LEOPOLD ARTHOFER Als Priester im Konzentrationslager In diesem Buche schildert ein katholischer Priester und langjähriger Strafhausseelsorger das Konzentrationslager Dachau, wie er es als Häftling erlebte. Er bemüht sich darin, Schuld und Irrtum, Menschliches und Satanisches streng zu trennen. Als Vertreter von Oberösterreich, jener Diözese des versunkenen Hitlerreiches, deren Priester am meisten im Kazet vertreten waren, und über Wunsch seiner geistlichen Kazetkameraden, schrieb er diese Erinnerungen. Die ULRICH MOSER VERLAG Graz- Wien ALS 4 PFARRER LEOPOLD ARTHOFER Als Priester im Konzentrationslager Meine Erlebnisse in Dachau ULRICH MOSER VERLAG GRAZ-WIEN LEO Copyright by Ulrich Moser Verlag Graz Alle Rechte vorbehalten Je wei 80 dunkle Christus So fass Geschehn mein eige im Weltk Strafanst Dachau, das Chr In d einke langi sorg keinen, hätte, de 1. Auflage glücklich wohl be doch we lager 1947 Häft sich tum, Sata nen. Obe zese lerre am trete 27006 949 lieren. So bet gabe, se Licht zu all die Christen Aus wie die national Österrei der Din obachter um ein neue W schense verschle Wur Kaze dies ULR Die kirchliche Druckgenehmigung wurde vom Bischöflichen Ordinariat Linz unter Zahl 2964 am 7. Mai 1946 erteilt Hergestellt in der Universitäts- Buchdruckerei„, Styria" in Graz der Rel der Be Mitarbe In de lichen Ordinariat eilt ria" in Graz Vorwort Je weiter sich ein Wanderer vom Licht entfernt, um so dunkler wird sein Tag. Und je mehr die Menschheit Christus vergißt, desto unglücklicher ist sie. So fasse ich als katholischer Priester die ungeheuren Geschehnisse dieses Jahrhunderts auf. Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, auf meine Soldatenzeit im Weltkrieg, die zehn Jahre Seelsorgertätigkeit in einer Strafanstalt, die vier Jahre im Konzentrationslager Dachau, so lernte ich wohl viele Menschen kennen, die das Christentum verlassen haben, aber unter ihnen keinen, dem jener Seelenfriede aus den Augen gestrahlt hätte, den nur Christus bringen kann. Leiden und Unglücklichsein ist zweierlei. Ohne Überhebung darf ich wohl bekennen, daß ich im Leben viel gelitten habe, doch weiß ich nur ein einziges Unglück: Gott verlieren. So betrachte ich es als des Priesters elementarste Aufgabe, seinen verirrten Mitmenschen wieder den Weg zum Licht zu weisen und unerschrocken und kompromiẞlos all die dunklen Mächte abzuwehren, die die Kultur des Christentums zerstören wollen. Aus diesem Grunde, und nur deswegen, war ich, so wie die meisten meiner Mitbürger, ein Gegner der nationalsozialistischen Weltanschauung. Jeder denkende Österreicher hatte Gelegenheit genug, die Entwicklung der Dinge im nationalsozialistischen Deutschland zu beobachten und zu erkennen, daß es sich hier nicht sosehr um ein neues politisches System, als vielmehr um eine neue Weltanschauung, um eine totale Erfassung der Menschenseele handle, mit dem letzten, mehr oder weniger verschleierten Ziel, den deutschen Menschen völlig von der Religion Jesu Christi wegzureißen. Wann hat jemals der Begründer des Dritten Reiches oder einer seiner Mitarbeiter öffentlich den Namen Christus erwähnt? In den Stunden höchster Not nannte man noch manches5 mal die Vorsehung oder den Namen Gottes, Wer aber war dieser Gott?— Deswegen habe ich die Welt- anschauung des Nationalsozialismus als Neuheidentum aus tiefster Überzeugung in meinem Wirkungsbereich bekämpft. Nur deswegen schrieb ich vor 1938 in den Zeitungen Artikel gegen ihn, hielt Vorträge, warnte von der Kanzel aus und suchte als Seelensorger überall auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die dem Heiligsten von dieser Seite drohte. Man mahnte mich, als ich nach 1938 diesen mir vom Gewissen vorgeschriebenen Kampf fortsetzte, gar manchesmal zur Vorsicht. Doch darf man sich im Ringen um höchste Ideale vor den Gefahren ver- kriechen?—— Bald spürte ich den Haß der Partei. Es ergaben sich Anzeigen bei der Gestapo, Verhöre bei der Gendar- merie, Protokolle, Verwarnungen, Beschimpfungen in der Parteipresse, geheime monatelange Zensierung meiner Briefpost und schließlich, was ich schon lange erwartet hatte,— die Verhaftung.—— Ich möchte in diesem Buche eine möglichst sachliche Darstellung jener Erlebnisse bringen, die ich selber gemacht habe. Andere Priester waren noch viel län- ger im Konzentrationslager als ich und haben un- gleich Schwereres ertragen. Doch hier will ich nur das er- zählen, was ich selbst bezeugen kann, und ich will es tun ohne Haß gegen jene, die in Dachau zirka 3500 Prie- ster aus 25 Nationen der Welt internierten.(400 von ihnen wurden ermordet[vergast], etwa 1600 starben im Lager an Hunger und Flecktyphus, Malaria und anderen Krank- heiten. Von allen Diözesen war Oberösterreich mit 29 Priestern am„besten“ vertreten.) Auch will ich meine Aufgabe nieht darin sehen, alles tendenziös schwarz zu malen, sondern das KZ.-Leben pro- saisch so zu schildern, wie es eben war. Viel Leid, Heldentum und menschliche Schwäche, Humor auch in den unangenehmsten Lagen, und für uns Priester über allem die Hoffnung auf den schließlichen Sieg des Lichtes, Kein menschli lich, und brüstet, Angsterfi tert, der, Gott de lernte ir nur desı haus be marscha starben Am{ befreun dem Au beamte Da sie ı {en sie hei der Manche die Rra Man br Endlich nach F Änstep Pfarrer after: lahm {ahl m Dort} Yon 7; wart, haben sich f Yollen 8. Wer aber die Welteuheidentum ungsbereich 1938 in den warnte von überall auf m Heiligsten als ich nach enen Kampf ch darf man efahren verergaben sich Her Gendarungen in der rung meiner nge erwartet hst sachliche ich selber ch viel länhaben unnur das erich will es a 3500 Prie00 von ihnen en im Lager Heren Krankterreich mit sehen, alles -Leben proViel Leid, Humor auch Priester über des Lichtes, Gestapo Kein Institut zum Schutze des Rechtes, auch keiner menschlichen oder gar göttlichen Autorität verantwortlich, unheimliches Racheinstrument einer Partei, die sich brüstet, eine unüberwindliche Macht zu sein, aber dabei angsterfüllt in jedem einen gefährlichen Staatsfeind wittert, der, seinen bisherigen Grundsätzen getreu, den neuen In Dachau Gott des Dritten Reiches nicht anbetet. lernte ich zwei greise Pfarrer kennen, Ruheständler, die nur deswegen verhaftet wurden, weil sie in einem Gasthaus bei einem unvermuteten Erscheinen des Reichsmarschalls Göring keine Ehrenbezeigung leisteten. Beide starben 1942 im Lager den Hungertod. - - Am 11. Februar 1941 besuchte ich nachmittags eine befreundete Familie in Steyr und kehrte gegen Abend mit dem Autobus zurück. Währenddessen waren vier Gestapobeamte nach Kronstorf gekommen, um mich zu verhaften. Da sie mehrere Stunden auf mich warten mußten, benützten sie die Zeit zu einer gründlichen Hausdurchsuchung, bei der meine alte Tante, die mir die Wirtschaft führt, manche Grobheit einstecken mußte. Man erklärte ihr auf die Frage, ob denn alle Geistlichen eingesperrt würden, man brauche deutsche Priester, aber keine Pfaffen mehr. Endlich kam der ungeduldig erwartete Missetäter doch nach Hause. Als ich die Haustür öffnete, stand ein finster blickender Mann im Flur und fragte: ,, Sind Sie der Pfarrer?" ,, Ja, bitte?" ,, Gestapo! Sie sind verhaftet!" Dabei zeigte er mir seine Legitimation. Er nahm mir die Aktentasche aus der Hand und befahl mir: ,, Kommen Sie mit mir hinauf in die Kanzlei!" Dort bot sich mir ein seltsames Bild. Das Zimmer war von Zigarettenrauch dunkel, in Rauchschwaden gehüllt erwarteten mich höhnisch blickende Männer:„ Also, da haben wir ihn endlich! Herr Hochwürden, machen Sie sich fertig!" Sie musterten mich mit höhnischen, haẞvollen Blicken. - 7 A. Re FEB» TE Einer hielt mir einen Brief entgegen, den ich kürzlich einem Freund geschrieben hatte, und der der Gestapo in die Hände gefallen war:„Kennen Sie das?“—„Jawohl!“ —„Na also, da sieht man, was ihr Pfarrer für saubere Vögel seid, Staatsfeinde! Ihr gehört zu neunzig Prozent alle eingesperrt!—— So, nun kehren Sie alle Ihre Klei- dertaschen um!— Was ist hier in der Aktentasche?—— Hm, ein Bild! Das Letzte Abendmahl von Leonardo. Kenne ich. Gut! Es ist schon sechs Uhr und wir müssen fahren.—— Handtuch, Seife, Kamm, Taschentücher und auch etwas Reservewäsche können Sie mitnehmen!—— So, und nun: Avanti Savoja!“ Mit meinen Hausleuten ließ man mich nicht mehr spre- chen. Trotzdem gelang es mir noch, jedem kurz die Hand zu drücken, und da sie Tränen in den Augen hatten, ver- suchte ich eine scherzhafte Redewendung. Dann fiel hinter mir dröhnend die Haustüre zu—— für fünfzig Monate. Im Auto hatte ich neben den Gestapoleuten kaum noch Platz. Ich saß mit meiner Handtasche eng in einen Winkel gepreßt und man nahm vorerst von meiner An- wesenheit kaum Notiz. Über mein Pfarrdorf war schon abendliche Dämmerung gesunken und wohl nur einige Ortsbewohner wußten davon, daß ich verhaftet worden sei, Unter diesen war ein Hitlerjugendführer, ein irregeleiteter Junge, von dem man mir später erzählte, daß er vor Freude in die Hände geklatscht habe, als das Gestapo- Auto mit mir davonfuhr. Mein letzter Blick suchte in diesem Augenblick mein geliebtes Kirchlein mit dem alten, wuchtigen Turm, Würde ich ihn wohl noch einmal sehen?—— Dunkel lag die Zukunft vor mir, die Zukunft eines aus der„Volksgemeinschaft“ Ausgestoßenen. Dann flogen rasch die letzten Häuser des Ortes an mir vorüber, eine Kurve— und der Abschied war vorbei.— Neben mir schimpfte ein Gestapobeamter, daß man auf mich so lange warten mußte und er deswegen in Linz noch den Beginn des Kinos versäumen werde. Kurz vor Enns forderte — mich ei um die Amtsve morgen So h Beamte lieben ich ihn richtete du den dete s Staats heit!® sowas! macht, verhalt Kronst schied, Hand, mit siı sie ein Wie, Höchst Gefäng leiter Als dort y ling n Ra ne gäper kennt Die, ersten Gofän ich kürzlich r Gestapo in - ,, Jawohl!" für saubere nzig Prozent le Ihre Kleiasche? n Leonardo. wir müssen entücher und ehmen! - t mehr spreurz die Hand hatten, vernn fiel hinter nfzig Monate. kaum noch ng in einen meiner Anf war schon I nur einige t worden sei, irregeleiteter daß er vor das Gestapoenblick mein Turm. nft eines aus Dann flogen vorüber, eine - Neben mir mich so lange den Beginn nns forderte mich einer auf, ich solle rasch mit ihm zum Dechant gehen, um diesen zu ersuchen, er möge sogleich für mich einen Amtsvertreter bestimmen, damit die alten Weiber" morgen in der Kirche einen Pfaffen hätten. دو So hielt das Auto vor dem Hause des Dechants; ein Beamter ging hinter mir die Stufen zur Kanzlei meines als lieben alten Freundes empor, der ganz betroffen war, ich ihm mit wenigen Worten von meiner Verhaftung berichtete. ,, Das ist doch unmöglich!" sagte er ,,, was hast du denn angestellt?", Was er angestellt hat?" meldete sich im Hintergrund eine zornige Stimme. ,, Ein Staatsfeind ist er! Sagen Sie nur dem Dechant die Wahrheit!" Dechant Aitzetmüller schüttelte den Kopf: ,, Na, sowas! Haben sie also aus dir auch einen Verbrecher gemacht." Ich erklärte meinem Vorgesetzten kurz den Sachverhalt, erhielt die Zusicherung eines Amtsvertreters für Kronstorf, bat noch um eine Zahnbürste und nahm Abschied. Herzlich schüttelte mir mein treuer Freund die Hand, und als ich das Zimmer verließ, hörte ich ihn noch mit sich selber reden: ,, Einen nach dem andern sperren sie ein. Da hört sich doch alles auf!" Wieder klatschte der Schlag des Autos zu und mit Höchstgeschwindigkeit flog es nun dem Ziel entgegen: Gefängnis für mich, Kino und Weinstüberl für meine Begleiter. Zelle Nr. 27 Als ich noch Strafanstaltsseelsorger in Garsten war und dort von Zelle zu Zelle ging, sagte einmal ein alter Sträfling mürrisch zu mir: ,, Herr Hochwürden, bildens Ihna ja net ein, daß Sie das verstehngan, was das is, eing'sperrt sein. Das is a ganz a eigenes G'fühl, das nur der kennt, den s' a so verschütt' ham als wia mi!" - Dieses ganz eigene G'fühl" hatte ich tatsächlich zum erstenmal in der Minute, als ich durch das Portal des Gefängnisses in der Mozartstraße geführt und gleich dar9 LEO In di ein ka langj sorge lager Häft sich tum, Sata nen. Obe zese lerre am trete Wun Kaze dies auf in der hellerleuchteten Aufnahmskanzlei der Obhut der Polizei übergeben wurde. Mir schien der Ton, mit dem der Gestapobeamte den diensthabenden Polizisten über meinen Fall kurz informierte, sehr herrisch, auf keinen Fall aber kollegial zu sein. ,, Also, sperren Sie ihn ein, Heil Hitler!" Damit verschwand er und hat hoffentlich den Beginn des Kinos um acht Uhr abends noch erreicht. Der Polizeibeamte sah mich fast etwas verlegen an: ,, Also, schon wieder ein Pfarrer?" Er legte ein Formular auf den Tisch, putzte sich die Brille und rief dann durch die offene Tür einen jungen Beamten: ,, Sie, kommans zu mir, wir haben da noch einen Zugang, schaun S' nach, auf welcher Zelle noch am meisten Platz ist!" ,, Ein Pfarrer ist's- von Kronstorf, nicht wahr?" Ich beantwortete alle an mich gerichteten Fragen in der mir nun als Häftling zustehenden Bescheidenheit und nahm mir vor, nichts Überflüssiges zu sprechen. Auch mußte ich Handtasche, Mantel, Hut, Taschenmesser und Hosenträger abgeben. Letztere, von denen ich mich nur mit Widerstreben verabschiedete, deswegen, wie man mir sagte, damit ich nicht Selbstmord begehen könnte. Da wurde die Amtshandlung auf einmal durch eine laute Stimme aus dem Hintergrund gestört: ,, Ja, um Himmels willen, das is jadas san ja Sie, Herr Pfarrer Arthofer!" -- - Ich drehte mich zur Seite und sah einen Mann in Sträflingskleidern neben mir stehen, den ich sofort als einen ehemaligen Insassen der Strafanstalt Garsten erkannte: ,, Ja, der U......, wie kommen denn Sie da herein?" ,, Wia i da einakumm, das ist sehr leicht, Herr Hochwürden! Aber Sie? Pfarra sperrns ein, sag i Ihna, das ist eine Schweinerei, diese Ba - - ,, Verschwinden Sie, U......, aber sofort!" donnerte die Stimme eines Beamten. ,, Da hört sich doch alles auf!" räsonierte es hinter mir noch weiter ,,, eine Impertinenz, sag ich Ihnen, wo kommen wi draußer ,, Also ältere F sind ha Der folgte i langen Türe u wollte. Die dunkel. aus der raden Da rich san Si Kronste storf, d guat se alle G Ich b kämpfe mit m genenl: beamte uns zu fortige meiste ganger uns di jetzt s Depp So einer offen Sessel mir a ULR 10 i der Obhut beamte den kurz inforkollegial zu Damit veres Kinos um erlegen an: ein Formud rief dann : ,, Sie, komng, schaun S' z ist!". wahr?" ragen in der denheit und echen. Auch messer und ch mich nur wie man mir könnte. durch eine Ja, um Himja Sie, Herr - en Mann in ch sofort als Garsten erSie da herleicht, Herr us ein, sag i --" 4 donnerte die s hinter mir en, wo kommen wir denn da hin...?", dann erstarb seine Stimme draußen am Gang. ,, Also, wir geben ihn auf Zelle Nr. 27", entschied der ältere Beamte ,,, dort ist doch noch am meisten Platz und sind halbwegs anständige Leute drinnen." Der Jüngere aber nahm einen Schlüsselbund und ich folgte ihm über einige verdunkelte Stiegen und einen langen Gang. Dann öffnete und schloß sich eine eiserne Türe und ich war dort, wo mich die Gestapo haben wollte. - - " - Die Zelle hatte nur ein Fenster und war fast völlig dunkel. Durch meine Ankunft waren wohl die Bewohner aus dem ersten Schlaf gestört worden. Wieviele Kameraden ich hier hatte, konnte ich vorerst nicht erkennen. Da richtete sich eine Gestalt von der Pritsche auf: ,, Wer san Sie denn eigentlich?" ,, Ich bin der Pfarrer von Kronstorf." ,, Was, heiligs End, der Pfarrer von Kronstorf, der frühere Strafanstaltsseelsorger-- meine Leut, guat schaun ma aus! Mir scheint, die Nazi sperrn eh nu alle Geistlin ein!", Wer sind denn Sie?" fragte ich. ,, Ich bin der Peter B... aus Steyr. Ich war als Spanienkämpfer auf der roten Seiten gegen Franco, dann bin ich mit meine Kameraden in einem französischen Gefangenenlager gewesen, dort ham uns deutsche Gestapobeamte besuacht, waren sehr freundlich mit uns, habn uns zur Heimkehr nach Österreich eingeladn und uns sofortige Anstellung als Fabriksarbeiter versprochen. Die meisten von uns habn das geglaubt und san auf den Leim gangen. Sofort nach unserer Ankunft im Dritten Reich hat uns die Gestapo hinter Schloß und Riegel g'setzt. I denk jetzt schon a paar Monat auf der Zelln nach, was i für a Depp war, daß i dera G'sellschaft was glaubt hab." - So erzählte er mir seine Schicksale, während ich in einer Ecke der Zelle gegenüber der Abortmuschel, die offen im Raume angebracht war, auf dem Boden saß. Sessel war keiner vorhanden. Einige Mann lagen neben mir auf dem Boden, weil auf der überfüllten Pritsche 11 und den dort befindlichen Matratzen für sie kein Platz mehr war. Es begannen sich verschiedene an unserem Gespräch zu beteiligen, doch meine Gedanken zogen in die Ferne. Mir kam alles so wunderlich und unwirklich vor, wie ein böser Traum, den man mit aller Gewalt abschütteln möchte. Aber es war und blieb doch alles harte, unver- rückbare Wirklichkeit. Frontsoldat des Weltkrieges, Priester der katholischen Kirche, fehlerhaft, aber doch vom guten Willen beseelt, die Gesetze nicht nur der Kirche, sondern auch des Staates zu achten, vom eigenen Gewissen in eherne Opposition zu einer antichristlichen Seelenversklavung getrieben, deswegen nun ins Gefäng- nis verschleppt. Ein tiefer Ekel begann mich zu würgen. Bittere Gedanken wollten sich mir aufdrängen; da schlug feierlich die Uhr vom nahen Mariendom und es wurde wieder lichter in meinem Innern. Was ist an meinem Erdenglück gelegen? Alles für Christus!———— „Vielleicht könnten wir jetzt ruhig sein und schlafen?* fragte ich.„Jawohl“, sagte Peter B..., der, wie ich bald merkte, von allen als Zellenchef anerkannt wurde— „aber Sie werden nicht dort amBoden sitzen bleiben, sondern da heroben auf einer Matratze liegen.— Du,— hörst, leg di auf die Bretter abi, da kummt da Pfarra her!“ Dabei zog er einen unsanft an den Füßen von der Pritsche herunter. Ich protestierte vergebens. Ein jün- gerer Bursche legte sich willig auf den Boden und die ganze Versammlung forderte einstimmig, daß ich un- bedingt einen Platz auf einer Matratze erhalten müsse. Ich mußte nachgeben, sonst wäre in die Zelle keine Ruhe gekommen.—— Und zu meiner Schande muß ich gestehen, ich bin in den zehn Wochen auf Zelle 27 niemals auf dem Fuß- boden gelegen. Dieses„Recht“ wurde mir gewaltsam verweigert.——— So begann meine erste Nacht im Gefängnis. Schlafen konnte ich nicht. Abgesehen davon, daß ich so eingekeilt 12 war, di Rückei Stoekn einer Erdges Betrun meine! schlug erste Am näher einem sein n Es ga) kämpf besch sein\ zu er einen nieur hatte, liebst staple sein, Es allen lema Verd Ipra, Grob hoch Di kam erste Was der sie kein Platz Ban unserem nken zogen in klich vor, wie lt abschütteln harte, unverWeltkrieges, aft, aber doch nicht nur der , vom eigenen ntichristlichen n ins Gefängch zu würgen. gen; da schlug und es wurde st an meinem - und schlafen?" wie ich bald nnt wurde witzen bleiben, gen.- Du,- mt da Pfarra - Füßen von der wens. Ein jünBoden und die daß ich unhalten müsse. Alle keine Ruhe en, ich bin in auf dem Fußmir gewaltsam gnis. Schlafen so eingekeilt war, daß ich mich nicht rühren konnte, und mich bald der Rücken zu schmerzen begann, hörte ich stundenlang im Stockwerk über uns den markerschütternden Weinkrampf einer von der Gestapo verhafteten Frau und aus einer Erdgeschoßzelle herauf das tierische Gebrüll eines schwer Betrunkenen. Ich starrte zur Decke empor und ließ an meinem Geiste Erinnerungen vorüberziehen. Dazwischen schlug die Domuhr Stunde um Stunde. So verging die erste lange Nacht. Am nächsten Morgen konnte ich meine Zellengenossen näher kennenlernen. Es waren etwa fünfzehn Mann in einem Raum, der für sechs Personen eben groß genug sein mochte, so daß wir wenig Bewegungsfreiheit hatten. Es gab unter uns fast lauter politische Häftlinge. Spanienkämpfer, einen Deserteur, den man auch der Spionage beschuldigte, einen früheren Landtagsabgeordneten, den sein Neffe denunziert hatte, um das Haus des Verhafteten zu erhalten, einen aus Rußland heimgekehrten Bauern, einen Beamten der Hermann- Göring- Werke, einen Ingenieur, einen Eisenbahner, der im Rausch zu laut gedacht hatte, einen moralisch verlotterten Burschen, der am liebsten seine Casanova- Anekdoten erzählte, einen Hochstapler, der angab, in Schanghai verhaftet worden zu sein, und trotz der Enge des Raumes regelmäßig morgens und abends Gymnastik betrieb, und einige andere. Es ging oft sehr laut her, aber doch herrschte unter allen Kameradschaft, von der nur der hochnasige Gentleman aus Schanghai ausgeschlossen war, weil er im Verdacht stand, ein Gestapospitzel zu sein. Er war der Sprache nach ein Reichsdeutscher und mußte sich viele Grobheiten gefallen lassen. Doch er stand offenbar so hoch über uns, daß ihn nichts beleidigen konnte. Die Verpflegung war schlecht und unzureichend. Doch kam mir das weniger zum Bewußtsein, weil ich in diesen ersten Wochen der Haft fast gar keinen Appetit hatte. Was mir meine Angehörigen durch das Entgegenkommen der Polizei( nicht der Gestapo) an Lebensmitteln in 13 LEO In di einke langj sorge lager Häft sich tum, Sata meine Zelle schicken konnten, verteilte ich immer unter meine Leidensgenossen. Freilich begann ich bald abzumagern. Ich fühlte mich nicht unglücklich, aber leiblich und seelisch gepeinigt, besonders an den Sonntagen, wenn die Kirchenglocken zum Gottesdienst einluden. Da fühlte ich eine qualvolle Sehnsucht nach dem Orte meiner seelsorgerischen Tätigkeit. Dann lehnte ich mich wohl an die Mauer, schloß die Augen und ließ mir von meiner Phantasie Bilder malen, die nur zu bald vom Lärm des ruhelosen Gefängnisses wieder zerrissen wurden. Einige Tage nach meiner Einlieferung bat ich einen Polizeibeamten um die Ausfolgung meines Breviers, und ich betete es dann täglich in einem Winkel der Zelle. Oftmals mahnte dann Peter B... die anderen zur Ruhe: ,,' s Maul halten, da Pfarra tuat beten!", und dann wurde es um mich still. aus Dac ernst, d gen bis zu erwa Als ic teilte, d erhielt einen B Schreib Lupe no solche. Ein E Sonntag meiner vermute geheim stand nen. Obe zese lerre am I trete Wun Kaze dies Treue Nur in der Nacht kann man die Sterne zählen, und nur der Leidgeprüfte, Verarmte, Verfemte kann zuverlässig erkennen, wo er noch echte, treue Freunde hat. Mein einziger Bruder Max versuchte nach meiner Verhaftung alles, um mich frei zu bekommen. Er nahm Rechtsanwälte, schrieb einer Schwester des Führers, ging auch zu Gauleiter Eigruber. Dieser schien etwas angeheitert zu sein, lief aufgeregt auf und ab und wiederholte immer dasselbe: ,, Da läßt sich nichts machen, der Mann ist uns gefährlich durch sein Wort!" meinem begrüßt herrlich Semme Herm Kurz bevor man mich nach Dachau lieferte, begab sich mein Bruder nochmals zur Gestapo nach Linz und fragte, was man denn eigentlich mit mir vorhätte. Man antwortete ihm: ,, Wir werden ihn ein Jahr einsperren, vielleicht wird noch einmal ein anständiger Mensch aus ihm." Mein guter alter Vater, der kurz nach meiner Heimkehr mal etw schen S ich vorSeelsor energis Willen, und zw ich." Der Freude weil er es ja se U... ablehnt beiden ULR 14 immer unter h fühlte mich ch gepeinigt, irchenglocken ach dem Orte hnte ich mich ließ mir von zu bald vom errissen wurbat ich einen Breviers, und el der Zelle. en zur Ruhe: dann wurde hlen, und nur n zuverlässig de hat, Mein er Verhaftung nahm Rechtsers, ging auch as angeheitert erholte immer der Mann ist te, begab sich nz und fragte, Man antworren, vielleicht us ihm."- iner Heimkehr aus Dachau starb, nahm diesen Bescheid der Gestapo so ernst, daß er am Jahrestag meiner Verhaftung vom Morgen bis zum Abend auf dem Bahnhof blieb, um mich dort zu erwarten. - Als ich vom Gefängnis aus meinen Angehörigen mitteilte, daß man mir schreiben könne, sooft man wolle, erhielt ich von meinen treuesten Freunden fast täglich einen Brief, obwohl man wußte, daß die Gestapo jedes Schreiben zensiere und die Schreiber selber unter die Lupe nehme. Freunde in der Not ja, es gibt auch solche. Ein Erlebnis werde ich nie vergessen: Da ich am ersten Sonntag meiner Gefangenschaft gerade einige Löffel meiner mageren Mittagssuppe gegessen hatte, öffnete unvermutet ein Polizist die Zellentür und winkte mich etwas geheimnisvoll hinaus. Ich folgte ihm auf den Gang; da. stand strahlend der Sträfling U....., der mich bei meinem Eintritt in diese ehrwürdigen Hallen so feierlich begrüßt hatte, und hielt mir auf einem Servierbrett ein herrliches Mittagessen entgegen: Kalbsbraten mit Soße, Semmelknödel und Salat. ,, Herr Hochwürden", sagte er ,,, da bring ich Ihnen einmal etwas Besseres zum Essen, damit Sie auf den ärarischen Saufraẞ amal a Abwechslung habn!" Zuerst war ich vor Ergriffenheit über diese Güte meines ehemaligen Seelsorgebefohlenen sprachlos, dann lehnte ich ganz energisch ab: ,, U....., ich danke Ihnen für den guten Willen, aber erstens habe ich ohnehin keinen Appetit und zweitens haben Sie dieses Essen viel nötiger als ich." Der Polizist mahnte mich: ,, So machen S' ihm halt die Freude! Er hat das für Sie in der Beamtenküche erbettelt, weil er dort als Fazie( Gangdiener) Zutritt hat. Ihm geht es ja selber nicht schlecht." U..... blickte mich traurig an, weil ich so bockbeinig ablehnte; da gab ich mich besiegt und ging mit den beiden in eine leere Kanzlei. Dort aß ich die Hälfte von 15 er-= allem, und es schmeekte mir zum erstenmal seit meiner Verhaftung.——— Nebenbei bemerkt, wanderte U..... auch in das Kon- zentrationslager Dachau, wurde später als Versuchs- kaninchen für Flecktyphus nach Buchenwalde gebracht, kam aber wie durch ein Wunder mit dem Leben davon und schrieb mir schon einmal aus seiner Heimat. Gott möge ihm seine Treue lohnen, die mich in dunklen Tagen so sehr erfreut und getröstet hat! ö Was die Polizeibeamten anbelangt, mit denen ich zu tun hatte, so waren sie alle treu österreichisch gesinnt und Gegner des braunen Gewaltregimes. Ich hörte, daß auch einige andere im Hause seien, aber mit denen hatte ich gottlob niehts zu schaffen. Besonders an den Hilfspolizisten T... erinnere ich mich in Dankbarkeit. Sooft er an einem Sonntagnach- mittag in unserem Stockwerk allein den Dienst versah, freute ich mich schon. Da schloß er gerne, wenn die Luft rein war, die Zelle auf und rief mich, damit es nicht zu stark auffiel, unter irgendeinem Vorwand auf den Gang hinaus. Draußen fragte er mich dann:„Wollen Sie mit mir eine Zigarre rauchen? Wir können ein paar Stunden ungestört in meinem Dienstzimmer sitzen.“ Ich war selbstverständlich jedesmal hoch erfreut, wenn ich wieder für eine Weile die schlechte Luft des Gefängnisses verlassen konnte, Wir sprachen im Vertrauen viel miteinander, und ich merkte deutlich, daß er, wie die meisten seiner Kollegen von der österreichischen Gruppe der Polizei, eine ganz tiefe Abneigung gegen die unmoralische Diktatur der. NSDAP. und die verbrecherischen Methoden der Gestapo hegte. Er tröstete mich oft mit der Hoffnung, daß diese Gewaltherrschaft nieht von Dauer sein könne. „Wir von der Polizei“, meinte er einmal,„haben über- haupt nichts zu reden. Die Gestapo wirft die Leute will- kürlich in das Gefängnis, ob nun Platz ist oder nicht. Die Polizei hat vor jedem Gestapobuben stramm zu 16 stehen, 0 Ärgeres| Ein an eigentlich Gefängnis und Weg: veil man tens müß Nein, n auch daft niemals; Verden y den, Itge fionslage mußte m Reich de im den wenn eiı Sichtig W Tor der in der hatte, mal seit meiner stehen, oder man macht uns brotlos, wenn uns nichts Ärgeres passiert.“ ch in das Konals Versuchsalde gebracht, m Leben davon Heimat. Gott dunklen Tagen denen ich zu ichisch gesinnt Ich hörte, daß mit denen hatte Ein anderes Mal sagte er nachdenklich: ,, Wissen, Sie, eigentlich wäre es mir möglich, Ihnen die Flucht aus dem Gefängnis zu organisieren. Oh, ich wüßte schon Mittel und Wege. Aber, erstens werden Sie selber nicht wollen, weil man ja dann Ihre Angehörigen packen würde, zweitens müßte ich auch selber spurlos verschwinden." - Nein, nicht fliehen! Wer ein Ideal im Herzen hat, muß auch dafür kämpfen und dulden. Wer aber im Leben niemals aus seiner bequemen Ofennische aufgescheucht werden will, muß zuerst seinen Grundsätzen treulos werden. Irgend jemand hat die Priester in den Konzentrationslagern als Märtyrer der Dummheit bezeichnet. So erinnere ich mußte man denken und urteilen, wenn man im Dritten Sonntagnach- Reich den„, Platz an der Sonne" um jeden Preis, selbst um den Preis der Ehre, behaupten wollte. Und selbst, wenn ein Soldat fiel, weil er im Kampfe einmal unvorsichtig war, darf ihn deswegen jener nicht schmähen, der vor der Feindeskugel sicher blieb, weil er sich bequem in der Etappe ,, kluger Vorsicht" getarnt und versteckt hatte. Dienst versah, war, die Zelle kauffiel, unter naus. Draußen ir eine Zigarre ungestört in bstverständlich für eine Weile sen konnte, Gestapoverhöre Die Gestapo konnte trotz ,, ihres besten Willens" keinen ander, und ich Strafparagraphen finden, um mich vor Gericht zu stellen. seiner Kollegen izei, eine ganz Diktatur der en der Gestapo ung, So kam ich, wie weitaus die meisten meiner Amtskollegen, die ich im KZ. kennenlernte, ohne Urteil, einfach auf Grund des gesunden Rechts empfindens deutscher Menschen" in eine ärgere Lage als alle Mörder, Branddaß diese leger, Einbrecher und Hochstapler, deren Seelsorger ich önne. ,,, haben überdie Leute willist oder nicht. en stramm zu einst gewesen und deren Alltagsleben, Verpflegung und Behandlung in der Strafanstalt so wie sie im alten Österreich war, ohne Übertreibung paradiesisch gewesen ist gegenüber der Lage eines Kazetlers im Reiche des Exösterreichers Hitler. 2 Arthofer. Konzentrationslager. 17 „Lieber fünf Jahre im Zuchthaus als ein Jahr Dachau“, sagte mir ein Mann im Münchener Schubarres und ich dachte nur zu oft hernach an seine Worte.—; Zwei Tage nach meiner Verhaftung holte mich ein etw zwanzig Jahre alter Gestapoagent, meine Zellengenosse nannten ihn mit dem Spitznamen„Gaihoferbub“ oder$ ähnlich, und führte mich vom Polizeigefängnis in da Gestapohaus, das frühere Gesellenvereinsgebäude, 2 meinem ersten Verhör. Eine Weile ließ man mich allein und unbewacht i einem Gange stehen, dann rief mich einer der Beamte die mich verhaftet hatten, zu sich in eine kleine Kai Dort durfte ich mich niedersetzen. Kommissär Stangel zündete sich eine Zigarette an, ohn mich vorerst anzusehen, lehnte sich eine Weile an eit offenes Fenster und rief einem Mädchen auf der Straß unten einige Scherzworte zu. Endlich drehte er sich ge langweilt mir zu, sah mich mißmutig an, so wie ein Fliege, die einem in die gute Suppe gefallen, gähnte, un begann seine Amtshandlung. „Na also, Sie sind ja ein feines Kaliber! Glauben$i ja nicht, daß wir Sie nur wegen des Briefes in Haft b halten, den wir gefunden haben, Der ist schließlich ein Lappalie. Wenn sonst nichts wäre, könnten Sie ruhig nat Kronstorf zurückgehen, Aber Sie sind ja ein ganz gerie' bener Bursche. Wir haben Sie schon lange überwacht und nun haben wir die Beweise, daß Sie——— Mit glied des Österreichischen Freiheitsbundes sind!“ Er sah mich triumphierend und ich ihn gewiß nich! besonders geistreich an, denn diese Anklage hätte ie doch nicht erwartet. ‚Na also, was sagen Sie dazu?“ fragte er scharf. „leh war nicht Mitglied des Freiheitsbundes.“ „Also kennen tun Sie ihn doch? „Ich habe gehört, daß eine solche Organisation besteht, Aber ich wundere mich, daß die machtvolle NSDAP. sich) überhaupt viel um eine solche Geheimorganisation küm-) 18 mert, kaum „Oh der P: „Abi Höh verlog dächtn „Ja, „sti Ich so unl „So daß$ Er: zu pol der, j deufse Nie,- Bewe Droze keit] tiere Ofte Sich; mehr. Steck, se „Hk „Ss Mich Als Sie} faum Sie je als ein Jahr hener Schubarres seine Worte. molte mich ein etw ine Zellengenosse ihoferbub" oder eigefängnis in d ereinsgebäude, und unbewacht einer der Beamte ine kleine Kanzl Zigarette an, ohr eine Weile an e en auf der Straf drehte er sich g gan, so wie ein Hallen, gähnte, un liber! Glauben Si Briefes in Haft be ist schließlich ei ten Sie ruhig na ja ein ganz geri lange überwach Sie andes sind!" h ihn gewiß nid Anklage hätte i te er scharf. bundes." ganisation besteh volle NSDAP, sid organisation küm mert, die ja doch der Partei und ihrem Machtapparat kaum viel schaden kann." ,, Oh, da täuschen Sie sich! Der Freiheitsbund schadet der Partei sehr viel." ,, Aber ich war niemals Mitglied des Freiheitsbundes!" Höhnisch lachte er auf: ,, Ihr Pfaffen seid doch eine verlogene Bande! Aber ich werde Ihrem schlechten Gedächtnis nachhelfen. Kennen Sie einen Josef Hiebl?" ,, Ja, das ist offenbar mein Nachbarpfarrer." ,, Stimmt! Der ist auch beim Freiheitsbund." Ich mußte lächeln: ,, Nein, der ist in dieser Sache genau so unbeteiligt wie ich." ,, Soso? Soso? - Aber glauben Sie ja nicht, daß Sie uns zu gescheit werden!" - Er setzte eine ganz verbissene Miene auf und begann zu poltern: ,, Unschuldig wollt ihr sein, ihr sauberen Brüder, ihr Staatsfeinde, ihr verlogene Brut! Keine Spur von deutscher Ehrlichkeit steckt in euch, ihr Romknechte! Sie, ich sage Ihnen etwas: Wir werden noch mehr Beweise sammeln, und dann machen wir einen Schauprozeß mit Ihnen; dann werden wir in aller Öffentlichkeit Ihre Verlogenheit an den Pranger stellen, das garantiere ich Ihnen." Offenbar angeekelt, wandte er sich von mir ab, setzte sich an eine Schreibmaschine und beachtete mich nicht mehr, bis der junge Bursche den Kopf zur Türe hereinsteckte: ,, Brauchen Sie ihn noch?" ,, Nein, fahren Sie ab mit ihm." 99 Heil Hitler!" ,, Heil Hitler!" ,, Sind Sie beim Verhör geschlagen worden?" fragte mich nach meiner Rückkehr ein Zellenkamerad. Als ich verneinte, war er sehr verwundert. ,, Mich haben sie bei meinem letzten Gestapoverhör in einen Kellerraum geführt und dort windelweich verprügelt. Da sind sie ja vornehm mit Ihnen gewesen." 2% - 19 Ich hatte nun fast zwei Monate Zeit, über die Noblesse der Gestapo nachzudenken. eines 8 schien) Niemals war mir vorher im Leben der Tag, die Woche| las® i oder gar ein Monat so endlos lang vorgekommen wie auf Zelle 27 mit dem eingebauten Klosett und der schweren, üblen Luft. Wie freuten wir uns, wenn wir alle zehn Tage einmal in dem mauerumfriedeten Spazierhof im zweiten Stock eine kleine Weile im Gänsemarsch kreis- umlaufen duriten! Da suchten wir die Lungen von allen Düften des Gefängnisses frei zu machen und nebenbei auch mit Schicksalsgenossen von anderen Zellen etwas Fühlung zu bekommen. Das Rauchen war auf den meisten Zellen verboten, aber beim Spaziergang steckte mir manchmal der alte Prior Seitz der Barmherzigen Brüder, der sich schon lange in politischer Haft befand, heimlich eine Zigarre zu. Die rauchten wir dann in unserem„Salon“ gemeinsam. Einer hatte die Zigarre im Mund, die anderen standen im Kreise und zählten die Züge, die er tun durite, bis der nächste drankam. Auch machten wir uns aus Brot Figuren zu einem„Dame*-Spiel, in dessen Feinheiten mich mein Zellenchef Peter B... meisterhait einführte. Bücher und Zeitungen waren uns offiziell verboten. Das einzige Gedruckte im Raum war eine„Hausordnung für Häftlinge“ an der Wand.$ 1 lautete:„Der Deutsche Gruß ist jedem Häftling verboten!“ Es half mir über man- chen trüben Gedanken hinweg, daß man uns den Geßler- hut von der Stange genommen hatte. Wenigstens eine Freude! N In der Nacht zum 13. März 1941, dem dritten Jahres- tag der„Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deut- schen Reich“, warf man uns gegen Morgengrauen einen schwer betrunkenen Blutordensträger in die Zelle, der mit seinem wilden Geschimpfe eine würdige Einleitung zu diesem Gedenktage lieferte. Er wetterte furchtbar gegen die Partei, die seine Verdienste so schnöde belohnt habe, gab dem Führer Bezeichnungen, die auf den Lippen 20 Da er von sei nern:„; ten Füh dazu h hefreit Tage ii erschüt Beleidi; Blutord Unse Wartete gend, n sagt, n alkoho! Parteig Dan der ve Äh! Unsere Etw; habe weite Bs; als je} Inhei] Setzen Bine inen sn Nun er die Noblesse Tag, die Woche mmen wie auf der schweren, wir alle zehn Spazierhof im emarsch kreisngen von allen und nebenbei Zellen etwas uf den meisten gsteckte mir erzigen Brüder, fand, heimlich n" gemeinsam. deren standen un durite, bis uns aus Brot sen Feinheiten haft einführte. verboten. Das ausordnung für Der Deutsche mir über manns den Geßlernigstens eine dritten Jahresmit dem Deutengrauen einen die Zelle, der Hige Einleitung terte furchtbar chnöde belohnt auf den Lippen eines so alten Kämpfers direkt als Gotteslästerung erschienen, und verlor sich angesichts seiner momentanen Lage in hemmungslosen Weltschmerz. Da erhob sich der Spanienkämpfer Peter B... feierlich von seiner Pritsche und begann unseren Gast anzudonnern: ,, Sie elende Kreatur wagen es, unseren heißgeliebten Führer in so iffamer Weise zu beleidigen, und noch. dazu heute am 13. März, an dem er unser Vaterland befreit hat! Wissen Sie, ich bin hier zwar schon einige Tage in Haft, aber meine Liebe zum Führer ist unerschütterlich. Ich werde gegen Sie eine Anzeige wegen Beleidigung der Partei erstatten, Sie Volksverräter, Sie Blutordenshochstapler!" Unser Neuzugang war angesichts dieser hier nicht erwarteten Maßregelung ganz gebrochen und bat händeringend, man möge das, was er gegen Führer und Partei gesagt, nicht für bare Münze nehmen. Er sei eben stark alkoholisiert und im übrigen ja doch ein zuverlässiger Parteigenosse. Dann setzte er sich hin und erbrach alles, was er in der vergangenen Nacht in sich aufgenommen hatte. Ähnliche Episoden brachten manchmal Abwechslung in unseren grauen Alltag. Etwa zwei Monate nach meiner Verhaftung, das Datum habe ich vergessen, wurde ich von der Gestapo zum zweiten- und letztenmal einvernommen. Es saßen vier Gestapobeamte an einem Tisch bereit, als ich das Zimmer betrat, und zeigten durchwegs eine unheildrohende Miene. Man ließ mich wieder niedersetzen. Einer entfaltete mit einem höhnischen Blick auf mich einen Papierbogen und fragte dann den Vorsitzenden: Soll ich beginnen?"- ,, Jawohl, Sie können vorlesen." Nun kam ein langes Sündenregister, das mich deswegen 21 LEO In di einka langj sorge lager Häft sich tum, Satar nen. Obe zese lerrei am n trete Wun Kaze diese interessierte, weil mir alle angeführten Daten völlig neu waren. Mitgliedschaft beim Österreichischen Freiheitsbund, Teilnahme an einer nächtlichen Geheimversammlung in Kolmitzberg bei Amstetten, wo ich nie gewesen, und Zusammenarbeit mit namentlich genannten Rechtsanwälten, Doktoren, Bauern, Pfarrern, die ich bis auf einen alle nicht kannte. , Was sagen Sie dazu?" fragte mich der Ältere. ,, Daß mir das alles völlig unbekannt ist!" " - Alle zeigten sich tief entrüstet. Ich hörte Ausdrücke wie: ,, Impertinente Verlogenheit! Das ist wieder einmal eine ganz gute Nummer! Bornierte Frechheit, wo wir doch alle Beweise haben!" ,, Also Sie geben an, daß Sie von all diesen Dingen nichts wissen?" ,, Ja!", sagte ich. ,, Ich verstehe nicht, wie Sie solche Anschuldigungen vorbringen können. Übrigens möchte ich darauf hinweisen, daß Sie mich nun schon wiederholt als Lügner bezeichnet haben. Da wäre es doch besser, wenn Sie mich überhaupt um nichts mehr fragten - -" Da zündete sich der Vorsitzende eine neue Zigarette an, sah mich fast freundlich an, drehte seinen Sessel näher zu mir her und begann in väterlichem Ton: ,, Sie sind wirklich nicht schlau, wenn Sie so leugnen. Wir wissen ja doch alles. Sehen Sie, wir haben Ihren Freund Pfarrer Hiebl bereits verhaftet, und der war ehrlicher als Sie. Der hat bereits alles eingestanden." - Unwillkü Sind Sie Ich will ich meinen ohnehin nic Es entsta zur Türe un Das Verl Mein Am konfrontier Es vergin auf den Zo den ich bis offenen No Sind Si Ja!"