Die Wahrheit wird Euch freimachen Max Lackmann OSR 1035 Max Lackmann Die Wahrheit wird Euch freimachen Dem Gedenken an LUDWIG STEIL Pfarrer in Wanne- Eickel gestorben am 17. Januar 1945 im Konzentrationslager Dachau x DIE WAHRHEIT WIRD EUCH FREI MACHEN Fünf Predigten nach der Heimkehr aus Dachau von Max Lackmann en Ya, 5 ya ee UT Am ZUM GELEIT! m 29. Mai 1945 öffneten sich mir nach 40 Monaten Gefangenschaft und Verbannung die Tore des Konzentrationslagers Dachau. Meine Bewahrung inmitten Krankheit, Hungersnot, Seuchen und Menschenlist war eine handgreifliche Erfüllung des Herrenwortes an Seine Diener ,, Sehet, ich habe euch Macht gegeben zu treten auf Schlangen und Skorpione und über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch beschädigen"( Luk. 10, 19). Die nachstehenden 5. Predigten mögen der Kirche JESU CHRISTI und unserem deutschen Volke den heiligen Dienst tun, um den ich den HERRN inständig gebeten habe, als ich sie in München, Herford und Kirchlengern hielt: Geheiligt werde DEIN Name, DEIN Reich komme, DEIN Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden!" Der Druck war nicht vorgesehen. Denn Predigt ist das einmalige Geheimnis göttlicher Rede im Gottesdienst der anbetenden Gemeinde. ,, Das lebendige Wort ist, bevor es kommt und wenn es vorüber ist, nicht abzubilden in der Schrift; es ist Leben und von der Schrift unterschieden wie eine wohlriechende Rose im Tal von einer gemalten"( Löhe). Dennoch haben mich zwei Gründe zur Veröffentlichung bewogen: die wachsende Nachfrage sowie die geistige und religiöse Lage der deutschen Gegenwart. Das deutsche Schicksal und die 5 Aufgabe der Kirche Jesu Christi zu begreifen, ist Not wnd Gebot, für Führer und Geführte unserer Tage. Hier zu helfen und zu gehorchen, schien mir unüberhörbare Weisung. Das beigegebene Bild stellt den‘Altar unserer Kapelle im Pfarrerblock des K.L. Dachau dar. Es wurde in schwerer Zeit von einem katholischen Confrater mit den beschränkten Mitteln, die im Lager zur Verfügung standen, gemalt. Als die Stätte, an der evangelische und katholische Geistliche„heiliges Land” und Gottes Tisch ‚im Angesicht meiner Feinde” mit Dank und Anbetung er- fahren durften, steht dieser Altar in engster Beziehung zu dem, was auf den folgenden Seiten gesagt ist. Ich widme die Predigten dem besonderen Gedenken Pfarrer Ludwig Steils aus Wanne-Eickel i.- Westf., der Mitte Januar 1945 ‘ unter den mörderischen Verhältnissen des Lagerreviers die Treue zu seinem Herrn und Heiland mit dem Tode bestätigte. Eines seiner letzten zu uns gedrungenen Worte war:„Ich weiß mich ganz im Frieden GOTTES geborgen.” „Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort GOTTES gesagt haben; ihr Ende schauet an und folget-ihrem Glauben nach, Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit’ (Hebr. 13, 7/8). Max Lackmann. Büren Krs. Büren Epiphaniaszeit 1946 1 ם I S S 93 5 e S h gt S 11 GOTT LOBEN, DAS IST UNSER AMT! „Zu derselben Zeit wirst du sagen: Ich danke Dir, Herr, daß Du zornig bist gewesen über mich und Dein Zorn sich gewendet hat und tröstest mich! Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht, denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heils- brunnen und werdet sagen ZU derselben Zeit: Danket dem Herrn, prediget Seinen Namen, machet kund unter den Völkern- Sein Tun, verkündigt, wie Sein Name so hoch ist, Lobsinget dem Herrn, denn Er hat sich herrlich bewiesen, solches sei kund in allen Landen. Jauchze und rühme, du Einwohnerin zu Zion, denn der Heilige Israels ist groß bei dir!“(Jesaja 12) Predigt: gehalten nach Befreiung aus dem Konzentrationslager Dachau in der Erlöserkirche zu München- Schwabing am 17. Juni 1945 n er 1. S- m n t. u B 2) Das as verlesene Wort des Propheten Jesaja hat deutlich nur ein Ziel: uns zu ermuntern zum Lobe Gottes! Und das meint hier: zu einer ganzen Lebenshaltung, zu einem Umgang mit Gott, aber auch mit allen Mitmenschen im Alltag, aus dem zu lesen ist: ,, Wir geben Gott ganz recht; wir sind der Meinung, Er hat Seine Sache wunderbar gut und gerecht mit uns gemacht; wir loben Gott!" Als ich vergangene Woche die Predigttexte des heutigen Sonntags daraufhin las, welches Gotteswort ich denn als Erstes der Gemeinde nach meiner Rückkehr in die Freiheit sagen müßte, da war mir sofort gewiß: dies Wort ist es, die Ermunterung zum Lobe Gottes. Aber jetzt sträubt sich etwas in uns und will dies helle. Wort nicht in uns herein lassen. Ist denn dazu der richtige Augenblick jetzt: Die verwüsteten Städte, unser besiegtes Volk, die verlorene Ehre, unsere Toten und Vermißten und Gefangenen, die bedrohte Versorgung, das geistige Chaos, die enthüllte Schande deutscher Konzentrationslager, die Charakter- und Gewissenlosigkeit und Feigheit von Millionen deutscher Männer und Frauen, die wenigen Beweise von Gottesfurcht und Jesusliebe unter Christen, Pfarrern und Kirchenführern, die namenlose sittliche Verirrung und Verantwortungslosigkeit unserer Führer in Politik und Wehrmacht, und darüber nun der Haß und das Gelächter der ganzen Welt um uns herum ist das der richtige Augenblick zum Lobe Gottes: Du hast es wunderbar gut und gerecht mit uns gemacht? Nun, wenn man die Dinge so sieht, wie sie greifbar vor uns liegen, dann offenbar nicht. Dann kann man sich nur vergraben in einem Winkel und alles laufen lassen, wie es läuft. Es ist wirklich kein Sinn heraus9 zukriegen. Oder man tut wenigstens so, als ließe sich noch etwas ändern und ordnen: ein paar Ziegelsteine schichten, eine Stube aufräumen, ein paar Kohlpflanzen setzen, tüchtig schimpfen über oder -die Verführer, viel hoffen auf andere Männer, Parteien Nationen. Aber es ist doch alles Träumerei und Illusion des ewigen deutschen Michel. Ausgebombt bleibt ausgebombt, besiegt besiegt, Lob ehrlos ehrlos, besetzt besetzt, hilflos hilflos, verhaẞt verhaẞt. Gottes? Aber nun erinnern wir uns, daß wir hier in Gottes Haus Wir dürfen ja all die als Gemeinde Jesu Christi beisammen sind. aufregenden Dinge um uns herum ganz anders sehen, gewissermaßen durch sie hindurch wie man in einem scharfen Mikroskop den Kern der Sache sieht: so dürfen wir sehen den eigentlich göttunseres Schicksals als lichen und eigentlich menschlichen. Kern Einzelne und als Volk! Es ist ja ein aufregender Moment, wenn man das Mikroskop ganz scharf einstellt: ,,, Jetzt wird's ganz deutlich!" seht, so gibt es den geheimnisvollen Augenblick des Glaubens für die Gemeinde Jesu, wo sie auf den Kern aller Dinge sehen darf; diesen Augenblick des Glaubens, den der Prophet hier mit den Worten beschreibt ,, Zu derselben Zeit wirst du sagen. Dinge sehen - - " Nun dürfen wir mit ihm auf den Kern aller groß und klar malt er ihn uns aus im Kapitel 11 vorher ―: wir sehen den Friedenskönig Jesus Christus, der sich Sein elendes, zerrüttetes, schuldbeladenes Volk sammelt, reinigt, kräftigt und es heimbringt in Sein Land des Friedens und alle Widersacher Seines Volkes zum Schweigen bringt; den Kern sehen wir Christen in jeder Ruine, in jedem besiegten Deutschen: den König Jesus Christus, der es mit dem Vater und dem Heiligen Geiste so gemacht hat, wie alles kam, auf daß Sein Reich komme und Sein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden. Das allein ist die Perspektive der Kirche Jesu Christi im Deutschland von heute, wenn sie um im Bilde des Mikroskopes zu bleiben ganz ,, scharf" einstellt, d. h. aufs Wort ihres Herrn merkt und sich ganz innig und liebend mit ihrem Herrn zusammenschließt: sie sieht das Kommen des Königreiches Christi, der die Niedrigen erhebt und die Reichen leer ausgehen läßt; sie sieht, wie Er das Wesen dieser Welt vergehen macht und Sein Reich des Lebens bereitet denén, die Ihn liebhaben. Und habt acht, das ist nun doch der rechte Augenblick unserer großen Verwandlung, dieser Augenblick des Glaubens an Jesus Christus, wo wir weder den Kopf hängen lassen noch uns frechen Illusionen hingeben, sondern uns nur ermuntern lassen können zum Lobe Gottes! Mitten unter den Trümmern unseres Hauses, unseres Lebens, unseres Volkes die wunderbare Verwandlung unserer Herzen, zu der uns kein Deutscher und kein Amerikaner, nur der Herr Christus selbst verhelfen kann: ,, Gott loben, das ist unser Amt" ,,, denn meine Augen haben Deinen 10 1 ן 1 5 d 1 t t 1 t I ב H n Heiland gesehen". Und dieses Lob Gottes wird dann heute von uns Christen in Deutschland auf dreierlei Weise geschehen. 1. Zuerst werden wir danken für Gottes Zorn und für das Ende Seiner Gerichte! ,, Ich danke Dir, Herr, daß Du zornig Wir können nun als Christusbist gewesen über mich." gläubige nicht mehr murren und meutern und schimpfen, beschuldigen und entschuldigen. Wir können nur noch auf die Kniee gehen, allein und miteinander, und Gott sagen: Dank Deinem Zorn, der uns den Männern der vergangenen 12 Jahre ausgeliefert hat: der Deiner Kirche weithin die Gnade des Heiligen Geistes entzogen hat, weil sie Deinem Wort nicht gehorchte. Dank Deinem Zorn, der alle Begriffe natürlicher Sitte und religiöser Ehrfurcht im Maurer deutschen Menschen vom Universitätsprofessor bis zum verwirrt hat; der 12 Jahre Millionen Deutsche und Ausländer in den Konzentrationslagern aller Himmelsrichtungen verhungern, foltern, verkümmern, entwürdigen, vertieren, hängen, erschießen, vergiften, zu Versuchszwecken mißbrauchen, von Weib und Kindern, von Volk und Kultur Jahre lang abtrennen ließ ohne Recht und Urteilsspruch; Dank Deinem Zorn, der uns das Böse Gut und das Schwarze Weiß nennen ließ; der uns nur nach Arbeit und Brot, gleich warum und woher, statt zuerst nach Gott und Gewissen fragen ließ; der unsere Städte und Kirchen und Menschen durch die Faust des Krieges wie Sand zerstäubte; der uns keine Männer schickte oder groß werden ließ, die dem Wahnsinn die Stirn boten und dem Gewissen auch nur eines Heiden gehorcht hätten. Dank, Herr Gott, für diesen Zorn, denn wir erkennen ja darin das Antlitz Deines gemarterten und verworfenen Menschensohnes und Königs am Schandpfahl von Golgatha, der zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn und die Hungrigen füllen will mit Gütern. In jedem Glied unseres armen Volkes dürfen wir fast greifbar das Schmerzensantlitz Deines Sohnes finden, den Du so geschlagen hast, damit Du recht behaltest mit Deinen heiligen, ewigen Geboten, aber auch uns mit Ihm erhöhen und heilen könntest! Dank aber auch für das Ende Deiner Gerichte! ,, Ich danke dir, Herr, daß dein Zorn sich gewendet hat und tröstest mich!" Ich danke Dir, Herr, daß Du uns befreit hast von den Tyrannen und Bösewichten; daß wir nach und nach wieder zu unseren Familien und in die Heimat finden dürfen; daß wir nicht mehr Tag und Nacht an unserem Leben bedroht sind; daß Du uns wieder offen und frei uns sammeln läẞt um Deinen König und unseren Hohenpriester Christus und uns anbietest: Bei Mir ist viel Gnade und Vergebung und Leben, bei Mir kommen die Gedanken wieder zurecht und wird der Wille wieder rein und stark, bei Mir hast du einen weiten Ausblick auf Bleibendes und Wahres. Durch alle Ruinen hindurch, über alle Gräber hinweg, über alle Schande hinaus!" Dank für das Ende - 11 Deiner Gerichte! Meine Geschwister in Christo, wir greifen ja im Ende der Gerichte SO deutlich die gütige, durchgrabene Hand unseres Heilandes, über unsere Häupter ausgestreckt, die nur wartet auf unsere persönliche Bitte: ,, Lege Dich auf uns und segne uns!" und die uns dann bedecken wird: dir sind deine Sünden vergeben, ausgelöscht mit dieser durchgrabenen Jesushand, im Herzen Gottes ausgelöscht, alle deine Sünden der vergangenen 12 Jahre und vorher, dein Unglaube, deine Feigheit, dein Mitmachen, dein Alleslaufenlassen, dein Ungehorsam gegen Gottes Gebote! Und nun gehe hin mit Frieden! Nun bleibt diese durchgrabene Jesushand auf dir liegen, mehr noch: Er selbst bleibt in dir und mit dir samt allen Seinen Engeln. Nun wirst du ein rechter Mensch Gottes, ein Diener deiner Mitmenschen, ein Erbe im Reich Gottes werden können. Mit Ihm zusammen! Meine Lieben: Dank sei Christus, dem Herrn, der uns so geschlagen hat, damit Er uns so herrlich zu wahren Menschen Gottes bereiten könne! Das heißt Lob Gottes: so denken, so tun, so wandeln!