MEINEN LIEBEN ELTERN im Gedenken an die schweren Stunden Ver- Vorwort Die Kanonen schweigen- die Glocken läuten. Der Friede ist in Europa eingezogen: Die Macht der Alliierten hat der Gerechtigkeit zum Siege verholfen. Der Dämon, der auf Deutschland seine schwere Faust preßte, mußte weichen. Das System der Lügner, Unterdrücker, Henker und Mörder ist nicht mehr. Sie sind hinweggefegt, die Teufel, die mit dem Anrufen der Vorsehung und des Göttlichen Schindluder getrieben haben. Uns haben sie ein Chaos hinterlassen. Sie, die stets schrieen, nie zu kapitulieren, sind geflüchtet, haben sich bei der Gefangennahme wie Memmen benommen oder haben feige sich durch Freitod der Verantwortung entzogen. Es ist nun an der Zeit, den Blick hinter die Kulissen freizugeben. Der Menschheit, vor allem den Deutschen, muß vor Augen geführt werden, was hinter dem Wort ,, Konzentrationslager" zu suchen ist. Es sind Schmerzen, Leiden und Qualen, Seufzer und Tränen von Hunderttausenden, das Stöhnen und Fluchen der Geknechteten und ihrer Angehörigen! Der Verfasser war lange Jahre im Konzentrationslager Dachau. Was er auf den folgenden Blättern niedergeschrieben hat, ist reine Wahrheit. Wie er es selbst erlebt und erlitten hat, 9 wie seine Augen es gesehen haben, erzählt er es. Es sind Dokumente und müssen als solche genommen werden. Es ist sachliche, klare Darstellung. Kein Wort ist Lüge! Herzlichen Dank sage ich allen, die mich bei diesem Werk unterstützt haben. Ich widme das Buch jenen Opfern, die durch diese Grausamkeiten ihr Leben lassen mußten und den Tag der Befreiung nicht mehr erleben durften. Konrad Wüest Edler von Vellberg. IO Am I gericht dent C La La La Sta Jus Vor von Ve nachde Einzelh brauch zur Au haben, fällte e alle, di bei den lung o auch d daß es d Do- Es ist Werk n, die ıd den erg. Am 18. und 19. Februar 1942 tagte in Stuttgart das Sonder- gericht des Oberlandesgerichtsbezirks Stuttgart(Senatspräsi- dent Cuhorst) Landgerichtsdirektor Dr. Bohn als Vorsitzender, Landgerichtsrat Dr. Azesdorfer als Berichterstatter, Landgerichtsrat Sträb als Beisitzer, Staatsanwalt Handtmann als Anklagevertreter und Justizassistent Rieder als Urkundsbeamter. Vor die Schranken des Gerichts war Konrad Wüest Edler von Vellberg aus Stuttgart als„Angeklagter“ geführt worden, nachdem er bis zu diesem Tage ı3 Monate in Polizei- und Einzelhaft gehalten worden war. Mit gewollter Verzögerung brauchte dieses Untersuchungssystem mehr als ein Jahr bis zur Aufnahme der Verhandlung, ohne Klarheit darüber zu haben, ob wirklich ein„Vergehen“ vorlag. Das Sondergericht fällte einen Freispruch trotz des Annahmeparagraphen. Für alle, die es nicht wissen, muß darauf verwiesen werden, daß bei den nationalsozialistischen Sondergerichten eine Verurtei- lung ohne Nachweis eines Vergehens erfolgen konnte, also auch dann, wenn das Gericht lediglich zu der Annahme kam, daß es den Beklagten für schuldig hielt. TI Vorgeschichte Liebe zur Natur und zu den Tieren trieb Vellberg fast täglich auf den Fangelbachfriedhof in Stuttgart, um dort den Schnee fortzuräumen und seinen Lieblingen in der Vogelwelt Futter zu streuen. Hierbei wurde er am 14. Januar 1941 um 7 Uhr verhaftet und in eine Einzelzelle des Polizeigefängnisses in der Büchsenstraße überführt. Entgegen der Zwangsvorschrift, Inhaftierte innerhalb 24 Stunden spätestens dem ersten Verhör zuzuführen, überließ man ihn volle drei Tage sich selbst. Dann folgte Verhör auf Verhör! Der Chef der Gestapo in Stuttgart, der unrühmlich bekannte Musquai, hatte den Apparat nach seinen Wünschen und nach den politischen Bedürfnissen aufgebaut und mit den entsprechenden Individuen ausgerüstet. Der Häftling wurde von drei Gestapoleuten, Wörner, Fritz und Unbekannt in ein sich stetig steigerndes Kreuzverhör genommen. Wer meint, daß der Abschluß der über eine Woche andauernden Vorprüfung zur Einleitung eines Gerichtsverfahrens geführt hätte, muß sich eines anderen belehren lassen. Es folgte vielmehr die Überführung in das sogenannte Durchgangslager Welzheim, das wie das den Franzosen und Luxemburgern bekannte Lager Schirmeck i. Elsaß von einem übel beleumundeten, gewissen Bock mit Unterstützung des täglich angetrunkenen Lagerführers Eberle geleitet wurde. Die Verdienste dieses Rohlings, der übrigens eine Beinprothese hatte, wurden durch die Benennung einer Straße in Welzheim nach seinem Namen belohnt. Seiner würdig war der Empfang eines jeden Häftlings. Mit Peitschen wurde er, wohin auch immer 12 die Schläge fielen, verprügelt und dabei von einem Hund in den Hinterteil gebissen. Die Haare wurden geschoren, während der Häftling mit vorgestreckten Armen in der Kniebeuge bleiben mußte. Nach dem Haarschnitt wurde er heftig in den Rücken getreten, so daß er hinfiel und zur Seite rollte. Niedrig gesinnte, unmenschliche Elemente wie die Wachtmeister Rattke, Sachs und andere ließen ihren verrohten Sadismus an den Häftlingen in einer Form aus, daß man Ausnahmen wie den Maler Epple nicht vergessen kann. Schwerste Arbeit wie Steine zum Straßenbau tragen mußte ohne Rücksicht auf den körperlichen Zustand bei ungenügender Verpflegung in schier undenkbarem Ausmaß durchgeführt werden. Außer vielen, vielen Deutschen waren in diesem Lager Rotspanier, Tschechen und Polen mit je 6 Mann in den Zellen des ehemaligen Amtsgerichtsgefängnisses untergebracht, die für einen Mann gedacht waren. Wie Vellberg später als Schreiber im Lager feststellen konnte, wurden von der an sich geringen Verpflegungsration der Häftlinge die größten Mengen für die Wachtmeister abgezweigt. Der Hunger war ungeheuerlich und wird durch folgendes beleuchtet. Ein guter Kamerad hatte Geburtstag, der Magen knurrte in allen Tönen. An der Kette lag der bissige Hofhund. Er wurde so lange von dem Kameraden gereizt, bis er wütend auf diesen zustürzte. In diesem Augenblick riẞ Vellberg schnell den Freẞnapf an sich und ohne Löffel wurde der Inhalt, Fleischbrühe und Brotstücke mit den Händen in aller Heimlichkeit verzehrt! Selbst die Bewohner Welzheims wurden durch das harte Los der Inhaftierten gerührt. Brot 15 und Äpfel wurden an den Straßenrand gelegt und wo immer es möglich war, den Häftlingen mancherlei zugesteckt. Die vielen Polen waren meist wegen eines Verhältnisses mit einem deutschen Mädchen ins Lager gekommen. Gaben die Mädchen während des Verhörs zu, aus freiem Willen gehandelt zu haben, wurden sie auf zwei Jahre mit geschorenen Haaren in ein Lager gebracht. Behaupteten sie aber vergewaltigt zu sein, dann wurden die Polen gehängt, während sie frei ausgingen. Ein Steinbruch in der Nähe von Welzheim war der Schauplatz solcher Exekutionen. Im Winter 1941/42 lag der Schnee über einen Meter. Auf Holzschuhen ohne Socken, der ständigen Fußbekleidung im Sommer und Winter, mußten die Häftlinge den Autos der Herren von der Gestapo den Weg bahnen. Der Galgen, ein Vierkantholz mit einer dreistufigen Holztreppe von einem Holzscheit notdürftig gestützt, wurde aufgerichtet. Stand der Pole nun auf der dritten Stufe und hatte den Hals in der Schlinge, dann stieß einer der Gestapoleute mit dem Fuß so an das Holzscheit, daß die Treppe dem zu Hängenden unter den Beinen wegrutschte und er ins Seil fiel. Dabei verblieben die Fußspitzen kaum 6 cm über dem Erdboden. Die Fallstrecke war so gering, daß das Opfer sich, ein grausiger Anblick, unter anfänglich wildesten Zuckungen wand, die erst nach Minuten nachließen. Deutlich sah man die furchtbaren Todesqualen. Nach diesen Grausamkeiten begaben sich die in Galauniform erschienenen Herren der Gestapo zu einem Festessen. Der bekannte Assistent Wörner und der Lagerführer Eberle waren stets dabei. Vellberg durfte dann den Galgen abmontieren und für weitere Benutzungen zum Lager zurückbringen. 16 Nimm seiner Z Schandt Geistlic Spottes pfarrer einfache Älteren war, hat Das I tung de gestellt. nach je Sidol ge mußte, Den Juli 194 mit Wa allein ZV war nic Schlüss der Ein schlimm fach vo einer öf das in dem Von VO risten n 2 vo immer kt. nisses mit saben die n gehan- en Haaren gtzusein, sgingen. er Schau- er Schnee er ständi- ßten die den Weg eistufigen zt, wurde stufe und Gestapo- ppe dem r ins Seil über dem pfer sich, uckungen h man die eiten be- ı der Ge- ärner und ıg durfte utzungen | Nimmt es wunder, daß er sich in düsterer Stimmung in seiner Zelle die Frage vorlegte, warum der Herrgott solche Schandtaten zuließ. Um so mehr, als auch zwei katholische Geistliche zu den Häftlingen gehörten, die zur Zielscheibe des Spottes wurden. Hatten sie doch als blutsverwandte Land- pfarrer sich mit Hilfe des Beichtstuhles in ihrer Pfarrei die einfachen Bauernmädchen wie Bälle zugespielt. Was dem Älteren bei seinen mehr als 60 Jahren über die Kraft gegangen war, hatte er selbstlos seinem Neffen namens Nille übergeben. Das Lager Welzheim strotzte von Schikanen. Zur Verrich- tung der Notdurft war sämtlichen Häftlingen ein Eimer bereit- gestellt. Jeder hatte einen einstmals verzinnten Eßnapf, der nach jedem Essen— Kartoffelsuppe oder Weißkraut— mit Sidol gereinigt und mit trockenem Vim nachgerieben werden mußte, damit kein Rost ansetzte. Den Schreckenstagen dieser fünf Monate folgte Anfang Juli 1941 die Einzelhaft im Untersuchungsgefängnis Stuttgart mit Wanzen, immer wieder Wanzen. In einer Nacht wurden allein zweiundvierzig dieser Schmarotzer erledigt. An Schlafen war nicht zu denken! Dazu das Kommen und Gehen wie das Schlüsselrascheln auf den Gängen. Zeitweise Unterbrechung der Einzelhaft durch Zusammenpferchen mit Kriminellen schlimmster Sorte; so einmal mit einem Individuum, das viel- fach vorbestraft war. Unter anderem hatte dieses Untier in einer öffentlichen Badeanstalt vor Jugendlichen onaniert und das in der Hand aufgefangene Sperma gefressen. Von dem Kriminalassistenten Wörner wurde Vellberg mit dem von jenem gesammelten ‚Material‘ einem jungen Ju- risten nationalsozialistischer Prägung, dem Staatsanwalt Handt- 2 17 - mann übergeben. Alle Anfragen nach Beginn der Verhandlung wurden dahin beantwortet, daß das bereits seit langen Monaten zusammengetragene ,, Material" gesichtet werden müßte und nur Geduld am Platze wäre. Die alljährlichen Gerichtsferien gingen so vorüber, dem nassen Sommer folgte der nasse Herbst 1941. Hatte die nach Westen gelegene Zelle keinen Sommer, so setzte dann die nasse Kälte des Herbstes ein, ja es wurde Weihnachten und das Jahr 1942 begann. Immer die Hoffnung im Herzen, daß baldmöglich der zu Unrecht erfolgten Inhaftierung die goldene Freiheit folgen würde. Es hieß weiter Wanzen fangen. Endlich, am 3. Januar 1942 die Entlassung doch nur für zehn Tage! Unter dem Vorwand einer nochmaligen Vernehmung wurde Vellberg erneut durch den Assistenten Wörner aus der Wohnung der Eltern abgeholt, nach dem Haus der Gestapo in Stuttgart und für weitere drei Wochen nach Welzheim gebracht. Hier wurde ihm erstmalig die Anklageschrift zur Einsicht überreicht und der Verhandlungstermin bekannt gegeben. So kam er erneut ins Untersuchungsgefängnis bis zum Tage der Gerichtsverhandlung, die am 18. Februar von 8 Uhr 30 bis 20 Uhr und am 19. Februar bis 12 Uhr andauerte. Sie endete mit einem Freispruch mangels Beweises. Man bedenke, daß es sich um ein Sondergericht handelt, also ein Gericht, das, wie der Name schon sagt, sich sonderlich einstellte. Mit Recht glaubte Vellberg daran, endlich freizukommen, zu den Eltern heimkehren zu können. Doch wurde er nach der Verhandlung wieder in die Zelle geführt und kam in das Stadtgefängnis ,, Unter der Mauer" vollkommen im Ungewissen darüber, was aus ihm werden sollte. Acht Tage lang war er hier mit einem 70jährigen blin18 den, jüdischen Rechtsanwalt hinter Gittern, um mit ihm gemeinsam mit Transportwagen nach Schorndorf in Arrest und dann mit einem Zuge wieder nach dem Lager Welzheim gebracht zu werden. Unter dem Vorwand, daß der Schutzhaftbefehl vom Reichshauptsicherungsamt in Berlin überprüft werden müßte, folgten weitere vier Wochen schwerster StraBenbauarbeiten, weiteres Hungern, weitere Schikane- trotz Freispruch! Schrecklich war dann die Gewißheit, als es eines Morgens hieß: ,, Vellberg transportfähig machen"!, daß es nun fortgehe- nach Dachau. 