DACHAU Eine Antwort auf Fragen von Jedermann von Pfarrer Richard Schneider NORBERT WOHLGEMUTH VERLAG MANNHEIM Veröffentlicht unter der Zulassungs-Nr. US-W-1013 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung N Alle Rechte vorbehalten Norbert Wohlgemuth Mannheim Die Nürnberger und Dachauer Prozesse lassen uns durch Presse und Radio einen Einblick in das Grauen gewinnen, das sich hinter Stacheldraht- und Kerkermauern abspielte. Doch nicht alle Men- schen wollen von der Wahrheit der Mitteilungen überzeugt sein: Die Einen halten so was unter Menschen des 20. Jahrhunderts für unmöglich, die Andern wollen es nicht glauben,'weil sie sonst von ihrer politischen und weltanschaulichen Richtung abrücken müßten. Zur Bezeugung der Wahrheit, und um auch dem letzten Zweifler die Augen zu öffnen, will ich die Fragen beantworten, die jedermann heute stellt. Ich war volle 52 Monate im Konzentrations- lager Dachau und kann darum mit reichem An- schauungs- und Tatsachenmaterial auftreten. Ist es wahr, was Presse und Radio, Film i und Bild berichten? Wahr ist, daß seit 1933 hauptsächlich die Funk- tionäre der SPD und KPD in die Kzs kamen. Dazu gesellten sich die vielen Intellektuellen, die gegen 3 das Nazitum auftraten. Sie mußten bei harter, schwerer Arbeit, unter vielen Quälereien, wobei besonders die Juden seit 1938 herhalten mußten, die SS-Lager, die eigentlichen Häftlingslager er- stellen, Moore entwässern, Wälder roden, Kanäle bauen, in den Steinbrüchen für die Bauten des Führers schuften. Es ist nicht zu viel gesagt, daB jeder Quadratmeter Boden, jeder Stein mit dem Schweiß und Blut von Häftlingen getränkt ist. Zehntausende haben dabei ihr Leben gelassen. “ Im August 1944 kam nochmals ein großer Schub politischer Häftlinge, die sogenannten Aktions- häftlinge, die in Verbindung mit dem 20. Juli ver- haftet wurden. Die meisten hatten das Glück, nach einigen Wochen entlassen zu werden, wie Bock- Heidelberg, Marzloff-Freiburg, Fischer-Rheinfel- den. Andere, wie Scharnagel-München, Stadt- pfarrer Muhlert-München, Prälat Ulitzka-Ratibor, mußten bis Kriegsende in Dachau bleiben, wenn nicht der Tod ihnen vorher die vorenthaltene Frei- heit gab, wie Heid-Bruchsal, Helmstetter-Edingen, deren Entlassung die Ortsgruppenleiter ablehnten. Dieser Gewaltpolitik politisch Andersdenkenden gegenüber stand auch die christliche Religion im 4 Wege. Darum sollte das Christentum auch ver- nichtet werden. Hunderte von Geistlichen kamen in die Gefängnisse der:Gestapo und in die Kzs. Die Begründung ihrer Verhaftung ist oft so lächer- lich, manchmal so ungeheuerlich, daß einige Bei- spiele genügen, es zu beweisen. Der eigentliche Grund der Inhaftierung war ja, dem christlichen Volke seine Führer zu nehmen. Ich selbst wurde verhaftet, weil ich einem Vater, dessen Sohn zur SS gegangen war, gesagt hatte, ich hätte Sorge, daß sein Sohn dort nicht dem Glauben treu bliebe. Wegen Verächtlichmachung der SS wurde ich deshalb 1940 verhaftet. Ein Staatsanwalt betrach- tet meine Aeußerung nicht für schlimm, schlimmer, daß ich katholischer Geistlicher sei. Stadtpfarrer Dr. Feuerstein von Donaueschingen warnte in seiner Silvesterpredigt 1941 vor der Euthanasie- rung; dafür kam er nach Dachau und starb dort am 2. 