- 2. Aber Lob Gottes wird dann auch weiter bedeuten: Ein fröhliches Sichsättigen der Gemeinde an dem Herrn Christus und Seinem Geist. ,, Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen." Wir Deutsche sind nun heute alle mehr oder weniger ausgemergelt, heruntergekommen, hungrig und durstig an Leib und Seele. ,, Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen, und niemand gab sie ihm", heißt es in der Geschichte vom verlorenen Sohn. Nun, das mußte so kommen, nachdem er das Vaterhaus verlassen und sein Gut mit Prassen umgebracht hatte. Die Zahl der deutschen verlorenen Söhne und Töchter Gottes, die sich nicht nur leiblich, sondern auch seelisch von ,, Löwenzahn und Disteln", von Unkraut aller Art zu ernähren suchen, wird ja wohl in Bälde noch größer werden. Aber wenn wir dann wirklich hinter allen Dingen die Herrschaft und Hand des Herrn Christus sehen, dann werden wir nicht mit vielen Leuten sagen können: wenn erst mal der Schutt weggeräumt ist; wenn erst mal die Schuldigen alle ausgemerzt sind; wenn erst mal die oder die Partei oder Doktrin hochgekommen sein wird dann...." Nein, wir werden nur eins tun: uns fröhlich an dem Herrn Christus und dem Heiligen Geist sättigen, der in seiner Das heißt: Gemeinde gegenwärtig ist in Wort und Sakrament. Seine Tischgäste sein, Ihn, den lebendigen Gottmenschen, in uns aufnehmen als Speise für Leib und Seele, aber auch den Brotkorb und den Suppentopf und den Kleiderschrank uns von Ihm füllen lassen. Und das wird er dann auch tun. Meine Lieben, Schuld kann nicht weggeredet, unsere Sünde nicht weggedacht, unsere Schwachheit nicht weggelehrt, unser Brotmangel nicht weggezaubert werden. Neues Leben aus Gott muß in uns wohnen, neue Gemeinschaft mit 12 Gott muß in uns beginnen, die unsere Seele formt, unseren Verstand erleuchtet, unseren Willen Gott übergibt, unsere Kräfte ganz auf Ihn hinordnet, uns Gott wieder wert und Ihn zu unserem besten und wahren Vater und Freunde macht. Und das ist nun eben auch unsere ganz persönliche Sache ,, ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen", nicht nippen, nicht gedankenund herzlos ,, auch zur Kirche gehören" und ,, auch zur Kirche gehen". Wenn mein Bub daheim einen schönen Apfel geschenkt bekommt, dann packt er zu und beißt rein! So gierig und fröhlich gilt es schöpfen, sich erquicken aus der Verkündigung des heiligen Predigtamtes, aus der Heiligen Taufe an uns und unseren Kindern, aus der Heiligen Absolution der Beichte, an der Gabe Seines wahren Leibes und Blutes, daß wir genährte und satte Kinder Gottes, ganz von Gott gereinigte und geheiligte Christen werden, die dann ganz gewiß sind wie immer sie schwach und arm und hilflos sein mögen ,, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht!" Das ist Lob Gottes heute: Christum begehren wie das tägliche Brot, den Heiligen Geist verlangen wie den täglichen Trank und dann seiner geistlichen und leiblichen Hilfe gewisser sein als mir mein Leben, meine Hand vor Augen, der heutige Tag ist! Das ist Lob Gottes! Und ich muß euch schon sagen: wenn wir Geistliche der Evangelischen Kirche des heutigen Deutschland aus Dachau etwas mitbringen, aus dem Dachau des planmäßigen, langsamen oder schnellen Martertodes an Seele und Leib, aus dem Dachau der Hoffnungslosigkeit und Verachtung aller Menschenwürde dann bringen, wir ihr dieses Lob Gottes mit: Christum essen und trinken, Sein Wort verkosten macht satt und gesund auch wenn Leib - - - und Seele zu verschmachten scheinen! Wen Er hat und wer Ihn hat, der ist unangreifbar für Menschenhand, den speisen immer noch die Raben des Elia auf wunderbare Weise mitten in der Wüste, den umlagern Gottes heilige Engel mit ihren Fittichen, daß man ihr Rauschen hört ,, nehmen sie ihm auch den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib sie haben kein Gewinn, das Reich muß ihm doch bleiben". Sie haben uns viel genommen draußen in Dachau: Gesundheit, Nervenkraft, Lebensfreude, Lebensjahre, Gemeinschaft mit Frau und Kindern und Gemeinde aber Er hat uns nicht Waisen - werden lassen. - 3. Nun werdet ihr auch verstehen, daß das Lob Gottes unbedingt münden muß in das Letzte: in das laute Bekenntnis des erfahrenen Gottes mit der ganzen Kirche vor allen Menschen, wie es der Prophet hier tut: ,, und werdet sagen zu derselben Zeit: Danket dem Herrn; prediget Seinen Namen; machet kund unter den Völkern Sein Tun, verkündiget, wie Sein Name so hoch ist." ,, Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über." Wer Christus kennt und hat, der kann das 13 - Jauchze und nicht bei sich behalten. Das läßt der Herr Christus nicht zu, das bringt auch kein wahrer Jünger fertig. Er muß es allen Leuten sagen, ob sie ihm das verübeln oder nicht: Welch einen Gott haben aus einem Sünder wir! Was können die Wunden des Heilandes ' machen! Welche Macht ist unserem König Christus gegeben im Himmel und auf Erden, über Engel und Teufel, über Seine Leute und Seine Feinde, über den Brotkorb und die Gebrechlichkeit des Leibes. Das muß die ganze Kirche, mehr noch: alle Völker und Länder müssen das zu hören bekommen durch uns: ,, Lobsinget dem Herrn, denn Er hat sich herrlich bewiesen; solches sei kund in allen Landen. rühme, du Einwohnerin zu Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir." Seht, das ist ,, Bekenntniskirche": das laute Einstehen für die erfahrenen Taten Gottes, für das Gewinnen der Welt und für das rechte Lobsingen des ganzen Volkes Gottes. Wo immer Kirche Jesu ist, da wird diese jauchzende und werbende Stimme bekennender Christen laut werden und keine Macht der Welt kann dagegen an. Sie kann es wirklich nicht. Seit den Tagen der Apostel, die trotz Redeverbotes bekennen mußten: \ ,, Wir können's ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehört haben"- bis zu unserem evangelischen Pfarrer Schneider im Konzentrationslager Buchenwald, der täglich auf dem Appellplatz des Lagers Tausenden von Häftlingen die Losungen der Brüdergemeinde zurief trotz Verbot und Strafen und dessen Stimme erst verstummte, als ihn seine SS- Wächter buchstäblich zu Tode geprügelt hatten. Gott loben, das ist unser Amt! Meine Freunde, der Herrgott, aber auch wir Deutschen und unsere Evangelische Kirche brauchen heute keine Leute, die ,, auch für die Kirche" sind und es ,, begrüßen", daß man nun wieder Religion haben und die Kinder in den Unterricht schicken darf. Das ist gewiß kein Lob und haben es Gottes. Aber wir flehen den Herrn Christus an im Lager getan um Männer und Frauen, um Jungen und Mädchen, die mit ihrem Leibe und mit ihrer Seele und ihrem Geist Gefangene des Himmelskönig sind; die das Antlitz des Gekreuzigten hinter allen Dingen des Lebens, hinter Geburt und Tod, Ehe, Beruf, Geschichte und allen Dingen erkennen und nun in die wunderbare Verwandlung ihrer Herzen eingehen dürfen: in das Lob Gottes, das Ihm dankt für alle Seine Gerichte und Errettungen in Reue und Demut; das nimmt von der Fülle des Auferstandenen Gnade um Gnade mit Freuden; das laut bekennt im heutigen Osten und Westen, im Süden und Norden unseres Vaterlandes ,,, daß Christus sei mein Herr" und Er noch wartet auf alle Völker. Wir wissen heute noch nicht, wer die nächsten Feinde der Kirche Jesu und wo die nächsten Gefängnisse für bekennende Christen sein werden. Wir dürfen nicht erwarten und wer einmal den Kreuzweg im Namen Jesu gegangen - - - 14 ist, erwartet es auch nicht, und wir warnen euch davor, es zu erwarten! unter den durchgrabenen Segenshänden des Heilandes jemals ohne die Wundmale Jesu an unserem Leibe heimzukommen. Der Jünger ist nicht über den Meister. Auch in dem neuen Abschnitt unserer Volksgeschichte nicht. Aber das erwarten wir freilich von unserem und eurem Beten und Arbeiten in Christo: daß neue Menschen des Lobes Gottes unserem Volk und allen anderen Völkern geboren und erhalten werden. Mag die politische Zukunft unseres Volkes aussehen wie sie will wo deutsche Väter und Mütter, Jungen und Mädchen dem Lobe Gottes verfallen sind mit Herzen, Mund und Händen, da können sie bestehen vor Gott und vor allen Völkern. Auch wenn das Gewand schlicht und die Wohnung einfach ist. Wir wissen ja noch von einem anderen Gewand und Hause, das uns bereitet ist. ,, Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben." Auf solche Leute warten wir. Gott sei uns Sündern gnädig. Amen. - 15 DIE NACHFOLGE CHRISTI „Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach, (Lukas 9, 23.) Predigt: im Gottesdienst der evgl. Jugend Münchens in der Auferstehungs- kirche zu München am 24. Juni 1945 Auen wir uns heute in unserer Stadt und unserem Vaterlande um- sehen, dann sehen wir da ringsum den Jammer zerstörter Städte, gesprengter Brücken, verwüsteter Felder, verödeter Straßenzüge, ‘heimatloser Menschen, endloser Totenfelder. Und es kann auch unsereins, der drüben in ‚Dachau jahraus jahrein so viel Elend täglich mit ansehen und erleben mußte, das Herz umkehren, wenn man dran denkt, wie anders 1942, als ich von meiner Heimat nach Dachau transportiert wurde, noch'Bielefeld und Köln, Frankfurt, München und Nürnberg aussahen und die Menschen darin— apokalyptische Veränderungen! Und doch bewegt uns im Herzen ein anderer Jammer noch viel tiefer und gründlicher: Zu sehen, wie ruiniert und verwüstet die Kirche Jesu Christi in unserem Volke ist. Ich meine jetzt nicht die äußere Organisation der Kirche. Die ist ja noch hier und da in Deutschland ganz in Ordnung. Aber ich meine die Gemeinde Jesu aus lebendigen Menschen in dieser Kirche, die der, Apostel nennt„Ein Tempel des Herrn“, „eine Behausung Gottes im Geist”. Wie verödet ist diese Behausung Gottes bei Jung und Alt in unserem Volke, bei Männern und Frauen! Verwüstungen des Satans in Millionen Familien, Heimat- losigkeit fast jedes Menschen, mit dem man auf der Straße zu sprechen kommt. Und dann unsere Jungen und Mädchen! Endlose Totenfelder. Die zartesten Keime des Glaubens und der Liebe zu Jesus, aber auch der einfachen inneren Sauberkeit und Wahrhaftig- keit zertrampelt und zertreten. Der altböse Feind hat wirklich ganze Arbeit geleistet an der Kirche Gottes. 19 Aber nun wollen wir nicht nur klagen. Wir wollen nun an- fangen, meine Brüder und Schwestern— wie sie jetzt in den -Straßen unserer Stadt anfangen—, den gewaltigen Schutt weg- zuräumen und die Gemeinde Gottes in unserem Vaterland wieder aufzubauen, die den Namen„Behausung Gottes im Geist” verdient. Und dazu möchte ich euch heute etwas helfen, euch Eltern, euch Jungen und Mädchen: Schutt. aus euren Herzen wegräumen und langsam, langsam wieder die ewigen Fundamente eures Christen- standes aufdecken, auf denen ihr dann weiterbauen dürft und könnt mit Gottes Hilfe, als Eltern, als Jugend, als Gemeinde. Und ich denke, wir sollen uns da nicht schämen, einfach mal wieder wie kleine ABC-Schützen im 1. Schuljahr zu fragen:‘Was ist denn eigentlich das ABC des Christentums, der Kirche, des christlichen Glaubens, eines Christenmenschen? Und darauf hören wir nun Sehr einfach und groß die Antwort dessen, der es ja wissen muß, des Herrn Christus aus Seinem Wort. Das ABC des Christentums und der Kirche ist die Nachfolge Christi.„Wer mir folgen will”, spricht.der Herr Jesu. Nachfolge des Herrn Christus, darin steckt das ganze Christentum. Machen wir uns das einmal klar, meine Brüder und Schwestern, was das eigentlich meint, diese’ Vorstellung„Nachfolge Christi”. Da wird ein Weg gegangen durch die Welt. Wenn die Jünger damals: dem Herrn Jesus folgten, dann waren sie also dauernd mit ihrem Leib und mit ihrer Seele da, auf der Straße, in dem Zimmer, in dem Weizenfeld, wo der Herr Jesus gerade stand und ging und saß. Dauernd waren sie mit ihm unterwegs, SO wie ER sie mitnahm. Seht, und das ist auch heute noch Nachfolge Christi. Diese dauernde Fortbewegung und Ruhe deines Leibes und deines Herzens und : deiner Seele mit dem Herrn Christus zusammen. Immer mit IHM unterwegs sein. Von der Geburt bis zu deinem Grabe, am Tage und in der Nacht, im Leide und in Freuden, zu Hause und auf der Straße, in der Schule, im Beruf. Wenn wir allein sind und wenn wir mit anderen zusammen sind. Wir sind mit ihm auf dem Wege. Nicht aus Zufall, auch nicht aus Tradition, auch nicht SO automatisch, auch nicht, weil es unser Nachbar'so macht. Aber wir wollen es! Mit heller Erkenntnis und mit aufrichtigem Willen, weil wir an IHN glauben und weil wir IHN lieb haben. ‚Wer mir folgen will”, spricht der Herr. Jeder Mensch’ ist dafür verantwortlich, ob er seine eigenen Wege mit Leib und Seele und Geist geht oder ober mit Jesus geht. Der Herr Christus— und das sage ich nun besonders euch Jungen und Mädchen— will keine Sklaven, sondern freie, entschlossene Weggenossen, die wohl wissen‘was sie tun, wenn sie ihr Leben an das Seine binden. Nachfolge Christi, ihr Jungen und Mädchen, ist also nie eine Sache, die man tut, weil man kommandiert wird, oder weil es alle so 20 D N 1 er ee ee= u — K‘ machen aus deiner Klasse oder aus deiner Freundschaft, Entweder schenkst du Ihm dein eigenes Herz oder du schenkst es Ihm nicht. Ein Drittes gibt es nicht, Und das ist nun das dritte Kennzeichen der Nachfolge Christi: Mein Weg zusammen mit dem Herrn Christus ist ja kein so aufs Geradewohl durch die Welt wandern, sondern ein streng an IHN gebundener Weg, für den ich die ganze Ver- „antwortung, was mir allesı passiert, was alles von mir verlangt "wird, was ich alles meinem Leibe und Herzen zumuten muß, auf IHN allein werfe. ER geht voran und ich gehe hinterher.