21 Dachau Krematorium Gaskamm M.G Tur 0 Wea M Tu Der Transportwagen wurde über Nürnberg geleitet. Welche Demütigung! Mit dem Freispruch in der Tasche ging es zu zwei Mann aneinandergefesselt durch die Straßen der Stadt zum Gefängnis. Nach einer Woche war ein Sammeltransport zusammengestellt. Der allen Freiheitsliebenden in den Jahren des Naziregimes so verhaßt gewordene Name Dachau kam in Sicht. Aus dem Zuge ging es so schnell im Laufschritt in die bereit gestellten Lastwagen, daß niemand Gelegenheit hatte, sich nach rechts oder links umzuschauen. Nach ca. fünf Kilometer Fahrt fuhr man durch das Tor der Trübsal, das in riesigen Lettern die hohnvolle Inschrift trug: ,, Arbeit macht frei", gleichbedeutend oder besser noch Dante's ,, Laẞt alle Hoffnung fahren". Vellberg wie den anderen war es klar, wie dieser Spruch gemeint war. Nach den Wünschen dieser Nazis sollten sie ,, arbeiten", bis sie ,, auf"-gearbeitet waren. Das Lager Das Lager umfaßte ein Areal von ungefähr I × 1,5 km und war von einem ca. fünf Meter hohen Stacheldrahtzaun umgeben, der mit 400 Volt- Strom geladen war. Darauf folgte ein Drahltverhau und ein angelegter, durch seine glatten ZementPappeln 0 00 0 Bach Brucke 000 O O 3 22 C O O Welche g es zu er Stadt ansport Jahren kam in t in die t hatte, f Kilodas in I macht aẞt alle lar, wie r Nazis km und un umgte ein ement0 Pappeln 0 oooo O O O O 400 Volt- Draht Bach M.G Turm Weg Drahtverhau Kleine Lagerstrasse Block 000 00 M.GX Turm 000 Krematorium A Gaskammern, Graben mit glatt zementierten 9 Wänden - 8 10-00 OG Bracke 000 0 0 0 Stube o 4321 Messer- Arbeits schmitt Einsatz Blockstrasse 0 0 Museum Magazin O Lagerstrasse Pappeln 0 O o o 00 0 Revier Revier Revier Blockstrasse Revier Haus Haus L Tor Appell- Platz M.G.Turm Gehweg Pappel 0 Gehweg Pappeln DX Kammer Küche Bad Tor Hof Arrestzellen --11-136 Block 1 Kleine Lagerstrasse Plantage SS- Straflager Kammer Wascherei Hof Dunkel Arrestzellen DX X htverhau Tar 400 Volt Strom M.G. Turm M.G. Turm M.G. Turm wände schier unüberwindbarer, tieferer Graben. Außerhalb des stromgeladenen Drahtes floß auf der einen Seite des Lagers ein sechs Meter breiter Bach, während an seiner Stelle auf der anderen Seite sich eine hohe Mauer befand. Zur weiteren Sicherung der Haft standen auf allen Seiten Maschinengewehrtürme. Trat man durch das Jourhaus mit dem Tor ,, Arbeit macht frei" ins eigentliche Häftlingslager, dann lagen rechter Hand die Wirtschaftsgebäude mit Küche, Wäscherei, Bad und Kammern. Links standen in zwei Reihen die Baracken. Auf der einen Seite die mit geraden, auf der anderen Seite die mit ungeraden Zahlen. Jede Baracke, in Dachau Block genannt, unterstand einem Häftling als sogenanntem Blockältesten und faßte bis zu I 300 Mann. Die 44 hatte jeden Block einem Blockführer zugeteilt. Dieser hatte dem diensttuenden Lagerführer, einem Hauptscharführer, Unter-, Ober- oder Hauptsturmführer Meldung zu machen. Alle unterstanden dem Kommandanten im Range eines Sturmbannführers. Welche Männer waren denn nun die Patent- Pädagogen, die die Häftlinge durch Arbeit frei machen sollten, welche Eigenschaften hatten sie? Der einzige als anständig zu bezeichnende Kerl in dieser Reihe war der aus Schwäbisch Hall gebürtige Oberscharführer Leonhardt, der in Friedenszeiten ein Manufakturwarengeschäft geführt hatte. Er tat niemandem etwas zuleide. Vielmals versuchte er zu lindern, wo es ging. Er hatte innere Werte. Ein gefährlicher Intrigant dagegen war der Oberscharführer Bach, ein ehemaliger kleiner Justizbeamter aus Konstanz. Da 25 gab es gar zu oft gesuchte Anlässe zu den berühmten Lagerstrafen. Wehe dem Häftling, der nun diesem brutalen, hinterhältigen Gesellen überantwortet wurde. Der Ehrgeiz, die Sucht dienstrangmäßig vorwärts zu kommen und der Umstand, daß Bach von sich und seiner Arbeit ungewöhnlich eingenommen war, brachten seine Opfer, die er zu„ ,, verhören" hatte, in furchtbare Situationen. Selbstverständlich mußten diese Verhöre stets mit Schlägen durchgeführt werden. Das Ergebnis der Aufzeichnungen hatte dann auch immer den von ihm gewünschten Erfolg zum Schrecken des ihm überantworteten Häftlings. Ein anderer, gescheiterter Emporkömmling war der Hauptscharführer Xaver Trenkle, ein ehemaliger Waldarbeiter. Trotz des korrupten Systems in der 44 hatte er es in der 44- Führerschule zu keinem Erfolg bringen können. Seine Verwendung als Lagerführer nutzte er weidlich aus. Er überbot sich in Unmenschlichkeiten aller Art gegenüber den Häftlingen und teilte mit einem gierigen Sadismus mittels eines Ochsenziemers eigenhändig Prügel aus. Eine geradezu gefährliche Bestie war dieser sogenannte Führer des Lagers. Hauptscharführer Blatterspiel, der die gesamte Wache unter sich hatte, war zwar von sich aus gutmütig, doch stellte dieses grausige System seine Forderungen. So mußte auch er Prügeleien veranstalten. In großen Mieten waren gelbe Rüben und Kraut eingewintert. Die besonders ausgehungerten Russen stahlen, wo immer sie konnten, aus diesen Mieten. Blatterspiels Spezialität war es nun, diese Ärmsten zu fangen und dann unter seinen Schlägen leiden zu sehen. Die an sich allgemein als überaus schwer zu bezeichnende Häftlingsarbeit hatte bei allem doch gewisse Graduiernugen. 26 Hier ließ aus. Dies tester We einsatz d auf" arb hatte. Das gr in der H der dort i da Schlä einer Art Es bed Herren d man sich bei diese sturmfül ,, Stück Platz ode oder ,, H kerstand verrohte zum La deren Fa in das I Sein sturmfül Er hatte vieles be scheinlic en Lagern, hinterrgeiz, die der Umnlich einwerhören" mußten den. Das r den von überantporkömmhemaliger -44 hatte n können. ch aus. Er nüber den as mittels geradezu es Lagers. che unter Ilte dieses er Prügeüben und n Russen atterspiels und dann eichnende Liernugen. Hier ließ sich die Heimtücke des Hauptscharführers Welter aus. Dieses gemeingefährliche Individuum wußte in raffiniertester Weise durch den ihm unterstellten, gesamten Arbeitseinsatz diejenigen bis zum Weißbluten zu quälen oder sie ,, auf" arbeiten zu lassen, die er sich aufs Korn genommen hatte. Das größte Schwein war wohl der Hauptscharführer Wagner in der Häftlingswäscherei. Es gibt einfach keinen Häftling, der dort in seinem Arbeitsgebiet ohne Prügel ausgegangen wäre, da Schlägeausteilen sich bei diesem Ungeheuer regelrecht zu einer Art Sport ausgebildet hatte. Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß sich alle diese Herren den Häftlingen gegenüber eines Tones bedienten, den man sich einfach nicht vorstellen kann. Trotzdem gab es auch bei diesen noch einige Unterschiede. Da war nun der Obersturmführer Hoffmann aus Hof i. Bayern. Er redete jeden mit ,, Stück Scheiße" an. Weit dröhnte sein Gebrüll über den Platz oder durch die Baracken: ,, Komm her du Stück Scheiße!" oder ,, Hau ab du Stück Scheiße!" Er kam aus dem Handwerkerstand, hatte es aber durch allerlei Auszeichnungen infolge verrohter Menschenbehandlung zu seinem Dienstgrad und zum Lagerführer gebracht. Seine diesbezüglichen, besonderen Fähigkeiten brachten ihn dann wohl auch von Dachau in das Konzentrationslager Auschwitz bei Kattowitz. Sein Nachfolger als erster Lagerführer wurde der Hauptsturmführer Michael Redwitz, ebenfalls aus Hof i. Bayern. Er hatte eine höhere Schulbildung genossen und war zwar um vieles besser als sein Vorgänger, doch war auch er höchst wahrscheinlich durch das System zu einem üblen Intriganten 27 geworden. Seine Spezialität waren die Pfarrer. Besonders nach durchgebrachten Nächten konnte man ihn zum Block der Geistlichen schlendern sehen und dann sein Brüllen weit vernehmen. Wenn nun die objektive Darstellung dieser Persönlichkeiten davon berichtet, daß die Spitze, also der Lagerkommandant, Sturmbannführer Weiß, zwar ein strenger, aber, soweit es die Verhältnisse zuließen, bis zu einem gewissen Grade objektiver Mann war, so darf man nie vergessen, daß er ja letzten Endes die Verantwortung dafür trug, daß sich unter seiner Leitung in diesen Jahren solche Charaktere wie die geschilderten halten, ja daß sich unter seinem Regime die noch folgenden Erbärmlichkeiten, Bestialitäten bis zum Mord abspielen konnten. Sein Nachfolger wurde kurz vor der Entlassung Vellbergs der Obersturmbannführer Weiter, ein kleiner, dicker Mann mit scheinbar guten Anlagen. Der Leser wird selbst erkennen, daß das ganze Buch nicht auf Sensationslüsternheit, sondern auf die Darstellung nackter Tatsachen abgestellt ist. Zwar steht schon das bisher Gelesene bestimmt in vollem Widerspruch zu dem, was der brave Bürger in Deutschland sich unter dem Nationalsozialismus gedacht hat, mag er zu ihm gestanden haben, wie er wollte, doch kann sich der Schreiber nur auf eine Auslese beschränken. Eine eingehende Darstellung dieser Unmenschen, die als Unterführer und Führer in diesem Lager über das traurige Schicksal der Häftlinge zu entscheiden hatten, ja über ihr Fortleben würde selbst ein gesamtes Werk anfüllen. Es soll die Beschreibung dieser Unholde damit enden, 28 daß unu handlung stammte. Behandl stach de ren ab. onders daß unumwunden zugegeben wird, daß sich an der Be- Block handlung jeweils erkennen ließ, woher das Individuum srüllen stammte. Je niedriger die Charge, um so verheerender die Behandlung, je höher der Bildungsgrad, um so angenehmer snlich- stach der Grad der Quälereien gegenüber dem der ande- nman- ren ab. ST, SO- wissen n, daß ß sich raktere m Re- litäten llbergs Mann ı nicht ; nack- er Ge r brave ‚lismus wollte, ‚chrän- schen, ‚er das hatten, k a0- enden; 29 Das Leben in Dachau Es sträubt sich die Feder, im Angesicht des Folgenden überhaupt von ,, Leben" zu schreiben, denn die Quälereien waren so ungeheuerlich, daß sie nicht als Leben bezeichnet werden dürften. Das einzige Gefühl, das neben der Trauer um die vielen, vielen Unschuldigen bei der Erinnerung auftaucht, kann eigentlich nur Haß sein. Das Gedenken an die vielen Menschen, die diesen Scheußlichkeiten zum Opfer fielen, oft schon am Anfang, in vielen Fällen aber nach Jahren bittersten Leides erst das Leben aushauchen mußten, kann wirklich nur ein Verlangen nach Sühne in mindestens gleicher Form aufkommen lassen. Die vor dem Geiste erneut auftauchenden Bilder dieser Quälereien fordern kategorisch eine Veröffentlichung in breitesten Schichten des deutschen Volkes. Es wird sich klar darüber werden müssen, daß es schuldig ist in seiner Gesamtheit an diesen gewaltigen Opfern, die jene gebracht haben, die den Mut hatten, das verruchte System der nationalsozialistischen Freiheitsberaubung in Worten und Taten zu geißeln. Jeden Menschen, ob Deutschen, Franzosen, Engländer oder Amerikaner wird das ,, Leben" in diesem unrühmlichst bekannt gewordenen Lager Dachau interessieren. Darum wohl hat er sich ja dieses Buch gekauft. Der Name des Häft30 lings, ob wichtig i Namen schaft in Hauptsta auch in schieren geworde Konzent Bezeichn Es war dem eig ein gro raum. H denen beiteten komman notwend Berufe Ursp Zentrale Viele A verschi nach a weise w ehemali war, H Ulm, S 44- Mar nden reien Thnet rauer aufn an zum nach Bten, stens e erkatedes issen, waltiatten, heitsFinder lichst arum Häftlings, ob es ein Vellberg oder Meyer ist, spielt keine Rolle, wichtig ist der Einblick in das Geschehen, das sich mit dem Namen ,, Dachau" gedanklich verbindet. Jener kleinen Ortschaft in Bayern in der Nähe Münchens, der seinerzeitigen Hauptstadt der Bewegung, die es sich nicht nehmen ließ, auch in dieser Richtung tonangebend an der Spitze zu marschieren. In der Nähe von Dachau also war dieses berühmt gewordene, mit Fluch, Schimpf und Schande beladene Konzentrationslager gleichen Namens. Lager ist eine falsche Bezeichnung, da sie irrtümliche Vorstellungen hervorruft. Es war ein größerer Ort, ja eine kleine Stadt, denn außer dem eigentlichen Häftlingslager befand sich um dieses herum ein großer Bereich mit vielen Quadratkilometern Flächenraum. Hier befanden sich größere Wirtschaftsbetriebe, in denen die abkommandierten, handwerklichen Häftlinge arbeiteten. Etwa I 000 Mann stark war das tägliche Arbeitskommando. Neben den zur Selbstversorgung des Lagers notwendigen Arbeiten wurden fast alle Arten handwerklicher Berufe dort ausgeführt. Ursprünglich war dieses Konzentrationslager Dachau die Zentrale aller weiteren Konzentrationslager in Deutschland. Viele Arbeitskräfte wurden von hier aus in die anderen Lager verschickt. Aber auch kleinere Arbeitskommandos wurden nach allen Teilen Süddeutschlands abgegeben. Beispielsweise wurden auch nach Schloß Ischl im Wörgeltal, wo der ehemalige französische Ministerpräsident Daladier interniert war, Häftlinge abkommandiert. Nach Konstanz, Kempten, Ulm, Stuttgart usw. waren kleinere Kommandos mit je einem 44- Mann unterwegs. 