W.A. BECKERT; Feil war ihm das Recht, das Amt und der Schlüssel— selbst der Altar. Als er die Macht sich erpreßt, brach er das Wort und das Siegel. Taumelnd eilt er vom Fehler zum Laster— vom Brand zum Fanal! Septimius Severus und Titus— auch Nero handelten so. Immer war es die Zwietracht, die das Reich an den Abgrund gebracht. Blick ins Konzentrationslager Links Wachtürme mit MG- Posten. Im Hintergrund die Revierbaracken 11 Der Eingang ins Lager. ,, Das Tor mit der geistreichen Inschrift: Recht oder Unrecht- mein Vaterland" Der Appellplatz mit Arbeitsbaracken Das isolierte Kleine Lager" LOL 61 Bericht über das Konzentrationslager BUCHENWALD S chon bald nach der Errichtung des Konzentrationslagers ,, Buchenwald" durch die NaziRegierung drang die Kunde von den barbarischen Methoden der SS- Lagerleitung und der Wachmannschaften in alle Welt. Das Lager wurde im Juli 1937 auf dem Ettersberg bei Weimar errichtet und war zu jener Zeit das schlimmste ,, Vernichtungslager" der Gestapo Hitlers. Hier ließ dieses Untier Tausende von Nazi- Gegnern, Antifaschisten und sog. Staatsfeinden ermorden. Unzählige unschuldige Menschen wurden hier jahrelang in schauerlichen Behausungen unter unbeschreiblichen Entbehrungen gefangengehalten. Deutsche und Menschen aller Nationen, die von den Deutschen überfallen, unterdrückt und ausgeplündert wurden. Die ersten Gefangenen, politische Gegner der NSDAP., kamen in mehreren Transporten aus dem Konzentrationslager Sachsenburg und Lichtenburg. Die Belegschaft des Lagers wurde dann sehr rasch mit politischen und kriminellen Häftlingen sowie mit Bibelforschern ergänzt. Schon beim Aufbau des Lagers war die Sterblichkeit unter den Häftlingen groß. Die Verstorbenen wurden in den ersten Jahren nach Weimar ins Krematorium gebracht. Als sich aber später die Zahl der Sterbefälle mehrte, erschien es aus mancherlei Gründen wünschenswert, der Bevölkerung die zahlreichen Leichentransporte zu verheimlichen. Es wurde deshalb mit dem Bau eines eigenen Krematoriums im Lager ,, Buchenwald" begonnen. Der Bau mußte von den Häftlingen selbst ausgeführt werden, die Einrichtung wurde von Erfurt geliefert. Die Verbrennungen wurden in zwei großen Verbrennungsöfen vorgenommen, deren jeder gleichzeitig drei Leichen aufnehmen konnte, doch später wurden in den beiden Öfen 10-12 Leichen gleichzeitig verbrannt. Die Massen- Einlieferungen im Mai und Juni 1938 von sog. ,, arbeitsscheuen" Deutschen und Juden führten zur Erhöhung der Sterblichkeit, die gegen Ende des Jahres 10% der Lagerstärke betrug. Die große Zahl der Todesfälle entstand im Anfang durch Unterernährung und Körperschwäche. Durch die unzureichende Verpflegung und Bekleidung, besonders aber durch die Zwangsarbeit, brachen körperlich schwache Nabei Weimar turen bald zusammen, da viele Gefangene den Anstrengungen nicht gewachsen waren. Frühmorgens, noch vor Sonnenaufgang, mußten die Gefangenen zum Zählappell antreten. In der Dunkelheit, bei Sturm und Wetter, standen sie hier auf dem Appellplatz oft stundenlang, ehe die Arbeitskommandos ausrückten. Durch die harte Zwangsarbeit beim Straßenbau und in dem gefürchteten Steinbruch kamen die Gefangenen körperlich und seelisch sehr rasch herunter. Bei der Arbeit selbst wurden sie durch die SS- Posten häufig mißhandelt, mit Kolbenstößen und Fußtritten weitergetrieben, wenn sie unter der Last schwerster Steine schon fast zusammenbrachen. Am Abend, wenn die Arbeitskommandos erschöpft und kaum fähig, sich auf den Beinen zu halten ins. Lager einrückten, mußten die ausgehungerten Männer noch schwere Steine zum Straßenbau ins Lager tragen. Am Schluß der Kolonnen wurden die Erschöpften und die Toten auf Tragen ins Lager gebracht. Viele konnten dieses brutale Leben, dieses Inferno der Gemeinheit, nicht ertragen sie machten diesem Leben freiwillig ein Ende und gingen über die Postenkette wurden dann ,, auf der Flucht erschossen". - - - Der Steinbruch war lange Zeit das schlimmste Arbeitskommando des Konzentrationslagers ,, Buchenwald", mußten doch sämtliche Straßen des Lagers, die Kasernen der SS, die zahlreichen Gebäude der Verwaltung gebaut werden. Der Boden war schlecht, der Lehm, bei Regen aufgeweicht, ließ die Leute knöcheltief versinken und machte das Marschieren der Kolonnen zu einer ständigen Jagerei. Hier mußten Tausende von Häftlingen von früh bis spät in endlosen Kolonnen aus dem ,, Bruch" schwere Steine nach oben schleppen. Erst in den letzten Jahren war eine Drahtseilbahn gebaut worden. Oben angekommen, hatten die Leute kaum Zeit aufzuschnaufen. Sofort wurden sie wieder von den SS- Posten zurückgejagt, im Laufschritt ging's wieder in den Steinbruch hinunter. Die Letzten, meist die Schwachen und Erschöpften, wurden getreten, niedergeschlagen und manche auch erschossen. Ich war monatelang Zeuge dieser