au I. Begegnung in Rußland. Das Dorf Kokoschkino war ein Teil der Reschew- Front. Es war so gründlich zerstört, daß es eigentlich nur auf den Landkarten der Militärs existierte, denn von den Häusern waren kaum noch Spuren aufzufinden. Seine Bewohner lebten in Erdlöchern wenig mehr als einen Kilometer hinter der Front, und es waren dies ausschließlich alte Männer, Frauen und Kinder. Ihre Zahl schrumpfte von Woche zu Woche, denn Hunger und Typhus zogen dort ein, wo das Kriegsgespenst sich niedergelassen hatte. Unter den Frauen befanden sich mehrere junge Mädchen, die den Deutschen die Wäsche waschen mußten und dafür Brot für sich oder Tabak für den alten Vater erhielten. Unter ihnen befand sich Niura, die mit ihren noch rüstigen Eltern ein gegen leichte Bomben und Granaten abgestütztes Erdloch bewohnte. In diesem Ort lag meine Truppe. Obwohl sie zu einer thüringischhessischen Division gehörte, so bestand sie doch größtenteils aus Rheinländern und Schlesiern. Die Kampftruppe hatte nur wenig Verbindung mit der Zivilbevölkerung, zumal da der Kompaniechef einen Verkehr mit den Russen nicht duldete. Es hieß aber allgemein, daß er in der Stadt Reschew eine schöne, schwarze Russin als Liebchen hätte, und er wurde in seiner Einheit nur der Huren- Erwin genannt. Wenn er nach der Stadt fuhr, so mußte ihm der Küchenbulle ein großes Freßpaket und einige Pullen Schnaps richten. Was der Alte in größerem Stile betrieb, das wurde in kleinerem Ausmaße in der Kompanie vom Feldwebel bis zum jüngsten Grenadier geübt. Feldwebel Riemer vom 3. Zug trug seine übrigen Kommißbrote zu einer jungen Hebamme, die deutsch 3 sprach, und ich und mein Kamerad Franz trugen auf Schleichwegen unsere Päckchen zu dem Mädchen Niura. Franz Bende war Unteroffizier wie ich und führte meine Nachbargruppe. Er stammte aus Schlesien, und da wir beide des Russischen mächtig waren, so bildete die Unterhaltung mit Niura oder ihren Eltern für uns kein Problem. Unsere damalige, reichliche Verpflegung erlaubte uns öfters solche Besuche, zumal da im Sommer die Front ruhiger geworden war. Auf diese Weise konnte trotz Verbots vielen Russen geholfen werden. Franz war mein einziger Freund, und wir waren seit dem Beginn des Feldzuges in einer Kompanie. Er hatte das 30. Lebensjahr gerade überschritten, und seine wasserblauen Augen, das strohige Haar und die schmächtige Gestalt gaben ihm etwas Mädchenhaftes. Beim Kompaniechef war er nicht beliebt, und der Spieß haßte Franz. Er war auch der einzige Unteroffizier, der keine Auszeichnung besaß, obwohl schon längst der letzte Pferdebursche vom Troß das Eiserne Kreuz oder das Kriegsverdienstkreuz trug. Als ihm dann die Ostmedaille ausgehändigt werden mußte, da meinte Franz, daß er dieses billige Bändchen daheim der Katze um den Hals hängen werde. Durch solche Redensarten machte sich Franz bei seinen Vorgesetzten unbeliebt; doch kümmerte ihn dies alles nicht sonderlich viel. Da er das Russische fließend sprach, so war er im Frühjahr einer Ortskommandantur als Dolmetscher zugeteilt worden. Ein Zusammenstoß mit einem höheren Offizier von der unserer Division angelehnten SS- Division ,, Das Reich" machte seiner Tätigkeit bei der Kommandantur aber bald ein Ende. Dieser SS- Offizier wollte in dem Nachbarorte Saizewo Frauen zum Stellungsbau nach vorne haben, und als Franz sich diesem Befehle widersetzte, da lief der Offizier so rot wie ein gekochter Krebs an und schrie von Befehlsverweigerung und Erschießen. Franz ließ ihn stehen, nachdem er ihm gesagt hatte, daß er in solchen Sachen nur seiner eigenen Division gegenüber verantwortlich sei und ihm die SS- Division einen Dreck zu befehlen hatte. Diese Affäre trug Franz die Rückversetzung zur Truppe ein. Eine weitere Bestrafung erfolgte aber nicht, denn sowohl der Ic als auch nicht gen Er w liche Vo es hätter seinem I hungern harte A Russen zwische täter de Die vie daten u rieben s russisch dantur lästige tun kon genug M Fran war er Offensiv Abschni sich jed Nachbar angriffe uns star sion vo sätzlich Staube In d kraft de hatten, uns wie 4 chwegen Nachbarssischen en Eltern erlaubte miger geIssen gem Beginn r gerade Haar und im Komwar auch ohl schon oder das gehändigt n daheim densarten ümmerte d sprach, scher zuvon der te seiner S- Offizier bau nach e, da lief Befehlsn er ihm Division Dreck zu ur Truppe hl der Ic als auch der General der Division waren der benachbarten SS- Division nicht gerade herzlich zugetan. Er wäre von seinem Posten wohl nicht geflogen, wenn nicht ähnliche Vorkommnisse dem Ic, der jedesmal die Meldung darüber erhielt, es hätten ratsamer erscheinen lassen, den Unteroffizier Franz Bende von seinem Dolmetscherposten abzuberufen. Die Bevölkerung war am Verhungern, mußte aber, obwohl sie dafür nichts erhielt, an der Front harte Arbeit leisten. Wenn dann noch räuberische SS- Soldaten den Russen die letzten Kartoffeln wegnahmen, so war ein Zusammenstoß zwischen Franz und den Dieben unvermeidlich. Franz war der Wohltäter des Dorfes, und die alten Leute verehrten ihn wie einen Heiligen. Die vielen Zusammenstöße mit den sittenlosen und räuberischen Soldaten und seine Liebe zu der armen und drangsalierten Bevölkerung rieben seine Kräfte fast auf, zumal da er bedacht sein mußte, seine prorussische Haltung sorgfältig zu verbergen. Als er die Ortskommandantur verlassen mußte, da war er froh und traurig zugleich. Froh, die lästige Arbeit losgeworden zu sein, und traurig, daß er nichts mehr tun konnte, um den Russen zu zeigen, daß es auch unter den Deutschen genug Menschen mit einem edlen Herzen gibt. Franz übernahm wieder seine alte Gruppe, und als Führer derselben war er weder tapfer noch feig. Als im Sommer die Russen ihre große Offensive an der Reschew- Front gestartet hatten, da wurde auch unser Abschnitt einige Zeit recht unruhig. Die Wucht des Angriffs richtete sich jedoch nicht gegen unsere Division, sondern gegen die rechten Nachbarabschnitte. Die gegen unseren Graben vorgetragenen Fesselungsangriffe schlugen wir ohne größere Verluste ab; doch machte sich bei uns starke Nervosität breit, als der benachbarte Abschnitt der SS- Division von den Russen stark eingedrückt wurde. Die SS überließ uns zusätzlich noch ihren Abschnitt; sie selbst aber machte sich aus dem Staube und rückte ins Reich ab. In diesen schweren Tagen, da wir von der ungebrochenen Kampfeskraft der Roten Armee eine bessere Vorstellung als vorher bekommen hatten, war mir Franz mehr als nur ein Kamerad geworden, wir liebten uns wie Brüder. Als eines Morgens auf unserem Graben schweres Gra5 natwerferfeuer lag, da kam Franz zu mir und bat mich, mit ihm im Graben etwas abseits zu gehen, da, wo uns die anderen nicht zuhören konriten. Wir rauchten Zigaretten und tranken Aquavit, den wir an Kampftagen reichlich nach vorne bekamen. Auf einer Munikiste erzählte mir Franz seinen Lebenslauf, und als er geendigt hatte, da war auch das feindliche Feuer abgeebbt. Die Sonne war aufgegangen, und der rote Sonnenball fing am Firmament wie eine große Diskusscheibe zu tanzen an. Auf den nahen Wolgawiesen schwebten milchigweiß die Frühnebel und verbargen die Kaffeeträger dem Feinde. Als Franz mich verlassen hatte, da war ich noch sitzen geblieben und versuchte, meine Gedanken zu klären. ‚Wenn ich falle“, so hatte er zu mir gesagt,„dann weißt du es wenigstens, wer ich war. Ich, der preußische Unteroffizier Franz Bende, stud. phil. der Universität Breslau und ehemaliger Häftling eines deut- schen Konzentrationslagers. Für dein Gehirn“, so fuhr er fort,„mag sich das schwer zusammenreimen, aber in unserem deutschen Vater- land ist ja kein Ding unmöglich. Als ich kurz vor dem Staatsexamen stand, wurde ich in Breslau verhaftet. Die Gestapo brachte mich ins Polizeipräsidium und gerbte mir dort täglich mit Peitschen den Rücken. In dere Stadt waren damals viele Geistliche verhaftet worden, und da man mich im Pfarrhaus der Mauritiuskirche täglich ein- und ausgehen sah, so erfolgte bei mir eine gründliche Hausdurchsuchung, und ein verbotener Hirtenbrief unseres Kardinals wurde gefunden. Das Er- gebnis der Untersuchung war, daß ich in ein KZ geschafft wurde und dort einen gründlichen Anschauungsunterricht vom Dritten Reiche er- hielt. Über diese Zeit kann ich dir später einmal ausführlich erzählen; jedenfalls waren für mich die zwei Jahre, die ich dort zubringen mußte, eine bessere Lehre als vorher die acht Semester auf der Uni. Die Er- kenntnis, so unendlich mehr zu wissen als die mit Blindheit geschlagene Masse, entschädigt mich für alle erlittene Unbill. Die Leidtragenden sind einzig meine Eltern, denen ich durch die Schutzhaft Kummer über Kummer bereitet habe. Nach zweijähriger Haft bin ich dann entlassen worden, nachdem ich mich verpflichtet hatte, mich sofort an die Front zu melden. Es mögen diesen meinen Entschluß viele meiner Lager- kamer: war ku so koi helfen des T} habe d werfer Pensic So ha In dei Blut| Und wehr der$ kenne lein i wie f allein und s tun,\ wobei erschi mein: dritte Bube, vor d den| beson Pazer ja id schä dies: Und dene ihm im zuhören ı wir an - erzählte auch das der rote zu tanzen Frühnebel geblieben ißt du es nz Bende, ines deut- ort,„mag en Vater- atsexamen mich ins n Rücken. n, und da | ausgehen „und ein . Das Er- wurde und Reiche er- ‚ erzählen; ven mußte, i. Die Er- yeschlagene ätragenden mmer über n entlassen ‚ die Front ner Lager kameraden als Verrat bezeichnet haben, aber ich habe mir damals, es war kurz nach Kriegsbeginn, alles reiflich überlegt. Blieb ich im Lager, so konnte ich weder mir selbst noch anderen Menschen irgendwie helfen oder nützen. Mein einziges Ziel, mitzuhelfen, die Sklavenketten des Tyrannen zu zerbrechen, konnte ich im Lager nicht erreichen. Ich habe dann später ans Desertieren gedacht, diesen Gedanken jedoch ver- werfen müssen. Dem alten Vater daheim würden sie dann die kleine Pension streichen, und das wäre erst der Anfang zu ärgeren Dingen. So habe ich mich entschlossen, den bitteren Weg zu Ende zu gehen. In den bisherigen drei Kriesjahren habe ich mir meine Hände nicht mit Blut befleckt, und durch meine Hand ist noch kein Russe gestorben. Und so wird es auch fürderhin bleiben, es sei denn, daß ich in Not- wehr handeln muß. Jetzt weißt du, wer ich bin und warum ich mit der SS hier so viele Zusammenstöße hatte. Dieses vertierte Gesindel kenne ich vom KZ her, und so ein altes, halbverhungertes Russenweib- lein ist mir mehr wert als diese ganze aufgenordete Nazibrut. Für mich wie für dich ist Hitler der fleischgewordene Antichrist, und was wir allein in Polen gesehen haben, genügt. Deshalb“, so fuhr Franz fort und sah mich ernst an,„haben wir als Christen die Pflicht, alles zu tun, um