W.A. Becert ,, Buchenwald" Dein Name ist in die Geschichte eingegangen. Vorbei ziehen an unserem geistigen Auge Scharen zerfetzter Menschen, gebrochener Kreaturen, wankender Ge= stalten. Sie tragen ihre Nummer, den roten Winkel auf der linken Brustseite und tragen im Herzen einen Schimmer von Hoffnung und Sehnsucht nach Freiheit. " „ O Buchenwald ich kann Dich nicht vergessen, da Du mein Schicksal bist!" Dieses Lied, das wir bis zur Bewußtlosigkeit singen mußten, ertönt in meinem Innern. Wir stehen am Tor und schauen hinüber über die Dächer der Baracken in die fernen Wälder bei Weimar, wo einst Goethe und Schiller sich ergingen und wir denken daran, daß aus einem Volk der Dichter und Denker Menschen kamen, die Raub und Mord auf ihr Panier geschrieben hatten. Kameraden von Buchenwald, die Ihr in den Massen= gräbern des Weimarer Waldes ruht, Ihr bleibt un= vergessen. Aus den Zeilen dieses Buches und aus den Bildern, die das Grauen erwecken, dringt der Ruf an die Menschheit: ,, Laßt sie nicht umsonst gestorben sein!" Sie kamen hinter den Stacheldraht, weil sie kämpften für Freiheit und Demokratie und sie starben, damit wir leben! Wir leben, um sie zu sühnen. Dr. Phillip Auerbach Staatskommissar Feil war ihm das Recht, das Amt und der Schlüssel— selbst der Altar. Als er die Macht sich erpreßt, brach er das Wort und das Siegel. Taumelnd eilt er vom Fehler zum Laster— vom Brand zum Fanal! Septimius Severus und Titus— auch Nero handelten so. Immer war es die Zwietracht, die das Reich an den Abgrund gebracht. I. Schon bald nach der Errichtung des Konzentrationslagers " Buchenwald" durch die Nazi- Regierung drang die Kunde von den barbarischen Methoden der SS- Lagerleitung und der Wach= mannschaften in alle Welt. Das Lager wurde im Juli 1937 auf dem Ettersberg bei Weimar errichtet und war zu jener Zeit das schlimmste„ Vernichtungslager" der Gestapo Hitlers. Hier ließ dieses Untier Tausende von Nazi- Gegnern, Antifaschisten und sog. Staatsfeinden ermorden. Unzählige unschuldige Menschen wurden hier jahrelang in schauerlichen Behausun= gen unter unbeschreiblichen Entbehrungen gefangengehalten: Deutsche und Menschen aller Nationen, die von den Deutschen überfallen, unterdrückt und ausgeplündert wurden. Die ersten Gefangenen, politische Gegner der NSDAP., kamen in mehreren Transporten aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Lichtenburg. Die Belegschaft des Lagers wurde dann sehr rasch mit politischen und kriminellen Häft= lingen sowie mit Bibelforschern ergänzt. Schon beim Aufbau des Lagers war die Sterblichkeit unter den Häftlingen groß. Die Verstorbenen wurden in den ersten Jahren nach Weimar ins Krematorium gebracht. Als sich aber später die Zahl der Sterbefälle mehrte, erschien es aus man= cherlei Gründen wünschenswert, der Bevölkerung die zahl= reichen Leichentransporte zu verheimlichen. Es wurde deshalb mit dem Bau eines eigenen Krematoriums im Lager„ Buchen wald" begonnen. Der Bau mußte von den Häftlingen selbst ausgeführt werden, die Einrichtung wurde von Erfurt geliefert. Die Verbrennungen wurden in zwei großen Verbrennungsöfen vorgenommen, deren jeder gleichzeitig drei Leichen aufnehmen konnte; doch später wurden in den beiden Öfen 10-12 Leichen gleichzeitig verbrannt. Die Massen- Einlieferungen im Mai und Juni 1938 von sog.„ arbeitsscheuen" Deutschen und Juden führten zur Erhöhung der Sterblichkeit, die gegen Ende des Jahres 10% der Lagerstärke betrug. Die große Zahl der Todesfälle entstand im Anfang durch Unterernährung und Körperschwäche. Durch die unzureichende Verpflegung und Bekleidung, besonders aber durch die Zwangs= arbeit, brachen körperlich schwache Naturen bald zusammen, viele Gefangene waren den Anstrengungen nicht gewachsen. Frühmorgens, noch vor Sonnenaufgang, mußten die Gefangenen zum Zählappell antreten. In der Dunkelheit, bei Sturm und Wetter, standen sie hier auf dem Appellplatz oft stundenlang, ehe die Arbeitskommandos ausrückten. Durch die harte Zwangs= arbeit beim Straßenbau und in dem gefürchteten Steinbruch kamen die Gefangenen körperlich und seelisch sehr rasch her= unter. Bei der Arbeit selbst wurden sie durch die SS- Posten häufig mißhandelt, mit Kolbenstößen und Fußtritten weitergetrieben, wenn sie unter der Last schwerster Steine schon fast zusammenbrachen. Am Abend, wenn die Arbeitskommandos 7 t ב ב == r h e .ב , d h n r- st - erschöpft und kaum fähig sich auf den Beinen zu halten ins Lager einrückten, mußten die ausgehungerten Männer noch schwere Steine zum Straßenbau ins Lager tragen. Am Schluß der Kolonnen wurden die Erschöpften und die Toten auf Tragen ins Lager gebracht. Viele konnten dieses brutale Leben, dieses Inferno der Gemeinheit, nicht ertragen sie machten diesem Leben freiwillig ein Ende und gingen über die Postenkette- wurden dann auf der Flucht erschossen". Der Steinbruch war lange Zeit das schlimmste Arbeits= kommando des Konzentrationslagers Buchenwald, mußten doch sämtliche Straßen des Lagers, die Kasernen der SS, die zahl= reichen Gebäude der Verwaltung gebaut werden. Der Boden war schlecht, der Lehm, bei Regen aufgeweicht, ließ die Leute knöcheltief versinken und machte das Marschieren der Kolonnen zu einer ständigen Jagerei. Hier mußten Tausende von Häftlingen von früh bis spät in endlosen Kolonnen aus dem „ Bruch" schwere Steine nach oben schleppen. Erst in den letzten Jahren war eine Drahtseilbahn gebaut worden. Oben angekommen, hatten die Leute kaum Zeit aufzuschnaufen. Sofort wurden sie wieder von den SS- Posten zurückgejagt, im