„Wer mir folgen will.“ Meine Freunde, es muß in dieser Zeit der Verwirrung und Unklarheit gesagt werden: Wenn ein Mensch in der Welt weiß, was er will und was er nicht will, dann ist das der Christ. Der Mensch in der Nachfolge Christi. Alles andere Christen- tum— und gebe es sich andächtig und geistreich und tief wie es wolle— ist fauler Zauber und dummes Salz, das die Leute zertreten werden. Gestern zertreten haben und heute und morgen auch weiter zertreten werden. Gott weiß noch besser als wir, wie vielen , Christen in Deutschland ihr Christentum in den- vergangenen.: 12 Jahren über Nacht wie Spreu im Winde verweht ist, weil es wohl aus ein paar richtigen evangelischen Gedanken, aber nicht aus dem hellen Bewußtsein und Willen des Glaubens und der Liebe bestand: „Ich bin Dein’ und Du bist mein, niemand soll uns scheiden“. Wo waren die Mütter und.Väter, die ihre Söhne und Töchter unter- wiesen, in die Fußtapfen Jesu zu treten? Wo waren die Jungen und Mädchen, die ihr heiliges Tauf- und Konfirmationsgelübde ge- halten haben? Aber ich darf euch auch ruhig im Einverständnis mit meinen 40 evangelischen und etwa 500 katholischen mitgefangenen Brüdern aus Dachau eingestehen: Mancher Priester und Pfarrer hat im Häftlingskleid und hinter der Schubkarre'mit Schrecken und Zittern gelernt, daß es zwei ganz verschiedene Dinge sein können: Eine rechtgläubige Theologie und eine gute Bibelkunde haben— und wenn sich das Eisentor hinter ihm schließt, dann wissen, was man will, nämlich:„Jesus Dir leb ich, Jesus Dir sterb ich, Dein bin ich tot und lebendig.” Darum, meine lieben Mitchristen, gebt doch den Abschied aller Kirchlichkeit und Religiosität, die nicht dies eine zum Kern und Quell hat: freier Weggenosse des Herrn Christus zu sein, mit Leib und Seele Nachfolger Christi. Ein anderes Christentum taugt weder zum Christenleben noch zum Christensterben noch für die Ewigkeit ' etwas. Und es wird ‚euch auch keinen Deutschen vom Unglauben zum Glauben bekehren. Seht, so ernst hat es der Heiland gemeint: „Wer mit mir etwas zu tun haben will hier auf Erden und dort im Himmel, der muß mit mir auf die Wanderschaft gehen, und da will _ ich euch gleich drei Ratschläge, drei Grundsätze geben, die ihr unbedingt euch zu eigen machen müßt, wenn’ eure- Wanderschaft 21 mit Christus sein soll, was sie will, nämlich Nachfolge Christi." Es tun ja viele Menschen noch so, als wanderten sie mit dem Herrn Christus. Sie meinen es auch persönlcih ganz ernst und aufrichtig. ,, Ich wandere mit Jesus, ich will Gott dienen." Aber in Wirklichkeit ist ihre Wanderschaft eine unverantwortliche religiöse Landstreicherei, die es gar nicht mit dem Herrn Christus zu tun hat, die in. Wahrheit sehr wohl ihre eigenen Wege geht, aber nicht hinter dem Christus Gottes hergeht, hinter dem Lamm, hinter dem Hohenpriester, hinter dem König zur Rechten des Vaters, der wiederkommt, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ihr Weg mit Christus ist gar keine Wanderschaft mit dem Herrn, den uns Gott zum Erlöser und König gesetzt hat. Es ist nur eine Wanderschaft mit einem Bild von Jesus, das sie sich gemacht haben. Vielleicht ein schönes, ernstes, sehr edles Bild, aber eben ihr Bild, also ein Götzenbild von Jesus. Seht, meine Freunde, das ist christliche Landstreicherei, ungeheuer viel getrieben inmitten und am Rande der Kirche: Götzenbilder von Jesus! Bei dem einen deutlich, bei dem vielleicht andern verhüllter, Vagabundieren mit einem Christus - ein ganzes Leben lang, der nie gelebt hat und lebt. Mit dem man nie selig wird, dem man weder hier noch dort begegnen wird. Nachfolge Christi muß ein sehr verantwortliches, wohlbedachtes Unternehmen sein, das nur dem einen Weg des einen Jesus von Nazareth Rechnung trägt, der mit dem Vater und dem heiligen Geist lebt und herrscht, wahrer Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und darum gehört auch das zum ABC des Christentums, daß man unbedingt diese drei Ratschläge des Herrn für die wahre Nachfolge Christi sich einprägt, die er damals sofort seinen Jüngern gegeben hat. Es gibt ja wohl noch hier, und da Christen, die von ihrem Christentum verlangen, daß es Nachfolge Christi sei, besonders unter unserer Jugend. Aber wenn man nun mal genauer zusieht, wie sie das machen und mit wem sie eigentlich unterwegs sind, ach, meine Lieben, wieviel Irrwege und Irrlichter und Irrtümer kommen dabei heraus. Darum laßt uns heute auch diese drei Bedingungen des Heilandes für eine wahre Nachfolge Christi kurz durchbuchstabieren. Es sind diese drei: Zieh an das angemessene Wanderkleid, das Kleid der Selbstverleugnung. Lade dir das unerläßliche Gepäck auf, das Gepäck deines Kreuzes. Und dann schlag nur den einen Weg ein, die Wanderschaft mit Christus. ,, Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst." Ihr wiẞt ja, ihr Jungen, wie wichtig für eine lange Wanderschaft die richtige Kleidung ist und wie hinderlich und hemmend eine falsche sein kann. Seht, und das gilt nun auch für die wahre Nachfolge Christi. Zieh das angemessene Wanderkleid an, das Kleid der Selbstverleugnung! Wenn das Leben lang dein Leib und Seele mit dem 22 22 Herrn Christus unterwegs sein soll, dann mußt du dich grundsätzlich entschließen: Nun will ich nicht mehr meine eigenen Wege gehen, mit meinen Gedanken nicht, mit meinem Willen nicht, mit meinem Blut und allen meinen Trieben nicht. Das ist nun alles nicht mehr mein Bereich, sondern Sein Reich. Meine jungen Brüder und t | Schwestern, man hat euch in den letzten 12 Jahren vorgeredet, r das sei Duckmäuserei und Verachtung alles Natürlichen und Guten & und Schönen in eurem Herzen und Blut und Geist. Nichts davon! a j Es ist nur ein Thronwechsel um dieses Mannes Christus willen, der t ja alles Natürliche und Gute und Schöne, das auch Gott in euch t J gelegt hat, in seine heiligen Hände bekommen und verwalten soll. t A Ich will nun darauf verzichten, mit meinem Leib zu tun, was ich t gerne möchte. Meine Gedanken zu denken, die mir lieb sind. h i Meinen Willen durchzusetzen, der in mir drängt. Ich will auf mich - selbst verzichten. Wie so ein König in seinem Lande auf seinen r Thron verzichtet und steigt von dem Thron herunter. Das ist das 4 Kleid der Selbstverleugnung. Das angemessene Wanderkleid für 1t die wahre Nachfolge Christi. Ich sage absichtlich das Kleid der nr Selbstverleugnung. Dieser Verzicht muß sich nämlich über unser 1.‘ ganzes Wesen erstrecken wie ein angezogenes Kleid: kein Auge, F kein Herzwinkel, kein Blutstropfen darf unberührt bleiben. Ich will n mich nicht mehr selbst regieren. n Die ganze Kirche Jesu gedenkt heute am 24. Juni des heiligen t,: Johannes des Täufers, jenes Mannes mit dem Kamelhaarkleid, der in sich nährte von Honig in der Wüste und jenes heilige Wort sprach: je„Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen”. Das Kleid der Selbst- n verleugnung! Und wer dazu nicht bereit ist, dieses einfache Kleid Mm. anzulegen an seinem ganzen Menschen, dem ist es nicht ernst mit cr der wahren Nachfolge Christi. Der mag von der Kirche und von tl,%» Jesus und von Gott und von der Bibel halten, was er will,— ein (at Weggenosse Christi und damit ein Kind Gottes wird er nie sein. er Ich weiß, wir halten jetzt gemeinsam erschrocken den Atem an. e- Wieviel kostet es doch ein Christ zu sein! Wer kann dann selig IZ werden! So haben auch die Apostel damals gefragt. Aber ich darf = euch auch bezeugen, in den Handschellen der Nürnberger Polizei als 9._ Verbrecher an andere wirkliche Verbrecher gefesselt, in den Typhus- 5, baracken und unter dem Hohn unserer Wächter von Dachau, da Is. habe ich es lernen dürfen: erst wenn unser Begehren und Wünschen / ganz still geworden ist, unser Begehren nach Freiheit und Ehre, nach Frau und Kindern, nach Recht und Gericht, dann kann die it— wahre Nachfolge Christi beginnen. Und dann wird es auch licht re(„auf unserem Wege. Das Himmelreich gewinnen eben doch keine 2 Halben. : Und dann die zweite Bedingung für die wahre Nachfolge Christi: st„Wer mir folgen will, der nehme sein Kreuz auf sich täglich”. Auf Mm N 23 jeder Wanderschaft hat man ja ein Mindestmaß von Gepäck bei sich, das einfach nicht fehlen darf. Und das bedeutet auf die Nachfolge Christi angewendet: Lade dir das unerläßliche Gepäck auf, das Gepäck deines Kreuzes. Die Weggemeinschaft mit Christus darf nur einer haben, der seinen Buckel demütig unter dem Kreuzesbalken gebeugt hat, den Gott der Herr auf seinem Wege aufgerichtet hat. Das Material dieses Kreuzesbalkens kann aus dem verschiedensten Holz geschnitzt sein. Das kann deine Krankheit sein, der Verlust eines lieben Menschen, der Raub deiner Güter, das Weh deines Volkes, eine Enttäuschung in deiner Ehe oder Freundschaft, die Charakterfehler deiner Kinder. Alles Kreuzesbalken! Aber der Herr Christus hat gewiß auch an das Kreuzholz gedacht, das' für jeden am Wege bereit liegt, der sich zur wahren Nachfolge Christi und zum Wandern in dem grauen Kleid der Selbstverleugnung entschlossen hat. Und das sind grobe, klotzige Hölzer, wie aus Eichenstamm geschnitzt, wenn dir das Gott vor die Füße legt: So, nun verzichte um der Nachfolge Christi willen auf die Gunst deiner besten Freunde, vielleicht gar deiner Eltern oder deiner Frau. Verzichte auf die Ehre, ein Deutscher in deinem Volk zu sein und werde ein ganz dreckiges KZ- Schwein. Verzichte darauf, wie ein Mensch behandelt zu werden und laß dich wie ein Tier einsperren, einund umbringen. Klobige Hölzer, meine pferchen, jagen, treten Freunde! Aber dazu auch alle kleinen Verzichte der Nachfolge Christi: Meinen Launen nicht nachzugeben, meinem Temperament die Zügel nicht schießen zu lassen, nicht bei jeder Gelegenheit mein Recht zu wahren, dem Locken meines Blutes zu willfahren. Für jeden ein eigenes Kreuz, von eigener Größe, aus eigenem Holz und eigenem Gewicht. Und das muß man sich nun aufladen in der Nachfolge Christi ,,, jeden Tag", sagt der Herr. Meine Geschwister, das ist eine sauere Arbeit. Das kostet Schweiß, bis man's mal auf dem Buckel droben hat. Und dann fängt erst das Tragen an. Tag für Tag, Jahr für Jahr. ,, Ach Herr, wie lange noch?" Wir waren nicht Monat für Monat im Lager Dachau ,, Herkulesleute". Man bricht einfach hin und wieder unter der Last des Kreuzes zusammen. Das ist menschlich. Und das ist dem Herrn Christus auf seinem Ohne Wege zum Kreuzberge auch so, gegangen, wie ihr wiẞt. Tränen und Schweiß kommt keiner durch die enge Pforte. Aber das Gepäck des heiligen Kreuzes muß sich aufladen, wer mit Christus unterwegs sein will ins Himmelreich. ,, Weiß ich den Weg auch nicht, Du weißt ihn wohl... Das ist genug." ABC des Christentums! Es hat mir einmal ein ernster Amtsbruder im Lager, als er körperlich und seelisch ermattet aus unserem fürchterlichen Lagerer habe krankenhaus in unsere Baracke zurückkehrte, erzählt, nächtelang auf seinem Strohsack gelegen und immer nur die eine Frage mit dem Herrn durchgedacht: ,, Ist das gefordert, für den 24 -i S I 0 t. n t S e I m d t- 1- n er e h P= e e at in ir d er I, uf ag en an n. B P m ne as US ch m- ls I- be me en Herrn Jesus hungern und frieren