INHALTSVERZEICHNIS gäu. ten. Vorwort A. In der Hand der Gestapo I. Verhaftung unter dem Vorwand einer Vernehmung II. Verleumderische Anschuldigungen und deren Richtigstellung III. Der Zeugen- Klüngel 456 IV. Vor dem Sondergericht 21 V. Staatsanwalt Prost 13 7322 24 VI. Der Rechtsanwalt als ,, Deutscher Rechtswahrer" 25 VII. Memorandum: Wo bleibt das Deutsche Recht? 28 88 VIII. Die ,, Politische Zelle 17" am 29 29 Alexanderplatz IX. Konzentrationslager Ravensbrück ( Mecklenburg) Nachklang B. Ergebnis: Grundsätze, durch deren Be73 339 39 folgung wir der weiteren Vernichtung der Menschheit Einhalt gebieten Aufhebung der Irreführung C. Lebenslauf: Stufen meines Lebens 777 76 77 74 3 VORWORT Unter dem Leitwort ,, Liebesmacht bricht Machtliebe" wollen wir dem Schöpfer die Ehre erweisen, indem wir mit dem Reinertrag dieses Buches einen Stiftungsfonds gründen, der unter dem Namen ,, Economia Biologica" auf genossenschaftlicher Grundlage unter Wahrung des Privateigentums in Kunst und Wissenschaft, Siedlung und Handwerk oder wo es auch sei ohne Klassen- und Rassenvorurteile dazu diene: Schäden zu heilen, Unrecht zu sühnen und neues Leben aufzurichten aus reiner Liebe. Der hier vorliegende Erlebnisbericht bildet als Ganzes den Auftakt zu meiner wissenschaftlichen Lehre, die zwar in der ursprünglichen akademischen Form mit sämtlichen, sowohl druckfertigen als vorbereiteten Manuskripten den Bomben zum Opfer gefallen ist, die ich aber im K.Z. während einer 5 monatigen Einzelhaft aus der Erregung göttlicher Liebe gedanklich neu faßte, und zwar in Rhythmen und Reimen, um sie im Kopf behalten zu können, da mir weder Schreibmaterial noch vollends ein wissenschaftlicher Apparat an Büchern und Kartotheken zur Verfügung stand. Meine ursprünglich als Habilitationsschrift abgefaßte wissenschaftliche Abhandlung„ Die Motive der Fürsorge"( Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Verlag von Gustav Fischer, Jena, März 1933, S. 320-366) gibt Aufschluß über die Grundlagen meiner gegenwärtigen Forschung, die noch nicht abgeschlossen ist. Den Lebenslauf ,, Stufen meines Lebens" habe ich in der Form, wie ich ihn dem Sondergericht in Berlin einreichte, an den Schluß gesetzt. Herzlichen Dank sage ich an dieser Stelle Herrn Universitätsprofessor Dr. theol. Karl Adam in Tübingen, der diese Schrift veranlaßte, indem er im Juni d. J. von mir die Frage beantwortet wünschte, wieso ein Mensch, der sein Leben lang aufrichtig am sozialen Problem gearbeitet hat, ins K.Z. kommen konnte. Prof. Adam machte mir die Klarlegung der psychologischen Hintergründe zur Pflicht gegenüber dem deutschen Volke, das jetzt für die K.Z.- Greuel verantwortlich gemacht wird, das aber ich lasse die Frage offen infolge der Schweigepflicht nichts Näheres darüber gewußt und vor allem angesichts des Justizterrors nichts dagegen habe unternehmen können. - - - - Die Bereinigung der sozialen Athmosphäre kann gar nicht ernst genug genommen werden. Es versuche niemand, sich der Rechenschaftslegung vor dem Ewigen Richter zu entziehen. Wangen im Allgäu, im August 1945. Emmy Wagner. A. Z 4.6 9.6 20 20 27 19 6. 19 20 wir dem ses Buches omia Bioes PrivatI oder wo chäden zu iner Liebe. uftakt zu en akadebereiteten rim K.Z. her Liebe m sie im vollends ur VerfüsenschaftNationalMärz 1933, nwärtigen Form, wie gesetzt. sprofessor Ste, indem wieso ein gearbeitet Klarlegung deutschen wird, das cht nichts ors nichts sozialen sversuche A. IN DER HAND DER GESTAPO. ZEITTAFEL 4.6. 1942 9.6. 1942 20. 10. 1942 27.5.1943 19.6. 1943 6.8.1943 19.2. 1945 20.2.1945 Vernehmung durch die Gestapo- Kommissare Klude und Schillings im Reichssicherungshauptamt Berlin, Prinz- Albrecht- Str. 8. Durch die Vernehmung wird einwandfrei festgestellt, daß es sich um ein Intrigenspiel handelt, das vom Frauenamt der Arbeitsfront ausgeht. Es erfolgt trotzdem nicht Freilassung, sondern Unterbringung im Polizeipräsidium am Alexanderplatz mit zunächst 14 monatiger Schutzhaft. Gegenüberstellung mit den Zeugen. Gegenüberstellung mit der Hauptbelastungszeugin Woldmann, die bis dahin nicht aufzufinden war. Anschließend Aushändigung des Schutzhaftbefehls, lautend auf ,, Beleidigende Äußerungen über führende Persönlichkeiten: die Reichsfrauenführerin Scholtz- Klink, die Reichsminister Dr. Goebbels, Funk, Ribbentrop". Sondergerichtsverhandlung in Berlin. Urteilsverkündung: 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung der verbüßten Schutzhaft. Freilassung von seiten des Sondergerichts, nicht aber von seiten der Gestapo. Überführung von Berlin nach Ravensbrück zu weiterer ( 181/8 monatiger) Schutzhaft ,, bis Kriegsende". Entlassung aus dem K.Z. Ravensbrück. Vorschriftsmäßige Meldung bei der Gestapo in Berlin ( Klude). Schriftliche Verpflichtung, über das K. Z. zu schweigen. er zu entner. 5. I. Verhaftung unter dem Vorwand einer Vernehmung. Am 4.6.1942, vormittags 10 Uhr, wurde ich aus meiner aufbauenden wissenschaftlichen Arbeit, die ich seit 20 Jahren im Interesse einer gerechten Lösung der sozialen Fragen leiste, jäh herausgerissen und unter dem Vorwand einer„Vernehmung“ von den beiden Gestapo- Kommissaren Klude und Schillings vom Reichssicherungshaupt- amt Berlin im Auto abgeholt.) Am 19.2.1945, also nach 321/;, Monaten, als es für den von mir geplanten Vorstoß bereits zu spät war, wurde ich frei gelassen. Auf dem Schutzhaftbefehl, der mir erst 5 Monate nach der Verhaftung vorgelegt und ausgehändigt wurde, war als Grund angegeben:„Beleidigende Äußerungen über führende Persönlichkeiten“. Für ein derartiges Ver- ‚gehen hätte man im Vorkriegsdeutschland vor 1914 schlimmstenfalls mit einer Buße‘ von RM 3.— wegen ‚„Majestätsbeleidigung“ zu rechnen gehabt, aber selbstverständlich nur nach einwandfreier Untersuchung und Fest- stellung über das„Ob“ und„Warum“ solcher Äußerungen. Hätte es sich gezeigt, daß aufrichtige Besorgnis um Bestand und Erhaltung des Volkes dahinter stand,.so wäre man den Dingen auf den Grund gegangen. Die Vernehmung am 4.6.1942 dauerte 6 Stunden. Die beiden genannten Kommissare erkannten sofort, daß es sich um Geklatsch handelte und ‚glaubten, mich am selben Tage wieder entlassen zu können. Indessen erfuhren sie, als sie das Protokoll dem Kriminalrat Sander vorlegten, daß dieser von dem Ressortchef, Gruppenführer Müller, Anweisung erhalten habe, mich bis zur Gegenüberstellung mit den Zeugen im Ge- wahrsam der Gestapo, im Polizeipräsidium am Alexanderplatz, unterzu- bringen. Ich protestierte unter Hinweis darauf, daß nichts erwiesen sei. Kommissar Klude erklärte:„Es kommt bei Ihnen von oben! Wir können Ihnen nicht helfen, wir sind zu kleine Leute. Ich kann Ihnen) auch gar keine Hoffnung machen.“ Kommissar Schillings sagte:„Wenn ich hier zu bestimmen hätte, würde ich erst mal die Klatschweiber zwei Monate lang zusammen in eine Zelle einsperren und dann fragen:„Was habt Ihr jetzt noch gegen Frau Dr. Wagner zu melden?“ Dann wäre der Fall erledigt.“.'} Als ich mich am 20.2.1945, dem Tage nach meiner Entlassung aus dem K.Z., vorschriftsmäßig bei der Gestapo in Berlin meldete, I er: er Sc de lo je mung. uenden einer en und Gestaposhaupton mir uf dem orgelegt digende es VerFalls mit gehabt, nd FestHätte es ung des gangen. nannten lte und ndessen orlegten, weisung im Geunterzuerwiesen n! Wir Ihnen 99 Wenn per zwei : ,, Was n wäre tlassung meldete, sagte Kommissar Klude zu mir: ,, Schillings und ich haben oft mit Kriminalrat Sander von Ihnen gesprochen und festgestellt, daß alles so gekommen ist, wie Sie es vorausgesagt haben." Ich fragte: ,, Und warum haben Sie nicht, als Sie Beweise in der Hand hatten, etwas zu meiner Befreiung unternommen, um weiteres Unheil zu verhindern?"- Klude antwortete: ,, Das hätte nichts geholfen, man hätte uns sofort auch eingesperrt." Er legte mir vorschriftsmäßig einen Schriftsatz zur Unterschrift vor, der besagte:„ Ich verpflichte mich, nicht darüber zu sprechen, daß ich im K.Z. war, noch warum ich dort war, fernerhin, daß ich die Reichsfrauenführerin nicht angreifen und nicht in ihren Aufgabenbereich eingreifen werde.". II. Verleumderische Anschuldigungen und deren Richtigstellung. - 1. Es ist bekannt, daß die Reichsfrauenführerin Scholtz- Klink, die in erster Ehe mit dem badischen Volksschullehrer Klink verheiratet war, während ihrer zweiten Ehe als sie den großen sozialen Aufstieg erlebt hatte plötzlich ,, mondän" wurde, und daß der zweite Mann, Scholtz, sich auf Grund ihrer Ausschweifungen von ihr scheiden ließ; der dritte Mann, SS.- Gruppenführer Heißmeier, deckte jedoch die Artlosigkeiten der Reichsfrauenführerin durch Gestapo- Verfahren gegen jeden, der sich verdächtig machte, daran Anstoß zu nehmen. Obwohl ich von diesen Dingen wußte, habe ich davon kaum Notiz genommen, außer, daß ich in meinen soziologischen Arbeiten und auch än meinen sämtlichen Schriften darauf hinwies, daß das Vorbild der jeweils ,, führenden Schicht" Brauchtum und Sitte bestimmt, auf denen das Recht ruht. Meine ,, Lehre von der artgemäßen Lebenshaltung" war eine einzige Anklage gegen die Entartung unserer führenden Schicht und die ihrem Beispiel folgende Masse. Diese meine Lehre war im Kern bereits in meinen sämtlichen gedruckten Schriften enthalten( siehe unten), und erst recht in den noch ungedruckten, deren Veröffentlichung man verhindern wollte, indem man mich aus dem Wege schaffte. Man legte mir Schimpfworte und Redensarten in den Mund, deren Wortlaut und Sinn mir gänzlich fremd waren oder die aus dem Zusammenhang gerissen in verleumderischer Weise verdreht wurden, - - 7 TEEN TTS AFTER TE REITEN SOFLTE sodaß etwas ganz anderes herauskam, als was ich beabsichtigt hatte. Völlig erlogen war alles, was ich über die Reichsfrauenführerin Scholtz- Klink gesagt haben sollte, nämlich, sie sei ein Schwein, und sie wolle mit ihren weiblichen Reizen die Männer betören. 2. Goebbels und Funk sollte ich als„Hunde“ bezeichnet haben, Ribbentrop als„Dummkopf“, der die Völker auseinanderbringe, anstatt sie zusammenzuführen; gegen Presse, Rundfunk, Kino sollte ich abfäl- lige Bemerkungen gemacht haben, wie„Schwindel“,„Massenverdum- mung“ usw. Diese Anschuldigungen habe ich mich bemüht, richtig zu stellen, bzw. soziologisch zu begründen(s. u.) und zwar in Verbindung mit den weiteren Anschuldigungen, die darauf abzielten, alle meine Arbeit zu- nichte zu machen, die einer aufrichtigen Lösung der sozialen Frage galt, einschließlich der Rassenfrage(Judenfrage), und die somit auf die Beseitigung des Kriegsgrundes gerichtet war. 3. Ich soll gesagt haben, die Goebbels’sche Propaganda sei doppelzün- gig und spitzfindig, sie sei eine Verhöhnung des deutschen Volkes, wie auch der anderen Völker, der Gegner höre immer das heraus, was er wolle, Goebbels arbeite für eine andere Idee als die, die er vorgebe. Dieser Anschuldigung habe ich nicht widersprochen, ja ich habe offen erklärt, daß ich auf Grund meiner eigenen soziologischen Forschungen und praktischen Erfahrungen den Grundsatz„Der Zweck heiligt das Mittel“ ablehne, da ich erkannt habe, daß nur Aufrichtigkeit und absolute Offenheit auf die Dauer der Menschheit Glück und Gedeihen bringen können. Den Satz„Die Juden haben diesen Krieg gewollt, sie haben ihn nun“, den das Propogandaministerium in Berlin uns monatelang an allen Lith- faßsäulen und Straßenecken vor Augen hielt, nahmen die Angeberinnen für einen Goebbels’schen Ausspruch. Sie glaubten mich damit herein- legen- zu können, daß ich gesagt hatte, dieser Satz sei zweideutig, im Munde der deutschen Propaganda enthielte er das Eingeständnis, daß die Juden ihr Ziel erreicht hätten und Hitler ihnen auf den Leim gegan- gen sei. In geschickter Weise wurde dieser Satz, der ja aus dem Lager unserer damaligen Gegner stammte, so ausgelegt, als ob es feststünde, daß Deutschland den Krieg gewinnen würde. Von dieser uns einsuggerierten „Annahme“ aus setzten wir alles auf die eine Karte„Krieg“. Diesen Trug- schluß wollte ich aufdecken und davor warnen, daß wir uns in falscher 8 gt hatte. Scholtzie wolle haben, e, anstatt ch abfälverdumen, bzw. mit den rbeit zurage galt, auf die oppelzünolkes, wie was er ebe. abe offen schungen eiligt das absolute bringen ihn nun", llen Litheberinnen it hereineutig, im dnis, daß m geganem Lager eststünde, ggerierten sen Trugfalscher Sicherheit wiegten. Nicht nur aus Sorge um Deutschland arbeitete ich gegen den Wahnwitz einer so gefährlichen und lebensunklugen Überheblichkeit( so auch in meiner von der Reichsfrauenführerin eigenmächtig eingestampften Broschüre: ,, Grundfragen einer artbewußten Fürsorge"), sondern aus Verantwortung vor dem Weltgewissen. Meine soziologische Arbeit führte mich dazu, die Goebbels'sche Propaganda und ihre Ergebnisse im einzelnen wie als Ganzes zu widerlegen. Ich tat dies mit wissenschaftlichen Methoden und nicht in der Form der mir in den Mund gelegten Beschimpfungen. Das habe ich vor dem Sondergericht klar zu stellen versucht. 4. Bei der Gestapo hatte die Zeugin Krafft mich als„, unsozial" anschwärzen wollen durch Anführung von Ausdrücken und Redensarten, die sie aus meinen Manuskripten entnommen und in die falsche Kehle bekommen hatte, wie ,, Auslese- das aristokratische Prinzip der Natur". Die Kommissare lachten darüber. Zur Widerlegung von falschen Anschuldigungen hinsichtlich meiner Einstellung zur Kriegsfrage hatte ich erklärt:„ Ich bin nicht- Pazifist, aber ich lehne den Krieg ab, denn ich habe erkannt, daß die heroische Lebensauffassung, die zum Leben notwendig ist, durch den Militarismus irregeleitet und durch den Pazifismus eingeschläfert wird. Die These und die Antithese Militarismus- Pazifismus' wird nach meiner Lehre in dem dreifachen Sinne des negare- conservare- elevare( Hegel) aufgehoben durch die Synthese eines, Auslese schaffenden Wettkampfes für die Erhaltung der Art'. In diesem Wettkampfe können alle Völker, Rassen und Konfessionen beweisen, was sie zum Aufbau der Art beizutragen haben." Meine Gegner hatten gar nicht die Absicht, es auf eine ernste Auseinandersetzung ankommen zu lassen, denn sie wußten, daß sie nicht imstande gewesen wären, meine Lehre zu widerlegen. Sie machten es sich einfacher, indem sie seit 1933 mein gesamtes Schrifttum unterbanden oder vernichteten und mich durch Verleumdungen und Intrigen aus dem Wege schafften. 5. Verleumderisch waren auch die als Prahlerei aufgemachten, mehr oder weniger frei erfundenen Behauptungen betr. Äußerungen über die Studenten ,,, aktive und verschwiegene Leute", mit denen ich durchbrechen wolle. Was ich zur Lösung der sozialen Frage, von der aus auch das Kriegsproblem und die Rassenfrage zu klären sind, bereits angebahnt 9 hatte, konnte ich dank der Frauen- Intrigen vor dem Sondergericht gar nicht mehr vorbringen, ohne mich zu gefährden. Ich hatte gesagt, man dürfe nicht Fehler, die man anderen( den Juden) vorwerfe, selber begehen, so z. B. durch Propaganda in Rundfunk, Presse und Kino aus Volk Masse machen, denn das bedeute Vernichtung der Kultur. Masse sei käuflich, sie folge immer dem, der am meisten biete oder am lautesten schreie, es sei daher kein Verlaẞ auf die Masse. Wir ( ganz besonders auch Goebbels) kennten die Gesetze der Massenpsychologie und wüßten, daß Masse zu allem und zu jedem zu überreden sei, daß sie immer irregeleitet und ausgebeutet werde, weil es ihr an Urteilsfähigkeit fehle. Mein wichtigster Gesichtspunkt aber war der: Hitler habe durch seine Parole ,, Brechung der Zinsknechtschaft" Millionen von Kommunisten auf seine Seite gezogen, indem er sie wirklich davon überzeugte, daß nicht durch Enteignung der Unternehmer( ,, Kapitalisten", wie Karl Marx sagt) dem Arbeiter der ,, gerechte Lohn" gesichert werde, sondern durch Ausschaltung des spekulativen Börsenkapitals, das durch den Zins auf die Unternehmungen und damit auf den Arbeitslohn drücke und Unsicherheit und unsolide Denkweise in das Wirtschaftsleben bringe. Nachdem Hitler diese Aufklärung geschaffen hatte, sei er jedoch daran gegangen, eine neue Zinsknechtschaft aufzurichten, die despotischer wirke, als die des internationalen Kapitals, nämlich die von ihm( Hitler) eingesetzte Parteiführerschaft mit ihrem Millionenanhang an politischen Zuhältern aller Art. Anstatt die Judenfrage aufrichtig zu lösen und den Weltfrieden auf der Gesittung der Völker aufzubauen, an der Juden wie Deutsche seit Jahrtausenden gearbeitet haben( und zwar durch ihre religiösen, wissenschaftlichen und künstlerischen Genien, nicht aber durch ihre Machtpolitiker!), habe Hitler Gewalttätigkeit für Recht gesetzt. Dadurch werde die Korruption legalisiert. In dieser Form sei sie dem obrigkeitshörigen Deutschen nicht mehr als solche erkennbar. Beweis: die Goebbels- Ley- Funk seien dasselbe Kaliber wie die Barmat- Kutisker Sklarek, gegen die Hitler einst wütete, nur mit dem Unterschied, daß die letzteren dem ehrlich schaffenden Juden genau zuwider seien wie anderen Nationen die entarteten Typen, die sie belasten, während wir die Goebbels- Ley- Funk und Konsorten mit allen staatlichen Vollmachten ausgestattet hätten. Wir ermächtigten sie dadurch, einen Raubzug ohnegleichen an dem fleißigen und im Grunde ehrlichen deutschen Volke zu verüben, das aber politisch unentwickelt 10 - SO und ind der als bru ho ich die In Bil ben fü sch rich Ka che ein SOZ wi alt be wi eh ho un rie M au SO A be ge au me et cht gar Juden) t, Presse ung der n biete se. Wir psycho- len sei, Urteils- ch seine nisten te, daß ıl Marx n durch ins auf nd Un- hre reli- »r durch gesetzt. sie dem Beweis: Jarmat— , Unter“ enau SO sie be mit allen ie da- Grunde „twickelt und dadurch gefährdet sei, ja geradezu selber zu einer Gefahr werde, indem sein Blick so getrübt und seine Sitten durch das schlechte Beispiel der führenden Schicht so verdorben würden, daß es deren Gerissenheit als Klugheit ansehe und die Volksverderber bewundere. Ernsten Menschen gegenüber, von deren Eingreifen ich einen Durch- bruch der Wahrheit und Abstellung der Methoden des„Systems“ er- hoffte; ja sogar noch den Gestapo-Kommissaren gegenüber bezeichnete ich den großen„Erfolg“ der Goebbels’schen Propaganda als Irreführung, die— verteufelt suggestiv— eine wirkliche„schwarze Magie“ darstelle. In meiner Aufklärungsarbeit mußte ich mit krassen Ausdrücken und Bildern arbeiten, um überhaupt verstanden zu werden. Die vorgescho- benen Denunzianten hatten nur von den persönlichen Angriffen auf „führende Persönlichkeiten“ etwas gehört(vor die sie sich anscheinend schützend stellen wollten!), aber sie begriffen nichts von meinem auf- richtigen Kampfe, der dazu beitragen sollte, die Völker Europas vor der Katastrophe zu bewahren. 1934 hatte ich in Hamburg beim Reichsbund der deutschen Verbrau- chergenossenschaften einen Vortrag von August Winnig gehört, dem| einstigen sozialdemokratischen Arbeiterführer und späteren national-} sozialen Oberpräsidenten von Ostpreußen, der u. a. erklärte:„Es ent- wickelt sich heute nichts in der Welt, es verwickelt sich alles.“. Einige alte Genossenschafter sagten nachher:„Warum hat der nicht die Ar- beitsfront bekommen? Der ist doch nationaler Sozialist! Den würden wir als Arbeiterführer anerkennen! Der ist heute noch aufrichtig und ehrlich gegen den Arbeiter, und er sieht die Gefahren, weil er sich selber Jhochgearbeitet hat. Der andere(gemeint war Ley) ist nie was gewesen und wird nie etwas sein, er betet den Führer an, weil der ihm eine riesengroße Stellung gegeben hat, für die er der denkbar ungeeignetste Mensch ist. Es ist eine Beleidigung, uns einen solchen Arbeiterführer aufzuzwingen. Man wird ja sehen, wo ‚er uns hinführt.“. Seit 1934 arbeitete ich darauf hin, daß dieser ganze Fragenkomplex soziologisch geklärt und ethisch bereinigt werde: Wieso konnte der Abschaum in die oberste Führung gelangen und alle Schlüsselstellungen besetzt halten, bis herunter in die Betriebszellen und die Hausverwaltun- gen(Portierstellen), sodaß jeder Volksgenosse doppelt und dreifach auf seine„politische Zuverlässigkeit“ hin kontrolliert wurde, und zwar meistens von ganz mittelmäßigen Kreaturen, die sich wichtig taten, andern etwas am Zeuge flicken zu können oder sie hereinzulegen.. il Die Irreführung bezw. der Selbstbetrug des deutschen Volkes wird verständlich, wenn man bedenkt, daß weitblickende hellsichtige Menschen seit 1933 mit immer größerem Erfolge ausgeschaltet und entmachtet wurden, bei gleichzeitigem Zwang, den von oben gesteuerten falschen politischen Kurs der Verschwörerklüngel, die das Volk in den Krieg hetzten, durch solide Facharbeit( als richtig) zu tarnen. ,, Ein riesengroßer Aufwand ist umsonst vertan", dieses Mephistowort habe ich oftmals zitiert und vor einem materialistischen Leistungsbegriff gewarnt, d. h. vor einem falschen Einsatz der ungeheuer großen Leistungsfähigkeit und Schaffenskraft des deutschen Volkes! ,, Welche Ziele verfolgen wir letztlich?" fragte ich immer wieder. - Fest davon durchdrungen, daß der Geist siegen muß, aber nicht jeder beliebige Geist, sondern der Geist der Liebe zur Wahrheit, d. h. die Weisheit und Philosophie, wandte ich mich im Herbst 1941 zunächst an den Pädagogen Eduard Spranger, bei dem ich 1925 an der Universität Berlin die philosophische Prüfung im Doktorexamen gemacht hatte. Spranger, dem ich die hier dargelegten Gedanken vortrug, zog jedoch ängstlich zurück. Er erklärte, das scheine zwar alles so zu sein, aber er wolle mit Politik nichts zu tun haben. Legationsrat Dr. von Hentig im Auswärtigen Amt, der sich als deutscher Generalkonsul in San Franzisko 1927 sehr für meine damaligen sozial- pädagogischen Pläne interessiert und durch den Botschafter von Maltzahn in Washington auch das Auswärtige Amt davon unterrichtet und mich führenden Deutsch- Amerikanern empfohlen hatte, mit deren Hilfe später der Akademische Austauschdienst( der einstige Leiter desselben, Oberregierungsrat Morsbach, der auch im K.Z. gesessen hat, kann dies bezeugen) meine Anregungen aufgriff, sagte zu mir: ,, Ich bin genau im Bilde... Wer Aufklärung zu schaffen sucht, verschwindet spurlos von der Bildfläche. Wir können nur die Katastrophe abwarten, das Ende wird furchtbar sein.". Einer meiner Studenten, Richard Schulz, war im Sommer 1941 auf 1/2 Jahr eingesperrt worden, und zwar auf Grund einer jahrelang zurückliegenden nazigegnerischen Betätigung als Schriftführer beim deutschnationalen Handlungsgehilfenverband. Dieser Grund war eine Finte. Richard Schulz war ein aufrichtiger Mensch, den man beseitigen wollte, weil er die planmäßige Irreführung durchschaute und davor warnte, indem er Beweise erbrachte. Die Nutznießer des Systems, deren Zahl immer größer wurde, wußten dies zu verhindern. All das sagte mir genug. 