ODargoboten von ger 7 4 Krisgsgefongesenhilfe“ 0as WeitKorena Christticher ereise jungef Banner Evangelisches Gesangbuch Oekumenische Kommission für die Pastoration der Kriegsgefangenen Genf(Schweiz) 41, Avenue de Champel — 8 2 E — Glessen Vorwort „Gott hat unser Herz und Mut fröhlich gemacht durch seinen lieben Sohn, welchen er für uns gegeben hat zur Erlösung von Sünde, Tod und Teufel. Wer solches mit Ernst glaubt, der kanns nicht lassen: Er muß fröhlich und mit Lust davon singen und sagen, daß es andere auch hören und herzukommen.“— Mit diesen Worten aus der Vorrede eines der ersten evangelischen Gesangbücher der Reformationszeit grüßt die Oekumenische Kommission für den geistlichen Dienst an den Kriegsgefangenen alle, denen dieses Gesangbüchlein mitten in allen Nöten und Schwierigkeiten der heutigen Zeit zur Freude und zur Gemein⸗ schaft dienen möchte. Gerne hätten wir auch die Noten zu den Liedern hinzugegeben, jedoch hätten wir dann so manches schöne Lied der Kirche fort⸗ lassen müssen, und der Druck hätte auch sehr viel mehr Schwie⸗ rigkeiten bereitet und zuviel Zeit in Anspruch genommen. Wir hoffen, daß wir noch Gesangbücher oder Choralbücher mit Noten für die einzelnen Lager beschaffen können. Jedenfalls lassen wir dieses Gesangbüchlein herausgehen in der Hoffnung, daß es überall auch auf Christenmenschen stößt, denen so manche Melodien dieser Kirchenlieder bekannt sind und wieder erwachen, wenn ihnen dieses Büchlein in die Hand kommt. Der eine wird diese und der andere jene Melodie kennen, so wird einer dem andern zu jenem gemeinsamen Singen helfen, aus dem die christliche Gemeinschaft in Lob und Dank, in Bitte und Fürbitte erwächst. — 4— In Bitte und Fürbitte— denn dieses Gesangbuch will zugleich ein Gebetbuch sein, sind doch alle diese Lieder mit betendem Herzen gedichtet und gesungen worden. Darüber hinaus sollen die Gebete und liturgischen Ordnungen am Schlußteil dieses Büchleins dazu helfen, daß die Gebete der Kirche Sie durch all Ihre Tage begleiten und Ihnen zum Segen werden, der Ihr Leben und Wirken erfüllt und durchdringt. So lassen wir dieses Gesang⸗ und Gebetbuch mit den Worten herausgehen, die eine evange⸗ lische Bruderschaft von Kriegsgefangenen einem selbstgeschriebenen Gesangbuch als Motto vorausgesetzt hat: Gott, mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe. Herr, ich will Dir danken unter den Völkern; ich will Dir lobsingen unter den Leuten. (Psalm 57) Oekumenische Kommission sür die Pastoration der Kriegsgefangenen — Kirchenlieder Advent und Weihnachtszeit 1 Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,/ es kommt der Herr der Herrlichkeit,/ ein König aller Königreich./ ein Hei⸗ land aller Welt zugleich,/ der Heil und Leben mit sich bringt;/ derhalben jauchzt, mit Freuden singt:/ Gelobet sei mein Gott, /mein Schöpfer reich von Rat. „Er ist gerecht, ein Helfer wert,/ Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,/ sein Königskron ist Heiligkeit,/ sein Zepter ist Barmherzigkeit; 7all unsre Not zu End er bringt,/ der⸗ halben jauchzt mit Freuden singt:/ Gelobet sei mein Gott,/ mein Heiland groß von Tat. O wohl dem Land, o wohl der Stadt,/ so diesen König bei sich hat! /Wohl allen Herzen insgemein,/ da dieser König ziehet ein!/ Er ist die rechte Freudensonn,/ bringt mit sich lauter Freud und Wonn./ Gelobet sei mein Gott,/ mein Tröster früh und spat. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,/ eur Herz zum Tempel zubereit't/ die Zweiglein der Gottseligkeit/ steckt Mel.: — 6— auf mit Andacht, Lust und Freud; /so kommt der König auch zu euch,/ ja Heil und Leben mit zugleich.„Gelobet sei mein Gott,/ voll Rat, voll Tat, voll Gnad. Komm, o mein Heiland Jesu Christ,/ meins Herzens Tür dir offen ist; ach zeuch mit deiner Gnade ein,/ dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein heilger Geist uns führ und leit/ den Weg zur ewgen Seligkeit.) Dem Namen dein, o Herr,/ sei ewig Preis und Ehr. Georg Weissel Aus meines Herzens Grunde. „Nun jauchzet all ihr Frommen,„zu dieser Gnadenzeit,/ weil unser Heil ist kommen,/ der Herr der Herrlichkeit,/ zwar ohne stolze Pracht, doch mächtig zu verheeren/ und gänzlich zu zerstören/ des Teufels Reich und Macht. „Kein Zepter, keine Krone /sucht er auf dieser Welt;/ im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht/ und Majestät verhüllen,„bis er des Vaters Willen /Uim Leiden hat vollbracht. Ihr Mächtigen auf Erden, /nehmt diesen König an,/ wollt ihr beraten werden/ und gehn die rechte Bahn,/ die zu dem Himmel führt;/ sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet,/ des Höchsten Zorn euch rührt. „Ihr Armen und Elenden/ zu dieser bösen Zeit,/ die ihr an allen Enden/ müßt haben Angst und Leid,/ seid dennoch wohlgemut,/ laßt eure Lieder klingen, dem König Lob zu singen, /der ist eur höchstes Gut. Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit,/ der all eur Klag und Weinen/ verwandeln wird in Freud./ Er ist's, der helfen kann;/ hal't eure Lampen fertig/ und seid stets sein gewärtig, /er ist schon auf der Bahn. Michael Schirmer Auch nach der Melodie: Valet will ich dir geben. 1. —1 Wie soll ich dich empfangen/ und wie begegn' ich dir,/ o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier? O Jesu, Jesu, setze/ mir selbst die Fackel bei,„ damit, was dich ergötze/ mir kund und wissend sei. ' Dein Zion streut dir Palmen Jund grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn./ Mein Herze soll dir grünen /in stetem Lob und Preis/ und deinem Namen dienen, /so gut es kann und weiß. Wacs hast du unterlassen/ zu meinem Trost und Freud,/ als Leib und Seele saßen—in ihrem größten Leid?/ Als mir das Reich genommen,/ da Fried und Freude lacht,/ da bist du, mein Heil, kommen/ und hast mich froh gemacht. Ich lag in schweren Banden,/ du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden,/ du kommst und machst mich groß/ und hebst mich hoch zu Ehren/ und schenkst mir großes Gut,/ das sich nicht läßt verzehren,/ wie irdisch Reichtum tut. „Nichts, nichts hat dich getrieben/ zu mir vom Himmelszelt,/ als das geliebte Lieben,/ womit du alle Welt/ in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast,/ die kein Mund kann aussagen,/ so fest umfangen hast. Das schreib dir in dein Herze⸗„du hochbetrübtes Heer,/ bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr;/ seid unverzagt, ihr habet /die Hilfe vor der Tür;/ der eure Herzen labet/ und tröstet, steht allhier. Ihr dürft euch nicht bemühen/ noch sorgen Tag und Nacht,/ wie ihr ihn wollet ziehen/ mit eures Armes Macht./ Er kommt, er kommt mit Willen, /ist voller Lieb und Lust,/ all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewußt. 8. 10. Mel.: „Mit Ernst, o Menschenkinder,/ das Herz in euch bestellt,/ —8.— Auch dürft ihr nicht erschrecken/ vor eurer Sündenschuld;/ nein, Jesu will sie decken/ mit seiner Lieb und Huld./ Er kommt, er kommt den Sündern/ zum Trost und wahren Heil,/ schafft, daß bei Gottes Kindern /verbleib ihr Erb und Teil. „Was fragt ihr nach dem Schreien/ der Feind und ihrer Tück?/ Der Herr wird sie zerstreuen/ in einem Augenblick./ Er kommt, er kommt, ein König,/ dem wahrlich alle Feind/ auf Erden viel zu wenig/ zum Widerstande seind. Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht, mit Gnad und süßem Lichte/ dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne,/ und hol uns all⸗ zumal/ zum ewgen Licht und Wonne/ in deinen Freudensaal! Paul Gerhardt 4 Von Gott will ich nicht lassen. bald wird das Heil der Sünder,/ der wunderstarke Held,/ den Gott aus Gnad allein/ der Welt zum Licht und Leben/ versprochen hat zu geben,/ bei allen kehren ein. „Bereitet doch fein tüchtig/ den Weg dem großen Gast;/ macht seine Steige richtig,/ laßt alles, was er haßt;„macht alle Bahnen recht,/ die Täler all erhöhet,/ macht niedrig, was hoch stehet,/ was krumm ist, gleich und schlecht. „Ein Herz, das Demut liebet,/ bei Gott am höchsten steht;/ ein Herz, das Hochmut übet, 7 mit Angst zugrunde geht;/ ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten,/ das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ. „Ach mache du mich Armen/ zu dieser heilgen Zeit/ aus Güte und Erbarmen,/ Herr Jesu selbst bereit!/ Zeuch in mein Herz binein/ vom Stall und von der Krippen,/ so werden Herz und Lippen/ dir allzeit dankbar sein. Valentin Thilo * „Dein König kommt in niedern Hüllen,/ ihn trägt der last⸗ barn Eslin Füllen; /empfang ihn froh, Jerusaleèm! /Trag ihm entgegen Friedenspalmen,/ bestreu den Pfad mit grünen Halmen,/ so ist's dem Herren angenehm. O mächtger Herrscher ohne Heere,/ gewaltger Kämpfer ohne Speere, 7o Friedensfürst von großer Macht!/ Es wollen dir der Erde Herren/ den Weg zu deinem Throne sperren,/ doch du gewinnst ihn ohne Schlacht. „Dein Reich ist nicht von dieser Erden,/ doch aller Erden Reiche werden/ dem, das du gründest, untertan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten zieht deine Schar nach den vier Orten/ der Welt hinaus und macht dir Bahn; „und wo du kommest hergezogen,/ da ebnen sich des Meeres Wogen,/ es schweigt der Sturm, von dir bedroht;/ du kommst, auf den empörten Triften/ des Lebens neuen Bund zu stiften,/ und schlägst in Fessel Sünd und Tod. „O Herr von großer Huld und Treue,/ o komme du auch jetzt aufs neue/ zu uns, die wir sind schwer verstört. /Not ist es, daß du selbst hienieden/ kommst zu erneuern deinen Frieden,/ dagegen sich die Welt empört. „O laß dein Licht auf Erden siegen,/ die Macht der Finsternis erliegen/ und lösch der Zwietracht Glimmen aus,/ daß wir, die Völker und die Thronen,/ vereint als Brüder wieder wohnen/ in deines großen Vaters Haus. Friedrich Rückert 6 „Tochter Zion, freue dich,/ jauchze laut, Jerusalem!/ Sieh, dein König kommt zu dir; /ja er kommt, der Friedefürst./ Tochter Zion, freue dich,/ jauchze laut, Jerusalem! * 10— Hosianna, Davids Sohn,/ sei gesegnet deinem Volk!/ Gründe nun dein ewig Reich,/ Hosianna in der Höh!/ Hosianna, Davids Sohn,/ sei gesegnet deinem Volk! Hosianna, Davids Sohn,/ sei gegrüßet, König mild!/ Ewig steht dein Friedensthron,/ du des ewgen Vaters Kind./ Hosianna, Davids Sohn,/ sei gegrüßet, König mild! Um 1820 7 Gelobet seist du, Jesu Christ,/ daß du Mensch geboren bist/ von einer Jungfrau, das ist wahr,/ des freuet sich der Engel Schar./ Kyrieleis. Des ewgen Vaters einig Kind/ jetzt man in der Krippe findt;/ in unser armes Fleisch und Blut/ verkleidet sich das ewge Gut./ Kyrieleis. „Den aller Welt Kreis nie beschloß, 7 der liegt in Marien Schoß; /er ist ein Kindlein worden klein,/ der alle Ding erhält allein. Kyrieleis. „Das ewge Licht geht da herein, gibt der Welt ein neuen Schein; /es leucht't wohl mitten in der Nacht/ und uns des Lichtes Kinder macht./ Kyrieleis. „Der Sohn des Vaters, Gott von Art,/ ein Gast in der Welt hie ward/ und führt uns aus dem Jammertal,/ er macht uns Erben in seim Saal. /Kyrieleis. Er ist auf Erden kommen arm, /daß er unser sich erbarm/ und in dem Himmel mache reich/ und seinen lieben Engeln gleich. /Kyrieleis. Das hat er alles uns getan, /sein groß Lieb zu zeigen an./ Des freu sich alle Christenheit„ und dank ihm des in Ewig⸗ keit./ Kyrieleis. Martin Luther 8 „Vom Himmel hoch da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär,/ der guten Mär bring ich so viel,/ davon ich singn und sagen will. „Euch ist ein Kindlein heut geborn/ von einer Jungfrau auserkorn,/ ein Kindelein so zart und fein,/ das soll eur Freud und Wonne sein. Es ist der Herr Christ, unser Gott,/ der will euch führn aus aller Not, /er will eur Heiland selber sein,/ von allen Sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle Seligkeit,/ die Gott der Vater hat bereit't,/ daß ihr mit uns im Himmelreich/ sollt leben nun und ewig⸗ lich. So merket nun das Zeichen recht,/ die Krippen, Windelein so schlecht; da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt. Des laßt uns alle fröhlich sein/ und mit den Hirten gehn hinein,/ zu sehn, was Gott uns hat beschert,/ mit seinem lieben Sohn verehrt. „Sei mir willkommen, edler Gast! /Den Sünder nicht ver⸗ schmähet hast/ und kommst ins Elend her zu mir;/ wie soll ich immer danken dir? Ach Herr, du Schöpfer aller Ding,/ wie bist du worden so gering,/ daß du da liegst auf dürrem Gras,/ davon ein Rind und Esel aß. Und wär die Welt vielmal so weit,/ von Edelstein und Gold bereit't,/ so wär sie doch dir viel zu klein, zu sein ein enges Wiegelein. 10. 14. 12. 13. — Der Sammet und die Seiden dein,/ das ist grob Heu und Windelein,/ darauf du König, groß und reich,/ herprangst, als wärs dein Himmelreich. Das hat also gefallen dir,/ die Wahrheit anzuzeigen mir,/ wie aller Welt Macht, Ehr und Gut/ vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut. Ach mein herzliebes Jesulein,/ mach dir ein rein sanft Bettelein, zu ruhn in meines Herzens Schrein,/ daß ich nimmer vergesse dein. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,/ der uns schenkt seinen eingen Sohn;/ des freuet sich der Engel Schar/ und singet uns solch neues Jahr. Martin Luther 9 Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich,/ in seinem höchsten Thron,/ der heut schleußt auf sein Himmelreich/ ½ und schenkt uns seinen Sohn., „Er kommt aus seines Vaters Schoß/ und wird ein Kind⸗ lein klein,/ er liegt dort elend, nackt und bloß,/ in einem Krippelein.:, „Er äußert sich all seiner Gwalt,/ wird niedrig und gering/ und nimmt an sich eins Knechts Gestalt,/ ½ der Schöpfer aller Ding.: „Er wird ein Knecht und ich ein Herr;/ das mag ein Wech⸗ sel sein!/ Wie könnt es doch sein freundlicher,/ ½ das Herzejesulein ½ Heut schleußt er wieder auf die Tür/ zum schönen Para⸗ deis; /der Cherub steht nicht mehr dafür,/ ½ Gott sei Lob, Ehr und Preis.: Nikolaus Herman i 6. — 13— 10 „Fröhlich soll mein Herze springen/ dieser Zeit,/ da vor Freud alle Engel singen./ Hört, hört, wie mit vollen Chören/ alle Luft/ laute ruft: /Christus ist geboren! „Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held,/ der die Welt /reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute,/ Gottes Kind,/ das verbindt/ sich mit unserm Blute. „Sollt uns Gott nun können hassen,/ der uns gibt,/ was er liebt/ über alle Maßen?/ Gott gibt unserm Leid zu wehren,/ seinen Sohn /aus dem Thron/ seiner Macht und Ehren. „Sollte von uns sein gekehret,/ der sein Reich/ und zugleich/ sich selbst uns verehret?„ Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben,/ der jetzt kömmt,/ von uns nimmt,/ was uns will betrüben 7 „Nun er liegt in seiner Krippen,/ ruft zu sich/ mich und dich,/ spricht mit süßen Lippen: /Lasset fahrn, o liebe Brü⸗ der,/ was euch quält;/ was euch fehlt,/ ich bring alles wieder. Ei, so kommt und laßt uns laufen,/ stellt euch ein,/ groß und klein,/ eilt mit großen Haufen!/ Liebt den, der vor Liebe brennet; /schaut den Stern,/ der euch gern/ Licht und Labsal gönnet. „Die ihr schwebt in großen Leiden,/ sehet, hier/ ist die Tür/ zu den wahren Freuden; /faßt ihn wohl, er wird euch führen /an den Ort,/ da hinfort/ euch kein Kreuz wird rühren. „Wer sich fühlt beschwert im Herzen,/ wer empfindt/ seine Sünd/ und Gewissensschmerzen,/ sei getrost; hier wird gefunden,/ der in Eil/ machet heil/ die vergift'ten Wunden. 9. 10. 11. 6. 14— Die ihr arm seid und elende,/ kommt herbei,/ füllet frei/ eures Glaubens Hände. /Hier sind alle guten Gaben/ und das Gold,/ da ihr sollt/ euer Herz mit laben. Süßes Heil, laß dich umfangen,/ laß mich dir,/ meine Zier, Junverrückt anhangen. Du bist meines Lebens Le— ben; Unun kann ich/ mich durch dich/ wohl zufrieden geben. Ich will dich mit Fleiß bewahren; /ich will dir/ leben hier,/ dir will ich abfahren;/ mit dir will ich endlich schweben /voller Freud 7ohne Zeit/ dort im andern Leben. Paul Gerhardt 11 Kommt und laßt uns Christum ehren,/ Herz und Sinnen zu ihm kehren; singet fröhlich, laßt euch hören,/ wertes Volk der Christenheit! „Sünd und Hölle mag sich grämen, /Tod und Teufel mag sich schämen; /wir, die unser Heil annehmen,/ werfen allen Kummer hin. „Sehet, was hat Gott gegeben! 7 Seinen Sohn zum ewgen Leben.„Dieser kann und will uns heben /aus dem Leid ins Himmels Freud. „Seine Seel ist uns gewogen,/ Lieb und Gunst hat ihn gezogen,/ uns, die Satanas betrogen,/ zu besuchen aus der Höh. „Jakobs Stern ist aufgegangen,/ stillt das sehnliche Ver⸗ langen, /bricht den Kopf der alten Schlangen/ und zerstört der Höllen Reich. O gebenedeite Stunde,/ da wir das von Herzensgrunde/ glauben und mit unserm Munde /danken dir, o Jesulein! Mel.: „Schönstes Kindlein in dem Stalle,/ sei uns freundlich, bring uns alle /dahin, da mit süßem Schalle /dich der Engel Heer erhöht. Paul Gerhardt 12 Vom Himmel hoch da komm ich her. „Dies ist der Tag, den Gott gemacht,/ sein werd in aller Welt gedacht; /ihn preise, was durch Jesum Christ/ im Himmel und auf Erden ist. „Die Völker haben dein geharrt, /bis daß die Zeit erfüllet ward; /da sandte Gott von seinem Thron /das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. Wenn ich dies Wunder fassen will,/ so steht mein Geist vor Ehrfurcht still;„der betet an und er ermißt,/ daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält,/ erniedrigst du dich, Herr der Welt,/ nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, /erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. „Dein König, Zion, kommt zu dir.„„Ich komm, im Buche I 7 steht von mir; Gott, deinen Willen tu ich gern.“ Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 5. Herr, der du Mensch geboren wirst,/ Immanuel und Friede⸗ fürst, /auf den die Väter hoffend sahn,/ dich, Gott Messias, bet ich an. „Du, unser Heil und höchstes Gut,/ vereinest dich mit Fleisch und Blut, /wirst unser Freund und Bruder hier,/ und Gottes Kinder werden wir. „Durch Eines Sünde fiel die Welt, /Ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt,/ der in des Vaters Schoße sitztꝰ Me 10— Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt,/ den Tag der heiligsten 10. Geburt;/ und Erde, die ihn heute sieht,/ sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied. Dies ist der Tag, den Gott gemacht,/ sein werd in aller Welt gedacht; /ihn preise, was durch Jesum Christ/ im Himmel und auf Erden ist. Christian Fürchtegott Gellert 13 „Es ist ein Ros entsprungen/ aus einer Wurzel zart,/ wie uns die Alten sungen,/ von Jesse kam die Art/ und hat ein Blümlein bracht/ mitten im kalten Winter,/ wohl zu der halben Nacht. Das Röslein, das ich meine,/ davon Jesaias sagt,/ hat uns gebracht alleine/ Marie, die reine Magd;/ aus Gottes ewgem Rat/ hat sie ein Kind geboren/ wohl zu der halben Nacht. Das Blümelein so kleine,/ das duftet uns so süß. /Mit — seinem hellen Scheine/ vertreibts die Finsternis./ Wahr Mensch und wahrer Gott,/ hilft uns aus allen Leiden,/ rettet von Sünd und Tod. Vorreformatorisch 14 .: Es ist gewißlich an der Zeit. „Ich steh an deiner Krippe hier, /o Jesu, du mein Leben;/ ich komme, bring und schenke dir,/ was du mir hast gegeben./ Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,/ Herz, Seel und Mut, nimm alles hin/ und laß dir's wohlgefallen. Du hast mit deiner Lieb erfüllt/ mein Adern und Geblüte;/ dein schöner Glanz, dein süßes Bild /liegt mir ganz im Ge⸗ müte. /Und wie mag es auch anders sein?/ Wie könnt ich dich, du Herze mein,/ aus meinem Herzen lassen? —1 10. „Da ich noch nicht geboren war, /da bist du mir geboren/ und hast mich dir zu eigen gar, /eh ich dich kannt, erkoren./ Eh ich durch deine Hand gemacht,/ da hast du schon bei dir bedacht,/ wie du mein wolltest werden. Ich lag in tiefster Todesnacht,/ du wurdest meine Sonne,/ die Sonne, die mir zugebracht /Licht, Leben, Freud und Wonne.„O Sonne, die das werte Licht/ des Glaubens in mir zugericht't,/ wie schön sind deine Strahlen. „Ich sehe dich mit Freuden an/ und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nicht weiter kann,/ bleib ich an⸗ betend stehen. /O daß mein Sinn ein Abgrund wär/ und meine Seel ein weites Meer,/ daß ich dich möchte fassen. Wo nehm ich Weisheit und Verstand,/ mit Lobe zu erhöhen/ die AÄuglein, die so unverwandt/ nach mir gerichtet stehen?/ Der volle Mond ist schön und klar,/ schön ist der güldnen Sterne Schar,/ dein Auglein sind viel schöner. O daß doch so ein lieber Stern soll in der Krippe liegen!/ Für edle Kinder großer Herrn/ gehören güldne Wiegen./ Ach Heu und Stroh ist viel zu schlecht, Samt, Seide, Pur⸗ pur wären recht,/ dies Kindlein drauf zu legen. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu!„Ich will mir Blumen holen,/ daß meines Heilands Lager sei /auf lieb⸗ lichen Violen; /mit Rosen, Nelken, Rosmarin /aus schönen Gärten will ich ihn/ von oben her bestreuen. „Zur Seite will ich hie und dar /viel weißer Lilien stecken,/ die sollen seiner Auglein Paar /im Schlafe sanft bedecken;/ doch liebt viel mehr das dürre Gras/ dies Kindelein als alles das, /was ich hier nenn und denke. Du fragest nicht nach Lust der Welt /noch nach des Leibes Freuden;/ du hast dich bei uns eingestellt,‚ an unsrer Statt zu leiden,/ suchst meiner Seele Herrlichkeit/ durch Elend und Armseligkeit; /das will ich dir nicht wehren. 11. 12. s Eins aber, hoff ich, wirst du mir,/ mein Heiland, nicht ver⸗ sagen,/ daß ich dich möge für und für /in, bei und an mir tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein;/ komm, komm und lege bei mir ein /dich und all deine Freuden. Zwar soll ich denken, wie gering'ich dich bewirten werde;/ du bist der Schöpfer aller Ding, /ich bin nur Staub und Erde. Doch bist du ein so frommer Gast, /daß du noch nie verschmähet hast /den, der dich gerne siehet. Paul Gerhardt 15 O du fröhliche, /o du selige, gnadenbringende Weihnachts-⸗ zeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren; /freue, freue dich, o Christenheit! O du fröhliche, /o du selige,/ gnadenbringende Weihnachts⸗ zeit!„Christ ist erschienen, uns zu versühnen;/ freue, freue dich, o Christenheit! O du fröhliche, /o du selige,/ gnadenbringende Weihnachts-— zeit!/ Himmlische Heere /jauchzen dir Ehre./ Freue, freue dich, o Christenheit! Str. 1: Johannes Daniel Falk 16 „Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all,/ zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall„und seht, was in dieser hoch⸗ heiligen Nacht/ der Vater im Himmel für Freude uns macht. „O seht in der Krippe im nächtlichen Stall,)seht hier bei des Lichtleins hellglänzendem Strahl/ in reinlichen Windeln das himmlische Kind,/ viel schöner und holder, als Engel es sind. „Da liegt es, ihr Kinder, auf Heu und auf Stroh,/ Maria und Joseph betrachten es froh,/ die redlichen Hirten knien betend davor,‚ /hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor. 6. . O beugt wie die Hirten anbetend die Knie, /erhebet die Händlein und danket wie sie; stimmt freudig, ihr Kinder,— wer wollt sich nicht freun?— stimmt freudig zum Jubel der Engel mit ein. O betet: Du liebes, du göttliches Kind, /was leidest du alles für unsere Sünd! Ach hier in der Krippe schon Armut und Not, /Vam Kreuze dort gar noch den bitteren Tod. So nimm unsre Herzen zum Opfer denn hin,/ wir geben sie gerne mit fröhlichem Sinn. Ach mache sie heilig und selig wie deins/ und mach sie auf ewig mit deinem in eins. Christoph von Schmid 17 „Nun singet und seid froh, jauchzt alle und sagt so:/ Unsers Herzens Wonne liegt in der Krippe bloß /und leuchtet als die Sonne in seiner Mutter Schoß. ½ Du bist A und O. Sohn Gottes in der Höh,/ nach dir ist mir so weh./ Tröst mir mein Gemüte, /o Kindlein zart und rein,/ durch alle deine Güte, /o liebstes Jesulein.: Zeuch mich hin nach dir.. Groß ist des Vaters Huld,/ der Sohn tilgt unsre Schuld./ Wir warn all verdorben durch Sünd und Eitelkeit;/ so hat er uns erworben die ewge Himmelsfreud. /½ Eia, wärn wir da. Wo ist der Freuden Ort? Ach nirgends mehr denn dort,/ da die Engel singen zusamt den Heilgen all,/ und wo die Psalmen klingen„y im hohen Himmelssaal. ½/½ Eia, wärn wir da.:: Vorreformatorisch Mel. Nun laßt uns gehn und treten/ mit Singen und mit Beten/ „Dies ist die Nacht, da mir erschienen/ des großen Gottes Freundlichkeit;/ das Kind, dem alle Engel dienen,/ bringt Licht in meine Dunkelheit;/ und dieses Welt- und Himmels⸗ licht/ weicht hunderttausend Sonnen nicht. „Laß dich erleuchten, meine Seele, 7 versäume nicht den Gnadenschein; /der Glanz in dieser kleinen Höhle/ streckt sich in alle Welt hinein; /er treibet weg der Höllen Macht, /⸗ der Sünden und des Kreuzes Nacht. „In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit;/ wenn Sonne, Mond und Stern vergehen, vielleicht noch in gar kurzer Zeit, 7 wird dieses Licht mit seinem Schein/ dein Himmel und dein Alles sein. „Laß nur indessen helle scheinen/ dein Glaubens- und dein Liebeslicht;/ mit Gott mußt du es treulich meinen,/ sonst hilft dir diese Sonne nicht;/ willst du genießen diesen Schein,/ so darfst du nicht mehr dunkel sein. „Drum Jesu, schöne Weihnachtssonne,/ bestrahle mich mit deiner Gunst;/ dein Licht sei meine Weihnachtswonne/ und lehre mich die Weihnachtskunst,‚/ wie ich im Lichte wandeln soll und sei des Weihnachtsglanzes voll. Kaspar Friedrich Nachtenhöfer : Nun laßt uns Gott dem Herren. zum Herrn, der unserm Leben /bis hierher Kraft gegeben. „Wir gehn dahin und wandern„ von einem Jahr zum andern,/ wir leben und gedeihen/ vom alten bis zum neuen, 6. —1 10. — 21— durch so viel Angst und Plagen,/ durch Zittern und durch Zagen,/ durch Krieg und große Schrecken,/ die alle Welt bedecken. „Denn wie von treuen Müttern /in schweren Ungewittern/ die Kindlein hier auf Erden /mit Fleiß bewahret werden, also auch und nicht minder /läßt Gott ihm seine Kinder,/ wenn Not und Trübsal blitzen,/ in seinem Schoße sitzen. Ach Hüter unsres Lebens, /fürwahr, es ist vergebens /mit unserm Tun und Machen, /wo nicht dein Augen wachen. „Gelobt sei deine Treue,/ die alle Morgen neue,/ Lob sei den starken Händen,/ die alles Herzleid wenden. Laß ferner dich erbitten,/ o Vater, und bleib mitten/ in unserm Kreuz und Leiden /ein Brunnen unsrer Freuden. „Gib mir und allen denen,/ die sich von Herzen sehnen/ nach dir und deiner Hulde, /ein Herz, das sich gedulde. Schleuß zu die Jammerpforten/ und laß an allen Orten/ auf so viel Blutvergießen /die Freudenströme fließen. „Sprich deinen milden Segen /zu allen unsren Wegen,/ laß Großen und auch Kleinen /die Gnadensonne scheinen. „Sei der Verlaßnen Vater,/ der Irrenden Berater,/ der Unversorgten Gabe,/ der Armen Gut und Habe. „Hilf gnädig allen Kranken, /gib fröhliche Gedanken/ den hochbetrübten Seelen,/ die sich mit Schwermut quälen, und endlich, was-das meiste,/ füll uns mit deinem Geiste,/ der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe. „Das alles wollst du geben, o meines Lebens Leben,/ mir und der Christen Schare zum selgen neuen Jahre. Paul Gerhardt 1. In dir ist Freude in allem Leide,„ o du süßer Jesu Christ. Durch dich wir haben/ himmlische Gaben,/ du der wahre Heiland bist. Hilfest von Schanden,/ rettest von Banden. Wer dir vertrauet,„hat wohl gebauet,/ wird ewig bleiben. Halleluja. Zu deiner Güte steht unser Gmüte, an dir wir kleben„im Tod und Leben;- nichts kann uns scheiden. Halleluja. „Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden„Teufel, Welt/ Sünd oder Tod; du hast's in Händen, kannst alles wenden,/ wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren„mit hellem Schalle, /freuen uns alle„zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren/ und triumphieren,/ lieben und loben/ dein Macht dort oben /mit Herz und Munde. Halleluja. Johann Lindemann 21 „O Jesu Christe, wahres Licht,„erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Herd, daß ihre Seel auch selig werd. „Erfülle mit dem Gnadenschein, die in Irrtum verführet sein, /auch die, so heimlich noch ficht an/ in ihrem Sinn ein falscher Wahn; und was sich sonst verlaufen hat /von dir, das suche du mit Gnad/ und ihr verwundt Gewissen heil, /laß sie am Him⸗ mel haben teil. „Den Tauben öffne das Gehör, die Stummen richtig reden lehr, /die nicht bekennen wollen frei,/ was ihres Herzens Glaube sei. 23 5. Erleuchte, die da sind verblendt, /bring her, die sich von uns getrennt,/ versammle, die zerstreuet gehn,/ mach feste, die im Zweifel stehn; 6. so werden sie mit uns zugleich/ auf Erden und im Himmel⸗ reich, /hier zeitlich und dort ewiglich„für solche Gnade preisen dich. Johann Heermann Vassion, Ostern und Pfingsten 22 22 1. 