AUGUST BLUME. DER GEIST DER MITTE Das andere Deutschland- die Umschulung" der Deutschen BEHRENDT VERLAG STUTTGART I U UST B 1 We: DERGEIST DER MITTE Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. RÖMER 8, 19 AUGUST BLUME DER GEIST DER MITTE Das andere Deutschland- die ,, Umschulung" der Deutschen BEHREN DT VERLAG STUTTGART Veröffentlicht unter Lizenz US-W-1102 der Publications Control.— 1. Tausend.— Verlagswerk 20 August Blume, geb. 28. 11. 1881 zu Arholzen(Braunschweig) Alle Rechte bei Behrendt-Verlag, Karl M. Fraass, Stuttgart— August 1947 Druck von J. F. Steinkopf, Stuttgart 6 gswerk 20 VORBEMERKUNG - ,, Das Absolute ist nicht die Angelegenheit aller, sondern die eines jeden. Und alle haben ihre Beziehungen zueinander in einer Weise zu ordnen, die jedem die innere Muße gibt, sich selbst die Frage nach dem Absoluten zu stellen." Ich gebe mir die Ehre, das erste Wort in dieser Schrift damit abgetreten zu haben einem andern, ja anderen. Es steht im Märzheft 1947 der ,, Amerikanischen Rundschau" ,,, herausgegeben im Auitrag des amerikanischen Informationsdienstes", und gehört, geschrieben, ALBERT CAMUS, einem Vertreter französischen Geistes der Gegenwart.( Von einem andern Verdienste schon dieses einzigen Heftes des ,, Informationsdienstes" uns bedienend mit der Dienstleistung von Wahrheit und Wahrhaftigkeit wird in diesen Blättern noch zu lesen sein.) Ich kann nur hoffen und wünschen, daß diese Schrift, deren Aufgabe und Inhalt in solcher Ansprache an das Absolute, in solchen Worten, klar wie durchsichtiger Kristall, aber auch von seiner geschliffenen Härte, sich spiegelt, wie in einem Brennspiegel zusammengefaßtes Licht zur Erscheinung gebracht von solcher Nachbarschaft und Umwelt als solcher Ansprache, aufgenommen und anerkannt werden möge, daß sie weiter als eine Äußerung des wahren Deutschen Geistes sich bewähre in der Bewahrung und Bewahrheitung durch Deutsche von heute. Dann, aber auch nur dann wird die Umwelt sie vollgültig annehmen. Wir haben leider Anlaß gegeben, ein anderes Wort unseres Gewährsmannes der Franzosen in unsere ,, moralische Phantasie"( R. Steiner) aufzunehmen: ,, Nicht der Mörder macht Denkfehler, die Denkfehler machen den Mörder." Wahr, wie wahr! Das ist der Ruf, nein, der Schrei dieser Schrift zur Erweckung fauler Sinnlichkeit in Deutschland zur Absolutheit des Geistes. ,, Es ist an der Zeit", daß der ,, verlorene Sohn" einen herzhaft- mutigen Entschluß fasse zur Umkehr, zum Wege der Vater- Sohnschaft des Menschensohnes. Stuttgart, Pfingsten 1947 Der Verfasser Wir sehen eine Trümmerwelt: eine Trümmerwelt des Morali- schen der führenden Wissenschaft, der Führung eines Politischen, unseres Lebens, eines Moralischen, wie ein Geistiges es in sich hat, haben muß; wenn Menschen leben wollen unter Außerachtlassung moralischer Prinzipien wird keine Macht sie schützen, sich das Ver- derben zuzuziehen: der Geist erteilt diese Lehre, naturnotwendig. Das ist die Lehre, die Menschen sich zugezogen, der Welt erteilt haben, einer Welt in Grauen und Entsetzen, aus den Fugen gegangen, nach- zitternd in Furcht, entgegenbangend neuen Ausbrüchen. Denen wieder nicht, noch weniger gewachsen zu sein, sie, geistentblößt, geist- entfremdet, begründete Ursache hat anzunehmen, sich einzugestehen: der Geist steht in Erwartung, hinter ihr. Wir stehen in einer Trümmerwelt: wie ein Hagelwetter das reifende Korn niederschlägt, hat der vordem nicht genug zu preisende„Sieges- zug der Technik“ sie hinter sich gelassen, verstört, niedergeschmettert. Jenem, drohend am Himmel heraufziehend, sieht man es an, was esin sich hat, diesem, oh, wie mühte man sich allerwärts, ihm rechten Schwung zu geben: alles brauchte er für sich, brauchte er auf, das | Höchste und Beste selbst: Menschen, den Geist. Nicht so in die Augen fallend, sichtbar ist der Triumph von Natur- wissenschaft und Technik über das gedankliche Leben, das Leben und Weben des Geistes um seiner selbst willen, im Menschen— vordem unter Deutschen wenigstens— ein Leben im Selbstverständlichen, als dem Höchsten, Moralischen. Ihm allein, wie es wirklich ist, die Kraft der Wandlung und Wendung ist ihm zuzuschreiben, innewohnend, wohlan, im Ernste nun, was damit gefordert ist: auch die Kraft der Scheidung in Schein und andererseits Wesen, Wirklichkeit, in Geist und Ungeist: das ist eine Forderung des Geistes der Welt. Ein schauerliches MENETEKEL ist gemalt auf vorbezeichnetem Grunde: wer kann es deuten? Von unsichtbaren Geisterhänden ge- zogen, zum Erschrecken Zeichen, Laute, warum nur den Außenseitern, von den Machthabern für unmündig Gehaltenen, ist sie anvertraut zu lesen? Die selbstversetzte Blindheit und Betäubung, vorher Rausch 6 und trunkener Übermut, jetzt Dumpfheit, in den Augen, in dem Sinn der Schlaf vernunftloser Kreatur, sich‘ Traumbilder vergangener, Wunschbilder zukünftiger Zeiten zuwünschend, andere und anderes verwünschend: die notgedrungene Lebensangst, die hinterbliebene Lebensnot, wer nimmt sie ernstlich auf sich? Lebensmut, strotzende Kraft, Vertrauen, Hoffnung, alles wirkte der Werkmeister Mensch in das Werk: nun verwirkt. Denn nun zeigt sich, die Rechnung war ver- kehrt schon angelegt, nun nichts übrig ist. Da die Anlage alles ver- schlang, nun alles verschlungen ist: Der Mensch, in der Rechnung aufgegangen, im Rechenfehler ist er mit verschwunden: sein Werk, Er, unfrejwilliger Ironiker, der, o Ironie, doch leben muß, der Wille triebhaft in ihm ist, und unberechenbar wie unbestechlich. Dahin, das Eine, oh,„unser alles“, dahier, das Andere:„nein, nichts für uns”. Und beides wider Willen. Man„versteht die Welt nicht mehr‘, nun, da„alles vorbei ist‘. Da, seht das Zeichen, da ist es wieder! Und, furchtbarstes Deutsch, deutlich in deutscher Sprache und Schrift, den Deutschen zugeschrieben:„Gewogen und zu leicht befunden.— Ein technisches Problem also, dieser Spruch der Verdammung, eines Ungenannten dazu! Das zu lösen sollte dem selber fast Maß und Ge- wicht gewordenen Menschen dieser Zeit nicht möglich sein? Fein- fühlig immer noch auf seine Berufs-Ehre? Naturkräfte hat er bezwun- gen wie keiner vor ihm, seine Natur, was ist mit ihr, wo blieb sie auf der Strecke? Freilich ist es Zeit, sich Gedanken zu machen, ist uns ja fast nichts geblieben sonst. Und dazu, sicher: wer es jetzt versäumt, bleibt in dem Chaos der Masse, aus dem nichts zu holen ist. Seiner Natur gemäße Gedanken, wo ist ihrer habhaft zu werden und wie? Der in der Technik groß gewordene Gedanke hat sich gegen ihn selbst gewandt, ihn auf die Waage gebracht, den Menschen, der sie groß gemacht: Gerichtstag ist.„Techniker“ sind ihm übermächtig gewor- den: gibt es denn Techniker im Geiste? Dem Techniker der Natur Überlegene? Sie, die statt des Selbstes, das denkt, vermöchten, in dem Gedanken Selbst zu sein— und darin Geist zu sein? Wägen wir, aber, wie wir gelernt haben—„Natur“ zwang uns dazu — gerecht, wie an Maß, Zahl, Gewicht wir gelernt haben, aber bei- leibe nicht mehr nach Maß, Zahl und Gewicht! Darin scheint die Lebensentscheidung unseres Selbstes zu sein. Der Mensch, der ge- rechte Wäger seiner selbst, er muß sich sagen: Dieser Mensch, Natur- kräften hingegeben, ist ihm mit dort hinüber. Denn die Schale seines Selbst ist leer, in schwindelnder Höhe, ihm fast unerreichbar, ent- 7 schwunden, da die andere Seite übermäßig drückt. Wo sind sie, um entgegenzuwirken, seiner Natur gemäße Gedanken? Sichtbar geht das MENETEKEL gerade auf sie. Darauf ist zu antworten, im vollen Ernst der Stunde, den die Not aufzwingt, die uns verdammen will, verdammen wird, den Schläfer. Das kann, wer will, und dafür sind wir Deutsche! Denn das lehrt uns unsere Geschichte. Die einzige, die das lehrt. Und darin sind wir groß, in diesem Wollen! Das Einzige, was diese unsere Geschichte wirklich lehrt. Und deshalb sind wir Gefallene, in Verdammnis, weil wir diese ,, Geschichte" verlernten: die Wirklichkeit des Gedankens willentlich und wirklich, den Geist, zu wollen. Unser Wille, diese Zeit der Not und des Zwanges hat ihm das Objekt genommen, ihn zum mindesten beschränkt in unmäßiger Art. Nun geben wir ihm ein Objekt, das seiner würdig: Sich Selbst! Heute ist es Zeit, und wir brauchen nur eine gewisse Spiegelung, um das zu wissen, umzulernen. Es soll Menschen geben, die gewohnheitsmäßig, mit geradezu technischer Routine vor jedem Spiegel, der ihnen ihr Bild zurückwirft mit dem, was um sie ist, die Augen zukneifen und sich dadurch Annehmlichkeiten ermöglichen, für die andere zu leiden haben. Wir, hier, brauchen, um zu lernen, das Zeitgemäße: jetzt der Zeit- Geist zu sein, dem wir alles unterstellen. Die denkende Betrachtung, mit diesem unserm Willen, verheißt uns im Subjekt und Prädikat gültige Sätze; Sätze, die sprechender Ausdruck des Wesens und des Wesentlichen sein müssen, da er, unser Wille, nicht ruhen wird, als nur dann, Grund gefaßt zu haben, auf dem Grunde zu sein. So lernen wir gründlich und einmal anders, als nur im Umtrieb immer nur zu sein. Wir fassen uns in dem Triebe, der halten will im Flusse des Gedankens das die Zeit rechtmäßig und unrechtmäßig, die wir scheiden, Bewegende. - Wenn über dem Grabe dessen, was uns lieb und teuer war, an dem wir hingen, weil wir es als gut, schön und auch wahr erkannten, dasselbe, das nun unsere ,, Wirklichkeit" ist, in der wir leben müssen, in der unser Leben ist, das selbst, statt Befriedigung zu sein, eine Kette ständiger Bedrohung ist, an die wir unentrinnbar angeschmiedet sind, eine Bedrohung selbst der physischen Existenz, die wir selbst den Tieren zu gönnen pflegen gemäß dem Schriftwort: ,, Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes", wenn über diesem ein satanisches Wesen sichtbar würde, riesenhaft, unermeßlich, den ganzen Himmelsraum einnehmend, um triumphierend mit gräßlicher Stimme, die allein 8 sch min min VO rat Vo sel me be Ma de de Ve We nu tra da be W da di E g V Z S a S g A S 0 C S il L r 1 T 1 e t e - schon das Blut gerinnen machen könnte, auszurufen: ,, Hier, her zu mir, alles ist mit den Menschen mein geworden! Ha, ha, ihr da unter mir: ich bin es, euer Himmels- Vater nun. Ihr habt, was ihr wolltet- vorbei das, was ihr solltet! Wißt, ich habe euch nur den Anfang verraten, ha, ha, mir das Ende vorbehalten und das seht ihr nun; solche Vorbehalte, das bin ich. Vorbei? was ist das schon, vorbei? Das Nachsehen ist vorbei, die Erfahrung, seht was ist, seht mich! Nicht ist mehr außen nur, alles ist in mir verschlungen, eure Sonne, euer Zauber der Gestirne, alles habe, alles bin ich, der Allmächtige, die AllMacht, nichts mehr ist über mir, und ihr seid mein" wenn dies in den Worten als das Wirkende ist, nachzuweisen, aufzuzeigen, mit denen ein Kant anfängt zu philosophieren und die zugleich als sein Vermächtnis an die Menschen maßgebend in ihrem Wirken sind, wenn das das Wesentliche der hypothetischen Erscheinung ist, die ja nur gebildet ist aus dem, was lebt, unser ,, Lebensraum", nein, der Alptraum unseres Lebens ist, in Worten, mit Worten vorgebildet hat, dann, könnte das nicht Grund sein, sie zum Gegenstand geistiger Arbeit zu machen? Allen zum Trotz, auch wenn es nur fast auch nur Worte sind, die damit verbunden sind: geistige Arbeit ist zwar nicht das Leben nämlich nicht das der bloßen Naivität aber sie schafft die Grundlagen des Lebens. - - Das Alter, der verfallende Leib, sie sind nicht mehr lebenswert, die Erde, auf der wir leben müssen, sie wird uns am Ende nicht mehr geben, wird uns verweigern zu leben, trotz aller Künste, die wir aufwenden, weil nicht gewußt wird, woher ihr Leben ist, ein ständiges wir eilen ihm Empfangen, Verfall wird sein und nur noch Verfall zu, wenn nicht aus dem Verfall unserer Leiblichkeit die Seele aufsprieẞt, hier Unsterblichkeit unser Teil ist, nicht in ihr der Geist lebendig wird, der allein am Leben erhält, der Allerhalter ist, wenn nicht, statt Satanischem den Weg zu bereiten, Christuswirken Raum gegeben, der Offenbarung Seiner Macht und Herrlichkeit im Leben und Atmen nachgelebt, es erkennbar wird durch uns. Die Menschen lernen, wollen lernen, aber die Künste des Satanischen! Es ist keine Prüfung darauf abgestellt, auf dies Wesentliche; ob satanisches oder Christus- Wirken ist, Tod in dem oder Leben. Offenbar fehlt es für dieses an allem, an Schule und Schulung, an Schülern und Lehrerschaft. Es scheint, daß doch bequemer ist ohne ihn, dem Tode zu. Nun sind wir verfallen, Todeswüten war unser Leben, und wer weiß das Bessere? nun ist bequem, oder nicht? Wie 9 contra un ist alles in der Bequemlichkeit, ha, ha ich höre das meckernde Hohngelächter Ahrimans.- Es ist Erkenntnis des Menschen Pflicht und Aufgabe. Aber es kann nicht Wahrheit sein, was uns nicht leben läßt, ferner leben lassen will, indem es die Hölle zubereitet weiterhin: An dieser, der Höllenfrucht heutigen Lebens, das ein Sterben ist, die uns die elementaren, von Natur gegebenen Lebensgrundlagen nimmt, in dem Diktum von Hunger und Kälte, von Menschen über Menschen verhängt, ist zu erkennen, aus ihm spricht, das haben wir von Hitler gelernt scheinbar hat es die Welt, die es wußte, verlernt, will es nicht mehr wahr haben, wo es gegen uns gerichtet ist in ihm spricht die Stimme der Bosheit Satans, auch in der Maske christlicher Versicherungen. - - - Ja, seien wir Erkennende, Wissende, aber ohne diese Bruderschaft! Und so gibt es für uns dieses: Entweder wir sind in ihrer Hand, sonderbarer Wissenschaft, oder sie ist in unserer Hand, unser Erkennen kommt über sie. Und wir erkennen sie, die sich die Wissenschaft anmaẞt zu sein, als Teil- Stück eines, unseres Weges, des Weges, den als ganzen sie sich anmaßt; sie, die ihr Selbst verloren hat die Dämonie der Kräfte in ihrer Hand beweist dies unwiderleglich erkennen wir sie als den Teil unseres Selbstes, mit dem wir, Mittel wird es, ist es, überwindend niederzuringen haben, zu unserer Kraft zu kommen, die wir wollen, uns zu vereinen mit dem Höchsten, dem Geist des göttlichen Schöpfers. " - Und als Beweis der Wahrheit in allem Ringen und Vollbringen gilt uns dies: Ist in ihm, was im Höllenfürsten nicht ist, was wir im Göttlichen erkennend anerkennen: Moralität? Wie ein Geistiges nun es in sich haben muß", nicht Trug und Blendwerk, um wahr zu sein. Wissenschaft, des Geistes angemaßte Stellvertretung, da sie nicht , um Christi willen" wollte, um Satans willen ist sie da. bau Wasche nur die ,, saubern" Hände: sieh, da fließt es schmutzig schon! Tun der Reinlichkeit ist Schicksalswende! Damit, wirklich, ist getan. Wer sich die Mühe nimmt, die traditionelle Abneigung gegen Gedankengänge jeder Philosophie einmal beiseite lassend, mit den folgenden Auseinandersetzungen auf Grundlage weniger Kant'scher Sätze mitzugehen, sie gleichsam als im Selbstgespräch mit Kant be10 g n g 9 griffen ins eigene Blickfeld zu stellen, der schaut in Niederungen, macht durchsichtig das Wirken der zerstörerischen Kräfte, die man gemeinhin als dämonische zu bezeichnen pflegt. Ohne sich bewußt gemacht zu haben die angesprochene Erhebung ins Geistige damit besonderer Art allerdings. Denn wir hatten den Geist in seinem ,, Anderssein" kennenzulernen, wie Hegel sagt, ein echter Denker, leider der Vergangenheit. Es ist das eine Kraftanstrengung besonderer Art: gesammelte Kraft des innersten Vermögens muß eingesetzt werden, bei der Sammlung das zunächst Geforderte ist: unsere urteilende Stellungnahme das Nächststehende, zu einem ichhaft gebildeten Mittelpunktswesen. Eine Ichheit, seiner Selbst hier, jetzt bewußt, tritt gegenüber, nimmt Äußerungen eines ,, Du"( Kants in diesem Falle) wie wahrgenommene äußere Tatsachen, die fordern und verlangen( und fordert nicht unsere Tatsachen- Welt beispielhaft dazu auf?). Die Beurteilung jener fordert das eigene Denken heraus( statt dem des Andern zu verfallen!), behält sich in der Urteilsbildung nicht nur die Freiheit der Anerkennung oder Ablehnung vor, sondern, da es sich um Gedankenbildung handelt, weckt, stärkt, bildet sie die Urteilsfähigkeit, die, ihren Umfang vielfach erweiternd, den ganzen Menschen fordert, der, sich Stellung und Haltung gebend, sich abhebt im bewußten Tun von dem, in das er zu verschwinden drohte. Das Denken ist, statt in der Wortbedeutung versteckt zu sein, sich zu verstecken, zur menschlichen Bedeutung der Worte aufsteigend, auf dem Wege, zu sich zu kommen: Das wahre Ich ist es, das, sich haltend, seine Schlacken abwirft, indem es zur Enthüllung zwingt jenen, sich selber enthüllt: Ein Geisteskampf ist entschieden, indem dem Ich anhaftende, feindliche Gewalten abgehalten, niedergerungen sind: ,, Ich hat sich in die Mittelstellung erhoben, um darin sich zu halten, und nun sich erhält. Es zeigt sich alsbald, daß man Keimkräften auf der Spur ist, die, wie sie hier in der Anlage Kant, ein ganzes Gebäude aus sich emporgetrieben haben, wesenhaft in allem Wirken sind, Formkräfte, Gesetzmäßigkeiten als ein veranlagter geistiger Mechanismus, als geistige Widernatur, den wahren Geist in seiner Schöpferkraft, wie er mit, ja in dem Ich ist, zum Erliegen zu bringen