Zum Geleit. Daß ein Student in öffentlicher Druckschrift das Wort ergreift, ist eine kühne und zunächst etwas verdächtige Sache. Der Student soll studieren, das heißt hören, was Andere sagen, lesen, was Andere geschrieben haben, um hernach in der Lage zu sein, selber in gehaltvoller Weise das Wort zu ergreifen. Über diesen Satz besteht zwischen dem Verfasser dieser Schrift und mir völlige übereinstimmung. Aber als er mir eines Tages das Manuskript dieser seiner Schrift, mit deren Plan und Absicht er mich vorher nicht beschäftigt hatte, vorlegte, da mußte ich mich doch des anderen Satzes erinnern, der besagt, daß keine Regel ohne Ausnahme sein kann, wenn nur auch die Ausnahme die Regel bestätigt. Diese Bedingung fand ich aber hier insofern erfüllt, als ich den Verfasser schon vorher als einen rechtschaffenen Studenten, das heißt Hörer und Leser, kennen gelernt hatte( der sich 3. B. in dem Knechtsdienst sauberer Textanalysen schon einigermaßen bewährt hat!), und als ich dieses sein Wort an seine Kommilitonen nun einfach als solches in seiner besonderen Art als gut und notwendig anerkennen mußte. Gegen die Möglich keit, daß tatsächlich doch auch einmal ein Student öffentlich etwas Ordentliches zu sagen haben könnte, kann sich ja jener erste Satz nicht richten. Es kommt dazu, daß wir in Kirche und Theologie heute ohnehin in einer Ausnahmezeit leben, in der an Matth. 21, 15-16 zu denken erlaubt und geboten sein dürfte. Es kommt dazu, daß die kirchliche und theologische öffentlichkeit, oder sagen wir besser: die christliche Gemeinde ein Recht und eine Pflicht hat, neben dem, was sie durch den Mund der sog.„ Fachschaften", das heißt der betreffenden Fachschaftsleiter zu hören bekommt, auch einmal eine Stimme aus der durch diese Fachschaften angeblich vertretenen evangelisch- theologischen Studentenschaft selbst zu hören. Es kommt vor allem dazu, daß das, was der Verfasser seinen Kommilitonen zu sagen hat, wirklich einmal gesagt werden muß und gerade von einem Studenten gesagt, besser ge 4 - hört werden kann, als wenn es- und wäre es zehnmal reifer von einem Professor oder Pfarrer gesagt würde. Dies ist's was mich bewogen hat, der Veröffentlichung dieser Schrift zuzustimmen. Sie gehört in die Schriftenreihe„ Theologische Existenz heute", denn es gibt wahrlich auch eine Frage nach der„ Studentisch- theologischen Existenz heute", deren Beantwortung für die„ Theologische Existenz morgen" entscheidend wichtig sein dürfte. Bonn, 27. Mai 1934. Karl Barth. Vorwort . Inhalt: Von unserem wunderlichen Auftrag Wie wir mit solchem Auftrag wandeln sollen. Von unseren wahren und falschen Lehrern Zu welcher Zeit wir Theologen sind . Von dem Trost, daß Gott das letzte Wort über uns habe 12 22674 30 37 45 5 Vorwort. Entscheidung und Scheidung- das ist das Gebot der Stunde heute im Dritten Reich und in der Kirche Jesu Christi, sofern es in deutschen Landen eine Gemeinde Jesu Christi, die hinter ihrem Herrn geht, und ein deutsches Volk gibt, das seine eigenen Wege geht. Das Schwert und die Liebe Jesu Christi ist mitten unter uns Deutschen! Das Schwert, weil es gilt gegen den neugeformten, dem Wesen nach aber alten Selbstbestimmungsanspruch des Menschen nach Gottes Willen zu Felde zu ziehen; die Liebe, weil der barmherzige König diese Empörung des Menschen ein für allemal gestraft und gesühnt hat an dem, der nicht über sich selbst bestimmen wollte, vielmehr von seinem und unserem Vater im Himmel sich bestimmen ließ in demütigem Gehorsam bis zum schmählichen Ende am Schandholz. - Hast du das Schwert Christi in der Hand und die Liebe Gottes im Herzen, wenn du das heilige Evangelium dem deutschen Volk des Dritten Reiches predigst?- so ist in Wahrheit heute die protestantische Kirche Deutschlands gefragt. Alle anderen Schwerter sind nicht Schwerter des Geistes; sie sind nicht scharf genug, den heroischen Menschen zu erschlagen, und richten Unheil der Welt an statt das Heil des Reiches Gottes. Alle andere Liebe ist nicht die Liebe Christi, die alle Erkenntnis übertrifft( Eph. 3, 19); sie ist nicht groß genug, der Sünden Menge zu verdecken und mit dem erzürnten Gott zu versöhnen. - Wo in der Welt, und nun gar in unserem gegenwärtigen völkischen Staat dieses Evangelium der Liebe und des Schwertes Christi verkündigt wird da hört das Verstehen und die Verständigung auf. Gemeinde und Volk stehen einander gegenüber, wie die Propheten und Apostel und der Jude Jesus von Nazareth selbst ihrem Volk mit seinen„ Sehnsüchten und Ahndungen" gegenüber standen. Es muß verkündigt werden, liebe Christen! Mehr nicht! Was darauf mit der verkündigen 6 - den und bekennenden Gemeinde geschieht- sie kann ins Gefängnis geworfen werden; sie kann gestäubt oder gesteinigt werden; sie kann auf wunderbare Weise vom Herrn errettet und geführt werden, wie uns die Geschichten der Propheten und Apostel in der Heiligen Schrift lehren;- was darauf mit den angeredeten Volksgenossen geschieht- es kann ihnen durchs Herz gehen; sie können die Christen als Wundermenschen und Sensation bestaunen; sie können falsch Zeugnis wider die Christen reden; sie können das Wort„ gern annehmen, sich taufen lassen und an einem Tage bei dreitausend Seelen hinzugetan werden" die Folgen der Verkündigung auf beiden Seiten sind unter allen Umständen Gottes Sache. Er„ tut hinzu täglich, die da selig werden zu der Gemeinde", nicht die Kraft der Gemeinden, die einen Volks- Missions- Feldzug im Dritten Reich unternehmen. Heilige Menschen Gottes müssen da sein, die es nicht lassen können, zu reden, was sie gehört haben mit der Frohbotschaft an die Welt. Das genügt. Dann hat die Kirche die Frage der Geschichte an sie verstanden, wie sie ihr heute gestellt ist. Nur in dieser Korrelation des Gehorsams, der selbstlosen Hingabe an ihre einzige Lebensmacht Jesus Christus zu der Totalität und Ausschließlichkeit beanspruchenden Lebensmacht des nationalsozialistischen Staates treibt sie volksnahe, konkrete Verkündigung im Deutschland des Jahres 1934. Was dabei Gutes oder Schlechtes herauskommt, weiß allein der, der das Evangelium und seine Gemeinde in das deutsche Volk gesetzt hat. Wenn die Gemeinde nur weiß, daß sie nicht zu schweigen oder zu unterhandeln, sondern ihren Auftrag auszurichten hat. Und nun frage ich meine Brüder und Kommilitonen, die jungen Theologen an den deutschen Universitäten: Wie ist das mit Euch? Schweigt ihr oder unterhandelt ihr oder richtet ihr euren Auftrag als Glieder der Gemeinde Christi aus? Wie ist das mit Euch: Habt ihr das Schwert des Geistes, d. i. Gottes Wort im Munde und die Liebe Gottes, d. i.„ Das Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen"( I. Joh. 4, 9) in eurem Herzen? Wie ist das mit Euch: seid ihr der Leib Christi und Glieder daran oder seid ihr Glieder der Welt, die von Zeitgefühlen und Schlagworten, von der Gemeinde der Ungläubigen und An- sich- selbstGlaubenden bestimmt werden? Wie ist das mit Euch: ist 7 euer Leben in allen Dingen grundsätzlich von dem Gehorsam und der Liebe gegen Gottes heiligen Schöpfungs- und Erlösungswillen bewegt, oder bringt ihr es mit Oberflächlichkeit und allerlei Theologenwitz auch fertig, nebensächliche Fragen der Welt, unseres Volkes an die Kirche zu prinzipiellen Fragen zu verwandeln und zu verdrehen? Wie ist das mit Euch: redet ihr den Menschen der Welt nach dem Munde oder seid ihr als Theologen an Gottes Wort gebunden? Meine Brüder und Kommilitonen: die Gemeinde Jesu Christi in unserem deutschen Volk hat das Recht, uns alle in dem Geiste Jesu Christi auf Herz und Nieren zu prüfen, ob wir als junge Theologen im Dritten Reich durch Geduld laufen in dem Rampf, der uns verordnet ist"( Hebr. 12, 1) und in keinem anderen Rampf-, weder in einem politischen noch weltanschaulichen! Die Gemeinde, die Kirche Christi in Deutschland hat das Recht, schon heute danach zu fragen! Aus zwei Gründen! Einmal, weil wir nichts mehr und nichts Weniger als Glieder der Gemeinde Gottes sind, die das Amt der reinen Verkündigung des Wortes Gottes und der rechten Verwaltung der heiligen Sakramente dereinst aus ihrer Hand übernehmen wollen. Wo heute die Knechte nicht schlafen( Luk. 12, 37), da wissen sie Bescheid, daß über unser deutsches Volk und unsere evangelische Kirche des Erlösers in ihm eine neue gewaltige Gerichtsund Gnadenzeit Gottes durch sein Evangelium angebro. chen ist, wie sie uns seit der Reformation nicht heimgesucht hat. Unser Horchen und unser unbewegliches„ So spricht der Herr" kann für Jahrhunderte, vielleicht für die Ewigkeit- wer weiß, wann sie für uns endgültig anbrechen wird die letzte Möglichkeit von Gottes Gnaden sein, dem deutschen Volke die Botschaft von Gottes Gerechtigkeit, Heils- und Erlösungswillen zu bringen. Unser Verstopfen der Ohren und unser selbstsicheres„ Sier ist des Herren Tempel, hier ist des Herren Tempel, hier ist des Herren Tempel"( Jer. 7, 4) kann für Zeit und Ewigkeit, denn wer hat des Herrn Sinn erkannt oder wer ist sein Ratgeber gewesen?"( Röm. 11, 34) den Untergang und die Verdammung all unserer Brüder und Schwestern und Rinder unseres Volkes bedeuten. Wissen wir nichts von dem Volke Israel, oder von dem Bolschewismus, wie sie sich dem geistlichen Auge darstellen? - - - 8 Und nun gebe ein Jeder von uns sich selbst Rechenschaft: Sind wir Verkündiger von Gottes Wort, die täglich dem Dreieinigen Gott die Ehre geben und die nur dazu in der Welt sind, damit die Ehre des gesucht werde, der uns gesandt hat, und die Menschen des deutschen Volkes davon abließen, Ehre von Menschen zu nehmen? Brüder und Kommilitonen, die ihr Theologen sein wollt, die nicht in eigener Sache reden, denen vielmehr der Herr die Lippen auftut, wie der große und demütige Rönig Da vid singt( Ps. 51, 17): Steht jeden Morgen neu, wenn ihr aufsteht, das niederschmetternde und herrliche Gebot vor eurer Seele, daß ihr des Herrn Ruhm in der Höhe verkündigen sollt und dürft, in eine Zeit hinein, da Kirche und Welt Ehre voneinander nehmen und lieber ihre Ehre bei den Menschen verkün digen?( Wie das der Herr Christus schon den selbstmächtigen und religiös eifrigen Juden vorwarf; Joh. s u. 12.) Seid ihr gerüstet auf diesen Kampf mit der Waffenrüstung des Apostels Paulus?( Eph. 6, 10 ff.). - Zum Anderen hat die Gemeinde Jesu Christi in Deutsch land heute das besondere Recht, nach der Selbstbesinnung gerade ihrer jungen Theologen zu fragen, indem sie auf die besondere geschichtliche, exponierte Stellung hinweist, die der Jugend im nationalsozialistischen Staate zugewiesen ist. Arbeitslager, S.kurz Dienst, Schulungs- Kurse und-Lager, Fachschaftsarbeit die gesamte nationalpolitische Erziehung erstrecken sich in erster Linie auf die heranwachsende junge Generation, die zu einem Garanten der nationalsozialistischen Weltanschauung und Staatsauffassung erzogen werden soll. Das ist der klare, ehrliche, folgerichtige Ausbau des Totalitätsanspruches des na tionalsozialistischen Volksstaates. Fleischwerdung des Nationalsozialismus" das ist in der Tat das Ziel der gegenwärtigen weltanschaulichen und nationalpolitischen Erziehungsarbeit. Liebe Brüder und Kommilitonen: gerade wir als junge Theologen stehen nun in vorderster Front dem Anspruch dieser Staatsauffassung und immer deutlicher ausgebauten Weltanschauung des Dritten Reiches gegenüber! Geben wir uns selbst Rechenschaft: Stehen wir diesem Anspruch als ganze Theologen, als geschlossene front der jungen Theologen mit dem eindeutigen Totalitätsanspruch unseres Herrn an unser Volk 9 gegenüber? Verstecken wir uns auch in dieser, unserer besonderen Situation als junge Theologen nicht hinter Halbheiten und Kompromissen, die zwischen beiden Totalitätsansprüchen vermitteln wollen? Deutsche, evangelische, junge Theologen: seid männlich und seid stark! Seid ganze Kerle, die nicht auf beiden Seiten hinken und das schändliche Kunststück, zwei Herren dienen zu wollen, nicht fertig bringen, sondern der Welt, mitten ins Gesicht, ehrlich, nüchtern und sachlich sagen:„ denn ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch, ohne allein Jesum Christum, den Gekreuzigten"( I. Kor. 2, 2). Das muß unmißverständlich und gehorsam verkündigt werden; nicht um des Kämpfens oder um des unbequemen Staates willen, nein, um der Wahrheit willen, daß ihr als Theologen im Arbeitslager, in der Fachschaftsarbeit, im SA.- Dienst wirklich nichts anderes zu sagen wißt, als das, was aus dem Munde des gekreuzigten Christus kommt! Es ist nicht wahr, daß ihr noch etwas Wichtiges und Weltbewegendes als Theologen im Dritten Reich zu sagen hättet! Es ist nicht wahr, daß dieser Gekreuzigte nicht mehr so für eure Kameraden im Arbeits lager und im SA.- Dienst gelte! Es ist nicht wahr, daß ihr euch mit den Lehren und Gefühlen und Forderungen eurer Umgebung verständigen und ihnen gar entgegenkommen müßtet, damit man euch verstehen könne! Wer von uns solche Schritte tut, der tritt aus der Gemeinschaft derer, die sich als die Toren wissen, heraus unter die so sich selbst loben, aber dieweil sie sich bei sich selbst messen und halten allein von sich selbst, verstehen sie nichts", wie der Apostel gegen die falschen Apostel zu Korinth schreibt( 2. Kor. 10, 12). Liebe Brüder und Kommilitonen! Die Stunde der deutschen Geschichte fordert von uns schon als junge Theologiestudenten vor allen Dingen Theologen zu sein, die in dieser Stunde nach wie vor allein an Gottes Wort in der Heiligen Schrift gebunden sind; schlichte Glieder der Gemeinde, die ,, Gott mit Freuden und einfältigem Herzen loben"( Apg. 2, 47), inmitten unserer jungen Brüder und Volksgenossen, die allerhand andere Dinge und Menschen loben; inmitten unserer Lehrer und vielleicht auch Eltern, die uns oft die Dinge irgendwie bequem und mundgerecht machen wollen; inmitten eines ehrlichen, frank und frei redenden Staates, der uns als Jugend des Dritten Rei 10 ches, die an Gottes Wort gebunden ist, zum ehrlichen Rampf herausfordert; inmitten einer Kirche, die selbst dazu beigetragen hat und heute noch beiträgt, daß die deutsche Jugend auf ein Gottes Wort" aus ihrem Herzen und Gefühl, aber nicht auf das Wort Gottes aus dem heiligen Evangelium, das ewig bleibt, hören will. " Voreiligen Rommilitonen, die mich nach diesen Worten bereits für einen ,, welt, und volksfremden Theologen" halten möchten, sei nur nebenbei gesagt, daß ich nicht welt- und volksfremd" genug war, im Wintersemester 1931/32, da es noch eine recht freiwillige Angelegenheit war, nicht auch mit Freuden in die SA. einzutreten, nicht auch als einer der ersten einen unerlaubten, freien nationalsozialistischen Studentenbund an der Theolo gischen Schule in Bethel(!) mit zu organisieren, nicht auch mit heißem Herzen bedrohte Arbeiterfamilien gegen kommunistische überfälle zu schützen und mit in den Wahlkampf des Lipper Landes zu ziehen und damit als recht anrüchiger Theologe" angesehen zu werden. Die Verteidigung unseres deutschen Volkes gegen die bolschewistischen Horden ist mir damals und würde es auch heute wieder sein eine selbstverständliche Pflicht als deutscher, evangelischer Student gewesen. Allerdings war ich auch Theologe genug, um ein halbes Jahr später aus der SA. auszutreten, als die weltanschauliche Bindung und Schulung des SA.- Mannes immer deutlicher heraustrat, die heute allein Sinn und Zweck des SA.Mannes ausmacht. Es sind für den Theologen zwei verschiedene Dinge, , welt, und volks na h" oder„ welt- und volks gebunden" zu sein. Wer das erstere, aber nicht das letztere ist als protestantischer Theologe, darf sich mit gutem Recht gegen den Vorwurf der Welt- und Volks fremd. heit wehren. - - und In dieser unserer besonderen- als junge Theologen der allgemeinen als junge Theologen- Situation der Gegenwart, die uns als bekennende Gemeinde und bekennende Theologen aller Orten herausfordert, sind wir aufgerufen, ohne Pathos und Selbstbewußtsein, aber ,, nüchtern allenthalben" mit allem Tun und Reden das Wort zu predigen und den Herren Christum, Gottes fleischgewordenes Wort zu bekennen, sintemal wir Theologen sein sollen und dürfen mit Gottes gnädiger Hilfe zu einer Zeit, von der der Apostel Paulus an den jungen Prediger Timotheus schreibt:„, da sie die heilsame Lehre nicht leiden, sondern nach ihren eigen Lüsten sich selbst Lehrer aufladen, nach dem ihnen die Ohren jücken; und die Ohren von der Wahrheit wenden und sich zu den Fabeln kehren"( 2. Tim. 4, 3-4). Freunde, die Zeit der„ eigenen Lüste" und der Abwendung von der Wahrheit und des Hinkehrens zu den Fabeln ist da. Stehen 11 wir mitten darin- als redliche, nüchterne Theologen, d. i. Diener am Wort? Gott sei es gedankt, die Mehrzahl der deutschen evangelischen Theologiestudenten glaubt nicht, daß Friede ist, wo doch kein Friede ist. Die Herzen sind voll von Fragen bis zum überfließen. Aber es gibt nicht viel Menschen heute, die ein offenes Ohr dafür haben, noch weniger, die hier praktisch zu helfen wagten. So schweigt der evangelische Theologiestudent still und denkt sich sein Teil, wenngleich er schon ahnt, daß es damit eigentlich noch nicht getan ist. Wir werden uns alle, wer wir auch seien, fragen müssen, ob wir wirklich schon so weit sind als Theologen wie ein Nikodemus, der sich auf den Weg zum Herrn Christus machte und Ihn nach seiner Mei nung fragte- geschweige, daß wir wie ein Nikodemus uns vor den Feinden Christi zu dem Herren bekennten: Aus dieser Not vor dem Anspruch unserer Zeit und aus dieser Gebundenheit an unseren Auftrag als evangelische Theologen ist die folgende Besinnung geschrieben, für mich und euch alle ,,, die sich als gute Streiter Jesu Christi leiden wollen", ,, nach der Kraft Gottes"( 2. Tim. 2, 3 u. 2. Tim. 1, 8). In keinem anderen Streit, in keinem anderen Mut! Gottes Gnade sei mit uns allen! Amen. Schwelm, Pfingsten 1934. PS.: - ach der Abfassung dieser Zeilen kommt mir ein Aufruf der„ Fachschaft der evangelisch- theologischen Fakultät Breslau" vom 7. Mai 1934 in die Hände. Zu diesem traurigen Dokument neuzeitlicher Besinnung" evangelischer Theologiestudenten ist nur soviel zu sagen, daß es in wün. schenswerter Offenheit die theologische Unbildung, Schwarmgeisterei und Unkirchlichkeit junger Kommilitonen offenbart, die es wagen im Namen einer Fachschaft der evangelisch- theologischen fakultät Breslau zu reden. Von unſerem wunderlichen Auftrag. Drei Menſchen wanderten eine Straße entlang. Auf ihrem gemeinſamen Wege kamen ſie an einem blühenden Fliederſtrauch vorüber.