das Reich des Antichrist für einen baldigen Sturz reif zu machen, wobei wir hier an der Front recht viel tun können. In meiner Gruppe erschießt keiner mehr mutwillig einen gefangenen Russen, und von meinen Leuten geht keiner plündern oder schänden. Ja, unser ganzer dritter Zug ist da vorbildlich geworden, und der Ersatz von jungen Buben, der aus der Reihe tanzen wollte, ist bei dem letzten Gegenstoß vor drei Wochen eines Besseren belehrt worden. Die russische Ari hat den Bengeln den HJ-Fimmel gründlich ausgetrieben, und das andere besorgten wir. Wohl alle Soldaten hassen Rußland, weil sie nur Stra- pazen, den Tod, das Elend, den Dreck und die Läuse sehen, aber ich, ja ich liebe es! Liebe es, weil es mir wie eine ausgeplünderte und ge- schändete Frau vorkommt, und ich habe so eine Ahnung, als wenn diese Frau sich in kurzer Zeit in eine Rachegöttin verwandeln würde. Und sollte mich der Tod hier ereilen, dann gehst du zu meinen Eltern, denen ich von dir bereits geschrieben habe. Sie werden dir dann - / meinen verborgenen Schatz aushändigen, und wenn in unserem deutschen Vaterlande die Morgenröte der Freiheit wieder angebrochen ist, dann wirst du zum Vollstrecker meines Willens werden. Dies ist meine große Bitte an dich!" Am Abend des folgenden Tages gingen Franz und ich zu Niura. Wir trugen zu ihr unsere schmutzige Wäsche, Brot, Drops und für den Vater etwas Schnaps. Es war ein ruhiger Sommerabend, und zwischen Getreidepuppen erreichten wir Niuras Erdloch. Die Behausung lag an einem Bergabhang und barg in ihrem Innern alten Trödelkram, der den ganzen Besitz der Familie darstellte. Vor dem Erdbunker hatte der Vater eine Bank gezimmert, auf der Niura neben uns Platz nahm. Sie begrüßte uns freundlich, und ihre dunklen Augen hatten einen sammetweichen Glanz, als sie Franz die Hand gab. Ihre schlanke Gestalt glich einem Reh, und ihre anmutigen Bewegungen waren geeignet, sie eher in die Räume eines vornehmen Pensionats zu verweisen, als in die armselige Behausung eines Kolchosarbeiters. Sie war wenig über 20 Jahre alt und hatte an der Lehrerakademie in Kalenin das Examen bestanden, als der Krieg ausbrach. Ihren einzigen, 16jährigen Bruder hatte man im Frühjahr wegen Diebstahls von Heeresgut standrechtlich erschossen, und fast jeden Tag sah ich Niura, wie sie mit ihrer Mutter am Grabe des erschossenen Aljusch weinte. Seit der Exekution des Knaben war das Lachen von ihr gewichen, und die Mutter erzählte mir einmal, daß Niura wie ein Pflanze, an der ein giftiger Wurm nagt, langsam abzusterben begann. Franz brachte dann die große Wendung, als er in der Ortskommandantur Dolmetscher geworden war. Er begann sich für den Fall zu interessieren und stellte fest, daß Aljusch tatsächlich gestohlen hatte. Es waren allerdings nur eine Taschenlampenbatterie und einige Zigaretten von dem Knaben mitgenommen worden, aber da Menschenleben sehr billig waren, so wurde der junge Aljusch in einer Schlucht zusammengeknallt. Niura war dann später wegen einer Prschepustka auf die Kommandantur gekommen, weil in der Kirche zu Reschew der Pope ein Totenamt für das Seelenheit des Erschossenen halten sollte. Franz verschaffte ihr das gewünschte Papier. Als er Niuras Augen sah, da glaubte er in ihnen das ganze Leid dieses Landes erblicken zu können. So hatte in And hausung tanzten harmoni Soldater mehr al Gle üppiges Freude Pfaue die Za gefügig hatte d retten. Fra borgen verhält hatte N Tochter bedurft Winter Bruder Nur e brenner wieder We aus Bin unerme neben taufris schöne Rosen n deut- hen ist, t meine . für den zwischen lag an ram, der 1atte der hm, Sie sammet- alt glich sie eher s in die 20 Jahre standen, man im chossen, n Grabe ben war mal, daß m abzu- sr in der ‚ für den gestohlen ‚d einige ienschen- Schlucht hepustka hew der n sollte. gen sah, zu kön- nen. So oft er es ermöglichen konnte, ging er zu Niuras Vater hin und hatte in kurzer Zeit das Vertrauen des alten Kolchosnik gewonnen. An den warmen Sommerabenden saßen viele Soldaten vor den Be- hausungen der Zivilisten. Wenn die Front nicht in Aufruhr war, dann tanzten die jungen Russinnen zu den monotonen Klängen einer Zieh- harmonika oder eines Grammophons, Niura sollte dann auf Befehl der Soldaten ebenfalls tanzen, und ohne Franzens Eingreifen hätte sie wohl mehr als nur das machen müssen. Gleich hinter der damals ziemlich stabilisierten Front hatte sich ein üppiges Etappenleben breit gemacht. In der Stadt Reschew gab es Freudenhäuser, und die Etappenoffiziere stolzierten wie aufgeputzte Pfaue in den Straßen. Beim Troß hielten sich die Küchenbullen und die Zahlmeister regelrechte Harems, und die Mädchen, die ihnen nicht gefügig waren, wurden als Spioninnen und Partisanen bezeichnet. Franz hatte dann alle Mühe, um die Unschuldigen vor diesen Despoten zu retten. Franzens Besuche bei Niuras Eltern konnten indessen nicht ver- borgen bleiben; doch nahm niemand Anstoß daran, weil ein Liebes- verhältnis etwas Alltägliches war, woran sich kaum einer stieß. Er aber hatte Niura in der Tat liebgewonnen, und sie war für ihn nicht die Tochter eines feindlichen Volkes, sondern ein Mensch, der seiner Hilfe bedurfte. Niura hatte die Deutschen zu hassen begonnen, als diese im Winter ihr Dorf an allen vier Ecken anzündeten, und als dann der Bruder sterben mußte, da sprach sie nur noch von den Sabaki(Hunde). Nur einer zarten Natur, wie Franz es war, konnte es gelingen, den brennenden Haß in dem Mädchenherzen zu löschen. Ihre Seele war wieder sanft und mild geworden wie eine russische Sommernacht. Wenn die Sonne unterging, dann saßen die beiden auf der Bank aus Birkenholz, und ihre Augen gingen in die Weite. Ja, das war das unermeßlich große Rußland mit seiner sanften Seele, und dies Mädchen neben ihm war dieses Land. Warm waren ihre schmalen Hände und taufrisch der Mund. War sie nicht eine Rose unter den anderen, weniger schönen Mädchen des Dorfes? Konnte er, Franz, von diesem Duft der Rose nicht etwas für sich beanspruchen? Er war noch jung, und frei war 9 sein Herz. Und er kämpfte in den warmen Nächten, da auf den Feldern golden das Brot reifte, mit seinem Blute. Niura wußte um diese seine Liebe, aber weil beide sich stumm liebten, blieb diese Liebe wie ein nicht gesprochenes Gebet. Diese Liebe war gekleidet in den Mantel der Wehmut und der Sehnsucht, der Reinheit und des Verzichts. Die Mutter Gottes von Kasan hatte Niura den Deutschen Franz begegnen lassen, sagte immer Niuras Mutter, und als Franz von der Kommandantur scheiden mußte, da waren beide glücklich, sich selbst überwunden zu haben. Nun saßen wir zu dritt auf der Bank und erzählten uns von unserer Heimat. Noch oft gingen wir den Pfad zu dieser Behausung, bis das Ungewitter der Front ihn uns verschüttete. Eine neue Offensive brach wie ein brüllendes Tier los, die Zivilbevölkerung wurde weiter rückwärts getrieben, und der Russe drückte uns hinter die Wolga zurück. Ohne Abschied war Niura von uns gegangen, und Franz kam in das Seuchenlazarett von Reschew. Es hieß, ihn hätte das Fleckfieber erwischt; nach acht Tagen schaufelte man ihm das Grab, und nach weiteren acht Tagen wurde dieses Grab und die ganze Stadt dazu von Bomben und Granaten wochenlang wie ein brachliegender Acker, auf dem nichts Rechtes gedeihen will, umgepflügt. Der von den Russen in das Feld von Reschew gelegte Samen von Feuer und Stahl ging aber zur Winterszeit auf, und wir zogen uns weit, weit hinter Smolensk zurück. Dann wurde es wieder Frühling, ich erhielt Urlaub, und über Warschau und Krakau fuhr ich in Franzens Heimat. II. Es war ein warmer Maientag, als ich die kleine Bahnstation an der Oder verließ und auf der kalkstaubigen Landstraße einem von jeglichem Lärm und Verkehr fernliegenden Orte zueilte. Silbern leuchtete das Band der Oder in der Morgensonne, und auf den saftig grünen, blumigen Wiesen weidete das schwarzgefleckte Vieh. In Tümpeln und Weihern quakten sich wichtig vorkommende Frösche, und sie bejahten im Baẞton das, was die Lerchen in überschwenglichem Jubel dem Himmel und der Sonne zuriefen. Im leidend ein Lan und arb die vo Wildni Beten faltete heilige geschä das H hatte, Schme bens drück der G Undul untern stehe ihm d T das H und d waren und hader vertra und versc 11 Zeit, die V PI darin 10 auf den ch stumm et. Diese sucht, der atte Niura utter, und eide glückitt auf der das Unbrach wie rückwärts ick. Ohne Seuchenscht; nach cht Tagen und Grats Rechtes von ReWinterszeit ann wurde nd Krakau on an der jeglichem htete das Linen, blumpeln und e bejahten m Himmel Im Osten grüßte mich des Landes heiliger Berg, wo St. Anna der leidenden Menschheit sich in Gnaden offenbart. War dieses Land nicht ein Land der Kirchen und dieses Volk nicht ein Volk der Arbeit? Bete und arbeite, das war der Wahlspruch seiner ersten, geistlichen Besiedler, die vom Rhein und vom Sachsenland Christentum und Kultur in die Wildnis brachten. Und so blieb es auch im Dritten Reich, das das Beten verpönte, weil es nur Arbeit und harte Fron kennt. Das Volk faltete immer noch die Hände zum Gebet, und dessen war Zeuge dieser heilige Berg. Freilich, auch er wurde von den braunen Machthabern geschändet, als sie eine heidnische Thingstätte auf ihm errichteten und das Haus, in dem früher der müde Pilgersmann sich zur Ruhe begeben hatte, nun in ein Haus des Unglaubens und der Unzucht verwandelten. Schmerzlich kam es mir in den Sinn, daß man dieses Land des Glaubens und der Freiheit in ein Land frivoler Ungläubigkeit und der Bedrückung zu verwandeln begann. Fremde Namen erklangen nun, und der Geist Eichendorffscher Romantik war dem Gifthauch nazistischer Unduldsamkeit gewichen. O heilige Anna, hilf diesem Land, dem Land unterm Kreuz, und du, heilige Hedwig, Patronin des größeren Landes, stehe ihm bei, wenn bald die Raben des Himmels kommen werden, um ihm die Augen auszuhacken. Traurigkeit erfüllte trotz des schönen Morgens mein Herz, als ich das Haus gefunden hatte, das mein Ziel war. Es war kein schönes Haus, und die darin wohnten, zählten nicht zu den Reichen dieser Welt. Sie waren arm, sehr arm, denn die Sonne ihres Lebens war erloschen, und diese Sonne, das war Franz gewesen. Sie klagten nicht und sie haderten nicht. Da sie wußten, daß ich der Freund ihres Kindes war, vertrauten sie mir, und ich begann sie zu lieben wie meinen Vater und meine Mutter. Der Mutter gichtige Hände zitterten, als sie mir einen verschlossenen Umschlag gab und sagte: ,, Nehmen Sie dies hier von Franz und bewahren Sie es auf für die Zeit, da das Verborgene nicht mehr verborgen zu sein braucht, damit die Welt erkenne, wie tief sie gefallen ist." Ich nahme den Umschlag in meine Hände, brach ihn auf, zog die darin enthaltenen