8. 42 am Hunger und im Elend. Pfarrer Fränznick von Bollschweil war zu seeleneifrig; darum mußte er in Dachau nach langer Haft am 26.1.44 sterben. Vikar Maurath von Karlsruhe kam ins Kz., weil er religiöse Schriften ins Feld gesandt hatte; Vikar Kilthau, weil er sich mit der Jugend abgibt und sie dadurch sittlich gefährdet. 5 Zu einem Prozeß fand man keine bestechliche Jugendliche wie bei Vikar Anton Spies von Ketsch, der erst 22 Jahre im Zuchthaus schmachtete und in Dachau dann am 19.4. 45 an Flecktyphus starb. Bis zu seinem Lebensende beteuerte er seine Unschuld. Ein bezeichnendes Bild für die durch die Partei aufgezogenen Sittlichkeitsprozesse gegen Klöster und Geistliche! Die himmelschreienden Verbrechen und Skandale der Parteifunktionäre vertuschte man oder urteilte sie hinter verschlossenen Türen der Parteigerichte ab. Der Münsteraner Diakon Karl Leisner wurde im Nov. 39 auf die Anzeige eines lumpigen Deutschen hin, er habe sich geäußert, es sei bedauerlich, daß das Attentat auf Hitler miẞlungen sei, in St. Blasien verhaftet. Den lungenkranken Mann brachte man ohne Urteil nach Oranienburg und dann nach Dachau, wo er bei der feuchten Luft und den Entbehrungen im Lager immer kränker wurde. Den Totgeweihten weihte Bischof Gabriel Picket von Clermont- Ferrand am 17. 12. 44 in der Kapelle auf dem Pfarrerblock 26 zum Priester. Am 26. 12. 44 hielt der Neupriester dort sein erstes hl. Meßopfer. Im April 1945 befreit, starb er am 13. 8. 45 in der Heilstätte Planegg bei München. Pfarrer Joseph Bechtel von 6 Niedermendig bei Maria Laach kam nach Dachau, weil er die deutschen Ehegesetze nicht anerkannte. Er hatte nämlich einem Manne gesagt, es sei nicht erlaubt, eine geschiedene Frau zu heiraten. Er starb an Hunger im Lager. Dasselbe Schicksal hatten seine beiden Freunde Scholz und Zilleken, die verhaftet wurden, weil sie im September 1940 Göring und seinen Stab nicht mit dem deutschen Gruße grüßten. Der evang.- luth. Pfarrer Berend von Baden- Baden kam in Dachau um, weil er Grüß Gott! höher stellte als den deutschen Gruß. Viele Geistliche aus fast allen deutschen Diözesen waren ins Kz. gekommen, wegen Polenseelsorge, Abhaltung eines zweiten Gottesdienstes an verbotenen Feiertagen, Sabotage der deutschen Arbeit nannte es die Gestapo, viele Kapläne wegen ihrer erfolgreichen Jugendarbeit. Gewalttat und Mordlust war seit dem Kriege der Anlaß, die Intelligenz, ja die gesamte Bevölkerung der besetzten Gebiete in die Kzs zu verschleppen. Dort wurden sie als Geißeln festgehalten, sollten zu ,, Kretinern" werden oder umkommen, um deutschen Wehrbauern Land und Boden frei zu machen. Die Kzs waren das Stelldichein geworden aus 7 fast allen Ländern und Völkern Europas, vom ein- fachen Arbeiter bis zum Beamten und Würden- träger in Kirche und Staat. Sie alle waren nach dem Willen der SS ehrlos, wehrlos, rechtlos und heimatlos. Allein aus 144 Diözesen und 22 Na- tionen waren Geistliche da! In Dachau lernte ich Bischof Cosal Michael von Leslau kennen. Der polnische Märtyrerbischof starb im Februar 1943 an Typhus. Aus Frankreich nenne ich Bischof Ga- briel Picket von Clermond-Ferrand, Benediktiner- abt Hondet aus Belloc, Generalvikar Daguzan aus Pau, Generalvikar Goldschmitt aus Metz. Unter vielen Jesuiten befanden sich Pater Lenz und Pies, zwei bekannte Schriftsteller, unter den Benedik- tinern der bekannte Dichterkomponist Schwake aus Kloster Gerlewe. Der orthodoxe Patriarch von Belgrad und der Erzbischof von Ochrida befanden sich mit Pastor Niemöller im sogenannten„‚Ehren- bunker“ in Dachau. Niemöller war ja„Ehrenhäft- ling des Führers.