„Schaut“, ſprach der erſte von den drei Wanderern,„wie herrlich der Strauch blüht“! „Du haſt recht“, fuhr der zweite fort,„es iſt eine Luſt, dieſe vollen blauen Dolden leuchten zu ſehen“. Da ſchüttelte der dritte Wanderer den Kopf und ſprach:„Ihr irrt euch! Der Strauch blüht gar nicht; er iſt dürr und am Sterben. Und die welken Blüten an ſeinen Zweigen ſind nicht blau, ſondern rot“. Jetzt mußten ſeine beiden Begleiter lachen.„Zaſt du denn keine Augen, Menſch? Dürr und welk und rot nennſt du das?“ Und ſie machten ſich luſtig über ihn. Er aber blieb bei dem, das er ſah. Da gingen ſeine Begleiter er⸗ ſchrocken und verwirrt ganz nahe an den Strauch heran, zu ſehen, was es damit wäre. Sie blieben aber bei dem, das ſie ſahen, und ſchalten den Drit ten einen Dummkopf und Sonderling. Als er aber ſich nicht darum küm⸗ merte, vielmehr aufs neue den Strauch auf ſeine Weiſe beſchrieb und ihnen ſagte, daß ihre Augen blind ſeien, mit denen ſie„ſähen“, holten ſie, erboſt über ſeine widerwärtige Hartnäckigkeit, andere Leute, die des Weges kamen, heran und fragten dieſe:„Was haltet ihr von dieſem Strauch? Iſt er nicht lebendig und hat blaue Dolden?“ Und ſie waren ſich alle darin einig und ſpotteten über den, der vorgab, anders zu ſehen. Nur einige ließen es offen, man könne ſchließlich auch bei genauem Zuſehen etwas Rot an den Blüten erkennen, und ſo ganz friſch und lebendig ſei der Strauch an allen Aſten wohl auch nicht mehr; aber es ſei doch immerhin auch viel Gutes und Blaues an ihm zu ſehen. Aber der dritte Wanderer ließ ſich nicht darauf ein und wiederholte, was er ſah, und fügte hinzu:„Keiner von euch ſpricht dasſelbe wie ich, auch nicht einer. Da iſt nicht etwas Rot und nicht etwas Dürre, die ihr erkennen wollt; wo ſeht ihr das denn? Es iſt alles Rot und alles Dürre.“ Darauf widerſprach ihm die ganze Menge, auch die, die ſich zuvor ein— gebildet hatten, ihn„in etwa“ zu verſtehen, und ſie waren ſich einig, daß er ein unbrauchbarer Menſch in ihrer Mitte ſei. Als ihn aber einige frag ten, wie er denn zu ſolchen wunderlichen Augen komme, die keiner von ihnen habe, erzählte er ihnen von einer fremden Wundermacht, die ihm die rechten Augen gegeben habe und noch heute gebe, nachdem er zuvor genau wie ſie „geſehen“ habe. Und er rühmte jenen Tag und jene Kraft und wiederholte alles, was er über den Strauch geſagt hatte. Da ließen ſeine beiden Begleiter ihn ſtehen, beſchimpften ihn und gingen ihren Weg allein weiter. Die Menge aber wurde zornig über ſeine Beharr— lichkeit, die ſie nicht verſtehen konnte und die ihr nichts nütze war; und ſie ſtießen und traten und höhnten ihn. 13 Er aber blieb geduldig und wich ihnen nicht aus, sondern folgte seinen Brüdern auf dem gleichen Wege fröhlich und ohne furcht und Zugeständnis. Aber mit ihm ging niemand.- Wenn du ein Theologe bist, bist du kein Einsiedler und Eigenbrödler, der fern von seinen Mitmenschen, fern von dem Geschehen und Reden seiner Zeit seine eigenen, kleinen Sonderpfade und Geheimwege wandert. Du bist von deinem Schöpfer und Vater auf eine bestimmte Straße des Lebens gesetzt, die du mit deinen Mitmenschen gemeinsam wandern mußt, seien es Heiden oder Christen- wie der Herr Christus es nicht ließ, inmitten derer zu wandern, die sich an ihm ärgerten, ihn zur Notzeit verließen und verrieten. Du darfst dir deinen Weg nicht aussuchen, sondern mußt dort wandern, wo der Gott Abrahams, der auch dein Gott ist, dich heißt, zu gehen, zu stehen und zu leben. Der Theologe geht nicht im Himmel, sondern auf Erden, wo seine Menschenbrüder, die nichttheologen und Nichtchristen und Heiden auch gehen. Das heißt für den deutschen Theologen der Gegenwart: im Dritten Reich. Aber er geht diesen Weg mit all diesen Leuten eben als Theologe, das ist Diener am Wort. Was heißt das? Die Leute, die neben dir wandern, haben ihr vernünftiges, einsichtiges und billiges Urteil über die Dinge dieser Welt und über ihren Wert und Unwert. Sie werden und können nicht da mit sparen, dir diese vernünftigen, einsichtigen und billigen Urteile vorzutragen und an deine Vernunft, Einsicht und Urteilsfähigkeit zu apellieren. Du hast ja all diese Möglichkeiten der Verständigung mit deinen Zeitgenossen auch, eben darum, weil du als Weggenosse des menschlichen Lebens, dieses Lebens an ihrer Seite schreitest. Sie müssen dich fragen, was du von den Dingen und Freuden und Lüsten und Ereignissen dieses Lebens, an denen ihr alle, du und die anderen, vorbeikommen und die alle, dich und die anderen, ansprechen, hältst. Und du mußt antworten, lieber Freund! Du kannst nicht stumm bleiben und die Sache für dich, in deinem Herzen behalten. Du wandelst nicht deine lieblichen, stillen Herzenswege, sondern stehst auf bewegter, belebter Landstraße der Völker und ihrer Geschichte, Politik, Weisheit und Kunst. Auf dieser Straße fragen dich deine Wandergenossen und die Ereignisse dieser Welt: was sagst du 14 dazu? Sie fragen mit Recht, weil du als Mensch einer ihresgleichen auf der gleichen Landstraße bist. Aber nun behauptest du, auf solche Fragen als Theologe zu antworten. Eine große, durchaus nicht alltägliche Sache, wenn du das tust. Weißt du, was das heißt, als Theologe in deiner Zeit Rede und Antwort stehen? Das heißt:„ Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand; sondern gedenke an Jhn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen"( Prov. 3, 5/6) oder wie der Psalmist singt:„ Laß meinen Gang gewiß sein in deinem Wort"( Psalm 119, 133). - - Wenn du Diener am Worte Gottes sein willst, sollst du dich nicht auf Herz und Verstand weder in dir noch in anderen Menschen verlassen. Du kannst nicht nachsprechen, was deine Umwelt dir nahelegt an Einsichten und Eindrücken und Urteilen. Du hast überhaupt nichts zu sagen. Das können andere Menschen auch, das könntest und dürftest du auch, wenn du als Theologe auch die Absicht hättest, deine Meinung zu äußern. Aber nun soll es für dich eine ausgemachte Sache sein, daß du dich von ganzem Herzen auf den Herrn verläßt! Gottes Wort dessen Diener du bist, d. i. einer, der formulierte und festgelegte Befehle vom Herrn entgegennimmt will nichts von deinem Verstande und deiner Meinung wissen, sondern verlangt dein ganzes Herz für sich. Ein Theologe müßte also ein Mann sein, der der Stimme seines Blutes, seines Verstandes, seines Herzens das Ohr verschlossen hat, weil er durch Gottes Barmherzigkeit weiß, daß er kein reines Herz und keinen rechten Verstand hat, ihn vielmehr durch das Aufnehmen von Gottes Wort erst bekommt, wie die Heilige Schrift solches rühmt Prov. 3, 13. - Du darfst den Namen eines Theologen, eines evangelischen, protestantischen Theologen, nicht in Anspruch nehmen, wenn du dich im Gespräch mit deiner Umwelt und mit dir selbst, in der Praxis deines Theologe- seins" noch auf dein oder der Mitmenschen vernünftiges und herzliches" Anliegen einläßt, und zwar so, daß du dich darauf verläßt. " Du darfst dich auch nicht einen protestantischen Theologen nennen, wenn es für dich Momente, Ereignisse, Lebensgebiete, Wege gibt, in denen du insgeheim oder offen einmal nicht ,, an 15 Ihn gedenkſt“ und die„Anliegen“ der Menſchen— wir Men— ſchen haben in unſerem Leben viele, eigentlich nur Anliegen!— berückſichtigſt. Es gibt keine„Privatwege“ der Menſchen, an deren Eingang ein Schild ſteht„Privatweg für uns!“— wenig— ſtens wenn du Theologe ſein willſt, gibt es nur ein Schild an der Straße mit der Aufſchrift:„gedenke an Ihn in allen deinen Wegen“ mit der Unterſchrift„Gottes Wort“. Wir werden gewiß immer Stümper und Wortbrüchige darin bleiben, Gottes Wort auf unſerer Wanderung immer vor Augen zu haben, ſo wahr es einem Petrus und vielen Jüngern nicht anders gegangen iſt. Aber du wirſt ſelbſt von dir wiſſen, ob du ein Wortbrüchiger biſt, der am Anfang ſeines Weges Gottes Gebot geleſen hat und bei der Wanderung immer wieder andere ſchöne Dinge vorzieht ſtatt jener Wegweiſung— oder, ob du das Schild überhaupt noch nicht geſehen oder wiſſentlich über— ſehen haſt, ſo daß du noch gar nicht daran gedacht haſt, von den „Anliegen“ der Welt und deines Herzens Abſchied zu nehmen. Darüber lege dir Rechenſchaft ab. Wenn es aber wahr iſt, daß du dich nicht dünkſt, weiſe zu ſein, und aus des Herrn Chriſtus Sand den Verſtand, die Weisheit des Kreuzes empfängſt— dann magſt du dich getroſt in aller An⸗ fechtung für einen Theologen halten und den Mund auftun, wie es Gott gefällt. Solches Mundauftun des Theologen bedeutet dann, daß du haarſträubende, unbegreifliche, empörende Worte ſprichſt über die Gedanken und Taten und Abſichten deiner Mitmenſchen, die unter Menſchen noch nie dageweſen ſind. Du ſagſt eben Gottes Wort und das iſt nicht des Menſchen Wort! Daß du das tuſt, iſt nicht deine Luſt, deinen Mitmenſchen auf den Fuß zu treten und ſie ſchlecht zu machen oder mit deiner Theologie auf den Leib zu rücken. Du haſt die Weisheit Gottes geleſen und gehört und richteſt dich einfältig nach dieſem Wegweiſer; kannſt du die Weg⸗ genoſſen deines Lebens an dir vorbeilaufen laſſen, die ſich ſelbſt den Weg weiſen?? Und nun iſt es das natürlichſte und verſtändlichſte und wahrſte Zeichen dieſer Welt, daß ſie ſich luſtig über dich macht und zu⸗ nächſt für einen wunderlichen Rauz hält. Wie ſollte es anders ſein, wenn du allem Begreifen und aller zugänglichen Wirklich⸗ 16 keit gegenüber, allen menschlichen Voraussetzungen und Behauptungen zuwider Dinge behauptest, die kein Mensch mit seinen natürlichen Augen sieht, beim besten Willen, sich deine ,, Meinung"- wie kann er dein Wort anders bezeichnen?- irgendwie eigen zu machen, nicht sehen kann! Wie sollte es anders sein, daß der Vernünftige bei dem bleibt, das er sieht, und dich einen Toren und Sonderling nennt? - wenn er Es ist eine verdächtige Situation für den Theologen- und in einer solchen verdächtigen Situation befinden wir uns heute weithin seinen Hörern nicht lächerlich, wunderlich, sonderbar vorkommt. Verdächtig, weil du deinen Zeitgenossen dann irgendwie plausibel und einsichtig geredet haben müßtest, und das kannst du nur, wenn du dich an irgendeinem, viel. leicht sehr versteckten Punkte deiner Rede wieder deinem Herzen, der Stimme deines Blutes oder deines Volkes angeschlossen hast. Solche Zugeständnisse haben ein reicher Jüngling oder ein Pilatus oder die Jünger, die nach dem anstößigen Leidenswort ihres Meisters( Joh. 6, 66) ,, hinter sich" gingen, gemacht; und gerade dar um durften sie keine Christen und Theologen sein, gingen vielmehr„ betrübt“ und„ murrend" ihre eigenen Wege. Wer ,, hinter sich" geht, wandelt nicht hinter Gottes Wort und darf sich weder einen Christen noch einen Theologen nennen. Lieber Bruder und Kommilitone: verdächtig vor der Welt, aber in Ordnung vor Gott ist es darum, wenn du dich mit deinem Volks- und Lebensgenossen in den Anliegen Gottes gerade nicht verständnigen kannst. Weißt du, daß wir fröhlich darüber sein dürfen, wenn in unserer deutschen Kirche Jesu Christi die Menschen sich nicht verstehen, die sich hier auf ihren Verstand, dort auf die Erkenntnis Gottes verlassen? Es ist die Ordnung Gottes, wenn man dich starren, orthodoren" Theologen auslacht; wenn man gerade für diese Schau der Dinge der Welt kein Gesicht hat; wenn man bei dem bleibt, das man sehen, erkennen und beweisen kann. Aber nun bleibe doch auch du bei dem, das du siehst, weil der Herr Christus für dich selbstmächtigen und selbständigen Herrenmenschen gekreuzigt und auferstanden ist! Bleibe dabei, wenn dein Gang gewiß" sein soll. Es kann doch in der Zeit dieser Welt nichts anderes geschehen - wenn du in Wahrheit nur unter der Voraussetzung von Gott reden kannst, daß der Herr selbst dir große Freude verkündigt hat ― nichts anderes, als daß alle, vor die das Wort kam, sich über diese Rede wunderten, die ihnen die Hirten gesagt hatten"( Luk. 2, 18) und daß solche Verkündiger sich nicht an 17 dem ,, Sichwundern" der Leute stoßen, sondern in der Lehre Christi bleiben, wo man denn freilich ohne Furcht und Zittern Gott preisen und loben kann. Weil diese Ordnung Gottes für seine Diener des Wortes seit Gottes Gnadenhandeln in der Welt gilt, wirst du es dir auch gefallen lassen müssen, vor das Forum der Menge, des Volkes, der öffentlichen Meinung gestellt zu werden, wo man sich einig ist darin, daß du lügst, aber der Verstand der Verständigen Recht hat. Der Anspruch, daß Volkes Stimme Gottes Stimme sei, hat Gottes Sohn an das Kreuz gebracht und hat sich damit selbst widerlegt. Volkes Stimme ist nichts anderes als der erhöhte Geltungsanspruch des gottlosen Menschen zu Zeiten Israels, zu Zeiten des nationalsozialistischen deutschen Volkes. Vor diesem Forum wirst du entweder nicht ernst genommen, in der Torheit der Weisen- dann stört man sich nicht an Gottes Wort; oder du wirst ganz ernst genommen, in der Torheit der Weisen, dann stört man sich an Gottes Wort, wird dir das Reden in diesem Namen verbieten und dich verfolgen. - Wenn diese Dinge geschehen, ist Gottes Wort auf dem Plan und wir haben keinen Grund, uns zu fürchten, wie das die verfolgten und geplagten Apostel vor Zeiten auch nicht getan haben, sondern ,, fröhlich von des Rates Angesichte gingen, daß sie würdig gewesen waren, um seines Namens willen Schmach zu leiden; und höreten nicht auf, alle Tage im Tempel hin und her in Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesu Christo"( Apg. 5, 41/42). Hier weißt du wenigstens, wie du dran bist. Aber zu allen Zeiten hat es Leute gegeben, von denen du nicht wußtest, wie du dran bist. Das sind die Menschen, die ,, auch" dem Herrn die Ehre geben, die auch" an Jhn gedenken, die ,, auch" Theologen, so eine Art von Vermittlungstheologen" sein wollen.( Du kannst hier an eine bestimmte theologische Richtung denken oder auch nicht; es trifft jedes Mal.) Diese ,, Auch Christen" und„ Auch- Theologen", die nebenbei auch noch manches andere sein können, haben das Anliegen, den„ beiderseitigen Anliegen" gerecht zu werden, wie man mit viel Ernst sagt; hinzuhören, was da und dort Berechtigtes gesagt wird. Sie bilden sich ein, in dem Rampf Gottes um das Heil des Menschen in seinem Gerichts- und Gnadenwort die besonnenen VerTheol. Eristenz, Seft 11 "/ 2 18 - - " 1 mittler darstellen zu können. Unter dem Deckmantel der Liebe oder gar Vernünftigkeit wird gern zugegeben, dich als Theologen mit deinen Geboten und Ansprüchen Gottes verstehen" zu können. Gottes Wort, Jesus Christus, der Heilige Geist, Sünde und Gnade gewiß, aber doch auch und dann werden unter dem kleinen Vorwort sich auf den Herren verlassen" die eigentlichen Worte und Ansprüche genannt, die man zusammenfassen kann unter der überschrift sich auf den Verstand verlassen" oder sich auf Götzen und Lügen verlassen"( Jes. 42, 17, Jer. 7, 4). Deutsche Theologen! Wir sollen uns nicht auf solches Gerede von Gott" und göttlichen Dingen einlassen, als ob wir mit diesen Schwätzern und Rednern an einem Tisch sitzen und uns mit ihnen auf einer gemeinsamen Basis verständigen könnten. Die gemeinsame Basis ist nicht da. Und darum sind diese Leute ,, freche und unnütze Schwätzer und Verführer"( Tit. 1. 