Laufschritt ging es wieder in den Steinbruch hinunter. Die Letzten, meist die Schwachen und Erschöpften, wurden ge= treten, niedergeschlagen und manche auch erschossen. Ich war monatelang Zeuge dieser Mißhandlungen und mußte täglich diese schauerlichen Bilder, dieses Grauen nicht nur mit ansehen, 8 sondern auch mitmachen und nur Geistesgegenwart und Kalt= blütigkeit bewahrten mich vor dem Tode. Ich erlebte dort Monate, wo wir 150-200 Tote im Monat hatten. Später verstarben dann auch viele Häftlinge im Winter infolge der schlechten Bekleidung, durch Krankheiten aller Art und durch Hunger. Die Zahl der durch Mißhandlungen und Mord, durch die berüchtigten Strafmethoden der SS Ver= storbenen mehrte sich von Jahr zu Jahr. Trotzdem stieg die Lagerbelegschaft fortwährend an Zahl durch die verschiedenen Aktionen der Gestapo. - Anläßlich der Ermordung des Legationsrates von Rath in Paris wurden 12500 Juden aus Deutschland in„ Buchenwald" eingeliefert und in fünf„ Notbaracken" untergebracht. Sie 70 von wurden sämtlicher Wertgegenstände beraubt ihnen wurden in der ersten Nacht durch erlittene Mißhand= lungen und Aufregungen wahnsinnig, einige wurden an Bäume gefesselt, wieder andere an die Gitterfenster der Arrestlokale. Ohne Wasser und ohne sanitäre Anlagen wurden hier zirka 2500 Mann in eine dieser provisorischen Bretterbaracken ge= pfercht. Sie hatten keine Möglichkeit sich auszukleiden, sich zu waschen, waren meist' ohne Eßgeschirr und konnten so kein Essen empfangen. Es entstand häufig Panik und allerlei Aufregung bei der Essenausgabe. Viele von ihnen starben an Nervenzusammenbruch und Erschöpfung, einige Hundert an Typhus. d SO di fa n n S k 9 t = ג t ב e ב = e a כ i ם Nach der Besetzung Österreichs kamen im September 1938 die ersten Ausländer nach„ Buchenwald". Durch sog. Erschießungen auf der Flucht wurden im Steinbruch u. a. ,, liqui= diert": Justizminister und Generalprokurator Winterstein, Ge= fangenenhaus- Direktor Trummer, Heimwehrführer und Ge= neralkonsul Steidle, Major Höffer, Sicherheitsdirektor des Landes Salzburg Bechline, ferner der Schwiegersohn des ehe= maligen Bundespräsidenten Miklas Certes u. a. Der ehemalige sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Heilmann und der kommunistische Schriftleiter Scholem wurden ebenfalls in " Buchenwald" ermordet. Nach der Okkupation der Tschechoslowakei im Jahre 1939 kamen die ersten tschechischen Schutzhäftlinge, darunter auch viele Juden, in das Konzentrationslager„ Buchenwald". Bei Kriegsausbruch im September 1939 kamen 2500 Juden aus Wien. Von diesen waren einige Hundert aus Altersheimen herausgeholt worden. Sie wurden in fünf Zelten auf einem freien Platz innerhalb des großen Lagers untergebracht. Hier verblieben sie bei Wind und Wetter, ohne Strohsäcke mit nur einer Decke; viele waren invalide und kranke Leute. Als Essen bekamen sie nur 150 g Brot täglich, 1/2 Ltr. Wassersuppe und nur selten ein Stück Wurst oder Margarine. Innerhalb eines Monats war schon ein großer Teil verstorben. Das Kommando dieses„ Zeltlagers" hatten die SS- Leute Hauptscharführer Blank, Hauptscharführer Hinkelmann, Rapport 10 10 führer Strippel. ,, Lager- Ältester" war ein politischer Gefangener namens Fritz Wolf, der unter dem Druck der SS- Leitung nicht viel für diese Ärmsten tun konnte. Am 16. Oktober 1939 wurden in dieses Zeltlager weitere 2800 Polen und polnische Juden gepfercht. Es war offensichtlich geplant und später auch bekannt, daß diese alle hier liquidiert werden sollten- d. h. man ließ sie verhungern und erfrieren. In einem besonderen Stacheldrahtkäfig von 30 qm wurden noch 104, Heckenschützen"( Franktireurs) aus Polen untergebracht. Innerhalb eines Monats wurden unter diesen Umständen alle Heckenschützen bis auf einen sehr kräftigen Mann ausgehungert. Von den 5300 Polen und Juden waren bei Auflösung dieses Zeltlagers am 12. Februar 1940 noch 2000 Überlebende. Es war eine ständige Einrichtung- frühmorgens noch vor dem Appell kam der Befehl durch die Lautsprecher:„ Die Leichen= träger ans Tor!" Anläßlich des Attentats im Bürgerbräukeller in München am 9. November 1939 wurden im großen Lager 21 Juden aus= gesucht und erschossen, und dies als Repressalie gegen den ,, Secret Service". Diese Auswahl trafen der Hauptscharführer und damalige Rapportführer Strippel, Hauptscharführer Blank, Scharführer Chemnitz und Rose und Oberscharführer Sommer. Aus den sieben Judenblocks wurden 21 Leute ausgewählt und angeblich zu besonderer Arbeit notiert. Da die meisten nicht wußten, um was es sich handelte, hatten S N S A e I ut sich auch einige dazu freiwillig gemeldet... Alle 21 wurden mit Namen, Nummern und Geburtsdatum notiert und aus dem Lager geführt. Im Steinbruch wurden sie dann so lange mit Steinen gejagt, bis sie zusammenbrachen und dann erschossen. Anschließend hatten die Juden im Lager drei Tage Essen- entzug und Dünkelarrest. Einige Tage später wurde das ganze Lager mit fünf Tagen Kostentzug bestraft und stand acht Stunden in der Kälte am Appellplatz. Im August 1940 kamen erneut 1100 Polen in ein Sonder- lager. Im ersten Arbeitseinsatz im Steinbruch wurden sofort elf Mann erschossen. Innerhalb von fünf Monaten hat sich ihre Zahl auf 300 Mann erniedrigt. Als Repressalien für Vor- kommnisse im deutschbesetzten Polen wurden wiederholt Polen ausgesucht und„zur Abschreckung der anderen“ öffent- lich erhängt. Im einem Falle 25 Mann gleichzeitig. Im Februar 1941 wurden 400 holländische Juden eingeliefert, die einige Wochen im„Buchenwald“, später nach Gusen bei