veranlagt: Die Rolle Kants im Geistesdie leben der Deutschen ans Licht gezogen in der Überwindung Notwendigkeit unserer Zeit der Niederungen. Die eigene Schicksalsbildung, damit verbunden, ist paradigmatisch der Schicksalswende aller Deutschen vorgebildet, die Erhebung, Zukunft wahrhaft wollen: das heißt, in der Wahrheit, nicht ohne, noch weniger gegen sie.pl - 11 - Wem sich, in teilnehmender Verfolgung des in vorhergehender Abteilung Dargestellten die Frage losgerungen hat: Was soll ich, der Einzelne, in das Schicksal der Gesamtheit des Volkes übel verflochten und von ihm abhängig, wie der schwimmende Kork mit der Wasserfläche sich hebt oder fällt, was bleibt mir zu tun übrig? er kann in dem hier Folgenden, auf Kant Bezüglichen, neben allgemeiner Bedeutung eine Antwort sehen, die diejenigen ansprechen kann, die in den Ernst, mit dem sie sich angelegen sein lassen zu fragen, ungescheut Vorurteile hineinwerfen, weil sie gelernt haben zumindest das Eine, daß es allerdings an der Zeit ist, Angewöhntem gegenüberzutreten mit Neuem, ja, daẞ in Bisherigem, dem Umbruch der Scholle ähnlich, Neues keimen muß, wenn überhaupt Leben erwartet werden, das Leben weitergehen soll. Es kann sich ja nicht beklagen, im Finstern zubringen zu müssen, wer hereinscheinendes, hereingereichtes Licht ausbläst, des besseren Träumens wegen, das er noch immer vorzieht. Es waren doch selbstgeschmiedete Ketten, und Andere haben uns befreit, aber sinnvoll nur, um uns auf uns selbst gestellt zu sehen es war ein Kerker, von uns errichtet, der zerschmettert werden mußte von der Welt um uns herum, der mit einer Zwingburg emporgewachsen, wo eine Gralsburg zu erwarten war: Wo, nun, ist Freiheit der Deutschen, ist gefüllte Grals- Schale, ist der Gral? Darauf haben wir zu antworten mit ganzem Leib und ganzem Leben, in der Ganzheit unserer Menschlichkeit, nicht mit leichtfertiger Ausrede, zu antworten der Welt, die fordernd nicht bloß gekommen ist, die da ist infolge von Versäumnis und Verschuldung: Wo ist der wahre Deutsche und seine Welt, wahr in jeder Lebenslage, heute, in Jedem? Ist geblieben, was wert ist zu überleben? Steht nicht geschrieben: ,, Nur die Wahrheit wird euch freimachen?" Sie, diese sind nicht zu leugnen: die Ereignisse, sie sind als Folge von jenen unverkennbar, und der Gang der Geschichte im Wohl oder Übel leitet so sicher auf die Spur, wie der Stern von Bethlehem die Magier aus dem Morgenlande sicher führte zu Zeit und Ort der Geburt des Weltheilandes. Sind um uns Geburtswehen, ist Dämonie des Herodes, oder ist beides sich anheftend an Weltumwälzendes? Eines ist sicher: Der Mensch der Zukunft hat sein Bild gestellt, es ist in der Welt, das von der Zeit, ihr gerecht zu werden geforderte neue Menschenbild, das von jedem Heute in die Zukunft leitet, längst ist es da! Vorenthalten, verleugnet von denen, die es empfingen, von Deutschen! Und nahezu ein halbes Jahrhundert ist mit dieser seiner Geschichte von Verkennung und 12 L I H Verleugnung wahren Wesens Weltgeschichte zurückgehalten, und Stillstand, der Rückschritt, Fall ist, ist ständig gewesen bis ins endlich gültige, nicht zu leugnende Verderben. Der verlorene, nein, es ist nicht herauszusagen, was herauszuschreien ist: der bis zum offenen Hohn des Bösen selbst schandvoll- schmählich verratene Geist, eine ganze Büberei, jenem hörig und dienstbar wie nie zuvor, im Volke, wenn auch nicht des Volkes, erteilte diese Lehre. Einem, dem Volke. Aber damit ist eine Frage an die Welt gestellt! Ist sie damit nicht der Welt erteilt, diese Lehre? Auch sie hat offenbar zu antworten. Und geistgemäß! Ist sie, so ist zu fragen hier, jetzt, die Katastrophe, die hereinbrach, alle schützenden Dämme wie Kinderspielzeug schließlich beiseite schiebend, nicht Durchbruch schuldvoll gestauter und so in Gegenkraft gestautes, verwandeltes Spiel der Kräfte, dem Entwicklung vorenthalten wurde? Hat das schuldvoll- künstliche Vakuum der Mitte sie nicht hereingesogen, statt unermeßliche Segensfülle in sich zu haben? Weil vorenthalten wurde von Deutschen, sind sie gekommen, die Andern, haben besetzt, Besitz genommen, daß herausgerückt werden muß, was sie unbewußt ersehnen ,, die Habenichtse", wahrhaftig, sie wissen nichts von ihrem anvertrauten Reichtum. Weil getrübten, blöden Augen verborgen blieb, was sichtbar, zu sehen war, brachen an ihm vorbei, über ihm hinweg die Träger aus, getrieben von Anderem, brachen furchtbar in ihrer Frechheit in fremde Gebiete ein, wurden, statt segnen zu können, zum Fluche. Statt wie mit Engelszungen zu reden, raste entfesselte Dämonie aus ihnen. Statt in Liebe und Opfergesinnung, wie sie vermocht hätten, denn sie hatten das Vermächtnis dieser Rede, sich zu Kündern einer im Kern und Keim angefangenen, neuen Epoche von Menschlichkeit, erhöhtem Menschentums zu ermächtigen, sie als Obliegenheit zur Weltangelegenheit und-anlage, wenn auch keimhaft in das Werden der Zeit zu senken, ein untermenschliches Gegenbild, das zum Entsetzen aller Menschen die Naturreiche sogar unterboten, die Wut der Hölle unter Menschen versetzt hat. - Der höllische Un- Mensch, der das vermochte, nun, er liegt zu Boden geschlagen, mit einer ,, Welt" zugleich. Was bindet, was löst? Unsere Welt ist es zugleich, die in Trümmern liegt: unser Leben führt den Beweis, da es anders geworden ist. Liegen wir nicht selbst am Boden? Es ist über uns gekommen, über alle gekommen, wie der ungebetene Dieb in der Nacht. Wo kam der Räuber her, wie gelang es ihm, sich bei uns einzuschleichen? 13 Es ist uns verblieben der Geist in uns, der zu schauen vermag was zusammengehört, über Raum und Zeit hinweg und durch alle physischen Maskierungen das Gleiche ans Licht rückt, denn er dringt immer und überall auf Einheit: Wer, wozu wir aufgerufen sind durch die Ereignisse, in ihnen zugleich Entwicklungen zu sehen vermag, der wird von dem Haupt- Akteur aus an eine Gestalt zurückverwiesen, in der sich veranlagt, vereinigt findet, was sich entwickelte und zuletzt Ereignis, Geschichte wurde: Kant, der Philosoph! Und es ist heute das für alles und jedes Leben Ausschlaggebende, den Abstand von Kant zu erringen, errungen zu haben, nicht in ihm verschlungen zu bleiben, in dem alles deutsche Leben verschlungen war, ja noch heute verschlungen ist. Denn in ihm ist urbildhaft vorhanden, urbildhaft veranlagt, was auch jetzt und täglich uns bedrängt. Es gehört zu den Notwendigkeiten heutigen Lebens, gemäß der neuen Lage mit ihren Enthüllungen und Forderungen, sich mit Kant zu beschäftigen und in neuer Weise. Nicht wahr? das ,, Führer"-Bild hat eine ebenso gewaltige wie gewaltsame Revision und Korrektur erfahren, und wie mit einem Zauberschlage ist mit ihm seine Welt, eine ganze Welt voll Blendung und Wahn verschwunden wie ein Spuk; selbst Besessenheit muß sich den Tatsachen fügen und gewissen Einsichten, wenn auch widerwillig, Raum geben. Und im Grunde wird niemand auch jetzt abseits gelassen, und hier macht sich der Totalitätsanspruch einmal wahr: die letzten Ereignisse gehen durch uns hindurch, daß Niemandem sich ihnen zu entziehen gestattet ist. Was heißt demnach, uns in dieser Stellung und Haltung erfaßt und gesehen, in dieser ,,, in neuer Weise" sich mit Kant zu beschäftigen? Das wird es heißen: uns Kant entgegenzustellen mit der zusammengefaßten Totalität unseres Wesens, dieses Kant- Studium muß ein ebenso entscheidendes Ereignis werden und zwar deshalb, weil es von jenem gefordert wird als notwendiger Ausgleich einer Überwindung, die von uns geleistet werden muß. Jeder kämpft und überwindet für sich und steht, siegt doch auf dem gemeinsamen Kampffelde im Namen der Menschheit gegen die Feinde der Menschheit. Angelegenheit der Persönlichkeit ist so zugleich eine die ganze Menschheit betreffende. Darin spricht sich aus und das soll bedeuten: Dem Machtkampf muß ergänzend ein Geisteskampf von ebensolchem Umfange folgen. Der Sieg der Großmächte dieser Welt ist trotzdem nichts nutze, ihm wird keine befriedete Welt und befreite Menschheit im ,, Dauerfrieden", wenn er, was ohne zugleich aus14 ka G gr ha ge Es e m m m di el is u h D h Z S S 0 0 H f t S getragenen Geisteskampf nicht möglich ist, nicht mündet in die erkämpften, geöffneten Tore der Großen Welt" als der Welt des Geistes und mit den ,, Vier Großen" alle einziehen können auch ohne großes Gefolge. Auf einen Dauerfrieden zielen vorgeblich alle Verhandlungen der Politiker, auf eine dauernde Befriedigung der Welt gehen auch die Begründungen der Forderungen, die man an Deutschland neben den ,, Reparationen", Wiedergutmachungen, zu stellen hat: Es sind Forderungen der Macht, dem Machtlosen auferlegt: was schon erreicht ist, braucht nicht mehr gefordert, kann von uns, diesem Ohnmächtigen, gar nicht geleistet werden. - Was mit Deutschland als Ausbruch der Macht erschienen ist, niemals und nirgends sonst ist ein solcher Ausbruch so wie hier, diesmal, als im Geiste. resp. im Ungeiste- gegründet erschienen: aus dieser Verworfenheit floß die verworfene Untat: ,, Tut Buße, ändert eueren Sinn", diese Forderung der geistigen Welt heute an alle Welt, ist sie noch zu verkennen? Geht die Erfüllung dieser Forderung allein uns Deutsche an? Es ist schon eine Paradoxie, aber es ist die Wahrheit: Diesmal hat die Politik unverkennbar eine geistige Aufgabe: Die, Manifestation der Moralität zu sein ,,, wie ein Geistiges sie in sich hat, haben muß". Machtfragen, unfähig, sich selber zu genügen, sind zu ihrer Quelle zurückzuführen, um gelöst zu werden: man bekenne sich in Wort und Handlung zum Geiste, alles Andere ist Täuschung, Selbsttäuschung, Vorbereitung weiteren Unheils. Stehen ,, Verhandlungen" im Zeichen der Durchdringung von Moralität und Geist, dann, in diesem Zeichen hat die Welt zu hoffen, die anders FriedensVerhandlungen" nur zu fürchten haben wird. Und als das einzig geeignete Objekt dieses Kampfes bietet sich uns Deutschen Kant von selber dar, der die Schlüssel jener Welt geraubt und die Tore verrammelt, versiegelt hat: nur noch aus höllischen Bezirken stürmt es herauf und ist unter Menschen man kann sich lange pan- europäische Gedanken machen, sie werden verschwendet sein, erst nach diesem Kampf und Sieg gibt es, als ein Neues, die ersehnte ,, Menschheit", wird sie sich des Friedens und der Einzelne sich der Freiheit erfreuen können. Deutschland wird anerkennen, als freiwillige Reparationsleistung es sich zur Pflicht zu machen haben, diesen Geisteskampf organisierend einzuleiten. Aus Gründen, die sich an die Namen knüpfen, die in aller Munde sind oder Weltruf haben: Kant, Hitler sichtbar auf einer Seite, und andererseits, und zwar positiv, die in Goethe und Rudolf Steiner zu suchen sind. - - - 15 * Machtergreifungs Große Namen pflegen zugleich ein Programm zu sein. Zu einem dieser Namen sind, um in diesem Zusammenhange verständlich zu erscheinen, einige programmatische Bemerkungen zu machen: Goethe. Der moderne, große Musiker Max Reger sagte einmal zu uns, seinen Schülern: So schön wie Mozart können wir nicht mehr schreiben, aber so gut als wir irgend können, müssen wir schreiben. Nun, wenn schon die heutigen Deutschen nichts mehr wissen wollen von der Zeit, als noch gut geschrieben wurde in Deutschland und noch wahr und schön dazu, nichts Wesentliches wissen von Goethe, geschweige denn von Zeit und Zeitgenossen, wie soll die Umwelt besser unterrichtet sein? Von der Zeit, als noch Geist war in Deutschland? Die nichts sieht als die jüngste und zugleich furchtbarste Barbarei? - Nein, wir haben, als Deutsche, die nicht in der Usurpation aufgingen, untergingen, die Verpflichtung, den lebendigen Beweis darzustellen: die Wahrheit. Zu den Quellen des deutschen Geistes sich kehren heißt, zu den Quellen des Geistes überhaupt zurückkehren. Das ist Schuld, wo und wie sie vergessen ist, und Schuldigkeit: heute. In der Überwindung dessen, was sie, diese Quellen, verschlungen hat. Es ist nicht übertrieben das behauptete Nichtwissen von Goethe. Wäre es das, dann würde von seinem Erwecker und Fortsetzer gewußt: Rudolf Steiner. Wer kennt das Wort von ihm und wo wird nach ihm gehandelt: ,, Goethe ist der Kopernikus und Kepler der organischen Welt?" Das steht im Anfange von Rudolf Steiners Werken. Das ist ein Satz, der, so wahr er ist, es zugleich ,, in sich hat": Der Dichter, der Wissenschaftler, sie wohnen gar nicht weit auseinander, nicht so weit jedenfalls, daß sich noch der Philister breit zu machen hätte zwischen ihnen. Der gar keine Verdienste hat als die höchst anfechtbaren( zumal heute, in äußersten Notzeiten) sich den Wanst noch vollzufressen. Tun ist Wissenschaft, nicht wissen nur des Wissens willen, das nicht einmal versteht. In einer Reihe von Szenenbildern wahrhaft shakespearescher Größe, ,, Lehrspiel" überschrieben, hat, was uns dankenswerter Weise die ,, Amerikanische Rundschau" März 1947 übermittelt, ein großer amerikanischer Dichter, Edward Estlin CUMMINGS, 1946 zur Anschauung gebracht das Urteilen und Streben der Besten der ganzen Welt: den tragenden Geist der Welt, der sich gegenüber hat den Tod, sich als Sieger wissend und behauptend, da er sich auf die ,, Wissenschaft" berufen kann, sich gegenüber hat so zur Herrschaft gekommene Todeskräfte die, das müssen wir hinzufügen, in Deutschland zur 16 - ’ Anschauung gekommen sind—, gegen die in unbewußter Verzweif- lung die Menschen nun angehen.„Das andere Amerika”, anders, als in Verblendung und Wahn auch hier gesehen hat„Deutsches Volk“, erhebt seine Stimme, ernst und eindringlich genug, zur selben Zeit, da Politiker den Untergang zu liquidieren haben, den die politische, in Verruchtheit politisch gewordene Macht Deutschlands angezettelt hat. Es sollte in dem Deutschland des Unterganges eine eindringliche, nicht zu übersehende Mahnung sein, endlich zur Besinnung zu kom- men, endlich das Gute in sich zu wecken und zu stärken, sich Klar- heit zu verschaffen, aber auch die Entschiedenheit, die der Ernst der Stunde verlangt. Darüber: Das im Vordergrunde befindliche, sich über die Breite des Lebens ausdehnende Geistes- und Bildungsleben ist Todeskräften verfallen und gewidmet— schaut den Spiegel, den ein großer Dichter vorhält. Aber inmitten von Verfall und Untergang]| ist ein anderes Deutschland, im voll ausgebildeten, voll im Leben wir- kenden Goetheanismus, ist, was die Besten der Welt erstreben, das ‚ Volk’ ersehnt, da die Not es lehrt: Es ist da!„Das andere Deutsch- land’ ist in Deutschland und mit der Welt! Die Welt wartet, mehr, erwartet. Das, diese„Stimme Amerikas’, sollte, um, wenn es nicht Bedürfnis ist, Bedürfnis zu werden, um die nötige Verantwortung zu wecken, in die Hände Unzähliger kommen, verbreitet werden, statt der Papier- flut, die sich über das darbende Volk ergießt, in der, mit der sich Nichtsnutzigkeit lediglich selbst bespiegelt und sich breit macht zum Schaden der Unzähligen, die das Gute wollen, aber auch derjenigen, die es können, indem sie tätig sind. Es ist keinem mehr gestattet in Deutschland Trägheit des Herzens und Faulheit des Geistes, ist nicht! mehr gestattet in Gewissenlosigkeit Versäumnis jetzt, noch: geblie-| bene Schuldigkeit ist Verlängerung der Schuld. Demnach, nach der Behauptung dieser Kant-Auffassung und-Inter- pretation, kommt ihm eine Bedeutung zu, die sich nach Umfang und Gefährlichkeit nur vergleichen läßt mit der Hitlers: Kant ist ein Parallelfall Hitlers, dieser selbst ist aufgestiegen im Schatten Kants, ist dessen ins Ungeheure gesteigerte Anlage. Im ‚Geiste‘, besonderer Art allerdings, war vorgebildet. Nicht demnach nur, daß sich ver- gleichen läßt, ein Vergleich gültig gemacht werden kann, es besteht ein Kausalitätsverhältnis wie in irgend einem naturwissenschaftlich Phänomenalen, im Früheren ist verborgene Ursache des zuletzt Auf- getretenen, und der Unterschied besteht darin, daß das Böse, dort Blume, Geist der Mitte 2 17 - keimhaft, schamhaft verhüllt Wissenschaft und anderes, sogar Moral, Pflicht, höchste Ethik, zusammengeflickt Ideales ist das Mäntelchen zuletzt dann in ganzer Verruchtheit gewirkt, sich, ans Licht gekommen, offen ausgewirkt hat. Ja, mehr noch, es ist so, daß wir selber, den Beweis führend, in der Beweisführung stecken, wir vor einem uns Niederzwingenden uns zu hüten, ja von ihm uns zu befreien haben, wie ein ansteckender Krankheitsfall von uns überwunden werden will. Da auf der Stelle erreicht werden kann, was erreicht werden soll, kann das zur Verurteilung des Falles Gesagte genügen, trotzdem noch vieles gesagt werden könnte. Was aber hoffentlich bald, nach gelungener Operation, jeder sich selber sagen wird. Zu fordern ist, neben dem Mute, zu überwinden, sich, wenn nötig, sogar selber, nötig ist das Vertrauen zu der Überwindungskraft des Geistes. Sie, die Kraft ist in uns, und das hoffende Vertrauen kann man haben. Sieht sich doch ohnehin unser armes Leben nur noch auf Hoffnungen angewiesen, denen, um erfüllt zu werden, Erfüllung werden muß im Wesentlichen durch uns. In der Kraft der geistigen Überwindung rinnen wieder Quellen, Quellen eines fast unbekannt Gewordenen: der Lebens- und Daseinsfreude, die steril geworden, ausgetrocknet sind, ja vergiftet erscheinen. Wie andererseits das Vertrauen zum Geiste nur durch eigenen Mißmut zu enttäuschen ist. Was aber die Alltäglichkeit einer Forderung des Beweisens betrifft, so ist, auf die Ungewöhnlichkeit des Falles wie der Lage verweisend, zu sagen übrig: Wenn ich sehen will, muß ich zunächst hinsehen, hier ist in einem Einzelfalle, vieles allerdings umfassend, was auf geistigem Felde überhaupt gilt: Geistige Tatsachen haben zugleich ihre Beweise und ihre Methoden in sich. Sie sind selbst Beweis, und man beweist, indem man in sie eintritt, sich verbindet mit ihnen und dann erfährt. Geht man dieselbe Wegstrecke sie muß sicher sein, um betreten zu werden, betreten werden zu können! ist auch beiderseits zu sehen dasselbe, es kommt nur darauf ah, die Augen offen und aufmerksam zu halten. In dieser Aufforderung sollte gerade ein Element des Vertrauens gesehen werden; es ist nichts zu verbergen, sondern sein Gegenteil, aus Schlupfwinkeln wird aufgescheucht, herausgeklopft. Auf folgende Sätze zielte die in der Exposition enthaltene und für notwendig gehaltene Beschuldigung Kants: der Held ,,, Achtung! Scheinwerferlicht der Mitte!"