2. 3. O Lamm Gottes, unschuldig/ am Stamm des Kreuzes geschlachtet,„allzeit erfunden geduldig,/ wiewohl du warest verachtet; all Sünd hast du getragen,/ sonst müßten wir verzagen./ 1. 2. Erbarm dich unser, o Jesu! 3. Gib uns dein Frieden, o Jesu! 23 1. 2. 3. Christe, du Lamm Gottes, /der du trägst die Sünd der Welt,/ 1. 2. erbarm dich unser. 3. gib uns deinen Frieden. Amen, Amen. Wittenberger Kirchenordnung 24 Mel.: O Jesu Christ, meins Lebens Licht. 1. Wir danken dir, Herr Jesu Christ,/ daß du für uns ge⸗ storben bist/ und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut, Mel. und bitten dich, wahr Mensch und Gott,/ durch deine heilgen Wunden rot, /erlös uns von dem ewgen Tod/ und tröst uns in der letzten Not. „Behüt uns auch vor Sünd und Schand/ und reich uns dein allmächtge Hand,/ daß wir im Kreuz geduldig sein,/ uns trösten deiner schweren Pein. und schöpfen draus die Zuversicht,/ daß du uns werdst verlassen nicht,/ sondern ganz treulich bei uns stehn,/ daß wir durchs Kreuz ins Leben gehn. Christoph Fischer : An Wasserflüssen Babylon. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld/ der Welt und ihrer Kinder,/ es geht und träget in Geduld/ die Sünden aller Sünder; /es geht dahin, wird matt und krank,/ ergibt sich auf die Würgebank,/ entsaget allen Freuden;/ es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, 7Angst, Wunden, Strie⸗ men, Kreuz und Tod/ und spricht: Ich wills gern leiden. Das Lämmlein ist der große Freund/ und Heiland meiner Seelen;/ den, den hat Gott zum Sündenfeind/ und Sühner wollen wählen./„Geh hin, mein Kind, und nimm dich an/ der Kinder, die ich ausgetan/ zur Straf und Zornesruten;/ die Straf ist schwer, der Zorn ist groß,/ du kannst und sollst sie machen los /durch Sterben und durch Bluten.“ .„Ja, Vater, ja von Herzensgrund,/ leg auf, ich will dir's tragen;/ mein Wollen hängt an deinem Mund,/ mein Wirken ist dein Sagen.“ /O Wunderlieb, o Liebesmacht,/ du kannst, was nie ein Mensch gedacht,/ Gott seinen Sohn abzwingen./ O Liebe, Liebe, du bist stark,/ du streckest den in Grab und Sarg,/ vor dem die Felsen springen. 25— Mein Lebetage will ich dich/ aus meinem Sinn nicht lassen,/ dich will ich stets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen fassen;/ du sollst sein meines Herzens Licht,/ und wenn mein Herz in Stücke bricht,/ sollst du mein Herze bleiben;/ ich will mich dir, mein höchster Ruhm,/ hiermit zu deinem Eigentum beständiglich verschreiben. „Ich will von deiner Lieblichkeit/ bei Nacht und Tage singen,/ mich selbst auch dir nach Möglichkeit/ zum Freudenopfer bringen./ Mein Bach des Lebens soll sich dir/ und deinem Namen für und für /in Dankbarkeit ergießen;/ und was du mir zugut getan,/ das will ich stets, so tief ich kann,/ in mein Gedächtnis schließen. „Erweitre dich, mein Herzensschrein,/ du sollst ein Schatzhaus werden/ der Schätze, die viel größer sein 7 als Himmel, Meer und Erden. Weg mit den Schätzen dieser Welt/ und allem, was der Welt gefällt,/ ich hab ein Bessres fun⸗ den.„Mein großer Schatz, Herr Jesu Christ,/ ist dieses, was geflossen ist/ aus deines Leibes Wunden. „Das soll und will ich mir zunutz/ zu allen Zeiten machen;/ im Streite soll es sein mein Schutz,/ in Traurigkeit mein Lachen,/ in Fröhlichkeit mein Saitenspiel,/ und wenn mir nichts mehr schmecken will,/ soll mich dies Manna speisen;/ im Durst soll's sein mein Wasserquell in Einsamkeit mein Sprachgesell/ zu Haus und auch auf Reisen. Was schadet mir des Todes Gift? 7Dein Blut, das ist mein Leben. Wenn mich der Sonnen Hitze trifft./ so kann mir's Schatten geben;/ setzt mir der Wehmut Schmerzen zu,/ so find ich bei dir meine Ruh,‚/ wie auf dem Bett ein Kranker;/ und wenn des Kreuzes Ungestüm /„mein Schifflein treibet um und um,/ so bist du dann mein Anker. „Wenn endlich ich soll treten ein/ in deines Reiches Freuden,/ so soll dies Blut mein Purpur sein,/ ich will mich darein kleiden; Jes soll sein meines Hauptes Kron,/ in welcher ich 6. Mel.: 26 will vor den Thron /des höchsten Vaters gehen /und dir, dem er mich anvertraut,„als eine wohlgeschmückte Braut/ an deiner Seite stehen. Paul Gerhardt 26 Herzlich tut mich verlangen. O Haupt voll Blut und Wunden, /voll Schmerz und voller Hohn, /o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornen-⸗ kron,/ o Haupt, sonst schön gekrönet„mit höchster Ehr und Zier, /jetzt aber höchst verhöhnet, /gegrüßet seist du mir! Du edles Angesichte,—davor sonst schrickt und scheut/ das große Weltgewichte, /wie bist du so bespeit,/ wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet,/ so schändlich zugericht't? Die Farben deiner Wangen, der roten Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen;—des blassen Todes Macht /hat alles hingenommen und alles hingerafft,/ und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft. Nun, was du, Herr, erduldet, /ist alles meine Last;/ ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer,—der Zorn verdienet hat;„gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad. „Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an./ Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts getan;/ dein Mund hat mich gelabet„ mit Milch und süßer Kost,/ dein Geist hat mich begabet/ mit mancher Himmelslust. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht;/ von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht;/ wenn dein Haupt wird erblassen Jim letzten Todesstoß,„alsdann will ich dich fassen/ in meinen Arm und Schoß. 10. Mel.: W —1 „Es dient zu meinen Freuden und tut mir herzlich wohl,/ wenn ich in deinem Leiden,—mein Heil, mich finden soll./ Ach möcht ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier /mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! Ich danke dir von Herzen,„o Jesu, liebster Freund,/ für deine Todesschmerzen, da du's so gut gemeint. Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu,/ und wenn ich nun erkalte,/ in dir mein Ende sei. „Wenn ich einmal soll scheiden,/ so scheide nicht von mir;/ wenn ich den Tod soll leiden,‚ẽ /so tritt du dann herfür;/ wenn mir am allerbängsten/ wird um das Herze sein/ so reiß mich aus den Angsten /kraft deiner Angst und Pein. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod/ und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken,„da will ich glaubensvoll„dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt Christus, der uns selig macht. Jesu, deine Passion will ich jetzt bedenken;„wollest mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen,„wie du, unser Heil zu sein, /littest alle Schmerzen. Meine Seele sehen mach„deine Angst und Bande, /deine Schläge, deine Schmach, deine Kreuzesschande,„ deine Geißel, Dornenkron, Speer- und Nägelwunden, deinen Tod, o Gottes Sohn, /der mich dir verbunden. Doch laß mich ja nicht allein„ deine Marter sehen,/ laß mich auch die Ursach fein 7und die Frucht verstehen. Ach die Ursach war auch ich, ich und meine Sünde. Diese hat gemartert dich,/ daß ich Gnade finde. — 28— „Jesu, lehr bedenken mich/ dies mit Buß und Reue,/ hilf, daß ich mit Sünde dich/ martre nicht aufs neue./ Sollt ich dazu haben Lust/ und nicht wollen meiden,/ was du selber büßen mußt/ mit so großen Leiden? Wenn mich meine Sünde will/ schrecken mit der Hölle,/ Jesu, mein Gewissen still,/ dich ins Mittel stelle./ Dich und deine Passion /laß mich gläubig fassen;/ liebet mich sein lieber Sohn,/ wie kann Gott mich hassen? „Gib auch, Jesu, daß ich gern/ dir das Kreuz nachtrage,/ daß ich Demut von dir lern/ und Geduld in Plage,/ daß ich dir geb Lieb um Lieb.„-Indes laß dies Lallen— bessern Dank ich dorten geb—, /Jesu, dir gefallen. Sigismund von Birken 28 „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen,„daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist du geraten? „Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet,/ ins Augesicht geschlagen und verhöhnet; du wirst mit Essig und mit Gall getränket,/ ans Kreuz gehenket. „Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen?/ Ach, meine Sünden haben dich geschlagen! 7Ich, mein Herr Jesus, habe dies verschuldet,‚/ was du erduldet. „Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe!) Der gute Hirte leidet für die Schafe,/ die Schuld bezaͤhlt der Herre, der Gerechte,/ für seine Knechte. „O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße,/ die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden,/ und du mußt leiden. 6. —1 10. Mel.: O Welt, sieh hier dein Leben 7/ am Stamm des Kreuzes Ach großer König, groß zu allen Zeiten,/ wie kann ich gnug⸗ sam solche Treu ausbreiten?/ Kein menschlich Herz vermag es auszudenken, /was dir zu schenken. „Ich kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen,/ womit doch dein Erbarmen zu vergleichen. Wie kann ich dir denn deine Liebestaten/ im Werk erstatten? „Doch ist noch etwas, was dir angenehme: Wenn ich des Fleisches Lüste dämpf und zähme, /daß sie aufs neu mein Herze nicht entzünden/ mit alten Sünden. Weil aber dies nicht steht in eignen Kräften,/ fest die Be⸗ gierden an das Kreuz zu heften,/ so gib mir deinen Geist, der mich regiere,/ zum Guten führe. Dann werd ich dir zu Ehren alles wagen,/ kein Kreuz nicht achten, keine Schmach noch Plagen,/ nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen/ nehmen zu Herzen. „Dies alles, obs für schlecht zwar ist zu schätzen,/ wirst du es doch nicht gar beiseite setzen; in Gnaden wirst du dies von mir annehmen,/ mich nicht beschämen. Wenn dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne& v/ auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone,/ da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen,/ Lob und Dank singen. Johann Heermann 29 O Welt, ich muß dich lassen. schweben,/ dein Heil sinkt in den Tod. Der große Fürst der Ehren /läßt willig sich beschweren/ mit Schlägen, Hohn und großem Spott. „Tritt her und schau mit Fleiße,/ sein Leib ist ganz mit Schweiße/ des Blutes überfüllt;/ aus seinem edlen Herzen/ — —1 10. 900 vor unerschöpften Schmerzen/ ein Seufzer nach dem andern quillt. Wer hat dich so geschlagen,/ mein Heil und dich mit Pla⸗ gen /so übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder/ wie wir und unsre Kinder,— von Übeltaten weißt du nicht. „Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden/ des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget/ das Elend, das dich schläget, und das betrübte Marterheer. „Ich bins, ich sollte büßen, an Händen und an Füßen/ gebunden in der Höll; die Geißeln und die Banden/ und was du ausgestanden,/ das hat verdienet meine Seel. 3. Du nimmst auf deinen Rücken/ die Lasten, die mich drücken/ viel schwerer als ein Stein; du wirst ein Fluch, dagegen/ verehrst du mir den Segen, dein Schmerzen muß mein Labsal sein. „Du setzest dich zum Bürgen,/ ja lässest dich gar würgen/ für mich und meine Schuld; mir lässest du dich krönen/ mit Dornen, die dich höhnen,/ und leidest alles mit Geduld. „Ich bin, mein Heil, verbunden all Augenblick und Stun⸗ den dir überhoch und sehr; 7was Leib und Seel vermö⸗ gen, das soll ich billig legen allzeit an deinen Dienst und Ehr. 9. Nun ich kann nicht viel geben in diesem armen Leben,“ eins aber will ich tun:„Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. Ich wills vor Augen setzen, mich stets daran ergötzen,/ ich sei auch, wo ich sei;„es soll mir sein ein Spiegel/ der Unschuld und ein Siegel /der Lieb und unverfälschten Treu. Ans Kreuz will ich mich schlagen„mit dir und dem absa⸗ gen,„was dir, Herr, nicht gefällt;„was deine Augen 12. Mel.: Mel.: hassen,/ das will ich fliehn und lassen,/ gefiehl es auch der ganzen Welt. Dein Seufzen und dein Stöhnen/ und die viel tausend Tränen,/ die dir geflossen zu,/ die sollen mich am Ende/ in deinen Schoß und Hände /begleiten zu der ewgen Ruh. Paul Gerhardt 30 Herr und Altster deiner Kreuzgemeinde. Die wir uns allhier beisammen finden,/ schlagen unsre Hände ein, uns auf deine Marter zu verbinden,/ dir auf ewig treu zu sein;„und zum Zeichen, daß dies Lobgetöne/ deinem Herzen angenehm und schöne,/ sage„Amen“ und zugleich: /„Friede, Friede sei mit euch!“ Christian Renatus Graf von Zinzendorf 31 Herr und Altster deiner Kreuzgemeinde. „Eines wünsch ich mir vor allem andern,)eine Speise früh und spät,/ selig lässts im Tränental sich wandern,/ wenn dies eine mit uns geht: Unverrückt auf einen Mann zu schauen, der mit blutgem Schweiß und Todesgrauen/ auf sein Antlitz niedersank/ und den Kelch des Vaters trank. „Ewig soll er mir vor Augen stehen,/ wie er als ein stilles Lamm dort so blutig und so bleich zu sehen, hangend an des Kreuzes Stamm, wie er dürstend rang um meine Seele, daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, und dann auch an mich gedacht, /als er rief: Es ist vollbracht! „Ja, mein Jesu, laß mich nie vergessen/ meine Schuld und deine Huld. Als ich in der Finsternis gesessen,/ trugest du mit mir Geduld, hattest längst nach deinem Schaf getrach⸗ 32 tet, /eh es auf des Hirten Ruf geachtet,/ und mit teurem Lösegeld/ mich erkauft von dieser Welt. 4. Ich bin dein,— sprich du darauf dein Amen! /Treuster Jesu, du bist mein! Drücke deinen süßen Jesusnamen/ brennend in mein Herz hinein!/ Mit dir alles tun und alles lassen,/ in dir leben und in dir erblassen:/ das sei bis zur letzten Stund/ unser Wandel, unser Bund. Albert Knapp 32 „Christ ist erstanden/ von der Marter alle,/ des solln wir alle froh sein,‚ Christ will unser Trost sein./ Kyrieleis. „Wär er nicht erstanden,/ so wär die Welt vergangen;/ seit daß er erstanden ist,/ so lob'n wir den Vater Jesu Christ./ Kyrieleis. Halleluja,/ Halleluja,/ Halleluja!/ des solln wir alle froh sein,/ Christ will unser Trost sein./ Kyrieleis. Alte Kirche 33 Christ lag in Todesbanden,/ für unsre Sünd gegeben;/ der ist wieder erstanden/ und hat uns bracht das Leben;/ des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein,/ und singen: Halleluja,/ Halleluja. „Den Tod niemand zwingen konnt/ bei allen Menschenkin⸗ dern; /das macht alles unsre Sünd,/ kein Unschuld war zu finden. Davon kam der Tod sobald/ und nahm über uns Gewalt,/ hielt uns in seim Reich gfangen,/ Halleluja. „Jesus Christus, Gottes Sohn,/ an unser Statt ist kommen/ und hat die Sünde abgetan,/ damit dem Tod genommen 0 all sein Recht und sein Gewalt;/ da bleibt nichts denn Todsgestalt,/ den Stachl hat er verloren./ Halleluja. — 58— „Es war ein wunderlicher Krieg,/ da Tod und Leben run⸗ gen; /das Leben das behielt den Sieg,/ es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das,/ wie ein Tod den andren fraß, /ein Spott der Tod ist worden. /Halleluja. „So feiern wir das hohe Fest/ mit Herzensfreud und Wonne,/ das uns der Herr scheinen läßt./ Er ist selber die Sonne,/ der durch seiner Gnade Glanz erleucht unsre Herzen ganz; 7 der Sünd Nacht ist vergangen./ Halleluja. „Wir essen und leben wohl,/ zum süßen Brot geladen;/ der alt Sauerteig nicht soll/ sein bei dem Wort der Gnaden./ Christus selbst die Kost will sein 7 und speisen die Seel allein;/ der Glaub will keins andern leben./ Halleluja. Martin Luther 3⁴ „Gelobt sei Gott im höchsten Thron/ samt seinem eingebornen Sohn,/ der für uns hat genug getan./ Halleluja, Halleluja, Halleluja. „Des Morgens früh am dritten Tag,/ da noch der Stein am Grabe lag,/ erstand er frei ohn alle Klag. /Halleluja, Halle⸗ luja, Halleluja. „Der Engel sprach: Fürchtet euch nicht;/ denn ich weiß wohl, was euch gebricht. Ihr sucht Jesum und findt ihn nicht./ Halleluja, Halleluja, Halleluja. „Er ist erstanden von dem Tod,/ hat überwunden alle Not;/ kommt, seht, wo er gelegen hat./ Halleluja, Halleluja, Halle⸗ luja. „Nun bitten wir dich, Jesu Christ,/ weil du vom Tod er⸗ standen bist,/ verleihe, was uns selig ist,/ Halleluja, Halle⸗ luja, Halleluja, Mel. damit von Sünden wir befreit/ dem Namen dein gebenedeit/ frei mögen singen allezeit: 7Halleluja, Halleluja, Halleluja! Michael Weiße 3⁵ „Erschienen ist der herrlich Tag, dran sich niemand gnug freuen mag: Christ, unser Herr, heut triumphiert,/ all sein Feind er gefangen führt./ Halleluja. „Die alte Schlange, Sünd und Tod,/ die Höll, all Jammer, Angst und Not /hat überwunden Jesus Christ,/ der heut vom Tod erstanden ist./ Halleluja. „Sein Raub der Tod mußt geben her,/ das Leben siegt und ward ihm Herr,/ zerstöret ist nun all sein Macht, /Christ hat das Leben wiederbracht./ Halleluja. „Die Sonn, die Erd, all Kreatur, /all's, was betrübet war zuvor,/ das freut sich heut an diesem Tag,„da der Welt Fürst darnieder lag./ Halleluja. „Drum wir auch billig fröhlich sein,/ singen das Halleluja fein/ und loben dich, Herr Jesu Christ,/ zu Trost du uns erstanden bist./ Halleluja. Nikolaus Herman 36 O heiliger Geist, o heiliger Gott. O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit,/ da Jesus lebt ohn alles Leid! /Er ist erstanden von dem Tod,/ wir sind erlöst von aller Not. O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. „O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit,/ da wir von Sünden sind befreit! /Getilget ist nun unsre Schuld,„wir sind ge⸗ recht aus Gottes Huld./ O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit!/ Der Tod ist überwunden heut;„es darf uns nicht mehr vor ihm graun,/ wir sind erfüllet mit Vertraun./ O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. 4. Mel.: 1—. O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit!/ Die Liebe Gottes uns erfreut;/ des Herren Sieg hat uns erlöst,/ uns neues Leben eingeflößt. O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit! /Erhalt uns, Jesu, diese Freud, zu sagen hier zu aller Stund/ und dort einmal mit selgem Mund: O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit! Cyriakus Günther 37 Wie schön leuchtet der Morgenstern. Ach wundergroßer Siegesheld, y du Sündenträger aller Welt,/ heut hast du dich gesetzet/ zur Rechten deines Vaters Kraft,/ der Feinde Schar gebracht zur Haft,/ bis auf den Tod verletzet;/ mächtig,/ prächtig/ triumphierest,/ jubi⸗ lierest; Tod und Leben,/ dir ist alles untergeben. „Dir dienen alle Cherubim, /viel tausend hohe Seraphim/ dich Siegesfürsten loben,/ weil du den Segen wiederbracht,/ mit Majestät und großer Pracht/ zur Glorie bist erhoben./ Singet, /klinget,/ rühmt und ehret/ den, so fähret/ auf gen Himmel/ mit Posaunen und Getümmel. 3. Du bist das Haupt, hingegen wir/ sind Glieder, ja es kommt von dir Jsauf uns Licht, Trost und Leben./ Heil, Fried und Freude, Stärk und Kraft, Erquickung, Labsal, Herzenssaft/ wird uns von dir gegeben. Bringe,/ zwinge /mein Ge⸗ müte,/ mein Geblüte,/ daß es preise,/ dir als Siegsherrn Ehr erweise. Zieh, Jesu, uns, zieh uns nach dir,/ hilf, daß wir forthin für und für/ nach deinem Reiche trachten./ Laß unser Tun und Wandel sein,/ wo Zucht und Demut tritt herein,/ all üÜppigkeit verachten. Unart,/ Hoffart/ laß uns meiden,/ christlich leiden, wohl ergründen,/ wo die Gnade sei zu finden. 5. 6. Mel.: „Siegesfürst und Ehrenkönig,/ höchst verklärte Majestät,/ 89 Sei Jesu, unser Schutz und Schatz,/ sei unser Ruhm und fester Platz, darauf wir uns verlassen./ Laß suchen uns, was droben ist,/ auf Erden wohnet Trug und List,/ es ist auf allen Straßen/ Lügen,/ Trügen/ Angst und Plagen,/ die da nagen,/ die da quälen/ stündlich arme Christenseelen. Herr Jesu, komm, du Gnadenthron,/ du Siegesfürst, Held, Davids Sohn,/ komm, stille das Verlangen./ Du, du bist allen uns zugut,/ O Jesu, durch dein teures Blut/ ins Heiligtum gegangen./ Komm doch,/ hilf noch;/ dann so sollen,/ dann so wollen/ wir ohn Ende/ fröhlich klopfen in die Hände. Ernst Christoph Homburg 38 Alle Menschen müssen sterben. alle Himmel sind zu wenig,/ du bist drüber hoch erhöht;/ sollt ich nicht zu Fuß dir fallen/ und mein Herz vor Freude wallen,/ wenn mein Glaubensaug betracht/ deine Glorie, deine Macht? „Seh ich dich gen Himmel fahren,/ seh ich dich zur Rechten da,/ seh ich, wie der Engel Scharen/ alle rufen Gloria,/ sollt ich nicht zu Fuß dir fallen/ und mein Herz vor Freude wallen,/ da der Himmel jubiliert,/ weil mein König trium⸗ phiert? „Weit und breit, du Himmelssonne,/ deine Klarheit sich ergeußt/ und mit neuem Glanz und Wonne/ alle Himmels⸗ geister speist: prächtig wirst du aufgenommen,/ freudig heißt man dich willkommen;/ schau, ich armes Kindlein hier/ ruf auch Hosianna dir. „Sollt ich deinen Kelch nicht trinken,/ da ich deine Klarheit seh?/ Sollt mein Mut noch wollen sinken,/ da ich deine Macht versteh?/ Meinem König will ich trauen,/ nicht vor —1 — Welt noch Teufel grauen,/ nur in Jesu Namen mich/ beu⸗ gen hier und ewiglich. „Geist und Kraft nun überfließen,/ drum wirk in mir kräf⸗ tiglich, bis zum Schemel deiner Füßen /alle Feinde legen sich. Aus Zion dein Zepter sende/ weit und breit bis zum Weltende;/ mache dir auf Erden Bahn,/ alle Herzen untertan. „Du kannst alles allerorten nun erfülln und nahe sein;/ meines armen Herzens Pforten„stell ich offen, komm herein!/ Komm, du König aller Ehren,/ du mußt auch bei mir einkehren; /ewig in mir leb und wohn/ als in deinem Himmelsthron. „Deine Auffahrt bringt mir eben/ Gott und Himmel innig nah./ Lehr mich nur im Geiste leben/ als vor deinen Augen da, /fremd der Welt, der Zeit und Sinnen,/ bei dir abgeschieden drinnen,/ in den Himmel schon versetzt,/ da mich Jesus nur ergötzt. Gerhard Tersteegen 39 Komm, heiliger Geist, Herre Gott!/ Erfüll mit deiner Gna⸗ den Gut/ deiner Gläubgen Herz, Mut und Sinn,/ dein brünstig Lieb entzünd in ihn'n./ O Herr, durch deines Lichtes Glanz/ zu dem Glauben versammelt hast/ das Volk aus aller Welt Zungen./ Das sei dir, Herr, zu Lob gesun⸗ gen./ Halleluja, Halleluja. Du heiliges Licht, edler Hort,/ laß uns leuchten des Lebens Wort/ und lehr uns Gott recht erkennen,/ von Herzen Vater ihn nennen./ O Herr, behüt vor fremder Lehr,/ daß wir nicht Meister suchen mehr/ denn Jesum mit rechtem Glauben/ und ihm aus ganzer Macht vertrauen./ Halleluja, Halleluja. „Du heilige Brunst, süßer Trost,/ nun hilf uns fröhlich und getrost/ in deim Dienst beständig bleiben,/ die Trübsal uns nicht abtreiben./ O Herr. durch dein Kraft uns bereit/ und stärk des Fleisches Blödigkeit,/ daß wir hier ritterlich ringen,/ durch Tod und Leben zu dir dringen. /Halleluja, Halleluja. Martin Luther 40 1. Nun bitten wir den heiligen Geist/ um den rechten Glauben allermeist/ daß er uns behüte an unserm Ende,/ wenn wir heimfahrn aus diesem Elende./ Kyrieleis. 2. Du wertes Licht, gib uns deinen Schein,/ lehr uns Jesum Christ kennen allein,/ daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland,„der uns bracht hat zum rechten Vaterland./ Kyrieleis. 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst‚, laß uns empfinden ö der Liebe Brunst,/ daß wir uns von Herzen einander lieben/ und im Friedeu auf einem Sinn bleiben. /Kyrieleis. ö 1 4. Du höchster Tröster in aller Not,/ hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod,/ daß in uns die Sinne nicht gar ver⸗ ö zagen,/ wenn der Feind wird das Leben verklagen./ Kyrieleis. Martin Luther 41 Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. 1. O heilger Geist, kehr bei uns ein/ und laß uns deine Wohnung sein,/ o komm, du Herzenssonne!/ Du Himmels⸗ licht, laß deinen Schein/ bei uns und in uns kräftig sein/ zu steter Freud und Wonne./ Sonne,/ Wonne,/ himmlisch Leben/ willst du geben,/ wenn wir beten;/ zu dir kommen wir getreten. Du Quell, draus alle Weisheit fließt,/ die sich in fromme Seelen gießt,/ laß deinen Trost uns hören,/ daß wir in — 39— Glaubenseinigkeit/ auch können alle Christenheit/ dein wahres Zeugnis lehren./ Höre,/ lehre,/ daß wir können/ Herz und Sinnen /dir ergeben,/ dir zum Lob und uns zum Leben. Steh uns stets bei mit deinem Rat/ und führ uns selbst auf rechtem Pfad,/ die wir den Weg nicht wissen./ Gib uns Beständigkeit, daß wir/ getreu dir bleiben für und für,/ wenn wir auch leiden müssen./ Schaue,/ baue,/ was zer⸗ rissen/ und beflissen,/ dich zu schauen/ und auf deinen Trost zu bauen. Laß uns dein edle Balsamkraft/ empfinden und zur Ritter⸗ schaft/ dadurch gestärket werden,/ auf daß wir unter deinem Schutz“begegnen aller Feinde Trutz /mit freudigen Gebär— den./ Laß dich/ reichlich/ auf uns nieder,/ daß wir wieder/ Trost empfinden, /alles Unglück überwinden. „O starker Fels und Lebenshort,/ laß uns dein himmelsüßes Wort 7in unsern Herzen brennen,/ daß wir uns mögen nimmermehr/ von deiner weisheitreichen Lehr/ und treuen Liebe trennen./ Fließe,/ gieße/ deine Güte/ ins Gemüte,/ daß wir können 7Christum unsern Heiland nennen. „Du süßer Himmelstau, laß dich/ in unsre Herzen kräftiglich/ und schenk uns deine Liebe,/ daß unser Sinn verbunden sei/ dem Nächsten stets in Liebestreu/ und sich darinnen übe./ Kein Neid,/ kein Streit/ dich betrübe,/ Fried und Liebe/ müssen schweben,/ Fried und Freude wirst du geben. „Gib, daß in reiner Heiligkeit/ wir führen unsre Lebenszeit,/ sei unsers Geistes Stärke,/ daß uns forthin sei unbewußt/ die Eitelkeit, des Fleisches Lust/ und seine toten Werke./ Rühre,/ führe/ unser Sinnen/ und Beginnen/ von der Erden,/ daß wir Himmelserben werden. Michael Schirmer — Zeuch ein zu deinen Toren,/ sei meines Herzens Gast,/ der du, da ich geboren,/ mich neu geboren hast, /o hochgeliebter Geist/ des Vaters und des Sohnes,/ mit beiden gleiches Thrones,/ mit beiden gleich gepreist. „Zeuch ein, laß mich empfinden/ und schmecken deine Kraft,/ die Kraft, die uns von Sünden/ Hilf und Errettung schafft./ Entsündge meinen Sinn,/ daß ich mit reinem Geiste/ dir Ehr und Dienste leiste,/ die ich dir schuldig bin. „Du bist ein Geist, der lehret,/ wie man recht beten soll;/ dein Beten wird erhöret,/ dein Singen klinget wohl;/ es steigt zum Himmel an,/ es läßt nicht ab und ringet,/ bis der die Hilfe bringet,/ der allen helfen kann. „Du bist ein Geist der Freuden,/ vom Trauern hältst du nicht,/ erleuchtest uns im Leiden /mit deines Trostes Licht./ Ach ja, wie manches Mal/ hast du mit süßen Worten/ mir aufgetan die Pforten/ zum güldnen Freudensaal. „Du bist ein Geist der Liebe,/ ein Freund der Freundlichkeit,/ willst nicht, daß uns betrübe/ Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feindschaft bist du feind,/ willst, daß durch Liebesflammen /sich wieder tun zusammen,/ die voller Zwietracht seind. Du, Herr, hast selbst in Händen/ die ganze weite Welt,/ kannst Menschenherzen wenden,/ wie dir es wohlgefällt;/ so gib doch deine Gnad/ zu Fried und Liebesbanden,/ verknüpf in allen Landen,/ was sich getrennet hat. Erhebe dich und steure/ dem Herzleid auf der Erd,/ bring wieder und erneure/ die Wohlfahrt deiner Herd./ Laß blühen wie zuvor/ die Länder, so verheeret,/ die Kirchen, so zerstöret/ durch Krieg und Feuerszorn. 