12 III. Ein Zuhäl 3 Ster von i ahnun den d gegeb aufklä bei d Büh 3./4.12 Kraf ebenf stellte arbeit ihre ich v Frage hätte, neber haup saren sie b zeugr mit i den nis ü Der geric A 2-4 daß belas alle sie g lkes wird tige Menentmachtet falschen den Krieg MephistoLeistungser großen ,, Welche icht jeder d. h. die nächst an Universität cht hatte. g jedoch , aber er als deutamaligen after von terrichtet mit deren einstige K.Z. gesagte zu ucht, vertastrophe 41 auf 1/2 zurückdeutschme Finte. n wollte, warnte, ren Zahl mir genug. III. Der Zeugen- Klüngel. - Ein von der Reichsfrauenführerin Scholtz- Klink und ihren politischen Zuhälterinnen und deren Hintermännern vorgeschobener Klüngel von Krafft( keine Neuwirth- 3 Stenotypistinnen Woldmann von ihnen war Parteigenossin!), sowie ein von diesen aufgeputschter ahnungsloser junger Büroangestellter, Parteigenosse Bühler( ohne den die Frauen sich nicht hätten halten können!), hatten sich dazu hergegeben, mich bei der Gestapo anzuschwärzen. Dies geschah auf Grund aufklärender Äußerungen, die ich in ausdrücklicher Fragen- Beantwortung bei dem einzigen Zusammentreffen mit den Zeugen Woldmann und Bühler anläßlich einer gemeinsamen Luftschutzwache in der Nacht vom 3./4.12.1941 getan hatte. Die beiden anderen Zeugen, Neuwirth und Krafft hatten ein paar mal für mich Maschine geschrieben und mir ebenfalls Fragen gestellt, indem sie sich für meine Arbeiten interessiert stellten. - Einen Sonderfall stellt die Zeugin Dieckmann dar, eine Hilfsarbeiterin, die sofort von selber zurücktrat, da die Gestapo- Kommissare ihre Aussage anzweifelten. Sie hatte nichts weiter vorzubringen, als daß ich vor Jahresfrist(!) einmal zu ihr in der Stadtbahn, als sie an mich die Frage richtete, was ich zur Flucht von Rudolf Heẞ sage, geantwortet hätte, ich könne nicht begreifen, daß der Führer solange einen Idioten neben sich geduldet hätte. Ich konnte mich auf die Begegnung überhaupt nicht besinnen. Die Zeugin Dieckmann schilderte den Kommissaren auf deren Befragen ausführlich, in welcher Weise die Woldmann sie beeinflußt habe und gab bereitwilligst ein vernichtendes Leumundszeugnis über sie ab: ,, Sie hat einen gefährlichen Charakter, niemand will mit ihr etwas zu tun haben.". Ein Amtswalter der DAF., Portier Koch, den die Kommissare daraufhin vorluden, um ein weiteres Leumundszeugnis über Frau Woldmann zu erhalten, bezeichnete sie als ,, unglaubwürdig"! Der Staatsanwalt brachte diesen wichtigen Punkt später bei der Sondergerichtsverhandlung zur Sprache. Am 9. und 10. Juni erfolgte die Gegenüberstellung mit den Zeugen 2-4 und der bereits genannten Dieckmann. Die Untersuchung ergab, daß sie alle ausnahmslos unter einer Decke steckten bzw. von der ,, Hauptbelastungszeugin Woldmann" beeinflußt waren. Bezeichnend war, daß alle bei den einzeln erfolgenden Gegenüberstellungen die am Schluß an sie gerichtete Frage bejahten, daß sie mich möglicherweise miẞverstanden 13 14 haben könnten. Nicht so Frau Woldmann! Diese war 4 Monate lang nicht aufzufinden. Das war ein abgekartetes Spiel, das dazu diente, die Auftraggeber Zeit gewinnen zu lassen, ihr Teufelswerk durchzuführen. Während mir die Hände gebunden waren und ich unter unwürdigen Verhältnissen in Haft gehalten, also gleichsam auf die Folter gespannt wurde, übten die Komplizen der Woldmann einen Schlag nach dem anderen aus, um mein Lebenswerk auszulöschen und mich für immer zu ruinieren Die intima der Woldmann, eine junge Parteigenossin Dr. Martha Wöhler, die eben erst ihre Doktorarbeit über Malthus geschrieben hatte und durch meinen Standpunkt in dieser Frage aus dem Sattel gehoben wurde( siehe hierzu meine ,, Wertlehre"), überbrachte das gegen mich gesammelte ,, Material" dem Reichserziehungsministerium, damit mir als„ Gegnerin der Reichsregierung" mein Lehrauftrag entzogen würde. Berge von Akten wurden aufgehäuft, um die in verleumderischer Absicht mir in den Mund gelegten ,, beleidigenden Äußerungen über führende Persönlichkeiten" im frei erfundenen Wortlaut festzuhalten, unter entsprechender Herabsetzung meiner Person. Hauptzuträgerin war die sowohl mit Frau Woldmann als mit Frl. Dr. Wöhler befreundete Stabsreferentin der Reichsfrauenführerin im Frauenamt der DAF., Erni Finselberger. Um die viel wichtigeren Hintergründe aufzudecken, möchte ich folgendes erwähnen: Im Juli 1933 war ich aus meiner Assistentenstellung am Forschungsinstitut für Soziologie und Organisationslehre( Prof. Johann Plenge) an der Universität Münster zwecks Durchführung der Vorschläge und Pläne einer damals von mir veröffentlichten Broschüre über„ ,, Die Krise im Fürsorgewesen und ihre Lösung"( Rudolstadt 1933) auf 3 Monate nach Berlin berufen worden. Hier gewann ich Einblick in die Falschspielerei der Goebbels, Ley und Konsorten. Ich widersetzte mich offen der Ausbeutung meiner Arbeit für bloße Propagandazwecke, denn ich stand in dem festen Glauben, daß es mir gelingen müsse, mit den von mir 1927 in USA. entwickelten Ideen( s. o.) durchzubrechen und die These der kapitalistischen Demokratie mit der Antithese des antikapitalistischen Kommunismus durch die Synthese einer weltanschaulich auf der Liebe fundierten genossenschaftlichen Kulturwirtschaft unter Wahrung des( gerechtfertigten) Privateigentums zu versöhnen und damit einem nochmaligem Weltkriege vorzubeugen. S V d d E m 82I Z ge 4 Monate aggeber Zeit end mir die sen in Haft n die Kommein Lebensintima der r, die eben durch meiurde( siehe melte ,, Maegnerin der Berge von icht mir in de Persönntsprechensowohl mit Ferentin der elberger. möchte ich Assistend Organiät Münster damals von sorgewesen Berlin bepielerei der in der Ausmich stand en von mir n und die e des antier weltanKulturwirtentums zu rzubeugen. Zu meinen damaligen Besuchern gehörte die englische Parlamentsreporterin Maud Ffoulkes, die in der Sunday Graphic and Sunday News vom 17.9.1933 unter der Überschrift ,, Dr. Emmy Wagner reveals her remarkable plans" auf einer ganzen Seite über das Interview berichtete. Dieser und ähnliche Erfolge trugen mir die Anerkennung des Auswärtigen Amtes ein. Legationsrat Dr. Drexler, der mich seit 1927 von New York her kannte, rief mich telefonisch an und dankte mir für die solide Arbeit. - Aus dem Hintergrund aber arbeiteten rangstreitsüchtige Frauen gegen mich, die den Kern der Sache gar nicht erfaßt hatten, wie z. B. die vorübergehend mit Paula Siber, der Frauenreferentin im Innenministerium, liierte Eleonore Bartling( ehemalige Handarbeitslehrerin), die Herausgeberin der Zeitschrift ,, Die deutsche Frauenfront", vor allem aber auch mehrere Stenotypistinnen, die hernach große Abteilungsleiterinnen im Deutschen Frauenwerk wurden, wie Erika Kirmse u. a. Am 1. 1. 1934 kam ich zur GEG., der Großeinkaufsgesellschaft der Konsumvereine( Reichsbund der deutschen Verbraucherder genossenschaften), nach Hamburg. Mein Ressortchef war Geschäftsführer Dipl. Volksw. Robert Schloesser, ein ehrenwerter Pionier der Kölner Genossenschaftsbewegung Gepag und einstiger Schulkamerad von Dr. Robert Ley. Schloesser, der als intelligenter und gerecht denkender Mann meine Arbeit gut fand und anerkannte, wurde auf Betreiben der Berliner Frauenklüngel in schamloser Weise aus dem Sattel gehoben und seelisch so gefoltert, daß er ganz zusammenbrach und schließlich an Krücken ging. Sein Nachfolger wurde Hans Ernst Pfeiffer, ein Gauner und Nichtskönner, der ausgesprochene Gegner von Schloesser. Die Engländer hatten Pfeiffer in Ost- Afrika, wo er als Pächter von Kaffeeplantagen die Brüdergemeine( Moravians) in gemeiner Weise begaunert hatte, zu Zwangsarbeit verurteilt. Dieses hatte noch ein besonderes Nachspiel. Jedenfalls hatte ich diesen ausgekochten Verbrecher zum Feinde, der mich jahrelang verfolgte. Er hatte Hinterhalt im Propagandaministerium bei dem Referenten SchultzeWechsungen, einem verwegenem jungen Burschen, der sich später erschoß, als seine großen Schiebereien herauskamen. Selbstmord war das Ende von vielen dieser jungen Leute, die sich hatten verführen und mitreißen lassen. 15 16 Obgleich die Verbrauchergenossenschaft der DAF. unterstellt war, d. h. von ihr kontrolliert wurde, und ich unentwegt bei den Amtsstellen in Hamburg und Berlin wegen der Vergehen gegen den Geist der Genossenschaft vorstellig wurde, so hat Ley doch nichts unternommen, um den Augiasstall auszumisten! Ja, er stürzte sogar jeden, der die gerechte Sache vertrat, nicht nur Schloesser, sondern auch den obersten Chef und Reichsbeauftragten der Verbrauchergenossenschaft, den Bankdirektor Karl Müller von der Bank der Deutschen Arbeit in Berlin, der sich für mich einsetzte. Ley ließ es zu, daß die aus Spargroschen der Arbeiter aufgebaute Genossenschaft durch Bonzenwirtschaft und Schiebereien planmäßig ruiniert wurde und die Genossenschafts- Sparkassen zum großen Teil schon 1934 gesperrt wurden, obgleich die GEG.( die GroßEinkaufsgesellschaft der Genossenschaften) bis dahin das größte deutsche Handelsunternehmen und wirtschaftlich gut fundiert war! So also ging man mit dem Volksvermögen um. Die Propaganda aber verherrlichte das Organisationstalent des Ley, das in Wirklichkeit nichts als Erpressung unter dem Druck der Waffen und einer verlogenen Propaganda war. Das dümmste und untauglichste Individuum kann unter dem Druck der Waffen bei einer irreführenden Propaganda regieren, aber das Ende ist jedesmal ein schreckliches Erwachen nach dem Zusammenbruch. Diese Erkenntnis muẞ Ausgangspunkt der künftigen politischen Grundsätze werden, die darin gipfeln, daß es keiner Waffen und keiner Propaganda und vor allem keiner Geheimpolizei und Spionage bedarf, wo der Geist der Liebe herrscht, denn die Werke der Liebe sind aufbauend und überzeugen aus sich heraus! - Unter den alten Genossenschaftern gab es viele, die diesen Geist verwirklichten. Sie hatten sich auch schon dem Eindringen anderer Parteien widersetzt. Die Verbrauchergenossenschaft war ursprünglich ganz unparteiisch, reine Selbsthilfe der Verbraucherfamilien, ohne Bevorrechtung irgendwelcher Gruppen oder Klüngel, die das Fett abschöpfen. In diesem Sinne wollte ich den Geist der Genossenschaft im ganzen deutschen Wirtschaftsleben durchsetzen, auch in der privaten Eigentumswirtschaft. Und es wäre die Möglichkeit dafür ohne weiteres vorhanden gewesen, wenn man nicht aus dem Hinterhalt meine Arbeit lahmgelegt hätte. In Flensburg nahmen mich zwei alte Genossen F. unterstellt wegt bei den -n gegen den doch nichts er stürzte = Schloesser, en der Verer von der ch einsetzte. - aufgebaute planmäßig cum großen ( die Großdas größte undiert war! Propaganda us in WirkWaffen und untauglichste einer irrejedesmal ein - Diese ErGrundsätze und keiner nd Spionage Werke der s! diesen Geist ngen anderer ar ursprüngcherfamilien, ngel, die das aft im ganzen rivaten Eigene weiteres vormeine Arbeit lte Genossenschafter nach meinem Vortrag spontan auf ihre Schultern und trugen mich durch den Saal, die Menge jubelte mir zu, daß ihr Ideal sich jetzt verwirklichen werde. Aus Hirschberg in Schlesien schrieb mir der Leiter, ein schlesischer Heimatdichter, nach 1/2 Jahr merkten sie noch die wirtschaftlichen Auswirkungen von meinem Vortrage her, obgleich ich doch gar nicht zur Geschäftsfrage gesprochen hätte. Ganz ähnlich schrieb wiederholt der Vorsitzende des Konsumvereins Blankenburg im Harz, ein Chemiker namens Dr. Singewald, der lange Jahre in England gewesen war. Ich hatte damit den absoluten Beweis dafür, daß das Wirtschaftsleben dann am besten gedeiht, wenn man gar nicht von Erwägungen des Nutzens ausgeht, sondern vom Leben, d. h. von der Verankerung der Menschenherzen ineinander, in Familie, Volk, Heimat, in Brauchtum und Sitte als Ausdrucksformen der tätigen Liebe. Das ist die richtige Wo die Verbraucher dann , Wirtschaftsgesinnung"( Sombart). " ihr Geld hintragen, da entsteht wirtschaftliches Leben auf natürlicher und gesunder Grundlage, ohne Krampf und ohne Massensuggestion einer irreführenden Reklame. Die Partei hatte für meine Ideen keine weitere Verwendung, als daß sie mir mein geistiges Eigentum stahl, um es für Propagandazwecke zu verwenden, meine Arbeit lahmlegte und mich siebenmal im Laufe der Jahre aus blühender Arbeit herausdrängte oder meine Stellungen sabotierte, sodaß ich schließlich, während ich an der Universität Berlin lehrte, nur auf Gelegenheitsarbeit angewiesen war. Die Reichsfrauenführerin Scholtz- Klink wußte das, ja sie steckte sogar mit dahinter, daß mir jede Existenzmöglichkeit genommen wurde! Rädelsführerin in der Aktion der Frauen gegen mich scheint weniger die Reichsfrauenführerin selbst gewesen zu sein, als vielmehr einige ihrer Mitarbeiterinnen, vor allem die Geschäftsführerin vom Deutschen Frauenwerk, Fräulein Warnecke. Sie kannte mich von Hamburg her. Dort war sie Gaufrauenschaftsleiterin, als ich 1934/35 das Frauensekretariat vom Reichsbund der deutschen Verbrauchergenossenschaften leitete. Ich hatte für die angeschlossenen 3 Millionen Arbeiterfamilien im Reich die Verbrauchergesichtspunkte herauszuarbeiten und zu verbreiten.( Die NS.- Frauenschaft zählte zu jener Zeit kaum 1 Million Mitglieder.). Dabei entwickelte ich neue Gedanken zur Verbrauchslenkung 17 18 - vom Haushalt aus. ,, Hauswirtschaft als Etat" lautete das Programm. Planung auf lange Sicht, über Generationen hinaus; Schaffung von Eigenheim und gediegene Heimgestaltung; Gründung der Familie auf Gesittung, Tüchtigkeit und Können; ständige Vertiefung der Kultur als Richtschnur auch für die Wirtschaftspolitik, die dadurch größere Erfolge erziele als durch materialistische Betriebsamkeit. Ich berief mich auf Aristoteles, der den Unterschied zwischen echter Wirtschaft( Oikonomia) und Krämergeist( Chrematistike) herausgearbeitet hat. Den Genossenschaftsgeist erklärte ich nach von Giercke( ,, Der germanische Staat war seiner Grundlage nach Genossenschaft..."), um die Überlieferung der 50 000 Konsumvereinsläden im Reich historisch zu begründen. Aber auch praktisch beschritt ich neue Wege: Hauswirtschaftliche Beratung unter Leitung der Universitäts- Dozentin Rudtke, dazu Lehrfilme und Ausstellungen, z. B. über Seefischfang und-verwendung. Eine Woche lang kochten 8 Genossenschaftsfrauen in der riesigen Werkküche Fischgerichte und die 100 000 Genossenschaftsfamilien kamen und aßen die schmackhaften Speisen. Die Frauenschaft ahmte die Arbeit in kläglicher Weise nach und fiel ab dabei. Hier, sowie in anderen bahnbrechenden Arbeiten liegt der wahre Grund für all die Schmähungen und Schädigungen, die ich durch soviel Jahre zu erdulden hatte. - Im Frühjahr 1934, kurz nach der Ernennung der Frau ScholtzKlink als Reichsfrauenschaftsführerin, beorderte mich Fräulein Warnecke in die Geschäftsräume der NS.- Frauenschaft Hamburg. Dort war Dr. Else Vorwerck aus Berlin eingetroffen, die kurz darauf mit der Leitung der Abteilung V- H( Volkswirtschaft Hauswirtschaft) im Deutschen Frauenwerk betraut wurde. Der Titel stammte von mir, wie auch so vieles andere. Dr. Else Vorwerck eröffnete mir, daß die NS.- Frauenschaft meine Arbeit übernehmen wolle und ich laufend mein gesamtes Schulungsmaterial an sie( Dr. Vorwerck) einzusenden hätte. Das alles geschah nur zu dem Zweck, mir meine Pläne abzugucken und mein geistiges Eigentum zu stehlen. Die Eingliederung meiner Genossenschaftsarbeit in die NS.- Frauenschaft erfolgte nie. Vielmehr wurde nach 11/2 Jahren meine volkserzieherische Genossenschaftsarbeit angeblich aus Sparmaẞ11 Wir zum Tr trage de DFW., Warnec endlich rührend setzte, sen be ich sch der wi aufgeop an ihm von m M lungen Land bei der ließe. sonder Durch Mann penfül gängig Als weism der R Schrif vor!" Verlag von d schen frauen artbey Einwi lungs nahmen, in Wirklichkeit auf Betreiben der Frauenschaft unbeschreiblichen Schikanen und bösen Intrigen aufgelöst. - unter sich gema gramm. ung von Familie ung der die daBetriebed zwiChremaarte ich ndlage Konftliche dazu -veruen in mossench und en liegt en, die choltzn Warg. Dort darauf HausTitel rwerck nehmen ie( Dr. Zweck, stehlen. Frauenvolksarmaß- unter " - der Wahrheit - im AufWir kennen Ihre Schwester besser als Sie" schrieb zum Trotz( denn ich hatte mit der RFF. gar nichts zu tun) trage der Reichsfrauenführerin Scholtz- Klink, die Geschäftsführerin vom DFW., die inzwischen emporgekommene und nach Berlin versetzte Pgn. Warnecke im Herbst 1942 meinem Bruder, der auf Umwegen nach 6 Wochen endlich Nachricht von meiner Verhaftung erhalten hatte und sich in rührender, sich selbst gefährdender Weise für meine Befreiung einsetzte, obgleich er selber dauernd von Seiten angeberischer Parteigenossen bedroht wurde, Er machte der Gestapo Mitteilung darüber, daß ich schon im ersten Weltkrieg als Fürsorgerin und späterhin auch auf der wissenschaftlichen Ebene mich selbstlos für Volk und Vaterland aufgeopfert hätte, daß er mich genau kenne, da ich als Kind Mutterstelle an ihm vertreten habe. Die Gestapo- Kommissare waren tief beeindruckt von meinem Bruder, ganz besonders Klude, der selbst auch Schlesier war, Mit großer Mühe war es meinem Bruder durch Mittelspersonen gelungen, die Einwilligung Himmlers zu erlangen, daß ich zu ihm aufs Land entlassen würde. Bedingung war, daß mein Bruder mich selbst bei der Gestapo abhole und ich hernach das Dorf, wo er wohnte, nicht verließe. Als er mit seiner Frau ankam, wurde er gar nicht vorgelassen, sondern mußte unverrichteter Sache die 6 stündige Rückreise antreten. Durch Klude erfuhr ich, daß der Gruppenführer Heißmeier, der dritte Mann der Reichsfrauenführerin Scholtz- Klink, über seinen Kollegen Gruppenführer Müller, den Gestapo- Ressortchef, Himmlers Anordnung rückgängig gemacht habe. Als Kriminalrat Sander die von mir zusammengestellte Akte mit Beweismaterial über die seit 1933 gegen mich verübten Boykottmaßnahmen der RFF. einsah, die mir allein 7 Stellungen verdorben und laufend mein Schrifttum unterbunden hatte, erklärte er: ,, Es liegt Betrug gegen Sie vor!" Unter diesem Beweismaterial befand sich ein Brief des HeymannVerlages, woraus zu ersehen war, daß der Verlagsangestellte Hoffmann von den Abteilungsleiterinnen Warnecke, Kirmse und Semmler vom Deutschen Frauenwerk genötigt worden war, mir mitzuteilen, daß die Reichsfrauenführerin die Einstampfung meiner Broschüre ,, Grundfragen einer artbewußten Fürsorge" wünsche, die ohne mein Wissen und gegen meine Einwilligung bereits vollzogen war. Für diesen Betrug hätten die Abteilungsleiterinnen der Reichsfrauenführerin belangt werden können, die sich mehr als einmal des Diebstahls meines geistigen Eigentums schuldig gemacht hatten. 19 Im Dezember 1941 legte ich die Akte mit meinem Beweismaterial über die an mir begangenen Betrügereien dem Bürgermeister Dr. jur. Brümmel von Berlin- Mitte vor, der die Beschwerdefragen in der Kanzlei des Führers bearbeitete, wobei ich als eigentlichen Grund meiner Vorsprache die Bitte um Prüfung meiner neuen Konsumtionstheorie vorbrachte, um gegen nochmaligen Diebstahl bzw. Vernichtung meines geistigen Eigentums geschützt zu sein. Es wurden Rückfragen bei der RFF. gehalten. Sofort wurde von Seiten der Frauen ein Kesseltreiben gegen mich in Gang gesetzt. Kommissar Schillings erklärte mir gegenüber: ,, Es sind etwa 4-5 Frauen in der Reichsfrauenführung, die wollen Ihren Untergang, aber ich glaube nicht, daß es ihnen gelingen wird.". Immerhin fühlte sich die skrupellose und korrupte Woldmann, über die ich erst kurz vor meiner Verhaftung bzw. später durch die Gestapo Näheres erfuhr, durch diese Frauen gedeckt, und durch sie wiederum die gleich ihr als Intrigantin bekannte, oben genannte Dr. Martha Wöhler, die zuvor in der Reichsfrauenführung gearbeitet hatte. Es spielten noch andere Fragen hinein, alle auf der Grundlage des Neides und der weiblichen Eifersucht. So gestand die Woldmann z. B. den Kommissaren, die sie nach ihren Beweggründen fragten, weshalb sie einen solchen Haß gegen mich entwickele, da sie mich doch kaum kenne, sie nehme an, daß ich ihren Chef, Oberingenieur Hugo Billhardt Berlin, Klein- Machnow, Rönneckestraße 8, veranlaßt habe, sie zu entlassen, da ich mit ihm ,, sehr befreundet" gewesen wäre(!). Billhardt war 1941/42 mein Mitarbeiter und Chef gewesen, als ich in DINTA die Betriebssoziologie bearbeitete. - Ich hatte weiß Gott anderes im Sinn als Weiberklatsch, denn ich sah die furchtbare Katastrophe voraus, in der sich heute ganz Europa befindet. Ich benützte jede Gelegenheit, mit meinen Freunden und Bekannten, so auch mit Billhardt( von Intimität war dabei keine Spur!) darüber zu beraten, was zu tun sei, um das deutsche Volk aus den Händen der Demagogen, insbesondere Goebbels und Ley, zu befreien und Grundsätzen wahrer Gesittung zum Durchbruch zu verhelfen. Meine Gegner fühlten sich durch meine Lehre persönlich bedroht und außer Kurs gesetzt, da ich durch meine Forderung der ,, artgemäßen Lebenshaltung" die Hybris( Überheblichkeit) und alles falsche Spiel aufdecke und aufrichtig aushebe, von dem die Intriganten und Verleumder ja leben! Als ,, Beschützer führender Persönlichkeiten" spielen sie sich auf, um sich 20 - das alle und schrif mit Pfrün tieren die das Volk Machtstaa in der H tritt in de IV. Vo Im No stungszeu der ihr verdächti bekam m stäblich ziehen, w durch sch Sonderge gerichtlic die Zeus seitdem mehr be lebt. Au Kräften, Zeugin angehört die aber tigte jed Goebbe Landger mehrma nannten vor 15 und ü geäußer bezeich denen erial über Brümmel des Fühorsprache theorie . VerEs wurden r Frauen Schillings sfrauenes ihnen mann, urch die urch sie nnte Dr. itet hatte. s Neides B. den halb sie m kenne, ardt- u entlasardt war TA die ich sah a befinkannten, über zu den der GrundGegner er Kurs haltung" nd aufpen! Als um sich - - - das alles habe ich den Gestapokommissaren immer wieder klar gemacht und schriftlich unterbreitet diesen gefällig zu erweisen und von ihnen mit Pfründen auf Kosten des Volkest belohnt zu werden. Sie sabotieren die aufklärende Arbeit aufrechter Verfechter der Volksrechte, um das Volk ständig in der Hand zu haben und es irre zu führen. Der Machtstaat erschlägt das Urrecht der Liebe. Er ist eine Höllenmaschine in der Hand der unmündigen Masse und ihrer Auftraggeber. Das tritt in dem Verfahren gegen mich deutlich zutage. IV. Vor dem Sondergericht. - Im November 1942 erfolgte die Gegenüberstellung mit der Hauptbelastungszeugin Woldmann in der Gestapo. Die Gegnerin, die sofort jeden, der ihr nicht willfährig war, bei höheren Instanzen anschwärzte und verdächtig machte, sodaß selbst die Gestapo- Kommissare sie fürchteten, bekam meine Stellungnahme schriftlich in die Hand und durfte buchstäblich stundenlang reden und unbehindert mich durch den Schmutz ziehen, während ich sofort unterbrochen und eingeschüchtert wurde. Dadurch schwoll der Gegenseite mächtig der Kamm. Ich sollte nun vor das Sondergericht gestellt werden, damit das große Betrugsspiel auch noch am 27.5.1943- gerichtlich sanktioniert würde. Hier jedoch lehnte die Zeugin Neuwirth jede Aussage ab, es sei schon 12 Jahre her, seitdem sie die Äußerung von mir gehört habe, sie könne sich auf nichts mehr besinnen, sie habe inzwischen einen Nervenzusammenbruch erlebt. Auch die Zeugin Krafft zog zurück, sie blamierte sich nach Kräften, indem sie selber zugab, daß sie beeinflußt gewesen sei. Die Zeugin Woldmann hingegen wurde auch hier wieder stundenlang angehört und überbot sich in raffiniert ausgetüftelten Anschuldigungen, die aber keine Beweiskraft in sich trugen. Der Zeuge Pg. Bühler bestätigte jedoch einige Aussagen der Woldmann, meine Äußerungen über Goebbels betreffend, und das gab den Ausschlag. Allerdings erklärte Landgerichtsdirektor Schuster als Vorsitzender des Gerichtes, das sich mehrmals zurückzog, er habe soeben mit dem von mir als Zeugen benannten Universitätsprofessor Emge telefonisch gesprochen, der mich vor 15 Jahren in seinem rechtsphilosophischen Seminar kennen gelernt und über meine ernste wissenschaftliche Arbeit sich anerkennend geäußert hatte. Emge habe mich als einen Michael Kohlhaas bezeichnet und ihm mitgeteilt, daß ich auch an der Universität verschiedenen Persönlichkeiten gegenüber eigenartige politische Äußerungen ge21 tan hätte. Das Gericht werde somit zu der Annahme geführt, daß die Aussagen der Zeugen, auch wenn sie weder mit dem Wortlaut noch dem Sinn meiner Worte übereinstimmten, doch auf eine ,, gehässige Gesinnung gegen führende Persönlichkeiten" schließen ließen. Unter diesem Stichwort rechnete man mir die verbüßten mehr als 12 Monate Schutzhaft an und gab mich nunmehr frei. Die Gestapo aber nahm mich nach der Verhandlung sofort wieder in Haft und brachte mich am 6. 8. 1943 ins Konzentrationslager Ravensbrück. Was die Verurteilung durch das Sondergericht betrifft, so läßt sich formalrechtlich gewiß nichts dagegen einwenden. Ja, vom persönlichen Standpunkt aus gesehen, kann ich von Glück sagen, daß über die von mir planmäßig betriebene Aufklärungsarbeit nichts gesagt wurde, sondern ich geradezu gezwungen war, mich auf eine Stellungnahme zu den lächerlich dummen und verleumderischen Zeugenaussagen der Stenotypistinnen zu beschränken. Bedenkt man aber, daß schon durch das 42 Seiten lange Protokoll der Gestapo vom Juni 1942 das Gericht stichhaltige Beweise für die seitens der RFF. an mir begangenen Betrügereien in der Hand hatte, da Kriminalrat Sander die einschlägigen Dokumente aus der von mir zusammengestellten Akte abgeschrieben und eingereicht hatte, daß ich in kristallklarer soziologischer Beweisführung die auf der Massenpsychologie aufgebaute( Goebbels'sche) Propaganda als Demagogie, als skrupelloses Vabanquespiel mit der Glaubensmacht und der Liebeskraft des Volkes brandmarkte, so wird ersichtlich, daß der Mangel an Zivil courage, den schon Bismarck am deutschen Volke beklagte, auch hier eine Chance ungenutzt vorübergehen ließ. - - wie Es wäre meines Erachtens dem Gericht ein Leichtes gewesen, das Willkürregiment der ausgearteten Führerpersönlichkeiten, über das jeder weiß täglich millionenfach im Geheimen geklagt, geschimpft, gewitzelt wurde, anzuprangern und den gesamten Kurs zu ändern. Voraussetzung dafür wäre allerdings gewesen, daß der Jurist Emge in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der Akademie Deutsches Recht den Mut zur Wahrheit aufgebracht und sich beim Kommissar Klude, der die in der RFF. gegen mich gesponnenen Intrigen durchschaute, genaue Informationen geholt hätte. Aber Emge trat gerade zu jener Zeit( wie ich aus der Zeitung ersah) von seinem Amt zurück, er saß selber auf einem Pulverfaß. Wer immer sich für jemanden, der ,, oben" schlecht angeschrieben war, einsetzte oder auch nur als Referenz benannt wurde, flog auf. Klude, sich auf ei an mich g Mein Pr zieher sein meiner dr sprechen l der Staatsa Bei alle nehmende NS.- Syste worden s Ermessen bedeutete nicht so gern hatt Juristen a berufliche gesproche war im 3. Rückbl daß ich a fällig gew um dem ist mir e die große propagan zu retten gleich an Von rich von aufzeich lichsten Staatsbü in der war unte Gerechti 22 22 daß die 1 ch dem Sinnung n Stich- haft an ach der 945 ins ßt sich nlichen lie von sondern lächer- ypistin- . Seiten ige Be- in der nte aus ht hatte, s Will- — wie himpft, n. imge in ht den der die aue In- wie ich * einem eschrie” 08 auf. ge & i$3.. _ Klude, der vor dem Sondergericht die Gestapo vertrat, beschränkte sich auf einen einzigen Satz und erklärte, ich wäre bemüht gewesen, alle an mich gerichteten Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Mein Prozeß konnte nichts anderes als eine Schaustellung der Draht- zieher sein, da die Verhandlung öffentlich war und der Staatsanwalt trotz 'meiner dringenden Bitte sich vor der V erhandlung nicht von mir sprechen ließ. Schon Klude hatte zu mir gesagt:„Glauben Sie nicht, daß der Staatsanwalt etwas gegen das Interesse der Scholtz-Klink tun wird!