Blätter heraus und las: 11 m. Die Bergstadt KA-EL-BU. Mitten im Herzen von Deutschland steht ein Berg, und auf diesem liegt eine Stadt. In ihr ist noch kein Mensch geboren worden, und der Engel des Lebens hat für sie keine Spalte in seinem Buche. Sein Bruder aber, der Engel des Todes, ist Herr über diese Stadt. In ihr läuten auch keine Glocken, denn in ihr vollzieht sich das Gericht über die Menschen. Über die des Lichts und über die der Finsternis. Die des Lichts, das sind die Heiligen dieser Welt, und die Kinder der Finsternis, das sind die Verdammten, denen Macht und Gewalt über die Heiligen gegeben wird. Und der Engel des Todes hat sie alle eingeteilt in Gezeichnete und Nichtgezeichnete, und wer sein Mal nicht trägt, der verläßt wieder lebend dieses Stadt, da er nur Gast in ihr war. Ein solcher aber war ich für 730 Tage. Die Gezeichneten läßt er dort sterben und ihre Asche in alle vier Winde zerstreuen. Weil ich mit ihnen lebte und ihr Sterben sah, ist mein Zeugnis wahr! Als ich in diese Stadt gekommen war, da hatte ich auf Erden noch keine Heiligen gesehen und von Henkern nur gehört. In den 730 Tagen aber sah ich ihrer genug, denn der Himmel und die Hölle holen sich viele ihrer Bewohner aus den Gezeichneten dieser Stadt. Durch ein großes Tor gelangt man in sie hinein, und sie wird be- wacht von den Teufeln dieses Erdenrunds. Und weil Finsternis über unserem Lande herrscht, hat der Teufel mit seinem Anhang es zu seiner Domäne gemacht. Sein Anhang folgt einem blutigroten Panier, das als des Deutschen Reiches Fahne frech und siegesbewußt über der Stadt auf dem Berge flattert. Die Bewohner sind Kinder aus allen Teilen dieses Reiches, ja der ganzen Welt, und sie tragen ein Narren- kleid in düsteren Farben. Dieses Kleid macht sie zu Menschen der Schmerzen und der Qualen, und ihre Häupter sind geschoren, damit sie es wissen, daß sie gezeichnet sind zu Menschen des Spottes und des Hohns. Der Anhang des Teufels, der sie bewacht bei Tag und bei Nacht, ist groß, und im Land hat er viele solcher Städte errichtet. 19) Seinem He land sich Da ich gezählt ui nahmen$! dazu, dan ist als r diese St: wir liebt einen N heißt K/ folgten( kriegeris Es ist de sie gegei Der und sie in KA-E vielen$t aus Stein etwas Ur wie ein ı Diese schwarz, Namen,( trug da, und weil Winkel; eine Zah s0 Geze entfernte Nebe anderen f diesem und der n Bruder uten auch Menschen. ichts, das das sind gegeben zeichnete St wieder war ich Asche in Sterben den noch 80 Tagen olen sich wird bernis über ng es zu m Panier, über der aus allen Narrenschen der en, damit ottes und und bei errichtet. Seinem Herrscher rufen sie Heil zu jeder Stunde, darob das Abendland sich nicht wenig fürchtet. Da ich Bewohner dieser Stadt geworden, ward ich von den Teufeln gezählt und als der 6240. in ihre Bücher eingetragen. Meine Kleider nahmen sie mir und gaben mir das Narrenkleid und eine Narrenkappe dazu, damit ich irre werde und erkenne, daß ihr Herrscher mächtiger ist als mein Gott. So geschah es auch mit allen anderen, die in diese Stadt gebracht wurden, und das Herz ward uns schwer, denn wir liebten das Leben und fürchteten den Tod. Die Stadt hat auch einen Namen, und die ihn kennen, wissen um seine Schrecken. Er heißt KA- EL- BU und wird einst eingehen in die Geschichte der verfolgten Gerechtigkeit. Des Teufels Anhang, der uns bewachte, ist eine kriegerische Schar. Sie wird SS genannt, und ihr Glaube ist der Haẞ. Es ist der Haẞ, den die Schlange im Garten Eden kundgetan und den sie gegen alle Gerechten geifern wird bis an das Ende der Zeiten. Der Block 29 von KA- EL- BU ist eine grüngestrichene Baracke, und sie wäre nicht unschön zu nennen, stände sie anderswo als in KA- EL- BU. Der nahe, elektrisch geladene Drahtzaun mit seinen vielen Stacheln aber und die wie drohend dastehenden Postentürme aus Stein geben dieser Holzbaracke und allen anderen Bauten im Lager etwas Unheimliches, und ihr Anblick macht ihre Bewohner erschauern wie ein unfreundlicher, naẞkalter Novembertag. Diese Baracke gehörte zu den schwarzen Blöcken, obwohl sie nicht schwarz, sondern grün im Aussehen war. Ihre Bewohner gaben ihr den Namen, denn sie wurden die Schwarzen genannt. Ihr Schmerzenskleid trug da, wo sich des Trägers Herz befand, einen schwarzen Winkel, und weil dies der SS noch nicht genug war, wiederholte sich dieser Winkel auf dem rechten Hosenbein. Über dem Winkel aber prangte eine Zahl, eine Nummer. Die Nummer war das Wichtigste an dem so Gezeichneten, und streng gab man darauf acht, daß sie keiner entfernte. Neben der schwarzen Farbe des Todes gibt es noch viele mit anderen Farben, mit Winkeln und mit gelbleuchtenden Sternen. Über 13 ihnen allen blitzt das Schwert des Todesengels, und dieses Schwert ist ihnen sichtbar zu jeder Stunde. Es blitzt ihnen entgegen aus den kalten Läufen der Maschinengewehre auf den Wachttürmen, aus den dunklen Mündungen der SS- Pistolen, bei der Arbeit am Tage und dem kurzen, bleiernen Schlaf in der sich nach Dunkelheit sehnenden Nacht. Die Nächte hat KA- EL- BU durch zahllose Lampen zum Tage gemacht und ihnen ihren schützenden Mantel geraubt, damit in diesem Mantel sich niemand verberge. Hinter dem Block der Schwarzen waren die Baracken der Roten. Ihre Winkel waren blutig- rot, wohl von dem rauchenden Blute, das täglich im Lager floß. Und neben ihnen wohnten solche mit einem anderen Zeichen, und weil sie an den ewigen Gott glaubten und sich seine Zeugen nannten, wurden sie die Zeugen Jehovas genannt. Gegen sie geifert die Schlange besonders stark, und ihr Haß tut sich in den Martern kund, die ihr Anhang täglich ersinnt und vollführt. Diese Zeugen Jehovas tragen den Winkel in der Lilafarbe, weil der Herrscher der Stadt es so befohlen hat. Am Ende des Lagers stehen noch viele Baracken, und die darin wohnen, sind die Gepeinigten dieser Welt, die unstet wandern sollen und auskosten müssen die Rache der gottlosen Welt. All ihr Reichtum kann ihnen da nichts mehr nützen, und gerne gäben sie Gold und Diamanten her, um Leben und die verlorene Freiheit wieder zu erwerben. Es sind Abrahams Söhne, und des Moses heilige Hand ist von ihnen genommen. Sie tragen ihres Königs David Stern auf Rücken und Brust, zum Spotte des finsteren Reiches und zur teuflischen Lust der Schergen. Die Schlange triumphiert über ihnen allen in Gestalt der SS, und sie will fressen die Roten und die Schwarzen, die Juden und die Bekenner der Bibel. Und weil Zwietracht die Stärke der Schlange ist, so hat sie solche reichlich gesät, damit sie alle sich hassen, die sich lieben sollten in ihrem Schmerz. So habe ich sie kennengelernt, da ich ein Bewohner war der Stadt auf dem Berge, und so werden sie wohl bleiben, bis die Schlange in ihrem Haß sich selbst zerfressen hat. Dann wird die Stadt auf dem Berge in der Sonne des Himmels leuchten, und ihre Bewohner werden hinabsteige daß sie de Die Be vermag sic Kasten au es ihnen der SS. D zu Bewoh wirkt du den mit d anderen H der Roter kampfe d Doch sin gleichen ihnen ein lassen un Schwarzen Finsternis ist die grö von ihnen lichkeit de dem Berge finsteren Tyrannen mehr eine Weil die Freiheit un der Blutfa laufen, de Haß gilt a und deren Sie sind wollen, w 14 hwert ist len kalten n dunklen m kurzen, \acht. Die macht und \antel sich der Roten. Blute, das mit einem n und sich int. Gegen ich in den hrt. Diese Herrscher noch viele oser Welt, der gott- itzen, und | die ver- e, und des res Königs en Reiches ‚hiert über N und die- Zwietracht ‚ damit sie lange in t auf dem ‚or werden hinabsteigen in das Tal mit Jubelgesängen, und sie werden sich freuen, daß sie dem Hasse der Schlange entronnen sind. Die Bewohner dieser Stadt sind in Klassen eingeteilt, und keiner vermag sich dieser Einteilung zu entziehen. Die Farben scheiden diese Kasten auch äußerlich voneinander. Sie hassen sich gegenseitig, weil es ihnen nicht genug ist der Leiden, denen sie ausgesetzt sind von der SS. Die höchste Kaste sind die Grünen, die das irdische Gesetz zu Bewohner von KA-EL-BU gemacht hat. Sie haben ihr Leben ver- wirkt durch Mord, Betrug und Fleischeslust und sind so eins gewor- den mit dem Anhang der Schlange. Ihnen ist Gewalt gegeben über die anderen Kasten, die sie unterdrücken und ausrotten sollen. Die Kaste der Roten aber zählt trutzig blickende Männer, die oft noch im Todes- kampfe den blitzenden Stahl gegen das Haupt der Schlange zücken. Doc sind sie sich nicht alle eins, und so hat an ihnen die Hölle gleichen Anteil wie der Himmel. Treulosigkeit und Verrat gehen unter ihnen einher, und viele haben sich vom Anhang der Schlange kaufen lassen und sind so zu Mitbedrückern an ihren Brüdern geworden. Die Schwarzen hingegen sind die Armen im Geiste, die das Reich der Finsternis in großer Zahl in dieser Stadt versammelt hat. Ihre Kaste ist die größte, und wie unwissende Kinder wandeln sie einher. Mancher von ihnen ist aber schnell sechend geworden und hat die ganze Häß- lichkeit der Schlange in KA-EL-BU erkannt. Bevor er in die Stadt auf dem Berge gekommen war, hat er, dem Maulwurf gleich, den Bau des finsteren Reiches zu unterhöhlen versucht. Nicht weil er ein Bau der Tyrannen ist, sondern weil der Bau seinen eigenen Garten immer mehr einengte. So war die Selbstsucht oft die Triebfeder ihres Tuns. Weil die Schlange aber nicht allwissend ist, so hat sie Kämpfer der Freiheit unter die Schwarzen gemischt und solche unter die Schildträger der Blutfarbe getan. Kein Fehler ist ihr aber bei den Israeliten unter- laufen, denn diese haßte sie schon, da sie geworden ist. Der gleiche Haß gilt auch allen, die sich Priester Gottes und des Volkes nennen und deren Herzen noch im Todeskampfe den Allmächtigen preisen. Sie sind die Heiligen unserer Tage, und weil sie Bal nicht opfern wollen, werden sie getötet und ihre Leiber in brennenden Ofen in 15 Asche verwandelt. Diese Zeit ist die Ernte des Himmels, und in seine Scheuern werden gesammelt die guten Früchte, die gereift sind auf dem Felde von KA- EL- BU. IV. Ein schwerer Schneesturm tobte seit Tagen über dem Land und breitete mitleidsvoll sein nasses Leichentuch auch über die Stadt auf dem Berge aus. Auf den Barackendächern lag es weiß, aber auf dem großen Platz vor den Baracken verwandelte sich der Schnee in Brei. Dieser Breit war schmutzig- gelb und-braun und war sowohl dünn als auch dick und zäh. Achtzehntausend Menschen standen auf diesem Platz, und die großen Schneeflocken versuchten auf ihren Kleidern gleich Kletten haften zu bleiben. Die Füße dieser 18 000 steckten in diesem kalten Brei, und da sie mit einem schlechten Schuhwerk sich verhüllten, so schwabbte das Schneewasser zwischen den mageren Zehen. Es war Morgenappell, und wie auf einem Exerzierplatz standen 60 Menschenhaufen zu je 300 Mann. Diese Haufen waren Rechtecke, die in der Länge 30 und in der Breite 10 Mann maßen. Während die ersten beiden Reihen von je 30 Mann still und gerade standen, waren die nachfolgenden Reihen weniger gut ausgerichtet, und die Unordnung war in der letzten Reihe so stark, daß man von einer Reihe gar nicht mehr sprechen konnte. Sie bestand aus einem kauernden oder liegenden Menschenknäuel, der leise wimmerte und stöhnte oder in Fieberphantasien ungereimtes Zeug sprach. Das waren die Kranken und die Sterbenden, die kein Kraft mehr zum Stehen für zwei volle Stunden oder noch länger hatten und denen auch die Peitsche der SS keine Kraft mehr aus den zerfressenen Knochen herauspressen konnte. Sie warteten in dumpfer Resignation auf den Tod, so wie es Tiere tun, die bald verenden wollen. Ihr Blick war wie der von Irren, der über einen hinwegsieht, als wäre man nur Luft. Heute dauerte der Appell wieder besonders lang, denn vorn am Tor, wo die Zählung vorgenommen wurde, stimmte es nicht. An der Zahl von 18 000 fehlten zwei, und mag dies anderen Menschen auch unbedeutend erscheinen, so bestand der Herrscher darauf, daß die Zahl voll sei. 