- Für we Für nie arbeitet nu sorgt." Haben Nein, ic Desweg Ich hal Da mußte ich unwillkürlich lachen: ,, Solche Dinge erzählen Sie mir? Daß Sie meinen Nachbar verhaftet haben, halte ich ja für möglich, aber ein Geständnis??--" ,, Rätselhaft", brummte der Vorsitzende und sah seine Kollegen fast ratlos an. Dann stand er auf, trat ganz nahe an mich heran und schrie: ,, Mit Ihnen werden wir noch anders verfahren! Wissen Sie, alle, die wir in Ihrer Angelegenheit verhaftet haben, sind hier in Linz. Sie warten da drüben in einem Zimmer auf die Konfrontierung und wir brauchen sie nur hereinzuholen!" Also S Volkswohl Wollen Er zuck Dann Tinte irg dieser Ste Auch ULRI 22 ten völlig neu men FreiheitsheimversammUnwillkürlich entschlüpfte es mir: ,, Gott sei Dank!" ,, Sind Sie nicht frech!" fuhr mich einer an. ,, Ich will nicht frech sein, aber es freut mich, wenn nie gewesen, ich meinen Kollegen Hiebl sehe. Die anderen kenne ich ohnehin nicht." nnten Rechtse ich bis auf Altere, rte Ausdrücke ist wieder einFrechheit, wo diesen Dingen wie Sie solche ens möchte ich wiederholt als besser, wenn " meue Zigarette seinen Sessel nem Ton: ,, Sie leugnen. Wir Ihren Freund ehrlicher als lehe Dinge ererhaftet haben, mis??-- 4 und sah seine frat ganz nahe erden wir noch ir in Ihrer AnLinz. Sie warKonfrontierung Es entstand eine längere Pause, dann ging der Chef zur Türe und rief hinaus: ,, Abführen!" Das Verhör war zu Ende. - Mein Amtsbruder Hiebl und alle, mit denen man mich konfrontieren wollte, sind niemals verhaftet worden. Es verging wieder eine Reihe von Tagen, da wurde ich auf den Zellengang hinausgerufen. Ein Gestapobeamter, den ich bisher nicht gesehen hatte, stand dort mit einem offenen Notizblock, den Bleistift bereits angesetzt. ,, Sind Sie der Pfarrer Leopold Arthofer?" „ Ja!" - „ Für wen haben Sie eigentlich zu sorgen?" - ,, Für niemand. Meine Tante, die meine Wirtschaft führt, arbeitet nun für meinen Amtsvertreter und ist also versorgt." " Haben Sie Kinder?" ,, Nein, ich bin Pfarrer--—.“ ,, Deswegen können Sie doch Kinder haben." ,, Ich habe keine Kinder." ,, Also gut, so wird die NSV( Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) für Ihre Tante sorgen." 99 , Wollen Sie mich denn so lange einsperren?" Er zuckte die Achsel: ,, Weiß ich nicht!" ,, Dann aber, bitte, will ich nicht, daß die NSV meiner Tante irgendwie Hilfe anbietet. Sie wird bestimmt von dieser Stelle niemals etwas annehmen." ,, Auch gut!", sagte der Mann und ging. 23 \ | Einmal holte man mich in diesen Tagen zum„Klavier- spielen“. So nannten meine Zellengenossen die Abnahme der Fingerabdrücke. Von dieser Zeremonie, die man vor der„Befreiung“ Österreichs nur mit Schwerverbrechern, besonders Einbrechern, vornahm, kehrte ich mit aus- gesprochenem Galgenhumor zurück. Nun stand ich ja mit numeriertem Lichtbild und mit Fingerabdruck vollwertig im Verbrecheralbum des Dritten Reiches. Wiederum las ich mit Wohlbehagen den Anschlag an der Zellenwand: „$ 1: Es ist jedem Häftling der Deutsche Gruß verboten.“ In dieser Zeit, das erfuhr ich erst nach meiner Heim- kehr, wurde in meinem Pfarrert Kronstorf eine Ver sammlung einberufen, in der ein Parteiredner Sieg- mund klarlegte, was ich für ein schlechter Mensch sei. Er brachte gegen mich die verschiedensten Beschul- digungen vor, von denen in meinen Verhören nie die Rede gewesen, und erklärte schließlich, man hätte auf Grund meiner Verworfenheit das Recht, mich aufhängen zu lassen, aber man wolle sieh mit mir die Hände nicht be- schmutzen. Mitte April 1941 kam ein Polizist mit einem roten Schutzhaftbefehl zu mir und verlangte, daß ich ihn zuerst lesen, dann unterschreiben solle. Das Dokument trug die Signatur: Heydrich. Sein Inhalt lautete:„L. A., Pfarrer in Kronstorf, hat seine politische Gegensätzlichkeit neuer- lich bewiesen und bedeutet daher seine Freiheit eine Gefahr für die Sicherheit des deutschen Staates. Er wird deswegen in Schutzhaft genommen.“——— Als der Beamte wieder fort war, meinte Peter B... nachdenklich: „Das bedeutet Dachau.“ Ich machte mich also innerlich reisefertig. Einige Tage vielleicht noch, das wußte ich, dann ging es aus Zelle 27 fort ins Konzentrationslager. Und ich sprach zu mir ein kräftiges: In Gottes Namen! Du hast tausendmal anderen Gottvertrauen gepredigt. Nun beweise, daß du es auch selber hast! i Dach Lager. kreuze Sche kunft s 1.V 2 W Am auch] Absehi die Rı leutna Auch| Inı einen kamer Stiege fanter Bing heißg Schier Maxgl {rotz ‚ Soldaı Weiten Wider Wi Stadt Beute Neuer Sch gen zum„ ,, Klavier sen die Abnahme onie, die man vo chwerverbrecher rte ich mit aus n stand ich ja mi bdruck vollwerti es, Wiederum las der Zellenwand e Gruß verboten. ach meiner Heim onstorf eine Ver " arteiredner Sieg chlechter Mensch edensten Beschul ören nie die Rede hätte auf Grund ch aufhängen zu e Hände nicht be mit einem roter daß ich ihn zuers die Dokument trug e: ,, L. A., Pfarre sätzlichkeit neuer eine Freiheit ein n Staates. Er wir Als de B... nachdenklich mich also innerlic ch, das wußte ich mentrationslager. In Gottes Namen rtrauen gepredigt st! Dachau - Reise nach Dachau auch da? Dieses Wortspiel hörte ich oft im Lager. War es noch eine Schande, im Zeichen des Hakenkreuzes als politischer Häftling interniert zu werden? Scherzweise stellten wir uns die Fragebogen der Zukunft so vor: 1. Waren Sie im Hitlerreich eingesperrt? 2. Warum nicht? - Am 24. April nahm ich mit etwa zwanzig anderen, auch Frauen, vom Polizeigefängnis in der Mozartstraße Abschied. Je zwei Mann wurden zusammengefesselt; als die Reihe am Schluß an mich kam, befahl der Polizeileutnant zu meiner Überraschung: ,, Diesen nicht fesseln!" Auch glaubte ich, in seinem Blicke Teilnahme zu lesen. In einem Arrestauto ging es zum Bahnhof, dort in einen Gefängniswaggon mit eingebauten Zellen. So kamen wir zur Nachtzeit in Salzburg an. Erinnerungen stiegen in mir auf. Vor 25 Jahren diente ich beim Infanterieregiment Nr. 59 im herrlichen Salzburg als Soldat, ging von hier an die Front, voll Begeisterung für unser heißgeliebtes österreichisches Vaterland. Wie oft marschierten wir abgehetzt und müde vom Exerzierplatz Maxglan durch das Neutor in die Stadt! Dann sangen wir trotz allem ,, Tschach" aus frohen Kehlen die schönsten Soldaten- und Heimatlieder und freuten uns, wenn in den weiten Gewölben des Neutors unser Gesang donnernd widerhallte. Es war einmal. Wie so ganz anders war mein heutiger Einzug in die Stadt! Zum Auswürfling gestempelt, entrechtet, vogelfreie Beute der SS, wegen der Treue zu den alten Idealen im neuen Reich als ,, Staatsfeind" gebrandmarkt. - - Schlaftrunkene Polizisten brachten uns im Polizeigefängnis in einen großen, schmutzigen Schubarrest. Einer der Beamten sah mich prüfend an, ich trug kein Kenn25 LEO In di ein ka langj sorge lager Häftl sich tum, Satar nen. Obel zese lerrei am n treter Wun Kaze diese zeichen meines Berufes mehr, und fragte dann leise: ,, Sind Sie ein Pfarrer?" Als ich ihm zunickte, brummte er: ,, Das sind Zeiten!" Am nächsten Morgen wurden wir wieder in Autos zum Bahnhof gebracht; dort durften wir, von Gestapobeamten bewacht, in einem schönen Waggon Platz nehmen. So vergaßen wir auf der Fahrt nach München beinahe unser dunkles Los und freuten uns an den vorüber eilenden herrlichen Landschaftsbildern. Nur ab und zu rief uns irgendein grober Zuruf unserer Bewachung wieder eine Weile in die Wirklichkeit zurück: Reise nach Dachau, für die meisten Fahrt zum Krematorium. bewunderten alle begeistert den herrlichen Chiemsee, der eben im goldenen Sonnenglanz den Himmel widerspiegelte. Aber wir Von München stehen in meiner Erinnerung nur zwei düstere Bilder: Drei Tage in einer ganz dunklen, verwanzten, übelriechenden Schubzelle anno 1941 und vier Jahre später bei meiner Heimreise aus Dachau München als endloser Trümmerhaufen. Die Stadt in ihrer einstigen herrlichen Schönheit habe ich leider nie gesehen. Dafür lernte ich die benachbarte SS- Zentrale Dachau um so besser kennen. ken versun grüßt? mehr ,, Hur waren wir Am 28. April 1941 morgens öffnete sich in München die Zellentür und wurde ich mit einigen anderen auf den Gang hinausgerufen. Dort standen zwei SS- Leute und fragten: ,, Sind das die Vögel?" Sie verlasen von einem Zettel unsere Namen, dann gab uns einer einen Wink, ihnen in den Hof hinaus zu folgen. Als wir dort, es war ziemlich kühl, unsere Hüte aufsetzten, brüllte einer der SS- Männer: ,, Ihr Hunde, werdet ihr eure Deckel heruntergeben!" einen Zwin Wir durften nun in einem schönen Personenauto Platz nehmen, dann ging es durch einige Straßen hinaus zu dem etwa 20 km entfernten Konzentrationslager Dachau. Unsere Begleiter erzählten sich Witze und ignorierten uns vollständig. Wir aber saßen schweigend und in GedanDu Affe führer zu außerhalb wurde, Al mich halb eine Taber Ankunft i einen viel In dem den, sah Zebra" a noch die sichtern n etwas zu Das sa Venn Si Waren. Sie keiner solcher Ge die Religi Da lachte elwas ga Dir um d ich mir, Antworten ULRI 26 e dann leise: kte, brummte ken versunken. Wie hatten uns die beiden da vorne begrüßt? ,, Ihr Hunde!" Ja, im Dritten Reich gab es mehr ,, Hunde" als Menschen. Und diesen ,, Menschen" waren wir nun ausgeliefert: Numeriert, geschoren und in estapobeamten einen Zwinger gesperrt: Hunde. in Autos zum nehmen, So beinahe unser prübereilenden d zu rief uns g wieder eine ch Dachau, für -- Aber wir Chiemsee, der mel widerspieung nur zwei dunklen, ver1941 und vier chau München hrer einstigen gesehen. Dafür mau um so besMünchen die Heren auf den 88- Leute und sen von einem r einen Wink, ir dort, es war üllte einer der eckel herunteronenauto Platz hinaus zu dem r Dachau. Ungnorierten uns und in GedanBegrüßung ,, Du Affe, stell' dich gerade her!", sagte ein Oberscharführer zu mir, als ich in der Aufnahmskanzlei, noch außerhalb des Lagertores, in eine Kartei eingetragen wurde. Als er hörte, daß ich Geistlicher sei, schaute er mich halb verächtlich, halb mitleidig an: ,, Schon wieder eine Tabernakelwanze!" Geschlagen wurde ich bei meiner Ankunft in Dachau nicht. Da hatten viele Kameraden einen viel ,, wärmeren" Empfang als ich. In dem Raum, wo die Aufnahmezeremonien stattfanden, sah ich zum erstenmal geschorene Kazetler im " Zebra" an Schreibtischen sitzen. Sie sahen uns, wie wir noch die eigenen Kleider trugen, aus abgemagerten Gesichtern neugierig an, wagten aber nicht, mit uns irgend etwas zu sprechen, weil einige SS- Leute in der Nähe waren. - ,, Das sag' ich Ihnen", meinte einer von ihnen zu mir, ,, wenn Sie noch einmal hinauskommen, Gehalt werden Sie keinen mehr kriegen. Warum sind Sie eigentlich ein -- ,, Es geht um solcher Gegner der Partei geworden?" die Religion und ich bin ein katholischer Geistlicher." Da lachte er grell auf: ,, Ach was, Religion? Es geht um etwas ganz anderes, es geht um die Wurst! Jawohl, nur um die Wurst geht es!"-- Ja, bei wem?, dachte ich mir, nahm mir aber vor, mich nur mehr auf knappe Antworten zu beschränken. - - 27 Nun waren wir„Neuzugänge“ in der Kanzlei erledigt, mußten uns vor dem niedrigen Gebäude in Fünferreihen aufstellen, die Kopfbedeckung immer in der Hand, dann kam ein SS-Mann und kommandierte:„Marseh!“ Wir befanden uns bereits in unmittelbarer Nähe des eigentlichen Konzentrationslagers, marschierten über eine kleine Brücke in einen weiten Torgang, über den das s0- genannte„Jour-Haus“(Haus der diensthabenden SS) er- baut ist, gekrönt von einem mit Maschinengewehren gar- nierten Wachtturm. An einem Schalter meldete unser Be- gleiter die Zahl der Neulinge, dann standen wir vor dem großen Haupteingang, einem zweiflügeligen Gittertor, durch das wir vorerst den riesigen Appellplatz und im Hintergrund Reihen von Baracken sehen konnten. In das Gitter war ein Ausspruch eingeschmiedet: Arbeit macht freil'———— Ein Kazetler, offenkundig der Pförtner, öffnete von innen einen Flügel, stand vor dem SS-Mann, die Mütze in der Hand, stramm wie eine Säule, lachte aber dann halblaut hinter uns nach:„Nur hereinspaziert, meine Herrschaften, der Friseur wartet schon!“ Er war offenbar der Aussprache nach ein Reichsdeutscher. Nun führte uns der Weg über einen Platz zu einem riesigen Gebäude, dessen Front wohl zirka 200 Meter lang ist, auf dessen gewaltigem Dach uns eine Schrift in zwei Meter hohen Buchstaben auffiel, ein Spruch über die ganze Front hin, weit über das ganze Lager ragend. Viel tau- sendmal standen später diese Worte am Appellplatz vor uns, prahlerische Worte:„Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Ehrlichkeit, Sauber- keit, Nüchternheit, Fleiß, Ordnung, Opfersinn, Wahrhaftig- keit, Liebe zum Vaterland.“ Hier merkten wir auch zum erstenmal etwas von der ewigen Ruhelosigkeit des Kazets. Mit schweren Holzschuhen donnernd einherklappernde Kolonnen von Häftlingen, nach verschiedenen Richtungen Laufende, Männer, die unter irgendeiner schweren Last. gebeugt einherkeuchten, stehenblieben, angebrüllt wur den, weiterwankten. Überhaupt sehr viel Geschrei, dessen) 28 Sinn wir verstehen Einstw‘ eigenartig genannter gewaltigs Tartgefüh führten 0 Um uns linge mi grober K lager ei inter m) gelben( Yöllig en Liste not führte m bad, eine Hithtung« srenzen] Man; gingen Y Hiftling me Gar konnte ı Die 7 "N gan Sitimen; Wären de Kni Dicht au Meine lauf Arkusk Maßen Besen, | Mößere Kanzlei erledigt in Fünferreihen der Hand, dann Marsch!" elbarer Nähe des hierten über eine über den das sohabenden SS) er mengewehren gar meldete unser Be nden wir vor dem geligen Gittertor, ppellplatz und in n konnten. In das let: Arbeit macht dig der Pförtner or dem SS- Mann Säule, lachte aber einspaziert, meine Er war offenbar er, Platz zu einem Sinn wir erst im Laufe der kommenden Wochen besser verstehen lernten, meist zu unserem Leidwesen. Einstweilen schauten wir im Gehen verwirrt dieses eigenartige Getriebe, dann standen wir auf einmal im sogenannten Schubraum, einer weiten Halle, in der ich die gewaltigste Metamorphose meines Lebens durchmachte. Zartgefühl gab es hier keines mehr. Zwei SS- Männer führten offenbar die Aufsicht, schienen sich aber kaum um uns zu kümmern. Dafür nahmen sich einige Häftlinge mit ihrem Capo um uns an. Der Capo war ein grober Kerl, wie wir überhaupt sogleich erfuhren, daß im Lager ein ,, rauher, aber herzlicher Ton" herrsche. ,, Herunter mit den Klamotten!" befahl der Mann mit der gelben Capobinde am linken Oberarm. Wir mußten uns völlig entkleiden, all unser Eigentum wurde auf einer Liste notiert und kam dann in einen großen Sack. Dann führte man uns nackt durch einige Gänge in das Lagerbad, eine große Halle mit Zementboden und Brausevorrichtungen an der Decke. Alles war uns furchtbar neu, grenzenlos nüchtern und seelenlos. Man schnitt uns alle Haare vom Körper, kahlköpfig gingen wir aus dem Bad, um nun Lagerwäsche und die ka 200 Meter lang Häftlingsuniform zu erhalten. Der Capo warf einem jeden me Schrift in zwei eine Garnitur vor die Füße, anprobieren oder auswählen ch über die ganze konnte man nichts. ragend. Viel tau Die Wäsche war zerrissen, die Zebramontur schon alt m Appellplatz vor und ganz verschmutzt, die Socken waren aus Fetzen zusammengenäht. Ich bin zirka 190 cm groß und die Kleider waren mir viel zu klein. Die Hose reichte gerade bis über Weg zur Freiheit hrlichkeit, Sauber rsinn, Wahrhaftig die Knie und ließ die Waden frei, die Bluse konnte ich ten wir auch zum nicht zuknöpfen und ihre Ärmel waren viel zu kurz. sigkeit des Kazets Meine Leidensgenossen mußten bei meinem Anblick einherklappernde hellauf lachen. Man sagte mir, daß ich aussähe wie ein denen Richtungen Zirkuskasperl. Nur war ich augenblicklich nicht so zum mer schweren Last , angebrüllt wur Spaßen aufgelegt wie ein solcher. Bescheiden sagte ich dem Capo, er möge mir doch etwas el Geschrei, dessen größere Kleider verschaffen. Höhnisch meinte dieser: ,, Ja, 29 Hochwürden, hier wird nicht nach Maß geschneidert. Sie werden ja in der Dachauerluft etwas abmagern, dann wird es schon gehen.“ Er gab mir absichtlich nichts Besseres, weil er wohl seiner Einstellung nach ein Priesterhasser war. Und Zigaretten hatte ich leider damals nicht bei mir, um sein Mitgefühl zu wecken. Dann bekam ich als Krönung noch eine alte Mütze, die| mir auch zu klein war, und übergroße Holzpantofiel, Meinen Kameraden ging es ähnlich. Wir besahen uns gegenseitig und waren uns voll be: wußt, daß man uns unseren bisherigen Menschen gründ- lich abgestreift hatte. Nun stolperten wir mit den Holz- pantoffeln in eine kleine Kanzlei, wo man uns sage, welchem Block wir zugeteilt seien. Auch erhielten wir für unser Kleid einen roten Winkel zum Aufnähen, das Kennzeichen des politischen Häftlings, und einen weißen Streifen mit unserer Gefangenennummer. Nr. 24.642 Diese Nummer ist leicht zu merken. Auch ergibt sie, \ zusammengezählt, die apokalyptische Zahl 666 und erin- nert damit auch an das Tier mit dem großen Maul, dessen ! Dasein wahrscheinlich in das 20. Jahrhundert fällt. Ich | glaube kaum, daß ein Geschichtsschreiber nachweisen kann, daß die Menschheit einmal großmauliger gewesen sei als im Zeitalter Josef Goebbels’, des Mannes mit der „feurigen Zunge*.— Ich kam bei allem sonstigen Pech doch als Glücksvogel 21 in das Konzentrationslager, wie meine Kameraden bewun- N dernd feststellten. Erstens hatte ich bei der Ankunft von der SS keine Ohrfeigen erhalten, was hier sonst eine alt-| ehrwürdige Tradition war; zweitens übersah man in der f Kanzlei, mich vorerst in den gefürchteten Zugangsblock j zu schieken, wo die Neuangekommenen für das Lager naeli| einer mitunter ziemlich handgreiflichen Methode ein| 30 geschi genüb grade So: eines Lager wohnc Als reichs „Lory zählte ich in Mitbr: wiede fahre Land: Bisch und Teich: altert „di mich, Händ haber Dam ander Aul aus( Als ie ieden Nahn Da die; hatte aus d Ware Auch $ geschneidert. Si magern, dann wir ch nichts Bessere ein Priesterhasse mals nicht bei mi ine alte Mütze, di obe Holzpantoffe waren uns voll b Menschen gründ wir mit den Hol o man uns sagt Auch erhielten wi um Aufnähen, da und einen weiße er. Auch ergibt si Zahl 666 und eri roßen Maul, desse rhundert fällt. I reiber nachweise Bmauliger gewese les Mannes mit de och als Glücksvog Kameraden bewu ei der Ankunft vo hier sonst eine all bersah man in de teten Zugangsblo für das Lager nad chen Methode ein geschult wurden, ihnen insbesondere das Benehmen gegenüber der SS und die Unterscheidung ihrer Chargengrade beigebracht wurde. - So stapfte ich also ohne diese Feuertaufe in Begleitung eines Lagerschreibers zum erstenmal durch die lange Lagerstraße, ganz zurück bis zum Block 28, wo ich nun wohnen sollte. Wie lange? Lieber nicht nachdenken! Als ich mich meinem Ziele näherte, stand gerade ein reichsdeutscher Geistlicher beim Priesterblock Nr. 28 als ,, Torwache": Jorek, mein erster Spindkollege. Oftmals erzählte er mir später lachend, welch komischen Eindruck ich in meiner Uniform auf ihn machte. Ich war meinen Mitbrüdern hier schon avisiert worden. Sie freuten sich, wieder einen Neuen zu hören, von ihm mancherlei zu erfahren, wie es ,, draußen" eigentlich aussehe. Von meinen Landsleuten begrüßte mich als erster der Sekretär meines Bischofs, Dr. Franz Ohnmacht, der schon seit 1938 hier und in anderen Konzentrationslagern ein schmerzensreiches Dasein führte und mir beinahe greisenhaft gealtert erschien. ,, Ja, Poldl, was hast denn du angestellt?" fragte er mich, nachdem wir uns als alte Freunde herzlich die Hände geschüttelt hatten. ,, Und wie du ausschaust! Dich haben sie ja wie die reinste Krautscheuche hergerichtet. Da müssen wir doch gleich schauen, daß du im Magazin andere Kleider bekommst." - - Auf einmal war ich von einer ganzen Gruppe Geistlicher aus Oberösterreich umringt. Ich fühlte mich tief ergriffen, als ich einen nach dem anderen betrachtete und bei einem jeden deutliche Spuren der Not und des Leides wahrnahm. Das waren also die Schwerverbrecher, die gleich mir die Sicherheit eines ,, tausendjährigen Reiches" bedroht hatten und nun, wie man uns immer wieder sagte, dafür aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgestoßen worden waren. Einigen standen Tränen in den Augen. Vielleicht auch mir. Unser Händedruck war fest, ein unausgespro31 LEC In d ein k langi sorge lager Häft sich tum, Sata nen. Obe zese lerrei am n trete Wun Kaze diese chener Schwur: Die Not schmiedet uns zusammen, mag kommen, was wolle! Nicht die SS lenkt die Schicksale der Völker, sondern ein anderer und dem vertrauen wir! Der R ersten Ja sah mit Hier muß ich doch eine ganz knappe Schilderung des Konzentrationslagers Dachau geben. Es bestand außer den Verwaltungsgebäuden hauptsächlich aus zirka 30 numerierten, großen Baracken, je 100 m lang, aus Holz und Werkstoff über einem gemauerten Sockel, jede nach dem gleichen Plan erbaut. Die Wände dünn, große, einfache Fenster. Jeder Block teilte sich in vier Wohnungen, bestehend aus je einer heizbaren Stube, einem unheizbaren Schlafraum, Abort mit freistehenden, spülbaren Muscheln und Waschraum mit fließendem Wasser. Letztere beiden Räume wurden von je zwei Wohnungen gemeinsam benützt. Wenn man im Lager von„, Stube" sprach, meinte man damit immer die Einheit der zur Wohnung gehörigen angeführten Räume. Ich kam zum Beispiel auf Block 28, Stube 1. Die Spindnummer habe ich vergessen. Die Stuben waren für etwa 50 bis 70 Mann erbaut, aber immer überbelegt, zum Schluß mit 300 bis 400 Mann, ein unvorstellbarer lärmender, ungezieferstrotzender, qualvoller Knäuel von Menschen. Von Menschen?- Die SS gab finden se uns andere Namen, von denen manche nicht niedergeschrieben werden können. So dur mals mit sie imme ziehen D oftmals wachs e Wenn si das kein boden w Heiligtu fehlte! D Putzmitt kaufen. Der S drei Rei daß ebe seinen g Jahren auch ein Strohkis wäsche jeder w zwei bis In jeder Stube befanden sich zirka sieben längliche Tische, etwa fünfzig schmale Spinde für Eßgeschirr, Handtuch und sonstige kleine Habseligkeiten, ein numeriertes Schuhregal, ein Kachelofen in der Mitte und vier elektrische Birnen an der Decke. Bilder durften wir nicht anbringen, am wenigsten ein religiöses Zeichen. Einmal hängte ein Kollege ein kleines Marienbild an die Wand, ein SS- Blockführer ließ es sofort entfernen. An seine Stelle kam bald darauf ein häßliches Plakat mit einer grell gemalten großen Laus, darunter in deutscher und polnischer Sprache: Eine Laus, dein Tod!( Eine Warnung, die den drohenden Flecktyphus betraf.) ten uns ten vor einem s einem Im W Hähnen war str tem Ob Wöch Talreini ULRI 32 32 3 Art usammen, mag Schicksale der Hem vertrauen childerung des Der Raum war also kahl und nüchtern, aber in den ersten Jahren immer peinlich sauber geputzt, denn die SS sah mit größter Strenge darauf, daß kein Stäubchen zu finden sei. So durften wir zum Beispiel in den ersten Jahren niemals mit den Schuhen die Stube betreten, sondern mußten sie immer, auch im strengsten Winter, im Vorraum ausziehen und in der Hand tragen, wenn wir den täglich oftmals gereinigten und wöchentlich mehrmals mit Bodenwachs eingelassenen Fußboden der Stube beschritten. Wenn sich dabei viele ohne Socken verkühlten, so spielte das keine Rolle. Wir sagten oft zueinander:„ Der Fußboden und die schön gebauten Betten sind das höchste Heiligtum der SS in Dachau." Wehe, wenn es hier fehlte! Da setzte es Ohrfeigen und Lagerstrafen ab. Alle Putzmittel mußten wir uns in der Lagerkantine selber kaufen. tand außer den irka 30 numeaus Holz und jede nach dem große, einfache Wohnungen, beem unheizbaren baren Muscheln Letztere beiden gemeinsam besprach, meinte mung gehörigen el auf Block 28, essen, Die Stuut, aber immer Mann, ein unvorder, qualvoller Die SS gab nicht niedergeieben längliche Bgeschirr, Handein numeriertes und vier eleken wir nicht anZeichen. Einmal d an die Wand, An seine Stelle it einer grell gerund polnischer arnung, die den Der Schlafraum war so groß wie die Stube und hatte drei Reihen Betten übereinander, die so gestellt waren, daß eben jeder mit mehr oder weniger Schwierigkeiten seinen geliebten Strohsack erreichen konnte. In den ersten Jahren hatte jeder noch einen Strohsack allein für sich, auch ein Leintuch, Deckenüberzug und Überzug für das Strohkissen. In den letzten Jahren aber gab es keine Bettwäsche mehr, wir hatten nur mehr den Strohsack und jeder zwei bis drei Decken dazu. Außerdem mußten wir zwei bis drei Mann auf einem Strohsack liegen und konnten uns buchstäblich nicht mehr umdrehen. In den Monaten vor meiner Entlassung teilte ich den Strohsack mit einem siebzigjährigen Franziskanerpater aus Mailand und einem französischen Geistlichen. - - Im Waschraum gab es zwei Fontänen mit mehreren Hähnen und einige Wasserausläufe an den Wänden. Es war strenger Befehl, sich, auch im Winter, mit entblößtem Oberkörper zu waschen. Wöchentlich einmal wurden wir blockweise zur Generalreinigung in das große Lagerbad geführt. Dort muß3 Arthofer, Konzentrationslager. 33 LEC In d ein ka langi sorge lager Häft sich tum, Satar nen. Obe zese lerrei am r trete Wun Kaze diese ten wir allerdings mit dem Aus- und Ankleiden sehr flink sein, wenn wir uns Fußtritte und Ohrfeigen ersparen wollten. Anfänglich jede Woche, später alle vierzehn Tage, im letzten Jahre alle zwei Monate einmal bekamen wir Lagerwäsche zum Wechseln. Kein Wunder, daß in den letzten Zeiten die Läuse im Lager zu einer großen Plage wurden. Die Zebramonturen und Schuhe konnte man, wenn sie ganz zerrissen waren, zu bestimmten Stunden und meist nur in Begleitung des Stubenältesten in der Lagerkleiderkammer umtauschen. Dort mußte man Glück, noch besser aber Zigaretten haben, wenn man etwas halbwegs ,, Schönes" erhalten wollte. Auf zum Appell! Dort b schallenō stürzt, st Eine a Laut gen gre qualvoll Endlic zirka 7 Die Brennpunkte des ganzen Lagerlebens waren die Appelle, der Aufmarsch aller Häftlinge zur Zählung am Morgen und am Abend. Außerdem war mittags der sogenannte Arbeitsappell als Beginn der nachmittägigen die Leu Arbeitszeit. Schüssel mahl. Hier die Schilderung eines Abendappells im Mai 1942. Ein kühler Regentag neigt sich dem Ende zu, durch die Tore des Lagers strömen, von ihren Kapos geführt, endlose Fünferreihen der verschiedenen Arbeitskommandos. Die ausgehungerten Leute sind todmüde, manche taumeln, auf einen noch kräftigeren Kameraden gestützt, halb bewußtlos ihren Leidensweg. Unheimlich fast nimmt sich das taktmäßige Geklapper von tausend derben Holzschuhen aus. Dort führen sie am Ende einer langen Kolonne auf einem Handwagen zwei Elendsgestalten, die Beine schlenkern leblos herunter. Die haben es überstanden. Grotesk wirkt es, daß die marschierenden Kazetler auf Befehl fröhliche, zum Teil auch sehr unsinnige Lieder singen müssen: Da he schende Zum A gestellt pfiffen die vo Krautsu in Ström der Ap terung der als die Mas Ausric ULRI 34 Ankleiden sehr Ohrfeigen erspa ierzehn Tage, im al bekamen wir nder, daß in den iner großen Plage te man, wenn sie tunden und meist der Lagerkleider Glück, noch besser etwas halbwegs lebens waren die zur Zählung am rmittags der so,, Schwarzbraun ist die Haselnuẞ, Schwarzbraun bin auch ich, Schwarzbraun muß mein Maderl sein, Geradeso wie ich. Holdio..." Dort bekommt ein alter Mann von einem SS- Mann eine schallende Ohrfeige, weil er nicht mitgesungen hat. Er stürzt, steht wieder auf und singt mit: ,, Holdio--." Eine andere Kolonne singt: " Wir lagen vor Madagaskar Und hatten die Pest an Bord. In den Kesseln, da faulte das Wasser, Und täglich ging einer über Bord. Weit ist der Weg zurück ins Heimatland, So weit, so weit!" Laut mußte der Gesang sein, doch die Stimmen klangen grell und höhnisch; der dunkle Unterton war ein qualvolles Stöhnen versklavter Herdenmenschen. Endlich waren alle Kommandos eingerückt, es war zirka 7 Uhr abends. Hungrig standen auf den Blocks er nachmittägigen die Leute Schlange, um jeder ,, einen Schlag", das ist eine wells im Mai 1942 durch Ende zu, Schüssel voll fettloser Krautsuppe, zu fassen das Nachtmahl. - Da heulte auf einmal ein ganz dumpfes, häßlich kreien Kapos geführt sehendes Sirenensignal, der ,, Bär", durch die Lagerstraße: nen Arbeitskom Zum Appell! Sofort mußte die Ausgabe der Suppe eintodmüde, manche gestellt werden, Stuben- und Blockälteste schrien und meraden gestützt, pfiffen vor den Baracken: ,, Heraus, antreten zum Appell, Unheimlich fast die vorderen Blocks marschieren schon!" Ade, edle von tausend der Krautsuppe, du bist einmal warm gewesen! Es regnet m Ende einer lan in Strömen. Wir sind naß bis auf die Haut. Heute dauert wei Elendsgestal der Appell wieder extra lang, denn bei schlechter Witter. Die haben es e marschierenden eil auch sehr unterung macht es den Lagerführern Spaß, uns andauernder als sonst warten zu lassen. Vor jedem Block sind die Massen in Zehnerreihen angetreten. Kommandorufe: Ausrichten! Aufdecken! Vordermann! Weiter, weiter da 3* 35 LEO In di einka langj sorge lager Häft sich tum, Satar nen. Obe zese lerrei am n trete Wun Kaze diese hinten! Was für ein Idiot kommt denn da wieder zu spät? Etwas hurtig, du Drecksack, sonst mach' ich dir Beine!" ,, Block 26, marsch! Singen! Die blauen Dragoner!" Schon steigt der Chor von zirka tausend katholischen Geistlichen, ein Bischof marschiert auch mit uns: Die blauen Dragoner, sie reiten Mit klingendem Spiel vor das Tor. Fanfaren sie begleiten Hell zu den Hügeln empor." Ein W schleppte Otmar Ma Heute w morgen haufen, immer v ,, Saubande, ist das ein Gesang?" brüllt ein SS- Mann neben uns. ,, Natürlich, die Pfaffen wieder, versteht sich! Na ja, ich werde die hochwürdigen Herren wieder einmal ein wenig nachexerzieren lassen. Du alter Esel dort kannst auch das Maul aufmachen, wenn es zum Singen ist!" - In meiner Zehnerreihe sank einer bewußtlos zusammen. Automatisch fassen die Nebenmänner an und schleifen ihn mit, wenn sie auch selber fast am Ende sind. Laut schallt unser Gesang: ,, Trallala, trallala, juchheirassa!" Aber der Zeit geh essen, w Block Wir st selben R Ziegelste Blockälte Zigarren einmal linge for Blocks Stupid trottete ich in der letzten Reihe mit. Ich war erst vor einigen Tagen mit Hungerödem im Krankenrevier gewesen. Mit einer Injektion hatte man mich vorübergehend vom Wasser befreit, schon waren aber meine Füße wieder so mit Wasser voll, daß ich nur mit Mühe in meine Schuhe konnte. Ich fühlte mich sterbensmüde. Aber hier galt es, sich zusammenzureißen bis zum Allerletzten, denn an Erbarmen durfte man nicht appellieren. ,, Mitleid ist Schwäche", hat der gefeierte Lehrmeister des deutschen Neuheidentums, Nietzsche, gesagt. Daran dachte ich oft, auch jetzt wieder, während ich laut mitsang. schritten schweige boten. E zeigte 7 um die und Käl Die Neb Vor mir hatte ein Konfrater im Dreck einen Holzschuh verloren; nun hieß es eben mit bloßem Fuße durch die Lachen stapfen, denn es wäre zu riskant gewesen, aus der Reihe zu treten. weil sie Endlic jedes B in ihrer immer Na, Blockfül Nütze stand., " krächzt Wir ris ULRI 36 nn da wieder zu nst mach' ich dir auen Dragoner! send katholischen mit uns: reiten as Tor. rüllt ein SS- Mann der, versteht sich! erren wieder ein- - Du alter Esel wenn es zum Sinbewußtlos zusam männer an und per fast am Ende Ein Wehlaut ließ mich kurz zur Seite blicken. Da schleppte einer den sterbenden Religionsprofessor Doktor Otmar Mauerer aus Regensburg am Rücken zum Appell. Heute wurde er nochmals mit den Lebenden gezählt, morgen lag sein Leichnam, ein ausgemergelter Knochenhaufen, schon im Krematorium. Armer Freund, warst immer voll Humor und hast viele andere aufgemuntert. Aber der Hunger! Und heute hatten wir wieder keine Zeit gehabt, vor dem Appell die heiße Krautsuppe zu essen, weil der„, Bär" zu früh ,, gebrummt" hatte. ,, Block 26, Stillstand! Rührt euch!" Wir standen auf dem Appellplatz immer genau in demselben Raum, der durch in den Boden eingesenkte rote Ziegelsteine abgegrenzt war. ,, Ausrichten!" brüllte der Blockälteste, ein einarmiger, meist schlecht aufgelegter Zigarrenhändler aus Braunschweig, von dem auch ich einmal eine saftige Ohrfeige erhielt. Zirka 20.000 Häftlinge formierten sich nun auf dem Riesenplatz, in dreißig Blocks gegliedert, die Stubenältesten und Blockschreiber schritten prüfend die Zehnerreihen ab, alle standen schweigend, denn das Sprechen war unter Strafe verboten. Es regnete in Strömen, die Lageruhr am Jour- Haus zeigte 7 Uhr 30. Noch zeigten sich keine SS- Blockführer, um die Zählung vorzunehmen. Wir schauerten vor Nässe und Kälte. Hinter mir lagen zwei Sterbende im Schmutz. Die Nebenmänner konnten sie nicht mehr aufrechthalten, weil sie selbst zu schwach waren. eihe mit. Ich war lem im Kranken ite man mich vorwaren aber meine hnur mit Mühe in erbensmüde. Aber zum Allerletzten pellieren. ,, Mitleid meister des deut Daran dachte ich mitsang. keinen Holzschuh n Fuße durch die ant gewesen, aus Endlich kamen die SS- Blockführer, um die Meldung jedes Blocks einzeln abzunehmen. Sie grinsten vergnügt in ihren Gummimänteln, unser Blockführer rauchte wie immer seine kurze Pfeife. ,, Na, seid ihr fertig?" fragte er jovial. ,, Jawohl, Herr Blockführer!" antwortete unser Blockältester, der seine Mütze heruntergerissen hatte und militärisch stramm stand. ,, Na also, dann mach weiter, du altes Muh!" Laut krächzte unser Chef: ,, Block 26, Stillstand! Mützen ab!" Wir rissen blitzartig die Mützen herunter. 37 Der SS-Mann schrie:„Papperlapapp! So ein Durch- einander! Ich werde euch lernen, wie man die Mützen abnimmt, ihr Kamelherde!“ Dann kommandierte er selber rasch hintereinander: „Mützen auf!—— Mützen ab!—— Mützen auf!—— Mützen ab!“ Vielleicht zehnmal, dann hatte er vorläufig genug. Nun konnte der Blockälteste melden: „Block 26 mit 783 Häftlingen angetreten, 6 im Revier, 15 in Arbeit!“ Der SS-Blockführer schritt nun die Reihen ab, um die Richtigkeit der Zahl zu prüfen. Als er zur letzten Reihe kam, sah er zwei auf dem Boden liegen.„Was ist mit euch, ihr Hunde?— Auf!“ Einer richtete sich mit ungeheurer Kraftanstrengung auf und blieb mit schlotternden Knien stehen. Der an- dere rührte sich nicht. Da gab ihm der Wüterich einen derben Fußtritt:„Aas, verfluchtes, wirst du aufstehen? Oder soll ich dir einen Sarg herstellen lassen?“ Der An- geschriene rührte sich nicht mehr, Noch ein Fußtritt, dann ein gleichgültiges:„Der ist schon krepiert——.“ Der Blockführer ging ab.„Rührt euch!“ brummte der Blockälteste. Das war der erste, vorbereitende Teil des Abendappells. Die Uhr am Jour-Haus zeigte einige Minuten vor 8 Uhr. Der Regen tropfte uns von der Mütze ins Genick. Vor der Front begann ein kräftig gebauter, mittelgroßer Häftling herumzurumoren, der Lagerälteste Kapp, der es durch seine Tüchtigkeit bis zur höchsten Würde des Kazetlers gebracht hatte, Er erinnerte mich irgendwie an Napoleon Bonaparte, nur daß-dieser in jeder Richtung, unser Lagerältester aber nur nach unten Despot, nach oben aber sehr devot war. Lobend muß an ihm hervorgehoben werden, daß er-anständiger als einige seiner Nachfolger und ein Gentleman gegenüber seinem Stellvertreter, dem Sadisten Zawersky Martin, war. Auch zeigte er sich trotz aller seiner sonstigen Grobheit gegenüber den ältesten 38 Kazetler als guten Sache der zur an den machen, vor der genden auf Bloc gemeine wie zu die Stul Es wı einen F 8land,( weil er var, Endli Rührt ı nach de Stunde, Nicht 7 ersten Fenster "ar de Dach ii Ieten t Aus| Aveglo doch a gend, Wir Az Wartet: Dich; End} Rappoı So ein Durch man die Mützen hintereinander: ützen auf! atte er vorläufig en, 6 im Revier, Kazetlern, die einst mit ihm ins Lager gekommen waren, als guter Kamerad. Sache des Lagerältesten war es nun, die ganze Masse der zur Zählung angetretenen Blocks zum Hauptrapport an den diensthabenden Lagerführer vorstellungsreif zu machen. Zu diesem Zwecke pflanzte er sich einige Schritte vor der Front auf und brüllte mit einer überallhin dringenden Stimme: ,, Schutzhaftlager, Stillstand! Block zwo auf Block 30 links richt't euch!" Nun begann eine allgemeine Bewegung, ein Ausrichten aller Angetretenen wie zu einer Kaiserparade. Die einzelnen Blockältesten, die Stubenältesten, die Schreiber, alles war in Tätigkeit. Es wurde geschimpft und gepoltert, dort bekam einer einen Fußtritt, weil er um drei Zentimeter zu weit vorne Kraftanstrengung stand, da wurde einem die Mütze heruntergeschlagen, weil er aus Müdigkeit nicht mehr recht bei der Sache stehen. Der anWüterich einen st du aufstehen? ihen ab, um die zur letzten Reihe en. ,, Was ist mit assen?" Der Anein Fußtritt, dann rt--," !" brummte der es Abendappells. nuten vor 8 Uhr. Genick, ater, mittelgroßer war. Endlich gab sich Kapp zufrieden:„ ,, Augen geradeaus! Rührt euch!" Zehntausend Blicke sahen unwillkürlich nach der Lageruhr, man stand ja schon wieder über eine Stunde, und forschten, ob der Lagerführer Hofmann noch nicht zu sehen sei. Ja, er war zu sehen. Dort oben im ersten Stock des Jour- Hauses lehnte er gemütlich am Fenster seiner Kanzlei und rauchte eine Zigarette. Es war doch schön, wenn man bei dem Hundewetter ein Dach über dem Kopfe hatte. Dreißigtausend Mann warteten fast bang auf sein Erscheinen auf dem Platz. Aus der Ferne trug der Wind den trauten Klang einer Aveglocke zu uns. Er galt anderen Menschendoch auch uns? - oder Betete vielleicht in dieser Stunde irgendwo jemand für den lebendig Begrabenen? teste Kapp, der hsten Würde des ich irgendwie an jeder Richtung, Despot, nach oben m hervorgehoben seiner Nachfolger tellvertreter, dem sigte er sich trotz ber den ältesten Wir legten das Körpergewicht immer öfter von einem Fuß auf den anderen, preßten die Zähne aufeinander und warteten. Da und dort sackte einer lautlos zusammen und blieb in einer Lache liegen. Endlich, es mochte halb 9 Uhr sein, zeigte sich der Rapportführer, fünf Minuten später auch der Lagerführer. 39 Und wieder ertönte ein schneidendes Kommando: „Schutzhäftlinge, Stillstand!—— Mützen ab!—— Zum Herrn Lagerführer Augen rechts!“ Der SS-Rapportführer schritt stramm zu seinem Vor- gesetzten, hob die Rechte zum Hitlergruß und meldete: „27.963 Schutzhäftlinge zum Zählappell gestellt, 246 Häft- linge in Arbeit, 687 im Revier, 71 gestorben, 2 entlassen!