“ Bei alledem ist zu beachten, daß die Richter und Staatsanwälte in zu- nehmendem Maße— und zwar gerade während des Krieges— durch das NS,-System und besonders durch den Führer selbst unter Druck gesetzt worden sind, sodaß eine unbeeinflußte Rechtsprechung nach eigenem Ermessen und Gewissen nicht mehr möglich war.„Lenkung der Justiz” bedeutete, daß der Richter seine Befehle vom Führer erhielt. Er durfte nicht so vorgehen, wie er wollte. Wen die Gestapo vollends in den Fin- gern hatte, der war recht- und schutzlos der Willkür ausgeliefert. Von Juristen aus meinem Bekanntenkreise weiß ich, daß sie es jedesmal als berufliche Schändung empfanden, wenn die Gestapo die von ihnen frei- gesprochenen Angeklagten ins KZ. abführte. Der Sinn für das Recht war im 3. Reich verloren gegangen. Seit 1954 hatte ich das erkannt. Rückblickend'sage ich zwar, es war vielleicht meine Lebensrettung, daß ich anschließend ins K.Z. kam, denn ich wäre bestimmt wieder rück- fällig geworden und hätte es nicht aufgegeben, mein Leben dranzusetzen, um dem Volke zu helfen. Wie hoffnungslos dieses Unternehmen war, ist mir erst nach meiner Freilassung klar geworden, als ich sah, daß die große Masse der Bevölkerung noch immer der Goebbels’schen Lügen- propaganda- Glauben schenkte und jeder, der den Betrug aufdeckte, um "zu retten, was noch zu retten wäre, nun nicht mehr erst ins K.Z., sondern gleich an den Galgen kam. Von Michael Kohlhaas, mit dem mich Emge verglich, sagt Hein- rich von Kleist, der anhand von Chroniken seine Lebensgeschichte Aufzeichnete:„Er war einer der rechtschaffensten und zugleich entsetz- lichsten Menschen seiner Zeit... bis in sein 30. Jahr das Muster eines Staatsbürgers, der sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte, seine Kinder in der Furcht Gottes erzog zu Arbeitsamkeit und Treue. Nicht einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit und seiner Gerechtigkeit erfreut hätte. Kurz, die Welt würde sein Andenken segnen 23 En müssen, wenn er nicht in einer Tugend ausgeschweift wäre: Das Gerechtigkeitsgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder...". - Nun, einen Bauernkrieg habe ich nicht entfacht, auch habe ich nicht wie Michael Kohlhaas, als die Gerichte gegenüber den„ Vettern bei Hofe", den Hinz und Kunz und Wenzel von Throncka versagten- zum Faustrecht oder zur Selbstjustiz gegriffen, aber geistig habe ich die Brandfackel schon manchmal geschleudert- auch nachher im K.Z. Die Kollegen Professor Spranger, Professor Spamer u. a. an der Universität Berlin hatte ich für eine geistige Befreiungsaktion gewinnen wollen. Ob Emge von ihnen seine Informationen hatte oder aber von gewissen Frauenklüngeln an der Universität, die mir dort meine Studentinnen abspenstig zu machen pflegten, weiß ich nicht. Ich nehme das letztere an, obwohl auch der erste Fall möglich wäre, denn aus Unerfahrenheit und Weltfremdheit spielen oftmals gewissenhafte deutsche Gelehrte gewissenlosen Politikern Menschen und Material in die Hände. Die Forderung der ,, wertefreien Wissenschaft" begünstigt von der anderen Seite her diesen Selbstzerfleischungsprozeß. Schon Aristoteles Plato und Sokrates hatten vor den Sophisten, den spitzfindigen Aufklärern jener Zeit, gewarnt. In meiner Wertlehre habe ich zur Frage der ,, wertefreien Wissenschaft" Stellung genommen. - V. Staatsanwalt Prost. Der sehr junge Staatsanwalt Prost wirkte auf mich wie ein Referendar. Während der Verhandlung machte er mehrere abfällige Bemerkungen über die Zeugen und hob anerkennend hervor, daß ich aufbauende Arbeit geleistet habe. In seinem Schlußurteil aber übernahm er ängstlich den Wortlaut eines Gutachtens des Psychiaters, der auf Grund einer halbstündigen Prüfung und entsprechender Instruktionen von seiten der Hintermänner u. a. aussagte: ,, Hervorstechende Intelligenz, auffallend starkes Gedächtnis, Unfähigkeit, ein einmal erlittenes Unrecht zu vergessen, gehässige Gesinnung gegen führende Persönlichkeiten." Als Beauftragter oder jedenfalls als Höriger der Gestapo wies er sich aus, indem er mich einschüchterte durch die Drohung: ,, Wenn Sie andere Personen mit in die Verhandlung hineinziehen, als die 4 Zeugen, so kommen Sie ins K.Z.". Es half mir nichts, ich kam doch ins K.Z., obgleich ich seinen Rat befolgte und aus einem falsch angebrachten Vertrauen keine weiteren Personen in die Verhandlung zog. Aus ein Lebensgesch daß weder sondern V ten, die schöpfer in die h Bereits a ein Mem ( s.u.) und meines Leb schine zu gesandt, d Augenblick der sichStaatsanwa VI. Der Erst dre Gestapo hatte diese billigt bek handelten ins Mittel der Parte und Men Glauben Weit g der Vorb versuchte das gesan könnte. nach dies nur um n so in die nen wäre dazu hät seine Ar 24 24 agen an der Uni Aus einem 312 stündigen Verhör über meinen Werdegang, meine Lebensgeschichte, war das Gericht voll und ganz darüber unterrichtet, daß weder Haß und Neid, noch Ehrgeiz oder Gewinnsucht mich trieb, besondern Verantwortung gegenüber den Ewigen Mächten, die diese Welt aufgebaut und den Menschen mit deschöpferischen Kräften ausgestattet haben, damit er in die höheren Welten hineinwachse und darin wirke. Bereits am 10. 6. 1942, also am 4. Tage der Haft, hatte ich der Gestapo ein Memorandum: Wo bleibt das deutsche Recht?" ( s. u.) und späterhin meine Lebensgeschichte unter dem Titel: ,, Stufen meines Lebens" eingereicht. Beides hatte Kommissar Klude mir in die Maschine zu diktieren gestattet und späterhin dem Staatsanwalt Tacik zugesandt, der ursprünglich mit meinem Prozeß betraut war, aber im letzten Augenblick durch den sehr viel jüngeren Staatsanwalt Prost ersetzt wurde, der sich und das war vermutlich der Grund für den Wechsel in der Staatsanwaltschaft nicht mehr so in die Materie hineinarbeiten konnte. zabe eine Studen neme s Uned de Ge die Hände won der an Frage de Referendar Gemerkungen wende Achet gstlich de einer ballallend stuckes Beauftragter em er mich men Sie ins seinen Rat ine weiteren - - " VI. Der Rechtsanwalt als ,, Deutscher Rechtswahrer". Erst drei Tage vor der Sondergerichtsverhandlung wurde mir von der Gestapo gestattet, den Rechtsanwalt zu sprechen. Zweimal 45 Minuten hatte dieser Zeit für mich. Da er aber schon vorher Akteneinsicht zugebilligt bekommen hatte, also auch die unter A. VI b), A. VII. und C. behandelten Schriftsätze gelesen haben mußte, so glaubte ich, er werde sich ins Mittel legen, durch meinen Prozeß die Wahrheit über die Korruption wie ich sagte einen Volksder Partei ans Licht zu bringen, die und Menschheitsverrat begehe, indem sie mit den Idealen von Treu und Glauben Schindluder treibe. - - Weit gefehlt! Zwar sagte der Rechtsanwalt schon gleich zu Anfang der Vorbesprechung: ,, Sie sind ein neuer Fall Niemöller."! Trotzdem versuchte er mir auszureden, daß durch meinen Prozeß irgend etwas für das gesamtdeutsche oder gar gesamteuropäische Schicksal erreicht werden könnte. Jedenfalls lehnte er es energisch ab, auch nur einen Schritt nach dieser Richtung hin zu unternehmen. Ich sagte ihm, wenn es mir nur um meine Person ginge, hätte ich doch die Gestapo- Kommissare nicht so in die Hintergründe meines Falles eingeweiht, mit den Stenotypistinnen wäre ich vor dem Staatsanwalt ohne Rechtsanwalt fertig geworden, dazu hätte ich ihn nicht gebraucht. Darauf tat er sehr gewichtig und strich seine Arbeit bzw. seine Person sehr heraus. Bei der Verhandlung ergriff 25 25 er erst gegen Schluß das Wort zu einigen kurzen, nichtssagenden Ausführungen. Er hob hervor, daß ich meine Lebensarbeit gefährdet gesehen hätte und mich hätte dadurch zu Maßlosigkeiten hinreißen lassen. Er beantragte, in Anbetracht dessen das Strafmaß möglichst gering anzusetzen bzw. von einer Strafe ganz abzusehen. Kommissar Klude, der nit dem Staatsanwalt Tacik mehrfach meinen Fall ausführlich durchgesprochen hatte, rechnete mit Straffreiheit oder höchstens Anrechnung von 6 Monaten der verbüßten Schutzhaft. - Der Rechtsanwalt hatte sich, ehe ich noch hatte mit ihm sprechen dürfen(!), durch meinen Bruder 1000.- RM Honorar anzahlen lassen. Einige Tage nach meiner Entlassung aus dem Konzentrationslager Ravensbrück im Februar 1945 schrieb ich von Tübingen aus mehrfach an den Rechtsanwalt, daß ich nun endlich wieder frei sei. Ich teilte ihm mit, daß ich inzwischen um alles gekommen wäre, meine Berliner Wohnung Wilhelmstraße 135 sei am 14. 1. 1945 total ausgebombt, mein Elternhaus in Schlesien liege im Operationsgebiet, von meinen sämtlichen Angehörigen wisse ich nichts, da wir während der letzten Monate im K.Z. keine Post mehr erhielten, meine Ersparnisse seien während der Haft( durch Mietzahlungen u. a.) vollständig aufgebraucht, mein letztes Aufwertungspapier hätte ich seinerzeit meinem Bruder ausgehändigt, damit er in meinem Auftrage die von ihm dem Rechtsanwalt- geforderte Vorauszahlung von 1000.- RM für das Mandat erledige. Ich bäte ihn, diese Umstände zu berücksichtigen und ganz besonders der Tatsache Rechnung zu tragen, daß ich durch meinen Kampf um um das Deutsche Recht" dem Blutvergießen und der Blutsaugerei hätte ein Ende bereiten wollen, aber daß ich nicht durchkam, weil niemand den Mut hatte, mir beizustehen. Am 26. März 1945 antwortete er mir zynisch, daß von den Kosten für die Verteidigung nicht ein Pfennig von mir gezahlt, sondern das Honorar mit meinem Bruder vereinbart und auch von ihm gezahlt worden sei. Diesem Rechtswahrer hat es an Spitzfindigkeit gewiß nicht gefehlt. 26 - - د" Wenn ich diese meine persönlichen Erlebnisse heute der Öffentlichkeit unterbreite, so geschieht es einzig und allein zu dem Zweck, dem deutschen Volke die Augen darüber zu öffnen, daß der Zusammenbruch unserer gesamten Politik erfolgen mußte, weil die deutschen Tugenden und Ideale der Treue, Aufrichtigkeit und Tüchtigkeit von skrupellosen Materialisten und Machtstrebern dazu mißbraucht wurden, ein betrügerisches Geschäft zu machen. Fü tum geset U befin texte dem habe b) I 1. V S Z 2. F a 3. F F 4. T a 5. T 6. I F 7. J 1 Dies Nac Ger Hen Ausgesehen m lassen. ing anzulude, der h durchrechnung sprechen en lassen. ager Ramrfach an ihm mit, Vohnung Elternhaus Angehö.Z. keine ft( durch vertungsr in meiVoraushn, diese Rechnung utsche e bereiten thatte, zynisch, von mir und auch an SpitzÖffentm Zweck, er ZusamE A die deutand Tüchern dazu Der Kreis der direkten und indirekten Nutznießer wurde immer größer. Schließlich konnte niemand mehr eingreifen, auch wo formell die Möglichkeit bestand, den Mißbrauch der Macht im einzelnen Fall anzuprangern und auszuschalten. Praktisch verbaut wurde dieser Weg durch die politischen Zuhälterdienste der Schranzen und aller, die sich ihnen gefällig erwiesen, um sich zu bereichern oder sonstige Vorteile zu verschaffen. Aus diesem Grunde wurde auch die von Hitler versprochene Wiederaufrichtung des Deutschen Rechts sabotiert, das die materialistische Weltanschauung angeblich ausrotten sollte(!). Für die Aufrichtung des Rechts auf der Grundlage von Brauchtum und Sitte habe ich mich seit 20 Jahren in Wort und Schrift eingesetzt, wie alle meine Arbeiten beweisen. Unter den wenigen Papieren, die ich aus dem K.Z. gerettet habe, befinden sich meine Ahnenurkunden mit den zwei hier folgenden Urtexten, die im gleichen Wortlaut auch der Gestapo, dem Sondergericht, dem Rechtsanwalt und dem Lagerkommandanten des K.Z. vorgelegen haben, und mit denen ich Hitler sozusagen beim Wort packe. b) Der Weg zum Deutschen Recht. 1. Vorgänge, in denen deutschgesinnte Menschen ihrer Freiheit beraubt werden, sind sofort gewissenhaft zu prüfen und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. 2. Fälle von gnadenloser Angeberei, Verleumdung und Intrige sind anzuprangern, arglistige Angeber als Volksschädlinge abzuurteilen. 3. Fahrlässige Klatscherei und Gerede zu verbreiten, wird aus grundsätzlichen Erwägungen den Angebereien und Verleumdungen gleichgestellt. 4. Treulose, arglistige Sabotage guter Arbeiten gilt als Betrug am Verfasser wie am deutschen Volke. 5. Tarnug gerissener Angeber und Gauner( siehe Woldmann!) als Wahrer\ der Rechte führender Persönlichkeiten wird als Schwindel gebrandmarkt. 6. Im Rahmen der Gesamtaktion ist als besondere Aufgabe die Wahrung des Rechts auf geistiges Eigentum zu betrachten. 7. Jeder Mißbrauch der Machtmittel des Staates durch Machtstreber muß unmög lich gemacht werden. ZU. Diese 7 Punkte treffen auf meinen Fall z Nachsatz: Richterliche Aufgabe ist es, die Angeberinnen schadenersatzpflichtig zu machen für den Leistungsausfall, die Haftschäden, das Gerichtsverfahren und alle sonstigen Unkosten. Gerichtet an das Sondergericht in Moabit als Beitrag zum Verfahren gegen die Verfasserin dieser Anregung. Dr. Emmy Wagner. 27 VII. Memorandum: „Wo bleibt das Deutsche Recht?“ . Der Rechtsauffassung aller nordischen Völkerschaften lag die Vorstellung von einer ewigen Gerechtigkeit zugrunde, die über allen Göttern, Mens schen und Schicksalen waltet.(Beispiele: Tempel des unbekannten Gottes in Athen, Götterdäimmmerung bei den Germanen u.a.). Vor diesem ewigen Richter, dieser ewigen Gerechtigkeit will ich mich verantworten. . Als deutsche Rechtswahrerin bitte ich nach deutschem Recht beurteilt zu werden, d.h. von der Gesinnung und dem inneren Wesen her. Der deutsche Rechtswahrer vertritt die Belange des Volkes. Er beurteilt einen jeden(und ist auch selbst zu beurteilen) als Gesamtpersönlichkeit, nach seinem Wert als Glied der Gemeinschaft. . Meine Gesinnung ergibt sich aus meinem Leben und Schaffen. a) Mein äußeres Leben ist schlicht, geordnet und ohne großen Aufwand. Auch meine Studienreisen in fremde Länder mußten sich durch Vorträge, Artikel und soziale Arbeit selbst tragen. Ich stehe seit meiner Jugend auf eigenen Füßen. b) Mein Schaffen erfüllt meine ganze Seele. Der Kampf für Wahrheit, Gesit- tung und Recht macht auch den Inhalt meines beruflichen Lebens aus/ Es gibt für mich keine andere Aufgabe, als das deutsche Volk wieder von den Artwidrigkeiten zu befreien, d.h.es vor dem Untergang retten zu helfen. . Arglos und arbeitsam bin ich trotz aller Anfeindungen auf meinem Platz geblieben und habe mich nicht durch Gegenmaßnahmen: der Intrige auch schuldig gemacht. Aufrichtig und wahr und ohne Falsch bin ich jederzeit: das ist eine erwiesene Tatsache. Der germanisch-deutschen Rechtsauffassung entgegen rechnen meine Gegner mit dem noch heute vorherrschenden sophistischen Rechtsdenken: durch ent stellte oder erlogene Einzelheiten konstruieren sie ein Zerrbild von mir! das dem Urteil zugrunde gelegt werden soll. Der Klüngel meiner Gegner setzt sich folgendermaßen zusammen: Vorge» schobene Stenotypistinnen, neidische Kolleginnen, die zu feige sind, sich offen mit mir auseinander zu setzen, Postenjäger, die um des eigenen Vorteils willen den Schranzen Gefälligkeiten erweisen. Mit dieser Sphäre von Schmutz und Gemeinheit habe ich nicht das Mindeste zu tun. Ich kämpfe einen offenen Kampf gegen kollektivistisches Klüngel- wesen und Korruption. Daß ich damit in ein Wespennest steche, liegt auf der Hand. Beschluß wolle gefaßt werden: Das deutsche Recht bautauf Treu und Glauben auf. Bekämpfung der Arglist ist der Weg zum deutschen Recht. Eine neue Welt will erstehen. Es wird Zeit, daß die Fronten sich klären und nicht mehr die Völker sich gegenseitig vernichten— zum Gaudium des Artgegners, der der Feind aller Völker ist, sie ausraubt und aussaugt. Artgegner ist nicht ein bestimmtes Volk, eine bestimmte Klasse oder Rasse, sondern die Gesamtheit der entarteten Elemente, wo es auch sei. Den Endkampf gegen die Herrschaft des Artgegners in der Welt führen wir auf dem Wege der inneren Läuterung im Sinne der ewigen Gerechtigkeit. Berlin, Alexanderplatz, den 10. 6. 1942, Dr. Emmy Wagner, als Gefangene der Gestapo. In der Hauptsache waren es Kommunisten, Demokraten und„Reak- tionäre“ fast aller europäischen Staaten, die hier zusammentrafen, um die Tage, Wochen oder Monate bis zu ihrer Freilassung bzw. Aburteilung abzuwarten. Mit den„Schwerpolitischen“, die größtenteils in Einzelzellen untergebracht waren, auch denen aus dem Charloitenburger Untersuchungs- gefängnis und ähnlichen Einrichtungen, kam man gelegentlich im Gestapo- Hauptquartier Prinz-Albrecht-Straße 8 aus Anlaß von Vernehmungen oder an Besuchstagen zusammen. Dort lernte ich die junge prächtige Eli- sabeth von Brockdorf kennen, die— ebenso wie der Oberregierungs- rat des Wictschaftsministeriums Dr. von Harnack mit Gattin m später hingerichtet wurde. Sie waren in eine große, 400 Personen um- fassende kommunistische Aktion verwickelt, die. von einem Referenten des Luftfahrtministeriums, Schulz-Boyen, ausging, dessen Tante auch bei uns untergebracht war.— Die Freiin von Armin, deren ein- ziger Sohn als Flieger abgeschossen worden war, verließ Zelle 17, nach- dem sie ihr Todesurteil unterschrieben hätte; man verdächtigte sie der Spionage wegen unerlaubten Grenzübertrittes nach Dänemark. In Wirk- lichkeit hatte sie die Aussage verweigert, um einen hohen Offizier zu decken. Jeder einzelne der Todeskandidaten, mit denen man unvergeß- liche Stunden durchlebt hatte, lag einem lange Zeit auf der Seele.— Frau Bargum geb. Freiin von Hammerstein, Gattin!sines, Offiziers aus dem Luftfahrtministerium, war von ihren Portierleuten als politisch verdächtig angezeigt worden. Bei der Haussuchung fand die Gestapo 60 belastende Briefe, die sie im Jahr zuvor ihrem Mann ins Feld geschickt hatte, worin sie laufend die Gestapo-Morde geißeite, die wahren Todes- ursachen der Reichenau, Udet u.a. aufdeckte. Eine aus dem Zuchthaus Kottbus zurückgekehrte frühere Krankenschwester, die in den nächsten Tagen entlassen werden sollte, versprach ihr, Briefe an ihren Mann herauszuschmuggeln, gab diese aber der Gestapo ab und wurde dafür von der Gestapo als Agentin eingestellt. Frau Bargum wurde nun oben- drein wegen Zeugenbeeinflussung verurteilt und kam nach Kottbus. Gegen 40 Personen wurden als„beeinflußte Zeugen“ vorgeladen und die meisten von ihnen auf kurz oder lang eingesperrt.— Die Bibliothe- karın Clothilde von Schenck von der Wehrmachtsbibliothek in der Dorotheenstraße wurde schon nach wenigen Tagen durch das Eintreten ihrer Behörde befreit, obgleich sie damit rechnete, erschossen zu werden, 7 ZIRSt da sie Auszüge aus Feldpostbriefen vervielfältigt und damit eine Propa- gegen das Erschießen von Soldaten, die sich politisch gegen das _ Naziregime betätigt hatten, betrieb.— Groß war die Zahl derer, die einen Feindsender gehört hatten, um sich eine eigene Meinung zu bilden; ‚größer noch die Zahl der sogenannten Arbeitsverweigerer, die ohne Erlaubnis ihren Arbeitsplatz verlassen hatten, wofür aber oftmals ein dringender Anlaß vorlag. Am größten war die Zahl der sogenannten „Bettpolitiker‘“, die auf Grund der Liebschaft mit einem kriegs- gefangenen Ausländer eingesperrt wurden, meistens waren sie durch Denunzianten der Gestapo in die Hände gespielt worden. Straffrei gingen die Frauen aus, wenn derselbe Ausländer freier Arbeiter war. Die Rassen- frage wurde also nicht vom Blut her, sondern nach politischer Willkür ‚entschieden.— Häufig waren auch die Fälle der„Judenbegün- stigung‘“, sowohl reine Freundschaftsbezeugungen als„Erschleichung jüdischen Vermögens“ in Verbindung mit sogenannten Kriegswirt- schaftsvergehen.— Unsympathisch waren die krassen Materia- listen. Ich denke an eine Fleischersfrau, die wöchentlich mehrere Schweine schwarzgeschlachtet hatte und-— als eine von uns meinte, sie werde wohl den Kopf abbekommen— erklärte:„Wegen die paar Würschte“. Sie kam bald in eine andere Zelle, ebenso eine Bäckersfrau, die das Brot zum zehnfachen Preise ohne Marken zu verkaufen pflegte. Belanglosigkeiten, wie das Aneignen einer gefundenen Brotkarte, wur- den unverhältnismäßig schwer bestraft, wenn die Betreffenden nicht in der Lage waren, sich„loszukaufen“, z.B. 300.— RM für die NSV. zu „stiften“.— Die Frau eines Fabrik-Direktors, die zentnerweise unge- brannten Bohnenkaffee u.a. Raritäten auf dem schwarzen Markt gekauft hatte, wurde am ersten Abend wieder frei gelassen, ebenso eine Wienerin, Pissi Ueberreiter, die sich rühmte, 35 Kleiderkarten gekauft zu haben, aber dem Gestapobeamten, der sie festnehmen mußte, rechtzeitig ent- sprechende Tausender zugeschoben zu haben; für den sei das ja„beinahe ein Jahresgehalt“, meinte sie geringschätzig.„Hätte Ihr Bruder die 1000 RM lieber dem Gestapokommissar anstatt dem Rechtsanwalt gegeben, dann wären Sie längst frei“, sagten die größtenteils sehr gewitzten Mit- gefangenen zu mir. Das wäre aber auf meinen Fall gar nicht zugetroffen und wäre auch nicht in Frage gekommen. Jeder Fall lag anders. Von den 15—20 Frauen der Zelle 17 waren meistens über die Hälfte, eeilweise sogar fast alles, Ausländerinnen.— Die Rumarın Felicitas, genannt„Feechen“, war zusammen mit ihrem Mann, einem rumä- 30 padas nen en; die nals ten egsarch gen senkür n- ung rtriaeine ohl Sie zum wurt in zu ngeauft erin, ben, entnahe die ben, Mitffen Ifte, min mä- nischen Rechtsanwalt, der am Rundfunk in Berlin wirkte, und mit 15 anderen Rumänen von der Gestapo festgenommen worden, als Cima, der Führer der rumänischen Eisernen Garde, getürmt war. Erst wochenlang später berichteten die Zeitungen kurz über Cima. Wir waren über die politischen Vorgänge meistens lange im Voraus und vor allem auch über die Hintergründe sehr viel besser unterrichtet, als die sogenannte Öffentlichkeit. Feechen, die bis dahin nur ihrer großen Liebe zu ihrem Mann und zur Musik gelebt hatte und von Politik nicht das mindeste verstand, erhielt hier ihre erste politische Belehrung. Sie war ein Mensch von ungemein hoher und innerlicher Kultur. Nach einigen Wochen wurden die Rumänen allesamt nach Buchenwald überführt. Feechen wurde allein wieder zurückverfrachtet, da man sie als Frau dort nicht aufnahm. Sie kam nun in eine Einzelzelle. Aus Gram trat sie in den Hungerstreik ein. Wir hörten dann nichts weiter von ihr. Zwei Holländerinnen, deren eine mit einem holländischen SS.- Mann verlobt war, hatten erst in Wien und dann bei Aschinger in Berlin als Serviermädchen gearbeitet. Als im Herbst 1942 ihre Wohnung in der Genthiner Straße bombardiert wurde, flüchteten sie am Morgen vom Luftschutzkeller aus direkt zum Bahnhof, um wieder nach Wien zu gehen, wo es ihnen sicherer erschien. Im Zug wurden sie von der Gestapo kontrolliert und in Frankfurt an der Oder ins Gefängnis gebracht, wo sie 8 Tage lang eng gepfercht nicht sitzen und nicht liegen konnten. In Zelle 17 erkrankte die eine an Scharlach, die andere wurde für 6 Wochen in das Arbeitslager 21 nach Braunschweig gebracht, damit sie lerne, nicht von der Arbeitsstätte ,, wegzulaufen". Als sie vor ihrer Entlassung nochmals nach Zelle 17 kam, erklärte sie: ,, Der Chöbbels braucht in Holland keine Propachanda mehr für Deutschland zu machen, die Propachanda für Deutschland mache ich nun in Holland!". So sah es in Wirklichkeit mit der deutschen Außenpolitik und-propaganda aus. Man fragt sich nur, ob das mehr Dummheit oder mehr Verbrechen war, es war auf jeden Fall beides. Zweifellos waren die gerissenen Goebbels- Funk- Ley sich über die Auswirkungen ihrer Politik absolut im klaren. Die Polin Martha, die mit einem Deutschen verlobt war, bezeichnete die deutsche Politik als sich selbst widersprechend, da sie vorgebe, iden Bolschewismus beseitigen zu wollen, aber gleichzeitig die europäischen Völker zerschlage und damit dem Sowjetsystem den Weg bereite. - Genau das Gleiche sagten Daria, Roma u. a. Mitglieder einer ukrainischen Studentenverbindung, die ich hernach alle im K.Z. 31 wiedertraf.( Die Familiennamen weiß ich nicht mehr, wir nannten uns nur mit Vornamen!) Sie hatten zuerst den Bolschewismus und dann den Nationalsozialismus in der Ukraine erlebt. Sie waren dadurch politisch derart gereift und charakterlich so selbständig geworden, daß man ihnen jede Verantwortung hätte übertragen können. Die Maßnahmen zur Judenvernichtung, sagten sie, würden zur Vernichtung von mindestens der zehnfachen Zahl an Deutschen führen. Aus der Goebbels'schen Propaganda sei ja auch herauszuhören, daß man damit rechne, und jeder denkende Mensch fühle, daß Goebbels falsche Schlüsse ziehe, wenn er das deutsche Volk auffordere, alle andern Völker zu bekämpfen, um das ,, jüdische" System der Völkerauflösung zu beseitigen. Niemand wirke zersetzender als er; wenn der Zwang aufhöre, werde man das erkennen. ,, Hitler hatte den Sieg errungen, ehe er anfing, zu rüsten. Als er damit begann, hatte er schon verloren!", sagte eine Französin. ,, Der Krieg tist nur ein Vorwand, um den Bolschewismus herbeizuführen", erklärte Klara Lönnies- Schlossmann, die mit ihrer ,, Muttergeistlehre" eine Art von profanem Madonnenkult einführen wollte und wegen ihrer frauenrechtlerischen Bestrebungen vom Amt Rosenberg belangt worden war. Sie saß schon das zweite Mal. Bissiger Galgenhumor sprach aus ihren Spottversen, wie: ,, Ein jeder muß zum Alex, das steht im Schwarzen Corps, und kommt er nicht zum Alex, so liegt gewiß was vor..." Frau Nielebock, eine herzensgute, hilfsbereite ,, Mutti", so wurde sie allgemein genannt, war mit ihrer ganzen Verwandtschaft und Bekanntschaft eingesperrt: Bruder, Schwester, Schwägerin usw. Sie hatten Fallschirmspringer beherbergt, die mit kommunistischem Propagandamaterial und gefälschtem Geld aus Rußland gekommen waren. Frau Nielebock hatte es ihrem Bruder zuliebe getan, zu dem sie aufschaute. Jetzt grollte sie dem Bruder. Verzweifelt rief sie aus, was denn die Politik überhaupt solle! Wenn jedermann seine Arbeit verrichte und die Verwaltung sauber sei, brauche es doch überhaupt keine Politik zu geben, Politik gehe gegen die Natur! Sie selbst habe sich um Politik nie gekümmert und sei gut dabei gefahren. Jedenfalls sei in ihrer Familie alles geordnet gewesen und ' sie hätten keine Not gehabt. Die Fallschirmspringer habe sie gar nicht aus politischen Gründen, sondern aus Menschlichkeit bei sich aufgenommen, da sie gewohnt sei, jedem zu helfen, der sich an sie wende; ganz besonders ihrem Bruder habe sie nie eine Bitte abgeschlagen. 