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Sie werden Häftlinge genannt, und ihre Mehrzahl müßte eigentlich die Ausgelöschten heißen, weil sie von der Aktivseite des Lebensbuches gestrichen sind. Der Oberhenker hatte nun befohlen, daß die zwei Fehlenden gesucht werden, und viele mittlere und kleine Henker, von reißenden Hunden unterstützt, begannen zu suchen. Die Suche war aber schwierig, denn die zwei hatten sich gut verborgen. Ohne Hunde wäre ihr Versteck in einem großen Ziegelsteinhaufen nicht gefunden worden, und die 60 Menschenhaufen auf dem großen, schmutzigen Appellplatz hätten sonst noch lange stehen müssen. Da man die zwei aber gefunden hatte und die Zahl wieder vollständig war, so verlief der weitere Tag in gewohnter Weise. Die Gefundenen wurden vor den Oberhenker gebracht, und seine breite Brust bebte vor Zorn. Sein Gesicht war roter als das Blutordensband, das er im Knopfloch seiner rechten Brusttasche trug. ,, Auf den Bock mit ihnen und dann in den Käfig!" schrie er. Und die es anging, ergriffen die zwei, die sich vergeblich versteckt hatten, und schnallten sie auf einen Holzbock fest. Dann klatschten die Schläge auf das magere Gesäß, und bei jedem Schlag der Krokodilpeitsche sprang die Haut auf. Die zwei Geschlagenen waren Vater und Sohn, zwei Zeugen Jehovas. Beim letzten Schlag hatte der Vater sein Zeugnis vollendet. Der Sohn war noch ein Kind von 14 Jahren, und als mit langsamer Wucht die Peitsche Striemen um Striemen um seine jugendlichen Glieder zog, da schrie er nach seiner Mutter, in seinem Schmerze wohl noch nicht ahnend, daß der Vater soeben gestorben war. Als er die 25 Schläge erhalten hatte, wurde er vom Bocke geschnallt und in einen aus Latten gezimmerten Schweinekäfig eingesperrt. Mein Block stand in der Nähe dieses Käfigs, und ich sah, wie der Gefolterte mit vor Schmerzen gekrümmtem Rücken in dem engen 17 Verschlag sich wie ein Wurm wand. Gegen Mittag hatte auch er seinen Geist ausgehaucht, und die Leichen von Vater und Sohn wurden auf einen Lastwagen geworfen und nach dem Verbrennungsofen gefahren. V. Scharführer Schmit war als einer der grausamsten Henker von KAEL- BU bekannt. Ein verkrachter Theologiestudent aus den bayrischen Bergen, verbrannte er nun das, was früher sein Herz angebetet hatte. Dem Christentum und allen Pfaffen galt sein besonderer Haß. Sein Kollege, Unterscharführer Bitzer, hingegen spezialisierte sich mehr auf Juden. Bitzer war noch ein junger Mensch von 20 Jahren mit einem rothaarigen Schädel und stammte aus der Steiermark. Vor der Einverleibung Österreichs hatte er in seinem Heimatdorfe einen jüdischen Viehaufkäufer erstochen und ihm 2000 Schillinge geraubt. Mit diesem Gelde war er dann in einer dunklen Nacht von Komplizen sicher über die Grenze nach Deutschland gebracht worden, wo die Totenkopf- SS solche Leute gut gebrauchen konnte. - - Nach einer gründlichen Ausbildung in der Schule des Mordens hatte er sich nach KA- EL- BU versetzen lassen, und da dieses Lager in der ersten Zeit es war im Sommer Siebenunddreißig nur wenige Juden zählte, so fand Bitzer dort das Leben recht langweilig. Auch die Vergnügungen, die die nahegelegene Provinzstadt an den dienstfreien Nachmittagen ihm bot, konnten ihn nicht zufriedenstellen. Seit dem Frühjahr hatte sich in KA- EL- BU aber manches gewandelt, denn mehrere hundert Juden waren ins Lager geschafft worden. Es waren dies meist Kaufleute, und da die.Lagerleitung der Ansicht war, daß Juden nur ein arbeitsscheues Gesindel seien, so wurden sie alle den schwarzen Blöcken zugeteilt, die auf Anordnung von Berlin unter der Rubrik ,, Reichsarbeitsscheue" geführt wurden. Die Betreuung der jüdischen Blöcke war Bitzer übertragen worden, und der breitschultrige Kommandant Katt konnte mit ihm zufrieden sein. Dabei war Bitzer nicht so sehr für das Erschießen als vielmehr für das Aushungern. Auf sein Betreiben hin wurden die kleinen Rationen für die Juden stark g Juden d Abends Juden Stiefeln liner R er den einer wurde Barack bei de gefalle er den De Kolon die de tragen wo die sein di durchge ter fast Häftlin Gnade steinisc falls E anders rechte H er mit von ein hoben 18 cher seinen wurden auf n gefahren. er von KAbayrischen -betet hatte. - Hab. Sein h mehr auf mit einem der Einvern jüdischen Mit diesem sicher über otenkopf- SS rdens hatte ager in der nur wenige eilig. Auch den dienststellen. Seit ndelt, denn . Es waren t war, daß ie alle den unter der g der jüdieitschultrige war Bitzer Aushungern. die Juden stark gekürzt, und er sorgte auch dafür, daß die Lagerküche den Juden die wässrige Suppe mit Wasser nochmals stark verdünnte. Des Abends kontrollierte er persönlich die jüdischen Blöcke, schlug den Juden die Brillengläser im Gesicht entzwei und trat sie mit seinen Stiefeln in den Bauch. Als er den Juden Sally Löwenfeld, einen Ber liner Rechtsanwalt, zwischen den roten Blöcken erwischte, da warf er den 60jährigen in eine nahegelegene Abortgrube, aus der er nach einer Viertelstunde von seinen Leidensgenossen tot herausgezogen wurde. Löwenfeld war stark kurzsichtig und war mit Bitzer an einer Barackenecke zusammengeprallt. Ein halber Laib Brot, den Löwenfeld bei den Roten erhalten hatte, war ihm bei dem Zusammenprall zur Erde gefallen, und dieses Brotes wegen war Bitzer in Wut geraten, in der er den Unglücklichen in die Abortgrube stieß. Der rothaarige Teufel schuf auch ein Sonderarbeitskommando, das Kolonne 4711 im Lager hieß. Kolonne 4711 betsand nur aus Juden, die den ganzen Tag in Marmeladeeimern den Inhalt von Aborten tragen mußte. Mit Scharführer Schmit verstand er sich am besten, und wo diese zwei auftauchten, da wurden die Häftlinge blaß. Schmit und sein direkter Vorgesetzter, Untersturmführer Hartmann, hatte es auch durchgeführt, daß die Gefangenen erst Mäntel erhielten, als der Winter fast vorbei war. Wen sie mit einem Zementpapiersack unter dem Häftlingskleid zum Schutze gegen die Kälte erwischten, der ging ohne Gnade über den Bock. Hartmann war das einzige Kind einer holsteinischen Lehrerfamilie und sollte nach dem Willen des Vaters gleichfalls Erzieher werden. Der Sohn hatte nun sein Ziel erreicht, aber: anders als es sich der alte Vater daheim erträumt hatte. Er war die rechte Hand des Kommandanten geworden, und mit eigener Hand schoß er mit seiner 08 einem Häftling die Kugel in die Stirn, weil dieser eine von einem Bewachungssoldaten fortgeworfene Zigarettenkippe aufgehoben hatte. 19 VI. In KA- EL- BU war der Frühling eingezogen, und in den Buchenbäumen flöteten die Amseln. Die im Winter aufgehobene Nachtarbeit war wieder eingeführt worden, und von abends 6 bis 9 Uhr schleppte ich Bausteine zum Revierbau. Die Nachtarbeit wurde im Gegensatz zur Tagesarbeit nur innerhalb des Lagers verrichtet und durfte von den Arbeitskommandos erst beim Einbruch der Dunkelheit beendet werden, doch wurde dieser Lagerbefehl nicht so genau genommen. Da eine direkte Beaufsichtigung durch SS- Posten in der Regel nicht üblich war, so blieb es den Vorarbeitern, den Capos, überlassen, ob bei der Nachtarbeit schwer gearbeitet oder gefaulenzt wurde. An die Stelle der unmenschlichen grünen Capos, also Vorarbeitern aus der Kaste der Grünen, waren viele Rote getreten. Doch gab es auch unter den Grünen manchen weißen Raben, der menschlich dachte und um die Gunst der SS- Henker nicht buhlte. Nicht jede Zuchthausstrafe, die das Dritte Reich verhängte, hatte einen kriminellen Grund, wie ja auch mancher der politischen Häftlinge sich bald durch Roheit bei seinen Mitgefangenen unbeliebt machte. Zudem waren sie fast alle bestechlich. Mit Geld und Zigaretten ließ sich nicht wenig erreichen. Mit Ausnahme der Zeugen Jehovas, der Bibelforscher, konnten die Gefangenen sich etwas Geld senden lassen, für das es in der Lagerkantine gelegentlich Tabak zu teuren Preisen gab. Die Macht des Geldes reichte also bis hier an diesen Ort des Grauens, und wer keine Angehörigen oder Freunde besaß, der war doppelt arm. Wer früher viele Freunde hatte, der konnte die Wahrheit des Psalmistenwortes, daß auf Menschen doch kein Verlaß ist, erfahren. Es regnete Mitteilungen von Ehescheidungen im Lager, und den betreffenden Gefangenen wurde von der Lagerleitung kurz mitgeteilt, daß ihre Ehefrauen sich von den eingebuchteten Staatsfeinden losgesagt hätten. Die Häftlinge waren macht- und rechtlos; es blieb ihrer Phantasie überlassen, sich auszumalen, wie daheim die treulose Ehegattin das sauer erworbene Vermögen mit Ehebrechern durchbrachte. Gerade während der Nachtarbeit gab es reichlich Gelegenheit, sich mit den Kreuze un Mein Appellpla den, zum etwa 60 Nur die J dem App die Häftli zwei. Wa Menschen in KA- EL denn es Lagers be send Mar genau so Wirtschaf Ein g Sisyphusa Staates z uns gelei als einen mußte, u Möglichk oberste Nachtarb außer Si einen ge wurde. J kommen Tagen, nichts. H ein schö solchen 20 m BuchenHachtarbeit schleppte gensatz zur e von den et werden. . Da eine blich war, Her Nachtle der under Grüen Grünen Gunst der Has Dritte ch mancher en Mitgehlich. Mit nahme der sich etwas lich Tabak Dis hier an er Freunde der konnte kein Verim Lager, itung kurz Staatsfeins; es blieb ie treulose archbrachte. nheit, sich mit den Mitgefangenen auszusprechen und dabei die verschiedensten Kreuze und Schicksale dieser Welt kennenzulernen. Mein Kommando trug, wie bereits erwähnt, Ziegelsteine vom Appellplatz, wo sie von auswärtigen Fuhrunternehmern ausgeladen wurden, zum mehrere hundert, Meter entfernt