Diese Aufzeichnungen nehmen nur Bezug auf den Widerstandskampf der Illegalen der Wasserkante. kampf Vorwort Nicht mehr als zweieinhalb Jahre trennen uns von den Tagen, in denen das Nazi- Regime in einem Meer von Blut und einem fürchterlichen Inferno des Schreckens und der Verzweiflung unterging. Wo stehen wir heute? Ist es nicht unwiderlegbare Tatsache, daß ungezählte Deutsche schon wieder voll Ungeduld auf die Möglichkeit der Erneuerung einer skrupellosen Machtpolitik hoffen? Ist es nicht so, daß viele glauben, im fremden Unrecht die Rechtfertigung der. fürchterlichen Handlungen der jüngsten Vergangenheit sehen zu müssen? Immer noch erblicken die meisten Ursache und Quelle der Not und der schweren Prüfungen, die dem deutschen Volk auferlegt werden, im verlorenen Kriege. Sie fluchen Hitler, weil er ihnen den Krieg verloren, nicht weil er den Krieg gewollt, geplant, vorbereitet und vom Zaune gebrochen hat. Noch haben wir nicht viel verspürt von der maßlosen Erbitterung, von der so notwendigen Empörung, die sich wendet gegen jene Zeit, in der die Würde des Menschen zugrunde gerichtet wurde, von der Leidenschaft, die die Schuldigen zur Rechenschaft zieht, die Kraft, Fähigkeit und Fleiß eines ganzen Volkes nutzlos verströmen ließen. Wir können noch nicht sprechen vom Durchbruch der Erkenntnis, daß nichts verschwiegen, verschleiert und beschönigt werden darf von dem, was geschah. Wir können noch nicht sprechen von dem Bemühen der deutschen Intelligenz, rücksichtslos die Wurzeln des Nazismus in der Vergangenheit aufzudecken, systematisch Entstellungen und Lügen aus der Überlieferung der deutschen Geschichte auszumerzen und das Vermächtnis, das die größten Geister deutschen Kulturlebens hinterlassen haben, den Lebenden in seiner reinen Gestalt zu übermitteln. Müde, enttäuscht, erschöpft und verzweifelt erlebte das deutsche Volk das Ende des Krieges und der Naziherrschaft. Und heute? Ist die Müdigkeit, die Erschöpfung, die Verzweiflung gewichen? Wahrlich nein! Gerade wir in Deutschland haben allen Anlaß, uns zu erinnern, daß schon einmal Enttäuschung und Ausweglosigkeit Haß und Vernichtungswillen geboren haben, die sich gegen den bestehenden Zustand richteten und den Absichten entwurzelter hemmungsloser Feinde des Volkes den Boden bereitet haben. Man sage nicht, es sei zu schwarz gesehen, diese Erfahrung aus den Jahren der Weimarer Republik heraufzubeschwören. Heute vernehmen wir am deutlichsten die Stimmen jener, die es vorgezogen haben, zwölf Jahre lang zu schweigen, die sich ,, an pa ẞten", sich den ,, Tatsachen beugten", die heute davon sprechen, daß auch sie ,, se e- lisch gelitten" und geduldet" haben. Als das Wort ,, deutsch" im Bewußtsein mißhandelter Völker gleichbedeutend war mit Maidanek, Auschwitz, mit Liquidations kommandos und Verbrennungsöfen, haben nicht zuletzt die versagt, die sich heute berufen fühlen, Hüter und Wahrer der Demokratie, der Freiheit und der Volksinteressen zu spielen. Mit allen Nutznießern des Hitlerregimes, mit allen, die in den zwölf Jahren ihre große unvergessene Zeit" erlebt haben, verbindet die neuen Verteidiger der Demokratie die kompromißlose Kampfstellung gegen den Kommunismus.. Es gehört schon wieder zum guten Ton, den Kommunisten eine der Demokratie feindliche Gesinnung zu unterschieben. Im Kommunisten den Hauptdas liegt nicht solange zurück, als daß man vergessen feind Nr. 1 zu sehen könnte, wohin das geführt hat. - Niemals hätte Hitler in Deutschland und in der internationalen Politik seine verhängnisvolle Rolle spielen können, ohne sich den Mantel des Antibolschewismus umzulegen. Der Antibols chewismus ist das erprobte Instrument, die Idee der Freiheit zu verhöhnen, die demokratischen Prinzipien zu verspotten und dem Parlamentarismus den Todesstoß zu versetzen. Die ,, Dokumente des Widerstandes" legen Zeugnis ab, in welch hohem Maße Kommunisten nicht nur im Besitz einer demokratischen Gesinnung, sondern vor allem einer grenzenlosen Hingabe für die Verteidigung der demokratischen Grundlagen unseres Lebens sind. Als es lebensgefährlich war, ein aufrichtiger, sauberer, aus dem sittlichen Empfinden der Gerechtigkeit handelnder Mensch zu sein, hat sich erwiesen, wer bereit war, gegen Unfreiheit und Unmenschlichkeit zu kämpfen; wer also im Besitze jenes demokratischen Bewußtseins war, von dem heute so gerne gesprochen, aber leider so wenig gehandelt wird. Wer ernsthaft die Geschichte der deutschen Widerstandsbewegung gegen die nazistische Barbarei prüft, wird zugeben müssen, daß es in erster Linie Kommunisten waren, die die Fahne aufnahmen und den ungleichen Kampf gegen eine barbarische Herrschaft führten. Es ist eine beliebt gewordene Methode, den Kommunisten die Ehrlichkeit ihres Kampfes um die Demokratie abzusprechen. Nur schlecht getarnt wird der Zweck verfolgt, die Kommunisten den Nazis gleichzustellen. Man verschweigt, daß die Kommunisten ihr Herz für die Demokratie nicht erst nach dem Zusammenbruch des deutschen Imperialismus entdeckt haben. In der Resolution, die auf dem im Jahre 1939 abgehaltenen 14. Parteitag der KPD( der sogenannten Berner Konferenz) angenommen wurde, heißt es: ,, Das Zentral- Komitee der KPD wiederholt ausdrücklich vor allen Sozialdemokraten, Katholiken, Demokraten, vor allen verantwortungsbewußten Deutschen, daß die Politik der Kommunistischen Partei Deutschlands fest und gradlinig, darauf gerichtet ist, in engster Gemeinschaft mit allen friedens- und freiheitsliebenden Deutschen Hitler zu stürzen und an die Stelle der Hitler- Diktatur eine vom ganzen Volk frei gewählte Volksregierung in einer neuen demokratischen Republik zu setzen. In der neuen demokratischen Republik wird im Gegensatz zu Weimar nicht die W - h D 0 H m te e U- n- en. h- ie en Depten ik tiruZU in en die es Hen eit Begehte üft, die che ceit wird werch Reder llen ngsschmit und ihlte der die Großbourgeoisie, gedeckt durch eine Koalition mit einer Arbeiterpartei, ihre wirtschaftlichen und politischen Anschläge gegen das Volk richten können, sondern die einige Arbeiterklasse vereint mit den Bauern, dem Mittelstand und der Intelligenz in der Volksfront, wird das Schicksal des Landes bestimmen." Sturz Hitlers und Errichtung einer parlamentarisch- demokratischen Republik mit allen demokratischen Rechten und Freiheiten für das Volk, das war der eindeutige Inhalt des illegalen Kampfes der Kommunisten. Standhaftigkeit, Treue und Opferbereitschaft, von hunderttausenden Kommunisten an den Tag gelegt, galten dem Kampf um die Schaffung einer demokratischen Ordnung. Es ist die Wahrheit, wenn man sagt, daß es in den Jahren des Hitler- Faschismus keine organisierte Kraft gegeben hat, die kompromißloser gegen den Faschismus und für die Demokratie gekämpft hat als die Kommunisten. Nicht anders verhält es sich, wenn man die Bestrebungen und die Tätigkeit der Kommunisten vom Standpunkt des Kampfes um die nationalen interessen unseres Volkes betrachtet. In der Berner Resolution heißt es: 99+++ daß der Kampf gegen den Krieg, für den Sturz des Kriegstreibers Hitler die höchste nationale Aufgabe aller Deutschen ist." An einer anderen Stelle in demselben Dokument wird gesagt: ,, Die Fortsetzung dieser totalen Rüstungs- und Kriegspolitik droht über das deutsche Volk die größte Wirtschaftskatastrophe seiner Geschichte heraufzubeschwören." Wer den Kampf gegen den Krieg und für den Frieden schon vor Ausbruch des Krieges als die höchste nationale Aufgabe erkannt hat, dem fällt es nicht schwer, den Schluß zu ziehen, daß nichts schädlicher für das deutsche Volk sein kann als eine Politik zu betreiben, der parteiegoistische Interessen zugrunde liegen. Jeder Schritt, den die Kommunisten seit 1932 getan haben, ist bestimmt worden von dem Bestreben, eine einheitliche Front aller jener herzustellen, denen der Frieden teuer und die Freiheit erstrebenswert waren. Die Liebe zur Freiheit, der Wille, den Frieden für Deutschland zu erringen, veranlaßte deutsche Männer und Frauen ihr Leben für die Widerstandsbewegung in- und außerhalb Deutschlands einzusetzen. Nur so wird man verstehen, warum Deutsche nach Spanien eilten und auf spanischem Boden ihren eigenen Landsleuten, die als Söldner für eine gegen unser Volk gerichtete Sache kämpften, entgegentraten. Der Faschismus ist eine alles Menschenwürdige zertörende Macht und seine Niederlage bedeutet gleichzeitig den Sieg über die finsterste Barbarei unserer Zeit. Ebenso unermüdlich und konsequent wie die Kommunisten während des Krieges an der Sammlung des Volkes für die Beendigung des Krieges und die Erkämpfung des Friedens arbeiteten, ebenso unermüdlich und konsequent stellen sie sich heute in den Dienst der Aufgabe, die wirtschaftliche und pontische Einheit Deutschlands durchzusetzen. Der Friede und die nationale Einheit das sind Forderungen, die um keinen Preis abgehandelt werden können, weil sie Lebensnotwendigkeiten für unser Volk darstellen. So geht eine ungebrochene Linie von dem Kampf des illegalen Deutschlands zu der heutigen Politik der Kommunistischen Partei. Eine Partei, die Zehntausende ihrer besten Funktionäre im Kampf um den Bestand der Nation verlor, die wie keine andere im Kampf gegen ein Regime der organ sierten Menschenschinderei und der Bestialität gestanden hat, kann nicht anders handeln, als alle ihre Anstrengungen den Gesamtinteressen des Volkes unterzuordnen. In dem Buche Friedrich Engels ,, Der deutsche Bauern krieg" heißt es: ,, Auch das deutsche Volk hat seine revolutionären Traditionen. Es gab eine Zeit, wo Deutschland Charaktere hervorbrachte, die sich den besten Leuten der Revolutionen anderer Länder an die Seite stellen können, wo das deutsche Volk eine Ausdauer und Energie entwickelte, die bei einer zentralisierten Nation die großartigsten Resultate erzeug hätte, wo deutsche Bauern und Plebejer mit Ideen und Plänen schwanger gingen, vor denen ihre Nachkommen oft genug zurückschaudern." An diese Worte Engels muß man denken, wenn man Größe und Menschenwürde der Opfer des illegalen Kampfes gerecht werden will. Hier liegi vielleicht die notwendigste Verpflichtung, die den Überlebenden und denen, die heute verantwortliche Stellen einnehmen, auferlegt ist. Die deutsche Jugend muß erfahren vom Heldenkampf der illegalen Armee. Sie ist erzogen im blinden Fanatismus für eine ruchlose Sache, aufgewachsen in einem System, das alle bösartigen, unmenschlichen Triebe entfesselt und gepflegt hai. Ihr ehrliches Wollen, ihr Tatendrang, ihre Opferwilligkeit und Einsatzberei schaft wurde zynisch und berechnend den volkszerstörenden und menschenfeindlichen Zielen einer dem Untergang geweihten profitgierigen Clique nutzbar gemacht. Wenn sie glaubte, für Heimat, Vaterland, Sozialismus und eine vom Schicksal bestimmte Mission zu kämpfen und zu sterben, so starb sie in Wirklichkeit für die wahnsinnigen Eroberungspläne elender großkapitalistischer Bankfürsten und Konzernherren, die so gar nicht der Vorstellung jugendlicher Helden ideale entsprechen. Dieser Jugend begreiflich zu machen, welcher Glaube, welche Kraft, welcher Mut dazu gehörte, allein auf sich gestellt, den unterirdischen Kampf gegen die furchtbare Macht eines über alle Mittel der Unterdrückung verfügenden, vor keinem Verbrechen zurückweichenden faschistischen Systems aufzunehmen ist eine Aufgabe, die versäumt worden ist. - Erziehung zur Demokratie, das heißt vor allem Handeln unter Verantwortung, d. h. ohne Erkenntnis keine Entscheidung. Gerade das lehrt uns die Widerstandsbewegung der Illegalen. Sie war durchdrungen von der gerechten Sache. Nicht übermenschliche Eigenschaften setzten die Illegalen instand, Tortur und Entbehrungen zu ertragen, das Leben zu opfern. Erkenntnis und unerschütterliche moralische Stärke sind Merkmale, ohne die es kein Heldentum, ohne die es aber auch keine Erfüllung der menschlichen Berufung gibt. Erkenntnis una sittlich- menschliches Gebot als Grundlagen des Handelns was anders lehrten die unsterblichen deutschen Humanisten und Klassiker? ind m ku au da in de St dr F 22 ih S t chdie on ht res g" Es en en te, gi er enegi en, Jugen Syai. enque nd rb oporzu auf ber Cherintwar Hen das raBes una Hers Nicht bequemes Zurückziehen in die private Sphäre des Daseins, nicht individuelle ,, Verinnerlichung" ist der Ausweg, sondern Verbundenheit mit dem Volke. Das erst gibt Widerstandskraft und hoffnungsvollen Zukunftswillen. Das zeichnet die Kommunisten unter allen Widerstandskämpfern aus. Viele Antifaschisten haben darin von ihnen gelernt, sie haben erkannt, daß die Schwäche der bürgerlichen Teilnehmer an der Widerstandsbewegung in ihrer Isolierung von den Massen des arbeitenden Volkes, vor allem der Industriearbeiterschaft, begründet war. Die Kommunisten wissen, daß sie sich nie vom Boden, auf dem ihre Kraft wächst, lösen dürfen. Dieser Boden sind die Massen des Volkes. So war die Aktivität der Kommunisten durchdrungen vom Bewußtsein, daß nur die Entfaltung eines Volkskampfes den Faschismus beseitigen konnte. Darum galten alle ihre Maßnahmen Methoden zu finden, um Bewegungen auszulösen, die die Massen erfaßten. Richtschnur ihres Handelns waren die Worte Dimitroffs, die er 1935 gesprochen hatte: ,, Für die Organisierung gemeinsamer Kampfaktionen zur Verteidigung der täglichen Interessen der werktätigen Massen, für die Schaffung der Einheits- und Volksfront sind die von den Faschisten beherrschten Massenorganisationen, in die das werktätige Volk hineingetrieben wurde, das entscheidende Wirkungsfeld. Wer die Notwendigkeit, eine solche Taktik gegenüber dem Faschtsmus anzuwenden nicht begreift, wer ein solches Vorgehen für„ erniedrigend" hält, der mag ein vortrefflicher Genosse sein, aber er ist, mit Verlaub gesagt, ein Schwätzer und kein Revolutionär, er wird es nicht verstehen, die Massen zum Sturz der faschistischen Diktatur zu führen." Die Methode der konsequenten Antifaschisten bestand nicht darin, abzuwarten, ihr Ziel war nicht die Durchführung einer Palastrevolution, Der 20. Juli mußte scheitern, weil die leitenden Männer dieser Aktion vor der Entfaltung einer Volksbewegung zurückschreckten. In den Betrieben, der sozialen Basis des Regimes, war die faschistische Diktatur allein tödlich zu treffen. Dort konzentrierte die KPD ihre Hauptkräfte. Als die Nazis versuchten, ihre soziale Gesinnung zu demonstrieren und mit Losungen operierten wie:„ für einen gerechten Lohn" ,,, wer leistet, soll fordern"," Schönheit der Arbeit" usw., da war es den sozialistischen Kräften ein willkommener die BelegAnlaß anknüpfend an die demagogischen Parolen der Nazis schaften für die Durchsetzung ihrer täglichen elementaren Forderungen in Bewegung zu setzen. Wo das geschah, sahen die Nazis sich gezwungen, ihre antisoziale, den berechtigten Forderungen der Werktätigen feindliche Haltung offen zu zeigen. Nicht wenige, die den Versprechungen der Hitlerbande Glauben geschenkt hatten, erkannten so das wirkliche Gesicht der Nazis. Nur so gelang es, der Einflußnahme der Faschisten auf die Industriearbeiterschaft erfolgreich entgegenzutreten, so daß dieser Teil unseres Volkes am wenigsten der Naziideologie verfallen konnte und dem illegalen Kampf die weitaus meisten Kämpfer stellte. - - Wir sind noch weit von einem erneuerten demokratischen Deutschland entfernt, das uns die Schande abnimmt, mit der das„ ,, Dritte Reich" das deutsche Voll: belastet hat, Der deutschen Widerstandsbewegung blieb der letzte Erfolg versagt, Vergebens waren die ungezählten Opfer nicht, An das deutsche Volk aber richtet sich die Mahnung ihrer Kämp- fer, das Werk zu vollenden, für das sie ihr Leben gaben. Die Bedingungen des Kampfes sind andere geworden, die Möglichkeiten, ihn mit Erfolg zu führen, ungleich günstiger, geblieben ist das Ziel. Sie wollten den Frieden, eine Demokratie, die dem Volke alle Rechte und. Freiheiten gibt und: ihre Feinde ausschaltet, sie wollten die Zerschlagung der Nation verhindern, sw wollten Sammlung aller antifaschistischen und friedensliebenden Kräfte— alles das sind Forderungen, von deren Erfüllung Leben und Existenz des deutschen Volkes heute abhängen. i: Die„Dokumente des Widerstandes“ sind in der Form von 26 Beiträgen in der„Hamburger Volkszeitung‘ erschienen. Sie erheben nicht den An- spruch, ein erschöpjendes Bild der Widerstandsbewegung an der Wasserkante gegeben oder auch nur annähernd alle ihre wesentlichen Merkmale aufgezeigt zu haben. Ebensowenig können sie eine auch nur einigermaßen umfassende Schau über Inhalt und Form der in den zwölf Jahren geleisteten Arbeit geben. Die„Dokumente“ sollen nicht mehr sein als Ausschnitte aus der Fülle des Geschehens an der illegalen Front des Kampfes gegen das Hitlerregime, Sie sind nicht das Resultat schriftstellerischen Ehrgeizes. Sie sind Produkt von Erlebtem und Berichtetem, geschrieben von Männern und Frauen, die dabei- gewesen sind,> Sie sollen dem Leser die menschliche Größe, das tausendfältige Leid, die charakterliche Stärke und die auf jede Anerkennung verzichtende bedingungs- lose Hingabe der Illegalen ahnen lassen. Sie sollen der Jugend einen Begriff von wahrem Heldentum geben, das nur möglich wird, wo das Wohl der All- gemeinheit, die Erfüllung der Sehnsucht des Volkes nach einem menschen- wärdigen Dasein, ohne Furcht vor den unsichtbaren Gesetzen einer überlebten Gesellschaftsordnung, die immer die stärkste Triebkraft aller sozialen Bewe- gungen gewesen ist, die Quelle des Kampfes ist, Sie sollen schließlich zeigen, daß die deutsche Widerstandsbewegung nicht der Vergangenheit angehört, sondern an das deutsche Volk und vor allen Dingen an seine Arbeiterklasse eindringlich mahnend die Forderung richtet: Ihr seid es, dieunser Werk vollenden müsst! Gustav Gundelach. Hill den And Bra der der fer impngen zu den, ihre Sve des igen Anante zeigt ende ben. des Sie von abei, die ngsgriff Allhenbten weicht llen tet: ach. - Trotz der Zertrümmerung des faschistischen Machtapparates hat eine von Waffe jedoch nicht von ihm erfundene Hitler immer wieder benutzte den Tod des faschistischen Regimes überdauert: Der Kommunistenschreck. Andere haben diese, Wunderwaffe" übernommen und bedienen sich ihrer zur Erzeugung eines Rauchvorhanges von Lügen und Verleumdungen zum Zwecke der Verdunkelung der Wahrheit. - Dennoch müssen unserem Volk und besonders der Jugend die bedeutsamen Ereignisse aus der Zeit faschistischer Finsternis, die ihnen verborgen gehalten wurden, nahegebracht werden. Unsere Jugend hat ein Recht darauf, zu erfahren, welche Kräfte aus der Verantwortung höchsten nationalen Bewußtseins heraus den Widerstand gegen den Faschismus organisierten und in welchen Formen dieser heroische Kampf geführt wurde. Gerade sie, die eine verbrecherische Staatsführung entgegen den wahren Volks interessen mißbrauchte, ihr lehrte, in Kriegsplänen mit romantischer Untermalung zu denken Unternehmen Attila"( Eroberung von Französisch- Nordafrika), Plan ,, Felix"( Marsch durch Spanien nach Gibraltar), Plan Seelöwe"( Besetzung Großbritanniens), Fall ,, Barbarossa"( Angriff auf die Sowjetunion), die junge Generation, der man blinden Fanatismus einhauchte, mit einer Skala von Eisernen Kreuzen, Kampfspangen, Verdienstorden, Abzeichen, Knöpfen und Schnüren, muß erfahren, wie das wahrhafte, das antinazistische Deutschland um den Bestand als Nation kämpfte. Erfahren müssen es alle jungen Menschen, denen man den sinnlosen Tod für räuberische Ziele als Evangelium pries, die Bräute, die ferngetraut" oder mit Gefallenen vermählt wurden. Deutschlands Jugend, die nichts hörte vom Heldenkampf der illegalen Armee es sei denn in der Art von ,, Heckenschützen" ,,, Banditen oder ,, Wegelagerern", soll wissen, daß der Feind jeder Kultur und Zivilisation, jeden Fortschritts im Hitlerismus zu suchen war, dem grimmigsten Feind der Menschheit, der geschlagen werden mußte, wo er auftauchte. - Der Widerstandskampf der Deutschen gegen den Hitler- Faschismus, ob in Deutschland, Spanien, Frankreich oder in anderen Ländern, muß der Nachwelt überliefert werden. Dieser großen publizistischen Aufgabe widmen wir uns im stolzen Gedenken an alle bekannten und unbekannten Widerstandskämpfer, die ihr Leben in diesem Ringen ihrem Volk geopfert haben. Redaktion der ,, Hamburger Volkszeitung". Der Widerstand begann nicht erst 1933 Im Jahre 1931 war die ganze kapitalistische Welt von einer Wirtschaftskrise erfaßt, die in Umfang und Tiefe keinen geschichtlichen Vergleich hatte. Wie in anderen Ländern, so suchten auch in Deutschland die Monopolkapitalisten, die als Inspiratoren des 1. Weltkrieges schuldbeladen, aber straffrei ausgingen, die Kosten des Krieges und der ihm folgenden Krisen auf die Schultern des werktätigen Volkes abzuwälzen. Hatten sie sich unter Kaiser Wilhelm II. der Monarchie bedient, so bedienten sie sich jetzt zur Durchsetzung ihrer Politik der demokratischen Republik, die leichtfertig genug war, ihnen dieses Spiel zu erlauben. Solange die Auspowerung des Volkes unter demokratischer Hülle ohne Schwierigkeiten möglich war, d. h. die republikanischen Einrichtungen der herrschenden Kapitalistenklasse zur Verteidigung ihrer Interessen ausreichten, verlief die deutsche Entwicklung relativ ruhig. Im Wirbel der aufeinanderfolgenden Krisen aber und der damit wachsenden Schwierigkeiten gerieten die werktätigen Massen, die sich der steigenden Ausplünderung durch Steuern, Zölle, Wucherpreise usw. entgegensetzten, in Bewegung. Wer heute noch Arbeit und Verdienst hatte, wußte nicht, ob er nicht morgen arbeitslos war. Und Arbeitslosigkeit bedeutete Hunger, Exmittierung aus der Mietswohnung, Zerfall der Familie. Aus der Zuspitzung der Widersprüche der kapitalistischen Wirtschaft erklärten sich die Ziffern der Arbeitslosigkeit. Im Jahre 1931 waren 34,7% der Berufstätigen ohne Arbeit, 1932 waren es 44,4%. Der Prozentsatz der Kurzarbeiter stieg in derselben Zeit von 19,7 auf 26,6%. Also nur ein Drittel aller Arbeiter war im Jahre 1932 voll beschäftigt. Im Bewußtsein der schaffenden Menschen setzte sich zusehends die Erkenntnis durch, daß die kapitalistische Weltordnung kein Unterpfand für Glück und Wohlstand der Allgemeinheit - sein konnte. Am Beispiel des stürmischen Fortschritts im Aufbau des Sozialismus in der UdSSR den alle antibolschewistische Hetze nicht aufzuhalten vermochte erlebte die Sehnsucht nach dem Sozialismus im eigenen Land wachsende Bedeutung. - Der revolutionäre Aufschwung in Deutschland widerspiegelte sich im aktiven Widerstand der Lohn- und Gehaltssklaven gegen kapitalistische Rationalisierung, Lohnabbau, Teuerung. Massenstreiks und Demonstrationen drückten der Lage den Stempel auf. Die Arbeiterklasse stellte sich einer Regierungspolitik entgegen, die den alten verderblichen Kräften, die Deutschland immer in den Abgrund gezogen hatten, das Feld ihrer Betätigung freigab. In der Überwindung des Kapitalismus sehen die Kommunisten den Weg zur klassenlosen Gesellschaft, wo den Schaffenden die Sorge um den morgigen Tag genommen und bezahlte Arbeit Recht jedes Bürgers ist, wo kein Mensch den anderen ausbeutet. Aber die Freiheit wird keinem Volk von außen gebracht, es muß sie sich selbst erkämpfen. Dieser Kampf öffnet die verschlossenen Tore der Betriebe, läßt die Schlote rauchen. Das steigende Vertrauen zur KPD, an deren Spitze der Hamburger Ernst Thälmann stand, wurde ausgedrückt durch 6 Millionen kommunistische Wähler am Ende des Jahres 1932. - Dieser Entwicklung sahen die herrschenden Kreise des Industrieund Finanzkapitals nicht tatenlos zu. Sie, als im Abstieg begriffene Klasse, hielt mit dem Fäulnisprozeß ihres eigenen gesellschaftlichen Systems Schritt. Ihre Macht gab sie nicht freiwillig ab, im Gegenteil, in Todesangst griff sie die demokratische Hülle abstreifend zu terroristischen Mitteln. Sie mobilisierte die gekaufte Partei Hitlers, deren Schläger- und Mörderkolonnen der SA und SS unter Führung. entwurzelter deklassierter Offiziere des 1. Weltkrieges standen. Mit dem Geld der Ruhrindustriellen und maẞloser sozialer und nationaler Demagogie wurde dem ,, Tausendjährigen Reich" der Weg geebnet. Hitler übernahm den verbrecherischen Auftrag, den deutschen Trust- und Konzernherren die Weltherrschaft zu eroben, ein Beginnen, das mit der größten Katastrophe Deutschlands endete. H de Z se SC n T im * * ** Fichen das smus den ahlte eutet. hlote HamLonen triefene Syil, in tereren wurGeld gogie mahm erren KataUngesühnt bis zum heutigen Tag Der rührigste Funktionär der KPD in Bergedorf, der Former Ernst Henning, liebevoller Vater zweier Kinder, stand in dem guten Ruf der Offenherzigkeit und Hilfsbereitschaft. Nie machte er aus seiner sozialistischen Überzeugung ein Hehl, und gerade daher nahm er die Kraft, Er seinen politischen Gegnern in offener Rede gegenüberzutreten. schimpfte nicht, er überzeugte. Aus der Erfahrung anderer Länder und im Wissen um die kapitalistische Entwicklung wurde er zum unermüdMit Ernst Thälmann in der ersten Reihe lichen Warner vor dem Faschismus. Ob an der Spitze einer Demonstration, als Redner vor den Gemüsebauern Vierlandens oder bei der Werbung von Familie zu Familie, er übertraf sich selbst in aktivistischem Feuereifer. Die kleine Gestalt flößte großen die Respekt ein, so daß Zahl seiner Wähler stark genug wurde, ihn als Abgeordneten in die Hamburger Bürgerschaft zu entsenden. Am Abend des 14. März 1931, von seiner treuen Lebensgefährtin mit warmen Wollsachen versehen, machte sich Ernst Henning auf den Weg ins Vierländer Gebiet, wo durch Plakat- Anschlag und Handzettel in dem Dorf Kirchwärder eine öffentliche Versammlung der KPD vorbereitet war... Während Ernst Henning im Saal zu den Gemüsebauern sprach, setzten sich in der davorliegenden Gaststube drei Männer an den in der Ecke stehenden runden Tisch. Sich des guten Erfolges der Versammlung freuend, verabschiedete sich der Redner von den Bauern und bestieg mit einem Freund den Nachtomnibus nach Bergedorf. Schläfrig dösten die Fahrgäste vor sich hin. Monoton ratterte der Omnibus die nächtliche Landstraße entlang. Ernst schaute auf seine Uhr und dachte, in gut einer halben Stunde bei seiner Familie. zu sein. Maffensturm gegen den Mord- Faschismus! Am Sonnabend, dem 21. März. Waffenbeteiligung am Leichenbegängnis des von den Nazis cremordeten Ernst Henning. Beschlicht geschlossene Beteiligung dee Stempelitellen und Betriebsbelegschaften! Beschließt Proteststreits in den Betrieben! Heketter, Wertlötige the wh liling 7 An einer Haltestelle stiegen drei Männer hinzu. Man beachtete sie kaum. Doch sie musterten nervös die einzelnen Fahrgäste. x Plötzlich griffen sie in ihre Taschen, zogen Pistolen heraus und knall- ten in den vollbesetzten Wagen hinein. Frauen kreischten hell auf. „Du bist Andree, Du wirst jetzt erschossen!“ Unter diesem Ruf richtete einer die Pistole auf Ernst Henning.„Ich bin nicht Andree,ich bin Henning“, rief dieser, und indem er sich als solcher zu legitimieren suchte, krachten mehrere Schüsse. Ernst Henning sank tödlich getroffen zu Boden, seinem Begleiter war ein Auge ausgeschossen, eine Lehrerin unter den Fahrgästen hatte einen Beinschuß. Der Fahrer hatte den Wagen gestoppt, und im Entsetzen des Gescheh- nisses bemühte man sich um die Verletzten. In das Dunkel der Nacht hinaus, aus dem sie gekommen waren, stürzten die ruchlosen Mörder und verschwanden. Die feige Mordtat des Genickschußkommandos dul- dete kein Verbleiben. Über ganz Deutschland und darüber hinaus verbreitete sich die Kunde von diesem beispiellosen Verbrechen. Zeitungen und Flugblätter riefen am Vormittag des 15. März in Hamburg zum Massenkampf gegen den Mordfaschismus auf. Nazis waren es, die mit Vorbedacht die furcht- bare Tat ausgeführt hatten. Die SA-Mörder Jansen, Bammel und Höckl- meier handelten im. Auftrag, der Nazipartei und ihres Gauleiters, des Ordensschwindlers Kaufmann. Zunächst bestritt die Leitung der Hitlerpartei, mit den Mördern irgend etwas gemein zu haben. Doch der Anschlag galt dem Volkstribunen Edgar Andree, auf den mehrere Attentate bereits fehlgegangen waren, und den zu beseitigen die Nazi- partei offen propagiert hatte. Hitler selbst bekannte sich zu den Mördern, erklärte, daß er für die Tat Verständnis habe, und bestellte ihnen Rechts- anwälte zu ihrer Verteidigung.' Hamburgs Arbeiterschaft forderte in den Betrieben und in riesigen Protestkundgebungen zum Widerstand gegen den Faschismus auf. Zur Sicherung des Lebens und Eigentums der Werktätigen wurde die Schaffung eines Massenselbstschutzes verlangt. Die Behörden dachten allerdings anders darüber. Ihre erste Maßnahme richtete sich gegen die Partei des Ermordeten. Demonstratio- nen, Kundgebungen und die„Hamburger Volkszeitung“ wurden verboten. Mit vollem Recht stellte daraufhin die KPD fest: N „Alle diese Verbote werden erlassen, weil man verhindern möchte, daß das Volk die volle Wahrheit über den Mord- faschismus erfährt.“ Am Tage der Einäscherung Ernst Hennings konnten der Empörung jedoch keine Schranken gesetzt werden. Zehntausende folgten-dem Er- 8 Ce sie nallbin m er Ernst - ein einen hehacht Order duldie Fätter gegen rchtöckldes der der rere Nazimordeten auf seiner letzten Fahrt nach dem Ohlsdorfer Krematorium, von wo er nach Bergedorf überführt wurde. In den brennenden Fackeln, die den Sarg umgaben, symbolisierte sich die flammende Empörung aller gerechtdenkenden Menschen im ganzen Lande. Das Unrecht aber triumphierte weiter. 7 und 8 Jahre Zuchthaus für die Mörder konnten keine Sühne sein, denn im Jahre 1933, von Hitler befreit, wurden sie mit Staatsfunktionen belohnt. Der geistige Urheber des Verbrechens, Kaufmann, lebt heute noch. Somit blieb die Mordtat bis auf den heutigen Tag ungesühnt. Ernst Hennings letzte Fahrt Eine ,, Arbeiter" partei marschiert Hamburg behauptete eine freiheitliche, eine sozialistische Tradition. Gegen den Geist August Bebels kamen die Kettenhunde des Kapitals nicht auf, auch wenn sie sich als ,, national" und ,, sozialistisch" und als ,, Arbeiterpartei" firmierten. ,, Sie sind keine Arbeiterpartei"- erläuterte Ernst Thälmann auf einer Massenkundgebung bei Sagebiel ,, sondern eine Partei von Arbeitermördern, monarchiigen er B 8 3 Zur erste atiooten. 11. 3 or er tur ahI. La= n bon m= ter= rung Die ErHitler tafell bei Bankdirektor von Gtauß Nationalsozialistische Parlamentstorruption ohne Ende Als Adolf Hitler mit Brüning' freundschaftlich um Ministerposten geschachert hatte, besuchte er nicht etwa einen feiner Berliner. Parteifreunde. Gein erster Weg nach der Brüning- Verhandlung war ein Gang zum Direttor der Deutschen Bant und Diskontogesellschaft, Herrn v. Staug, von dem er zum Mittagessen eingeladen war. Herr v. Staub ist als Direktor der D.- Banten einer der entschei denden Führer des deutschen Banffapitals, des raffenden Kapitals", wie es im nationalsozialisti, fche Agitationsbuch heißt. Adolf Hitler wird sich mt ihm nicht gerade besprochen haben, wie er das„ raffende" Kupital„ zusammenhauen" will. Kämpft gegen die Stützen des "-inte stischen Offizieren, bankerotten Generälen, Hohenzollernprinzen und politischen Hochstablern", die, so darf man hinzufügen, vom Großkapital finanziell ausgehalten wurde. war daher nicht zufällig, daẞ die maßgeblichen Trust- und Bankherren die 15- und 20fachen Aufsichtsräte Mitglieder dieser seltsamen ,, Arbeiterpartei" waren. Es Um die großen Städte politisch zu ,, erobern", genügte der bombastische Name der Hitlerpartei und das Versprechen, ein 9 ,, tausendjähriges Reich" errichten zu wollen, allein nicht. Dennoch schoẞ diese Partei seit 1930 üppig ins Kraut, wofür es besonders zwei Gründe gab: Eine regelmäßige Millionenzuwendung von seiten der Kapitalorganisationen und die Anwendung des faschistischen Terrors. So beschloß z. B. das Ruhrkohlensyndikat, die monopolistische Vereinigung der Ruhrbergbauunternehmer, daß jedes seiner Mitglieder pro Tonne verkaufter Kohle 5 Pfennig zur Finanzierung der NSDAP abgebe. Da diese dem Syndikat angeschlossenen Unternehmer über eine Förderung von rund 120 Millionen Tonnen Kohle im Jahre verfügten, stellten die geschenkten„, 5 Pfennige" eine Summe von 6 Millionen Mark dar. Derartige Freundesbezeugungen gab es auch aus anderen Sektoren der Industrie. In der Chronik der Hamburger Filiale der Hitlerpartei über das Jahr 1931 wurde der Plan des terroristischen Vorgehens in knappen drei Sätzen umrissen:„ Die Nazis werfen sich auf das Landgebiet und die kleinen Vororte. Von dort aus muß die Riesenstadt berannt werden. Blutige Kämpfe werden geschlagen." Mit großen militärisch ausgebildeten Haufen über Minderheiten herfallen, das war das Rezept, nach dem verfahren wurde. Auf diese Weise ,, eroberte" man die kleinen Vororte und das Landgebiet. So war der ruchlose Mord an Ernst Henning im März 1931 nicht die Stauß, Dr. Emil Georg von. 1907 Direktor der Deutschen Petroleum- A.- G., die die Petroleumversorgung Deutschlands mit deutschem Kapital durchführen wollte, 1914 deren Generaldirektor. 1916 als Nachfolger Helferichs Direktor der Deutschen Bank, wo er außer den Petroleumunternehmungen u. a. auch die türkischen Bahnen bearbeitete. Unter anderem Aufsichtsratsmitglied bei Bayrische Braunkohlenindustrie, Bayrischer Lloyd, Bergmann- Werke, Deutsche Petroleum, Europäische Petroleum- Union, Rütgers Werke, Universum- Film, Rhein- Main- Donau A.-G., Daimler- Ges., Deutsche Kontinentale Gas Gesellschaft, Deutscher Äro- Lloyd, Gebr. Junghans, Kahlbaum, Lindström, Neckar A.-G., Ostwerke, I. D. Riedel, Rhein. Kreditbank, Schultheiẞ- Patzenhofer, Bank für Orientalische Eisenbahnen, Dahlem, Cäcilienallee 14/16, F. Pfalzb. 2546. ( Politischer Almanach 1925.) erste ,, Freiheitstat" der„ rauhen Kämpfer" dieses Jahres. Ihr ging die Ermordung der jungen Arbeiter Geick und Benthien in Geesthacht im Januar voraus. Wer in den Naziversammlungen seine eigene Meinung zu sagen wagte, schwebte in Lebensgefahr. Und die sozialistisch orientierten Arbeiter scheuten sich nicht, den braunen Kapitalagenten die heuchlerische Maske, unter der sie Dummenfang zu treiben suchten, vom Gesicht zu reißen. In diesem Fall ging die Versammlungsleitung nach nazistischem Regiment an den höchsten anwesenden SA- Führer über. ,, Der diskutiert nicht mehr. Der läßt den Saal räumen.( In diesem Fall in Pinneberg.) SS- Mann Günther wühlt sich durch die Front des Reichsbanners. Zwei, drei Mann fallen, wenn er schlägt." Ein anderer Kriegsberichter sagt triumphierend: ,, In Cuxhaven fegen SA und einige Stahlhelmmänner provozierendes Reichsbanner al d S d d V g B fa d D A S b N H 110 Schoß ünde der hen ische pro gebe. ördellten dar. der das andberisch zept, einen t die pfer" g der ien er in MeiDenserten Lunen aske, suchsem nach manSt den berg.) die Mann riumStahlanner aus dem Saal. Karl Olfers, der Häuptling der Cuxhavener SPD, wird dabei arg beschädigt." Es ist die blutrünstige Sprache bezahlter Soldknechte, deren Ausdruck schon keine Verbindung mehr zuläßt mit der Sprache, die uns die großen deutschen Dichter und Denker schenkten. In demselben Maße aber, wie diese mit Hilfe des friedlichen Wortes Deutschland einen Namen in der Welt gemacht hatten, haben die Nazis durch ihren Kaşchemmenton begonnen, das deutsche Ansehen herabzuwürdigen. Der eisige, geistlose Befehl, gegeben an zu jeder Schandtat gegen die Ärmsten des Volkes fähige Terrorformationen, konnte jedem Denkenden nur das Undeutsche dieser ,, Deutschen" offenbaren. ,, Wieder wird marschiert, marschiert. Jeden Sonntag tritt in ganz Deutschland der SA- Mann an. Jeden Sonntag. Marschieren, marschieren. Am 10. Mai in Ahrensburg. Einen Sonntag später geht der Marsch durch Vierlanden. Wieder einen Sonntag später marschieren Hamburger und Schleswig- Holsteiner zusammen auf Fehmarn. Es kommt zu schweren blutigen Zusammenstößen. Der Bürgermeister weist die SA von der Insel. Marschieren, marschieren, Sonntag um Sonntag." Und diese abgebrühten Horden wollten Deutschland Heil bringen! Den Nazis wird das Feld nicht überlassen Im stärksten Empfinden mit allen Notleidenden und in entschiedener Kampfstellung gegen das Unrecht mobilisierte Ernst Thälmann die Entrechteten und Unterdrückten. Aus dem täglichen Erleben heraus erklärte er die Notwendigkeit aktivistischen Handelns: ,, Ist es nicht ungeheuerlich, wenn der Generaldirektor der Hapag 600 000 Mark verdient und zu gleicher Zeit die Wohlfahrtsunterstützung für den erwachsenen Erwerbslosen im fremden Haushalt von RM 13.50 auf RM 5.- herabgesetzt wird? Das ergibt, wenn man den Achtstundentag zugrunde legt, daß der eine in einer Stunde 10 Pfennig verdient" und der andere 333 Mark! Oder anders ausgedrückt: Ein Hamburger Wohlfahrtserwerbsloser erhält für seinen Unterhalt in 1% Jahren so viel, wie der Generaldirektor in einer Stunde! Kann eine solche Gesellschaft bestehen bleiben, in der solche Ungerechtigkeit möglich ist?" " ( Aus: ,, Hamburger Volkszeitung" 1931.) Weil dem so war, marschierten die braunen Söldnertruppen in prachtvollen Marschstiefeln und konnten die ohne Arbeit auf der Straße liegenden Werktätigen nicht den Betrag einer notwendigen Schuhreparatur erschwingen. Dennoch dachten die verantwortungsbewußten Antifaschisten nicht daran, den Nazis widerstandslos die Straße freizugeben oder die Landbevölkerung terrorisieren zu lassen. Mit welcher Überzeugung und Aufopferung organisierte Städter ihrer selbstlosen Sache dienten, haben ungezählte Beispiele bewiesen. So lag aus einem Dorf im Kreise Segeberg die Mitteilung vor, daß eine für den Sonntag anberaumte freie Bauernversammlung nicht stattfinden könne, da die Nazis des Kreises 11 sie verhindern wollten. Maßlose Dohungen wurden gegen die Bauern ausgestoßen, Schikane und Sabotage in Aussicht gestellt. 200 Hamburger Männer trafen sich, mit der Hochbahn ankommend, an dem fraglichen Sönntag am Endbahnhof Ochsenzoll. Dann mußten die Beine herhalten. Denn der schmale Geldbeutel warf kein Fahrgeld ab. Die herbstliche Landstraße im Jahre 1931 war nicht kürzer, als sie es heute noch ist. Erschwerlicher aber wurde der Weg durch einsetzenden Regen, der hohe Anforderungen an die Kleidung der 200 Antifaschisten stellte. Bedenklicher noch war ihr Schuhwerk. So manch einer hatte kein Sohlleder mehr unter den Schuhen, lief also faktisch auf seinen Fuß- sohlen. Dieser Zustand war denn auch Veranlassung, den Zug aufzuglie- dern in eine Kolonne der schneller Marschierenden und eine Kolonne, der mäßiges Marschieren empfohlen wurde. Nach mehrstündigem Marsch kamen beide Gruppen, die zweite nur mit 20 Minuten Unterschied, im Versammlungsort an. Gendarmerie in„großer Form“ hatte im Dorf bereits„Stellung“ bezogen. Die Versammlung zu schützen, lag für sie keine Notwendigkeit vor, denn die 200 Antifaschisten garan- tierten einen reibungslosen Verlauf. Die Gendarmerie aber blieb. Und so ‚sollte sie, gewollt oder ungewollt, den Nazis, die nichts mehr verhindern konnten, einen Dienst erweisen, der darin bestand, die Bauern zu äng- stigen und sie vom Besuch der Versammlung fernzuhalten. Mit der Po- lizei hatte man nicht gern zu tun. Wie erstaunt aber waren die Gen- darmen, als ein Fuhrwerk nach dem andern vor dem Gasthof ankam mit Bauern aus den benachbarten Dörfern, die sich nun den Einheimischen zugesellten. Alle Besucher wurden zum Überfluß an der Tür von den Gendarmen nach Waffen durchsucht. Wäre eine einzige gefunden worden, hätte man die Versammlung aufgelöst. Doch Waffen hätten sichergestellt werden können, wenn sich die Gendarmerie die Mühe gemacht hätte, die in der ganzen Umgegend zu„Felddienstübungen“ zusammengezogenen Nazifor- mationen etwas näher zu betrachten. Die Bauernversammlung fand entgegen dem Willen der Nazis nicht nur statt, sondern sogar mit größtem Erfolg. Unter gespannter Auf- merksamkeit auch der Gendarmen entwickelte der Redner das konstruk- tive Bauernhilfsprogramm der KPD.„Folgt diesen Vorschlägen und verbindet Euch mit den kämpfenden Städtern“— schloß der Redner „Jeder andere Weg führt in die Barbarei des Faschismus, der für die Bauern Zwangswirtschaft und Ausplünderung bedeutet.“ Entschlossene Gegenwehr durch antifaschistische Aktion Dem wütenden: Terror der Nazis konnte wirksam nur die einheitliche Front aller Antifaschisten entgegengestellt werden. Nachdem die staatli- chen Organe. dem braunen Treiben ohnmächtig zusahen, war dies die einzig mögliche und ebenso richtige Erkenntnis in breiten Volksmassen. 