Abschrift Erlangen- Sieglitzhof 19 28.4.47. Sehr verehrter Herr! Es ist ein mich hochehrendes Zeichen Jhres Vertrauens, wenn Sie mich bitten? jhre Gedichte auf Unebenheiten und Längen durchzusehen. Nur mit Zögern bin ich an diese Aufgabe herangetreten. Ps ist ja doch dem Dichter jedes seiner Kinder lieb. Aber ich will Jhnen den Gefallen tun, auch auf die Gefahr hin, als Schulmeister zu erscheinen. Jch habe mir eraubt, alle kleinen rythmischen Unebenheiten, d.h. Stellen, da der natürliche und der metrische Ton sicht nicht deckt, zu unterstreichen, sodann mit lammern entbehrliches zu bezeichnen, d.h. was mir so erscheint, weil es Gedanken enthält, die auch sonst in der Literatur des öfteren begegnen, auch, wo mir eine gewisse Flüssigkeit zu fehlen schien, habe ich eingeklamme rt. Es ist ja bei einem Sternenhimmel immer so, dass neben Sternen erster Grösse auch solche von geringerer stehen. Damit ich aber nicht blos als Kritikus erscheine, habe ich mir gestattet, durch Grünstift solche Stellen zu bezeichnen, die mir ganz be so nd ers gefallen, womit nicht gesagt werden soll, dass mir das Andere nicht gefallen habe. Jch bin vielmehr aufs Neue entzückt von der Originalität, der Kraft und der Tiefe Jhres Dichtens. An eine Entlohnung wollen Sie bitte nicht denken ich hatte genug Lohnendes bei der Durcharbeit Jhres Werkes, dem ich noch viele dankbare und verstä dnisvolle Leser wünsche. Mit der Bitte, mich Herrn Gruhler bestens empfehlen zu wollen, bin ich Jhr ganz ergebenster gez. D. Hans Preuss Original in Allg. Schriftwechel unter Preuss K. A. GROSS Sterne in der Nacht ERBE a E K8 € N ; K.A.GROSS STERNE IN DER NACHT LIEDER UND REIME EINES AUSGESTOSSENEN v NEUBAU-VERLAG ADOLF GROSS. MÜNCHEN Military Government Information Control License Number US-E-110 Alle Rechte, einschließlich das der Übersetzung, vorbehalten Verlegt 1946 bei Neubau-Verlag Adolf Gross, München NBA Nrıg Zeichnungen von Gustl Angermeier, München Gesetzt aus der Walbaum-Antiqua und Humboldt-Fraktur Auflage 5000 Druck: R. Oldenbourg, Graphische Betriebe G.m.b. H., München US- E- 110 alten en ktur ünchen MARIE UND CHARLOTTE RABBOW DEN WOHLTATERINNEN DER GEFANGENEN UND IHREN HELFERN ANNEMARIE KAMINSKI MARTHA UND WILHELM LEUZE GERTRUD UND HEINRICH SIGEL MARIE WALKER KARL LEIBFRITZ GEWID MET Ehre sei dem EINEN Würdig ist das Lamm WER ZERBRICHT DES BUCHES SIEGEL?" Ruft der Stimme Donnerhall. Wer zerstößt des Todes Riegel, Wer hält auf der Erde Fall? Hört es, Mächtige der Welt, Und ihr Berge und ihr Hügel: Wo ist aller Helden Held? Wo ist aller Helden Held? Die Cäsaren und die Großen, Sie verstummen allzumal, Und die Weisen, Götterlosen, Und der Spötter. Überzahl, Dampfend Überlegenheit, Und die Jesum ausgestoßen, Und der große Geist der Zeit Schweigt, schweigt in Verlegenheit. 9 10 Wer ist würdig, klar zu lesen In der sieben Siegel Buch, Wer ermächtigt, zu erlösen Gottes Schöpfung aus dem Fluch? Tretet her, der Frommen Chor: Ihr Demüt'gen, Religiösen, Ihr Asketen, tretet vor - Stürmet ihr der Hölle Tor? Und ihr Echten, ihr ,, Gerechten", Die ihr truget euer Kreuz, Muẞtet mit Dämonen fechten, Lachtet aller Schönheit Reiz; Überwinder eigner Kraft, War't nicht untertan den Mächten, Widerstandet meisterhaft: Tretet vor, ob ihr es schafft! Und der Kirche edle Lehrer, Zeugen Gottes, mächtig sie, Ihr, der Völkerwelt Bekehrer, Stumme war't ihr wirklich nie! Papst und Reformator, auch, Herrscherherzen und Verschwörer, Weh, des Abgrunds Schwefelrauch Reißt euch fort wie Windeshauch. . Und ihr Künstler, ihr, gewalt’gen Menschentums Giganten, ihr, Ihr Erfinder, vielgestalt’gen Dranges voll, des Fortschritts Zier, Meister aller Wissenschaft, Pioniere der vielfalt’gen Krönung höchster Erdenkraft— Tretet vor, ob ihr es schafft! Niemand ist, der Antwort findet, Niemand unterm Sternenzelt Uns des Rätsels Lösung kündet: Romas Macht am Fels zerschellt, Deutsches Heldentum zerbricht, Indiens Weisheit nichts ergründet, Mahmuds Sichel löscht ihr Licht, Menschenhoffnung löscht ihr Licht. Und die Cherubinen schweigen, Schweigen auch die Seraphin; Und der fernsten Sonnen Reigen, Schweigend sie noch ferner fliehn. Und ihr strahlend Angesicht Starke Engel niederneigen, Blendet sie das reine Licht, Das aus Gottes Klarheit bricht. In den hehrsten aller Kreise Tritt ein Lämmlein zart und rein, Tritt ein blutig Lämmlein leise, Wie zu Tod gewürgt, hinein. Wunder, Wunder! Sieh, das Buch Öffnet es im hehrsten Kreise, Lüftet des Mysteriums Tuch, Löst der Siegel dunklen Fluch. Und es werfen ihre Kronen Gottes Recken von der Stirn, Und es singen Millionen In der Ewigkeiten Firn: Würdig, würdig ist das Lamm Über’m Sonnenall zu thronen! Das erwürgt am Kreuzesstamm, Würdig, würdig ist das Lamm! Sein Bild ZU TIEF HAT SICH SEIN BILD Schon eingegraben In unseres Volkes Antlitz, runentief, Und seines Geistes brunnenfrische Gaben, Sie haben eng sich uns vermählt, er rief Die Väter wach in schattendunklen Wäldern Germaniens, wo einst ihr Geheimnis schlief, In Wiesen, mondkühl, und auf Feldern Des Grauens, wo die Jugend überlief Zum Kreuzesbanner froh, in hellen Scharen, Bezwungen durch der Boten kühnes Wort Vom Heliand, dem Sohn des wahren Walters und Herrn der Welt, am Kreuz durchbohrt. Und wie sie geistgeleitet sich entschieden Für Heliands Heerfahrt ein für allemal, So blieben sie in Seiner Kirche Frieden, Im Wort der Bibel und im Abendmahl. Sie beugten tief vor Christus ihre Knie Und meinten nicht, daß dies unmännlich sei, Und ihre Dankeslieder stiegen, siehe, Zu Ihm empor, weil Er sie machte frei. Der Feldherrn viele zogen in die Schlachten, Vertrauend sich dem Kreuze ganz und gar, Der Kaiser hocherlauchte Reihen brachten Ihm ihres Reiches Macht und Krone dar. 13 Fran Und dieser Gottessonne Schein entlockte Ein Frühlingsmeer an Knospen ohne Zahl Des deutschen Volkes Garten; es frohlockte Sankt Michaels, des Drachentöters, Stahl. Und gleich der deutschen Seele reinsten Blume, In siebenfacher Schönheit Wunderstrahl Erschütternd, stürmte hoch, Jesu zum Ruhme, Der Dome dankdurchjubelter Choral. Und was die Künstler unterm Kreuze malten, Der Dichter Hymnen in gewalt'gem Strom, Das brachten edler Einfalt voll die Alten Zum Opferdienst in Gottes großen Dom. Doch wer die tiefen Runen will versehren, Der Jahre mehr als fünfzehnhundert alt, Wird Deutschlands Angesicht selbst mit zerstören, Verstümmeln seine Schönheit und Gestalt. Drum wollt ihr aus der Deutschen Antlitz tilgen Die Züge, die ihm Christus eingeprägt, So sollt ihr wissen: niemals, niemals will'gen Die Väter ein, des Undanks Tun zu bill'gen; Hört, was sie lieber sähen, schmerzbewegt: Bevor sie falscher Götter Dienst verrichten, Mögt, Bomben ihr, der Dome Pracht vernichten! 14 ıl te lume, Ihme, ten, “IN DIR, HERR, erstören, tilgen gen en; 1, \ichten! Bin ich ganz vollkommen, Der Du der Gottheit Fülle bist, Du Morgenlicht, dem Licht entglommen, Allheilger Mittler, Jesu Christ! Des Allherrn ewge Weisheitsschätze Verborgen liegen tief in Dir; Nach Deines Reiches Grundgesetze Teilst Du der Krone Gut mit mir. In Dir, Herr, bin ich ganz geheiligt, Altar und Opferlamm bist Du! Du hast mich priesterlich beteiligt An Deiner Heiligkeit, ich tu Das Herz weit auf, daß Du es füllest, Mit Deiner Schönheit Strahlenschein In Gottes Wohlgefallen hüllest; Denn Du bist mein und ich bin Dein. In Dit 15 In Dir, Herr, bin ich ganz vereinigt Mit Gottes Geist; vom Übermut Des Falles bin ich gar gereinigt, Das macht Dein rosenfarben Blut; Und heller noch soll mir erstrahlen Als aller Diamanten Glanz Mein Stirnreif; statt der Schande Qualen Drückst Du mir auf des Siegers Kranz. In Dir, Herr, hab ich überwunden Der Erdbegierden Sklaverei, Die Hand und Füße festgebunden; Geschmiedet ist der. starke Weih An Firn und Fels mit Teufelsketten; O höret seiner Ohnmacht Schrei! Denn keine Macht kann ihn erretten; Du brichst das Erz im Nu entzwei. In Dir, in Dir darf ich vergessen ' Der eignen Frömmigkeit Bemüh’n, Wo wir mit Laufen, Zählen, Messen Im Eifer des Gesetzes glühn. In Dir bin ich dem Ich gestorben, Das, alt, um alte Ziele ringt. Du hast das Neue mir erworben, Das in der Gnade Flügeln schwingt. 2 Stern ualen nz. n; -; In Dir will ich entgegentreten Der Hinterlist der ganzen Welt, Ich trotze fest mit Schrein und Beten Der Zukunft Drohen, leidgeschwellt. In Dir muß mir des Unglücks Wetter Ein Sonnenstrahl des Lachens sein, In Dir verhöhne ich die Götter Der Unterwelt, in Dir allein! In Dir erschallen Frühlingslieder Trotz Sturm und Schnee der Winterzeit; Der Engel Chor tönt voll sie wider Im Echo der Unendlichkeit. Laß von mir selbst den Blick mich wenden, Weg von dem Gestern und dem Hier, Laß sich mein Herz in Dank verschwenden Bis an den Tod in Dir, in Dir! n t. 2 Sterne 17 18 HORCHT! ES DRÖHNT Wie Donnergrollen Durch die Nacht ein Glockenschlag! Horcht! Der Schläge zwölfe rollen, Und zu Ende ist der Tag. Ist der Erdentag zu Ende, Ist's der Anfang des Gerichts? Kommt der Weltenwoche Wende, Das Äonenjahr des Lichts? Seht der Blitze fahle Flammen! Wolken reißen unterm Mond. Stürzt der Sterne Haus zusammen, Öffnet sich der Horizont? Stürmt hervor aus dem Gefunkel JESUS, wie ER es versprach, Als IHM in des Todes Dunkel Unsre Schuld die Augen brach? Dürfen wir IHN wiedersehen In der Glorie der Kraft, Muß das All in Angst vergehen Vor dem Richter, welcher straft? Ist die mitternächtge Stunde Der Verwandlung, ist sie da? Schließt sich Seine Seitenwunde Aus dem Stich auf Golgatha? Vision 2* Vision Hu, wie die Geschlechter heulen, Da dies Antlitz blitzt herauf! Aber Seine Knechte eilen, Und die Toten stehen auf. Weh, des Endes große Rechnung, Die Gerechtigkeit, ist nah, Der verborgnen Greuel Ächtung, Was in tiefster Nacht geschah. Abels Blut schrie nicht vergebens Nach dem Rächer der Unschuld, Da die Majestät des Lebens Macht ein Ende der Geduld. Weh! Das Erste ist vergangen! Heil! Das Andre steigt empor! Welche Jesu angehangen, Ziehen ein durchs Siegertor! 2* 199 Der Blinden Arzt UND FRAGST DU, Arzt der Blinden, mildevoll: Was willst du, daß Ich dir tun soll, Was kniest du an dem Wege? So ruf ich schuldverloren: HERR, daß ich sehen möge, Denn ich bin blindgeboren Ach, daß ich sehen möge! - Wohl schaue ich der Schöpfung schönes Licht, Das siebenfarbig helle bricht Der Erde bange Nächte. Doch weh! Tief ist verborgen Der Schöpfer seinem Knechte U D A S I 0 τ V D D USTA A AD Am Abend und am Morgen U Daß ich IHN sehen möchte! Tu, Meister, mir die beiden Augen auf AN D Z Und zeige mir der Sonne Lauf, D Die aller Sonnen Sonne U 20 Und aller Höhen Höhe, Die aller Wonnen Wonne Ist, aller Wehen Wehe Und aller Weisheit Bronne! AN Z Blinden Arzt Und o, wie bricht aus allen Lichtes Licht Das unbestechliche Gericht Auf den, der in der Kindheit Schon liebte Finsternis In seines Herzens Blindheit, Die ihn ins Dunkel riẞ - nes Licht, auf O Nacht, o Schuld, o Fremdheit! Und ist genug gespürt der Schulden Qual, So tritt vor mich am Marterpfahl, Wo, wie im WORT zu lesen, Du für die Gottesblinden Der große Arzt gewesen, Daß sie wohl Heilung finden Und zum Gesicht genesen. Drum laß mich schaun, der Blinden Arzt so mild, Zuerst, und schaun zuletzt, Dein Bild, Daß ich mit Danken drücke Die helfenden, die Hände. Und die geheilten Blicke An meinem letzten Ende Zu Deinem Kreuze schicke! 21 22 Sommerlie UND HÖR ICH JESUS GRÜSSEN: ,, Der Friede sei mit Dir!" So fall ich Ihm zu Füßen: ,, Gegrüßet seist Du mir!" Denn Er ist nicht vergangen, Der bleich im Grabe lag, Sein Glanz hat uns umfangen, Uns lacht der helle Tag. Wir setzen uns den Strahlen Von Seinen Augen aus, Und unsrer Wunden Qualen Und unsrer Sünden Graus Sind heil im Wunderbade. Die Leiber alt und kalt Verwandelt still die Gnade In Jesu Lichtgestalt. Sommerlie SEN: Am Morgen und am Abend Treten wir in das Licht, Das überschäumend, labend Aus Seinem Worte bricht. Seht, wie von selber graben Sich uns die Züge ein Seines Gesichts, wir haben In Ihm ein neues Sein. In Sonnengluten reifen Des Sommers Früchte her. Die Ernteleser greifen Die Trauben, süß und schwer. Und wenn des Herbstes Ende, Der Tod, sich nähert mir, Den Abschiedsgruß mir sende: ,, Der Friede sei mit Dir!" 23 24 NEHMET HIN UND ESSET! Das ist Jesu Leib in Wahrheit, Seines Angesichtes Klarheit, Für euch, für euch Nach des Ölbergs Bitternissen An dem Holz des Fluchs zerrissen; Kyrieleis! Nehmet hin und esset! Nehmet hin und esset! Dieses Brot in armer Hülle Birgt der Liebe Allmachtfülle Für euch, für euch; Zieht der Auferstehung Wunder Jesu wahren Leib hinunter Zu euch, zu euch! Nehmet hin und esset! Nehmet hin und trinket! Das ist Jesu Blut in Wahrheit, Abendmah Strömend aus der Wunden Starrheit Für euch, für euch; Wie's auf Golgatha geflossen Für die Schuld der Tischgenossen, Kyrieleis! Nehmet hin und trinket! 1; Abendmah Leit Nehmet hin und trinket! Dieser Wein ist eurem Glauben Nimmermehr der Saft der Trauben Vor euch, vor euch; In dem Kelch ist euch gegeben Pharmakon zum ewgen Leben, Heil euch, heil euch! Nehmet hin und trinket! Nehmet hin und glaubet! Brot und Wein schmeckt ihr; in Wahrheit Nehmt ihr auf des Gottleibs Klarheit In euch, in euch! Seid, mit Jesu Leib vereinigt, Zu eines Brotes Leib geeinigt Bei euch, bei euch. Nehmet hin und glaubet! Nehmet hin und glaubet! Brot und Wein, wer kann es fassen, Sind es nicht mehr! Gleichermaßen, Heil euch, heil euch, Seid ihr nicht mehr Weltverlorne, Seid in Jesus Neugeborne. Hallelujah! Nehmet hin und glaubet! 25 26 Nehmet hin und danket! Würdig ist es, wahrhaft heilsam, Daß dir für des Lebens Balsam Von uns, von uns, Deiner Kirche heilgen Herde Anbetung und Opfer werde. Hallelujah! Nehmet hin und danket! Abendmahl/ Antwort der Gemeinde WIR NEHMEN HIN UND ESSEN Dich, wahren Leib des Heilands Jesu Christ Auf Golgatha für uns gerichtet, Hast unser Ich Du mit vernichtet, Dein Tod der unsre ist; Wer mag die Kraft des Opfers messen? Wir nehmen hin und essen. er Gemeinde SEN esu Christ t, essen? Wir nehmen hin und trinken, Dich, wahres Blut des Herren Jesu Christ. Erglühe, Lebenssaft im Becher, Arznei dem todverfallnen Schächer, Das neue Ich Du bist - O wie des Heiltranks Tropfen blinken! Wir nehmen hin und trinken. Wir nehmen hin und glauben: Versunken ist der Sündenerde Bau, Befreit das Lamm aus Ebershauern, Der Gottesgral in goldnen Mauern Ragt auf in Himmels Blau. Wer will uns Seinen Frieden rauben? Wir nehmen hin und glauben! Wir nehmen hin und danken! Laß uns, solang es Dir nur wohlgefällt, Vor Engeln und der Welt bekennen: Nichts soll von Deinem Leib uns trennen, Der uns zusammenhält, Da wir aus einem Kelche tranken: Wir nehmen hin und danken! 27 28 Man singt mit Freuden vom Sieg! HÖRT SIE SINGEN, HÖRT SIE SINGEN Mit Freuden vom Sieg! Hört sie singen, hört sie singen, Die gewonnen den Krieg! O jauchzet, ihr Brüder, Erklinget, ihr Lieder Dem Siegesheld wider! O fallt auf die Knie, Denn der Sieger, der Sieger ist hie! O der Freuden, alle Leiden Sind ertrunken im Sieg, Und gesunden müssen Wunden, Die geschlagen der Krieg. Die Schmerzen vergesset, Die Beute ermesset, Ins Herz hinein presset Das Zeichen, das Kreuz; Denn gesiegt hat der Sieger am Kreuz! Vor dem Zeichen müssen weichen Der Versuchungen Heer, Und wir heben ohne Beben Das Haupt, das einst schwer, Vom Elende trunken, Zu Boden gesunken; Doch heut wird getrunken Des Siegeskelchs Wein: Unser Sieger, der Christus, zieht ein! Sieg! GEN Her die Maien, zu erfreuen Unsrem Sieger das Herz! Violinen, Mandolinen, Erbebt himmelwärts! Ihr Harfen, ertönet, Den Jubel verschönet, Ihr Flöten, o lehnet Die Stimmen dem Ohr! Singt vom Siege im höheren Chor! 99 29 30 Unsere Sonne SONNE, UM DIE DIE ERLÖSTEN Wie Planeten kreisen, Unser aller Mitte Du, Läẞt die kleine Herde nicht verwaisen, Denkest ihrer Armut immerzu. Bist im ärmsten Bruder gegenwärtig, Deiner Liebe Brand erglüht in neuem Sinn, Und des Feuers Funken sprühen ungebärdig, Fliegen zu den kalten Herzen hin. Und die Eisgelähmten lassen sich erwärmen, Täglich werden Gottes Schar hinzugetan. Neuentbrannte Fackeln, ohne Lärmen. Zieht die Sonne sie in ihre Bahn. Und die einst im Winterschnee erfroren Lagen, haẞerstarrt an ihres Weges Rand, Streun als Jesu Hände, Augen, Ohren Heiße Funken in das kalte Land. e Sonne Sinn, ärdig, men, 1. d, Anbetung SONNE, ALLER EWIGKEITEN LEUCHTE, Mittelpunkt du der Unendlichkeit, Deines Lichts Allgegenwart verscheuchte Höllischer Planeten Dunkelheit. Ruhe nicht, bis unsre Erde Brennpunkt deiner Strahlen werde! Unermeßlich Meer, in dir versinken Der Geschaffnen Myriaden Zahl, Und aus deiner Schönheit Quelle trinken Dürstend sie die Wirklichkeit zumal! Überströmst mit Glanz von ferne Selbst die sündverlornen Sterne. Flögen wir mit Blitzen der Gedanken, Stürmten bis zur Grenze hin im All, Schreckte uns von jenseits seiner Schranken Neuen Weltenwirbels Glutenball: Sänken wir dem HERRN zu Füßen, Erst des Mantels Saum zu grüßen. Großer Gott, wie groß bist Du im Großen, Mächtig, über alle Macht erhöht! Wer erfaßt die end- und anfangslosen Wunderwerke deiner Majestät! Erdenmaß, verzag im Grauen, Sollst du Seine Wahrheit schauen. 31 32 Größer noch, hast, Großer, Du im Kleinen Deiner Weisheit Fülle offenbart. Unser Auge muß vor Jubel weinen, Da es Deines Sorgens Gegenwart Wird gewahr am allerreinsten In der Spur des Allerkleinsten. Gossest Du nicht Deine Gnadenfülle Über Deiner Sterne letzten aus In des Menschensohnes armer Hülle, Heimzuholen uns ins Vaterhaus? Deiner Liebe Auserwählen Wollte selbst die Haare zählen; Zählen auf der Kinder Haupt die Haare, Die, geformt von Deines Fingers Macht, Der Atome Sonnen wunderbare Bahn enthüllen treueüberwacht. Erde, bete an den Einen, Groß im Großen, groß im Kleinen! 