Mauthausen transportiert wurden. Sie\ hatten in Holland einer gewissen politischen Bewegung angehört und- wurden in einer sogenannten Aktion verhaftet. Es waren durchweg junge Leute. In den Steinbrüchen von Gusen wurden sie rest= los liquidiert. Vor dem Abtransport von Buchenwald war nur ein einziger vergessen worden, weil er das„Glück“ hatte, zu= fällig im Revier zu liegen. Eine beliebte Methode der SS- Posten im Lager Mauthausen war, um die Juden zu erledigen: 12 - man belud sie mit schweren Steinen, dann mußten sie eine Steintreppe von zirka 100 Stufen nach oben marschieren und die Posten sorgten dabei für die nötige Unordnung bei dieser Arbeit brach mancher zusammen, der Stein stürzte ihm die Treppe hinab und schlug gegen die anderen, die von unten an= getrieben und gehetzt wurden. So stürzten viele in der allgemeinen Panik in den Steinbruch hinab. Eine andere gemeine Art war die, daß sie zwei Juden auswählten, die sich am Rand des Steinbruchs oben gegenseitig verprügeln mußten. Wer den anderen hinabstoßen konnte, hatte sein eigenes Leben gerettet. Wenn sich beide geweigert hatten, diese Prügelei mitzumachen, wurden sie durch Fußtritte hinabgestoßen. Im Mai 1941 führte die Ermordung eines Juden namens Hamper im Lager„ Buchenwald" durch den SS- Hauptscharführer Abraham zur Ausrottung von 34 Juden. Dieser Jude Hamper war bei der Arbeit von Abraham in einer Wasser= grube ertränkt worden. Da der Fall wegen der Todesursache untersucht worden war, wurde sein Bruder als Zeuge ver= Er hatte den wahren Sachverhalt ausgesagt und kam in Arrest und mit ihm die übrigen Zeugen dieses Mordes, d. h. das ganze jüdische Arbeitskommando. Im Arrest wurden im Zeitraum von sieben Wochen nacheinander 3-4 Mann täglich umgebracht. nommen. - Im Block 46 des großen Lagers war von der medizinischen Abteilung des Krankenhauses eine sog.„ Versuchsstation" einge d A P 1 11 S 1 I 13 gerichtet worden. Im Auftrag des Reichsärzteführers hatten die SS-Ärzte hier Versuche mit Fleckfieberserum ausgeführt. An gesunden Leuten, ausgewählten Häftlingen, wurden Ex-= perimente mit Fleckfieberbakterien gemacht und später aus ihrem Blut Serum gegen Fleckfieber gewonnen. Viele ver- starben im Fieber, die Überlebenden waren für den Rest ihres Lebens leidende Menschen. Im Sommer 1941 wurden nach Listen der politischen Ab- teilung zwei Iransporte von politischen und kriminellen Häft- FERR abgefertigt, die in Sonnenstein bei Pirna durch Experi- mente mit Giftgas getötet wurden. Es handelte sich um 450 Mann.(Kriminalsekretär Sturmführer Serno, Kriminalsekretär Leclaire.) Durch den Lagerarzt Dr. Eisele wurden 100 Tbec.-Ver- dächtige im Sommer 1941 durch Einspritzung mit Evipannatrium ermordet. Dieser SS-Arzt führte außerdem Magenvivisektionen an Gesunden durch, an deren Folgen viele starben. Vom Dezember 1941 an wurden laufend Häftlinge zu Ver- suchen verschiedener medizinischer Abteilungen verwendet. Verantwortliche Leiter waren die SS-Ärzte Standortarzt Hofen, ferner SS-Arzt ÖObersturmführer Ding, Obersturmführer Dr. Plaza. Auf Befehl des Lagerkommandanten Koch, der für alle diese obigen Verbrechen als Lagerkommandant verant- wortlich war, wurden im Oktober 1941 die beiden deutschen politischen Häftlinge Walter Krämer und Karl Peix, welche 14 das„ Häftlingsrevier" bis zum 31. 10. 41 geleitet hatten, ab= berufen und in Goslar erschossen. Sie waren Zeugen und Mitwisser unzähliger Morde, der Massenliquidierungen von Häftlingen durch die SS- Ärzte. Im Revier des Lagers, Buchenwald" wurden alte und gebrechliche Häftlinge, aber auch solche, die sich irgendwie unbeliebt gemacht hatten oder die man sonst aus irgendwelchen Gründen beseitigen wollte, durch Injektionen„ liquidiert“. Im März 1942 gingen von Buchenwald vier Transporte mit je 90 jüdischen Häftlingen, Invalide und Kriminelle, nach der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg, wo sie. unter der Leitung des SS- Arztes Dr. Eberle eines gewaltsamen Todes starben. Von diesen Transporten kam nur die Asche der Toten zurück. Der Buchenwald- Häftling Markus mußte sie in Urnen abfüllen. Er wurde dann nach Beendigung seiner Arbeit durch Oberscharführer Pleißner umgebracht. Der verantwortliche Kommandant des Lagers war damals SS- Standartenführer Koch, 1. Lagerführer Sturmbannführer Rödel, 2. Lagerführer Obersturmführer Max Schobert. Der Mangel an deutschen Arbeitskräften führte ab Oktober 1942 zum Einsatz von Häftlingen in kriegswichtige Betriebe und Rüstungswerke. Es wurden Tausende von Arbeitern zwangsweise aus den von den Deutschen besetzten Gebieten in die Konzentrationslager gebracht. Besonders die Massentransporte französischer Arbeiter sind zu erwähnen, S K 10 m Z Z S W I W e U 3) die beim Aufbau des Konzentrationslagers„Dora“, später Konzentrationslager„Mittelbau“ genannt, bei Nordhausen und im Konzentrationslager„Laura“ eingesetzt wurden. Sie starben massenweise schon nach wenigen lagen, denn in der ersten Zeit beim Aufbau dieser Lager waren die Menschen ge= zwungen, in unterirdischen Stollen und Schächten unter Schwefeldämpfen zu arbeiten, zu essen und zu schlafen. Es war dort für ihre Unterkunft keinerlei Vorkehrung getroffen. Die Leichentransporte kamen in das Krematorium nach Buchen- wald, und die Leichen zeigten fast alle die gleiche Todesursache; es waren abgemagerte Skelette, bestehend nur mehr aus Haut und Knochen."Nach diesem Lager„Dora“ waren auch vom Buchenwald im Laufe der Zeit zirka 30000 Mann zur Arbeit überstellt worden. Der dortige verantwortlihe Lager- arzt war der SS-Obersturmführer Dr. Plaza, der Lager- kommandant der SS-Sturmbannführer Förschner. In„Laura“, wo die Sterblichkeit pro Monat 10°, betrug, war Lagerführer der SS-Untersturmführer Plaul. Ähnliche Kommandos waren bis zuletzt„S. 3 bei Ohrdruf, B.2 bei Halberstadt, in Magdeburg und Wille bei Zeitz“. Im Arbeitseinsatz wurden auch Frauen beschäftigt. Während man arische Häftlingsfrauen bei Schwangerschaft zur Unter- suchung in das große Frauenkonzentrationslager„Ravensbrük“ in Mecklenburg geschickt hatte, überführte man jüdische Frauen zur Vergasung nach Auschwitz, später nach Bergen-Belzen. 