12 St \ \ uern d, an die ab. e es den sten kein Fußglienne, rsch im zen, rand so dern EingPoGenmit chen men man den der formicht Aufrukägen dner die Miche atlidie ssen. es 15 Das Innenministerium, das größte Entschlußkraft aufwies, wenn es gegen den linken Flügel der sozialistischen Bewegung zu entscheiden galt, wie Verbot des das willkürliche Roten FrontkämpferBundes( RFB) im Mai 1929 bewies, fand bezeichnenderweise nicht die Kraft, den staatsgefährdenden braunen Terrororganisationen entgegenzutreten. Der mutigen antifaschistischen Wehrorganisation die öffentliche Existenz abzuschneiden, unternahm die Weimarer Republik, ihrem unbeirrbaren Vorsitzenden, Ernst Thälmann, das Lebenslicht auszublasen konnte sie getrost dem Dritten Reich überlassen. Die durch die fortgesetzten Mordtaten der Nazis aufgepeitschte Empörung des arbeitenden Volkes appellierte zwar an die Behörden. Zum Zwecke der Beruhigung brachten diese es bis zu einem kurzfristigen Uniformverbot, über das die Braunhemdler sich lustig machten und die derweil ein unschuldweißes Hemd überzogen. Auch ein SA- Verbot von ein paar Wochen, mit dem man die sich anbahnenden Massenaktionen zu unterbinden suchte, vermochte die Autorität der Staatsorgane nicht zu heben.„ Antifaschistische Aktion!" unter dieser Losung rief die KPD alle fortschrittlichen Kräfte zum Kampf gegen den Faschismus auf. Unter Führung der bewährtesten Arbeiterfunktionäre schritt man zur Bildung von - Formationen eines Massenselbstschutzes, die an keine Partei gebunden waren und denen der Schutz des antifaschistischen Lebens und Eigentums anheimgestellt wurde. Schlagt Anfang 1932 konstituierte sich unter Führung des Reichsbanners Schwarz- rot- gold die„ Eiserne Front", die drei Säulen der Arbeiterbewegung umfassen sollte: das Reichsbanner, die gewerkschaftlichen Hammerschaften und die Arbeitersportler. Die Gefahr des Faschismus rief zum Widerstand, jedoch ist es die Tragik der deutschen ArbeiterpoliHitler u. Hindenburg! met Ihr euch? getroffen! wer Japaner Haß gegen das bestehende System des Hungers, der faschistischen Unterdrückung des räuberischen Krieges beiße Solidarität mit den Arbeltern und Bauern der Sowiet union, mit dem Lande des sozialistischen Aufbaus mit dem Lande unserer eigenen Hoffnung mit dem System des Sozialismus! Kampf mit allen Mittela gegen den imperialletischen Kriegl das muß euer Weg sein! Verhindert Kriegslieferungen u.-transporte mit allen tik, die es nicht zuwege Mitteln des Streiks und der Kampfaktionen! Am 6. April heraus zum Kampftag für die Verteidigung der Sowjetunion! Gegen den imperialistischen Krieg! Für Arbeit, Brot und Freiheit! Für Sozialismus! Jede Stimme für Ernst Thälmann aber ist eine Stimme gegen die Unordunng und Mißwirtschaft dee Kapitalismus, für die sozialistische Ordnungl Jede Stimme for East Thälmann lat eine Stimme gegen den imperialistisches Krieg gegen die imperialistischen Kriegstreiber, für den Frieden, für die Verteidigung der Sowjetunleaf Jede Stimme für Ernst Thälmann ist eine Stimme für Arbeit, Brot und Freiheit, ist eine Kriegserklärung an die Reichen, die im Überfluß prassen, während Millionen und aber Miloben hungeral and Land zu Deswegen ruft die Kommunistische Partei den werktätiges Wählers Stad Am 10. April fede Stimme der Kampikandidatur des arbeitenden Volkes, brachte, diesen in zwei großen Lagern sich sammelnden Widerstandsgeist zu kombinieren, der in einer solchen Wucht und Geschlossenheit den Vormarsch des Faschismus unmöglich gemacht hätte. 13 W Die Zweiteilung der Arbeiterklasse und die Schwäche der republikanischen Staatsgewalt ausnutzend, vervollkommneten die Nazis ihre Terrororganisationen. Im Rahmen ihrer„Standarten“ und„Sturmbanne“ entstanden jetzt„Ma- rine- und Reiterstürme“. Im Frühjahr 1932 erhielt die Hamburger Filiale auch ihren ersten„Fliegersturm“. Reorganisiert wurden die Einrichtun- gen der„SA-Beobachter“,„SA-Reserven‘, das„Sanitätskorps“,„Zeug- meistereien“,„SA-Kasernen“,„Führerschulen“, etc. Diese bürgerkriegs- mäßige Ausrüstung der Hitlerpartei vermochte die Organisation der deutschen Polizei in den Schatten zu stellen. So bereitete sie unangefoch- ten, aber praktisch den Bürgerkrieg vor, ohne zu vergessen laut und vernehmlich zu ruien:„Die Kommunisten wollen den Bür- gerkrieg!“ Der Osaf(Oberster SA-Führer), Adolf Hitler, konnte sich sogar ein Flugzeug zulegen, vermittels dem sich die braunen Lügen schneller verbreiten ließen. Kein deutscher Minister hat davon zu träu- men gewagt, ein Flugzeug zu besitzen, der braune Parteipapst jedoch schlug im Jahre 1932 die Wahlschlachten mit Hilfe von Flugzeus, D-Zug- Expreß und Daimler-Benz.\ An Wahlen hai es nicht gefehlt. Im März und April begannen die Kämpfe mit dem ersten und zweiten Wahlgang zur Reichspräsidenten- wahl. Es ist dies jener Zeitpunkt, zu dem die KPD mit ihrem geschicht- lich gewordenen Aufruf an die deutsche Öffentlichkeit trat, in dem es vorausschauend und warnend hieß: „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler— wer Hitler wählt, der wählt den Krieg!“ Das deutsche Volk in seiner Verblendung— der Kandidat Hinden- burg erhielt 19 Mill., Hitler 13 Mill. Stimmen— schlug die Warnung der Kommunisten in den Wind. Es sollte kaum 9 Monate später die kommunistische Voraussage bestätigt bekommen, als Hindenburg tat- sächlich Hitler die Macht übergab, der dann, nach 6 Jahren der fieber- haften Kriegsrüstung den Krieg auslöste, an dessen Ende Deutschland zertrümmert zu Füßen der Sieger lag. Mit Hilfe der Millionen-Zuwendungen der„Monopolkapitalisten, einer unverschämten sozialen und nationalen Demagogie der Propaganda- redner, dem skrupellosen Terror und der. frommen Duldung und För- derung des Totengräbers der Demokratie seitens des Staates, vermochte die Nazipartei bei den Aprilwahlen zur Bürgerschaft die stärkste Parla- mentspartei in Hamburg zu werden. Sie stand mit'233 000 den 226 000 .der SPD und den 120000 Stimmen der KPD gegenüber. i Ermutist‘durch diese Wahlergebnisse traten die Terrorformationen noch unverschämter auf. Ihre verbrecherische Existenz machte Siche- rungen nötig. „Sturmfahnen werden eingerollt, sichergestellt“— hieß es in ihrer Chronik—„alle SA-Befehle werden verpackt, vergraben, versteckt. Die Stammrollen verschwinden. Die Schränke der SA 14 In C dem Preu Nazi von zur| Nazi fügu Woc chen . Im MaFiliale tuneugLegsder Fochund ürsich Eigen räudoch Zugdie tenichtm es 166 denmung die tatberland sten, ndaFörOchte arla6 000 Lonen iche, sind leer. Die wichtigsten Daten, die Namen der Männer mußte der Scharführer im Kopf haben." Das sagten jene, die vorgaben, legal zur Macht kommen zu wollen! In Ohlsdorf kannten die Leichenträger die wachsende Zahl derer, die dem braunen Terror zum Opfer fielen. Wilhelm Pieck nannte im Preußischen Landtag die Verschwörer beim Namen, indem er, zu den Nazis gewendet, konstatierte:„ In Ihren Reihen sitzt eine ungeheure Zahl von Mördern!" So unglaublich es heute klingen mag, so war es doch Tatsache, daß zur selben Zeit, als den Kommunisten der Rundfunk versperrt war, den Nazis dieses Instrument der Massenbeeinflussung offenherzig zur Verfügung gestellt wurde. Außerdem hob man am 16. Juni 1932 das wenige Wochen währende Scheinverbot der SA auf. Vom Blutsonntag in Altona bis zum Reichstagsbrand Am Sonntag, dem 17. Juli, nahmen die ,, rauhen Kämpfer" in Altona blutige Revanche für das unbeugsame Verhalten der Arbeiterschaft, die sich nicht willens zeigte, den Nazis die Straße freizugeben. So holte die Führung der NSDAP zu einer ganz großen Provokation aus. In den Straßen Altonas wurden die SA- und SS- Formationen aus ganz Schleswig- Holstein, Hamburg und Harburg zusammengezogen. Mit der Absicht, den Zutritt in die Arbeiterviertel mit Gewalt zu erzwingen, waren alle Vorbereitungen getroffen worden. Tage vorher raunten sich die SA- Schläger das kommende Ereignis in die Ohren. Geheimbefehle, dies15. Jahrgang. Ar. 185 Elagelpreis 10 84. Hamburger Bolkszeitung Organ der APD für die Mctions 10 DI Ba Crusions betars Charte ISTISCHE N Werttätigen Groß- Hamburgs Dienstag, 19. Juli 1932 Untaly, bation Bamberg Wir flagen an! 9 Saul ber 5- Revolverhelden an den Borgängen in Mitons erwiefen- Selb der Samburger Anzeiger" gibt den erften lagrill der Razis- Die Bravefations ale Babl der Telen auf 15 erhöht- Die mellen Isbesoplet bar Ale Fraile alten ber 5 von bürgerliger Seite eingektar mal nicht ,, verpackt, vergraben, versteckt", sondern den einzelnen Sturmabteilungen zugestellt, ordneten das gewalttätige Verhalten der„, Soldaten des Führers" an. Der derzeitige Polizeipräsident von Altona, Otto Eggerstedt- der später als aufrechter Antifaschist im KZ den vergab sich der trügerischen tierten Banden zum Opfer fallen sollte Hoffnung hin, durch Polizeiaufgebot die von ihren Führern aufgestachelte SA und SS in Schach halten zu können. 15 N Während andere Parteien und die Altonaer Stadtverwaltung zurück- wichen und der Bevölkerung empfahlen, Fenster und Türen zu schließen und den„Unbeteiligten“ zu spielen, rief die KPD in tiefer Erkenntnis der drohenden Gefahr zum entschlossenen Widerstand auf Massengrund- lage auf. Die Gefahr konnte nicht gebannt werden, indem man davön- lief. Einer„Ansicht“, daß man die Nazis„untersichlassen“ könne, sie sich selbst„abwirtschaften“ werden, trat die KPD mit aller Entschiedenheit entgegen.; Von Bahrenfeld sich nach Ottensen wendend, drangen die Provoka- tionskolonnen in das Zentrum, die Altonaer Altstadt, vor. Hier setzten Ausschreitungen ein, die alles vorher Gekannte in den Schatten stellten. Die Polizei erwies sich dem Ansturm nicht gewachsen.; Stundenlang wüteten die braunen Horden„idee- und programmlos“ Am Abend wurden 18 Tote gezählt und rund 50 Verletzte Wer die Waffen geführt hatte, zeigte die Zusammensetzung der Opfer: unter den 18 Toten befanden sich lediglich 2 Nazis. In dem Kriegsbericht der Mörder wird später zugegeben, daß hier nur der kalte Befehl:einer un- menschlichen Verrohung gegolten hatte: Brs;: „Der SA-Mann lacht, ein trotziges, hartes Lachen.., Hier wird nicht gefackelt, hier wird nicht debattiert, hier gilt keine Idee mehr und kein Programm, hier heißt es marschieren, marschieren.“ Es war dasselbe Grinsen von gedungenen Mördern, die im schlesi- schen Poötempa zu fünft den schlafenden Antifaschisten Konrad Pietczuch im Dunkel der Nacht im Bett mit Knüppeln totschlugen. Vor, Gericht gestellt erklärten die fünf SA-Mörder,„provoziert“ worden zu sein. Von einem schlafenden Menschen provoziert! Hitler be- kannte sich, wie im Falle der Henning-Mörder, zu der ruchlosen Tat und den feigen Mördern, die man nicht umhin konnte, zum Tode(mit spä- terer Begnadigung) zu verurteilen:„Eure Freiheit ist eine Frage unserer Ehre!“ En Die Bilanz dieser„Kampfzeit“ lag bald vor: „Nach Statistiken, die von den Regierungspräsidenten zusammen- gestellt und an das Preußische Ministerium des Innern gesandt wurden, sind in der Zeit vom 1. Juni bis 20. Juli im gesamten preußischen Ge- biet(außer Berlin) im ganzen 320 Fälle von Gewalttaten zu verzeichnen gewesen. Dabei wurden 72 Personen getötet und 497 schwer verletzt.“ (Kölnische Zeitung, 5. Aug. 1932.) Hitler hatte den Nachweis der Befähigung erbracht, Oberhaupt. eines Bandenstaates, genannt„Drittes Reich“, zu sein. Mit einer„Verordnung zum Schutze des Volkes“, die Hitler in der ersten Woche seiner Regierungstätigkeit verkündete, gab. er seinen Banden offiziell’die Straße frei. Diese trugen jetzt ihre Waffen legal und machten davon den Gebrauch, der von der Führerschaft ge- wünscht war. Um dem Treiben der SA auch den amtlichen Charakter zu geben, wurden große Teile dieser Terrorformationen als„Hilfspolizei* deklariert, der Polizei eingegliedert. Haussuchungen, Verhaftungen auf 16 „ei au vl ge zurückhließen enntnis grunddavonkönne, It aller ovokasetzten tellten. los" Wer unter ht der er unrd lee 1." chlesinrad lugen. iert" er beat und t spänserer menurden, n Gechnen letzt." 32.) haupt. ", die gab er Waffen ft gerakter olizel n auf Generalstreik gegen die faschistische Terrorherrschaft 0111 Reichstongler!- Bopen Bigelangler- u. genberg Wirtschaftsdiftator die grids und Goebbels an der Epige der Polizei- Etahlhelm- Seldte Arbeits minifter dica neue Kabinett der offenen faschistilchen Difratuz ist die brutoffie, woerbudtete Rriegserflärung an die deuilce belfestlase, an bas merttätige Bol!! Die Betrugsmanobet Arbeites, arbeiterinnen, Jungarbelles, nebms in allen Be rrieben, in allen Gewerfidhaften, in allen beitererganila. tionen, auf allen Stempelstellen fofort Stellung für den Genera.. Streit gegen die faidiitilde Dittaturt Beschließt bed Logialen Generals Find zu Ende. Die Zulpikung der Arile, Arbeitsniederlegung! der machtvolle revolutionöre Aulichwung der Dlosen drängt die Mourgeoisie, das nadie Gesicht ihrer Diftatur in äußerster Bru talla- ju enthüllen. In dit Stelle der Josialen" Bbralen tielen die Rosonette der Reichswehr und die Revolver der morbenten El und 66 Rolonnen. Ehamlejer Raub der Löhne, fchranten loler Terror der braunen Mordpelt, 3ertrümmerung der legten Beschließt Mallendemonftration! Wählt einbeitetomitees and Streifleitungen! färglichen Stelte der Rechte der Arbeitertialle, bemmungslar Organisiert den Kampf! Puts auf den Imperialistilen Krieg, das alles hebt unmittel our brook Die Partet des oeutiden arbeiterflasle, bie Bartel der Streits gegen Lohnraub, der Verteidigung der 3nterellen aller Werttätigen, des Samples für die Freiheit der Urbelterklasse und für den Goziallemas die KPD will man verbieten! Die Kampforganisation Des proletarischen Jugend, bet, LAND, die Masenorganisation, die den Kampl gegen Lohntaub und Unternehmeriafür führt, bie NGO Jou verboten werden! Dicje Jelchistilchen nichläge jolen ben Rurs auf die volle derialagung oder Arbeiterorganijationen einleiten. Dao blutige barbarliche Terrorregime des Fallomas with in Deathchland culgerichtel Moen, sagt nicht zu, daß die Todlelade des deutschen Bolles, dle Todselnde der Arbeiter und armen Bauern, der Weiltätigen in Stadt und Land ihre Berbrechen burchführen. Segt euch zur Mehr gegen die allage und den Tetror der tajchiltlichen Nonterrevolution! Serieidigt euch gegen ble fhranfenlele lostale Reaktion der falgipuden Dittatar! Die Kommunistische Bartel Deutschlands wendet fich dor ber gelamten proletarilden Offentlichtels mit dem Aufruf augleid en dra DGB, an den ja Bund, an die 6D and dir driplices Gewerfidhaften all der Aufforderang. gemelalam mit den Kommualites bis Generalireit gegen ble falchiltilde Dittatur der Sitler Hogen. berg Papen, gegen die 3etichlagung der Arbeiterorganisatione für die Freiheit be: Urbeltertlase darchjaführeat Die D appellert an die Milonen der sozialdemo fratiidhen, freigewerfichaltlichen, driftliches und Reidsbanaer arbeller in 6labi and Land, wir as die anorgaalfierin Urbeltermaßen: Gührt gemeinsam mit eaten fommunistischen Alaffengenalien in allen Betrieben und Arbeiterwohnungen die Mafless demonstrationen, den Elreit, den Maßenftteif, den General kreit durch! dellt den Kommunisten, die übrigen werftätigen Dianen, armen Bauern auf dem Lande, die Mittelldichten, die Intellef tuellen in den Städten zur Unterstügung des Rampica tur bie Arbeiterflofje au mobilifieren! Echart euch um ble bedrohte Rommuniltilde Parteipp den ABD und die D, ertennt, daß der Schlag gegen das repo. lutionäre roletariat els Schlag gegen die ganze beuliche r. Es lebe die proletariide Cinbeltefront gegen bir fa Hitler Diftatur! Fort mit den Biller apea Sugenberg Heraus auf die Straße! bellertalet Legt die Betriebe still! Entwortet fofort eaf dra alchlag der Jachtstea: mit dem Streik! mit dem Maffenftreik! mit dem Generalitreik! Betontwortlich für Anbalt, Berlag und Drud Shpeller, DbR, Berlin Eslebe der Generalitreik Es lebe der Kampf für die Freiheit der Arbeiterklasse Co lebe der Kampl für elar rbeiter und Bauernecpablit! Berlin, 30. Januar 1933 Kommunistische Partei Deutschland eigene Faust, terroristische Absperrungen ganzer Häuserblocks, Demolierung von Wohnungseinrichtungen und Miẞhandlungen der zu Verhaftenden vor ihren Angehörigen, Beschlagnahme persönlichen Eigentums wurden zur täglichen und nächtlichen Beschäftigung dieser Kommandos. Der durch die Auflösung des Reichstages und die ausgeschriebenen Neuwahlen für den 5. März entfesselte Wahlkampf war der blutigste, den Deutschland in seiner Geschichte je gesehen hat. Mitten im Wahlkampf erfolgte das Verbot der„ Hamburger Volkszeitung" auf vierzehn Tage.„ ,, Sie wird nie wieder auferstehen!" jubilierten die Nazis. Sämtliche - HV- Redakteure wurden verhaftet und schwer mißhandelt. In allen Stadtteilen Hamburgs erschien fortan die HV illegal auf hektographierten Blättern und machte den Schergen 12 Jahre lang größtes Kopfzerbrechen.( Die HV stand 1946 als öffentliches Organ wieder da, aber das„ Tausendjährige Reich" war zerbrochen.) Einen Höhepunkt des Verbrechens erreichten die nazistischen Abenteurer mit ihrer Inbrandsetzung des Reichstagsgebäudes am 27. Februar. Dieser unter intellektueller Führung von Göring gelegte Brand, der den Naziführern die vor der Öffentlichkeit„ gerechtfertigte" Handhabe für alle diktatorischen Maßnahmen geben sollte, wurde den Kommunisten als ,, Fanal zum Aufstand"(!) in die Schuhe geschoben. Dem Zweck entsprechend„ entdeckte" man auch plötzlich riesige„ Katakomben im Karl- Liebknecht- Haus", dem Sitz des Zentralkomitees der KPD. Dort ,, entdeckten" die Goebbels'schen Schreiberlinge auch„ riesige Mengen" aufrührerischen Materials, sowie die„ Aufstandspläne" der Kommunisten. Die Öffentlichkeit wird mit diesem Material bekanntgemacht“ es, doch das deutsche Volk wartete zwölf Jahre vergeblich auf die angekündigten Veröffentlichungen. 2 Dokumente des Widerstandes - hieß 17 Die Arbeiteraktivisten hatten den Sinn des Reichstagsbrandes sehr schnell durchschaut. Schon am nächsten Tag las man in Hamburg und anderen Städten an Mauern und Häuserwänden den sinnvollen Spruch: ,, Hitler bringt kein Brot ins Land, drum steckt er den Reichstag in Brand". SPD- Arbeiter sprechen über das Thema: Unter den Flammen des Reichstagsbrandes entstand eine weitere, noch verschärfte„ Verordnung zum Schutze von Volk und Staat". Die Wahlpropaganda der Kommunisten wurde zur Unmöglichkeit. Plakatsäulen verfielen der Zerstörung, die Zeitungen waren verboten. Versammlungen wurden von besonderen Kommandos gesprengt, die Redner verprügelt und gefangengesetzt. Das Heer der braunen Plünderer nahm in den Häusern der Arbeiterparteien und Gewerkschaften alles mit, was brauchbar schien, vor allem Geld. Um auf die langersehnten weichen Sessel im Rathaus zu kommen, ,, arbeitete" man mit Drohungen, Flegeleien, Befehlen. Einlat 19 Uhi Es sprechen EINHEITSFRONT ist das Gebot der Stunde! Donnerstag, 23. Februar bei Wachtmann. Altona, Betriebsratvorsitzend. Leventzow, SPD Betriebsratvorsitzender Nitsche, SPD Die Vertreter der KPD u. SPD sind aufgefordert. zu erscheinen, u. erhalten je 314 Stunde Redezeit! Eintriti 15 Pfennig. in der Abendkasse 20 Ptennig Beginn 20 Uhr Einberufen vom Einheitsausschuß der Betriebsräte Altona - Dennoch merkten manche ,, alten Kämpfer" nichts von der erhebenden ,, nationalen Revolution"." Sie ahnen nicht, daß die Revolution währenddes ihren Lauf nimmt; daß zwischen Rathaus und Hamburger Gauhaus ein Machtkampf ausgekämpft wird." So der nazistische Chronist. Die Kühnheit, verkörpert durch Edgar Andrée Aus dem Grauen des 1. Weltkrieges der ihm nicht, wie einem Hindenburg, wie eine„ Badekur" bekam kehrte Edgar Andrée als überzeugter Kämpfer für den Frieden zurück. Im Suchen nach den Ursachen der mörderischen Raubkriege kam er zu der Erkenntnis, daß die Triebkräfte des imperialistischen Krieges die monopolistische Kapitalherrschaft - ist. Daraus konnte es nur eine Schlußfolgerung geben: soll ein dauernder Friede die Menschheit beglücken, so müssen die Völker sich von den kapitalistischen Mächten befreien, die Völker selbst ihre Herrschaft errichten. Das erfordert die Herbeiführung der Demokratie und ihre höhere Weiterentwicklung zum Sozialismus. Diese Auffassung machte Edgar Adrée keineswegs zum Pazifisten, also einem grundsätzlichen Gegner jeden Krieges. Nein, er wußte gut zu unterscheiden zwischen nationalen und kolonialen Befreiungskriegen, die dem Fortschritt gegen die Versklavung dienen, die er also anerkannte und den reaktionären Kriegen, die der Unterjochung des eigenen Volkes und fremder Völker dienen, die er bekämpfte. Niemals hat er aus seiner Überzeugung ein Hehl gemacht. In der täglichen Aufklärungsarbeit untermauerte er sie. Bei seiner Hilfs18 bere dem fang schl Ang eine kan Gru ihm Nac den Die die Ver in zur sie ver An alle auf pag we wa Reg ihn nie losi ren Vo zer der 360 das kn bei un ka de sar in de de 2 bereitschaft erwies er sich als ein wahrer Freund aller Bedrückten, von dem man sich Rat holte, zu dem man gern ging und auch immer emp- fangen wurde. Diese Eigenschaften, gepaart mit einer kühnen Ent- “schlossenheit, wenn es Leben und Eigentum der Werktätigen gegen die Angriffe der braunen Terroristen zu verteidigen galt, machten ihn zu einem der volkstümlichsten Männer in Hamburg und an der Wasser- kante. Entschieden setzte er sich ein für die Einheit der Arbeiterklasse. «Grund genug, sich den ohnmächtigen Haß der Nazis zuzuziehen, die ihm mehr als einmal ihre Pistolenkugeln nachsandten, die ihm auf dem Nachhausewege auflauerten, die ihm Fallen stellten. In Ernst Henning, den sie 1931 erschossen, glaubten sie Edgar Andree getroffen zu haben. Die bezahlten Subjekte kannten ihr Opfer gar nicht persönlich und die Auftraggeber saßen im Hintergrund. „Sieg auf der ganzen Linie“ Der Terrorwahlsonntag, 5. März 1933, wurde Edgar Andree zum Verhängnis. Nach nervenaufreibenden Wochen hatte er den Wahlkampf in Cuxhaven zum Abschluß gebracht und fuhr im Zug nach Hamburg zurück. Die braunen Häscher hatten ihren großen Tag: in Harburg holten sie ihn aus dem Abteil heraus. Endlich hatten sie ihn, den Verhaßten. Eıne verlogene Propaganda schrie hinaus:„Der langgesuchte Kommunist Edgar Andree verhaftet. Die bei ihm vorgefundenen reichen Geldmittel(!), vor allem ausländische Bänknoten(!!) lassen darauf schließen, daß er sich auf der Flucht ins-Ausland befand.“ Es war dies der obligatorische Pro- pagandatrick, der bereits am 2. März in der Zeitungsmeldung zur An- wendung kam:„Thälmann nach Kopenhagen entflohen.“ Am 4. März war dann zu lesen:„Thälmann in Berlin-Charlottenburg verhaftet.“ Für Edgar Andr&e begann eine mehr als 3%jährige Leidenszeit. Regelmäßig an ihm vollzogene Folterungen sollten ihn mürbe machen, ihn zu einer Erklärung gegen seine eigene Klasse veranlassen. Von der niedrigsten Verhöhnung bis zur Auspeitschung weit über die Bewußt- losigkeit hinaus wurde keine Stufe der Tortur übersprungen. Triumphie- rend hielten sie ihm den„Volkswillen“, die Wahlergebnisse vom 5. März, vor: den„Sieg“ der Nazis in Hamburg mit 318 000 Stimmen.„Nur 38 Pro- zent der Stimmen habt Ihr trotz allen Terrors erreicht“, erwiderte kühn der Verhöhnte—„die beiden marxistischen Parteien hatten immer noch 360000 Stimmen!“ Faustschläge ins Gesicht dieses Kühnen vermochten das Wahlergebnis nicht zu korrigieren. Während sie ihn mit„Juden- knecht“ titulierten, tobte in den Straßen das„erwachte Deutschland“ bei planmäßig inszenierten Judenboykotts, warf Schaufensterscheiben ein und traktierte die gerade aus Trotz in den jüdischen Geschäften ein- kaufende Bevölkerung. Ss Massenverhaftungen in ganz Deutschland führten. zur Überfüllung der Gefängnisse. Riesige Konzentrationslager mit tausenden Unbeug- samen entstanden in allen Bezirken. Und während der neue Polizeiherr in Hamburg, Nazi-Richter, sich einführte mit einer Verordnung, nach der es verboten war, Waldvögel- zu fangen und Katzen zu töten— denn den Tieren gehöre die Freiheit—, starben täglich antifaschistische Ge- 2» 19 fangene in den Folterhöhlen des Stadthauses, der ‚Hohen Bleichen, des Untersuchungsgefängnisses, in”Fuhlsbüttel, unter der Folterungen der braunen Bestien. Während sie die aufrechten Gefangenen bezichtigten, im Solde des Kapitals zu stehen, plünderten die ) OETEN Nazis am z Mai die Ge- .„ werkschaftshäuser aus. N uoten.“ Am 15. Mai veröffent- AN ee Minnesealnaa- Daoen nee eine Bilanz des Beutezuges: „Es wurden von der Polizei in Hamburg Beträge im Werte won 37906682 RM beschlagnahmt, Die Beschlagnahmen erfolgten bei dem Parteibüro der SPD, im Reichsbanner, bei der„Produktion“, der SPD in Cuxhaven, dem Gewerkschaftshaus Hamburg, in der Hamburgischen Buchdruckerei und Verlagsanstalt Auer& Co., der Hanseatischen Land- druckerei in Bergedorf, bei der Bank der Arbeiter, Angestellten und Be- amten.“ Das geraubte Geld wanderte in die nazistische Kriegskasse— wie später übrigens auch die Gelder der Winterhilfssammlungen— und zu Hunderttausenden schwoll die Zahl derer an, die in die Kz’s wanderten, denen die Henkersknechte den ‚inneren Schweinehund aus- treiben“ wollten. Das Ausland wurde auf diese Entwicklung aufmerk- sam. Der kultur- und zivilisationsfeindlichen Naziherrschaft gingen in Vielzahl aus allen demokratischen Ländern schärfste Proteste zu. Zu ihrer Abwehr erfand Goebbels folgende typisch arteigene Nachricht: „In welch unverantwortlicher Weise im Ausland gegen Deutschland ge- hetzt wird, zeigt eine Meldung der französischen Zeitung ‚Paris Soir‘, die sich aus Berlin berichten läßt, daß in Deutschland 170 000 Personen in Konzentrationslagern schmachteten. Wie ungeheuer übertrieben diese Ziffer ist, zeigt die Tatsache, daß sich in Preußen etwa 15000 und im gesamten Reich zusammen etwa 22000 Personen in Konzentrations- lagern tatsächlich befinden.“(Völkischer Beobachter.) Ausgepeitscht, mit Füßen getreten Nachdem zwölf Wochen härtester Mißhandlungen ihn nicht gebro- chen hatten, holten die Folterknechte zu einer besonderen Provoka- tion gegen Edgar Andr&ee aus, Von morgens um 10 bis nachmittags um 15 Uhr am Tage des 26. Mai waren die Funktionäre Fiete Schulze, Anton Saefkow, Erich Hoffmann, Hugo Feddersen, Arthur Sonntag u. a. fürchterlichen Mißhandlungen ausgesetzt worden. Gegen 15 Uhr trat eine kurze Pause ein. In dem Folterraum, dem früheren Arbeitsraum der Kriminialbeamten, versammelten sich die Spitzen der neuen„Elite“ des Stadthauses. ‚Unser Freumd Edgar kommt gleich“, höhn- ten in satanischer Freude die. Schläger unter ihrem. Anführer, 20 u, des n der tigten, Apitals en die ie Ge- aus. ffent- jonäre 'orre- Bilanz e won ; dem ' SPD ischen Land- d Be- — wie nd zu lerten, aus- merk- sen in u. Zu hricht: 1d ge- Soir‘, rsonen | diese nd im ‚tions- ter.) gebro- ovoka- gs um Anton u. a. ır trat tsraum „lite“ höhn- führer, dessen Beinprothese ein wichtiger Faktor bei Vernehmungen war, wenn damit den„verstockten“ Aussageverweigerern„versehentlich“ auf die Zehen getreten wurde. Hoffmann, Sonntag und noch zwei weiteren wurde befohlen, sich an die Wand zu stellen, mit dem Gesicht zum Foltertisch. Ihnen pochten die Herzen und ihre Schläfen fieberten. In der Tür erschien, an den Händen gefesselt, Edgar Andree mit seinen Peinigern. Während er einen prüfenden Bliek über den Raum warf, löste man ihm die Fesseln. Die befohlenen vier„Zuschauer“ rangen, jeder mit sich, was wohl der ganze Aufzug zu bedeuten habe. Sehr schnell begriffen sie, daß die Provokation darin bestehen sollte, bei der Folterung Edgar Andree diesem. zu Hilfe zu springen, um dann eine Schießerei zu begründen, bei der fünf Menschen„wegen Wider- standes erschossen“ worden wären. „Leg dich rüber!“ wurde Edgar barsch befohlen.„Nein!“ war die ebenso bestimmte Ant- wort.„Was? Der Hund wehrt sich noch?“ Acht vertierte SS-Halunken fielen über ihn her. Edgar widersetzte sich verzwei- felt. Unter Aufbietung seiner letzten Kraft schlug er um sich. Sie warfen sich auf ihn. Alle stürzten zu Boden. Dort ging der Kampf weiter.„Packt den Hund!“, schrie der Anführer. Es währte wohl 15 Minuten, ehe es gelang, den Widerspenstigen zu überwältigen und über den Tisch zu ziehen. Von der Härte des Ringens zeugte allein die Tatsache, daß Edgar, der'Schnürstiefel trug, nichts mehr an den Füßen hatte. Je zwei hielten ihn an jedem Arm und an jedem Bein fest. Eine zweite Garnitur von BE;; acht Schlägern hieb mit Stahlruten, Ochsenziemern,"R#* oo Stuhlbeinen und Gummiknüppeln auf den Körper, den man der Klei- dung entblößt hatte, ein. Wassergläser hieb man dabei von den Tischen und Hängelampen von der Zimmerdecke. Noch hörte man Stöhnen des Gefolterten. „Mehr aufs Kreuz, mehr aufs Kreuz!“ schrie ein dicker Kriminalbeamter mit Hakenkreuz am Rockaufschlag. Bald rührte sich der Gefolterte nicht mehr. Die ihn festhielten, konnten loslassen. Die Bewußtlosigkeit war eingetreten. Kein Grund für die Sadisten, innezuhalten. Wie auf ein Stück lebloses Fleisch klatschten die Schläge weiter. Den Berserkern rann der Schweiß von den Gesichtern. Andrees ganzer Körper von den Schultern bis in die Kniekehlen nahm blaue Färbung an./ Müde warf sich der Folterchef, der mit der Beinprothese und einem Pickel hinter dem linken Ohr, auf ein in der Ecke stehendes Feldbeit. Erich nannten ihn seine Gehilfen. Puff war sein Nachname. Mit einer Bewegung nach dem Bewußtlosgeschlagenen hin, bemerkte einer, sich 21 ne . den Schweiß ‚wischend:„Der hat noch nicht genug!“ Zu den übrigen, bereits vorher Gefolterten, trat jetzt ein behäbiger Kriminal- beamter und fragte im Gefühl des angebrochenen Tausendjährigen Reiches: x „Na, Hoffmann, das würde eine schöne Reportage für die ‚Hamburger Volkszeitung‘ abgeben, was?“ Ein Eimer Wasser wurde herbeigeschleppt, dem Bewußtlosen, den man vom Tisch heruntergestoßen hatte, über den Kopf gegossen. Lang- sam erwachte Edgar Andree.„Setz dich hin, du Hund, schreib’, was du weißt. Wo sitzt eure illegale Leitung? Wo habt ihr eure Waffen? Wie heißen deine Mitarbeiter? Adressen ‚wollen wir haben!“ Edgar schrieb. Gierig rissen sie ihm die einzelnen Zettel weg. Wird er nun endlich Angaben machen? Sie können nichts anfangen mit den„Angaben“. Edgar täuscht sie.„Du kommst noch einmal rüber, wenn du uns ver- äppelst!“— Kaum faßbar, aber Edgar wagt die Frage: „Warum holt ihr die armen Teufel hierher und nicht die Bank- und Börsenjobber?“ Drei Wochen lag er im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses im Wasserbett. Er wurde geheilt zur nächsten Folterung. Keine Gefängnis- mauer war dick genug, um das furchtbare Geschehnis geheimhalten zu können. In ganz Hamburg diskutierte man die bestialische Tat. Die Verantwortlichen sahen'sich genötigt, eine„beruhigende“ Meldung an die Tagespresse zu geben: „Um gewissen Gerüchten zu begegnen, wird mitgeteilt, daß sich der Kommunist Edgar Andree wohl und munter im Untersuchungsgefängnis befindet.“ Derweil nahm die„nationale Erhebung“ ihren Fortgang, damit Deutschland ein Rechts- Staat werde, x* “4 Die ersten„legalen“ Justizmorde In der Nacht vom 31. Juli zum 1. August 1933 verlangte ein zum Tode Verurteilter in seiner Zelle im Altonaer Gerichtsgefängnis Schreib- papier, Tinte und Feder. Wenige Stunden noch, dann sollte er das auf dem Hof errichtete mittelalterliche Blutgerüst besteigen. Er, ein Familien- vater, und drei Jugendliche, die ebenfalls„im Namen des Volkes“ zur höchsten Strafe verurteilt worden waren. Keiner von ihnen war Wehrwirtschaftsführer, Bankier, Börsianer oder preußischer Junker. Alle Vier hatten ehrbare handwerkliche Berufe, waren Arbeiter. An’'Stelle der schuldbeladenen SA.-Führer wurden sie für den Altonaer Blut- sonntag, deren Opfer sie waren, verantwortlich gemacht. Block hieß der Blutrichter, der von den Inspiratoren des braunen Verbrechens assistiert, unter Grinsen der Mörder im Zuschauerraum, das schändliche Urteil gesprochen hatte.} 22 er Ihr rt beg wo den naligen den ngdu Wie ieb. lich en". werim miszu Die die der nis mit zum eibauf ienes" war Alle telle Bluthieß mens iche Seiner Familie den Abschiedsbrief zu schreiben, hatte der Seemann August Lütgens den Schließer bemüht. Dann schrieb er: Liebe Kinder! ,, Altona, den 31. Juli 1933 Gerichtstraße 2 Wenn Ihr diesen Brief erhaltet, ist Euer Papa nicht mehr da, dann wurde er erledigt, laut Urteil. Also wir sollen uns nicht mehr sehen. Aber wenn Ihr größer seid und die Weltgeschichte studiert habt, dann werdet Ihr begreifen, was Euer Papa war, warum er kämpfte und starb. Auch werdet Ihr begreifen, warum Euer Papa so und nicht anders handeln konnte. Nun lebt wohl und werdet Kämpfer! Es grüßt Euch Euer Papa." So einfach wie diese Sprache, war das ganze Leben dieses Mannes. - ,, Lebt wohl und werdet Kämpfer!" darin bestand das Vermächtnis an seine Kinder. Noch in der Auch sie mögen Kämpfer werden! letzten Lebensstunde war sein Gedanke: Kampf! Widerstand diesem barbarischen faschistischen Regime! Noch ehe er seinen Kopf dem Scharfrichter bot, rief er:„ Ich sterbe für die proletarische Revolution!" 99 Der jüngste der Vier, Bruno Tesch, ein hervorragender Aktivist in der Jugendbewegung, stand im Alter von 20 Jahren und hatte Klempner gelernt. In einer Gedenkschrift des Komitees ehemaliger politischer , Trotz seiner Gefangener schrieb Franz Ahrens über Bruno Tesch: derben, hünenhaften Gestalt war ein Zug reiner Kindlichkeit in seinem Wesen. Schon in der Schulzeit entwickelte er Bärenkräfte und gebrauchte sie auch. Doch wie? Sein Gewerbeschullehrer schrieb darüber: ,, Während der besonders im Jahre 1931/32 gesteigerten politischen Betätigung aller Jugendlichen übernahm er oft die Rolle des Beschützers anderer körperlich nicht so stark entwickelten Mitschüler." Dieser Wesenszug, die Hingabe an das Schicksal der Unterdrücker, kennzeichnet Bruno, und noch in etwas anderem zeigt sich seine Eigenart: Was er als wahr in seinem Innern erkannt hat, das spricht er auch offen aus. So hält er den Jugendlichen, die schon 1932 der SA nachzulaufen beginnen, offen auf der Straße Kein Wunder, die Erbärmlichkeit ihres Tuns vor. daß er dadurch bei den Altonaer Nazis bald bekannt und verhaẞt ist. Nach dem Altonaer Blutsonntag verhaftete man ihn, ließ ihn jedoch wieder frei, da sich seine Unschuld herausstellte. Mehrere Zeugen hatten nachgewiesen, daß Bruno Tesch eine die in einen Frau mit ihren beiden Kindern, SA- Überfall geraten waren, in einen Hof führte, um sie der Gefahr zu entziehen. Später verhaftete 23 man ihn noch einmal, um ihn dann wieder freizulassen. Als aber die Nazis an die Macht gekommen waren, wurde der Unschuldige zu einem Täter gestempelt, der SA- Leute beschossen habe! Bis zum letzten Atemzug hat er um sein Leben gekämpft. Sein letzter Brief ist dafür das beste Zeugnis: Absender: Tesch Meine liebe Mutter, Altona, 1. August 33 Gerichtstraße 2 nun ist es so weit. Eine Begnadigung ist abgelehnt, Wenn Du diesen Brief bekommst, dann lebe ich nicht mehr. Liebste Mutter, ich bitte Dich, überwinde diesen Kummer um meinetwillen. Du mußt leben, um meine Unschuld ans Tageslicht zu bringen. Das ist mein letztes Vermächtnis an Dich. Du mußt es an den Tag bringen, was für ein gräßlicher Justizmord hier verübt wird. Ich habe heute eine Wiederaufnahme des Verfahrens durch den Rechtsanwalt einreichen lassen... Der Rechtsanwalt wird Dir von meiner letzten Stunde berichten. Soeben erfahre ich, daß die Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt wurde. Lebe wohl, geliebte Mutter, die Uhr ist jetzt fünf, in einer halben Stunde hat mein Herz aufgehört zu schlagen; sei recht tapfer, ich bin es auch. Es küßt Dich herzlich Dein einziger Sohn Bruno." Auch Walter Möller, der sich als Arbeiter immer sein Brot verdient hatte, schritt furchtlos dem Gerüst zu. Mit fiebernden Augen hingen die politischen Gefangenen, sich an die Gitterstäbe der Zellenfenster klammernd, an jeder Bewegung ihrer Kameraden, deren Leben da unten im Gefängnishof ein Ende gemacht wurde im Namen des Volkes". Obwohl die Gefangenen nach der dem Hof abgewendeten Seite untergebracht wurden, empfanden sie doch, in ohnmächtiger Wut, daß sie dem Morden der braunen Kanaille wehrlos ausgeliefert waren. Zähneknirschend schworen sie, die aufrechten Männer zu rächen, deren Blut in den Sand rieselte. Walter Möller starb wie seine Freunde im Bewußtsein des zum Recht erhobenen Unrechts. Als vierter betrat der Schuhmacher Karl Wolf die Richtstätte. Ihn hatte das Sterben seiner Freunde nicht schwach werden lassen. Auch er kapitulierte nicht vor den Verderbern seines Vaterlandes. Erhobenen Hauptes ging er seinen letzten Gang. Dann packten ihn die Henker. Der Scharfrichter hatte mit jedem Hieb 400 RM verdient. Widerstand bis zum letzten Atemzug! Noch während dieses scheuẞlichen Mordens demonstrierten gruppenweise Männer, Frauen und Jugendliche in den Straßen Altonas, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die Hinrichtungen lenkend. Um der Verhaftung durch die Schergen des Dritten Reiches zu entgehen, traten sie an belebten Straßenkreuzungen auf, verschwanden, um an anderen Punkten der Stadt wieder 24 24 aufzutauchen, wobei im Sprechchor die Schande an der Menschheit hin- ausgerufen wurde. Den Hinterbliebenen wurde die Auslieferung der Leichen verweigert. Nicht einmal die Asche ihrer Lieben wurde ihnen: ausgehändigt. Man sagte den Eltern Bruno Teschs, die Leichen seien von der Gestapo beschlagnahmt. Noch im Tode waren also die Antifaschisten dem Regime gefährlich. Auch die Beisetzungsstätte blieb den Angehörigen verborgen. Fünf Jahre später noch erklärte die Gestapo den Leidgeprüften, die immer wieder ihr Recht forderten:„Ja, glauben Sie denn, wir hätten gescherzt? Der Fall ist für uns erledigt!“ Für die Arbeiterklasse ist der Fall nicht erledigt, che die Schuldigen gerichtet sind. * Das Haus, in dem Lütgens gewohnt hatte, stand in der Schauen- burger- Ecke Unzerstraße; Teschs Elternhaus stand in etwa 200 Meter Entfernung, in der Nähe des SA-Lokals May. Am Abend eines‘ August- tages gingen zwei Männer in Arbeitszeug auf die beiden Häuser zu und schlugen Nägel in die Mauer... Punkt 12 Uhr mittags des nächsten Tages durchfuhren wiederum zwei Männer auf Fahrrädern die Straße mit in Papier gewickelten Gegenständen. Ausgerechnet stand zu dieser Zeit vor dem Wohnhaus der Familie Lütgens einer vom SA-Marine- sturm. Doch die beiden ließen sich nicht verblüffen, und ohne sich um ihn zu kümmern, stoppten sie und hingen den eingewickelten Gegen- stand an den tagszuvor eingeschlagenen Nagel. Dann rissen sie das Papier ab und ein großer Lorbeerkranz wurde allen Augen sichtbar. Sie strichen die Schleifen glatt, besahen sich ihr Werk noch einmal kritisch, ıım sich dann wieder auf ihre Räder zu schwingen, nicht ohne vorher dem staunenden SA-Mann auf die Schulter geklopft und gesagt zu haben:„Kiek di dat man got an. Auf der Schleife standen die Worte:„Unserem von den Faschisten ermordeten Genossen August Lütgens. Die KPD Altona.“ Der sich in Sekundenschnelle abgespielte Vorgang hatte bewirkt, daß sich eine große Menschenmenge ansammelte. Jetzt stürmten die SA-Leute bereits über die Straße, rissen den Kranz herunter, zertram- pelten und zerfetzten ihn.„Ick wull, dor wär vergifteten Stacheldraht in“, flüsterte einer der Zuschauer. Der zweite Kranz am Elternhause Bruno Teschs wurde die Beute zweier Polizisten, die ihn abnahmen und nach der Johanniswache trugen, wobei es auf diesem Wege zu einer beachtlichen Prozession kam. Diese Begebenheit ver- breitete sich wie ein Lauffeuer durch die ganze Stadt. Niemals hat die Hamburger Arbeiterschaft ihre gemordeten Söhne vergessen. Niemals verstummte der Ruf nach Austilgung des Unrechts. Ja, die Empörung im werktätigen Volk ließ es der Gestapo ratsamer scheinen, die Aschenkapseln der Ermordeten nicht in Altona, sondern auf dem Friedhof der Namenlosen in der Nähe Berlins zu verscharren. 