“ Der Lagerführer ließ seinen Blick gleichgültig wie ein gesättigter Tiger einen Augenblick in die Runde schwei- fen, tupfte die Asche von seiner Zigarette und brummte: „Blockweise einrücken!“ Damit ging er gravitätisch ab. Sein Dienst war erledigt.———— Neue Kommandorufe. Endloses Klappern der durch- näßten Schuhe. Unter Gesang geht es der unterdessen kaltgewordenen Krautsuppe und dem so heiß ersehnten Strohsack zu. Ein Liedecho greift mir an die Seele:„Weit ist der Weg zurück ins Heimatland, so weit, so weit!“— Nur schlafen gehen, vergessen, vergessen! Und gibt es kein Aufwachen mehr, um. so besser. Nächtlicher Besuch Es mochte vielleicht 10 Uhr abends sein, in unserem Schlafraum lag alles in tiefem Schlummer. Von 4 Uhr früh an waren wir auf den Beinen gewesen, gut drei Stunden hatten wir tagsüber auf dem Appellplatz gestan- den, dazwischen gearbeitet und gehungert, Ich sagte oft in Dachau zu meinen Kameraden, wenn endlich wieder ein Tag zu Ende war:„Gott sei Dank, nun dürfen wir wieder das Kazet vergessen und vielleicht von der Hei- mat und unseren Lieben träumen!“ Stille war es geworden, weit draußen ratterte irgendwo ein Zug vorbei, in dem freie Menschen saßen; ab und zu kurzes, wütendes Gebell im Zwinger der Wolfshunde, die tagsüber der SS-Lagerwache assistiert hatten, dann und wann tastete ein Scheinwerfer von einem Wachtturm 40 suchend Schlafra Da- Fußkont terten u eines de ten:„Na sich die haben. Extremi Das e fuhr all Fußkon! Jeder mit uns m sich „Du, an! Un zwei$t wohl, F den mu und dor alle mit | auf mei Wir; bestraft Nock h ‚nit sei inige| der Be, Ar mi lemd| Shmal “er 8 Mschla Die| Iften, ab! es Kommando: suchend über das Lager hin, leuchtete auch in unseren Zum Schlafraum über bleiche, regungslose Gesichter. zu seinem VorB und meldete: estellt, 246 Häften, 2 entlassen!" ichgültig wie ein e Runde schweie und brummte: gravitätisch ab. pern der durchder unterdessen heiß ersehnten die Seele: ,, Weit weit, so weit!"- sen! Und gibt es sein, in unserem mer, Von 4 Uhr wesen, gut drei opellplatz gestanert, Ich sagte oft endlich wieder nun dürfen wir ht von der Heiratterte irgendwo aßen; ab und zu Wolfshunde, die matten, dann und nem Wachtturm Da auf einmal ein heiserer Ruf: ,, Auf, ihr Bande! Fußkontrolle!" Zwei junge, betrunkene SS- Männer polterten unvermittelt in den Schlafraum. Sie waren durch eines der offenen Fenster gesprungen, lachten und fluchten: ,, Na, wird es bald? Wir müssen doch nachsehen, wie sich die hochwürdigen Herren heute ihre Füße gewaschen Wacht auf, liebe Kinder! Heraus mit euren haben. - Extremitäten!" Das elektrische Licht war aufgeflammt, tief erschrocken fuhr alles aus dem ersten, tiefen Schlaf: Schon wieder Fußkontrolle während der Nacht! Jeder streckte die Füße den SS- Leuten entgegen, die mit uns wieder ein mutwilliges Theater veranstalteten, um sich den Nachtdienst amüsant zu verkürzen. - ,, Du, schau dir einmal die 0- Beine von diesem Kerl an! Und dreckig! Stubenältester, den lassen Sie morgen zwei Stunden Abortdienst machen, verstanden?"- ,, Jawohl, Herr Blockführer!" ,, Da schläft ja noch einer, den muß ich extra aufwecken: Auf, Rhinozeros! Ja, und dort duseln noch zwei ganz friedlich. Da müssen wir alle miteinander etwas exerzieren. Also, Achtung! Alles auf mein Kommando! Aus den Betten!" - - Wir sausten aus den Betten, um nicht mißhandelt oder bestraft zu werden. Dort fiel einer krachend vom zweiten Stock herunter, da mühte sich ein siebzigjähriger Pfarrer, mit seinen steifen Gliedern dem Befehl nachzukommen; einige hatten sich in der Eile an den kantigen Hölzern der Bettgestelle blutig geschlagen. Nun standen wir alle, nur mit dem meist sehr kurzen, oft zerrissenen Lagerhemd bekleidet, kältezitternd und dichtgedrängt in den schmalen Gängen zwischen den Bettgestellen. Wehe dem, der es gewagt hätte, mit einem Wort zu murren. Er wäre erschlagen worden, das wußte jeder nur zu gut. Die beiden Burschen brüllten vor Vergnügen: ,, In die Betten!" 41 In rasender Eile sauste alles wieder auf die Stfohsäcke zurück, einer fiel auf den anderen, ab und zu hörte man einen vor Aufregung stöhnen.„Aus den Betten!“——— Noch waren nicht alle am Ziel, schon ging es wieder herunter.„In die Betten!“——„Aus den Betten!“—— „In die Betten!“ Ein heilloses Durcheinander. Die SS- Leute hielten sich den Bauch vor Lachen. So etwas war doch wirklich zu drollig! Dann standen wir alle vor Anstrengung und Aufregung atemlos in den Zwischengängen.„Wo ist denn Seine Ex- zellenz der Bischof?“ fragte auf einmal der Komman- dierende.„Hier!“ antwortete Bischof Michael Kosal von Leslau.„Na, etwas echauffiert?* höhnte der Übermütige den kränklichen Mann, der bleich, aber ganz ruhig dem Spötter ins Gesicht sah, ohne noch etwas zu erwidern.— „Gehn wir!“ meinte der andere,„mir wird die Ge- schichte schon fad. Laß die Bande wieder in die Kiste!“ Ohne uns noch eines Blickes zu würdigen, gingen die beiden ab. Draußen hörten wir sie noch einige Male auf- wiehern, dann war es wieder still. Wir durften nun wirklich schlafen— bis 4 Uhr mor- gens. Und gar viele von uns, das wußten wir, konnten nun bald länger schlafen— bis zum Posaunenweckruf des. Weltgerichtes. Auch Bischof Kosal, Weinkommando Die deutschen Katholiken hatten zwar niemals alles, aber doch genug von der katastrophalen Ernährungslage und den endlosen Quälereien in den Kazets erfahren; die deutschen Bischöfe wollten den über 2000 Priestern in Dachau irgendeine Erleichterung verschaffen, Schließ- lich hatten ihre Bemühungen„Erfolg“. Es wurde ihnen vom Reichssicherheitshauptamt zugesagt, daß die Geist- lichen in Dachau keine schwere Arbeit mehr zu verrich- ten brauchten, daß sie unter Tags Gelegenheit zum Schla- 42 fen erh: zu bes dreimal Portion Durchfü Was darin, d dazu ve zirka 7 eine A völlig€ darstell sehr w daß ej schwer Was einige oder n einfach mit de diesem Üirekt Wein anfang für im Waren Ärsten Neid U Welche vor u Zweite ein Ausgat Gey "or u dimm Nlen, f die Strohsäcke nd zu hörte man Betten!". -- ging es wieder Betten!" mander. Die SS. So etwas war und Aufregung denn Seine ExI der Kommanchael Kosal von der Übermütige ganz ruhig dem zu erwidern.- - r wird die Geer in die Kiste!" igen, gingen die einige Male aufbis 4 Uhr morwir, konnten nun nenweckruf des ar niemals alles, Ernährungslage Kazets erfahren; 2000 Priestern in chaffen, SchließEs wurde ihnen , daß die Geistmehr zu verrichenheit zum Schlafen erhalten sollten, daß sie täglich ein von den Bischöfen Wein und wöchentlich zu besorgendes Viertelliter dreimal eine aus derselben Wohltäterhand stammende Portion Kakao konsumieren dürften. Wie sah nun die Durchführung dieser Versprechen aus?- Was die Befreiung von Arbeit anlangt, so bestand sie darin, daß man von diesem Zeitpunkt an die Geistlichen dazu verhielt, für das ganze Lager dreimal im Tage die zirka 70 Kilogramm schweren Suppenkessel zu tragen, eine Aufgabe, die für die meisten abgemagerten und völlig entkräfteten Leute eine überaus schwere Leistung darstellte, zumal mit den schlecht passenden Holzschuhen sehr weite Wege zu bewältigen waren. Da kam es oft vor, daß einer zusammenbrach. Dann kam es häufig zu schweren Miẞhandlungen des am Boden Liegenden. Was die Bettruhe unter Tags betrifft, wurden durch einige Monate hindurch die Geistlichen, ob sie wollten oder nicht, vormittags und nachmittag je zwei Stunden einfach zum Schlafen kommandiert und dann jedesmal mit dem Bettenbau so schikaniert, daß die meisten vor diesem ohnehin nur kurze Zeit gegebenen ,, Benefizium" direkt eine Abneigung bekamen. Wein und Kakao erhielten wir zirka ein Jahr lang bis anfangs 1942, dann hörte diese Zuwendung plötzlich und für immer wieder auf. Besonders was den Wein anlangt, waren viele herzlich froh, als er uns genommen wurde. Erstens zog uns diese vorübergehende Besserstellung den Neid und die Miẞgunst der anderen Kazetkameraden zu, welche täglich mit ansehen mußten, wie die Weinkisten vor unseren beiden„ Pfarrerblocks" abgeladen wurden, zweitens wurde uns dieser Wein von der SS regelmäßig in einer so schandbaren Weise ,, kredenzt", daß die Weinausgabe verdient, hier näher geschildert zu werden. Gewöhnlich wurden die Weinkisten täglich nachmittags vor unseren Baracken abgeladen und einige dazu bestimmte Kollegen, das sogenannte ,, Weinkommando", gerufen. Diese trugen die kostbare Last, der Wein war von 43 LEC In c eink lang sorg lage Häf sich tum, Sata nen. Obe zese lerre am trete Wur Kaze dies guter Qualität, in die Blocks, wo die Flaschen verwahrt blieben, bis irgendein SS- Mann kam, um die Ausgabe des Weines zu befehlen und streng zu beaufsichtigen. Es sei hier nun so eine Weinausgabe skizziert: Juni 1941, vor der Trennung der deutschen und polnischen Geistlichen, Block 28, Stube 1. Vom Kosttragen zurückgekehrt, sitzen wir beim Mittagessen. Heute ist Donnerstag, ersehnt wegen der Erbsensuppe, die doch noch mehr Kalorien in sich birgt wie die Kartoffel- oder Krautsuppe. Tisch Nr. 8, an dem ich zu Hause bin, hat heute sogar einen ,, Nachschlag"( halber Schöpflöffel der bei der Ausgabe im Kessel verbliebenen Restsuppe) erhalten, ein neuerlicher Grund zur Freude. Mein Freund Heinrich Summereder, ein Salzburger Geistlicher, unverbesserlicher Optimist, entwickelt mir an der Hand der neuesten„ Lagerparolen"( unkontrollierbarer Gerüchte) seine Ansichten über die nächste Zukunft. " „ Gotis mir die So pla die gest malt mi und ah Körper , Wir stehen unmittelbar vor der Katastrophe", meinte er. ,, Ich möchte mit dir wetten, daß das Naziregime bis zum Herbst zusammenbricht. Es ist alles morsch im Dritten Reich und nur der blutige Terror der Gestapo hält den Kasten noch zusammen. Ein Neuzugang hat mir erzählt, wie draußen die Stimmung ist. Nun kommt noch der Zusammenstoß mit Rußland, dann ist diese gottlose Bande erledigt." Er entwickelte mir nun verschiedene Pläne über Kirchenverschönerung. Da er nebenbei auch akademisch gebildeter Maler ist, ersuchte ich ihn bei dieser Gelegenheit auch, mir für meine Kirche ein Marienbild zu malen. ,, Aber mit Vergnügen", meinte er; ,, ist deine Kirche gotisch oder barock?" - würde. Da ö ruft ha ,, Du, Heinrich, eine andere, momentan wichtigere Sache: Ich habe mir meine Hose schon wieder zerrissen. Geh, sei so gut und flick sie mir! Schau her, wie ich aussehe! Und die Nummer hab ich auch verloren." kommt Eine ,, Du bist aber ein Hosenschinder! Zieh sie aus, ich habe ohnehin noch einen Fleck! Werden wir machen. Also, ist deine Kirche gotisch oder barock?" Stube. Stimme Wir fallen E „ Her Revier. „ Mac schlepp flaschen Flas Blick ü mandar will? Der wir ein langer wolle geben. Vorder Der Schulte Setzen Wein E Ihnen ULR 44 aschen verwahrt die Ausgabe des fsichtigen. skizziert: tschen und polm wir beim Mit egen der Erbsenich birgt wie die , an dem ich zu hschlag"( halber sel verbliebenen und zur Freude. Salzburger Geistekelt mir an der nkontrollierbarer ,, Gotisch! Da schau, ein Knopf geht auch ab. Du mußt mir die Knöpfe mit einem besseren Zwirn annähen." So plaudern wir und Heinrich setzt mir unterdessen auf die gestreifte Kazetlerhose einen dunkelbraunen Fleck. Er malt mir ein Bild, beschreibt geplante Einzelheiten daran und ahnt gar nicht, daß sein zum Skelett abgemagerter Körper gar bald ins Lagerkrematorium gefahren werden würde. - Da öffnet ein Kamerad von außen die Stubentür und ruft hastig herein: ,, Weinkommando, der Blockführer kommt schon!" Eine Minute später tritt ein Oberscharführer in die Stube. Der Stubenälteste mit seiner lästig gellenden Stimme schreit: ,, Achtung!" Wir stehen alle regungslos. Man könnte eine Nadel fallen hören. ,, Herr Blockführer, Stube 1 mit 83 Häftlingen, 4 im Revier." ,, Macht weiter! Wo sind die Weinflaschen?" Eilfertig schleppen bereits einige eine Kiste voll Dreiviertelliterflaschen herein, die alle noch verkorkt sind. ste Zukunft. astrophe", meinte Naziregime bis morsch im Drit der Gestapo hält gang hat mir erNun kommt noch ist diese gottlose un verschiedene er nebenbei auch ich ihn bei dieser ein Marienbild zu eer; ist deine wichtigere Sache: rzerrissen. Geh, wie ich aussehe! sie aus, ich habe machen. Also, ist ,, Flaschen öffnen!" Mißgünstig und finster streift sein Blick über unsere Reihen: ,, Wo ist der, der bei der Kommandantur erklärt hat, daß er kein Pfaffe mehr bleiben will?" Der Stubenälteste nannte einen Namen. Traurig sahen wir einen jungen Geistlichen vortreten, der an den Leiden langer Haft seelisch zerbrochen war und erklärt hatte, er wolle für den Fall seiner Entlassung seinen Beruf aufgeben. Er war übrigens der einzige, der so schwach geworden. Der Oberscharführer klopfte ihm freundlich auf die Schulter: ,, Also doch ein Mann in dieser Hammelherde! Setzen Sie sich dorthin, lassen Sie sich Ihren Becher mit Wein füllen und trinken Sie ihn nur in Ruhe aus, wie es Ihnen beliebt!" 45 LE In ein lang sorg lage Häl sich tum Sat nen Ob zes lerr am tret WU Kaz dies Dann wandte er sich wieder an uns: ,, Einschenken!" Hastig entleerten wir die Flaschen in unsere Aluminiumbecher; je drei Mann erhalten eine Flasche. ,, Schneller, schneller! So Bis z saufen! - - Eins lagern inhaftien zwei-- drei! Fertig! Der alte Trottel dort tut Becher hoch!-- Becher umkehren!" nicht weiter Wer in den wenigen Sekunden den Wein nicht hinunterstürzen konnte und das Gefäß nicht sofort mit der Öffnung nach unten hochhob, riskierte Grobheiten, häufig auch Ohrfeigen und Fußtritte. So war die Weinausgabe regelmäßig eine Zeit der Aufregung und des Schreckens. Es gab unter uns auch Antialkoholiker, aber hier war für sie keine Rettung. Eins, zwei drei und das Volksfest war vorbei. Wenn unsere Wohltäter ein einziges Mal diese Prozedur gesehen hätten, sie würden ehestens ihre so gut gemeinte Hilfsaktion eingestellt haben. - Ab und zu leistete sich die SS mit uns einen Spaß ganz besonderer Art. Es wurde die Weinration täglich zum Block geliefert, manchmal aber kam der SS- Mann aus Vergeßlichkeit oder aus Absicht zwei, drei Tage nicht zur Weinausgabe. Dann aber mußte der ganze Vorrat mit derselben Augenblicklichkeit restlos und sofort auf Kommando vertilgt werden. Die Folgen lassen sich denken. Wir halfen uns schließlich durch eine List, die gottlob niemals entdeckt wurde. rung un arbeit unmögli Kreuz o In den Stunden vor der Weinausgabe entleerten wir einen großen Teil der Flaschen und spendierten den Inhalt dem Blockpersonal und anderen Kazetlern. Dann füllten wir Wasser in die Flaschen und verkorkten sie wieder sorgfältig. - Nach Neujahr 1942 gab es keinen Wein mehr. Auch Kakao und Bettruhe, alle ,, Vergünstigungen" waren vorbei mit Ausnahme unserer Kapelle. Wir dankten Gott, daß uns diese verblieben war. -- kein R Dinge w nahme. pfarrer. Gefange währlei ler, war in den legung und Ko und be eine La gab es gottesdi Lager, gen an Lungen ( Revier starb, E er mir die Bet ments, Wieder schwers wir an mich n die er Ihnen ULR 46 „ Einschenken!" sere Aluminiumhe. fen! Eins Trottel dort tut cher umkehren!" Wein nicht hinat sofort mit der robheiten, häufig lie Weinausgabe des Schreckens. ber hier war für as Volksfest war ziges Mal diese stens ihre so gut Die Kapelle auf Block 26 Bis zirka Neujahr 1941 war in den Konzentrationslagern nicht nur den Christgläubigen, sondern auch allen inhaftierten Priestern und Pastoren jede religiöse Äußerung und Betätigung, am allerstrengsten jede Seelsorgsarbeit unter den Mitgefangenen verboten und auch unmöglich gemacht. Kein Raum für Gottesdienst, kein Kreuz oder religiöses Bild, kein Brevier oder Gebetbuch, kein Rosenkranz und keine Medaille. Wurden solche Dinge vorgefunden, so verfielen sie sofort der Beschlagnahme. Ich weiß als ehemaliger beamteter Strafanstaltspfarrer, daß in allen zivilisierten Ländern der Welt den Gefangenen die seelsorgliche Betreuung gesetzlich gewährleistet ist. Die Häftlinge der Gestapo, also die Kazetler, waren auch dieses Menschenrechtes beraubt. Man gab in den letzten Jahren in Dachau die Erlaubnis zur Anlegung eines Fußballplatzes und Aufführung von Filmen und Konzerten, man errichtete eine große Bordellbaracke und bevölkerte sie mit weiblichen Kazetlern, man hatte eine Lagerbücherei; aber niemals bis zum letzten Tage gab es eine Bewilligung zur Abhaltung eines Sonntagsgottesdienstes für die Zehntausende von Christen im Lager, nicht einmal zur Spendung der religiösen Tröstungen an die Sterbenden. Ich hatte im Frühling 1944 eine Lungenentzündung und lag in einer Spitalsbaracke ( Revier). Pfarrer Ziegler, der einen Monat später selber starb, brachte mir insgeheim die hl. Kommunion, indem er mir eine Nummer des ,, Völkischen Beobachters" auf die Bettdecke legte, in die er die Brotsgestalt des Sakraments, in ein Papierchen eingefaltet, verborgen hatte. Wiederholt wurden uns Geistlichen von der Lagerführung schwerste Strafen angedroht, wenn ihr zu Ohren kam, daß wir anderen seelsorgliche Hilfe leisteten. Ich erinnere mich noch gut an die Drohworte des Lagerführers Zill, die er uns zuschrie: ,,- Und wenn sich einer von Ihnen noch einmal unterstehen sollte, Beichte zu hören uns einen Spaß einration täglich am der SS- Mann , drei Tage nicht er ganze Vorrat sund sofort auf lassen sich denList, die gottlob e entleerten wir endierten den Inetlern, Dann füll workten sie wieder Vein mehr, Auch gen" waren vor Wir dankten Gott, - 47 LE In einl lang sorg lage Häf sich tum Sate nen Ob zes lerr am tret Wu Kaz dies oder sonstigen Mummenschanz im Lager zu treiben, so werde ich ihm eigenhändig fünfundzwanzig auf seine Kehrseite messen." Von den vielen Millionen Menschen, die die Gestapo ermordet hat, sind faktisch fast restlos alle ohne jeden religiösen Trost hinübergegangen. - Zivilisation! Unter solchen Umständen sahen wir es fast als Wunder an, als um Neujahr 1941 von Berlin aus allen Geistlichen in Dachau( und nur diesen!) die Erlaubnis und die Möglichkeit gewährt wurde, den Gottesdienst zu feiern. Die Lagerführung bestimmte zwei Räume der Stube 1 vom Block 26 zur Kapelle, ließ die Zwischenwand entfernen, den Raum und sogar die Fenster malen. Der polnische Pfarrer Paul Prabutzky, der samt seinen beiden geistlichen Brüdern Alois und Wladislaus 1942 in Dachau starb, wurde von der SS als der erste verantwortliche Verwalter der Kapelle ernannt. Nach der Trennung der polnischen und deutschen Geistlichen im Herbst 1941 waren Dr. Franz Ohnmacht von Linz und nach dessen Entlassung bis zum Ende des Dritten Reiches unser guter ,, Schorsch", Schriftleiter Georg Schelling aus Vorarlberg ( seit 1938 in Dachau), unsere ,, Blockpfarrer". Letzterer wurde kurz vor dem Ende des großen Dramas durch den Kardinal Faulhaber von München noch offiziell und schriftlich zum Lagerdechant ernannt. Tisches notwen Dacha Er konnte sich aber dieser Würde nur mehr kurze Zeit ,, freuen", weil auch er im Mai 1945 in seine sieben Jahre vermiẞte Heimat zurückkehren konnte. Nicht vergessen soll hier sein der bescheidene, unermüdlich fleißige, stets den trauten Heimatdialekt liebende Mesner Heinrich Steiner( bekannt als ,, da Stoana"), Pfarrer von Steinerkirchen, Oberösterreich, der nach der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner bei seiner Abreise noch einen Teil des Kapelleninventars fortschleppte.- Verbin führer Briefe stets Nur mit großen Schwierigkeiten war es uns möglich, die Kapelle notdürftig einzurichten. Als Altar diente ein Tisch, als Tabernakel im ersten Jahr die Schublade dieses Dachar hielter herrlic raden ein T Freud Pfanz manch bleibe Die serem Blech als H waren leben Gle Geist kranz zu be derar auch uns h Lager bitter gen U An lich ren d gen, über 4 A ULR 48 er zu treiben, so anzig auf seine Millionen Menind faktisch fast st hinübergeganes fast als Wunaus allen Geiste Erlaubnis und Gottesdienst zu wei Räume der B die Zwischene Fenster malen. der samt seinen ladislaus 1942 in erste verantwortch der Trennung im Herbst 1941 und nach dessen iches unser guter gaus Vorarlberg Farrer". Letzterer ramas durch den fiziell und schrift mehr kurze Zeit eine sieben Jahre Nicht vergessen ich fleißige, stets Mesner Heinrich rrer von Steiner r Befreiung des er Abreise noch hleppte. es uns möglich, Altar diente ein Schublade dieses Tisches. Hostien und Meßwein, Kerzen sowie die allernotwendigsten Gefäße erhielten wir durch das Pfarramt Dachau im Wege über die Lagerkommandantur. Diese Verbindung klappte meistens nicht, weil es beim Lagerführer am guten Willen fehlte. Erst als es später gelang, Briefe hinauszuschmuggeln und auf diese Weise unseren stets hilfsbereiten Gönner Stadtpfarrer Pfanzelt von Dachau und andere Freunde richtig zu informieren, erhielten wir viele schöne Dinge für unser Heiligtum: eine herrliche Marienstatue von den Angehörigen des Kameraden Karl Schraml, einige Meßkleider, Kreuzwegbilder, ein Ziborium und Kirchenwäsche. Eine ganz große Freude bereitete uns Stadtpfarrer Dechant Friedrich Pfanzelt mit einem vorzüglichen Harmonium. Freilich, in mancher Beziehung mußten wir immer sehr bescheiden bleiben. Die Monstranze, verfertigt( soviel ich weiß) von unserem Universalgenie Karl Schmidt aus Holz und dem Blech einer Sardinenbüchse, Trinkbecher aus Aluminium als Hilfsziborien, Vaselindosen als Versehkapseln, das waren Gegenstände, die wir bis zum Ende unseres Kazetlebens immer in Gebrauch hatten. Gleichzeitig mit der Bewilligung einer Kapelle für die Geistlichen kam auch die Erlaubnis, Brevier und Rosenkranz sowie sonstige religiöse Dinge( Medaillen, Bilder) zu besitzen, freilich immer mit der Einschärfung, niemals derartige Gegenstände an Nichtpriester abzugeben oder auch nur zu verleihen. Die deutschen Bischöfe spendeten uns hundertzwanzig neue Breviere. Soweit wir solche ins Lager mitgenommen hatten, konnten wir um Ausfolgung bitten. Wie glücklich fühlten wir uns da in allem sonstigen Ungemach! Anfangs bestimmte die Lagerkommandantur, daß täglich immer nur ein und derselbe die hl. Messe zelebrieren dürfe. Die anderen konnten die Kommunion empfangen, wenn genug Hostien da waren. Der Raum war immer übervoll, 2000 Priester, eng aneinander gedrängt. Ich 4 Arthofer, Konzentrationslager. 49 LE In ein lang sor lage Häf sich tum Sata nen Ob zes lerre am tret Wu Kaz dies wurde einmal während der Messe aus Schwäche bewußtlos, konnte aber nicht umfallen. Als nach einem Jahr die Hälfte von uns gestorben war, die polnischen Kollegen ein Kapellenverbot erhielten, hatten wir Restlichen mehr Raum und konnten sich Alte und Kranke sogar ihren Hocker zum Sitzen mitnehmen, Gar manch werde uns G Im Jahre 1943, als Schelling unser ,, Blockkaplan" geworden, wurde zu unserer größten Freude bewilligt, daß täglich ein anderer die hl. Messe lesen dürfe. Um einen gerechten Maßstab anzuwenden, beschloß man, jeden im Jahr einmal an den Altar treten zu lassen. Ich durfte beispielsweise in den fünfzig Monaten meiner Haft sogar fünfmal zelebrieren. kommenden mußte aber d so daß uns d Erwähnt se or hatten. als erstklass gaben sich al Meistens blieben wir beim Gottesdienst ungestört. Abgesehen davon, daß die SS, wie ja vorauszusehen war, beim Betreten der Kapelle niemals die Mütze abnahm, gab es wohl in den ersten Jahren wiederholt Fälle rohester Religionsstörung, die hier wegen ihrer Häßlichkeit nicht näher beschrieben sein sollen. und andere Freuden zu vurde in Da an die einzig nen hatten. Bischof Mic af Block 28 Mal die hl. Bischof mehr Erzbischof v Gabriel Pign zug Dachau, zu Prinz Xavi Mehrmals drehte man uns im Gottesdienstraum unter dem Vorwand einer Durchsuchung nach Waffen, Geheimsendern und Geheimschriften alles durcheinander, ohne etwas Belastendes zu finden. In den letzten zwei Jahren lippen eintr aber ließ sich selten mehr jemand in gehässiger Absicht in der Kapelle blicken. Man beschränkte sich auf eine strenge Überwachung, daß keine Nichtpriester sich zur hl. Messe einfänden. Inserer Mitt veihte er der Priester( 17. Da im le uropäischen ns zirka 2 nan öfters 1 Unser Block war aus diesem Grunde mit einem Abschlußgitter versehen worden, und die alten, arbeitsunfähigen Pfarrer, unser ältester war 81 Jahre, mußten tagsüber am Blockeingang Wache stehen und durften niemand einlassen, der nicht zu uns gehörte. Da gab es oft viel Verdruß und Unannehmlichkeiten, zumal die meisten von uns aus seelsorglichen Gründen trotz des SS- Verbots immer geneigt waren, katholischen Laien den heimlichen Besuch des Gottesdienstes und den Empfang der hl. Kommunion zu ermöglichen. ammelten mal auch zu den letzte agen leider verden. Die etwa bester Ka ULR 50 B chwäche bewußt Gar manchesmal drohte uns die Lagerführung, man einem Jahr die werde uns Geistlichen wegen dieses immer wieder vornischen Kollegen kommenden ,, Mißbrauches" die Kapelle entziehen. Es Restlichen mehr mußte aber doch ein strenger Befehl aus Berlin vorliegen, nke sogar ihren so daß uns dieses Leid erspart blieb. Erwähnt sei auch, daß wir einen herrlichen KirchenBlockkaplan" gehor hatten. Unsere Kameraden Schraml und Moosbauer de bewilligt, daß als erstklassige Musiker, Komponisten und Dirigenten dürfe, Um einen gaben sich alle Mühe, besonders für Weihnachten, Ostern man, jeden im und andere Hochfeste, uns in der Kapelle unvergeßliche assen. Ich durfte Freuden zu schenken. Auch manches neue Kirchenlied meiner Haft sogar wurde in Dachau geboren und lebt als traute Erinnerung an die einzige Stätte fort, die wir in Dachau liebgewonst ungestört, Ab- men hatten. auszusehen war, Bischof Michael Kosal von Leslau, mein Stubenkamerad Mütze abnahm, auf Block 28, konnte vor seinem Tode nur ein einziges wiederholt Fälle Mal die hl. Messe lesen. Dann hatten wir lange keinen en ihrer Häßlich- Bischof mehr unter uns, außer dem greisen orthodoxen Erzbischof von Prag. 1944 brachte man aber Bischof dienstraum unter Gabriel Pignet von Clermont- Ferrand als Häftling nach Waffen, Geheim- Dachau, zugleich mit einem Bruder der Kaiserin Zita cheinander, ohne( Prinz Xavier von Parma- Bourbon), dem die SS einige zten zwei Jahren Hippen eintrat. Bischof Pignet hatte öfters Gelegenheit, in ehässiger Absicht unserer Mitte ein feierliches Bischofsamt zu feiern. Auch te sich auf eine priester sich zur e mit einem Ab die alten, arbeits81 Jahre, mußten weihte er den todkranken Diakon Leisner insgeheim zum Priester( 17. Dezember 1944). Da im letzten Jahr auf Block 26 Priester fast aller europäischen Länder versammelt waren( es wurden unter uns zirka 20 verschiedene Sprachen gesprochen), hielt man öfters lateinische Predigten, und an Sonntagen verund durften nie- Sammelten sich womöglich die einzelnen Nationen manchoft mal auch zu einem Gottesdienst in ihrer Muttersprache. In den letzten Wochen mußte die Kapelle an den Werktaigen leider auch als Arbeitsraum der Geistlichen benützt werden. te. Da gab es zumal die meisten tz des SS- Verbots en den heimlichen fang der hl, Kom Die etwa siebzig evangelischen Pastoren, die mit uns in bester Kameradschaft lebten, benützten die Kapelle 41 51 LE auch zu ihrem eigenen Gottesdienst und waren gerne Gäste bei unseren religiösen Feierlichkeiten, Pastor Niemöller, der heldenhafte Kämpfer gegen das Neu heidentum der NSDAP., war leider nicht in unserer Mitte sondern befand sich mit einigen anderen zu Dachau in streng isolierter Sonderhaft. etwa 10 De entweder ei Brotzeit" b Tages. Mittags e Suppe und fünf ungesch fast immer In ein lan sor lag Hä sid tum Sat ner Ob zes lerr am tret W₁ Kaz die Verpflegung ohne Fett. M für uns her Man hatte in den Konzentrationslagern nicht die Ab oder Graup sicht, die Häftlinge gesund und arbeitskräftig zu erhalten lagen auch Der bombastische Spruch: ,, Arbeit macht frei!" am Eisen- fleischstück gitter des Haupteinganges hätte dann einen Sinn gehabt sättigt". wenn man die Leute bei hinreichender Verpflegung als Der Aben gesunde Arbeitskräfte verwendet und den Fleiß durch ben„ Kaffee Entlassung in die Heimat belohnt hätte. Die SS aber( wir dicken Stüc erklärten ihren Namen als ,, Satans- Söhne"), die Begrün mal in der derin und ausschließliche Verwalterin aller Konzentraten begrüß tionslager, erfüllte die Intentionen des größten Blutmen sogenannte schen des 20. Jahrhunderts, Heinrich Himmler. - fettfrei. Al ,, Bildet euch ja nicht ein, daß ihr noch einmal heim hatte, bat kommt!"- ,, Euer Weg zur Freiheit geht durch den um seine E Kamin." Solche und ähnliche Trostworte konnte jeder körnchen von uns hören. Darum war die Verpflegung auch in den einander sa - besten Perioden unter dem Existenzminimum. S Im Lage: Die Hauptnahrung war das Lagerbrot aus vermischtem neben den Kornmehl. Gewöhnlich erhielten wir pro Tag 25, selten 33 einmal die öfters auch nur 20 Dekagramm. Weißbrot gab es höchstens ten( mit im Krankenrevier auf ärztliche Anordnung. aller Art k Davon er Das ,, Frühstück" bestand aus einem Schöpfer voll un gesüßten Kaffees, gefärbtes Wasser mit Andeutung eines in Dachau kaffeeähnlichen Geschmackes. Wir tranken es gern, weil wir auch ne es meistens heiß war und den Magen wärmte. Marke ,, Ka Für die Arbeitskommandos gab es gewöhnlich vormitten, Miesn tags eine ,, Brotzeit", bestehend aus einer Schnitte vor mußte), rot Weise klein UL 52 und waren gern lichkeiten, Pasto etwa 10 Dekagramm Schwarzbrot und einer Auflage: entweder ein Stückchen Wurst oder Margarine. Diese gegen das Neu t in unserer Mitte, Brotzeit" betrachteten wir als die Hauptmahlzeit des Tages. ren zu Dachau i Mittags erhielten wir einen„, Schlag"( Schöpflöffel) Suppe und einige Monate im Jahr auch pro Mann zirka fünf ungeschälte Kartoffeln als Beilage. Die Suppe war fast immer Kartoffel-, Kraut-, Möhren- oder Rübenbrühe ohne Fett. Manchmal gab es Bohnen- oder Erbsensuppe, für uns herrliche Leckergerichte. An Sonntagen Nudelern nicht die Ab oder Graupensuppe, gekochte Hirse oder Grütze. Da räftig zu erhalte lagen auch einige haselnuẞgroße Rind- oder Pferdeht frei!" am Eiser fleischstücke drinnen. Bis abends waren wir dann„ geeinen Sinn gehab sättigt". er Verpflegung al Der Abend bescherte uns dreimal wöchentlich denselden Fleiß dure ben ,, Kaffee" wie der Morgen mit einem ein Zentimeter Die SS aber( wi dicken Stückchen Wurst oder Margarine ohne Brot, vierine"), die Begrü mal in der Woche wieder eine leere Suppe. Am häufigaller Konzentr sten begrüßte uns bei unserer Heimkehr am Abend die größten Blutme sogenannte ,, Bengasi- Suppe", eine Grützebrühe, garantiert Himmler. fettfrei. Als ich diesen seltsamen Namen öfters gehört noch einmal hein hatte, bat ich einmal einen sachverständigen Kollegen Worte konnte jed körnchen sind in dieser Dachauer Spezialsuppe vont geht durch de um seine Erklärung. Sehr einfach: Die einzelnen Grützeegung auch in d einander so weit entfernt wie Sollum und Bengasi. nimum. - Im Lager gab es eine eigene Kantinenbaracke gleich ot aus vermischte neben dem Appellplatz. In dieser konnten sich früher o Tag 25, selten einmal die Häftlinge, welche über eigenes Geld verfügot gab es höchste ten( mit Ausnahme der Strafkompanie), Lebensmittel dnung. Schöpfer voll u aller Art kaufen. Davon erzählten uns die Veteranen, die schon seit 1938 it Andeutung ein in Dachau waren. In den Sommermonaten 1941 erhielten anken es gern, we wärmte. gewöhnlich vorm wir auch noch mancherlei Eßbares zu kaufen. Kunsthonig, Marke ,, Karo", in Blechdosen, Heringe, einigemal Sprotten, Miesmuscheltiere( auf die ich jedesmal erbrechen einer Schnitte wußte), rote Rüben, Sauerkraut, Gurken, Salat, ausnahmsweise kleine Früchtebrote, meist aber alles nur in sehr 53 LE In ein lan sor lag Hä sid tum Sat ner Ot zes lerr am tret W₁ Kaz die UL beschränkten Mengen. Doch waren wir unendlich froh um solche Zubußen. Ende 1941 war auch diese Herrlichkeit zu Ende. In den letzten Jahren gab es nur mehr rote Rüben, manchmal noch Miesmuscheln und etwas Gemüse. Jeder verschlang davon so viel als möglich, viele wurden krank davon. Besonders der Durchfall begann beinahe epidemisch aufzutreten. Gegen Ende aber war die Kantine sozusagen bankerott. Manchmal noch eine Suppe, alkoholfreies„ Bier", Mineralwasser, das war fast alles. Dazu bekam man Rauchwaren, Zigaretten billigster ausländischer Qualität, russische Machorka, schließlich auch das nicht mehr. Sicherheitsnadeln, Hosenknöpfe, Zahnpasta, Schuhcreme, Klosettpapier, Seife und andere notwendigste Kleinigkeiten waren nicht mehr vorhanden. Da es uns erlaubt war, den ,, Völkischen Beobachter" zu abonnieren( früher auch andere Parteiblätter), bezog ich in den letzten Monaten täglich zwei ,, Völkische", um wenigstens genug Gebrauchspapier zu haben. Der Kantinenkapo, ein ehemaliger Luftpilot, war ein guter Kamerad von mir. Er sagte mir manchesmal, wenn ich ihn bat, mir ganz primitive Dinge zu verschaffen: ,, Mein lieber Freund, sehr gerne, aber wir sind einfach fertig!" Übrigens hat ten die meisten Kazetler ohnehin kein Geld, sich irgend etwas zu kaufen. Hungerödem Auch i gelangt u jemals no Meine E wie einer Güte des den konnt gehend da zum Skel hatte ich Man sagtKamin er Gedanke Nur nic Geistliche polnische Niemal Bei der nicht me vor dem mit Selb Da sag Arthofer. ben!" Ke Das heil geschwin Pfarrer ersten M war und Optimist, einer Mi heraus, D Irüllt ih holt dich Schweige Finige T matorium Hautwassersucht oder Hungerödem war in den meisten Fällen in den Kazets das sicherste Zeichen völliger Entkräftung und beginnender Herzschwäche. Stark angeschwollene Füße, ein aufgedunsenes Gesicht, unstillbarer Durst, Phlegmone, Apathie waren das Signal, daß wieder ein kräftiges Menschenleben, durch das heimtückische Aushungerungssystem Heinrich Himmlers gebrochen, dem Ende zugehe. 54 ir unendlich fro ch diese Herrlich mehr rote Rüber as Gemüse, Jede ele wurden kran ann beinahe epi war die Kantin me Suppe, alkohol Auch ich war an dieser letzten Station bereits angelangt und hatte im Mai 1942 keine Hoffnung mehr, jemals noch nach Hause zurückzukommen. Meine Kameraden führten mich langsam und behutsam wie einen Greis ins Krankenrevier, wo ich durch die Güte des Pflegers Edi Pesendorfer eingeschmuggelt werden konnte. Dort vertrieb man durch Injektionen vorübergehend das Wasser; dann merkte ich erst recht, daß ich zum Skelett abgemagert war. Seit meiner Verhaftung hatte ich zirka 40 Kilogramm Körpergewicht verloren. Man sagte mir ,, tröstend", daß ich wohl bald durch den Kamin entlassen werden würde, und ich war bei diesem nöpfe, Zahnpast Gedanken beinahe glücklich. fast alles. Dan billigster auslä hließlich auch da andere notwen vorhanden, Dae chter zu abonni bezog ich in de , um wenigsten Kantinenkapo, ei Kamerad von mi ihn bat, mir gan in lieber Freund g!" Übrigens ha Geld, sich irgen Nur nichts mehr von Dachau sehen! Von den deutschen Geistlichen starben in diesem Jahre 33 Prozent, von den polnischen 50 Prozent den Hungertod. Niemals werde ich die Bilder jener Zeit vergessen: Bei der Messe am Morgen konnten viele in der Kapelle nicht mehr stehen. Sie lagen auf dem Boden, Sterbende vor dem Altar. Und alle starben sie still, ergeben, fast mit Selbstverständlichkeit. Da sagte eines Tages Pfarrer Karoly zu mir: ,, Du, Arthofer, gib mir die Krankenölung, ich werde nun sterben!" Kein Wort mehr als das. Ich erfüllte seinen Wunsch. Das heilige öl hatten wir uns von Dachau hereingeschwindelt. Wenige Stunden später war er tot. Pfarrer Bechtl, ein lieber Freund, mit dem ich in den ersten Monaten meines Dachauerlebens oft beisammen war und der mir humorvoll und kräftig Mut zusprach, ein Optimist, nun aber zum Skelett abgemagert, steht bei einer Misttonne und sucht sich verfaulte Kartoffelreste heraus, um sie gierig zu verschlingen. Der Blockälteste brüllt ihn an: ,, Wenn ich dich hier noch einmal sehe, holt dich der Teufel!" und gibt ihm einige Ohrfeigen. Schweigend taumelt der einst so kräftige Mann weiter. Einige Tage später liegt er in der Leichenhalle des Krematoriums. war in den meiste ichen völliger En wäche. Stark an s Gesicht, unstill en das Signal, dal durch das heim rich Himmlers ge 55 | ! h In dieser-verhängnisvollen Leidenszeit bin ich dem Kommando„Plantage“ für Arbeit im Freiland zugeteilt. Nur mit Aufbietung aller Willenskraft schleppe ich mich täglich zur Arbeitsstätte außerhalb des Grabens, der Mauer und der elektrisch geladenen Drähte, Da finde ich österreichische Kameraden als Lebensretter. Kaplan Andreas Rieser aus Salzburg, Plantagenschreiber, am Block einfach„Anderl“ genannt, seit 1938 in Dachau, bringt mich in der sogenannten Gewürzmühle unter Dach und zu einer sitzenden Beschäftigung. Der seelengute Kapo der Gewürzmühle, Polizeirat Dr. Böhm aus Wien, jetzt Sicherheitsdirektor des Landes Salzburg, ebenfalls seit 1938 in Haft, ist in der Lage, mir täglich etwas Suppe und eine Handvoll alter, gekochter Kartoffeln als Zubuße zuzustecken, die ich, im Fabriksklosett ver- borgen, rasch und samt der Schale hinunterschlinge, damit ich nicht den‘ Neid der Kameraden erwecke; und so bleibe ich doch noch samt meinem Ödem, das nicht weichen will, in meinem Elend stabil, während täglich Kameraden dahinsterben. Sie essen im Freiland draußen rohe Wurzeln und Kräu- ter, bekommen dadurch auch noch den Durchfall, und das gibt ihnen den Rest. Brotzeit hatten sie ja damals auch noch keine. In’wenigen Monaten wären wir alle miteinander sicher- lich gestorben, wenn nieht im Spätherbst 1942 die lang- ersehnte Paketerlaubnis für das Konzentrationslager Dachau von Berlin gekommen wäre. Wie wir hörten, war diese durch lange Zeit von Lager- führer Hofmann, dem„Henker von Dachau“, aus Sadis- mus unterschlagen worden. Er suchte auch, nach der schließlichen Verlautbarung der Erlaubnis, anfänglich die Erleichterung soviel als möglich zu drosseln, indem er eigenmächtig für jeden Kazetler nur ein einziges Paket im Monat festsetzte, Aber gottlob wurde ihm kurze Zeit darauf die Macht aus der Hand geschlagen und er ver- schwand für immer aus Dachau. 