31 Der Außenstehende, der Unwissende wird nun bestimmt annehmen, daß diese als die Glücklicheren zu bezeichnen waren, weil sie den Unbilden des Konzentrationslagers entzogen waren. Welch fundamentaler Irrtum! Meist kehrten diese Abgestellten später in Sammeltransporten als Invaliden nach Dachau zurück. Besonders das Konzentrationslager in Ravensbrück mit seinen Steinbrüchen hatte einen ungeheuren Häftlingsverschleiß und einen ungewöhnlich hohen Bedarf an Arbeitskräften. Laufend erhielt es neue ,, Ware" und schickte laufend Invalidentransporte nach Dachau zurück. Diese ausgelaugten Menschen durften sich dann in Dachau ,, erholen". Diese Erholung bestand lediglich darin, daß sie für recht kurze Zeit von der Arbeit befreit waren. Außer der, ach so knappen Lagerverpflegung erhielten sie selbstverständlich keinerlei Zusatz an Nahrung. Es wurde bestenfalls versucht, diese Arbeitskraft durch gewährte Ruhepause körperlich nach den Auffassungen dieser Unholde für einen zweiten Arbeitseinsatz wiederherzustellen. Ging dieser Versuch fehl oder versprach er nicht den erwarteten Erfolg, so war diesen Bestien daran auch nicht viel gelegen, denn dann wurde diese Nummer einfach abgeschrieben. Es lag ja in der Hand dieses Gewaltsystems sich ohne jede Mühe schnell Ersatz zu schaffen. Ebenso leicht fiel die Abschreibung! Die in Massen vorliegende Sterbeurkunde bescheinigte eben den Angehörigen, daß der Häftling an ,, Kreislaufstörungen" verstorben wäre, auch in den Fällen, in denen der Betreffende als„ ,, Versuchskaninchen" zugrunde gegangen war. Da war beispielsweise eine„ nette" Malariastation, die irgendein von Adolf Hitler berufener und höchst wahrschein32 lich als fessor abkomm Anophe schenke lichen Blutpro das Ve geführt eben, Die auf ein verpfla aus de ren St Auß geln in die nic erhelle Regim Man b priesen legenh als Go gott in Noc sich u Eiswas bis er 3 Stimmt ichnen slagers ehrten validen nslager n un- hohen Ware“ au ZU- ann in darin, waren. en sie wurde Ruhe- de für dieser Erfolg, ı dann in der ‚chnell g! Die fl den ngen“ 3etref- ar. 5 die chein- lich als nationalsozialistische Kapazität herausgestellter Pro- fessor eingerichtet erhalten hatte, wohin gesunde Häftlinge abkommandiert wurden. Ihnen wurde zwangsweise die Anopheles-Mücke in einem kleinen Drahtkäfig am Ober- schenkel angesetzt, um von ihr als Überträgerin der gefähr- lichen Malaria gestochen zu werden. Täglich wurden dann Blutproben genommen. Waren die Fälle negativ, hatte also das Verfahren mit der Anophelesmücke nicht zum Erfolg geführt, half man sich sehr einfach. Man verstand es dann eben, durch Injektionen die Fälle positiv zu gestalten! Die fürchterlichsten Phlegmone(Eitergeschwüre) wurden auf einer anderen Station auf Glieder gesunder Menschen verpflanzt. Man schnitt ihnen ein Stück gesunden Fleisches aus dem Körper und setzte skrupelios die Phlegmone an de- ren Stelle an! Außer diesen Versuchen gab es vielerlei andere. Sie spie- geln in ihrer Art die erschreckende Gewissenlosigkeit wider, die nicht etwa nur die Eigenart dieser Konzentrationslager erhellen. Sie sind als Symptome des nationalsozialistischen Regimes, dieser verruchten Gewaltherrschaft zu werten. Man bedenke, daß der ‚Führer‘ dieses als Idealismus ge- priesenen Systems bei jeder möglichen und unmöglichen Ge- legenheit in seiner Verlogenheit und in seinem Wahn, sich als Gottbegnadeter zu fühlen, die Vorsehung und den Herr- gott in seinen Reden anrief! Noch ein Beispiel der Versuchs,‚technik“! Es handelte sich um Versuche für die Luftwaffe. Der Häftling wurde in Eiswasser geworfen und mußte darin: solange schwimmen, bis er bewußtlos unterging. Dann wurde er von zwei vreib- 3 3 lichen Häftlingen, die man zu diesem Zweck aus Ravens- brück nach Dachau abkommandiert hatte, frottiert und ins Bett gepackt. Die aus Ravensbrück abkommandierten, ihn behandelnden Mädchen hatten sich zu dem Opfer ins Bett zu legen. Mit der Stoppuhr in der Hand wurde genau fest- gestellt, wie lange Zeit der Häftling benötigte, um das Bewußt- sein wieder zu erlangen, das heißt, bis er die ersten Re- aktionen nach der Ohnmacht zeigte. Dann wurde festgestellt, wieviel Zeit verstreicht, bis es bei dem Manne infolge der beiden neben ihm liegenden, warmen, nackten Mädchen- körper zu Erektionen kam! Eigentlich wird sich der Leser nach diesen Darstellungen über die in dem Konzentrationslager Dachau herrschenden hygienischen Verhältnisse schon eine eigene Vorstellung machen können. Es soll ihm aber auch darin etwas geboten werden. In dem sogenannten Revier befanden sich außer diesen Versuchskaninchen und den Invaliden viele Fälle von Krätze, Bartflechte und anderen Hautkrankheiten. Auch eine innere Station gab es. Vom Dezember 1942 bis zum Juli 1943, also über ein halbes Jahr, lagen auf dieser Station viele tausend Häftlinge mit Typhus abdominalis(Bauch- typhus). Auch Vellberg gehörte zu diesen Bedauernswerten sechs Monate lang. Bei einer Körperlänge von 1,76 m war das Gewicht auf ganze 52 kg heruntergegangen! Nach den bisherigen Darlegungen wird sich jeder denken können, daß die hygienische Behandlung wie die Versorgung mit Medi- kamenten durchaus den bestialischen Gedankengängen der allgemeinen Menschenbehandlung entsprach. Die Epidemie hätte im entgegengesetzten Falle weder die Ausmaße ange- 34 nommen, noch sich über einen so gewaltig langen Zeitraum erstreckt. Medikamente zur Heilung wurden ebensowenig verabreicht wie Prophylaktika. Letztere wurden nur an die 44- Angehörigen ausgegeben, bis zu 60 Ampullen zum Spritzen. Die Häftlinge waren nur auf gegenseitige Hilfe untereinander angewiesen, die selbstverständlich gänzlich unzureichend war. Antiseptika wie alle in solchen Fällen notwendigen Reinigungsmittel waren nur in ganz beschränktem Umfange vorhanden. Infolge der ungenügenden Reinlichkeit stellte sich bei den meisten Krankheitsfällen noch Gesichtsrose ein. Wie fast alle, hatte auch Vellberg unter dem wochenlangen Fieber so zu leiden, daß ihn die Kräfte fast völlig verließen und er sich seinem Ende nahe fühlte. Nur der ungeheure Wille, selbst dieses Schwere zu überwinden, und seine als Bergsteiger geschulte, körperliche Widerstandsfähigkeit und die glückliche, starke Veranlagung von Natur aus ließen ihn das Schlimmste überstehen. Doch wurde er infolge des Typhus mit einer beiderseitigen Mittelohreiterung für sechs Wochen erneut aufs Krankenlager geworfen. Niemand ist imstande, sich nur annähernd in seine Lage zu versetzen, es sei denn, er hat das gleiche Schicksal erleben müssen. Er hätte wie alle Bedauernswerten durch das lange und harte Lager am ganzen Körper mit offenen Wunden bedeckt, vom heftigsten Fieber geschüttelt die Kräfte zusehends schwinden sehen. Kaum Rekonvaleszent, erneute, kaum ertragbare Schmerzen, daß er meinte, der Kopf müßte platzen. Neben sich die vielen, die durch die Krankheit und die schlechte Behandlung eine chronische Lungenentzündung bekamen. Viele gingen ein. Welche Gedanken mußten ihn 37 und seine Kameraden bewegen, die meist doch nur um ihrer freiheitlichen Überzeugung willen diesen Drangsalen ausgesetzt waren. Trotz schärfster, dem politischen System vollkommen verfallener Gerichtsbarkeit freigesprochen nicht hinter Gittern, nein einer Behandlung ausgesetzt, wie sie selbst Negersklaven nicht erleben mußten. So blieb für die Zeit des Krankenlagers die Frage offen, ob die seelischen oder die körperlichen Schmerzen heftiger waren. Der Weg aus dem Revier führte meist ,, durch den Kamin", wie die Zebraisten zu sagen pflegten. Er wurde gar zu oft als Erlösung empfunden. Viele also verreckten elendiglich und kamen in das eigens für Dachau gebaute Krematorium. Dieses war anfänglich reichlich primitiv, so daß zu viel Knochen überblieben, die des Nachts im Mondenschein wie heller Glimmer leuchteten. Von Zeit zu Zeit, wenn dieser traurige Haufen zu groß wurde, mußten die Häftlinge diese kläglichen Überreste ihrer ehemaligen Kameraden vergraben. Später wurde der ,, Betrieb" modernisiert und den gesteigerten Anforderungen entsprechend vergrößert. Das Arbeitskommando der ,, Baracke X", eine Tarnung für das Krematorium, setzte sich aus vier Häftlingen, meistens Juden zusammen. Zwar bekamen sie etwas zusätzliche Verpflegung, doch mußten sie alle ihre scheußliche Arbeit mit dem Bewußtsein verrichten, nach wenigen Monaten auf dem gleichen ,, Rost" zu enden, auf dem sie Tausende von Abgängen" aufgeschichtet hatten. Sie waren sich im klaren darüber, daß diese Maßnahme zur Geheimhaltung dieser grausigen ,, Rösterei" durchgeführt wurde. In den Jahren 1942 und 1943 war bei der ,, Baracke X" eine we mern. H fache, a ersehen Dusche nur Abl ihren K Das Ha Das reicht liden d malen. mageru Er ist anders sich di Oberscl zogene und lie ausfalle insbeso schaft deutete waren. wenige 44- Ma die mu holten Vell 38 ihrer ausstem nicht e sie r die schen min", ft als und Dieses Ochen heller urige ichen päter erten komremazugung, Beglei,, AbClaren Hieser e X" eine weitere Neuerung erstanden, die verrufenen Gaskammern. Es handelte sich hierbei um eine ungewöhnlich einfache, allerdings ebenso skrupellose Einrichtung! Die ausersehenen Zebraisten wurden zum Brausebad unter die Dusche geführt. Das Handtuch, das sie mitbekamen, war nur Ablenkung, nur Attrappe, denn aus den Brausen über ihren Köpfen strömte nicht Wasser, sondern flüssiges Gas! Das Handtuch brauchten sie nie mehr. Das gewöhnliche Vorstellungsvermögen eines Menschen reicht nicht aus, sich das Aussehen der Kranken oder Invaliden dieses Konzentrationslagers Dachau irgendwie auszumalen. Selbst bei Menschen mit außergewöhnlicher Abmagerung ist im normalen Leben der After nicht sichtbar. Er ist zwischen die Gesäßbacken eingebettet. Anders, ganz anders war es um diese Opfer bestellt. Bei ihnen schlossen sich die Oberschenkel nicht, der After lag völlig bloß. Die Oberschenkel waren nur mit Haut, grauer, welker Haut überzogene Knochen. Die Schließmuskel des Afters waren erlahmt und ließen durch die Öffnung stets den Kot langsam herausfallen. Diese armen Opfer fielen trotz der im Lager, wie insbesondere im Revier allgemein herrschenden Kameradschaft den übrigen Kranken sehr zur Last. Was aber bedeutete das für die Bestien, denen sie alle überantwortet waren. Bei Ausbruch der Typhusepidemie verblieben nur wenige, mit allen modernen Schutzmitteln ausgerüstete 44- Männer zur Bewachung in ihrer Nähe. Von allen anderen, die mucig das Feld räumten, war nichts mehr zu sehen. Sie holten bestenfalls neue Invalidentransporte. Vellberg erinnert sich an einen Transport von Invaliden 39 aus dem Konzentrationslager Stuthof bei Danzig, der selbst dem Kommandanten Weiß etwas über die Nerven ging. Eine Anzahl von rund 150 Zebraisten war von dort im Herbst 1942 nach Dachau auf den Weg gebracht worden. Die 44- Begleitmannschaft hatte begreiflicherweise nach dem ihnen geläufigen Empfinden gegenüber Häftlingen keine Neigung, sich mit dem Transport Arbeit zu machen. So übergaben sie den Invaliden den für sieben Tage berechneten Proviant der gesamten Transportdauer und plombierten die Güterwagen. Die völlig ausgehungerten Zebraisten stürzten sich selbstverständlich gierig darüber her. Die einen wurden sofort das Opfer dieser Gier und starben an der ungewohnt reichlichen Zufuhr, die anderen wanden sich unter schrecklichen Schmerzen. Welch schauriger Anblick aber bot sich den Häftlingen beim Öffnen des Wagens, als sie die Invaliden in Dachau in Empfang zu nehmen hatten! Man zählte vierundzwanzig Leichen. Ein Häftling oder eine Häftlingsleiche fehlte ganz. Einem anderen hatten die Eingeschlossenen Herz, Leber und Partien aus dem Oberschenkel vom Körper gerissen und aufgefressen. Von den sofort in das Revier gelieferten starben noch in der gleichen Nacht weitere sechsundzwanzig Häftlinge! Das Krematorium, die ,, Baracke X" lief auf hohe Touren, der Rauch zog weithin über das Lager. Der Lagerkommandant Weiß leitete zwar eine Untersuchung ein, Vellberg kann aber über den Erfolg dieser Untersuchung nichts berichten. Nun das ändert ja nichts, denn jedem anständigen Menschen wird die Tatsache genügen, daß dieses System derartige Unmenschlichkeiten ermöglichte. 40 Gar zu schon in Hilflosen, an einem im Netz d in Spiritu Selbstzerf Arten vo sehen. Di gesamten der versch lager oder fürer der ließen es stets diese es auch fu einzigartig Vour vorz trationslag Besuch ab Hitlers. Z tät und b selbst ging. Herbst 44- BeVerzweiflung ihnen igung, Den sie Coviant Gütern sich en sowohnt hreckpot sich Invazählte tlingsssenen KörRevier sechske X" Lager. chung chung m andieses - Gar zu oft packte helle Verzweiflung die Eingelieferten schon in den ersten Tagen. Dann hingen sie- die Armen, Hilflosen, Geschlagenen, Getretenen und Verlassenen an einem Morgen im 400 Voltdraht gleich toten Mücken im Netz der Spinne. Von diesen armen Opfern wurden Teile in Spiritus gelegt und im Lagermuseum als Produkte einer Selbstzerfleischung zur Schau gestellt. Die verschiedensten Arten von Selbstverstümmelung waren dort ebenfalls zu sehen. Dieser oder jener mag vielleicht denken, daß diese gesamten Vorkommnisse nur eine interne Angelegenheit der verschiedenen Lagerkommandanten aller Konzentrationslager oder deren Gesamtführung war. Weit gefehlt. Der Reichsfürer der 44, Heinrich Himmler, und der Gauleiter Wagner ließen es sich nicht entgehen, bei ihrer Anwesenheit im Lager stets diesem Museum einen Besuch abzustatten. Sie hielten es auch für ihre Pflicht, Gästen, die sie bei sich hatten, diese einzigartige Schau gräßlichster Verrohungsdelikte mit Bravour vorzuführen. Selbst die einzige Frau, die das Konzentrationslager Dachau betrat, stattete dieser Schau ihren Besuch ab, Pia, die ,, rühmlichst" bekannte Krankenschwester Hitlers. Zu Weihnachten allerdings machte sie in Humanität und begann ihre verlogenen, hinterhältigen Ausführungen 41 mit der hohnvollen Anrede:„Deutsche Männer in Häftlings- kleidung!