10), die Gottes Offenbarung und seine Zeugen zugleich in den Verständnisbereich und Geltungsbereich des Menschen einbauen wollen. In der Welt sein" heißt nicht ,, Von der Welt sein"; " In der Geschichte leben" heißt nicht„ Von und aus der Geschichte leben"; ,, Volksnah reden als Theologen" heißt nicht„ Völkisch reden als„ Theologen"- wenn du dich auf den Herrn verläßt! Darum wiederhole gerade diesen Schwätzern, die nichts Besseres denn eine Schlange sind, die ohne Beschwörung sticht" wie der Prediger spricht( Pr. 10, 11), immer wieder als ein beharrlicher Knecht Gottes die einzige Beschwörung, die der Theologe einer protestantischen Kirche im Munde haben soll und die da heißt in Phil. 3:„ Wir verlassen uns nicht auf Fleisch" und weiter ,, um meines Herren willen habe ich alles für Scha den gerechnet und achte es für Rot"( Phil. 3, 3 u. 8). Wenn Deutschlands junge, evangelische Theologen wieder so sprächen, nur in diesem Punkte in einer Einmütigkeit, die die verschiedensten theologischen Schulen gegenstandslos machte, wofern sie sich in diesem formalen Ausgangspunkt, der zugleich Inhalt alles theologischen Redens ist, einig wären- dann würden jene losen Reden und Gotteslästerungen vom„ deutschen Gott", vom ,, artgemäßen Christus", der„ die Erfüllung all unserer Sehnsüchte und Ahndungen" ist, vom„ heldischen Christentum" recht bald dem offenen, ehrlichen Widerspruch aller Deutschen, auch der einst so frommen Vermittler, weichen, die 19 sich noch auf ihre Gerechtigkeit verlassen. Wer von uns weiß, daß ein fauler Scheinfriede mit dem wahrhaftigen, dreieinigen Gott für unser Volk katastrophaler, dekultivierender und entsittlichender, vor allen Dingen aber unwahrhaftiger denn 1000 Versailler Friedensverträge ist, der darf sich reinen Herzens freuen, wenn die Feuerlohe der Brandfackel ,, Wort Gottes" in allen deutschen Landen und Herzen die Menschen erboste, erschreckte, verwunderte und verwirrte. Und das wird kein Spiel mehr für Kinder und erbauungssüchtige Seelenfreunde sein, sondern eine offene Diskussion und Erregung und Bewegung auf den Straßen und Gassen, in den Palästen und Hütten, unter Familien und Freunden, Eltern und Rindern, Feinden und Brüdern! Du aber, minister verbi divini im Dritten Reich, du hast beharrlich und geduldig zu sein und niemandem auszuweichen, d. h. du sollst immer auf Erden wandeln mit deinem Volk- aber als wunderlicher Mann, der in allen Wegen des Herrn gedenkt und seinem Volke in dieser Schau des völkischen Lebens und Strebens predigt, sich doch auch zum Herrn, unserem Gott zu kehren. Glaube nie, dem Volk, den Ungläubigen, den Feinden den Rücken kehren zu können. Es mag sein, daß uns unsere besten Freunde den Rücken kehren und allein, auf sich gestellt, die Straße des Lebens weiterziehen und nichts mehr von uns wissen wollen. Es mag sein, daß die Leute bei dem bleiben, das sie sehen können, und gegen alle Theologenkünste" und" Theologenzänkereien" zu Felde ziehen - wir haben auch in diesem Falle nicht an uns oder unsere Schätze oder unser Volk, sondern ganz schlicht„ an Ihn" zu ge denken, der macht„ daß sein Wort läuft und gepriesen wird und wir erlöst werden von den unverständigen und argen Menschen", die auch den Apostel Paulus zeit seines Lebens bedrängt haben. Und das auf allen Wegen! Weil Gottes Wort in dem Herren Christus hinter uns hergelaufen ist und heute noch durch die Welt läuft, darum laufen auch die Diener dieses Wortes mit, unbekümmert um alles Ausweichen und Davonlaufen und Entgegentreten der Mitwandernden.„ Wie uns denn Barmherzigkeit widerfahren ist, so werden wir nicht müde"( 2. Kor. 4, 1). Darum, aus keinem anderen Grunde; mag da einer sagen und tun, was er will, liebe Brüder und Kommilitonen: das Laufen hinter unseren Volksgenossen darf nicht aufhören, 20 solange das Evangelium läuft; und solange können wir fröhlich und unverzagt sein. - - Es mag oft ein einsames Laufen sein, einsam mitten in dem Gewoge und Getriebe unserer Umwelt, wie das ein Jeremia mitten in seinem Volk hat bitter erfahren müssen und wie es der wahrhaftige, treue Gottessohn litt im Garten Gethsemane, da nicht einer von seinen Jüngern mit ihm wachen konnte. Vor dieser Einsamkeit die eine Einsamkeit der Seele, nicht des Leibes sein wird dürfen wir uns darum nicht scheuen, weil sie die Einsamkeit des Wortes Gottes und unseres Herren Christus ist. Erst dann, wenn wir als protestantische Theologen im Dritten Reich so wunderliche Leute geworden sind, daß niemand von den Menschen der Welt" mehr mit uns geht, und wir es verlernen, auf Menschen, auch auf Christenmenschen zu bauen dann lernen wir vielleicht erst richtig, was es um den ,, einsamen, wachen Vogel auf dem Dache" ist, der nur das eine Lied zu singen weiß:„ Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand; sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen!" Wo das Ereignis geworden ist- da hat auch die Bitterkeit der Einsamkeit ein Ende:„ denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich; aber der Herr nimmt mich auf"( Psalm 27, 10). 21 Wie wir mit solchem Auftrag wandeln sollen. Wenn wir als Theologiestudenten im Dritten Reich uns darin einig wären, was es um das Wort" sei, so könnte unsere Besinnung eigentlich mit dem vorigen Abschnitt schließen. Ob wir in einer Fachschaft oder in einem Arbeitslager stünden wüßten, was wir zu sagen und wie wir uns zu gehaben hätten. - wir Aber das Wort Gottes aus der Heiligen Schrift steht nicht hoch im Kurs zu unserer Zeit. Auch nicht bei allen Theologiestudenten. Es gibt zuviel andere Worte heute, die unsere Aufmerksamkeit und Hingabe erfordern und unseren Wandel gestalten. Es herrscht sogar an allen Universitäten die einhellige Erziehungstendenz des Staates, den Wandel des Theologiestudenten von den gleichen ethischen Voraussetzungen, die die Kommilitonen der anderen Fakultäten bestimmen sollen, her festzulegen. Der Dienst und die Schulung des SA.- Mannes ist keine lediglich körperliche, wehrsportliche Erziehungsarbeit mehr, sondern verlangt, daß sich jeder Student, also auch der Student der evangelischen Theologie von der nationalsozialistischen Weltanschauung schulen und leiten lasse. Unsere Kommilitonen von der katholisch- theologischen Fakultät sind von dieser Schulung befreit; man darf fragen: ist das ein Anspruch der katholi schen Kirche, über den wir als„ Protestanten" mit der vielgerühmten„ Freiheit des Glaubens" erhaben sein können? Ist unser reformatorischer Glaube wirklich so frei? Wer die nationalsozialistische Schulungsarbeit oberflächlicher und harmloser auffaßt, wird der mehrfach eindeutig ausgesprochenen Intention der Führer unseres Staates in dieser Hinsicht nicht gerecht. Dem übergeordneten Gesichtspunkt der völkischpolitischen Jdee hat sich auch der Student der evangelischen Theologie heute an den deutschen Universitäten unterzuordnen; in anderem Sinne ist seine Mitarbeit nicht möglich. Wir haben diesem Anspruch gegenüber, der an die letzten Grundlagen unserer Lebensgestaltung allein durch Gottes Wort 22 - - - greift, nur eine Pflicht:„ Begürtet die Lenden eures Gemütes, seid nüchtern und setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Christi, als gehorsame Rinder, und stellt euch nicht gleichwie vormals, da ihr in Unwissenheit nach den Lüsten lebtet; sondern nach dem, der euch berufen hat und heilig ist, seid auch ihr heilig in allem euren Wandel"( 1. Petr. 1, 13/15). Liebe Brüder und Kommilitonen! Wir sind es unserem einigen Dienstherren Jesus Christus schuldig, uns nicht von gegenwärtigen Jdeen und menschlichen Lö sungsversuchen der irdischen Problematik berauschen und bezaubern zu lassen- wenn anders wir Theologi e studenten sein wollen. Es ist uns verboten, Bindungen mit Weltanschauungen und Lebensidealen- welcher Art sie auch seien einzugehen, die andere Ziele haben müssen als sie Gottes Botschaft im Evangelium hat. Ganz einfach darum, weil es für uns das erste Gebot gibt. Sofern wir wirklich die„ wunderlichen Theologen" sind, müssen wir auch nicht wollen wir!- in den Augen der Su- Kameraden und Kommilitonen wunderlich wandeln. D. h. nicht die Sinne für die Pläne und Ziele einer bestimmten Gesinnung" offen haben, sondern sie mit dem Gürtel, mit der Zucht von Gottes Wort und Ziel, das nur im Glauben erkannt wird, gegürtet halten. Von der Ewigkeit des deutschen Volkes und von dem Heldensinn unserer Väter zu singen, ist nicht unsere Aufgabe und soll nicht unsere Lust sein; denn wer so singt, hat weder die Sinne gegürtet noch ist er nüchtern. Wir sollen uns eben nicht dem Geist einer Zeit ausliefern, der nie der Heilige Geist ist. Wir sollten eben nicht das Heil oder Unheil unseres deutschen Volkes in diesem oder jenen Wirtschaftssystem, in dieser oder jener politischen Erziehung sehen. Was wir sollen, ist: jeden Tag, wo wir stehen und ein klares Wort sagen müssen, unsere ganze Hoffnung auf die Gnade setzen, die uns bevorsteht in der Offenbarung Jesu Christi". Unsere ganze Hoffnung! Gott meint also, daß es grundsätzlich nichts anderes mitten in unserem täglichen Leben zu hoffen gebe als die Gnade, die wahr ist und wahr wird. Deutsche Theologiestudenten! Wenn man seine Hoffnung, das A und O seines täglichen und zukünftigen Lebens wirklich kennen will, muß man vor allen Dingen Gottes Wort studieren in allen Einzeldisziplinen der theologischen Wissen An Postkarte Herrn Pastor E. Hildebrandt Altona- Ottensen Bei der Osterkirche 13. oh erkläre hiermit meinen Beitritt zur evangelischen Frauenhilfe Osterkirche Ost-Bezirk Ein Beitrag von monatlich u bitte ich durch die Vertrauensdame der Frauenhilfe ein kassieren zu wollen. Onterscheift: Wohnung. - 23 schaft. Wir müssen exakte, nüchterne, gründliche Fachwissenschaft treiben; nicht um der„ kalten Wissenschaft" willen, sondern um des ganz praktischen„, lebensnahen" Wissens willen: was es heißt, heute im Dritten Reich die ganze Hoffnung auf die Gnade setzen. Es ist eine auf die Dauer untragbare, jedes Theologiestudium entstellende und verwässernde Tatsache, daß der Theologiestudent von heute nicht die Gelegenheit und innerliche Freiheit hat, oft auch gar nicht beansprucht, nüchterner, fleißiger Student seiner Theologie zu sein. Man ruft ihm zu, er solle vor allen Dingen ,, deutscher Student" sein- als ob damit alles über ihn gesagt sei. Selbstverständlich sind wir deutsche Studenten, aber das eben als Studenten der evangelischen Theologie. Nicht als Studenten schlechthin. Wir sind sogar erst in dieser überordnung des Rommandos Christi über alle anderen Kommandos wahrhaftige deutsche Studenten! Allerdings wahrhaftige deutsche Studenten des Wortes Gottes, die sich zumindest! ,, nicht gleichwie vormals stellen" sollen, da sie in Unwissenheit nach den Lüsten lebten". Wer nicht weiß und ehrlich ausspricht, daß der deutsche Mensch, der nationalsozialistische Student mit seiner ganzen Lebensauffassung von der Hoffnung und der Gnade korrigiert wird, unter Umständen sogar, so wie er ist, radikal verneint wird der mag sich deutscher Student und SA.- Mann nennen, die in ihrem Bereich und Denken ihren ordentlichen Platz und ihre eigene Ehre haben; eins aber soll er sich nicht nennen: einen ehrlichen, nüchternen Studenten und Diener des Evangeliums von Christus, dem Gekreuzigten. Wir sind jämmerliche, wortbrüchige Gestalten in der Geschichte unseres Volkes wie unserer Kirche die sich heute mit so grosem Pathos auf das Erbe der Reformation beruft wenn wir uns, unsere SA.- Kameraden und alle unsere jungen Volksgenossen nicht ganz nüchtern unter den Anruf Gottes stellen. Wenn heute noch so viele Rommilitonen nichts von dem Kampf spüren, der ihnen als Theologiestudenten mit dem SA.- Mann des nationalsozialistischen Staates aufgegeben ist soweit dieser Träger und Verkörperer der nationalsozialistischen Weltanschauung sein will, d. i. mehr als Soldat im Sinne einer wehrpolitischen Dienstpflicht so liegt es ganz einfach daran, daß sie weder wissen, was die völkisch- rassische Weltbetrachtung verlangt, noch wissen, was das erste Gebot und seine Umschreibung, - - - - - 24 d. i. evangelische Theologie fordert. Vielleicht wissen sie nur eines von beiden; und das ist nicht weniger abwegig und gefährlich. Darum, Brüder und Kommilitonen, studiert Theologie, als deutsche Studenten!- Allerdings, laßt uns das nicht als priesterliche Würdenträger oder schwärmerische Revolutionäre, sondern als Kinder des Ge horsams" tun. Es ist ein unerquicklicher Anblick und eine unheilige Haltung, theologische Pose der Selbstherrlichkeit und Abgrenzung von den„ Ungläubigen" einzunehmen. Nicht der Theologiestudent Hans Müller soll den Kameraden im Arbeitslager bedrängen und zur Rede stellen, sondern das Gnadenangebot des barmherzigen Gottes in seinem Wort, durch den Heiligen Geist. Nicht du sollst groß und erdrückend vor deinen Rameraden stehen- sondern Christ us. All das gewiß durch den Mund des Theologiestudenten Hans Müller; aber auch nur das: durch den Mund hindurch. Man muß es merken, daß du nicht dein eigenes, wertendes oder abstoßendes Wort sagst, sondern nur ein Kind bist, das allein durch die Milch des Gotteswortes existiert und gehorsam die Freudenbotschaft seines Vaters ausrichtet. Die Heilige Schrift nennt diesen Gehorsam Christi, in dem alle Vernunft gefangen" sein soll( 2. Kor. 10, 5) die Liebe des Christen, wie es 2. Joh. 6 heißt und das ist die Liebe, daß wir wandeln nach seinem Gebot". Je weniger du gebietest mit deiner theologischen Sondererkenntnis, um so mehr Raum wird in deiner Rede und in deinem Wandel für Gottes Gebot und Gottes Liebe sein. Und diese beiden Willensäußerungen Gottesdie allerdings kannst du weder abschwächen noch verschärfen; der Vater hat nun einmal in seiner Liebe, nicht in unserem Liebesverständnis und Liebesbedürfnis, so gesprochen zu dir, wie du es an jedem Tag deines Studiums hören kannst; und nun sei ein Kind, das nichts anderes weiß als das vom Vater. Siehst du, was das bedeuten könnte, wenn du als ein Kind des Gehorsams Christi mit einem SA.- Mann reden oder selbst SA..Mann sein sollst? Wie dieses Gespräch auch enden möge, der evangelische Theologiestudent muß es beginnen und muß es so führen. Nicht so, 25 daß ein„ SA.- Mann Christi"( wie man es in unseren Tagen hören konnte), sondern ein einfältiges, glaubendes, liebendes Rind Gottes dem SA.- Mann Adolf Hitlers gegenübersteht am besten zuerst in dir selbst. Dann wird es ein Gespräch der wahren Liebe Gottes sein, die Entscheidung, die unter Umständen auch Scheidung bedeutet. Daß auch diese Scheidung noch Liebe Christi sei der Liebesapostel Johannes wußte es, vgl. 2. Joh. 10/11 werden wir nicht ,, nachweisen" können und dürfen. Es gehört eben mit dazu, daß auch wir Theologiestudenten nicht ,, Kinder des Fleisches", sondern Gottes Kinder sein sollen, über die man sich wundert. - - Gottes Rinder! Ich könnte mir denken, daß mancher Rommilitone, vielleicht gerade recht ernste Theologen, an dieser Rennzeichnung des jungen Theologiestudenten Anstoß nehmen. Ist das nicht zuviel gesagt; wie sollten wir dann noch reden können, wenn wir das noch gar nicht ernsthaft von uns wissen? Rönnen wir das überhaupt von uns wissen? So wird man vielleicht etwas befremdet fragen. Zu dieser heute durchaus wichtigen Fragestellung fällt mir eine kleine Episode ein, die ich hier wiedergeben möchte. In einer kleinen Landgemeinde erzählte man mir von den verschiedensten Seiten, daß der Ortspfarrer in einer Bibelstunde über das Damaskus- Erlebnis des Apostels Paulus gesagt habe:„ Ich habe seit meiner Studentenzeit bis heute keine Bekehrung erlebt." Wer hat recht: die aufgeregten Gemeindeglieder oder der nüchterne Pfarrer? - Rommilitonen, so notwendig die Zeiten vorbei sein müssen, sie sind noch nicht vorbei in denen der Theologiestudent als ein ethisch hochwertiger, erhabener Mensch und eine Rarität der Heiligkeit gilt, so gewiß darf die Zeit nicht aufkommen und sie ist im Anzug-, in der der Theologiestudent als ein harmloser oder besonders befähigter Anwalt der menschlichen Freiheit gilt, der sich in der Freiheit des protestantischen Glaubens" alles, vielleicht noch mehr als die nichttheologen erlauben kann, in jeder Beziehung: politischer, weltanschaulicher, sittlicher, wissenschaftlicher. Ist es doch bereits soweit schon gekommen, daß Theologiestudenten zusammen mit Pfarrern, Bischöfen und Professoren der Theologie einen politischen und völkischen Rult treiben, der die Betätigung der berufenen Staatsmänner in dieser Hinsicht schon in den Schatten stellt. 26 Weil die Dinge so liegen, halte ich dafür: jene Gemeindeglie der wie ihr Pfarrer haben etwas Richtiges gesagt. In jedem Theologiestudenten, der heute seinen wunderlichen Beruf und Auftrag durchführen will, muß etwas passiert" sein und täglich neu passieren von seinem eigentümlichen Richtscheid alles theologischen Redens her: von dem Zeugnis der Offenbarung Gottes in der Heiligen Schrift. Wir jungen Theologen befinden uns in einer geschichtlichen Situation, die uns früher und aufwühlender in die geistige Auseinandersetzung mit unserer Umwelt zwingt, als es bei den Theologiestudenten vor dem Kriege nötig war. Wer andere wecken will und das wird von uns eigentlich in jedem Gespräch mit SA.