“ Aus den Reihen der vielen Laien erwähne ich die Mediziner Blaha und Ali, den Oberbürgermeister Schmitz von Wien, den früheren Reichstagsabge- ordneten Joseph Joos, den Caritasdirektor Auer, Prinz Leopold von Preußen, Prinz Xaver von Bourbon- Parma, den Bruder der Kaiserin Zita, schließlich noch Frau Granger, die Tochter des Generals Giraud. Sie wurde mit ihren vier Kindern und ihrem Schwager Granger im Flugzeug von Tunis nach Dachau gebracht. Von dort kam sie ins Frauenlager Ravensbrück, wo sie im Elend umkam, während man die vier Kinder in ein HJHeim brachte. Im Lager Buchenwald fiel die Tochter des Königs von Italien, Prinzessin Mafalta, einem Fliegerangriff zum Opfer. Die Grausamkeiten der SS sind keine Lügen und Uebertreibungen. Schon wegen einer Kleinigkeit wurden Häftlinge eine oder mehrere Stunden am ,, Baum" aufgehängt, indem man um die auf dem Rücken liegenden Handgelenke eine Kette legte. Andere kamen auf den ,, Bock", 25 und noch mehr Doppelschläge mit dem Farrenschwanz aufs Gesäß, so daß es ganz zerfleischt wurde. SS- Offiziere, wie Lagerführer Zill und Hoffmann, SS- Scharführer wie Bach, Böttcher, Welter, Kuhn, die ,, blonde Bestie" und der„, gestiefelte Kater" erhöhten noch eigenhändig diese Qualen, wenn sie nicht selbst Häftlinge besonders schikanierten. 9 Geistliche, Juden und Bibelforscher waren beson- ders das Ziel ihrer Quälereien. Der österreichische Kaplan A.R. aus Bad Gastein wurde zum Spaß gegeißelt und mit einer Dornenkrone aus Stachel- draht gekrönt. Ein polnischer Geistlicher wurde am Karfreitag zwischen zwei Juden drei Stunden am„Baum“ aufgehängt. Die Geistlichen M. und P. mußten sich eine Stunde lang gegenseitig ohr- feigen. Dem österreichischen Geistlichen Siegfried Würl trat ein SS auf die im Schnee eingefrorene Nase, so daß er sein Leben lang entstellt ist. Geist- liche wurden über die auf dem Boden liegenden Juden gejagt. Den Rektor der Universität Nym- wegen, Pater Regout, legte man mit einer Kette um den Hals in eine Hundehütte. Ging ein SS vor- bei, mußte er bellen. Andere Häftlinge mußten Hunde unter dem Schwanze lecken. Auch Häftlinge haben sich mit Wissen und Willen der SS an ihren eigenen Leidensgenossen Ver- gangen. Es waren zumeist Grünwinklige, d. h. solche Häftlinge, die als Kriminelle in Sicherheits- verwahrung verbracht waren. Gerne übertrug man solch verbrecherischen Elementen Posten auf den Blocks oder als Capo in Betrieben. Capo Knoll. war ein hundertfacher Judenmörder, der für seine Mordtaten noch extra belohnt wurde. Die Capos Rasch, Schnell, Schmidt, Kohler, die Lagerältesten Martin und Messarion, ein Georgier, vor allem den Reviercapo Sepp Heiden und seinen Freund Kohler kann man nicht so leicht vergessen. Heiden nahm Operationen vor, obwohl er nur ein Schreinergeselle war, tötete mit Kohler Häftlinge durch Gift oder Einspritzen von Benzin oder Luft in die Venen. Gefürchtet war das ,, Himmelfahrtskommando", d. h. die Tötung von ,, lebensunwichtigen" Menschen, wie Kranke, Schwache und Arbeitsunfähige, Juden usw. Ich selbst entging nur durch ein gutes Wort eines Häftlings am 24. 