“ Mehrmals im Jahre erstattete sie Hitler Bericht über das Lager. Man sage also nicht, daß dieser Mann von den Scheußlichkeiten in den Konzentrationslagern nicht un- terrichtet gewesen wäre. Er war sehr genau unterrichtet. Diese Bestien, die die Häftlinge aufs fürchterlichste drang- salierten, waren ja alle Fleisch von seinem Fleisch. Waren es Hunderttausende, die in den Konzentrationslagern seinen Trabanten ausgeliefert waren, so blieb es ihm vorbehalten, sein eigenes Volk in der Gesamtheit, ja die Völker Europas zu quälen und zugrunde zu richten. Das ganze Jahr über beschäftigte jene Krankenschwester Pia ein Arbeitskommando von drei bis vier Mann aus Dachau in ihrem Münchener Haushalt. Dort nun hatten die Häftlinge Gelegenheit mit eigenen Augen zu sehen, daß nur das breite Volk Mangel an Lebensmitteln kannte. Hier waren die Bestände, wie übrigens allgemein bekannt, bei allen Bonzen und Ober- bonzen des Naziregimes nach jeder Richtung zum Bersten angefüllt. Sie waren ja auch für die stetig zunehmenden Prassereien eine zwingende Notwendigkeit. Doch nicht nur den Bedarf an Arbeitskräften ließ sich Schwester Pia aus Dachau decken, nein, auch den Bedarf an Mannsbildern, wie man in Bayern so schön sagt. Damit suchte sie die Lücke auszufüllen, die Alter und Mangel an Schönheit ihr gelassen hatten. Diese Verzweifelten oder der Verzweiflung nahe stehen- den trugen sich mit schweren Gedanken. Sie schritten durch die Tiefe des Lebens. Jeder aber, der die Tiefen und Höhen des Lebens kennen gelernt hat, weiß erst Kameradschaft zu 42 würdigen. Wie froh waren diese Ärmsten über einen Freund, der ihnen in schwerster Stunde zur Seite stand. Allzu groß war die Anzahl dieser erschreckend schweren Stunden. Ein gutes Wort zur rechten Stunde, eine kleine Unterstützung bei der Arbeit, gerade dann, wenn der andere schwach zu werden droht, war von unermeßlichem Wert. Vellbergs guter Kamerad war Karl Jörrschick aus Chemnitz, Nikolaistraße 10. Besonders in der Zeit der Typhuserkrankung stand er ihm unermüdlich zur Seite. Selbst auf die Gefahr hin, angesteckt und von dieser Seuche dahingerafft zu werden, kam er auf Schleichwegen ins Revier. Er brachte Vellberg zusätzliche Lebensmittel, vor allen Dingen vitaminreiches Obst, das er, weiß Gott, auf welche schwierige Weise irgendwo auf der Arbeitsstelle draußen organisiert hatte. Dabei muß man wissen, daß alle von den Außenstellen zurückkehrenden Zebraisten abends beim Einrücken am Tor gefilzt, also genauestens untersucht wurden, ja daß hohe Lagerstrafen darauf lagen, wenn man irgend etwas fand. Jörrschick nahm das alles aus Kameradschaft auf sich. Dabei war er vorher schon einmal aus einem guten Küchenkommando mit Strafe herausgeflogen, weil er abends einem hungrigen Kameraden etwas ins Lager gebracht hatte. Jörrschick war ein guter Kamerad, ein ganzer Kerl, der es allerdings schroff ablehnte, Christ genannt zu werden. Im Gegensatz zu ihm gab es leider auch unsaubere Charaktere. Besonders unter den Pfarrern zeigten sich- jetzt ihrer bedauernswerter Weise patriarchalischen Würde beraubt Charaktereigenschaften niedrigster Art. Es sollen aus der Reihe beschämender Vorfälle nur wenige zur Kenntnis ge- 45 bracht werden, denn der Verfasser sieht es nicht als seine Aufgabe an, mit den Geistlichen zu rechten. Die katholischen Häftlinge glaubten ihre Seelennot, ihrem Glauben entsprechend durch eine gründliche Beichte zu erleichtern und auch Kraft daraus zu schöpfen. Diesen Umstand nutzte zum Beispiel ein katholischer Geistlicher, der ebenfalls als Häftling im Lager war, in skrupelloser Weise aus. Es war, das soll nicht unerwähnt bleiben, streng verboten, kirchliche Riten durchzuführen. Für das Risiko entdeckt zu werden nahm nun dieser brave Gottesmann jedem Beichtling die Beichte für einen Laib Brot ab. Das bedeutete in dem Konzentrationslager Dachau nahezu eine ganze Wochenration. Der Häftling war seiner Meinung nach zwar seine Sünden los, dafür war er durch die vorbildliche, christliche Nächstenliebe seines Beichtvaters auch die Verpflegung für eine Woche los und hatte runde acht Tage mehr Hunger als vorher. Von alten Lagerhasen wurde natürlich dieses Vorbild an Selbstlosigkeit ins Jenseits befördert, ohne daß der Fall dem Kommandanten gemeldet wurde. Derartige Angelegenheiten wurden unter den Zebraisten meist selbst erledigt. Die These:„ Wer Brot stiehlt, begeht Mord am Kameraden" war unumstößlich. Das war nur zu verständlich, denn bei den ungewöhnlich knappen Rationen mußte Diebstahl an Nahrungsmitteln als Mord am Kameraden angesehen werden und auf Mord stand Totschlag. Nur auf diese Weise konnte, wenn auch äußerst streng und grausam, unter den vielen, durch Hunger willensschwach gewordenen Menschen einigermaBen Disziplin gehalten werden. So stahl mancher nur 46 einmal B Ein an losen, sch Handreic Er, der a gängen f geschrieb schmählic Hinterlas Es war hohen P beteiligt männer arg verw konnten gemeiner doch so gab es a Du" an schwierig auf der Kamerad ragende, wartet w lich" we Situation und was die Bew messen seine Chrem e zu Umder Weise verentedem utete ganze zwar ristpflemehr rlich -dert, urde. isten Hehlt, Das nlich itteln auf wenn urch rmanur einmal Brot, in der Folge hatte er keines mehr nötig! Ein anderer Pfaffe lag weniger schwer erkrankt mit hilflosen, schweren Typhuskranken zusammen, um ihnen mit Handreichungen zu dienen. Was tat nun dieser Gottessohn? Er, der allem Materialismus und allen irdischen Gedankengängen fern stehen sollte, legte den Sterbenden ein vorgeschriebenes Formular zur Unterschrift vor. Auf diese schmähliche Art ließ er sich bescheinigen, daß die geringe Hinterlassenschaft des Toten ihm gehöre. Es war tief beschämend, daß die Pfarrer mit einem recht hohen Prozentsatz an den Lagerstrafen wegen Diebstahl beteiligt waren. Im Leben draußen waren diese Gottesmänner von ihren Gemeinden verweichlicht und kulinarisch arg verwöhnt worden. Sie waren nicht satt zu kriegen, sie konnten sich aber auch nicht wie andere Häftlinge im allgemeinen Interesse der Lagerinsassen nach und nach der doch so notwendigen Genügsamkeit befleißigen. Natürlich gab es auch andere Pfarrer, die im Lager, wo alles sich mit ,, Du" anredete, sich bestens zurechtfanden und unter den schwierigsten Verhältnissen ihren Mann stellten wie einstens auf der Kanzel. Gern und jederzeit wurden diese als ganze Kameraden gewertet. Die meisten aber zeigten keine überragende, charakterliche Qualität, wie es zunächst doch erwartet wurde. Der Hunger hatte sie meist alle recht ,, menschlich" werden lassen. Sie waren eben wie alle anderen in die Situation geraten, die unbarmherzig offenbart, was Wesen und was Maske an den Menschen ist. Auch für sie hieß es, die Bewährungsprobe zu bestehen, die in der Echtheit gemessen wurde. 47 Eigenartig in ihrem Wesen und hervorstechend durch gute Eigenschaften zeigten sich die Anhänger der sogenannten Bibelforscher. Wo immer man mit ihnen zusammentraf, waren sie, weil innerlich völlig ausgeglichen, von ungezwungener, natürlicher Kameradschaft und kaum zu übertreffender, samariterlicher Selbstlosigkeit. Wenn irgend möglich, suchte Vellberg in der Unterhaltung in ihre Gedankengänge einzudringen und sich von ihrer Lehre manches vermitteln zu lassen. Es war ihm jedoch nicht möglich, die gleiche Beseelung zu erfahren wie jene. Man muß wohl als Voraussetzung eine große, reine Naivität mitbringen. Ohne diese ist man für diese Lehre nicht aufnahmefähig. Glaube ist eben Überzeugung dessen, was man nicht sieht. Zu einem solchen Glauben muß man doch wohl eine kindliche Naivität mitbringen. Oder aber es ist nur eine oberflächliche, dünne Schale, die, wie es das Beispiel bei den vielen Geistlichen bewiesen hat, beim geringsten Druck springt und abfällt. Jedenfalls machten sich alle bösen Zeichen tiefster Verzweiflung in dieser Hölle auch bei diesen, die doch durch ihren Glauben gefestigt sein sollten, mindestens in gleicher Form wie bei den übrigen Inhaftierten bemerkbar, oft in besonders starkem Umfang. Wenn immer wieder das Ungeheuer Verzweiflung sich um Hirne und Herzen der Häftlinge legte, war es die Kameradschaft, die allein diese Krisen überstehen ließ. Sie zeigte sich im Lager selbstverständlich in verschiedenen Variationen. So war ihre Verbundenheit deutlich bei den Angehörigen früherer Parteien untereinander bemerkbar. Kommunisten halfen Kommunisten, Sozialdemokraten wieder diesen. Lei48 der war Zebraist beitsamt Kommu meist eb anderer solche durch nannmenm unmzu rgend Genches h, die ohl als der waren beide Parteien selbst in diesem Hexenkessel als Zebraisten nicht immer einig. War an der Spitze des Arbeitsamtes, über das ein Lager wie Dachau verfügte, ein Kommunist, dann war es natürlich, daß andere Capo- Posten meist ebenfalls nur von Kommunisten besetzt waren. Häftlinge anderer politischer Parteien hatten dann keine Aussicht, an solche Stellen zu kommen. Ohne Glaube einem aivität dünne lichen bfällt. zweifihren Form Onders ch um meradte sich ionen. örigen anisten 1. Lei49 4 Arbeitseinsatz lichsten haus und Plantage Blumen würze h mandos. gefaßt u Einsatz. Wie schon wiederholt erwähnt, hatte das Lager Dachau einen Arbeitseinsatz, der von Häftlingen geregelt wurde. Von dieser Stelle wurden die Arbeitskommandos zusammengestellt, listen- und zahlenmäßig dem Einsatzführer, 44- Hauptscharführer Welter, übergeben. Da gab es zum Beispiel Kommandos, die nur im und für das Lager arbeiteten. Hierbei wurden die Häftlinge verwendet, die schon einmal einen Fluchtversuch gemacht hatten. Als äußeres Erkennungszeichen trugen sie einen roten ,, Fluchtpunkt" auf der Kleidung und zwar hinten, vorne und auf jeder äußeren Hosennaht je einen. Die anderen Arbeitskommandos hatten sich am Morgen nach dem gemeinsamen Appell zum Ausmarsch zu formieren und mit ihrem Häftlingscapo an der Spitze auszurücken. Es gab kleine Arbeitskommandos mit 3 bis 10 Mann und große bis zu 1 000 Mann. Es dürfte wohl niemand in Verwunderung versetzen, daß der Chef der 44, der unrühmlichst bekannte Himmler, der sich meisterhaft wie sein Führer Hitler draußen als schlicht, bescheiden und anspruchslos zu geben wußte, die höchsten Anforderungen an Arbeitskräften stellte. Die für ihn angelegte Plantage forderte täglich 1 200 Mann an. Von dieser Plantage gingen die herr50 vielen Pf ten diese ohne U Peiniger chend u sie sich unbeoba verboten erneut i Zunäc Straßenb Später zugeteilt Über di linge im hörige b zucht ste Monat humane ihrer Ge - aber n 4* Chau Von menuptspiel Hierinen ngsKleiosenorgen forszuMann nd in GühmFühuchsArderte herrlichsten Gemüsearten in riesigen Mengen aus Gewächshaus und Freiland auf die Tische der Reichsleitung 44. Die Plantage hatte die Größe eines Rittergutes und gab neben Blumen und Gemüsen auch jede Art ausländischer Gewürze her! Ein besonderes Kapitel bildeten die Strafkommandos. Sie waren im Lager zu Strafkommandos zusammengefaßt und erhielten einen dementsprechenden, besonderen Einsatz. Was im normalen Leben mit Lastautos oder mit vielen Pferden bespannten Wagen transportiert wurde, mußten diese Strafkommandos stündlich, täglich, ja monatelang ohne Unterbrechung, angepeitscht von den Hieben ihrer Peiniger in Riemen über die Brust eingespannt ziehen. Keuchend und schwitzend, oft, ja meist blutend schleppten sie sich dahin. Sie luden auf und luden ab. Glaubten sie sich unbeobachtet, tranken sie verstohlen, wo immer sie konnten, verbotenermaßen einen Schluck Wasser und legten sich erneut in die Sielen! Zunächst waren die Pfarrer in der Außenarbeit beim Straßenbau eingesetzt und mußten wirklich Schweres leisten. Später wurden sie dem sogenannten 44- Versorgungsamt zugeteilt, das die aktive 44 des gesamten Reiches kontrollierte. Über dieses Amt und durch die Pfarrer erhielten die Häftlinge im Lager dann Kenntnis davon, daß viele 44- Angehörige bis zu zehn uneheliche Kinder hatten. Zu deren Aufzucht steuerte der Staat- damit also das Volk- je Kopf und Monat RM. 20.