10. 14. 4— „Beschirm die Obrigkeiten/ mit Gnad von deinem Thron,/ steh treulich uns zur Seiten,/ schmück als mit einer Kron/ die Alten mit Verstand,/ mit Frömmigkeit die Jugend,/ mit Gottesfurcht und Tugend/ das Volk im ganzen Land. „Erfülle die Gemüter/ mit reiner Glaubenszier,/ die Häuser und die Güter/ mit Segen für und für. /Vertreib den bösen Geist,/ der dir sich widersetzet/ und, was dein Herz ergötzet,/ aus unsern Herzen reißt. Gib Freudigkeit und Stärke,/ zu stehen in dem Streit,/ den Satans Reich und Werke/ uns täglich anerbeut;/ hilf kämp⸗ fen ritterlich, damit wir überwinden,/ und ja zum Dienst der Sünden/ kein Christ ergebe sich. Richt unser ganzes Leben/ allzeit nach deinem Sinn,/ und wenn wir's sollen geben/ ins Todes Rachen hin,/ wenn's hier mit uns wird aus,/ so hilf uns fröhlich sterben/ und nach dem Tod ererben/ des ewgen Lebens Haus. Paul Gerhardt 43 O heiliger Geist, o heiliger Gott,/ du Tröster wert in aller Not,/ du bist gesandt vons Himmels Thron/ von Gott dem Vater und dem Sohn./ O heiliger Geist, o heiliger Gott! O heiliger Geist, o heiliger Gott,/ gib uns die Lieb zu deinem Wort;/ zünd an in uns der Liebe Flamm,/ danach zu lieben allesamt./ O heiliger Geist, o heiliger Gott! O heiliger Geist, o heiliger Gott,/ mehr unsern Glauben immerfort; /an Christum niemand glauben kann,/ es sei denn durch dein Hilf getan. 7O heiliger Geist, o heiliger Gott! O heiliger Geist, o heiliger Gott,/ erleucht uns durch dein göttlich Wort; /lehr uns den Vater kennen schon,/ dazu auch seinen lieben Sohn. O heiliger Geist, o heiliger Gott! 5. O heiliger Geist, o heiliger Gott,/ du zeigest uns die Him⸗ 6. melspfort;/ laß uns hier kämpfen ritterlich/ und zu dir dringen seliglich.) O heiliger Geist, o heiliger Gott! O heiliger Geist, o heiliger Gott,/ verlaß uns nicht in Not und Tod. 7Wir sagen dir Lob, Ehr und Dank/ jetzund und unser Leben lang. O heiliger Geist, o heiliger Gott! 4³¹ „Allein Gott in der Höh sei Ehr/ und Dank für seine Gnade,/ darum daß nun und nimmermehr/ uns rühren kann kein Schade; ein Wohlgefalln Gott an uns hat/ nun ist groß Fried ohn Unterlaß, /all Fehd hat nun ein Ende. „Wir loben, preisn, anbeten dich/ für deine Ehr; wir dan⸗ ken,/ daß du, Gott Vater, ewiglich/ regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessn ist deine Macht,/ fort gschieht, was dein Will hat bedacht. Wohl uns des feinen Herren! „O Jesu Christ, Sohn eingeborn s/ deines himmlischen Vaters,/ Versöhner der'r, die warn verlorn,/ du Stiller unsers Haders, Lamm Gottes, heilger Herr und Gott,/ nimm an die Bitt von unsrer Not,/ erbarm dich unser aller! 4. O heilger Geist, du höchstes Gut,/ du all'rheilsamster Tröster,/ vors Teufels G'walt fortan behüt,/ die Jesus Christ erlöset/ durch große Mart'r und bittren Tod;/ abwend all unsern Jamm'r und Not;/ darauf wir uns verlassen. Nikolaus Decius 2. Sie lehren eitel falsche List,/ was eigner Witz erfindet;/ Die Kirche und das christliche Leben 4⁵ Ach Gott, vom Himmel sieh darein/ und laß dich des erbarmen. Wie wenig sind der Heilgen dein,/ verlassen sind wir Armen. Dein Wort man läßt nicht haben wahr,/ der Glaub ist auch verloschen gar/ bei allen Menschenkindern. ihr Herz nicht eines Sinnes ist/ in Gottes Wort gegründet;/ der wählet dies, der andere das,/ sie trennen uns ohn alle Maß und gleißen schön von außen. Gott woll ausrotten alle gar,/ die falschen Schein uns lehren,/ dazu ihr Zung stolz offenbar /spricht: Trotz! wer will's uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein,/ was wir setzen, das gilt gemein; /wer ist, der uns sollt meistern? „Darum spricht Gott: Ich muß auf sein,/ die Armen sind verstöret;/ ihr Seufzen dringt zu mir herein,/ ich hab ihr Klag erhöret. Mein heilsam Wort soll auf den Plan,/ getrost und frisch sie greifen an/ und sein die Kraft der Armen. Das Silber, durchs Feur siebenmal/ bewährt, wird lauter funden; 7dan Gottes Wort man warten soll/ desgleichen alle Stunden. Es will durchs Kreuz bewähret sein,/ da wird sein Kraft erkannt und Schein/ und leucht't stark in die Lande. — 44— „Das wollst du, Gott, bewahren rein/ vor diesem argen Gsschlechte/ und laß uns dir befohlen sein, daß sich's in uns nicht flechte./ Der gottlos Hauf sich umher findt,/ wo diese losen Leute sind/ in deinem Volk erhaben. Martin Luther. 46 „Ein feste Burg ist unser Gott,/ ein gute Wehr und Waf⸗ fen.„Er hilft uns frei aus aller Not,/ die uns jetzt hat betroffen./ Der alt böse Feind,/ mit Ernst er's jetzt meint;/ groß Macht und viel List/ sein grausam Rüstung ist,/ auf Erd ist nicht seinsgleichen. »Mit unsrer Macht ist nichts getan,/ wir sind gar bald verloren; /es streit't für uns der rechte Mann,/ den Gott hat selbst erkoren. /Fragst du, wer der ist?/ Er heißt Jesus Christ,/ der Herr Zebaoth,/ und ist kein andrer Gott,/ das Feld muß er behalten. Und wenn die Welt voll Teufel wär/ und wollt uns gar verschlingen,/ so fürchten wir uns nicht so sehr, /es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt,/ wie saur er sich stellt,/ tut er uns doch nicht;/ das macht, er ist gericht't:/ ein Wörtlein kann ihn fällen. „Das Wort sie sollen lassen stahn,/ und kein Dank dazu haben; /er ist bei uns wohl auf dem Plan/ mit seinem Geist und Gaben./ Nehmen sie den Leib,/ Gut, Ehr, Kind und Weib,/ laß fahren dahin,/ sie haben's kein Gewinn,/ das Reich muß uns doch bleiben! Martin Luther 47 „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort/ und steure deiner Feinde Mord,/ die Jesum Christum, deinen Sohn,/ wollen stürzen von deinem Thron. Mel.: Mel.: — 45— „Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ,/ der du Herr aller Herren bist,/ beschirm dein arme Christenheit,/ daß sie dich lob in Ewigkeit. Gott heilger Geist, du Tröster wert,/ gib deim Volk ein'rlei Sinn auf Erd;/ steh bei uns in der letzten Not,/ g'leit uns ins Leben aus dem Tod. Martin Luther 4 Wo Gott der Herr nicht bei uns hält. Wär Gott nicht mit uns diese Zeit,/ so soll Israel sagen,/ wär Gott nicht mit uns diese Zeit,/ wir hätten müss'n ver⸗ zagen,/ die ein so armes Häuflein sind,/ veracht't von so viel Menschenkind,/ die an uns setzen alle. Auf uns so zornig ist ihr Sinn;/ wo Gott hätt das zuge⸗ ben,/ verschlungen hätten sie uns hin/ mit ganzem Leib und Leben; /wir wärn als die ein Flut ersäuft/ und über die groß Wasser läuft/ und mit Gewalt verschwemmet. „Gott Lob und Dank, der nicht zugab,/ daß ihr Schlund uns möcht fangen. Wie ein Vogel des Stricks kommt ab,/ ist unsre Seel entgangen./ Strick ist entzwei, und wir sind frei;/ des Herren Name steht uns bei,/ des Gotts Himmels und Erden. Martin Luther 49 Jesu Christ, meins Lebens Licht. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ,/ weil es nun Abend worden ist;/ dein göttlich Wort, das helle Licht,/ laß ja bei uns auslöschen nicht. „In dieser schwern betrübten Zeit/ verleih uns, Herr, Bestän⸗ digkeit,‚/ daß wir dein Wort und Sakrament/ behalten rein bis an das End. 6. —1 0 Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt,/ wir sind gar sicher, träg und kalt; /gib Glück und Heil zu deinem Wort,/ schaff, daß es schall an allem Ort. „Erhalt uns nur bei deinem Wort/ und wehr des Teufels Trug und Mord. /Gib deiner Kirche Gnad und Huld,/ Fried, Einigkeit, Mut und Geduld. Ach Gott, es geht gar übel zu,‚/ auf dieser Erd ist keine Ruh,/ viel Sekten und groß Schwärmerei Jauf einen Haufen kommt herbei. Den stolzen Geistern wehre doch,/ die sich mit Gwalt erheben hoch/ und bringen stets was Neues her,/ zu fälschen deine rechte Lehr. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ,/ nicht unser, sondern dein ja ist;/ darum so steh du denen bei,/ die sich auf dich verlassen frei. „Dein Wort ist unsres Herzens Trutz/ und deiner Kirche wahrer Schutz; dabei erhalt uns, lieber Herr,/ daß wir nichts andres suchen mehr. „Gib, daß wir lebn in deinem Wort/ und darauf ferner fahren fort/ von hinnen aus dem Jammertal/ zu dir in deinen Himmelssaal. Nikolaus Selnecker 50 Verzage nicht, du Häuflein klein,/ obschon die Feinde willens sein,‚/ dich gänzlich zu verstören,/ und suchen deinen Unter⸗ gang,/ davon dir wird recht angst und bang; /es wird nicht lange währen. „Tröste dich nur, daß deine Sach/ ist Gottes, dem befiehl die Rach/ und laß es ihn nur walten./ Er wird durch einen Gideon,/ den er wohl weiß, dir helfen schon,/ dich und sein Wort erhalten. 3. Mel. Mel.: Wach auf, du Geist der ersten Zeugen,/ die auf der Maur 4— So wahr Gott Gott ist und sein Wort,/ muß Welt, Teufel und Höllenpfort/ und was dem tut anhangen,/ endlich werden zu Schand und Spott; /Gott ist mit uns und wir mit Gott,/ den Sieg wolln wir erlangen. Michael Altenburg 51 : Christus, der ist mein Leben. „Ach bleib mit deiner Gnade,/ bei uns, Herr Jesu Christ,/ daß uns hinfort nicht schade/ des bösen Feindes List. „Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert,/ daß uns beid, hier und dorte, /sei Glück und Heil beschert. „Ach bleib mit deinem Glanze /bei uns, du wertes Licht;/ dein Wahrheit uns umschanze,/ damit wir irren nicht. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr;/ dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr. „Ach bleib mit deinem Schutze /bei uns, du starker Held;/ daß uns der Feind nicht trutze/ noch fäll die böse Welt. „Ach bleib mit deiner Treue/ bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe,/ hilf uns aus aller Not! Josua Stegmann 52 Dir, dir Jehova, will ich singen. als treue Wächter stehn,/ die Tag und Nächte nimmer schweigen,/ und die getrost dem Feind entgegen gehn,/ ja deren Schall die ganze Welt durchdringt/ und aller Völker Scharen zu dir bringt. O daß doch bald dein Feuer brennte,/ o möcht es doch in alle Lande gehn./ Ach Herr, gib doch in deine Ernte /viel 6. Knechte, die in treuer Arbeit stehn./ O Herr der Ernte, siehe doch darein:/ die Ernt ist groß, die Zahl der Knechte klein. „Dein Sohn hat ja mit klaren Worten/ uns diese Bitt in unsern Mund gelegt./ O siehe, wie an allen Orten/ sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt,/ dich herzinbrünstig hierum anzuflehn./ Drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn. „So gib dein Wort mit großen Scharen,/ die in der Kraft Evangelisten sein;/ laß eilend Hilf uns widerfahren/ und brich in Satans Reich mit Macht hinein./ O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis/ dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! Ach daß die Hilf aus Zion käme!/ O daß dein Geist, so wie dein Wort verspricht,/ dein Volk aus dem Gefängnis nähme!/ O würd es doch nur bald vor Abend licht!/ Ach reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei/ und komm herab zur Hilf und mach uns frei! Ach laß dein Wort recht schnelle laufen: /es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein. /Ach führe bald dadurch mit Haufen /der Heiden Füll zu allen Toren ein./ Ja wecke doch auch Israel bald auf/ und also segne deines Wortes Lauf! „O bessre Zions wüste Stege/ und, was dein Wort im Laufe hindern kann,/ das räum, ach räum aus jedem Wege;/ vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn/ und mach uns bald von jedem Mietling frei,/ daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sei. Laß jede hoch und niedre Schule/ die Werkstatt deines guten Geistes sein,/ ja sitze du nur auf dem Stuhle/ und präge dich der Jugend selber ein,/ daß treuer Lehrer viel und Beter sein,/ die für die ganze Kirche flehn und schrein. „Herr, zürne nicht, daß ich so bitte,/ da ich vor dir nur Staub und Asche bin. Du als der Brunnguell aller Güte/ 10. * Mel.: Herz und Herz vereint zusammen/ sucht in Gottes Herzen „Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder,/ und erneuert euren „Halleluja, welche Höhen,/ welche Tiefen reiner Gnad,/ daß „Ach du holder Freund, vereine /deine dir geweihte Schar,/ daß sie es so herzlich meine,/ wie's dein letzter Wille war./ 49— gibst selber mir etwas von deinem Sinn,/ daß mich der Menschen Elend jammern kann;/ drum bitt ich, Herr; o nimm mein Bitten an. Du wirst dein herrlich Werk vollenden,/ der du der Menschen Heil und Richter bist. Du wirst der Menschheit Jammer wenden,/ so dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist./ Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn;/ du tust doch über Bitten und Verstehn. Karl Heinrich von Bogatzky 53 O du Liebe meiner Liebe. Ruh. /Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu.„Er das Haupt, wir seine Glieder,/ er das Licht und wir der Schein, /er der Meister, wir die Brüder,/ er ist unser, wir sind sein. Bund, /schwöret unserm Überwinder/ Lieb und Treu aus Herzensgrund; /und wenn eurer Liebeskette /Festigleit und Stärke fehlt, /o so flehet um die Wette,/ bis sie Jesus wieder stählt. Legt es unter euch, ihr Glieder,/ auf so treues Lieben an,/ daß ein jeder für die Brüder/ auch das Leben lassen kann./ ö So hat uns der Freund geliebet,/ so vergoß er dort sein Blut; /denkt doch, wie es ihn betrübet,/ wenn ihr euch selbst Eintrag tut. wir dem ins Herze sehen,/ der uns so geliebet hat;/ daß der Vater aller Geister, der der Wunder Abgrund ist,/ daß du, unsichtbarer Meister,/ uns so fühlbar nahe bist. 6. Ja verbinde in der Wahrheit,/ der du selbst die Wahrheit hist,/ alles was von deiner Klarheit/ in der Tat erleuchtet ist. Liebe, hast du es geboten,/ daß man Liebe üben soll./ O so mache doch die toten,/ trägen Geister lebensvoll. Zünde an die Liebesflamme,/ daß ein jeder sehen kann:/ wir, als die von einem Stamme,/ stehen auch für einen Mann. .Laß uns so vereinigt werden,/ wie du mit dem Vater bist,/ bis schon hier auf dieser Erden/ kein getrenntes Glied mehr ist, und allein von deinem Brennen/ nehme unser Licht den Schein; /also wird die Welt erkennen,/ daß wir deine Jünger sein. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf 5⁴ „Die Sach ist dein, Herr Jesu Christ,/ die Sach, an der wir stehn,/ und weil es deine Sache ist,/ kann sie nicht untergehn./ Allein das Weizenkorn, bevor /es fruchtbar sproßt zum Licht empor,/ muß sterben in der Erde Schoß,/ vorher vom eignen Wesen los,/ durch Sterben los,/ vom eignen Wesen los. Du gingst, o Jesu, unser Haupt,/ durch Leiden himmelan/ und führest jeden, der da glaubt,/ mit dir die gleiche Bahn./ Wohlan, so führ uns allzugleich/ zum Teil am Leiden und am Reich;/ führ uns durch deines Todes Tor/ samt deiner Sach zum Licht empor; zum Licht empor,/ durch Nacht zum Licht empor! Samuel Preiswerk 55 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend,/ dein heilgen Geist du zu uns send,/ mit Hilf und Gnad er uns regier/ und uns den Weg zur Wahrheit führ. ————————— *—** ——————— Mel.: —— „Tu auf den Mund zum Lobe dein,/ bereit das Herz zur Andacht fein,/ den Glauben mehr, stärk den Verstand./ daß uns dein Nam werd wohl bekannt; bis wir singen mit Gottes Heer:/ Heilig, heilig ist Gott der Herr!/ und schauen dich von Angesicht in ewger Freud und selgem Licht. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn,/ dem heilgen Geist in einem Thron;/ der heiligen Dreieinigkeit/ sei Lob und Preis in Ewigkeit. 56 „Liebster Jesu, wir sind hier,/ dich und dein Wort anzu⸗ hören; lenke Sinnen und Begier/ auf die süßen Himmels⸗ lehren,/ daß die Herzen von der Erden/ ganz zu dir gezogen werden. „Unser Wissen und Verstand/ ist mit Finsternis umhüllet, wo nicht deines Geistes Hand/ uns mit hellem Licht erfüllet;/ Gutes denken, tun und dichten/ mußt du selbst in uns ver richten. „O du Glanz der Herrlichkeit,‚/ Licht vom Licht, aus Gott geboren, mach uns allesamt bereit,/ öffue Herzen, Mund und Ohren;/ unser Bitten, Flehn und Singen/ laß, Herr Jesu, wohl gelingen. Tobias Clausnitzer 57 Liebster Jesu, wir sind hier. Unsern Ausgang segne Gott,/ unsern Eingang gleichermaßen,/ segne unser täglich Brot,/ segne unser Tun und Lassen,/ segne uns mit selgem Sterben/ und mach uns zu Himmelserben. Hartmann Schenck Mel.: 4. Wunderbarer König. Gott ist gegenwärtig. /Lasset uns anbeten/ und in Ehr⸗ furcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitten./ Alles in uns schweige/ und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt,/ wer ihn nennt, /schlag die Augen nieder;/ kommt, ergebt euch wieder. Gott ist gegenwärtig,/ dem die Cherubinen 7 Tag und Nacht gebücket dienen. /Heilig, heilig, heilig!/ singen ihm zur Ehre /waller Engel hohe Chöre./ Herr, vernimm/ unsre Stimm,/ da auch wir Geringen/ unsre Opfer bringen. „Wir entsagen willig allen Eitelkeiten,/ aller Erdenlust und Freuden; /da liegt unser Wille,/ Seele, Leib und Leben,/ dir zum Eigentum ergeben. Du allein/ sollst es sein,/ unser Gott und Herre,/ dir gebührt die Ehre. „Majestätisch Wesen,/ möcht ich recht dich preisen/ und im Geist dir Dienst erweisen!/ Möcht ich wie die Engel/ immer vor dir stehen/ und dich gegenwärtig sehen!/ Laß mich dir/ für und für /trachten zu gefallen,/ liebster Gott, in allem. Luft, die alles füllet,/ drin wir immer schweben,/ aller Dinge Grund und Leben,/ Meer ohn Grund und Ende,/ Wunder aller Wunder,/ ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir,/ du in mir,/ laß mich ganz verschwinden,/ dich nur sehn und finden. 3. Du durchdringest alles; laß dein schönstes Lichte,/ Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen/ willig sich entfalten/ und der Sonne stille halten, /laß mich so/ still und froh/ deine Strahlen fassen/ und dich wirken lassen. „Mache mich einfältig, innig, abgeschieden,/ sanft und still in deinem Frieden; /mach mich reines Herzens,/ daß ich deine Klarheit/ schauen mag in Geist und Wahrheit;/ laß 8. Mel. 1. Mel.: „Liebster Jesu, hier sind wir,/ deinem Worte nachzuleben:/ mein Herz/ überwärts /wie ein Adler schweben/ und in dir nur leben. Herr, komm in mir wohnen,/ laß mein Herz auf Erden/ dir ein Heiligtum noch werden;/ komm, du nahes Wesen,/ dich in mir verkläre,/ daß ich dich stets lieb und ehre./ Wo ich geh,/ sitz und steh,/ laß mich dich erblicken/ und vor dir mich bücken. Gerhard Tersteegen 59 : O Durchbrecher aller Bande. Herr, dein Wort, die edle Gabe,/ diesen Schatz erhalte mir;/ denn ich zieh es aller Habe/ und dem größten Reichtum für./ Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten,/ worauf soll der Glaube ruhn? /Mir ist's nicht um tausend Welten,/ aber um dein Wort zu tun. Halleluja, Ja und Amen!/ Herr, du wollest auf mich sehn,/ daß ich mög in deinem Namen/ fest bei deinem Worte stehn. Laß mich eifrig sein beflissen,/ dir zu dienen früh und spat,/ und zugleich zu deinen Füßen/ sitzen, wie Maria tat. Christian Gregor und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf 60 Liebster Zesu, wir sind hier. dieses Kindlein kommt zu dir,/ weil du den Befehl gegeben,/ daß man sie zu dir hinführe,/ denn das Himmelreich ist ihre. Ja es schallet allermeist/ dieses Wort in unsern Ohren:/ wer durch Wasser und durch Geist/ nicht zuvor ist neugebo⸗ ren, wird von dir nicht aufgenommen/ und in Gottes Reich nicht kommen „Darum eilen wir zu dir:/ nimm das Pfand von unsern Mel.: Armen; /tritt mit deinem Glanz herfür/ und erzeige dein Erbarmen,/ daß es dein Kind hier auf Erden/ und im Himmel möge werden. Hirte, nimm dein Schäflein an,/ Haupt, mach es zu deinem Gliede,/ Himmelsweg, zeig ihm die Bahn,/ Friedefürst, sei du sein Friede, Weinstock, hilf, daß diese Rebe/ auch im Glauben dich umgebe. „Nun wir legen an dein Herz, /was von Herzen ist gegan⸗ gen; /führ die Seufzer himmelwärts/ und erfülle das Verlangen;/ ja den Namen, den wir geben,/ schreib ins Lebensbuch zum Leben. Benjamin Schmolck 61 O daß ich tausend Zungen hätte. „„Ich bin getauft auf deinen Namen,/ Gott Vater, Sohn und heilger Geist; /ich bin gezählt zu deinem Samen,/ zum Volk, das dir geheiligt heißt./ Ich bin in Christum einge— senkt,/ ich bin mit seinem Geist beschenkt. „Du hast zu deinem Kind und Erben,/ mein lieber Vater mich erklärt. Du hast die Frucht von deinem Sterben,/ mein treuer Heiland, mir gewährt./ Du willst in aller Not und Pein,/ o guter Geist, mein Tröster sein. „Doch hab ich dir auch Furcht uud Liebe,/ Treu und Gehor⸗ sam zugesagt;/ ich hab, o Herr, aus reinem Triebe/ dein Eigentum zu sein gewagt;/ hingegen sagt ich bis ins Grab/ des Satans schnöden Werken ab. Mein treuer Gott, auf deiner Seite,/ bleibt dieser Bund wohl feste stehn;/ wenn aber ich ihn überschreite,/ so laß mich nicht verloren gehn;/ nimm mich, dein Kind, zu Gna⸗ den an,/ wenn ich hab einen Fall getan. * — 55— Ich gebe Dir, mein Gott, aufs neue/ Leib, Seel und Herz zum Opfer hin;/ erwecke mich zu neuer Treue/ und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut,/ der nicht, Herr, deinen Willen tut. „Laß diesen Vorsatz nimmer wanken,/ Gott Vater, Sohn und heilger Geist;/ halt mich in deines Bundes Schranken,/ bis mich dein Wille sterben heißt./ So leb ich dir, so sterb ich dir,/ so lob ich dich dort für und für. Johann Jakob Rambach 6²2 „Dir, dir, Jehova, will ich singen,/ denn wo ist doch ein solcher Gott wie du?„Dir will ich meine Lieder bringen;/ ach, gib mir deines Geistes Kraft dazu,/ daß ich es tu im Namen Jesu Christ,/ so wie es dir durch ihn gefällig ist. „Zieh mich, o Vater, zu dem Sohne,/ damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir;/ dein Geist in meinem Herzen wohne/ und meine Sinne und Verstand regier,/ daß ich den Frieden Gottes schmeck und fühl/ und dir darob im Herzen sing und spiel. Verleih mir, Höchster, solche Güte,/ so wird gewiß mein Singen recht getan; /so klingt es schön in meinem Liede,/ und ich bet dich in Geist und Wahrheit an;/ so hebt dein Geist mein Herz zu dir empor,/ daß ich dir Psalmen sing im höhern Chor. „Denn der kann mich bei dir vertreten/ mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; 7 der lehret mich recht gläubig beten,/ gibt Zeugnis meinem Geist, das ich dein Kind/ und ein Miterbe Jesu Christi sei,/ daher ich: Abba, lieber Vater! schrei. Wenn dies aus meinem Herzen schallet/ durch deines heilgen Geistes Kraft und Trieb./ so bricht dein Vaterherz und Mel.: Herr Jesu Christ, du höchstes Gut,/ du Brunngquell aller wallet/ ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb,/ daß mir's die Bitte nicht versagen kann,/ die ich nach deinem Willen hab getan. Was mich dein Geist selbst bitten lehret,/ das ist nach deinem Willen eingericht't/ und wird gewiß von dir erhöret,/ weil es im Namen deines Sohns geschicht,/ durch welchen ich dein Kind und Erbe bin/ und nehme von dir Gnad um Gnade hin. Wohl mir, daß ich dies Zeugnis habe; /drum bin ich voller Trost und Freudigkeit/ und weiß, daß alle gute Gabe,/ die ich von dir verlanget jederzeit, die gibst du und tust über⸗ schwenglich mehr, /als ich verstehe, bitte und begehr. Wohl mir, ich bitt in Jesu Namen,/ der mich zu deiner Rechten selbst vertritt;/ in ihm ist alles Ja und Amen,/ was ich von dir im Geist und Glauben bitt./ Wohl mir, Lob dir jetzt und in Ewigkeit,/ daß du mir schenkest solche Seligkeit. Bartholomäus Crasselius 63 Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Gnaden,/ wir kommen, deinen Leib und Blut,/ wie du uns hast geladen,/ zu deiner Liebe Herrlichkeit/ und unsrer Seelen Seligkeit/ zu essen und zu trinken. O Jesu, mach uns selbst bereit/ zu diesem hohen Werke; schenk uns dein schönes Ehrenkleid/ durch deines Geistes Stärke./ Hilf, daß wir würdge Gäste sein/ und werden dir gepflanzet ein/ zum ewgen Himmelswesen. Bleib du in uns, daß wir in dir/ auch bis ans Ende bleiben;/ laß Sünd und Not uns für und für/ nicht wieder von dir treiben,/ bis wir durch deines Nachtmahls Kraft/ eingehn zur Himmelsbürgerschaft/ und ewig selig werden. * Mel. 6⁴ Aus tiefer Not schrei ich zu dir,/ Herr Gott, erhör mein Rufen. Dein gnädig Ohren kehr zu mir/ und meiner Bitt sie öffne;„denn so du willst das sehen an,/ was Sünd und Unrecht ist getan,/ wer kann, Herr, vor dir bleiben? „Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst,/ die Sünde zu vergeben; /es ist doch unser Tun umsonst/ auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann,/ des muß dich fürchten jedermann/ und deiner Gnade leben. „Darum auf Gott will hoffen ich,/ auf mein Verdienst nicht bauen;/ auf ihn mein Herz soll lassen sich/ und seiner Güte trauen,/ die mir zusagt sein wertes Wort;/ das ist mein Trost und treuer Hort,/ des will ich allzeit harren. „Und ob es währt bis in die Nacht/ und wieder an den Morgen,/ doch soll mein Herz an Gottes Macht/ verzweifeln nicht noch sorgen. So tu Israel rechter Art,/ der aus dem Geist erzeuget ward/ und seines Gotts erharre. Ob bei uns ist der Sünden viel,/ bei Gott ist viel mehr Gnade; /sein Hand zu Helfen hat kein Ziel,/ wie groß auch sei der Schade.. Er ist allein der gute Hirt,/ der Israel erlösen wird/ aus seinen Sünden allen. Martin Luther : Vater unser im Himmelreich. „Nimm von uns, Herr, du treuer Gott,/ die schwere Straf und große Not,/ die wir mit Sünden ohne Zahl/ verdienet haben allzumal. Behüt vor Krieg und teurer Zeit,/ vor Seuchen, Feur und großem Leid. „Erbarm dich deiner bösen Knecht,/ wir flehn um Gnad und nicht um Recht;/ denn so du, Herr den rechten Lohn/ uns geben wolltst nach unserm Tun,/ so müßt die ganze Welt vergehn/ und könnt kein Mensch vor dir bestehn. Ach, Herr Gott, durch die Treue dein /mit Trost und Rettung uns erschein;/ beweis an uns dein große Gnad/ und straf uns nicht auf frischer Tat. Wohn uns mit deiner Güte bei, dein Zorn und Grimm fern von uns sei. „Gedenk an deins Sohns bittren Tod,/ sieh an sein heilig Wunden rot,/ die sind ja für die ganze Welt/ die Zahlung und das Lösegeld. /Des trösten wir uns allezeit/ und hoffen auf Barmherzigkeit. „Leit uns mit deiner rechten Hand/ und segne unser Stadt und Land./ Gib uns allzeit dein heilig Wort,/ behüt vor's Teufels List und Mord,/ verleih ein selig Stündelein,/ auf daß wir ewig bei dir sein. Martin Moller 66 Nun freut euch, lieben Christen gmein,/ und laßt uns fröhlich springen,/ daß wir getrost und all in ein/ mit Lust und Liebe singen,/ was Gott an uns gewendet hat/ und seine süße Wundertat; /gar teur hat er's erworben. „„Dem Teufel ich gefangen lag,/ im Tod war ich verloren,/ mein Sünd mich quälte Nacht und Tag,/ darin ich war geboren./ Ich fiel auch immer tiefer drein,/ es war kein Guts am Leben mein,/ die Sünd hatt' mich besessen. Mein gute Werk, die galten nicht,/ es war mit ihn'n ver⸗ dorben;/ der frei Will haßte Gotts Gericht,/ er war zum Gut'n erstorben; 7 die Angst mich zu verzweifeln trieb,/ daß nichts denn Sterben bei mir blieb,/ zur Hölle mußt ich sinken. „Da jammert Gott in Ewigkeit/ mein Elend übermaßen;/ er dacht an sein Barmherzigkeit/ er wollt mir helfen lassen;/ 10. — 39— er wandt zu mir das Vaterherz,/ es war bei ihm fürwahr kein Scherz,/ er ließ's sein Bestes kosten. „Er sprach zu seinem lieben Sohn: /„Die Zeit ist hier zu rbarmen;/ fahr hin, meins Herzens werte Kron,/ und sei das Heil dem Armen/ und hilf ihm aus der Sünden Not,/ erwürg für ihn den bittren Tod ́/ und laß ihn mit dir leben“. „Der Sohn dem Vater ghorsam ward,/ er kam zu mir auf Erden,/ von einer Jungfrau rein und zart;/ er sollt mein Bruder werden./ Gar heimlich führt er sein Gewalt,/ er ging in meiner armen G'stalt,/ den Teufel wollt er fangen. „Er sprach zu mir:„Halt dich an mich,/ es soll dir jetzt gelingen; /ich geb mich selber ganz für dich,/ da will ich für dich ringen;/ denn ich bin dein und du bist mein,/ und wo ich bleib, da sollst du sein,/ uns soll der Feind nicht scheiden. Vergießen wird er mir mein Blut,/ dazu mein Leben rauben;/ das leid ich alles dir zugut,/ das halt mit festem Glauben./ Den Tod verschlingt das Leben mein,/ mein Unschuld trägt die Sünde dein,/ da bist du selig worden. Gen Himmel zu dem Vater mein/ fahr ich von diesem Leben;/ da will ich sein der Meister dein,/ den Geist will ich dir geben,/ der dich in Trübnis trösten soll/ und lehren mich erkennen wohl/ und in der Wahrheit leiten. Was ich getan hab und gelehrt,/ das sollst du tun und lehren, 7 damit das Reich Gotts werd gemehrt/ zu Lob und seinen Ehren;/ und hüt dich vor der Menschen Satz,/ davon verdirbt der edle Schatz/ das laß ich dir zur Letze.