6. 42 diesem Geschick. Sonst wäre ich wie viele Leidensgenossen auf dem Transport in Autos mit den Auspuffgasen getötet und in Linz verbrannt worden, oder in Viehwagen verhungert oder erfroren in Auschwitz, Lublin angekommen, oder in diesen Vernichtungslagern durch die Gaskammern geschickt worden. Aus den Leichen gewann man Oel und Fett zu technischen Zwecken und vermahlte die ausgebrannten Gebeine zu Kunstdünger. Den Hin11 terbliebenen der Gemordeten teilte man in geheuchelter Teilnahme mit, daß ihr Angehöriges trotz aller ärztlichen und medikamentösen Behandlung im Krankenbau irgendeiner Krankheit erlegen sei, und schickte zumeist eine Aschenurne zu, die nur nicht die ärmlichen Reste des Toten enthielt. Ich sah mit eigenen Augen das Elend in der Malariaabteilung des Prof. Claus Schilling, sprach mit Häftlingen, die in Eis eingefroren waren, durch Einspritzen von Eiter ein Bein verloren hatten, sah die zwei Russen, die allein noch lebend aus der Luftdruckkammer des SS- Arztes Rascher auf Block 5 herauskamen. Frauen aus dem Lager Ravensbrück fanden in Dachau Verwendung bei den medizinischen Versuchen des Dr. Rascher, wenn eingefrorene Häftlinge durch ,, animalische Wärme", d. h. durch die Körperwärme dieser Frauen aufgetaut wurden. Sie, wie die Versuchsobjekte, wurden dann beseitigt. In Frauenkzs wurden Versuche mit künstlicher Befruchtung gemacht, die dazu dienen sollten, wie nach dem Endsieg Frauen und Mädchen gegen ihren Willen ,, gedeckt" werden können. Eine junge Bühler Schwester hat im Lager Ra12 vensbrück bei ihrer Arbeit auf dem Revier 500 Kinder heimlich getauft, deren polnische und rus-* sische Mütter auf diese Weise vergewaltigt wurden. Mutter und Kind wurden später umgebracht. Hunderte verhungerten täglich infolge der mangelhaften Lagerkost. Die Leichen lagen oft tagelang in den Blockgassen herum, bevor man die Goldkronen aus dem Munde herausbrach, ehrfurchtslos auf Wagen warf und ebenso ehrfurchtslos beim Krematorium ablud oder in Gruben verscharrte. Viele Häftlinge kamen schon auf dem Transport in die Kzs um. So traf am 19. 11. 42 aus dem Lager Stuthof- Danzig ein Transport ein, bei dem die meisten Häftlinge an Hunger zugrunde gegangen waren und die Ueberlebenden Fleischteile der Toten aufgegessen hatten. Auf einem im Juli 1944 eingetroffenen Transport aus dem Lager StruthofSchirmeck waren die meisten erstickt. Weder Wort und Bild können alles wiedergeben, was an körperlichen und seelischen Leiden die lebenden und toten Häftlinge in den Kzs haben mitmachen müssen. Wenn es auch Zeiten gab, wo das Leben erträglicher war, so verschwand doch nie die Angst, daß einige oder alle eines 13 Tages ,, umgelegt" würden. So wollte man noch im März 1945 alle Dachauer Lagerinsassen erschieBen lassen, dann durch deutsche Flieger vernichten. Schließlich wollte man das ganze Lager mit seinen Bewohnern den Flammen übergeben. 