16 Juden- und Zigeunerkinder, die man nicht für Arbeitszwecke benutzen konnte, wurden ebenfalls für Vernichtungstransporte nach Auschwitz und Bergen- Belzen bestimmt. Durch die Evakuierung von Häftlingen aus den großen Lagern von Compiègne wurden die Häftlinge, zum Teil nackt, je 100 Mann in einen Waggon gepfercht. Da sie hier ohne Wasser und Entlüftung waren, erstickten 63 Mann. Innerhalb des Konzentrationslagers Buchenwald war in den letzten Jahren ein sogenanntes„ Kleines Lager" errichtet worden. Hinter Stacheldraht isoliert waren hier invalide, arbeitsunfähige, alte Leute und Kinder aus Polen untergebracht. In erbärm= lichen Behausungen, früheren Pferdebaracken, waren hier bis zu 2000 Menschen in einer Baracke zusammengedrängt. Ohne Strohsäcke mit nur einer Decke- oftmals ohne solche Kleidern Tag und Nacht lagen Gesunde und Kranke durch= einander. Es waren Kinder darunter im Alter von 3-15 Jahren zirka 700 Kinder, deren Eltern in Auschwitz vergast - worden waren. - in d k D V A rn, 17 Massenerschießungen russischer Kriegsgeiangener durch„Genickschuß“ im Konzentrationslager Buchenwald durch die SS Nach Ausbruch des Krieges mit der Sowjetunion im Ok- . tober 1941 kamen die ersten russischen Kriegsgefangenen nach dem Konzentrationslager Buchenwald. Die Häftlinge des Lagers konnten in der ersten Zeit mit diesen Russen nicht in per- sönliche Verbindung treten, da diese isoliert gehalten wurden. Als eines Abends das Lager zum Appell angefreten war, mußten die Häftlinge einige Lieder singen, was damals häufiger vorkam. Diese sog. Singstunde sollte einesteils zur Belustigung der Lagerleitung und deren Besucher dienen— war aber anderenteils eine Provokation gegen die politischen Gefangenen,. da sie gezwungen waren, nationalsozialistische Spottlieder zu singen. An diesem Abend zog sich die Singstunde länger hin und nach dem Appell wurde bekannt, daß während dieser Zeit acht oder zehn russische Offiziere außerhalb des Lagers von der SS erschossen worden waren. Der Gesang sollte die Salve übertönen. In den nächsten Tagen wiederholten sich 18 diese Exekutionen, und die Zahl der Erschossenen mehrte sich täglich. Die SS- Lagerleitung erhielt dann im Laufe der nächsten Wochen mehr und mehr, Russentransporte" zur Liquidierung. Es erschien notwendig, für diese Massenliquidierungen ein besonderes Gelände und Gebäude zu benutzen. Dieses sollte entfernt vom Lager sein und von den Häftlingen nicht betreten werden. Hierzu wurde dann der sog. SS- Pferdestall neben der großen Reithalle benutzt. Die Transporte der russischen Gefangenen kamen in Omnibussen im Lagerbereiche an, wurden auf der sog. politischen Abteilung empfangen, dort registriert, dann weiter nach der Reithalle geleitet. Die russischen Offiziere konnten die Häftlinge des Lagers bei der Arbeit und auf dem Marsch sehen, jedoch nicht sprechen. In der Reithalle bzw. im Pferdestall war für ihren Empfang bereits alles vorbereitet. Das Mordkommando dort bestand meist aus folgenden SS- Angehörigen: SS- Hauptscharführer Taufrathshofer, Oberscharführer Berger, Hauptscharführer Schäfer, Unterscharführer Kelz, Unterschar= führer Bruno Michael, Hauptscharführer König u. a. raum 66 Der Pferdestall war so eingerichtet, daß man den Zweck des Gebäudes nicht wahrnehmen konnte, d. h. der„ Empfangs= war ordentlich und sauber hergerichtet. Die Russen mußten sich dort zu einer„ ärztlichen Untersuchung" wie in einem Lazarett auskleiden, wurden dann später der Form h S m al B ge P T fa W V Z d a W f S a 19 halber untersucht— registriert wie zur Aufnahme in das Lager. Sie wurden nicht mißhandelt, das Radio spielte öfter Tanz- musik. Von diesem Raum wurden sie dann durch verschiedene andere Räume„geschleust“, dort dann gemessen und gewogen. Bei der Messung der Körpergröße war der Meßapparat so gestellt, daß auf einen Druck ein Schlagbolzen aus der Meß- platte heraussprang und den Halswirbel durchschlug. Da diese Todesart nicht immer tödlich wirkte, wurde später derart ver= fahren, daß an der Tür ein 30 cm breiter Schlitz angebracht wurde, durch den ein SS-Mörder mit einer Maschinenpistole von hinten auf die unglücklichen Opfer schoß. Der Raum war ziemlich schalldicht, das Radio übertönte den Schuß, so daß der nächste nichts von seinem bevorstehenden traurigen Schicksal wahrnehmen konnte. Diese Liquidierung ging rasch vonstatten.