- ,, mithin" betritt die Arena ,, also": 18 - - - „Daß alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel‘(I):„denn wodurch sollte das Erkenntnis- vermögen sonst zur Ausübung erweckt werden, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und teils von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere Verstandestätigkeit in Be- wegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so den.rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Er- kenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfahrung heißt?” (I).„Der Zeitnach geht also keine Erkenntnis vor der Erfah- rung vorher, und mit dieser fängt alle an”(II). („Kritik der reinen Vernunft. Einleitung. I. Von dem Unterschied der reinen und empirischen Erkenntnis." Die Ziffern sind zur leichteren Auffindung hinzugefügt.) Das ist so recht mit der Tür ins Haus gefallen wird man hoffentlich empfinden. Die Sätze, innerlich gegliedert, deutlich abgesetzt und doch nicht ein Organismus, lauter Bekanntes, Anzuerkennendes scheinbar enthaltend und doch Untergründiges, einleitendes Bruch- stück und doch abschließend, Zusammengehöriges, Ganzes, nein, mehr, in Keim und Kern das ganze System: sie sind hingeworfen Köder, den, wer ihn schluckt, nie wieder los wird, vielmehr an ihm durch die ganze„Kritik‘ sich nachschleifen lassen muß, ohne sich entscheidend wehren zu können. Es ist Kant, der sich vorstellt, der ganze Kant wie er leibt und lebt ist in diesen Sätzen, die, recht ver- standen, für seine Aufklärung mehr bedeuten, über ihn mehr aus- sagen als alles das, was er als seine Anschauungen dann von sich gibt. Sie sind der physiognomische Ausdruck seines Wesens, das in alle- dem waltet, und in ihnen steht der wahre Text zu lesen, wie manch- mal ein Mensch in einer Geste mehr von sich verrät, als im Reden und Tun geäußert wird: das„Unbewußte‘, wie man sagt, enthüllt die lautere, noch ungetrübte Wahrheit.(Es ist, den Tatsachen gegenüber, eine müßige Frage zunächst, ob und wieweit Kant bewußt geschrie- ben, so gehandelt habe.) Was spricht diese Physiognomik? Die ebenso scheinbar wie für selbstverständlich gegebene Einheit einer in Wirk- lichkeit vorhandenen und aufzudeckenden Gegensätzlichkeit: also Täuschung. Die Gefährlichkeit der Täuschung ist darin zu suchen, daß innere Kraft nötig ist, aufgebracht werden muß, um durchschauen zu können, daß das, was sich gibt, etwas ganz Anderes in sich hat, be- absichtigt, Gefahr und Überwältigung: der Täuschende setzt voraus, wir würden diese Kraft nicht aufbringen, nicht einmal an sie appellie- 19 ren, er gibt sich der Hoffnung hin, daß er sie niederhalten und seinen Willen in unseren fortsetzen kann. Immer sind solche Anschauungen gewollte Strebungen, versuchte Täuschung geht immer darauf aus, die eigene Macht durch den Andern zwangsmäßig zu erweitern, immer ist sie ein frevelhafter Einbruch in die Freiheit des Andern, eine Art Überrumpelung. Der Widerstands-, der Lebenswille, was in diesem Falle dasselbe ist, er findet eine ungewohnte, neue Lage vor, eine neue, nie dagewesene Art der Gegnerschaft Kant ist der ,, Einschlag" eines Neuen im Leben des deutschen Geistes, er ist ein Problem geworden, das mit bisherigen, zumal an ihm erzogenen Mitteln gar nicht zu lösen ist: Wie soll sich da noch wehren, wem einem über alle Mittel einer neuen Waffentechnik verfügenden Gegner gegenüber schon beim ersten Gang der ersten Begegnung die ausschlaggebende Waffe wir werden sie kennenlernen- entfallen ist? Wird er überhaupt noch Gelegenheit, Zeit und Kraft, sie zu gebrauchen, haben können.( Der wahre deutsche Idealismus hatte sie!) - - Der Mann muß es eilig haben, wer so einleitend, wie hier Kant: ,, daran ist gar kein Zweifel", sich äußert. Warum mit einer angeblichen Selbstverständlichkeit so andringend zu kommen, ist es nicht zum Verwundern? Wer sich mit einem Unzweifelbaren einführt, hat gewiß nicht auf Widerspruch zu rechnen, jedermann pflegt sich eben in dem zu finden, was als seine Ansicht der Andere sagt: das Behagen der Bequemlichkeit, wer das anspricht, dem öffnen sich Tür und Tor. Nur, hier das ist der Köder, so bequem möchte es dem Fisch der Angler machen! Auf das gefährliche Zwielicht ist zu achten, in das die Szene getaucht ist schon mit diesem ersten, angeblich einleitendem Auftritt, wo mit unserer völligen Unterwerfung gerechnet wird! - Überblicken wir das Ganze des Vorgebrachten, den ganzen Kant vorstellend und den Schlüssel bildend zu seiner ,, Vernunftskritik", und sehen wir auf uns, so kann der Eindruck kaum befriedigen. Warum? Weil, wenn wir auch dort( nicht nur bei uns) auf Totalität gehen, das Ganze zerfällt: es sind so viele Einzelheiten, daß dieser Reichtum, statt zu befriedigen, eher Verdacht erregt: zu viel des Guten. Und bedenklicher noch: Wir erkennen uns darin kaum wieder. Einem Sturzbach gleich fällt ein Schwall von Worten über uns her, der kalt läßt, wie alles, was uns fremd bleibt, weil es das verstehende Durchschauen eher erschwert als ermöglicht, deshalb weil wir nicht einmal 20 zu folgen vermögen; es sind, bleiben eher Wort- Emotionen, gegen die wir uns zu wehren pflegen. Der menschliche Abstand ist eher vergrößert, der Abstand einer Anhänger- Schülerschaft jedenfalls nicht hergestellt. Empfindungen, Impressionen, Eindrücke sind das, gewiß, noch ohne entscheidenden Erkenntniswert. Doch, weil das Empfinden nicht selten das Richtige trifft, zumindest es vorbereiten, ankündigen kann, so ist wichtig, sich bewußt zu werden, daß man sie hat, wichtig, dann sich bewußt zu machen, ob und wie sie berechtigt sind. Es erweist sich, daß man in ihnen, daß man ,, in Stimmung" ist, sich erhält als einer Totalität: Auf diese wird es ankommen, nicht bloß, um gegenüber zu treten, sondern zu sein, sich als Einheit erhalten zu können. Geht sie gestärkt oder geschwächt hervor aus dieser Gegenüberstellung? Für das Leben jedenfalls wird es darauf ankommen, und ihm wird das, was hier ,, Erkenntnis" genannt wird, jedenfalls zu dienen haben: wenn wir nicht in einen völligen Widersinn verfallen wollen, wird es nicht aus dem Leben herausfallen dürfen. Im Leben ist, was ins Leben tritt, und da ist, im Leben, wenn Anfang gesetzt ist, auch Ende; nur die Ewigkeit, nimmt sich davon aus. Hier wird( I) in Form einer Behauptung angefangen. Damit aber wird eine Art ,, Erfahrung" verbunden, die, weil sie durch nichts als die Behauptung anfängt, einen Anfang hat, ihn nicht nur nicht durch unser Tun hat, sondern von dem auch nicht einmal anzugeben ist, wann, wo, wie Ende ist; sie, diese , Erfahrung" ist das Leben, läßt uns jedenfalls das Leben machen, und der Tod beendet sie: sie kann nicht eigentlich ,, Erkenntnis" genannt werden, noch viel weniger fällt ,, alle Erkenntnis" unter sie, diese Erfahrung umschließt einen engen, scharf umgrenzten Kreis ist die nämlich, die uns zufließt, weil wir unsere Sinne haben, im übrigen uns aber relativ passiv verhalten. Wirkliche Erkenntnisse dagegen sind durch ein mehr oder weniger gründliches Tun hindurchgegangen, bei denen oft genug auch der Zweifel eine Rolle gespielt hat. Und so haben wir zu zweifeln, nämlich an dem uns hier Vorgesetzten, haben wir eine Frage zu stellen, die schon, wie jeder die Antwort weiß, die Zurückweisung dieses Satzes( I) enthält: Kann davon gesprochen werden, daß Erkenntnis anfange, ohne den Faktor berücksichtigt zu haben, dem allein die Selbstbestimmung und damit die Gewißheit des Anfangens, das ein Aufhören mit bedingt, zugesprochen werden muß: den Faktor Denken? Nur für das gibt es unzweifelhaft Anfang und Ende, was in unser eigenes Tun fällt, und das ist 11 - 21 auf diesem Felde von Erkenntnis und Erfahrung das gerade von Kant nicht berührte, von ihm Ausgeschlossene, das Denken! Die Tendenz ist diesem ersten Satze unverkennbar anzusehen, zu täuschen: die Täuschung liegt darin, daß abgelenkt wird auf einen Faktor, der gar keiner ist: Zeit, dem Element, dem keines Menschen Tun, Erfahren, Erkennen etwas anhaben kann, weil er ihnen im Erkennen gleichgültig bleibt, und es ist reine Spiegelfechterei, ihn hier entscheidend hereinzuspielen, eine Finte, um vom Entscheidenden abzulenken, abzuhalten, es nicht aufkommen zu lassen. Das ist eine Tatsachenfeststellung, kein bloßes Urteilen, die eigentlich schon genügt, um über Kants Verhältnis zu Wahrheit und Erkenntnis aufzuklären. Ihre wirkliche Bedeutung, die weit über das Festgestellte hinausgeht, wird sich erst herausstellen, wenn wir seinen weiteren Schritten nachgehen. Kant ist demnach nicht der souveräne Geist, als der er präsentiert wird, der er sein müßte, wenn sein Einfluß und sein Wirken auf Deutsche und in Deutschland sich rechtfertigen sollten! Dieses Urteil läßt sich ebenso sicher schon jetzt sagen, wie es auffallen muß, daß es sich schon nach dem ersten Satze seiner Philosophie ergibt, wie sie seiner Grundhaltung entspricht.( Es verdient angemerkt zu werden: Kant, der in Deutschland alles überwucherte, ist kaum über die Grenzen gedrungen, dagegen hat Hegel, sein erster und bedeutendster Gegner, Verbreitung über die Grenzen hinaus bis nach Nordamerika gefunden.) Daß sich in dem, was folgt, eine andere Seite seines Wesens enthüllen muß, es nicht eine bloße Erweiterung des Inhaltlichen ist, ergibt sich schon dem bloßen Anblick: dem ersten kurzen Satze, ebenso prägnant, wie er falsch ist, ja Falschheit in sich birgt, dessen schlagkräftig eingerichtete Bestimmtheit des Auftretens überrumpeln will, ihm ist angehängt ein voluminös aufgeblähter Nachsatz: zwischen beiden besteht, schon äußerlich anzusehen, ein auffallendes Miẞverhältnis. In einem Atemzuge spricht dieser Nachsatz aus den ganzen Umkreis von Erkenntnis und Erfahrung, vielmehr was nach Kant sie sein sollen, die besondere Färbung, die sie durch ihn erhalten. Die Büchse der Pandora ist geöffnet: habt Acht auf den geschenkten Reichtum, der uns zufließt, sich auf uns zu bewegt! Dem ersten, bestimmt geäußerten ,, daß"( I) folgt als Brücke ein ebenso bestimmt wirkendes, begründendes ,, denn"( II),( das Esels- Brücke dann ist). In dem Verhältnis beider Sätze( I und II), das deshalb betrachtet werden muß, spricht sich eine Eigenart Kants aus: jede wirkliche 22 Philosophie entwickelt— statt Behauptungen auszusprechen,— ist gebunden an Grund und Folge, zu erkennen ist hier mehr ein Kausali- tätsverhältnis von Ursache und Wirkung, obendrein statt von Ge- danken von Sachen!: wenn Erfahrung vorangeht, ist die Wirkung, daß Erkenntnis erweckt wird durch„Gegenstände, so„erkannt“ wird. Oder andererseits als Grund und Folge angenommen: es wird die Folgerung dem Grunde vorangesetzt: aus diesem(II) ergibt sich die Behauptung(I), der zweite Schritt ist vor dem ersten, eine'logische Abhängigkeit besteht, aber eben auf den Kopf gestellt. Daraus kann nur geschlossen werden, daß ein fremdes Element, anderes, bestim- mend hereinwirkt, was eben in der Eigenart von Temperament und Charakter Kants begründet liegen muß, da es objektive Gründe da- für nicht geben kann. Was durchaus objektiv sein soll, ist gerade Ausfluß der Subjektivität. Ist das wirklich, sieht es so aus, das den- kende Erkennen? Alles, was mit ihnen sich(und uns) beschäftigt, es geschieht ja gerade deshalb, um einen für alle und alles gültigen Boden zu erreichen und zu sichern. „denn', Kant fährt im Nachsatz fort,„wodurch sollte das Er- kenntnisvermögen sonst...? wir sagen: halt! Hier ist ein Bezug, wo gar nicht bezogen ist, aber gelten soll: die bezogene Seite(I) heißt„Erkenntnis, die des Bezugs „Erkenntnisvermögen”— eine Kleinigkeit, auf die es gerade an- kommt! Wenigstens dem, der nicht gerade wie Kant denkt, d. h. über- haupt nicht, bei dem statt dessen der Impuls, Trieb der Überwältigung waltet, der wiederum hier eine Täuschung heraustreibt; die Bedenken angesichts des Folgesatzes werden unmittelbar gerechtfertigt. Der so übermäßig durch Schachtelungen belastete Satz legt sich zugleich wie eine Last auf uns. Wir müssen mehrmals, und zwar recht tief, Atem holen, um ihm folgen zu können; wir sind wahrscheinlich anders organisiert wie Kant, nur in Etappen vermögen wir den Weg zurück- zulegen, weniger temperamentvoll als er müssen wir beschauliche Ruhepausen einlegen: Ein„Erkenntnisvermögen‘, zur„Tätigkeit er- weckt” und„durch Gegenstände‘, und Erkenntnis ist für uns zweierlei, in Grund und Wesen verschieden. Zunächst ist nichts wirklich her- aus, als der wirkliche Grund für die sonderbare Art, mit einer Frage zu begründen, die offenbar uns zuschiebt die Begründung, oder zu- mindesten.uns gleich einschließt in seine eigene, eigenartige Begrün- dung. Die rhetorische Frage ist mehr als ihr anzumerken ist auf den 23 ersten Blick, hier ist im Gegensatz zu dem Gegenstand eines Seins( I) der Schoß des Werdens, nicht das Gewordene, sondern das Wie seines Anfanges, oder genauer das Wo, eine Erkenntnis als ,, Vermögen". Die sichtbar werdende, mehr als tumultuarische Art Kants verheißt keine Lösung, bringt auch nicht einmal auf den Weg dazu, läßt dafür um so sicherer etwas Eigenartiges, Neues durchscheinen. Bleibt es stecken, entwickelt es sich? Das uralte, seit Aristoteles, der sich damit grundsätzlich wie ebenso grundlegend von Plato, seinem Lehrer und Vorgänger, abwandte, seit Plato und Aristoteles bekanntes Ringen um die Formen des Erkennens steckt darin, eine neue epochale Art wurde eingeleitet, das Begriffspaar potentia und actus, veranlagte Möglichkeit und verwirklichende Tätigkeit, zugleich des Mittelalters bis in die Neuzeit herein: In ihm steckt das Erkenntnisproblem als Problem, Aufgabe, nicht mehr, nicht weniger, dem Kant also eine neue Form hinzuzufügen sich anschickt. - Das ganze Mittelalter stand in jenem Zeichen, das großzügig von dem Reformator, als den er sich vorher in einem ,, Vorwort zur zweiten Auflage" aus lauter Bescheidenheit anpreist, übersprungen wird. Handelt es sich, an Plato wieder anknüpfend, um eine neue ,, intuitive" Schau? ,, Gegenstände" berichtigen das, belehren uns: es handelt sich, ( hier sich ankündigend), um eine originale Großtat ersten Ranges: Kant tritt als Großmacht auf, ein neues, nach Plato, nach dem aristotelisch- scholastischen ein drittes Reich ist da. Dadurch, daß ein Herr da ist, daß er, nach der Weise Adolf Hitlers, sich zum Herrn macht. Was weiterhin nach Kant der ,, Machtspruch der Vernunft" genannt wird, ist, heißt bei Hitler dann: das ,, Führerprinzip". Daß es sich in beiden Fällen auf den in Wirklichkeit originalen Typus statt einer Allgemeinheit begrenzt, darin ist eben die Kunst der Täuschung: man spricht ,, legale" Weise aus, um die einzige, um die es sich handelt, handeln soll, einführend zu erreichen: Die eigene und einzige ,, Legalität" der einzig gesetzgebenden Körperschaft. Das Verhältnis Kant Hitler( wie jedes Verhältnis mit einem Unterschied), es hat den Unterschied: von ,, Erkenntnisvermögen" und An- Erkenntnisvermögen, um ein Verhältnis als dasselbe, und mehr als Grund und Folge ging ( durch Erziehung und Gewöhnung) über diese Brücke über. Ist eben Zeit und Übung gewesen, um gewußt werden zu können, dann kann ins tätige Handeln übergehen. Ist dagegen genügend bewußtlos gemacht durch ausreichende Erziehung und Gewöhnung, kann mit derselben Gesetzmäßigkeit verfügt werden: ,, Das Dritte Reich' ist da! 24 - Die Brückenbildung zwischen zwei Ufern ist vollzogen: hier wie da ist derselbe unterlegene Mensch, ist er als Objekt, statt als Wesen. 