56 Trotz der Iaufenden] liehe, weil restlichen sehends, at alle Ödem« Hoffnungen lieber. Jen Lebensmitt Vergessen, Aber wi derer Kazı weder aus Von nun Drittel der delen„Le „Proletarii stand, den Asch mög] Die me; taden, m; schen ist, Meisten h les, auf R Wit hier Menen K keit nicht Ahter um 80 wie Kind um dann erst Aen Mit) St, abeı Wir, die Mieter Kazets Yernunft bin ich dem iland zugeteilt. leppe ich mich Grabens, der e. Da finde ich Trotz der nun von unseren Angehörigen reichlich einlaufenden Lebensmittelhilfe starben noch manche Geistliche, weil sie bereits zu schwach geworden waren; die restlichen aber erholten sich in einigen Monaten zusehends, auch bei mir verschwanden nach einiger Zeit alle ödemerscheinungen, neue Körperkraft und frische Hoffnungen machten uns das Lagerleben wieder erträglicher. Jene wenigen treuen Freunde, die mir durch ihre hle unter Dach Lebensmittelpakete Rettung brachten, werde ich niemals retter. Kaplan schreiber, am 138 in Dachau, Der seelengute öhm aus Wien, burg, ebenfalls täglich etwas hter Kartoffeln riksklosett verinunterschlinge, merwecke; und dem, das nicht während täglich rzeln und Kräuarchfall, und das ja damals auch einander sicher 1942 die langzentrationslager vergessen. Aber wie unsagbar arm waren die Zehntausende anderer Kazetler, die keine Pakete erhielten, weil sie entweder aus dem Ausland oder sonst ganz verlassen waren! Von nun an bildeten die Paketempfänger, vielleicht ein Drittel der Lagerinsassen, die„ Kapitalisten", die beneideten„ Lebemenschen", die anderen aber die hilflosen „ Proletarier". Ein wahrhaft trostloser und peinlicher Zustand, denn die Lagerkost wurde, soweit dies überhaupt noch möglich war, immer noch schlechter und weniger. Die meisten Paketempfänger des Lagers waren Kameraden, manche Egoisten, wie es eben schon unter Menschen ist. Auch von uns Priestern waren weitaus die meisten hilfsbereit, manche aufopferungsvoll und selbstlos, auf sich selber ganz vergessend. Schließlich wollen wir hier das letzte Urteil nicht irgendeinem voreingenommenen Kirchenfeind, der auch im Lager seine Gehässigkeit nicht begraben konnte, sondern dem gerechten Beobachter und unserem Herrgott überlassen. Zeit von Lagerhau", aus Sadisauch, nach der bnis, anfänglich drosseln, indem in einziges Paket ihm kurze Zeit gen und er ver So wie es selbstverständlich ist, daß der Vater seinem Kind und der Freund seinem Freund zuerst hilft und dann erst anderen, haben auch wir die Not unserer eigenen Mitbrüder und weltanschaulich Gleichgesinnter zuerst, aber durchaus nicht einseitig, wahrgenommen. Daß wir, die wir die meisten von zu Hause nur bescheiden beliefert werden konnten, nicht das furchtbare Elend des Kazets bannen konnten, ist eine Tatsache, die nur Unvernunft und Bosheit übersehen könnte. 57 LEC In d ein k lang sorg lage Häft sich tum, Sata nen. Ob zese lerre am trete WUI Kaz dies ULR Eines ist sicher, daß kein anderer Block für die Kranken und Elenden im Lager mehr geleistet hat als die Blocks 26 und 28. Das gab sogar die SS manchmal unumwunden zu. - Mit derselben Liebe, mit der sich zwanzig Priester freiwillig als Pfleger zu den Flecktyphuskranken meldeten und dort zum Großteil als Opfer der Pflicht gestorben sind, haben die meisten ihr Weniges mit anderen geteilt. - - Ohne jede Übertreibung müssen wir bekennen: Alle, die Dachau lebend verlassen haben, verdanken es der Hilfe aus der Heimat. Die Namen jener, die ihre Liebe dem durch die Gestapo aller Menschenrechte beraubten Kazetler so opferwillig bewiesen haben, bleiben ewig in unseren Herzen eingeschrieben. Die Pakete wurden von der SS immer streng kontrolliert. Einen Kollegen fragte bei einem solchen Anlaß ein Oberscharführer neidisch: ,, Wie kommt denn das eigentlich, daß man Ihnen in dieser Zeit noch ein solches Lebensmittelpaket senden kann?" ,, Das kommt daher", antwortete dieser ironisch ,,, daß wir aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen sind." Plünderung der Geplünderten Wäsche, die Krew raubt. Un Stunde a klangvoll der Kult Bei der Einlieferung ins Kazet mußte jeder all sein Privateigentum abgeben. In den ersten Jahren wurden diese Habseligkeiten in einem numerierten Sack deponiert; in der letzten Zeit konnten wir mit tiefer Empörung beobachten, wie die großen Transporte aus Warschau und die meisten anderen in Dachau zusammengepferchten Ausländer bei ihrer Ankunft öffentlich und schamlos nackt ausgezogen und all ihrer Habe restlos und für immer beraubt wurden. Es lagen auf dem Appellplatz neben den Tausenden nackter und frierender Menschen Berge von abgenommenen guten Schuhen, Zivilkleidern, 58 Mehrm weise im tersuchen wir ja d ,, Volkssc den wir damit er personal Interes Die arm preisen mann fü worden sich aus Gemüse 1 RM L waren, C liche Pu Lappen, papier, und wen gekauft haupt ke für die große S Heimat Es sch als in wurde. Sie könnte ck für die Kran istet hat als die ie SS manchmal zwanzig Priester huskranken mel Her Pflicht gestor iges mit anderen ekennen: maben, verdanken en jener, die ihre enschenrechte be n haben, bleiben Die Pakete wur liert, Einen Kol B ein Oberschar us eigentlich, daß hes Lebensmittel aher", antwortete gemeinschaft aus derten Ste jeder all sein n Jahren wurden Terten Sack depo tiefer Empörung aus Warschau und ammengepferchten ech und schamlos restlos und für dem Appellplats erender Menschen en, Zivilkleidern Wäsche, Koffern und Gepäck. Da dachte ich manchmal an die Kreuzwegstation: Christus wird seiner Kleider beraubt. Und daneben die grinsenden Henker. Zur selben Stunde aber sprach im Radio der ,, Idealist" Fritsche mit klangvoller Stimme und in hochtrabenden Phrasen von der Kulturmission des Dritten Reiches. Mehrmals mußte zu meiner Zeit das ganze Lager blockweise im Bad antreten, damit die SS Mann für Mann untersuchen konnte, wieviel Goldzähne jeder besitze. Da wir ja doch alle mehr oder weniger zum Tod verurteilte ,, Volksschädlinge" waren, wollte man den einzigen Wert, den wir noch bei uns trugen, genauestens registrieren, damit er nicht etwa durch ,, unredliches" Krematoriumspersonal verschoben werden könnte. - Interessant waren auch die Preise in der Lagerkantine. Die armseligsten Dinge mußten zu so hohen Wucherpreisen bezahlt werden, daß im Reich jeder Geschäftsmann für solche Preise zu Zuchthaus und Tod verurteilt worden wäre. Die SS- Kantinen verwaltung bereicherte sich aus dem Hunger der Gestapoopfer, die für ein Glas Gemüse 10 RM, einen Becher stinkender Muscheltiere 1 RM und mehr bezahlten und dabei noch glücklich waren, daß sie etwas zum Hinunterwürgen hatten. Sämtliche Putzmittel zum Reinigen der Blocks, die Bürsten, Lappen, Besen, das Bodenwachs und das Schmiergelpapier, das Läusepulver und die meistens vertrocknete und wertlose Schuhcreme mußten in der Kantine teuer gekauft werden. Und da ein Großteil der Kazetler überhaupt kein Geld besaß, gaben wir gerne und bereitwillig für die Kranken im Revier und sonstige Arme fortlaufend große Summen von dem Geld, das wir Priester aus der Heimat erhielten. Es schien vielen SS- Leuten sehr unangenehm zu sein, als in den letzten Jahren die Paketerlaubnis gegeben wurde. Sie waren offenbar von großer Sorge bedrückt, es könnte uns nun in Dachau zu gut gehen. So schützten 59 m sie vor, wir hätten so viele Lebensmittelvorräte, daß sie uns verschimmelten; wir seien zu wenig hilisbereit gegen andere, sie müßten uns soziales Denken beibringen, und kamen wiederholt zur Besichtigung unserer„Vorräte“. (Spezialist war hier Rapportführer Kuhn.) Sie nahmen uns das wieder teilweise weg, was unsere Lieben sich für uns abgespart hatten. Da gab es oft große Bestürzung und Traurigkeit, besonders bei den vielen, die nur alle zwei bis drei Wochen ein Paket erhielten und sich ihren kleinen Vorrat sehr genau einteilen mußten, wenn sie nieht hungern wollten, Bemerkt sei, daß die SS solche Raubzüge vorzugsweise auf die beiden Priesterblocks Nr. 26 und Nr. 28, aber auch auf alle anderen Blocks machte, in denen Paket- empfänger lebten.——— Eines Tages fiel es Rapportführer Kuhn ein, auf Block 26 fast alle Rauchwaren zu konfiszieren, die wir von zu Hause erhalten hatten. Er ließ einige große Kartons Zigaretten, Zigarren und Tabak forttragen, die er bei den etwa 600 Blockbewohnern zusammengescharrt hatte. Das war schließlich kein großes Unglück. Am kommenden Sonntag aber erlebten wir eine kleine Komödie. Unser Freund Kuhn ließ in der Freizeit unseren Block am Appellplatz aufmarschieren und hielt uns dort in seiner gewohnt höhnischen Art eine Ansprache:„Ihr Pfarrer kennt ja alle das Gebot der Nächstenliebe. Draußen habt ihr darüber gepredigt, und darum sollt ihr es auch hier nicht ganz vergessen. Da habe ich einem Pastor eine ganze Schachtel Zigarren abgenommen, nicht gestohlen, wohlgemerkt! Wo ist der? Treten Sie vor!“ Ein evangelischer Pastor kam aus der Reihe. Er hatte zum Namenstag von den Seinen eine Schachtel mit 100 Zigarren erhalten, die nun Kuhn lächelnd in der Hand wog: „100 Stück Zigarren! Euch geht es ja verteufelt gut! Aber ich bin nobel. Da— nehmen Sie sich die Hälfte wieder zurück!“ Der Angeredete nahm stramme Haltung ein und sagte: 60 „Danke, Wir freu Kuhn Kazetler, beschenk „Halt,“ ich bald matoriun retten; d wieder e Dem| Spruch| wenn y gonnen Hitler angefan lehrter hat sie} Polen. J wie kei dismus dung}; fechtun Million: Kazetg, Verurte Hatte Dachayı Bis 7 deutsch Und 2 Stuben Kapaıı worräte, daß sie ilfsbereit gegen beibringen, und erer ,, Vorräte". .) Sie nahmen Lieben sich für Bestürzung und e nur alle zwei und sich ihren Bten, wenn sie ,, Danke, Herr Rapportführer, ich verzichte darauf!" Wir freuten uns über diese Antwort. Kuhn verteilte nun seine Vorräte an herbeigerufene Kazetler, die sich teilweise schämten, auf solche Weise beschenkt zu werden. ,, Halt," sagte auf einmal der Rapportführer,„ ,, nun hätte ich bald die Hauptperson vergessen, den Capo vom Krematorium. Hier, bringen Sie ihm diese Handvoll Zigaretten; die soll er rauchen, damit es nicht so stinkt, wenn wieder einer von den Pfarrern auf die Pfanne kommt!" ge vorzugsweise md Nr. 28, aber n denen Paketein, auf Block 26 die wir von zu große Kartons , die er bei den harrt hatte. Das Am kommenden omödie. it unseren Block elt uns dort in Ansprache: ,, Ihr Nächstenliebe. und darum sollt habe ich einem genommen, nicht Treten Sie vor!" he. Er hatte zum mit 100 Zigarren der Hand wog: teufelt gut! Aber ie Hälfte wieder g ein und sagte: Sadismus gegen die Polen Dem Münchner Komiker Weiß Ferdl wird der Ausspruch in den Mund gelegt: ,, Es wäre besser gewesen, wenn wir den uns aufgezwungenen Krieg niemals begonnen hätten!" Hitler und seine Partei haben den furchtbarsten Krieg angefangen. Um das festzustellen, braucht man kein gelehrter Historiker zu sein. Und gegen kein anderes Land hat sich das Nazireich brutaler benommen, als gegen Polen. Auch als es schon unterworfen war, mußte es so wie kein anderes Volk unter dem erfindungsreichen Sadismus der Gestapo weiterbluten. Verhaftung und Ermordung fast der ganzen Intelligenz, Enteignung und Entrechtung der im Lande Verbliebenen, Verschleppung von Millionen in die Sklaverei, Vernichtung Unzähliger in den Kazets, Ermordung der meisten katholischen Geistlichen, Verurteilung der polnischen Jugend zur Unwissenheit. Hatte ich das früher noch nicht ganz verstanden, in Dachau wurde es mir zur erschütternden Gewißheit. - Bis zum September 1941 waren die polnischen und deutschsprachigen Geistlichen auf den beiden Blocks 26 und 28 in einer einzigen Gemeinschaft und lebten in den Stuben kameradschaftlich miteinander. Vorstand unserer Kapelle war der Pole Pfarrer Paul Prabutzky, den alle 61 LEC In c eink lang sorg lage Häf sich tum Sata nen Ob zes lerr am tret Wu Kaz dies schätzten; niemanden achteten wir höher als den polnischen Bischof Michael Kosal, mit dem ich in einer Stube beisammenwohnte und der gut deutsch sprach; keiner hätte damals geahnt, daß die Gestapo selbst hier im Elend des Kazets die Polen noch extra schikanieren würde. Am 19. September 1941 kamen ganz plötzlich drei SSMänner zu unseren Baracken und schrien:„ Alle Deutschen sofort heraus! Alles mitnehmen und auf der Lagerstraße antreten! In fünf Minuten müssen alle bereitstehen!" Ein heilloses Durcheinander war die Folge dieses uns vorerst ganz unverständlichen Befehles. Jeder suchte seine Siebensachen: Geschirr, Besteck, Seife, Handtuch, Schuhbürste, Brevier und was einer eben noch haben durfte, und schlug es in eine Bettdecke. An der Türe brüllten die SS- Leute: ,, Weiter, weiter!" Hier fand einer seine Suppenschüssel nicht und fieberte vor Aufregung, dort hatte einer all seine Habe unglücklicherweise auf den Boden geschüttet - restlos ablief und wie dies euch mit di Nr. 26 wird e hereinkommt Kapellenfens Nr. 28 mit Ka ken nicht me den sie zu sc standen? - Nr. 28 abzub leben. Ab Nur mit T unsere Geme nahmen wir, Blockältesten den Auftrag anrulegen, E Arme Polen, endlich Befehl He sich rühmen standen wir in Reih und Glied auf der Lagerstraße. ,, Sind alle Deutschen angetreten?" fragte Lagerführer Jarolin. ,, Ich werde übrigens die Namen verlesen." Es stellte sich heraus, daß keiner fehlte. Während wir so warteten, fuhren uns alle möglichen Mutmaßungen durch den Sinn: Abtransport in ein anderes Lager? Unterbringung in einem Kloster? Entlassung? --Rapportführer Jarolin führte uns in die Wirklichkeit zurück: ,, Also, aufgepaßt! Mit sofortiger Wirksamkeit tritt der Befehl in Kraft, daß alle deutschen Pfarrer von den polnischen Pfaffen getrennt werden. Ihr werdet in Zukunft den Block Nr. 26 allein beziehen, alle Polen aber kommen auf Block Nr. 28. Nur die deutschen Geistlichen allein haben noch das Recht auf die Kapelle. Den Polen wird strengstens verboten, die Kapelle noch einmal zu betreten. Sie dürfen nicht Messe lesen und auch zu keiner Messe gehen. Alle religiösen Gegenstände müssen sie sofort und Wir konnten Von den der gestorben, v Hälfte, Das lung". Erst im let überlebender geheim und leiern. Die Arztm ihn verboter In sich dor sich laut La ULR 62 er als den polh in einer Stube sprach; keiner st hier im Elend eren würde, lötzlich drei SSen: ,, Alle Deutauf der Lagersen alle bereitFolge dieses uns eder suchte seine Handtuch, Schuhh haben durfte, r Türe brüllten icht und fieberte Habe unglück -- - endlich Lagerstraße, restlos abliefern, alle Breviere, Rosenkränze, Anhängsel und wie dieses Zeugs sonst noch heißt. Nur ihr könnt euch mit diesen Dingen noch unterhalten. Der Block Nr. 26 wird ein eigenes Gitter bekommen, damit niemand hereinkommt, der nicht befugt ist. Außerdem werden die Kapellenfenster zugenagelt und auf der Seite von Block Nr. 28 mit Kalk undurchsichtig gemacht, damit die Polakken nicht mehr hineinglotzen können. Von heute an werden sie zu schwererer Arbeit herangezogen werden. VerUnd euch rate ich, jeden Kontakt mit Block Nr. 28 abzubrechen, sonst werdet ihr eure Wunder erleben. Abtreten!" standen?- - - - Nur mit Trauer erinnere ich mich jener Stunde, die unsere Gemeinschaft so brutal zerriẞ. Mit Schrecken vernahmen wir, daß die SS für Block 28 einen der rohesten Blockältesten des Lagers, Fritz Becher, bestimmt und ihm den Auftrag gegeben hatte, seinem Sadismus keine Zügel anzulegen. Er wußte diese Weisung getreulich zu erfüllen. Arme Polen, was habt ihr denn verbrochen? --Befehl Heinrich Himmlers oder dessen Meisters, der sich ,, rühmen" durfte, niemals Noblesse gekannt zu haben? gte Lagerführer Wir konnten nicht hinter die blutige Kulisse schauen. verlesen."- - Von den deutschen Geistlichen ist im Lager ein Drittel gestorben, von den polnischen Priestern mehr als die alle möglichen Hälfte. Das war die Auswirkung dieser ,, Sonderbehandport in ein anKloster? Entlaslung". Erst im letzten Jahre unseres Kazetdaseins konnten die überlebenden polnischen Kollegen es wagen, doch insdie Wirklichkeit geheim und verborgen auf ihren Stuben Gottesdienste zu Wirksamkeit tritt Pfarrer von den erdet in Zukunft en aber kommen eistlichen allein mal zu betreten. feiern. Im Krankenrevier Die Arztmeldung. Wurde ein Häftling krank, so war es Den Polen wird ihm verboten, ohneweiters ins Krankenrevier zu gehen, u keiner Messe sich laut Lagerordnung bis zur sogenannten ,, Arztmelam sich dort ärztlich untersuchen zu lassen. Er mußte en sie sofort und 63 LEC In 0 ein k lang sorg lage Häf sich tum Sata nen. Ob zese lerre am tret Wu Kaz dies dung" gedulden, die in der Woche einige Male nach Ende des Abendappells, meist im Freien, stattfand und von Revier beg einem Rapportführer geleitet wurde. Auf das Kommando lassen, Fehl ,, Arztmeldungen heraus!" traten alle, die sich krank vierkapos E fühlten und den Mut hatten, sich auch eventuell Grob mung Öster heiten und Mißhandlungen zuzuziehen, in einer Reihe an bestand die Jeder von ihnen mußte in Anwesenheit eines Häftlings- feigen und pflegers dem Rapport- oder Lagerführer sagen, was ihm stäblich zu Das Häftl Unter Hofmann entwickelte sich dann folgendes Ge- abteilung, spräch: fehle. ,, Was fehlt dir?" strahlungsa Abteilung ,, Herr Lagerführer, ich habe seit einigen Tagen sehr gen, in d. starke Bauchschmerzen. Ich fürchte Blinddarmentzün Geleitet wa dung wenig in ,, Ach was, Blinddarmentzündung! Hast dich halt an der ärztliche Tä Lagerkost überfressen " abtreten!" ,, Herr Lagerführer--" Arzten, die bracht hatt ,, Halte die Fresse, Hund!" Ein Fußtritt, der Mann lieg opferungsv am Boden. ,, Nächster! Was hast du für Schmerzen?" mit welcher einem pol wollte von ,, Herr Lagerführer, ich habe eine Bauchoperation hinter Decknamer mir. Da ist mir bei der Arbeit die Wunde wieder auf gebrochen." ,, Bist du ein Deutscher?" ,, Nein, Pole." , Von welchem Block?" دو ,, Block 28." ,, Also ein polnischer Pfaffe! Um dich ist nicht schade, wenn du verreckst. Verschwinde, oder ,, Nächster!" wußten, wi schätzte. zeigte man in denen hauptsächl fieren, wie Hiftlinge: nicht zur S selber gef Hanger un unter auch Ich selbe ,, Herr Lagerführer, ich habe Fieber und Kopfschmerzen." ,, Deutscher?" ,, Jawohl!" ,, Der kann ins Revier gehen!" So ging es weiter. Nur die wenigsten durften sich in ich selber Priester) ich nicht 5 Arthof ULR 64 ige Male nach End stattfand und vor Revier begeben, um sich dort ärztlich untersuchen zu Auf das Kommand lassen. Fehlte nach dem Gutachten des berüchtigten Ree, die sich kraal vierkapos Heiden Sepp, der zu unserer großen Beschäach eventuell Grob mung Österreicher war, dem Patienten nicht viel, dann , in einer Reihe an bestand die Kur( unter Hofmann) sehr oft in einigen Ohrmeit eines Häftlings feigen und einem schmerzlichen Hinauswurf, der bucharer sagen, was ihn stäblich zu nehmen ist. Das Häftlingsrevier war modern eingerichtet. Röntgendann folgendes Ge abteilung, Operationsraum, Apotheke, Sezierraum, Bestrahlungsapparate, elektrischer Schwitzkasten, eigene Abteilung für Tuberkulose und venerische Erkrankuneinigen Tagen sei gen, in den letzten Jahren auch ein eigenes Bad. Blinddarmentzü Geleitet war es meist von zwei SS- Ärzten, die aber nur wenig in Aktion traten. Sie überließen fast die ganze last dich halt an de ärztliche Tätigkeit, auch den Operationsraum, den vielen Ärzten, die die Gestapo als Häftlinge nach Dachau gebracht hatte und die fast durchwegs ihren Dienst in auftritt, der Mann lie opferungsvoller Weise versahen. Ich erinnere mich daran, erzen?" mit welcher Dankbarkeit und Achtung viele Kazetler von einem polnischen Chirurgen sprachen, der unter dem auchoperation hint Decknamen ,, Ali"( Alexander) lagerbekannt war. Keiner Wunde wieder au lich ist nicht schad - Ja i- er und Kopfschme sten durften sich i - wollte von einem SS- Arzt operiert werden, denn wir wußten, wie ein solcher das Leben eines Häftlings einschätzte. Kam ein Besuch ins Lager, dann zeigte man ihm vor allem die ersten zwei Revierblocks, in denen sich die erwähnten modernen Einrichtungen hauptsächlich befanden, um auf diese Weise zu dokumentieren, wie human und vorzüglich in Dachau für kranke Häftlinge vorgesorgt sei. Es dürfte aber kaum einmal ein nicht zur SS gehörender Besuch in die Krankenbaracken selber geführt worden sein, denn dort herrschte Elend, Hunger und Dürftigkeit, Mangel an Medikamenten, mitunter auch Roheit und Sadismus einzelner Unterpfleger. Ich selber war zweimal im Revier und schreibe nur, was ich selber gesehen habe. Ein Sterbenskranker( polnischer Priester) wurde von einem Unterpfleger, dessen Namen ich nicht mehr weiß, schwer geohrfeigt und mußte sich, 5. Arthofer, Konzentrationslager. 65 LE In ein lan sor lag Hä sid tun Sat ner Ot zes ler am tre W Ka die weil er das Bett verunreinigt hatte( durchwegs Strohsäcke, von denen schon viele weggestorben waren), zur Strafe im Hemd bei großer Kälte stundenlang an ein offenes Fenster stellen. Einige Tage später war er tot. Ein anderer polnischer Priester wurde neben mir ebenfalls schwer mißhandelt. Meine Fürsprache beim Unterpfleger war vergeblich, Er sagte nur: ,, Der Saupolack soll krepieren!" Übrigens ist dieser ,, Pfleger" selber bald hernach an Typhus gestorben. So wande auf der se Ein Wiener lag neben mir, er hatte so wie ich Lungenentzündung, vielleicht sieben Stunden im Todeskampi. Niemand gab ihm einen Trunk Wasser, niemand trocknete seinen Todesschweiß oder richtete ihm sein Lager. Ohne jede Hilfe starb er. Ich konnte nichts für ihn tun, da ich selber zwischen Leben und Tod im Fieber lag. Plötzlic SS- Mann " Wo ge ,, Ins Re Ein anderer Sterbender stieg mit letzter Kraft aus dem Bett und bat den Unterpfleger mit aufgehobenen Händen um einen Becher Tee. Dieser stieß ihn derb ins Bett zurück, ohne seine letzte Bitte zu beachten. Kaum eine Stunde später trug man auch diesen Armen in die Leichenkammer. - ,, Bist d „ Ich bin „ Also e ,, Ich ha ,, Schuh in Laune während ledigte. D lich mein eigentlich füße." Nur in einer einzigen Revierbaracke und, soviel ich weiß, noch in einem Raum auf Block 3 standen die Krankenbetten frei nebeneinander( ohne Überbau), in allen anderen Revierblocks lagen die Kranken in drei Bettreihen dichtgedrängt übereinander bis an die Decke. Wer jammerte, wurde dafür sehr oft mißhandelt. Aber vorne im ersten Block staunte der Besucher über die moderne, blitzblanke Einrichtung des Operationsraumes, der Apotheke und der zahntechnischen Abteilung. Er und dann stel Beschein rechtigt tragen. D Wenige Monate nach meinem Eintreffen in Dachau machte ich ein schriftliches Rapportgesuch an die Lagerführung um die Erlaubnis, wegen eines Fußleidens statt der derben Lagerholzschuhe meine eigenen Privatschuhe tragen zu dürfen. Ich erhielt den schriftlichen Bescheid, ich hätte mich beim SS- Oberarzt untersuchen zu lassen. Ungeza durch Hu vie der landen a Einen barer Ko lehnt, wi Reiches, knapp V len sch Weiß vo UL 66 hwegs Strohsäcke, So wanderte ich an einem Regentag mit einem Kollegen waren), zur Strafe an ein offenes Fenr tot. Ein anderer ebenfalls schwer Unterpfleger war ek soll krepieren!" bald hernach an so wie ich Lungen n im Todeskampi niemand trocknete sein Lager. Ohne für ihn tun, da ich ieber lag. zter Kraft aus dem auf der sehr schmutzigen Lagerstraße dem Revier zu. Plötzlich stand Lagerführer Jarolin mit einem anderen SS- Mann vor uns und fragte: ,, Wo geht ihr hin?" " „ Ins Revier, Herr Lagerführer!" ,, Bist du ein Pfaffe?" ,, Ich bin von Block 28, Herr Lagerführer." ,, Also ein Pfaffe. Und was fehlt dir?" ,, Ich habe schlechte Füße." ,, Schuhe ausziehen, Füße vorzeigen!" Er war offenbar in Laune und zündete sich vergnügt eine Zigarette an, während ich mich der Holzschuhe und der Fußfetzen entledigte. Dann besah er meine Füße eingehend. Schließlich meinte er:, Versteh ich nicht, was an diesen Füßen eigentlich fehlt. Das sind doch ganz normale Pfaffengehobenen Händen füße." nderb ins Bett zu - - " Er und sein Begleiter lachten hellauf und ließen uns chten. Kaum eine dann stehen. Im Revier aber erhielt ich eine schriftliche Armen in die Lei eke und, soviel ic 3 standen die Kran Überbau), in aller nken in drei Bett an die Decke, Wer handelt. Bescheinigung, daß ich auf Grund eines Fußleidens berechtigt sei, in Zukunft meine eigenen Lederschuhe zu tragen. Darüber war ich glücklich. Hinrichtungen Ungezählte Tausende wurden in den Kazets indirekt der Besucher über durch Hunger und schlechte Behandlung ermordet oder, ng des Operations wie der Lagerausdruck sagt ,,, fertiggemacht". Daneben chnischen Abteilung fanden aber auch fortwährend Hinrichtungen statt. Einen Programmpunkt hat Adolf Hitler mit furchtntreffen in Dacha barer Konsequenz verwirklicht: ,, Wer sich gegen uns aufnes Fußleidens stat Reiches, Heinrich Himmler, gab beispielsweise noch esuch an die Lager lehnt, wird vernichtet!" Der Henkersknecht des Dritten igenen Privatschuhe knapp vor dem Einmarsch der Amerikaner in Bayern hriftlichen Bescheid den schriftlichen Befehl an den Lagerkommandanten tersuchen zu lassen Weiß von Dachau, daß kein Kazetler das Lager lebend 67 LE In ein lan SO lag Ha sid tur Sat nei Ol zes ler am tre W Ka die verlassen dürfe. Da Weiß aus Menschlichkeit, Furcht vor den Folgen oder sonst einem Grund diesen Befehl verheimlichte und nicht sogleich an dessen Ausführung schritt, wurde er dafür vom Lagerführer Rupert angeschossen. Wieviele Menschen in Dachau hingerichtet wurden, vermag kein Kazetler anzugeben, das kann jetzt von anderen, die Einblick gewonnen haben, einigermaßen geschätzt werden; eine genaue Zahl festzustellen, ist jedoch gänzlich unmöglich. Die Leichenverbrennung leistete hier der Verbrecherarbeit der Gestapo Vorschub. Die Asche der Hingerichteten wurde wie Kehricht spurlos verscharrt. Weg und a aus dem S quollen. M Freilich, den Angehörigen stellte man manchmal über ausdrücklichen Wunsch eine Blechbüchse mit Asche zur Verfügung, doch wage ich zu zweifeln, ob jemals die echte Asche enthalten war. der Wind daß uns g In dem lung für aller Char und dafür trugen ke uniformäh durften da sere Verp unge, stra lebten Ge Engel". A wurden si Durch meine Arbeit in einem Außenkommando hatte ich im letzten Jahre Gelegenheit, die Asche eines polnischen Kameraden aus dem Lager zu schmuggeln. Wir hatten dem Kapo des Krematoriums Zigaretten und etwas Lebensmittel gegeben, und er versicherte uns dafür, daß wir gewiß die echte Asche erhalten sollten. Aber ich meine, er hat über uns gelacht, die Zigaretten verraucht und sich gedacht: Eine Asche gleicht ja doch der anderen! ( Im Krematorium arbeiteten keine politischen, sondern kriminelle Häftlinge.) zwar Obwohl sie Tag fi nicht spre Treiben s ten schwe sicht, die hundertm umherjag konnten. Einmal, und im letzten Jahre, wurde ein russischer Kazetler, weil er ein Kabel durchschnitten hatte, im Lager selbst vor den angetretenen Arbeitskameraden nach Verlesung des„ Urteils" öffentlich erhängt. Er zeigte sich sehr ruhig und gefaßt, reichte einigen zum Abschied noch die Hand, und seine letzten Worte waren: ,, Grüßt mir die Heimat!" Alle anderen Hinrichtungen fanden im Henkerhof des Bunkers, beim Krematorium, auf den Schießplätzen der SS, also außerhalb unseres Blickfeldes, statt. Wir hörten die Schüsse, wir sahen die Verurteilten auf ihrem letzten Gesang in den juge klingen. Wie ma hingerich lich in E Ein Bi Bunker auto, da Mehrere kers, die UL 68 chkeit, Furcht vor liesen Befehl veressen Ausführung Führer Rupert an en in Dachau hiner anzugeben, das haben, gewonnen genaue Zahl fest h. Die Leichenver arbeit der Gestapo en wurde wie Keh an manchmal über hse mit Asche zur eln, ob jemals die enkommando hatte e Asche eines pol u schmuggeln. Wir ms Zigaretten und ersicherte uns dafür, en sollten, Aber ich igaretten verraucht doch der anderen! politischen, sondern Jahre, wurde ein abel durchschnitten getretenen Arbeits teils" öffentlich er und gefaßt, reichte d, und seine letzten im Henkerhof de Schießplätzen de es, statt, Wir hörten en auf ihrem letzter Weg und auch die dunklen, schweren Rauchschwaden, die aus dem Schlot des Krematoriums zum Himmel emporquollen. Mit Ekel denke ich daran, wie uns manchmal der Wind diesen Rauch in die Räume des Blockes trieb, daß uns ganz übel wurde. In dem Lager Dachau befand sich eine Sonderabteilung für SS- Gefangene. Es waren dies SS- Angehörige aller Chargengrade, die sich straffällig gemacht hatten und dafür auch ins Kazet verbannt worden waren. Sie trugen keine gestreifte Kazetlermontur, sondern eine uniformähnliche Tracht, behielten ihre SS- Feldmütze, durften das Haar lang tragen und hatten eine etwas bessere Verpflegung als wir. Die Mehrzahl von ihnen waren junge, stramme Burschen, manchmal freilich mit arg verlebten Gesichtern. Wir nannten sie die„ gefallenen Engel". Abgesehen von obenerwähnten Besserstellungen, wurden sie sehr streng behandelt. Obwohl sie von uns abgesondert waren und wir, wenn sie Tag für Tag an uns vorbeimarschierten, miteinander nicht sprechen durften, konnten wir doch ihr Leben und Treiben stets aus ziemlicher Nähe beobachten. Sie mußten schwer arbeiten, bekamen rohe SS- Chargen als Aufsicht, die sie oft vor unseren Augen so schikanierten, hundertmal in den Schmutz legen ließen und im Kreise umherjagten, daß die armen Kerle kaum mehr stehen konnten. Dann mußten sie stramm und mit schallendem Gesang in ihren Bunker marschieren. Da hörte man aus den jugendlichen Stimmen dumpfen, hilflosen Groll mitklingen. Gegen wen?--Wie man mir sagte, wurde ein Großteil dieser SS- Leute hingerichtet, in Dachau erschossen. Der Rest kam schließlich in Bewährungskompanien an die Front. Ein Bild, das ich oft mit Erschütterung sah: Vor dem Bunker der gefallenen Engel" steht ein gedecktes Lastauto, daneben schwerbewaffnete SS mit Stahlhelmen. Mehrere junge Burschen treten aus dem Tor des Bunkers, die Hände gefesselt, bleich das Gesicht, die Zähne 69 LE In ein lan sor lag Hä sid tum Sat ner Ob 2 zes leri am trel W₁ Kaz die UL aufeinandergepreßt. Es geht zur letzten Fahrt. Die Welt so schön, das Herz voll von wilder Sehnsucht nach Freiheit und Heimat. Vorbei! Kein Freund, kein Priester, kein Lichtstrahl mehr. - fetzen. Obwoh nerisch und k keine Socken aber wurden it Männer froren uns leider un Die meisten großer Willens platz. Einer st schütternder ihnen heitere, Und kein Erbarmen. Vernichtung, hat er gesagt. er, dem sie ihr junges Leben vertrauend geweiht. Nun sind sie im Auto verschwunden. Hinten und vorne schwingen sich die Schwerbewaffneten hinauf, das Eisentor des Lagers tut sich auf, langsam kurvt der Wagen hinaus auf die Straße von Granit. Dann Volltempo. Wir marschieren einige Minuten später selber auf diesen Weg hinaus zur Arbeit. Während wir so dahinziehen, gellen im nahen Walde Gewehrsalven auf. Sie haben es überstanden. Wir aber müssen noch für die ihnen, das let Henker leben und schaffen. Invalidentransport Wertloses Leben wird ausgemerzt. So wollte es der böse Geist des Dritten Reiches. Wenn ein Leben in Deutschland wirklich wertlos war, dann das Leben dessen, der diesen satanischen Befehl gegeben. Wir Überlebenden aber bleiben dabei: Das Leben jedes Menschen ist heilig. Ton ihnen ver hatten mit der Als die SS und mühsam Turücklegen ihren Holzpa gemeinen Auf Tor Kälte sc brachen viele Eines Tage los verschwun Lagerarzt hat meinsam fort loses Leben ter Leib im Ehren.-Im Spätherbst 1941 kam aus Polen ein etwa 600 Mann starker Transport von katholischen Geistlichen. Die meisten von ihnen waren Ruheständler, Greise im Durchschnittsalter von 60 bis 70 Jahren. Sie machten durchwegs einen sehr gebrechlichen Eindruck. Wahrscheinlich hatten sie schon auf der Herreise vieles durchgemacht. Diesen bedauernswerten Alten, die alle ohne ersichtlichen Grund und nur aus bloßem Religions- und Polenhaẞ verhaftet worden waren, nahm man in Dachau ihre guten Kleider weg und gab ihnen dafür dünne Kazetler70 E port nach de die Gaskam kulosen, Krü armes Leben Ein SS- Arz der Hand vor tafel an, ein Kranken. De gut!" Warum Fahrt. Die Welt sucht nach Frei , kein Priester, er gesagt. d geweiht. Hinten und vorne inauf, das Eisenurvt der Wagen Volltempo. selber auf die - fetzen. Obwohl es in diesen Wochen bereits sehr regnerisch und kalt war, ließ man ihnen keine Pullover, keine Socken oder Fußlappen, keine Mützen. Die Haare aber wurden ihnen selbstverständlich geschoren. Die alten Männer froren offensichtlich ganz furchtbar, aber es war uns leider unmöglich, ihnen zu helfen. Die meisten von ihnen schleppten sich nur mehr mit großer Willensanstrengung im Tage zweimal zum Appellplatz. Einer stützte sich auf den andern, es war ein erschütternder Zug des Elends. Dennoch trugen alle von ihnen heitere, ruhige, viele fast verklärte Mienen, manche von ihnen vermochten es noch, Scherzworte zu finden. Sie hatten mit dem Leben abgeschlossen und der Glaube half sen noch für die ihnen, das letzte und härteste Opfer zu bringen. nd wir so dahin salven auf. So wollte es der ein Leben in das Leben des eben. bei: Das Leben netwa 600 Mann Geistlichen. Die Greise im Durch Als die SS sah, daß diese Abteilung nur sehr langsam und mühsam den ziemlich weiten Weg zum Appellplatz zurücklegen konnte, ließ sie die frierenden Greise mit ihren Holzpantoffeln schon lange vor Beginn des allgemeinen Aufbruches fortklappern und dann, ohne Mütze, vor Kälte schlotternd, endlos warten und stehen. Da brachen viele sterbend zusammen. Eines Tages waren etwa vierhundert von ihnen spurlos verschwunden. Wir sahen sie nie mehr wieder. Der Lagerarzt hatte sie als Invalide erklärt, sie wurden gemeinsam fortgeschafft, ihr dem Dritten Reiche so wertloses Leben endete in einer Gaskammer und ihr zerquälter Leib im Krematorium. Aber ihr Andenken bleibt in Ehren. In dieser Zeit wurde ein Invalid entransport nach dem andern zusammengestellt, alle hatten sie die Gaskammer als Ziel. Die Schwerkranken, Tubermachten durch kulosen, Krüppel und Greise bangten deswegen um ihr Wahrscheinlich es durchgemacht alle ohne ersicht gions- und Polen in Dachau ihre dünne Kazetler armes Leben.- Ein SS- Arzt ging im Revier mit einem Notizblock in der Hand von Bett zu Bett, sah sich flüchtig die Krankentafel an, ein kühler Blick in das angstvolle Auge des Kranken. Der Bleistift beginnt zu schreiben: ,, Nr. 17.904, gut!" Warum auch? Wertloses Leben gehört ausgemerzt. 71 LE In ein lan sor lag Hä sid tum Sat ner Ob zes ler am tre W₁ Ka: die Am 25. März 1942 kam mein Kamerad Friedrich Karas ( Kirchendirektor zu Mayerling, Wien) und bat mich: ,, Bitte, sei so gut und höre meine Beichte! Ich bin zum nächsten Invalidentransport geschrieben worden und nehme nun Abschied vom Leben. Ich bin bereit." Wir zogen uns in einen Winkel des Schlafraumes zurück; ich hörte sein letztes Bekenntnis und versuchte dann, ihm tröstende Worte zu sagen. Da lächelte er und meinte: ,, Mein lieber Arthofer, du weißt so gut wie ich, was die Einteilung zum Invalidentransport bedeutet. Ich lege alles vertrauensvoll in Gottes Hand. Ich danke dir; bete für mich und vergiß mich nicht!" Keine Träne und kein Wehklagen. Mit tiefer ErDie Lagerkommandantur teilte den Angehörigen des Pfarrers Karas mit, daß zu ihrem Bedauern der Schutzhäftling Friedrich Karas am 28. März 1942 an einem schweren Leiden gestorben sei. schütterung erfuhr ich nach meiner Heimkehr aus Dachau, daß der greise Vater Karas' nach der Ankunft der Urne seines Sohnes in Wien einem Herzschlag erlegen ist und zugleich mit der Asche seines geliebten Sohnes in einem Grabe bestattet wurde. Strenge Di tausend Men mußten, war unerträgliche vernünftige S Wie ließ doch die Lagerkommandantur mit zwei Meter hohen Buchstaben auf das Dach des Lagergebäudes schreiben? ,, Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Wahrheitsliebe...!" Als ehema strafanstalt w rität des Ans Ruhestörer Strafen verh seiner Maßn antworten, mit Erfolg vo einmal Zeug weis bekam, Auf meinem Block sind so manche Kameraden durch die ,, Kunst der SS- Ärzte" zu Krüppeln geworden. Prälat Munda von Kärnten verlor beispielsweise die rechte Hand, der reichsdeutsche Pfarrer Gscheider einen Fuß, der Führer der tschechoslowakischen Katholiken, Senator Monsignore Stasek, ein lieber Arbeitskamerad von mir, das rechte Auge. Sie alle schwebten in damaliger Zeit in der Gefahr, als Krüppel auch noch vergast zu werden. Nietzsche sagt: Mitleid ist Schwäche! ten Sie das untersuchung reich. In Dachau preußische wie der Las Leib und Le ihr Leitsatz tern!" Wenn ein was immer tor, Univers Dynastiegegnete, ha und in mili zu machen. diegen, we abwesenheit Und er wa wurde und UL 72 Friedrich Karas und bat mich: te! Ich bin zum worden und bereit." chlafraumes zuLagerstrafen Strenge Disziplin in einem Lager, in dem so viele tausend Menschen auf engstem Raum zusammenleben mußten, war notwendig, sollte nicht das Dasein zu einer unerträglichen Qual werden. Das anerkannte gewiß jeder versuchte dann, vernünftige Schutzhäftling. mer Arthofer, du zum Invalidenmensvoll in Got and vergiß mich ngehörigen des ern der Schutz1942 an einem -Mit tiefer ErHeimkehr aus ch der Ankunft Herzschlag erseines geliebten rde. mit zwei Meter Lagergebäudes heit. Seine MeiAls ehemaliger beamteter Seelsorger in einer Männerstrafanstalt weiß ich es, daß manchesmal die starke Autorität des Anstaltsleiters in Erscheinung treten und gegen Ruhestörer und Widerspenstige gesetzlich vorgesehene Strafen verhängen mußte. Er hatte sich aber bezüglich seiner Maßnahmen gegenüber höheren Instanzen zu verantworten, und gar manchesmal machten Gemaßregelte mit Erfolg von ihrem Beschwerder echt Gebrauch. Ich war einmal Zeuge, wie ein Beamter einen sehr scharfen Verweis bekam, weil er einem Sträfling gesagt hatte: ,, Halten Sie das Maul!" Es wurde ihm sogar mit Disziplinaruntersuchung gedroht. Das war im guten alten Österreich. In Dachau herrschte der größenwahnsinnig gewordene preußische Zwirn. Der gewöhnliche SS- Mann genau so wie der Lagerführer waren schrankenlose Herren über Leib und Leben der ihnen zur Obhut Ausgelieferten, und ihr Leitsatz lautete:„ Jeder, der mich sieht, hat zu zittern!" ameraden durch geworden, Prälat eise die rechte ider einen Fuß, Choliken, Senator merad von mir, amaliger Zeit in gast zu werden. - - Wenn ein Häftling. mochte er nun im früheren Leben was immer gewesen sein, ein Bischof, Fabriksdirektor, Universitätsprofessor, Generalkonsul, Mitglied einer Dynastie einem kaum 20 Jahre alten SS- Bengel begegnete, hatte er sofort die Mütze vom Kopf zu reißen und in militärischer Haltung vorbeizugehen oder Front zu machen. Wie viele Mützen sah ich in den Schmutz fliegen, weil ein halbtoter Mann in seiner Geistesabwesenheit übersehen hatte, einen Peiniger zu grüßen! Und er war noch glücklich, wenn er nicht geohrfeigt wurde und keine Lagerstrafe bekam. 