— Zum Abtransport der Leichen standen schon die entsprechenden Hilfskräfte sowie Autos bereit, und diese wurden sofort nach dem Krematorium, das sich im Lager be- findet, weitergeleitet. In einer Stunde wurden auf diese Art oftmals bis zu 100 Mann liquidiert. Im ganzen wurden von Oktober 1941 an zirka 7000 Russen erschossen.: Die Uniformen und Wäschestücke wurden ins Häftlingslager Buchenwald ge- schafft, dort in der Wäscherei gewaschen, meist in der Schnei- derei umgeändert und den Häftlingen später zur Bekleidung durch die Kammer ausgehändigt. Besonders kräftige, arbeits- fähige Russen, auch solche, welche aus Zeitmangel nicht sofort 20 liquidiert werden konnten, wurden zur Zwangsarbeit in den Steinbruch abkommandiert und entgingen so dem Schicksal ihrer Kameraden. Andere Russentransporte mit einfachen Militärpersonen, jungen Offizierschülern, auch Arbeitssoldaten aus den Grenz- gebieten, wurden im Konzentrationslager Buchenwald in einem besonders isolierten„russischen Kriegsgefangenenlager“ unter- gebracht und zu Arbeiten im Lager, später dann auch zu Arbeiten in den Rüstungsbetrieben der Gustloff-Werke und DAW., auch anderen Außenkommandos, herangezogen. Die Sterblichkeit war in der ersten Zeit'nach Kriegsausbruch besonders hoch, da diese Gefangenen wochenlange Fußmärsche in den besetzten Gebieten hinter sich hatten und meist elend und ausgehungert im Lager ankamen. Im Lager angekommen, wurden sie sofort von den deutschen Kameraden empfangen, registriert und in der Badeanstalt entkleidet, gebadet und neu eingekleidet. Das Häftlingsrevier wurde vergrößert und eine besondere Baracke für die russischen Kriegsgefangenen eingerichtet. Die Verpflegung wurde aus dem großen Lager geliefert und war die gleiche wie für die anderen Gefangenen. Sofern die russischen Kameraden keine Zuteilung an Zigaretten oder Tabak von der SS erhielten, sorgte das Lager für ent- sprechende Sammlungen. Wenn zu Anfang das Krematorium von Buchenwald täglich 60-70 Leichen zur Verbrennung zugewiesen erhielt, so wurde 21 später der Betrieb der Verbrennungen Tag und Nacht aufrecht- erhalten. Die Zahl der dort beschäftigten Häftlinge stieg täglich, so daß zuzeiten im Krematorium bis zu 80 Mann beschäftigt wurden. Dieses„Arbeitskommando“ wurde von der Lager- leitung besser behandelt, erhielt Zulagen an Verpflegung und Rauchmaterial, mußte aber auch damit rechnen, eines Tages liquidiert zu werden. Die Erfahrung hatte gelehrt, daß in Auschwitz die SS ihre Mitarbeiter und die Zeugen später einfach vergast hatte. Die Leichen wurden auf Lastautos, meist bei Nacht, nach Buchenwald eingeschafft. Manche re waren noch in gestreiften Häftlingskleidern, manche wieder waren bereits entkleidet.— Die Leichen waren zum Skelett ausgehungerte Menschen, viele trugen Anzeichen blutiger Mißhandlungen. Zuzeiten blieb der Brennstoff für die Öfen aus, dann türmten sich Leichenberge im Hof des Krematoriums. In „Dora“ war kein Krematorium, deshalb rollten eine Zeitlang ununterbrochen Leichenautos nach Buchenwald. Das em diente aber nicht nur zum Zwecke der Leichenverbrennung, sondern gleichzeitig auch als Hinrichtungs- platz. Im Hof des Krematoriums wurden die von außerhalb eingelieferten„Kriegsverbrecher“, Verurteilte der Militär- und Volksgerichte, erhängt. Zu diesem Zweck war im Hof ein Galgen errichtet, der sieben Verurteilte gleichzeitig aufnehmen 22 konnte. Die Exekution mußte von Häftlingen ausgeführt werden und geschah unter Aufsicht der SS. Manchmal wurden aus irgendwelchen Gründen Häftlinge erhängt, um ein abschreckendes Beispiel für die anderen zu konstatieren. Hatte sich ein Gefangener durch renitentes Ver- halten strafbar gemacht oder war einer bei Diebstahl ertappt worden, wurde er kurzerhand ohne Urteil oder Verhör in den Hof des Kremos gejagt, dort in einen Schacht gestoßen, der in einen Keller mündete. Hier wurde er dann von einem SS-Mann gefaßt, hochgerissen, gewürgt und an die Wand gehängt. Mit einer Schlinge um den Hals wurde er so lange gewürgt, bis er erstickte. Häufig wurden diese Opfer dann mit einer Holzkeule noch erschlagen, in den elektrischen Fahrstuhl geworfen und in den Verbrennungsraum gefahren. Hier wur: den wiederholt Polen, nur um die übrigen abzuschrecken, erhängt— in einem Falle gleichzeitig 25 Mann. Im Monat März 1945 wurden hier letztmals 16 Mann auf Befehl des Reichsführers SS Himmler erhängt. Die SS hatte hier besondere„Strafmethoden“: Man ließ den Verurteilten, d.h. das Opfer... denn ein Urteil wurde ihm nie gesprochen, oft stundenlang unter dem Galgen mit der Schlinge um den Hals stehen. Mir ist ein Fall aus der letzten Zeit bekannt, wo man Verurteilte 2—3 Tage stehen ließ. Wenn diese Opfer dann fast am Zusammenbrechen, sich kaum mehr aufrecht erhalten konnten— denn man ließ sie ohne 23 Wasser und Brot—, mußte sie ein Mitgefangener, der im Kremo beschäftigt war, aufhängen. U. a. wurden hier im Jahre 1944 34 englische und kanadische Piloten ermordet. Aus der Pathologischen Abteilung des Krankenbaus wur- den die sezierten Leichen im Krematorium verbrannt. In dieser Pathologischen Abteilung wurden medizinische Experimente, anatomische Studien an Leichen gemacht. Ich sah z. B. einen Schädel, der nach Sitte der Südsee-Insulaner über Feuer ge- trocknet und zur Größe einer Ananas eingeschrumpft war. Gesichtsausdruck und Haare waren ausgezeichnet erhalten. Ich sah hier Menschenhaut, die man von solchen Leichen aus- geschnitten hatte, die besonders interessante Tätowierungen aufwiesen. Die Haut war präpariert worden und zeigte die Tätowierung in einwandfreier Weise. Der Lagerkommandant Koch hatte einten Lampenschirm für sein Büro aus solcher Menschenhaut mit einer mehrfarbig ausgezeichneten Täto- wierung anfertigen lassen. In der ersten Zeit war im Konzentrationslager Buchenwald ein Standesamt eingerichtet worden, um die Angehörigen der Verstorbenen zu benachrichtigen. Die Todesursache war meist falsch angegeben.