und regiere all unser Tun, daß es dir angenehm und den Gläubigen heilsam sein möge. Höre mein Seufzen, o mein Gott, ja erhöre es, daß ich in dir und du in mir sein und bleiben mögest. Amen. 61. Gebet, wenn man zur Beichte geht. Aliächtiger, ewiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, der du dem Donner deines heiligen Wortes Kraft gibst, du hast mir mein Herz mit deinem Gesetze gerührt, daß ich nun meine Sünden erkenne, bereue und nach der gnädigen Vergebung derselben 46 IV. Beicht⸗ und Abendmahlsgebete. ein herzliches Verlangen habe. Darum hast du auch nebst dem gepredigten Worte geordnet, daß ich armer, verderbter, sündhafter Mensch zum Reichtum deiner himmlischen Gnade kommen und Ver⸗ gebung suchen soll. So gehe ich nun hin, meine Sünde dir zu bekennen, dagegen Trost und Absolution zu empfangen; bitte des⸗ wegen, du wollest in mir eine rechte Andacht, Begierde und Ver⸗ langen nach deiner Gnade anzünden und mir einen festen Glauben an deine Verheißung geben, daß, ob ich wohl schwach und verzagt bin, ich mich dennoch solches nicht irren lasse, sondern die Vergebung der Sünden mit starkem Glauben ergreife und dadurch zum rechten Vaterlande komme. Amen. 62. Etliche Beichten. 1. Ich armer Sünder bekenne mich Gott, meinem himmlischen Vater, daß ich leider schwer und mannigfaltig gesündigt habe, nicht allein mit äußerlichen groben Sünden, sondern viel mehr mit inner⸗ licher angeborener Blindheit, Unglauben, Zweifelung, Kleinmütigkeit, Ungeduld, Hoffart, bösen Lüsten, Geiz, heimlichem Neid, Haß und Mißgunst, auch andern Sünden; daß ich auf mancherlei Weise, mit Gedanken, mit Gebärden, Worten und Werken die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten habe, wie das mein Herr und Gott an mir erkennt und ich leider so vollkommen nicht erkennen kann. Also reuen sie mich und sind mir leid, und begehre von Herzen Gnade von Gott durch seinen lieben Sohn, Jesum Christum, und bitte, daß er mir seinen heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mitteilen wolle. Amen. 2. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, ich armer, elender, sündiger Mensch bekenne dir alle meine Sünde und Misselat, damit ich dich jemals erzürnt und deine Strafe zeitlich und ewig wohl verdient habe. Sie sind mir aber alle herzlich leid und reuen mich sehr, und ich bitte dich durch deine grundlose Barmherzigkeit und durch das unschuldige bittre Leiden und Sterben deines lieben Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, du wollest mir armen sünd⸗ haften Menschen gnädig und barmherzig sein. Ich will mich durch deine Gnade hinfort bessern. Amen 3. Ich armer sündiger Mensch bekenne und klage meinem lieben Gott, daß ich in Sünden empfangen und geboren bin, also daß in mir von Natur nichts Gutes, sondern eitel Sünde wohnt, und daß dieselbe angeborne Sünde mich leider oft zu Falle bringt in wirk⸗ liche Sünde, mit Gedanken, Worten und Werken, wider die erste und wider die andere Tasel des Gesetzes Gottes. Ich erkenne und bekenne auch, daß ich den bösen Lüsten meines Fleisches nicht mit allem Fleiß widerstrebe, sondern leider die Sünde oft in mir herr⸗ IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. 47 schen lasse und dadurch den heiligen Geist betrübe. Ja, wenn ich gleich einen guten Vorsatz habe, hanget mir doch das Böse an, daß ich zum Guten unwillig, kalt, faul und überdrüssig bin; der Glaube ist schwach, die Liebe ist kalt. Ich erkenne aber und weiß auch, daß der Sünden Sold ist Gottes Zorn und der ewige Tod. Der⸗ halben gereuen mich meine Sünden und sind mir leid; allein das klage ich, daß ich dieselben, wenn ich sie gleich erkenne, mir nicht lasse so leid sein, wie es mein lieber Gott von mir haben will. Weil aber Jesus Christus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, und mein frommer, treuer Gott spricht: So wahr ich lebe, will ich nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich belehre und lebe; so kehre und wende ich mich in wahrer Buße durch rechten Glauben zu meinem lieben Mittler und Erlöser, Jesu Christo, und bitte dich, du mein himmlischer Vater, du wollest mir aus Gnaden um desselben deines lieben Sohnes willen alle meine Sünde vergeben und wollest durch deinen heiligen Geist wahre Buße, rechten Glauben und beständige Besserung in mir anzünden, stärken, mehren und erhalten. Amen. 4. Vor Gericht, Herr Jesu, steh ich hie, Zu dir beug ich meins Herzens Knie, Kann mir selbst gar nicht raten, Mein groß und viele Missetat Mich hier und dort verdammet hat. Doch will ich nicht verzagen. Herr Jesu Christ, dein Blut allein Macht mich von allen Sünden rein, Weil ich in wahrer Reu und Buß An dich gläub und dir fall zu Fuß. Herr Jesu Christ, Des dank ich dir, Ich will mich bessern, hilf du mir! Amen. 63. Danksagung nach der Absolution. 4 will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Denn da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Er hat meine Seele beim Leben erhalten, er hat meine Traurigkeit in Freude verwandelt, er hat meine Finsternis licht gemacht. Darum freue ich mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster. Laß mich noch ferner vor deinen Augen Gnade finden. Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandele in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn 48 IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleiten. Rüste mich aus mit Kraft aus der Höhe und mache meine Wege ohne Wandel, damit ich Glauben und gut Gewissen behalte und in deiner Gnade bleiben möge. Das bitte ich um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, meines einigen Erlösers und Heilandes willen. Amen. Nach dir, Herr, verlanget mich. Biblische Abschnitte für Abendmahlstage: Psalm 23. Pfsalm 111. Joh. 6, 48—-58. Joh. 15, 1—12. Röm. 8, 31—39. 1 Kor. 11, 23—32. Offenbarung 22. 64. Morgengebet am Abendmahlstage. Rumächtiger und barmherziger Gott und Vater, ich danke dir von Grund meines Herzens für deinen Schutz und Schirm in dieser Nacht unb für den frohen Morgen, welchen du mich erleben lässest. Gelobt sei deine Barmherzigkeit, die alle Morgen neu ist und mich heute zu deinem Hause, zu deinem Altare beruft und einladet. O Herr, weil ich nun mit den Haufen, die da feiern, zu deinem Abendmahle kommen will, so bereite du mich selbst dazu. Willst du eine reine Wohnung in mir finden, so reinige und heilige selbst meinen Leib und Seele. Leite mich mit deinen Augen, führe mich mit deiner Hand zum Reichtum deiner Güte, tröste mich mit deinem Angesichte. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, nach dir. Erhalte mich in beständiger Andacht, bewahre mich vor bösen Gedanken, nimm mich in deinen besonderen Gnadenschutz und weiche nicht von mir. Heiliger Jesu, vereinige du dich an diesem Tage mit meinem Leibe und mit meiner Seele. Speise mich mit deinem Leibe, tränle mich mit deinem Blute, auf daß mein schwacher Glaube gestärkt und ich deiner Gnade, der Vergebung meiner Sünden und der ewigen Seligleit versichert werde, daß ich als ein würdiger Gast an deinem Tische erscheine. Nun, Herr Gott Vater, sei mein Schutz und Beistand. Herr Jesu, sei meiner Seele Speise, Licht und Leben. Und du, Herr Gott heiliger Geist, erleuchte mich und erhalte mich in der wahren Heiligung, daß ich in dem Stande der Gnade, in welchen ich heute aufs neue trete, Zeit meines Lebens verbleiben möge. O Herr, hilf; o Herr, laß wohl gelingen. Deinem heiligen Namen sei Leb, Ehre und Dank gesagt immer und ewiglich. Amen. Zerr Y der er nimm uns e darint soll g dem tilge uns Ehrer Selig Testat entzür wund ewign versie unser⸗ Reicht deiner und Begie deine wiede was uns, diese gen 6 Zeit essen. vo ee“ en ute ob, IV. Beicht⸗ und Abendmahlsgebete. 49 65. Gebet vor dem heiligen Abendmahle. err Jesu Christe, ewiger Gottessohn, da hast ig deiner wahren Menschheit für uns den Tod erlitten und uns von Sünden und der ewigen Verdammnis erlöst; und damit wir solcher deiner Treue nimmermehr vergessen mögen, hast du in dem letzten Abendmahl uns ein ewiges Gedächtnis des aufgerichteten neuen Bundes gestiftet, darinnen der Sünde der Gläubigen nun und in Ewigkeit nicht mehr soll gedacht werden. Wir armen, elenden Menschen kommen zu dir, dem Brunnen aller Gnade und Barmherzigkeit, und bitten dich, ülge unsere Sünden, reinige und erquicke unsere Seelen und laß uns mit wahrer Reue und Leid, in festem Glauben, mit heiliger Ehrerbietung deinen allerheiligsten Leib und dein Blut zu unserer Seligkeit empfangen. Hilf, daß durch dieses Geheimnis des neuen Testaments der Glaube gemehrt, die Hoffnung gestärkt, die Liebe entzündet, das schwache Gewissen getröstet, alle Anfechtungen über⸗ wunden, und wir in unserm Herzen deiner göttlichen Huld und ewigwährenden Erlösung unserer Seelen allenthalben versichert und versiegelt werden. O gütiger Herr, gib uns erleuchtete Augen unsers Verstandes, daß wir erkennen mögen, welches da sei der Reichtum deines herrlichen Abendmahls, in welchem du uns nebst deinem Leibe und Blute Vergebung der Sünden, wahre Gerechtigkeit und alle himmlischen Güter ausspendest, auf daß wir mit herzlicher Begierde und Verlangen dies heilige Sakrament würdig empfahen, deine Süßigkeit schmecken, deine Liebe empfinden und durch dieselbe wiederum gegen dich entzündet werden. Nimm von uns weg alles, was dir mißfällt und uns hindert oder von dir wendet, und gib uns, was uns zu dir kehrt und fördert, damit wir der Frucht dieses heilbringenden Tisches teilhaftig, unsere hungrigen und dursti⸗ gen Seelen allhier gespeist und getränkt werden und wir nach dieser Zeit auch in jenem Leben das himmlische Brot mit dir ewiglich essen. Amen. 66. Im Hinzugehen. Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich und sei mir gnädig, deinem Kinde, welches anjetzt mit kindlicher Furcht zu deinem heiligen Altar kommt. Laß mich deiner himmlischen Mahl⸗ zeit genießen, wie du sie mir bereitet hast, nämlich zu meiner Seele Seligkeit. O Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich und laß mich anjetzt bei deinem heiligen Abendmahl ein dir angenehmer Gast sein. Gib mir, was du verheißen hast, und laß mich nehmen, was mir von dir beschieden ist, jenes nach deiner Wahrheit und dieses zu meiner Gerechtigleit. I 50 IV. Beicht⸗ und Abendmahlsgebete. O Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich und verleihe mir deine Gnade, daß ich dieses heilige Sakrament würdig empfange, damit meinen schwachen Glauben stärke, mein kaltes Herz mit Liebe entzünde, mein blödes Gewissen tröste, meine Hoffnung erfrische, mein sündhaftes Leben bessere und darauf selig werde. O Herr, hilf; o Herr, laß wohl gelingen. Amen. 0 Herr Jesu Christe, ich bin nicht würdig, daß du eingehest in mein sündiges Herz; du weißt aber und erkennst meine große Armut und Not, darum ich von Herzen begehre deiner Gegenwart, zu speisen, zu trösten und zu stärken meine arme Seele. Sprich sie an mit Einem Wort, so wird sie gesund. Amen. A lasse dich nicht, du segnest mich denn. 67. Seufzer bei dem Empfange des gesegneten Brotes. Sei mir willkommen, Herr Jesu Christe, mit der edlen Speise deines allerheiligsten Leibes, den du mir jetzt im Sakramente des Altars mit dem gesegneten Brote zu essen gibst, wie du ihn für mich in den bittern Tod des Kreuzes gegeben hast zur Vergebung meiner Sünde; das laß mir zum ewigen Leben gedeihen. Herr Jesu Christe, dein heiliger Leib stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen. 68. Seufzer bei dem Empfange des gesegneten Kelches. Sei mir willtommen, Herr Jesu Christe, mit dem edlen Tranke deinez allerheiligsten Blutes, das du mir jetzt im Sakramente des Altars mit dem gesegneten Weine zu trinken gibst, wie du es am Kreuze vergossen hast zur Vergebung meiner Sünden; das laß mir zum ewigen Leben gedeihen. Herr Jesu Christe, dein heiliges Blut stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen. 69. Wenn man nach empfangenem Leibe und Blute Christ wieder an seinen Platz getreten. 9˙¹ Jesu Christe, ich sage dir herzlich Lob und Dank, daß du mich jetzt abermal so gnädig an deinem Tische mit deinem Leibe und Blute gespeist und getränkt hast, und bitte dich von Herzen, laß mit solches gedeihen zur Stärkung meines Glaubens, zur Besserung meines Lebens, zum Schirm meiner Seele und zu sicherer Geleilung aus diesem Jammertal in das ewige Vaterland. Bleibe in mit, daß ich ewiglich bleibe in dir. Amen. Tran bin i zu ef Mens kampf zahlu Vater Leben teilha und Aebe Dein behüt lebe Untu Schm Glau heilig Verlq mir rede, in di und I. brin wan — IV. Beicht⸗ und Abendmahlsgebete. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleich wie du mich, Mit Liebesarmen fassen; Du sollst sein meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücke bricht, Sollst du mein Herze bleiben, Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiermit zu deinem Eigentum Beständiglich verschreiben. 70. Danksagung nach dem heiligen Abendmahle. Krrnducher. liebreicher Herr Jesu Christe, dir sage ich von Herzen Dank, daß du mich mit der köstlichen und teuren Speise und Trank deines heiligen Leibes und Blutes erquickt hast. Ach, wer bin ich, daß du mich Unwürdigen gewürdigt hast, von deinem Tische I. essen? Ich danke dir für alle deine Liebe und Treue, für deine Menschwerdung, für dein holdseliges Evangelium, für deinen Tode hmpf und blutigen Schweiß, für dein heiliges Leiden, für die Be⸗ zahlung meiner Schuld, für die Versöhnung deines himmlischen Vaters, für die Heiligung durch den heiligen Geist, fsür das ewige Leben. Aller dieser Wohltaten hast du mich durch den Glauben keilhaftig gemacht und durch das hohe, teure Pfand deines Leibes und Blutes im Sakrament versichert. Gib, daß ich deiner großen Rebe nimmermehr vergesse, deines heiligen Todes stetiglich gedenke Dein Leib und Blut heilige und segne meinen Leib und Seele ur behüte mich vor allen Sünden. Ach mein Erlöser und Seligmacher, lebe du in mir, und ich in dir. Vertreib aus meinem Herzen alle Untugend, behalte und besitze du allein das Haus meines Herzens Schmücke und ziere meine Seele mit geistlichem Schmuck, mit starkem Glauben, feuriger Liebe, brennender Hoffnung, mit edler Demut, heiliger Geduld, brünstigem Gebet, holdseliger Sanftmut, sehnlichem Verlangen nach dir allein und nach dem ewigen Leben, daß du ben mir und in mir, und ich bei dir und in dir ewig bleibe, von dir tede, singe und sage, ohne Unterlaß an dich gedenke, daß ich möge in diesem Glauben einschlafen, am jüngsten Tage fröhlich aufersteher und in die ewige Freude eingehen. Amen. 71. Um neuen Gehorsam. Aum, mein Heiland, in deiner Kraft will ich hingehen, und was noch übrig ist im Fleische zu leben, nach deinem Willen zu⸗ bringen. Weil es aber nicht in eines Menschen Kraft stehet, wie er wandele und seinen Gang richte, so gib du mir das Vollbringen 4* 52 IV. Beicht⸗ und Abendmahlsgebete. Regiere mich durch deinen heiligen Geist, laß deine Güte und Treue mich allewege behüten. Laß mich empfinden, daß du durch den Glauben in mir wohnest, durch die Liebe in mir lebest und durch die Hoffnung mich täglich stärkest. Gib, daß ich ohne Heuchelei in Sanstmut und Demut beständig einhergehe, damit dein Leben an mir offenbar werde. Gib mir alle Tage neue Kraft, daß ich mich verleugne, die Welt verschmähe, dein Kreuz auf mich nehme und dir beständig nachfolge. Gib mir Mut und Stärke, daß ich meinen Feinden getrost widerstrebe, die Werke des Teufels in mir beständig töte, auch die Welt und was in der Welt ist, als Augenlust, Fleisches⸗ lust und hoffärtiges Wesen, mutig untertrete. Laß mich in allen Stücken an dir, meinem Haupte, wachsen und fruchtbar sein in allen guten Werken. Vollführe du selbst das gute Werk, welches du in mir angefangen hast. Bleibe in mir und laß mich in dir bleiben, laß mich in deiner Liebe und Erkenntnis zunehmen, daß ich im Glauben bleibe, einen guten Kampf kämpfe und in das ewige Leben dringe, wo Freude die Fülle und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich ist, da ich denn mit allen Auserwählten vor deinem Throne stehen und singen werde: Lob, Preis und Dank und Weisheit und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 72. Abendgebet am Abendmahlstage. Kullmichtger, ewiger Gott, der du allewege unsere Schwachheit ganz päterlich bedenkest und daher neben andern unzählbaren Wohl⸗ taten, die du uns erzeigest, auch die Nacht zur notwendigen Ruhe unsers müden Leibes gnädiglich verordnet hast, ich bitte dich von Herzen, verzeihe mir und allen denen, welche du heute mit himm⸗ lischer Speise und Trank begnadigt hast, alles, wodurch wir deiner himmlischen Güte nach unserer großen Schwachheit aufs neue unwert geworden sind. Gib uns, Herr, ein ernstlich Mißfallen aller unserer sündlichen Gebrechlichkeiten, entzünde in uns durch deinen heiligen Geist eine unauslöschliche Begierde nach der täglichen Besserung. Verleihe nun, o Herr und getreuer Vater, eine stille und ruhige Nacht in deinem Frieden mir und allen freudenmüden Menschen, sowie auch denen, die ohne deine besondere Gabe und Erhörung dieser Bitte vor Krankheit, Kummer, Herzeleid, Ansechtungen oder Leibesschmerzen nicht schlafen könnten. Wache du über uns, du ge⸗ treuer Vater, erleuchte die Augen unsers Gemütes, daß wir nicht im Tode der Sünden entschlafen, sondern wachen im lebendigen Glauben, welcher allezeit in der Lampe unsers Herzens brenne und seine notwendige Nahrung habe von dem Ole deines heiligen Geistes, auf daß, wenn du kommst und anklopfest zu der Stunde, die uns verborgen, dir aber allein bewußt ist, wir dich ohne Verzug mit aller entgeg lischen Liebe, ewiger 2 gebene egebe Fürbit sowie 1 wir d erwief liche heilig selign Glaut und Heide Elend L Kaiser Setze lichen samte 1 Berat nufen Friedi V. Das allgemeine Kirchengebet. 