- bei. Nach und nach wurden die Pfarrer humaner behandelt. Sie kamen auf eigene Blocks, wo sie in ihrer Gemeinschaft unter sich verblieben. Sie durften dann - aber nur sie ohne Zulassung weiterer Häftlinge- im Laufe ** 51 des Jahres 1943 kurze Andachten und Messen halten. Selbst diese höchstwahrscheinlich aus politischen Erwägungen ge- troffenen Maßnahmen konnten diese Ungeheuer nicht ohne Schikane durchführen. Für Andachten und Messen wurde nur die Stunde vor dem Wecken zugelassen. Da das Wecken im Sommer bereits vor 4 Uhr stattfand, kam also nur die Zeit von 3 bis 4 Uhr in Frage. Eines Tages kam für die ka- tholischen Geistlichen eine Madonna, die bei ihnen auf- gestellt werden durfte. Allem Anschein nach war auch dieses Entgegenkommen nur durch den Zwang der außenpolitischen und militärischen Verhältnisse über den Vatikan erreicht worden. Selbstverständlich standen die allgemeinen Arbeitsbe- dingungen in dem Konzentrationslager Dachau zu den letzt- lich geschilderten in schroffem Gegensatz. In den Anfangs- jahren war den Häftlingen ein Schreiten oder Gehen in nor- maler Weise völlig unbekannt, denn alles mußte im Galopp erledigt werden. Zur Arbeitsstätte, und war sie zwei Kilo- meter und mehr vom Lager entfernt, ging es nur im Trab. Man bedenke dabei, daß die Zebraisten nur Holzschuhe hatten und das Laufen ihnen sehr beschwerlich war. Die bestialische Denkweise der Lagerführung sann natürlich nach über irgendwelche Drangsalierungen. So mußte jeder Häftling, wenn es zum Straßenbau ging, ein schweres Ton- rohr von einem Meter Länge auf die Schulter nehmen. Auf der Baustelle wurde es abgesetzt und beim Abmarsch zur Mittagspause erneut aufgeschultert. Nach dem Essen, das aus„Menschenfreundlichkeit‘‘ im Stehen eingenommen wer- den mußte, damit die Häftlinge nicht aus der Gewohnheit 52 kamen, der Sch dann m zwei Ki Häftling Strafe I die Glie vom M Sitzen! mußte von der druck- erschrei Selbst n ge- ohne wurde ecken ır die ie ka- - dieses schen reicht itsbe- letzt- fangs- 1 NOI- alopp Kilo- Trab. chuhe . Die ürlich jeder - 1. Auf -h zuf n, das n wel” hnheit kamen, trabte alles wieder mit dem schweren Tonrohr auf der Schulter zur Arbeitsstelle. Zum Feierabend ging es dann mit der gleichen Last und im gleichen Tempo rund zwei Kilometer zum Lager zurück. Zum Hohn wurde den Häftlingen immer wieder gesagt, daß es sich dabei um keine Strafe handelte, sondern daß diese Übung nur dazu diente, die Glieder geschmeidig zu erhalten. Der Häftling kam also vom Morgen um 4 Uhr bis zum Abend 9 Uhr nicht zum Sitzen! Was nicht mehr jung und widerstandsfähig war, _ mußte von Anfang an elendiglich zugrunde gehen. Selbst von den Jungen verreckte— das ist allein der passende Aus- druck- ebenfalls ein hoher Prozentsatz. Es verblieb eine erschreckend kleine Auslese! Die Lagerstrafen - Zu diesen täglichen Qualen kamen die Lagerstrafen hinzu. Es kann wohl kaum ein Häftling aus dem Konzentrationslager Dachau behaupten, die Variation dieser Lagerstrafen nicht ganz oder doch teilweise durchkostet zu haben. Diese Strafen waren hart, sehr hart, selbst gemessen an dem Bestialischen, das zu tragen jeder Häftling gewohnt wurde. Sie waren nur durchzuhalten, wenn der Wille zum Leben größer war als die körperlichen Kräfte. Sie wurden nur zu oft überstanden in der kaum für möglich zu haltenden Hoffnung, daß der Tag der Freiheit und der Vergeltung anbrechen werde. Als Mittagessen erhielten die Häftlinge in monotoner Gleichförmigkeit Weißkraut mit Kartoffeln oder gelbe Rüben, als Abendessen eine ungewöhnlich dünne Bohnen- oder Erbsensuppe. Pro Kopf und Mahlzeit wurde ein Liter verabfolgt. Gewichtsabnahmen von fünf Kilogramm in der Woche waren Durchschnittsmaßstäbe. Ja, wurde dieses Tempo der Gewichtsabnahme nicht durchgehalten, so wurde mittels Hieben und Strafen nachgeholfen. Es bedarf danach keines besonderen Hinweises darauf, daß die körperlichen Kräfte der Zebraisten für die unmenschlichen Strafen nicht ausreichten. 54 Die Strafmeldung wurde vom 44- Posten dem Lager führer gemacht unter drastisch gefälschter Darstellung des ,, Vergehens". Von diesem Herrn" Lagerführer wurden dann fünfundzwanzig bis fünfundsiebzig Stockhiebe verhängt oder zwei Stunden ,, Baum", kriechen oder robben und manches andere mehr. Erst vom Jahre 1942 an gingen die Strafmeldungen nach Berlin zum Reichshauptsicherungsamt, der Stelle, die alle Schutzhaftbefehle ausgestellt hatte. Das bedeutete bei weitem keine Vermenschlichung oder gar Abstellung der Verhältnisse. Die Stockhiebe wurden von dort nur schriftlich bestätigt! Zumeist am Freitagabend jeder Woche mußten alle Häftlinge auf dem großen Appellplatz, der über 50 000 Menschen fassen konnte, antreten und den Exekutionen beiwohnen. Da war eimal der ,, Bock", auf dem der zu bestrafende Häftling festgeschnallt wurde. Mit gedörrten Ochsenschwänzen( Ochsenziemern) erhielt er dann seine Auszahlung". Auf jeder Seite stand ein 44- Mann und schlug weit ausholend mit gewaltiger Wucht zu. Wenn jeder von ihnen einmal zugeschlagen hatte, zählte es als ein Hieb. Der Häftling hatte also mit fünfundzwanzig Schlägen, weil Doppelhiebe, insgesamt fünfzig Stockhiebe erhalten. Es waren nur wenige, die dadurch, daß sie die Zähne zusammenbissen, diese fürchterliche Tortur ausstehen konnten, ohne einen Laut von sich zu geben. In den meisten Fällen brach ein Schreien und Schluchzen der Gequälten los. Selbst zehnjährige Buben, auch solche waren im Lager, waren von diesen Unmenschlichkeiten durch ihre Jugend nicht geschützt. Selbstverständlich brüllten und stöhnten sie, daß den übrigen bei aller inzwischen erworbenen Härte das Herz zu brechen 57 drohte. Der Rücken brannte, die Haut platzte. Bei den weiteren Schlägen auf die offenen Stellen war der Getroffene von Sinnen! Viele wurden völlig besinnungslos. AnschlieBend mußte der Mißhandelte noch zwanzig Kniebeugen machen, damit, wie diese Ungeheuer sich auszudrücken beliebten, die ,, Hautfalten" ausgebügelt wurden. Selbstverständlich mußte der Häftling am nächsten Morgen zur Arbeit. Bei besonders schweren Fällen versuchten die Häftlinge, den Geschlagenen auszutauschen und einen anderen mit der Nummer des Häftlings zur Arbeit zu schicken. Das war selbstverständlich mit einer erneuten Strafbedrohung für beide Teile verbunden, doch war, wie schon bemerkt, die Kameradschaft unter den Zebraisten ungewöhnlich groß. Im Jahre 1943 hatte sich die Lagerführung einen ganz gemeinen Trick ausgedacht. Sie ging dazu über, die Blockältesten zum Schlagen der Bestraften aufzufordern. Einige lehnten es glatt ab und wurden demzufolge in ein Strafkommando gesteckt. Andere markierten die Schläge, um sich nicht offen zu widersetzen. Auch sie bekamen den Lohn für diese kameradschaftliche Handlung. Nur wenige führten den Befehl aus, teilweise aus Angst, teilweise, auch das muß leider niedergeschrieben werden, um sich ein gutes Verhältnis mit der 44 zu schaffen. Diese Exekution am Freitagabend dauerte oft über Stunden. Erst nach Vollzug aller Strafen wurde in die Blöcke abgerückt. Oft war es inzwischen 10 Uhr abends geworden. Jetzt erst wurde das Abendessen, die fettlose, dünne Suppe ausgegeben. Nach oft zehnstündiger schwerster Arbeit war es nach dem langen Stehen und dem Aufrütteln des gesamten Innern allein durch den An58 blick die erste Mahlzeit. Welche Qualen für die Bedauernswerten, die nie, nie satt wurden. Viele fielen um. Anderen wurde es schwarz vor den Augen, weil sie willensstärker waren. Sie schwankten wie ein Schilfrohr hin und her, doch hielten sie sich. Viele kamen aus der Ohnmacht infolge der vollständigen Auslaugung des Körpers nicht mehr heraus und starben, nur zu viele! Von ihren Kameraden wurde die traurige Last aufgeschultert und fortgetragen. Schlimmer und grausamer als der Bock war wohl der ,, Baum". Es war mit einem Wort ein Martyrium! Allein der Tatbestand, daß bei einer Filzung am Tore des Lagers oder sonstwie Tabakreste in den Taschen eines Häftlings gefunden wurden, genügte, um an den Baum zu kommen. Den Opfern wurden die Arme auf dem Rücken zusammengepreẞt_und geschnürt. Dann wurde an den Armgelenken ein Seil befestigt und dieses über einen etwa drei Meter hohen Balken geworfen. Ein 44- Mann zog nun den Bedauernswerten hoch und ließ ihn baumeln. Welche Qual! Man versuche einmal seine Arme nach hinten zu führen, die Hände ineinander zu falten und dann die Arme nach oben zu drücken. Ohne eine nennenswerte Höhe mit den Armen zu erreichen, werden sich schnell beachtliche Schmerzen einstellen. Man bedenke, daß die Arme bei der Exekution nicht freiwillig verschränkt und hochgehoben werden, sondern daß sie gefesselt waren und mit Gewalt hochgerissen wurden. Man ließ nun nicht etwa die Gequälten ruhig hängen, nein, man ergötzte sich durch gesteigerte Quälereien, indem man die Baumelnden in die Magengrube trat und sie dadurch hin- und herschwenkte. Das gesamte Gewicht der Opfer hing an den 61 Handgelenken der über dem Rücken verschränkten Arme. In den Achselhöhlen knackte es, die Muskeln brannten und stachen! Es ist einfach unmöglich, mit dem zur Verfügung stehenden Wortschatz diese Höllenqualen auch nur annähernd auszudrücken, was in den fahlen Gesichtern zu lesen war. Schrecken über Schrecken, Qualen über Qualen und Tränen über Tränen! Die abgebrühten Bestien der 44 wurden davon nicht in der geringsten Weise beeindruckt. Im Gegenteil, sie lachten viehisch und bedachten die Bedauernswerten mit Schimpfworten, Fußtritten und Schlägen. Deutsche folterten so Deutsche, die kein anderes Verbrechen begangen hatten, als mit dem bestehenden Regime nicht einverstanden zu sein. Dabei gaben diese Bestien und ihr Anhang vor, die Welt verbessern, die Menschheit gut machen zu wollen. Sie gingen davon aus, daß der Mensch nicht von vornherein Charakter habe, daß man ihn erst, wie Kant sagt, erwerben müßte. Die Erbmasse, die der Mensch mitbringt, vergaßen sie allen entgegengesetzten Äußerungen zum Trotz ganz in der Menschenbehandlung. Sie waren einfach Verneiner alles Guten und teuflisch von Grund auf im Denken und Handeln. Doch irrten sie sich in einem! Sie glaubten nicht, daß die seelische Kraft des ganzen Kerls jedes Maẞ, ja jedes Übermaß an Gewalt übersteht. Sie täuschten sich in der Annahme, die Werte der freiheitsliebenden, guten Menschen, die nicht durch ,, Alles in der Welt" zerstört werden können, ihrerseits zugrunde richten zu können. Solche Naturen kann man wohl töten, ja das kann man mit Gewalt. Man kann ihnen aber nicht ihre Überzeugung und ihre Einstellung zum irdischen Leben 62 rauben. Recht b von jen fördert In all perliche ausgesch findunge und Ab lassen, gaben. In de lingen dergesch Selbstve lings a dabei d konnte, und G Vellber Natur fluß. D ein gö das Be regimes Den E Erleben der In und se Arme. nten erfüI nur n zu ualen er 44 uckt. e BeSchläVerReestien chheit ensch erst, e der etzten lung. von - sich t des übere der Alles runde töten, nicht Leben rauben. Die Zeit hat bewiesen, daß jene Freiheitskämpfer Recht behalten haben, mögen auch Zehntausende skrupellos von jenen in diesen Konzentrationslagern ins Jenseits befördert worden sein. In allen Zebraisten ist in diesen Jahren, soweit die körperliche Schwächung die geistige Regsamkeit nicht ganz ausgeschaltet hatte, ein Zurechtrücken der Werte und Empfindungen vor sich gegangen, eine lautlose Vereinfachung und Abhärtung. Das hat sie ganz klar ihre Linien erkennen lassen, die sie einmal eingenommen, auch nicht wieder aufgaben. In dem Konzentrationslager Dachau war unter den Häftlingen die ganze Tonleiter der Gefühle von allerdings niedergeschlagener Heiterkeit bis zum Todesernst anzutreffen. Selbstverständlich kam es sehr auf das Innenleben des Häftlings an. Weltanschauung und Lebensauffassung gaben dabei den Ausschlag, wenn auch nicht abgestritten werden konnte, daß diese von den täglich zu erlebenden Quälereien und Grausamkeiten nicht unbeeinflußt blieben. Es war für Vellberg und Gleichgesinnte darum auch die Liebe zur Natur von in diesen schweren Stunden erhebendem Einfluß. Die aufsteigende Sonne wurde an jedem Morgen wie ein göttlicher Befehl empfunden. Vellberg wurde durch das Bewußtsein aufgeheitert, daß die Allgewalt des Naziregimes diesen Naturgewalten keinen Halt gebieten konnte. Den Ernst brachte jeder Tag mit sich. Erst nach solchem Erleben mit den Tiefen des Lebens und Leidens gewann der Inhaftierte die Erkenntnis von den Höhen des Lebens und seinen echten Freuden. Diese Erkenntnis wiederum 63 ließ Kraft entstehen um das Schwere zu überwinden, denn die Liebe zum Leben wurde durch das Erleben in vielen besonders gestärkt. In diesem Zusammenhang folgt die einzige Originalaufzeichnung Vellbergs aus dem Konzentrationslager Dachau vom 21. September 1942, die er unter dem Titel ,, Auf dem Appellplatz" neben manchen anderen geschrieben hat. Sie ist ein Zeichen dafür, daß alle Grausamkeiten dieser Hölle das klare Innere der Häftlinge nicht beeinflussen konnten. ,, Es war die Zeit zum Zählappell. Die Sonne wollte untergehen. Den ganzen Tag über hatte sie brennend auf den Steinplatten des großen Lagerplatzes gelegen. Nun berührten ihre letzten Strahlen die schweren Gewitterwolken, die vom Osten herüberzogen. Wir alle standen zum Abzählen in üblichen Zehnerreihen da. Jeder Einzelne von uns vielen tausenden Schutzhäftlingen hoffte, vor Beginn des Regens in die Baracke zu kommen. Eine dunkle, geballte Wolke stand mit ihrem Rand über unserm Platz. Langsam bewegte sie sich darüber hinweg, der Sonne zu, die uns in den Rücken schien. Schon fielen einzelne Tropfen auf uns herab, da riẞ ein Windstoß das Gewölk vor uns noch einmal auf. Nur mehr ein feines Geriesel, gleich dem Staubwasser eines hohen Wasserfalles näßte unsere gebräunten Gesichter. Fast plötzlich wuchs aus dem Wolkenloch