10000 Häftlinge schleppte man noch in den letzten Tagen der Naziherrschaft in die Berge. Viele Menschen kamen dabei um oder wurden einfach am Straßenrand durch Genickschuß abgetan. Nur dem raschen Zugriff der Amerikaner verdanken die Zehntausende ihr Leben. Unter unbeschreiblichem Jubel dankten die Unglücklichen den Befreiern dafür am Tag der Befreiung, am 29. April 1945. Dank verdienen auch die vielen Unbekannten, die seit Herbst 1942 Lebensmittelpakete sandten und halfen, viele Leben zu erhalten und zu retten. Was da die Bewohner von Dachau und Umgebung in den letzten Monaten unter der mutigen Leitung von Stadtpfarrer, geistl. Rat Pflanzelt geleistet haben, ist gar nicht zu schildern. Nicht alle SS, sowohl unter den Offizieren wie Mannschaften, haben sich an den geschilderten Grausamkeiten beteiligt. Wie viele haben sich mit Abscheu von dieser Gesellschaft weg zu machen 14 versucht. Andere haben verhindert oder zu mildern versucht, was erbarmungslose Vorgesetzte angeordnet haben. Die aus der HJ hervorgegangenen SS- Männer waren zumeist Quälgeister der Häftlinge, während die seit 1942 als Wachmannschaften in die Kzs kommandierten alten Männer und Wehrmachtsangehörige die stillen Helfer und Freunde, ja wohlwollenden Kameraden waren. Am Grauen der Kzs haben sie keine Mitschuld. 15 Warum wußte die Oeffentlichkeit nichts von diesem Grauen? Alles spielte sich hinter hohen Mauern und elektrischem Stacheldraht ab. Türme mit Maschinengewehren hielten Zivilisten fern. Zutritt für Außenstehende war nur mit Genehmigung von Himmler möglich und da auch nur an ganz bestimmte Orte unter Begleitung von SS. Besichtigten Pressevertreter oder Militärs das Lager, dann führte man sie nur an Orte, wo kein schlechter Eindruck zu gewinnen war. Durch besondere Aufmachungen täuschte man Schönes und Gutes im Lager vor. Dazu durfte man auch die Lagerkapelle rechnen, die seit 1941 auf dem Pfarrerblock 26 bestand. In sie durften nur Geistliche, denen jede seelsorgerische Betätigung strenge untersagt war. Erst im letzten Jahre lockerten sich diese Maßnahmen, so daß die Wohltaten der Religion auch allen Häftlingen zuteil werden konnte. Kinder führte man an Tagen von Besichtigungen in den Wald. Jeder SS war verpflichtet, über die ihm bekannten Vorgänge 16 in den Lagern zu schweigen. Sonst drohte ihm die Straf- SS, was so viel war wie Selbstmord oder Tod unter noch größeren Quälereien als im Häftlingslager. Häftlinge, die entlassen wurden, mußten sich schriftlich verpflichten, über die Erlebnisse im Lager zu schweigen. Selbst den nächsten Angehörigen verriet kaum einer etwas aus Furcht vor dem Bekanntwerden, was er mitgemacht hat. Ueberall lauerten ja Spitzel. Kam er wieder ins Kz., so endete er gewöhnlich bald unter den Fußtritten der SS. und wer etwas erzählte aus den Kzs, der mußte mit dem Tode rechnen. So schwieg sich alles aus und harrte der Zeit, wo die Wahrheit ans Licht kommen konnte und die Oeffentlichkeit von dem Grauen der Lager erführe, diesen Mühlen des Todes und der Vernichtung von Millionen Menschen. Das Ausland war über die Vorgänge in den Lagern besser unterrichtet als das deutsche Volk. Denn in Geheimorganisationen wurde viel belastendes Material aus dem Lager geschafft und zum Teil ins