53 aller Freude einlassen, dir, unserm geliebten Bräutigam, fröhlich entgegengehen und dann mit dir eingelassen werden in deinen himm⸗ lichen Freudensaal, wo du dich mit allen Gläubigen in ewiger Liebe, Freude und Seligkeit vereinigen und erfreuen wirst bei deinem ewigen Abendmahle. Amen. V. Das allgemeine Rirchengebet. In den folgenden allgemeinen Kirchengebeten werden bei ge⸗ gebenem Anlaß die an den bezeichneten Stellen in den Anmerkungen gegebenen Fürbitten eingeschaltet. Außerdem ist es gestattet, die ortsüblichen Fürbitten für den Bergbau, die Schifffahrt, die Deiche, die Bienenzucht u. s. w., sowie die Fürbitten für einzelne Gemeindeglieder einzufügen. 1. Allmächtiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, wir danken dir sür alle Gnade, Liebe und Treue, die du uns bisher erwiesen hast, und bitten dich herzlich, du wollest deine heilige christ⸗ liche Kirche mit ihren Dienern, Wächtern und Hirten durch deinen heiligen Geist regieren, daß sie bei der rechischaffenen Weide deines seligmachenden Wortes erhalten werden möge, dadurch der wahre Glaube und die Liebe gegen dich und alle Menschen in uns erwachse und zunehme. Segne die Arbeit der Mission unter Juden und Heiden und laß gedeihen alle Werke der Barmherzigkeit an den Elenden in der Christenheit.) Laß deine Gnade groß werden über deinen Knecht Wilhelm, den Raiser, unsern König und Herrn, und das ganze Königliche Haus. Setze ihn uns bei langem Leben zum beständigen Segen und christ⸗ lichen Vorbilde. Beschütze das Königliche Kriegsheer und die ge⸗ samte deutsche Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser, insonderheit die 1)(Vor Eröffnung der Bezirkssynode:) Gib auch deinen Segen zu den Beratungen unserer Bezirkssynode. Rüste alle, die daran teilzunehmen be⸗ mufen sind, mit dem Geiste der Weisheit und Kraft, der Liebe und des Friedens und laß die Arbeit der Synode Frucht schaffen zum Heil unserer Gemeinden. (Während der Dauer der Landessynode:) Bekenne dich auch in Gnaden zu den Beratungen der Landessynode. Sei du selbst in ihrer Mitte mit deinem Geiste, dem Geiste des Friedens und der Einigkeit, gib heiligen Rat, fröhlichen Mut und gute Werke, und laß alles, was da gehandelt und beschlossen wird, gereichen zur Erbauung unserer Landeskirche und zu deines heiligen Namens Ruhm und Ehre. (Während der Erledigung des Pfarramts:) Siehe insonderheit diese Gemeinde in Gnaden an, schenke ihr einen Prediger und Seelsorger nach deinem Herzen, der dein teures Evangelium lauter und rein verkündigt mit Beweisung des Geistes und der Kraft. und lenke dazu die Herzen aller. denen die Bestellung des Amtes von dir befohlen ist. 54 V. Das allgemeine Kirchengebet. Schiffe, welche auf der Fahrt sind. Segne alle Räte und Diener unsers Kaisers und Königs, daß ihre Dienste zu deiner Ehre und des Vaterlandes Bestem gereichen. Sei du des Deutschen Reiches starker Schutz und Schirm. Laß deine Gnade ruhen auf seinen Fürsten und freien Städten und hilf, daß Glauben und Treue, Kraft und Einigkeit unsers Volkes Ruhm und Ehre sei.?) Wir bitten dich ferner, lieber himmlischer Vater, für den Haus⸗ stand und alle, die dazu gehören. Gib gottesfürchtige Eheleute, Eltern und Herren, gehorsame Kinder, frommes und getreues Ge⸗ sinde und segne alle ehrliche Nahrung und Gewerbe.“) Witwen und Waisen und alle, so in Armut, Krankheit, Kindes⸗ banden und anderen Anfechtungen sind, auch die, so um deines heiligen Namens und der Wahrheit willen angefochten werden oder sonst Verfolgung leiden: Tröste sie, o Gott, mit deinem heiligen Geiste, daß sie solches alles für deinen väterlichen Willen ausnehmen und erkennen. Und ob wir zwar mit unsern Sünden deinen Zorn wohl verdient haben, so bitten wir doch, o treuer, barmherziger Vater, gedenke unser nicht nach unsern Sünden, sondern nach deiner großen Barmherzigleit. Verschone uns gnädig mit allerlei schweren Plagen Leibes und der Seele, beschere uns allen, wenn unser Stündlein vorhanden ist, ein seliges Ende und vereinige uns an deinem großen Tage mit allen deinen Kindern vor deinem Angesicht. Um deines lieben Sohnes, Jesu Christi, willen, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen.0 2)(Am Sonntage vor oder nach dem Geburtstage des Kaisers und Königs:) Insonderheit sagen wir dir heute Dank, daß du den Kaiser, unsern König und Herrn, wiederum durch ein Jahr seines Lebens hindurchgeleitet Walte ferner über ihm mit deiner Güte und Treue. Verlängere ne Tage; sei auch im neuen Lebensjahre sein Schirm und Schild, seine Hülfe und sein Heil, und verleih ihm Gnade, unser Land nach deinem Willen zu regieren, auf daß die Gerechtigkeit gefördert, die Bosheit aber gehindert und gestraft werde, und wir in stiller Ruhe und gutem Frieden. wie Christen gebührt, unser Leben vollführen mögen. Während der Dauer des Reichstags und Landtags:) Segne die Be⸗ ratungen des Reichstags(und des Landtags) zum Heil unsers Volkes. (Für den Patron der Kirche:) Verleihe dem Patron dieser Kirche und seinem Hause deinen Segen zeitlich und ewiglich ) Für die Konfirmanden:) Laß dir auch die Konfirmanden unserer Gemeinde befohlen sein. Neige ihr Herz zu deinen Zeugnissen und bewahre sie vor Argernis und Verführung, auf daß sie in der heilsamen Lehre recht gegründet an ihrem Konfirmationstage ein gutes Bekenntnis tun und würdig zu deinem Tische kommen mögen 4) Da. wo nach der Gottesdienstordnung auf der Kanzel nur die Ab⸗· tündigungen geschehen, lauten die einzuschiebenden Fürbitten: (Für die Aufgebotenen:) Insonderheit bitten wir dich als den Stifter des heiligen Ehestandes für die Glieder unsrer Gemeinde, welche nun in V. Das allgemeine Kirchengebet. 55 2. Herr Gott, himmlischer Vater, wir loben und preisen dich für alle Wohltaten, die du uns im Geistlichen und Leiblichen ohne alle unser Verdienst und Würdigkeit erwiesen hast, und bitten dich im Namen Jesu Christi, deines lieben Sohnes, um deinen ferneren Segen. Erhalte uns und unsern tachkommen die reine Lehre deines heiligen Evangeliums und den rechten Gebrauch der Sakramente und gib deiner Kirche Leiter und Regierer, Hirten und Lehrer nach deinem Herzen. Laß dein Reich sich ausbreiten, daß die Fülle der Heiden eingehe, und auch Israel sich bekehre und selig werde.) Regiere, Herr, mit dem Geiste der Weisheit und Gerechligkeit alle Obrigkeit. Insonderheit laß dein väterliches Antlitz zu Frieden und Segen leuchten über deinen Knecht Wilhelm, den Kaiser, unsern König und Herrn, und das ganze Königliche Haus. Verleih ihm zu seiner Regierung ein weises Herz, königliche Gedanken, heilsame Ratschläge, gerechte Werke, tapferen Mut und einen starken Arm, verständige Räte, sieghafte Kriegsheere, getreue Diener, gehorsame Untertanen, damit wir unter seinem Regiment ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit.— Wir bitten auch um deinen Segen für unser gesamtes deutsches Vaterland. Laß seine Fürsten und freien Städte in Einigkeit ver⸗ bunden bleiben, gib einträchtigen Sinn unter allen Ständen unsers Volkes und erhalte unsern Grenzen einen beständigen Frieden. Walte mit deinem Frieden in unsern Häusern, heilige die Ehen, gib Gnade zur Erziehung der Jugend.2) Segne alle ehrliche Nah⸗ rung und Gewerbe. Wende gnädig von uns ab alle wohlverdienten diesen Stand treten wollen. daß du ihnen verleihen wollest, ihren Ehestand in deinem Namen anzufangen und unter deinem Segen christlich zu führen. (Danksagung für Geburten:) Dir danken wir auch mit den Eltern dieser Gemeinde welche du durch die Geburt eines Kindes erfreut hast; laß dir Mutter und Kind(Mütter und Kinder) ferner befohlen sein, schenke dem Kinde(den Kindern) bald den Segen der heiligen Taufe und verleih den Eltern, es(sie) in deiner Furcht zu erziehen. (Für die Abendmahlsgäste:) Laß alle Glirder unsrer Gemeinde, die beute zu deinem Tische kommen, das heilige Sakrament des Leibes und Blutes Jesu Christi würdig empfangen und in ihrem Glauben dadurch ge⸗ stärkt werden. (Danksagung für die Verstorbenen:) Laß dir auch wohlgefallen die Opfer unseres Dankes für das Glied die Glieder) dieser Gemeinde, welches welche) du nach deinem unerforschlichen Ratschlusse aus diesem Erdenleben abgerufen hast. Tröste die Hinterbliebenen und stärke ihren Glauben, daß sie sich ergeben in deinen Willen und dich preisen für alles „Vom Sonntag Rogate bis zum Erntedankfeste:) Du wollest auch den Früchten des Feldes gute und fruchtbare Witterung verleihen und sie vor allem Schaden und Unfall bewahren, d 8 aß wir deinen Segen fröhlich ein⸗ bringen und deine milde Hand mit Danksagung erkennen 56 V. Das allgemeine Kirchengebet. Landplagen und gib den Früchten der Erde gedeihliche Witterung. Sende allen Traurigen Trost, Geduld und Kraft den Kranken und Schwachen, Gedeihen den Müttern und Säuglingen, sei der Witwen und Waisen Vater. Hilf einem jeden in seiner Not, du Heiland aller Menschen, sonderlich deiner Gläubigen. Bereite uns alle zu einem seligen Ende. Gib, daß wir leben in deiner Furcht, sterben in deiner Gnade, ruhen in deinem Frieden, auferstehen in deiner Kraft und das ewige Leben ererben durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. 3. Allmächtiger, ewiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, wir danken dir, daß du uns in diesem zeitlichen Leben bisher gnädig⸗ lich erhalten und durch das Evangelium von deinem Sohne zum ewigen Leben berufen hast. Du hast uns auch heute dein heiliges Wort in Friede und Ruhe hören lassen. Gib, daß wir es zur Stärkung unsers Glaubens und zur Besserung unsers Lebens in einem feinen, guten Herzen bewahren. Erhalte uns und unsern Nach⸗ kommen die Predigt deines seligmachenden Worts und gib aller Orten treue Hirten und Lehrer.)) Schütze, erhalte und segne deinen Knecht Wilhelm, den Kaiser, unsern König und Herrn, und sein ganzes Haus. Gib ihm Gnade mit seinen Räten und Dienern, seine Lande in Frieden zu regieren. Rimm unser ganzes deutsches Vaterland in deinen Schutz. Erfülle alle Obrigkeiten und Untertanen mit Weisheit, Gehorsam und Ein⸗ tracht und segne sie zu deinem Wohlgefallen. 2) Segne den christlichen Hausstand. Gib Gnade zur Kinderzucht in den Häusern und Schulen. Heilige die Jugend und bewahre sie vor Argernis und Verführung.?) Gib gedeihliche Witterung und laß die Frucht der Erde wohl geraten. Fördere alle ehrliche Arbeit und segne alle, die im Schweiße ihres Angesichts redlich und treulich ihr tägliches Brot suchen. Wende in Gnaden ab alle wohlverdienten Landplagen, Krieg, Feuer- und Wassersnot, teure Zeiten, Krankheit und Seuchen. Gib uns und unsern Angehörigen, was uns an Leib und Seele gut ist, und umfange uns allezeit mit deiner Güte. Gib uns deine Gnade, christlich zu leben und selig zu sterben. Erhöre uns, lieber Vater im Himmel, um Jesu Christi unsers Heilandes willen, der mit dir und dem heiligen Geiste sei hochgelobt in Ewigkeit. Amen. 4. Wir danken dir, allmächtiger, barmherziger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, für alle deine Güte und Wohltaten, in⸗ sonderheit für die Sendung deines lieben Sohnes und die Gnade, die du uns jetzt zur Anhörung deines Worts verliehen hast, und bitten dich herzlich, du wollest uns helfen, daß wirs in einem feinen V. Das allgemeine Kirchengebet. 57 guten Herzen bewahren und Frucht bringen mit Geduld. Wir bitten dich auch, o gütiger Gott, du wollest deine heilige christliche Kirche samt ihren Dienern, Wächtern und Hirten mit deinem heiligen Geist regieren, auf daß sie bei der gesunden Weide deines alleinselig⸗ machenden Worts erhalten werden möge, und also der Glaube an dich gestärkt werde, und die Liebe gegen alle Menschen erwachse und zunehme.) Du wollest auch den Stand der weltlichen Obrigkeit segnen, unserm Kaiser und König, seinen Gewaltigen und Räten deine Gnade verleihen, ihre Herzen, Ratschläge und Handlungen regieren und dahin lenken, daß sie allein zu deines Namens Ehre, der Kirche und des Vaterlandes Wohlfahrt gereichen mögen, damit die Wahrheit erkannt und bekannt, Recht und Gerechügkeit aufgerichtet und ge⸗ handhabt werde.?) Allen Untertanen aber wollest du geben ein gehorsames Herz, daß sie ihre ordentliche Obrigkeit fürchten und ehren, dem Könige geben, was des Königs ist, und dir, o Gott, was dein ist. Wollest auch durch deinen allmächtigen Arm steuern und wehren dem Morden und Drohen aller Feinde deiner Kirche und uns er⸗ retten von der Hand aller derer, die uns hassen.5) Wir bitten dich auch, ewiger Gott, du wollest gnädiges, frucht⸗ bares Wetter geben, die Früchte auf dem Felde gedeihen und ge⸗ raten lassen, auf daß wir durch deinen Segen von der Erde das tägliche Brot empfangen, dir dafür danken, den Dürftigen und Armen davon mitteilen mögen, und wollest uns gnädig behüten vor Hunger und teuren Zeiten, vor Pestilenz und bösen Seuchen, vor Krieg, Aufruhr und Zwietracht. Wir bitten dich auch für alle, so in Trübsal, Armut und Krank⸗ heit, in Gefahren zu Wasser und zu Lande und in andern Nöten sind; tröste sie, o Gott, mit deinem heiligen Geiste und biete ihnen deine rechte Hand. die alles ändern kann. Endlich so bitten wir dich, himmlischer Vater, um alles, darum du willst und sollst gebeten werden, um deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers einigen Mittlers willen. Amen. 5. Barmherziger, ewiger Gott, du Vater des Lichts und Geber aller guten und vollkommenen Gabe, du Tröster der Betrübten, du Arzt der Kranken, laß unser Gebet vor dich kommen, in welcherlei Angst und Not wir dich anrufen, auf daß alle Menschen sich deiner Hülfe erfreuen und dir danken. Wir bitten dich, du wollest gnädig deiner Christenheit ihre Sünden vergeben und sie von allem Irrtum und Übel erreiten, in rechtem Glauben und Gehorsam gegen dich er⸗ halten, treue Hirten und Lehrer geben, alle Obrigkeit zu deinem Lobe und gemeinem Frieden führen und regieren und insonderheit unsern 58 V. Das allgemeine Kirchengebet. Kaiser und König behüten und erleuchten und mit seinem ganzen Hause bewahren. Du wollest auch alle Hausväter samt Weib und Kind und Gesinde bewahren, Teurung, Krankheit, Feuer⸗ und Wassers⸗ not, Krieg und alle wohlverdienten Strafen von uns gnädiglich ab⸗ wenden oder durch deine Barmherzigkeit lindern, die Früchte auf dem Felde bewahren, die Betrübten trösten, den Kranken Gesundheit, den Sündern Gnade zur Besserung ihres Lebens und allen Christgläubigen Barmherzigkeit, deinen heiligen Geist und ewiges Leben mitteilen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 6. Laßt uns in Frieden den Herrn anrufen: Um den Frieden, der von oben kommt, und das Heil unsrer Seelen, um den Frieden der ganzen Welt und die Dauer seiner heiligen Kirche, für dieses ihm geheiligte Haus und für alle, die mit Glauben und der Furcht Gottes in dasselbe eingehn, für unsre Hirten und Lehrer, daß sie das Wort der Wahrheit recht lehren, für die ganze christliche Ge⸗ meinde und alle, die ihr dienen im Werk der Leitung und in der Arbeit der Liebe, laßt uns zum Herrn beten: Herr, erbarme dich!