und krank werden und einsam sterben?" Ja, es ist gefordert! Das Gepäck unseres Kreuzes müssen wir uns willig aufladen und tragen. Dann erkennt der Kreuzträger uns als die Seinen und segnet uns. ,, Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein, das Kreuz lehrt fleißig beten, zieht ab vom eignen Trug und Schein und lehrt zu Jesu treten." Seht, und das ist nun die letzte Bedingung für die wahre Nachfolge Christi: ,, Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach." Man kann ja auch mit dem richtigen Wanderkleid und mit dem unerläßlichen Gepäck immer noch auf eine falsche Wanderschaft gehen und zu einem falschen Ziel kommen. Das Kleid der Selbstentäußerung und das Gepäck des Kreuzes macht noch nicht zum Christen. Aber nun schlage mit diesem Kleid und mit diesem Gepäck nur den einen geraden Weg ein, die Wanderschaft mit Christus. Setz dich mit Ihm in Bewegung, verzichtend und beladen, wie du nun bist. Tritt nun zu Jesus, wie Er mit dir auf dem Wege ist in seinem Heiligen Wort der Schrift, in seinem Heiligen Predigtamt, in der Ausgießung der Heiligen Taufe über dich, in der Segnung deiner Konfirmation, in dem Heiligen Sakrament des, Altars; wie Er um dich ist als der allmächtige Gottmensch, König Himmels und der Erden, wenn du allein betest in deiner Kammer oder mit der Gemeinde im Gotteshaus. Und dann meine Freunde, dann beginnt das eigentliche Geheimnis der Nachfolge Christi! Er verwandelt die Verzichtenden und Beladenen zu Gliedern an Seinem Leibe. Zu Reben an dem Weinstock, zu Gottes Söhnen und Töchtern. Und durch das rauhe Kleid der Selbstentäußerung bricht dann schon hier und da der Glanz des Kleides der Gottesfurcht und Menschenfreundlichkeit, der Gerechtigkeit und Heiligkeit, die vor Gott gilt und die allein von Christus Jesus kommt. Und die. Mühseligen und Beladenen mit dem Kreuzesgepäck auf dem Buckel beginnen Lobgesänge zu singen mitten in der Nacht. Das neue Lied der Weggenossen. Ihr wißt, vor hundert Jahren noch ging etwa ein Handwerksbursch auf die Wanderschaft, um die Welt kennen zu lernen, zu wachsen und zu reifen und als ein erwachsener Mann heimzukommen. Meine Lieben, wer als Verzichtender und ein Kreuztragender sich mitnehmen läßt von dem lebendigen Herrn Christus, der wird reif, reif für die Zeit und reif für die goldenen Gassen des neuen Jerusalem. Der wird ein ganz anderer Mensch unterwegs, weil er dem Herrn Jesus immer so nahe ist und ER ihm. Der wird erst richtig ein Sünder, wie er sich noch nie gekannt hat. Und ein Freund und Beter Gottes, wie er es von sich nie möglich gehalten hat. Und ein hoffnungsvoller Anwärter auf das Reich Gottes, dessen Freude überhaupt mit nichts zu vergleichen ist. Alles nur darum, weil das Blut Jesu und der heilige Geist, den ER mit dem Vater, austeilt, die nähren und er25 25 96 26 neuern, die im Kleide der Selbstentäußerung und mit dem Gepäck des Kreuzes zu IHM treten und mit IHM wandern in der Nachfolge Christi. Solche Männer und Frauen werden sein und nur sie was wir vorhin in der Altarlektion gehört haben: ,, Wie ein Baum gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl." Und solche Mädchen und Jungen werden den Herrn Christus sichtbar verherrlichen mit ihrer Keuschheit und Güte, mit ihrer Gottesfurcht und Wahrhaftigkeit. Das ist das ABC des Christentums. Wahre Nachfolge Christi im rauhen Kleid der Selbstentäußerung, mit dem Gepäck seines Kreuzes, auf der einen Wanderschaft mit Christus. Der Gott aller Gnade schenke euch Jungen und Alten dies ABC zu behalten und zu tun. Denn unser Deutschland braucht Christen- oder es wird nicht mehr sein. Und Christus braucht euch oder er wird zu anderen Völkern gehen. Und ihr braucht Christus oder ihr werdet tot sein für Deutschland und für die Ewigkeit. Das ist gewißlich wahr. Amen. - - Laẞt uns beten: Die Seele Christi heilige mich. Der Leichnam Christi behalte mich. Das Blut Christi tränke mich. Das Wasser, das von Seiner Seite floß, das wasche mich. In Deine heiligen Wunden verbirg mich. O Herr, hilf mir, daß ich nimmer geschieden werde von Dir! Vor dem bösen Feind beschirm mich. In der Stunde meines Todes begnadige mich und setze mich zu Dir, auf daß ich ich Dich mit Deinen Engeln loben möge ewiglich. Amen. DER VERLORENE SOHN 28 ,, Und ER sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir Vater, das Teil der Güter, das mir gehört. Und er teilte ihnen das Gut. Und nicht lange darnach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. Da er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land, und er fing an zu darben. Und ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm. Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben und ich verderbe im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt' gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet's; lasset uns essen und fröhlich sein; denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an fröhlich zu sein." Lukas 15, Vers 11-24. Predigt: in der Münsterkirche zu Herford am 11. Juli 1945 AD m 29. Mai dieses Jahres schritt ich durch die vielen Tore des Konzentratioslagers Dachau in die Freiheit. Hinter mir zurücklassend Hunderttausend von toten Kameraden, gehenkt, verhungert, erschossen, erstickt, vergiftet, durch die normalen Lagerkrankheiten Typhus, Fleck fieber, Phlegmone, Dysenterie, Herzschwäche hingerafft bis zur Stunde meines Auszuges. Alles so wie ihr's im Radio zu hören bekommen habt und in den Zeitungen zu lesen. Nur noch viel grauenhafter! Denn grauenhafter als einzelne Greuelstunden und Greuelwochen war der graue Alltag im Dachauer Moor, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr eine endlose Straße ohne Hoffnung! Dann sah ich München. Die verwüstete Stadt. Die Schlangen Menschen vor den Läden. Die vorbeirasenden Autos der Besatzungstruppen. Die Schutt wegräumenden deutschen Kriegsgefangenen. Aus den Trümmern eines Gotteshauses herausquellende Gemeinde. Fremde Fahnen auf den Dächern. Jubelnd heimfahrende ausländische Arbeiter. Und ich fand mich nicht zurecht. Was ist das für ein Deutschland? Das Deutschland von Dachau hinter mir und das Deutschland von München um mich? Was ist geschehen? Was geschieht? - - Dann kam der 28. Juni und wir fuhren mit unserem Auto heimwärts. 3 Tage durch Bayern und Rheinland und Westfalen. Durch Ruinen- Städte, durch Kontrollen, über sinnlos zerstörte Straßen und Brücken, durch ein Volk, das eng wohnt, wenig zu essen hat, kaum weiß, was war, noch weniger, was sein wird. Man nimmt einen Band Mörike zur Hand. ,, Frühling läßt sein blaues Band..." 29 Es klingt irgendwie nicht. Ein paar Akkorde von Beethoven man kann sie kaum ertragen. Sie sind nicht mehr etwas, was zu uns gehört. Deutschland ist eine andere Welt geworden. Was ist geschehen? Was geschieht? Und was wird geschehen müssen? Und dann sitze ich wieder in meinem alten Arbeitszimmer, denke darüber nach für mich, für meine Familie, für unsere Heimat. Und meine Augen werden angezogen von dem Leib des Gekreuzigten, der da an der Wand hängt wie vor drei Jahren. IHN frage ich ,, Was ist geschehen in Deutschland?" Da tut ER seinen Mund auf. ,, Was ist geschehen? fragst du?" ,, Und Er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne... und.der jingste Sohn sammelte alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen." Was ist geschehen? ,, er sammelte alles zusammen und zog ferne über Land" der deutsche Mensch. Es kam nicht so über ihn. Er wußte, was er tat. Er wollte sein eigener Herr sein in Freiheit und Glück und Lebensgenuẞ. Nicht das Auge GOTTES auf seinen täglichen Wegen wissen. Nicht von den Erfahrungen und Mahnungen unserer Väter in Kirche und Geschichte sich lenken lassen. Nur sein eigenes Lebensabenteuer, jeder auf seine Weise, unternehmen. ,, er sammelte alles zusammen und zog ferne über Land..." Meine Brüder und Schwestern, das ist geschehen. Wir sind den tollkühnen, frevelhaften Weg in die Gottesferne angetreten und haben gebrochen mit dem GOTT- Vater und SEINER Barmherzigkeit in Christus JESUS, den wir alle kannten; haben gebrochen mit unseren Vätern und Müttern, die für uns beteten und uns die ersten biblischen Geschichten erzählten; haben gebrochen mit unseren Hirten und Lehrern, die uns konfirmierten und tauften und trauten und den Kelch des Heils reichten. Mit und ohne Austritt aus der Kirche! Viele unter uns haben das ferne Land der Gottlosigkeit durchwandert mit dem Mantel der kirchlichen Treue und des sonntäglichen Gottesdienstbesuches angetan. Ihr müßt es ja nun einmal wissen, daß es nicht nur die gottlose Gestapo in Bielefeld und Münster und Berlin war, die mich aus eurer Mitte herausgeholt hat, sondern auch Glieder hier unserer Münstergemeinde, die sich zu GOTTES Wort und Altar hielten und vielleicht noch halten, mich an die Mächte dieser Welt ausgeliefert haben, und nicht wenige aus der Gemeinde, die für fromm gelten und sich auch für Gottes Kinder halten, mit betonter Zurückhaltung meinen Weg ins Gefängnis und in das Lager begleitet haben, weil sie eben doch die Welt und ihr Glück lieber hatten als den Herrn JESUS und das Haus des Vaters. Und ,, er zog ferne über Land!" ,, und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen." Was ist geschehen? In der 30 G CES Si oh W G u D Z u F S n i ur are K = \ F Gottesferne haben wir vergeudet unser zeitliches und himmlisches Erbe. Wo ist geblieben die Sauberkeit und Zuverlässigkeit deutscher Sitte? Wer kann heute noch einen Johann Sebastian Bach hören, ohne gestehen zu müssen: Verloren für uns! Mit dem Mann haben wir Deutsche von heute nichts mehr gemein! Wo ist das deutsche Gewissen geblieben, das seit Urzeiten einen Abscheu vor Diebstahl und Ehebruch und der Verletzung des Rechtes hatte! Ich habe in Dachau die Zehntausende Juden und ausländische Arbeiter von Jahr zu Jahr gesehen, die bis aufs Hemd bestohlen wurden; ich weiß, daß unsere sogenannten Führer in den letzten Wochen im Berghof Freudenfeste gefeiert und BDM-Mädchen zu sich kommandiert und in Sekt gebadet haben. Wer kann dem Wort eines deutschen Mannes noch über den Weg trauen nach den Rechts- und Vertragsbrüchen im Kleinen und Großen, im bürgerlichen und politischen Leben ver- gangener Jahre?„Und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen." Wir haben unseren guten deutschen Namen verloren, als wir GOTT verließen und das Haus unserer Väter. Und unseren guten Namen im Himmel angeschrieben dazu, meine Freunde! Die Gnade Jesu Christi, über uns ausgebreitet als Christen, ist kein ruhendes, unvergängliches Kapital in unserem Leben. Wie man damit umgeht, wie man es anwendet und pflegt und benutzt, so viel Wert und Bedeutung bekommt es für unser Leben, für unseren Nächsten und für die Ewigkeit. Wir haben auch das Kapital der Gnade und des ewigen Lebens weithin vergeudet in der Gottesferne. Wieviel Christen gibt&s denn noch in einer Gemeinde, die nur einmal in der Woche den Schatz ihrer Hlg. Taufe bedenken ‚und gebrauchen? Was nutzt dir das Sakrament des Altars, wenn du nicht täglich mit heiligem Gebet IHN angehst„Herr, bleibe bei mir, in mir, um mich, denn es will. Abend werden und der Tag hat sich geneigt?’ Und dann habe ich noch gar nicht die Brüder und Schwestern erwähnt, denen die Heilige Schrift als GOTTES Wort verloren gegangen ist im Taumel der Gottesferne und die heilige Kirche als Säule der Wahrheit entschwunden ist: im Gewirr ihrer Paläste, Seht, das ist gestern geschehen in unserem Volk: der Weg in die GOTTESferne, die Vergeudung unserer Söhne und Töchter und Kinder, unserer Häuser und Aecker, unseres deutschen Namens und unserer himmlischen Güter im Taumel gottloser Frei- heit und gottlosen Glücks. Und es ist mein G&bet in dieser Sekunde, daß keiner unter uns ist, der jetzt sagt„Ich war nicht dabei auf diesem Wege." Und wäre er selbst nicht dabei gewesen, so hat er doch zugesehen, wie sein Bruder auf diesem Wege war. Und hat nicht die Engel GOTTES über ihm herabgebetet und ihn nicht den Klauen der Dämonen entrissen!—— Das ist geschehen und darum alles gekommen, wie es kam. Und der Gekreuzigte spricht weiter.„Was geschieht? fragst du?‘® 31 Dies geschieht: ,, Da er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land, und er fing an zu darben. Und ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker die Säue zu hüten. Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm." an, Meine Brüder und Schwestern, wir sind seit gestern bettelarm geworden in der Gottesferne. An materiellen, an geistigen und an geistlichen Gütern, Man sieht uns Deutschen wirklich nicht mehr daß wir einmal das Land des Geistes und der Frömmigkeit waren. Ich kann nur tödlich erschrecken, wenn ich seit meiner Heimkehr aus dem Lager erleben muß, wie wenig Deutsche dafür den nüchternen Blick haben. Wir haben wirklich alle Reserven so gut wie verzehrt. Wen der Teufel einmal in seinen Klauen hat, den saugt er aus bis zum Weißbluten. Dazu kommt dann die Hungersnot: ,, und er fing an zu darben". Möglich, daß ihr das hierzulande noch nicht so spürt. Aber ich weiß aus eigener Anschauung der letzten 4 Wochen: in weiten Gebieten unseres Vaterlandes wird gehungert und wohl auch noch mehr gehungert werden. Aus manchen Gesprächen mit Menschen aller Richtungen, aller Lebensalter und Schicksale ist mir deutlich geworden: sie darben! Sie haben auch kein geistiges Brot, mit dieser Zeit fertig zu werden. Sie haben sich beinah schon damit abgefunden, nur 20 oder 40 Jahre noch so hin zu vegetieren. Es hat gar keinen Sinn mehr ein Mensch und ein Deutscher zu sein. Wenn ich mich nicht sehr täusche, liebe Gemeinde, so sind die Mehrzahl aller Deutschen von heute auf dem Wege, auf die Stufe des Tieres und der Menschenknechtschaft herunterzukommen. Soweit sie es nicht schon sind. Es ist ein heiliges Gesetz GOTTES: wer SEIN Haus und Seine Gotteskindschaft verläßt, wird zum Knecht der Welt und verliert das Antlitz des Menschen und den Glanz der Seele, die aus dem ewigen GOTT lebt. Der kommt unweigerlich an die Wegstelle, wo es von ihm heißt: ,, er ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker die Säue zu hüten." Das geschah auch schon gestern. Wir haben in Dachau sehen müssen, wozu sich Söhne deutscher Väter und Mütter hergaben, weil sie sich auf Gedeih und Verderben an Menschen der Gottlosigkeit gehängt hatten! Aber man hat heute den Eindruck, unser ganzes Volk wird sich auch heute noch an den ersten besten Menschen hängen, der es auf seinen Acker schickt die Säue zu hüten. Nur seine Existenz zu fristen! Wie oft haben wir uns hinter dem elektrischen Stacheldraht im Lager darüber besprochen und gemeint: Wenn das dritte Reich zusammengebrochen ist, dann werden sie draußen genug haben von allen totalen Systemen und allem Sichhängen an 32 - d e 1 t 1 Menschen. Dann ist vielleicht die Stunde GOTTES und des HERRN Christus gekommen. Es gehört zum größten Jammer unserer Heimkehr, meine Freunde, daß wir uns darin getäuscht haben. Unser Volk scheint für Gottes Stunde noch nicht genug heruntergekommen zu sein. Es sind noch viele da, die offenbar erst noch erfahren sollen, wie das ist, wenn man sich ,, an einen Bürger des Landes hängt und der einen auf seinen Acker schickt ,, die Säue zu hüten" ,, Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm." Nicht einmal den Fraß der Säue bekommen das ist die tiefste Stufe. Ich habe den Eindruck, diese Stufe schickt sich unser Volk im Osten und Westen, im Norden und Süden an zu betreten. Leiblich vielleicht nur vorübergehend. Geistig und religiös sicher längere Zeit. Goethe und Matthias Claudius und Johannes Brahms sind uns ja längst verloren gegangen. Wir werden nach sehr primitiver Kost in deutschen Landen verlangen, besonders auch unsere Jugend. Und niemand gab sie ihm." Das geschieht heute in unserem Volk: das Herunterkommen in der Gottesferne, das Sinken auf die Stufe des Habenichts- Menschen. So sagt der Gekreuzigte. - Und nun geht in dieser Tiefe ein helles Licht auf, meine Geschwister! Aus SEINEM Munde und Seinem Wort. Denn der HERR Christus spricht nun weiter. Was geschehen muß? fragst du?" Und Seine Antwort latuet: 11 ,, Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben und ich verderbe im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel um seinen Hals und küẞte ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und tuts ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet's; lasset uns essen und fröhlich sein; denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und fingen an fröhlich zu sein."- Das ist das helle Licht in der Tiefe unserer Gottesferne und Verkommenheit heute, daß der HERR Christus sagt: Dies alles muß, darf und wird geschehen, heute und morgen, ihr Verkommenen und Habenichtse, ihr Gottfernen, die ihr GOTT und euren Vätern die Treue gebrochen habt ,, ihr werdet hüpfen wie die Mastkälber" - 33 und ,, euer Mund wird voll Lachens sein!" Denn ER der Vater wird auf dieser niedrigsten Stufe der verkommenen Menschen und der hungernden Seelen nach euch greifen mit der zarten Hand des Heiligen Geistes, und nun wird es von euch heißen ,, Da ging er in sich..." ,, Mein Vater!" Da kehrte er zum klaren und richtigen Denken zurück. Er erinnert sich an den Vater und an den Reichtum des Vaterhauses. Meine Brüder und Schwestern, das allein ist unseres Herzens Freude und Trost, daß wir damit rechnen dürfen heute: Wenn die Stunden sich gefunden, bricht die Hilfe des Heiligen Geistes mit Macht herein. Worte der Heiligen Schrift, unser Konfirmations- oder Trauspruch beginnen zu arbeiten in den leeren Herzen. Das Gebet der Mutter fällt uns ein. Die alten Bilder von Vater Bodelschwingh und Schmalenbach in unseren Stuben sehen uns mit ganz anderen Augen an. Wir greifen mal wieder nach Starks Gebetbuch auf dem Bücherbord. Der Mann Christus JESUS, der zur Rechten des Vaters die Weltkugel in Seiner Hand hält, wird zur rechten Zeit das Wunder geschehen lassen: verlorene Söhne und Töchter erinnern sich an GOTT, kehren zurück zum Ursprung alles Menschlichen und wollen heimkehren! Heimkehren als die verlorenen und verdammten Sünder, die sich weder an GOTT noch an unsere deutsche Geschichte noch an die christliche Vergangenheit ihrer Väter und Großväter gekehrt haben und sich selbst den Richterspruch sprechen„ Ich bin nicht wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner". Meine Freunde, das ist der große Tag der Buße, den wir nicht erzwingen können, aber von dem wir hoffen dürfen, daß der HERR der Geschichte, ohne den wir nicht verloren gehen durften als deutsches Volk, ihn heraufführen wird zu seiner Zeit, so tief und dunkel unser Weg heute auch ist. Es wird geschehen Sein Wort bürgt dafür, nichts sonst! daß sich die Kirchen wieder füllen, zur Zeit oder zur Unzeit. Die größten Gottesverächter und Menschensklaven werden die Erfahrung machen, GOTT kommt uns schon auf dem halben Wege entgegen. ,, Und es jammerte Ihn." Sein Herz dreht sich ihm um vor innerster Bewegtheit über unser Schicksal. Der heilige GOTT schließt die Zerlumpten und Verkommenen an SEIN Herz und in Seine Arme. ,, Er fiel ihm um den Hals und küßte ihn." Heilige GOTTESgemeinschaft ganz kleiner Leute, die GOTT nichts mehr zu bringen haben als das unverhüllte Bekenntnis ihrer Schuld ,, Vater, wir haben uns versündigt an DIR". Das war unser ganzes Elend. Und das Elend unseres ganzen deutschen Volkes. Daß wir geschwiegen haben von Deiner Wahrheit, Vater, wo wir hätten reden sollen aber wir hatten unser Leben lieber und unser Glück als Dich. Daß wir vergessen haben, was Vater und Mutter heilig aber wir wollten ja höher hinaus als Vater und Mutter in ihrer Einfalt. Daß wir unser Treuegelübde am Altar unserer Kirche war 34 - - wir nur - aber dem HERRN JESUS vorgesprochen gebrochen haben die Welt versprach uns ja mehr mit ihrem Taumel und ihren fadenscheinigen Ehrenkleidern. Nun sind wir nicht mehr als kleine, zerlumpte Leute, die keines Platzes im Vaterhaus wert sind, aber wenn Ach, meine am Schemel Seiner Füße sitzen dürfen! Freunde, man hält's ja nicht für möglich, daß solche Worte unserem Volke werden aus dem Herzen und über die Lippen kommen. ER sagt es zu: es wird geschehen! Deutsche Männer und Frauen werden kommen und Buße tun vor GOTT und Seiner Kirche und unseren Vätern, und GOTT wird sie neu einsetzen in SEINE Sohnesund Tochterwürde im Reiche GOTTES. Wird die Tischgemeinschaft göttlichen Lebens und bleibender, göttlicher Freude mit ihnen beginnen. Wird tilgen alle ihre Sünden, so blutrot sie sind. Wird sie bekleiden mit Gerechtigkeit und Heiligkeit, dem ,, besten Kleid" aus dem Reichtum göttlichen Herzens, und einen völlig neuen Menschen der Gnade aus ihnen machen! Um dessentwillen allein, der es uns hier in SEINEM Wort zusagt: JESUS, das Lamm GOTTES, das der Welt Sünde trägt! JESUS, unser Hoherpriester, der auferweckt ist um unserer Gerechtigkeit willen! - Vor dreißig Jahren, mitten im ersten Weltkrieg, hat ein großer Bischof unserer lutherischen Kirche, der voraussah, welchen AbHermann gründen unser deutsches Vaterland entgegeneilte Bezzel in München eine Gebetsstunde gehalten über die Buẞe für unseres Volkes Sünde. Er schloß sie mit den Worten ,, Wir wollen jeden Abend dahin flüchten, wohin die Krüppel, die Lahmen, die Blinden, die Leute der Landstraße kommen und wo die Geschminkten und die Wohlgeschmückten und die Leute mit korrektem Leben keinen Raum haben. Wir wollen jeden Abend da einkehren, wo die Verlorenen und Verdammten ihre Tränen vor der ewigen Erbarmung vergießen: ,, Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Hilfe zur Zeit der Not!" Und in diesem Raum, wo nur das Volk wohnt, des man Greuel hat, wollen auch wir uns ein Räumlein erbitten und dort aus der Tiefe unseres Herzens rufen: GOTT sei mir Sünder gnädig." Vor dreißig Jahren! Ein deutscher Bischof! Und was wurde aus diesem Wort??? Und doch, liebe Gemeinde, bleiben wir dabei: das allein ist das helle Licht in unserer heutigen Tiefe der Gottesferne und Verkommenheit im deutschen Volke, SEINE Zusage ,, Es muß und darf geschehen, weil Ich lebe und regiere mit dem Vater und dem Heiligen Geiste, daß unter euch Heimkehrer zum Vater und GOTTESmenschen werden, denen mein Vater den Tisch deckt mit Erdenbrot und Himmelsspeise." Wen der HERR so tief fallen läßt, den will ER auch hoch erheben. Das ist die selige Logik des heiligen Kreuzes, an die wir glauben dürfen. ,, Und sie fingen an fröhlich zu sein." Ich muß euch gestehen, daß dies mein einziger Mut, und mein einziges Kraftkapital im Blick 35 auf die Zukunft unseres Volkes und im Blick auf meinen neuen Dienst ist, zu dem mich der HERR durch die Mithilfe so mancher treuer Beter und Helfer unter euch, in der Stadt und im ganzen Vaterlande, sichtlich wunderbar aufgespart hat: ich warte mit Geduld und Hoffnung auf die Heimkehr der Weinenden in die Freude des Vaterhauses. ,, Denn SEIN Zorn währt einen Augenblick und lebenslang SEINE Gnade; den Abend lang währt das Weinen, aber des Morgens ist Freude." Das ist SEIN Wort und SEIN Wort trüget nicht. Erhalt uns, HERR, bei DEINEM Wort! Amen. Laßt uns beten: ,, Ach, HERR, Gott des Himmels, großer und schrecklicher GOTT, der da hält den Bund und die Barmherzigkeit denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, laß doch Deine Ohren aufmerken und Deine Augen offen sein, daß Du hörest das Gebet deines Knechtes, das ich nun vor Dir bete Tag und Nacht für die Kinder Israel, Deine Knechte, und bekenne die Sünden der Kinder Israel, die wir an Dir getan haben; und ich und meines Vaters Haus haben auch gesündigt. Wir haben an DIR mißgehandelt, daß wir nicht gehalten haben die Gebote, Befehle und Rechte, die DU geboten hast Deinem Knecht. Gedenke aber doch des Wortes, das Du sprachst: Wenn ihr euch versündigt, so will ich euch unter die Völker streuen. Wo ihr euch aber bekehret zu mir und haltet meine Gebote und tut sie, und ob ihr verstoßen wäret bis an der Himmel Ende, so will ich euch doch von da versammeln und will euch bringen an den Ort, den ich erwählt habe, daß mein Name daselbst wohne.. Sie sind doch ja Deine Knechte und Dein Volk, die Du erlöst hast durch Deine große Kraft und mächtige Hand. Ach, HERR, laẞ Deine Ohren aufmerken auf das Gebet Deines Knechtes und auf das Gebet Deiner Knechte, die da begehren Deinen Namen zu fürchten um JESU CHRISTI, unseres Heilandes, willen, der mit DIR und dem HEILIGEN GEISTE lebt und herrscht, wahrer GOTT, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 36 DER KAMPF DES CHRISTEN „So sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind GOTTES Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbe Geist gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir GOTTES Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden." Predigt: in der Kirche zu Kirchlengern am 22. Juli 1945 Da a ist gleich zum Ersten die apostolische Wahrheit in unserem GOTTESwort: Das Christenleben ist heiliger Kampf! Kampf? Ein heute nach 6 Kriegsjahren nicht gern gehörtes Wort. Wir sind kampfesmüde. Wir begehren Frieden, Stille und Erholung. Dürfen auch darum bitten. Doch nur so, daß es sei eine ,, schöpferische Pause", eine Sammlung der Kräfte zum heiligen Kampf des Christentums. Das ist vorerst nicht ein Kampf nach außen, wie ihn gewiß viele Leute von einem Mann aus dem Konzentrationslager erwarten: ein Kampf mit anderen Menschen, Meinungen und Gruppen. Zu dieser Ausweitung des Kampffeldes in der ,, Welt", zu einem ,, Welt- Krieg" des Christen kommt es freilich unweigerlich. Aber der erste Kampfraum, die ,, Ausgangsstellung" ist der heilige Kampf in uns und gegen uns selbst. Diese recht bezogene Ausgangsstellung" entscheidet darüber, ob ein Christ ,, recht kämpft"! Ob auch sein Krieg mit der Welt" ein guter, heiliger, göttlicher Krieg ist und nicht nur religiös getarnte Rechthaberei. Die Soldaten unter uns wissen ja: eine schlechte ,, Ausgangsstellung" ist meist schon eine verlorene Schlacht. machen wir uns einmal diesen ersten Kampfraum klar: das Christenleben ist heiliger Kampf in uns und gegen uns! Warum ist das so? " Darum Das sagen uns die letzten Worte des Apostels vor Beginn unserer Epistel: ,, um deswillen, daß SEIN Geist in euch wohnt." Der Christ ist ein Tempel des Heiligen Geistes. GOTT hat SEINEN Wohnsitz in ihm, seitdem der Christ ein Getaufter, ein Glied der Gemeinde, 39 ein vom Altar des HERRN Gespeister ist.„Coelum es et in coelum ibis,“„Himmel bist du und in den Himmel wirst du gehen!“ Ich entsinne mich, wie ich mir dies Wort des Kirchenvaters Augustinus an irgendeinem grauen Tag im Lager in mein Gebetbuch geschrieben “ habe und- welche Klarheit und Entschlossenheit es in mir weckte. Der Christ Wohnung des dreifaltigen GOTTES— ein unergründ- liches Geheimnis, aber das, was den Charakter, die Eigenart eines Christen ausmacht. Alles andere Christliche, was wir land- läufigerweise als das Kennzeichen eines Christen betrachten, die Glaubensüberzeugungen, sein religiöses Brauchtum, sein geregelter Kirchgang, seine Kinder im Unterricht der Kirche— das alles ist nicht die Eigenart des Christen, das, was ihn zum Christen macht! Das alles ist im günstigsten Falle Wirkung und Frucht des Heiligen Geistes. Oft, leider allzu oft ist es nur noch Schlacke eines heiligen Feuers, das einmal brannte in Haus, Gemeinde und Volk, nun aber erloschen ist. ‚Das Feuer, das heilige Element des Christenwesens ist ER, der SPIRITUS SANCTUS! Und„um deswillen‘ kommt es zum heiligen Kampf in uns. Das Feuer brennt, und wir werden verzehrt von IHM wie das Wachs der brennenden Kerze. Dieses Verzehrt- werden von der heiligen Flamme GOTTES meint der heilige Paulus mit seinen Worten:„So sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben.“‘Der Christ kann nicht mehr denken und wollen wie alle Menschen. Denn sie wollen und denken in feinen oder gröberen Formen,„kultiviert“ und un- kultiviert nur auf Eines hinaus: auf ihr Wohlbefinden, auf ihr Sich- durchsetzen, auf Macht und Einfluß und Genuß des Lebens. Jeder- mann will sich„Schätze sammeln‘ an Erleben, an Geld oder Liebe, Gütern oder Ehren, daß er eines Tages zu seiner Seele sagen kann wie der reiche Kornbauer aus dem Gleichnis„Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut!”“ Das ist der Lebens- und Geistestrieb aller Menschen, Stände-. und Lebensalter, gestern im„Dritten Reich” und heute nach seinem Zerfall, ein Trieb, der unsere gesamten guten, von GOTIS gez schaffenen, leib-seelischen Kräfte und Anlagen in Beschlag nimmt und sie kommandiert wie ein General seine Streitmacht:„Lebt euch selbst! Lebt euch aus! Lebt wider alle Gesetze der Vernunft und wider GOTTES Willen, aber stillt nur euren Lebenshunger und Lebensdurst. Freut euch des Lebens, solange das Lämpchen glüht!“ Und nun drängen und locken uns unter diesem Kommando die gewaltigen Naturgaben des Menschen—„das Fleisch“ und„der Leib‘ nennt sie hier der Apostel—„leb dich aus! Sieh zu, daß du etwas hast vom Leben!" Auf solche Stimmen unseres„Herzens”, «unseres„Blutes‘‘ oder unseres„Gefühls“ hören wir Menschen gerade- zu spontan und so werden wir die Sünder, die nicht nach GOTT 40. fragen und ,, nach dem Fleische leben". Aber am Ende der ganzen Lebenslust steht die Leere, das Nichts, der ewige Fall in die GOTTESferne, die Zerstörung des Leibes und der Seele. werdet sterben müssen." ... ihr Doch das ist das wunderbare Geheimnis des Heiligen Geistes in jedem Christenmenschen der Kirche IESU: die Christen können nicht mehr ,, mit" in dem Taumelzug des Todes! Obwohl alle Menschen sie mitreißen und die Christen selbst doch auch nur Menschen sind. Sie müssen heraustreten aus diesem Zug, sich lossagen von jenem Trieb ,, Leb dich aus, sieh zu, daß du etwas hast vom Leben!" Für sie ist es ausgemachte Sache ,, So sind wir nun Schuldner nicht dem, Fleisch, daß wir nach dem Fleische leben". Ihr Trieb ist der Heilige Geist. Der Trieb zu wollen, was GOTT will; zu denken, was GOTT denkt. Der gewaltige Trieb, den zu lieben, der uns zuerst geliebt und uns nun liebend innewohnt: der Vater mit dem Heiland der Sünder, der den Taumelzug des Todes auseinandersprengen und in einen Siegeszug der Erlösten verwandeln will. Der Christ weiß sich erworben und gewonnen von dem HERRN CHRISTUS, entrissen dem Lebensteufel. Der Apostel Paulus behauptet das hier so einfach, wie es unter den Christen unserer Tage wohl kaum üblich ist. Eine ,, populäre" Christengesinnung ist das keinesfalls, aber eine heilige und göttliche! Und wo man unter lebendigen Christen ist, da darf man das auch heute noch ganz einfach behaupten: der HERR JESUS hat die Oberhand über unser Denken und Wollen, der Weltteufel mit seiner Streitmacht des Fleisches und Leibes kann nicht mehr hochkommen in uns, so sehr er sich auch müht und so schwach und rückfällig wir auch sein mögen. Oft, meine Brüder und Schwestern, stehen noch die Tage des Abschieds, des Gefängnisses, der Drohungen der Gestapo, meiner Krankheit, des fürchterlichen Transportes nach Dachau und all die Stationen im Lagerleben vor meiner Seele, wo der Teufel oft Tag und Nacht ,, wie ein brüllender Löwe" in der Wüste um uns herumkreiste und einem dann wohl nahelegte: nun denk doch an deine Frau und deine Kinder, die für ihr Leben den Vater und Ernährer verlieren; denk doch an deine körperliche Schwachheit, die diesen Weg niemals durchhalten wird; lenk doch die Dinge und Menschen so, wie es für dich günstig und bequem ist! Oh, meine Brüder und Schwestern, wie dröhnte uns dies Brüllen in den Ohren und durchs Herz. Immer enger zog das ,, wilde Tier" seine Kreise, daß man seinen Atem aus den Abgründen der Hölle spüren konnte! Keinen Pfennig für mein Christentum, meine Theologie und meine Bibelkunde in diesen Stunden! Aber JESUS behielt die Oberhand. Das Herz schrie, gefangen in der Liebe GOTTES ,,, die ausgegossen ist in unser Herz durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben 41 - ist" ,, HERR, ich glaube, hilf meinem Unglauben!". Und dann sah man doch ,, niemand denn JESUS allein". Und es ,, ward eine große Stille". GOTT behält die Oberhand. Aber freilich, in den heiligen Kampf sind wir gerufen! Dem Heiligen Geist gehorchen, JESUS liebhaben, GOTTES Gebote halten und SEINE Wege gehen, die ER uns führt das verlangt nun von unserem eigenen Willen, die Streitmächte der Sünde, den Leib, unsere geistigen und seelischen Kräfte dem Oberbefehl der Sünde zu entwinden und ihre teuflischen Umtriebe zunichte zu machen. Nur Einer soll noch über sie regieren: GOTT durch den HERRN CHRISTUS! Meine Geschwister, das ist ein Kampf, der unser Herzblut und unseren Schweiß kostet. Man kann ihn nur mit den Kräften des Heiligen Geistes durchhalten. Denn der Tagesbefehl dieses Kampfes lautet jeden Tag: töte deinen Trieb dir selbst zu leben im gesamten Bereich deines Leibeslebens! Aber sein Preis heißt darum auch: ,, So will ich dir die Krone des Lebens geben." ,, Wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben." Das ist die ,, Ausgangsstellung" jedes wahrhaftigen Christenlebens. Heiliger Kampf in uns und gegen uns. Der Herr CHRISTUS hat es uns mehr als einmal in den vergangenen Jahren vorgestellt: du mußt erst mit deinen eigenen gottlosen Umtrieben des Leibes- und Seelenlebens fertig werden, mußt sie entmächtigen und töten durch das Schwert des GEISTES, dann wirst du auch mit den gottlosen Menschen und mit dem Lauf der Weltgeschichte fertig werden. Das Maul groß aufreißen gegen Sünder und GOTTlose ist sehr billig; aber Siege erringen über sie, Siege der Geduld, des Gebetes, der Standhaftigkeit oder der Bekehrung das ist allein GOTTES Gabe an die, die sich selbst haben besiegen dürfen mit allen Begierden und Lüsten ihres Fleisches.. - Meine Freunde, wir haben ebenso viel traurige wie erquickende Erfahrungen in dieser Sache machen dürfen. Und manches Scheitern oder Versagen der Kirche auf dem Irrwege unseres deutschen Volkes ist uns in seinen wahren Hintergründen aufgegangen. Sie betreffen das Herz, und nur das Herz der Christenheit! Denn keine Kirche, kein Bischof, kein Presbyter werden Vollmacht haben dürfen über die Geister, die nicht den HERRN JESUS CHRISTUS geheiligt haben in ihren Herzen, an ihrem Leibe und ihr Fleisch gekreuzigt. Damit stehen wir bei der zweiten apostolischen Wahrheit unseres Schriftwortes: Die Hilfe im heiligen Kampf des Christenlebens ist die Erfahrung unserer GOTTESkindschaft und das Gebet. 42 S R S S t 1 d e S n 1 S d ,, Denn welche def Geist GOTTES treibt, die sind GOTTES Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbe Geist gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir GOTTES Kinder sind." - - Es gibt ja so merkwürdig viele Christen, für die die Hilfe im heiligen Kampf des Christenlebens gar kein Problem ist. Weil sie den Kampf gar nicht kennen. Weil sie tot sind in ihren Sünden. Aber wer sich nun in der heißen Schlacht mit seinem ,, alten Menschen" umsieht nach Hilfe, wie ein hilfloser Wanderer in wüster der darf sich schon einmal Gegend umstellt von Wegelagerern diese Zusage des Apostels aneignen: Welche der Geist GOTTES treibt in den Kampf, in das Nein zu sich selbst, in das Ja zu JESUS und SEINEN Wegen die sind GOTTES Kinder. Deine Unruhe über dich selbst, dein zum HERRN- dich- hingezogenfühlen, dein Widerstreben dem Eigenwillen, deine Angst vor dem Unterliegen, deine Sehnsucht, GOTTES Eigentum zu bleiben, dein Haẞ auf alles von JESUS und Seinem Wege Trennende, deine Freude über alle Hilfen und Führungen und Siege über die ,, Geschäfte des Fleisches"- nimm es als göttliche Beweise, daß GOTT dich wiedergeboren hat aus Wasser und Geist. Ich bin SEIN Leben, aus IHM gezeugt, SEIN Kind. - - - Es gibt ein berühmtes Bild des Malers Matthias Grünewald vom heiligen Antonius. Da zeigt er den Heiligen zwischen allerhand Teufelsspuk, versucherischen Gestalten, Angst erregenden Untieren aller Art sitzend und sich ihrer mit verzerrtem Antlitz, abweisenden Händen, gen Himmel gerichteten Augen erwehrend. " I Meine Freunde, das ist der Christ. Wer sich mit ähnlichen Erfahrungen kennt, der darf ohne Zweifel sprechen mit dem Apostel St. Johannes, Wir wissen, daß wir von GOTT sind und die ganze Welt im Argen liegt. Wir wissen, daß der Sohn GOTTES gekommen ist und hat uns einen Sinn gegeben, daß wir erkennen den WahrSEINEM Sohn haftigen und wir sind in dem Wahrhaftigen, in JESUS CHRISTUS." Wie oft hat uns in quälenden Tagen und Nächten die Frage umgetrieben: bin ich denn SEIN? Denn das muẞ man ja ganz genau wissen, wenns ans Sterben und an den dauern-. den Verzicht auf die Heimkehr geht! Da kann man nichts ,, in der Schwebe" lassen! Und dann war immer wieder dieselbe Frage: kämpfe ich den verordneten Kampf? Kämpfe ich recht? Bin ich vielleicht nur ein Unzufriedener oder ein Rebell? Treibt mich der Heilige Geist? Ach, große