“ Martin Luther * — 67 „Ist Gott für mich, so trete—gleich alles wider mich;/ so oft ich ruf und bete,/ weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde/ und bin geliebt bei Gott,/ was kann mir tun der Feinde/ und Widersacher Rott? Nun weiß und glaub ich feste,/ ich rühm's auch ohne Scheu,/ daß Gott der Höchst und Beste,/ mein Freund und Vater sei,/ und daß in allen Fällen/ er mir zur Rechten steh/ und dämpfe Sturm und Wellen /und was mir bringet Weh. Der Grund, da ich mich gründe,/ ist Christus und sein Blut;/ das machet, daß ich finde/ das ewge, wahre Gut./ An mir und meinem Leben/ ist nichts auf dieser Erd;/ was Christus mir gegeben,/ das ist der Liebe wert. Mein Jesus ist mein Ehre,/ mein Glanz und schönes Licht./ Wenn der nicht in mir wäre,/ könnt ich bestehen nicht./ In ihm kann ich mich freuen, hab einen Heldenmut,/ darf kein Gerichte scheuen,/ wie sonst ein Sünder tut. Nichts, nichts kann mich verdammen,/ nichts nimmt mir meinen Mut;/ die Höll und ihre Flammen /löscht meines Heilands Blut. Kein Urteil mich erschrecket, /kein Unheil mich betrübt,/ weil mich mit Flügeln decket/ mein Heiland, der mich liebt. 3. Sein Geist wohnt mir im Herzen, /regiert mir meinen Sinn,/ vertreibet Sorg und Schmerzen,/ nimmt allen Kum⸗ mer hin,/ gibt Segen und Gedeihen/ dem, was er in mir schafft,/ hilft mir das Abba schreien 7aus aller meiner Kraft. Und wenn an meinem Orte/ sich Furcht und Schrecken findt,/ so seufzt und spricht er Worte,/ die unaussprechlich sind/ mir zwar und meinem Munde, /Gott aber wohl bewußt,/ der an des Herzens Grunde ersiehet seine Lust. 10. 11. 12. Mel.: 4 „Sein Geist spricht meinem Geiste/ mauch süßes Trostwort zu,/ wie Gott dem Hilfe leiste, der bei ihm suchet Ruh,/ und wie er habt erbauet /ein edle neue Stadt,/ da Aug und Herze schauet,/ was es geglaubet hat. „Da ist mein Teil und Erbe/ mir prächtig zugericht't;/ wenn ich gleich fall und sterbe,/ fällt doch mein Himmel nicht.) Muß ich auch gleich hier feuchten/ mit Tränen meine Zeit,/ mein Jesus und sein Leuchten /durchsüßet alles Leid. Die Welt, die mag zerbrechen,/ du stehst mir ewiglich;/ kein Brennen, Hauen, Stechen /soll trennen mich und dich;/ kein Hunger und kein Dürsten, /kein Armut, keine Pein,/ kein Zorn der großen Fürsten /soll mir ein Hindrung sein. Kein Engel, keine Freuden,/ kein Thron, kein Herrlichkeit,/ kein Lieben und kein Leiden, /kein Angst und Fährlichkeit,/ was man nur kann erdenken,/ es sei klein oder groß,/ der keines soll mich lenken/ aus deinem Arm und Schoß. Mein Herze geht in Sprüngen/ und kann nicht traurig sein,/ ist voller Freud und Singen,/ sieht lauter Sonnenschein./ Die Sonne, die mir lachet,/ ist mein Herr Jesus Christ;/ das, was mich singen machet,/ ist, was im Himmel ist. Paul Gerhaxdt 63 O daß ich tausend Zungen hätte. Mir ist Erbarmung widerfahren,„Erbarmung, deren ich nicht wert; das zähl ich zu dem Wunderbaren,/ mein stolzes Herz hat's nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut/ und rühme die Barmherzigkeit. „Ich hatte nichts als Zorn verdienet/ und soll bei Gott in Gnaden sein; Gott hat mich mit sich selbst versühnet/ und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Wo kam dies her, warum geschicht's? Erbarmung ist's und weiter nichts. I. „Das muß ich dir, mein Gott, bekennen,/ das rühm ich, Mel.: wenn ein Mensch mich fragt; uich kann es nur Erbarmung nennen,/ so ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut/ und rühme die Barmherzigkeit. „Dies laß ich kein Geschöpf mir rauben,/ dies soll mein einzig Rühmen sein; 7auf dies Erbarmen will ich glauben,/ auf dieses bet ich auch allein, auf dieses duld ich in der Not,/ auf dieses hoff ich noch im Tod. „Gott, der du reich bist an Erbarmen,/ nimm dein Erbarmen nicht von mir 7 und führe durch den Tod mich Armen/ durch meines Heilands Tod zu dir;/ da bin ich ewig hoch⸗ erfreut/ und rühme die Barmherzigkeit. Philipp Friedrich Hiller 69 Nun lasset uns den Leib begrabn. Christi Blut und Gerechtigkeit,/ das ist mein Schmuck und Ehrenkleid,/ damit will ich vor Gott bestehn,/ wenn ich zum Himmel werd eingehn. „Und würd ich durch des Herrn Verdienst /auch noch so treu in seinem Dienst,/ gewönn den Sieg dem Bösen ab/ und sündigte nicht bis ins Grab, „so will ich, wenn ich zu ihm komm,/ nicht denken mehr an gut und fromm,/ sondern: da kommt ein Sünder her,/ der gern fürs Lösgeld selig wär. „Solang ich noch hienieden bin,/ so ist und bleibet das mein Sinn: /Ich will die Gnad in Jesu Blut/ bezeugen mit getrostem Mut. „Gelobet seist du, Jesu Christ,/ daß du ein Mensch geboren bist/ und hast für mich und alle Welt/ bezahlt ein ewig Lösegeld. — 3— Du Ehrenkönig Jesu Christ,/ des Vaters einger Sohn du bist;/ erbarme dich der ganzen Welt/ und segne, was zu dir sich hält. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf 70 Schönster Herr Jesu,/ Herrscher aller Enden,/ Gottes und Marien Sohn,/ dich will ich lieben,/ dich will ich ehren,/ du meiner Seele Freud und Kron. „Schön sind die Felder,/ schöner sind die Wälder/ in der schönen Frühlingszeit; 7Jesus ist schöner,/ Jesus ist reiner,/ der unser traurig Herz erfreut. Schön leucht't die Sonne,/ schöner leucht't der Monde/ und die Sternlein allzumal. /Jesus leucht't schöner,/ Jesus leuch't reiner/ als alle Eng'l im Himmelssaal. Schön sind die Blumen,/ schöner sind die Menschen/ in der frischen Jugendzeit;/ sie müssen sterben,/ müssen verderben,/ doch Jesus lebt in Ewigkeit. Alle die Schönheit/ Himmels und der Erden/ ist verfaßt in dir allein. Nichts soll mir werden/ lieber auf Erden/ als du, der schönste Jesu mein. Altes geistliches Volkslied 71 So nimm denn meine Hände/ und führe mich/ bis an mein selig Ende/ und ewiglich./ Ich mag allein nicht gehen,/ nicht einen Schritt;/ wo du wirst gehn und stehen,/ da nimm mich mit. „In dein Erbarmen hülle /mein schwaches Herz/ und mach es gänzlich stille/ in Freud und Schmerz./ Laß ruhn zu deinen Füßen/ dein armes Kind;/ es will die Augen schließen/ und glauben blind. — — 64— 3. Wenn ich auch gar nichts fühle 7von deiner Macht,/ du führst mich doch zum Ziele /auch durch die Nacht./ So nimm denn meine Hände und führe mich/ bis an mein selig Ende/ und ewiglich. Julie v. Hausmann 72 „Geh aus, mein Herz, und suche Freud/ in dieser lieben Sommerszeit/ an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier/ und siehe, wie sie mir und dir/ ½ sich ausgeschmücket haben. „Die Bäume stehen voller Laub,/ das Erdreich decket seinen Staub /mit einem grünen Kleide; Narzissen und die Tulipan,/ die ziehen sich viel schöner an„n als Salomonis Seide.:, „Die Lerche schwingt sich in die Luft,/ das Täublein fliegt aus seiner Kluft/ und macht sich in die Wälder;/ die hoch⸗ begabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall/ Berg, Hügel, Tal und Felder. „Die Glucke führt ihr Völklein aus,/ der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälblein speist die Jungen; der schnelle Hirsch, das leichte Reh/ ist froh und kommt aus seiner Höh /en ins tiefe Gras gesprungen.: „Die Bächlein rauschen in dem Sand/ und malen sich und ihren Rand/ mit schattenreichen Myrten;/ die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten. n „Ich selber kann und mag nicht ruhn,/ des großen Gottes großes Tun /erweckt mir alle Sinnen;/ ich singe mit, wenn alles singt,/ und lasse, was dem Höchsten klingt. in aus meinem Herzen rinnen. Ach, denk ich, bist du hier so schön/ und läßt du's uns so lieblich gehn 7 auf dieser armen Erden,/ was will doch 10. 44. 12. wohl nach dieser Welt/ dort in dem festen Himmelszelt/ ½ und güldnen Schlosse werden! 11 Welch hohe Lust, welch heller Schein/ wird wohl in Christi Garten sein!/ Wie muß es da wohl klingen,/ da so viel tausend Seraphim/ mit unverdroßnem Mund und Stimm/ en ihr Halleluja singen!:1 O wär ich da, o stünd ich schon,/ ach süßer Gott vor deinem Thron/ und trüge meine Palmen!/ So wollt ich nach der Engel Weis/ erhöhen deines Namens Preis/ n mit tausend schönen Psalmen. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch/ hier trage dieses Leibes Joch,/ auch nicht gar stille schweigen;/ mein Herze soll sich fort und fort/ an diesem und an allem Ort An n deinem Lobe neigen. Hilf mir und segne meinen Geist/ mit Segen, der vom Himmel fleußt,/ daß ich dir stetig blühe;/ gib, daß der Sommer deiner Gnad/ in meiner Seele früh und spat/ viel Glaubensfrücht erziehe. Erwähle mich zum Paradeis/ und laß mich bis zur letzten Reis'/ an Leib und Seele grünen;/ so will ich dir und deiner Ehr/ allein und sonsten keinem mehr/ en hier und dort ewig dienen. 1 Paul Gerhardt 73 Wenn ich ihn nur habe,/ wenn er mein nur ist,/ wenn mein Herz bis hin zum Grabe/ seine Treue nie vergißt,/ weiß ich nichts von Leide,/ fühle nichts als Andacht, Lieb und Freude. Wenn ich ihn nur habe,/ laß ich alles gern,/ folg an meinem Wanderstabe/ treugesinnt nur meinem Herrn,/ lasse still die andern/ breite, lichte, volle Straßen wandern. —60— „Wo ich ihn nur habe,/ ist mein Vaterland,/ und es fällt mir jede Gabe/ wie ein Erbteil in die Hand; /längst vermißte Brüder/ find ich nun in seinen Jüngern wieder. Friedrich v. Hardenberg(Novalis) 7⁴ Vater unser im Himmelreich,/ der du uns alle heißest gleich/ Brüder sein und dich rufen an/ und willst das Beten von uns han,/ gib, daß nicht bet allein der Mund,/ hilf, daß es geh von Herzensgrund. „Geheiligt werd der Name dein,/ dein Wort bei uns hilf halten rein,/ daß wir auch leben heiliglich,/ nach deinem Namen würdiglich./ Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr,/ das arm, verführet Volk bekehr. „Es komm dein Reich zu dieser Zeit/ und dort hernach in Ewigkeit. Der heilge Geist uns wohne bei/ mit seinen Gaben mancherlei;/ des Satans Zorn und groß Gewalt/ zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt. „Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich/ auf Erden wie im Himmelreich. Gib uns Geduld in Leidenszeit,/ gehorsam sein in Lieb und Leid; 7 wehr und steur allem Fleisch und Blut,/ das wider deinen Willen tut. Gib uns heut unser täglich Brot/ und was man darf zur Leibesnot;/ behüt uns vor Unfried und Streit,/ vor Seuchen und vor teurer Zeit,/ daß wir in gutem Frieden stehn,/ der Sorg und Geizes müßig gehn. „All unser Schuld vergib uns, Herr,/ daß sie uns nicht betrübe mehr,/ wie wir auch unsern Schuldigern/ ihr Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all bereit/ in rechter Lieb und Einigkeit. Mel.: Laß mich dein sein und bleiben,/ du treuer Gott und Herr,/ 07%— „Führ uns, Herr, in Versuchung nicht,/ wenn uns der böse Geist anficht;/ zur linken und zur rechten Hand/ hilf uns tun starken Widerstand,/ im Glauben fest und wohlgerüst't/ und durch des heilgen Geistes Trost. „Von allem übel uns erlös; /es sind die Zeit und Tage bös. /Erlös uns von dem ewgen Tod/ und tröst uns in der letzten Not./ Bescher uns auch ein seligs End,/ nimm unsre Seel in deine Händ. Amen, das ist: es werde wahr!/ Stärk unsern Glauben immerdar,/ auf daß wir ja nicht zweifeln dran,/ was wir hiermit gebeten han/ auf dein Wort in dem Namen dein,/ so sprechen wir das Amen fein. Martin Luther 75 Valet will ich dir geben. von dir laß mich nichts treiben,/ halt mich bei deiner Lehr./ Herr, laß mich nur nicht wanken,/ gib mir Beständigkeit;/ dafür will ich dir danken /in alle Ewigkeit. Nikolaus Selnecker 76 „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr;/ ich bitt, wollst sein von mir nicht fern/ mit deiner Güt und Gnaden./ Die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Himm'l und Erden frag ich nicht,/ wenn ich dich nur kann haben./ Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht,/ so bist du doch mein Zuversicht,/ mein Teil und meines Herzens Trost,/ der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr,/ in Schanden laß mich nimmermehr. .Es ist ja, Herr, dein Gschenk und Gab/ mein Seel und Leib/ und was ich hab/ in diesem armen Leben./ Damit ich's brauch zum Lobe dein,/ zu Nutz und Dienst des Me 2. Nächsten mein,/ wollst mir dein Gnade geben./ Behüt mich,/ Herr, vor falscher Lehr,/ des Satans Mord und Lügen wehr;/ in allem Kreuz erhalte mich,/ auf daß ich's trag geduldiglich./ Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott,/ tröst mir mein Seel in Todesnot! Ach Herr, laß dein lieb Engelein/ am letzten End die Seele mein/ in Abrahams Schoß tragen,/ den Leib in seim Schlafkämmerlein/ gar sanft ohn einge Qual und Pein/ ruhn bis am jüngsten Tage./ Alsdann vom Tod erwecke mich,/ daß meine Augen sehen dich/ in aller Freud, o Gottes Sohn,/ mein Heiland und mein Gnadenthron./ Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich! /Ich will dich preisen ewiglich. Martin Schalling 77 .: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt. Mir nach, spricht Christus, unser Held,/ mir nach, ihr Christen alle!/ Verleugnet euch, verlaßt die Welt,/ folgt meinem Ruf und Schalle;/ nehmt euer Kreuz und Ungemach/ auf euch, folgt meinem Wandel nach. Ich bin das Licht, ich leucht euch für/ mit heilgem Tugend⸗ leben./ Wer zu mir kommt und folget mir,/ darf nicht im Finstern schweben./ Ich bin der Weg, ich weise wohl,/ wie man wahrhaftig wandeln soll. Mein Herz ist voll Demütigkeit,/ voll Liebe mein Gemüte;/ mein Mund, der fließt zu jeder Zeit/ von Sanftmut und von Güte;/ mein Geist und Wille, Kraft und Sinn,/ ist Gott ergeben, schaut auf ihn. „Ich zeig euch das, was schädlich ist,/ zu fliehen und zu meiden/ und euer Herz von arger List/ zu reingen und zu scheiden. Ich bin der Seelen Fels und Hort/ und führ euch zu der Himmelspfort. — 69— Fällt's euch zu schwer, ich geh voran,/ ich steh euch an der Seite,/ ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn,/ bin alles in dem Streite. 7 Ein böser Knecht, der still mag stehn,/ sieht er voran den Feldherrn gehn. „Wer seine Seel zu finden meint,/ wird sie ohn mich ver⸗ lieren;) wer sie hier zu verlieren scheint,/ wird sie in Gott einführen./ Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir,/ ist mein nicht wert und meiner Zier. „So laßt uns denn dem lieben Herrn/ mit unserm Kreuz nachgehen/ und wohlgemut, getrost und gern/ bei ihm im Leiden stehen;/ wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron/ des ewgen Lebens nicht davon. Johann Scheffler 78 : Von Gott will ich nicht lassen. Kommt, Kinder, laßt uns gehen,/ der Abend kommt herbei;/ es ist gefährlich stehen/ in dieser Wüstenei. Kommt, stärket euren Mut,/ zur Ewigkeit zu wandern,/ von einer Kraft zur andern;/ es ist das Ende gut. „Es soll uns nicht gereuen/ der schmale Pilgerpfad;/ wir kennen ja den Treuen,/ der uns gerufen hat./ Kommt, folgt und trauet dem;/ ein jeder sein Gesichte/ mit ganzer Wendung richte /fest nach Jerusalem. „Geht's der Natur entgegen,/ so geht's gerad und fein;/ die Fleisch und Sinnen pflegen,/ noch schlechte Pilger sein./ Verlaßt die Kreatur/ und was euch sonst will binden,/ laßt gar euch selbst dahinten; /es geht durchs Sterben nur. . Man muß wie Pilger wandeln,/ frei, bloß und wahrlich leer; viel sammeln, halten, handeln/ macht unsern Gang nur schwer./ Wer will, der trag sich tot;/ wit reisen abgeschieden,/ mit wenigem zufrieden;/ wir brauchen's nur zur Not. 10. 14. 70— Schmückt euer Herz auf's beste,/ sonst weder Leib noch Haus;/ wir sind hier fremde Gäste/ und ziehen bald hinaus./ Gemach bringt Ungemach;/ ein Pilger muß sich schicken,/ sich dulden und sich bücken/ den kurzen Pilgertag. „Ist gleich der Weg sehr enge,/ so einsam, krumm und schlecht;/ der Dornen in der Menge/ und manches Kreuze trägt, /es ist doch nur ein Weg;/ laß sein! wir gehen weiter,/ wir folgen unserm Leiter/ und brechen durchs Geheg. Kommt, Kinder, laßt uns gehen,/ der Vater gehet mit;/ er selbst will bei uns stehen/ bei jedem sauren Tritt;/ er will uns machen Mut,/ mit süßen Sonnenblicken /uns locken und erquicken; /ach ja, wir haben's gut. „Kommt, Kinder, laßt uns wandern,/ wir gehen Hand in Hand;/ eins freuet sich am andern/ in diesem wilden Land./ Kommt, laßt uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten;/ die Engel selbst begleiten/ als Brüder unsre Reihn. Sollt wo ein Schwacher fallen,/ so greif der Stärkre zu;/ man trag, man helfe allen,/ man pflanze Lieb und Ruh./ Kommt, bindet fester an;/ ein jeder sei der Kleinste,/ doch auch wohl gern der Reinste/ auf unsrer Liebesbahn. Kommt, laßt uns munter wandern,/ der Weg kürzt immer ab;/ ein Tag, der folgt dem andern,/ bald fällt das Fleisch ins Grab./ Nur noch ein wenig Mut,/ nur noch ein wenig treuer,/ von allen Dingen freier, gewandt zum ewgen Gut. Es wird nicht lang mehr währen,/ halt't noch ein wenig aus; /ses wird nicht lang mehr währen,/ so kommen wir nach Haus./ Da wird man ewig ruhn,/ wenn wir mit allen Frommen/ daheim zum Vater kommen;/ wie wohl, wie wohl wird's tun. 12. Mel.: „Jesus Christus herrscht als König,/ alles wird ihm unter⸗ Drauf wollen wir's denn wagen,/ es ist wohl wagenswert,/ und gründlich dem absagen,/ was aufhält und beschwert./ Welt, du bist uns zu klein,/ wir gehn durch Jesu Leiten/ hin in die Ewigkeiten;/ es soll nur Jesus sein. Gerhard Tersteegen 79 Alles ist an Gottes Segen. tänig,/ alles legt ihm Gott zu Fuß: /aller Zunge soll bekennen,/ Jesus sei der Herr zu nennen,/ dem man Ehre geben muß. „Fürstentümer und Gewalten,/ Mächte, die die Thronwacht halten,/ geben ihm die Herrlichkeit; /alle Herrschaft dort im Himmel,/ hier im irdischen Getümmel/ ist zu seinem Dienst bereit. Gott ist Herr, der Herr ist Einer,/ und demselben gleichet keiner,/ nur der Sohn, der ist ihm gleich;/ dessen Stuhl ist unumstößlich,/ dessen Leben unauflöslich,/ dessen Reich ein ewig Reich. „Gleicher Macht und gleicher Ehren/ sitzt er unter lichten Chören /über allen Cherubim; /in der Welt und Himmel Enden/ hat er alles in den Händen,/ denn der Vater gab es ihm. „Nur in ihm, o Wundergaben,/ können wir Erlösung haben,/ die Erlösung durch sein Blut. Hört's; das Leben ist er⸗ schienen,/ und ein ewiges Versühnen/ kommt in Jesu uns zugut. „Jesus Christus ist der Eine,/ der gegründet die Gemeine,/ die ihn ehrt als teures Haupt./ Er hat sie mit Blut erkaufet,/ mit dem Geiste sie getaufet,/ und sie lebet, weil sie glaubt. „Jauchz ihm,‚, Menge heilger Knechte,/ rühmt, vollendete Gerechte,/ und du Schar, die Palmen trägt,/ und du Siegs⸗ volk in der Krone/ und du Chor vor seinem Throne,/ der die Gottesharfen schlägt. „Ich auch auf der tiefsten Stufen,/ ich will glauben, reden, rufen,/ ob ich schon noch Pilgrim bin; /Jesus Christus herrscht als König,/ alles sei ihm untertänig;/ ehret, liebet, lobet ihn! Philipp Friedrich Hiller 80 „Die helle Sonn leucht't jetzt herfür,/ fröhlich vom Schlaf aufstehen wir; /Gott Lob, der uns in dieser Nacht/ behütet vor des Teufels Macht. Herr Christ, den Tag uns auch behüt/ vor Sünd und Schand durch deine Güt;/ laß deine lieben Engelein/ unsre Hüter und Wächter sein, daß unser Herz im Ghorsam leb,/ deim Wort und Willn nicht widerstreb;/ daß wir dich stets vor Augen han/ in allem, was wir heben an. „Laß unser Werk geraten wohl,/ was ein jeder ausrichten soll,/ daß unsre Arbeit, Müh und Fleiß/ gereich zu deim Lob, Ehr und Preis. Nikolaus Herman 81 Aus meines Herzens Grunde/ sag ich dir Lob und Dank/ in dieser Morgenstunde,/ dazu mein Leben lang./ o Gott, in deinem Thron,/ dir zu Lob, Preis und Ehren/ durch Christum, unsern Herren,/ dein eingebornen Sohn, daß du mich hast aus Gnaden/ in der vergangnen Nacht/ vor Gfahr und allem Schaden /behütet und bewacht./ Ich bitt demütiglich,/ wollst mir mein Sünd vergeben,/ womit in diesem Leben/ ich hab erzürnet dich. „Du wollest auch behüten/ mich gnädig diesen Tag/ vor's Teufels List und Wüten,/ vor Sünden und vor Schmach,/ vor Feur und Wassersnot,/ vor Armut und vor Schanden,/ vor Ketten und vor Banden,/ vor bösem, schnellem Tod. Mein Leib und meine Seele,/ mein Weib, Gut, Ehr und Kind/ in dein Händ ich befehle,/ dazu mein Hausgesind/ als dein Geschenk und Gab,/ mein Eltern und Verwandten,/ Gefreundte und Bekannten/ und alles, was ich hab. „Dein Engel laß auch bleiben/ und weichen nicht vor mir,/ den Satan zu vertreiben,/ auf daß der bös Feind hier/ in diesem Jammertal/ sein Tück an mir nicht übe,/ Leib und Seel nicht betrübe/ und mich nicht bring zu Fall. Gott will ich lassen raten,/ denn er all Ding vermag./ Er segne meine Taten,/ mein Vornehmen und Sach;/ ihm hab ich heimgestellt/ mein Leib, mein Seel, mein Leben/ und was er sonst gegeben; /er mach's, wie's ihm gefällt. „Darauf so sprech ich Amen/ und zweifle nicht daran,/ Gott wird es alls zusammen/ in Gnaden sehen an;/ und streck nun aus mein Hand,/ greif an das Werk mit Freuden,/ dazu mich Gott beschieden/ in meim Beruf und Stand. Georg Nige 82 „Die güldne Sonne/ voll Freud und Wonne/ bringt unsern Grenzen/ mit ihrem Glänzen/ ein herzerquickendes, liebliches Licht./ Mein Haupt und Glieder,/ die lagen darnieder,/ aber nun steh ich,/ bin munter und fröhlich,/ schaue den Himmel mit meinem Gesicht. „Mein Auge schauet,/ was Gott gebauet/ zu seinen Ehren/ und uns zu lehren,/ wie sein Vermögen sei mächtig und groß,/ und wo die Frommen/ dann sollen hinkommen,/ wann sie mit Frieden/ von hinnen geschieden/ aus dieser Erde vergänglichem Schoß. — Lasset uns singen,/ dem Schöpfer bringen/ in. und Gaben;/ was wir nur haben,/ alles sei Gotte zum Opfer gesetzt! /Die besten Güter/ sind unsre Gemüter; /dankbare Lieder/ sind Weihrauch und Widder,/ an welchen er sich am meisten ergötzt. Abend und Morgen/ sind seine Sorgen;/ segnen und mehren,/ Unglück verwehren/ sind seine Werke und Taten allein./ Wenn wir uns legen,/ so ist er zugegen;/ wenn wir aufstehen,/ so läßt er aufgehen/ über uns seiner Barm⸗ herzigkeit Schein. Ich hab erhoben/ zu dir hoch droben/ all meine Sinnen;/ laß mein Beginnen/ ohn allen Anstoß und glücklich ergehn./ Laster und Schande,/ des Bande,/ Fallen und Tücke /treib ferne zurücke;/ laß mich auf deinen Geboten bestehn. 5. Laß mich mit Freuden/ ohn alles Neiden/ sehen den Segen,/ den du wirst legen,/ in meines Bruders und Nähesten Haus. Geiziges Brennen,/ unchristliches Rennen/ nach Gut mit Sünde,/ das tilge geschwinde/ von meinem Herzen und wirf es hinaus. Menschliches Wesen,/ was ist's gewesen?/ In einer Stunde/ geht es zugrunde,/ sobald das Lüftlein des Todes drein bläst./ Alles in allen/ muß brechen und fallen,/ Himmel und Erden,/ die müssen das werden,/ was sie vor ihrer Erschaffung gewest. Alles vergehet;/ Gott aber—1 ohn alles Wanken;/ seine Gedanken,/ sein Wort und Wille hat ewigen Grund./ Sein Heil und Gnaden,/ die nehmen nicht Schaden,/ heilen im Herzen/ die tödlichen Schmerzen,/ halten uns zeitlich und ewig gesund. Gott, meine Krone,/ vergib und schone,/ laß meine Schulden/ in Gnad und Hulden/ aus deinen Augen sein abgewandt./ 75— Sonsten regiere/ mich, lenke und führe,/ wie dir's gefället;/ ich habe gestellet/ alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willst du mir geben,/ womit mein Leben/ ich kann ernähren,/ so laß mich hören/ allzeit im Herzen dies heilige Wort:/ Gott ist das Größte,/ daß Schönste und Beste,/ Gott ist das Süßte/ und Allergewißte,/ aus allen Schätzen der edelste Hort. 11. Willst du mich kränken,/ mit Galle tränken,/ und soll von Plagen/ ich auch was tragen,/ wohlan, so mach es, wie dir es beliebt./ Was gut und tüchtig,/ was schädlich und nichtig/ meinem Gebeine,/ das weißt du alleine,/ hast niemals keinen zu sehr noch betrübt. 12. Kreuz und Elende,„das nimmt ein Ende;/ nach Meeres Brausen/ und Windes Sausen/ leuchtet der Sonne ge— wünschtes Gesicht./ Freude die Fülle/ und selige Stille/ hab ich zu warten/ im himmlischen Garten,/ dahin sind meine Gedanken gericht't. Paul Gerhardt 83 Mel.: Nun laßt uns Gott dem Herren. 1. Wach auf, mein Herz, und singe/ dem Schöpfer aller Dinge,/ dem Geber aller Güter,/ dem frommen Menschenhüter. 2. Heut, als die dunklen Schatten/ mich ganz umfangen hatten,/ hat Satan mein begehret; Gott aber hat's gewehret. 3. Du sprachst: Mein Kind, nun liege/ trotz dem, der dich betrüge;/ schlaf wohl, laß dir nicht grauen,/ du sollst die Sonne schauen. 4. Dein Wort, das ist geschehen;/ ich kann das Licht noch sehen,/ von Not bin ich befreiet,/ dein Schutz hat mich erneuet. 