“) Für den Kaiser, unsern König, und sein ganzes Haus, für seine Macht und seine Heere, für den Sieg und die Dauer seiner Herr⸗ schaft, und daß Gott ihm in allem beistehn und ihn leiten möge, und wir unter seinem Schutz ein geruhig und stilles Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit, laßt uns zum Herrn beten: Herr, erbarme dich! Für diesen Ort, das ganze Land und alle Gläubigen, die darin wohnen, laßt uns zum Herrn beten um Gesundheit der Luft, Frucht⸗ barkeit der Erde und friedliche Zeiten; für die Seefahrenden und Reisenden, für die Armen, Elenden, Gefangenen, für die Betrübten und Angefochtenen, Kranken und Sterbenden und für ihr Heil, und daß er uns vor aller Trübsal, Gewalt, Gefahr und Not bewahre und uns, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere laßt uns zum Herrn beten: Herr, erbarme dich! Nimm dich unser gnädig an, rette und erhalte uns, denn dir allein gebührt der Ruhm und die Ehre und die Anbetung, dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. ) Das dreimalige„Herr, erbarme dich“ kann auch von der Gemeinde gesungen werden. — à VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 59 VI. Gebete für Feste und Wochengoitesdienste der Rirche. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, die loben dich immerdar. 74. Auf Advent. Herr Christe, heut freut sich billig die ganze werte Christenheit, weil sie deinen heiligen Advent festlich begeht. Die liebe Kirche jauchzt als deine Braut, weil du, ihr lieber himmlischer Bräutigam, zu ihr kommst. Wir irrenden Schäflein frohlocken, daß du, o Hirt und Bischof unserer Seelen, mitten unter uns deine gnädige Gegen⸗ wart sehen lässest. Wir Kranken sreuen uns, weil du uns besuchst, o heilsamer Arzt aller Menschen. Wir Armen jubeln, weil du, ob⸗ wohl ein reicher Herr, dennoch so brüderlich mit großen, herrlichen Geschenken bei uns einkehrst. Ach Herr, weiche nicht von uns mit deiner Gnade, laß uns die Zeit deiner gnädigen Heimsuchung dank⸗ bar erkennen und deine Zukunft stets gnadenreich und heilsam sein. Komm täglich zu uns, in unsere Kirchen, in unsere Schulen, auf unsere Rathäuser und in unsere Wohnungen, mit deinem reinen Wort, mit deinen heiligen Sakramenten, mit deiner Weisheit, mit Beistand, Glück, Segen und Gnade. Ja, weil du bereits in unsere Herzen gekommen bist, so laß uns dich nie wieder verlieren und nimmer ohne Trost erfunden werden. Endlich, weil du einmal kommen wirst zu richten die Lebendigen und die Toten, so regiere uns, daß wir uns bereiten und unsern Lauf also beschließen, daß wir deine Zu⸗ lunft mit Freuden erwarten und dich nicht als einen gestrengen Richter, sondern als einen freundlichen Erlöser anschauen und Erben deines Reiches werden mögen. Amen. 75. Am Christfeste. allmäehtiger Gott, himmlischer Vater, wir danken dir von Grund unserer Herzen, daß du aus lauter Wohlgefallen und aus un⸗ aussprechlicher Liebe deinen eingebornen Sohn Jesum Christum, den Glanz deiner Herrlichkeit und das Ebenbild deines Wesens, in diese Welt gesandt hast, welcher unser armes Fleisch und Blut an sich genommen, auf daß er uns von Sünden, Tod, Teufel und Hölle erlösete und mit sich in das Reich der ewigen Seligkeit versetzte Gelobet sei deine herzliche Barmherzigkeit immer und ewiglich. Er⸗ jülle nun an diesem Feste unser aller Herzen mit deiner Gnade, daß wir deine große Liebe und Barmherzigkeit erkennen, nicht uns, 60 VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. sondern dir leben, dir vertrauen, dich lieben und loben unser Leben⸗ lang. Erhalte bei uns und unsern Nachkommen dein heiliges, selig⸗ machendes Wort, sende treue Diener in deine Ernte. Wir bitten auch für alle Menschen, insonderheit aber für unsere christliche Obrig⸗ teit. Regiere sie durch deinen Geist, daß sie zuvörderst und vor allen Dingen bei ihrer Regierung, soviel an ihnen ist, das Reich unsers einigen, ewigen Königs Jesu Christi befördere und ausbreite und ja ihren Stand und Wandel auf dieser Welt also führe, daß sie dermaleinst mit ihm und allen Auserwähnen im Himmelreiche in alle Ewigleit herrschen möge. Siehe deine arme, bedrängte Kirche und kleine Herde in Gnaden an, komm ihr zu Hülfe und errette sie aus den großen Nöten, die sie betroffen haben. Tröste sie, Herr, durch deinen Geist, auf daß sie sich deiner Güte erfreuen und deinen Namen ewig preisen möge. Laß heute in den Herzen aller An⸗ gefochtenen, Kranken, Verfolgten, Witwen, Waisen und aller andern, so in Not und Trübsal stecken, eine tröstliche Christfreude aufgehen. Auch die, welche deinen Sohn Jesum Christum noch nicht erkennen, bringe an das Licht deiner Wahrheit, damit sie samt uns und allen Auserwählten, Engeln und Menschen, dich loben und im wahren Glauben und mit herzlicher Freudigkeit singen mögen: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Amen. 76. Zum Schlusse des Jahres. Wir danken dir, Herr Zebaoth, du Gott Israels, wir danken dir, Nfür alle deine Güte und deine Wunder, die du dies verflossene Jahr hindurch an uns getan hast. Es ist deine Güte, daß wir nicht gar aus sind, deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, du hast alle unsere Sünde hinter dich geworfen, unsere Gebrechen ge⸗ heilt, unser Leben vom Verderben erlöst und uns gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit; Kirche und Schule und Haus hast du gesegnet und vor allem Übel behütet. Du hast uns Lehrer gegeben zur Ge⸗ rechtigkeit und uns sagen lassen, daß sich ein jeglicher von seinem bösen Wesen bekehre und sein Leben bessere. Du hast unserer christ⸗ lichen Obrigleit Gnade und Weisheit verliehen, daß wir unter ihrem Regiment in stiller Ruhe und gutem Frieden, wie Christen gebührt, haben unser Leben vollführen mögen. Du hast uns viel Gutes getan an Leib und Seele, an Weib und Kind, an Hab und Gut, in der Stadt und auf dem Felde, daß wir nicht alles erzählen können. Gelobt sei Gott, der Vater ansers Herrn Jesu Christi, der uns ge⸗ segnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, der uns so viel Gutes getan, vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben und unsere Herzen erfüllt mit Speise VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 61 und Freude. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Sagt, die ihr erlöst seid durch den. Herrn, die er aus der Not erlöst hat, die er errettet aus ihren Angsten: Gelobt sei der Herr, der Gott Jsraels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk sage Amen und lobe den Herrn. Gelobt sei der Herr ewiglich! Amen. Amen. 77. Am Neujahrstage. Almnücliger⸗ ewiger Gott, barmherziger, lieber Vater, wir haben Vjetzt abermals ein Jahr unserer Pilgrimschaft in diesem irdischen Leben zu Ende gebracht und fangen in deinem Namen ein neues an. Ach Herr und Gott, wie groß ist deine Güte, die du uns bisher aus väterlichem Herzen bewiesen hast. Dein heiliges Wort hast du uns samt dem rechten Gebrauch der heiligen Sakramente rein er⸗ halten, friedliches Regiment beschert, täglich Nahrung gegeben, unsere Herzen mit Speise und Freude erfüllt, allerlei Seuchen, Pestilenz, seindlichen Unfall und viel Unglück in dieser betrübten Zeit von uns gnädiglich abgewendet. Du hast uns zwar gezüchtigt um unserer vielfältigen Sünden willen, aber deine Gnade hast du nicht von uns gewendet. Für solche deine Barmherzigkeit sagen wir dir Lob und Dank und bitten dich demütiglich: Rechne uns nicht zu unsere vorige und alte Sünde, womit wir dich so oft erzürnt haben, sondern ver⸗ gib sie uns um unsers Herrn Jesu willen. Regiere uns, daß wir kleine alte Unreinigkeit und Missetat in das neue Jahr bringen, sondern den alten Menschen aus- und den neuen anziehen, der nach dir geschaffen ist. Fange an, lieber Vater, uns aufs neue zu segnen. Gib uns neugeborne Herzen, erneuere deine väterliche Liebe und Treue an uns, gib heiligen Mut und rechte Werke. Nimm von uns alles Herzeleid und wohlverdiente Strafen, und weil keine Stunde noch Augenblick vergeht, da wir ohne deinen Schutz nicht in groß Elend geraten könnten, so halte deine Gnadenhand väterlich über uns. Barmherziger Gott und Vater, erhöre unser Gebet, erbarme dich aller Menschen, erhalte uns dein reines Wort, heilige alle Lehrer und Prediger, erbaue Kirchen und Schulen. Behüte uns vor falscher Lehre, stärke alle treuen Regenten, fördere guten Rat und Tat; segne Väter und Mütter, regiere Kinder und Gesinde; bewahre uns vor Krieg und Blutvergießen, wende ab Pest und Teurung; steure dem Grimme des Teufels; sende uns deine heiligen Engel; kröne das Jahr mit deinem Gut; gib Frieden im Lande, unserm Herzen Freude, unserm Leibe Gesundheit, unserer Stadt(Gemeinde) Einigkeit; bene⸗ deie unsere Nahrung, fördere das Werk unserer Hände, nähre treue Arbeiter; bekehre die Sünder, kräftige die Frommen, bringe zurecht die Irrigen; schütze Witwen und Waisen, tröste die Elenden, erfreue 62 VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. die Traurigen, pflege der Kranken, hilf den Hülflosen, errette die Bedrängten, sei bei den Sterbenden. Durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Heiland und Erlöser. Amen. 78. Am Feste der Erscheinung Christi. Her heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, wir danken deiner 2 göttlichen Majestät, daß du den Weisen aus dem Morgenlande deinen heiligen und eingebornen Sohn Jesum Christum hast offen⸗ bart und daß du auch uns arme Heiden durch den Stern deines seligmachenden Wortes zu seiner heilsamen Erkenntnis hast lommen lassen. Lob, Ehre, Preis und Dank sei dir, barmherziger, gütiger Gott, für diese und alle deine großen Wohltaten. Wir bitten dich herzlich, regiere uns mit deinem heiligen Geiste, daß wir trotz aller Hinderungen deinen Sohn, unsern Heiland und Seligmacher, suchen, finden und erkennen, anbeten, dienen und ehren. Laß uns im Glanze des Lichtes, das die ganze Welt erleuchtet, unsere Füße nach dem Scheine des leuchtenden Sternes, deines Wortes, richten, daß wir ein neu christlich Leben beständig führen mögen. Regiere und segne unsre liebe Obrigkeit und die ganze christliche Gemeinde. Tröste alle betrübten, mit dem Tode ringenden Herzen, und erfülle sie mit deiner Himmelsfreude. Und weil du willst, daß allen Menschen geholfen werde und alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, so bitten wir dich: Laß das Licht deiner Gnade leuchten über alle, die noch in Finsternis wandeln, und bringe deine zerstreuten Kinder zusammen, auf daß dein Reich komme und Eine Herde und Ein Hirte werde, wie du uns verheißen und vertröstet hast durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. 79. Passionsgebete. 1. O Herr Jesus Christus, der du uns armen und verlornen Sündern durch dein heiliges, unschuldiges Leiden Gnade bei deinem himmlischen Vater erworben und das ewige Leben wieder gebracht hast, wir danken dir aus Herzensgrund für deine Liebe, deine Angst und Not und deinen seligmachenden Tod und bitten dich: Erhalte uns ewig in der Liebe und im Lobe deines Leidens und gib uns Gnade, die ewige Wohltat der teuren Erlösung mit dankbarem Herzen zu erkennen und zu preisen. Laß uns dadurch im Glauben stärker, in der Hoffnung fröhlicher, in der Liebe heißer, in der Ge⸗ duld getroster, im Gehorsam williger und beständiger werden und unsern Sünden absterben. Hilf auch, daß wir an unserm Ende deines blutigen Todes uns zur ewigen Seligkeit freuen und trösten, o Herr Jesus Christus. Amen. 2 von Leide hast versp Ach, deine allen Ram uns, folge Anfe dem der liche Vlut durd von una war hast dir dein Abe Got daß und VI. Gebeie für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 63 2. Herr Jesus Christus, du Lamm Gottes, wir danken dir von Herzen, daß du der Welt Sünde getragen hast und durch dein Leiden und deinen Tod das Sühnopfer für uns geworden bist. Du hast dich in der Sünder Hände hingegeben und bist um unsertwillen verspottet, gegeißelt, mit Dornen gekrönt und gekreuzigt worden. Ach, verleih uns Gnade, daß wir durch die andächtige Betrachtung deines heiligen Leidens und Todes von Herzen gedemütigt, unter allen Anfechtungen im Leben und Sterben getröstet und zu dem Kampfe wider Sünde und Welt mächtig gewaffnet werden. Du hast uns, o liebster Heiland, ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nach⸗ folgen deinen Fußstapfen. Gib, daß wir im Aufsehen auf dich, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, laufen durch Geduld in dem Kampfe, der uns verordnet ist, auch einst des Glaubens Ende, der Seelen Seligkeit, davonbringen und dich für deine unaussprech⸗ liche Liebe loben und preisen immer und ewiglich. Amen. 3. Wir sagen dir von Herzen Dank, lieber Vater, für das teure Vlut deines lieben Sohnes, das er um unsertwillen vergossen hat, durch welches du uns noch täglich in deiner heiligen Kirche reinigst von allen unsern Sünden. Wir sagen dir Dank für deine große, unaussprechliche Liebe, der du uns, die wirs doch nicht wert waren, also geliebt hast, daß du uns durch deinen eignen Sohn erlöst hast, durch den Hohenpriester, Mittler und getreuen Hirten, der sich dir zum Opfer gegeben hat und seine Seele dargegeben für die Herde deiner Schase, der nun sitzet zu deiner Rechten und bittet für uns. Aber wir bitten und flehen auch zu dir, du gütiger und getreuer Gott, du Heiland aller Menschen, du wollest uns deine Gnade geben, daß wir dich für alle solche deine Erbarmung mit deinem Sohne und Heiligen Geiste in allen Dingen von Herzen loben und preisen in Ewigkeit. Amen. 4. Herr Jesu Christe, wir treten unter dein Kreuz und bekennen mit demütigem Herzen: Wir, wir haben dir Arbeit gemacht in unsern Sünden und haben dir Mühe gemacht in unsern Missetaten. Du aber hast uns durch dein heiliges Kreuz und bittern Tod von allen unseren Sünden gnädig erlöst und die ewige Gerechtigkeit uns gebracht. Wir danken dir für diese deine große Liebe und Erbarmung. Er⸗ leuchte, bewege und entzünde nun, getreuer Heiland, unsere Herzen, daß wir dich herzlich wieder lieben und an dir in starkem, festem Glauben hangen. Hilf, daß wir unser ganzes Leben nach deinen Fußstapfen richten und unter der Fahne deines sieghaften Kreuzes in dieser Welt wider die Sünde ritterlich streiten, bis du uns nach wohlvollbrachtem Lauf und Kampf in Frieden(darum wir dich herzlich bitten) in das ewige Leben zu allen Auserwählten abfordern wirst. Da wollen wir ewig rühmen: Preis und Ehre, Anbetung 6⁴ VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. und Dank sei dir, daß du durch deinen heiligen Kreuzestod von allem unserm Jammer uns erlöset und ein ewiges Heil uns er⸗ worben hast. Amen. Am Gründonnerstage siehe Gebet 65. 