9 - Immer ist im Erkenntnisvermögen des Menschen ein kritischer Punkt: Wer nicht will, wird auch nichts vermögen. Heute, nach dem gänzlichen Versagen dieses Eigen- Willens, herrscht, statt zu Erkenntnis und Selbsterkenntnis zu kommen, großes Lamento, daß es so ist, ,, Gott" es so eingerichtet habe und wir doch noch an Gott zu glauben widerhaben, den Glauben als unser Verdienst noch übrig haben wärtiges, ebenso unwürdiges als gefährliches und meist auch verlogenes Gewinsel. Kann doch jeder wissen: solange er nicht tut, kann er auch nicht erfahren was er tut und muß es beim Glauben lassen, aber Faulheit gilt sicher bei Gott nicht als Verdienst, höchstens bei Menschen, die sich in solcher Lage lassen. Kann doch jeder wissen, was er will. Der kritische Punkt ist der Wende- Punkt seiner Freiheit. Der Mensch, er ist schon frei gelassen, es ist in seiner, des Menschen Freiheit und nicht gezwungen: auf einer Seite ist Übersinnliches( noch denn nicht in das Sinnliche gesetzt) und darum noch freies Feld dieses ist in keiner Weise zwingend, weil gänzlich ohne Bestimmung. Auf der anderen Seite ist ins Sinnliche und darum bestimmt gesetzt: von dieser Seite wird der Mensch bestimmt. Aber in Wahrheit fließt, geht über von einem zu andern, in dem Augenblick des Willens ist Kontaktbildung und fließt der ,, Strom", Brückenbildung ist, wo Vermögen, potentia, actus wird, und Aktualität ist durch des Menschen Wille: ,, Erfahrung", hier muß gewollt werden, ohne Wollen wird nichts erfahren, und auch nichts gewußt.( Aber dem willensmäßigen Fleiß steht die willensunfähige innere Faulheit gegenüber und im Wege, der Freiheit wegen ist auch diese Polarität.) - Nietzsches berühmtes Wort: ,, Nur wer sich wandelt ist mit mir verwandt" ist das Stichwort seiner Tragödie! Umstände ohne Ort und Wesen der Wandlung zu erfahren. - Die tätige Aufklärung über diesen ,, Punkt" beweist ein ,, Übersinnliches"( gewöhnlich Metaphysisches genannt) als zum Sinnlichen gehörig( wie zum Mittler Menschen), wie dieses nicht ohne jenes sein kann, nicht in der Sinnlichkeit erscheint ohne durch das Übersinnliche und aus ihm: Die Vorstellung irgend eines Materiellen, das sich selbst erzeugt, ist gedankenloser Unsinn, es gibt nichts Lebendiges, also Wirkliches ohne Voraussetzung dieser Polarität. Es ist eine charakteristische Eigentümlichkeit Kants, kantschen Philosophierens, daß bei ihm niemals Polarität erscheint, hergestellt wird. Im 25 Gegenteil, seine Voraussetzung, aus der er ein Verdienst sogar macht, ist die ,,, alle Metaphysik vernichtet", aller ,, Mystik" den Garaus gemacht zu haben. Das heißt aber nichts Anderes, als daß er niemals den wirklichen Willen zum Denken erfahren hat: Das und nichts anderes wird bewiesen durch seine Behauptung von Erkenntnisvermögen erweckt durch Gegenstände. So kann er nicht bemerken, daß, was ihn treibt, eine andere, eine ,, Mystik des Materiellen" ist. Denn er fährt fort ,,, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren", das wird niemals erfahren, wird für immer Mystik bleiben! Eine Selbstmystifizierung schlimmster, verhängnisvollster Art! Die, wenn sie mit jenem einmal erfahren würde, die Menschheit mit ihrer Welt vernichten würde! Die Atombombe ist dazu nur das Vorspiel. Es gehört zum Wesen der Existenz des Menschen, auch diese ,, Freiheit" zu haben.( Nur der Teufel hat sie nicht, hat keine Freiheit und muß sich für seine Zwecke des Menschen bedienen.) Ein Erkenntnisvermögen, einzig zur Tätigkeit erweckt durch Gegenstände, erkennen wir nicht an! Weil das Substantiv ein Wesentliches, Wesenhaftes ist, in sich ruhend, auf sich beruhend, nicht abhängig; es ist sein Wesen, sich zu äußern und sich selbst zu erwecken( in der | dargestellten Weise). Begierden werden erregt, können von außen erregt werden, sind also nicht in Freiheit, sondern in Abhängigkeit unterliegen sie, dagegen Erkenntnis ,, erregt" sich selbst. Die Tatsache, daß beide seelisch sind, im Seelenleben wurzeln, läßt leichthin übersehen, daß hier, bei Kant, Verwechselung ist. Wieder eine Täuschung: Kant setzt die niedere Begierde an Stelle des Höchsten, die freie Erkenntnistat! Braucht noch hinzugefügt zu werden der Hinweis auf den Diktator unserer Tage? und ist noch zu erläutern der Boden seiner Verwurzelung? Da wir den Weg des Geistes zu folgen uns vorgesetzt haben, nicht sein Einmünden in das uferlose Meer des Politischen, mit dem Erliegen im Braunhemd, aber immer in der Vielfarbigkeit des Lebendigen zu stehen uns bemühen, es gleichsam als das methodische Prinzip uns treibt, auch indem wir den ,, Geist" in der besonderen, uns bis jetzt abschreckenden Färbung Kants anzuschauen uns nicht gescheut haben, fahren wir fort mit Kant: ,, Gegenstände... und teils von selbst Vorstellungen bewirken..." Von einem Bewirken und zugleich ,, von selbst zu sprechen ist ein innerer Widerspruch: Diese Behauptung 26 setzt ein tätiges Wissen voraus, das ein ,, von selbst" wieder in Frage stellt. Wir können nur sagen, daß Gegenstände von uns wahrgenommen werden mittels der Sinne, und soweit sind wir auf sicherem Boden. Es ist unverständlich, warum ein ,, von selbst" unser Selbst ausschaltet, alles auf Vorstellungen reduziert erscheint, das Durchschaubare einem unbewußten Vorgang weichen soll, einem Naturvorgang, Wachsen und Vergehen gleich, der ja auch ,, von selbst" bewirkt ist weil und wie er im unbewußten Leben ist. Das ist ein schlaraffisches Erkennen statt eines tätigen. Ich kann, von mir aus und auf Grund der Wahrnehmung, weiter sagen, daß ich ein Bild der Welt in mir trage, das die konkrete Erscheinungswelt ist, eigentlich vertritt, da sie ja nicht in mich hineinspaziert, daß also Entsprechung herrscht. Ich verfahre dabei völlig naiv, und den guten Glauben, daß ,, es stimmt", bestätigt mir die Tatsache, daß andere ,,, alle" Menschen bei gleichen Gegenständen das Gleiche wahrnehmen, also auch das Gleiche tun. Andernfalls wäre ein völliges Durcheinander und ein menschliches Zusammenleben gar nicht möglich. Nahezu jeder weiß, daß er Veranlassung hatte, sich nicht damit begnügen zu können, die äußeren Veranlassungen mußten sich vertiefen. Und im Innern war der ,, Ort" der Vertiefung, hier vertiefen sich die Dinge, die mir ,, von selbst" erschienen sind. Jetzt ist zweierlei: Was Erscheinungs- Bild ist, als solches feststehend, unbewegt, gerät in Bewegung, wird in Bewegung gebracht( durch mich), und ich selbst bin dabei tätig, in tätiger Bewegung( die von außen angeregt sein kann, aber rein seelisch, jedenfalls nicht als physiologisches Geschehen bewußt wird). Ich bin demnach auf dem Felde denkender Betrachtung, in der Welt des Denkens. Mit ihm stoße ich vor auf den unveränderlichen Grund der Dinge und bin so Bye, im Grund und Wesen meines Selbstes. In der Gewißheit meiner bin ich es zugleich der Welt: es ist erkennendes Wissen, meine Gewißheit, die mir Sicherheit zu geben vermag. Zur Erläuterung sei ein Erlebnis erzählt, das die eine, erste Seite illustriert: Es hat einmal jemand vor mir gekniet. Das war ein komischer Anblick, gewiß, als sie sich, die guten, treuen Augen gleichsam mir vertrauend auf mich gerichtet, auf die Knie niederließ, ziemlich geschickt übrigens, aber es hat mich doch beinahe gerührt. Und ich war fast versucht, sie um den Hals zu nehmen, sie an mich zu ziehen und wäre nicht, wie ich wußte, zwischen uns der elektrisch ge- Iden. 27 - - ladene Draht gewesen, dessen Berührung mir ebenso unangenehm sein würde wie wahrscheinlich auch ihr: In meiner Jugend hatten die Wiesen eine Umfriedigung mit herrlichstem Buschwerk voll innerer Geheimnisse, die zu erforschen immer von neuem lockte. Dagegen diese Allgäuer Wiese hatte statt dessen abstoßenderweise, in halber Mannshöhe gezogen, den tückischen Draht, bei dessen Berührung es einen leichten elektrischen Schlag gab, und die Kuh ich konnte ihr leider nicht klar machen, daß sie Kantianerin war sie war durch Erfahrung gewitzigt und hütete sich vor weiteren: Hier, diesseits war, noch unberührt, saftiges Grün, und um es zu erreichen, mußte der wuchtige Kopf sich herablassen nicht nur, sondern unter dem Draht vorgestreckt werden, um, ohne in Berührung zu kommen mit ihm, das Erreichbare fressen zu können. Sie tat das Nötige und Wünschbare mit solchem sachlichen Anstand und Geschick, in technischer Vollendung gleichsam, zog sich auch wieder zurück, erhob sich, alles mit fast eleganter Selbstverständlichkeit, als sei sie ,, gebildet". Auch die Tiere haben ein gewisses Vorstellungsleben, wie ihnen auch ein gewisses Maß an Verstandestätigkeit zuzuschreiben ist, instinkthafter, mechanisch funktionierender Art.. Das beweist eben nichts anderes als das ganz Unindividuelle dieses Vermögens. Was bei den Tieren Instinkt ist, geschieht von uns beinahe mechanisch, wir überlassen uns diesem Geschehen. Das eigentlich Menschliche setzt erst ein mit dem Denken. Dessen Art ganz von uns, im Wesentlichen von unserem Willen abhängt; in dem Maße, wie es vernachlässigt, verdorben ist, ist immer unsere Individualität gefährdet.( Und wie nahe ist diese Verdorbenheit schon die der Hitler- Scharen!) Wenn ich einen Vorsatz habe, den ich ausführen will, muß ich, was zuerst erkannt wurde, eben wollen. Dieses Wollen als ganz bestimmten Akt im Hervorbringen zugleich im Bewußtsein zu haben, darauf kommt es an. Es ist jedesmal ein ganz bestimmtes Erlebnis als Erfahrung; es wird nicht ein Objekt gewollt, sondern das objektiv( im Hervorbringen) erlebte Wollen, und sich selber Objekt zu werden, darauf ist unser Wille gerichtet: Denken ist Subjekt- Objekt! Und dieser Wille ist im wirklichen Denken, im ,, reinen Denken" der entscheidende Faktor. Das Denken ist dem Charakter nach in allem das Gegenteil der bloßen Vorstellung, dessen, was Kant denken dann nennt. Die tierische Intelligenz ist gruppenhaft und hat, an die Sinne gebunden, etwas Automatenhaftes. Die menschliche ist gegründet auf 28 Autonomie. Jede Gruppenbildung, die ihn als Menschen einschließt, ist eine gewisse Art von Gefährdung. Eines wird unter allen Umstän- den zugegeben werden müssen: Man kann von Tieren keine Moralität verlangen, sie ist ganz Sache der Individualität: Vom Menschen muß sie.verlangt werden, und hier ist Ort und Grund des Verlangens. Man sieht, auf welchen Wegen Kant wandelt, resp. welchen Weg er führt. Ist nicht auch einzusehen, wie sie zu bewerten sind? Auf das erste Schema der beiden vorgestellten Erkenntnisweisen führt Kant zurück, wogegen das zweite das von ihm Ausgeschlossene ist. Nun ist zu durchschauen: auch hier geht es bei ihm nicht ohne Bruch ab. Das autonome Erkenntnisvermögen, das, in dem wir frei sind, wie es unsere Freiheit verbürgt, das, von dem unsere Mensch- lichkeit abhängt, was zugleich aber auch alle Menschen verbindet— ohne Dazwischentreten einer„Wissenschaft“ oder irgend eines an- dern—: und sein Gegenteil: Nirgends ist in dieser Anlage Mensch- lichkeit! Er faßt den Menschen auf der Tierstufe des Erkennens ab und breitet sie über das ganze Erkennen aus:„wodurch sollte das Er- kenntnisvermögen sonst in Tätigkeit gesetzt werden, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und von selbst Vorstellungen erwecken?"— das ist die Kuh, die das Gras fraß. Nur weiß sie nicht, daß sie Vorstellungen hat, daß, wovon sie geleitet wird, um sich zu bewahren, Vorstellungen sind, denn sie kann nicht denken. Kant weiß es dem Scheine nach auch nicht, und hier betrügt er! Denn um zu wissen, diese Gegenstands-Bilder als Vorstellungen bestimmen zu können, muß er denken. Von Denken aber kann nicht gesagt werden, daß„von selbst‘ geschieht. Mit dem unterschlagenen Denken werden wir schon hier, an dieser Stelle, um unsere Mensch- lichkeit betrogen! Erkennen, Erkenntnis kann nicht das mit der Tierstufe Gemein- same sein, genannt werden, erst recht nicht, was auf die Tierstufe zurückwirft, sondern nur das verdient diesen Namen, was uns heraus- hebt: Erkennen ist denkendes Bestimmen. Seitdem die Wissenschaft mit Kant die Wirklichkeit dieses Begriffs preisgegeben hat, steht, kämpft sie, im Namen dessen, was ihr aufgegeben ist, gegen Mensch- lichkeit und Menschenwürde!(Schiller hatte ein Bewußtsein von der Tatsache dieser neuen Epoche der Wissenschaft, als er sich„An die Künstler‘' wandte:„Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, bewahret sie‘). Kant fährt fort:„teils unsere Verstandestätigkeit in Bewegung brin- 29 gen", die sich, und das ist das Entscheidende, auch auf ,, Gegenstände" erstreckt und beschränkt, die eben Vorstellungen genannt sind, die also den Naturvorgang voraussetzen, wie die Verdauung das Schlukken. Es ist zugleich der sichere Boden verlassen, preisgegeben, daran zu erkennen, daß die innere Logik das sichere Kriterium philosophischen Fortscheitensaugenblicklich verloren, vor die Hunde gegangen ist: eine Tätigkeit sei in Bewegung zu bringen! Das ist, wie das Wasser naẞ zu machen, unnötig, unmöglich. Eine nicht in Bewegung befindliche Tätigkeit vermag niemand anzugeben. Zweierlei ist festzustellen: Wir sind zum Kern vorgedrungen, und das Erkenntnisproblem ist ein Bewegungsproblem innerlichster Art. Bei Kant verbirgt es sich, schon eine wesentliche Strecke vorher verbarg es sich, entzog sich uns. Es kann nur im tätigen Hervorbringen, d. h. im Erkennen auch erkannt werden, auf dieses ist alles zu konzentrieren, so selbstverständlich ist das, wie in der Natur der Sache liegend. Erkennen ist eben kein Naturvorgang, nicht in der Natur und unterworfen, sondern im Heiligsten unseres Höchsten zu suchen und aus ihm herauszuholen durch freies Spiel, wodurch es sich als das Höchste sich betätigend zugleich heraushebt. Wir sind auf dem Boden des schöpferischen Denkens und hier dem Schöpfer gleich: wir sind Geist. In ihm ist ,, Sein", aber als Leben( nicht Totes, Gewordenes) und Denken, Erkennen zugleich. Das ist unsere Erfahrung: denn selbstverständlich ist, was in dieser Weise tätig ist, auch erfahren. Was ist zuerst, was zuletzt? Weder eins noch anderes, dieses, in Frage gestellt durch seine Erfahrung, ist auf einem anderen Boden. Das Problem wirklich spielt auf dem Boden eines Qualitativen mit dem Willensmäßigen der Erfahrung! Von dem es Kant herabzieht: hier zeitlich zu bestimmen bedeutet zugleich ein Umsetzen in eine andere, niedere Sphäre: Eine Bewegung freier, innerlichster Art gerät in den Zwang eines ungeistig Materiellen, der sinnlich- dinglichen Welt, und wir spielen dann als lediglich Geschöpfe in der kreatürlichen Welt ohne unser Schöpfertum. Durch Kant inauguriert und auf seinen Wegen verwandelt sich Erkennen in das Gegenteil: Geistverleugnung. Das ist das Wenigste, was gegen diese Stelle zu sagen ist, gesagt werden muẞ: Daß sie jeder vernünftigen Logik entbehrt, ja widerspricht, sie also aufhebt. Sie steht außerhalb jeder vernünftigen Gesetzmäßigkeit, begründet eine andere, ebenso eigene wie eigenartige Ordnung, eben die Kants und seiner Folger, der Kantianer, der kantisch fundierten Wissenschaft. 30 Es ist aber mehr zu sagen: Zunächst ist zu bemerken, daß bis heute das deutsche Geistesleben trotzdem auf Kant fußt, sich in seinen hervorragendsten Vertretern von neuem immer wieder zu Kant bekennt als dem größten deutschen Denker" und damit schon in das ganze Leben hereinwirkt. Daß sich aber weiter bis heute niemand gefunden hat, diese Stelle wirklich auch nur zu lesen! Das wenigstens muß zur Ehre dieses Lebens angenommen werden. Denn sonst müßte etwas Anderes angenommen werden: was der Ehre, wie den Verdiensten wenig übrig läßt. Es ist im ganzen Verlauf dieser Auseinandersetzung Zurückhaltung geübt, nur das Mindeste gesagt und auch dem Tone nach ist vermieden, was den Schein vorgefaßter Polemik erregen könnte. An dieser Stelle muß eine Grenze durchbrochen werden, insofern eine quantitative Erweiterung erfolgen muß, denn diese, innerhalb der Themensetzung und-behandlung Kants befindliche Stelle verlangte eigentlich eine ganze, eine besondere Abhandlung. Man bedenke: Wir stehen, von Kant gefordert, im Erkenntnisproblem, stehen als Menschen, ohne, ja gegen ,, Wissenschaft", uns statt ihrer uns auf uns selbst und das Selbst des Menschen berufend, sind versetzt durch die Sache in Kern und Wesen unserer Persönlichkeit, sind in dem, was das Zentrale unseres Selbstes nicht bloß berührt, sondern gerade ausmacht. Und in diesem vertritt diese Stelle, nach der Angabe Kants, ein Mechanismus, ist mechanisches Wirken, Wirkensweise mechanischer Art! Nicht wir sind, das zu glauben, so ist zu folgern, sei eine Illusion, eine Selbsttäuschung, es ist mechanisches, ist für freies Wirken kein Platz. Mechanisches unterscheidet sich vom freien Wirken erkennbar dadurch, daß ihm jeweils nur eine Wirkensweise möglich ist, diese von vornherein in ihm veranlagt liegt, es auf dieses Eine eingerichtet ist. Möglich ist Mechanisches, weil es im Leben, innerhalb organischen Lebens ein Reich toter Stofflichkeit, Mineralisches gibt: weil auch Tod ist. Jener tote Stoff ist relativ unveränderlich, jede, auch die chemische Verwandlung würde den Mechanismus gefährden. Dieser Mechanismus er ,, denkt" nur auf ihn, ein so Beschaffenes, das funktioniert ist eine Funktion als Ergebnis, die sich also von selbst ergibt, von dem nichts anderes erwartet werden kann, als was einmal ein anderes Selbst in ihn hineingelegt, geleitet hat, das weder in einem Selbst, noch von einem solchen durchdrungen ist er hat sein Dasein außerhalb eines wirklichen Selbstes, neben ihm, zu dessen Zwecken ist er zweckmäßig eingerichtet. Er hat sein Selbst nicht in ihm, sondern an irgend einer Stelle ist es gebildet außer ihm. - 31 - Wo ist sie? In der mathematisch ausdrückbaren Ordnung des Kosmos. Weil ,, Gott geometrisiert". In einem kosmischen Chaos wäre keine Technik und kein mechanisches Wirken.