32 - Aus den gleichen mütterlichen Motiven und einem oft unbegrenzten Vertrauen gegenüber dem Vater, Bruder, Mann, Freund pflegen in War sch der daue Vork urtei etwa geht hat, das Wit aus mein char klap Schw wege 1944 in Z F ter Wie mit gleid sage besa Pro zeig und nn EEE BEN SBEN Fee au politisch unverdorbene Frauen überall da„mitzumachen“, wo man um ihre Hilfe wirbt. Der durchschlagende Erfolg der NS.-Propaganda beruhte darauf, daß sie sich nicht an den Intellekt, sondern an die Gemütskräfte des Volkes wandte! Wehe uns, wenn wir diese Kräfte, weil sie so übel mißbraucht wurden, etwa jetzt ausschalten wollten, anstatt sie— in Verbindung mit den Verstandeskräften und einem sittlichen Willen— zu wahrer Weisheit und Menschenliebe aus- reifen zu lassen! in der Prinz-Albrecht-Straße 8 lernte ich bei dem oft stundenlangen Warten vor den Vernehmungen oder an Besuchstagen u.a. einen russi- schen Major vom Untersuchungsgefängnis Charlottenburg kennen, der im Frühjahr 1943 mit absoluter Sicherheit erklärte:„Dieser Krieg ıdauert noch zwei Jahre, dann liegt einer der beiden Gegner am Boden. Vorher gibt keiner nach, beide sind noch sehr stark.“.— Ganz anders urteilte der frühere Sekretär der Sowjetbotschaft, der mir etwa zur gleichen Zeit auf meine Frage hin erklärte:„Die Rote Armee geht nur so weit vor, bis sie die alte russische Grenze von 1914 erreicht hat, sie will ja nicht Land erobern, sondern eine Idee durchsetzen, und das werden die Deutschen dann selber in die Hand nehmen.“— Die Witwe des jüdischen Kunsthistorikers Weißbach, Berlin, die selbst aus einer alten deutschen Gelehrtenfamilie stammte(eine geborene Curtius?) meinte, der deutsche Geist werde, ebenso wie jeder andere National- charakter, erst dann zur vollen Entfaltung kommen, wenn die Scheu- klappen gefallen wären, sie sähe das an ihren Kindern. Notabene: ihr Schwiegersohn, ein Hitler-gläubiger Tiroler, hatte sie ihrer Gesinnung wegen angezeigt.— Größer noch war die Familientragödie der beiden 1944 im K.Z. verstorbenen Frauen Willmann und Bergmann, die in Zelle 17 zusammentrafen. Frau Willmann, Stiefschwester von Kaiser Karl, uneheliche Toch- ter einer Amerikanerin, wurde von dem jüdischen Konsul Fürth in Wien, den ihre Mutter heiratete, adoptiert. Im Frühjahr 1945 wurde sie mit ihrem Mann zusammen festgenommen, als Jüdin bezeichnet, ob- gleich sie nicht jüdischer Abstammung war und man ihr nichts nach- sagen konnte, außer daß sie ein sehr großes Vermögen hatte. Ihr Mann besaß Flugzeug-Wehrbetriebe in Berlin und Baden-Baden. Er hatte einen Prokuristen der Firma wegen Unterschlagung entlassen, ohne ihn anzıı- zeigen. Dieser selbe zeigte ihn daraufhin wegen Steuerhinterziehung an und wurde von der Arbeitsfront als kommissarischer Betriebsführer ein- 33 gesetzt. Derartige Fälle hatten wir öfters. Frau Willmann lebte in sehr glücklicher Ehe und litt um ihren Mann mehr als um sich selber. Sie E konnte die Unbill nicht lange ertragen, obgleich sie hernach im K.Z. von der Blockleiterin, einer alten Wiener Kommunistin„Hansi“, als Ver- wandte des österreichischen Kaiserhauses und wirklich hoheitsvolle Frau, geradezu vergöttert und sehr geschont und mit Zusatznahrurg und Woll- sachen im kalten Winter versorgt wurde.— Frau Bergmann war in 1. Ehe mit dem im ersten Weltkrieg als Kriegsfreiwilliger gefallenen Besitzer der Frankfurter Zeitung, Simon, ver- heiratet gewesen, in 2. Ehe mit dem durch Autounfall ums Leben gekom- menen Grafen Schack-München, in 3. Ehe mit dem inzwischen ver- storbenen Papierfabrikanten Bergmann- Berlin. Als ihre Nichte mit ihrem Freund sie eines Tages in ihrer Villa am Starnberger See aufsuchte, wo jedes Stück ein Kunstwerk darstellte, hatte der Freund an der Villa solches Gefallen, daß er Frau Bergmann wegen„politischer Äußerungen“ anzeigte und kurze Zeit darauf die Villa selber bezog. Frau Bergmann hinterließ außer zwei Nichten keine weiteren Erben. Frau Bergmann war, bevor sie nach Zelle 17 kam, schon einige Jahre in einer Irrenanstalt eingesperrt gewesen, einer kirchlichen Nerven- heilanstalt in Bayern, wo sie mehrere Zimmer, eine eigene Wärterin und allen Komfort hatte und dafür täglich 40.— RM zahlte. Da ihr nur die Wahl zwischen K.Z. und Irrenanstalt geblieben war(ein häufiger Fall!), hatten ihre 3 Rechtsanwälte, die bei dieser Gelegenheit jeder ein ganzes Vermögen schluckten, sie zunächst in die Irrenanstalt manövriert. Welchen seelischen Qualen diese temperamentvolle und eigenwillige Frau ausgesetzt war, läßt sich nicht beschreiben. Vor allem kamen bei ihr wäh- rend der Haft, wo man weit unter dem Existenzminimum gehalten wurde, Eigenschaften zum Vorschein, deren sie sich früher nicht bewußt war. Sie, die das Talent zur großen Dame hatte und— wie ihre von früher! her mit ihr bekannten Rivalinnen im K.Z. bezeugten— in Karlsbad mit Georg von England morgens auszureiten pflegte und auch mit Wilhelm II. gesellschaftlich und freundschaftlich zusammentraf, die sich durch ihr Erzählertalent, ihren Humor und ihre Herzensgüte viele Freunde erwarb, wurde durch die Rangabläufer, die nur herrschen wollten, fortgesetzt . kompromittiert. i Diese Rangabläufer, die selbst in der engen Zelle dauernd intrigierten und Cliquen bildeten, verstanden es, im allgemeinen so zu bluffen, daß der Durchschnitt über ihre platten Redensarten und Witze lachte. Sobald 34 ehr Sie von Verrau, Tollals veromverrem WO Villa en" ann nige venund die Figer ein iert. Frau wähurde, war. üher mit m II. ihr warb, setzt erten daß bald ein Neuling ankam, verhandelten sie leise mit ihm, um ihn auf ihre Seite zu ziehen. Gründlich durchschaut wurde das Spiel von der sehr schlichten, aber charakterlich überragenden Ungarin Hedwig Louis aus Brüssel. Sie war über die bloße Tatsache, verhaftet zu sein, derartig empört, daß sie sich ein genaues Bild über ihre Mitgefangenen und alle Vorgänge machte, um eine Antwort auf die Frage zu finden, was denn in Deutschland wirklich gespielt werde. Für ihre Verhaftung hatte keinerlei Berechtigung vorgelegen. Sie war mit ihrem Mann, einem Belgier, der in den Siemensbetrieben gearbeitet hatte, auf dem Hauptbahnhof in Leipzig festgenommen worden, weil der Mann keine Entlassungspapiere bei sich hatte. Es war ihm in Leipzig eine Stellung in seinem Spezialfach mit 3 fachem Gehalt angeboten worden, aber Siemens gab ihn nicht frei, so hatte er es ohne Erlaubnis versucht. Durch ihre große Reinheit wirkte Hedwig wie ein Kind. Sie war nur 3 Wochen bei uns. Am letzten Abend beglückte sie uns mit anmutigen ungarischen Tänzen. - - Ich denke noch an die Jugoslavin Ciga Stankowic aus Belgrad, Hilendarska 4, die ebenfalls in Zelle 17 war und zuletzt noch ins K.Z. kam, obgleich sie dreifach zum Tode verurteilt war. Ursprünglich war sie für den Nationalsozialismus eingetreten, wie so viele der später verhafteten Ausländerinnen, sie hatte wenn ich mich nicht täusche eine eigene Zeitschrift gegründet ,, Mein Volk". Als sie aber erkannte, daß ihre volkspolitische Linie durch den NS. nicht gestützt, sondern sabotiert wurde, ging sie ins Lager der in den Wäldern kämpfenden sowjetisch- jugoslavischen Truppen über. Sie wurde als Spionin verhaftet, als sie eben ein verstecktes Munitionslager fotografierte. * war man mit Freund und Feind auf Gedeih und Verderben eng aneinander geschmiedet. Es war keiner da, der nicht gründlich umgelernt hätte! - So Die junge Sekretärin Wachenfeld aus dem Innenministerium, Tochter eines Regimentskommandeurs aus Frankfurt am Main, war von neidischen Kolleginnen, angeblich wegen ihrer sehr reichen und eleganten Kleidung, verdächtigt worden, einen fehlenden größeren Betrag aus der von ihr mitverwalteten Kasse entwendet zu haben. Sie saẞ 5 Wochen in Untersuchungshaft, teils in Einzelhaft, teils in Zelle 17. Eines Tages kam ihr Verlobter( ein Oberleutnant) aus dem Felde auf Heimaturlaub. Er ging direkt in die Kanzlei des Führers, wo ein Wachenfeld, ein Onkel der Sekretärin, eine hohe Vertrauensstellung inne hatte. Dort sprach er den Dezernenten Müller, schlug mit der Faust auf den Tisch und schrie: 35 - - ,, Das sind ja GPU.- Methoden!" Am nächsten Tage war Fräulein Wa( chenfeld frei. Ich erzählte es dem Kommissar Klude, der es mir bestätigte und hinzufügte: ,, Wenn sich für Sie jemand einsetzt, kommen Sie auch frei!" Dem Zufall also war man ausgesetzt! Meine Angehörigen hätten da ohne Beziehungen gar nichts durchsetzen können, sondern wären höchstens Gefahr gelaufen, selber eingesperrt zu werden, was so vielen Angehörigen widerfuhr, die sich eine Kritik erlaubten. Wenn meine Geschwister von weit her gereist kamen, um mich zu besuchen, wurde mir vorher mitgeteilt, die Unterredung werde sofort abgebrochen werden, wenn ich nur ein Wort über meine politische Angelegenheit verlauten lieẞe. Man fühlte sich in jeder Hinsicht wie auf die Folter gespannt. Zelle - - - Furchtbar war es, die Verzweiflungsausbrüche der anderen miterleben zu müssen. Doch verstanden es manche wunderbar, durch wirkliche Darbietungen die bedrückten Gemüter aufzurichten. Zwei aus unserer Janina und Hilde hatten sich, um dem zermürbenden Nichtstun zu entgehen, als Kalfaktor gemeldet. Es gab dabei reichlich Möglichkeit, Essen zu schieben und Briefe herauszuschmuggeln. Die Moral schrie zum Himmel. Dafür sorgten schon die zum Teil sehr ordinären und bestechlichen Hilfswachtmeisterinnen. ,, Mein Mann ist ein Teppichhändler, ich könnte Ihnen einen echten Perser verschaffen, wenn Sie etwas für mich tun würden", flüsterte die Kalfaktorin Hilde jeder Wachtmeisterin in die Ohren. Schließlich gelang es ihr auch, mit Hilfe ihrer Teppiche trreizukommen. Ähnlichen Erfolg hatte auch ihre Freundin Else, eine Kabarettspielerin, für die sich der Adjutant vom Reichspressechef Dietrich, ein junger Pg. Lorenz, der bei ihrer Mutter gewohnt hatte, einsetzte, sodaß sie nicht wie wir anderen bis Kriegsende, sondern nur befristet für 3 Monate ins K.Z. kam und dort wahre Orgien ihrer Kunst feierte. Sie erzählte, der junge Pg. Lorenz arbeite buchstäblich Tag und Nacht, er habe viel persönlich beim Führer zu tun, aber er sei nicht etwa für Hitler, sondern er hasse ihn ,,, wie die alle!" ,, Wofür arbeitet er dann also?" fragte eine. ,, Für den Kommunismus natürlich!", antwortete eine Kommunistin ,,, wofür denn auch sonst?". Sowohl der im Anfang erstaunliche Erfolg Hitlers, als auch das spätere Umschlagen in die Katastrophe, erklärt sich zum großen Teil daraus, daß viele ausgesprochene Gegner die Bewegung stützten, weil sie im Augenblick dadurch profitierten oder gar viel teuflischer ist weil sie das Ende voraussahen und nach Art - - was 36 der Börsenspekulanten— auf Baisse spekulierend— im rechten Augenblick glaubten„umsteigen“ zu können und hofften, dann, nach dem nächsten„Umschwung“, in der anderen Waagschale sitzend, wiederum zu den Ausschlaggebenden zu gehören und wei- terhin das Fett abschöpfen zu können. Der„Krieg bis zum letzten Mann“ war für diese Vabanquespieler eine Börsenspekulation, die notwendig war, um nach dem Zusammenbruch die Konkurs- masse billig ramschen zu können. Daß es so weit gehen würde, hatten sie natürlich selbst nicht erwartet. Indessen—„Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“ Mit diesem Argument habe ich schon im Jahre 1940 gearbeitet und die mir zugänglichen Amtsstellen aufmerksam machen wollen, z.B. den Präsidenten der Studiengesellschaft für Bäuerliche Rechts- und Wirtschaftsfragen, Dr. Merckel, der mich 1940 mit einer großen Forschungsarbeit über die bäuerliche Ernährungsweise beauftragt hatte. Als ich ihm an Hand konkreter Beispiele klar zu machen suchte, daß die ganze Studiengesellschaft und vor allem auch„pro- minente Pg.’s“ auf die Vermassung hinsteuerten, anstatt ihr zu wehren, da drohte er mir mit Gestapo und K.Z., und ich verlor meine Stellung.{ Es war tatsächlich so, daß viele an sich aufrichtige und intelli- gente Deutsche den Hitlerkurs stützten, weil sie ihn für eine deut- sche Sache hielten. Daß es— unter Mißbrauh deutschen Gedan- kengutes und wertvoller deutscher Schaffenskraft— in Wirklich- keit der Raubzug einer machtgierigen Verschwörerbande war, die das internationale Börsenkapital nur deshalb bekämpfte, weil sie selber das Geschäft machen wollte, ist vielen heute noch nicht klar. Die Gegner aber hatten das längst begriffen, so auch viele der politisch überständigen Frauen in Zelle 17. Es wäre gar nicht schwer, die Menschheit vor weiteren solchen Katastrophen zu bewahren, wenn— Hand in Hand mit einer auf- richtigen Glaubensvertiefung— eine soziologische Schulung abso- lutes Verständnis und Klarheit in den Fragen„Machtliebe oder Liebesmacht?“ herstellte. Das wäre gleichbedeutend mit einer Er- neuerung der Volkserziehung in allen Lagern, ganz besonders auch im Hinblick auf die Frau. Zeitweilig hatten wir große Sängerinnen bei uns in der Zelle. Vor dem Einschlafen sangen wir meistens noch Lieder in allen Sprachen. 3% Nachts lagen wir— gegen 15 Personen— wie die Sardinen in der Büchse auf dem Fußboden eng nebeneinander. Die 4 Betten waren für Kranke und Greise bzw. für die Stubenältesten. Öfters hatten wir Frauen von 80 und mehr Jahren bei uns, auch Gelähmte und Schwerkranke.'Tags- über diente die etwa 16 qm'große Zelle als Wohn-, Eß-, Waschraum und Toilette. Frauen, die schon im Jahre 1936 einmal Zelle 17 bewohnt hatten, erzählten, daß damals nur 4 Personen darin untergebracht waren, in der großen Zelle 4 nur etwa 15(statt über hundert), in den Zellen 18, 19, 20 insgesamt höchstens 30(statt über 200 zu unsrer Zeit). Himmler hatte es fertig gebracht, Frauen aus aller Welt einzusperren und dadurch einen Haß ohnegleichen zu entfachen. Die meisten waren nur von dem einen Gedanken besessen, sich— sobald sie wieder frei wären— an den Denunzianten zu rächen. An den Wänden las man viel- fach das Zitat aus dem Faust:„Doch— wenn es keine Hexen gäbe, wer, Teufel, möchte Teufel sein?“. Die Kommunisten sangen:„Bald kommt der Tag, da wir uns rächen, dann werden wir die Richter sein!“ Manchmal kamen wir wochenlang keinen Schritt heraus, und auch dann nur zu 20 Minuten Laufschritt auf dem häßlichen Hof, in den die Gitterfenster hinunterstarrten. Alle 2 Minuten raste ein Stadtbahnzug an den Fenstern vorbei. Nur nachts zwischen 2—4 Uhr war Pause. Wollte man gerade einschlafen, so kam sicherlich ein Lastkraftwagen vorbeigerattert oder die Wanzen ließen einem keine Ruhe. Jeden Don- nerstag Nacht standen oder lagen vor unserer Tür dichtgedrängt ie K.Z.-Kanditaten, die tagsüber von-den verschiedenen Gegenden ein- gelaufen waren und früh um 4 Uhr abtransportiert wurden. Ich hatte die ersten 3 Monate auf eigenen Wunsch eine Einzelzelle (Nr.15) bekommen. Kriminalrat Sander hatte mir Schreiberlaubnis er- teilt. So konnte ich laufend Schriftsätze ausarbeiten, deren Verwirklichung das ganze unsoziale Getriebe beseitigt und gesittete Verhältnisse geschaf- fen hätte. Aber meine SOS-Rufe drangen nicht durch. Später erfuhr ich, daß Sander aus meinen Akten alles beseitigt habe, was— nach seiner Meinung— mir den Kopf gekostet hätte. Die letzten 5 Wochen meiner Berliner Haft verbrachte ich im Schö- neberger Barackenlager am Bahnhof Papestraße(dicht bei meinem Klein- garten!). Wenige Tage nach meinem Abtransport wurde dieses Lager mit über 300 Gefangenen ein Opfer der Bomben und Raub der Flammen. Die„Politische Zelle 17“ im Polizeipräsidium war aufgelöst worden. Die meisten ihrer Insassen, von denen ich während der 14 Monate 38 e H ב = i t go L e Le - g f- h, H er 5- 0- er n. n. te meiner Berliner Haft sicherlich mehrere Hundert erlebt hatte, waren inzwischen schon nach Ravensbrück abgeschoben. Manche hatten in der Zwischenzeit auch einige Monate oder ein Jahr in einem anderen Himmler- Institut abgesessen! Nun gehörte ich auch zu den Unglücklichen, denen bis Kriegsende das K.Z. zugedacht war. IX. Konzentrationslager Ravensbrück( Mecklenburg). - Die Welt versank hinter mir, als ich am 6. 8. 1943 durch das schwere eiserne Tor einmarschierte. Die Strapazen waren riesengroß, allein schon das täglich viele Stunden in Anspruch nehmende Appellstehen in der frischen Luft, an die man ja gar nicht mehr gewöhnt war, dann aber vor allem die schwere körperliche Arbeit, die viele gar nicht kannten, dazu das unzureichende Essen und die drückende Aussichtslosigkeit. Der Gedanke, in der Masse zu versinken, ist das Allerschlimmste für den innerlich wachen Menschen, der seine Aufgabe darin sieht, Leben aufzubauen, die Verwahrlosung und Entartung der Menschheit zur Masse verhüten zu helfen. " Ich hatte den ernsten Willen durchzuhalten, um mein Lebenswerk vollbringen zu können, nämlich Klarheit zu schaffen über die Irrwege der Sozialpolitik und Erziehung, wie über die notwendige künftige Entwicklung. Ich fühlte die Verantwortung vor dem Ewigen Richter, und er sprach zu mir durch mein Gewissen und durch ungezählte Gedichte, die ich intuitiv sowohl in Berlin während der Einzelhaft, wie im K.Z. verfaßte. Wir wachsen hinaus über Raum und Zeit, denn uns trägt der Rhythmus der Ewigkeit", hieß es in dem Sylvestergedicht 1943. Die ersten 4 Wochen verbrachte ich im Zugangsblock 11 bei der oben erwähnten Blockältesten ,, Hansi", die uns mit Stockhieben und Kaltwassergüssen beglückte, wenn beim Essenausteilen oder im Schlafsaal oder gar beim Zählappell nicht völlige Ruhe herrschte. Tagsüber mußten wir Wege ausbessern, Sand schaufeln, Kohle abfahren usw. In dieser ersten Zeit wurde man wöchentlich mehrmals zu den Amtsstellen geführt, um die Formalitäten zu erledigen, ärztliche und sonstige Prüfungen, Arbeitseinsatz usw. über sich ergehen zu lassen. Ich wurde den Strickern zugeteilt und kam für 5 Monate nach dem deutschen Block 14. Das Lager umfaßte einige 20 Wohnblocks, dazu etwa 9 Krankenblocks ( ,, Revier" genannt) und zahlreiche Wirtschaftsblocks: sowohl Selbstversorgerbetriebe( 2 große Küchen, Wäscherei, Bad, Brot- und Vorratskammern, Effekten-, Kleider-, Schuhkammern usw.), als auch Wirt39 Sa Re TE este; für den Heeresbedarf(Schneiderwerkstätten, Leder- und E Pelzverarbeitung, Siemensbetriebe u. a.). Auf 2 benachbarten großen= Gütern, die angeblich Himmler gehörten, mußten Häftlinge Kartoffeln, Kohl und Rüben für das Lager bauen. Die Erträge wurden dann an das Lager verkauft. Das nannten die Herren Nationalsozialismus!— Die Arbeit war sehr verschieden nach Menge und Art, vor allem auch je nach Aufsichtspersonal. Die einen wurden furchtbar getreten, die anderen konnten sich unbemerkt manche freie Stunde schaffen. Viele Tausende von Frauen hatten überhaupt keine Arbeit, das war das Aller- schlimmste. Sie saßen auf den überfüllten Blocks herum und ver- zweifelten! Eine Entlohnung gab es nicht. In manchen Betrieben wurden für besondere Leistungen Prämien gezahlt. Mit den Gutscheinen konnten sich die Betreffenden in der Kantine Toilettensachen, Postkarten, Marken und Briefpapier, dazu in besonderen Glücksfällen sogar einen(fettlosen, sauren!) Gemüsesalat oder im Frühjahr 1I—2 mal Radieschen und Rettiche kaufen, und zwar zu Wucherpreisen, für die jeder Kaufmann ins K.Z. ‚gekommen wäre. Herr Himmler konnte sich das leisten! Leider kam dieser Betrug nicht an die Öffentlichkeit. Über die Schlaf- und Wohnverhältnisse ließe sich Sl berichten. Die Betten standen in 3 Etagen übereinander, zwischen den Längsreihen, war nur ein sehr schmaler Gang. In den meisten ‚Blocks waren die Betten überbelegt. Gegen die Flöhe und Läuse wurde ein ständiger Kampf geführt. Wer Kopfläuse hatte, bekam das Haar abrasiert. Das fiel jedoch nicht weiter auf, da den vielen„Bettpolitikern“ und anderen„Katego- rien“ das gleiche Los beschieden war. Im Tagesraum standen Tische, Stühle und schmale offene Schränke, je einer für 2—10 Personen. Die meisten trugen ihr ganzes Hab und Gut ständig bei sich, da zu viel gestohlen wurde. Ich selbst trug auch am Gurt einen Beutel mit meinen Habseligkeiten: Löffel, Zahnzeug, Kamm, Taschentuch, Brotvorrat, Trinkbecher, Napf für die Zuteilung. Als ich am 14.12.43 für 10 Tage ins Krankenrevier Block 11(den einstigen Zugangsblock) eingeliefert wurde, um die z. T. hühnerei-großen Eiterbeulen an beiden Beinen, Arm und Armhöhle operiert zu bekommen(die ich mir durch Ansteckung von einer schmutzigen Bett- kameradin zugezogen hatte), da entriß mir die Innendienstlerin Erika meinen Beutel mit den darin befindlichen Handschuhen, Kapuze, Strumpf- haltern und Stoffschuhen, die man in den Holzpantinen trug, um sich bei ‚40 pe ——e und Ben Feln, das lem ten, Viele llerverden nten rken osen, tiche K.Z. kam Die then die ampf doch egoe, je Gut iten: Napf ( den oßen t zu BettErika mpfh bei - dem täglich damals noch dreimaligen insgesamt mindestens 6-8 Stunden in Anspruch nehmenden Appellstehen nicht die Füße zu erfrieren. Erika, die 4 Monate zuvor mit mir eingeliefert worden war und damals ausgehungert aus einem Gefängnis kam, hatte sich nun als Innendienstlerin inzwischen gemästet und wollte mir zeigen, daß sie mehr zu sagen hätte als ich! Um mich mundtot zu machen, schrie sie laut: ,, Wenn Sie nicht gleich ruhig sind, mache ich Ihnen eine Meldung, dann fliegen sie in den Strafblock! Das ganze Zeug ist aus Werkstoff gemacht, das wissen Sie ganz genau!" Tatsächlich trug das halbe Lager warme Sachen aus Werkstoff, den die in den Betrieben arbeitenden Kameradinnen einem mitbrachten. Ich selbst hatte in den ersten Wochen einmal 10 Tage in der Flickkammer gearbeitet und von dem tschechischen Anweisungshäftling Abfälle bekommen, um mich für den Winter mit dem Allernötigsten auszurüsten. Nun mußte ich mir gegen Brot erst wieder Stoffe ,, kaufen“! Zum Glück erhielt ich damals gerade von meinem Bruder 2 Weihnachtspakete mit 2 Broten, die nun die Funktion von Tauschgeld übernahmen. Wer das nicht konnte, war noch übler dran. 5 Pakete erhielt ich während der mehr als 18 Monate im K.Z. Wieviele außerdem verloren gegangen sein mögen, weiß ich nicht. Von der Lagerpolizistin Germaine, einer gegen jedermann hilfsbereiten Französin, die in Nürnberg mit einem Deutschen verheiratet ist, erhielt ich später eine ganz warme Kapuze, die ich heute noch habe, ebenso einen Schal von der liebenswürdigen und herzlichen Aline Heym, Schwiegertochter des Bürgermeisters von Tunis. Dafür konnte ich dann wieder anderen helfen. Nur zusammenstand, konnte man den unmenschlichen Härten des Lagerlebens trotzen. Wäre das soziale Verantwortungsbewußtsein, d. h. Liebe und Hilfsbereitschaft, allgemein herrschend gewesen, so wäre viel Krankheit, Not und Tod verhindert anstatt verschlimmert worden. Es ist ein Unterschied, ob man sich und andere auf Kosten der Notleidenden versorgt oder ob man wirtschaftlich denkt und einen größeren Nutzeffekt zu erzielen vermag, ohne andere zu schädigen. - wenn man Im Dienstzimmer des Blocks amtierte stundenweise die Blockleiterin, die einzige beamtete Person des Blocks, von uns ,, Frau Aufseherin" genannt. Sie arbeitete Hand in Hand mit der Blockältesten und der Blockschreiberin, die beide Häftlinge waren. Oftmals bestand ein recht gutes Einvernehmen zwischen der Aufseherin und der Blockältesten auf Kosten der übrigen Blockinsassen. Bei den ,, Innendiensten", die vom Arzt für Rekonvaleszenten angeordnet waren, gab es sehr begehrte Dauerposten 41 mit Schlüsselgewalt. Zur Erlangung derselben waren sich Freunde, ins- besondere politische Freunde oder Landsleute, einander gern behilflich. Über diese Beziehungen ließe sich eine besondere soziologische Studie schreiben. Man glaube nicht, daß es in einem von außen so monoton wirkenden Lager mit 40000 Frauen etwa keine Rangunterschiede gäbe. Die soziale Schätzung erfolgte je nachdem, was einer zu bieten hatte. Der Mensch als solcher zählte nicht, wohl aber die Stellung, die er sich unter Umstän- den selber schuf, sei es auf ehrliche Weise, sei es durch Schiebung und Talent zum„organisieren“, von dem dann möglichst viele mit zu profi- tieren suchten. Je nach Auftreten gefürchtet oder umworben waren die Anweisungs- häftlinge, die Vertrauensposten der Verwaltung inne hatten und gut oder schlecht über einen berichten konnten, dem einen gute, dem anderen schlechte Arbeit zuschanzten usw. Dasselbe galt von den Blockältesten und ihrem Stabe. Jede Blockälteste hatte 2 Stubenältdste zur Seite. Jeder Block hatte eine A- und eine B-Seite mit je einer Belegschaft von "350—1000 Frauen. Es stand diesen zur Verfügung: Ein Tagesraum (Stube), ein Schlafraum, ein Waschraum und 12 Toiletten. Von letzteren waren meistens über die Hälfte teils mit Privatkram(Hamsterwaren) (der Innendienstler oder Holz für den Block und dergl. angefüllt, teils verstopft. Häufig wurden sie absichtlich nicht repariert, damit die Toi- lettenfrauen nicht soviel zu reinigen hatten. So kam es, daß viele unter sich oder in die Betten machten, weil die Toiletten nicht frei waren. In manchen Blocks stand man ständig Schlange. Daß durch die entsetzliche Unsauberkeit die während des letzten Jahres infolge der Überfüllung ‚des Lagers herrschende Typhusepidemie überhandnahm, kümmerte die Betreffenden nicht. Die Revierarbeiterinnen wurden gegen Typhus ge- impft. Trotzdem erlagen sogar Ärztinnen der furchtbaren Seuche. Es ist in Betracht zu ziehen, daß in jeder Massenversorgung, bei der es knapp zugeht, ein gewisser Prozentsatz der Vorräte von den Schlüssel- gewaltigen, die sich auf Kosten der übrigen alles leisten, beiseite geschafft wird. Die Ernährungskatastrophe im K.Z. wäre nicht so fürchterlich gewesen, wenn nicht kesselweise das Essen„verschoben“ und die win- zigen Portionen von Margarine(30 g) mit je einem Harzer Käse oder einer ebenso großen Scheibe Wurst, die es am Sonnabend und Sonntag anstelle der Abendsuppe gab, desgleichen die etwa 50 Gramm Kunsthonig oder Marmelade am Mittwoch, bis auf die Hälfte gekürzt 42 _ worden wären, weil die Schlüsselgewaltigen sich und ihren Anhang von Freunden mit den gestohlenen Sachen regelrecht mästeten. Mehr als 10 Portionen in der Woche verzehrte oft eine von diesen Hamsterern. — Grauenhaft anzusehen war, wie die meisten Säuglinge regelrecht ver- hungerten, während die Milch, die es ausschließlich für Kinder und Säuglinge gab, eimerweise in den Dienstzimmern mancher Blocks ver- schwand und dort vielfach zu Milchspeisen verarbeitet wurde. Fett- triefende Kartoffelpuffer waren bei den Margarine-Hamsterern an der Tagesordnung.