3 Ster Gehet hin! men GEHET HIN, VERKÜNDIGET DAS REICH! Keine Botschaft ist der Botschaft gleich Vom Siege aller Siege, Der, auf Golgatha gelungen Und durch die Unterwelt gedrungen, Wird von der Geister Chor besungen: Geendet hat der Krieg der Kriege Im Sieg aller Siege! Auf, und lasset Amboß stehn und Pflug! Eilet froh hinaus mit Fittichflug, Verkündet's den vier Winden! Ruft es über alle Breiten Und jubelt es in Himmelsweiten: Zu Ende sind die alten Leiden. Ihr seid nicht mehr in euren Sünden, Verkündet's den vier Winden! Eurem Nachbarn raunet es ins Ohr: Hebet froh die Blicke hoch empor ,. Wir sind in Gottes Freundschaft! Gott sieht uns mit Wohlgefallen, Lasset es die Kindlein lallen, Die Völker sollen festlich wallen In neuer Geistgemeinschaft, Da wir in Gottes Freundschaft! 3 Sterne 33 34 Du, Europa, bist den Hader los, Und Amerika, in Jesu Schoß, Ist ewiglich genesen. Afrikas Dämonen weichen, Und Asien darf zum Gipfel steigen, Australiens Stern nimmer erbleichen. Was kümmerlich und krank gewesen Ist ewiglich genesen. Seht, die Kontinente winden sich In des Satans Fäusten fürchterlich, So eilet doch, ihr Boten! Bringt die Nachricht der Versöhnung, Daẞ Jesus wiederkommt zur Krönung, Und achtet nicht des Feinds Verhöhnung. ,, Begrabet, Tote, eure Toten!". So eilet doch, ihr Boten! 3* 3* Verheißung in der Frühe SCHON IN DER FRÜHE Dämmert Dein Wort uns auf, Daß hell erglühe Im Licht des Tages Lauf, Daß der Verheißung Glocken schallen: Über uns wachte Sein Wohlgefallen. Es sollen Berge und Hügel stürzen hin, Der Schöpfung Werke Sich wie ein Hauch verziehn; Gipfel der Alpen mögen fallen: Über uns schimmert Sein Wohlgefallen! O laßt uns sinken An diesen frischen Quell Und trinken, trinken, Waschen die Augen hell! Lasset es durch das Lager hallen: Gott hat an Sündern Sein Wohlgefallen! Du Nebel, weiche Zurück in deine Nacht! Schwermut, erbleiche, Da uns die Sonne lacht! Kündet es den Gefangnen allen: Wir sind in Jesus Sein Wohlgefallen! 35 36 Im Wort der Frühe Blitzt auf des Tages Sinn: Das Leben sprühe, Der Tod sei uns Gewinn! Laẞt an das Schifflein Wogen prallen: Uns reißt durch alles Sein Wohlgefallen! Siegeslied am Morgen ATMET, ATMET TIEF, IHR LUNGEN, Atmet ein der Frühe Hauch, Da der Duft des würzejungen Morgens dampft aus Strom und Strauch. Sauget ein die kühlesüßen Strahlen aus dem Lichtesmeer, Laẞt euch, Augen, laßt euch grüßen Von den Wundern um euch her. Von dem Vater laßt euch grüßen, Der euch in der Farben Spiel Seiner Schöpfung läßt genießen Morgenzeichen, schön und viel. Tritt hinein, o müde Seele, In die Flut des Gotteslichts. Bade dich gesund, es fehle Heute deinem Siege nichts! Schüttle ab die wirren Träume Nachtgespenstischer Gewalt: In des Wortes helle Räume, Wo des Siegers Preis erschallt, Dringe ein und atme klaren Jubelmorgens Sonnenkraft, Sauge tief hinein des wahren Jesuslebens Duft und Saft. 57 37 Schwinge dich in lichte Höhen Durch der Nebel Sorgenflor, In Anbetung und in Flehen Lerchengleich schwing dich empor. Wie der Sang der Nachtigallen Siegesfrisch das Blau durcheilt, Muß die schwere Fessel fallen, Und die Wunde wird geheilt. Und durch deines Tages Nöte, Durch der Stunden Lärm und Krieg Schimmere der Morgenröte Glanz und Kraft in Jesu Sieg! Abendbitte LASS AM LIEBSTEN Mich von dieser Erde gehen Unbemerkt und ohne groß' Geschrei Vor dem dunkeln Vorhang stehen, Unverrückt auf Deine Narben sehen, Bis ich weiß, wie süß die Freiheit sei! Laß mich abendlich versöhnt einschlafen, Deines Auferstehungsrufs gewiß; Und mein Schifflein lande in dem Hafen, Dessen Frieden mich mein Undank einst entriẞ! 39 Zum Advent Ach, HERR, WIE LANGE NOCH Läßt Du uns auf Dich warten, Die Deiner Ankunft harrten? Messias, komme doch! Ach, Herr, wie lange noch? Die Glocken sind verstummt, Und die Kanonen schreien; Die Lüfte Feuer speien Auf Städte, angstvermummt. Die Glocken sind verstummt. / Mit Bangen lauscht das Ohr Des wilden Zwistes Lärmen, Und in des Leibs Gedärmen Das Blut zu Eis gefror. So lange lauscht das Ohr. Ach, kehrten wir zurück Zum alten Väterglauben! An Jesum neu zu glauben, Wendete das Geschick. Ach, kehrten wir zurück! 40 Werft doch die Götter weg, Die sie euch aufgedrungen, Von arger List bezwungen O kehrt zurück den Weg! Werft doch die Götter weg! \Und ruft Hosianna laut Dem Davidssohn entgegen, ‘Der in Gewitterschlägen Die.neue Erde baut. Ihm ruft Hosianna laut! 42 Nun! NUN BIST, STARKER, DU ERSCHIENEN, Von des Himmels Glut umloht! Sieger, dem die Sieger dienen, Brand aus GOTTES Morgenrot! O, Dich jammerte der Schrei Aus der Todgeweihten Mienen, Stürmst zur Hilfe uns herbei, O, Dich jammerte der Schrei! Nun verbergen die Dämonen Sich in Qual der Finsternis; Du wirst nimmer sie verschonen Mit des Sterbens Bitternis, Daß ihr Ende sei gewiß. Und die Mächte auf den Thronen, Die Dein Sieg wie Ton zerschmiẞ, Seht, ihr Ende ist gewiß! Nun erdröhnt ein neues, WERDE!" 99 In des Winters Wüstenei'n, Daß die eiserstarrte Erde Schön erblüht im Gottesmai'n. Der sie einst zur Schönheit schuf, Ihr der Allmacht Dienst gewährte, Weckt sie neu mit Schöpferruf, Wie er sie zur Schönheit schuf. Nun erschreckt, des Lebens Schrecken, Und ihr Kriege, seid bekriegt; Die mit Wunden uns bedecken, Angst und Pesthauch, seid besiegt! Heil! Der Triumphator steht Vor den Toren, fleht den Recken An, um seinen Einzug fleht In des Weltherrn Majestät! Nun ist Adams Los entschieden Nach der Gnade ew’ger Wahl. ER erstritt für uns den Frieden GOTTES ein für allemal. Kündet’s, Berge, bringe, Tal, Himmelsbotschaft für die Müden: Frieden ein für allemal, Freiheit ein für allemal! Nun zieht festlich IHM entgegen Seiner Kirche heil’ge Braut Auf der Überwinder Wegen, Da JESUS vom Himmel taut. Hebt die Häupter hoch und schaut, Wie die Wolken schütten Segen, Kaum daß noch der Morgen graut, Da JESUS vom Himmel taut! 44 Gerichtsadvent DIE LETZTE KERZE ZÜNDEN HEUT SIE AN Am winterlichen Kranze. Seht, wie der Flamme Lanze Sich bohrt am Abendhorizonte Bahn, Verfärbend fahl Europas Firmament: Gerichtsadvent! Dreifach das süße Friedenswort erscholl Wir haben’s wohl vernommen, Und doch nicht angenommen. Des Meuterns Maß ist übervoll, Die Glut des Gottesgrimms vergeltend brennt: Gerichtsadvent! In Gottes Haus schlägt ein der erste Blitz. Dome, ach, sind Ruinen; Das Wort, wie wir verdienen, Verschließt sich in derSchluchten schmalen Schlitz, In Winkeln feiern wir das Sakrament: Gerichtsadvent! ‚övenf AN litz, Wir danken dir, kommende Majestät! Fahr nieder, auszuglühen Den Widerstand, es sprühen Die Schmiedefunken auf dem Amboß, seht! Hoch loht empor das leichte Stroh behend: Gerichtsadvent! Du übst die Gnade selbst noch im Gericht, So laß uns nicht verzagen, Wenn rings die Hämmer schlagen! Laß leuchten über uns Dein Angesicht In Rachorkanen, die kein Schrecken nennt— Gerichtsadvent! Das letzte Lichtlein, schwelend es erlischt, Des Dochts ersterbend Knistern Läßt uns zurück im Düstern, Bis noch einmal das Glimmen jählings zischt. So glühe aus, was uns von GOTT getrennt: Gerichtsadvent! 45 Ein LICHT IST ANGEZÜNDET In Schnee und Waldesnacht, Daß, wer verirrt gewacht, Den Weg nach Hause findet. Die Sterne sind erstorben In Wolken, schwarz und grau. Der Sturm heult feindlich rauh; Uns ist der Mut verdorben. Die hohen Tannen flüstern Worte im Geisterton. Der Sinn ist uns entflohn, Wir tasten fort im. Düstern. O Lichtlein in der Ferne, Du leuchtest gelb und rot. Vorbei ist unsre Not, Wir folgen dir so gerne. Gelb ist des Lebens Farbe, Das heilge Blut ist rot. Aus Jesu Todesnot Sprüht uns die Feuergarbe Und sprüht und strahlt und zündet, Und ist uns Weg und Licht, Daß in der Nacht Dickicht Der Fuß nach Hause findet. Adventslicht Licht Weihnachtserfüllung WAHRLICH, VIELER VÖLKER WARTEN Ist Freude worden nach der harten Und kalten Erdenwinterszeit! Was wir nie zu hoffen wagten, Weil Denken, Mut und Herz verzagten, Liegt vor den Blicken hell und weit! O selge Wundernacht, Die uns das Licht gebracht In dem SOHNE! Aus Bethlehems Stall Blitzt auf der Strahl Und überströmt des Dunkels Qual. Unsrer Väter ahnend Träumen Ist übertroffen, der geheimen Sehnsucht Gefühle sind gestillt. Flieht in Nacht zurück, der alten Erstarrten Sterne Zwinggewalten! Weicht, eure Herrschaft ist erfüllt! Der neue Mensch ist da, Die Glorie so nah! Unsrem Kinde Von Bethlehem GOTT angenehm, Gehört Reich, Szepter, Diadem! 47 Laßt Vernichtungsmächte lachen,° Laßt noch der Kriege Bomben krachen, Des Hasses Weisheit ist vorbei, Und gezählt sind schon die Stunden, Da wir uns schlagen tiefe Wunden In der Verblendung, Raserei. Die Nacht der Liebe steht In stiller Majestät Vor den Kindern. Die Liebe hat Gesät die Saat Der Güte, preist der Liebe Tat! Wie ein Bruder sucht die Brüder, Läßt sich das WORT im Fleische nieder, Gibt Seine Herrlichkeit daran. Daß wir selbst noch im Verzagen Sein Herz uns hörten nahe schlagen, Nimmt ER Gestalt der Menschen an. Nun, wie GOTT IHN geliebt, Der niemals IHN betrübt, Liebt ER uns alle, Vergißt es gar, Was einstens war, Sieht uns im SOHN, den ER gebar! 48 4 Sterne Und des Vaters Wohlgefallen An Seinem Kind gehört nun allen Rebellensöhnen ungeteilt. In uns liebt der SOHN den Vater, Stillt ewig des Gewissens Hader, Des Abfalls Wunde ist geheilt. O Wunder, das geschah! Wir rufen:„GOTT, ABBA!“ „ABBA, VATER!“ Was wir begehrt, Uns wird gewährt, Da uns das Kindesrecht gehört. Fallet auf die Knie nieder, Ihr Völker alle, jauchzt Ihm Lieder In zarter Melodien Schall! Zündet Kerzen an, Millionen, Daß alle, die auf Erden wohnen, Ihn preisen, der das Weltenall Trägt in Verborgenheit Noch, in des Kindes Kleid, Bis in der Höhe GOTT ganz allein Der Glorie Schein, Die Ehre und die Herrschaft sei! 49 00 50 Erste Weihnacht ERSTE WEIHNACHT, FEST DER ENGEL, Josephs und Marias Fest; Nacht der Hirten, Stall der Mängel, Kind der Not, krippegepreẞt, Kyrieleis! Nirgends Licht als in den Augen Des gebornen Kinds allein: Alle Erdennächte saugen Glanz aus dieser Augen Schein, Hallelujah! O, wie rauh die Stürme toben! Auf macht sich das wilde Heer. Eis von unten, Schnee von oben: Nacht, wo strahlt dein Glühen her? Kyrieleis! Blitzt es doch wie wärmend Feuer Auf der Armut ödem Herd! Seht ihr's lodern ungeheuer In das Dunkel, leidbeschwert? Hallelujah! acht GEL O wie arm war dieses Kindlein, Und wie reich ist Seine Macht, Denn aus diesen weißen Windlein Hat uns Liebe angelacht! Hallelujah! LIEBE aus des Himmels Höhen, GOTT von GOTT und LICHT von LICHT- Welche DICH, O JESU, sehen, Schaun der Liebe Angesicht! Hallelujah! - 4* 51 52 WIR HÄTTEN NIEMALS Dich erwählt, Weihnachten 1943 Du Kind der Armut, leidgequält, Zum Retter und Regierer. Nie hätten wir's uns ausgedacht, Daß in der Juden Land erwacht Der neuen Menschheit Führer. Ketten Hätten Des Hochmutes Unsres Blutes Uns gebunden - Wir hätten nie nach Haus gefunden. Du selbst hast uns dir auserwählt, Gabst uns das Auge, das uns fehlt, Das Lichtreich zu erkennen. Du zogst uns mächtig auf die Knie Vor Deiner Krippe, daß wir sie Niemals vergessen können. Du weißt, Dein Geist Öffnet Ohren Tauber Toren Und uns in Dir neugeboren. 1.2 Wir hätten uns nie auserwählt Die Demut, die den Mut uns stählt, Der Sanftmut stilles Regen, Nie hätten wir uns ausgesucht Die Liebe, die dem Feind nicht flucht, Ihm spendet milden Segen. Preis Dir! Herr, Dir Ist’s gelungen, Liebgedrungen, ‚Geistdurchschwungen Hast in uns den Sieg errungen. Du selbst hast uns Dir auserwählt, Du hast der Sterne Heer gezählt, Den schwärzesten erkoren, Daß Der, durch den die Sonnen sind, Werde als einer Jungfrau Kind Zu Bethlehem geboren. Ferne Sterne Glühn verloren, Doch geschworen Ist der Erde, Daß sie des Reiches Wiege werde! 54 Das Karfreitagsopfer DU, GROSSER HOHER PRIESTER, HAST Dich selbst zum Opferlamm gemacht, Und, was kein menschlich Denken faßt, Für uns im Tod vollbracht. Dein Opfer auf dem Hochaltar Hat die Empörer ein für allemal Vollendet zu der Siegerschar Der Heilgen ohne Zahl. O Mittler zwischen Mensch und Gott, Der Du in lichter Herrlichkeit gethront, Du hast, o wahrer Mensch und Gott, Hast Deiner nicht geschont. Gabst Deines reinen Leibes Pracht Der Glut der Opferflammen gänzlich preis, Dein Mut zerging in Angst und Nacht, Verdorrt, ein zartes Reis. Du stürztest schweigt, Gedanken, schweigt, In Abgründe der Gottverlassenheit, Und aus den tiefsten Tiefen steigt Unsre Gerechtigkeit. O Tausch, so selig wunderbar! Daß ich einst nicht verlassen sterben soll, Stirbst Du verlassen; ja fürwahr: Der Richterspruch erscholl AST gt, Und traf der Unschuld bleiches Haupt; Des Strafgewitters Donner sich entlud Auf Ihm, daß jeder, der da glaubt, Gedeckt sei durch Sein Blut. Du opferst des Triumphes Glanz, Erwählst Dir stumm der Niederlage Schmach, Und der erhält den Siegerkranz, Der Gott die Treue brach! Du schmeckst des T’odes Bitterkeit, Daß uns das ewge Leben werde süß, Wirst fremd, daß wir aus unsrem Leid Heimgehn ins Paradies. Des Hohenpriesters Milde fleht Für seine Feinde, zieht Rebellensinn Zu Gottes Herzen, ein Magnet, Unwiderstehlich hin. O stellvertretend Priestertum, O Strom des Friedens, mächtig, tief und breit! Dir, JESU, sei Preis, Macht und Ruhm, Born unsrer Seligkeit! Ostersubel der Orthodoxen $ 52 CHRISTOS WOSKRESE!*) Jubelt, ihr Lüfte! Öffnet euch, Grüfte! Erwachet, Tote, Im Morgenrote: Woistinnu woskrese**) Hallelujah! Christos woskrese! Zucket, ihr Blitze Ekstatischer Hitze! Orgelt, Orkane, Braust, Ozeane: Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Hüpfet, ihr Berge, Riesen und Zwerge, Felsen, o springet, Ihr Weiten, singet: Woistinnu woskrese Hallelujah! *) Christus ist erstanden! **) Er ist wahrhaftig erstanden. 56 Christos woskrese! Tanzet, der Himmel Dämmernd Gewimmel, Kreiset, ihr Sonnen In Sphären-Wonnen: Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Schmücket euch, Städte, Dörfer, zur Mette! Bücket euch, Kronen, Länder und Zonen: Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Jünglinge, knieet! Ihr Mädchen, ziehet Im Siegesreigen, Brechet das Schweigen. Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Strahlet, ihr Kerzen In goldenen Erzen, Ihr Glocken, rauschet, Ostergruß tauschet: Woistinnu woskrese Hallelujah! 57 Christos woskrese! Jauchzet, Trompeten, Harfen und Flöten, Ihr Violinen, Jesu zu dienen. Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Ohne Versäumnis Hört das Geheimnis: Christ ist erstanden, Tod ist zuschanden. Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Fasset den Glauben Trotz Höllenschnauben, Lasset den Glauben Nimmer euch rauben. Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Zweifel dem Zweifel, Schachmatt dem Teufel! Wiedergeboren Ist, was verloren! Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Tod unserm Tode! Gestrige Mode, Vergangne Methode— Wehe dem Tode! Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Schäme dich, Schande, Fallet, ihr Bande! Spott sei dem Spotte, Heil unserm Gotte! Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Küsset euch, Christen, Meidet die wüsten Waffen des Krieges Kraft seines Sieges! Woistinnu woskrese Hallelujah! Christos woskrese! Erde, o Erde, Höre, dir werde Die Auferstehung Fest der Erhöhung. Woistinnu woskrese Hallelujah! Ehre jet dem Einen!| ALLER HIMMEL HIMMEL Mögen Dich nicht fassen, König im Gewimmel Lichter Sonnengassen Deines Sternenalls. Sieh, die stolzen Recken Wirbeln ihre Bahnen In ehrfürcht’gen Strecken, Blitzende Titanen, Voll des Jubelhalls: Jesus Christ Die Mitte ist, Jesus auf des Vaters Throne, Ehre sei dem Sohne! Ehre sei dem Sohne, Ewigkeitgeboren! Ihm gebührt die Krone, Der sich uns verschworen Ganz mit Leib und Blut! Nach des Vaters Willen Ging er zu Verschwörern, Zornesgrimm zu stillen, Weihte den Empörern Seiner Liebe Glut. Jesus Christ Der unsre ist: Kind und Mensch im Sünderlande, Achtet nicht der Schande. 60 Einen! Achtet nicht der Schande: Wie sie ihn verspieen In der Sünder Lande, Wie sie ,, Kreuz'ge!" schrieen In Empörerwut! Daß er treu geblieben Seinem Vater droben Und mit seinen Lieben Ihn nur wollte loben, Kostete sein Blut. Jesus Christ Der unsre ist: Gottes Kind am Kreuzesstamme, Ehre sei dem Lamme! Ehre sei dem Lamme! So wie ihr ihn sehet An des Kreuzes Stamme, So ist er erhöhet In des Himmels Glanz. Beuget euch, Cäsaren, Tief im Erdenstaube! Wisset: Ihm, dem wahren Herrn gebührt der Glaube, Ihm allein der Kranz! Jesus Christ Der unsre ist: Herr der Herren und Cäsaren, Kyrios der Heeresscharen! 61 Kyrie der Heeresscharen, Sieh uns vor Dir liegen, Opfer der Cäsaren, Beute ihrer Lügen, Sieh die Deinen all! Die am Kreuz mitstarben, Müssen mit Dir siegen! Träger.Deiner Farben, Dürfen sie erliegen Wilder Mächte Prall? Kyrie Christ, Du unser bist, Gegenwärt’ger Sieg der Deinen, Ehre sei dem Einen! Pfingsthymnus VOM HIMMEL Rauschest du, o Geist Des Vaters, der da niederreißt Des Alten alte Trümmer; Zerstörst im Sturm der Hölle Trug, Treibst uns empor mit Engelsflug Zu Jesu Lichtreichs Schimmer. Wohne Ohne End auf Erden, Daß wir werden Frühlingskinder, Schmelz hinweg den Weltenwinter! Du bist Jesus in Geistgestalt, Kommst über uns mit Sturmgewalt, Vom Sohne ausgesendet Als das uns neu verheißne Herz, O töte du des alten Schmerz, Das uns so tief geschändet! Irrtum Wir drum Alle faßten Und uns haẞten Ohne Ende. Du gebierst die Weltenwende! 63 33 64 O freudevoller Pfingstgesang Voll Maienduftes Überschwang Im hohen Geistesglauben! Die Schuld ist hin, der Tod ist tot, Im Osten flammt schon Morgenrot Kein Teufel kann uns rauben. Diese Süße Jubelbotschaft, Welche neu schafft Herz und Glieder: Heilger Geist fährt auf uns nieder. Du reiner Keim der Christuswelt, Vernichte, was Dir nicht gefällt, Verwandle Jesu Brüder In Seiner klaren Schönheit Bild, Daß sie, leustark und lammesmild, Sei'n Eines Leibes Glieder! Jesus Christus Ist der Hehrste Und der Erste Der Gemeine: Ihn verkläre ganz alleine! 5 5 Sterne O unfehlbarer Führer, Gott, Neuschöpfer, Geist vom wahren Gott Im Worte uns gegeben! Du leitest uns von Schritt zu Schritt, Du jauchzest und Du flehest mit Uns auf dem Weg zum Leben: Komme, Komme, Endlich, Jesu, Komm, Herr Jesu, Und vollende Bald das Werk der Schöpferhände! 