— Die Urne wurde gegen eine Gebühr von RM 15. zugestellt. Später wurde. diese pietätvolle Art der Benachrichtigung vermieden, da die Todesfälle zu zahlreich geworden waren. Am 24. August 1944 wurden. die Rüstungsanlagen von 24 Buchenwald(Gustlof-Werke und DAW.) durch die Royal Air Force bombardiert; dies wurde zum Anlaß genommen, die Ermordung des früheren kommunistischen Reichstagsab- geordneten Thälmann zu begründen. Thälmann sollte an- .geblich ein Opfer des Bombenangriffs geworden sein. Die Lagerstärke war in dem vergangenen Jahr ständig ver- schieden. ‚Sie betrug am 1. April 1945 80813 Häftlinge. Hier- von waren zirka 34000 in Rüstungsbetrieben außerhalb des Lagers. Nach Annäherung der alliierten Streitkräfte versuchte die SS das gesamte Häftlingslager in rückwertiges Gebiet zu verschleppen. Es gingen: am 3. April 1945 1500 Häftlinge angeblich auf Transport Theresienstadt, am 5. April 1945 3105 Juden mit unbekanntem Ziel; über ihren Ver- bleib ist nichts bekannt, vom 6.— 10. April 1945 99680 Kriegsgefangene und Häftlinge aller Nationen mit dem Ziel nach Konzentrationslager Flossen- bürg in Bayern und nach Konzentrationslager Dachau-München. In Dachau wurden bei der Besetzung durch atnere Truppen 80 Waggons mit Leichen angetroffen. Nach der Be- setzung des Konzentrationslagers Buchenwald durch die 3. na zul Te un es te 25 amerikanische Armee waren noch rund 21000 Häftlinge ver- blieben. Unter diesen befanden sich in stationärer Behandlung . des Reviers 3150. An Invaliden, Alten und Kindern zirka 4300. Am 11. April 1945, nachmittags gegen 3 Uhr, drangen die ersten amerikanischen Panzer in den Bereich des Lagers ein. Die deutsche Verteidigung war sehr gering, die SS-Wachmann- schaften waren bereits abgerückt, die Kommandantur geflüchtet, nachdem sie noch als letzte Schandtat 25 Häftlinge, die im Arrest untergebracht waren, erwürgt hatte. 46 politische Häft- linge waren einige Tage zuvor gerufen worden, sollten noch kurz vor Räumung des Lagers liquidiert werden. Diese 46 Häftlinge folgten dem Befehl nicht, erschienen einfach nicht zur Meldung und wurden im Lager versteckt. Da wir mit Liquidierung des Lagers vor der Flucht der SS-Mannschaften rechneten, gerüchtweise war bekannt geworden, daß die SS-= Sonderformation befohlen hatte, das Lager zu beschießen und durch Flammenwerfer niederzubrennen, hatten wir zirka 1000 Gewehre, Panzerfäuste, Pistolen und einige MG. versteckt gehalten. Als die ersten Panzer beobachtet wurden, bewaff- neten sich unsere jungen Kameraden und stürmten das Draht- hindernis. Kein Schuß fiel— die SS war geflüchtet. Die weißen Fahnen wurden auf den Dächern der Wohnblocks gehißt— unter unbeschreiblichem Jubel drangen wir durch den Draht und holten die Panzer des bekannten Generals Patton herbei. Durch offiziellen Todesschein des Lagerarztes wurden seit 26 Bestand des Lagers 32703 Tote gezählt doch unter dieser - Zahl befindet sich nicht die Masse der Exekutionen an Kriegs= gefangenen und der Morde im Krematorium und der Außen= kommandos. Insgesamt wurden im Krematorium zirka 60000 Menschen verbrannt. Sterblichkeitsübersicht ab 1. Januar 1945: n W fr S Durchschnittsd bei Zugängen an Toten belegschaft d Januar 1945.. 61000 22906 6477 Februar 1945 U 62000 12581 5614 März 1945. K 82000 8508 5479 915 "- vom 3.- 10. April 1945 Der Gesundheitszustand der größten Zahl der früheren Gefangenen ist bedauernswert schlecht, die Krankenbaracken des Lagers sind überfüllt, ebenso die provisorischen Lazarette, und nur allmählich kommt Ordnung und Organisation in das frühere Vernichtungslager. Die Wasserleitung des Lagers war von den abziehenden deutschen Truppen zerstört, wie auch die Lichtleitung. Tagelang mangelte im Lager das Wasser, die Latrinen und Klosetts waren nicht mehr zu benutzen, der Gestank war fast unerträglich und die Gefahr einer Seuche war gegeben. Die Lagerküche konnte kein warmes Essen aus= geben aus Mangel an Wasser, bis durch Tankwagen der Truppe n a W e 27 Hilfe kam. In einigen Tagen war dieser Zustand beseitigt, die Leitung repariert, Licht- und Stromzufuhr gesichert. Nachdem der amerikanische Platzkommandant und der General der 3. Armee Patton das Lager übernommen hatten, wurde dieses zur Besichtigung durch die Bevölkerung Weimars freigegeben. In den ersten Tagen waren die Einwohner der Stadt Weimar und der Umgebung gezwungen, den Weg nach dem Ettersberg zu Fuß zurückzulegen und die dort herrschen= den Zustände, das Verdienst der Nazis, zu besichtigen. Später kamen die Menschen zu Tausenden freiwillig aus allen Dörfern und Städten und besichtigten die Schreckenskammern des Kremos die Mordbunker, die schauerlichen Unterkünfte des „ Kleinen Lagers", Isolierbaracken und andere Einrichtungen. - Schon am 12. April rollten die Kolonnen der 3. amerikanischen Armee mit ihren Sanitätsparks, die Transporte des Roten Kreuzes, der kath. Missionen und Charité- Verbände der de Gaulle- Armee ins Lager. Die früheren SS- Kasernen wurden sofort als Lazarette eingerichtet. Die Lebensmittelversorgung des Lagers wurde nun durch ein internationales Lagerkomitee neu organisiert. Die Bevölke= rung der Umgebung hatte in Kürze Lebensmittel aller Art geliefert denn die Lagervorräte waren erschöpft 21000 Menschen waren zu verpflegen- tagelang rollten die Bauern= wagen, LKW.s und Transportmittel mit Nahrungsmitteln, Milch, Wasser nach dem Ettersberg und wurden auf über= - - 28 füllten Straßen ins Lager geschleust. Lazarettautos der Truppe, Wassertankwagen, Omnibusse u. a. standen rings um das Lager, und dazwischen standen die geretteten Gefangenen, gerührt und unfähig, sich zurechtzufinden- nach den furchtbaren Tagen der Aufregung und der Todesangst. - Vor den