— Ab und zu wurde eine gemeldet, die flog dann in den Strafblock, ja einmal sogar der ganze Stab von Block 14, darunter auch die bestimmt unschuldige Tschechin Maria Carbonowa, die als Stuben- älteste nur deshalb mit bestraft wurde, weil sie von den Betrügereien gewußt und die anderen nicht angezeigt hatte. Meistens waren die Cliquen so unter sich einig und durch Terror so nach außen gesichert, daß nichts gebessert war, wenn die eine oder andere angezeigt wurde. Die Betreffen- den, die gegen sie vorgingen, waren nachher immer die Dummen. Soziologisch wichtig ist, daß sogar die beamteten Aufseherinnen mit den Blockältesten gemeinsam schoben und daß es in dieser Hinsicht auch keinen Unterschied gab zwischen den politischen Richtungen, den Be- kenntnissen und Nationalitäten. Es kam immer nur auf die Persönlichkeit an, ob die Betreffenden sich ein Gewissen daraus machten oder nicht. Auf manchen Blocks war die Räuberei furchtbar. Ich selbst habe auf dem „Piratenblock 14“ am eigenen Leibe gespürt, wie ich— ohne jede Ver- günstigung— der Willkür der Drohnen und gewalttätigen Schieber ausgesetzt und beinahe am Verhungern war. Während der letzten 5 Mo- nate hingegen, als ich auf dem„Musterblock 1“ wohnte, der das Küchen- und Büropersonal faßte, konnte ich von den übrigen Portionen des Massenessens oft Hungernden etwas bringen, denn die meisten der Kü- chenhäftlinge versorgten sich, trotz der Sonderzuteilung, die sie erhielten, so reichlich in der Küche, daß sie das Massenessen gar nicht anrührten. Nach jeder Mahlzeit sammelten sich vor Block 1 Dutzende von Hung- rigen, die die Reste bekamen, ja sogar die Kartoffelschalen noch aus der Tonne herauslasen.— Die Wurstausteiler verteilten indessen oft halbe Würste an ihre Freunde, das habe ich mit eigenen Augen angesehen. Ich habe aber nie jemanden deshalb„gemeldet“, weil der nächste es genau so gemacht hätte.— Es war das Massensystem als solches, das die Mißstände heraufbeschwor und die schwächeren Charaktere in Versuchung führte. Einen Spottvers machte ich auf die„Beziehungs- 45 reichen“:„Wer löst mir das Rätsel von Ravensbrück, daß die einen so dünn werden und die andern so dick?— Der Empfang von Paketen löst das Rätsel nicht allein, es muß auch das ‚Vitamin B‘ dabei sein!”. Im Herbst 1944 kamen Tausende von Häftlingen aus dem Lager Ausch» witz, das in die Frontlinie gerückt war, nach Ravensbrück. Als sie nackt 4 zur Reihenuntersuchung im Revier antraten sahen wir Revierarbeiterinnen mit Staunen, daß die allermeisten sehr gut ernährt, viele sogar dick und fett waren. Wir fragten eine Auschwitzer Jüdin, die vorübergehend in der Schreibstube des Reviers mitarbeitete und dann vom Arbeitseinsatz auf einen selbständigen Posten in der Revierschreibstube eines Lagers im Sude- tenland versetzt wurde, wie das zusammenhinge, da doch aus Auschwitz von furchtbaren Hungerkatastrophen berichtet würde. Die Betreffende klärte# uns dahin auf, daß in Auschwitz noch viel mehr als in Ravensbrück die Posteninhaber sich alles leisten könnten, und daß man auch nur die Leistungsfähigen nach Ravensbrück gebracht habe. Mit Dank denke ich noch heute an Hilde Schipanek, die mir Anfang 1944, als ich die letzten Wochen auf Block 14 war, öfters ein paar Kar- toffeln aus Block 1 brachte. Ich habe das später an anderen hundert- fach gutgemacht.— Hilde Schipanek wurde, wie ich hörte, bald nach ihrer Entlassung in Potsdam wieder eingesperrt, weil sie die Schweige- pflicht nicht gehalten hatte.— Wer rückfällig wurde und zum zweiten mal ins Lager kam, hatte zum Empfang 25 Stockhiebe und dann 1 Jahr Strafblock zu gewärtigen.— Der Strafblock war noch besonders umzäunt. Die meisten hatten dort harte Außenarbeit zu leisten. Turi, eine öster- 7 reichische Schriftstellerin, war Anweisungshäftling für die Lagerpolizei und hatte besondere Funktionen im Strafblock. Sie hatte den Strafblock durch schmissigen Gesang äußerlich in Schwung gebracht. Jeder Häftling mußte seine Nummer an Kleid und Jacke aufgeheftet tragen und darüber den„Winkel“. Das Lager klassifizierte die Häftlinge sozusagen weltanschaulich mittels Farben: die„Politischen“ rot, die „Berufsverbrecher“ grün, die„Asozialen“ schwarz, die Bibelforscher lila...(ich erhielt am 6.8.43 einen roten Winkel mit der Nr. 21844). ‘Die„Flitzer“ bekamen je nach der Zahl ihrer Fluchtversuche runde Plaketten in ihrer Farbe angeheftet.— Eine Auszeichnung war die Arm- binde: für den Blockstab grün, die Anweisungshäftlinge rot, die Revier- arbeiterinnen gelb usw. E Die„Schwarzen“(Dirnen) und die„Grünen“(die vorher im Zucht-— haus gesessen, darunter auch viele frühere Krankenschwestern wegen 4 Abtreibung) waren in besonderen Blocks untergebracht, es sei denn, daß “sie sich für bestimmte Capo-Posten eigneten und bewährten.— Ein 44 "manche Anweisungshäftlinge landeten früher oder später im Strafblock, weil sie den Versuchungen zur Schiebermöglichkeit nicht hatten wider- stehen können. Die Aufseherinnen waren ähnlich gekleidet wie die Blitzmädel. Sie trugen hohe Schaftstiefel. Die Aufseherinnen des Außendienstes führten z.T. bissige Hunde bei sich, die jeden anfielen, der sich fluchtverdächtig machte. Daß die Aufseherinnen unbeschreiblich roh waren, bedarf keiner näheren Beschreibung. Aber es gab auch Ausnahmen. Einmal versetzte mir eine Aufseherin, die gerade den Appell abnahm, und die ich nicht hatte kommen hören, weil ich sprach, eine Ohrfeige mit solcher Wucht, daß ich wie ein Brett nach hinten umfiel und— mit dem Kopf dicht neben einer steinernen Bordschwelle— liegen blieb. Die Umstehenden glaubten, ich wäre tot. Frau Kobler und Frau Schmoll hoben mich auf.(Letztere eine Händlersfrau aus Bierstadt bei Wiesbaden, die 2 Jahre saß, weil sie einem Juden 5 Eier verkauft hatte und denun- ziert worden war!) N Die Blockschreiberinnen auf den überfüllten Blocks hatten zuweilen Tag und Nacht zu tun. Alles mußte verbucht und statistisch überwacht werden: Essensportionen, Bettenbelegung, Krankeneinlieferung ins Re- vier, Verlegungen, Ab- und Zugänge, Strafen usw. Der Tag begann folgendermaßen: Um 1/4 Uhr morgens wurde geweckt, um 155 Uhr mußte man sich zum Zählappell anstellen. Solange dauerte ks, bis alles klappte, die„Langschläfer‘“ aus den Betten getrieben, der Kaffee geholt und ausgeteilt war, Betten gemacht— alles ging mit viel Geschrei vor sich. Um 6 Uhr wurde der Zählappell abgenommen(während des letzten Winters fiel dieser erste Appell mehr und mehr weg, da die Beleuchtung versagte).— Um 6 Uhr mußte man sich sofort zum 2. Appell anstellen, der sogenannten„Arbeitsformierung“. Zu tausenden standen die Frauen in endlosen Kolonnen zum Einrücken in die Betriebe, bzw. zum Ausrücken auf die Felder bereit. Um 7 Uhr begann die Arbeit. Bis dahin hatte man schon 31/; Stunden herumgestanden, bzw. Appell gestan- den und meistens nichts als etwas schwarzen Kaffee im Magen und was man sich von der Brotration von anfangs 300 g, später 200 g täglich, vom Abend vorher aufgespart hatte. Das Brot war der bei weitem hochwer- tigste Bestandteil der ganzen Nahrung. Es war gut ausgebackenes Schwarzbrot.£ 45 Immer zahlreicher wurden gegen Kriegsende bei der Arbeitsformt rung die Kolonnen der„Verfügbaren‘“, die infolge von Materialmangel keine feste Arbeit mehr hatten, und die daher von den verschiedenen Anweisungshäftlingen zu den täglich anfallenden Gelegenheitsarbeiten herausgemustert wurden, das wirkte wie auf dem Sklavenmarkt. Die= Bedeutung des Wortes„verfügbar“, das auf dem Arbeitsmarkt auch außer- halb des Lagers eine so große Rolle spielt, ist mir dabei so recht klar geworden! Wer übrig blieb, mußte die schweren Eßkessel schleppen u.a.m. 150 Zentner Gemüse(Kohl und Rüben, Rüben und Kohl)| wurden täglich allein in der Hauptküche mittags gekocht und ausgegeben, F# nebenher noch Pellkartoffeln. In der letzten Zeit kamen diese gleich mt| der Schale mit ins Essen! Im Herbst gab es einige Wochen hindurch rote Rüben, dabei erholte man sich sichtlich!" Am Abend gab es Y Liter Grütze, seltener Haferflocken. Die Portionen auf den einzelnen Blocks waren— infolge der Schiebungen seitens der Beteilegten— verschieden groß. 3 Über die Arbeit kann ich wahrheitsgetreu nur das berichten was ich selbst mit erlebt habe. Die 800, später 2000 Strickerinnen, zu denen ich 5 Monate lang gehörte, waren nur Frauen von 40 Jahren aufwärts, bzw. Körperbehinderte. Sie waren in Tagesräumen mehrerer Wohnblocks unter- 4 gebracht. Später wurden noch besondere Werkbaracken für die Stricker eingerichtet. Im Block 14 saßen wir über 100 Strickerinnen eng aufein- E ander, sodaß ein ständiger Zank um den Platz tobte. Es wurden lange 4 wollene Frauenstrümpfe gestrickt, teils für das eigene Lager, teils für E andere Lager oder sonstige Verwendung. Das vorgeschriebene Pensum war: 2 Strümpfe in der Woche! Die meisten leisteten das auch. Manche strickten sogar jeden Tag einen ganzen Strumpf. Wer sein Pensum nicht leistete, lief Gefahr, den„Verfügbaren“(Gelegenheitsarbeitern) zuge teilt zu werden. Das galt für alle Arbeit. Bei den älteren Strickerinnen nahm man es nicht so genau. Ich: selbst habe niemals auch nur einen Strumpf in der Woche fertig gebracht, dafür aber allerhand Dienste aus- geführt, für die sich nicht jeder eignete. Vor allem habe ich mitgeholfen, die Stimmung hochzuhalten. Das war eine sehr wichtige und gewiß nicht_ leichte Aufgabe. All die braven Frauen aus Block 14 können das bezeu- gen, die mir später, als wir alle auseinandergerissen waren, oft noch die Hand drückten und an die Zeit dachten, als ich ihnen beim Stricken vorlas oder— abwechselnd mit Frau Bergmann, Krause, Müller, Kobler und anderen— erzählte. damit die Zankhähne sich nicht in die Haare 46 rmieangel Henen beiten - Die außerklar eppen Kohl) geben, ch mit hrote Liter Blocks ieden as ich en ich bzw. untertricker ufeinlange Is für ensum Manche nicht zugerinnen einen te ausholfen, 3 nicht bezeuch die tricken Kobler Haare kriegten, durch die unser Block schon mehrfach schwere Strafen ertragen mußte, z. B. hatten wir einmal an 3 Sonntagen nacheinander kein Mittagessen erhalten, weil das Geschrei der keifenden Zankweiber bis weit über die Lagerstraße zu hören war. ,, Und da schwaffelt, und da möckert, und da wedelt ma einher, als ob man bei wicht'gen Problemen wär'!" hatte ich in dem oben erwähnten Sylvestergedicht in Anspielung auf einige unserer ,, Damen der Gesellschaft" in Block 14 ausgeführt. - Man konnte im Lager Studien machen, wie nirgends sonst, da man jeden- innerlich wie äußerlich nackt und bloß vor sich sah. Auf die Dauer konnte sich keiner verstellen. Dazu lebte man zu dicht beisammen. Vor allem war die Notlage so groß, daß jeder Verstoß gegen Ordnung, Sauberkeit, Moral unangenehmste Folgen für die Allgemeinheit nach sich zog.„ Blockstrafen" waren ein beliebtes Erziehungsmittel Die Häftlinge sorgten selber dafür, daß die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen wurden, sofern sie konnten, d. h. sofern nicht der Bock zum Gärtner gemacht war, indem die sogenannten„ Höllenhunde" als Blockhelferinnen die übrigen terrorisierten. Nach oben hin waren diese meistens dadurch gesichert, daß sie sich gegenseitig herausstrichen und in den Ruf energischer und besonders tüchtiger Ordner brachten. So konnte ihnen niemand etwas nachweisen, es prallte alles ab an dem Panzer von Brutalität und Verlogenheit, den sie um sich legten. - - Interessant waren manche der zahlreichen Heilpraktiker, die wir im Lager hatten, ich denke an Frau Kobler aus Homburg vor der Höh, Frau Laderer aus einem Vorort von Stuttgart, die beide auch Astrologen waren. Frauen bekannter jüdischer Geschäftsleute waren die sehr sympathische Frau Speyer von der Frankfurter Schuhfabrikantenfamilie, die immer bereit war, für den Block etwas an Nahrung, Kleidung, Heizung herauszuholen, auch wenn sie sich selber dabei in Gefahr brachte; ferner Frau Meyer aus Karlsbad, Frau Mendelsohn- Berlin. Eine türkische Jüdin, namens Cohn, sprach mich eines Tages an und erzählte mir, daß ihr Mann ein bekannter Okkultist wäre. ,, Worin sehen Sie den Unterschied zwischen Okkultismus und Religion?" fragte ich sie. ,, Sie schöpfen alle aus einer Quelle" war die Antwort. Schon wenige Worte, die man mit dem einen oder anderen dieser seltsam gestrandeten Menschen sprach, konnten weite Perspektiven erkennen lassen. Frau Gilly, die mit dem obersten Parteirichter Buch und seiner Frau gut bekannt war und noch immer auf den Führer schwor, der nur betrogen sei und von all dem Unrecht, das sich durch das K.Z. abspiele, nichts - 47 ahne, der es bestimmt nicht billigen würde, daß sie von Gaunern um ihr Vermögen gebracht wurde und jetzt im K.Z. zugrunde gehen müsse, wurde von den Kommunisten grün und blau geschlagen. Beim Austeilen von Essen, Seife, Wäsche usw. wurde sie oft benachteiligt. Die meisten Austeilposten waren von Kommunisten besetzt, die eine zielbewußte Personalpolitik trieben. Infolge ihrer Energie wurden sie von selbst in diese Posten gedrängt. Ruth Steingräber, die als Sekretärin in der Verwaltung von Seyß-Inquart in Holland gearbeitet hatte, ein durch und durch lauteres Menschenkind, das wisgen Auslandssenderhörens von neidischen Kol- leginnen denunziert worden war, erklärte im vollen Ernst, sie werde einmal ihre Kinder jesuitisch erziehen lassen, die evangelische Erziehung lasse den Menschen kindlich-naiv für seine Ideale verbluten, ohne ihm die Augen für die Taktik des Gegners zu öffnen, der über diese Dumm- heit, die ihm nur willkommen sei, spotte. In Tübingen traf ich im März 1945 Ruths Schwägerin, Dr. 2 dent. Steingräber, die sofort Schritte bei der Gestapo einleitete, als ich ihr— wie ich das auch zahlreichen Angehörigen anderer Häftlinge gegenüber schriftlich getan hatte— mitteilte, daß seit Februar auf Beantragung hin täglich viele aus dem K.Z. entlassen würden. Da man im Lager be- reits den Donner der russischen Geschütze hörte, mußte mit einer bal- digen Auflösung des Lagers gerechnet werden. Von keiner der Kameradinnen habe ich seither etwas gehört. Möchte diese Schrift ein Weckruf sein, daß wir einander suchen und wiederfinden und in dem Sinne aufbauend wi.ken, wie wir es einander gelobten. Wenn wir nach schlaflosen Nächten, durchgefroren vom Zählappell, uns an die Arbeit setzten und gegenseitig aufrichteten, so dauerte es meistens eine Stunde bis die Geister wieder zu sich kamen und die verzweifelte Stimmung gewichen, Zank und Streit beigelegt waren. Dann aber trugen wir— auch die Schauspielerin Werner wirkte hier mit— klassische Sachen vor, die für viele der Frauen ein erstmaliges großes Erlebnis be- deuteten: Monologe aus Iphigenie, Faust, Jungfrau von Orleans, Maria Stuart oder das Lied des Harfners aus Wilhelm Meister, das tiefe Empfin- dungen auslöste:„Wer nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummer- vollen Nächte auf seinem Bette weinend saß, der kennt Euch nicht, Ihr himmlischen Mächte!— Ihr führt ins Leben uns hinein, Ihr laßt den ‘Armen schuldig werden. Dann überlaßt Ihr ihn(der Pein, denn alle Schuld rächt sich auf Erden.“— Ebenso als Antwort darauf das Symbo- 48 i i lum:„Es rufen von drüben die Stimmen der Geister, die Stimmen der Meister: Vergeßt nicht zu üben die Kräfte des Guten, es winden sich ronen in ewiger Stille, die sollen mit Fülle die Tätigen lohnen. Wir heißen Euch hoffen!“ Auch während des Zählappells, wenn die Unendlichkeit des Himmels uns empfing, in der Frühe der Morgenstern und nach Sonnenuntergang der Abendstern grüßte und alle Gestirne zu uns sprachen, sind unendlich viele Stoßseufzer und Gebete zum Himmel emporgestiegen. Immer neue Kräfte wurden in uns wach, wenn wir uns in die Welt des Ewigen.hinein- lebten und ein Gefühl dafür bekamen, daß der Himmelswagen, der bei jedem Tierkreiszeichen sozusagen Station macht, ein Symbolum, ein sichtbares Zeichen dafür ist, daß unser Leben sich von innen her un- begrenzt entfaltet, sofern wir uns daran gewöhnen, in immer zunehmen- dem Maße„die Kräfte des Guten zu üben!“ Ergreifend waren die immer wiederkehrenden Klagen der Frauen:„Zu- hause geht alles zugrunde, der Mann ist allein, die Kinder sind bei fremden Leuten, der Garten verkommt, das Vieh mußten wir abschaffen, und das alles nur durch den Neid und die Gehässigkeit der guten Freunde und Nachbarn.“ ‚Frau Margarete Bauer, Mutter von 20 Kindern, deren mehrere nebst Kindeskindern an der Front standen, Frau eines schlesischen Gutsvogtes, die selbst brav und fleißig, war von anderen Gutsleuten wegen Schwarz- schlächterei angezeigt worden, weil diese fürchteten aus eben demselben Grunde von ihr angezeigt zu werden. Frau Bauer konnte den Denun- zianten nicht beikommen, weil diese mit den Ortsgewaltigen gemeinsame Sache machten. Solche Fälle waren häufig. Und wieviele dieser Frauen sind aus Kummer und Herzeleid gestorben. Schon die Sehnsucht zehrte sie auf, und die Verzweiflung darüber, daß so unfaßbare Dinge gesche- hen, die jedes gesunde und einfältige Hirn nur ale Wahnsinn bezeichnen kann. Manchen der Frauen wuchs der Mut, sobald sie sich hindurch- gebissen hatten. Zu, diesen gehörte Frau Schwertfeger, eine Meck- lenburgerin, Mutter von 10 Kindern im Alter von6 Wochen bis 12 Jahren, bei denen z. T.— welche Ironie— der Führer die Patenschaft über- nommen hatte. Frau Schwertfeger war durch die Frau eines Polizisten, der mit ihrem Mann in Streit lag, bei der Gestapo angeschwärzt worden. Ihr Mann war selbst auch Polizist, konnte aber nicht helfen, weil auch hier die Ortsgewaltigen im Spiel waren. In der ersten Zeit hörte ich Frau Schwertfeger, die im Bett unter mir schlief, halbe Nächte hindurch schluchzen. Nach einigen Monaten wurde sie Stubenälteste auf Block 12. Nun hatte sie viel herumzulaufen und andere zu betreuen. Sie erholte sich sichtlich. Wenn sie mich sah, rief sie mir zu:„Ich bin politisch umgeschult!“ Es gab einen anderen, ähnlichen, sehr häßlichen Ausdruck für all die vielen unglücklichen jungen Frauen, die der Homosexualität verfielen. Manche vertierten förmlich. Widerlich anzusehen war es, wie die hörigen Frauen zu den einen süßlich, zu den anderen gemein waren. Für einen großen Teil der Frauen bedeutete das K.Z. nicht nur eine Vernichtungs- stätte des Körpers, sondern auch der Seele. Aber es kam immer auf die Betreffenden selbst an und hing außerdem von vielen Begleitum- ständen ab. Viele der Frauen im K.Z. waren mit Mutterkreuz und allen Ehren aus- gezeichnet. Die Reichsfrauenführerin Scholtz-Klink besuchte ein- mal mit mehreren Begleiterinnen das Lager, sah sich die mit Blumen um- pflanzten Wohn- und Werkbaracken von außen an, aber dachte nicht daran, irgendwelche Maßnahmen zur Abstellung dieser Kulturschande zu treffen. Es hatte auch niemand die Möglichkeit, sie zu sprechen. Tatsache ist, daß die Parteigrößen, von denen jede mit einer Camarilla umgeben war, sich gegenseitig mißtrauten und überwachten. Im Gegensatz -u der Propaganda, die sie für sich und ihre Arbeit machten, stelltn sie selbst das Unsozialste dar, was sich denken läßt, da der ganze Partei- apparat von Verschwörern aufgebaut, gehalten und immer wieder gestützt wurde, wenn die Brüchigkeit seiner Moral offen zutage trat. Um aber der politischen Heuchelei vorzubeugen, möchte ich die Frage aufwerfen, ob das nicht mehr oder weniger überall dort der Fall ist, wo aus Machtliebe etwas unternommen wird, anstatt aus Liebesmacht! Wir hatten im K.Z. auch viele Frauen, die zu den 200 Opfern der „Heßaktion“ zählten, d. h. als Anhänger von Rudolf Heß verhaftet worden waren, gleichzeitig aber auch solche, die in den Tagen der Heß- Si Flucht durch eine einzige kleine Bemerkung zu erkennen gegeben hatten, daß sie die Aufrichtigkeit der Regierung und Führung anzweifelten, mit anderen Worten, daß sie den großen Volks- und Menschheitsbetrug- durchschauten und voraussahen, daß die Köpenickiade mit einer furcht- baren Katastrophe enden würde.= 50 mir urde und rief rall elen. rigen einen ungsf die tum1 auseinumnicht de zu marilla ensatz tellten Parteiestützt ch die port der tt aus rn der rhaftet Heßhatten, en, mit sbetrug furcht- - Millionen von Volksgenossen waren von Anfang an dieser Meinung, andere waren im Lauf der Jahre zu dieser selben Erkenntnis gelangt, hofften aber trotzdem auf den Sieg der guten Kräfte, die durch die raffinierteste Propaganda der Welt in einem Ausmaße wie nie zuvor geweckt und zusammen mit den schlechten Kräften für eine teuflische Sache den volksverräterischen Krieg eingesetzt worden waren. Wenn wir heute die schlechte Sache verdammen, so wollen wir doch an den guten Kräften in uns nicht zweifeln, sondern darüber wachen, daß sie nie mehr mißbraucht werden. Das ist die eigentliche Lehre, die wir aus unserem Unglück ziehen müssen: ,, Es genügt nicht, zu opfern, man muß auch wissen wofür." Ausgeführt ist dieser Gedanke, der an sich ein ökonomischer ist, in meiner Economia Biologica. Das ganze Wirtschaftsleben wird hier in den ,, Haushalt der Natur" als Etat hineingestellt, ausgerichtet auf ewige Ziele. - In diesem Rahmen habe ich mein eigenes Leben und mein Werk von jeher betrachtet. Aus meiner früheren Fürsorgepraxis war ich gewöhnt, niemals nach Schema F, d. h. nach vorgeschriebenen Paragraphen oder vom grünen Tisch aus zu arbeiten, sondern ich habe mir stets ein ganz konkretes Bild von den betr. Familien oder Einzelpersonen, die es zu betreuen galt, im Rahmen der gesamten Umwelt gemacht und umgekehrt von den Erfahrungen der einzelnen Fälle aus die Umwelt( Gesamtlage) durchleuchtet und Abhilfe geschaffen. Ständig Bilanz zu ziehen und sie mit den festen Grundsätzen gesitteter Lebenshaltung zu vergleichen, war der Inhalt meiner Arbeit. Ich hatte dabei keine Zeit und kein Interesse für oberflächliches Gesellschaftsleben oder Repräsentationsbluff, noch vollends für weiblichen Klatsch und Intrigen, wie diejenigen, die mich zu Fall brachten. Das wissen alle, die mich aus meiner Arbeit im In- und Ausland kennen. So bin ich auch hier bemüht, konkrete Unterlagen zu geben, die es ermöglichen, eine Bilanz zu ziehen, damit wir den Dingen auf den Grund gehen und erkennen, welche Gesetzmäßigkeiten sich in der Masse auswirken. Masse schreit heute ,, Hosianna" und morgen ,, Kreuzige", je nachdem, ob der Held nach außen hin siegt oder unterliegt. Sie sucht Gott und den Teufel immer in der Gestalt bestimmter Menschen, deshalb vergöttert sie den einen und verdammt den anderen, statt daß jeder in sich das Göttliche, nämlich die Liebe, zur Entfaltung bringe, und das Sata51 nische, nämlich Haß, Neid, Heuchelei und Überheblichkeit bekämpfe und mit gutem Beispiel anderen vorangehe. Seien wir uns dessen bewußt: die Gefahr einer allgemeinen Vermassung ist riesengroß, solange die Menschheit nicht auf den Weg der Liebe zurückfindet. Vermassung ist ein seit Jahrtausenden fortschreitender Prozeß in der abendländischen Welt, dessen Herde erstmalig im alten Rom, später bald in dem einen, bald in dem anderen Lande aufbrachen. Es fragt sich nur, welche Volksschichten bereits in den Strudel gerissen sind, bzw. ob noch ein gesunder Stamm da ist, der Leben in sich trägt, das sich in die Ewigkeit fortzupflanzen vermag. Totale Vermassung ist krasser Materialismus, Untergang. Totale Vermassung haben wir im K.Z. erlebt. - Wir hatten im Lager auch 3000 Frauen von der Roten Armee als Kriegsgefangene. Das Russenlager war durch Drahtzaun nochmals vom übrigen Lager abgetrennt, doch traf man bei der Arbeit mit einzelnen von ihnen zusammen. Während der ersten Wochen im Zugangsblock 11 hatte ich Gelegenheit, einige hundert Russinnen im täglichen Umgang kennen zu lernen. Es waren Medizinstudentinnen, Ärztinnen und Krankenschwestern in großer Zahl darunter. Mit einigen von ihnen Vala, Olga, Ludmila- lernte ich Deutsch und sie mit mir Russisch. Für diese Erfahrung bin ich ganz besonders dankbar. Ich stellte fest, daß die russischen Kommunistinnen viel unbefangener und offener waren, als die der anderen Nationen, die wir im Lager hatten. Sie nahmen die Haltung der ,, Arrivierten" ein, d. h. sie fühlten sich' ,, am Ziel", sie waren in die neue Gesellschaftsordnung hineingeboren und brauchten sie nicht erst zu erkämpfen. Es waren fast durchweg große, lebenskräftige Frauen mit so guter Ernährungsgrundlage, daß selbst das K.Z. im allgemeinen ein schlagender Beweis keine Hungertypen aus ihnen machen konnte, für die Verlogenheit der Goebbels'schen Propaganda. Die meisten Russinnen, mit denen ich auch später bei der Arbeit zusammen kam, waren ehrlich, fleißig und sehr gutherzig. - Politisch interessant war, daß die im Atheismus erzogenen jungen Russinnen außerordentlich zugänglich für die zielbewußte Propaganda der Bibelforscher waren. Manche Russinnen legten Wert darauf, zu erklären, sie seien christlich, was soviel bedeutete, wie ,, nicht der kommunistischen Partei zugehörig". Wenn die Rote Armee sonntags gelegentlich durch das Lager marschierte, erdröhnte der Erdboden. 