65 66 Hymnus auf die Bibel KOMM WIEDER, LIEBE BIBEL, Der Gottesweisheit Fibel, Strahl aus der Ewigkeit! O kommt, ihr heil'gen Blätter, Zeugt mir von unsrem Retter, Wie seid ihr doch so weit, so weit! Wie muß ich euch entbehren, Ihr wonniglichen Lehren Aus unsres Königs Mund! Es schwinden Tag und Jahre, Allein das wunderbare Buch bleibt mir ferne Stund um Stund. Ich möchte wieder lesen, Wie es dereinst gewesen, Da ER zur Erde kam. Die Worte will ich wissen, Nicht eines darf ich missen Von allem, was ER auf sich nahm. O möchten zu mir treten Apostel und Propheten, Des Königs Boten sie, Des Evangeliums Künder, Der Hölle Überwinder O Chor voll reiner Harmonie! 5* 5* Denn wie am fernen Orte Der Sohn die Mutterworte Im Briefe bebend liest: Die Silben will er küssen, Die Buchstaben, sie müssen Die Liebe steigern, die genießt. So möcht’ ich wohl mit Tränen Des Danks und heißem Sehnen Öffnen das Bibelwort, Dem Klang der Offenbarung Zur innersten Bewahrung Auf Knien lauschen fort und fort. Wann naht sich mir die Stunde, Da mir die Himmelskunde Wird wieder aufgetan? Du Banner der Befreiung, Du Feuer der Verneuung, Du Fackel mir auf finstrer Bahn! Du fester Wall der Wahrheit In diamantner Klarheit, Der Sünder Arzenei! Du Rosenstrauch aus Eden, Voll Wohlgeruchs für jeden, Dein Duft macht uns des Irrtums frei. 68 88 O Pfeil aus Gottes Köcher, Frohbotschaft für die Schächer, Des Geistes Medium! O Jubel der Bedrückten, O Friede der Beglückten, Des Weltenmai Präludium. Urkunde der Vollendung, Ende der Gottesschändung, Ruf zur Gerechtigkeit! Urlicht der Auferstehung, Fanfare der Erhöhung, Des Sohnes Atem in der Zeit! Choral in Pilgerzonen, Du Schrecken der Dämonen, Des Heilands Händedruck; Wegweiser der Verirrten, Stimme des guten Hirten, Der Ausgestoẞ'nen goldner Schmuck! Du Siegesschrei der Väter, Du Trutzburg aller Beter, Der Liebe Erdenspur; Des Rätselwerks Entschleirung, Des Endgerichts Beteurung, Du Zeiger an der Weltenuhr. Geschliffnes Schwert der Kämpfer, Der Satanslüste Dämpfer, Bollwerk im Todesstreit! Zuflucht der Magdalenen, Anwalt der Kindertränen, Du Herold der Geistleiblichkeit! O Führung ohne Fehle, Befreiungsbrief der Seele, Der Kirche Lehrerin; Mysterium der Erwählten, Kompaß der Mutbeseelten, Der Völkerwelt Erzieherin! Ach, sieh auf uns herunter, Hilf, Gott, tu deine Wunder, Zerreiß die Wolkenwand! Ja, fahre selbst hernieder, Zeig dich den Deinen wieder, Beweise deine starke Hand! Du lenkst der Fürsten Herzen, Läßt nimmer: mit dir scherzen, Bei deinem hohen Fluch! Entwinde ihren Fäusten, Den gierigen und dreisten, Den Raub, dein teures Bibelbuch! 69 So wollen wir dir danken Mit Treue ohne Wanken Im Dienst ohn’ Ziel und Zeit. O komm, du liebe Bibel, Der Gottesweisheit Fibel, Du Strahl aus lichter Ewigkeit! Confiteor Mea culpa! VATER DES LICHTES, Schöpfer meines Lebens, Ich muß bekennen, daß ich mich vergebens Um das Geheimnis bis zur Morgenfrühe Mühe und mühe: Du hast mich strahlend aus dem Nichts geschaffen, Schön in der Rüstung Deiner Lichteswaffen. Wie konnte finster ich das Licht doch hassen? Wer kann es fassen? Du gabst mir Liebe zu den Menschenbrüdern, Gabst mir die Liebe, Liebe zu erwidern. Was hat, o Liebe, mich dazu getrieben, Den Haß zu lieben? Du machst stark mich, Treue Dir zu halten Und in Gehorsam meines Guts zu walten; O Schmach des Undanks, daß ich der Untreue Untreu mich freue! Der Klang der Wahrheit sollte in mir hallen, Doch ich begab mich in des Teufels Krallen, Daß ich an Lügen finde Wohlgefallen, O tiefes Fallen! 16 73 73 Im Paradiese kniete ich in Demut Vor meinem Schöpfer, ferne allem Hochmut. Was machte mich zu Satans Spießgesellen Und zum Rebellen? N Kreist ich nicht jauchzend um des Lebens Blüte? Was ließ erschlaffen mich, der Fülle müde? Wie ließ ich mich von Todesgier betören, Mich zu zerstören? Niemals, o niemals ist es auszudenken, Wie ich dich konnte, Liebe, also kränken! Rätsel der Rätsel, Grauen der Abgründe: O, meine Sünde! ite? Der verlorene Sohn DA ICHS VERSCHWEIGEN WOLLTE, Verschmachtete mir mein Gebein. Ich weiß es wohl: es sollte Allein das Werk der Gnade sein. Die Kraft war mir geschwunden, Zu tun des Herrn Gebot, Schnell war ich überwunden Und aß des Zuchtherrn Brot. Wie Wirbelwind erfaßte Es mich und riß mich um und um, In Taumelgier verpraßte Ich all mein Erb’ und Eigentum. Ich wollte wohl der schönen Und farbenfrohen Welt, Ihr Klingen und ihr Tönen Hatte mein Herz gefällt. Ich trank in vollen Zügen Der Schönheit und der Wehmut Wein Und ließ mich gar betrügen Von eitler Oberfläche Schein. Und von der roten Blüte Schwang ich zur gelben mich,\ Doch tiefer im Gemüte Darbte ich bitterlich. 76 Mir mochte nicht mehr munden Der Erdenfreuden buntes Fest, Doch war mein Herz gebunden An sie mit allen Fasern fest. Je mehr ich wollte Ketten Und Fesseln schütteln ab, Je mehr sank, mich zu retten, Die Hoffnung in das Grab. Und keiner auf der Erden Machte mich meiner Bande frei, Die Mächt’gen und Gelehrten Erlagen selbst der Tyrannei. Nur einer hat bezwungen Als Stärkerer den Feind, Hat mich ihm abgerungen, Bevor ich ausgeweint. Seht, plötzlich war zerstoben Der Sünden düsteres Gewühl, Zur Freiheit war erhoben Ich gegen Schauen und Gefühl. Daß gar zunichte werde Des Menschen hohe Kraft, Und alles Volk der Erde Ihn rühme, der es schafft! Ernüchterung MIR IST, ALS ERWACHE ICH Langsam aus des Taumels Tiefe, Donnerschläge störten mich Auf, als ob des Wächters Stimme riefe, Daß ich nicht mehr schliefe. Hatte ritterlich ich nicht Mit dem Ungetüm gerungen? Doch des Drachens Angesicht Hatte mich mit Zauberkraft bezwungen, Höllenlist gedungen. Denn es war ein Antlitz hold, Trug der Engel Unschuldszüge, Von der Locken Feuergold Eingerahmt, als ob das Recht er trüge Zu des Himmels Siege. Wenn er sprach, dann schmeichelt' sich In mein Herz des Lächelns Süße, Daß es war so minniglich, Als ob mich der Jugend Anmut grüße Und mich nie verließe. Und es wand sich Tag und Jahr Mir um Leib und Brust die Schlange Und betörte seltsam gar Meine Sinne gauklerisch und lange, Daß mir wurde bange 77 In des heißen Ringens Not Mit des Ungeheuers Armen, Bis Christus mit meinem Tod Fühlte Sein befreiendes Erbarmen Und mir ärmsten Armen Ließ das Evangelium, Freiheit, Rettung mir verkünden: „Du kannst als Mein Eigentum Jenen Drachenkopf der Sünden Sieghaft überwinden, Da der Feind am Boden liegt Und der Kampf ist ausgerungen. Der auf Golgatha gesiegt, Hat ihn auch für dich bezwungen Und niedergerungen!“ Und mir ist, als wäre ich Aufgewacht aus dumpfem Wähnen, Und ich will herzinniglich Opfern Deinem Siegversöhnen Meine Dankestränen. Seht, ich schaue nun, erweckt, Statt des Angesichtes edel, Schaue nüchtern, graunerschreckt, Grinsen einen Totenschädel, Einen Totenschädel. Des Besessenen Befreiung MERKET AUF, IHR NACHBARN, Alle sollt ihr's hören, Wie mich Jesus Christus hat befreit, Der ich einst erlegen war der bürdeschweren Macht des Dämons der Besessenheit! Ach, ich brachte meiner Jugend Tage Hin in knechtischer Abhängigkeit, Und ich spürte krassen Zwiespalts Klage In der Niederlagen Widerstreit; Schrie im Riesenkampf mit den Demütigungen Heimlicher Gewissensqualen Stich, Wenn der list'ge Feind aufs neue mich bezwungen: ,, Was ich nicht gewollt, das tue ich! Aber was ich will, das tue ich mitnichten, Fluch der ränkesauren Tyrannei! Wann wird sich des Elends Dämmer lichten? Wer macht mich des Todesleibes frei?" War es doch, als hätte sich in meine Sinnen Eingeschlichén ein dämonisch Ich; Suchte ich die Herrschaft zu gewinnen Ich erlag dem Unhold jämmerlich! 12 79 80 Und ich sah mit Beben, daß mein eigner Wille Sich dem fremden hätte eng vermählt; Daß ich durch des Wahnes und der Wünsche Brille Nur beschaute Reiz und Trug der Welt. Unbarmherzig wurde ich zur Jagd getrieben Auf der Seifenblasen täuschend Spiel, Doch was war von all dem Flittertand geblieben, Als daß ich noch mehr der Jagd verfiel? Ach, das Hungern, ach, das Dürsten, ach, das Brennen! Himmelhoch der Sehnsucht Flamme stach, Und mich peinigte der Gier verzweifelt Rennen, Bis mir endlich alle Hoffnung brach! Und es schien, als hätte mir das Blut gesogen Gierig aus den Adern der Vampyr, Und als würd' ich ohne Widerstand gezogen An des Abgrunds Rand vom Höllentier. Da ist dieser Stärkre zu mir hergetreten, Der den Starken überwunden hat, Und was nicht gelang der Menschen Ringen, Beten, Hat geschenkt mir Seine Kreuzestat. Seht, der Zauber war mit einemmal zerronnen; O, wie atmet der voll Jubel auf, Der in JESUS hat den Siegespreis gewonnen Nach des Kampfes kranzgekröntem Lauf! Buße ille DAS HIMMELREICH Ist hergekommen, Tut Buße und bekehret euch! Wir haben Jesu Ruf vernommen Und fassen Glauben allsogleich. Durch dieses Einen Tods Versöhnen Sind wir versetzt in seines schönen Und neuen Reiches Morgenrot. Die wir in Sterbeswehen lagen, Hat Jesu Arm hineingetragen In seiner Kirche Rettungsboot. 1.4. Es sinken hin des Wahnes Hüllen, Uns strahlt der Wahrheit Sonnenpracht! Laẞt uns die beiden Hände füllen, Da Buße sie uns leer gemacht. Wir ließen fahren, was wir faßten Vorhin, da wir das Leben haẞten, Nun uns bezwang des Glaubens Zeit, Schau'n nicht zurück, denn was vergangen, Dafür ist Er am Kreuz gehangen, Versunken euer Neid und Streit. ten, 81 6 Sterne 82 Der Gottesfreuden Überfülle, Sie ist in unsern Schoß gelegt. In seines Friedens selger Stille Wird unser Herz nicht mehr bewegt Vom wilden Lärm der Leidenschaften, Die unsrer Seele Leiden schafften, Weg, weg, wir kennen euch nicht mehr! Der unter weißen Lilien weidet, Mit Tulpenzartheit sich gekleidet, Ist unsre Leidenschaft, nur Er! Ihr weltverliebten Kümmernisse Um Ehrenkränze dieser Zeit ―: Uns schimmert durch der Gräber Risse Schon jetzt der Kranz der Ewigkeit; Mag uns die Schande hier verzehren Nicht einer von uns soll sich wehren, Wenn ihm der Ruhm des Tags versagt. Lebt wohl, ihr Reichen und ihr Großen, Die ihr den König ausgestoßen Und wie ein Wild hinausgejagt! 6* Du hast uns, Herr, hineingerissen In einer neuen Richtung Sinn; Hast unser Boot herumgerissen, Wir legen unser Ruder hin. Des Weizens Blühen hat begonnen, Die Spreu, sie ist in nichts zerronnen, Laßt sie auch ganz zerronnen sein. Der Sommer ist herbeigekommen, Hat alles Eis hinweggenommen, O freuet euch in seinem Schein! 83 84 FALLET ÜBER MICH, Berge, stürzt auf mich! Wer deckt meiner Schande Blöẞe? Da gesündigt ich, Hat gebändigt mich Meiner Bosheit Größe. Wolken, hüllet mich, Nebel, mildiglich, Bergt mich vor des Reinen Blicken! Ach, es foltert mich Des Gewissens Stich, Qualen mich ersticken. Tiefe, öffne dich, Wohin werfe ich Mich von meiner Sünden Schwelle, Sind sie doch dahin, Wie die Pfeile fliehn In die Lüfte schnelle! Nimmer fängt sie ein Meiner Reue Pein; Wer mag gehn vergangne Strecken? Und der eitle Schwung Der Entschuldigung Bleibt im Halse stecken. Confiteor En none Jesu, Herr der Zeit, Die Vergangenheit Kannst Du ungeschehen machen, Und Dein reines Blut Macht es wieder gut, Läßt der Hölle lachen. Dir bekenne ich, Herr, demütiglich Meines Lebens böse Flecken. Siehe meine Schuld, Meine große Schuld, Wirst Du ewig decken. 98 86 Hilf Gott, der Völker Gott, erbarme dich! HILF GOTT, DER VÖLKER GOTT, Erbarme Dich! Ach schone, schone Lds Deutschland! Das Urteil sprich d noch nicht im Tone Des Richters! Mildiglich Sieh an im SOHNE Das Volk, elendiglich Gestürzt und ohne Hilfe am Todesrand, DEUTSCHLAND! Ach, hör des Volkes Schrei, 1 Das Wehgeschrei Der armen Kinder! Die Glaubenstyrannei, Die brich und hinder! Gib uns der Buße Schrei: ,, Wir armen Sünder!" Und laß uns glauben frei 2 Des Evangeliums Künder! O faß die Christushand, DEUTSCHLAND! ch! Absage an die Welt ICH WERFE DIR DEN HANDSCHUH HIN, Du Welt der Sichtbarkeit! Vorbei ist deine Zeit, Dein Regiment ist bald dahin, Mach dich zum Sturz bereit! Ich werfe dir den Handschuh hin Und lache deiner Wut, Trotze dem Übermut Des Augenscheins, dem eitlen Sinn, Und kämpfe bis aufs Blut. Du machst von dir ein groß Geschrei In deinem großen Haus Und stöẞest jeden aus, Der sich bekennt zu Christus frei In Seines Vaters Haus. Du lebst nur aus der Hand zum Mund, Bist ohne Gott ein Nichts, Verfluchte des Gerichts, Und wenn du Bann speist aus dem Schlund, So speist du lauter Nichts. Die Falschheit sitzt auf deinem Thron, Feigheit das Zepter küßt, Verehrst die Macht der List, Echtheit betrügst du um den Lohn, Der Schein die Wahrheit friẞt. 87 Die Götzen hebst du auf den Schild, Die du dir selbst gemacht In der Anmaßer Macht Nach deines Undanks Ebenbild, Wehe, wer sie verlacht! Was du verbrennst, bete ich an Und beuge meine Knie Vor deinem Altar nie. 4 Und wenn sich deine Schergen nahn, Heiß ich willkommen sie. Ich werfe.dir den Handschuh hin, Denn ich durchschaue dich, Du willst betrügen mich! Was dir Verlust, ist mir Gewinn, Was bietest du mir, sprich! = Was du empfiehlst, verwerfe ich, h Es macht mich stolz dein Hohn, Dein Locken sei geflohn! Was du empfiehlst, verachte ich, Dein Gold ist Lehm und Ton. Was an dir schön, das muß vergehn, Und deines Leibes Pracht Muß stürzen über Nacht; Kein Stein bleibt auf dem andern stehn, Das hat mir Pein gemacht. Die Klugheit deiner Hinterlist Ist Torheit meinem Blick, Und was du heißest Glück, Der Eintagsfliege Hochzeit ist, Und kehrt nie mehr zurück. Belügst dich selbst mit deinem Wust Und willst belogen sein. Dein Großes ist mir klein. Das Kleine, das du von dir tust, Ist wahrhaft groß allein. 89 90 90 Absage an das alte Jch ICH WERFE DIR DEN HANDSCHUH HIN, Dir, meinem eignen Ich, Dem alten Mir und Mich. Seit Jesus einst im Fleisch erschien, Ist ER mein neues Ich. Du hebst als einzgen Herrn und Gott Dich selber auf den Thron. In Jugendtagen schon Verließt die Heimat voller Spott, Du, der verlorne Sohn. Du stehst im Solde dieser Welt, Teilst ihrer Beute Lust, Liegst, seit du dir bewußt, An ihrem Tische wohlbestellt Und saugst an ihrer Brust. Du saugst und trinkst dich nimmer satt, Da du, schönheitberauscht, Den Blick mit ihr getauscht, An ihrer Nächte Lagerstatt Des Wahns Musik gelauscht. Dein Dürsten wird niemals gestillt, Soviel du in dich trinkst, Betrunken niedersinkst, In der Begierden Gluten wild Nur heißer Feuer fingst. Jch IIN, Dein Gottesdienst ist Eigendienst, Genießt dich selber nur In deiner Ich- Natur; So fein der Frömmigkeit Gespinst Sie weist der Selbstsucht Spur. Im Nächsten liebst du wieder dich Und kannst auch anders nicht: Folgst deinem Schwergewicht, Und deines Schauspiels listger Schlich Ist bloßgestellt im Licht. Was ich auch immer schmecken mag, Das schmeckt nach meinem Ich, Ich sehe immer mich; Mich höre ich bei Nacht und Tag, O Gott, erbarme dich! Ich werfe dir den Handschuh hin! Dein feuerfarbner Reiz Ist ausgelöscht im Kreuz! Dein Tod gibt meinem Leben Sinn Im Grabe deines Neids. Gesegnet sei die Wundertat: Am Kreuze hängt mein Ich! So lebe nicht mehr ich, Nein, Jesu Christi Bluten hat Mir neugeschenkt Sein Ich! 91 92 LASS MICH NICHT INS REICH Der Träume flüchten, Laß im Worte mich die Wahrheit sehn, Neugeburt In des Herzens Gründen und den Schlüchten, Seinen Süchten, Die ichverflochtnen Wurzeln laß mich sehn. Wer will reinigen die Haut des Mohren, Daß sie strahle wie der Schnee so weiẞ? Schwöre ab der Klugheit aller Toren, Gib verloren Der eignen Bess'rung Künste, gib sie preis! Wer mag wohl des Tigers Wildheit wandeln, Ändern stracks den Wolf ins zahme Lamm? Mag der Geier gleich dem Täubchen tandeln? Mag auch handeln Verbrechersinn wie Christ am Kreuzesstamm? Halte mir den unbarmherz'gen Spiegel Tiefster Wirklichkeit vors Angesicht! Wirf mich in der Selbsterkenntnis Tiegel, Daß der Riegel Der irren Täuschung meiner selbst zerbricht! urt Wälze ich den Fels zur Bergeshöhe, Rollt er immer wieder ab ins Tal; So von meines Zieles Gipfel sehe, Wehe, wehe! Ich rücklings stürzen mich zur alten Qual. Sieh, ich muß es mit Entsetzen schauen: Saftverdorben ist mein Lebensbaum, Von der Wurzel bis zum Wipfel bauen, Mir zum Grauen! Der Eigenliebe Kräfte meinen Raum. Bitter ist des Bechers Trank wie Galle, Heilsam als der Liebe Arzenei: } Preisgegeben meinem bösen Falle, Aus der Kralle Des Satans macht mich nur Dein Wunder frei! Und die Wunderhand hat mir gegeben, Was das Herz sich selbst nicht nehmen kann: \ Pflanzt Jesum als den edlen Reben In mein Leben, Da mir das alte je am Kreuz zerrann. 95 94 Heil uns! Heil! Das Alte ist vergangen, Alles ist in Ihm geworden neu. Und ein zweiter Mensch hat angefangen Hell zu prangen. In Christus bin ich Gottes Schöpfung neu. In der Freiheit Frieden darf ich bleiben, Seit Du meiner Heil'gung Wurzel bist, Nie soll mich der Leistung Geißel treiben! Ich will bleiben An Jesus, der des Vaters Weinstock ist. In Meffterhänden Du WIRST GEWISSLICH Mit mir fertig werden, So widerspenstig auch mein wilder Sinn Sich gegen deine Meißelhiebe will gebärden, Du wirst gewißlich mit mir fertig werden, Der ich der Ton in Meisterhänden bin. Ich sehe stündlich giftge Blasen steigen Zur Oberfläche aus der Urzeit Grund, - Aus unterirdschen Wurzelwerkes Schweigen, Verästelt in des Ahnenstammes Zweigen, Tut sich des Vätererbes Schicksal kund. Da strecken heischend sich der Toten Hände Nach meiner Seele tiefsten Wünschen aus, Als ob uns nicht der Zeiten Schranke trennte, Sondern des Sippenfluches/Klammer bände, - Bauen sie mit das gegenwärtge Haus. Kann ich mich je von ihnen unterscheiden, Umhaken sie nicht zäh des Enkels Fuß: Aus der Jahrtausende entwichnen Zeiten ‚Müssen die Gegenwart sie mit entscheiden, Der Neigung Leiden und des Kampfs Genuß. Wie sollte je ich mit mir fertig werden— Bevor ich denk, ist über mich verfügt! Doch DU, Neubildner der Bekehrten, Du wirst gewißlich mit mir fertig werden, Weil DU auch des Vergangnen Fluch besiegt! . [& Ei = 96 LASS DIE GUTEN VORSÄTZE, Welche, dir zum Leid, Gleichen einem neuen Plätze Auf dem alten Kleid. Sei radikal! Gib auf den Streit! Ziehe an das neu Gewand, Das dir deines Vaters Hand Schon hält bereit. Sieh den neuen Menschen, Christ, In dem du erneuert bist Und frei von Qual! Sei radikal! kalt Apage Satanal HEBE DICH HINWEG VON MIR, O Satanas! Was habe ich mit dir zu schaffen? Zerbrochen liegen deine Waffen Am Boden, und vergeblich ist dein Haß! Schichte hoch die Sorgenberge, Fels auf Fels, Entfeßle aller Meere Stürme— | ER hat gesagt, daß ER mich schirme, | Und was ER sagte, Seine Treue hält’s. Inspiriere listgeschäftig deinen Troß, Daß mich umkläffe deine Meute; Nicht weichen darf von meiner Seite Des Ewgen Engel mit dem Schwerte bloß. Mitten durch des Aufruhrs Haufen eilt der Fuß: Auf JESU Macht den Blick gerichtet, Schau ich die Gasse jäh gelichtet, Den toderschrocknen Kläffern zum Verdruß. Sieh, mit JESUS hänge ich am Kreuz, Da bin ich dir und mir gestorben, Und deine Rechte sind verdorben, Im Leichnam ist gelöscht der Hölle Reiz. 97 7 Sterne a TEE Auferstanden bin ich auch mit IHM Im Geistesleibe, lichterschaffen; ‘Was hab ich noch mit dir zu schaffen? Hebe dich weg, denn ich gehöre IHM! Lies den Namen aller Namen aufgeprägt Der Stirne mir im Kreuzeszeichen! Hinweg, hinweg, denn du mußt weichen, Versucher du, vom Windhauch hingefegt!