80. Am Karfreitage. Wir danken dir, Herr Jesu Christe, wahrer Gott und Mensch, daß du uns arme Sünder und verdammte Menschen ohne alle unsre Werke, Verdienste und Würdigkeit durch dein heiliges Leiden, Sterben und Blutvergießen erlöst hast. O Herr Jesu Christe, wie groß ist dein Leiden, wie schwer ist deine Pein, wie viel ist deiner Marter, wie ief sind deine Wunden, wie bitter und schmerzlich ist dein Tod! Wie unaussprechlich ist deine Liebe, womit du uns deinem himm⸗ lischen Vater versöhnt hast, da du am Olberge blutigen Schweiß vor großer Todesangst geschwitzt, daß die Blutstropfen auf die Erde ge⸗ fallen, und daselbst, von allen deinen Jüngern verlassen, in die Hände der Sünder dich willig für uns ergeben, die dich hart ge⸗ bunden und von einem ungerechten Richter zu dem andern unbarm⸗ herzig geführt haben; daselbst bist du fälschlich verklagt, verurteilt und verspeit, verhöhnt und mit Fäusten in das Angesicht geschlagen worden. Du bist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen, gegeißelt und mit Dornen gekrönt; du warst der allerverachtetste und unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit, also, daß es auch ein heidnisch Herz erbarmt hat zu sagen: Sehet, welch ein Mensch! Du bist wegen unsrer Missetaten unter die Übeltäter gerechnet und als ein Fluch aufgehängt, an Händen und Füßen mit Nägeln durchgraben, dazu in deinem höchsten Durst mit Essig und Galle getränkt, und mit großen Schmerzen hast du deinen Geist aufgegeben, auf daß du unsre Schuld bezahltest und wir durch deine Wunden geheilt würden. O Herr Jesu Christe, für alle diese deine Marter und Pein sagen wir dir Lob und Dank und bitten dich: Laß dein heiliges, bittres Leiden an uns nicht verloren sein, sondern gib, daß wir uns desselben jederzeit von Herzen trösten und rühmen, auch dasselbe also begehn und betrachten, daß alle bösen Lüste in uns ausgelöscht und gedämpft, dagegen aber alle Tugend eingepflanzt und gemehrt werde, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben und deinem Vorbilde nachfolgen, in deine Fußstapfen treten, das Übel mit Geduld er⸗ tragen und das Unrecht mit gutem Gewissen leiden. Das ver⸗ leih uns, Herr Jesu, um deines heiligen, teuren Verdienstes willen. Amen. * ft und word deine erstel der K möge fäng! und Tote und Gral soller Lob Jesu erstel alle Ang schär dur uͤbe wir dir An Gei VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 6⁵ 81. Am Osterfeste. Zieber Herr Jesus Christus, du allmächtiger Gott und starker Sieg fürst, der du die Bande des Todes zerrissen, in großer Majestät und Herrlichkeit aus deinem Grabe auferstanden und ein Erstling worden bist unter denen, die da schlafen, wir danken dir an diesem deinem großen Ehrentage für dein heiliges Leiden, Sterben und Auf⸗ erstehung, denn es ist alles uns zugute geschehen. Du hast die Pforten der Hölle zerbrochen, damit wir in ewiger Freiheit aus⸗ und eingehen mögen. Du hast uns mit gewalüger Hand ausgeführt aus dem Ge⸗ sängnis und dem Reiche des Todes, dem du seine Macht genommen, und hast uns von der ewigen Dienstbarkeit erlöst. Du bist von den Toten auferstanden und mit Macht hervorgedrungen als unser Haupt und Hirt, auf daß wir als deine Glieder und Schafe auch nicht im Grabe bleiben, sondern durch dich zur ewigen Herrlichkeit auferstehen sollen. Darum rufen wir heute mit fröhlichem Munde: Gott sei Lob und Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum. Auch bitten wir dich: Laß deine heilige Auf⸗ erstehung allzeit uns trösten, daß wir festiglich glauben, du habest alle unsere Sünden in deinem Grabe tief verborgen, daß sie vor das Angesicht des himmlischen Vaters nicht mehr kommen noch uns be⸗ schämen werden. Hilf uns auch endlich alle Todesnot und Schmerzen durch den freudigen Trost der Auferstehung unserer Leiber kräftig überwinden, und wenn du durch die Stimme des Erzengels rufen wirst: Steht auf, ihr Toten! so öffne unsere Gräber und laß uns dir mit Freuden entgegengehn. Dann werden wir dein heiliges Angesicht fröhlich anschauen und dich samt dem Vater und heiligen Geist in Ewigkeit preisen. Amen. 82. Am Feste der Himmelfahrt Christi. Her Jesus Christus, allmächtiger Herr und Gott, wir danken dir, D daß du nach erhaltenem Sieg wider alle deine Feinde deine fröhliche Himmelfahrt mit großer Majestät, mit Triumph und Jubel der heiligen Engel gehalten und dich zur Rechten deines himmlischen Vaters gesetzt hast. So hat dein Kreuz und Leiden ein seliges Ende genommen, du bist durch den Tod zu deiner ewigen Herrlichkeit ein⸗ gegangen. Lieber Heiland, du bist am Ufer, wir sind noch auf dem wilden Meere; du bist im Siege, wir sind noch im Streit. Gib uns doch deine Gnade, daß wir mit unsern Herzen und Gedanken dir nachsehn, auf daß unser Herz sei, wo unser Schatz ist. Laß uns alles Weltliche mit Füßen treten, damit wir uns mit herzlichem Ge⸗ bete, Seufzen und Flügeln des wahren Glaubens zu dir in die Höhe schwingen können. Wir glauben und trösten uns festiglich, du werdest — 66 VI. Cebete für Feste und Wochengortesdienste der Kirche uns als deine Glieder nicht hier im Elend lassen, sondern endlich, wenn wir unsern Lauf vollendet und im wahren Glauben beschlossen haben, uns auch zu dir nehmen. Denn du hast ja deinen himm⸗ lischen Vater vor deinem heiligen Leiden so inbrünstig gebeten und gesagt: Vater, ich will, daß wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast. Und weil du nicht allein zu deinem, sondern auch zu unserm Vater aufgehoben bist und deinen Jüngern und uns verheißen hast: Ich will wieder kommen und euch zu mir nehmen, daß ihr seid, wo ich bin, so erfülle deine tröstliche Zusage, lieber Erlöser, und hole uns bald zu dir, denn uns verlangt von Herzen nach dir. Wie gerne wollten wir bei dir in unserm himmlischen Vaterlande sein; wie viel lieber wollten wir das, als länger in dieser elenden Pilgrimschaft wallen. Gern wollten wir unsere irdischen Hütten ablegen. Denn wir sehnen uns nach unsrer Be⸗ hausung, die im Himmel ist, und daß das Sterbliche vom Leben verschlungen würde und wir daheim wären bei dir. Bis aber unsere Stunde kommt, wollen wir mit unserm Gemüt in den Himmel dringen und mit dem Verlangen daheim sein bei dir, der du bist unsers Herzens Freud und Wonne, hochgelobt in Ewigkeit Amen 83. Am Pfingstfeste. Wir loben und preisen dich, lieber himmlischer Vater, daß du deine ) Verheißung erfüllt, deinen heiligen Geist über alles Fleisch aus⸗ gegossen, deinen Himmel aufgetan und uns mit geistlichem Segen in himmlischen Gütern gesegnet hast. Nun hast du alles getan, du Gott aller Gnade und Vater der Barmherzigkeit, was du dir vorgenommen, und deine großen Werke auf Erden vollendet, die deines Namens Ehre sind und unser ewiges Heil. Du hast den Namen deines lieben Sohnes verklärt und deine Liebe in unsere Herzen ausgegossen. Ja, du willst selbst in uns wohnen, willst unser Gott sein, und wir sollen dein Volk sein. Hochgelobt sei dein heiliger Name! Erhöre nun heute die Gebete deines Volkes. Tröste uns wieder mit deiner Hülse und nimm deinen heiligen Geist nicht von uns Halte im Bau den Weinstock, den deine Rechte gepflanzt hat, den du dir festlich erwählt hast, und tränke ihn mit dem himmlischen Tau deines Segens Laß deine Gemeinde bleiben bei deinem reinen Wort und öffne wieder ihren Mund, daß sie deine großen Taten preise. Tu die Tore deines Reiches weit auf und laß die Fülle der Heiden zu ihnen eingehen. Regiere mit deinem Geist alle christliche Obrigkeit, richte nach deinem Willen die Werke ihrer Hände und leite sie auf rechtem Wege. daß sie tun möge, was dir wohlgefällig und deinem Volke heilsam ist Gieß über unsere Häuser den Geist der Gnade und des Gebets aus und laß die Leuchte deines heiligen Wortes darin nicht verlöschen VI Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 67 Laß deinen Geist, den Geist des Trostes und der Kraft, die Elenden erquicken, die Traurigen trösten, die Schwachen stärken und die aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen vertreten, die in großer Anfechtung nicht mehr beten können. Vollende an uns allen das gute Werk, das du angefangen hast, und mache uns würdig, dein ewiges Reich zu erlangen, da die große Schar aus allen Heiden und Völkern und Sprachen dir mit neuen Zungen Lob und Dank sagt ewiglich. Dir samt deinem lieben Sohne und dem heiligen Geiste sei Ehre in der Gemeinde zu aller Zeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 84. Am Feste der heiligen Dreieinigkeit. Heu Gott, allmächtiger Vater, der du die Welt so hochherzlich und unaussprechlich geliebt hast, daß du auch deines einigen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahin gegeben, wir ehren und loben deine Majestät, und unser Herz freut sich in dir über alles, was du uns an Leib und Seele getan hast, und bitten dich, du wollest dein väterliches Herz nimmermehr von uns wenden und um Christi willen, deines Geliebten, unser gnädiger Vater in Ewigkeit sein und bleiben.— O Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, du treuer Heiland aller Menschen, wir danken dir auch für deine inbrünstige Liebe, daß du um unserer Seligkeit willen deinen himm⸗ lischen Thron verlassen, bis zum Tode am Kreuz dich erniedrigt und uns den Weg zum ewigen Leben wieder eröffnet hast.— O Gott heiliger Geist, du werter Tröster und Lehrer der ganzen Christenheit, dich loben wir auch und danken dir für alle deine geistlichen Wohl⸗ taten, mit denen du deine Kirche zierst und schmückst, in allen An⸗ fechtungen und Nöten uns herzlich tröstest, und bitten dich, du wollest uns mit deiner Gnade serner überschatten und erleuchten.— O du heilige Dreieinigkeit, weil in deiner Erkenninis unsere Seligkeit steht, so erhalte uns sest darin, daß wir dich als unsern Gott allzeit recht ehren, loben und preisen. Verlaß uns nicht, deine armen Kreaturen, und stärke uns in unserer Pilgerschaft. Laß einem jeden, der deine Hülse anruft, den Reichtum deiner Erbarmung kund werden. Breite deine Gnade aus über unser ganzes Land, nimm in deinen all⸗ mächtigen Schutz und Schirm den Kaiser, unsern König, und sein Haus; baue und festige deine Kirche auf dem Fels der Wahrheit und laß sie unbeweglich stehn wider den Trotz der Welt, ja wider die Pforten der Hölle Verleih uns durch deine Kraft, daß wir das Geheimnis deines Wesens nicht allein mit dem Munde, sondern auch mit der Tat und Wahrheit ehren, daß wir uns dir zum Eigentum übergeben, in dir leben und sterben und dermaleinst mit Freuden erscheinen vor dem Thron deiner ewigen Majestät und Herrlichkeit Amen. 5* 68 VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche 85. Am Feste der Engel oder Michaelis. KMmzichliger Gott, ein Herr Himmels und der Erde, der du alles geschaffen hast, beide das Sichtbare und das Unsichtbare, die Thronen und die Herrschaften, wir sagen dir Lob und Dank, daß du die himmlischen Heerscharen, die heiligen Engel, verordnet und ausgesandt hast zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Wir bitten dich, du wollest ihnen Befehl tun, daß sie uns behüten auf allen unsern Wegen, daß sie uns auf den Händen tragen und wir unsern Fuß nicht an einen Stein stoßen. Treibe von uns alle bösen Mächte der Finsternis und laß deine heiligen Engel uns allezeit begleiten, schützen und mächtiglich erretten. Laß durch ihren Dienst Stadt und Land, Haus und Hof, Weib und Kind und alles, was wir haben, vor allem Unfall bewahrt werden. Gib uns wahre Buße in unsere Herzen, daß sich die Engel im Himmel über uns freuen. Zünde in uns an ein brünstiges Gebet und Lob deines Namens, daß wir der Engel Amt verrichten und mit ihnen anbeten und rufen: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Gib uns aber auch Gnade, daß wir ihnen nachfsolgen im Gehorsam gegen deinen heiligen Willen und freudig, wie sie, deine Befehle ausrichten. Und wenn wir aus diesem zeitlichen Leben scheiden sollen, so laß unsre Seelen von den Engeln in Abrahams Schoß getragen werden und mache uns ihnen gleich am Tage der Auferstehung, daß wir mit ihnen dich ewig loben und preisen mögen. Amen. 86. Am Reformationsfeste. Knuch ger und grundgütiger Gott, wir danken dir von Herzen, daß du deiner Kirche dich gnädiglich angenommen, das Gefängnis deines Volkes gewendet und am Abend der Welt unserm werten Vaterlande durch dein teures Rüstzeug Martin Luther ein großes Licht angezündet hast. In deines Geistes Kraft hat er den Brunnen Israels gereinigt, die seligmachende Wahrheit von aller Verführung abgesondert, die heilige Schrift deutlich übersetzt, den Stand der lieben Obrigkeit gerettet und viel Gutes mehr zu deiner Ehre und deiner lieben Gemeinde Erbauung und zur Beruhigung der geängstigten Ge⸗ wissen ausgerichtet. Danket dem Herrn Zebaoth, daß er so gnädig ist und tut immerdar Gutes. Preise, Jerusalem, den Herrn, lobe, Zion, deinen Gott, der sein Wort gibt mit großen Scharen Evan⸗ gelisten, und alle, die den Herrn fürchten, sollen sagen: Seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Nun, du treuer Gott, du hast uns bisher wider so manche Gefahr, Verfolgung und Ver⸗ wirrung in diesem Licht gnädig erhalten, so bewahre es ferner und ....„ 2„& +. VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 69 erhalte den Heilsbrunnen der allein seligmachenden Lehre in Fried und Ruhe bei uns und unsern Kindern, daß die Stadt Gottes fein lustig bleibe mit ihren Brünnlein. Erwecke auch bei uns allen wahre Gottseligkeit, daß wir behalten, was wir haben, und unsern Schatz nicht durch Undank verscherzen, sondern recht evangelisch, des⸗ jelben würdig leben und dort dich ewigen Gott, Vater, Sohn und heiligen Geist, loben und preisen mögen in alle Ewigkeit. Amen. Am Tage der Hagelfeier siehe Gebet 33. Am Erntedankfeste siehe Gebet 37. 87. Am Bußtage. B'runheriiger⸗ ewiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, du Herr Himmels und der Erde, wir armen, elenden Sünder bekennen vor deinem allerheiligsten Angesichte, daß wir leider mit unsern Vätern gesündigt, daß wir mißgehandelt und gottlos gewesen mit unsern vielsältigen schweren Sünden, auch deinen gerechten Zorn und allerlei Strafen, ja den endlichen Untergang wohl ver⸗ dient haben. Solche unsre begangenen Sünden reuen uns von Herzen, und dieweil du unser aller Vater und liebreicher Gott bist, der du dich also erklärt hast. So wahr als ich lebe, ich habe keinen Gefallen am Tode des Goitlosen, so fliehen wir zu deiner inbrünstigen und herzlichen Barmherzigkeit, demütig bittend, du wollest aller unserer Übertretung nicht gedenken, sondern vielmehr eingedenk sein deiner grundlosen Güte und Barmherzigkeit. Ach Bater und Herr, strafe uns nicht in deinem Zorn, züchtige uns nicht in deinem Grimm. Ach Herr, sei uns gnädig, verstoße uns nicht von deinem Angesicht und laß es nicht mit uns gar aus sein. Erweise uns deine wunder⸗ liche Güte, du Heiland derer, die auf dich hoffen, und laß unser Angesicht nicht zu schanden werden. Ach Herr, Gott Zebaoth, sei du unser Gont, mache dich auf zu richten und hilf allen Elenden und Bedrängten auf Erden, zerbrich die Pfeile aller Feinde deines aller⸗ heiligsten Wortes und Namens, laß ihre Hände sinken, laß sie be⸗ schließen einen Rat und nichts daraus werden, und zerstreue die Völter, die da gerne kriegen. Gestatte ja nicht, o teuer Vater, daß dein Weinberg, den du unter uns gepflanzt hast, verwüstet werde Stehe auf, Herr, und hilf uns mit deiner starken Hand und all⸗ mächtigen Arm, tu wohl diesen und allen andern Landen, in welchen du mit deinem Worte deine Wohnung hast. O lieber Herr und Gon sei und bleibe du bei und unter uns, stärke und erweitre dein Reich. das du aufgerichtet hast, denn es ist dein Werk. Erhalte uns und unsre Nachtommen bei reiner, gesunder Lehre und bei gewünschtem 70 VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. Landfrieden. Verschone uns, o treuer Gott und Vater, mit Krieg, Aufruhr und Empörung, mit Pestilenz und andern gefährlichen Seuchen. Wende ab Teurung, Mißwachs, schädliches Wetter und alle andern Plagen. Sei uns gnädig, zeige uns deine Barmherzigkeit, Gott, unser Heil. Erleuchte unsre Herzen, daß wir rechtschaffene, wahre Buße tun, alle wissentlichen und vorsätzlichen Sünden fliehen und meiden, hingegen dich und dein heiliges Wort stets vor Augen haben und also dem wohlverdienten Verderben zeitlich und ewiglich entgehen mögen. Das alles wollest du tun, o treuer, barmherziger Vater, um des teuren, werten Verdienstes und der kräftigen Fürbitte willen deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert in gleicher Majestät und Ehre, wahrer Gott und Mensch, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. 88. Am Geburtstage des Kaisers. 