Martha und Wilhelm Leuze zu eigen Aus us Sehnlucht, eine Bibel zu belihen, hatte ich es gemagt, den Nachbarinnen meinen Wunsch in einem Briefe verblümt zu verstehen zu geben. Ich hatte zwar gehört, dah der Druck der Heiligen Schrift unter dem Vorwand der Papiernot eingeftellt worden und das unnühe Buch haum mehr aufzutreiben leí. Aber vielleicht fand ihre erfinderilche Liebe doch einen Ausweg. Und in der Tat, hört, was geldhah: eines Morgens, ich war beim Ausnehmen eines Hühnermagens, wurde ich zum Kommandoführer gerufen. Was er fonft nie getan, er teilte heute die angekommenen Pakete felbft aus. Auch ich war unter den Glücklichen, die eins erhielten. Er öffnete es und was zog er heraus? Eine Bibel! Und als zweites? Ein Gefangbuch! Und als drittes? Ein Lolungsbüchlein! Mir klopfte das Herz. Doch wagte ich es nicht, mich zu freuen. Mir Ichwante Unheil. Ich ahnte, daß der Teufel um den Weg lei, um mir einen Strich durch die Rechnung zu machen. Und richtig! Der Mann legte kurzerhand die drei Bücher zur Seite mit den Worten:„ Die bekommst du nicht; die werden in deinen Sack gebracht." Ich war tiefenttäuscht und wollte Ichon den Mund öffnen und um die Herausgabe der Kleinode bitten. Da gewahrte ich in leinen Augen ein höhnilches Aufleuchten, das aus Höllentiefen ham. Das Schnürte mir die Kehle zu. Id) brachte kein Wort heraus und wollte es auch nicht ich war zu( tolz, den Teufel um eine Bibel zu bitten. Oder hätte ich es doch tun lollen? War der Stolz fündhafter Hochmut? 5 - Ich weiß es nicht; aber daß es lich um ein Schnippchen handelte, das der abgefeimte Feind unserer Seele schlug, das weiß ich. Denn weder vorher noch nachher hatte lich der Uniformierte um unsere Pakete gekümmert. Wie kam es, daß er es ausgerechnet an dem Morgen tat, da Gott mir die Bibel fchickte? Erkläre es sich natürlich, wer will: mir ist es gewiß, daß es nicht mit rechten Dingen zugegangen war, sondern daß der Diabolos leine Hand im Spiele hatte, der Geilt, der alles durcheinander bringt und uns nichts Gutes gönnt, am allerwenigften das Wort Gottes. Soweit der Bericht über die Vorgeschichte des Bibelhymnus. In feinem Buche, 2000 Tage Dachau, Erlebnille eines Chriftenmenschen unter Herrenmenschen und Herdenmenschen" hann fie der geneigte Lefer felbft finden. Eine Krähe, die lich beim Ausmachen der Hühnermagen zwischen feinen Fingern gebildet hatte, brachte ihn ins Revier. Von dort richtete er in einem logenannfen Rapportbrief die schriftliche Bitte an die Lagerleitung, ihm die vorenthaltene Bibel auszuhändigen. Als er, wie zu erwarten war, nicht einmal einer Antwort gewürdigt wurde, machte lich lein Schmerz in den Verlen Raum, welche leiner glühenden Sehnlucht nach der Bibel Ausdruck verliehen. Wie kurz darauf die darin ausge( prochene Bitte auf merkwürdige Weile erhört wurde, mag man in dem erwähnten Buch felbft nachlefen. D 6 KOMM WIEDER, LIEBE BIBEL Der Gottesweisheit fibel, Strahl aus der Ewigkeit! O kommt, ihr heil'gen Blätter, Zeugt mir von unserm Retter, Wie leid ihr doch so weit, lo weit! WIE muß ich euch entbehren, Ihr monniglichen Lehren Aus unlres Königs Mund! Es schwinden Tag und Jahre, Allein das wunderbare Buch bleibt mir ferne Stund um Stund. 7 ICH möchte wieder lelen, Wie es dereinlt gewelen, Da ER zur Erde kam. Die Worte will ich willen, Nicht eines darf ich millen Von allem, was ER auf lich nahm. möchten zu mir treten Apoltel und Propheten, Des Königs Boten; lie, Des Evangeliums Künder, Der Hölle Überwinder - O Chor voll reiner Harmonie! DENN mie am fernen Orte Der Sohn die Mutterworte Im Briefe bebend lielt: Die Silben will er küllen, Die Buchstaben, lie müllen Die Liebe steigern, die genießt. 8 SO möcht ich wohl mit Tränen Des Danks und heißem Sehnen Öffnen das Bibelwort, Dem Klang der Offenbarung Zur innerften Bewahrung Auf Knien laulchen fort und fort. WANN naht lich mir die Stunde, Da mir die Himmelskunde Wird wieder aufgetan? Du Banner der Befreiung, Du feuer der Verneuung, Du fackel mir auf finltrer Bahn! DU felter Wall der Wahrheit In diamantner Klarheit, Der Sünder Arzenei! Du Rolenstrauch aus Eden, Voll Wohlgeruchs für jeden, Dein Duft macht uns des Irrtums frei. 9 O Pfeil aus Gottes Köcher, frohbotschaft für die Schächer, Des Geiltes Medium! O Jubel der Bedrückten, O friede der Beglückten, Des Weltenmai Präludium. URKUNDE der Vollendung, Ende der Gotteslchändung, Ruf zur Gerechtigkeit! Urlicht der Auferstehung, fanfare der Erhöhung, Des Sohnes Atem in der Zeit! CHORAL in Pilgerzonen, Du Schrecken der Dämonen, Des Heilands Händedruck; Wegweiler der Verirrten, Stimme des guten Hirten, Der Ausgeltoh'nen goldner Schmuck! 10 DU Siegesschrei der Väter, Du Trutzburg aller Beter, Der Liebe Erdenspur; Des Rättelwerks Entschleirung, Des Endgerichts Beteurung, Du Zeiger an der Weltenuhr. GESCHLIFFENES Schwert der Kämpfer ,. Der Satanslüfte Dämpfer, Bollwerk im Todesstreit! Zuflucht der Magdalenen, Anwalt der Kindertränen, Du Herold der Geiltleiblichkeit! O führung ohne fehle, Befreiungsbrief der Seele, Der Kirche Lehrerin, Mylterium der Erwählten, Kompah der Mutbeleelten, Der Völkerwelt Erzieherin! 11 ACH, lich auf uns herunter, Hilf, Gott, tu deine Wunder, Zerreih die Wolkenwand! Ja, fahre felblt hernieder, Zeig dich den deinen wieder, Bemeile deine starke Hand! DU lenkit der fürften Herzen, Läht nimmer mit dir scherzen Bei deinem hohen fluch! Endwinde ihren fäulten, Den gierigen und dreilten, Den Raub, dein teures Bibelbuch! SO wollen wir dir danken Mit Treue ohne Wanken Im Dienlt ohn' Ziel und Zeit. O komm, du liebe Bibel, Der Gottesmeisheit fibel, Du Strahl aus lichter Ewigkeit! 12