Wohnbaracken lagen die Toten- auf den Straßen zusammengebrochen die Kranken und Hungernden, dazwischen Tote in den Blocks die Ärmsten der Armen, verhungert, Tote über Tote- Leichenberge hinter den Baracken, im Krematorium- ein Bild des Schreckens und mancher Berichterstatter mußte sich entsetzt abwenden und war nicht fähig, solche Bilder des Grauens länger zu ertragen. - Das Lager„ Buchenwald ist wie so viele Konzentrations= lager der Nazidiktatur das erschreckendste Schandmal der Zivilisation. Es ist aber nur ein Mosaik aus dem schauer= lichen Bild, welches„ Großdeutschland" der Welt geboten hat an geistiger Verkommenheit, niederträchtiger Bestialität und blutrünstiger Gemeinheit. Die Konzentrationslager von Dachau, Flossenbürg, Ausch= witz und Bergen- Belzen, die Lager in Sachsenhausen, Lichten= burg, Sachsenburg, Oranienburg, Neuengamme, Ravensbrück, Mauthausen, Groß- Rosen, Ohrdruf, Natzweiler, Maidanek ( Lublin), Tremblinka in Polen u. a. waren offizielle Mordzentralen der Hitler- Regierung. a la ha A d น ZU W in SO P SO in ra al SC d 29 t C= Hier wurden mehr als 15 Millionen unschuldiger Menschen aller Länder ermordet. Man hielt hier politische Gegner jahre= lang fest, nur weil sie den Ungeist der Nazi- Ideologie bekämpft haben. Kommunisten und Sozialdemokraten, Demokraten und Anhänger aller politischen Parteien wurden, weil sie Gegner der NSDAP. waren, mißhandelt und ermordet. Werktätige aller Länder, Bauern und Arbeiter, Geistliche und Ernste Bibelforscher waren mit Verbrecher und Mördern zusammen in Zwangsarbeit. In den Gaskammern von Auschwitz und in Bergen- Belzen wurden Juden aller Länder in grausamster Weise umgebracht, indem man sie langsam vergast hatte. Männer und Frauen, ganze Familien mit ihren Kindern, mehr als 5 Millionen Men= schen, waren in Auschwitz vergast worden. In Tremblinka in Polen starben 3 Millionen Menschen in den Gaskammern. Das war das ruchlose Werk eines Adolf Hitler" und seiner Verbrecherorganisation, dem das deutsche Volk Treue ge= schworen und zugejubelt hatte, solange er Erfolg gehabt und in einem fragwürdigen Triumphzug aus irrsinnigem Macht= rausch fremde Völker überfallen konnte.- In jedem Menschen aber, der eine andere Gesinnung und Auffassung von Men= schenrecht und Sozialismus hatte, sah er einen Staatsfeind, der ausgerottet werden mußte. Deutsche Antifaschisten und Kommunisten waren die ersten Opfer nationalsozialistischer Konzentrationslager. 30 An dieser Stelle soll auch der vielen Kameraden gedacht sein, die in jahrelanger Mühe und Arbeit im Lager einen Krankenbau und damit eine Oase in der Wüste geschaffen haben, wo ein großer Teil der Kranken Pflege und Genesung fand unter der tatkräftigen Leitung unseres früheren I. Lager- ältesten Ernst Busse. Vor der ganzen Welt und der Geschichte wird sich nun das deutsche Volk zu verantworten haben, daß solche Dinge in Deutschland geschehen konnten; die Welt wird Sorge tragen, daß der böse Geist der Nazi-Ideologie und Rassentheorie eines Rosenberg und Komplizen ausgerottet wird, und ebenso die schwarze Pest eines Himmler, von der einst Goebbels, der schwarze Magier der Massen-Suggestion, mit Stolz sprach: „Wir sind die Elite der Nation!“ Das Lager Buchenwald soll auf Wunsch der ehemaligen Gefangenen nicht vernichtet werden. Dieses Lager soll allen. Nationen ein Mahnmal für ihre kommenden Gesclechter sein und zugleich eine Ruhestätte für-unsere vielen Kameraden, die als Opfer der Nazipest ihr Leben gelassen haben. Ich selbt habe dort vom 12. September 1938 bis 11. April 1945 als politischer Gefangener ein an grauenhaften Erlebnissen und unsagbaren Entbehrungen reiches Leben fristen müssen, nachdem ich zuvor schon im Konzentrationslager Dachau bei München vom 12. Mai 1937 bis 12. September 1938 festgehalten worden war. Daß ich diese langen Jahre meines Lebens, acht ZU ei St Jahre, überstehen konnte und nicht umgekommen bin, habe | ich nicht meiner Kraft allein zu verdanken, sondern der treuen | Kameradschaft meiner Mitkämpfer und Leidensgefährten und Ä einer höheren Macht, deren Wirken ich dort so oft erkennen konnte und die meinen Lebensweg bestimmt hat. Die letzten Aschenreste aus dem Krematorium habe ich in | einer kostbaren Urne verwahrt. Diese Urne soll einen wür- digen Platz auf dem Grabmal erhalten, das ich auf dem Friedhof zu Weimar aus dem Erlös dieses Berichtes unseren Kameraden errichte. Weimar-Buchenwald, im Juli 1945. W.A. Beckert Buchenwald-Häftling Nr. 986 ALESW- HOLSTEIN 8 LAGER NEUENGAMME HAMBURG MECKLENBURG 6 LAGER RAVENSBRUCK bei Fürstenberg/ M OLDENBURG/ BREMEN 4 LAGER BERGEN- BELSEN POMMERN 4 LAGER bei Celle BRAUNSCHWEIG & LAGER PROV. SACHSEN BRANDENBURG 20 LAGER SACHSENHAUSEN bei Oranienburg PROV. HANNOVER 20 LAGER WESTFALEN 7 LAGER RHEINLAND 11 LAGER RUHRGEBIET 3 LAGER HESSEN 8 LAGER DEUTSCHLAND BUCHENWALD bei Weimar THURINGEN 5 LAGER FLOSSENBURG SACHSEN 8 LAGER SUDETENGAU 2 LAGER PFALZ SAAR 4 LAGER ELSASS NATZWEILER BADEN LAGER WURTTEMBERG. 4 LAGER BAYERN 17 LAGER DACHAU bei München AUSSERDEUTSCHE KZ.- LAGER z. B. in RIGA LETTLAND, VUGTH u. AMERSFOORT in HOLLAND u. a. SCHLESIEN 10 LAGER GROSS ROSEN THERESIENSTADT bei Prag WIESENGRUND i. d. Tschechoslowakei MAUTHAUSEN STUTTHOF bei Danzig 5 LAGER POLEN POLEN 35 LAGER KRAKAU AUSCHWITZ LUBLIN TSCHECHO- SLOWAKE WOLTERSDORF bei Wien ÖSTERREICH IN OSTERREICH WAREN NOCH 10 LAGER 60 KZ- SACHSENHAUSEN hatte 80 Nebenlager KZ.- BUCHENWALD.. KZ.- DACHAU......... KZ.