1. Du großer, majestätischer Gott, Herrscher Himmels und der Erden, vor dem keine Hoheit sein kann, als die du gibst, und vor dessen Thron sich alles beugen und niederwerfen muß: Wir sagen dir demütig Dank, daß du selbst über alles, auch über uns in Gnaden regierst, darinnen unsere Seligkeit steht. Wir sagen dir auch Dank, daß du nach deiner Weisheit zum Besten des menschlichen Geschlechts Könige, Fürsten und Obrigkeiten verordnet und zu Amt⸗ leuten deines Reiches gemacht hast. Sonderlich danken wir deiner ewigen Güte heute für unsern Kaiser und König, sür alles Gute, das du durch seine Regierung diesen Landen und deiner Kirche er⸗ zeigt hast, und bitten dich, laß diesen deinen Knecht samt unserer Kaiserin und Königin und seinem ganzen Hause in deine göttliche Gnade befohlen sein. Erfülle sie mit Leben und Segen von oben her und mit allem, was sie dir gefällig und wahrhaft glückselig machen kann. Salbe sie täglich mit deinem heiligen Geiste, der in ihnen deine lebendige Erkenntnis und Glauben erhalte und ihren Geist samt Seele und Leib durch und durch heilige. Rüste unsern Kaiser aus mit Weisheit und wirke in ihm eine herzliche Begierde, alle seine Regierung zu deiner Ehre zu richten. auch für die Erhaltung deines Wortes treulich zu sorgen, daß das Reich deines Sohnes in seinen Landen immer reichlicher eine Stäͤtte finde. Segne seine Bemühungen um heilsame Gerechtigkeit, Ehrbar⸗ keit und Zucht, um Erhaltung von Ruhe und Frieden und um Be⸗ förderung des Wohlstandes seiner Lande Gib ihm weise Räte und treue Diener in allen Teilen seiner Regierung. Erhalte in dem Kriegsheer den Geist der Treue und den Heldenmut der Väter. Pflanze auch in den Herzen aller seiner Untertanen Liebe, Vertrauen VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 71¹ und Gehorsam gegen unsern Landesvater. Du selbst aber, König aller Könige, regiere ihn und uns in Zeit und Ewigkeit zu deinem Preise und bringe uns allzumal in dein ewiges Reich. Um deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi willen. Amen. 2. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, du König aller Könige, du Herr aller Herren, der du von deinem Throne schauest auf alle, die s Erden wohnen, wir bitten dich herzlich: Walte mit deiner Huld über dem Kaiser, unserm Könige, deinem Knechte, und erfülle ihn mit deinem heiligen Geiste, daß er stets seine Lust an deinem Willen habe und auf deinen Wegen wandle. Schenke ihm die rechte Fülle deiner göttlichen Gaben; verleihe ihm Gesundheit und langes glückliches Leben. Leite und segne ihn, daß er das Wohl des Landes aus allen Kräften und mit dem besten Erfolge schaffe. Erfreue ihn hienieden durch das Glück seines Königlichen Hauses und durch die Wohlfahrt des ganzen Volkes, und laß ihn endlich nach diesem Leben die ewige Freude und Seligleit erlangen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 89. Am Bibelfeste. Huchen himmlischer Vater, wir danken dir, daß du uns dein heiliges Wort geschenkt und uns dadurch zur Erkenninis der selig⸗ machenden Wahrheit geführt hast. Wir bitten dich, du wollest uns und unsere Nachkommen dabei erhalten und uns im rechten Ver⸗ ständnis desselben wachsen und zunehmen lassen. Und weil du gnädig und barmherzig bist und unserer Missetat nicht gedenkst, so vergib uns in den, was wir wider dein Wort Übles getan, und nimm um unseres Ungehorsams willen dasselbe nicht hinweg von unserm Munde und Herzen, sondern laß es bleiben unsers Fußes Leuchte und ein Licht auf unserm Wege. Verleihe allen, die dir in der Aus⸗ breitung deines Wortes dienen, deinen göttlichen Segen, damit sie ihr Werk ausrichten und darin nicht müde werden. Segne insonderheit die unter uns gegründeten Anstalten zur Verbreitung deines Wortes und laß sie wachsen und allerwärts sich mehren zur Verherrlichung deines Namens. Führe diejenigen, die noch im Dunkeln wandeln, an das helle Licht deiner Gnade und öffne ihnen die Augen, daß sie die Schrift verstehen und recht gebrauchen. Laß uns alle mehr und mehr erkennen, wie in deinem Wort verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis, auf daß es uns über alles wert und teuer sei und immerdar bleibe unseres Herzens Freude, bis wir schauen, was wir geglaubt haben, und dich unter deinen Aus⸗ erwählten ewiglich rühmen und preisen. Amen. — ⁰ VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 90. Am Feste der Heidenmission. 1. Barmherziger Gott und Vater, gelobt seist du, daß du auch uns in dein Gnadenreich auf Erden, in deine heilige Kirche berufen und deinen lieben Sohn uns gemacht hast zur Weisheit, zur Ge⸗ rechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. Gib, daß wir diese Gnade lebendig erkennen und darin durch den Glauben immer fester gegründet werden. Segne dazu die Predigt deines Wortes in allen christlichen Gemeinden und gieße deinen heiligen Geist aus über Lehrer und Hörer. Himmlischer Vater! So viele Millionen Menschen sind noch ferne von dir und deinem Frieden, zahlreiche Völker gehen noch in der Blindheit ihres Herzens dahin und sind versunken in die Greuel des Götzendienstes. O, erbarme dich ihrer, schenke ihnen das Licht deines Evangeliums, öffne ihre Augen, daß sie dich und die Wunder deiner Gnade erkennen, und laß sie in deinem Sohne Jesu Christo Leben und Seligkeit finden. Sende deine Boten in alle Welt, das Wort des Heils zu verkünden aller Kreatur. Rüste sie aus mit Glauben und Liebe, mit Mut und Demut, mit Weisheit und Treue, daß sie predigen mit aller Freudigkeit und Lauterkeit und als deine Diener wirken in Beweisung des Geistes und der Kraft.— Wir bitten dich auch für diejenigen, welche sich vorbereiten zu diesem schweren Berufe. Erleuchte ihren Verstand, reinige ihr Herz, heilige sie durch und durch und mache sie zu tüchtigen Werkzeugen deiner Ehre. Schütze und leite die Anstalten, darin sie unterwiesen werden, und schenke ihnen allen nach deiner Barmherzigkeit einen gesegneten Fortgang. Uns aber und allen Gliedern deiner Kirche verleihe die Gnade, daß wir von Herzen mögen bereit sein, ein jeder nach der Gabe, die er empfangen hat, mitzuwirken für die Ausbreitung deines Reiches im Glauben und in der Liebe. Es ist ja dein Werk, Herr, du hast es angefangen, du wirst es auch vollenden. Laß alle, die von Morgen und von Abend, von Mitternacht und von Mittag zu deinem Reiche gekommen sind und noch kommen werden, mehr und mehr wachsen zu einer heiligen und seligen Gemeinde deines Sohnes, bis endlich Eine Herde ist unter Einem Hirten, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, zu deiner Ehre, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. 2. Gelobet seist du, Jesus Christus, der Welt Heiland! Du hast dir durch dein teures Blut alle Menschen zu deinem Eigentum erkauft und hast verheißen, daß dein Evangelium soll gepredigt werden unter allen Völkern. Dein Name ist es, den jeder Mund bekennen, und in welchem aller Kniee sich beugen sollen. Des sind wir fröhlich und sehen mit Verlangen und mit Zuversicht hinaus auf die Völker der Erde, zu welchen in dieser Zeit dein Wort als *—3——— REE VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 73 eine neue Botschaft des Lebens läuft. Herr, du wirst es nicht lassen leer zurückkommen; du wirst an allen Enden der Welt beweisen, daß dein Evangelium eine Kraft Gottes ist, die selig macht. Wir bitten dich, offenbare dich überall als den barmherzigen Heiland, der das Verlorene sucht und das Verirrte wiederbringt, als den Herrn, dem gegeben ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Sei Sonne und Schild allen, die deinen Namen verkündigen; mehre unter den Heiden deiner Boten Zahl und ruste sie mit deinem Geiste aus, daß sie das Schwert deines Wortes recht führen gegen alle Bollwerke der Finsternis. Laß sie mitten im Kampfe deinen Frieden schmecken, und ob sie auch mit Tränen säen, so laß sie doch für sich selbst und für dein Reich mit Freuden ernten. Neige die Herzen der Völker zu deinen Zeugnissen; in deiner Christenheit aber erhalte und mehre den Eifer für dein Wort und für die Verherrlichung deines allein seligmachenden Namens. Zu dir flehen wir, Herr, unser Gott! Sei uns gnädig und segne uns; laß uns dein Angesicht leuchten, daß wir auf Erden erkennen deinen Weg, unter allen Heiden dein Heil. Amen. 91. Am Jahresfeste der inneren Mission. H lieber Heiland Jesu Christe, du bist einst auf unsere Erde ge⸗ Ntommen, um uns, die wir lagen in Ketten und Banden, zu er⸗ lösen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, und du hast uns geliebt bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz, damit wir könnten frei und ledig werden von allem Elend und in deinem Reich unter dir leben und dir dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Du fragst uns von deinem heiligen Kreuz herab: Das tat ich für dich, was tust du für mich? Du willst uns einst richten danach, ob wir dich geliebt haben in den Armen und Elenden, den Hungrigen und den Nackten und Gefangenen. Ach, lieber Heiland, so zünde doch nun deine Liebe in unsern Seelen an, wecke uns auf und erneure uns, daß wir nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. Gib uns ein mitleidig Herz, daß wir gedenken unserer elenden Brüder, die gebunden sind von den Retten der Sünde und Schande und seufzen unter Krankheit und Not, und mache uns eifrig und freudig, daß wir uns willig dir opfern zum Dienst der barmherzigen Liebe. Laß uns eilen Gutes zu tun und nicht müde werden, daß wir wirken, solange es Tag ist, ehe denn die Nacht kommt, da nie⸗ mand wirken kann. Herr, die Ernte ist groß und der Arbeiter wenig, darum bitten wir dich, du Herr der Ernte, daß du Arbeiter in deine Ernte sendest. Segne insonderheit alle Anstalten der barmherzigen Liebe und alle 74 VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. Arbeit deiner Jünger an Kranken und Armen, Gefangenen und Elenden jeder Art; gib allen Brüdern und Schwestern, die sich den Samariterdienst zum Lebensberuf erwählt haben, deinen heiligen Geist, den Geist des Glaubens und der Selbstverleugnung, daß sie solchen Dienst mit Freuden tun und nicht mit Seufzen. Gib ihrer Arbeit reichen Segen und Erfolg, daß dadurch der Not gewehren werde, auf daß der Sünden und Seufzer weniger werden im Lande. und viele Seelen errettet und gewonnen werden für dein Reich. Ja, Herr, erlöse uns von allem Übel und nimm uns endlich alle mit Gnaden aus diesem Jammertal zu dir in dein ewiges Himmel⸗ reich. Amen. 92. Für die Arbeit an den Glaubensgenossen in der Zerstreuung. Her Gott, wir danken dir, daß du bis auf diese Stunde dein göttliches Wort lauter und rein unter uns erhalten hast, daß es bleibe unsers Fußes Leuchte und ein Licht auf unserm Wege. Wir bitten dich, erhalte das teure Kleinod deiner seligmachenden Wahrhein uns und allen unsern Nachkommen und laß das Licht desselben immer mehr über allen Völkern aufgehen. Heiliger Vater, gib einen hellen Schein der Erkenntnis Jesu Christi in unsre Herzen und laß das Wort von seinem Kreuz uns göttliche Krast und göttliche Weis⸗ heit werden. Gib uns auch ein offenes Auge, daß wir die Not der Glaubensgenossen in der Zerstreuung sehen, und stärke unsern Glauben auch dazu, daß er in der Liebe zu den Brüdern tätig erfunden werde. Schließe zusammen die Herzen aller, die zum Evangelium sich belennen, auf daß wir als Glieder Eines Leibes einander Hand⸗ reichung tun und in Liebe dienen. Mache uns zu Werkzeugen deines Erbarmens, daß wir mit vereinten Kräften die müden Hände stärken, die strauchelnden Kniee festigen, die verzagten Herzen trösten. Segne dazu die Vereinsarbeit evangelischer Bruderliebe, die wir heute mit Dank und Bitte vor dein Angesicht stellen, auch fernerhin wie bisher. Laß die Kirchen, die sie erbaut, Stätten sein, da allzeit dein lauteres Evangelium mit Kraft und Freudigkeit gepredigt wird. Laß in den Schulen, die sie pflegt, in den Anstalten, die sie gründet, ein Ge⸗ schlecht heranwachsen, das sich deiner und deines seligmachenden Wortes nicht schämt; laß in den Pfarrhäusern, die sie er⸗ richtet, deinen Geist walten, den Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht. Herr, von dir allein kommt alles Gedeihen, darum wollest du unser Werk krönen mit deinem Segen und uns alle immer⸗ dar wachsen lassen an dem, welcher unser Haupt ist, Christus Bringe durch ihn alle Irrenden zurück zu dir, stärke die Schwachen, bekehre die Ungerechten, erleuchte die Betörten und VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 7⁵ laß die arme zertrennte Menschheit den Tag sehen, da nach der seligen Verheißung deines Wortes Eine Herde und Ein Hirte seim wird. Amen. 93. Gebet für die wöchentlichen Betstunden. Am Montag. Bormherziger Gott und Vater, nachdem wir abermals eine Woche zurückgelegt und in eine neue eingetreten sind, so danken wir dir für alle erwiesenen Wohltaten. Du hast dein Wort und Sakrament e unter uns rein und lauter erhalten, uns Ruhe und Friede, auch tägliche Nahrung bescheret Du hast uns der vorigen Woche Tage und Plage gnädig überwinden helfen und lässest uns diese Woche mit Gesundheit und Freude antreten. Für solche und alle andern Guttaten sagen wir dir von Herzen Lob und Dank. Weil wir aber in der vergangenen Woche wider dich, Herr unser Gott, vielfältig. gesündigt haben, so ist uns solches herzlich leid, und bitten wir alle um Gnade und Vergebung Laß uns der heiligen Leidens- und Marterwoche deines lieben Sohnes und dessen, was er uns durch sein Leiden, Kreuz und Tod in derselben erworben hat, heilsamlich genießen. Gib, daß wir aus der alten Woche keine alten Sünden mit in die neue nehmen. Gib uns neue Herzen und einen neuen gewissen Geist. Laß deine Gnade alle Morgen über uns neu auf⸗ r gehen und erhalte uns bei deinem reinen Worte und bei dem rechten n Gebrauche der heiligen Sakramente. Stärke auch mit Kraft aus⸗ u der Höhe unsere gnädigste Landesherrschaft und alle christlichen n Obrigleiten. Fördre guten Rat und nützliche Tat und wende Krieg, Pest, Teurung, Feuersbrunst, Wassersnot und sonst alles Herzeleid 5 in Gnaden von uns ab Gib uns Friede und Gesundheit, auch „ Glück und Heil zu unser aller Beruf und Stande. Und weil wir e nun mit der neuen Woche unsre Amts⸗ und Berufsarbeit wieder antreten, so fange, o Gott, von neuem an, uns zu segnen. Laß: uns das Werk, dazu du uns beschieden hast, mit Freude angreifen und führe durch deinen Segen alles, was wir in deinem Namen anfangen. zu deiner Ehre, zu unserer und unsers Nächsten Wohlfahrt glücklich hinaus. Gefällt es dir aber, lieber Vater, uns in der an⸗ gehenden Woche mit Kreuz und Trübsal heimzusuchen, so gib Geduld ö und mache uns das Kreuz nicht schwerer, als wir es ertragen können. · Hast du endlich über einen oder den andern von uns beschlossen, ihn in dieser Woche durch den zeitlichen Tod aus dieser Welt abzufordern, so gib demselben hier ein seliges Ende, daß er dort ewig bei dir sei, und wir zuletzt insgesamt, nach aller Mühe und Arbeit auf Erden, bei dir im Himmel einen Sabbath nach dem andern in ewiger Freude und Herrlichkeit feiern mögen. Das verleihe uns, o Gott, in des heiligen Geistes Kraft durch Jesum Christum. Amen. 76 VI. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 94. Noch ein Gebet für Betstunden. Herr, allmächtiger, barmherziger Vater, wir armen Sünder kommen vor dein heilig Angesicht und sagen dir aus Herzens⸗ grund für alle deine Wohltaten billig Lob und Dank, daß du uns zu deinem Ebenbild erschaffen und nach deiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren und in deinem lieben Sohne, unserm Herrn Jesu Christo, der Hoffnung nach zu Erben der ewigen, himmlischen Güter angenommen, auch bisher an Leib und Seele gnädiglich erhalten hast. Wir bitten dich serner demütiglich, du wollest uns alle unsre Sünden und Missetaten durch das teure Verdienst deines Sohnes Jesu Christi vergeben und um seiner vollgültigen Fürbitte willen alle wohlver⸗ dienten Haus⸗ und Landplagen gnädiglich mildern und abwenden und deinen heiligen Geist verleihen, daß wir uns forthin in unserm Beruf und allem Vornehmen durch denselben auf ebener Bahn führen und regieren lassen, damit wir dich, o Gott, stets vor Augen haben und kindlich fürchten, hingegen die Sünde mit allem Ernste meiden, das liebe Kreuz mit christlicher Geduld hinnehmen und gehorsamlich leiden. Wir befehlen dir auch weiter, o getreuer, allmächtiger Vater, die ganze Christenheit auf Erden, alle hohen christlichen Häupter, desgleichen unsre Obrigkeit, unsre getreuen Lehrer und alle gottseligen Hausväter samt ihren Angehörigen Behüte unser liebes Vaterland vor Krieg, Mißwachs, Hunger, Seuchen und Krankheiten, vor Feuers⸗ und Wassersnöten. Auch laß dir, o milder Vater, die Früchte auf dem Lande und unsere ganze Nahrung wohl befohlen sein. Die wollest du segnen und uns gedeihen lassen, den Armen Brots genug, den Kranken Geduld und Gesundheit geben, den Sündern Gnade zur Besserung ihres Lebens, uns und allen Christgläubigen Barmherzigkeit und nach diesem vergänglichen das ewige selige Leben schenken und mitteilen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn und Heiland. Amen. 95. Für kirchliche Bibelstunden. lerheiligster und gnädigster Gott, du hast in deinem Wort ver⸗ ösprochen, daß du wollest zu uns kommen und uns segnen an dem Orte, da du deines Namens Gedächtnis stiften würdest. Ge⸗ dächtnis nun zu halten von deinem allerheiligsten Namen sind wir auch allhie versammelt. Darum bitten wir dich herzlich und demütig, du wollest mitten unter uns sein, du wollest uns segnen und zu diesem deinem Dienst geschickt und tüchtig machen. Vergib uns zu dem Ende, himmlischer Vater, alle unsre Sünden, Übeltaten, Fehler und Schwachheiten um Jesu Christi und seiner blutigen, voll⸗ kommenen Aussöhnung willen und heilige uns täglich mehr und mehr, der Sünde und Welt abzusterben. Schenke uns deinen heiligen Geist mit geleh und dank streu daß Mur him redet eine zur Soh 77 Kollekten. mit reichem Maß, damit dein göttliches Wort von uns möge recht gelehrt, andächtig gehört, in einem beständig guten Herzen bewahrt und in ein christlich Leben verwandelt werden. Heilige unsre Ge⸗ danken, reinige unsre Gemütsbewegungen, sammle alle unsre ver⸗ streuten Sinne aus der Welt zurück hieher vor dein göttlich Angesicht, daß wir Worte und Kräfte des Lebens empfangen. Rühre auch den Mund und das Herz deines unwürdigen Dieners, das Wort der 1 himmlischen Wahrheit mit aller Freudigleit und Geisteskraft auszu⸗ reden, und gehe du von Seele zu Seele in der Gemeinde unter uns, einen jeglichen aufzuwecken zum Stande rechtschaffener Bekehrung und 1+— zur Erhaltung der gewünschten Seligkeit. Alles um deines lieben Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi willen. Amen. Kollekten. Für bestimmte Tage und Zeiten. Auf Advent. X. Nieber Herr Gott, wecke uns auf, daß wir bereit sein, wenn dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und dir mit reinem Herzen zu dienen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 2 Her Gott, himmlischer Vater, wir danken dir von ganzem Herzen, ; 9 daß du uns armen Sündern zu Trost deinen Sohn Christum zu einem Messias verordnet und gesandt hast, daß er als ein ge⸗ rechter König und Heiland sein Volk von Sünden erlösen und aus des Teufels Tyrannei und ewigem Tode erretten sollte. Wir bitten dich von Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist also erleuchten, regieren und führen, daß wir diesen gerechten ö König und Heiland wahrhaftig erkennen, an ihm allein halten, uns ö an seiner geringen Gestalt, verachtetem Worte und Reiche nicht ärgern, sondern in einem rechten Vertrauen auf ihn ewig selig werden mögen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn Amen. 3 Rir bitten dich, lieber Herr Gott, du wollest unsere Herzen durch deiner Gnade Heimsuchung reinigen, daß dein Sohn, wenn er zu uns kommt, eine bereite Wohnung finde, der mit dir lebet und regieret in Ewigkeit. Amen 78 Kollekten. Am Vorabend des Christfestes. 4. Eieber Herr Gott, der du diese geweihte Nacht im Glanz des wahren Lichts hast scheinen lassen, verleih, daß wir dort im Himmel der Freuden jenes Lichtes inne werden, dessen Geheimnisse du uns hier auf Erden offenbart hast. Durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, der da ist das wahrhastige Licht und mit dir lebt und herrschet, wahrer Gott, immer und ewiglich. Amen Am Christfeste. 5. 5˙⁷ lieber Herr Gott, daß wir der heiligen Geburt deines lieben 2Sohnes teilhaftig werden und von unsrer sündlichen Geburt er⸗ ledigt in der neuen Geburt dir dienen, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 6. Berr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine große Gnade und Barmherzigkeit, daß du deinen eingebornen Sohn in unser Fleisch hast kommen lassen und durch ihn uns von Sünden und ewigem Tode gnädiglich geholsen. Wir bitten dich herzgründlich, erleuchte unsre Herzen durch deinen heiligen Geist, daß wir dir für solche deine Gnade dankbar sein und derselbigen uns in aller An⸗ fechtung trösten und endlich ewig selig werden mögen. Durch den⸗ selben deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum Amen. 7. Hen Gott, der du uns mit dem jährlichen Gedächtnis unsrer Erlösung erfreuest, gib, daß wir deinen eingebornen Sohn, den wir nun fröhlich als einen Erlöser empfangen, auch bei seiner Ankunft zum Gericht in sicherem Frieden schauen mögen, unsern Herrn Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen Am Nenjahrstage. 8. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine väter⸗ liche Gnade, daß du dich der armen Sünder angenommen und deinen Sohn Christum ihnen zugut unter das Gesetz getan hast, daß er mit seinem vollkommenen Gehorsam deinen gerechten Zorn stillen und unsern Ungehorsam heilen möchte. Wir bitten dich, du wollest durch deinen heiligen Geist unsre Herzen also erleuchten, daß u e 1 n Kollekten. 79 wir uns solches Gehorsams wider unsre Sünde und das böse Ge⸗ wissen trösten können und durch die Hülfe des heiligen Geistes auch anfangen, gehorsame Kinder zu werden, und endlich die ewige Selig⸗ keit erlangen mögen. Durch denselben deinen Sohn. Christum Jesum, unsern Herrn. Amen. 9. KXIzachtigkn, ewiger Gott, von dem alle gute und vollkommene Gabe herabkommt, wir danken dir für alle deine Wohltat, die du uns im vergangenen Jahre beides geistlich und leiblich hast er⸗ zeiget; und bitten deine Barmherzigkeit, du wollest uns nun wiederum ein glückseliges und freudenreiches Jahr bescheren, vor Unglück und Gefahr uns gnädiglich behüten und mit deinem götilichen Segen erfüllen. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen Am Feste der Erscheinung Christi. 10. Herr Gott, himmlischer Vater, der du deinen eingebornen Sohn Jesum Christum durch die Erscheinung eines Sterns den Heiden offenbart und uns auch in diesen letzten Zeiten durch das selige Licht deines göttlichen Wortes zu der Erkenninis deines lieben Sohnes hast kommen lassen, wir bitten von ganzem Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist also begnaden und begaben, daß wir nach solchem Lichte deiner Wahrheit immerdar wandeln, uns mit ganzer Zuversicht unsers Heilandes allzeit erfreuen und also zur ewigen Seligkeit erhalten werden. Durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 11. Herr Gott, himmlischer Vater, der du an diesem Tage deinen eingebornen Sohn Jesum Christum den Heiden durch Leitung des Sternes offenbart hast, verleih uns gnädiglich, daß wir dem seligen Lichte der Heiden immerdar nachwandeln und endlich alle zur Anschauung deiner göttlichen Majestät und Herrlichkeit ge⸗ langen. Durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Für die Weihnachts- und Epiphaniaszeit. 12. bllmächtiger, ewiger Gott, wir bitten dich, verleih uns, die wir mit dem gnadenreichen Lichte deines neugebornen Sohnes Jesu Christi begnadigt sind, daß wir auch mit der Tat vollbringen, was 80 Kollekten. wir im Herzen glauben und mit dem Munde bekennen. Durch den⸗ selben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 13. Hen Gott, himmlischer Vater, der du aus väterlicher Liebe gegen uns arme Sünder deinen Sohn uns geschenkt hast, daß wir an ihn glauben und durch den Glauben sollen selig werden, wir bitten dich, gib deinen heiligen Geist in unsre Herzen, daß wir in solchem Glauben bis an unser Ende beharren und ewig selig werden. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 14. A ne gütiger Gott, barmherziger Vater, erleuchte über uns Vdein väterliches Angesicht und stärke in uns die Erkenntnis deiner Barmherzigkeit, die du uns in deinem lieben Sohne bewiesen hast, auf daß wir, zu deinem Lobe entzündet, mit allem himmlischen Heer in allen unsern Worten und Werken dich rühmen und preisen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Feste der Darstellung Jesu im Tempel. 15. err Gott, himmlischer Vater, der du deinen Sohn uns zum Hei⸗ Nlande bereitet hast, daß er der Heiden Licht und Israels Preis jein sollte, wir bitten dich, erleuchte unsre Herzen, daß wir deine Gnade und väterlichen Willen in ihm erkennen, auch Hülfe und Schutz wider die Sünde, Verdammnis und den leidigen Satan an ihm haben und endlich ewig selig werden mögen. Durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 16. Zieber Herr Jesu Christ, der du bist das wahre Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen, wir bitten dich, erleuchte unser Herz mit deinen Gnaden, auf daß wir dich mit dem heiligen Simeon als unsern Heiland erkennen und nach dieser Weln Dunkelheit bei dir in himmlischer Klarheit ewiglich bleiben, der du lebst und herrschest mit dem Vater und heiligen Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Feste der Verkündigung Mariä. I1. Herr Gont, himmlischer Vater, wir danken dir für deine unaus⸗ 9 sprechliche Gnade, daß du uns arme Sünder so gnädig bedacht, deinen Sohn in unser Fleisch geschict und ihn um unsertwillen uns tnis iesen schen isen. Hei⸗ Greis deine und n an elben alle dich, dem Welt er du vigkein maus⸗ edacht, willen Kollekten. 81 Mensch hast werden lassen. Wir bitten dich von ganzem Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist Gnade verleihen, daß wir uns seiner Menschwerdung, seines Leidens und Sterbens trösten, ihn für unsern Herrn und ewigen König erkennen und annehmen und durch ihn mit dir und dem heiligen Geiste ewig leben und selig werden mögen. Amen. In der Fastenzeit. 18. Kulmuächtiger, ewiger Herr Gott, der du für uns hast deinen Sohn des Kreuzes Pein lassen leiden, auf daß du von uns des Feindes Gewalt triebest, verleih uns, also zu begehen und zu danken seinem Leiden, daß wir dadurch der Sünden Vergebung und vom ewigen Tode Erlösung erlangen. Durch denselben deinen Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 19. armherziger, ewiger Gott, der du deines einigen Sohnes nicht verschont hast, sondern ihn für uns alle dahingegeben, daß er unsere Sünde am Kreuze tragen sollte, verleih uns, daß unser Herz in solchem Glauben nimmermehr erschrecke noch verzage. Durch den⸗ selben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 20. Herr Gott, der du allezeit Lust hast zur Barmherzigkeit und gerne 9 verschonest, nimm an unser bußsertig Gebet und mache die, so in Banden der Sünde liegen, los und ledig nach deiner milden Güte. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 21. Berr Gott, himmlischer Vater, der du aus väterlicher Gnade deines 2. eindeboretein Sohnes nicht verschont, sondern ihn in den Tod und an das Kreuz hinan gegeben hast, wir bitten dich, gib deinen heiligen Geist in unsre Herzen, daß wir solcher Gnade uns herz⸗ lich trösten, vor Sünden ferner uns hüten, und was du zu leiden schickest. geduldig tragen mögen, auf daß wir durch ihn mit dir ewig leben Amen 22. Berr Gott, Vater aller Barmherzigkeit, wir bitten dich, du wollest 7 gnädiglich sehen auf dies dein Volk und Hausgesinde, um welches willen dein lieber Sohn Jesus Christus sich nicht geweigert hat, uͤbergeben zu werden in die Hände der Sünder und zu dulden die 6 82 Kollekten. schmähliche Pein des Kreuzes, der mit dir lebt und herrschet wahrer Gott in Einigkeit des heiligen Geistes ewiglich. Amen. 23. 9²⁸ Jesu, unsre Ruhe und Leben, wir danken dir, daß du unsre Sünde mit dir in dein Grab genommen und darin begraben und uns durch deinen neuen Sabbath im Grabe ewige Ruhe er⸗ worben hast. Hilf, daß wir dein Grab für unsrer Sünden Kerker erkennen und uns vor unserm Grabe nicht fürchten, sondern in deiner Erkenntnis gern und willig in unser Ruhekämmerlein schlafen gehen, der du mit deinem heiligen Leibe all unsre Gräber weihest und heiligest, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Am Gründonnerstage, auch sonst bei der Feier des heiligen Abendmahls. 24. Herr Jesu Christe, der du uns hier in dem wunderbaren Sakra⸗ mente ein Gedächtnis deines Leidens gelassen hast, wir bitten dich, gib uns Gnade, daß wir das heilige Geheimnis deines Leibes und Blutes so ehren und handeln, daß wir deine Erlösung in uns täglich fruchtbarlich empfinden, der du mit dem Vater und dem heiligen Geist lebest und regierest, wahrer Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 25. Wir danken dir, allmächtiger Herr Gott, daß du uns durch diese heilsame Gabe hast erquicket, und bitten deine Barmherzigkeit, daß du uns solches gedeihen lassest zu starkem Glauben gegen dich und zu brünstiger Liebe unter uns allen. Um Jesu Christi, unsers Herrn, willen. Amen. 26. Klmächtiger Gott, ewiger Vater, ein König der Ehren und ein Herr Himmels und der Erde, dir sei Lob, Ehre und Preis, daß du uns würdig geachtet hast, zu diesem Reichtum deiner Gnade und seligen Speise zu kommen. Wir bitten dich, lieber Vater, du wollest uns deinen heiligen Geist verleihen, auf daß wir mit Herz und Gemüte was droben ist im Himmel suchen und auch gnädiglich finden. Durch denselben deinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Osterfeste. 27. Kumüchliger Gott, wir bitten dich, verleih uns, die wir das Fest der Auferstehung unsers Herrn feiern, daß wir durch Erneue⸗ rung deines heiligen Geistes vom Tode der Seelen auferstehn, auf Kollekten. 83 daß wir mit dir ewiglich leben. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 28. Kmichnger Gott, himmlischer Vater, der du durch den Tod deines Sohnes die Sünde und den Tod zunichte gemacht und durch sein Auferstehen Unschuld und ewiges Leben wiedergebracht hast, auf daß wir, von der Gewalt des Teufels erlöset, in deinem Reiche leben, verleih uns, daß wir solches von ganzem Herzen glauben und, in solchem Glauben beständig, dich allzeit loben und dir danken. Durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 29. Herr Gott, himmlischer Vater, der du deinen eingebornen Sohn um 9 unsrer Sünde willen dahingegeben und um unsrer Gerechtigkeit willen wieder auferwecket hast, hilf, daß wir als Glieder seines Leibes an ihm, unserm Haupte und Lebensfürsten, fest hangen und dermaleinst in der herrlichen Auferstehung der Gerechten an jenem Tage mit Freudigkeit vor ihm erscheinen und mit ihm in sein ewiges Reich eingehen mögen, da er als ein sieghafter Überwinder aller seiner und unsrer Feinde mit dir und dem heiligen Geiste in Ewig⸗ keit lebet und herrschet. Amen. Für die Freudenzeit. 30. Kllmächtiger Gott, der du uns durch deinen Sohn eröffnet hast den Zugang zum ewigen Leben und durch das Geheimnis seiner fröhlichen Auferstehung der ganzen Welt Heil verliehen, wir bitten dich, du wollest unsere Begierde zur schönen Ewigkeit erwecken und uns die himmlische Gabe der vollkommenen Freiheit verleihen. Durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 31. Bieber Herr Gott, der du durch die Erniedrigung deines Sohnes die Welt vom tiesen Falle aufgerichtet hast, gib deinen Gläubigen allzeit fröhlichen Mut, auf daß sie, von den Schrecken des ewigen Todes errettet, der unvergänglichen Freuden teilhaftig werden. Durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 32. Ober Herr Gott, der du die Herzen deiner Gläubigen mit einerlei Sinn erfüllest, verleih deinem Volke, das zu lieben, was du be⸗ fiehlst, das zu begehren, was du verheißest, auf daß bei dem eitlen 6* Kollekten. Treiben dieser Welt unsere Herzen droben haften, wo die wahren Freuden sind. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewig⸗ keit. Amen. Am Feste der Himmelfahrt. 33 Kulmacchtiger Gott, wir bitten dich, verleih, daß unser Sinn allezeit dahin stehe, wohin der Herr dieses Festes mit Ruhm und Preis ist eingegangen, und daß wir dort, wohin wir hier im Glauben trachten, unsern ewigen Aufenthalt finden. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, der in Einigkeit des heiligen Geistes mit dir lebet und herrschet in Ewigkeit. Amen. 34. Her Jesu Christe, du Sohn des allerhöchsten Gottes, der du nun 2 sorthin nicht mehr auf Erden arm und elend bist, sondern zur Rechten deines Vaters ein gewaltiger Herr über alles, was da ist im Himmel und auf Erden, alles auch erfüllst und regierst, wir bitten dich, du wollest deinen heiligen Geist uns senden, fromme Kirchendiener geben, dieselbigen begaben und bei deinem Wort erhalten, dem Satan und allen Feinden deiner Kirche wehren und dein Reich gewaltiglich erhalten, bis daß alle Feinde zu deinen Füßen liegen, und wir auch durch dich die Sünde, den Tod und alles überwinden. Amen. Am Pfingstfeste. 