23 222 „Du willst ein Opfer haben,/ hier bring ich meine Gaben;/ mein Weihrauch und mein Widder/ sind mein Gebet und Lieder; die wirst du nicht verschmähen;/ du kannst ins Herze sehen;/ denn du weißt, daß zur Gabe/ ich ja nichts Bessres habe. „So wollst du nun vollenden/ dein Werk an mir und senden,/ der mich an diesem Tage/ auf seinen Händen trage. Sprich Ja zu meinen Taten,/ hilf selbst das Beste raten;/ den Anfang, Mitt und Ende,/ ach Herr, zum Besten wende. „Mit Segen mich beschütte,/ mein Herz sei deine Hütte,/ dein Wort sei meine Speise,/ bis ich gen Himmel reise. Paul Gerhardt 8⁴ „Morgenglanz der Ewigkeit,/ Licht vom unerschöpften Lichte,/ schick uns diese Morgenzeit/ deine Strahlen zu Gesichte/ und vertreib durch deine Macht/ unsre Nacht. Deiner Güte Morgentau/ fall auf unser matt Gewissen;/ laß die dürre Lebensau/ lauter süßen Trost genießen/ und erquick uns, deine Schar,/ immerdar. Gib, daß deiner Liebe Glut/ unsre kalten Werke töte,/ und erweck uns Herz und Mut/ bei erstandner Morgenröte/ daß wir, eh wir gar vergehn,/ recht aufstehn. „Ach du Aufgang aus der Höh,/ gib, daß auch am jüngsten Tage unser Leib verklärt ersteh/ und, entfernt von aller Plage,/ sich auf jener Freudenbahn freuen kann. „Leucht uns selbst in jene Welt,/ du verklärte Gnadensonne;/ führ uns durch das Tränenfeld/ in das Land der süßen Wonne,/ da die Lust, die uns erhöht,/ nie vergeht. Christian Knorr von Rosenroth 1. Mel.: Mel.: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. Wir danken Gott für seine Gabn,/ die wir von ihm emp⸗ fangen habn,/ und bitten unsren lieben Herrn,/ er woll uns hinfort mehr beschern und speisen uns mit seinem Wort,/ daß wir satt werden hier und dort./ Ach, lieber Herr, du wollst uns gebn/ nach dieser Zeit das ewge Lebn. 86 Hinunter ist der Sonne Schein,/ die finstre Nacht bricht stark herein; leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht,/ laß uns im Finstern tappen nicht. „Wir danken, daß du uns den Tag/ vor Schaden, Gfahr und mancher Plag/ durch deine Engel hast behüt't/ aus Gnad und väterlicher Güt. »Womit wir habn erzürnet dich,/ dasselb verzeih uns gnädig⸗ lich/ und rechn es unsrer Seel nicht zu;/ laß schlafen uns mit Fried und Ruh. „Durch deine Engl die Wach bestell,/ daß uns der böse Feind nicht fäll; vor Schrecken, Angst und Feuersnot/ behüte uns, o lieber Gott. Nikolaus Herman 87 O Welt, ich muß dich lassen. Nun ruhen alle Wälder/ Vieh, Menschen, Städt und Felder,/ es schläft die ganze Welt;/ ihr aber, meine Sinnen,/ auf, auf, ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt. Wo bist du, Sonne, blieben?/ Die Nacht hat dich ver⸗ trieben,/ die Nacht, des Tages Feind./ Fahr hin, ein andre Sonne,/ mein Jesus, meine Wonne,/ gar hell in meinem Herzen scheint. 5 Mel. — 78 „Der Tag ist nun vergangen,/ die güldnen Sternlein prangen/ am blauen Himmelssaal;/ also werd ich auch stehen,/ wenn mich wird heißen gehen/ mein Gott aus diesem Jammertal. „Der Leib eilt nun zur Ruhe, q/ legt ab das Kleid und Schuhe,/ das Bild der Sterblichkeit;/ die zieh ich aus, dagegen/ wird Christus mir anlegen/ den Rock der Ehr und Herrlichkeit. „Das Haupt, die Füß und Hände/ sind froh, daß nun zum Ende/ die Arbeit kommen sei. /Herz, freu dich, du sollst werden/ vom Elend dieser Erden/ und von der Sünden Arbeit frei. Nun geht, ihr matten Glieder,/ geht hin und legt euch nieder,/ der Betten ihr begehrt./ Es kommen Stund und Zeiten,/ da man euch wird bereiten/ zur Ruh ein Bettlein in der Erd. Mein Augen stehn verdrossen,/ im Nu sind sie geschlossen./ Wo bleibt dann Leib und Seel?/ Nimm sie zu deinen Gnaden,/ sei gut für allen Schaden,/ du Aug und Wächter Israel. Breit aus die Flügel beide,/ o Jesu, meine Freude,/ und nimm dein Küchlein ein;/ will Satan mich verschlingen,/ so laß die Englein singen:/ Dies Kind soll unverletzet sein. „Auch euch, ihr meine Lieben,/ soll heute nicht betrüben/ kein Unfall noch Gefahr./ Gott laß euch ruhig schlafen,/ stell euch die güldnen Waffen/ ums Bett und seiner Engel Schar. Paul Gerhardt 388 : O Welt, ich muß dich lassen. „Nun sich der Tag geendet,/ mein Herz sich zu dir wendet/ und danket inniglich;/ dein holdes Angesichte/ zum Segen auf mich richte,/ erleuchte und entzünde mich. „Ich schließe mich aufs neue in deine Vatertreue/ und Schutz und Herze ein;/ die fleischlichen Geschäfte/ und alle finstren Kräfte 7vertreibe durch dein Nahesein. „Daß du mich stets umgibest,/ daß du mich herzlich liebest/ und rufst zu dir hinein,/ daß du vergnügst alleine/ so wesentlich, so reine,/ laß früh und spät mir wichtig sein. „Ein Tag, der sagt dem andern,/ mein Leben sei ein Wandern/ zur großen Ewigkeit. 7 O Ewigkeit, du schöne,/ mein Herz an dich gewöhne;/ mein Heim ist nicht in dieser Zeit. Gerhard Tersteegen 89 „Der Mond ist aufgegangen,/ die goldnen Sternlein prangen/ am Himmel hell und klar./ Der Wald steht schwarz und schweiget,/ und aus den Wiesen steiget/ der weiße Nebel wunderbar. „Wie ist die Welt so stille/ und in der Dämmrung Hülle/ so traulich und so hold,/ als eine stille Kammer,/ wo ihr des Tages Jammer/ verschlafen und vergessen sollt. „Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen/ und ist doch rund und schön;/ so sind wohl manche Sachen,/ die wir getrost belachen,/ weil unsre Augen sie nicht sehn. Wir stolzen Menschenkinder/ sind eitel arme Sünder/ und wissen gar nicht viel.) Wir spinnen Luftgespinste/ und suchen viele Künste/ und kommen weiter von dem Ziel. „Gott, laß uns dein Heil schauen,/ auf nichts Vergänglichs trauen,/ nicht Eitelkeit uns freun;/ laß uns einfältig werden/ und vor dir hier auf Erden/ wie Kinder fromm und fröhlich sein. — 80— „Wollstlendlich sonder Grämen/ aus dieser Welt uns nehmen/ durch einen sanften Tod;/ und wenn du uns genommen,/ laß uns in Himmel kommen,/ du unser Herr und unser Gott. So legt euch denn, ihr Brüder,/ in Gottes Namen nieder;/ kalt ist der Abendhauch./ Verschon uns, Gott, mit Strafen/ und laß uns ruhig schlafen/ und unsern kranken Nachbar auch. Matthias Claudius 90 Müde bin ich, geh zur Ruh,/ schließe beide Äuglein zu;/ Vater, laß die Augen dein/ über meinem Bette sein. „Hab ich Unrecht heut getan,/ sieh es, lieber Gott, nicht an./ Deine Gnad und Jesu Blut/ macht ja allen Schaden gut. „Alle, die mir sind verwandt,/ Gott, laß ruhn in deiner Hand;/ alle Menschen, groß und klein,/ sollen dir befohlen sein. „Kranken Herzen sende Ruh,/ nasse Augen schließe zu./ Laß den Mond am Himmel stehn/ und die stille Welt besehn. Luise Hensel 9¹ O Gott, du frommer Gott,/ du Brunngquell guter Gaben,/ ohn den nichts ist, was ist,/ von dem wir alles haben,/ gesunden Leib gib mir,/ und daß in solchem Leib/ ein unverletzte Seel/ und rein Gewissen bleib. „Gib, daß ich tu mit Fleiß/ was mir zu tun gebühret,/ wozu mich dein Befehl/ in meinem Stande führet./ Gib, daß ich's tue bald,/ zu der Zeit, da ich soll,/ und wenn ich's tu, so gib,/ daß es gerate wohl. Mel. — 81— „Hilf, daß ich rede stets,/ womit ich kann bestehen;/ laß kein unnützlich Wort/ aus meinem Munde gehen,/ und wenn in meinem Amt/ ich reden soll und muß,/ so gib den Worten Kraft/ und Nachdruck ohn Verdruß. „Findt sich Gefährlichkeit,/ so laß mich nicht verzagen,/ gib einen Heldenmut,/ das Kreuz hilf selber tragen./ Gib, daß ich meinen Feind/ mit Sanftmut überwind/ und wenn ich Rat bedarf,/ auch guten Rat erfind. Laß mich mit jedermann/ in Fried und Freundschaft leben,/ soweit es christlich ist.) Willst du mir etwas geben/ an Reichtum, Gut und Geld,/ so gib auch dies dabei,/ daß von unrechtem Gut/ nichts untermenget sei. Soll ich auf dieser Welt,/ mein Leben höher bringen,/ durch manchen sauren Tritt/ hindurch ins Alter dringen,/ so gib Geduld; vor Sünd/ und Schanden mich bewahr,/ auf daß ich tragen mag/ mit Ehren graues Haar. „Laß mich an meinem End/ auf Christi Tod abscheiden;/ die Seele nimm zu dir/ hinauf zu deinen Freuden;/ dem Leib ein Räumlein gönn /bei frommer Christen Grab,/ auf daß er seine Ruh/ an ihrer Seite hab. Wenn du die Toten wirst/ an jenem Tag erwecken,/ so tu auch deine Hand/ zu meinem Grab ausstrecken;/ laß hören deine Stimm 7 und meinen Leib weck auf/ und führ ihn schön verklärt/ zum auserwählten Hauf. Johann Heermann : In Gottes Namen fahren wir. Das walte Gott, der helfen kann!/ Mit Gott fang ich die Arbeit an,/ mit Gott nur geht es glücklich fort,/ drum ist dies auch mein erstes Wort:/ Das walte Gott! — 2— „All mein Beginnen, Tun und Werk/ erfordert von Gott Kraft und Stärk;/ mein Herz sucht Gottes Angesicht,/ drum auch mein Mund mit Freuden spricht:/ Das walte Gott! „So Gott nicht hilft, so kann ich nichts,/ wo Gott nicht gibet, da gebricht's; Gott gibt und tut mir alles Guts,/ drum sprech ich auch nun gutes Muts: Das walte Gott! „Will Gott mir etwas geben hier,/ so will ich dankbar sein dafür;/ auf sein Wort werf ich aus mein Netz/ nnd sag in meiner Arbeit stets: Das walte Gott! Anfang und Mitte samt dem End/ stell ich allein in Gottes Händ;/ er gebe, was mir nützlich ist,/ drum sprech ich auch zu jeder Frist:/ Das walte Gott! „Legt Gott mir seinen Segen bei/ nach seiner großen Güt und Treu,/ so gnüget mir zu jeder Stund;/ drum sprech ich auch von Herzensgrund:/ Das walte Gott! „Trifft mich ein Unglück, unverzagt!„ Ist doch mein Werk mit Gott ge Hn Ner wird mir gnädig stehen bei,/ drum 10. O 11. dies auch meine Losung sei:/ Das walte Gott! Er kann mich segnen früh und spat,/ bis all mein Tun ein Ende hat; /er gibt und nimmt, macht's, wie er will,/ drum sprech ich auch fein in der Still:/ Das walte Gott! „Gott steht mir bei in aller Not/ und gibt mir auch mein täglich Brot,/ nach seinem alten Vaterbrauch/ tut er mir Guts; drum sprech ich auch:/ Das walte Gott! hn ihn ist all mein Tun umsonst,/ nichts hilft Verstand, Witz oder Kunst;/ mit Gott geht's fort, gerät auch wohl,/ daß ich kann sagen glaubensvoll:/ Das walte Gott! Teilt Gott was mit aus Gütigkeit,/ so acht ich keiner Feinde Neid,/ laß hassen, wer's nicht lassen kann;/ ich stimme doch mit Freuden an: /Das walte Gott! 85— 12. Tu ich mein Werk mit Gottes Rat,/ der mir beistehet früh und spat,/ dann alles wohl geraten muß;/ drum sprech ich nochmals zum Beschluß:/ Das walte Gott! Johan uBetichius 9² — 3 1. Verleih uns Frieden gnädiglich,/ Herr Gott, zu unsern Zeiten! /Es ist doch ja kein andrer nicht,/ der für uns könnte streiten, denn du unser Gott alleine. Martin Luther 9⁴ Mel.: Aus tiefer Not schrei ich zu dir. 1. Herr, der du vormals hast dein Land/ mit Gnaden ange⸗ blicket und des gefangnen Volkes Band/ gelöset und erquicket, der du die Sünd und Missetat,/ die es zuvor begangen hat,/ hast väterlich verziehen: 2. willst du, o Vater, uns denn nicht/ nun einmal wieder laben,/ und sollen wir an deinem Licht/ nicht wieder Freude haben?/ Ach geuß aus deines Himmels Haus,/ Herr, deiner Güte Segen aus /auf uns und unsre Häuser. 3. Ach daß ich hören sollt das Wort/ erschallen bald auf Erden,/ daß Fribe f sollt an allem Ort,/ wo Christen wohnen, werden!/ das uns doch Gott saget zu/ des Krieges Schluß, der Waffen Ruh/ und alles Unglücks Ende! 4. Ach daß doch diese böse Zeit/ bald wiche guten Tagen,/ damit wir in dem großen Leid /7 nicht möchten ganz ver⸗ zagen!/ Doch ist ja Gottes Hilfe nah/ und seine Gnade stehet da Jall denen, die ihn fürchten. 5. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott/ schon wieder zu uns wenden,/ den Krieg und alle andre Not/ nach Wunsch und also enden,/ daß seine Ehr in unserm Land/ und allenthalben werd erkannt,/ ja stetig bei uns wohne. — 34— 6. Die Güt und Treue werden schön/ einander grüßen müssen 77 Gerechtigkeit wird einhergehn,/ und Friede wird sie küssen;/ die Treue wird mit Lust und Freud/ auf Erden blühn Gerechtigkeit/ wird von dem Himmel schauen. 7. Der Herr wird uns viel Gutes tun,/ das Land wird Früchte geben,/ und die in seinem Schoße ruhn,/ die werden davon leben; Gerechtigkeit wird dennoch stehn/ und stets in vollem Schwange gehn/ zu Ehre seines Namens. Paul Gerhardt Gottvertrauen, Lob und Danlt 9⁵ Mel.: Mein Herzensjesu, meine Lust. 1. Such, wer da will, ein ander Ziel,/ die Seligkeit zu finden;/ mein Herz allein bedacht soll sein,/ auf Christum sich zu gründen;/ sein Wort ist wahr, sein Werk sind klar,/ sein heilger Mund hat Kraft und Grund,/ all Feind zu über⸗ winden. 2. Such, wer da will, Nothelfer viel,/ die uns doch nichts erworben;/ hier ist der Mann, der helfen kann,/ bei dem nie was verdorben./ Uns wird das Heil durch ihn zuteil,/ uns macht gerecht der treue Knecht,/ der für uns ist gestorben. 3. Ach sucht doch den, laßt alles stehn,/ die ihr das Heil begehret; /er ist der Herr und keiner mehr,/ der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund,/ sucht ihn allein; denn wohl wird sein/ dem, der ihn herzlich ehret. 17 Mein Herzens Kron, mein Freudensonn/ sollst du, Herr Jesu, bleiben;/ laß mich doch nicht von deinem Licht/ durch Eitelkeit vertreiben;/ bleib du mein Preis, dein Wort mich speis,/ bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr,/ an dich stets fest zu gläuben. „Wend von mir nicht dein Angesicht,/ laß mich im Kreuz nicht zagen;/ weich nicht von mir, mein höchste Zier,/ hilf mir mein Leiden tragen. /Hilf mir zur Freud nach diesem Leid,/ hilf, das ich mag nach dieser Klag/ dir ewig dort Lob sagen. Georg Weissel 96 „Jesu, meine Freude,/ meines Herzens Weide,/ Jesu, meine Zier, /ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange/ und verlangt nach dir! y/ Gottes Lamm, mein Bräutigam,/ außer dir soll mir aus Erden/ nichts sonst Liebers werden. „Unter deinem Schirmen/ bin ich vor den Stürmen/ aller Feinde frei. Laß von Ungewittern/ rings die Welt erzit⸗ tern,/ mir steht Jesus bei./ Ob's mit Macht/ gleich blitzt und kracht,/ ob gleich Sünd und Hölle schrecken,/ Jesus will mich decken. „Trotz dem alten Drachen,/ Trotz des Todes Rachen,/ Trotz der Furcht dazu!/ Tobe, Welt und springe;/ ich steh hier und singe/ in gar sichrer Ruh./ Gottes Macht hält mich in acht,/ Erd und Abgrund muß sich scheuen,/ ob sie noch so dräuen. „Weg mit allen Schätzen;/ du bist mein Ergötzen,/ Jesu, meine Lust./ Weg ihr eitlen Ehren,/ ich mag euch nicht hören,/ bleibt mir unbewußt!/ Elend, Not,/ Kreuz Schmach und Tod/ soll mich, ob ich viel muß leiden,/ nicht von Jesu scheiden. — 50 Gute Nacht, o Wesen,/ das die Welt erlesen,/ mir gefällst du nicht. Gute Nacht, ihr Sünden,/ bleibet weit dahinten,/ kommt nicht mehr ans Licht!/ Gute Nacht,/ du Stolz und Pracht;/ dir sei ganz, du Lasterleben,/ gute Nacht gegeben. „Weicht, ihr Trauergeister,/ denn mein Freudenmeister,/ Jesus tritt herein. Denen, die Gott lieben,/ muß auch ihr Betrüben/ lauter Freude sein. Duld ich schon hier Spott und Hohn,/ dennoch bleibst du auch im Leide,/ Jesu, meine Freude. Johannes Franck. 97 Ich will dich lieben, meine Stärke,/ ich will dich lieben, meine Zier; /ich will dich lieben mit dem Werke/ und immerwährender Begier./ Ich will dich lieben, schönstes Licht,/ bis mir das Herze bricht. „Ich will dich lieben, o mein Leben,/ als meinen allerbesten Freund;/ ich will dich lieben und erheben,/ solange mich dein Glanz bescheint; 7 ich will dich lieben, Gottes Lamm,/ als meinen Bräutigam. „Ach das ich dich so spät erkennet,/ du hochgelobte Schönheit du, und dich nicht eher mein genennet,/ du höchstes Gut und wahre Ruh;/ es ist mir leid, ich bin betrübt,/ daß ich so spät geliebt. „Ich lief verirrt und war verblendet,/ ich suchte dich und fand dich nicht,‚/ ich hatte mich von dir gewendet/ und liebte das geschaffne Licht. Nun aber ist's durch dich geschehn,/ daß ich dich hab ersehn. „Ich danke dir, du wahre Sonne,/ daß mir dein Glanz hat Licht gebracht;/ ich danke dir, du Himmelswonne,/ das du mich froh und frei gemacht; /ich danke dir, du güldner Mund,/ daß du mich machst gesund. Mel. — 57— „Erhalte mich auf deinen Stegen/ und laß mich nicht mehr irre gehn;/ laß meinen Fuß in deinen Wegen/ nicht straucheln oder stille stehn; 7 erleucht mir Leib und Seele ganz,/ du starker Himmelsglanz. „Ich will dich lieben, meine Krone,/ ich will dich lieben, meinen Gott;/ ich will dich lieben sonder Lohne/ auch in der allergrößten Not;/ ich will dich lieben, schönstes Licht,/ bis mir das Herze bricht. Johann Scheffler 98 Seelenbräutigam „Jesu, geh voran/ auf der Lebensbahn,/ und wir wollen nicht verweilen,/ dir getreulich nachzueilen;/ führ uns an der Hand/ bis ins Vaterland. „Soll's uns hart ergehn,/ laß uns feste stehn/ und auch in den schwersten Tagen/ niemals über Lasten klagen;/ denn durch Trübsal hier/ geht der Weg zu dir. Rühret eigner Schmerz/ irgend unser Herz,/ kümmert uns ein fremdes Leiden,/ o so gib Geduld zu beiden;/ richte unsern Sinn/ auf das Ende hin. „Ordne unsern Gang,/ Jesu, lebenslang./ Führst du uns durch rauhe Wege,/ gib uns auch die nötge Pflege;/ tu uns nach dem Lauf/ deine Türe auf. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf 99 Was mein Gott will, das gscheh allzeit,/ sein Will, das ist der beste;/ zu helfen dem ist er bereit,/ der an ihn glaubet feste.) Er hilft aus Not, der fromme Gott,/ und züchtiget mit Maßen./ Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut,/ den will er nicht verlassen. — 8— Gott ist mein Trost, mein Zuversicht,/ mein Hoffnung und mein Leben;/ was mein Gott will, das mir geschicht,/ will ich nicht widerstreben./ Sein Wort ist wahr, denn all mein Haar/ er selber hat gezählet; /er hüt't und wacht, stets für uns tracht't,/ auf daß uns gar nichts fehlet. „„Drum will ich gern von dieser Welt/ hinfahrn nach Gottes Willen/ zu meinem Gott; wann's ihm gefällt,/ will ich ihm halten stille. Mein arme Seel ich Gott befehl/ in meiner letzten Stunden. Du frommer Gott, Sünd,‚, Höll und Tod/ hast du mir überwunden. Noch eins, Herr, will ich bitten dich,/ du wirst mir's nicht versagen;/ wenn mich der böse Geist anficht,/ laß mich, Herr, nicht verzagen./ Hilf, steur und wehr, ach Gott, mein Herr,/ zu Ehren deinem Namen./ Wer das begehrt, dem wird's gewährt;/ drauf sprech ich fröhlich: Amen. 100 Wenn wir in höchsten Nöten sein/ und wissen nicht, wo aus noch ein,/ und finden weder Hilf noch Rat,/ ob wir gleich sorgen früh und spat, so ist dies unser Trost allein, das wir zusammen insgemein/ dich anrufen, o treuer Gott,/ um Rettung aus der Angst und Not; „Hund heben unser Aug und Herz/ zu dir in wahrer Reu und Schmerz/ und flehen um Begnadigung/ und aller Strafen Linderung, die du verheißest gnädiglich/ allen, die darum bitten dich/ im Namen deins Sohns Jesu Christ,/ der unser Heil und Fürsprech ist. Drum kommen wir, o Herre Gott,/ und klagen dir all unsre Not,/ weil wir jetzt stehn verlassen gar/ in großer Trübsal und Gefahr. — 39— Sieh nicht an unsre Sünde groß,/ sprich uns davon aus Gnaden los,/ steh uns in unserm Elend bei,/ mach uns von allen Plagen frei, „Hauf daß von Herzen können wir/ nachmals mit Freuden danken dir,/ gehorsam sein nach deinem Wort,/ dich allzeit preisen hier und dort. Paul Eber 101 Befiehl du deine Wege,/ und was dein Herze kränkt,/ der allertreusten Pflege/ des, der den Himmel lenkt./ Der Wolken, Luft uud Winden/ gibt Wege, Lauf und Bahn,/ der wird auch Wege finden,/ da dein Fuß gehen kann. Dem Herren mußt du trauen,/ wenn dir's soll wohl⸗ ergehn; /auf sein Werk mußt du schauen,/ wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen/ und mit selbsteigner Pein/ läßt Gott sich gar nichts nehmen,/ es muß erbeten sein. Dein ewge Treu und Gnade,/ o Vater, weiß und sieht,/ was gut sei oder schade/ dem sterblichen Geblüt;/ und was du dann erlesen,/ das treibst du, starker Held,/ und bringst zu Stand und Wesen,/ was deinem Rat gefällt. Weg hast du allerwegen,/ an Mitteln fehlt dir's nicht;/ dein Tun ist lauter Segen,/ dein Gang ist lauter Licht;/ dein Werk kann niemand hindern,/ dein Arbeit darf nicht ruhn,/ wenn du, was deinen Kindern/ ersprießlich ist, willst tun. .Und ob gleich alle Teufel/ hier wollten widerstehn,/ so wird doch ohne Zweifel/ Gott nicht zurücke gehn;/ was er sich vorgenommen,/ und was er haben will,/ das muß doch endlich kommen/ zu seinem Zweck und Ziel. Hoff, o du arme Seele,/ hoff und sei unverzagt!/ Gott wird dich aus der Höhle,/ da dich der Kummer plagt,/ mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit,/ so wirst du schon erblicken/ die Sonn der schönsten Freud. Auf, auf, gib deinem Schmerze/ und Sorgen gute Nacht,/ laß fahren, was das Herze/ betrübt und traurig macht;/ bist du doch nicht Regente,/ der alles führen soll; /Gott sitzt im Regimente/ und führet alles wohl. Ihn, ihn laß tun und walten,/ er ist ein weiser Fürst/ und wird sich so verhalten,/ daß du dich wundern wirst,/ wenn er, wie ihm gebühret,/ mit wunderbarem Rat/ das Werk hinausgeführet,/ das dich bekümmert hat. „Er wird zwar eine Weile/ mit seinem Trost verziehn/ und tun an seinem Teile,/ als hätt in seinem Sinn/ er deiner sich begeben/ und solltst du für und für/ in Angst und Nöten schweben,/ als frag er nichts nach dir; wird's aber sich befinden,/ daß du ihm treu verbleibst,/ so wird er dich entbinden,‚ da du's am mindsten gläubst;/ er wird dein Herze lösen/ von der so schweren Last,/ die du zu keinem Bösen/ bisher getragen hast. ‚Wohl dir, o Kind der Treue!/ Du hast und trägst davon/ mit Ruhm und Dankgeschreie/ den Sieg und Ehrenkron./ Gott gibt dir selbst die Palmen/ in deine rechte Hand,/ und du singst Freudenpsalmen/ dem, der dein Leid gewandt. Mach End, o Herr, mach Ende/ mit aller unsrer Not;/ stärk unsre Füß und Hände/ und laß bis in den Tod/ uns allzeit deiner Pflege/ und Treu empfohlen sein,/ so gehen unsre Wege/ gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt 102 Warum sollt ich mich denn grämen?/ hab ich doch/ Christum noch;/ wer will mir den nehmen? /Wer will mir den Himmel rauben,/ den mir schon/ Gottes Sohn/ beigelegt im Glauben? 10. — 1— Nackend lag ich auf dem Boden/ da ich kam,/ da ich nahm/ meinen ersten Odem;/ nackend werd ich auch hinziehen,/ wenn ich werd/ von der Erd/ als ein Schatten fliehen. . Gut und Blut, Leib, Seel und Leben/ ist nicht mein;/ Gott allein/ ist es, der's gegeben. /Will er's wieder zu sich kehren,/ nehm er's hin; ich will ihn/ dennoch fröhlich ehren. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen,/ dringt herein/ Angst und Pein,/ sollt ich drum verzagen?/ Der es schickt, der wird es wenden; /er weiß wohl,/ wie er soll/ all mein Unglück enden. Gott hat mich bei guten Tagen/ oft ergötzt;/ sollt ich jetzt/ nicht auch etwas tragen?/ Fromm ist Gott und schärft mit Maßen/ sein Gericht,/ kann mich nicht/ ganz und gar verlassen. Satan, Welt und ihre Rotten/ können mir/ nichts mehr hier/ tun, als meiner spotten./ Laß sie spotten, laß sie lachen;/ Gott, mein Heil,/ wird in Eil/ sie zuschanden machen. Unverzagt und ohne Grauen/ soll ein Christ,/ wo er ist,/ stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der Tod aufreiben,/ soll der Mut/ dennoch gut/ und fein stille bleiben; kann uns doch kein Tod nicht töten,/ sondern reißt/ unsern Geist/ aus viel tausend Nöten,/ schließt das Tor der bittern Leiden/ und macht Bahn,/ da man kann,/ gehn zu Himmels⸗ freuden. „Allda will in süßen Schätzen/ ich mein Herz/ auf den Schmerz/ ewiglich ergötzen./ Hier ist kein recht Gut zu finden;/ was die Welt/ in sich hält,/ muß im Nu verschwinden. Was sind diese Lebensgüter?/ Eine Hand/ voller Sand,/ Kummer der Gemüter. /Dort, dort sind die edlen Gaben,/ da mein Hirt/ Christus wird/ mich ohne Ende laben. 11. 12. Mel. — 92— Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden,/ du bist mein,/ ich bin dein,/ niemand kann uns scheiden./ Ich bin dein, weil du dein Leben/ und dein Blut/ mir zugut/ in den Tod. gegeben; du bist mein, weil ich dich fasse/ und dich nicht,/ o mein Licht,/ aus dem Herzen lasse./ Laß mich, laß mich hinge⸗ langen,/ da du mich/ und ich dich/ ewig werd umfangen. Paul Gerhardt 103 : O Welt, ich muß dich lassen. „In allen meinen Taten/ lass ich den Höchsten raten,/ der alles kann und hat;/ er muß zu allen Dingen,/ soll's anders wohl gelingen,/ mir selber geben Rat und Tat. Nichts ist es spät und frühe/ um alle meine Mühe,/ mein Sorgen ist umsonst. 7Er mag's mit meinen Sachen/ nach seinem Willen machen,/ ich stell's in seine Vatergunst. Es kann mir nichts geschehen,/ als was er hat ersehen/ und was mir selig ist. Ich nehm es, wie er's gibet;/ was ihm von mir beliebet,/ dasselbe hab auch ich erkiest. „Ich traue seiner Gnaden,/ die mich vor allem Schaden,/ vor allem Übel schützt. Leb ich nach seinen Sätzen,/ so wird mich nichts verletzen,/ nichts fehlen, was mir ewig nützt. Er wolle meiner Sünden/ in Gnaden mich entbinden,/ durchstreichen meine Schuld;/ er wird auf mein Verbrechen/ nicht stracks das Urteil sprechen/ und haben noch mit mir Geduld. Leg ich mich späte nieder,/ erwach ich frühe wieder,/ lieg oder zieh ich fort,/ in Schwachheit und in Banden/ und was mir stößt zuhanden,/ so tröstet mich allzeit sein Wort. Hat er es denn beschlossen,/ so will ich unverdrossen/ an mein Verhängnis gehn; /kein Unfall unter allen/ wird je zu hart mir fallen,/ mit Gott will ich ihn überstehn. Mel.: . Ihm hab ich mich ergeben,/ zu sterben und zu leben,/ sobald er mir gebeut;/ es sei heut oder morgen./ dafür laß ich ihn sorgen;/ er weiß allein die rechte Zeit. „So sei nun, Seele, seine/ und traue dem alleine,/ der dich geschaffen hat./ Es gehe, wie es gehe;/ dein Vater in der Höhe,/ der weiß zu allen Sachen Rat. 104 Valet will ich dir geben. „Ich weiß, an wen ich glaube,/ ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube/ wie Sand und Staub ver⸗ weht;/ ich weiß, was ewig bleibet,/ wo alles wankt und sällt,/ wo Wahn die Weisen treibet/ und Trug die Klugen prellt. „Ich weiß, was ewig dauert,/ ich weiß, was nimmer läßt;/ auf ewgen Grund gemauert/ steht diese Schutzwehr fest./ Es sind des Heilands Worte,/ die Worte fest und klar;/ an diesem Felsenhorte/ halt ich unwandelbar. Auch kenn ich wohl den Meister,/ der mir die Feste baut;/ er heißt der Fürst der Geister,/ auf den der Himmel schaut,/ vor dem die Seraphinen/ anbetend niederknien,/ um den die Engel dienen; /ich weiß und kenne ihn. „Das ist das Licht der Höhe,/ das ist mein Jesus Christ,/ der Fels, auf dem ich stehe,/ der diamanten ist,/ der nimmer⸗ mehr kann wanken,/ der Heiland und der Hort,/ die Leuchte der Gedanken,/ die leuchtet hier und dort. „Drum weiß ich, was ich glaube;/ ich weiß, was fest besteht/ und in dem Erdenstaube/ nicht mit als Staub verweht;/ ich weiß, was in dem Grauen/ des Todes ewig bleibt/ und selbst auf Erdenauen/ des Himmels Blumen treibt. Ernst Moritz Arndt Wer nur den lieben Gott läßt walten/ und hoffet aus ihn allezeit,) den wird er wunderbar erhalten Rin aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. „Was helfen uns die schweren Sorgen,/ was hilft uns unser Weh und Ach“/ Was hilft es, daß wir alle Morgen/ beseufzen unser Ungemach?