25 Sporto Arbeitersportler, die sich nicht„ gleichschalten" ließen Was an Massenorganisationen der Arbeiterschaft den nazistischen Machthabern brauchbar schien, wurde ,, gleichgeschaltet". Nun lassen sich wohl Rekruten auf dem Kasernenhof nach einem Kommando ausrichten, mehrere Formationen solcher„ Untertanen" können für die Erreichung eines bestimmten Zieles gleichgeschaltet" werden. Jedoch konnte man Arbeiterorganisationen, deren Tätigkeit eine bestimmte Gesinnung zugrunde liegt, nicht ohne weiteres durch einen Befehl auf die nazistische Heilslehre umschalten. Wo sich z. B. Arbeitersportler nicht zum Nazismus bekannten, wurden sie rücksichtslos bekämpft, unter Terror gesetzt, um sie gefügig zu machen, oder wenn das nicht half, zerschlug man kurzerhand ihre Vereine. So geriet unter die Verfolgung die gesamte Kampfgemeinschaft der Schleswig- Holsteinischen Sporteinheit. Entschlossen führten ihre Funktionäre die Organisation illegal weiter. In Kiel saß ihre Hauptleitung. Unter Führung der aktiven Sportler Willi Grunert, Paul Petersen und Heinrich Faber verstand es die Organisation, unter Ausnutzung aller gebliebenen legalen Möglichkeiten, die Verbindung zu den einzelnen Sportvereinen in der Provinz SchleswigHolstein aufrechtzuerhalten. Bald gelang es auch, eine feste Verbindung mit der Landesorganisation der Kampfgemeinschaft in Hamburg, wo die Aktivisten Walter Bohne, Hugo Gill, Walter Westphal, Uhlmann, Gerlach u. a. die Arbeit leiteten, herzustellen. Gemeinsam arbeiteten beide Leitungen daran, ein fast lückenloses Netz des organisatorischen Zusammenhangs zu knüpfen. Der Treue der Arbeitersportler zu ihrer Organisation war es daher zu danken, wenn ein ständiger enger Kontakt zu den Zentren der Sportler in Elmshorn, Itzehoe, Heide, Husum, Töning, Flensburg, Kiel und Lübeck sowie Hamburg unterhalten werden konnte. Unter bestimmten Bedingungen bestand die Absicht, die Sporttreffen trotz des Entzugs der Sportplätze weiterhin zu veranstalten. Ein kühner Versuch wurde aus diesem Grunde in Kiel gemacht. Auf dem Gausplatz im Stadtteil Gaarden fanden sich die Sportler zu einem großen Treffen zusammen. Als die Sportler sich im besten Spiel befanden, erschien die SA, bewaffnet mit Gummiknüppeln und anderen Schlaginstrumenten. Es entspann sich ein heftiger Kampf. Da der größte Teil der Zuschauer sich auf die Seite der Sportler stellte, gelang es schließlich, die SA zu zwingen, das Spielfeld zu räumen. Ein zweiter kühner Versuch einer Fortführung der Sportorganisation in dieser Form konnte allerdings nicht wiederholt werden. Nicht nur die Sportler, auch die Gestapo hatte aus den Vorgängen Lehren gezogen. Leitete die Gestapo schärfere Maßnahmen ein, so wandten die Sportler jetzt eine neue Taktik an. Soviel war klar: gelänge es der Gestapo, den Zusammenhalt der einzel26 den F De in So wur zur G söhnlic sich d der A polit illegal her au organi Sporte Lager A Diese geist schläg De W Natür abgezo der S Fortsc Beispi galem Litera packu recht ar as Sportorganisationen untereinander zu zerschlagen, dann wäre es um den Fortbestand der Kampfgemeinschaft geschehen. Der neuen Kampfform entsprechend wurden die Sporttreffen in freies Gelände verlegt, in Wälder, auf Seen, in die Heide. So wurden die Haupttreffpunkte.der der Schleswig-Holsteinischen = ss ange- schlossenen Sportler der Rosenfelder See und der Westensee beidein der Nähe Kiels. Natürlich wurden die Plätze oft ge- wechselt, so daß man sich auch amEinfelderSee, in der Nähe Neumünsters, oder in den Wäldern der Holsteinischen Schweiz traf. Hier kam die freie sportliche Betäti- gung, ohne Zwang und ee\ nach eigenem Willen zur Geltung, und in Vorträgen schulten sich die Teilnehmer im unver- söhnlichen Kampf gegen die faschistische Diktatur. Darin erschöpfte sich die Aufgabenstellung keineswegs, denn die Frage des Bestandes der Arbeitersportorganisationen war zu einer Angelegenheit des politischen Kampfes geworden. Ohne die Verbindung zu den illegal bestehenden Arbeiterparteien und deren Hilfe, ohne die man bis- her ausgekommen war, wäre eine Weiterentwicklung auch der Sport- organisationen nicht möglich gewesen. Zunächst arbeiteten die einzelnen Sportgruppen noch völlig selbständig und der Kontakt zu den beiden Lagern, der SPD und der KPD, war folglich nur lose aufrechterhalten. Als Hauptinformationsmaterial erschien der illegale„Nordsport“. Diese Zeitung stellte ein wichtiges Mittel dar, dazu angetan, den Kampf- geist der Arbeitersportler aufrechtzuerhalten und durch konkrete Vor- schläge eine Verbreiterung der eigenen Basis zu erreichen. Der Vertrieb von 1500 Exemplaren des ‚„Nordsport“ an der Wasserkante zeugte unter den gegebenen Umständen von einer beachtlichen Leistung. Natürlich waren die Ausgaben hektographiert, d. h. auf Wachsmatrizen abgezogen. Bei der Herstellung dieser Zeitung wurde, um die Geräusche der Schreibmaschine zu übertönen, Grammophonmusik gemacht. Von dem Fortschritt in der Schulung der illegalen Arbeit zeugte, um nur ein Beispiel zu nennen, die angewandte Methodik des Vertriebs von ille- galem Material. So befand sich das Hauptversteck der ankommenden Literatur in Kiel in einem Barbierladen. Seine Chlorodont-Schau- packungen im Ladenfenster enthielten das Material, wofür die Gestapo recht gerne keine.Mittel gescheut haben würde, es in die Hände zu be- 27 kommen. Der Barbier hatte einen guten Absatz von„Chlorodont-Zahn- pasta“, denn die Sportaktivisten wußten, wo sie ihren Bedarf an„hygiz- nisch einwandfreier“ Ware zu decken hatten. 2 Gleichzeitig wurden besondere Kader aus der Sportbewegung im einem Zeltlager am Stocksee zusammengefaßt, um für die ille- galen Aufgaben ausgerichtet und geschult zu werden. Dem Zwange der politischen Entwicklung entsprechend ging mehr und mehr ein bedeuten- der Teil der ihrer Sache treu ergebenen Arbeitersportler zur fruchtbaren Verstärkung in die illegale politische Bewegung über. Insbesondere mit dem Einsetzen der. Taktik des ‚„Trojanischen Pferdes“, d. h. des Eindringens in die Reihen des Gegners, um seine Organisationen von innen heraus durch entsprechende Tätigkeit auszuhöhlen, ist dann hauptsächlich im Jahre 1934 der überwiegende Teil der illegalen Arbeiter- sportler in der. bürgerlichen, unter nazistischem Kommando stehenden Sportbewegung aufgegangen. Es wäre zu einfach, zu glauben, daß dieser Widerstandskampf ohne Opfer vonstatten gegangen wäre. Es gelang der ‚Gestapo durch Ver- haftungen einen Teil der Sportler dieser Tätigkeit zu entziehen. Andere führende Aktivisten, wie der bekannte„Linksaußen“ der deutschen Fuß- ballmannschaft des Arbeiter-Turn- und Sportbundes(ATSB) August Postler, Hamburg-Rothenburgsort, und Karl Hacker, Hamburs- Barmbeck,.sowie Walter Bohne, wurden später von den nazistischen Machthabern in Gefängnissen und Konzentrationslagern ermordet. Da- von zeugte unbestritten ein Bericht des Hamburger Kriminalinspektors Kraus an die Geheime Staatspolizei in Berlin, wo es u. a. hieß: „Wir sind zur Zeit dabei, die ehemaligen marxistischen Sportler in unseren heutigen Sportorganisationen ausfindig zu machen, und glau- ben, in dem Sportklub„Paloma“ den richtigen Angriffspunkt gefunden zu haben. Dort haben die meisten der von uns Gesuchten als Mitglieder Aufnahme gefunden. Dazu kommt, daß im Sportklub „Paloma“ der Schwager einer berüchtigten und unlängst in Leipzig zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilten Kommunistin Mitglied und Sportwart ist.“ Dieses uns vorliegende Originaldokument ist ein Beweis, daß der Widerstand aktiver Arbeitersportler trotz des verstärkten Terrors fort- gesetzt wurde. So wie auch in Schleswig-Holstein hatte die Hamburger Organisation in Vororten sportliche Treffs durchgeführt und auf Grund 28 t- Zahnhygiegung in die illenge der deutenchtbaren ere mit sationen st dann rbeiterehenden pf ohne ch VerAndere en Fußugust amburgstischen et. Daspektors : portler in nd glauffspunkt esuchten portklub Leipzig ied und daß der ors fortmburger uf Grund der veränderten Situation eine neue Taktik eingeschlagen. In den Arbeitervierteln der Stadt Hamburg wurden die Arbeitersportler in bestimmten Vereinen des gleichgeschalteten ,, Deutschen Fußballbundes" und anderer Sportverbände Mitglieder und besetzten nacheinander mehr und mehr wichtige Funktionen, um Einfluß auf den Kreis der Jugendlichen zu bekommen, andererseits um aber auch die Gefahr der Depression, welche große Teile der Arbeiterklasse erfaßt hatte, zu überwinden. Im engen Kontakt bestand nun die Möglichkeit weiterer politischer Schulung und die im Rahmen des amtlichen Spielplans durchzuführenden sportlichen Treffen gaben jedem einzelnen die Möglichkeit, den Kontakt mit anderen Stadtvierteln zu gewinnen. Eine enge Fühlungnahme stärkte zu gleicher Zeit den Mut und damit die neue Aktivität. Im Sportklub„ Paloma" gelang es dem bekannten Arbeitersportler Franz Heitgres, eine große Zahl ehemaliger aktiver Sozialdemokraten und Kommunisten zusammenzufassen und auf Grund alter Organisationsverbindungen dieses Vereins und neuer illegaler Anknüpfungspunkte sportliche Treffen sogar in Kopenhagen durchzuführen. Denunzianten und Spitzel der Gestapo versuchten dieser Widerstandsgruppe Einhalt zu gebieten, aber überall, wo durch das Eingreifen der Gestapo Lücken gerissen wurden, fanden sich immer wieder Kräfte der früheren Arbeitersportbewegung mit neuen jungen Widerständlern zusammen. Neue Formen und Methoden des illegalen Kleinkrieges Das erste Jahr des illegalen Kampfes hatte der Arbeiterbewegung naturgemäß große Opfer gekostet. Es mußte das Jahr des Gewöhnens an die neuen Formen des unterirdischen Ringens sein. Man mußte sich der Schwere der Situation anpassen, immer neue Methoden erfinden, um den Nachforschungen des faschistischen Staatsapparates zu entgehen. Hatte man im Organisationsaufbau mit einem Fünfergruppensystem begonnen, so lehrte die Erfahrung, daß die Arbeit auf der Basis von Dreiergruppen mehr Sicherheit vor Zugriffen der Gestapo bot. Nur einer von dreien hatte jeweils den Kontakt zur nächsten Gruppe. Damit war die Gefahr des Verrats oder der Beobachtung auf ein Minimum begrenzt worden, wie es sich später bei Verhaftungen erwies. Solange man nur von einer Stelle aus wiederholt illegales Material verbreitete, war die Gestapo relativ leicht in der Lage, sich nach einer bestimmten Zeit an diesen Ausgangspunkt heranzuarbeiten. In die neue Lage versetzt, traten jetzt viele kleine bewegliche Einheiten auf den Plan, deren Wirksamkeit den braunen Häschern viel zu schaffen machte. Die gemachten Fehler überwindend und die Schwächen des Gegners ausnutzend, insbesondere im Sommer 1934, als durch die Ereignisse des 30. Juni die Hitlerpartei stark mit sich selbst beschäftigt war( Hitler erschoẞ seinen Stabschef Röhm und entledigte sich hunderter anderer ihm unbequem gewordener Funktionäre), nahm die illegale KPD die Gelegenheit wahr, ihr Organisationsnetz zu verbessern. Die Treffpunkte hielt man nicht mehr in Lokalitäten ab, sondern nutzte die legalen Möglichkeiten. So fand im Herbst 1934 eine Sitzung der Abschnittsleitung in der Kajüte 29 29 . eines Segelbootes anläßlich einer Flugschau im Kieler Hafen statt. Das Boot ankerte inmitten hunderter anderer Segelboote, die zu diesem Zweck in der Außenföhrde lagen. Als nach Beendigung dieser großen nazistischen Flugschau die Boote die Rückfahrt antraten, wurden die einzelnen Teilnehmer der bedeutungsvollen Sitzung beim Abstoppen des Bootes an den einzelnen Brücken nacheinander an Land gesetzt. Von dort aus bestiegen sie Straßenbahn oder Omnibus, wobei die Verkehrs- mittel noch mehrfach gewechselt wurden. Oft genug brachte dann das Fahrrad den einzelnen Funktionär an Seinen Wohnort zurück. * In der Erkenntnis der furchtbaren Niederlage der deutschen Arbei- terklasse drang der Wunsch nach gemeinsamen Handlungen immer tiefer in die Reihen auch der sozialdemokratischen Freunde. Die Lehre der faschistischen Machtergreifung und das Maß der Opfer auf Seiten der so- zialistischen Bewegung waren hinreichend groß, um das gemeinsame Ver- ständnis zu fördern. Beide sozialistischen Lager begannen zu begreifen, daß es nur eine Alternative gab: Entweder gemeinsam zugrunde zu gehen, oder im gemein- samen Kampf den Hitlerfaschismus zu besiegen, Da sie sich in der Zielsetzung, die Niederlage der faschistischen Diktatur herbeizuführen, einig waren, konnte unter den gegebenen Umständen nur einheitliches Handeln den Erfolg verbürgen. Sowohl durch die Initiative der Werftarbeiter von Blohm& Voß in Hamburg, als auch in illegalen Besprechungen konnte eine vertrauensvolle Verbindung zur Leitung der illegalen sozialdemokratischen Gruppen in Hamburg und Kiel geschaffen werden. Durch Erfahrungsaustausch und gemeinsame Ausrich- tung auf eine politische Plattform konnte man insbesondere die Arbeiter, vornehmlich in den Betrieben, durch Schriftmaterial und persönliche Information gegen den Hitlerfaschismus in Bewegung setzen. Aus den Berichten der Gestapo ging hervor, daß durch die Aktivität der beiden Arbeiterparteien eine starke Beunruhigung im faschistischen Machtappa- rat erzeugt wurde. Der Hunger nach Informationsmaterial wuchs aber im gleichen Maße wie die Arbeiter ihre Agitation verstärkten. Diese Aktivität wachzuhalten, erforderte die regelmäßige Heranführung illegaler Schriften. Hektographierte Blätter, im Bezirk selbst hergestellt, reichten nicht aus. Es mußten neue Druckmöglichkeiten im Ausland ge- funden werden. Für die Wasserkante war die nächstliegende Möglichkeit Dänemark. Zum Zwecke der Lösung dieses Problems übernahm der damalige Arbeitersportler Willi Grünert(der jetzige Lizenzträger der„Hamburger Volkszeitung“) den Auftrag, über den ebenfalls verbo- tenen Arbeiter-Seglerklub in Kiel, einen ständigen Wassertransport von in Dänemark gedruck- ten illegalen Schriften nach Schleswig-Holstein zu organisieren. Diese Aufgabe war nicht so leicht, wie es heute scheinen möchte, denn die Boote des Arbeiter-Seglerklubs waren seitens der Polizei„sicherge- 39 ER ER a Be BE EN ee Hafen die zu g dieser wurden stoppen zt. Von rkehrsnn das Arbeier tiefer re der der sone Vergreifen, Diktatur ständen 1 durch Is auch ang zur nd Kiel Lusrichrbeiter, önliche us den beiden tappaärkten. ührung gestellt, and gelichkeit hm der zträger verbockren. e, denn chergestellt". Von der Erfüllung des vorgesehenen Planes aber hing es ab, ob es gelang, einen doppelten Zweck zu erreichen: 1. den Druck der„, Hamburger Volkszeitung" in Dänemark zu sichern, sowie 2. eine stärkere Unterstützung durch die deutsche Emigration in Skandinavien herbeizuführen. Ohne diese Unterstützung wäre das Gelingen des Planes, in dessen Rahmen auch die Überführung der Druckschriften lag, sehr erschwert gewesen. Wie wurde es nun angestellt, das gesteckte Ziel zu erreichen? Mit Hilfe der in Dänemark illegal arbeitenden deutschen Parteigruppen gelang es, in der Stadt Sonderburg eine Arbeitsstätte in einem hafenamtlichen Büro einzurichten. Es versteht sich, daß in der illegalen Arbeit die Frauen ein gutes Stück der Last trugen. So war es möglich durch die Reinmachefrau, die in diesem Hafenbüro beschäftigt war, nach dem offiziellen Büroschluß die Schreibmaschinen, Vervielfältigungsapparate und alle sonstigen bürotechnischen Dinge für die gute Sache auszunutzen. Von hier aus nahm die von Freund und Feind begehrte Literatur ihren Weg in großen Sendungen nach Schleswig- Holstein und weiter ins Innere des Reiches. Das Hafenamtsbüro in Sonderburg diente lange Zeit der Unterstützung des antifaschistischen Kampfes, wobei die Sonderburger Hafenbehörde nicht einmal ahnte, für welch guten Zweck sie unwissentlich benutzt wurde. Doch eines Tages platzte diese bedeutende Stätte der illegalen Arbeit durch einen Zufall auf. In demselben Hause war unabhängig von diesem Büro ein Mord geschehen. Bei der Suche nach dem Mörder stieß die dänische Polizei auf den dort arbeitenden deutschen Funktionär, den sie vorerst verhaftete und wobei sich dann die sonderbare Indienststellung dieses Raumes herausstellte. Der erste Wassertransport der illegal gedruckten ,, Hamburger Volkszeitung" und anderer wichtiger Schriften mit Hilfe eines Segelbootes hätte auch beinahe infolge der Unerfahrenheit einiger Funktionäre schief gehen können. Das Material, welches in große Gummisäcke verpackt wurde, sollte entsprechend der Abmachung in der Eckernförde Bucht, in der Höhe von Gut Hemmelmark, dem Besitz des berüchtigten Prinzen Heinrich von Preußen, an den dort befindlichen Bojen Nr. 3, 3a und 3b unter Wasser verankert werden. Von dort hatten die Eckernförder Funktionäre mit ihrem unermüdlichen Bertelsmeier an der Spitze, unter Zuhilfenahme von Fischerbooten usw. die Last zu übernehmen. Unter den Widerwärtigkeiten, die in Kauf zu nehmen waren, war jene, daß von der Torpedo- Versuchsanstalt aus die Möglichkeit bestand, durch Fernrohre die Bucht zu beobachten, die geringere. Die Gefährlichkeit des Unternehmens war noch dadurch erhöht worden, daß der erste Segelboottransport in einen schweren Seegang geriet und infolge Zerreißens eines Segels, der zu einer bestimmten nächtlichen Stunde festgelegte Anlaufpunkt nicht verabredungsgemäß erreicht werden konnte. Daher mußten die abgehetzten Funktionäre den 31 Versuch unternehmen, die Gummisäcke am hellichten Tage an den Bojen zu versenken. Zu allem Ärger stellte sich noch dazu heraus, daß nicht genügend Ballast zur Verfügung stand, und die Gummisäcke trotz ihres schweren Inhalts statt zu versinken, selbst wie Rettungsbojen im Wasser herumschwammen. An dieser technischen Unerfahrenheit hätte die ganze mühevolle Aktion scheitern können. Zwei Umstände kamen aber den Tapferen zur Hilfe: die Farbe 3a der Gummisäcke, die sich dem Wasser anpaßte und die Kühnheit Willi Grünerts, der kurz entschlossen, trotz schweren Seegangs und der Kälte( es war im November), an Land schwamm. Er hatte eine Wurfleine mitgenommen, an der dann im Laufe mehrerer Stunden, während der es noch andere Überraschungen gab, die Säcke an Land gezogen wurden. Hier, im Buschwerk versteckt, holten die Eckernförder Illegalen die kostbare Post ab und leiteten sie weiter. Mit der Sammlung weiterer Erfahrungen wurden diese Verbindungen über Wasser weiter ausgebaut. Ähnliche Verbindungswege dienten den stark gefährdeten Widerstandskämpfern, die zu ihrer Sicherheit ins Ausland gebracht werden mußten. Bei einem anderen, späteren Transport gab es wieder unangenehme Überraschungen. Als das Segelboot von Dänemark kommend sich im Dunkel der Nacht dem Leuchtturm von Schleimünde näherte, tauchte plötzlich ein deutscher Zollkreuzer vor ihm auf. Mag man theoretisch solche Überraschung einkalkuliert haben, so ist das Gefühl doch ein ganz anderes, wenn man praktisch vor eine solche Überraschung gestellt wird. In einem solchem Augenblick darf der überzeugte Kämpfer nicht in Panik geraten. Jetzt hieß es blitzartig zu überlegen. Sollte man die wertvolle Last( zirka 6 Zentner getarnter Broschüren, Zeitungen usw.) über Bord werfen? Der Zollkreuzer schoß in seinem Kurs direkt auf das Segelboot zu. Den Unentwegten im Segelboot verschlug es den Atem. Das Herz schien stehenzubleiben und die Gedanken wollten sich im ersten Augenblick nicht auf die jetzt 32 erford näre die U werfe letzte derbr des 1 nis, Das schne entsc Entw Doch gesel Sege Wen am F besti So p ten a tiger ren reit Vor des une bew was wie 3 Bojen ersin- dieser eitern Farba die an- anheit ' kurz chwe- I der ovem- yamm 'fleine ı der ıehre- ihrend Über- die ezogen Zusch- halten Nlega- ost ab weiter. ; wei- wur- lungen n' den ; Aus- nehme ich im m auf. so ist solche r über- ‚ blitz- 1er Ber greuzer wegten bleiben je jetzt erforderliche Handlung sammeln lassen. Hingen die tapferen Funktio- näre nicht in erster Linie an dem neuen, wichtigen Material, nach dem die Untergrundbewegung in Deutschland lechzte? Bei einem Überbord- werfen wären die gefüllten Säcke rettungslos verloren gewesen. Bis zum letzten verteidigt man das kostbare unwie-; derbringliche Gut. Was nun? Sollte man sich des Materials entledigen oder bei dem Wag- nis, es zu retten, evtl. den Kopf verlieren? Das waren die Gedanken, die in Sekunden- schnelle die Gehirne durchrasten. Die Segler entschlossen sich kaltblütig, die Sache und die Entwicklung an sich herankommen zu lassen. Doch in diesem Augenblick, nachdem es aus- gesehen hatte, als wolle der Zollkreuzer das Segelboot kapern, machte er eine minimale Wendung und spritzte in geringer Entfernung am Boot vorbei, offenbar in Ausführung eines besiimmten Auftrages! Somit wurde. das aufregende Erlebnis eben- so plötzlich abgeschlossen wie es auftrat und die Gummisäcke konn- ten an die dafür vorgesehene Stelle geleitet werden. Es gereichte den Mu- tigen nicht zur Schande, wenn sie sich jetzt mit einem Gefühl der inne- ren Erleichterung zur Ruhe begaben, während die nächste Garnitur treuer 2 Funktionäre das weitere besorgte. In diesem stil- len Heldentum, welches nicht auf rauschenden Banketts gefeiert und dessen Weg nicht mit Ritterkreuzen und Ver- dienstmedaillen gekenn- zeichnet war, schmolz in tiefem Glauben an die Rettung ihres Vaterlan- des die illegale Partei- mannschaft zu einer ver- schworenen Kampfge- meinschaft zusammen. Bei dem immer mehr "Sichtbarwerden der hit- ‚lerischen Kriegsvorbe- reitungen, durch Rüstungen und Paraden deutlich gemacht, verdient es her- ‘vorgehoben zu werden, daß andere Parteigruppen an derselben Aufgabe des Sturzes der Hitlerschaft arbeiteten, sie nichts unversucht ließen, unermüdlich daran mitzuwirken, Deutschland vor der Katastrophe"zu bewahren. Unbeachtet von der Öffentlichkeit wurde in dänischen Kühl- wagen, Möbeltransportzügen usw. auf dem Landwege ähnlich gearbeitet wie auf dem Wasserwege. 3 Dokumente des Widerstandes 33 Politisch Rückständige in der Arbeiterbewegung glaubten zu jener Zeit, ihr Unverständnis und ihre Passivität damit begründen zu können, daß diese gefährliche Aufopferung völlig unnütz sei. Ja, Feiglinge erklärten nicht das Hitlerregime, sondern die illegale Arbeit für verbrecherisch, da die Widerstandskämpfer ihren eigenen Kopf und das Leben ihrer Familie aufs Spiel setzten. Die Folgezeit hat den Illegalen tausendfach Recht gegeben, denn die Opfer der unterirdischen Tätigkeit waren niemals umsonst gewesen. Den Widerstandskampf auf breiteste Basis gestellt, hätte unvergleichlich weniger Menschenleben, Blut und Tränen gekostet, als die Auslösung und Durchführung des verbrecherischen Hitlerkrieges. In dieser Situation zeigte sich, wo die wahren Patrioten, d. h. die Deutschen, die ihr Vaterland wirklich liebten, zu finden waren. Unglück von Deutschland fernzuhalten war gleichbedeutend mit der Beseitigung der nazistischen Herrschaft. Dazu bedurfte es standhafter Männer und Frauen, die den Willen hatten, gegen den Strom zu schwimmen und die den Mut aufbrachten, wie es der Maulheld Goebbels einmal formulierte, gefährlich zu leben". Männer, die vor dem Terror nicht kapitulierten Das Nachdem enttäuschte SA- Leute ihren Traum von der zweiten Revolution"( womit sie die Abrechnung mit den Kapitalisten, die Hitler demagogisch propagiert hatte, meinten) ausgeträumt hatten, begannen kleinbürgerliche Kreise innerhalb der sozialistischen Bewegung die hitlerische ,, Planwirtschaft" zu bewundern. Was ihnen an Hitler nicht gefiel, war, daß er diese„ Planwirtschaft" in den Dienst der Kriegsvorbereitung stellte. Im übrigen hatten sie sich mit Hitler abgefunden. Andere wieder, die ihr Einschwenken in die Politik des Faschismus zu bemänteln suchten, erklärten, daß man mit Flugblättern und illegalen Zeitungen ,, nichts ausrichten" könne. Sie hatten vor dem Faschismus kapituliert und überließen das Volk der nazistischen Propaganda. Das überzeugte Kämpfertum der sozialistischen Bewegung, das in erster Linie bei den Kommunisten zu finden war, dachte keinen Augenblick daran, sich dem im Terrorismus von Blut und Leichen watenden Faschismus zu beugen. Die besonders in den Jahren 1934 und 1935, aber auch darüber hinaus stattgefundenen Massenprozesse gegen die aktiven Antifaschisten zeugten von dem Widerstand, den diese dem blutigen Regime entgegensetzten. Der auf die Eroberung der Weltherrschaft hinarbeitende braune Parteiapparat mußte sich durch die antifaschistische Aktivität stark gehemmt fühlen. Durch bisher unbekannt gewesene Terrorurteile, selbst bei den geringsten Vergehen, wollte die Hitlerdiktatur die Widerstandsbewegung brechen. Gehässige Schauprozesse, die in den gleichgeschalteten Zeitungen entsprechend aufgemacht wurden, sollten den Anschein erwecken, als habe der Nazismus das deutsche Volk vor seinem tiefsten Niedergang bewahrt. Die politische Tat überzeugter Funktionäre wurde zum kriminellen Delikt, zu Räuberei und Diebstahl gestempelt. Knallige Zeitungsüberschriften brachten dem Spießer das Gruseln bei. Die 34 glei ,, he Age der zog C Au ses de D P T " APREENMOR K F Ju M K de 21 di Si di J d e b jener önnen, erklärmerisch, er Fandfach en niesis geTränen Hitler.h. die Das mit der hafter hwimeinmal eiten en, die n, bewegung n Hitst der abgeaschisn und Faschisda. das in Augentenden 5, aber ktiven en ReEt hinstische Le Teriktatur en ents habe ewahrt. empelt. ei. Die gleichgeschaltete Presse wußte von ,, Bomben- und Höllenmaschinen", von ., heimtückischen Überfällen", von„ mit Rubeln gespickten russischen Agenten" usw. zu berichten. Man las aber auch von einer ,, Druckerei in der Dachkammer", der ,, Wühlarbeit in den Betrieben". In Wahrheit vollzogen in dieser von der Presse erzeugten Atmosphäre die Blutgerichte ihre Justizmorde, die sich ausnahmslos gegen einfache, aufrichtige werktätige Männer und Frauen, niemals aber gegen die Angehörigen der braunen Terrorformationen oder deren Auftraggeber richteten. Hamburger Volkszeitung in der Dachkammer Am 9. Mai gelang es der wachsamen politischen Polizei, einer heimlichen Druckerei der„ Volks. zeitung" auf die Spur zu kommen. Na mühsamer und distreter Vorarbeit erschien sie, wie Ziethen aus dem Busch, in dem Hause Walistraße 17, Dachgeschoß, mittlere Tür, sprengte, als ihr auf Klopfen nicht aufgetan murbe, die Wohnung gewaltsam auf und fand einen Maschinenbauer und einen Tischler beim Abzug von Wachsmatrizen mit allerhand wilden und Gefängnis. Zwei weitere Kommunisten waren angellagt, weil sie einige Exemplare der„ Volkszeitung" und des„ Leninisten" weitergegeben hatten. Sie erhielten je acht Monate Gefängnis. Dr. Sch. Aus dem gleichgeschalteten ,, Hamburger Anzeiger". Trug Hamburg und mit ihm die ganze Wasserkante ein überdurchschnittliches Opfer in dem faschistischen Wüten, SO ist das erste Halbjahr 1934 ein besonderes Kennzeichen dieses schier unmenschlichen Kampfes auf seiten des Antifaschismus und der blutigsten Rache seitens der braunen Diktatur. " Allein in Hamburg hatten die Sondergerichte im ersten Halbjahr 1934 nach einer unvollständigen Statistik 18 Angeklagte zum Tode und 29 Angeklagte zu insgesamt 319 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus verurteilt. D. h. in diesen Terrorzahlen sind noch nicht enthalten die in kleineren Prozessen Verurteilten und die im Verlaufe der Inhaftierung und der , Vernehmungen" zu Tode Gefolterten. Bereits im Januar fielen dem Regime der Maurer Stephan im KZ Wittmoor, der Verbandsfunktionär Karl Lesch von den Hafenarbeitern im KZ Fuhlsbüttel, der KPDFunktionär Willi Dolgner im Gestapogefängnis und der 23jährige Jugendliche Rudolf Lindau auf dem Schafott zum Opfer. Im selben Monat ließ der von den Nazis wütend gehaßte Spitzenfunktionär der KPD in Neumünster, Rudolf Timm, sein Leben. An ihm hatte sich der Sadismus der SS- Barbaren in einem Maße ausgetobt, den wiederzugeben sich die Feder sträubt. In Hamburg arbeiteten die nazistischen Gerichte mit Hochdruck. Daß die Naziherrschaft die Verfassung für null und nichtig erklärte, hinderte sie nicht, Werktätige unter Anklage zu stellen unter der Begründung, die Verfassung gebrochen zu haben. Die Diktatgesetze Hitlers gaben den Justizbehörden die„ rechtliche" Handhabe, das Strafgesetzbuch im Sinne der nazistischen Erfordernisse auszulegen. ,, Gesetz ist kein starrer Fels", erläuterten krampfhaft die Nazijuristen, sondern es entwickelt sich lebendig fort mit der Zeit, in der es lebt. So ist es möglich, daß bei gleich3* 35 bleibendem Gesetzestext der Richterspruch im Geist der Zeit sich ändern kann und sich ändern muß." Recht war, was der Hitlerdiktatur nützte. In den Tagen des 1., 2. und 9. Februar 1934 liefen in Hamburg hintereinander drei Prozesse gegen Finnern, Retslag und Genossen, gegen Arthur Sonntag und Genossen sowie gegen Willi Hellwig und Genossen. Hierbei kamen 5 Todesurteile zustande und 10 Verurteilungen mit über 127 Jahren Zuchthaus. ,, Eine Not, ein Feind und ein Kampf!" Am 2. Februar fiel unter den Kugeln der SS vor den Toren Berlins der bekannte Hamburger Funktionär Jonni Scheer mit noch 3 weiteren seiner Kameraden. Jonni Scheer war einer der engsten Kampfgefährten und Schüler Ernst Thälmanns. Als ein Sohn Hamburgs war er dafür bekannt, daß er immer dort seinen Platz hatte, wo es galt, für die Rechte und das Wohl der Bevölkerung zu kämpfen. Der langjährige Organisationssekretär der KPD der Wasserkante wurde Mitglied des Zentralkomitees seiner Partei und war nach der Verhaftung Ernst Thälmanns der Leiter der illegalen KPD. In Jonni Scheer hatte die deutsche sozialistische Bewegung einen hervorragenden Vertreter des Einheitsgedankens. Mahnend rief er im Jahre 1932 zum gemeinsamen Handeln auf mit den Worten: ,, Wenn der Faschismus die Diktatur der Trusts, Kartelle, der Finanzgewaltigen, der Junker und Militaristen, die Ausrottung aller demokratischen und sozialistischen Rechte, die sich die Arbeiter Deutschlands unter Führung eines August Bebel im härtesten Kampf gegen Bismarck und den wilhelminischen Staat ertrotzt haben, herbeiführt, so muß das zur Einheit aller fortschrittlichen, demokratischen Kräfte führen unter der Losung ,, Eine Not, ein Feind und ein Kampf!" Nach seiner Festnahme forderte die Gestapo in einem furchtbaren Verhör Jonni Scheer auf, Angaben über den Organisationsaufbau der KPD zu machen. Er hatte nur eine einzige Erklärung abzugeben: ,, Ich erkläre, daß ich über die Tätigkeit der Organisation der KPD, über meine politische Arbeit, über die meiner Mitarbeiter keine Aussage zu machen habe. Mein Leben dient der Arbeiterklasse, dem Frieden, der Demokratie und dem Sozialismus. Ich bin und bleibe ein Feind des Faschismus." Mit seinen Freunden Steinfurth, Schönhaar und Schwarz wurde er auf einen Flitzer verladen und nach Potsdam hinausgefahren. An einer Stelle mußten sie aussteigen und wurden in den Wald gejagt: wobei Jonni Scheer die SS- Mannschaften fragte: ,, Jetzt müssen wir wohl fliehen, nicht wahr?" Anderntags las man in den Zeitungen, daß vier Kommunisten ,, a uf der Flucht erschossen" worden waren. 36 John Scheer und Genossen Im Februar war’s, die Nacht war kalt, ein Auto raste durch den Wald, zehn Mann geheime Staatspolizei und vier Kommunisten waren dabei: John Scheer und Genossen. Und weiter ging’s durch den schweigenden Wald, auf einmal sagt der Führer: Halt! Die Sache klappt, kein Mensch ist zu sehn. John Scheer fragt:„Bleiben wir hier stehn?“ John Scheer und Genossen. Sie sehen, wie sie die Pistolen ziehn. Zohn Scheer fragt:„Müssen wir jetzt fliehn?“ Der Führer schreit: „Runter, ihr Hunde, rin in den Wald!“ Da wissen sie, was es geschlagen hat, und schweigend steigen die viere ab, John Scheer und Genossen. John Scheer sagt:„So habt ihr es immer gemacht! So habt ihr auch Karl Liebknecht umgebracht.“ Es knallt. Da liegen sie stumm mit gebrochenem Blick, jeder vier Nahschuß im Genick. John Scheer und Genossen. Das Auto saust nach Berlin zurück, das Leichenhaus quittiert:„Erhalten vier Stück. Auf der Flucht erschossen“, John Scheer und Genossen. Der Führer begibt sich zum General, der den Mord befahl. Er stellt ihn auf dem brausenden Ball: „Zu Befehl Exzellenz, erledigt der Fall John Scheer und Genossen.“ Erledigt der Fall! Bis auf einen Tag. Da kracht an die Tür ein Kolbenschlag. Er springt aus dem Bett:„Was wollt ihr von mir?“ „Kommt mit, Exzellenz, die Abrechnung für John Scheer und Genossen.“ (Dieses als Flugblatt erschienene Gedicht von Erich Weinert wurde 1934 " illegal in ganz Deutschland verbreitet.) 37 Die Lübecker beugten sich nicht. Auf dem Nachhausewege von einer Versammlung begleiteten die beiden Reichsbannerfunktionäre Johannes Fick und Karl Käding den Führer der Lübecker Sozialdemokratie Dr. Julius Leber(der später im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 ermordet wurde). Unterwegs wurden sie von einer Rotte der die Lübecker Straßen unsicher machenden SA angefallen. Im Verlaufe der Abwehr des Überfalls, wo inzwischen auch Polizei zugegen war, die von ihrer Waffe Gebrauch machte, kam einer der SA-Angreifer ums Leben. Fick und Käding aber wurden zum Tode verurteilt, Käding zwei Tage später bereits in seiner Zelle ermor- det und Fick am 8. März 1934 hingerichtet. Dr. Leber, der seit 1921 Schriftleiter des sozialdemokratischen„Lü- becker Volksboten“ war und den das Vertrauen der Lübecker Wähler in die Bürgerschaft und den Reichstag entsandte, verurteilten die dienst- fertigen Richter wegen„politischen Raufhandels“ zu 2 Jahren Ge- fängnis. Kurz vor Beendigung seiner Strafhaft im Frühjahr 1935 über- führte man ihn aus dem braunschweigischen Gefängnis Wolfenbüttel in das berüchtigte Konzentrationslager Dachau. Die Wiederaufnahme seines Kampfes gegen die nazistische Schmach, als er nach Jahren frei- gelassen wurde, kann nicht besser bezeugt werden als mit der Tatsache, daß er zu dem Kreis des 20. Juli gehörte, wobei er sein Leben opferte. Die Kieler hielten die Fahne hoch. Ebenfalls um diese Zeit hauchte Christian Heuck sein Leben aus. Ihm, der hervorgegangen war aus der Landarbeiterschaft Dith- marschens und gewählt wurde zum Reichstagsabgeordneten Schleswig- Holsteins, hatten die Nazis schon lange das Schicksal zugedacht, welches sie ihm jetzt im Gefängnis zu Neumünster bereiteten. In diesem Falle warteten sie, wie so oft auch bei anderen Gelegenheiten, kein gericht- liches Urteil ab. Hier schien ihnen diese Komödie überflüssig. Wie seinen Freunden Fiete Lux, Ludwig Einicke und John Trettin, die im KZ Fuhlsbüttel in einen qualvollen Tod befördert wurden, er- sparten die‘ Sadisten auch Christian Heuck nicht diese grausame Tortur. Deutschlands Verderber haben diesen Männern das Sterben nicht leicht gemacht, nachdem ihr Leben ohnehin nicht auf Rosen gebettet war. Hat der blutbesudelte Faschismus versucht, seinen Opfern— wenn sie nicht mehr sprechen konnten— auch noch die Ehre abzuschneiden, indem er sie als Mörder und Diebe hinstellte, so darf diese Gemein- heit als mißlungen bezeichnet werden. Erhebend wird immer bleiben, daß diese Männer bis zu ihrem letzten Atemzug dem Volk den Geist vorlebten, den sie in jahrelanger politischer Betätigung propagiert hat- ten. Sie standen zu ihrer Überzeugung, bis der Tod ihnen die Fahne aus den Händen gleiten ließ. Tausende und aber Tausende jedoch standen bereit, die Fahne weiter zu tragen. Davon zeugte auch das Begräbnis Christian Heucks. Als seine treue Lebensgefährtin die Frei- gabe der sterblichen Überreste durchgesetzt und ihre Überführung nach Kiel veranlaßt hatte, fanden sich auf dem Kieler Urnenfriedhof Tau- 38 n die g den später rwegs enden schen kam zum rmor„ Lüler in enstGeüberbüttel ahme freisache, ferte. Leben Dithswiglches Falle ichtWie tin, , erortur. nicht pettet wenn iden, meineiben, Geist hatFahne edoch das Freinach Tausende Männer und Frauen ein, um ihrem politischen Führer das letzte Geleit zu geben. Kein Gestapoaufgebot hat dieses wuchtige Bekenntnis der Liebe und Verehrung zu verhindern vermocht. Wahrhafte Söhne ihres Volkes Leichenhügel und Urnenstätten bezeichneten den bisherigen Weg der faschistischen Diktatur. Aber der Kampf der Antifaschisten nahm seinen Fortgang trotz KZ, Zuchthaus und Schafott. Die angeklagten Werktätigen verteidigten mit einem Mut ohnegleichen immer ihre eigene Klasse, die Sache, für die sie kämpften, niemals sich selbst. Ein Beispiel dafür gibt die Haltung der am 19. Mai 1934 hingerichteten Antifaschisten Fischer und Genossen. Noch im Angesicht des Henkers haben die Verurteilten sich zu ihrer Überzeugung bekannt. In seinem letzten Brief an seine Frau und Kinder gab Hermann Fischer ein glühendes Bekenntnis zum Kampf gegen die faschistische Barbarei. So schrieb er: ,, Liebe Henni! Meinen besten Dank sage ich Dir für die Jahre, welche Du mir mit an Deiner Deiner Person geschenkt hast, glückliche Jahre, die ich Seite verleben durfte. Gemeinsam haben wir beide Freud und Leid geteilt. Ich bin stolz darauf, dieses bekennen zu können. Dank sage ich Dir für Deine Liebe, die stark genug ist, das Kommende mit Mut zu ertragen. Zu schwach wiegen Worte, um das Glück kundzutun, welches Du mir durch Egon und Edith gegeben hast. Meine ganzen Wünsche begleiten Dich auf Deinem ferneren Weg. Ich werfe mir nichts vor. Was ich tat, verantworte ich mit dem Höchsten, was ich habe, mit meinem Leben. Möge für Euch einst das Glück Wenn ich auch falle, kommen, für das ich kämpfte und jetzt sterbe. Alle, die vor mir diesen die Fahne wird stehen, trotzig und stark. Dasselbe werde Weg gegangen sind, sind ihn als Männer gegangen. auch ich tun. Eine Idee, welche die Einigkeit und die höchsten Ziele der gesamten Arbeiterklasse mit ihrem eigenen Blut erkämpft, wird Verwirklichung finden auf dem gesamten Erdball. Euch allen ein letztes Lebt wohl! Hermann." In allen Städten der Wasserkante vollendeten die Blutgerichte, was der nazistische Terror in den Straßen und Wohnungen sowie in den Gerichtsverhandlungen Folterhöllen begann und nicht zu Ende führte. mit Dutzenden von Angeklagten fanden in Hamburg, Kiel, Flensburg, Elmshorn, Lübeck u. a. Städten unserer Heimat statt. Aus dem Land der Dichter und Denker war die Hölle der Richter und Henker geworden. Bei aller Gewalt und Erpressung, dem obligaten Meineid, Methoden, die dem aufmerksamen Beobachter durch die geführten Gerichtsverhandlungen offenkundig wurden, darf nicht außer acht gelassen werden, daß die auf die Anklagebank Gezerrten unmenschliche Martern bereits hinter sich und oft genug noch vor sich hatten. 39 VIL Zu einem mit der Goebbels'schen Reklametrommel vorbereiteten großen Schauprozeß kam es in den Wochen des Februar und März 1935. Es ging um den Kopf des von den Nazis zum ,, roten General" gestempelten ,, Führers aller kommunistischen Wehrformationen der Wasserkante", des kühnen, unerschrockenen Fiete Schulze. Sein ,, Verbrechen" bestand darin, den besten Teil der Arbeiterschaft zur Abwehr des faschistischen Terrors aufgerufen und zusammengefaßt zu haben. Am Ostermorgen 1933, infolge des Verrats durch den Spitzel Kötteritz, in seiner Wohnung in der Altonaer Straße verhaftet, war er fast zwei Jahre lang dauernden viehischen Mißhandlungen unterworfen. gewesen. Seltsamerweise war er entgegen den Gepflogenheiten, von dem berüchtigten Kommando z. b. V.( zur besonderen Verwendung) während der Verhaftung nicht angerührt worden. Das sollte seinen Grund haben. Denn kaum hatte man ihn eingeliefert, als der nazistische Gauleiter Kaufmann in Begleitung des„ Polizeiherrn" Richter und eines Stabes hoher. Gestapoagenten herbeigerufen wurde, der den fast unglaublichen Versuch unternahm, Fiete Schulze dazu zu bringen, seine Überzeugung aufzugeben und mit seinem Namen eine Rechtfertigung des Faschismus zu unterschreiben. Er sollte sich bereiterklären, die kommunistischen Kampfformationen in die NSDAP zu überführen(!). Wenn er dem zustimmte, erklärte man ihm, würde er sofort freigelassen werden und könne somit sein Leben retten. Fiete Schulze, innerlich entsetzt über eine solche Zumutung, glaubte seinen Ohren kaum zu trauen. Ja, Kaufmann höchst persönlich setzte alle seine Redekunst ein, um dem„ kommunistischen Terroristen" das Naziprogramm zu erklären. Die Naziführer, die für ihr Bemühen eine ganze Nacht opferten, mußten gegen 3 Uhr morgens feststellen, daß man überzeugte Kommunisten nicht einfach kaufen kann, selbst wenn der Versuch von einem Kaufmann unternommen wird. ,, Schulze, Sie müssen doch einsehen, daß Ihre Partei nicht mehr die Massen hinter, sich hat, daß wir, die Nazi, das Volk hinter uns haben!" Es fiel Fiete Schulze nicht schwer, die nazistischen Tiraden zu zerpflücken. - rief er aus - ,, Ich aber weiß" ,, daß mit mir zehntausende Hamburger für ihre Überzeugung einstehen und für den Sozialismus kämpfen!" Darauf wußte Kaufmann nur noch zu erwidern: ,, Dann müssen Sie sich die Folgen selbst zuschreiben, die nun kommen werden!" Schulze:„ Das werde ich auch tun wie andere tausende klassenbewußter Arbeiter." Kaufmann: ,, Ist das Ihr letztes Wort?" Schulze: ,, Ja." Daraufhin rief der redselige Gauleiter die SS herein und übergab ihr Fiete Schulze mit dem Bemerken, daß mit ihm nichts an40 zu Rip mit 193 gab bur lich des und Pre bri na So 118 VO K Ab Αν ge te ke di m H a da la in G LU h zufangen“ sei. Drei Minuten später hatte man Fiete Schulze die Rippen eingetreten. Nach dem Willen der Naziführer hatte Fiete Schulze seine Haltung nd A mit dem Leben zu büßen. Der gegen ihn eröffnete Prozeß im Frühjahr ihnen. 