liegenden Revierbau. Die etwa 60 Mann starke Kolonne bestand aus Häftlingen aller Farben. Nur die Juden waren in besonderen Kommandos zusammengefaßt. Auf dem Appelplatz waren etwa 300 000 Steine angefahren worden, und die Häftlinge warfen fast die Hälfte des Baumaterials beim Tragen entzwei. Warum sollten auch Steine einen besonderen Wert haben, wo Menschenleben so billig waren? Es wurde Geld für manchen Unsinn in KA- EL- BU hinausgeworfen. Das deutsche Volk bezahlte es ja gern, denn es hatte eine geliebte Führung! So sollte der Appellplatz des Lagers betoniert werden, und die Arbeiten kosteten fast hunderttausend Mark. Nach wenig mehr als einer Woche war der Platz wieder genau so dreckig wie vor der Betonierung. Das nannte man rationelle Wirtschaftsplanung im Dritten Reich. Ein großer Teil der im Lager verrichteten Arbeit war die reinste Sisyphusarbeit, die an unserem Knochenmark und am Geldbeutel des Staates zehrte. Uns war es ziemlich gleichgültig geworden, ob die von uns geleistete Arbeit einen Sinn hatte oder nicht. Wir empfanden sie als einen schweren Fluch, weil sie unter der Knute geleistet werden mußte, und unser Streben ging einzig nur dahin, unsere Kräfte nach Möglichkeit zu schonen. Mit den Augen arbeiten war das erste und oberste Gesetz aller Häftlinge. und dementsprechend wurde auch die Nachtarbeit verrichtet. Sobald wir die Steine unterm Arm hatten und außer Sicht der SS- Wachttürme waren, verfielen wir automatisch in einen gemächlichen Gang, der erst kurz vor dem Ziel etwas lebhafter wurde. Jeder von uns war bestrebt, seine Kräfte zu schonen, die in kommenden, schweren Tagen noch gut gebraucht werden konnten. An Tagen, da die Kontrolle der SS nicht scharf war, taten wir einfach nichts. Hinter den Blocks und Wirtschaftsgebäuden des Lagers stand ein schöner Wald von Buchenbäumen. In diesem Walde traten wir an solchen Tagen an und warteten auf Feierabend. Erwischte uns aber 21 trotz aller Vorsicht eine Kontrollstreife der SS, so machte der Capo eine stramme Meldung, daß das Kommando hier auf mehrere HäftAinge warte, die von einem Hilfscapo zur Latrine zum Austreten geführt worden seien. Dieser Schwindel war einfach und fast immer erfolgreich. Nach der mörderischen 10stündigen Tagesarbeit plus 4 normalen Appellstunden hatte von uns keiner Lust, etwas zu tun. Ich arbeitete fast immer mit einem ehemaligen kommunistischen Landtagsabgeordneten aus Oppeln und einem Vertreter der früheren christlichen Gewerkschaften aus Westfalen. Der Kommunist war gleich nach der Machtergreifung Hitlers ins Gefängnis geflogen und hatte bereits ein KZ im Moor kennengelernt. Der Gewerkkschaftler hatte einen wuchtigen Schädel, in dem ein Paar kindlich blickende Augen saßen. Beide hatten den Krieg von 14 bis 18 im Schützengraben erlebt, und beide haßten alles, was preußisch war und nach Militarismus roch. Trotz der vielen Leidensstationen war der Kommunist Karl voll ungebrochener Kraft, die sich mit einer großen Geistesschärfe und einem nicht geringen Wissen paarte. Der christliche Gewerkschaftler hörte auf den Namen Georg, und wir waren ein unzertrennliches Kleeblatt. Ich bildete die Brücke zwischen der sanften Natur Georgs und dem messerscharfen, aggressiven Wesen Karls. ,, KA- EL- BU", so pflegte Karl seine Attacken einzuleiten ,,, ist der beste Beweis für die Verlogenheit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Ohne kapitalistische Geldhyänen wäre der Faschismus niemals groß geworden, und ohne Stinnes, Thyssen, Krupp und Konsorten gäbe es keine Nazihenker. Ganze zweitausend Jahre hat das Christentum an der Welt herumgedoktert und hat sie nicht besser, sondern eher nur schlechter gemacht. Der nächste Krieg, zu dem die Nazis fieberhaft rüsten, wird ja auch den Blinden sehend machen, mögen wir es noch erleben oder nicht. Und dann wird das Proletariat in der ganzen Welt siegen, und die faschistische Welt wird in sich zusammensinken wie ein stinkender, modernder Grabhügel." ,, Du magst in manchen Dingen nicht unrecht haben", entgegnete Georg ,,, aber dann haben wir wieder die Gewalt und die Diktatur. Ich kämpfe für die Freiheit und lehne die Diktatur des Proletariats genau so a in den We Gesellschaf die Welt i programm stellen kön Chaos, son liebe dem Auflehnung die Schuld tum zu. D wechseln!" An sol ein Journal an sich rif bei einem war er 193 Belgien, un geliefert w war einer Grausamke allen hoch des Capos Mit den und wir b ihn fürcht dann des Ernst und unmündige sehr from Gesicht. E die Bibel uns für se einem zuk 22 er Capo re Häft- ten ge- mer er- 5 4 nor- in. 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Du darfst, mein lieber Karl, nicht Ursache und Wirkung ver- wechseln!“ An solchen Gesprächen beteiligte sich auch gern der Capo. Er war ein Journalist aus Frankfurt und Sozialdemokrat. Als Hitler die Macht an sich sriß, emigrierte er nach Frankreich und fand eine Anstellung bei einem Pariser Linksblatt. Wegen eines uns unbekannten Vergehens war er 1937 als lästiger Ausländer ausgewiesen worden. Er ging nach Belgien, und dort setzten es die Deutschen durch, daß er ihnen aus- geliefert wurde. Die Gestapo schaffte ihn sofort nach KA-EL-BU. Er war einer der besten Capos, die wir kannten, und war immer bestrebt, Grausamkeiten in seinem Kommando zu verhindern. Er wurde von uns allen hoch geschätzt, und wir waren bedacht, ihm das schwere Amt des Capos nicht unnötig zu erschweren. Mit dem Capo war ein Bibelforscher an unsere Gruppe herangetreten, und wir brachen unser politisches Gespräch sofort ab. Nicht weil wir ihn fürchteten, sondern weil wir ihn gut kannten und wußten, daß dann des Debattierens kein Ende sein würde. Er hörte auf den Namen Ernst und war ein Hamburger Hafenarbeiter. Daheim hatte er sechs unmündige Kinder, und seine Frau saß in einem Frauen-KZ. Ernst war sehr fromm, und auch bei der Arbeit zeigte er immer ein freundliches Gesicht. Er lebte ganz nach der von ihm ausgelegten Hl. Schrift, und die Bibel kannte er fast auswendig. Nicht wenig Mühe gab er sich, uns für seinen„Heilsplan Gottes‘ zu gewinnen. Aber wir wollten von einem zukünftigen tausendjährigen Reich Gottes auf Erden nichts"wis- 23 sen, und namentlich Karl nannte ihnen einen religiösen Narren. Die Bibelforscher hatten sich aber die Achtung aller Lagerinsassen in kurzer Zeit zu erwerben gewußt. Sie waren religiöse Fanatiker, die sich aus allen Drohungen und Martern der Lager- SS nichts machten. Der Lagerkommandant quälte sie mit sadistischer Grausamkeit. Sie aber priesen ihren Gott Jehova und dankten ihm für alle Leiden, mit denen er sie prüfte. In ihren Blocks herrschte Disziplin und christliche Brüderlichkeit, und so oft ich diese Menschen sah, mußte ich an die ersten Christen denken. An die Stelle des damaligen heidnischen Roms war das noch heidnischere Nazi- Reich getreten. Das Kolosseum war ein KZ geworden, und die wilden Tiere des römischen Amphitheaters waren hier mit Pistolen und Peitschen ausgerüstete SS- Soldaten. Es hatte sich in den verflossenen zweitausend Jahren kaum etwas geändert. Gleich den ersten Christen stritten diese Menschen um die Krone des Martyriums, und waren sie auch nicht unseres Glaubens und unserer Anschauungen, so muteten sie uns wie Heilige an, obwohl unser Geschick sich in nichts von dem ihrigen unterschied. Und doch nannten sie viele von uns Narren, weil uns das Gesetz der christlichen Feindesliebe, das die Zeugen Jehovas auch auf die SS übertragen wissen wollten, hier unanwendbar erschien. Uns vielmehr drängte sich das alte Gesetz auf: ,, Aug um Aug, Zahn um Zahn", und nur unsere Ohnmacht hinderte uns daran, unseren Peinigern die Augen auszustechen und ihnen beim lebendigen Leibe die Eingeweide herauszureißen. Da wir die Anschauungen unseres Freundes Ernst kannten, lenkten wir das Gespräch auf alltägliche Dinge, um ihn nicht in die Versuchung zu führen, einen religiösen Vortrag vom Stapel zu lassen. Im Westen rüstete sich die Sonne zum Abschied, und unser Arbeitskommando löste sich langsam auf. Die Häftlinge eilten in ihre Baracken, und ich schlenderte allein der meinigen zu. Zwischen den hohen, das erste zarte Grün tragenden Buchenbäumen wob die Nacht ihre dunklen Schleier, und eine wohltuende, himmlische Ruhe umgab mich. ,, Über allen Wipfeln ist Ruh", kam es mir in den Sinn, und ich hätte vergessen können, wo ich mich befand. Ich lenkte meine Schritte zu den roten Blöcken, von denen einige in Stein aufgeführt waren. Vor einem dies und musiz Guitarre. 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Ein Mitgefangener, früher Tenor an der Frankfurter Oper, sang deutsche und italienische Lieder. ,, Leise flehen meine Lieder", sang, nein betete der Sänger, und die reine Stimme glich dem milden Mondenstrahl, der das Elend mit einem weichen, silbernen Mantel zu verhüllen begann. Ein langaufgeschossener Zigeuner, den wir Ali riefen, spielte auf einer Geige das Ave Maria, in das sich das Quaken der Frösche aus einem nahen Tümpel mischte. ,, Sancta Maria, ora pro nobis, nunc et in hora mortis nostrae", schluchzten die Saiten in des Pußtasohnes Hand, und mit von Tränen verschleierten Augen gingen wir auseinander. Der Maienabend war mild, und ich beeilte mich nicht sonderlich, um in meinen Block zu kommen. Unser grüner Blockältester hatte uns das Leben in der Baracke zur Hölle gemacht. Er war ein Zuchthäusler von der Wasserkante und ein nicht geringerer Verbrecher als die SSHenker. Jede Baracke hatte einen Blockältesten, der einem Blockscharführer für Ordnung und Sauberkeit innerhalb seines Bereiches verantwortlich war. Dieser Blockälteste prügelte uns bei jeder Gelegenheit wie Vieh, und alte Leute, die nicht schnell und gewandt genug waren für die täglichen Blockarbeiten oder ihm sonst irgendwie mißfielen, schlug er tot. Im Sommer bekamen wir einen 68 Jahre alten Mann, der kränklich war und nachts seinen Strohsack infolge seiner schwachen Blase verunreinigte. Jeden Morgen erhielt er vom Blockältesten oder seinen Gehilfen Prügel. Aber sterben wollte der Alte nicht, und so wurde er täglich geschlagen, bis er im Dezember in das Häftlingsrevier eingeliefert wurde. Dort gab man ihm eine Spritze, und am nächsten Morgen konnte er endlich den Weg ins Krematorium antreten. Dieses Revier war mit einer Lotterie zu vergleichen. Wer dort eine Niete zog, der bekam eine Spritze und ging in die ewigen Jagdgründe ein, und wer Glück hatte und einen Gewinn zog, der kam wieder lebend aus diesem Revier heraus. Deshalb wurde das Krankwerden von allen Häftlingen gefürchtet, und keiner ging freiwillig in diese ,, Him25 melfahrtsbude". Viel besprochen wurde im Lager folgender Vorfall: Ein Häftling lag im Revier im Sterben, und