( Deshalb, um nicht einen kosmischen Mechanismus zu haben, wie derselbe Kant, siehe dessen ,, Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels..." vom Jahre 1755 es wahr haben will ist im kosmischen Wirken immer auch zugleich Chaotisierung, bis in den Menschen, in sein tägliches, unmittelbarstes Existieren hinein.) Wie im selben Augenblick, wo in der Maschine genügend Dampf gemacht ist dieses der Maschine Fremde, ihrem ,, Selbst" nicht Angehörige nun von selbst Bewegung bewirkt wird, so braucht es auch nur eines gegenständlichen Auftretens außerhalb seiner, des Menschen gesetzt und tatsächlich vorhanden um, wie Kant sich ausdrückt, von selbst Vorstellungen zu bewirken. Ein Selbst des Menschen ist demnach unwissenschaftlicher Unsinn einer nicht wissenschaftlichen Naivität. - - Demnach ist Freiheit beim Hunde oder auch, was dasselbe besagt, beim Teufel! Das Selbst des Menschen ist eine mathematisch zu bestimmende Funktion außerhalb des Menschen, ja Menschlichen, und dazu sind sie da Funktionäre! Aus der Partei des ,, Führers"! - - - Man sieht, in welcher Liste Parteimitglied PG Nr. 2 eingeschrieben, zu suchen ist, sieht auch, warum der Deutsche so bewundernswürdig exakt ,, arbeitet"! Ob auf der Lehrkanzel oder im Gewaltbereich, Hoheitsbereich der KZ! Wie ,, von selbst". Weil funktioniert. Der Weg zur Masse Mensch ist mit den Vorsätzen Kant'scher Wissenschaft gepflastert. Aber, so muß gefragt werden, von wem waren sie angelegt, eingerichtet, diese Wissenschaft, auf Kant zurückweisend, dieser Kant als der Funktionär, wo sind, wer sind die originalen ,, Techniker"? Hat das Gott so gewollt? ,, Gott blies dem Menschen den lebendigen Odem in seine Nase", steht geschrieben. Wer hat sie so verschnupft, daß etwas ganz Anderes ist heute? Tod und Teufel! Das ist das Erkenntnisproblem heute, praktisch gelöst in diesen jüngsten Offenbarungen, den Offenbarungen des Jüngsten Gerichtstages! Ja, ist es denn nicht so, wie Kant gesetzt hat, kann denn ,, Vorstellung bestritten, geleugnet werden? Dort der Baum, hier die Vorstellung. Ja, nur ist wieder ein Unterschied: Der Baum des Denkers und das Holz des Philisters. Dieser hackt, spaltet Holz, unbedenklich, jener trifft statt dem ,, den Nagel auf den Kopf". Wie er zugleich den Teufel auf den Kopf trifft! Und ihn spaltet er mitten durch, sich in 32 - die Mitte versetzend, in zwei ,, Teufel". Grundverschieden, wie sie geschieden sind, und doch wieder zusammengehörig, aber, und das ist doch wesentlich, jetzt, so, hörig dem Menschen und in seinem Dienst statt des Umgekehrten! Damit ist zugleich gesagt das Wesentliche über die Dienste Kants, über Dienst und Dienstbarkeit. Der Philister außer dem und in ihm selbst, er hat von alledem nichts bemerkt. Deshalb ist das Schlimmste, was sich aus Kant und Kantianismus ergibt, daß ihnen auf den Kopf zugesagt werden muß: ihre Philistrosität. Weil von ihnen, da sie nicht denken, erkennen wollen, ihnen zu sagen ist die Wahrheit. - - - geDaß Deutschland nur gesunden könne- es wird also als krank vorgestellt, wenn es sich nicht scheut, seine ,, Fehler" einzusehen und sich zu ändern, in dem Bestreben, in Schulderkenntnis und Schuldanerkenntnis auch vor dem Letzten nicht zurückzuschrecken, fordert nicht nur die Welt, es wird auch in Deutschland sogar sagt. Es ist geisteskrank, eine seit langem latente Geisteskrankheit ist vorzustellen, das, die Wahrheit wird nicht gesagt! Eine gründliche Sinnesänderung müsse eintreten: vom Sinn dessen, was so gefordert wird, ist nirgends auch nur gefragt, ist nirgends zu vernehmen. Eine ,, Umschulung der Deutschen" fordert alle Welt, erkennt auch der Deutsche wortmäßig an. In Wirklichkeit ist alte Schule. Täuschung und Tod, als reale Wesen, treiben ihr altes Spiel mit den Menschen zu weiterem Verderben. So lange, solange Selbsterkenntnis deshalb nur leeres Wort bleibt, weil ein Selbst überhaupt nicht vorhanden, Erkenntnis nicht bis zu dem letzten Grunde des Erkennens vorgedrungen ist! In Deutschland wird die Kenntnis dieses Grundes und der Gründe eher verhindert als gefördert, aus dem nach dem Vorangegangenen naheliegendem Grunde. Nur mit dem bitteren Gefühl gewissen galligen Humors kann ich lesen, was z. B. Prof. Röpke, Genf, in dem Buche: ,, Die deutsche Frage" fordert und vorschlägt: Die befreundete Schweiz( die den aus Deutschland Emigrierenden seinerzeit aufnahm und nun in sich beheimatet) möge jeweils eine Gruppe deutscher ,, geistiger Elite", als welche sich dem Professor ausschließlich die deutsche UniversitätsProfessorenschaft von selbst versteht, in periodischen Abständen wechselnd und allem beruflichen Tun und Treiben eine Zeitlang entrückt, in Pflege nehmen, ein Freundschaftsdienst zu dem Zweck und Ende, sie wenigstens in körperlich- gesundheitlicher Hinsicht ihrer Leistungsfähigkeit wieder zurückzugeben, deren sie bedarf, um wirkBlume, Geist der Mitte 3 33 lich zu können, was von ihr verlangt wird und auch auf ihr beruht: die Heilung des kranken Volkskörpers der Deutschen. Daß in dem schönen Schein dieses Letzten Kant mit einbegriffen und das ,, An sich" als das unbegriffene Allgemeine in die Wirklichkeit gesetzt etwas ganz anderes verlangen könnte, das ist dem Professoren- Denken trotz des a posteriorischen heutiger Erfahrung in weltweiter Ferne. So weltenweit, daß der Einzelne, jeder Einzelne statt dessen sich sagen muẞ: Ich, in diesem Heute, hier gesetzt, auf dieses, jedes Jetzt kommt es an: in diesem Ankommen kommt die ,, Gesundung". Erkenntnis hier, jetzt ist das Ereignis als Ergebnis, daß, um zur Gesundung zu bringen, gewonnen werden muß ein überwindendes Abstandnehmen von Kant und allem Kantischen. Unter seinen Händen und ohne den für Alles und Jedes, für Geist, Seele und Leib ausschlaggebenden ,, Faktor Denken" verwandelt sich alles zum Verschwinden, statt zu vollziehen, denn mit ihm im Bunde sind Impulse wirksam gegensätzlicher Art, die das Land der Verheißung in das Nichts von Trug und Blendwerk aufgehen lassen- falls ihnen überlassen bleibt. Ein Reich des Erkennens ersteht im überwindenden Abstandgewinnen, das, statt Kants Bestimmungen zu übernehmen und selbst mit ihnen aufzugehen, in ihnen in den Verlust mitzugeraten, statt alledem die Bestimmung durch uns, die wir uns zu halten haben, erst erhalten muẞ. Denn die Fülle farbigen Reichtums und aller Vielfalt von Formen und Gestalten einer blühenden Landschaft etwa vor uns ist sonst überall und immer im Begriff, in ein totes Grau verwandelt zu verschwinden. Wir kennen, durch gewisse Symptome aufmerksam geworden, Ort und Stelle dieser Verwandlung und das Wie: An den Früchten lernen wir kennen ihre Art. Wir selbst haben, uns erhaltend, ein Mittelpunktswesen gebildet, als Kräftequell: Da wir uns als Geist erfaßt haben, der zugleich der Schöpfer ist( dem Wesen nach, nicht im Wirken dem Schöpfer gleicher Art, wie von ihm gewollt): ,, Ich" als dieser im Hier und Jetzt, das es heute gilt, kämpft gegen uns so, daß wir uns zu halten haben, das für sich Welt zu begründen sucht, auf Grund von berufenen ,, Gegenständen". Auch hier, auf der Gegenseite im Auseinandersetzen gegen- ständiger Art, ist Wesen zuzuerkennen, nicht bloẞ Vorstellung. Denn Anderes, nicht Wesenhaftes würde sich nicht halten, müßte sich dem ,, Ich" gegenüber in Nichts auflösen, wie der Nebel vor der Sonne. Es ist gut, und der Fortgang Kants fordert es von neuem, sich zusammenzufassen: Ich bin, im Besitze meines den34 kenden Vermögens, und meiner bewußt kann ich mir sagen: Alle seine Bestimmungen( des ,, Ich bin") erkennbar fallen sie in mich hinein, sind in mir als tätige Kraft, die zugleich nun dieses Vermögen ist, nichts ist draußen und mir fremd, auch Neues nicht, das mir so wird: Es ist dieser, meiner ,, Natur", und so begriffen, als Begriff, als Licht- und Leuchtewesen alles gegenständlicher Art durchdringend, daß von mir begriffen werden kann das Wirkliche in jedem GegenStand. Es wird mir im Mühen und Ringen( und wird nicht ohne Schmerzen) um das Gegenständliche, damit meiner Art wird, die des Geistes als dem Leben. Es offenbart sich mir ist so und sonst vorher nicht in der Welt die will durch meinen Willen, die meine tätige Welt ist, wie ich es offenbare, und doch gehört zur Welt, zu mir, in ihr zu sein. - Ich weiß, gegen Kant gewendet, daß in diesem, ihm ,,, Erkenntnis" sich vollendet, es ihr gerade das Wesentliche ist, das was sie ,,, Erkenntnis", wesenhaft macht, ihr,( und jedesmal mir) den trügerischflüchtigen Schein überleuchtend, Dauer einer Wirklichkeit verleiht, die nicht in dieser endlichen, ver- endenden Welt ist: Aus Vergehen und Vergänglichem bin ,, Ich" mit ihm in dem Unvergänglichen, hinübergeschenkt in der schenkenden Tugend der Begeisterung, die ich übe: hier, jetzt mir schenke. Begeisterung, so kann, wie es zusammengefaßt erscheint, genannt werden, ihr Schmerz und ihre alles übergreifende Freude macht den Künstler und also notwendigen Könner auch der Erkenntnis im Leben und Lebendigen. Ohne sie ist bloße und gewöhnlich üble Handwerkerei, gezwungen, in Manier und zuletzt Manie zu verfallen, Schöpfer und Schöpfung zu Leide zu leben. Jenes Begeisterung Genannte- nirgends und niemals ist bei Kant und Kantianern davon die Rede ist offenbarend wie Offenbares-immer ist freier Wille als Freiheit und freies d. h. erkanntes Tun weltoffene Freiheit, es ist Erfülltsein aus geistigen Bezirken, das mich in sie erhebt gleichsam aber der Vergleich realisiert sich räumlich- körperlichen Bezirken, in denen die Zeit lebt: Ich transzendiere( wechsle hinüber), und dieses Transzendieren macht transparent, durchscheinend das Leben bestimmter Lebens- Lagen und von da schlechthin, und das mir nicht mehr Fremde ist mir. In ihm, diesem Transzendieren findet sich das Denken in der Vollendung und Wahrheit: als das Licht, zu dem es strebt, weil es von dort ist. Es ist der ,, Punkt" der Willens- Entfaltung in mir, und führt mich zur ,, Welt" des Großen, der ,, Großen Welt" des Geistes, in der, mit der entsteht und - - aus 35 - entfaltet, der es sich machtvoll entfaltet: nichts ist ihm fremd, nichts feindlich. Es fällt das so kurz Beschriebene das Umfassende wie der Weg zu ihm ganz zu umschreiben fehlt hier der Raum und überdies, wir sind auf seinen Wegen es fällt zusammen mit den von Rudolf Steiner, seinem Entdecker und Enthüller, in dem Menschheitsbuche der ,, Philosophie der Freiheit", 1894,, Intuition" Genanntem. Diese Schülerschaft, da sie mich mir selber schenkt, wird meiner Freiheit wegen unbedenklich von mir anerkannt, das sei ausdrücklich hinzugefügt. Kant weiß von alledem nichts, das kann schon hier mit aller Bestimmtheit gesagt, ausgesprochen werden, aus der Sache, nicht aus Rudolf Steiner heraus, dem unüberwindlichen Überwinder allen Kantianertums.( Deshalb muß Kant dann das Moralische außerhalb des Erkennens suchen und dorthin in das Nichts verpflanzen, dann, nachdem ihm der Boden entzogen ist.) Die letzten Äußerungen Kants, um auch das zusammenzufassen, sollen bewirken von selbst- ohne ein Subjekt, ohne Wirkung meines Selbstes, sondern von einem andern ,, Selbst", eben des Gegenständlichenteils Vorstellungen, ,, teils unsere Verstandestätigkeit in Bewegung bringen". Das andere Selbst nun, so ist in ,, Tätigkeit"! Auf das Unlogische dieser Stelle und einige Konsequenzen ist hingewiesen. Es handelt sich weiter um ihren d. h. zugleich Kants- Charakter. Diese Stelle ist die genaue Definition des Phänomens der dämonischen Verrücktheit, die zur Verruchtheit führt, als Selbstcharakterisierung zugleich ihre restlose Enthüllung, die zur Enthüllung zu bringen wir uns nicht versagen dürfen. In aller gebotenen Kürze ist dazu zu sagen: man stelle sich vor, zur Erläuterung, ein Medium im Trancezustand. Das wesentlich Auffallende, den Stempel der Verrücktheit tragende Moment dieser Stelle ist die doppelt gesetzte und in Bezug stehende Bewegung, Tautologisches als Logik, ein Un- Ordentliches als die Ordnung: zweimal Subjekt, oder zweimal Prädikat, statt Subjekt und Prädikat, Satzgegenstand und Satzaussage, wie es jeder Satz oder auf einen solchen Satz bezogener Halbsatz, kurz, wie es jede Vernunft verlangt.( Heute, einer aus den Fugen gegangenen Welt gegenüber, darf an dieser Stelle nicht versäumt werden, an die ,, Ordnung" wenigstens zu erinnern: ,, Den Geist dämpfet nicht... Er aber, der Gott des 36 - - im Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich auf die Zukunft unseres Herrn Christi." 1. Thessalonicher 5, 19, 23.) Nun sind diese Zustände denkbar und möglich, wenn zwei verschiedene, aufeinander bezogene Welten sind, in beiden Tätigkeit, in beiden in ,, Bewegung gebracht( also auch schon in Tätigkeit) ist. Ausgeschlossen davon ist allerdings die Welt unseres Verstandes, auf die Kant Scheine! reflektiert. Zu der wir, unserer gewiß, ja und zugleich ,, ich" sagen. Andererseits hätte Kant recht auch dann, wenn dieses eben Ausgesprochene als Bedingung fortfallen würde, zu beseitigen wäre oder, ohne unseren Willen, beseitigt sein würde. Ein solcher Zustand ist der Zustand unbewußter medialer Besessenheit, das Medium in seiner Äußerung das äußerste Gegenteil der ,, Verstandestätigkeit". Es ist so ,, Tätigkeit" eine Welt; es ist nicht nur Tätigkeit nötig, um hineinzukommen, auch im erreichten Zustande ist Tätigkeit. Dann ist ,, Bewegung" zweite Welt; der Äußerung, aus einem ,, Jenseits". Zwei Welten in Bewegung und in Bezug zueinander, eine niedere in Abhängigkeit und eine höhere. Diese faẞt jene als ihr Gefäß, das Gefäß selbst ist bewußtlos, voll des andern. Das heißt das Ich des Menschen( seines Verstandes) ist ,, besetzt"! Im bewußten Leben ein solcher Mensch ist er ein Besessener. Der Besessene ist zu erkennen, muß es sein, sonst wäre nur und überall Verrücktheit. Sie offenbart Kant unmittelbar, sonst- das muß mit aller Schärfe gesagt werden, weil es eine Feststellung ist, die feststellt, was unendliche Verdorbenheit im Gefolge hatte bis in das Heute hinein im Zustande normaler Vernunft, ist einen solchen Satz, den letzten Kants, zu schreiben( und stehen zu lassen!) nicht möglich, nicht einmal denkbar( wenn man nicht willkürliches Operieren Denken nennen will). Daß sie der Ausdruck latenter Geisteskrankheit ist, versteht sich schon darum, weil sie der natürlichen geistigen, logischen Ordnung Hohn spricht, aus einer andern Ordnung in diese hineinträgt, diese stört, kränkt, krank macht. Nur der Mensch bringt auch das zu tun fertig ,, alles Gewaltige nur ist der Mensch", hat Plato gesagt ,,, allen Gewalten zum Trotz sich erhalten" setzt der Platoniker Goethe für unsere Zeit fort und hinzu, nacheinander willkürlich die Zustände zu wechseln, gesund zu sein dem Scheine nach und krank zu sein in Wirklichkeit und alle Zwischenstufen darzustellen. Es braucht wohl nur darauf hingewiesen zu werden, daß Hitler ein riesenhaft vergrößertes, sprechendes Beispiel dieses Falles hier darstellt. Weitere - - 37 nahe und ferne liegende Konsequenzen zu finden wie zu ziehen, muß des beschränkten Raumes wegen jedem selbst anheim gestellt werden. Kant setzt zu seinen„Bewegungen diese Bestimmungen: „diese zu vergleichen, zu verknüpfen oder zu trennen“ was, und hier ist eine weitere Entscheidung gefallen, sich auf geisti- gem Felde erübrigt, in der sinnlichen Welt nötig ist, hier aber nur in der Welt des Toten restlos möglich ist! Es muß demnach ein Eingriff in das Lebendige vorhergehen! Oder es geschieht, wird möglich: das Tote in das Lebendige, diesem den Todesstoß zu versetzen! Ist es der Tod selbst als reales Wesen, nicht als Naturprozeß bloß, oder seine Stellvertretung, dann haben wir vor uns, realisiert, den Begriff des Dämonischen! Der Tod(als individuell hereinwirkend individualisier- tes Kräftewesen) aus seiner natürlichen Ordnung hineinversetzt, sich hineinversetzend in die lebendige, d.h seelisch-geistige Wesenheit des Menschen als auch ein„Ich“, natürlich, nicht aber nur naturhaft, lebendig, ist es der Dämon: Kant noch im Zustande des Begrifflichen, Geistigen verbleibend, Hitler in voller Wirklichkeit des konkreten Lebens. Wenn Kant fortfährt „und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfah- rung heißt‘, so ist zu sagen heute, muß es herausgeschrien werden, da die von Menschen gemarterte lebende Kreatur zum Himmel schreit:„Das ist eine Welt, das ist meine Welt‘, darin waren, sind wir alle Kantianer, das sind Erfahrungen, die wir alle gemacht haben, die der Erkenntnis tatsächlich vorangingen. Heraus aus der Welt! Es ist in allem genau vorliegend, bis zur Genauigkeit einer Photokopie: Die Welt der modernen Naturwissenschaft! „Der Zeit nach geht also keine Erkenntnis in uns vor der Erfahrung vorher, und mit dieser fängt alle an(U) Wo Zeit ist, ist auch Raum, wo