ein vielfarbener Regenbogen heraus, unter ihm gleich ein zweiter. Es sah aus, als wäre es das Eingangstor zu den himmlischen Gärten. So schön weich war das alles in seiner Tönung. Der erste Regenbogen hatte sich vergrößert und stieg vor unseren Augen von einem Horizont des Himmelsgewölbes a als re Win durch ten au fragte staunt Aus d chen. Prach Das Ber melte den d Mant die w große heftig witter Sturm merte Perler stand waren volle lag, Vögel lichke mand 64 5 denn ielen laufchau dem Sie Hölle 0. nterden ühr, die و ihlen Fielen egens Wolke vegte icken a riẞ Nur eines chter. bener 5 sah arten. stieg ewölbes an und tauchte am anderen wieder unter, gleichsam als reiche er rings um den Erdball. Wir waren schon müde vom Schauen. Da glänzten uns durch das farbene Tor silberne Punkte entgegen. Sie blinkten auf und erlöschten in gleichem Rhythmus. Was ist das, fragte ich meinen Nebenmann? Er aber schwieg und wir staunten weiter dem Wunder entgegen. Wie war das schön! Aus den blauschwarzen Sturmwolken war es herausgebrochen. Nun bildeten diese mit dem großen Torbogen in seiner Pracht, den Hintergrund für das traumhafte Schauspiel. Das Aufblinken der Lichter wurde regelmäßiger und gröBerda jagte es heran: Eine große Zahl Kiebitze! Es wimmelte von schweren Vogelleibern. Das Abendlicht lag auf den dunklen Gewändern. Und immer, wenn der schwarze Mantel ihrer Flügel sich zum Schlage hob, dann strahlten die weißen Leiber in der gleißenden Sonne. Die rabengroßen Vögel begannen zu kreisen. Sie warteten auf die heftigeren Windstöße. Sie wußten, daß diese vor dem Gewitter noch aufkommen mußten. Dann trieben sie mit den Sturmfahnen ihre Spiele. Das wogte auf und ab, es schimmerte wie ein schwingendes Band schwarzer und weißer Perlen. Immer wieder, wenn ihre starken Schwingen hochstanden, blendete uns das weiße Gefieder entgegen. So waren sie ganz nah an uns herangekommen. Das erwartungsvolle Schweigen, das bislang über dem lyrisch schönen Bilde lag, wurde nun unterbrochen durch den hellen Schrei der Vögel und nahm uns das Traumhafte des Ganzen. Die Wirklichkeit rief uns zurück, hart, ernüchternd scholl das Kommando: ,, Häftlinge, still gestanden!" 5 65 - Eine unsagbare Grausamkeit hatte sich zu Anfang im Konzentrationslager Dachau zu einer Sportart ausgebildet. An einem Auto wurde ein Strick als eine Art Schleppseil festgemacht, und an das Ende desselben ein Häftling angebunden. Der Wagen wurde auf den ersten Gang geschaltet. Mit keuchenden Lungen mußte der angeseilte Häftling mitlaufen. Beim zweiten Gang jedoch war ihm dies unmöglich, er stolperte, schlug lang auf den Erdboden und wurde geschleift! Die Peiniger, Fahrer und Zuschauer johlten. Der Körper des Bedauernswerten wurde hin- und hergeschleudert, schlug auf Steine und Schotter auf, so daß er bald aus vielen Wunden blutete. Erbarmungslos raste der Wagen weiter. Staub und Straßendreck mengte sich mit dem Blut. Hingen zunächst Fetzen der Haut am Körper, so war nach wenigen hundert Metern das rohe Fleisch vom Körper gelöst und herausgerissen. Stand das Auto, war der Körper zu einer unkenntlichen Masse geworden. Diese grausige Prozedur wurde von jenen Teufeln mit der lakonischen Bemerkung abgetan: ,, Wir machen Fleischbrühe!" Trotz der Geheimhaltung dieser Grausamkeiten und Quälereien war nach und nach doch manches in die Bevölkerung durchgesickert, so daß durch Furcht vor diesen Maßnahmen die Unfreiheit sich im Nazi- Deutschland immer enger um die Kehle schnürte, das Zerbrechen dieser furchtbaren Schablonen von Jahr zu Jahr schwerer wurde. Alles gehorchte jenen gesetzlichen Maßnahmen gegen die Freiheit, auch wenn sich alles innerlich dagegen aufbäumte. Das Volk wirkte also mit, selbst wenn es dagegen wirken wollte. Zwischen Familien und Blutsverwandten, zwischen 66 Lehre zwisch auf. H gen. die F Zwar gange Zuku sie si graue nach Mag nahm er zu wurde ten z Bei es nu müßt Ers Nein Die des J müßt lassun unters Deuts Die zester 5* jjesen mmer ırcht- Alles Frei- umfe. irken schen en ne Lehrern und Schülern, zwischen allen Volksgenossen, ja zwischen den Völkern riß das Naziregime gewaltige Klüfte auf. Es wollte alles verschlingen, alles in seine Macht brin- gen. Rauh und roh, lieblos, schrecklich und allgewaltig griff die Faust dieser Gewaltherrschaft in das ganze Leben ein. Zwar wurde in den Reden der Naziführer viel von der Ver- gangenheit Deutschlands und von seiner tausendjährigen Zukunft gesprochen, um die Vergangenheit kümmerten sie sich jedoch ebensowenig wie um die Folgen, die dieses grauenhafte System bei allen freiheitsliebenden Menschen nach sich ziehen mußte. Ihr Reich war nur die Gegenwart! Mag im Anfang der Jahre und unmittelbar nach der Über- nahme ein Idealismus zu verzeichnen gewesen sein, so war er zu bald einem rohen Materialismus gewichen. Mit ihm wurden alle etwa vorhandenen Ansätze guter Eigenschaf- ten zerstört! Bei der bevorstehenden Auslese durch die Alliierten kann es nur zwei Fragen geben, die man jedem Deutschen stellen müßte: Erste Frage: Sind Sie Nazi?— Sie wird stets mit einem Nein beantwortet werden. Die zweite Frage: Waren Sie Nazi?— Es wird ein zögern- des Ja folgen oder ein aufrichtiges Nein. In jedem Falle müßte das Nein mit‘einem Aktivbeweis in Form von Ent- lassungsscheinen aus Gefängnis oder Konzentrationslager unterstrichen werden, denn nur dann war der betreffende Deutsche ein aktiver Gegner des Nazisystems. Die Auslese nach diesem einfachen System wird in kür- zester Zeit klare Verhältnisse schaffen. 5° 67 Die Strafen im Konzentrationslager steigerten sich bis zum planmäßigen Mord. Die jüdischen Häftlinge waren vor allem die Objekte dieser Untermenschen. Am Tage stand die sogenannte große Postenkette im Abstand von einhundertfünfzig Meter. Wer sich über diese Postenkette hinausbewegte, wurde erschossen. Es haben viele durch Überschreiten der Bewegungsgrenze den Freitod gesucht. Was aber taten diese Teufel in Menschengestalt? Sie rissen den wehrlosen Häftlingen die Kappe vom Kopf und warfen sie etwa zwanzig Meter durch die Luft über die Postenkette hinaus. Nun wurde dem Häftling strengstens befohlen, die Mütze zurückzuholen- um ihn ,, auf der Flucht" meuchlings zu erschießen. Der jeweilige 44- Mann machte dann an den Lagerführer die Meldung: Häftling X Nr.... auf der Flucht erschossen! Da der Wachmann in Würdigung seiner besonderen Aufmerksamkeit acht Tage Sonderurlaub erhielt, gab dieses Verfahren reichlich Anlaß zur Verschaffung eines Sonderurlaubs! Er selbst, der 44- Mann, begab sich, ohne sich über den Mord, den er begangen hatte, Gedanken zu machen, mit seinem Mädchen auf Fahrt, genoẞ alle irdischen Freuden, war vergnügt, praßte und schlemmte. Irgendwo aber weinte eine Witwe um ihren Mann, Kinder um ihren Vater, eine Mutter um ihren Sohn, der ,, auf der Flucht" erschossen worden war. Eine beliebte, andere Strafmethode war der sogenannte ,, Sandhügel". Bei dieser Tortur mußte das Opfer von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mit dem Gesicht der Sonne zugekehrt auf einem Fleck stehen bleiben. Im glühendsten Hochsommer mußte er dabei zwei Paar Unterhosen, 68 zwei Paar Hosen, zwei Jacken und zwei bis drei Mäntel tragen. Barhäuptig mit kahlgeschorenem Schädel war er so der Sonnenglut ausgesetzt und durfte in dieser Zeit nicht einen Tropfen Wasser zu sich nehmen! Im Winter wurde ihm die gleiche Tortur auferlegt. Als Bekleidung nur Hemd und Unterhose! Man muß bedenken, daß in dem Abstand der zeitlichen und räumlichen Ferne das Erlebte, mochte es noch so einzigartig und grausam sein, verblaßte, daß Vellberg wie alle anderen Häftlinge keine Aufzeichnungen machen konnte. Die Schilderungen sind also um vieles schwächer, als die verheerende Wirklichkeit war! Ein weiteres, beliebtes Strafverfahren war das Rollen auf dem Appellplatz. Die Zebraisten mußten sich nur mit der Hose bekleidet auf den Boden legen. Die Arme waren über den Kopf auszustrecken und in jeder Hand mußte ein Porzellan- oder Glasteller gehalten werden. Dann kam das Kommando ,, Rollen". Die Häftlinge mußten sich auf dem Boden wälzen. Natürlich ermüdeten die ausgestreckten Arme rasch. Die vielen kleinen Steinsplitter auf dem Appellplatz riefen auf dem nackten Oberkörper kaum erträgliche Schmerzen hervor. Nach zweihundert Meter Rollen verkrampften sich die Muskeln, die Hände konnten die Teller nicht mehr halten.- Es gab Scherben. Darauf hatten die 44- Männer nur gewartet. Jetzt hagelten Peitschenhiebe! Grausam klatschten die Ruten auf die nackten Oberkörper, die bald mit häßlichen Striemen überdeckt waren. Man gewährte den Häftlingen eine„ ,, Ruhepause" beim Rollen, indem man ihnen befahl, anschließend mit ausgestreckten 71 Armen in ihren schweren Holzschuhen in der Kniebeuge über den Appellplatz zu hüpfen. Was die Lungen und die abgemagerten Körper nur irgend hergeben konnten, taten sie. Das Herz pumpte in raschen Schlägen. Der Atem ging kurz. Die Fersen trugen Wasserblasen, waren aufgesprungen, näßten, bluteten und schmerzten so, daß heller Wahnsinn die Opfer packte. Daneben standen die 44- Männer, grinsten höhnisch und warfen den Bedauernswerten sadistische Gemeinheiten an den Kopf. Meist waren es Kerle, die in ihrem Leben selbst noch nie gehorchen gelernt hatten, sie gaben Befehl auf Befehl, sie peitschten und quälten ihre Opfer! In den Betroffenen kochte die Rache und schrie es nach Vergeltung! Die schwersten Leiden, ja selbst unverschuldete Strafen sind schließlich zu ertragen, wenn man ihr Ende absieht. Wehe dem aber, der solchen Qualen während seiner Haftzeit ausgesetzt ist, ohne das Ende oder die Befreiung zu kennen. Verzweiflung, wahnsinnige Wut, der Schrei nach Rache und zu oft der Wunsch nach Erlösung durch Freitod beseelt die Opfer! Die bisherige Darstellung der Strafen läßt den Leser bereits erkennen, daß es sich meist nicht um die Sühne für sogenannte Vergehen handelte, daß es vielmehr Ausgeburten der Bestialität waren, unter denen die Häftlinge leiden mußten. Im folgenden zeigt sich die Bestrafung der Allgemeinheit als Folge von Vorkommnissen Einzelner. Vellberg erinnert sich genau einer Nacht im Januar eines sehr strengen Winters. Beim Scheinwerferlicht fand üblicherweise der Zählappell statt. Es fehlten zwei Mann. Mit Such72 hunden tuende die An ohne S Häftlin Wachm ,, Gesell und ra dem fr men, w setzlich noch. kippten gen du anfinge um si schaft Kälte s schen. mit ste halbme fanden den zv die A - nicht nicht Die H Das ab So S afen eht. laft- zu ach itod esel für bur- iden Jell- sehr her- uch- hunden ging die 4% los, hatte aber keinen Erfolg. Der dienst- tuende Lagerführer nahm den Appell nicht ab, solange die Anzahl nicht stimmte. Mit ungenügender Kleidung, ohne Strümpfe in Holzschuhen standen also Tausende von Häftlingen und- warteten. Inzwischen hatte sich die 44- Wachmannschaft ins Jourhaus zurückgezogen, machte in „Gesellschaft“, trank guten Wein, aß in Seelenruhe gut und rauchte Zigaretten. Die Häftlinge dagegen hatten seit dem frühen Mittagessen keinerlei Nahrung zu sich genom- men, waren zum Abendappell angetreten und froren ent- setzlich. Es war Mitternacht geworden, sie standen immer noch. Die Schwachen, meist Männer über fünfzig Jahre, kippten um, lagen am Boden, während niemand sie wegtra- gen durfte. Es war nur zu natürlich, daß die Zebraisten anfingen mit den Füßen auf dem Erdboden zu trampeln, um sich damit Wärme zu verschaffen. Die Wachmann- schaft— sie löste sich mit einigen wenigen bei der grausigen Kälte stets ab— schlug frenetisch mit den Peitschen dazwi- schen. Alles sollte stillstehen. So zog der Morgen herauf mit steigender, grimmiger Kälte. Die Zahl derer, die im halbmeterhohen Schnee zu Füßen der anderen ihr Grab fanden, wurde immer größer. Trotzdem die Suche nach den zwei Flüchtlingen ergebnislos verlaufen war, durften die Angetretenen um 9 Uhr am Morgen abmarschieren - nicht zum Essen, sondern zur Arbeit! Vellberg weiß heute nicht mehr, wieviel Tote es in dieser Nacht gegeben hat. Die Häftlinge hatten auch damals keine Zeit sie zu zählen. Das aber ist gewiß, es waren sehr viel gewesen! So sah das System dieser Weltverbesserer aus. Müßten 75 sie ihre Schandtaten büßen, würde selbst die Ewigkeit dazu nicht ausreichen! Waren die Häftlinge auf ihr hartes Lager mit ihren ausgemergelten Körpern zur Ruhe gegangen, dann stürmten des nachts häufig die trunkenen 44- Männer in die Baracken hinein. Alles jagten sie ins Freie hinaus und schafften in den Baracken eine heillose Unordnung. Stunden über Stunden mußten die armen Zebraisten arbeiten, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Oft genug wiederholte sich diese Schikane mehrmals in einer Nacht. Es kam immer darauf an, wie stark das Ausmaß der Trunkenheit dieser Rohlinge war. Die armen Häftlinge waren den ungeheuer langen Tag über auf den Beinen. Sie durften nicht sitzen und durften nicht gehen. Sie mußten schwer arbeiten und jede