73 LE In ein lan SO lag Ha sid tur Sa ne ΟΙ ze ler am tre W Ka dic UL Der SS war es aber strenge untersagt, jemals den Gruß eines Kazetlers auch nur mit einer freundlichen Miene zu erwidern. Es mußte absolute und feindselige Distanz gehalten werden. Kam es in den ersten Jahren einmal vor, daß ein Angehöriger der SS diese Normen miẞachtete, verschwand er sehr bald aus unserem Gesichtsbereich. Mensch sein war verboten. Denn Himmler, Hofmann und Konsorten waren es auch nicht. -- Was gab es für Lagerstrafen? Eine gedruckte Hausordnung des Kazets hat wohl niemand gesehen. Wozu auch, denn sie hätte ja doch nur ein einziges Wort enthalten: Willkür! Aus unseren bitteren Erfahrungen heraus können wir aber eine Skala der Lagerstrafen zusammenstellen: ins Gedächt Heiligen in Bei diesem Rauchverbot, Brotzeitentzug, Fasttage, Strafstehen, Strafexerzieren, Briefschreibeverbot, Verbot des Paketempfanges, Einteilung in den Strafblock und zur Strafarbeit, Stehbunker, Abtransport in ein Straflager oder gar Einteilung zum Invalidentransport, Aufhängen am Baum an den auf den Rücken zurückgefesselten Händen, öffentliche Auspeitschung am Bock, von uns kurz als ,, Fünfundzwanzig" bezeichnet. Letztere beiden Arten waren die qualvollsten, endeten manchmal mit dem Tode des Gequälten, waren aber bei der SS am beliebtesten. Gewiß wird sich niemand darnach sehnen, hier möglichst viele Detailschilderungen häßlicher Szenen zu finden. Darüber ist in den Zeitungen schon viel berichtet worden und davon erzählen alle heimgekehrten Kazetler. wir fortwähn nigen Weg Rücken heru Latte, Wie dem Blockäl nur als wild dern ganze ihnen gestor Der reich liebter Bloc weil er im war erlaubt wollte, zu Doppelhieb auf den„ E zwei gleich Er wurde b hernach wo denen Wun Er sagte m Was Strafexerzieren anlangt, können hier die polnischen Geistlichen am meisten berichten, Einmal machte ich mit und hatte nach vierzehn Tagen noch blutunterlaufene Knie. Damals schlug ein gewisser Münderlein, der größte Sadist, den ich kennenlernte, einen polnischen Geistlichen neben mir wiederholt zu Boden; den bald darauf verstorbenen Bischof Michael Kosal brüllte er an: ,, Sauhund, dreckiger, ich knall' dich nieder!" Ich habe mir diesen Ausdruck genau, wörtlich und für immer 74 immer noch Narbe habe Sehr oft Abendappe lich gleich SS, die si nannte die hier einen sich die Mi ließ er neb Zebraunifor den flotte Geschlagen Händen( gt, jemals den er freundlichen und feindselige ersten Jahren diese Normen 8 unserem GeDenn Himmler, micht. s hat wohl nieja doch nur ein ins Gedächtnis eingeprägt, weil ich Kosal als einen Heiligen in Erinnerung behalten will. Bei diesem Strafexerzieren sprang Münderlein, während wir fortwährend auf seine Pfeifkommandos auf dem steinigen Weg ,, Auf“ und„ Nieder" machten, auf unseren Rücken herum und schlug die Säumigen mit einer derben Latte. Wie oft mußten die polnischen Kameraden unter dem Blockältesten Fritz Becher, der in meinen Träumen nur als wilder Büffel auferscheint, nicht stundenlang, sondern ganze Tage hindurch strafexerzieren, bis viele von ihnen gestorben waren! Der reichsdeutsche Pfarrer Bettendorf, besonders beliebter Blockkamerad, nicht mehr jung, wurde deswegen, weil er im Winter einen zweiten Pullover trug, nur einer war erlaubt, und den Spender des zweiten nicht verraten wollte, zu ,, Fünfundzwanzig" verurteilt( fünfundzwanzig Doppelhiebe mit dem Ochsenziemer auf das Gesäß des auf den ,, Bock" gefesselten Häftlings, verabreicht von zwei gleichzeitig schlagenden sadistischen SS- Männern). Er wurde bei dieser Prozedur so schwer verletzt, daß er hernach wochenlang liegen und ihm aus der eitrig gewordenen Wunde eine Fleischpartie entfernt werden mußte. Er sagte mir, daß er besonders bei Witterungswechsel immer noch große Schmerzen verspüre. Die furchtbare Narbe habe ich selbst gesehen. aus können wir menstellen: e, Strafstehen, bot des Paketund zur StrafStraflager oder Aufhängen am sselten Händen, uns kurz als beiden Arten l mit dem Tode beliebtesten. nen, hier mögSzenen zu finn viel berichtet ehrten Kazetler. hier die polEinmal machte noch blutunterser Münderlein, ante, einen polt zu Boden; den el Kosal brüllte ich nieder!" Ich und für immer Sehr oft wurden die ,, Fünfundzwanzig" nach dem Abendappell vor dem ganzen angetretenen Lager öffentlich gleich an eine Reihe armer Sünder verabreicht. Die SS, die sich darüber offenbar immer sehr erheiterte, nannte diesen Vorgang„ Auszahlung". Hofmann hatte hier einen besonders ,, hochstehenden" Einfall. Während sich die Mißhandelten in ihren Schmerzen hilflos wanden, ließ er neben dem ,, Bock" die Lagermusikkapelle in ihrer Zebrauniform antreten und zur Exekution ihrer Kameraden flotte Militärmärsche spielen. Hernach mußten die Geschlagenen, oft noch mit einer Spottaufschrift in den Händen( ,, Ich bin schon wieder da" oder anderen Sätzen), 75 hinter der Musikkapelle durch das Lager marschieren. Fiel einer aus Schwäche hin, wurde er mit Fußtritten wieder aufgetrieben.—— Diese Art von Mißhandlungen mußte auch eine Reihe von Geistlichen mitmachen, unter ihnen zwei von Ober- österreich. Bischof Kosal erzählte mir einmal, daß er in einem anderen Lager„Fünfundzwanzig“ erhalten habe. ——— Kultur des Dritten Reiches! In den letzten Jahren war der Stehbunker sehr„be- liebt“, ein enger Raum, der das Liegen oder richtige Sitzen unmöglich machte; eine qualvolle Situation, wie alle erzählten, die ihn am eigenen Leibe kennenlernten, zum Beispiel von uns österreichischen Geistlichen der Jesuitenpater Johann Lenz, der Verfasser des wunder- schönen astronomischen Werkes„Die Himmel rühmen“, und unser guter alter Daxlvater(der sechsundsechzig- jährige Pfarrer Alois Dax! von Waldzell). Das ‚„Verbre- chen“ des ersteren bestand in religiösen Aufzeichnungen, die der SS nicht gefielen, das des letzteren im Nacherzäh- len der Lagerparole, der Führer sei unheilbar an Gehirn- erweichung erkrankt. Der später von der Besatzungs- behörde mit dem Tode bestrafite Lagerjudas Wernicke hatte ihn der SS angezeigt. Sowohl Lenz als auch Daxl büßten einige Wochen im Stehbunker. Wir freuten uns aber über die bewundernswerte Geduld, ja über den Humor, mit dem beide diese Pein überstanden. Körperlich waren sie freilich arg hergenommen, als sie wieder in unsere Gemeinschaft zurückkehren durften. Versuchskaninchen Der als guter, ehrlicher Kamerad allseits beliebte Kapo Haufe vom Gewächshaus I, Kommando Plantage, mußte in seinem Glashaus über Befehl der SS hinter feinen Netzgittern die Malariamücke, Anopheles, züchten. Man hatte ja im Krankenrevier des Konzentrationslagers 76 Dachau eine gerichtet, in mücke infiz medik@ment nung“ bekaı mittelzubuß: polnische Ge wurden die wenn sie ni so„Behande Heimat ein Gestaporegi ling, der an Wurde, ein Schem Aus: sahen ihn u men und| Blick imme Oder hatte Wie viele hat, weiß Broße Ver; schen Nam Dicht ganz sen, Einem KR den war, Neigerte,: Nie go wen en deutse Ein mir Dachan la gleich N Otter dem nich, ersanı Wurden ai er marschieren. mit Fußtritten uch eine Reihe zwei von Obermal, daß er in erhalten habe. nker sehr bemoder richtige Situation, wie kennenlernten, Geistlichen der er des wundermmel rühmen", sechsundsechzig. Das ,, Verbre Aufzeichnungen, nim Nacherzähilbar an Gehirnder Besatzungsjudas Wernicke zals auch Daxl Wir freuten uns d, ja über den nden. Körperlich s sie wieder in en. ts beliebte Kapo Plantage, mußte S hinter feinen , züchten, Man entrationslagers - Dachau eine eigene Abteilung für die Malariaversuche eingerichtet, in der gesunde Häftlinge mittels der Malariamücke infiziert und dann mit verschiedenen Versuchsmedikamenten vergeblich behandelt wurden. Als ,, Belohnung" bekamen sie meistens eine bescheidene Lebensauch mittelzubuße. Wie die bittere Erfahrung lehrte polnische Geistliche nahm man als ,, Versuchskaninchen"-, wurden die Vergewaltigten zu bedauernswerten Ruinen, wenn sie nicht starben. Im günstigsten Fall erlitten die so ,, Behandelten" periodische Rückfälle und nahmen in ihre Heimat ein furchtbares Andenken an die Bestialität des Gestaporegimes mit. Ein Professor, Dr. Klaus Karl Schilling, der am 12. Dezember 1945 dafür zum Tod verurteilt wurde, ein alter, etwas gebeugter Mann von unsympathischem Aussehen, leitete die Malariaversuchsstation. Wir sahen ihn unzählige Male durch das Lagertor hereinkommen und durch unsere Reihen schreiten: hastig, den Blick immer auf den Boden geheftet, das böse Gewissen. Oder hatte er keines mehr? Wie viele Menschen er durch seine Mücken umgebracht hat, weiß ich nicht. Auch nicht, ob er der Wissenschaft große Verdienste erwiesen. Eines ist sicher: den deutschen Namen hat auch er geschändet. Vielleicht war er nicht ganz normal und von einer krankhaften Idee besessen. Einem Kameraden, der auch als sein Opfer zitiert worden war, der sich aber als einer der ersten energisch weigerte, sagte er vorwurfsvoll: ,, Ich bedaure sehr, daß Sie so wenig Verständnis und Opfersinn für die Förderung der deutschen Wissenschaft haben."-- Ein mir gut bekannter Oberösterreicher, der auch in Dachau landete, kam von dort als Versuchskaninchen zugleich mit anderen nach Buchenwalde. Als man die Opfer dem dortigen SS- Arzt vorstellte, meinte dieser gemütlich: ,, Da haben wir ja schon wieder eine ganz nette Käfersammlung beisammen!" Einer nach dem andern wurden sie mit Flecktyphusbazillen infiziert, aus den Er77 h [ } k j | | krankten ein Serum gezogen, dieses dem nächsten ein- gespritzt, bis sie fast alle gestorben waren. Einige, dar- unter U..., der mir diesen Bericht schrieb, kamen durch den Einmarsch der amerikanischen Truppen mit dem Leben davon. Sie müssen so wie die meisten anderen Kazetler den alliierten Mächten danken, die sie aus den Mörderklauen entmenschter„Volksgenossen“ in letzter Stunde gerettet haben.—— Es wurden im Krankenrevier in Dachau, wie ich hörte, auch Versuche anderer Art unternommen, doch mögen über diese besser Unterrichtete sprechen. Das Lager war ja voll dunkler, furchtbarer Geheimnisse, die nicht jedem Häftling in gleicher Weise offenbar wurden. Jedenfalls hat sich im Hitlerreich sehr viel hinter den Kulissen abgespielt, das der Geschichtsschreibung unter- schlagen worden wäre, falls das Tausendjährige Reich doch länger als zehn Jahre gedauert hätte.—— Als unser lieber Kazetkamerad Pfarrer Franz Wöß das erstemal aus Dachau entlassen wurde, erzählte er in seiner geraden, ehrlichen Art, was er dort gesehen und erlebt hatte. Jeder ahnt, was dann passiert ist, Die Ge- stapo verhaftete ihn wieder, schiekte ihn ein zweitesmal nach Dachau und ließ ihn dort bis ans Ende. Gottlob nicht bis an sein Ende, sondern das der Gestapo. Schikanen Manchmal hörte ich in Dachau die Äußerung, die SS habe den Grundsatz, im Lager niemanden zur Ruhe kom- men zu lassen. Andere wieder meinten, daß diese Norm nicht nur für Dachau, sondern für das ganze Reich auf- gestellt wurde. Jedenfalls konnte man der„bravste“, fleißigste, gehor- samste Kazetler sein, deswegen war man doch immer in Unruhe und sehr oft unversehens in der Tinte. Dies könnte, wenn ich wollte, das längste Kapitel wer- 78 den, Die ärg ich nicht nu: kesseln von auch zwei I Pensum hin: von einem ı säblich grü Warum?| verwechselt einer Lager: Nerven fiele Manchen] durchdringli deswegen ü dern wir m | his gegen M Wolken hr Nupides, e Schafherde leuten, das Razetlers,| kann man{ „Jeder, der Ias Recht,| Unser M scher Geis | Detrenfas Nerven hat Könnte 8; Poren gu Sehr ung Mal einem Ager selh: Abergrat ler Mit Star De Yan die 8, eh m nächsten einen. Einige, darb, kamen durch ppen mit dem meisten anderen die sie aus den sen" in letzter , wie ich hörte, en, doch mögen Das Lager war die nicht jedem en. viel hinter den Threibung unterandjährige Reich te. den. Die ärgsten Hiebe bekam ich an einem Tag, an dem ich nicht nur die mir selbst zufallende Anzahl von Kochkesseln von der Küche zu den Blocks geschleppt, sondern auch zwei besonders schwachen Kameraden über mein Pensum hinaus die Arbeit abgenommen hatte. Ich wurde von einem wütenden Kapo so verprügelt, daß ich buchstäblich grün und blau war. Warum? Sehr einfach, weil er mich mit einem anderen verwechselt hatte. So gab es täglich Dinge, die nichts mit einer Lagerstrafe zu tun hatten und doch schwer auf die Nerven fielen. Manchen Morgen rückten wir zur Arbeit aus, an dem undurchdringlicher Nebel über der Gegend lag. Man ließ uns deswegen nicht zu unserem Arbeitsplatz marschieren, sondern wir mußten vor dem Tore stundenlang warten, oft bis gegen Mittag. Erst wenn die Sonne siegreich durch die Wolken brach, setzte sich unser Zug in Bewegung. Franz Wöß das Stupides, endloses Stehen auf einem Fleck, wie eine erzählte er in ort gesehen und ert ist, Die Geein zweitesmal Ende, Gottlob er Gestapo. Berung, die SS zur Ruhe komdaß diese Norm ganze Reich aufHeißigste, gehor doch immer in Tinte. ste Kapitel werSchafherde ständig umschlichen von hinterhältigen SSLeuten, das ist eines der ödesten Erinnerungsbilder jedes Kazetlers. Im Zusammenhang mit solch geistlos em Dasein kann man den manchmal laut werdenden Spaß verstehen: ,, Jeder, der mindestens sieben Jahre im Kazet war, hat das Recht, zu rappeln." Unser„ Dienstältester" in Dachau war ein reichsdeutscher Geistlicher, den die Gestapo bereits über zehn Jahre ,, betreute" und der trotzdem noch lebte. Ob er noch Nerven hatte? Ich will darüber nichts sagen, denn er könnte es vielleicht doch zu lesen bekommen. Und wir waren gute Kameraden. Sehr unangenehm wurde es für uns alle, wenn es einmal einem oder gar mehreren gelang, zu fliehen. Aus dem Lager selbst war ja eine Flucht unmöglich. Ein tiefer Wassergraben rings um das ganze Kazet, Spanische Reiter mit Starkstrom geladen, ein hoher, ebenfalls geladener, bei Nacht hellbeleuchteter Drahtzaun, ein Wehrgang für die SS, eine zwei Meter hohe Betonwand, gekrönt von 79 DEE geladenen Stacheldrähten und geschützt durch mehrere hohe Wachttürme mit Maschinengewehren und drehbaren Scheinwerfern. Wer hätte da noch entrinnen können? Aber bei verschiedenen Außenkommandos gab es Flucht- versuche, die freilich meistens mißglückten. Ich kannte in meinem Arbeitskommando einen jungen, intelligenten Franzosen, der seine Flucht sehr geschickt vorbereitete und dem sie auch gelang. Es war Zivilisten erlaubt, das Gelände der SS-Plantage, das dureh viele Posten und scharfe Hunde bewacht war, zu passieren. Freilich war der Verkehr sehr gering, weil die Dachauer nicht gerne in Lagernähe kamen. Eines Tages ging ein junges, hübsches Fräulein, gut gekleidet, ein Täschehen unter dem Arm, langsam durch das Gelände der Plan- tage, sah manchmal neugierig arbeitenden Häftlingen zu, niekte dort und da einem Wachtposten zu, stahl sich lächelnd einige Blumen und entschwand schließlich— auf Nimmerwiedersehen. Denn dieses Fräulein war der junge Franzose, Woher er die Kleider genommen, wußte nie- nanl.? i An solchen Tagen ging es uns immer schlecht. Schon beim Einrücken mußten wir am Arbeitsplatz stundenlang stehen, bis die fluchenden SS-Posten die Suche nach dem verlorenen Schäflein aufgegeben hatten. Am Appellplatz war die Fortsetzung der Steherei. Besonders in früheren Jahren war jede Flucht eine Katastrophe für die, müden Füße aller zur Zählung angetretenen Häftlinge. Wie viele Seufzer schiekten wir da zum Himmel: Wenn wir doch endlich einrücken dürften, um am Strohsack wieder für eine Weile das Dritte Reich und all seine Herrlichkeiten zu vergessen! l Aber man ließ uns stehen, stehen, mochte uns der Ma- gen knurren, Winterkälte uns in halbe Eiszapfen verwan- deln oder strömender Regen beim Genick hinein und bei den Holzschuhen herauslaufen. Da hieß es: Kazetler, werde stupid wie ein Maulesel und wetterhart wie ein Holzklotz! Oder falle um und gib den Kampf auf! 80 - Durch einig lieh dem Scha danken, mußte appell noch| ei und Oli (oder Martin, ließ, Daß hiel ins Wanken g da an manch lümlichen Au ters Siegfried - Eine sehr ı Weibesvisitati, Ausrücken, W | lager kamen Hinde hoch! im, der ing Amen die Manchmal Morgen damit It War, oh Magen zur A Shftete die I "ginnes, W, MSerer Stube ns Sehr oft Meter hoher wei bis Vie Neisten Hab Mußten wir; durch mehrere und drehbaren innen können? gab es Fluchten. o einen jungen, sehr geschickt swar Zivilisten Has durch viele , zu passieren. il die Dachauer Tages ging ein , ein Täschchen lände der Plan Durch einige Monate hindurch, wir hatten dies angeblich dem Scharfsinn unseres Lagerältesten Kapp zu verdanken, mußten wir sogar nach dem Abrücken vom Abendappell noch lange Zeit vor der Tür unserer Stuben in Reih und Glied stehen bleiben, bis der dicke Lagerälteste ( oder Martin, sein Adjutant) erschien und uns abtreten ließ. Daß hiebei selbst am Priesterblock die Geduld etwas ins Wanken geriet, soll nicht geleugnet werden. Ich denke da an manches kräftige Wort des wegen seiner volkstümlichen Ausdrucksweise lagerbekannten Tiroler Pfarrers Siegfried Würl. Eine sehr unliebe Erinnerung bleiben mir die vielen Leibesvisitationen beim Einrücken, manchmal auch beim Ausrücken. Wenn wir abends hungrig und abgehetzt zum Häftlingen zu, Lager kamen, schrillte plötzlich das Kommando:„ Alle zu, stahl sich Hände hoch! So durch das Tor marschieren!" chließlich auf dem, der irgend etwas Verdächtiges mit sich trug! So n war der junge nahmen die Nervenproben kein Ende. men, wußte nie- Wehe Manchmal begannen die Schikanen schon am frühen Morgen damit, daß wir, weil in der Küche irgendein De- schlecht. Schon fekt war, ohne Frühstückkaffee mit leerem und kaltem latz stundenlang Magen zur Arbeit ausrücken mußten, denn niemals geSuche nach dem stattete die Lagerleitung eine Verzögerung des ArbeitsAm Appellplats beginnes. Waren wir nach dem Abendappell endlich in ders in früheren unserer Stube oder hatten wir einen freien Tag, so machte e für die müden uns sehr oft unser 30 Zentimeter breiter und 180 Zentiftlinge. Wie viele meter hoher Spind, den wir in den letzten Jahren immer Wenn wir doch zwei bis vier gemeinsam innehatten und der unsere hsack wieder für meisten Habseligkeiten barg, sehr viel zu schaffen. Da e Herrlichkeiten mußten wir unser Aluminiumgeschirr spiegelblank putzen, chte uns der Ma Wände säubern, immer wieder reines Papier einlegen und etterhart wie ein Rapportführer oder gar einmal ein Lagerführer persönlich eß es: Kazefler der SS- Blockführer, der Lagerälteste, der Lagerkapo, der k hinein und be abwechslungsweise der Stubenälteste, der Blockälteste, mit Glaspapier( so lange die Kantine solches lieferte) die Eiszapfen verwan Campf auf! stets auf eine Spindkontrolle gefaßt sein. Diese nahmen Tor. Da hieß es: ,, Spinde auf!" und wir zitterten vor dem 6 Arthofer, Konzentrationslager. 81 LE In eir lar SO lag Ha sic tur Sa ne O ze ler am tre W Ka di Urteil des Gestrengen. In den ersten Jahren war die Situation immer besonders kritisch. Hier wurde eine Zahnbürste beanstandet, weil sie nicht an der rechten Stelle untergebracht war, dort flog einem eine Schüssel an den Kopf, weil sie zu wenig glänzte, da bekam einer Ohrfeigen, weil sich in einem Becher noch rote Rüben befanden, die sich der Arme zum Abendessen aufgespart hatte. bevölkerung v der SS mit ihr In den letzte viele Zebram Armee der K: nicht in Auße Lagerzivil". E zetlern. Soviel Dann wurde an einem Festtag, auf den wir uns schon lange gefreut hatten, im Lager ,, Generalreinigung“ angesagt. Statt des ersehnten Zusammenseins mit guten Kameraden hieß es alle Strohsäcke hinaustragen, in den Staub der Lagerstraße legen und dort ,, reinigen", die Decken ausklopfen, die Spinde von den Wänden rücken, die Böden waschen, die Klosettanlage und den Waschraum auf ,, Hochglanz" bringen und zumindest in rastloser Unruhe durcheinanderlaufen, damit die kontrollierende SS konstader in Unmen aber alle dies erst richtig ad fen aus roter Nummer. Die geschnitten un aus dem Lage dann wurde schiedenfarbig tieren konnte, daß„ Bewegung“ vorhanden sei. Im Lager nöglichst gro war ja immer sehr viel auf Schein aufgebaut, wie wohl im ganzen Hitlerreich. Wöchentlich mußten wir uns kahlscheren lassen. Dabei hatte man aber durch mehrere Monate der kalten Jahreszeit angeordnet, daß wir die Mütze im Lager nicht aufgemalt. Die S trationslager" dem wurden Zebramützen Alte Filzhüte setzen dürften, sondern immer in der Hand zu tragen russische, nor hätten, wenn wir uns im Freien aufhielten, z. B. beim Appell. Nur beim Marsch zur Arbeitsstätte war es gestattet, eine Kopfbedeckung zu tragen. Dieser Unsinn dauerte glücklicherweise doch nicht allzu lange. Terfertigte P Mock und jed truck eines meinander: Dafür begann man, uns eine ganz eigenartige Haartracht anzubefehlen. Man schor uns wöchentlich nicht mehr alle Haare ab, sondern machte uns mit der Maschine einen einzigen Schnitt von der Stirne zurück bis in den Nacken. Das übrige Haar mußten wir belassen. Wir nannten diesen Schnitt die SS- Straße. Dabei sahen wir dann dem Scheitelpavian sehr ähnlich. Diese Mode wurde aber später nur auf Nichtdeutsche ,, beschränkt", weil die Zivil1. Heimat sehen Eines Tage nit seinem of ppell zu bea lelte, mit sic reußischer M ler langen F UL 82 ahren war die bevölkerung von Dachau gegen dieses übermütige Spiel t, weil sie nicht dort flog einem enig glänzte, da em Becher noch um Abendessen wir uns schon 99 der SS mit ihren Opfern protestiert hatte. In den letzten Jahren hatte die SS nicht mehr genügend viele Zebramonturen für die immer größer werdende Armee der Kazetler und gestattete deswegen allen, die nicht in Außenkommanden arbeiteten, das Tragen von Lagerzivil". Es waren dies Kleider von verstorbenen Kazetlern. Soviel ich hörte, wurden solche ,, abgelegte" Kleider in Unmengen aus Auschwitz importiert. Nun mußten einigung" ange- aber alle diese Kleider vor Ausfolgung an Häftlinge zumit guten Kame erst richtig adaptiert werden. Die Hosen erhielten Streien, in den Staub fen aus roter Farbe, den„ Winkel" und die aufgenähte en", die Decken Nummer. Die Röcke und Mäntel wurden am Rücken aufrücken, die Bö geschnitten und häßlich entstellt, um ein„ ,, Verschieben" Waschraum auf aus dem Lager an Zivilpersonen unmöglich zu machen; astloser Unruhe dann wurde jedem auf den Rücken ein Kreuz aus verrende SS konsta schiedenfarbigen Stoffresten genäht und mit roter ölfarbe en sei. Im Lager möglichst groß und grell die beiden Buchstaben K und L ebaut, wie wohl gemalt. Die SS übersetzte diese Abkürzung mit ,, Konzentrationslager", wir hingegen mit ,, Kein Lump". Außeren lassen, Dabei dem wurden in den letzten Jahren an Stelle der früheren er kalten Jahres Zebramützen die seltsamsten Kopfbedeckungen ausgeteilt: Lager nicht auf Alte Filzhüte in den verschiedensten Formen, französische, Hand zu tragen russische, norwegische, italienische Militärmützen, selbstblock und jeder andere Block ebenso machten den Einelten, z. B. beim verfertigte Phantasiekopfbedeckungen, Unser Priesteres gestattet, eine druck eines wilden Fastnachtszuges. Oftmals sagten wir dauerte glück zueinander: ,, Wenn uns doch so unsere Lieben in der igenartige Haar entlich nicht mehr mit der Maschine Heimat sehen könnten!" Hätten sie gelacht? Eines Tages kam Lagerführer Redwitz wieder einmal urück bis in den mit seinem obligaten Räuschchen, um den großen Abendlassen, Wir nann appell zu beaufsichtigen. Es war im Herbst 1944. Er pensahen wir dann delte, mit sich selbst sprechend, dann wieder einmal in Mode wurde aber preußischer Mundart mit einem Kazetler schreiend, vor weil die Zivil der langen Front der 30.000,, räudigen Hunde" auf und 6* 83 LE In ein lar SO las Ha sic tur Sa ne O ze ler am tre W Ka di ab und bemühte sich, den Geistern des Alkohols zum Trotz militärische Haltung zu zeigen. So kam er auch an Block Nr. 26 vorbei, dem nur Geistliche angehörten. In der vordersten Zehnerreihe stand unter anderen der im katholischen Deutschland wegen der von ihm propagierten ,, Schönstattbewegung" bekannte Pallotinerpater Kentenich. Unseligerweise zog er nun durch sein geistliches Aussehen" die Aufmerksamkeit des beduselten Lagerführers Redwitz auf sich. Dieser pflanzte sich vor ihm auf, betrachtete den Mann im Zebrakleid mit der Miene eines Naturforschers, tat ein paar mächtige Züge aus seiner Zigarre:- dann brummte er: ,, Sie da mit den Brillen, sagen Sie mal, sind Sie vielleicht ein Geistlicher Rat, weil sie so intelligent dreinschauen?" - immer genau Zustand! Es ließe si ben, doch wi stehen, den des Kazets Wenn doch der Gefragte geschwiegen hätte, wie es in solchen Fällen fast jeder Kazetler machte! Kentenich aber gab dem Lagerpotentaten laut und ruhig zur Antwort: ,, Herr Lagerführer, ich bin zwar kein Geistlicher Rat, aber ich könnte vielleicht einen guten Rat geben.“ Es gab ver Leidenszeit ten, die m andere, und Geistlichen Jahren bess des Reichssi gezogen wo Raum für durften, Abe porte fortge Dachau auc Im Vergleic Wir erstarrten vor solcher Verwegenheit zu Eis, dem Lagerführer aber blieb einige Minuten vor Überraschung ,, die Spucke weg". Dann aber erfolgte eine den ganzen Appellplatz erschütternde Explosion:" Was haben Sie gesagt, Sie Sie graduiertes Rindvieh, Sie Ausgeburt der Romkirche, einen Rat wollen Sie mir geben, noch dazu einen geistlichen Rat? Mir wollen Sie Hundeknochen einen Rat geben?"-- - Seine Stimme überschlug sich vor maßloser Erregung zu einem Keuchen und Schluchzen. Redwitz war einfach fertig, so fertig, daß er sogar vergaß, unserem allzu mutigen Kameraden eine Ohrfeige zu geben. Als er aber endlich wieder zu sich selbst kam, verdammte er den ganzen Block Nr. 26 zum Strafstehen. Wie konnte es doch jemand einfallen, einem SS- Hauptsturmführer einen Rat anzubieten? Einem Mann, der doch das schlecht ein Lager dritter Ord besten aus Ben, die un quälerei zug Ich war e dert wurde, einem eben gehen. Ich eine Illustra hundert sp Nenschen? des Hunger UL 84 s Alkohols zum dem nur Geisthnerreihe stand tschland wegen egung bekannte ise zog er nun Aufmerksamkeit muf sich. Dieser den Mann im orschers, tat ein - dann brummte al, sind Sie viel intelligent drein hätte, wie es in chte! Kentenich ruhig zur Ant kein Geistlicher nen guten Rat immer genau wußte, was er tat, zumindest im nüchternen Zustand! Es ließe sich zu diesem Kapitel noch gar vieles schreiben, doch wird das hinreichen, um den Ausspruch zu verstehen, den ich so oft in Dachau gehört habe: ,, Der Sinn des Kazets ist der Unsinn!" Transport angekommen Es gab verhältnismäßig wenige Schutzhäftlinge, die ihre Leidenszeit in ein und demselben Lager verbringen konnten, die meisten wanderten von einem Kazet in das andere, und dies fast immer in großen Transporten. Wir Geistlichen hatten es diesbezüglich in den letzten vier Jahren besser, weil fast alle von uns über Anordnung des Reichssicherheitshauptamtes nach Dachau zusammengezogen worden waren und hier, wo man ihnen einen Raum für den Gottesdienst zugebilligt hatte, bleiben durften. Aber wir sahen sehr viele große Menschentransporte fortgehen und ankommen. In diesem Sinne wurde heit zu Eis, dem Dachau auch meistens als Durchgangslager bezeichnet. or Überraschung Im Vergleich zu anderen Lagern war Dachau noch nicht eine den ganzen Was haben Sie h, Sie Ausgeburt mir geben, noch wollen Sie Hunde abloser Erregung witz war einfach B, unserem allzu reben. selbst kam, m Strafstehen. ver das schlechteste, die SS bezeichnete es amtlich sogar als ein Lager erster Ordnung, neben anderen zweiter und dritter Ordnung. Wie es dort zuging, konnten wir am besten aus den erschütternden Elendstransporten schlieBen, die uns von diesen Stätten sadistischer Menschenquälerei zugeschickt wurden. Ich war erst wenige Tage im Lager, als ich aufgefordert wurde, ins Bad zur Aufnahme von Neuzugängen aus einem eben angekommenen Transport als Schreiber zu gehen. Ich sah dort ein Bild, das mich unwillkürlich wie eine Illustration zu Dantes ,, Inferno" anmutete. Einige hundert splitternackte Menschen. Ja, waren das noch einem SS- Haup Menschen? Hohläugige, schlotternde Skelette, Gespenster m Mann, der doel des Hungers, häßlich, erschütternd und jammervoll zu85 LE In ein lan SOI lag Ha sic tur Sa ne O ze ler am tre W Ka di UL gleich, Beute eines sicheren und baldigen Entkräftungstodes. An Tischen saßen wir Schreiber; von den., Neuzugängen" trat einer nach dem andern nackt heran, wankte, hielt sich fest, sank zusammen. Mich packte ein würgender Ekel vor dieser Unkultur, während ich Kartothekkärtchen ausfüllte. Einige SS- Leute stolzierten zigarettenrauchend im Raume hin und her, machten Witze oder teilten Fußtritte aus. ,, Das ist Dachau", dachte ich mir, der ich selbst noch ein Neuling war. ,, Wie lange werde ich hier sein müssen und werde ich selbst noch einmal ein freier Mensch sein?" Fragen, auf die mir niemand Antwort geben - konnte. - hinweg. Ode Ein anderes Mal mußte ich wieder als Schreiber ins Bad. Wieder war ein Transport angekommen und der Anblick war noch schauerlicher. Man hatte bereits eine Menge Toter hinausgeschafft, die hier im Bad gestorben waren. Auf dem Pflaster lagen Leichen ohne Ordnung durcheinander. Ich trat hin und zählte sie: 13 Männer, und abseits auf dem Pflaster rührten sich noch sieben Sterbende. Keiner der diensttuenden SS- Leute würdigte sie eines Blickes, kein Krankenpfleger erschien, kein Labungsmittel, kein teilnehmendes Wort. So verenden Tiere in der Wüste. Das habe ich selbst gesehen und werde es nie vergessen können. Aus dem Lager Konnten der sind Bilder, hörte:„ Ich Ende des K häufiger, grö ehe uns die NSDAP, erl sprechlicher heutige Ger kindern übe öffentlich un Tor Schwäc serer Gegen Verbrechen Mordes, Nab Kazetler hi gen bewarf man den Le garischer J Friedhofwan ken und an Marmorplat Stutthof bei Danzig kam ein Transport von zirka 800 Häftlingen, von dem ein Großteil der Leute bereits tot in Dachau eintraf. Während des überlang dauernden Aufenthalts in plombierten Viehwägen verhungert, verdurstet. Irrsinnige hatten die Leichen angefressen, nicht eine, sondern viele. Ein Augenzeuge berichtete mir, während ihn noch der Abscheu schüttelte. Zirka 100 Mann von diesem Transport starben bei ihrer Ankunft im Bade unter der Brause an Herzschwäche; der Rest starb im Revier oder verhungerte auf dem Invalidenblock Nr. 30. Aber die SS ging mit kühler Gleichgültigkeit über all das So war plakat zu l stand das immer wie Überträger 86 en Entkräftungs von den., Nen In nackt heran Mich packte ein während ich Kar tenrauchend in teilten Fußtritte rich selbst noch hier sein müssen ein freier Mensch d Antwort geben hinweg. Oder war das alles planmäßig so inszeniert? Konnten deutsche Menschen wirklich so tief sinken? Das sind Bilder, bei deren Anblick ich Kameraden sagen hörte: ,, Ich schäme mich, ein Deutscher zu sein!" Gegen Ende des Krieges wurden die Kazetlertransporte immer häufiger, größer und unverschämter. In den letzten Tagen, ehe uns die Amerikaner von der wahnsinnig gewordenen NSDAP. erlösten, durchquerten Elendszüge von unaussprechlicher Häßlichkeit unser engeres Heimatland. Die heutige Generation wird es ihren Kindern und Kindeskindern überliefern, wie man zu Tode gehetzte Menschen öffentlich und in Massen am Wege niederknallte, weil sie vor Schwäche nicht mehr gehen konnten. Auch in unserer Gegend und in meiner Pfarre geschahen solche Verbrechen und Schulkinder waren Zeugen des blutigen Mordes. Nahe meiner Kirche starb ein liegengebliebener Kazetler hilflos im Straßengraben, ein paar Hitlerjungen bewarfen ihn noch mit Steinen. Man sagte mir, als man den Leichnam zum Friedhof brachte, er sei ein ungarischer Jude gewesen. Ich ließ ihn an der neuen Friedhofwand bestatten, sein Grab mit Blumen schmükken und an der Wand zur bleibenden Erinnerung eine Marmorplatte mit dem Spruch anbringen: als Schreiber in Kommen und de matte bereits eine im Bad gestorben en ohne Ordnung e sie: 13 Männer sich noch siebe SS- Leute würdigt er erschien, kei ort. So verende lbst gesehen un -Aus dem Lage sport von zirk der Leute bereit berlang dauernde verhungert, ver angefressen, nich erichtete mir, wäh e. Zirka 100 Man Ankunft im Bad der Rest starb in alidenblock Nr. 30 tigkeit über all de Ob du nun ein Jude bist, ob Christ, Gott rief dich in das Leben. Und haben Menschen dich verflucht, Dein Schöpfer hält dich doch verbucht Und soll dir Frieden geben! Eine Laus, dein Tod! So war in jeder Lagerstube auf einem Warnungsplakat zu lesen. Besonders in den beiden letzten Jahren stand das ganze Lager in einem erbitterten und doch immer wieder erfolglosen Kampf gegen die Läuse, die Überträger der Flecktyphusbazillen. 87 LE In eir lar SO las H sic tui Sa ne O ze Tei an tre W Ka di Die vielen Transporte, die in gänzlich verwahrlostem Zustand ankamen, der Mangel an guten Desinfektionsmitteln, die nachlässige Reinigung der Lagerwäsche, der immer seltener werdende Wäscheaustausch, die verlausten Strohsäcke und Decken, öfters auch die Unempfindlichkeit und notorische Unsauberkeit mancher Lagerinsassen, dies alles wirkte zusammen. So konnten wir die Läuseplage auch auf unseren beiden Blocks zwar immer wieder eindämmen, aber leider nimmermehr besiegen. End Wanzen arme Kreat bedeutet ja Wie viele Peinlichkeiten ergaben sich doch aus diesem Zustand, der für die meisten wohl zu den allerübelsten Erinnerungen gehört! Es mußte eine Maßnahme ergriffen werden, die im gleichen Grade notwendig und unangenehm war: die oftmalige, häufig sogar tägliche Leibesund Wäscheuntersuchung, der sich jeder ausnahmslos zu unterziehen hatte und die anfangs durch das Blockpersonal, später durch dazu verurteilte Kollegen genauestens durchgeführt werden mußte. Wir hatten für diese Prozedur den schönen amtlichen Ausdruck: Lauskontrolle. Leben, Sou peinlichen gefressen un werden. Da gessen möc Im Jänne Versuch, all behandeln. unseren De sere Kleid numeriert z handelt un Betonpflaste Jeder, bei dem Läuse vorgefunden wurden, mußte sich in das Lagerbad zur Desinfektion begeben. Während er dort badete, kamen seine Kleider und Wäsche in die Desinfektionsabteilung, um dort mit Gas behandelt zu werden. Er mußte unbekleidet im Bade stundenlang, manchmal einen halben Tag, auf die entlausten Kleider und Bettdecken warten, wurde unterdessen mit sehr scharfen Mitteln eingespritzt, die manchmal Wunden brannten, und kam schließlich müde und hergenommen wieder auf den Block zurück. Trotz genauester täglicher Selbstkontrolle konnte es jedem passieren, daß er in einem Monat mehrmals den unangenehmen und langwierigen Entlausungsprozeß mitmachen mußte. Wie dachten wir da oft sehnsuchtsvoll an die liebe Heimat, wo wir saubere Wäsche und reine Betten wußten, und kamen uns gerade wegen der Verlausung( Flöhe 88 Block verg waren, Als durchtränkt stundenlang davon. Und ein wenig, Grunde unt infektion u Blocks in R derart von Terunreinig andererseits men hatte. ihnen wäh Lagerinsass seligkeiten letzten Jah meinem Ar verwahrlostem Desinfektionsagerwäsche, der und Wanzen waren nebenbei auch vorhanden) als ganz arme Kreaturen vor. Einem zivilisierten Mitteleuropäer bedeutet ja doch die Reinlichkeit gewöhnlich das halbe ausch, die ver Leben. So unterwarfen wir uns willig der fast täglichen auch die Un peinlichen Lauskontrolle, um nicht ganz vom Ungeziefer gefressen und schließlich vom Flecktyphus fortgerafft zu werden. Das sind Erinnerungsbilder, die wir lieber vergessen möchten. perkeit mancher men, So konnten den Blocks zwar nimmermehr be doch aus diesem en allerübelsten Bnahme ergriffen ndig und unantägliche Leibesausnahmslos zu urch das Block te Kollegen ge Wir hatten für Ausdruck: Laus und Im Jänner 1943 machte die Lagerkommandantur den Versuch, alle Blocks der Reihe nach mit Tränengas zu behandeln. Wir räumten die Baracke, marschierten, mit unseren Decken beladen, in das Bad, gaben dort all unsere Kleider und Decken zusammengebündelt numeriert zur Desinfektion ab, wurden jeder einzeln behandelt und warteten fast einen Tag nackt auf dem Betonpflaster des Lagerbades, bis unterdessen unser Block vergast und unsere Habseligkeiten desinfiziert waren. Als wir dann unser ebenfalls mit Tränengas durchtränktes Zeug zurückerhielten, mußten wir alle stundenlang ,, weinen". Wir hatten jeder ganz rote Augen davon. Und der Erfolg? Die Läuse weinten vielleicht auch ein wenig, aber sie blieben am Leben. Aus diesem Grunde unterbrach die Lagerleitung diese Art der Desinfektion und ließ Leute und Läuse in den restlichen Blocks in Ruhe. In den letzten Zeiten war das Lagerbad derart von den vielen Transporten überbeansprucht und verunreinigt, daß man einerseits nur schwer Zutritt fand, andererseits dort mehr Läuse bekam, als man mitgenommen hatte. Sehr viele beklagten sich auch darüber, daß ihnen während des Badens von Zigeunern und anderen rden, mußte sich ben. Während er Wäsche in die as behandelt zu de stundenlang atlausten Kleider lessen mit sehr nehmal Wunden nd hergenommen auester täglicher Lagerinsassen Wäsche, Mützen, Brillen und andere Haberen, daß er in hmen und lang mußte, oll an die liebe eine Betten wuberlausung( Flobe seligkeiten gestohlen wurden. Ich selber hatte in den letzten Jahren das Glück, in einem schönen Bad auf meinem Arbeitsplatz wöchentlich baden zu dürfen. 89 LE In ein lar SO lag Ha sic tur Sa ne O ze ler am tre W Ka di Der Verkehr mit der Heimat Meine Ang hatten. Felix Besuche waren in allen Konzentrationslagern grundsätzlich verboten. Ausnahmsweise durften Fronturlauber in Dachau ihre nächsten Angehörigen sprechen, auch solche, die von Berlin eine schriftliche Besuchserlaubnis erhalten hatten. Aber das kam äußerst selten vor. Ich habe in den vier Jahren meines Aufenthaltes im Kazet niemand von meinen Lieben gesehen. Nebenbei bemerkt, war es uns auch streng verboten, Lichtbilder unserer Angehörigen zu besitzen. Wurden uns solche geschickt, so durften wir sie wohl ansehen, mußten sie aber dann abgeben. Sie wurden in den Schubraum zu unseren Effekten gelegt. Dort ist mir übrigens alles restlos verbrannt. wie es mit Es gab un schreiben, un ten, was die Schließlich Gelegenheit sehmuggeln. schwindeln Aber wir durften alle 14 Tage einmal( immer an dieselbe Adresse) einen Brief schreiben und ebensooft, auch durch die Lagerzensur, einen Brief aus der Heimat empfangen. Außerdem war es in den letzten Jahren den Reichsdeutschen gestattet, wöchentlich an nächstverwandte Soldaten an die Front zu schreiben und von ihnen Post zu erhalten. strafen setzt Briefe zuver dies wegen Seiten höch beholfene L lichst plump Das Briefschreiben war für uns eine freudige, wegen der Zensur aber auch komplizierte Angelegenheit. Es war uns ja verboten, etwas über das Lagerleben oder von uns selber irgend etwas weniger Günstiges zu berichten. Waren wir krank, brauchten wir ein Medikament, mußten wir sehr diplomatisch schreiben, um die Zensur abzulenken: in die allerg so manches der andere Auch ich heimer Brie viele Briefe mando und immer im fördert. Ich in Dachau diese Weise Verhältniss nicht, ob w den, um pe ,, Meine Lieben! Wie Ihr mir mitteilt, hat Felix schon wieder mit seinen Abszessen zu tun; dabei ist er damals schon sehr schwach gewesen, als ich ihn das letztemal gesehen. Ich möchte ihm raten, eine Blutreinigungskur zu machen. Seht einmal in meinem Schreibtisch nach, ich glaube, untere Lade links, da dürften sich noch einige Packungen Urizedin Strohschein befinden. Die könnt Ihr ihm mit einem schönen Gruß von mir übersenden. " Im letzter arbeiten de ich stets n uns Häftlin Tages sagt hofer, ich Sie vielleic Ul 90 eimat onslagern grund en Fronturlauber sprechen, auch Besuchserlaubnis t selten vor. Ich thaltes im Kazet ebenbei bemerkt htbilder unserer solche geschickt en sie aber dann aum zu unseren alles restlos ver ( immer an die und ebensooft Brief aus de den letzten Jah entlich an nächst chreiben und von freudige, wege Angelegenheit. B Lagerleben oder Günstiges zu be rein Medikament n, um die Zensur Meine Angehörigen wußten sofort, was sie hier zu tun hatten. Felix war mein Deckname, also verstanden sie, wie es mit mir stand und was ich wünschte. Es gab unter uns wahre Künstler im verdeckten Briefschreiben, und so gelang es, vieles nach Hause zu berichten, was die SS- Zensur bestimmt unterschlagen hätte. Schließlich gab es in den letzten Jahren immer mehr Gelegenheiten, Briefe heimlich aus dem Lager zu schmuggeln. Obwohl die Lagerleitung auf das Hinausschwindeln nichtzensurierter Post die schwersten Lagerstrafen setzte, fanden sich sogar SS- Leute, die geheime Briefe zuverlässig aus dem Lager brachten. Freilich war dies wegen der damit verbundenen Gefahren auf beiden Seiten höchste Vertrauenssache. Es gab ja unkluge, unbeholfene Leute, die diese riskante Angelegenheit möglichst plump inszenierten und dadurch sich und andere in die allergrößten Schwierigkeiten brachten. Da gäbe es so manches traurige Geschichtchen zu erzählen. Und wieder andere hatten bei aller Vorsicht Mißgeschick. Auch ich habe in den letzten Jahren eine Reihe geheimer Briefe an meine Lieben in die Heimat gelotst und viele Briefe von Kameraden durch mein Arbeitskommando und einige dort Aufsicht führende Zivilpersonen, immer im Postweg über München, aus dem Lager befördert. Ich sorgte stets dafür, daß solche Briefe niemals in Dachau selbst aufgegeben wurden. Es gelang uns auf diese Weise, schon damals weite Kreise über die wahren Verhältnisse in Dachau zu informieren. Wir wußten ja nicht, ob wir selber noch einmal die Heimat sehen würden, um persönlich den Schleier des Grauens zu lüften. Im letzten Halbjahr meiner Haft hatte ich die Schreibarbeiten der Versandkanzlei einer SS- Fabrik über, wo ich stets mit Zivilisten in Fühlung kam. Diese waren uns Häftlingen durchwegs freundlich gesinnt. Eines Tages sagte Buchhalter B.... zu mir:„ ,, Sie, Herr Arthofer, ich fahre morgen wieder nach München. Haben Sie vielleicht Briefe zum mitnehmen?" , hat Felix schon abei ist er damal das letztemal ge treinigungskur reibtisch nach, it sich noch einige en. Die könnt Ih übersenden.