1935 trug von Anbeginn dann auch diese Kennzeichen. In der Wieder- , den gabe der Prozeßberichte‘ benahm sich der Berichterstatter des„Ham- arrorS kurger Anzeiger“ am skrupellosesten. Dieser, der der Hamburger Öffent- lichkeit als ein Dr. Uhu bekannt war, hatte bei der Gleichschaltung des„Hamburger Anzeiger“ nicht vergessen, sein Hemd zu wechseln und schrieb fortan unter dem Signum„Dr. Sch.“, unter dem diesem Pressemolch auch noch 1945 Gelegenheit gegeben war, in dem von der britischen Besatzungsmacht herausgegebenen Blatt zu schreiben, diesmal natürlich wiederum nach dem Wechsel seines übelriechenden Hemdes. Bei aller Verdrehung und Verleumdung mußte das Blatt dieses Soldschreibers zugeben: „Im übrigen verteidigt sich Schulze nicht nur gerissen, sondern auch mit dem deutlich erkennbaren Bemühen nach Höflichkeit und mit einem’ gewissen geistigen Niveau.“ Natürlich stach der Geist Fiete Schulzes recht stark ab von dem „gewissen geistigen Niveau“ eines Dr. Schuster. Als dem Angeklagten vorgehalten wurde, daß er seine Tochter zu einer„‚waschechten Kommunistin“ erziehe, antwortete er:„Ich bekenne, daß ich diese Absicht hatte, und so lange ich lebe, diese Absicht haben werde.“ Ein Aufgebot von Zeugen aus dem Lumpenproletariat, von> gekauften Subjekten und meineidigen Gestapobeam-\ ten zur Unterstützung der faschistischen Anklage war kennzeichnend während des ganzen Prozesses. In diesem Sinne steigerte der Staatsanwalt Dr. Steg- 1 mann, ein gewissenloser Henker in Person, seine Hetze. Einmal zitierte er den bauernfeindlichen re- "aktionären Luther aus dem Jahre 1525: ee I a ne Ze „Darum soll hier gestochen werden, wie man einen tollen Hund totstechen muß. So = soll die Obrigkeit mit gutem Gewissen drein- schlagen, soweit sie eine Ader rühren kann. Besser jetzt Blut vergießen, denn sonst beten!“ Das entsprach dem„Geist der Zeit“, wie er durch das„Dritte Reich“ erzeugt wurde. Nachdem in wochen- langen Verhandlungen der aufrechte Angeklagte immer noch nicht in die Knie gesunken war, ja der Angeklagte den Gerichtssaal zum Forum des Klägers gegen das blutbefleckte Regime ii umgewandelt hatte, war der Staatsanwalt derartig aufgebracht, daß er| ulze: hinausschrie:| 4„Er ist ein Mann, den man bekämpfen muß und den man, wenn| rgab E man ihn bezwungen hat, vernichten muß. Der Angeklagte weiß,| 2 daß das Beil des Henkers in seinem Nacken blitzen wird!“.| Wohlgemerkt: das war das ausgesprochene Urteil vor der Urteilsfällung! Von ohnmächtigem Haß und nazistischer Mordgier eingegeben, hielt der Staatsanwalt sein Plädoyer: ,, Die Zunge des Angeklagten war gefährlicher als die Kugeln seiner Helfer. Für diesen Angeklagten ist kein Platz im neuen Deutschland, nicht in seiner Freiheit und nicht in seinen Zuchthäusern. Ich fordere das Todesurteil gegen Fiete Schulze: Er ist des Todes schuldig und sein Kopf gehört dem Henker." 260 Jahre Zuchthaus hatten die juristischen Heuchler für den Angeklagten zusammengerechnet. Dazu dreimal die Todesstrafe! Ungebrochen und wuchtig schleuderte Fiete Schulze den Mördern in schwarzen Talaren, die sein Dasein selbst im Zuchthaus fürchteten, sein Schlußwort entgegen. Am 6. Juni 1935 richteten sie ihn hin. Aber vorerst schrieb Fiete Schulze einen Brief an seine Angehörigen und besonders an seine Schwester. Überwältigend ist die Sprache, die er führte und überzeugend die Prognose, die er in diesem Brief für die Zukunft Deutschlands stellte. Er sprach von denen ,,, die gestern und heute fielen und die morgen in noch größeren Massen fallen werden." In dem Brief des Heroen an seine Schwester hieß es: ,, Schwesterlein! - - Dank für Deine Zeilen. Warum aber so kleinmütig? Du haderst mit den Verhältnissen, die Dir den Bruder nehmen. Warum willst Du nicht verstehen, daß ich dafür sterbe, daß viele nicht mehr einen frühen und gewaltsamen Tod sterben brauchen? Noch ist es so, doch hilft mein Leben und Sterben es bessern. Es kann und darf nicht Eure Aufgabe sein, mein Sterben zu bejammern, denn nur dann wenn Ihr es bejammert ist es nutzlos und verfehlt. Voll erfüllt es seinen Zweck, wenn Ihr es ganz verstehen lernt. Darin kann sich all Eure Liebe und Achtung zu mir zeigen: Im Verstehen und Bemühen, gleich mir zu denken und zu handeln. Je besser und tiefer Ihr das vermögt. um so eher werden Angehörige aufhören können, die Ihren zu beweinen, die gestern und heute fielen und die morgen in noch größeren Massen fallen werden. Denn dann wird dieses Fallen aufhören, aber auch nur dann! Es muß dieses Begreifen nicht mit neuen Strömen von Blut erkauft werden. Es wird es aber, wenn dieses Begreifen nicht sehr bald eintritt. Mein Bemühen war, eine solche Katastrophe zu verhindern. Ich wurde gehindert, es fortzusetzen. Damit kann und wird jedoch die Vollendung nicht gehindert werden. Zurück läßt sich das Rad der Entwicklung nicht drehen. Die Menschen werden in kurzem begreifen lernen, daß es sich nicht einmal ungestraft aufhalten läßt. Herzlichen Gruß Euch allen. Fiete." auf prod krie noch Ver wied wir in Sch tete noch so l sche 42 ıderst st Du rühen hilft Eure n Ihr einen Eure gleich mögl. einen, assen auch , von t sehr dern. -h die 1 der reifen widerstand zui den Weriten Am Ende des Jahres 1935 war die Richtung der nazistischen Politik auf den Krieg kein Geheimnis mehr. Die in Gang gesetzte Rüstungs- produktion ließ keinen Zweifel darüber, daß der Faschismus auf die kriegerische Auseinandersetzung hinsteuerte.„Sollte das Schicksal uns noch einmal zum letzten und schwersten Gang antreten lassen, zur Verteidigung unseres Volkes und Vaterlandes, dann wollen wir nicht wieder so unvorbereitet hineingehen wie 1914, sondern dann wollen wir auch wirtschaftlich vorbereitet sein.“(Dr. Ley.) Für die Arbeiter in den KRüstungsbetrieben gab es Vereidigungen, die sie zu einer Schweigepflicht über die Art und das Ausmaß der Produktion verpflich- teten. War schon die Kriegsvorbereitung offensichtlich, so wurde sie den- noch abgestritten. Je mehr alles auf den Krieg eingestellt wurde, um so lauter und intensiver gestalteten sich die Friedensreden der nazisti- schen Führer. Ihre Reden von dem friedlichen Aufbau in Deutschland sollten das Ausmaß der wirklichen Rüstungen verschleiern. Dieser Trick gelang den Nazis auch bei einem großen Teil des Volkes. Die wachsamen Kräfte der sozialistischen Arbei- terbewegung jedoch erkannten die Pläne der Hitler-Diktatur und setzten alles ein, ihnen entgegenzuarbeiten. Bei al- ler Friedensheuchelei ver- mochten die nazistischen Organisatoren doch nicht ihre kriegerische Sprache zu verleugnen. Dieser Sprache, die ganz offen Betriebs- arbeiter, Techniker, Inge- nieure als„Soldaten des Führers“ deklarierte, die die Bezeichnung„Offiziere der Wirtschaft“ erfand, muß- te die Widerstandsbewegung die wahren Tatsachen ent- gegenstellen. Für sie war es ein Gebot des Erfolges, ihre Hebel auf ; betrieblicher und gewerk- schaftlicher Basis anzuset- zen. Kaum hatten auf den Werften die ersten U-Boot- Bauten begonnen, als auch schon illegale Flugblätter die Werftarbeiter über den Sinn dieser Bauten aufklär- 43 ten. Wie auf anderen Werften an der Wasserkante, hatte auch die illegale Parteigruppe auf der Germania- Werft in Kiel ein Flugblatt herausgebracht, worin es, auf den U- Boot- Bau bezugnehmend, hieß: ,, Mit diesen U- Booten bauen sich die deutschen Werftarbeiter ihren eigenen Sarg!" Dieses Flugblatt erregte nicht nur in Deutschland, sondern sogar darüber hinaus großes Aufsehen, was die Gestapo veranlaßte, ihre Häscher auf die Hersteller der illegalen Schrift zu hetzen. Auf der GermaniaWerft suchten sie vergeblich. Sie ahnten nicht, daß sich die illegale Druckerei auf einem Laufkran einer der Hellinge befand. Entsprechend den Beschlüssen der illegalen Parteikonferenz der KPD, die im Herbst 1935 in Brüssel stattfand, wurde die Politik der deutschen Kommunisten noch elastischer. Solange man mit der Überwindung des Hitler- Faschismus in relativ kurzer Zeit gerechnet hatte, waren naturgemäß die Aufgabenstellung, aber auch die angewandten Arbeitsmethoden auf diese Zeitspanne ausgerichtet. Nachdem nun aber die Brüsseler Parteikonferenz in ihrer Ausschau eine längere Zeit der faschistischen Herrschaft in Deutschland ankündigte, mußten sich auch Aufgabenstellung und Methoden der Arbeit dementsprechend ändern. Die bisherige strategische Aufgabenstellung des direkten Angriffs gegen die Hitler- Diktatur mußte nunmehr, nachdem offensichtlich war, daß sich der Faschismus eine Massenbasis gesichert hatte, zur Form der Verteidigung übergehen. Dies bedeutete, daß in den nazistischen Massenorganisationen, wie NSBO, Kraft durch Freude, DAF usw., die Naziführer bei ihren eigenen Versprechungen gepackt werden mußten. Ob es die Forderung auf ,, Schönheit des Arbeitsplatzes", auf Freizeitgestaltung oder ähnliches war, hier mußten ihre eigenen Versprechungen zur Durchführung und Erfüllung immer wieder gefordert werden. Die Arbeit in KdF gab außerdem die Möglichkeit, Verbindung zum Ausland herzustellen. Bei dem Bemühen, planmäßig und mit großer Sorgfalt die NSBO- Obleute individuell zu bearbeiten, gelang es auch, in sozialer und kultureller Hinsicht Verbesserungen für Betriebsbelegschaften durchzusetzen. brüll ses 7 dem haup dem te. S nun der den abzu men Jou ters den sich Hax bra Kop sie ihne reic Ver die eine Eine andere Form des passiven Widerstandes bildete der Kampf gegen den Hitlergruß. Die Ablehnung dieses Grußes, die bisher oft Ursache von Verhaftungen und Entlassungen( staatsfeindliche Gesinnung) war, wurde jetzt von den Kommunisten geschickt ausgenutzt. So gelang es z. B. auf den Deutschen Werken in Kiel einen besonders gefährlichen Antreiber und Nazi- Aktivisten zur Verzweiflung zu bringen. Dieser, als 150prozentiger Nazist, gab bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit Antifaschisten an, die nicht mit ,, Heil Hitler" grüßten. Er denunzierte sie am laufenden Band. Jetzt drehten die Werftarbeiter den Spieß um. Sie verweigerten nicht mehr den Gruß, sondern plärrten ihn bei jeder Gelegenheit. Ob sie den Denunzianten am Arbeitsplatz, im Werkzeugmagazin, beim Frühstück oder auf dem Abort trafen, immer 44 die ilt herer r daräscher manialegale KPD, tschen ndung waren rbeitser die er faauch ndern. riffs war, Form ischen V., die ußten. eizeitungen n. Die usland alt die er und rchzuGrußes, feindEt ausen beung zu Dietenüßten. rbeiter ärrten atz, im immer brüllten ihm die Werftarbeiter verabredungsgemäß ,, Heil Hitler!" zu. Dieses Traktieren mit dem Hitlergruẞ nahm ein solches Ausmaß an, daß es dem Naziaktivisten bald zuviel wurde und er begann, ihn vielfach überhaupt nicht zu erwidern. Damit war der Zeitpunkt gekommen, wo man dem üblen Denunzianten Vorhaltungen machen konn- te. Spitzfindig fragten ihn seine Kollegen, ob er denn nun nicht mehr an Hitler glaube oder ob er gar in der Opposition stehe. Durch diese Methode gelang es, den verfluchten Hitlergruß in dieser Werkabteilung abzuschaffen. ,, Jawohl, wir rücken näher zusammen", jubilierte der Arbeitsfront- Doktor, den Leon Jouhaux den„ Gefängniswärter der deutschen Arbeiterschaft" genannt hat ,,, wir sind eine Festung geworden, auf Gedeih und Verderb, die Bataillone formen sich. Wer gar nicht mitgehen will, dem treten wir so lange auf die Haxen, bis er den richtigen Tritt hat." Auslandsreisen mit ,, Kraft durch Freude" brachten tatsächlich oftmals freudige Ereignisse. Als ein KdF- Schiff in Kopenhagen anlegte und die deutschen Passagiere an Land gingen, waren sie gewissermaßen entzückt über den zuvorkommenden Empfang, bei dem ihnen nette Prospekte über Sehenswürdigkeiten von Kopenhagen überreicht wurden. So lud eines der Prospekte zum Besuch des Kopenhagener Vergnügunsparks ,, Tivoli" ein. Nachdem die KdF- Reisenden sich in die Lektüre vertieft hatten, konnte man ein eifriges Tuscheln bei den einen und ein aufgeregtes Gestikulieren bei den anderen bemerken. Eines ROBERTLEy Teils gab es erfreute Gesichter, anderenteils verzogen sich die Gesichter zu bösen Grimassen. Die letztere Eigenschaft war bei den mitreisenden Gestapo- Bullen festzustellen, die ihrerseits anfingen, die Tivoli- Prospekte einzusammeln. Das mag ihnen vielfach geglückt sein, sicher war aber, daß sie nicht alle erwischten. Der Prospekt war in Wirklichkeit eine gut getarnte kommunistische Broschüre. Erfahrungsgemäß konnte dieselbe Methode nicht beliebig fortgesetzt wer45 VIL den. Man mußte eine andere Form der Beeinflussung finden. Außer- dem war durch die Tivoli-Aktion die Polizei aufmerksam gemacht wor- den. Es dauerte nicht lange, als wieder einmal die Ankunft eines KdF- Schiffes in Kopenhagen angekündigt wurde. Auch dieses legte an der „Langen Linie“ an. Alles schien in Ordnung zu sein, Nur fünf Photo- graphen machten mit ihren Kurbelkästen glänzende Geschäfte mit den an Land eilenden Passagieren. Sie kurbelten an ihren Kästen und ver- teilten an die Photographierten die Bestellnummern, die in einem Brief- umschlag lagen. Diesmal schaltete sich die dänische Polizei ein, nachdem sie entdeckt hatte, daß die Briefumschläge ebenfalls wieder neben der Bestellnummer auch eine illegale Schrift enthielten. Die fünf Photographen wurden verhaftet und ihre Photoapparate, die sich bei näherem Zusehen als kunstgerechte Kästen aus Pappe und Sperrholz und Fensterglas er- wiesen, wurden eingezogen. Ganz Kopenhagen lachte und die KdF-Fahrer amuüsierten sich über die wiederum gelungene antifaschistische Aktion. Hilfisbereites Ausland Die Aktivität der deutschen politischen Emigranten im Ausland, in diesem Fall in Dänemark, hatte große Bedeutung für die marxistischen Widerstandsgruppen. Für die Festigung des betrieblichen Widerstandes an der Wasserkante liehen die skandinavischen Gewerkschaftler eine dauernde und namhafte Unterstützung. Sowohl in Dänemark als auch in Schweden und Norwegen haben die Werktätigen in ihren Betrieben und Kontoren Gelder gesammelt, die der Widerstandsbewegung zugute kamen. Ebenso bedeutend war ihre moralische und materielle Hilfe in Form von Lebensmittelpaketen an Angehörige der politischen Gefangenen in Deutschland. Mit der Zeit bildete sich in den skandinavischen Ländern eine Form der Patenschaften heraus, worunter zu verstehen war, daß Gewerkschaftsorganisationen und Großbetriebe die Betreuung für be- stimmte Widerstandsgruppen in Städten und Betrieben der Wasserkante übernahmen. Ebenfalls in der Betreuung der politischen Emigranten in Skandinavien hat die dortige Bevölkerung Leistungen aufzuweisen, die als sichtbarer Beweis der Mitarbeit in der Unterhöhlung der faschistischen Diktatur immer anerkannt bleiben werden. Mancher vom Tode bedrohte deutsche Antifaschist verdankt sein Leben der Wirksamkeit einer Solida- rität, die ihre Basis in diesen Ländern hatte. Dies betraf sowohl die dau- ernd Gefährdeten, als auch die zeitweilig Gefährdeten, die sich in diesen Ländern in einer bestimmten Zeit körperlich erholten, neue Kraft schöpf-. ten, um: sich dann wieder an die illegale Arbeit nach Deutschland zu begeben. Aus ihren eigenen Reihen organisierten die skandinavischen Gewerk- schafter sogar Delegationen, die nach Deutschland fuhren, um die Bedin- gungen der illegalen Tätigkeit der Widerstandsbewegung kennenzulernen. Es versteht sich, daß diese Delegationen nur geschickt getarnt ihre Auf- gaben lösen konnten. Doch über dieses Kapitel brüderlicher Solidarität berichten die skandinavischen Freunde selber. Außert wor= KdFan der Photoit den d verBriefchdem en der raphen usehen as erFahrer ion. nd, in ischen tandes r eine s auch rieben zugute ilfe in genen indern n war, ür berkante ten in die als ischen drohte Solidae daudiesen chöpfnd zu ewerkBedinlernen. e Aufdarität Gewerkschaftsarbeit hinter den Kulissen des Dritten Reiches. Die Zerstörung der Gewerkschaftsbewegung im Dritten Reich war für Hitler und seine Auftraggeber, das deutsche Monopolkapital, von großer Bedeutung. In der deutschen Gewerkschaftsbewegung von 1933 waren Millionen Arbeiter und Angestellte organisiert. Die Traditionen der deutschen Gewerkschaften im Kampf für bessere Löhne, für soziale Gerechtigkeit, gegen die Ausbeutungsmethoden der Unternehmer waren groß und hatten bei den Werktätigen ein hohes Bewußtsein von der Kraft ihrer Organisation und Solidarität entwickelt. Aber Hitler wollte den Krieg und die Vorbereitung hierfür war die Zerschlagung aller selbständigen Arbeiter524/8 Der Gewerkschaftler Organ der ill Arbeiler u. Ångestellen You s Verbande Proin 26 26% organisationen. Die Gewerkschaftshäuser wurden durch randalierende SALeute besetzt und ihre Einrichtungen zum größten Teil zerstört, die Kassen durch die Nazis geraubt und über die DAF dem Rüstungsfond zur Verfügung gestellt. Gewerkschafter wurden in Zuchthäuser und Konzentrationslager geworfen oder viehisch ermordet. Aber Verfolgung und Mord konnten nicht verhindern, daß in allen Betrieben ehemalige Gewerkschafter Widerstand leisteten. Geheime Flugblätter und Zeitungen wurden hergestellt, Verbindungen zu alten Gewerkschaftskollegen aufgenommen und die ersten illegalen Gewerkschaftsgruppen errichtet. Diese opfervolle und mutige Arbeit wurde von den Gewerkschaftskollegen aus anderen Ländern unterstützt. Die norwegische Zeitschrift ,, Information" veröffentlichte am 15. Januar 1946 einen Bericht über die Tätigkeit der antifaschistischen Gewerkschaften in- und außerhalb Deutschlands. Komitee zum Wiederaufbau der Gewerkschaften. Gleich nach Hitlers ,, Machtübernahme" ging eine Reihe von Vertretern bzw. Funktionären der freien deutschen Gewerkschaftsbewegung ins Ausland, u. a. auch nach Norwegen und Dänemark. In Norwegen organisierte sich die Freie Deutsche Gewerkschaft und trat in Verbindung mit den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern des Landes, um sie zur Hilfe bei der Organisierung der Freien Deutschen Gewerkschaft zu veranlassen. Das Ergebnis dieser Aufforderung war die Errichtung des Komitees für den Wiederaufbau der Freien Gewerkschaften in Deutschland. Es sollte die Aufgabe des Komitees sein, die freie Gewerkschaftsbewegung in Deutschland in ihrem Kampf gegen den Nazismus zu unterstützen und außerdem in Norwegen die Aufklärung über diesen Kampf zu verbreiten. Es gelang, zu diesem Zweck einen Teil illegalen Materials von 47 47 VIL Deutschland zu bekommen. Dieses wurde in den Gewerkschaftslokalen ausgestellt. Ebenso wurden aufklärende Vorträge gehalten, u. a. von deutschen Emigranten. Beobachter werden nach Deutschland entsandt. Gleich nach Errichtung des Komitees wurde beschlossen, eine Dele- gation, getarnt als Touristen, nach Deutschland zu entsenden, um die Ver- hältnisse zu untersuchen. Das Komitee wählte als Leiter der Delegation den Leiter der„Häröya“-Gewerkschaft Olav Dahl, Sekretär der Ar- beitsmann-Gewerkschaft, Abteilung 102, Valdemar Larsen ‚und den Oberrechtsanwalt Ragnar Solheim, Oslo, welcher als Dolmetscher fun- gieren sollte. Ein deutscher Emigrant, Karl Barksted t, welcher von der Gestapo gesucht wurde, reiste mit, um die Delegationsmitglieder mit einem anderen deutschen Emigranten, der unter den Decknamen„Frantz“ lebte, zusammenzuführen. In Kopenhagen fand die Zusammenkunft die- ser norwegischen Delegation mit einem deutschen Emigranten, der sich „Der kleine Hans“ nannte, statt. Die Delegation traf in Sonderburg einen Verbindungsmann mit Namen Peter Christensen. Dieser war Kassierer in einem Sportklub der Stadt und reiste regelmäßig nach Flens- burg, um offiziell’ Verabredungen für sportliche Veranstaltungen mit den dänischen Klubs südlich der Grenze zu treffen. Peter Christensen nannte einen zuverlässigen Mittelsmann in Berlin, und die Delegation, welche im eigenen Wagen fuhr, ging dann über die Grenze. Der erste Bericht. In Flensburg bekam die Delegation den er- sten Rapport über die il- legale Arbeit in Deutsch- land. Außer den illega- len Flugblättern, welche von den Freien Deut- schen Gewerkschaften selbst gedruckt wurden, bekamen sie auch ille- gale Schriften aus dem Ausland. Diese wurden unter den eigenartigsten Umständen nach Deutsch- land geschmuggelt und mit einer großen Ge- schicklichkeit verteilt. Von Dänemark und Nor- wegen kamen regelmä- Big Sendungen, welche in großen Kühlwagen untergebracht wurden, die Fleisch und Fische transportierten. Ein Teil der Schriften wurde verteilt durch eine Möbel-Auktions-Firma. Man legte die Flugblätter in heimliche Fächer und kleine Kommoden, welche dann weitergesandt wurden. Diese Verteilung mußte natürlich geschehen unter Beachtung einer mög- lichst geringen Verhaftungsgefahr. In Berlin wandte man eine eben- so einfache wie erfindungsreiche Methode an, welche es möglich machte, daß der Verteiler rechtzeitig verschwinden konnte. Es wurde z. B. ein “ Brett auf die Dachkante eines Hauses mitten in der Stadt gelegt. Das Brett wirkte wie eine Wippe. An dem einen Ende, gerichtet zur Straße, setzte man einen Korb, gefüllt mit Flugblättern und an dem anderen Ende einen Behälter mit Wasser, welches langsam herauslief und somit - die Balance verschob, so daß der Korb kippte und die Flugblätter in alle "Winde wehten. Schwierige Verbindung in Berlin. In den großen Siemenswerken in Berlin verkauften die Arbeiter eine Thälmann-Marke sowie Bilder von dem verhafteten Ernst Thälmann. Das Geld wurde zum Druck von Zeitungen und Flugblättern sowie für die Verteilung derselben verwandt. Bei dieser„Thälmannbefreiungskam- pagne“ wurden nur wenige von der Gestapo verhaftet. Eine Verhaftung in diesem Zusammenhang bedeutete für jeden einen sicheren und pein- vollen Tod. So verhaftete die Gestapo in diesen Tagen, als die Norweger in Berlin waren, einen jungen Mann, namens. Willi Deuchler. Wenige Tage nach der Verhaftung bekam die Mutter die nackte, furchtbar zu- gerichtete Leiche des Sohnes mit Zeitungspapier umwickelt ins Haus ge- bracht. Ragner Solheim hatte kurz darauf ein Gespäch mit dieser un- glücklichen Mutter. Das Zusammentreffen mit den Mittelsmännern mußte so heimlich wie möglich geschehen. In der Regel wurden die Gespräche geführt wäh- rend die deutschen Verbindungsleute die Norweger in der Stadt herum- führten und ihnen die Sehenswürdigkeiten zeigten. In Berlin hatte Rag- nar Solheim z. B. einen Treffpunkt mit einem ihm nicht bekannten Ver- bindungsmann vereinbart. Zu einer bestimmten Zeit hielt das Auto Sol- heims an einem vorher vereinbarten Platz in Berlin. Er stieg aus, lüftete die Kühlerhaube und tat so, als ob er den Motor nachsehen wollte. Dies war das Zeichen. Der Verbindungsmann bestieg das Auto und sie fuhren weiter, bis die Verhandlungen abgeschlossen waren. Die Gestapo ist auf der Spur. Nach Rückkehr der Delegation gab Ragnar Solheim einen Bericht und “brachte wichtige Informationen für das Komitee. Im Jahre 1938 wurde das Komitee aufgelöst und durch ein anderes, welches sich„Komitee zum Kampf gegen Krieg und Faschismus“ nannte, ersetzt. Die Protokolle, Dokumente und anderes Material des Komitees wurden später, als die Deutschen nach Norwegen kamen, verbrannt. 1936 gelang es den Nazis, einigen Verbindungsleuten auf die Spur zu kommen. Peter Christensen wurde nach Flensburg gelockt unter dem Vorwand einer Verabredung 4 Dokumente des Widerstandes 49 zur Durchführung einer Sportveranstaltung. Er wurde einem ,, verschärften Verhör" unterzogen, ein Begriff, dessen unheimliche Bedeutung erst später bekannt wurde. Den Nazis gelang es, Peter Christensen durch unmenschliche Qualen zum Sprechen h Sie zu bringen. verurteilten ihn zu 7 Jahren Gefängnis. Diese Verhaftung brachte den Stein ins Rollen. Verbindungsleute in Flensburg, Kiel, Hamburg und Berlin wurden verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gestapo ihre Aufmerksamkeit auf Ragnar Solheim gerichtet. Ebenfalls hatte sie erfahren, daß er bei Frau Thälmann einen Besuch durchgeführt hatte. Die Gestapo versuchte, ihn aus diesem Grunde nach Deutschland zu locken und er erhielt aus Deutschland eine Einladung zur Olympiade in Berlin. Solheim erkannte sofort, daẞ ,, die Sache faul war" und verzichtete auf die ,, Einladung". * * * In Spanien gegen Hitler Wenn wir von Spanien hören, denken wir an Stierkämpfe, Volksfeste, Wein und Guitarrenmusik. Die iberische Halbinsel ist eines der herrlichsten Länder Europas, ihre Olivenwälder und sonnigen Weinberge, ihre wilden Gebirgszüge, ihre idyllischen Bergstädtchen und das bunte immer fröhliche Leben ihrer Großstädte waren seit Jahren zum Anziehungspunkt. der Touristen, der Wanderlustigen und Erholungsbedürftigen geworden. Aber Spanien war wie ein altes Haus, das an den Ufern des Mittelmeeres in Wind und Wetter zu zerfallen begann und dessen Fassade einen neuen Anstrich erhielt, mit dem das morsche Gebäude verdeckt einen äußerlichen Glanz bekam. Hinter den bunten Trachten der Frauen und Mädchen, hinter den melancholischen Gesängen der Guitarrenspieler und den alljährlich organisierten Stierkämpfen verbargen sich Not, Armut und unendliche Leiden eines Volkes, welches bis dahin noch in den grausamen Fesseln der Feudalherrschaft von Granden und der allmächtigen katholischen Kirche gehalten wurde. Die Not der Landlosen und der an die Granden verschuldeten Bauern, die Unterdrückung der Arbeiter durch einen reaktionären Polizeistaat 50 f V t S U B S T ย S Н b I S S n n N E U U J I G b U F feste, rlich- ‚ Ihre mmer punkt rden. fittel- einen einen n und r und Armut grau- htigen auern, istaat . förderte die Sehnsucht des spanischen Volkes nach Befreiung, Befreiung von der Willkürherrschaft und Allmacht der Großgrundbesitzer, Befrei- ung von den arbeiterfeindlichen Sozialgesetzen, Befreiung von der poli- tischen Unterdrückung durch den Tyrannen Gil Robles. Unter dieser Sehnsucht nach Freiheit, nach endgültiger Beseitigung der feudalistischen und reaktionären Zustände entwickelte sich die mächtige Volksfrontbewe- gung und errang bei den Wahlen im Februar 1936 einen großen Sieg über die Kräfte der spanischen Rechten, der Bankiers, reaktionären Militärs und Landherren. Das war eine Warnung an alle, welche sich dem Marsch. des spani- schen Volkes in die Freiheit in den Weg stellen wollten. Und die Feinde des Volkes handelten, weil sie ihre auf Unterdrückung und Ausbeutung seit Jahrhunderten errichtete Macht bedroht sahen. Der faschistische General Franco organisierte den Aufstand gegen die Republik. Am 18. Juli 1936 knallten Schüsse in Madrid, Barcelona, Valencia, Sevilla und anderen Städten Spaniens. Die Antwort des spa- nischen Volkes war mächtig. In kurzer Zeit hatten tapfere Männer, Frauen und Jugendliche die Kasernen der faschistischen Franco-Truppen gestürmt. Mit bloßen Händen hatten sie den Franco-Legionären die Waffen entrissen und begannen die Republik zu verteidigen. Republika- nische Soldaten stellten sich auf die Seite des Volkes und Francos Auf- standsplan drohte zu scheitern. Aber Franco und seine faschistischen Banden waren bereit, die Unabhängigkeit des Landes zu verraten, um dadurch ihre Macht über die Arbeiter und Bauern Spaniens zu erhalten. Mit Hilfe Hitlers und Mussolinis, mit deutschen und italienischen Bom- ben und Granaten wurde die Freiheit des spanischen Volkes erstickt. In seinem Kampf standen dem spanischen Volke Tausende Antifa- schisten aus allen Ländern zur Seite, darunter ca. 5000 Deutsche, organi- siert in der 11. Internationalen Brigade. Der Weg nach dem Süden Die Nebelsignale unseres Schiffes wurden immer heftiger und ein matter Lichtschein durch das Bullauge in unserer Kajüte kündigte den neuen Tag.„Ich glaube, wir stehen auf und peilen mal die Lage. Meiner Meinung nach müssen‘wir nämlich bald im Hafen von Dünkirchen ein- laufen und dann wird die Sache mulmig“, meinte Kuddl, unser Dicker. Er hatte sich- in weiser Voraussicht seit Esbjerg nicht mehr ausgezogen und war jede Minute bereit, die schmale Schiffstreppe hinaufzustürmen, um die letzte Mahlzeit in die Nordsee zu spucken, wie er sich ausdrückte. „Hoffentlich klappt die Sache mit den Pässen“, flüsterte Jan, der Jüngste von uns. Er war mit Hermann zusammen von Hamburg nach Dänemark geflüchtet, nachdem er in Hamburg wochenlang von der Gestapo wegen Verbreitung antifaschistischer Jugendzeitungen und Flug- blätter gesucht wurde.„Warum soll es nicht klappen?“ erwiderte Hannes und beobachtete interessiert den Wellengang durchs Bullauge, als wäre draußen etwas zu sehen, was ihm eine Antwort auf die eben gestellte - Frage geben könnte,„Weißt du“, wandte er sich an Jan, der auf der 51° Bettkante saß und seine Stiefel zuschnürte,„die dänische Fremdenpolizei ist froh, wenn sie uns los ist, unsere Aktivität unter den- deutschen Tou- risten ist ihnen sowieso schon auf die Nerven gegangen. Als ich bei ihnen war und einen Paß haben wollte, haben sie mich gleich gefragt, ob ich damit nach Spanien will. Nachdem sie uns die Pässe verweigert haben, wissen sie ganz genau, daß wir uns selbst welche besorgen und trotzdem fahren.“ ö „Erstens ist der Kapitän oder wer die Pässe hat, nicht von der Frem- denpolizei und zweitens, wenn die hier merken, daß wir mit dänischen Pässen fahren, ohne die Sprache zu verstehen, stecken sie uns in den Kohlenbunker und liefern uns in Esbjerg wieder ab“, meinte Jan.„Die halten uns ja für eine internationale Gangsterbande, Mensch! Aber viel- leicht hast du Recht, Hannes, die haben sicher alles vorbereitet, wir gehen mit Musik der Bordkapelle an Land, am Kai wartet Herr Generalkonsul mit seinem Wagen, bringt uns zur spanischen Grenze und hält zum Abschied eine Rede über die große Bedeutung unseres Kampfes für die spanische Demokratie.“ Wir fingen alle an zu lachen, als plötzlich ge- klopft wurde und ich zum Büro des Kapitäns gerufen wurde. Ein Offizier des Schiffes fragte mich nach meinem Namen. Nachdem er die Frage stellte, wohin ich reisen wollte, glaubte ich im ersten Moment, die Sache mit unseren falschen Pässen sei geplatzt, war aber überrascht, als er mir mit freundlicher Miene den Paß reichte und glückliche Reise wünschte. „Kann ich nicht gleich die Pässe für meine Kameraden mitnehmen, wir fahren nämlich zusammen und sie sind gerade beim Packen“, fragte ich den Offizier und war überzeugt, daß ich das perfekteste Dänisch meines Lebens gesprochen hatte.„Aber selbstverständlich, wie sind die Namen bitte?“ Die Namen hatte ich mir gut gemerkt und konnte sie wie ein alter Kopenhagener aussprechen. Jetzt nur noch glücklich durch die französische Paß- und Zollkontrolle, dachte ich und stieg vergnügt die Treppe zu unserer Kajüte hinunter. Alles klappte wunderbar. Skandinavier schie- nen in Frankreich angesehene Gäste zu sein, eine halbe Stunde später bestiegen wir den Expreß nach Paris und waren noch am selben Tag in der Hauptstadt Frankreichs. Paris—Perpignan. Der Zug, welcher uns nach Perpignan, der letzten Stadt an der spanischen Grenze, bringen sollte, verlangsamte sein Tempo. Es war die erste Station nach Paris, auf der wir hielten.„Mensch, Hermann, schau mal, da steht alles schwarz voll Menschen“, rief Jan, und wir stürzten an die Fenster, um zu sehen, was dort los war. Plötzlich sahen wir, daß aus verschiedenen Fenstern unseres Zuges rote Fahnen hingen und wußten nun, daß der ganze Zug voll Freiwilliger für das republikanische Spanien war. „Vive l’Espagne republiquain!“(Es lebe das republikanische Spanien) riefen die Menschen auf dem Bahnsteig.„Vive la Solidarität internatio- nal“ erscholl es aus den Fenstern unseres Zuges. Rote Fahnen tauchten 52 lter sche zu hie- ‚äter gin der - die chau zten wir, und ische nien) atio- hten auf, Zurufe, Händeschütteln, Frauen schwenkten Tücher und reichten Wein, Brot und Obst in die Wagen. Ein alter Franzose kam an unser Fenster und reichte uns lachend Zigaretten.„Du, Kamerad“, rief er auf französisch,„wo kommst du her, welche Nationalität?“„Wir sind hier alles Allemans“(Deutsche), rief Kuddl und zeigte auf uns.„Gut, gut, deutsche Kamerad“, antwortete er auf deutsch und streckte uns mit strahlendem Gesicht beide Hände entgegen. Wir schüttelten sie kräftig und als sich der Zug langsam in Bewegung sezte, rief er uns nach:„Schlag Faschisten in Spanien kaputt, dann auch Hitler kaputt“. „Wacht auf, Verdammte dieser Erde....“, sangen die Menschen drau- ßen.„Die Internationale erkämpft das Menschenrecht“, ertönte es auf deutsch, französisch, dänisch, holländisch, polnisch, italienisch aus den verschiedenen Abteilen des langsam anfahrenden Zuges. Immer schneller entfernten wir uns von der Station und die winkenden Menschen waren nur noch undeutlich zu erkennen. Lokomotivführer und Eisenbahner auf den Nebengeleisen grüßten zu uns herüber und schwenkten ihre Mützen. Weiter ging es in Richtung Spanien... Über die spanische Grenze. „Das ist ja schon richtig spanisch hier“, sagte Jan und zeigte auf die Palmen, als wir durch die Straßen Perpignans gingen, um den Sammel- platz zu finden, von wo es weiter über die Grenze gehen sollte. Auf dem Platz waren schon viele versammelt. Wir gesellten uns zu einer Gruppr Skandinavier, von denen wir erfuhren, daß wir erst eine ärztliche Kon- trolle passieren mußten, bevor die Reise weiter ging. Jan war enttäuscht, er hatte damit gerechnet, gleich über die Grenze zu gehen, und konnte es gar nicht aushalten, noch lange zu warten.„Ob die uns vielleicht noch zurückhalten?“, fragte er mich.„Dann geh’ ich auf eigene Faust über die Berge“, meinte er und blickte nach den Pyrenäen, deren Ausläufer sich bis in die Stadt erstrecken.„Warum sollen sie uns zurückschicken?“ fragte ich ihn.„Wenn jemand ein Recht hat, gegen die Faschisten zu kämpfen, sind wir es“, meinte er und fügte hinzu:„Ich bin überzeugt, daß die Genossen in Deutschland und besonders die im Gefängnis und im KZ sitzen, voll Hoffnung auf den Kampf in Spanien blicken. Stell dir vor, Hermann, wenn Franco geschlagen wird, dauert es nicht mehr lange und es geht auch bei uns los, dann haben wir doch immerhin mitgeholfen, Deutschland vom Faschismus zu befreien.“„Nun, das ist ja der Sinn, wir wollen in Spanien gegen Hitler kämpfen. Indem wir für die Freiheit des spanischen Volkes eintreten, kämpfen wir gegen den Krieg, den Hitler in Spanien vorbereitet und damit für unsere Heimat und unser Volk, welches Hitler in einen Krieg treiben will.“ Am späten Abend konnten wir endlich die Wagen besteigen. Ge- spannt blickten wir alle nach vorn, wo die Scheinwerfer unseres Wagens grell die Straße und in den Kurven die Felswände des Pyrenäengebirges beleuchteten. Keiner sprach ein Wort. Alle waren gespannt auf den Augenblick, wo wir die ersten spanischen Grenzposten zu sehen bekamen. 53 Y | j R ? N # Es ging stark bergan und unter der Belastung summte der Motor wie eine Sirene. Plötzlich sahen wir vor uns Lichter, die von einem Haus kommen mußten. Der Wagen fuhr langsamer und hielt schließlich kurz vor einem etwas erleuchteten Haus. Im Scheinwerferlicht sahen wir Stahlhelme blinken. Der Leiter unseres Transports stieg aus und verhan- delte mit den Posten. Es waren französische Gendarmen, die die Grenze bewachten. Kurz darauf fuhren wir weiter. Nach einer Kurve sahen wir auf der Straße ein offenes Feuer. Unser Wagen hielt und wurde sofort von spanischen Milizsoldaten umringt. Jetzt war keine Ruhe mehr im Wagen, alles wollte die spanischen Genossen sehen.„Salud Cameradas“, begrüßten sie uns und reichten uns die Hände. Wir hätten alle gern etwas gefragt, wie es in Spanien geht, wie die Fronten stehen und ihnen sagen, daß die Antifaschisten der Welt mit Sympathie auf den Freiheitskampf der Spanier blicken, daß wir Deutsche sind und ihnen helfen wollen usw. Aber wir hatten keine Zeit...„So, jetzt sind wir in Spanien“, meinte jemand. Jan, der neben mir saß, flüsterte leise:„Du, Hermann, du mußt dafür sorgen, daß wir Hamburger alle zusammen bleiben. An der Front ist es immer gut, wenn man mit alten Freunden zusammen ist.“ Im Eiltempo fuhren wir bergab, unserem Bestimmungsort zu... Deutsche Wafien nach Spanien Oktober 1936. In Hamburg werden Schiffe geladen. Laufkrane heben geheimnisvolle Kisten in die Laderäume von Überseedampfern. Tag und Nacht wird gearbeitet. Polizei und Gestapo be- wachen die Kaianlagen. Immer neue Güterwa- schoben. Ihre Fracht trägt die Aufschrift: „Vorsicht, Sprengstoff, Explosionsgefahr!“ Es folgen Teile von Flak- geschützen, Lafetten, Rohre, sowie leichte und schwere Artillerie. Die Hafenarkbeiter diskutie- ren und erfahren sehr AFRIıRA Schnell, daß die Ladun- =:.enew gen für Spanien be- F aekkis en stimmt sind. Sie wissen, Gebiet d F;£ daß in Spanien ihre Brü- wo» ıetd Faschisten ım Juli 1936 der ae oe eu Faschistischer Vorstoss bis Nov. 1956 tige Wut packte sie. Sa- boiage wird beschlossen. In den nächsten Tagen flattern kleine Flugzettel durch die Straßen von Hamburg. Es sind kleine abgezogene Blätter und 54 gen werden herange-_ wie für mit Ges nic schi Hat die vol ital der Dei aul siv we üb gel Ze un Bli die Zi We M: sel st IT wie Haus h kurz N wir Than- srenze en Wir sofort hr im adas“, etwas sagen, kampf N usw. meinte ı mußt Front Im heben 8 und beitet. po be- nlagen. terwa- range- Fracht schrift: 1gstoff, ES Flak- ‚fetten, te und Die skutie- n sehr Ladun- n be- wissen, re Brü- nmäch- sie, 5a gzettel jr und wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Aktion in der Stadt.„Keine Waffen für Franco“.„Es lebe der Freiheitskampf des spanischen Volkes“.„Nieder mit Hitler und Franco.“— heißt es in den verbreiteten Flugzetteln. Die Gestapo wird nervös. Im Hafen werden Arbeiter verhaftet und kehren nicht zurück. Aber die Aktion geht weiter. Losungen, mit Kreide ge- schrieben, erscheinen an den Wänden der Werkhallen und Planken im Hafen.„Keine Waffen für Franco“— lesen Tausende von Werftarbeitern die am frühen Morgen beim Schichtwechsel den Elbtunnel verlassen. Faschisten marschieren auf Madrid Franco hat die ersten Niederlagen überwunden. Die seit langem vorbereitete Hilfe aus Deutschland und Italien setzt ein. Deutsche und italienische Flugzeuge bringen Legionäre aus Marokko und Schwarzhem- den aus Italien nach Spanien. ,„Touristen“ im„Sondereinsatz“ aus Deutschland steigen: in Gijon und Santander an Land. Tanks, werden auf Güterzüge verladen und in Richtung Madrid versandt.— Die Offen- sive gegen Madrid beginnt... ‚ Immer näher rücken die faschistischen Truppen aus südlicher und westlicher Richtung an die Hauptstadt heran. Junkersflugzeuge kreisen über Madrid und werfen Bomben., Hunderte von Zivilisten werden getötet, Frauen und Kinder unter dem Schutt der Häuser begraben. Im Zentrum der Stadt schlagen Bomben in den Tunnel der Untergrundbahn und zerfetzen oder begraben die dorthin geflüchteten Einwohner.— Die Blindgänger tragen deutsche Fabrikationsmarken.— Faschistische Panzerwagen und marokkanische Eliteeinheiten erreichen die ersten Vorstädte der Stadt. Die Regierung ordnet Evakuierung der Zivilbevölkerung an und übersiedelt selbst nach Valencia. Aber nur wenige verlassen die Stadt. Die Madrider ziehen in die Vorstädte und bauen Schützengräben und Barrikaden. Frauen und Kinder helfen den Männern beim Bau der Verteidigungsanlagen. Die Faschisten haben schwere Artillerie herangezogen und eröffnen das Feuer auf die Vor- städte und das Zentrum von Madrid. Die Lage wird von Stunde zu Stunde verzweifelter. Provisorische, aus den Arbeiterparteien und den Gewerkschaften herangezogene Freiwillige kämpfen einen heldenhaften Kampf. Aber ihre Unerfahrenheit und ihre technische Unterlegenheit halten dem Druck der gutausgerüsteten faschistischen Truppen nicht stand. Casa del Campo, Carabanchel, die Universitätsstadt und der Flugplatz Getafe sind bereits in ihren Händen. Marokkanische Streitkräfte drin- gen bis ins Innere von Madrid vor, die Lage erscheint aussichtslos— Franco kündigt bereits im Rundfunk den Fall von Mädrid an. Die ,, Internationalen" kommen Im Hinterland, in Albacete, der Basis der Internationalen Brigaden, formieren sich in aller Eile die ersten Bataillone. Die Lage an der Front macht es notwendig, diese ersten militärischen Einheiten ohne große Vorbereitung einzusetzen. Fritz Rettmann, ehemaliger Polit. Kommissar im ,, Edgar Andrée- Bataillon", schreibt darüber: ,, Die Zeit drängt. Notdürftig i a 1 Von den Arbeiterparteien und Gewerkschaften herangezogene Freiwillige der Volksfront empfangen einen Soldaten der republikanischen Regierungstruppen. Er überbringt eine Fahne, die der faschistischen Francobesatzung bei der Wiedergewinnung der Kaserne in Madrid abgenommen wurde. in Figueras zu militärischen Einheiten zusammengestellt und unzureichend militärisch vorbereitet, geht es auf Barcelona zu. Dichtgedrängt stehen wir an den Fenstern des Zuges, der uns Barcelona entgegenführt. Weiße Dörfer fliegen vorbei. Auf den Äckern stehen spanische Bauern und winken uns zu. Endlich Albacete. Es geht durch enge Straßen, die uns befremdend anmuten. Die Sonne liegt heiß in den Gassen. Von der Bevölkerung begrüßt, marschieren wir in die Kaserne der ehemaligen Polizeitruppe. Dort wird die elfte( erste internationale) Brigade zusammengestellt. Deutsche Antifaschisten an der Front von Madrid Wir haben Muße, uns einmal richtig anzuschauen. Bunt ist unsere Zusammensetzung: Deutsche, Österreicher, Spanier, Flamen und eine jüdische Gruppe. Ein Sprachengewirr umkreist uns. Alte und Junge, Kämpfer aus dem Weltkrieg und unerfahrene Jungen finden sich hier zusammen, 56 saden, Front große nissar ürftig chend Bar- n ste- ndend erung ruppe. 