35. H²˙ Gott, lieber Vater, der du an diesem Tage deiner Gläubigen Herzen durch den heiligen Geist erleuchtet und gelehret hast, gib uns, daß wir auch durch denselben Geist rechten Verstand haben und uns seines Trostes und seiner Kraft zu aller Zeit freuen. Um Jesu Christi, unsers Herrn, willen. Amen. 36. 0 Herr Jesu Christe, du Sohn des allmächtigen Gottes, wir bitten dich, du wollest deinen heiligen Geist durch dein Wort in unsre Herzen geben, daß derselbe uns allezeit nach deinem heiligen Willen regiere und führe, in allerlei Unglück und Anfechtung tröste und in deiner Wahrheit wider allen Irrtum leite und erhalte, auf daß wir im Glauben fest bestehen, in deiner Liebe und guten Werken zu⸗ nehmen und durch eine gewisse Hoffnung deiner erworbenen und ge⸗ schenkten Gnade ewig selig werden mögen, der du mit dem Vaten und heiligen Geiste regierest von Ewigkeit zu Ewigleit. Amen. Kollekten. 85 37. Ewiger Gott, gnädiger Vater, der du deinen heiligen Geist und ein neu Gesetz in unser Herz zu geben verheißen hast, wir bitten deine milde Güte, du wollest deine armen Kinder mit deinem Gnadengeist beseligen und unsere Herzen trösten und erhalten, daß wir bei deinem Wort mit Freudigkeit beharren und dir in Geduld mit wahrer Anrusfung allezeit dienen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Feste der heiligen Dreieinigkeit. 38. Mcuburr⸗ ewiger Gott, der du uns gelehrt hast, im rechten Glauben zu wissen und zu bekennen, daß du in dreien Personen gleicher Macht und Ehren ein einiger, ewiger Gott und dafür anzu⸗ beten bist, wir bitten dich, du wollest uns bei solchem Glauben alle⸗ zeit fest erhalten wider alles, was uns dagegen mag ansechten, der du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Feste Johannis des Täufers. 39. AUumach iger⸗ ewiger Gott, verleih, daß dein Volk auf dem Wege des Heiles wandle und durch Gehorsam gegen das Wort des Paudduere Johannes zu dem gelange, von dem er geweissagt hat, zu unserm Herrn Jesu Christo, der mit dir und dem heiligen Geiste lebt und herrschet in alle Ewigkeit. Amen. Am Feste der Heimsuchung Mariä. 40. Amchtiger Gott, der du an der Jungfrau Maria große Dinge getan und sie zur Mutter deines lieben Sohnes, unsers Herrn, gemacht, auf daß uns kund würde, wie du der Armen, Rehtigen und Verachteten dich gnädiglich annimmst, gib, daß auch wir uns in aller Demut und Gelassenheit an dein Wort mit wahrem Glauben ergeben und also deines lieben Sohnes teilhaftig werden, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Am Michaelisfeste. 41. Ee ewiger, barmherziger Gott, der du wunderbarer Weise der Engel und Menschen Dienste geordnet hast, wir bitten dich, verleih uns gnädiglich, daß unser Leben hier auf Erden behütet und beschirmt werde von denen, die deiner göttlichen Majestät allezeit Kollekten. beiwohnen im Himmel. Durch Jesum Christum, deinen Sohn. unsern Herrn. Amen. Am Reformationsfeste. 42. Wir danken dir, allmächtiger Gott und Vater, daß du dich deiner Kirche väterlich erbarmt und dein lauteres Evangelium uns wieder geschenkt und erhalten. Wir bitten dich, du wollest unser aller Herzen durch deinen heiligen Geist regieren, daß wir dem Evangelium allezeit treu und fest anhangen, aber auch nach dem⸗ selben würdiglich wandeln und auf den Trost desselben leben und sterben. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Für die Früchte des Feldes.(Am Tage der Hagelfeier.) 43. Her, allmächtiger Gott, der du alles, was da ist, regierest und nährest, ohne dessen Gnade nichts geschehen kann, gib uns, deinen Kindern, lieber Vater, ein gnädiges Wetter, auf daß unser Land durch deinen Segen mit seinen Früchten erfüllet werde, und wir dich in allen deinen Wohltaten erkennen und loben. Durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. 44. Kumägtiger Gott, barmherziger Vater, der du durch deine göttliche Kraft alles hast erschaffen, und was da lebet und webet sättigest nach deinem Wohlgefallen, wir bitten dich demütiglich, du wollest unsere Felder mit deinem Segen krönen, und was du zu Nutzen der Menschen aus der Erde wachsen lässest, unter deinem Schirme und Schutz gnädiglich erhalten, auch dein Wort in unsere Herzen pflanzen, daß wir dir viele Früchte der Gerechtigkeit bringen. Durch deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Erntedankfeste. 45⁵ Kumichüger Gott, barmherziger Vater, der du deine milde Hand Wauftust und sättigest alles, was da lebet, nach deinem Wohl⸗ gefallen, wir danken dir demütiglich, daß du die Felder gekrönet mit deinem Segen und die Früchte der Erde uns wiederum hast sammeln lassen; und bitten dich, segne und behüte auch die ewige Saat deines Wortes in unsern Herzen, auf daß wir in reichlichen Früchten der Gerechtigkeit die rechten Dankopfer dir allezeit darbringen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kollekten 87 Am Bergfeste. 46. Kumactiger, ewiger Gott, himmlischer Vater, der du Berg und X Tal, Klüfte und Gänge erschaffen und lässest Silber und Erz wachsen zur Notdurft der Menschen, wir bitten deine milde Güte, du wollest unser Bergwerk aus Gnaden segnen und uns nach deinem Willen gut Erz bescheren, auch deinen Geist und Gnade uns mit⸗ teilen, daß wirs zu deiner Ehre und Unterhaltung deines Worts und täglicher Notdurft seliglich gebrauchen und unserm Nächsten christlich damit dienen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. An Buß⸗ und Bettagen. 47. 5²⁷⁰ Gott, himmlischer Vater, der du nicht Lust hast an der armen Sünder Tode, lässest sie auch nicht gern verderben, sondern willst, daß sie bekehrt werden und leben, wir bitten dich herzlich, du wollest die wohlverdienten Strafen unsrer Sünden gnädiglich abwenden, und uns hinfort zu bessern deine Barmherzigkeit mildiglich verleihen. Um Jesu Christi, unsers Herrn, willen. Amen. 48. Berschone, Herr, verschone unsrer Sünde; und wiewohl den Sün⸗ dern ewige Strafe gebühret, so bitten wir doch von ganzem Herzen, laß uns alles zu einer zeitlichen, gnädigen Strafe und erträglichen Züchtigung kommen, was wir zum ewigen Verderben gar wobl verdient haben. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Allgemeine Kollekten. Um den Segen des Wortes und rechten Gottesdienst. 49. ellmächtiger Herr Gott, wir bitten dich, gib deiner Gemeinde deinen Geist und göttliche Weisheit, daß dein Wort unter uns laufe und wachse, mit aller Freudigkeit, wie sichs gebührt, gepredigt, und deine christliche Gemeinde dadurch gebessert werde, auf daß wir von aller Anfechtung unversehrt mit beständigem Glauben dir dienen und im Bekenntnis deines Namens bis an unser Ende verharren. Durch Jesum Christum deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. 88 Kollekten. 50. Hr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, du wollest durch 2 deinen heiligen Geist uns also regieren und führen, daß wir mit ganzem Herzen dein Wort hören und annehmen und den Sabbath recht heiligen, damit wir durch dein Wort auch geheiligt werden, auf Jesum Christum, deinen Sohn, all unser Vertrauen und Hoffnung setzen und danach unser Leben nach deinem Wort auch bessern, vor allem Argernis uns behüten, bis wir durch deine Gnade in Christo ewig selig werden. Durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 51. Wir danken dir, Herr Gott, himmlischer Vater, von Grund unsers Herzens, daß du uns dein heiliges Evangelium gegeben und dein väterliches Herz hast erkennen lassen. Wir bitten deine grund⸗ lose Barmherzigkeit, du wollest solch selig Licht deines Wortes in uns gnädiglich erhalten und durch deinen heiligen Geist unsere Herzen also leiten und führen, daß wir nimmermehr davon ab⸗ weichen, sondern fest daran halten und endlich dadurch selig werden. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 52. ieber Herr und Gott, stärke und behalte uns in deinem lieben und reinen Wort, durch Jesum Christum, unsern Herrn, und hilf uns, daß wirs dankbarlich erkennen und kräftiglich mit guten Früchten bezeugen und zieren, dir zu Lob und Dank in Ewigkeit. Amen. 53. Erwecke, Herr, wir bitten dich, die Herzen deiner Gläubigen, auf daß sie die Frucht deines göttlichen Wortes immer vöͤlliger bringen und deiner Gnade Hülfe dabei immer reichlicher empfangen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit Amen. Für die Kirche und die Mission. 54. Kumichtiger, ewiger Gott, der du die ganze Christenheit durch deinen heiligen Geist heiligest und regierest. erhöre unser Gebet und gib gnädiglich, daß sie mit allen ihren Gliedern in reinem Glauben, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, so dir gefällig ist. durch deine Gnade dir diene. Um Jesu Christi, deines Sohnes, unsers Herrn und Heilandes, willen. Amen. 55 Mellmächtiger, ewiger Gott, der du allein große Wunder tust, gieß Waus den Geist deiner heilsamen Gnade über deine Diener und die Gemeinden, die ihnen befohlen sind, und damit sie dir in der Iπ½ιπ Kollekten. 89 Wahrheit wohlgefällig seien, so tränke sie allezeit mit dem Tau deines Segens. Durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. 56. Mumächtiger, ewiger Gott und Vater, der du leuchten läßt das XLicht deiner Wahrheit denen, die da irren, daß sie wieder auf den Weg der Gerechtigkeit kommen mögen, wir bitten dich: gib Gnade allen Gläubigen, daß sie verachten, was deinem Namen entgegen ist, und annehmen, was ihm dienet. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 97 Rott, unser Schild, schaue doch, siehe an das Reich deines Ge⸗ salbten, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, und verleih, daß vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang dein Name herrlich werde unter den Heiden und an allen Orten geopfert werde deinem Namen ein reines Opfer. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 58. H'rr Gott, himmlischer Vater, der du willst, daß allen Menschen 2 geholfen werde, und daß sie zur Erkenntnis der Wahrheit kom⸗ men, wir bitten deine milde Güte, sende die Boten deiner Barm⸗ herzigkeit und laß sie verkündigen dein Heil allem Volke, das im Dunkeln wohnet, auf daß erfüllet werde das Wort deiner gnädigen Verheißung, daß die Heiden wandeln in deinem Lichte und die Könige im Glanze deiner Herrlichkeit. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Um Buße und Vergebung der Sünden. 59. Aumächtiger und barmherziger Gott, der du nicht willst, daß je⸗ mand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre, gib, daß wir aus deinem Worte allezeit unsere mannigfaltige Sünde von Herzen erkennen, auch in wahrhaftiger seliger Reue den Trost deines Geistes und Glaubens inniglich wieder ergreifen, auf daß wir in deinem Sohne gerecht und durch denselben selig werden, der du mit ihm und dem heiligen Geiste lebest und herrschest ümmer und ewiglich. Amen. 60. Wir bitten dich, Herr, huldreicher Gott, gib deinen Gläubigen Omildiglich Vergebung und Frieden, auf daß sie von allen Sünden gereinigt werden und dir mit getrostem Herzen dienen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 90 Kollekten. Um Geist, Glauben und göttliches Leben. 61. Herr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, du wollest deinen 5 heiligen Geist in unsere Herzen geben, uns in deiner Gnade ewig zu erhalten und in aller Anfechtung zu behüten; wollest auch. allen Feinden deines Wortes, um deines Namens Ehre willen, wehren und deine arme Christenheit allenthalben gnädig befrieden. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 62. Rerr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, du wollest uns den Geist der Wahrheit und des Friedens verleihen, auf daß wir von ganzem Herzen, was dir gefällt, erkennen und dem mit allen Kräften allein nachfolgen mögen. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 63. Klachtiger Herr Gott, gib uns den rechten, wahrhaftigen Glauben und mehre denselben täglich in uns; gib uns auch Liebe und Hoffnung, damit wir dir und unserm Nächsten nach; deinem Wohlgefallen mögen dienen. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 64. Berr Gott, der du denen, die dich lieben, unsichtbare Güter bereitet 2hast, geuß deiner Liebe Brunst in unsre Herzen, auf daß wir dich in allem und über alles lieben und also deine Verheißung er⸗ langen, die überschwenglich ist über alles, das wir bitten oder ver⸗ stehen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 65. Herr, wir bitten, gib uns allzeit gnädiglich einen Geist zu ge⸗ denken und zu tun, was recht ist, auf daß wir, die wir ohne dich nicht sein können, nach dir auch leben mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit Amen. 66 Amchtiger Herr Gott, der du bist ein Veschützer aller, die auf dich hoffen, ohne welches Gnade niemand etwas vermag noch vor dir gilt, laß uns deine Barmherzigkeit reichlich widerfahren, auf daß wir durch dein heiliges Eingeben denken, was recht ist, und dasselbige auch durch deine Kraft vollbringen. Um Jesu Christi⸗ unsers Herrn, willen. Amen. Kollekten. 91 67. Kulmäcltiger Herr Gott, himmlischer Vater, von dem wir ohne uUnterlaß allerlei Gutes ganz überflüssig empfangen und noch täglich vor allem Übel gnädiglich behütet werden, wir bitten dich, laß uns solches alles durch deinen Geist mit ganzem Herzen in rechtem Glauben erkennen, auf daß wir deiner milden Güte und Barmherzig⸗ keit hier und dort ewiglich danken und dich loben. Durch deinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 68. Klmuchtiger, ewiger Gott, ein Beschützer aller, die auf dich hoffen, mehre über uns deine Barmherzigkeit, auf daß, so du unser Regierer und Führer bist, wir dermaßen durch die zeitlichen Güter wandeln, daß wir die ewigen nicht verlieren. Um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn, willen. Amen. 69. gerr Gott, der du deine Kraft und Herrlichkeit allermeist kund tust 2im Verschonen und Erbarmen, laß uns deine Barmherzigkeit reichlich widerfahren, daß wir laufen nach deiner Verheißung und also der himmlischen Güter teilhaftig werden. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Um Frieden und Segen. Für die Obrigkeit. 70. Herr Gott, himmlischer Vater, der du heiligen Mut, guten Rat 2und rechte Werke schaffest, gib deinen Dienern Frieden, welchen die Welt nicht kann geben, auf daß unsre Herzen an deinen Geboten hangen und wir unsere Zeit durch deinen Schutz still und sicher vor Feinden leben. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 71. Pwiger, allmächtiger Gott, ein Herr Himmels und der Erde, durch welches Geist alles regieret, durch welches Vorsehung alle Dinge geordnet werden, der du bist ein Gott des Friedens, von welchem alle Einigkeit zu uns kommt, wir bitten dich, du wollest uns alle unsere Sünde vergeben und uns mit deinem göttlichen Frieden und Einigkeit begnaden, damit wir dir in rechter Furcht dienen zu Lob und Preise deines Namens. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 72. allmächtiger Herr und Vater, der du durch dein ewiges, gött⸗ liches Wort alle Dinge erschaffen hast, segnest und erhältst, wir bitten dich, daß du dein ewiges Wort, unsern Herrn Jesum 92 Kollekten. Christum, uns wollest offenbaren und in unsre Herzen pflanzen, dadurch wir nach deiner Gnade würdig werden, deinen göttlichen Segen über alle Früchte der Erde und alles, was zur leiblichen Notdurft gehört, zu empfangen und zum Preise deines Namens und unsers Nächsten Dienst zu gebrauchen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 73. Kllmächtiger Gott, du König aller Könige, der du die allerhöchste Gewalt hast über aller Menschen Königreiche und ordnest Herrschaft und Regiment im menschlichen Geschlechte, wir danken dir für deine gnädige Ordnung und für das weltliche Regiment und unsere liebe Obrigkeit, darunter du uns gesetzt hast, wie unter einen Baum, unter dessen Schatten wir Frieden und Ruhe haben, dein teures Wort zu hören und zu üben. Wir bitten dich, du wollest unsere liebe Obrigkeit selbst regieren, führen, bewahren und beschützen, und in gutem Frieden dein Licht und Wort bei uns erhalten, daß wir ein geruhiges und stilles Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Um Trost und Stärke. 