- Rameraden und Rameraden im Arbeitslager gefordert der darf nicht selbst in tiefem Schlafe liegen. Wo man heute mit dir als Glied des nationalsozialistischen Staates über Rassenfrage, Sterilisationsgesetz, Religionsfrage, Sittenfrage spricht, da mußt du bei allem sozial- und nationalpolitischen, relativen Sonderrecht, das diese fragen beanspruchen dürfen, als Theologe wach sein. Denn nur dann kannst du entscheiden, ob dieses relative Sonderrecht ( das ist theologisch gesprochen von Gottes Ordnung her abgeleitetes und übertragenes Recht!) nicht bereits als absolutes Recht( das ist von Gottes Auftrag und Ordnung gelöstes und selbständiges Recht) gilt. 1 - Und nun meine ich allerdings, daß es kein echt es Wachsein ist, wenn du nur die Sätze deiner Theologieprofessoren nachsprichst oder mechanisch und geflissentlich die Heilige Schrift zitierst. Dann teilst du nichts anderes als eine Meinung mit, vielleicht eine wissenschaftlich korrekte; auch eine biblisch belegbare Meinung. Aber eben eine Meinung, die du korrekt beweisen zu können glaubst. Sieh und das können nun andere auch, vielleicht noch viel korrekter und überzeugender. Der Wunderlichkeitscharakter deines Theologenwesens wird auf dieser gemeinsamen Ebene des Streitens über„ Meinungen" verwischt. Er bestünde gerade darin, daß du nicht korrekt beweisen und meinen kannst und darfst, vielmehr- und nun passiert eben etwas( auf welche Weise steht hier nicht zur Diskussion), das anderen nicht passiert ist, daß du etwas weißt von dem, der dich berufen hat und heilig ist". Dein Gesprächspartner darf während des 27 ganzen Gespräches nicht vergessen können, daß du als ein Hörender, als ein Angerufener, als ein Sprachrohr mit ihm sprichst nicht als ein Redner in eigenen Sachen, als ein Aufrufender", als einer, der Sprachrohr und Stimme zugleich ist. "/ Solches Hingekehrtsein und Sich- Hingekehrtwissen würde dich zu einem wunderlichen Menschen machen, weil du irgendwie Gottes Wunder in der Heiligen Schrift begegnet bist. Und nur als solcher, meine ich, darfst du heute an allen Orten wandeln. Insoweit dürfte also jene„ Bekehrung" fordernde Gemeinde Recht gehabt haben. - Aber nun wollen wir es ebenso ernst und nachdrücklich sagen, daß solches Hingekehrtsein des Theologiestudenten nicht das zu sein braucht( im Sinne der Möglichkeit, nicht der Forderung gesprochen!), was wir im Sinne des Damaskus- Ereignisses an Paulus unter„ Bekehrung" heutzutage verstehen und was D. Martin Luther in seiner Umschreibung des ersten Gebotes genannt hat:„ Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen." Und nun würde ich dem offenherzigen Pfarrer Recht geben: hüten wir uns davor, unseren Kameraden, wo es sei, als Paulus- und Damaskus- Theologen gegenüber" zu treten. Ich weiß, daß ich nicht zuviel sage, wenn ich betone: junge Theologiestudenten sind in der Regel noch nicht nach Damaskus gekommen, wie es von Paulus gesagt werden muß. Es ist eine ganz große, hier und da schon offensichtliche Gefahr, daß die Vot unserer Kirche und der Ansturm der neuen Weltanschauung nicht nur Gemeinden und Pfarrer, sondern auch schon uns Theologiestudenten dazu verführt, mehr sein zu wollen als wir geistlich sind; Not zu haben, wo wahrhaft von dem Heiligen her noch keine Not ist; Bekenntnis abzulegen und hier und da zu revoltieren, wo noch keine wahre Erkenntnis des törichten Herzens ist; heilig zu sein und zu wandeln, wo man in Wahrheit noch nichts vom Unheiligsein und vom unheiligen Wandel weiß. Es ist nicht die Erhabenheit oder niedergeschlagenheit einer stillen Stunde, auch nicht die hier oder dort einmal erlittene Maßregelung, die berechtigt, als Prophet und Märtyrer gelten zu wollen. Weil es allein das echte Schattenbild des Kreuztragens und Kreuzganges Jesu Christi ist, das uns zu echten und vollkommenen Bekehrten macht darum sollen wir uns doch recht oft, gerade in unseren 28 Tagen des Bekennens und Leidens, fragen, ob wir nicht noch bescheidener werden möchten. Solche Bescheidenheit soll und kann nicht den Ruf Gottes an uns und unser gehorsames Hören im täglichen Wandel abwerten; sie soll nur den ungeheuren, todernsten Anspruch des Wortes würdigen: Ihr sollt heilig sein; denn ich bin heilig!"( 1. Petr. 1, 16).— Aber wie ist es nun mit dem Gottes Rinder sein", von dem wir ausgingen? Gibt es so etwas wie eine Vorm, wie eine theologisch- biblische Umschreibung dessen, das wir als eine Art ,, Bekehrung" doch für den Studenten der evangelischen Theologie in unserer Zeit gefordert haben? - Wenn D. Martin Luther die oben zitierte Umschreibung des ersten Gebotes, dessen Erfüllung im Glauben an Jesus Christus eines ,, Volltheologen" würdig wäre, mit dem Wort„ Gott über alle Dinge fürchten" beginnt; wenn der Psalmist spricht,„ die Furcht des Herren ist der Weisheit Anfang"( Psalm 111, 10)- so möchte man wohl heute, ohne unbescheiden zu sein, von uns deutschen evangelischen Theologiestudenten in unserer Lage fordern, in diesem Anfang der Erfüllung des ersten Gebotes zu stehen. In der Furcht des Herren" liegt nicht alles, was über das erste Gebot an uns zu sagen ist. Die Liebe und das Vertrauen Gottes( letzteres in Luthers Sinn auch„ Glaube") müssen hinzukommen, wenn es ganz recht sein soll. Wir haben von dem Glauben und der Liebe in unserem Beruf bereits gesprochen. Es wäre gewiß etwas Großes, wenn uns diese Gnadengaben Gottes schon früh geschenkt würden. Aber wir haben uns hoffentlich, Brüder und Rommilitonen, darauf geeinigt, bescheiden zu sein, trotzdem und indem wir als Theologen von uns ein Bestimmtsein unseres Wandels von Gottes Willen fordern müssen. Und so mag es zugleich der Ausdruck der Bescheidenheit, aber auch einer unerläßlichen Forderung sein, wenn wir uns als deutsche Studenten der protestantischen Theologie im Dritten Reich beharrlich einander zurufen:„ Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten" oder mit 1. Petr. 1, 17:" Führet euren Wandel, solange ihr hier wallet, mit Furcht." In der Furcht des Herrn – wollen und müssen wir aller menschlichen Ordnung und dem Staate untertan sein, gerade als evangelische Theologen- es sei denn, der Staat fordere 29 mehr, als sein ist, und damit mehr, als die Furcht des Herrn zuläßt. In der Furcht des Herrn- wollen und müssen wir uns mit den Forderungen unserer Zeit- und Volksgenossen auseinandersetzen, gerade als evangelische Theologen, die wissen, daß sie keine Sonderrechte von dieser Welt, aber Sonderpflichten gegenüber dieser Welt haben, von denen sie keine Zeitströmung, Herrlichkeit oder Gewalt dieser Welt entbinden kann. In der Furcht des Herrn- wollen und müssen wir unseren täglichen Wandel in allen Dingen führen, gerade als evangelische Theologen im Dritten Reich, die ihren Wandel von keiner anderen Sitte und Lehre bestimmen lassen dürfen, die dieser Furcht zuwider ist. Wenn dann im Laufe unseres Studiums in Gottes Wort zu dieser Furcht des Herren noch die Liebe und der Glaube Gottes hinzukommen, werden wir alle diese Forderungen als völlige Rinder nur noch reiner und gewisser tun können. Wichtig ist für uns heute, daß wir den Anfang der Weisheit geschenkt bekommen und darin jederzeit wandeln möchten. 30 Von unseren wahren und falschen Lehrern. Wir sind Studenten, deren Hauptberuf ist, die Lehre entgegenzunehmen, selbständig zu durchdenken und auf diese Weise zu lernen. Aus dieser Aufgabe heraus, auf deren Ernst und Notwendigkeit gerade heute bereits hingewiesen wurde, ist es an diesem Orte auch notwendig, daß wir uns in strengster Sachlichkeit auf diejenigen besinnen, die heute unser theologisches Studium an den deutschen Universitäten gestalten. Es sind dies unsere akademischen Lehrer und neuerdings als nicht zu unterschätzende Lehrkräfte die Arbeitsgemeinschaften der evangelisch- theologischen Fachschaften, bzw. deren Leiter. An unsere akademischen Lehrer sind in den letzten Monaten soviel Wünsche und Forderungen in nationalpolitischer und völkischer Hinsicht ergangen von seiten der deutschen Theologiestudenten, daß es recht und billig ist, ihnen in aller Ehrfurcht von derselben Seite zu sagen, daß deutsche evangelische Theologiestudenten auch noch andere Wünsche und Forderungen an Lehrer der protestantischen Theologie zu stellen haben. Es ist selbstverständlich, daß wir Studenten der evangelischen Theologie von einem Dozenten protestantischer Theologie die Erfüllung all der Voraussetzungen erwarten, die für uns als werdende Theologen gelten, die wir aber noch nicht voll und ganz oder gar überhaupt nicht erfüllen. Es ist schon richtig wie haben wir es als Schüler auf den Gymnasien oft vermißt daß ein akademischer Lehrer nicht nur ein großer Wissenschaftler, sondern auch ein Vertrauen entgegenbringender Erzieher und Führer seiner Studenten sein soll. r Es verträgt sich darum nicht mit der angemessenen Ehrfurcht und Bescheidenheit eines Studenten gegenüber seinem Lehrer, wenn er diesem, nur um des Mangels einer zeitgemäßen Einstellung willen, jegliche Füh rer- und Erzieherqualitäten in anmaßender Weise abspricht; ich jedenfalls und eine große Zahl meiner Kommilitonen geben sich nicht mit dem Typus des neuzeitlichen Lehrers zufrieden, der von seinen Studenten geführt wird. Wir wollen uns getrost noch führen lassen in der Erkenntnis, daß wahre Wissenschaftler und Erzieher an einer deutschen Universität längst durchdacht und durchlebt haben, was wir Jungen oft in unüberlegter Schwärmerei von ihnen fordern. Werden wir dann falsch geführt, so wird es immer und nur Sache eines durchaus selbständigen Ringens gemeinsam mit dem Lehrer sein, ihm seinen falschen Weg in aller Klarheit aufzu 31 zeigen; so wäre es eines deutschen Studenten an einer deutschen Universität würdig ganz unabhängig davon, ob das Jdeal der humanistischwissenschaftlichen oder der politischen Universität gilt. Wieviel mehr gilt dieses echte Führer- und Erzieherprinzip für uns von unseren Lehrern der Theologie, bei denen wir Wissenschaft und Leben erst recht nicht zu trennen vermögen! Daß Glaube und Theologie eng zusammengehören, daß man nicht eine orthodore Theologie, die die Wahrheit umschreiben will, lehren und liberale Entscheidungen im praktischen Leben treffen kann das ist für uns heute wieder eine unabweisbare forderung, die wir uns nicht durch Sophismen und Spekulationen von der„, Unkonstatierbarkeit des Glaubens" und von dem„ Menschenwerk der Theologie" ersetzen lassen dürfen. Die Reformatoren sind in der Beurteilung der Jrrlehrer und Jrrlehren entschieden weniger spitzfindig und vorsichtig" gewesen und haben nie gezögert, deutlich zu sagen, wen sie für einen offenbaren Jrrlehrer und Ungläubigen hielten, und solche Leute gegebenenfalls öffentlich zu rügen, zu verbannen und gar hinzurichten. So Calvin; auch für Luther ein Beispiel, Man ist's bisher gewohnt, die Prälaten zu loben und schmeicheln, dieweil das Evangelium unter der Bank lag... Aber ein Prediger soll nicht darum schweigen, sondern wie Jes. im 58. Rap. sagt, seine Stimme aufheben und den Prälaten ihre Sünde, Schalkheit, Büberei usw. sagen. Also haben die Propheten, Apostel, Christus selber getan, wiewohl sie auch allerlei Leiden williglich erduldeten... Schweigen taugt nicht, leiden soll man, strafen und schelten muß man; aber lieben und wohltun muß man auch. Ein Vater schilt, straft und stäupt sein Rind und ist ihm doch nicht feind; der ist ihm. aber feind, der seine Bosheit schweigt und nicht schilt noch straft." ( Ausgew. Briefe, Buchwald, Brief an Cl. Storm, 1522, S. 100). Im übrigen vermag auch der Apostel Paulus nicht, Glaube und Lehre voneinander zu trennen, wenn er im ersten Brief an Timotheus, Rap. 6, 3 von der Lehre spricht, die gemäß ist der Gottseligkeit". Eine Theologie, die nicht wissenschaftlich erakt formulierte Verkündigung und Anleitung zur Verkündigung des Wortes Gottes ist, ist für uns Theologiestudenten der Gegenwart unbrauchbar eben darum, weil Gottes Wort, wenn es glaubend nachgesprochen wird, immer lebensnah ist. -- Wir haben darum, Rommilitonen, die nicht mit Geschwätz und bombastischem Gerede, sondern allein mit eifrigem Studium der Theologie und eigener Bibelkunde zu bewältigende Aufgabe, 32 zu prüfen, ob unsere Lehrer bei den heilsamen Worten unseres Herren Jesu Christi" bleiben oder nicht; und nur mit dieser uns wissenschaftlich und geistlich aufgegebenen Methode haben wir zu prüfen. Mag ein Lehrer eine Theologie" haben, welche es ſei- um der Wahrheit des Evangeliums, nicht um einer hochnäsigen Kritiksucht willen, haben Lehrer und Studenten sich in echtem wissenschaftlichen und brüderlichen Geist Rechenschaft über die Schriftgemäßheit ihrer Lehre und Arbeit zu geben. Es darf bei dieser Gelegenheit wohl im Namen der Mehrzahl aller deutschen Theologiestudenten unser aufrichtiger Dank den Professoren und Privatdozenten an den deutschen Universitäten ausgesprochen werden, die klar und unerschrocken an der Heiligen Schrift als der einzigen Vorm ihrer Lehre mit öffentlichem Bekenntnis festgehalten und sich gegen jeden anderen„ Prüfstein" einer biblischen Theologie entschieden gewehrt haben. Sie sind uns in der Tat nicht nur wissenschaftliche Lehrer, sondern auch führer und Erzieher gewesen. Um so bedauerlicher ist es für uns, daß wir, die Theologie des Kreuzes lernen sollen, auch noch zahlreichen Lehrern begegnen, die entweder überhaupt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herren Jesu Christi" bleiben, bzw. nicht allein dabei bleiben oder ,,, die da meinen, Gottseligkeit sei eine Erwerbsquelle". Vielleicht horribile dictu- fällt auch mitunter beides zusammen. - - - Den ersteren, die aus einem bestimmten theologischen, bzw. philosophischen Verständnis des Wortes Gottes als ehrliche und echte Wissenschaftler lehren, dürfen wir vielleicht die bescheidene frage vorlegen, die den Titel dieser Schrift abgegeben hat: ,, Wohin sollen wir gehen" wenn wir wahre Erben der Reformation und wahre Diener des Wortes werden sollen, als allein hinter dem Christus, den allein die Heilige Schrift bezeugt, und der allein„ Worte des ewigen Lebens" hat?? Sollten die Zeiten herankommen, daß auch die bitterernste Scheidung zwischen Schülern und Lehrern erfolgen muß nach dem ganz schlichten Maßstab, wer sich als„ Mitarbeiter Gottes" bekennt oder wer noch oder nur wo anders mitzuarbeiten hat? Wir fordern und wünschen gewiß, daß unsere Lehrer in unserer Zeit stehen und arbeiten. Es ist aber wohl auch für einen Theologieprofessor wie für einen Studenten der Theologie die natür 33 liche Folge seiner wahrhaftigen Beschäftigung mit Gottes Wort, daß er ganz in unserer Zeit lebt, allerdings nie und nimmer, daß er darin aufgeht. Die andere Art von Lehrern, von denen oben die Rede sein mußte, um die nackte Wirklichkeit unserer Lage und unserer Entscheidung darzustellen-Gott sei Dank, daß sie nicht in der überzahl sind sind für uns beschämendes Zeugnis eines ungeistlichen Lehramtes, wie es so manchem beschämenden Zeugnis eines ungeistlichen Predigtamtes in unserer gegenwärtigen evangelischen Kirche entspricht. Wir könnten hierzu auch ein Wort als deutsche Studenten sagen, die etwas von einer akademischen Ehre und Gewissenhaftigkeit wissen. Aber für uns als Theologiestudenten steht naturgemäß die geistliche Verantwortung unserer Lehrer im Vordergrund. Es ist oft schwer, dieser Art von gegenwärtigen Lehrern in der Theorie eine Jrrlehre nachzuweisen; sie bewegen sich oft in orthodoxen Formeln und Wendungen. Wie aber die Theorie gemeint ist und schließlich nichts weiter als eine nach Belieben auswechselbare„ Meinung" ist das offenbart die praktische Entscheidung und die Haltung in der theologischen und kirchenpolitischen Auseinandersetzung. Es ist für ehrliche, mit offenem Herzen für ein echtes theologisches Studium in die Kollegs und Seminare kommende Studenten alles andere als eine Freude des Kampfes, der geistigen Auseinandersetzung ,,, die Seuche der Fragen und Wortkriege, diese Schulgezänke" mitanzuhören, die dann versteckt oder offen bei Lehrern und Studenten all die menschlichen Schwächen wie Neid und bösen Argwohn nach sich ziehen. Auf solche Weise können junge Theologiestudenten nicht in der Lehre Christi unterrichtet werden. Meine Brüder und Kommilitonen! Wir sollen gefaßt und ruhig, wenn wir solche Lehrer hören, den Rat des Apostels Paulus an Timotheus in solcher Situation befolgen: Tu dich von solchen!"