Raum ist, da ist Körperwelt: und in dieser ist der Tod! In dieser Welt wirkt die moderne Naturwissen- schaft. Kant hat die ganze Welt der Welt der Naturwissenschaft un- terworfen! Die Körperwelt als das Endliche ist die Welt von Ver- gänglichkeit, Täuschung und Tod. Moderne Naturwissenschaft ver- setzt sich in die Welt des Lebendigen als der stellvertretende Dämon 38 N des Todes: ihr schließliches Ereignis als Erreichnis kann ihrer Her- kunft und Veranlagung nach nichts anderes sein— die erregenden Beispiele sind vor aller Augen— als der Tod alles Lebendigen, wie es sinnlos ist, von diesem Wirklichen Anderes erwarten zu wollen. Es kann nur gehofft werden, daß das alarmierende„Deutschland erwache!” statt es in der Sprache des Dämon zu vernehmen ichhaft übernommen wird. * Wir sind am Ende unseres Weges mit Kant, mit dem wir zu gehen hatten, gegangen sind, aber ohne unsere Selbständigkeit aufzugeben, des besseren, des höheren Selbstes wegen, das in der Wahrheit ist. Und die Kraft der Wahrheit, zugleich die des Guten als des höchsten Gutes, Gott, ist gestärkt in ihrer Bewahrung, die zu wollen uns geleitet hat. Das Ringen, dürfen wir sagen, ist gesegnet worden— es war ein Ringen mit dem Bösen, wie wir jetzt erkennen. Man kann im Erleben eines Künstlerischen sich ganz hingeben, das christliche Gebet ist Hingabe an die göttliche Dreieinigkeit. Nicht so demnach im Wissenschaftlichen der Philosophie, die der Geist der Wissenschaft ist. Im Gegenteil, ja im Gegensatz und Gegenwurf jener, wie sie hier kennenzulernen war, ist man, wie wir wissen, jetzt, so verloren! Es gibt, im Ganzen der Welt, die wir Kosmos nennen, auch den Gegenwurf der Intelligenz, die göttlich ist und göttlich veranlagt, gibt ihren Mißbrauch, und Wesen, Wesenheiten, die das wollen, wie Gott ist. Gott offenbart sich der vertrauenden Hingabe, diese erst enthüllen sich der ringenden Überwindung; es ist sittliche Pflicht, das Gewissen mahnt, gegen das Böse anzugehen. Mehr, wenn man eine An-| gabe Rudolf Steiners bedenkt: unser Zeitalter habe die Aufgabe zu- erteilt bekommen von den kosmischen Mächten der Welt, der Über- windung des Bösen, das noch in neuen, unerhörten Formen auftreten werde. Das ist die Begleitmusik des Siegeszuges der Technik. Man bedenke weiter: Kant war es„kein übler Einfall... den ganzen In- begriff der Gelehrsamkeit... gleichsam fabrikmäßig’ zu behandeln („Streit der Fakultäten”, 1797, Anfang). Das, was als höchstes Streben des Menschen auf das Gewissen gestellt ist, fabrikmäßig einzustellen, als Technik gewordener Betrieb! Ist es nicht gleichsam das Resultat, der Schlußstrich gezogen unter seine Lebensarbeit? Die ganze Summe seines Strebens ist darin ausgedrückt! Von da zur erreichten Technik des Bösen ist ja nur ein Schritt. Ehedem ein einzelner Mensch im einsamen Ringen um Erkenntnis, die menschlich blieb, heute eine 39 ganze Stadt mit Tausenden von Menschen, bemüht um eine einzige Aufgabe naturwissenschaftlicher Technik, ohne, und darum gegen den Menschen: Das sind zwei Zeitalter. - - Diese ,, Form", von Kant angelegt, hat also das wissenschaftliche Leben angenommen. Es ist dieselbe Form des Politischen, als Weltanschauung deklariert fix und fertig, Fabrikat, aber unter ZwangErwerb gestellt die das Politische im Hitler- Deutschland übernommen hat und also nur zu übernehmen brauchte! Und wie haben Gelehrte sie übernommen! Weil sie längst nicht mehr als zur Hut bestellt des heiligen Feuers sich gefühlt haben, als das sie wohlweislich gelten. - Das ist eine Feststellung. Wissenschaft der Natur, losgelöst vom Menschen und damit bar des Menschen sie wird ein Unheil sein, Wissenschaft, herangebracht an den Menschen, sie kann von unendlichem Segen sein, sagt derselbe Rudolf Steiner. Alles Unheil der Zeit beruht darauf, rührt daher, im ersten Falle zu beharren. ( R. St. hat nicht ,, beharrt".) Die Feststellung, deren objektive Gültigkeit unbestreitbar ist, wie deren Bedeutung nach den beiden Seiten des Politischen wie des Wissenschaftlichen muß uns Veranlassung sein, dem grundlegenden Ausgang weiter nachzugehen. Denn da hier geistiges Wirken ist, wirkt ja weiter, ist auch nach dem machtmäßigen Zusammenschlagen in Mitteleuropa geistiges Wirken dieser Art anzunehmen, bis, eben bis zur Wurzel vorgestoßen, diese selbst erfaẞt ist.( Daß, und wie weiter wirkt, ist vielleicht zu belegen: ,, Diese Jugend", es spricht ein Professor auf eine Anfrage[ siehe ,, Der Ruf der jungen Generation", 1. Mai 1947] ,,, ist in Wirklichkeit recht unjugendlich. Sie hat in mehr als einer Hinsicht das Greisenhafte eines Neugeborenen an sich. Sie ist noch absolut unbeweglich und schwunglos" mit zunehmendem Alter wird es gewiß besser werden ,, von selbst"- ,, und hat infolgedessen keine Ahnung von den Kräften, die sie in sich freimachen könnte", trotz der hohen Schule, .. Denn, nicht wahr, ausschließlich Erkenntnis, ich möchte sogar sagen: wissenschaftliche Erkenntnis- der politischen Wirklichkeit ist imstande, den typischen deutschen Jugendnihilismus zu überwinden."... auch der Ruf' ist ein solch spontan entstandenes Zentrum, wo neue politische Energie sich sammelt", nach der Meinung des Herrn Prof. Dr. Robert Havemann ,,, lehrt an der Berliner Universität physikalische Chemie".) 40 - Es war ein Weg, hier, der Tiefen und Höhen augenfällig gemacht - - hat. Unsere Erniedrigung, bis ins tierische Erleiden, stand drohend vor uns. Unsere Erhöhung, bis in die Lichtes- Höhen befreienden, freien Geistes ist ihr abgerungen, mußte abgerungen werden. Und es käme allerdings dem Selbstmord gleich, sie je wieder aus den Augen mit dem unzu lassen, aufzugeben. Der Selbstmord Deutschlands säglichen Morden innen und außen lag veranlagt in dem Wege der Wissenschaft und Bildung. Denn so ist dieser Weg in den Selbstmord zu bestimmen, der näher durch Kant bestimmt ist, von ihm als dem entscheidenden Ferment, mit Ausnahme also des unterirdisch gehaltenen, bis heute machtmäßig( nicht bildungs- d. h. geistmäßig) gefesselten Goetheanismus. In jenem, im schärfsten Gegensatz zu diesem, der es in sich hat, ist das Moralische außer sich gehalten und so wurzellos, um sein Wesen gebracht, als das wesentlich Menschliche, des Menschlichen wie des Erkennens in seiner Wahrheit und Wirklichkeit. Dieser machtmäßigen Bildung wurde das ebenso einseitig gewordene politisch sich gebärdende, politisch gewordene Deutschland möglich mit seiner Führung, mit angelegtem Führertum schon im Mechanismus des Militärischen, als Entsprechung Kants, mit angelegtem Mechanismus des geistigen Lebens und so seit dem Ursprung unheilvoll mit ihm verflochten.( Der Unterschied von Nord- und Süddeutschen, sonst immer und in vieler Hinsicht mit Recht geltend gemacht, ist doch nur eine Tingierung des Wesentlichen, das im Geistigen begründet ist, und da ist eben überall Kant und kein Unterschied, es ist hier wie dort wenn auch verschieden auftretendes so doch in beiden wirkendes Geistiges ahrimanisch- luziferischer Art. Wissen um die Dämonen tut not", ja, das meinen wir auch, mit Felix Schottlaender in ,, Zwang und Freiheit", August 1945( Seite 40), der, endlich, einige Hoffnung eröffnet, denn ,, wer anders sollte Garant und Hüter unserer Freiheit werden, als"- die sie verraten halfen!- ,, die geistig führende Schicht, die heute keine Möglichkeit mehr hat, sich der Verantwortung zu entziehen" man höre und staune ob dieses Eingeständnisses, weil sie sich nicht mehr auf einen Staat verlassen kann, der für ihr Wohl besorgt ist" nun, das ist wenigstens in all dem verlogenen Schwindel von gestern und heute endlich einmal männlich und mannswürdig d. h. offen und ehrlich gesprochen und zugegeben: wozu sich anstrengen, wenn es auch ohnedem geht ,,, Gevatter Staat mit Butter versorgt?" Der jetzt freilich, selber in Not, nicht mehr ,, für ihr Wohl ist besorgt und alles ohne ihr Zutun erledigt" ( s. S. 42) dafür jene ,, Garanten und Hüter unserer Freiheit", sich selbst " - 41 überlassene widerwillig freilassend, im Zwange der Not sogar über ihn aufzuklären: Selbsterkenntnis Welterkenntnis, diese Polarität als neueste Errungenschaft der Wissenschaft ausposaunt zu hören, dürfen wir vielleicht hoffen. Bedürfte es noch eines Beweises für die Realität und das Wirken jener Kräftewesen, die jüngste Geschichte hat ihn geliefert, denn dieses Wirken hat die tatsächlich vorhandene Gegensätzlichkeit von Nord und Süd sogar zur Einheit gezwungen. Und nach diesem Führertum erstand, in der Endung(!), der Kopf, der ,, Führer". Es war alles Kopf geworden 1933, war in diesem Kopf, was in Wahrheit längst auf dem Kopfe stand, wurde ausdrucksvoll, was sich selbst darin bezeugte zugleich: er hielt an sich das Moralische, das Leben des Menschen unter sich habend, es völlig außer sich, ganz nur im Belieben eines Scheinens nach außen. Jetzt zugleich so, das ist das Entscheidende für uns, daß Weltproblem ist, nicht nur des problematisch gewordenen Deutschlands mit den problematischen Naturen der Deutschen: Überall ist ,, Hitler in uns selbst", wo, nach Welt- Meinung, Kopf- und Gehirn-, Denk-, Gedanken- Vermögen ist, Schein, Vorstellung, die für Wirklichkeit genommen, als Wirklichkeit gegeben werden, statt der Wahrheit dieses Kopfes: Spiegelung des realen, mit der Seele verwurzelten Gedankenwesens, vom Geiste her impulsiert( statt auf Körperlichkeit beruhend und mit ihm beschränkt) zu sein. In Hitler und diesem Deutschland kulminierte, führte sich ad absurdum, was in der Welt ist: Abfall der kosmischen Intelligenz, Fall in Materie und Körperlichkeit, dem Tode verfallene Vergänglichkeit, durch die Schuld der Menschen dieser Welt. Ihr erstand der ,, Fürst dieser Welt" in Deutschland als der Mitte der europäischen, der Bildungswelt. ,, Der Sündenfall der Erkenntnis"( R. St.) ist zum begreifenden Anerkennen zu bringen: das ist der Zwang des Dämonischen heute. Der Trug, die Täuschung( die gefährlichste, als Selbsttäuschung der ,, Bildung") als Voraussetzung, dazu die Voraussetzung dieses Kopfes: Hitler nun, die wirkliche, kosmische Intelligenz in Abstand gehalten, hier, jetzt, spiegelt der Dämon! Er wirft in das Seelische von Denken, Fühlen und Wollen sein Wesen! Und das körperliche Wirken wirkt ihn aus! Hitler so als dämonisch besessen( quellend dieses Dämonische in dem, was als das Ahrimanische, Luziferische in seiner Polarität sich hier, in der ursprünglichen europäisch- deutschen Anlage, nämlich Kant denn diese Wissenschaft ist unbestreitbar international42 C g D - charakterlos, nichtdeutsch, zu charakterisieren in der Entwicklung gezeigt hat und weiterhin noch näher zu bestimmen ist) spielte ein Doppel- Wesen normal als menschliches Wesen dem Scheine nach: den zu durchschauen die moralisch inferiore Umgebung weder die Fähigkeit noch auch nur den Willen hatte. Bildung, diese Bildung ließ beides als Unbekannte versäumen! Das Geistige als Dämonisches - die Wirklichkeit Hitlers, von ihm bewußt gepflegt und zu voller Auswirkung gelangend, wurde ,, Erfahrung vor der Erkenntnis": Kant hat recht behalten, wie er recht bekam: ,, Wissenschaft" auf seinen Wegen wandelnd in Deutschland seit dem letzten Jahrhundert, hat recht gegeben. Wo gibt sie nicht recht? Das ist die Frage an die Welt, nachdem Deutschland enthüllt hat! , Erniedrigung, Erhöhung", unsere Probleme hier: deutsches Volkstum hat ,, Erhöhung" in sich, das dürfen, das müssen wir bekennen. Ja, dieses Bekenntnis, jedesmal im Vollzug rechtmäßig abgelegt, das ist die ,, Umschulung der Deutschen", die die Welt von uns verlangt. Ob nur für uns oder nicht auch für die Verlangende, das ist eine Frage von Recht und Gerechtigkeit. Die zu stellen haben wir, die wir in Erwartung stehen. Es ist nach dem Vorangegangenen, an Kant Entwickeltem genau der Ort zu bezeichnen, an dem sich entscheidet: Es ist nicht ,, guter Wille", zu erwarten, zu erhoffen, zu erstreben, es ist der Wille, bestimmter Art. Deutschtum hat ihn zur Aussprache gebracht zuerst: der ewige Deutsche hat durch den ,, ewigen Jüngling" in Deutschland das ewig Verjüngende ausgesprochen: Novalis hat anderthalb Jahrhunderte vor uns mathematisch genau den Ort bestimmt: er heißt ,, Denken ist Wollen oder Wollen ist Denken"( s. Fragmente, Ausgabe Kamnitzer Nr. 1151). Wollen im Denken zu haben bewußt, ist die Befreiung der Intelligenz von dem Fall, ist Erlösung der schuldig gewordenen Intelligenz. Nicht darauf kommt es an, den ,, guten Willen" zu haben bloß- und dann schlechtes Tun in Täuschung zu hüllen- sondern darauf, den Willen zum Denken zu haben, ihn, der unbeirrbar vorstößt zum Grunde der Dinge: von hier aus, im Segen dann der kosmischen Intelligenz, der nicht ausbleibt, der sich schenkt, gewissenhaft, d. h. dem Gewissen gemäß zu handeln versteht. Der gute Wille", heute schlechtes Denken, bleibt verhaftet im Subjekt und Subjektiven, dem zuletzt doch der Bauch der Gott ist, der entscheidet, Wollen im Denken ist im Grunde der Intelligenz, die verhaftet ist zuletzt der Intelligenz des höchsten Gutes, die Sonne scheinen läßt über Gute und Böse 43 nach Maßgabe seiner, der objektiven Gerechtigkeit, des objektiven Maßes und der Maßnahmen, weltmännisch, nicht gesindelhaft. Die Umschulung der Deutschen ist Kern und Keim der ebenso notwendigen Umschulung der Welt. Fehlt es an der Schule oder an den Lehrern? Wir müßten nicht Deutsche sein, wenn nicht andernfalls Schüler sich geradezu drängen würden in hellen Haufen. Ja, wir wissen mehr, auch die Zeit würde sie drängen. Öffnet, eröffnet Schulen! Erkennt an Förderung und Behinderung Geist und Ungeist! Zur Förderung der Erkenntnis wollen wir unsere Schulung hier fortsetzen. Der Weg des Denkens, weiter verfolgt, läßt eine nähere Bestimmung jenes Polarischen, bis sich die Konturen deutlich genau abzeichnen, erwarten. Geben wir, durch seine Kraft befähigt und beflügelt, der freien Intelligenz, da sie noch göttlich, nicht in der Fesselung des Bösen ist, geben wir ihr Raum, sich näher zu bestimmen, um, was in den Tiefen als lichtscheues Gesindel noch sich umtreiben möchte an der Blutwurzel unseres Wesens, sich daran zu mästen - ans Licht zu ziehen. Wir haben Erkenntnis- Kräfte aufgewandt denn Kräfte standen uns gegenüber. Es ist ja nicht, wie vorgegeben, bei Kant freies Erkennen( in Sachen von Philosophie und Wissen), sondern ein angelegtes Programm, dekretiert wird ein erlassenes Manifest, ein Dekret ist anzuerkennen: nicht spricht irgend ein Mensch, ist irgendein Menschliches in der Ansprache, Vorstellungen sind. Sie sind auch, instinkthaft, im tierischen Wesen. Habt acht auf Vorstellungen, was auch vorgestellt wird, durchdringt es mit eurem Denken! Worte belebt, und seht zu, was bleibt! Um zu sehen, was ist in Wirklichkeit: Auf den menschlichen Inhalt kommt es an. In Worten Kants ist, verbunden mit ihnen, ein Kräftespiel magischer, unheilvollster Verwandlung, wie Christi Worte von seiner Überwindungs- Verwandlungskraft getragen sind. Nie hat sich der Ver- Führer zu ihnen bekannt. Hätte das nicht ,, Christen" warnen sollen? Die Anhänger waren in Haß auf ihn. Es sind wahre Deutsche gewesen, die das Märtyrertum nicht gefürchtet, ja auf sich genommen haben. Das dürfen wir bekennen( und wahres Christentum ist auch immer und überall wahres Deutschtum, wie wahres Leben von seinem Geiste getragen ist). Hier sind Kräfte angelegt, uns automatenhaft zu verwandeln, um Besessenheit dann zu werden! Nicht zu fragen ist, weil fraglos ist, was bedeuten, was zu bedeuten haben Worte, groß geschrieben, Haupt- Worte bei ihm, und Sätze sind, 44 was ihr Ausdruck ist. Sie sind aus Phänomene objektiver Wahrnehmung, ein oberflächliches Darüberhinaus verfällt ins Subjektive, das weder angebracht, noch auch zu raten ist, denn in jeder Wortmacherei behält doch zuletzt Kant, darin Meister, das letzte Wort; die ,, Kr. d. r. V." ist so geworden: ein ganzer Kosmos wild wuchernder Wortemacherei. Es kann dagegen in dem Reich moderner Naturwissenschaft, die sich darauf ganz verläßt, nur ohne die Fähigkeit oder auch nur Möglichkeit wahrer philosophischer Erkenntnis, in der Reinheit und Strenge ihrer Methodik, wie sie sie ausgebildet hat und meistert, kann sie ein Vorbild sein. Wie übrigens von Goethe, im Gebiete des Lebendigen sogar zu lernen ist ,,, die Objekte rein anzuschauen". Nicht auch weiter mehr ist für uns zu fragen was sich herausstellte, ob richtig oder falsch, wahr oder unwahr ist, das Denken hat entschieden, gab uns die Möglichkeit, den Ausschlag zu entscheiden, indem unser Denken in dem Trug an ihm wach geworden- das Fehlen dort entdeckte, waren wir die Meister. So daß, mit dem Denken, in unbeirrter Sicherheit beider, des Wahr und Falsch, die nun Vorstufen sind, weiterzugehen ist. In den Sätzen ( I und II) ist zu entdecken ein Geschehen, ein Prozeß der Entwicklung sonderbarer Art, also Bewegung, in der Totalität des seelischen Lebens und Erlebens.