Ausland, selbst während des Krieges, so daß das Radio da stets Einzelbilder aus den Kzs bringen konnte. Auch wenn kein Lagerhäftling am Leben geblieben wäre infolge Hunger und Seuchen, Ein17 zel- und Massenmord, Tatsachenmaterial war genug in Sicherheit gebracht, das ein stummer, und doch so schwerer Zeuge war gegen die Kzs und ihren Zweck. Wie ist so etwas unter Menschen des 20. Jahrhunderts möglich? Die Antwort kann nur der geben, der mit zwei Faktoren rechnet, die der Mensch der Neuzeit nicht mehr beachten will: mit Gott und mit dem Teufel. Man spricht zwar noch von Gott, fragt aber nicht nach seinen Geboten und Verboten. Den Teufel läßt man noch in der Geschichte des Mittelalters und des Hexenwahns gelten. Sonst sieht man ihn gern im Kasperletheater. Aber Gott und Teufel sind zwei mächtige Faktoren im Menschheitserleben. Die NS- Weltanschauung lehnt den Glauben an einen persönlichen Gott ab. ,, Gottgläubig" ist nur ein äußeres Firmenschild, mit dem das Neuheidentum die gedankenlose Masse betört. Sie lehnt ab den menschgewordenen Gottessohn als Heiland und Erlöser der Welt. Sie lehnt ab das Christentum und Christi Stiftung, die Kirche. Darum be18 kämpft diese Weltanschauung die christliche, ja sie will das Christentum austilgen. Der Name Jesu soll den Kindern nicht mehr bekannt sein, sein Kreuz soll verschwinden, erst im deutschen Volke und- nach dem Endsieg auf der ganzen Welt. - An Stelle Gottes tritt der vergottete Staat, allein souverain und omnipotent nach Hegelscher Philosophie, oder die zur Gottheit erhobene nordische Rasse als der von Nietzsche gepriesene Uebermensch. Sichtbar wird dieser Uebermensch in der Person des Führers, dem man göttliche Ehre erwies. Er ließ sich göttliche Attribute beilegen und Heiland nennen. Das Volk, nach ,, Mein Kampf" dumm und blöde, rief ihm gedankenlos ,, Heil" zu. Weil der Mensch ja nur in seinen Nachkommen weiterlebt, bleibt fürs Jenseits, für Gericht, Himmel und Hölle kein Platz mehr. So war die materialistische Weltanschauung eines Häckel, verbrähmt mit dem Mäntelchen von Blut und Boden, in einer neuen Form erstanden. Der Mensch, nach Häckel das höchstentwickelte Tier, nimmt mit Nietzsche den Kampf gegen Gott und die Religion auf, verwirft mit ihm die christliche Moral der Liebe und des Mitleids als ,, Sklaven19 moral" und predigt die ,, Herrenmoral": Gut ist, was dem Willen zur Macht entspricht. Wir dürfen in der NS- Weltanschauung eines Häckel die reifste Frucht jener Lehrer und ihrer Lehren erkennen, die seit Generationen im deutschen Volke am Werke waren, ihm den Glauben an Gott zu nehmen. Der Apostel Paulus schreibt im Römerbrief 1, 28ff.: Weil sie die Gotteserkenntnis verworfen hatten, überließ sie Gott ihrer verworrenen Gesinnung, so daß sie taten, was unrecht ist. Sie wurden voll jeglicher Ungerechtigkeit, Bosheit, Unzucht, Habsucht, Schlechtigkeit, voll Neid, Mord, Hader, Arglist, Tücke. Sie sind Ohrenbläser, Verleumder, Gott verhaßt, Spötter, Stolze, Prahler, widerspenstig gegen die Eltern, unvernünftig, ungeordnet, ohne Liebe, ohne Treue, ohne Erbarmen. Obgleich sie die Gerechtigkeit Gottes erkannt hatten, sahen sie doch nicht ein, daß diejenigen, die solches tun, den Tod verdienen, und nicht