74. KAlmchiger Gott und Vater, der du der Elenden Seufzen nicht verschmähst und der betrübten Herzen Verlangen nicht ver⸗ achtest, siehe doch an unser Gebet, welches wir in unsrer Not vor dich bringen, und erhöre uns gnädiglich, daß alles, was uns sowohl vom Teufel als von Menschen widerstrebt, zunichte und durch den Rat deiner Gütigkeit zerstört werde, auf daß wir, von aller Anfechtung unversehrt, dir in deiner Gemeine danken und dich allezeit loben. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 75. Herr Gott, himmlischer Vater, du weißt, daß wir aus mensch⸗ 2 licher Schwachheit in so mancher und großer Gefahr, die uns auf Erden befällt, ohne deinen Beistand nicht bleiben noch be⸗ stehen mögen; verleih uns, beides an Leib und Seele, Kräfte, daß wir alles, so uns um unserer Sünde willen quält und anficht, durch deine Hülfe überwinden und durch deine starke Hand davon gewaltig errettet werden. Um Jesu Christi, unsers Herrn, willen. Amen. 76. 0 allmächtiger, ewiger Gott, ein Trost der Traurigen und eine Stärke der Schwachen, laß vor dein Angesicht gnädiglich kommen die Bitte aller derer, so in Bekümmernis und Anfechtung zu dir Kollekten. 93 seufzen und schreien, auf daß jedermann in der Not deine göttliche Hülfe empfinde und dich dafür ewiglich lobe und preise. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 77. KMmͤchtiger, ewiger Gott, der du uns durch deinen Sohn Ver⸗ gebung unserer Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben ver⸗ heißen hast, wir bitten dich, du wollest unsre Herzen durch deinen heiligen Geist also führen und erwecken, daß wir solche Hülfe durch tägliches Gebet, und sonderlich in aller Anfechtung, bei ihm suchen und durch festen Glauben auf seine Zusagung und auf sein Wort gewiß finden und erlangen. Durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 78. Here Goit, himmlischer Vater, der du deinen Sohn, unsern 2Herrn Jesum Christum, in diese Welt gesandt hast, daß er des Teufels Tyrannei wehren und uns arme Menschen wider solchen argen Feind soll schützen, wir bitten dich, du wollest uns vor Sicherheit behüten und in aller Anfechtung durch deinen heiligen Geist nach deinem Worte zu wandeln, gnädiglich erhalten, daß wir bis an das Ende vor solchem Feinde befriedet bleiben und endlich selig werden mögen. Durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Um christliche Bereitschaft, seligen Tod und das ewige Leben. 79. Hen Gott, regiere unsre Herzen und Gedanken durch deinen heiligen Geist, daß wir allzeit denken an das Ende und an dein gerechtes Gericht, und erwecke uns dadurch zu einem gött⸗ lichen Leben in dieser Zeit, auf daß wir dort ewiglich mit dir bleiben mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 80. Boarmherziger, ewiger Gott und Vater, der du uns in Christo Jesu zu einer lebendigen Hoffnung des ewigen Lebens berufen hast, verleih uns, daß wir durch deinen Geist die Welt und alle Lüste dieses Lebens bestreiten, unser Fleisch kreuzigen und töten und nach dem, was droben ist, am ersten trachten, bis wir im Glauben, in Hoffnung und Geduld alles überwinden und vor deinem Angesichte gekrönt und ewiglich erfreut werden. Um Jesu Christi, unsers Seligmachers, willen. Amen. 9⁴4 Kollekten. 81. Hea, allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, der du uns aus dieser sündigen und verkehrten Welt durch den Tod zu dir forderst und hinwegnimmst, auf daß wir nicht durch stetig Sündi⸗ gen verderben, sondern zu dem Ewigen hindurchdringen, wir bitten dich, du wollest uns solches von Herzen lassen erkennen und glauben, auf daß wir uns unsers Abscheidens freuen und dem Berufe zu deinem Reiche gern und williglich folgen. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 82. Kumächliger⸗ ewiger Gott, der du durch deinen Sohn Vergebung der Sünden und Rettung vor dem ewigen Tode zugesagt hast, wir bitten dich, stärke uns durch deinen heiligen Geist, daß wir in solchem Vertrauen auf deine Gnade durch Christum täglich zu⸗ nehmen und die Hoffnung fest und gewiß behalten, daß wir nicht sterben, sondern entschlasen und am jüngsten Tage zum ewigen Leben erweckt werden sollen. Durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 83. ◻ Herr Jesu Christe, der du bist die Auferstehung und das Leben und hast uns durch deinen Sieg eine ewige Gerechtigkeit, Freude und Herrlichkeit erworben, wir bitten deine Güte, du wollest uns eine fröhliche Auferstehung des Lebens verleihen und uns in das ewige Paradies und Vaterland heimholen, der du von dem Tode bist erstanden und herrschest mit Vater und heiligem Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Dersikel. Auf Advent. 1. Vereitet dem Herrn den Weg, Halleluja. Machet seine Steige richtig. Halleluja. 2. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, Halleluja. Daß der König der Ehren einziehe. Halleluja. 3. Hosianna dem Sohne Davids! Halleluja. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Halleluja. 8 8 11. 12 16. 17. Versikel. 9⁵ Am Christfeste. Euch ist heute der Heiland geboren, Halleluja. Welcher ist Christus der Herr. Halleluja. Uns ist ein Kind geboren, Halleluja. Ein Sohn ist uns gegeben. Halleluja. Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Halleluja. Gott ist geoffenbaret im Fleisch. Halleluja. Also hat Gott die Welt geliebet, Halleluja. Daß er seinen eingebornen Sohn gab. Halleluja. Am Neufahrstage. Jesus Christus gestern und heute, Halleluja. Und derselbe auch in Ewigkeit. Halleluja. Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für, Halleluja. Du bist unser Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja. Am Feste der Erscheinung Christi. Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen, Halleluja. Und ein Zepter aus Israel aufkommen. Halleluja. Die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, Halleluja. Und die Könige im Glanze, der über dir aufgeht. Halleluja. Für die Weihnachts- und Epiphaniaszeit. Das Wort ward Fleisch und wohnete unter uns, Halleluja. Und wir sahen seine Herrlichkeit Halleluja. Singet dem Herrn ein neues Lied, Halleluja. Denn er tut Wunder. Halleluja. Am Feste der Darstellung Jesu im Tempel. Bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet, Halleluja. Und der Engel des Bundes, des ihr begehret. Halleluja. Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, Halleluja. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. Halleluja. Auf Mariä Verkündigung. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, Halleluja. Lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. Halleluja. Christus kommt her aus den Vätern nach dem Fleische, Halleluja. Welcher ist Gott über alles, gelobet in Ewigkeit. Halleluja. 32. 83. Versikel. Für die Fastenzeit. Hilf uns, Herr, unser Helfer, um deines Namens Ehre willen, Errette uns und vergib uns unsere Sünde um deines Namens willen. Christus ist um unserer Missetat willen verwundet Und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, Und durch seine Wunden sind wir geheilet. Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschonet, Sondern hat ihn für uns alle dahingegeben. Siehe, das ist Gottes Lamm, Welches der Welt Sünde trägt. Am Gründonnerstag, auch sonst bei Abendmahlsfeiern. Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, Der gnädige und barmherzige Herr. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, Halleluja. Und seine Güte währet ewiglich. Halleluja. Am Osterfeste und für die Freudenzeit. Der Herr ist auferstanden, Halleluja. Er ist wahrhaftig auserstanden. Halleluja. Christus ist um unserer Sünde willen dahingegeben, Halleluja. Und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket. Halleluja. Christus hat dem Tode die Macht genommen, Halleluja. Und Leben und unvergänglich Wesen an das Licht gebracht. Halleluja. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, Halleluja. Er wird mich hernach aus der Erde auferwecken. Halleluja. Christus, von den Toten auferweckt, stirbt hinfort nicht mehr, Halleluja. Der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Halleluja. Der Tod ist verschlungen in den Sieg, Halleluja. Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat. Halleluja. Alle Zungen sollen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, Halleluja. Zur Ehre Gottes des Vaters. Halleluja. Auf Christi Himmelfahrt. Christus ist aufgefahren in die Höhe, Halleluja. Und hat den Menschen Gaben gegeben. Halleluja. Trachtet nach dem, das droben ist, Halleluja. Da Christus ist, sitzend zur rechten Hand Gottes. Halleluja. 43. 44. 48. Versikel. 97⁷ Am Pfingstfeste. Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, Halleluja. Den Geist der Gnaden und des Gebets. Halleluja. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, Halleluja. Und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Halleluja. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes, Halleluja. Unser Gott kommt und schweiget nicht. Halleluja. Wir haben einen kindlichen Geist empfangen, Halleluja. Durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Halleluja. Sie ist fest gegründet auf den heiligen Bergen, Halleluja. Der Herr liebet die Tore Zions. Halleluja. Am Feste der heiligen Dreieinigkeit. Wir loben Gott den Vater, Sohn und heiligen Geist, Halleluja. Und preisen ihn von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, Halleluja. Alle Lande sind seiner Ehre voll. Halleluja. Am Feste Johannis des Täufers. Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, Halleluja. Der deinen Weg vor dir bereiten soll. Halleluja. Gelobet sei der Herr, der Gott Israels, Halleluja. Denn er hat besucht und erlöset sein Volk. Halleluja. Auf Mariä Heimsuchung. Ich sreue mich in dem Herrn, Halleluja. Und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott. Halleluja. Meine Seele erhebet den Herrn, Halleluja. Und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Halleluja. Am Michaelisfeste. Lobet den Herrn, ihr starken Helden, Halleluja. Die ihr seinen Befehl ausrichtet. Halleluja. Er hat seinen Engeln befohlen über dir, Halleluja. Daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Halleluja. Am Reformationsfeste. Halt im Bau deine Gemeinde, die du gepflanzet hast, Halleluja. Die du dir festiglich erwählet hast. Halleluja. Dein Wort ist eine rechte Lehre, Halleluja. Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses ewiglich. Halleluja. 7 Versikel. Buß⸗ und Bettagen, auch sonst um Buße und Vergebung der Sünden. Herr, handle nicht mit uns nach unsern Sünden, Und vergilt uns nicht nach unserer Missetat. Gott, sei uns gnädig nach deiner Güte, Und tilge unsere Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Herr Gott Zebaoth, tröste uns, Laß leuchten dein Angesicht, so genesen wir. Verwirf uns nicht von deinem Angesicht, Und nimm deinen heiligen Geist nicht von uns. Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinen Knechten, Vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Bekehre du uns, Herr, so werden wir bekehret, Hilf du uns, so ist uns geholfen. Barmherzig und gnädig ist der Herr, Halleluja. Geduldig und von großer Güte. Halleluja. Am Tage der Hagelfeier und am Erntedankfeste. Herr, erzeige uns deine Gnade und Güte, Halleluja. Daß unser Land sein Gewächs gebe. Halleluja. Aller Augen warten auf dich, Herr, Halleluja. Und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Halleluja. Das Land gibt sein Gewächs, Halleluja. Es segne uns Gott, unser Gott. Halleluja. Du krönest das Jahr mit deinem Gut, Halleluja. Und deine Fußstapfen triefen von Fett. Halleluja. Wort, Lehre, Gottesdienst. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, Halleluja. Und ein Licht auf meinen Wegen. Halleluja. Herr, erhalte uns dein Wort, Halleluja. Dein Wort ist unsers Herzens Freude und Trost. Halleluja. Heiliger Vater, heilige uns in deiner Wahrheit, Halleluja. Dein Wort ist die Wahrheit. Halleluja. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, Halleluja. Und den Ort, da deine Ehre wohnet. Halleluja. Dienet dem Herrn mit Freuden, Halleluja. Kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken. Halleluja. Kirche und Mission. Tu wohl an Zion nach deiner Gnade, Halleluja. Baue die Mauern zu Jerusalem. Halleluja. 66. 69. Versilel. 99 Hilf, Herr, die Heiligen haben abgenommen, Und der Gläubigen ist wenig unter den Menschenkindern. Gott gedenket der Barmherzigkeit, Halleluja. Und hilst seinem Diener Israel auf. Halleluja. Das Volk, so im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht, Halleluja. Und über die, so da wohnen in Finsternis, scheint es helle. Halleluja. Lobet den Herrn, alle Heiden, Halleluja. Preiset ihn, alle Völker. Halleluja. Alle Könige werden ihn anbeten, Halleluja. Alle Heiden werden ihm dienen. Halleluja. Lob und Dank. Der Name des Herrn sei gelobet und gebenedeiet, Halleluja. Von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja. Preiset mit mir den Herrn, Halleluja. Und lasset uns miteinander seinen Namen erhöhen. Halleluja. Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, Halleluja. Und meinem Gott lobsingen, weil ich hier bin. Halleluja. Freuet euch des Herrn, ihr Gerechten, Halleluja. Die Frommen sollen ihn schön preisen. Halleluja. Der Herr denket an uns und segnet uns, Halleluja. Er segnet, die ihn fürchten, beide Kleine und Große. Halleluja. Um göttliche Regierung, Hülfe und Segen. Herr, lehre uns tun nach deinem Wohlgefallen, Halleluja. Dein guter Geist führe uns auf ebener Bahn. Halleluja. Herr, laß Christum durch den Glauben in unsern Herzen wohnen, Halleluja. Und uns durch die Liebe festgewurzelt und gegründet werden. Halleluja. Herr, zeige uns deine Wege, Halleluja. Und lehre uns deine Steige. Halleluja. Bei dem Herrn findet man Hülfe, Halleluja. Und deinen Segen über dein Volk. Halleluja. Hilf deinem Volke und segne dein Erbe, Halleluja. Weide sie und erhöhe sie ewiglich. Halleluja. Gott, gib Fried in deinem Lande, Halleluja. Glück und Heil zu jedem Stande. Halleluja. Bittet, so werdet ihr nehmen, Halleluja. Daß eure Freude vollkommen sei. Halleluja. Versikel. In Not und Trübsal. Rufe mich an in der Not, So will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. „Ich hoffe darauf, daß du so gnädig bist, Halleluja. Mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilsst. Halleluja. Herr, du wollest deine Barmherzigkeit nicht von uns wenden, Laß deine Güte und Treue uns allewege behüten. Das Verlangen der Elenden hörest du, Herr, Halleluja. Ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr darauf merket. Halleluja. Tod und Sterben. Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, Auf daß wir klug werden. Leben wir, so leben wir dem Herrn, Halleluja. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Halleluja. In deine Hände befehle ich meinen Geist, Du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, Halleluja. Sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. Halleluja. Gericht und ewiges Leben. Siehe, der Herr kommt mit viel tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle. Siehe, es kommt der Herr, der Herrscher, Halleluja. Und in seiner Hand ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Halleluja. Vor dir ist Freude die Fülle, Halleluja. Und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Halleluja. DLLEEEEIIIIIIIILLLLELEEEEII. HAAAA AAAAAAAAAAA— Fumilit ien⸗ Chronih. 0 Trauung. nummunnuuu IIIll» Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen. —— Jos. 24, 15. Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes haben wir: geboren am getauft am zu geboren am getauft am zu den heiligen Ehebund geschlossen und sind am in der Kirche zu durch den ö eingesegnet worden. ö Gott sei uns gnädig und segne uns! Amen! e — * E * * —* . KI * 2 N . II . IN 2 4 * E 4 0 . FlN Sanilien-Ghronl. — Boreltern. 6 Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Psalm 103, 8. a. Des Ehemannes: b. Der Ehefrau: Familien-Ghronih. —0 Kinder. 6 Ziehet eure Kinder auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn. Eph. 6, 4. Geburtstag, Taufe, Taufpaten etc. amilien⸗Ghronih. * * ——— Sterbefälle. mummunnum. rn sterben. Selig sind die Toten die in dem Her Offenb. 14, 13.