| 98 7* Dennoch Dennoch! UND WÄRE ICH AUCH Tausendmal verloren, So hättest Du mich dennoch neu geboren, Und hätte ich mich selbst dem Feind verschworen, Verräterisch den Rücken Dir gekehrt, So wäre dennoch ich von Dir gerettet, Mit unzerreißẞbar starkem Seil gekettet An Dich, der mich an seine Brust gebettet, Der bis zum Tode sich für mich gewehrt. Bin ich auch tausend Tode schon gestorben, Vom Triebe zur Dämonennacht verdorben, Du hast mich doch auf Golgotha erworben Dem Reich des Lichts mit Deinem eignen Blut. Und lebt mein irres Herz im engen Bunde Mit aller Erdengeister Traumesrunde, Und stecke ich im tiefsten Höllenschlunde, Mich braucht doch nicht zu schrecken Zornesglut. Und wäre ich auch tausendmal gebunden, Von Satans Ketten mir der Leib zerschunden, So riefe ich trotz Schmach und Schmerz der Wunden: Laẞt mich in Frieden, ich bin dennoch frei! In Jesu rühmen sich der Kraft die Schwachen, Mag mich mein eigen Auge irre machen- Ich will die ganze Sichtbarkeit verlachen: Laẞt mich in Frieden, ich bin dennoch frei! 101 * Und hat der Menschen Kreis mich auch verstoßen Von seinem Tisch, der reinen, makellosen Gemeinschaft, daß die Tugendgroßen Die Becher nicht mehr wechselten mit mir, Gebietest Du doch ihrem Spruche Schweigen Und läßt mein Haupt zu Deinem Fuß sich neigen, Befiehlst mir heilig, mich als Gast zu zeigen Beim Abendmahle, hochwillkommen Dir. Und muß mein Auge bleiben ohne Tränen Der Sohnesreue, des Verlornen Sehnen Nach seinem Vaterhause und der schönen, Im Glück der Jugend frohgemuten Zeit, So triumphiert doch Deines Herzens Treue, Empfindest selbst des Undankbaren Reue Und schenkst sie mir, daß endlich ich mich freue Der sündersuchenden Barmherzigkeit. Denn so darf mir Dein heilger Bote künden: Ich sah dich liegen in dem Blut der Sünden, Dem Tode preisgegeben, den Abgründen Der Gottesfeindschaft und Verlorenheit. Da liebte ich dich schon in deiner Feindschaft, Ich riß dich hoch und schmückte dich mit Freund- schaft, Gab dir den Sohn zur ewigen Gemeinschaft Und unaufhörlichen Verbundenheit. gen, Ist auch des Herzens Trotz von Eis ein Felsen, Muß solchen Feuers Glut ihn dennoch schmelzen, Schrie selbst der Teufel List aus tausend Hälsen Nimm das verwirkte Leben Stück um Stück! Du willst in Christus mich wie Christum lieben; Nichts ist, nichts ist von meiner Schuld geblieben, Nichts kann mich scheiden mehr von Deinem Ich schau empor zu Dir, nie mehr zurück! Lieben, Le ndaft, 103 104 Berfrauen IM KLEINSTEN Darf ich Dir vertrauen, Herr, dessen Name wunderbar Du ließt mich Deine Allmacht schauen Und rissest mich aus der Gefahr. Die mich wie Waldesbrand umlohte, Da mir des Todes Flamme drohte, Du hast mich aus der Glut befreit. Und ist mir nicht ein Tisch bereitet, Darum die Hölle mich beneidet, Schon mitten in der Not der Zeit? Wie solltest Du nicht alles fügen Zu Deiner Kraft Verherrlichung? Und wenn mich Satansfäuste schlügen,| Ich preise Deine Züchtigung!| Es mußte mir zur Rettung dienen, Was als mein Untergang erschienen, O Dank sei Deinem hohen Rat! Du läßt in meinem Unterliegen Kraft Deines Kreuzes Sieg mich siegen Und schenkst mir mehr, als ich erbat. uen So will ich Deiner Führung harren, Gewiß, daß Du es gut gemeint. Der Zukunft Furcht soll mich nicht narren, Ich weiß, daß Deine Sonne scheint, Auch wenn die Nebel sie verdecken Und mich die Finsternisse schrecken; Bist Du nicht bei der kleinen Schar? Du stehst gebietend in dem Schiffe Und lenkst es in der Brandung Riffe, Der Sturm krümmt ihnen nicht ein Haar. Dies eine wollen wir erflehen Von Dir in wilder Wellen Streit, Daß wir auf Dich alleine sehen, Vertrauend Deiner Hand Geleit. Du wirst des Meeres Dräun beschwören, So laß uns Deine Stimme hören In Deines Wortes treuem Klang. O steure Deiner Kirche Nachen, Daß Deine Jünger Dich, die schwachen, Verherrlichen ihr Leben lang. 105 106 \ Der Neue Bund| EINEN UNAUFLÖSLICH FESTEN BUND Hast durch Prophetenmund Du, Herr, verheißen. Ihn darf kein Tod zerreißen, Hallelujah! Siehe, Asche bin ich nur und Staub Und der Verführung Raub! Das Wort, versprochen Dir, hab ich gebrochen. Kyrieleis! Aber Du bliebst Deinem Worte treu Und schufst die Erde neu! Zu neuem Bunde Ruft uns des Mittlers Stunde. Hallelujah! Tut die Majestät des Bundes kund Dem ganzen Erdenrund, Den er geschlossen Im Blut, herabgeflossen. Auf Golgatha. Festgebunden sind wir nun an Ihn, ER will uns zu sich ziehn, Und mit dem Einen, Jesus Christus, vereinen. Hallelujah! Bund ND Und es horchen auf die Cherubim: Wir gleichgestaltet IHM Und Seinem Leibe; Die stammen aus dem Weibe! Hallelujah! Hört, es jauchzen auf die Seraphim! Wir sind gerecht in Ihm, Des Aufruhrs Schürer Geheiligt in dem Führer! Hallelujah! Meine" Leiden sind dem Vater wert. Mein Kämpfen wird geehrt, Selbst im Erliegen Darf ich am Kreuz mitsiegen! Hallelujah! Und es hat der Eine Heilge Geist Zusammen uns geschweißt Mit Jesus Christus Zu einem Leibe, Christus! Hallelujah! Rufet aus den neuen Gottes-Bund, Macht seine Größe kund: Die Namenlosen Sind seine Bundsgenossen. Hallelujah! a VENETIEN An Nikola MIT EINEM SCHLAGE Sollst du alles haben, Das Höchste, was sich nie ein Herz ersann, Das sel’ge Los, die Gabe aller Gaben, Die schönste Perle, die ein Mensch gewann ‘ Die allerköstlichste hienieden In Jesu Frieden. ’ Du kannst es nicht mit Gold und Silber kaufen, Mein Nikol, was dich frei und fröhlich macht, Unnütz ist deiner Füße eilig Laufen, Hätte sich je dein Sinn dies ausgedacht: Nichts brauchst du als die Hände falten Und dich ausschalten. "Des Weisheitsschülers ängstlich Vorbereiten, ' Der Seelenübung Vielgeschäftigkeit, Der Buße Krämpfe und der Reue Leiden, | Sie schaffen alle nicht Gerechtigkeit.| Die Augen mußt du nur aufschlagen| Und Gott Dank sagen.| | Was nie des Menschen Phantasie und Sinnen ; Zu träumen wagte, ist dir frei geschenkt: Jetzt schon stehst du im Himmel mitten drinnen' Kraft Seines Opfers, der am Kreuze hängt. | In IHM bist du zu neuem Wesen Schon längst genesen. 108 ikolai Denn wie du ohne eignes Tun und Drängen Im Todesleib zum Erdenleben kamst, So wisse: ohne dich je anzustrengen, Daß du das Jesusleben überkamst, Noch ehe du warst erdgeboren Und sündverloren. O, daß ich könnte meine Feder tauchen Tief in die Tinte Seiner Wahrheit hold, Dir mit dem Odem Seines Geists einhauchen Das Evangelium, wie ich gern gewollt! Ist doch das kühnste Wort von allen Ein schwaches Lallen. Da heimlich dich getauft dein frommer Ahne, Wardst du der Liebe an das Herz gelegt, An deinem Anfang schau die Kreuzesfahne! Dir ward das Bild des Siegers aufgeprägt: Horch, es umrauschte deine Wiege Das Lied vom Siege! Mit einem Schlage kannst du alles haben, Du Gotteskind, so traue deinem Glück! Laß du die Toten ihre Gräber graben Und freu dich in des Glaubens Augenblick: Schon mitten in der Welt Getümmel Bist du im Himmel! 109 110 Der Kristallenschrein DER KRISTALLENSCHREIN Es strahlt mein Herz so weiß wie Schnee Und leuchtet hell und rein Wie ein Kristallenschrein In tiefe Nacht hinein, Durchsichtig und befreit von Staub und Weh, Noch weißer als der Schnee. Das macht, o Jesu Du, Dein Blut, Das mich gewaschen hat Vom Schmutz der Missetat Nach ewgem Wunderrat. O preist mit mir die reinigende Flut, Preist mit mir Jesu Blut! Du, Erde, du bist auserwählt Zu dieses Blutes Gral. Aus Jesu Wundenmal Auf Golgatha ein Strahl Des Purpurstroms sich innig dir vermählt, Du Erde auserwählt! Vom niedrigsten der Hügel bricht Rubinglut in die Welt. Der Sterne Heer beseelt Dem Herrn zu Füßen fällt, Der Erd und All gereinigt in dem Licht, Das aus dem Grale bricht. Schrein eh, MEINE SÜNDEN Sind verschwunden, Ganz verschwunden, Und nicht eine kehrt zurück. O du seligste der Stunden, Wonnesüßer Augenblick, Denn gefunden Vergebungsglück Hab' ich der Vergebung Glück. Wo sind sie, die dunklen Flecken? Nimmer schrecken Darf mich die Vergangenheit, Da mich Jesu Hände decken, Wenn des Klägers Stimme schreit, Zu vollstrecken Deinen Spruch, o Ewigkeit. Meine Ungerechtigkeiten Und das Neiden, Der Begierden höllisch Glühn Und des Undanks mürrisch Streiten, Sünden ihr, wo seid ihr hin? In die weiten Abgründe muẞtet ihr fliehn. Und anstatt des Blutrebellen Kniet im hellen, Seidenreinen Ehrenkleid, 111 112 Kniet ein Kindlein an den Schwellen Seines Vaterhauses weit, Lacht der Höllen, Da es Abba! Vater! schreit. Und das Knäblein, das heißt Jesus NAZARENUS, Und das Knäblein bin auch ich, Denn mit JESUS NAZARENUS Einte eng Sein Vater mich, Daß ich JESUS Wie Sein wahrer Bruder glich. Und ich darf wie Jesus bitten Und inmitten Aller heilgen Engel knien Und in der Vollkomm'nen Hütten Als Willkomm'ner, glaubenskühn, Wohlgelitten, Treten vor den Vater hin. Denn die Sünden sind verschwunden, Ganz verschwunden, Und sie kehren nie zurück. Endlich hat mich Gott gefunden, Wonnesüßer Augenblick! Und gewunden - Mir ums Haupt Vergebungsglück. 89 Es ist entschieden! ES IST ENTSCHIEDEN, Es ist entschieden! Die Ohnmacht des Lammes hat mächtig gesiegt! Die ihres Vaterlands Grenzen gemieden, Sind wieder als Quadern dem Reich eingefügt. Von allen Seiten umgibt sie Frieden, Die glaubend sich IHM an die Kniee geschmiegt. Von allen Seiten umgibt euch Frieden Wie heimatentströmte, liebliche Luft Aus Gärten, drinnen Märtyrer knieten; So labt euch und atmet balsamischen Duft! Es fürchte nichts euer Herz hienieden Und ruhe in IHM, der zum Kampfe euch ruft! Es fürchte nichts euer Herz hienieden, Und fest trete auf euer mutiger Fuß! Wer mag den Schwachen die Stirne bieten, Die heimlich vernommen seraphischen Gruß? Und ob euch Teufel und Welt verrieten Ihr ruhet schon jetzt in des Sieges Genuß! - Und ob euch Teufel und Welt verrieten, Nicht Augenblicks Länge verzage der Sinn- Selbst wenn den Leib sie lebend euch brieten, Ihr dürftet es achten als eitel Gewinn! Es ist entschieden, es ist entschieden: Ihr seid in der Heimat, bleibt ewig darin! 8 Sterne 113 GIBT ES EIN HINDERNIS, Das ich nicht nehme Kommt her, ihr Wölfe! In Deiner Kraft, o JESU ZEBAOTH, Ein wildes Roß, das ich nicht zähme, Erniedrigung, der ich mich schäme? In DIR besiege ich den Tod! Mit Gott will ich selbst über Mauern springen Und fürchte mich vor ihrer Höhe nicht, Der Burgen Zinnen will ich zwingen, Erobernd in ihr Bollwerk dringen, Da ER mir den Triumph zuspricht. Ja, unter Wölfe schickst Du Deine Schafe, Kommt her, ihr Wölfe, ihr zerreißt mich nicht, Der ich inmitten eurer Höhlen schlafe Zur Überwindung, nicht zur Strafe Trifft mich der Erdennot Gericht. 114 8* ** Bölfer I Lob des Gebets WIE SCHÖN IST ES, ZU BETEN, Wenn wir ins Licht hintreten | Und wissen es gewiß, | Daß wir Erhörung finden, Weil Jesus machte schwinden, Was uns von Gottes Herzen riß. Des Himmels höchste Gaben Werden wir alle haben, Da wir Ihm nahen frei. O Fülle der Gewährung | O Gnade der Erhörung, O Kindesfreimut ohne Scheu! Wie groß ist es zu bitten, Da wir mit Engelsschritten Lassen im Augenblick Des Sündensternes Breiten Und die Unendlichkeiten Des Weltalls hinter uns zurück! Was wütete und schnaubte Und uns die Freiheit raubte, Was uns den Atem nahm, | Muß unter uns versinken, Im tiefen Meer ertrinken Der Gottesstille wundersam. g* 115 Wie selig ist’s, zu bitten, Denn in der Brüder Mitten Erscheinen wir am Thron; Der Stillen unsichtbare Gemeinde, sie, die wahre, Verklärt in ihrem Haupt, dem Sohn. Die noch hienieden streiten, Und die der Erde Leiden Im Frieden sind entrückt, Sie stehn im heilgen Blitzen Des Geistesschmucks und stützen Der Schwachen Seufzer unverrückt. Und wenn wir uns vom Knieen Erheben, muß verziehen Der Ängste grauer Schwarm. Wir tauchten das Gesichte In der Erhörung Lichte Und ziehen weiter ohne Harm. So gewiß... So GEWISS DAS GESTERN IST VERGANGEN, Ist der HERR für meine Schuld am Kreuz gehangen. So gewiß mein HERR am Kreuz gehangen, Ist der Sünde Recht auf mich in nichts zergangen. So gewiß mir ist die Niederlage, Unaufhaltsam schnell tritt auch mein Sieg zu Tage. So gewiß der Abfall ist beendet, So gewiß hast du die Heiligung vollendet. So gewiß ich nichts vom Himmel sehe, So gewiß ist's, daß ich mitten drinnen stehe! So gewiß ich fühle nichts als Schwachheit, Strahle Kraft ich aus in Auferstehungswachheit. So gewiß in Adam ich gefallen, Bin in Jesus ich für Gott ein Wohlgefallen. So gewiß das Alte ist vergangen, Hat das Neue schon verborgen angefangen. So gewiß des alten Ichs Erschöpfung, Glühe ich im Morgenglanz der Christus- Schöpfung. So gewiß ich bin mit mir am Ende, Stehe ich in Gottes großer Wunderwende. So gewiß mich schuldigt mein Gewissen, So gewiß bin ich aus dem Gericht gerissen. 117 So gewiß mich Richterflüche ächten, So gewiß erklärt sein Wort mich zum Gerechten. So gewiß mich alle Übel knechten, Läßt im Himmel Er des Siegers Kranz mir flechten. So gewiß ich nicht versteh zu beten, Will mich unaussprechlich stark der Geist vertreten. So gewiß den Leib mir Würmer fressen, Darf ich Jesu Leib zur Auferstehung essen. So gewiß ich muß in Fronschaft dienen, So gewiß beneiden mich die Cherubinen. So gewiß die Spötter mich verlachen, Wird dereinst ein Tag dem Spott ein Ende machen. So gewiß ich blind bin unter Blinden, Läßt Du Schritt für Schritt den Weg zum Ziel mich finden So gewiß ich nur mich selbst kann lieben, Werd’ ich kühn durch Deiner Liebe Kraft getrieben. So gewißlich alles spricht dagegen, Bist du jeden Tag bei uns mit Sieg und Segen! So gewiß ich bin im Kerker drinnen, So gewiß kann ich der Freiheit nicht entrinnen! 118 en. en. finden Nicht sehen und doch glauben! SELIG, SELIG, DIE NICHT SEHEN, Und die dennoch an Dich glauben! Eher soll ihr Blick vergehen, Soll ihr Ohr in nichts ertauben, Ehe sie die Sichtbarkeit betört Und ihr Glaube Dir abschwört! Selig sind, die, ohne Fühlen Mitten in den Finsternissen Auf der Gaukeleien Pfühlen Nächtlich hin- und hergerissen, Dennoch durch des Schweigens Nebelwand Fassen fest die Führerhand. Selig sind, die noch bekennen, Wenn sie schon in Feuerflammen Auf des Hasses Holzstoẞ brennen, Über ihnen schlägt zusammen Ihrer Niederlage Abendschein: SIEGER IST JESUS ALLEIN! Selig sind, die jeden Morgen, Da am Himmel Wolken hängen, Und die Wolken regnen Sorgen, In des schmalen Passes Engen Rühmen: Wir verzweifeln ewig nicht, Jesus ist des Tages Licht! 119 Selig, selig, die nicht sehen, Statt der Allmacht heilgem Walten Gottes Unterliegen sehen Und sich dennoch an Ihn halten, Halten, von Tyrannendruck gepreßt, An dem Unsichtbaren fest. Selig, selig, die nicht zweifeln, Wenn die Rechner und die Weisen Öl noch in das Feuer träufeln, Just das Gegenteil beweisen: Davids Schleuder wohl getroffen hat Des Verstandes Goliath. Selig, selig, die nicht schmecken Erdenhonigs Süßigkeiten, Deren Schwären Hunde lecken, Die‘der Armut Duft verbreiten, Dennoch wissend, daß sie, blaß und bloß, Ruhen in der Fülle Schoß. Selig, selig, die nicht sehen! Die auf ihrer Seele Grunde Greuel der Verwüstung sehen, Weil sie mit dem Feind: im Bunde; Hüllen sich, von Schuld und Bann befreit, In Jesu Gerechtigkeit. Selig, selig, die nicht sehen! In der Völker Katastrophen, In des Neugebärens Wehen, In der Endzeit Schmelzerofen Ruft der GEIST in uns: O JESU KOMM! Wer es hört, der spreche: KOMM! Selig, die zum Abendmahle Unsres Lammes sind berufen, Dringen durch zum Hochzeitssaale Über vieler Nöte Stufen. AUGEN, DIE NICHT SEHEN IN DER ZEIT, SCHAUEN GOTT IN EWIGKEIT. 121 122 GRAU IN GRAU Verhüllt das Blau; Am finstern Firmamente Starren Gewitterwände; Fürchte dich nicht! Kein Vöglein hörst du draußen singen Was wird der Tag uns bringen? Regen fällt Unaufgehellt; Es jagen wie Gespenster Tropfen gegen die Fenster, Des Stromes Wasser höher dringen Was wird der Tag uns bringen? Erdenkind, Dir heult der Wind So feindlich in den Ohren, Als wärest du verloren Und dürfte dir kein Plan gelingen Was wird der Tag dir bringen? Gottes Kind, Die Tropfen sind Aus Seiner Hand geflossen, Darum sei unverdrossen, Es soll dir alles wohl gelingen. Das soll der Tag dir bringen. - nicht! Glaube schlicht, Fürchte dich nicht! Das Unglück darf dir frommen: " Ihr Wolken, seid willkommen!" Dein Sieg muß selbst den Tod verschlingen, Das wird der Tag dir bringen! 123 124 Der Toderschöpften Radium DU HEISST MICH AUF DEM MEERE GEHEN, Und ich verlass' den sichern Kahn. Darf ich nur auf Dein Antlitz sehen, So machen mir die Wogen Bahn. Die wilden Stürme müssen schweigen, Die Sterne tief vor Dir sich neigen, Du starker JESUS ZEBAOTH. Und ob zur Rechten und zur Linken Sie auch zu Tausenden versinken, Du führst mich sicher aus der Not. Wenn Du befiehlst, so will ich treten Auf Wellen, und sie tragen mich. Du bist die Kraft in allen Nöten, Der Wind und Meer demütiglich Und aller Kreatur Gewalten Gehorchen und die Treue halten, So muß uns selbst der Ozean Durch Nacht und Graus zum Hafen tragen, Wer wollte es mit Dir nicht wagen, Dem die Dämonen untertan? adium EN, Wo Du gebietest, müssen Wolken. Manna mir regnen als mein Brot, Die Feuerflammen müssen folgen Wie Diener, auf Dein Machtgebot In meine Hüter sich verwandeln. Du läßt mich durch Einöden wandeln An Deinem Stab in Sicherheit; Sieh, mitten in den Ärgernissen Hast Du die Nebel aufgerissen, Ich schaue in den Himmel weit. Wenn Du es willst, muß meiner Feinde Anschlag mich aus der Haft befrein, Daß, was als Unheil ich beweinte, Nichts ist als lauter Sonnenschein. Beladen mit des Kerkers Ketten Darf ich mich in die Freiheit betten; Und auch des Leibes Ungemach, Der Krankheit und der Schmerzen Heere Verkünden Deines Heiltums Ehre: In Dir ist stark, wer in sich schwach. 