ein junger SS- Arzt erkundigte sich mit höhnischem Grinsen bei dem Sterbenden, ob er noch einen Wunsch habe. ,, Ja, ich hab noch einen großen Wunsch! Der Lagerkommandant mag mich...", sprach der Sterbende und zitierte die klassischen Worte aus dem Götz. Nach diesen Worten starb er und entfloh damit der Rache seiner Peiniger. VII. Die Fenster der Lagerkommandantenvilla waren hell erleuchtet. Vor dem Eingangsportal stand heute ein Doppelposten in schwarzer Paradeuniform. Die weißbeschuhten Hände brachten alle Augenblicke das Gewehr in Präsentierstellung, denn in der Villa wurde ein Fest gegeben, zu dem die Offiziere der Standarte geladen waren. Der Lagerkommandant war ein geselliger Mensch und darauf bedacht, um sich stets einen Kreis froher Zecher zu sehen. Das Leben in KA- EL- BU war auch langweilig genug, und Kommandant eines KZ zu sein, war auch nicht das Angenehmste, was der erhabene Führer in Berlin zu vergeben hatte. In der Provinzstadt sich zu amüsieren, lag nicht in des Kommandanten Art, denn dort wurde man zu stark beobachtet, und so machte er seine Villa zu einem Braunen Hause. Diese Villa war ein Bau im Schweizer Stil und hatte ihn keinen Pfennig gekostet. Das Material lieferte das Lager, und die Arbeiten führten die Gefangenen aus. Vom Architekten bis zum simplen Steinträger war ja alles unter den Häftlingen vertreten. Die Inneneinrichtung kostete allein achtzigtausend Mark. Aber was sind achtzigtausend Mark, wenn es sich um die Villa des Herrn Kommandanten handelt? Er, der am 9. November in München dabei war, konnte noch ganz andere Ansprüche stellen. Das nannte man Karrieremachen! Vom Schmiedegesellen und königlich bayerischen Sergeanten zum Führer eines SS- Regiments und Gebieter über viele Staatsfeinde, das war ein langer und oft nicht gerader Weg. Und diese Menschen, die da einen Steinwurf von seiner Villa entfernt hinter 26 Stacheldraht wer wollte ih Wer wollte se am Lagergalg hier war er Gott von KA waren ihm n das Kasino waren. Es war e üblichen mon niemals bis z nach KA- ELsolchen Tage ihn der schw er ihn vielle das zu sehen eine Stadt d so befohlen Nur was er er, der Chef Kindern spie es der höchst keit geworde dem Luxusho Das weiß e Lagerhäftling Von der Besuche, die vermißte die seinem Lehm für einen Sa konnte desh trinkfesten Worfall: rzt erer noch h! 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Wohl kam öfters der Reichsführer Himmler nach KA- EL- BU, aber der wollte nichts Unangenehmes sehen. An solchen Tagen mußte sogar der Bock vom Platz verschwinden, damit ihn der schwarze Heinrich nicht sehe. Durch seine Brillengläser hätte er ihn vielleicht auch so nicht gesehen, denn er hatte die Gabe, nur das zu sehen, was er sehen wollte. Obwohl er weiß, daß KA- EL- BU eine Stadt des Todes und der Schmerzen ist und er selbst dies alles so befohlen hat, will er diese Dinge in ihrer Auswirkung nicht sehen. Nur was er hier unbedingt sehen muß, schaut er an, und sonst ist er, der Chef der deutschen Polizei, ein braver Mann, der mit den Kindern spielt und mit eigener Hand die Hühner füttert. So tut es der höchste Besuch, und der allerhöchste ist noch niemals Wirklichkeit geworden, denn der scheut erst recht die 6 Kilometer, die zwischen dem Luxushotel ,, Elephant" in der Provinzstadt und KA- EL- BU liegen. Das weiß er, der Kommandant Katt, ebenso gut, wie der jüngste Lagerhäftling. Von der Reichsführung SS kamen manchmal weniger bedeutende Besuche, die auf den Tagesablauf nur geringen Einfluß hatten. Man vermißte diese auswärtigen Herren auch nicht, denen KA- EL- BU mit seinem Lehm und Dreck, seinen Leichengestalten und dem Stacheldraht für einen Saufabend nicht der richtige Hintergrund war. Aber er, Katt, konnte deshalb genau so gut saufen, und sein Anhang bestand aus trinkfesten Germanen. 27 Diese Teutonen versammelten sich nun heute abend recht vollzählig und standen, Zigaretten rauchend, in kleinen Gruppen umher. Auf weißgedeckten Tischen standen Blumenvasen, in denen Rosen ihren schweren Duft verströmten. Ein an den Kasinosaal angrenzender kleiner Saal war als Bar eingerichtet, und hinter dem Bartisch stand im schneeweißen Leinenanzug der Mixer. Edi, der zu den Häftlingen des Lagers gehörte und vor seiner Einlieferung in KA- EL- BU Barmixer auf einem Dampfer der Hapag war, hatte ein fleischiges, feistes Gesicht und einen Stiernacken. Auf dem geschorenen Schädel trug er nun eine saubere Mütze, und Nichteingeweihte hätten nie vermutet, daß dieser Mixer ein Häftling war. Der Kommandant brauchte solche Menschen, und diese griffen gerne nach dem rettenden Balken, um wenigstens dem Tode des Verhungerns auszuweichen. Ähnlich verhielt es sich mit den Dienern, die im Speiseraum die Speisen auftrugen. In ihrem Zivilberuf waren es meist Oberkellner, die nun statt friedlichen Gästen ihren Henkern und Peinigern das Essen zu servieren hatten. Sie hatten im Lager größere Bewegungsfreiheit, trugen bessere Kleidung als ihre Mitgefangenen, aẞen gut, rauchten gute Zigaretten und sahen mit Verachtung auf die herab, denen es nicht so gut ging. Erst, wenn sie aus ihren Stellungen herausgeflogen und der Hunger ihren Fettbauch wieder schnell zum Verschwinden brachte, erinnerten sie sich, daß sie in KA- EL- BU und nicht an der Riviera waren. Dann versuchten sie, und dies meist mit Erfolg, sich einen Posten in der Häftlingsküche anzueignen, und fraßen dort das wenige ihren hungernden Brüdern weg. Bei dieser Küche schlichen oft abgemagerte Skelettgestalten herum, die die Abfallbottiche nach Eßbarem durchwühlten. Diese Unglücklichen wurden dann von den vollgefressenen Lagerhyänen mit heißem Wasser begossen oder verprügelt. Diese Knechte unterschieden sich in nichts von der SS, und die Hölle freut sich jetzt schon auf diese fetten Brocken. Aus solchen Kreaturen bestand wohl die Mehrzahl der Diener, die an diesem Abend in der Kommandantenvilla Speisen und Getränke auftrugen. Nach dem Essen gab es schwere Südweine, denen Kommandant Katt aber keine Beachtung schenkte. Er hatte eine Flasche Gin vor sich stehen, der keinen Wein und genießen Katt als ein Abende imm mandant ein sich aus den die dann k Kartei des L geladenen C zu kleiden, Der Gin tun, und Ka zu glänzen ,, Unterst der Stoff ni Dann zo Gleiche tate Saales ware Knallerei er scheiben, so stellten. Die Rücken eine Sie erhielt bald zerfetz verschossene Attraktion In wenig bühne verw liche verkle Anführer w Lautsprecher gannnen die Ein dröhnen 28 # vollumher. m ihren kleiner schneeLagers feinem ht und un eine B dieser enschen, migstens sich mit Zivilen ihren tten im are Mitit Verenn sie ettbauch daß sie ten sie, iche anern weg. rum, die ücklichen Wasser En nichts e fetten r Diener, Getränke mandant vor sich stehen, der er mit dem ersten Lagerführer fleißig zusprach. Sie mochten keinen Wein, den sie als fade Limonade für Säuglinge bezeichneten, und genießerisch schlürften die zwei den grünlich schillernden Gin. Da Katt als ein Frauenhasser galt, verliefen die von ihm inszenierten Abende immer ohne Damen. Bei den Häftlingen hieß es, daß der Kommandant ein Hunderfünfundfiebziger sei und daß er für seine Zwecke sich aus den frisch eingelieferten Häftlinge hübsche Knaben aussuchte, die dann kurze Zeit später als ,, auf der Flucht erschossen" in die Kartei des Lagers eingetragen wurden. Das wußten auch die zum Abend geladenen Offiziere, die sich aber hüteten, ihre Gedanken in Worte zu kleiden, Der Gin begann trotz des opulenten Mahles seine Wirkung zu tun, und Katt hatte ein glühendrotes Gesicht, in dem die grauen Augen zu glänzen begannen. ,, Untersturmführer Hartmann", kreischte er ,,, sorgen Sie dafür, daß der Stoff nicht ausgeht und wir genügend zum Saufen haben!" Dann zog er seine Pistole aus der Tasche, worauf seine Gäste das Gleiche taten und die Schußwaffen entsicherten. In einer Ecke des Saales waren Schießscheiben aufgestellt, auf die nun Katt eine wilde Knallerei eröffnete. Die Scheiben waren aber keine der üblichen Ringscheiben, sondern Pappfiguren, die Christus, Moses und Abraham darstellten. Die Mosesfigur hatte eine große, gebogene Nase, auf dem Rücken einen Geldsack, auf der Brust leuchtete ein sechszackiger Stern. Sie erhielt die meisten Treffer und war von den Pistolenkugeln alsbald zerfetzt. Auf dem Parkettboden lagen bereits einige hundert verschossene Patronenhülsen, als Katt seinen Gästen eine neue Attraktion bot. In wenigen Minuten war ein Teil des Kasinosaales in eine Theaterbühne verwandelt, und herein spazierten zehn als katholische Geistliche verkleidete, in priesterliche Gewänder eingehüllte Gestalten. Ihr Anführer war als Bischof mit Mitra und Krummstab aufgeputzt. Im Lautsprecher ertönte nun ein Marsch, und im Takte dieser Musik begannnen diese ,, Geistlichen" auf der Bühne sich unzüchtig zu gebärden. Ein dröhnendes Gelächter war der Beifall. 29 Das zweite Bild gab eine Beichtszene in einem Kloster wieder. Ein dicker Mönch saß in einem Beichtstuhl, neben sich eine Kognakflasche, und hörte die Beichte eines als ein Mädchen zurechtgestutzten Spielers. Der Mönch erteilte der Beichtenden die Lossprechung und gab ihr die Buße auf. Da sie eine große Sünderin sei und viel gegen das sechste Gebot gesündigt habe, so donnerte nun der fette Pater los, müsse er ihr die durch die Sünde entweihten Körperteile wieder heiligen. Er zog die noch Kniende auf einen neben dem Beichtstuhl stehenden Divan, schlug ihr den Rock zurück und besprengte sie mit dem Inhalt einer Kognakflasche. Wieder ertönte frenetischer Beifall, und nach einer kurzen Pause ging das dritte Bild über die Bretter. Eine Gruppe SS- Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett führte in ihrer Mitte mehrere Männer, die als des Reiches Feinde kenntlich gemacht waren. Ein Priester in rotem Meßgewand stellte die katholische Kirche als des Reiches Feind Nr. 1 dar. Neben ihm schritt in schwarzem Talar ein Pastor, der die Bekenntniskirche symbolisierte. Es folgte ihnen ein Bibelforscher, ein Kommunist, auf dessen Rock Sichel und Hammmer in roter Farbe gemalt waren, ein Freimaurer mit seinen Insignien und mehrere Juden mit krummen Pappnasen. Ein Wegweiser zeigte auf seinem Arm die Inschrift: Nach KAEL- BU. Mitternacht war längst vorüber, und in der Villa war ein Teil der Gäste sinnlos betrunken. Während einige von ihnen in den Polstersesseln zu schnarchen begannen, saßen andere in der Bar und jagten schwere Weine und Sekt durch die Kehle. Die Sache begann langsam langweilig zu werden, und das sah auch der Gastgeber. Er liebte aber alles, nur keine Langeweile. Hatte er auch viel getrunken, so zeigte sein Gesicht doch keine Spuren von Müdigkeit, und wer ihn sah, der mußte an eine Raubkatze denken, die bereit ist, mit ihren Pranken das ausersehene Opfer erbarmungslos zu zerschmettern. Und dieses Opfer sollte bald gefunden werden, denn urplötzlich gellte im hohen Ton die Sirene des Lagers. Die Nachtigallen in den Büschen vergaßen vor Schreck, ihre Liebeslieder weiter zu schlagen, und hinter einer Wolke verbarg sich der Mond. Aus den in den Blocks eingebauten Lautsprecher daß die im aufgescheuch Alarm! In d durch die N Auf der Menschenha sehenen Plat und die Ster bläulich- weil Amen var Kommandan Das Hing einen ensi räume und a zellen catal von einem Nacht ein T ganze Barad zur Verfügu Da aber die ebenfalls Ma über sich da grinsenden T keine andere und Wehmu Häftling zah die Tage un in sein Gesch appellen brin daß es noch Schmerzen in Mit sold erleuchtete Z 30 Lautsprechern ertönte unheilverkündend des Lagerführers Stimme, so daß die im bleiernen Schlaf liegenden Gefangenen gleich einem Schwarm aufgescheuchter Vögel erschrocken in die Höhe schnellten. ‚Alarm! Alarm! In drei Minuten steht alles auf dem Appellplatz!