Wegstrecke im Galopp, teilweise mit schweren Lasten beladen, vor schwere Fahrzeuge gespannt zurücklegen! Eines der größten Schandmale war die dunkle Arrestzelle. Hier waren die Ärmsten über Wochen, ja über Monate eingesperrt. Persönliche Gefangene höherer 44- Führer schmachteten in diesen Löchern Jahre hindurch. Ohne einen Sonnenstrahl zu spüren und ohne jeden Lichtschimmer saßen sie hier. Kam der Wachtmeister und konnte der Häftling in der Dunkelheit den Eẞnapf nicht sofort finden, hieß es ,, Du Schwein, hast wohl keinen Hunger?!" und Tür fiel ins Schloß! Minuten wurden in dieser grausamen, dunklen Einsamkeit zu Stunden. Die Insassen der dunklen Arrestzellen wurden irre an der Tageszeit. Selbst die Jahreszeit hätten sie vergessen, wenn es nicht im Herbst und Winter in diesen dunklen Käfigen bitter kalt gewesen wäre. 74 Diese U muß in den vor paganda ließen in diese heit, na müller, und die Herrsch Dachau und du nicht e wer ab nisse? jeden N Wärme mehr a Wo zu an ihne Aus noch d und m die Im S lingen men. I ten zur sich i zum B dazu nausrmten acken Ien in Stunwieder diese darauf hlinge n Tag durften Strecke , vor Arrestr MoFührer Ohne immer Häftn, hieß - die samen, unklen ie Jahst und wäre. Diese Ungeheuerlichkeit ist kaum in Worte zu hüllen. Sie muß in ihrer Grausamkeit immer wieder den Außenstehenden vor Augen gehalten werden. Männer, die in ihrer Propaganda stets die These von Blut und Boden herausstellten, ließen blutsverwandte, stammeseigene Männer jahrelang in diesen dunklen Verließen schmachten. Das ist Wahrheit, nackte, grausame Wahrheit! Man frage Pfarrer Niemüller, man frage den Besatzungskommandanten von Tunis und die Herren seines Stabes aus der Zeit der französischen Herrschaft. Sie alle saßen nach ihrer Gefangennahme in Dachau monate-, auch jahrelang in diesen nassen, kalten und dunkeln Löchern. Mögen die körperlichen Strapazen nicht einmal so groß gewesen sein, wie die der Häftlinge, wer aber weiß um die seelischen Leiden und Kümmernisse? Allein auf sich und die innere Haltung gestellt, ohne jeden Menschen, der allein durch seine Nähe eine gewisse Wärme bot, ohne jedes Geräusch. Oft glaubten sie nicht mehr auf der Welt zu sein, nur mit einem Astralleib irgendwo zu vegetieren. Grausamkeit in höchster Potenz wurde an ihnen verübt. Aus der Vielgestaltigkeit des Strafsystems zum Schluß noch die Darstellung einer Methode, die viele erkranken und manche sterben ließ. Im Sommer, meist regennassen Sommern wurde den Häftlingen selten Gelegenheit gegeben, unter die Brause zu kommen. Im Winter aber wurde es möglich gemacht. Da durften zum Beispiel die Häftlinge vom Block der Hautkranken sich ihrer wenigen Kleider entledigen und splitternackt zum Bad laufen. Kniehoch lag der Schnee, der Weg war 75 etwa ein Kilometer weit. Die jüngeren Häftlinge sprangen natürlich, so schnell sie konnten, um sich einigermaßen warm zu halten. Wie aber schleppten sich die Alten, Gebrechlichen, Lahmen und Kranken barfuß dahin! Gern half einer dem anderen, oder die Krücke tat ihre Dienste. Zum Teil trugen die einen die anderen auf dem Rücken zur Brause. Leider konnten die Häftlinge, selbst entkräftet, das Gewicht ihrer abgemagerten Kameraden auf diese Entfernung nicht aushalten. So brauchten die Bedauernswerten viel Zeit, um den Kilometer hinter sich zu bringen. Mit halberfrorenen Gliedern und völlig erschöpft kamen sie schließlich im Bad an. Das heiße Wasser wirkte auf die Erfrierungen furchtbar. Duschzeit zehn Minuten! Mit nackten Sohlen ging der Leidensweg nach dem heißen Bad zurück in die Baracke. Wer hegt Zweifel an den furchtbaren Folgen dieser Mißhandlung? Offene Füße und hohes Fieber waren bei vielen die Folgen. Viele Häftlinge hatten statt normaler Beine trotz vollständiger Abmagerung des Körpers unförmige Klumpen. Das Wasser war in den Beinen bis weit über die Kniee. Drückte man den Daumen darauf, blieben starke Vertiefungen zurück. Es ist an anderer Stelle schon darauf hingewiesen worden, daß die Holzschuhe drückten und jeden Tag neue Hautabschürfungen verursachten. Wie alle Wunden heilten auch diese selten zu, zumal es an Verbandzeug fehlte. Im Revier gab es nur Papierstoff, der stets abriß. Auf diese Art konnten Infektionen kaum verhütet werden. So ging allein daran eine große Anzahl Zebraisten jämmerlich zugrunde. 76 Über eines H er wie Einzelb gen ge und vi Von 44- Mä hatten Lebens in der wie di spiele Hausp diert. den in geferti weil di ging. Stuhl schöns mit F angen naßen -GeGern enste. ücken räftet, Im Jourhaus Entverten . Mit n sie e Erackten urück Folgen waren -maler införweit lieben orden, Hautauch Revier konndaran Über ein Jahr hatte Vellberg im Jourhaus die Dienste eines Kammerdieners zu versehen. Auf diese Weise hatte er wie wenige Häftlinge nähere Einblicke in verschiedene Einzelheiten bekommen. Vor allem sah er die 44- Angehörigen gewissermaßen privat. Er hörte und sah auch manches und vieles, was den anderen verborgen blieb. Von Hause aus waren diese, sich als Herren gebärdenden 44- Männer meist recht arme Würstchen. Mit der Zeit aber hatten sie sich alles zusammengestohlen, was sie zu der Lebensart brauchten, die sie führten. So konnte Vellberg in der Wohnung des Hauptscharführers Welter erleben, wie diese vollständig neu eingerichtet wurde. Diesem Beispiele folgten 44- Lagerführer Trenkle und Redwitz. Zum Hausputz wurde jeweils eine Anzahl Häftlinge abkommandiert. Trotz strengen Verbotes der höchsten 44- Stelle wurden in den Wirtschaftsbetrieben des Lagers die Möbel angefertigt. Hierzu fühlten sich die Genannten berechtigt, weil die höhere 44- Führung ihnen mit bestem Beispiel voranging. Die Fliegergeschädigten im Reiche konnten weder Stuhl noch Bett auftreiben, während für diese Bestien die schönsten Polstermöbel in den verschiedensten Modefarben mit passenden Stühlen angefertigt wurden. Doch auch 77 Tische, Armleuchter und schmiedeeiserne Stehlampen, oft genug sehenswerte Kunstgegenstände, wurden hergestellt. Ganze Kücheneinrichtungen verließen die Wirtschaftsbetriebe. Krauteimer aus Eichenholz wurden geliefert. Selbstverständlich wanderten diese zuerst in die Häftlingsküche, um mit Kraut, das für die Häftlinge bestimmt war, voll eingestampft zu werden. Dann erst durften die Zebraisten diese, wie alles andere auf großen Wagen aus dem Lager heraus in die Siedlungshäuser der 44 schleppen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß der Kaffee und das Essen für die betroffene Bevölkerung Münchens nach den Bombardements im Konzentrationslager Dachau hergerichtet und von dem für die Häftlinge bestimmten Proviant genommen wurde. Diese hatten bei ihrer an sich knappen Nahrungsversorgung zu warten, damit die Volksgenossen versorgt wurden. Das ,, einnehmende" Wesen der 44 offenbarte sich bei allen Gelegenheiten. Als Badoglio Italien an die Alliierten übergab, schaffte die 44 aus Italien heraus, was sie nur konnte. Sonderkommandos wurden zu diesem Zwecke in rauhen Mengen nach Italien geschickt. Täglich liefen gegen hundert Waggon von dort über München in Dachau ein. Es ist unbeschreiblich, was dabei zusammengestohlen wurde. Selbst nasse Wäsche war von der Bleiche mitgenommen worden. Begreiflich wäre es gewesen, wenn die dort aufgebrachten Gegenstände zu Nutz und Frommen der deutschen Wehrmacht zugeführt worden wären. Doch weit gefehlt, die ,, brave" 44 verteilte alles unter sich. Zügellos nahm jeder, was er brauchte und erwischen konnte. Stiefel, Reithosen vorhan besche führer Für se kostüm Übe war H bei der nur b organis galt fü ren St trugen Löcher der H Lager züge a Juden gingen Unter Bei aus. N bekam Haupt mal K stets e haften servie 78 1, oft stellt, ftsbe- elbst- üche, | ein- aisten Lager Kaffee ıchens Jachau nmten y sich Volks- h bei jjerten e nut ‚ke in gegen u ein. wurde. mmen t auf- deut- eit Be nahm Reit- ai ver wi nun hosen und Wäsche waren mit einem Mal in rauhen Mengen vorhanden. Aus den ergatterten Stoffen ließen sich diese bescheidenen Menschen Zivilanzüge herstellen. Hauptschar- führer Trenkle brauchte sogar mehrere grüne Sportanzüge. Für seine„neue“ Frau mußte selbstverständlich ein Sport- kostüm abfallen. Übertraf bei diesen Diebstählen einer den anderen, so war Hauptscharführer Wagner von der Wäscherei Matador bei der Fledderei an toten Juden. Diese hinterließen ja meist nur bessere Hemden und gute Wäsche. Auf diese Weise organisierte Wagner ein ganzes Lager für sich. Das gleiche galt für die Anzüge, die ebenfalls meist aus sehr guten, teu- ren Stoffen hergestellt waren. Die Anzüge, die die Juden trugen, wenn sie umgelegt wurden, hatten ein oder zwei Löcher durch die Kugel. Solche wurden großzügigerweise der Häftlingskammer übergeben für die Zebraisten, die im Lager arbeiteten. Diese konnten also die beschädigten An- züge auftragen, während die diversen, anderen Anzüge der Juden in den Besitz des Wagner und seiner Kumpane über- gingen. Stolz wurden diese Sachen von 44-Führern und Unterführern am Sonntag getragen! Bei der Verpflegung sah es selbstverständlich genau so aus. Neben der normalen, guten Verpflegung, die die 4 bekam, wurde alles mögliche nebenbei organisiert. So hatte Hauptsturmführer Redwitz das Glück, in jeder Woche drei- mal Karpfen zu bekommen. Selbstverständlich lud er sich stets einige Herren zu Tisch. An der notwendigen, schmack- haften Buttersauce fehlte es auch nicht. Vellberg mußte servieren! 79 Der ehemalige Waldarbeiter, Hauptscharführer Trenkle, hatte irgendwo das ihm bisher unbekannte Wort Diät gehört. Er wurde jetzt ungemein vornehm, war nur auf Diät eingestellt. Türkischer Reis auf süß zubereitet war seine Lieblingsspeise geworden. Vellberg durfte servieren! Ganz anders war der Geschmack des Hauptscharführers Bach. Gesteigerten Wert legte er auf Hühnerklein, um mit graziös gehaltenen Fingern gebildet zu tun. Es waren dieselben Finger, die später zur Faust geballt den Opfern ins Gesicht fuhren oder über sie die Peitsche schwangen, wenn er seine berüchtigten Verhöre gründlich durchführte. Vellberg durfte servieren! Diese traurigen Gesellen stahlen zusammen, was immer sie fanden. Wehe aber dem Häftling, bei dem abends am Tor beim Filzen ein organisiertes Brot gefunden wurde! Er hatte es hungernden. Kameraden aus Nächstenliebe mitbringen wollen, denn hätte er es für sich behalten wollen, hätte er es gut und gerne draußen verzehren können. Viehisch wurde dieser Häftling zusammengeprügelt und mußte anschließend Strafen verschiedener Art über sich ergehen lassen- bis in die tiefe Nacht hinein! Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß die Frauen dieser Bestien sich voll und ganz in die Auffassung ihrer Männer hineingelebt hatten. Sie stellten an die ihnen zur Arbeit zugewiesenen Häftlinge alle möglichen und unmöglichen Anforderungen. Die Frau des Lagerführers Redwitz bekam in jeder Woche zweimal einen Handwagen voll Gartenerzeugnisse. Vellberg mußte ihn mit einem anderen Kameraden hinschleppen und alles in den Keller tragen. Als 80 Hausgehilfin hatte diese Frau sich eine seit fünf Jahren eingesperrte Bibelforscherin angefordert. Der Mann dieser Frau war auch irgendwo in einem Lager. Seit langer Zeit hatte sie keine Nachricht mehr von ihm. Desgleichen von ihren beiden Kindern mit sechzehn und achtzehn Jahren, die ebenfalls irgendwo den Ungeheuerlichkeiten des Nazi- regimes überantwortet waren. Dafür durfte der weibliche Häftling die Brut des 44-Führers großziehen. Auch der Waldarbeiter und Hauptscharführer Trenkle hatte eine solche Brut von sechs Rangen. Für‘deren Auf- zucht unterhielt er eine private Kaninchenzucht mit sechzig bis siebzig Tieren. Das Futter mußten selbstverständlich die Häftlinge aus Lagerbeständen besorgen, wie sie für die Wartung der Tiere aufzukommen hatten. Einem, dem fünf- jährigen rothaarigen Bengel des Trenkle, verabreichte Vell- berg einmal eine geziemende Ohrfeige, weil er ihn ange- spuckt hatte. Erbost lief dieser Sprößling zum Vater und plärrte ihm in Gegenwart Vellbergs folgendes vor:„Wenn ich Lagerführer werde, werde ich diesen Capo sein ganzes Leben lang einsperren und anspucken!“ Ein ungeschmink- tes Spiegelbild des Nachwuchses jener Herren, die das tausendjährige Reich als Zukunftsbild den kindlich Gläubi- gen im deutschen Volke vorgaukelten. Es bedarf keiner besonderen Betonung, daß diese organi- sierten und zusammengetragenen, aus Lagerbeständen ent- nommenen Sachen von den 44-Führern niemals bezahlt wurden. Hatten diese Güter gestern noch dem Staat gehört, so waren sie heute Besitz des Redwitz, Trenkle, Wagner oder, wie sie hießen, geworden. Wehe dem, der ihnen mor- 6* 83 gen etwa diesen Besitz streitig machen wollte! So hielten sich Tausende aus den Reihen der 44 an solchen Sachwerten durch Diebstahl schadlos in einer Zeit, in der es keinen Zweck hatte, Geld zusammenzuraffen. Für Geld gab es bekanntlich nichts. Im Jourhaus mußte von fünf Hausburschen- in Bayern Hausel genannt - alle Arten von Hausarbeiten durchgeführt werden, um die Bedürfnisse dieser 44- Ungeheuer zu befriedigen. Da hieß es vor allen Dingen die Bäder richten. Der Wasserdruck war im Konzentrationslager meistens zu schwach. Eimer um Eimer mußte für jedes Bad dreihundert Meter weit vom Kesselhaus herangetragen werden. 