bloß diejenigen, die solches tun, sondern auch die, die denen Beifall geben, die es tun. Besser könnte man nie das Gesamturteil dieser gottlosen Weltanschauung zusammenfassen. Und 20 wer ihre Schandtaten unter gewissen Gesichtspunkten erfassen will, kann diesen ,, Sündenkatalog" zum Inhaltsverzeichnis machen. So weit kommt der Mensch ohne Gott. Er wird zum Feind der Menschheit. Er wird zu einem leibhaftigen Teufel, mendacium incarnatum, menschgewordener Lüge. Die Gottlosenverbände trugen lange vor sich eine schwarze Fahne her mit dem Bilde des Teufels.. Die schwarze Fahne blieb. An Stelle des Bildes trat die SS- Ruhne. Schutzstaffel nannte man diese NS- Formation. Jawohl, Schutzstaffeln des Satans sind diese Gefolgsmänner hinter der SS- Fahne. Es ist die Societas Satanae, die Gesellschaft Satans. Ihre Mitglieder Satans Söhne, wie die SA Satans Anhänger. Und NSDAP heißt: Nur Satan darf allein predigen. Ein Sieg dieser Weltanschauung hätte den Sieg der Hölle bedeutet. Gott aber hat den Nationalsozialismus gerichtet. Seine Niederlage war ein Gottesgericht. Was sollen wir nun tun? Wenn die Weltöffentlichkeit das deutsche Volk anklagt, an den Greueln der vergangenen Zeit 21 mitschuld zu sein, so besagt das durchaus nicht, daß ihm damit eine direkte Schuld zugeschrieben wird. Man kann es einer Kollektivschuld beschuldigen und jedermann einer persönlichen Mitschuld, weil man unbedenklich die Lehrer der Gottlosigkeit auf den Lehrstühlen geduldet hat, ihre Lehren nicht miẞbilligt und verworfen, ja sogar in seiner mehr oder weniger materialistischen Einstellung gebilligt und gepriesen hat. Dazu hat der militaristische Drill im preußischen Geiste Viele zu willfährigen, doch gedankenlosen Werkzeugen des Staates gemacht, so daß sie nur ,, pflichtgemäß" handelten, ohne dabei ihr Gewissen zu befragen. Und darum ist das bereits zitierte Pauliwort am Platze, daß nicht nur die Uebeltäter Strafe verdienen, sondern auch die ihnen Beifall geben. Immer wieder kommt mir die Stelle aus 3 Könige 9, 6ff. in den Sinn: Wenn ihr euch aber von mir abwendet, meine Gebote und Satzungen nicht haltet, sondern andern Göttern dient, so will ich Israel ausrotten und zum Sprichwort und Gespött bei allen Völkern machen. Und fragt man, warum hat der Herr diesem Lande Solches angetan, dann wird man antworten: Sie haben den Herrn, ihren Gott, 22 22 verlassen, sich fremden Göttern zugewandt und ihm gedient. Darum hat der Herr dies Unglück über sie gebracht. Trotz der Niederlage sind wir frei geworden von einer unheimlichen Macht, die ein Feind war der persönlichen Freiheit, des Eigentums, der natürlichen Ehe, der Familie und Familienerziehung, ein Feind Christi, seines Kreuzes und des Christentums. Ganz frei werden wir aber erst sein, wenn wir wieder ganze Christen geworden, nicht nur auf dem Papier und in den Registern der Karteien, sondern Christen in Wort und Tat. Das Gift der NS- Weltanschauung steckt auch in den Seelen solcher, die sich nicht zu ihr bekennen. Denn dieses teuflische Gift kann auch unter anderer politischen und nationalen oder internationalen Gewandung die Seelen infizieren. Denn jeder, der nicht an Gott glaubt, nach seinen Satzungen wenig oder nichts fragt, seine Wahrheit und Gnade verwirft, hat alles in sich, um unter gegebenen Umständen dasselbe Scheusal zu werden, wie wir Menschen der Vergangenheit kennen lernten. 