15 ein- hauen. nmen- terrei- n und , Ein kreist Junge, itkrieß en fin- mmen, sber alle beseelt von dem gleichen Gedanken: Der Nazismus darf in Spanien nicht siegen! Hans Beimler, Ludwig Renn, Hans Kahle u. a. arbeiten fieberhaft an der Zusammensetzung der Bataillone und Kompanien. Diese Aus- lese ist sehr schwierig, weil man nicht genau über das militärische Wissen der einzelnen Kameraden informiert ist. Endlich stehen die Bataillone„Edgar Andree“ und„Ernst Thälmann“ fertig zur ersten Übung. Dann geht es hinaus auf den spanischen Acker. Zum ersten Mal das Gewehr in der Faust. Alle Gesichter glühen. Das war es, was sie so lang ersehnten: Abrechnung halten, sich nicht mehr wehrlos zusammen- schlagen lassen von der Gestapo, SS oder SA, „No Paseran“ „Nach den früheren Erfahrungen hätte Madrid in den ersten Novem- berwochen in die”Hände Francos fallen müssen. Aber als jetzt seine Truppen zum Sturm antraten, drangen sie nur bis in das Universitäts- viertel; mehr konnten sie gegen den hartnäckigen Widerstand des Geg- ners nicht erreichen. Genau.achtundvierzig Stunden nämlich war in Madrid aus Barcelona ein großer Transport mit kommunistischen Frei- willigen aus aller Herren Länder eingetroffen.(Unter ihnen war auch der kommunistische Schriftsteller Ludwig Renn.) Diese Männer waren #ast alle militärisch ausgebildet, viele waren im Kriege gewesen, sie wußten, was ihre spanischen Gesinnungsgenossen nicht wußten: wie man einen Schützengraben aushebt, wie man einen Flankenangriff macht und eine Brücke verteidigt. Die Internationalen Brigaden sind daher auch der Kern der roten Miliz und ihre wertvollste Truppe geblieben. Vor allem sie waren es, die jetzt den Angriff auf Madrid zurückschlu- gen.“(Diese Einschätzung der Internationalen Brigaden und des Kamp- fes um Madrid gab am 12. März 1939 die von den Nazis gleichgeschaltete „Frankfurter Zeitung“ Nr. 131 bis 132.) Über den Einsatz der Internationalen Brigaden in Madrid schreibt Fritz Rettmann: seen„Endlich in Madrid. Noch 3 ı am Abend erreicht uns der Befehl zum sofortigen Ein- satz. Und nun beginnt ein Kampf, der an Härte, aber auch an Heldenmut seines- gleichen in der Geschichte der Freiheitskämpfe sucht. Mit unseren Leibern decken wir Madrid. Der faschisti- sche Feind setzt Panzer, u“ Flieger und alle modernen Madrids Frauen rufen zur Verteidigung gegen Waffen deutscher und ita- die von Ritler und Mussolini ausgerüsteten lienischer Fabrikation Sn faschistischen Angreifer. Auf dem Transparent 3 steht die Losung: Alle Männer an die Front. Gewehr, MG und Benzin- a7 flasche— das sind unsere Waffen in den ersten Monaten gegen deutsche und italienische Panzer. Aber der Einbruch in Madrid wird verhindert. Unsere Kompanie schrumpft sichtlich zusammen. Dann kommt die erste Atempause. Sie ist kurz. Schon in den nächsten Tagen werden wir gegen die sich vorschiebenden Marokkaner eingesetzt. Ein fast wildes Vorstürmen erlebt das Bataillon. Unsere Kompanie geht ohne Deckung vor, zieht sich weit auseinander, überquert den Manzanares und die Marokkaner fliehen vor dem überraschend hart geführten Stoß. Doch zur Nacht ziehen wir unsere Kompanie wieder über den Manzanares zurück. So wogt der ungleiche Kampf in den ersten Wochen hin und her. Wir werden an jede bedrohte Stelle geworfen. Ich muß vielen guten Kameraden, tapferen Kämpfern, zum letzten Mal die Hände drücken. Aber—„No Paseran“(Sie werden nicht durchkommen)— unter die- ser Losung kämpften und starben unsere Interbrigadier, darunter viele deutsche Antifaschisten.“ Edgar Andr&se vor seinen Richtern: „Meine Ehre ist nicht Ihre Ehre“ Vor dem Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts findet im Herbst 1936 der seit drei Jahren vorbereitete Prozeß gegen den bekann- ten Arbeiterführer Hamburgs Edgar Andree statt. Die Verhandlung ist für sechs Wochen angesetzt. Diese außerge- wöhnlich lange Verhandlungsdauer gegen einen einzelnen Angeklagten beweist, daß die Nazis mit diesem Prozeß etwas besonderes vorhaben. Die gegen den faschistischen Terror geschaffene Wehrorganisation, dessen politischer Leiter Andree war, soll hier so diffamiert werden, daß da- durch die Führung der KPD, also auch Ernst Thälmann, abgeurteilt werden kann. Für die Nazi-Führer war das Urteil bereits beschlossen: Andree, einer der bekanntesten Hamburger Antifaschisten, mußte ver- schwinden. Drei Jahre wurde Edgar Andr&e durch die Folterknechte der Hamburger Gestapo„bearbeitet“. Um ihn verhandlungsfähig zu halten, legten sie ihn wochenlang ins Wasserbett, um später von neuem die Torturen zu beginnen.„Als ich, vom Zellenfenster des Gefängnisses Fuhlsbüttel aus, Edgar Andr&e zum letzten mal sah, war er, an Krücken gehend—, so hatten die Nazi- folterungen ihn physisch zu Grunde gerichtet— ein Aufrechter, ein Leuchtender“, schrieb der Vorsitzende des internationalen überparteilichen Untersuchungsausschusses, Justin Steinfeld, der in Hamburg seine Pest- stellungen traf. So o enge ein! sch tro! mit soW Un allı Ar zu er Alt ge: ZU) se de sel Ei sel H: liz Der-Prozeß beginnt. Die Nazis wollten einen Monstreprozeß um Andre&e veranstalten, eine Galavorstellung, in der die„Verworfenheit und Finsternis“ der deut- schen Linken aufgezeigt werden sollte. Und das mißlang völlig, trotz der Rechtsverdreherei des Nazigerichts und allen Kulissenzaubers. Um ein Todesurteil zu erzielen, wirft ihm die Anklage in Tateinheit mit„Hochverrat“ gemeinschaftlichen, vollendeten und versuchten Mord, sowie Aufruhr und Landesfriedensbruch als„Rädelsführer“ vor. Um zu dieser Anklage zu gelangen, macht der Staatsanwalt Andree für alle Zusammenstöße zwischen SA-Formationen und antifaschistischen Arbeitern in den Jahren 1930—1933„verantwortlich“. Um ganz sicher zu gehen, erklärt der Staatsanwalt am 1. Tag der Verhandlung, daß er eine Nachtragsanklage einreichen werde, die auch die Vorgänge des Altonaer Blutsonntags vom 17. Juli 1932 zum Gegenstand der Anklage segen Andr&e machen sollte. Wegen der Zusammenstöße an diesem Tag wurden bereits 9 Antifaschisten, u. a. Fiete Schulze, hingerichtet. Edgar Andre&e denkt keinen, Moment daran, vor seinen Anklägern zurückzuweichen. Von einem Angeklagten wird dieser mutige und kon- sequente Vertreter der Hamburger Werktätigen zu einem Ankläger des grausamen Hitlerregimes. Andrees heldenmütiges Auftreten macht selbst auf den brüllenden faschistischen Gerichtsvorsitzenden großen Eindruck. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum Andree bei der Hamburger Arbeiterschaft so populär ist, antwortet er:,„Es gibt Men- schen, die sich selbst als großen Redner bezeichnen. Ich kann es von mir nicht sagen. Wenn Sie wissen wollen, warum mich die Arbeiter Hamburgs als ihren Freund betrachten, dann lesen Sie in Ihren Po- lizeiberichten nach, Sie werden dort die Antwort finden.“ Protest gegen Mordversuch an Edgar Andree Mit fieberhafter Spannung verfolgen die Hitlergegner und Edgars alte Freunde in Hamburg den Prozeß. In den überfüllten Zellen des Hamburger Untersuchungsgefängnisses sitzen die politischen Häftlinge und versuchen verzweifelt,„Nachrichten über, Edgar“ zu erhalten, Kal- faktoren und Gefangenenwächter berichten über Edgars Verhalten vor Gericht. Mut und Zuversicht erfüllt die Gefangenen, Edgars mutiges Auftreten stärkt ihren Widerstand und läßt sie Schläge mit Ochsen- ziemer und Tritte von schweren Nagelstiefeln leichter ertragen._ - In den Arbeiterquartieren Hamburgs versammeln sich kleine Grup- gen von 3—4 Mann heimlich in den Wohnungen und besprechen den Pro- zeß.. Berichte über den Verlauf werden entgegengenommen und ge- sammelt. Das Material wird durch einen Verbindungsmann ins Aus- land geschickt und dort an die sozialistischen Organisationen weiterge- leitet. Kurze Zeit später gibt es in Prag, Paris, Kopenhagen, Stock- holm und anderen Städten große Massenkundgebungen, tausende pro- 59 testieren hier gegen die faschistische Mordjustiz und verlangen die Befreiung Edgar Andrées. In Amsterdam findet eine große Demonstration statt, auf mitgeführten Transparenten wird die Befreiung Andrées gefordert. Ein Gegenprozeß, geführt von den bekanntesten Rechtsanwälten des Auslandes, beweist die Sinnlosigkeit der Anklage. So wird der Kampf. und der Protest der demokratischen Kräfte in allen Ländern für die Befreiung eines deutschen Antifaschisten zur Weltbewegung gegen die Terrorherrschaft des Nazismus. In den Hamburger Arbeiterwohnungen sitzen indessen die Familien bei zugezogenen Gardinen und verriegelten Türen und horchen gespannt auf die gedämpfte Stimme, die durch den Äther nach Deutschland dringt. Es ist die Stimme des deutschen Freiheitssenders, sie kündet von der großen Bewegung der Werktätigen in allen Ländern für die Befreiung Edgar Andrées. Leise erklingt am Schluß„ Die Internationale" aus dem Lautsprecher, den Versammelten steigen Tränen in die Augen bei den Klängen dieses alten Arbeiterliedes, ohnmächtig ballen sie die Fäuste... Zum Tode verurteilt Aufrecht und tapfer stand Edgar Andrée vor seinen Richtern und widerlegte alle gegen ihn geführten Argumente. Indem er der braunen Justiz ihre wahren Absichten ins Gesicht schleuderte, kämpfte er für alle, die wie er hinter den Mauern der Gefängnisse der Willkürherrschaft ausgeliefert waren. Der Hauptangriff in der Anklage, Edgars Beteiligung am Altonaer Blutsonntag, wurde allein durch die Tatsache widerlegt, daß er sich an diesem Tage weder in Hamburg noch in Altona aufgehalten hatte. Und da auch das Nazigericht gegen Edgar Andrée zu keinem anderen Resultat kommen konnte, so verurteilte man ihn wegen„, intellektueller Urheberschaft" des Altonaer Mordtages zum Tode. ,, Wer Recht hat, dem muß auch Recht werden" hatte er seinen Richtern erklärt. Edgar hatte tausendmal Recht, doch hitlerhörige Juristen brachen es. Ja, sie sprachen ihm die Ehre ab. Erhobenen Hauptes entgegnete er seinen Henkern: ,, Ihre Ehre ist nicht meine Ehre und meine Ehre ist nicht Ihre Ehre, denn uns trennt die tiefe Kluft der Weltanschauung. Sollten Sie trotzdem das Unmögliche hier möglich machen und mich zum Richtblock bringen, so bin ich bereit, diesen schweren Gang zu gehen. Denn als Kämpfer habe ich gelebt und als Kämpfer werde ich sterben." Das waren die letzten Worte Edgar Andrées. - Seine Peiniger machten das Unmögliche möglich, und auf Befehl derjenigen, die in Nürnberg feige behaupteten, sie hätten niemals einen Mord befohlen, wurde er am 4. November 1936 hingerichtet. 60 der Arb gem wuf für wie Stil sun hei tra dor her sof ( Fe De ein sta ku Ve de in Ge EUG VO de W le ist & Be- eführ- egen- andes, d der feiung Cherr- Milien pannt Iringt. n der 'eiung s dem | den Sie.n# or sei- ihrten - fte er fäng- 1. Der 1g, am > Tat- weder , Und u kei- verut- neber- seinen Juri- auptes ‚eine uns jlten chen reit, ‚pfer ben“ l der- einen Heimlich verscharrt Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in Hamburg und in der ganzen Welt -der Mord an Edgar Andree. Verzweifelte Wut ergriff die Hamburger Arbeiterschaft, unter denen Edgar seit Jahren gewirkt und mit der er gemeinsam um ihre Rechte gekämpft hatte. Die braunen Machthaber wußten um Edgars Beliebtheit. Ihre Furcht vor Sympathiekundgebungen für den Hingerichteten veranlaßte sie, die Einäscherung der Leiche, wie Verbrecher, die die Spuren ihrer Mordtat verwischen wollten, in aller Stille und strengster Sicherung durchzuführen. In der Geheimanwei- sung der Gestapo.„Tgb. Nr. 20 841/35“ an das Friedhofsamt heißt es: „Die Beisetzung ist in aller Stille und unter strengster Verschwiegen- heit vorzunehmen. Ferner wird gebeten, die Grabnummer dem beauf- tragten Bearnten der Staatspolizei zu übergeben, die Eintragung in das dortige Buch so vorzunehmen, daß der Name des Toten nicht daraus hervorgeht. Es wird weiterhin ersucht, künftig bei jeder Nachfrage dieserhalb "sofort an Gestapo 6, Krim.-Insp. Kraus oder dessen Vertreter im Amt (Fernsprecher 34 10 00, Nebenanschl. 2716) darüber Mitteilung zu machen. Der Aufenthalt der Person ist nach Möglichkeit solange hinzuziehen, bis ein Beamter der Staatspolizei erscheint. I. A.: Kraus“ Selbst ein öffentliches Grab Edgar Andr&es schien der Gestapo staatsgefährdend. Jeder. der es wagte, sich nach seinem Grab zu er- kundigen, mußte mit KZ und Tortur rechnen. Wie Gangster verscharrten sie ihre Opfer. So berichtete die jedem Verbrechen zugeneigte Friedhofsverwaltung nach der Einäscherung unter dem 5. 11. 1936 an die Gestapo: „Die Beisetzung der Aschenkapsel wurde am gleichen Tage 18.15 Uhr in der Dunkelheit von den Kriminalsekretären Naujock und Schwarz in Gegenwart des Unterzeichneten vorgenommen. Sie ist in einer Tiefe von etwa%4 m in einer Gebüschpartie im Quartier S. 4 und 5 zwischen den Grabstellen Nr. 293 und 368 beigesetzt.“ Gangster scheuen das Tageslicht, weil sie sich ihres Verbrechens be- wußt sind. Ihre Absicht, den Ermordeten noch durch nachhaltige Ver- leumdungen dem Schimpf und der Schande der Nachwelt preiszugeben, ist ihnen nicht gelungen. ne . Die zweite Schlacht um Madrid Der erste Ansturm faschistischer Elemente gegen die Stadt Madrid ist durch den Widerstand der Madrider Bevölkerung und den Einsatz der „Internationalen“ zurückgedrängt. Fieberhaft arbeitete die Zivilbevölke- rung an den Verteidigungsanlagen der Stadt. Frauen organisieren die Versorgung der Front. Alle wichtigen Zufahrtsstraßen werden mit Barri- kaden aus Pflastersteinen, Sandsäcken und Zement abgeriegelt. Das Erscheinen der„Internationalen Brigaden“ hat in der Stadt eine mächtige Begeisterung ausgelöst. Überall, wo die Männer in den grau- grünlichen Uniformen auftauchen, werden sie von der Bevölkerung lebhaft begrüßt. Jeder will den Vertretern aus anderen Ländern, die gekommen sind, um zu helfen die Freiheit des spanischen Volkes zu ver- teidigen, die Hände drücken. In den Straßen herrscht ein Durcheinander. Männer und Frauen in: blauen Monteuranzügen, die Jagdflinten oder erbeuteten Militärgewehre über die Schulter gehängt, eilen durch die Straßen den Sammelplätzen entgegen. Auf ihren Mützen tragen sie die Buchstaben oder Insignien ihrer Partei. Das republikanische Spanien hat keine Armee. Die Einheiten an der Front sind aus Freiwilligen der antifaschistischen Parteien und Gewerk- schaften zusammengesetzt. Es gibt kein einheitliches Kommando, keine einheitlichen Anweisungen, jede Gruppe oder Hundertschaft(Centuria) handelt nach eigenen Entscheidungen. Offiziere werden zum größten Teil noch von den Mannschaften gewählt und sind meistens politische Funktionäre. Die Disziplin ist mangelhaft. Viele Freiwillige gehen abends zurück in die Stadt, um am Morgen mit der Straßenbahn wieder in die erste Linie zu fahren. Die Kommunistische Partei Spaniens ruft auf zur Bildung einer regulären Armee. Am 29. Januar 1937 beschließt die Regierung die Auf- lösung der Volksmilizen und die Schaffung des regulären Heeres. Das aus 70 000 Kämpfern bestehende, von der Kommunistischen Partei orga- nisierte„Fünfte Regiment“ beschließt, sich in das reguläre Heer einzu- gliedern. Die„Internationalen“ helfen bei der Ausbildung und Zusam- menstellung der Einheiten.— Aber die Zeit drängt, die Faschisten geben sich nicht zufrieden, und ihre Truppen, unterstützt durch Artillerie und Tanks, brechen in die schlecht ausgerüsteten und militärisch unorgani- sierten Linien der Republikaner ein. Im Februar 1937 wird die Front erschüttert, die faschistischen Truppen strömen über die Straße Madrid— Valencia. Die Verbindung nach Valencia droht abzubrechen. Wichtige Eisenbahnlinien und Hauptstraßen liegen bereits im Kampfgebiet. Die Hauptstadt Madrid ist zum zweitenmal bedroht.— Mit einem Heldenmut sondergleichen verteidigen die Spanier unter schweren Verlusten ihre Stadt. Die Internationalen Brigaden werden zur Unterstützung eingesetzt. Es sind die XI.(deutsche und österreichische), die XII.(italienische), die XIV.(französische), die XV.(anglo-amerikanische). 62/ Madrid atz der völke- en die Barri- it eine - kerung n, die u ver- ander. \ oder ch die sie die an der werk- keine ıturia) ößten itische gehen wieder einer - s. Das orga- einzu- usam- geben e und rgani- Froni drid— ichtige 2 Die onmut ı ihre esetzt. p), die Auibruch in der Nacht Das Gebrumm der Motoren von den vielen LKWs, welcheydie Dorf- straße heraufkommen, schafft eine unruhige und gespannte Atmosphäre. In der Kurve geht es stark bergan, die Fahrer schalten jedesmal die Gänge, und langsam tastet das grelle Licht der Scheinwerfer an den grauen Mauern der niedrigen Häuser entlang, an denen Soldaten sitzen und warten, bis ihre Kompanie zum Verladen auf einen der anfahrenden LKWs bereit ist. Am Straßenrand stehen Gepäck, Munitionskisten, Ruck-. säcke, MGs— alles durcheinander, auf einigen dieser Berge von Kisten und Säcken sitzen verschlafene Gestalten und blinzeln in das helle Licht. Im Haus des Brigadestabes ist dasselbe Durcheinander. Es wird ge- packt, verladen.und herumgeschrien. Melder kommen,“Motorradfahrer bringen Briefe und suchen irgendwelche Verantwortlichen, die nirgends zu finden sind.—„Du, Genosse, kennst du den Polit. Kommissar Lorenz, ich habe hier einen eiligen Brief: vom Sanitätsdienst?“, fragt ein Melder jeden, der am Eingang vorbeikommt.—„Weiß nicht, wo der steckt, Ge- nosse aper geh’‘doch mal nach oben, da ist jetzt Besprechung, vielleicht ist er dort!“ gibt ihm jemand Antwort. In einem hellerleuchteten Raum auf der ersten Etage sitzen etwa ein Dutzend Männer. Ein großer runder Tisch, mehrere Sessel und Stühle, die herumstehen, statten den Raum aus. Rechts von der Tür befindet sich ein offener Kamin, einige der Anwesenden sitzen im Halb- kreis davor und wärmen sich die Hände am flackernden Holzfeuer. Es ist trotzdem kalt im Raum, die meisten haben deshalb ihre dicken Schafpelzjacken anbehalten. „Hätte gar nicht gedacht, daß es in Spanien so kalt Sein kann, ich habe immer geglaubt, hier,gibt es nur Sonnenschein und Apfelsinen, aber die Kälte in der Nacht ist ja schlimmer als bei uns im Ruhrgebiet“, meint Karl und reibt sich lachend die Hände über dem Kaminfeuer. .. Karl ist Kompanieführer. Er ist schon seit den ersten Wochen dabei. „Zuerst im Süden bei der„Centuria Thälmann“, dann bei der Verteidi- gung von Madrid, wo er die erste Verwundung, einen Oberschenkelschuß, erhielt. Zwei Jahre hatten ihn die Nazis im Konzentrationslager ein- gesperrt. Er wurde gleich 1933 verhaftet. Als Kumpel: hatte er unter den Bergarbeitern eine große Sympathie. In den politischen Versamm- lungen vertrat Karl ihre Intefessen, was dazu führte, daß die Unter- nehmer ihn auf die schwarze Liste setzten und er keine Arbeit bekam. . Im Januar 1933, als die Nazis zur Macht kamen, mußte Karl illegal leben. Später suchten die Nazis ihn, aber er wohnte in dieser Zeit bei einem Freund, einem alten Kumpel aus dem Bergwerk, außerhalb der Stadt. Sein Freund war Sozialdemokrat. Eines Nachts hatte es an die Haustür geklopft, und die SS hatte beide geholt. Karl wurde schwer mißhandelt und blieb zwei Jahre im Lager. Von seinem Freund hat er nichts wieder gehört. Nach seiner Entlassung begann er von neuem gegen die Nazis zu arbeiten; innerhalb der DAF hatte er sich einen 63 kleinen Kreis von zuverlässigen Genossen, meist ehemalige Kommu- nristen oder Sozialdemokraten, geschaffen. Im Bergwerk war wieder Hochbetrieb, es ging mit Volldampf an die Vorbereitungen für den Krieg, darüber sprach Karl mit seinen Kollegen. Aber die Nazis hatten ihn nicht vergessen, und als er eines Tages nach Hause kam, stand die Luftklappe vom Küchenfenster geöffnet— das war das Zeichen, daß die Gestapo da- war— seine Frau hatte ihn gewarnt. ‚Er mußte fort und ging nach Holland. Als der Krieg in Spanien ausbrach, hatte Karl nur gesagt: „Da muß ich hin, denn dort geht es gegen Hitler!“— Nun ist er schon lange in Spanien und kämpft als deutscher Antifaschist in on Reihen der Internationalen Brigaden.. „Im Süden bei Cordoba war es noch schlimmer, dort hatten wir am Tag eine Tropenhitze und in der Nacht sind uns die Knochen steif ge- froren!“ nahm Hermann von der Wasserkante das Gespräch auf, welches Karl begonnen hatte.—„Ja, gerade das Gegenteil von den spanischen Mädchen, am Tag sind sie kühl und abends tauen sie auf!“ bemerkte Seppl, der Zugführer von der Verbindungskompanie. Alle lachten und begaben sich zur Mitte des Raumes, denn der Brigadekommandeur Wal- ter war soeben angekommen und die Sitzung begann. Es geht um die EBauptstadt Der Brigadegeneral„Walter“ war klein und gedrungen, hatte kurz- geschorene Haare, eine kräftige Nase und kleine graue Augen, mit denen er die Anwesenden musterte. Wenn. er jemand begrüßte, verzog sich sein sonst ernstes Gesicht zu einem breiten und gutmütigen Lächeln.— „Genossen“, begann Walter,„wir haben heute wenig Zeit, um lange Be- sprechungen abzuhalten. Die Brigaden werden eingesetzt und gehen heute abend noch an die Front. Wir haben die Aufgabe, die Straße Ma- drid—Valencia entlang des Jamaraflusses von den Faschisten zu befreien. Das Gelände ist sehr hügelig und erfordert eine gute Führung. Ich weiß, daß die einzelnen Einheiten schlecht ausgerüstet sind. Daran können wir im Moment wenig ändern. Für einige neue Maschinengewehre und" genügend Munition habe ich gesorgt. Tanks und Flugzeuge werden wir nicht zur Unterstützung haben.“ An Hand der auf dem Tisch ausgebrei- teten Karten entwickelte Walter die Operation.„Nun, alles andere er- seht ihr aus dem Brigadebefehl“, schloß Walter die Besprechung.„Noch eins, Genossen“, wandte sich Walter an die Versammelten.„Es ist not- wendig, daß die Politischen Kommissare die Genossen zuammenfassen und mit ihnen die Lage besprechen. Jeder einzelne muß wissen, um was es geht, dann werden wir auch ohne Tanks und Flugzeuge die Faschi- sten zurückschlagen. Es geht um Madrid, Genossen, d. h. um die helden- hafte Hauptstadt Spaniens.——“ „Die Heimat ist weit....“ Im Aufenthaltsraum der Maschinengewehrkompanie ist ein Stimmen- gewirr wie in einem vollbesetzten Wartesaal kurz vor Ankunft des Zu- 64 ges. An den Wänden hängen noch die letzten Wandzeitungen der Kom- panie und auf einem roten Tuch im Hintergrund ist die Losung:„Unser Kampf für die Freiheit Spaniens ist gleichzeitig ein Kampf für die Befreiung unserer Heimat vom Hitlerfaschismus“ zu lesen. Bilder von Ernst Thälmann und Edgar Andree schmücken den Raum.. „Genossen“, beginnt jemand vorn am Tisch eine Rede.„Wir gehen heute abend fort von hier“, ruft er in den Raum— es wird still, alle blicken gespannt auf den Redner—„die Internationalen Brigaden werden eingesetzt, um eine drohende Offensive der Faschisten aufzu- halten und die Umklammerung Madrids zu verhindern. Ihr wißt, wir haben nicht dieselben ausgerüsteten und gut bewaffneten Einheiten wie die Faschisten. Hitler hat Flugzeuge, Tanks, Flak und Spezialtruppen nach Spanien gesandt. Er will hier seine ersten Kriegserfahrungen sam- meln und gleichzeitig die Freiheit und Unabhän- gigkeit Spaniens ver- nichten. Das ist der Be- ginn eines neuen Welt- krieges. Wenn es dem Faschismus gelingt, in Spanien zu siegen, wer- den Hitler und seine Helfer in Europa und in; der Welt den Krieg ent- fesseln. Unser deutsches Volk wird dann in einen sinnlosen Krieg gehetzt und Deutschland zum Trümmerhaufen ver- wandelt werden. Wir deutsche Antifaschisten haben deshalb eine besondere Aufgabe. Wir wollen der Welt beweisen, daß es ein äntifaschistisches Deutschland gibt, daß wir in Spanien ge- gen den Krieg zur Verhinderung der Vernichtung unseres Volkes kämp- fen! Deshalb gehen wir an die Front, deshalb verteidigen wir Madrid und deshalb müssen wir die Faschisten zurückschlagen!“ „Genossen“, schloß der Redner vorn seine Ausführungen,„möchte jemand von euch das Wort?“—„Ja, ich“, rief jemand und drängte sich durch die Reihen seiner Kameraden zum Tisch,„Kameraden“, begann er,„wir sind alle freiwillig nach Spanien gegangen. Viele von uns haben im Gefängnis oder Konzentrationslager gesessen, ich auch, neun Monate haben die Hunde mich gepeinigt, das werde ich nie vergessen. Deshalb ist es richtig, was gesagt wurde, Kameraden, wir wollen Hitler hier in Spanien bekämpfen, und wenn wir unsere Gewehre nehmen, wollen wir an unsere Genossen denken, die hinter Stacheldraht sitzen und vielleicht auch an uns denken!“— Zurufe und Händeklatschen beschloß die kurze 65 5 Dokumente des Widerstandes Rede. Hinten im Raum begannen einige das Lied ,, Die Thälmann- Kolonne" anzustimmen: ,, Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit, zu kämpfen und zu siegen für dich, Freiheit!" Alle flelen in den Gesang ein und hoben die Faust zum Gruß. Gegenoffensive am Jarama Die Nacht war stockfinster. Regenwolken verdeckten den Mond und eisige Kälte herrschte gegen fünf Uhr morgens, als es hieß: alles fertig machen, es geht weiter! Die Kompanie hatte sich in einer Schlucht unter den einzelnen Olivenbäumen verteilt und die Nacht unter freiem Himmel verbracht.„ Du, Hermann, komm, wir rauchen noch eine Zigarette unter der Decke, wer weiß, wann wir wieder dazu kommen", flüsterte jemand.„ Ist alles fertig zum Abmarsch?" fragte Karl, der Kompanieführer.„ Los, los, Jungens, wir sind mit bei den ersten. Laẞt das Gepäck hier, das kriegen wir später nach, und dann bewegt euch langsam in dieser Richtung!" Er zeigte in eine Richtung, in der jetzt die Kompanie einer hinter dem anderen losmarschierte.„ Denkt an unsere letzte Übung: die Gruppe bleibt zusammen, nicht zu früh knallen und Deckung ausnutzen", rief Karl den Davonmarschierenden nach. Die Kompanie hatte auf einem Hügel die erste Stellung bezogen als es hell zu werden begann und die Umrisse der Umgebung zu erkennen waren. Plötzlich donnerten in ihrem Rücken die Abschüsse der eigenen Artillerie. Die republikanische Gegenoffensive war eröffnet....! Auf den Höhenzügen auf der anderen Seite des Flusses Jarama konnte man die Einschläge beobachten. Hohe Erdfontänen schossen in die Luft und das Echo der Einschläge rollte durch die weiten Täler ,, Siehst du dort vor uns die hellen Striche am Abhang?" fragte Schorsch, der ,, Kompanievater".( Er war ein alter Hamburger und hatte den Weltkrieg mitgemacht.) ,, Das sind die faschistischen Stellungen, da müssen wir sie rausholen meinte Schorsch und zeigte in diese Richtung. - Das Feuer der Artillerie ließ nach und überall sah man Gestalten in gebückter Stellung nach vorne gehen.„ Es geht los, Jungens!" rief Karl und kletterte als erster über einen Steinhügel. Ein heftiges Gewehrund MG- Feuer setzte jetzt von beiden Seiten ein. Rufe, die man nicht verstehen konnte, ertönten von überall. Die ersten Handgranaten flogen in die Gräben der Faschisten. Plötzlich läßt sich erkennen, daß aus den faschistischen Stellungen Gestalten die Gräben verlassen und in Deckung zurückgehen. Die Kompanie ist nicht mehr zu halten alles wird mitgerissen.„ Sie haun ab!" ruft es von allen Seiten, weit auseinandergezogen geht die Kompanie vor. Die MGs hämmern in einem fort. Die ersten Gruppen haben bereits die faschistischen Stellungen erreicht. Auch links und rechts der Kompanie gehen sie vor. - - Es ist bereits halb elf, als die ersten Junkers auftauchen und ihre Ladung hinter den Linien auf die Nachschubwege der Republikaner abladen. 66 die Ki da 35 d ge e น b m M go e Z d a n b T u U b r S U f 1 d und fertig hlucht freiem ne Zi- ımen“, 1, der . Laßt t euch tzt die unsere n und ‚en als ennen genen .! Auf > man ft und fragte ‚ hatte ungen, diese ten in f Karl ‚wehr- ı nicht flogen ıs den ackung d mit- ander- rt. Die reicht. d ihre or ab- Beim Dunkelwerden tritt Stille ein. Auch die Artillerie schweigt und die Essenträger gehen nach hinten.— Die Faschisten. sind auf einige Kilometer zurückgeschlagen. Die Bedrohung Madrids ist beseitigt und damit die Stadt zum zweiten Mal gerettet worden. Die Kompanie zählt 35 Mann weniger, darunter der immer lustige Seppl...! * Schwarze Tage Erlebnisbericht aus dem KZ Buchenwald Kein Vogel pfeift in Buchenwald, der Nebel streift, durchnäßt uns kalt. Die Nacht ist kurz, der Tag ist blind. Wo ist ein Weib? wo ist ein Kind? . in hohen Gipfeln heult und stöhnt der Wind. Wohl niemand, der den 17. November 1939 in Buchenwald erlebte, wird den Tag je ver- gessen. Denn was dieser und die folgende Zeit brachte, hat uns allen einen Stempel aufgedrückt, der zutiefst in Herzen und Hirnen sitzt und unseren abgrundtiefen Haß gegen das Nazisystem und seine SS-Mord- banditen vertausendfachen läßt. Schon persönlich ist mir der 17. November 1939 ein Tag gewesen, der mich wehmütig stimmte, weil es der erste Geburtstag meiner lieben Mutter nach ihrem Tode war. Die SS-Banditen hatten es nicht für nötig gehalten, mich zur Beerdigung zu beurlauben. Was ist schon dabei, wenn einem Kommunisten die Mutter stirbt. Der Tag war grau. Himmel und Erde schienen in eins zu verschmel- zen, denn der November war in Buchenwald ein Monat des Nebels, und die 500 m Höhe über dem Meeresspiegel machten sich dann recht un- angenehm bemerkbar. Man brauchte nicht lange zu stehen, um eine nasse Kälte auf dem Körper zu verspüren, die uns erschauern ließ und bald in Zittern und Zähneklappern überging. Es ging im Trab wie alle Tage. Links, zwei, drei, vier, klangen die Kommandos der Blockältesten und wir stampften durch den tiefen Dreck schwer bergan. Wohl mancher unter uns Tausenden, die den Weg gingen, dachte, was wohl der Tag bringen möge. Niemand ahnte, daß eine der schwersten Zeiten heran- reifte, die Buchenwald durchzumachen hatte. Meine Gedanken drehten sich um den Geburtstag meiner Mutter und ich hatte kein Ohr für das, was um mich vorging. So standen wir dann im tiefen Morast, unten Nässe und oben Nässe, und klapperten mit den Zähnen.„Achtung“, hieß es, wenn der Block- führer kam. Dann mußte man aufpassen, stillstehen und selbstverständ- licn auch Schnauze halten. So ein SS-Mann war ein unberechenbarer _ Sadist, bei dem es passieren konnte, daß er einen Häftling so ganz nebenbei in die Kniekehlen oder sonstwo hintrat, aber immer mit peinlicher Genauigkeit nur an solche Stellen, die als besonders empfindlich gelten. 67 Dann mußte der Blockälteste dem Blockführer die Stärke melden. ,, Abzählen", hieß es: Eins, zwei, drei, vier usw., bis alle durchgezählt hatten. Ein Verzählen durfte nicht passieren, denn es konnte vorkommen, daß der sich Verzählende Schläge ins Gesicht bekam oder der ganze Block, das heißt, bis zu 300 Mann, im Morast ,, Erdkunde" treiben mußte. ge m Bi lic U Wir Konzentrationäre Wir hatten die Kraft, den Mut, unser Leben zu wagen, wir hätten's geschafft, wenn wir vereint geschlagen, Deutschland zu retten. Wir trugen das Leid in Ketten, wir wurden getreten, geschunden, und waren bereit, trotz blutender Wunden für Deutschland zu sterben. ma wa m ni „ D SC SO ge La ma I du So Wir zweifelten nicht, wir wußten, und keine Stunde fand uns bang. Durch Nacht zum Licht ist kein Weg zu lang für Deutschlands Wiedergeburt. Und unser Opfer hat sich gelohnt, keine Reue schmälert uns die harte Zeit, und fest, geeint und nicht geschont sind wir wieder bereit, Deutschland neu zu bauen. ste Du W m kö So G ste So M W de an te tr Na sa So standen wir dann in dem tiefen Morast unter Schlägen, Kommandos wie„, Stillgestanden, Mütze ab" usw., bis endlich der erlösende Ruf ,, Arbeitskommandos antreten" Tausende wie in einem Ameisenhaufen durcheinander wühlte. Die Musikkapelle gab dann durch einen flotten Marsch das Signal zum Ausrücken der einzelnen Kommandos. Jawohl, die Musikkapelle. Wie zum Hohn mußte sie den ausgemergelten, hun68 A bl la Li gernden und schon durchnäßten Gestalten, die sich am frühen Morgen mit'aller Kraft nur so dahinschleppten, den Marsch blasen. Es war ein Bild des Grauens.... Wir waren an diesem Tage wie immer bei unserer Arbeit, als plötz- lich, so gegen 9 Uhr, die Lagersirene ertönte.„Einrücken!“ Was war los?. Überall traf man auf bange, fragende Gesichter. Was ist los? Aber nie- mand konnte Antwort geben. Vermutungen wurden laut. Nichts, ab- warten! Abwarten, oh, diese Ungewißheit, denn bei diesen SS-Horden mußte man mit dem Schlimmsten rechnen. Und wir verrechneten uns nicht. Auch diesmal nicht. Der Ton der Kommandos und die unflätigsten Schimpfworte, wie „Drecksäcke“,„Himmelhunde ihr verdammten“, ließen auf das Schlimmste schließen. Bald war es auch heraus, was los war. Wir, die Häftlinge, sollten aus einem Schweinestall, der sich im Lager befand, ein Schwein gestohlen und geschlachtet haben. Der Kopf des Schweines wurde im Lager vergraben aufgefunden. So lautete der Bericht des Lagerkom- mandanten, natürlich ebenfalls mit den obigen Ehrentiteln verbrämt. „Ihr bleibt stehen bis zum Verrecken“, so lautete sein Urteil. Nun standen wir wieder im Morast, dessen Nässe bald den Weg durch die zerrissenen Schuhe fand. Unser Essen wurde soeben in den Schweinestall getragen. Und wir standen hungernd und frierend. Die Zeit schien stillzu- stehen, so träge rückte der Zeiger der Lageruhr vor. Mit Anbruch der Dunkelheit drückten wir uns näher zusammen, um uns gegenseitig zu wärmen. Wie eine Herde Schafe. Die kriegen uns nicht klein, hörte man hier und dort flüstern, oder, was können sie uns tun? Leid! Ja, leid können sie uns tun, wenn sie, die SS, glaubte, uns klein zu kriegen. So standen wir hungernd und frierend.. Oben Nässe, unten Nässe. Grau war der Himmel und grau die Welt. Aber wir standen, die Ohren steif und den Kopf oben. Jetzt, wo wir drin waren, mitten drin im Schlamassel, da sprachen wir auch wieder freier, sprachen uns gegenseitig Mut zu, obwohl wir noch nicht wußten, was da oben über uns beschlossen wurde. So standen wir von 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. 13 Stun- den ließen die Verbrecher uns stehen. Hungernd und frierend.. Am anderen Morgen Appell wie immer. Die Kaffeeholer waren unverrich- teter Dinge wieder zurückgekommen. Nichts, weder zu essen noch zu trinken. Ob sie uns arbeiten lassen würden? Arbeiten ohne Essen? Natürlich, zu allem waren diese Nazis fähig. Abends schleppten die Arbeitskommandos ihre vor Hunger zu- sammengebrochenen Kameraden ins Lager. Ein Elendszug. Und bei dem Appell brachen hier und da immer wieder Menschen zusammen. Uns blutete das Herz. Die SS aber zeigte höhnische Gesichter.„Abrücken“, lautete das Kommando. Aus unserem Block setzte eine Stimme mit dem Liede ein:„Eine Woche Hammerschlag, eine Woche Häuserquader“, und in ohnmächtiger Wut klang es aus tausend Stimmen:».... mit, uns zieht die neue Zeit!“ So hatten wir früher die„Internationale“ gesungen, 69 wenn die Polizei uns eine Versammlung oder eine Demonstration auflöste. Gesungen voller Wut und Trotz, aber auch voller Stolz. Stolz darüber, daß man uns nicht klein kriegte. "... Und so ging es 5 Tage, weder Essen noch Trinken. Und dazu arbeiten unter der Knute der SS- Verbrecher. Jeder Tag brachte 200 bis 300 Tote. Vor unseren Augen starben sie, die Ärmsten. Und dieses tatenlose Zusehen, dieses Nichthelfenkönnen, war furchtbar. Und jeden Tag sangen Imit uns zieht die neue Zeit". Nur am vierten und wir: fünften Tage konnten wir nicht mehr singen, nun, da pfiffen wir es. Unter uns war es bald heraus, nicht Häftlinge, sondern die SS hatte das Schwein gestohlen, den Kopf im Lager vergraben, um den Verdacht auf uns abzuschieben. Deutliche Spuren wiesen über den Drahtzaun. Der Hunger dieser 5 Tage und die Folgen desselben brachten uns in dem Winter 1939/40 etwa 3000 Tote. dat zu Wa ..So ver len ver zie sei Sol Eir ** * * Rüstungsarbeiter gegen die Kriegstreiber September 1938 Die Konferenz von München im September 1938 und die Besetzung der Tschechoslowakei führen zu einer tiefgehenden Stimmungskrise. Die Atmosphäre eines drohenden Krieges lastet über Hitlerdeutschland. Die Arbeiter in den Rüstungsbetrieben und auf den Werften erkennen mit aller Deutlichkeit Hitlers Kurs auf den Krieg. Die Frage ,, Was wird aus Deutschland?" wird in breiten Teilen der Bevölkerung diskutiert. Die Kader der sozialistischen Parteien beginnen aktiv gegen die Kriegsprovokationen der Hitlerregierung aufzutreten. Einem Flugblattverteiler gegen die Aufrüstung droht der Tod. Füsilieren? Nein. Stück für Stück wird das Opfer zu Tode geschunden. Viele sind schon den Weg gegangen. Und dennoch lebt und marschiert das unterirdische Deutschand, Mitte September sind in verschiedenen Industriebezirken Norddeutschlands Flugzettel verbreitet. Ihr Inhalt lautet:„ Nieder mit dem Kriegshetzer Hitler! Gebt uns den Frieden! Heraus mit Thälmann! Hände weg von Spanien und der Tschechoslowakei." - Solidarität mit dem republikanischen Spanien. Seit dem ersten Augenblick des faschistischen Aufstandes in Spanien sitzen in Deutschland hunderttausende Menschen an den Radioapparaten und versuchen ausländische Stationen zu hören, um sich wahrheitsgemäße Nachrichten über die Lage in Spanien zu verschaffen. Jede Sendung des deutschen Freiheitssenders auf Welle 29,8, jede aufgefangene Nachricht in deutscher Sprache aus Madrid oder Barcelona, Straßburg oder Luxemburg oder aus Moskau wird weitererzählt. Die Opposition gegen Hitles Intervention ist zu hören in dem ständigen Geflüster von Mund zu Mund:" Was haben wir in Spanien zu suchen? Seit wann liegen unsere Grenzen an den Pyrenäen? Wofür werden deutsche Sol70 in we sen An he de kä Wi lar Sp VO ne Me au üb im se fül de tio au sie A A W ar fe W in öste. Liber, rbei300 atenTag und T. es. hatte Verrahtchten etzung e. Die .Die n mit - aus diskuen die gblattStück n den dische zirken er mit mann! SpaRadiowahrJede gefanStraßOppoeflüster I wann e Soldaten in Spanien hingeopfert?" Immer öfter wird die Frage von Mund zu Mund weitergegeben:„ Deutsche Soldaten sind in Spanien gefallen. Warum werden keine Verlustlisten veröffentlicht?" Ausschnitte aus dem ,, Schwarzen Korps" oder anderer Naziblätter über auffällig plötzlich verstorbene" SS- Führer gehen von Hand zu Hand. Namen von Gefallenen bleiben nicht im Familienkreis geheim, sie werden weitergeflüstert. Unterstützt von ihrem Sender haben die Werktätigen mit primitiven, aber oft sehr wirkungsvollen Methoden sich zur Wehr gesetzt. Da zieht ein Arbeiter eine frühere Hitlerrede aus der Tasche und liest sie seinen Kollegen vor:„ Hier hat doch Hitler selbst gesagt, daß unsere Soldaten nie zur Eroberung fremden Bodens eingesetzt werden sollen." Ein Arbeiter sagt dem anderen:„ Ohne Hitler und Mussolini hätte es in Spanien keine Rebellion gegeben und die Menschen könnten dort weiter in Frieden leben." Solche Äußerungen der Werktätigen beweisen, wie ihnen die spanische Erfahrung zum Bewußtsein bringt, wer der Angreifer ist. Die Solidarität in den Betrieben für den spanischen Freiheitskampf ist ständig im Anwachsen. In mehreren Großbetrieben Norddeutschlands werden Gelder gesammelt für die spanischen Freiheitskämpfer. Nach der Hochzeit eines Betriebsarbeiters wird z. B. für das Wirtschaftsgeld für die erste Woche gesammelt. Das Sammelergebnis landet aber in Wirklichkeit bei der ,, Hilfe für das republikanische Spanien". Es bleibt nicht bei den Sammlungen. Als die Waffentransporte von Hamburg nach Franco- Spanien einen immer größeren Umfang annehmen, bildet sich im Hamburger Hafen ein geheimer Kontroll- und Meldeausschuß der Hamburger Hafenarbeiter, der einen„ Signaldienst" aus verschiedenen Abteilungen des Hafens organisiert. Genaue Angaben über auslaufende, mit Waffen und Munition beladene Schiffe werden immer wieder der Öffentlichkeit übermittelt. Der Signaldienst kann diesen vorbildlichen Kampf gegen Hitlers Kriegsverbrechen in Spanien führen, weil er sich auf die Masse der Arbeiter und die Verbindung in der DAF stützt. Deutsche Seeleute weigern sich im Verlaufe dieser Aktion, Waffen und Munitionsladungen zu befördern. Sie erklären, daß auf dieser Route ihr Leben in ständiger Gefahr ist. Auf dem Dampfer , Henrica" und anderen Schiffen lassen sich die Seeleute abmustern, weil sie nicht Soldaten, Flugzeuge und Kanonen zu Franco bringen wollen. " Kampfprogramm der Werftarbeiter. Langsam arbeiten ist die Parole der Werft- und Rüstungsarbeiter. Auf den Hamburger Werften beginnt eine organisierte Sabotage in allen Abteilungen. Unsere Werftarbeiter stehen mit an der Spitze des Widerstandskampfes gegen Hitler.