-- 91 LE In haa eir lar SO las H sic tui Sa ne SON ze Te an tre W Ke di ,, Nein, danke, ich möchte Sie auch nicht zu viel in Gefahr bringen." - - - und Wissen Sie, wieviele ,, Mich in Gefahr bringen? Briefe ich heute schon von Ihren Kameraden übernommen habe? Achtzig Stück!" Der gute Mann er war mit seiner Opferwilligkeit durchaus nicht der einzige erwies uns damit eine unvergeßliche Wohltat. Es war auch für ihn gut, daß das Blutregime zusammenbrach, denn sein Entgegenkommen gegenüber den Kazetlern hätte ihn selber gewiß noch einmal in das Lager gebracht. Und er war Vater einer zahlreichen Familie. Die Briefe, die wir aus der Heimat erhielten, bildeten für uns Verbannte ein Heiligtum. Leider war es unter Strafe verboten, mehr als zwei Briefe aufzubewahren. Mit welch schwerem Herzen trennte ich mich oft von den Zeilen lieber, treuer Menschen, wenn sie, dem Lagerbefehl entsprechend, in den Ofen wandern mußten! Aber vieles von dem, was uns die Heimat ins Kazet schrieb, um uns zu trösten und zu ermutigen, ist nicht im Feuer zu Asche zerfallen, sondern bleibt ewig in unsere Herzen eingezeichnet. Schweigen oder sterben! Lieber Herrgott, mach mich blind, Daß ich alles richtig find! Lieber Herrgott, mach mich taub, Daß ich jeden Unsinn glaub! Lieber Herrgott, mach mich stumm, Daß ich nicht nach Dachau kumm! Bin stumm ich, blind und taub zugleich, Dann paß ich in das Dritte Reich. testen und be der kaum 40 seminars in Abgesehen vo alle und sein er Dirigent kapelle, eine Er hatte im ponierte auch Unerschrocke des Dritten E er bis zu se Mit Wehm Freund Karl. Als ich im müde meiner Ich merkte große, nur m Gut", sag schon lange chen," Komm, K der Blockstra „ Weißt du Pech gehabt. Geheimbrief vahrheitsger Lager berich nir schon la Die Justiz des Hitlerreiches scheute das Tageslicht. Es war strengstens verboten, über die wahren Verhältnisse in den Konzentrationslagern zu sprechen. Wer es dennoch wagte, einen Notschrei an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, riskierte sein Leben. Einer der bekanntar nichts vo chen behand let,.- Und dückseligen Die Lagerges Briefes bin, nich noch ni veiß ich nich UI 92 ht zu viel in Ge sen Sie, wieviele eraden übernomute Mann- und us nicht der einliche Wohltat, Es gime zusammennüber den Kazet mal in das Lager ichen Familie.- rhielten, bildeten er war es unter aufzubewahren mich oft von den sie, dem Lager ern mußten! Heimat ins Kazet igen, ist nicht im of ewig in unsere rben! ind, ub, umm, mm! ab zugleich, eich. das Tageslicht, B hren Verhältnisse hen. Wer es den fentlichkeit gelan Ziner der bekann testen und beliebtesten Geistlichen im Lager Dachau war der kaum 40 Jahre alte Regens des bischöflichen Knabenseminars in Freudenthal( Ostsudetenland) Karl Schraml. Abgesehen von seiner nimmermüden Hilfsbereitschaft für alle und seinem goldenen Humor, der nie versagte, war er Dirigent des Priestergesangschores in unserer Lagerkapelle, einer unserer liebsten Kameraden. Er hatte im Mozarteum in Salzburg Musik studiert, komponierte auch und beherrschte verschiedene Instrumente. Unerschrocken und mannhaft war er dem Neuheidentum des Dritten Reiches entgegengetreten; ungebrochen blieb er bis zu seinem Tod im Kazet. -- Mit Wehmut denke ich an ihn, meinen unvergeßlichen Freund Karl, zurück. - Als ich im Herbst 1943 einmal abends von der Fabrik müde meiner Baracke zuwanderte, wartete er auf mich. Ich merkte in seinem bleichen Gesichte sogleich eine große, nur mühsam beherrschte Erregtheit. ,, Gut", sagte er, daß du endlich da bist! Ich warte schon lange auf dich. Ich muß mich mit jemand aussprechen." „ Komm, Karl," antwortete ich, und wir gingen nun in der Blockstraße eine Weile auf und ab. - - - ,, Weißt du," erzählte er, ,, ich habe heute ungeheures Pech gehabt. Ich habe einen langen und ausführlichen Geheimbrief an einen Freund geschrieben und darin wahrheitsgemäß von den Verbrechen der SS in unserem Lager berichtet, alles, was ich wußte! Es brannte mir schon lange auf der Seele, daß die öffentlichkeit so gar nichts von dem erfahren darf, wie man hier die Menschen behandelt und zu Tausenden elend zugrunde richUnd dieser Brief ist von der SS durch einen unglückseligen Zufall entdeckt und beschlagnahmt worden. Die Lagergestapo weiß bereits, daß ich der Schreiber des Briefes bin, und es wundert mich eigentlich, daß man mich noch nicht geholt hat. Was nun mit mir geschieht, weiß ich nicht. Ich bin auf das Äußerste gefaßt." tet. - - Dann 93 LE In 드 eir lar SO las H. sic tul Sa ne O ze lei an tre W Ka di ul erzählte er mir im einzelnen, was er in dem Berichte geschrieben hatte. Mir graute; wenn das die SS nun in Händen hatte, dann war es schlimm. Trotz allem zeigte sich Karl nicht schwach. Er bat mich nur herzlich, ich möge seiner im Gebete gedenken, wenn er nun von der Lagergestapo zur Vernehmung geholt würde. Mit einem festen Händedruck gingen wir auseinander. Es hatte mich aber eine ganz tiefe Trauer erfaßt, weil mir bange war um ein so liebes, teures Menschenleben. - - Was soll ich hier noch vieles berichten? Nur das Ende dieses Dramas: Karl Schraml wurde ohne Gerichtsverfahren durch einen Blutbefehl aus Berlin dafür, daß er die Wahrheit an die Öffentlichkeit bringen wollte, zum Tode verurteilt. Man wagte aber nicht, seine Ermordung in Dachau durchzuführen, weil man wahrscheinlich die Zeugenschaft der anderen Geistlichen scheute, sondern man brachte ihn in das Konzentrationslager Buchenwalde. Dort wurde er drei Tage nach seiner Ankunft erhängt. Diese Besuc sehr unangene fehle des Jour iltesten meist schrie einer: " alteste, die BL polizei und h such, alles in ten sich Plätze die Blocks zum Ein weiteres reinigung!" Und überall reinigung!" In fiebernde auftragten den lad, die Lag Auch in den Schlafräumen, Hände am W uchsfertig" T Beim Prozeß gegen die angeklagten SS- Mörder, den die Amerikaner in Dachau durchführten, berichtete der tschechische Priester Strerak am 10. November 1945 als Zeuge über die Hinrichtung Karl Schramls, der als Märtyrer der Wahrheit gefallen ist. - So viel unschuldiges Blut mußte fließen, bis endlich im deutschen Radio das Pausezeichen ,, Üb immer Treu und Redlichkeit!" verstummte, weil es eine Lüge war. Besuchsparade Eine Brücke zwischen Außenwelt und Kazet bildeten noch die häufig stattfindenden, vorher angemeldeten Besuche von interessierten Gruppen der SS, der Wehrmacht, verschiedener Parteiformationen, Frauen fast immer ausgeschlossen. 94 Block ja nich gen nach sich Im Kazet w Ein neuer nusik vor!" Aus einer wanzig Häftli testreiften Ze Losen mit br Bügelfalten, in nente( die di en mußten), in leiser Bef in:„ Auf der las heißt: Er lirkusclowns, was er in dem Berid wenn das die 88 nu Diese Besuchsparaden waren für uns Kazetler immer sehr unangenehm und aufregend. Die verschiedenen Befehle des Jour- Hauses wurden im Wege über den Lagercht schwach, Er hat alles ten meist durchgerufen". Auf dem Appellplatz Gebete gedenken, va shri e einer: ,, Besuch, alles in die Baracken!" Der Lagerzur Vernehmung giles te, die Blockältesten, die Stubenältesten, die Lageredruck gingen vir polizei und hundert andere schrien und brüllten:„, Bene ganz tiefe Trave such, alles in die Baracken!" In wenigen Minuten leerinse liebes, teures la sich Plätze und Wege im Lager, jeder mußte sich in die Blocks zurückziehen. Ein weiteres Kommando wurde durchgebrüllt: ,, Lagerberichten? Nur das urde ohne Gerichts Mini gung!" Und überallhin gellte der Ruf: ,, Lagerreinigung! Lageraus Berlin dafür, dal keit bringen wolle, nigung!" nicht, seine Ermordu man wahrscheinlich In fiebernder Eile fegten und säuberten die dazu Beatragten den Appellplatz, die Blockstraßen, das Lagertlichen scheute, salad, die Lagerküche, die Magazine und Arbeitsplätze. entrationslager Bade Acha in den Stuben der einzelnen Baracken, in den ge nach seiner Anlaufräumen, Klosettanlagen, überall waren emsige Hindle am Werk, das Lager in wenigen Minuten„ beagten 88- Mörder, deathsfertig" zu machen und dafür zu sorgen, daß der führten, berichtete 18 November 1945 rl Sehramis, der als ßte fießen, bis end eichen„ Ch immer weil es eine Lage arade Bhel ja nicht ,, auffalle", denn das hätte schwere Folga mach sich gezogen. -- m Kazet war es feierlich still geworden: Besuch! Bim neuer Kommandoruf macht seinen Weg:„ LagerImsilk vor!" Aus einer der rückwärtigen Baracken eilen etwa 12an rig Häftlinge in einer ganz reinen, violett und weiß Betreiften Zebrauniform und mit gleichen Mützen, die Isem mit breiten roten Streifen geschmückt und mit elfalten, in den Händen alle möglichen MusikinstruIte( die die Häftlinge aus ihrem eigenen Geld bezahIda mußten), und formierten sich. Voraus der Stabträger, leiser Befehl, Trommelklang, die Instrumente setzen Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein, und dila Imeißt: Erika!" So marschieren sie, gekleidet wie clowns, musizierend zum Appellplatz vor. Wie wwelt und Kazet bilde vorher angemeld ppen der 88 der W rmationen, Franen 95 LE In ha ein lar SO la H sic tu Sa ne O ze Je an tre W Ka di UI schön und lustig ist es doch in Dachau! Auch einige Geistliche sind der Lagermusik zugeteilt, zum Beispiel Großder niederösterreichische Kaplan Stangl von Gerungs, der samt seinem Pfarrer hier Aufenthalt genommen.( Leider ist letzterer, Pfarrer Frasl, ein Mann von unverwüstlichem Humor, noch im April 1945 dem Flecktyphus erlegen.)- Der Besuch, eine Gruppe von SA- Würdenträgern, wohlgenährt und in gutsitzenden, schönen Galauniformen, schreitet, gemütlich miteinander plaudernd, durch die völlig leeren Lagerstraßen. Ein SS- Lagerführer gibt ihnen Informationen über die gerechte, aber menschenwürdige" Behandlung der hier untergebrachten Staatsfeinde: ,, Was man im Ausland über die deutschen Konzentrationslager hört, ist alles Greuelpropaganda. Wir haben zwar kein Interesse daran, den Schutzhäftlingen, die ja doch meistens nur wertloses Gesindel sind, hier ein Paradies zu bereiten, aber wir sind bemüht, alle Gutwilligen zu deutschem Denken umzuschulen ,, Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein tschinbum!- tschinbum! Und das heißt: Die Lagermusik rückt an. -- Erika!" in Lager?"- wie schwer s Er klopft ihm noch fünf Jah ,, Sie sehen hier, meine Herren, daß das Leben der Kazetler durchaus nicht freudlos ist. Angefangen vom Bordell und Lagerkino bis zum Fußballplatz und zur Musikpflege sind hier die verschiedensten Gelegenheiten zur geistigen Entspannung und zur Pflege wahrer Kultur. Wir sind sogar so weit gegangen, den Pfaffen eine eigene Bude für ihren Hokuspokus einzuräumen. Doch, schauen wir einmal in eine Stube hinein!" Er führt sie in einen Raum, in dem sich das dienstfreie Personal der Lagerküche befindet. Diese Leute sehen durchwegs gesund und kräftig aus. - - Der Mann zu schwätzen „ Und dann sen, ob Sie sind." ,, Nein, Hern Der Gefra Henkerblick „ Na, sehen „ Oder", er einmal einer lose Mienen. Also kein welchen Mitt Die Besuch lassen den B Nun geht E gebrachten O anläßlich des eine Mehlsup in der an ma viele Läuse. Schließlich ,, Hier hätt Herren habe leit nicht v laben sie h ie besser ü Wieder Meld Regungslos 2 Jahren, ,, Achtung! Herr Lagerführer, Stube 3 mit 87 Mann!"- ,, Schon gut! Weitermachen!" ,, Also, meine Herren, sehen Sie sich einmal diese, Elendsgestalten' an! Sie dort, kommen Sie her! - Wie lange sind Sie hier eugierigen Fragt irgend 96 Arthofer, u! Auch einige t, zum Beispiel ngl von Großfenthalt genom , ein Mann von 1945 dem Fleck enträgern, wohl Galauniformen, ernd, durch die agerführer gibt aber menschenebrachten Staatsdeutschen Kon propaganda, Wir Schutzhäftlingen, sindel sind, hier Semüht, alle Gut ulen Blümelein am!--- Erika!" das Leben der Angefangen vom allplatz und zur en Gelegenheiten lege wahrer Kul den Pfaffen eine zuräumen. tube hinein!" B h das dienstfreie iese Leute sehen mit 87 Mann!"- », meine Herren stalten' an! nge sind Sie hier - im Lager?"- ,, Fünf Jahre, Herr Lagerführer!"- ,, Und wie schwer sind Sie?" ,, 82 Kilo, Herr Lagerführer!" Er klopft ihm auf die Schulter: ,, Na, da halten Sie es ja noch fünf Jahre aus!" ,, Jawohl, Herr Lagerführer!" Der Mann weiß, daß es nicht ratsam wäre, hier mehr zu schwätzen, als was man gefragt wird. " - ,, Und dann noch etwas. Die Herren hier wollen wissen, ob Sie im Lager schon einmal mißhandelt worden sind." -- ,, Nein, Herr Lagerführer!" Der Gefragte hat den lauernden, düster drohenden Henkerblick des Gewaltigen richtig verstanden. ,, Na, sehen Sie, meine Herren!" „ Oder", er wendet sich im Kreise um ,,, hat von euch einmal einer Prügel bekommen?" Schweigen, regungslose Mienen. ,, Also kein einziger! Da haben Sie den Beweis, mit welchen Mitteln man im Ausland gegen uns kämpft." Die Besucher nicken empört, verständnisvoll, und verlassen den Block wieder. Nun geht es zum Krankenrevier in den auf Hochglanz gebrachten Operationsraum, in die Küche, wo man heute anläßlich des angesagten Besuches statt der Krautbrühe eine Mehlsuppe anbefohlen hat, in die„ ,, Kulturbaracke", in der an manchen Tagen alte Filme laufen, leider auch viele Läuse. Schließlich kommen die Besucher auch zu Block 26. ,, Hier hätten wir den politisierenden Klerus! Diese Herren haben auf dem Mond gelebt und die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Eine bornierte Gesellschaft! Wir haben sie hier auf zwei Blocks konzentriert, damit wir sie besser überwachen können. Doch, da sind wir ja!" Wieder Meldung des Stubenältesten. Regungslos stehen die Geistlichen im Alter von 25 bis 82 Jahren. Die SA- Würdenträger mustern sie mit dem neugierigen Interesse eines Menageriebesuchers. Einer fragt irgend jemand: ,, Warum sind Sie eigentlich hier?" 7 Arthofer, Konzentrationslager. 97 LE In eir lar SO las H sic tu Sa ne O ze le an tre W Kē di ,, Kanzelparagraph!" ,, So, so, Kanzelparagraph! Schlimm! Sagen Sie mal, sind Sie ein Deutscher?" ,, Österreicher!"- Der Lagerführer fährt giftig auf: ,, Da haben wir es wieder! So ein Blödsinn! Haben Sie im Leben schon einmal etwas für das deutsche Volk geleistet?" ,, Jawohl, Herr Lagerführer, im Weltkrieg!" ,, Daß ich nicht lache! Als ausgefressener Feldkurat, nicht wahr?" ,, Nein, als einfacher Frontsoldat, Herr Lagerführer!" , Wie ergreifend! Wir sind schon im Bilde, wie es mit eurer Vaterlandsliebe aussieht. Doch, meine Herren, ich glaube, Sie wollten auch die Kapelle sehen?"-- Pia beigelegt führer Redwit die Uniform d So wie ihr Beg sein. Soviel ich der Partei, wa and als solche jederzeit frei Übrigens wurd lung gegen Ka als sie unerw habe mir alle Als sie die Die Besucher entfernten sich; vielleicht noch ein Gang Richard mit s in die Lagergärtnerei, in die Angorahasenzucht, in die Baracke mit den weißen Mäusen, in den Hundezwinger, alles interessant, in schönster Ordnung. Da soll noch jemand Schaudermärchen über Konzentrationslager erzählen! Ein solcher gehört wirklich ins Kazet. Langsam schreiten die Befriedigten dem Lagertor zu. Dort steht die Lagermusikkapelle und spielt eine Arie Wir sprang krachten, und stattete dem D die dieser sch Schwester F Sagte in ihre neine liaben aus der„, Lustigen Witwe":" Lippen schweigen, flüstern laben Pfarra Geigen: Hab mich lieb!" ,, Ja, habts mi gern, ös Marmeladebrüada!" schimpft ein Wiener aus der Spielschar, als die letzte SA- Uniform verschwunden ist. - - So ähnlich ging es bei den vielen Besuchsparaden im Kazet zu, alles nur auf Schein und Täuschung aufgebaut. Schwester Pia Wagner eich amol ho a neua Laga hann i euch sa Am 17. Dezember 1942 erhielt unser Block seinen merkwürdigsten Besuch. Es kam die in den obersten Parteikreisen bestbekannte Leiterin der Braunen Schwe stern, die sich den schönen ,, Ordensnamen" Schwester freundschaftlic Est etwas ver „ Na, da hör ud i sand zw Sie fassen s Redwitz is Labn Plarra, Emma! Das is ja durch de Aber, mein am redn. Da 98 Sagen Sie mal Da haben wir es Leben schon ein et?" rieg!" sener Feldkurat, Lagerführer!" Bilde, wie es mit eine Herren, ich hen?" ht noch ein Gang asenzucht, in di Pia beigelegt hatte, Arm in Arm mit dem neuen Lagerführer Redwitz, mit dem sie sich vor uns duzte. Sie trug die Uniform der Braunen Schwestern und machte auf uns 80 wie ihr Begleiter den Eindruck, leicht alkoholisiert zu sein. Soviel ich hörte, zählte sie unter die ersten Kämpfer der Partei, war eine persönliche Freundin des Führers and als solche eine privilegierte Persönlichkeit. Sie konnte jederzeit frei und unbehindert das Lager Dachau betreten. Übrigens wurde uns von ihr niemals eine böswillige Handlung gegen Kazetler bekannt. Ich war am Block zu Hause, als sie unerwartet mit Redwitz unsere Stube betrat, und habe mir alle Einzelheiten gut gemerkt. Als sie die Türe öffnete, schrie unser Stubenältester Richard mit seiner gellenden Stimme: ,, Achtung!" Wir sprangen alle auf, daß einige Hocker zu Boden en Hundezwinger krachten, und standen steif und regungslos. Richard erstattete dem Lagerführer die vorschriftsmäßige Meldung, g. Da soll noci ntrationslager er Kazet.zu die dieser schweigend zur Kenntnis nahm. Schwester Pia winkte freundlich und huldvoll ab und dem Lagertor sagte in ihrer bayrischen Mundart: ,, Grüaß euch Gott, spielt eine Ari meine liaben Pfarra, setzts euch nur nieda! Wiẞts, meine chweigen, flüster liaben Pfarra, i hab mas schon lang vorgnomma, daß i rüada!" schimpf euch amol hoamsuach. Also, da seids! Und das da is eua neua Lagaführa, da Redwitz, der is a gerechta Mensch, Sie klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter. Der Lagerführer brummt letzte SA- Uniform kann i euch sagn! Gelt, Redwitz?". esuchsparaden in hast etwas verlegen: ,, Ich bin streng, aber gerecht!" sehung aufgebaut ner aser Block seine ,, Na, da hörts es ja, meine liabn Pfarra! Da Redwitz und i sand zwoa alte Kämpfer und Freund, gelt, Alter?" Sie fassen sich neuerdings unter den Armen. ,, Alsdann, da Redwitz is a Mensch, das kann i euch sagn, meine liabn Pfarra, und da Hofmann is erledigt, der kommt nimma! Das is ja a Skandal, was sie der g'leist't hat, das in den oberstel is ja durch den Äther gegangen! er Braunen Schwe namen" Schwester Aber, meine liabn Pfarra, mit euch hab i a a Wörtl zum redn. Das wissn ma ganz guat, daß ihr aufs Volk 99 LE In ei la SO la H si tu Sa ne O ZE le an Einfluß habts, und den Einfluß habts ihr mißbraucht, drum seids ihr ja da!-- I bitt euch, meine liabn Pfarra, und i moans guat mit euch, sads gscheit und arbats mit uns! A so geht ja das net weita, wias bisher gwen is, denn wia gebn jo do net nach." u und geht. W hat ihr die Lag dieser liebensw regel des Kaze Bemerkung fie innerung bewa holfen, aber zu einige Stück I Sie sah uns vorwurfs voll und beschwörend an:„, Ös derfts net glaubn, daß i koa Religion net hab! I hab vielleicht mehr Christentum als mancher von euch, aber da Führer is die oanzige Rettung für das deutsche Volk. Seids do net so dumm, meine liabn Pfarra, und gebts nach, dann werds ja alle wieder frei werdn, gelt, Red- anerkennen: S witz?!" Der Lagerführer sah schweigend zu Boden und preẞte die Lippen aufeinander. Aber Schwester Pia ließ sich nicht beirren: ,, I hab neuli an Pfarra ausn Laga befreit. Leider is er mir draußn gstorbn. Und i werd mi no für a paar bemüahn. Wo is denn da P... und der H...?" blinde Anbeter ihr Los ist, wi dem die frauli Die Ordnun Zwei reichsdeutsche Geistliche treten vor.„ Alsdann, die Häftlinge dös sads ös! Hm, hm! I hab an Briaf kriagt, daß i Euch SS- Blockführe helfn soll. Also, ös müaẞts halt gscheit sein und vernünf oder weniger tig, dann wird's schon recht werdn, nöt wahr?" Die beiden schweigen. ihre gehoben leider sehr oft ,, Und dann, meine liabn Pfarra, i werd euch jetzt öfta die ihrem Be hoamsuachn. Wanns ma mögli is, komm i am Heilig shikanieren, Abnd zu enk. Auf jedn Fall kriagt a jeda von euch a die SS es ta Weihnachtn a Packerl von mir mit a Bäckerei. I.hab das Würde und E Nötige schon veranlaßt." Sie wendet sich jovial an den Lagerführer:„, So, Redwitz, und jetzt genga ma a noh in die andern Stubn! I muaß ja heut alle Pfarra hoamsuachn!" lich rechtloser Block durch glaube, er hi Vortzusamme ,, Achtung!" schreit unser Richard, und wir stehen wie ero- Natur ha ar tr W K₁ di um und winkt milde ab: ,, Machts koane Gschichtn, und -- コ น der regungslos. Da dreht sich Schwester Pia unter der Türe nochmals wurde, er sei haften eine adistisch, fau pfiat euch Got ung sein, ab meine liabn Pfarra!" Sie winkt uns herzlich mit der Hand leit, wenn ih 100 ts ihr mißbrauch euch, meine lia sads gscheit u weita, wias bisher ch." chwörend an: met hab! I hab vi von euch, aber Has deutsche Vol Pfarra, und geb werdn, gelt, Re Boden und pre ht beirren:„ I er is er mir drau ar bemüahn. Wo zu und geht. Wir sahen sie niemals wieder. Vermutlich hat ihr die Lagerleitung einen Riegel vorgeschoben, denn dieser liebenswürdige Ton war ja doch gegen die Grundregel des Kazets. Wenn auch nachher manche humorvolle Bemerkung fiel, wir haben ihr doch keine schlechte Erinnerung bewahrt. Zur Freiheit hat sie keinem mehr verholfen, aber zu Weihnachten 1942 erhielt jeder von uns einige Stück Lebkuchen von ihr zugestellt. Was sie als blinde Anbeterin des Führers gesündigt hat und wie heute ihr Los ist, wissen wir nicht. Gerechterweise müssen wir anerkennen: Sie hat uns im Elend ein Herz gezeigt, in dem die frauliche Güte noch nicht erstorben war. Das Blockpersonal Die Ordnung in den Kazets war so organisiert, daß ten vor ,,, Alsdan die Häftlinge ihre Blocks unter der Oberaufsicht von kriagt, daß i Eu SS- Blockführern durch Block- und Stubenälteste mehr it sein und vern oder weniger selbst verwalteten. Letztere gehörten durch nöt wahr?" ihre gehobene Stellung" zur Brahmanenkaste, vergaßen leider sehr oft die Pflichten der Kameradschaft, begannen werd euch jetzt die ihrem Befehl unterstellten Mitgefangenen häufig zu Comm i am Heilschikanieren, auszubeuten, ja oft ärger zu mißhandeln, als a jeda von euch a die SS es tat, und zeigten mitunter eine tragikomische Bäckerei, I.hab Würde und Eitelkeit gegenüber der großen Menge gänzlich rechtloser Parias. Da war zum Beispiel auf meinem gerführer: ,, So, R Block durch Monate ein Stubenältester aus Wien( ich die andern Stub glaube, er hieß Rohner oder so ähnlich. Jedenfalls eine !" Wortzusammensetzung mit roh), der eine grausame und wir stehen Nero- Natur hatte. Ich schämte mich immer, wenn erwähnt der Türe noch schaften eines Tyrannen in sich: launenhaft, reizbar, vurde, er sei ein Österreicher. Er vereinte wohl alle Eigenpfiat euch G sadistisch, faul und borniert. Das soll keine Ehrenbeleidigung sein, aber es wäre eine Sünde gegen die Gerechtigerzlich mit der Hkeit, wenn ihm kein Denkmal gesetzt würde. - 101 LE In ei la SC la H si tu S n C Z Je tr V K d Wie oft warf uns diese Protuberanz österreichischer Gemütlichkeit beim allerschlechtesten Wetter fünfzig bis hundert Paare ,, schlecht geputzter" Lagerschuhe durch das Fenster in den Kot der Lagerstraße, alle durcheinander und übereinander, und freute sich dann königlich, wenn wir barfuß und verzweifelt im Schmutz nach unseren Schuhen suchten. Er lehnte mit einer Zigarette am Fenster und sah sich wonnegrunzend die heillose Verwirrung an. Ich weiß nicht, was er von Zivilberuf war, Bildung zeigte er jedenfalls grundsätzlich keine. Fast täglich war ich Zeuge, wie er unbeholfene, kränkliche, ältere Geistliche von meinem Block in empörender Gehässigkeit ohrfeigte und mißhandelte und dann immer nachhinein sadistisch und zufrieden lächelte. Nicht der Ohrfeigen, sondern seines Lächelns wegen habe ich diesen Edelknaben hier namentlich verewigt und hoffe, daß er mir nicht hiefür Mangel an christlicher Nächstenliebe vorwirft. Blockälteste Fritz Becher, Ro- - Erinnerungen! schlagen, ich es oft ganz Blockältesten Schließlich meradschaftlic SS abgesetzt ugeteilt. Auc wurde er nac SS namentlich urteilten öffer und entschied „ Dann sin bert Gehrke. Gott sei Dank, nur mehr Erinnerungen und keine Realitäten mehr für uns Überlebende. In schweren Träumen höchstens werden sie vielleicht noch manchmal schemenhaft vor uns hintreten. Auch Stubenältester Richard, der auf unseren Nerven herumgetrampelt ist, wird niemals mehr mit uns brüllen, keinen mehr ohrfeigen; ihre ,, Größe" ist aus, ihre Schmach unsterblich. Sie waren keine Kameraden, sondern feige Schergen eines Henkerregimes, nur bedacht auf ihre„ Position". Daneben steht ein anderer Name: Karl Frei. Sein Ruhm lebt in tausend dankerfüllten Kazetlerherzen weiter. Er war auch einige Zeit Blockältester bei uns, und wir haben ihn( trotz gegensätzlicher Weltanschauung) nicht nur geachtet, sondern als echten Kameraden geliebt. zu ihm. Ruhig antw bensuchkomm man kein F. nicht mehr B lesen sollte, Block 26 auf Gegen End mando die la Schon etwa zehn Jahre im Lager, ein großer, stattlicher Mann, energisch, ohne jede Dienerei nach oben, gegen jeden Kameraden hilfsbereit bis zum äußersten. Niemals hat er einen Leidensgenossen denunziert oder ge102 unseren eige unserem Blc und Blockält ein Mann mi Geduld und unser bester werter Block Geistliche il aber jemand Friedrichs f Westfalen, i unseres dan dem Priester zig verschie nannten. terreichische er fünfzig bi Schuhe durch alle durch dann könig Schmutz nach ner Zigarette nd die heil er von Zivil grundsätzlie unbeholfene ock in empi elte and dam ächelte. Nich gen habe ic gt und hoffe her Nächster Becher, R d keine Reali eren Träume mal schemen Richard, de wird niemal rfeigen; ihr h. Sie ware eines Henker ei. Sein Ruhm en weiter. E und wir haben nicht nur ge liebt. großer, stat ei nach oben m äußersten aziert oder ge schlagen, ich glaube, nicht einmal beschimpft. Mir kam es oft ganz seltsam vor, daß die SS ihn so lange als Blockältesten duldete. Schließlich wurde er wegen seiner unentwegten Kameradschaftlichkeit gegen seine Untergebenen von der SS abgesetzt und dem Bombensuchkommando München zugeteilt. Auch hier stellte er seinen Mann. Eines Abends wurde er nach dem Appell zugleich mit anderen von der SS namentlich aufgerufen, einen zu einer Lagerstrafe Verurteilten öffentlich zu verprügeln. Er weigerte sich ruhig und entschieden: ,, Das tue ich nicht!" ,, Dann sind Sie ein Feigling", sagte ein Lagerführer zu ihm. Ruhig antwortete er:„ Wenn man täglich beim Boinbensuchkommando in München sein Leben riskiert, ist man kein Feigling." Soviel ich weiß, wurde er später nicht mehr Blockältester. Wenn er irgendwo diese Zeilen lesen sollte, möge er sie als einen Gruß und Dank von Block 26 auffassen. Gegen Ende unserer Kazetzeit gab uns das Lagerkommando die langersehnte Erlaubnis, das Blockpersonal aus unseren eigenen Reihen aufzustellen; es wurden auf unserem Block Geistliche unseres Vertrauens Stubenund Blockälteste. Ein reichsdeutscher Pfarrer Friedrichs, ein Mann mit schneeweißem Haar und unerschütterlicher Geduld und Ruhe, wurde unter allgemeinem Beifall unser bester, aber in vieler Hinsicht nicht beneidenswerter Blockvater. Es dürfte ja bekannt sein, daß auch Geistliche ihre Fehler und Schwächen haben. Sollte es aber jemand nicht glauben, so möge er Vater Reinhold Friedrichs fragen, der jetzt Domkapitular in Münster, Westfalen, ist! Er stand ruhig wie ein Fels im Meere unseres damals unbeschreiblich überfüllten Blocks, in dem Priester zusammengepfercht waren, die zirka zwanzig verschiedene Sprachen Europas ihre Muttersprache nannten. 103 LE In ei lal SC la H si tu S int C Z le al tr W K d Capo So ähnlich wie mit dem Blockpersonal verhielt es sich auch mit den Capos, den von der SS bestimmten Aufsichtsorganen an den verschiedensten Arbeitsplätzen ( Kommandos), die auf ihrem Kazetlerkleid eine gelbe Armbinde mit dem Aufdruck ,, Capo" trugen. Es gab unter ihnen sadistische Bestien und ehrliche, hilfsbereite Kameraden. Es wäre ein großer Irrtum und eine verhängnisvolle Ungerechtigkeit, hier alle in einen Topf zu werfen. Es gab zweifelsohne in jedem Lager Capos, die man als direkte oder indirekte Massenmörder bezeichnen muß, und daneben wieder andere, die bewußterweise und oft mit großem persönlichen Risiko bestrebt waren, anderen Gutes zu tun. Wer weiß, ob ich noch leben würde, wenn mir nicht in meiner höchsten Not, als ich nur mehr eine ausgehungerte Elendsgestalt war, mein damaliger Capo ( Polizeirat Dr. Richard Böhm, ein Wiener) so tatkräftig und zielbewußt aus dem Abgrund geholfen hätte. ,, Du bist fertig", sagte er zu mir ,,, aber ich werde alles tun, um dir etwas Lebensmittelzubußen zu verschaffen. Viel habe ich ja selber nicht, aber es ist mir möglich, dir täglich zehn bis zwanzig Kartoffeln zu geben, die werden dich noch eine Weile vom Krematorium erretten." Und er hielt getreulich Wort. daß er gegen dos launenha wäre. „ Ich muß wenn ihm se drohte ich zum Scherge Auf der Pl Kamerad. Va von Wien un letzten Jahre tage und als und Berater Einigemale Häftlinge gen viel, Ja, wir wir wußten ehrlichen Öst als jemals in Bruderzwist geführt, Eini mals Heilung In den Jal hörte ich auc aber ich wil Selbsterlebte Kommando r Täglich steckte er mir heimlich die Taschen mit alten, gekochten Kartoffeln voll; die aß ich eilends samt den Schalen im Fabriksklosett, um nicht den Neid anderer zu erwecken. Wäre nicht einige Monate später die Paketerlaubnis und damit die wahre Hilfe unserer Lieben aus der Heimat gekommen, würde ja kein einziger von uns mehr am Leben sein - aber Capo Böhm baute mir die rettende Brücke bis zu diesem Ufer der Pakethilfe, das ich ohne ihn kaum mehr erreicht haben würde. Ich war aber bestimmt nicht der einzige, dem er ein treuer Kamerad gewesen. Außerdem merkte ich niemals, ind die war auch einige mir nie über gekommen, S gute Kamera U 104 ielt es sich mmten Aufbeitsplätzen eine gelbe Es gab unter bereite Kaverhängniszu werfen. die man als chnen muß, eise und oft en, anderen würde, wenn mehr eine aliger Cape so tatkräftig ätte. ich werde Ben zu ver res ist mir In zu geben, matorium er en mit alten, Is samt den anderer zu die Paketerer Lieben einziger von Böhm baute der Paket aben würde. dem er ein ich niemals, daß er gegen irgendein Mitglied seines großen Kommandos launenhaft, willkürlich oder ungerecht vorgegangen wäre. ,, Ich muß ja nicht Capo sein", meinte er manchmal, wenn ihm seine Güte bei der SS nachteilig zu werden drohte ich bin ein Häftling und werde mich niemals zum Schergen dieser Gesellschaft mißbrauchen lassen." Auf der Plantage galt auch Capo Haufe als ehrlicher Kamerad. Vater Richard Schmitz, früher Bürgermeister von Wien und dann sieben Jahre in Dachau, war in den letzten Jahren Capo einer Kanzleiabteilung in der Plantage und als solcher ein opfermutiger Kamerad, Freund und Berater aller, die ihm zugeteilt wurden. وو Einigemale hörte ich den Vorwurf" reichsdeutscher Häftlinge gegen ihn, er protegiere die Österreicher zu viel. Ja, wir Österreicher hielten wohl zusammen, aber wir wußten auch, warum. Und Gott schenke heute allen ehrlichen Österreichern die Einsicht, daß es heute mehr als jemals in der Geschichte„ Zusammenhalten!" heißt. Bruderzwist und Verrat haben uns in die tiefste Schmach geführt, Einigkeit und Vernunft allein können uns nochmals Heilung bringen. In den Jahren, die ich in Dachau verbringen mußte, hörte ich auch gar vieles von rohen, gewalttätigen Capos, aber ich will hier keine Namen nennen, weil ich nur Selbsterlebtes berichten möchte. Ich hatte in meinem Kommando nur zwei Capos( Böhm und nach ihm Janik), und die waren beide gut. Von uns Geistlichen haben es auch einige zur Würde" eines Capos gebracht, doch ist mir nie über einen von ihnen irgendeine Klage zu Ohren gekommen. Sie bemühten sich alle ehrlich, den Ihrigen gute Kameraden zu sein. 99 105 LE In ei lal SC la H si tu S. n C le 2SENP al tr W K d Am Arbeitsplatz Wer im Lager seelisch nicht zusammenbrechen wollte, mußte Mittel und Wege suchen, seine Gedanken von dem Elend ringsum und auch von all den lockenden Bildern der fernen Heimat so viel als möglich abzulenken. Das war wohl eine schwere Aufgabe, aber sie mußte gemeistert werden. Wer hier versagte, sah schon aus diesem Grunde die Heimat nie wieder. Kazetgrundsätze lauteten: ,, Kopf hoch, sich nicht unterkriegen lassen!"- ,, Denken ausschalten!" ,, Stupid werden!" Paprika um satzgewürs Häftlingsbe Hauptsturm von allen humanste mit dem L ganzen Be biger Prot tesdienst - ,, Niemals an lernten, e Kazetler, - - ,, Setz dich über alles hinweg, freu dich über Aber all diese schönen Sprüche NSDAP, C welche V hätte ich meisters in - das Morgen denken!" verboten!" jeden Dr...!" - ,, Jammern aus Kameradschaft haben dem nicht geholfen, der das wichtigste Ablenkungsmittel nicht finden konnte: eine Arbeit, der er körperlich halbwegs gewachsen war. In den letzten Jahren waren die meisten Häftlinge des überfüllten Kazets arbeitslos, und dieser Zustand war für sie alle furchtbar und verhängnisvoll. Ich hatte, obwohl es mir besonders in den letzten drei Jahren nie an Arbeit fehlte, manchmal Tage, wo es aller Willenskraft und der Religion bedurfte, um die lähmende, den Lebensnerv bedrohende Schwermut fernzuhalten. Mag die Arbeit im Kazet für viele, deren Gesundheit schon gebrochen war, Qual und völliger Ruin geworden sein, für die meisten bildete sie wohl die rettende Brücke über den gähnenden Abgrund der Verzweiflung. Da bewahrheitete sich wirklich der Grundsatz eines großen Mannes, der heute auch Parole für unser ganzes Volksleben werden sollte: Arbeiten und nicht verzweifeln!( Thomas Carlyle). Mein Kommando( Arbeitsplatz) war durch drei Jahre die zur Lagerplantage gehörige Gewürz- oder Pfeffermühle, ein modern eingerichteter Betrieb, in dem unter Leitung des SS- Hauptsturmführers Vogt( des Chefs der ganzen Plantage) und des Mühlenmeisters Christian Filippitsch, der Zivilangestellter war, aus mich auf ruchten L Wenn d die ganze beseelt wa eines Heir betrug all passen) ei Im Kon Karriere möglich w pflanzen Tag gebü weigerung Nach e sammenb der Gewi tüten); h mehrere trisch bele senen Da u 106 rechen wollte, nken von dem enden Bildern zulenken. Das mußte gemei on aus diesem sätze lauteten: en!"- ,, Den - ,, Niemals an Kameradsehalt freu dich über hönen Sprüche chtigste Ablen eit, der er kör Häftlinge des Zustand war für hatte, obwohl nie an Arbeit nskraft und der Lebensnerv be die Arbeit im gebrochen war für die meisten den gähnenden sitete sich wirk der heute auch en sollte: Arbei arlyle). urch drei Jahre - oder Pfeffer trieb, in dem ers Vogt( des Mühlenmeisters llter war, aus Paprika und gemahlenen Drogen große Mengen von Ersatzgewürzen hergestellt wurden. Die etwa 60 Mann starke Häftlingsbelegschaft der kleinen Fabrik konnte sich über Hauptsturmführer Vogt nicht beklagen. Er war vielleicht von allen SS- Offizieren des Lagers der gerechteste und humanste und kam wegen dieser Einstellung manchesmal mit dem Lagerkommando in Konflikt. Der gute Geist des ganzen Betriebes aber war Vater Filippitsch, ein gläubiger Protestant, der pflichtbewußt in Dachau seinen Gottesdienst besuchte, der edelste Zivilist, den wir kennenlernten, ein großer Wohltäter vieler ihm untergebener Kazetler, selbst erfüllt von tiefster Abneigung gegen die NSDAP. öfters sagte er zu mir: ,, Hätte ich vorausgeahnt, welche Verbrechen hier in Dachau geschehen, niemals hätte ich die mir angetragene Stellung eines Mühlenmeisters in der Gewürzmühle angenommen. Und ich freue mich auf den Tag, wo ich nichts mehr von dem verruchten Lager sehen und hören werde." - Wenn die SS gewußt hätte, von welchem Abscheu fast die ganze Zivilangestelltenschaft des Betriebes gegen sie beseelt war, es hätte ihr gegraut. Das brutale Blutregime eines Heinrich Himmler war nötig, um dem größten Volksbetrug aller Zeiten( um mich der Emphase Hitlers anzupassen) eine so lange Lebensdauer zu sichern. Im Kommando„ Plantage" durchlief ich die ganze ,, Karriere", die einem Schutzhäftling im günstigsten Fall möglich war: Arbeit im Freiland, beginnend mit dem Anpflanzen von Brennesseln auf langen Äckern, den ganzen Tag gebückt, weil Stehen als Faulheit und Arbeitsverweigerung streng geahndet wurde.- Nach einem dazwischenkommenden körperlichen Zusammenbruch Aufnahme zu leichterer Beschäftigung in der Gewürzmühle( Einfüllen und Zählen von Gewürztüten); hernach, als ich wieder etwas frischer war, mehrere Monate sehr anstrengende Arbeit in einer elektrisch beleuchteten, fensterlosen, mit Eisentüren verschlos senen Darre( Heißluftanlage zum Trocknen der zur Ver107 Ir e la S Ta H SI tu USA n C Z a tr V K d meisten der Filippitsch höchste ,, Wi liche Kanzle raden nunn sonders Pep sich täglich seltene Priv mußte er fü mahlung bestimmten Kräuter). Hier hatte es eine Durchschnittstemperatur von 60 Grad Celsius. Der alte tschechische Förster Kacorek, mein lieber Freund Pfarrer Wolf von Stotzing im Burgenland und ich schwitzten hier gemeinsam. Es wundert mich heute, daß wir durchhielten. Kacorek schöpfte aus irgendwelchen Quellen verschiedene Parolen und erquickte während der Arbeit unser in körperlicher und geistiger Dürre verschmachtendes Dasein: ,, Da ise nemlich ganz sicheres Nachricht, Attentat auf den Hitler, diese schebige Haderlump. Ise angeblich kaput. In Hamburg is deutsche Marine nach England desertiert. Kann jede Tag das Kriegsende ausbrechen."