44- Hauptscharführer Blatterspiel beispielsweise mußte sein tägliches besonderes Fußbad mit Salzzusatz haben. Vellberg mußte niederkauern, Fuß für Fuß waschen und frottieren. An das Fußbad schloß sich eine Massage an. Das Jourhaus war vor allen Dingen auch der Schauplatz der inoffiziellen Bestrafungen. Die offiziellen wurden, wie erwähnt, auf dem Appellplatz durchgeführt. Täglich wurden im Jourhaus Prügel und Fußtritte in Form und Menge ausgeteilt, daß es unbeschreiblich ist. Unbeobachtet wurde hier so mißhandelt, daß kein Körperteil verschont blieb. Bei dem Eintritt in das Jourhaus hatten die Häftlinge die Schuhe auszuziehen. Vor Aufregung vergaßen Neulinge diese Bestimmung, wenn sie erstmalig in die Höhle des Löwen kamen. Besonders 44- Oberscharführer Bach war da nicht mehr 84 zu h Wie Es h begle Ärm hinte zu halten, wenn die Holzschuhe auf der Treppe polterten. Wie eine Furie fuhr er zwischen die armen Unwissenden. Es hagelte Schläge über Schläge, von wüstesten Ausdrücken begleitet. Ohne Rücksicht auf Knochenbrüche wurden die Ärmsten die Treppe hinuntergeworfen, die Stiefel flogen hinterher. Fluchtversuche sucht entla gen einen De wisse An Auto Es gab im Konzentrationslager Dachau verschiedene Flüchtlinge. Einmal waren es diejenigen, die zu Anfang oder nach längerer Zeit, oft gar nach manchen bitteren Leidensjahren aus dem Leben flohen. Sie hingen entweder am 400 Voltdraht oder wurden auf der Flucht erschossen. Andere, sehr viele unternahmen Fluchtversuche, um aus dieser Hölle herauszukommen. Die seltsamsten Einfälle wurden ausgeführt. Es soll hier nur eine Anzahl Beispiele gegeben werden. Da verkleidete sich einmal ein Häftling auf der HimmlerPlantage in ein altes Weib. Mit großer Mühe waren die für die Verkleidung notwendigen Gegenstände, ein langer, weiter Rock, eine Bluse und ein rotes Kopftuch zusammengetragen worden. Barfuß schritt er damit seines Weges und kam verhältnismäßig weit. Erst nach fünf Tagen hatte man ihn wieder gefangen. Dafür bekam der Ärmste fünfzig Doppelschläge und wurde außerdem einem Strafblock zugeteilt. Das aber bedeutete den langsamen Tod, arbeiten, bis er verreckte. In einem zweiten Falle hatte der Häftling, der den Hundezwinger zu versorgen hatte und sich infolge der Dressur der Tiere allein im Gelände bewegen durfte, das Weite ge86 Poste rend Häft mach faẞ Jauc ging klett 44- M war Um aufg Es alte gefü bewe Lage brais sucht. Von Dachau marschierte er an der Eisenbahnstrecke entlang nach Ingolstadt. Auch dieser wurde nach fünf Ta- gen aufgegriffen, bekam fünfzig Doppelschläge und wurde einem Strafblock zugeteilt. Der letzte zu erwähnende Fluchtversuch, der eines ge- wissen Humors nicht entbehrt, war folgender: An jedem Tage fuhr ein großes, mit Jauche beladenes Auto aus dem Lager auf die Plantage. Der begleitende 44- Posten blieb stets vorne neben dem Chauffeur sitzen, wäh- rend hinten die Jauche gepumpt wurde. Das wußten die Häftlinge, die zu diesem Arbeitskommando gehörten. Sie machten sich den Tatbestand zu nutze und füllten das Jauche- faß nur halb voll. Zwei Mann stiegen in das halbgefüllte Jauchefaß. Die Jauche reichte ihnen bis zum Bauch. Nun ging die Fahrt los. Draußen auf den Feldern der Plantage kletterten die beiden Ausreißer aus dem Faß, während der 44-Mann vorne im Auto seinen Dauerschlaf hielt. Kaum war der Wagen fort, trollten sie sich mit viel Gestank in die Umgebung. Doch auch sie wurden wie die meisten alle aufgefangen und wieder zurückgebracht. Es war nicht ratsam zu fliehen. Alte Häftlinge, sogenannte alte Lagerhasen, haben solche Absichten auch nie durch- geführt. Die Folge, daß sie sich auch viel freier im Lager bewegen konnten. Vellberg zum Beispiel konnte im ganzen Lagerbereich frei umhergehen. Wachmannschaften und Ze- braisten kannten ihn, er war der Hausel. Durch die Entwicklung der militärischen Ereignisse mit dem starken Ausfall an Menschen und Material und durch die Ausweitung der Kriegsschauplätze wurde der Verbrauch an Menschenmaterial von Jahr zu Jahr größer. Die Anfor- derungen zur Aufrechterhaltung des Potentials der Kriegs- maschine waren kaum zu erfüllen ohne die Ansprüche der allgemeinen Wirtschaft zu gefährden. Die Reichsregierung griff deshalb auf Menschen zurück, die nach Verbüßung ihrer Strafzeit in irgendeinem Strafgefängnis zur Sicherungs- verwahrung in ein Konzentrationslager gekommen waren. Die kriminellen Subjekte wurden in 44-Uniformen gesteckt und bataillonsweise in den Kampf geworfen. So kam einmal aus‘dem Konzentrationslager Dachau ein ganzer Haufen zum sogenannten Partisaneneinsatz nach dem Balkan. Die deutsche Regierung hat damit genau das, was sie an der russischen Regierung durch Presse und Radio tadeln zu können glaubte. Die Erkenntnis, daß die Verluste an Menschen durch bereitgestellte Reserven aus der Wirtschaft kaum noch aus- geglichen werden konnten, zwang die Reichsführung 44 mit dem„aufarbeiten‘ der Häftlinge kürzer zu treten. Seit Mitte des Jahres 1943 machte sie in Humanität. So durfte in 88 re lobig zu k Man Wacl junge jähri; linge Äuße Wur: auch erhal wied heit von laute Prag Der Date Straf Schul von' nit ch ch orgsHer ng ng gsen. ckt mal fen Die Her zu rch usmit itte in Dachau kein 44- Mann einen Häftling prügeln, es mußte erst eine Strafmeldung erfolgen. Die Zügel wurden plötzlich lockerer gelassen. Innerhalb des Lagers durften sich deutsche, polnische, russische, slowenische, kroatische und andere Gesangvereine bilden. Selbst Fußballturniere wurden nach Feierabend veranstaltet. Theatergruppen konnten Auf-. führungen veranstalten, die durch Anwesenheit des Kommandanten Welter oder des Lagerführers Redwitz ihre Belobigung erfuhren. Es gab da in einer Bibliothek gute Bücher zu leihen und konnten Radioübertragungen gehört werden. Man war also mit einem Male menschlicher geworden. Die Wachmannschaft bestand an Stelle der früheren, vielen, jungen 44- Lümmel nunmehr aus älteren, zum Teil fünfzigjährigen Reservisten. Diese zeigten keine Lust, die Häftlinge zu schinden und zu plagen. Vielmehr war aus ihren Äußerungen erkenntlich, daß auch sie den Krieg satt hatten. Wurde das Leben im Lager durch diese Erleichterungen auch etwas erträglicher, so blieb die Spannung trotzdem erhalten. Alle Zebraisten fragten sich untereinander immer wieder, wie lange es noch so weiter gehen sollte, ob die Freiheit ihnen überhaupt noch einmal zufallen sollte. Niemand von ihnen wußte, auf welche Dauer der Schutzhaftbefehl lautete. Sie wußten nur, daß er von dem berüchtigten, in Prag zu Tode gekommenen Heyderich unterzeichnet war. Der Kriminelle, der wegen Diebstahls vielleicht drei Monate Gefängnis bekommen hatte, konnte das Ende seiner Strafe absehen. Der Zebraist, der nichts Ehrenrühriges verschuldet hatte, sah kein Ende seiner Haft. Meist wurde er von Tag zu Tag nervöser. 89 In der Nacht sahen die Häftlinge oft die Flugzeuge der Westmächte ihre Bahn über das Lager hinwegziehen. Sie schauten ihnen nach und begleiteten nur zu oft jedes einzelne von ihnen mit heißen Wünschen. Zuweilen steckten diese Flugzeuge das Konzentrationslager Dachau ringsherum mit Leuchtschirmen ab, so daß es taghell erleuchtet war. Nie sind auf das Häftlingslager Sprengbomben gefallen. Die mutigen 44- Leute machten sich das zu nutze, indem bei Fliegeralarm alle in das Lager hineinströmten. So suchten sie ihr kostbares Leben im Schutze der ausgestoßenen Volksgenossen zu retten! Nur einmal fiel eine Brandbombe in das Lebensmittelmagazin bei der Lagerküche. Der durch die Löscharbeiten verursachte Schaden war weit größer als der durch den Brand. Die Löschmannschaft, die aus Häftlingen bestand und jeden Tag Übungen abhielt, hatte hierbei ihre Feuerprobe bestanden. Bezeichnend für die charakterliche Haltung der 44 ist hierbei folgendes: Wie Vellberg später im Jourhaus feststellen konnte, hatten sich diese 44- Männer in der Brandnacht aus den Beständen der Häftlingsvorräte reichlich versorgt. Im Lager gab es kleinere und größere Gruppen von Zebraisten, die sich zusammengefunden hatten. Teils hatten sie die gleichen politischen Interessen, teils das gleiche schöngeistige Empfinden. Gingen beispielsweise zwei gute Freunde mehrere Jahre diesen gleichen Leidensweg zusammen, kannten sie sich viel besser als zwei Freunde sich in der Freiheit kennen lernen. So wußte Vellberg von seinem Kameraden Karl Jörrschick genau, wie es um dessen 90 Konzentrationslager Dachau Kommandantur Am 22. Dezember 1943 Konzentrationslager Dachau Kommandantur en en Ler Sie Am 22. Dezember 1943 Entlassungsschein. Der Schutzhaftgefangene Wuest v.Vellberg onrad geb. 13.2.12 Stuttgart ZU war bis zum heutigen Tage im Konzentrationslager Dachau verwahrt. Dom 13.12.43IVC2H.Nr.St 4973 wurde die Schutzhaft aufgehoben. Er wurde angewiesen, sich sofort und weiterhin jeden 6. Werktag bei der Ortspolizeibehörde seines Wohnortes zu melden. Maffen Lagerkommandant Laut Verfügung des RSHA. Berlin AG 14- Obersturmb ensinger führer. Inneres bestellt war, und umgekehrt. Einer brauchte den anderen nur anschauen. Entweder gab es zusprechende Worte oder auch, wenn es sein mußte, Worte des Tadels. Karl als der ältere, mußte oft dem impulsiven Vellberg in dessen Interesse die Zügel anlegen, um ihn vor Schaden zu bewahren. Beide machten sich gegenseitig, wo immer sie konnten, kleine Geschenke. Schon bei der ,, Beschaffung" freute sich jeder allein, zu zweit beim Schenken freuten sie sich dann erst recht gemeinsam. Es darf dabei nicht vergessen werden, was werden, was beide füreinander taten. Beiden drohten nämlich hohe Strafen, wenn die Lagerführung hiervon Kenntnis erhielt. Es stand aber einer für den anderen! Beide wußten, daß dieser schwere Kampf nur zu zweit durchzustehen war. Der einzelne war nichts! Es kam der Tag, an dem Vellberg vom Lagerführer die Mitteilung erhielt, daß er Weihnachten für vierzehn Tage auf Urlaub fahren dürfe, dann allerdings sich wieder im Lager einzufinden hätte. Seit dem Jahre 1943, dem Jahre der Auflockerung der Zwangsverhältnisse in Dachau, wurde verschiedenen alten Häftlingen ein solcher Urlaub gewährt. Es dürfte jedem verständlich sein, daß Jörrschick ob der bevorstehenden Trennung ungewollt Tränen in die Augen traten. Weihnachten rückte näher. Am 22. Dezember 1943 wurde Vellberg eröffnet, daß er nicht auf Urlaub fahren dürfe, sondern zur Entlassung käme! Das Schicksal hatte zwei Menschen eng zusammengebracht, nun brachte es sie wieder auseinander. Für beide Männer, die miteinander solch Schweres, Furchtbares, Grauenhaftes erlebt hatten, lagen sich in den Armen und weinten still vor sich hin. In Vell93 berg mischte sich die Freude über die bevorstehende Freiheit mit der Sorge um das Wohlergehen seines zurückbleibenden Freundes. So flossen Tränen der Freude und Tränen des Schmerzes. Kameraden hatten als Zugehörende eines Räumungskommandos von München nach Bombardements ihrem Kameraden Vellberg eine Flasche Wein mitgebracht. Sie fand bei dem Abschied die beste Verwertung. Selbst eine gute Zigarre fehlte nicht! Noch einmal drückten sie beide sich gegenseitig die Hände und sahen sich tief in die Augen. In jedem klang das hohe Lied der Kameradschaft! Auf Umwegen hat Vellberg noch lange Zeit mit Jörrschick im Briefwechsel gestanden, bis ihn die Verhältnisse zwangen, in der Masse unterzutauchen. Die Gestapo hatte wieder verschärft ihre Tätigkeit aufgenommen und fahndete hinter allen ihr irgend verdächtig Erscheinenden. So mußte Vellberg verschwinden. Teils hielt er sich in Tübingen, teils in Berlin auf, während er in Stuttgart polizeilich gemeldet war. Nur so gelang es ihm, bis zum Tage, als die Franzosen mit ihren ersten Panzerspitzen in Tübingen einzogen, den Verfolgungen zu entgehen. Jetzt erst war für Vellberg die Zeit gekommen, das schöne Wort , Freiheit" mit goldenen Lettern zu schreiben. وو Die Stetigkeit im Charakter des Jörrschick und die Munterkeit seines Wesens lassen Vellberg wünschen, daß er dem schauerlichen Finale der letzten Tage in Dachau entronnen ist. Er hat ihn nicht vergessen und hofft ihn eines Tages wieder begrüßen zu dürfen. Über die verheerenden Grausamkeiten der letzten Tage in Dachau hat das Radio und haben die Zeitungen zahllose Berichte gebracht. Vell94 berg Jahn leid Deu N für den. ig [en berg, der Dachau mit eigenen Augen gesehen und in langen Jahren am eigenen Leibe verspürt hat, weiß darum, daß es leider keine Schauermärchen sind, wie immer noch manche Deutsche annehmen. Nein, das Konzentrationslager Dachau kann den„Ruhm“ für sich in Anspruch nehmen, die ‚Hölle‘ genannt zu wer- den. Es war eine Stätte des Grauens....!!!