125 Dein Auftrag gibt auch dem geringsten Geschehen Glanz und heilgen Sinn. Zu Ältesten machst Du die Jüngsten, Des Guts Verlust zum Freigewinn. An der Verzweiflung düstrem Orte Sollen der Ärmsten arme Worte Der Toderschöpften Radium sein; Ja, Wasserströme werden fließen Auf sonnendürre Menschenwiesen Vom Leibe derer, die sind Dein. Dir nachzufolgen, darf ich lassen Die Heimat und das Vaterhaus, Behagen der Bequemen hassen Und in die Fremde wandern aus. O, laß mich nimmermehr ertrinken, Wenn flutenwärts mein Fuß muß sinken, Weil sich mein Blick von Dir gewandt. Und über der Verwerfung Schlünden f Ziehst aus dem Chaos meiner Sünden Du, Retter, mich zum ewgen Strand. 126 Komm, was kommen mag! Auch der schlimmste Tag Muß einmal enden, Gott wird das Wetter wenden. Ob es tobt und kracht, Auch die längste Nacht Ist aus am Morgen; In IHM sind wir geborgen! Ist nur wohlgemeint, Wenn's auch anders scheint; Die starken Hiebe Sind Schläge Seiner Liebe! Freut euch! Jeden Tag Kommt ihr einen Tag Der Freiheit näher, Steigt eure Sonne höher! Laßt uns halten aus, Bis wir sind zu Haus! An Jesu Herzen Vergessen wir die Schmerzen. Haltet aus! 127 128 Gerade dann! GERADE, WENN Der Himmel sich umzieht, Und wenn Gewitter drohn, Füllt sich mit Frieden dein Gemüt, Ist alle Angst geflohn. Was mögen Menschenhände schaden dir, Wenn ER, der dir geschenkt Der Gnade köstlichen Saphir, Alles zum Besten lenkt? Das Hindernis muß dir zur Fördrung sein, Dein Unterliegen Sieg, Der Wermutstrank ein süßer Wein, Ein Friedensfest der Krieg. Und jeder Tag, den ER dich harren läßt, Übt dich in der Geduld; Die Feindschaft, die dich hart gepreßt, Verwandelt sich in Huld. Der Gifttrank, den sie feindlich dir gereicht, Ist lautre Arzenei, Und was die Haare dir gebleicht, Das macht dich froh und frei. 9 Ster nn! Der Widerstand des Teufels und der Welt Macht Gottes Kirche stark; An Petri Felsengrund zerschellt Der Hölle Trug und Arg. Mag darum kommen, was da will, Dein Meister ist schon da; In allen Stürmen bist du still, Preis IHM! HALLELUJAH! 9 Sterne 129 130 SIEHE, ES IST SEIN ENGEL, Der mich auf Händen trägt Und der Wandrung Mängel Mit seinen Flügeln deckt. Herz, was willst du dich ängsten? Wenn am Abgrund entlang Auf der Pfade engsten Dir wird der Schritt so bang, Wenn vom Himmel dir lohen Nächtlicher Brände Graus, Und aus den Tiefen drohen Arme im Wasserbraus, Aus des Gewissens Schlünden Klagend die Stimme schreckt, Welche deiner Sünden Echo hat aufgeweckt- Siehe, dann trägt dich der Engel. Sicher darüber hin; Still magst mit dem Engel Du durch die Schluchten ziehn. Der Engel 9* I ngel Abraham 9* AUS DER HEIMAT Zogst du in die Fremde, Doch die Fremde ward nicht Heimat dir, Abram, Den das Reich der Sichtbarkeit verfemte, Weil er gegen seines Stromes Wellen schwamm. Sieh, der EINE, ZEBAOTH, JEHOVA, Gilt dir mehr als vieler Ahnengötter Zahl, Und dem Wort, das zu dir spricht Jehova, Traust du mit verbundnen Augen ohne Wahl. Nennt die Welt dein Harren immer seltsam Und verwirft selbst deine Mutter, Abraham, El Schaddai, und wirst du sterneneinsam, Wert bist du dem Unsichtbaren, Abraham! Brichst um Seinetwillen mit der Väter Heil'gen Göttern und Geboten, Abraham. Heilig ist nur El Schaddai, und jeder Dämon ist ein Götze für dich, Abraham. Und weil dich dein Gott, der Unsichtbare, Wählte aus zum Glaubensherold, Abraham, Schenkte Er dir aus dem Glauben wahre Ganzheit, machte dich zum Fürsten, Abraham. Fürst und Ahnherr aller, die da trauen Fest dem Sohne Abrahams am Kreuzesstamm, Ohne je mit ihrem Blick zu schauen Das verborgne Königstum wie Abraham. 131 Ahnherr des Geschlechtes der Gerechten, Arm und sündig in sich selbst, wie Abraham, Die zum Licht nicht aufzuschaun gedächten Und gerecht sind nur durch Gnade wundersam. Fürst und Ahnherr aller, die da treten Angesicht in Angesicht vor El Schaddai, Ohne priesterlichen Weihrauch beten Durch den Einen Mittler zu dem Einen frei. Fürst und Ahnherr derer, die da hoffen, ‘Wo der Erdensinn nichts mehr zu hoffen sieht, Die im Tode schaun den Himmel offen, In der Ferne singen noch der Heimat Lied. Fürst des Volkes, welches unzufrieden Mit dem Grund ist, drauf die alte Erde ruht. In der neuen Stadt finden sie Frieden, Die Gerechtigkeit erbaut auf Jesu Blut. Möchte meiner Kirche Glaube gleichen Deinem Glauben, Fürst und Ahnherr Abraham! Sichtbarkeit, wir wollen dir nicht weichen Folgen blindlings nur dem Einen, Abraham! Alles, was ich brauche, schenkst du mir ALLES, WAS ICH BRAUCHE, Schenkst Du mir, Da Du mich wie Jesum liebst, Ihn mir ganz zu eigen gibst. Welche Macht kann trennen mich von Dir? Aufgehört hab ich zu sorgen Für den andern Morgen. Jesus machte mich Dir angenehm; Wie der weißen Lilie Duft Lust und Sommerfreude ruft, Machte Jesus mich Dir angenehm, In der Rose Purpurkleide Deine Augenweide! Wo ist meine berggehäufte Schuld? Ausgelöscht in Jesu Blut. Alles, alles ist nun gut! In die Himmelswolke Deiner Huld Eingehüllt, ist mir beschieden Der Versöhnung Frieden. Noch bevor ich rufe, hast du schon Väterlich der Not gedacht Eilends alles wohlgemacht, Willst mit Eifer, als dem eignen Sohn, Nacht in Morgenlicht verwandeln Mich wie IHN behandeln. 133 134 Menschen, Mächte, eurer Tücke Plan, Damit ihr die Augen beizt, Hat die Allmacht längst durchkreuzt. Kommt nur her, was geht die Wut mich an? Ihr gedachtet's, bös zu machen, Mußtet's besser machen! Alles, was ich brauche, schenkst Du mir, Üppig deckst Du meinen Tisch, Füllst den Becher täglich frisch Angesichts des Feinds, ich jauchze Dir, Daß ich mag durch alles dringen Auf der Gnade Schwingen! Wir dürfen! WIR MÜSSEN GLAUBEN", 99 Höre ich im Klageton " Die Frommen seufzen,, was hilft's anders schon?" Ich glaube wohl, ihr seid nicht recht gescheit: Wir dürfen glauben! Glaubt es, liebe Leut! JUST WENN DIR BRICHT Die letzte Stütze, Auf die du dich verlassen hast, Die letzte Stütze Und wenn von des Gewitters Blitze Dir wird zerstört am Baum der stärkste Ast, Wenn du das letzte Stückchen Brot Holst aus der Lade, So sage dann gerade: Es ist kein Schade! Und halte daran fest, Daß Er dich nicht verläßt: Wenn Erdenmacht am tiefsten dunkelt, Dein Himmelsstern am hellsten funkelt! fen! On?" : Guter Rat WEINE NICHT VERLORNEM GLÜCK Eigenwillig nach. Blicke nicht zurück Auf die Stunde, da du schwach An der Erde lagst. Warte einen Augenblick, Ehe du verzagst! Neues Glück und neue Kraft Hält dir, der das Morgen schafft, Hält dein Vater dir bereit Zu Seiner Zeit! 135 136 WIE SOLL UNSRER REUE GLUT Sündenschande machen gut? Wisset, nur des Heilands Blut Dieses Wunder tut! ALLER BUSSE ERNST GESICHT Wendet unsren Kummer nicht. Buße ist der Wegbereiter Und kommt selbst nicht weiter. Reue Buße Gnade AM HÖCHSTEN Unsrer Kirche Zeugnis klingt: Die Gnade ist vollkommen unbedingt. Ja wie, nur wer die Sünde recht bereut, Nur dem der Vater recht verzeiht! Nun freilich! Doch ist ja gerade Die echte Reue ein Geschenk der Gnade! eue uße Sorget nicht! IHR SOLLTET EUCH NICHT Ängstlich sorgen Um unsres Himmelreichs Gestalt; Wie auf das Heute folgt das Morgen, Wächst es mit innerer Gewalt. Schaut dort den Sämann, wie den Samen Er in des Ackers Furchen streut! Er streut und sät in Gottes Namen Mit heiliger Sorglosigkeit. Er streut und sät und legt sich schlafen, Er schläft und träumt in dunkler Nacht; Wird ihn sein Herz darüber strafen, Daß er nicht besser drüber wacht? Ach nein, denn seit viel tausend Jahren Wächst ohne alles Menschenmühn Dies Korn von selbst auf wunderbaren Befehl des Schöpfergottes hin. Es wächst und trägt vielfältge Ähren, Bringt Frucht ohne der Menschen Tun, Drum hört des Grases stilles Lehren, Daß ihr in Gottes Macht mögt ruhn! 137 So sollt ihr euch nicht ängstlich sorgen Um Seines Himmelreichs Gestalt: Es wächst von selber heut und morgen, Und niemand fördert’s mit Gewalt. Und niemand darf das Wachsen hemmen Des Keims, auf Golgatha gesät, Mag sich der Feind dagegen stemmen: Das Samenkorn von selbst aufgeht, Geht auf und wächst, trägt viele Ähren, Bringt Frucht ohne der Menschen Tun, Und seine Ernte wird uns nähren, Ob Sämann auch und Schnitter ruhn. Es rauscht im Feld der Weizenähren: Geht, laßt die frommen Sorgen sein. Das Reich zu Gottes Ruhm und Ehren, Das Himmelreich, schafft ER allein! Du haft mich in den Dienst genommen ge —— An den Feldherrn DU HAST MICH In den Dienst genommen, Du gibst mir auch des Dienstes Sold; Nicht fürchte ich mich, umzukommen, Des Feldherrn ist Silber und Gold. Zog ich wohl meine eignen Pfade? Des Königs Fahne folgte ich! So lebe ich von Königsgnade Und bin versorgt gar königlich. Und was ich brauche, wirst Du geben, Und was Du gibst, das nehm' ich an. Und was Du weigerst meinem Leben, Da liegt auch mir nichts mehr daran. Was Du den andern gibst, das neide Mein Herz den andern nicht, o Herr! Wir kennen in des Königs Kleide Der Miẞgunst Strahlungen nicht mehr. Und stürmt und kracht es auch zu Zeiten, Und essen wir nur trocken Brot: . Dafür ist Krieg, und wir durchschreiten Bis zum Triumph des Kampfes Not. Genug, daß Du die Schlacht geschlagen Hast und gesiegt, o General. Nach andrem mag der Kleinmut fragen, Wir folgen Deinem Kreuzfanal! 141 Leite mich! LEITE MICH DURCH DAS GEWIRRE Meines Tages, Guter Hirt, Daß mein Fuß sich nicht verirre, Wann der Pfad uns dunkel wird. In der Stimmen krausen Chore, Drängend meine Sinne wild, Sprich vernehmlich meinem Ohre Deine Worte, leis und mild. In dem Chaos der Gedanken, Der Gefühle Vielerlei, Offenbare Deinem kranken Jünger, was das Rechte sei. Aus der Wünsche Labyrinthe Führe mich Dein Heilger Geist; Daß ich Gottes Wahrheit finde, Laß mich wünschen allermeist! In der. Farben Symphonien Laß mich Deine Schönheit sehn, Mit dem Strauß der Melodien Deiner Liebe Preis erhöhn. ch! 10. E Aus dem bunten Beet die Blüte, Eine einzge, pflücke mir; Diese eine mir behüte Lieblich, meines Gartens Zier! Wenn der Abendwind mir fächelt Grüße zu vom Sternenheer, Gib, daß mir aus Bethlem lächelt Dein Stern und sonst keiner mehr! 143 144 Heimweh HERR, WO ICH WOHNE, Weißt Du und weißt es auch: Fern Deinem Throne Schwelt der Verwesung Hauch. In der ruhmsüchtigen Prahler Zelten Darf Jesu Lobpreis und Lied nicht gelten. Mir ist so wehe Ob ihres Fluchens Fluch. Aus ihrer Nähe Dünstet des Aases Ruch. Lebendgen Leibes sind sie gestorben. Wehe! Wie ist ihre List verdorben! Knaben sind müde, Jünglinge fallen ab. Tief im Gemüte Gähnt der Langweile Grab. Doch sie begehren nach höchsten Dingen, Gott trotzend sie sich zum Himmel schwingen. Und er getraut sich, Siehe, der Erdenwurm, Und er erbaut sich Ragend des Hochmuts Turm, Daß die Erde den Himmel erstürme, Blöcke auf Blöcke den Aufruhr türme. 10 eh Ist’s Abend worden? Hat sich der Tag geneist, Daß allerorten Kühler der Nebel steigt? Funkelt der Abendstern über Fluren? 2 Blinken des kommenden Tages Spuren? O wie verlassen Wohne ich, Einsamkeit Liegt in den Gassen. Kein Lichtlein weit und breit! Stumm sind sie Lieder im stillen Saale Heilger Gemeinschaft beim Abendmahle. Laß neu erblühen Das Paradies so schön, Laß Liebe glühen In Tälern und auf Höhn, Daß aus dem Staube der alten Erden Kinder wie Tau dir geboren werden. Stürme hernieder, Christe, Du Brand des Herrn. Lodre uns wieder Strahlender Morgenstern! Laß uns, erhöre der Not Gebete, Wohnen im Lichte der Morgenröte! 10 Sterne 145 146 Sonnenblumen WO NOCH VOR TAGEN Öde die harten Erdschollen starrten, Stürmten im Wettlauf Äthergetragen, Sonnegezogen, Gütebewogen, Der Blume mächtige Leibesprächtige Säulen herauf. Hungernd nach Liebe, In ahnendem Triebe, Streckt sie verlangend An Schönheit hangend, Um Wärme bangend, Bittend um Segen Ihr Antlitz der Sonne entgegen. Sollen alleine Die Blumen am Raine Mit Sonne sich letzen? Müssen mit Fetzen Des Glücks uns begnügen, Späne schürfend, Mangel schlürfend Aus zerbrochenen Krügen, Wir Menschen allein? 10 en 10* Die wir gefangen In Eisenzangen Vor Schmerzen wimmern, Im Dunkel verkümmern, Uns Menschen allein Soll niemals schimmern Des vollen Tages Schein? Du Menschenblume, Dem Heiligtume Des Gärtners entsprossen, Von Licht umflossen, Mit Tau übergossen, Schau sonnenwärts! Öffne das Herz Der Geistersonne Zur Lebenswonne Außen und innen; Nimmer entrinnen Kannst du den Fluten, Den Feuergluten Der wirbelnden Millionen Von Elektronen! Sträube dich nicht, Allgegenwärtig Von Gnade umfangen, Liebegebärdig Das Heil zu empfangen! Zum Segnen fertig Umströmt dich das Licht! 147 Mit allen Poren, Des Leibes Toren, Augen und Ohren, Mit Herz und Gesicht Sauge den Schein Seines Golds in dich ein! Laß dich umschlingen,-- Gänzlich durchdringen Von jenen hellen Durchsichtigen Wellen Der Gotteskindschaft, Daß dir die Wunden In Eile gesunden, Daß deine Beulen, Die giftigen, heilen Vom Lebenssaft. Jehova zum Ruhme, Du Menschenblume, Nicht Schattenblume== l Sei Sonnenblume; In Himmelskraft!! Geburtstagsbitte DU BIST FEIND Den großen Worten! Daß ich Deinen Willen tue, Weil ich in der Gnade ruhe, Bist Du für mich Mensch geworden; Dies erheischt Dein unbedingter Herrscheranspruch von den Deinen, Gleich im Großen, gleich im Kleinen, Und Du willst statt wortbeschwingter Poesie in prunkbeladnen Reimen und ehrwürdgen Titeln, Daß ich weniger bekritteln Soll die ewigkeitberatenen Schlüsse Deiner souveränen, Überlegnen Weltregierung, Deines Geistes stille Führung, Der wir alle gern entrännen! Und statt Weihrauch Dir zu streuen Als des ewgen Vaters Sohne Auf der Majestäten Throne, Laß mich denken an den Treuen, Der sich ließ unbrauchbar schelten, Sich befaßte mit geringen, Unscheinbaren Dienstes Dingen, Als das Aschenbrödel gelten 149 150 Mußte, und den all die klugen Meister in die Ecke stellten, Den die übermutgeschwellten Führer an den Schandpfahl schlugen. Und ob Du gleich himmelbrausend Dich zur Herrschaft aufgeschwungen Aus des Elends Niederungen, Hast Jahrtausend um Jahrtausend Dein Volk mit Geduld getragen, Trägst auch Deiner Feinde Schmähen, Wie sie Deinen Plan verdrehen, Täglich neu ans Kreuz Dich schlagen! Du hast mein, des allerärmsten Deiner Jünger noch geachtet, Der nach eigner Lust getrachtet, Mein gesorgt am allerwärmsten, Mein gesorgt am allerwärmsten, Und ich sollte Dir bezahlen Mit der Worte hohlen Schalen Meine Schuld, des Allerärmsten? Hüte mich, Herr, dieserorten - Vor der Trägheit Traum und Trügen, Der Gefühle Schaum und Lügen; Mach mich feind den großen Worten! Herz, was pochst du drin so heftig? HERZ, WAS POCHST DU DRIN SO HEFTIG, Als ob gänzlich du verlassen wärst? JESUS CHRISTUS, mächtig, kräftig, Steht dir bei, ER, den du kindlich ehrst. Ist ER doch kein Fremder für dich, wahrlich, Nein, ER ist dein allernächster Freund! Mit IHM hat dich Gott so wunderbarlich In der Taufe Sakrament vereint! Und zu Einem Leibe, Einem Geiste Hat ER sich auf ewig dir gesellt, Daß ER dem, der ohne IHN verwaiste, Sei der stärkste Helfer in der Welt. Lasse fröhlich alle Hoffnung fahren Auf der Erdengrößen große Gunst! Hast du es nicht oft mit Leid erfahren: Viele Künste, aber wenig Kunst! Viele Helfer, aber wenig Hilfe, Weh, wer Freundschaft hält für seinen Arm! Ach, das schwache Rohr aus schwankem Schilfe Fährt ihm durch die Hand, daß Gott erbarm! Blindlings halte dich an IHN, den Einen Nur Ein Helfer, doch der Hilfe viel, Hilft durch alles Lachen, alles Weinen Dir mit Macht hindurch ans hohe Ziel. - 151 152 An die Moralischen WAS IHR NUR IMMER WOLLT Mit eurem Besserwerden? Was, besser werden! Gut sein - sollt Ihr hier auf Erden; Ist das nicht besser Als besser werden? Ihr wißt: Ein fauler Baum Trägt auch nur faulen Samen. Aus gutem Samen Wächst guter Baum! In Jesu Namen Ist uns eingestreut Der neue Samen! Von Disteln könnt ihr nicht Im Herbste Trauben lesen. Ein neues Wesen Muß im Gericht In euch genesen: Pflanzt Jesu Reben Zum Traubenlesen! en Die Katze vor dem Spiegel EINST MACHTE ICH MIT MEINER KATZE Einen närrischen Versuch: Hielt ihr einen Spiegel vor, Daß sie sich mit Aug' und Ohr Unterwerfe seinem Spruch, Sich erkenne selbst als richt'ge Katze. Denkt ihr, sie war zu bewegen, Ihr getreues Ebenbild, Sich, dem Spiegel zu vertraun Und ihr Konterfei zu schaun? Nein, sie wehrte sich wie wild. Keine Künste konnten sie bewegen Zu dem Blick der Selbsterkenntnis, Sah hinab und sah hinauf, Sah nach rechts und sah nach links, Bis ich müde war des Dings Und dem Tiere gab den Lauf, Das verzichtete auf Selbsterkenntnis. Denkt ihr, wir sind zu bewegen, Auch nur einen Augenblick Vor der Wahrheit stillzustehen, Unser nüchtern Bild zu sehen, Daß sich wende das Geschick? NUR DER GEIST KANN UNS DAZU BEWEGEN! 