Not oft! Aber auch köstlicher Trost, wenn dann einer doch von sich sagen konnte: ich bin zwar unglücklich, unruhig, er43 mattet, arm und ängstlich; aber das will ich ehrlich: zu JESU Füßen sitzen, IHM das Kreuz nachtragen und mich selbst kreuzigen. Dann, meine Brüder und Schwestern, weiß man sich verwandt mit allen Propheten, Aposteln, Vätern und Heiligen, und sogleich ist auch die zweite Hilfe zur Stelle, das Seufzen des Kindergebets ,, Abba, lieber Vater!" Kann man das einmal von sich sagen ,, Ich bin GOTTES Kind", dann flieht man im heiligen Kampf auch sofort in die Arme des Vaters. Der Geist, der uns in den Kampf treibt, der treibt uns auch zu den Seufzern des Kindesgebets. Wirklich Seufzer der Seele, kurz, ernst, innig! Hilf uns! Vergib uns unser Widerstreben, unser unheiliges Wesen! Unser Fleischsein! Reinige uns durch und durch, kräftige uns, fordere nicht mehr, als wir ertragen können! Befiehl, was Du willst, aber gib auch, was DU befiehlst! Stärke DEINE Kinder und mach aus denen Überwinder, die DU erkauft mit Deinem Blut! Ich weiß heute, warum wir Christen so oft das Kindesgebet zum Vater nicht sprechen können. Weil wir uns nicht gehorsam vom Heiligen Geist in den Kampf treiben lassen, wo uns das Kindesbeten beigebracht würde. Wie schnell beugen sich da die Knie! Wie einfach kommen die Worte! Wie gewiß ist man: ER wird's' tun, der liebe Vater! Mit wieviel kann man zu IHM kommen, das uns bedrückt, hindert, nötig ist im Streit! Wo nur ein wenig Treue ist, da ist der HERR so reich über allen, die IHN mit Ernst anrufen, und schüttet kaum faßbare Gaben über uns aus in Schwachheiten, Gefahren und Mängeln, von denen ihr nachträglich vor euch ausgebreitet wohl sagen würdet: Hier ist doch alles verloren! Jawohl, und eben das ist der Segen GOTTES in dem heiligen Kampf, der uns Christen verordnet ist, daß ER uns in so verlorene Situationen stellt verloren durch unsere Schwachheiten und Unberechenbarkeiten, verloren durch die Macht und Arglist der Menschen, verloren durch die große Macht des Satans daß uns - - wirklich nur noch dieses Stammeln übrig bleibt, uns evangelischen Christen und unseren katholischen Brüdern: Gib DEINEN Heiligen Geist! Bekenne DICH zu DEINEN Kindern! Stelle DEINE himmlischen Heerscharen um Deine Streiter! Gib mir Vollmacht des Widerstandes gegen alle Verführung in jeder Maske! Und wahrlich, das weiß ich heute besser noch als vor vier Jahren: der Vater hat das Schreien Seiner Kinder geheiligt durch den, von dem geschrieben steht ,, És kam, daß ER mit dem Tode rang und betete heftiger. Es war aber Sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde". Und um dieses Beters und Streiters willen trifft das Wort zu bei Seinen Brüdern, die IHM dienen mit Lust ,, Das Gebet der Elenden dringt durch die Wolken!" 44 Sie dürfen dann auch die unbeschreibliche Hilfe erfahren von der so wenig auf Kanzeln und Universitäten und Pfarrkonventen gesprochen wird( und doch wohl nicht nur. aus geistlicher Keuschheit!), daß GOTT, der HERR, ihnen sein persönliches Jawort in die Seele spricht ,, Ja, du bist mein Kind! ICH bin größer denn alles und niemand kann dich aus deines Vaters Hand reißen, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken. und alles um uns herum Tod, Dunkel, Nichts, und Sünde wäre!" Es gibt eben für solche seufzenden Streiter eine Art, GOTTES Wort zu hören, mit einem Bruder zu sprechen, die Heilige Kommunion zu empfangen, das lösende Wort in der Beichte zu hören oder mit dem allgegenwärtigen HERRN CHRISTUS anbetenden und bittenden Umgang zu halten da fallen alle Schranken zwischen Welt und Himmel, da ist ,, Gemeinschaft mit dem Vater", offener Himmel und heitere, neue Welt! Nichts Gelerntes und Erdachtes mehr, aber das wahre selige Einssein mit dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste, wie es das Johannes- Evangelium bezeugt, ein Einssein, das jeden Zweifel bannt, alle Angst verscheucht, jede Hilfe verspricht. Es ist mir völlig gleichgültig, meine Freunde, ob man dies Einssein mit der hochgelobten heiligen Dreifaltigkeit ,, mystisch" oder anderswie nennt. Aber ich weiß jedenfalls nur ein Bild, das diese heilige Gewißheit und Erfahrung annähernd veranschaulicht und mehr als ,, Worte" bietet: Johannes im Schoße und an der Brust seines Meisters! An solchen Streitern JESU erfüllt sich dann auch die dritte apostolische Wahrheit aus dem Briefabschnitt des Apostels: - Die gewisse Hoffnung des Kampfes! Der heilige Kampf des Christenlebens braucht ein festes Siegesziel. Sonst müßten wir mit dem Apostel sprechen ,, Was stehen wir alle Stunde in Gefahr? Habe ich nach menschlicher Meinung zu Ephesus mit wilden Tieren gefochten, was hilfts mir? So die Toten nicht auferstehen, lasset uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot." Aber den kämpfenden und betenden Gotteskindern des Heiligen Geistes darf die heilige Gewißheit werden ,, Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich GOTTES Erben und Miterben CHRISTI..." Meine Freunde, eine göttliche Überlegenheit und ein heiliges Selbstbewußtsein darf sich bei jedem Christen einstellen, der kämpft und betet und seiner Kindschaft gewiß ist. Er darf sich selbst ansprechen als Erben der Reichtümer im Reiche Gottes: des unverweslichen Leibes, des ewigen Mit- GOTT- Einsseins, des unvergänglichen Lebens, des Wohnens auf der neuen Erde im himmlischen Jerusalem, der Gemeinschaft und Freude mit allen Heiligen und Auserwählten und Überwindern vor uns. Er weiß sicher: das Alles wird mein sein! Die Welt kann mir wirklich nicht mehr imponieren. Weder mit dem, was sie mir nimmt. Noch mit dem, was sie mir gibt. Unsere Freude ist, daß wir uns zu GOTT halten und ER auf uns 45 N wartet mit SEINEM neuen Himmel und SEINER neuen Erde am Tage unserer Mündigkeit. „Zeit, wann wirst du doch anbrechen? Stunden, o wann schlaget ihr, drinnen ich mich kann besprechen mit dem Schönsten für : und für? Welt, bei dir ist Krieg und Streit, lauter Qual und Traurigkeit: In dem Himmel allezeit Friede, Freud’ und Seligkeit." Heilige Sehnsucht, aber auch heilige Ruhe in allem Streit und Arm- sein darf uns überkommen als„Miterben Christi‘, meine Brüder! Es ist doch eine sehr‘schmerzende und beunruhigende Entdeckung für uns Heimkehrer aus Dachau— und ich könnte mir denken, daß mancher sturmerprobte christliche Soldat in der Heimat jetzt ähnliche Erfahrungen sammelt—, fast täglich zu erleben, wie auch Christen- leute jammern und trauern um verlorene Kleider und Möbel und Wohnungen und Menschen und Felder. Wir haben in unserer Ver- bannung lernen dürfen— und dachten wohl, daheim wäre das vielen Christen in den Kriegsschrecken und unter den Augen JESU auch zuteil geworden—: „Was sind des Lebens Güter? Eine Hand voller Sand, Kummer der Gemüter. Dort, dort sind die edlen Gaben, da mein Hirt Christus wird mich ohn Ende laben. Der HERR hat uns Jahr für Jahr mehr darin eingeübt— bis in die letzten unsicheren Stunden des Lagers an der Schwelle des Todes hinein— abzuschließen mit der Welt, mit Frau und Kindern und Freunden und unser Angesicht mit ganzer Wendung stracks auf Jerusalem zu richten, wo der Vater uns erwartet.„Weit über Berg und Tale, weit über blaches Feld..." Es war nicht immer leicht, aber man kam doch spürbar weiter“darin! Zumal sich die heilige Gewißheit unserer Heimkehr "in die. Wohnungen GOTTES noch an einer wichtigen Beobachtung der Kinder GOTTES stärkte, die den Christen aller Jahrhunderte ‘stets an erster Stelle gestanden hat: die im heiligen Kampfe des Christenlebens Leidenden und Verwundeten werden die Sieger und Vollendeten sein.„So wir anders: mit leiden” schreibt der heilige Paulus. Es gibt kein festeres Siegel auf die fröhliche Zukunft eines Christen als das Siegel des heiligen Kreuzes auf seiner Gestalt und seinem Leben, das er sich vom HERRN willig hat aufprägen lassen.„Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“ Denn ihre Tränen sind die Tränen ihres HERRN, ihre Wunden SEINE Wunden. ER leidet mit ihnen und in ihnen und erkennt SEIN Antlitz in ihnen wieder vor GOTTES Thron.„Diese sind's, die gekommen sind aus großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre ‘Kleider hell gemacht im Blut des Lammes." Das dürfte ein seltsamer Heiliger in Zion sein, dem der HERR am Jüngsten Tage nicht die Tränen der Trübsale um Christi willen von seinen Augen abwischen 46 müßte! Wir haben den Crucifixus auf dem Altar unserer Kapelle im Pfarrerblock nicht nur gesehen als den, der für uns litt, daß wir einen Weg hätten zum Vaterherzen. Wir haben IHN auch täglich in uns aufgenommen als den, der in Seinen Brüdern SEINE Gestalt formen will, die Gestalt, die keinem gefällt, die Gestalt des Allverachtesten und Unwertesten, voller Schmerzen und Krankheit, die so verachtet war, daß man das Angesicht vor ihm verbarg. Meine Brüder und Schwestern, wir haben es für euch und den ganzen Leib CHRISTI uns beibringen lassen, mit Furcht und Zittern zuerst, aber dann doch auch mit anbetendem Dank: im Dunkel JESU mitwohnen dürfen, das ist Gnade bei GOTT und Hoffnung für den Himmel! - es uns Wie manches Mal haben wir uns untereinander getröstet, wenn wir unser Verachtetsein so handgreiflich erfuhren; wenn schwer bekümmerte, daß wir samt unseren Frauen und Kindern von vielen, vielen Brüdern und Schwestern ,, für nichts geachtet wurden", weil man ja wirklich im deutschen Volke das Angesicht verbarg" dann haben wir uns vor einem Häftling im Konzentrationslager- getröstet mit dem Blick auf den Allerverachtesten am Kreuz. Ich glaube, daß es nicht viel Kirchen auf der ganzen Welt gibt, deren Altarkreuz so innig mit Liebes- und Glaubensblicken umfangen worden ist wie der Crucifixus der Kapelle im Konzentrationslager Dachau. Und wir haben uns dann auch wohl gelegentlich mit den sparsamen Worten aller Bedrückten und Leidenden zugesprochen: ,, Nur Mut! Nur Mut! Wir wollen doch, daß Christus hoch gepriesen werde an unserem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod; dann wird ER auch unseren nichtigen Leib verklären, daß er ähnlich werde Seinem verklärten Leibe." Meist waren's nur kurze Worte und Gebete, karg in der Form, aber gefüllt bis an den Rand mit der Mahnung: je tiefer mit IHM im Leiden, in der Abtötung des Fleisches, im Haß der Welt, im Unverständnis der Kirche, in den Nachstellungen des Teufels um so höher mit IHM in der Herrlichkeit, - Meine Freunde, dieser Blick auf den mit uns leidenden HERRN entbindet in den Seinen solche Kräfte des Friedens und der Geduld, die sich gegen allen Hohn und trostlosen Augenschein behaupten. Gemeinde JESU Nein, weit mehr noch: ihn überwinden! Die CHRISTI, die im heiligen Kampf der Nachfolge ihres Anfängers und Vollenders wirklich steht, darf und wird zu allen Zeiten das Panier der Hoffnung hochhalten, wenn auch die Hände zittern, die es halten, und die Augen mit Tränen gefüllt sind, die es anschauen. ,, Die auf den HERRN hoffen, die werden nicht fallen, sondern ewig Amen. bleiben wie der Berg Zion." Laẞt uns beten: O Heiliger Geist, DU wahrer Leiter und Führer aller Auserwählten, DICH bitte ich von Herzen, DU wollest in mir wohnen und ewig 47 bei mir bleiben, mich führen und leiten, daß ich durch Deine Re- gierung, Kraft und Macht zu der unbegreiflichen Herrlichkeit des ewigen Lebens kommen möge, da ein ewiger Tag, ein ewiger Sommer, ewiger Friede,‘ ewige Genesung, ewige unaufhörliche Freude sein wird. Jetzt sind wir noch im wilden, ungestümen Meer und in der bösen Welt; aber hilf DU uns durch, daß wir endlich das Ufer erreichen und das ewige Vaterland mit Freuden nach großer Trübsal erlangen. Das verleihe uns, der DU mit dem Vater und Sohn bist hochgelobt in alle Ewigkeit. Amen. DER KELLERMENSCH 50 50 ,, JESUS CHRISTUS hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht." ( 2. Tim. 1, 10.) Predigt: in der Münsterkirche zu Herford am 16. September 1945 ( Tag der Inneren Mission) Hier erreicht uns ein Anruf aus dem Keller! Nicht aus einem teppichgeschmückten Palast, auch nicht aus der Wohnstube eines wohlsituierten Beamten. Aus einem Keller, wo die Luft muffig, der Raum eng, die Füße kalt und die Möbel knapp sind. Aus dem Keller eines Gefängnisses! Und der Rufer aus diesem Kellerloch ist ein Mann des Todes, eine arme Seele, der das Leben entgleitet wie ein Blatt im Winde; und die Weltgeschichte flutet achtlos vorbei an diesem Menschen der Schmach, des Leides und der Armut. Aber dieser elende Mann aus dem Kellerloch erhebt seine Stimme in die draußen rauschende Welt hinaus, eine Stimme des dröhnenden Jubels: Ich wohne in einer festen Burg, meine Seele hat weiten Raum, ich bin geborgen in die Wohnung des Höchsten, die Schätze enthält, welche nimmer die Motten und der Rost, der Krebs und der Krieg, der Neid oder die Macht fressen: JESUS CHRISTUS hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht! Nicht der Keller des Leides und der Armut, CHRISTUS ist mein Lebensraum, mein Bunker aus Stahl und Beton, in dem ich wohne und trotze und wohlbehalten bleibe!" Meine Brüder und Schwestern, wir vernehmen diesen Jubelruf aus dem Kellerloch heute am Rüst- und Opfertage der Inneren Mission im Jahre 1945 und hören aus ihm die göttliche Ermunterung des Apostels: Gehet in die Keller und berget in den HERRN JESUS! 