-- Und so hofften und schwitzten wir in treuer Kameradschaft von einem Tag zum andern und freuten uns auf den Winter, in dem die Räume der Darre nach Aufarbeitung der ganzen Kräuterernte geschlossen wurden. Freund Peperl( Jesuitenpater Josef Heinzel) besuchte uns drei ,, Jünglinge im Feuerofen" manchmal, einerseits, um uns in seiner urwüchsigen Weise zu ärgern( er nannte dies trösten), andererseits und hauptsächlich aber, um in der Abgeschiedenheit unserer Darre entweder zu schnupfen oder eine heimliche Zigarette zu rauchen. Er verließ uns aber immer wieder rasch, weil er fürchtete ,,, daß die Teufelshitze seiner zarten Konstitution schaden könne". Herr Ango Arbeitskam konsul Gra nant Kokosc Goemann, Altmünster, geistliche M wohin uns bleibt mir Franziskane glaubliches SS ließ sich in der Trockenanlage kaum einmal blikken. Wir sahen alle Besucher vor Hitze schaudern, wenn sie nur in die Nähe unserer Räume gerieten. Einmal aber ging Hauptsturmführer Vogt durch und sah uns drei in Schweiß gebadet an der Arbeit. Da fragte er uns teilnehiend, ob wir eine Erfrischung möchten, was wir einstimmig bejahten. An diesem Tage aßen wir in der Einsamkeit unseres Fegefeuers jeder ein Stück Leberkäse ohne Brot und tranken aus einer Flasche Limonade. Dabei fühlten wir uns glücklicher als Heinrich Himmler. Betrieb mit Er hatte siert", den in Betrieb zu werden, und für an 1943,, avancierte" ich zum Adressenschreiber der Versandabteilung der Gewürzmühle, was ich wohl am Da gab e garineauge: Mühlenmeis Gegend ein fragte mich Heinzel ein Dieser k Wir saßen versteckt Peperl zien aber dann U 108 es eine DurchDer alte tschereund Pfarrer ich schwitzten daß wir durchelchen Quellen end der Arbeit verschmachteneres Nachricht, Haderlump. Ise e Marine nach Kriegsende ausawitzten wir in m andern und ume der Darre ante geschlossen ef Heinzel) been" manchmal, gen Weise zu eits und haupt unserer Darre The Zigarette zu der rasch, weil arten Konstitum einmal blik chaudern, wenn en. Einmal aber ah uns drei in er uns teilnehwas wir einstim in der EinsamLeberkäse ohne monade. Dabei Timmler. reiber der Ver ich wohl am meisten der wohlwollenden Güte des Mühlenmeisters Filippitsch zu verdanken hatte; 1944 aber erreichte ich die höchste ,, Würde" im Betrieb, ich wurde hauptverantwortliche Kanzleikraft des Versandbüros, von meinen Kameraden nunmehr ironisch ,, Herr Buchhalter" betitelt. Besonders Peperl katzenbuckelte vor mir herum und empfahl sich täglich ,, meinem Wohlwollen". Als ich gar das ganz seltene Privileg erhielt, lange Haare tragen zu dürfen, mußte er für mich keinen schöneren Ehrentitel mehr als ,, Herr Angorahäftling!" Gerne denke ich an alle meine Arbeitskameraden von der Pfeffermühle zurück: Generalkonsul Grabinski, Apotheker Gorceniewsky, Oberstleutnant Kokoschka, Staatsanwalt Malinowski, Fliegerleutnant Goemann, Gutsbesitzer Kaminski, Amtsrat Scheuba von Altmünster, Dechant Auer von Schwanenstadt und andere geistliche Mitbrüder, die hier im Pfefferlande" saßen, wohin uns die NSDAP. verbannt hatte. Unvergeßlich bleibt mir mein Freund Paul, ein junger polnischer Franziskanerpater, der in verschiedenen Lagern Unglaubliches erduldet hatte und schließlich in unserem Betrieb mit mir eine Geheimküche gründete. Er hatte irgendwo einen elektrischen Ofen ,, organisiert", den er an einem wohlgetarnten Winkel der Fabrik in Betrieb setzte, stets in Angst, von der SS ,, ausgehoben" zu werden, und doch immer mutig genug, für uns beide und für andere selbst bei ,, sehr dicker Luft" zu kochen. Da gab es Brotrindensuppe, Gemüsesuppe mit Margarineaugen, an Feiertagen Kartoffelmus, falls uns Herr Mühlenmeister wieder einmal bei einem Bauern der Gegend ein Säckchen Erdäpfel gehamstert hatte. Dann fragte mich Paul gerne: ,, Meinst du, sollen wir auch den Heinzel einladen?" - Dieser kam dann verstohlen mit einem alten Löffel. Wir saßen in einem dunklen Winkel hinter einer Stiege versteckt und hielten hier unser verbotenes Gelage. Peperl zierte sich jedesmal, wenn wir ihn einluden, aẞ aber dann wacker und entfernte sich meist mit einer 109 L Ir el la S la H Si tu ES n ( Z Te a tr V K d möglichst linkischen Verneigung:„ Danke sehr, Herr Buchhalter!" Drei Jahre war ich in der Gewürzmühle; es arbeiteten hier Häftlinge verschiedener Nationen zusammen. Eine Reihe von ihnen starb in dieser Zeit, aber ich kann mich nicht erinnern, daß jemals einer die Gesetze der Kameradschaft gebrochen hätte. Düster steht diese Fabrik in meiner Erinnerung und doch umrankt von einer eigenen, wehmütigen Poesie. Sie liegt in dem einen Worte: Kamerad. Zum Abschluß dieses Kapitels noch eine kleine launige und doch tragische Episode: In der Nähe unseres Arbeitsplatzes auf der Plantage ragten einige neue, mehrstöckige Wohnhäuser für SSFamilien. die letzte Ha Dabei fixiert Da zuckte Kleinen ents flankierten u gefallen die lange Zunge Wachmannsc ihre Zunge n Moritz, der e Von dort zogen an Schultagen die Kinder auf demselben Wege nach Dachau, auf dem wir unserer Arbeitsstätte zustrebten. Sie kümmerten sich gewöhnlich nicht um die Kolonne der 1400 Kazetler, die in Fünferreihen mit ihren Holzschuhen auf der Granitstraße dröhnend einhermarschierten. Nur das Söhnchen des im Lager berüchtigten SS- Hauptscharführers Tr... bildete hier eine Ausnahme. Darum bleibt es uns auch unvergeßlich. Es war ein kleines, dickes Kerlchen mit einem echten Maxund- Moritz- Gesicht, struppigem Haar, verschlagenen Äuglein, etwa sieben oder acht Jahre alt. Über seine Schulerfolge sind wir nicht informiert, auch nicht über seinen Taufnamen, falls es einen solchen besaẞ; wir können aber alle bezeugen, daß es frech war wie eine Wanze. - zu sein, D den!- Die Dritte Reich verbrecher heute die Zu Im Jahre monaten, er anfangs einf als wir einis bis vierzehn Nummer auf Die meist gesichtehen Wenn der Bub uns auf seinem Schulwege entgegenschlenderte, blieb er gerne am Straßenrande stehen und ließ die ganze lange Kolonne an sich vorbeidefilieren. Die Hände hatte er dabei in den Hosentaschen, die Zunge streckte er aber so weit heraus, als irgendwie möglich war. Ein bezauberndes Idyll des Dritten Reiches. In dieser schönen Haltung hielt er heldenhaft so lange aus, bis Augen sah Trauer, So Kommando risch zum n tionslagers. Was hatte Sie hatten nicht, deuts treut zu wer 110 e sehr, Herr e; es arbeiteten sammen. Eine aber ich kann e Gesetze der ht diese Fabrik nkt von einer in dem einen ine kleine lauf der Plantage häuser für SSdie letzte Häftlingsreihe an ihm vorübermarschiert war. Dabei fixierte er uns herausfordernd. Da zuckte es in 1400 Männerfäusten, um den Salut des Kleinen entsprechend zu erwidern, doch rechts und links flankierten uns SS- Wachtposten, die mit lächelndem Wohlgefallen die Gesinnungsfrühreife des Bübleins und seine lange Zunge betrachteten. Selbst die Wolfshunde der Wachmannschaft fühlten sich offensichtlich beschämt, daß ihre Zunge nicht so leistungsfähig sei wie die des kleinen Moritz, der es fürwahr verdiente, seines Papas Liebling zu sein. Deutsche Jugend, so solltest du erzogen werden! Die Mutter des Knaben ist gestorben, ehe das Dritte Reich zerfiel. Der Vater wurde 1945 als Kriegsverbrecher hingerichtet. Wem wird der Kleine wohl heute die Zunge herausstrecken? - - er auf demsel nserer Arbeitswöhnlich nicht n Fünferreihen traße dröhnend sim Lager beildete hier eine nvergeßlich. Es em echten Maxverschlagenen informiert, auch nen solchen beB es frech war wege entgegen nde stehen und vorbeidefilieren. ehen, die Zunge endwie möglich Reiches. In dieso lange aus, bis Kinder als Kazetler Im Jahre 1944, ich glaube, es war in den Sommermonaten, erlebten wir etwas so Unglaubliches, daß wir anfangs einfach starr waren. Wir meinten zu träumen, als wir einige hundert Knaben im Alter von etwa acht bis vierzehn Jahren in Häftlingskleidern, Winkel und Nummer aufgenäht, durch das Lager marschieren sahen. Die meist noch lieben und unverdorbenen Kindergesichtchen waren bleich und unterernährt, aus den Augen sah den meisten eine stille, ergebungsvolle Trauer. So zogen die neuen ,, Kameraden" unter dem Kommando eines Blockältesten in Fünferreihen militärisch zum neueingerichteten Kinderblock des Konzentrationslagers. Was hatten sie verbrochen? Sie hatten im Dritten Reich ihre Eltern verloren, waren nicht ,, deutschblütig", darum unwürdig, von der NSV. betreut zu werden. Deswegen überließ man sie dem Henker 111 L Ir e la S la H SI tu S n C Z Te a ti V K ( d. i. der SS), der weder vor einem moralischen noch einem physischen Kindermord zurückscheute. Bestürzt, sprachlos, von tiefem Mitleid erschüttert, sahen wir zum erstenmal dieses Schauspiel, und einer sagte zu mir: ,, Das, ja, das sollte man in der Wochenschau der deutschen Kinos bringen! Kleine Kinder wirft man ins Kazet!-- Und so will das Hitlerreich Kulturbringer für Europa werden?" Sehr furchtsam sahen uns Erwachsene tiefe Kinderaugen an, von denen manche feucht schimmerten. Vater und Mutter tot, tot auch Menschlichkeit und Edelsinn des deutschen ,, Herrenvolkes". Knabenlippen preßten sich trotzig aufeinander: Nicht weinen, nur nicht weinen vor diesen tausend Männern, die uns so düster anstarren! - denn alles, ten, war Gif Man beoba Kazetler um Lagerleitung trachtete, ma Ja, ihr lieben Kinder, das habt ihr alle nicht begriffen, warum wir so bitterernste Mienen machten. Weil wir selber hätten weinen mögen, daß wir das erleben mußten: Kinder als Kazetler. len Skandal Und nach M dieser Klein delten, rauc Päderasten Augen war Lagerstraße: Verlogenhei Einmal sa schnittlich z tor hinausm werden alle glücklicher Allmählich gewöhnten wir uns auch an diesen Anblick, ja, wir versuchten, mit unseren schwachen Kräften diesen Kindern zu helfen. Wie oft stahlen sich hungrige Knaben mit flehentlich gefalteten Händchen auf die Blocks der Geistlichen, um von ihnen Brot zu erhalten! Die meisten von ihnen konnten nicht deutsch sprechen, doch ihre dankbar leuchtenden Augen sagten uns genug, wenn wir ihnen einen Anteil aus unseren Lebensmittelpaketen schenkten. Heimatlos, elternlos, schuldlos, sehnten sie sich nach einer freundlichen Miene und einer hilfreichen Hand. Seelsorgliche Betreuung war auch für sie seitens der SS strengstens untersagt... So sollten sie auch gottlos werden. Was war ihr Schicksal im Lager? trag des Re rers SS He ließ. Als die ihm auch - von der Ku Eines Tag etwa 14 Jab ausgehunge Trauer zeig Hauptursac schloß, ihm Soweit es sich nicht um Judenkinder handelte( diese wurden weggebracht, man sagte, daß sie vergast worden seien), hatten sie keine Mißhandlungen, dafür aber um so mehr Hunger und leider auch Mißbrauch durch Verführungen zu leiden. Sie wurden im Lager nicht besser, 112 Am nächs übrigt hatte bei erster Überrasc ich ihn am Du kannst 8 Arthofe oralischen noch eute. eid erschüttert, ;piel, und einer| in der Wochen ne Kinder wir f 1 Kultur© jlerreie RETTET denn alles, was sie hier Tag für Tag mitansehen muß- ten, war Gift für ihre zarten Kinderseelen. Man beobachtete, wie einerseits sich mancher edlere Kazetler um sie bemühte und ihnen mit Bewilligung der Lagerleitung nützlichen Schulunterricht zu vermitteln trachtete, man hörte aber auch von manchem homosexuel- len Skandal, in dem solche Kinder die Opfer waren. Und nach Monaten sah ich mit tiefer Trauer, wie einige dieser Kleinen sich in verkommene Lausbuben verwan- delten, rauchten, stahlen, sich sogar um ein Stück Brot Päderasten zur Verfügung stellten. Das Leuchten ihrer Augen war erloschen; hohlwangig lungerten sie auf den Lagerstraßen herum und nahmen täglich an Frechheit und Verlogenheit zu. Einmal sah ich eine Schar von etwa hundert durch- schnittlich zehn Jahre alten Knaben zum großen Lager- tor hinausmarschieren. Ein Blockältester sagte mir:„Die werden alle vergast!“ Vielleicht waren diese Judenkinder glücklicher als jene, die man hier im Lager über Auf- trag des Reichssicherheitshauptamtes und des Reichsfüh- rers SS Heinrich Himmler verkommen und verderben ließ. Als die Amerikaner das Lager betraten, fanden sie in ihm auch— Kinder als Häftlinge vor. Was mögen sie da von der Kultur des Dritten Reiches gedacht haben?—— Eines Tages fiel mir in meinem Arbeitskommando ein etwa 14 Jahre alter polnischer Student auf, der in seinem ausgehungerten, bleichen Gesicht den Ausdruck tiefer Trauer zeigte. Ich vermutete, daß die bittere Not die Hauptursache seiner Niedergeschlagenheit sei, und be- schloß, ihm eine Freude zu machen. Am nächsten Tag nahm ich ein Stück Brot, das ich er- übrigt hatte, auf den Arbeitsplatz mit und suchte dann bei erster Gelegenheit den Jungen auf. Überrascht und kühl zugleich blickte er mich an, als ich ihn am Arm berührte und zu ihm sagte:„Da nimm! Du kannst dieses Brot gewiß gut brauchen!* 8 Arthofer, Konzentrationslager. L == e H t S n Z k C Ich wollte ihm meine gutgemeinte Gabe reichen, aber er zuckte mit seiner Hand heftig zurück und rief beinahe leidenschaftlich: ,, Nein, danke, ich brauche nichts!" Das ging mir über den Horizont. So ein merkwürdiger Kauz! Stand ihm der Hunger ins wachsbleiche Gesicht geschrieben, und dieses Benehmen! Der Student hatte sich von mir rasch abgewandt und verließ fast fluchtartig den Platz. Die Sache begann mich zu interessieren. - Dieser Junge, W und Kindeskin meine guten El So fragte ich einen polnischen Geistlichen, ob er nicht die Ursache dieses merkwürdigen Verhaltens ergründen könne. Von dem erfuhr ich am nächsten Morgen eine erschütternde Aufklärung. Der Student stammte aus einer angesehenen polnischen Familie, die von der Gestapo völlig zerrissen worden war. Der von dem Knaben heißgeliebte Vater war in einem Kazet ermordet worden; sein Mütterlein lebte angeblich noch im Frauenkazet Ravensbrück oder war vielleicht auch schon tot. - Blend des Konz An Sonntage hatte der Groß tationslagers triebe in besch allermeisten H den, einen Rul antreten, im i innerhalb des vürdiger- oder solchen Tagen den Arbeitstage irgendwie von und Freiheit n Da hatte das Kinderherz ein namenloser Haß gegen alles Deutsche erfaßt. ,, Lieber verhungern," meinte er zu dem polnischen Geistlichen, ,, als von einem Deutschen ein Stück Brot annehmen!" Zu unfaßbar, zu furchtbar war das Leid, das nun den Sinn des um sein Liebstes gekommenen Studenten versteinerte. Als ihm mein Kollege erklärte, daß ich ja auch ein Priester sei, erschrak er sehr und sagte, das hätte er nicht gewußt. Die Priester und die Kirche hätten den Polen kein Leid getan; von einem Priester wolle er dankbar jede Hilfe annehmen, er wolle sich bei mir entschuldigen. Das tat er auch. - Die edelste Tar dann wohl den, unter ihne lanzler Dr. Le len Hintergru lernte in Dach munisten kenr lereiter Kame präche, die uz Etwas scheu trat er auf mich zu und stammelte, ich möge ihm sein Verhalten verzeihen. Als ich ihm aber herzlich die Hand schüttelte und ihm dann das Brot übergab, standen Tränen in seinen noch klaren Kinderaugen. Ich bin überzeugt, daß sich polnische Geistliche bemüht haben, dem Haß in dieser Seele entgegenzuarbeiten und durch das Gedankengut des Christentums zu besiegen. Aber eines konnten sie gewiß nicht verhindern: 114 mit dem gemer ames Los. Es ist unehr nd dort einer liebe politisch angen im La uch einige reichen, aber d rief beinahe e nichts!" Das würdiger Kauz! esicht geschriehatte sich von Huchtartig den eren. en, ob er nicht ens ergründen Morgen eine stammte aus e von der Gen dem Knaben ermordet worDieser Junge, wenn er noch lebt, wird es einst Kindern und Kindeskindern erzählen: Deutsche waren es, die meine guten Eltern mordeten und mich als Kind in das Elend des Konzentrationslagers geworfen haben. Freizeit in Dachau An Sonntagen und staatlich anerkannten Feiertagen hatte der Großteil der SS- Wachmannschaft des Konzentrationslagers dienstfrei und arbeiteten nur einige Betriebe in beschränktem Ausmaß. Dann hatten auch die allermeisten Häftlinge, die in Arbeitskommanden standen, einen Ruhetag. Sie mußten nur zu den Zählappellen antreten, im übrigen konnten sie sich dann meistens m Frauenkazet innerhalb des Lagers mit sich selbst beschäftigen. Merkschon tot. ser Haß gegen " meinte er zu nem Deutschen , zu furchtbar ein Liebstes gech ja auch ein das hätte er the hätten den , wolle er dankei mir entschulwürdiger- oder vielmehr begreiflicherweise kam uns an solchen Tagen unser Elend mehr zum Bewußtsein als an den Arbeitstagen, und jeder Vernünftige suchte sich dann irgendwie von den Sehnsuchtsgedanken an Heimat, Beruf und Freiheit nach Möglichkeit abzulenken. Die edelste und beliebteste Form der Freizeitgestaltung war dann wohl die Aussprache mit einigen guten Freunden, unter ihnen war für mich auch unser heutiger Bundeskanzler Dr. Leopold Figl. Politische Gegensätze traten in den Hintergrund, besonders bei uns Österreichern. Ich lernte in Dachau manchen Sozialdemokraten und Kommunisten kennen, mit dem mich Bande ehrlicher, hilfsbereiter Kameradschaft verknüpften. Wir vermieden Gespräche, die uns gegenseitig verletzt hätten, und trugen mit dem gemeinsamen Häftlingskleid auch unser gemein8ames Los. stammelte, ich sich ihm aber das Brot überen Kinderaugen. Geistliche betgegenzuarbei stentums zu beeht verhindern: Es ist unehrliche und unschöne Propaganda, wenn da und dort einer bei Schilderung des Kazetlebens Seitenhiebe politischer Art versucht. Es gab bei allen Richtungen im Lager erstklassige Kameraden und bei allen auch einige ekelhafte Lumpen. Ich betone einige! 115 Und wer auch in der tiefen Not des Lagers den Klassen- und Bruderhaß nieht begraben konnte, war ein solcher. In Dachau existierte eine ziemlich umfangreiche Häft- lingsbücherei, die jedem mit Ausnahme der Kranken und der Straikompanie zugänglich war. Alle Bücher, die aus der Heimat geschickt wurden, gingen automatisch in das Eigentum dieser Bücherei über. Leihgebühr war keine zu entrichten. Hier konnte der edelste und auch der ver- dorbenste Geschmack etwas Passendes finden, denn es lagen Bücherkataloge auf, aus denen man auswählen konnte. In den letzten Jahren wurde sogar eine Abtei- lung für religiöse Bücher geduldet.—— Die Lagerblechmusikkapelle habe ich schon früher er wähnt. Sie spielte hauptsächlich bei Besuchen, bei Exe&- kutionen, in den letzten Jahren unter Lagerführer Red- witz auch mehrere Monate beim Abendappell und an arbeitsfreien Tagen.—— i Neben der Blechmusik hatte sich ein vorzügliches Streichorchester von fast künstlerischer Höhe entwickelt, an dem auch einige Geistliche von meinem Block begei- stert mitwirkten, sehr viele aber als Zuhörer an den Ver- anstaltungen regelmäßig teilnahmen. j Der alte Spruch„Inter arma silent musae“:„Im Kriege schweigen die Künste“, war also auch im Konzentrations- lager nicht ganz berechtigt. Ob es in Dachau geborene Volks- oder Lagerlieder gab? Bekannt ist mir das erschütternde Esterwegenlied, da aber nur selten zu hören- war, weil die SS solche Er Auf zum F\ Drum, Kan Bald wird ı Dann lebet Auf zum A Den Rauch Seht ihr ih Daß dann e (Anm, Unter ‘then, der q Kınnfgah, Kan Matorium.) 1 Wurde; güsse der Kazetlerseele verboten hatte. Ein einziges Lied Jen habe ich mir notiert, das ein Dachauerhäftling zur Mel die des Horst-Wessel-Liedes dichtete: Auf zum Appell! Auf zum Appell! In Dachau will man zählen, Wie groß das Heer der Ausgestoßnen sei, Und die SS wird uns dann wieder quälen, Doch morgen bin ich wohl nicht mehr dabei. 1 ers den Klassen war ein solcher. fangreiche Häf der Kranken und Bücher, die aus tomatisch in das ebühr war keine nd auch der ver finden, denn e man auswähle Hogar eine Abte schon früher er Auf zum Appell! Die letzten Kräfte schwinden, Drum, Kameraden, reicht mir eure Hand! Bald wird der Schretber euch mein Scheiden künden, Dann lebet wohl, grüßt mir das Heimatland! Auf zum Appell! Seht ihr aus dem Kamine Den Rauch empor zum Abendhimmel ziehn? Seht ihr ihn morgen, denkt in eurem Sinne, Daß dann auch ich in ew'ger Freiheit bin! ( Anm. Unter Schreiber ist der Blockschreiber zu verstehen, der die Todesnachrichten in der Baracke bekanntgab. Kamin ist der Lagerausdruck für das Kresuchen, bei Exe matorium.) Lagerführer Red a 1943 wurde unter Redwitz ein Teil des Appellplatzes adappell und für sonntägliche Fußballspiele zur Verfügung gestellt, eine kleine Kinobaracke gebaut, in der veraltete Stücke ein vorzügliche liefen, und manchmal auch ein Theater aufgeführt, das Höhe entwickelt nem Block begei hörer an den Ver usae": ,, Im Krieg m Konzentrations mit primitiven Behelfen improvisiert wurde. Das waren unerhörte Neuerungen, die im Ausland einen Teil der Schändlichkeiten, die weiterhin in allen Kazeten geschahen, maskieren sollten Es starben viele Tausende den Hungertod, aber eine Gruppe der bessersituierten Häftlinge spielte Fußball, während man daneben die Toten in die Leichenkammer Lagerlieder gabschleppte. terwegenlied, da Mit dem 1944 errichteten Lagerbordell, in das weiblie 88 solche Erliche Schutzhäftlinge gezwungen wurden, machte die SS Ein einziges Lie eine ekelerregende Propaganda und zeigte sich wiederhäftling zur Mele man zählen, men sei, quilen, mehr dabei. holt sehr empört, daß weitaus die meisten Kazetler mit Abscheu auf diese ,, Kultureinrichtung" verzichteten. Sie nannte diese Ablehnung Sabotage. Tatsächlich nahm ich wahr, daß jeder Bordellbesucher bei allen anständigen Mithäftlingen erledigt und verfemt war. Das Rauchen war im Lager grundsätzlich gestattet, jedoch nur in der Freizeit und im Freien. Rauchen am Arbeitsplatz, innerhalb der Baracken oder auch nur im Vor117 raum des Blocks wurde strenge bestraft— wenn man erwischt wurde. Im Kazet verkaufte die SS die schlechtesten Tabak- sorten und Zigaretten, auch russische Machorka um teuren Preis. In der Zeit des ärgsten Hungers bildeten sich alle Raucher ein, den rebellierenden Magen betäu- ben zu können. Da standen sie hohläugig, frierend und schlotternd auf der Lagerstraße beisammen und rauchten das Kraut, das die SS aus allen„befreiten“ Ländern Europas gehamstert hatte, um damit Geschäfte zu machen, Nach Neujahr 1945 gab es in der Lagerkantine fast keine Rauchwaren mehr. In meinem Arbeitskommando hatte ich Kameraden, die deutschen Tee rauchten und ihn als vorzüglichen Tabak erklärten. Haftpsychose Als Strafanstaltsseelsorger konnte ich in früheren Jahren oft wahrnehmen, daß Leute, die lange ihrer Frei heit beraubt sind, sich mitunter auffallend verändern, fixe| Ideen und seelische Störungen zeigen. Ähnliches habe ieh an mir selber und an anderen beobachtet. So werde ich zum Beispiel niemals den Weihnachtsfesttag 1943 verges- sen, der mich gänzlich aus dem seelischen Gleichgewicht warf. Es war mir, als ob mich eine Bergeslast von Sehn- sucht und Trostlosigkeit einfach erdrücken wollte. Ich wohnte dem Gottesdienste bei, ging zur Kommunion, betete;— an diesem Tage war aber alles um mich dunkle Nacht. Das Gefühl einer namenlosen Vereinsamung ud Fremde zwang mich aus dem Block auf die Lagerstraße hinaus. Dort irrte ich den ganzen Tag, es war sehr kalt allein unter der Masse der dort verkehrenden Kazetlet a umher und dachte an die liebe, ferne Heimat. Und dabei wollte ich mir doch nichts anmerken las sen, versuchte eine gleichgültige Miene und füllte immer wieder meine kurze Pfeife, die mir Mutter Bauer al Wien gesc Tante und der Heimat vor seelise sterben mö allein— f aber ich r kameraden Yus!* zu, In viele, fuß der; ein grenz. segen die die SEM Ein Beis mit einen Kazet lebt liken, Kin kommen: fügt wird, ein, daß si und Iragt Gebot der »Peinge Christ, N "erzeihen Schonen f fi— wenn mi eehtesten Tabak\ e Machorka 1 Hungers bildel! en Magen befän gig, frierend ul nen und rauchlel den” UEESENTT ‚freiten“ Län ‚hätte zU mache!” kantine fast keit! skommando hal chten und ihn all Wien geschickt, mit dem Tabak, den ich von meiner Tante und Wirtschafterin Rosa als Weihnachtsgruß aus der Heimat erhalten hatte. An diesem Tage aber hätte ich vor seelischer Fassungslosigkeit und Trauer am liebsten sterben mögen. Zehntausend Menschen ringsum und doch allein— ganz allein, gottverlassen. So war es einfach, aber ich rauchte meine Pfeife und rief einem Arbeits- kameraden, der mir begegnete, ein froh betontes„Ser- vus!“ zu. Maske, alles Maske! In vielen Mitgefangenen begann sich unter dem Ein- fluß der ständigen körperlichen und seelischen Leiden ein grenzenloser Haß gegen die NSDAP. und besonders gegen die Prätorianer ihres vergötterten Cäsars, gegen die SS, zu entwickeln, ein Haß, der ans Irrsinnige grenzte. Ein Beispiel: Manchmal ging ich an arbeitsfreien Tagen mit einem bayrischen Arzt spazieren, der seit 1933 im Kazet lebte. Weltanschaulich rechnete er unter die Katho- liken. Einmal sagte er zu mir:„Ich hoffe, daß die Zeit kommen werde, wo jeder Angehörige der SS restlos ver- tilgt wird. Keiner darf verschont bleiben.“ Ich wendete ein, daß sie doch nicht alle ganz gleich zu beurteilen seien, und fragte ihn, wie er sich denn zu dem christlichen Gebot der Feindesliebe stelle. „Feindesliebe?“ meinte er,„stimmt! Sie ist ein Gebot Christi. Aber dieses Gebot verpflichtet uns, Menschen zu verzeihen, die uns beleidigten, nicht aber, Bestien zu schonen, die ihre Menschenwürde längst verloren haben.“ Und dabei merkte ich in seinen sonst gütigen Augen eine fieberhafte Glut, die mich veranlaßte, unser Ge- spräch in eine andere Bahn zu lenken.—— Es war für jeden edelgesinnten Kazetler ein Problem, im Laufe der vielen, fast hofinungslosen Jahre der Haft, eingepfercht in einen ständig ruhelosen Haufen sich reibender Mitmenschen, nicht irgendwie zu degenerieren, zu vermassen. Der herrschende Lagerton war rüde, wir sagten gerne, er sei„rauh, aber herzlich“—— und oft- mals hätten sich unsere Lieben zu Hause entsetzt, wenn 119 L Ir e la T H t S n ( t sie die klobigen Redewendungen vernommen hätten, die im Kazet selbst unter Universitätsprofessoren, Prälaten und Doktoren zu hören waren. Vielleicht wird mancher aus dem Kazet Heimgekehrte noch längere Zeit bei den Seinigen mit ungeschminkten Redewendungen ,, Staunen" erregen, bis es ihm gelungen ist, aus einem Dickhäuter wieder einen zartbesaiteten ,, Kulturmenschen" zu machen. In meinen Träumen sehe ich noch öfters überrobuste Naturen im Zebrakleid vor mir, höre ich Äußerungen, die ich hier niemals niederschreiben könnte, und erlebe noch einmal die ganze Würdelosigkeit und Gemeinheit des Lageralltags, dem die SS ihr Gepräge gegeben. Wenn ich dann erwache, mich auf eine freundlichere Gegenwart besinne, dann spreche ich aus tiefster Seele ein Deo gratias. lautete: ,, Mi wenn Sie s sugeben und große Heite Mein lieb terhin auf kehrte er in man ihn mi Gar mane Leuten ben Ein Pfaffe i lose Existe haben und Machen Sie öffnen Ihne ( Dies aller mich anbet gen, der ste Sirenengesänge Während wurden nur aber in sein seien entlas ein Gerich dann wiede macht aus Meinem Bruder gab man nach meiner Verhaftung seitens der Gestapo Linz den Bescheid, man werde mich nun vorerst ein Jahr einsperren, vielleicht werde aus mir noch einmal ein anständiger Mensch. Nach einem Jahr wurde ich von Berlin aus vor die Entscheidung gestellt, ob ich auf die weitere Ausübung meines Priesterberufes verzichten oder auch weiterhin im Kazet bleiben wolle. Ich wäre also in den Augen der Gestapo ein anständiger Mensch gewesen und entlassen worden, falls ich meine beschworene Priesterpflicht verleugnet hätte. Ich schrieb damals meinem Bruder, ich wolle lieber in Dachau durch den Kamin wandern, als entehrt und ehrlos in die Heimat zurückkehren. Da war mein weiteres Los besiegelt. Ähnliche Sirenenlockungen wurden auch bei den anderen Kameraden vom Block 26 in Anwendung gebracht, doch weiß ich keinen, der ihnen gefolgt wäre. Der allerplumpste Antrag, den ich selber gelesen habe, wurde einem oberösterreichischen Pfarrer gestellt. Er Gadebusch pert von In wieder ver Einmal furchtbar w schmuggels leichtern se seine Auge dem jüdisc du werden Woche soll Tor, sonde 120 n hätten, die ren, Prälaten Heimgekehrte geschminkten hm gelungen zartbesaiteten räumen sehe ebrakleid vor emals niederal die ganze ralltags, dem ann erwache, Desinne, dann as. Verhaftung werde mich werde aus mir einem Jahr dung gestellt, riesterberufes bleiben wolle. in anständiger lls ich meine e. Ich schrieb Dachau durch in die Heimat besiegelt. bei den anlung gebracht, e gelesen habe, gestellt, Er lautete:„ ,, Mit Ihrer Entlassung kann gerechnet werden, wenn Sie sich verpflichten, Ihren Beruf gänzlich aufzugeben und zu heiraten." große Heiterkeit. - Damals gab es im Block Mein lieber Freund hat nicht geheiratet, sondern weiterhin auf Gott vertraut. Von den Amerikanern befreit, kehrte er in die Heimat und auf seine Pfarre zurück, wo man ihn mit Jubel aufgenommen hat. - - Gar manchesmal wurden jüngere Geistliche von SSLeuten bemitleidet: ,, Schade um Ihr verfehltes Leben! Ein Pfaffe ist doch für das deutsche Volk eine ganz wertlose Existenz. Sie scheinen noch einen guten Kern zu haben und wären so ein richtiger Kerl in unseren Reihen. Machen Sie doch Schluß mit der Romkirche und wir öffnen Ihnen den Weg zu Freiheit, Ehre und Glück." ( ,, Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest!" Ein altes Lied, zuerst von dem gesungen, der stets mit Trug um Seelen hat gerungen.---) Während der vier Jahre, die ich in Dachau zubrachte, wurden nur ganz wenige Geistliche entlassen, kaum einer aber in seine Heimat. Manche, von denen wir meinten, sie seien entlassen worden, kamen in Wirklichkeit vor irgendein Gericht, mußten eine Kerkerstrafe verbüßen, um dann wieder bei uns zu landen. Dr. theol. Franz Ohnmacht aus Linz wurde zum Beispiel entlassen und nach Gadebusch in Mecklenburg verbannt; General vikar Lampert von Innsbruck wurde entlassen und verbannt, dann wieder verhaftet und schließlich hingerichtet. Einmal war ich Zeuge, wie ein SS- Mann einen Juden furchtbar mißhandelte, weil er einen Brief aus dem Lager schmuggeln wollte, der ihm den Weg in die Freiheit erleichtern sollte. Ich sehe den tobenden Burschen vor mir, seine Augen glühten in abgrundtiefem Haß, während er dem jüdischen Kazetler zubrüllte: ,, Hund, entlassen willst du werden? Ja, wir werden dich entlassen, in einer Woche sollst du frei sein, aber nicht im Weg durch das Tor, sondern als Rauch durch den Kamin!" Und dabei 121 L Ir e la S versetzte er dem Armen noch ein paar Ohrfeigen, daß er taumelte. Ja, es gab für ungezählte Tausende, nein, Millionen von Kazetlern einen Weg in die Freiheit, und viele gingen ihn mit dem einen erlösenden Gedanken, daß nun für sie das verruchte Gewaltregime des Hitlerreiches zu Ende sei. Auch ich hatte Zeiten, wo ich dem neben dem Lager ragenden Schlot des Krematoriums wie einem Befreier fast sehnsuchtsvolle Blicke zuwarf. Es gab ja doch nur ein Dilemma: Verräter werden oder sterben. Und da haben viele dem Tode als Freund zugelächelt.-- seinem So Glückwuns Loisi, ei Kazetler ex tenden Ki nie mehr in Dachau sprach dem feierlichen Tochter( wenn Sie testierte welcher G angestellte H ti S n ( t k Jubelfeier im Kazet Im Monat Mai 1944 kam einmal Herr Buchhalter Beer zu meinem Arbeitstisch und zündete sich eine Zigarette an. Im Laufe des Gespräches entschlüpfte mir ein Stoßseufzer: ,, Denken Sie, Herr Beer, im Juni bin ich gerade zwanzig Jahre Geistlicher. Diesen Gedenktag muß ich als Kazetler begehen." Eifrig fragte Herr Beer: ,, Was? Zwanzig Jahre Geistlicher! Das interessiert mich. Wann haben Sie Ihren Weihetag?" ,, Am 29. Juni." außerdien untersagt betreten z beargwöh ,, Sehr gut, diesen Tag werden wir feiern!" Ich war verblüfft: ,, Feiern, hier im Betrieb, der von SS- Posten und Wachhunden umstellt ist?- Kann ich mir gar nicht vorstellen." umgehen. die mich will Sie „ Na, da den. Nur diese Ges ,, Herr Arthofer, das überlassen Sie mir! Dieser Tag wird unbedingt gefeiert." Ich schüttelte ungläubig den Kopf und begann von anderen Dingen zu reden. Sie nehm Am 29. Juni vormittags kam Herr Beer wieder zu mir, diesmal in Begleitung seines zehnjährigen Söhnchens. Feierlich traten die beiden auf mich zu. Ich war momentan verblüfft, weil ich nicht an den Anlaß dachte. Nachdem mir der Vater in sehr herzlichen Worten zum zwanzigjährigen Priesterjubiläum gratuliert hatte, sagte er zu der Fabr diesem M ner Woh gesehen übrigen avisiert In diesen Sorten un niemand Da gal der einfa halters, d 122 hrfeigen, daß er nein, Millionen t, und viele ginken, daß nun für rreiches zu Ende eben dem Lager einem Befreier gab ja doch nur sterben. Und da ächelt. Buchhalter Beer ch eine Zigarette fte mir ein Stob ni bin ich gerade nktag muß ich als Herr Beer: ,, Was? siert mich. Wann ern!" Ich war ver on SS- Posten und mir gar nicht vor mir! Dieser Tag te ungläubig de zu reden. er wieder zu mir rigen Söhnehens Ich war momen alaß dachte. Nach Worten zum zwan hatte, sagte er seinem Sohne:„ Also, Loisi, jetzt komm du mit deinem Glückwunsch!" - Loisi, ein aufgeweckter, lieber Bub, machte vor dem Kazetler einen ordentlichen Knix und sagte mir mit leuchtenden Kinderaugen Worte, die ich schon lange Jahre nie mehr gehört hatte. Ich war tief ergriffen. So etwas in Dachau! Doch es kam noch besser.„ Herr Pfarrer", sprach der Buchhalter ,,, und nun lade ich Sie zu einem feierlichen Mittagessen in meine Wohnung ein. Meine Tochter( Herr Beer war Witwer) wäre sehr gekränkt, wenn Sie nicht kommen würden!" ,, Unmöglich", protestierte ich. ,, Aber, Herr Beer, so bedenken Sie doch, welcher Gefahr Sie sich da aussetzen! Es ist jedem Zivilangestellten der SS unter Strafe verboten, mit Häftlingen außerdienstliche Gespräche zu führen. Am allerschärfsten untersagt aber ist es, einen Häftling eine Privatwohnung betreten zu lassen. Sie werden von der SS ohnehin schon beargwöhnt, weil Sie mit uns Kazetlern zu freundlich umgehen. Ich danke Ihnen also für die liebe Einladung, die mich riesig freut, aber ich werde nicht kommen. Ich will Sie nicht auch noch ins Lager bringen." ,, Na, das wäre das Schönste, wenn Sie ablehnen würden. Nur keine Angst und kümmern Sie sich nicht um diese Gesellschaft! Ich habe alles ganz genau organisiert. Sie nehmen die Schlüssel zum Magazin im zweiten Stock der Fabrik! Dorthin haben Sie dienstlich Zutritt. Neben diesem Magazin mündet eine Dachbodenstiege aus meiner Wohnung. Auf dieser Treppe können Sie ganz ungesehen und heimlich in meine Wohnung gelangen. Im übrigen habe ich Vorsorge getroffen, daß Sie sofort avisiert werden, wenn Sie jemand von der SS benötigt. In diesem Falle kommen Sie mit einem Bündel Drucksorten unter dem Arm ruhig in die Fabrik hinunter, und niemand wird Sie fragen, wo Sie gewesen seien." Da gab ich nach. Eine halbe Stunde später saß ich in der einfachen, aber schmucken Wohnung des Herrn Buchhalters, der die Fenstervorhänge zugezogen hatte, weil ja 123 L 11 S t S ( draußen ein SS- Posten stand. Der Tisch war weiß gedeckt und mit Blumengewinden ringsum verziert. Auf ihm stand ein herrlicher Blütenstrauß. Nach einem Tischgebet trug die erwachsene Tochter ein Festmahl auf: Gebackenes Huhn, Kaffee, Torte, Wein, Zigarren. Ich saß dort wie ein Träumender. Fast hätte ich zwei Stunden lang vergessen, ein Kazetler zu sein. Der Rückweg ging glücklich vonstatten. Als ich aber das Büro betrat, wartete dort Herr Mühlenmeister Christian Filippitsch, mein oberster Zivilvorgesetzter, und sagte: ,, Ja, aber wo sind Sie denn so lange gesteckt? Meine Frau hat Sie heute anläẞlich Ihres zwanzigjährigen Priesterjubiläums zum Mittagessen erwartet, und nun ist alles kalt geworden." Ich war perplex vor so viel Güte, denn Herr Filippitsch ist, nebenbei bemerkt, Protestant. Dennoch hatte er für meinen Gedenktag herzliches Interesse. nichts von weniger d seien, Wen Auch er versicherte mir, er habe alle Vorkehrungen getroffen, daß ich, von der SS unbemerkt, in seine Privatwohnung gelangen könne; er werde übrigens, während ich bei seiner Familie sitze, hier in der Kanzlei selber Wache halten und mich sofort verständigen, wenn irgendeine Gefahr drohe.-- Nun gab es nochmals Kaffee und Kuchen, Bier und eine gute Zigarre. Aber ich konnte nicht mehr viel essen. Mutter Filippitsch saß bei mir und bediente mich, das leise eingestellte Radio besorgte eine freundliche Festmusik. von hier fo Wie wird eine Mörde nebenan w Einmal trat ich zum Fenster und beobachtete, wie einige SS- Leute gerade eine größere Schar ausgemergelter Gestalten vorüberführten und ich saß hier wie ein - - - - wirklicher, freier - Staatsbürger. sie sollen unseren W während ic stand ich viel Liebe die Tiefe die Fabrik Aber es wa ,, Ich bin eine alte Frau", sagte Mutter Filippitsch. ,.Glauben Sie mir, Herr Pfarrer, ich hänge nicht mehr am Leben. Was ich hier in Dachau mit eigenen Augen beobachtet habe, ist furchtbar. Ich fragte mich schon oft, sind denn diese SS- Leute überhaupt noch Menschen? Mein Mann ist getäuscht worden, als man ihm hier die Stelle eines Mühlenmeisters antrug, denn wir wußten In den Blutregime tung auf begann da NSDAP, un ten, ja in waren. Vi besser und Die SS Leben unt Hitlers, d samen Pa Seines Ve Wehrmach irgendwie heidnische Vor allem Mann war 124 weiß gedeckt iert. Auf ihm em Tischgebet mahl auf: Gearren. Ich saß zwei Stunden Rückweg ging betrat, wartete seh, mein oberer wo sind Sie ie heute anläßms zum Mittagrden."- Herr Filippitsch ch hatte er für Vorkehrungen , in seine Pririgens, während Kanzlei selber , wenn irgendmals Kaffee und ber ich konnte h saß bei mir Radio besorgte eobachtete, wie ar ausgemergel and ich saß hier -Staatsbürger. ter Filippitsch. age nicht mehr eigenen Augen mich schon oft och Menschen? an ihm hier die nn wir wußten - nichts von der Nähe des Konzentrationslagers und noch weniger davon, daß im Betrieb Häftlinge beschäftigt seien. Wenn wir könnten, möchten wir den ersten Tag von hier fort, aber mein Mann ist kriegsverpflichtet. Wie wird das alles einmal enden? Dieses Dachau ist eine Mördergrube, und wir können gar nicht helfen. Hier nebenan wohnt eine ganz verbissene SS- Familie. Aber sie sollen denken und treiben, was sie wollen, wir gehen unseren Weg weiter." So erzählte mir die alte Frau, während ich meine Jubiläumszigarre rauchte. Dann aber stand ich auf, dankte aus tiefstem Herzensgrund für so viel Liebe und Güte und stieg vom Himmel wieder in die Tiefe hinab. Auf einem Geheimweg gelangte ich in die Fabrik und war nun wieder Schutzhäftling Nr. 24642. Aber es war doch ein unvergeßliches Jubiläum gewesen. SS sucht Mitschuldige In den letzten Zeiten vor dem Zusammenbruch des Blutregimes Adolf Hitlers suchte die SS ihre Verantwortung auf eine möglichst erweiterte Basis zu legen und begann damit, Leute in die SS zu zwingen, die von der NSDAP. und der Garde des Führers nichts wissen wollten, ja in manchen Fällen erbitterte Gegner des Regimes waren. Vielleicht konnte das niemand anderer im Reich besser und drastischer beobachten als wir Kazetler. Die SS war die absolut zuverlässige, mit Leib und Leben unbedingt verschworene Prätorianertruppe Adolf Hitlers, der durch die Aufstellung dieser blindgehorsamen Parteigarde seine Angst vor der breiten Masse ,, seines Volkes" und sein Mißtrauen gegen die deutsche Wehrmacht beurkundete. Wer zur SS ging und dort irgendwie Karriere machen wollte, mußte sich die neuheidnische Weltanschauung Rosenbergs zu eigen machen, vor allem dem Christentum entsagen. Ein richtiger SSMann war also konfessionslos. 