„ Acht Stunden genug geschunden, so arbeiten wir für den Frieden!" ,, Arbeitet ruhig und gediegen; was nicht fertig wird, bleibt liegen!" sind die Losungen, die von Mund zu Mund weitergegeben werden. Die Werftarbeiter stannden immer in den ersten Reihen, wenn es galt, die Interessen 71 der Arbeiterschaft und des Volkes zu verteidigen und Ne sind stolz auf diese Tradition. Heute sur das mehr denn je, weil das reaktionäre Trustkapital durch Hitler in Deutschland uneingeschränkt herrscht, die Reichsten der Reichen, die Rüstungsindu- striellen Krupp, Thyssen, Siemens, an der Wasserkante Blohm, Haniel, die Aktionäre der Hapag, des Lloyd und andere!“ heißt es in einem Kampfprogramm der Hamburger Werftarbeiter. Eine Gruppe Arbeiter der Belegschaft von Blohm& Voß verteilt Flugblätter auf dem: Werft- gelände. In dem Flugblatt heißt es: Kollegen! Früher war es zwar einfacher, für unsere Forderungen zu kämp- fen. Wir waren gewerkschaftlich organisiert. Wir hatten Einfluß auf die Gestaltung der Tarifverträge. Durch die Betriebsräte und die Betriebs- vertrauensleute hatten wir, gestützt auf die Arbeitsgesetzgebung und die Tarifverträge eine unmittelbare Interessenvertretung im Betriebe, und die mächtige Waffe des Streiks verschaffte unseren Forderungen Nach- druck, wenn wir uns einig waren! Wo ein Wille’ist, dort ist aber auch heute ein Weg! Heute sind wir alle Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront; die Tarifordnung bestimmt der Treuhänder der Arbeit; der Vertrauensrat soll zwischen uns und dem Betriebsführer vermitteln. Es ist klar, wir können heute nicht auf die alte Art kämpfen. Aber gerade darum müssen wir alten Gewerkschafter uns einig sein, um gemeinsam neue Wege zur Durchsetzung unserer For- derungen, die den heutigen Verhältnissen angepaßt sind, ausfindig zu machen und neue Kampfesmethoden anzuwenden. Das setzt voraus, daß wir die heutige Arbeitsgesetzgebung— das Gesetz zur Ordnung der na- tionalen Arbeit— ebenso gut kennen und anzuwenden verstehen, wie früher das Betriebsrätegesetz, daß wir die Tarifordnung ebenso bis zum letzten ausnützen, wie früher den Tarifvertrag. Dr. Ley versprach uns„gerechten Lohn“ und, so betonte er später, „vermehrte Leistung bedingt Erhöhung der Löhne“. Gauleiter Kaufmann erklärte,„daß einer Lohnerhöhung nichts im Wege steht“. Gauobmann Habedank forderte„die Arbeitsbedingungen müssen vernünftiger und die Entlohnung gerecht sein“, während die Tagespresse oft schrieb:„Höherer Lohn ist gerechter Lohn“ und„mehr Achtung für den Vertrauensrat von Seiten der Betriebsführung“. Wer sollte uns wohl hindern können, wenn wir uns— gestützt auf geeignete Paragraphen der heutigen Arbeitsgesetzgebung und unter Be- rufung auf die Versprechungen der Naziführer— mit unseren Forde- rungen an den Vertrauensrat, an die Betriebsobleute, an die Amts- und Jugendwalter wenden und damit auf die Erfüllung dieser Versprechun- gen dringen? Es sind doch Arbeiter, Kollegen von uns, die heute als Ver- trauensräte, Betriebsobleute, Amts- und Jugendwalter sogar gesetzlich verpflichtet sind, zwischen uns und dem Betriebsführer zu vermitteln! Auch als Mitglieder der DAF haben wir ja nicht nur Pflichten über- nommen, sondern wir haben auch Rechte zu beanspruchen, wie das klar 12 füh und schl sam wir Wa und mehr Chland sinduTaniel, einem beiter Werftkämpuf die Criebsnd die e, und Nachnd wir stimmt d dem uf die chafter er Fordig zu us, daß er naen, wie is zum später, ufmann bmann und die öherer rat von itzt auf ter BeFordets- und rechunals Versetzlich teln! n'überHas klar aus den Versprechungen dieser Naziführer hervorgeht! Wir müssen darum auch in den unteren Einheiten der deutschen Arbeitsfront die Naziführer beim Wort nehmen, die Erfüllung der Versprechungen fordern und so jede legale Möglichkeit zur Mobilisierung aller Kollegen, einschließlich der nationalsozialistischen, ausnutzen, um unseren gemeinsamen Forderungen Nachdruck zu verleihen und sie durchzusetzen. Denn wir alle sind des ewigen Opferns müde. In allen Werftkollegen an der Wasserkante regt sich der Widerstand gegen die gesteigerte Ausbeutung Wirtschafts- Zeitung Begen Bummelschichten" " Verhängung von Gefängnisstrafen * Magdeburg, 14. Dezember diefer Verordnung für diesen Betrieb die Einhaltung der für den Betrieb bestebenden Arbeitszeit unter gleichzeitiger Anbrobung ber Bestrafung durch die Strafgerichte bei Verstößen gegen dieie Anordnung festzulegen. Troßdem haben nach einiger Beit einige Gefolgschaftsa mitglieder dieses Wertes, die noch nicht die richtige EinSozialistischen Reich zu besißen scheinen, wiederum bie Produktion baburch gefährdet, daß sie wiederholt unentchufbigt und ohne Erlaubnis von ihrer Arbeitsstätte ferngeblieben sind oder nicht richtige Gründe für ihr Jeblen angegeben haben Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirt schaftsgebiet Mittelelbe teilt mit Generalfeldmarschall Ministerpräsident Göring hat zur Sicherstellung berstellung zur Arbeit und Pflichterfüllung im nationalDurchführung der Reichsverteidigung und des Bier jahresplans als Beauftragter für den Vierjahresplan die Verordnung über die Lohngestaltung vom 25. Juni 1938 erlassen und damit den Reichstreuhändern ber Arbeit und den Sondertreuhändern der Arbeit die Befugnis übertragen, alle Maßnahmen zu treffen die erforderlich sind, um eine Beeinträchtigung der Webrhaftmachung und der Durchführung des Vierjabresplans durch die Entrpidlung der Löhne und der fonftijgen Arbeitsbedingungen zu verhindern Das Verhalten dieser Gefolgschaftsmitglieder zeugte von einer so großen Verantwortungslosigkeit gegenüber den Aufgaben des Vierjahrespians und von so erhetlicher Nichtachtung des Gedankens der Betriebsgemein Ichaft, daß diese Verstöße nicht ungeahndet bleiben In einem bedeutenden Industriewer! dee Wirt- durften Auf Antrag des Reichstreuhänders der Arbeit schaftsgebietes Mittelelbe, das im Rahmen des Vier- für das Wirtschaftsgebiet Mittelelbe griff daher ber jabresplans wichtige Aufgaben zu erfüllen bat, ließ die Juständige Oberstaatsanwalt die fofortige Straf Arbeitsdisziplin dadurch nach, daß ein Teil der Gefolg verfolgung der Beschuldigten auf. Im beschleunigten Ichaft ohne jebe Entschuldigung oder unter nichtigen Strafverfahren wurden drei Gefolgschäftsmitglieder nunVorwänden von der Arbeit fern blieb- fogenannte mehr wegen Vergebens gegen Paragraph 2 der Verord Bummelschichten machte Dadurch wurde die nung iber die Lobngestaltung bom 25. Juni 1938 in Produktion erheblich gefährdet, so daß der Reichstreu Verbindung mit der Anordnung des Reichstreuhänders händer der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Mittelelbecer Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Mittelelte durch gezwungen war, bon der ihm auf Grund der Berordnung vom 25. Juni 1938 übertragenen Befugnis Gebrauch zu machen und durch Unordnung auf Grund rechtsfräftiges Strafurteil au cinem Monat, drei und fechs Wochen Gefängnis berurteilt. Die Durchführung weiterer Strafverfahren schwebt noch." Aus der Hakenkreuz- Presse des Jahres 1938 und gegen die Ungerechtigkeit. Das ermöglicht es, in der ganzen Industriegruppe einheitlich und geschlossen zu handeln. Benutzt darum freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen zu Kollegen anderer Werften, benutzt Amtswaltertagungen und mittels Anfragen und Beschwerden eure Betriebs- und die Metallarbeiterzeitung für die Mobilisierung aller Werftkollegen zur Durchsetzung unseres Kampfprogramms. Und auf diese Weise setzen wir gleichzeitig unsere gewerkschaftliche Tradition am besten fort. Miẞachtet man unsere gerechten Forderungen weiterhin und läßt die Versprechungen der Naziführer nur Worte bleiben, denen keine Taten folgen, versucht man, uns durch Zwangsmaßnahmen den Zehnstundentag aufzubürden und aus uns, trotz Entkräftung und Übermüdung noch höhere Leistungen herauszupressen, so gilt für alle Kollegen: - genug geschunden! Acht Stunden Wie der Lohn Langsamer arbeiten! - so die Leistung! Eine Gruppe Arbeiter der Belegschaft von Blohm& Voẞ." 73 Zum Schluß sei ein Bericht über eine wirkungsvolle Widerstandsaktion der Arbeiter der Werft in Wilhelmshaven wiedergegeben. Wilhelmshaven. Die Leitung der Werft in Wilhelmshaven wollte Hitler beim Stapellauf des„, Tirpitz" ein Geschenk von 100 000 Mark überreichen. Jeder Arbeiter sollte 8 Mark zahlen, die in acht Raten vom Lohne abgezogen werden sollten. Als die erste Rate abgezogen worden war, erschien plötzlich am nächsten Tag die Belegschaft mit wenigen Ausnahmen nicht zur Arbeit. Die Werftleitung war sprachlos. Der ganze Apparat der NSDAP, der DAF der SA, der SS und der NSV wurde in Bewegung gesetzt. Man teilte den Arbeitern mit, wenn es sich um den Abzug handeln sollte, dann wäre man bereit, nochmals darüber zu reden. Am folgenden Tag kamen wieder alle Arbeiter zur Arbeit als wäre nichts geschehen. Die Diskussionen an den folgenden Tagen in allen Abteilungen der Werft ergaben:„ Wir haben keine acht Mark übrig. Wenn die Werft dem Führer ein Geschenk machen will, dann auf Kosten der Aktionäre, aber nicht auf unsere Kosten." Bei der nächsten Lohnzahlung wurde nichts abgezogen und kurz darauf war am schwarzen Brett ein Anschlag, worauf stand, daß man absehe, dem„ Führer" ein Geschenk der Gefolgschaft zu überreichen. Einheit im illegalen Kampf Die immer größer werdende Kriegsgefahr, begleitet von einer wahnsinnigen Aufrüstung, stärken den Widerstands- und Friedenswillen der Arbeiter in den Betrieben. Der zunehmende Terror seitens der Gestapo zwingt die Arbeiter, die legalen Organisationsformen auszunutzen und innerhalb der DAF und anderen NS- Organisationen ihren Widerstandskampf zu organisieren. Sozialdemokraten und Kommunisten finden zueinander und beginnen in gemeinsamer Aktion den Kampf gegen die Ausbeutungs- und Unterdrückungsmethoden der Nazis. In allen Großbetrieben und besonders auf den Werften diskutieren Sozialdemokraten und Kommunisten gemeinsam die zu ergreifenden Maßnahmen. In einem Brief wenden sozialdemokratische und kommunistische Betriebsarbeiter sich gemeinsam an ihre Genossen. Es heißt dort: ,, Liebe Freunde! Die Einheit der Arbeiterschaft ist die Voraussetzung zur Niederringung des Regimes der Kriegsbrandstifter und braunen Volksunterdrücker. Wer will, daß das Dritte Reich gestürzt wird, muß die Einheit bedingungslos anerkennen und verwirklichen. Seit langem haben Sozialdemokraten und Kommunisten in unserem Betrieb die Einheit hergestellt. Gemeinsam und einheitlich haben wir schon manchen Erfolg erzielt. Sozialdemokraten und Kommunisten in unserem Betrieb handeln gemeinsam und schon merken wir, daß die Arbeiter uns folgen. Wenn alle an einem Strang ziehen, ist der Erfolg auf unserer Seite. Wir diskutieren bereits die Bildung einer sozialistischen Einheitspartei. Die Zeit der Sonderinteressen ist vorbei. Wer heute noch nicht 74 14 tands- haven Mark n vom näch- it. Die DAF te den | wäre N wie- sionen „Wir n Ge- uf un- 2 dar- in ab- 1. wahn- n der estapo n und tands- d be- s- und beson- ınisten renden smein- oraus- r und t wird, jt lan- jeb die anchen Betrieb folgen. £: nheits“ | nicht aus der Vergangenheit gelernt hat, dem werden die deutschen Arbeiter niemals mehr folgen. Wir wollen nicht, daß die unglückselige Spaltung fortgesetzt wird. Wir Sozialisten und Kommunisten unseres Betriebes reichen denen die Hand, die für die Einheit der deutschen Arbeiterklasse eintreten.} Wer uns im Kampf gegen das braune System helfen will, der muß für die Einheit von Sozialisten und Kommunisten eintreten. Sozialdemokraten und Kommunisten eines Großbetriebes. Die Kriegjahre lasteten immer fühlbarer auf dem deutschen Volk. Der nazistische Überfall auf die Sowjetunion zeigte mit aller Klarheit den Weg in die nationale Katastrophe. Deutschlands beste Söhne stemmten sich dagegen. Ohne politische Organisation jedoch wurde jeder Einzel- kampf fast wirkungslos. Inden Betrieben bauten die Arbeiter deshalb die Partei ihrer Klasse illegal wieder auf, um durch engere organisatorische Zusammenarbeit die Widerstandskräfte fester sammeln und Aktionen größeren Ausmaßes unternehmen zu können. Es ging um das Leben Deutschlands. Maßnahmen gegen Gaskrieg. Als die deutsche Heeresleitung die Sammlung von Gas- und Sauer- stoff-Flaschen anordnete, wehrten sich die Arbeiter gegen die Vor- bereitung des Gaskrieges, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, in- dem sie auf den Hamburger Werften z.B. angeforderten Flaschen in die Elbe warfen. Verzögerung im U-Bootbau. Nicht nur durch systematisches Langsamarbeiten wurden die vom Reichsrüstungsrat geforderten Ablieferungstermine verzögert, sondern auch durch planmäßige Störungen der Abnahmeprüfungen, indem die Prüfleitungen verstopft wurden und dadurch den Booten, nicht aber Men- schenleben, Schäden zugefügt wurden. Wehrwirtschait geht über Leichen Die erfolgreiche Zusammenarbeit der Friedenskräfte riß die na- zistischen und militaristischen Untergangspolitiker zu immer stärker wachsenden Terrormaßnahmen hin. Eine Reihe von Hochverratsprozessen ist dafür der sichtbarste Ausdruck. Mit welchen Mitteln gegen die Illegalen vorgegangen wurde, zeigen einige Prozeßauszüge. An einem Verhör des im„Bästlein-Prozeß“ mitangeklagten B.& V.- Arbeiters Erich Heinz nahm der ehemalige Nazigauleiter Kaufmann teil, und fragte den Freiheitskämpfer, ob er seine illegale Arbeit bereue. „Ich bin Kommunist, bleibe Kommunist und werde die Arbeit fortführen, solange ich lebe“, antwortete Erich Heinz dem Naziinquisitor. Worauf 73 der Braununiformierte, zu den Anwesenden gewandt, sagte:„ Dann mag er zugrunde gehen!" Der Rechtsanwalt des Angeklagten schrieb an den Bruder Werner Heinz: ,, Soeben komme ich von meinem letzten Besuch bei Ihrem Bruder Erich. Zu meinem großen Bedauern ist das Gnadengesuch abgelehnt worden. Die Vollstreckung ist auf den 26. Juni 1944, 16 Uhr, am Sonnabend, dem angeordnet worden. Die Nachricht ist mir 24. Juni, bekanntgegeben. Es wurde mir allerdings verboten, vor der Vollstreckung irgend jemand darüber zu unterrichten. Andernfalls hätte ich mich selbst strafbar gemacht. Ich bin bei der Bekanntgabe der Ablehnung des Gnadengesuches zugegen gewesen und habe mich alsdann ungefähr zwei Stunden mit Ihrem Bruder unterhalten. Er hat sich tapfer und anständig gehalten und nun das, was er gefehlt hat, ja schwerstens gesühnt. Ich glaube aber, daß er im übrigen ein durchaus ordentlicher, anständiger Mensch war, so daß Sie ein gutes Andenken an ihn bewahren dürfen. Er hat mich insbesondere gebeten, Ihnen noch seine letzten Grüße zu übermitteln. Ferner läßt er Sie bitten, die Vormundschaft über seinen Sohn Egon zu übernehmen. Ich richte Ihnen diesen Wunsch Ihres Bruders aus, und stehe Ihnen evtl. gern zur Verfügung, falls Sie irgendwelche Formalien wegen der Übernahme der Vormundschaft in die Wege leiten lassen wollen. ( Schreiben aus dem Rechtsanwaltsbüro Dr. Hans Hildebrandt, Gänsemarkt 44.) Heil Hitler! Unterschrift." Charles Bohlen und Trotz aller Terrormaßnahmen wuchs in den Betrieben der Widerstand. Immer mehr Jugendliche, deren Ideale von den Nazis im Blut erstickt und mit Kommiẞstiefeln zerstampft worden waren, nahmen am Kampf gegen das Barbarentum teil, obwohl ihnen die besonderen Foltermethoden der Hamburger Gestapo durch Berichte bekannt waren. Um den politischen Gefangenen Geständnisse abzupressen, bediente sich die Gestapo in Hamburg besonderer Methoden. Wenn gegen Häftlinge nicht genügend belastendes Material vorlag, wurden sie nach den Ausdrücken der Sadisten ,, fertiggemacht". Bei der Vernehmung begann man damit, die Gefangenen ins Gesicht zu schlagen. Erreichte man damit das gewünschte Ziel nicht, dann wurde der Häftling geprügelt. Dazu benutzte man einen 16 mm dicken und 130 cm langen Rohrstock. Ließ sich der Häftling nicht freiwillig schlagen, wurden ihm Handfesseln angelegt und er wurde über einen Tisch gezogen. Diese Tortur wurde solange fortgesetzt, bis auf die gestellten Miẞglückte diese Methode, Fragen befriedigende Antworten folgten. dann erfolgten sogenannte„ Packungen". Das waren Klammern, die an den Waden solange angepreßt wurden, bis das gewünschte Geständnis gegeben wurde. 76 R พ d K d I d d ISP d SIS te g er コー - r, m por 20t- be en. e- en ein Be Der ch alls d- und erBlut am eren ren. ente inge Aussicht urde und agen, gellten mode, e an dnis Einige Gestapobeamte fesselten den Häftlingen die Hände auf dem Rücken zusammen und legten ihnen zwischen die Finger kantige Hölzer, um sie dann zusammenzupressen. Zur Steigerung dieser Qual wurden die Arme im Rücken noch hochgerissen. Den vor Schmerz gekrümmten Körper stieß man mit dem Kopf gegen die Wand. Nach dem Verhör kam der Häftling mit dem Vermerk„ verschärfte Haft" nach Fuhlsbüttel zurück. Während der verschärften Haft wurden Hände und Füße am Bett gefesselt. Bis zur Beendigung der Vernehmung fanden diese Methoden, die oft Monate dauerten, ihre Fortsetzung. Wichtige Hilfskräfte der Gestapo waren Spitzel, die man in Zellen der Häftlinge schickte. Hier verstellten sie sich und taten, als wenn sie selbst inhaftierte Nazigegner waren. Scheinbar bemühten sie sich um das Wohlergehen ihrer Miteingesperrten, um das Vertrauen der Gequälten zu gewinnen. Die gequälten Menschen. In welchem charakterlichen Gegensatz die Antifaschisten zu den Nazis standen, zeigen Abschiedsbriefe zum Tode Verurteilter. Der am 26. Juni 1944 hingerichtete Blohm& Voß- Arbeiter Kurt Vorpahl schrieb in seinem letzten Brief an seine Frau: ,, Meine liebe, liebe Trudel! Dieses sollen nun die letzten Zeilen sein, die Du, geliebte Frau, von mir erhältst. All Dein Bemühen hat nun nichts genützt. Aber mache Du Dir deswegen keine Sorgen. Es iaßt sich nicht mehr ändern. Was soll ich Dir noch alles sagen? Bei zwei Menschen, die sich so geliebt haben wie wir, ist jedes Wort eigentlich nutzlos. Wir wissen auch so, was zu sagen wäre. Bleibe Du immer ganz tapfer und widme Dich den Kindern. Ich weiß, daß Du Deinen Lebensweg, den Du nun alleine gehen mußt, tapfer und aufrecht gehen wirst, und den Kindern alles das gibst, was mir nun nicht mehr vergönnt ist. Die Zeit vernarbt jede Wunde und sei sie noch so schwer. Denke immer daran, daß die Liebe einzig und unsterblich beim Menschen ist und daß ich so doch immer bei Euch sein werde. Ich werde immer um Euch sein und ich weiß auch, daß Ihr mich nicht vergessen werdet. Ich will Dir noch besonders danken für alles das, was Du mit mir im Leben geteilt hast. Für die guten, ach so schönen Stunden, und auch für das Schwere. Nun, geliebte Frau, gehe Deinen ferneren Lebensweg tapfer, aufrecht und stark mit den Kindern im Gedenken an die Liebe und unser gegenseitiges Verstehen. Bleibe stark und lebe wohl. Grüße auch noch alle von mir. Leb wohl, meine Liebe, und vergiẞ Deinen Papi nicht. Dein Kurt." 77 72 Der alte Weg von Blui und Eisen 1939— Hitler entfesselt den Krieg „In seiner Rede vom 30. Januar 1939 hat Hitler zum erstenmal seine verbrecherische Intervention in Spanien öffentlich eingestanden und seine Bereitschaft erklärt, das deutsche Volk für die Eroberungs- politik Mussolinis in den Krieg gegen Frankreich zu treiben. Gleich- zeitig setzt das Hitlerregime in brutaler Weise die Politik der Ver- sklavung der kleinen Völker fort, droht, jeden Widerstand dieser Völker mit militärischen Maßnahmen zu brechen, verlangt Kolonien, um sie als militärische Stützpunkte für den Krieg auszubauen und bereitet seine Anschläge gegen die Sowjet-Union vor. Im Westen wie im Osten schafft daher das Hitlerregime eine Lage, womit über Nacht das deutsche Volk in die Katastrophe gestürzt werden kann,— eines Krieges gegen die gewaltige Front aller von Hitler und der Kriegsachse bedrohten und angegriffenen Völker.“ i Diese prophetischen Worte enthält die Resolution der Berner Kon- ferenz der KPD, die Yom 30. Januar bis 1. Februar 1939 tagte. Acht Monate später ist der Krieg gegen Polen durch Hitler vom Zaune ge- brochen. Panzertruppen und Infanteriedivisionen der Hitler-Wehrmacht überschreiten die polnischen Grenzen, zerstören friedliche Dörfer und legen Warschau in Schutt und Asche. Im April 1940 wird Dänemark überrannt und die Invasion in Norwegen eingeleitet. Einen Monat später marschieren deutsche Truppen in Holland ein. Über Belgien wird die Offensive gegen Frankreich eingeleitet. Am 16. 5. 1940 ist die Maginot- linie auf einer Breite von 100 Kilometern durchbrochen und im Juni rücken die ersten Hitlertruppen in die Hauptstadt Frankreichs ein. Wie ein Heuschreckenschwarm überfluten deutsche Armeen Europa und tragen den Krieg über den Kontinent. Flüchtlingsströme ergießen sich von Nord nach Süd und von West nach Ost. In Frankreich, Nor- wegen, Holland und anderen Ländern entstehen, gestützt auf deutsche Bajonette, Marionettenregierungen, die mit Hilfe von Gestapo und deut- schen Sicherheitstruppen den Terror im eigenen Land gegen die eigenen Landsleute entfesseln.. Deutsche„Kultureinrichtungen“ entstehen wie Meilensteine auf dem Marsch der„grauen Kolonnen“ und die Konzen- trationslager sind schnell mit Patrioten und Antifaschisten überfüllt. Geiselerschießungen verschaffen nazistischem Geist den nötigen Respekt und ersticken den Glauben der Völker an den deutschen Humanismus und an die Traditionen der deutschen Arbeiterbeweguns. Gestapo und SS in Aktion. Görings Bomber kreisen über den Hauptstädten Europas und werten Brand- und Sprengbomben in die Wohnviertel. Panzer brechen den letz- ten Widerstand und Infanterieeinheiten sichern das eroberte Land. Über Nacht sind Städte, Dörfer, Länder und Grenzen besetzt. Das Rollen der Artillerie, die krachenden Explosionen der Fliegerbomben sind kaum verstummt, als die ersten Einheiten der Gestapo und SS ihre Aktionen beginnen. 18 Frar ein fahr Wird und Wen; der Try von Rest eher en nmal nden ungseichVerHieser Onien, und Westen über n,- d der KonAcht e gemacht rund emark später rd die ginotJuni ein. Curopa gießen Norutsche deutigenen n wie onzenerfüllt. espekt nismus werfen en letz. Über en der kaum xtionen LKWs mit Uniformierten, PKWs mit Männern in Zivil halten vor Wohnhäusern. Haussuchungen, Verhaftungen beunruhigen die Einwohner und die ersten Gerüchte über Gestapoverhöre werden von Mund zu Mund weitergegeben. In Dänemark befinden sich einige hundert deutsche Antifaschisten, sie haben Deutschland verlassen, um der Folter und den Verfolgungen durch die Gestapo zu entgehen. Die Mehrzahl sind aktive Kämpfer gegen das Hitlerregime und haben bereits die Hölle der Konzentrationslager hinter sich. Im Morgengrauen des 9. April 1940 werden die Einwohner Kopenhagens von starkem Fliegergebrumm und einzelnen Gewehrschüssen geweckt. Beim Verlassen der Häuser erkennen sie auf den Straßen der Stadt die Marschkolonnen der Hitlerarmee, Dänemark ist besetzt. - Die Gestapo arbeitet fieberhaft. Durch ihre Verbindungen zur dänischen Polizei und ihren Agenten hat sie die Adressen der deutschen Antifaschisten erhalten. Mehrere Gruppen der Gestapo und des Sicherheitsdienstes treten in Aktion. Sie handeln schnell, um dieser gefährlichen Elemente" habhaft zu werden. Einige deutsche Emigranten werden verhaftet, ins Hauptquartier der Gestapo geschleppt und mit den üblichen Foltermethoden verhört. Der größte Teil kann im letzten Moment gewarnt werden. Innerhalb von Stunden werden die Wohnungen geräumt und illegale Quartiere bezogen. Ähnlich geht es deutschen Antifaschisten in Norwegen einige entkommen über Nacht mit einem Boot oder - Dampfer nach Schweden. In Holland ist der größte Teil der deutschen Emigranten von der Regierung interniert, sie fallen beim Einmarsch der Truppen in die Hände der Gestapo. In Belgien ist man frühzeitig gewarnt und in illegale Wohnungen inner- und außerhalb der Stadt gezogen. Die Gestapo arbeitet mit allen Mitteln. Razzien in den Hauptstraßen setzen schlagartig ein. Mit Hilfe von Spitzeln wird versucht, Kontakt zu deutschen Antifaschisten herzustellen. Verhaftete werden unmenschlichen Folterungen unterzogen, um sie zum Sprechen, zur Bekanntgabe von Namen und Adressen deutscher Antifaschisten zu veranlassen. In Frankreich 1940 Dieselben Ereignisse wiederholen sich in Paris und anderen Städten Frankreichs. Mit dem Einzug der deutschen Truppen in Paris beginnt ein Kesseltreiben gegen Antifaschisten. Sonderkommandos der Gestapo fahnden nach deutschen Emigranten. Ein Heer von Spitzeln und Agenten wird in Bewegung gesetzt, um Hotels, Wohnungen, Restaurants, Straßen und Bahnhöfe zu überwachen. Aber es gelingt der Gestapo in den wenigsten Fällen, der lang Gesuchten habhaft zu werden. Beim Beginn der Offensive gegen Frankreich ist ein Teil mit den zurückflutenden Truppen nach Südfrankreich gezogen. Ein anderer Teil hat mit Hilfe von französischen Freunden eine versteckte Unterkunft gefunden. Der Rest befindet sich im Süden Frankreichs. Hier im Süden befinden sich ebenfalls die zahlreichen Internierungslager, in denen Antifaschisten 79 12 aus allen Ländern beim Kriegsausbruch durch die reaktionäre Daladier- regierung interniert wurden. An der Küste des Mittelmeeres liegt Ar- geles und am Fuße der Pyrenäen in der Nähe der Stadt Pau befindet sich Gurs mit den beiden größten Lagern, wo die aus Spanien zurück- gekehrten Angehörigen der Internationalen Brigaden untergebracht sind. In beiden Lagern sind mehrere hundert deutsche Spanienkämpfer. Mit wachsender Beunruhigung verfolgen sie die Kämpfe. Die Lage der Deutschen im Lager wird von Stunde zu Stunde bedrohlicher. Wenn die Hitlerarmee bis nach Südfrankreich vorstoßen sollte, fallen sie unweiger- lich in die Hände der Gestapo. Es sind alles bekannte Antifaschisten aus Deutschland und ihr Kampf an der Seite des spanischen Volkes, in den Reihen der Internationalen Brigaden genügt, um die Mehrzahl von ihnen durch faschistische Kriegsgerichte sofort an die Wand zu stellen. Keiner dieser Männer ist gewillt, sich kampflos der Gestapo ausliefern zu lassen. Sicherheitsmaßnahmen werden getroffen. Der französische Lagerkom- mandant verspricht, sämtliche Papiere der deutschen Antifaschisten ver- nichten zu lassen. Im Lager werden Tag und Nacht Wachen gestellt, um es beim Vorrücken der Truppen zu verlassen und sich in den Bergen zu verschanzen. Die einzige Möglichkeit.— Vom Norden her rückt die Hitlerarmee immer näher, ein Ausweichen nach Süden ist unmöglich, hinter den Pyrenäen liegt Francospanien— in der Mitte, im südlichen Frankreich befinden sich an die tausend deutsche Antifaschisten— un- bewaffnet, ohne Schutz— den Ereignissen ausgeliefert. Auch als die deutschen Truppen die Atlantikküste heraufziehen, verlieren sie die Ruhe nicht und treffen alle Vorsichtsmaßregeln. Alles ist vorbereitet, um den Marsch ins Gebirge anzutreten. Die Nachrichten über den Stand- ort der militärischen Einheiten treffen laufend im Lager ein. Verbindungen zerreißen. Die Invasion der Hitlerarmee in Europa zerstreut und versprengt die deutschen Antifaschisten. Die persönlichen Kontakte zerreißen, die Verbindungen untereinander hören auf, die Unterstützung der illegalen Gruppen in Deutschland wird durch die Kriegsereignisse unterbrochen. Die Emigration ist aufgehoben und eine neue Illegalität beginnt. Eine schwere Aufgabe ist zu lösen: unter den Bedingungen der deutschen Besetzung in einem fremden Land die illegale Organisation der deutschen Antifaschisten neu aufzubauen und den Kampf gegen das Hitlerregime zu führen. Das Mißtrauen der Bevölkerung gegenüber Fremden ist groß. Illegale Quartiere, Wohnun- gen und Postadressen sind schwer zu beschaffen. Die Widerstands- bewegung in den besetzten Ländern ist mit dem immer stärker werden- den Terror durch die Gestapo im ‚ständigen Wachsen. Nach langem Bemühen ist die Verbindung zu den illegalen Widerstandsgruppen in Dänemark, Holland, Belgien, Frankreich hergestellt. Denjenigen Deut- schen, die einigermaßen die Sprache des jeweiligen Landes sprechen, sind bald entsprechende Papiere als Dänen, Holländer, Norweger, Bel- 80 ladiergt Arefindet zurücknt sind. ämpfer. ge der enn die weigerten aus in den ihnen Keiner lassen. erkomen vergestellt, Bergen ickt die möglich, idlichen - unals die sie die bereitet, Stand- Bald sind gier oder Franzosen beschafft. Die Arbeit kann beginnen. die ersten Verbindungen zu verstreuten Kameraden wieder hergestellt. In Paris, Kopenhagen, Oslo, Brüssel und Amsterdam treffen sich die Verantwortlichen der deutschen antifaschistischen Emigration und beraten die zu ergreifenden Maßnahmen. Die Arbeit ist schwer, die Gestapo ist ständig auf der Spur nach verdächtigen Leuten. Das Reisen ist jedesmal ein Risiko, verhaftet zu werden, in den Straßen sind laufend Razzien und Kontrollen. Verhaftungen können die eben erst hergestellten Verbindungen für lange Zeit wieder zerstören. Aber die Erfahrungen aus Deutschland helfen sehr viel. Alle Regeln der Sicherheit auf der Straße, in den Wohnungen, im Restaurant, beim Reisen werden genauestens beachtet. Unabhängig voneinander arbeiten die deutschen Widerstandsgruppen in den einzelnen besetzten Ländern. Aber überall werden dieselben Kampfformen angewandt: Kontakt zu deutschen Landsern, Organisierung des Widerstandes innerhalb der Wehrmacht. Keine leichte Aufgabe, aber die ersten Erfolge stärken das Vertrauen im Kampf gegen Hitler. Berichte aus Deutschland treffen ein, Beispiele des illegalen Widerstandskampfes in den Betrieben werden berichtet. Über antifaschistische Landser wird der Kontakt nach Deutschland hergestellt. Dänemark, Belgien und Frankreich erscheinen die ersten illegalen Zeitungen gegen Hitler und werden unter den Soldaten der Wehrmacht verteilt. Flugblätter mit Nachrichten aus Deutschland und anderen Ländern werden über Verbindungsleute an Landser weitergegeben. Die Widerstandsaktionen deutscher Antifaschisten gegen den Krieg haben begonnen. In rsprengt Ben, die illegalen brochen. unt. ngungen illegale en und uen der Wohnunerstandswerdenlangem appen in en Deutsprechen, ger, BelBewegung ,, Freies Deutschland" Die illegalen Widerstandsgruppen der deutschen Antifaschisten arbeiten in enger Verbindung mit der Widerstandsbewegung der unterdrückten Völker in Europa. In Frankreich erscheint die illegale Zeitung für die Wehrmacht ,, Soldat am Mittelmeer", die geheime Druckerei befindet sich in Paris in einer Privatwohnung. In Belgien erscheint ,, Die Wahrheit", beide Zeitungen werden in tausenden von Exemplaren innerhalb der Wehrmacht verbreitet. Die ersten Widerstandsgruppen der Wehrmacht beginnen aktiv zu arbeiten. Aufrufe gegen Hitler und den Krieg tauchen auf, Klebezettel mit antifaschistischen Losungen in deutscher Sprache kleben an Häuserwänden, Kasernenmauern und Bahnhöfen. Der Überfall Hitlers auf die Sowjet- Union verstärkt die Aktivität der Widerstandskämpfer. Nach den ersten Siegen im Osten kommen die Nachrichten von Rückzügen und Niederlagen der deutschen Armeen in Rußland. Die Schlacht bei Stalingrad erschüttert den Glauben an den Sieg Hitlers und läßt in breiten Kreisen der Wehrmacht die drohende Katastrophe für Volk und Vaterland vorausahnen. Die Verbindungsleute zu den Wehrmachtsangehörigen( hauptsächlich Frauen der deutschen Widerstandsbewegung) berichten vom wachsenden Pessimismus bei den Soldaten. 6 Dokumente des Widerstandes 81 EEE EETETEBTRICTNEN 7 'Im Juli 1943 bilden die Gefangenen der 6. Stalingradarmee zusam- men mit antifaschistischen Emigranten in der Sowjet-Union das„Natio- nalkomitee Freies Deutschland“. In einem Manifest wenden Offiziere, Soldaten, Politiker und Gewerkschafter sich an die deutsche Armee mit der Aufforderung, Hitler zu stürzen und den sinnlosen Krieg für unser Volk zu beenden. Diesem Aufruf folgend, bilden am 11. November die Offiziere und Soldaten in Verbindung mit den Widerstandsgruppen in Frankreich das„Komitee Freies Deutschland für den Westen“. Am 12. November 1943 erläßt das Komitee einen Aufruf an alle Deutschen im Westen. In dem Aufruf heißt es u. a.: Ihr müßt Deutschland retten, indem ihr Hitler stürzt und den Frieden herbeiführt.“: Dieser Aufruf wird in tausenden.Exemplaren den verschiedenen Einheiten der Wehrmacht zugestellt und von den„Dreier-Gruppen“ ver- teilt. Überall enstehen Verbindungen zu hitlerfeindlichen Offizieren und Soldaten. Die Widerstandsarbeit kann nur unter den größten Schwierig- keiten aufrechterhalten werden. Die Gestapo- fahndet unentwegt nach Flugblattverteilern und Angehörigen der deutschen Widerstandsbewe- gung. Aber der Kampf geht weiter. die drohende Invasion im Westen steht vor der Tür. Ratlosigkeit im dänischen Gestapo-Hauptquartier Das kleine dänische Volk, dessen Haltung so gar nicht dem„heroi- schen Ideal“ einer prahlerischen und anmaßenden„nationalsozialistischen Weltanschauung“ entsprach, dessen Friedensliebe und weltweite Tole- ranz als Schwäche und Degeneration ausgelegt wurde, war von der Hitler- Regierung ausersehen, eine besondere Rolle zu spielen. Hier sollte ein’ Musterprotektorat geschaffen werden, das den europäischen Völkern die Vorteile vorexerzierte, die den Ländern im Rahmen der hitlerischen„Neu- ordnung Europas“ zugedacht waren, deren Bevölkerung sich bereit fand, sich widerstandslos den Wünschen und Interessen des deutschen Im- perialismus unterzuordnen. Dänemark jedoch wollte nicht eine Rolle übernehmen, die einmal als der Kanarienvogel des Raubmörders be- zeichnet wurde.- Es entwickelte sich eine Widerstandsbewegung, die bei den Verant- wortlichen der Besatzungsmacht Erstaunen und Ratlosigkeit hervorrief. Es gab keinen Betrieb, der mit deutschen Aufträgen beschäftigt war, der nicht zerstört oder lahmgelegt wurde, es verging kein Tag, an dem nicht die Eisenbahnlinien an Hunderten von Stellen gesprengt wurden, die Mitglieder der fünften Kolonne, die dänischen Nazis und die Gestapo- Beamten riskierten täglich, den wohlgezielten Kugeln der Freiheits- kämpfer zum Opfer zu fallen.