/ Wir machen unser Kreuz und Leid/ nur größer durch die Traurigkeit. „Man halte nur ein wenig stille/ und sei doch in sich selbst vergnügt,/ wie unsers Gottes Gnadenwille,/ wie sein All⸗ wissenheit es fügt;/ Gott, der uns sich hat auserwählt,/ der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. „Er kennt die rechten Freudenstunden,/ er weiß wohl, wann es nützlich sei;/ wenn er uns nur hat treu befunden/ und merket keine Heuchelei,/ so kommt Gott, eh wir's uns ver⸗ sehn,/ und lässet uns viel Guts geschehn. „Denk nicht in deiner Drangsalshitze,/ daß du von Gott verlassen seist,/ und daß ihm der im Schoße sitze,/ der sich mit stetem Glücke speist. Die Folgezeit verändert viel/ und setzet jeglichem sein Ziel. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen,/ und ist dem Höchsten alles gleich,/ den Reichen klein und arm zu machen,/ den Armen aber groß und reich./ Gott ist der rechte Wunder⸗ mann,/ der bald erhöhn, bald stürzen kann. „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,/ verricht das Deine nur getreu/ und trau des Himmels reichem Segen,/ so wird er bei dir werden neu./ Denn welcher seine Zuversicht/ auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Georg Neumark — * 106 Was Gott tut, das ist wohlgetan,/ es bleibt gerecht sein Wille; /wie er fängt meine Sachen an,/ will ich ihm halten stille.) Er ist mein Gott,/ der in der Not/ mich wohl weiß zu erhalten;/ drum laß ich ihn nur walten. Was Gott tut, das ist wohlgetan, /er wird mich nicht betrügen; /er führet mich aus rechter Bahn,/ so laß ich mir genügen /an seiner Huld/ und hab Geduld;/ er wird mein Unglück wenden,/ es steht in seinen Händen. Was Gott tut, das ist wohlgetan,/ er wird mich wohl bedenken; /ser als ein Arzt und Wundermann/ wird mir nicht Gift einschenken/ für Arzenei;/ Gott ist getreu,/ drum will ich auf ihn bauen/ und seiner Güte trauen. Was Gott tut, das ist wohlgetan,/ er ist mein Licht und Leben,/ der mir nichts Böses gönnen kann;/ ich will mich ihm ergeben/ in Freud und Leid;/ es kommt die Zeit,/ da öffentlich erscheinet,‚/ wie treulich er es meinet. Was Gott tut, das ist wohlgetan;/ muß ich den Kelch gleich schmecken,/ der bitter ist nach meinem Wahn,/ laß ich mich doch nicht schrecken,/ weil doch zuletzt/ ich werd ergötzt/ mit süßem Trost im Herzen;/ da weichen alle Schmerzen. Was Gott tut, das ist woblgetan,/ dabei will ich verbleiben./ Es mag mich auf die rauhe Bahn/ Not, Tod und Elend treiben,/ so wird Gott mich/ ganz väterlich/ in seinen Armen halten; /drum laß ich ihn nur walten. Samuel Rodigast 107 Nun lob mein Seel den Herren,/ was in mir ist, den Namen sein. Sein Wohltat tut er mehren,/ vergiß es nicht, O Herze mein. /Hat dir dein Sünd vergeben/ und heilt dein Schwachheit groß; /erret't dein armes Leben,/ nimmt dich — 3— in seinen Schoß,/ mit reichem Trost beschüttet,/ verjüngt dem Adler gleich;/ der Herr schafft Recht, behütet,/ die leiden in seim Reich. Er hat uns wissen lassen/ sein herrlich Recht und sein Gericht,/ dazu sein Güt ohn Maßen,/ es mangelt an Erbarmung nicht;/ sein Zorn läßt er wohl fahren,/ straft nicht nach unsrer Schuld;/ die Gnad tut er nicht sparen,/ den Blöden ist er hold;/ sein Güt ist hoch erhaben/ ob den'n, die fürchten ihn;/ so fern der Ost vom Abend,/ ist unsre Sünd dahin. Wie Väter sich erbarmen /ob ihrer jungen Kindelein,/ so tut der Herr uns Armen,/ wenn wir ihn kindlich fürchten rein. Er kennt das arm Gemächte/ und weiß, wir sind nur Staub,/ ein bald verwelkt Geschlechte,/ ein Blum und fallend Laub;/ der Wind nur drüber wehet,/ so ist es nimmer da;/ also der Mensch vergehet,/ sein End, das ist ihm nah. „Die Gottesgnad alleine /steht fest und bleibt in Ewigkeit/ bei seiner lieben Gmeine,/ die steht in seiner Furcht bereit,/ die seinen Bund behalten. /Er herrscht in Himmelreich./ Ihr starken Engel, waltet/ seins Lobs und dient zugleich/ dem großen Herrn zu Ehren/ und treibt sein heilges Wort./ Mein Seel soll auch vermehren/ sein Lob an allem Ort. Johann Gramann 103 Nun danket alle Gott/ mit Herzen, Mund und Händen,/ der große Dinge tut/ an uns und allen Enden,/ der uns von Mutterleib/ und Kindesbeinen an/ unzählig viel zu gut/ und noch jetzund getan. Der ewig reiche Gott/ woll uns bei unserm Leben/ ein immer fröhlich Herz/ und edlen Frieden geben/ und uns in seiner Gnad/ erhalten fort und fort/ und uns aus aller Not erlösen hier und dort. — Lob. Ehr und Preis sei Gott,/ dem Vater und dem Sohne/ und dem, der beiden gleich/ im höchsten Himmelsthrone,/ dem dreieinigen Gott,/ als der ursprünglich war/ und ist und bleiben wird/ jetzund und immerdar. Martin Rinckart 109 „Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit!/ Lob ihn mit Schalle,/ werteste Christenheit!/ Er läßt dich freundlich zu sich laden;„n freue dich, Israel, seiner Gnaden.: „Der Herr regieret/ über die ganze Welt;/ was sich nur rühret,/ alles zu Fuß ihm fällt;/ viel tausend Engel um ihn schweben,/ n Psalter und Harfe ihm Ehre geben. Wohlauf, ihr Heiden,/ lasset das Trauern sein,/ zur grünen Weiden/ stellet euch willig ein;/ da läßt er uns sein Wort verkünden,/ n machet uns ledig von allen Sünden. Er gibet Speise/ reichlich und überall,/ nach Vaters Weise/ sättigt er allzumal;/ er schaffet früh und späten Regen,/ füllet uns alle mit seinem Segen. „Drum preis und ehre/ seine Barmherzigkeit,/ sein Lob ver⸗ mehre,/ werteste Christenheit! /Uns soll hinfort kein Unfall schaden;/ n freue dich, Israel, seiner Gnaden. 1 Matthäus Apelles von Löwenstern 110 „Nun danket all und bringet Ehr,/ ihr Menschen in der Welt,/ dem, dessen Lob der Engel Heer/ im Himmel stets vermeldt. „Ermuntert euch und singt mit Schall/ Gott, unserm höchsten Gut,/ der seine Wunder überall/ und große Dinge tut; der uns von Mutterleibe an/ frisch und gesund erhält/ und, wo kein Mensch mehr helfen kann,/ sich selbst zum Helfer stellt; M 2 98— der, ob wir ihn gleich hoch betrübt,/ doch bleibet gutes Muts,/ die Straf erläßt, die Schuld vergibt/ und tut uns alles Guts. „Er gebe uns ein fröhlich Herz,/ erfrische Geist und Sinn/ und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz/ in's Meeres Tiefe hin. „Er lasse seinen Frieden ruhn/ auf unserm Volk und Land;/ er gebe Glück zu unserm Tun/ und Heil zu allem Stand. „Er lasse seine Lieb und Güt/ um, bei und mit uns gehn,/ was aber ängstet und bemüht,/ gar ferne von uns stehn. „„So lange dieses Leben währt,/ sei er stets unser Teil,/ und wenn wir scheiden von der Erd,/ verbleib er unser Teil. „Er drücke, wenn das Herze bricht,/ uns unsre Augen zu/ und zeig uns drauf sein Angesicht/ dort in der ewgen Ruh. Paul Gerhardt 111 .: Lasset uns den Herren preisen. „Sollt ich meinem Gott nicht singen?)Sollt ich ihm nicht dankbar sein? 7 Denn ich seh in allen Dingen,/ wie so gut er's mit mir mein./ Ist doch nichts als lauter Lieben,/ das sein treues Herze regt,/ das ohn Ende hebt und trägt,/ die in seinem Dienst sich üben./ Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. „Wie ein Adler sein Gefieder/ über seine Jungen streckt,/ also hat auch hin und wieder/ mich des Höchsten Arm bedeckt,/ alsobald im Mutterleibe,/ da er mir mein Wesen gab/ und das Leben, das ich hab/ und noch diese Stunde treibe./ Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. „Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer,/ nein, er gibt ihn für mich hin,/ daß er mich vom ewgen Feuer/ durch sein teures Blut gewinn./ O du unergründter Brunnen,/ wie will doch 6. — 9— mein schwacher Geist,/ ob er sich gleich hoch befleißt,/ deine Tief ergründen können? /Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer,/ gibt er mir in seinem Wort,/ daß er werde mein Regierer/ durch die Welt zur Himmels⸗ pfort,/ daß er mir mein Herz erfülle/ mit dem hellen Glaubenslicht,/ das des Todes Macht zerbricht/ und die Hölle selbst macht stille.) Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. Meiner Seele Wohlergehen,/ hat er ja recht wohl bedacht;/ will dem Leibe Not entstehen,/ nimmt er's gleichfalls wohl in acht.) Wenn mein Können, mein Vermögen/ nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an/ sein Vermögen beizulegen./ Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. Himmel, Erd und ihre Heere/ hat er mir zum Dienst bestellt;/ wo ich nur mein Aug hinkehre,/ find ich, was mich nährt und hält: Tier und Kräuter und Getreide,/ in den Gründen, in der Höh,/ in den Büschen, in der See,/ überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen/ und ermuntert mein Gemüt,/ daß ich alle liebe Morgen/ schaue neue Lieb und Güt.„Wäre mein Gott nicht gewesen,/ hätte mich sein Angesicht/ nicht geleitet, wär ich nicht/ aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. Wie ein Vater seinem Kinde/ sein Herz niemals ganz ent⸗ zeucht,/ ob es gleich bisweilen Sünde /tut und aus den Bahnen weicht,/ also hält auch mein Verbrechen/ mir mein frommer Gott zugut,/ will mein Fehlen mit der Rut/ und nicht mit dem Schwerte rächen./ Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. 100 9. Seine Strafen, seine Schläge,/ ob sie mir gleich bitter seind,/ dennoch, wenn ich's recht erwäge,/ sind es Zeichen, daß mein Freund, /der mich liebet, mein gedenke/ und mich von der schnöden Welt,/ die uns hart gefangen hält,/ durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Das weiß ich fürwahr und lasse/ mir's nicht aus dem Sinne gehn: /Christenkreuz hat seine Maße/ und muß endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet,/ tritt der schöne Sommer ein; /ualso wird auch nach der Pein,/ wer's erwarten kann, erfreuet.) Alles Ding währt seine Zeit,/ Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Weil denn weder Ziel noch Ende/ sich in Gottes Liebe findt,/ ei so heb ich meine Hände/ zu dir, Vater, als dein Kind,/ bitte, wollst mir Gnade geben,/ dich aus aller meiner Macht/ zu umfangen Tag und Nacht/ hier in meinem ganzen Leben/ bis ich dich nach dieser Zeit/ lob und lieb in Ewigkeit, Paul Gerhardt 112 Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. 1. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut,/ dem Vater aller Güte,/ dem Gott, der alle Wunder tut,/ dem Gott, der mein Gemüte/ mit seinem reichen Trost erfüllt,/ dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer, /o Herrscher aller Thronen,/ und die auf Erden, Luft und Meer/ in deinem Schatten wohnen,/ die preisen deine Schöpfermacht,/ die alles also wohl bedacht. Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat,/ das will er auch erhalten,/ darüber will er früh und spat/ mit seiner Gnade walten./ In seinem ganzen Königreich/ ist alles recht und alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! * —1 — 101— „Ich rief zum Herrn in meiner Not: 7Ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod/ und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir;'sach danket, danket Gott mit mir./ Gebt unserm Gott die Ehre! „Der Herr ist noch und nimmer nicht/ von seinem Volk geschieden; /er bleibet ihre Zuversicht,/ ihr Segen, Heil und Frieden. /Mit Mutterhänden leitet er/ die Seinen stetig hin und her!/ Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Wenn Trost und Hilf ermangeln muß,/ die alle Welt erzeiget,/ so kommt, so hilft der überfluß,/ der Schöpfer selbst, und neiget/ die Vateraugen denen zu,/ die sonsten nirgends finden Ruh.)/ Gebt unserm Gott die Ehre! »Ich will dich all mein Leben lang,/ o Gott, von nun an ehren;/ man soll, Gott, deinen Lobgesang/ an allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich,/ mein Geist und Leib erfreue dich. Gebt unserm Gott die Ehre! „Ihr, die ihr Christi Namen nennt,/ gebt unserm Gott die Ehre! 7Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt,/ gebt unserm Gott die Ehre! /Die falschen Götzen macht zu Spott;/ der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! 7Gebt unserm Gott die Ehre! „So kommet vor sein Angesicht/ mit jauchzenvollem Sprin⸗ gen; bezahlet die gelobte Pflicht und laßt uns fröhlich singen; /Gott hat es alles wohl bedacht/ und alles, alles recht gemacht. Gebt unserm Gott die Ehre! Johann Jakob Schütz 113 „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,/ meine geliebete Seele, das ist mein Begehren;/ kommet zu Hauf,/ Psalter und Harfe wacht auf,/ lasset den Lobgesang hören! 102— „Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,/ der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,/ der dich erhält,/ wie es dir selber gefällt; 7 hast du nicht dieses verspüret? „Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,/ der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet;/ in wieviel Not/ hat nicht der gnädige Gott/ über dir Flügel gebreitet. „Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet,/ der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet;/ denke daran,/ was der Allmächtige kann,/ der dir mit Liebe begegnet. „Lobe den Herren; was in mir ist, lobe den Namen. /Alles was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen. /Er ist dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht;/ lobende, schließe mit Amen. Joachim Neander 114 „Du meine Seele, singe,/ wohlauf und singe schön/ dem, welchem alle Dinge/ zu Dienst und Willen stehn./ Ich will den Herren droben/ hier preisen auf der Erd;/ ich will ihn herzlich loben,/ so lang ich leben werd. „Wohl dem, der einzig schauet/ nach Jakobs Gott und Heil!/ Wer dem sich anvertrauet,/ der hat das beste Teil,/ das höchste Gut erlesen,/ den schönsten Schatz geliebt;/ sein Herz und ganzes Wesen/ bleibt ewig unbetrübt. „Hier sind die starken Kräfte,/ die unerschöpfte Macht;/ das weisen die Geschäfte,/ die seine Hand gemacht,/ der Himmel und die Erde/ mit ihrem ganzen Heer,/ der Fisch unzählge Herde/ im großen wilden Meer. „Hier sind die treuen Sinnen,/ die niemand unrecht tun,/ all denen Gutes gönnen,/ die in der Treu beruhn./ Gott Mel. 105— hält sein Wort mit Freuden,/ und was er spricht, geschicht,/ und wer Gewalt muß leiden,/ den schützt er im Gericht. „Er weiß viel tausend Weisen,/ zu retten aus dem Tod,/ ernährt und gibet Speisen/ zur Zeit der Hungersnot,/ macht schöne, rote Wangen/ oft bei geringem Mahl,/ und die da sind gefangen,/ die reißt er aus der Qual. Er ist das Licht der Blinden,/ erleuchtet ihr Gesicht,/ und die sich schwach befinden,/ die stellt er aufgericht't.) Er liebet alle Frommen,/ und die ihm günstig seind,/ die finden, wenn sie kommen,/ an ihm den besten Freund. „Ach, ich bin viel zu wenig,/ zu rühmen seinen Ruhm;/ der Herr allein ist König,/ ich eine welke Blum. /Jedoch weil ich gehöre/ gen Zion in sein Zelt,/ ist's billig, daß ich mehre /sein Lob vor aller Welt. Paul Gerhardt 11⁵ : Es ist das Heil uns kommen her. „Bis hierher hat mich Gott gebracht/ durch seine große Güte,/ bis hierher hat er Tag und Nacht/ bewahrt Herz und Gemüte,/ bis hierher hat er mich geleit't,‚/ bis hierher hat er mich erfreut,/ bis hierher mir geholfen. „Hab Lob und Ehre, Preis und Dank/ für die bisherge Treue,/ die du, o Gott, mir lebenslang/ bewiesen täglich neue; 7-in mein Gedächtnis schreib ich an:/ Der Herr hat Großes mir getan,/ bis hierher mir geholfen. „Hilf fernerweit, mein treuster Hort,/ hilf mir zu allen Stunden,/ hilf mir an all und jedem Ort,/ hilf mir durch Jesu Wunden,/ damit ich sag bis in den Tod:/ Durch Christi Blut hilft mir mein Gott,/ er hilft, wie er geholfen. Amilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg⸗Rudolstadt — 104— 116 „O daß ich tausend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund,/ so stimmt ich damit um die Wette/ vom aller⸗ tiefsten Herzensgrund 7ein Loblied nach dem andern an/ von dem, was Gott an mir getan. „O daß doch meine Stimme schallte/ bis dahin, wo die Sonne steht; 7 o daß mein Blut mit Jauchzen wallte,/ solang es noch im Laufe geht;/ ach wär ein jeder Puls ein Dank/ und jeder Odem ein Gesang! Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte 7/ Auf, auf, braucht allen euren Fleiß/ und stehet munter im Geschäfte/ zu Gottes, meines Herren, Preis; mein Leib und Seele, schicke dich 7 und lobe Gott herzinniglich! 4. Ihr grünen Blätter in den Wäldern,/ bewegt und regt euch doch mit mir;/ ihr schwanken Gräser in den Feldern,/ ihr Blumen, laßt doch eure Zier/ zu Gottes Ruhm belebet sein/ und stimmet lieblich mit mir ein! Ach alles, alles, was ein Leben/ und einen Odem in sich hat,/ soll sich mir zum Gehilfen geben;/ denn mein Ver⸗ mögen ist zu matt,/ die großen Wunder zu erhöhn,/ die allenthalben um mich stehn. „Wer überströmet mich mit Segen?/ Bist du es nicht, o reicher Gott?/ Wer schützet mich auf meinen Wegen?/ Du, du, o Herr Gott Zebaoth!„Du trägst mit meiner Sünden⸗ schuld/ unsäglich gnädige Geduld. „Ich hab es ja mein Lebetage/ schon so manch liebes Mal gespürt,/ daß du mich unter vieler Plage/ zwar wunderbar, doch wohl geführt;/ denn in der größesten Gefahr/ ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 2 10. — 105— „Wie sollt ich nun nicht voller Freuden) in deinem steten Lobe stehn?/ Wie sollt ich auch im tiefsten Leiden/ nicht triumphierend einhergehn? /Und fiele auch der Himmel ein,/ so will ich doch nicht traurig sein. Ich will von deiner Güte singen,/ solange sich die Zunge regt;/ ich will dir Freudenopfer bringen,/ solange sich mein Herz bewegt; ja, wenn der Mund wird kraftlos sein,/ so stimm ich noch mit Seufzen ein. Ach, nimm das arme Lob auf Erden,/ mein Gott, in allen Gnaden hin. In Himmel soll es besser werden,/ wenn ich bei deinen Engeln bin.) Da sing ich dir im höhern Chor/ viel tausend Halleluja vor. Johann Mentzer 117 „Lobe den Herren, o meine Seele! /Ich will ihn loben bis in Tod,/ Weil ich noch Stunden auf Erden zähle,/ will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat,/ werde gepriesen früh und spat./ Halleluja, Halleluja. „Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren,„und kehren um zu ihrem Staub;/ ihre Anschläge sind auch verloren,/ wenn nun das Grab nimmt seinen Raub./ Weil denn kein Mensch uns helfen kann,/ rufe man Gott um Hilfe an. Halleluja, Halleluja. . Selig, ja selig ist der zu nennen,/ des Hilfe der Gost Jakobs ist,/ welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen/ und hofft getrost auf Jesum Christ./ Wer diesen Herrn zum Beistand hat, /findet am besten Rat und Tat. Halleluja, Halleluja. „Dieser hat Himmel und Meer und Erden,/ und was darinnen ist, gemacht./ Alles muß pünktlich erfüllet werden,/ was er uns einmal zugedacht./ Er ist's, der Herrscher aller Welt,/ welcher uns ewig Glauben hält./ Halleluja, Halleluja. — 106— „Zeigen sich welche, die Unrecht leiden,/ er ist's, der ihnen Recht verschafft;/ Hungrigen will er zur Speis bescheiden,/ was ihnen dient zur Lebenskraft. Die hart Gebundnen macht er frei,‚ und seine Gnad ist mancherlei./ Halleluja, Halleluja. „Sehende Augen gibt er den Blinden,/ erhebt, die tief gebeuget gehn;/ wo er kann einige Fromme finden,/ die läßt er seine Liebe sehn./ Sein Aufsicht ist des Fremden Trutz,/ Witwen und Waisen hält er Schutz./ Halleluja, Halleluja. „Aber der Gottesvergeßnen Tritte/ kehrt er mit starker Hand zurück,/ daß sie nur machen verkehrte Schritte/ und fallen selbst in ihren Strick. 7 Der Herr ist König ewiglich; 7 Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Halleluja. Halleluja. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen/ des, der so große Wunder tut./ Alles, was Odem hat, rufe Amen/ und bringe Lob mit frohem Mut./ Ihr Kinder Gottes, lobt und preist/ Vater und Sohn und heilgen Geist!/ Halleluja, Halleluja. Johann Daniel Herrnschmidt 113 „Großer Gott, wir loben dich;/ Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich, und bewundert deine Werke./ Wie du warst vor aller Zeit,/ so bleibst du in Ewigkeit. „Alles, was dich preisen kann,/ Cherubim und Seraphinen,/ stimmen dir ein Loblied an; 7 alle Engel, die dir dienen,/ rufen dir in selger Ruh:/ Heilig, heilig, heilig! zu. Heilig, Herr Gott Zebaoth,/ heilig, Herr der Kriegesheere,/ starker Helfer in der Not,/ Himmel, Erde, Luft und Meere/ sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum. 107— „Sieh dein Volk in Gnaden an,/ hilf uns, segne, Herr, dein Erbe; /leit es auf der rechten Bahn,/ daß der Feind es nicht verderbe. Wart und pfleg es in der Zeit,/ heb es hoch in Ewigkeit. „Alle Tage wollen wir/ dich und deinen Namen preisen/ und zu allen Zeiten dir/ Ehre, Lob und Dank erweisen.“ Rett aus Sünden, rett aus Tod,/ sei uns gnädig, Herre Gott! 3. Herr, erbarm, erbarme dich!/ Auf uns komme, Herr, dein Segen;/ deine Güte zeige sich/ allen der Verheißung wegen./⸗ Auf dich hoffen wir allein,/ laß uns nicht verloren sein! Ignaz Franz Tod und Ruferstehung 119 „Mit Fried und Freud ich fahr dahin/ in Gottes Wille;/ getrost ist mir mein Herz und Sinn,/ sanft und stille;/ wie Gott mir verheißen hat, /der Tod ist mein Schlaf worden. Das macht Christus, wahr Gottes Sohn,/ der treue Heiland,/ den du mich, Herr, hast sehen lan/ und gmacht bekannt,/ daß er sei das Leben mein/ und Heil in Not und Sterben; den hast du allen vorgestellt/ mit großen Gnaden,/ zu seinem Reich die ganze Welt/ heißen laden/ durch dein teuer heilsam Wort,/ an allem Ort erschollen. „Er ist das hell und selig Licht/ für die Heiden,/ zu'rleuchten, die dich kennen nicht, und zu weiden. Er ist deins Volks Israel/ Preis, Ehre, Freud und Wonne. Martin Luther 108 12⁰0 Mitten wir im Leben sind/ mit dem Tod umfangen./ Wen suchn wir, der Hilfe tu,/ daß wir Gnad erlangen?/ Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unsre Missetat,/ die dich, Herr, erzürnet hat./ Heiliger Herre Gott,/ heiliger starker Gott,/ heiliger barmherziger Heiland,/ du ewiger Gott,/ laß uns nicht versinken/ in des bittern Todes Not. Kyrieleison. 2. Mitten in dem Tod anficht/ uns der Hölle Rachen./ Wer will uns aus solcher Not/ frei und ledig machen? Das tust du, Herr, alleine. Es jammert dein Barmherzigkeit/ unsre Sünd und großes Leid. /Heiliger Herre Gott,/ heiliger starker Gott,/ heiliger barmherziger Heiland,/ du ewiger Gott,/ laß uns nicht verzagen/ vor der tiefen Hölle Glut./ Kyrieleison. 3. Mitten in der Hölle Angst/ unsre Sünd uns treiben;/ wo solln wir denn fliehen hin, 7 da wir mögen bleiben?/ Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein teures Blut,/ das gnug für die Sünde tut. /Heiliger Herre Gott,/ heiliger starker Gott,/ heiliger barmherziger Heiland,/ du ewiger Gott,/ laß uns nicht entfallen/ von des rechten Glaubens Trost./ Kyrieleison. Wantn dah Martin Luther 121¹ „Wachet auf, ruft uns die Stimme/ der Wächter sehr hoch auf der Zinne,/ wach auf, du Stadt Jerusalem! /Mitter⸗ nacht heißt diese Stunde,/ sie rufen uns mit hellem Munde:/ Wo seid ihr klugen Jungfrauen?/ Wohlauf, der Bräutgam kömmt,/ steht auf, die Lampen nehmt!/ Halleluja!/ Macht euch bereit/ zu der Hochzeit;/ ihr müsset ihm entgegengehn. 2. 109 Zion hört die Wächter singen,/ das Herz tut ihr vor Freude springen,/ sie wachet und steht eilend auf./ Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,/ von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf./ Nun komm, du werte Kron,/ Herr Jesu, Gottes Sohn!/ Hosianna!/ Wir folgen all/ zum Freudensaal/ und halten mit das Abendmahl. „Gloria sei dir gesungen 7 mit Menschen- und mit Engel⸗ zungen,/ mit Harfen und mit Zimbeln schön. Von zwölf Perlen sind die Tore /an deiner Stadt, wir stehn im Chore/ der Engel hoch um deinen Thron./ Kein Aug hat je gespürt,/ kein Ohr hat mehr gehört/ solche Freude. Des jauchzen wir/ und singen dir/ das Halleluja für und für. Philipp Nikolai 122 „Herzlich tut mich verlangen /nach einem selgen End,/ weil ich hier bin umfangen/ mit Trübsal und Elend;/ ich hab Lust abzuscheiden/ von dieser argen Welt,/ sehn mich nach ewgen Freuden; /o Jesu, komm nur bald! „Du hast mich ja erlöset/ von Sünd, Tod, Teufel, Höll;/ es hat dein Blut gekostet,/ drauf ich mein Hoffnung stell./ Warum sollt mir denn grauen/ vor Hölle, Tod und Sünd ꝛ/ Weil ich auf dich tu bauen,/ bin ich ein selig Kind. „Wenn gleich süß ist das Leben,/ der Tod sehr bitter mir,/ will ich mich doch ergeben,/ zu sterben willig dir./ Ich weiß ein besser Leben, da meine Seel fährt hin;/ des freu ich mich gar eben, Sterben ist mein Gewinn. 4. Der Leib zwar in der Erden/ zum Staube wiederkehrt,/ doch auferweckt soll werden/ durch Christum schön verklärt,/ wird leuchten als die Sonne/ und leben ohn Not in Himmels Freud und Wonne;/ was schadt mir denn der Tod ꝰ „Ob mich die Welt auch reizet,/ länger zu bleiben hier,/ und 110 mir auch immer zeiget/ Ehr, Geld, Gut, all ihr Zier,/ doch ich das gar nicht achte;/ es währt ein kleine Zeit;/ das Himmlisch ich betrachte,/ das bleibt in Ewigkeit. 3. Gesegn euch Gott der Herre,/ ihr Vielgeliebten mein./ Trauert nicht allzusehre/ über den Abschied mein./ Beständig bleibt im Glauben. Wir werd'n in kurzer Zeit/ einander wiederschauen/ dort in der Ewigkeit. „Nun will ich mich ganz wenden,/ zu dir, Herr Christ, allein: /gib mir ein selig Ende,/ send mir die Engelein,/ führ mich ins ewge Leben,/ das du erworben hast,/ da du dich hingegeben/ für meine Sündenlast. Hilf, daß ich gar nicht wanke/ von dir, Herr Jesu Christ,/ den schwachen Glauben stärke/ in mir zu aller Frist./ Hilf ritterlich mir ringen,/ dein Hand mich halt in acht,/ daß ich mög fröhlich singen: Gottlob, es ist vollbracht! Christoph Knoll 123 „Christus, der ist mein Leben,/ Sterben ist mein Gewinn;/ dem tu ich mich ergeben,/ mit Fried fahr ich dahin. „Mit Freud fahr ich von dannen/ zu Christ, dem Bruder mein,/ auf daß ich zu ihm komme/ und ewig bei ihm sei. „Ich hab nun überwunden/ Kreuz, Leiden, Angst und Not;/ durch seine heilgen Wunden/ bin ich versöhnt mit Gott. Wenn meine Kräfte brechen,/ mein Atem geht schwer aus/ und kann kein Wort mehr sprechen,/ Herr, nimm mein Seufzen auf! Wenn mein Herz und Gedanken/ zergehn als wie ein Licht,/ das hin und her tut wanken,/ wenn ihm die Flamm gebricht, * — alsdann fein sanft und stille/ laß mich, Herr, schlafen ein/ nach deinem Rat und Willen,/ wann kommt mein Stündelein. An dir laß gleich den Reben/ mich bleiben allezeit/ und ewig bei dir leben/ in Himmelswonn und Freud. 12⁴ „Jerusalem, du hochgebaute Stadt,/ wollt Gott, ich wär in dir! 7Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat/ und ist nicht mehr bei mir;/ weit über Berg und Tale,/ weit über blaches Feld/ schwingt es sich über alle/ und eilt aus dieser Welt. O schöner Tag und noch viel schönre Stund,/ wann wirst du kommen schier,/ da ich mit Lust, mit freiem Freuden⸗ mund/ die Seele geb von mir/ in Gottes treue Hände/ zum auserwählten Pfand,/ daß sie mit Heil anlände/ in jenem Vaterland. O Ehrenburg, nun sei gegrüßet mir,/ tu auf der Gnaden Pfort;/ wie große Zeit hat mich verlangt nach dir,/ eh ich bin kommen fort/ aus jenem bösen Leben,/ aus jener Nichtigkeit,/ und mir Gott hat gegeben/ das Erb der Ewigkeit. Was für ein Volk, was für eine edle Schar/ kommt dort gezogen schon?