“ dröhnte es durch die Nacht. Auf der breiten Lagerstraße wälzten sich nun die zebragestreiften Menschenhaufen und nahmen auf den für die einzelnen Blocks vorge- sehenen Plätzen Aufstellung. In ihrer Mitte schleppten sie die Kranken und die Sterbenden und starrten mit verschlafenen Augen in das grelle, bläulich-weiße Scheinwerferlicht, das sie wie der Tod mit knöchernen Armen vor ein Tribunal zu zerren schien. Das Tribunal war hier der Kommandant mit seinen bezechten Genossen. Das Eingangstor zu KA-EL-BU besteht aus einem Durchbruch in einem einstöckigen Bau, der auf der einen Seite mehrere Verwaltungs- räume und auf der anderen Seite ein halbes Dutzend Straf- und Folter- zellen enthält. Der niedrige Bau wird von einem Turm gekrönt, welcher von einem Laufgang umgeben ist. Auf diesem patrouilliert Tag und Nacht ein Wachtposten, der von seiner beherrschenden Höhe aus die ganze Barackenstadt übersieht. Ein Maschinengewehr steht dem Posten zur Verfügung, mit dem allein sich ein großes Blutbad anrichten ließe. Da aber die anderen Wachtürme an dem elektrisch geladenen Lagerzaun ebenfalls Maschinengewehre aufweisen, so sehen die Gefangenen wohl über sich den Himmel der Freiheit, um sich aber den sie höhnisch an- grinsenden Tod. Der Turm am Eingangstor besitzt auch eine Uhr, und keine andere Uhr auf diesem Erdenrund wird mit so viel Sehnsucht und Wehmut angeschaut und angestarrt wie diese. Der eingelieferte Häftling zählt zuerst die Stunden seiner Verdammnis, dann nur noch die Tage und die Wochen, um sich endlich wie ein gebändigtes Tier in sein Geschick zu fügen. Doch bei den endlosen Morgen- und Abend- ıppellen bringt diese Uhr ihnen allen immer wieder zum Bewußtsein, laß es noch eine Zeit gibt, die weiterrinnt trotz aller Marter und Schmerzen in KA-EL-BU. Mit solchen Gedanken schaute ich in dieser Nacht auf das hell- ‚rleuchtete Zifferblatt der Lageruhr, und 18000 Augenpaare mochten 31 wohl das Gleiche tun. Eine volle Stunde war seit unserem Antreten vergangen, ohne daß sich etwas besonderes ereignet hätte. Einige von uns begannen im Stehen zu schlafen, um sich wenigstens für die geraubte Nachtruhe etwas zu entschädigen. Die SS- Blockführer, die sonst bei den Appellen wie Wachhunde bei einer Schafherde um die angetretenen Menschenhaufen kreisten, zogen sich bei einem schrillen Pfiff vom Lagerplatz nach dem Tor zurück, wo der betrunkene Kommandant mit seinen Kumpanen stand. Mit heiserer Stimme schrie der Allgewaltige des Lagers in das vor ihm stehende Mikrophon: ,, Alles hinlegen, ihr Schweine, es gibt für euch die versprochene Zulage in Form von blauen Bohnen!" Unheimlich gellten diese Worte über den totenstillen Platz, als vom Turm ein Feuerstrahl aufblitzte. Tack, tack, tack hämmerte es, und dann ging das Tacken in ein rasend schnelles Belfern über. Todbringende MG- Salven fegten nun vom Turm über die Köpfe der Gefangenen, die mit keuchenden Lungen und schnellpochenden Herzen sich an den Erdboden preßten. Nur wenige Zentimeter über ihren kahlgeschorenen Köpfen sang der Tod, und als er sein Lied zu Ende gesungen, da hatte die Turmuhr einigen nicht tief genug Liegenden die letzte Stunde angezeigt. Es war dies die letzte Stunde eines qualvollen Lebens in einem irdischen Jammertal. Nach dieser Ouvertüre zu der nächtlichen Symphonie befahl uns der Kommandant aufzustehen. Das Maschinengewehr war still geworden, und die Bibelforscher und die Juden mußten gesondert ganz vorne am Tore antreten. Die Zeugen Jehovas sollten in einem Reiterkampfe ihre Kräfte mit denen der Juden messen. Die Siegerpartei sollte als Belohnung Zigaretten erhalten, während von den Unterlegenen jeder zehnte Mann auf dem gefürchteten Bocke ausgepeitscht werden sollte. Je 200 ausgesuchte Männer rannten nun gegeneinander an. Vorher wurde zu zweien abgezählt. Die Zahl eins war der Reiter, und die Zahl zwei stellte die Pferde. Die Menschen rangen verzweifelt miteinander, nicht wegen der versprochenen Zigaretten, sondern um dem Bock zu entgehen. Kommandant Katt aber hielt sich vor Lachen den Bauch und feuerte die Kämpfenden an: 32 ,, He mern ve über di stellten Der Ka bestand Körperk kamen, antreten ihrer z peitsche hinaus; weil sie der Ger Am tage an schlugen lionen e bruch, i Immer von der bruchs a Goldgräl noch jun den grün melsleite schluckt. den reif das Land Wasser die gelbl se- als es, 0d- Ge- zen ahl- ge- die llen „He, ihr jüdischen Mistböcke! Wollt ihr euch vor den Bibelwür- mern verkriechen?‘“ Und dann:„Auf, du Jehovabrut, lass’ deinen Gott über die Krummnasen siegen!“ So höhnte er, und einige Scharführer stellten die vom Pferde Herabgestürzten auf die Seite der Verlierer. Der Kampf war bald beendet, und verloren hatten die Juden. Diese bestanden aus Intellektuellen und Geschäftsleuten, die über weniger Körperkraft als ihre Gegner, die meist aus dem Handwerkerstande kamen, verfügten. Scharführer Bitzer ließ die Besiegten in einer Reihe antreten und dann abzählen. Jeder zehnte Mann mußte vortreten, und ihrer zwanzig wurden vor den Bock gebracht, wo sofort das Aus- peitschen begann. Die Gepeitschten schrien nach Hilfe in die Nacht hinaus; doch die Sterne am Himmel verloren deshalb nicht ihr Licht, weil sie leuchten müssen bis zu dem Tag, an welchem sich das Gesetz der Gerechtigkeit auf Erden erfüllen wird. vi. Am Südabhang der Bergstadt arbeiteten an einem heißen Sommer- tage an die 300 Bewohner von KA-EL-BU. Seit dem frühen Morgen schlugen sie ohne Pause ihre Picken in das Gestein, das vor Jahrmil- lionen entstanden sein mochte. Jetzt war an dieser Stelle ein Stein- bruch, in dem die Menschen wie ein Heer von Ameisen krabbelten. Immer tiefer fraßen sie sich in den Boden hinein, und was sie von dem Gestein losbrachen, das häuften sie am Rande des Stein- bruchs auf. Sie gingen mit einem Eifer an die Arbeit, als wären sie Goldgräber, die schnell reich werden wollten. Am Morgen, da der Tag noch jung und schön war, hatten viele Tausende von Tautropfen an den grünen Gräsern geblitzt, aber dann war die Sonne auf ihrer Him- melsleiter immer höher geklettert und hatte die Tauperlen alle ge- schluckt. Die Lerchen hatten das Singen eingestellt und hockten in den reifenden Getreidefeldern. Ein heißer Gluthauch legte sich über das Land, und unter der sengenden Sonne lechzte die Kreatur nach Wasser und Erquickung. In dem Steinbruch herrschte Backofenglut, und die gelblichen Steine strahlten Hitze, Trockenheit und Durst aus. Gau- 33 men und Zunge der Häftlinge waren vom Staub und der heißen Luft ausgedörrt, und wie im Fieberwahn dachten sie nur an Wasser. Die aufgerissenen Hände schmerzten und brannten, und der Rücken war eine wahre Zentrale der Schmerzen. Mitten unter den Arbeitern stand der grüne Capo Otto; seine fleischige Rechte umfaßte einen dicken Eichenstock. In dem brutalen Vollmondgesicht saßen ein Paar Schweinsaugen, denen das geringste Sichausruhen der Gefangenen nicht entging. Seine vier Hilfscapos waren ihm treuergebene Knechte und bestrebt, ihre Stellung als Henker um jeden Preis zu halten. In einer Ecke des Steinbruchs arbeitete eine Gruppe politischer Gefangener, unter denen sich mehrere Priester befanden. Ihr Arbeitsplatz konnte wegen eines vorspringenden Felsblocks von dem brutalen Capo nicht eingesehen werden, und auch die SS- Posten von der dicht am Steinbruch vorbeilaufenden Postenkette konnten den tiefliegenden Arbeitsplatz schlecht übersehen. Diese Gruppe arbeitete deshalb mehr mit den Augen als mit den Händen, also nur dann, wenn Capo oder SS sich zeigten. ,, Ihr wollt mir wohl Lampen drehen", schrie immer der Capo in seiner Zuchthaussprache, und sobald er in Wut geriet, prügelte er seine Opfer, wie früher die Knechte auf den Rittergütern in Ostelbien die Ochsen schlugen. In der Gruppe war auch der ehemalige rote Landtagsabgeordnete Karl zu sehen und unterhielt sich mit zwei Geistlichen über Marxismus und Theologie. Sie waren in ihr Gespräch so vertieft, daß keiner von ihnen rechtzeitig bemerkte, wie leise und behutsam einer der SS- Posten an den Rand des Steinbruch getreten war und die debattierende Gruppe musterte. Er schrie und schimpfte nicht, sondern ließ einen von den erwischten Faulenzern aus dem Loch heraustreten. Es war dies der Vikar Viktor, ein junger, großer Mensch, der erst vor wenigen Wochen ins Lager gekommen war. Nun stand er vor dem Posten, und wortlos maßen sich die beiden mit ihren Augen. Das ganze Kommando hörte mit der Arbeit auf und hielt ob der kommenden Dinge den Atem an. Es wollte bewußt Zeuge sein, wenn einer der Seinen mit Mut und Gottvertrauen dem Schicksal entgegen ging. Wie zwei feindliche Welten standen sich der junge Gottesmann und der ebenso bewaffn Priester Soldat hinter hinter ,, H Prieste fortges feuerte der for ein Mä dem ro .worden wer wo sondern War ganze A niederge paar tro und Ho meinem nach ob Fragen Seele fin sich nebe ,, Ein wurf. De schütteln ihn befre mich, ent lass' mich Erretter hoch erhe 34 har del . ebenso junge Soldat des Dritten Reiches gegenüber. Sie waren beide bewaffnet. Der Soldat mit einem schußbereiten Karabiner und der Priester mit dem Schwerte des Glaubens. Mit einem Griffe hatte der Soldat dem Priester seine Mütze vom Kopfe gerissen und warf diese hinter sich. Wie eine Diskusscheibe flog die runde Kopfbedeckung hinter die Postenkette und lag nun zwischen blühendem Klatschmohn. „Holen Sie sofort Ihre Mütze!