Druckschrift 
Morgen- und Abendopfer in Gesängen / von Joh. Heinrich Wilh. Witschel
Entstehung
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Freytag Abend.

Wenn die Abendglocke friedlich tönet, Heil'ges Schweigen die Natur umfångt Und der Mond, wie eine stille Lampe, In dem hohen Nachtgewölbe hångt Wenn die süsse Ruhe wiederkehret, Wenn der Schlaf die Schlummerkörner streut, Und die Nacht die schöne Welt verhänget, Gleich dem Vorhang vor der Ewigkeit; Dann zieht sich der Geist vom groffen Spiele Still betrachtend in sich selbst zurück; Dann gehört das Herz dem Menschen wieder, Und die Welt erlischt von seinem Blick; Dann ist ihm die Gottheit freundlich nahe Und der Himmel dämmert vor dem Geist, Wie vor einer neu verklärten Seele, Wann sie sich dem Land der Welt entreißt. Wenn ihm sein Gewissen dann bezeuget, Daß er auf der dunklen Lebensbahn, Treu und richtig vor sich hingewandelt, Daß er redlich seine Pflicht gethan

dann blickt er fröhlich auf zum Himmel, Dessen Bürgerrecht er långst erwarb,

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