/ Was in der Welt von Auserwählten war,/ seh ich, die beste Kron,/ die Jesus mir, der Herre,/ entgegen hat gesandt,/ da ich noch war so ferne/ in meinem Tränen⸗ land. „Propheten groß und Patriarchen hoch,/ auch Christen ins⸗ gemein,/ die weiland dort trugen des Kreuzes Joch/ und der Tyrannen Pein,/ schau ich in Ehren schweben,/ in Freiheit überall,/ mit Klarheit hell umgeben,/ mit sonnen⸗ lichtem Strahl. 6. Mel. Mel.: „Ich bin ein Gast auf Erden/ und hab hier keinen Stand;/ 112 Wenn dann zuletzt ich angelanget bin/ im schönen Paradeis,/ von höchster Freud erfüllet wird der Sinn,/ der Mund von Lob und Preis. Das Halleluja reine/ man singt in Heiligkeit, das Hosianna feine/ ohne End in Ewigkeit, „mit Jubelklang, mit Instrumenten schön,/ in Chören ohne Zahl,/ daß von dem Schall und von dem süßen Ton/ sich regt der Freudensaal,/ mit hunderttausend Zungen,/ mit Stimmen noch viel mehr,/ wie von Anfang gesungen„das große Himmelsheer. Johann Matthäus Meyfart 12⁵ : Vater unser im Himmelreich. „In Christi Wunden schlaf ich ein,/ die machen mich von Sünden rein; Christi Blut und Gerechtigkeit,/ das ist mein Schmuck und Ehrenkleid./ Damit will ich vor Gott bestehn,/ wenn ich zum Himmel werd eingehn. „Mit Fried und Freud ich fahr dahin,/ ein Gotteskind ich allzeit bin. Hab Dank, o Tod, du förderst mich;/ ins ewge Leben wandre ich/ mit Christi Blut gereinigt fein./ Herr Jesu, stärk den Glauben mein. 126 Herzlich, tut mich verlangen. der Himmel soll mir werden,/ da ist mein Vaterland./ Hier rei'' ich hin zum Grabe,/ dort in der ewgen Ruh/ ist Gottes Gnadengabe,/ die schleußt all Arbeit zu. „Was ist mein ganzes Wesen/ von meiner Jugend an/ als Müh und Not gewesen? /Solang ich denken kann,/ hab ich so manchen Morgen,/ so manche liebe Nacht/ mit Kummer und mit Sorgen/ des Herzens zugebracht. —1 — 113— Mich hat auf meinen Wegen/ manch harter Sturm erschreckt;/ Blitz, Donner, Wind und Regen/ hat mir manch Angst erweckt;/ Verfolgung, Haß und Neiden,/ ob ich's gleich nicht verschuldt,/ hab ich doch müssen leiden/ und tragen mit Geduld. „So ging's den lieben Alten/ an deren Fuß und Pfad/ wir uns noch täglich halten, wenn's fehlt am guten Rat;/ sie zogen hin und wieder,/ ihr Kreuz war immer groß,/ bis daß der Tod sie nieder/ legt in des Grabes Schoß. „Ich habe mich ergeben/ in gleiches Glück und Leid;/ was will ich besser leben/ als solche frommen Leut?/ Es muß ja durchgedrungen,/ es muß gelitten sein;/ wer nicht hat wohl gerungen,/ geht nicht zur Freud hinein. 3. So will ich zwar nun treiben/ mein Leben durch die Welt,/ doch denk ich nicht zu bleiben/ in diesem fremden Zelt./ Ich wandre meine Straßen,/ die zu der Heimat führt,/ da mich ohn alle Maßen/ mein Vater trösten wird. Mein Heimat ist dort oben,/ da aller Engel Schar/ den großen Herrscher loben,/ der alles ganz und gar/ in seinen Händen träget/ und für und für erhält,/ auch alles hebt und leget,/ nachdem's ihm wohlgefällt; zu dem steht mein Verlangen,/ da wollt ich gerne hin;/ die Welt bin ich durchgangen,/ daß ich's fast müde bin./ Je länger ich hier walle,/ je wenger find ich Freud,/ die meinem Geist gefalle; /das meist ist Herzeleid. „Die Herberg ist zu böse,/ der Trübsal ist zu viel./ Ach komm, mein Gott, und löse/ mein Herz, wenn dein Herz will; /komm, mach ein seligs Ende/ an meiner Wander⸗ schaft,/ und was mich kränkt, das wende/ durch deinen Arm und Kraft. — 114— „Wo ich bisher gesessen,/ ist nicht mein rechtes Haus. Wenn mein Ziel ausgemessen,/ so tret ich dann hinaus,/ und was ich hier gebrauchet,/ das leg ich alles ab,/ und wenn ich ausgehauchet,/ so scharrt man mich ins Grab; „du aber, meine Freude,/ du meines Lebens Licht,/ du ziehst mich, wenn ich scheide, hin vor dein Angesicht/ ins Haus der ewgen Wonne,/ da ich stets freudenvoll/ gleich als die helle Sonne/ nebst andern leuchten soll. „Da will ich immer wohnen/ und nicht nur als ein Gast/ bei denen, die mit Kronen/ du ausgeschmücket hast;/ da will ich herrlich singen/ von deinem großen Tun/ und frei von schnöden Dingen/ in meinem Erbteil ruhn. Paul Gerhardt 127 „Jesus, meine Zuversicht/ und mein Heiland, ist im Leben;/ dieses weiß ich; sollt ich nicht/ darum mich zufrieden geben,/ was die lange Todesnacht/ mir auch für Gedanken macht? „Jesus, er mein Heiland lebt; ich werd auch das Leben schauen,/ sein, wo mein Erlöser schwebt,/ warum sollte mir denn grauen?/ Lässet auch ein Haupt sein Glied,/ welches es nicht nach sich zieht? „Ich bin durch der Hoffnung Band/ zu genau mit ihm ver⸗ bunden,/ meine starke Glaubenshand/ wird in ihn gelegt befunden,/ daß mich auch kein Todesbann/ ewig von ihm trennen kann. „Ich bin Fleisch und muß daher/ auch einmal zu Asche werden;/ das gesteh ich, doch wird er/ mich erwecken aus der Erden,/ daß ich in der Herrlichkeit/ um ihn sein mög allezeit. 5. 6. Mel.: O Ewigkeit, du Freudenwort,/ das mich erquicket fort und — 115 Dieser meiner Augen Licht/ wird ihn, meinen Heiland, kennen;/ ich, ich selbst, kein Fremder nicht,/ werd in seiner Liebe brennen;/ nur die Schwachheit um und an,/ wird von mir sein abgetan. Was hier kranket, seufzt und fleht,/ wird dort frisch und herrlich gehen;/ irdisch werd ich ausgesät,/ himmlisch werd ich auferstehen; /hier geh ich natürlich ein,/ dort, da werd ich geistlich sein. „Seid getrost und hocherfreut,/ Jesus trägt euch, meine Glieder;/ gebt nicht statt der Traurigkeit;/ sterbt ihr, Christus ruft euch wieder,/ wenn die letzt Posaun erklingt,/ die auch durch die Gräber dringt. Lacht der finstern Erdenkluft,/ lacht des Todes und der Höllen,/ denn ihr sollt euch durch die Luft/ eurem Heiland zugesellen. Dann wird Schwachheit und Verdruß/ liegen unter eurem Fuß. Nur daß ihr den Geist erhebt/ von den Lüsten dieser Erden/ und euch dem schon jetzt ergebt,/ dem ihr beigefügt sollt werden. 7Schickt das Herze da hinein,/ wo ihr ewig wünscht zu sein. 123 O Ewigkeit, du Donnerwort. fort,/ o Anfang sonder Ende!/ O Ewigkeit, Freud ohne Leid,/ ich weiß vor Herzensfröhlichkeit 7 gar nichts mehr vom Elende,‚/ weil mir versüßt die Ewigkeit,/ was uns betrübet in der Zeit. Im Himmel lebt der Christen Schar/ bei Gott viel tausend, tausend Jahr/ und werden des nicht müde;/ sie stimmen mit den Engeln ein,/ sie sehen stets der Gottheit Schein,/ sie haben güldnen Frieden,/ da Christus gibt, wie er ver⸗ heißt,/ das Manna, das die Engel speist. ö ö 116— 3. Ach wie verlanget doch nach dir/ mein mattes Herze mit * Begier,/ du überselig Leben!/ Wann werd ich doch einmal dahin/ gelangen, wo mein schwacher Sinn/ stets pfleget nach zu streben? /Ich will der Welt vergessen ganz,/ mich sehnen nach des Himmels Glanz. J. O Ewigkeit, du Freudenwort,/ das mich erquicket fort und fort,/ o Anfang sonder Ende! /O Ebwigkeit, Freud ohne Leid, /ich weiß von keiner Traurigkeit,/ wenn ich mich zu dir wende./ Herr Jesu, gib mir solchen Sinn/ beharrlich, bis ich komm dahin. Kaspar Heunisch 129 Auferstehn, ja auferstehn wirst du,/ mein Staub, nach kurzer Ruh. /Unsterblich Leben/ wird, der dich schuf, dir geben./ Halleluja. „Wieder aufzublühn werd ich gesät. Der Herr der Ernte geht/ und sammelt Garben uns ein, die in ihm starben./ Halleluja. Tag des Danks, der Freudentränen Tag,/ du meines Gottes Tag! /Wenn ich im Grabe/ genug geschlummert habe,/ erweckst du mich. Wie den Träumenden wird's dann uns sein./ Mit Jesu gehn wir ein/ zu seinen Freuden;/ der müden Pilger Leiden/ sind dann nicht mehr. Ach, ins Allerheiligste führt mich/ mein Mittler. Dann leb ich/ im Heiligtume/ zu seines Namens Ruhme./ Halleluja. Friedrich Gottlieb Klopstock Gebete und Liturgie Morgengebet Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, meinen Herrn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, mein Leib und Seel und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde! Amen. Gebet aus Luthers Abendsegen Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. — 118— Vaterunser Vater unser, der du bist im Himmel. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Glaubensbelienntris Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde. Und an Jesum Christum, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten, unter Pontio Pilato gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle; am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige allgemeine christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. — 110— Gebete der Poche Sonntag Morgenspruch Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. Dies ist der Tag, da wir deiner glorreichen Auferstehung gedenken, Herr Jesu Christe, der du sprichst: Siehe, ich mache alles neu. Alle Tage sind dein, o Gott, und alle Tage sollen wir dir willig dienen. Aber dies ist dein Tag vor andern Tagen, und die Völker sollen dir dienen im heiligen Schmuck. Unser Herz ist voll Preis und Dank. Laß das Gebet deiner Gemeinde an diesem Tage vor dich kommen, und dein heiliger Geist rüste uns aus, heute und an allen Tagen dieser Woche. Morgenlied Die ihr nun wollet bei ihm sein, kommt, geht zu seinen Toren ein, mit Loben durch der Psalmen Klang, zu seinem Vorhof mit Gesang. Dankt unserm Gott, lobsinget ihm, rühmt seinen Nam' mit lauter Stimm', lobsingt und danket allesamt! Gott loben, das ist unser Amt. Schriftlesung Jauchzet dem Herrn, alle Welt! Dienet dem Herrn mit Freuden; kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! 120— Erkennet, daß der Herr Gott ist. Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst, zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen! Denn der Herr ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für. Gebet Heiliger Vater, du hast deinen Namen unter uns kundgetan, und dein Wort reichlich unter uns wohnen lassen. Du hast deine Gemeinde gesammelt aus allen Völkern und auch unter uns dein Volk bereitet. Vergib uns, so oft wir dein heiliges Wort leicht genommen haben, wo wir es hätten hören sollen; wenn wir ihm nicht gefolgt sind, wo wir ihm hätten nachfolgen sollen. Vergib uns, daß wir uns zu wenig zu deiner Gemeinde bekannt haben und verlassen haben die Gemeinschaft mit den Brüdern am Wort und im Glauben. Schenke uns noch einen neuen Anfang und laß uns dein Wort aufs neue hören, deine Gemeinde aufs neue lieben und in Lobpreis, Dank und Anbetung verbunden bleiben mit allen, die deinen Namen anrufen. Danksagung Wir danken dir, himmlischer Vater, für die Ruhe und den Frieden dieses heiligen Tages, da wir aller deiner Wohltaten gedenken und dein Angesicht suchen, für alle Erweise deiner Güte in unseren Häusern und in unserem Leben, vor allem in dieser Gemeinde, für alle deine Güte, die du uns durch unsere Brüder im Glauben erwiesen hast, für deine bewahrende Gnade, mit der du über unseren Leibern und Seelen gewacht hast, und uns in Zeiten der Not und Anfechtung behütet hast, — 121— für die Gemeinschaft mit allen, die deinen Namen anrufen, für deine Güte, die uns aus den Gaben deiner Schöpfung unauf⸗ hörlich gegrüßt und gesegnet hat, für deine Gabe aller Gaben, die du uns in Jesus Christus hast zuteil werden lassen, und für die Hoffnung, mit der wir im Namen Jesu Christi deinem großen Tag entgegensehen, für diese und alle anderen Gaben danken wir dir von Grund unseres Herzens, lieber himmlischer Vater. Fürbitte Wir bitten dich für alle, die heute dein Wort verkündigen und hören, für alle, die heute dein Wort nicht hören und am Lobpreis deiner Gemeinde nicht teilnehmen können, für die Kranken, Einsamen und Gefangenen, für alle, die dein Wort nicht hören wollen und deine Gemeinde verachten, daß sie auch durch deine Gnade erleuchtet werden, für die Abgefallenen, Ungläubigen und für deine unwürdigen Diener, für die Völker, daß unter ihnen dein Name ausgebreitet werde, für alle, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, daß sie dein Licht erleuchte. Segensspruch Laß uns durch dein Erbarmen zum ewigen Leben gelangen, und wenn wir deine Herrlichkeit schauen, wie sie ist, laß uns deine Majestät anbeten und miteinander sprechen: Ehre sei Gott dem Vater, der uns geschaffen hat, Ehre sei Gott dem Sohn, der uns erlöset hat, Ehre sei Gott dem heiligen Geist, der uns geheiligt hat! Amen. — 122— Montag Morgenspruch Vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang sei gelobt der Name des Herrn. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweiget nicht. Morgenlied Wach auf, du Geist der ersten Zeugen, die auf der Mau'r als treue Wächter stehn, die Tag und Nächte nimmer schweigen, und die getrost dem Feind entgegengehn, ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt und aller Völker Scharen zu dir bringt. O daß dein Feu'r doch bald entbrennte, o möcht es doch in alle Lande gehn! Ach Herr, gib doch in deine Ernte, viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn. O Herr der Ernt', ach siehe doch darein, die Ernt' ist groß, da wenig Knechte sein. Schriftlesung Der Geist des Herrn, Herrn ist über mir, darum daß mich der Herr gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden zu pre⸗ digen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, daß ihnen geöffnet werde; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsers Gottes: zu trösten alle Traurigen; zu schaffen den Traurigen zu Zion, daß ihnen Schmuck für Asche, und Freudenöl für Traurigkeit, und schöne Kleider für einen betrübten Geist gegeben werden; daß sie genannt werden Bäume der Gerechtigkeit, Pflanzen des Herrn zum Preise. Sie * * 123 werden die alten Wüstungen bauen, und was vorzeiten zerstört ist, aufrichten; sie werden die verwüsteten Städte, so für und für zerstört gelegen sind, erneuen. Und was soll ich mehr sagen? Die Zeit würde mir zu kurz, wenn ich sollte erzählen von Gideon und Barak und Simson und Jephthah und David und Samuel und den Propheten, welche haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit bewirkt, Verheißungen erlangt, der Löwen Rachen verstopft, des Feuers Kraft ausgelöscht, sind des Schwertes Schärfe entronnen, sind kräftig geworden aus der Schwachheit, sind stark geworden im Streit, haben der Fremden Heere darniedergelegt. Diese alle haben durch den Glauben Zeugnis überkommen und nicht empfangen die Verheißung darum, daß Gott etwas Besseres für uns zuvor ersehen hat, daß sie nicht ohne uns vollendet würden. Darum auch wir, dieweil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasset uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht, und lasset uns laufen in dem Kampf, der uns verordnet ist, und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete das Kreuz und achtete der Schande nicht und hat sich gesetzt zur Rechten auf den Stuhl Gottes. Gebet O Herr, du hast auch unter uns deinen Weinberg gepflanzt und treue Wächter gegeben. Wir haben deine Sorge übel gelohnt; du kommst, Frucht zu suchen, und findest keine. Aber Herr, laß uns noch dieses Jahr! Schaffe in uns Früchte der Gerechtigkeit und schaffe du selber die köstliche Frucht, die der rechte Lohn aller deiner Mühe um uns ist. Wir bekennen, daß wir dein Wort nicht gehütet haben, wie wir sollten, daß wir es haben überwuchern lassen durch die Sorgen und Lüste dieser Welt. Wir bitten dich, mach uns durch dein mächtiges Erbarmen zum guten Lande, das da Frucht bringt zum ewigen Leben. 12*— Danksagung Wir danken dir, Herr, der du dein Reich auf dieser Erde aus⸗ breitest und dein Wort verkündigen lässest an allen Enden der Erde; der du auch uns dein Wort hast verkündigen lassen und hast unsere Augen aufgetan. Wir danken dir, Herr, für deine Kirche, die Grundfeste und Säule der Wahrheit, die Mutter aller Heiligen zu allen Zeiten und an allen Orten, für die Wolke von Zeugen, die wir um uns haben, das edle Heer der Märtyrer, die heilige Schar der Propheten und Apostel und aller, die durch das Blut deines Sohnes zu deinem großen Reich berufen sind. Wir danken dir insonderheit für die Sakramente und die Gnadenmittel, durch die der Trost des heiligen Geistes in unseren Herzen wohnen kann, für alle deine treuen Diener, für alle, die uns das Wort verkündigt haben, daß du auch uns berufen hast zu einem königlichen Geschlecht, zum heiligen Priestertum, daß du in aller Zerrissenheit und Spaltung deiner Kirche und dieser Welt uns den Glauben an die eine heilige christliche Kirche gelassen und je und je gestärkt hast. Bittgebet Wir bitten dich, Herr, bewahre uns vor allem Mangel an Glauben und Liebe, vor aller Selbstsucht und aller Trägheit gegenüber dem Leiden derer, die um deines Namens willen leiden. Laß uns den Kampf und die Not deiner Kirche zu Herzen nehmen und in ständiger Fürbitte vor dich tragen. Wir tun Fürbitte, Herr, 6— 8 125— für alle, die um deines Namens und deiner Kirche willen leiden müssen, vor allem für die Märtyrerkirchen in der Welt, für alle, die um die Reinigung deiner Kirche und die Festigung deiner Gemeinde freudig kämpfen und beten, für uns selbst, daß wir durch deine Gnade bewahrt werden in deiner heiligen Schar und nicht dem Teufel zur Beute werden Segensspruch Dem aber, der überschwenglich tun kann über alles, was wir bitten oder verstehen nach der Kraft, die da in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde, die in Jesus Christus ist, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Dienstag Morgenspruch Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern. Morgenlied Mir nach, spricht Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlaßt die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle; nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt meinem Wandel nach. Wer seine Seel' zu finden meint wird sie ohn' mich verlieren; wer sie hier zu verlieren scheint, wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir ist mein nicht wert und meiner Zier. — 120— Schriftlesung Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deswillen ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand tun und alles wohl ausrichten und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angezogen mit dem Panzer der Gerechtigkeit und an den Beinen gestiefelt, als fertig, zu treiben das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichts, und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Gebet Herr, du hast uns frühe in deine Schar gerufen und uns gewürdigt, Glieder deiner Gemeinde zu sein. Du hast uns deinen heiligen Willen kundgetan und uns schauen lassen, daß du der Sieger über Teufel, Welt und Sünde bist. Wir bitten dich von Herzen, vergib uns, daß wir so oft den Kampf gescheut und den leichten Weg gesucht haben, daß wir um äußerer Bequemlichkeit willen dein Gebet leicht genommen haben und oft in unserem Dienst lässig oder gar furchtsam gewesen sind. Vergib uns jede versäumte Stunde und jede nicht genutzte Gelegenbeit, vergib uns, daß wir geschwiegen haben, wo wir hätten reden sollen, und daß wir geredet haben, wo wir hätten schweigen sollen. Erneuere uns durch Jesus Christus, daß auch wir ein gutes Bekenntnis tun vor vielen Zeugen und gleich wie er unermüdlich in deinem heiligen Dienst stehen. SS Danksagung Wir danken dir, Herr, daß die Zeichen deines Sieges schon auf dieser Erde deiner Gemeinde sichtbar werden; daß du dir die Welt untertan gemacht hast und Sünde, Tod und Teufel unterworfen hast. Wir danken dir, daß du Apostel und Propheten, Zeugen und Märtyrer berufen hast und noch heute Menschen in deinen Dienst nimmst. Wir danken dir, Herr, für jede Gelegenheit zum Dienste, die du uns gegeben hast, für jedes Vorbild, das du durch treue Diener deines Wortes uns und deiner Gemeinde gegeben hast, für die heilsame Lehre der Niederlagen und nicht gelungenen Aufgaben, für alle Größe des Kampfes und der Bewährung, die du uns auch zu unserer Zeit in deiner Gemeinde sehen läßt. Wir bitten dich, Herr, überwinde täglich in uns den Kleinglauben und die Verzagtheit die Weichheit und die Unentschlossenheit, den Hang zum bequemen Leben und die Scheu vor der Gefahr. Hilf uns und allen, die du in deinen Dienst berufen hast, daß wir das Leiden nicht scheuen und den Kampf wagen, auch ohne Lohn. Wir tun Fürbitte, Herr, für alle Kämpfer um deines Namens willen, für die Hirten deiner Kirche und für alle, die in einem unbeachteten und all⸗ täglichen Dienst um der Ehre deines Namens willen kämpfen und leiden. Wir bitten dich, brich du selber den Willen und die Anschläge derer, die uns deinen Namen nicht heiligen und deine Herrschaft nicht kommen lassen wollen, und stärke und bewahre uns in deinem Wort und Glauben bis an unser Ende. 12— Segensspruch Der Gott aber aller Gnade, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Mittwoch Morgenspruch Gott sei uns gnädig und barmherzig und gebe uns seinen göttlichen Segen. Er lasse uns sein Antlitz leuchten, daß wir auf Erden erkennen seine Wege. Es segne uns Gott, unser Gott. Es segne uns Gott und gebe uns seinen Frieden. Amen. Morgenlied Beim frühen Morgenlicht erwacht mein Herz und spricht: Gelobt sei Jesus Christ! Die Feierglocke schallt mit heiliger Gewalt: Gelobt sei Jesus Christus! Und was mein Werk auch sei, ich spreche froh dabei: Gelobt sei Jesus Christus! Die schönsten Früchte bringt das Herz, das freudig singt: Gelobt sei Jesus Christus! Singt Himmel, Erd' und Meer, singt aller Sterne Heer: Gelobt sei Jesus Christus! Es schalle weit und breit in alle Ewigkeit: Gelobt sei Jesus Ehristus! — 129— Schriftlesung Tue, was dir unter die Hand kommt. Es ist nichts Besseres, als daß ein Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit, denn das ist sein Teil. Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und gottwohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Gebet Herr Gott, himmlischer Vater, du hast uns täglich und reichlich versorget mit allem, was wir zu unseres Lebens Nahrung und Notdurft brauchen. Du hast uns Tag für Tag Nahrung und Kleidung, Haus und Arbeit gegeben. Du hast deine Sonne auf⸗ gehen lassen über uns, und unter dem Schatten deiner Flügel haben wir Zuflucht gefunden. Wir bitten dich, vergib uns, daß wir so oft deine Gaben gedankenlos hingenommen haben. Vergib uns, wenn wir in ihnen nicht Zeichen deiner Barmherzigkeit gesehen haben und uns durch deine Güte nicht haben zur Buße leiten lassen. Vergib uns, wo wir unsere Zeit und Kraft nicht besser und zielbewußter in deinen Dienst gestellt haben und für die Unseren nicht treu genug gesorgt haben. Vergib uns, wo wir mit den Kräften unseres Leibes nach⸗ lässig umgegangen sind. Laß uns aufs neue lernen, unser täglich Brot mit Danksagung zu empfangen und alle deine Güter und Ordnungen dieses Lebens in Ehrfurcht und Dankbarkeit zu ehren. Verwirf uns nicht, sondern lehre uns überall und zu allen Zeiten deinen heiligen Willen zu tun, um Jesu Christi willen. Amen. Danksagung Wir loben und preisen dich, Herr, ö für die Wunder deiner Schöpfung, die unaufhörlich geschehen, für die Schönheit Himmels und der Erden, 9 — 130— für Gesundheit des Leibes und alles, was du uns schenkst, sie zu erhalten; für die Gemeinschaft unseres Hauses und aller derer, die deinen Namen anrufen und deinen heiligen Ordnungen im Gehorsam nachzuleben bereit sind, für gerechte Obrigkeit, gute Freunde und getreue Nachbarn, für Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre und alle Güter dieser und jener Welt, die deine Gnade uns zugesagt hat. Fürbitte Wir bitten dich, Herr, für alle, denen das Maß irdischer Güter spärlich zugemessen ist, für die Armen und Kranken und alle, die in ungünstiger Um⸗ gebung unter schweren wirtschaftlichen Sorgen oder in leiblicher Not leben müssen, für alle Kinder, die nicht in reiner Umgebung groß werden, für alle, die unsere Fürbitte in irdischer Not brauchen, für die Entrechteten und Bedrückten, für unsere Familien, für unsere Kinder, für unsere Freunde, für unsere Berufsgenossen und alle, mit denen wir in täglicher Gemeinschaft leben. Segensspruch Der Herr behüte dich vor allem Übel. Er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Donnerstag Morgenspruch Herr, kebre dich doch wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig. Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir und fröhlich sein unser Leben lang. Morgenlied Deiner Güte Morgentau, fall auf unser matt Gewissen; laß die dürre Lebensau lauter süßen Trost genießen und erquick uns, deine Schar, immerdar. Gib, daß deiner Liebe Glut unsre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut bei erstandner Morgenröte, daß wir, eh wir gar vergehn, recht aufstehn. Schriftlesung Aus der Tiefe, rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! So du willst, Herr, Sünden zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Ich harre des Herrn; meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgen⸗ wache bis zur anderen. Israel hoffe auf den Herrn; denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm; und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden. — 134— Gebet Wir bekennen vor dir, lieber himmlischer Vater, daß wir deiner Güte und Treue oft unwert gewesen sind. Du hast uns gnädig bewahrt, wo wir lauter Strafe verdient hätten, und hast die Menge unserer verborgenen Sünden mit deiner Liebe bedeckt. Hilf uns zu wahrer Reue und Buße und laß uns vor dir beten: O Herr, wir bekennen unsere Fehler und Schuld, wir bekennen vor dir in Demut unsere Irrungen und Sünden. Aber weil du Lust hast an der Barmherzigkeit, bitten wir dich, vergib uns und sprich uns frei, damit wir die Last unserer Übertretungen ablegen und von der Macht der Sünde erlöst werden. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Danksagung Wir danken dir, Herr, daß deine Vergebung noch immer gilt, daß du uns noch nicht endgültig verworfen hast trotz aller unserer Untreue und Sünden; daß du uns immer wieder vor offenkundigem Zusammenbruch bewahrt hast; daß du der Verzweiflung gewehrt und den Satan überwunden hast, wie schwach auch unser eigenes Fleisch war; daß du dich als Helfer und Heiland an uns bewiesen hast und auch an denen, an denen wir schuldig geworden sind; daß wir noch immer dein Wort von der Vergebung hören und glauben dürfen. Bittgebet Wir bitten dich, Herr, für alle, die in Verzagtheit und Versuchung sind; für die Traurigen und die Leidenden, für die Angefochtenen, — 133— für alle, an denen wir schuldig geworden sind, sür alle, die uns unrecht getan haben, für alle, denen unrecht geschehen ist. Erbarme dich unser aller, um der ewigen Gnade Jesu Christi willen. Segensspruch Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Amen. Freitag Morgenspruch Im Namen meines Herrn Jesu Christi, des Gekreuzigten, stehe ich auf, welcher mich erlöset hat mit seinem kostbaren Blut. Der⸗ selbige wolle mich vor allem übel behüten und bewahren an Leib und Seele; wolle mir auch geben, was mich fördern und befestigen mag in allem Guten zu dem ewigen Leben. Amen. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich unser! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich unser! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, gib uns deinen Frieden! Amen. Morgenlied Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte nimm mich an, von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Gut's getan. —134— Dein Mund hat mich gelabet, mit Milch und süßer Kost, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust, Schriftlesung Er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten; und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut. Er ist aber aus Angst und Gericht genommen; wer will seines Lebens Länge ausreden? Denn er ist aus dem Lande der Leben⸗ digen weggerissen, da er um die Missetat meines Volkes geplagt war. Darum daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen; denn er trägt ihre Sünden. — 130— Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, darum daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleich gerechnet ist und er vieler Sünde getragen hat und für die Übeltäter gebeten. Gebet Lieber Herr Jesus Christus, du hast für uns das Kreuz getragen und am Kreuz unsere Sünde in Ewigkeit vergeben. Wir bekennen dir, daß wir die Gnade dieser Vergebung oft auf Mutwillen gezogen und deine ewige Versöhnung oft leichtfertig hingenommen haben. Schenke uns den Ernst und das heilige Erschrecken vor unserer Sünde. Laß uns in den Stunden der Versuchung an dein bitteres Leiden und Sterben für uns gedenken, und laß uns in den Zeiten der Heimsuchung und Prüfung auch unser Kreuz auf uns nehmen ohne Klagen und Murren. Laß uns nicht nach Freude und Wohlergehen fragen, wo du unserer Kirche zu leiden und auszuhalten befohlen hast. Dankgebet Wir loben und preisen dich, Herr am Kreuz, daß du alles Leid und alle Not der Welt für uns getragen und uns von Sünde, Tod und Teufel errettet hast. Laß die Botschaft von deiner Vergebung über die Welt ausgehen, und laß uns selig werden im Gedanken an deine heilige Hilfe. Wir danken dir, Herr, für deine Geduld und dein Erbarmen über den Nöten und Sorgen der Menschheit von Anbeginn bis auf diesen heutigen Tag, für alle, die das Wort vom Kreuz im Glauben angenommen haben und darauf selig gelebt haben und selig gestorben sind, für alle, die uns das Wort vom Kreuz verkündigt und uns dadurch den Weg zum ewigen Leben gewiesen haben, für alle, die durch ihre eigene Trübsal erfüllt haben die Leiden Christi, — 136— für alle Märtyrer und Blutzeugen, für alle, die um deines Namens willen erwählt haben, Schmach zu leiden, für alles Leid, das um Gottes willen erduldet ist, und für alle Geduld und Lauterkeit, die aus dem Leiden erwachsen sind. Fürbitte Wir bitten dich, Herr, für alle, die da leiden um deines Namens willen, für alle, die um ihrer eigenen Schuld willen leiden, für alle, die unter der Last ihres Lebens und der Not der Welt leiden, für die Kranken, Kriegsverletzten und Sterbenden, für die Bedrückten und Entrechteten, für die Einsamen, Witwen und Waisen, für alle, die in Versuchung, Anfechtung oder Sorge sind, und alle, die deiner Hilfe bedürfen. Verlaß uns nicht, erzeige dich uns als der Herr über Sünde, Tod und Teufel. Segensspruch Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Amen. Sonnabend Morgenspruch Erleuchte, Herr, meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe. Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und deine Rechte mir helfen. —137— Morgenlied Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder die lagen danieder, aber nun steh' ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht. Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende; nach Meeres Brausen und Windes Sausen leuchtet der Sonne gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille hab' ich zu warten im himmlischen Garten dahin sind meine Gedanken gericht't. Schriftlesung Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. Herr, kehre dich doch wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig! Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden. Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Ehre ihren Kindern. Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern! Und es antwortete der Altesten einer und sprach zu mir: Wer sind diese, mit den weißen Kleidern angetan, und woher sind sie gelkommen? Und ich sprach zu ihm: Herr, du weißt es Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhl Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Stuhl sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgendeine Hitze. Denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Gebet Herr Gott, himmlischer Vater, du hast uns unser Leben als die größte irdische Gabe verliehen, wir aber haben deine Gabe oft mißbraucht. Vergib uns, daß wir so selbstsüchtig gelebt haben, daß wir so wenig die Gelegenheiten erkannt haben, da du von uns einen großen Einsatz gefordert hast. Vergib uns, daß wir so wenig Mut und so wenig Treue bewiesen haben. Verzeih uns iede verträumte oder jede verspielte Stunde, vor allem vergib uns jede Stunde, die durch die Sünde befleckt ist. Vergib uns alles Glück, das wir gedankenlos und selbstverständlich hinge⸗ nommen haben. Vergib uns alle Freude, die nicht geheiligt war. Laß uns gerüstet unserm letzten Stündlein entgegensehen und einmal, wenn Kampf und Last und Freude dieses Lebens zu Ende ist, mit einem bereiteten und erlösten Geiste in deine Herrlichkeit eingehen dürfen. — 139— Danksagung Wir loben und preisen dich, Herr unser Gott, himmlischer Vater, daß du uns wiederum an das Ende einer Woche geleitet hast und daß du unsere Leiber und Seelen behütet hast. Wir danken dir für jedes große und gute Werk, das du unter uns gehabt hast, für deine Langmut, mit der du auch uns in diesem deinem Werk hast arbeiten lassen trotz unserer Sünde und unserer Fehler, unseres Kleinglaubens und unserer Ungeduld, für deine kraftvolle Gnade, die unsere Sünde vergeben und unsere Wege in Ordnung gehalten hat ohne all unser Verdienst und Würdigkeit. Wir danken dir für jeden, der gerüstet auf das Ende heimgehen durfte, für jeden, den du an den Tod und an die Grenze dieses Lebens erinnert hast. Wir danken dir, daß du uns nicht ohne Mahnung, Warnung und Ruf in der Welt gelassen hast. Fürbitte Wir bitten dich, Herr, um ein seliges Ende und die rechte Zurüstung auf unser letztes Stündlein auch in den lauten, frohen und großen Stunden unseres Lebens, um Trost wider das Sterben und Mut zum Leben, um die Bereitschaft, alles, auch das Leben, um deinetwillen hin⸗ zugeben, um den rechten Ernst, die Tage, die du uns zugezählt hast, um so treuer zu nutzen. — 140— Wir bitten dich, Herr, für die Verzagten und Einsamen, für die Verbitterten und alle, die meinen, im Leben zu kurz gekommen zu sein, für alle, die Unrecht leiden und Heimweh haben, für alle, die in dieser Woche schwere Schuld auf sich geladen oder das rechte Leben versäumt haben, daß du ihnen in Gnaden einen neuen Anfang schenken mögest. Um dies alles und für diese alle bitten wir dich um deiner end⸗ losen Barmherzigkeit willen. Amen. Segensspruch Dem aber, der euch behüten kann ohne Fehl und stellen vor das Angesicht seiner Herrlichkeit unsträflich mit Freuden, dem Gott, der allein weise ist, unserm Heiland, sei Ehre und Majestät und Gewalt und Macht nun und zu aller Ewigkeit! Amen. Gebete zur Abendmahlsfeier Vorbereitungsgebet Verleihe uns, Herr, deine gnädige Hilfe, daß wir bei diesem heiligen Sakrament alle unsere Gedanken und Wünsche deinem Willen unterwerfen und unsere Seelen und Leiber als ein leben⸗ diges Opfer dir darbringen um des vollkommenen Opfers deines Sohnes, unseres Heilandes Jesu Christi willen. Amen. Beichtgebet Ich armer Sünder bekenne mich Gott, meinem himmlischen Vater, daß ich leider schwer und mannigfaltig gesündigt habe, nicht allein mit äußerlichen Sünden, sondern auch und vielmehr 141— mit innerlicher Blindheit, Unglauben, Zweifel, Kleinmütigkeit, Ungeduld, Ungehorsam, Hoffart, bösen Lüsten, Geiz, heimlichem Neid, Haß und Mißgunst, auch anderen Sünden, durch welche ich in Gedanken, Worten und Werken die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten habe, wie das mein lieber Herr und Gott an mir erkennt und ich leider so vollkommen nicht erkennen kann. Dieselbigen Sünden reuen mich sehr und sind mir leid. Ich begehre von Herzen Gnade von Gott durch seinen lieben Sohn Jesum Christum und bitte, daß er mir seinen Heiligen Oeit zur Besserung meines Lebens mitteilen wolle. Amen. Abendmahlsgebet Wir danken dir, heiliger Vater, für Leben und Erkenntnis, die du uns kundgetan hast durch Jesum, deinen Knecht. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Denn wie dies Brot zerstreuet war auf den Bergen und nun zusammengebracht ist zu einem, so soll die Gemeinde zusammen⸗ gebracht werden von den Enden der Erde in dein Reich. Denn dein ist die Herrlichkeit und die Kraft durch Jesus Christus in Ewigkeit. Wir danken dir, heiliger Vater, für deinen heiligen Namen, den du in unsern Herzen hast wohnen lassen, und für Erkenntnis und Glauben und Unsterblichkeit, die du uns kundgetan hast durch Jesum, deinen Knecht. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Du, allmächtiger Herrscher, hast alles geschaffen um deines Namens willen, Speise und Trank hast du den Menschen gegeben, damit sie dir ewig danken. Uns aber hast du gegeben geistliche Speise und Trank und ewiges Leben durch deinen Knecht. Vor allem danken wir dir, daß du mächtig bist. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Gedenke, Herr, deiner Gemeinde, daß du sie erlösest von allem übel und sie vollendest in deiner Liebe, und bringe sie zusammen von den vier Winden, die dir geheiligt ist, in dein Reich, das du ihr bereitet hast. Denn dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Nach dem Abendmahl Verleih uns, o Herr, daß die Ohren, die deinen Lobpreis gehört haben, verschlossen sein mögen für die Stimme des Streites und Unfriedens; daß die Augen, die deine große Liebe gesehen haben, auch deine selige Hoffnung schauen mögen; daß die Zungen, die dein Lob gesungen haben, hinfort die Wahrheit bezeugen mögen; daß die Füße, die in deinen Vorhöfen gestanden haben, hinfort wandeln mögen in den Wegen des Lichis; und daß die Leiber, die an deinem lebendigen Leibe Anteil gehabt haben, hinfort in einem neuen Leben wandeln mögen. Dir sei Dank für deine unaussprechliche Gabe. Amen. Im Frieden dein, O Herre mein, laß ziehn mich meine Straßen. Wie mir dein Mund gegeben hat, schenkst Gnad du ohne Maßen; hast mein Gesicht das sel'ge Licht des Heilands schauen lassen. V Mir armen Gast bereitet hast das reiche Mahl der Gnaden. Das Lebensbrot stillt Hungers Not, heilt meiner Seele Schaden. Ob solchem Gut jauchzt Sinn und Mut mit all'n, die du geladen. — 14— O Herr, verleih, daß Lieb und Treu in dir uns all verbinden, daß Herz und Mund zu jeder Stund dein Freundlichkeit verkünden, bis nach der Zeit den Platz bereit an deinem Tisch wir finden. Gebete für Kranke und Sterbende Herr Gott, himmlischer Vater, ohne Deinen Beistand können wir, die wir schwach und krank sind, nicht bestehen. Wir bitten Dich, gib uns täglich neue Kraft und hilf uns, daß wir unsere Hoffnung ganz auf Dich setzen, was Du uns zu leiden schickst, geduldig tragen und in Deinem Frieden geborgen alle Anfechtung üherwinden; durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Herr Gott, himmlischer Vater, Du hast uns mit Dir versöhnt durch das bittre Leiden und Sterben Jesu Christi, Deines Sohnes. Du hast Ihn, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht. Er trägt unsre Krankheit und nimmt auf Sich unsere Schmerzen. Herr, laß mich Gnade finden unter dem Kreuz Deines Sohnes. Hilf mir in meiner Sünde, in meiner Krankheit um der Erlösung willen, die Du in Ihm gestiftet hast. Amen. — 144— Herr, mein Gott! Ich rufe Dich an in der Not, wie Du geboten hast. Du hast mich erschaffen, mir Leib und Seele und alle Glieder gegeben. Verlaß Dein Geschöpf nicht in der Not. Prüfe und läutere mich, Herr, aber laß mich wieder schauen Deine Güte und Gnade, daß ich Deinen Namen preise. Herr Jesu Christe, der Du unsre Krankheit getragen und auf Dich genommen hast unsre Schmerzen, der Du gekommen bist zu heilen die Kranken, erbarm Dich über mich! Lehre mich beten, wie Du gebetet hast: Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe! Herr Gott, Heiliger Geist, Du Tröster in aller Not, der Du unsrer Schwachheit aufhilfst und uns vertrittst, steh mir bei! Lehre mich recht glauben, recht beten, recht hoffen. Herr, ich bin Dein, hilf mir. Alle meine Sorgen werfe ich auf Dich. Ich hoffe auf Dich. Du wirst mich erlösen von allem Übel und mir aus⸗ helfen zu Deinem himmlischen Reich. Dir sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Herr Gott, Vater, Du hast mich erschaffen, erbarme Dich meiner. Herr Jesu, der Welt Heiland, Du hast mich erlöset, erbarme Dich meiner. Herr Gott, Heiliger Geist, Du tröstest, die in Angst und Todesnot sind, erbarme Dich meiner. Herr, ich befehle meinen Geist in Deine Hände. Dir lebe ich, Dir sterbe ich, Dein bin ich im Leben und im Tode. Herr, ich traue auf Dich, verlaß mich nicht in meiner letzten Not. Ich bin Dein, Du treuer Gott. Amen. Herr, sieh an meine Not und Schwachheit, sei meine Stärke. Sieh an, wie meine Augen dunkeln und meine Seele versinkt in der Einsamkeit des Todes! Komm und sei mein Licht. Bleibe bei mir und verlaß mich nicht. Laß mich Dein Angesicht schauen und Deinen Frieden schmecken. Amen. **8—8——7—————— — 145— In Deine Hände befehle ich mich, meinen Leib und meine Seele. Du hast mich erlöset und wirst mich erwecken zu neuem Leben. Nach Dir, Herr, verlangt meine Seele und ist unruhig in mir, bis sie ruhet in Dir. Geleite mich durch das dunkle Tal und laß mich erwachen in Deinem seligen Lichte. Amen. Trauerfeier Gelobt sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal. Wir hören die Worte der Heiligen Schrift: Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommet wieder, Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom; sie sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird, Das da frühe blüht und bald welk wird und des Abends abge⸗ hauen wird und verdorrt. Das macht dein Zorn, daß wir so vergehen, und dein Grimm, daß wir so plötzlich dahin müssen. Denn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz. 10 —14⁰— Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Wer glaubt aber, daß du so sehr zürnest, und wer fürchtet sich vor solchem deinem Grimm? Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. Psalm 90, 1⸗12. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Unser keiner lebt sich selber und unser keiner stirbt sich selber; leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmer⸗ mehr sterben. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen. ** O Gott, der Du Gewalt hast über Leben und Tod: Du bist allein der Ewige und Unvergängliche. Du sendest die Menschen in die Welt und rufst sie wieder aus dieser Zeitlichkeit. Wir bitten Dich für diesen Entschlafenen, laß ihn ruhen in Deinem Frieden und erwecke ihn zu neuem Leben nach Deiner Verheißung. Gedenke .— —— —*9§—— — 2— — 147 nicht seiner Sünde und Schwachheit. Führe ihn in Gnaden ein in Dein ewiges Reich. Laß ihn in Deinem Frieden geborgen sein und Dein ewiges Licht leuchte ihm. Uns aber schenke den Geist des Trostes und dereinst ein seliges Ende, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 1 * Herr, Deine Hand liegt schwer auf uns Hilf, daß wir in dieser schweren Zeit alles getrost in Deine Hände legen! Du wirst uns nicht verlassen, noch versäumen. Was Du, o Herr, tust, das ist alles wohlgetan, auch wenn wir Deine wunderlichen Wege und hohen Gedanken nicht verstehen können. Erbarme Dich unser in unsrer Not und Trauer, und tröste uns wieder, nachdem Du uns so schwer heimgesucht hast. Lehre uns aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens, und gib uns durch Sein bittres Leiden und Sterben Trost und Frieden. Allmächtiger Gott und Vater, Du ewiger barmherziger Gott, erbarme Dich unser! Herr Jesu Christe, Du Sohn des lebendigen Gottes, der Du für uns gestorben und auferstanden bist, erbarme Dich unser! Herr Gott, Heiliger Geist, der du mit Trost erfüllest die Herzen der Elenden und Betrübten, verleih uns Deinen Frieden. Amen. * ** Und nun übergeben wir, was sterblich ist, dem Grabe, Erde der Erde, Staub dem Staub, Asche der Asche; die Seele aber befehlen wir in die Hand des lebendigen Gottes und unseres Heilandes Jesu Christi, der unseren nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe. Vater unser, der du bist im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. 148— Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, Sondern erlöse uns von dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Kernsprüche Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Der Herr behüte dich vor allem Übel, er be⸗ hüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht alles wissest. Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich's meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wirds wohlmachen. Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! So du — 149— willst, Herr, Sünden zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß wer⸗ den; und wenn sie gleich ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr, nämlich Gedanken des Friedens und nicht des Leides. Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir ge⸗ zogen aus lauter Güte. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechligkeit. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. Es ist hier kein Unterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist. Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde. — 150— So wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: so jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünf⸗ tiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn, Es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches ge— schieht durch Gnade. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Sorget nichts, sondern in allen Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. — 151— Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem andern, gleich wie Gott euch vergeben hat in Christus. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt. Nach dem, der euch berufen hat und heilig ist, seid auch ihr heilig in all eurem Wandel. Liebe Brüder, ich ermahne euch als die Fremdlinge und Pilgrime; enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten. Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und de⸗ mütig sein vor deinem Gott. Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme. Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. Leide mit als ein guter Streiter Jesu Christi. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Viturgie Gemeinde: Eingangslied. Liturg: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Liturg: Danket dem Herrn und lobet seinen Namen; denn der Herr ist freundlich, und seine Gnade währet ewiglich und seine Wahrheit für und für. Gemeinde: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Liturg: Kommt, wir wollen uns aufmachen und zu unserm Vater gehen und zu ihm sprechen: Wie haben gesündigt in den Himmel und vor dir, wir sind hinfort nicht wert, deine Kinder zu heißen. Kommt, wir wollen unsere Sünden be⸗ kennen; es möchte geschehen, daß er Barmherzigkeit an uns täte: Herr Gott, himmlischer Vater, wir armen Sünder bekennen, daß nichts Gutes an uns ist, und wir unsrethalben in Sünden und ewigem Tod müßten verderben. Wir bitten dich aber um Hilfe, Gnade und Vergebung. Amen. Gemeinde: Herr, erbarme dich unser; Christe, erbarme dich unser; Herr, erbarme dich unser. Liturg: Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat. Der Herr erhält alle, die da fallen, und richtet auf alle, die nieder⸗ geschlagen sind. Ehre sei Gott in der Höhe. — 153— Gemeinde: Und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Amen. Liturg: Schriftverlesung. Amen. Gemeinde: Amen. Liturg und Gemeinde: Glaubensbekenntnis. Gemeinde: Lied. Liturg: Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Predigt oder Verlesung einer Predigt oder Andacht. Gemeinde: Lied. Liturg: Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott. Gemeinde: Recht und würdig ist es. Liturg: Recht ist es und wahrhaft würdig und heilbringend, dir, Allmächtiger, Dank zu sagen zu allen Zeiten und an allen Orten durch Jesum Christum, unsern Herrn, um dessentwillen du uns verschont hast, uns unsere Sünde vergibst und die ewige Seligkeit verheißest. Darum mit allen Engeln und Erzengeln und dem ganzen Heere der himmlischen Heerscharen singen wir dir und deiner unendlichen Herrlichkeit einen Lob⸗ gesang. Gemeinde: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth. Alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna, Hosianna in der Höh. Liturg: Herr unser Gott, barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte, wir sagen dir von ganzem Herzen Dank und beten an deinen Namen, weil du gegen uns Gnade für Recht ergehen lässest und uns Vergebung statt Verdammnis schenkest. Du verfährst nicht mit uns wie ein Richter mit übel⸗ tätern, sondern handelst an uns wie ein Vater an seinen Kindern. Hilf, daß wir dir in kindlichem Vertrauen unsre Herzen öffnen mit allen Sünden und Verfehlungen. Steh uns bei, daß wir uns nicht aufs neue von dir wenden, sondern deine Vergebung behalten, deine Mahnungen und Warnungen ins Herz fassen, alles böse Wesen hassen und das Leben in deinem Lichte leben und üben. Wir bitten dich heute auch um Vergebung für diese Gemeinde, für unsere Kirche, für unser Volk. Gib deinen Gemeinden deinen heiligen Geist zu wahrer Besserung. Schärfe allen Verantwortlichen in allen Völkern und Ländern das Bewußtsein der ewigen Verantwortung vor dir. Laß alle ö Christen auf Erden danach trachten, daß dein Reich komme und dein Name verherrlicht werde. Amen. Liturg: Vaterunser. Liturg: Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen. Verzeichnis der Lieder Nr. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Chrilr... 49 Ach bleib mit deiner Gunade 5¹ Ach Gott, vom Himmel sieh dareiriuinn 4⁵ Ach wundergroßer Siegeshe.dd. 80 Allein Gott in der Höh sei Errrrrr 44 Auferstehn, ja auferstehn wirst ddii. 129 Aus meines Herzens Gurundee— 8 Aus tiefer Not schrei ich zu diuir. 6⁴ Besiehl du deine Wegee wù7 10¹ Bis hierher hat mich Gott gebrachkhtt 1¹⁵ Christe, du Lamm Gottes 23 Christi Blut und Gerechtigkeiẽiirrt 69 Christ ist erstanden von der Marter alle 32² Christ lag in Todesbanden 33 Christus, der ist mein deben w5 123 Das walte Gott, der helfen kannnnnn. 9² Dein König kommt in niedern Hüllen 5 Der Mond ist aufgegangaeeaeaen. 89 Die güldne Sonne voll Freud und Wonne 8² Die helle Sonn leucht jetzt herfürrrrr 8⁰ Die Sach ist dein, Herr Jesu Chrire 5⁴ Dies ist der Tag, den Gott gemachkht 12 Dies ist die Nacht, da mir erschieneen 18 Die wir uns allhier beisammen findnen 30⁰ Dir, dir Jehovah, will ich singeennn Du meine Seele, singe..... Eines wünsch ich mir vor allem andeen. 31 Ein feste Burg ist unser Got 46 Ein Lämmlein geht und trägt die Schulllld 2⁵ Erhalt uns, Herr, bei deinem Wor 47 Erschienen ist der herrlich Laaaãaæoa/vàai 35⁵ Es ist ein Ros entsprungen. 13 Fröhlich soll mein Herze springn 10 Geh aus, mein Herz, und suche Frewudd. 7² Gelobt sei Gott im höchsten Throeonnn 34 Gelobet seist vu, Jesus Chrisstt;́ì⸗ 2 Gott ist gegenwärtig. 58 Großer Gott, wir loben dicht 11⁸ Herr, dein Wort, die edle Gabe: rͤ7 59 Herr, der du vormals hast dein Land 9⁴ Herr Jesu Christ, dich zu uns wenn. 35 Herr Jesu Christ, du höchstes Guᷓ;ᷓoioajoͤyojͤayͥͤyoͤooͥÿyͤc 63 Herzlich lieb hab ich dich, 9 Hetert 76 Herzlich ut mich verlangen vòꝑ 12² Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen...... 28 Herz und Herz vereint zusammeen r. 53 Omunter ist der Sonne Scheinin. 8 Ich bin ein Gast auf Erden 12 Ich bin getauft auf deinen Namen 61 Ich steh an deiner Krippe hier 1⁴ Ich weiß, an wen ich glaube. 104 Ich will dich liehen, meine Stärtftre. 9⁷ Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch alll... 16 In allen meinen Latennñ. In Christi Wunden schlaf ich eiininunn. In dir ist Freudzdzdde. Ist Gott für mich, so trete Jerusalem, du hochgebaute Staddne Jesu, deine Passieen v Jesn, geh voreunn.. Jesu, meine Freueed Jesus Christus herrscht als Könis Jesus, meine Zuversichhtk Komm, heilger Geist, Herre Goeer. Kommt. Kinder, laßt uns gehenn Kommt und laßt uns Christum ehrrtrfrnrnrnn Laß mich dein sein und bleibhen Liebster Jesu, hier sind wiu. Liebster Jesu, wir sind hieeenn. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren... Lobe den Herren, o meine Seele Lobt Gott, ihr Christen, allzugleiieietech. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..... Mir ist Erbarmung widerfahreen Mir nach spricht Christus, unser Heddd Mit Ernst, o Menschenkindeer Mit Fried und Freud fahr ich ahin.. Mitten wir im Leben siiiniiddddds Morgenglanz der Ewigkeit. Müde bin ich, geh zur Rahhanhhyh yaakaaa Nimm von uns, Herr, du treuer G)oðtrttit. Nun bitten wir den heilgen GeiwuuuuUudwut᷑. Nun danket alle Gotrt. Nun danket all und bringet Ehhrr. Nun freut euch, lieben Christen gmeinn Nun jauchzet all, ihr Frommeens Nun laßt uns gehn und trettn 19 Nun lob, mein Seel, den Herrrnren 10⁷ Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeell. 109 Nun ruhen alle Walder 8⁷ Nun sich der Tag geendelk 8⁸ NRun singet und seid froͤö)ö)ö) ñu 17 O daß ich tausend Zungen hätte 11 Oan frohliche, o du seligge 15 OEwigkeit, du FreudenwortrñìÜkdͤ 128⁸ Gott, du frommer Gortrt̃ 9¹ O Haupt voll Blut und Wundndnn 26 O heilger Geist, kehr bei uns een 4¹ O heiliger Geist, o heiliger Gottttt 43 O herrlicher Tag, o fröhliche Zeeelnl. 36 Jesu Christe, wahres Lichthtτtttt 2¹ ů Odamm Gottes, unschuldilihg 2² OWelt, sieh hier dein eben 29 Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden...... 70 Sei Lob und Ehr dem höchsten Giiik. 11² Siegesfürst und Ehrenköninnggg 38 4* Sollt ich meinem Gott nicht singeenn 11¹1 So nimm denn meine Händee 7¹ Such, wer da will, ein ander Hiel Tochter Zion, freue diechhhghh v 3 Unsern Ausgang segne Goaoerttt. Dater unser im Himmelreiichhh Verleih uns Frieden gnädiglietee 93 VBerzage nicht, du Häuflein klein 50 Vom Himmel hoch, da komm ich her 159 Wach auf, du Geist der-ersten Zeugeen Wach auf, mein Herz, und sinsgggggne. Wachet auf, ruft uns die Stimm·mmemeee. Wär Gott nicht mit uns diese Zeiiirtt. Warum sollt ich mich denn grämeaeaeaeenens Was Gott tut, das ist wohlgetWaan.n Was mein Gott will, das gscheh allzeill Wenn ich ihn nur hae. Wenn wir in höchsten Nöten seen Wer nur den lieben Gott läßt walten Wie soll ich dich empfangen Wir danken dir, Herr Jesus Chriss;ʒz Wir danken Gott für seine Gaben; Zeuch ein zu deinen Toren IMPRIMERIEĩS REUNIES S. A., LAUSANNE(SISSE) ————