Miẞhandlungen und mußte täglich diese schauerlichen Bilder, dieses Grauen nicht nur mit ansehen, sondern auch mitmachen, und nur 3 17 MODELL! Das Original wurde von den Hardbanden vor deren Abgang wudell Der sogenannte Bock! Ein Nazi- Kulturasnikmal - Cesiss Eine ,, Wohnbaracke" im Lager Buchenwald ,, Der Bock", ein Kulturdenkmal der Nazi Opfer der SS ,, Evakuierung" in Buchenwald, Unrathaufen vor den Baracken Lagerstraße Solche Bilder des Grauens bot den siegreichen Truppen der Alliierten ,, Großdeutschland" Geistesgegenwart und Kaltblütigkeit bewahrten mich vor dem Tode. Ich erlebte dort Monate, wo wir 150—200 Tote im Monat hatten. Später verstarben dann auch viele Häftlinge im Winter infolge der schlechten Bekleidung, durch Krankheiten aller Art und durch Hunger. Die Zahl der durch Mißhandlungen und Mord, durch die berüchtigten Strafmethoden der SS Verstorbenen mehrte sich von Jahr zu Jahr. Trotzdem stieg die Lagerbelegschaft fortwährend an Zahl durch die verschiedenen Aktionen der Gestapo. “ Anläßlich der Ermordung des Legationsrates von Rath in Paris wurden 12500 Juden aus ‚Deutschland in„„Buchenwald‘“ eingeliefert und in fünf„„Notbaracken‘‘ untergebracht. Sie wur- \ 8 den sämtlicher Wertgegenstände beraubt— “70 von ihnen wurden in der ersten Nacht durch erlittene Mißhandlungen und Aufregungen wahnsinnig. Einige wurden an Bäume gefesselt, wieder andere an die Gitterfenster der Arrest- lokale. Ohne Wasser und ohne sanitäre Anlagen wurden hier zirka 2500 Mann in eine dieser provisorischen Bretterbaracken gepfercht. Sie hatten keine Möglichkeit sich auszukleiden, sich - zu waschen, waren meist ohne Eßgeschirr und konnten so kein Essen empfangen. Es entstand häufig Panik und allerlei Aufregung bei der Essenausgabe. Viele von ihnen starben an Nervenzusammenbruch und Erschöpfung, einige Hundert an Typhus. Nach der Besetzung Österreichs kamen im September 1938 die ersten Ausländer nach „Buchenwald“. Durch sog.‘ Erschießungen auf der Flucht wurden im Steinbruch u. a.„‚liqui- diert‘“ Justizminister und Generalprokurator Winterstein, Gefangenenhaus-Direktor Trum- mer, Heimwehrführer und Generalkonsul Steidle, Major Höffer, Sicherheitsdirektor des Landes Salzburg Bechlie, ferner der Schwiegersohn des ehemaligen Bundespräsidenten Miklas Certes u.a. Der ehemalige sozialdemokratische Reichstags- abgeordnete Heilmann und der kommunistische Schriftleiter Scholem wurden ebenfalls in„‚Bu- chenwald‘ ermordet. Nach der Okkupation der Tschechoslowakei -im Jahre 1939 kamen die ersten tschechischen. Schutzhäftlinge, darunter auch viele Juden, in das Konzentrationslager„Buchenwald“. Bei Kriegsausbruch im September 1939 kamen, 2500 Juden aus Wien, von diesen waren einige . Hundert aus Altersheimen herausgeholt worden. Sie wurden in fünf Zelten auf einem freien Platz innerhalb des großen Lagers untergebracht. Hier verblieben sie bei Wind und Wetter, ohne Strohsäcke mit nur einer Decke. Viele waren invalide und kranke Leute. Als Essen bekamen sie nur 150 g Brot täglich, 1, Liter Wasser- suppe und nur selten ein Stückchen Wurst oder Margarine. Innerhalb eines Monats war schon ein großer Teil verstorben. Das Kommando dieses„„Zeltlagers‘‘ hatten die SS-Leute Haupt- scharführer Blank, Hauptscharführer Hinkel- mann, Rapportführer Strippel.„Lager-Ältester‘“ war ein politischer Gefangener namens Fritz Wolf, der unter dem Druck der SS-Leitung nicht viel für diese Ärmsten tun konnte. Am 16. Oktober 1939 wurden in dieses Zelt- _ lager weitere 2800 Polen und polnische Juden gepfercht. Es war offensichtlich geplant und später auch bekannt, daß diese alle hier liqui- diert werden sollten— d.h. man ließ sie ver- hungern und erfrieren. In einem besonderen Stacheldrahtkäfig von 30 qm wurden noch ‘104„„Heckenschützen‘(Franktireurs) aus Polen untergebracht. Innerhalb eines Monats wurden unter diesen Umständen alle Heckenschützen bis auf einen sehr kräftigen Mann ausgehungert. Von den 5300 Polen und Juden waren bei Auf- lösung dieses Zeltlagers am 12.. Februar 1940 noch 2000 Überlebende. Es war eine ständige Einrichtung— frühmorgens noch vor. dem Appell kam der Befehl‘durch die Lautsprecher: „Die Leichenträger ans Tor!