(Unsere Genossen, denen es in der Stadt Odense gelang, sich in das Telephonnetz des Gestapo-Hauptquartiers ein- zuschalten und die Gespräche abzuhören, wodurch sie manchen vor der Verhaftung bewährten, konnten sich von der schlotternden Furcht, 82 zusam- Natio- lziere, \ee mit "unser vember Tuppen Am ıtschen zu und 'edenen 1“ ver- en und jerig- ‘die diese Helden ergriffen hatte, überzeugen.) Das war ein Feind, der nirgends sichtbar und doch überall war, den man nicht erkannte, den man nicht fassen konnte, der bis in die Amtsstuben der deutschen Be- hörden und Wehrmachtskommandos eindrang, der immer dann und dort in Aktion trat, wo er nicht erwartet wurde, der Unsicherheit und Panik verbreitete, das war ein Feind, gegen den die Gestapo unterliegen mußte. Verbindungen zur Wehrmacht. Dr. Best— auch in Dänemark bekannt als der„Bluthund von Paris“— und seine Mitarbeiter vertraten das nazistische Deutschland. Unsere Auf- gabe konnte nur sein, diesem„offiziellen Deutschland“ das andere, das wahre, das zukünftige Deutschland entgegenzustellen. Wir mußten im Namen all jener handeln, die erkannt hatten, daß Hitler den Weg der Zerstörung der nationalen Existenz Deutschlands beschritten hatte. Es ging um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes. Darum konnten wir nicht vom Gesichtspunkt kommunistischer Parteiinteressen ausgehen, sondern unsere Arbeit ausrichten auf die Herstellung der Zusammen- arbeit mit allen Deutschen, die für die Beendigung des Krieges und den Sturz des Hitler-Regimes eintraten. Es war in den ersten Jahren nicht leicht, Verbindungen zu deutschen Soldaten oder zu Mitgliedern der deutschen Kolonie anzuknüpfen. Der Glaube an den Sieg war noch zu stark. Antifaschisten fühlten- sich noch so stark mit ihren Auffassungen in ihren Einheiten isoliert, daß viele nicht wagten, Farbe zu bekennen oder gar unsere Flugblätter und Ma- terialien mit in die-Kasernen zu nehmen. Wir waren zu Anfang darauf angewiesen, diese ziemlich wahllos zu verteilen: in den Eisenbahnen, in . den Restaurationen, die von Wehrmachtsangehörigen besucht wurden, auf deutschen Flugplätzen usw. Systematisch wurden Adressen gesammelt von Familien, bei denen Soldaten ein- und ausgingen. Alles das mußte unter Beachtung der größten Vorsicht geschehen, weil ein großer Teil, besonders der jüngeren Jahrgänge, offen ihre Verachtung und Empö- rung über die Flugschrifter zum Ausdruck brachte. Eine besondere Schwierigkeit ergab sich aus der Tatsache, daß Dänemark von der Wehr- macht als eine Art Urlaubsland benutzt wurde, in das Einheiten kamen, die vorübergehend von der Front zurückgezogen wurden. Erst in zäher, geduldiger Arbeit gelang es, eine ganze Reihe fester, regelmäßiger Ver- bindungen zu Einheiten der Wehrmacht herzustellen, die für eine längere Dauer im Lande waren. Offiziere gegen Hitler. Einen entscheidenden Anstoß erhielt die Arbeit unter den Angehö- rigen der Besatzungsmacht. als die Tätigkeit des Nationalkomitees „Freies Deutschland“, deren Leitung u. a. General v. Seydlitz angehörte, bekannt wurde. Aus Besprechungen mit einer Reihe von antifaschistisch eingestellten Offizieren erkannten wir, daß in diesen Kreisen besonders das Problem, ob es mit der Offiziersehre zu vereinbaren sei, den auf 6* Hitler geleisteten Eid zu brechen, wenn die Erkenntnis von der unheil- vollen, den Bestand der Nation bedrohenden Politik Hitlers vorhanden ist. Wir beschlossen, zu dieser Frage eine besondere, für die Offiziere ge- schriebene Broschüre(24 Seiten) herauszugeben, in der u. a. die Haltung und Rolle des Freiherrn vom Stein, Ernst Moritz Arndts, Yorks usw. während der Freiheitskriege des Jahres 1812/13 behandelt wurde. Diese Broschüre hat in weiten Kreisen der Offiziere große Diskussionen ausgelöst und es war uns eine große Freude, noch ein Jahr später Leute zu finden, die die Broschüre gelesen hatten und stark von ihr beein- druckt worden sind. 2000 Zeitungen vervielfältigt und verteilt. Eines Tages legte einer unserer Genossen uns eine Nummer der von uns monatlich(später 14tägig) herausgegebenen„Deutschen Nachrichten“ vor. Wir wollten unseren Augen nicht trauen. Der Inhalt dieser Zeitung war uns bekannt, das waren die von uns geschriebenen Artikel und Auf- rufe. Aber diese Nummer war nicht von uns hergestellt. Sie mußte also abgeschrieben und vervielfältigt worden sein. Natürlich tauchte der Ge- danke auf, die Gestapo könnte dahinter stecken. Es wurde beschlossen, mit äußerster Vorsicht daranzugehen, die Herkunft dieser Zeitung fest- zustellen. Einige Tage vergingen, dann meldete der damit beauftragte Genosse, sie sei in der Stadt Aarhus bei einem.dänischen Fabrikanten von einem deutschen Soldaten der Luftwaffe abgeschrieben und abgezo- gen worden, und zwar in einer Auflage von 2000 Exemplaren. Über die dänische Widerstandsbewegung eingeholte Nachrichten teilten mit, der betreffende Däne sei„in Ordnung“. Unser Genosse fuhr nach Aarhus und es gelang ihm, den Gesuchten zu finden. Er war Österreicher, Geschäfts- mann und Sohn eines Wiener Professors. Ein Mann, der von glühendem Haß gegen die Nazis durchdrungen war. Er hatte zufällig die„Deutschen Nachrichten“ in die Hand bekommen und sich kurzerhand entschlossen, auf eigene Faust für die Verbreitung dieser Zeitung zu sorgen. Er hatte sich auf die Eisenbahn gesetzt, und in den Städten Aalborg, Viborsg, Horsens, auf dem Flugplatz Kastrup usw. im Verlaufe einiger Tage die 2000 Zeitungen, ohne gefaßt zu werden, verteilt. Dolmetscher ais Kuriere. Im ganzen Jahre 1944 waren wir in der glücklichen Lage, unsere Reisen, die nicht ungefährlich waren, weil die Züge und Bahnhöfe einer scharfen deutschen Kontrolle unterstanden, einschränken zu können. Wir stießen bei unserer Arbeit auf zwei Soldaten, die ausgezeichnet dä- nisch sprachen und darum als Dolmetscher verwandt wurden und außer- dem verpflichtet waren, über das Land und die Bevölkerung Dänemarks Vorträge zu halten. Das Merkwürdige war, daß sie keiner Einheit di- rekt angeschlossen waren, sondern direkt einem hohen Offizier des Reichs- luftfahrtministeriums unterstanden. Als wir nach dem Grund fragten, 84 jer von chten“ ‚eitung d Auf- te also er Ge- lossen, g fest- ftragte kanten Ibgezo- er die it, der us und ‚chäfts- jendem ıtschen llossen, r hatte Viborg, age die lächelten sie und erzählten, daß sie das auch bis vor wenigen Tagen nicht verstanden hätten, daß sie jetzt aber von Berlin bestimmte Auf- träge erhalten hätten, die Herren dort mit größeren Mengen dänischer Butter, Speck usw. zu versorgen. Selbstverständlich beschlossen wir, daß sie diese Aufträge ausführen sollten. Für uns hatten diese beiden übri- gens marxistisch geschulten und politisch erfahrenen Leute darum eine ungeheure Bedeutung, weil sie ohne Kontrolle in Dänemark lebten und in der Lage waren, sich selber Marschbefehle auszustellen. Bessere und noch sicherer reisende Kuriere haben wir nie gehabt. Vor der Kapitulation. In den Monaten, die der Kapitulation vorausgingen, zeigten sich innerhalb der Wehrmacht starke Zersetzungserscheinungen. Überall unter den Soldaten wurde diskutiert, ob der sinnlose und verbrecherische Krieg bis zum letzten Mann weitergeführt, ob auch Dänemark Kriegs- schauplatz werden sollte. Desertieren wurde eine Massenerschei- nung. Bezeichnend war, daß es möglich wurde, Flugblätter, die zur Be- seitigung der Gestapo und der Kriegsverlängerer aufforderten, offen auf den Straßen an die Soldaten zu verteilen, ohne daß diese dagegen ein- schritten oder von der Waffe Gebrauch machten. Unter der Besatzung der Forts, die vor Kopenhagen liegen, hatten sich Gruppen gebildet, die für den Fall einer Invasion oder des Aufstandes der dänischen Wider- standsbewegung bereits die Aufgaben verteilt hatten, um die Offiziere zu entwaffnen und festzusetzen. Als der Kommandant der Zitadelle seine Mannschaften antreten ließ, um in einer Ansprache zu verkünden:„die Zitadelle ist unser Grab“, waren wir imstande, schon wenige Stunden später an die Soldaten der Zitadelle gerichtete Flugblätter zu verteilen, in denen dem Kommandanten mitgeteilt wurde, daß die Soldaten der Zitadelle nicht gewillt seien, das Grab mit ihm zu teilen. Zahllose Bei- spiele gab es, daß selbst hochstehende Offiziere sich mit der illegalen dänischen Widerstandsbewegung- über ein gemeinsames Vorgehen beim Ausbruch offener Kampfhandlungen verständigt hatten. In Kopenhagen waren in den letzten Monaten die Mauern, Anschlagsäulen usw. voll- geklebt mit Aufrufen an die Soldaten. Wochenlang wurde täglich eine Zeitung mit den letzten Mitteilungen von den Fronten in großer Auflage geklebt. Die Fiugblätter und Zeitungen der Bewegung„Freies Deutsch- land“ wurden zu zehntausenden hergestellt und zum großen Teil offen verteilt. Standhafte Antifaschisten. Der Kampf, den deutsche Kommunisten allein begannen und orga- nisierten, der dann gemeinsam mit mutigen und einsatzbereiten Männern aus der Wehrmacht und der deutschen Kolonie, die aus allen Schichten des Volkes stammten, geführt wurde, hat Opfer gekostet. Besonders seien genannt: Konrad Blenkle, der 1943 in Plötzensee hingerichtet wurde. Es gehörten zu den besten und fähigsten Funktionären der Kommunisti- 85 schen Partei: Karl Nieter, der jahrelang in kurzen Abständen nach Deutschland fuhr, um den Kampf der Genossen zu unterstützen; Willi Boller, der gegenüber allen Versuchen der Gestapo, ihn zur Preisgabe von Adressen ,, reif" zu machen, fest blieb und hingerichtet wurde. Der Kampf der deutschen Antifaschisten in Dänemark aber hat nicht allein dazu beigetragen, daß es den Naziverbrechern nicht gelungen ist, ihr Ziel zu erreichen, den Kampf auch nach der Kapitulation fortzusetzen und den Kriegsschauplatz auch auf die nordischen Länder auszudehnen, vor allem hat ihre Tätigkeit und ihr Einsatz dem dänischen Volke gezeigt, daß es zahlreiche Deutsche gegeben hat, die den Kampf gegen die Nazityrannei führten, daß neben Hitler- Deutschland ein anderes Deutschland existierte. Im Bereich der Hölle von Auschwitz An einem heißen Augusttag des Jahres 1942, als an den Bahnstationen Transparente verkündeten:„ Räder müssen rollen für den Sieg", rollte unser langer Güterzug dem Vernichtungslager Auschwitz entgegen. Birkenau wurde die Station genannt, die lediglich dem Antransport jener Millionen Versklavter zu dienen hatte, die für die physische Vernichtung in dem Zentrallager Auschwitz und seinen Nebenlagern bestimmt waren. Birkenau, das sogenannte„ Kanada", war das Verbrennungslager in dieser Oberschlesischen Nazihölle. Jahrelang lag der eigenartige Geruch über der ganzen Gegend, den die Schlote der Verbrennungsöfen ausströmten. Mit meinem Leipziger Freund Hermann gehörte ich zu den„ Glücklichen", die zur Arbeit in eine dortige Kohlengrube abkommandiert wurden, während regelmäßig der größere Teil der ankommenden Transporte direkt in die Vergasung und von dort in die Krematorien ging. Anderntags zählten wir beide zu einer Gruppe von 250 jüdischen Gefangenen, die einen Fußmarsch nach dem 12 Kilometer entfernt liegenden Jawischowitz anzutreten hatten. Dieses Lager in einem Grubenort sollte uns für 2½ Jahre zum Aufenthalt werden. Hermann, der mir immer erzählt hatte, daß er unbedingt nach Hamburg kommen werde, wenn ihm noch einmal die Stunde der Befreiung schlagen sollte ( er sagte, die Hamburger wären ,, knorke Kerle"), hatte im Angesicht der Fördertürme ganz andere Gedanken. Da wir nach den Begriffen unserer Peiniger hartgesottene Sünder waren, lag uns naturgemäß nichts näher, als uns die Frage vorzulegen: - ,, Die Losung heißt: Sabotage der hitlerischen Kriegsrüstung, langsamer arbeiten!" Wie können wir in der Grube unseren antifaschistischen Verpflichtungen nachkommen?" Und schon schmiedeten wir Pläne, cbwohl wir das Innere einer Grube noch nie gesehen hatten. Bei der ersten Seilfahrt hinunter auf die 360- m- Sohle blieb uns, wie allen anderen, bei dem ungewohnten Hinabsausen ein wenig die Luft 86 we ten in vie wa Jah au sen SO die die jed WI po lic Ha in ge ge ke au 00 ni U en G J fa b b P W n I e h nach Willi eisgabe e. Der allein ist, ihr setzen Hehnen, ke gegen die eutschahnstaSieg", tgegen. ansport me Verestimmt gslager ge Gengsöfen Glückrt wurnsporte dischen rnt lieeinem ermann, Commen n sollte icht der unserer s näher, g, langen anti- Grube ins, wie die Luft weg. Aber das gab sich bald. Auch an das Dunkel unter Tage gewöhnten wir uns, ja, mit körperlicher Arbeit vertraut, lernten wir schnell, Man mußte sich dort unten in knieender Stellung Kohle zu schaufeln. vielerlei gefallen lassen, denn man galt als Staatsfeind und außerdem -waren wir Juden. Ich war zwar ein arischer ,, Jude" und sollte es 3½ Jahre bleiben. Aber konnten die geistlosen SS- Schinder wissen, daß ich auf falschen Papieren reiste und diese Personalien im Rausche des Rassenwahns verdächtig genug erschienen, den Träger des Namens Anderson kurzerhand zum Juden zu erklären? ,, Jidd, hierher, Jidd, hol mal dies, Jidd, hol mal das", hörte man von Anfang bis Ende der Schicht die polnischen Häuer rufen. Ich drehte mich bei einem solchen Anruf jedesmal um und entgegnete:„ Ich heiße Anderson!" Man muß wissen, daß dieses östliche Oberschlesien so ,, deutsch" war, daß dort nur polnisch gesprochen wurde und nur polnische Bergleute fast ausschließJe ein oder zwei jüdische lich die Belegschaften der Gruben waren. Häftlinge wurden einem polnischen Häuer zur Arbeit zugewiesen. Der Widerstand vor Kohle Nach den Erfahrungen einiger Tage war ich mir mit Hermann, der in einem anderen Revier arbeitete, darüber klar geworden, daß unsere geplante Sabotagearbeit unter der strengsten Kontrolle sich nicht einfach gestalten würde, daß wir völlig neue Erfahrungen in der illegalen Tätigkeit sammeln mußten, um nicht durch Unüberlegtheiten erwischt und aufgeknüpft zu werden. So stellten wir uns folgendes Ziel: 1. Die wichtigsten Objekte für die Hemmung und Unterbrechung der Kohlenförderung herauszufinden, 2. möglichst viele Gruppen Gleichgesinnter für diese Aufgabe zu gewinnen, um die Störungen zu einer massenmäßigen und nachhaltigen zu machen. Die Dieser Unter den im Lager ansässigen 1500 jüdischen Häftlingen, die mehr oder weniger ihrem religiösen Ritus folgten, waren zunächst relativ wenige zu bewegen, sich unserer Widerstandsgruppe anzuschließen. Überzeugung mußte einsetzen. Sabotage hieß den Krieg verkürzen und erst das Ende des Krieges konnte uns die Freiheit bringen. Gedanke brach sich Bahn. Dies um so mehr, als die Ermordungen von Juden wegen Nichterfüllung des Leistungssolls, die ungeheuren Sterbefälle durch Verhungern infolge der Verabreichung einer kraftlosen Rübenkost, Krankheiten und Unglücksfälle das Ziel einer schnellen Kriegsbeendigung begreiflich erscheinen ließen. Neben einer kommunistischen Parteigruppe von 30 Mann standen nach einjähriger Tätigkeit rund 80 Dazu kamen weitere Häftlinge in der organisierten Widerstandsarbeit. noch etwa 140 Häftlinge im Alter von 14 bis 17 Jahren. Letzteren trugen zur Hemmung der Produktion in einem Maße bei, wie es sich zunächst kein überzeugter politischer Häftling erträumt hatte. Eine der meist angewandten Methoden bestand darin, die Grubenhunde( Förderwagen) durch Schaffung von Hohlräumen nur halb zu fülGerade die 87 len und Steine unter die Kohle zu mischen. Beim Heranbringen der Förderwagen an eine Hauptstrecke wurden Entgleisungen zur geübten Praxis. Hier ging bei der Wiederherstellung sehr viel Zeit verloren, insbesondere wenn Berge(Steine) geladen waren. Dazu gehörte sehr oft das Lösen von Laschen an den Schienen. Mancher Maschinist hat nicht schlecht geflucht, wenn er seine Maschine an den Zug koppeln wollte, ihm jedoch plötzlich die Zugkette fehlte. Zu einem ungeheuren Hemmnis des schnellen Ausbaues eines Stollens wirkte sich die Knapp- heit an sogenannten Kappschuhen aus. Das sind schmiedeeiserne Kappen, die auf die Abstützstempel gelegt werden, damit die Querschiene sich nicht eindrückt. Hunderte solcher Kappen sind allein in dem Stollen, in dem ich arbeitete,„spurlos verschwunden“. Öl, womit die Gruben- lokomotiven angetrieben werden, wurde kannenweise in Bergversenkun- gen geschüttet. Beim Verbauen wurden Grubenhölzer zum Ausfüllen mit dem Geröll verschwendet. Traf ich mich allwöchentlich mit meinem Freund Hermann, sei es im Heizraum des Lagerbades oder an der Müllgrube, so überprüften wir jedesmal die Ergebnisse dieser Widerstandsarbeit. Obwohl die Leistung in dieser Richtung, da sie von vielen kleinen Gruppen bewerkstelligt wurde, recht beachtlich war, gaben wir uns doch nie zufrieden. Unsere Aussprache, die naturgemäß auch der politischen Information diente, ließ uns die Bedeutung des massenmäßigen Widerstandes immer klarer er- scheinen. Jeder Sieg, jeder Vormarsch der alliierten Armeen beflügelte unsere Aktivität. Dennoch hatten wir kühlen Kopf zu bewahren, um nicht durch Leichtfertigkeiten und Unüberlegtheiten unsere Organisation zu gefährden.; Kinder unserer Tage Eines Tages trauten wir unseren Augen kaum, als ein Trupp von rund 160 Kindern im Alter von 11 bis 17 Jahren in das Lager einrückte. Es handelte sich um die Kinder ungarischer Juden, die das„Verbrechen“ begangen hatten, am Fuße der Karpathen in friedlichen Dörfern zu woh- nen, wo Vater und Mutter sie aufzogen. Bei ihrer Geburt hatten sie aller- dings den Fehler gemacht, Juden zu werden. Die gute Karpathennatur hatte ihnen daraus zwar nie einen Vorwurf gemacht. Im Gegenteil, die Sonne beschien dort die„ungerechten“ Juden mit derselben Freundlich- keit wie die„gerechten“ Arier. Seit der braune Usurpator aus Braunau jedoch Ungarn als seine Domäne behandelte, war es aus mit dem kind- lichen Spiel und der naturgegebenen Ruhe dieser Landschaft. Das Brül- len und Kommandieren der vertierten Nazihorden schien das Blöken der Kälber und Schafe auf den Weiden zu übertönen. Die jüdischen Familien wurden auf den Marktplätzen zusammengetrieben ohne Rück- sicht auf Alter und Geschlecht. In Viehwaggons verladen, aber viel schlechter als Vieh behandelt, denn es gab kein Stroh, auf dem die Zu- sammengepferchten hätten lagern können, wurden sie nach Oberschlesien verschleppt. Fast alle Eltern dieser Kinder haben bei der Vergasung in Auschwitz- Birkenau ihr qualvolles Ende gefunden. Die meisten Jungen ahnten 88 en der eübten rloren, e sehr ist hat oppeln heuren Knappappen, me sich Stollen, rubenenkunsfüllen i es im en wir eistung stelligt Unsere te, ließ rer erFlügelte en, um isation pp von rückte. rechen" u wohe allerennatur eil, die ndlichraunau kinds BrülBlöken dischen Rücker viel die ZuChlesien chwitzahnten kaum, daß sie elternlos auf dieser Welt standen. Diese Kinder waren dazu ausersehen, ihre Kräfte erst noch in der hitlerschen Kriegsrüstung zu erschöpfen, um schließlich mit ihrer Asche die Felder zu düngen. Sie sollten- nach dem WilBeregszár 13 jahlen der„ Herrenmenschen" Hermatz Simon Herskovits Adolf Fibrave Herskovits Zorgmond Tibava Hasurer Igual Fuchsz Sandor Tarpa 164 17" 15. 16 broszvég Rotman Elias Posubha 14 Weise Forman akosen 14. Wieze bruce" Blau Zaltan 13" Ранма Jarpa 14. Aus der Barackenliste. Am Fuße der Karpathen in Beregszaz, Porubka, Tarpa, waren die Jungen zu Hause. Opfer der Steinkohlengruben werden. Das ihnen verabreichte Essen entsprach ihrem vorgesehenen körperlichen Verfall. Dem Ziel der Vernichtung der Lagerinsassen folgend, hatte die SS- Kommandantur nur kriminelle Subjekte( Häftlinge, die 12 bis 15 Jahre Zuchthaus wegen Mord, Raub oder Plünderung hinter sich hatten) zu Lagerfunktionären bestellt. Ihren Auftrag sich ,, die Juden Zu erziehen", digten sich diese zeuge der SS so handgreifentleWerklich, daß sich bei den wehrlosen Häftlingen in immer steigendem Maße schwere Kieferbrüche, Beinbrüche, Kopfwunden und Bauchbeschwerden einstellten. Daß 10 von 16 dieser Rohlinge homosexuell waren, mag zur Vollkommenheit hier vermerkt sein. Unsere Sorge: Rettung der bedrohten Kinder! Es war beileibe kein Zufall, sondern das Ergebnis einer zielklaren Arbeit der bewußt politischen Häftlinge, wenn ich zum Stubenältesten für den Block 10 bestimmt wurde, in dem diese 160 Kinder einquartiert wurden. Diese, in eine Frühschicht und eine Spätschicht eingeteilt, hatten auf der Grube in Übertagearbeit am Fließband Steine auszulesen. Kann in diesem engen Rahmen nicht im einzelnen beschrieben werden, welcher Mühe und Geschicklichkeit es bedurfte, die brutalen homosexuellen Burschen, die als Lagerkapo, Blockältester oder Schichtkapo volle Gewalt über die Lagerinsassen hatten, von den Kindern fernzuhalten, so mögen doch einige Methoden unserer Fürsorge für die Kinder genannt sein. Fast jeden Tag erschienen diese Unmenschen im Block 10, um sich einen Jungen zu suchen, der für einen Kanten Brot ihnen ,, Schuhe putzen" sollte, wie sie sich ausdrückten. Irreführung der Sadisten, Auswechselung der bedrohten Kinder von einer Schicht in die andere, zeitweise Überführung ins Krankenrevier, Zufallbringen bestimmter Lagerfunktionäre waren Maßnahmen, die dem Schutz der Kinder galten. Aber auch um ihren körperlichen Verfall zu verhindern, wur89 den Möglichkeiten ausgenutzt, wie das Fernhalten von der Arbeit. Krankmeldung der schwächsten Kinder zum Zwecke des Ausruhens, Beschaffung zusätzlichen Essens, besondere ärztliche Kontrolle durch Häftlingsärzte, die dem Widerstandskreis angehörten, regelmäßige tägliche und ausreichende Bademöglichkeit. Kämpfen hieß die Freiheit erringen Einen unschätzbaren Dienst leisteten diese Jungen auf der Grube in der Hemmung der Produktion auf ihre eigene Art. Unmerklich und auf Umwegen wurden sie inspiriert, hübsch langsam zu arbeiten, d. h. viele Steine in der Kohle zu belassen, was für die Verarbeitung zu Öl von großem Nachteil ist. Da beim Bohren der Sprenglöcher in der Grube häufig die aus einem Spezialstahl hergestellten Bohrkronen in der Kohle stecken blieben, die später auf der Lesebank zum Vorschein kamen, war strengste Weisung gegeben, diese wichtigen Werkzeuge beim Reviersteiger abzuliefern. Den Jungen konnte nahegebracht werden, die schwer zu ersetzenden Bohrkronen an einer anderen Stelle abzuliefern, so daß diese in beachtlicher Menge in den Sabotagefonds wanderten. Mit der wachsenden Kenntnis der maschinellen Einrichtungen verstanden sich unsere Jungen sehr bald darauf, auch Störungen am Fließband herbeizuführen. In einer bestimmten Form setzten die Jungen ihren Ehrgeiz darein, ihrem Stubenältesten dadurch Freude zu bereiten, daß sie in ihren Kaffeeflaschen, die immer leer auf die Grube mitgenommen wurden, da es keinen Kaffee gab, diese nach der Schicht mit Öl gefüllt zurückzubringen. Wir ölten damit den Boden unserer Baracke, den sogenannten„ Block". Das machten wir zweimal in der Woche, wozu wir 3-4 Eimer dieses Öles benötigten. So machte der Block vor den SSBlockführern immer einen guten Eindruck und es dauerte gar nicht lange, als alle Blocks im Lager diese Methode anwandten, was zu einem enormen Ölverbrauch führte. Die Blockführer bar jedes wirtschaftlichen Verständnisses- sahen in ihrer Blödheit nur darauf, daß alles blitzte. Als uns auch noch alliierte Flieger durch Bombardierung der oberschlesischen Raffinierien zu Hilfe kamen, gab es Monate, wo innerhalb von 10 Tagen 3 Tage Arbeitsruhe eingeführt werden mußte, da zum Antrieb der Grubenlokomotiven und anderer Maschinen das Öl fehlte. Unsere Jungen verstanden es auch unter Einführung eines gut funktionierenden Wachsystems, jeweils eine Gruppe der Kinder für jeweils eine Stunde auf der Grube abwechselnd schlafen zu lassen. - Als der Tag unserer Befreiung anbrach, konnten wir mit Recht stolz darauf sein, unseren bescheidenen Beitrag für die Niederlage der Hitlerherrschaft nach besten Kräften beigesteuert zu haben. Dies um so mehr, da die Absicht der SS, die Kinder zu vernichten, mißlungen war. 158 von den 160 ungarischen Kindern konnten den Tag der Befreiung erleben. Das Gelingen unseres Planes zur Rettung unserer Schützlinge sprach für die antifaschistische Haltung der politischen Häftlinge und E. H. singt das hohe Lied der brüderlichen Solidarität. D seitd und Asch Will dess Nich trag senv gelu als den Uhr Teil blie sich reits unte schi grol Ben Sae Blo den CO Ver er 1 Na jed ein Ka von Glu als Sch WO ihr ges 96 90 Arbeit, hens, Berch Hafte tägliche er Grube klich und ten, d. h. ng zu Öl Her Grube Her Kohle men, war m Revierie schwer m, so daß Mit der nden sich nd herbein Ehrgeiz aß sie in men wurgefüllt zuden sogewozu wir r den SSgar nicht zu einem wirtschaftdaß alles erung der wo innerte, da zum Öl fehlte. at funktioFür jeweils Recht stolz der Hitlerm so mehr war. 158 Freiung erSchützlinge tlinge und E.H Die bedeutendste Widerstandsbewegung in Deutschland Stark gelichtet waren die Reihen der Berliner Arbeiterfunktionäre, seitdem der Moloch Hitler regierte und glaubte, seine Herrschaft mit Blut und Tränen festigen zu müssen. Dennoch glühte wie Funken unter der Asche der Haß gegen sein Regime. Der immer wieder aufflackernde Wille zur Abwehr entfachte neue Feuer im Innern des Vulkans, auf dessen Rand der Abschaum der Menschheit seinen Totentanz aufführte. Nicht zuletzt war es die Berliner Arbeiterschaft, die ihren großen Beitrag im Kampf gegen das Hitler- Regime gegeben hat. Wie ein Alpdruck lasteten noch die ein Jahr vorher erfolgten Massenverhaftungen auf den Antifaschisten in Berlin. Es war der Gestapo gelungen, die Leitung und einen großen Teil der Funktionäre der mehr als 10 000 Mitglieder umfassenden, sich über ganz Deutschland erstreckenden illegalen Organisation, die unter Führung des Arbeiters Robert Uhrig in den Jahren seit 1935 aufgebaut worden war, zu verhaften. Große Teile der Betriebskader in den Berliner Großbetrieben waren intakt geblieben und man war in allen Bezirken der großen Stadt eifrig am Werk, sich zu neuem Kampf zusammenzufinden. Viele Gruppen arbeiteten bereits wieder, zwar losgelöst voneinander und in ihren Methoden sehr unterschiedlich, aber einheitlich in ihrem Willen, den Sieg über den Faschismus vorbereiten zu helfen. Aus den vielen kleinen Zirkeln eine große, starke, schlagkräftige Organisation zu schaffen, war eine der groBen Aufgaben, die sich die beiden hervorragenden Funktionäre Anton Saefkow und Franz Jaccb gestellt hatten. Nachdem in Hamburg die Blohm-&- Voß- Gruppe hochgegangen war, gelang es einem der führenden Leute der illegalen Bewegung an der Wasserkante, Franz Jacob, nach Berlin zu entkommen. Ohne Geld, Papiere und ohne politische Verbindung, nur mit der Adresse eines guten Bekannten versehen, traf er in Berlin ein. Er hatte Glück, er traf seine Freunde, die ihn vor dem Nachspüren der Gestapo verbargen. Ende 1942 keine Kleinigkeit, wo jeder Luftschutzwart ein Gestapospitzel und jeder harmlose Nachbar ein Denunziant sein konnte. Über seine Freunde bekam Franz Jacob Verbindung zu seinem alten Kampfgefährten von vor 1933, Anton Saefkow. Beide beschlossen, von neuem mit dem Aufbau einer Parteiorganisation zu beginnen. ,, Das Glück, zu leben und früher aus dem KZ nach Hause gekommen zu sein als andere Genossen, bedeutet nicht, daß wir nun die Hände in der, Schoẞ legen können. Wir haben die Verpflichtung, das voranzutreiben wozu die anderen nicht mehr in der Lage sind." Das war die Begründung ihres Handelns. Systematisch wurden Verbindungen zu den bestehenden Gruppen gesucht und aufgenommen. Das erste Ziel war, übriggebliebene Funktio91 näre der KPD und SPD zu finden, die geschult und in der konspirativen Arbeit geübt waren. Das war keine leichte Aufgabe, unter den schwersten illegalen Bedingungen diesen Kontakt herzustellen. Grundlage sind die Kader der Betriebsarbeiter Jeder Genosse setzte sich mit zäher Verbissenheit und größter Konzentration ein. Immer größere Ausmaße nahm unsere Arbeit an. Das Hauptaugenmerk richteten Saefkow und Jacob auf die Betriebe. In jedem Betrieb mußte eine Gruppe von drei Mann gefunden werden. Die besten Antifaschisten und die Tüchtigsten in ihrem Beruf gehörten an diesen Platz. Sie mußten das Vertrauen der Belegschaft besitzen. Jeder mußte mit seinen Sorgen, ganz gleich, ob beruflicher, häuslicher oder politischer Art, zu ihnen finden. Sie hatten die Aufgabe, den Arbeitern zu helfen, sich gegen die Nazis zusammenzutun, bis aus dem Murren und Meckern der Wille zum Handeln geboren wurde. Sie organisierten Solidaritätsaktionen für die verschleppten Ausländer und nahmen die Verbindung zu den Parteigruppen der Ausländerlager auf. Es gab eine starke französische Parteigruppe in Bernau bei Berlin, andere bei den Siemens- und Askania- Werken. Ein Beweis für die gute, systematisch geleitete Arbeit des Aufbaus einer umfassenden und einflußreichen Organisation ist die Tatsache, daß bis Juli 1944 fast ausnahmslos alle Großbetriebe Berlins von unserer Gruppe erfaẞt waren. Informationsmaterial, Schulungsbriefe und Flugblätter unterstützten die Betriebskader. Die Betriebsarbeiter sorgten für die Verbreitung in allen Teilen der Viermillionenstadt. Das erste Flugblatt wurde in einer Auflage von 500, die späteren stets von einigen Tausend hergestellt. Rastlos wurde gearbeitet. Franz Jacob und Anton Saefkow, die politischen Köpfe, gönnten sich kaum Ruhe. Mit beispiellosem Mut und Treue zur Partei legten sie Stein auf Stein, um der Zukunft ein festes Haus zu bauen. Trotz Krankheit und Schwäche, die sie von den Mißhandlungen der Gestapo zurückbehalten hatten, waren beide unermüdlich. Tauchten irgendwo Schwierigkeiten auf, schalteten sie sich sofort ein. Sie mahnten die allzu stürmisch Vorgehenden und begeisterten Schwächeren zu neuen Taten. Waren es in der Heimat die Betriebsarbeiter, die sich Schritt für Schritt auf den Umsturz vorbereiteten, so galt es an der Front die Soldaten zu aktivieren. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, in den Kasernen und Lazaretten Soldatenkader zu schaffen. Durch sie erhielten die Frontsoldaten Feldpostbriefe zugestellt mit der Aufforderung, jetzt, wo es bereits 5 Minuten vor 12 war, mit dem Krieg Schluß zu machen. ,, Folgt den Aufforderungen des Generals Seydlitz, stellt Euch dem Nationalkomitee„ Freies Deutschland" zur Verfügung oder organisiert Sabotageakte", so hieß es in unseren Briefen, die ununterbrochen an die Front gingen. Eine sehr gute Verbindung kam zu der Parteigruppe der politischen Häftlinge des Lagers Sachsenhausen zustande. Wertvolle po92 litisc Mate brau wir brau regel zur Ausr gebe Wer hund stell Illeg das Kon aufd gen der des Orga Das auf Schi imm deh Zwa hilfe schi Sor poli den tra Inte dem und Off inti gen zu Arb ativen hwer- iter Kon- \. Das In je- N. Die en an Jeder © oder jeitern n und ı Soli- e Ver- ) eine ei den ufbaus ie, daß ıinserer Flug- en für Flug- n Tau- politi- Treue ; Haus ßhand- üdlich. rt ein. Sschwä- jet für je Sol- sn Ka- ten die tzt, wo nachen. m Na- ort Sa- Ile PO“ litische Analysen konnten ausgetauscht und weiterverarbeitet werden. Materialien wurden trotz SS-Bewachung ins Lager geschleust. Aber wir brauchten noch mehr. Unsere Organisation war so groß geworden, daß wir dringend einen Zuwachs an guten parteierfahrenen Funktionären brauchten. Nachdem wir sorgfältig Quartier- und Lebensmittelfragen ge- regelt hatten, gelang es uns, einigen guten Funktionären aus dem Lager zur Flucht zu verhelfen. Das illegale Netz war über das ganze Land gespannt. Selten sind die Menschen, die unter normalen Bedingungen, unter Ausnutzung aller Erleichterungen, die durch die Mittel. der Technik ge- geben sind, eine Massenorganisation, einen Großbetrieb leiten können. Wer aber kann ermessen, was es heißt, zehntausende von Menschen, hunderte von Gruppen auszurichten, zusammenzufassen, Aufgaben zu stellen, ihre Tätigkeit miteinander abzustimmen und gleichzeitig als Ilegaler zu leben, unter den Verhältnissen des totalen Krieges, in die das Hitler-Regime das Leben einer Großstadt hineingezwängt hatte? Jede Kontrolle oder Razzia konnte einen Mangel an den falschen Papieren aufdecken und das Ende bringen, jede Reise nach Sachsen oder Thürin- gen war ein Spiel mit dem Tode, jeder Luftangriff konnte den Verdacht der Bewohner des Hauses auf den„schweigsamen Fremden“ lenken. Je- des Nachlassen der konzentrierten Beobachtung der Umwelt konnte die Organisation gefährden und das Leben der Genossen aufs Spiel setzen. Das alles nicht einen Tag, nicht eine Woche, nein Monat auf Monat, Jahr auf Jahr. Aus den Kreisen ehemaliger Arbeiterorganisationen, aus Betrieben, Schichten des Mittelstandes, Studentengruppen, Künstlern usw. stießen immer mehr Menschen zu uns und ermöglichten uns eine starke Aus- dehnung unserer Arbeit. Der größte Teil des deutschen Volkes stöhnte zwar unter der Last des Hitler-Regimes, sich aber unter unserer Mit- hilfe von ihm zu befreien, dazu fehlte ihm der Mut. Unser Volk ent- schied sich für die Vogel-Strauß-Politik. Warum der 20. Juli 1944 scheiterte Mit denen aber, die den Ausweg suchten, fanden wir zusammen. Die Sorge um die Existenz des deutschen Volkes vereinte die verschiedensten politischen Richtungen. Franz Jacob bekam recht bald den Kontakt zu den Widerstandskämpfern des 20. Juli. Man war reserviert und miß- trauisch gegenüber dem Vertreter einer Arbeiterpartei. Aber seine hohe Intelligenz, gepaart mit einer sympathischen Bescheidenheit, belebt von dem glühenden Willen zum Sieg, besiegten das anfängliche Mißtrauen und verschaiften ihm das Wohlwollen der Künstler, Schriftsteller, Ärzte, Offiziere, Wirtschaftler, Pfarrer usw. Man öffnete ihm die Türen zu intimen Besprechungen, wo jeder ohne Scheu seinen glühenden Haß ge- gen Hitler aussprechen durfte, ohne in Gefahr zu geraten, denunziert zu werden. Es wurde als besondere Belebung empfunden, einmal einen Arbeiterfunktionär zu hören, dessen Ausführungen über die augenblick- 93 liche Situation mit Interesse beachtet wurden. Wir erhielten als Gegen- gabe sozusagen einige wertvolle Informationen, darunter eine sehr spe- zielle über den derzeitigen Stand in der Herstellung der V 2, wahrschein- lich in der Hoffnung, daß wir bei unserer Verbindung ins Ausland diese Eröffnung weiterleiten würden. Man begeisterte sich für Franz und wollte ihm bei persönlichen Schwierigkeiten behilflich sein, gegen uns als Organisation aber verhielt man sich reserviert. Das, was zum wesentlichen Scheitern der Aktionen des 20. Juli führte, nämlich, daß die Arbeiterorganisationen nicht maßgeblich daran be- teiligt waren, zeigte sich seiner Zeit schon in der strengen Isoliertheit, in welche sich diese Kreise zurückgezogen hatten. Im Gegensatz zu General Seydlitz, welcher sich in seinen Aufrufen direkt an alle Soldaten wandte, kapselte sich das in Deutschland arbeitende Nationalkomitee von den werktätigen Or- ganisationen hermetisch ab. Bei aller persönlichen Einsatzbereitschaft dieser Menschen, die sich oft erst in den letzten Jahren von den inne- ren Bindungen zum Nationalsozialismus freigemacht hatten, bei allem, vor keinem Opfer zurückschreckenden Opferwillen, der den Einzelnen beseelte, ist es ihnen als Gesamtheit nicht gelungen, sich aus den Vor- urteilen und Schranken freizumachen, die ihre Klasse vom Volke trennte. Weil sie den Weg zu-der antifaschistischen Bewegung der Ar- beiterklasse nicht fanden, scheiterten sie. Wohl wollten sie Hitler beseitigen, aber zu der Erkenntnis, daß man Hitler nur stürzen konnte, wenn man die Millionenmassen der Betriebsarbeiter und der Soldaten in Bewegung setzte, dazu konnten sich nur wenige durchringen. Erst in der allerletzten Zeit gelang es Franz Jacob, sie von der Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit zu überzeugen. Als ersten Erfolg konnten wir daher buchen, daß nunmehr Anton Saefkow als Or- ganisationsleiter unserer Bewegung mit ihnen bekanntgemacht wurde. Des weiteren fanden dann in der Wohnung einer bekannten Journalistin in ihrer Abwesenheit einige Sitzungen statt. Gestapospitzel unter uns Inzwischen war der Sommer 1944 herangekommen. Unser Verbin- dungs- und Organisationsnetz spannte sich nicht nur von einem Stadt- bezirk zum anderen, sondern über die wichtigsten Industriegebiete Deutschlands. Eine gute Auslandsverbindung sorgte für Materialaus- tausch und informatorische Ausrichtung mit ausländischen Arbeiter- organisationen. In Berlin waren wir mit der großen SPD-Gruppe, die von Leuschner und Reichwein geführt wurde, zusammengekommen, um ein einheitliches Zusammenarbeiten zu beschließen. Neben den vier Ab- ziehapparaten war ein Tiegel beschafft worden, so daß wir voller Stolz unsere gedruckten Flugblätter herstellen konnten. In einem Lagerkeller im Südosten der Stadt wartete bereits eine Druckpresse auf die für sie geeigneten Räume. Die Arbeit machte uns froh und beseelte uns alle. 94 (e\ o = nd m A egen- % Spe- chein- diese und 1 uns ührte, n be- theit, seinen das ı Or- schaft inne- allem, zelnen ı Vor- Volke r Ar- ;, daß en der onnten Die Nerven waren naturgemäß bis zum Äußersten gespannt, denn mit dem Anwachsen der Organisation wuchsen auch die Gefahren. Dessen waren wir uns in jeder Situation bewußt. Wie erstarrt waren wir daher, als der erst vor kurzem zu uns gestoßene Bernhard Bästlein schon nach 4-5 Wochen wieder verhaftet wurde. Bernhard war Anfang Januar bei “ einem Bombenangriff aus dem Gefängnis Plötzensee entwichen und hatte nach langem Suchen Anfang Mai zu uns gefunden. Fieberhaft wurden alle Verbindungen gesichert, doch so, daß die Arbeit nicht darunter zu leiden hatte. Es mußte ja bald so weit sein, jeder Tag konnte das Ende des Krieges bringen und uns damit vor unsere großen Aufgaben stellen. Es war umsonst. Gut getarnt, gerissen wie ein Fuchs, hatte sich ein Spitzel in unsere Reihen geschlichen. Ein Verräter an der Sache der Arbeiterklasse und des Volkes. Am 4. Juli 1944 schlug die Gestapo zu. Schlag auf Schlag führte sie gegen unsere Bewegung. Die wenigen, die sich der Verhaftung entziehen konnten, versuchten noch zu warnen und zu reiten, was zu retten war. Vergebens, nur bei einigen gelang es, sonst aber war die Gestapo immer etwas früher dort als wir. Kein. Wunder, später haben wir erfahren, daß ein Sonderkommando der Gestapo zu- sammengestellt worden war, welches ausschließlich die Liquidierung unserer Organisation als Aufgabe hatte. Sie hat eine grausame Arbeit geleistet. Noch liegt keine endgültige Zahl der Hinrichtungen vor. Nach den letzten Meldungen sind einige Hundert unserer Genossen in der Zeit von Juli 1944 bis April 1945 gemordet worden. Das sind nur die Zahlen aus unserer Gruppe, das Scheitern des 20. Juli brachte neue Anklagen und neue Todesurteile. Bei uns, die wir das Glück hatten, rechtzeitig zu entkommen, wütete die Gestapo in den Familien. Und trotzdem: Unser Einsatz war nicht umsonst. Die Illegalen handelten, wie sie handeln mußten. Wären nur noch mehr deutsche Männer und Frauen mutig aufgestanden und zu uns gestoßen, wir hätten uns als Deutsche selbst von dem Hitlertyrannen befreien können und brauchten heute nicht.das bittere Wort„schuldig“ hören und die Folgen daraus tragen. In ihrer Standhaftigkeit liegt ihre Ehre! Voller Stolz und Trauer gedenken wir unserer führenden Genossen der Saefkow-Gruppe. Anton Saefkow, Franz Jacob, Bernhard Bästlein waren Helden der Arbeiterbewegung. Wir werden sie als die tapfer- sten Kämpfer unserer Zeit nie vergessen. Ihr Beispiel soll uns ein Vorbild sein.. Welche Bedeutung die Widerstandsgruppe von Jacob, Saefkow und Bästlein hatte, entnehmen wir aus den Akten der Geheimen Staats- polizei. In der Urteilsbegründung über sie entnehmen wir folgendes: n... Saefkow, Jacob und Bästlein sind alte kommunistische Funk- tionäre, die von einem abgründigen Haß gegen unseren Führer und unseren Staat erfüllt sind und daraus selbst in der Hauptverhandlung keinen Hehl gemacht haben. Sie sind unbelehrbar und unverbesserlich. Die wegen Vorbereitung und Hochverrat von ihnen verbüßten Strafen haben ebensowenig Eindruck bei ihnen hinterlassen wie ihr nachfolgen- - $) Jo des Verweilen im Konzentrationslager. Sie haben vornehmlich im 5. Kriegsjahr die KPD in einem derartigen Umfange wieder aufgezogen und die Wehrmacht zu zersetzen versucht, daß hier für das Reich die allerschwersien Gefahren heraufbeschworen wurden... 3 Unbezwungen in Zuchthaus und K.2. In einer wunderbaren, herrlich gelegenen Gegend in Sachsen liegt das Zuchthaus Waldheim. In diesem Zuchthaus befanden sich über 80% politische Strafgefangene. Im Jahre 1942/43 verstärken sich die Luftan-- griffe der Alliierten auf die deutschen Kriegsproduktionswerkstätten. Die Nazis versuchen deshalb, derartige Werkstätten unter der Erde anzu- legen sowie dieselben in Zuchthäuser und Konzentrationslager zu ver- lagern. Hier haben sie genügend Arbeitskräfte und gleichzeitig die Sicherheit, daß über Produktionsarbeit und Kapazität nichts an die Öffentlichkeit dringt. Bis zur 16-stündigen Arbeitszeit werden die Gefangenen beschäftigt. Ein besonderes Antreibersystem besteht darin, die Nachkost(das ist das Essen, welches, nachdem jeder Gefangene Liter erhalten hat, überbleibt) nur an diejenigen zu verteilen, welche das dop- pelte Arbeitspensum leisten. Im Zuchthaus Waldheim hat eine Maschinenfabrik beinahe die Hälfte aller Zuchthausinsassen für die Produktion von Kriegsgeräten beschäf- tigt, insbesondere werden hier Maschinengewehrteile zusammengesetzt und bearbeitet. In der Abteilung VIII ist ein ganz besonders nazistisch eingestellter Antreiber als Werkmeister beschäftigt. Seine Spezialität besteht darin, durch kriminelle Elemente die politischen Gefangenen zu bespitzeln. Jede Unterhaltung ist während der Arbeitszeit strengstens verboten und wird durch Essenentzug bestraft. Besonders harte Strafen werden gegen die Gefangenen verhängt, welche in Qualität und Quantität ihr Pensum nicht erfüllen. Die Lage ist so entsetzlich, daß in kurzen Ab- ständen viele Gefangene mit Arreststrafen bis zu vier Wochen schwer bestraft werden. Infolge Unterernährung wird eine Reihe von ihnen in die Tbe-Station übergeführt. Die Gruppe der Antifaschisten der Wasser- kante beschließt daher mit der tschechoslowakischen Gruppe, welche unter der Führung von Georg Heieck steht, diese Verhältnisse zu ändern. Im Verlaufe einiger Monate gelingt es, durch persönliche, geschickt geführte Aussprachen einen großen Teil der Gefangenen davon zu über- zeugen, daß das Pensum-System jeden einzelnen auf die Dauer vernichten würde. Durch Erschwerung der Arbeitszuteilung und Verteilung werden die über Pensum leistenden Gefangenen derartig bedrängt, daß nach kur- zer Zeit die Zuchthausinspektion und die Betriebsleitung gezwungen wird, die Nachkost gleichmäßig an alle Gefangenen zu verteilen. Nach- dem dieser erste Stoß gegen die Betriebsleitung gelungen ist, wird durch die Hamburger ein zweiter Stoß vorbereitet. Die Abteilung VIII und Abteilung XV werden, da in der Abteilung XV ein Brand ausgebrochen war, zusammengelegt. Dadurch wird ein Teil der Hamburger Antifa- schisten bei-der Kontrolle der fertigen Arbeit beschäftigt. 1250 Maschl-- 96 sstens rafen ntität n Ab- chwer ‚en in asser- velche ıdern. chickt über- jchten erden , kur- ungen Nach- durch ] und rochen ‚ntifa- jaschl- Braune„J „Kulturtaten‘ im Ausland (Foto: Röhnert) Das erb| a“ 5 recne, Opfer bestand in ihr V chen“ der em Kampf für Frieden Zivilangestellten erzählt wird, daß die Zuträger für den ausländi- schen Nachrichtendienst wahrscheinlich die SS selbst. ist, die bei ihren Saufgelagen in Weimar in Verbindung mit unkontrollierbaren Elementen stände, kommt es zu den von uns gewollten Gegensätzen. Informationsgruppe Hamburg. Es gelingt, den Gegensatz zwischen Zivil- und SS-Leuten so zu stei- gern, daß es den SS-Leuten verboten wird, die Wohnräume der Inge- nieure und Meister zu betreten, um so mehr, als dadurch der Eindruck erweckt wird, daß auch SS-Leute Zeichnungen und Pläne über V1 und V 2 entwendet haben. Dadurch erhält die Hamburger Informationsgruppe besseren Kon- takt zu einigen Zivil-Meistern und durch diese wiederum Verbindung zu Antifaschisten in Hamburg und Kiel. Im K-L-Buch schreibt ein Antifaschist über die Arbeit, die er leistete und die im Gesamtplan verankert war, folgendes: „Meine Tätigkeit in Buchenwald bestand im Bau und in der Instand- haltung von Sende-, Fernschreibe- und Signalanlagen. Der Zutritt zu allen Stellen setzte mich in die Lage, oft von wichtigen Dingen Kenntnis zu bekommen. Als durch das militärische Geschehen die Situation im- mer ernster wurde, und von der Lagerführung vier Flammenwerfer und Panzerfäuste zum Einsatz gegen die Häftlinge beschafft wurden, beschlos- sen einige Häftlinge, die Abwehr auf alle Fälle zu organisieren. u a wurde die Verständigung mit der Außenwelt für notwendig befunden. In mühevoller Kleinarbeit wurde aus alten Teilen eines französischen Militärsenders ein Kurzwellensender gebaut. Auf Welle 35 wurden Ver- suche mit Schallplatten und Ansage gemacht. Es klappte alles sehr gut. Als Antenne wurde die entsprechend geänderte Blitzschutzanlage benutzt.“ Abwehr gut organisiert. Einer der Norddeutschen(Waldemar), welcher im Krankenbau be- schäftigt ist, ist der Verwalter der illegal beschafften Gewehre und Hand- granaten, die für eine Befreiung aus dem Lager verwendet werden sollen. Durch politische Auswertung der Informationen und bei ununter- brochener Aktionsvorbereitung sind wir in der Lage, größere Aktionen der SS zu bagatellisieren oder gar zu verhindern.»Neuangekommene Antifaschisten werden sofort auf ihre Zuverlässigkeit geprüft und ihre Berichte über die Zustände von außerhalb entgegengenommen. Die Soli- darität und Disziplin wird durch gegenseitige Hilfe und politische Schu- lung so gesteigert, daß während der schweren Arbeit und bei anderen Fragen nicht das persönliche, sondern die kollektive Gemeinschaft die entscheidende Rolle spielt. Besonders wird darauf geachtet, daß stark gefährdete Kameraden, welche durch die SS zur Liauidierung ausgewählt wurden, gerettet wer- den. Das geschieht dadurch, daß man von den täglich in Massen sterben- den Häftlingen die Namen der Verstorbenen und ihre Häftlingsnummern 98 u stei- - ndruck 1 und ı Kon- indung leistete nstand- tritt zu enntnis ion im- fer und eschlos- Sr funden. ösischen en Ver- ehr gut. enutzt.