23 23 Darum ist Christi Lehre nicht nur Sache des Einzelmenschen, sondern Sache der gesamten Menschheit. Christus nennt sich Weg, Wahrheit und Leben. Er ist Lehre und Beispiel, Weg und Ziel für alle. Seine Lehre, sein Kreuz gehört in jede Schule, in jede Familie, ins private und öffentliche Leben. Sein Gesetz ist maßgebend für den Führer in der Gemeinde wie im Staat, für die Gesetzgeber wie für die Richter. Nicht Haß und Rache, das Recht des Starken darf die Menschen regieren, sondern das göttliche Gebot der Liebe und Gerechtigkeit, des Verzeihens und Erbarmens. Nur im christlichen Geiste der Gerechtigkeit und Liebe können die wirtschaftlichen und sozialen Fragen unserer Zeit gelöst werden. Rechtschaffenheit bewirkt nur die Religion. Wer darum das Religiöse in der Erziehung, Leitung und Führung der Menschen ausschaltet, wer Religion als Privatsache oder Opium für das Volk bezeichnet und sie auf die kirchlichen Räume beschränkt wissen will, der ist Helfer eben derselben satanischen Macht, die im untergegangenen System gerichtet wurde. Er schafft nicht am Aufbau der Menschheit, sondern an ihrem Untergang! Nicht 24 24 für Friede und Freiheit schafft er, sondern schürt in sich und den andern jene dunklen Leidenschaften, die in der Vergangenheit so furchtbar, geherrscht und gewütet haben. Den Einzelmenschen macht er zum Sklaven seiner niederen Gelüste, die Masse zum Schrecken und der Gefahr anderer Völker und Volksgruppen um deren Freiheit und Leben. Führer ohne christliche Religion sind Irrlichter, die ins Verderben führen wie die falschen Heilande der Vergangenheit. Christi Lehre und Gnade vermag aus den Menschen Edelmenschen zu machen, nicht Uebermenschen, selbstlos, hilfreich und gut. Solche Menschen braucht die heutige Zeit in ihrer furchtbaren Not, in Gemeinde und Staat, an der Spitze der Völker wie an den Konferenztischen, wo über die Befriedigung der Welt verhandelt wird. Die Nürnberger und Dachauer Prozesse sind keine Schauprozesse, keine bloße Propaganda gegen das deutsche Volk. Sie decken Furchtbares, leider allzu Wahres und Beschämendes für unser Volk auf. Es wird die dunkelste Geschichte des deutschen Volkes sein. Die Eröffnungen sind aber noch mehr! Es ist eine Warnung an die ganze Menschheit, die 25 25 daraus sehen kann, wohin der Weg geht ohne Gott. Es ist ein letzter Ruf Gottes an die ganze Menschheit, sich zu ihm und seinen Satzungen zurückzufinden, wenn sie sich nicht in den völligen Untergang stürzen will. Leben und Tod, Glück und Unglück, legt er der Menschheit wieder vor wie zur Zeit, als Moses starb. Leben und Tod, Segen und Fluch, legt er in der Menschheit Hand. Sie wähle denn das Leben, damit sie am Leben bleibt. Und entscheidet sie sich für Gott, ganz, restlos und radikal, dann folgt sie nicht mehr der Fahne Satans, sondern der Fahne Christi, keinem falschen Stern, sondern dem Stern, der auf Bethlehems Fluren aufleuchtete, als Engel verkündeten, daß der Heiland der Welt geboren sei, der als Friedenskönig allen Menschen den Frieden bringt, wenn sie guten Willens sind. 26