“ Anläßlich des Attentates im Bürgerbräukeller in München am 9. November 1939 wurden im großen Lager 21 Juden ausgesucht und er- schossen, und dies als Repressalie gegen den „Secret-Service“. Diese Auswahl trafen der Hauptscharführer und damalige Rapportführer Strippel, Hauptscharführer Blank, Schar- führer Chemnitz und Rose und Öberschar- führer Sommer. Aus den sieben Judenblocks wurden 21 Leute ausgewählt und angeblich zu. besonderer Arbeit notiert. Da die meisten nicht wußten, um was es sich handelte, hatten sich auch einige dazu freiwillig gemeldet..... Alle 21 wurden mit Namen, Nummer und Geburtsdatum notiert und aus dem Lager geführt. Im Stein- bruch wurden sie dann so lange mit Steinen gejagt, bis sie zusammenbrachen und dann er- schossen. Anschließend hatten die Juden im Lager drei Tage Essenentzug und Dunkelarrest. Einige Tage später wurde das ganze Lager mit fünf Tagen Kostentzug bestraft und stand acht Stunden in der Kälte am Appellplatz. Im August 1940 kamen erneut 1100 Polen in ein Sonderlager. Im ersten Arbeitseinsatz im Turm T..Das Tor“ Wachtürme am elektrischen Zaun Das Mahnmahl im KL. Buchenwald Der Galgen im Hof des Krematoriums Ein Massengrab in der Nähe des Lagers Hunger und Kälte forderte Tausende von Menschen Steinbruch wurden sofort elf Mann erschossen. Innerhalb von fünf Monaten hatte sich ihre Zahl auf 300 Mann erniedrigt. Als Repressalien für Vorkommnisse im deutschbesetzten Polen wurden wiederholt Polen ausgesucht und ,, zur Abschreckung der anderen" öffentlich erhängt. In einem Falle 25 Mann gleichzeitig. " Im Februar 1941 wurden 400 holländische Juden eingeliefert, die, einige Wochen im ,, Buchenwald", später nach Gusen bei Mauthausen transportiert wurden. Sie hatten in Holland einer gewissen politischen Bewegung angehört und wurden in einer sog. Aktion verhaftet. Es waren durchweg junge Leute. In den Steinbrüchen von Gusen wurden sie restlos liquidiert. Vor dem Abtransport von ,, Buchenwald" war nur ein einziger vergessen worden, weil er das Glück" hatte, zufällig im Revier zu liegen. Eine beliebte Methode der SS- Posten im Lager Mauthausen war, um die Juden zu erledigen: man belud sie mit schweren Steinen, dann mußten sie eine Steintreppe von zirka 100 Stufen vom Steinbruch nach oben marschieren, und die Posten sorgten dabei für die nötige Unordnung bei dieser Arbeit brach mancher zusammen, der Stein stürzte ihm die Treppe hinab und schlug gegen die anderen, die von unten angetrieben und gehetzt wurden. So stürzten viele in der allgemeinen Panik in den Steinbruch hinab. Eine andere gemeine Art war die, daß sie zwei Juden auswählten, die sich am Rand des Steinbruchs oben gegenseitig verprügeln mußten. Wer den anderen hinabstoßen konnte, hatte sein eigenes Leben gerettet. Wenn sich beide geweigert hatten, diese Prügelei mitzumachen, wurden sie durch Fußtritte hinabgestoßen. - Im Mai 1941 führte die Ermordung eines Juden namens Hamper im Lager ,, Buchenwald" durch den SS- Hauptscharführer Abraham zur Ausrottung von 34 Juden. Dieser Jude Hamper war bei der Arbeit von Abraham in einer Wassergrube ertränkt worden. Da der Fall wegen der Todesursache untersucht worden war, wurde sein Bruder als Zeuge vernommen. Er hatte den wahren Sachverhalt ausgesagt und kam in Arrest und mit ihm die übrigen Zeugen dieses Mordes, d. h. das ganze jüdische Arbeitskommando. Im Arrest wurden im Zeitraum von sieben Wochen nacheinander 3-4 Mann täglich umgebracht. - Im Block 46 des großen Lagers war von der Medizinischen Abteilung des Krankenhauses eine sog. ,, Versuchsstation" eingerichtet worden. Im 7 Auftrag des Reichsärzteführers hatten die SSÄrzte hier Versuche mit Fleckfieberserum ausgeführt. An gesunden Leuten, ausgewählten Häftlingen, wurden Experimente mit Fleckfieberbakterien gemacht und später aus ihrem Blut Serum gegen Fleckfieber gewonnen. Viele verstarben im Fieber, die Überlebenden waren für den Rest ihres Lebens leidende Menschen. Im Sommer 1941 wurden nach Listen der politischen Abteilung zwei Transporte von politischen und kriminellen Häftlingen abgefertigt, die in Sonnenstein bei Pirna durch Experimente mit Giftgas getötet wurden. Es handelte sich um 450 Mann( Kriminalsekretär Sturmführer Serno, Kriminalsekretär Leclaire). Durch den Lagerarzt Dr. Eisele wurden 100 Tbc.- Verdächtige im Sommer 1941 durch Einspritzung mit Evipannatrium ermordet. Dieser SS- Arzt führte außerdem Magenvivisektionen an Gesunden durch, an deren Folgen viele starben. Vom Dezember 1941 an wurden laufend Häftlinge zu Versuchen verschiedener medizinischer Abteilungen verwendet. Verantwortliche Leiter waren die SS- Ärzte Standortarzt Hofen, ferner SS- Arzt Obersturmführer Ding, Obersturmführer Dr. Plaza. Auf Befehl des Lagerkommandanten Koch, der für alle diese obigen Verbrechen als Lagerkommandant verantwortlich war, wurden im Oktober 1941 die beiden deutschen politischen Häftlinge Walter Krämer und Karl Peix, welche das ,, Häftlingsrevier" bis zum 30. Oktober 1941 geleitet hatten, abberufen und in Goslar erschossen. Sie waren Zeugen und Mitwisser unzähliger Morde, der Massenliquidierungen von Häftlingen durch die SSÄrzte. Im Revier des Lagers ,, Buchenwald" wurden alte und gebrechliche Häftlinge, aber auch solche, die sich irgendwie unbeliebt gemacht hatten oder die man sonst aus irgendwelchen Gründen beseitigen wollte, durch Injektionen ,, liquidiert". Im März 1942 gingen von., Buchenwald" vier Transporte mit je 90 jüdischen Häftlingen, Invalide und Kriminelle, nach der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg, wo sie unter der Leitung des SS- Arztes Dr. Eberle eines gewaltsamen Todes starben. Von diesen Transporten kam nur die Asche der Toten zurück. Der..Buchenwald"- Häftling Markus mußte sie in Urnen abfüllen. Er wurde dann nach Beendigung seiner Arbeit durch Oberscharführer Pleiẞner umgebracht. 