( 1. Tim. 6, 5). Wo Menschen Ehre, Einfluß und Stellung suchen mit ihrer Lehre von der Gottseligkeit, da können wir sie nicht als unsere Lehrer und Führer anerkennen; denn wir müssen annehmen und es wird sich sehr wohl oft ,, erweisen" lassen- daß sie„ vom Glauben irregegangen" sind, und wenn sie gegen alle Philosophie wettern und Christus, den Gekreuzigten, predigen! Es ist nicht die Zeit, mit Worten zu spielen, sondern in der Kraft und Reinheit dieses " Theol. Existenz, Seft II 3 34 Wortes zu stehen. Gott in unserer Zeit verlangt, daß wir damit Ernst machen; darum dürfen wir keine Rücksicht auf Men schen nehmen, sei es wer es sei! Aber vergessen wir dabei unsere Bescheidenheit nicht, die Furcht des Herren! Bei aller Entschiedenheit, vergessen wir sie nicht! - - Wo unsere wahrhaftigen, treuen Lehrer stehen, werden wir also nicht nur an ihrer Lehre, an ihrem Mut ,, wunderliche Leute" zu sein, erkennen, sondern auch an ihrer Bescheidenheit und Genügsamkeit, bei aller Entschiedenheit ihrer Lehre, schlichte Gottesmenschen zu sein, die nicht nach Ehren und Reichtümern der Welt jagen, vielmehr ihren verborgenen Reichtum im Himmel gesammelt haben. Von solchen Männern, liebe Kommilitonen, können wir lernen. Und von solchen zu lernen, tut not. - Die Einrichtung der Fachschafts- Arbeitsgemeinschaften ist noch verhältnismäßig jung, so daß hier noch keine abschließenden Erfahrungen und Ergebnisse vorgetragen und kritisiert werden können. " Eins aber ist doch bereits heute als feststehendes Resultat der bisherigen Arbeitsweise zu sagen: die Eingliederung einer evangelisch- theologischen Fachschaft in den Arbeitsplan und die Erziehungsmethode der übrigen Fachschaften verträgt sich nicht mit der Ausschließlichkeit und Radikalität einer theologischen Fragestellung, solange aller Schulungsarbeit dieser evangelisch- theolo gischen Zwangsorganisation das nationalsozialistische Führerund Erziehungsprinzip übergeordnet ist, das die ungehemmte und mit eigener Kraft durchschlagende Kritik des Wortes Gottes vorzeitig abfängt und in angemessene" Bahnen lenkt. Auf diese Weise lernen die Theologiestudenten nicht, wie man sich mit Moeller van den Bruck oder Spengler auseinandersetzt, sondern wie man sich mit ihnen zusammensetzt und schließlich still vergnügt eine theologisch verbrämte Staats- und Volksidee von Moeller van den Bruck oder Böhm mit nach Hause nimmt, zumal die Leiter der Arbeitsgemeinschaften oft bewährte SA.Männer, aber leider keine gründlich geschulten Theologen sind. Es ist pädagogisch abwegig entspricht aber natürlich durchaus der gegenwärtig beliebten„ ,, theologischen" Fragestellung wenn man den lernenden Studenten der Theologie so früh und so gewichtig, wie es geschieht, unter den Druck einer Auseinandersetzung mit Spengler oder dem Deutschtum der Reformation - - 35 oder mit den Völkischen Religionen" setzt. Es sollte jede Gelegenheit benutzt werden, ihn zu der Sonderbeschäftigung mit speziellen theologischen, z. B. Kirchengeschichtlichen Gebieten zu veranlassen. Erst eine umfassende theologische Erkenntnis und I beides eine gewisse Sicherheit des theologischen Instinktes genährt von einer höchst privaten Bibelkunde- können die gründliche und wahrhaftige Auseinandersetzung mit außerchristlichen Problemen und Schriftstellern garantieren. - Aber daran liegt einer gegenwärtigen Arbeitsgemeinschaft der evangelisch- theologischen Fachschaft im tiefsten Grunde gar nicht. Jhr liegt in erster Linie an einer volksnahen Erziehung des Theologen im Sinne des Nationalsozialismus, ja sogar an einer Heranbildung des protestantischen Theologen zu einem Garanten des nationalsozialistischen Volksstaates. Solange die Vollsitzung einer theologischen Fachschaft mit dem Liede ,, Volk an's Gewehr" begonnen und mit dem Liede Horst Wessels geschlossen wird, solange der Leiter einer evangelisch- theologischen Fachschaft den Unterschied machen kann und muß, daß er die evangelisch- theologische Fachschaft als SA.- Mann führt, während er ,, im übrigen" Theologe ist, solange die evangelisch- theologische Fachschaft es ihren Mitgliedern zur Pflicht machen kann und muß, Vorträge und Rundgebungen zu besuchen, die sie wünscht, die aber der einzelne an sein Gewissen und seinen Glauben gebunden nicht besuchen würde, auch aus klarer theologischer Erkenntnis ablehnen muß solange handelt es sich um ein unkirchliches Erziehungssystem, das die Gewissensfreiheit des Theologen und ihre praktischen Folgen nicht duldet; jede sogenannte theologische Arbeit und Lehre wird in die Klammer der nationalsozialistischen Schulung gesetzt, wenn es auch nicht immer wünschenswert offen ausgesprochen wird. - Eine solche Methode erzieht entweder theologische Schwätzer oder unehrliche, doppelzüngige Ehrsucher, bzw. lasche, teilnahmslose Krompromißnaturen. Beide Arten sind Gift für den Staat, für das Volk, für die Kirche; alle drei bekommen weder echte Nationalsozialisten noch echte Theologen. Wer auf dem Standpunkt des Landesbischofes von Sachsen steht, daß Nationalsozialismus und Protestantismus dasselbe wollen wird mit Leichtigkeit auf diesen Wegen gehen, die eine evangelisch- theologische Fachschaft in Deutschland heute gehen zu müssen glaubt; wer 36 Nationalsozialismus und Protestantismus zu irgendeinem fruchtbaren Ronglomerat vermengen will- wird auch noch einen Platz in einer heutigen evangelisch- theologischen Fachschaft finden; wer Nationalsozialismus und Protestantismus als zwei unversöhnliche Rampfgegner nimmt, von denen einer unterliegen muß gibt es eine evangelisch- theologische Fachschaft an den deutschen Universitäten, in der ein solcher Theologiestudent frei reden und demgemäß handeln könnte? - Meine protestantischen Brüder und Kommilitonen, der Weg, der mit der Lehr- und Erziehungsarbeit der heutigen evangelisch- theologischen Fachschaften beschritten wird, führt in die Wüste, wo es kein Brot gibt und wo man sich auch nicht auf die alleinige Suche des Glaubens nach dem Lebensbrot macht. Dieser Weg führt um so schneller in diese Wüste, weil in den meisten Fällen aus unserer Lehrerschaft nicht Streiter Gottes, sondern allerhand andere Streiter mitziehen. Wie bald wird man fachschaftsweise, in Einmütigkeit des Geistes, Professoren und Studenten, Sehnsucht nach den Fleischtöpfen Ägyptens bekommen und offen zur Rückkehr zum Heidentum und zu seinem Dienst auffordern? Es gibt für uns in dieser Situation, die für alle Kommilitonen in Deutschland eine gleichbedrängende und in der Bedrängnis ständig wachsende ist, keine menschlichen Sturmläufe oder menschliche Unterhandlung. Es geht uns nicht um diese oder jene äußerlichkeit. Es geht auch hier um den reinen Glauben und die reine Lehre, die beide durch das jetzige Schulungssystem der evangelisch- theologischen Fachschaft, gegen die die offizielle Rirchenleitung noch keinen Einspruch erhoben hat, und durch hier mitarbeitende Lehrer jungen Theologiestudenten frühzeitig verwässert und verfälscht werden. Weil es um diesen innersten Rampf geht, der zwar, solange die Welt besteht, sein wird, der aber nicht von unseren Lehrern und studentischen Erziehern vorher systematisch auf eine weltliche Rampfposition festgelegt werden sollte, - darum gibt es für uns nur eine, nicht menschliche, Silfe: in fleißigem Studium, in wachsendem Vertrautwerden mit der Heiligen Schrift, in nüchternem, aber reichen Gebet ,, der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut" nachzujagen. Aber, liebe Kommilitonen, zu jagen, nicht zu schleichen. - 37 Zu welcher Zeit wir Theologen sind. Vor einigen Wochen unterhielt ich mich mit einem Kommilitonen, der mitten in der Not eines heutigen Theologiestudenten stand: wie soll ich der Forderung des nationalsozialistischen Volksstaates als SA.- Mann, als Fachschaftsmitarbeiter und zugleich der Forderung einer schriftgemäßen Theologie als protestantischer Theologe gerecht werden? Wie kann ich als Theologe freudig meinem Volke und Staate dienen, die beide heute verlangen, daß ich ihm nationalsozialistisch als einem nationalsozialistischen Volke und Staate diene? Er hatte sich lange in dieser Spannung hin und her bewegt. Heute aber sagte er:„ Sun habe ich endlich Ruhe gefunden bei der Theologie von Prof. 7." Was war geschehen? Er hatte von seinem Professor gelernt, auf beiden Seiten zu hinken. Und das auf Grund einer Theologie. Was zeichnete diese Theologie so orthodox und gegenwartsnah aus, daß ein ehrlich suchender Student darauf hereinfallen konnte? Sie machte anscheinend Ernst mit der endgeschichtlichen Situation", in der wir uns als Christen befinden, indem sie von der„ Endzeit", von der Kirche zwischen den Zeiten" und von den Rechten der Jetztzeit, von dem Anspruch der Zeit an die Kirche redete. So wird man der Endzeit und der Zeit der Weltgeschichte„ gerecht". Und das- beruhigte denn auch einen Studenten der protestantischen Theologie im Dritten Reich. Es befriedigt, theologisch zu wissen, daß man nicht zu den Schlafenden und Trunkenen gehört, die meinen, es ist Friede, es hat keine Gefahr"- aber auch friedlich und ungefährdet den Anliegen ,, der Kirche in der Zeit" und der Zeit in der Kirche zu dienen- und so auch ein bischen zu träumen und sich zu befäuseln. Evange lische Theologiestudenten: wie es uns nicht erlaubt ist, Gott und Baal nachzuwandeln, so auch nicht, die Finsternis mit dem Licht, die Nacht mit dem Tag mit theologischen Runstgriffen zu versöhnen. Wenn wirklich die Zeiten der Theologie und der Kirche vorbei sein sollen, in denen man das Morgenrot des anbrechenden Tages des Herren in der Kultur- und Christengemeinde auf 38 Erden zu erblicken glaubte- Kirchenführer und Theologen aller Schattierungen reden heute davon, dann sollte es uns jungen Theologen doch darum gehen, an jedem Zeitpunkte der Weltgeschichte und Geschichte unseres Volkes im Wort und in der Tat nüchtern und wach" zu sein. Es gilt darum, wenn wir wirklich schon so weit sind, alles zu erkennen und zu unterlassen in Theologie und Kirche, in Volk und Staat, in denen wir als Theologen leben sollen, was nicht mit dem bevorstehenden Kommen des Herren Christus rechnet und in Einklang zu bringen ist. Es geht dann nicht an, daß wir die Welt, auch nicht die nationalsozialistische oder eine andere Weltanschauung, auch nicht unser deutsches Volk in dem unterstützen, was sie unabhängig von Gottes Zielsetzung für richtig halten. Was diese so tun, mögen sie tun; aber, meine Freunde, wir können nicht so tun! Wir sollten wissen um die Gnadenzeit, die uns und unserem Volke noch gegeben ist, Gottes Stimme zu hören und zu gehorchen nach seinem Heilswillen. Das deutsche Volk der Gegenwart will nichts von dieser Gnadenzeit wissen und gestaltet auch sein Leben danach. Wem von uns nicht bei allerhand politischen und kirchlichen Rundgebungen in den letzten Monaten ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen ist den muß ich fragen: hast du, Theologiestudent, weil du die Bibel noch nicht kennst, nicht geschlafen wie die anderen? Rönntest du nicht mitten in einen solchen religiös und kirchlich verkleideten Rausch der Selbstmächtigkeit und Ewigkeitslüsternheit hinein schreien: Liebe Deutschen, wo wollt ihr hin? Hört doch, hört doch, wie es euch gehen wird und muß!"? Rönntest du das nicht? Ist es dir nicht im Herzen bange und schnürt dir die Rehle zusammen, wie einem zum Tode Verurteilten, der schon die Schritte seiner Henker von ferne hört? - Ach, Brüder und Kommilitonen, wenn wir doch wenigstens unsere Heilige Schrift und den Herren Christus kennten und dann die Zeichen der Zeit sähen! Ich kann es nicht fassen und viele mit mir- wie man heute als protestantischer Theologiestudent, da wir uns in einer völkischen und kirchlichen Entscheidungsstunde befinden, Ruhe finden" kann. Offen und ehrlich muß ich euch allen, meine Kommilitonen, die Frage vorlegen: kannst du Student der protestantischen Theologie sein, der gewiß weiß ,,, daß der Tag des Herren wird kommen wie ein Dieb 39 über Nacht"- also, wer weiß wann? und als dieser Wissende ein SA.- Mann, d. i. Garant und Träger der nationalsozialistischen Weltanschauung, der nichts davon wissen darf? In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verfügte ein Erlaß des preußischen Heeresministeriums, daß alle preußischen Studenten mit Ausnahme der protestantischen und katholischen Theologiestudenten ihrer Dienstpflicht genügen müßten. Darauf machten die evangelischen Theologiestudenten von sich aus eine Eingabe, diesen Erlaß für sie, als protestantische Theologiestudenten, rückgängig zu machen, da auch für sie diese Ordnung des Staates verpflichtend sei. Dem Antrag wurde stattgegeben.- Deutsche Theologiestudenten der Gegenwart, wenn wir doch auch als solche gehorsame Diener des Staates, als gehorsame Soldaten SA.- Männer im nationalsozialistischen Staate sein könnten; wenn wir doch auch in der Freiheit des Gewissens in diesem Dienst dem Staate geben könnten, was in dieser Zeit, die Gott durch seine Ordnungen noch erhält, wahrhaft des Staates ist! Wir wollen keine Schwärmer sein, die mehr wollen als Gottes Wort verlangt und für gut befindet, um unseres Volkes und unserer ganz persönlichen Versöhnung mit Gott willen. Und Gottes Wort verlangt von uns den Glauben an Jesus Christus den Gekreuzigten, Auferstandenen und Wiederkommenden und die Werke des Glaubens dazu. Ist das keine Lüge, so ist es eine unwahre und eines ehrlichen Theologiestudenten unwürdige Haltung, sich ohne ein Wort der klaren Absage an den Totalitätsgedanken des Staates, der seinen Gliedern die nationalsozialistische Weltanschauung mit all ihren ethischen Folgerungen zur Pflicht macht, mit kirchlichen Begründungen" der nationalsozialistischen SA. einzuordnen. Wer bis heute hier versagt und sich schuldig gemacht hat- ist die deutsche protestantische Kirche; das bist auch du und ich! Der Anspruch Gottes von seinen Geboten und Verheißungen an über Christus den Gekreuzigten und Auferstandenen bis hin zu dem kommenden Tag des Herren ist nicht auf eine religiöse Gemeinschaft, die sich Kirche nennt, und auf deren Innenleben, sondern auf die ganze Welt mit all ihren Lebenserscheinungen gerichtet. Ein Nebeneinander von Staat und Kirche, in dem jeder seinen eigenen Totalitätsanspruch geltend machen könnte, dürfte es heute nicht geben so wenig es das im Sinne Luthers und Calvins zur Reformationszeit, so wenig es das im Sinne eines Jesaja oder Paulus 40 oder Christi selbst ohne Widerspruch geben durfte. Weder Christus noch seine Diener Jesaja, Paulus, noch die Reformatoren Luther und Calvin haben den Staat, die Ehe, die Erziehung sich selbst, d. i. jeweiligen Ansprüchen der weltanschaulich gebundenen Menschen überlassen- ob es sich um Heiden oder Christen handelte-; sie haben ganz allein im Gehorsam gegen den Gott, der da ist, der da war und der da kommt, diesen Dingen öffentlich ihren nüchternen Auftrag zugewiesen, von diesem Gott her, von keinem anderen. Wir Studenten sollten soviel Kirchengeschichte kennen, um zu wissen, daß die protestantischen Staatsmänner des 16. Jahrhundert wenn sie nicht gerade ein utopischer, christlicher Staatsmann" wie Philipp von Hes sen oder eine vorwiegend politisch orientierte Persönlichkeit wie Moritz von Sachsen waren niemals als Jdeenmenschen und Bauherren eines irdischen, ewigen Machtreiches aufgetreten sind; sie wußten gerade als Staatsmänner, die im Glauben wache Protestanten waren, und wa ren von daher bestimmt, daß ihr Herr Christus im Anzug ist. Warum verschweigen wir das und handeln nicht danach? Wer von sich behauptet, daß er„ zwischen den Zeiten" lebe, kann nicht von der Zeit leben. Das ist eine unumwundene Absage des bekenntnistreuen und schriftgebundenen deutschen, protestantischen Theologiestudenten an die Forderung des„ politischen Menschen" im Sinne des gegenwärtigen nationalsozialistischen Staates, die die heutige Reichskirchenleitung sanktioniert hat. Denn diese sanktionierte Forderung der Kirchenführer weiß nichts von dem Wach- und Nüchtern- sein eines protestantischen Staatsmannes - weder im Sinne der( lutherischen)„ christlichen Obrigkeit" und des Landesherren als„ otbischof" der Kirche, noch im Sinne der( calvinistischen) Kirchenpolitik auf dem Grunde des ,, Soli Deo Gloria" auf Erden oder des ,, Justus ex fide vivit". Warum nicht? Sind wir etwa überhaupt nicht„ politische Menschen"? Es gibt für uns als Theologen im nationalsozialistischen Staat den von Gottes Wort verordneten„ politischen Menschen", der in der Jetztzeit, die dem Ende entgegengeht, ohne Schwärmerei dem Staate als von Gott geordneter Obrigkeit untertan ist. Als solche„ politische Menschen", für die es ,, Staat" gibt, weil es noch nicht das Reich Gottes in der Erscheinung gibt, haben wir unsere Arbeitsdienstpflicht zu erfüllen, wie wir wiederum die " 41 Heeresdienstpflicht und den Kriegsdienst erfüllen würden- in klarer übereinstimmung mit dem Gebot der Heiligen Schrift und der Meinung Luthers.( Vgl. dazu Matth. 22, 21, Röm. 13; ferner Luthers Schriften Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei" 1523 und„ Ob Kriegsleute auch in seligem Stande sein können" 1526.) Als solche politische Menschen, die sich noch in der Welt wissen, sind wir nicht nur politisch, sondern auch theologisch nüchterne Leute, die dem Herren nicht sein Reich vorwegnehmen, auf Erden bauen oder vorbereiten können. Wer aus der Kirchengeschichte der Reformation die Schwarmgeister, den täuferischen Kommunismus und die Spiritualisten mit ihrer Theologie kennt, weiß, was solche Schwärmerei für uns in der Gegenwart bedeuten könnte. Der Staat, der sich mit diesem nüchternen Gehorsam um Gottes willen zufrieden gibt, gibt sich zufrieden mit dem, was nach Gottes Willen sein ist- mag er das wissen als„ christliche Obrigkeit" oder auch nicht wissen als heidnische Obrigkeit. Uns hätte zu genügen, daß er sich damit zufrieden gibt. Aber, meine Kommilitonen, von dem„ politischen Menschen" des nationalsozialistischen Staates, zu dem wir nach dem Willen unseres jetzigen Kirchenregimentes erzogen werden sollen, wird mehr verlangt. Er ist nicht mehr nüchterner„ politischer Mensch" in der Welt, sondern politischer Mensch" von der Welt. Er ist gebunden an eine bestimmte, an die völkisch- rassische Weltan schauung und den nationalen Volksstaat. Der Staatsgedanke ist damit grundsätzlich auf dem Wertbegriff des„ Volkes" aufgebaut und nur von dieser Wertbeziehung her zu verstehen und zu erfüllen. Mit dieser grundsätzlichen Bindung aber sagt ein Führer dieses Staates aus, daß er nicht als Ordnung Gottes zwischen den Zeiten", sondern als wert- und weltverhaftete, eigengesetzliche Größe von dieser Zeit der Welt verstanden werden soll. Das fundament dieses Staates, das Volk, als göttlichen Wert zu legitimieren, dürfte in einer katholischen Theologie möglich sein. In einer protestantischen Theologie ist es unmöglich; ebenso unmöglich ist es- was wohl heute versucht wird, den Begriff der„ Ordnung des Staates" durch den der Ordnung des Volkes" zu ersetzen; das Volk ist eine Schöpfungs. ordnung Gottes, die unter dem Fluch der Sünde und der Verheißung der Erlösung steht also keine selbständige Bewertung aus und in der Zeit duldet. Der Staat ist demgegenüber unabhängig von den Absichten -- - 42 der Menschen die Gnadenordnung des gegenwärtigen Gottes, die bis zum Hereinbrechen des Gottesreiches mit dem Herren Christus im Volk die Ordnung aufrecht erhält.