( Es ist erschütternd zu lesen was kaum jemand erschüttert was ein deutscher Professor von heute einem internationalen Forum in Hinsicht dieser Totalität zu antworten, vorzutragen hatte: - - ,, Heute, und wäre es auch nur auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, hat die Wissenschaft uns eben diesen zerbrochenen Zustand gezeigt, in welchem die Welt sich uns und unserer Erkenntnis darstellt. Wir verfügen nicht über eine einheitliche und geschlossene Welt. Und genau so ist es unmöglich, das Ideal einer Total- Organisation oder auch nur eines totalen Menschen sich vorzustellen. Jedesmal, wenn wir es versuchen und eine solche Totalität uns vorstellen und mit ihr rechnen wollen, zerstören wir existentielle Möglichkeiten in uns. Den Besitz des Ganzen gibt es nicht für uns; sondern nur einen Weg, der bis zu einem Horizont hinführt, den unser Blick nicht mehr erreicht... Alle Totalitäten zerbrechen vor uns und werfen uns durch ihr Zerbrechen in die konkrete Situation zurück: ins Jetzt und Hier mit ihren Aufgaben..." ( Aus: Die ,, Umschau, Internationale Revue", Januarheft 1947.) Von der Friedens- Vorkonferenz der europäischen Intellektuellen, zu deutsch Geistigen 2.- 14. September 1946 in Genf. Nun ist uns doch ein Selbstmord unterlaufen: eine Konkurrenz von solcher Schlagkraft ,, Jetzt und Hier" einzuführen. Man hat den Kantianismus eines Jahrhunderts in Deutschland in Reinkultur vor Augen.) Wir fahren fort: 45 - Im Erleben werden wir gewahr - - - das Denken, fähig gemacht, fähig - der Horror vacui der Kantianer - d. h. beweglich geworden, geht mit so daß ,, ums Ganze geht". Da ist gleichsam Sistole und Diastole, wie Goethe sich ausdrückt, um eine Gesetzmäßigkeit des Lebendigen auszusprechen: Zusammenziehung, Ausdehnung des Natur- Lebendigen, worauf in diesen Zusammenhängen besonders hinzuweisen ist. Das eben nicht bloß auszudenken, gar nicht im Vorstellungs- Denken erfaßbar ist, aber Veranlassung sein muß einer Metamorphose des Denkens die der Kantianismus hartnäckig bis zur Besessenheit verweigert. Der ganze Mensch denkt, und mit dem Wesen Mensch, dem Wesenhaften, das so erfahren, erfahrbar ist, wird das Denken wesenhaft und erfährt wesenhaft Objektives. ,, Wer zum wesenhaften Denken hin sich wendet, findet in demselben Gefühl als auch Wille, die Letzteren auch in den Tiefen ihres Wesens." Die bloße Wortbedeutung von Vorstellungen, Begriffen, diese heute weithin illusorisch geworden, weicht ihrer wahren, das heißt menschlich- menschheitlichen Bedeutung, der ,, Spiegelmensch", Kopffechter seiner selbst, dem es, da alles außer ihm gleichgültig ist, auf eine Lüge mehr nicht ankommt, jetzt, der Mensch ist im vollen Ernst des wahren Lebens: der Wirklichkeit des Gedankenwesens, die kosmische Intelligenz, wird erfahrbar.( Hier sind sie wirklich: ,, die Grenzen der Erkenntnis" der Kantianer.) Umsonst quält sich der Kopf damit, es muß schon der ganze Mensch herein, in das Denken. Man wird unbewußt! mit den Sätzen( I und II) nicht bloß in den Kopf genommen, der Spiegel ist und in Vorstellungen spiegelt, man wird hin- und hergerissen, in zwei aufeinanderfolgenden entgegengesetzten Richtungen: ,, denn" bei Kant heißt wirklich: Umschaltung, Umpolung. Ins Feste hineingefahren, festsitzend, zuerst, ist wie eine zur Faust zusammengeballte Hand, die dann natürlich nicht weiter kann, der Krampf wäre das Weitere, bis zur Erstarrung, zu erstarrtem Leben, zur leblosen Sache. Und ganz real ist das: alle Erkenntnis, so gehandhabt, muß annehmend voraussetzen, daß nur Sachen sind, die sich also nicht ändern, wie das Lebendige. Ist im Lebendigen nicht Erkenntnistrieb lebendig wird nie Erfahrung, dieser Satz( I) versachlicht den Menschen.( Es ist die Mehrzahl der Menschen heute, unter dem Einfluß des toten Intellektes, körperlich verkrampft. Der Egoist ist es auch seelisch. Es gibt Menschen, wie gefroren, die auch im Sommer Kälte auszustrahlen das Vermögen haben.) Es ist im Grunde der kalte, herz- und hirnlose Intellekt, der das Leben so wertlos macht hinter ihm sind die Künste des 46 - - - - S S T - - Satanischen. Sie sind auch ausgebreitet in dem Folgenden( II), mit dem Kant ,,, denn", anschließt, während dagegen der Wortschwall selbst in heller Auflösung ist, der zu nichts führt im Grunde: Luzifer wirkt nach Ahriman in der Auflösung. Es ist, wie wenn ein Garnknäuel genommen, nun abgerollt wird. In diesen beiden Wesenheiten lebt sich das ganze Naturgeschehen aus, das von den zwei Tendenzen beherrscht erscheint: Zusammenziehung Ahriman gibt Festigkeit, aber zu Erstarrung und Tod, nun auch im Denken, die Kräfte der Tiefe wirken herauf, Bestialität droht, und Auflösung Luzifers Feuer, im Blute wirkend entflammt u. a. die Wärme der Begeisterung des Künstlerischen. Und so kann nicht schlechthin vom Bösen als dem Guten entgegenstehend gesprochen werden, böse ist, an falscher Stelle wirkend zu stehen und der Entwicklung der gewollten Ordnung der göttlichen, kosmischen Intelligenz entgegenwirken. In III ist ein abstrakter Faktor, wo ein Mensch sein sollte: Worte sind, losgelöst von ihm und statt seiner die Verabsolutierung von Worten, die heute bemerkt wird, hat hier ihre Quelle. - - Hier, zuletzt, ist eine Methode nötig, mit dem Menschen als dem Element, das der Naturwissenschaftler im Experiment hat: man muß auf sich achten. Und was dort sich entwickelt ,,, von selbst", muß der Mensch bewirken, was nahelegt, sich in Pflege zu nehmen wie hier zunächst das Denken erweckt wird. Man wird von da und mit diesem in methodischer Folge ein neuer Mensch, und Wissen- schaft bekommt nun Sinn und Inhalt, den, lebensvoll zu sein. Es gibt einen Beweis für das Übersinnliche, von dem die Rede ist, dem Leben und Weben der kosmischen Intelligenz: Man kann es stärken( in der Pflege) und schwächen( im Absehen von ihr). Das Leben beweist sich selbst, und Lebenstatsachen, anstatt sie zu leugnen, fordern eben eine Erhöhung auch der Erkenntnisstufen heraus. Demgegenüber ist es allerdings bequemer, mit unserm Genfer Kontrahenten und in unserem Falle hier zu erklären: ,, Dämonen gibt es nicht." ( S. ,, Die Wandlung. Eine Monatsschrift", Heft V 1945/46.) Wenn das dann weiter sogar ausdrücklich unter Berufung auf die Bibel geschieht( ,, Von der biblischen Religion"), dann hat der Schritt in die Gelehrsamkeit den in die Tatsachen ,, existentiell" aufgehoben, allerdings mit dem Gewinn, das Banner unter allen Umständen hochgehalten zu haben ,, den Satz unseres größten deutschen Denkers Kant" ( Karl Jaspers: ,, Die Schuldfrage", 1946, S. 64, die Chronica hat also noch zu berichten, daß es sich in allen drei genannten Fällen um ein - 47 und dieselbe gelehrte Welt handelt, Dr. Karl Jaspers, der PhilolophieProfessor der berühmten alma mater Alt- Heidelbergs). Das ist die Aufgabe der Mitte, die sich dazu ermächtigt, das hat sie der Welt zu sagen heute eine Frage des Hier, Jetzt: Ist die Intelligenz des Menschen kosmisch veranlagt oder ist sie menschlich- mechanisch? Darin muẞ Ordnung gemacht, das muß entschieden sein, wenn anders je wieder an eine geordnete Welt auch nur gedacht werden kann und soll. Wie sich der Einzelne in Ordnung bringt, ist uns hier nur eine Zusammenfassung, die zusammengefaßt Lebensregel sein kann, nein sein muß, nach dem Vorangegangenen: Ich will und werde nicht ruhen, bis ich denkend auf den Grund gekommen bin der Dinge zunächst, die mir aufgetragen, jeweils vor mir sind. Und dann, von diesem Wesentlichen werde ich weitergreifen und so immer weitergreifend, weltumfassend, sein. So werde ich der Welt angehören und bei mir sein, mir gehören und in der Welt sein: Ich bilde die Mitte. Wir haben uns zurechtzufinden in der Welt, gerecht zu werden Dingen und Menschen, für Geist, Wissen, für Geistes- und Naturwissenschaften einen Prüfstein: Was haben Geisteswissenschaften zu bieten der Natur( einschließlich des Menschen), hat Naturwissenschaft zu bieten der Natur( einschließlich des Menschen), hat Naturwissenschaft zu bieten dem Geiste? Denn im Menschen, und auf den kommt es an, sind sie beide, Natur und Geist vereinigt, und Mensch sein in der Menschenwürde kann nur sein in der Vereinigung beider: ,, Die höhere Philosophie behandelt die Ehe von Natur und Geist." ( Novalis, Fragment 471.) 75002 19 ,, Denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes." Röm. 8, 21. 48 -noaud collage ( Zusätzliche Ergänzungen) li Für den, der sich mit den vorangegangenen Ausführungen auseinandergesetzt hat, kann es nicht zweifelhaft sein, den ,, Geist der Mitte" auf Deutschland zu beziehen, daß den europäischen Menschen deutscher Zunge ein besonders veranlagter Volks- Charakter zugeschrieben werden muß, woraus weiter geschlossen werden kann, daß auch die anderen Völker in ihrer Geschichte eine Ausprägung besonderer Stellung und Veranlagung haben, die in ihr zum Ausdruck kommen, nicht beliebig vertauscht, gewechselt werden können. Was uns, was ,, Deutschland" betrifft, hier, wo unsere Existenz wurzelt als die bedrohte Mitte zwischen Gegensätzen, die ständiges Streben, nicht etwa eine tote Statik, die vielmehr ausgeprägte Dynamik ist, auf organischgesetzmäßige Höherbildung veranlagt, ist die europäische Mitte zwischen Ost und West. Eine Bestätigung einer solchen Tatsache kann in der bekannten anderen gesehen werden, daß der Deutsche nicht jenes verhältnismäßig ruhige Gleichmaẞ benachbarter Völker hat, vielmehr zu Extremen zu neigen pflegt, die ihn den Anderen oft so chokierend- unbegreiflich erscheinen lassen. Der Deutsche kann nicht vom Geiste lassen, ohne nicht seinen Untergang zu besiegeln damit, ein Entweder- Oder mit unmittelbaren Folgen im äußeren Geschehen ist ihm eingeschrieben, das auf Geist oder Ungeist zurückführt und deren Ausfluß ist, beides Realitäten als wirksame Kräftewesen; eine geistlose Geschichte ist hier als der unmögliche Widerspruch zu sich selbst entschieden, so unmöglich, wie der Ofen ohne das brennende Feuer in ihm nicht Heizung ausstrahlen kann. Es ist in ihm der eingeborene Kampf gegen einseitiges Ausprägen materialistischen Anschauens und Daseins. Ist in ihm doch das Drängen des Absoluten und sein Widerspiel, ist der absolute Geist als Kämpfer, weil Gegenspieler sind. Faust konnte nur als Deutscher zur Welt kommen und darnach gibt es ,, Spielarten" in andern Völkerschaften, Ländern.( Mephisto hat eine von Goethe noch nicht bis zur individuellen Differenzierung gebrachte Doppelrolle durchzuführen, wie R. Steiner darlegte.) Man kann nicht einen Ausschnitt, und zwar den äußerst denkbaren der Perversität, absoluter Verdorbenheit, kann nicht aus dem Menschlichen herausgefallenes äußerstes Extrem als einen kontinuierlich Blume, Geist der Mitte 4 49 - - - mit entfließenden Strom deutschen Lebens konstruieren wollen sprechenden Konsequenzen dann für uns( und für sich!), ohne nicht neben dem völligen Unverständnis, mit dem bösen Willen, die sich darin kundtun, in Gewalt und Gewaltsamkeiten zu verfallen besonderer, nämlich Geist- Versündigung, Verleugnung sowohl der Menschlichkeit als auch der Wahrheit und Moralität. Hier sind die Völker zur Moralität ,,, der Wahrheit letzter Schluß", aufgerufen und verpflichtet, zu einem nie dagewesenen Meisterstück und zugleich wir, die im bösen Spiel Verspielten, zu einer Selbst- Erkenntnis mit dem Selbst in Dasein und Existenz. Nur mehr Voraussetzung, nicht aber bloßer Inhalt ist jede Auseinandersetzung theoretischen Bewußtseins, wir existieren faktisch, im ,, Selbst, das sich hält, halten kann", oder setzen uns aus der Frage und Folge des Existenz- Verlustes, es gibt mehr nicht oder nicht anders als in Bedrohung, Gefahr Latenz- Zustände wohltuenden Schlafes.( Das ist auch, wenn auch unbewußt, Sinn der überall zutage getretenen Forderung nach ,, Umschulung der Deutschen". Wir haben gesehen, daß ,, Dasein" überhaupt nichts anderes sein kann als eine ständige Um- Schulung, nur so, bewußt, denn das heißt Schulung, kann er, als Deutscher überhaupt sich halten, und die jüngste Geschichte, was ist sie anderes als der ärgste, brutalste An- Stoß aus Schlaf- Zuständen ins Auf- Wachen?) Da ist Besessenheit in unsere All- Täglichkeit gekommen, zu Überwältigungen ohne Maß und Ziel, sich alles zu bemächtigen. Die Gegenspieler, objektive Gegenkräftewesen haben ins Nichts verspielt, daß wir heute ums nackte Dasein ringen müssen. Aber die Gegner sollten nicht fortsetzen, uns das aufzuzwingen, sollten Verständnis haben für die besondere Lage, für Besonderheiten und neue Lagen und Ereignisse, denn das ist Geschichte. Es ist doch wohl an der Zeit, und die grausiggrauenhafte, übermenschliche Größe der Ereignisse mahnt doch dazu, nicht mit abgetragenen Ladenhütern kommen zu sollen, denselben, die sich schon einmal als zu engstirnig- unheilvoll erwiesen haben: ,, Sicherheit" ist ein Verlangen des Menschen von heute, um sich, sein Selbst zu wissen, zu erfahren, mit alle dem worin es, mit dem es verhaftet ist, verlangt nicht ein Land von uns, dem ohnehin Ohnmächtider sich nur in der Erkenntnis seines Wesens, die zur Erneuerung treibt, halten kann, in Haltung bewähren muß. Niemals wie jetzt aber verlangt Geschichte unserer Erneuerung inneres Wachstum, über sich hinaus: wahre Größe, sie ist zusätzlich, im transzendenten Raum. Wer sich das Wissen versagt, hat ausgespielt und sollte den gen 50 - Schauplatz der Geschichte, Politik genannt, anderen, Fähigeren abtreten. Hat nicht Deutschland, auf Altes hin dressiert, sich den Untergang auf den Hals geladen? Es ist Beispielhaftes, zur Erläuterung, zu wünschenswerter Deutlichkeit zu bringen, was im Folgenden beigebracht wird. Eine offenbar von Verantwortung und Sachkenntnis diktierte Schrift: ,, Gibt es noch eine deutsche Außenpolitik?" von Eugen Budde ( Verlag Mittelbach, 1947) findet ,, manche überraschende Parallelen" der ,, schlimmen Lage Deutschlands nach dem totalen Zusammenbruch"... ,, zu der politischen Situation Frankreichs im Jahre 1814 nach dem Sieg der Verbündeten über den korsischen Eroberer" und stellt fest: ,, Obwohl weite Teile des französischen Volkes wenigstens in den ersten Jahren der napoleonischen Herrschaft"... ,, den Sieges und Beutezug durch die schnell eroberten Länder Europas mit freudigem Beifall erlebt und begrüßt hatten..., wurde dem neuen Frankreich von 1814 nicht einmal eine Kriegsentschädigung auferlegt".( Dem beutelosen Deutschland hundert Jahre später in Versailles um so unsinniger!) ,, Vielmehr ging das besiegte Land im Ersten Pariser Frieden nach dem Stand der Grenzen von 1792 um hundert Quadratmeilen sowie um eine Million Einwohner vermehrt..., ohne irgendwelche Reparations- und Kriegsentschädigungspflichten, sogar ohne Rückerstattung der von Napoleon und seinen beutegierigen Helfershelfern in ganz Europa in großem Stile geraubten Kunstwerke aus dem Endkampf hervor, in dem die anderen Staaten die Angegriffenen gewesen waren und schwere Schäden durch Verwüstung, Besatzungswillkür und Verbrechen gegen die Humanität sowie die damals geltenden Sätze des Völkerrechts erlitten hatten."( Mit dem Ersatz, wenigstens zum deutschen Teil, teilnehmen zu dürfen am ,, la gloire" des ,, vive l'impérieur".) - ,, Die schlimmen Erfahrungen, die die"( unterjochten!) ,, europäischen Staaten mit dem französischen Herrschaftssystem"( mit liberalité, egalité, fraternité) ,, gemacht hatten... ließen... die allgemeine Anerkennung der von Talleyrand vorbereiteten These zu, daß" da, nach Vorherigem ,,, Napoleon nicht Frankreich und Frankreich nicht Napoleon" sei ,,, daß der beendete Kampf der Alliierten nur der Vernichtung Napoleons" wie der heutige der des deutschen Volkes!- ,, und seines Systems, nicht aber"- nicht aber auf Deutschland anzuwenden! ,, der Unterwerfung und Erniedrigung Frankreichs gegolten habe", das eben durch Napoleon zur ,, grande- nation" erhoben war. - 51 „Das von Talleyrand entfaltete Banner der Legitimität führte Frank- reich bald wieder zur Gleichberechtigung mit den Siegerstaaten und damit‘—„und damit"!—„alle europäischen Völker zu einer langen, fast ungestörten Periode friedlichen Wiederaufbaus.' Wir haben keinen Talleyrand, sind ohne fähige Diplomatie und ein unpolitisches Volk und haben dafür„zwei Jahre außenpoliti- scher Versäumnisse‘(bis jetzt!) zu beklagen, haben dafür einen un- mittelbar angrenzenden westlichen Gegner, eben dasselbe Frankreich von vorhin, das immer ein schuldiges„deutsches Volk‘ als die„Idee fix’ vorsetzt. Dabei ist es die besondere Art und Lage Deutschlands, daß überhaupt in Frage steht und erst noch aufgeklärt werden müßte dieser Begriff„deutsches Volk‘ selbst, weniger in seinen geogra- phisch-politischen als seinen geistigen Bedingungen, die Grundlagen seines Werdens und Wachsens, wirklichen Grundlagen seines Be- stehens und seiner Existenz. Wir haben gesehen, was an Kant zu verdeutlichen war, wie er als entscheidender Exponent und Faktor deutschen Lebens zu setzen ist. Hören wir einmal, wie derselbe Kant, der dort.als Inaugurator von „Wissenschaft gleich Geist sich äußert— sich ent-äußert gleich- sam, dem eine entscheidende Rolle zukommt, wie sie ihm zugefal- len ist— wie und wo derselbe Kant das Volk der Deutschen placiert: „Es war kein übler Einfall desjenigen”, so beginnt er eines der Hauptwerke der nach-kritischen Periode,„der zuerst den Ge- danken faßte... den ganzen Inbegriff der Gelehrsamkeit(eigent- lich die derselben gewidmeten Köpfe), gleichsam fabrikmäßig, durch Verteilung der Arbeiten zu behandeln, wo, soviel es Fächer der Wissenschaften gibt soviel öffentliche Lehrer, Profes- soren, als Depositäre derselben, angestellt würden, die zusam- men..." die„Universität(auch hohe Schule genannt) ausmach- ten, die ihre Autonomie hätte... die... vermittelst ihrer Fakultäten... Lehrer, Doktoren... mit einem von jedermann anerkannten Range zu versehen... berechtigt wäre. Außer diesen zünftigen kann es noch zunftfreie Gelehrte geben, die... indem sie bloß einen Teil des großen Inbegriffs derGelehrsamkeit bearbeiten, entweder gewisse freie Korpora- tionen(Akademien, auch Sozietäten der Wissenschaft genannt) ausmachen... oder... sich... als Liebhaber beschäftigen. 