99 Der verantwortliche Kommandant des Lagers war damals SS- Standartenführer Koch, 1. Lager Verbrennungsofen im Krematorium Im Vorhof des Krematoriums Mordkeller im Krematorium. An dieser Wand wurden die Opfer durch SS- Männer an die Nägel gehängt und erwürgt 明 Ein Verbrennungsofen im Krematorium Verstorben an Hunger und Typhus. Mißhandelt und ermordet durch die , Schwarze Pest" ner führer Sturmbannführer Rödel, 2. Lagerführer Obersturmführer Max Schobert. Der Mangel an deutschen Arbeitskräften führte ab Oktober 1942 zum Einsatz von Häftlingen in kriegswichtigen Betrieben und Rüstungswerken. Es wurden Tausende von Arbeitern zwangsweise aus den von den Deutschen besetzten Gebieten in die Konzentrationslager gebracht. Besonders die Massentransporte französischer Arbeiter sind zu erwähnen, die beim Aufbau des Konzentrationslagers ,, Dora", später Konzentrationslager Mittelbau genannt, bei Nordhausen und im Konzentrationslager ,, Laura" eingesetzt wurden. Sie starben massenweise schon nach wenigen Tagen, denn in der ersten Zeit beim Aufbau dieser Lager waren die Menschen gezwungen, in unterirdischen Stollen und Schächten unter Schwefeldämpfen zu arbeiten, zu essen und zu schlafen. Es war dort keinerlei Vorkehrung getroffen für ihre Unterkunft. Die Leichentransporte kamen in das Krematorium nach ,, Buchenwald", und die Leichen zeigten fast alle die gleiche Todesursache: es waren abgemagerte Skelette, bestehend nurmehr aus Haut und Knochen. Nach diesem Lager ,, Dora" waren auch von ,, Buchenwald" im Laufe der Zeit zirka 30000 Mann zur Arbeit überstellt worden. Der dortige verantwortliche Lagerarzt war der SS- Obersturmführer Dr. Plaza, der Lagerkommandant der SS- Sturmbannführer Förschner. In ,, Laura", wo die Sterblichkeit pro Monat 10% betrug, war Lagerführer der SS- Untersturmführer Plaul. Ähnliche Kommandos waren bis zuletzt ,, S. 3 bei Ohrdruf, B. 2 bei Halberstadt, in Magdeburg und Wille bei Zeitz". Im Arbeitseinsatz wurden auch Frauen beschäftigt. Während man arische Häftlingsfrauen bei Schwangerschaft zur Untersuchung in das große Frauenkonzentrationslager ,, Ravensbrück" in Mecklenburg geschickt hatte, überführte man jüdische Frauen zur Vergasung nach Auschwitz, später nach Bergen- Belzen. Juden- und Zigeunerkinder, die man nicht für Arbeitszwecke benutzen konnte, wurden ebenfalls für Vernichtungstransporte nach Auschwitz und Bergen- Belzen bestimmt. Durch die Evakuierung von Häftlingen aus den großen Lagern von Compiègne in Frankreich, ferner von Auschwitz und Groß- Rosen nach Buchenwald stieg die Sterblichkeit im Lager mehr und mehr. So waren bei einem Transport vom Konzentrationslager Buna nach dem Lager ,, Buchenwald" von 4500 Häftlingen 470 unterwegs umgekommen. Bei den Transporten aus Compiègne wurden die Häftlinge, zum Teil nackt, je 100 Mann in einen Waggon gepfercht. Da sie hier ohne Wasser und Entlüftung waren, erstickten 63 Mann. Innerhalb des Konzentrationslagers ,, Buchenwald" war in den letzten Jahren ein sog. ,, kleines Lager" errichtet worden. Hinter Stacheldraht isoliert waren hier invalide, arbeitsunfähige, alte Leute und Kinder aus Polen untergebracht. In erbärmlichen Behausungen, früheren Pferdebaracken, waren hier bis zu 2000 Menschen in einer Baracke zusammengedrängt. Ohne Strohsäcke, mit nur einer Decke oftmals ohne solche in Kleidern Tag und Nacht, lagen Gesunde und Kranke durcheinander. Es waren Kinder darunter im Alter von 3-15 Jahren zirka 700 Kinder, deren Eltern in Auschwitz vergast worden waren. - Massenerschießungen russischer Kriegsgefangener - - durch ,, Genickschuß" im Konzentrationslager Buchenwald durch die SS Nach Ausbruch des Krieges mit der SowjetUnion kamen die ersten russischen Kriegsgefangenen im Oktober 1941 nach dem Konzentrationslager ,, Buchenwald". Die Häftlinge des Lagers konnten in der ersten Zeit mit diesen Russen nicht in persönliche Verbindung treten, da diese isoliert gehalten wurden. Als eines Abends das Lager zum Appell angetreten war, mußten die Häftlinge einige Lieder singen, was damals häufiger vorkam. Diese sog. Singstunde sollte einesteils zur Belustigung der Lagerleitung und deren Besucher dienenwar aber anderenteils eine Provokation gegen die 9 politischen Gefangenen, da sie gezwungen waren, nationalsozialistische Spottlieder zu singen. An diesem Abend zog sich die Singstunde länger hin, und nach dem Appell wurde bekannt, daß