- - Aber, immerhin, seien wir uns ganz klar darüber: ein nichtchristlicher Staatsgedanke wäre noch kein Grund für uns als Theologiestudenten nicht auch in diesem Staate eine Ordnung von Gottes Willen zu sehen und ihr zu gehorchen. Jedoch die forderung von seiten der gegenwärtigen Kirchenleitung und des Staates an den evangelischen Theologiestudenten im Dritten Reich, an den Wert des Volkes gebundener und damit eigenmächtiger ,, politischer Mensch" zu sein- stellt ihn vor die Entscheidung, ob er Gott mehr gehorchen will als den Menschen, d. i. konkret gesprochen dem nationalsozialistischen Volk und seiner Weltanschauung oder nicht. Weil die völkische Kirche in Übereinstimmung mit dem völkischen Staat sich nicht damit zufrieden gibt, daß wir Theologiestudenten, die nicht dazu da sind, menschliche Paläste und Reiche zu bauen, einem nüchternen oder selbstbewußten Staate in jedem Falle nüchtern gehorchen- gibt sich auch die heutige sogenannte protestantische Kirche nicht mit dem zufrieden, was nach Gottes Willen dem Staate an Ehre gebührt mag sie ihm noch so stolz das Prädikat eines christlichen Staates" geben. Es ist in den Augen vieler Theologiestudenten Deutschlands das Prädikat aus dem unberufenen Munde eines Lehrmeisters, der weder Kirche ist noch eine Theologie hat. Deutsche evangelische Theologiestudenten, was haben wir zu tun? Wir haben als schrift- und bekenntnistreue Protestanten den Anspruch des politischen Menschen" als einen kirchlich und theologisch gerechtfertigten zurückzuweisen. Wenn wir das tun, so wollen wir nicht eine andere„ politische Meinung oder Partei" heraufführen; wollten wir das, wären wir genau so wenig nuchterne, wache und wunderliche Menschen des Gehorsams wie der politische Mensch des nationalsozialistischen Staates es in den Augen einer wahren Kirche ist. Der Weg eines Zwingli bis zu dem Schlachtfeld bei Rappel sollte uns vor der Utopie und Entgleisung warnen, reformatorische Ideen mit politisch- patriotischen Jdeen zu vermischen. Aber wir haben- sofern wir als Theologen und Christen Erben der Reformation und Nachfolger des Herrn Christus sein 43 wollen als justi ex fide zu leben und zu lehren. Das bedeutet die Entscheidung gegen die kirchlich- theologische Glorificierung und Rechtfertigung der politischen Ideologie des SA.- Mannes und gegenwärtigen„ politischen Menschen" für den politischen Menschen und den Soldaten, wie ihn der Apostel Paulus und der Herr Christus selbst uns aufgetragen haben- im echten, gewichtigen Zusammenhang mit dem Wort des Rapitels 13 im Römerbrief( über die Pflichten gegen die Obrigkeit!), Vers 12 ,, Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen". - zu solcher Wahrheit, meine Brüder und Kommilitonen, sind wir als Theologiestudenten im Dritten Reich aufgerufen, weil wir nicht durch Gottes Ruf der Gnade allein zeit- und weltgebunden sein dürfen. Ganz einfach darum nicht, weil wir Kirche, eben ecclesia in der Zeit sein sollen. Und das zuerst an unserem deutschen Volke. Das ein des Glaubens eines Theologiestudenten zu dem ,, politischen Menschen" des nationalsozialistischen Volksstaates, wie ihn die Reichskirche bis heute bejaht, darf nicht mit einem Verständnis dieses Gegners rechnen. Wir, die wir noch Theologie studieren, dürfen im besten Falle die Hoffnung haben, daß ein Staat und eine Kirchenleitung, die sich auf Christentum, Reformation und Protestantismus nicht wenig berufen, Reformationsgeschichte und ein wenig mehr Theologie als bisher studieren und dann erkennen möchten, daß diese Leute als Protestanten einen anderen Staat, einen anderen politischen Menschen, eine andere Kirche gemeint haben. - Es ist eine müssige Sache auch für uns Theologiestudenten, bei diesen Kirchengeschichtlichen und systematischen Studien den Franzosen und Humanisten Calvin gegen den Deutschen und Bauernsohn Luther auszuspielen. über die Grundthese" Rechtfertigung aus Gnaden im weil sie diese Glauben" der Reformation waren sich beide völlig einig These beide allein aus der Heiligen Schrift im Glauben erkannten. Darum sollten wir alle uns erst einmal dieses Gemeinsame und Verbindende der Reformatoren erarbeiten und zu Herzen nehmen, bevor wir nach„ rassischen und geistig- strukturellen" Unterschieden schnüffeln. Ich persönlich bin luthe rischer Herkunft, wüßte aber nicht, heute zu etwas anderem aufgerufen zu sein als meine reformierten Brüder und Rommilitonen, nämlich: wahre protestantische Theologie der Kirche der Reformation zu studieren, die Kirche unter dem Wort war. 44 - - Dabei ist die solchem Studium entgegengehaltene Meinung eine Utopie die allerdings so alt ist wie Gottes Wort an das Volk Israel und dessen Unglaube die politisch- geschichtliche Entwicklung eines Volkes könne die Eigengesetzlichkeit eines neuen Staatsbegriffes vor Gott rechtfertigen. Es bleibt nun einmal die alte forderung Gottes an den alten Adam, daß wir Menschen von der Gnade in der Gnadenzeit lebende und wartende Kinder Gottes sein sollen; wo wir das sind, können wir nur dem Staate und der kirchlichen Leitung gehorchen, die uns für diese Gnade und dieses Warten Raum zu reden und zu handeln lassen. Den gegenwärtigen Staatsbegriff als einen„ christlichen" oder wenigstens als einen solchen zu bezeichnen, der den Christen und Theologiestudenten neben seinem bescheidenen Anspruch Raum ließe für die Zeitbegrenzung und-bestimmung durch Gottes Heilsplan, dürfte auf einem schwerwiegenden Mißverständnis beruhen, gegen das die Kirche zu spät und dann nicht deutlich genug Einspruch erhoben hat. Wie sollte sie dazu kommen, die längst nicht mehr protestantische Kirche des reinen Bekenntnisses der Väter war? Es wird auch unsere Sache sein, deutsche, protestantische Theologiestudenten, dieses Mißverständnis aufzuklären und zu beseitigen, auf Grund dessen wir plötzlich zeitgebundene, nationalsozialistische- ,, protestantische" Theologen werden sollen. Es wird auch das zu unserem„ wunderlichen" Wesen gehören, daß wir wach und nüchtern sind bei all unserem Reden und Tun in der Furcht des Herrn, der da kommt. Und das allein darum, damit Gott, unser König, groß werde unter uns und unter unserem Volk. Dazu sind wir ja Studierende der protestantischen Theologie im Dritten Reich. 45 Von dem Trost, daß Gott das letzte Wort über uns habe. Unsere Zeit ist nicht danach, daß sie wahrhaftige Theologen mit Freuden aufnimmt. Sie ist niemals„ danach" gewesen, wo die Theologen wahrhaftig waren. Darum brauchten wir uns als heranwachsende Diener der Kirche nicht zu wundern. Es könnte uns ein Zeichen sein, daß wir durch Gottes Willen wieder einmal wahrhaftig sein dürfen in der Zeit, die das nicht sein kann. Mit dem Schlagwort„ Conservativismus der Kirche" gegen die ,, revolutionäre Weltanschauung des Staates" kennzeichnet man die Lage schief und oberflächlich. Die Kirche ist nur darum wehe, wenn sie es aus einem anderen Grunde wäre- ,, conservativ", weil sie an dem revolutionären Wort Gottes, das von Ewigkeit her ist und wie ein Hammer den Felsen zerschmeißt, im Glauben festhält. Das revolutionäre Wort Gottes steht in der Kirche gegen ein„ revolutionäres" Wort der Welt. Da setzt es Brüche und Funken, was für ein Felsen die Welt auch sei. Und eben darum, weil das heute wieder so deutlich zu werden beginnt, kann es schon eine Lust sein, heute Theologiestudent der protestantischen Theologie zu sein. Aber auch die Kirche im Dritten Reich ist nicht danach, daß sie wahrhaftige Theologen mit Freuden aufnimmt. Sie sollte es immerdar sein, wo die Theologen wahrhaftig sind. Aber sie kann es heute nicht sein, weil sie nicht allein, und damit garnicht, auf den Fels, der da ist Christus und sein Lebenswort, baute, sondern auch auf Felsen der Zeit und der Welt, die in jedem Falle Staub und Sand sind und unter den Hammer fallen. Damit verlor das Wort der Kirche die revolutionäre Schlagkraft, die es als Gottes Wort haben sollte. So ist es auch eine schmerzliche Sache, heute Theologiestudent zu sein. Wunderliche Leute mit wunderlichem Wandel, wunderlicher Lehre, in wunderlicher Zeit?? Als solche Leute, meine Brüder und Kommilitonen, sind wir heute nicht willkommen. Und nun möchte ich euch bitten: laßt euch dieses„ Nicht- willkommensein" 46 - nicht anfechten und stören. Die wichtige Frage in unserem Studium des Wortes Gottes dürfte die sein, ob wir als diese Studenten ein gutes Gewissen" haben, das zwar nicht unser " sanftes Ruhekissen", aber unser Trost" sein soll, den uns niemand rauben kann( Hebr. 13, 18). Als der Führer der gegenwärtigen Bekenntnisgemeinschaft der Deutschen Evangelischen Kirche, Herr Präses D. Roch, seine denkwürdige Rede zur westfälischen Provinzialsynode am 16. März 1934 mit den Worten schloß:„ Es ist weder sicher noch geraten, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen" so hat er sicherlich dieses Gewissen gemeint, das von Gottes Wort geweckt und wachgehalten wird. Ich glaube, daß wir, meine Kommilitonen, uns mit Bescheidenheit in unserer Stellung und Verantwortung diesen Richtsatz auch zu eigen machen sollten; denn er ist des Höchsten Gebot nach der Schrift auch an uns. Des wachen Gewissens bedarf es um so mehr, als wir heute nicht mehr ohne dieses der Mahnung folgen können ,, Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen als die, die Rechenschaft dafür geben sollen"( Hebr. 13, 17). Es ist heute nicht ausgemacht in allem Lehramt der Kirche, ob es sich an diese Rechenschaft, wie sie der Prophet Hesekiel im 3. Rapitel meint, gebunden weiß. Im übrigen wird unsere Umgebung und unser Mitarbeiten in der Gemeinde dafür sorgen, daß wir diesen Trost nötig haben. Nehmt es bitte nicht als ein Wort der falschen Erbaulichkeit, wenn von diesem einzigen Trost geredet wird. Die Zeiten, da das galt, sind für uns vorüber. So wenig wir uns an das Gewissen des menschlichen Herzens halten wollen, so wenig wird unser wahrhaftiges Gewissen durch einen anderen Trost wachgehalten und uns selbst zum Trost als durch den, der da Gott und Gottes Güte heißt nach Psalm 52, 9/10. Wir müssen nun schon als Studenten lernen- die Zeit und die Kirche in ihr zwingen uns dazu – daß unser Gewissen nur von Gott, dem Heiligen Geist der Pfingstgemeinde, herkommt und nur vor diesem, seinem Spender sich zu verantworten hat. Ich sage, wir müssen das schon jetzt lernen, weil auch die gegenwärtige Kirchenleitung uns vor einem anderen Gewissen verantwortlich machen will. Ich kenne einen deutschen, evangelischen Theologiestudenten, der im September 1933 um der Notlage der Kirche willen ein längeres Schreiben 47 an den Herrn Reichskanzler Adolf Hitler richtete und im Oktober 1933 von dem damaligen Evang. Oberkirchenrat namens des Herrn Landesbischofs Müller eine Antwort mit folgendem wörtlichen Inhalt erhielt:...„, daß in der kommenden Kirche die Freiheit der evangelischen Verkündigung nach wie vor bestehen und auch staatlicherseits nicht behindert werden wird. Ihre Urteile über die„ Glaubensbewegung Deutsche Christen" dürften gewissenhafter Prüfung nicht standhalten." Angesichts der gesamtkirchlichen Ereignisse seit Oktober 1933 und angesichts des Auftrages, der heute einem Studenten der protestantischen Theologie von der Kirchenleitung und dem Staate zugemutet wird, frage ich, wo ist die Freiheit evangelischer Verkündigung" und was dazu gehört was dazu gehört- evangelischen Wandels und die Freiheit des vor Gott allein verantwortlichen Gewissens für den Theologiestudenten an den deutschen Universitäten geblieben, wenn er von Kirche und Staat zu dem ,, politischen Menschen" und zu dem„ politischen Gewissen" gezwungen wird sofern er als rechtliches Glied der Studentenschaft mitarbeiten will? Was soll denn für einen gewissenhaften Studenten der protestantischen Theologie die Macht der jetzigen Kirche, die keine Vollmacht hat, bedeuten, wenn er das Gewissen des Heiligen Geistes respektiert?? - Ich halte dafür, meine Brüder und Kommilitonen, daß wir mit diesem Gewissen des Wortes heute nicht zur Ruhe kommen können, wie sie uns durch Theologieprofessoren und Bischöfe immer wieder verlockend angepriesen wird. Es ist nicht alles in Ordnung; es ist alles so in Unordnung, daß auch wir nicht zusehen können, sofern wir das Gewissen von Gottes Wort her haben. Und das gibt uns nur die eine Gewißheit, daß die,„ die glauben, in die Ruhe gehen"( Hebr. 4, 3). Wir sind noch nicht da und werden nicht eher da sein, als bis Gott, unser König selbst kommt. Dann haben wir die Ruhe. Auch eine geordnete Kirche und ein geordnetes, wahrhaftiges Studium- was beides uns Gott schenken möge kann uns diese Ruhe nicht verschaffen; es hat immer noch alles seine Zeit nach Gottes Rat, in der wir wunderliche Leute sein müssen. Und das wird immer Unruhe bringen, uns selbst und den anderen, soweit wir eben in der Zeit Verwunderung erregen müssen mit einem geistlichen Gewissen. - Doch wir sind auf dem Wege zur Ruhe. Das muß man uns anmerken. Dieses Auf- dem- Weg- sein kann unser Herz ruhig 48 machen, ſo ſtürmiſch es auch draußen zugehen mag. Sagt es uns doch, daß wirklich über uns alle, meine Brüder und Nommili— tonen, Gott das letzte Wort hat. Und nicht nur über uns, ſondern auch über die, die heute nicht zu dieſer Ruhe wollen. „Wer tut's und macht es und ruft alle Menſchen nacheinander von Anfang her? Ich bins, der Herr, der Erſte und der Letzte“ (Jeſ. 4), 4). Gott allein hat das letzte Wort über all unſere Theologie und Erregung und Kraft, über all unſer Heidentum und Schlafen und Schwachſein hinaus. Und das müßte uns zu fröhlichen Studenten der Theologie machen, die mit Pſalmen und Lobgeſängen den Serren preiſen in aller kommenden ſchwe⸗ ren und ernſten Auseinanderſetzung. Es iſt nun einmal nichts daran zu rütteln— komme, was da wolle— wir ſind auf dem Wege zur Ruhe. Studieren und beten wir fleißig, daß wir dem rechten Wegweiſer auf die rechte Straße folgen und noch viele mit uns gehen aus unſerem geliebten, deutſchen Volk. Vor mir liegt die Loſung der Serrenhuter Brüdergemeinde für den zweiten Pfingſttag. Sie lautet„Wenn ich nur dich habe, ſo frage ich nichts nach Fimmel und Erde“(Pſalm 73, 28). Wir werden unſerem Volke nach Gottes Willen nur dann wahr⸗ haftige Theologen ſein, wenn wir Gott für uns und ſeinen Geiſt in uns haben. Ob das der Fall iſt, ſagen uns weder die Geſtirne oder unſere frommen Simmelreichsgedanken noch die Erde mit ihren Wünſchen und ihrer Weisheit. Gottes Geiſt ſelbſt ſagt es uns, ob wir Gott für uns haben— weil er auch hier das erſte und letzte Wort hat. Die Wahrheit und Echtheit unſeres theologiſchen Studiums dürfte darum letztlich von der Beſin— nung abhängen, ob wir Theologieſtudenten im Dritten Keich das glauben oder wenigſtens glauben lernen möchten. Dann wären wir Theologen. Andernfalls wären wir es nicht. 