52 52 - 1 i Н i a te น E W m N A W fi d a mpfe masder hreig im Lande StruLeben Verhaben e als hmals inzelgangslichen tinnen ihnen ssisch. fest, waren, en die waren e nicht Frauen meinen Beweis Russin, waren en Rusda der rklären, stischen n durch Nach einwandfreier Feststellung sämtlicher Ärztinnen bestand unter den Russinnen des Lagers der höchste Prozentsatz an Virginität wie an Moralität. Geschlechtskrankheiten kamen kaum vor und Perversitäten waren den russischen Frauen nicht einmal dem Namen nach bekannt. Man sah es auch ihren Gesichtern an, daß sie unverdorben waren. Es ist natürlich in Betracht zu ziehen, daß die kriegsgefangenen Russinnen eine Auslese darstellten. Einmal fragte ich die Engländerin Mary de Mancy, wie nach dem Siege der Alliierten die kapitalistischen Demokraten und die antikapitalistischen Bolschewisten miteinander fertig werden wollten. Mary meinte, Rußland sei schon auf dem Wege, eine ,, decente Demokratie" zu werden. England habe Rußland vollkommen in der Hand durch Amerika, mit dem es einig gehe, denn Amerika habe Rußland Milliarden an Kriegsanleihe gegeben. ,, Wird Stalin die zurückzahlen?" fragte ich die Russin Olga. ,, Nie und nimmer" antwortete sie, grade hiermit wird der Sieg des Kommunismus in der Welt besiegelt sein". Mein politisches Glaubensbekenntnis in dieser Frage lautet: Es kommt nicht auf die äußere Bezeichnung an, sondern darauf, daß Aufrichtigkeit herrsche und die planmäßige Völkerverhetzung aufhöre. - Der Wirtschaftsplan meiner Economia Biologica sieht vor, daß eine übersichtliche Bilanz die wirkliche Entwicklung der Völker nicht nur in wirtschaftlicher, sondern gleichzeitig in Verbindung damit auch in biologischer und in moralischer Hinsicht aufzeige.- Für Rußland würde auf Grund meiner bestimmt einseitigen K.Z.- Erfahrungen die Bilanz lauten: ,, In biologischer wie in moralischer Hinsicht was die Volkskraft und die Unverdorbenheit des Charakters betrifft die erste Macht in Europa!" Von der kriegstechnischen und kriegswirtschaftlichen Seite her werden allerdings andere Perspektiven eröffnet! - - Ich habe im K.Z. zu Frau Kobler und anderen mir befreundeten Frauen öfters davon gesprochen, daß im Jahre 1938 ein Ingenieur aus dem Siemens- Laboratorium mir erzählte, es werde in Berlin, London und New York eifrigst an einer furchtbaren Erfindung gearbeitet, einer Atomzertrümmerungsbombe, die solche Erschütterungen auslöse, daß in wenigen Minuten ganze Stadtteile zertrümmert werden könnten. Die Erfindung beruhe auf dem Prinzip, daß schließlich die ganze Materie durch die gewaltigen Explosionen, die immer weitergreifen, wie ein Streichholz abbrennen könne. Das würde bedeuten, daß durch die Technik mut53 I willig das Ende der Welt herbeigeführt wird und der im Mythos vorausgesagte Weltenbrand sich erfüllt. Es wäre den übrigen Völkern wenig damit geholfen, wenn jetzt das deutsche Volk für die Naziverbrechen verantwortlich gemacht würde ,. während man auf der anderen Seite diejenigen Mächte weiter ihr Spiel treiben ließe, die ihren Ehrgeiz und Machtkitzel erst dann befriedigt sehen, wenn sie- als Demiurg- das ganze Werk des Schöpfers, soweit: es diese unsere Erde betrifft, in Trümmer schlagen können. Einzig und allein eine ganz in die Tiefe gehende religiöse Besinnung kann uns vor dieser letzten Katastrophe bewahren, gegenüber der selbst der jetzige Krieg mit seinen grauenvollen Folgen verblassen würde. Zwar wissen wir nicht, welche Folgen es für die Weiterentwicklung des Menschengeschlechts in den höheren Welten haben würde, wenn wir jetzt gewaltsam diese Erde, d. h. den Ast, auf dem wir sitzen, abbrechen würden. Wir wissen aber, daß der ganze Weltenablauf dem Gesetz der Metamorphose folgt, der Umwandlung in die verschiedenen Aggregatzustände, die verschiedenen Grade stofflicher und geistiger Verdichtung u. s. f. Mit äußeren Mitteln kann niemand hier etwas beweisen, aber noch viel weniger abstreiten oder widerlegen. Nur wer auf die innere Stimme lauscht, hört das Raunen aus der Ewigkeit, das Ahnen wird ihm zum Schauen. siche $ 57, PARA Die 7000 Polinnen des Lagers, zum großen Teil Warschauer Evakuierte, bildeten die national und religiös geschlossenste Gruppe und die wirtschaftlich infolgedessen bei weitem erfolgreichste. Die Polen lieben einander nicht im Stich und keine legte die andere herein! Auf den polnischen Blocks, besonders denen der Stricker, wurden regelmäßig Messen abgehalten. In der Küche wie im Krankenrevier bewährten sich die Polinnen bei der Arbeit am besten; sie setzten sich auch am stärksten durch, da sie zusammenhielten. Die polnische Zahnärztin Wanda war eine Kapazität, die polnische Blockälteste von Block 1, Martha Baronowska, Frau eines Offiziers, wohl die tüchtigste unter allen Blockältesten, gerecht und anständig von Gesinnung. Das war durchaus keine Selbstverständlichkeit bei den Blockältesten, denn sie konnten sich viele Vorrechte auf Kosten der anderen anmaßen. Martha Baronowska nahm sich außerdienstlich vor allem der polnischen Kinder im Lager an, man sah sie aber auch oft einen Besen zur Hand nehmen und selber für Ordk 1 a J S S S S Z u gge W ge d B j Z V d B g S B h E 99 g 54 nung und Sauberkeit sorgen, bei der furchtbaren Überfüllung gewiß keine Kleinigkeit. Die berühmte polnische Sängerin Halina Bolt wurde im Herbst 19453 Anweiserin für die 2000 Strickerinnen: als erstes sorgte sie dafür, daß die ihr anvertrauten Frauen, deren viele über 60 und 70 Jahre alt waren, nicht wegen jeder Kleinigkeit geschlagen wurden. Auch die junge polnische Apothekerin Hanka, Stubenälteste auf Block 20, sorgte wie ein rechtes Mütterchen für ihre Schützlinge. Alle diese Tat- sachen beweisen, daß Grausamkeit niemals„System“ werden kann, solange es Frauen gibt, die wirklich Mensch sind und nicht Kanaille, d. h. nicht Angeber, Intrigant und skrupelloser Verleumder, darauf be- dacht, jeden aus dem Wege zu schaffen, der ihnen etwas voraus hat. Fesche Wienerinnen gab es im Lager in großer Zahl. Bezeich- nend war, daß sie sich sehr gut hielten und nicht gehen ließen. Meine Stubenälteste von Block 1, Franzi Cantor, Frau eines Wiener Ban- kiers, räumte lautlos Schwierigkeiten aus dem Wege, ohne viel Worte zu machen. Bei vielen anderen ging alles mit großem Geschrei vor sich, und es wurde doch nichts erreicht.— Eine Wiener Musikanten- gilde erfreute uns in der Weihnachtszeit und auch sonntags öfters mit ‘ wahrhaft künstlerischen Darbietungen. Auf Stunden konnte man ver- _ gessen, daß man im K.Z. war. Diesen Vorzug hatte man aber nur auf den weniger überfüllten Blocks und dem Krankenrevier, auf den anderen Blocks konnte man meistens sein eigenes Wort nicht verstehen. Frau Edlinger aus Graz gehörte ebenfalls zu den Frauen, die in jeder Situation Haltung und Würde wahrten und aufrecht blieben. Jedes Zusammentreffen mit solchen Frauen gab Mut und Kraft und oftmals viel Anregung zum Nachdenken. Vielen, vielen möchte ich danken, daß sie geholfen haben, der Hölle zu trotzen. Die Witwe des Kommunistenführers Ernst Thälmann, der bei einem Bombenangriff auf die Diensthäuser des Lagers Buchenwald ums Leben gekommen sein soll, war als Kameradin allgemein geachtet. Sie war ein sehr beherrschter Mensch. Frau Thälmann war als Sonderhäftling auf Block 24 zusammen mit der Witwe des Generals Wagner, der sich— in Verbindung mit dem Attentat vom 20. Juli 1944— selbst erschossen hat. Auf Block 24 herrschte ein ganz besonders kameradschaftlicher Geist. Es waren dort die„Schwerpolitischen“ untergebracht, vor allem viele Französinnen aus führenden Kreisen und viele Akademikerinnen, auch ganz hervorragende Studentinnen. Manche hatten französischen Kriegs- 53 _ gefangenen nach der Flucht weiter geholfen, andere waren als Geiseln festgenommen worden, weil man Aussagen von ihnen zu erlangen hoffte, Oftmals handelte es sich nur um Vermutungen. Die Generalin Wagner war ein politisch grader und aufrechter Mensch, deutsch gesinnt, ohne Chauvinismus, hilfsbereit gegen jedermann. Sie war von Haus aus Violinistin, durch und durch beseelt. Während des. ganzen Krieges hatte sie als Rote-Kreuz-Schwester an der Front gestanden. Von dem Attentat oder gar einer Mitbeteiligung ihres Mannes hatte sie — wie auch die anderen Opfer des 20. Juli, die wir im zes hatten— keine Ahnung. Das ganze Lager flammte auf, als dieser Prozeß in Gang Kane Der General von Witzleben, der mit der Erklärung in den Tod ging, daß er die Konzentrationslager habe öffnen wollen, hat wahrlich für viele Deutsche die Mitschuld an diesem Verbrechen abgetragen. Wir waren alle tief bewegt, als wir davon in den Zeitungen lasen und ent- setzten uns darüber, daß man deutsche Repräsentanten so schmähte, die doch weitblickender und gewissenhafter waren als die ganze Staats- führung. Frau Höppner und Tochter waren im Strafblock untergebracht. Als: eines Tages die Tochter von der Gkstapo zur Vernehmung abgeholt wurde, brach die Mutter ohnmächtig zusammen. Sie war dann lange Zeit im Krankenrevier, wo ich zu jener Zeit arbeitete. Schließlich wurden beide Höppners freigelassen, ebenso die Witwe und Mutter Bernar- dis, mit denen ich 4 Monate lang auf Block 1 zusammen lebte. Nicht freigelassen wurde die Generalin Wagner. Aufrichtig bewundert habe ich auch die Haltung der Arztfrau Wil- borts von der Insel Brehat, Cöte du Nord, sowie deren Tochter Marie- Joe, eine Medizinstudentin, die als Säuglingspflegerin im Revier— zu- sammen mit ihrer Kameradin Annemarie Fischer aus Dresden— einen schweren Dienst mustergültig versah. Diese jungen Mädels, die ihre Seele nicht verkauften, haben derartig viel erlebt und wissen, daß jede Schilderung, mag sie noch so vollständig gedacht sein, nur flüchtige Streiflichter auf den schier unentwirrbaren Erlebniskomplex„K.Z.“, werfen kann. Unter den slavischen Völkern gab es— neben vielen Frauen von wirklicher Seelentiefe und Abgeklärtheit— Fanatiker, die erklär-' ten, bei Kriegsende werde keine Deutsche lebendig aus dem Lager herauskommen, die mitgefangenen Deutschen wären die ersten, an denen 56 sie sich rächen würden. Einmal hatten Polinnen in die Eßkessel einiger Deutschenblocks Gift getan, das gab viele Erkrankungen und— wie ich hörte— auch Tote. Von großer Abgeklärtheit war die tschechische Krankenschwester Bertha Schindler, zeitweise meine Blockälteste auf Block 14, und ‚ebenso die Tschechin Reichelo wa, Frau des Brüdergemeinpredigers Reichel aus dem Sudetenland, sie gab mir wundervoll aufrichtende Briefe ihres Mannes zu lesen, der in Buchenwald war. Die Deutschen waren dadurch sehr belastet, daß sich unter ihnen nicht nur politische Häftlinge befanden, wie bei den anderen Nationen, son- dern auch viele wirkliche Verbrechernaturen, asoziale und arglistige Denunzianten. Das stimmte aber keineswegs immer mit dem grünen Winkel überein!— Eine K.Z.-Type ganz besonderer Art war die ehe- malige Miechowiczer Krankenschwester Clara Conczak, die freilich von dem Geist der Liebe, den ihre„Mutter“ Eva von Thiele Winkler und deren großes Kinder-Hilfswerk ausstrahlt, wenig merken ließ.— Zu ihrer Ehre mag noch vorausgeschickt werden, daß Clara in ihrer Arbeit unerreichbar war. Sie hatte die Kammer des Revierblocks 11 unter sich, d. h. die Ausgabe der Wäsche usw. Das unangenehme bei ihrer Arbeit war, daß es ihr oblag, die vielen gestohlenen Sachen immer wieder heran- zuschaffen, oder zu ersetzen. Clara fand alles heraus. Mit kühnem Griff zog sie bei der Entlassung der Ausgeheilten(3mal wöchentlich 30-70 Frauen) diesen sämtliche Kleidungs- und Wäschestücke vom Leibe, bzw. aus ihrem Beutel, die sie sich auf dem Block 11 mit Hilfe der Innen- dienstler usw.„organisiert“ hatten. Seit der großen Überfüllung des Lagers im Herbst 1944 war einfach nicht mehr genügend Wäsche da, sodaß viele ohne Hemd und Beinkleid waren. Andere dagegen hatten doppelt und dreifach. Daß der Ausgleich in diesem Falle nicht mehr als Dieb- stahl angesehen wurde, ist selbstverständlich. Großes Geschrei entstand jedesmal, wenn Clara die nach ihrer Meinung verlausten Handschuhe, Mützen, Stoffschuhe usw. der neu eingelieferten Kranken ins Feuer warf, weil sie fürchtete, daß sonst ihre kostbaren Schränke verlausten. Wenn ich dann von den Kranken um Hilfe gerufen wurde, bekam ich es mit Clara zu tun. Einmal war sie nahe daran, mich umzubringen. Das kam so: Das enfant terrible unter den Revierarbeiterinnen auf Block 11, ein früherer Fürsorgezögling, fragte mich, was Hitler früher gewesen wäre, „Anstreicher, er hat uns ja genug angestrichen!“ fuhr es mir heraus. Das hörte Clara.„Du hast unsern Führer beleidigt! Ich mache Dir eine 57 Meldung! Du kommst in den Strafblock!" brüllte sie mindestens eine Viertelstunde lang heuchlerisch, sodaß jeder es hörte. Das schallende Gelächter der dicken gutmütigen jugoslavischen Blockschreiberin Ma- titschka und der dänischen Blockältesten, die mit einem deutschen Juden in Riga verheiratet gewesen und eine furchtbare Nazifresserin war, reizte Clara, sich immer mehr auszutoben. Am nächsten Morgen fing sie gleich wieder davon an, sie wolle es der Oberschwester sagen. Auf einmal hieß es: ,, Die Oberschwester kommt!" Schnell mußten Claras Schwarzarbeiterinnen, die ihr bei der Wäsche halfen, und dafür Essen vom Block bekamen, durch die Fenster verschwinden, eine illegale Privatbesucherin der Ellen von Kettler versteckte sich unterm Bett, um. nicht gesehen zu werden; im letzten Moment bekamen sich noch Clara und Ellen, die ihr an Raffiniertheit zehnfach überlegen war, in die Haare das war meine Rettung. Die Oberschwester kam und erledigte etwas, es blieb alles mäuschenstill! Unsere Blockälteste hatte sich eine 7 jährige Jüdin als Blockkind angenommen. Sie hieß Stella und stammte aus Brüssel. Die Mutter war auf dem Block gestorben, der Vater schrieb ihr rührende Briefe aus Buchenwald. Das kleine Wesen sah täglich das Theater und mischte sich altklug ein. Stella wurde auf der einen Seite verwöhnt, auf der andern ständig bedroht: Wenn Du nicht folgst, kommst Du auf den Zigeunerblock! Das war die ganze Erziehung! Aber es wirkte sofort! Eines Tages schrieb ich am Tisch. Da sagte Stella: ,, Hör auf zu schreiben, Bibelforscherin, es ist heute kein Sonntag!" Solche Witze machte sie häufig. - Französische und polnische Ärztinnen hatten wir im Revier in großer Zahl. Viele von ihnen waren hervorragend. Menschlich zeichneten sie sich dadurch aus, daß sie nur ihrer Arbeit lebten und sonst ganz zurückim Gegensatz zu dem übrigen Blockstab, der sich auf Kosten der ,, Masse" breitmachte. traten - Der Revierarzt Dr. Treite schrieb hochwissenschaftliche Arbeiten über Krebsforschung. Das Krebsgeschwür K.Z. verstand er nicht zu diagnostizieren, geschweige denn herauszuoperieren, weil es ihm an Arztliebe fehlte. Seine Sekretärin, die Polin Tuscha, war die Gewissenhaftigkeit in Person und eines der edelsten Geschöpfe im Lager. Ich war immer ergriffen, wenn ich sie sah. Von wunderbarer Erhabenheit des Charakters waren viele der 700 Französinnen, die im Herbst 1944 aus Paris, Lyon, Tunis usw. ins Lager 58 J kamen. Sie bildeten nicht nur gesellschaftlich, sondern auch vom rein menschlichen Standpunkt aus eine Auslese. Manche von ihnen hatten französischen Soldaten, die aus der Kriegsgefangenschaft entflohen waren, weitergeholfen, andere standen unter Spionageverdacht oder waren ein- fach als Geiseln festgenommen.worden, weil man glaubte, aus ihnen wtwas herauszubekommen. Es waren Angehörige hoher Militärs darunter, ‚auch eine Nichte des Generals de Gaulle, Genevieve de Gaulle. Sie ar- beitete eine Weile im Krankenrevier, hernach war sie als Sonderhäftling im Bunker untergebracht. Unter den Franzosen herrschte ein so großer Individualismus, ja Rivalität, daß sie nicht als Gesamtheit zusammenstanden. Daraus ergaben sich mancherlei Nachteile. In der Abteilung Arbeitseinsatz herrschte das "Vorurteil, Französinnen und Holländerinnen seien für leitende Posten nicht zu gebrauchen. Ja selbst als Innendienstler kamen sie schwer an, während die robusteren Slaven den größten Erfolg hatten. Ich habe öfters versucht, Französinnen im Revier unterzubringen, insbesondere die her- wvorragenden Medizinstudentinnen, denn ich sah, daß einige von ihnen mit großer Hingabe arbeiteten und sich sehr bewährten. Der anfängliche Gegensatz von Gaullisten und Kommunisten wurde bei dem engen Zusammenleben auf dem Franzosenblock— so- ‘weit ich es an einzelnen Fällen beobachten konnte— mehr und mehr überbrückt. Es stellte sich heraus, daß in der Not die menschlichen Quali- “täten mehr wiegen als die politische Einstellung. Das ist eine der ganz großen und ganz elementaren Lehren aus dem K.Z. Eine der intelligentesten Französinnen war die Schriftstellerin Simone Leduc-St.Caire, Abteilungsleiterin in der Societe des Gens de Lettres für die Soziale Literatur. Sie war als Kommunistin und Spionin ‘verdächtigt worden, weil man bei der Festnahme der kommunistischen ‘Schriftstellerin Boyer(Pseudonyme), die auch in Ravensbrück war, ‚einen langjährigen freundschaftlichen Briefwechsel mit ihr aufgefunden ‚hatte. In Wirklichkeit war Simone als Schriftstellerin über jede Partei- . politik erhaben und als Mensch sehr groß. Mit ihrer Freundin, Madame ‚de Dumast, und der Comtesse de Fleurieux gemeinsam erreichte sie, beim Kommandanten vorgelassen zu werden, um Erleichterungen für ihre Landsleute zu erwirken. Als Dank für diesen mutigen Vorstoß wurde ‚sie von manchen als Spitzel verdächtigt. Sie wurde in Bezug auf Essen- rationen usw. benachteiligt und hatte schwer unter der Verhetzung zu leiden.— Wie die Massenpsychose den einzelnen— oder auch eine be- 59 ST a une a en a a aa Br stimmte Gruppe— im Augenblick ruinieren kann, konnte man im Lager immer wieder mit Entsetzen feststellen. Am Charakter der Frau müßte — von diesen Erfahrungen ausgehend— viel gearbeitet werden. Die Comtesse de Fleurieux, eine geborene Russin, sagte einmal zu mir: „Die Völker werden heute den Interessen der einzelnen geopfert.“ Wer früheren Zeiten diesen Vorwurf macht, hat den Vergleich mit der heu- tigen Zeit noch nicht gezogen. Eine deutsche Offiziersfrau erklärte:„Es lastet ein ähnlicher Druck wie auf den Juristen auch auf den hlöheren Militärs, die durch Adolf Hitler und seine Hintermänner im In- und Auslande gezwungen wurden, das Volk überhaupt in diesen Krieg zu führen, obgleich der größte Stra- tege unserer Zeit, Ludendorff, in seinem Buch ‚Weltkrieg droht auf deut- schem Boden‘ längst klargelegt hatte, daß die Mächtekonstellation die gleiche sei wie 1918, und daß Deutschland daher unter allen Umständen einem neuen Weltkrieg, der seinen Untergang bedeuten würde, aus dem Wege gehen müsse. Also selbst militärpolitisch gesehen ist dieser Krieg ein Verbrechen.“ Aber wir werfen unseren Blick vorwärts, denn in der Zukunft liegt unsere Aufgabe.— Es drängte mich mit aller Gewalt, etwas zu unter- nehmen, um die Dinge voranzutreiben.— Anfang 1944 war ich einmal wegen einer Mietsangelegenheit, meine damals noch bestehende Berliner Wohnung betreffend, in die Abteilung„Politische Leitung“ gerufen worden Bei dieser Gelegenheit legte ich einmal ordentlich los und erklärte dem an sich ganz machtlosen Beamten Zwillig in Gegenwart einer Aufseherin, die an der Maschine schrieb, es sei ein unerhörter Volksverrat, daß man aufrichtige deutsche Menschen hier im K.Z. zugrunde richte und viele Tausende von Ausländerinnen zu Propagandisten gegen Deutschland geradezu ausbilde, ich bäte darum, umgehend einmal den Lager-Komman- danten sprechen zu dürfen, um ihm klar zu machen, daß ich durch Wei- berklatsch und Intrigen ins K.Z. gekommen wäre und daß die Macht- mittel des Staates von Machtstrebern mißbraucht würden, die uns in eine nie dagewesene Katastrophe hineintreiben.— Am Abend des gleichen Tages wurde ich während des etwa ziweistündigen auf der Lagerstraße abgehaltenen Zählappells zum Kommandanten gerufen, der mir fol- gende Fragen vorlegte:„Wie heißen Sie? Weshalb sind Sie hier? Was haben Sie für eine Ausbildung? Was haben Sie im Leben geleistet?“ Etwa Y Stunde lang redete ich mir alles von der Seele herunter, was. ich mir im Lauf der bis dahin zwanzigmonatigen Haft innerlich klar gemacht 60 hatte. Er entließ mich mit dem Versprechen, er werde sehen, was sich tun ließe. Zwei Tage später wurde ich wieder„nach vorn“ geholt, am eisernen Tor empfing mich der Schutzhaftlagerführer Breuning, er nahm mich mit ins Casino, wo zwei Wehrmachtsoffiziere mich ins Verhör nahmen, von dienen der eine ein Jurist war. Dieser stellte mir viel Fragen betreffs meines Studiums und meiner politischen Ansichten. Ich wurde.aufgefordert, dasselbe zu Papier zu bringen. Nach 4 Tagen wurde ich wieder zum Lager-Kommandanten Suhren gerufen(er war Sturmbann- führer, im Zivilberuf Kriminalist). Er erklärte mir, daß er mich aus dem Lager herausnehme und als Sonderhäftling in einem Einzelraum im„Zellenbau‘“(Bunker genannt) unterbringen werde, wo ich Erleichte- rungen haben würde; ganz freilassen könne er mich leider noch nicht. (Himmler hatte die Freilassung nicht gestattet, wie mir später die Auf- seherin Lampe mitteilte.) Ich durfte nun Privatkleider tragen und bekam — als einzige im Lager— eine weiße Armbinde. Vorher hatte ich zu den„Politischen Häftlingen“ gehört, die einen roten Winkel trugen. In der Einzelzelle war mir eine wunderbare Gelegenheit geboten, mich zu konzentrieren. Während der ersten 10 Tage hatte man mir Arbeit in der Materialausgabe angewiesen, doch war dort so gut wie nichts zu tun, und so benützte ich die freie Zeit, um endlich wieder einmal zu schreiben. Die 4 jungen Mithäftlinge, die(außer zu den Zeiten der Mate- rialausgabe) für sich und andere wuschen, nähten, Seife, Stoff, Öl und anderes Material„organisierten“, fürchteten, ich könnte sie verklatschen und wollten mir zuvorkommen. So wurde ich wegen Ungeeignetleit ent- lassen und zum Kommandanten gerufen. Ich erklärte ihm, er möge mir Arbeit auf meinem Fachgebiet geben, dann würde ich ganz bestimmt nicht versagen. Die zentnerschweren Lasten in der Materialausgabe könnte ich nicht auf- und abladen. Ich sei ja nicht wegen Arbeitsverweigerung ins Lager gekommen. Das Massensystem in der Wirtschaft vernichte die höheren Anlagen im Menschen, da es keine Verwendung dafür habe, und das durch den Massenbetrieb bedingte bürokratische System öffne dem Denunziantentum Tür und Tor— im Lager wie draußen.— Der Kommandant hat sich das alles von mir sagen lassen, ja sogar die Aufseherin, die sich von den Mithäftlingen hatte gegen mich auf- hetzen lassen und mich bei ihm verklatschte, fristlos entlassen.— Den Vorrat an Schreibpapier, den ich mir zus der Materialausgabe mit in den Bunker genommen hatte, nahm mir die Aufseherin Mewes später weg. Es gab jedesmal eine Szene, wenn sie etwas bei mir entdeckte! 61 Den Kommandanten hatte ich davon überzeugt, diaß ich es ehr meinte. Er ärgerte sich zwar darüber, daß die Aufseherinnen dauernd wegen lächerlicher Kleinigkeiten Meldungen machten, aber er tat mir nichts. Ich schickte ihm laufend Auszüge aus meinen Dichtungen, die ich im Bunker intuitiv verfaßte und deren erste mit den Zeilen schloß: „Liebe ist das Machtgebot, dem sich alles urgewaltig fügt, und in seiner großen Weisung liegt: ohne Liebe nichts zu unternehmen.“—„Für Ihre ‚arthafte Liebe‘ habe ich volles Verständnis!” erklärte mir der Komman- dant mit eleganter Verbeugung.— Als ich ihm hernach vom Bunker aus meinen„Glaubensmachtgesang der Liebe“ schickte, erklärte er mir I „Wenn Sie jetzt einen neuen Glauben einführen wollen, kommen Sie hier überhaupt nicht mehr heraus.“ Ich antwortete ihm, es gäbe wohl verschiedene Bekenntnisse, aber nur einen Glauben, diesen allerdings wollte ich wieder aufrichten.„Ich habe auch meinen Glauben!” sagte er daraufhin und ging.— Den nächsten Brief, in dem ich die Irreführung und Korruption der Partei, Gestapo und K.Z. berührte, warf er mir zer- rissen auf den Tisch und sagte nichts weiter als:„Ich habe Ihren Dreck nicht gelesen!“ Ich hatte ihn gebeten, mit mir zum Führer zu gehen, damit ich als Frau— ohne mich in die Politik einzumischen— erkläre, er solle die fortgesetzte Aufforderung der Zeitungen zum Haß abstellen, denn das müsse sich furchtbar am Volke räcken.