während dieser Zeit acht oder zehn russische Offiziere außerhalb des Lagers von der SS erschossen worden waren. Der Gesang sollte die Salve übertönen. In den nächsten Tagen wiederholten sich diese Exekutionen, und die Zahl der Erschossenen mehrte sich täglich. Die SS- Lagerleitung erhielt dann im Laufe der nächsten Wochen mehr und mehr ,, Russentransporte" zur Liquidierung. Es erschien not Opfer des Faschismus Der Eingang ins Lager vom Kommandantenhaus gesehen. Krematorium Im Vordergrund Beutegeschütze wendig, für diese Massenliquidierungen ein besonderes Gelände und Gebäude zu benutzen. Dieses sollte entfernt vom Lager sein und von den Häftlingen nicht betreten werden. Hierzu wurde dann der sog. SS- Pferdestall neben der großen Reithalle benutzt. Die Transporte der russischen Gefangenen kamen in Omnibussen im Lagerbereiche an, wurden auf der sog. Politischen Abteilung empfangen, dort registriert, dann weiter nach der Reithalle geleitet. Die russischen Offiziere konnten die Häftlinge des Lagers bei der Arbeit und auf dem Marsch sehen, jedoch nicht sprechen. In der Reithalle bzw. im Pferdestall war für ihren Empfang bereits alles vorbereitet. Das Mordkommando dort bestand meist aus folgenden SS- Angehörigen: SS- Hauptscharführer Taufrathshofer, Oberscharführer Berger, Hauptscharführer Schäfer, Unterscharführer Kelz, Unterscharführer Bruno Michael, Hauptscharführer König u. a. Der Pferdestall war so eingerichtet, daß man den Zweck des Gebäudes nicht wahrnehmen konnte, d. h. der ,, Empfangsraum" war ordentlich und sauber hergerichtet. Die Russen mußten sich dort zu einer ,, ärztlichen Untersuchung" wie in einem Lazarett auskleiden, wurden dann später der Form halber untersucht- registriert wie zur Aufnahme in das Lager. Sie wurden nicht mißhandelt, das Radio spielte öfter Tanzmusik. Von diesem Raum wurden sie dann durch verschiedene andere Räume ,, geschleust", dort dann gemessen und gewogen. Bei der Messung der Körpergröße war der Meßapparat so gestellt, daß auf einen Druck ein Schlagbolzen aus der Meßlatte heraussprang und den Halswirbel durchschlug. Da diese Todesart nicht immer tödlich wirkte, wurde später derart verfahren, daß an der Tür ein 30 cm breiter Schlitz angebracht wurde, durch den ein SS- Mörder mit einer Maschinenpistole von hinten auf die unglücklichen Opfer schoß. Der Raum war ziemlich schalldicht, das Radio übertönte den Schuß, so daß der nächste nichts von seinem bevorstehenden traurigen Schicksal wahrnehmen konnte. Diese Liquidierung ging rasch vonstatten. Zum Abtransport der Leichen standen schon die entsprechenden Hilfskräfte sowie Autos bereit, und diese wurden sofort nach dem Krematorium, das sich im Lager befand, weitergeleitet. In einer Stunde wurden auf diese Art oftmals bis zu 100 Mann liquidiert. Im wurden von Oktober 1941 an zirka 7000 Russen erschossen. Die Uniformen und ganzen 11 Wäschestücke wurden ins Häftlingslager ,, Buchenwald" geschafft, dort in der Wäscherei gewaschen, meist in der Schneiderei umgeändert und den Häftlingen später zur Bekleidung durch die Kammer ausgehändigt. Besonders kräftige, arbeitsfähige Russen, auch solche, welche aus Zeitmangel nicht sofort liquidiert werden konnten, wurden zur Zwangsarbeit in den Steinbruch abkommandiert und entgingen so dem Schicksal ihrer Kameraden. Andere Russentransporte mit einfachen Militärpersonen, jungen Offiziersschülern, auch Arbeitssoldaten aus den Grenzgebieten, wurden im Konzentrationslager ,, Buchenwald" in einem besonders isolierten ,, russischen Kriegsgefangenenlager" untergebracht und zu Arbeiten im Lager, später dann auch zu Arbeiten in den Rüstungsbetrieben der Gustloff- Werke und DAW., auch anderen Außenkommandos, herangezogen. Die Sterblichkeit war in der ersten Zeit nach Kriegsausbruch besonders hoch, da diese Gefangenen wochenlange Fußmärsche in den besetzten Gebieten hinter sich hatten und meist elend und ausgehungert im Lager ankamen. Im Lager angekommen, wurden sie sofort von den deutschen Kameraden empfangen, registriert und in der Badeanstalt entkleidet, gebadet und neu eingekleidet. Das Häftlingsrevier wurde vergrößert und eine besondere Baracke für die russischen Kriegsgefangenen eingerichtet. Die Verpflegung wurde aus dem großen Lager geliefert und war die gleiche wie für die anderen Gefangenen. Sofern die russischen Kameraden keine Zuteilung an Zigaretten oder Tabak von der SS erhielten sorgte das Lager für entsprechende Sammlungen. Wenn zu Anfang das Krematorium von ,, Buchenwald" täglich 60-70 Leichen zur Verbrennung zugewiesen erhielt, so wurde später der Betrieb der Verbrennungen Tag und Nacht aufrechterhalten. Die Zahl der dort beschäftigten Häftlinge stieg täglich, so daß zuzeiten im Krematorium bis zu 80 Mann beschäftigt wurden. Dieses ,, Arbeitskommando" wurde von der