27r. 2 * DER EINBLICK+ + CHR.KAISER VERLAG MUNCHEN 1934 Inhalt: Hans Asmussen: Trauer und Trost/ Erwin Reisner: Deutsches Schicksal/ Julius Schieder: Der heilige Geist/ Ernst Steinbach: Die Möglichkeit der Kirche Trauer und Trost von Hans Asmussen Wer seine Gemeindeglieder lieb hat, warnt die Trauernden vor falschen Tröstungen, welche nur die Seele aufhalten. Er wird als selbst. verständlich voraussetzen, was wir Menschen uns so gerne verbergen, daß es nämlich keinen Trost gibt. Er nimmt die Leidtragenden als solche Menschen, wie sie es wirklich sind. Hat Gott sie nicht selbst durch sein Evangelium getröstet, so sind sie ohne Trost. Sie mögen gefaßt sein. Sie mögen mit Würde sich ins Unvermeidliche schicken. Aber Trost haben sie nicht. Sie fragen ,, Warum?", wie auch der Heiland am Kreuze Warum?" fragte, aber sie bekommen ebenso wenig eine Antwort, wie der Heiland sie bekam. Demgegenüber haben wir ein Dreifaches in die Waagschale zu werfen: Die Bereitwilligkeit Gottes, wunderbar trösten zu wollen, den Hinweis auf die wahre überwindung des Todes in Christo und die Ermahnung an die Gemeine, fürbittend der Leidtragenden zu gedenken. Unsere Leichenrede verzichtet also grundsätzlich darauf, selbst den wahren Trost spenden zu können. Geschieht das doch, dann geschieht eben eines der göttlichen, evangelischen Wunder, in welchen Gott das Menschenwort benutzt, um sich selbst ganz hineinzugießen und so das Menschenwort zu Gotteswort zu machen. Wir dürfen darauf hoffen und darum beten, aber wir dürfen nicht unser Wort ein für allemal für eine wirkliche Tröstung ausgeben. Aber wir dürfen und sollen darauf hinweisen, daß Gott in der Trost. losigkeit des Verlierens trösten könnte und auch trösten will, wie einen seine Mutter tröstet. Brahms hat ganz recht, wenn er diesen Bibelspruch in sein Requiem aufgenommen hat. Denn die Kirche hat Recht und Pflicht, auf diese göttliche Möglichkeit hinzuweisen. Nur sollen wir uns davor hüten, den Eindruck zu erwecken, als sei Gottes Tröstung und unser Wort ein für allemal und unauflöslich dasselbe. Damit wür. den wir dem Heiligen Geiste den Weg verbauen und uns selbst zwischen Gott und den Menschen stellen. Der Todesfall ist eine der aufdringlichsten göttlichen Berufungen zum Heile in Christo. Sehen wir uns also vor, daß wir diese Berufung nicht durch unser wohlgemeintes Dazwi schentreten zunichte machen! Das Zweite ist die einfache Bezeugung des Sieges über den Tod durch den Sohn Gottes. Ich habe Pastoren gegen diese Predigt an den Gräbern geltend machen hören, daß die Angehörigen diesen Trost weder verständen noch hören wollten. Mir scheint das weder ganz richtig zu sein, noch auch, wenn es richtig wäre, ausschlaggebend. Christus ist nicht in eine Welt gekommen, die ihn hören wollte oder ihn verstehen konnte. Das gerade ist die Kraft des Wortes Gottes, daß es nicht nur die Erlösung denen bringt, welche bereit sind, sie zu nehmen, sondern daß es auch die Aufnahmeorgane schafft, durch welche allein ein Mensch befähigt wird, die Erlösung zu empfangen. Ein besonderes Moment in der christlichen Leichenrede ist die Be. zeugung, das ewige Reich sei im Einbruch, besonders da, wo der Tod seinen Raub nimmt. Wenn die alten Christen sich an den Begräbnis. stätten versammelten, so hatte das einen doppelten Sinn: Sie wußten, daß sie Todgeweihte waren, Menschen, welche mehr zu den Verwesenden in den Gräbern als zu den Raffenden und Schaffenden des„ Lebens" ge. hören. Aber sie wußten das, weil ihnen dem Geiste nach der Tod nicht schrecklich war. Vielmehr bedeutete er ihnen die Nähe des kommenden Herrn. Bezeugt doch jeder Tod, daß diese Welt ein Ende nimmt. Sie hatten billig Ursache, sich dessen zu freuen. Wohl auch wegen des Zustandes der Welt, vielmehr aber mußten sie das Ende der Welt herbei. sehnen um bei Christo zu sein. - Das alles wissen wir von den ersten Christen. Ist es nicht ein Gericht, daß wir es von den jetzt lebenden Christen nicht mehr wissen?! Der Tod sagt es uns nicht mehr vielleicht sagt er es uns noch, nur hören wir es nicht mehr, daß die Stunden vorrücken und daß mit jedem neuen Augenblick das Heil uns näher ist, denn da wir gläubig wurden. Leichenreden aus frühen Jahrhunderten zeigen in erstaunlicher Weise, wie sehr das„ Trost" moment in ihnen zurücktritt. Anstatt dessen steht die Wirklichkeit des hereinbrechenden Reiches im Vordergrund. Es könnte so scheinen, als ob der Tod gar nicht wichtig genommen wird. Wollte man das einfach nachmachen, dann würde man unnatürlich werden. Wird es uns aber geschenkt, dann ist es echt. Es wird uns aber geschenkt, wenn wir wissen und es uns sagen lassen, daß wir Fremdlinge sind, und daß der Herr kommt. - Ich würde den Menschen einen getrösteten Menschen nennen, der angesichts des Todes, welcher ihm einen seiner Wächsten geraubt hat, von einem vollen Ersatz wüßte, der ihn in der Trauer enthielte. Dieser Ersatz kann aber niemand sein außer dem wahren und lebendigen Gott, welcher durch seine wirkliche Gegenwart das unruhige Herz stillen kann. So bleibt wohl die Trauer. Aber sie ist eine Trauer auf Hoffnung. Und es bleibt der Verlust. Aber die Verheißung, die im ersten Gebote beschlossen liegt, wäre Erfüllung geworden. Soll ich Gott über alle Dinge und Personen lieben, so muß er auch über alle Dinge und Personen wert sein. Gerade das würde ich erfahren im Glauben, wenn Gott mich tröstete. Darum wird durch den geistlichen Trost das menschliche Herz gewendet werden. Ohne den Trost vermag es nichts anderes im Tode zu sehen als Verlust. Aber als getröstetes Herz sieht es in dem Verlust den Gewinn, den niemand, auch der Tod nicht, mir nehmen kann. Darum wird im geistlichen Troste die berechtigte Trauer Lügen gestraft, so wie in der geistlichen Buße die berechtigte Trauer über die Sünde in Freude über das Heil verkehrt wird. Aus Hans Asmussen: Die Seelsorge Geh. RM. 3,80, geb. RM. 4.80 ( Näheres s. Anzeige) Deutsches Schicksal von Erwin Reisner Das einsame, das auserwählte deutsche Volk hat seit jeher mehr mit sich als mit anderen zu schaffen gehabt. Deutschland hat eigentlich nie. mals Angriffskriege geführt, und der äußere feind war immer nur der Störenfried, der widerwillig abgewehrt werden mußte. Erst wenn mit dem inneren Feind gekämpft wird, wenn also der Deutsche gegen den Deutschen, der Preuße gegen den österreicher, die eine Partei gegen die andere steht, kommen die politischen Leidenschaften des Deutschen zu voller Entladung. Dieser Tatsache, die schon so oft bemerkt und bedauert wurde, liegt offenbar die Ahnung zugrunde, daß wir mit uns selbst fertig werden müssen, wenn wir die Aufgabe lösen wollen, vor die uns das Schicksal gestellt hat. Mit den eigenen inneren Widersprüchen ringt das deutsche Volk um seine Geschichtlichkeit, um seine Gegenwart, um die Verknüpfung der zentrifugalen Kräfte, die es zu zerreißen drohen. Es wahrt sich in erster Linie gegen das, was in ihm selbst entweder NurVergangenheit oder Qur- Zukunft werden will. Ungeschichtlich werden bedeutet für ein Volk soviel wie proletarisch werden. Der Prole. tarier ist der Massenmensch, der sich entweder von der Vergangenheit abgelöst hat und nur noch im Fortschritt der Zeit seinen Erfolg sucht, oder umgekehrt in schwächlichem Verzicht auf alles Rünftige sich dumpf und stumpf dem Rhythmus des Naturgesetzes überläßt. Deutschlands Rampf ist der Rampf gegen die eigene proletarische Gefahr und damit indirekt freilich auch gegen die Proletarier des Westens und des Østens. Aber nur, sofern es dort unterliegt, das will sagen seine Bestimmung verfehlt, werden ihm diese äußeren Feinde gefährlich. Gegenwart hat nur das Volk, das in der Geschichte steht, das weder in seinem Zukunftsdrang die Vergangenheit, noch in seiner traditionellen Gebundenheit die Zukunft vergißt. Nur ein solches Volk ahnt etwas von der christlichen Kirche und vom Reich" als von einer immer neugestellten und bisher unerfüllten Aufgabe. In der Mitte Europas, in Deutschland, wo Ratholizismus und Protestantismus auf einanderstoßen und seit Jahrhunderten um die Vorherrschaft ringen, wo sich die Kirchen- und Glaubensspaltung vollzogen hat und wo die Auseinandersetzung zwischen Reformation und Gegenreformation nie. mals zur Ruhe gekommen ist, nur hier allein kann es für uns Einsame noch Geschichte geben, und hier allein lebt die unstillbare Sehnsucht nach der einen Kirche, die schließlich aus dem Rampf der Bekenntnisse hervorgehen soll. In Deutschland soll als Frucht der Geschichte geboren werden, worauf die ganze übrige Völkerwelt in höchster Spannung wartet. Auf Deutschland sind aller Augen gerichtet, und der Deutschenhaß", den wir betroffen und verwirrt auf allen Seiten gegen uns aufflammen sehen, den weder demütige Friedensbeteuerungen noch drohende Worte zu bannen vermögen, der uns oft wie die Auswirkung einer satanischen Besessenheit erscheinen will, dieser Deutschenhaß ist vermutlich nur die folge einer bis jetzt immer wieder enttäuschten Erwartung. Der Deut. sche muß das erlösende Wort finden, von dem Dostojewski einmal gesagt hat, daß es bisher noch nicht gesprochen wurde. Und dieses Wort, dieses deutsche Wort, das zu sprechen wir berufen und auserwählt sind, ist keine Antwort auf irgendeine Frage, sondern selbst eine frage, nämlich die Frage, die wir als die Einsamen sind, und die in der Tatsache unserer Glaubensspaltung jedem Einzelnen ständig gegenwärtig sein sollte. Antworten kann der Mensch hier nicht. Wenn das von ihm verlangt wäre, dann wäre er auch verloren und dann hätte nicht der Sohn Gottes für ihn sterben müssen. Aber er kann fragen, er kann die Frage, die Fragwürdigkeit seiner sündigen Existenz bekennen, er kann anklopfen, damit ihm aufgetan werde. Mehr wird von ihm nicht gefordert. Das Antworten und Auftun ist Gottes Sache. Der Deutsche hat nichts anderes zu tun, als eben die Frage, die ihm seine eigene katholisch- protestantische Zwiespältigkeit vorhält, als seine frage an Gott zu richten und auf jede Antwort aus menschlicher Macht. vollkommenheit zu verzichten. Es ist nicht seine Aufgabe, in einer zweiten deutschen Reformation die dritte synthetische Ronfession zu stiften, etwa ein deutsches Christentum zu begründen, das dann in weiterer folge das reine Weltchristentum werden könnte. Von solchen Utopien haben wir uns fernzuhalten. Innerhalb des deutschen Volksganzen stellen Preußen und österreich die äußersten Gegenpole dar. Preußen ist die Einsamkeit, Osterreich die Gemeinsamkeit, Preußen die Zukunft, Österreich die Vergangenheit, Preußen die Verborgenheit, österreich die Offenheit. Der Kampf zwi. schen beiden, der kurz nach der Reformation beginnt und eigentlich bis zur Stunde anhält, ist der Kampf um die Gegenwart und um das Gleichgewicht, das immer bedroht erscheint, wenn der eine oder. der andere Gegner zur Vorherrschaft kommt. Die deutsche Sendung kann weder ein preußisches noch ein österreichisches Deutschland er. füllen, sondern nur das Reich, das beide Pole in sich aufgenommen hat. Solange dieses Reich nicht Wirklichkeit ist, wird auf die preußische These immer die österreichische Antithese folgen müssen und umgekehrt; denn diese Antithese allein kann das deutsche Volk vor dem Abgleiten in die Geschichtslosigkeit, sei es des Ostens oder des Westens, bewahren. Ein rein preußisches Deutschland wäre sehr bald ein Stück Amerika und ein rein österreichisches ein Stück Orient. Tur indem Preußen immer wieder von Österreich und österreich immer wieder von Preußen zur Ordnung gerufen wird, bleiben sich beide ihrer deutschen Aufgabe be. wußt. Preußen ist Osterreichs und österreich Preußens Gewissen, und wann immer der Eine auf das Beginnen des Anderen mit seinem ein antwortet, ist dieses ein ein Mahnruf und ein Rückruf in die Bahn des gottgewollten deutschen Schicksals auf den Weg, den das aus. erwählte Volk unbeirrt weiterschreiten muß, bis es sein Ziel, die Ge. genwart aus der Offenbarung des Kreuzes, erreicht hat. Das deutsche Reichsproblem ist das preußisch- österreichische Problem. Nur wenn dieser Gegensatz zur Versöhnung kommt, kann das Reich Wirklichkeit werden. Das preußisch deutsche Raisertum, das als Jdeologie, wenn auch nicht in monarchischer form, noch immer besteht, war im Grunde nichts weiter als der Versuch, sich der von Karl dem Großen übernommenen Aufgabe zu entziehen, nämlich sich auf den Staat zu beschränken und ein Volk unter anderen Völkern zu werden, das mit diesen auf dem Boden der Geschichte um die politische und vielleicht auch um die weltanschauliche Vorherrschaft ringt. Aber das deutsche Volk ist nicht berufen, aus sich heraus eine eigene Weltanschauung zu gestalten und dann mit ihr die Menschheit zu erlösen, seine Bestimmung ist vielmehr die, Empfänger und Verkünder des Offenbarungswortes zu sein. Es hat sich für Gott offenzuhalten, es hat das Kreuz, das ja auch schon die alte Raiserkrone schmückte, zu tragen und mit ihm durch die Geschichte nach Golgatha zu gehen. Aus Erwin Reisner: Die Kirche des Kreuzes und das deutsche Schicksal Geh. RM. 4.50, geb. RM. 5.50 ( Näheres s. Anzeige) Der heilige Geist von Julius Schieder 1. Es ist keine leichte Sache, davon zu reden, weil wir zunächst ganz im Unanschaulichen stehen. Alles, was man an Anschauung heranträgt, ist immer schief. Catürlich hat man ein Recht, von der geheimnisvollen Rraft zu reden, die die Christengemeinde beherrscht. Aber zufrieden können wir damit noch nicht sein. Der heilige Geist ist ja mehr als eine Kraft. Am ersten werden wir der Wirklichkeit gerecht, wenn wir sagen: der heilige Geist ist einfach der Herr Christus, der nicht nur war, auch nicht nur im immel weilt, sondern der heute und hier" ist. 2. Die Jugend denkt bei Geist an die„ Taube". Oder sie redet von der dritten Person in der Gottheit". Es muß recht deutlich gemacht werden, daß die Taube gewissermaßen das Wappenzeichen des heiligen Geistes ist, so wie der Adler das Wappenzeichen Deutschlands.- über die Trinität werden wir reden, werden ganz kurz die Lehre darstellen, werden aber dann sehr stark betonen, daß wir hier in der Welt des Geheimnisses stehen. Der bekannte Traum Augustins tut uns hier gute Dienste. 3. Die reformatorische Situation: Die Reformation weiß sich be. herrscht, geführt, geleitet von einer geheimnisvollen Gewalt, die immer und immer auf Christus hindrängt. Sie weiß: das ist der lebendige, gegenwärtige Christus selber. Diesen gegenwärtigen Christus nennt sie den heiligen Geist, weil in der Bibel so von ihm geredet wird. Pfarrbücherei für Amt und Unterweisung Band 1 Hans Asmussen: Die Seelsorge Lin praktisches Handbuch über Seelsorge und Seelenführung 2. Uuflage/ Geb. RM. 3.80, geb. RM. 4.80 Gute Sandbücher über evangelische Seelsorge sind selten. Sier ist unserer Kirche eines geschenkt, auf das wir unsere Pfarrer nachdrücklich binweisen. Usmussen gibt eine grundsägliche Darstellung dessen, was in einer evangelisch lutherischen Kirche allein Seelsorge ist und sein kann. Alle Arbeit der Seelsorge ist ausgerichtet am Worte Gottes. Das scheidet Seelsorge und Seelenführung, Verkündigung und Erziehung. Der Grundsag evangelischer Seelsorge bat sich zu bewahren und ist zu bewahren in der Sprechstunde, beim Sausbesuch, bei der Taufe, beberatung, Trauung, beim Trauerfall, am Kranken- und Sterbebett, und der evangelischen Beichte.- Ein Buch zu ernstem und notwendigem Studium.( Umtsblatt der ev.- luth. Kirche Bayern.) Band 2 Julius Schieder: Katechismusunterricht Geb. RM. 3.50, geb. Rm. 4.50 Dies Buch ist eine sehr wichtige euerscheinung, weil es das Gebiet des Religionsunterrichts, das äußerst arm ist an brauchbarer Literatur, um ein aus der Praris geborenes und rein praktisch angelegtes Unterrichtswerk bereichert. Julius Schieder, der Direktor des Predigerseminars in Zürnberg, gibt in drei Teilen 1. Was ist Ratechismus? 2. Was ist Religionsunterricht? 3. Anwendung für den Unterricht) ganz große Ronturen, sodaß sowohl Lehrer wie Schüler aus der gewohnten Enge und Knifflichkeit hinausgeführt werden und spüren, daß der Ratechismus Berichte von Wirklichkeiten enthält, die groß nnd gewaltig in unserem Leben steben und mehr bedeuten, als die gewaltigsten Ereignisse der Weltgeschichte. Erwin Reisner: Die Kirche des Kreuzes und das deutsche Schicksal Geb. RM. 4.50, geb. RM. 5.50 Inmitten der einer letzten Entscheidung zudrängenden religiösen Auseinanderfetzungen unserer Gegenwart wendet sich dieses Buch an die Sot jener vielen, die sich mit irgend einer billigen Oberflächenlösung des Widerstreites zwischen ihren natürlichen nationalen Wünschen und dem Wort der Bergpredigt, das uns zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit zu suchen befiehlt, nicht zufrieden geben konnen, für die aber trotzdem die tiefe Problematik ibres Deutschseins mit der christlichen Forderung untrennbar verbunden bleibt. Darf man von einer besonderen christlichen Sendung des deutschen Volkes reden? Sångt die Aufgabe, die uns vom Schicksal zuerteilt wurde und im politischen Raum ihrer Erfüllung barrt, zulegt mit unserer christlich- religiösen Bestimmung zusammen oder nicht? Gebt es überhaupt an, politische Ziele im Licht des evangelischen Glaubens und der göttlichen Seilsoffenbarung zu seben? Das sind die Fragen, auf die hier Untwort gesucht wird. Ernst Steinbach: Konkrete Christologie Die Aufnahme des Natürlichen in die Christologie bei Hermann Kutter mit einer systematischen Abhandlung, Communio sanctorum* tart. RM. 4.80 Das Buch wendet sich an die kirchliche Gegenwart. Es will diese Gegenwart als echte, christliche Gegenwart in der Weise besorgen, daß es den Leser von den Tagesfragen gerade wegführt, um ihn mit einer bedeutenden Gestalt der naben kirchlichen Vergangenheit bekannt zu machen, mit dem einsamen Rufer Sermann Rutter, der feine Zeit mit Strenge und unvergleichlicher Zielsicherheit zur Sache rief. Von Rutter ausgehend, wird dann das Hauptthema ,, Ronkrete Christologie" entwickelt und gezeigt, wie von dem nötigen Unsag aus das uns bewegende problem der Kirche aus der bloßen Theorie und bloßen Praris hinausrückt und echte Wirklichkeit bekommt. Christa Müller: Das Lob Gottes bei Luther vornehmlich nach seinen Auslegungen des Psalters Forschungen zur Geschichte und Lehre des Protestantismus 7. Reibe Bd. I in Subscription auf die ,, Forschungen" tart. RM. 2.20, einzeln bezogen tart. RM. 2.70 Das oberste Anliegen dieses Buches ist: nicht über Luther zu reden, sondern Luther selbst reden zu lassen. Luther als Ereget der Psalmen hat ein gewaltiges Wort davon zu reden, daß Gott sich nur in der Tiefe und Anfechtung von Menschen loben lassen will, daß Gott nur von den Niedrigen und Sündern gepriesen werden kann. Was Luther sich von den Psalmen sagen ließ, das sagt er deutlich weiter in seinen exegetischen Werken, seinen Kollegs und auch in seinen Psalmenliedern. Kierkegaard: Das Evangelium der Leiden Drei christliche Reden Ausgewählt, übersetzt und herausgegeben von W. Rútemeyer tart. Rm. 2.Uus Kierkegaards Vorwort: Diese christlichen Reden( die in mehr als einer Sinsicht keine Predigten sind, und darum aus mehr als einem Grund auch nicht so genannt find), sind nicht dazu bestimmt, der Neugierde einen leeren Augenblick auszufüllen"; wenn dagegen bloß ein einziger Leidender, der sich vielleicht zugleich in viele Gedanken verirrt hat, durch sie einen schweren Augenblick leichter finden sollte, in ihnen eine leitende Spur durch die vielen Gedanken finden sollte, so wird der Verfasser ihre Bestimmung nicht bereuen. Theologische Existenz heute Schriftenreihe, herausgeg. von Karl Barth und Eduard Thurneysen Erscheint nach Bedürfnis in zwanglofer Folge mit verschiedenem Umfang und Preis. Bei Subskription der Schriftenreihe auf mindestens ein Jahr werden die Sefte mit einer Ermäßigung von 10% geliefert. Bisher ist erschienen: Karl Barth: Theologische Eristenz heute Seft 1 xm. 1." 