“ befahl nun der SS-Mann, und der Priester ging. Eilig durchmaß er die zehn Schritte, die ihn von der fortgeschleuderten Mütze trennten. Aber noch eiliger war die abge- feuerte Kugel aus des Postens Karabiner, die den Kopf des sich nach der fortgeworfenen Mütze Bückenden zerschmetterte. Da lag er nun, ein Märtyrer des Glaubens, und sein Blut färbte rot die Gräser zwischen dem rotblühenden Mohn. Er war ja auf der Flucht mit Recht erschossen worden, denn sein entseelter Körper lag hinter der Postenkette. Und wer wollte etwas anderes behaupten und sagen, daß dies keine Flucht, sondern Mord, nur Mord war? Wohl keiner! War der Tod allen Gefangenen ein täglicher Gast, so war das ganze Arbeitskommando über diesen Mord doch tief erschüttert und niedergeschlagen. In der halbstündigen Mittagspause würgte ich ein paar trockene Bissen Brot hinunter, und eine unendliche Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit faßte mit kalter, beklemmender Hand nad meinem Herzen. Ich lag im Grase und starrte mit tränenerfüllten Augen nach oben, als wollte ich dort eine Antwort auf das Schreien und Fragen meiner in Qualen des Leides und der Zweifel sich windenden Seele finden. Und der Himmel gab sie mir durch den Kameraden, der sich neben mir in das Gras setzte und zu beten begann: „Ein Wurm bin ich, kein Mensch; der Leute Spott, des Volkes Aus- wurf. Denn alle, die mich sehen, höhnen mich, sie lästern mich und schütteln ihren Kopf. ‚Er hat doch auf den Herrn vertraut; der mag ihn befreien!‘ Erbarme dich meiner, Herr, ich bin bedrängt. Befreie mich, entreiße mich den Händen meiner Feinde und Verfolger. Herr, lass’ mich nicht zuschanden werden, ich rufe zu dir! O Herr, du mein Erretter vor der Wut der Heiden, du wirst mich über meine Gegner hoch erheben, vom ungerechten Mann mich befreien!“ 35 Aus der Ferne schallte Glockengeläute an mein Ohr. Jetzt erst erinnerte ich mich, daß es Sonntag war. Sonntag in der Verbannung! Sonntag in den Händen dieser gefühllosen, rohen Menschen! O mein Gott, wie schwer lastet doch deine Hand auf uns! Und ich vermochte nicht mehr der salzigen Flut zu wehren, die mir aus den Augen über die verbrannten Wangen hinabrann. Wir waren im Exil, im Reich der Schlange. An den Flüssen Babylons saßen sie und weinten. IX. Auf der betonierten Lagerstraße bei den Kasernen der Bewachungstruppe dröhnte der Paradeschritt eines Bataillons. Ein Bataillon Totenkopf- SS war nach blutig getaner Arbeit aus Polen heimgekehrt. Sieg schmetterten die Trompeten, und Sieg dröhnten die Pauken. Die Schlange des finsteren Reiches hielt eine Heerschau über ihr Gefolge in der Bergstadt KA- EL- BU. Das Deutsche Reich hatte der trägen Welt den Krieg erklärt, und bald würden ungezählte Scharen aus fernen, fremden Landen nach der Stadt des Todes kommen. Die Schlange begann sich ihre Opfer vom Aufgang bis zum Niedergang der Sonne zu holen. Die Zeugen Jehovas hatten dies schon lange vorausgesagt und davon gesprochen, daß das Tier*) bald die ganze Welt verschlingen werde. An diese Prophezeiung dachte ich, als die Bajonette in der Herbstsonne defilierten und die wachsende Macht der Schlange uns, den Unterjochten, sichtbar ward. Karl, der Kommunist, der an diesem Morgen mit mir einen schweren Baumstamm abschleppte, mochte meine Gedanken wohl erraten haben und sagte: ,, Franz! Lass' den Kopf nicht hängen! Im Osten haben sie ihren ersten Sieg errungen, und im Osten werden sie auch zerschmettert werden. Die Bibelforscher werden nicht Recht behalten, denn sie wissen nicht, daß der Rote Stern das Hakenkreuz bald zertrümmern wird." ,, Nein, Karl", entgegnete ich ,,, nur im Kreuze Christi ist das Heil der Menschheit beschlossen, die es erkennen wird, daß im Reiche der *) Aus der Geh. Offenb. 36 hakenkreu Heilige ga den, in de ist dem R gegangen. und ersehn zelt. KA- E eine Ange Erbsünde Hölle gibt Ministerpo neue Zeit Übel seine Du m tum in de zustellen, des ganzen Jahrhunder ist aber im dieser Heil es dem Ma seinen rev bereit sind sen sie mi Kirche auch näherung schauungen rend der Guillotine gottlosen uns", fuhr müssen wi Überraschu verrecken T- g! in te mer er gseneg Die ge Welt en, bezu and gen der ins, eren ben sie tert wisd." Heil der hakenkreuzgezeichneten Schlange es nicht nur Henker, sondern auch Heilige gab. Die Gerechtigkeit ist in allen Jahrhunderten verfolgt worden, in dem einen mehr und in dem anderen etwas weniger. Die Macht ist dem Recht noch bei allen Völkern und zu allen Zeiten vorangegangen. Die Freiheit, von der wir hier oft sprechen, die wir meinen und ersehnen, führt ihren Reigen für die Menschheit nur am Sternenzelt. KA- EL- BU ist für mich nicht nur eine politische, sondern noch mehr eine Angelegenheit der Religion, die mir ohne den Glauben an die Erbsünde ein Rätsel wäre. Wenn es einmal eine Befreiung aus dieser Hölle gibt, so werden die wenigsten von hier Stern, Ordensband oder Ministerposten als Anerkennung erhalten. Ich glaube sogar, daß eine neue Zeit ebenso intolerant sein wird wie die heutige, und daß dieses Übel seine Wurzel in der Entfremdung vom Christentum hat." ,, Du magst nicht unrecht haben mit der Ansicht, daß das Christentum in der Lage sei, das Gleichgewicht in der Menschheit wiederherzustellen, und ich übersehe keineswegs seine Verdienste um die Kultur des ganzen Abendlandes. Das Urchristentum der ersten drei bis vier Jahrhunderte war in der Tat sozial, ja revoulutionär eingestellt. Nun ist aber im Laufe der Jahrtausende das urspünglich erfrischende Wasser dieser Heilslehre abgestanden und fade geworden, und ich glaube, daß es dem Marxismus einmal ebenso ergehen wird. Jetzt hat er aber noch seinen revolutionären Schwung, und solange die Wohlhabenden nicht bereit sind, freiwillig mit den Nichtbesitzenden zu teilen, solange müssen sie mit Gewalt dazu angehalten werden. Ich glaube, daß das die Kirche auch einsehen wird und daß es früher oder später zu einer Annäherung und sogar Versöhnung dieser beiden mächtigsten Weltanschauungen kommen wird. Bei den Klängen der Marseillaise sind während der französischen Revolution die gesalbten Köpfe unter der Guillotine gerollt, und heute wird die gleiche Marseillaise der damaligen gottlosen Jakobiner bei Staatsakten in Notre Dame gespielt. Aber für uns", fuhr Karl fort ,,, ist das alles gegenwärtig nur Theorie. Zuerst müssen wir hier herauskommen, denn KA- EL- BU wird noch manche Überraschung bringen. Die meisten von uns werden wie Ungeziefer verrecken und niemals die Freiheit wiedersehen. Deshalb habe ich be37 schlossen, auf eigene Faust zu handeln, und es ist bedauerlich, daß du nicht mit uns mitmachen willst.“ „Das ist für mich, Karl, unmöglich, weil ich Angehörige habe, die für meine Flucht büßen müßten. Du und dein Genosse Kurt, ihr braucht auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Möge euch der Himmel behilflich sein und euch die Flucht gelingen lassen!“ X. Sieben Wochen waren seit jenem Herbsttage vergangen, an dem mich Karl für die Flucht zu gewinnen suchte. Der milde Herbst hatte einem strengen Winter Platz gemacht, und das Thermometer sank zwischen den Baracken auf unter 20 Grad minus. Karl und sein Ge- nosse Kurt hatten die Flucht gründlich vorbereitet. Sie arbeiteten am Tage als Maurer an einem riesigen Garagenbau der SS außerhalb des eigentlichen Lagers und versteckten sich in dem aus Dutzenden von Hallen und Kammern bestehenden Bau, als ihre Arbeitskolonne am Abend ins Lager einrückte. In einer dieser kleinen Kammern mauerten sich die beiden von innen vollkommen ein, so daß auch die angesetzten Spürhunde des Suchkommandos die Verborgenen nicht finden konnten. In den Reihen der Bewachungsmannschaft fand Karl einen Mann, der ihm Zivilanzüge, Proviant und sogar Schußwaffen besorgte. Auch über ein Fläschchen mit Zyankali für den Fall des Mißlingens der Flucht verfügten die zwei. Sollte alles in die Brüche gehen, dann sollte das Fläschchen sie vor einem schmachvollen Tode am Lagergalgen bewahren, und keine Folter am Baum oder in der Zelle konnte sie dann mehr zum Sprechen bringen, wer ihnen zur Flucht verholfen hatte. Der Helfer hatte sich allerdings seine Dienste gut bezahlen lassen; denn 32 000 Mark waren gewiß kein Pappenstiel. Dieses Geld war von politischen Freunden seines Blocks bei jüdischen Häftlingen gesammelt worden, die im Herbst 1938 in Massen nach KA-EL-BU gebracht worden waren. Diese Massen, es waren über 12 000 Mann, waren von der Lagerleitung nicht genau untersucht worden, so daß viel unkontrolliertes Geld nach KA-EL-BU hereingekommen war. Von diesem Gelde stammten die 32000 Mark, die nun Karl und Kurt die Freiheit wiedergeben sollten. 38 ri ver 208 [3 ile Na lan ein sta ne Ar der ha N Id sie ein gal üb un Volle drei Tage verhielten sich die beiden totenstill in ihrem dunklen Bau. Nach dreimal 24 Stunden mußte die Postenkette, die bei Fluchtversuchen der Gefangenen auf Befehl des Kommandanten nicht eingezogen werden durfte, abgerückt sein. Karl und Kurt warteten, bis es Nacht geworden war, und gingen dann den Berg hinunter. Die illegale Leitung der KPD des Landes nahm die zwei noch in der gleichen Nacht auf und verbarg sie bei Freunden. Während es Karl später gelang, über die Grenze nach der Schweiz zu entkommen, fiel Kurt bei einem Kugelwechsel mit SD- Leuten in Leipzig, die ihn in der Pleißestadt aufgespürt hatten, als er dort die unterirdischen Fäden für ein neues antifaschistisches Leben mit Erfolg zu ziehen begann. An jenem Abend, als Karl und Kurt verschwunden waren, schäumte der Oberhenker in KA- EL- BU vor Wut und ließ 26 000 Menschen, denn soviel hatte die Schlange inzwischen versammelt, in der strengen Kälte stehen. Am anderen Morgen standen 50 Särge am Tor. In diesen halbgeöffneten, schwarzen Kisten lagen die Toten einer einzigen Nacht. Fünfzig hatten ihr Leben lassen müssen, damit zwei fliehen konnten. Gesenkten Hauptes zogen die Kolonnen an den Särgen zur Arbeit vorbei. An den Särgen lagen keine Kränze, leuchteten keine Kerzen, und kein Priester sprach ein Gebet. Es waren dies die Särge der Verfluchten dieser Welt, die das Reich der Finsternis gemordet hatte, weil sie die Kinder des Lichtes waren. Ich schaute nach den Särgen hin, und ein Schauer der Ehrfurcht durchlief meinen Körper. Ich sah nun die Gebeine von fünfzig Heiligen, und die Mauer, an der sie standen, ward mir zum Altar, an dem im scharlachroten Gewande ein Priester das Opfer der Heiligen unserer Tage feierte. Nachdem ich zwei Jahre in der Gewalt der Schlange gewesen war, gab sie mich wieder frei. Wer mit List kämpft, kann nur durch List überwunden werden, und ich stellte mich so, als wäre ich dieser Schlange untertan. Sie gab mir mein Bürgerkleid zurück, damit ich es eintausche gegen das Kleid des Krieges und helfe, ihr Reich zu vergrößern. Ich aber will mich rächen an den Henkern im Dienste der Schlange und will gerechte Rache üben für die Toten von KA- EL- BU, die Heiligen unserer Tage. 39