Lagerleitung besser behandelt, erhielt Zulagen an Verpflegung und Rauchmaterial, mußte aber auch damit rechnen, eines Tages liquidiert zu werden. Die Erfahrung hatte gelehrt, daß in Auschwitz die SS ihre Mitarbeiter und die Zeugen später einfach vergast hatte. Die Leichen wurden auf Lastautos, meist bei Nacht, nach ,, Buchenwald" eingeschafft. Manche Transporte waren noch in gestreiften Häftlings Im Vordergrund Arbeitsbaracken, im Hintergrund Wohnblocks. Rechts die Effektenkammer A B H Der ,, Marstall" in Weimar. Das Gestapo- Gefängnis Wachturm mit Krematorium im Hintergrund Politische Funktionäre des Konzentrationslagers Buchenwald. Meyer, Helmut. Eiden, Hans. Stötzel, August. Schmidt, Wilhelm. Baumann, Arthur kleidern, manche wieder waren bereits entkleidet. Die Leichen waren zum Skelett ausgehungerte Menschen, viele trugen Anzeichen blutiger Mißhandlungen. Zuzeiten blieb der Brennstoff für die Öfen aus. Dann türmten sich Leichenberge im Hof des Krematoriums. In ,, Dora" war kein Krematorium, deshalb rollten eine Zeitlang ununterbrochen Leichenautos nach ,, Buchenwald". Das Krematorium diente aber nicht nur zum Zwecke der Leichenverbrennung, sondern gleichzeitig auch als Hinrichtungsplatz. Im Hof des Krematoriums wurden die von außerhalb eingelieferten ,, Kriegsverbrecher", Verurteilte der Militär- und Volksgerichte, erhängt. Zu diesem Zweck war im Hof ein Galgen errichtet, der sieben Verurteilte gleichzeitig aufnehmen konnte. Die Exekution mußte von Häftlingen ausgeführt werden und geschah unter Aufsicht der SS. Manchmal wurden aus irgendwelchen Gründen Häftlinge erhängt, um ein abschreckendes Beispiel für die anderen zu konstatieren. Hatte sich ein Gefangener durch renitentes Verhalten strafbar gemacht oder war einer bei Diebstahl ertappt worden, wurde er kurzerhand ohne Urteil oder Verhör in den Hof des Kremos gejagt, dort in einen Schacht gestoßen, der in einen Keller mündete. Hier wurde er dann von einem SS- Mann gefaßt, hochgerissen, gewürgt und an die Wand gehängt. Mit einer Schlinge um den Hals wurde er so lange gewürgt, bis er erstickte. Häufig wurden diese Opfer dann mit einer Holzkeule noch erschlagen, in den elektrischen Fahrstuhl geworfen und in den Verbrennungsraum gefahren. Hier wurden wiederholt Polen, nur um die übrigen abzuschrecken, erhängt einem Falle gleichzeitig 25 Mann. Im. Monat März 1945 wurden hier letztmals 16 Mann auf Befehl des Reichsführers SS Himmler erhängt. Die SS hatte hier besondere ,, Strafmethoden": Man ließ den Verurteilten, d. h. das Opfer denn ein Urteil wurde ihm nie gesprochen, oft stundenlang unter dem Galgen mit der Schlinge um den Hals stehen. Mir ist ein Fall bekannt aus der letzten Zeit, wo man Verurteilte zwei bis drei Tage stehen ließ. Wenn diese Opfer dann fast am Zusammenbrechen, sich kaum mehr aufrechterhalten konnten denn man ließ sie ohne Wasser und Brot mußte sie ein Mitgefangener, der im Kremo beschäftigt war, aufhängen. U. a. wurden hier im Jahre 1944 34 englische und kanadische Piloten ermordet. - - in 09 Aus der Pathologischen Abteilung des Krankenbaus wurden die sezierten Leichen im Kre13 333 matorium verbrannt. In dieser Pathologischen Abteilung wurden medizinische Experimente, anatomische Studien an Leichen gemacht. Ich sah z. B. einen Schädel, der nach Sitte der Südsee- Insulaner über Feuer getrocknet und zur Größe einer Ananas eingeschrumpft war. Gesichtsausdruck und Haare waren ausgezeichnet erhalten. Ich sah hier Menschenhaut, die man von solchen Leichen ausgeschnitten hatte, die besonders interessante Tätowierungen aufwiesen. Die Haut war präpariert worden und zeigte die Tätowierung in einwandfreier Weise. Der Lagerkommandant Koch hatte einen Lampenschirm für sein Büro aus solcher Menschenhaut mit einer mehrfarbigen ausgezeichneten Tätowierung anfertigen lassen. In der ersten Zeit war im Konzentrationslager ,, Buchenwald" ein Standesamt eingerichtet worden, um die Angehörigen der Verstorbenen zu benachrichtigen. Die Todesursache war meist falsch angegeben. Die Urne wurde gegen eine Gebühr von 15 RM zugestellt. Später wurde diese pietätvolle Art der Benachrichtigung vermieden, da die Todesfälle zu zahlreich geworden waren. Am 24. August 1944 wurden die Rüstungsanlagen von ,, Buchenwald"( Gustloff- Werke und DAW.) durch die Royal Air Force bombardiert; dies wurde zum Anlaß genommen, die Ermordung des früheren kommunistischen Reichstagsabgeordneten Thälmann zu begründen. Thälmann sollte angeblich ein Opfer des Bombenangriffs geworden sein. Die Lagerstärke war in dem vergangenen Jahr ständig verschieden. Sie betrug am 1. April 1945 80813 Häftlinge. Hiervon waren zirka 34000 in Rüstungsbetrieben außerhalb des Lagers. Nach Annäherung der alliierten Streitkräfte versuchte die SS das gesamte Häftlingslager in rückwärtiges Gebiet zu verschleppen. Es gingen: am 3. April 1945 1500 Häftlinge angeblich auf Transport Theresienstadt, am 5. April 1945 3105 Juden mit unbekanntem Ziel; über ihren Verbleib ist nichts bekannt, vom 6.