2 Rarl Barth: Für die Freiheit des Evangeliums " -.50 " 3 Rarl Barth: Reformation als Entscheidung " -.60 " Rarl Barth: Lutherfeier 1933 " <-. 50 " 5 Karl Barth: Die Kirche Jesu Christi " -.50 " " 6 Ernst Wolf: Martin Luther, das Evangelium und die Religion Rari Barth: Gottes Wille und unsere Wünsche " -.50 " -.80 " 8 Eduard Thurneysen: Die Kraft der Geringen --.50 " " 9 Karl Barth: Offenbarung, Kirche, Theologie " -.80 " 10 Karl Barth: Der gute Sirte " <-. 50 Bei Mengenbezügen ermäßigte Partiepreise Bekennende Kirche Schriftenreihe, herausgegeben von Theodor Ellwein und Chr. Stoll Seft I Riederauer Thefen zur Volksmission 2 Chr. Stoll: Das Bekenntnis der Kirche " 3 Th. Ellwein: Gesez und Evangelium " 4 " 5 d. Putz: Völkische Religion oder christlicher Gottesglaube? Fr. Loy: Menschenfragen und Gottes Antwort " 6 " 7 als Buch der Kirche " 8 W. Vischer: Siob, ein Zeuge Jesu Christi " 10 ====" " " Chr. Stoll: Jdee und gegenwärtige Erscheinung der Deutschen evangelischen Kirche. Dokumente zum Kirchenstreit 1. Teil ( jegt außerhalb der Sammlung) Chr. Stoll: Kirche in lot. Dokumente zum Rirchenstreit 2. Teil U. Schlatter| G. Schmidt| Chr. Stoll: Das alte Testament 9 Chr. Reyßer: Das größte Wert der Welt d. Ellwein: Der Menschensohn 11 5. Lauerer: Kirche und Staat, ein evangelischer Unterricht 12 5. Steege: Das Bekenntnis der Kirche in den Liedern der Reformation 13 G. Schmidt: Das alte Testament und der evangelische Religionsunterricht 14 Chr. Stoll: Mythus? Offenbarung! RM.-. 40 " -.35 " -.45 "-.75 " 06" <-. 65 " -.65 " <-. 50 " -.50 " -.40 "<-. 45 " <-. 55 - " " " 15 Jul. Sammetreuther: Die falsche Lehre der ,, Deutschen Christen" Bet Mengenbezügen ermäßigte Partiepreise " "-.65 -.45 -.45 " <-. 55 " Otto Piper: Kirche und Politik RM. 2.Man beginnt sich im Protestantismus wieder auf die Aufgaben der Kirche der Politik gegenüber zu besinnen. Über diese Versuche leiden fast durchweg darunter, daß sie die Aufgabe von der Politik ber bestimmen, statt von der Kirche ber. In dieser Schrift wird im Gegensatz dazu die politische Frage vom reformatorischen Rechtfertigungsglauben her angepackt, und unter ständiger Beziehung auf die nationale Revolution eine echt evangelische Lösung versucht. W. Schümer: Tod und Leben bei Dostojewski Ein Beitrag zur Kenntnis des russischen Christentums RM. 2.80 Das Grunderlebnis Dostojewskis ist die Zweideutigkeit alles Seienden, das Sin- ,, undber"-geworfenfein zwischen der Angst, dem Ausgeliefertsein an das Lichts, und der vertrauensvollen Singabe an die Alleinbeit des Lebens. Von diesem Grunderlebnis aus versucht Schumer die dunkle Welt Dostojewskis zu verstehen, in ständiger Uuseinandersetzung mit Natorp, Schestow, Guardini und Thurneysen. Theodor Ellwein: Kleine Glaubenslehre RM. 1.10 Der Verfasser ist einer der führenden Männer der volksmissionarischen Arbeit der bayerischen Landeskirche. Er hat in hervorragendem Maße die Gabe, ganz einfach, für jeden Gebildeten von heute verständlich zu sagen, was die Lehrsage unserer Kirche sagen und was sie nicht sagen, d. h. er versteht, den Sinn besonders derjenigen Lehraussagen herauszuarbeiten, an die sich Mißverständnis, Mißdeutung und widerspruch Enüpft. ( Ruf und Rüstung) Bestellzettel Aus dem Chr. Raiser Verlag, München, bestelle ich durch H. W. Mener ( von Buchhanbturny ber tonaer Stadtmiffism Altona/ Elbe, Königstraße 57 Genaue Anschrift des Bestellers: Bitte verlangen Sie kostenlos den Einblick" zur fortsetzung. Der Einblick" erscheint in zwangloser folge und will auf kurze praktische Weise Einblick in die Arbeit des Chr. Raiser Verlages, München, geben. Buchdruckerei Alb. Sighart, Fürstenfeldbruck 4. Wir müssen auch hier deutlich machen, daß der heilige Geist ein Geschenk, eine Gabe ist. 5. Das geheime Thema: Gott hat seinen Christus nicht nur damals auf die Erde geschickt. Er schickt ihn auch heute immer noch, aber eben im Geist". 6. Versuch der Ratechese: - res: Man kann ausgehen von der biblischen Geschichte, also von Pfingsten oder von der Situation der Gemeinde: sie weiß von jener geheimnisvollen Kraft. Einstimmung vielleicht durch die Sage von Herzog Ernst von Schwaben, dessen Schiff plötzlich von der unsichtbaren Gewalt des Magnetberges gepackt wird. So weiß die Gemeinde sich gepackt von einer unsichtbaren Gewalt. - Es gibt allerlei unsichtbare Gewalten: Heid Saß- Angst. Das hier ist eine andere Gewalt. Gerade jene Gewalten werden dadurch vertrieben. Aber etwas anderes hat die Gemeinde noch daran erlebt. Sie wird durch diese Gewalt auf Christus hingetrieben, so daß sie gar nicht anders kann, als ihn zum Herrn und Heiland machen. actum: Diese geheimnisvolle Gewalt ist der heilige Geist. Die Verheißung des heiligen Geistes durch das Alte Testament durch Christus das Rommen des Geistes an Pfingsten. Seitdem ist diese Gewalt da. - Was ist der heilige Geist? Taube? Dritte Person der Gottheit? Siehe Ziffer 2. Er ist( an Hand des Wortes:„ Siehe ich bin bei euch alle Tage!) der Herr Christus selber. Christus ist eine geschichtliche Persönlichkeit gewesen, dann ist er aufgefahren gen Himmel. Und nun ist er doch auf Erden- mitten in der Gegenwart, ist bei uns, wie einst bei den Aposteln, nur eben unsichtbar. Er ist Gottes großes Geschenk. Gott könnte es ja auch anders machen, könnte uns bloß leben lassen von der Erinnerung an Vergangenes, oder von der Hoffnung auf Zukünftiges. Gott tut das nicht. Er schickt auch uns heute den Herrn Christus. Es streit für uns der rechte Mann"( das Präsens!). verbum: Aber wo finden denn wir den heiligen Geist? Müssen wir nach Palästina? Oder bekommen wir ihn draußen im Wald? Oder wo sonst?- Jm Evangelium! Wo das Gotteswort gelehrt und gehört wird, da ist der lebendige Christus, da ist der heilige Geist. Aus Julius Schieder: Katechismus- Unterricht Geh. RM. 3.50, geb. RM. 4.50 ( Näheres s. Anzeige) Die Möglichkeit der Kirche von Ernst Steinbach Wir fragen abschließend nach der Möglichkeit der Kirche in diesem Augenblick, d. h. wir versuchen unsere Situation vor dem Problem der Kirche zu bestimmen. Kirche ist da, wo Christus ist. Deshalb sagten wir, daß die Erörterung des Kirchenproblems von vornherein auf dem Boden der Kirche erfolgt, es handelt sich dabei nicht um ein geistreiches, im übrigen bequemes und unverantwortliches Spiel mit dem Kirchennamen. Mit Christus sich einzulassen ist eine gefährliche Sache für den Fall, daß er wirklich ist. Nun aber soll die Kirche keinen anderen Zweck haben als den widerspruchsvollen, daß sie sich in die Welt hinein auflöst. Sie entsteht um zu sterben, und sie lebt indem sie stirbt. Es ist unvermeidlich, daß die Anrufung des Christusnamens immer eine reale, menschliche Gemeinschaft hervorbringt. Denn freilich kann ich Christus erkennen, vielmehr, ihn als Christus anerkennen, nur als einzelner. Der Glaube ist eine ganz einsame Sache. Eine Masse kann nie als Masse glauben, sondern nur indem sie sich aufspaltet in die gläubigen einzelnen. Welche Chancen" das Christentum in unserer Massenzeit hat, kann man daraus ermessen. Eine Volkskirche mit der immer mehr oder weniger deutlich geltend gemachten fiktion, daß die getauften, konfirmierten und Kirchensteuer zahlenden Mitglieder eo ipso auch Christen seien, ist christliche Masse, und das ist eine contradictio in adjecto. Aber der einzelne, der herausgerufen und durch seine Berufung überhaupt erst ein einzelner wird, ist ja in Christus zugleich der allgemeine Mensch, über Christus gelingt die universale Verbindung mit den Brüdern, wäh rend es im direkten erotischen Verhältnis nur eine partikulare Verbindung nach dem Prinzip der Auslese gibt. Christliche Gemeinschaft ist communio, ganz individuell und zugleich organisch und universal, und deshalb ist sie das Urbild jeglicher Gemeinschaft. Christus versammelt also immer jene reale, menschliche Gemeinde. Wie eine solche Gemeinde geformt und verfaßt ist, läßt sich allgemeingültig gar nicht angeben. Sie kann bestehen in großer Formlosigkeit mit einem Minimum an Organisation. Sie kann auch eine mächtige, wohl. organisierte Gesellschaft sein. Irgendwie muß sie immer organisiert sein, denn ohne Organisation gibt es kein Zusammenhalten und keine Macht. Aber selbst zum Sterben gehört die Macht, die Mächtigkeit des Leibes, damit er sich auflösen kann. Auf jeden Fall muß eine christliche Gemeinde die realen Züge des Sterbens an sich tragen. Sie darf sich nicht selber wollen, sondern Christus, sie muß Gott in der Welt veranschaulichen, ihn mit der Welt konfrontieren und das heißt vor allem: mit sich selbst. Auch das kann zu verschiedenen Zeiten in der verschiedensten Form geschehen. Immer ist die christliche Predigt auflösend für das bloße Natürliche, weil Christus eine Person ist, die mit dem konkreten Anspruch auftritt: Jch oder Du. Vielleicht wird das, was wir meinen, am besten klar, wenn wir versuchen, in etwas auf das christliche Lebensgefühl einzugehen. Christ sein heißt, die Todesangst, die das Leben jedenfalls in sich trägt, permanent machen und sie so ständig überwinden aus dem Glauben, daß sie ein für allemal überwunden ist. Es heißt, sich durch den Anspruch der Wahrheit von Stufe zu Stufe weiterdrängen lassen zu irgend welchen Handlungen, die in ihrer menschlichen Bedeutsamkeit zwischen dem Einfachsten, etwa dem Trunk kalten Wassers im Evangelium, und dem Anspruchvollsten, etwa Luthers Thesenanschlag, liegen. Aber immer wird der Christ geschoben, gedrängt, er ist mutig, weil er nicht feig sein darf, er springt von einer Eisscholle zur andern, weil er weiß, daß es für den von Gott kommandierten Menschen keinen Haltepunkt gibt, außer Gott selbst, und er weiß besser als alle anderen, daß das Gefühl des Mutes meist nichts ist als der Mangel an Phantasie. Er greift an, er löst auf, er zerstört sich in scheinbar fruchtlosen Rämpfen mit der Welt, die er selbst ist, und der Welt um ihn herum, aber nicht mit der Freude des liberalen Schulmeisters, der dem Volk seinen Rinderglauben raubt in dem naiven Bewußtsein, daß wir es doch herrlich weit gebracht haben, sondern mit der Angst dessen, der nicht anders kann. Und umgekehrt baut er auf und richtet ein durchaus in dem Bewußtsein, daß alles Tun für Gott nur Demonstration ist und niemals Gott selbst unmittelbar veranschaulichen tann. Daraus folgt, daß die christliche Kirche im Sinne des Dogmas nicht unmittelbar gemessen werden kann mit dem Maßstab der sichtbaren, moralischen Leistung. Denn einmal ist jede Handlung im Blick auf Gott zweideutig. Was nach dem gesellschaftlichen Maßstab verwerflich ist, kann christlich geboten sein. Einmal in diesem besonderen Augenblick und umgekehrt. Wer sich mit Christus einläßt, wird sich klar sein müssen, daß er selbst seinen intimsten Lebensstil mit leichter Hand führen muß, wenn anders er sich die Aussicht nicht rettungslos verstellen will, Christus in einer seiner tausend Verkleidungen zu erkennen. Christus will die Men schen für sich, er bekehrt sie nicht zu einem bestimmten Lebensstil; für den Moralisten ist kein Platz im Reiche Gottes. Verlangt man von der Kirche aber gar nicht eine besondere Leistung, sondern nur überhaupt Leistung als Außerung ihrer Kraft, so wird auch hier das moralische Urteil versagen. Es gibt in der Kirche doch Anfänge, es gibt Schwache und Starke, und die Todesangst wird nicht mit einem Mal überwunden. Tot ist eine Kirche erst in dem Augenblick, wo sie keine Todesangst mehr empfindet und die ausbrechende Todesangst nicht mehr in sich duldet. Eine solche Kirche würde, weil sie rein moralisch ist, auch mit Recht dem moralischen Maßstab unterliegen. Ohne Zweifel wird aber für einen Menschen, der in die Kirche hineingezogen wird, der Widerstand aus ihm selbst und von außen her immer greifbarer, er wird immer mehr einsehen, daß das, was er tut, menschlich gesehen oft nicht nur töricht, sondern geradezu unverantwortlich ist, das heißt sein Handeln wird ganz von selbst zum Leiden. Und je mehr er lernt, daß es gar kein anderes Handeln gibt als das handelnde Leiden, desto mehr wird er die Todesfurcht überwinden, und desto mehr wird die Kirche dann auch sichtbare Leistungen aufzuweisen haben. Aus Ernst Steinbach: Konkrete Christologie kart. RM. 4.80 ( Näheres s. Anzeige) Theologische Eristenz heute Schriftenreihe, herausgegeben von Karl Barth und Eduard Thurneysen Erscheint nach Bedürfnis in zwangloser folge mit verschiedenem Umfang und Preis. Bei Subskription der Schriftenreihe auf mindestens ein Jahr werden die hefte mit einer Ermäßigung von jo% geliefert. Bisher ist erschienen: Heft 1 Karl Barth: Theologische Existenz heute mr. J.Partiepreise: Bei Bezug von 20 Ep. 90 Pfg., von so Ep. 85 Pfg., von 100 Er. 80 Pfg., von 1000 Er. 75 Pfg. Heft 2 Karl Barth: Für die Freiheit des Evangeliums mt.-.so Partiepreise: Bei Bezug von 20 Er. 4s Pfg., von so Er. 42 Pfs., von 100 Er. 40 Pfg., von 1000 Er. 35 Pfg. Heft 3 Karl Barth: Reformation als Entscheidung mr.-. 60 Partiepreise: Bei Bezug von 20 Ep. ss Pfg., von so Ep. 52 Pfs., von 100 Er. so Pfg., von soo Er. 47 Pfg., von 1000 Er. 45 Pfg. Seft 4 Karl Barth: Lutherfeier 1933 mt.-.so. Partiepreise wie bei Heft 2 Seft s Karl Barth: Die Kirche Jesu Christi mr. so. Partiepreise wie bei Heft 2 Heft 6 Ernst Wolf: Martin Luther, Das Evangelium und die Religion mr. so. Partiepreise wie bei Heft 2 - Heft 7 Karl Barth: Gottes Wille und unsere Wünsche mr.-.80 Partiepreise: Bei Bezug von 20 Ep. 75 Pfg., von so Ep. 70 Pfg., von joo Ex. 65 Pfg., von jooo Ep. 60 Pfg. Heft& Eduard Thurneysen: Die Kraft der Geringen mr. so. Partiepreise wie bei Heft 2 Heft 9 Karl Barth: Offenbarung, Kirche, Theologie mr..8o. Partiepreise wie bei Heft 7 Heft 10 Karl Barth: Der gute Hirte mr.-.so. Partiepreise wie bei Heft 2 Heft 11 Mar Lackmann: Herr, wohin sollen wir gehen? mt. j.. Partiepreise wie bei Heft 1 CHR. KAISER VERLAG MUNCHEN S. KIERKEGAARD Das Evangelium der Leiden Drei christl. Reden. Ausgewählt, übersetzt und herausgegeben von W. Rütemeyer fart. RM. 2.Aus Rierkegaards Vorwort: Diese christlichen Reden( die in mehr als einer Hinsicht feine Predigten sind, und darum aus mehr als einem Grund auch nicht so genannt sind), sind nicht dazu bestimmt, der Neugierde einen leeren Augenblick auszufüllen"; wenn dagegen bloß ein einziger Leidender, der sich vielleicht zugleich in viele Gedanken verirrt hat, durch sie einen schweren Augenblick leichter finden sollte, in ihnen eine leitende Spur durch die vielen Gedanken finden sollte, so wird der Verfasser ihre Bestimmung nicht bereuen. JULIUS SAM METREUTHER Die falsche Lehre der„ Deutschen Christen" ,, Bekennende Rirche" Heft 15/ RM.-. 55 Die Rampfschrift, die schon in der 3. Auflage vorliegt, setzt sich auf rein dogmatische Weise ohne politische Seitenblicke mit den Deutschen Christen auseinander. Ihre Formulierungen sind von kompromißloser Schärfe. Ein Nachweis, daß die von Sammetreuther beanstandeten Jrrlehren tatsächlich von Führern der Deutschen Christen- und bei den Deutschen Christen gilt doch das Führerprinzip- nicht geäußert worden wären, wurde jedoch bisher nicht erbracht. ( Rorrespondenzblatt für die ev.- luth. Geistlichen in Bayern). ERNST STEINBACH Ronkrete Christologie Die Aufnahme des Natürlichen in die Christologie bei Hermann Rutter mit einer systematischen Abhandlung„ Communio sanctorum" fart. RM. 4.80 Das Buch wendet sich an die kirchliche Gegenwart. Es will diese Gegenwart als echte, christliche Gegenwart in der Weise besorgen, daß es den Leser von den Tagesfragen gerade wegführt, um ihn mit einer bedeutenden Gestalt der nahen firchlichen Vergangenheit bekannt zu machen, mit dem einsamen Rufer Hermann Rutter, der seine Zeit mit Strenge und unvergleichlicher Zielsicherheit zur Sache rief und der eben darum konkret war, die aktuellen Probleme seiner Zeit von Christus her bewegte. Der zweite Teil des Buches will als ein Stück konkreter Christologie" zeigen, wie von dem richtigen Ansatz aus das uns bewegende Problem der Rirche aus der bloßen Theorie und bloßen Praris hinausrückt und echte Wirklichkeit bekommt. Evangelische Theologie Monatsschrift in Fortsetzung von„ Zwischen den Zeiten" und" Blätter zur kirchlichen Lage", herausgegeben von Prof. D. Ernst Wolf, Bonn, unter Mitwirkung von Lic. Wilh. Wiesel, Pf. Walter Schempp und Priv.- D03. Lic. Dr. Wolfg. Trilhaas. Abonnementspreis vierteljährlich 2.- RM. Studentenpreis 1.60 RM. Heft 1: Wolf, Vorwort der Herausgeber Schempp, Die zweite Seligpreisung/ Vischer, Gott und Volk in der Bibel. Heft 2: Asmussen, Das Opfer der Gemeinde H. J. Jwand, Die Predigt des Gesetzes/ Gollwitzer, Amt und„ Führertum" in der Kirche. Heft 3: U. de Quervain, Die Frucht des Vertrauens Gollwitzer, Amt und„ Führertum" in der Rirche( Schluß) Theologische Erklärung der Bekenntnissynoden der Deutschen Evangelischen Kirche. CHR. KAISER VERLAG MÜNCHEN