51 Gehet in die Keller! Es haben wohl zu allen Zeiten„Kellermenschen" unter uns ge- wohnt. Die Familien in den Stuben der Armut und des Lasters, die Siechen auf ihren Schmerzenslagern, die Verwahrlosten unter Kindern, Männern und Frauen, die Schuldigen und die Unschuldigen in den Gefängnissen. Nicht immer wohnten sie in Kellern und Löchern. Das Auge sah auch äußerliche Pracht und Ordnung, und dennoch waren es„Kellermenschen“: hausend in der Zermürbung des Leides und der Armut, gebunden durch die Fesseln der Schuld. an den Geboten GOTTES und an der Liebe zum Nächsten, geächtet von der Mitwelt, eingeschlossen in das Dunkel eines zerfallenden Lebens und in die Undurchsichtigkeit des Todes. Aber es waren . deren wenige unter vielen. Man konnte sie schon„übersehen”, wenn man es auch nicht durfte. Das ist nun heute anders geworden. GOTT der HERR hat uns zu einem Volk von„Kellermenschen‘ gemacht. Und wer es nicht ist, der kann es um so besser„von oben’ sehen: Wir sind ein. Volk, das im Keller wohnt.‘ Millionen unserer Brüder und Schwestern, unserer Kleinen und Kleinsten hausen heute in Löchern, verfallenen Häusern, Bunkern und Baracken, dicht aneinander ge- drängt, wo der Wind pfeift, die Seuche schleicht und der Mensch verkommen muß; und wir haben keinen Anlaß zu sagen: geduldet euch, morgen wird es ganz anders sein!£ Wieder andere Millionen mögen äußerlich ein erträgliches Unter- kommen haben und dennoch! Auch sie wohnen in einem„Keller“, in Dunkel und Enge und Tiefe, wo das Leben und der Leib ver- kümmern; wo die Schönheit der Natur und des menschlichen Geistes nicht mehr hinreicht; wo alle ererbten und bisher geachteten Grundsätze der Ordnung, des Rechtes und der Sitte ins Wanken geraten, und man sich nur noch als einen Menschen verstehen kann, über den bereits das Todesurteil gesprochen ist; aber man weiß nicht, wann die Tür aufgeht und der Tod auf der Schwelle steht. Das sind die Millionen unserer Heimatlosen, Vertriebenen, Geflüchteten, Evakuierten,‘Abgeschnittenen, unsere Gefangenen in den Lagern, dazu das kommende Heer der Arbeitslosen, die Menge der Kriegerwaisen und Kriegerwitwen, der Bombengeschädigten und durch Unrecht und Frevel Vergewaltigten, die Millionen unserer als Krüppel und Lebensunfähige heimgekehrten Soldaten. Vergessen wir auch nicht die unzähligen Verführten und Verirrten vergangner Tage, die nun, von kleinen und größeren Thronen, büßen und in das Leere sehen! Und endlich— wie es ein ernster Dichter unserer Tage in einem Gedicht„Am Abend zu beten aus- gesprochen hat—: 92 „Und nächstens pocht es leis ans Tor Und tausend Kinder stehn davor Mit ihren Tränenkrügen Und weisen still ihr Totenhemd Und sehn uns schweigend an und fremd Mit schmerzversteinten Zügen.” Das sind unsere Brüder und. Schwestern, die im„Keller'' wohnen. "Wo das Leben entflieht, wo die Zweifel nagen, wo nur einer der - Hausherr ist, der Tod, der alles zersetzt, was nur irgendeine Wirklichkeit für uns ist: den Leib, die Seele, GOTT, die Liebe, ‚die Religion, den Anstand, Vernunft und Menschenwürde— und ‚drum herum geht das Leben der anderen weiter, derer, die noch — noch!„obenauf' sind. Meine Freunde gehet in die Keller! Dazu rüstet euch und die Kirche! Das Opfer der Liebe und der Hoffnung bringt heute am Tage der Inneren Mission, daß ihr euch zu dem bewegen laßt, was jener Mann aus dem Gefängniskeller zu Rom an anderer Stelle erbat„Haltet euch herunter zu den Niedrigen!” Gehet hinab in die Keller unserer Mitmenschen, welcher Art _ und Tiefe und Dunkelheit sie auch sein mögen. Wenn euch die Luft der Gedanken und des Lebens, die ihr da drunten bei den antreffen werdet, auch den Atem verschlägt und euch an der Türe umkehren heißt; wenn es auch das kalte Wehen des _ Todes in euer eigenes Leben bringt, und die bange Frage des Zweifels, ob wir denn selbst wirklich so„obenauf” sind und nicht "alle mit in einem Kellerloch sitzen, über dessen Haustür steht „Lasset alle Hoffnung.draußen, die ihr eintretet!” Haltet euch _ herunter zu den Niedrigen, gehet in die Keller hinab, hinab, meine Geschwister! Laßt uns nicht vorbei gehen, wie der Priester _ und der Levit vorbeigingen an dem, der unter die Mörder fiel. Laßt uns auch nicht„oben“ einmal stehen bleiben und mitleidig ein paar gute Worte oder ein paar Mark denen herunterwerfen, - die da„drunten‘ sind als die Niedrigen! Gehet hinab, Stufe um h Stufe, wie das eben nötig ist, wenn man mit einem am Tisch sitzen _ will, der im Keller wohnt! Da muß man manches Feine, Selbst- verständliche und Heilige einmal hinter sich lassen und so recht der Zöllner, Sünder und Huren Geselle werden, wie es uns der Heiland vorgemacht hat:„Sehet, ER ist der Zöllner und Sünder - Geselle!" Das bringt gewiß nicht Titel und Ansehen bei euren "Nachbarn und Freunden.„Sehet....!" Mit den Fingern wird man auf euch zeigen. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Wohl aber darauf, daß ihr unten sitzt bei den„Kellermenschen“ an ihrem Tisch und Bett, wo das Stück Brot fehlt für den Tag und _ die Decke für die Nacht; daß ihr den Verwesungsgeruch ihres Lebens 33 und ihrer Familie in die Nase bekommt, und die Lebensangst derer, die die Todesschatten mit Händen zu greifen vermögen, euch durchs Gebein geht darauf kommt es an! Denn dann geht ihr nicht allein in die Keller unserer Mitmenschen, meine Freunde! Dann geht der Mann mit ,, hinab", den Maria und Martha an das diesem Bruder, Krankenbett ihres Bruders riefen, und der von der auch in einem tiefen Keller des Todes und der Angst gefangen lag, sagte: ,, Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre GOTTES, daß der SOHN GOTTES dadurch geehrt werde", und dann heißt es von IHM ,, Und JESU gingen die Augen über". Uns würde dann aufgehen, warum wir heute ein Volk sind, das in ..Kellern", im Finstern wohnt, nämlich darum allein ,, Daß der Sohn GOTTES dadurch geehrt" werde! ER wird winter uns stehen und dafür sorgen, daß wir mit den Weinenden weinen können und in SEINER Vollmacht des Leben schaffenden Heiligen Geistes in die Finsternis hineinrufen dürfen: Lazarus, komm heraus!" Denn..JESUS CHRISTUS hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht" ruft die Stimme aus der Todeszelle in Rom. Gehet in die Keller hinab und berget in den HERRN JESUS! Mehr nicht? Meine Brüder und Schwestern, die Kellermenschen werden erst etwas anderes von uns erwarten. Man hat das sogar schon in der Kirche von der ,, Inneren Mission" erwartet. Sie werden uns ansehen. wie der Lahme aus der Apostelgeschichte den Petrus und Johannes: ,, Und er sah sie an, wartete, daß er etwas von ihnen empfinge." Wir sollen ihre Not abstellen. Das ist menschlich. Und wo wir das können, müssen wir das auch tun, und die Kirche muß sich sehr liebevoll und gewissenhaft überlegen, wo sie es kann. Aber wir können mit irdischer Hilfe nur sehr beschränkt helfen. In den meisten Fällen haben wir sogar nur leere und gebundene Hände. Wir können den Elenden nicht aus der Gefangenschaft seines ,, Kellers" herausholen. Wir haben kein neues Paar Augen für den Kriegsblinden. Wir können der Mutter nicht den Sohn wiederschenken und dem, der Existenz und Vermögen verlor, Stellung und Ersatz. ,, Silber und Gold habe ich nicht.". Leere Hände, schwache Arme! Das werden unsere elenden Geschwister auch einsehen, wenn wir wirklich mit ihnen in ihrer Tiefe und in ihrem Dunkel sitzen. Wir können sie nicht einfach herausholen aus ihrem Gefängnis. Der Apostel mußte auch in dem seinen zu Rom bleiben. Aber wir können eins. Wir können sie bergen in den HERRN JESUS! Wir können ihnen die Tür auftun zu einem Bunker aus himmlischem Stahl und Beton, wo der Tod nicht mehr Hausherr ist. Wo 54 a L V .0 U 0 0 1 T C C t י T S า T T e S d e n 1. 5. n コー 1 aber die Luft der GOTTESfülle weht, und unzerstörbare Wände des Lebens für Leib und Seele uns umgeben. Dieser feste Lebensraum ist der HERR JESUS CHRISTUS, der die Wände seines Grabes gesprengt hat. Der eine ,, Kellermensch", der für alle hat heraufsteigen dürfen aus der Enge der Lebensnot, aus den Fesseln der Schuld und Sünde, aus dem Dunkel des Todes, und nun ist ER ,, die feste Burg", in der sich jeder Arme und Ängstliche bergen darf, wenn er sich ,, hereinholen" läßt in den HERRN JESUS durch SEIN lebendiges Wort und Seine heiligen Sakramente! Oh, meine Freunde, wenn wir dazu gesegnet würden am heutigen Rüst- und Opfertage der Inneren Mission: hinunterzusteigen in all die dunklen Tiefen und Gefängnisse der Mitmenschen unserer Zeit und wenn wir denn nicht ,, Gold und Silber" haben, so doch die Schätze des Heiligen Geistes: einen bergeversetzenden Glauben und eine am lebendigen Quell genährte Hoffnung mitbrächten, daß wir zu all den Gelähmten und Erblindeten unserer Tage sprechen könnten: Was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen JESU CHRISTI birg dein armes Leben, deine hungernde Familie, deine dunkle Zukunft, dein krankes Kind in den HERRN JESUS hinein, in dem du Leben und volles Genüge hast und dein ganzes finsteres Kellerloch von dem weiten Raum der GOTTESliebe und GOTTESkraft aufgesogen und umfaßt wird, so daß du GOTT loben kannst im Dunkel! Und wenn dann durch unsere Geistesgabe wirklich Gelähmte und Erblindete unserer Tage aufstünden und sich hineinbergen würden in den himmlischen ,, Bunker" CHRISTUS, an den nur noch von außen der Donner des Todes und der Vernichtung dringt, aber drinnen ist heiliger Friede und göttliche Gewißheit ,,, ER hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht" das wäre Erfüllung der ,, Inneren Mission" der Kirche gerade in unseren Tagen an unserem deutschen Volke! Dann hätten wir uns heute gerüstet und rüsten lassen, und das tut not, liebe Freunde! Wir gebrauchen schon irdische Mittel, um überhaupt an die verschiedenen ,, Kellermenschen" heranzukommen, sie zu sammeln und zu betreuen. Wie vieles ist da zerstört, muß wieder aufgebaut oder ganz neu erdacht und geschaffen werden! - Aber noch wichtiger sind die himmlischen Mittel der Geistesgaben! Was nützen uns alle Gelder, Häuser, Schwesternstationen, Schriften und Vereine für Innere Mission, wenn keine gesegnete Gemeinde JESU da ist, die mit den Gaben des Heiligen Geistes zu allen Niedrigen herabsteigt und es fertigbringt, bekümmerte und verstörte Seelen in den HERRN CHRISTUS hineinzubergen? Es gehört schon etwas, ein wahres Vermögen" dazu, zerbrochenen Menschen unserer Tage begreiflich zu machen, welches sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe" des ewigen Lebensraumes JESUS CHRISTUS! Wieviel Gebet, Geduld, Demut, " 55 55 Barmherzigkeit, alles hoffenden und alles überwindenden Glauben braucht's dazu! Nur wer sich selbst in JESU Wunden und Leben geborgen hat und sich täglich in IHN birgt, der ,, hat" und kann andere Menschen aus ihren Kellern der Verzweiflung und der Todesfurcht herauslocken und in die GOTTESkraft des CHRISTUS hineinbergen. Meine Brüder und Schwestern, steiget herab und berget! Denn ,, das Feld ist weiß zur Ernte!". Buchdruckerei H. Vorsmann, Iserlohn I.S.C. Order Nr. 80 v. 19. 12. 1945 Amen. n L L I 734/ 106 Inches Centimetres Farbkarte# 13 Blue Cyan Green Lackmann 5 6 10 12 13 14 15 16 17 18 19 B.I.G. Yellow Red Magenta White 3/ Color Black P Die machen d Euch hrheit 8