“ bau be- d Hand- n sollen. ınunter- ‚ktionen ommene ınd ihre die Soli- je Schu- anderen haft die meraden, tet wel- sterben- ummerM vertauscht, so daß die Toten als lebend geführt werden, während die Gefährdeten scheinbar gestorben sind. Auf diese Weise wird auch der Hamburger Spanienkämpfer Erich Hoffmann gerettet. ” Erst auf dem Schafiott endet seine Aktivität Robert Abshagen, verhaftet und zu 2% Jahren Zuchthaus wegen Zer- setzung der Wehrkraft verurteilt, wird im April 1939 nach 5jähriger Zuchthaus- und KZ-Haft entlassen. Robert ist trotz seines jugendlichen Alters ein alter Antifaschist. Nach seiner Haftentlassung nimmt er sofort die Verbindung zu seinen Freunden und Genossen auf. Bald ist Robert wieder illegal tätig. Zusammen mit Bästlein und Jacob organisiert er die Widerstandsbewe- gung in Hamburg. Die Verbindung nach Berlin wird aufgenommen, Material transportiert,'Er- fahrungen ausgetauscht, um so die Widerstands- bewegung einheitlich auszurichten. Der Ausbruch des Krieges und der spätere Überfall auf die So- wjet-Union steigern die Verhaftungsgefahren ins Unermeßliche. Nachdem die ersten Rückschläge im Osten einsetzen, beginnt die Gestapo mit einer größeren Verhaftungskampagne. In Berlin wer- den annähernd 100 Illegale verhaftet, darunter die leitenden Funktionäre Robert Abshagen und Robert Abshagen Bernhard Bästlein. Beide werden ohne Verzöge- rung nach Hamburg ins KOLAFU transportiert. Tag und Nacht gefesselt sitzt Robert in seiner Zelle— der kleinsten im ganzen Bau, 1,20 m breit und 2 m lang. Drei Monate muß er hier verbringen, und nur die„Verhöre“, die am Tag oder oftmals in der Nacht einsetzen, unterbrechen diese Zeit. Am 2. Mai, morgens 9 Uhr, wird der Prozeß gegen„Bästlein u. a.“ eröffnet und Robert Abshagen wegen„Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt. Die gleiche Strafe wurde im Laufe der folgenden Woche über fast 20 seiner Genossen verhängt. Am 10. Juli 1944 muß Ro- bert Abshagen, nachdem er seine Kameraden einen nach dem anderen zum Schaffott gehen sah, als lezter der zum Tode Verurteilten, den Weg gehen, von dem es keine Rückkehr mehr gab. Wie er sein Leben gelebt hatte, gab er es auch hin, mutig, tapfer und treu, unerschütterlich in dem Glauben an den Sieg der gerechten Sache. Die 999er 5 Nach den großen militärischen Niederlagen der deutschen Wehr- macht in Rußland und auch anderen Kriegsschauplätzen wurden die „Wehrunwürdigen“ aus den KZs und Zuchthäusern als Kanonenfutter an die Fronten geworfen. In Heuberg auf der Rauhen Alp wurden politi- sche Häftlinge und Strafgefangene zu Ersatztruppen zusammengestellt. 7*. 99 Es wurde das berüchtigte Bewährungsbataillon 999 geschaffen. Heuberg wurde ein Begriff. Heuberg, mit den Stein- und Holzbaracken, mit dem Lehmdreck, den Erschießungsplätzen, den„Seufzerbergen“, und hicht zulezt dem Stacheldraht bildete die Fortsetzung der Konzentrations- lager für die„Politischen“. 40000 Mann gingen durch Heuberg und Baumholde. Sie kamen aus dem Zivilleben oder direkt in Zuchthausklei- dung an. Sie mußten das„Ehrenkleid“ des deutschen Soldaten anlegen, sie, die ausgestoßenen„Volksgenossen“. Ihnen wurde laut Einberufungs- befehl die-Wehrwürdigkeit(wie waren sie begeistert) während des Dien- stes in der Wehrmacht zuerkannt. Die Fortführung des illegalen’ Wider- standes gegen Hitlerdeutschland sahen die Antifaschisten in dem B.B. 999 in der Zersetzung der Wehrkraft. Trotzdem man sie isolierte, irotz- dem man ihnen zum größten Teil ausgesuchte Nazivorgesetzte gab, sie arbeiteten. Beweise sind die vielen Erschießungen am bekannten Ma- schinengewehrstand, sind die immer neu herausgekommenen Befehle zur Unterdrückung der aufrechten Kämpfer gegen Hitler. Man erinnert sich mit Schmerz und Wut der vielen Morgengrauen, WO die politisch Be- straften zur Richtstätte gehen mußten, um, angeblich als abschreckendes Beispiel, der Ermordung zuzuschauen. Die Henker bezweckten das Ge- genteil,- unsere Genossen starben mit der Aufforderung zum verstärkten Kampf gegen Hitler, und die B.B.-Soldaten wurden nicht abgeschreckt, sondern bestärkt in ihrem Kampfeswillen gegen diese Mordpest, sie gaben den„wegen Zersetzung der Wehrkraft“ Erschossenen das Ehren- geleit.— Nicht immer konnten die zur Wehrmacht Gezwungenen das Brot von Hitler umsonst essen. Sie kamen schon nach kurzer Zeit zum Einsatz. Was hatte man vor mit ihnen, wo konnten sie von der Wehrmacht aus- genutzt und wo konnten sie gleichzeitig genau beobachtet werden? Die Naziführung erkor sich als Ziel Griechenland und besonders die Inseln des Dodekanes. Hier waren die politischen„Verbrecher“(so wurden sie von ihren Offizieren tituliert) isoliert und mußten. sich außerdem, so kalku- lierten sie, vor den Seeangriffen der Engländer ihrer Haut wehren. Aber noch eines, der Dodekanes ist ein Hort der Malaria, und wenn die Ge- nossen nicht schon dort verreckten, so hat jeder der Heimgekommenen Malaria mitgebracht. Die Überfahrt auf Handelsschiffen von Athen nach den Inseln war auch ein rücksichtsloses Spielen mit Menschenleben. Von 11 Schiffen wurden 9 von Engländern torpediert, und immer wieder schickte man Schiffe und Menschen in die Tiefe. Ein Augenzeuge berichtet von Untergang der„Ingeborg“, einem alten Frachter, wie folgt: Teile des 10. und 11. Bataillons wurden an Bord verfrachtet. Wie die Heringe lagen sie überall im Dreck herum. 14 Tage mußte das Schiff hin und her kreuzen, um nicht doch vom Torpedo des Engländers erwischt zu werden. Tagestieffliegerangriffe waren an der Tagesordnung. Kein Hafen konnte angelaufen werden. Kein Süßwasser gab es mehr für die Mannschaften, Läuse und anderes Ungeziefer machte 100 affen. cken, , und tionsI und skleiMegen, ungsDienViderB.B. trotzb, sie à Male zur rt sich ch Bekendes as Geärkten hreckt, st, sie Ehrenot von Cinsatz. nt aus? Die eln des sie von kalku. Aber die Gemenen eln war Schiffen te man m alten n Bord 14 Tage edo des an der Bwasser machte " Was sich breit. Da, nachts vom 27. zum 28. Oktober 1943, erschallte der Ruf Torpedolaufbahn", und nach 10 Minuten sackte das Schiff weg. spielte sich aber an Bord und im Wasser ab? Die Feldwebel und Offiziere eroberten mit dem Revolver in der Hand die Rettungsboote, sie bedrohten mit dem Revolver die sich an die Rettungsboote klammernden Leute, ja ein besonders starker brauner Teutone schoß dazwischen und mordete bzw. verwundete mehrere Leute. Diese feigen Strolche waren dann die ersten, welche sich auf die in der Nähe wieder auftauchenden deutschen Ubootjäger retteten. Von den 480 Mann B.B.- Soldaten fanden beim Die Überlebenden retteten Untergang der Ingeborg" ca. 200 den Tod. sich auf verschiedene umliegende Inseln, und sogleich wurde Verbindung mit den griechischen Inselnbewohnern aufgenommen, um diese über die Einstellung der 999er zu Hitler und seiner Wehrmacht zu informieren. Anfang 1944 versuchte man, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, das 14. und 15. Bataillon an die Ostfront zu werfen. In Südrußland sollten sie eingesetzt werden. Aber Einsatz in der Sowjetunion war doch ein zu heißes Pflaster. Schon nach einigen Tagen gingen die Überläufe los, und die Verbindung mit dem Komitee Freies Deutschland wurde hergestellt. Nach weiteren wenigen Tagen wurden alle B.B.- Soldaten abgelöst, entwaffnet und als Gefangene in vergitterten Güterwagen unter schwerer SS- Bewachung nach Deutschland zurücktransportiert. Aber hier machte man nichts mit ihnen; denn man brauchte ja dringend neues Futter für die Front, und nach neuer Zusammenstellung ging es auch nach Griechenland. Südliche Gesinnungsgenossen. Die Kampftruppen des Marschalls Badoglio kapitulierten vor den englischen Streitkräften. Die deutschen Einheiten wurden nun auch gegen die Badoglio- Anhänger eingesetzt. Kompanien der Division 999 mußten eine Kampftruppe von 800 Italienern belagern, die sich aber bereits nach dem zweiten Belagerungstag ergab. Diese Entscheidung der Italiener war nicht zuletzt auf das Verhalten ihrer eigenen Truppen zurückzuführen; denn das erste, was nach der Gefangennahme den Deutschen erklärt wurde, war, daß die italienischen Landser den Krieg bis zum Stehkragen satt hätten und nicht mehr daran dächten, nach 6jähriger Abwesenheit von der Heimat ohne Urlaub ihre Knochen noch für irgendeinen Machthaber zu Markte zu tragen. Hier ergaben sich sofort Berührungspunkte, und den Italienern wurde erst einmal vorsichtig klargemacht, aus welchen Leuten das Bataillon bestand, nämlich aus ,, kommunisti und sozialisti", aus den deutschen ,, campo conzentratione". In echt südlicher Begeisterung bekannte sich fast die Hälfte der italienischen Soldaten als Gesinnungsgenossen der Antifaschisten. 101 „Sofort erschießen“. Aut der Siegessauferei, die sofort nach der Kapitulation der 800 Italiener einsetzte, machten einige Widerstandskämpfer eine schwerwie- sende Feststellung. Ein Unteroffizier gab in seinem Rausch einen Be- fehl des Hauptmanns preis, der besagte, daß die„wehrunwürdigen“ so- fort zu erschießen seien, falls- irgendwelche Unlust oder Abneigung zum Kämpfen bei ihnen zu spüren sei. Dieser Befehl bot eine gute Ge-_ legenheit, die Einstellung der einzelnen Kompanieangehörigen, gleich ob politisch oder kriminell bestraft, kennenzulernen, denn nach vier- wöchiger gemeinsamer Ausbildung und gemeinsamen Einsatz kannte noch keiner genau die politische Einstellung seines Nebenmannes. Das Bataillon war nämlich zu 50 Prozent mit kriminell Bestraften durch- setzt, unter denen sich viele Lumpen, die Spitzeldienste für die Offiziere leisteten, befanden. Die Illegalen setzten sich zum Ziel, ihre Kameraden in vorsichtiger Weise auf ihre kommende Aufgabe, also auf die Überwältigung der deutschen Führung vorzubereiten. Obwohl seitens der Offiziere nochmals eine Siebung stattfand und etwa 30 Mann als„unsichere Elemente“ wieder nach Deutschland verfrachtet wurden, trotz verstärkter Bespitzelung— jeder Zug hatte einen beauftragten Stammann, der den Offizieren von der Stimmung unter den Leuten berichen mußte—, konnte der Zusammenhalt der illegalen Gruppen immer fester gestaltet werden. Inzwischen waren die Aliierten in Frankreich gelandet. Die Offiziere waren merklich nervös geworden, denn der Führerbefehl,„jeden Feigling und Saboteur auf der Stelle zu erschießen“, konnte ja auch von den Wehrunwürdigen angewandt werden. Um dem vorzubeugen, traten die Offiziere in den einzelnen Kompaniebelehrungen mit kompakten Drohungen auf. Der Kompaniechef Vogeler aus Hamburg:„Falls einer von euch auf den. blöden Einfall kommen sollte, aus dem Hinterhalt auf mich zu schießen, kann ich ihm nur versichern, daß ich dieses besser und schneller kann. Ich habe eine gute Erfahrung, solche Strolche kurz umzulegen. In Hamburg-Rahlstedt führte. ich das Erschießungskom- mando. welches 300 kommunistische Emigrantenstrolche, die wir nach der Besetzung in Norwegen und Dänemark aufgeschnappt hatten, um- gelegt hat. Also, wer keine Lust mehr und noch kommunistische Ideen hat, der kann es gleich sagen. Mit dem mache ich kurzen. Prozeß.“ Eine weitere Sicherungsmaßnahme war die Einführung des Alarm- dauerzustandes, der die einzelnen Genossen an der Durchführung eines Treffs hindern sollte. Das große Leiden und die Opfer der 999er hielten sie aber nicht davon ab, ständig in Einzelaktionen Widerstand zu leisten und dadurch das Leben vieler in- und ausländischer Kameraden zu retten. E23 Ex er 800 erwieen Been" soeigung te Gegleich vierkannte es. Das durchffiziere - ihre e, also Obwohl Mann vurden, tragten Leuten -ruppen ten in worden, Stelle ewandt nzelnen n euch f mich ser und me kurz gskomir nach en, ume Ideen Prozeß." Alarmng eines er nicht dadurch Totale Besetzung Frankreichs heldenhafte Befreiung - Bis November 1942 ist Frankreich in zwei Zonen geteilt; die besetzte Zone und die ,, Zone libre". Die Kriegsereignisse in Nordafrika, die Landung der Amerikaner zwingen Hitler zum Handeln. Am 11. November 1942 marschieren deutsche Truppen auf den Landstraßen Südfrankreichs der Mittelmeerküste und den Pyrenäen der spanischen Grenze zu. 4 - Im Konzentrationslager ,, Vernet" bei Toulouse ist von den ,, neuen Ereignissen" noch nichts zu spüren. Nur Gerüchte tauchen auf, es wird von ,, größeren Transporten nach Deutschland" gesprochen, jemand hat aus ,, zuverlässiger Quelle" in Erfahrung gebracht, daß deutsche Sicherheitspolizei und SS- Truppen die französische Bewachung des Lagers ablösen werden usw. usw. Wie jeden Morgen, gehen am 10. November die Arbeitsgruppen ihrer Beschäftigung nach. Die Transportkolonnen für die Küche ziehen wie jeden Tag durchs Tor, um Gemüse, verfaulte Karotten, Steckrüben, Kohl und anderes für die Küchenbullen heranzuholen. Der Lagerkommandant schreitet wie immer, bewaffnet mit einem kleinen Stock, durchs Lager und sucht( wie immer) irgendeinen Anlaß, um Bestrafungen zu erteilen. - - Das Mittagessen ist schnell vorbei, ein Liter heißes Wasser mit einigen Karotten oder Kohlblättern darin, wird aus Blechbüchsen oder anderen selbstgefertigten Töpfen eingenommen. Bis 2 Uhr ist ,, Mittagspause". Etwas später ertönen Pfeifsignale und Kommandos der „ Gardiens"( französische Faschisten, die als Freiwillige Wächterdienst in den KZ- Lagern leisten). Das täglich sich wiederholende Treiben beginnt. Die Arbeitskolonnen werden zusammengestellt. In langen Reihen marschieren die Kolonnen zur Arbeit. Immer zwei Mann tragen einen schweren Toilettenkübel zum„ entladen", andere tragen Schaufel und Hacke. Kleinere Gruppen gehen auf Außenkommando. In den einzelnen Gruppen erkennt man viele deutsche Antifaschisten, u. a. Heinz Renner, ehemaliger Landtagsabgeordneter der KPD, Ernst Buschmann, ehemaliger Kommandant des Edgar- Andrée- Bataillons in Spanien, Franz Raab, ehemaliger Kommandant des Thälmann- Bataillons, Heinz Prieẞ, ehemaliger Bataillons- Politkommissar in Spanien, sowie jugoslawische, italienische, österreichische und polnische Antifaschisten. Hinter den Baracken des Lagers hocken einige und versuchen, auf primitiven Öfen oder kleinen Feuerstellen„ organisierte" Bohnen, Karotten oder Kartoffelschalen aus den Abfällen der Mannschaftsküchen zu kochen. Die Gipfel der Pyrenäen grüßen aus der Ferne herüber. Dazwischen liegt die weite Ebene, die Felder, Hügel und Flüsse Südfrankreichs. November 1942. Drei Jahre dauert die Internierung schon, seit - - 103 Spanien, seit Februar 1939, als die letzten Einheiten der Internationalen Brigaden die spanisch- französische Grenze überschritten. In Ketten abgeführt. Am Abend werden in den einzelnen Baracken Namen aufgerufen. Ahnungslos betreten die Aufgerufenen das Lagerbüro. Der Kommandant ist selbst anwesend, eine Gruppe von ca. 20 Internierten ist versammelt. Sie dürfen nicht zurück in die, Baracken. Unter Bewachung werden sie ins Gefängnis des Lagers abgeführt. - Es muß ungefähr 5 Uhr morgens sein, am 11. November 1942, als Ein Sonderkommando franzödie Türen des Gefängnisses sich öffnen. Auf zwei Internierte ein Posischer Polizisten steht angetreten. lizist, immer zwei Gefangene sind mit Handschellen und Ketten aneinandergefesselt. Das Gepäcktragen fällt schwer und der Weg zum Bahnhof dauert über eine halbe Stunde. Der Zug fährt in Richtung Toulouse. Auf den Bahnhöfen und den MarschLandstraßen erkennt man die Uniformen der Hitlerarmee. kolonnen, Artillerie, Flakeinheiten, Panzer und LKWs bewegen sich in südlicher Richtung, während der Zug mit den Gefangenen von Toulouse in nördlicher Richtung ohne Aufenthalt vorwärtsstrebt. Die Gefangenen im Zug verfolgen gespannt alle Vorgänge. Auslieferung an Deutschland? Eine brenzlige Situation, denn die meisten sind ehemalige Spanienkämpfer, darunter sechs Deutsche, und Auslieferung an die Gestapo bedeutet Folter, Qual und Tod. Immer weiter geht es nordostwärts. - Am späten Nachmittag hält Castre. Alle müssen aussteigen. Ein der Zug in einer kleinen Stadt, kurzer Fußmarsch durch die Stadt, dann steht die Kolonne vor einem Ein großes Tor öffnet grauen Haus mit kleinen vergitterten Fenstern. das Auslieferungszentrum nach Deutschland, hat zwanzig neue Insassen bekommen. sich langsam. - Castre - Von der Außenwelt isoliert. Eine neue Zeit der Entbehrungen, der Spannungen, der Ungewißheit und der vollkommenen Isolierung von der Außenwelt beginnt. Immer drei Mann werden in eine kleine, dunkle und feuchte Zelle dieses ehemaligen Zuchthauses für Todeskandidaten gesperrt. Postverbindung nach draußen ist nur an Angehörige gestattet, der Absender ist Keiner darf wissen, wo die aus nach wie vor das Lager Vernet. Vernet Abtransportierten sich befinden. Vor einigen Wochen sind Franz Dahlem, ehemaliger Reichstagsabgeordneter der KPD, und die kommunistischen Funktionäre Heinrich Rau, Siegfried Rädel und Sepp Wagner aus diesem Gefängnis an die Gestapo nach Deutschland ausgeliefert worden. Siegfried Rädel wurde bald darauf erschossen. Die Bewachung im Gefängnis ist äußerst scharf. Alle einlaufenden Briefe und Pakete werden genau untersucht. Unterhaltungen mit den Wächtern sind verboten. Dunkelarrest, Essen- und Tabakentzug sind beliebte Strafmethoden. Der größte Teil der Gefangenen hat tagsüber Gemeinschaftsaufenthalt, um 8 Uhr abends ist Appell. 104 Di dersta spring wachu Einzel ganisi nichts Bindf Gefän Vertr franz verke die e Streic Ü 1943 den stapo wäch stand besch reitu H liefer Hauf Oper Die die zupf Wäch steht befi Schr dur den Die gene zum Aus sehe liert Ala S Die kommenden Wochen bringen neue Zugänge. Französische Wi- derstandskämpfer, englische und amerikanische Flieger und Fallschirm- springer, deutsche Deserteure werden eingeliefert. Trotz aller Über- wachungsmaßnahmen wird die Verbindung zu den Gefangenen in den Einzelzellen hergestellt. So werden die ersten Solidaritätsaktionen or- ganisiert. Mehrere Polen, zwei Amerikaner und ein Engländer haben “nichts zu rauchen und wenig zu essen. Vom Gefängnishof wird mit Bindfaden der Transport in die Zellen organisiert. Der Widerstand im Gefängnis zu Castre beginnt. Ein ‚internationales Komitee wird gebildet. Es ist aus je einem Vertreter der deutschen, jugoslawischen, italienischen, polnischen und französischen Gruppe zusammengesetzt. Durch einen geheimen Brief- verkehr wird die Verbindung zur Außenwelt hergestellt. Somit kommen die ersten Nachrichten von draußen. Zeitungsausschnitte in kleinen Streichholzschachteln werden von Zelle zu Zelle weitergegeben. Über einen geheimen Verbindungsdienst erhält das Komitee Mitte 1943 die Nachricht von weiteren Auslieferungen nach Deutschland. In den nächsten Wochen werden mehrere Deutsche abgeholt und der Ge- stapo übergeben. Die Gefahr größerer Transporte nach Deutschland wächst von Tag zu Tag. Gegenmaßnahmen werden seitens der Wider- standsgruppen im Gefängnis beschlossen. Das internationale Komitee beschließt: Organisierter Widerstand gegen die Auslieferung, Vorbe- reitung des Aufstandes und Flucht aus dem Gefängnis. Der Ausbruch wird organisiert Fieberhaft wird gearbeitet. Jeder Tag ist kostbar, denn die Aus- lieferung kann plötzlich kommen und alle Vorbereitungen über den Haufen werfen. Alle Möglichkeiten der Flucht werden erwogen, ein Operationsstab arbeitet an der Ausarbeitung eines„Aufstandsplanes“. Die Ablösungszeit der Wächter wird genau beobachtet und. registriert, die einzelnen Kampfgruppen werden zusammengestellt. Beim Säcke- zupfen werden insgeheim Stricke angefertigt, um später damit die Wächter zu fesseln. Der Operationsplan ist folgender: Das Gefängnis be- steht aus zwei voneinander getrennten Gebäuden. Vorn am Eingang befinden sich die Aufenthaltsräume der Wachmannschaften und die Schreibstuben, das Magazin und der Besuchsraum. Diese Räume sind durch eine schwere eiserne Gittertür vom eigentlichen Gefängnis, von den Zellen und der Küche sowie den einzelnen Gefängnishöfen getrennt. Die eiserne Gittertür ist nur von außen zu öffnen, damit die Gefan- genen bei einem eventuellen Ausbruch nicht in die vordere Hälfte, d. h. zum eigentlichen Ausgang des Gefängnisses gelangen können. Wenn der Ausbruch gelingen soll, muß also der Plan das Öffnen der Gittertür vor- sehen, ohne daß der Aufstand im eigentlichen Gefängnisgebäude iso- liert bleibt und den Wächtern Gelegenheit gibt, die im Büro befindliche Alarmklingel zu der in der Nähe befindlichen Gendarmerie zu bedienen. 105 Es heißt also zu gleicher Zeit die Wächter im Hauptgebäude und die in den Schreibstuben befindlichen Leute kampfunfähig zu machen. Die Zeit für die ganze Operation ist sehr: kurz. Es wird beschlossen, zwischen%8 und 9 Uhr abends loszuschlagen. Da aber nach 9 Uhr die Nachtablösung eintrifft, ist die Zeit für den eigentlichen Ausbruch so gering, daß alle Überraschungen von vornherein vorgesehen werden 5 müssen. Eine weitere Schwierigkeit besteht im Verlassen des Gefäng- nisses., Da es in einer.der Hauptstraßen gelegen ist, wird es unmög- lich, das Gebäude geschlossen zu verlassen, um nicht die Aufmerk- samkeit der Passanten und Bewohner zu erregen. Durch die Lage des Gefängnisses im Zentrum der Stadt ist es außerdem notwendig, mit mindestens einer Stunde Vorsprung vor einer Verfolgung das Gefängnis zu verlassen. Es ergeben sich bei der Vorbereitung fast unüberwind- liche Hindernisse. Alles muß erwogen, Einwände berücksichtigt, Zweifel beseitigt und Kleinmut bekämpft werden. Auslieferung heißt zu 90 Prozent Hinrichtung. Aber— das Risiko lohnt und unsere Pflicht ist, zu kämpfen. Der Plan muß gelingen. Das Wagnis beginnt. Es ist zwischen sieben und acht Uhr abends. In der großen Halle des Gefängnisses geht es wie jeden Abend lebhaft zu. Bald ist der Appell und dann werden die Gefangenen in ihre Zellen eingeschlossen. Schnell werden noch einmal die Decken auf dem Hof ausgeschüttelt, die Wassereimer geleert und sonstige Vorbereitungen für die Nacht getroffen. Einige sind bereits fertig und gehen einzeln oder zu zweien im großen Gefängnisportal auf und ab. Es ist wie jeden Abend und nichts Außergewöhnliches zu erkennen. Nur Eingeweihtie bemerken hier und da Dinge, welche die fast unerträgliche Spannung der letzten Minuten vor dem Beginn der„Aktion“ ausdrücken. Unbemerkt verstän- digt sich die Kampfleitung. Es geht um Sekunden, der Aufstand muß mit einem Schlag einsetzen. Sekundenverspätung kann die ganze Sache zum Scheitern bringen und das Leben von 40 Menschen aufs Spiel setzen. Noch drei Minuten, und die Operation muß beginnen. Unbemerkt schauen die verantwortlichen Kampfgruppenleiter auf die Uhr— noch eine Minute—, es ist fast een daß die fünf anwesenden Wächter nichts merken. Langsam sammeln sich die Kampfgruppen zu je drei Mann, die haben die Aufgabe, die Wächter zu überfallen, zu fesseln und in Zellen zu sperren. i Plötzlich beginnt ein wilder Tumult, welcher das Bild in der Halle blitzartig verändert. Ein erstickter Schrei ertönt, die Wächter werden durch Wolldecken am Schreien gehindert. Schlagartig sind alle fünf überwältigt. An Händen und Füßen gefesselt, werden sie-in die Zellen sesperrt. Das Hauptgebäude befindet sich in der Gewalt der Gefan- genen. Der nächste Schlag muß sofort geführt werden. Vorn in den Schreibstuben ist alles ruhig, sie scheinen nichts bemerkt zu haben. .106 und die machen. hlossen, 9 Uhr Schnell wird die Situation in der Halle ,, normalisiert", mehrere gehen wieder spazieren, andere diskutieren oder pfeifen, einige gehen mit ihren Wassereimern auf den Hof, alles sieht harmlos aus, nur die Wächter sind nicht mehr da. usbruch werden GefängunmögfmerkLage des dig, mit efängnis erwindZweifel zu 90 icht ist, n Halle ist der chlossen. chüttelt, e Nacht zweien end und emerken letzten verstännd muß ze Sache el setzen. bemerkt - noch Wächter je drei fesseln er Halle werden lle fünf Zellen Gefanin den haben. Verzögerte Aktion. Der verantwortliche Sprecher der Gefangenen geht an das Gittertor und klingelt dem Gefängnisdirektor. Eine dringende Angelegenheit der Gefangenen ist mit ihm zu besprechen. Ein Vorwand. Der Direktor erscheint nach einigen Minuten am Gitter und fragt, was los ist. Die Spannung ist unerträglich. Der verantwortliche Vertrauensmann der Gefangenen bittet den Direktor, in seine Zelle zu kommen, das als Büro eingerichtet ist und zu Besprechungen dient. Der ,, Alte" hat nichts bemerkt und öffnet das Tor. In der Zelle, welche er betritt, überwältigt ihn eine Kampfgruppe. Gefesselt kommt er zu den übrigen. Der erste Fehlschlag der Direktor hatte beim Betreten des Hauptgebäudes die Gittertür wieder geschlossen. Noch einmal klingelt ein Gefangener. Diesmal ruft er den Sanitäter und meldet, daß jemand sich verletzt habe. Die Sache klappt, der Sanitäter kommt in Eile und läßt dabei die Tür offen. In der Sanitätsstube wird auch er von einer Kampfgruppe ohne Schwierigkeiten überwältigt. Die Bahn ist frei. - Plötzlich erscheint ein anderer Wächter und betritt durch die offene Gittertür das Hauptgebäude. Er wird umstellt und gefesselt in die nächste Zelle gebracht. Jetzt gilt es keine Zeit zu verlieren, jeden Moment kann eine neue Überraschung eintreten. Zwei Kampfgruppen arbeiten sich lautlos durch die Gittertür in den Vorraum des Gefängnisses. Auf Kommando werden die rechts und links des Vorraums liegenden Schreibstuben gestürmt große Überraschung, die Räume sind leer. - Die Gefängnistore öffnen sich Die Operation hat sich um eine halbe Stunde verspätet und damit die Möglichkeit eines größeren Vorsprungs vor den Verfolgern aufgehoben. Die Nervosität der Gefangenen wächst von Minute zu Minute. Ein gemeinsames Verlassen ist unmöglich und bedeutet sofortigen Alarm in der Stadt. Jeden Moment können die ersten Wächter der Nachtablösung eintreffen. Was ist zu tun? Die Kampfleitung beschließt ein unglaubliches Wagnis: die sechs Wächter der Nachtablösung sollen hereingelassen und ebenfalls festgesetzt werden. Widerspruch bei einzelnen Gefangenen. Sie wollen sofort hinaus. Die Situation ist kritisch, aber in diesem Augenblick ist eine Diskussion gefährlich. Einige Minuten später klingelt es. Durch den Spion erkennt man zwei Wächter der Ablösung. Jetzt heißt es handeln. Langsam öffnet sich die große Gefängnistür, hinter der sechs Mitglieder der Kampfgruppe versteckt sind. 107 Ahnungslos betreten die beiden Wächter, wie jeden Abend, den Vor- raum. Geräuschlos sind beide überwältigt, gefesselt und nach hinten gebracht. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrere Male, bis die ge- samte Nachtablösung. festgesetzt ist. Die Uhr ist fast neun geworden. In Abständen von einigen Minuten verlassen nacheinander zu zweien oder zu dreien die Gefangenen das Gefängnis, und jedesmal schließt sich das Tor wie hinter einem Besucher. Die Passanten bemerken nichts und die Bewohner glauben an einen lebhaften Besuch im Gefängnis zu Castre. Innerhalb einer halben Stunde haben fast 40 Personen das Gefängnis verlassen.— Am späten Abend setzt Alarm in der Stadt und der Umgebung ein. Polizei sperrt alle Straßen und kontrolliert die Passanten. Aber die Gefangenen von Castre sind bereits auf dem Wege zu den Partisanen— zu den Freiheits- kämpfern in den Bergen. 6 Unter der Fahne der Menschlichkeit „Wer den ersten Gedanken der: Gerechtigkeit hatte, war ein göttlicher Mensch; aber noch göttlicher wird der sein, der ihn wirklich ausführt.“ Seume., Die bisher bekanntgewordene Geschichte der Widerstandskämpfer gegen das blutbesudelte Hitlerregime führt den unanfechtbaren Nachweis, daß diese Männer und Frauen niemals aus niedrigen Motiven gegen- über Deutschland, sondern aus tiefster innerer Überzeugung der Gerech- tigkeit zu dienen, gehandelt haben. Sie hatten frühzeitig die Notwendig- keit des Sturzes jener Clique politischer Abenteurer, die sich Reichsregie- rung nannte, erkannt. Aus der Kenntnis der deutschen Geschichte, dem Wissen um die wirtschaftliche und politische Entwicklung, und das Wesen der nazistischen Partei, vermochten die bewußten Hitlergegner die für das deutsche Volk hereinbrechende Katastrophe vorauszusehen. Hätten sie nur diese Einsicht gehabt und das Volk aufgeklärt, ihr Ver- dienst wäre damit schon hohe Anerkennung. Doch sie taten mehr. Unter Einsatz ihres Lebens— tausende opferten es— organisierten sie den aktiven Widerstand gegen das braune Regime, der von der Sabotage der Kriegsrüstung in den Betrieben bis zum bewaffneten Kampf auf offe- nem Felde reicht. Diesem ungleichen Kampf konnten sich nur Menschen hingeben, die von unbändiger Liebe zu ihrem Vaterland erfüllt waren. die es vor dem Niedergang zu bewahren suchten, die den Mut aufbrach- ten, in der Brandung des diktierten Unrechts die Fahne der Menschlich- keit zu erheben. Daher durften sie sich in keiner Beziehung dem Macht- wahn des Nazismus beugen. Und sie beugten sich nicht, auch dann nicht, wenn sie— den Foltertod stets vor Augen— von irregeführten deutschen Landsleuten der Vaterlandslosigkeit bezichtigt wurden. Die Widerstands- kämpfer wußten— was bis heute so manch Verblendeter noch immer 108 Vorhinten die geMinuten men das esucher. meinen halben späten sperrt men von reiheitstte, war der sein, Seume. kämpfer achweis. gegenGerechwendigchsregiente, dem und das ergegner zusehen. ihr Verr. Unter sie den Sabotage auf offeMenschen t waren, ufbrachnschlichn Machtnn nicht. eutschen erstandsh immer nicht begriffen hat: Wer sein Land und Volk wirklich liebt, hatte die Verpflichtung, keine Möglichkeit unversucht zu lassen, Deutschland von Das war der Geißel des braunen Barbarismus befreien zu helfen. deutsch, und darin bestand die deutsche Aufgabe. Fremdherrschaft über Deutschland. Als die Scheußlichkeiten vertierter SS- Formationen gegen wehrlose, gefangengesetzte Gegner in den Konzentrationslagern bekannt wurden, wurde von deutschen Menschen immer wieder die Frage erhoben: ,, Und das sollen Deutsche vollbracht haben?" Eben, wer seine Menschenwürde bewahrt hatte, distanzierte sich von diesem grauenvollen Geschehen, welches sich absolut nicht in die Gesinnung des Deutschlands der Goethe, Schiller, Lessing, Marx und Engels einfügte. Dieses Barbarentum war im höchsten Grade undeutsch, und in seinen Auswirkungen war der Nazismus eine Fremdherrschaft über Deutschland. ,, Ein Volk- lehrte Karl Marx- das andere Völker unterdrückt, kann selbst nicht frei sein." Die deutsche Geschichte liefert den schlüssigen Beweis, daß die Unterjochung unseres Volkes nicht immer nur eine Angelegenheit äußerer Einwirkung war. Ob sie ein französischer Napoleon vor 135 Jahren oder ein sich deutschgebärdender Hitler der Jetztzeit durchsetzte, die Versklavung Deutschlands war es damals wie sie es im„, 3. Reich" war. Mit noch größerer Berechtigung, ja Verpflichtung, als es das deutsche Volk 1813 tat, hätte es die nazistischen Zwingherren des 20. Jahrhunderts in einem großen nationalen Befreiungskampf davonjagen müssen. Das unser Volk dies nicht tat, hat seine geschichtliche Ursache in der Hauptsache in der Zerrissenheit der sozialistischen Bewegung, denn die Arbeiterklasse ist die stärkste Kraft der modernen Gesellschaft, die zur Führung der Nation berufen ist. Die Unterlassung schloß indessen nicht die Notwendigkeit aus. Dadurch, daß unser Volk seine Existenz an Hitler band, wurde es in den Strudel des Niedergangs hinabgeschleudert. Deutschland büßt jetzt die Miẞachtung der Lehren seiner Geschichte mit Obdachlosigkeit, Hunger und Elend. Mißachtete geschichtliche Lehren. Kein Geringerer als Ernst Moritz Arndt sprach 1812 von Menschen, ,, die nicht vergessen haben, daß sie einst ein freies und glorreiches Vaterland hatten, und daß jeder Schritt, der sie weiter gegen Osten führte, ein Schritt näher der ewigen Schande und Knechtschaft sei". Die Hitlerkamarilla trieb ihre Heere immer ,, weiter gegen Osten" zur Versklavung fremder Völker, und Deutsche ließen sich mißbrauchen für elende Versprechungen, glaubten lediglich ihre Pflicht zu erfüllen'. Während die Heimat in Schutt und Asche sank, befahlen die Verderber Deutschlands I den Soldaten schneller auf die überfallenen Völker zu schießen, denn , wer zuerst schießt, hat mehr vom Leben“. ,, 99 99... - das ist die Hölle auf Erden" rief Ernst Moritz Arndt wann List und Gewalt alle Freiheit vertilgen will; das ist der Teufel 109 auf Erden, wann ein Tyrann aufsteht, der Licht. und Freikeit und Ehre und Glück und alles, was Menschen teuer und ehrwürdig ist, hasset und schändet.— Diesem beistehen, mit ihm gegen die letzten freien Völker ziehen, und sie ihm bezwingen helfen, das ist keine Soldatenehre, sondern heißt die Arbeit von Henkern und Bütteln tun und die Ehre erwerben, die um Galgen und Rad gehört wird.“ Wer richtet das Volk auf? Und doch hat es Männer und Frauen gegeben, die dem braunen Tyrannen widerstanden. Ob auf deutschem, polnischem, skandinavischem, französischem, jugoslawischem oder spanischem Boden, es waren oft Deutsche, die dem faschistischen Henker europäischer Nationen in den nn nn; . Sta&! Rece do göryl . Podda& sie!- . Odda€ bron. Rzuci& bron- I pas, odejs€ 10,(20) krok6w w prawo, w lewo, w tyl. Predzej bo strzelamy . Wolniej. Zlo2y€ helmy, wrnistry 1 wszelkie pakunki. Zdja6 plaszceze i mundury. . Wywröcie kieszenie do re- wizji. , Kto bedzie uciekal, zostanie natychmiast zastrzelony. Kto nie wykona rozkazu bedzie rozsirzelany h IE . Nie rusza@ sig . Padnij twarza do ziemi! . Pokazat dokumenty. . Niszezenie dokumentöw i nieprawdziwosc zeznan to sabotaz, ktöry bedzie kara- any Smiercia. Imie i nazwisko? Stopien stu2bowy? W jakim pulku slu2ysz? Möw wolniej i wyraZniej Skad pochodzisz? Z Ba- warii, Saksonii, Nadrenii? Czy jestes Austryjakiem, Görnoslazakiem, Mazurem? Kto möwi po polsku? Czy byles czlonkiem partii, SA. albo SS.? Möwie prawde. Za klam- stwo smiere! Czy sa w poblizu wasze oddzialy, gdzie, jak daleko, jakie, w jakiej sile Skad idziecie? ‚ Halt! Hände hoch . Ergiebt Euch! . Waffen ab. . Waffen und Kopze! ab, zehn(zwanzig) Schritte nach rechts, nachlinks, nach hinten abtreten, . Schneller, oder wir schies- sen! . Langsamer. Helme, Tornister und sämt- liches Gepäck ablegen. . Mäntel und Uniform runter . Taschen zwr Revision (Durchsuchung) vorzeigen Jeder Versuch einer Flucht wird mit dem Tode bestraft Wer den Befehl nicht aus- führt, wird erschossen. Schweigen}(Maulhalten)! Stillstehen! . Hinlegen, Gesicht zur Erde! . Ausweise vorzeigen Vernichtung der Dokumen- te sowie Unwahrheit der Aussagen ist Sabotage und wird mit dem Tode bestraft Vor— und Zuname? Dienstgrad? In,welchem Regiment hast Du gedient? Sprich langsamer und deut- licher. Woher stammst Du? Aus Bayern, Sachsen, Rhein- land? Bist Du ein Oesterreicher, Oberschlesier, Masure? Wer spricht polnisch? Warst Du Angehöriger der Partei, SA., oder sc Wahrheit sagen! Wer lügt, wird erschossen! Sind in der. Nähe Eure Truppenteile? wo? wie weit? welche Truppenteile in welcher Stärke? Woher kommt Ihr? Die polnischen Partisanen benutzten die Sprache der Naziokkupanten bei Gefangennahme deut- scher Wehrmachtseinheiten Arm fielen. Ja, selbst hin- ter dem Stacheldraht der Konzentrationslager führ- ten sie diesen Kampf auf Leben oder Tod. Sind nicht sie es— soweit sie leben—, die heute beru- fen wären, an der Spitze der Neugestaltung Deutsch- lands zu stehen? Haben nicht sie den Beweis er- bracht, daß sie für die Ge- rechtigkeit zu streiten ver- stehen? Wer sonst, wenn nicht sie? Auf sie nur kann ein fortschrittliches Deutschland seine Hoff- nungen setzen, wie es der Erzbischof von Canterbury, G. F. Fisher, bekannte: „Wir dürfen uns nicht hinreißen lassen, über die Tatsachen hinweg- zusehen, daß es auch Deutsche gibt, die das Übel bekämpft und in den Lagern für ihre auf- rechte Gesinnung gelit- ten haben. Mögen es auch nur wenige gewe- sen sein; in diesen We- nigen aber liegt unsere ganze Hoffnung für die Befreiung und die moralische Aufrichtung des deutschen Volkes.“ (Nach„Hamburger Nachrichten-Blatt“, 29. Mai 1945.) 2eit und tig ist, ® letzten st keine Bütteln rd,“ braunen vischem, aren oft ı in den Ibst hin- 'aht der. r führ- mpf auf . Sind yeit sie te beru- r Spitze Deutsch- ' Haben weis eI- - die Ge- iten ver- st, wenn sie nur rittliches e Hofi- je es der nterbury, annte: uns nicht on, über hinweg- es auch die das und in ihre auf- ng gelit- fögen© ge gewe esen We- 1 unsere N für die Volkes.“ i 198.) Dieses Büchlein verdankt seine Entstehung einer Kollektivarbeit. Beiträge lieferten Erich Hoff- mann(1), Heinz Prieß(2), Willi Grünert 6), Alfred Drögemöller(4), Julius Jürgensen(5), Gretel Schöneck(6), Willi Melhausen(7), Alfred Weber(8), Willi Gerlach(9). Ihre Beiträge sind im Inhaltsverzeichnis durch die eingeklammer- ten Ziffern gekennzeichnet. 111 INHALTSVERZEICHNIS Der Widerstand begann nicht erst 1933 Vom Blutsonntag in Altona bis zum Reichstagsbrand. Die Kühnheit, verkörpert durch Edgar Andree Die ersten„legalen“ Justizmorde (August Lütgens und Genossen) F* Arbeitersportler, die sich nicht„gleichschalten“ ließen. Neue Formen und Methoden des illegalen Kleinkrieges Männer, die vor dem Terror nicht kapitulierten. „Eine Not, ein Feind und ein Kampf“ (John Scheer und Genossen). Wahrhafte Söhne ihres Volkes (Fiete Schulze, Fischer und Genossen) Der Widerstand auf den Werften. Auslandsreisen mit„Kraft durch Freude“ Hilfsbereites Ausland In Spanien gegen Hitler. „Meine Ehre ist nicht Ihre Ehre“. Die zweite Schlacht um Madrid Schwarze Tage Rüstungsarbeiter gegen die Kriegstreiber Einheit im illegalen Kampf Wehrwirtschaft geht über Leichen Der alte Weg von Blut und Eisen Ratlosigkeit im dänischen Gestapo-Hauptquartier. Im Bereich der Hölle von Auschwitz.: Die bedeutendste Widerstandsbewegung in Deutschland- (Warum der 20. Juli 1944 scheiterte). Unbezwungen im Zuchthaus und KZ. Die 999er E h Totale Besetzung Frankreichs— Heldenhafte Befreiung. Unter der Fahne der Menschlichkeit. NAMENSVERZEICHNIS. 3 Abshagen, Robert, 99, Ahrens, Franz, 23, Anderson, 87, Andrée, Edgar, 8, 18, 19, 20, 21, 22, 57, 58, 59, 60, 61, 65, Arndt, Ernst Moritz, 84, 109, Badoglio, 101, Bästlein, Bernhard, 75, 95, 99, Bammel, 8, Barkstedt, Karl, 48, Bebel, August, 9, 36, Beimler, Hans, 57, Benthien, 10, Bertelsmeier, 31, Best, 83, Bismarck, 36, Blenkle, Konrad, 85, Block, 22, Blohm, 72, Bohlen, Charles, 76, Bohne, Walter, 26, 28, Boller, Willi, 86, Brüning, 9, Buschmann, Ernst, 103, Christensen, Peter, 48, 49, 50, Dahl, Olaf, 48, Dahlem, Franz, 104, Deuchler, Willi, 49, Dolgner, Willi, 35, Eggerstedt, Otto, 15, Einicke, Ludwig, 38, Engels, Friedrich, 109, Faber, Heinrich, 26, Feddersen, Hugo, 20, Fick, Johannes, 38, Finnern, 36, Fischer, 39, Fisher, G. F., 110, Franco, 51, 53, 55, Geick, 10, Gerlach, 26, Gill, Hugo, 26, Goebbels, 20, Göring, 17, 73, Goethe, 109, Grünert, Willi, 26, 30, 32, 97, Günther, 10, Habedank, 72, Hacker, Karl, 28, Haniel, 72, Heieck, Georg, 96, Heinz, Erich, 75, 76, Heitgreß, Franz, 29, Hellwig, Willi, 36, Henning, Ernst, 7, 8, 9, 10, 19, Heuck, Christian, 38, Hildebrandt, 76, Hindenburg 13, 14, Höcklmeier, 8, Hoffmann, Erich, 20, 21, 22, 99, Jacob, Franz, 91, 92, 93, 94, 95, 99, Jansen, 8, Jouhaux, Leon, 45, Kähding, 38, Kahle, Hans, 57, Kaufmann, 8, 9, 40, 72, 75, Kötteritz, 40, Kraus, 28, 61, Krupp, 72, Larsen, Valdemar, 48, Leber, Julius, 38, Lesch, Karl, 35, Lessing, 109, Leuschner, 94, Leventzow, 18, Ley, 43, 72, Liebknecht, Karl, 37, Lindau, Rudolf, 35, Lorenz, 63, Lütgens, Aug., 23, 25, Luther, Martin, 41, Lux, Fiete, 38, 113 Marx, Karl, 109, Möller, Walter, 24, Napoleon, 109, Naujock, 61, Nieter, Karl, 86, Nitsche, 18, Olfers, 11, Petersen, Paul, 26, Pieck, Wilhelm, 15, Pietczuch, Konrad, 16, Postler, Aug., 28, Prieß, Heinz, 103, Puff, 21, Raab, Franz, 103, Rädel, Siegfried, 104, Rauh, Heinrich, 104, Reichwein, 94, Renn, Ludwig, 57, Renner, Heinz, 103, Retslag, 36, Rettmann, Fritz, 56, 57, Richter, 19, 40, Robles, Gil, 51, Röhm, 29, Saefkow, Anton, 20, 91, 92, 94, 95, Scheer, Jonni, 36, 37, Schiller, 109, Schönhaar, 36, Schulze, Fiete, 20, 40, 41, 42, 59, Schuster, 41, Schwarz, 61, Schwarz, Rudi, 36, Seume, 108, Seydlitz von, 83, 92, 94, Siemens, 72, Solheim, Ragnar, 48, 49, 50, Sonntag, Arthur, 20, 21, 36, Stauß von, 9, 10, Stegmann, 41, Stein vom, 84, Steinfeld, Justin, 58, Steinfurth, 36, Stephan, 35, Tesch, Bruno, 23, 24, 25, Thälmann, Ernst, 6, 9, 11, 13, 19, 36, 49, 50, 57, 58, 65, 70, Thyssen, 72 Timm, Rudolf, 35, Trettin, John, 38, Uhlmann, 26, Uhrig, Robert, 91, Vogeler, 102, Vorpahl, Kurt, 77, Wagner, Sepp, 104, Walter, 64, 65, Weinert, Erich, 37, Westphal, Walter, 26, Wilhelm II., 5, Wolf, Karl, 24, York, 84, Veröffentlicht unter der Verlags- Lizenz C 8 215 B( Max Albrecht und Paul Evert). Druck: Stader Zeitungs- und Verlags- Druckerei G. m. b. H., Stade/ Elbe, Poststr. 11. 114