125 L H t S Die verlogene Phrase der Partei sprach amtlich von ,, Gottgläubigkeit". Die wahrheitsgemäße Bezeichnung hätte lauten müssen ,, Hitlergläubigkeit". In einem Buch über Adolf Hitler las ich einmal den Satz: ,, Der Nationalsozialismus ist der größenwahnsinnig gewordene preußische Militarismus." Und die„, vollendetste Frucht" dieses Nationalsozialismus war entschieden die SS. - Heimat, einige Kame Paßt's guat a habn, wann Männer, die ein Verhängn ,, Wir möch werdet in die " zu Ende sein Solche Äuß einmal einer, Im Jahre 1944 tauchten im Konzentrationslager Männer in SS- Uniform auf, die uns in Erstaunen versetzten, denn das waren ja Menschen! Fabrik allein denn eigentli Ein Österrei den Hals und bin a Weana das Tausendja Dann merkte noch einige Servas!" Ein anderes Seres Betrieb ungezwungen Lauten Worte Doch?" In den letz das Kazet w Blutigen Heir Prozentige Bi riskierte sein Wenn wir vorschriftsmäßig bei einer Begegnung mit ihnen die Mütze herunterrissen, um zu grüßen, grüßten sie freundlich zurück, ein unerhörtes Erlebnis. Ja, da sagte einer: ,, Lieber Freund, so laß doch deine Mütze auf, ich bin ja von der Wehrmacht!" Und sie erzählten uns, wenn niemand von der echten Garde in der Nähe war, wie sie nach jahrelangem Dienst bei der regulären Wehrmacht zwangsweise zur SS einberufen worden seien. Ich erinnere mich mit Vergnügen an einen älteren Wiener von auffallend kleiner Statur, den man auch in letzter Stunde zur SS gesteckt hatte, und der uns gegen alles Dienstreglement auf dem Appellplatz vor der Front mit seinen urwüchsigen Bemerkungen erheiterte, die oft voll blutigen Galgenhumors waren. Einmal stand er gerade neben einigen gefürchteten SS- Leuten, die finster über unsere Reihen hinstarrten; es war die übliche Ruhe vor der Appellmeldung an den Lagerführer. Da sagte er laut und überallhin vernehmlich in seinem Wiener Jargon: ,, Zehn Jahre lang hab i mi nach Dachau g'sehnt. Jetzt hab i mein Herzenswunsch endlich erreicht. Habe die Ehre, meine Herrschaften!" Ein SS- Mann schnauzte ihn zornig an; da meinte er gemütlich: ,, Geh, tua ma nix, i tua da ja a nix!" Das waren Klänge aus der 126 die Zahl der vir ahnten, den Zuckunge Befreier um Lionen von E Partei und ih bringen könn amtlich von lauten müssen ch einmal den Benwahnsinnig and die„ vollwar entschieMonslager Mänmen versetzten, mit Begegnung rüßen, grüßten lebnis, Ja, da h deine Mütze sie erzählten e in der Nähe der regulären erufen worden einen älteren man auch in der uns gegen vor der Front heiterte, die oft mal stand er ten, die finster Sie übliche Ruhe hrer. Da sagte seinem Wiener Dachau g'sehnt erreicht, Habe Mann sehnauzte „ Geh, tua ma länge aus der Heimat. - einige Kameraden Ein anderer dieser Art mahnte einmal im Arbeitskommando Plantage: ,, Paßt's guat auf eure Schubkarrn auf, damit wir a noch a habn, wann wir an die Reih kommen!" Das waren Männer, die die zwangsweise Einreihung in die SS als ein Verhängnis betrachteten. " Wir möchten gerne mit euch Uniform tauschen. Ihr werdet in die Freiheit gehn, weil ja der Schwindel bald zu Ende sein wird. Uns aber wird man dann einsperren." - Solche Äußerungen waren bald zu hören. Mich fragte einmal einer, mit dem ich zufällig einige Minuten in der Fabrik allein und unbeobachtet stand: ,, Was sind Sie denn eigentlich für ein Landsmann?" Ich antwortete: ,, Ein Österreicher." Da fiel er mir buchstäblich um den Hals und rief begeistert: ,, Ja, Servas, Landsmann! I bin a Weana! Na, laß da kane grauen Haar wachsen, das Tausendjährige Reich fangt schon zum rutschen an." Dann merkte er, daß jemand komme, steckte mir rasch noch einige Zigaretten zu und verschwand mit einem: „ Servas!" Ein anderes Mal trat ein SS- Mann in einen Raum unseres Betriebes, begann mit den dortigen Häftlingen ein ungezwungenes Gespräch und entfernte sich dann mit den lauten Worten:„, Heil Hitler, meine Herren! Wie lange noch?" In den letzten Monaten vor dem Zusammenbruch war das Kazet wohl immer noch nach den Prinzipien des Blutigen Heinrich geleitet, hielten noch immer hundertprozentige Büttel die Fäden in der Hand, jeder SS- Mann riskierte sein Leben, wenn er sich auffällig machte, denn die Zahl der Hinrichtungen wuchs von Tag zu Tag; aber wir ahnten, daß die Bestie bereits in ihren letzten wilden Zuckungen liege. Immer enger zog sich der Ring der Befreier um das versklavte Mitteleuropa, in dem Millionen von Kazetlern wußten, daß nur das Ende der Partei und ihrer SS die Lebensrettung in letzter Stunde bringen könne. 127 L e t ,, Du wirst entlassen!" ,, Aber läc ins Herz ge möchte." ,, Du alter um was Mensch, Ideen hast! So schwir und resigni veranlagt w und die La auch noch mit dem Le ten, begann In den letzten Monaten vor dem endgültigen Zusammenbruch des Dritten Reiches gingen düstere Gerüchte durch das Lager. Nicht genug damit, daß Krankheiten, vor allem der Flecktyphus, Tausende dahinrafften und eine unvorstellbare Überfüllung der Blocks, der Hunger, das Ausbleiben der Lebensmittelhilfe aus der Heimat eine wahre Katastrophenstimmung verursachten,- hörte man die Parole, daß die SS beschlossen habe, im Falle der vollen Niederlage alle Kazetler ,, umzulegen". Pessimisten sahen schon das ganze Lager als riesigen Leichenhaufen in Rauch aufgehen. Übrigens ließen sich auch einzelne SS- Führer zu offenen Morddrohungen hinreißen, die die Vernichtung aller Lagerinsassen in rohester Deutlichkeit ankündigten. Ich bemühte mich oft, den krassen Pessimismus mancher Kameraden zu bekämpfen, doch wagte ich selber kaum mehr auf eine glückliche Heimkehr zu hoffen. Allzu dunkel lag die nächste und so entscheidungsvolle Zukunft vor uns. Das war im März 1945. - die geliebte Um den 20. März herum wurden plötzlich an einem Morgen etwa zehn katholische und einige protestantische Geistliche entlassen, am nächsten und übernächsten Tag wieder eine Gruppe, dann war einige Tage Pause. Eine ungeheure Spannung bemächtigte sich der Gemüter auf Block 26 es wurden ja nur reichsdeutsche Kameraden enthaftet. Niemand von uns wußte, worauf diese Aktion zurückzuführen sei. Am Gr jeden anden mühle, als bert, jetzt mit einem Du, Artho dich gerne Niemand konnte sagen, wie vielen sie die Freiheit bringen, nach welchen Gesichtspunkten sie durchgeführt würde, Tief ergriffen verabschiedeten sich die Glücklichen von den Zurückbleibenden; manch feucht gewor denes Auge sah ihnen noch nach, bis sie um eine Ecke entschwunden waren. um etwas ,, Gott sei Dank, daß endlich einmal mehrere von uns nach Hause gehen können!" ,, Paß auf, morgen bist du an der Reihe!" In eine Wann wil einander i seltsam fei ,, Gib min gen wirst, Ich gab Neuigkeit. „ Also, m bedeutungs Tage entla 9 Arthofe 128 gültigen Zusamüstere Gerüchte B Krankheiten, lahinrafften und ks, der Hunger, aus der Heimat sachten,- hörte habe, im Falle nzulegen". Pessiriesigen Leichen ließen sich auch ungen hinreißen, ,, Aber lächerlich, da hat mich die Gestapo viel zu tief ins Herz geschlossen, als daß sie sich von mir trennen möchte." دوو ,, Du alter Pessimist! So wetten wir doch um- um was um drei Kartoffeln." - na, ,, Mensch, Maier, sag mal, woher du diese dämlichen Ideen hast! Ich bin doch hier unentbehrlich." So schwirrten von früh bis spät launige, hoffnungsvolle und resignierte Bemerkungen umher, so wie eben jeder veranlagt war. Ließen uns bisher die ungeheure Enge und die Läuse des Nachts nicht schlafen, so kam nun auch noch die Aufregung dazu. Gepeinigte Herzen, die mit dem Leben bereits ergebungsvoll abgeschlossen hatten, begannen zaghaft zu hoffen: Vielleicht sehe ich doch die geliebte Heimat noch einmal. in rohester Deutoft, den krassen bekämpfen, doch glückliche Heimechste und so ent im März 1945.ötzlich an einem ge protestantische übernächsten Tag Tage Pause. Eine der Gemüter auf tsche Kameraden rauf diese Aktion sie die Freiheit sie durchgeführ sich die Glück neh feucht gewor sie um eine Ecke mehrere von uns She!" Am Gründonnerstag, 29. März 1945, saß ich so wie jeden andern Tag an meinem Bürotisch in der Gewürzmühle, als ein österreichischer Häftling( Dr. Egon Hilbert, jetzt Ministerialrat in Wien) in die Türe trat und mit einem eigenartigen Augenzwinkern zu mir sagte: ,, Du, Arthofer, komm einmal zu mir heraus, ich möchte dich gerne unter vier Augen in einer Eheangelegenheit um etwas fragen!" - ,, In einer Eheangelegenheit?", meinte ich verblüfft. Wann willst du denn schon heiraten?" Wir gingen miteinander in einen leeren Flur, und Hilbert sah mich seltsam feierlich und ernst an: ,, Gib mir dein Wort, daß du vorerst über das schweigen wirst, was ich dir nun im Vertrauen sagen kann!" Ich gab ihm den Handschlag und horchte auf seine Neuigkeit. ,, Also, mein lieber Arthofer, ich habe dir eine für dich bedeutungsvolle Mitteilung zu machen: Du wirst dieser Tage entlassen!" 9 Arthofer, Konzentrationslager. 129 L 11 e 1 S t S - - In diesem Augenblick war mir wie einem, der jahrelang in Nacht gelegen und plötzlich durch ein weit offenes Tor im flutenden Morgenlicht die langentbehrte Heimat vor sich erblickt, wie einem, der überlang eine Zentnerlast getragen, stumm, mit zusammengepreßten Zähnen und fast versagenden Knien, und auf einmal nimmt ihm jemand alles Schwere von den Schultern und spricht: ,, Du bist am Ziel des langen, einsamen Weges dort warten deine Lieben, um dich zu begrüßen!" Ich tat keinen Jubelruf, aber in tiefer, seliger Ergriffenheit drückte ich dem Freunde die Hand: ,, Vergeltsgott für diese Nachricht! - Woher hast du sie übrigens?" - Er erzählte mir, daß ihm SS- Hauptsturmführer Vogt, dessen Sekretär er war, im Vertrauen mitgeteilt habe, daß man für mich im Büro einen Ersatzmann suchen müsse, weil ich im Laufe der Osterwoche in die Freiheit gehen würde. Er trug mir einstweilen strengste Diskretion auf, gratulierte mir nochmals und verschwand. - ,, Na, ist ja wünsche Ihr Ich sah i dachte mir: meiner Kam Fast betäubt vor Glück saß ich dann wieder am Schreibtisch, und meine Mienen haben wohl irgendwie verraten, daß ich etwas Freudiges erlebt. Mühlenmeister Filippitsch, der neben mir gerade mit unserem Capo Janik plauderte, meinte: ,, Mir scheint, der Leopold hat heute einen guten Tag, weil er so glänzt. Was ist denn los mit Ihnen?" - Sooft ich lettern die zur Freihei lichkeit, Sa kam mir ein ,, Sie haben recht, Herr Filippitsch", sagte ich. ,, Heute bin ich einmal wirklich gut aufgelegt." ,, Na, warum denn?" ,, Kann ich nicht sagen- aber heute habe ich einen Tag, der mich freut." ,, Soso! Mir scheint, Sie wollen uns auch davongehen? Haben Sie vielleicht eine Ahnung?"-- nicht einen wenn Gott wird er dic Woher sollte ich denn etwas erfahren? Aber fröhlich bin ich heute." " noch haben lassen zur sagen: Ich Schicksal v Tage der Der Mühlenmeister sah mich lächelnd an, er schien zu ahnen, was ich ihm nicht sagen durfte, denn er sagte: 130 Vaterhände Am Oste wurde me Nr. 24642, Seiten, Gr Augen, da Gruppe de oder wollt Noch ein um seine nigkeiten Jeder li leichtem C wir von I Lagerrevie 9* nem, der jahre ein weit offenes tbehrte Heimat überlang eine ammengepreßten und auf einmal n Schultern und samen Weges- begrüßen!" Ich ger Ergriffenheit Vergeltsgott für urmführer Vogt, mitgeteilt habe, satzmann suchen e in die Freiheit strengste Diskre verschwand, ann wieder am wohl irgendwie t. Mühlenmeister it unserem Capo der Leopold hat azt. Was ist denn sagte ich. ,, Heute e habe ich einen uch davongehen? en? Aber fröhlich an, er schien zu denn er sagte: ,, Na, ist ja recht. Vergönne es Ihnen von Herzen und wünsche Ihnen recht viel Glück dazu." Ich sah ihm in die gütigen und treuen Augen und dachte mir: Du bist eigentlich das einzige, mit Ausnahme meiner Kameraden, um was mir einmal leid sein wird. Heimkehr Sooft ich am Hauptgebäude des Kazets in Riesenlettern die Aufschrift prangen sah: ,, Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Ehrlichkeit, Sauberkeit usw.", würgte mich ein Ekel und kam mir ein anderes Hoffnungswort in den Sinn: Es gibt nicht einen Weg in die Freiheit, sondern tausend Wege, wenn Gott es will. Und einen von diesen tausend Wegen wird er dich gehen lassen, wenn er dich in dieser Welt noch haben will; und er wird dich diesen Weg gehen lassen zur rechten Stunde. Das eine darf ich wohl sagen: Ich war niemals ein Pessimist und habe mein Schicksal von der Stunde der Verhaftung an bis zum Tage der Entlassung ruhig und vertrauend in Gottes Vaterhände gelegt. -- - Am Ostermittwoch, 4. April, nach dem Morgenappell, wurde mein mein Name aufgerufen:„ Leopold Arthofer, Nr. 24642, Block 26, entlassen!" Gratulationen von allen Seiten, Grüße an die Heimat, Händedrücke, feuchte Augen, dann die Mahnung des Schreibers an die kleine Gruppe der Glücklichen: ,, Vorwärts, meine Herrschaften! oder wollt ihr hierbleiben?" Noch einmal durfte jeder kurz in seine Baracke gehen, um seine Habseligkeiten zu verteilen und einige Kleinigkeiten davon mitzunehmen. Jeder ließ den Kameraden das meiste zurück; mit leichtem Gepäck und noch leichterem Herzen nahmen wir von Dachau Abschied. Pro forma mußten wir im Lagerrevier unterfertigen, daß wir im Kazet keinerlei 9* 131 L S „ Entschul - Dachau ,, Jawohl, ,, Ja, ents das Konzen ,, Stimmt! „ Nun ja, Neugierde, lassen word gesundheitliche Schädigung erlitten und daher an den Staat keine Ansprüche zu stellen hätten. Dann kamen wir ins Kleidermagazin, wo wir mit Kleidern verstorbener Schutzhäftlinge ausgestattet wurden, da ja unser Eigentum restlos verbrannt war. Die Schuhe waren mir zu klein, ich mußte also heimhinken; die Hose paßte schlecht, der Hut war mir zu groß. Ich rächte mich an diesen Sachen dadurch, daß ich sie am Tage meiner Ankunft zu Hause herschenkte. Nach dieser Einkleidung ging es zum letztenmal in die Lagerküche, wo wir noch einmal eine Schüssel Krautsuppe als Mittagessen verzehrten, aber auch ein Päckchen mit Brot und guter Wurst zur Heimreise in Empfang nahmen. Schließlich wurden uns in einer Kanzlei ohne Grobheit unsere Entlassungsscheine ausgefolgt. Wir waren frei. Ein SS- Mann begleitete uns bis zum Lagertor, dann schüttelte er jedem von uns kräftig die Hand und meinte: ,, Also viel Glück! Kommt gut heim, es wird schon recht werden! Der Schwindel dauert nicht mehr lange." Es war auch einer von den unfreiwilligen ,, Freiwilligen". „ Jawohl! Fragerei zu bar hatte r „ Interess lebens in d den doch au Da ging Wissen über Lage also lange? Kazet Bek in Ruhe!" „ Bravo!" ,, da haben Gerne hätte ich in Dachau noch den Stadtpfarrer Friedrich Pfanzelt besucht, um ihm für alles zu danken, was er in opferbereiter Liebe unserer Gemeinschaft und auch mir persönlich erwiesen hatte, aber die Schuhe drückten mich so sehr, daß ich mich entschloß, dem etwa zwei Kilometer entfernten Bahnhof zuzuhinken, und herzlich froh war, als ich ihn nach zwölf Uhr mittags mit meinem Gepäck erreicht hatte. Das Glück war mir hold, eben stand ein Zug nach München abfahrbereit, und bald saß ich mit meinem Kameraden, P. Allmer von Admont, der mit mir entlassen worden war, in einem überfüllten Waggon an einem Fenster. Wir schwiegen beide, denn unser Herz war übervoll und unsere Gedanken eilten dem Zuge in die Heimat voraus. Dann wa mehr. In Münch ratlos am Da begann ein junger Herr neben mir zu hüsteln, sah mich wiederholt von der Seite an und fragte dann auf einmal: das sich ü wo man de einmal der gesagt hat uns freund Sie? Da ha warten Sie chen kennt Das haben 9** 132 daher an den . Dann kamen leidern verstor en, da ja unser uhe waren mir die Hose paßte rächte mich an age meiner AnLinkleidung ging o wir noch einessen verzehrten, guter Wurst zur ich wurden uns re EntlassungsLagertor, dann and und meinte: wird schon recht mehr lange." Es Freiwilligen". en Stadtpfarrer alles zu danken, emeinschaft und ber die Schuhe chloß, dem etwa zuzuhinken, und wölf Uhr mittags Glück war mir en abfahrbereit aden, P. Allmer en war, in einem Wir schwiegen and unsere Ge Vorans. hüsteln, sah fragte dann auf ,, Entschuldigen Sie, Sie sind doch Dachau zugestiegen?" ,, Jawohl", antwortete ich ,,, und--?" ,, Ja, entschuldigen Sie, aber hier-- ist doch das Konzentrationslager?" ,, Stimmt! Und was wollen Sie also?" ,, Nun ja, sagen Sie mal, - Neugierde, aber Sie sind etwa lassen worden?" hier in verzeihen Sie meine aus dem Kazet ent,, Jawohl!" antwortete ich etwas scharf, weil mir diese Fragerei zudringlich und lästig erschien. Aber mein Nachbar hatte ruhige Nerven. ,, Interessant! Also die SS entläßt die Zeugen des Lagerlebens in die Heimat. Das finde ich nicht klug. Sie werden doch auch sehr viel mitgemacht haben?" Da ging mir die Geduld aus. 199 Wissen Sie", sagte ich laut ,,, daß es uns verboten ist, über Lagerverhältnisse zu sprechen? Was fragen Sie also lange? Sind Sie froh, wenn Sie selber nie mit einem Kazet Bekanntschaft machen, und lassen Sie uns jetzt in Ruhe!" ,, Bravo!" rief ein älterer Bayer, der gegenüber saß, ,, da haben Sie recht gehabt. Das wäre eine Neugier!" Dann war Ruhe im Waggon, der Nachbar sagte nichts mehr. Einige lächelten. In München stand ich mit Kameraden Allmer ziemlich ratlos am Bahnhof, erschüttert von dem Trümmerfeld, das sich überall unseren Augen bot, und fragte jemand, wo man denn da zum Südbahnhof gelange. Da stand auf einmal der alte Bayer neben uns, der im Zuge ,, Bravo!" gesagt hatte; er hielt sein Fahrrad an der Hand und bot uns freundlich seine Hilfe an: ,, Zum Südbahnhof wollen Sie? Da haben Sie ja eine halbe Stunde zu gehen. Aber warten Sie, ich werde Sie hinbegleiten, denn in München kennt sich ja der zehnte nicht mehr aus. Alles hin! Das haben wir diesen D... zu verdanken. Übri9** - 133 L t S gens, Sie hinken ja! Geben Sie Ihr Paket auf mein Rad! So! Und nun los!" Unser Protest half uns nichts, der Gute opferte seine Zeit und führte uns durch die Schuttfelder der armen Stadt München den Resten des Südbahnhofes zu. Es tat uns wohl, daß uns die Freiheit einen so liebenswürdigen Boten vorausgeschickt hatte.-- Friedhofes. Tante Rosa u men verständ Dann ging die Reise weiter: Salzburg, dort eine Nacht in einem überfüllten Wartesaal, Abschied von Kollegen Allmer und Weiterreise in einem Schnellzug nach Linz, dort nach langer Zeit die erste heilige Messe in der Ursulinenkirche, Vorstellung beim Herrn Diözesanbischof Dr. Fließer, Besuch lieber, treuer Freunde, glückliches Aufatmen in der so lange und so heiß ersehnten Heimat, endliches Erwachen aus einem schweren, bitterschweren Traum.- Deo gratias! Wiedersehen und Abschied Einige Tag Hartkirchen, meinen Brud meiner Haft die besten hatte. Mein liebe bei ihm sons nur du wied Das war e Einen Mor Abschied: Leiden, Ich ihm im Ster noch lange a ich mich, vo den Toten u vergraben. Nach der Am 6. April vormittags ließ mich mein Dechant, Stadtpfarrer Leitner, mit einem Wagen nach Kronstorf fahren. Leute, die ich am Wege begrüßte, erkannten mich nicht, obwohl wir früher tausendmal einander gesehen. Endlich tauchte der altehrwürdige Turm meiner Pfarrkirche auf; am Ortseingange standen gerade der Bürgermeister und der Ortspropagandaleiter zufällig auf der Straße. Da ließ ich den Wagen halten, stieg aus und begrüßte die beiden. Sie waren offenkundig erschrocken, verblüfft und ver legen zugleich. ,, Bleiben Sie nun hier?" fragte mich jeder, und ich glaube wohl annehmen zu dürfen, daß ihnen mein Wiederkommen nicht die größte Freude machte. Vielleicht erschien ich ihnen wie ein schwarzer Unglücksrabe, der sich ungebeten in ihrem Garten niederließ. Doch ich reichte jedem die Hand und ging ihnen wieder aus dem Wege. immer um Mein erster Gang war ein Besuch der Kirche und des und dort Z Dann ging kommen." U 134 et auf mein Rad! ute opferte seine elder der armen hofes zu. einen so liebensdort eine Nacht ied von Kollegen ellzug nach Linz ge Messe in der Diözesanbischof unde, glückliches ersehnten Heimat n, bitterschweren chied in Dechant, Stadt Kronstorf fahren annten mich nicht gesehen. Endlich r Plarrkirche aul Bürgermeister und er Straße. Da liel grüßte die beiden verblüfft und ver fragte mich jeder dürfen, daß ihne e Freude machte hwarzer Unglücks arten niederließ. and ging ihnen wie er Kirche und de Friedhofes. Unterdessen hatte man meine gute, alte Tante Rosa und meinen Amtsvertreter von meinem Kommen verständigt, und beide eilten mir entgegen. Einige Tage später machte ich mich auf den Weg nach Hartkirchen, um dort meinen 78 Jahre alten Vater und meinen Bruder Max zu begrüßen, der sich in der Zeit meiner Haft um mich die größte Mühe gegeben und mir die besten Lebensmittelpakete nach Dachau geschickt hatte. Mein lieber Vater war glücklich. Er weinte, was ich bei ihm sonst nie gesehen, und sagte in einem fort: ,, Daß nur du wieder hier bist! Daß nur du wieder hier bist!" Das war ein seliges Wiedersehen! Einen Monat später aber war für mich ein bitterharter Abschied: mein Vater starb am 19. Mai nach kurzem Leiden. Ich war noch eine Woche an seiner Seite, stand ihm im Sterben bei und sah den Blick des Scheidenden noch lange auf mir ruhen, ehe er brach. Dann aber setzte ich mich, vom Schmerz überwältigt, auf den Diwan neben den Toten und saß lange allein, das Gesicht in die Hände vergraben. - Nach der Beerdigung erzählte man mir, wie mein Vater immer um mich bangte, manchmal zum Bahnhof ging und dort Zug um Zug abwartete, ob ich nicht komme. Dann ging er traurig heim und sagte:„ Er ist nicht gekommen." Und da ich heimkehrte, zog er fort für immer, 135 L Wir bleiben Kameraden! Daß ich diesen Bericht in Buchform veröffentlichen konnte, verdanke ich meinem lieben Kazetkameraden und Freund Dr. Karl Maria Stepan, dem gewesenen Landeshauptmann der schönen grünen Steiermark, dem nachmaligen ausgehungerten, verlausten und mißhandelten Kazetler im Zigeunerblock zu Dachau. Er hat trotz aller Herstellungsschwierigkeiten, trotz des Papiermangels und sonstiger Hindernisse das Buch in einer der ihm unterstellten Verlagsanstalten herausgebracht. Nicht aus Geschäftsgründen, sondern in der Anhänglichkeit treuer Freundschaft. So wie er mit mir in Dachau das Osterpaket teilte, das er von seinen Lieben erhalten, so wie ich ihm mit Selbstverständlichkeit trotz aller Gefahren Briefe aus dem Lager schmuggelte, so wie er nach meiner Entlassung glücklicher Erbe meiner ,, Wäsche" und meiner ,, letzten Hose" wurde, so hat nun er, als er mich kürzlich einmal besuchte, meine Bitte erfüllt, er möge den Bericht als Büchlein erscheinen lassen. ,, Das machen wir!" sagte er. - - ten Lebensm Leuten ges taschen noc Zahnbürstel meines Ver bald auf e grunde!" S gewesen. An dieser und wir ve kral und sagtest bei lob, nun b Mensch!" Lieber Karl! Du hast immer guten Humor und ein ganz großes Gottvertrauen gehabt, aber eines Tages wäre es auch Dir bald zu viel geworden. Ich sehe Dich noch auf der Lagerstraße in Dachau vor mir stehen und sagen: ,, Leopold, jetzt kann ich aber bald nicht mehr! Weißt Du, die SS hat mich ausgerechnet in den dreckigsten Zigeunerblock gesteckt. Ich habe keine Läuse, sondern die Läuse haben mich. Und diese Unsauberkeit tut mir weher als jede andere Mißhandlung. Was nützt es mir, wenn ich mich hundertmal reinige; ich teile den Strohsack mit gänzlich verlausten Zigeunern, die kein Wort Deutsch, dafür aber das Stehlen um so besser verstehen. Was ich nicht in der Hosentasche bei mir tragen kann, ist immer spurlos verschwunden; was mir meine Frau an abgespar136 Daß wir gemeinsam und uns be Arme fiele sind im Ka war es auc meinen Be verständlic auch. Und n! veröffentlichen azetkameraden ewesenen Laneiermark, dem nd mißhandelu, Er hat trotz Papiermangels einer der ihm acht. Nicht aus glichkeit treuer das Osterpaket so wie ich Gefahren Briefe er nach meiner he" und meiner r mich kürzlich öge den Bericht hen wir!" sagte Humor und ein nes Tages wäre sehe Dich noch und ten Lebensmitteln geschickt hat, ist mir alles von diesen Leuten gestohlen worden. Nun habe ich in den Hosentaschen noch etwas Brot, ein Stückerl Speck, Seife und Zahnbürstel einen Löffel. Das ist der Rest meines Vermögens. Wenn das so weitergeht und ich nicht bald auf einen besseren Block komme, gehe ich zugrunde!" So elend warst Du wohl im Leben noch nie gewesen. An diesem Tage schlug ich im Kameradenkreis Alarm und wir versuchten alles, um Dich aus diesem Zigeunerkral und Läuseparadies zu retten. Es gelang, und Du sagtest bei unserem nächsten Zusammentreffen: ,, Gottlob, nun bin ich doch wieder ungezieferfrei und ein Mensch!" Das alles, alles ist nun vorbei. Daß wir uns niemals vergessen werden, daß wir im gemeinsamen tiefsten Leid zusammengewachsen sind und uns beim ersten Wiedersehen in der Freiheit in die Arme fielen, dies alles ist selbstverständlich, denn wir sind im Kazet ja Freunde fürs Leben geworden. Und so war es auch selbstverständlich, daß Du alles getan hast, meinen Bericht zum Buch werden zu lassen. ,, Selbstverständlich", sage ich. Aber ,, Vergelt's Gott!" sag' ich auch. Und sicherlich nicht ich allein. Dein Leopold. chen und sagen: mehr! Weißt Du, ekigsten Zigenwe, sondern die it tut mir weher mir, wenn ich Strohsack mit Wort Deutsch, stehen. Was ich kann, ist immer au an abgespar 137 Nachwort * Lieber Leser! Liebe Leserin! 2 Sie werden vielleicht aufatmen und froh sein, diese Lektüre hinter sich zu haben. Glauben Sie mir, ich habe diese Aufzeichnungen nicht gerne geschrieben, und mit einem Seufzer der Erleichterung lege ich die Feder aus der Hand. Vielleicht erscheinen Ihnen meine Schilderun- I gen von telegrammäßiger oder gar nervöser Kürze, aber 1. Ohnmar ich wollte den Interessenten nur Streiflichter vermitteln dat. Or und ihre Phantasie nicht übermäßig lange in eine allzu 2 Kagere düstere Welt bannen. Übrigens müßte man wohl ein F ar Dante sein, um aus einem solchen Stoff ein belletristi- h| ar sches Buch zu formen. ö 4 Wogp Ich hatte den ehrlichen Willen, alles realistisch und dat, pr . wahrheitsgetreu, aber ohne Gehässigkeit zu berichten. Wimbe j Was Daten und Namen anlangt, mußte ich mich auf mein 5. Kitzma Hi Gedächtnis verlassen, denn es wäre im Lager lebens- dat. Pr [ gefährlich gewesen, ein Tagebuch zu führen. So ist mir 8 I P | vieles entschwunden, was vielleicht hiehergepaßt hätte. 1 kn Pk 1 Doch ich vermute, das Gebotene ist Ihnen übergenug. a 1 Dureh meine Aufzeichnungen möchte ich nicht dem At, in an Hasse und der Revanche dienen, sondern nur dem Be- 8. Moosh; r streben, das Gewissen aller rechtlich denkenden Öster- dat, Pt. | reicher aufzurütteln. Die Überlebenden dieser schauer- 3: Seine, I lichen Zeit mögen in Zukunft ihr Schicksal nicht mehr nr || töricht und blind einem Größenwahnsinnigen anver- u DR ! trauen, sondern zur Denkungsweise glücklicherer Kul- dan a turperioden zurückkehren, die auch das staatliche Leben it, Mayr i N an Gott und Religion und damit an Recht und Gerech- 7! dt, Y * tigkeit gebunden hatten. Es kommt in der Zukunft nicht TR, Grab ne in erster Linie auf die Staatsform an, sondern auf die u Ant, Pi i Form der Menschen, die einen neuen Staat bauen wollen."Artho | Soll die Welt nicht vollends untergehen, dann dürfen{> P | in Zukunft nur mehr Männer herrschen, die vor allen"ah Dingen sich selbst beherrschen können, und dann muß 5 SR ! die Menschheit zurückkehren zu Christus. ar | Dlarre 138 oh sein, diese mir, ich habe eben, und mit die Feder aus ine Schilderuner Kürze, aber hter vermitteln e in eine allzu man wohl ein ein belletristirealistisch und zu berichten. mich auf mein Lager lebensren. So ist mir ergepaßt hätte. übergenug. ich nicht dem nur dem Benkenden Österdieser schauersal nicht mehr innigen anver eklicherer Kulstaatliche Leben cht und Gerecher Zukunft nicht sondern auf die at bauen wollen. n, dann dürfen , die vor allen und dann muß 94 Priester aus Österreich in Konzentrationslagern ( KZ.) Diözese Linz 1. Ohnmacht, Dr. Franz, dzt. Ordinariat Linz a. d. D. 2. Kagerer Hermann, Religionslehrer, dzt. Pfarrer in Altenfelden. KZ. Dachau, Buchenwald, Dachau. Dachau, Mauthausen. 3. Kleinbruckner Josef, Dechant i. R., Dachau. dzt. Urfahr, Rudolfstraße 38. 4. Wöß Franz, Pfarrer, Dachau( zweidzt. Pfarrer i. R., St. Peter am mal). Wimberg. 5. Kitzmantel Kassian, Pfarrvikar, dzt. Präfekt im Stift Schlierbach. 6. Just, P. Konrad, Kooperator, dzt. Pfarrprovisor in Gramastetten. Dachau. Dachau. 7. Mager, P. Altmann, Prämonstra- Dachau. tenser, dzt. in Innsbruck, Stift Wilten. 8. Moosbauer Josef, Pfarrer, dzt. Pfarrer in Waldhausen. 9. Steiner Heinrich, Pfarrer, Dachau, Mauthausen. Dachau. dzt. Pfarrer in Steinerkirchen bei Wels. 10. Rohrmoser Josef, Pfarrer i. R., dzt. Linz, Rudolfstraße 38. Dachau. 11. Mayr Franz, Pfarrer, Dachau. dzt. Pfarrer in Gutau. 12. Grabmayr Johann, Pfarrer, Dachau. dzt. Pfarrer in Prambachkirchen. 13. Arthofer Leopold, Pfarrer, dzt. Pfarrer in Kronstorf. Dachau. Dachau. Dachau. 14. Schobesberger Franz, dzt. Pfarrer in Peterskirchen. 15. Steinbock Johann, Kooperator, dzt. Kooperator in Steyr, Vorstadtpfarre. 139 KZ. 74 16. Kneidinger Ludwig, Dachau. 3 92 Huher dzt. Bischöfliches Ordinariat Linz, dzt. Dei Herrenstraße 19.; 39. Mayer 17. Auer Gottfried, Pfarrer, Dachau. dat, Fü dzt. Dechant und Stadtpfarrer in kanerk] Schwanenstadt. a, Fankha 18. Daxl Alois, Pfarrer i. R., Dachau. i dat, in dzt. Pfarrer in Moosdorf. 3. Triend] 19. Niedermoser, P. Berthold, Dachau. dat, in } dzt. Kooperator in Kirchdorf a. d. | Krems. an 20. Berndi, P. Anton, Jesuit, Dachau.\ dzt. noch in Bayern. h 1. Fertala 21. Heinzel, P. Josef, Jesuit, Dachau. h dat. Ay dzt. Linz, Domgasse 3. 2 Kopere i 22. Muris, P. Leopold, Salesianer, Dachau. a No dzt. St. Ruprecht, Klagenfurt. th,;“ j 23. Hausmann, P. Berthold, Jesuit, Dachau. i Eu ri dzt. Linz, Domgasse 3. IE cu 6, 24. Spanlang Matthias, Pfarrer, Dachau, Buchen- in am 5. Juni 1940 in Buchenwald er- wald. Mans N mordet. w et I"Le { 25. Sommer Josef, Kommorant, Dachau, Güsen. f Dr am 19. Oktober 1940 gestorben in ji u i Gusen.; im ‘' 26. Wenger Josef, Kooperator i. R, Buchenwald. i du pe '\ am 29. März 1940 gestorben in i Buchenwald.; UN, =} Adrag 1 27. Höfer! Johann, Pfarrer, Sachsenhausen.+ dt, p} hu am 24. November 1940 gestorben f pI |‘ in Sachsenhausen.£ Pa i 28. Pachner Josef, Chorherr, Sachsenhausen.| genkur Teh im Jahre 1940 gestorben in Sach-| Poll el senhausen. a 2 IK 29. Blöchl, P. Engelbert, Pfarrvikar, Dachau. Io, Rip na! am 1. November 1942 verhungert[I dat K | in Dachau. F u N 30. Unzeitig, P. Engelmar, Pfarrvikar, Dachau. 2| Be im März 1945 in der Typhuspflege| ac j gestorben. ö Sorte, h 31. Gruber, Dr. Johann, Dachau, Gusen. eich N im Mai 1944 in Gusen ermordet. N Seston 140 KZ. hau. chau. hau. chau. 32. Huber Karl, Kaplan, dzt. Defizient, Bachl bei Linz. 33. Mayer, P. Egbert, OFM., KZ. Mauthausen. Griebo, Pretzsch dzt. Füssen a. L., Bayern, Franzis- a. d. Elbe. kanerkloster. 34. Fankhauser, P. Bernhard, OFM., Dachau. dzt. in Telfs in Tirol. 35. Triendl, P. Josef Leonissa, OCap., Dachau. dzt. in Munderfing, Oberösterreich. Diözese Gurk- Klagenfurt chau. chau. chau. chau. chau, Buchenld. chau, Gusen. chenwald. chsenhausen. chsenhausen. chau. chau. chau, Gusen. 1. Fertala Franz, Pfarrer i. R., dzt. Altötting, Bayern. Dachau. 2. Koperek, Dr. Anton, Pfarrer, im November 1942 an Hungerdurchfall gestorben. Dachau. 3. Kutej Anton, Kaplan, Dachau, Mauthauam 16. Februar 1941 verhungert. sen, Dachau. 4. Leeb Marcell, Pfarrer i. R., am 1. November 1940 in Gusen ermordet. 5. Lexer Eduard, Pfarrprovisor, dzt. in Saak im Gailtal. 6. L'Hoste Nikolaus, Pfarrer, dzt. Pfarrer in Mörtschach, Mölltal. 7. Nadrag Alois, Pfarrer, dzt. Pfarrer in Schiefling am See. 8. Ploner, Dr. Johann, Archivar, dzt. Bischöfliches Ordinariat, Klagenfurt. 9. Pollak Josef, Pfarrer, am 25. Juli 1940 gestorben. 10. Räß Karl, Provisor, 11. Singer Stephan, Dechant, Dachau, Gusen. Lager I Niederöfflingen b. Wittlich a. d. Mosel. Dachau, Flossenbürg, Gusen, Dachau. Dachau. Dachau. Oranienburg. Dachau. dzt. Pfarrprovisor in Gunzenberg, Post Straßburg, Kärnten. Dachau. am 24. Februar 1945 in Fölling gestorben. 12. Zeichen Rudolf, Kirchenrektor, am 1. November 1945 in Villach gestorben( Autounfall). Dachau. 141 BEBIEREFIIDE RER ER. vu OR NBRE BER. Bene 14. 15. be| 10. das 12. 142 . Petrie Johann, dzt. Pfarrprovisor in Stein, Jaun- tal. Schuster, Dr. Otto, Provisor, am 25. August 1942 in Dachau ge- storben. Verhniak Josef, Pfarrer i. R., dzt. in Dolina bei Ferlach, Kärnten. KZ. Dachau. Dachau. Dachau. Erzdiözese Salzburg . Rieser Andreas, Kooperator, dzt. Kooperator in Reith bei Brixl- . Sparber Walter, Kooperator, dzt. Kooperator in Bischofshofen. . Dürnberger Franz, Pfarrer, dzt. Stadtpfarrer in Salzburg-Gnigl. . Schrofiner Johann, Pfarrer, im Mai 1940 in Buchenwald er- mordet. . Schuhmacher Hermann, Koopera- tor, dzt. Stadtvikar in Hallein. . Steinwender Leonhard, dzt. Kanonikus in Mattsee bei Salz- burg. . Summereder Heinrich, Kooperator, starb im Februar 1943 an Bauch- typhus in Dachau. . Gredler Felix, Dechant u. Pfarrer, starb im Juni 1942 in Dachau (Hunger und Nierenleiden). . Dirnberger Andreas, Kooperator, dzt. Kooperator in Ramingstein- Lungau. Schitter Josef, Kooperator, dzt. Kooperator in Eugendorf bei Salzburg. Feld Kaspar, Pfarrer, dzt. Pfarrer in Hochfilzen, Tirol. Löwenstein, Prinz Alban, OFM., dzt. Maria-Kirchental bei Lofer. Dachau, Buchen- wald, Dachau. Sachsenhausen, Dachau. Dachau. Dachau, Buchen- wald. Dachau. ce Dachau. Dachau. Dachau. Dachau. Dachau. Dachau. en Be 2 Fe u 1. Almer Glashü im Fe) Krätze 2. Bercht dat, K kirche Hartin, dat. K Stejern Neuba det, Pr List I dat, R Kapte, so — gr =) = © I > ©_ = at S en S hau, Buchen- 1, Dachal. haenhauseN; ‚hal. «hal. ‚hab, Buche" \d- Diözese Seckau-Graz KZ. . Almer Johann, ehem. Pfarrer von Glashütten, Dachau. im Februar 1941 in Dachau(am Krätzeblock) verhungert. . Berchtold Alfred, Kaplan, Dachau. dzt. Kaplan an der Christkönigs- kirche in Rosenheim. . Hartinger Josef, Provisor, Dachau. dzt. Kaplan in Waltersdorf, Ost- steiermark. . Neubauer Karl, Pfarrer, Dachau. dzt. Pfarrer in Paldau. . List Johann, Kaplan, Theinwald(Lun- dzt. Expositus in Hafendorf- denburg). Kapfenberg. . Neuhold Karl, Pfarrer, Dachau. dzt. Seelsorger in St. Andrä i. Sau- sal . Pichler Viktor, Pfarrer, Papenburg(Ems- dzt. Pfarrer. in St. Nikolai ob Draß- land). ling. . Petz Franz, Bernau. dzt. Kaplan in St. Stephan i. R. . Quas Karl, Pfarrer, Dachau. dzt. Pfarrvikar, St. Anna am La- vantegg. . Scherübl Josef, Kaplan, Flossenbürg, dzt. Seelsorger in Leutschach. Dachau. . Seewald Alexander, Pfarrer, Dachau, Gusen, dzt. Pfarrer in Bretstein. Dachau. . Sindler Alois, Pfarrer, Dachau. dzt. Seelsorger in Pischelsdorf. Innsbruck-Feldkirch (Diözese) . Lampert, Dr. Karl, Provikar, Msgr., Dachau, Sachsen- am 13. November 1944 in Halle hausen, Dachau. hingerichtet. . Neururer Otto, Pfarrer, Dachau, Buchen- am 30. Mai 1940 in Buchenwald er- wald. mordet. ou = . Steinkelderer, Dr. Josef, dzt. Karitasdirektor in Innsbruck. . Würl Siegfried, Kaplan, dzt. Kurat in Mieming. . Raggl Josef, Seelsorger, dzt. Pfarrer in Zöben. . Plangger, Dr. Josef, Prof., dzt. Professor am Paulinum in Schwaz, Tirol. . Seitz Canisius, OPräm., dzt. nahe bei Altötting, Bayern. KZ. Sachsenhausen, Dachau. Sachsenhausen, Dachau. Dachau. Natzweiler, Buchenwald, Dachau. Dachau. (Apostolische Administratur) . Schelling Georg, Benefiziat und Schriftleiter, dzt. Frühmesser in Altach. . Gächter Otmar, Pfarrer, dzt. Pfarrer in Bürserberg bei Blu. denz. . Knecht Alois, Pfarrer, dzt. Pfarrer in Fluh bei Bregenz. Dachau, Buchen- wald, Dachau. Dachau, Buchen- wald. Sachsenhausen, Dachau. Erzdiözese Wien . Allmer Franz, Pfarrer in Ober- dzt. Wien, XIX., Gymnasiumstr. 83. steiermark, . Karras Friedrich, Religionslehrer, im März 1942 vergast. . Lenz, P. Johann Maria, SJ., dzt. Wien, XXV., Kalksburg. . Mühlbauer Anton, Religionslehrer, dzt. Religionslehrer, Wien, V., Lau- renzgasse 12. u Er Diözese St. Pölten, . Stangl Josef, Pfarrer, dzt. Pfarrer in Frankenfels, N.-Ö. . Burger Anton, Kaplan, dzt. Kaplan in Stein a. d. D., N.-Ö. 144 Dachau, Buchen- wald, Dachau. Dachau. Dachau, Gusen, Dachau. Dachau. N.-Ö. Dachau. Dachau. | a RE ge a un nn Sea er bc 3. Fra: Sieg gest Apr Apo 1. Schr dzt, 2. Wol dat, 3. Sem dat, Neu: KZ. senhausen, hau. 3. Frasl Richard, Pfarrer von GroßSiegharts, KZ. senhausen, hau. hau. gest. an Flecktyphus in Dachau, April 1945. Apostolische Administratur Burgenland- Sauerbrunn Dachau. zweiler, henwald, 1. Schmalzl Johann, hau. hau. dzt. Pfarrprovisor in Kirch- Fidisch. Dachau. 2. Wolf, P. Richard, dzt. Pfarrprovisor in Stotzing. Dachau. 3. Semeliker Matthias, dzt. Pfarrvikar in Parndorf am Neusiedlersee. Dachau. hau, Buchend, Dachau. chau, Buchend. hsenhausen, chau. chau, Buchend, Dachau. chau. chau, Gusen, chau. chau. 0. chau. chau G 145 3 d t t า Vorwort Gestapo Inhalt Seite 57 5 Zelle Nr. 27 Treue Gestapoverhöre Reise nach Dachau Begrüßung 9 S 14 17 า 25 27 r Nr. 24642 30 Auf zum Appell! 34 n Nächtlicher Besuch 40 Weinkommando 42 n Die Kapelle auf Block 26 47 Verpflegung 52 n Hungerödem 54 ין Plünderung der Geplünderten 58 Sadismus gegen die Polen 61 : r Im Krankenrevier 63 Hinrichtungen 67 d Invalidentransport Lagerstrafen Schikanen 70 73 e Versuchskaninchen 76 78 1- Transport angekommen 85 n Eine Laus, dein Tod!. 87 Der Verkehr mit der Heimat 90 ht Besuchsparade 94 Schwester Pia Wagner 98 n Das Blockpersonal 101 Capo 104 1- Am Arbeitsplatz 106 Kinder als Kazetler Freizeit in Dachau Haftpsychose Sirenengesänge Jubelfeier im Kazet SS sucht Mitschuldige 111 et 115 iB 118 120 d 122 125 : n ..Du wirst entlassen!" Heimkehr 128 131 i- . Wiedersehen und Abschied Wir bleiben Kameraden! Nachwort. 94 Priester aus Österreich in Konzentrationslagern.. 139 134 • 136 . 138 G 147 katholische Kirche hatte keinen Anteil an Adolf Hitler und seinem verhängnisvollen Lebenswerk, das kann sie nicht zuletzt durch die große Anzahl ihrer Priester nachweisen, die in Dachau und anderen Lagern litten, starben und nur zum geringeren Teil noch einmal die Heimat sahen. Wer aber die Kirche liebt, wird dieses Buch nicht in die Hand nehmen, um Sensationen zu suchen, sondern um den sachlichen Bericht eines Überlebenden von Dachau entgegenzunehmen. Der aus dem Kazet heimgekehrte Priester weiß der in Schuld und Leid versunkenen Weltnureinen Weg zu Frieden und Freiheit: Christus. ULRICH MOSER VERLAG Graz- Wien