155 154 Die Hauptsache oder das Ordnungsprinzip EINEM ORDNUNGSDÄMON Hab ich mich verschrieben, Bin ihm auch zeitlebens treu geblieben Und bekenne ihn den Ordnungs- Advokaten frei: Daß die Hauptsache - Hauptsache sei: Erst die Hauptsache, danach die Nebensachen, Erst das erste, dann das zweite machen, Ist der Ordnung herrisches Prinzip; Wer es hält, der ist der Ordnung lieb. Nach der Ordnung Ordnung ist er ordentlich, Auch wenn er ein Feind der Taschenuhren, Doch der andere lebt unordentlich, Selbst mit den verzwicktesten Registraturen, Mögt ihr nun, papierner Ordnung Wächter, Anheben ein ordentlich Gelächter, Mich soll es beileib nicht rühren: Es klingt wahrlich sehr papieren. Doch ist dies die Doktorfrage, Daß ich es ins Ohr dir sage: Welches sei die Sache aller Sachen, Die ich muß zuerst von allen machen, Weil die andern alle Nebensachen? Daß ich Gottes Willen wisse und allein, Was ER will, mache - DAS IST DIE HAUPTSACHE! nзíp ei: WAS STUDIERST DU Deine Kurve ängstlich, Hängst an dem papiernen Schild Einem Kranken Wie an einem Fetisch und verfängst dich Ganz in deiner Krankheit Bild? Wende von den Zickzackstrichen Deinen Blick auf Jesu Kraft, Eines Tags wird dann gewichen Sein, was dir dein Leiden schafft. Den sparsamen Christen GAB DENN UNSER HERR JE EIN GEBOT: Ihr sollt sparsam sein, Sonst leidet ihr einst Not? Wohl aber sagt ER aller Enden: Ihr dürft euch in Liebe ganz verschwenden! Das merkt euch fein! Den Chriftlich Liberalen DASS IHR EUCH BESCHEIDEN Mit der Schale wollt begnügen Sollen wir das rügen? Doch wünschten wir euch gern, Daß ihr vordringt zum süßen Kern! 155 tr find Bettler” ‚(£uther auf dem Sterbebette) \ I | “WIR SIND ALLE BETTLER! Nach dem Stückchen Brot Strecken wir die Hände Vom ersten Schreie bis zum Tod. . Leer sind unsre Herzen, Unsre Beutel leer; Ferne unsrer Heimat} Schleicht der Fuß des Wegs daher. Unser Rock zerschlissen, Unser Blick getrübt, Unsre Wunden offen, Der Sinn des Forderns wohlgeübt. Mit den Hunden teilen Wir das letzte Glück; Doch den Menschen geben Wir ihre Wohltat nie zurück.! Unser Leib gemagert,\ Zögernd unser Gang,| Müde unsre Lippen Der Bitten und des Geilens Zwang. Schielen nach dem Bissen, Ob er nicht zuviel Unserm Bettler-Bruder Vom Tische der Besitzer fiel. Cer" tte) Wühlen in Vergangnem Nach verlornem Gut, Ängsten uns der Zukunft, Geknickt ist uns des Hoffens Mut. Stellen unsre Armut Gern zum Mitleid aus, Halten große Stücke Als Spieler auf der Welt Applaus. Kaiser, Bürger, Bauern Gleichen sich aufs Haar: Wir sind alle Bettler, Wir armen Sünder das ist wahr! - 157 158 Der Zweifler ICH HÖRTE IN JUGENDTAGEN Ein Lied von heilgem Krieg, Der, wie in alten Sagen, Gekrönt war von des Helden Sieg. Ich freute mich selbst des Sieges, Des großen Siegers auch, Und spürte gar des Krieges, Des heilig- ernsten, einen Hauch. Da kam die düstere Stunde, Da ich mich ganz verlor, Und, von der Freunde Runde Verführt, zur Feindesfahne schwor. Und seither muß ich verzagen An dieser Botschaft Sang Mir klingt's wie alter Sagen Efeuumrankter Überschwang. et k .. & en 11 Sterne Das hab ich zu verlieren WAS HAB ICH ZU VERLIEREN In diesem Räubernest, In das, gleich wilden Tieren, Die Häscher mich gepreẞt? Sie haben mir gestohlen Mein Haus, mein Geld und Gut, Sie rissen unverhohlen Mir weg mein Fleisch und Blut. Mein Weib hat mich verlassen, Die Freunde sind geflohn, Und in der Heimat Gassen Verlachte mich der Hohn. Aus jenen frohen Zeiten, Da noch mein Herz war jung, Will nichts mehr mich begleiten Als die Erinnerung. Talar der Vagabunden Umschlottert meinen Leib, Den Blicken der Gesunden Zu Spiel und Zeitvertreib. Ich zähle meine Rippen, Die Wangen sind so bleich, Vertrocknet meine Lippen, Die einstens voll und weich. 161 Das Tor ist mir verschlossen, Das in die Zukunft führt. Kein Blümlein will mir sprossen, Der Lenzesluft nicht spürt. Der Pläne Überschäumen| Ist in ihr Bett gebannt,| Nur in der Seele Träumen| Schau ich ein beßres Land. Die Kraft ist mir gebrochen, Die Hoffnung längst dahin, Das Wort, das ich gesprochen, Von Hassern überschrien. Die Ehre mir geschändet, Zertreten ist mein Recht, Und wer mein Leben endet, Der heißt ein guter Knecht. Die mir in meinem Kerker Genossen sollten sein, Erhöhen nur noch ärger Des Ausgestoßnen Pein. Dieweil ihr wißt, wie wehrlos Der Räuber Opfer sind, So plündert auch ihr ehrlos Den Hiob, krank und blind. 11* Umklammre ich in Ängsten Des Schiffsbruchs euer Boot Zur Rettung aus der bängsten Gefahr in Todesnot, So schlagt ihr eurem Bruder Zurück die matte Hand Und stoßt ihn mit dem Ruder Ins Meer vom Nachenrand. Sie streun in meine Wunden Des Vorwurfs scharfes Salz, Sie haben mir gebunden Verachtung um den Hals. Es hört mein kläglich Heulen Die stille Mitternacht, Die irren Blicke eilen Zu dem, der oben wacht. Ihn suchten meine blinden Augen im Morgengraun, Er hat sich lassen finden Und in Sein Wort mich schaun. Das hab ich zu verlieren In diesem Räubernest. O laẞ Dein Herz mich spüren, Halt meinen Glauben fest! 163 164 Einmal! EINMAL WIRD ES SICH ERFÜLLEN, Alles, alles, was wir je ersehnt, Einmal wirst du unser Dürsten stillen, Gottesbrunn, dann fallen diese Hüllen Von den Augen, drin das Heimweh tränt! Einmal werden unsre Träume Übergehn in sel'ge Wirklichkeit: Sie, der Märchen farbensatte Räume Und der Wolkenburgen lichte Heime, Und der Dichterwünsche Leichtigkeit; Und des Lenzes lichte Fahnen, Und des Sommers heißes Lustgeschrei, Und des Herbstgolds wehmutsschweres Mahnen, Und des Zwielichts winterliches Ahnen, Daß der wahre Frühling nahe sei! Einmal wird die Stunde schlagen, Da die Tür fällt hinter uns ins Schloß; Da wir werden in der Freiheit Land getragen, Da geschlagen wird, der uns geschlagen Und der Mitgefangnen Blut vergoẞ. Einmal sollen satt sie werden, Die gehungert nach Gerechtigkeit: In dem hohen Christusreich auf Erden, Los von der Vergänglichkeit Beschwerden, Und von des Mißverstehens Netz befreit. al! n, Einmal sind wir frei von Schleiern, Drin der Brüder Seele sich verhüllt; Wenn wir ewig Wiedersehen feiern Und in JESUS unsern Bund erneuern, Ist der Liebe Sehnsucht ganz gestillt. Einmal werden wieder wohnen Friedlich beieinander Wolf und Lamm; Sind verjagt des dumpfen Wahns Dämonen Aus der Kreaturen stummen Zonen, Eingepfropft dem Auferstehungsstamm. Einmal kommt die große Wende, Wann ER selber wiederkommen wird Zu der Weltendämmerung Advente; Einmal hat der Kirche Leid ein Ende- Sehet: eine Herde und ein Hirt! 165 Der andere EiNER IST SO HILFLOS WIE DER ANDERE, Denn ich bin der gleiche arme Tropf wie du, Doch solange ich mit Menschen wandere, Weiß ich mich beansprucht immerzu. Einer sieht im andern den gesunderen, Richtet auf ihn seiner kranken Hoffnung Blick, Wir beneiden ob der scheinbar bunteren Uniform des andern Feldherrnglück. Und der vierte hängt sich an den schwereren Dritten, dieser an des zweiten schöne Kluft. Leider ist der erste bar der mehreren Vordermänner und greift in die Luft. Und so schweben wir denn immer eigentlich Alle miteinander in der freien Luft. Das kommt daher, daß versehentlich Jeder nach dem Vordermanne ruft. Darum halte dich nicht an der bunteren Uniform als an der letzten Hoffnung fest, Sondern siehe du nach dem gesunderen Haltepunkt und denke dir den Rest! 166 ber. Abbitte "ACH, WIE WENIG KÖNNEN Wir einander helfen In der Winternacht bei Schnee und Wind, Da wir allesamt geraten sind 13 In das fletschende Gespenstermaul von Wölfen! In mein Ohr dringen erschütternd deine Schreie, Und ich schau dein schmerzverzerrt Gesicht— Wie sich bäumt unter der Not. Gewicht Deine Seele, spähend nach dem Weg ins Freie. Ja, ich fühle mit dein mähliches Ermatten, Langsam lösen deine Glieder sich, Denn die Kräfte lassen sie im Stich, Und es senkt sich über dich des Todes Schatten! O, daß ich dir eilends Hilfe könnte bringen! Aber sieh die strickgebundne Hand, Sieh das Herz, selbst an des Grabes Rand, Meinen Fuß, um den sich hemmend Fesseln schlingen! O DU GOTT der Ausgestoßenen und Armen, Denen deine Hilfe du versprachst, Welche du mit Eifersucht bewachst, Zeige uns um JESU willen dein Erba’men! 167 Aa: DER GANZEN ERDE Ist es Sonntag heut In der Lichtgebärde Cristverklärter Zeit. Auf der ganzen Erde Lockt der Glocken Klang Seine kleine Herde Zu WORT und Gesang. Auf der ganzen Erde Beten sie IHN an, Dessen Allmacht— Werde! Brach dem Kreuze Bahn. Auf der ganzen Erde Quillt im Abendmahl Noch der blutverklärte‘ Trank aus Jesu Gral. Auf der ganzen Erde Hindert uns allein Der Bedrücker Gerte, Unter euch zu sein. Von der ganzen Erde Zittert auf der Schrei: Reiter auf dem Pferde, KYRIE, MACH UNS FREI! Sonntag im Lager Bin ich bereit? ger BIN ICH BEREIT? O Herz, bist du bereit, Für Jesum Christ zu leiden? Hoch wogt im Streit Die Woge der Erschütterung, Der Feind kämpft mit Erbitterung! Des Ichs Empfindlichkeiten Zu schonen ist nicht Zeit. Ich bin bereit. Bin ich bereit? Hände, seid ihr bereit, Die Fesseln zu empfangen Für die Gerechtigkeit? Leb wohl, des Vaterhauses Glück, Mein Weib und Kind laß ich zurück Mit tränennassen Wangen. Willkommen, Einsamkeit! Ich bin bereit. Bin ich bereit? Rücken, bist du bereit Die Schläge auszuhalten, Die mir bald ungescheut Zumißt der Geißel harte Faust, Wenn sie mit Wucht herniedersaust, Den Leib mir aufzuspalten Für Gottes neue Zeit? Ich bin bereit. 169 170 Bin ich bereit? Seele, bist du bereit, Dem Rechte zu entsagen, Der Willkür Zwang geweiht? Und stößt mich meine Heimat aus, So wird mir Raum in Gottes Haus Durch Jesus angetragen; Dahin ist es nicht weit. Ich bin bereit. Bin ich bereit? O Stolz, bist du bereit, Die Ehre dranzugeben, der Ahnen Kostbarkeit? Und jaget ihr mich ohne Grund Durch den Kamin wie einen Hund, Was ist mir Schimpf und Leben, Was die Verlassenheit? Ich bin bereit. Bin ich bereit? Jawohl, ich bin bereit Für Jesum auch zu sterben. Er gibt mir das Geleit. Mit Jesu hänge ich am Kreuz, Ach lange schon, und Gott gebeut’s. Mit Jesu will ich erben Des Reiches Herrlichkeit. Ich bin bereit. Ich sage Nein! rkeit? ES SOLL IHNEN NICHT GELINGEN, Nicht gelingen soll es, nein, Auf die Knie mich zu zwingen, Eher soll die Brust mir springen, Sollen sie zur Scheol*) bringen Meines Leibes dürr Gebein Ich sage: Nein! - Ob sie mich von allem trennen, Von der Liebsten Gegenwart, Ob sie mir die Luft nicht gönnen, Eher mag das Wasser brennen, Und der Bach zur Höhe rennen. Ich bleibe hart! Laẞt mich eure Lüste büßen, Meinen Feinden gebt mich hin, Und mein Recht tretet mit Füßen, Daß mich Menschen nimmer grüßen. Keine Träne soll mir fließen. Mir ist's Gewinn! Macht die Freizeit mir zum Quälen, Die Erholung recht zur Pein, Zwingt mich, unter toter Seelen Särgen meinen Platz zu wählen, Nötigt mich in Narrenhöhlen. Ich bleibe Sein! *) Unterwelt 171 172 ‚Denkt ihr, mich einzuschüchtern Durch das übermächtge Drohn, Nun, so wißt, den Flatterlichtern, Euren ungerechten Richtern . Mit der Heuchelei Gesichtern Spreche ich Hohn! Hüllt ihr mich gleich Vagabunden In des Karnevals Gewand, Schäme ich mich nicht der bunten Lappen, die sie umgewunden Einem Hunde unter Hunden— Ich halte stand! Meinen Sonntag mögt ihr schänden, Gönnt mir keines Christen Fest, Reißt die Schrift mir aus den Händen Und verhindert den Elenden, Sich zu Gottes Haus zu wenden— Ich bleibe fest! Folgt ihr den Inspirationen Eures offenbaren Gotts; Daß ihr mein nicht dürftet schonen, Mag er fürstlich es euch lohnen Mit der Erdenherrschaft Thronen— Ich biete Trotz! Eurem Ködern, eurem Meucheln Gebe ich nicht töricht nach. Sucht ihr doch mit eurem Schmeicheln, Mit der Schlange listgem Heucheln Eure Opfer einzuspeicheln- Ich bleibe wach! Und wenn ihr mich boykottieret, Deutet mit dem Finger lang Nach mir, heimlich konspirieret, Freunde gegen mich aufrühret, Mit Verleumdung mich beschmieret. Mir ist nicht bang! Mögen auch in Tag und Jahren Meine Haare bleichen sich - Ewig soll mein Herz bewahren, Den ich stündlich hab erfahren: Ihn, den Einen, Treuen, Wahren, Bezeuge ich. Es wird ihnen nicht gelingen! Jesus Christus macht mich frei, Durch der Gegner listge Schlingen Festen Fußes durchzudringen Und zur Freiheit mich zu schwingen. Herr, mach mich treu! 173 Das Ich und das Du ACH, WAS KÖNNEN WIR EINANDER GEBEN? Menschenbruder, siehst mich flehend an, Und dein Blick, er hat mir's wahrlich angetan, Dringt herüber; dringt aus deinem Leben, Wie von Stromes Ufer jenseits schnellt ein Kahn. Sieh, er schneidet tief mir in die Seele, Bringt mir Nachricht von dem andern Du, Sagt mir, daß es wie ich selber ohne Ruh Sich in Kerkereinsamkeit zerquäle, Suchend nach der Freiheit in des andern Du. Und ich lese, daß du Hunger leidest Und des heißen Lebenskampfes Not Um des Leibes und der Seele armes Brot Vor das Auge deines Bruders breitest, Ob ihn rühre der Barmherzigkeit Gebot. Ach, was können wir einander geben, Siehst so seltsam und so fremd mich an! Was ich konnte, habe ich getan: Gab das halbe Brot, das halbe Leben Dir, o sag, ob ich dir nicht genug getan? Muß das Auge vor dir niederschlagen, Sehe dich durch Schleier wie von fern, Doch ich höre leis die Stimme unsres Herrn: ,, Sollst dein ganzes Leben für ihn wagen!" Ach, wie ist das Ich dem Du so weltenfern! 174 Du EN? Am Sterbebett eines jungen Gefangenen LEISE, LEISE! GEHT VERSTOHLEN Auf den Sohlen, Haltet euren Atem an! Seht ihn in den letzten Zügen, Seht ihn liegen, Bald befreit vom Erdenwahn! Stille, stille! Hört ihn stöhnen, Seufzer dröhnen, Ach, so dumpf aus seiner Brust! Seht, das junge, liebe Leben Läßt mit Beben Seiner fernen Heimat Lust. Ach, ist denn hienieden keiner, Auch nicht einer, Der ihm treu zur Seite tritt? Muß er ganz und gar verlassen, Still verblassen Ach, geht auch nicht einer mit? Vater, Mutter, Schwestern, Brüder, All die Hüter Seines kurzen Erdenglücks; Ach die lieben, die Gespielen Hier, die vielen, Würdigen ihn keines Blicks? O daß sie zur Stelle wären! Ach die leeren Augen starren schreckerfüllt. 175 176 Flehen: Kommt, ihr Nachtgestalten, Hände falten Für den Knaben, grau'numhüllt. Heilig, heilig ist die Stätte! Wer doch hätte Augen, dieses Dunkel hier Hohen Blickes zu durchschauen Und das Grauen Zu vertreiben für und für! Stille, Brüder, müßt ihr werden Hier auf Erden, Sehet, wie sein Auge bricht! Sind doch eure Wichtigkeiten Nichtigkeiten - Ihn umflutet lauter Licht! Lauter Licht aus Jesu Lande, Und die Bande Ist er nun auf einmal los; Und die Kerkertür steht offen: Todgetroffen Sinkt er in der Freiheit Schoß. Heilig, heilig ist die Stätte! Und ich hätte Gern mein Leben nachgeschickt. Er ist nun der Haft entlassen, Kann nicht fassen, Was sein neuer Sinn erblickt. 12 12 Sterne Das sterbende Vöglein FREMDES VÖGLEIN DU, Was fehlt dir, Hockst so müde da und matt? Ach, das Herze tut so weh mir, Seh ich zwischen Zweig und Blatt Dich die kleinen Flügel hängen; Blickst mich todestraurig an, Und ich fühl's, wie gern sich schwängen Deine Flügel wolkenan! Gelt, du leidest bittre Schmerzen, Kannst sie mir nur klagen nicht, Doch tief in der Menschen Herzen Eine Stimme für dich spricht. Und ich ahne, was du leidest, Und ich spüre mit dein Leid, Und es ist, als ob du weitest Meine Brust zur Ewigkeit. Und mir ist, der lichte Schimmer Unsres Tages sei umflort, Als vergäße ich es nimmer, Was die Seele dir durchbohrt. Siehe, es sind meine Brüder, Die dir solche Not geschafft, Denn verstummt sind deine Lieder Erst in der Gefangenschaft. 177 178 In des Lenzes lieben Liedern, Fern in treuer Eltern Nest, Schmettertest du mit den Brüdern Um die Wette, kehlefest. Bis sie dich hinweggerissen, Roh, mit arger Feindeslist, Wie die Katze ihren Bissen Mit der Räuber Wollust frißt. Und mir ist, als fiel ein Schatten Auf des Vaters Schöpfung hin, Und als dürften auf den Matten Nie mehr bunte Blumen blühn. Fremdes Vöglein, das den Wölfen, Flügge kaum, zur Beute fiel, Und ich kann dir nimmer helfen, Das ist meines Leids zuviel. 12* Was wir liebten, geht in Flammen auf WAS WIR LIEBTEN, Geht in Flammen auf, Dran wir unser Herz gebunden hatten. Ach, vergehen wird's, ein leichter Schatten In des kurzen Erdentages Lauf. Die uns teuer, unser ganzes Glück, Sehen wir vor unsern Augen schwinden. Wie ein süßer Traum liegt sie dahinten, Schönheit, die einst labte unsern Blick. Ärmer werden wir von Tag zu Tag, Eins ums andre wird uns ausgezogen. All das Glitzern, hat es denn getrogen, All das Funkeln und das Leuchten, sag? Runen graben sich in Wang und Stirn. Wie Gespenster, die ins Fleisch sich krallten. Gestern jung, sind heute wir die Alten, Spielern gleich, die nächtlich nur verliern. Eh' wir's merken, ist das Spiel vorbei, Ist der volle Becher leergetrunken; Die Erinnrung selbst im Meer versunken: Hat uns wirklich einst geblüht der Mai? Nur das eine will nicht werden alt: Unsre Schuld, die mit uns kommt geschlichen Jugendfrisch, da sie noch nicht beglichen. Ist denn keiner, der sie für uns zahlt? 179 Die Gladiolen‘ “ JENSEITS DES GITTERS,| Seht, ganz von ungefähr, Wie der Gladiolen Beet, Ein rotes Flammenmeer,\ In lichten Flammen lodernd steht! Gestern verbargen| Noch ihre Herrlichkeit Die grünen, kargen Wächter vor der Nachbarn Neid. ‘ Nach des Gewitters| Weckenden Küssen Haben, die selig in Tiefen Des Mutterschoßes schliefen, Liebegepreßt, Haben zum Fest Aufwachen müssen. iolen Einsame Menschen ( An Willi Rößler) DIOGENES, MIT DER LATERNE, Suchte Menschen einst am hellen Tag Mit des Herzens frohbewegtem Schlag Ob er einen kennen lerne? Nicht ist sicher, ob ihm glückte Seiner Neubegier Entdeckungsfahrt, Oder ob er noch bis heute harrt Mit der Ampel, der Verrückte? Glücklich bin ich aber, Leute, Daß ich unter lauter Narren fand Einen Weisen mit vollem Verstand, Der noch nicht des Wahnsinns Beute. Unter manchen tauben Nüssen Steckte eine mit dem süẞ'sten Kern, Und ich dankte meinem lieben Herrn, Sonst hätt' ich - verhungern müssen. Unter vielen harten Steinen Schlug ein Herz, von Menschenmitleid weich. Die Entdeckung machte mich so reich, Mußte still vor Freude weinen! 181 182 Einem Befreier zur Befreiung ( An Pfarrer Heinrich Grüber) ACH, WIR HABEN VIEL VERLOREN, Da du weggegangen bist, Und wir blieben hinter Toren, Wo kein Licht der Hoffnung ist. Und es ist uns tief im Herzen, Ach, so öde und so leer! Wer trägt mit uns unsre Schmerzen, Wer trägt unsre Lasten, wer? Unter Tausenden ist einer, Einer doch gewesen treu, Einer doch, ein Wackrer, Reiner, Dessen Liebe immer neu Sich den Armen zugewendet, Selbst ein Armer, vielgeplagt; Selbst erniedrigt und geschändet, Hast du es mit Gott gewagt. Hast's gewagt mit seiner Liebe, Weich zu bleiben in der Not, Und in der Tyrannen Siebe Teiltest du mit uns dein Brot. EN, ZI Fühltest mit uns unsre Sorgen, So wie Er es dir gebot, Doch an manchem grauen Morgen Fandst du deine Freunde— tot. Den Gedrückten in den Ecken Gabst das Beste du, das Wort Jesu Christi, aufzuwecken Glaubensfunken an dem Ort, Wo der Glaube schien entschwunden, Und kein Licht der Hoffnung ist, Wo der Starken und Gesunden Rachen alle Schwachen frißt. O wir gönnen dir die Freiheit, Der du viele frei gemacht, Des erlösten Morgens Neuheit . Nach der kettenschweren Nacht. Doch wir haben viel verloren, Da du weggegangen bist, Und wir bleiben hinter Toren, Wo kein Licht der Hoffnung ist. Die Kirche im 83 Das Weltkind: IsT DIES DIE KIRCHE GOTTES HIE, Fünf Brüderlein im ganzen? In ihrer Himmelsharmonie Höre ich Dissonanzen. Ich halte mir die Ohren zu: Laßt mich in Ruh! Laßt mich in Ruh! Mit eurem Jesushaufen Ist es zum Davonlaufen. Der erste hat’nen Appetit Für zwanzig starke Männer, Der zweite, der hält niemals Schritt Und ist ein alter Penner; Der dritte, auch kein Kirchenlicht, Hält überspannte Reden; Du tätest besser, guter Wicht, Für dich allein zu beten. Den vierten zwar, den kenn’ ich nicht, Doch wenn ich ihn nur sehe, Wie er mit beiden Händen spricht, So wird mir wind und wehe. Der fünfte geht gerade an, Ich mein’, er ist passabel, Er macht sich nicht an andre ran Und hält auch sonst den Schnabel. ! im K3 HIE, t, Was endlich ihren Herrn Pastor Betrifft, so will ich wetten: Er hat es faustdick hinterm Ohr Und schielt nur nach den fetten Paketen seiner frommen Schar Und schöpft den Rahm herunter, Und besser ist er nicht ein Haar, Es wäre sonst ein Wunder. Der Christ: O Kritikus, das Konterfei, Das du vom Kirchenhaufen Entworfen, ist ein wenig frei, Und' s wär zum Davonlaufen, Wenn es die ganze Wahrheit wär', Die halbe ist es freilich, Und diese Hälfte ist, bei Ehr, Nicht heilig, sondern greulich. Denn du hast recht: Die Christen sind Wie andre Menschenkinder, In ihren frommen Adern rinnt Das Blut der armen Sünder. Und wahre Christen kannst du nicht Mit deinen Augen sehen, Wie unser Doktor Luther spricht: ,, Niemand kann es verstehen 185 186 Selbst wenn du tausend Brillen dir Gesetzt auf deine Nase, Siehst Christen du nie dort und hier, Es fasse, wer es fasse!