- 10. April 1945 22 680 Kriegsgefangene und Häftlinge aller Nationen mit dem Ziel nach Konzentrationslager Flossenbürg in Bayern und Konzentrationslager Dachau- München. Amerikaner finden ein Todeslager Blick vom Wachturm in den Hof des Krematoriums Transport- Lastwagen mit Leichen auf dem Weg zum Krematorium Opfer der SS Beisetzung der letzten Toten am Bismarckturm auf dem Ettersberg Leichenberge im Hof des Krematoriums In Dachau wurden bei der Besetzung durch amerikanische Truppen 80 Waggons mit Leichen angetroffen. Nach der Besetzung des Konzentrationslagers ,, Buchenwald" durch die 3. amerikanische Armee waren noch rund 21000 Häftlinge verblieben. Unter diesen befanden sich in stationärer Behandlung des Reviers 3150. An Invaliden, Alten und Kindern zirka 4300. Am 11. April 1945, nachmittags gegen 3 Uhr, drangen die ersten amerikanischen Panzer in den Bereich des Lagers ein. Die deutsche Ver-. teidigung war sehr gering, die SS- Wachmannschaften waren bereits abgerückt, die Kommandantur geflüchtet, nachdem sie noch als letzte Schandtat 25 Häftlinge, die im Arrest untergebracht waren, erwürgt hatte. 46 politische Häftlinge waren einige Tage zuvor gerufen worden, sollten noch kurz vor Räumung des Lagers liquidiert werden. Diese 46 Häftlinge folgten dem Befehl nicht, erschienen einfach nicht zur Meldung und wurden im Lager versteckt. Da wir mit Liquidierung des Lagers vor der Flucht gerüchtweise der SS- Mannschaften rechneten war bekanntgeworden, daß die SS- Sonderformation befohlen hatte, das Lager zu beschießen und durch Flammenwerfer niederzubrennen-, hatten wir zirka 1000 Gewehre, Panzerfäuste, Pistolen und einige MG. versteckt gehalten. Als die ersten Panzer beobachtet wurden, bewaffneten sich unsere jungen Kameraden und stürmten das Drahthindernis. Kein Schuß fiel- die SS war geflüchtet. Die weißen Fahnen wurden auf den Dächern der Wohnblocks gehiẞt unter unbeschreiblichem Jubel drangen wir durch den Draht und holten die Panzer des be kannten Generals Patton herbei. - - Durch offiziellen Todesschein des Lagerarztes wurden seit Bestand des Lagers 32 703 Tote gezählt doch unter dieser Zahl befindet sich nicht die Masse der Exekutionen an Kriegsgefangenen und der Morde im Krematorium und der Außenkommandos. Insgesamt wurden im Krematorium zirka 60000 Menschen verbrannt. Sterblichkeitsübersicht ab 1. Januar 1945: Durchschnittsbelegschaft Januar 1945.... 61000 Februar 1945.... 62000 März 1945...... 82000 vom 3.- 10. April 1945 bei Zugängen 22906 an Toten 6477 5614 12581 8508 5479 915 Der Gesundheitszustand der größten Zahl der früheren Gefangenen ist bedauernswert schlecht, die Krankenbaracken des Lagers sind überfüllt, ebenso die provisorischen Lazarette, und nur 15 allmählich kommt Ordnung und Organisation in das frühere Vernichtungslager. Die Wasserleitung des Lagers war von den abziehenden deutschen Truppen zerstört, wie auch die Lichtleitung. Tagelang mangelte im Lager das Wasser, die Latrinen und Klosetts waren nicht mehr zu benutzen, der Gestank war fast unerträglich und die Gefahr einer Seuche war gegeben. Die Lagerküche konnte kein warmes Essen ausgeben aus Mangel an Wasser, bis durch Tankwagen der Truppe Hilfe kam. In einigen Tagen war dieser Zustand beseitigt, die Leitung repariert, Licht- und Stromzufuhr gesichert. Nachdem der amerikanische Platzkommandant und der General der 3. Armee Patton das Lager übernommen hatten, wurde dieses freigegeben zur Besichtigung durch die Bevölkerung Weimars. In den ersten Tagen waren die Einwohner der Stadt Weimar und der Umgebung gezwungen, den Weg nach dem Ettersberg zu Fuß zurückzulegen und die dort herrschenden Zustände, das Verdienst der Nazis, zu besichtigen. Später kamen die Menschen zu Tausenden freiwillig aus allen Dörfern und Städten und besichtigten die Schreckenskammern des Kremos- die Mordbunker, die schauerlichen Unterkünfte des ,, Kleinen Lagers", Isolierbaracken und andere Einrichtungen. Schon am 12. April rollten die Kolonnen der 3. amerikanischen Armee mit ihren Sanitätsparks, die Transporte des Roten Kreuzes, der kath. Missionen und Charité- Verbände der de Gaulle- Armee ins Lager. Die früheren SSKasernen wurden sofort als Lazarette eingerichtet. - Die Lebensmittelversorgung des Lagers wurde nun durch ein internationales Lagerkomitee neu organisiert. Die Bevölkerung der Umgebung hatte in Kürze Lebensmittel aller Art geliefert - denn die Lagervorräte waren erschöpft 21000 Menschen waren zu verpflegen tagelang rollten die Bauernwagen, LKW. und Transportmittel mit Nahrungsmitteln, Milch, Wasser nach dem Ettersberg und wurden auf überfüllten