- MAUTHAUSEN... @PO 9 488 60 45 Das Konzentrationslager Buchenwald Tisch mit ärztlichen Jnstrumenten Ofen Holzwande Raum für Stroh Sogenanntes Leichen- Agitzimmer weg Leichenauto mit Zim Raum behälter Leichenstapel für Sagement 6bully Blutabflussrinne Abfallgrube S Die eingebaute GenickschussAnlage Hinrichtungsraum mit Eisenrost und Blendlampen Genickschuss- 60e Schießstand Ruhe- SpeiseZimmer Zimmer der 44 d.Mörder Flügeltüre Lautsprecher Umkleide Radio raum zimmer der 44 303 ° 603 Schützenkammer mit 2 44- Mördern leeres Zimmer Toilette 44- Mann mit Wasserschlauch Messvorrichtung mit Schlitz und Blechklappe Kugelfang mit Vorhang DoppelholzTüren leer Tisch für Wertsachen u.Erkennungsmarken Raum für Stroh Schubauto 309 Auskleideraum für die Todeskandidaten. 303 Der letzte Weg des Gefangenen Fenster Lautsprecher Treppe nach oben Schalldichte Türe 609 44- Posten N Raum für Pferdefutter PFERDESTALL 0 SCHWEINESTALL DAW DEUTSCHE AUSRÜSTUNGS WERKE 00000 GARTNEREI SPB KINO [] 56 57 58 KLEINES LAGER 61 52 53 59 60 1553 *************** 150 P - 38 S 48 74508 30 31 32 33 WASCHE FENTION 0 25 26 27 28] BARTONEE 29] 20 21 22 ☑☐ M 44 15 16 1 6 10 4 5 Pilk OPTIK DAW ( SCHLOSSEREI OPTIK ELEKTRIKER KREM e ZELLENBAU TOR AUPTE ING 00 NACH DEM STEINBRUCH HIER BEFANDEN SICH DIE 45- KASERNEN HOLZBARACKEN STEINBLOCKS 0 KOMMANDANTUR GARAGE 00000000 30 . , 0 • KONZENTRATIONSLAGER 0 BUCHENWALD SKIZZE E. RICHTER BAHNHOF BUCHENWALD UND RÜSTUNGSBETRIEB GUSTLOFF HAUPT. WACHE POST WERK II 36 BUCHENWALD Der Eingang ins Lager vom Kommandantenhaus gesehen Im Vordergrund Beutegeschütze Blick ins Konzentrationslager Links Wachtürme mit MG- Posten. Im Hintergrund die Revierbaracken IM BILD 38 BUCHENWALD Der„Steinbruch“ IM BILD 39 Wachtürme am elektrischen Zaun Das isolierte„ Kleine Lager" 40 40 BUCHENWALD Im Vordergrund Arbeitsbaracken, im Hintergrund Wohnblocks Rechts Effektenkammer Der Marstall" in Weimar Das Gestapo- Gebäude IM BILD Erklärung. Ich habe erkannt, daß die Internationale Bibelforroher VereiLigung eine Irrlohrs verbreitet und unter dem Deokmantol relielleer Butabigung lediglich staatsfeindliche Ziele verfolgt. Ich habe mich deshalb voll und gana von dieser Organisati n abgewaadt und mich auch innerlich von der Lehre dieser Sekse frelgemacht. Ich versichere hieralt, daß ich mich me wieder für die InterBotionale Bibelforscher- Vereinigung betätigen werde. Fers 100, Cie für die Irrlehre der Bibelforscher werbend an mich heranaroten, oder in anderer Weise ihre Einstellung ala kileliarsober bekunden, werde ich unverzüglich zur Anzeige bringen. Sollten alr Bibelf recher- Schriften zugesandt werden, werde ich sie ungehond bei der nachsten?.lizeidienststelle algeben. Ich will. künftig die Gesetze des Staates achten und mich voll und ganz in dié velksgemeinschaft eingliedern. soiters ist mir eröffnet worden, daß ich mit meiner sofortigen, erneuten Inschutzheftnahme zu rechnen habe, wenn ich meiner heute abgegebenen Erklurung zuwiderhandle. Konzentrationslager Buchenwald. Weimar- Buchenwald, den Unterschrift. ale obenstehende Erkl- rung kann ich nicht unterschreiben, da ich nach wie vor u erzougter Bi belforscher bin und meinen Schwur, den ich Jehova gelei cet habe, niemals brechen werde. Weimar- Buchenwald, den Unterschrift. Ein Dokument der Erpressung 41 42 BUCHENWALD BUCHENWALD t Der Appellplatz mit Arbeitsbaracken IM BILD 43 Wachturm mit Krematorium im Hintergrund Das Revier„ Krankenhaus" BUCHENWALD Blick vom Wachturm in den Hof des Krematoriums Lagerstraße IM BILD 45 45 Der Eingang ins Lager Das Tor" mit der geistreichen Inschrift: ,, Recht oder Unrecht " mein Vaterland" Eine Wohnbaracke" im Lager Buchenwald 9 46 BUCHENWALD Eine„Wohnbaracke“ im Kleinen Lager IM BILD 47 Hunger und Kälte forderten Tausende von Menschen BUCHENWALD Landhaus des Kommandanten Koch ER. 3 Raubvogelzwinger im Falkenhof der SS 50 BUCHENWALD Das Jagdhaus im Falkenhof Hier waren einige Zeit Leon Blum und Daladier festgehalten worden 7724 CAMP Der Galgen im Hof des Krematoriums IM BILD 51 ## MODELL! Das Original wurde van den 15 Mardiander vor deren Abpg wide! Der sogenannte Bock! Ei Na Kulturdenkmal Die Hundertschaften" der SS „ Der Bock", ein Kulturdenkmal der Nazi 52 BUCHENWALD Mordkeller im Krematorium An der Wand wurden die Opfer durch SS-Männer an die Nägel gehängt und erwürgt Ein Verbrennungsofen im Krematorium IM BILD Verstorben an Hunger und Typhus Mißhandelt und ermordet durch die ,, Schwarze Pest" Verbrennungsofen im Krematorium U 33 53 54 BUCHENWALD Transport- Lastwagen mit Leichen auf dem Weg zum Krematorium Im Hof des Krematoriums rıums fe) ® | ö » N“ 17) ® & Se [) Do 5 IM BILD 56 BUCHENWALD Befreite Gefangene Politische Funktionäre des Konzentrationslagers Buchenwald Meyer, Helmut. Eiden, Hans. Stötzel, August. Schmidt, Wilhelm. Baumann, Arthur IM BILD 57 Appellplatz mit Arbeitsbaracken. Rechts Block der russischen Kriegsgefangenen HLB Das„ Tor". Rechts Bunkerbau und Mahnmal BUCHENWALD Amerikaner finden ein Todeslager Ein Massengrab in der Nähe des Lagers IM BILD 59 59 AS WE Blick vom Turm auf das nach dem Luftangriff wiederhergestellte Kommandanten- Haus 60 00 BUCHENWALD Opfer der SS Opfer der SS 17 IM BILD 61 Beisetzung der letzten Toten am Bismarckturm auf dem Ettersberg „ Evakuierung" in Buchenwald, Unrathaufen vor den Baracken 62 BUCHENWALD Befreite Gefangene OHEIT BROT NKFD 82 3 Blok deutscher ANTIFASCHISTEN Block 40: Block der deutschen Antifaschisten IM BILD TAS DES ANTIFASCHISTISCHEN KAMPEES Gruppe Südbayern nach der Befreiung 1. Mai 1945: Mai- Kundgebung im Lager Buchen wald 63 63 Nationen am 1. Mai 1945 Appell der