„Wer Wind säet, wird| Sturm ernten.“ Außerdem prangerte ich Prof. Wagemann, denleiter E des Konjunkturinstitutes an, der im V.B. gewissenlose Artikel schrieb, darin er den Wiederaufbau der zerstörten Städte als Kleinigkeit für die moderne Technik hinstellte und eine Hochkonjunktur voraussagte. In 3 Jahren werde alles wieder hergestellt sein!— Als ich dann dem Kom- mandanten noch einmal schrieb und Vorschläge machte, wie das Massen- lager mit seinen Massenbetrieben zu arthaften Wirtschafts- und Lebens- formen zurückzuführen sei, drohte er mir mit den Worten:„Wenn Sie mir noch einmal schreiben, lasse ich Sie bestrafen!“ Von da an!habe ich nichts mehr mit ihm zu tun gehabt.— Die Aufseherin Mewes, eine ganz ungebildete Person, die das mit angehört hatte, freute sich, denn nun= konnte sie mich schikanieren.— Nach dem 20. Juli 1944 mußte ich meine Einzelzelle wieder verlassen und ins Lager zurückkehren, da der Bunker für Männer des 20. Juli gebraucht wurde. Meine Nachbarn im Bunker, der 80 Zellen faßte, waren Graf Westarp, Frau Henkel, später ein Pg. mit dem* 3 Goldenen Parteiabzeichen und höhere Militärs, dazu viele Ausländer als bloße Internierte. 62 lich ernd mir die loẞ: iner Thre mannker mir Sie wohl lings sagte rung zerDreck hen, läre, ellen, wird Leiter rieb, I die 2. In KomssenbensSie e ich ganz nun meine anker , der dem Finder Der Bunker diente aber auch als Strafanstalt für solche, die noch eine Strafe von außen oder eine Lagerstrafe abzubüßen hatten. Es konnten dann verschärfte Bedingungen dabei sein: Dunkelzelle, Holzpritsche ohne Matratze und Decken, Essensentzug. - Sogenannte Lagerstrafen( Strafblock, Strafbunker, Prügel, Essensentzug, 1/2 bis 1 Tag lang bei jedem Wetter im freien vor dem Bunker Strafe stehen) habe ich niemals bekommen, obgleich mehrfach Aufseherinnen und Mithäftlinge versuchten, mir etwas ,, einzubrocken". Einmal hatte man mir eine ,, Meldung" gemacht. Diese mußte stets schriftlich eingereicht werden. Ich wurde zum Schutzhaftlagerführer gerufen, weil ich mich mit meinem Doktortitel rufen ließe! Während der Haft ruhte dieser. Ich erklärte, daß meine Post unter meinem Namen mit Titel ausgerufen werde, nur dadurch wüßten es die Frauen, die mir die Meldung gemacht haben, daß ich den Doktortitel führe, im übrigen hätte ich ihn mir nicht einfach erheiratet, vollends nicht erschwindelt, sondern erarbeitet. Einer zweiten weit gefährlicheren und geradezu typischen ,, Meldung" zufolge, sollte ich Alarmnachrichten verbreitet und gesagt haben, diese kommende Nacht würde das Lager geräumt werden, es würden Bomben fallen, ich riete jedem, mit Kleidern und Schuhen ins Bett zu gehen. Wahr daran war nur, daß ich meine Ersatzschuhe aus dem Krankenrevier nach Block I gebracht hatte und einer, die mich fragte, was ich mit den Schuhen wollte, erklärte, ich wolle sie bei mir haben, da ich annähme, daß das Lager bald geräumt und wir alle( es war Ende 1944 oder Anfang 1945) bald entlassen würden. Ich sagte zu dem Schutzhaftlagerführer, durch Quatschereien gleicher Art sei ich aus einer sozialpolitisch wichtigen Arbeit herausgerissen und 21/2 Jahre der Freiheit beraubt worden. Er habe hier ein Beispiel dafür, wie auch er von dummen Angeberinnen eingespannt werde, um deren Intrigen zu ermöglichen. Ich bäte ihn, diese lächerliche ,, Meldung" als Anlaß zu nehmen, nochmals einen Vorstoß zu meiner Befreiung zu machen. Er antwortete nur:„ Erledigt". Dann rief er mir nach: ,, Aber, Wagner, wenn heute Nacht Bomben fallen, dann gehen Sie mit der Brandfackel voran!"- ,, Das tue ich sowieso, aber auf meine Art", rief ich ihm zurück. Wir lachten beide. So war ich einer großen Gefahr glücklich entronnen. Ich erzählte es laut meiner Blockleiterin Martha Baronowska in Gegenwart derer, die vermutlich die Meldungen über mich lanciert hatten. Von da an hatte ich Ruhe. Martha fuhr der sehr gehässigen, verhutzelten„ Ernsten Bibelforscherin" Hannchen ein paarmal gehörig über den Mund und er- 63 klärte ,,, Frau Wagner hat noch nie jemandem etwas zuleide getan", als diese ihre üblichen dummen spitzen Bemerkungen über mich machte. Solche Kleinigkeiten beleuchten die ganze Situation, die ganze Lebensphilosophie ist an ihnen zu erlernen und zu erproben. In diesem Sinne habe ich mein Leben lang aufbauend im sozialen Sektor gewirkt, selbst im K.Z. In allen Lagern hatte ich Freunde, unter den 800 Bibelforschern z. B. meine Bettnachbarin Herfurth, eine Verlagsbesitzerin aus Wien. Der gehässigen Hannchen erklärte ich mehr als einmal, daß nur ein Glaube etwas tauge, der auf der Liebe aufbaue. Nach meiner Entlassung aus dem Bunker, als ich auf dem„, Musterblock 1" wohnte und im Krankenrevier arbeitete, habe ich unter meinen Mitgefangenen im Sinne meiner Lehre gewirkt und viele Freunde fürs Leben gewonnen. Mein Dienst verlangte, daß ich täglich durch fast alle Wohnblocks ging, was den Häftlingen im allgemeinen untersagt war. Ich hatte allerhand Bestellungen bei den Blockältesten, den Anweisungshäftlingen, bzw. den Ärzten im Revier oder der Schreibstube usw. zu machen, und dann wieder an den Krankenbetten zu tun. Dabei traf ich bald hier bald da mit meinen Freunden zusammen und gewann immer neue Mitkämpfer. Ich nahm mir die Freiheit heraus, meine Gedichte auf der Schreibmaschine im Büro zu vervielfältigen und sie zu verteilen. Ungezählten Kranken und Sterbenden konnte ich in jener Zeit Trost bringen und kleine Dienste erweisen. Viele hunderte von Briefen habę ich von Block zu Block befördert( worauf an sich Prügelstrafe stand), um den armen Kranken eine Freude zu machen oder ihre Wünsche zu übermitteln, ihnen warme Sachen, Eẞvorräte, Pakete von ihrem Block gebracht oder ihre Freunde ihnen ans Bett oder ans Fenster geholt. Zu meinen Sorgenkindern gehörte neben vielen der alten Strickerinnen, die zuvor mit mir auf Block 14 gewesen waren, u. a. die luxemburgische Gräfin Mons, eine geborene Münchenerin, Frau von über 50 Jahren, Juristin und sehr welterfahren. Sie war zuckerkrank und konnte die fettlose Kohl- und Rübenkost überhaupt nicht vertragen. Außerdem lebte sie auf dem Polenblock 16, wo die etwa 20 nichtpolnischen Häftlinge verschiedener Nationalität einen schweren Stand hatten. Infolge ihrer Kurzsichtigkeit konnte sie der Läuse nicht Herr werden. Dadurch war sie für ihre Umgebung eine Plage und eine Gefahr, denn die Läuse übertrugen die Krankheiten. Von ihren Tisch- und Bettnachbarinnen wurde sie dauernd angeschrien und geschlagen, weil sie schließlich so durcheinander war, daß sie alles verkehrt machte. Ich vermittelte 64 ihr sto hei mi lag 26, Kl die stil in sof in tap bes gei 31 nel tüc ihr nal bil zer die rec rin aus die bra ein sch HI" lag sie W jur ihr Diät und brachte sie im Revier unter, wo sie dann Ende 1944 ge- storben ist. Einen ähnlich schweren Stand hatte die etwas jüngere und gesund- heitlich stabilere berühmte bulgarische Pianistin Tschernajeff, die mir sofort als innerlich großer Mensch auffiel, als sie krank im Block 11 lag. Den Rohlingen des Lagers, sowohl auf dem überfüllten Wohnblock 26, wie auch den Bettnachbarinnen auf Block 11, war sie gut genug als Klotz, auf dem man herumhacken kann, um sich wichtig zu tun, denn die vornehme und edle Frau konnte sich nicht wehren, sie war zu allem still.— Am Tage nach meiner Entlassung suchte ich einen Musikverleger in Berlin, Uhlandstraße 193, auf, den sie mir genannt hatte, und der sofort Schritte zu ihrer Befreiung unternahm. Auf Block 15 kannte ich die Sekretärin des amerikanischen Konsulats in Lyon, Mlle Sandoz, die auch allerhand durchmachte, aber sich tapfer durchschlug, selbst bei der ungewohnten Aıßenarbeit, die ihr besser bekam als das Herumsitzen auf'dem Block. Ihre Nachbarin war die geistvolle orthodoxe Nonne Mere Marie, Russin, Mutter von 3 Kindern, die zur St. Madelaine-Cathedrale in Paris gehört. Sie fertigte neben ihrem Strickpensum aus Stoffresten kleine Kunstwerke an Taschen- tüchern, Handtaschen sınd dergleichen an, die andere regelrecht bei ihr bestellten, wofür sie ihr etwas Zusatznahrung gaben.— Manche über- nahmen es, für andere zu waschen unid zu flicken. Auf diese Weise bildeten sich ganz eigenartige„geschäftliche Beziehungen“ und„Existen- zen“ heraus, die meisten auf freundschaftlicher Basis. Frau Kobler, die fast jede Woche ein Paket von Zuhause bekam, konnte sich regel- rechte Knappen halten, was ihr bei ihrem schweren Posten als Vorstricke- rin auf Block 14 sehr zustatten kam. Sie half dabei zugleich Hungrigen aus der größten Not. Ihr Trabant war Ritschi, ein Wiener Original, die uns das humoristische Lied vom Hering und der Pellkartoffel bei- brachte, die einander liebten. Unvergeßlich wird mir immer die leider im Lager Anfang 1945 an einer Lungenentzündung verstorbene Tomtesse de Ganay bleiben, die schon im Zugangsblock mit mir zusammen war. Sie sagte immer zu mir: „Ihre Lehre wird diesen Krieg besiegen, denn er ist nur auf der Grund- lage der Liebe zu überwinden.“ Von meiner Ontologie meinte sie, daß sie die Grundlage der künftigen Welt darstelle.— Die Chinesin Nadine _ Wang, eine der wissenschaftlich durchgebildetsten Frauen im Lager, Dr. jur., Oberst und Sekretärin des chinesischen Ministerpräsidenten, sowie 65 a a E== ET Verwandte des chinesischen Außenministsss Wan 8, erklärte, sie kenne die deutsche Philosophie und Geschichte, die kulturelle und recht- liche Entwicklung in Deutschland seit ihrer Jugend, und sie betrachte den Nationalsozialismus als eine Zeiterscheinung im Rahmen der gesam- ten europäischen Revolutionen und keineswegs als eine spezifisch deut- sche Erscheinung. Sie lud m’ch nach China ein und sagte, schon Kon- futius habe gefordert, daß auch das Wirtschafts- und Sozialleben, genau wie Familie und Volkstum, auf der Liebe aufbaue. Von China aus werde meine Lehre und mein Wirtschaftsplan sicherlich Anerkennung und Eingang in Wissenschaft und Leben finden, wenn die europaischen Län- der und vollends Amerika auch noch immer in der Praxis dem Materialis- mus huldigen.— Die amerikanische Psychologin Virginia Oliver, ein ungemein gereiftes und sympathisches Menschenkind, versprach mir, die Carnegie-Stiftung für meinen Forschungs- und Aufbauplan zu inter- essieren, der auf meine August 1927 in der Abendpost Chicago, wie im Welfare Magazin Chicago September 1927 veröffentlichten Pläne zurück- greift. Auf Grund desselben hatte der Soziologe Prof. Jessie Steiner mich damals als Mitarbeiterin im Department of Rural Sociology an der Universität Miami haben wollen.. Wie verantwortungslos die Gestapo mit allen diesen hervorragenden Frauen verfuhr, erhellt daraus, daß Virginia Oliver sich freiwillig in ein offenes Internierungslager in Südfrankreich begeben hatte, in dem ihr Mann zu leben verpflichtet war, nicht aber sie als Frau. Als die Front an dieses Lager heranrückte, wurde dieses plötzlich nach Deutschland verpflanzt. Virginia glaubte, sie werde weiterhin mit ihrem Mann zusammen leben können. Statt dessen erfuhr sie nichts mehr von ihm, ja sie wurde in Ravensbrück niemals überhaupt nur angehört.— Toto(Katharina Koopmann), Hol- länderin, Schwiegertochter von Lord Beaverbrook, und deren Freundin, Carla Ferretti di Casa Ferretto aus Bordighera,— beides Frauen von klassischer Größe und Reinheit ihres Wesens— baten mich, später “mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Toto arbeitete unter den T yphus- kranken im Revier mit beispielloser Hingabe. Auch Sylvia Salvesen, die Frau eines Universitätsprofessors(Mediziner) aus Oslo, arbeitete auf großer Linie unter den Schwerkranken und war die aufragende Persön- _ lichkeit unter ihren vielen Landsleuten, die— genau wie die Holländer— durchweg geradezu makellos in ihrem menschlichen Verhalten waren. Die Holländerin Maria Kyser-Lanz, eine geborene Schweize- rin, hatte einen praktischen Wirtschaftsposten im Revier, die Englän- EEE Asse ## 1; FREE kg entenie sehreiee h N RER ETC NERTIOR un m m 66 rn RE Bann er nen EN ro x derin Mary Lindell(de Mancy) betätigte sich als Schwester, sie war Officer in der Britischen Armee, d.h. sie hatte— wie auch eine Anzahl Franzö- sinnen— eine hohe Funktion beim Roten Kreuz. Bei der Entlassung konnte ich dem politischen Leiter Borchardt sagen, daß Mary ja Kriegs- gefangene sei und mit der Gestapo nichts zu tun habe, sie wünsche ausge- tauscht zu werden. Er versprach, etwas für sie und andere zu unternehmen. Die holländische Schriftstellerin Yoke Köster verfaßte wunderbare Gedichte im K.Z., sie legte ein aufrechtes Wesen an den Tag. Das reizte ihre tyrannische Blockälteste, sie zu verfolgen. Das Allerschwerste von allen Härten des Lagerlebens war für viele Frauen der erzwun- gene Umgang und das enge Miteinanderleben mit Menschen, die einem nicht liegen. Wahre Lebenskünstler lernte man kennen, wie z. B. die Russin Katja Schürer, die in Wien verheiratet war. Von Beruf war sie Innenarchitektin, politisch Kommunistin auf einer sehr großen Linie, menschlich durch und durch echt. Sie, wie auch andere russische Kom- munistinnen, die meine Lehre lasen, erklärten, daß ich auf dieser Grund- lage der Wahrheit und der Liebe im kommunistischen Regime volle Lehrfreiheit haben würde. Am 15.2.1945 stand ich endlich auch mit auf der Liste der 60-80 Frauen, die seit Januar fast täglich zur Entlassung aufgerufen wurden. Im Eiltempo mußten wir den Block verlassen und wurden nun nachein- ander zur Schreibstube, Kleiderkammer, Geldverwaltung, Politischen Ab- teilung, ärztlichen Schlußuntersuchung und Bad geführt. Beim Durchstö- bern meiner Sachen fand die Aufseherin englische und französische Übersetzungen meiner Lehre und meiner Gedichte. Sie brachte mein gesamtes Material, das ich noch besaß, auf Nimmerwieder- sehen zur Zensur, und meine Entlassung verzögerte sich um 4 Tage. Inzwischen kam ich mitsamt meinen Koffern nach dem Bunker. Es waren Tage tiefster Selbstbesinnung. Ich glaubte nun überhaupt nicht mehr herauszukommen. Das ganze Geschehen zog noch einmal an meinem inneren Auge vorüber. Als ich in der Nacht stundenlang die schweren Bomber über das Lager hinfliegen hörte, sagte ich mir:„Armes Europa, du hast es nicht verdient, daß man difh und deine jahrtausende alte Kultur so zusammenschlägt! Die Leiden derer, die unter den Trümmern begraben werden, stehen hinter unseren Leiden im K.Z. gewiß nicht zurück.“ Immer fester wurde in mir der Entschluß, auf meinem ureigensten Gebiet, der wissenschaftlichen Forschung und Belehrung, mit solcher Eindringlichkeit zu wirken, daß es in Zukunft nie mehr möglich ist, 67 un Millionen unschuldiger Menschen in Not und Tod zu treiben, oder gar aus Frevel oder Aberwitz oder aus allerletzter Verzweiflung den ganzen Erdball auseinander sprengen zu wollen, wo ies in Wirklichkeit nur der Durchführung sittlicher Grundsätze, der Erfüllung religiöser Gebote bedarf, die seit 2000 Jahren der Menschheit eingehämmert werden, und die eine Welt aufrichten, ordnen und tragen. Diese sittlichen Grundsätze liegen meiner Lehre zugrunde, aus der meine politischen Bestrebungen hervorgehen. Liebe und Aufrichtigkeit auch in der Wirtschaft und Sozialgestaltung zum Durchbruch zu bringen ist der Sinn. Durch zahlreiche praktische Beispiele und Erlebnisse zeige ich den Weg, die Methoden, die uns dahin führen. im K.Z. fragte ich einmal die Berliner Halbjüdin, Frau Lesser(Mo- nistin), eine sehr kluge Frau, die auch auf Block 1 lebte, wie sie sich folgendes erkläre: Während der Bankenkrise im Sommer 1931 hörte ich Prof. Karl Mannheim, den Direktor des Soziologischen Instituts der Universität Frankfurt am Main, zu seinen meist kommunistischen Stu- denten aus aller Welt sagen:„Erst wird der Nationalsozialismus ans Ruder kommen und dann der Kommunismus, und es ist ihre Aufgabe, für zu sorgen, daß der Nationalsozialismus aufgezäunt wird als Vor- spann für den Kommunismus, und zwar durch den Einbau zersetzender Elemente. Und wenn man Ihnen den Vorwurf macht ‚Sie zersetzen‘, so antworten Sie, ‚jawohl, wir wollen zersetzen, solange, bis die herr- schende Macht gebrochen ist und wir die soziale Macht in Händen haben und nach unseren Grundsätzen aufbauen können, nämlich ohne Klassen- und Rassenvorurteilel‘“ Ich fragte Frau Lesser, ob nach ihrer Meinung das planmäßige Hochzüchten zersetzender Elemente im Nationalsozia- lismus bei gleichzeitiger Irreführung des gutgläubigen deutschen Volkes „politische Regie aus dem Hintergrund!“ sei, sozusagen eine Kriegslist, um das NS.-System zu Fall zu bringen. Frau Lesser lachte und sagte:„Ja natürlich! Die Tatsache, daß das deutsche Volk das bis heute noch nicht merkt, ist ein Beweis für seine politische Unfähigkeit, auf Grund deren es überhaupt kein Lebens- recht mehr hat. Kriegsentscheidend ist die geistige Überlegenheit. Wer unfähig ist, kann nicht erwarten, daß die Welt auf ihn Rücksicht nimmt!“ Ich konnte dazu nur schweigen.; Es waren im K.Z. Tausende von deutschen Arbeiterinnen, die mei- sten ausgesprochene Gegner des Nazisystems, daneben aber auch Tau- sende von Arbeiterinnen aller Nationen, die freiwillig nach Deutsch- 68 land gekommen waren, weil in ihrem Lande Arbeitslosigkeit bzw. weniger ‚günstige. Arbeitsbedingungen herrschten. Hitler war für sie der Bezwinger der Arbeitslosigkeit und der Not des Arbeiters, Deutschland das einzige Land, das die Heilslehre des Sozialismus in die Tat umsetzte. Eine un- erhörte Propaganda war in diesem Sinne mit dem KdF.-Rummel in der ganzen Welt getrieben worden. Millionen von deutschen Arbeitern und Angestellten waren auf diesen Schwindel hereingefallen und hatten ihre Spargroschen für einen Volkswagen, ein Siedlungshaus u. a.m. dem Ley anvertraut, ohne zu ahnen, daß ihr Geld in Kriegsrüstungen angelegt wurde, in der Absicht, durch einen neuen Wirtschaftskrieg aber- mals die Völker auszurauben. Der Hexenmeister in diesem Höllenspiel war Goebbels. Im Vordergrund der Bühne tanzten die Erzlumpen Ley, Funk und Konsorten. Diese Aufmachung hätte schon aller Welt genügen müssen, um die Kehrseite zu beschauen und daran den Nationalsozialis- mus als das zu erkennen, was er wirklich war, nämlich ein Betrug im Weltmaßstabe, wie er bisher noch keiner Räuberbande gelungen ist, und nicht die ideale Sache für die er sich ausgab. Wenn man heute diejenigen bestraft oder bestrafen will, die auf den Schwindel hereingefallen sind, so entspricht das dem Grundsatz„Un- kenntnis des Gesetzes schützt vor Strafe nicht“, nämlich des moralir schen Gesetzes, daß man mit der Hölle keinen Pakt machen und dem Teufel sich nicht verschreiben in der Absicht, den Himmel. zu erben! Es liegt also ein moralischer Defekt bei allen denen vor, die Ein- blick in die gewollte Korruption und Gewalttätigkeiten der Partei hatten und dennoch mitmachten, um sich zu bereichern, Vorteile oder Verfü- gungsmacht an sich zu reißen. Wer aber bis zum Schluß glaubte, die guten Kräfte würden siegen, der bezahlt heute für seine Dummheit! Das größte schuldige Opfer in diesem Sinne war Hitler selbst, der für die Drahtzieher und all die bewußten Betrüger nur Strohmann war, dem sie einredeten, er selbst habe das Wirtschaftswunder durch die ihm inne- wohnenden magischen Kräfte zuwege gebracht. Die„Vorsehung“ habe ihn als ungekrönten König des tausendjährigen Reiches ausersehen, er sei das Universalgenie, das— ohne je etwas gelernt zu haben— alles wisse und alles könne. „Les gens de qualite savent tout sans jamais avoir rien appris“, läßt Molieres den unwissenden überheblichen Precieuses Ridicules durch den Schelm einreden, der sie an der Nase herumführt. Hitler glaubte das von sich wirklich. Mit dem Brustton der Überzeugung bezog er 69 en ae A ER EURE TORE NETTER Eis alles auf sein Werk, was dem deutschen Volke hoch und heilig war, a gefangen bei der von Kossinna angebahnten germanischen Altertum forschung. Durch die Idealisierung unserer Vorgeschichte und Geschichte gelang es ihm, bei dem ideal veranlagten Teil des Volkes, besonders den Jugendlichen, die germanischen Tugenden von Treue und Tapferkeit in einem solchen Maße wachzurütteln, daß die Betrüger, d. h. die Nutz- nießer der Partei, daraus ein riesiges Kapital schlagen konnten. Dieses - ungeheure Kapital der gesamten deutschen Volkskraft wurde nicht nur für ein verlorenes Geschäft, sondern für eine schlechte Sache ver- wandt. Das war möglich, indem jeder Gruppe, jeder Schicht ein anderes \ Ziel, ein anderes Ideal vorgehalten wurde, damit jeder glauben sollte, er werde dabei auf seine Rechnung kommen.„Ein Führer, ein Volk, ein Theater“ sagten dazu die Witzbolde im K.Z. Hätten wir Deutschen die entsetzliche Korruption der Partei beseitigt, die immer weiter um sich griff, und ehrenhafte intelligente, vor allem weitblickende Männer an die Spitze des Staates gestellt, die auch das E: Ausland kennen und den anderen Völkern gerecht werden, so wäre auf der ganzen Erde„artführende Liebe“ Sieger gewesen.? Aus politischen wie religiösen Gründen haben Tausende von deutschen A Männern und Frauen für eine innere Bereinigung gekämpft, aber diese wurde immer hinausgeschoben und erklärt, die innere Reinigung komme später dran!— Jeder Vater und jede Mutter weiß, daß ihr Kind F später im Leben Schiffbruch leidet, wenn sie ihm absichtlich falsche 3 Grundsätze beibringen oder schlechten Einfluß nicht abwehren. Genau E das gilt für jedes Unternehmen und auch für eine jede Regierung. Seit 1933 habe ich es an ungezählten Beispielen im Kleinen und Großen 3 beobachtet, daß der Nationalsozialismus diejenigen, die es ehrlich mein- Bi ten, beiseite schob oder in untergeordnete Posten drängte, dagegen Nichts- könner und Taugenichtse in Schlüsselstellungen brachte.% Ausgesprochene Gegner des Nationalsozialismus, wie die oben genann- E.: N| ten Legationsräte aus dem Auswärtigen Amt, Dr. von Hentig und Dr. Bi Drechsler(s. o. A.II. und A. III.), standen unter furchtbarem Gewissens- B druck, weil sie aufrichtig der deutschen Sache zu dienen gewöhnt waren 4 und ihre Arbeit nicht einfach im Stich lassen konnten, obgleich sie erkannten, daß der Kurs von oben falsch gesteuert wurde. Der Univer- E- sitätsprofessor Plaßmann in Tübingen, dem ich kurz vor dem Einzug der\ Franzosen im März 1945 erklärte, weshalb ich den Nationalsozialismus —— m hi ee A EEE für einen Glaubensverrat an Gott und der Menschheit hielte, antwortete ‚mir:„Viele höhere SS.-Führer denken genau so wie Sie, aber wir sind ‚alle geknebelt!“ Mögen die Kriegsverbrecher in Nürnberg diese Schrift lesen und dazu Stellung nehmen, vor allem aufrichtig angeben, wenn sie dazu überhaupt fähig sind, ob sie aus sich heraus gehandelt, bzw. welchen Motiven sie Raum gegeben haben. Dr von Hentig(s.o. A. IL, S.12) sagte 1941 zu mir, Zer habe es selbst miterlebt, wie Ribbentrop im Auswärtigen Amt die neu ein- gerichtete Marmortäfelung eines Saales sofort wieder habe herausreißen und den deutschen durch italienischen Marmor ersetzen lassen, und wie Rosenberg am Tage, nachdem er Minister für die Ostgebiete geworden, einen Boten ins Auswärtige Amt geschickt habe, um zu erkunden, wie hoch das Einkommen des Vicekönigs von Indien sei.— Das also waren die Sorgen, von denen diese Herren geplagt waren! Und so etwas nannte sich„sozialistische“„Arbei- terpartei“ und gab den„Völkischen Beobachter“ heraus, der— um seinem Namen Ehre zu machen— solche Artwidrigkeiten hätte anpran- gern müssen! Statt dessen wurde so laut und so lange„Deutschland erwache“ gebrüllt, bis die Ohren taub und die Hirne davon übermüdet und erschöpft und nicht mehr denkfähig waren. Die sture Masse aber, die man durch solche Methoden züchtete, fiel über jeden her, der noch ein Gewissen besaß und einen Vorstoß versuchte, um den mörderischen Kurs aufzuhalten. Im Jahre 1933 wäre es für Hitler ein Leichtes gewesen, eine General- säuberung im ganzen deutschen Volke durchzuführen, und das hatten tatsächlich viele von ihm erwartet, auch viele Lebensreformer, die zu Rudolf Heß hielten und teilweise dem Kommunismus nahe standen. Ein Jude sagte damals zu mir:„Was glauben Sie, wie gerne wir Juden mit- machen würden, und dann würde wenigstens aus der Sache was werden!“ —_ Hitler hatte es tatsächlich in der Hand, mit der Judenfrage zugleich die soziale Frage zu lösen und zu bewirken, daß alle Völker gemeinsam (auch die Juden!) am Aufbau der Welt nach sozialen Gesichtspunkten— d. h. auf der Grundlage der Liebe— arbeiteten, was bedeutet, daß jeder zunächst seine eigenen Fehler bekämpft und man im ehrlichen Wett- bewerb eine Auslese der Besten geschaffen hätte.— Die schmutzigen Gesellen aber wollten durch die Parole„Die Juden sind unser Unglück“ davon ablenken, daß sie selbst das Volk erst ins Unglück geführt haben. 