Straßen ins Lager geschleust. Lazarettautos der Truppe, Wassertankwagen, Omnibusse u. a. standen rings um das Lager, und dazwischen standen die geretteten Gefangenen, gerührt und unfähig sich zurechtzufinden nach den furchtbaren Tagen der Aufregung und der Todesangst. Vor den Wohnbaracken lagen die Toten auf den Straßen zusammengebrochen die Kranken und Hungernden, dazwischen Tote- in - - - den Blocks die Ärmsten der Armen, verhungert, Tote über Tote Leichenberge hinter den Baracken, im Krematorium ein Bild des Schreckens und mancher Berichterstatter mußte sich entsetzt abwenden und war nicht fähig, solche Bilder des Grauens länger zu ertragen. Das Lager ,, Buchenwald" ist wie so viele Konzentrationslager der Nazidiktatur das erschreckendste Schandmal der Zivilisation. Es ist aber nur ein Mosaik aus dem schauerlichen Bild, welches ,, Großdeutschland" der Welt geboten hat an geistiger Verkommenheit, niederträchtiger Bestialität und blutrünstiger Gemeinheit. Die Konzentrationslager von Dachau, Flossenbürg, Auschwitz und Bergen- Belzen, die Lager in, Sachsenhausen, Lichtenburg, Sachsenburg, Oranienburg, Neuengamme, Ravensbrück, Mauthausen, Groß- Rosen, Ohrdruf, Natzweiler, Maidanek( Lublin), Tremblinka in Polen u. a. waren offizielle Mordzentralen der Hitler- Regierung. Hier wurden mehr als 15 Millionen unschuldiger Menschen aller Länder ermordet. Man hielt hier politische Gegner jahrelang fest, nur weil sie den Ungeist der Nazi- Ideologie bekämpft haben. Kommunisten und Sozialdemokraten, Demokraten und Anhänger aller politischen Parteien wurden, weil sie Gegner der NSDAP. waren, mißhandelt und ermordet. Werktätige aller Länder, Bauern und Arbeiter, Geistliche und Ernste Bibelforscher waren mit Verbrechern und Mördern zusammen in Zwangsarbeit. In den Gaskammern von Auschwitz und in Bergen- Belzen wurden Juden aller Länder in grausamster Weise umgebracht, indem man sie langsam vergast hatte. Männer und Frauen, ganze Familien mit ihren Kindern, mehr als 5 Millionen Menschen waren in Auschwitz vergast worden. In Tremblinka in Polen starben 3 Millionen Menschen in den Gaskammern. Das war das ruchlose Werk eines ,, Adolf Hitler" und seiner Verbrecherorganisation, dem das deutsche Volk Treue geschworen und zugejubelt hatte, solange er Erfolg gehabt und in einem fragwürdigen Triumphzug aus irrsinnigem Machtrausch fremde Völker überfallen konnte. In jedem Menschen aber, der eine andere Gesinnung und Auffassung von Menschenrecht und Sozialismus hatte, sah er einen Staatsfeind, der ausgerottet werden mußte. Deutsche Antifaschisten und Kommunisten waren die ersten Opfer nationalsozialistischer Konzentrationslager. An dieser Stelle soll auch der vielen Kameraden gedacht sein, die in jahrelanger Mühe und Arbeit im Lager einen Krankenbau und damit eine Oase in der Wüste geschaffen haben, wo ein großer Teil der Kranken Fflege und Ge nesung fand unter der tatkräftigen Leitung unseres früheren I. Lagerältesten Ernst Busse. Vor der ganzen Welt und der Geschichte wird sich nun das deutsche Volk zu verantworten haben, daß solche Dinge in Deutschland geschehen konnten; die Welt wird Sorge tragen, daß der böse Geist der Nazi- Ideologie und Rassentheorie eines Rosenberg und Komplizen ausgerottet wird und ebenso die schwarze Pest eines Himmler, von der einst Goebbels, der schwarze Magier der Massen- Suggestion, mit Stolz sprach: 99 Wir sind die Elite der Nation!" Das Lager Buchenwald soll auf Wunsch der ehemaligen Gefangenen nicht vernichtet werden. Dieses Lager soll allen Nationen ein Mahnmal für ihre kommenden Geschlechter sein und zugleich eine Ruhestätte für unsere vielen Kameraden, die als Opfer der Nazipest ihr Leben gelassen haben. Ich selbst habe dort vom 12. September 1938 bis 11. April 1945 als politischer Gefangener ein an grauenhaften Erlebnissen und unsagbaren Entbehrungen reiches Leben fristen müssen, nachdem ich zuvor schon im Konzentrationslager Dachau bei München vom 12. Mai 1937 bis 12. September 1938 festgehalten worden war. Daß ich diese langen Jahre meines Lebens, acht Jahre, überstehen konnte und ich nicht umgekommen bin, habe ich nicht meiner Kraft allein zu verdanken, sondern der treuen Kameradschaft meiner Mitkämpfer und Leidensgefährten und einer höheren Macht, deren Wirken ich dort so oft erkennen konnte und die meinen Lebensweg bestimmt hat. Die letzten Aschenreste aus dem Krematorium habe ich in einer kostbaren Urne verwahrt. Diese Urne soll einen würdigen Platz auf dem Grabmal erhalten, das ich auf dem Friedhof zu Weimar aus dem Erlös dieses Berichtes unseren Kameraden errichte. Weimar- Buchenwald, im Juli 1945. W. A. Beckert. Alle Verlagsrechte vorbehalten, auch das Recht zur Übersetzung in fremde Sprachen. Zensiert und genehmigt zum Druck durch die Sowjet- Militär- Administration. Gzd AA