52 Anland Von den eigentlichen Gelehrten sind noch die Literaten( Studierte) zu unterscheiden..., die man also Geschäftsleute oder Werkkundige der Gelehrsamkeit nennen kann. Diese, weil sie als Werkzeuge der Regierung( Geistliche, Justizbeamte und dem Ärzte) aufs Publikum gesetzlichen Einfluß haben... müssen, weil sie sich unmittelbar ans Volk wenden, welches aus Idioten besteht... von der Regierung sehr in Ordnung gehalten werden." Da haben wir's ,,, das Volk", das nicht anders kann, als aus Idioten zu bestehen. Das also gar nicht schuldig und verantwortlich sein kann, das zunächst erst einmal geheilt werden müßte! - ,, Man" will das auch gar nicht, ein Europa ohne existente Mitte, vorgeblich. Nur ist das schon soweit Tatsache, daß wir fragen müssen: wie soll erreicht werden jeweils auch nur das Minimum einer Existenz nach den gegenwärtigen Tatsachen der Auslöschung der Mitte? Um das offenbare Geheimnis handelt es sich: Dieselbe Frage, dasselbe Problem hier wie dort, für den Einzelnen und das Ganze. Das ist Voraussetzung und Bedingung einer auch nur denkbaren, möglichen deutschen Friedens- und Außenpolitik, das heißt eines existenten Deutschland. Kant ,,, größter deutscher Denker", Elefantentritte im Scherbengericht, es ist ja wie er sich ausläßt: jeder ,, Volks"-Deutsche schleppt auf seinem Buckel einen hierarchischen Aufbau mit, der, selbst wenn aus ihm heraus einmal nicht Prügel regnen, auf jeden Fall und verschiedenen Grades drückt, und es sind so meßbare Unterschiede nur in dem Verhältnis zueinander von Nasenspitze und Boden. Hier, fast ganz Deutschland ausmachend, ist terra incognita, an der auch nicht einmal gerüttelt ist bisher, daran rühren zu müssen ist ein Teil- Programm der großen Bereinigung, in die die Zeit gesetzt ist. Denn ,, die Reiche der Himmel sind nahe herbeigekommen", und da kommt anderes zum Vorschein und muß anders werden vor allem, als der Nächste dazu ,,, das Selbst- Eigene und sein Eigentum." Da es tatsächlich ,, Weltgeist" ist, da ,, von oben kommt", in seinem zunächst Schatten werfenden, wegen der Beschaffenheit des Unten Lichte steht alles Geschehen, sein ,, Geist" es ist, ist Einheit die lösend- erlösende Parole. Aber im Geiste und nicht in Dämonie, der 53 die Unterschiede zu halten vermag anstatt sie in den Wanst hinein aufzufressen, Einigkeit in Freiwilligkeit der Einzelheiten, nicht in unterschiedloser Massenhaftigkeit. - Es ist nicht bloße Reflexion, vorbei- und zuviel gesagt, sondern ist wirklich und entspricht Tatbeständen: Die Rätselhaftigkeit der Zukunft deutscher Staats- Gebilde symbolisiert den Zustand des modernen Menschen, dieser Menschheit einer gewissen Zivilisation. Aufgeschreckt, aufgeregt fragt sie: Was nun, was ist, mit uns, mit mir, lauter Fragen um den Bestand, nach Grund und Boden. Das Gemeinsame ist eine Brücke, die gemieden wird, weil sie nicht trägt: Eine Unsicherheit bis zur Haltlosigkeit, begründet im unsicher gewordenen Menschen. Möge Gott uns bewahren, auf die Probe gestellt, wissen wir eines sicher, daß wir nicht bestehen: das sagt im Grunde sich jeder Mensch wenn er es auch nicht sagt. Und das hat dann böse Folgen, z. B. die, daß die Menschen durchweg nicht können, was sie doch müssen: miteinander leben, verkehren. Konferenzen explodieren, das Leben ist in kleinen und großen Explosionen. Sind es die Menschen, sind es die Sachen, die einander abstoßen? Die Mitte fehlt. Kaum einem ist wohl in seiner Haut, deshalb, getrieben, geht man gegen den Andern an. Man hat keine Ruhe, weil im Innern nicht in Ruhe gelassen, nicht jene seiner sichere, gelassene Ruhe ist: Das gestörte Gleichgewicht ist eine Erscheinung des europäischen Menschen! Europa fiebert oder liegt in Agonie, diese Zustände lösen einander ab. Menschliche Beziehungen stimmen sich aus demselben Grunde immer mehr auf Qual als auf Freundschaft wirklicher Freude. Der Prozentsatz wirklicher Gesundheit ist bestimmt im Abnehmen, senkt sich ständig. Das Wagnis, vorzudringen zu Grund und Kern eigenen Wesens, wird überspielt, weiß man doch, oder glaubt es wenigstens, er ist hohl. Man weiß auch nichts: Das Menschen- Bild, nach dem man blicken könnte, sich zu richten, ist in sehr abgeblaẞtem Zustande auf uns gekommen und gibt den Blicken nichts Bestimmtes, jeder sieht Zweideutiges, jeder ist anders. Das ist eine Zeit, in der Gewalt gedeiht wie die Disteln eines Ackerfeldes in der Brache. Armes Deutschland! Wehe dem, der sich nicht retten kann! Zufriedene, befriedigte Menschen pflegen im natürlichen Leben und Lebenlassen wohlwollend zu sein. 54 Das möchte man, das ist der allgemeine Drang: statt von Andern A а e H Anleitungen, Ermahnungen: das müßtest, das solltest Du, mach es so oder so, das Andere, das, was man selber kann. Eben dasselbe läßt es nicht zu, und dann sind es eben die Sachen, die sich stoßen. Mit denen uns nur ein paar Fäden noch verbinden— und die sind immer am Zerreißen. Wir wissen, was wir erfahren haben: da ‚„erstand uns unser Führer‘. Kam berauschte Führerschaft. Und nach dem ausgetobten Rausch des Fürchterlichen der allgemeine Jammer, mit der Liquidation von An- griffskriegen nach allen Richtungen der Windrose, mit dem Volk in der erzwungenen Rolle des Verteidigers. Und nun trägt dasselbe Volk, als das einzig noch Faßbare mit seinen„Sachwerten“ die Schuld. Wo ist das Menschen-Bild, nach dem ruchlos verschwelten Führer-Bild? In der Rätselhaftigkeit des Schuld-Phänomens. In der Aufgabe der Mitte: Das Fehlende hervorzubringen. Wir wissen, was nicht Wissen nur, was Erkennen bedeutet: geistige Arbeit, die hervorbringt. Je weiter fortgeschritten werden kann in der wirklichen Aufhellung und Herausstellung der treibenden Motive, eigentlich wirkender Kräfte, dazu der eigentümlichen Stellung und Lage des mittel- europäisch-deutschen Menschen im Wandel der Entwicklung seines Menschentums, um so mehr stellt sich diese Neuzeit als das mensch- liche Problem schlechthin heraus, das mit dem Menschen der Mitte steht und fällt. Ein Phantom ist aufgestiegen und verschwunden, erst in blau, dann blutrot. Es signalisiert eine bedrohte Lage: der Mensch ist in Gefahr von Innen. Das Selbst ist krank. Unsere Not, unser Hunger, im Mittel- punkte unseres Lebens, symbolisiert in grausam-grauenhafter Echt- heit das blut- und kraftlose Ich der Mitte. Wem gebührt die Priorität, dem Geiste oder der Materie mit dem Widerspiel der Kräfte, sie ist uns gefährlich auf den Leib gerückt, diese Frage. Das, da es sich um endgültige Entscheidungen handelt, geht alle an. Was ergibt sich aus der vorliegenden Arbeit für Zeit und Lage, kann sie praktisch nutzen für unsere Lage? Die äußerste Notzeit bindet und verpflichtet jeden, der noch ein Gewissen hat, und der heute Schrei- bende wird doch bestimmt, sich eingeordnet finden in dem Maß von Nähe oder Ferne von dem Punkte, um den alles Sehnen kreist, der Er- lösung von unmittelbarer Not. Das Böse ist in der Welt unseres Planeten, real wie wir, und dieser Tatsache verdankt sich unsere Lage. Aber man müßte schon auch den zweiten seiner Schritte, die„Wunder-Waffe‘ Atom-Bombe als 39 eine rein deutsche Angelegenheit kreieren, wenn es noch verkannt werden, eine Welt- Erscheinung und-Angelegenheit auf uns bezogen werden soll: Diese Erscheinung des absolut Bösen ist unverkennbar. Nein, wir haben hinter uns, den schmachvollen Beitrag geliefert zu haben zur Genesis des Bösen, nicht weniger, aber auch nicht mehr, und nicht so viel, daß die Natur der Mitte in dem episodischen Spiel des Bösen unter uns von uns verspielt und aufgegeben wäre. Nein, darum handelt es sich bei uns: Um eine Thematik von ungewohnter Neuheit im Beginne der Durchführung, Erniedrigung, Erhöhung? Tierwesen oder Wesenhaftes des Menschen, das Böse, das Gute, unsere Themen bisher: man wird erkannt haben die Neuheit ihrer Tendenzen mit dem diplomatischen Schachzug des Bösen: Das Böse ist von selbst, an das Gute muß appelliert werden. Das ist der Schritt der Geschichte in der Geschichte des Fortschritts. Von selbst wie bisher ist das Tier im Menschen. Wir sind in tierischer Hungerexistenz, was heißt das? Ihr habt nichts geändert und also habt ihr nicht appelliert, gewogen und zu leicht befunden". - Wir leben eine vogel- freie Demokratie nach Niederwerfung von Diktatur, von Oligarchie und jeglicher Usurpation( mit Ausnahme derjenigen fortzeugender Dummheit). Wahrhaftig, wir pfeifen aus dem letzten Loch und die weite Welt pfeift mit auf uns, die an die Luft- Gesetzten. Vielleicht, da Hunger der beste Koch sein soll, sind wir berufen, die Welt mit Köchen zu versorgen. Dann, das können wir versichern, ist die Priorität der Materie nicht mehr rückgängig zu machen, so gut wird von uns gekocht werden können. Zur Politik, Wirtschaft, diesem in allen Staaten Vordergründigen, muß eine ganz neue Themengruppe treten: Geist und Geistiges. Deutschland aber, aus dem Geiste wirklicher Erneuerung heraus, muẞ sie vertreten: Eine Aufgabe der deutschen Außenpolitik. In ihr ist das Leben der Mitte, sie steht und fällt mit ihr, aber der Bestand der Welt hängt ebenso von ihr ab, von Erfüllung oder Versagen. Man sehe nur, um das zu sehen, hindurch durch Politik und Wirtschaft auf deren Grund, die tragende sittlich- moralische Welt, und wird sehen müssen: Die Vorderen, allein gelassen und geltend gemacht wie Hitler- Deutschland es verstanden, vorgestellt hat in dem TotalitätsAnspruch, dem ,, Primat der Politik" ist schon Verfall, ist in der Gewalt des Bösen, das zerstört. Man kann auch nicht voraussetzen, das Gegenteil verlangt den besonderen und ausdrücklichen Appell: 56 - das ausdrückliche Bekenntnis zu ihr, mit dem Bestand der Mitte, der daraus folgt, nicht deren unmenschlicher Vernichtung.attorn Wie es damit bestellt ist, die Wirklichkeit, das illustrieren zwei Meldungen der ,, Neuen Zeitung" vom 4. August 1947: ,, Senator Robert A. TAFT... erklärte... in einer Rundfunkansprache: die USA hätten praktisch alle Ideale über Bord geworfen, für die sie im Kriege gekämpft hätten, und zwar durch die Verträge, die in Teheran und Jalta von Franklin D. Roosevelt und in Potsdam von Truman abgeschlossen worden seien", die offenkundig Verletzungen der sittlichen Forderungen und Bestimmungen des Völkerrechts sind, wie die Durchführung gezeigt hat. Man denke nur an die Millionen- Ausweisungen von Deutschen aus ihrer Heimat, die Vertreibung von ihrem, mit ihrem Schweiß und Blut gedüngten Boden. Dazu bringt dieselbe Nummer der ,, NZ." einen bemerkenswerten Kommentar: ,, Das in Prag erscheinende Hauptblatt der tschechischen Kommunisten Rude Pravo ( Rote Wahrheit) läßt keinen Zweifel darüber, daß die tschechischen Kommunistenführer als erste die Ausweisung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei und ihre entschädigungslose Enteignung angeregt und dann in die Praxis durchgeführt haben"; es folgt dann, was das Blatt bestätigend darüber schreibt. Das ist, was sich dann ,, von selbst" ergibt aus der Vertretung rein politischer, wirtschaftlicher Standpunkte: die brutale, rücksichtlose Vernichtung von Millionen zum großen Teil völlig unschuldiger Menschen. Hat TAFT nicht recht, wenn er weiter erklärt: ,, Die amerikanische Politik in Deutschland habe sich nach dem harten und nicht zu verwirklichenden(!) Morgenthau- Plan gerichtet, obwohl sie sich nach außen hin von ihm distanziert habe"? Es macht dagegen die Größe amerikanischer Entwicklung, amerikanischen Lebens aus: das ausdrückliche Bekenntnis zur Sittlichkeit und Moralität. Das ist es, darin ist es begründet, daß heute jedes Buch des freien Schrifttums beginnen und enden müßte mit den drei Worten: ,, Thank you America", das letzte Wort in dem Buche eines Freiheitskämpfers, Hans Habe in ,, Ob tausend fallen", Rowohlt Verlag 1947; es gibt im befreiten Deutschland keinen Schriftsteller, der sich nicht von Herzen dem anschließen möchte. IEW ba Und wenn nach neuester Meldung( siehe ,, NZ." vom 8. August) ,, Außenminister Ernest L. BEVIN erklärte, die November- Konferenz der Außenminister in London werde endgültig klären, ob die Einheit Deutschlands möglich sei", so ergibt sich aus den bisherigen offen 57 vor aller Welt liegenden Tatsachen, daß die Verlorene, nur noch herauszuholen ist und ebenso nach Maßgabe und Kraft sittlich- moralischer Weltordnung und dem ausdrücklichen Appell an sie. Das sichtbar und lebendig gemacht zu haben, wenn und wo darin ein Verdienst gesehen werden kann, ist unbestreitbares Verdienst des Geistes der Mitte dieser Schrift, dieses Geistes, der damit als lebendige Mitte sich erwiesen hat. Hier ist ein Bekenntnis zu Gott und darum geht die Entscheidung: um eine göttliche oder entgöttlichte Welt- Ordnung, die Preisgabe der Mitte ist ein Sieg von Mächten ohne Gott, mit anderslautenden Vorzeichen Fortsetzung und Sieg der Mächte, die im HitlerDeutschland manifest geworden sind. Als die Macht des Bösen eindeutig anzusprechen. - ,, Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Zucht."( 2. Tim. 1, 7.) Im Appell( an die Kraft, an die Liebe und an die Zucht) ist die Zukunft verbürgt, weil Gott in ihm ist: Das ist die moderne Sentenz! Im Zwang des Bösen diesen Appell herauszutreiben, als den lebendigen Trieb in uns, wir haben gesehen, warum das nötig, wie das möglich ist. Indem diese Wirklichkeit als eine mittel- europäische sich herausgestellt hat, hat sich die gesetzliche und notwendige Existenz der Mitte herausgestellt. Es kann demnach keine Frage sein, ob ,, die Einheit Deutschlands möglich ist. Diese Frage ist beantwortet in positiver Bejahung, als selbstverständlich vorausgesetzt, daß diese Antwort vernommen wird. Nur eine Ordnung außer Gott kann sie fortan noch verneinen. Auch hier wieder, wie schon mehrfach in der Geschichte Europas und damit der Welt, in der Sichtbarmachung dessen, was sonst im Scheine liegt, heute entwicklungsgeschichtlich um so größeres Unheil verbirgt, ist die Mitte die Spitze der Entwicklung. Die geschlagene, eine eliminierte Spitze setzt die rückwärtigen Verbindungen dem Unheil aus. Sicherheit, Sicherung der Zukunft ist nicht eine nur politische, sie ist eine in Form des Politischen auftretende sittliche Forderung, anders bloẞe fiktive Vorstellung, auf der politischen Bühne im Scheine nur, der durchscheinend gemacht werden muß; wir haben die Mächte kennengelernt, die, Tod und Teufel, Blendung und Wahn, das Nichtwollen, dem Scheine zuliebe, von dem sie leben. Die kontinentalen Gebiets- und Machtveränderungen sind Spiegelbild, sie spiegeln, wie immer, innere Verhältnisse, Innerlichkeit, das Verhältnis des Wesens zum Geiste, der letzten, höchsten Wirklich58 k i i V I keit. Der Verfall Deutschlands entspricht dem episodischen Verhalten in Bezug auf ihn. Er kann nur Episode sein. Aber tiefer durchscheinend spiegelt sich anderes: Der Geist blickt in sein Eben- Bild, ich als Geist. Auf dem Grunde der Mitte, umlauert von Satan und Teufel, schaut der zu sich gekommene Geist, sich erneuernd, in das herabgeneigte Antlitz Gottes. Wir, in dem Bekenntnis zu Gott, wissen wir, was zu tun ist, wir zu tun haben, aber auch wovon die uns abgeforderte Sicherheit abhängt, was allein sie garantieren kann: Die Politik muß Rechnung tragen der wesentlichen, wesenhaften Strukturveränderung des menschlichen Wesens in unserem Zeitalter. Geistiges prägt sich ein, prägt sich aus im Physischen, schafft sich den Menschen, neu, in vorher nicht gekannter Stärke, nach seinem Bilde: ein neuer Schöpfungstag des Menschen ist angebrochen, von Gott gesetzt und gewollt. Seher haben das gewußt und lange und ebenso bestimmt vorausgesagt, wir können mit Zeugnissen dienen, die in einem, entscheidenden Falle den strengsten methodischen Forderungen moderner Naturwissenschaft standhalten, gerecht zu werden vermögen. In dem Verhältnis Physis und andererseits Seele, Geist, beansprucht der Geist seine Priorität, die geforderte Verwirklichung erfolgt in Freiheit oder in Katastrophen, diese, uns zunächst, sollten warnen. Die Politik muß sich sagen lassen. Wahre staatsmännische Begabung und Klugheit zeigt sich darin, fähig zu sein, Weisheit aufzunehmen, die vor Gott gilt: ein bejahendes Verhalten zur kosmischen Intelligenz. 59 59