“ Des Christen Heiligkeit besteht Allein im Christushaupte. An seinem Antlitz aber seht Ihr nichts, als daß er glaubte. Laßt darum Christen Christen sein, Heil’ge mehr oder minder, Und traut auf Christum ganz allein, Der Kirche Herrn und Gründer. In IHM die Kirche herrlich ist, Heilig und gar vollkommen. Das ist die ganze Wahrheit, Christ, Wie sie von Gott gekommen. Drum ist dies Gottes Kirche hier, Der Fünfe armer Haufe, Die Menschen mögen sein wie wir: Doch ist bei ihnen Taufe Und Abendmahl und Bibelwort Und Christ, der Unsichtbare; Und dies nur macht an jedem Ort Die Kirche aus, die wahre. Sonntag HEUTE GEDENKEN Auf dem Rund der Erde Sie, Seiner Kirche kleine Lämmerherde, Heute gedenken sie der armen Glieder In Treue wieder. Wenn sie in Stille vor den Vater treten Und mit den Engeln Seine Macht anbeten, Ist JESUS CHRISTUS Haupt in ihrer Mitte, Hört ihre Bitte. Und ihrer Herzen liebende Gedanken Sorgen sich um die Leidenden und Kranken, Die draußen duldend mit am Kreuze hangen Und sind gefangen. Des Segens Fülle fließt in breiten Strömen Auf Schwache, die sie in die Mitte nehmen, Um die sie, Brüder, ihre Arme schlingen, Vor JESUS bringen. Seht, über alle ragt des Kreuzes Zeichen, Über die Sünder und an Gnade Reichen; Und wir Einsamen stehn nicht mehr verlassen In Lagergassen: Die wir zu Einem Kreuzesleib gehören Und auf des Einen Feldherrn Wunden schwören; Ja, uns durchflutet auch der Geist, der Eine Seiner Gemeine. 187 188 Die ihr euch lasset unser Elend rühren, Brüder, wir dürfen helle Strahlen spüren Priestergedenkens, der Erhörung Wellen, Nacht zu erhellen. Dank sei dem König, der euch willig machte, Daß euer Flehn verlaẞner Not gedachte! Wie sollten wir der Schwermut Alp erliegen? Niemals! Wir siegen! 1? Haus im Unglück Und setzte Strich an Strich, Das Bild ist mir verdorben, Es ist mein eigen Ich. Ich schwebte in blauen Lüften, Ein Adler, stark und schön, Nun liege ich am Boden, Gestürzt aus sel’gen Höhn. Ich habe ein Meer getrunken, Mein Durst ist nicht gestillt, Das Weltall mag nicht fassen Der Seele Drängen wild! Ich zog, ein Reich zu erobern Hinaus und führte Krieg, Den Krieg habe ich verloren, Was brachte mich um den Sieg? \ ‘Ich habe Schlachten geschlagen, Gewonnen ganz und gar, Die eine gab ich verloren, Die gar entscheidend war. Ich spürte die große Liebe Zu einem Mädchen fein, Ein andrer tat sie freien, Und ich, ich blieb allein. “ICH HABE EIN BILD GEZEICHNET 189 Ich schaute zur Abendstunde Ein Antlitz, zauberschön, Niemals habe ich wieder Diese Augen gesehn. Ich habe ein Los gewonnen, Ein ganzes Faß voll Geld; Das Geld, das ist zerronnen, Ade, du böse Welt! Ich rang nach Lorbeerkränzen Und bebte feig zurück, Wollte mein Herz nicht opfern, Verscherzte mir mein Glück. Ich habe ein Lied gesungen, Das klang so traurig-mild; Die Saiten sind gesprungen, So wie ein Seufzer schrillt. Dämmerung "ZAG REIBT DER MORGEN Das letzte Dunkel Der Nacht sich aus den Augen. Auf dem Altare Der Ackerschollen’ Lodert das Feuer Des Aus roter Lilien Früherschlossenem Kelch. Gähnend blinzeln Die gelben Lampen In hohen Schalen Gelangweilt in das Lager, Müde des Wächteramts. Auf niederem Turm harrt In seinem gläsernen Durchsichtigen Sarge Verdrossen ein Posten Der Ablösung, Indes mit harter Krieger-Gebärde Der Arm des Gewehrlaufs Den Atem der Tausende Eisern in Schach hält. Kräftige Lüfte Hauchen den Schläfern Den Traum der Befreiung Zu den geöffneten Fenstern der Blöcke hinein. 191 192 Da reißt sie das Brummen Des schnarrenden Bären, Das erste Kommando, Aus der Traumbilder Seligen Täuschung Jählings empor. Ach, viel zu frühe Hat er geendet Der müden Gliedern Mitleidigen Schlaf. Und ach, wie endlos Liegt unsres Tages Mühsal und Frondienst Wiederum vor uns. Ist es der letzte? Endlich der letzte? Gott geb's in Gnaden! Niemand kann's geben Als ER den Gefangenen allein. 13 Seuerlilien HocH IM BLAUEN AZUR Schäumt die runde Schale Über von dem Feuerwein; Die Pokale Der Planeten schlürfen schmachtend ein, ‘Was sie immer fassen mögen Von dem Überschwang der Energien, Übersprühend ihretwegen, Daß erstrahle In des Friedensbogen Symphonien Himmelssegen. Sieh, der Erde Blumen heben ihre Kelche Hin der reichen Wirtin, welche Üppig ihren Lebenstrank kredenzt, Und schon glänzt Beim Bankett der farbenfrohen Sonnenkinder hinterm Zaun, Daß sie wie die Kriegesfackeln lohen, Der Rubin der armen Schächer| In der Feuerlilien Becher. ... Der Gefangnen schmale, Sehnsuchtsmüde Augen schaun Dem Feste Zu, Zaungäste Sie beim Henkersmahle. 13 Sterne 195 194 Die Löwenmauler LÖWENMÄULER, Sagt, woher ihr eure Farben Nehmet, die mein Auge so ergötzen, Sie mit holdem Scheine letzen, Diese roten Feuergarben, Löwenmäuler! Ist doch schwarz die Mutter Erde, Deren Schoße langsam ihr entsprossen; Und der Regen, den gegossen Über euch die Wolkenherde Ohne Farben Ist er, ohne Scheinen. Doch aus eurem Kelch, dem kühlegrünen, Leuchten auf die brennend- kühnen Lautern Flammen, diese reinen Funkengarben. Purpurn, wie das Blut die einen,- Sind's die Tropfen, die den Boden tränkten, Von den Schächern, die sie henkten? Müßt ihr blutge Tränen weinen, Weil sie starben? 13 mauler Jene andern in dem Gelb des Schwefels, Hell und satt wie Lichteszungen, Schreien gleich vom Blick ins Herz gedrungen, Sind sie Zeichen dunklen Frevels, Ewge Narben? Und dazwischen die Signale Jüngsten Tages, in der Mitte flammend, Aus des Rächers Augen stammend, Lohend in der Zornesschale Wie Fanale! Löwenmäuler! Gluten der Rubinen malend, Wollt von Gotteskerzen künden, Die in kalten Menschenherzen zünden, In euch Blumen widerstrahlend, Löwenmäuler! 1, 13* 195 196 Mond am Morgen DURCHSICHTIG Hängst du da oben, Hast uns gar treulich bewacht, Gabst auf die Schlummernden acht, Da sie in Träume verwoben, Friedliche Ampel der Nacht! - Lösche der schläfrigen Augen Langsam ermattendes Licht! Siehe, das Morgenrot bricht Mächtig hervor, es umhauchen Schleier des Traums dein Gesicht. Träume, der Dichter Geselle, Schmerzlos und schweregelöst, Bis du uns wieder erstehst Nächtlicher Schauungen Quelle, Die uns Gefangne erlöst. Morgen Mondsichel am Vormittag SCHWIMMST IM BLAUEN OZEAN Auf der Strahlen Meere, Schwimmst, der Sichel leichter Kahn, Frei von Druckes Schwere. Warfst der langen Nacht Ballast In des Äthers Weiten, Läßt dich, los der dunklen Last, Auf der Bläue gleiten; Segelst duftig, ohne Neid Auf den großen Bruder, Übergabst ihm rechter Zeit Der Regierung Ruder. Darum fährst du, leicht und schön, Labsal unsrer, Augen, In der Wellen Tal und Höhn Deinen Kiel zu tauchen. O, daß unser Schifflein auch Still und ohne Sorgen Glitte durch der Gnade Hauch In den ewgen Morgen! 197 198 BRÜDER, HÖRT IHR Ferne rauschen Fittiche im Morgenstrahl? Millionen Ohren lauschen: 3um 27. Juli 1943 ( Mussolinis Sturz) Fliegt der Freiheit Aar zu Tal? Hebet euren Blick empor! Bald sollt ihr die Fessel tauschen Mit der Fahne, kommt hervor, Hebet euren Blick empor! In des Himmels Stahlgewittern, In der Völker Schlachtgeschrei Endet sich die Nacht des bittern Trugs der Menschensklaverei. Wißt, noch herrscht Jehovas Macht, Pharaonen mögen zittern, Wenn ER ihres Prahlens lacht, Wißt, noch herrscht Jehovas Macht! O, sie hatten fein gesponnen Ihren Plan der Spiegelei, Hatten klüglich ausgesonnen, Wie der Welt zu helfen sei! Lachten Sein im Übermut! Ihre Träume sind zerronnen. Gott sah an des Opfers Blut, Dämpfte ihren Übermut! í 1943 Sturz) Die Sein Sohn mit Blut erkaufte Auf dem Hügel Golgatha, Mit der Freiheit Wasser taufte, Daß Er ihnen ewig nah, Sollen sie noch Knechte sein, Ausgepreßt, Gewinnverkaufte? Die Er ließ am Kreuz befrei'n, Sollen nicht mehr Knechte sein! Darum tretet ab, Tyrannen! Höret ihr des Siegers Schritt? Aber ihr, der Zukunft Mannen, Glaubt an IHN, der für euch stritt. Gebt euch dem Befreier hin; Nachdem Dankestränen rannen, Sei den Feinden mild verziehn. Gebt euch dem Befreier hin! 199 Den Entlassenen GEFÄHRTEN MEINES LEIDES, Ach, mir sind so nah Euere Gesichter, Wie ich sie einst sah In der Jahre Kreisen Still vorüberziehn Und die Blicke wechseln. - 200 O, wo seid ihr hin? Ist der Seele Sehnsucht Nach der Freiheit Glück Uferwärts gelandet? Mögt nicht mehr zurück In des Käfigs Enge, Wo Gefangenschaft Starker Aare Schwingen Hoffnungslos erschlafft? Habt uns wohl vergessen In der Totengruft, Atmet würzger Lüfte Abenteuer- Duft? Oder hat Enttäuschung Euern Sinn genarrt, Ging in neue Zellen Eures Wagens Fahrt? affenen ES, Ach, sind wir nicht alle In Gefangenschaft, Rütteln wir nicht alle An dem Schloß der Haft? Alle sind wir Sklaven, Doch auch alle frei, Weil uns Gott erlöste Aus der Tyrannei. 201 Der Blockmogul “HOCH ERHABEN Wie ein Denkmal über alle, Stehst du einsam und in jedem Falle Überlegen auf dem Leiberwalle Deiner Sklavenherde, großer Mogul du. Herrschest mit geballter Faust und ohne Schranken Über deine Feinde, so versanken’ In dem Meere deiner Rachgedanken, Die bedrängt dein Eingeweide immerzu. Wer darf dir auch nur im Worte widersprechen? Übermut wirst eilends du zerbrechen, Ob er sich bei Polen oder Tschechen Oder bei den braven Deutschen vorgewagt. „Gleiches Recht für alle!“ riefst du heftig, Als du selbst noch unten; wie geschäftig Hobst die Hand du auf und schlugest kräftig An das Tor der Menschensklaverei. Lang ist’s her, und jetzo sind vergessen Ob der Margarine und dem reichen Essen All die Kleinen, die Kartoffelschalen fressen— Pfui doch, denkt, zum Kuckuck, diese Schweinerei! Cogul ken ? i! Und die Zeiten, die krawattenlosen, Da du mit nicht einwandfreien Hosen Vegetiertest vor dem überlebensgroßen Pharaonen, der der Macht genießt, Tauchen sie nicht auf vor deinem Blicke, Wenn geschniegelt du vom Fuß bis zur Perücke Jenen Kerl, zerlumpt, auf seiner Krücke, Kalten Herzens mit Verachtung übersiehst? Wolltest du ein neues Reich nicht bauen, Das, verschieden von der jammergrauen Klassenungerechtigkeit, den Klauen Des Dämonenmolochs Mammon uns befreit? Und die Ausgebeuteten und Kleinen Sollten alle niemals wieder weinen, Den Gefangnen sollten Freiheitssonnen scheinen Unter schirmender Gerechtigkeit Geleit. Nun wohlan, wo ist das schöne Wesen, Da du selbst nun bist zur Macht genesen? Nahmst du meisterlich den Eisenbesen, Säubertest das schmutzverstörte Haus? O, was schauen starrend unsre Blicke Nach der neugewordnen Welt Geschicke: Statt der Armen lichtgebornem Glücke Der Tyrannen Gier und großen Moguls Graus! 203 Und da herrscht brutale Macht der Fäuste, Und der wilden Bullen brüllenddreiste Ellenbogenfreiheit ist das meiste, Und die Schwachen fressen gar sie auf. Klassenrecht der Starken und der Drohnen, Macht der Parasiten, welche wohnen In den Eingeweiden und nicht schonen Ihrer Wirte Blut und Fett zuhauf. Auch die kleinen Moguls haben große Mägen Und sie wissen ganz genau, daß ihretwegen Sei der große Haufe da; dagegen Aufzumucken‘wäre sehr gewagt. E Denn sie stehen überall im Wege, Diese Vielzuvielen, diese träge Masse, riechend aus dem Mund, der Pflege Höh’ren Menschentums noch völlig bar. Für die Fetten ist die Margarine, Und die Zentner schleppt hier nicht der Hüne, Nein, der Magere, die Sklavenbiene, Die, klagt Marx, seit je Ausbeuterliebling war. Wer das Töpfchen hat, hat auch das Essen; Und das Pöstchen hat, nicht zu vergessen, Nur wer deinesgleichen ist, indessen Der Befähigte sieht in den vollen Mond. Während Moguls aus den vollen Schüsseln prassen, Kann der Pöbel sich vor Hunger nimmer fassen, . Muß sich noch Kretiner spotten lassen, Der Paketempfänger Stand nur wird geschont. Privilegienjäger werden groß und größer, Doch den*Schluckern geht es bös und böser; Wer da fällt, den stoßen sie, bis als Erlöser Aus den Sklavenketten-er den Tod begrüßt. Ei, wir finden es doch ewig jammerschade, Daß die neue Welt, o Mogul, haargerade Wie die alte aussieht; ohne Gnade Zeigt der Spiegel uns ein Bildnis altgewohnt. Und du willst es gnädig uns nicht übelnehmen, Daß wir uns ein bißchen für dich schämen, Unsre Hoffnung aus der hohen Hand uns nehmen, Die der Armen Hoffen mit Erfüllung lohnt! 206 Der Capo ICH BIN DER KONZENTRATIONÄR, Der Capo Fritze Pflusterbär,; Aus München-Gladbach stamm ich— Auf Ehre wahr! Verdamm mich! Die Stapo klag ich täglich an; Was sie mir Armen hat getan, Das ist ganz exemplarisch, Unmenschlich und barbarisch! Halunken sind sie um und an, Und ihre Fäuste, lieber Schwan, Die packten mich sehr plötzlich, Allemal unergötzlich. So unversehens schlugen sie Mir blaue Veilchenaugen, wie Wenn ich geraten wäre Zu Metzgern in die Lehre. Und seither sinn auf Rache ich. Ich räche mich ganz fürchterlich, Das hab ich mir geschworen, So wahr ich bin geboren Zu München-Gladbach, nah am Rhein— Noch heute höre ich mich schrein Um Hilfe, denke dran ich,— Auf Ehre wahr! Verdamm mich! Drum wenn ich einen Häftling seh, So fahr ich wütend in die Höh. A Mi Er mag nun schlafen, wachen, Mag weinen oder lachen: Er macht es mir niemalen recht; Ich bin der Herr und er der Knecht; Ob traurig oder munter, Er kriegt stets seinen Zunder. ’Nen Gruß bekommt er niemals nicht, Ist er denn nicht der gleiche Wicht Wie ich und du und jeder Kretiner Hans und Peter? Und wenn mich diese Sorte grüßt, So schau ich gar nicht an das Biest, Geschweige zu erwidern Dies schleimige Anbiedern! Hab ich nicht Nummer hundertzwo, “ Bin Lageradel sowieso, Und mit den Prominenten Verkehr ich aller Enden. Ich grüße nur die beiden S So stramm wie möglich unterdes— Kamradschaft muß man pflegen Mit künftigen Kollegen. Staatsungefährlich, wie ich bin, Ist meine Rache mein Gewinn— Drum machte mich die... Stapo Zum Köpfchen oder... Capo. 208. AN DES PRISON Langweiliger Mauer Umdrängen Gefangene Gebeugten Rückens Jener winzigen Öffnung Ausguck, Gleichend dem Schlitze Im Lide der Menschen. Wie die Gesichter Erglühen in Sehnsucht, Wie ihre Augen Aufleuchten verzückt! Und sie deuten sich Wange an Wange Die Wunder da draußen Verklärten Blicks. Sieh! ruft da einer, Ein Luchs, ja, so späht er, Sieh dort ein Kornfeld, Rauschend im Wind! Seht, wie die Ähren, Die vollen Ähren Auf der Halme Geknoteten Stengeln Sich wiegen im Rhythmus, Dem schweren, des Sommers. Ach, voriges Jahr noch, Da schnitt ich noch selber Mit rüstiger Sense Das goldene Korn! Die Bresche 14 esche Wann werde ich wieder Mit Knechten und Mägden, Mit Weib und mit Kindern Bei frohen Gesängen Zum Erntefest ziehn? Ah! staunt ein andrer, Ein schmächtiges Bürschchen, noch kaum der Jahre Zwanzige alt. Ah! Dort! Die Äpfel, Rotwangig am Baume Hängend, der Sonne, Der Reife zu! Wann warf ich den letzten Im Paradiese Des Nachbargartens Vom Gipfel herunter Mit sicherem Stein? Und o, wann beiß ich Wieder dem ersten In goldener Freiheit. Das Kernhäuschen auf? Und so ein jeder Erspähte heißhungrig Ein Stücklein Freiheit Vergangner Tage Und freier Zukunft Unfaßlich Glück. Nur eine Handbreit, 14 Sterne 209 210 Ach, eine Handbreit Trennt uns die Mauer Vom seligen Rausch, Vom glimmenden Traume Unserer Freiheit, Von blaugrüner Wälder Lockendem Ruf! Sei uns gesegnet, Armseliges Löchlein Inmitten der langweiligen Feindlichen Wand! Reichst du nicht weiter Als Sternenräume Des Weltenfernrohrs In einsamer Nacht? Hebst du nicht höher Den Fuß der Erschlafften Als aller Berge Türme der Welt? - Niemand miẞgönne Dem Hunger der Armen Befreiende Blicke Ins Zauberreich! Aber am Morgen, Am andern, dem grauen, Starrte noch grauer Die langweilige Wand. Wehe! Vergebens Suchten die Wünsche 14 14* Der müden Gefangenen, Vergebens suchten Sie Durchblickes Trost. Das dürftige Schlitzlein Hatte vermauert Des Wächters mißgünstige, Grausame Hand._--— Aber den Glauben an ihre Freiheit, Den Glauben des Herzens Vermauert er nicht! Und eines Tages, Gereiften Tages, Wird aus der Ritze Die Bresche geschlagen Mit wuchtiger Hand. Und alle Gefangenen Ziehn durch die Mauer, Ziehn in der Freiheit Willkommenen Tag. Wer will uns dann wehren, Uns niederzusetzen, Denen das Herz Von Entbehrungen matt? Da werden wir heimsen Die goldenen Ähren, An Früchten uns letzen Des Herbstes uns satt! N f 212 Die blaue Glucke HITZE DES MITTAGS Brütet flimmernd Über den Pappeln. Gewitterschwüle Schwelt in der Luft. Die Riesenflügel Breitet die Glucke Des blauen Himmels Über das Land. Ängstlich ducken sich Städte und Dörflein Mit weißen Kirchen Unter der Fittiche Tröstlichen Schutz. Vorahnend flattern Des Unheil Propheten, Die Lerchen, mühsam Nahe der Erde Mit lahmen Schwingen- Kyrieleis. Plötzlich zerreißt Der Klang der Sirene Unheimlich klagend, Erbarmungslos laut, Des Mittags Stille Alarm! Alarm! 2 lucke Furchtsam ducken sich Städte und Dörflein Unter der Henne Gebreitete Flügel, Als suchten sie Bergung Vor nahendem Feinde Alarm! Alarm! Horch, aus der Ferne Erschüttern dumpfe Schläge den Boden. Der Leib der Riesin, Der steinernen Großstadt, Windet im Schmerz sich, Bäumt sich, getroffen, In Todesqual. Lärm der Vernichtung Durchschrillt den Äther, Gleich gierigen Geiern Stürzen die Bomben Auf die wehrlosen Küchlein herunter; Kyrieleis! 