71 Goebbels ist der Rattenfänger, der die Kinder des Volkes in den Berg führt. Ei wollte den totalen Krieg, obgleich er wußte, daß Millionen deutscher Volksgenossen unter den Trümmern ihrer Häuser begraben würden. Als ich im Jahre 1938 einmal meinen Lehrer Werner Sombart aufsuchte, der wohl einer der besten Judenkenner und durchaus Freund der Juden war, sagte er im Hinblick auf die beschämenden Judenverunglimpfungen wörtlich zu mir: ,, Ich habe es ja den Juden immer gesagt, sie sollten es nicht so weit treiben und alles an sich reißen, es gäbe sonst wieder Pogrome; aber sie lachten und meinten, dafür wäre es schon zu spät, sie hätten bereits die Weltherrschaft in Händen." In seinem berühmten Buche ,, Die Juden und das Wirtschaftsleben" schreibt Sombart, daß während der Pogrome im Mittelalter die prominenten Juden mitsamt ihrem Vermögen jeweils von der Bildfläche verschwanden, während ein Teil der weniger bemittelten gehängt oder verbrannt wurde. War alles vorüber, so tauchte der Kern der Judenschaft wieder auf, zwar etwas zusammengeschrumpft, aber in sich gefestigter und schlagkräftiger als zuvor. Sombart äußerte sich folgendermaßen:„ Und wenn man auch fragt, Woher stammt der jüdische Reichtum?', so antworte ich: , Aus dem Altertum, die Juden haben den Reichtum aller Völker auf sich gezogen. Möchten wir an all diesen schwerwiegenden Fragen in Zukunft nie mehr feige und ängstlich vorübergehen noch auch darüber spotten. ,, Face facts!" sagt der amerikanische Sozialarbeiter zu seinem Klienten, den er aus seiner Notlage befreien will. ,, Sieh den Tatsachen ins Gesicht!" Wir können es schaffen, wenn wir aus ehrlichem Herzen Rechenschaft ablegen vor dem Ewigen Richter. ,, Forschung wird Kunst und Kunst Forschung, Ergründung und Deutung des Alls" heißt es in meinem ,, Jahrweiser Orbis Pictus", den ich im K.Z. verfaßte. - Das Spiel ist noch nicht aus. ,, Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis." Wenn schon auf dieser Erde der Mensch so furchtbares erleben kann, welche Höllenschlünde müssen sich ihm dann erst in jenen Welten auftun, die für jeden Frevel und jede Übertretung der Gesetze der Liebe notwendigerweise die Sühne fordern! Ich schließe diesen Bericht mit dem aufrichtigen Wunsche, daß wir die akademische Freiheit in neuer Form auf der Liebe aufbauen, denn in ihr allein ist die Weisheit beschlossen, die dem Leben gerecht wird und es nie mehr vergewaltigt. 72 22 NA alle I lass vol I plö Leb ner rin me Fo S rist aus I II NSCHKTANG:. In der Einzelzelle haben viele die Erfahrung gemacht, daß die Haft und alles was man dabei an Unrecht und Gewalttätigkeit über sich ergehen lassen und auch an anderen miterleben muß, einen anfangs innerlich vollständig aufwühlt. Dieser Zustand schlägt dann aber in sein Gegenteil um. Man entdeckt plötzlich, daß die Welt einem nichts mehr bedeutet, wohl aber ein neues Leben in einem erwacht ist, das aus reineren Quellen gespeist wird. So habe auch ich in der Weltabgeschiedenheit Kräfte aus meinem In- nern hervorbrechen gespürt, ohne daß ich wissentlich auch nur das ge- ringste selbst dazu getan hätte. Aus der Erinnerung habe ich meine ganze Lehre in Versen und Rhyth- men neu gefaßt,— weit ab natürlich von der üblichen wissenschaftlichen Form, in gewisser Weise elementar, dabei gedanklich gedrängt— apho- ristisch, vor allem mythologisch im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich aus der aufrichtigen Liebe geboren. Der Grundgedanke ist folgender: I. Economia Biologica richtet das Wirtschaftsleben als„Spiel der Natur“ frei und ungezwungen auf nach den ewigen Gesetzen der Liebe, aus der sich die Axiome von Treu und Glauben(das Credo der Wirtschaft begründet den Credit!), Wahrheit und Weisheit, und somit auch alles- Gefühlsleben und alle Willensimpulse auswirken im Brauchtum der Art. Art ist sinnvolles Leben, Masse da- gegen führt durch Entartung zum Tod. Schöpfungsgemäßes Leben geht von der Liebesmacht aus, nicht von der Machtliebe, und zwar in biologischer, ökonomischer und mora- lischer Hinsicht. . Ist die Verfügungsmacht in der Welt eine Liebesmacht, so fügt sich alles Leben dem göttlichen Gesetz. Das bedeutet: die Verfügungsmacht in Wirtschaft und Staat geht aus und wird getragen vom genos- senschaftlichen Geist einer durchgängigen Verbundenheit und gegenseitigen Verpflichtung, die über das Leben und Erleben des einzelnen hinausgeht und- die höheren Aufgaben und Ziele der Menschheit im Auge hat. Der entscheidende Gesichtspunkt ist der: als arthaft kann nur gelten, was in seiner irdischen Laufbahn vor Gott und der Ewigkeit bestehen kann./ III. Eine internationale ,, Wachsende Währung" auf genossenschaftlicher Grundlage sichert freie und natürliche Entwicklung der Individuen, Stämme und Völker, je nach ihrer Leistung für die Höherentwickder Art. - Der genossenschaftliche Gedanke liegt aller Organisation in Wirtschaft und Staat zugrunde. Er trägt die gesamte Kultur. Es fragt sich nur, ob die Verfügungsmacht innerhalb der sozialen Gebilde Machtliebe oder Liebesmacht verkörpert, d. h. ob sie entartet- in den Händen verschworener Machtgruppen liegt, die ohne ,, soziales Gewissen" die Gemeinschaft ausbeuten, oder ob sie in Familie und Beruf, Öffentlichkeit und Wirtschaft nur dem einen Ziel dient, aufbauend zu wirken im Sinne des Schöpfers, der jedem Wesen, jeder Art, einen besonderen Gedanken aus seiner Liebe auftrug fortzupflanzen in die Ewigkeit. B. ERGEBNIS: Grundsätze, durch deren Befolgung wir der weiteren Vernichtung der Menschheit Einhalt gebieten. Seit 2000 Jahren wird von der gesitteten Menschheit anerkannt, daß nicht Machtliebe, sondern Liebesmacht die Welt aufrichtet. Ja, die Mythen und Sagen der Vorzeit lassen erkennen, daß schon die frühe Menschheit auf Grund von tiefgründigen Beobachtungen und Erfahrungen in dem festen Glauben und der absoluten Gewißheit lebte, daß der Aufbau des Lebens in jeder Hinsicht, also nicht nur der Zeugungsakt, aus der Liebe als der Kraft des Guten( der Kraft Gottes) erfolgt, und daß die entgegengesetzten, zerstörenden Mächte des Bösen zu überwinden sind. Darin erschöpft sich der Sinn unseres Lebens. Alle Arbeit und alle Bemühungen müssen auf dieses Ziel gerichtet sein: Leben aufzurichten, indem wir rücksichtslose Machtliebe durch Liebesmacht überwinden. Die Aufgabe wäre leicht zu erfüllen, wenn man immer klar erkennen könnte, wo die eine und wo die andere Kraft am Werke ist. Wo immer ein Machtstreit besteht, da ist nicht Liebe die treibende Kraft, sondern ihr Widersacher, Haß, der aus Neid und Miẞgunst entsteht. Die vorliegende Prozeßgeschichte ist nur ein einziges Beispiel dafür, wie Neid, Miẞgunst, Haß und Rachegefühle, denen wir im Alltag so wenig Bedeutung beilegen, die wir als ,, natürlich" und ,, menschlich" in 74 Kau eine wen leist Ma W geb Lieb hina die Es 1. 2. 3. che wi D Kauf nehmen, Riesendimensionen annehmen, sobald sie in das Räderwerk eines liebelosen Machtapparates eingeschaltet werden, ganz besonders, wenn dieser„Liebe zum Volke“ vortäuscht und als angebliche„Gegen- leistung“ die Liebe und Selbstaufopferung des Volkes für sich und seine Machtentfaltung fordert. Er reißt das Volk mit sich in den Abgrund. Wir können der weiteren Vernichtung der Menschheit nur Einhalt gebieten durch„arthafte Liebe“, die als Wurzel aus göttlichem Liebeskeim gesundes Leben in Familie und Volk erzeugt und darüber hinaus für die höheren Belange der Menschheit als Schöpfungsidee wirkt. Durch die aufrichtige Liebe erzeugen wir Spannkraft(Glaubensmacht), die als unaustilgbare Urform(Entelechie) Ausdruck göttlichen Geistes ist. Es liegt darin beschlossen: 1. die weltanschauliche Umkehr, Abkehr vom Atheismus in jeglicher Form, besonders dem biologischen Materialismus der Selbstvergottung, ferner aber auch Überwindung des wurzellosen Idealismus weltlicher wie religiöser Schwärmerei ohne realen Grund; 2. die charakterliche Umkehr in Überwindung aller Keime von Haß-, Neid- und Rachegefühlen, die zu Heuchelei und moralischem Dünkel, Besserwisserei und Überheblichkeit führen und— den Charakter der Raserei annehmend— in gegenseitiger Völkerverhetzung und-zerset- zung enden;{ 3. die wissenschaftliche Besinnung, Abkehr von der„wertefreien“ Wis- senschaft, die sich jedem„System“, also auch jeder organisierten Ver- schwörermacht der Ausbeuter, verkauft; Neubegründung der Wissen- schaft auf arthafter Liebe, Erweckung der sittlichen Willenskraft (Ethos) als Steuerung einer angewandten Soziologie, die als Sonde dient; ständige Rechenschaftslegung vor dem Ewigen Richter, um jedes Einzelwesen und jede Gruppenbildung im Volks- und Völker- leben ergründen zu können und festzustellen, ob Wachstum aus gött- lichem Liebeskeim erzeugt oder eine Erdenmacht aufgerichtet wird, die zwar vorübergehend das Göttliche im Menschen zu unterdrücken vermag, aber— unter großen Erschütterungen und Leiden— am Ende doch der Ewigen Liebe weichen muß. Die Akademie der Wissenschaft muß damit betraut werden, entspre- chend dem„Rat der Alten“ in Athen, den gesamten Kurs der Regierung wie die kulturelle Entwicklung des Volkes, Wirtschaft und Recht unter 75 artführenden Gesichtspunkten zu überwachen, damit nicht im Streit macht- und ruhmsüchtiger Fachwissenschaftler die warnende Stimme des Propheten überhört werde. - - wie kein anderes Volk je zuvor Das deutsche Volk ist irregeführt und betrogen worden. Seine hochtrabende ,, moderne" Wissenschaft, wie seine tiefgründige aber weltfremde Gelehrsamkeit waren nicht imstande, es davor zu bewahren. Es wird sich selbst wiederfinden, indem es seinen Glauben neu aufrichtet in arthafter Liebe. AUFHEBUNG DER IRREFÜHRUNG. Wer sind die anonymen Mächte, Verborgen hinter teuflischem System, Die zielbewußt uns führen in die dunklen Schächte, In denen Völker und Geschlechter untergeh'n? Blinden Gehorsam fordern von der Masse, Ihr Ideale vorspiegeln, sie in den Tod zu treiben, Anstatt der Liebe, sie dem Haß verschreiben Und aufzuwiegeln Klasse gegen Klasse, - Volk gegen Volk, System gegen System, Das ist die Unterwelt der Art- Vernichter! Urgründ'ge Liebe wird zum Weltenrichter, Enthüllt die Arglist, lehrt uns alle wieder aufrecht geh'n. Wir schwören ab dem falschen Geist der Rache. ,, Ich will vergelten" spricht der Herr der Welt. Was wir betreiben ist die große Sache, Die Erd' und Himmel fest zusammen hält. Durch Liebe woll'n wir alle Wesen binden, Durch Liebe aufgewogen ist der Erde Lauf; Durch Liebe soll der Mensch die Schwerkraft überwinden, Dann hebt er sonnenhaft die Nacht der Irreführung auf. Emmy Wagner. Prolog zur Biologia Politica, Weihnachten 1944 im K.Z. Ravensbrück( Meckl.) verfaßt und verbreitet. 76 60 reit des ihrt aft, imHem C. LEBENSLAUF: Stufen meines Lebens. I. DIE HEIMAT. Dem Sondergericht in Berlin eingereicht zum 27.5 1943. aus allen In den schlesischen Bergen liegt mein Heimatort Gnadenfrei, eine kleine Brüdergemeine, seinerzeit bekannt durch gediegene Internate, deren Zöglinge mit denen ich z. T. seit der Schulzeit noch heute befreundet bin Teilen des Reiches und aus dem Auslande stammten, bekannt auch durch gedie gene Fabrikate, die in alle Welt versandt wurden, zu denen auch die meines Vaters gehörten. Mein Vater, ein lebenbejahender, weltoffener Mann, stammte aus der idyllischen ,, Grundmühle" bei Gnadenfrei, die Mutter von dem Stadtgut bei Münsterberg. Die Vorfahren mütterlicherseits waren Hugenotten; sie hießen Charçon und waren in Schönheide bei Gnadenfrei ansässig. Eine Familienchronik und Gedichte, die die Mutter verfaßte, beweisen, daß die beiderseitigen Vorfahren aufrechte und glaubensstarke Menschen waren. Beide Eltern verlor ich früh, die Mutter mit 6, den Vater mit 14 Jahren. Auch 2 van 6 Geschwistern( starben früh. Selbständig mußte ich mir meinen Weg bahnen. II. WANDER JAHRE. 1911 ging ich - - 17 jährig nach dem Sprachinstitut der Brüdergemeine Montmirail, Canton Neuchâtel, Schweiz. Unter etwa 80 Schülerinnen waren allein 15 Engländerinnen, insgesamt 17 Nationalitäten. Auf der Basis der Jungmädchen- Freundschaft hatte ich Gelegenheit, die Nationalcharaktere zu studieren. - Käte 1913/15, d. h. vom 19. bis 21. Lebensjahre, war ich Sprachlehrerin in der Brüdergemeine Ebersdorf/ Reuss. Unter einer tüchtigen Vorsteherin Wunderling- wurden wir zu ernster Erzieherarbeit angehalten. Der Krieg hatte auch in mein persönliches Leben schwer eingegriffen. Meine 3 Kindheitsgespielen waren gefallen, ebenso sämtliche späteren Jugendgefährten. Mein älterer Bruder( Gerhard) starb später an den Folgen seiner schweren Verwundung, und der jüngere( Kurt) kehrte 1920 krank aus französischer Kriegsgefangenschaft zurück. Deutlich erkannte ich bereits seit 1915 meine Lebensaufgabe: Wege anbahnen zu helfen, auf denen die Völker sich gesund erhalten und ruhig entfalten können, ohne Katastrophenpolitik. 1915 ging ich auf eine Soziale Frauenschule nach Berlin, wo wir durch hervorragende Lehrer theoretisch und praktisch in die sozialen Probleme und Aufgaben eingeführt wurden. Wir besuchten auch die Reichstagssitzungen und viele Vorträge von Sozialpolitikern aller Richtungen. Es war nicht leicht, sich hindurchzufinden, aber man lief auch nicht Gefahr, geistig vergewaltigt zu werden, sondern konnte sich frei entwickeln. Das habe ich immer als ein besonderes Glück empfunden. 1916 absolvierte ich mein erstes Sozial- Praktikum an der ,, Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge", der damals fortschrittlichsten sozialen Organisation in Berlin, aus der später das Landesjugendamt entstand. Pflegestellenvermittlung, Adoption und Jugendgerichtshilfe waren die Arbeitsgebiete, auf denen ich mitarbeiten durfte. Zum Vorstand gehörte Justizrat Kröhne, der das Jugendgericht aus Amerika nach Deutschland gebracht hatte, ebenso Sigmund- Schultze, der im Osten Berlins eine ,, Soziale Arbeitsgemeinschaft" nach Muster der englischen Settlements unterhielt und die Ideen des religiösen Sozialismus in die Praxis umsetzte. Erst nachdem ich 1925/28 die Vorbilder dieser Arbeit in England und Amerika kennen gelernt hatte, wurden mir die politischen Hintergründe der sozialen Bestrebungen alle: Richtungen klar. 77 - 1917 im Kriegssommer hatte ich durch den ,, Weiblichen Hilfsdienst" die Leitung der Landhelferinnen in der Bodelschwing'schen Arbeiterkolonie Hoffnungsthal bei Berlin/ Bernau übertragen bekommen. Es war ein Frauenarbeitsdienst. 1917 ,, Ver= im Herbst- ging ich nach Hamburg zur Kriegshinterbliebenen fürsorge. Bei den Hausbesuchen lernte ich in den Familien der Hafenarbeiter eine Reihe junger Anarchisten kennen, die die Anfänge der Kerenski- Revolution in Rußland miterlebt hatten, und die allesamt die Ausrottung des faulten Bürgertums" ankündigten. Äußerlich gesehen waren es alles präch tige Menschen. Das machte auf mich tiefen Eindruck, nachdem ich eine so gründliche Einführung in die Geschichte der sozialen Bewegung schon auf der Frauenschule erhalten hatte, insbesondere durch die Universitätsprofessoren Seeberg und Mahling. In den Abendstunden besuchte ich das Sozialpädagogische Institut von Dr. Gertrud Bäumer, der damaligen Leiterin der deutschen Frauenbewe gung. Viele führende Frauen lernte ich dort kennen. Ich verehrte Gertrud Bäumer sehr, und es bereitete mir aufrichtigen Kummer, daß ich in entscheidenden Fragen oft entgegengesetzter Ansicht war wie sie. In ihrem Seminar über ,, Frauenarbeit", zu dem ich ein Referat über das ,, Problem der Heimarbeit" beisteuern durfte, habe ich über die Entwicklung, die Gebiete und Probleme der Frauenarbeit tiefer nachzudenken gelernt. Zur selben Zeit hörte ich( bei Sagebiel, im größten Saal Hamburgs) einen Kriegsvortrag von dem national- liberalen, später demokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Friedrich Naumann. ,, Wir wollen keinen Sieg- Frieden, wir wollen einen Ausgleichs- Frieden!" schrie er in die vieltausendköpfige Arbeitermasse hinein. Er gebrauchte teilweise dieselben Ausdrücke und Bilder, die ich schon bei meinen Hafenarbeitern, mit denen ich auf freundschaftlichem Fuße stand, kennen und aus ihren Motiven heraus verstehen gelernt hatte. Manches leuchtete mir ein, daneben aber erkannte ich deutlich Trugschlüsse und Fehler. Da ich schon damals der Überzeugung war, daß viele wirklich große führende Persönlichkeiten einen falschen Kurs steuerten, ich aber den richtigen Weg, der aus dem Irrgarten herausführen mußte, noch nicht erkannte, so entschloß ich mich zum Studium der Staats- und Sozialwissen schaften. 1918/20 Vorbereitung zum Abiturium. 1920/25 Studium der Staats- und Sozialwissenschaften an der Universität Berlin mit abschließendem philosophischen Doktorexamen. Dissertation:„ Typo logie der unverheirateten Arbeiterin". Referenten: Werner Sombart, L. v. Bortkiewicz, Eduard Spranger, Erich Marcks. 1925 78 1922 erzählte uns Sombart( bei Jahnke am Gendarmenmarkt, wo wir nach dem Seminar mit ihm zusammen zu sein pflegten): ,, Heute war der SowjetAußenminister Tschitscherin bei mir, wir haben zusammen einen 5- Jahresplan für die Sowjet- Union ausgearbeitet." Sombarts liberaler Standpunkt, die verschiedenen Wirtschaftssysteme und Betriebsgrößen zwanglos nebeneinander bestehen zu lassen, damit die Entwicklung, die ja überall anders bedingt ist, natürlich verlaufe, ist allerdings vom Sowjet- Staat nicht mit übernommen worden. 1925 fragte ich Sombart, welchen praktischen Weg er zur Lösung der sozia len Frage sehe. Er antwortete mir rein persönlich: ,, Sorgen Sie dafür, daß die Arbeit der Frau wieder einen Sinn bekommt, und die soziale Frage ist gelöst." - - Sommer zum Studium der sozialen Frage in England. Ich gewann Einblick in die gespannten Verhältnisse auf den sozialen Arbeitsgebieten der Quäker und der Hochkirchlichen. Letztere erklärten, die Quäker seien Kommunisten, sie arbeiteten an der Unterminierung des Empire Auch die Führer, Mitgliederfamilien und Betriebe, sowie Veranstaltungen der mit 1 den Quäkern Hand in Hand arbeitenden Genossenschaftsbewegung lernte ich kennen( s. u. 1934/35). 1925 Referentin beim Evang. Presseverband in Halle, Volksbildungsarbeit. 1926/27 Studium an der School of Applied Social Sciences der Western Reserve University, Cleveland, Ohio. Werkstudentin im University Settlement, Mitarbeit an den dortigen Raumforschungsuntersuchungen über die Fragen: Prohibitionsauswirkungen, Tuberkulose, Gangsterunwesen; Zusammenarbeit des Settlements mit der Stadtverwaltung; Abhaltung von Kursen für die Gäste des Volksheims; Kunstgeschichte hatte ich als Fach gewählt, um die Immigranten mit der Kultur ihrer Stammländer vertraut zu machen. Mai 1927 durfte ich einen Vortrag ,, The Social Worker in Germany" auf der 51. Sozialen Konferenz in Desmoines halten, gedruckt in der Zeitschrift Welfare" vom Staatsdepartement Illinois in Chicago, September 1927. Vergl. auch meine Artikel in der Chicagoer Abendpost, August 1927, sowie New York Times u. a. Zeitungen über einen Plan für den Akademischen Austauschdienst, betr. übernationale Zusammenarbeit, zwecks Überwindung des sozialen Machtkampfes, unter Beibehaltung der überlieferten Grundideen, Vertiefung und Bereinigung der einzelnen Kulturen. " 1928 Anwendung und Ausbau der amerikanischen Methoden der sozialen Diagnose und Therapie auf deutschem Boden als Kreisfürsorgerin in Guhrau ( Schlesien). Im August 1928 hatte ich in Paris auf der 1. Internationalen Konferenz für soziale Arbeit auf Einladung der Vorsitzenden der Amerikanischen Sektion( Mrs. Glenn) einen Vortrag zu halten über ,, Ländliche Sozialarbeit in Deutschland". Auszug siehe gedruckt in den Konferenzberichten, Band II ( englische und französische Ausgabe). 1929 Volkswirtschaftliche Referentin bei gleichzeitiger Überwachung und Leitung der Betriebsfürsorge im Schocken- Konzern, Zwickau. Ausarbeitung von Referaten über die Frage der Preisbindung bei Markenwaren für den Chef, der Mitglied im vorläufigen Reichswirtschaftsrat, sowie in der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels war. Tiefen Einblick gewann ich hier auch in die praktische Handelspolitik. 1929/30 Winter einige Monate in Rom. Vergleiche den Artikel ,, Economia Sociale in Germania ed Austria", Zeitschrift Economia, Rom, Juni 1930, Herausgeber Arias. 1930/31 an der Frauenoberschule in Weimar: Wohlfahrtskunde, Staatsbürgerkunde und Englisch unterrichtet. 1932 das Neuland- Seminar in Eisenach geleitet und daselbst Wohlfahrtskunde, Psychologie und Pädagogik unterrichtet. 1933 Assistentin bei Professor Johann Plenge, Universität Münster, Westfalen, Forschungsinstitut für Soziologie, außerdem 3 Monate in Berlin( s. o.). 1934/35 Referentin bei der GEG., der Großeinkaufsgesellschaft der Konsumvereine( Verbrauchergenossenschaften), Hamburg. Herausarbeitung von neuen Verbrauchergrundsätzen, die von den Hamburger Universitätsprofessoren, u. a. von Tyszka, dem Leiter des Statistischen Landesamtes Hamburg, hoch anerkannt wurden. Professor von Gottl- Ottlilienfeld erwirkte mir daraufhin einen Lehrauftrag an der Berliner Universität. 1936/42 Ausübung einer Lehrtätigkeit am Staatswissenschaftlichen Seminar der Universität Berlin. Herausarbeitung einer eigenen Lehre von der Lebenshaltung", einer ,, Konsumtionstheorie", einer ,, Wertlehre" u. a., die alle- zugleich mit umfangreichen Untersuchungen über die Frage der bäuerlichen ein Raub der Lebenshaltung, Landfluchtbekämpfung, Ernährungslehre Flammen wurden, bzw. den Bomben zum Opfer fielen. Die Partei hat infolge von Machenschaften der Reichsfrauenführung meinen Lehrauftrag niemals anerkannt, und das Reichserziehungsministe rium hat das anfangs durch Professor von Gottl- Ottlilienfeld zugesagte Honorar mir niemals gezahlt. - - e t 79 19 Meine Studentinnen wurden mir durch die Reichsfrauenführung abspenstig gemacht und meine jeweils neuen Lehrpläne von Semester zu Semester an deren Lehrstätten nachgeahmt. So erklärten mir z. B. schon im ersten Semester die Studentinnen, als deren Sprecherin sich die Fachschaftsführerin Anneliese Cremer hergab, sie müßten aus meinem Seminar wieder( es waren 5 Wochen verstrichen) austreten, da die Reichsfrauenühfrerin Scholtz- Klink persönlich sie aufgefordert habe, an ihrem neu eingerichteten volkswirtschaftlichen Kursus in der Reichsfrauenschule des Deutschen Frauenwerks in Berlin- Wannsee teilzunehmen, dort werde dasselbe gemacht wie bei mir nämlich praktische Haushaltsuntersuchungen. Durch Stipendien wurden die Studentinnen gefügig gemacht.-Mühsam hatte ich mir 50 Berliner Familien gesucht, die bereit waren, den Studentinnen Einblick in ihre Haushaltsführung zu geben und die Fragen der Haushaltsplanung auf weite Sicht mit ihnen nach den von mir ausgearbeiteten Richtlinien, Fragebogen usw. zu erörtern. Da ich dann fast nur noch männliche Hörer hatte, mußte ich das Programm ändern. Das erhöhte jedoch meine Freude an der Arbeit. III. EINKEHR د" 1936 war es mir endlich gelungen, mir ein eigenes Heim aufzubauen. ,, Klein aber mein" steht am Giebel meines Elternhauses in Schlesien. Dasselbe empfand ich auch in meinem trauten Heim in der Wilhelmstraße 135. Wie oft hielt ich dort während der 12 Semester mein Seminar ab, und zwischen den Seminarsitzungen noch oft private Arbeitssitzungen.„ Wir arbeiten für das, innere Reich", sagte einmal eines meiner Seminarmitglieder( Bartram) zu mir ,,, und Sie sind das trojanische Pferd, mit dem wir durchbrechen. Landfluchtbekämpfung" war der Grundgedanke einer Arbeit an der Universität. Mein ,, Raumforschungsbericht zur Frage der Landfluchtbekämpfung" vom Jahre 1937( den ich als einziges von vielen Manuskripten retten konnte), hat allen zuständigen Regierungsstellen vorgelegen, ist aber nur propagandistisch ausgewertet worden. In Wirklichkeit wurde auch das Land mit in den entseelenden Mechanisierungsprozeß hineingerissen, den wir als ,, Verstädterung" bezeichnen. Anstatt urgesunde Zustände, vor allem auch Sauberkeit im eigenen Volke zu schaffen, wurde unter Verunglimpfung der Konkurrenz das Schwergewicht auf die Eroberung der Weltmärkte gelegt, was unweigerlich zum Weltkrieg führen mußte. 80 - - Ich warnte vor der überkapitalistischen Entwicklung und gab in vieler Hinsicht praktische Beispiele für die Umkehr. So hatte ich u. a. im Jahre 1936 der damals noch immer schwer notleidenden Gemeinde Ottendorf in der Sächsischen Schweiz mit Hilfe von Fachleuten einen ausführlichen Selbsthilfeplan ausgearbeitet, den das ganze Dorf begrüßte, aber die Partei sabotierte. Es handelte sich um einen Plan zur Entwicklung der Gemeinde als Luftkurort bei gleichzeitiger Hebung des Obst- und Gemüseanbaues. Dies nur ein Beispiel für viele. In meiner Arbeit war ich unbeschreiblich glücklich, denn ich hatte in der Tat einen eigenen Weg gefunden, die Irrlehren der Wirtschafts- und Sozialwissenschaft, und damit der Politik schlechthin aufzudecken. Treulich zur Seite stand mir in all diesen Jahren die Vorgeschichtlerin Ida Hahn, Schwester des Wirtschaftsgeographen Eduard Hahn. Auch Hugo Kükelhaus, Dr. Otto Brendel und viele andere Mitarbeiter und Freunde aus jener Zeit werden mir immer unvergeßlich bleiben. Seit jenem furchtbaren 4.6. 1942 habe ich nie wieder etwas von ihnen gehört. ,, Probesterben" nannten wir die Zeit im K.Z. " Die Werkseligkeit"( der Ausdruck stammt von Sombart) hatte ich dem ,, Probesterben" schon vorausgenommen, das gab mir die seelische Spannkraft, die unvorstellbaren Leiden der nächsten Jahre zu ertragen. Demnächst werden erscheinen von der gleichen Verfasserin: Biologia Politica Pedagogia Biologica Economia Biologica Politeia Biologica Trilogie der Urführung Erster Ring: Glaubensmachtgesang der Liebe Ausrottung der Kriegsideologie und der artwidrigen Rassentheorie des biologischen Materialismus Zweiter Ring: Lebensgerechte Wirtschaftstheorie Neuausrichtung d. Produktionsfaktoren Dritter Ring: Jahrweiser Orbis Pictus Sozialpolitik, Soziologie, Brauchtum im Jahresring