213 Und wie gekommen, Verschwinden sie plötzlich, Gesättigte Geier, Am Horizont. Stille des Todes Und der Erschöpfung Hat sich gebreitet . Über das Land. Verschüchtert sammeln Sich Städte und Dörflein Unter den Flügeln, Den weiten blauen, Der himmlischen Glucke. Kyrieleis! 214 ... und Lagerhumor Dichtung / + WiE LAVA AUS VULKANEN BRICHT Der Dichtung Glut aus unserm Innern, Und was nur dämmerndes Erinnern War, hebt sie herauf in feuerschönes Licht. Der Seele Hoffnung, wirre Träume, Gewinnen Farbe und Gestalt, Wenn Menschenwortes Lichtgewalt Sie lockt in des Bewußtseins helle Räume. Des Denkens vielverschlungene Pfade, Sie münden lösend ein im Wort Und wirken bei den Brüdern fort, Die mit uns wandeln, suchend nach der Gnade. Und was die Liebe still und leise Beseligt auf des Herzens Grund, Strömt aus, begeistrungssüß, der Mund Des Sängers in des Liedes Klang und Weise. Wenn in des Weltgerichts Visionen Prophetenmut wie Wachs hinschmelzt: Sich wie ein Meer der Rhythmus wälzt Des Hammerschlags, erschütternd Nationen. Und was des Christusleibes Gliedern Der GEIST im WORTE still zuraunt, Quillt über, anbetungserstaunt, Im Hymnenstrom von lichtdurchbrausten Liedern. 217 218 Mab Abfana Satdant I IcH FÜHLE MICH So wunderbar befreit, Wenn ich dein Antlitz staunend sehe, Und all mein schweres Wehe Versinkt in einem Meer von Leichtigkeit. Denn deiner Augen zaubrische Gewalt Durchstrahlt mein Herz mit Strömen Der Lust, nicht zu bezähmen, Der Lust am Liebreiz deiner Wohlgestalt. Durch dieses Blicks saphirblauen Kristall Strahlt magisch deine Seele Ihr Licht in meine Seele, Erweckt der Sphärenklänge Widerhall. Ach, wer hat Ruth so fürstlich schön gemacht, Frisch wie die Morgenrose Duftend, die makellose, Daß mir vor Überschwang das Herze lacht! O sage mir, was ich für dich kann tun, Was kann ich für dich leiden? Ach, alles tun und leiden Will ich für dich, so laß mich in dir ruhn! idan! t, Lebensregel BESSER MIT KRÄFTIGEM SCHLUCKE Auf einmal den Becher geleert, Als mit der Tropfen hundert Dürr des Genusses entbehrt. So hab ich's immer gehalten Fröhlichen Angesichts Mit eurer Weisheit, ihr Alten: Entweder das All oder nichts! Hör auch die andere Seite, Mann des gerechten Gerichts: Kannst du das Ganze nicht kriegen, Besser ein bißchen als nichts! 60 ist's ( im Lager und anderswo) IMMER FEHLT DIR IRGEND ETWAS, Niemals hast du rechte Ruh: Hast den Brei du, fehlt der Löffel; Hast den Löffel, fehlt der Brei dazu! 219. 220 Der Dichter GEDICHTEMACHEN Ist nicht schwer Für den, der’s fertigbringt, Hat einer Tinte und Papier, Ich wette, es gelingt. Wenn einer Öl und Essig hat Und Appetit dazu, So macht er einen Kopfsalat Gleich einem Koch im Nu. Und sitzt du in der Eisenbahn Und hast auch ein Billet, So kommst du ganz von selber an, Wohin du willst, ich wett! Ich kannte einen, dem’s gelang, Zu machen einen Reim, Er hat wohl alle Nasenlang Gedichtet Reim auf Schleim. Erst setzte seiner langen.Nas’ Er eine Brille auf, Darnach so schrieb er dies und das Und strich auch viel darauf. hter Er strich und schrieb, der gute Wicht, Es war schön anzusehn, Im Umdrehn hatt' er ein Gedicht Auf dem Papier zu stehn. Zuweilen streckte er die Hand Mit den fünf Fingern aus, Als zählte er ohn' all' Verstand Das Einmaleins sich aus. Wahrhaftig, mit dem Einmaleins Steh ich auf beẞrem Fuß, Dieweil es klar, daß unsereins In allem rechnen muß. Und hätt' ich Tinte und Papier Und einen Kopf dazu, Ich machte wohl, das glaub ich schier, Selbst ein Gedicht im Nu. Nu. 221 Der Pater: Angst vor der Erhörung KRANKER FREUND, ICH SEGNE DICH! Möge sie dir mütterlich, Maria, die Jungfrau rein, Heute noch Genesung leihn! Der Kranke: Dank sei dir, hochwürdiger Pater, Daß du für mich gebetet wie ein Vater, Doch wär ich gern noch im Revier geblieben, Drum laß sie die Erhörung noch ein Jahr verschieben. 222 ung ieben. Das Gesetz richtet Zorn an GLAUBT IHR WOHL, Daß ihr die Welt Und der Menschen Handeln Könnet, wie es euch gefällt, Mit Gesetzen wandeln? Schüttet über unser Haupt Eure Paragraphen, Mit Verboten überhaupt Laßt ihr uns nicht schlafen. Ach, der Paragraphen hat Unser Dorf die Menge; Ist des Netzes gründlich satt, Seiner Maschen Enge. Unser Pfarrer strickt daran, Strickt auch der Schulmeister, Weiter strickt der gute Mann, Unser Bürgermeister. Einen derben neuen Stock Schwingt der neue Büttel, Männer, Frauen, Hosen, Rock Drohen mit dem Knüttel. 223 Selbst die Oberknechte sind Von der Sucht ergriffen, Und es wird das Ingesind Mit Elan geschliffen. Und wir triefen von Moral, Von Gesetz nicht minder, Und es häufen sich im Stall Wie im Haus die Sünder. Und je mehr es Sünder gibt, Desto mehr Gebote, Und je mehr’s Gebote gibt, Desto mehr Methode. Und wo viel Methoden sind, Sind viel Paragraphen, Stürmt ein heil’ger Wirbelwind I Von Gesetzesstrafen.; Immer wilder wird der Kampf Mit der Schärfe Messer, Doch dem Wagen fehlt der Dampf, — niemand wird’von besser. Wahrlich, Leichtres gibt es nicht, Als mit Paragraphen Und mit Donnerblitz-Gericht Nur die andern strafen. Alle wissen wir genau Nur der Nachbarn Pflichten, Doch die unsrigen, o schau! Kennen wir mitnichten. Und es fehlt die große Kraft, Die im Herzen drinnen Einen neuen Menschen schafft. Den laßt uns gewinnen. 225 15 Sterne Das ominose Kuvert EIN KÖNIGREICH FÜR EIN KUVERT Mehr noch ein Pferd, Mehr noch, ein Viertel Brot, das ist es wert, Dazu die Margarine, Ich schreibe an Karline! Zum Kuckuck, ich verzweifle schier: Was nützt Papier Und Tinte, Feder und der Halter mir? Das mühevolle Schreiben, Ich konnt' es lassen bleiben, Wenn mir am Ende das Kuvert Fehlt, darum hört: Ein Viertel Brot, das ist es wert, Dazu die Margarine, Ich schreibe an Karline! 226 15* t RT ert, 15* Brief an Karlíne ( Der Brief, der sie nicht erreichte") KARLINE, Bist ein Mädchen, zart, adrett, Und schlank und brauchst noch kein Korsett, Bist mir auch treu geblieben Und hast mir ins KZ So manchen Brief geschrieben. Doch bist du noch einmal so nett, Es ist nicht übertrieben, Schickst du mir ein Paket! Es muß nicht gleich das größte sein, Es geht auch in ein kleines rein, Was ich so nötig hätte: Zunächst' ne Zigarette Zum Rauchen an der Kette. Und dann ein Pfündchen zarten Speck, Und dann, ich bin ein wenig keck, Ein halbes Pfündchen Butter. ( Wie geht es der Frau Mutter?) Vielleicht auch Marmelade Ein Glas, und Schokolade. Was wär' es mit Pralinchen, Mein süßestes Karlinchen? Und, nur so zum Versuchen, Mit einem Natronkuchen? Ich tunkte ihn so peu à In den Kaffee. peu 227 Und wenn noch Platz, so sei so frei Und füge eine Bockwurst bei Und zwei Salamiwürste Und eine Zähnebürste So nebenbei, beißt sich ja nicht, Und Seif’ für Hände und Gesicht Und meine Filzpantoffeln, Drein steck ein paar Kartoffeln, Nicht Nüsse’mit zu knacken, Nein, Puffer’mit zu backen. Dann, nun was wollte ich zum Schluß? Noch einen Kuß Auf deine Lippen drücken! Vor allem schick mir ein Kuvert, Schnell ein Kuvert, Sonst kann ich dir, Karlinchen wert, Auch diesen Brief nicht schicken! MIR IST EIN Schweizerhäuschen Mein Schweizerhäuschen Zu eigen ganz und gar, Es steht auf einer Alme, Ein Kleinod ist's fürwahr. Es hat eine Altane, Dran hängt ein rotes Tuch, Und zu dem offnen Fenster Strömt ein der Wohlgeruch Der würzgen Alpenkräuter. Tief unten aber rauscht Des Bergbachs schäumend Wasser, Dem nie ein Ohr gelauscht. Daneben ragen Tannen Hinein ins Abendrot, Ein Tischlein duckt sich drunter Für Wandrers Abendbrot. Die weißen Gletscherhörner Haben mir's angetan, Wir sind die bösen Nachbarn Und schaun uns feindlich an. 229 Siehst du die Kuh dort grasen, Die Glocke um den Hals? Die werd ich nie verkaufen Den Neidlingen des Tals. So wär’s ein lieblich Häuslein, Jahrhunderte schon alt, Wie gerne wohnt ich drinnen, Nur leider— ist’s gemalt! EIN SPANNEND BUCH Ist das fürwahr gewesen: Denn beim Lesen Ein spannendes Buch Von der ersten Seite bis zum letzten Blatt Die Neugier mich nicht losgelassen hat. Ich fragte mich gespannt: Wann wird es endlich interessant? Das fremde Hemd VON ALLEM FREMDEN War mir nichts so fremd Von jeher wie ein fremdes Hemd. Ich hätte mich vor Ekel wohl zu Tod geschämt In einem fremden Hemd. Das Hemd, das mußte wie mein Leib allein Rein und mein eigen sein. Und seht, nun habe ich so manches Jahr Kein eigen Hemd mehr. Ich sträubte mich, fürwahr, Und widerstrebte sehr. Doch nützte all mein Drehn und Wenden nichts: Das härtste Eisen, im KZ da bricht's! 231 232 Die ukrainischen Hühner ( Nach einem Artikel im VB.) O HÜHNER DER UKRAINE, Ihr schwebet in Gefahr. Saget mir nur das eine: Ist es denn wirklich wahr, Daß ihr im Eierlegen Sehr rückständig seid? Euere Kollegen, Die sind schon herrlich weit. Auch sei'n die Eierschalen Noch immer viel zu dick, Das müssen wir teuer bezahlen Laut Einfuhr- Statistik. Desgleichen sind die Dotter Nicht gelb genug und rund. - Da gibt's nur Entweder Oder, Sonst kommt ihr auf den Hund. O Hühner der Ukraine, Reihet euch würdig ein Europas Staatsvereine, Damit wir euch verzeih'n. Legt zeitgemäßre Eier Für Führer, Volk und Reich, Sonst hole euch der Geier Und Himmler gnade euch! Die Stage ZWAR SIND WIR HEREINGEKOMMEN In dieses tolle Haus, Sahen uns beim Schopf genommen, Landeten im Graus. Doch wir fragen uns beklommen: „Wie kommen wir nur wieder raus?“ 255 NACHWORT Die Entstehungsgeschichte dieser Lieder und Reime eines Ausgestoßenen" ist im ersten Bande der Dachauer Trilogie:„ Zweitausend Tage Dachau" erschienen im Neubau- Verlag München näher geschildert. - Für den Leser, dem das Werk unzugänglich ist, sei folgendes in Kürze wiederholt: Dieses Buch ist von Mitte Juni bis Ende Dezember 1943 von der ersten bis zur letzten Seite an einem Ort entstanden, welcher von den meisten Menschen als sehr ungeeignet zur Entfaltung von Poesie angesehen würde: im Revier des Konzentrationslagers in Dachau. Nicht mit Unrecht ist dieser Krankenbau als eine versteckte Hinrichtungsstätte bezeichnet worden. Aber gerade in der Nacht, die den Verfasser damals umgab, strahlten ihm die Sterne auf, von denen der Titel spricht; jene Lichter, die, am hellen Tage unsichtbar, unseren Augen aufleuchten, wenn es dunkel wird um uns her. Die ewigen Verheißungen Gottes, sie waren die Sterne, die ihm schienen, als der Glanz der Sonne für ihn erlosch; und als ihr Widerschein sind die Verse entstanden, die dieses Bändchen füllen. Dies gilt selbst für die bescheidenen Reime des letzten Abschnittes. Sie sollten deswegen nicht von der Sammlung ausgeschlossen bleiben, schon weil auch sie Kinder des Lagers sind, in dem alle hellen Klänge erstorben zu sein schienen, und von denen der Außenstehende schwer glauben kann, daß das Herzeleid der Verstoßenen sich noch durch jenes Lächeln habe vergolden lassen, das man Humor nennt. Es gehört zur Wahrhaftigkeit der Darstellung, zu welcher sich der Urheber der Dachauer Trilogie verpflichtet fühlt, auch die Spuren dieses alles verklärenden Humors sichtbar zu machen. Ist dieser nicht ein Sohn des Ernstes? Zeugt er nicht von der Kraft, die sich dem Gegner auch im Fallen noch überlegen erweist? Wird der Feind nicht durch Lächerlichkeit getö tuge Zum Wid ( Seit sam tes n Dies inde schö eine wije ( Seit Sein orth unte war trug und gefie z. B und war Möc Wid dam S 3 a 11 el S -; e m t h - le BUS n getötet? Wahrlich, Humor ist Mannesart und Christentugend. Zum Verständnis der Gedichte und Lieder, die persönliche Widmungen tragen, sei hinzugefügt, daß Pfarrer Grüber ( Seite 182) entlassen wurde, als er mit dem Verfasser zusammen an einem Herzleiden krank im Revier lag.„, Sokrates mit der Laterne" ist Willy Rößler gewidmet( Seite 181). Dieser war Diätkoch und nahm sich des Verlassenen an, indem er ihm, der aus Allachs Pferdeställen zu Tode erschöpft ins Hauptlager zurückgekehrt war, fast täglich mit einer Schüssel süßen Breies heimlich stärkte. Nikolai Longwijenko, auf den sich das Lied ,, Mit einem Schlage" ( Seite 108) bezieht, war ein Student der Medizin aus Kiew. Sein Vater war dort Arzt; sein Großvater, ein früherer orthodoxer Klostervogt, hatte ihn heimlich getauft und unterrichtete ihn später in den Lehren des Heilands. Er war ein sehr begabter Jüngling, der sein Geschick tapfer trug. Im Revier lag er neben der Pritsche des Verfassers und war der erste, der die Verse hörte; manche davon gefielen ihm so gut, daß er sie sogleich auswendig lernte z. B. Lebensregel"( S. 219),„ Wir sind Bettler"( S. 156) und andere, ein Umstand, der dem Dichter schönster Lohn war. Möchtest du nun, Leser, dich bewogen fühlen, von dem Widerschein deinen Blick auf die Sterne selbst zu lenken, damit es auch von dir heißen kann: ,, Augen, die nicht sehen in der Zeit, Schauen Gott in Ewigkeit." t, 江ちぼ er n r- it INHALT S. VERZEICHNIS Des Buß EHRE SEI DEM EINEN Con Seite Hilf Würdig ist das Lamm 9 Absa Sein Bild 13 Absa In Dir! 15 Neu Vision 18 In N Der Blinden Arzt 20 Sei Sommerlied 22 Apag Abendmahl 24 Abendmahl Antwort der Gemeinde 26 DE Man singt mit Freuden vom Sieg! 28 Unsere Sonne Anbetung Gehet hin! Verheißung in der Frühe Siegeslied am Morgen Abendbitte Zum Advent Nun! Gerichtsadvent Adventslicht Weihnachtserfüllung 30 Den 31 Vert 33 Der 35 An 37 Der 39 Verg 40 Es is -42 Kom 44 Lob 46 So g 47 Nich Erste Weihnacht 50 Fürd Weihnachten 1943 52 Der Das Karfreitagsopfer 54 Halt Osterjubel der Orthodoxen 56 Gera Ehre sei dem Einen! 60 Der Pfingsthymnus 63 Abra Hymnus auf die Bibel 66 Alles Die Gute CONFITEOR Mea culpa! Der verlorene Sohn Ernüchterung Wir 377 73 Reue 75 Buße 77 Sorg Des Besessenen Befreiung Buße Confiteor Hilf Gott, der Völker Gott, erbarme dich! Absage an die Welt Absage an das alte Ich Neugeburt In Meisterhänden Seite 79 81 84 86. 87 90 92 95 96 97 Sei radikal! Apage, Satana! DENNOCH! Dennoch! Vertrauen Der neue Bund An Nikolai Der Kristallschrein Vergebungsglück Es ist entschieden! Kommt her, ihr Wölfe! 101 104 106 108 110 111 113 114 Lob des Gebets 115 So gewiß 117 Nicht sehen und doch glauben! 119 Fürchte dich nicht! 122 Der Toderschöpften Radium 124 Haltet aus! 127 Gerade dann! 128 Der Engel 130 Abraham 131 5 Alles, was ich brauche, schenkst du mir. 133 Die letzte Stütze 134 Guter Rat 135 Wir dürfen! 135 5 Reue 136 5 Buße 136 Sorget nicht! 137 DU HAST MICH IN DEN DIENST GENOMMEN Sonnt Seite Hans An den Feldherrn 141 Dämm Leite mich! 142 Feue Heimweh 144 Die I Sonnenblumen 146 Mond Geburtstagsbitte 149 Mond Herz, was pochst du drin so heftig 151 Zum An die Moralischen 152 ( Mus Die Katze vor dem Spiegel 153 Den Die Hauptsache oder das Ordnungsprinzip 154 Der Einem Kranken 155 Der Den sparsamen Christen 155 Die 1 Den Christlich- Liberalen 155 Die h Wir sind Bettler" 156 " 9 Der Zweifler 158 LAGERELEND Dicht Das hab' ich zu verlieren 161 Mah Einmal! 164 Leber Der Andere 166 So ist Abbitte 167 ( im 1 Sonntag im Lager 168 Der Bin ich bereit? 169 Angst Ich sage Nein! 171 Das Das Ich und das Du 174 Das Am Sterbebett eines jungen Gefangenen 175 Brief Das sterbende Vöglein 177 ( Der Was wir liebten, geht in Flammen auf 179 Mein Die Gladiolen. 180 Ein s Einsame Menschen 181 Das f ( An Willy Röẞler) Die Einem Befreier zur Befreiung 182 ( Nach ( An Pfarrer Heinrich Grüber) Die Die Kirche im KZ 184 Nach Seite Sonntag Hans im Unglück Dämmerung 187 189 191 Feuerlilien 193 Die Löwenmäuler 194 Mond am Morgen 196 Mondsichel am Vormittag 197 Zum 27. Juli 1943 198 ( Mussolinis Sturz) Den Entlassenen 200 Der Blockmogul Der Capo 202 206 Die Bresche Die blaue Glucke 208 212 UND LAGERHUMOR Dichtung Mah Ahsana Saidan! Lebensregel 217 218 219 So ist's ( im Lager und anderswo) Der Dichter 219 220 Angst vor der Erhörung 222 Das Gesetz richtet Zorn an 223 Das ominöse Kuvert 226 Brief an Karline 227 ( Der Brief, der sie nicht erreichte") Mein Schweizerhäuschen 229 Ein spannendes Buch 231 Das fremde Hemd 231 Die ukrainischen Hühner 232 ( Nach einem Artikel im V.B.) Die Frage 233 Nachwort 234 KARL ADOLF GROSS der Verfasser der Dachauer Trilogie, wurde am 4. Juli 1892 in Schwäbisch-Hall geboren. Nach seiner Einsegnung verließ er die Realschule, um in eine kaufmännische Lehre einzutreten. Darauf entschloß er sich, in die Mission zu gehen, und trat zur Vorbereitung auf diesen Dienst in das Missionshaus zu Basel ein. Nach dem Weltkrieg widmete er sich dem Studium der Theologie. Unter seinen Lehrern war es vor allem der Philosoph und Systematiker Karl Heim in Tübingen, der ihn tief beeindruckte, und dessen geistmächtige Theologie ihn zeitlebens nicht mehr losließ. Nach einem siebenjährigen Kirchendienst in seiner Heimat ließ er sich im Jahre 19351 in Berlin nieder. Hier rief er die„Nachbargruppen“ ins Leben und gründete die Zeit- schrift„Der Freie“. Ein leidenschaftlicher Gegner des Hitlerismus, ging er dazu über, in seinem neugegründeten Buchverlag, der nie von der Reichsschrifttumskammer des Goebbels‘anerkannt wurde, Flugschriften von Pfarrer Martin Niemöller und anderen Männern der Bekenntnis- front herauszugeben. Dies brachte ihm ununterbrochene Zusammenstöße mit der Geheimen Staatspolizei ein. Viele Haussuchungen, Verhaftungen und Beschlagnahmungen waren die Folgen. Aber da ihn selbst eine dreimal ver- hängte Schutzhaft nicht hinderte, zur zweijährigen Wie- derkehr der Verhaftung Pfarrer Niemöllers-.eine halbe Million Kunstkarten mit dessen Worten drucken zu lassen und sie heimlich in ganz Deutschland zu verbreiten, griff Himmler zum letzten Mittel: Am 22. August 1959 ließ er ihn verhaften und ins Konzentrationslager Sachsenhausen bringen. Am 2. September 1940 wurde er nach Dachau verschleppt, wo ihn am 29. April 1945 die 7. amerikanische Armee nach fast sechsjähriger Haft befreite. Es war ihm gelungen, seine Laagerschicksale über eine längere Zeit hin in Tagebuch-Aufzeichnungen und in Liedern festzuhalten und heimlich über den Stacheldraht zu befördern. Er ver- öffentlichte sie in der Dachauer Trilogie, deren dritter Band hier vorliegt. Par >= A 3 ee